{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-st-2025.pdf","jurisdiction":"Sachsen-Anhalt","num_pages":174,"pages":["","Inhalt VERFASSUNGSSCHUTZ IN SACHSEN-ANHALT ............................................................... 4 GESETZLICHE GRUNDLAGEN UND FUNKTION ............................................................ 5 SCHWERPUNKTAUFGABEN............................................................................................ 6 ARBEITSWEISE ............................................................................................................... 11 ORGANISATION DER VERFASSUNGSSCHUTZBEH\u00d6RDE ...........................................12 KONTROLLE DER VERFASSUNGSSCHUTZBEH\u00d6RDE ................................................12 \u00d6FFENTLICHKEITSARBEIT UND PR\u00c4VENTION ............................................................13 EXTRA - EXTREMISMUS-AUSSTIEG .............................................................................16 AUSKUNFTSERTEILUNG ................................................................................................16 REDAKTIONELLE HINWEISE ..........................................................................................17 RECHTSEXTREMISMUS ....................................................................................................19 EINLEITUNG ....................................................................................................................20 RECHTSEXTREMISTISCHES PARTEIENSPEKTRUM....................................................24 \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) ................................................................................24 Landesverband Sachsen-Anhalt....................................................................................24 \"Die Heimat\" - ehemals \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) ..............33 \"Der III. Weg\" (III. Weg) .................................................................................................38 PARTEIUNGEBUNDENER, VORNEHMLICH NEONAZISTISCH .....................................44 GEPR\u00c4GTER RECHTSEXTREMISMUS ..........................................................................44 WEITGEHEND UNSTRUKTURIERTES RECHTSEXTREMISTISCHES PERSONENPOTENZIAL ..................................................................................................53 NEUE RECHTE ................................................................................................................69 \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD) .....................................................................69 \"Verein f\u00fcr Staatspolitik e. V.\", firmiert unter \"Institut f\u00fcr Staatspolitik\" (IfS) / Aufgel\u00f6stes und neustrukturiertes IfS ............................................................................74 \"REICHSB\u00dcRGER\" UND \"SELBSTVERWALTER\" ............................................................79 EINLEITUNG ....................................................................................................................80 REICHSB\u00dcRGERSZENE .................................................................................................81 WEITERE EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN ..............................................................87 Weitere extremistische Bestrebungen ...............................................................................88 LINKSEXTREMISMUS ........................................................................................................90 EINLEITUNG ....................................................................................................................91 GEWALTORIENTIERTE LINKSEXTREMISTEN ...............................................................93 NICHT GEWALTORIENTIERTE LINKSEXTREMISTEN ................................................. 111 \"Rote Hilfe e. V.\" (RH) .................................................................................................. 111 Freie Arbeiter*innen-Union (FAU) ................................................................................ 114 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland\" (MLPD) .............................................. 117 2","\"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) ................................................................... 119 ISLAMISMUS .....................................................................................................................121 EINLEITUNG ..................................................................................................................122 SALAFISMUS .................................................................................................................125 \"GEMEINSCHAFT DER VERK\u00dcNDIGUNG DER MISSION\" ..........................................130 (URDU: \"TABLIGHI JAMA'AT\", TJ) .................................................................................130 MUSLIMBRUDERSCHAFT (MB) / \"DEUTSCHE MUSLIMISCHE GEMEINSCHAFT E. V.\" (DMG), EHEMALS \"ISLAMISCHE GEMEINSCHAFT IN DEUTSCHLAND E. V.\" (IGD) / HAMAS ...........................................................................................................................132 AUSLANDSBEZOGENER EXTREMISMUS ......................................................................135 EINLEITUNG ..................................................................................................................136 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (kurdisch: Partiya Karkeren Kurdistan, PKK).........................137 \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (t\u00fcrkisch: \"Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti\", MLKP) ..................................................................................................................145 SPIONAGEABWEHR ........................................................................................................150 EINLEITUNG ..................................................................................................................151 NACHRICHTENDIENSTE DER RUSSISCHEN F\u00d6DERATION ......................................152 CHINESISCHE NACHRICHTENDIENSTE .....................................................................154 NACHRICHTENDIENSTE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN .................................156 ANDERE NACHRICHTENDIENSTE ...............................................................................157 HYBRIDE BEDROHUNGEN ...........................................................................................158 SABOTAGE ....................................................................................................................161 CYBERABWEHR ............................................................................................................162 WIRTSCHAFTSSCHUTZ................................................................................................164 PROLIFERATIONSABWEHR .........................................................................................166 GEHEIMSCHUTZ ...............................................................................................................168 ANHANG ...........................................................................................................................171 STATISTIK ......................................................................................................................172 BILDNACHWEIS ............................................................................................................173 3","VERFASSUNGSSCHUTZ IN SACHSEN-ANHALT","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt GESETZLICHE GRUNDLAGEN UND FUNKTION Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung; sie soll den Bestand und die Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder gew\u00e4hrleisten. Die Aufgaben des Verfassungsschutzes nimmt in unserem Bundesland das Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt als Verfassungsschutzbeh\u00f6rde wahr. Der Verfassungsschutz informiert im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags die Landesregierung und andere Stellen. Diese sollen dadurch in die Lage versetzt werden, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen ergreifen zu k\u00f6nnen. Ebenso unterrichtet er die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber seine Aufgabenfelder (SS 1 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt; nachfolgend: VerfSchG-LSA). Sie bestehen in der Sammlung und Auswertung von Informationen, insbesondere von sachund personenbezogenen Ausk\u00fcnften, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben, 2. fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, insbesondere des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit oder des Amtes f\u00fcr Nationale Sicherheit, im Sinne der SSSS 94 bis 99, 129 und 129a des Strafgesetzbuches (StGB), 3. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht im Geltungsbereich des Grundgesetzes (GG), 4. Bestrebungen im Geltungsbereich des GG, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, 5. Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs. 2 GG), insbesondere das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 GG) gerichtet sind. Unter Bestrebungen im verfassungsschutzrechtlichen Sinn sind politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen in oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss zu verstehen, die sich gegen die zuvor unter den Nummern 1., 4. und 5. genannten Schutzg\u00fcter richten. Ein Personenzusammenschluss besteht aus mehreren, gemeinsam handelnden Personen. Verhaltensweisen von Einzelpersonen, die nicht in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss handeln, gelten nur als Bestrebung und werden vom Verfassungsschutz beobachtet, wenn sie auf die Anwendung von Gewalt gerichtet sind oder aufgrund ihrer Wirkungsweise geeignet sind, ein Schutzgut des VerfSchG-LSA erheblich zu 5","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt besch\u00e4digen (SS 5 Abs. 1 VerfSchG-LSA).1 Voraussetzung f\u00fcr das Sammeln und Auswerten von Informationen ist das Vorliegen tats\u00e4chlicher Anhaltspunkte f\u00fcr vorstehend genannte Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten. F\u00fcr das Handeln der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist es nicht erforderlich, dass eine konkrete Gefahr besteht oder eine begangene Straftat vorliegt. Der Verfassungsschutz wird bereits im Vorfeld konkreter Gefahren oder Straftaten t\u00e4tig. Insbesondere darin kommt auch die Fr\u00fchwarnfunktion des Verfassungsschutzes zum Ausdruck. SCHWERPUNKTAUFGABEN Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung Eine Schwerpunktaufgabe des Verfassungsschutzes besteht nach SS 4 Abs. 1 VerfSchG-LSA im Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, mithin dem Schutz der nicht zur Disposition stehenden Grundprinzipien des Grundgesetzes. In seinem Urteil vom 17. Januar 2017 - 2 BvB 1/13 - f\u00fchrt das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) aus, dass der Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne von Art. 21 Abs. 2 GG jene zentralen Grundprinzipien umfasst, die f\u00fcr den freiheitlichen Verfassungsstaat schlechthin unentbehrlich sind. Dies sind: Freiheitliche demokratische Grundordnung Prinzip der Demokratieprinzip Rechtsstaatsprinzip Menschenw\u00fcrde (Art. 20 Abs. 1 u. 2 GG) (Art. 20 Abs. 3 GG) (Art. 1 Abs. 1 GG) Sie umfasst \"insbesondere Es umfasst das \"Recht der Damit ist \"die Bindung und die Wahrung personaler B\u00fcrger, in Freiheit und Begrenzung \u00f6ffentlicher Individualit\u00e4t, Identit\u00e4t und Gleichheit durch Wahlen und Gewalt zum Schutz Integrit\u00e4t sowie die Abstimmungen die sie individueller Freiheit\" elementare betreffende \u00f6ffentliche gemeint, die das Rechtsgleichheit\" (BVerfGE Gewalt personell und Gewaltmonopol des Staates 144, 20 [Rn. 539]). sachlich zu bestimmen\", die voraussetzt (BVerfGE 144, \"M\u00f6glichkeit 20 [Rn. 547]). gleichberechtigter Teilnahme aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger am Prozess der politischen Willensbildung\" und die \"R\u00fcckbindung der Aus\u00fcbung der Staatsgewalt an das Volk\" (BVerfGE 144, 20 [Rn. 542f.]) 1 Nach der neuen, seit dem 1. Januar 2026 geltenden Fassung des SS 5 Abs. 1 VerfSchG-LSA gelten Verhaltensweisen von Einzelpersonen, die nicht in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss handeln, als Bestrebungen, wenn sie darauf gerichtet sind, die oben (in den Nummern 1 bis 5) genannten Ziele zu verwirklichen. 6","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Ihren Ausgangspunkt findet die freiheitliche demokratische Grundordnung in der W\u00fcrde des Menschen (Art. 1 Abs. 1 GG). Die Garantie der Menschenw\u00fcrde umfasst insbesondere die Wahrung personaler Individualit\u00e4t, Identit\u00e4t und Integrit\u00e4t sowie die elementare Rechtsgleichheit. Ferner ist das Demokratieprinzip konstitutiver Bestandteil der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Unverzichtbar f\u00fcr ein demokratisches System sind die M\u00f6glichkeit gleichberechtigter Teilnahme aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger am Prozess der politischen Willensbildung und die R\u00fcckbindung der Aus\u00fcbung der Staatsgewalt an das Volk (Art. 20 Abs. 1 und 2 GG). F\u00fcr den Begriff der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sind schlie\u00dflich die im Rechtsstaatsprinzip wurzelnde Rechtsbindung der \u00f6ffentlichen Gewalt (Art. 20 Abs. 3 GG) und die Kontrolle dieser Bindung durch unabh\u00e4ngige Gerichte bestimmend. Zugleich erfordert die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit des Einzelnen, dass die Anwendung physischer Gewalt den an das Recht gebundenen und gerichtlicher Kontrolle unterliegenden staatlichen Organen vorbehalten ist. Dem entspricht die gesetzliche Aufz\u00e4hlung der Elemente der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in SS 5 Abs. 2 VerfSchG-LSA, erg\u00e4nzt um den Verweis auf die in der Landesverfassung konkretisierten Menschenrechte. Spionageabwehr Die Spionageabwehr ist nach SS 4 Abs. 1 Nr. 3 VerfSchG-LSA Aufgabe der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Sie besch\u00e4ftigt sich mit der Aufkl\u00e4rung, Abwehr und Verhinderung von Spionageaktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste. Ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt des Verfassungsschutzes ist die Beobachtung von Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Dazu geh\u00f6ren in erster Linie gewaltbereite extremistische Gruppen mit Auslandsbezug, die von unserem Staatsgebiet aus gewaltsame Aktionen planen und vorbereiten, um die politischen Verh\u00e4ltnisse im Ausland, vordringlich in ihrem Herkunftsland, gewaltsam zu ver\u00e4ndern und dadurch die staatlichen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu den betroffenen Staaten beeintr\u00e4chtigen (SS 4 Abs. 1 Nr. 4 VerfSchG-LSA). Sofern sich Bestrebungen gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker richten, unterliegen diese ebenfalls der Beobachtung durch den Verfassungsschutz (SS 4 Abs. 1 Nr. 5 VerfSchG-LSA). Davon erfasst sind Personenzusammenschl\u00fcsse, die darauf abzielen, konfessionelle oder ethnische Gruppen im Ausland zu bek\u00e4mpfen. Mitwirkungsaufgaben Zu den weniger bekannten Aufgaben des Verfassungsschutzes z\u00e4hlt der Bereich der Mitwirkung: Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gibt Erkenntnisse an andere Stellen weiter und unterst\u00fctzt diese damit bei ihren Entscheidungen nach den jeweiligen Fachgesetzen. Dabei werden bereits vorliegende oder aus Anlass des Mitwirkungsersuchens gewonnene Erkenntnisse an die anfragende Beh\u00f6rde \u00fcbermittelt. Die als Mitwirkungsaufgaben bezeichneten \u00dcberpr\u00fcfungen durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sind damit ein integraler 7","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Bestandteil der Sicherheitsarchitektur und finden ihre rechtliche Grundlage in SS 3 Abs. 2 des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BVerfSchG) in Verbindung mit SS 4 Abs. 2 Nr. 1 VerfSchG-LSA sowie den entsprechenden Fachgesetzen. Zweck der \u00dcberpr\u00fcfungen ist es, festzustellen, ob aufgrund nachrichtendienstlicher Erkenntnisse sicherheitsrelevante Tatsachen vorliegen, die u. a. der Zuverl\u00e4ssigkeit einer Person, der Gew\u00e4hrung einer Erlaubnis, eines Aufenthaltstitels oder einer Einb\u00fcrgerung entgegenstehen. Dabei ist die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften dazu verpflichtet, den ersuchenden Beh\u00f6rden Auskunft zu erteilen. Die Bewertung der \u00fcbermittelten Ergebnisse obliegt jedoch allein der jeweils anfragenden Beh\u00f6rde. In einzelnen Bereichen, etwa in Anfragen nach dem Aufenthaltsgesetz, teilt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde dennoch ihre rechtliche Auffassung in einem Votum an die ersuchende Beh\u00f6rde mit. Mitwirkungsaufgaben finden sich in einer Vielzahl von Gesetzen, etwa im: - Waffengesetz (WaffG), - Aufenthaltsgesetz (AufenthG), - Staatsangeh\u00f6rigkeitsgesetz (StAG), - Luftsicherheitsgesetz (LuftSiG), - Sprengstoffgesetz (SprengG), - Atomgesetz (AtomG) sowie der - Gewerbeordnung (GewO). Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen Den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil der Mitwirkungsaufgaben machen die sogenannten Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen aus, bei denen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Rahmen eines Erlaubnisverfahrens auf Anfrage hin mitteilt, ob bei ihr Erkenntnisse vorliegen, die gegen eine nach dem Fachgesetz normierte Zuverl\u00e4ssigkeit des Antragstellers sprechen. Mit der Regelanfrage der Waffenbeh\u00f6rde nach SS 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 WaffG erfolgt im Rahmen der Beantragung waffenrechtlicher Erlaubnisse eine verpflichtende Anfrage bei der zust\u00e4ndigen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Das Ziel ist es dabei, Extremisten den legalen Zugriff auf erlaubnispflichtige Waffen und Munition zu erschweren. Auch nach SS 8a Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 SprengG wird die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde regelm\u00e4\u00dfig um ihre Mitwirkung gebeten. Nach SS 8a Abs. 2 Nr. 3 SprengG besitzen danach Personen die erforderliche Zuverl\u00e4ssigkeit in der Regel nicht, die als Einzelpersonen oder Mitglieder einer Vereinigung Bestrebungen gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung verfolgen, verfolgt haben oder entsprechend unterst\u00fctzend t\u00e4tig geworden sind. Nach SS 34a GewO unterliegen auch Personen, die ein Bewachungsgewerbe betreiben oder in diesem t\u00e4tig sind, einer Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfung. Sowohl f\u00fcr den Gewerbetreibenden sowie f\u00fcr die mit der Leitung eines Betriebes oder einer Zweigniederlassung beauftragten Person als auch f\u00fcr Wachpersonal, das bei der Bewachung von Aufnahmeeinrichtungen und 8","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt zugangsgesch\u00fctzten Gro\u00dfveranstaltungen eingesetzt werden soll, ist die Mitwirkung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gesetzlich vorgeschrieben. Erteilung von Aufenthaltstiteln und Einb\u00fcrgerungen Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde wirkt nach SS 73 Abs. 3 AufenthG ferner bei der erstmaligen Erteilung oder der Verl\u00e4ngerung von Aufenthaltstiteln mit. Zu diesem Zweck \u00fcbermittelt sie den Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden auf Anfrage Erkenntnisse, um festzustellen, ob Versagungsgr\u00fcnde vorliegen (SS 73 Abs. 2 AufenthG). \u00dcbermittelt die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde die G\u00fcltigkeitsdauer des erteilten Aufenthaltstitels entsteht eine Nachberichtspflicht, nach der die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ungefragt und unverz\u00fcglich mitzuteilen hat, wenn nachtr\u00e4glich Versagungsgr\u00fcnde nach SS 5 Abs. 4 AufenthG oder sonstige Sicherheitsbedenken bekannt werden. Hierbei geht der Gesetzgeber davon aus, dass ein Ausweisungsinteresse besonders schwer wiegt, wenn der Ausl\u00e4nder die freiheitliche demokratische Grundordnung oder die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrdet. Zur \u00dcbermittlung von Ausschlussgr\u00fcnden im Sinne des SS 11 StAG \u00fcbermitteln die Einb\u00fcrgerungsbeh\u00f6rden nach SS 37 Abs. 2 StAG vor ihrer Entscheidung die personenbezogenen Daten aller Antragstellenden, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. \u00dcber etwaige Erkenntnisse hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde die Einb\u00fcrgerungsbeh\u00f6rde unverz\u00fcglich zu unterrichten. Anfrageaufkommen im Berichtsjahr Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat im Berichtsjahr 2025 an insgesamt 61.922 Verfahren mitgewirkt. Von diesen Verfahren entfielen 19.528 auf den Bereich des WaffG, 35.539 auf das AufenthG, 3.321 auf das StAG, 2.840 auf den Bereich der GewO, 319 auf das LuftSiG, 361 auf das SprengG und 14 Verfahren auf das AtomG. Prozentual stellt sich das Anfrageaufkommen wie folgt dar: Prozentualer Anteil am Anfrageaufkommen im Jahr 2025 GewO; 4,59% Sonstige (AtomG/LuftSiG/SprengG); 1,12% WaffG; 31,54% AufenthG; StAG; 5,36% 57,39% Entwicklung der Anzahl der Anfragen im Mitwirkungsbereich Die Zahl der Anfragen im Mitwirkungsbereich der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist im Berichtsjahr deutlich gestiegen. Im Verh\u00e4ltnis zum Vorjahr nahm die Gesamtzahl an 9","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Anfragen um 16 % zu. Dies ist insbesondere auf einen deutlichen Anstieg der Anfragen nach dem AufenthG (+ 18,29 %) und dem WaffG (+ 7,40 %) zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ebenso stieg das Anfragenaufkommen nach der GewO (+ 22,96 %) erheblich an; im Bereich des AtomG/LuftSiG/SprengG (+ 5,31 %) war ebenfalls ein Zuwachs zu verzeichnen. Lediglich die Zahl der Anfragen nach dem StAG (- 2,61 %) war leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Entwicklung des Anfrageaufkommens 2024 und 2025 nach Verfahren: 40.000 35.000 30.000 25.000 20.000 2024 2025 15.000 10.000 5.000 0 AufenthG StAG WaffG GewO Sonstige Gesamtentwicklung der Anfragen an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde 2021 bis 2025: 0 10.000 20.000 30.000 40.000 50.000 60.000 70.000 2021 44.440 2022 53.936 2023 54.728 2024 53.379 2025 61.922 Nachberichtspflichten Da sicherheitsrelevante Risiken mitunter auch dauerhaft bestehen k\u00f6nnen, sieht die Mehrzahl der mitwirkungspflichtigen Gesetze eine Nachberichtspflicht vor, welche die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde dazu verpflichtet, neu gewonnene Erkenntnisse den zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden auch im Nachhinein mitzuteilen. So hat der Verfassungsschutz die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde unverz\u00fcglich zu informieren, soweit im Nachhinein f\u00fcr die Beurteilung der Zuverl\u00e4ssigkeit bedeutsame Erkenntnisse bzw. f\u00fcr Anfragen nach dem AufenthG Versagungsgr\u00fcnde oder sonstige Sicherheitsbedenken anfallen. Dabei pr\u00fcft die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Einzelfall, ob relevante Erkenntnisse an die anfragenden 10","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Beh\u00f6rden mitzuteilen sind. Im Berichtsjahr wurden allein zum WaffG 1.144 und zum AufenthG 228 Nachberichte an die jeweiligen Beh\u00f6rden veranlasst. ARBEITSWEISE Den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Informationen gewinnt der Verfassungsschutz aus offenen Quellen (z. B. Zeitungen, wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen, Rundfunkberichte, Interviews, Parteiprogramme und offene Internetinhalte). Da sich hieraus aber nicht immer ein vollst\u00e4ndiges Bild ergibt - z. B. weil nicht alle Extremisten ihre verfassungsfeindlichen Ziele offen propagieren -, darf die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Rahmen gesetzlich festgelegter Grenzen auch verdeckte nachrichtendienstliche Mittel zur Informationsbeschaffung einsetzen. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere der verdeckte Einsatz von Vertrauenspersonen und Gew\u00e4hrspersonen, Observationen, Bildund Tonaufzeichnungen und die Verwendung von Tarnpapieren und Tarnkennzeichen (SS 7 Abs. 3 VerfSchG-LSA). Zu den nachrichtendienstlichen Mitteln z\u00e4hlt auch die Brief-, Postund Telefonkontrolle. Der hiermit verbundene Eingriff in das Grundrecht nach Artikel 10 GG ist nach Ma\u00dfgabe des Gesetzes zur Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10Gesetz) zul\u00e4ssig. Allerdings d\u00fcrfen solche nachrichtendienstlichen Mittel nur eingesetzt werden, wenn sie angemessen und erforderlich sind, d. h. wenn zuvor alle M\u00f6glichkeiten der offenen Informationsbeschaffung ausgesch\u00f6pft wurden. Sie stehen zudem unter dem Vorbehalt des Grundsatzes der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit: Von mehreren geeigneten Ma\u00dfnahmen zur Nachrichtengewinnung ist diejenige auszuw\u00e4hlen, die den Betroffenen voraussichtlich am wenigsten in seinen Grundrechten beeintr\u00e4chtigt. F\u00fcr besondere Aufgaben des Verfassungsschutzes waren im Haushaltsplan 2025 im Kapitel 0301 (Titelgruppe 64) insgesamt 1.421.500 Euro veranschlagt. Der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde standen im Berichtsjahr 123 Dienstposten bzw. Arbeitspl\u00e4tze zur Verf\u00fcgung. 11","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt ORGANISATION DER VERFASSUNGSSCHUTZBEH\u00d6RDE Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport - Abteilung 4 Verfassungsschutz Abteilungsleiter Jochen Hollmann Referat 41 Referat 42 Referat 43 Referat 44 Grundsatz, Rechtsextremismus, Islamismus, Wirtschaftsschutz, Geheimschutz, Reichsb\u00fcrgerszene, Auslandsbezogener G10, Observation, Querschnittsaufgaben VerfassungsschutzExtremismus, Ermittlungen, relevante Linksextremismus ExtremismusDelegitimierung des pr\u00e4vention Staates KONTROLLE DER VERFASSUNGSSCHUTZBEH\u00d6RDE Eine Reihe von Kontrollmechanismen stellt sicher, dass der Verfassungsschutz sich an seinen gesetzlichen Auftrag und an die f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit geltenden Rechtsvorschriften h\u00e4lt. Auf parlamentarischer Ebene kontrolliert der Landtag die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Diese Aufgabe nimmt das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) wahr, dessen Zusammensetzung, Aufgaben und Befugnisse in SSSS 24 ff. VerfSchGLSA geregelt sind. Jeder Eingriff des Verfassungsschutzes in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis nach Ma\u00dfgabe von Artikel 10 GG muss bei der Innenministerin beantragt werden. Vor dem Vollzug wird die Ma\u00dfnahme von einer G 10-Kommission, die vom PKGr bestellt wird, auf ihre Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit hin gepr\u00fcft. S\u00e4mtliche Ma\u00dfnahmen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde - z. B. die Nennung von Personenzusammenschl\u00fcssen und Einzelpersonen in den Verfassungsschutzberichten - unterliegen der gerichtlichen Nachpr\u00fcfung. Jede Person, die sich durch eine Ma\u00dfnahme des Verfassungsschutzes in ihren Rechten verletzt sieht, kann dagegen gerichtlich vorgehen. 12","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt * Parlamentarisches Kontrollgremium (PKGr): Das PKGr kontrolliert die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes. Parlamentarische * G 10-Kommission: Sie pr\u00fcft die ZuKontrolle l\u00e4ssigkeit von Eingriffen in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis nach Ma\u00dfgabe von Artikel 10 GG. * Landesbeauftragte f\u00fcr den Datenschutz Sachsen-Anhalt Verwaltungs- * Aufsichtsbeamter nach Artikel 10kontrolle Gesetz * Controlling * Jeder Personenzusammenschluss und Gerichtliche jede Person, die sich von einer Kontrolle Ma\u00dfnahme des Verfassungsschutzes in ihren Rechten verletzt sieht, kann dagegen klagen. Kontrolle durch * Presseanfragen die \u00d6ffentlichkeit * Anfragen von B\u00fcrgern, Antr\u00e4ge nach dem Informationszugangsgesetz (IZG) \u00d6FFENTLICHKEITSARBEIT UND PR\u00c4VENTION Aufgekl\u00e4rte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind der effektivste Schutz der Demokratie gegen extremistische Bestrebungen und hybride Bedrohungen durch fremde M\u00e4chte. Mit seiner \u00d6ffentlichkeitsarbeit unterst\u00fctzt der Verfassungsschutz daher die faktenbasierte Auseinandersetzung von B\u00fcrgern mit Akteuren, welche die freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen wollen. Der Verfassungsschutz steht somit allen Menschen im Land als Informationsdienstleister zur Verf\u00fcgung. So tr\u00e4gt der Verfassungsschutz dem Anspruch Rechnung, als Fr\u00fchwarnsystem der wehrhaften Demokratie zu dienen. Der Verfassungsschutz ist gesetzlich dazu verpflichtet, die \u00d6ffentlichkeit periodisch und aus gegebenem Anlass im Einzelfall \u00fcber extremistische Bestrebungen zu unterrichten (SS 15 Abs. 2 VerfSchG-LSA). Um diesen Auftrag zu erf\u00fcllen, ver\u00f6ffentlicht die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde neben ihrem j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzbericht Informationsmaterial zu einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen des Extremismus. Im Februar 2025 hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde die Brosch\u00fcre 13","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt \"Islamismus in Sachsen-Anhalt\" ver\u00f6ffentlicht.2 Die Publikation bietet einen \u00dcberblick \u00fcber islamistische Strukturen in Sachsen-Anhalt und betrachtet diese im Vergleich zu der Situation in anderen ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern. Dar\u00fcber hinaus behandelt die Brosch\u00fcre die Frage, vor welchen spezifischen Herausforderungen die Islamismuspr\u00e4vention in Ostdeutschland steht. Die Handreichung richtet sich insbesondere an Kommunen, Landesbeh\u00f6rden und Pr\u00e4ventionsakteure. Der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt wird von Pressevertretern regelm\u00e4\u00dfig zu verschiedenen Themen angefragt. Im Berichtsjahr hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde 96 Presseanfragen beantwortet. Dar\u00fcber hinaus bietet die Internetseite regelm\u00e4\u00dfig aktualisierte \u00dcberblicksdarstellungen zur Entwicklung innerhalb der einzelnen Ph\u00e4nomenbereiche des Extremismus.3 Im Berichtsjahr wurde die Informationsreihe \"Was macht der Verfassungsschutz?\"4 mit Beitr\u00e4gen zu den Themenfeldern Desinformation im Kontext der Bundestagswahl 2025 und Islamismus fortgef\u00fchrt. Mit SS 4a VerfSchG-LSA hat der Gesetzgeber klargestellt, dass die Pr\u00e4vention zu den Aufgaben der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde z\u00e4hlt. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde kl\u00e4rt daher mit Vortr\u00e4gen im Rahmen von Informationsund Schulungsveranstaltungen sowie mit Publikationen \u00fcber aktuelle Erscheinungsformen und Strategien des politischen Extremismus in Sachsen-Anhalt auf. Dar\u00fcber hinaus sensibilisiert der Verfassungsschutz staatliche Stellen (z. B. Gerichte, Staatsanwaltschaften und Kommunen) f\u00fcr neue Verhaltensund Vorgehensweisen extremistischer Akteure, um sie dabei zu unterst\u00fctzen, diese fr\u00fchzeitig zu erkennen und angemessen reagieren zu k\u00f6nnen. Im Rahmen seiner Pr\u00e4ventionsarbeit hat der Verfassungsschutz im Berichtsjahr erneut mit zielgruppenorientierten Fachvortr\u00e4gen \u00fcber aktuelle extremistische Entwicklungen informiert. Diese Vortr\u00e4ge richteten sich vor allem an Multiplikatoren in allen Teilen der Landesverwaltung (insbesondere der Polizeiund Justizbeh\u00f6rden), in Bildungseinrichtungen und Kommunen, aber auch an zivilgesellschaftliche Engagierte (z. B. Vereine und B\u00fcrgerinitiativen) und Unternehmen. Im Rahmen seiner Beteiligung an Ausbildungsund Fortbildungsma\u00dfnahmen des Landes und der Kommunen unterrichtete der Verfassungsschutz Bedienstete der \u00f6ffentlichen Verwaltung unter anderem \u00fcber relevante Akteure und Kennzeichen der verschiedenen Ph\u00e4nomenbereiche des politischen Extremismus sowie \u00fcber geeignete Handlungsstrategien im Umgang mit Extremisten. Dar\u00fcber hinaus informierten Referenten der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde auch in \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4gen \u00fcber extremistische Bestrebungen, z. B. im Rahmen einer vom \"Halberst\u00e4dter B\u00fcndnis f\u00fcr Demokratie\" organisierten Informationsveranstaltung zum Thema Rechtsextremismus am 29. Oktober 2025 in Halberstadt (Landkreis Harz). Das Vortragsangebot des Verfassungsschutzes umfasst alle Bereiche des Extremismus (Rechtsextremismus, Reichsb\u00fcrgerszene, Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates, Linksextremismus, Islamismus, Auslandsbezogener Extremismus). Im Bereich der Spionageabwehr sowie des Wirtschaftsund Wissenschaftsschutzes bietet die 2 Die Brosch\u00fcre kann unter https://mi.sachsenanhalt.de/verfassungsschutz/publikationen/publikationen-auslaenderextremismus-und-islamismus heruntergeladen werden. 3 https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/themenfelder 4 https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/informationsreihe-was-macht-der-verfassungsschutz 14","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen neben allgemeinen Informationen auch vertrauliche Beratung und Unterst\u00fctzung zum Schutz vor Spionage und Cyberangriffen an. Am 8. Oktober 2025 veranstaltete die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gemeinsam mit der Industrieund Handelskammer HalleDessau den 6. Wirtschaftsschutztag des Landes Sachsen-Anhalt. Rund 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Wirtschaft, Sicherheitsbeh\u00f6rden, Wissenschaft und Verwaltung kamen im Leibniz-Institut f\u00fcr Agrarentwicklung in Transformations\u00f6konomien (IAMO) in Halle (Saale) zusammen, um sich zum Thema 6. Wirtschaftsschutztag des Landes Sachsen-Anhalt \"Sicher. Vernetzt. Gesch\u00fctzt. Strategien gegen Cyberangriffe und Spionage\" auszutauschen. Im Zentrum der Tagung stand die Frage, wie Unternehmen den aktuellen Gefahren durch Angriffe auf die IT-Infrastruktur und Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste begegnen k\u00f6nnen. Auf der Tagesordnung standen u. a. Vortr\u00e4ge von Vertretern des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV), des Bundesnachrichtendienstes (BND), des Bundesamtes f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der Agentur f\u00fcr Innovation in der Cybersicherheit. Um im direkten Gespr\u00e4ch mit B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern \u00fcber ihre Arbeit zu informieren, ist die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde auch bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen pr\u00e4sent, die keinen spezifischen sicherheitsbeh\u00f6rdlichen Fokus aufweisen. So war der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt z. B. beim Landespr\u00e4ventionstag am 12. November 2025 in Magdeburg erneut mit einem eigenen Stand vertreten. Sie haben Interesse an den Informationsangeboten des Verfassungsschutzes? Dann wenden Sie sich bitte direkt an uns: Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt Nachtweide 82 39124 Magdeburg Telefon: +49(0)391/567-3900 E-Mail: verfassungsschutz@mi.sachsen-anhalt.de info.verfassungsschutz@mi.sachsen-anhalt.de oder besuchen Sie uns im Internet unter www.mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz 15","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Hier finden Sie weitere Informationen und unsere aktuellen Publikationen, die wir Ihnen auch am Ende dieses Berichts vorstellen. EXTRA - EXTREMISMUS-AUSSTIEG Das bei der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde angesiedelte Ausstiegshilfeprogramm EXTRA (Extremismus-Ausstieg) unterst\u00fctzt seit dem Jahr 2014 ausstiegswillige Menschen bei der Deradikalisierung und der L\u00f6sung aus extremistischen Lebensbez\u00fcgen. Die pers\u00f6nliche Unterst\u00fctzung und Begleitung von Rechtsextremisten w\u00e4hrend eines freiwilligen und selbstmotivierten Ausstiegs als Hilfe zur Selbsthilfe bildet den Schwerpunkt der Arbeit von EXTRA. Ziel ist die Abkehr von rechtsextremistischen Einstellungen und Handlungsmustern sowie das L\u00f6sen radikalisierungsbeg\u00fcnstigender (sozialer) Begleitprobleme. Auch Ausstiegswillige aus dem extremistischen Ph\u00e4nomenbereich \"Reichsb\u00fcrger und Selbstverwalter\" k\u00f6nnen sich mit der Bitte um Unterst\u00fctzung an EXTRA wenden. Als Angebot im Bereich der terti\u00e4ren Pr\u00e4vention zielt die Arbeit von EXTRA darauf ab, im kooperativen Zusammenwirken mit Ausstiegswilligen nach erkannten Regelverletzungen durch geeignete pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen weitere Regelverletzungen zu vermeiden, pers\u00f6nliche Folgeprobleme zu l\u00f6sen und negative Auswirkungen einer Radikalisierung (f\u00fcr Aussteiger ebenso wie f\u00fcr die Gesellschaft) zu verhindern. Damit nimmt EXTRA auch Aufgaben der Pr\u00e4vention zum Schutz vor verfassungsfeindlichen Bestrebungen wahr. EXTRA ist eine gut etablierte und anerkannte Einrichtung in der Beratungslandschaft. Die Mitarbeiter von EXTRA sind wie folgt erreichbar: Kostenfreie Hotline: 0800 - 22 44 101 (24 Stunden erreichbar) E-Mail: extra@mi.sachsen-anhalt.de AUSKUNFTSERTEILUNG Jede Person kann unentgeltlich Auskunft \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten beantragen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist nach SS 14 Abs. 1 VerfSchG-LSA grunds\u00e4tzlich verpflichtet, Auskunft zu erteilen. Gehen Ersuchen ein, werden die Ersuchenden zun\u00e4chst gebeten, eine Kopie ihres Personalausweises oder eines entsprechenden Personendokuments zur Identit\u00e4tsfeststellung zu \u00fcbersenden. Dies soll die angefragte Person davor sch\u00fctzen, dass m\u00f6glicherweise andere Personen in ihrem Namen Auskunft verlangen und Daten m\u00f6glicherweise an Unberechtigte \u00fcbermittelt werden. Die Auskunft hat nach SS 14 Abs. 2 VerfSchG-LSA zu unterbleiben, wenn bestimmte, im Gesetz geregelte Ausschlussgr\u00fcnde vorliegen. Dies ist beispielsweise gegeben, wenn durch 16","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt die Auskunftserteilung eine Gef\u00e4hrdung der Aufgabenerf\u00fcllung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde drohen w\u00fcrde. Im Jahr 2025 gab es 104 Auskunftsersuchen: Auskunft \u00fcber die zur Person gespeicherten Daten 19 Negativauskunft, keine Daten gespeichert 74 Keine Bearbeitung mangels Identifizierung der Ersuchenden 11 Auskunftsersuchen insgesamt 104 REDAKTIONELLE HINWEISE Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde erf\u00fcllt mit diesem Bericht ihre gesetzlichen Unterrichtungspflichten, die in SS 15 Abs. 1 und 2 VerfSchG-LSA normiert sind. Bitte beachten Sie die folgenden redaktionellen Hinweise: Soweit der Verfassungsschutzbericht einzelne Gruppierungen namentlich nennt, handelt es sich - sofern nicht anders erw\u00e4hnt - um F\u00e4lle, bei denen die vorliegenden Erkenntnisse in ihrer Gesamtschau zu der Bewertung gef\u00fchrt haben, dass die Gruppierung verfassungsfeindliche Ziele im Sinne des SS 4 Abs. 1 VerfSchG-LSA verfolgt. Diese Gruppierungen gelten insofern als gesicherte extremistische Bestrebungen, die zielund zweckgerichtet gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorgehen. Allerdings erw\u00e4hnt der Verfassungsschutzbericht nicht alle Gruppierungen, die von der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde des Landes Sachsen-Anhalt beobachtet werden. Insbesondere werden die Gruppierungen nicht erw\u00e4hnt, bei denen lediglich tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsfeindliche Bestrebungen vorliegen. Informationen \u00fcber solche Gruppierungen darf die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde nach SS 7 Abs. 2 VerfSchG-LSA sammeln und auswerten. \u00dcber diese Gruppierungen darf sie jedoch nicht \u00f6ffentlich berichten, da von der Unterrichtungspflicht des SS 15 Abs. 2 VerfSchG-LSA nur gesicherte extremistische Bestrebungen erfasst sind. Eine Nennung von sogenannten Verdachtsf\u00e4llen erfolgt daher nicht. Die Nennung von Gruppierungen, die extremistisch beeinflusst sind, dient dem Verst\u00e4ndnis des sachlichen Zusammenhangs. Der Berichtszeitraum umfasst den Zeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2025. Ereignisse vor oder nach diesem Zeitraum werden nur dargestellt, sofern sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Gesamtzusammenhangs erforderlich sind. Hinweise auf Geschehnisse au\u00dferhalb Sachsen-Anhalts sind in den Bericht aufgenommen, sofern sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Gesamtzusammenhangs erforderlich sind. Die in Anf\u00fchrungszeichen gefassten Textteile sind, so es sich um Zitate handelt, in der Originalschreibweise wiedergegeben. Die jeweiligen Mitgliederzahlen der Personenzusammenschl\u00fcsse sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 17","Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt Die Verfassungsschutzberichte der letzten f\u00fcnf Jahre k\u00f6nnen im Internet unter der Adresse: www.mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz heruntergeladen oder bei der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde kostenlos angefordert werden. 18","RECHTSEXTREMISMUS","Rechtsextremismus EINLEITUNG Rechtsextremisten propagieren einen v\u00f6lkischen Nationalismus, der in der \u00dcberzeugung zum Ausdruck kommt, dass die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie oder Nation \u00fcber den tats\u00e4chlichen Wert eines Menschen entscheide. Das gesellschaftliche Ideal des Rechtsextremismus ist die ethnisch homogene \"Volksgemeinschaft\". Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus sind daher wesentliche Elemente rechtsextremistischer Agitation. Aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe der rechtsextremistischen Szene in Sachsen-Anhalt, die sich in dem hohen Anteil der Rechtsextremisten am gesamten extremistischen Personenpotenzial widerspiegelt,5 bildet die Beobachtung rechtsextremistischer und -terroristischer Bestrebungen den Arbeitsschwerpunkt der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Im Berichtsjahr ist das rechtsextremistische Personenpotenzial gegen\u00fcber dem Vorjahr erneut angestiegen. Zur\u00fcckzuf\u00fchren ist dieser Zuwachs vor allem auf eine Zunahme der Mitgliederzahlen rechtsextremistischer Parteien und die Herausbildung neuer aktionsorientierter, gewaltbereiter Jugendgruppen, die sich zum \u00fcberwiegenden Teil aus dem Verfassungsschutz bisher unbekannten Personen zusammensetzen. Etwa 20 Prozent des rechtsextremistischen Personenpotenzials werden als gewaltbereit eingesch\u00e4tzt. Rechtsextremistisches Personenpotenzial* 2023 2024 2025 Parteien 2.345 2.750 3.680 \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) 2.210 2.580 3.500 \"Die Heimat\" (ehemals \"Nationaldemokratische Partei 70 70 70 Deutschlands\" (NPD)) \"Der III. Weg\" 60 100 110 \"Neue St\u00e4rke Partei\" ca. 5 - - Parteiungebundenes Personenpotenzial 250 290 310 Weitgehend unstrukturiertes Personenpotenzial 970 1.110 1.170 Summe 3.565 4.150 5.160 Personenpotenzial 3.350 4.000 5.100 (nach Abzug der Mehrfachmitgliedschaften) * Zahlen zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet Der parteigebundene Rechtsextremismus ist die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Erscheinungsform in Sachsen-Anhalt. Die folgenden rechtsextremistischen Parteien sind in Sachsen-Anhalt aktiv: Die \"Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) mit ihrer Jugendorganisation \"Junge Alternative\" [seit November 2025: \"Generation Deutschland\" (GD)]: Der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD ist seit dem Jahr 2023 von der 5 Rund 70 Prozent des gesamten extremistischen Personenpotenzials in Sachsen-Anhalt entfallen auf den Ph\u00e4nomenbereich Rechtsextremismus. 20","Rechtsextremismus Verfassungsschutzbeh\u00f6rde als gesichert rechtsextremistisch eingestuft und die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr die Demokratie in Sachsen-Anhalt, weil die Partei die extremistischen Positionen der sogenannten Neuen Rechten in die Gesellschaft hineintr\u00e4gt. Den Landesverband pr\u00e4gen unter anderem ethnopluralistische, und damit im Kern rassistische, Forderungen nach einer Schlechterstellung von Personen, welche die AfD als fremd wahrnimmt. Dies ist mit der Menschenw\u00fcrde nach Art. 1 Abs. 1 GG nicht vereinbar. Au\u00dferdem ist die AfD Sachsen-Anhalt bestrebt, das demokratische System Deutschlands sowie seine Vertreter und Institutionen ver\u00e4chtlich zu machen. Dies steht dem Demokratieprinzip nach Art. 20 Abs. 1 GG entgegen. \"Die Heimat\" (fr\u00fcher NPD) mit ihrer Jugendorganisation \"Junge Nationalisten\" (JN): Die Partei ist neonazistisch ausgerichtet, verfolgt einen v\u00f6lkischen Nationalismus, der auf eine ethnisch homogene Volksgemeinschaft abzielt, und vertritt offen antisemitische und rassistische Positionen. \"Der III. Weg\" (III. Weg) mit der Jugendorganisation \"Nationalrevolution\u00e4re Jugend\" (NRJ): Die neonazistisch gepr\u00e4gte Kaderpartei ist stark in der regionalen Kameradschaftsszene verankert. Sie f\u00fchrt Kampagnen und Demonstrationen durch und setzt auf eine Pr\u00e4senzund Einsch\u00fcchterungsstrategie. Das rechtsextremistische Parteienspektrum wird in Sachsen-Anhalt vom Landesverband der AfD dominiert, welche die gr\u00f6\u00dfte Oppositionsfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt stellt. Demgegen\u00fcber sind die zwei anderen rechtsextremistischen Parteien in Sachsen-Anhalt, \"Die Heimat\" und \"Der III. Weg\", politisch weitgehend bedeutungslos. Die Partei \"Die Heimat\" strebt zwar eine Renaissance an, welche sich aber derzeit nicht in den Mitgliederzahlen niederschl\u00e4gt. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde beobachtet in Teilen der Jugend eine wachsende Tendenz zur Bildung informeller Netzwerke mit rechtsextremistischer Ausrichtung (z. B. in der Harzregion), die sich \u00fcber gemeinsame Themen, Demonstrationen und Kampfsport definieren und sich in sozialen Medien organisieren. Es entsteht eine Melange aus klassischem Neonazismus, Subkultur und \"Heimat\"-Rhetorik. Seit etwa Mitte 2023 ist eine 21","Rechtsextremismus neue Generation aktionsorientierter rechtsextremistischer Jugendgruppen sichtbar geworden, die im gesamten Bundesgebiet, so auch in Sachsen-Anhalt, wirken und durch die intensive Nutzung von sozialen Medien einen stetigen Zulauf erfahren. Die Gruppen geben sich szeneuntypische Namen wie \"Jung und Stark\", \"Deutsche Jugend Zuerst\", \"Deutsche Jugend Voran\" oder \"Der St\u00f6rtrupp\" und sind \u00fcberwiegend von m\u00e4nnlichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Teenagerund fr\u00fchen Erwachsenenalter gepr\u00e4gt. Teilweise gibt es \u00dcberschneidungen mit bereits etablierten Gruppierungen, z. B. mit den JN. Die neu entstandenen Jugendgruppen stehen einerseits im Fokus rechtsextremistischer Parteien, weil sie ein Reservoir potenzieller Nachwuchskr\u00e4fte bilden und als Vorfeldorganisationen begriffen werden. Andererseits docken diese Gruppen an bestehende Strukturen der Neonazi-Szene an, um sich deren Know-how und F\u00fchrungskraft zu bedienen. Diese Entwicklung ist auch in Sachsen-Anhalt zu beobachten, z. B. anhand der Aktivit\u00e4ten des Neonazis Alexander Deptolla (Halberstadt, Landkreis Harz). Dieser gilt als Bindeglied zwischen der Partei \"Die Heimat\", in deren Landesvorstand er in Sachsen-Anhalt als Beisitzer wirkt, und den eher unstrukturierten Jungendcliquen. Aktionsorientierte rechtsextremistische Jugendgruppen definieren sich weniger \u00fcber einen weltanschaulichen Konsens und klassische rechtsextremistische Strukturen als \u00fcber Aktionslust, verbunden mit einer latent vorhandenen oder tats\u00e4chlich praktizierten Gewaltbereitschaft. Charakteristisch f\u00fcr diese Gruppen sind ihr Operationsgebiet, ihre Gruppendynamik und ihre gemeinsamen Feindbilder, die sie in Migranten, der politischen Linken und der LGBTQ+-Community sehen. Der Findungsund Gr\u00fcndungsprozess, die Definition des politischen Gegners und der Kommunikationsaustausch \u00fcber geplante Aktionen finden \u00fcberwiegend virtuell statt. In der Realwelt treten die Gruppen vorwiegend bei Versammlungen oder mit gewaltt\u00e4tigen Aktionen in Erscheinung. Die Aktionen selbst werden mitunter in jugendad\u00e4quaten Online-Inszenierungen verarbeitet und erreichen damit eine hohe Reichweite und Rekrutierungseffekte. Die rechtsextremistisch motivierten Straftaten erreichten 2025 neue H\u00f6chstst\u00e4nde. Insbesondere die Zunahme antisemitisch motivierter Kriminalit\u00e4t gibt Anlass zur Sorge und ist Ausdruck einer versch\u00e4rften Bedrohungslage f\u00fcr J\u00fcdinnen und Juden im Land. Die politisch motivierte Kriminalit\u00e4t ist ein wichtiger Indikator f\u00fcr die Beurteilung der Gewaltbereitschaft. Auch der legale und illegale Besitz von Waffen oder Sprengstoffen in der rechtsextremistischen Szene stellt eine Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit dar. Daher wirkt der Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt durch die \u00dcbermittlung seiner Erkenntnisse an die zust\u00e4ndigen Waffenbeh\u00f6rden im Rahmen seiner Mitwirkungspflichten6 aktiv an der Entwaffnung der rechtsextremistischen Szene mit. Wie schon in den vorangegangenen Jahren war der im Rechtsextremismus generell positiv bewertete Kampfsport ein wichtiger Bestandteil rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten in SachsenAnhalt. So z. B. das Kampfsportlabel \"Kampf der Nibelungen\", welches auf Grund staatlichen Drucks immer st\u00e4rker klandestin agiert. Die Aufkl\u00e4rung rechtsterroristischer Bestrebungen war im Jahr 2025 erneut ein Schwerpunkt der Arbeit des Verfassungsschutzes. Eine besondere Bedrohung geht nach wie vor von der 6 Vgl. hierzu das Kapitel \"Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt\", S. 7 ff. 22","Rechtsextremismus sogenannten \"Attent\u00e4ter-Fanszene\" aus. Damit ist ein durch soziale Medien international vernetzter Kreis von Personen gemeint, der (rechts)terroristische Anschl\u00e4ge glorifiziert und dazu auffordert, Nachahmungstaten zu begehen. Auch in Sachsen-Anhalt nahmen Polizei und Verfassungsschutz im Berichtsjahr erneut positive Bezugnahmen auf vergangene rechtsterroristische Anschl\u00e4ge wahr. Nachrichtendienstliche Aufkl\u00e4rung und konsequentes Handeln der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden helfen dabei, diese Szene bereits in ihren Anf\u00e4ngen zu bek\u00e4mpfen. Im Gegensatz zu vielen Gruppierungen, die dem neonazistischen Spektrum des Rechtsextremismus zuzurechnen sind, verzichtet die sogenannte Neue Rechte in der Regel auf den Einsatz von Gewalt. Um ein Einsickern des rechtsextremistischen Gedankengutes in die breite Gesellschaft zu erm\u00f6glichen, nutzt die sogenannte Neue Rechte h\u00e4ufig ideologische Br\u00fccken, die verschiedene extremistische Milieus miteinander verbinden und verfassungsfeindliche Ideologeme \u00fcber diese Milieus hinaus in die Mitte der Gesellschaft tragen. Insbesondere die AfD und ihr neurechtes Vorfeld waren diesbez\u00fcglich in den letzten Jahren sehr aktiv, was die Debatte um den Begriff \"Remigration\" deutlich zeigt. Der Begriff und die dahinterstehende fremdenfeindliche Ideologie waren bis vor wenigen Jahren noch nicht Teil des \u00f6ffentlichen Debattenraums. Die AfD Sachsen-Anhalt verh\u00e4lt sich in Fragen ihrer Auslegung des Begriffes \"Remigration\" und der damit verkn\u00fcpften ideologischen Positionen nicht immer eindeutig. Einerseits deutet sie in ihrer Au\u00dfenkommunikation an, mit dem Begriff die R\u00fcckholung von deutschen Fachkr\u00e4ften aus dem Ausland zu meinen. Andererseits fordert sie die Ausweisung aller nicht aufenthaltsberechtigten Ausl\u00e4nder. Dar\u00fcber hinaus lassen programmatische Forderungen eine N\u00e4he zum verfassungsfeindlichen Remigrationskonzept von Martin Sellner erkennen, demzufolge auch deutsche Staatsb\u00fcrger mit Migrationshintergrund ausgewiesen werden sollen. 23","Rechtsextremismus RECHTSEXTREMISTISCHES PARTEIENSPEKTRUM \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) Landesverband Sachsen-Anhalt Gr\u00fcndung 2013 Sitz Magdeburg Vorsitz Martin Reichardt (MdB) Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger etwa 2.580 etwa 3.5007 Struktur / 14 Kreisverb\u00e4nde, mehrere Ortsgruppen Aufbau \"Junge Alternative Landesverband Sachsen-Anhalt\" (JA-LSA, Jugendorganisation)8 \"Friedrich-Friesen-Stiftung e. V.\" (parteinahe Stiftung) \"Verein konservativer Kommunalpolitiker Sachsen-Anhalt e. V.\" (VKK-LSA, kommunalpolitische Vereinigung) Ver\u00f6ffentlichungen Kostenlose Zeitschriften der AfD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt (\"Aufbruch\"), der AfD-Fraktion im Stadtrat von Magdeburg (\"Blauer Reiter\"), des AfD-Stadtverbandes BitterfeldWolfen (\"Alternativer Stadtkurier\") und des AfDBundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt (\"Blaue Zukunft\"); zahlreiche Onlineangebote Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung Kurzportrait / Ziele Der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt (im Folgenden: AfD Sachsen-Anhalt) wurde, wie die Bundespartei, im Jahr 2013 gegr\u00fcndet und zog mit der Landtagswahl 2016 erstmals in den Landtag von Sachsen-Anhalt ein. Seit den Kommunalwahlen des Jahres 2019 ist die AfD in allen Kreistagen sowie in der \u00fcberwiegenden Zahl der Stadtund Gemeinder\u00e4te Sachsen-Anhalts in Fraktionsst\u00e4rke vertreten. Bei der Landtagswahl 2021 erhielt die Partei 20,8 Prozent der Zweitstimmen; sie behauptete damit ihre Stellung als st\u00e4rkste Oppositionsfraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Bei den Kommunalwahlen 2024 konnte die AfD Sachsen-Anhalt ihre Ergebnisse signifikant steigern. Bei der Bundestagswahl 2025 gewann die AfD in Sachsen-Anhalt alle Direktmandate. Als politische Partei strebt die AfD in Sachsen-Anhalt mit der Beteiligung an Wahlen und dem Einwirken auf den gesellschaftlichen Diskurs einen fundamentalen Bruch mit der bestehenden politischen Ordnung an. Die thematischen Schwerpunkte des AfDLandesverbands Sachsen-Anhalt liegen in der Migrations-, Familien-, Identit\u00e4tsund 7 Eigenangabe zum Ende des Jahres 2025. 8 Selbstaufl\u00f6sung am 8. M\u00e4rz 2025. Als Nachfolger gr\u00fcndete sich am 17. Januar 2026 der Landesverband Sachsen-Anhalt der \"Generation Deutschland\" (GD-LSA). 24","Rechtsextremismus Erinnerungspolitik. In der Au\u00dfenpolitik wirbt die Partei f\u00fcr eine Ann\u00e4herung Deutschlands an die Russische F\u00f6deration. Ideologisch ist die AfD Sachsen-Anhalt der sogenannten Neuen Rechten zuzuordnen; ihre Funktionsund Mandatstr\u00e4ger unterhalten aber Verbindungen in das gesamte rechtsextremistische Spektrum. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Sachsen-Anhalt stufte die AfD Sachsen-Anhalt mit all ihren Nebenund Unterorganisationen im Januar 2021 als Verdachtsfall ein. Bereits im April 2021 reichte die AfD Sachsen-Anhalt gegen diese Entscheidung zwei Klagen ein, die sich in ein Eilverfahren und ein Hauptsacheverfahren aufteilten. W\u00e4hrend das erstgenannte Verfahren die Unterlassung der Anwendung von nachrichtendienstlichen Mitteln, die Einstellung der Beobachtung und die Nennung im Verfassungsschutzbericht begehrte, richtete sich das Hauptsacheverfahren gegen die, aus Sicht der AfD rechtswidrige, Einstufung an sich. Mit dem Urteil des Verwaltungsgerichts Magdeburg vom M\u00e4rz 2022 wurde das Eilverfahren in allen Punkten zu Gunsten der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde beendet. Nachfolgend pausierte das Gericht zun\u00e4chst das Hauptsacheverfahren im Verdachtsfall. Aufgrund der aktualisierten Einstufung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde als gesichert rechtsextremistisch nahm die AfD ihre Klage zur\u00fcck. Im Oktober 2023 stufte die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde die AfD Sachsen-Anhalt mit all ihren Nebenund Unterorganisationen als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Die sich anschlie\u00dfende Klage der AfD gegen diese Einstufung stellte das Verwaltungsgericht Magdeburg auf Antrag der AfD ruhend, bis in Fragen der rechtlichen Auseinandersetzungen der Bundes-AfD gegen das BfV h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung ergangen ist. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde SachsenAnhalt hatte dem Antrag der AfD auf Ruhendstellung des Verfahrens widersprochen; der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel und die \u00f6ffentliche Berichterstattung sind weiter zul\u00e4ssig. Dass diese Beobachtung rechtlich notwendig ist, best\u00e4tigte nicht nur das Verwaltungsgericht Magdeburg in seinem Urteil zur oben genannten Verdachtsfalleinstufung (Eilverfahren), sondern auch ein Urteil des Gerichts aus M\u00e4rz 2025 in Fragen des Waffenrechts9. Darin hei\u00dft es unter anderem: \"Die der Menschenw\u00fcrde des Grundgesetzes gegenl\u00e4ufige konzeptionelle Ausrichtung der AfD LSA ergibt sich f\u00fcr das Gericht aus dem Wortlaut, dem Inhalt und dem Umfang von \u00c4u\u00dferungen in Bezug auf Ausl\u00e4nder sowie bestimmte Volksgruppen, Minderheiten und Religionen\". \"Die Argumentation der AfD LSA ist darauf angelegt, bei ihren Anh\u00e4ngern das Vertrauen in die politischen Institutionen und Prozesse der Bundesrepublik Deutschland fundamental zu erodieren und den Eindruck eines unmittelbar bevorstehenden, ultimativen Niedergangs, der Unterdr\u00fcckung und Ausweglosigkeit zu erzeugen.\" \"Indem die demokratische Ordnung zu einer Diktatur und elementaren Bedrohung f\u00fcr Leib und Leben verzerrt wird, n\u00e4hren die explizit aufputschenden Worte der AfDRedner bei ihren Anh\u00e4ngern die Bereitschaft, einen gewaltsamen Umsturz des politischen Systems anzustreben.\" 9 AZ: 1 A 19/23 MD. 25","Rechtsextremismus Grund der Beobachtung Die AfD Sachsen-Anhalt mitsamt ihrer Teil-, Nebenund Unterorganisationen ist als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft, da sich ihre politische Agitation gegen essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung richtet. Die Programmatik der AfD Sachsen-Anhalt ist wesentlich von der rassistischen Ideologie des Ethnopluralismus durchdrungen. Dem Ethnopluralismus liegt ein v\u00f6lkischabstammungsm\u00e4\u00dfiger Volksbegriff zugrunde. Zentral ist dabei das Idealbild einer V\u00f6lkervielfalt, die sich in jeweils ethnisch weitestgehend homogenen Staaten niederschl\u00e4gt. Diese Vorstellung l\u00e4uft letztlich auf die Schaffung ethnisch reiner Gesellschaften und damit die Ausweisung aller \"Volksfremden\" hinaus. F\u00fchrende Funktionsund Mandatstr\u00e4ger bedienen sich einer d\u00e4monisierenden Wortwahl in Bezug auf Migranten; insbesondere Gefl\u00fcchtete aus islamisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern werden pauschal als Kriminelle diffamiert. Eine solche Abwertung von Menschengruppen aufgrund ihrer ethnischen oder religi\u00f6sen Identit\u00e4t verst\u00f6\u00dft gegen das Prinzip der Menschenw\u00fcrde nach Artikel 1 Absatz 1 GG. Dar\u00fcber hinaus ist die AfD Sachsen-Anhalt fortw\u00e4hrend bestrebt, das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland sowie seine Institutionen und deren Vertreter ver\u00e4chtlich zu machen, um das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in diese fundamental zu erodieren. Funktionsund Mandatstr\u00e4ger der AfD Sachsen-Anhalt setzen die Bundesrepublik Deutschland immer wieder mit autokratischen oder gar totalit\u00e4ren Regimen gleich. Mit solchen Aussagen richtet sich die AfD Sachsen-Anhalt gegen das Demokratieprinzip nach Artikel 20 Absatz 1 GG. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Fremdenfeindliche Agitation F\u00fchrende Funktionsund Mandatstr\u00e4ger der AfD Sachsen-Anhalt sind im Berichtszeitraum erneut mit fremdenfeindlichen Aussagen in Erscheinung getreten, die Migranten und als fremd wahrgenommene Menschen aufgrund der ihnen zugeschriebenen Gruppenzugeh\u00f6rigkeit pauschal abwerten. Insbesondere Migranten aus muslimisch gepr\u00e4gten L\u00e4ndern werden in diesen Aussagen zu einer existenziellen Gefahr stilisiert; ihnen wird dadurch ein abgewerteter sozialer Status zugeteilt. Eine solche Kategorisierung von Menschengruppen steht der in Artikel 1 GG garantierten Menschw\u00fcrde entgegen. Beispielhaft hierf\u00fcr sind die folgenden Aussagen von f\u00fchrenden Funktionsund Mandatstr\u00e4gern der Partei: Der AfD-Landtagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der AfD Sachsen-Anhalt, Hans-Thomas Tillschneider, sagte bei einer Karnevalsveranstaltung der AfD in Osterwieck am 22. M\u00e4rz 2025: \"[...] Ein Land, BRD wird es genannt, doch besser passt Schlaraffenland. Allen Afrikanern wohl bekannt und auch die Orientalen und Afghanen, die m\u00fcssen etwas davon ahnen. Sie str\u00f6men hier herein in Massen und wollen unser Geld verprassen. Ohne Arbeit gibt es hier zu essen. Die k\u00f6stlichsten Delikatessen, wer sie nicht f\u00e4ngt, weil er zu faul dem, fliegen sie von selbst ins Maul [sic!]. [...] Ein 26","Rechtsextremismus lauter R\u00fclpser bringt ein Kompliment und sticht der Ali mit dem Messer, lebt er im Gef\u00e4ngnis bei uns besser als frei in seiner fernen Heimat. So h\u00e4lt er es f\u00fcr \u00e4u\u00dferst guten Rat, sich hier daneben zu benehmen und sich daf\u00fcr auch nicht zu sch\u00e4men. [...]\" Der Ko-Fraktionsvorsitzende der AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt, Oliver Kirchner, schrieb am 6. September 2025 auf Facebook: \"Lasst uns die ermordeten Kinder, die diese illegale und unkontrollierte Zuwanderung durch die Altparteien zu verantworten hat, niemals vergessen. Es kann jeden in Deutschland treffen, immer und \u00fcberall! Wir d\u00fcrfen unseren moralischen Kompass niemals verlieren und m\u00fcssen diese Zust\u00e4nde immer weiter bek\u00e4mpfen. Lasst uns gemeinsam die abw\u00e4hlen, an deren H\u00e4nden das Blut der Opfer klebt und die f\u00fcr diese Zust\u00e4nde verantwortlich sind. 10 Jahre illegale und unkontrollierte Zuwanderung mit Mord, Totschlag und Vergewaltigung sind genug!\" Der AfD-Bundestagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt schrieb am 25. August 2025 auf Facebook: \"Illegale Einwanderer aus dem Nahen Osten und Afrika bringen Gewalt, Messerkriminalit\u00e4t und eine stetig wachsende Gefahr auf unseren Stra\u00dfen. [...] Es braucht endlich eine klare Konsequenz: Remigration statt Messer-Import. Sicherheit statt Multikulti-Irrsinn!\" Stephan Held (AfD-Mitglied) verbreitete am 3. Juni 2025 eine Grafik, auf der ein dunkelh\u00e4utiger Fu\u00dfballspieler als ein \"Sack Grillkohle\" bezeichnet wird. Ver\u00e4chtlichmachung des demokratischen Systems Die AfD ver\u00f6ffentlicht durchgehend und in erheblicher Anzahl Aussagen, die darauf ausgerichtet sind, das demokratische System der Bundesrepublik Deutschland, seine Institutionen und deren Vertreter ver\u00e4chtlich zu machen. Der Regierung oder anderen demokratischen Institutionen wird totalit\u00e4res, demokratieund menschenfeindliches Handeln vorgeworfen oder die Bundesrepublik Deutschland wird mit historischen Diktaturen wie dem NS-Staat oder der DDR gleichgesetzt. 27","Rechtsextremismus H\u00e4ufig werden Jahrestage zum Anlass f\u00fcr eine solche Gleichsetzung genommen, z. B. in dem folgenden Text, den die AfD Sachsen-Anhalt anl\u00e4sslich des Tags der deutschen Einheit am 3. Oktober 2025 auf der Plattform X ver\u00f6ffentlicht hat: \"[...] Heute stehen wir wieder an einem Scheideweg. Die Mehrheit der B\u00fcrger will in vielen Teilen unseres Landes einen politischen Neuanfang, doch Ideologen von gestern blockieren den Wandel. Linke und Gr\u00fcne halten starr an einer Politik fest, die unser Land schw\u00e4cht, und die CDU ist l\u00e4ngst nicht mehr eigenst\u00e4ndig, sondern ihr williger Helfer. Diese Kr\u00e4fte handeln im Geiste der damaligen #SED und ignorieren den Willen des Volkes. [...]\" In manchen F\u00e4llen verunglimpfen Funktionsund Mandatstr\u00e4ger der AfD Sachsen-Anhalt die Bundesrepublik Deutschland explizit als \"Diktatur\". Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der folgende Wortbeitrag von Kevin Michalzik, Mitglied der AfD-Fraktion im Stadtrat der Landeshauptstadt Magdeburg, den dieser am 20. Januar 2025 auf der Plattform X ver\u00f6ffentlicht: \"Trump ist unser Gorbatschow! Er wird die Meinungsdiktatur auch diesseits des Atlantiks aufbrechen und Dinge wieder sagbar machen, die ihr nur noch mich [sic!] staatlicher Gewalt unter dem Deckel halten k\u00f6nnt. Eure korrupte Herrschaft wird enden und die Deutschen werden stolz auf ihr Vaterland sein.\" Der AfD-Stadtverband Bitterfeld-Wolfen verbreitete am 16. Juli 2025 einen Textbeitrag, der den amtierenden deutschen Bundeskanzler mit Adolf Hitler gleichsetzt: \"Geschichte wiederholt sich nicht? 'Die Denkschrift von #Hitler zum Vierjahresplan ist ein historisches Dokument zur Politik des Deutschen Reiches. Hitler verfasste sie im August 1936 und befahl mit ihr die Durchf\u00fchrung des Vierjahresplans, mit dem Kurs auf eine st\u00e4rkere Autarkie in der Rohstoffversorgung genommen wurde. Sie gilt in der historischen Forschung als ein Schl\u00fcsseldokument f\u00fcr Hitlers Kriegspl\u00e4ne.' Kommt Ihnen das bekannt vor? Heute: Die selbe Kriegshetzte. Die selbe L\u00fcge von der Bedrohung aus dem Osten. Der selbe Aufruf zur Einsatzf\u00e4higkeit des Milit\u00e4rs und zur Kriegst\u00fcchtigkeit der Bev\u00f6lkerung. Damals #Hitler, heute #Merz [...]\" Als vermeintlichen Beleg f\u00fcr ihre Behauptung, die Bundesrepublik Deutschland sei eine Diktatur oder die herrschenden Parteien seien bestrebt, eine solche zu errichten, ziehen Funktionsund Mandatstr\u00e4ger der AfD Sachsen-Anhalt immer wieder auch die von der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde vorgenommene Einstufung des Landesverbandes als rechtsextremistische Bestrebung heran. Ein von Vertretern der Partei verbreitetes Verschw\u00f6rungsnarrativ besagt, der Verfassungsschutz werde von den \"Altparteien\" politisch instrumentalisiert und als Mittel benutzt, um die AfD Sachsen-Anhalt als f\u00fchrende Oppositionspartei zu diskreditieren. Beispielhaft hierf\u00fcr ist der folgende Auszug aus einer Rede des AfD-Landtagsabgeordneten Christian Hecht, mit der dieser sich am 23. Mai 2025 auf dem AfD-Landesparteitag in Magdeburg um einen Platz auf der Landesliste der AfD 28","Rechtsextremismus Sachsen-Anhalt f\u00fcr die Landtagswahl 2026 bewarb: \"[...] Ich bin Mitglied dar\u00fcber hinaus im Landesvorstand und verteidige nun seit mittlerweile \u00fcber einem Jahr unseren Landesverband als Rechtsanwalt vor dem Verwaltungsgericht in Magdeburg gegen den Verfassungsschutz. Den Verfassungsschutz, den die Altparteien aufgefahren haben, um uns zu vernichten. Das, liebe Freunde, m\u00fcssen wir um jeden Preis verhindern und deswegen stehe ich ganz vorn in der ersten Frontlinie im Sch\u00fctzengraben, denn wir nehmen es nicht l\u00e4nger hin, dass die neuen Faschisten unter ihrem rotgr\u00fcnen Deckmantel des Antifaschismus den Rechtsstaat mit F\u00fc\u00dfen treten, unsere Freiheit immer weiter einschr\u00e4nken und unser Land kaputt machen. Nach zw\u00f6lf Jahren des politischen Kampfes ist klar, dass wir tats\u00e4chlich die einzige Alternative sind, die das deutsche Volk noch hat. Denn das Deutschland des Jahres 2025 ist wie ein mit den Sch\u00e4tzen deutscher Tugenden beladener Zug der auf einen Abgrund zurast. Und w\u00e4hrend die rote Hexe der Berliner Regierungskoalition eifrig damit besch\u00e4ftigt ist, die Geschwindigkeit immer weiter zu erh\u00f6hen, tanzt vorne auf der Lokomotive ein gr\u00f6\u00dfenwahnsinniger Kriegstreiber im Blackrock-Kost\u00fcm Deutschlands letzten Tanz. [...]\" Hecht erzeugt in dieser Rede den Eindruck, die AfD befinde sich in einem apokalyptischen Endkampf gegen die von ihm pauschal als \"Faschisten\" verunglimpften \"Altparteien\", welche bestrebt seien, Deutschland in einen autorit\u00e4ren Staat zu verwandeln. Die mit einer FreundFeind-Rhetorik (\"Sch\u00fctzengraben\") aufgeladenen Worte Hechts sind dazu geeignet, bei den AfD-Anh\u00e4ngern die Bereitschaft zu wecken, sich dieser gef\u00fchlten Bedrohung gegebenenfalls mit extremen Mitteln zu erwehren - insbesondere falls eine baldige Regierungs\u00fcbernahme der AfD nicht eintreten sollte. Au\u00dfenpolitische Positionierung Anders als in den westdeutschen AfD-Landesverb\u00e4nden besteht in der AfD Sachsen-Anhalt in der au\u00dfenpolitischen Positionierung ein ausgepr\u00e4gter Konsens hinsichtlich einer kritischen Bewertung der deutschen Westbindung und des Wunsches einer wirtschaftlichen Wiederann\u00e4herung an die Russische F\u00f6deration. Wie in den Vorjahren \u00fcbte die AfD Sachsen-Anhalt daher fundamentale Kritik an der Russlandpolitik der Bundesregierung. In diesem Zusammenhang richtete die im Wesentlichen von AfD-Politikern aus Sachsen-Anhalt getragene prorussische Initiative \"Stoppt die Sanktionen!\", die zum Teil auch den Namen \"Bewegung gegen Sanktionen\" verwendet, Anfang M\u00e4rz 2025 eine Vortragsveranstaltung zum Thema \"Wie uns Wirtschaftssanktionen schaden\" in Schnellroda (Saalekreis) aus, bei der einige AfD-Politiker als Redner auftraten. Die Veranstaltung fand in der Gastst\u00e4tte \"Zum Sch\u00e4fchen\" statt, dessen R\u00e4umlichkeiten auch regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Veranstaltungen des aufgel\u00f6sten und neustrukturierten Instituts f\u00fcr Staatspolitik (IfS) und des AfD-Kreisverbands Saalekreis genutzt werden. Mit \"Stoppt die Sanktionen!\" dient die AfD Sachsen-Anhalt zum einen dem Interesse der russischen Staatsf\u00fchrung, in der deutschen Bev\u00f6lkerung Zweifel an der 29","Rechtsextremismus Berechtigung und dem Nutzen der internationalen Sanktionspolitik zu sch\u00fcren. Zum anderen zielt die AfD Sachsen-Anhalt mit ihrer Agitation auf die Diffamierung des gesamten politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland und seiner wesentlichen Vertreter. Mitte Januar 2025 gab die AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt bekannt, dass sie sich mit der bulgarischen Partei \"Wiedergeburt\" vernetzt habe, die fortan auch die Initiative \"Stoppt die Sanktionen!\" unterst\u00fctzen werde. \"Wiedergeburt\" erreichte bei der bulgarischen Nationalratswahl im Jahr 2024 15,8 Prozent der Stimmen und vertritt unter anderem nationalistische und prorussische Positionen. Im Europaparlament geh\u00f6rt die Partei zusammen mit der AfD der Fraktion \"Europa der Souver\u00e4nen Nationen\" (ESN) an. Gr\u00f6\u00dferen Raum als die Russlandpolitik nahm f\u00fcr die AfD Sachsen-Anhalt im Berichtszeitraum 2025 die au\u00dfenpolitische Positionierung gegen\u00fcber der gegenw\u00e4rtigen USRegierung ein. Nachdem in der Vergangenheit einzelne AfD-Mitglieder aus Sachsen-Anhalt bereits mehrfach Vertreter der republikanischen Partei in den USA besuchten, reiste im Dezember 2025 eine Delegation von mehreren AfD-Politikern aus Sachsen-Anhalt zur Ausweitung und Intensivierung der Kontakte in die USA. Mit Beginn der zweiten Amtszeit von Pr\u00e4sident Donald Trump suchte die AfD ostentativ die N\u00e4he zur US-Administration. Die AfD hoffte sowohl vom Momentum Trumps profitierten zu k\u00f6nnen, als auch auf unmittelbare Unterst\u00fctzung in innenpolitischen Konflikten, wie ein USamerikanisches Einschreiten bei einem etwaigen Versuch, die AfD durch das Bundesverfassungsgericht verbieten zu lassen. Bundestagswahl 2025 Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 wurde die AfD mit 37,1 Prozent der Zweitstimmen in Sachsen-Anhalt st\u00e4rkste Kraft. Mit zumeist deutlichem Abstand gewann die AfD alle acht Wahlkreise in Sachsen-Anhalt. Im Wahlkreis 68 (Harz) wurde Christina Baum gew\u00e4hlt. Baum geh\u00f6rt dem AfDLandesverband Baden-W\u00fcrttemberg an, war Mitglied des aufgel\u00f6sten parteiinternen Zusammenschlusses \"Der Fl\u00fcgel\" und z\u00e4hlt zu den radikalsten Politikerinnen der AfD. Aufgrund mangelnden Zuspruchs innerhalb ihres Landesverbandes hatte Baum ihre aktive parteipolitische Karriere bereits im Dezember 2024 f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt; auf Vorschlag von Mitgliedern des AfD-Kreisverbandes Harz lie\u00df sie sich f\u00fcr eine Direktkandidatur im lokalen Wahlkreis nominieren. Im Rahmen ihres Wahlkampfs trat Baum am 3. Februar 2025 als Rednerin bei einer Demonstration der rechtsextremistischen, neonazistisch gepr\u00e4gten Szene um Alexander Deptolla10 in Halberstadt (Landkreis Harz) auf. Neugr\u00fcndung der Jugendorganisation Anfang Januar 2025 beschloss die AfD auf ihrem Bundesparteitag in Riesa (Sachsen), sich von der Jungen Alternative (JA) in ihrer bisherigen Form zu trennen und eine neue Jugendorganisation aufzubauen. Nach dem Willen der AfD sollte die neue Jugendorganisation nicht mehr als eigenst\u00e4ndiger Verein neben der Partei bestehen, 10 Vgl. hierzu das Unterkapitel \"Parteiungebundener, vornehmlich neonazistisch gepr\u00e4gter Rechtsextremismus\", S. 46 ff. 30","Rechtsextremismus sondern integraler Bestandteil der AfD werden. Nach der Aufl\u00f6sung des JA-Bundesverbandes fasste auch der JA-Landesverband SachsenAnhalt (JA-LSA) am 8. M\u00e4rz 2025 den Beschluss zur unmittelbaren Aufl\u00f6sung. Mit der \u00f6ffentlichen Bekanntgabe stellte die JA-LSA jedoch zugleich klar, dass es sich hierbei vor allem um eine formale Entscheidung handele. Ihre Strukturen bestanden in der Folgezeit nahezu unver\u00e4ndert fort, so dass mit der formalen Selbstaufl\u00f6sung der JA-LSA keine Einschr\u00e4nkung ihrer Aktivit\u00e4ten einherging. Teils \u00fcber mehrere Jahre etablierte Veranstaltungen wie diverse Wanderungen und Treffen fanden weiterhin statt. Ebenso reisten Ende August 2025 aus dem gesamten Bundesgebiet Mitglieder der AfD und der ehemaligen JA zum allj\u00e4hrlichen Sommerfest nach Roxf\u00f6rde (Altmarkkreis-Salzwedel). Anders als in den Vorjahren wurde die Veranstaltung jedoch nach au\u00dfen hin als \"Privatfeier\" des lokalen AfD-Politikers Sebastian Koch dargestellt. Nach der Selbstaufl\u00f6sung verlagerte sich die Au\u00dfenkommunikation der fortbestehenden JA-Strukturen in Sachsen-Anhalt auf die ehemaligen JA-Gebietsverb\u00e4nde, die in diesem Zusammenhang jeweils ihre Selbstbezeichnung wechselten und eine eigene Symbolik entwickelten. Ma\u00dfgeblich sind hier vor allem die im Norden SachsenAnhalts aktive \"Heimattreue Altmark\", \"Wort und Tat\" aus Halle (Saale) und die \"Junge Offensive MD\" aus dem Raum Magdeburg zu nennen. Am 29. November 2025 wurde in Gie\u00dfen (Hessen) die \"Generation Deutschland\" (GD) als neue Jugendorganisation der AfD gegr\u00fcndet. Die GD ist unmittelbar in die Partei eingegliedert; eine Mitgliedschaft in der AfD ist fortan f\u00fcr alle Mitglieder der Jugendorganisation ab einem Alter von 17 Jahren obligatorisch. Der AfD-Bundesvorstand verspricht sich von diesem Modell eine bessere Steuerung der Jugendorganisation. Personell und damit auch hinsichtlich ihrer politischen Ausrichtung zeichnet sich bislang eine eindeutige Kontinuit\u00e4t zur aufgel\u00f6sten JA-LSA ab. Das gilt auch f\u00fcr die personelle Zusammensetzung des Bundesvorstandes der GD, nicht zuletzt f\u00fcr Florian Ru\u00df, der als Vertreter aus Sachsen-Anhalt als Beisitzer in den Bundesvorstand gew\u00e4hlt worden ist. Ru\u00df ist Mitglied der AfD-Stadtratsfraktion Magdeburg und war bis zu ihrer Selbstaufl\u00f6sung stellvertretender Vorsitzender der JA-LSA. Ru\u00df ist dem Lager des \"solidarischen Patriotismus\"11 innerhalb der AfD zuzuordnen und eng mit dem sogenannten neurechten Vorfeld der Partei verbunden.12 Bewertung, Tendenzen, Ausblick Programmatisch zielt die AfD in vielen gesellschaftlichen Bereichen auf einen Bruch mit den 11 Mit \"solidarischem Patriotismus\" ist die Verkn\u00fcpfung von sozialpolitischen mit nationalistischen Positionen gemeint. Das entsprechende Lager steht f\u00fcr eine v\u00f6lkisch-nationalistische Ausrichtung und eine Vielzahl rechtsextremistischer Bez\u00fcge. 12 Am 17. Januar 2026 wurde in Burg (Landkreis Jerichower Land) der GD Landesverband SachsenAnhalt (GD-LSA) gr\u00fcndet und Ru\u00df zum neuen Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt. 31","Rechtsextremismus bestehenden Verh\u00e4ltnissen in Sachsen-Anhalt. Dies zeigt sich insbesondere in dem Entwurf eines \"Regierungsprogramms\", der im Januar 2026 ver\u00f6ffentlicht und am 11. April 2026 mit nur wenigen \u00c4nderungen beschlossen wurde.13 Mit ihrer Bildungsund Kulturpolitik will die AfD auf eine Wende in der deutschen Erinnerungspolitik hinwirken, die sie als \"Verewigung eines Schuldkomplexes\"14 beschreibt. Ziel der Bildungspolitik solle stattdessen die Herausbildung einer \"stabilen Nationalidentit\u00e4t\"15 sein, die ihre Vorbilder u. a. im Deutschen Kaiserreich ab 1871 findet. Vereinen und Institutionen, die ihren Zielen entgegenstehen, will die AfD die staatliche F\u00f6rderung streichen. Die Zahl der Parteimitglieder nahm im Berichtsjahr weiterhin zu; sie stieg binnen eines Jahres von 2.580 auf 3.500 Mitglieder an. Seit 2023 weist die AfD Sachsen-Anhalt einen j\u00e4hrlichen Mitgliederzuwachs von 30 bis 40 Prozent aus und w\u00e4chst damit kontinuierlich auf hohem Niveau. Im M\u00e4rz 2025 l\u00f6ste sich die JA-LSA entsprechend eines Beschlusses des AfDBundesverbandes auf. In der Zeit bis zur Gr\u00fcndung des Landesverbandes der neuen Jugendorganisation \"Generation Deutschland\" im Januar 2026 blieben informelle Nachfolgestrukturen der JA-LSA unvermindert aktiv. In ihrer ideologischen Ausrichtung bleibt die AfD Sachsen-Anhalt geeint; eine Abkehr von ihren extremistischen Positionen ist weiterhin nicht absehbar. 13 Der Text ist nachzulesen unter https://afd-regierungsprogramm.de/. 14 Ebd. 15 Ebd. 32","Rechtsextremismus \"Die Heimat\" - ehemals \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Landesverband Sachsen-Anhalt Gr\u00fcndung Landesverband: 1990 (als Landesverband \"Mitteldeutsche Nationaldemokraten\") Bundesverband: 1964 (Umbenennung: Juni 2023) Sitz Landesverband: postalisch Berlin Bundesverband: Berlin Vorsitz Landesverband: Henry-Kurt Lippold (bis Oktober 2025) Jonas Zarrad (ab Oktober 2025) Bundesverband: Peter Schreiber (Sachsen) Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 70 70 Struktur / Elf Kreisverb\u00e4nde Aufbau \"Junge Nationalisten\" (JN, Jugendorganisation) Ver\u00f6ffentlichungen \"Aufgewacht. Die Deutsche Stimme\" (Seit Februar 2025 gemeinsam mit der Partei \"Freie Sachsen\", erscheint mehrmals j\u00e4hrlich) Internetpr\u00e4senzen bei Facebook, Instagram, Telegram und TikTok Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Kurzportrait / Ziele \"Die Heimat\" ist die \u00e4lteste aktive Partei des rechtsextremistischen Spektrums in Deutschland. Sie will den demokratischen Verfassungsstaat beseitigen und durch eine institutionell rassistische Gesellschaftsordnung ersetzen, in der von ihr so verstandene ethnisch Nichtdeutsche von der politischen Willensbildung ausgeschlossen sind. Ihre Programmatik ist auf die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichtet und sie ist bestrebt, die Gesellschaft im Sinne ihrer rassistischen, nationalsozialistischen und antisemitischen Vorstellungen zu pr\u00e4gen. Grund der Beobachtung \"Die Heimat\" vertritt ein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild, dessen ideologisches Kernelement die Idee einer ethnisch homogenen \"Volksgemeinschaft\" ist. Davon ausgehend propagiert sie unverhohlen rassistische und fremdenfeindliche Positionen. Die \"Vier S\u00e4ulen-Strategie\" der Partei, bestehend aus dem \"Kampf um die K\u00f6pfe\", dem \"Kampf um die Stra\u00dfe\", dem \"Kampf um die Parlamente\" und dem \"Kampf um den organisierten Willen\", verdeutlicht seit Jahren das Ziel, den demokratischen Verfassungsstaat systematisch und umfassend zu bek\u00e4mpfen. 33","Rechtsextremismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bundespartei Nachdem die Entwicklung der Partei im Jahr 2024 insbesondere von Zerw\u00fcrfnissen und ihrer zunehmenden politischen Marginalisierung gepr\u00e4gt war, konnte dieser Trend unter dem neuen Vorsitzenden Peter Schreiber zumindest teilweise gestoppt und die Umwandlung in eine rechtsextremistische \"Vernetzungsbewegung\" fortgesetzt werden. Im Fokus der aktuellen Parteif\u00fchrung steht weniger die Parlamentsorientierung bzw. das Bestreben, politischen Einfluss durch die Teilnahme an Wahlen zu nehmen, als vielmehr die Vernetzung mit anderen neonazistischen Akteuren. Dementsprechend trat \"Die Heimat\" nicht fl\u00e4chendeckend zur Bundestagswahl am 23. Februar 2025 an. Sie erkl\u00e4rte stattdessen, verschiedene \"Pers\u00f6nlichkeiten aus dem systemoppositionellen und regimekritischen Lager zu unterst\u00fctzen\". Der ausgebliebenen Teilnahme an der Bundestagswahl zum Trotz konnte die Partei die eigene Sichtbarkeit im Jahr 2025 bundesweit ausbauen. Dies ist insbesondere auf die enge Zusammenarbeit mit der rechtsextremistischen Partei \"Freie Sachsen\" zur\u00fcckzuf\u00fchren, mit der man seit Februar 2025 monatlich die gemeinsame Parteizeitschrift \"Aufgewacht. Die Deutsche Stimme\" herausgibt, sogenannte \"Netzwerktage\" veranstaltet und teilnehmerstarke Veranstaltungen wie am 1. Mai 2025 in Gera (Th\u00fcringen) organisiert. Ein aus Sicht der Partei positives Resultat dieser Zusammenarbeit sind die Mitgliederzahlen, die nach eigenen Angaben zum ersten Mal seit dem Jahr 2014 bundesweit angestiegen sind. Insbesondere Veranstaltungen wie jene am 1. Mai 2025 in Gera seien durch ihren anziehenden Effekt als \"Vorboten einer Trendwende\" zu betrachten. Insofern ist auch im kommenden Jahr von einer engen Kooperation beider Parteien auszugehen. Im Berichtsjahr verstarben kurz hintereinander zwei bundesweit bekannte Protagonisten der Partei. Am 17. Juli 2025 starb der langj\u00e4hrige Parteivorsitzende und zuletzt stellvertretende Bundesvorsitzende Udo Voigt (Berlin). Voigt war von 1996 bis 2011 Bundesvorsitzender der damals noch unter dem Namen \"NPD\" agierenden Partei, die sich unter seiner F\u00fchrung der neonazistischen Szene \u00f6ffnete. Zahlreiche Trauerbekundungen aus der bundesweiten Szene wie auch aus dem europ\u00e4ischen Ausland unterstreichen die Stellung, die er bis zuletzt in der rechtsextremistischen Szene innehatte. Kurz darauf starb am 27. Juli 2025 Horst Mahler (Brandenburg). Seit den 1990er Jahren hatte sich Mahler zunehmend der rechtsextremistischen Szene zugewandt, wurde Mitglied der NPD bzw. der Partei \"Die Heimat\" und vertrat die Partei als Rechtsbeistand im Rahmen des ersten Parteiverbotsverfahrens 2001 bis 2003. In einem Posting zu seinem Tod bezeichnete der Bundesverband der Partei \"Die Heimat\" Mahler als einen \"K\u00e4mpfer f\u00fcr Deutschland und f\u00fcr das Recht\". Landesverband Sachsen-Anhalt Die auf bundespolitischer Ebene zu beobachtende Konsolidierung der Partei \"Die Heimat\" ist auf Sachsen-Anhalt nur eingeschr\u00e4nkt zu \u00fcbertragen. Wie schon in den zwei vorangegangenen Jahren z\u00e4hlte der Landesverband im Berichtsjahr rund 70 Mitglieder. Auf \u00f6ffentlich verbreiteten Bildern von Parteiveranstaltungen kann ein weitgehend 34","Rechtsextremismus gleichbleibender Personenkreis festgestellt werden. Die Kreisverb\u00e4nde im Land existieren weiterhin haupts\u00e4chlich formal; Aktivit\u00e4ten finden lediglich punktuell in Halle (Saale), in den Landkreisen Wittenberg und Mansfeld-S\u00fcdharz sowie vereinzelt in Magdeburg und im Burgenlandkreis statt. Seit Herbst 2025 ist im Landesverband ein Generationenwechsel zu beobachten. Im Zuge der Verj\u00fcngung des Landesvorstandes wurde der bisherige JN-Funktion\u00e4r Jonas Zarrad im Oktober 2025 zum neuen Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Der langj\u00e4hrige Vorsitzende Henry Lippold \u00fcbernahm das Amt des stellvertretenden Landesvorsitzenden. Im Vorstand vertreten sind nunmehr auch der im Jahr 2024 aus Dortmund zugezogene Alexander Deptolla (Halberstadt, Landkreis Harz), der bereits in Dortmund in der Partei aktiv war, und der JNBundesvorsitzende Sebastian Weigler (V\u00f6lpke, Landkreis B\u00f6rde). Dass Deptolla und Weigler, die bis dato keine Einbindung in den Landesverband Sachsen-Anhalt erkennen lie\u00dfen, nunmehr Vorstands\u00e4mter innehaben, belegt ihren F\u00fchrungsanspruch innerhalb der Partei \"Die Heimat\" und illustriert den allm\u00e4hlichen Wandel in der F\u00fchrungsspitze der Partei in Sachsen-Anhalt. Im Einzelfall berichteten der Landesverband sowie die Kreisverb\u00e4nde \u00fcber interne Veranstaltungen. Die Zahl der so dokumentierten Aktivit\u00e4ten ist zwar weiterhin niedrig; jedoch zeigte sich im Berichtsjahr eine im Vergleich zum Vorjahr st\u00e4rkere Vernetzung der Partei mit lokalen rechtsextremistischen Szenen. Beispielhaft f\u00fchrten Parteimitglieder gemeinsam mit den JN und Mitgliedern der subkulturell gepr\u00e4gten Magdeburger Szene am Jahrestag der Amokfahrt auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt vom 20. Dezember 2024 eine gemeinsame Gedenkaktion mit etwa 20 Teilnehmern durch. Auch an einer im Rahmen des Volkstrauertages durchgef\u00fchrten Aktion beteiligten sich Mitglieder der \"Heimat\" gemeinsam mit Mitgliedern der rechtsextremistischen Szene aus dem Harz, dem Salzlandkreis und dem Landkreis B\u00f6rde. Zu gr\u00f6\u00dferen eigenen Veranstaltungen des Landesverbandes kam es im Berichtsjahr nicht. Die mobilisierungsstarken Proteste gegen Veranstaltungen zum Christopher Street Day in Magdeburg und der Lutherstadt Wittenberg im Sommer 2025 wurden von JN-Mitgliedern angemeldet, nicht von der Partei selbst. Auch eigene Veranstaltungen des rechtsextremistischen \"Heldengedenkens\" fanden nur in kleinerem Rahmen statt; f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Aktionen beteiligte man sich an Veranstaltungen anderer rechtsextremistischer Akteure bzw. Landesverb\u00e4nde der Partei \"Die Heimat\", so etwa in Gera (Th\u00fcringen) oder Berlin. Nach l\u00e4ngerer Zeit der Stagnation in Bezug auf die eigene Reichweite hat der Landesverband im Berichtsjahr neue Social-Media-Pr\u00e4senzen er\u00f6ffnet, \u00fcber die jedoch fast ausschlie\u00dflich Artikel der parteieigenen Zeitschrift sowie Beitr\u00e4ge des Bundesverbandes geteilt wurden. Zudem verbreitet der Landesverband in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Einsch\u00e4tzungen aktueller politischer Entwicklungen, die fremdenfeindliche \u00c4u\u00dferungen enthalten und das politische System der Bundesrepublik Deutschland ver\u00e4chtlich machen. Die besonders im Harz aktive und von Alexander Deptolla angef\u00fchrte Gruppierung \"Harz Verteidigen\" bekannte sich im Sommer 2025 in den sozialen Netzwerken zwar offen zur Einbindung in die Partei; sie entfaltet jedoch einen Gro\u00dfteil ihrer Aktivit\u00e4ten unabh\u00e4ngig von 35","Rechtsextremismus dieser und wird daher gesondert dargestellt.16 \"Junge Nationalisten\" (JN) Auf einem in Sachsen abgehaltenen Bundesparteitag im November 2025 wurde Sebastian Weigler erneut als Bundesvorsitzender der JN best\u00e4tigt. Nach Aussagen der JN auf der Plattform Telegram ist seine erneute Wahl als Best\u00e4tigung f\u00fcr \"die erfolgreiche Dynamik der JN in den letzten Jahren\" zu sehen, die insbesondere an einem starken Anwachsen der Mitgliederzahlen abzulesen sei. Weigler trat auch zur B\u00fcrgermeisterwahl in seinem Wohnort V\u00f6lpke am 30. November 2025 an, unterlag jedoch mit 14,1 % der abgegebenen Stimmen. Seine Kandidatur wurde innerhalb der rechtsextremistischen Szene als \"b\u00fcrgernahe Graswurzelarbeit\" bezeichnet und entsprechend gelobt. Nachdem die JN in Sachsen-Anhalt im Jahr 2024 nach einer Phase der Inaktivit\u00e4t mit der \"Elbjugend\" wieder einen Ableger in Magdeburg gr\u00fcndete, schritt ihr Strukturausbau im Berichtsjahr weiter voran. Mit der \"Burgenlandjugend\" gr\u00fcndete sich ein weiterer \"St\u00fctzpunkt\" im S\u00fcden des Landes, der insbesondere Jugendliche aus dem Burgenlandund Saalekreis ansprechen soll. Neben zahlreichen internen Veranstaltungen wie Wanderungen und Schulungsveranstaltungen - letztere wurden zum Teil in den R\u00e4umlichkeiten der Partei \"Die Heimat\" in Halle (Saale) durchgef\u00fchrt - trat die JN in Sachsen-Anhalt insbesondere mit zwei Anti-CSD-Veranstaltungen unter dem bundesweit einheitlichen Motto \"Familie, Heimat und Nation - statt CSD und Perversion\" in Erscheinung. Die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Anti-CSDVeranstaltungen des Berichtsjahres fanden am 21. Juni 2025 in Lutherstadt Wittenberg und am 23. August 2025 in Magdeburg mit Teilnehmenden aus den Reihen aktionsorientierter rechtsextremistischer Jugendgruppen statt. Insbesondere die Veranstaltung in Magdeburg war im Vorfeld deutschlandweit beworben worden. Neben Redebeitr\u00e4gen namhafter Rechtsextremisten wie Sven Skoda (Nordrhein-Westfalen) und Thorsten Heise (Th\u00fcringen) waren Informationsst\u00e4nde der Partei \"Die Heimat\" sowie ein Auftritt des Musikers Philipp Neumann (Tangerh\u00fctte, alias \"Phil von FLAK\") angek\u00fcndigt. Trotz starker Mobilisierung und zahlreicher Teilnahmezusagen in den sozialen Medien blieb in Magdeburg die tats\u00e4chliche Teilnehmerzahl mit rund 350 Personen deutlich hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Auch an der Versammlung in Lutherstadt Wittenberg beteiligten sich lediglich etwa 70 Rechtsextremisten. Der Gro\u00dfteil der Teilnehmenden beider Versammlungen stammte aus dem Umfeld der JN, insbesondere aus Sachsen-Anhalt und den angrenzenden Bundesl\u00e4ndern sowie zum Teil aus Dortmund. Die im vergangenen Jahr bei Anti-CSD-Veranstaltungen dominanten aktionsorientierten Personenzusammenschl\u00fcsse wie \"Jung & Stark\" (JS) oder \"Deutsche Jugend Voran\" (DJV) waren in diese Veranstaltungen nicht mehr organisatorisch eingebunden, nahmen aber auch diesmal daran teil. 16 Vgl. hierzu das Unterkapitel \"Parteiungebundener, vornehmlich neonazistisch gepr\u00e4gter Rechtsextremismus\", S. 46 ff. 36","Rechtsextremismus Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die einstige F\u00fchrungsrolle der NPD innerhalb der rechtsextremistischen Szene kann die Partei \"Die Heimat\" auch im Jahr 2025 nicht mehr ausf\u00fcllen; dennoch konnte sie den in den vergangenen Jahren zu beobachtenden allm\u00e4hlichen Niedergang vorerst aufhalten. Der angesto\u00dfene Reformkurs scheint angesichts steigender Mitgliederzahlen Fr\u00fcchte zu tragen. In Sachsen-Anhalt fanden im Berichtszeitraum kaum eigene \u00f6ffentlichkeitswirksame und anschlussf\u00e4hige Aktivit\u00e4ten statt. Die meisten Kreisverb\u00e4nde existieren nur formal. Aufgrund der unl\u00e4ngst erfolgten Wahl der netzwerkstarken Protagonisten Alexander Deptolla und Sebastian Weigler in den Landesvorstand der Partei ist allerdings zu erwarten, dass diese ihre \u00fcber die Jahre geschaffenen Beziehungen und ihre Erfahrungen nutzen werden, um den Landesverband in ihrem Sinne zu formen. In diesem Zuge ist insbesondere die Entwicklung der JN weiterhin in den Blick zu nehmen. Ihre im Verfassungsschutzbericht 2024 konstatierte Abl\u00f6sung von der Mutterpartei17 tritt mittlerweile weniger stark zu Tage; vielmehr sprechen der \u00dcbergang des engagierten JNFunktion\u00e4rs Jonas Zarrad und die Nutzung von R\u00e4umlichkeiten der Partei \"Die Heimat\" in Halle (Saale) f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Kooperation beider Organisationen. Dies d\u00fcrfte die strukturellen Probleme, die der Landesverband Sachsen-Anhalt weiterhin aufweist, zumindest vorerst abmildern. 17 Vgl. Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2024. Magdeburg 2025, S. 43. 37","Rechtsextremismus \"Der III. Weg\" (III. Weg) Gr\u00fcndung 2013 Sitz Weidenthal (Rheinland-Pfalz) Vorsitz Matthias Fischer (Brandenburg) Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 100 110 Struktur / Bundesweite Gliederung in vier Landesverb\u00e4nde und 26 Aufbau St\u00fctzpunkte (in Sachsen-Anhalt existieren die St\u00fctzpunkte Anhalt, Magdeburg/Altmark und Burgenlandkreis)18 \"Nationalrevolution\u00e4re Jugend\" (NRJ, Jugendarbeitsgruppe) Ver\u00f6ffentlichungen http://www.der-dritte-weg.info (Homepage) Soziale Netzwerke (Telegram) Printmedium \"Theorie und Aktion\" (monatlich) Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Einnahmen aus dem Materialvertrieb Kurzportrait / Ziele Die 2013 gegr\u00fcndete Partei \"Der III. Weg\" ist seit Jahren fest im rechtsextremistischen Spektrum verankert. Die Partei gliedert sich in vier Landesverb\u00e4nde und 26 St\u00fctzpunkte (STP). Die STP sind direkt dem Bundesvorstand der Partei unterstellt, da es keine Kreisverb\u00e4nde gibt. \"Der III. Weg\" versteht sich als eine v\u00f6lkische Weltanschauungspartei innerhalb der nationalen Bewegung. Mit ihrem Auftreten verfolgt die Partei einen ganzheitlichen Ansatz, der sich nicht nur auf parteipolitische Aktionen beschr\u00e4nkt. Grundlage der Parteiaktivit\u00e4ten ist das sogenannte \"Drei-S\u00e4ulen-Konzept\": politischer Kampf, kultureller Kampf und Kampf um die Gemeinschaft. Ein wichtiger Baustein f\u00fcr die Umsetzung des Konzepts sind die thematischen Arbeitsgruppen der Partei zu Themen wie Ideologie, Sport, Umwelt und Jugendarbeit. Hierbei handelt es sich nicht um eigenst\u00e4ndige Unterorganisationen der Partei, sondern um weniger fest organisierte Zusammenschl\u00fcsse interessierter Parteimitglieder, die ein thematisches Ziel verfolgen. F\u00fcr die Jugendarbeit wurde die \"Nationalrevolution\u00e4re Jugend\" (NRJ) etabliert. Das Ziel der NRJ ist es, Jugendliche zu indoktrinieren und an die Partei zu binden. Dar\u00fcber hinaus fungiert sie als eine Art Kaderschmiede f\u00fcr neue Parteifunktion\u00e4re (z. B. f\u00fcr k\u00fcnftige \"St\u00fctzpunktleiter\"). 18 Die genannten St\u00fctzpunkte nutzen jeweils eigene Telegramkan\u00e4le. Daneben existiert noch der Telegram-Kanal \"Der III. Weg Harz\". 38","Rechtsextremismus Grund der Beobachtung F\u00fchrungspersonen der Partei sind seit Jahren fest im rechtsextremistischen Spektrum verankert und seit der Gr\u00fcndung der Partei bem\u00fcht, den Strukturaufbau weiter voranzutreiben. Das Parteiprogramm lehnt sich zum Teil an Vertreter des sogenannten \"linken\" Nationalsozialismus an und propagiert ein v\u00f6lkisch-antipluralistisches Menschenund Gesellschaftsbild. Es fordert die Erhaltung und Entwicklung der \"biologischen Volkssubstanz\" und die Schaffung eines \"Deutschen Sozialismus\". \"Der III. Weg\" agitiert insgesamt antisemitisch, ausl\u00e4nderfeindlich und revisionistisch. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Positionierung zur Bundestagswahl 2025 Im Nachgang der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 wurde auf der Parteihomepage der Beitrag \"Bundestagswahl 2025: Eine nationalrevolution\u00e4re Analyse\" ver\u00f6ffentlicht, in dem die Frage aufgeworfen wird, wie sich die Lage aus nationalrevolution\u00e4rer Sicht entwickele. Mit Blick auf das Wahlergebnis der AfD wird betont, dass die AfD keine revolution\u00e4re Partei sei und perspektivisch sogar eine Gefahr f\u00fcr das \"nationalrevolution\u00e4re Lager\" darstelle. Nur \"Der III. Weg\" werde sich in Zukunft als \"einzige authentische und weltanschaulich fundierte Alternative etablieren\". \u00dcberregionale Aktivit\u00e4ten \"Der III. Weg\" organisierte f\u00fcr den 29. M\u00e4rz 2025 eine bundesweite Aktion in Form eines versammlungsrechtlichen Aktionstages unter dem Motto \"Unsere Alternative hei\u00dft Revolution - f\u00fcr eine ganzheitliche Erneuerung!\" in Berlin. Insgesamt nahmen rund 250 Personen aus mehreren Bundesl\u00e4ndern, darunter etwa 15 Personen aus Sachsen-Anhalt sowie Vertreter ausl\u00e4ndischer Organisationen, an dem Aufzug durch Berlin-Hellersdorf teil. Es wurden mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Unter dem Motto \"Unsere Alternative hei\u00dft Revolution\" organisierte die Partei eine Versammlung zum 1. Mai 2025 in Suhl (Th\u00fcringen). Etwa 220 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden mobilisiert, darunter etwa zehn Personen aus Sachsen-Anhalt, die den STP Burgenlandkreis und Anhalt angeh\u00f6ren. Die Redebeitr\u00e4ge auf der Versammlung thematisierten die aktuelle Situation in Deutschland. Auf der Internetseite der Partei hei\u00dft es, dass in Deutschland ein \"krankes System\" herrsche, in dem \"zahlreiche Deutsche seit vielen Jahren immer mehr verarmen und viele schon bald in eine existenzielle Krise geraten. [...] Doch dass alles sind keine Naturgesetze, sondern Folgen von bewussten Entscheidungen eines kranken Systems, von dem eine kleine Minderheit auf Kosten des ganzen Volkes profitiert!\". (Alle Fehler im Original) 39","Rechtsextremismus Vom 6. bis 9. Juni 2025 fand ein Aktionswochenende in Berga-W\u00fcnschendorf (Th\u00fcringen) statt, das von der NRJ Vogtland (Sachsen) organisiert worden war und an dem etwa 80 bis 100 Personen teilnahmen. Unter dem Motto \"Sport, Disziplin und Gemeinschaft\" fanden an den drei Tagen zahlreiche sportliche Aktivit\u00e4ten und Vortr\u00e4ge statt. Von der Polizei wurden zahlreiche Teilnehmer aus Brandenburg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, NordrheinWestfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Th\u00fcringen festgestellt. Aus Sachsen-Anhalt nahmen Angeh\u00f6rige des STP Anhalt teil. Am 3. Oktober 2025 wurde in Hilchenbach (Nordrhein-Westfalen) zum siebenten Mal der \"Tag der Heimattreue\" mit etwa 100 Personen durchgef\u00fchrt. Der Parteivorsitzende Matthias Fischer (Brandenburg) sowie der Vorsitzende des Gebietsverbandes West, Julian Bender (Nordrhein-Westfalen), traten als Redner auf. Im Vorfeld des \"Tages der Heimattreue\" wurde auch der Bundesparteitag durchgef\u00fchrt, bei dem der neue Vorstand gew\u00e4hlt wurde. Der Parteitag hat Matthias Fischer (Brandenburg) erneut in seinem Amt als Bundesvorsitzender best\u00e4tigt, ebenso Klaus Armstroff (RheinlandPfalz) als Stellvertreter. Auf dem Parteitag wurde eine \u00c4nderung des Programmpunktes 8 im Parteiprogramm beschlossen, der eine Beteiligung deutscher Streitkr\u00e4fte an Konflikten im Ausland bis dato \"kategorisch\" abgelehnt hatte. Mit der Begr\u00fcndung, dass sich seit der Gr\u00fcndung der Partei im Jahr 2013 die geopolitische Situation v\u00f6llig ver\u00e4ndert habe, wird diese Ablehnung in der nun beschlossenen neuen Fassung des Programmtextes relativiert. Ab sofort hei\u00dft es im Punkt 8 u. a.: \"[...] Kriegseins\u00e4tze der Armee im Ausland sind nur im direkten Zusammenhang mit der Sicherheit Deutschlands oder Europas m\u00f6glich. Ziel der Partei DER DRITTE WEG ist die Wiedereinf\u00fchrung der Wehrpflicht, die Wiederherstellung der Wehrt\u00fcchtigkeit, sowie die Schaffung eines europ\u00e4ischen Verteidigungsb\u00fcndnisses, verbunden mit dem Austritt Deutschlands aus der NATO.\" Entwicklung und Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt In Sachsen-Anhalt f\u00fchrten die Mitglieder der Partei und die NRJ zahlreiche Veranstaltungen durch, welche die STP im Nachgang auf ihren Telegram-Kan\u00e4len bzw. auf der Internetseite des Bundesverbandes dokumentierten. Neben der Durchf\u00fchrung von Wanderungen, Aktionstagen und Kampfsportaktivit\u00e4ten wurde auch eine offensive \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Form von Infost\u00e4nden und Flugblattverteilaktionen betrieben. F\u00fcr die drei in Sachsen-Anhalt aktiven STP werden die nachfolgenden Veranstaltungen exemplarisch dargestellt. 40","Rechtsextremismus St\u00fctzpunkt Anhalt (STP Anhalt) Der STP Anhalt organisierte f\u00fcr den 18. Januar 2025 einen Liederabend mit dem Liedermacher \"Stereotyp\" in Lutherstadt Wittenberg mit etwa 25 Personen der regionalen Szene sowie Parteimitgliedern aus Brandenburg. Am 19. April 2025 veranstaltete der STP Anhalt einen Gemeinschaftstag mit etwa zehn St\u00fctzpunktmitgliedern unter dem Motto \"Kultur, Natur und Brauchtum\" im W\u00f6rlitzer Park (Landkreis Wittenberg). Unter dem Motto \"Vom Ich zum Wir\" wurde am 5. Juli 2025 eine Nachtwanderung mit Mitgliedern der STP Anhalt und Burgenlandkreis um den Goitzschesee (Landkreis AnhaltBitterfeld) durchgef\u00fchrt. Am 23. August 2025 fand unter dem Motto \"Wir sind die echten Gr\u00fcnen!\" ein \"Sportund Gemeinschaftstag\" im Landkreis Anhalt-Bitterfeld statt. Die Teilnehmenden veranstalteten eine Fahrradtour durch den Landkreis Anhalt-Bitterfeld und \u00fcbten sich in Selbstverteidigung. Dar\u00fcber hinaus konzentrierte sich der STP Anhalt auf Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit der Arbeitsgemeinschaft (AG) \"Erde und Zukunft\", die sich mit Kampagnen zum Thema Umweltund Heimatschutz auseinandersetzt. So fand am 18. Oktober 2025 im Raum Anhalt eine \"Herbstwanderung mit Kr\u00e4uterkunde\" statt, an der etwa 15 Personen teilnahmen. Auf dem Telegram-Kanal des STP Anhalt wurde hervorgehoben, dass die Verkn\u00fcpfung von \"Nationalismus und \u00d6kologie\" Zweck der Veranstaltung gewesen sei. Anl\u00e4sslich des Volkstrauertages f\u00fchrten Angeh\u00f6rige der Partei einen \"Ehrendienst\" an Soldatendenkm\u00e4lern im Raum Anhalt durch. Die Denkm\u00e4ler wurden gereinigt und es wurden Kerzen mit der Aufschrift \"Der III. Weg\" entz\u00fcndet. St\u00fctzpunkt Burgenlandkreis (STP Burgenlandkreis) Am 12. April 2025 f\u00fchrte der STP Burgenlandkreis eine \"Bismarckwanderung\" zur Burg Saaleck und zur Rudelsburg durch. An der Wanderung beteiligten sich etwa zehn Personen, darunter auch Angeh\u00f6rige des STP Magdeburg/Altmark. Anl\u00e4sslich seines dreij\u00e4hrigen Bestehens gab der STP Burgenlandkreis auf seinem Telegram-Kanal am 20. April 2025 einen \u00dcberblick \u00fcber die \"nationalrevolution\u00e4re Arbeit\", die im Burgenlandkreis und im s\u00fcdlichen Harz geleistet worden sei. Hervorgehoben wurden die Proteste gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie, das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern und das Betreuen von Infost\u00e4nden, die Kontaktpflege zu anderen STP im gesamten Bundesgebiet sowie diverse Wanderungen (u. a. der regelm\u00e4\u00dfig unternommene \"Brockensturm\"). Mitglieder des STP beteiligten sich am 12. Juli 2025 an einem Gemeinschaftstag in Th\u00fcringen. Die Teilnehmer unternahmen laut Eigenangabe im Internet eine Wanderung an der Barbarossah\u00f6hle und besuchten anschlie\u00dfend das Kyffh\u00e4userdenkmal. Mit dem Besuch deutscher Kulturst\u00e4tten wolle man zeigen, dass die Gemeinschaft die St\u00e4rke der Partei sei und man sich f\u00fcr den Erhalt deutscher Kultur einsetze. 41","Rechtsextremismus Anl\u00e4sslich des Volkstrauertages f\u00fchrten Mitglieder des STP Burgenlandkreis am 16. November 2025 ein Gedenken in den Ortschaften Erdeborn, L\u00fcttchendorf, Unterri\u00dfdorf, Helfta, Lutherstadt Eisleben, Volkstedt, Sangerhausen (alle Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz) sowie Wei\u00dfenfels, Zeitz und Nebra (alle Burgenlandkreis) durch. St\u00fctzpunkt Magdeburg/ Altmark (STP Magdeburg/Altmark) Als Reaktion auf die Amokfahrt auf dem Weihnachtsmarkt in Magdeburg vom 20. Dezember 2024 f\u00fchrte der STP Magdeburg/Altmark am 10. Januar 2025 in Magdeburg eine Banneraktion mit Flugblattverteilung zum Thema \"DIE WAHRE KRISE IST DAS SYSTEM\" und \"GRENZEN SCH\u00dcTZEN = SICHERE WEIHNACHTSM\u00c4RKTE\" mit etwa zehn Personen durch. Im Zusammenhang mit dem Gedenken anl\u00e4sslich des Jahrestages der Zerst\u00f6rung Magdeburgs durch alliierte Luftverb\u00e4nde im Zweiten Weltkrieg legten Mitglieder des STP Magdeburg/Altmark am 20. Januar 2025 einen Kranz an der Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Bombenopfer des Zweiten Weltkriegs auf dem Neust\u00e4dter Friedhof in Magdeburg nieder. Dar\u00fcber hinaus berichtete der STP Magdeburg/Altmark \u00fcber eine Wanderung im Selketal (Landkreis Harz) im September 2025 sowie \u00fcber einen im November 2025 durchgef\u00fchrten \"Harzmarsch 2025\". \"Nationalrevolution\u00e4re Jugend\" (NRJ) Die NRJ agierte auch 2025 als \"Dienstleister\" f\u00fcr die St\u00fctzpunktleitungen in Sachsen-Anhalt. Angeh\u00f6rige der NRJ beteiligten sich an Infost\u00e4nden und Flugblattverteilaktionen der Partei zu den Themen \"WIR SIND DIE ECHTEN GR\u00dcNEN\", \"F\u00dcR EINEN DEUTSCHEN SOZIALISMUS\", \"EHRE DER DEUTSCHEN MUTTER\", \"UNSERE ALTERNATIVE HEI\u00dfT REVOLUTION\" in den Landkreisen Anhalt-Bitterfeld, Burgenlandkreis, Wittenberg, Salzlandkreis und Dessau-Ro\u00dflau. Bewertung, Tendenzen, Ausblick \"Der III. Weg\" konnte die bisherigen Parteistrukturen in Sachsen-Anhalt verstetigen; das Personenpotenzial ist gestiegen. Ein Gro\u00dfteil der Mitglieder war nur sporadisch aktiv. Den drei STP in Sachsen-Anhalt k\u00f6nnen je etwa 15 bis 25 aktive Personen zugerechnet werden. Die Pr\u00e4senz in den sozialen Medien wurde verst\u00e4rkt; die Berichterstattungen \u00fcber Flugblattverteilaktionen nahmen weiter zu. An \u00fcberregionalen Veranstaltungen beteiligte man sich aufgrund finanzieller Probleme nur marginal. Im Berichtsjahr wurde deutlich, dass die Partei eine Zusammenarbeit mit anderen rechtsextremistischen Parteien wie \"Die Heimat\" oder die AfD mit der Begr\u00fcndung ablehnt, dass diese nicht dieselben nationalrevolution\u00e4ren Ziele verfolgen w\u00fcrden wie \"Der III. Weg\". 42","Rechtsextremismus \"Der III. Weg\" wird auch in Zukunft versuchen, vornehmlich junge Menschen als neue Mitglieder zu rekrutieren. Aufgrund der ideologischen und sportlichen Ausrichtung der Partei wird speziell der Kampfsport zur St\u00e4rkung des K\u00f6rpers f\u00fcr den Kampf mit dem politischen Gegner eine Rolle spielen. Dabei wird sich \"Der III. Weg\" auf \"Aktionsund Gemeinschaftstage\" konzentrieren. Die Partei wird sich weiterhin darum bem\u00fchen, mit Flugblattverteilaktionen und Infost\u00e4nden u. a. zum Thema Zuwanderung eine vermeintliche B\u00fcrgern\u00e4he zu demonstrieren. In Anbetracht der bisherigen Mobilisierungsschw\u00e4che der regionalen Parteistrukturen ist in Sachsen-Anhalt nicht mit Gro\u00dfveranstaltungen mit \u00fcberregionaler Beteiligung zu rechnen. 43","Rechtsextremismus PARTEIUNGEBUNDENER, VORNEHMLICH NEONAZISTISCH GEPR\u00c4GTER RECHTSEXTREMISMUS Gr\u00fcndung Neonazistische Organisationen etablierten sich insbesondere in den 1970er Jahren und existieren in Sachsen-Anhalt seit der Wiedervereinigung. Verbreitung Bundesweit Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 290 310 Struktur / Die rechtsextremistische Szene hat sich in den letzten Jahren Aufbau modernisiert und passt sich der gesellschaftlichen Entwicklung an. Die heterogene neonazistische Szene in Sachsen-Anhalt agiert weiterhin in aktionsorientierten, regionalen Gruppierungen, die teilweise durch unterschiedliche ideologische Str\u00f6mungen des Rechtsextremismus charakterisiert sind. Gruppenbezeichnungen wie \"Kameradschaften\", \"Aktionsb\u00fcndnisse\" oder \"Bruderschaften\" suggerieren eine Handlungsbereitschaft und deuten auch auf eine Gewaltorientierung hin. Im Berichtsjahr waren regionale Personenzusammenschl\u00fcsse in der Altmark, im Burgenlandkreis, im Raum Anhalt sowie in den Landkreisen Harz und Mansfeld-S\u00fcdharz aktiv. Diese verf\u00fcgen zwar kaum \u00fcber feste Strukturen, sind aber gut miteinander vernetzt, so dass eine gemeinsame Mobilisierung, insbesondere zu einzelnen Veranstaltungen, m\u00f6glich ist. Einzelpersonen mit \u00fcberregionalen und organisations\u00fcbergreifenden Kontakten nehmen in diesen Gruppierungen eine F\u00fchrungsrolle ein. Es bestehen Kontakte zu der rechtsextremistischen Partei \"Der III. Weg\" sowie zahlreiche personelle \u00dcberschneidungen zwischen der parteiungebundenen Szene und den JN.19 Neonazis bilden den gr\u00f6\u00dften Teil der parteiungebundenen rechtsextremistischen Szene. Das Personenpotenzial umfasst dabei sowohl Gruppierungen mit einem subkulturellen \"Einschlag\" als auch Gruppierungen, die f\u00fcr ideologische Varianten des Nationalsozialismus und die \u00dcbernahme neuer Verhaltensweisen aufgeschlossen sind, sowie Gruppierungen, die den historischen Nationalsozialismus verherrlichen. Oft werden die Zusammenschl\u00fcsse vorrangig von einzelnen Akteuren geeint und zur Zusammenarbeit untereinander gesteuert. Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: diverse, teils wechselnde Auftritte in den sozialen Medien (vor allem Instagram, TikTok, X mit verst\u00e4rkter Nutzung von geschlossenen Gruppenchats, aber auch Telegram-Kan\u00e4le zur Kommunikation mit der \u00d6ffentlichkeit) 19 Vgl. hierzu die Abschnitte \"Der III. Weg\" und \"Die Heimat\" in dem Unterkapitel \"Rechtsextremistisches Parteienspektrum\", S. 33 ff. u. S. 38 ff. 44","Rechtsextremismus Publikation: Zeitschrift \"N.S. Heute\" Finanzierung Zumeist unterhalten parteiungebundene Personenzusammenschl\u00fcsse eine sogenannte \"Gruppenkasse\". Es werden mitunter auch Spendengelder gesammelt. Bei Veranstaltungen (z. B. Vortr\u00e4gen, Rechtsschulungen oder Musikveranstaltungen) zahlen Teilnehmer in der Regel einen Unkostenbeitrag bzw. Eintritt. Einige Gruppierungen bewerben eigene Merchandise-Produkte in Form von Bekleidung und Aufklebern. Kurzportrait / Ziele Neonazis stehen in der ideologischen Tradition des historischen Nationalsozialismus. Sie treten bei geschichtstr\u00e4chtigen Ereignissen, vornehmlich aus der Zeit des Dritten Reiches, oder bei der Glorifizierung einzelner prominenter Nationalsozialisten auch \u00f6ffentlichkeitswirksam in Erscheinung (z. B. bei \"Trauerm\u00e4rschen\" zum Gedenken an die Zerst\u00f6rung deutscher St\u00e4dte im Zweiten Weltkrieg, bei dem sogenannten \"Tag der Ehre\" in Ungarn, bei Feiern anl\u00e4sslich des Geburtstags von Adolf Hitler am 20. April, bei Veranstaltungen zum 1. und 8. Mai sowie bei \"Sonnenwendfeiern\" oder anderen Veranstaltungen zum Zweck der germanischen \"Brauchtumspflege\"). Der Neonazismus ist bem\u00fcht, sich den gesellschaftlichen Gegebenheiten, insbesondere im Hinblick auf aktuelle sozialoder gesellschaftspolitische Fragen, stetig anzupassen. Tagespolitische Themen werden in den sozialen Medien und auf der Stra\u00dfe aufgegriffen und zum Zweck der Propagierung des neonazistischen Weltbildes instrumentalisiert. Grund der Beobachtung Neonazistische Gruppierungen zeichnen sich durch eine vor allem von Rassismus und Antisemitismus gepr\u00e4gte Ideologie aus, welche sich am Nationalsozialismus orientiert und somit im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung steht. Teile der Bev\u00f6lkerung werden als minderwertig angesehen; ihre verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechte, wie die Menschenw\u00fcrdegarantie und die Gleichheit vor dem Gesetz, werden ihnen in der Konsequenz abgesprochen. Die geschichtsrevisionistische Umdeutung oder Relativierung des Nationalsozialismus geh\u00f6rt zu den zentralen Ideologemen des deutschen Neonazismus. Aufgrund ihrer Vorstellung von einer antipluralistischen Gesellschaft und einem autorit\u00e4ren Staat, in dem politischen Gegnern als \"Feinden\" das Existenzrecht abgesprochen wird, ist Neonazis eine grunds\u00e4tzliche Gewaltorientierung zuzuschreiben. Gewalt gegen \"Fremde\" und \"Feinde\" wird auf dieser Basis legitimiert. 45","Rechtsextremismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \"Harz Verteidigen\" und Aktivit\u00e4ten der Szene um Alexander Deptolla Nach seinem Umzug von Dortmund nach Halberstadt (Landkreis Harz) im Jahr 2024 ist der Rechtsextremist Alexander Deptolla zu einer relevanten Figur f\u00fcr die neonazistische Szene in Sachsen-Anhalt geworden.20 Diese Entwicklung hat sich im Berichtsjahr weiter fortgesetzt und verstetigt. Insbesondere im Landkreis Harz, aber auch \u00fcberregional trat Deptolla als Netzwerker innerhalb der rechtsextremistischen Szene in Erscheinung. Die von ihm im Jahr 2024 als Social Media-Projekt gegr\u00fcndete und ma\u00dfgeblich angef\u00fchrte Gruppierung \"Harz Verteidigen\" hat sich zur dominanten rechtsextremistischen Gruppierung in der Harzregion entwickelt. Seit Sommer 2025 bekennt sich die Gruppierung offen zu ihrer Anbindung an die Partei \"Die Heimat\".21 Sie f\u00fchrt ihre Aktionen jedoch weitgehend eigenst\u00e4ndig durch und agiert zum gro\u00dfen Teil unabh\u00e4ngig. Zu den Bet\u00e4tigungsfeldern der Gruppierung geh\u00f6rt auf lokaler Ebene weiterhin die regelm\u00e4\u00dfige Teilnahme an den montags unter dem Motto \"F\u00fcr die Zukunft unserer Kinder\" stattfindenden versammlungsrechtlichen Aktionen in Halberstadt. Nachdem sich im vergangenen Jahr bereits angedeutet hatte, dass die Veranstaltungen unter dem Einfluss von Deptolla eine zunehmende rechtsextremistische Pr\u00e4gung aufwiesen, lie\u00df sich \u00fcber den Verlauf des Jahres 2025 feststellen, dass das Versammlungsgeschehen nicht mehr nur rechtsextremistisch gepr\u00e4gt, sondern vielmehr in G\u00e4nze als rechtsextremistisch zu bewerten ist. Selbst ohne die aktive Beeinflussung oder Teilnahme von bekannten Rechtsextremisten stimmten Versammlungsteilnehmer Rufe nach \"Remigration\" an und skandierten den rechtsextremistischen Ausruf \"Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen\". Mitglieder von \"Harz Verteidigen\", der rechtsextremistischen Partei \"Freie Sachsen\" und die AfD-Bundestagsabgeordnete Christina Baum konnten auf den Versammlungen Reden halten, ohne dass die Organisatoren der Versammlungen hieran Ansto\u00df genommen h\u00e4tten. Ein Versammlungsverantwortlicher bezeichnete Migranten bei einer Versammlung als \"Abschaum der Welt\". Am 7. April 2025, dem Vorabend des 80. Jahrestages der Zerst\u00f6rung Halberstadts im Zweiten Weltkrieg, schlossen sich rund 70 \u00fcberregional angereiste Rechtsextremisten der Versammlung an, um geschlossen an den Jahrestag zu erinnern und diesen im Sinne ihrer Ideologie umzudeuten. Auch abseits des w\u00f6chentlichen Versammlungsgeschehens sind Deptolla und sein Umfeld aktiv. So organisierte \"Harz Verteidigen\" im Berichtsjahr regelm\u00e4\u00dfig Szeneveranstaltungen im Raum Harz wie Rechtsschulungen und Liederabende mit Szenemusikern, Wanderungen, Kampfsporttrainings oder Kranzniederlegungen anl\u00e4sslich des Volkstrauertages. Im Interview mit der rechtsextremistischen Szenezeitschrift \"N.S. Heute\" erkl\u00e4rte Deptolla zu 20 Vgl. Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2024. Magdeburg 2025, S. 51 ff. 21 Vgl. hierzu auch den Abschnitt zu der Partei \"Die Heimat\" in dem Unterkapitel \"Rechtsextremistisches Parteienspektrum\", S. 33 ff. 46","Rechtsextremismus diesen Veranstaltungen, diese seien dazu gedacht, Jugendliche anzusprechen und an die rechtsextremistische Szene heranzuf\u00fchren. An den Veranstaltungen von \"Harz Verteidigen\" beteiligten sich regelm\u00e4\u00dfig Rechtsextremisten aus ganz Sachsen-Anhalt sowie aus anderen Bundesl\u00e4ndern, insbesondere aus Nordrhein-Westfalen, wohin aufgrund der Herkunft von Deptolla und weiterer Anh\u00e4nger von \"Harz Verteidigen\" noch immer ein enges Verh\u00e4ltnis besteht. Auch au\u00dferhalb von Sachsen-Anhalt beteiligten sich Mitglieder von \"Harz Verteidigen\" 2025 deutschlandund europaweit an einer Vielzahl von Szeneveranstaltungen, z. B. an Kampfsportveranstaltungen der JN in Niedersachsen, Demonstrationen und Feiern der Partei \"Die Heimat\" in Dortmund, dem \"Lukov-Marsch\" in Bulgarien oder dem allj\u00e4hrlichen \"Gedenkmarsch\" der rechtsextremistischen Szene aus Anlass der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg. An dem Dresdener \"Gedenkmarsch\" im Februar 2025 lie\u00df sich die neugewonnene Relevanz der Gruppe um Deptolla f\u00fcr die rechtsextremistische Szene Sachsen-Anhalts ablesen. An der Veranstaltung beteiligte sich eine etwa dreistellige Anzahl von Rechtsextremisten aus Sachsen-Anhalt, die in einem einheitlichen Block von Deptolla und Personen aus seinem Umfeld angef\u00fchrt wurden. Auf dem mitgef\u00fchrten Fronttransparent bekundeten explizit \"Aktivisten aus dem Harz\" ihre Rolle in diesem Aufzug. Die mittlerweile auch \u00f6ffentlich gef\u00fchrte Diskussion um \"Harz Verteidigen\" und ihren Einfluss in Halberstadt wird von der Gruppe selbst aufgegriffen. So nahmen Deptolla und einige Personen aus seinem Umfeld am 29. Oktober 2025 an einer Vortragsveranstaltung des \"Halberst\u00e4dter B\u00fcndnisses f\u00fcr Demokratie\" im Halberst\u00e4dter Rathaus teil, bei der ein Mitarbeiter des Verfassungsschutzes einen Vortrag zur rechtsextremistischen Szene im Raum Harz hielt. Im Rahmen der Frageund Diskussionsrunde versuchte die Gruppierung, f\u00fcr sich zu werben und ihre rechtsextremistische Ideologie zu verbreiten. Rechtsextremistische Szene im Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz Aktivit\u00e4ten der Szene um Enrico Marx Im Jahr 2025 ging die Zahl der von Enrico Marx in dessen Szeneobjekt in Allstedt OT Sotterhausen organisierten Veranstaltungen aufgrund beh\u00f6rdlicher Ma\u00dfnahmen zur\u00fcck. Am 21. Juni 2025 fand in dem Objekt eine Sommersonnenwendfeier statt, an der auch Mitglieder der Partei \"Der III. Weg\" teilnahmen. Diese bauten laut eigenen Angaben auf dem Gel\u00e4nde einen Infostand der Partei auf und verteilten Informationsmaterial. Bei der Veranstaltung wurden an dem Objekt Fahrzeuge aus Sachsen und Sachsen-Anhalt festgestellt. Am 21. Dezember 2025 fand in der N\u00e4he von Marx' Grundst\u00fcck eine Wintersonnenwendfeier statt. Die Polizei stellte vor Ort Fahrzeugkennzeichen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt (Burgenlandkreis, Landkreis Harz, Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz, Saalekreis, Salzlandkreis und Altmarkkreis Salzwedel) fest. \"Bruderschaft Mansfeld-S\u00fcdharz\" Ende April 2025 wurde im Rahmen einer Internetrecherche eine \"Bruderschaft MansfeldS\u00fcdharz\" festgestellt, bei der es sich mutma\u00dflich um eine aktionsorientierte Jugendgruppe zu handeln scheint. Laut ihrem ersten virtuellen Auftritt in den sozialen Medien scheint sie sich im Oktober 2024 gegr\u00fcndet zu haben. In ihrem ersten Beitrag \"Nationaler Widerstand Jetzt!\" wird dazu aufgerufen, \"Teil der Gemeinschaft\" zu werden und sich in \"heimattreuen\" 47","Rechtsextremismus Parteien und Organisationen zu organisieren: \"Kampf, Aktion, Widerstand sind die Parolen der nationalen Jugend\". Es sei die Zeit gekommen, um zu handeln und f\u00fcr einen \"deutschen Sozialismus\" sowie f\u00fcr ein \"freies und souver\u00e4nes Deutschland\" einzustehen. Bereits am 10. Juni 2025 wurde die Aufl\u00f6sung der Gruppierung bekanntgegeben. Diese Kurzlebigkeit und Unverbindlichkeit ist typisch f\u00fcr viele Personenzusammenschl\u00fcsse der rechtsextremistischen Szene. Aktivit\u00e4ten zum Questenfest Allj\u00e4hrlich findet in der Gemeinde S\u00fcdharz OT Questenberg zu Pfingsten das \"Questenfest\" statt, das auch von Rechtsextremisten besucht wird. In diesem Jahr stellte die Polizei erneut Personen der rechtsextremistischen Szene aus dem Burgenlandkreis, aus Halle (Saale) und dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld sowie aus Niedersachsen und Th\u00fcringen als Teilnehmer fest. Der v\u00f6lkische Liedermacher Michael Hoffmann alias \"Andi Hoffnung\" (Sachsen) verwies auf seinem Telegram-Kanal auf eine Volkstanzveranstaltung mit ihm am Pfingstsonntag in der Gemeinde S\u00fcdharz OT Schwenda. Die Personen vor Ort trugen, wie in den Vorjahren, volkst\u00fcmliche Kleidung. Unter den Teilnehmern waren bekannte Rechtsextremisten, die bereits in der Vergangenheit bei Veranstaltungen in der Gastst\u00e4tte \"Zur Queste\" in Questenberg festgestellt worden waren. Am Pfingstmontag begann in den Mittagsstunden der Umzug mit den Traditionsfahnen zur Queste. Unter den Teilnehmenden waren auch Angeh\u00f6rige der v\u00f6lkischen Szene. Rechtsextremistische Szene in Dessau-Ro\u00dflau Die nicht parteigebundene rechtsextremistische Szene in Dessau-Ro\u00dflau agiert sporadisch und wird von dem Personenumfeld der \"Freien Kr\u00e4fte\" und zunehmend auch von aktionsorientierten Jugendgruppen gepr\u00e4gt. Es bestehen gute Kontakte zu Szeneangeh\u00f6rigen in den Landkreisen Wittenberg und Anhalt-Bitterfeld. \"Freie Kr\u00e4fte\" nahmen am 15. Februar 2025 mit weiteren Angeh\u00f6rigen der rechtsextremistischen Szene aus dem Landkreis Wittenberg an der versammlungsrechtlichen Aktion anl\u00e4sslich des 80. Jahrestages der Bombardierung der Stadt Dresden (Sachsen) im Zweiten Weltkrieg und am 1. Mai 2025 an einer versammlungsrechtlichen Aktion der Partei \"Die Heimat\" in Gera (Th\u00fcringen) teil. Rechtsextremisten aus Dessau-Ro\u00dflau und aus Raguhn-Je\u00dfnitz (Landkreis AnhaltBitterfeld) nahmen vom 7. bis 8. Februar 2025 am \"Tag der Ehre\" in Budapest (Ungarn) teil.22 Im Rahmen einer Polizeikontrolle wurden in ihrem Fahrzeug Gegenst\u00e4nde mit Bezug zum \"Ausbruch 60-Marsch\" (Teilnehmerurkunden, Stempelkarten und Flyer) sowie auch strafrechtlich relevante Gegenst\u00e4nde wie NS-Devotionalien nebst Reichsadler und Hakenkreuz, CDs mit rechtsextremistischer Musik, ein Schlagstock und ein Einhandmesser sichergestellt. 22 Mit dem \"Tag der Ehre\" bzw. \"Ausbruch 60-Marsch\" erinnern Rechtsextremisten j\u00e4hrlich an ungarische und deutsche Truppen, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges versuchten, aus dem eingeschlossenen Budapest zu entkommen. 48","Rechtsextremismus Am 23. August 2025 nahmen Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene aus DessauRo\u00dflau an der Protestveranstaltung gegen den CSD unter dem Motto \"Familie, Heimat & Nation statt CSD und Perversion\" in Magdeburg23 teil. Rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten von Marla Svenja Liebich Die von Marla Svenja Liebich angemeldeten \"Montagsdemos\" in Halle (Saale) fanden im Berichtszeitraum weiterhin ohne ihre Anwesenheit mit etwa zehn bis 15 Teilnehmenden statt. Ein Zuwachs war nicht zu verzeichnen. Thematisch dominierten Aussagen zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, die eine pro-russische Positionierung erkennen lie\u00dfen, zur Migrationspolitik und zur Debatte um die Wehrpflicht sowie die politische Auseinandersetzung mit Personen des linken Spektrums. Anl\u00e4sslich des 1. Mai 2025 (\"Tag der Arbeit\") organisierten in Gera (Th\u00fcringen) mehrere rechtsextremistische Parteien und Gruppierungen eine Versammlung, an der etwa 900 Personen teilnahmen, darunter auch Liebich und eine kleine Zahl ihrer Anh\u00e4nger. Ebenfalls im Mai 2025 fand die Revisionsverhandlung gegen Liebich am Oberlandesgericht (OLG) Naumburg statt. Das Landgericht (LG) Halle hatte im August 2024 eine Verurteilung Liebichs durch das Amtsgericht Halle (Saale) u.a. wegen Volksverhetzung, \u00fcbler Nachrede und Beleidigung best\u00e4tigt. Die eingelegte Revision verwarf das OLG Naumburg und Liebich wurde rechtskr\u00e4ftig zu einer Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Zum geplanten Aufnahmetag in der JVA Chemnitz rief Liebich ihre Anh\u00e4nger dazu auf, ihren Einzug in die JVA im Rahmen einer Versammlung unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr Marla!\", die von der rechtsextremistischen Partei \"Freie Sachsen\" angemeldet worden war, \u00f6ffentlichkeitswirksam zu gestalten. In diesem Zusammenhang tat sie kund, die Haft nicht wie geplant um 18.00 Uhr, sondern erst sp\u00e4ter, als Abschluss der Versammlung, antreten zu wollen. Am 29. August 2025 fanden sich etwa 50 Anh\u00e4nger Liebichs, darunter auch viele Personen aus ihrem pers\u00f6nlichen Bekanntenkreis aus Halle (Saale), zu der Versammlung ein, bei der auch mehrere Reden gehalten wurden. Schlie\u00dflich ergriff ihr Rechtsbeistand, der Rechtsextremist Martin Kohlmann (Sachsen), das Wort und spielte eine Audio-Datei von Liebich ab, auf der sie bekannt gab, dass sie die Haft nicht antreten und untertauchen werde. In einer extrem hohen Frequenz wurden in den darauffolgenden Tagen Posts auf ihrem X- Account ver\u00f6ffentlicht, in denen sie die \u00f6ffentliche Verwaltung und die Justiz verh\u00f6hnte. So ver\u00f6ffentlichte sie beispielsweise KI-generierte Bilder, die sie vor russischer Kulisse zeigen. Im weiteren Verlauf behauptete Liebich, in Russland zu sein, und bat um finanzielle Unterst\u00fctzung durch den Kauf von Produkten, die von ihrem Online-Versandhandel angeboten werden. Zudem betrieb sie offene Hetze gegen Migranten und betonte, dass nur die AfD den von ihr ersehnten politischen Wandel durchsetzen k\u00f6nne. Auf X wurde der Kanal \"Marla-Memes\" geschaltet, der Bilder und Videos von Liebich in Russland oder in der \u00d6ffentlichkeit zeigte. 23 Vgl. hierzu auch das Unterkapitel \"Rechtsextremistisches Parteienspektrum\", S. 36. 49","Rechtsextremismus Auch realweltlich traten ihre Unterst\u00fctzer unter dem Logo \"MARLA'S ARMY\" vereinzelt mit von Liebich typischerweise getragenen Kleidungsst\u00fccken und Accessoires in Erscheinung. Am 9. April 2026 wurde Liebich auf der Grundlage eines Europ\u00e4ischen Haftbefehls in Tschechien festgenommen. Aktivit\u00e4ten zum Jahrestag alliierter Luftangriffe auf Magdeburg im Zweiten Weltkrieg Eine organisations\u00fcbergreifende gr\u00f6\u00dfere Kundgebung der rechtsextremistischen Szene aus Anlass des Jahrestages der Zerst\u00f6rung Magdeburgs am 16. Januar 1945 fand im Berichtsjahr, wie schon im Jahr 2024, nicht statt. Am Abend des 16. Januar 2025 konnten rund 30 Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene aus dem Harz sowie aus Magdeburg und den umliegenden Landkreisen nahe des Magdeburger Doms einer polizeilichen Kontrolle unterzogen werden. Wie bereits im vergangenen Jahr geh\u00f6rten zu den kontrollierten Personen erneut Alexander Deptolla und Personen aus seinem Umfeld. Im Nachgang der Kontrolle wurden Kerzen abgelegt und Bilder der Gedenkaktion wurden \u00fcber Szenekan\u00e4le in den sozialen Medien verbreitet. Rechtsextremistische Siedlungsbestrebungen Unter dem Terminus \"rechtsextremistische Siedlungsbestrebungen\" subsumiert der Verfassungsschutz Gruppierungen, die in unterschiedlichem Ausma\u00df v\u00f6lkische, rassistische und antisemitische Ideologien verbreiten. Charakteristisch f\u00fcr Gruppierungen, die rechtsextremistischen Siedlungsbestrebungen zugerechnet werden, ist es, dass sie gezielt R\u00fcckzugsr\u00e4ume zu schaffen versuchen, indem sie geographische Gebiete durch Zuzug und/oder ideologische/kulturelle Pr\u00e4gung vereinnahmen. Akteure der rechtsextremistischen Siedlungsbestrebung propagieren eine ethnisch definierte \"Volksgemeinschaft\" und streben in bestimmten Regionen langfristig eine kulturelle, soziale und politische Deutungshoheit an. Ein Teil der rechtsextremistischen Siedlungsbestrebung kann der \"Anastasia-Bewegung\" zugerechnet werden, einer esoterisch-\u00f6kologischen, neu-religi\u00f6sen Bewegung, die urspr\u00fcnglich aus Russland stammt und seit einigen Jahren versucht, auch in Deutschland lokale Strukturen, sogenannte \"Familienlandsitze\", aufzubauen. Die \"Anastasia-Bewegung\" ist ein sehr heterogenes internationales Netzwerk, das sich aus verschiedenen Einzelpersonen und Organisationen zusammensetzt. Die ideologische Grundlage der Bewegung bildet die zehnb\u00e4ndige \"Anastasia\"-Buchreihe von Wladimir Megre, die ein 50","Rechtsextremismus v\u00f6lkisches und antisemitisches Weltbild propagiert und sich damit gegen die in Artikel 1 und 3 GG verankerte W\u00fcrde und Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz richtet. Ein Akteur der \"Anastasia\"-Siedlungsbestrebungen in Deutschland ist der Verein \"Weda Elysia e. V.\" (Weda Elysia) mit Sitz in Blankenburg OT Wienrode (Landkreis Harz). Seine Bem\u00fchungen, vor Ort politische und gesellschaftliche Akzeptanz zu erlangen, setzte der Verein im Berichtsjahr fort. Mitglieder von \"Weda Elysia\" nehmen als Mandatstr\u00e4ger Einfluss auf die Kommunalpolitik.24 \"Weda Elysia\" konzentrierte sich 2025 auf die Fortf\u00fchrung von selbstorganisierten Veranstaltungen (vornehmlich Vortragsveranstaltungen), deren Zahl gegen\u00fcber dem Vorjahr zunahm. Mit der bereits bekannten Methode der Verharmlosung f\u00fchrte der Verein zahlreiche vermeintlich unpolitische Veranstaltungen durch. Die Verbindung zu \"Anastasia\" zeigte sich in der Wahl der Referenten. So referierte der ehemalige Vorsitzende des mittlerweile aufgel\u00f6sten \"Anastasia e. V.\" zum Thema \"Lebende Architektur\" oder die Vertreter vom \"Familienlandsitz Talm\u00fchle\" zum Thema \"Kreuzfeldplanet Erde. Lichtund Dunkelkollektive, die Prinzipien der Sch\u00f6pfung, gefallene Engel und der eigentliche S\u00fcndenfall. Wo steht der irdische Mensch?\".25 Bis auf wenige Ausnahmen fanden die Veranstaltungen im \"Haus Lindenquell\" und auf dem dazugeh\u00f6rigen Gel\u00e4nde statt. Die Aktivit\u00e4ten von \"Weda Elysia\" sind geeignet, in Blankenburg und Umgebung zumindest f\u00fcr Irritationen innerhalb der B\u00fcrgergesellschaft zu sorgen. Mit vermeintlich unpolitischen Veranstaltungen und der \"Belebung des Gemeinschaftslebens\" durch die Errichtung des \"Hauses Lindenquell\" inklusive der \"Kaffeeund Trachtenstube\" wirkt der Verein als \"K\u00fcmmerer vor Ort\" und findet so in Teilen Geh\u00f6r in der Bev\u00f6lkerung. Die Wirkungsweise der vom Verein verfolgten Ma\u00dfnahmen ist darauf ausgerichtet, seine rechtsextremistische Ideologie in die Gesellschaft zu tragen und gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fcr seine Anliegen zu schaffen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die neonazistische Szene in Sachsen-Anhalt ist seit Jahren von informellen Personenzusammenschl\u00fcssen gepr\u00e4gt. Diese Gruppierungen sind kurzlebig und treten sowohl im virtuellen Raum als auch realweltlich in Erscheinung. Die Szene ist von einer hohen Spontanit\u00e4t und wenigen organisatorischen Regularien gekennzeichnet. 24 Anja Maria Schulz, ein f\u00fchrendes Mitglied von \"Weda Elysia\", geh\u00f6rt der AfD-Fraktion im Stadtrat von Blankenburg an. Sie und ein weiteres Vereinsmitglied sind dar\u00fcber hinaus Mitglieder des Ortschaftsrats von Wienrode. 25 Beide Referenten beschrieben in ihrem Vortrag die Sch\u00f6pfung nach \"Anastasia\". 51","Rechtsextremismus Das neonazistische Spektrum reicht von Gruppen mit subkulturellem Einschlag \u00fcber eine zunehmende Zahl von Gruppierungen, die f\u00fcr ideologische Varianten des Nationalsozialismus und die \u00dcbernahme neuer Verhaltensweisen aufgeschlossen sind, bis hin zu Gruppierungen, die weiterhin eine vollst\u00e4ndige Wiederherstellung des historischen Nationalsozialismus anstreben. Teile der neonazistischen Szene Sachsen-Anhalts - z. B. Angeh\u00f6rige der Gruppe \"Harz Verteidigen\" unter der F\u00fchrung von Alexander Deptolla - treten \u00f6ffentlichkeitswirksam bei Demonstrationen in Erscheinung. Personenzusammenschl\u00fcsse der neonazistischen Szene treffen sich relativ regelm\u00e4\u00dfig, um politische Aktionen vorzubereiten und sich im Umgang mit staatlichen Ma\u00dfnahmen zu schulen. Jahrestage (z. B. das Gedenken an die Bombardierung deutscher St\u00e4dte im Zweiten Weltkrieg), migrationsund asylpolitische Debatten und Brauchtumsveranstaltungen werden zum Anlass genommen, um rassistisches Gedankengut zu verbreiten. Dies wird auch im kommenden Jahr zu erwarten sein. Der Einsatz sozialer Medien und Netzwerke wird immer bedeutsamer f\u00fcr die Szene. So wurden im Berichtsjahr Termine \u00fcber soziale Medien kommuniziert und nicht durch Weitergabe mittels Flyer. Die Kontakte \u00fcber Internetforen zeigten eine dichte Vernetzung sowohl regional als auch \u00fcberregional. 52","Rechtsextremismus WEITGEHEND UNSTRUKTURIERTES RECHTSEXTREMISTISCHES PERSONENPOTENZIAL (Gewaltbereiter Rechtsextremismus / Rechtsterrorismus) Gr\u00fcndung Im Zuge der Erosion der bis dahin klar abgrenzbaren Erscheinungsformen des Rechtsextremismus in Gestalt von Neonazis, Parteienspektrum und Skinheads der 1990er Jahre bildete sich in den letzten Jahren eine als vielschichtig zu charakterisierende Szene heraus, die sich unterschiedlicher Aktionsund Organisationsformen bedient. Verbreitung Bundesweit Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 1.100 1.170 Struktur / Neben gewaltbereiten Einzelpersonen tritt das weitgehend Aufbau unstrukturierte Personenpotenzial in regional verankerten Personenzusammenschl\u00fcssen oder virtuellen Gruppen auf, teilweise mit \u00fcberregionaler Vernetzung. Es sind dabei auch regionale Strukturformen festzustellen, die urspr\u00fcnglich in der neonazistischen Szene vorherrschten oder denen der Rockerszene \u00e4hneln. Die in diesem Spektrum verorteten Rechtsextremisten treten mit dem Planen und Durchf\u00fchren von Versammlungen, Konzerten, Liederabenden oder anderen Szeneveranstaltungen in Erscheinung. Daf\u00fcr nutzen sie \u00fcberwiegend soziale Netzwerke und Messengerdienste zum Zwecke der schnellen Mobilisierung. Bei den j\u00fcngeren Personen dieser Szene r\u00fcckt der Kampfsport, der Ausdruck einer aktionsorientierten Szene ist und ein entsprechendes Mobilisierungspotenzial aufweist, als Bindeglied immer mehr in den Vordergrund. Ver\u00f6ffentlichungen Messengerdienste und soziale Netzwerke Kurzportrait / Ziele Das Personenpotenzial der weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Szene weist ein sehr heterogenes Erscheinungsbild auf und bedient diverse Aktionsfelder. Es zeichnet sich durch eine hohe Gewaltbereitschaft aus. Die Personenzusammenschl\u00fcsse handeln mitunter wie tempor\u00e4r angelegte Projekte. Im Zuge der zu beobachtenden Verj\u00fcngung der Szene ist eine Zunahme der aktionsorientierten Motivation zu verzeichnen, da gerade bei j\u00fcngeren Szeneangeh\u00f6rigen Aktivit\u00e4ten mit \"Erlebnischarakter\" im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Kampfsport als Best\u00e4tigungsfeld der Szene zunehmend an Bedeutung. Mit ihren Aktionen, die sich gegen eine vermeintlich \"woke\" Gesellschaft, P\u00e4dophilie und zunehmend auch wieder gegen Zuwanderung richten, ist die Szene bestrebt, den Anschluss an das b\u00fcrgerliche Spektrum zu erreichen oder zumindest dessen Sympathie zu erlangen und gerade Minderj\u00e4hrige und Heranwachsende zu mobilisieren. 53","Rechtsextremismus Grund der Beobachtung Das Weltbild der weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Szene wird unver\u00e4ndert von antidemokratischen, rassistischen, antisemitischen, fremdenfeindlichen sowie Gewalt gegen Ausl\u00e4nder und politisch Andersdenkende bef\u00fcrwortenden Ideologiebestandteilen gepr\u00e4gt. Dies wird in Aktionen, Strafund Gewalttaten, zahlreichen Liedtexten einschl\u00e4giger Musikgruppen oder auch Programmen und Manifesten offen zum Ausdruck gebracht. Gerade die Liedtexte fungieren als wichtiges Medium, um rechtsextremistische und zum Teil gewaltbef\u00fcrwortende Inhalte zu verbreiten. Unver\u00e4ndert stehen auch Kampfsportveranstaltungen im Vordergrund, bei denen vor allem jungen Menschen die Ideologieelemente der Szene nahegebracht und zum Teil auch Hemmschwellen in Bezug auf das Anwenden von Gewalt abgebaut werden sollen. All dies steht im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Daneben sind es gewaltbereite Einzelpersonen und klandestin organisierte Kleinstgruppen aus dem weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Spektrum, welche mit der Androhung, Planung oder Aus\u00fcbung von schweren Gewalttaten in den Fokus der Sicherheitsbeh\u00f6rden geraten. In derartigen F\u00e4llen nimmt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde neben der origin\u00e4r sachund strukturorientierten Auswertung von Informationen auch eine gezielt personenorientierte Auswertung vor, die R\u00fcckschl\u00fcsse auf m\u00f6gliche Gef\u00e4hrdungsszenarien zul\u00e4sst. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Rechtsterrorismus Stephan Balliet Der Rechtsterrorist Stephan Balliet ver\u00fcbte am 9. Oktober 2019 einen Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale), bei dem er in unmittelbarer N\u00e4he der Synagoge zwei Menschen ermordete. Am 21. Dezember 2020 verurteilte ihn das OLG Naumburg zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschlie\u00dfender Sicherungsverwahrung. Wegen einer am 12. Dezember 2022 ver\u00fcbten Geiselnahme und versuchten Flucht aus der Justizvollzugsanstalt JVA Burg (Landkreis Jerichower Land) wurde er am 27. Februar 2024 vom LG Stendal zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Der BGH hat das Urteil des LG Stendal am 15. Juli 2025 best\u00e4tigt. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde geht weiterhin davon aus, dass rechtsextremistische Terrorakte in die gewaltbereite rechtsextremistische Szene wirken und Nachahmer motivieren. Auch im Jahr 2025 wurden mehrere F\u00e4lle bekannt, in denen vor allem Jugendliche und Heranwachsende in den sozialen Netzwerken mit Sympathiebekundungen f\u00fcr rechtsextremistische Attent\u00e4ter und Terroristen sowie mit Nachahmungsfantasien in Erscheinung getreten sind. Herauszuheben ist dabei der Fall eines 19-j\u00e4hrigen Mannes aus Halle (Saale), dem zur Last gelegt wird, einen rechtsextremistisch motivierten Anschlag auf die Synagoge in Halle (Saale) geplant zu haben. Er soll sein Vorhaben wiederholt in einer Chatgruppe angek\u00fcndigt und sich 54","Rechtsextremismus Anfang 2025 eine Schusswaffe zur Umsetzung seines Plans beschafft haben. Der Mann wurde am 14. Februar 2025 in der Schweiz, wo er sich zu dem Zeitpunkt aufgehalten hatte, verhaftet und im April 2025 an die deutschen Beh\u00f6rden ausgeliefert. Die Schusswaffe wurde sichergestellt. Gegen den Mann wird wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat ermittelt. In einem weiteren Kontext m\u00f6glicher Anschl\u00e4ge auf Synagogen oder Gewalttaten gegen J\u00fcdinnen und Juden erhielt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Sachsen-Anhalt am 7. Februar 2025 den Hinweis, dass sich ein dem Verfassungsschutz bereits bekannter Rechtsextremist aus Magdeburg am 31. Januar 2025 vor einer Synagoge in Hamburg aufgehalten und in sozialen Netzwerken indirekte Drohungen ausgesprochen habe. Die Person schrieb u. a.: \"Ich denke, ich werde eines Tages einer der von Juden meistgehasstesten M\u00e4nnern sein nach Jesus Christus und Adolf Hitler.\" (Schreibweise wie im Original). Zur weiteren Einordnung der Person und zur Aufkl\u00e4rung ihrer m\u00f6glichen Vernetzung in die \u00f6rtliche gewaltbereite Szene f\u00fchrten Mitarbeiter der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ein Gespr\u00e4ch mit der Person durch. Eine konkrete Anschlagsabsicht bestand offenbar zu diesem Zeitpunkt nicht. Die Erkenntnisse wurden mit anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden geteilt. Ralf Wohlleben Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde nimmt unver\u00e4ndert das Einflusspotenzial des wegen Beihilfe zum Mord in neun F\u00e4llen zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilten NSUUnterst\u00fctzers Ralf Wohlleben wahr. Dieser verb\u00fc\u00dft seit Anfang 2023 und voraussichtlich noch bis Mitte 2026 in der JVA Burg die nach Abzug der Zeiten der Untersuchungshaft verbliebene Restfreiheitsstrafe. Neben Solidarisierungsaktionen der rechtsextremistischen Szene und an Wohlleben gerichteten Briefen von Rechtsextremisten waren im Jahr 2025 wiederholt Besuche von Szeneangeh\u00f6rigen zu verzeichnen, u. a. von dem Rechtsextremisten Enrico Marx (Allstedt OT Sotterhausen, Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz). Der Empfang dieser Besuche l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass Wohlleben unver\u00e4ndert der rechtsextremistischen Ideologie verhaftet ist und auch nach seiner Entlassung aus der Haft eine nicht unbedeutende Rolle in der rechtsextremistischen Szene einnehmen wird. Gewaltbereite rechtsextremistische Jugendgruppen Im Rahmen der bereits im vergangenen Jahr skizzierten Verj\u00fcngung der unstrukturierten rechtsextremistischen Szene traten in den Jahren 2024 und 2025 vermehrt sowohl bundesweit als auch in Sachsen-Anhalt rechtsextremistische gewaltbereite Gruppierungen unter Bezeichnungen wie \"Jung & Stark\" (JS), \"Deutsche Jugend Voran\" (DJV), \"Deutsche Jugend Zuerst\" (DJZ), \"Letzte Verteidigungswelle\" (L.V.W) und \"Deutscher St\u00f6rtrupp\" (DST) auf, die sich vornehmlich virtuell vernetzen und radikalisieren. Diesen Gruppen gelang es innerhalb k\u00fcrzester Zeit, ein beachtliches Personenpotenzial zu erreichen und dieses zu Versammlungsteilnahmen sowie zu St\u00f6rund Gewaltaktionen zu mobilisieren. In diesen Gruppen scheint das gemeinschaftliche Agieren in einer Peergroup im Vordergrund zu stehen; ihre Mitglieder treten aktionsund erlebnisorientiert auf. F\u00fcr ihre Agitation und Mobilisierung bedienen sie sich rechtsextremistischer Feindbilder, so dass insbesondere Gewalttaten gegen den politischen Gegner und Anh\u00e4nger der LGBTQ+-Bewegung sowie fremdenfeindlich motivierte Taten ver\u00fcbt werden. Ihrem Erscheinungsbild und ihrem Auftreten nach \u00e4hneln die 55","Rechtsextremismus Mitglieder h\u00e4ufig rechtsextremistischen Skinheads der 1990er Jahre mit Bomberjacken und Springerstiefeln. In Sachsen-Anhalt konnte 2025 ein Personenpotenzial von knapp 300 Jugendlichen und Heranwachsenden identifiziert werden, das diesen Gruppen zugerechnet wird. Der Anteil der m\u00e4nnlichen Personen lag bei etwa 85 Prozent. Die im Folgenden dargestellte Altersstruktur der Gruppenmitglieder verdeutlicht, dass ein Gro\u00dfteil von ihnen j\u00fcnger als 21 Jahre und etwa ein Drittel noch minderj\u00e4hrig ist. Die j\u00fcngste Person war zum Zeitpunkt der Datenerhebung 14 Jahre alt. Verteilung von Alter und Geschlecht 90 80 70 60 50 ANZAHL 40 30 20 10 0 m\u00e4nnlich weiblich m\u00e4nnlich weiblich m\u00e4nnlich weiblich m\u00e4nnlich weiblich 14-17 18-20 21-25 \u00fcber 25 Ein Gro\u00dfteil der identifizierten Personen war zuvor weder der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde als Extremisten noch den Polizeibeh\u00f6rden als politisch motivierte Straft\u00e4ter bekannt. Gleichwohl waren viele von ihnen bereits mit nicht politisch motivierten Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten. Zu den gr\u00f6\u00dften und hinsichtlich der Mitgliederstruktur stabilsten Gruppen in Sachsen-Anhalt z\u00e4hlten im Berichtszeitraum die auch bundesweit aktiven Gruppen JS, DJV sowie die DJZ. \"Jung & Stark\" (JS) Die Gruppierung JS wurde der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Sommer 2024 bekannt und trat seither sowohl bundesweit als auch in Sachsen-Anhalt in Erscheinung. Ihr gelang es, in Sachsen-Anhalt rasch eine mittlere zweistellige Mitgliederzahl zu erreichen. Im Sommer 2024 56","Rechtsextremismus gelang es JS in Sachsen-Anhalt, 250 Teilnehmer zu einer Demonstration gegen den parallel stattfindenden CSD in Magdeburg zu mobilisieren26. Die zu Beginn des Berichtsjahres noch gegr\u00fcndeten einzelnen Ortsgruppen von JS in SachsenAnhalt f\u00fchrten allerdings nicht zu einem erneuten Anstieg eigener Aktivit\u00e4ten. JS-Mitglieder beteiligten sich nur noch vereinzelt an gemeinsamen Aktivit\u00e4ten wie Versammlungsteilnahmen und orientierten sich in Richtung anderer rechtsextremistischer Personenzusammenschl\u00fcsse. Seit Fr\u00fchsommer war insbesondere eine enge Anbindung ehemaliger JS-Mitglieder an die Gruppierung \"Harz Verteidigen\" sowie an die JN festzustellen. Vor diesem Hintergrund war es nicht verwunderlich, dass im Rahmen der Anti-CSDVeranstaltung am 23. August 2025 in Magdeburg - anders als im Jahr zuvor - keine Teilnehmenden festgestellt werden konnten, die sich w\u00e4hrend der Versammlung zu einer Mitgliedschaft bei JS bekannten. Seit einiger Zeit sind auch die reichweitenst\u00e4rksten SocialMedia-Pr\u00e4senzen von JS nicht mehr zu erreichen. \"Deutsche Jugend Voran\" (DJV) Seit Fr\u00fchjahr 2025 verf\u00fcgte die DJV mit der \"DJV-Division Burg\" ebenfalls \u00fcber einen aktiven Ableger in Sachsen-Anhalt, dem etwa zehn Mitglieder angeh\u00f6rten. Mitglieder der \"DJV-Division Burg\" traten mit einheitlicher Bekleidung in Erscheinung und nahmen an versammlungsrechtlichen Aktionen teil. Im Gegensatz zu anderen aktionsorientierten Jugendgruppen, in denen sich h\u00e4ufig sehr junge Personen organisieren, setzte sich die \"DJVDivision Burg\" im Berichtsjahr vor allem aus \u00e4lteren Mitgliedern zusammen, die bereits vor ihrer Bet\u00e4tigung in der DJV in der rechtsextremistischen Szene im Jerichower Land aktiv gewesen waren. Zwischenzeitlich war die DJV in der Lage, eine Garage in Burg als Materialdepot und Treffpunkt zu nutzen. Infolge beh\u00f6rdlicher Ma\u00dfnahmen gingen die Aktivit\u00e4ten der DJV in Burg seit dem Sp\u00e4tsommer 2025 jedoch deutlich zur\u00fcck. So beteiligten sich am 23. August 2025 nur noch einzelne Mitglieder aus Sachsen-Anhalt an der oben genannten Versammlung gegen den CSD in Magdeburg. Abgesehen von Aktionen einzelner Mitglieder wurden seitdem keine Aktivit\u00e4ten mehr bekannt. Entsprechend gelang es der DJV - ebenso wie JS - nicht, das eigene Personenpotenzial langfristig in eine aktive Struktur zu \u00fcberf\u00fchren. \"Deutsche Jugend Zuerst Halle (Saale)\" (DJZ) Die realweltlichen Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Gruppierung \"Deutsche Jugend Zuerst Halle (Saale)\" (DJZ), deren Mitglieder u. a. am 14. Dezember 2024 in Berlin mit einem gewaltt\u00e4tigen Angriff auf mehrere SPD-Mitglieder in Erscheinung getreten waren, lie\u00dfen nach der Verurteilung der vier Protagonisten durch das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am 19. Juni 2025 erkennbar nach. Auch eine f\u00fcr den 13. September 2025 geplante Versammlung der Gruppierung in Halle (Saale) fand als solche nicht statt, was zu diesem Zeitpunkt auf eine strukturelle Aufl\u00f6sung der Gruppe hindeutete. Zum Ende des Jahres 2025 nahm die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde jedoch wieder vermehrt Aktivit\u00e4ten wahr, die auf eine Rebzw. 26 Vgl. hierzu Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2024, a.a.O., S. 60. 57","Rechtsextremismus Neuorganisation schlie\u00dfen lie\u00dfen. Mitglieder der Gruppe st\u00fcrmten am 20. Dezember 2025 vermummt in eine Bar in Halle (Saale) und schlugen mit Baseballschl\u00e4gern auf das Inventar der Einrichtung ein. Anschlie\u00dfend verfolgte die Gruppe einen aus dem Ausland stammenden Servicemitarbeiter durch die Innenstadt von Halle (Saale) und verletzte diesen gemeinschaftlich mit Schl\u00e4gen und Fu\u00dftritten, bis er das Bewusstsein verlor. Am 12. M\u00e4rz 2026 wurde ein Haftbefehl gegen einen der Beschuldigten vom Amtsgericht Halle (Saale) erlassen. Sonstige Strukturen und Aktivit\u00e4ten Neben diesen Gruppierungen konnte eine Vielzahl von oftmals kurzlebigen und nur online aktiven Gruppen festgestellt werden, die sich allerdings schnell wieder aufl\u00f6sten bzw. umbenannten und keine realweltlichen Aktivit\u00e4ten entfalteten. Die Mitglieder dieser Gruppen stammten aus verschiedenen Landesteilen und waren gleichzeitig in einer Vielzahl von (oftmals untereinander zerstrittenen) Gruppen aktiv, was ein koordiniertes und einheitliches Auftreten erschwerte und daf\u00fcr sorgte, dass diese aktionsorientierten Gruppierungen nicht mehr dieselbe Rolle spielten, die sie noch im Jahr 2024 innehatten. Auch bundesweit zeigte sich im Berichtsjahr, dass die Agitation gegen die LGBTQ+-Bewegung und gegen CSD-Veranstaltungen, mit der zahlreiche rechtsextremistische Jugendgruppen ihre Mobilisierung begonnen haben und die im Jahr 2024 eines der Hauptbet\u00e4tigungsfelder dieser Gruppen darstellte, an Zugkraft eingeb\u00fc\u00dft hat. Die Organisation von Gegenversammlungen zu CSD-Veranstaltungen wurde in Sachsen-Anhalt, aber auch bundesweit, im Jahr 2025 zunehmend von rechtsextremistischen Parteien wie \"Die Heimat\" und ihrer Jugendorganisation JN \u00fcbernommen (so auch am 21. Juni 2025 in Lutherstadt Wittenberg und am 23. August 2025 in Magdeburg), wohingegen die meisten rechtsextremistischen Jugendgruppen nicht in der Lage waren, ihre Strukturen \u00fcber l\u00e4ngere Zeiten, gerade auch ohne gemeinsame Versammlungsteilnahmen, aufrecht zu erhalten und erfolgreich eigene Versammlungen anzumelden. Den Jugendgruppen fiel es auch aufgrund staatlicher Ma\u00dfnahmen schwerer, das gewonnene Personenpotenzial zu mobilisieren - entsprechend waren sie im Gegensatz zum Vorjahr nur mehr Teilnehmer der Anti-CSD-Versammlungen und keine relevanten Akteure mehr. Diese Kurzlebigkeit ist ein Beleg daf\u00fcr, dass gerade bei j\u00fcngeren Akteuren h\u00e4ufig die Aktionsorientierung und der Erlebnischarakter im Vordergrund steht, nicht aber das Bestreben, die eigenen rechtsextremistischen Ziele in einem festen Personenzusammenschluss langfristig zu verfolgen. Zwar blieben gr\u00f6\u00dfere Personenzusammenschl\u00fcsse formal bestehen; tats\u00e4chliche Aktivit\u00e4ten gingen aber nur noch von einigen wenigen Mitgliedern aus. Ob das Personenpotenzial dieser Jugendgruppen in Zukunft g\u00e4nzlich in der parteigebundenen rechtsextremistischen Szene aufgehen wird oder ob die Gruppierungen als \"Vorfeldorganisationen\" au\u00dferhalb von Parteistrukturen bestehen bleiben werden, bleibt derzeit abzuwarten. Nichtsdestotrotz hat sich das Ph\u00e4nomen aktionsorientierter rechtsextremistischer Jugendgruppen innerhalb der Szene etabliert. Es dient vielfach als Szeneeinstieg f\u00fcr Jugendliche, die bis dato keine Ber\u00fchrungspunkte mit rechtsextremistischen Ideologieelementen hatten. 58","Rechtsextremismus \"Hammerskins\" Am 19. Dezember 2025 hob das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) das vom Bundesministerium des Innern (BMI) mit Wirkung vom 19. September 2023 verf\u00fcgte Vereinsverbot der rechtsextremistischen Vereinigung \"Hammerskins Deutschland\" (HSD) und der Teilorganisation \"Crew 38\" auf. Gegen das Verbot waren insgesamt zw\u00f6lf Klagen mehrerer regionaler Chapter und einzelner Mitglieder der HSD erhoben worden. Nach Ansicht der Kl\u00e4gerseite war das Verbot rechtswidrig, da es keine deutschlandweite Dachorganisation in Form der Vereinigung HSD gegeben habe, welche jedoch f\u00fcr ein bundesweites Verbot nach SS 2 Abs. 1 Vereinsgesetz (VereinsG) notwendig w\u00e4re. Mit der Begr\u00fcndung, dass sich die Existenz einer den regionalen Chaptern \u00fcbergeordneten bundesweiten Vereinigung HSD nicht feststellen lasse, gab das BVerwG den Klagen statt. Das Gericht zeigte sich nicht davon \u00fcberzeugt, dass die regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Treffen der einzelnen Chapter als Ausdruck eines Zusammenschlusses zu einer verfestigten Organisation auf nationaler Ebene gewertet werden k\u00f6nnen. \u00dcber das Vorliegen von materiellen Verbotsgr\u00fcnden wurde nicht verhandelt. Das BVerwG wies jedoch darauf hin, dass \"es den jeweils zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder (...) unbenommen [bleibt], einzelne Chapter zu verbieten, wenn f\u00fcr diese Verbotsgr\u00fcnde festgestellt werden k\u00f6nnen\".27 In Sachsen-Anhalt existiert bislang kein Chapter der \"Hammerskins Deutschland\" oder der \"Crew 38\". Allerdings sind Einzelpersonen bekannt, die in anderen Chaptern der HSD au\u00dferhalb Sachsen-Anhalts strukturell eingebunden sind. M\u00f6gliche Beteiligung von Rechtsextremisten am Krieg in der Ukraine Der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sind seit Beginn des v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 keine Rechtsextremisten aus SachsenAnhalt bekannt geworden, die nachweislich zum Zwecke der aktiven Beteiligung an Kampfhandlungen in die Ukraine ausgereist sind. Gleichwohl sind der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Personen bekannt, die zumindest Verbindungen und Bez\u00fcge zu dem auf der Seite der Ukraine k\u00e4mpfenden \"Regiment Asow\" und der \"Misanthropic Division\" aufweisen. Bei der \"Misanthropic Division\" handelt es sich um ein internationales neonazistisches Netzwerk, das bereits vor Ausbruch des Krieges Rechtsextremisten aus ganz Europa rekrutiert haben soll, um an bewaffneten Kampfhandlungen gegen die prorussischen Separatisten in der Ukraine teilzunehmen. Rechtsextremisten in Sicherheitsbeh\u00f6rden Im November 2025 ver\u00f6ffentlichte das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz den nunmehr vierten Lagebericht \"Rechtsextremisten in Sicherheitsbeh\u00f6rden\". Der Lagebericht umfasst den Zeitraum vom 1. Januar 2023 bis 31. Dezember 2024 und weist f\u00fcr das gesamte Bundesgebiet 411 Personen aus, bei denen konkrete Anhaltspunkte f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorliegen. F\u00fcr Sachsen-Anhalt wurden 18 F\u00e4lle erfasst. 27 Pressemitteilung des BVerwG vom 19.12.2025: \"Bundesverwaltungsgericht hebt Verbot der Vereinigung 'Hammerskins Deutschland' auf\", URL: https://www.bverwg.de/pm/2025/99. 59","Rechtsextremismus Rechtsextremisten und Waffen Gerade subkulturell gepr\u00e4gte und gewaltbereite Rechtsextremisten weisen h\u00e4ufig eine besondere Affinit\u00e4t zu Waffen auf. Waffen haben in der rechtsextremistischen Szene aus milieuspezifischen und insbesondere ideologischen Gr\u00fcnden eine gro\u00dfe Bedeutung. Die f\u00fcr diese Szene typische Kombination einer menschenverachtenden Weltanschauung mit einer niedrigen Hemmschwelle zur Anwendung von Gewalt und einer Faszination f\u00fcr Waffen stellt ein Bedrohungspotenzial dar, wie die rechtsterroristischen Aktivit\u00e4ten des NSU und die Taten von Halle (Saale), Kassel und Hanau (Hessen) in den vergangenen Jahren gezeigt haben. Neben Einzelf\u00e4llen des bekannt gewordenen illegalen Besitzes von Schusswaffen durch Rechtsextremisten verzeichnet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde immer noch eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Rechtsextremisten mit waffenrechtlichen Erlaubnissen, die sie zum Besitz von erlaubnispflichtigen und mithin \"scharfen\" Schusswaffen berechtigen. Es ist ein unver\u00e4ndert priorit\u00e4res Ziel der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde, zu eben diesen Personen hinreichend relevante Erkenntnisse zu sammeln und diese im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben an die zust\u00e4ndigen Waffenbeh\u00f6rden zu \u00fcbermitteln, welche die waffenrechtliche Zuverl\u00e4ssigkeit der Personen \u00fcberpr\u00fcfen. In mehreren F\u00e4llen haben die Waffenbeh\u00f6rden auf der Grundlage von Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde waffenrechtliche Erlaubnisse entzogen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde erlangte im Berichtszeitraum Hinweise auf die Beschaffung von 3-D-Druckern durch Rechtsextremisten, mit denen diese auch Waffen und Schussapparaturen herstellen k\u00f6nnten. Bereits der Rechtsterrorist Stephan Balliet hatte sich zur Vorbereitung seines Anschlags solcher Drucker bedient. Rechtsextremisten und Kampfsport Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat in den zur\u00fcckliegenden Jahren ein gesteigertes Interesse am Kampfsport innerhalb der rechtsextremistischen Szene beobachten k\u00f6nnen. Gemeinsame Kampfsportaktivit\u00e4ten k\u00f6nnen als Ausdruck einer erlebnisorientierten Szenekultur betrachtet werden, die vor allem auf Jugendliche anziehend wirkt. Die Entwicklung folgt dabei der Faszination der Szene f\u00fcr Kampf und M\u00e4nnlichkeit, aber auch der in Teilen der j\u00fcngeren rechtsextremistischen Szene popul\u00e4rer werdenden Hinwendung zu einer gesunden Lebensweise und zu sportlicher Ert\u00fcchtigung, die mit der v\u00f6lkischen Idealvorstellung von einem \"gesunden Volksk\u00f6rper\" begr\u00fcndet wird. Rechtsextremisten f\u00fchren wiederkehrend Kampfsporttrainings in kleineren Gruppen durch, die in der Regel konspirativ geplant und f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit nicht feststellbar sind. Gerade in solchen Trainings steht indes nicht der sportliche Charakter im Vordergrund, sondern eher die Vorbereitung auf einen m\u00f6glichen Stra\u00dfenkampf. Der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist im aktuellen Berichtszeitraum eine nicht \u00f6ffentliche Trainingsst\u00e4tte f\u00fcr derartige Kampfsporttrainings in Halberstadt (Landkreis Harz) bekanntgeworden, die dem Neonazi Alexander Deptolla zugerechnet wird.28 Deptolla ist Begr\u00fcnder des rechtsextremistischen Kampfsportlabels \"Kampf der Nibelungen\". 28 Zu den Aktivit\u00e4ten von Alexander Deptolla vgl. das Unterkapitel \"Parteiungebundener, vornehmlich neonazistisch gepr\u00e4gter Rechtsextremismus\", S. 46 ff. 60","Rechtsextremismus Rechtsextremistisch gepr\u00e4gte oder von Rechtsextremisten gezielt unterwanderte Kampfsportschulen sind der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde bislang nicht bekannt geworden; jedoch k\u00f6nnte sich die Herausbildung einer solchen Kampfsportschule abzeichnen. Bei den Gr\u00fcndern und Betreibern handelt es sich um einschl\u00e4gig bekannte Rechtsextremisten. Das urspr\u00fcnglich vorgesehene Objekt f\u00fcr die Kampfsportschule in Halle (Saale) war bereits am 26. M\u00e4rz 2024 das Ziel eines politisch motivierten Brandanschlags der linksextremistischen Szene geworden, so dass ein neuer Standort gew\u00e4hlt werden musste. Auch das nunmehr aktuelle Objekt wurde noch kurz vor der Er\u00f6ffnung im Januar 2025 Ziel eines Angriffs und hierbei besch\u00e4digt. Mitglieder der Kampfsportschule haben bereits erfolgreich an Kampfsportveranstaltungen teilgenommen, was auch zu einem erheblichen Zuwachs an Mitgliedern beigetragen haben d\u00fcrfte. Bislang liegen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde jedoch keine hinreichenden oder belastbaren Erkenntnisse vor, dass das Trainingsangebot zur zielund zweckgerichteten Ausbildung von Angeh\u00f6rigen der rechtsextremistischen Szene oder zur Verbreitung rechtsextremistischer Ideologie nebst Rekrutierung genutzt wird. Die Durchf\u00fchrung von rechtsextremistischen Kampfsportveranstaltungen in Sachsen-Anhalt ist der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Berichtszeitraum nicht bekannt geworden. Jedoch lassen sich vermehrte Teilnahmen von bekannten Rechtsextremisten als K\u00e4mpfer an unpolitischen Kampfsportveranstaltungen feststellen. Dies ist vor allem auf vergangene Exekutivma\u00dfnahmen gegen die rechtsextremistische Kampfsportszene zur\u00fcckzuf\u00fchren. Aufgrund des Mangels an M\u00f6glichkeiten, szeneinterne Kampfsportevents ungehindert durchzuf\u00fchren, weichen Rechtsextremisten vermehrt auf nicht extremistische Veranstaltungen aus, um dort die eigenen F\u00e4higkeiten im Kampf zu erproben. Verbindungen zu anderen Subkulturen Rockerszene Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Sachsen-Anhalt stellte im Berichtszeitraum wiederholt Bez\u00fcge und Schnittmengen zwischen der rechtsextremistischen Szene und der Rockerszene fest, die sich u. a. in der Teilnahme von Rechtsextremisten an Veranstaltungen der Rockerszene und umgekehrt manifestierten. Herauszuheben sind hierbei insbesondere die Rockergruppierungen \"MC Division 39 Magdeburg\" und \"Freeway Rider's MC Mittel/Elbe\", die aufgrund der personellen Schnittmenge sowie der Anzahl und Art der rechtsextremistischen Veranstaltungen als rechtsextremistische Personenzusammenschl\u00fcsse eingestuft werden. In Bezug auf als rechtsextremistisch zu beschreibende Aktivit\u00e4ten ist im aktuellen Berichtszeitraum besonders der \"Freeway Rider's MC Mittel/Elbe\" hervorzuheben, der aus dem gleichnamigen Chapter der rechtsextremistischen Gruppierung \"Brigade 8\" hervorgegangen ist. Daneben stellte die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde im Jahr 2025 auch diverse, als rechtsextremistisch einzuordnende Aktivit\u00e4ten einzelner Chapter des \"Underdogs MC\" fest. Allerdings kam es bereits kurz darauf zu einer formellen Aufl\u00f6sung dieser Chapter. Einige Mitglieder wechselten daraufhin zu dem \"Freeway Rider's MC\" und erhielten bereits zum Ende des Berichtszeitraumes den Status eines Fullchapters.29 29 Ein Fullchapter ist ein vollwertiges Mitglied eines Motorradclubs, das nach einer Anw\u00e4rterphase den Status mit allen Rechten und Pflichten erh\u00e4lt. Fullchapter d\u00fcrfen vollst\u00e4ndige Clubabzeichen tragen, sind in die hierarchischen Strukturen eingebunden und zur Loyalit\u00e4t sowie zur Durchsetzung der Clubinteressen verpflichtet. 61","Rechtsextremismus Fu\u00dfballfanund Hooliganszene Eine gezielte Beobachtung der Fu\u00dfballfanoder Hooliganszene f\u00fchrt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde in Sachsen-Anhalt nicht durch, weil keine ausreichenden tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass von dieser Szene Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung ausgehen. Dennoch stellt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde regelm\u00e4\u00dfig personelle Schnittmengen zwischen der rechtsextremistischen Szene und der Hooliganszene fest. Dies gilt vor allem dann, wenn bekannte Rechtsextremisten erkennbar und aktiv in der Hooliganszene auftreten oder Mitglieder von Hooliganoder Fangruppierungen mit Straftaten der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t - rechts - in Erscheinung treten. Gerade die letztgenannte Schnittmenge besteht aber zu einem nicht unerheblichen Teil aus F\u00e4llen, bei denen nicht der politische Aktivismus im Vordergrund steht, sondern vielmehr der Hang zur Gewaltaus\u00fcbung oder die Provokation \"gegnerischer\" Fans. Ein Beispiel f\u00fcr die Darstellung von Schnittmengen der Fu\u00dfballfanszene mit dem Rechtsextremismus ist eine politisch motivierte Gewalttat, die am 3. Dezember 2025 in Leipzig (Sachsen) ver\u00fcbt wurde. Dort beleidigte ein aus Magdeburg stammender Mann im Nachgang zu einem Fu\u00dfballspiel des 1. FC Magdeburg eine dunkelh\u00e4utige Person mit dem rassistischen Wort \"Neger\"; dar\u00fcber hinaus konfrontierte der T\u00e4ter den Gesch\u00e4digten mit den Worten, dass dieser \"damals h\u00e4tte vergast werden sollen\", und schlug dem Gesch\u00e4digten mehrfach ins Gesicht. Der T\u00e4ter war der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde bereits als Rechtsextremist bekannt und wird dem Spektrum der aktionsorientierten Gruppen gewaltbereiter rechtsextremistischer Jugendlicher zugerechnet. Rechtsextremistische Musik Rechtsextremistische Musik dient neben ihrer identit\u00e4tsstiftenden Funktion als Lockmittel, um Jugendliche oder junge Erwachsene an die rechtsextremistische Szene sowie deren Ideologie heranzuf\u00fchren und zu binden. Diese Art Musik hat somit unver\u00e4ndert eine herausragende Bedeutung f\u00fcr die Bildung und den Bestand der gewaltbereiten rechtsextremistischen Szene. Inhaltlich vermitteln die Texte, offen oder unterschwellig, rechtsextremistische Feindbilder und Fragmente einer nationalistischen, fremdenfeindlichen, antisemitischen und antidemokratischen Ideologie, die auf rechtsextremistische Gruppierungen und deren Sympathisanten wie auch auf szenefremde Jugendliche wirken. Rechtsextremistische Musikveranstaltungen in Sachsen-Anhalt In Sachsen-Anhalt wurden im Berichtsjahr insgesamt sechs (2024: vier) rechtsextremistische Konzerte und 15 (2024: 17) Liederabende organisiert, von denen vier Konzerte und drei Liederabende unterbunden werden konnten. Dar\u00fcber hinaus wurden 20 (2024: 18) sonstige Musikveranstaltungen30 registriert, in deren Verlauf es zur Darbietung von Livemusik kam. Die Teilnehmerzahlen bewegten sich dabei sowohl bei Konzerten als auch bei Liederabenden und sonstigen Veranstaltungen durchschnittlich im mittleren zweistelligen Bereich. 30 Hierzu z\u00e4hlen u. a. Veranstaltungen, bei denen die Musikdarbietung eine untergeordnete Rolle spielte und nur zur musikalischen Umrahmung diente. 62","Rechtsextremismus Im bundesweiten Vergleich ist Sachsen-Anhalt besonders bei der Zahl der rechtsextremistischen Liederabende und sonstigen Musikveranstaltungen mit Darbietung von Livemusik stets im oberen Drittel zu verorten. Wie in den Vorjahren war festzustellen, dass die Musikveranstaltungen gr\u00f6\u00dftenteils in R\u00e4umlichkeiten stattfanden, die sich in privatem Besitz befinden. Musikgruppen und Liedermacher In Sachsen-Anhalt sind insgesamt 27 rechtsextremistische Musikgruppen und elf Liedermacher bekannt, von denen zw\u00f6lf Gruppen und drei Liedermacher im Jahr 2025 nicht aktiv in Erscheinung traten. Die aktiven Musikgruppen und die Liedermacher spielten im Berichtszeitraum nicht nur in Sachsen-Anhalt, sondern traten auch bundesweit auf. Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die aus Sachsen-Anhalt stammende Band \"Stahlkappenglanz\", die am 27. September 2025 einen Auftritt bei einem rechtsextremistischen Konzert in Verona (Italien) hatte. Auch der rechtsextremistische Liedermacher Philipp Neumann alias \"Phil von FLAK\" (Landkreis Stendal) absolvierte im Jahr 2025 einige Auftritte. Laut eigenen Angaben trat er u. a. am 12. und 13. September 2025 an zwei Abenden in Folge in dem bundesweit bekannten rechtsextremistischen Szeneobjekt \"Gasthaus Eiserner L\u00f6we\" in der Gemeinde Auengrund in Th\u00fcringen auf. Rechtsextremistische Bands aus Sachsen-Anhalt haben im Berichtszeitraum insgesamt drei Alben ver\u00f6ffentlicht. An mindestens zwei weiteren Alben haben rechtsextremistische Bands aus Sachsen-Anhalt zumindest mit einem Liedbeitrag mitgewirkt. Die aus Dessau-Ro\u00dflau stammende Band \"Eisernes Gebet\" ver\u00f6ffentlichte ihr zweites Album \"Deutsche K\u00e4mpfer\" bei dem rechtsextremistischen Vertrieb \"Front Records\" (SachsenAnhalt). Im dritten Quartal 2025 wurde das Deb\u00fctalbum \"Die Hoffnung stirbt zuletzt\" der neuen Band \"Lass Knacken\" ver\u00f6ffentlicht. In dem beigef\u00fcgten Booklet weist die Band darauf hin, dass sie aus Sachsen-Anhalt stamme. Inhaltlich befasst sich das Album schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Skinheadkultur der 1990er Jahre und der Kritik am politischen Gegner. Rechtsextremistische Vertriebsszene Innerhalb der rechtsextremistischen Szene gibt es immer wieder Bestrebungen, \u00fcber diverse Vertriebsorganisationen einen Geldund Warentransfer zu etablieren. Die jeweiligen Vertriebe f\u00fchren ein zielgruppenorientiertes Angebot, das u. a. Tontr\u00e4ger und MerchandiseProdukte rechtsextremistischer Musikgruppen sowie Bekleidung mit szenebezogenen Aufdrucken (insbesondere einschl\u00e4gige Ziffernund Buchstabencodes oder entsprechende Parolen) umfasst. Diese Angebote richten sich vor allem an die subkulturell gepr\u00e4gte Szene. F\u00fcr die eher neonazistisch orientierte Zielgruppe finden sich dagegen vermehrt positive Bez\u00fcge zur Wehrmacht bzw. eine Verherrlichung und Romantisierung derselben oder es ist eine Zuordnung zu rechtsextremistischen Parteien oder Gruppierungen erkennbar. 63","Rechtsextremismus Der Vertrieb der angebotenen Produkte erfolgt haupts\u00e4chlich \u00fcber Online-Plattformen, vereinzelt im station\u00e4ren Handel. Die unkomplizierte Abwicklung des Warenvertriebs sowie die erheblich gesteigerte Reichweite sind entscheidend f\u00fcr den Erfolg dieser Vertriebsmodelle. K\u00e4ufer profitieren in hohem Ma\u00dfe von der erh\u00f6hten Verf\u00fcgbarkeit der Produkte und der Anonymit\u00e4t im Erwerbsprozess, was die Hemmschwelle f\u00fcr den Kauf solcher Artikel senkt. Einige Onlinevertriebe bieten nicht nur Bekleidung von etablierten Modelabels an, die insbesondere Anh\u00e4nger der subkulturellen rechtsextremistischen Szene ansprechen, sondern auch Produkte wie Fahnen oder Schmuckgegenst\u00e4nde. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der in Anhalt-Bitterfeld ans\u00e4ssige Onlinevertrieb \"Vaterlandliebe\". Dessen Sortiment umfasst u. a. Flaggen, Abzeichen und Schl\u00fcsselanh\u00e4nger, die deutliche Bez\u00fcge zur Symbolik des Dritten Reiches aufweisen. Schmuckgegenst\u00e4nde aus dem Repertoire des Onlineshops \"Vaterlandliebe\" Insgesamt f\u00f6rdert ein modernes und klientelnahes Erscheinungsbild die Zugeh\u00f6rigkeit zur Szene und die ideologische Haltung. Diese Produkte spielen nicht zuletzt eine zentrale Rolle in der Identit\u00e4tsbildung innerhalb der rechtsextremistischen Szene und tragen zur St\u00e4rkung und Widererkennbarkeit der Gemeinschaft bei. Die rechtsextremistische Vertriebsszene unterliegt einem fortlaufenden Wandungsprozess. Anfang Dezember 2025 wurde durch Ver\u00f6ffentlichungen in sozialen Netzwerken bekannt, dass das in der rechtsextremistischen Szene etablierte und bislang in Sachsen-Anhalt ans\u00e4ssige Textillabel \"Isegrim-Fashion\"31 im Rahmen einer Gesch\u00e4fts\u00fcbernahme seinen Sitz nach Sachsen verlagert hat. Rechtsextremistisch genutzte Immobilien Immobilien, die von rechtsextremistischen Akteuren genutzt werden, dienen der Szene als 31 Vgl. hierzu Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Verfassungsschutzbericht 2024. Magdeburg 2025, S. 68. 64","Rechtsextremismus zentrale R\u00fcckzugsorte, Anlaufstellen und Sammelpunkte f\u00fcr unterschiedliche Aktivit\u00e4ten. Sie befinden sich entweder im Eigentum rechtsextremistischer Akteure oder werden von diesen angemietet oder gepachtet. In Einzelf\u00e4llen werden entsprechende Objekte \u00fcber bestehende Kennverh\u00e4ltnisse zur Nutzung zur Verf\u00fcgung gestellt. Zu den in diesen Objekten stattfindenden Aktivit\u00e4ten z\u00e4hlen unter anderem Schulungen, Vortragsabende, Parteiversammlungen, Konzerte sowie Sportund Kampfveranstaltungen. Immobilien sind nicht nur f\u00fcr die interne Vernetzung und Stabilisierung der Szene von gro\u00dfer Bedeutung; sie erleichtern auch die Verankerung rechtsextremistischer Akteure in den jeweiligen Gemeinden oder St\u00e4dten. Sie erm\u00f6glichen es der Szene, ihre Pr\u00e4senz sowohl regional als auch \u00fcberregional auszubauen. Dar\u00fcber hinaus haben Szeneimmobilien eine wichtige wirtschaftliche Funktion f\u00fcr den organisierten Rechtsextremismus. Insbesondere Gewerbeimmobilien, die f\u00fcr den Handel mit rechtsextremistischen Devotionalien oder die Produktion rechtsextremistischer Musik genutzt werden, tragen zur finanziellen Stabilit\u00e4t der Szene bei. Auch gastronomische Einrichtungen, die von oder f\u00fcr Rechtsextremisten betrieben werden, spielen eine entscheidende Rolle, da sie nicht nur Kapital generieren, sondern auch zur Vernetzung innerhalb der rechtsextremistischen Szene beitragen.32 Die Pension und Gastst\u00e4tte \"Zum Sch\u00e4fchen\" im Steigraer Ortsteil Schnellroda (Saalekreis) hat seit Jahren eine zentrale Bedeutung als Veranstaltungsort f\u00fcr \u00fcberregionale Zusammenk\u00fcnfte des rechtsextremistischen Spektrums. Die Einrichtung ist innerhalb der Szene etabliert und bietet aufgrund ihrer Lage sowie ihrer r\u00e4umlichen Kapazit\u00e4t geeignete Rahmenbedingungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung gr\u00f6\u00dferer Veranstaltungen. Das Objekt wird regelm\u00e4\u00dfig von verschiedenen Akteuren des rechtsextremistischen Milieus genutzt. Hierzu z\u00e4hlen u. a. Veranstaltungen der AfD (z. B. das j\u00e4hrliche \"Preu\u00dfenfest\") sowie Aktivit\u00e4ten des Verlags Antaios und der Menschenpark Veranstaltungs UG unter der Leitung des Rechtsextremisten G\u00f6tz Kubitschek. Dar\u00fcber hinaus finden in der Gastst\u00e4tte regelm\u00e4\u00dfig Zusammenk\u00fcnfte von Kubitscheks Veranstaltungsund Aktionsumfeld statt. Ein im Februar 2025 vollzogener Betreiberwechsel f\u00fchrte zu keiner inhaltlichen oder strukturellen Ver\u00e4nderung der Nutzung. Die Immobilie bietet weiterhin Platz als Veranstaltungsort f\u00fcr rechtsextremistische Treffen und Veranstaltungen. Im Land Sachsen-Anhalt war in den vergangenen Jahren ein anhaltender Zuwachs von rechtsextremistisch genutzten Immobilien festzustellen. Diese Entwicklung stellt keinen Sonderfall dar; sie ist Teil eines seit Jahren zu beobachtenden kontinuierlichen Prozesses im gesamten ostdeutschen Raum. 32 Vgl. hierzu auch Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt u. a. (Hrsg.): Rechtsextremistisch genutzte Immobilien in Ostdeutschland. Lagebild und Handlungsempfehlungen f\u00fcr Kommunen und Immobilienbesitzer. Magdeburg u. a. 2024, S. 7 f. (URL: https://mi.sachsenanhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/MI/3._Themen/Verfassungsschutz/Referat_4 4/Rechtsextremistisch_genutzte_Immobilien.pdf). 65","Rechtsextremismus Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - rechts - (PMK - rechts -) Die vom Landeskriminalamt (LKA) Sachsen-Anhalt erfasste Zahl der Straftaten, die der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) - rechts - zuzurechnen sind, dient den Sicherheitsbeh\u00f6rden als wichtiger Indikator f\u00fcr die Beurteilung der Gewaltbereitschaft des Rechtsextremismus. Im Jahr 2025 war mit insgesamt 3.007 (2024: 2.920) Straftaten im Bereich der PMK - rechts - ein Anstieg zu verzeichnen. Der Anstieg rechtsextremistischer Straftaten in den Jahren 2024 und 2025 in Sachsen-Anhalt folgt damit einem bundesweiten Trend. Die Deliktsgruppe der Propagandastraftaten macht mit 2.244 (2024: 2.223) Delikten wie in den Vorjahren den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Teil der PMK - rechts - aus. Die Zahl der rechtsmotivierten Gewaltstraftaten lag im Jahr 2025 bei 90 (2024: 106); sie ist damit zum zweiten Mal in Folge zur\u00fcckgegangen. Antisemitisch motivierte Strafund Gewalttaten Der Antisemitismus nimmt innerhalb des rechtsextremistischen Weltbilds eine zentrale Stellung ein und erm\u00f6glicht eine Verbindung der verschiedenen rechtsextremistischen Szenen. Antisemitische Verschw\u00f6rungsideologien finden sich jedoch grunds\u00e4tzlich in allen Ph\u00e4nomenbereichen des politischen Extremismus. Dieser Umstand erschwert mitunter eine Zuordnung antisemitischer Straftaten zu den entsprechenden Ph\u00e4nomenbereichen, vor allem bei Sachverhalten mit unbekannter T\u00e4terschaft. Die Terroranschl\u00e4ge der HAMAS auf Israel am 7. Oktober 2023 sowie der damit eskalierende Nahostkonflikt zwischen Israelis und Pal\u00e4stinensern hatten im Jahr 2025 ph\u00e4nomen\u00fcbergreifend Einfluss auf die in Deutschland registrierten antisemitischen Straftaten. In Sachsen-Anhalt weist die statistische Erhebung des LKA im Bereich der PMK - rechts - f\u00fcr das Berichtsjahr 147 antisemitische Straftaten aus. Damit hat die Zahl dieser Delikte im Vergleich zum Vorjahr deutlich zugenommen (2024: 97). Im Berichtsjahr 2025 wurde erneut eine Vielzahl von Sachbesch\u00e4digungen an j\u00fcdischen Einrichtungen und Gedenkst\u00e4tten gemeldet. Dabei wurden in den meisten F\u00e4llen verbotene rechtsextremistische Symbole an den Tatorten hinterlassen und Gegenst\u00e4nde besch\u00e4digt oder entwendet. So verschmutzten unbekannte T\u00e4ter in der Zeit vom 30. bis 31. M\u00e4rz 2025 die Fassade des Museums der ehemaligen j\u00fcdischen Synagoge im S\u00fcdlichen Anhalt OT Gr\u00f6bzig (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) mit einer Hakenkreuz-Zeichnung. Am 1. April 2025 entwendeten Unbekannte in Magdeburg f\u00fcnf sogenannte \"Stolpersteine\" zur Erinnerung an die Vertriebenen und Opfer des Nationalsozialismus. In Wei\u00dfenfels (Burgenland) hinterlie\u00dfen unbekannte T\u00e4ter am 9. April 2025 an einer Gedenktafel f\u00fcr die ehemalige Synagoge unter anderem den Schriftzug \"Adolf Hitler\". Am 4. Oktober 2025 beschmierten unbekannte T\u00e4ter das Eingangstor des J\u00fcdischen Friedhofs in Burg (Landkreis Jerichower Land) mit einem Hakenkreuz und zwei SS-Runen. Am 10. Januar 2025 verfasste ein bislang unbekannter T\u00e4ter auf Facebook unter einem \u00f6ffentlich einsehbaren Beitrag die Worte: \"Keine Juden im Internet bitte, sonst m\u00fcssen wir wieder die Kammern anmachen und die \u00d6fen anheizen\". 66","Rechtsextremismus Straftaten gegen den politischen Gegner Die konfrontative, mitunter gewaltorientierte Haltung von Rechtsextremisten gegen\u00fcber Personen, die als politische Gegner identifiziert werden, entl\u00e4dt sich in unterschiedlichen Formen: in Angriffen auf Mitglieder und Einrichtungen politischer Parteien, in der Zerst\u00f6rung von Wahlplakaten, in verbalen und k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen im Rahmen von versammlungsrechtlichen Aktionen sowie in Form der Verbreitung von Drohmails oder Drohschreiben. Die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner ist ein zentraler Bestandteil rechtsextremistischer Agitation und wird im Vorfeld von Wahlen besonders sichtbar. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 boten sich der rechtsextremistischen Szene zahlreiche Gelegenheiten, um offen oder im Verborgenen gegen den politischen Gegner zu agieren. Im Folgenden werden einige F\u00e4lle beispielhaft skizziert. In Magdeburg wurden am 17. Januar 2025 zwei Personen, die Wahlplakate der Partei \"DIE LINKE\" f\u00fcr den Bundestagswahlkampf anbrachten, auf drei Personen aufmerksam, die ein bereits aufgeh\u00e4ngtes Wahlplakat besch\u00e4digten. Im Zuge einer verbalen Auseinandersetzung warf einer der Beschuldigten eine mitgef\u00fchrte Glasflasche in Richtung der Gesch\u00e4digten. Eine der beiden Gesch\u00e4digten erhielt am 26. Januar 2025 von einem bislang unbekannten T\u00e4ter eine Direktnachricht auf ihrem Instagram-Account mit Drohungen gegen ihr Leben und ihre Gesundheit. Der T\u00e4ter drohte ihr u. a. mit den Worten \"Ihr m\u00fcsst ermordet werden. Ihr seid Ballast f\u00fcr Deutschland\" und \"Euch sollte man genauso verbrennen wie die Kanacken W\u00e4nste\". In K\u00f6then (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) kam es am 11. Februar 2025 an einem Infostand der Partei \"DIE LINKE\" zu einer Volksverhetzung zum Nachteil einer Wahlkampfhelferin. Mehrere m\u00e4nnliche Personen redeten verbal aggressiv auf die Gesch\u00e4digte ein, u. a. mit den Worten \"Du geh\u00f6rst vergast!\" und \"Du geh\u00f6rst auf den M\u00fcll!\". Im Anschluss entfernten sich die unbekannten T\u00e4ter vom Tatort. In den Abendstunden des 14. Februar 2025 brachten zwei Mitglieder der Partei \"DIE LINKE\" Wahlplakate ihrer Partei in der Innenstadt von Magdeburg an, als drei unbekannte und vermummte Personen auf die Gesch\u00e4digten zukamen und sie als \"Zeckenschweine\" beleidigten. In der Folge wurde einer der Gesch\u00e4digten geschlagen und getreten. Die 16 mitgef\u00fchrten Wahlplakate wurden den Gesch\u00e4digten aus der Hand genommen und auf die Stra\u00dfe geworfen. Daraufhin entfernten sich die Angreifer. Am 20. Juli 2025 verschickten unbekannte T\u00e4ter an die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der SPD-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt eine E-Mail, die zahlreiche Anlagen und Bilder mit \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen verschiedenster Amtsund Mandatstr\u00e4ger zu einem m\u00f6glichen Verbotsverfahren gegen die Partei \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) enthielt. Zudem wurde in der E-Mail zum Angriff auf Parteimitglieder der SPD aufgerufen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Das Personenpotenzial der weitgehend unstrukturierten rechtsextremistischen Szene ist in Sachsen-Anhalt im Vergleich zum Vorjahr angestiegen. Diese Entwicklung ist u. a. auf den 67","Rechtsextremismus Zulauf von teils minderj\u00e4hrigen und heranwachsenden Personen im Spektrum der aktionsorientierten Jugendgruppen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die erneute Zunahme der Straftaten im Bereich der PMK - rechts - und die Aktionen aus dem Spektrum der Jugendgruppen deuten auf ein erh\u00f6htes Agitationspotenzial der Szene hin. Die Verj\u00fcngung der rechtsextremistischen Szene hat dazu beigetragen, dass diese verst\u00e4rkt soziale Medien und Messengerdienste zum Zweck der Planung von gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen und Aktionen nutzt, teils im Rahmen von nur tempor\u00e4r bestehenden bzw. \"projektbezogenen\" Gruppen. Dies erschwert den Sicherheitsbeh\u00f6rden die Bewertung der Mobilisierungsund Gef\u00e4hrdungspotenziale erheblich. Auch k\u00fcnftig wird es die Hauptaufgabe der Sicherheitsbeh\u00f6rden sein, fr\u00fchzeitig tats\u00e4chliche Gewaltabsichten und Gewaltank\u00fcndigungen sowie Radikalisierungstendenzen im virtuellen Raum zu erkennen. 68","Rechtsextremismus NEUE RECHTE33 \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD) Gr\u00fcndung Oktober 2012 (Am 11. Oktober 2012 wurde die Facebook-Seite \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" eingerichtet.) Verbreitung Bundesweit Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 10 10 Struktur / Der Verein IBD e. V. ist bundesweit aktiv. Er gliedert sich in Aufbau Regionalgruppen wie die IB Sachsen-Anhalt (IB ST) und lokale IBD-Gruppen (Ortsgruppen). Zudem betreibt er identit\u00e4re Projekte. Bundessprecher sind Vincenzo Richter (Sachsen) und Maximilian M\u00e4rkl (Bayern). Ver\u00f6ffentlichungen Homepage, soziale Netzwerke und Blogs; Materialversand \"IBLaden\" Finanzierung Spenden, Merchandising, Gr\u00fcndung und F\u00fchrung von Unternehmen Kurzportrait / Ziele Die IBD geriert sich als Bewegung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, welche die eigene Kultur bzw. das eigene Volk vor den vermeintlichen Gefahren von Multikulturalismus, Masseneinwanderung und Identit\u00e4tsbzw. Werteverlust bewahren will. Sie betrachtet sich eigenen Aussagen zufolge als deutscher Ableger der rechtsextremistischen Bewegung \"Generation Identitaire\" (GI)34 aus Frankreich. Die IBD ist in der realen und virtuellen Welt gleicherma\u00dfen vertreten. Mithilfe der intensiven Nutzung des Internets (soziale Netzwerke, Messenger-Dienste, Foren, Video-Plattformen) f\u00fcr die Dokumentation ihrer Aktionen versucht die IBD, eine breite \u00d6ffentlichkeit herzustellen, ohne dabei auf eine hohe Anzahl von Aktivisten angewiesen zu sein. Die Aktionen und Veranstaltungen der IBD waren in den letzten Jahren allerdings wenig geeignet, ein gr\u00f6\u00dferes Publikum anzusprechen oder eine gr\u00f6\u00dfere mediale Aufmerksamkeit zu generieren. Meist f\u00fchrte eine Gruppe von regelm\u00e4\u00dfig im Kontext der IBD in Erscheinung tretenden Personen Aktionen durch, die realweltlich wenig Wirkung entfalteten, jedoch offenkundig prim\u00e4r auf die Verwertung in den sozialen Medien angelegt waren. Die Bedeutung der jeweiligen Aktion und die Rolle der eigenen Aktivisten wurden dabei beharrlich \u00fcberh\u00f6ht dargestellt. 33 Darunter wird ein informelles Netzwerk von Gruppierungen, Einzelpersonen und Organisationen verstanden, in dem rechtskonservative bis rechtsextremistische Kr\u00e4fte zusammenwirken, um anhand unterschiedlicher Strategien antiliberale sowie antidemokratische Positionen in Gesellschaft und Politik durchzusetzen. 34 Wurde am 3. M\u00e4rz 2021 per Dekret des franz\u00f6sischen Innenministers aufgel\u00f6st. 69","Rechtsextremismus Wenngleich asylund migrationsfeindliche Agitation den Hauptfokus dieser Aktionen bildet, ist die IBD grunds\u00e4tzlich bereit, ihre Aktionen inhaltlich an das aktuelle politische Geschehen anzupassen. Die Selbstdarstellung der IBD ist \"popkulturell\" gepr\u00e4gt, ihre Botschaften sind klar und einfach, ihre Wortwahl ist provokant. Ihre Aktivisten geben sich jung und modern; demgem\u00e4\u00df ist ihre verfassungsfeindliche Gesinnung nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Die IBD, als eine Vertreterin der sogenannten Neuen Rechten, steht f\u00fcr einen modernisierten Rechtsextremismus, der mit einem Themenkomplex aus Anti-Islam, Anti-Asyl und AntiEstablishment versucht, auf diese Weise Anschluss an weitere gesellschaftliche Kreise zu erhalten. Begriffe wie Rasse und Volksgemeinschaft werden durch unverf\u00e4ngliche Begriffe wie Ethnie, Identit\u00e4t und Kultur ersetzt. Grund der Beobachtung Die IBD orientiert sich ideologisch an den Theorien der sogenannten Neuen Rechten und vertritt programmatisch einen ethnopluralistischen35, antiliberalen und kollektivistischen Ansatz. Beim Ethnopluralismus handelt es sich um eine modernisierte Variante v\u00f6lkischer Ideologie. Das Konzept billigt ethnischen Gruppen in r\u00e4umlicher Trennung vorgeblich ihre Eigenst\u00e4ndigkeit zu, zielt aber tats\u00e4chlich anhand von Kollektivmerkmalen wie Kultur, Herkunft und Geschichte auf die Betonung ethnisch bzw. rassisch begr\u00fcndeter Gruppenunterschiede ab. Eine Zuwanderung von \"Fremden\", die nicht Teil dieser \"ethnokulturellen Identit\u00e4t\" sind, wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Die stattfindende Migration wird seitens der IBD mit der Verschw\u00f6rungstheorie des \"Bev\u00f6lkerungsaustausches\" erkl\u00e4rt: Kern dieser Verschw\u00f6rungstheorie ist die Behauptung, dass mithilfe der Migrationsbewegungen nach Europa die \"autochthone\" Bev\u00f6lkerung Europas bewusst durch Zuwanderer ersetzt werden soll. Dieser Entwicklung soll mit \"Remigration\" entgegengewirkt werden. In seiner sozialwissenschaftlichen Anwendung beschreibt der Begriff \"Remigration\" lediglich die (freiwillige) R\u00fcckwanderung von Menschen in ihr Heimatland, aus dem sie urspr\u00fcnglich migriert sind. Die IBD hat sich diesen Begriff in den vergangenen Jahren angeeignet und versteht unter \"Remigration\" allerdings, dass eine gro\u00dfe Zahl von Menschen ausl\u00e4ndischer Herkunft Deutschland verlassen soll, durchaus auch unter Zwang. So stellt der von der IBD gepr\u00e4gte Ausdruck eine Missachtung der Menschenw\u00fcrdegarantie des Art. 1 Abs. 1 GG dar. Die \"Identit\u00e4ren\" inszenieren sich als die wahren Verteidiger von Vielfalt und Freiheit gegen die angebliche Gleichmacherei vermeintlich linker Ideologen. In ihrer Kritik zeigt sich ein \u00fcbersteigerter Nationalismus, der das Individuum weitgehend negiert und stattdessen kollektivistisch die Volksgemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. 35 Dass die IBD ethnopluralistische Positionen und damit \"der Sache nach einen v\u00f6lkischabstammungsm\u00e4\u00dfigen Volksbegriff\" vertritt, best\u00e4tigte im Oktober 2022 ein Urteil des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln (AZ 13 K 4222/18). 70","Rechtsextremismus Die IBD propagiert die Aufl\u00f6sung der EU und die Bildung eines Europas der \"identit\u00e4ren Nationalstaaten\", die selbstbestimmt koexistieren. Hier besteht eine Verbindung zu der von der Partei \"Die Heimat\" erhobenen Forderung nach einem \"Europa der Vaterl\u00e4nder\". In der und f\u00fcr die IBD engagieren sich auch Personen, die einen Vorlauf im neonazistischen Rechtsextremismus aufweisen. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD) In der Vergangenheit wechselte die IBD mehrfach ihr Logo. Im Jahr 2025 kehrte sie zu ihrem urspr\u00fcnglichen Farbschema zur\u00fcck, worin nach ihren eigenen Angaben eine \"Zeitenwende\" zu sehen sei. Der Bundessprecher der IBD, Maximilian M\u00e4rkl, erkl\u00e4rte hierzu: \"Deutschland muss das Land der Deutschen bleiben. Eine Zeitenwende steht bevor und die IB ist bereit, sich an die Spitze zu stellen. Die Repressionen der vergangenen Jahre zwangen uns oftmals eine Maske aufzulegen. [...], aber wir haben die Zeit im Schatten genutzt, haben Netzwerke aufgebaut, Strukturen professionalisiert und Aktivisten ausgebildet [...] Jetzt sind wir wieder zur\u00fcck in unseren Farben Schwarz und Gelb mit unserem Lambda.\" Die IBD f\u00fchrte im Berichtsjahr f\u00fcr sie typische Aktionen durch. So verteilte sie etwa Flyer in der N\u00e4he von Schulen im Bundesgebiet, um ihre Ideologie zu verbreiten. Im Mai 2025 wurde acht Personen die Ausreise aus Deutschland nach Italien anl\u00e4sslich des \"Remigration Summit 25\"36 in Mailand versagt. F\u00fcnf von ihnen nahmen dennoch an der Veranstaltung teil, was in der Szene als ziviler Ungehorsam wertgesch\u00e4tzt wurde. Wie in jedem Jahr veranstaltete die IBD im August 2025 ein \"Bundeslager\". Im Vordergrund der Veranstaltung, die in \u00d6sterreich stattfand, standen die k\u00f6rperliche Ert\u00fcchtigung und die ideologische Schulung der Teilnehmer. Anders als in den vorangegangenen Jahren wurde seitens der IB \u00fcber das Bundeslager 2025 offensiv Bericht erstattet. Ideologisch besch\u00e4ftigte sich die IBD fortw\u00e4hrend mit dem Thema \"Remigration\", etwa anl\u00e4sslich der \"Remigrationsdemonstration\" der \"Identit\u00e4ren Bewegung \u00d6sterreich\" (IB\u00d6) im Juli 2025 in Wien. An dieser Versammlung nahmen auch Angeh\u00f6rige der neurechten Szene 36 Bei dem \"Remigration Summit\" handelt es sich um ein internationales Vernetzungstreffen unter Beteiligung von Einzelpersonen aus dem Umfeld europ\u00e4ischer Ableger der IB. 71","Rechtsextremismus Sachsen-Anhalts teil. Im Rahmen des \"Stolzmonats\"37 positionierte sich die IBD erneut gegen die Anliegen der \"LGBTIQ+\"-Szene. Sonstiges Die aus der IBD heraus entstandene Fraueninitiative \"Lukreta\"38 lud am 2. August 2025 zu einem Vorstellungsund Vernetzungstreffen nach Halle (Saale) ein. An dem Treffen beteiligten sich 13 Frauen. Halle (Saale) war eine Station im Rahmen einer bundesweit angelegten Mitgliederakquise. \"Lukreta\" geh\u00f6ren ausschlie\u00dflich Frauen an. Die Gruppierung versucht mit realweltlichen Veranstaltungen und virtuellen Aktionen, gesellschaftliche Probleme wie die sexuelle Gewalt gegen Frauen im Sinne der neurechten Ideologie zu instrumentalisieren. Dabei wird die Thematisierung von Frauenrechten mit einer verfassungsschutzrelevanten Migrationskritik verkn\u00fcpft; Migranten werden pauschal als Gewaltt\u00e4ter stigmatisiert. Mit ihrem traditionell gepr\u00e4gten Frauenbild sieht sich \"Lukreta\" als Bewahrerin der Heimat und als Alternative zu liberalen oder linken Frauenbildern. Am 28. Oktober 2025 f\u00fchrte ein Ermittlungsverfahren u. a. wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz zu einer Durchsuchungsma\u00dfnahme einer von IBD-Funktion\u00e4ren zu Wohn-, Gesch\u00e4ftsund Vernetzungszwecken genutzten Immobilie in Schkopau (Saalekreis). Ausl\u00f6ser war eine Aktion der IBD am 27. Juni 2024 in Karlsruhe (Baden-W\u00fcrttemberg)39, an der ein Bewohner des Objekts teilgenommen haben soll. \"Identit\u00e4re Bewegung Sachsen-Anhalt\" (IB ST) Die IB ST war im Berichtszeitraum weiterhin inaktiv. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die selbst proklamierte \"Zeitenwende\" sollte die IBD wieder in das \u00f6ffentliche Bewusstsein der Gesellschaft bringen. Bislang konnte die IBD diesen Anspruch nicht einl\u00f6sen. Ihre \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten gingen weiter zur\u00fcck. Auf der Buchmesse \"Seitenwechsel\" am 8. und 9. November 2025 in Halle (Saale) musste die IBD als Aussteller von Besuchern erfahren, dass ihr Bekanntheitsgrad selbst bei einem gegen\u00fcber neurechter Publizistik aufgeschlossenen Publikum wesentlich geringer ist als von ihr erhofft. Sie ist dennoch ein fester Bestandteil der neurechten Szene, da sie nicht nur auf Aktionismus setzt. Die IBD ist auch ein Wirtschaftsunternehmen. Zu ihr geh\u00f6rt eine Vielzahl von Unternehmergesellschaften, die in den vergangenen Jahren gegr\u00fcndet wurden. Diese sind fest im Netzwerk der sogenannten Neuen Rechten integriert. Der IBD gelang es, den Begriff \"Remigration\" weiter im gesellschaftlichen Diskurs zu etablieren. Ein Teil des Personenpotenzials der IBD ist inzwischen in anderen politischen 37 W\u00e4hrend des \"Pride Month\" im Juni jedes Jahres feiert die LGBTQ+ Community die eigene Identit\u00e4t und ihren Kampf gegen die Diskriminierung sexueller Minderheiten. Die Urspr\u00fcnge des \"Pride Month\" liegen in den New Yorker \"Stonewall riots\", die am 18. Juni 1969 begonnen hatten. Als Gegenaktion haben neurechte Akteure und Organisationen den Juni medial zum \"Stolzmonat\" erkl\u00e4rt. 38 Nachfolgegruppierung der IBD-Fraueninitiative \"120db\". 39 Es handelte sich um eine Aktion der lokalen IBD-Gruppe \"Reconquista 21\". 72","Rechtsextremismus Gruppierungen (z. B. in der AfD und deren neugegr\u00fcndeter Jugendorganisation \"Generation Deutschland\") gebunden. Das trifft auch auf Personen der IB ST zu. 73","Rechtsextremismus \"Verein f\u00fcr Staatspolitik e. V.\", firmiert unter \"Institut f\u00fcr Staatspolitik\" (IfS) / Aufgel\u00f6stes und neustrukturiertes IfS Gr\u00fcndung 2000 Sitz / Verbreitung Steigra OT Schnellroda (Landkreis Saalekreis) Mitglieder / bundesweit etwa 10 (2024: etwa 10) Anh\u00e4nger Struktur / Einzelpersonen Aufbau Vorstandsmitglieder/Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer: Erik Lehnert (Brandenburg), G\u00f6tz Kubitschek (Steigra OT Schnellroda) Ver\u00f6ffentlichungen Homepage, soziale Netzwerke, Podcasts, \"Sezession im Netz\" (SiN), Publikation \"Sezession\" Finanzierung Erl\u00f6se aus Veranstaltungen und dem Verkauf von Publikationen, Spenden Kurzportrait / Ziele Das aufgel\u00f6ste und neustrukturierte \"Institut f\u00fcr Staatspolitik\" (im Folgenden: IfS) ist eine private, nichtuniversit\u00e4re Einrichtung und wurde nach eigenen Angaben im Jahr 2000 u. a. von G\u00f6tz Kubitschek gegr\u00fcndet. Innerhalb des Netzwerks der sogenannten Neuen Rechten nimmt das IfS die Rolle eines \"geistigen Gravitationszentrums\"40 ein. Der \"Verein f\u00fcr Staatspolitik e.V.\", offizieller Tr\u00e4ger des IfS, wurde von den Vorsitzenden Erik Lehnert und G\u00f6tz Kubitschek 2024 liquidiert. Im selben Jahr wurde die \"Menschenpark Veranstaltungs UG\"41 gegr\u00fcndet, deren alleiniger Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer G\u00f6tz Kubitschek ist. Fast gleichzeitig gr\u00fcndete Erik Lehnert die \"Metapolitik Verlags UG\", deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer er auch ist. Nach der Aufl\u00f6sung und Neustrukturierung f\u00fchrten die neu gegr\u00fcndeten Unternehmergesellschaften sowohl in personeller und postalischer Hinsicht als auch mit Blick auf die inhaltliche Ausrichtung ihrer T\u00e4tigkeiten die Aktivit\u00e4ten des IfS fort. Die vollzogene Neustrukturierung des IfS ist auch f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit sichtbar. Die bisherige Website des IfS (www.staatspolitik.de) wird nunmehr vom \"Verlag Antaios\" betrieben. Die Impressen der Zeitschrift \"Sezession\" sowie der \"Sezession im Netz\" (SiN) weisen die \"Metapolitik Verlags UG\" als neuen Herausgeber aus. Trotz der \u00dcbertragung der Herausgeberschaft der Zeitschrift \"Sezession\" an die \"Metapolitik Verlags UG\" wirkt Kubitschek laut Impressum auch weiterhin als Mitarbeiter mit. Dar\u00fcber hinaus sind auch im Hinblick auf Erscheinungsweise, Erscheinungsbild und inhaltliche Ausrichtung der Zeitschrift keine Ver\u00e4nderungen feststellbar. Bereits bekannte Veranstaltungsformate wie die Sommer40 Backes, Uwe: Zum Weltbild der Neuen Rechten in Deutschland. In: Konrad-Adenauer-Stiftung (Hrsg.): Analysen & Argumente Nr. 321. Sankt Augustin 2018. S. 8. 41 Der Begriff \"Menschenpark\" geht auf den im Jahr 1999 im Suhrkamp-Verlag erschienenen Essay \"Regeln f\u00fcr den Menschenpark\" des Philosophen Peter Sloterdijk zur\u00fcck. 74","Rechtsextremismus und Winterakademien, die nunmehr die Bezeichnung \"Studientage\"42 tragen, werden im \u00fcblichen Format und Rhythmus fortgef\u00fchrt. Kernthema des IfS ist die \"staatspolitische Ordnung\". Dieses wird sowohl in Veranstaltungen als auch in Publikationen aufgegriffen43. Unter den Ver\u00f6ffentlichungen des IfS ragt die Zeitschrift \"Sezession\" besonders hervor, da sie innerhalb der neurechten Szene sehr bekannt und wirkm\u00e4chtig ist. Sie erscheint aktuell sechsmal im Jahr. Zu ihrem Autorenstamm z\u00e4hlen mehrere Personen, die dem Rechtsextremismus zuzurechnen sind. Das IfS will zugunsten einer Diskursverschiebung nach \"rechts\" eine vermeintlich linke Hegemonie in Gesellschaft und Politik aufbrechen. Der \"Raum des Sagbaren\" soll ausgedehnt werden. Das IfS strebt nach Deutungshoheit im vorpolitischen und nach Einfluss im parlamentarischen Raum. St\u00e4rker als viele andere rechtsextremistische Gruppierungen setzt das IfS auf die Schrift als Mittel zur Verbreitung der eigenen Ideologie. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Sachsen-Anhalt stufte das IfS im Juni 2019 als gesichert rechtsextremistische Bestrebung ein. Im Februar 2023 lehnte das Verwaltungsgericht Magdeburg den Antrag des IfS gegen dessen Nennung im Verfassungsschutzbericht des Landes Sachsen-Anhalt rechtskr\u00e4ftig ab. Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erkl\u00e4rte das IfS im April 2023 zur gesichert rechtsextremistischen Bestrebung. Grund der Beobachtung Die vom IfS herausgegebenen Schriften und die \u00c4u\u00dferungen seiner f\u00fchrenden Vertreter zeichnen sich durch rassistische und biologistische Sichtweisen sowie die \u00dcberzeugung aus, dass der deutsche Staat geschw\u00e4cht sei. Den Wesenskern der Ideologie44 des IfS stellt (wie auch im Falle der IBD) der Ethnopluralismus dar. In unmittelbarem Zusammenhang mit seiner ethnopluralistischen Agitation steht die Ausl\u00e4nderund Islamfeindlichkeit des IfS. Das IfS diskriminiert ausgew\u00e4hlte Personengruppen, wenn es diesen pauschal negative Eigenschaften zuschreibt und die pers\u00f6nliche Identit\u00e4t im Sinne des Art. 2 GG sowie die Gleichheitsrechte nach Art. 3 GG abspricht. Die pauschale Ver\u00e4chtlichmachung von ethnischen und kulturellen Minderheiten verst\u00f6\u00dft au\u00dferdem gegen das Prinzip der Unantastbarkeit der Menschenw\u00fcrde nach Art. 1 Abs. 1 GG. Die vom IfS propagierte Vorstellung von einem \"deutschen Volk\" jenseits des im Grundgesetz als der Gesamtheit der deutschen Staatsangeh\u00f6rigen definierten Staatsvolkes impliziert eine Herabsetzung von eingeb\u00fcrgerten Staatsangeh\u00f6rigen zu Deutschen \"zweiter Klasse\". Aus der Sicht des IfS ist die Ablehnung einer multiethnischen Gesellschaft f\u00fcr den Erhalt bzw. das Wiedererstarken des Staates notwendig. Das IfS richtet sich damit gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. 42 Mitunter werden die Bezeichnungen uneinheitlich verwendet. 43 Beispielweise die \"Wissenschaftliche Reihe\" oder das \"Staatspolitische Handbuch\" des IfS. 44 Auf der ideologischen Ebene hat das aufgel\u00f6ste und neustrukturierte IfS keine inhaltliche Neuausrichtung oder einen programmatischen Wechsel vollzogen. 75","Rechtsextremismus In seiner Rolle als \"think tank\" der sogenannten Neuen Rechten unterh\u00e4lt das IfS eine Vielzahl von Kontakten und Beziehungen zu anderen neurechten Gruppen und Personen. Insbesondere besteht eine enge Bindung an den rechtsextremistischen Verlag \"Antaios\"45 und an Funktionsund Mandatstr\u00e4ger der Partei AfD. Das IfS will, seinem Selbstverst\u00e4ndnis als Ideenund Impulsgeber der sogenannten Neuen Rechten folgend, prim\u00e4r im vorpolitischen Raum wirken und damit zu einer kontinuierlichen Verschiebung der politischen Machtverh\u00e4ltnisse beitragen, um letztlich zuk\u00fcnftige politische Entscheidungen sp\u00fcrbar zu pr\u00e4gen.46 Es ist somit bestrebt, Dritte mit seinem extremistischen Denken und Handeln zu beeinflussen. Dabei scheut es eine teils offensive, teils subversive Pflege und Verbreitung verschw\u00f6rungsideologischer Argumentationsmuster nicht. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im Jahr 2025 war das IfS weiterhin prim\u00e4r publizierend t\u00e4tig. Die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit und Reichweite entfaltete es mit Beitr\u00e4gen in der SiN. Hier ver\u00f6ffentlichte das IfS eine Mischung aus bereits in der Zeitschrift \"Sezession\" publizierten Artikeln, Nachbetrachtungen zu Veranstaltungen und Meinungsbeitr\u00e4gen zum tagespolitischen Geschehen. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte das IfS regelm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen durch, von denen insbesondere die \"Studientage\" (ehemals \"Akademie\"-Tagungen) innerhalb der neurechten Szene gro\u00dfen Anklang fanden. An diesen nehmen in der Regel Unterst\u00fctzer und Angeh\u00f6rige der sogenannten Neuen Rechten teil. Sie sind Personen unter 35 Jahren vorbehalten, was die Bedeutung des IfS als ideologisches Schulungsund Nachwuchszentrum der sogenannten Neuen Rechten unterstreicht. Die \"Studientage\" des IfS fanden vom 24. bis 26. Januar 2025 statt und behandelten das Thema \"Amerika\". Etwa 150 Personen fanden den Weg nach Schnellroda (Saalekreis). U. a. wurden der \"Niedergang des Westens\", \"Amerikas Kriege\" und die politische F\u00fchrungsebene der USA diskutiert. Vom 19. bis 21. September 2025 fand unter der \"alten\" Bezeichnung die \"Sommerakademie\" des IfS in Schnellroda statt, die sich dem Thema \"Arbeit\" widmete. Kubitschek schrieb in einem Artikel in der SiN, dass es innerbetriebliche Zweifel gegeben habe, die Sommerakademie in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Es habe Ver\u00e4nderungen gegeben und manches harre noch immer einer Entscheidung. Eine deutliche Ver\u00e4nderung war an der Teilnehmerzahl ablesbar. Es wurden nur 100 Pl\u00e4tze f\u00fcr die \"Sommerakademie\" angeboten, ein Drittel weniger als in den vorangegangenen Jahren. Unter den Teilnehmern waren Mitglieder der IBD und der \"Jungen Tat\"47 festzustellen . 45 Inhaber und Verlagsleiter ist G\u00f6tz Kubitschek. 46 Das IfS vertritt ein Konzept der \"Metapolitik\", dem die Annahme zugrunde liegt, dass die Deutungshoheit im vorpolitischen Raum zur Erlangung und Festigung der realen politischen Macht im parlamentarischen Bereich f\u00fchrt. Die Metapolitik wird nach dem Verst\u00e4ndnis des IfS gegenw\u00e4rtig mehrheitlich von linken Akteuren dominiert, die somit alle wesentlichen Begriffe, Symboliken und Diskurse in der Gesellschaft steuerten und pr\u00e4gten. 47 \"Identit\u00e4re Bewegung Schweiz\". 76","Rechtsextremismus W\u00e4hrend die \"Studientage\" mit ihrem expliziten Schulungscharakter vor allem auf einen exklusiveren Kreis innerhalb der sogenannten Neuen Rechten ausgerichtet sind, haben sich die f\u00fcr ein breiteres Publikum offenen \"Sommerfeste\" \u00fcber die Jahre als zentrale Plattform f\u00fcr Vernetzung und Kooperation etabliert - und das \u00fcber das neurechte Milieu hinaus. So wuchs die Anzahl der Teilnehmer sukzessive. An dem vom 5. bis 6. Juli 2025 in Schnellroda durchgef\u00fchrten Sommerfest nahmen \u00fcber 600 (2024: 500) Personen teil. An beiden Veranstaltungstagen bot das IfS Vortr\u00e4ge, Podiumsdiskussionen und Lesungen an. Die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit erhielten jedoch die G\u00e4ste Aron Pielka alias \"Shlomo Finkelstein\" (Podcaster, Brandenburg), der wegen Volksverhetzung eine einj\u00e4hrige Haftstrafe im Gef\u00e4ngnis verb\u00fc\u00dft hatte, Martin Sellner und Maximilian Krah (MdB AfD, Sachsen). Krahs diametrale Auffassung zu Martin Sellners These der \"Remigration\" 48 f\u00fchrte in der neurechten Szene zu einem Richtungsstreit und erfuhr letztendlich eine deutliche Ablehnung. Kubitschek stoppte kurz nach dem Sommerfest ein geplantes Buchprojekt mit Krah und f\u00fchrte ein neues mit Pielka fort. Am 2. Februar 2025 trat Kubitschek bei dem \u00f6sterreichischen Internetkanal \"AUF1\" auf. Gemeinsam mit Stefan Magnet49 (\u00d6sterreich) analysierte er, inwieweit Elon Musk die politische Wende beschleunigen k\u00f6nnte. Mit seiner Aufforderung, sich von der Vergangenheit zu l\u00f6sen, habe Musk es geschafft, den \"lang antrainierten Schuldkult\" ins Wanken zu bringen, so Kubitschek. Vom 11. bis 13. April 2025 f\u00fchrte das IfS gemeinsam mit dem \"Freiheitlichen Akademikerverband Steiermark\" (FAV Steiermark) eine \"Politische Tagung50\" zum Thema \"Die Rechte zwischen Metaund Realpolitik\" in K\u00e4rnten (\u00d6sterreich) durch. Die Vortragenden geh\u00f6rten \u00fcberwiegend dem IfS-Referentenstamm an. Im Mai 2025 planten die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag sowie im November 2025 die AfD-Fraktion im Landtag Sachsen-Anhalt, Kubitschek f\u00fcr die Themen \"Demokratiebildung in Bayern\" sowie \"Pflichtbesuche von Sch\u00fclern in Holocaust-Gedenkst\u00e4tten\" als Sachverst\u00e4ndigen einzuladen. In beiden F\u00e4llen sprachen sich die anderen Fraktionen gegen die Einladung aus. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Entwicklung des \"aufgel\u00f6sten und neustrukturierten IfS\" setzte sich im Berichtsjahr ohne Unterbrechung fort. Der \u00dcbergang in eine neue Rechtsform im Jahr 2024 f\u00fchrte auch 2025 nicht zu einer inhaltlichen Neuausrichtung oder einem programmatischen Wandel. Das IfS ist szeneintern weiterhin ideologisch tonangebend. Kubitscheks informeller Einfluss, insbesondere auf Teile der AfD, in Form einer Art Beraterfunktion wirkt gleicherma\u00dfen fort. 48 Krah hatte sich zuletzt mehrfach von Sellners Interpretation des Begriffs \"Remigration\" distanziert, insbesondere nachdem das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil zum Verbotsverfahren der \"COMPACT-Magazin GmbH\" vom 24. Juni 2025 festgestellt hatte, dass sich Sellners Konzept der \"Remigration\" gegen die Menschenw\u00fcrdegarantie des Grundgesetzes richte. 49 Gr\u00fcnder von \"AUF1\". 50 Fr\u00fchere Bezeichnungen: Herbstakademie bzw. Fr\u00fchjahrsakademie. 77","Rechtsextremismus Die Verbindung zu zentralen Vertretern der sogenannten Neuen Rechten, wie Martin Sellner, dauert fort. Die Hinwendung zu dem vor allem unter jungen Anh\u00e4ngern der sogenannten Neuen Rechten bekannten Podcaster Aron Pielka zeigt, dass das IfS aktuell bem\u00fcht ist, sich personell zu verj\u00fcngen, um zukunftsf\u00e4hig zu sein. Nur mit der \u00dcberzeugung und Akzeptanz eines j\u00fcngeren Publikums kann der Status als \"Denkfabrik\" erhalten bleiben. 78","\"REICHSB\u00dcRGER\" UND \"SELBSTVERWALTER\"","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" EINLEITUNG Die systematische Beobachtung der Reichsb\u00fcrgerund Selbstverwalterszene (kurz: Reichsb\u00fcrgerszene) seit 2016 und die Berichterstattung \u00fcber ihre verfassungsfeindliche Ausrichtung zeigt klar, dass die Szene heute nicht mehr als ein skurriles Ph\u00e4nomen, sondern als sicherheitsrelevante Gefahr wahrgenommen wird. Bei den \"Reichsb\u00fcrgern\" und \"Selbstverwaltern\" handelt es sich um eine gefestigte, verfassungsfeindliche Bestrebung, die im Berichtsjahr in Sachsen-Anhalt ein unver\u00e4ndert hohes Personenpotenzial von 700 (2024: 700) Szeneangeh\u00f6rigen aufwies. Die Reichsb\u00fcrgerszene ist mehrheitlich von Einzelpersonen und Kleingruppen gepr\u00e4gt. Eine Ausnahme stellte das in Sachsen-Anhalt gegr\u00fcndete \"K\u00f6nigreich Deutschland\" (KRD) dar, das sich \u00fcber ein Jahrzehnt zu einem \u00fcber die Landesgrenzen hinaus agierenden Personenzusammenschluss entwickelte. Das vom Bundesministerium des Innern (BMI) verh\u00e4ngte Verbot der Gruppierung am 13. Mai 202551 f\u00fchrte zu einer sichtbaren Eind\u00e4mmung der Reichsb\u00fcrgerszene in Sachsen-Anhalt. Die \"Gemeine S\u00fcdharz\" war 2025 die aktivste Gruppierung in Sachsen-Anhalt. Sie verschickte im Berichtszeitraum eine Vielzahl von Schreiben im pseudobeh\u00f6rdlichen Reichsb\u00fcrgerduktus. Mit Aush\u00e4ngen, die den Anschein eines beh\u00f6rdlichen Charakters erwecken sollten, machte die Reichsb\u00fcrgergruppierung \"Verband Deutscher Wahlkommissionen\" (VDWK) auf sich aufmerksam. Die Pamphlete suggerieren der Leserschaft, dass \"staatliche\" Wahlen in historischen \"Bundesstaaten\" (z. B. \"Bundesstaat Sachsen\") vorzubereiten, angebliche Staatsangeh\u00f6rigkeiten in diesen \"Bundesstaaten\" festzustellen und W\u00e4hlerverzeichnisse zu f\u00fchren seien. Der VDWK greift damit die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland an. 51 Das Verbot war zum Redaktionsschluss des vorliegenden Verfassungsschutzberichts noch nicht rechtskr\u00e4ftig. 80","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" REICHSB\u00dcRGERSZENE (\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\") Gr\u00fcndung Die seit Jahren agierende Reichsb\u00fcrgerszene hat ihren Ursprung in der in den 1980er Jahren bestehenden \"Kommissarischen Reichsregierung\" (KRR) um Wolfgang Ebel (+, Berlin). Verbreitung Quantitative Schwerpunktregionen in Sachsen-Anhalt sind der Salzlandkreis und der Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 700 70052 Struktur / Die Reichsb\u00fcrgerszene ist sehr heterogen, zersplittert und Aufbau vielschichtig. Sie l\u00e4sst sich in \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" unterscheiden. Als \"Reichsb\u00fcrger\" bezeichnen sich Einzelpersonen und verschiedene Gruppierungen, die sich als Angeh\u00f6rige eines \"Deutschen Reiches\" w\u00e4hnen. Bei den \"Selbstverwaltern\" handelt es sich um eine heterogene Gruppe von Einzelpersonen, die im Gegensatz zu den \"Reichsb\u00fcrgern\" nicht vom Weiterbestehen des Deutschen Reiches \u00fcberzeugt sind, sondern behaupten, sie k\u00f6nnten durch eine Erkl\u00e4rung aus der Bundesrepublik Deutschland ausscheiden oder dass diese gar nicht existent sei. Entsprechend seien sie nicht mehr deren Gesetzen unterworfen. Manche \"Selbstverwalter\" rufen sogar eigene \"Staatsgebilde\" aus. Neben den Einzelakteuren existieren eine Vielzahl an Kleinstund Kleingruppen sowie virtuelle Netzwerke und dar\u00fcber hinaus auch \u00fcberregional agierende Personenzusammenschl\u00fcsse. Ver\u00f6ffentlichungen Diverse, teils wechselnde Web-Angebote Soziale Medien wie Facebook, Homepages, Messenger-Dienste wie Telegram Kurzportrait / Ziele Kennzeichnend f\u00fcr die Reichsb\u00fcrgerszene sind gemeinhin folgende Behauptungen: Die Bundesrepublik Deutschland sei kein echter Staat im v\u00f6lkerrechtlichen Sinn, sondern eine Firma mit staats\u00e4hnlichen Strukturen, eine \"BRD-GmbH\". Es handele sich um ein reines \"Verwaltungsund Firmenkonstrukt\". Die Bundesrepublik Deutschland sei nicht unabh\u00e4ngig. Die Bundesrepublik Deutschland sei juristisch nicht existent, also illegal. Hingegen bestehe das Deutsche Reich v\u00f6lkerrechtlich fort; oft wird auf die Grenzen von 1937 verwiesen. Allerdings sei das Reich immer noch besetzt. Um ihre Behauptung zu untermauern, dass Deutschland kein souver\u00e4ner Staat sei, verweisen 52 Davon sind etwa 9 Prozent der rechtsextremistischen Szene zuzurechnen; 8 Prozent sind gewaltorientiert. 81","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" \"Reichsb\u00fcrger\" meist auf die Milit\u00e4rpr\u00e4senz der USA, die eines der bevorzugten Feindbilder der Szene darstellen. \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" streben den Aufbau pseudostaatlicher Strukturen an und sind daher bem\u00fcht, eigene Verwaltungsstrukturen zu schaffen. Szeneakteure stellen zu diesem Zweck u. a. eigene Legitimationspapiere aus, geben sich selbst Regierungs\u00e4mter oder rufen pseudostaatliche Beh\u00f6rden ins Leben. Grund der Beobachtung \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" erkennen die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland nicht an. Sie versto\u00dfen damit gegen das Rechtsstaatsprinzip nach Art. 20 Abs. 3 GG. Zudem k\u00f6nnen sich Bestrebungen von \"Reichsb\u00fcrgern\" und \"Selbstverwaltern\" gegen den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes und - soweit sie im Einzelfall mit gebietsrevisionistischen Forderungen verbunden sind - auch gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten. Zuweilen werden auch antisemitische Verschw\u00f6rungsideologien bis hin zur Holocaust-Leugnung verbreitet. \u00dcberregionale Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \"K\u00f6nigreich Deutschland\" (KRD) Die Gruppe \"K\u00f6nigreich Deutschland\" (KRD) war bis zu ihrem Verbot im Mai 2025 die gr\u00f6\u00dfte Reichsb\u00fcrgerorganisation Deutschlands. Im Berichtszeitraum war sie vor allem im Bundesland Sachsen aktiv. Der uneingeschr\u00e4nkte Anf\u00fchrer des KRD, Peter Fitzek, hatte gegen seine Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bew\u00e4hrung, u. a. wegen K\u00f6rperverletzung und Beleidigung, durch das Amtsgericht Wittenberg im Jahr 2022 Revision eingelegt. Diese wurde im M\u00e4rz 2025 vom OLG Naumburg verworfen. Fitzek warf den Beh\u00f6rden daraufhin eine Hetzkampagne und eine Verschw\u00f6rung gegen ihn vor und behauptete, mit dieser Entscheidung werde deutlich, dass die Bundesrepublik Deutschland kein Rechtsstaat sei. Das KRD und seine insgesamt 22 Teilorganisationen (darunter die \"Deutsche Heilf\u00fcrsorge\", die \"Gemeinwohlkasse\", der \"F\u00f6rderverein Die Kooperative e.V.\" und \"LEUCHT-TURM - Regionalstellenaufbau im KRD\") wurden am 13. Mai 2025 vom BMI nach dem Vereinsgesetz verboten. Zur Begr\u00fcndung des Verbots f\u00fchrte das BMI an, dass der Verein sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung sowie gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richte und nach Zweck und T\u00e4tigkeiten den Strafgesetzen zuwiderlaufe. Es fanden Durchsuchungen in sieben Bundesl\u00e4ndern (Baden-W\u00fcrttemberg, Niedersachsen, NordrheinWestfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt) statt. Im Rahmen der Ma\u00dfnahmen wurden zahlreiche Beweismittel wie Ordner, Digitalasservate, IT-Gegenst\u00e4nde, Fantasiedokumente, Vereinsunterlagen, Datentr\u00e4ger, Bargeld (als Teil des Vereinsverm\u00f6gens) in niedriger sechsstelliger H\u00f6he, sowie diverse Landmaschinen, 82","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" Fahrzeuge und drei Vereinsimmobilien beschlagnahmt. Zudem wurde die Sperrung diverser Online-Plattformen veranlasst. Gleichzeitig fanden im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwalts (GBA) aufgrund des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung Durchsuchungen und Festnahmen statt. Die vier Betroffenen, darunter Peter Fitzek, sollen sich als f\u00fchrende Mitglieder einer kriminellen Vereinigung mit dem Namen KRD bet\u00e4tigt haben. Schwerpunkt der vorgeworfenen Straftaten sind Wirtschaftsund Steuerdelikte. In der Lutherstadt Wittenberg (Landkreis Wittenberg) durchsuchten Polizeibeamte der Polizeiinspektion Dessau-Ro\u00dflau die Wohnung der Hauptverantwortlichen f\u00fcr wirtschaftliche Aspekte des KRD, wobei die Wohnungsinhaberin nicht angetroffen wurde. Papiere und digitale Datentr\u00e4ger zu verschiedenen Teilbereichen innerhalb des KRD (z. B. zur \"K\u00f6niglichen Reichsbank\"), Unterlagen zu vom KRD erworbenen Immobilien, 137.000 Euro Bargeld sowie in dem B\u00fcro der Person aufbewahrte Edelmetallm\u00fcnzen wurden beschlagnahmt. Gegen das Verbot reichte Fitzek Klage beim Bundesverwaltungsgericht ein. Dabei wird Fitzek anwaltlich von dem Vorsitzenden der rechtsextremistischen Kleinstpartei \"Freie Sachsen\", Martin Kohlmann, vertreten. \"Das Gro\u00dfe Treffen der Bundesstaaten\" Die bundesweite Veranstaltungsreihe \"Das Gro\u00dfe Treffen der Bundesstaaten\" wurde auch im Jahr 2025 fortgesetzt. Sie dient der \u00fcberregionalen Vernetzung der Reichsb\u00fcrgerszene und fordert ideologisch die R\u00fcckkehr des Kaiserreichs und der Verfassung von 1871. Zum f\u00fcnften \"Gro\u00dfen Treffen der Bundesstaaten\" versammelten sich am 15. M\u00e4rz 2025 etwa 600 \"Reichsb\u00fcrger\" in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern). Am 26. Juli 2025 trafen sich 350 Personen zu einer Veranstaltung in Karlsruhe (Baden-W\u00fcrttemberg). Am 4. Oktober 2025 fand eine entsprechende Kundgebung mit 650 Szeneangeh\u00f6rigen in Weimar (Th\u00fcringen) statt. Vereinzelt nahmen \"Reichsb\u00fcrger\" aus Sachsen-Anhalt an den Treffen teil. Die Versammlungsreihe stellt das gr\u00f6\u00dfte sich wiederholende Vernetzungstreffen der Reichsb\u00fcrgerszene dar. \"Verband Deutscher Wahlkommissionen\" (VDWK) Eine ebenfalls bundesweit bedeutsame Reichsb\u00fcrgergruppierung ist der \"Verband Deutscher Wahlkommissionen\" (VDWK). Der VDWK bestreitet die staatliche Souver\u00e4nit\u00e4t und die rechtstaatliche Legitimation der Bundesrepublik Deutschland und strebt die Herstellung des Deutschen Kaiserreichs in den Grenzen von 1871 an. Um dies zu erreichen, sollen territorial untergliederte \"Wahlkommissionen\" Wahlen organisieren. Die daraus resultierende \"legitimierte\" Verwaltungsstruktur soll beim erwarteten Scheitern der \"BRD\" aktiv werden. 83","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" Im Berichtszeitraum fanden mehrere Treffen der Gruppe statt. So trafen sich im April an zwei Tagen etwa 250 Anh\u00e4nger des VDWK in Bad Heiligenstadt (Th\u00fcringen) zu einem \"Staatsvolk-Treffen\". In Sachsen-Anhalt sind die Wahlkommissionen \"Preu\u00dfische Provinz Sachsen\" und \"Anhalt\" relevant. Im Berichtszeitraum sind vermehrt Aush\u00e4nge mit Bezug zum VDWK bekannt geworden. Diese Aush\u00e4nge waren meist an Schauk\u00e4sten von Gemeindeverwaltungen angebracht und mit dem Schriftzug \"\u00d6ffentliche Bekanntmachung\" oder \"Er\u00f6ffnung der Wahllisten\" betitelt. Die Aush\u00e4nge riefen dazu auf, sich f\u00fcr die oben beschriebenen \"Wahlen\" aufstellen zu lassen. Aktive Gruppierungen der Reichsb\u00fcrgerszene in Sachsen-Anhalt Gruppierungen nehmen in der Reichsb\u00fcrgerszene einen bedeutenden Stellenwert ein, da sie sowohl virtuell als auch in der realen Welt zweckund zielgerichtet agieren. Die Reichsb\u00fcrgerszene unterliegt permanenten strukturellen Ver\u00e4nderungen und ist anpassungsf\u00e4hig. \"Stiller Protest\" Lediglich an der B 86 in Sangerhausen (Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz) wurden die wiederkehrenden Versammlungen von einem bereits bekannten Personenkreis weitergef\u00fchrt, auch wenn diese Versammlungen nur sehr geringe Teilnehmerzahlen aufwiesen. Au\u00dferdem wurden gleichgelagerte Versammlungen in anderen Bundesl\u00e4ndern wie Brandenburg oder Niedersachsen personell unterst\u00fctzt. \"Samtgemeinde Alte Marck\" Die \"Samtgemeinde Alte Marck\" trat im Berichtsjahr erneut vereinzelt in Erscheinung, indem Anh\u00e4nger der Gruppierung Schreiben an Beh\u00f6rden verschickten, in denen behauptet wurde, dass diese nicht berechtigt seien, hoheitliche Befugnisse auszu\u00fcben. Meist war den Schreiben ein \"Heimathschein\" der \"Samtgemeinde\" beigef\u00fcgt, um diese Behauptung zu untermauern. \"Gemeine S\u00fcdharz\" Im Landkreis Mansfeld-S\u00fcdharz blieb die \"Gemeine S\u00fcdharz\" sehr aktiv. Es handelt sich mittlerweile um die gr\u00f6\u00dfte Reichsb\u00fcrgergruppierung Sachsen-Anhalts. Laut \"Gr\u00fcndungsurkunde\" wurde die \"Gemeine S\u00fcdharz\" Ende 2022 von sieben Personen ins Leben gerufen. Inzwischen werden der Gruppierung etwa 45 \"Reichsb\u00fcrger\" zugerechnet, die auch in anderen Landkreisen und au\u00dferhalb Sachsen-Anhalts wohnen. 84","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" Typisch f\u00fcr diese Gruppierung ist das Versenden von Schreiben, in denen Beh\u00f6rden mitgeteilt wird, dass diese nicht zust\u00e4ndig seien, da ausschlie\u00dflich die \"Gemeine S\u00fcdharz\" verwaltungsrechtlich befugt sei, Ma\u00dfnahmen gegen\u00fcber ihren Anh\u00e4ngern zu veranlassen. Herauszuheben ist ein Ereignis im September 2025. Ein Gerichtsvollzieher wollte das Wohnhaus einer Angeh\u00f6rigen der Gruppierung in Sangerhausen (Mansfeld-S\u00fcdharz) zwangsr\u00e4umen. Auf dem Grundst\u00fcck hielten sich drei weitere \"Reichsb\u00fcrger\" auf, welche die Ma\u00dfnahmen zu behindern versuchten, jedoch von der Polizei des Grundst\u00fccks verwiesen wurden. Kurze Zeit sp\u00e4ter kamen sie zur\u00fcck, verschafften sich Zugang zum Haus und mussten von der Polizei kurzzeitig in Gewahrsam genommen werden. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter kam es an dem mittlerweile zwangsger\u00e4umten Grundst\u00fcck zu einem erneuten Vorfall. Derselbe Personenkreis begab sich dorthin und wollte Betonkl\u00f6tze von einem Fahrzeug abladen, um den neuen Besitzer des Grundst\u00fccks daran zu hindern, dieses zu nutzen. Die Polizei schritt auch hier ein und verhinderte die Aktion. \"Vaterl\u00e4ndischer Hilfsdienst\" (VHD) Der VHD ist eine Unterorganisation der Reichsb\u00fcrgerorganisation \"Bismarcks Erben/ Ewiger Bund\", deren Aufgabe es sein soll, alternative \"Verwaltungsstrukturen\" wie \"Melde\u00e4mter\" aufzubauen, um einen Staat nach den Vorstellungen des VHD zu errichten. Die Gruppierung orientiert ihre regionale Gliederung an den historischen Armeekorpsbezirken, wie sie in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches bestanden. Der VHD-Ableger in Sachsen-Anhalt agiert unter der Bezeichnung \"IV. Armeekorpsbezirk\" (AKB). Im Jahr 2025 kam die Gruppe an verschiedenen Orten zu sogenannten \"Hilfsdiensttreffen\" zusammen, so in Salzwedel (Altmarkkreis Salzwedel) und Bitterfeld-Wolfen OT Bitterfeld (Anhalt-Bitterfeld). Seit Mitte des Jahres sind keine Treffen des IV. AKB mehr bekannt geworden. Bei den \"Hilfsdiensttreffen\" der Gruppe sollen nach eigenen Angaben Interessenten beschult, Auszeichnungen verliehen und sogenannte \"Eidesleistungen\" vollzogen worden sein. Mit \"Eidesleistungen\" verpflichtet man sich, f\u00fcr die Interessen des VHD einzutreten; zumeist ist damit die \u00dcbertragung von Funktionen innerhalb der Organisation verbunden. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Reichsb\u00fcrgerszene entfaltete im Berichtsjahr Aktivit\u00e4ten sowohl in der Realwelt als auch im virtuellen Raum. F\u00fcr Sachsen-Anhalt stabilisierte sich die Anzahl der Anh\u00e4nger dieses Ph\u00e4nomenbereiches auf einem hohen Niveau. Die Anh\u00e4nger der Szene sind bestrebt, ihre digitale Vernetzung weiter zu forcieren. Diese digitale Vernetzung wirkt sich auch in der realen Welt aus. Beispielhaft daf\u00fcr sind die \"Gro\u00dfen Treffen der Bundesstaaten\" zu nennen, die zum pers\u00f6nlichen Kennenlernen und Austausch der weltanschaulichen Ideen genutzt werden. Ein Schwerpunkt der T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist weiterhin die Beobachtung von \"Reichsb\u00fcrgern\" und \"Selbstverwaltern\", die \u00fcber eine waffenrechtliche Erlaubnis 85","\"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" verf\u00fcgen und sich waffenaffin zeigen. Etwa drei Prozent des Personenpotenzials in SachsenAnhalt sind in Besitz einer waffenrechtlichen Erlaubnis. Im Rahmen seiner Mitwirkungspflichten bei waffenrechtlichen Zuverl\u00e4ssigkeitspr\u00fcfungen nach SS 5 WaffG hat der Verfassungsschutz die Unteren Waffenbeh\u00f6rden \u00fcber seine (mitteilbaren) Erkenntnisse unterrichtet.53 Die Waffenbeh\u00f6rden pr\u00fcfen eigenst\u00e4ndig, ob das Versagen einer beantragten oder der Entzug einer bereits erteilten waffenrechtlichen Erlaubnis auf der Basis dieser Erkenntnisse rechtlich m\u00f6glich ist. Es bleibt weiterhin eine wichtige Aufgabe des Verfassungsschutzes, die verbal radikal und renitent auftretende Szene aufmerksam zu beobachten. \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" agieren gegen\u00fcber staatlichen Entscheidungstr\u00e4gern mittlerweile offener, selbstbewusster und konfliktbereiter als in der Vergangenheit. Dabei greifen sie weiterhin auf Narrative zur\u00fcck, welche die Legitimit\u00e4t oder gar die Existenz der Bundesrepublik Deutschland grunds\u00e4tzlich infrage stellen (z. B. die Rede von der \"BRD GmbH\"). Damit untergr\u00e4bt die Reichsb\u00fcrgerszene systematisch das Vertrauen in staatliche Institutionen und demokratische Prozesse. 53 Vgl. hierzu auch das Kapitel \"Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt\", S. 7 ff. 86","WEITERE EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN","Weitere extremistische Bestrebungen Weitere extremistische Bestrebungen Bei der Beobachtung von Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung ordnet der Verfassungsschutzverbund Erkenntnisse in \"Ph\u00e4nomenbereiche\" wie Rechts-, Linksextremismus oder Islamismus ein. Sie dienen als arbeitsorganisatorische Kategorien f\u00fcr unterschiedliche Ideologien. Hinzu traten auch solche Bestrebungen, die sich insbesondere seit 2021 als eine Protestform in Deutschland manifestierten, die im Kern eine Delegitimierung des Staates, seiner Institutionen und seiner politisch Handelnden darstellte und in Teilen extremistische, d. h. verfassungsfeindliche Auspr\u00e4gung besa\u00dfen, und keinen der anderen Extremismusbereiche zugeordnet werden konnten.54 Im Zuge der schwindenden Mobilisierung f\u00fcr die Proteste gegen die Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Corona-Pandemie seit 2023 hat sich das Personenpotenzial der \"Verfassungsschutzrelevanten Delegitimierung des Staates\" reduziert und fragmentiert sowie zum Teil dem Rechtsextremismus zugewandt. Im Vergleich zu den Vorjahren trat die Szene infolge dieser Entwicklung weniger konturiert in Erscheinung. Ihre Aktivit\u00e4ten entfalteten insgesamt eine geringe Resonanz. Die Proteste wiesen einen stark ritualisierten Charakter auf und wurden \u00fcberwiegend von einer kleinen Personengruppe getragen, die es nicht vermochte, eine nicht-extremistische Klientel zu mobilisieren. Dies zeigte etwa der Versuch der Szene, deutschlandweite Demonstrationen unter dem Motto \"Gemeinsam f\u00fcr Deutschland\" mit einer hohen Teilnehmerzahl zu organisieren, die gleichzeitig in mehreren St\u00e4dten stattfinden sollten. W\u00e4hrend im M\u00e4rz 2025 noch etwa 680 Personen f\u00fcr die Versammlung in Magdeburg mobilisiert werden konnten, nahmen an der vierten gleichlautenden Demonstration im Oktober 2025 nur noch 25 Personen teil. An der Versammlung im M\u00e4rz 2025 beteiligten sich neben Ortsgruppen der Protestszene auch rechtsextremistische Jugendgruppen wie \"Jung und Stark\" (JS) und die \"Jungen Nationalisten\" (JN),55 was erneut auf die Anschlussf\u00e4higkeit der Szene an den Rechtsextremismus hinweist. Die Teilnehmenden der Proteste verbreiteten h\u00e4ufig pro-russische Narrative und unternahmen den Versuch, sich als neue Friedensbewegung zu inszenieren. Die Redebeitr\u00e4ge auf den Versammlungen konzentrierten sich vor allem auf die Themen Frieden und Meinungsfreiheit sowie die tagesaktuelle Politik. Dabei w\u00e4hnten sich die Redner in einer Diktatur und verglichen die aktuelle Politik mit der NS-Zeit oder der DDR. Die Regierung und deren Repr\u00e4sentanten wurden ver\u00e4chtlich gemacht, indem sie als \"Kriegstreiber\", die den deutschen B\u00fcrgern mit Absicht Schaden zuf\u00fcgen wollen, und das absolut \"B\u00f6se\" dargestellt wurden. Neben der Durchf\u00fchrung von Versammlungen in verschiedenen St\u00e4dten bildete das Hauptaktionsfeld der verfassungsschutzrelevanten Protestszene im Berichtszeitraum das Teilen und Verbreiten von Inhalten in sozialen Netzwerken, insbesondere bei Telegram: Die dort ver\u00f6ffentlichten Inhalte enthalten h\u00e4ufig pro-russische Narrative, weisen einen hohen 54 Vgl. die Verfassungsschutzberichte des Landes Sachsen-Anhalt der Jahre 2021 bis 2024. 55 Zu JN und JS vgl. das Kapitel \"Rechtsextremismus\", S. 36 u. 56 f. 88","Weitere extremistische Bestrebungen Grad an Desund Misinformation auf und werden aggressiv und mit gesteigerter Vehemenz vorgetragen. Bewertungen, Tendenzen, Ausblick Die Bedeutung des Beobachtungsobjekts \"Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates\" hat im Berichtszeitraum weiter abgenommen; der R\u00fcckgang des Mobilisierungspotenzials dieser Szene in Sachsen-Anhalt hat sich fortgesetzt. Die Teilnehmendenzahlen der von den relevanten Akteuren organisierten Versammlungen sind konstant niedrig; seit dem Auslaufen der Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der CoronaPandemie sto\u00dfen diese Versammlungen kaum noch auf Resonanz im nichtextremistischen Teil der Bev\u00f6lkerung. Neben dem Bedeutungsverlust der Corona-Thematik ist die hohe Anschlussf\u00e4higkeit der in der Szene verbreiteten Verschw\u00f6rungsideologien f\u00fcr Narrative und Denkmuster, die f\u00fcr die Ph\u00e4nomenbereiche Rechtsextremismus und Reichsb\u00fcrgerszene typisch sind, ein Grund f\u00fcr diese Entwicklung: Diejenigen Personen, die sich w\u00e4hrend der Corona-Pandemie radikalisiert und in Gruppierungen dieser Protestszene engagiert haben, propagieren mittlerweile rechtsextremistische oder \"Reichsb\u00fcrger\"-Ideologeme und werden daher von der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde den Ph\u00e4nomenbereichen Rechtsextremismus oder Reichsb\u00fcrgerszene zugerechnet. Die schwindende Mobilisierungsf\u00e4higkeit geht indes nicht mit einer abnehmenden Radikalit\u00e4t der verbliebenen Anh\u00e4nger der fr\u00fcheren Delegitimiererszene einher. Im Gegenteil: Die extremistische Intensit\u00e4t der \u00c4u\u00dferungen von Szeneangeh\u00f6rigen ist weiter hoch. Insbesondere die Wortbeitr\u00e4ge auf Telegram-Kan\u00e4len versto\u00dfen gegen das Demokratieprinzip. Es ist daher erforderlich, die Aktivit\u00e4ten der verfassungsschutzrelevanten Delegitimiererszene weiterhin zu beobachten. Der Ph\u00e4nomenbereich \"Verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates\" wurde im Jahr 2021 vor dem Hintergrund der damaligen dynamischen Lageentwicklung eingerichtet. Dieser Bereich hat in den darauffolgenden Jahren jedoch an Bedeutung verloren und wird daher nicht mehr als bundesweiter, eigenst\u00e4ndiger Ph\u00e4nomenbereich fortgef\u00fchrt. Unabh\u00e4ngig davon werden aber solche Personen oder Gruppierungen aus diesem ehemaligen Ph\u00e4nomenbereich weiterhin bearbeitet, die Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung verfolgen. 89","LINKSEXTREMISMUS","Linksextremismus EINLEITUNG Linksextremismus als heterogenes Ph\u00e4nomen stellt ein Sammelbecken f\u00fcr unterschiedliche Str\u00f6mungen dar, die jeweils gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind. Bei aller Vielschichtigkeit wissen sich Linksextremisten in der Verabsolutierung der menschlichen Fundamentalgleichheit einig, aus der sie radikale Konsequenzen ziehen. Das Ziel ist die totale Befreiung des Menschen aus allen gesellschaftlichen, politischen oder sozio\u00f6konomischen Zw\u00e4ngen und die Errichtung einer herrschaftsbzw. klassenlosen Ordnung. In dem Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Freiheit und Gleichheit haben sich mit der Zeit die unterschiedlichsten Str\u00f6mungen innerhalb des Linksextremismus herausgebildet. Je nach Ansatz soll das Ziel einer Gesellschaftsformation der Freien und Gleichen auf dem Wege der Diktatur einer zentralistischen (Einheits-)Partei, einer dezentralen Selbstorganisation oder durch die Abschaffung jeglicher Staatsund Herrschaftsstrukturen erreicht werden. Diese Methoden widersprechen den Grunds\u00e4tzen des demokratischen Verfassungsstaates, dessen Bestand Linksextremisten angreifen und auf revolution\u00e4rem Wege \u00fcberwinden wollen. Alle linksextremistischen Str\u00f6mungen lassen sich auf die ideengeschichtlichen Ideologiefamilien des Kommunismus auf der einen und des Anarchismus auf der anderen Seite zur\u00fcckf\u00fchren. W\u00e4hrend beide Ideologiefamilien in der Vorstellung von einer befreiten Gesellschaft als utopisches Endziel \u00fcbereinstimmen, unterscheiden sie sich doch in der Vorstellung davon, wie dies zu erreichen sei. So schlie\u00dfen anarchistische Ideologien aus ihrem \u00fcbersteigerten Gleichheitspostulat auf einen absoluten Freiheitsgedanken im Sinne einer herrschaftslosen Gesellschaft. Damit lehnen Anarchisten jedwede staatliche Ordnung ab. Anarchisten verzichten darauf, einen umfassenden und systematischen Theorieentwurf f\u00fcr die kommende Utopie zu entwickeln, und beschr\u00e4nken sich stattdessen auf eine umfassende Anti-Haltung gegen\u00fcber der bestehenden Ordnung. W\u00e4hrend der Anarchismus den Wert der individuellen Freiheit verabsolutiert, strebt der Kommunismus eine Ausweitung des Gleichheitspostulats auf s\u00e4mtliche gesellschaftliche Lebensbereiche an. Zu diesem Zweck soll das bestehende politische System auf revolution\u00e4rem Wege zerschlagen und von einer \"Diktatur des Proletariats\" abgel\u00f6st werden. Demnach w\u00fcrde eine \"proletarische Avantgarde\" in einer \u00dcbergangsphase des Sozialismus den Staat zum Absterben bringen und an seiner Stelle schlie\u00dflich eine klassenlose (Welt)Gesellschaft etablieren. Die Auseinandersetzungen mit der Frage, wie die Revolution letztlich zu organisieren sei, begr\u00fcnden das ungebrochene Theoriebewusstsein kommunistischer Gruppierungen, die zur Beantwortung meist auf die geistigen V\u00e4ter des Kommunismus wie Marx, Lenin, Trotzki, Stalin oder Mao zur\u00fcckgreifen. Aus dieser sehr unterschiedlichen Gewichtung der Werte Freiheit und Gleichheit ergeben sich immer wieder fundamentale ideologische Konflikte zwischen kommunistischen Gruppierungen und linksextremistischen Akteuren, die eher in der Tradition des Anarchismus stehen. Eine Zusammenarbeit gibt es wiederum dort, wo soziale Problemlagen f\u00fcr die revolution\u00e4ren Ziele eingespannt und im Sinne einer vorgeschobenen Gesellschaftskritik instrumentalisiert werden k\u00f6nnen. 91","Linksextremismus Linksextremistisches Personenpotenzial* 2023 2024 2025 Gewaltorientierte Linksextremisten 295 295 320 Nicht gewaltorientierte Linksextremisten 385 385 450 Summe 680 680 770 *Zahlen zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet Das linksextremistische Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt ist durch eine Vielzahl von Mehrfachmitgliedschaften gekennzeichnet. Im Berichtszeitraum konnten vor allem der \"Rote Hilfe e. V.\" und die Freie Arbeiter*innen-Union (FAU) als organisationsorientierte Akteure neue Mitglieder sowohl im gewaltorientierten als auch im nicht-gewaltorientierten Linksextremismus gewinnen. Der Zuwachs im gewaltorientierten Linksextremismus auf 320 Personen d\u00fcrfte als Gegenreaktion auf das Erstarken rechtsextremistischer Parteien und Jugendgruppen56 zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Angesichts der multikausalen Krisenszenarien schaffen es gewaltorientierte Linksextremisten vermehrt, sehr junge Anh\u00e4nger an sich zu binden. Die linksextremistische Szene ist insgesamt j\u00fcnger, teils weiblicher und st\u00e4rker akademisch gepr\u00e4gt. 56 Vgl. hierzu das Kapitel \"Rechtsextremismus\", S. 55 ff. 92","Linksextremismus GEWALTORIENTIERTE LINKSEXTREMISTEN Gr\u00fcndung Ende der 1970er Jahre als Ausl\u00e4ufer der Studentenbewegung, der Sponti-Szene und der Punk-Subkultur; seit Anfang der 1990er Jahre in allen Bundesl\u00e4ndern Sitz / Schwerpunktregionen in Magdeburg und Halle (Saale) Verbreitung Bundesweite Verteilung mit lokalen Hochburgen, vorwiegend in Gro\u00dfst\u00e4dten Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 295 320 Struktur / Gewaltorientierte Linksextremisten bilden keine strukturelle Aufbau Einheit, sondern sind heterogen aufgestellt. Gleichwohl lassen sich die Gruppen anhand ihrer ideologischen Ausrichtung unterscheiden: W\u00e4hrend die Autonomen weitgehend anarchistisch und undogmatisch gepr\u00e4gt sind, stehen die \"Kommunistischen Jugendund Kadergruppen\" (KJKG) in der Tradition eines dogmatischen Marxismus-Leninismus. Die ideologische Divergenz macht sich auch in der Organisation und Struktur der Gruppen bemerkbar. Autonome sind hierarchiefeindlich und bilden kaum feste Strukturen aus. Handlungsleitend sind anlassbezogene Kleingruppen, die sich im Umfeld linksextremistischer Szeneobjekte - sogenannter \"Freir\u00e4ume\" - herausbilden. Demgegen\u00fcber sind die KJKG weitgehend fest strukturiert. Aus ihrer ideologischen Fixierung auf den Marxismus-Leninismus folgt eine hierarchische und autorit\u00e4re Gruppenbindung. Das angestrebte Ideal ist die Herausbildung einer straff organisierten kommunistischen Kampfund Kaderpartei. Ver\u00f6ffentlichungen Insbesondere die Autonomen bewegen sich im Internet durchgehend konspirativ. Sie bedienen sich der Kommunikationsangebote sogenannter autonomer Technikkollektive, um Aktionen zu planen, Gewalttaten in Selbstbezichtigungsschreiben zu rechtfertigen oder um sich als Gruppe \u00f6ffentlich zu pr\u00e4sentieren, ohne dass R\u00fcckschl\u00fcsse auf die dahinterstehenden Personen gezogen werden k\u00f6nnen. Selbstbezichtigungsschreiben nach Gewalttaten werden anonym auf \"de.indymedia.org\" ver\u00f6ffentlicht. Dagegen gestalten die KJKG einen Teil ihrer Aktivit\u00e4ten offen in den sozialen Netzwerken. Dar\u00fcber hinaus unterhalten sie eigene Zeitschriften und Informationsportale, um ihre Anh\u00e4nger ideologisch zu schulen. Finanzierung Spenden, Solidarit\u00e4tskonzerte oder -partys f\u00fcr anlassbezogene Aktionen und Kampagnen, insbesondere f\u00fcr \"Opfer staatlicher Repressionen\", Einnahmen aus dem Barbetrieb in den linksextremistischen Szeneobjekten. 93","Linksextremismus Kurzportrait / Ziele Aus der Bandbreite kommunistischer und anarchistischer Ideologien begr\u00fcndet sich die Heterogenit\u00e4t der linksextremistischen Szene. Deren einzelne Str\u00f6mungen lassen sich nicht nur nach den zugrunde gelegten Weltbildern und Zielen unterscheiden, sondern vor allem nach der Wahl der Mittel und der damit einhergehenden Strategie. Innerhalb der linksextremistischen Szene Sachsen-Anhalts lassen sich mittlerweile zwei Spektren unterscheiden: die Kommunistischen Jugendund Kadergruppen und (Post-)Autonome. Kommunistische Kaderund Jugendgruppen (KJKG) In den vergangenen Jahren war bundesweit ein Erstarken gewaltorientierter Gruppierungen und Organisationen, die sich ideologisch am Marxismus-Leninismus orientieren, zu beobachten. Im Gegensatz zur autonomen Szene verfolgen diese Gruppen eine klar definierte politische Ideologie und eine revolution\u00e4re Strategie. Ziel ist die Gr\u00fcndung einer revolution\u00e4ren kommunistischen Partei, welche die parlamentarische Demokratie umst\u00fcrzen und eine kommunistische Gesellschaft errichten soll. Diese kommunistischen Gruppierungen verbinden die marxistisch-leninistische Ideologie mit Elementen einer modernen, erlebnisorientierten Jugendkultur. Auf Demonstrationen treten sie h\u00e4ufig als geschlossene Bl\u00f6cke mit typischer Symbolik - etwa roten Fahnen - in Erscheinung. Ihre Mitglieder tragen oft einheitliche Kleidung (z. B. Bluejeans, schwarze Jacken und rote Halst\u00fccher). KJKG betrachten den Einsatz von Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele. In der dogmatisch gepr\u00e4gten Szene Magdeburgs ist diese Str\u00f6mung seit Jahren vorherrschend, aber auch in Halle (Saale) und Salzwedel gewinnt sie auf Kosten der dort bislang dominierenden autonomen Strukturen an Einfluss. Neben dem Organisationsgeflecht des \"Kommunistischen Aufbau\" bzw. der \"F\u00f6deration klassenk\u00e4mpferischer Organisationen\" treten hierbei Ableger der \"Roten Jugend\"-Bewegung hervor. Unabh\u00e4ngig von graduellen Unterschieden in Ideologie und Strategie verbindet die Gruppen der KJKG das Ziel, kommunistische Strukturen zu st\u00e4rken. Im Berichtsjahr waren aus dem Spektrum der KJKG haupts\u00e4chlich folgende Gruppierungen in Sachsen-Anhalt aktiv: \"Kommunistischer Aufbau\" (KA) / \"F\u00f6deration klassenk\u00e4mpferischer Organisationen\" (FKO) In Halle (Saale) sind mit dem \"Solidarit\u00e4tsnetzwerk Halle (Saale)\" (\"Solinetz\") seit Januar 2024 und mit der \"Internationalen Jugend Halle\" seit Februar 2025 die Vorfeldorganisationen des KA aktiv; sie verfestigen sich zunehmend innerhalb der lokalen linksextremistischen Szene. Der KA ist eine autorit\u00e4re Kaderorganisation innerhalb des dogmatischen Linksextremismus und verfolgt den \"Kampf f\u00fcr die Befreiung der Arbeiterklasse\" durch den \"Sturz des Kapitalismus in der sozialistischen Revolution\". Diese Zielstellung leitet der KA aus der Ideologie des Marxismus-Leninismus ab. Als vorl\u00e4ufiges Ziel strebt der KA die Gr\u00fcndung einer neuen kommunistischen Partei an. Die Strategie des KA besteht darin, seine Kader ideologisch zu schulen und mittels verschiedener Vorfeldorganisationen eine kommunistische \"Massenpolitik\" zu etablieren. Als \u00fcbergeordnetes Konstrukt dient hierbei die \"F\u00f6deration klassenk\u00e4mpferischer Organisationen\" mit den ihr untergeordneten Gruppen 94","Linksextremismus \"Internationale Jugend\", \"Betriebskampf\", \"Frauenkollektiv\", \"Studierendenkollektiv\" sowie \"Solidarit\u00e4tsnetzwerk\". \"Roter Aufbau Burg\" (RAB) Bei dem RAB handelt es sich um eine kommunistische Gruppe aus Burg (Jerichower Land), die jedoch \u00fcberwiegend in der linksextremistischen Szene Magdeburgs organisiert ist und dort mit Aktionen in Erscheinung tritt. Bis zum Ende des Jahres 2017 agierte der RAB noch unter dem Namen \"Antifaschistische Aktion Burg\", war aber bereits zu dieser Zeit marxistisch gepr\u00e4gt. Nachdem sich die Gruppe an den Protesten des \"Roten Aufbau Hamburg\" gegen den G20-Gipfel im Jahr 2017 beteiligt hatte, trat sie anschlie\u00dfend ebenfalls unter dem Label des \"Roten Aufbau\" auf. Im Sinne des marxistischen Klassenkampfes versucht der RAB, \"linke revolution\u00e4re Politik einer breiten Masse zug\u00e4nglich zu machen\", und initiiert dementsprechend niedrigschwellige Organisationsund Aktionsangebote. Dabei ist eine organisatorische und ideologische N\u00e4he zum B\u00fcndnis \"Perspektive Kommunismus\"57 zu erkennen. \"Zusammen K\u00e4mpfen\" (ZK) ZK ist eine antiimperialistische Gruppe aus Magdeburg, die sich seit 2008 als \"Teil der weltweit k\u00e4mpfenden revolution\u00e4ren Linken\" versteht. Im Sinne eines dogmatischen Verst\u00e4ndnisses vom Kommunismus fu\u00dfen die ideologischen Grundlagen von ZK vor allem auf den Schriften von Marx und Lenin. Dementsprechend sieht sich ZK als Teil eines Versuchs der \"Selbstorganisation unserer Klasse zur \u00dcberwindung von Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung weltweit\", wie es in der Selbstdarstellung hei\u00dft. ZK geh\u00f6rte urspr\u00fcnglich zu einem Netzwerk antiimperialistischer Gruppen, die sich in den Jahren 2010 und 2011 auch in Berlin und Stuttgart zusammenfanden, deren Strukturen sich jedoch einzig in Magdeburg erhalten konnten. Von sogenannten \"Magdeburger Verh\u00e4ltnissen\" ist szeneintern die Rede, wenn es um den Dogmatismus geht, mit dem ZK den Antiimperialismus gegen konkurrierende Str\u00f6mungen im Linksextremismus durchzusetzen versucht. Die Gruppe engagiert sich bisher vornehmlich im linksextremistischen Szeneobjekt \"F52\" und versucht hier, eine Art \"Nachbarschaftshilfe\" zu etablieren. (Post-)Autonome Autonome bildeten jahrelang den Schwerpunkt im gewaltorientierten Linksextremismus, werden jedoch zunehmend von den KJKG verdr\u00e4ngt. Dies d\u00fcrfte vor allem mit der Unverbindlichkeit ihres Selbstverst\u00e4ndnisses zusammenh\u00e4ngen. Die autonome Szene ist von einer weitreichenden Theoriefeindlichkeit und Anti-Haltung gepr\u00e4gt, die nicht zuletzt auf einem diffusen Verst\u00e4ndnis von Anarchismus und Kommunismus aufbaut. Autonome stellen die bedingungslose Freiheit des Individuums in den Mittelpunkt ihres Handelns. Im Zuge dieser \"Politik der ersten Person\" bek\u00e4mpfen sie alles, was ihrem pers\u00f6nlichen Freiheitsempfinden entgegensteht. Vor diesem Hintergrund lehnen Autonome Hierarchien 57 Die \"Perspektive Kommunismus\" ist eine Plattform antiimperialistischer Gruppen des gewaltorientierten Linksextremismus, mit der seit 2014 eine bundesweite Vernetzung innerhalb des dogmatischen Linksextremismus erreicht werden soll. Das erkl\u00e4rte Ziel ist die St\u00e4rkung einer kommunistischen Bewegung, die \"auf ideologischer, kultureller und politischer Ebene eine reale Gegenmacht zur Macht von Staat und Kapital aufbaut\". 95","Linksextremismus und jede Form von Herrschaft konsequent ab. Was sie verbindet, ist eine Form des subjektiven und emotionalen Empfindens, das vor allem in der Affirmation von Gewalt zum Ausdruck kommt. Gewalt und Militanz sind dementsprechend nicht nur ein strategisches Mittel, sondern pr\u00e4gendes Element der Szene. Die offene Gewaltbereitschaft und die fehlende inhaltliche Breite zeugen von einer zunehmenden Selbstbezogenheit der Autonomen. Statt gezielt auf gesellschaftliche Problemlagen einzuwirken, nutzen Autonome diese lediglich als vorgeschobene Rechtfertigung f\u00fcr die eigene Militanz. In strategischer Abgrenzung hierzu agieren die Postautonomen. Sie formieren sich vorwiegend in \u00fcberregionalen Netzwerken und treten hierbei in ihrer ideologischen und strategischen Ausrichtung verbindlicher auf. Handlungsleitend sind postmarxistische Ans\u00e4tze und eine daraus hervorgehende breite B\u00fcndnispolitik. Das Ziel der Postautonomen ist es, die gesellschaftliche Isolation zu durchbrechen und den \u00f6ffentlichen Diskurs zu beeinflussen. Dabei arbeiten sie auch mit gewaltorientierten Autonomen zusammen. Wenngleich sie selbst keine militante Strategie verfolgen, sehen sie in der Gewalt dennoch ein legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Mit dieser Positionierung nehmen Postautonome eine Scharnierfunktion zwischen gewaltorientierten Linksextremisten und nicht extremistischen Akteuren ein. Aus dem Spektrum der Autonomen waren im Berichtsjahr vor allem folgende Gruppierungen in Sachsen-Anhalt aktiv: \"Antifaschistische Aktion Salzwedel\" (AAS) Die AAS agiert seit 2009 in der Hansestadt Salzwedel (Altmarkkreis Salzwedel) als ein loser Zusammenschluss stetig wechselnder Einzelpersonen. In ihrem theorieund hierarchiefeindlichen Auftreten entspricht die AAS dem Selbstverst\u00e4ndnis der Autonomen. Sich selbst bezeichnen die Protagonisten schlichtweg als \"linksradikale Gruppe\". Mit dem \"Autonomen Zentrum Kim Hubert\" des \"Kultur & Courage e. V.\" verf\u00fcgt die AAS \u00fcber ein linksextremistisches Szeneobjekt, das sie als \"autonomen Freiraum\" nutzt und in dem sie Konzerte, Kneipenabende oder Vortragsveranstaltungen durchf\u00fchrt. Das \"Kim Hubert\" ist von zentraler Bedeutung f\u00fcr die gewaltorientierte linksextremistische Szene im Norden Sachsen-Anhalts und im angrenzenden Wendland in Niedersachsen. \"Offenes Antifaplenum\" (OAP) Das OAP pr\u00e4sentiert sich als ein loser Zusammenschluss und Anlaufpunkt f\u00fcr alle \"antifaschistisch interessierten Menschen\" innerhalb der linksextremistischen Szene von Halle (Saale). Programmatischer Kern des OAP sind eine ideologiekritische Grundhaltung und die bedingungslose Solidarit\u00e4t mit dem Staat Israel, der von ihm als \"Garant j\u00fcdischer Selbstbestimmung in einer antisemitischen Welt, als Konsequenz aus den deutschen Verbrechen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus\" betrachtet wird. Charakteristisch f\u00fcr die ideologiekritische und proisraelische Ausrichtung des OAP ist, dass sich die antifaschistische Agenda der Gruppe nicht nur gegen den politischen Gegner auf der rechtsextremistischen Seite, sondern auch gegen Vertreter des \"politischen Islam\" sowie gegen dogmatische Gruppen in der linksextremistischen Szene richtet. Der Treffpunkt des OAP ist das Szeneobjekt \"Reil78\". Im Jahr 2025 sind im Umfeld 96","Linksextremismus des OAP mit dem \"Kollektiv Karo\" und \"La Colere\" (franz\u00f6sisch: die Wut) zwei neue Gruppen in Erscheinung getreten, die sich als \"antifaschistische\" Akteure innerhalb der linksextremistischen Szene von Halle (Saale) begreifen. Grund der Beobachtung Da gewaltorientierte Linksextremisten die Prinzipien Freiheit und Gleichheit verabsolutieren, betrachten sie jede Form staatlicher Herrschaft als illegitim, so auch den demokratischen Rechtsstaat. Missst\u00e4nde in der Demokratie sollen nicht gel\u00f6st, sondern mitsamt der freiheitlichen Verfassungsordnung abgeschafft werden. Unabh\u00e4ngig von den divergierenden Zielen sehen alle Akteure und Gruppen dieser Szene Gewalt als ein legitimes Mittel an. Diese politisch bestimmten Verhaltensweisen - insbesondere das Ablehnen des staatlichen Gewaltmonopols bei gleichzeitigem Bef\u00fcrworten von Gewalt, um die eigenen politischen Ziele durchzusetzen - sind mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Aktionsschwerpunkte Wenngleich viele Aktionen der gewaltorientierten linksextremistischen Szene einen rituellen Charakter haben (z. B. die j\u00e4hrlichen \"revolution\u00e4ren\" Demonstrationen zum 1. Mai), sind ihre Aktionsschwerpunkte immer auch Ausdruck aktueller politischer und gesellschaftlicher Problemlagen. So nahmen im Jahr 2025 linksextremistische Versammlungen im Aktionsfeld des \"Antifaschismus\" vor dem Hintergrund eines innerhalb der linksextremistischen Szene wahrgenommenen \"Rechtsrucks\" in Politik und Gesellschaft im Vorfeld der Bundestagswahl vom 23. Februar 2025 und des bevorstehenden Landtagswahlkampfes in Sachsen-Anhalt zu. Im Aktionsfeld der \"Antirepression\" diente das Gerichtsverfahren in Ungarn gegen die linksextremistische Person Maja T. aus Deutschland im Zusammenhang mit den gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf mutma\u00dfliche Rechtsextremisten am sogenannten \"Tag der Ehre\" in Budapest im Februar 2023 als Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr zahlreiche Solidarit\u00e4tsaktionen in Sachsen-Anhalt. Vor dem Hintergrund des fortdauernden Nahostkonflikts zog die linksextremistische Szene Sachsen-Anhalts auch im Jahr 2025 unter dem Banner der \"Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4t\" weiterhin verst\u00e4rkt den \"Internationalismus\" als Begr\u00fcndungszusammenhang f\u00fcr ihre Aktionen heran. Die einzelnen linksextremistischen Aktionsfelder k\u00f6nnen jedoch niemals isoliert von-einander betrachtet werden; vielmehr bedingen sie sich gegenseitig. So ist z. B. die antikapitalistische Motivation bei allen Aktionen der linksextremistischen Szene pr\u00e4sent, da der \"Antikapitalismus\" den ideologischen Kern des Linksextremismus bildet. Antikapitalismus Der \"Antikapitalismus\" ist das zentrale Aktionsfeld im Linksextremismus. Dabei bek\u00e4mpfen sowohl Kommunisten als auch Anarchisten den Kapitalismus nicht allein als Wirtschaftsordnung, sondern stets auch als eine Herrschaftsform. Den Kampf gegen den 97","Linksextremismus Kapitalismus verstehen Linksextremisten daher als Kampf gegen die demokratische Staatsund Gesellschaftsordnung. Die jeweiligen Strategien und bevorzugten Handlungsfelder linksextremistischer Akteure variieren je nachdem, was genau eine Gruppe unter dem kapitalistischen System versteht und welche konkrete Utopie sie diesem entgegensetzt. Vor allem Gruppierungen aus dem antiimperialistischen und dogmatischen Spektrum, zu denen auch KJKG z\u00e4hlen, bedienen sich marxistischer Ideologieelemente, mit denen sie alle gesellschaftlichen Konflikte als Auswuchs eines allumfassenden \"Klassenkampfes\" deuten. Die marxistische Grundlage schafft einen Konsens, auf dessen Basis verschiedene Gruppen aus dem dogmatischen Spektrum zueinanderfinden k\u00f6nnen. So organisierten auch im Jahr 2025 unterschiedliche kommunistische und antiimperialistische Gruppen der linksextremistischen Szene Magdeburgs die \"revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" unter dem Motto \"Arbeiter vereint euch! Gegen Krieg, Krise und Faschismus - f\u00fcr den Sozialismus!\". Der Ank\u00fcndigungstext zur Versammlung verdeutlichte einmal mehr, dass die Gruppen des 1. Mai-B\u00fcndnisses58 ideologisch im Marxismus-Leninismus verhaftet sind und der Bundesrepublik Deutschland im Namen des \"Klassenkampfes von unten\" jegliche Legitimit\u00e4t absprechen: \"War der 1. Mai in der DDR der 'internationale Kampfund Feiertag der Werkt\u00e4tigen f\u00fcr Frieden und Sozialismus', so wurde er mit der Annextion durch die BRD ab den 90-er Jahren auch hier im Osten wieder zu einem Kampftag unserer Klasse gegen die heimischen Ausbeuter und Unterdr\u00fccker. An diesem Tag gehen auf der ganzen Welt Menschen auf die Stra\u00dfe, um sich gegen ihre Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung durch das \u00f6konomische System des Kapitalismus zu widersetzen. Sie stellen sich an diesem Tag dem Klassenkampf von oben, welcher von der Klasse der Besitzenden gegen, die der Besitztlosen gef\u00fchrt wird, entgegen. Sie entfalten damit den Klassenkampf von unten, welcher die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beenden wird. Wir wollen am 1. Mai unseren Beitrag hierzu leisten und mit Euch gemeinsam auf die Stra\u00dfe gehen.\" (Alle Fehler im Original.) An der Demonstration beteiligten sich verschiedene linksextremistische Gruppierungen des dogmatischen Spektrums (mit und ohne Auslandsbezug) mit Redebeitr\u00e4gen, darunter der RAB, ZK, \"Frauenkampftag.SFO\" (FKT) sowie die Magdeburger Ortsgruppen von \"Young Struggle\", \"ZORA\"59 und des \"Netzwerks Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\". Mit 250 Teilnehmern in der Spitze war ein signifikanter Aufwuchs im Vergleich zum Vorjahr (2024: 165) zu verzeichnen. Wie in den Vorjahren f\u00fchrten Magdeburger Linksextremisten des dogmatischen Spektrums am 3. Oktober 2025 eine Demonstration zum Thema \"Heraus zum 3. Oktober: Von der DDR lernen - f\u00fcr die Zukunft k\u00e4mpfen!\" in Magdeburg-Stadtfeld durch. In szenetypischem Duktus wird im Versammlungsaufruf die DDR als das gerechtere Gesellschaftssystem pr\u00e4sentiert, 58 Hierzu z\u00e4hlen in diesem Jahr die Gruppen RAB, ZK, DKP, YS, ZORA, das Netzwerk und FKT. 59 Zu \"Young Struggle\" und \"ZORA\" vgl. das Kapitel \"Auslandsbezogener Extremismus\", S. 145 ff. 98","Linksextremismus das widerrechtlich \"annektiert\" worden sei, w\u00e4hrend die BRD als \"auf Profit aufgebautes System\" zu \"Ausbeutung, Armut und Krieg\" f\u00fchre. Die Verfasser des Aufrufs beklagen das Ende der DDR und fordern den Zusammenschluss der Arbeiterklasse f\u00fcr den \"Kampf\" f\u00fcr den \"Sozialismus\": \"F\u00fcr uns ist der 3. Oktober kein Feiertag, sondern ein Tag, der uns deutlich macht, wie viel wir verloren haben. W\u00e4hrend die Kapitalisten am 'Tag der Einheit' die Sektkorken knallen lassen, weil sie aus der Annexion der DDR und dem Zerfall der Sowjetunion riesige Profite zogen, bleiben f\u00fcr uns steigende Mieten, Armut und Unsicherheit. [...] Nur eine Gesellschaft, in der Reichtum gerecht verteilt wird und nach den Bed\u00fcrfnissen der Menschen produziert wird, kann uns eine Zukunft ohne Unterdr\u00fcckung und Not er\u00f6ffnen - ein neuer Sozialismus.\" (Hervorhebung im Original.) Der Demonstrationszug, an dem sich u. a. die linksextremistischen Gruppen ZK und FKT sowie die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) beteiligten, war von einer aggressiven Grundstimmung gepr\u00e4gt, was sich in wiederkehrenden k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen mit den Polizeibeamten niederschlug. Auch bei dieser Versammlung war mit bis zu 116 Personen gegen\u00fcber dem Vorjahr (2024: 85) ein Anstieg der Teilnehmerzahl festzustellen. Antifaschismus Der (von der Kritik am Kapitalismus abgeleitete) \"Kampf gegen den Faschismus\" ist seit jeher einer der wichtigsten Aktionsschwerpunkte im gewaltorientierten Linksextremismus. Dabei ist es f\u00fcr Linksextremisten zun\u00e4chst unerheblich, ob es sich bei dem politischen Gegner tats\u00e4chlich um Rechtsextremisten handelt. Wer unter das Feindbild des \"Faschisten\" f\u00e4llt, bestimmt die Szene eigenm\u00e4chtig. Linksextremisten k\u00f6nnen dadurch stets neue Feindbilder generieren, um damit ebenso neue Angriffsziele f\u00fcr eine grunds\u00e4tzliche Gewaltorientierung auszumachen. Die inhaltliche Unbestimmtheit des Feindbildes erlaubte es der linksextremistischen Szene in der Vergangenheit regelm\u00e4\u00dfig, die ideologischen und strategischen Differenzen zwischen Kommunisten und Anarchisten, Parteifunktion\u00e4ren und Autonomen unter der roten und schwarzen Fahne der \"antifaschistischen Aktion\" zu \u00fcberbr\u00fccken. Dieser Aktionskonsens wird jedoch seit dem 7. Oktober 2023 zunehmend in Frage gestellt. W\u00e4hrend die Autonomen im fortdauernden Nahostkonflikt eine proisraelische Haltung einnehmen und die Bek\u00e4mpfung des Antisemitismus als Teil der \"antifaschistischen Aktion\" verstehen, ist die dogmatische Seite propal\u00e4stinensisch bzw. antizionistisch eingestellt. Im Gegensatz zu autonomen Linksextremisten, welche die Solidarit\u00e4t mit Israel zu einem wesentlichen Bestandteil eines konsequenten Antifaschismus erkl\u00e4ren, stellen Gruppierungen des dogmatischen Spektrums nicht den Kampf gegen den Antisemitismus, sondern die Bek\u00e4mpfung des \"Imperialismus\" in den Mittelpunkt ihres Handelns. Neben den USA und anderen westlichen Staaten verunglimpfen sie vor allem Israel als imperialistischen Staat. Dementsprechend verstehen sie ihre antizionistische Haltung als Ausdruck eines \"klassenbewussten Antifaschismus\", der sich gegen jede Form von \"Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\" richtet. Die antiimperialistisch gepr\u00e4gte Form des \"Antifaschismus\" ist seit vielen Jahren innerhalb der linksextremistischen Szene von Magdeburg vorherrschend und konnte auch anl\u00e4sslich 99","Linksextremismus der traditionellen \"antifaschistischen Vorabenddemonstration\" am 17. Januar 2025 beobachtet werden. Im Aufruf des RAB wird unter R\u00fcckgriff auf das marxistisch-leninistische Vokabular ein \"klassenbewusster Antifaschismus\" beschworen: \"Ob Ampel, AfD oder sonst eine b\u00fcrgerliche Partei: sie handeln nicht in unserem Interesse und werden es auch nie tun. Sie handeln im Interesse des Kapitals und sch\u00fctzen dieses bis in den tiefsten Abgrund. Denn in einer Krisenzeit [...] greift der Kapitalismus zu seiner sch\u00e4rfsten Waffe: dem Faschismus. ... Die Feind unserer Klasse sitzen im Bundestag und im Chefsessel der Gro\u00dfkonzerne. Unsere Freiheit erk\u00e4mpfen wir auf der Stra\u00dfe und nicht durch irgendwelche Parteibonzen. Wir m\u00fcssen enger zusammenr\u00fccken und in die Offensiv gehen. ... Lasst uns als Einheitsfront agieren und diesem Staat zeigen, dass unsere Klasse nicht zu ihrem System geh\u00f6rt. Antifa bleibt Handarbeit.\" (Alle Fehler im Original.) Die \"Einheitsfront\" der Magdeburger Szene beschr\u00e4nkte sich hierbei auf verschiedene Akteure der KJKG sowie kommunistisch orientierte Linksextremisten mit Auslandsbezug, die unter dem Banner der \"Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4t\" zueinander fanden. Mit \u00fcber 350 Teilnehmern konnten deutlich mehr Personen als in den Jahren zuvor mobilisiert werden, was vor allem auf den Zulauf im Spektrum der dogmatischen Jugendgruppen zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Konflikte unter dem Deckmantel des \"Antifaschismus\" gab es hingegen dort, wo noch eine aktive autonome Szenestruktur vorhanden war. So fanden von Mai bis Juli 2025 drei \"Antifa-Demos\" im Rahmen des B\u00fcndnisses \"Antifaschistische Vernetzung Sachsen-Anhalt\" in Stendal, Dessau-Ro\u00dflau und Salzwedel - also vorwiegend an Orten au\u00dferhalb der gro\u00dfst\u00e4dtischen Ballungsgebiete - statt. Angesichts einer erstarkenden rechtsextremistischen Jugendbewegung rief das B\u00fcndnis dazu auf, antifaschistische Akteure in ganz Sachsen-Anhalt zu st\u00e4rken: \"Nicht, um dem Staat einen Gefallen zu tun, dieser forciert den Rechtsruck ja flei\u00dfig, sondern als Teil des selbstorganisierten Kampfes f\u00fcr eine solidarische, befreite Gesellschaft!\". Mit dem weitgehend undogmatischen Verst\u00e4ndnis von \"Antifaschismus\" wurde vor allem das autonome Spektrum angesprochen. Vor diesem Hintergrund zielte ein im Vorfeld verabschiedeter Demonstrationskonsens darauf ab, \"nicht durch innerlinke Grabenk\u00e4mpfe oder fremde Anliegen vereinnahmt\" zu werden, so dass Parteiund Nationalfahnen untersagt waren. W\u00e4hrend die erste Demonstration in Stendal am 9. Mai 2025 trotz der Anreise von dogmatischen Akteuren aus der linksextremistischen Szene von Magdeburg ohne weitere Zwischenf\u00e4lle verlief und die zweite Demonstration in Dessau-Ro\u00dflau am 7. Juni 2025 mit einer Mobilisierung aus Halle (Saale) weitgehend von Autonomen gepr\u00e4gt war, kam es am 5. 100","Linksextremismus Juli 2025 in Salzwedel zum Eklat. Die AAS forderte in ihrem Aufruf, \"auf die Erfahrungen der autonomen Antifa-Bewegung zur\u00fcckzugreifen, Strukturen aufzubauen und zur\u00fcckzuschlagen.\" Daneben mobilisierte das \"Jugend Kollektiv Salzwedel\" - eine Gruppe aus dem Spektrum der KJKG - mit Unterst\u00fctzung von YS und ZORA aus Magdeburg f\u00fcr einen \"antikapitalistischen Block\" innerhalb der Demonstration. Da von diesem eine propal\u00e4stinensische Ausrichtung zu erwarten war, kam es mit den Autonomen aus dem Umfeld der AAS zu un\u00fcberbr\u00fcckbaren Differenzen. In der Folge verzichteten die Gruppen des geplanten \"antikapitalistischen Blocks\" auf die Teilnahme und organisierten stattdessen eine Gegenkundgebung, die eine \"revolution\u00e4re, antifaschistische Perspektive ins Hinterland\" tragen sollte, wie es im Aufruf hie\u00df. Der eigentliche Demonstrationszug war allerdings von der schwarzen Kleidung und Vermummung vieler Teilnehmer sowie von Pyrotechnik gepr\u00e4gt, so dass die Veranstaltung dem klassischen Erscheinungsbild autonomer Versammlungen entsprach. Mit 240 Teilnehmern konnte eine Vielzahl von Bezugsgruppen aus Sachsen-Anhalt sowie dem angrenzenden Wendland (Niedersachsen) mobilisiert werden. Die Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und dogmatischen Linksextremisten waren bereits Monate zuvor aufgeflammt. So rechnete ein ehemals f\u00fchrendes Mitglied des AAS in einem Beitrag auf der Szeneplattform \"de.indymedia.org\" \u00f6ffentlich mit der linksextremistischen Szene in Salzwedel ab. Unter der \u00dcberschrift \"Call Out: AZ Salzwedel - T\u00e4terschutz & entfesseltes Patriarchat\" berichtete die Person von einer schleichenden Unterwanderung des \"AZ Kim Hubert\" durch Gruppen der KJKG, die problemlos an vorherrschende \"patriarchale Machtstrukturen\" innerhalb der Szene ankn\u00fcpfen k\u00f6nnten. Der Verfasser des Beitrags sieht nicht nur das \"AZ Kim Hubert\", sondern das gesamte autonome Spektrum an einem Scheideweg: \"Neostalinismus-Ultras und autorit\u00e4re Linke stehen jedenfalls l\u00e4ngst bereit, sich die \u00fcbrigbleibenden Brocken einzuverleiben. Das AZ Salzwedel muss sich entscheiden: Will es ein Ort sein, der weiterhin dem Wert der Autonomie des Individuums, der zu erk\u00e4mpfenden und zu verwirklichenden Selbstbestimmung wie auch der Selbstverantwortung verpflichtet bleibt, oder will es all das niederrei\u00dfen und sich ungebremst der Macht des St\u00e4rkeren und dem Hurra fahnenschwenkender, von \u00dcberlegenheitsgef\u00fchlen berauschter Dogmatik ergeben?\" Tats\u00e4chlich stellt sich den Autonomen diese Frage nicht nur in Salzwedel. Vor allem in Halle (Saale) sieht das OAP die Ausbreitung dogmatischer Gruppen als unmittelbaren Angriff auf den innerhalb der lokalen linksextremistischen Szene bislang vorherrschenden proisraelischen Konsens. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das OAP am 24. Mai 2025 in dem linksextremistischen Szeneobjekt \"Reil78\" einen Tagesworkshop unter dem Titel: \"Antifa: mehr als gegen Nazis!\". Im Ank\u00fcndigungstext wurde eine \"gr\u00f6\u00dfere Krise antifaschistischen Denkens\" diagnostiziert: \"Nur Wenige k\u00f6nnen f\u00fcr sich wirklich sagen, was Antifaschismus eigentlich bedeutet. [...] Wir w\u00fcrden also gern dar\u00fcber diskutieren, warum 101","Linksextremismus Antifa mehr ist, als nur gegen Nazis zu sein - auch dar\u00fcber, was Antifa bedeuten kann.\" Das Ziel der Veranstaltung war es, vor allem jungen Anh\u00e4ngern des gewaltorientierten Linksextremismus ein ideologiekritisches und proisraelisches Selbstverst\u00e4ndnis im Aktionsfeld des Antifaschismus nahe zu bringen. Dass es bei dem Konflikt zwischen Autonomen und den Gruppen der KJKG nicht nur um ideologische Zerw\u00fcrfnisse, sondern auch um physische Auseinandersetzungen im Sinne eines \"Revierkampfes\" um die Vorherrschaft in der lokalen Szene geht, zeigt ein Vorfall am 24. Juli 2025 am August-Bebel-Platz in Halle (Saale). Hierbei wurde aus einer Personengruppe propal\u00e4stinensische und antizionistische Musik abgespielt, woraufhin Anh\u00e4nger aus dem Umfeld des OAP die zumeist noch minderj\u00e4hrigen Mitglieder der Gruppe mit Schl\u00e4gen und Tritten angriffen und anschlie\u00dfend die Musikbox entwendeten. Im Nachgang kam es aus den konkurrierenden Spektren der Szene zu divergierenden Sachverhaltsdarstellungen und gegenseitigen Schuldzuweisungen. So gingen die Gruppen der FKO von einem \"zionistischen Angriff auf Antifaschist:innen\" aus dem Umfeld der \"Reil78\" aus. Dagegen ordnen die Autonomen den Angriff in einem Internetbeitrag auf der Plattform \"de.indymedia.org\" als Reaktion auf diverse Vorkommnisse am August-Bebel-Platz ein. So seien die Angegriffenen keineswegs als Teil des \"antifaschistischen\" Spektrums zu sehen: \"Diese Gruppe setzt sich nach au\u00dfen hin durchaus divers zusammen, aber auch nur Teile davon als Linke oder gar Antifaschisten zu begreifen, scheint nicht haltbar [...]. Eher handelt es sich um eine diffuse Mischung aus Spr\u00fchern, Fu\u00dfballfans, DDR-Glorifizierern und rechtsoffenen Jugendlichen, vereint in ihrem Hass auf Frauen und Israel.\" Angesichts der autorit\u00e4ren Orientierung insbesondere unter den Anh\u00e4ngern kommunistischer Jugendgruppen sind die Schnittmengen zum undogmatischen Ansatz der Autonomen derart gering, dass sich die verschiedenen Spektren nicht als Teil derselben Szene begreifen. Die Spaltung in Halle (Saale) f\u00e4llt umso heftiger aus, als das OAP bundesweit zu den wenigen noch verbliebenen \"antideutschen\"60 Gruppen z\u00e4hlt und die Gruppe diese Ausrichtung umso konsequenter propagiert. Vor diesem Hintergrund wenden sich in Halle (Saale) zunehmend auch Akteure aus dem postautonomen Spektrum von dem bislang vorherrschenden Szenekonsens ab. Sp\u00e4testens seit der Aufl\u00f6sung des \"AK Antifa\" im Studierendenrat (STURA) der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg war auch in Fragen 60 Bei den sogenannten \"Antideutschen\" handelt es sich um eine Str\u00f6mung, die sich innerhalb des Linksextremismus Anfang der 1990er Jahre zun\u00e4chst als diskursorientiertes Spektrum etablierte, ehe sich Mitte der 2000er Jahre vermehrt auch aktionsorientierte Gruppen im Spektrum der Autonomen als \"antideutsch\" definierten. Im Zentrum der \"antideutschen\" Str\u00f6mung steht der Holocaust und eine damit verbundene Selbstkritik der linksextremistischen Szene. So kritisieren \"Antideutsche\" insbesondere die Unf\u00e4higkeit antiimperialistischer Gruppen, den Antisemitismus als Bedingung des Holocaust wahrzunehmen und ihre Vorstellung vom Kommunismus daran auszurichten. \"Antideutsche\" fordern daher eine bedingungslose Unterst\u00fctzung Israels. 102","Linksextremismus des Queerfeminismus61 ein zus\u00e4tzliches Spaltungsmoment zu erkennen, das seit dem Aufkommen der dogmatischen Gruppen immer deutlicher sichtbar wird. So fand am 7. M\u00e4rz 2025 eine Vorabenddemonstration zum \"feministischen Kampftag\" statt, die unter dem Motto \"Take Back The Night\" stand und sich ausschlie\u00dflich an \"FLINTA\"-Personen62 richtete. Hinter den Bannern \"Feminismus oder Schl\u00e4gerei\", \"Ungebrochen, Widerst\u00e4ndig, Alle Zusammen gegen das Patriarchat\" sowie \"Feministisch, Antifaschistisch, Heraus zum 8. M\u00e4rz\" versammelten sich etwa 270 Personen, die lautstark durch die Hallenser Innenstadt zum August-Bebel-Platz zogen. Im Verlauf der Demonstration wurden auf zwei D\u00e4chern an der Aufzugsstrecke Banner der \"Fantifa\" entrollt. Dabei handelt es sich um eine Selbstzuschreibung, mit der Autonome versuchen, feministische und antifaschistische Szeneteile miteinander zu verbinden. Dementsprechend fand bereits am 6. M\u00e4rz 2025 im Rahmen der Veranstaltungsreihe \"Tresen gegen Rechts\" in dem Lokal \"Karola Konvoi\" ein Treffen der \"Fantifa\" statt, zu dem es im Ank\u00fcndigungstext hie\u00df: \"Antifaschismus beschr\u00e4nkt sich nicht nur auf den Kampf gegen Rechts, sondern muss sich auch kritisch mit Herrschaftsformen auseinandersetzen und entschlossen f\u00fcr Feminismus einsetzen.\" Insgesamt zeigte die Demonstration, dass sich mittlerweile neue Strukturen innerhalb des autonomen bzw. postautonomen Spektrums in Halle (Saale) herausgebildet haben, die entgegen der traditionell ideologiekritischen Ausrichtung der Autonomen eine queerfeministische und antiimperialistische Positionierung aufweisen. Antirepression Der Kampf gegen eine vermeintliche Unterdr\u00fcckung durch staatliche Institutionen ist eines der charakteristischen Aktionsfelder gewaltorientierter Linksextremisten und ihrer Unterst\u00fctzerkreise. Die linksextremistische Szene sieht den Staat als ein \"Repressionsinstrument\" der Herrschenden zur Verhinderung eines revolution\u00e4ren Prozesses. Rechtsstaatliche Ma\u00dfnahmen, insbesondere der Justizund Polizeibeh\u00f6rden, seien daher \"Repression\" und dienten der Herrschaftssicherung, gegen die sich die Szene in regionalen und \u00fcberregionalen \"Solidarit\u00e4tsnetzwerken\" organisiert. Die wichtigste und gr\u00f6\u00dfte Organisation innerhalb dieser Netzwerke ist der Verein \"Rote Hilfe e. V.\" (RH). Dieser unterst\u00fctzt im Rahmen der \"Antirepression\" linksextremistische Straft\u00e4ter vollumf\u00e4nglich, w\u00e4hrend entsprechende Gerichtsverfahren als \"politische Verfahren\" und inhaftierte Szeneangeh\u00f6rige als \"politische Gefangene\" deklariert werden. Vor diesem Hintergrund verbindet das Aktionsfeld der \"Antirepression\" die linksextremistische Szene selbst \u00fcber ideologische und strategische Gr\u00e4ben hinweg. Im Berichtsjahr 2025 fanden diverse Solidarit\u00e4tsaktionen der linksextremistischen Szene in Sachsen-Anhalt statt, die haupts\u00e4chlich auf Beschuldigte Bezug nahmen, welche im Zusammenhang mit gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf politische Gegner im Kontext des sogenannten \"Tag der Ehre\" im Februar 2023 in Budapest sowie auf mutma\u00dfliche Rechtsextremisten in Deutschland im Rahmen des \"Antifa Ost\"-Netzwerks vor Gericht 61 Unter dem Queerfeminismus ist eine Str\u00f6mung zu verstehen, welche die soziale, politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung von eben jenen Personen anstrebt, die sich au\u00dferhalb der biologischen Geschlechterdichotomie verorten. Queerfeministische Gruppen beziehen sich dementsprechend nicht allein auf Frauen, sondern sprechen von \"FLINTA\": Frauen, Lesben, Intersexuelle, Nicht-Bin\u00e4re, Transund Agender. 62 Siehe vorherige Anmerkung. 103","Linksextremismus stehen. Die am 28. Juni 2024 nach Ungarn ausgelieferte linksextremistische Person Maja T. trat aus Protest gegen die Umst\u00e4nde der Auslieferung und gegen ihre Haftbedingungen am 5. Juni 2025 in den Hungerstreik. Nach \u00fcber 30 Tagen beendete sie den Hungerstreik, da sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert hatte. Gem\u00e4\u00df dem Grundkonsens in der linksextremistischen Szene, sogenannte \"Antifaschisten\" im \"Kampf gegen die Repressionsbeh\u00f6rden\" bedingungslos zu unterst\u00fctzen, solidarisierten sich bundesweit Akteure der Szene mit Erkl\u00e4rungen, Banneraktionen und Versammlungen, so auch in Sachsen-Anhalt. Vor dem Hintergrund des zweiten Strafverfahrens gegen Mitglieder des \"Antifa-Ost\"-Netzwerks vor dem Oberlandesgericht (OLG) Dresden f\u00fchrten verschiedene linksextremistische Akteure - darunter das \"Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\" - am 9. August 2025 eine Solidarit\u00e4tskundgebung vor der JVA Burg (LK Jerichower Land) durch, in der einer der in diesem Verfahren Angeklagten inhaftiert war. Unter dem Motto \"Free Tobi - gegen unw\u00fcrdige Haftbedingungen\" wurden zun\u00e4chst verschiedene Redebeitr\u00e4ge verlesen, bevor die Teilnehmer in einem Aufzug um die JVA Burg liefen. Dem Untersuchungsgefangenen wird vorgeworfen, Mitglied einer kriminellen Vereinigung (SS 129 Abs. 1 Satz 1 StGB) gewesen zu sein, die \u00fcber mehrere Jahre hinweg gewaltsame Angriffe gegen Personen ver\u00fcbt haben soll, welche ihrer Ansicht nach der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6rten. In diesem Zusammenhang wird dem Beschuldigten u. a. versuchter Mord vorgeworfen, da er sich am 19. Januar 2019 am Bahnhof Dessau-Ro\u00dflau an einem \u00dcberfall auf vier Personen beteiligt haben soll, die sich auf dem R\u00fcckweg von einer Kundgebung in Magdeburg anl\u00e4sslich des Jahrestages der Bombardierung der Stadt im Januar 1945 befanden. Die Angreifer schlugen mit schweren Schlagwerkzeugen (darunter ein Hammer und eine Eisenstange) gezielt auf den Kopfbereich der Opfer ein und versetzten ihnen selbst dann noch lebensgef\u00e4hrliche Schl\u00e4ge und Tritte gegen den Kopf, als diese am Boden lagen. Vom 6. bis 13. Dezember 2025 organisierten verschiedene Gruppen des postautonomen Spektrums in Halle (Saale) die \"Abolitionistische Aktionswoche\".63 Der Aufruf unter dem Motto \"Kein Freund, kein Helfer\" machte die linksextremistische Zielrichtung der 63 Mit dem Begriff \"Abolitionismus\" wird gemeinhin die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei im 18. und 19. Jahrhundert bezeichnet. Seit den 1970er Jahren wird der Begriff zunehmend von linken und linksextremistischen Kreisen als Bezeichnung f\u00fcr eine staatsund institutionenfeindliche Bewegung herangezogen, die auf die Abschaffung von Gef\u00e4ngnissen, Polizei und Strafrechtssystemen abzielt. Im Kontext des (deutschen) Linksextremismus lassen sich solcherma\u00dfen verstandene \"abolitionistische\" Positionen im Umfeld antiimperialistischer und postkolonialer Spektren finden (Postautonome, Anarchisten, Antiimperialisten). 104","Linksextremismus Veranstaltungsreihe deutlich, indem er die Frage stellte: \"Wie w\u00fcrde eine Welt ohne Polizei und Gef\u00e4ngnisse aussehen?\". Dabei ging es den beteiligten Gruppen vor allem darum, \"die kapitalistischen, kolonialistischen und rassistischen Machtstrukturen\" in verschiedenen Veranstaltungen zu beleuchten. Neben Vortr\u00e4gen umfasste das Programm auch eine Filmvorf\u00fchrung, ein Konzert und ein Treffen, bei dem Briefe an Gefangene verfasst wurden. Im Rahmen der Aktionswoche festigten das postautonome Spektrum und die lokalen Gruppen der dogmatischen FKO ihre Kooperation. So beteiligte sich das \"Solidarit\u00e4tsnetzwerk Halle (Saale)\" kurz nach Beginn der Reihe offen an den Veranstaltungen und organisierte am 13. Dezember 2025 die offizielle Abschlusskundgebung unter dem Motto \"\u00dcberall Polizei, nirgendwo Gerechtigkeit! Selbstschutz im Stadtteil aufbauen!\". Inoffiziell endete die Aktionswoche mit einem nicht angemeldeten Aufzug aus dem postautonomen Spektrum. Im Nachgang ver\u00f6ffentlichte das OAP eine Erkl\u00e4rung, in der es die Aktionswoche unter dem Schlagwort \"abolish kommunistischer aufbau\" scharf angriff und den beteiligten postautonomen Gruppierungen vorwarf, eine \"schleichende Eingliederung autorit\u00e4rer Strukturen in die hallesche Szene\" zu betreiben.64 Das OAP wirft KA und mit diesem sympathisierenden Gruppen vor, mit Diffamierungskampagnen und gewaltsamen Aktionen gegen bestehende linksextremistische Strukturen in Halle (Saale) vorzugehen. Dies betrachtet das OAP als Gefahr f\u00fcr die linksextremistische Szene insgesamt, vor allem aber f\u00fcr deren undogmatischen Teil, dem die Gruppe selbst angeh\u00f6rt. Tats\u00e4chlich gingen Gewalt und Diffamierungen jedoch bislang vielmehr von Anh\u00e4ngern des OAP gegen den dogmatischen und propal\u00e4stinensischen Szeneteil aus. Internationalismus Der \"Internationalismus\" ist - neben dem \"Antikapitalismus\", dem \"Antifaschismus\" und der \"Antirepression\" - eines der zentralen Aktionsfelder f\u00fcr gewaltorientierte Linksextremisten unterschiedlicher Str\u00f6mungen. Im linksextremistischen Kontext bezeichnet \"Internationalismus\" eine politische Agenda, die darauf abzielt, die \u00dcberwindung der bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse durch internationale Solidarisierung und Kooperation mit \"allen revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften\" herbeizuf\u00fchren. 64 So h\u00e4tten die Gruppen bereits w\u00e4hrend der \"Kritischen Einf\u00fchrungswoche\" (KEW) versucht, die Gruppe \"Students for Palestine Halle\" und das FKO zu integrieren. Aufgrund interner Zerw\u00fcrfnisse trat das Organisationsteam der KEW in der Folge zur\u00fcck. 105","Linksextremismus Im Berichtsjahr wurden die Aktivit\u00e4ten der linksextremistischen Szene Sachsen-Anhalts im Aktionsfeld \"Internationalismus\" weiterhin ma\u00dfgeblich von den Reaktionen auf den Nahostkonflikt als Folge des Terrorangriffs der HAMAS auf Israel am 7. Oktober 2023 bestimmt. Die Aktivit\u00e4ten der propal\u00e4stinensisch eingestellten kommunistischen Szeneteile65 in Magdeburg, Halle (Saale) und Dessau-Ro\u00dflau nahmen dabei abermals eine herausgehobene Stellung ein, wobei sich das Versammlungsgeschehen haupts\u00e4chlich in der Landeshauptstadt Magdeburg konzentrierte. Die dem kommunistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zugeh\u00f6rige Gruppe \"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t Magdeburg\" trat im Berichtsjahr mit mehreren einschl\u00e4gigen Versammlungen in Erscheinung. Am 16. August 2025 organisierte sie eine Demonstration zum Thema \"Stoppt den zionistischen Terror! Stoppt die deutsche Komplizenschaft!\" durch die Magdeburger Innenstadt. W\u00e4hrend des Aufzugs mit bis zu 185 Teilnehmern kam es wiederholt zu St\u00f6rungen und Provokationen. F\u00fcr die Versammlung mobilisierten verschiedene kommunistische Gruppierungen aus der linksextremistischen Szene mit und ohne Auslandsbezug. In den Redebeitr\u00e4gen der Auftaktund Zwischenkundgebungen wurden wiederholt die je nach Kontext strafbewehrten Formulierungen \"vom Fluss bis zum Meer\" bzw. \"from the river to the sea\" in verschiedenen Varianten ausgerufen, so dass der Versammlungsleiter auf Anraten der Versammlungsbeh\u00f6rde die Demonstration fr\u00fchzeitig beendete. Wenige Tage nach der Versammlung wurde auf der Webseite \"Megaphon.org\" das mutma\u00dfliche Manuskript des Redebeitrags ver\u00f6ffentlicht, der aufgrund des vorzeitigen Abbruchs der Versammlung nicht mehr vollst\u00e4ndig vor Ort vorgetragen werden konnte. Das Redemanuskript ist von einem Antizionismus gepr\u00e4gt, der durchg\u00e4ngig antisemitische Diskursmuster bedient und daher insgesamt als antisemitisch einzustufen ist. Israel wird darin nicht nur politisch kritisiert, sondern durch Holocaust-Gleichsetzungen d\u00e4monisiert, mit antisemitischen Verschw\u00f6rungserz\u00e4hlungen diffamiert und in seinem Existenzrecht fundamental infrage gestellt. Diese Elemente belegen eine klare Feindschaft gegen\u00fcber Juden, indem ihnen kollektiv Menschheitsverbrechen zugeschrieben werden und ihr Recht auf Selbstbestimmung grunds\u00e4tzlich infrage gestellt wird. So behauptet der Verfasser des Textes, Deutschland sei \"Hand in Hand mit der Besatzung 'Israel' bei [einem] n\u00e4chsten Holocaust angekommen\". Dabei wird ein direkter Vergleich zwischen dem \"Sadismus der Gaskammern\" und einem angeblich \"heute an den Pal\u00e4stinensern ver\u00fcbten Sadismus\" gezogen. In diesem Zusammenhang wird die \"Gaza Humanitarian Foundation\" in \"Gaza Holocaust Foundation\" umbenannt. Die Beschreibung von Hilfsg\u00fcterzentren in Gaza als Orte, an denen Menschen \"industriell wie Vieh abgeschlachtet\" und in \"Vernichtungsanlagen\" oder \"zur 'humanen' Schlachtung gef\u00fchrt\" w\u00fcrden, greift bewusst die Sprache der 65 Hierzu werden aufgrund der \u00e4hnlichen ideologischen Ausrichtung linksextremistische Gruppen mit und ohne Auslandsbezug gez\u00e4hlt, insbesondere die Ortsgruppen von \"Young Struggle\" und \"ZORA\" in Magdeburg und Dessau-Ro\u00dflau. Vgl. hierzu das Kapitel \"Auslandsbezogener Extremismus\", S. 145 ff. 106","Linksextremismus industriellen Vernichtung im Rahmen des Holocausts durch die Nationalsozialisten auf. Auch die Aussage \"Wir m\u00fcssen dem Holocaust ein Ende machen\" ist in diesem Sinne zu verstehen. Hier wird die Kritik am j\u00fcdischen Staat weit \u00fcber eine legitime politische Kritik hinausgef\u00fchrt. Sie gipfelt in der grunds\u00e4tzlichen Infragestellung des Existenzrechts des Staates Israel, so auch in der Formulierung, Israel sei ein \"geraubtes Land\", das lediglich \"zur Zeit 'Israel'\" hei\u00dfe. Der j\u00fcdische Staat wird so als illegitim und nur vor\u00fcbergehend dargestellt. Vor diesem Hintergrund beschuldigt der Verfasser den Staat Israel, einen \"Vernichtungsfeldzug zwischen Fluss und Meer\" zu f\u00fchren. Mit seiner Forderung \"Death to the IDF\" (sinngem\u00e4\u00df: \"Tod der israelischen Armee\") ruft der Verfasser zur Gewaltanwendung gegen Angeh\u00f6rige der israelischen Armee auf, die er pauschal als \"Faschisten\" diffamiert. Der in dieser antiimperialistischen Israelkritik erkennbare Antizionismus gleitet dabei wiederholt in antisemitische Stereotype ab. So wird dem Zionismus eine regionale Expansionsund Dominanzabsicht unterstellt, die auf ein \"Gro\u00df-Israel\" hinauslaufe: ein Reich \"vom Euphrat \u00fcber den Persischen Golf, das Rote Meer bis zum Nil\". Dieses Reich solle weite Teile des Nahen Ostens umfassen und durch eine \"zionistische Rassens\u00e4uberung\" zu Theodor Herzls \"Judenstaat\"66 werden. Damit wird der israelische Staat als eine b\u00f6sartige, globale Bedrohung dargestellt. In ihrer Eindimensionalit\u00e4t muss diese Darstellung als eine Variante der Erz\u00e4hlung von einer \"j\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung\" gesehen werden. Im Zusammenhang mit den massiven Vorw\u00fcrfen von \"V\u00f6lkermord\", \"Rassens\u00e4uberung\" und \"Holocaust\" gegen Israel kann der im Manuskript wiederholt vorgetragene Satz \"From the river to the sea, Palestine will be free\" nicht als harmlose Forderung nach Gleichheit verstanden werden. In diesem Kontext ist er vielmehr als Aufruf zur Beseitigung des Staates Israel zwischen Jordan und Mittelmeer zu interpretieren. Dar\u00fcber hinaus organisierte die Gruppe \"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t Magdeburg\" am 17. November 2025 eine Protestkundgebung unter dem Motto \"Gegen Geschichtsrevisionismus und Militarisierung\", die sich gegen eine von der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung Sachsen-Anhalt und der Stadtbibliothek Magdeburg veranstaltete Diskussionsveranstaltung in der Pauluskirche in Stadtfeld richtete. Bei der Veranstaltung sprachen der Vizepr\u00e4sident des Deutschen Bundestages und Ministerpr\u00e4sident a. D. des Freistaates Th\u00fcringen Bodo Ramelow (Partei \"Die Linke\") und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk \u00fcber ihr gemeinsames Buch \"Die neue Mauer. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber den Osten\". In den sozialen Medien und w\u00e4hrend des Versammlungsgeschehens kritisierten Anh\u00e4nger der \"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t Magdeburg\" vor allem Ramelows Bekenntnis zum Existenzrecht Israels sowie die Positionen beider Redner zur DDR und zur NATO bzw. zur Bundeswehr. Dabei \u00e4u\u00dferte sich ein Versammlungsteilnehmer und Anh\u00e4nger der Gruppe \"Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t Magdeburg\" gegen\u00fcber einem Reporter des RBB mit folgenden Worten: 66 Theodor Herzls im Jahr 1896 erschienenes Buch \"Der Judenstaat. Versuch einer modernen L\u00f6sung der Judenfrage\" gilt als eine der bedeutendsten Schriften der zionistischen Bewegung. 107","Linksextremismus \"Wir sind solidarisch mit dem ganzen Widerstand der Pal\u00e4stinenser [...] inklusive der HAMAS, genau. Ein Volk hat immer das Recht, sich selber zu verteidigen [...]\" [Nachfrage des Reporters: \"Auch mit den Mitteln wie am 7. Oktober?\"] \"Das m\u00fcssen die Pal\u00e4stinenser selber entscheiden, zu welchen Mitteln sie greifen, das liegt ja nicht in unserer Hand.\" Militanzund Gewaltpotenzial Am 15. Januar 2025 griffen Unbekannte in Halle (Saale) ein von Rechtsextremisten betriebenes Kampfsportstudio wenige Tage vor dessen Er\u00f6ffnung an. Hierbei wurden insgesamt 15 bodentiefe Fenster des Geb\u00e4udes zerschlagen; anschlie\u00dfend wurden gr\u00f6\u00dfere Mengen schwarzer Farbe im Innenraum verspr\u00fcht. An der Fassade wurde zudem mit roter Spr\u00fchfarbe der Schriftzug \"NAZIS RAUS\" aufgebracht. In einem vom OAP verbreiteten Artikel des \"Rechercheund Informationsportals Leipzig\" wird das Kampfsportstudio als Anlaufstelle f\u00fcr \"Neonazi-Hooligans\" beschrieben. Bereits im M\u00e4rz 2024 wurden die R\u00e4umlichkeiten des Studios durch einen mutma\u00dflich von Linksextremisten ver\u00fcbten Brandanschlag zerst\u00f6rt. Vor diesem Hintergrund starteten Teile der linksextremistischen Szene von Halle (Saale) im Juni 2025 die Kampagne \"Den Daumen runter - Nazi Gym Dichtmachen\". Neben einer militanten Strategie ist es das Ziel der linksextremistischen Szene in Halle (Saale), \"mit verschiedenen Akteur*innen in der Stadt Druck auf[zu]bauen, um den Laden dichtzumachen. Wir wollen uns gemeinsam mit Anwohner*innen, Vereinen, Gesch\u00e4ften und Initiativen vor Ort dem rechten Treiben entgegenstellen.\" Bereits seit 2017 hatte das (post-)autonome Spektrum in Halle (Saale) eine aus militantem Vorgehen und einer b\u00fcndnispolitischen Kampagne bestehende Doppelstrategie genutzt, um ein (im Jahr 2020 aufgegebenes) Hausprojekt der rechtsextremistischen \"Identit\u00e4ren Bewegung Deutschland\" (IBD)67 in Halle (Saale) unter dem Motto \"Kick them out - Nazizentren dichtmachen\" zu bek\u00e4mpfen. In der Nacht zum 16. Februar 2025 kam es zu einem Vorfall am \"AZ Kim Hubert\" in Salzwedel, der von den AZ-Betreibern als rechtsextremistischer Angriff gewertet wurde. Hierbei rissen f\u00fcnf Personen Plakate von der Geb\u00e4udefassade und traten anschlie\u00dfend die T\u00fcr des linksextremistischen Szeneobjekts ein. Nachdem sich die im AZ befindlichen Personen unter Einsatz von Pfefferspray zur Wehr gesetzt hatten, griffen die 67 Zur IBD vgl. das Kapitel \"Rechtsextremismus\", S. 69 ff. 108","Linksextremismus augenscheinlich stark alkoholisierten Personen das AZ weiter mit Steinen an. Die Autonomen filmten den Angriff und ver\u00f6ffentlichten das Video anschlie\u00dfend im Internet. In einem Interview mit der Wochenzeitung \"Jungle World\" antworteten die Betreiber des AZ auf die Frage, wie auf einen solchen Angriff zu reagieren sei, folgenderma\u00dfen: \"Man muss handeln, wenn was passiert. Nicht wegsehen, sich nicht verstecken, in die \u00d6ffentlichkeit gehen. Wir m\u00fcssen den Nazis zeigen, dass wir da sind, und dem Rest der Welt auch. Nach dem Angriff 2018 waren wir sehr defensiv, das hat uns nicht geholfen.\" Vor diesem Hintergrund kam es am 22. Februar 2025 zu einem versuchten Angriff auf einen der mutma\u00dflich Tatbeteiligten an dessen Wohnadresse. Dieser gab an, dass vier vermummte Personen vergeblich versucht h\u00e4tten, in seine Wohnung einzudringen. Innerhalb der linksextremistischen Szene kam es in der Folge des Angriffs auf das \"AZ Kim Hubert\" zu einer breiten Solidarit\u00e4tswelle. Autonome, dogmatische Gruppen und die Betreiber anderer Szeneobjekte \u00fcbermittelten Solidarit\u00e4tsgr\u00fc\u00dfe und sammelten Spenden f\u00fcr das \"AZ Kim Hubert\". Die Autonomen des \"AZ Kim Hubert\" reagierten ihrerseits mit einem Dankesgru\u00df. Angesichts erstarkender rechtsextremistischer Jugendgruppen68 ist k\u00fcnftig mit weiteren Auseinandersetzungen zu rechnen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der fortdauernde Wandel der gewaltorientierten linksextremistischen Szene in SachsenAnhalt schl\u00e4gt sich zunehmend in ihrem Personenpotenzial und ihrer ideologischen Ausrichtung nieder. Der Anstieg des Personenpotenzials von 295 auf 320 Personen ist dabei weniger Ausdruck eines allgemeinen Erstarkens der Szene als vielmehr das Ergebnis eines bundesweit zu beobachtenden Bedeutungszuwachses des KJKG-Spektrums. Dieser Zuwachs d\u00fcrfte auf zwei miteinander verbundene Faktoren zur\u00fcckzuf\u00fchren sein: Zum einen erh\u00f6hen der von linksextremistischen Gruppen empfundene \"Rechtsruck\" in Politik und Gesellschaft sowie das Erstarken rechtsextremistischer Jugendbewegungen den Mobilisierungsdruck innerhalb der linksextremistischen Szene. Zum anderen haben die undogmatischen Ans\u00e4tze des autonomen und postautonomen Spektrums sp\u00fcrbar an \u00dcberzeugungskraft verloren. Angesichts einer als zunehmend krisenhaft wahrgenommenen gesellschaftlichen Lage erscheinen marxistisch-leninistische Ideologieangebote - insbesondere f\u00fcr j\u00fcngere Szeneanh\u00e4nger - wieder attraktiver. Mit dem Strukturwandel geht ein deutlicher Generationswechsel einher, der die personelle Zusammensetzung der Szene ver\u00e4ndert: Der aktionsorientierte Szenekern ist j\u00fcnger, weiblicher und gebildeter als in den vorangegangenen Jahren. Er ist weitgehend unbelastet von vergangenen Szenekonflikten und zeigt sich - zumindest innerhalb des dogmatischen Spektrums - kooperationswilliger und b\u00fcndnisorientierter. Die zunehmende regionale wie 68 Vgl. hierzu das Kapitel \"Rechtsextremismus\", S. 55 ff. 109","Linksextremismus \u00fcberregionale Vernetzung der Jugendgruppen tr\u00e4gt ihrerseits zum Anstieg des Personenpotenzials bei. Die Autonomen geraten innerhalb der linksextremistischen Szene verst\u00e4rkt unter Druck. In Halle (Saale) ist diese Entwicklung bereits weit fortgeschritten; die ideologische Spaltung zieht hier mittlerweile gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen nach sich. Auch in der Altmark zeichnet sich ab, dass autonome Gruppen und Zentren von dogmatisch orientierten Jugendgruppen unter Druck gesetzt werden. Die damit einhergehende Selbstbesch\u00e4ftigung der Szene schw\u00e4cht zwar kurzfristig ihre gemeinsame Handlungsf\u00e4higkeit an den betroffenen Orten, darf aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass beide Spektren den demokratischen Rechtsstaat, seine Institutionen und Verfahren grunds\u00e4tzlich ablehnen und Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele bef\u00fcrworten. Je n\u00e4her die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 r\u00fcckt, desto h\u00f6her ist die Wahrscheinlichkeit, dass Linksextremisten politisch motivierte Straftaten gegen politische Gegner ver\u00fcben, zu denen die Szene neben Rechtsextremisten auch die Vertreter von nichtextremistischen Parteien sowie von Sicherheitsund Justizbeh\u00f6rden z\u00e4hlt. Dar\u00fcber hinaus zeichnet sich das Thema \"Wehrpflicht\" im Zusammenhang mit der R\u00fcstungsund Verteidigungspolitik der Bundesregierung als neuer Mobilisierungsfaktor ab, so dass im Aktionsfeld \"Antimilitarismus\" mit einer Intensivierung des Protestgeschehens und einer Zunahme von politisch motivierten Straftaten gegen die milit\u00e4rische Infrastruktur zu rechnen ist. Das Gefahrenpotenzial liegt dabei vor allem in der schleichenden organisatorischen Verfestigung einer Szene, die Gewalt strategisch einsetzt und zunehmend professionalisiert auftritt. 110","Linksextremismus NICHT GEWALTORIENTIERTE LINKSEXTREMISTEN \"Rote Hilfe e. V.\" (RH) Gr\u00fcndung 1975 In Sachsen-Anhalt seit 1996 mit der ersten RH-Ortsgruppe in Halle (Saale) existent Sitz / Sitz des Bundesverbandes: G\u00f6ttingen (Niedersachsen) Verbreitung Bundesweite Verbreitung Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 350 415 Struktur / Bundesweit existieren rund 50 Ortsgruppen. Aufbau Die lokalen Gruppen w\u00e4hlen auf Mitgliederversammlungen ihre Abgesandten f\u00fcr die Bundesdelegiertenkonferenz; diese tritt mindestens alle zwei Jahre zusammen. Der Bundesvorstand wird f\u00fcr die Dauer von zwei Jahren gew\u00e4hlt und organisiert als oberstes Organ der RH deren bundesweite Arbeit. Er tagt mindestens zweimal j\u00e4hrlich, verwaltet die Finanzen des Vereins und gibt dessen Zeitung heraus. In Sachsen-Anhalt existieren Ortsgruppen in Halle (Saale), Magdeburg und Salzwedel (Altmarkkreis Salzwedel). Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: www.rote-hilfe.de Publikationen: \"Die Rote Hilfe\" (quartalsweise) Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden Vertrieb von B\u00fcchern, Brosch\u00fcren, Informationsmaterial Kurzportrait / Ziele Die RH ist nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis eine \"parteiunabh\u00e4ngige, str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutzund Solidarit\u00e4tsorganisation\" zur Unterst\u00fctzung von Personen, die nach ihrer Auffassung in der \"Bundesrepublik Deutschland aufgrund ihrer politischen Bet\u00e4tigung verfolgt werden\". Dabei vertritt die RH kein eigenst\u00e4ndiges weltanschauliches Programm; sie ist jedoch ein bedeutender Bestandteil der linksextremistischen Szene und wirkt organisations\u00fcbergreifend. Die RH stellt die Sicherheitsund Justizbeh\u00f6rden als Teile eines umfassenden Repressionsapparates dar, mit dem der Staat ihm politisch missliebige Personen unterdr\u00fccke und kriminalisiere. Dadurch spricht sie der Bundesrepublik Deutschland die Eigenschaft als Rechtsstaat ab und sieht in ihr stattdessen ein Willk\u00fcrregime. Die RH unterst\u00fctzt Linksextremisten in Ermittlungsund Strafverfahren sowie im Strafvollzug. Erkennt die RH eine Person als \"Unterst\u00fctzungsfall\" an, so beteiligt sie sich an Prozessund Anwaltskosten (sowie Strafund Bu\u00dfgeldern) und vermittelt erforderlichenfalls anwaltliche Unterst\u00fctzung. Zudem organisiert die RH Kampagnen, die auf die Diskreditierung von 111","Linksextremismus Sicherheitsund Justizbeh\u00f6rden zielen. Im Rahmen von Schulungen gibt die RH Szeneangeh\u00f6rigen Handlungsempfehlungen zur Minimierung des Risikos einer Strafverfolgung im Anschluss an begangene Straftaten. Grund der Beobachtung Die RH ist ein zentraler Bestandteil der linksextremistischen Szene und bet\u00e4tigt sich im Aktionsfeld \"Antirepression\". Sie ist eine organisations\u00fcbergreifende Unterst\u00fctzerin von Straft\u00e4tern aus den unterschiedlichen Bereichen der linksextremistischen Szene. Die RH betrachtet die Bundesrepublik Deutschland als einen Willk\u00fcrstaat, von dem eine systematische Verfolgung der politischen Opposition ausgehe. In dieser Funktion stabilisiert und motiviert die RH die gewaltorientierte linksextremistische Szene, indem sie das strafrechtliche Abschreckungspotenzial f\u00fcr Linksextremisten verringert. Sie erf\u00fcllt damit eine Gewalt unterst\u00fctzende Funktion. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die RH in Sachsen-Anhalt unterst\u00fctzte auch im Jahr 2025 eine Vielzahl von individuellen \"Repressionsf\u00e4llen\". Herausgehobene Straftaten oder \u00fcberregionale Kampagnen waren hierbei nicht zu verzeichnen. Vielmehr versuchten die Ortsgruppen, den Regelbetrieb aufrechtzuerhalten, da zwar immer mehr Mitglieder in die RH eintreten, sich jedoch kaum neue \"Aktive\" f\u00fcr die interne Ortsgruppenarbeit gewinnen lassen. Kontakt zum Bundesverband der RH konnte hierbei w\u00e4hrend der Bundesdelegiertenkonferenz im September 2025 gehalten werden, an dem Vertreter aus allen Ortsgruppen in SachsenAnhalt teilnahmen. In Einzelf\u00e4llen traten die Ortsgruppen auch mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen hervor: Beispielhaft lud die Magdeburger RH-Ortsgruppe anl\u00e4sslich des \"Tages der politischen Gefangenen\" zum \"Solitresen & Briefeschreiben\" am 21. M\u00e4rz 2025 in das Objekt \"Tacheles\" in Magdeburg ein. In Halle (Saale) organisierte die Ortsgruppe zum Jahreswechsel am 31. Dezember 2025 eine der traditionellen \"Knast-Demos\" und veranstaltete sowohl vor der JVA \"Roter Ochse\" als auch vor der JVA-Nebenstelle \"Frohe Zukunft\" eine \"knastkritische\" Kundgebung. Daneben organisierten die jeweiligen Ortsgruppen anlassbezogen Vortr\u00e4ge zum \"Schutz vor Repression\" und traten w\u00e4hrend diverser Demonstrationen als \"Ermittlungsausschuss\" auf, der im Fall von unmittelbaren Polizeieins\u00e4tzen eine erste Rechtsberatung vornimmt und den Rechtsbeistand organisiert. Ende des Jahres 2025 kam es zu diversen Kontok\u00fcndigungen im Umfeld der RH, von denen auch die Ortsgruppen in Sachsen-Anhalt betroffen waren. Inwieweit sich diese strukturelle Schw\u00e4chung auch auf die aktive \"Solidarit\u00e4tsarbeit\" auswirkt, bleibt abzuwarten. Als Folge der Kontok\u00fcndigungen und einer damit einhergehenden Solidarit\u00e4tsbekundung innerhalb der linksextremistischen Szene deutete sich jedoch bereits ein weiterer Anstieg der Mitgliederzahlen an. 112","Linksextremismus Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der im vorangegangenen Abschnitt beschriebene Strukturwandel in der linksextremistischen Szene war in den letzten Jahren auch in der RH zu beobachten. Der massive Mitgliederzuwachs der RH in den letzten Jahren d\u00fcrfte auf den sich abzeichnenden Generationswechsel im gewaltorientierten Linksextremismus zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Dementsprechend bleibt die RH weiterhin einer der wichtigsten Stabilit\u00e4tsfaktoren f\u00fcr die linksextremistische Szene. Mit ihrer gut vernetzten Struktur und der finanziellen Unterst\u00fctzung potenzieller Strafund Gewaltt\u00e4ter tr\u00e4gt sie zu einer Konsolidierung der Szene bei. Dabei bietet die RH eine Organisationsorientierung f\u00fcr jene Linksextremisten, die gemeinschaftlich aktiv sein wollen, ohne jedoch in die formalen Strukturen einer Partei eingebunden zu sein. Entscheidend f\u00fcr den Erfolg der RH ist vor allem ihre ideologische Flexibilit\u00e4t: Ihre Unterst\u00fctzung gilt jedem potenziellen Gewaltt\u00e4ter, solange dieser nur eine linksextremistische Zielsetzung verfolgt. Sie begr\u00fcndet damit einen ideologischen Rahmen, der die Legitimit\u00e4t des demokratischen Verfassungsstaats systematisch infrage stellt und dabei Gewalt als politisches Mittel bef\u00fcrwortet. 113","Linksextremismus Freie Arbeiter*innen-Union (FAU) Gr\u00fcndung 1977 In Sachsen-Anhalt seit 2000 mit dem ersten \"Syndikat\" in Halle (Saale) existent Sitz / Sitz des Bundesverbandes: Krefeld (Nordrhein-Westfalen) Verbreitung Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger oberer zweistelliger Bereich oberer zweistelliger Bereich Struktur / Bundesweit existieren rund 41 Ortsgruppen, welche die FAU als Aufbau \"Syndikate\" bezeichnet. Die FAU ist eine f\u00f6derale Basisgewerkschaft, gebildet aus autonomen, lokalen \"Syndikaten\". Neben der Organisation in vier Regionalkoordinationen (Nord, S\u00fcd, Ost, West) finden sich zuvor gew\u00e4hlte und weisungsgebundene Delegierte einmal j\u00e4hrlich auf einem Bundeskongress zusammen. Hier werden die bundesweite ideologische Ausrichtung und die Strategie der FAU besprochen, Mandate vergeben und der Austausch mit anderen anarchistischen Gewerkschaften gepflegt. In Sachsen-Anhalt existieren \"Syndikate\" in Halle (Saale) und Magdeburg. Mit der \"Kiezkommune Stadtfeld\" organisiert die FAU in Magdeburg im Objekt \"Stadtteilladen Mitmischen\" zus\u00e4tzlich einen \"Nachbarschaftstreff\". Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: halle.fau.org, magdeburg.fau.org Publikation: \"Direkte Aktion\" (Onlinezeitung, unregelm\u00e4\u00dfig) Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden Kurzportrait / Ziele Die FAU versteht sich als eine anarchistisch organisierte Gewerkschaft, die eine \"soziale Revolution\" zur \u00dcberwindung des Kapitalismus anstrebt. Hierf\u00fcr bieten die einzelnen \"Syndikate\" \u00fcber die Gewerkschaftsarbeit hinaus auch Hilfe in der Rechtsberatung, bei Mietproblemen, in der Nachbarschaftsorganisation oder bei anderen Alltagsproblemen an. In Magdeburg \u00fcbernimmt dies die \"Kiezkommune Stadtfeld\". Dabei wird die anarchistische Ideologie zun\u00e4chst verborgen gehalten, um vor allem junge Personen anzusprechen und f\u00fcr die Gewerkschaftsarbeit zu gewinnen. Erst im weiteren Verlauf der Zusammenarbeit findet eine gezielte Ideologisierung mit anarchistischen Versatzst\u00fccken statt. Dadurch schafft die FAU eine niedrigschwellige Organisationsm\u00f6glichkeit, um stetig neue Anh\u00e4nger als \"Massenbasis\" f\u00fcr die angestrebte sp\u00e4tere \"Revolution\" zu gewinnen. Grund der Beobachtung Als anarchosyndikalistische Gewerkschaft strebt die FAU die Abschaffung jeglicher Herrschaft von Menschen \u00fcber den Menschen an. Regierungen, Parlamente oder 114","Linksextremismus b\u00fcrgerliche Gesetze werden hierbei als Instrumente zur Unterdr\u00fcckung der nat\u00fcrlichen Freiheit wahrgenommen. Die Aktivit\u00e4ten der FAU sind in ihrer Gesamtheit auf einen revolution\u00e4ren Umsturz der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung ausgerichtet und zielen damit auf die \u00dcberwindung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die FAU ist Teil des organisationsgebundenen Anarchismus und orientiert sich an den sozialistischen Wurzeln im Anarchismus. Dementsprechend soll die sozialistische Gesellschaft nicht auf staatlichen Elementen des Parlamentarismus oder einer bezahlten Funktion\u00e4rselite beruhen. Vielmehr setzt die FAU auf das Moment der Selbsterm\u00e4chtigung an der Basis, so dass die \"Arbeiterklasse\" innerhalb der einzelnen \"Syndikate\" die unmittelbare Voraussetzung f\u00fcr die Revolution schaffen soll. Eine zentrale Strategie der FAU ist es hierbei, \"Nachbarschaftsr\u00e4ume\" aufzubauen und den Menschen im unmittelbaren Umfeld bei der L\u00f6sung ihrer Alltagsprobleme zu helfen. \u00dcberregional wegweisend ist hierbei die \"Kiezkommune Stadtfeld\", die als Arbeitsgemeinschaft der FAU in Magdeburg wirkt. Im organisatorisch angebundenen \"Stadtteilladen Mitmischen\" des Betreibers \"Kiez e. V.\" werden u. a. Beratungstermine, Essensausgaben und Spielenachmittage angeboten, um durch den Aufbau sozialer Beziehungen und daran angegliederte, niedrigschwellige Hilfsangebote mittelfristig neue Anh\u00e4nger f\u00fcr die FAU zu gewinnen. Gleichwohl blieb auch im Jahr 2025 das revolution\u00e4re Ziel handlungsleitend, was sich in einer Vielzahl von Vortr\u00e4gen etwa zu den ideologischen Hintergr\u00fcnden des Anarchosyndikalismus, zum linken Widerstand gegen den italienischen Faschismus und zur anarchistischen Gewerkschaftsarbeit au\u00dferhalb Deutschlands zeigte. Dar\u00fcber hinaus organisierte die FAU-Ortsgruppe Magdeburg auch im Jahr 2025 zum \"Tag der Arbeit\" eine eigenst\u00e4ndige Demonstration unter dem Motto \"Klasse. Kampf. Kultur.\" Die Veranstalter stellten in ihrem Mobilisierungsaufruf ihre Ablehnung des parlamentarischen Systems heraus und machten deutlich, dass sie auf dem Wege des gewerkschaftlich organisierten Klassenkampfes die \"soziale Revolution\" herbeif\u00fchren wollen: \"Wir wollen f\u00fcr eine bessere Welt k\u00e4mpfen. Wir erwarten keine Verbesserungen von Parlamenten und Parteien. Wir wollen eine Gegenmacht von Unten aufbauen, mit allen, die sich demokratisch und international organisieren wollen. Unser Fokus ist dabei insbesondere die gewerkschaftliche Organisierung am Arbeitsplatz, welche den Klassenkampf zu einer Sache unseres Alltags macht. (...) Heraus zum Kampftag der Arbeiter:innen! 8 Stunden Arbeit sind schon zu viel! F\u00fcr die soziale Revolution!\" Mit 180 Teilnehmern war die Demonstration im Vergleich zum Vorjahr (knapp 100 Teilnehmer) deutlich besser besucht. Dies d\u00fcrfte auf die Nachbarschaftsarbeit der 115","Linksextremismus \"Kiezkommune Stadtfeld\", aber auch auf die erfolgreiche Anbindung junger Menschen aus dem studentischen Milieu zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. So organisierten sich zuletzt vor allem \"internationalistische\" und \"kurdistansolidarische\" Personen im Umfeld der FAU. Daneben bestand ein Gro\u00dfteil der FAU-Aktivit\u00e4ten nach wie vor in der gewerkschaftlichen Arbeit. So rief die Magdeburger FAU-Ortsgruppe anl\u00e4sslich der K\u00fcndigungsschutzklage eines gek\u00fcndigten FAU-Mitglieds im August 2025 zur \"solidarischen Prozessbegleitung\" des Klageverfahrens vor dem Arbeitsgericht Magdeburg auf. Darauf folgte eine von mehreren Kundgebungen vor der Filiale eines Pizza-Lieferdienstes, der auch in anderen Bundesl\u00e4ndern mehrfach von FAU-\"Syndikaten\" bestreikt wurde. Anl\u00e4sslich ihrer Gr\u00fcndung vor 25 Jahren organisierte die FAU-Ortsgruppe Magdeburg am 14. November 2025 eine \"Jubil\u00e4umsfeier\". Das Programm umfasste neben kulturellen Beitr\u00e4gen der \"Kiezkommune Stadtfeld\" einen Vortrag zur Geschichte der FAU in Magdeburg, eine Podiumsdiskussion zum Thema \"Syndikalismus im 21. Jahrhundert\" und zahlreiche linksextremistische Musikbeitr\u00e4ge. Bewertung, Tendenzen, Ausblick W\u00e4hrend die FAU in Halle (Saale) nur punktuell aktiv wird, nimmt das \"Syndikat\" in Magdeburg bundesweit eine exponierte Stellung ein. Im Zusammenspiel von basisgewerkschaftlicher Arbeit und nachbarschaftlicher Verankerung organisiert die FAU dort ein Angebot, mit dem sie vor allem unter jungen Studenten und prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten erfolgreich versucht, neue Anh\u00e4nger an sich zu binden. Damit schafft sie ein Gegengewicht zu den kommunistischen Strukturen innerhalb der linksextremistischen Szene Magdeburgs, die aufgrund der von ihnen geteilten Klassenkampfideologie eine \u00e4hnliche Strategie verfolgen. Gleichwohl war im Berichtszeitraum eine Ann\u00e4herung der beiden Spektren festzustellen, was sich in der gegenseitigen Unterst\u00fctzung von kommunistischen und anarchistischen Gruppen im Versammlungsgeschehen zeigte. F\u00fcr die Zukunft d\u00fcrfte die FAU ihren Einfluss innerhalb der Szene dort ausbauen, wo sie sozio\u00f6konomische Bruchstellen identifizieren und hiervon betroffene Personen in ihre Strukturen integrieren kann. 116","Linksextremismus \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschland\" (MLPD) Gr\u00fcndung 1982 In Sachsen-Anhalt seit 1992 mit einzelnen Strukturen existent Sitz / Bund: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Verbreitung Bundesweite Verbreitung Sachsen-Anhalt: angegliedert im Landesverband Elbe/Saale (Sachsen-Anhalt und Sachsen) Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 15 15 Struktur / Parteivorsitzende: Gabi Fechtner (Nordrhein-Westfalen) Aufbau Vorsitzender des Landesverbandes Elbe/Saale: J\u00f6rg Weidemann (Leipzig) Die Partei ist in vier Organisationsebenen gegliedert. Betriebsund Wohngebietsgruppen bilden die erste Ebene der Partei. Die zweite Organisationsebene stellen die Ortsgruppen dar. Danach folgt der Kreisverband. Als letzte Ebene folgen die derzeit acht Landesverb\u00e4nde. Der Jugendverband \"REBELL\" ist die Jugendorganisation der MLPD. Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: www.mlpd.de, www.rf-news.de Publikationen: \"Rote Fahne\" (RF) (zweiw\u00f6chentlich) \"Lernen und K\u00e4mpfen\" (LuK) (mehrmals j\u00e4hrlich) \"Rebell\" (zweimonatlich) Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden Angesichts ihres vergleichsweise geringen politischen Einflusses verf\u00fcgt die MLPD \u00fcber ein \u00fcberdurchschnittlich hohes Parteiverm\u00f6gen. Kurzportrait / Ziele Die MLPD ist eine maoistisch-stalinistisch ausgerichtete Partei, die sich an den Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao orientiert. Ihrem Verst\u00e4ndnis nach kann der Kapitalismus nicht reformiert werden; er muss daher revolution\u00e4r durch einen \"echten\" Sozialismus abgel\u00f6st werden. \u00dcber die Mitgliedschaft ihrer Angeh\u00f6rigen in Gewerkschaften versucht die MLPD Einfluss auf die Arbeiter als \"Subjekt des Klassenkampfes\" zu erlangen. Sie unterst\u00fctzt h\u00e4ufig die Forderungen von Gewerkschaften bei Streiks, verbindet deren Ziele aber jeweils mit ihrer eigenen, fundamentalen Kapitalismuskritik und der Forderung nach einer kommunistischen Gesellschaft. 117","Linksextremismus Grund der Beobachtung Die MLPD versteht sich als Repr\u00e4sentantin einer radikal linken und revolution\u00e4ren Perspektive des \"echten\" Sozialismus. Bereits in der Pr\u00e4ambel ihrer Parteistatuten formuliert sie ihr grundlegendes Ziel: \"de[n] revolution\u00e4re[n] Sturz der Diktatur des Monopolkapitals\". Daf\u00fcr strebt sie die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft als \u00dcbergang zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft an. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum In Sachsen-Anhalt ist die MLPD mit Kontaktadressen in Magdeburg, Halle (Saale), DessauRo\u00dflau und Bitterfeld-Wolfen (Anhalt-Bitterfeld) vertreten. Ausgehend von diesen Ortsgruppen versucht die MLPD mit einer Vielzahl von Kundgebungen, ihre revolution\u00e4ren Ideen auf die Stra\u00dfe zu tragen. So fanden auch im Berichtsjahr 2025 in Magdeburg und Halle (Saale) regelm\u00e4\u00dfig (Montags-)Kundgebungen statt, bei denen die Beteiligten mit einem sogenannten \"offenen Mikrofon\" aktuelle politische Themen diskutierten. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 konnte die MLPD bundesweit mit 19.551 W\u00e4hlerstimmen 0,0 Prozent der Zweitstimmen auf sich vereinigen. In Sachsen-Anhalt gewann die MLPD 1.187 Zweitstimmen, was einem Anteil von 0,1 Prozent entspricht. Die MLPD-Ortsgruppe aus Halle (Saale) berichtete von ihrer Wahlfeier: \"Anfangs waren wir nur sechs. Nach und nach kamen noch weitere Wahlhelfer und Nachbarn dazu, so dass wir auf dem H\u00f6hepunkt auf achtzehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen, die sich bei der MLPD-Fahne versammelten. Nur ein Teil hat die MLPD gew\u00e4hlt. Und trotzdem. [...] Unser Wahlkampf war erfolgreich. Unsere Partei konnten wir insgesamt mit mehreren neuen Leuten, vor allem Arbeitern, st\u00e4rken. Und damit haben wir zugleich die Ausgangslage f\u00fcr die n\u00e4chsten K\u00e4mpfe in Parteiaufbau und Klassenkampf erheblich verbessert.\" Eindr\u00fccklicher kann die politische Isolation und Bedeutungslosigkeit der Partei nicht vor Augen gef\u00fchrt werden. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Aufgrund ihrer politischen und gesellschaftlichen Isolation ist davon auszugehen, dass die MLPD die von ihr seit Jahren vertretene ideologische Linie auch zuk\u00fcnftig beibehalten wird. Damit wird sie auch bei der kommenden Landtagswahl kaum \u00fcber die Ergebnisse der letzten Jahre hinauskommen. 118","Linksextremismus \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Gr\u00fcndung 1968 In Sachsen-Anhalt seit 1997 mit einzelnen Parteigruppen existent Sitz / Sitz des Bundesverbandes: Essen (Nordrhein-Westfalen) Verbreitung bundesweite Verbreitung Mitglieder / 2023 2024 Anh\u00e4nger 15 15 Struktur / Parteivorsitzender: Patrick K\u00f6bele (Essen, Nordrhein-Westfalen) Aufbau Die Partei gliedert sich in Grund-, Kreis-, Bezirksund/oder Landesorganisationen sowie eine Bundesorganisation. In Sachsen-Anhalt existieren \u00f6rtliche Strukturen vor allem in Halle (Saale) und Magdeburg. Innerhalb der Parteigesamtstruktur ist der Status einer Bezirksbzw. Kreisorganisation nicht erreicht. Daher verf\u00fcgt die DKP in Sachsen-Anhalt lediglich \u00fcber einen so genannten \"Koordinierungsrat\". Die \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) ist die Jugendorganisation der DKP und mit mehreren Ortsgruppen in Sachsen-Anhalt aktiv. Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: www.dkp.de Publikationen: UZ - \"Unsere Zeit\" (w\u00f6chentlich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (zweimonatlich) \"POSITION\" (Magazin der SDAJ, zweimonatlich) Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden Kurzportrait / Ziele Die DKP ist eine marxistisch-leninistische Kernorganisation. Die Partei versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD). Ihr Ziel ist die Errichtung einer sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft durch einen revolution\u00e4ren Bruch mit den kapitalistischen Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnissen. Als Richtschnur ihres politischen Handelns bekennt sie sich zur Ideologie von Marx, Engels und Lenin. Grund der Beobachtung Die DKP strebt langfristig einen Systemwechsel in Richtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung an. In einem klassenk\u00e4mpferisch-revolution\u00e4ren Akt sollen die kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse, der Parlamentarismus und der politischgesellschaftliche Pluralismus \u00fcberwunden werden. Gewaltanwendung wird dabei nicht ausgeschlossen. 119","Linksextremismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die DKP bem\u00fcht sich, durch Teilnahme an diversen Demonstrationen und Veranstaltungen sowie durch die Ver\u00f6ffentlichung von Stellungnahmen zu aktuellen politischen Themen in der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sent zu sein. Aufgrund ihrer geringen Mitgliederzahl ist die DKP auf eine Zusammenarbeit mit weiteren linksextremistischen Kr\u00e4ften in Sachsen-Anhalt angewiesen. So ist vor allem in Magdeburg eine Zusammenarbeit mit Akteuren der KJKG bzw. eine personelle \u00dcberschneidung zu beobachten. Daneben kann die Partei vermehrt auf Aktivit\u00e4ten der Jugendorganisation SDAJ setzen, die im Berichtszeitraum deutlich mehr Pr\u00e4senz als in den Jahren zuvor zeigte. Mit der Etablierung von SDAJ-Ortsgruppen in Magdeburg, Halle (Saale) und im Harz schlug sich der Aufschwung kommunistischer Jugendgruppen auch im Parteienspektrum nieder. Vor allem die Ortsgruppe in Halle (Saale) beteiligte sich wiederholt an Demonstrationen der FKO, ohne jedoch ein aktives B\u00fcndnis mit diesen einzugehen. Vielmehr versuchten die SDAJ-Ortsgruppen mit konkurrierenden Veranstaltungen - wie etwa den \"Roten Stadtrundg\u00e4ngen\" zum Schulund Semesterstart oder dem Protest im Rahmen der Kampagne \"Schulstreik gegen die Wehrpflicht\" - neue Anh\u00e4nger zu gewinnen. Die sich ausweitenden Aktivit\u00e4ten der Parteijugend \u00e4ndern nichts an der Bedeutungslosigkeit der DKP bei zur\u00fcckliegenden Wahlen. Bei der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 stellte die Partei keine Landesliste f\u00fcr Sachsen-Anhalt auf und trat somit nicht zur Wahl an. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Aktivit\u00e4ten der DKP in Sachsen-Anhalt gehen fast ausschlie\u00dflich auf die Jugendorganisation SDAJ zur\u00fcck. Eine dar\u00fcber hinausgehende Reorganisierung der Parteistrukturen in Sachsen-Anhalt konnte bislang nicht festgestellt werden. Ob die DKP von dem Erstarken des KJKG-Spektrums profitieren kann, ist nicht zu erwarten, da ein Gro\u00dfteil der Gruppen der KJKG die DKP als revisionistisch betrachtet und stattdessen den Aufbau einer eigenen kommunistischen Partei anstrebt. 120","ISLAMISMUS","Islamismus EINLEITUNG Mit dem Begriff \"Islamismus\" werden verschiedene extremistische Str\u00f6mungen bezeichnet, die unter Berufung auf den Islam darauf abzielen, die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland teilweise oder vollst\u00e4ndig abzuschaffen. Alle islamistischen Str\u00f6mungen begreifen die Religion als bestimmend f\u00fcr das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung. Die Religion des Islam wird mithin als \u00f6ffentliche Sache und nicht als private Angelegenheit verstanden. Die Vorstellung einer vermeintlich von Gott gewollten Ordnung fordert den freiheitlichen Rechtsstaat dann heraus, wenn sie die rechtsstaatlichen Regeln in Frage stellt oder gar verletzt. So widersprechen islamistische Zielsetzungen den im Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland verbrieften Freiheitsund Menschenrechten. Sie untergraben dar\u00fcber hinaus Bem\u00fchungen zur Integration von Migranten muslimischen Glaubens, indem sie eine gesellschaftliche Abgrenzung der \"wahren\" Gl\u00e4ubigen von der westlichen Mehrheitsgesellschaft propagieren. Die freiheitliche demokratische Grundordnung geht vom Prinzip der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t aus. Dieses ist nach islamistischer Vorstellung durch eine Gottesherrschaft zu ersetzen. An die Stelle der Gesetzgebung auf der Basis des demokratischen Rechtsstaats treten sakrale Texte als Gesetzesgrundlage. Das Prinzip der Verantwortlichkeit der Regierung gegen\u00fcber dem vom Volk gew\u00e4hlten Parlament sowie die M\u00f6glichkeit der Abw\u00e4hlbarkeit von Regierungen und der \u00c4nderung von Gesetzen ist nach islamistischer Vorstellung zu \u00fcberwinden. Stattdessen wird eine von Machtkonzentration, Oppositionsverbot und der Unab\u00e4nderlichkeit g\u00f6ttlicher Gesetze gepr\u00e4gte politische Ordnung auf sakraler Grundlage erstrebt. Meinungsfreiheit, Wertepluralismus, Mehrparteienprinzip sowie das Recht auf Opposition haben in einem Staatswesen islamistischer Pr\u00e4gung mit totalit\u00e4rem Wahrheitsanspruch keinen Platz. Die von Islamisten angestrebte rechtliche Privilegierung einer bestimmten islamischen Religionsaus\u00fcbung steht ferner im Widerspruch zur Religionsfreiheit und Gleichberechtigung sowie zum Recht auf freie Pers\u00f6nlichkeitsentfaltung. Die verschiedenen Str\u00f6mungen des Islamismus unterscheiden sich teilweise hinsichtlich ihrer ideologischen Pr\u00e4missen, ihrer geographischen Orientierung, ihrer Strategien und der Wahl ihrer Mittel. So orientieren sich Salafisten ausschlie\u00dflich an einem wortgetreuen Verst\u00e4ndnis von Koran und Sunna69 nach ihrer Interpretation sowie am Vorbild der Gef\u00e4hrten Mohammeds, der so genannten \"rechtschaffenen Altvorderen\"70. Sie vertreten dabei einen Exklusivit\u00e4tsanspruch, beanspruchen die einzig \"wahren\" Muslime zu sein und lehnen die geschichtliche Entwicklung der Religion des Islam und ihre vielschichtige Aus\u00fcbung und Interpretation seitens der Mehrheit der Muslime ab. 69 Zur Nachahmung empfohlene Handlungsweisen und Aussagen des Propheten Mohammed. 70 Arabisch: al-Salaf al-Salih. 122","Islamismus Die Anh\u00e4nger islamistisch-terroristischer Gruppierungen wie der im Gazastreifen aktiven pal\u00e4stinensischen HAMAS71 oder der libanesischen \"Hizb Allah\"72, deren Ziel die Vernichtung des j\u00fcdischen Staates Israel ist, sind im Wesentlichen auf ihre Herkunftsregionen fokussiert und wenden schwerpunktm\u00e4\u00dfig dort terroristische Gewalt an. Die Gefahr von Anschl\u00e4gen dieser Gruppen auch in Deutschland hat im Zuge des Nahostkonflikts allerdings zugenommen. Sogenannte legalistische Str\u00f6mungen versuchen, \u00fcber politische und gesellschaftliche Einflussnahme eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen. Zwischen den verschiedenen Str\u00f6mungen k\u00f6nnen \u00dcberschneidungen bei einzelnen Ideologieelementen auftreten. Ein Beispiel daf\u00fcr ist der Jihadsalafismus, der Ideologieelemente des Salafismus mit dem Jihadismus zu einer gewaltorientierten und k\u00e4mpferischen Str\u00f6mung vereint. Jihadismus bedient sich des Einsatzes physischer Gewalt. Zum bewaffneten Kampf z\u00e4hlt auch das Ver\u00fcben terroristischer Anschl\u00e4ge. Jihadistische Str\u00f6mungen zielen auf eine unmittelbare Umsetzung ihrer Vorstellungen eines Gottesstaates ab. Bek\u00e4mpft werden dabei aus Sicht der Jihadisten vermeintliche Ungl\u00e4ubige, wozu sie auch Muslime z\u00e4hlen, die nicht die von den Jihadisten jeweils gew\u00fcnschte Auslegung des Islam teilen. Nach wie vor stellt der islamistische Terrorismus eine erhebliche Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. So waren auch 2025 in Deutschland Anschl\u00e4ge mit islamistischer Motivation zu verzeichnen. Dar\u00fcber hinaus gab es bundesweit strafrechtliche Ermittlungen und gefahrenabwehrrechtliche Ma\u00dfnahmen gegen Personen, die sich tats\u00e4chlich oder mutma\u00dflich mit Anschlagsplanungen befasst hatten. Davon war auch Sachsen-Anhalt betroffen. Aktuell ist die nach dem Regimewechsel in Syrien erfolgte Aufl\u00f6sung der in Nordsyrien errichteten Gefangenenlager, in denen IS-Anh\u00e4nger inhaftiert gewesen waren, mit Sorge zu betrachten. Als besorgniserregend ist auch die Entwicklung im Kontext des Krieges im Gazastreifen zu betrachten, da Islamisten die milit\u00e4rische Intervention Israels f\u00fcr ihre Propagandazwecke instrumentalisieren. Islamisten sind darum bem\u00fcht, die muslimische Welt als Opfer einer israelischen Aggression darzustellen, die nach Rache verlange. Um Aufrufe zu Anschl\u00e4gen gegen Israel und seine Verb\u00fcndeten zu rechtfertigen, ziehen islamistisch-terroristische Gruppen neben dem muslimischen Opfernarrativ auch antisemitische Verschw\u00f6rungstheorien heran, die ein Kernelement islamistischer Propaganda bilden. Die Bearbeitung von Hinweisen auf (mutma\u00dfliche) Jihadisten stellt daher f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden nach wie vor einen Schwerpunkt dar. Im Fall von einigen der auf Sachsen-Anhalt bezogenen Hinweise konnte die Verdachtslage konkretisiert werden, was in gerichtlichen Verurteilungen, strafund gefahrenabwehrrechtlichen Ma\u00dfnahmen sowie in Ma\u00dfnahmen nach aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen m\u00fcndete. 71 Das Bundesministerium des Innern und f\u00fcr Heimat hat mit Verf\u00fcgung vom 02. November 2023 ein Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland unter anderem f\u00fcr die Terrororganisation HAMAS ausgesprochen; die Teilorganisation \"Samidoun Deutschland\" wurde gleichzeitig verboten und aufgel\u00f6st. 72 Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 26. M\u00e4rz 2020 die Vereinigung Hizb Allah mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegt. 123","Islamismus Im Gegensatz zu den von Gewaltbereitschaft gepr\u00e4gten jihadistischen Str\u00f6mungen verhalten sich Vertreter des legalistischen Islamismus eher angepasst und erwecken den Anschein der Harmlosigkeit. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die Muslimbruderschaft. Deren Anh\u00e4nger nutzen zivilgesellschaftliche Strukturen, gr\u00fcnden Vereine, Schulen und Moscheegemeinden. Dar\u00fcber hinaus streben sie die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs an. Ein offenes Bekenntnis zur Muslimbruderschaft ist dabei nicht anzutreffen. Ziel ist es, die eigene Ideologie subtil zu verbreiten. Legalisten bringen Geduld auf und setzen anders als Jihadisten auf einen langfristig angelegten Wandel, der durch Beeinflussung der Gesellschaft eine Aush\u00f6hlung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung erreichen soll. Auch wenn Vertreter des legalistischen Islamismus nach au\u00dfen hin gewaltfrei erscheinen, teilen sie die ideologischen Grundlagen mit jihadistischen Str\u00f6mungen und vor allem das gemeinsame Ziel, einen islamischen Gottesstaat zu errichten. In der Praxis ist eine exakte Trennung zwischen legalistischen und gewaltorientierten islamistischen Bestrebungen nicht immer m\u00f6glich. Es sind vereinzelt flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge festzustellen. So kann auch die Befassung mit legalistischen Ideologien zur Radikalisierung beitragen und die Hinwendung zum Jihadismus f\u00f6rdern. Insofern ist die Beobachtung legalistischer Str\u00f6mungen weiterhin erforderlich. Nach wie vor relevant sind von daher auch Predigten, die in Sachsen-Anhalt in Moscheen und Gebetsr\u00e4umen gehalten wurden und werden. In einem kleineren Teil der Predigten konnten Elemente islamistischer Ideologien festgestellt werden. Das in den letzten Jahren zu verzeichnende Anwachsen des Bev\u00f6lkerungsanteils mit muslimischer Religionszugeh\u00f6rigkeit bietet den Anh\u00e4ngern legalistischer Str\u00f6mungen verst\u00e4rkt die Gelegenheit, f\u00fcr ihre \u00dcberzeugungen zu werben. Der Gefahr, dass ihre Vorstellungen und Ideologien auf breitere Akzeptanz sto\u00dfen, ist entgegenzuwirken. Dies gilt umso mehr, als die Bereitschaft Einzelner, sich f\u00fcr einen jihadistischen Weg zu entscheiden, im Zuge einer Befassung mit legalistischen Ideologieelementen gef\u00f6rdert werden kann. Antisemitismus ist ein wesentliches Element in der Ideologie des gesamten islamistischen Spektrums. Unter Antisemitismus versteht man die politisch, sozial, rassistisch oder religi\u00f6s begr\u00fcndete Feindschaft gegen\u00fcber Juden. Dieser Antisemitismus \u00e4u\u00dfert sich teils latent, teils offen und oft im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt in Form von Israelfeindlichkeit. Auch im Jahr 2025 waren im Kontext des Nahostkonflikts \u00c4u\u00dferungen von Israelfeindlichkeit und Antisemitismus zu verzeichnen. Die h\u00e4ufigste Art der \u00c4u\u00dferung war die Verbreitung von gewaltverherrlichendem und volksverhetzendem antiisraelischem Propagandamaterial. Ein in Stendal wohnhafter Migrant, der im Jahr 2016 die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft erhalten hatte, hatte anl\u00e4sslich der terroristischen Angriffe auf Israel 2023 in seinem Facebook-Profil gewaltverherrlichendes und volksverhetzendes antiisraelisches Propagandamaterial verbreitet. In Zusammenarbeit mit mehreren Beh\u00f6rden wurde diese Einb\u00fcrgerung im Jahr 2025 zur\u00fcckgezogen. Das islamistische Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt liegt unver\u00e4ndert bei etwa 400 Personen. 124","Islamismus SALAFISMUS Gr\u00fcndung Urspr\u00fcnge in Entwicklungen der islamischen Welt besonders im 18. und 19. Jahrhundert Verbreitung Schwerpunkte in Nordrhein-Westfalen und in Ballungszentren; in Sachsen-Anhalt landesweit, doch ohne gefestigte Strukturen Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger 105 120 Struktur / In Sachsen-Anhalt sind einzelne Aktivisten feststellbar Aufbau Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote, soziale Netzwerke Finanzierung Spenden Kurzportrait / Ziele Beim \"Salafismus\" handelt es sich um eine besonders strikte und unduldsame Str\u00f6mung innerhalb des islamistischen Spektrums. Der Begriff des \"Salafismus\" lehnt sich an das Selbstverst\u00e4ndnis von Salafisten an, wonach Handlungen und Anschauungen des Propheten Muhammad und der drei nachfolgenden Generationen \"rechtschaffener Altvorderer\" bereits jetzt und heute als verbindlich zu gelten haben und nicht erst dann, wenn ein \"islamischer Staat\" errichtet worden ist. Die fr\u00fchislamische Gemeinde (vom 7. bis 9. Jh.) wird nicht nur als das \"Goldene Zeitalter\" des Islam idealisiert, sondern dar\u00fcber hinaus als vorbildliche Richtschnur betrachtet, der detailgetreu und kompromisslos zu folgen ist. Dieser R\u00fcckw\u00e4rtsgewandtheit der Salafisten hin zu einem vormodernen Lebenswandel liegt die Vorstellung zugrunde, dass das damalige \"Goldene Zeitalter\" in der heutigen modernen Gesellschaft wiederholt werden muss, so dass dem Islam wieder zur alten St\u00e4rke verholfen werden kann. Voraussetzung hierf\u00fcr ist aus salafistischer Sicht die Umgestaltung von Staat und Gesellschaft nach dem Vorbild der fr\u00fchislamischen Gemeinde. Ein Teil der salafistischen Szene verfolgt jihadistische Bestrebungen; in diesem Fall spricht man von Jihadsalafismus. Jihadistische Gruppierungen wie zum Beispiel der \"Islamische Staat\" (IS) und \"al-Qaida\" zuzurechnende Organisationen sehen in ihrem Kampf f\u00fcr die Errichtung eines \"Gottesstaats\" mit terroristischer Gewalt ein Mittel gegen \"Ungl\u00e4ubige\" und aus ihrer Perspektive korrupte islamische Regimes. Ihre terroristische Agenda ist teilweise global und bedroht folglich die gesamte internationale Staatengemeinschaft. Der IS mit seinen weitgehend eigenst\u00e4ndig agierenden regionalen Ablegern73 war auch 2025 die bekannteste der jihadsalafistischen Organisationen, die in der Vergangenheit auch Jugendliche aus Sachsen-Anhalt angezogen hatte. Da Deutschland an Waffenlieferungen und Ausbildungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Gegner des IS beteiligt ist, besteht eine Gef\u00e4hrdungslage f\u00fcr deutsche Einrichtungen und Interessen. Der IS ruft explizit zum Kampf u. a. gegen Deutschland auf, wie das nachfolgende Beispiel zeigt. 73 So z. B. der \"Islamische Staat Provinz Khorasan\" (ISPK). 125","Islamismus Nach dem islamistisch motivierten Anschlag in M\u00fcnchen am 13. Februar 2025, bei dem zwei Menschen get\u00f6tet und 43 Menschen verletzt worden waren, wurde ein Posting auf einem deutschsprachigen IS-Kanal festgestellt. In diesem wurde unter Bezugnahme auf den Anschlag in M\u00fcnchen zu Anschl\u00e4gen auf nicht n\u00e4her definierte Ziele aufgerufen. Explizit wurden auch mehrere deutsche St\u00e4dte als Anschlagsziele genannt: Auff\u00e4llig ist, dass IS und \"al-Qaida\" in ihren Anschlagsaufrufen insbesondere auf den Einsatz von einfach zu beschaffenden Tatmitteln (z. B. Fahrzeuge oder Messer) abstellen. Das Kalk\u00fcl dabei ist, einen m\u00f6glichst gro\u00dfen Personenkreis zu erreichen, aus dem dann Einzelne dem Aufruf Folge leisten. Dazu bedarf es weder einer aufw\u00e4ndigen Vorbereitung noch einer tats\u00e4chlichen pers\u00f6nlichen Verbindung der anschlagsbereiten Personen mit der aufrufenden Organisation oder gar einer aktiven Steuerung durch diese. Ferner ist festzustellen, dass z. B. der IS \u00f6ffentlichkeitswirksame Vorkommnisse, die als Anschl\u00e4ge gewertet werden k\u00f6nnen, f\u00fcr sich reklamiert und auf diese Weise mit geringem Aufwand Propaganda betreiben kann. Grund der Beobachtung Das verfassungsschutzrelevante salafistische Spektrum wird in die Kategorien \"jihadistischer Salafismus\" und \"politischer Salafismus\" unterteilt. Beiden Str\u00f6mungen gemein sind ideologische Grundlagen und die grunds\u00e4tzliche Bef\u00fcrwortung von Gewalt. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen den Str\u00f6mungen sind flie\u00dfend. Politische Salafisten vermeiden offene Aufrufe zur Gewalt; sie wollen die Gesellschaft von innen heraus durch Missionierung islamkonform umgestalten. Jihadistische Salafisten fordern die unmittelbare Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihrer Ziele. Beiden Str\u00f6mungen ist gemein, dass sie die islamische Religion als Ideologie verstehen, die es kompromisslos durchzusetzen gilt. Die von Gott vorgeschriebenen Regeln sollen \u00fcber allem stehen. Die salafistische Ideologie steht damit im 126","Islamismus grunds\u00e4tzlichen Widerspruch zu den im Grundgesetz verankerten Grunds\u00e4tzen der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, der freien Religionsaus\u00fcbung und der allgemeinen Gleichberechtigung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Sachsen-Anhalt verf\u00fcgt \u00fcber keine salafistischen Zentren. Einzelpersonen und allenfalls in losen Netzwerken organisierte Personenverbindungen dominieren. Die Zahl der Salafisten bewegt sich in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu westlichen Bundesl\u00e4ndern auf einem niedrigen Niveau, ist aber in den letzten Jahren gegen den bundesweiten Trend leicht gewachsen. Das identifizierte islamistisch-terroristische Personenpotenzial (itP) lag in Sachsen-Anhalt wie im Vorjahr im mittleren zweistelligen Bereich, bundesweit bei etwa 1.500 Personen (2024: 1.660). Sorge bereiten vor allem radikalisierte Einzelpersonen, bei denen Hinweise auf eine jihadistische Einstellung bis hin zu einer Anschlagsbereitschaft vorliegen. Als pr\u00e4gnantes Beispiel ist ein 21-j\u00e4hriger Tadschike zu nennen, der am 12. Dezember 2025 in Magdeburg zun\u00e4chst in Gewahrsam genommen wurde. Die Person war zuvor dem Verfassungsschutzverbund bekannt geworden. Nachdem sich abzeichnete, dass der Tadschike im Kontakt zum IS stand und grunds\u00e4tzlich einen Anschlag durchf\u00fchren wollte, um viele \"Ungl\u00e4ubige\" zu t\u00f6ten, wurde er intensiv \u00fcberwacht. Hierbei ergaben sich weitere Informationen, wonach der Tadschike wegen seines Glaubens bereits Streit mit Personen aus seinem Umfeld gehabt und eine jihadistische Einstellung an den Tag gelegt hatte. So glorifizierte er mehrere Anschl\u00e4ge, die im Namen des IS durchgef\u00fchrt worden waren, beispielsweise den Anschlag in Russland am 22. M\u00e4rz 2024 und die T\u00f6tung des Lehrers Samuel Paty am 16. Oktober 2020. Er interessierte sich au\u00dferdem f\u00fcr den Erwerb von Schusswaffen und deren Anwendung. Aufgrund seiner \u00c4u\u00dferungen und seines Verhaltens war von einer grunds\u00e4tzlichen Anschlagsbereitschaft auszugehen. Logo des IS Die Person wurde aus dem polizeilichen Gewahrsam in Vorbereitungshaft zur Sicherung der Abschiebung \u00fcberf\u00fchrt und reiste am 3. Januar 2026 kontrolliert in ihr Heimatland aus. Gegen sie wurde eine Abschiebungsanordnung des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Sport nach SS 58a des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG), mit einem unbefristeten Einreiseund dauerhaften Aufenthaltsverbot, erlassen. Diese Einreisesperre gilt f\u00fcr den gesamten Schengen-Raum. Wie in diesen F\u00e4llen \u00fcblich erfolgte die Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden im \"Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum\" (GTAZ). Dies gew\u00e4hrleistete die B\u00fcndelung von Fachwissen ebenso wie den schnellen Austausch von Informationen und Analysen. Nach wie vor gehen bei der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde auch Hinweise auf nach Deutschland eingereiste Personen ein, die sich im Jihadgebiet als Mitglieder terroristischer Organisationen beteiligt haben. So hat der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts 127","Islamismus Naumburg am 15. Januar 2026 einen irakischen Staatsangeh\u00f6rigen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Nach den Feststellungen des Senats war der Angeklagte zumindest in der Zeit zwischen Mai 2014 und November 2016 Mitglied des IS. Er sei bei verschiedenen Kampfma\u00dfnahmen und in verschiedenen Positionen als Soldat der Luftabwehr, Verwaltungsmitarbeiter und Milit\u00e4rpolizist \u00fcberwiegend im Osten Syriens und im Westen des Irak t\u00e4tig gewesen. Im Juni 2014 habe der Angeklagte den Treueeid auf den F\u00fchrer des IS abgelegt. Im Folgenden sei er in einer Kampfeinheit eingesetzt gewesen. Er habe f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit monatliche Zahlungen in unterschiedlicher H\u00f6he erhalten. Vor seiner Festnahme hatte der Iraker ein unauff\u00e4lliges Leben in Halle (Saale) gef\u00fchrt. \u00c4hnlich verhielt es sich im Fall von zwei weiteren Irakern. Beide wohnten ehemals als Fl\u00fcchtlinge in Stendal. Eine der beiden Personen, ein 32-j\u00e4hriger Fl\u00fcchtling, wurde am 21. Mai 2025 wegen mitgliedschaftlicher Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Ihm wurde im Wesentlichen zur Last gelegt, sich zwischen 2014 und 2017 im Irak als K\u00e4mpfer f\u00fcr den IS bet\u00e4tigt zu haben. Bei dem zweiten Betroffenen handelte es sich um einen 22-j\u00e4hrigen Mann, zu dem ebenfalls Hinweise auf eine mitgliedschaftliche Beteiligung am IS vorlagen. Er wurde am 4. September 2025 abgeschoben. Im Fall der genannten Personen aus dem Irak haben sich keine Hinweise ergeben, dass die Betroffenen w\u00e4hrend ihres Aufenthalts in Deutschland weiterhin aktiv islamistische Bestrebungen verfolgt haben. Neben den eindeutig mit islamistischem Terrorismus in Verbindung stehenden Sachverhalten werden auch Radikalisierungsf\u00e4lle unterhalb dieser Schwelle von der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde aufmerksam verfolgt. Als ein wesentlicher Treiber der Radikalisierung von nach Orientierung suchenden (vor allem jungen) Menschen wirken im Internet verbreitete Beitr\u00e4ge mit islamistischen Inhalten. Der bereits in den Vorjahren beobachtete Trend, dass sich Jugendliche \u00fcber soziale Medien salafistisch inszenieren und austauschen, hat sich verst\u00e4rkt. In Sachsen-Anhalt beschr\u00e4nkten sich derartige Aktivit\u00e4ten zumeist auf das Konsumieren von salafistischen Angeboten und den Austausch mit Gleichgesinnten im Netz, wobei die entsprechenden \u00c4u\u00dferungen teilweise auch ideologische Elemente anderer Ph\u00e4nomenbereiche des Extremismus enthielten. Das Erstellen eigener salafistischer Beitr\u00e4ge spielte in Sachsen-Anhalt bislang keine Rolle. Im Jahr 2025 wurde aber eine Gruppe Jugendlicher bekannt, die mehrere Videos in Magdeburg aufgenommen und im Internet ver\u00f6ffentlicht hat, in denen salafistische Inhalte verbreitet wurden. Die Gestaltung der in kurzer Folge ver\u00f6ffentlichten Videos, welche die Strafbarkeitsschwelle nicht \u00fcberschreiten, erinnert an die f\u00fcr jihadsalafistische Medienstellen typische Machart. Neuere Produktionen wurden nicht bekannt, so dass die beteiligten Personen aus Sachsen-Anhalt bislang nur episodenhaft in dieser Form in Erscheinung getreten sind. Nach wie vor sind in den Moscheen bzw. Gebetsr\u00e4umen Sachsen-Anhalts vereinzelt Prediger aufgetreten, welche die salafistische Ideologie propagierten. 128","Islamismus Ein typischer Topos der salafistischen Propaganda ist das Opfernarrativ, das eine Opferrolle der vermeintlich stets ungerecht behandelten Muslime in einer Welt voller Feinde konstruiert. Das Bedienen eines solchen simplen \"Freund-Feind\"-Schemas kann eine gegen Nichtmuslime gerichtete Grundstimmung erzeugen. Salafisten, die das Opfernarrativ verwenden, greifen auch Motive aus der Fr\u00fchzeit des Islam auf und verkn\u00fcpfen diese so mit aktuellen Ereignissen, dass die entsprechenden Wortbeitr\u00e4ge von kundigen Zuh\u00f6rern als Aufruf zur Abgrenzung und Ablehnung anderer Gruppen verstanden werden k\u00f6nnen. In einer in einem Gebetsraum in Sachsen-Anhalt gehaltenen Predigt mahnte der dortige Prediger die Gl\u00e4ubigen unter anderem, dass nicht das deutsche Grundgesetz, sondern die Scharia gelte. Ferner sei der Jihad zur Verteidigung der Glaubensbr\u00fcder eine individuelle Pflicht aller Muslime. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Eine Entspannung der bereits in den Vorjahren zu verzeichnenden abstrakt hohen Gef\u00e4hrdungslage ist nicht zu erwarten. Die im Jahr 2025 auch in Deutschland erfolgten Anschl\u00e4ge und Anschlagsversuche unterstreichen diesen Befund. Auch die fortdauernden gewaltsamen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten tragen zur Versch\u00e4rfung der Sicherheitslage bei. Die Lage im Iran d\u00fcrfte speziell f\u00fcr Sachsen-Anhalt allerdings weniger relevant sein, da schiitischer Islamismus, der zur Solidarit\u00e4t mit der iranischen Regierung aufruft, hier kaum festzustellen ist. Die weit \u00fcberwiegende Zahl der in Sachsen-Anhalt wohnhaften Muslime hat einen sunnitischen Hintergrund. Insofern sind weitere Sachverhalte der beschriebenen Art mit jihadsalafistischem Hintergrund eher zu erwarten. Ein Hauptaugenmerk ist dabei auf das rechtzeitige Erkennen von anschlagsbereiten Personen zu legen. Ferner ist mit weiteren eingehenden Hinweisen auf Jihadisten zu rechnen, die dem IS oder anderen terroristischen Gruppen angeh\u00f6rten. Zu beachten ist auch die weitere Entwicklung insbesondere in Syrien, wo der IS auch nach dem Verlust seines ehemaligen Territoriums weiterhin aktiv ist. Die Aufl\u00f6sung der Gefangenenlager mit Angeh\u00f6rigen des IS und eine m\u00f6gliche R\u00fcckkehr der deutschen Staatsb\u00fcrger unter den Gefangenen in die Bundesrepublik Deutschland ist in diesem Zusammenhang bedeutsam. Die Ereignisse in Syrien und die Zur\u00fcckdr\u00e4ngung von kurdischen Kr\u00e4ften aus dem arabischen Stammesgebiet f\u00fchren ferner zu Spannungen von Vertretern der rivalisierenden Volksgruppen auch in Deutschland. Eine zunehmende Herausforderung stellen die mittlerweile unz\u00e4hligen M\u00f6glichkeiten der Kommunikation in sozialen Medien dar, die auch und gerade von Extremisten f\u00fcr den Austausch genutzt werden und als Radikalisierungsund Propagandainstrument dienen. Gerade Radikalisierungsprozesse junger zumeist m\u00e4nnlicher Personen vollziehen sich oftmals ausschlie\u00dflich online, was ein fr\u00fchzeitiges Erkennen erschwert und auch das Ausbleiben von Hinweisen aus dem pers\u00f6nlichen Umfeld der Betroffenen erkl\u00e4rt. 129","Islamismus \"GEMEINSCHAFT DER VERK\u00dcNDIGUNG DER MISSION\" (URDU: \"TABLIGHI JAMA'AT\", TJ) Gr\u00fcndung 1926 in Britisch-Indien Verbreitung Drei religi\u00f6se Zentren in Pakistan, Indien und Bangladesch; in Deutschland keine offizielle Niederlassung Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger mittlere zweistellige Zahl mittlere zweistellige Zahl Struktur / In Deutschland koordinieren zentrale Akteure \u00fcber informelle Aufbau Kontakte in einem hierarchisch aufgebauten Netzwerk die Arbeit der TJ Ver\u00f6ffentlichungen - Finanzierung Spenden Kurzportrait / Ziele Die TJ ist eine transnationale Massenbewegung mit etwa 12 Millionen Anh\u00e4ngern weltweit. Sie orientiert sich eng an dem Islamverst\u00e4ndnis der islamischen Fr\u00fchzeit. Im Jahr 2017 kam es auf der F\u00fchrungsebene der TJ zu einem offenen Streit um die Einf\u00fchrung von Reformen. Die darauf einsetzenden Spaltungstendenzen zwischen Gegnern und Bef\u00fcrwortern f\u00fchrte zu schweren Konflikten innerhalb der internationalen TJ-Zentren. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der TJ in Deutschland liegt weiterhin auf der Gewinnung neuer Anh\u00e4nger sowie der Missionierung und ideologischen Schulung der Mitglieder. Grund der Beobachtung Die TJ propagiert eine w\u00f6rtliche Auslegung des Koran und der Sunna, eine rigorose Abgrenzung gegen\u00fcber Nichtmuslimen und eine Ausgrenzung von Frauen von der politischen und gesellschaftlichen Teilhabe. Die Ablehnung der weltlichen Prinzipien und die Abgrenzung gegen\u00fcber Nichtmuslimen beg\u00fcnstigen die Bildung von Parallelgesellschaften und f\u00f6rdern individuelle Radikalisierungsprozesse. Das Erreichen eines auf den in der Scharia enthaltenen Rechtsvorschriften basierenden Lebens ist das erkl\u00e4rte Ziel der TJ. Damit gehen von der TJ Bestrebungen aus, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. 130","Islamismus Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Ankerpunkte der TJ in Sachsen-Anhalt sind einige Gebetsr\u00e4ume im Land, die wiederkehrend als Basis f\u00fcr Missionierungsarbeit im Umfeld der TJ genutzt werden. Im Vergleich zu den Vorjahren haben sich die Aktivit\u00e4ten der zumeist von au\u00dferhalb angereisten TJ-Anh\u00e4nger auf niedrigem Niveau stabilisiert. Anh\u00e4nger der TJ aus Sachsen-Anhalt begreifen sich als Teil eines international agierenden Netzwerks und sind nach wie vor an Missionierungsreisen in Deutschland und dar\u00fcber hinaus beteiligt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Anziehungskraft dieser Bestrebung in Sachsen-Anhalt wird als eher gering eingesch\u00e4tzt. Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass die Missionierungsbestrebungen der TJ weitergef\u00fchrt werden. 131","Islamismus MUSLIMBRUDERSCHAFT (MB) / \"DEUTSCHE MUSLIMISCHE GEMEINSCHAFT E. V.\" (DMG), EHEMALS \"ISLAMISCHE GEMEINSCHAFT IN DEUTSCHLAND E. V.\" (IGD) / HAMAS Gr\u00fcndung MB: 1928 in \u00c4gypten DMG (IGD): 1958 HAMAS: 1987 Verbreitung Hauptsitz der DMG in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) In Sachsen-Anhalt landesweit Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger niedrige zweistellige Zahl niedrige zweistellige Zahl Struktur / Die im Jahr 2018 in DMG umbenannte IGD geh\u00f6rte zu den Gr\u00fcnAufbau dungsmitgliedern der \"F\u00f6deration islamischer Organisationen in Europa\" (FIOE), die als Sammelbecken f\u00fcr Organisationen der MB in Europa gilt Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote, soziale Netzwerke Finanzierung Spenden Kurzportrait Die MB gilt als \u00e4lteste und einflussreichste organisierte sunnitische islamistische Bewegung. Zahlreiche islamistische Organisationen, zum Beispiel die DMG in Deutschland und die terroristische pal\u00e4stinensische HAMAS, sind aus der MB hervorgegangen. Programmatischer Kernpunkt der MB ist die Einheit von Religion und Staat. Ihr Ziel ist die schrittweise Durchsetzung islamischer Rechtsvorschriften (Scharia). Gewaltanwendung wird dabei nicht ausgeschlossen, doch nicht vorrangig angestrebt. In mehreren islamischen L\u00e4ndern ist die MB verboten worden. Die MB lehnt demokratische Staatssysteme ab, agiert aber pragmatisch. Ihre meist gebildeten und eloquenten Vertreter engagieren sich h\u00e4ufig gesellschaftlich, um Einfluss zu gewinnen. Vertreter der MB stellen nach au\u00dfen hin demokratische Prinzipien nicht in Frage und erwecken h\u00e4ufig den Anschein, eine vergleichsweise \"moderate\" Islamauslegung zu vertreten. Die DMG ist die wichtigste und zentrale Organisation von Anh\u00e4ngern der MB in Deutschland. Ihr Ziel ist es, sich als anerkannter Ansprechpartner zum Thema Islam zu etablieren. Zu diesem Zweck werden offene Bekenntnisse zur MB m\u00f6glichst vermieden. Als Reaktion auf den Ausbruch der ersten \"Intifada\" (\"Aufstand\") der Pal\u00e4stinenser im Dezember 1987 schlossen sich die pal\u00e4stinensischen Anh\u00e4nger der urspr\u00fcnglich \u00e4gyptischen MB zur HAMAS zusammen. In ihrer Charta von 1988 bekennt sich die Organisation zu dem Ziel, auf dem gesamten Gebiet \"Pal\u00e4stinas\" einen islamischen Staat zu errichten - auch durch F\u00fchrung eines bewaffneten Kampfes. Unter \"Pal\u00e4stina\" versteht die HAMAS dabei das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan, welches somit auch das Territorium des Staates Israel umfasst. 132","Islamismus Grund der Beobachtung Aus Sicht der MB sollten die von Gott vorgeschriebenen Regeln \u00fcber allem stehen. Die Ideologie der MB steht damit im Widerspruch zu den im Grundgesetz verankerten Grunds\u00e4tzen der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, der Religionsaus\u00fcbung sowie der allgemeinen Gleichberechtigung. Bez\u00fcglich der HAMAS ist festzustellen, dass sie bereits vor dem Terrorangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 f\u00fcr zahlreiche Selbstmordattentate und Raketenangriffe auf israelisches Territorium verantwortlich war. Ihre Aktivit\u00e4ten richten sich somit gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und sind geeignet, sowohl deutsche Interessen im Ausland als auch israelische und j\u00fcdische Interessen im Inland zu gef\u00e4hrden. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Wie in den Vorjahren traten in einigen Gebetsr\u00e4umen Prediger auf, die ideologische Standpunkte der Muslimbruderschaft propagierten, wobei in keinem Fall ein direktes Bekenntnis zu dieser Bestrebung erfolgte. Der Bezug zur MB l\u00e4sst sich gelegentlich \u00fcber in den Predigten eingestreute Ideologieelemente herleiten. Ein dominierender Einfluss von MB-Anh\u00e4ngern auf den Vorstand eines Moscheevereins war bis 2020 wahrnehmbar. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der bereits seit Jahren zu beobachtende Trend setzt sich fort. In Sachsen-Anhalt folgt nach wie vor eine geringe Anzahl von Personen der Ideologie der MB. Auch wenn die absolute Zahl der aktiven Personen gering ist, besteht angesichts der von ihnen verfolgten Ziele die Gefahr, dass sie f\u00fchrende Funktionen in ihren jeweiligen Gemeinden anstreben oder gar innehaben. Ihr Ziel ist letztlich die Abschaffung der Demokratie und die Gr\u00fcndung eines auf religi\u00f6sen Regeln basierenden Gottesstaats. Sie sind bestrebt, das Gedankengut der MB weiter zu verbreiten und sich als gem\u00e4\u00dfigte Muslime darzustellen. Es besteht unver\u00e4ndert die Gefahr, dass die Selbstinszenierung von MB-Anh\u00e4ngern als vertrauensw\u00fcrdige zivilgesellschaftliche Akteure bei Verantwortungstr\u00e4gern in Kommunen, Land, Kirchen und Zivilgesellschaft verf\u00e4ngt und zu Fehleinsch\u00e4tzungen f\u00fchren kann. Mitarbeiter von Beh\u00f6rden, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Organisationen sind daher gehalten, kritisch darauf zu achten, wem sie eine Plattform als Gespr\u00e4chspartner bieten. Als besonders problematisch erweist sich die Tatsache, dass die MB gezielt akademisch ausgebildete Personen akquiriert, die \u00fcber einen entsprechenden Intellekt und oftmals auch \u00fcber \u00fcberdurchschnittliche rhetorische F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen. Diese F\u00e4higkeiten und die Tatsache, dass die MB in Deutschland gewaltlos agiert, lassen MB-Anh\u00e4nger in den Augen von Politikern, der \u00f6ffentlichen Verwaltung und von Sozialpartnern wie z. B. Kirchen oftmals 133","Islamismus als seri\u00f6se, vertrauensw\u00fcrdige Gespr\u00e4chspartner erscheinen, zumal die Bez\u00fcge der agierenden Personen zur MB in der Regel nicht offensichtlich sind. 134","AUSLANDSBEZOGENER EXTREMISMUS","Auslandsbezogener Extremismus EINLEITUNG Auslandsbezogener Extremismus ist ein Sammelbegriff f\u00fcr sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von ausl\u00e4ndischen Organisationen und von ihren von Deutschland aus agierenden Strukturen, die nicht religi\u00f6s motiviert sind. Im Bereich des auslandsbezogenen Extremismus finden sich Ideologieelemente sowohl aus dem Rechtsund Linksextremismus als auch aus dem Separatismus. Die Aktivit\u00e4ten extremistischer Organisationen mit Auslandsbezug in Deutschland werden stark von der Situation in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern bestimmt. Ihr Ziel ist zumeist die radikale Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in diesen L\u00e4ndern, was in vielen F\u00e4llen auch mittels Gewalt erreicht werden soll. Deutschland gilt den meisten Organisationen im Bereich des auslandsbezogenen Extremismus als R\u00fcckzugsraum. Der Verfassungsschutz beobachtet diese Organisationen, wenn sie durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden (SS 4 Abs. 1 Nr. 4 VerfSchG-LSA) oder ihre Aktivit\u00e4ten gegen das Prinzip der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind (SS 4 Abs. 1 Nr. 5 VerfSchG-LSA). In Sachsen-Anhalt sind nach wie vor Aktivit\u00e4ten und Strukturen der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) feststellbar. Die Aktivit\u00e4ten ihrer Anh\u00e4nger beschr\u00e4nken sich im Allgemeinen auf das Sammeln von Spendengeldern sowie die Organisation und Durchf\u00fchrung von anlassbezogenen Kundgebungen, Demonstrationen und anderen Aktionen. Regelm\u00e4\u00dfig nehmen PKK-Anh\u00e4nger aus Sachsen-Anhalt an allj\u00e4hrlichen zentralen Gro\u00dfveranstaltungen wie dem \"Newroz-Fest\" oder dem \"Internationalen Kurdistanfestival\" teil. Diese Ereignisse werden von der PKK zur Propagierung ihrer politischen Forderungen (Anerkennung der kurdischen Identit\u00e4t und Autonomie, Aufhebung des PKK-Verbots) genutzt. Der bereits 2024 begonnene Friedensprozess zwischen der PKK und der t\u00fcrkischen Regierung wurde zwar fortgesetzt; jedoch handelte es sich dabei bislang um eher symbolische Akte. Eine tats\u00e4chliche \u00c4nderung in der Struktur und im Agieren der PKK in Europa konnte bislang nicht festgestellt werden. Daneben waren im Berichtsjahr mit den Gruppierungen \"Young Struggle\" (YS) und \"ZORA\" die Jugendund Umfeldorganisationen der t\u00fcrkischen \"Marxistischen Leninistischen Kommunistischen Partei\" (MLKP) in Sachsen-Anhalt aktiv. Ortsgruppen von YS und \"ZORA\" bestehen in den St\u00e4dten Dessau-Ro\u00dflau und Magdeburg. Diese Personenzusammenschl\u00fcsse sind aufgrund ihrer kommunistischen Ausrichtung eng mit den dogmatischen Gruppen der linksextremistischen Szene Sachsen-Anhalts verbunden und organisierten im Berichtsjahr zahlreiche Versammlungen, darunter Demonstrationen in den linksextremistischen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirassismus\" und \"Internationalismus\" mit den Schwerpunkten \"Pal\u00e4stina-\" und \"Kurdistansolidarit\u00e4t\". Trotz fehlender MLKP-Strukturen in Sachsen-Anhalt haben YS und \"ZORA\" sich in Magdeburg und Dessau-Ro\u00dflau im Jahr 2025 sowohl ideologisch als auch organisatorisch weiter gefestigt und ihre \u00fcberregionale Vernetzung ausgebaut. Zudem konnten sie durch niedrigschwellige Angebote in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\" und \"Antimilitarismus\" an aktuelle gesellschaftliche Debatten zu den Themen Rechtsextremismus und Wehrpflicht ankn\u00fcpfen und dadurch verst\u00e4rkt neue Anh\u00e4nger an sich binden. 136","Auslandsbezogener Extremismus \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (kurdisch: Partiya Karkeren Kurdistan, PKK) Weitere ehemalige \"Volkskongress Kurdistans\" (kurdisch: Kongra Gele Kurdistan, und bestehende KONGRA GEL) Bezeichnungen \"Freiheitsund Demokratiekongress\" (kurdisch: Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane, KADEK) \"Gemeinschaften der Kommunen Kurdistans\" (kurdisch: Koma Komalen Kurdistane, KKK) \"Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans\" (kurdisch: Koma Civaken Kurdistan, KCK) Gr\u00fcndung 27. November 1978 in der T\u00fcrkei Verbreitung Sitz der Parteif\u00fchrung in den Kandil-Bergen/Nord-Irak; Verbreitung in Kurdistan (Teile der T\u00fcrkei, Syriens, Iraks und Irans) sowie Europa, dort vertreten durch den \"Kongress der kurdischen demokratischen Gesellschaft Kurdistans in Europa\" (kurdisch: Kongreya Civaken Demokratik a Kurdistaniyen li Ewropa, (KCDK-E)). Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger etwa 250 etwa 250 Struktur / Das h\u00f6chste Entscheidungsorgan der PKK sind die \"Vereinigten Aufbau Gemeinschaften Kurdistans\" (kurdisch: Koma Civaken Kurdistan, KCK) mit ihrem Pr\u00e4sidenten Abdullah \u00d6calan sowie den CoVorsitzenden Bese Hozat und Cemil Bayik. Deren Weisungen werden von regelm\u00e4\u00dfig wechselnden F\u00fchrungskadern an die Basis weitergegeben. Die PKK unterteilt das Bundesgebiet in neun Regionen (Eyalet), die wiederum in 30 verschiedene Gebiete (B\u00f6lge) aufgeteilt sind. Sachsen-Anhalt findet sich hierbei im Gebiet Sachsen bzw. in der \u00fcbergeordneten Region Berlin wieder. Zur Umsetzung ihrer Vorgaben bedient sich die PKK-F\u00fchrung in Europa und Deutschland der \u00f6rtlichen kurdischen Kulturvereine. Diese Vereine sind zu einem gro\u00dfen Teil in der Dachorganisation \"Konf\u00f6deration der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland e. V.\" (kurdisch: Konfederasyona Civaken Kurdistaniyen li Almanya, KON-MED) organisiert. Diesem Dachverband sind wiederum f\u00fcnf regional zust\u00e4ndige F\u00f6derationen untergeordnet. PKK-nahe Vereine auf dem Gebiet Sachsen-Anhalts werden von der \"Freien Kurdistan F\u00f6deration Ostdeutschland\" (kurdisch: Federasoyna Kurdistaniyen Azad li Rojhilate Almayna, FED-KURD) vertreten, so auch der Verein \"Mesopotamien Kulturhaus e.V.\" in Halle (Saale). Die kurdischen Vereine dienen den PKK-Anh\u00e4ngern als Anlaufstelle und Treffpunkt. 137","Auslandsbezogener Extremismus \u00dcberdies versucht die PKK mit Hilfe von Massenorganisationen Kurden weiter an die Partei zu binden. Besonders hervorzuheben sind hierbei die Jugendorganisation \"Komalen Ciwan\"/\"Ciwanen Azad\" bzw. deren europ\u00e4ische Jugenddachorganisation \"Tevgera Ciwanen Soresger\" (TCS), die \"Kurdische Frauenbewegung in Europa\" (kurdisch: Tevgera Jinen Kurd li-Ewropaye, TJK-E) und die Studentenorganisation \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" (kurdisch: Yekitiya Xwendekaren Kurdistan, YXK). Die Mitglieder beziehungsweise Anh\u00e4nger dieser Organisationen bilden ein gro\u00dfes Mobilisierungspotenzial f\u00fcr die zahlreichen Veranstaltungen der PKK. Zudem rekrutiert die PKK insbesondere in den Jugendorganisationen ihren Nachwuchs f\u00fcr den bewaffneten Kampf in den kurdischen Siedlungsgebieten. Ver\u00f6ffentlichungen PKK-Nachrichtenagentur \"Ajansa Nuceyan a Firate\" (ANF), Publikationen: \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Y\u00d6P) \"Serxwerbun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) (wurde im Mai 2025 offiziell eingestellt) Finanzierung Spenden (j\u00e4hrlich ca. 14 Mio. Euro), Einnahmen aus dem Verkauf von kurdischen Publikationen und Eintrittskarten f\u00fcr diverse Gro\u00dfveranstaltungen, Mitgliedsbeitr\u00e4ge von der PKK nahestehenden Vereinen. Kurzportr\u00e4t / Ziele Abdullah \u00d6calan gr\u00fcndete gemeinsam mit weiteren Protagonisten im Jahr 1978 die marxistisch ausgerichtete PKK, deren urspr\u00fcngliches Ziel die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen kurdischen Staates auf den Gebieten S\u00fcdostanatolien, Nord-Irak sowie in Teilen des westlichen Iran und des n\u00f6rdlichen Syrien bestand. In dem Selbstverst\u00e4ndnis, alleiniger Interessenvertreter aller Kurden und Kurdinnen zu sein, rief \u00d6calan 1984 zur Durchsetzung dieses Ziels zum bewaffneten Kampf gegen den t\u00fcrkischen Staat auf. Hierf\u00fcr unterh\u00e4lt die PKK seither die \"Guerillaverb\u00e4nde der Volksverteidigungskr\u00e4fte\" (HPG). Aufgrund zahlreicher terroristischer Anschl\u00e4ge innerhalb und au\u00dferhalb der T\u00fcrkei, auch gegen t\u00fcrkische Einrichtungen in Deutschland unterliegen die PKK sowie ihre Nachfolgeorganisationen seit 1993 in Deutschland einem Bet\u00e4tigungsverbot. Seit 2002 ist die PKK dar\u00fcber hinaus von der Europ\u00e4ischen Union (EU) als terroristische Organisation gelistet. Dieser Beschluss zur Listung wurde im Jahr 2019 neu gefasst bzw. begr\u00fcndet. Eine im April 2022 von der PKK eingereichte Klage beim Europ\u00e4ischen Gerichtshof (EuGH) gegen die Auff\u00fchrung auf der EU-Terrorliste wurde am 14. Dezember 2022 vom EuGH abgewiesen. Mit der Verhaftung Abdullah \u00d6calans im Jahr 1999 r\u00fcckte die PKK zwar von ihren separatistischen Zielen ab; sie bem\u00fcht sich seither um eine autonome Selbstverwaltung der Kurden innerhalb der bestehenden L\u00e4ndergrenzen. Dennoch versucht sie weiterhin, ihre Ziele auch mit Hilfe von schweren Gewalttaten, einschlie\u00dflich der T\u00f6tung von Menschen, zu erreichen. 138","Auslandsbezogener Extremismus In Europa bem\u00fcht sich die PKK um ein weitgehend gewaltfreies Auftreten. Europa und insbesondere Deutschland stellen f\u00fcr die PKK eine unverzichtbare r\u00fcckw\u00e4rtige Basis dar, aus der die Organisation den Gro\u00dfteil ihrer personellen und finanziellen Ressourcen sch\u00f6pft. Zur Propagierung ihrer Ideologie nutzt die PKK auch ihre j\u00e4hrlich wiederkehrenden zentralen Gro\u00dfveranstaltungen, f\u00fcr die sie in der Vergangenheit teils tausende Anh\u00e4nger mobilisieren konnte. Das insgesamt in der Bundesrepublik Deutschland vorhandene Mobilisierungspotenzial kann dabei deutlich \u00fcber die genannte Anh\u00e4ngerzahl hinausgehen. Grund der Beobachtung Trotz ihres Kurswechsels Mitte der neunziger Jahre zu einem weitgehend friedlichen Verhalten in Deutschland stellt die PKK, insbesondere wegen ihrer fortw\u00e4hrenden Bereitschaft, zu gewaltorientierten Aktionen zur\u00fcckzukehren, nach wie vor eine Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. Dar\u00fcber hinaus setzt die PKK ihre Ziele besonders in den kurdischen Siedlungsgebieten weiterhin mit Waffengewalt durch. Mit diesem Verhalten gef\u00e4hrdet sie die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland im Sinne des SS 4 Abs. 1 Nr. 4 VerfSchG-LSA. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Friedensprozess Bereits im Oktober 2024 begann mit einer Einigung zwischen Verantwortlichen der kurdischen \"Partei f\u00fcr Emanzipation und Demokratie der V\u00f6lker\" (kurdisch: Halklarin Esitlik ve Demokratik Partisi, DEM) und dem Vorsitzenden der \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (t\u00fcrkisch: Milliyetci Hareket Partisi, MHP) Bahceli, dem Koalitionspartner der t\u00fcrkischen Regierungspartei \"Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Aufschwung\" (t\u00fcrkisch: Adalet ve Kalkinma Partisi, AKP), ein bis heute andauernder Friedensprozess. Die DEM tritt hierbei als Vermittler zwischen der PKK und der t\u00fcrkischen Regierung auf. In einer am 27. Februar 2025 ver\u00f6ffentlichten Botschaft rief \u00d6calan dazu auf, die PKK im Rahmen eines Kongresses aufzul\u00f6sen und die Waffen niederzulegen. Dieser Kongress fand im Mai 2025 im Nordirak statt und erbrachte im Ergebnis den Beschluss, den bewaffneten Kampf zu beenden, die organisatorischen Strukturen aufzul\u00f6sen und die unter dem Namen der PKK gef\u00fchrten Aktivit\u00e4ten einzustellen. Die tats\u00e4chliche Umsetzung dieses Beschlusses wurde allerdings an Bedingungen gekn\u00fcpft. So sollte Abdullah \u00d6calan aus der Haft entlassen und die Anerkennung der kurdischen Autonomierechte in die t\u00fcrkische Verfassung aufgenommen werden. Dar\u00fcber hinaus forderte die PKK die t\u00fcrkische Regierung auf, ihren (ehemaligen) K\u00e4mpfern rechtliche Garantien (Amnestie) zuzusichern. Am 11. Juli 2025 verbrannten insgesamt 30 PKK-K\u00e4mpfer im Nordirak \u00f6ffentlichkeitswirksam ihre Waffen, um der t\u00fcrkischen Regierung ihr Entgegenkommen zu signalisieren. Ein weiteres Zeichen setzte die PKK mit der Einstellung ihrer Publikation \"Serxwebun\", die bis einschlie\u00dflich Mai 2025 monatlich erschien. Auf der Seite der t\u00fcrkischen Regierung arbeitet seit Juli 2025 unter dem Vorsitz des Parlamentspr\u00e4sidenten eine Verfassungskommission daran, den Ann\u00e4herungsprozess zu begleiten und einen Konsens zwischen allen beteiligten politischen 139","Auslandsbezogener Extremismus Parteien zu finden. Ein Entgegenkommen der t\u00fcrkischen Regierung in Bezug auf die von der PKK gestellten Bedingungen konnte bislang nicht festgestellt werden. Zudem d\u00fcrften die Angriffe der syrischen Streitkr\u00e4fte auf die kurdischen Autonomiegebiete in Syrien im Januar 2026 den Fortgang des Friedensprozesses stark belasten. Veranstaltungsgeschehen Das Veranstaltungsgeschehen unter Beteiligung von PKK-Anh\u00e4ngern blieb in SachsenAnhalt auch im Berichtsjahr verhalten. Demgegen\u00fcber konnten die Organisatoren der j\u00e4hrlich stattfindenden bundesweiten PKK-Gro\u00dfveranstaltungen erneut hohe Teilnehmerzahlen verzeichnen. So nahmen am zentralen \"Newroz\"-Fest unter dem Motto \"Deine Freiheit ist unsere Freiheit\" am 29. M\u00e4rz 2025 in Frankfurt a. M. (Hessen) etwa 50.000 Personen teil. Das internationale kurdische Kulturfestival am 13. September 2025 in Dortmund (Nordrhein-Westfalen) besuchten etwa 14.000 Menschen. Die Veranstaltung stand unter dem Motto \"Freies Leben durch freie F\u00fchrung - f\u00fcr eine demokratische Gesellschaft\" und verlief st\u00f6rungsfrei; allerdings wurden verbotene Symbole (z. B. PKKFlaggen) gezeigt. F\u00fcr die Anreise zu diesen Veranstaltungen werden von der PKK in der Regel Busfahrten organisiert; die Abfahrtsorte wurden in den PKK-nahen Medien ver\u00f6ffentlicht. Zu den Abfahrtsorten geh\u00f6ren stets auch die St\u00e4dte Magdeburg und Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt. Im Vorfeld des Festivals wurde der traditionelle \"Lange Marsch\" durchgef\u00fchrt, an dem sich zumeist Angeh\u00f6rige der PKK-Jugend sowie sogenannte \"Internationalisten\"74 beteiligen. Zu Beginn des Festivals trafen die Teilnehmer des \"Langen Marsches\" auf dem Veranstaltungsgel\u00e4nde ein. Bei ihrem Einmarsch trugen einige Teilnehmer typische Uniformen der PKK-Guerilla75 und skandierten Parolen wie \"Biji Serok Apo\"76. \"Internationalisten\" aus Magdeburg hatten zuvor ihre Teilnahme an dem Marsch in den sozialen Medien angek\u00fcndigt. Am 8. November 2025 f\u00fchrte die PKK in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) eine Demonstration unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Politische L\u00f6sung der kurdischen Frage\" mit etwa 8.000 Teilnehmern durch. Diese regelm\u00e4\u00dfig stattfindende Versammlung steht in zeitlichem Zusammenhang mit dem Jahrestag der Bekanntgabe des PKK-Bet\u00e4tigungsverbots am 26. November 1993 und dem Jahrestag der Gr\u00fcndung der PKK am 27. November 1978. Auf dem PKK-nahen Nachrichtenportal ANF wurden am 29. Oktober 2025 bundesweite Busabfahrtszeiten bekannt gegeben. Unter den benannten St\u00e4dten waren auch Magdeburg und Halle (Saale). Anl\u00e4sslich der Ermordung von drei PKK-Anh\u00e4ngerinnen am 9. Januar 2013 in Paris finden zu Beginn jedes Jahres Gedenkveranstaltungen in Form von Demonstrationen und Kundgebungen statt. Zentrale Veranstaltung war auch im Jahr 2025 eine Demonstration in Paris mit gesch\u00e4tzten 7.000 Teilnehmern. 74 Bei \"Internationalisten\" handelt es sich zumeist um Anh\u00e4nger des Linksextremismus, die sich der kurdischen Bewegung aus ideologischer Solidarit\u00e4t anschlie\u00dfen und diese unterst\u00fctzen. 75 Milit\u00e4rischer Arm der PKK. 76 Sinngem\u00e4\u00df auf Deutsch: \"Es lebe der F\u00fchrer Apo\". Von PKK-Anh\u00e4ngern regelm\u00e4\u00dfig verwendete kurdische Parole als Sympathiebekundung f\u00fcr Abdullah \u00d6CALAN. 140","Auslandsbezogener Extremismus In Halle (Saale) veranstaltete das \"Rojava Soli B\u00fcndnis Halle\"77 anl\u00e4sslich der Morde eine Kundgebung unter dem Motto \"Gegen patriarchale Gewalt und Faschismus\". Zum Teilnehmerkreis von 28 Personen geh\u00f6rten neben Mitgliedern der kurdischen Gemeinde auch Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene. Es wurden Fahnen der \"Kurdischen Frauenbewegung in Europa\" (kurdisch: Tevgera Jinen li Ewrupa, TJK-E)78 und der \"Volksverteidigungseinheiten\" (Yekineyen Parastina Gel, YPG)79 in Syrien gezeigt. Am 22. M\u00e4rz 2025 fanden unabh\u00e4ngig von der zentralen \"Newroz\"-Feier in Frankfurt a. M. sowohl in Magdeburg als auch in Halle (Saale) regionale \"Newroz\"-Feiern statt. W\u00e4hrend die Veranstaltung in Magdeburg einen \u00fcberwiegend kulturellen Charakter aufwies, war das \"Newroz\"-Fest in Halle (Saale) deutlich ideologisch gepr\u00e4gt. Es wurden diverse politische Reden gehalten, PKK-Fahnen gezeigt und PKK-Parolen wie \"Biji Serok Apo\" skandiert. Nachwuchsrekrutierung und M\u00e4rtyrergedenken Trotz der Ank\u00fcndigung der Aufl\u00f6sung der PKK sind bislang keine \u00c4nderungen im Agieren der Organisation festzustellen. Das gilt auch f\u00fcr die Rekrutierungsbem\u00fchungen der PKK. In europaweit stattfindenden Seminaren zum Zweck der Nachwuchsrekrutierung werden Jugendliche zun\u00e4chst ideologisch geschult und in weiterer Folge auch milit\u00e4risch ausgebildet. Die PKK ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig Mitteilungen \u00fcber get\u00f6tete PKKoder YPGK\u00e4mpfer aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, welche zumeist im Zusammenhang mit Kampfhandlungen im Nordirak oder in Syrien get\u00f6tet wurden. Dies nutzt die PKK wiederum f\u00fcr ihre Zwecke; ihre \"Gefallenen\" feiert sie als M\u00e4rtyrer. Vor diesem Hintergrund fanden am 29. Juni 2025 in Hamburg ein Trauermarsch und eine Gedenkveranstaltung f\u00fcr die Hamburgerin Kelly Freygang statt, an der auch \"Internationalisten\" aus Magdeburg teilnahmen. Freygang hatte seit 2017 f\u00fcr die PKK im Nordirak gek\u00e4mpft und wurde dort laut kurdischen Presseberichten am 29. April 2025 bei einem t\u00fcrkischen Drohnenangriff get\u00f6tet. 77 Linksextremistisches B\u00fcndnis in Halle (Saale) mit dem Kernthema \"Kurdistansolidarit\u00e4t\". 78 Bei der \"Kurdischen Frauenbewegung\" handelt es sich um den PKK-nahen Dachverband der kurdischen Frauenvereine in Europa. 79 Bei der YPG handelt es sich um den milit\u00e4rischen Arm der \"Partei der demokratischen Union\" (PYD). Die PYD ist die Zweigorganisation der PKK in Syrien. 141","Auslandsbezogener Extremismus \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" Ein bedeutendes Aktionsfeld der linksextremistischen Szene in Deutschland ist die \"Kurdistansolidarit\u00e4t\". Sie zielt auf die Unterst\u00fctzung der kurdischen Autonomiebestrebungen, insbesondere in der T\u00fcrkei und in Syrien. F\u00fcr die linksextremistische Szene gilt insbesondere die Region \"Rojava\" als das Beispiel einer \"basisdemokratischen\" Gesellschaftsordnung. So unterst\u00fctzen ihre Anh\u00e4nger die kurdische Bewegung bei Demonstrationen und Kampagnen oder greifen kurdische Themen f\u00fcr ihre eigenen Aktionen auf. Aufgrund der damit verbundenen Vernetzung mit kurdischen Organisationen wie der PKK agieren sie an der Schnittstelle zwischen auslandsbezogenem Extremismus und Linksextremismus. Am 15. Juni 2025 berichtete ANF \u00fcber eine zweit\u00e4gige Jugendkonferenz unter dem Titel \"Jugend und demokratische Gesellschaft\" in Istanbul (T\u00fcrkei). Thema war u. a. die B\u00fcndelung verschiedener Jugendbewegungen f\u00fcr den \"vereinigten Widerstand\". Als Veranstalter trat der Jugendrat des \"Demokratischen Kongresses der V\u00f6lker\" (HDK) in Erscheinung. Der HDK versteht sich als Dachverband verschiedener Parteien und Organisationen. Sein Kernthema ist die \"L\u00f6sung der kurdischen Frage\" sowie die Freilassung Abdullah \u00d6calans. Aus dem HDK gingen sowohl die kurdische \"Demokratische Partei der V\u00f6lker\" (kurdisch: Halklarin Demokratik Partisi, HDP) als auch deren Nachfolger DEM hervor. An der Veranstaltung nahm auch ein Angeh\u00f6riger der linksextremistischen Szene aus Magdeburg teil. Am 24. Juli 2025 berichtete ANF \u00fcber die Reise einer Delegation von europ\u00e4ischen \"Internationalisten\" in die T\u00fcrkei. U. a. reichte die siebenk\u00f6pfige Delegation der Initiative \"Insisting on Freedom\" eigenen Angaben zufolge beim t\u00fcrkischen Justizministerium einen schriftlichen Antrag f\u00fcr ein Treffen mit Abdullah \u00d6calan ein. Dar\u00fcber hinaus sollten weitere Treffen mit Mitgliedern der \"Partei f\u00fcr Gleichheit und Demokratie der V\u00f6lker\" (DEM) stattfinden. Laut ANF erkl\u00e4rt die Initiative zu ihrem Selbstverst\u00e4ndnis: \"Als Initiative 'Insisting on Freedom' fordern wir die Freilassung von Abdullah \u00d6calan, weil wir glauben, dass nur sein Projekt und seine Vorschl\u00e4ge einen dauerhaften Frieden in der Region sichern k\u00f6nnen.\" Zu den Mitgliedern der Initiative geh\u00f6rte auch ein Anh\u00e4nger der linksextremistischen Szene aus Magdeburg. Gerichtliche Verfahren gegen PKK-Funktion\u00e4re Da es sich bei der PKK um eine terroristische Vereinigung handelt, unterliegen ihre Kader einem hohen strafrechtlichen Verfolgungsdruck. Auch 2025 wurden bundesweit mehrere PKK-Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt. In Sachsen-Anhalt verurteilte das Oberlandesgericht (OLG) Naumburg am 31. Juli 2025 zwei PKK-Mitglieder zu Freiheitsstrafen von einem Jahr und f\u00fcnf Monaten bzw. einem Jahr und vier Monaten. Beide Strafen wurden jeweils zu drei Jahren auf Bew\u00e4hrung ausgesetzt. Das Gericht stellte fest, dass die Angeklagten in ihrer jeweiligen Funktion als Verantwortliche f\u00fcr den Bereich Magdeburg die PKK aktiv unterst\u00fctzt haben. Damit wurden in Sachsen-Anhalt erstmalig PKK-Anh\u00e4nger unterhalb der PKK-Gebietsleiterebene wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verurteilt. Sowohl ANF als auch die PKK-nahe 142","Auslandsbezogener Extremismus Tageszeitung Y\u00d6P berichteten \u00fcber die Verurteilung. Gegen das Urteil wurde Revision eingelegt; das Urteil ist daher noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Im M\u00e4rz 2025 wies das Verwaltungsgericht (VG) Magdeburg die Klage eines ehemaligen Angeh\u00f6rigen der YPG gegen seine Ausweisung ab. Das Gericht stellte in seinem Urteil fest, dass die Person mit ihren Aktivit\u00e4ten f\u00fcr die YPG bzw. f\u00fcr die \"Partei der demokratischen Union\" (kurdisch: Partiya Yekitiya Demokrat, PYD80) eine terroristische Vereinigung oder jedenfalls eine den Terrorismus unterst\u00fctzende Vereinigung unterst\u00fctzt habe und weiterhin unterst\u00fctze. Der Kl\u00e4ger hatte sich zwischen 2013 und 2016 mehrfach im syrischen Kriegsgebiet aufgehalten und geh\u00f6rte dort einer Einheit der YPG an. Dar\u00fcber hinaus warb er in Videos f\u00fcr die Teilnahme am Kampf \"f\u00fcr die kurdische Sache\". Nach seiner R\u00fcckkehr nach Deutschland beteiligte er sich an politischen Aktivit\u00e4ten der regionalen Strukturen der PKK/PYD im Bereich Magdeburg. Das Gericht ging in der Urteilsbegr\u00fcndung auch auf die Zugeh\u00f6rigkeit der PYD zur PKK als deren unselbst\u00e4ndige Zweigorganisation ein und erkl\u00e4rte, dass es sich damit bei der YPG bzw. PYD um eine terroristische oder jedenfalls eine den Terrorismus unterst\u00fctzende Vereinigung handelt. Bewertung/Tendenzen/Ausblick Der Prozess der Ann\u00e4herung zwischen der PKK und der t\u00fcrkischen Regierung stagnierte im Jahr 2025 aufgrund ausbleibender Ergebnisse hinsichtlich der von der PKK an einen Frieden gestellten Bedingungen. Nach der symbolischen Waffenniederlegung der PKK hatte diese die t\u00fcrkische Regierung aufgefordert, entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Dies ist bislang jedoch nicht geschehen. Auch mit Blick auf die Ank\u00fcndigung der Aufl\u00f6sung der PKK kann bislang keine \u00c4nderung im Agieren oder in den Strukturen der PKK festgestellt werden. Dies zeigen u. a. die weiterhin politisch gepr\u00e4gten Gro\u00dfveranstaltungen in Deutschland. Durch die Entwicklung in den syrischen Autonomiegebieten und den damit verbundenen Gebietsverlust im Januar 2026 ger\u00e4t der Friedensprozess zus\u00e4tzlich unter Druck. Das von der PKK angestrebte Ziel selbstverwalteter kurdischer Gebiete war mit der Gr\u00fcndung der kurdischen Autonomiegebiete in Syrien vor\u00fcbergehend realisiert worden. Ein Verlust dieser Gebiete wird die kurdische Diaspora voraussichtlich weiter emotionalisieren. Dies l\u00e4sst einen positiven Ausgang des Friedensprozesses immer unwahrscheinlicher werden. Auch im Jahr 2025 forderte die PKK von der Bundesregierung eine Aufhebung ihres Bet\u00e4tigungsverbots in Deutschland. Die lediglich verk\u00fcndete Aufl\u00f6sung der Partei versuchte sie dabei zu ihrem Vorteil zu nutzen, indem sie sie als bereits vollendete Tatsache darstellte. In den PKK-nahen Medien wurde der Bundesregierung und den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden regelm\u00e4\u00dfig unrechtm\u00e4\u00dfiges Vorgehen in Zusammenhang mit Ma\u00dfnahmen gegen PKK-Anh\u00e4nger vorgeworfen. Ausreisen von PKK-Anh\u00e4ngern aus Sachsen-Anhalt in die kurdischen Kampfgebiete sind im Berichtsjahr nicht bekannt geworden. Vor dem Hintergrund der Angriffe auf die kurdischen 80 Zur PYD vgl. Fn. 79. 143","Auslandsbezogener Extremismus Autonomiegebiete in Syrien zu Beginn des Jahres 2026 ist jedoch mit einer Intensivierung der Rekrutierungsbem\u00fchungen der PKK zu rechnen. Mit Blick auf die deutschlandweit bedeutsamen Gro\u00dfveranstaltungen konnte die PKK im Jahr 2025 erneut zahlreiche Anh\u00e4nger mobilisieren. Bei politischen oder milit\u00e4rischen Ereignissen fanden in den kurdischen Siedlungsgebieten bundesweit zahlreiche anlassbezogene Demonstrationen und Kundgebungen statt. Demgegen\u00fcber hielten sich die PKK-Anh\u00e4nger in Sachsen-Anhalt mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen, wie bereits in den vergangenen Jahren, zur\u00fcck. Gleichwohl werden auch hier weiterhin Spendengelder und Mitgliedsbeitr\u00e4ge von der PKK eingesammelt und PKK-Presseerzeugnisse verkauft. Ebenso verdeutlicht die Verurteilung zweier PKK-F\u00fchrungspersonen im Berichtsjahr, dass die Organisation offenbar unvermindert in Sachsen-Anhalt aktiv ist. Auch f\u00fcr eine Teilnahme an bundesweit zentralen PKK-Veranstaltungen lassen sich Anh\u00e4nger aus Sachsen-Anhalt mobilisieren. Die PKK wird sich weiterhin mit einem weitgehend gewaltfreien Auftreten in Deutschland darum bem\u00fchen, die \u00f6ffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Auf politischer Ebene wird sie weiter daran arbeiten, ihre Einstufung als terroristische Vereinigung revidieren zu lassen. Obgleich die Anh\u00e4nger der PKK in Sachsen-Anhalt im Hinblick auf Veranstaltungen und Versammlungen nur geringe Aktivit\u00e4ten entfalteten, zeigen der aktuelle Konflikt zwischen Kurden und Anh\u00e4ngern der syrischen \u00dcbergangsregierung und die zum Teil von der PKK gesteuerten Resonanzaktionen in Deutschland erneut auf, dass die PKK jederzeit eine gro\u00dfe Zahl von Anh\u00e4ngern und Unterst\u00fctzern f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen mobilisieren kann. 144","Auslandsbezogener Extremismus \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (t\u00fcrkisch: \"Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti\", MLKP) Gr\u00fcndung 1994 in der T\u00fcrkei Verbreitung T\u00fcrkei, Kurdistan (Teile der T\u00fcrkei, Syriens, Iraks und Irans) sowie Europa Mitglieder / 2024 2025 Anh\u00e4nger niedrige zweistellige Zahl mittlere zweistellige Zahl Struktur / Die MLKP agiert sowohl in der T\u00fcrkei als auch in Deutschland Aufbau konspirativ und ist nach eigenen Angaben an der Basis in Zellen organisiert. Geleitet wird sie von einer Funktion\u00e4rsgruppe. In der T\u00fcrkei verf\u00fcgt die MLKP mit den \"Bewaffneten Einheiten der Armen und Unterdr\u00fcckten\" (FESK) \u00fcber einen bewaffneten Arm, der dort wiederholt Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt hat. Zu den Umfeldorganisationen der MLKP in Deutschland z\u00e4hlen die \"Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa\" (AvEGKon) und die \"F\u00f6deration der Arbeitsmigrant/innen in Deutschland e. V.\" (AGIF). Au\u00dferdem sind in Deutschland die MLKPJugendorganisation \"Young Struggle\" und die Umfeldorganisation f\u00fcr junge Frauen \"ZORA\" mit mehreren Ortsgruppen aktiv. In Sachsen-Anhalt existieren eine \"Young Struggle\"und eine \"ZORA\"-Ortsgruppe in Dessau-Ro\u00dflau (unter dem Namen \"Young Struggle Dessau\" und \"ZORA Dessau\"), die 2023 aus der linksextremistischen Gruppierung \"Offensive Jugend Dessau\" (OJD) hervorgegangen sind. Au\u00dferdem wurde in Magdeburg neben der bereits bestehenden \"ZORA\"-Ortsgruppe im April 2025 eine neue \"Young Struggle\"-Ortsgruppe gegr\u00fcndet. Alle vier Gruppen sind eng mit dogmatischen Gruppen der linksextremistischen Szene Sachsen-Anhalts verbunden. Ver\u00f6ffentlichungen \"Atilim\" (Zeitung, w\u00f6chentlich) \"Partinin Sesi (Parteizeitung, zweimonatlich) \"Young Struggle\" (Zeitschrift, Erscheinungsrhythmus unbekannt) Finanzierung Spenden, Einnahmen aus dem Verkauf von Publikationen und Eintrittskarten f\u00fcr Veranstaltungen Kurzportr\u00e4t / Ziele Die MLKP strebt in der T\u00fcrkei die gewaltsame Zerschlagung der staatlichen Ordnung und die Errichtung eines kommunistischen Gesellschaftssystems (Diktatur des Proletariats) an. Dabei beruft sich die MLKP auf die Lehren von Marx und Engels, erg\u00e4nzt durch ideologische Leitlinien von Lenin und Stalin, und versteht sich als politische Vorhut des Proletariats der t\u00fcrkischen und kurdischen Nation sowie der nationalen Minderheiten. Zum Erreichen ihrer Ziele bedient sich die MLKP in der T\u00fcrkei auch terroristischer Mittel. Sie ist daher in der T\u00fcrkei als Terrororganisation verboten und operiert im Verborgenen. Die MLKP unterst\u00fctzt 145","Auslandsbezogener Extremismus die PKK und hat gemeinsam mit dieser f\u00fcr den Kampf gegen den IS mobilisiert. In Deutschland agiert die MLKP in der Regel mittels ihrer Umfeldorganisationen. Anstelle ihrer in der T\u00fcrkei operierenden \"Kommunistischen Jugendorganisation\" (KG\u00d6) ist f\u00fcr die MLKP in Deutschland die Jugendgruppe \"Young Struggle\" (YS) aktiv. Die Organisation wurde 2010 in Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) gegr\u00fcndet und fungiert als Dachverband f\u00fcr alle MLKP-Jugendorganisationen in Europa. YS ist best\u00e4ndig bem\u00fcht, Mitglieder f\u00fcr sich und die MLKP zu gewinnen und sucht zu diesem Zweck die Zusammenarbeit mit linksextremistischen Gruppen aus dem dogmatischen Spektrum, zu dem auch kommunistische Jugendund Kadergruppen geh\u00f6ren. Dies gilt auch f\u00fcr die Gruppe \"ZORA\", die YS nahesteht. ZORA begreift sich als antikapitalistische Frauenorganisation im Kampf gegen das Patriarchat und die Klassengesellschaft. Anders als in anderen linksextremistischen Organisationen mit T\u00fcrkei-Bezug sind in den Gruppierungen YS und ZORA nicht nur Personen mit t\u00fcrkischem oder kurdischem Hintergrund, sondern auch Jugendliche ohne Migrationshintergrund organisiert. Dies trifft auch auf die YSund ZORA-Gruppen in Sachsen-Anhalt zu. Grund der Beobachtung Wenngleich die MLKP in Deutschland bislang gewaltfrei agiert, werden ihre terroristischen Aktivit\u00e4ten in der T\u00fcrkei durch ihre Aktivit\u00e4ten hierzulande unterst\u00fctzt. Mit ihrem Verhalten gef\u00e4hrdet die MLKP daher die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland im Sinne des SS 4 Abs. 1 Nr. 4 VerfSchG-LSA. Dar\u00fcber hinaus bestehen Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die Aktivit\u00e4ten der Jugendund Umfeldorganisationen der MLKP, insbesondere von YS und ZORA, Bestrebungen darstellen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des SS 4 Abs. 1 Nr. 1 VerfSchG-LSA gerichtet sind. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im April 2025 wurde auf der Plattform \"Instagram\" die Gr\u00fcndung einer neuen YS-Ortsgruppe in Magdeburg bekanntgegeben. Analog zu den Erkl\u00e4rungen anderer YS-Ortsgruppen positionierte sich die Gruppe \"YS Magdeburg\" mit ihrer Gr\u00fcndungsverlautbarung im dogmatischen Spektrum des Linksextremismus. Sie pr\u00e4sentierte sich darin als \"internationalistische, sozialistische Jugendorganisation, die sich entschlossen gegen Krieg, Imperialismus, Faschismus, Kapitalismus und das Patriarchat stellt.\" Hauptziel sei die Schaffung \"einer befreiten Gesellschaft [...] \u00fcber den gemeinsamen Kampf f\u00fcr den Sozialismus\", da \"die Wurzel der Probleme im kapitalistischen System\" zu suchen sei, welches \"auf Ausbeutung, Ungleichheit und patriarchalen Strukturen\" basiere. Der organisatorische Bezug zur t\u00fcrkischen MLKP blieb hingegen unerw\u00e4hnt. 146","Auslandsbezogener Extremismus Auch im Rahmen zahlreicher Versammlungen wurde wiederholt die ideologische Verortung der YSund ZORA-Ortsgruppen in Sachsen-Anhalt im dogmatischen Linksextremismus deutlich. So brachten diese Gruppen immer wieder ihre grunds\u00e4tzliche Ablehnung des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland zum Ausdruck, die sie mit Aufrufen zum \"Widerstand\" und zur \"Revolution\" bekr\u00e4ftigten. Am 30. Januar und am 24. Februar 2025 organisierte \"YS Dessau\" zwei Kundgebungen im Stadtgebiet von Dessau-Ro\u00dflau unter dem Motto \"Faschismus konsequent bek\u00e4mpfen!\" bzw. \"Gegen Faschismus - Aufstehen, Wehren, K\u00e4mpfen\", die sich gegen einen von der Gruppe wahrgenommenen Anstieg rechtsextremistischer Vorf\u00e4lle in der Stadt sowie gegen die Partei \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" richteten. Im Ank\u00fcndigungsschreiben auf Instagram wurde dieses Anliegen mit einer pauschalen Ablehnung der \"rassistischen\" und \"faschistischen\" Bundesrepublik Deutschland verkn\u00fcpft, gegen die ein selbst organisierter \"Klassenkampf\" gef\u00fchrt werden m\u00fcsse: \"Uns ist ebenso klar, dass man sich im Kampf gegen Faschismus nicht auf den Staat und seine Organe verlassen kann. Wenn der Staat uns Rassenhass vorlegt, m\u00fcssen wir mit Solidarit\u00e4t und Klassenkampf antworten. Der Widerstand gegen reaktion\u00e4re faschistische Kr\u00e4fte in Gesellschaft und Staat liegt in unserer eigenen Verantwortung - niemand wird diesen Kampf f\u00fcr uns f\u00fchren.\" Dass die Gruppe einen Systemwechsel auf revolution\u00e4rem Wege anstrebt, wurde noch deutlicher in einem Mobilisierungsaufruf f\u00fcr eine Vortagsdemonstration zum \"Tag der Arbeit\", die \"YS Dessau\" unter dem Motto \"Gegen Faschismus und Krieg! Die Zukunft geh\u00f6rt uns\" am 30. April 2025 in Dessau-Ro\u00dflau durchf\u00fchrte. In dem Aufruf, der die R\u00fcstungspolitik der Bundesregierung, den \"aufkeimenden Faschismus\" und den Kapitalismus kritisierte, hie\u00df es: \"Aufr\u00fcstung und Krieg ist das logische Ergebnis einer imperialistisch-kapitalistischen Weltordnung. [...] Doch wir werden das nicht hinnehmen! Wir stehen f\u00fcr eine Zukunft ohne kapitalistische Verwertungslogik, f\u00fcr eine Demokratie von unten, f\u00fcr die soziale Revolution!\" An der Demonstration durch die Innenstadt von Dessau-Ro\u00dflau beteiligten sich wie im Vorjahr ausw\u00e4rtige extremistische Gruppierungen, darunter Anh\u00e4nger des \"Offenen Antifaschistischen Treffens Magdeburg und Umgebung\" (OAT) sowie die Magdeburger Ortsgruppen von YS und ZORA. In \u00e4hnlicher Weise nahm die Magdeburger ZORA-Ortsgruppe in ihrem Mobilisierungsaufruf f\u00fcr eine Kundgebung am 19. Februar 2025, mit der sie der Todesopfer des Anschlags in Hanau (Hessen) vor f\u00fcnf Jahren gedachte, ein angebliches Beh\u00f6rdenversagen im Zusammenhang mit dem Anschlag zum Ausgangspunkt, um die Bundesrepublik 147","Auslandsbezogener Extremismus Deutschland als ein grunds\u00e4tzlich \"rassistisches\" und \"faschistisches\" System zu diffamieren und zum \"antifaschistischen Selbstschutz\" aufzurufen: \"Dieser Staat wird uns keine Gerechtigkeit und erst recht keinen Schutz geben! [...] Rassismus und rechte Gewalt sind ein klares Mittel zur Aufrechterhaltung der BRD und den Interessen der Herrschenden Klasse. [...] Der deutsche Staat sch\u00fctzt uns nicht! - Das m\u00fcssen wir selbst tun! Wir d\u00fcrfen uns von diesem faschistischen System nicht unterkriegen und spalten lassen. Der einzige Weg, wie wir uns vor Rassismus und Faschismus sch\u00fctzen k\u00f6nnen ist, zusammen dagegen anzuk\u00e4mpfen.\" (Alle Fehler im Original.) Auch im Ank\u00fcndigungsschreiben zu der von \"YS Dessau\" angemeldeten Kundgebung anl\u00e4sslich der Proteste gegen die Verabschiedung des neuen Wehrdienstgesetzes am 5. Dezember 2025 kam eine grunds\u00e4tzliche Feindseligkeit gegen\u00fcber dem deutschen Staat zum Ausdruck. Darin wurden \"die zunehmende Aufr\u00fcstung\" und die \"Militarisierung\" der Bundesrepublik Deutschland kritisiert, vor deren Hintergrund die geplante Wiedereinf\u00fchrung einer Musterung f\u00fcr alle M\u00e4nner ab dem Geburtsjahr 2008 als \"aktive Angriffe des Staates auf uns Jugendliche\" gewertet wurden. Formulierungen dieser Art konstruieren einen grunds\u00e4tzlichen Antagonismus zwischen den durch freie Wahlen demokratisch legitimierten Institutionen des Staates (in der marxistisch-leninistischen Logik: das politische \"Herrschaftsinstrument\" der \"Klasse der Kapitalisten\") auf der einen Seite und den Interessen junger Menschen auf der anderen Seite mit dem Ziel, linksextremistische Aktionen bis hin zu Straftaten als \"Widerstandshandlungen\" zu rechtfertigen. Neben Kundgebungen in den linksextremistischen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirassismus\" und \"Antikapitalismus\" organisierten die YSund ZORA-Ortsgruppen im Land weitere Versammlungen in den Themenfeldern \"Feminismus\" und \"Pal\u00e4stinasolidarit\u00e4t\", an denen sich regelm\u00e4\u00dfig andere dogmatische Gruppierungen aus der linksextremistischen Szene mit und ohne Auslandsbezug beteiligten. Dazu z\u00e4hlten die \"Revolution\u00e4re Vorabenddemonstration zum Frauenkampftag\" am 7. M\u00e4rz 2025 sowie eine Kundgebung am 25. November 2025 anl\u00e4sslich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen von ZORA Magdeburg, eine Kundgebung unter dem Motto \"Frauen Hand in Hand - Gegen Faschismus in den Kampf\" am 8. M\u00e4rz 2025 von der YSund ZORA-Ortsgruppe Dessau, Kundgebungen zur \"Achtung des V\u00f6lkerrechts\" mit Bezug zu der Lage im Gazastreifen am 9. und 10. Oktober 2025 sowie am 27. November 2025 von der YSund ZORA-Ortsgruppe Magdeburg, und die Versammlungen von \"YS Dessau\" zu den Themen \"Gemeinsam die Blockade brechen, Freiheit f\u00fcr Gaza\" und \"Freiheit f\u00fcr Gaza, Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\" am 2. bzw. 14. Oktober 2025. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sich Anh\u00e4nger der YSund ZORA-Ortsgruppen in Magdeburg und Dessau-Ro\u00dflau an \u00fcberregionalen Veranstaltungen der MLKP bzw. des deutschen \"Young Struggle\"-Dachverbands wie dem allj\u00e4hrlichen \"Ivana-Hoffmann-Festival\"81, das am 81 Beim \"Ivana-Hoffmann-Festival\" handelt es sich um eine allj\u00e4hrliche \"M\u00e4rtyrerGedenkveranstaltung\" von MLKP und YS. Ivana Hoffmann war Anh\u00e4ngerin beider Organisationen und wurde 2015 im Alter von 19 Jahren als erste Deutsche im bewaffneten Kampf gegen den IS in Syrien get\u00f6tet. Hoffmann hat f\u00fcr YS und MLKP in Deutschland eine enorme symbolische und 148","Auslandsbezogener Extremismus 7. Juni 2025 zum mittlerweile zehnten Mal in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) stattfand, sowie am \"Young Struggle Sommercamp\" vom 1. bis 8. August 2025 in Frankreich. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Trotz fehlender Parteistrukturen der MLKP in Sachsen-Anhalt konnten sich deren Jugendund Umfeldorganisationen YS und ZORA in Magdeburg und Dessau-Ro\u00dflau im Berichtszeitraum ideologisch und organisatorisch weiter festigen. Dies zeigte sich zum einen in der Gr\u00fcndung einer neuen YS-Ortsgruppe in Magdeburg im Fr\u00fchjahr 2025, zum anderen in einem stetigen Zuwachs der Anh\u00e4ngerschaft in beiden St\u00e4dten. Das Personenpotenzial der YSund ZORA-Gruppen in Sachsen-Anhalt liegt mittlerweile im mittleren zweistelligen Bereich und d\u00fcrfte auch in der Zukunft weiter ansteigen. Mit dem Anstieg des Personenpotenzials ging eine Ausweitung der Aktivit\u00e4ten der YSund ZORA-Gruppen auf eine Vielzahl linksextremistischer Aktionsfelder einher. Durch die Vertiefung ihrer strategischen Kooperationen mit anderen dogmatischen Gruppen mit und ohne Auslandsbezug konnten YS und ZORA auch im Jahr 2025 das Versammlungsund Aktionsgeschehen in Magdeburg und in Dessau-Ro\u00dflau entscheidend pr\u00e4gen. Dabei kam wiederholt ihre ideologische Verortung im dogmatischen Linksextremismus zum Ausdruck. \u00c4hnlich wie im Fall kommunistisch orientierter Gruppen ohne Auslandsbezug sind die Aktivit\u00e4ten der YSund ZORA-Ortsgruppen in Sachsen-Anhalt auf der ideologischen Grundlage des Marxismus-Leninismus gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland gerichtet; sie zielen auf die Umw\u00e4lzung des demokratischen Rechtsstaates in eine sozialistische bzw. kommunistische Gesellschaftsordnung auch mit Mitteln der Gewalt ab. In der Agitation von \"YS Dessau\" war daher im Berichtszeitraum eine ideologische Radikalisierung feststellbar, die mit einer zunehmenden Vernetzung ihrer Anh\u00e4nger in der \u00fcberregionalen dogmatischen Szene einherging. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 ist eine Intensivierung der Aktivit\u00e4ten aller YSund ZORA-Ortsgruppen im Land zu erwarten. Insbesondere die verst\u00e4rkte Mobilisierung f\u00fcr Versammlungen in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\" und \"Antirassismus\" ist wahrscheinlich. Dabei ist mit Straftaten von Anh\u00e4ngern dieser Gruppen gegen als politische Gegner wahrgenommene Parteien zu rechnen. Dar\u00fcber hinaus bietet die fortdauernde gesellschaftliche Debatte \u00fcber die Wiedereinf\u00fchrung einer Wehrpflicht in Kombination mit der R\u00fcstungsund Verteidigungspolitik der Bundesregierung Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr weitere Aktivit\u00e4ten im Aktionsfeld \"Antimilitarismus\", die zum Zweck der Rekrutierung neuer Anh\u00e4nger genutzt werden k\u00f6nnten. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die weiteren Entwicklungen im Nahostkonflikt und in Syrien, auf welche die YSund ZORA-Ortsgruppen in Magdeburg und Dessau-Ro\u00dflau bei ihren Versammlungen zu den Themenfeldern \"Pal\u00e4stina-\" bzw. \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" regelm\u00e4\u00dfig Bezug nehmen. identit\u00e4tsstiftende Bedeutung und wird mit regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrenden Veranstaltungen anl\u00e4sslich ihres Geburtsund Todestages als \"unsterbliche M\u00e4rtyrerin\" gefeiert - auch von den YSund ZORAOrtsgruppen in Sachsen-Anhalt. 149","SPIONAGEABWEHR","Spionageabwehr EINLEITUNG Spionage zielt darauf, auf illegale Weise sch\u00fctzenswerte und geheim gehaltene Informationen anderer Staaten zu erlangen. Der Begriff umfasst nachrichtendienstliches Agieren fremder M\u00e4chte zum Zweck des verdeckten und illegalen Erkundens und Beschaffens nicht\u00f6ffentlicher Informationen zu politischen Entscheidungsprozessen sowie zu wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und milit\u00e4rischen Potenzialen eines anderen Staates. Ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste haben den Auftrag, ihren Regierungen mittels Spionage einen Informationsvorsprung zu verschaffen. Die Bundesrepublik Deutschland befindet sich wegen ihrer geostrategischen Lage, ihrer wichtigen Rolle in der EU und NATO, ihrer leistungsf\u00e4higen, innovativen Wirtschaft, ihrer Spitzenforschung und ihres Einsatzes f\u00fcr Menschenund B\u00fcrgerrechte weltweit im Fokus von Spionageaktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste. Die Spionageabwehr besch\u00e4ftigt sich mit der Aufkl\u00e4rung, der Abwehr und der Pr\u00e4vention solcher Aktivit\u00e4ten im Geltungsbereich des Grundgesetzes. Sie sammelt Informationen \u00fcber geheimdienstliche Aktivit\u00e4ten fremder Staaten und wertet sie aus. Die gesetzliche Grundlage daf\u00fcr bildet SS 4 Abs. 1 Nr. 3 VerfSchG-LSA. Im Rahmen der sogenannten \"360-Grad-Bearbeitung\" geht sie allen Anhaltspunkten f\u00fcr sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde Macht nach - unabh\u00e4ngig davon, ob eine Kooperation mit dem betreffenden Nachrichtendienst besteht. Hierbei kooperiert sie mit dem BfV, den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder, dem Bundesnachrichtendienst (BND), dem Bundesamt f\u00fcr den milit\u00e4rischen Abschirmdienst (BAMAD) und allen anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Um an vertrauliche Informationen zu gelangen, setzen ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste nicht nur eigenes Personal ein; sie sind auch darum bem\u00fcht, B\u00fcrger des Gastlandes f\u00fcr ihre Zwecke zu gewinnen und zu steuern. Diese Vorgehensweise ist als Agentenf\u00fchrung bekannt. Da die T\u00e4tigkeit von Nachrichtendiensten im Zielland von der jeweiligen Spionageabwehr beobachtet wird, werden Angeh\u00f6rige von Nachrichtendiensten h\u00e4ufig unter dem Schutz des Diplomatenstatus oder der konsularischen Immunit\u00e4t in den Auslandsvertretungen der fremden Staaten untergebracht. Man spricht von sogenannten Legalresidenturen. Diese T\u00e4tigkeit stellt einen Missbrauch des Diplomatenstatus dar. Das betroffene Gastland kann enttarnte Angeh\u00f6rige fremder Nachrichtendienste zur persona non grata erkl\u00e4ren. Dann l\u00e4uft der Diplomatenstatus zu einem festgelegten Stichtag aus. Abseits dieser \"klassischen\" Form der Spionage haben nachrichtendienstlich gesteuerte Ma\u00dfnahmen im Internet in den vergangenen Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Dabei werden verschiedene Kan\u00e4le genutzt, um die politischen und gesellschaftlichen Diskurse in den Ziell\u00e4ndern zu beeinflussen. Die Strategien reichen von Cyberangriffen bis zur Beeinflussung von sozialen Medien, in denen sogenannte \"Trollfabriken\" Meinungen und Fakten mit \"Fake News\" vermischen. In Kurznachrichtendiensten k\u00f6nnen sogenannte \"Robots\" (oder \"Bots\") in erheblichem Umfang tendenzi\u00f6se Meinungen verbreiten. Ein weiteres Mittel ist das \"Leaken\" von Daten, also das Ver\u00f6ffentlichen vertraulicher personenbezogener Informationen, die oftmals illegal erbeutet wurden. Mit dem \"Leaken\" dieser Daten sollen die Betroffenen blo\u00dfgestellt, ihres Einflusses beraubt oder l\u00e4cherlich gemacht werden. H\u00e4ufig werden die erbeuteten Dateien zudem mit Malware versehen und 151","Spionageabwehr somit einer \"zweiten Nutzung\" zugef\u00fchrt. Die Russische F\u00f6deration, die Volksrepublik China und die Islamische Republik Iran gelten als Hauptakteure sicherheitsrelevanter Aktivit\u00e4ten gegen Deutschland und das Bundesland Sachsen-Anhalt. Im Hinblick auf Auslandsreisen, insbesondere in die Russische F\u00f6deration, die Volksrepublik China und die Islamische Republik Iran besteht f\u00fcr deutsche Staatsangeh\u00f6rige die Gefahr, von fremden Nachrichtendiensten angesprochen oder zur Mitarbeit gezwungen zu werden. Dies kann insbesondere Firmenvertreter und Angeh\u00f6rige des \u00d6ffentlichen Dienstes betreffen. Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass immer wieder Reisende mit konstruierten Vorw\u00fcrfen zu Fehlverhalten angesprochen und kompromittierende Situationen geschaffen werden, um Druck auszu\u00fcben und in diesem Kontext f\u00fcr nachrichtendienstliche Mitarbeit zu werben bzw. die Preisgabe von Informationen zu erwirken. Ebenso muss bei solchen Reisen mit der M\u00f6glichkeit gerechnet werden, dass mitgef\u00fchrte Unterlagen und Technik (Smartphones, Notebooks etc.) im Interesse eines Nachrichtendienstes ausspioniert werden. NACHRICHTENDIENSTE DER RUSSISCHEN F\u00d6DERATION Alle Handlungsfelder der deutschen Politik, die einen Bezug zur Russischen F\u00f6deration aufweisen, - vor allem die Au\u00dfen-, Sicherheits-, B\u00fcndnisund Wirtschaftspolitik - sind von Interesse f\u00fcr die russischen Nachrichtendienste. Die Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen russischer Nachrichtendienste richten sich speziell gegen politische Mandatstr\u00e4ger, Beh\u00f6rden, die Sicherheitsaufgaben wahrnehmen, Denkfabriken, Nichtregierungsorganisationen und Vereine mit Bez\u00fcgen zu Russland oder anderen osteurop\u00e4ischen Staaten. Mittels Propaganda und der Verbreitung von Desinformation, die insbesondere \u00fcber staatliche Institutionen, staatlich gelenkte Medien und soziale Netzwerke gestreut wird, versuchen russische Nachrichtendienste, Einfluss auf Willensbildungsprozesse auszu\u00fcben, Misstrauen gegen\u00fcber staatlichen Institutionen zu erzeugen und die politische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland auf diese Weise zu destabilisieren. Die drei ma\u00dfgeblichen Nachrichtendienste sind: der Auslandsnachrichtendienst Sluschba Wneschnei Raswedki (SWR), der Inlandsnachrichtendienst Federalnaja Sluschba Besopasnosti (FSB) und der milit\u00e4rische Nachrichtendienst Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU). Diese Dienste verf\u00fcgen \u00fcber weitreichende gesetzliche Befugnisse und unterst\u00fctzen die Interessen ihrer Regierung mittels offener und verborgener Ma\u00dfnahmen. Neben den Ministerien f\u00fcr Verteidigung, Inneres und Justiz sowie weiteren Sicherheitsbeh\u00f6rden geh\u00f6ren sie zum unmittelbaren Einflussbereich des russischen Staatspr\u00e4sidenten. Im Kontext des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine wurden in den letzten Jahren vier von f\u00fcnf Generalkonsulaten in Deutschland geschlossen und zahlreiche russische Botschaftsangeh\u00f6rige aus der Bundesrepublik Deutschland zu personae non gratae erkl\u00e4rt. Angeh\u00f6rige der russischen Nachrichtendienste, die in Deutschland (aus der Botschaft in 152","Spionageabwehr Berlin und dem Generalkonsulat in Bonn heraus) weiterhin aktiv sind, missbrauchen ihren diplomatischen Status und das Vertrauen ihrer nicht selten arglosen Kontaktpersonen. Geschickte Gespr\u00e4chsf\u00fchrung erm\u00f6glicht es ihnen oft, an schutzbed\u00fcrftige Informationen zu gelangen. Wenn Kontaktpersonen als wertvoll und informationsreich erachtet werden, wird versucht, die bisherigen Kontakte zu vertiefen und konspirative Elemente einzuf\u00fchren. Telefonate werden vermieden, Treffen mit Sicherheitsvorkehrungen organisiert und pers\u00f6nliche Zuwendungen intensiviert. Um Informationen abzusch\u00f6pfen, bauen Nachrichtendienstangeh\u00f6rige vertrauensvolle und freundschaftliche Verbindungen auf. Dazu werden Bitten um Zusammenstellung unverf\u00e4nglicher Informationen ge\u00e4u\u00dfert, denen konkrete, mit Sachoder Geldleistungen honorierte Beschaffungsauftr\u00e4ge folgen k\u00f6nnen. Die dabei von Vertretern konsularischer oder diplomatischer Vertretungen ge\u00e4u\u00dferte Aufforderung zur absoluten Verschwiegenheit kennzeichnet eine konspirative, nachrichtendienstliche Verbindung. Seit dem Beginn des v\u00f6lkerrechtswidrigen russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich die Bedrohung durch m\u00f6gliche nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten gegen politische, wirtschaftliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen und Organisationen auch in SachsenAnhalt erh\u00f6ht. Besonders Ministerien und nachgeordnete Beh\u00f6rden des Landes sind potenzielle Ziele russischer Spionageaktivit\u00e4ten. Die russische Regierung flankiert ihr milit\u00e4risches Vorgehen in der Ukraine und die Aktivit\u00e4ten ihrer Nachrichtendienste im Cyberraum mit Desinformationsund Propagandakampagnen, welche die NATO und \"den Westen\" als eigentliche Aggressoren darstellen und Zweifel an der Legitimit\u00e4t und Integrit\u00e4t der ukrainischen Regierung hervorzurufen versuchen, um die europ\u00e4ische Unterst\u00fctzung der Ukraine zu diskreditieren und als sch\u00e4dlich f\u00fcr Europa selbst darzustellen. Vor allem aus Russland stammende und pro-russisch eingestellte Personen im Westen sind eine wichtige Zielgruppe der Kampagnen. Die russische Regierung nutzt seit langem soziale Netzwerke und staatliche Medien, einschlie\u00dflich Russia Today (RT) und Sputnik, um Desinformation und Propaganda zu verbreiten - auch in deutscher Sprache. So werden z. B. \u00fcber solche Netzwerke und Medien - sowohl in Form offizieller Beitr\u00e4ge als auch unter Verschleierung der Urheberschaft in Form angeblicher Agenturmeldungen, journalistischer Beitr\u00e4ge oder privater Meinungs\u00e4u\u00dferungen - h\u00e4ufig verzerrte oder wahrheitswidrige Berichte \u00fcber die wirtschaftliche Lage in Europa, die deutsche R\u00fcstungsund Energiepolitik oder die finanziellen Folgen der von der EU gegen Russland verh\u00e4ngten Wirtschaftssanktionen f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland verbreitet. So wird z. B. Angst vor einer m\u00f6glicherweise existenzbedrohenden Energieund Lebensmittelknappheit in Deutschland und Europa gesch\u00fcrt, um das Narrativ zu best\u00e4rken, die westlichen Regierungen handelten irrational und gegen das Interesse der eigenen Bev\u00f6lkerung. Die Verantwortung f\u00fcr die aktuelle Krisensituation wird dabei grunds\u00e4tzlich den westlichen Regierungen zugeschrieben. Ebenso werden mit gleicher Zielrichtung wahrheitswidrige diskreditierende Beitr\u00e4ge \u00fcber deutsche und europ\u00e4ische Politiker lanciert (z. B. angebliche psychische Probleme oder Drogenkonsum des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz). 153","Spionageabwehr CHINESISCHE NACHRICHTENDIENSTE Die politische F\u00fchrung der Volksrepublik China (VRC) hat klar definierte Ziele f\u00fcr die politische und wirtschaftliche Entwicklung Chinas, darunter das Erlangen strategischer Vorteile, die F\u00f6rderung der eigenen wirtschaftlichen Interessen und die Positionierung als f\u00fchrende Industrienation weltweit. Die Aufgabe der Nachrichtendienste ist es, das Erreichen dieser Ziele durch Informationsgewinnung in Politik, Milit\u00e4r, Wirtschaft und Wissenschaft zu unterst\u00fctzen und damit die geostrategischen Ambitionen der VRC zu f\u00f6rdern. Die Angeh\u00f6rigen der Nachrichtendienste agieren konspirativ und h\u00e4ufig getarnt als Journalisten, Studierende oder Diplomaten, die in den amtlichen Vertretungen der VRC in der Bundesrepublik Deutschland eingesetzt werden. Die VRC verf\u00fcgt \u00fcber folgende Nachrichtendienste: den zivilen Inlandsund Auslandsnachrichtendienst Ministry of State Security, Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MSS), das Ministry of Public Security - Ministerium f\u00fcr \u00d6ffentliche Sicherheit (MPS) und den milit\u00e4rischen Nachrichtendienst Military Intelligence Directorate - Direktorium f\u00fcr den Milit\u00e4rischen Nachrichtendienst (MID), eine Abteilung des Generalstabs der chinesischen Volksbefreiungsarmee. Zudem unterh\u00e4lt die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) mehrere parteieigene funktionale Nachrichtendienste82: Das \"B\u00fcro 610\" dient der weltweiten \u00dcberwachung der Meditationsbewegung \"Falun Gong\". Das International Liaison Department of the Central Committee of the Communist Party of China (IDCPC) sammelt Tatsachen und Erkenntnisse \u00fcber Partnerparteien sowie Kontrahenten der KPCh und wertet diese aus. Das United Front Work Department (UFWD) bindet Mitglieder und Nicht-Mitglieder der KPCh innerhalb der VRC und weltweit an die Interessen der KPCh und sorgt f\u00fcr die Umsetzung der Parteilinie auch im Ausland. Der Fall des chinesischen Spions Jian G., der als Mitarbeiter des ehemaligen Mitglieds des Europ\u00e4ischen Parlaments Maximilian Krah (zuletzt MdB) gearbeitet hat und vom OLG Dresden am 30. September 2025 wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit in einem besonders schweren Fall zu einer Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden ist, steht exemplarisch f\u00fcr Spionage, die sich gegen die EU richtet. In demselben Verfahren wurde eine weitere Person, die chinesische Staatsangeh\u00f6rige Yaqi X., zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt.83 Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie als Mitarbeiterin eines Logistikunternehmens am Flughafen Leipzig-Halle Daten zu Fracht, Fl\u00fcgen und Passagieren geliefert hat. Beide F\u00e4lle verdeutlichen das Interesse chinesischer Nachrichtendienste an Erkenntnissen zu politischen Entscheidungsprozessen 82 Ein funktionaler Nachrichtendienst ist eine Organisation, die Spionage betreibt, ohne Nachrichtenoder Geheimdienst zu sein. 83 Gegen das Urteil hat der Angeklagte Jian G. Revision eingelegt. 154","Spionageabwehr auf h\u00f6chster Ebene der EU und an betriebsrelevanten sensiblen Detaildaten deutscher Flugh\u00e4fen. Die chinesische Regierung versucht, gezielt Einfluss auf politische und wissenschaftliche Akteure anderer Staaten zu nehmen und universell g\u00fcltige Menschenrechte zu relativieren. Dies geschieht u. a. \u00fcber die Konfuzius-Institute (KI), die teilweise den Hochschulen der Ziell\u00e4nder angegliedert und organisatorisch eng mit ihnen verflochten sind. Derzeit gibt es 19 chinesische KI in Deutschland, die unterschiedlich eng mit den ortsans\u00e4ssigen Hochschulen verbunden sind. Nach eigener Aussage f\u00f6rdern sie die chinesische Sprache und Kultur im Ausland. Sie versuchen zwar offiziell den Anschein der Unabh\u00e4ngigkeit zu erwecken, unterliegen aber tats\u00e4chlich einer direkten politischen Steuerung. Die weltweit t\u00e4tigen KI waren bis 2020 dem \"Hanban\"84, einer nachgeordneten Beh\u00f6rde des chinesischen Erziehungsministeriums, zugeordnet. Um den Anschein der Unabh\u00e4ngigkeit zu erwecken, sind die KI im Juni 2020 in die \"Beijing Chinese international Education Foundation (CIEF)\" \u00fcberf\u00fchrt worden. Mit der gleichzeitigen Gr\u00fcndung des \"Center for Language Education and Cooperation (CLEC)\" am bisherigen Sitz und als Nachfolger von \"Hanban\" zeigte sich jedoch, dass damit inhaltlich und personell keine nennenswerte Neuausrichtung der Institutionen verbunden ist. Es ist davon auszugehen, dass die N\u00e4he der KI zur KPCh weiterhin bestehen bleibt und eine Entideologisierung der KI nicht zu erwarten ist. KI gef\u00e4hrden vielmehr auch weiterhin die akademische Freiheit in Forschung und Lehre und werden als wichtige politische Einflussakteure und Instrumente der Machtprojektion der KPCh im Ausland aktiv bleiben. Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt chinesischer Nachrichtendienste ist das Aussp\u00e4hen und die Unterwanderung von oppositionellen Kr\u00e4ften, die von der chinesischen Regierung unter der Bezeichnung \"F\u00fcnf Gifte\"85 als staatsfeindlich beschrieben werden. Die KPCh nimmt innerstaatliche Konflikte mit Oppositionellen und nationalen Minderheiten als Bedrohung der staatlichen Sicherheit wahr. Nach wie vor von gro\u00dfer Bedeutung ist das geostrategische Projekt \"Neue Seidenstra\u00dfe\" (New Silk Road) bzw. die \"Belt and Road Initiative\" (BRI), mit der die chinesische Staatsf\u00fchrung das Ziel verfolgt, den Zustrom von Rohstoffen in die VRC zu befl\u00fcgeln und den eigenen Warenabsatz zu verbessern. Die BRI bildet den geologistischen Rahmen f\u00fcr die Umsetzung der von der KPCh Staatsf\u00fchrung vorgegebenen und weiterhin verfolgten Strategie \"Made in China 2025\". Die VRC beabsichtigt, bis zum Jahr 2049 die globale Marktund Technologief\u00fchrerschaft zu erreichen und daher die Schl\u00fcsselindustrien (wie beispielsweise neue Informationstechnologien, Luftund Raumfahrt, neue Energien und alternative Antriebe) auszubauen. Die Partnerl\u00e4nder der BRI nehmen ihre wirtschaftliche Abh\u00e4ngigkeit von der VRC oftmals bewusst in Kauf. 84 \"Hanban\" ist die chinesische Abk\u00fcrzung f\u00fcr \"Staatliches F\u00fchrungsgruppenb\u00fcro f\u00fcr die internationale Verbreitung der chinesischen Sprache\". 85 Dies sind die Meditationsbewegung Falun Gong, die Demokratiebewegung, die Bewegungen f\u00fcr Autonomie in den Provinzen Tibet und Xinjiang sowie Bef\u00fcrworter eines unabh\u00e4ngigen Taiwan. 155","Spionageabwehr NACHRICHTENDIENSTE DER ISLAMISCHEN REPUBLIK IRAN Das vorrangige Interesse der iranischen Nachrichtendienste gilt der Bek\u00e4mpfung und Aussp\u00e4hung von im Inund Ausland lebenden bzw. t\u00e4tigen oppositionellen Personen und Gruppierungen, zu denen insbesondere der \"Nationale Widerstandsrat Iran\" und dessen ehemals milit\u00e4rischer Arm, die \"Volksmodschahedin Iran-Organisation\", sowie monarchistische und kurdische Gruppierungen z\u00e4hlen. Es gibt seit Jahren Hinweise auf staatsterroristische Aktivit\u00e4ten der iranischen Regierung in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Als Hauptakteur nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten gegen die Bundesrepublik Deutschland gilt der Nachrichtendienst Ministry of Intelligence of the Islamic Republic of Iran (MOIS, in Farsi: Vezarat e Ettela'at-e Jomhouri-ye Eslami-ye Iran [VAJA]). Die Revolutionsgarden der Iranian Revolutionary Guard Corps (IRGC; in Farsi: Sepah Pasdaran) betreiben ebenfalls ihren eigenen Nachrichtendienst, die Islamic Revolutionary Guard Corps Intelligence Organization (IRGC-IO), und verf\u00fcgen mit den Quds Force \u00fcber Spezialeinheiten f\u00fcr milit\u00e4rische Kommandoaktionen und Staatsterrorismus. Die Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten der Quds Force richten sich insbesondere gegen (pro-)j\u00fcdische bzw. (pro-)israelische Institutionen und Unternehmen sowie einzelne exponierte, f\u00fcr diese Einrichtungen t\u00e4tige Personen. F\u00fchrende Politiker Irans haben Israel wiederholt zum Feindstaat erkl\u00e4rt und \u00f6ffentlich mit der Vernichtung des israelischen Staates gedroht. Iranisch unterst\u00fctzte Terrororganisationen wie Hizbollah, Huthis und HAMAS greifen Israel mit Waffengewalt an. 2025 wurde Israel mehrfach Ziel von Luftangriffen mittels Raketen, Marschflugk\u00f6rpern und Drohnen aus Iran. Iran hatte sich nach \u00dcberzeugung des Vorstands der Internationalen Atomenergie Agentur (IAEO) die M\u00f6glichkeit verschafft, innerhalb von drei Monaten das erforderliche Uran235 f\u00fcr mindestens neun Atomwaffen herstellen zu k\u00f6nnen. Aufgrund dieses bedrohlichen Fortschritts griffen die israelischen Streitkr\u00e4fte am 13. Juni 2025 u. a. die sehr tief verbunkerten Anlagen zur Urananreicherung an. Die USA unterst\u00fctzten mit bunkerbrechenden Bomben. Bei diesen Angriffen, die sich nicht nur gegen Atomanlagen richteten, wurden auch hohe Kommandeure der terroristischen Revolutionsgarden get\u00f6tet. Der Verfassungsschutzverbund warnte ab Juli 2025 mit einem Sicherheitshinweis f\u00fcr die Wirtschaft vor negativen Auswirkungen der Eskalation des iranisch-israelischen Konflikts auf die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland insbesondere f\u00fcr (pro)israelische und (pro)j\u00fcdische Personen und Institutionen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden in den letzten Jahren wiederholt geheimdienstliche Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten, einzelne Gewalttaten86 und Cyberangriffe iranischer Nachrichtendienste festgestellt. Dar\u00fcber hinaus wurden Exil-Iraner von Angeh\u00f6rigen iranischer Nachrichtendienste bedroht (sog. Transnationale Repression, TNR). Neben einem expliziten nachrichtendienstlichen Risiko besteht weiterhin die Gefahr, dass Iran Personen mit doppelter Staatsangeh\u00f6rigkeit bei Einreisen willk\u00fcrlich inhaftiert, um dies als politisches Druckmittel zu nutzen (Geiseldiplomatie). 86 Versuchter Brandanschlag auf die Synagoge in Bochum (Nordrhein-Westfalen) im November 2022. 156","Spionageabwehr ANDERE NACHRICHTENDIENSTE Die Nachrichtendienste Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens werden in Deutschland neben den angef\u00fchrten L\u00e4ndern haupts\u00e4chlich gegen Oppositionelle ihrer Heimatl\u00e4nder aktiv, speziell dann, wenn diese sich in Deutschland gegen die Regierungen ihrer Herkunftsl\u00e4nder engagieren.87 Im Zusammenhang mit nachrichtendienstlich relevanten Vorg\u00e4ngen auf deutschem Boden ist ein verst\u00e4rktes Agieren der Nachrichtendienste der T\u00fcrkei zu beobachten. Der Inlandsund Auslandsnachrichtendienst Milli Istihbarat Teskilati (MIT) nimmt in der t\u00fcrkischen Sicherheitsarchitektur eine zentrale Rolle ein. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Aufkl\u00e4rung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) und der sogenannten G\u00fclen-Bewegung. T\u00fcrkische Stellen machen den verstorbenen islamischen Prediger Fethullah G\u00fclen und dessen Anh\u00e4nger f\u00fcr den im Sommer 2016 gegen die t\u00fcrkische Regierung unternommenen Putschversuch verantwortlich. Im Fokus t\u00fcrkischer Nachrichtendienste stehen weltweit weitere Personen und Organisationen, die aus t\u00fcrkischer Sicht als extremistisch oder terroristisch beurteilt werden. Auch vietnamesische Nachrichtendienste agieren im Ausland. Sie sind Teil des Sicherheitsund Repressionsapparats der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV). Vietnam ist eine kommunistische Einparteiendiktatur, in der die Opposition systematisch unterdr\u00fcckt wird. In der Au\u00dfenpolitik verfolgt Vietnam einen pragmatischen Ansatz mit einer selbstbewussten, offiziell neutralen politischen Position gegen\u00fcber den USA und anderen westlichen Staaten, Russland und China. Dabei wird es vermieden, klare Stellung zu beziehen. Vielmehr soll Anpassungsf\u00e4higkeit nationale Interessen wahren, ohne in Konflikte mit den Gro\u00dfm\u00e4chten zu geraten. Gleichzeitig werden den eigenen B\u00fcrgern nur begrenzt politische Rechte und b\u00fcrgerliche Freiheiten zugestanden. Kritik an der KVP gilt als Infragestellen ihres politischen F\u00fchrungsanspruches und wird drastisch bestraft. Oppositionelle und Dissidenten werden nicht nur im Inland beobachtet, verfolgt und angegriffen. Sie stehen auch im Fokus vietnamesischer Sicherheitsbeh\u00f6rden und Nachrichtendienste. Diese TNR betrifft auch Oppositionelle, die sich in Deutschland und anderen europ\u00e4ischen Staaten aufhalten. Ein Beispiel f\u00fcr diese Gef\u00e4hrdung ist der Fall des im Jahr 2017 von Deutschland nach Vietnam entf\u00fchrten vietnamesischen Managers Trinh Xuan Thanh. Im Juli 2025 hat der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision gegen die Verurteilung eines Vietnamesen, der in Trinhs Entf\u00fchrung verstrickt war, zur\u00fcckgewiesen. Der Mann war 2023 vom Kammergericht Berlin zu f\u00fcnf Jahren Haft wegen Agentent\u00e4tigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung verurteilt worden. Es wird davon ausgegangen, dass der Verfolgungsdruck auf vietnamesische Oppositionelle und Dissidenten in Deutschland weiter hoch bleibt. 87 F\u00fcr Informationen zu nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten im Zusammenhang mit Migrationsbewegungen von Fl\u00fcchtlingen aus dem Nahen Osten und Nordafrika nach Deutschland vgl. Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Aktivit\u00e4ten extremistischer Akteure im Zusammenhang mit Fl\u00fcchtlingen. Eine Handreichung f\u00fcr hauptund ehrenamtlich T\u00e4tige in der Fl\u00fcchtlingshilfe. Magdeburg 2015, S. 41ff; https://mi.sachsenanhalt.de/verfassungsschutz/publikationen/publikationen-tagungsbaende/ 157","Spionageabwehr HYBRIDE BEDROHUNGEN Die kombinierte Anwendung konventioneller und nicht-konventioneller Mittel im gesamten Spektrum ziviler bis hin zu (para-) milit\u00e4rischen Ma\u00dfnahmen kennzeichnet hybride Bedrohungen. Im Regelfall zeichnen sie sich durch die gezielte Verschleierung der eigenen Urheberschaft aus. Hybride Aktivit\u00e4ten fremder Staaten zielen darauf ab, das gesellschaftliche und politische Gef\u00fcge eines anderen Landes nachhaltig zu schw\u00e4chen. In den letzten Jahren sind diese Aktivit\u00e4ten zu einem bedeutenden Mittel im Kampf um Einfluss und Vorherrschaft im globalen Gef\u00fcge geworden. Der Einsatz von Desinformationskampagnen stellt ein herausragendes Instrument hybrider Strategien dar. Mit der gezielten Verbreitung von Desinformationen wird versucht, Politik, Gesellschaft oder bestimmte Personengruppen anderer L\u00e4nder zu beeinflussen. Zielrichtung solcher Kampagnen ist die Infragestellung freiheitlicher, demokratischer Werte sowie des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland und anderen westlichen Staaten. Das Internet bietet ideale Bedingungen f\u00fcr entsprechende Initiativen zur Verbreitung irref\u00fchrender Informationen. Online ausgel\u00f6ste und gesteuerte Aktionen lassen sich vergleichsweise kosteng\u00fcnstig durchf\u00fchren und sind leicht zu verschleiern; oft bleiben die Urheber unentdeckt und agieren anonym oder mit falschen Identit\u00e4ten. Die Urheber von Desinformationskampagnen verbreiten gezielt und wissentlich falsche Nachrichten und Erz\u00e4hlungen in den sozialen Medien mit dem Ziel, deren Nutzer in die Irre zu f\u00fchren und auf diese Weise das Vertrauen in staatliche Stellen zu untergraben, Politiker und demokratische Prozesse ver\u00e4chtlich zu machen oder gesellschaftliche Konfliktlinien zu vertiefen. Offene, pluralistische und demokratische Gesellschaften, die ein breites Meinungsspektrum zulassen und gerade nicht - wie es in Autokratien geschieht - den Meinungskorridor verengen, sind besonders anf\u00e4llig f\u00fcr solche Einflussoperationen. Es bedarf daher einer aufmerksamen \u00d6ffentlichkeit, um diesen Bedrohungen entgegentreten zu k\u00f6nnen. Im Jahr 2025 waren erneut Drohnen\u00fcberfl\u00fcge \u00fcber wichtigen Verkehrsund Industrieanlagen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur zu verzeichnen. Milit\u00e4rische Liegenschaften, auf denen ukrainische Soldaten ausgebildet wurden, darunter auch sachsen-anhaltische Truppen\u00fcbungspl\u00e4tze, waren ebenfalls von Drohnen\u00fcberfl\u00fcgen betroffen. Diese Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnten auf gezielte hybride Operationen hindeuten. Vermutetes Ziel solcher Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten k\u00f6nnte es insbesondere sein, Informationen \u00fcber Ausstattung und Verhalten der ukrainischen Soldaten zu gewinnen und diese zu verunsichern. Drohnen werden zunehmend auch \u00fcber anderen milit\u00e4rischen Liegenschaften und kritischen Infrastrukturen gesichtet. Das Bundesministerium des Innern hat deshalb am 17. Dezember 2025 das Drohnenabwehrzentrum in Berlin er\u00f6ffnet, um die deutschen Drohnenabwehrkompetenzen zu b\u00fcndeln. Russische Desinformation im Kontext hybrider Bedrohungen und des Angriffskriegs gegen die Ukraine Die Russische F\u00f6deration versucht seit Jahren, den \u00f6ffentlichen Diskurs in westlichen Demokratien durch die Verbreitung von Desinformation in ihrem Sinne zu beeinflussen. Sie ist bestrebt, auf die politische und \u00f6ffentliche Meinung in Deutschland und anderen Staaten durch das Verbreiten von Desinformation und Propaganda zu ihren Gunsten Einfluss zu 158","Spionageabwehr nehmen. Hierf\u00fcr bedient sie sich auch bestimmter Medien, die Teil ihres staatlichen Propagandaapparates sind. Die eindeutige Zuordnung solcher Kampagnen zu staatlichen Stellen der Russischen F\u00f6deration ist zwar oft nicht m\u00f6glich; jedoch liefern Vorgehensweisen, thematische Aspekte und beteiligte Akteure starke Indizien f\u00fcr mutma\u00dflich von staatlichen Institutionen der Russischen F\u00f6deration beabsichtigte und koordinierte Desinformationskampagnen. Seit dem Beginn des v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskriegs der Russischen F\u00f6deration gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 haben Desinformationskampagnen ein bisher nicht gekanntes Ausma\u00df erreicht. In diesem Kontext traten zum einen vermehrt offizielle russische Stellen als Akteure der Verbreitung von Desinformation auf, die s\u00e4mtliche verf\u00fcgbaren Kommunikationsmittel nutzten (z. B. offizielle Presseerkl\u00e4rungen des Au\u00dfenministeriums, eigene Kan\u00e4le in sozialen Medien und Webseiten der russischen Botschaften). Zum anderen verbreiteten staatsnahe russische Medien gezielt Falschinformationen, Desinformation und Propaganda. Aufgrund der durch Sanktionen bedingten Einschr\u00e4nkung der Reichweite russischer staatsnaher Medien in Europa, die z. B. das Auslandsprogramm von Russia Today \"RT DE\" betrifft, intensivierte sich die Verbreitung pro-russischer Desinformation und Propaganda \u00fcber Accounts in sozialen Medien. In Westeuropa lebende Personen, die dem russischen Angriffskrieg und der aktuellen russischen Regierung unkritisch gegen\u00fcberstehen, erweisen sich als wertvolle Multiplikatoren f\u00fcr die Verbreitung dieser Narrative und Propaganda. Im Berichtszeitraum erreichten beispielsweise Telegram-Kan\u00e4le wie \"Neues aus Russland\" und \"Russl\u00e4nder & Friends\", Youtube-Kan\u00e4le wie \"InfraRot Medien\" sowie Webseiten wie \"Anti-Spiegel\" und \"SouthFront\", die der Verbreitung prorussischer Desinformation im deutschsprachigen Raum dienen, hohe Followerbzw. Abonnentenzahlen. Dabei sind zwei verschiedene Ausrichtungen von Desinformationskampagnen erkennbar: (1) Die zielgerichtete Verbreitung von Propaganda und Desinformationen gegen\u00fcber der eigenen Bev\u00f6lkerung (einschlie\u00dflich im Ausland lebender Staatsb\u00fcrger) erfolgt in dem Bestreben, den Krieg gegen die Ukraine als Reaktion auf vermeintliche Bedrohungen der Russischen F\u00f6deration weiterhin zu legitimieren. Hierbei werden die NATO und der Westen als eigentliche Aggressoren dargestellt, w\u00e4hrend der \u00dcberfall auf die Ukraine als legitimer Akt zur Verteidigung russischer Sicherheitsinteressen pr\u00e4sentiert wird. Gleichzeitig wird die milit\u00e4rische und politische \u00dcberlegenheit des eigenen Staates betont, w\u00e4hrend die westlichen Staaten als schwach dargestellt werden. Das Ziel besteht darin, eine hohe Zustimmung der russischen Bev\u00f6lkerung zum Vorgehen in der Ukraine zu sichern. So wurden beispielsweise angebliche milit\u00e4rische Erfolge Russlands betont und wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Krisen westlicher L\u00e4nder \u00fcberh\u00f6ht dargestellt, um das Bild eines starken Russlands gegen\u00fcber einem angeblich zerfallenden Westen zu erzeugen. (2) Im Hinblick auf die internationale Wahrnehmung besteht das Bestreben der russischen Regierung darin, die Deutungshoheit \u00fcber die Bewertung des Angriffskriegs gegen die Ukraine aufrecht zu erhalten und negative Reaktionen der Staatengemeinschaft gegen\u00fcber Russland sowie eine ideelle und materielle Unterst\u00fctzung der Ukraine seitens ausl\u00e4ndischer Akteure zu erschweren oder zu vereiteln. 159","Spionageabwehr Hybride Ma\u00dfnahmen haben auch zum Ziel, den inneren Zusammenhalt der EU und der NATO zu destabilisieren und m\u00f6gliche Spaltungslinien in den westlichen Gesellschaften zu vertiefen. In diesem Zusammenhang werden gezielt Desinformationen \u00fcber westliche Waffenlieferungen verbreitet, etwa durch die Behauptung, diese w\u00fcrden in die H\u00e4nde extremistischer Gruppen gelangen oder den illegalen Waffenhandel befeuern. \u00dcber soziale Medien und alternative Nachrichtenseiten werden solche Narrative verst\u00e4rkt, um Zweifel an der Wirksamkeit und Legitimit\u00e4t der westlichen Unterst\u00fctzungspolitik zu sch\u00fcren. Gleichzeitig greifen russische Akteure kontroverse politische Debatten innerhalb der EU - beispielsweise \u00fcber Energieabh\u00e4ngigkeit, Migrationspolitik oder Haushaltsfragen - auf und verst\u00e4rken diese gezielt, um das Bild eines zerstrittenen und geschw\u00e4chten Westens zu f\u00f6rdern. Ziel ist es, die internationale Solidarit\u00e4t mit der Ukraine zu unterminieren und politischen Druck auf westliche Entscheidungstr\u00e4ger zu erzeugen. Durch aufwendig strukturierte Ma\u00dfnahmen betreibt Russland im politischen Bereich gezielte Einflussnahme. Ein Beispiel ist die sogenannte \"Doppelg\u00e4nger''-Kampagne - eine langfristig angelegte, technisch anspruchsvolle Einflussoperation mit russischem Ursprung. Seit Anfang 2022 werden dabei gezielt Falschinformationen und Propaganda verbreitet, indem Internetseiten etablierter Medien nachgebildet oder vermeintlich unabh\u00e4ngige Nachrichtenseiten aufgebaut werden.88 Trotz EU-Sanktionen gegen zwei der verantwortlichen Firmen im Jahr 2023 wurden die Aktivit\u00e4ten fortgesetzt. Ziel ist es, durch vorget\u00e4uschte Glaubhaftigkeit bestimmte Narrative im \u00f6ffentlichen Diskurs zu verankern. Zur Verst\u00e4rkung der Reichweite werden Inhalte \u00fcber automatisierte Konten - etwa im Netzwerk des Kurznachrichtendienstes X - weiterverbreitet. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat im Vorfeld der Bundestagswahl am 23. Februar 2025 vor einer Zunahme von Desinformationskampagnen gewarnt. Mit Informationen auf ihrer Internetseite sowie mit einer Pressemitteilung im Rahmen der Informationsreihe \"Was macht der Verfassungsschutz?\"89 sensibilisierte die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die Gefahr der Manipulation des demokratischen Willensbildungsprozesses durch hybride Einflussnahmeaktivit\u00e4ten fremder Staaten.90 Auf ihrer Homepage informiert die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde \u00fcber Desinformation und hybride Bedrohungen, gibt 88 https://www.auswaertigesamt.de/resource/blob/2660362/73bcc0184167b438173e554ba2be2636/technischer-berichtdesinformationskampagne-doppelgaenger-data.pdf 89 Vgl. hierzu den Abschnitt \"\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4vention\" in dem Kapitel \"Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt\", S. 13 ff. 90 \"Desinformation und hybride Bedrohungen: Eine Gefahr f\u00fcr die demokratische Willensbildung\", URL: https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/informationsreihe-was-macht-derverfassungsschutz/teil-2-desinformation-und-hybride-bedrohungen-eine-gefahr-fuer-diedemokratische-willensbildung. 160","Spionageabwehr Handlungsempfehlungen zum Umgang damit bzw. zur St\u00e4rkung von Sensibilit\u00e4t und Resilienz.91 SABOTAGE Die Russische F\u00f6deration hat im Zuge ihres v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriffskriegs gegen die Ukraine abstrakt den \"Westen\" und seine freiheitliche Lebensweise zum Feind erkl\u00e4rt. Aufgrund der \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen russischer Spitzenpolitiker m\u00fcssen die Staaten der EU und der NATO davon ausgehen, dass es zu hybriden Bedrohungen und staatlich gelenkten oder beeinflussten Ma\u00dfnahmen in ihren L\u00e4ndern kommen kann. Der Verfassungsschutzverbund warnte 2025 mit Informationsbl\u00e4ttern vor Sabotageakten in der Bundesrepublik Deutschland, die von russischen oder prorussisch eingestellten Personen ausgehen k\u00f6nnen, welche von russischen Nachrichtendiensten angeworben oder mittelbar rekrutiert wurden. Unter Sabotage ist die absichtliche und zielgerichtete Beeintr\u00e4chtigung von milit\u00e4rischen oder politischen Prozessen oder von Produktionsabl\u00e4ufen zu verstehen. Dazu k\u00f6nnen das Besch\u00e4digen oder Zerst\u00f6ren wichtiger Anlagen und Einrichtungen (beispielsweise im Bereich kritischer Infrastrukturen) z\u00e4hlen. Ob es sich bei dem Auftraggeber der Tat um einen fremden Nachrichtendienst gehandelt hat, kann nicht immer mit Sicherheit festgestellt werden. Die Tat kann sich als Sachbesch\u00e4digung, Brandstiftung oder als eine andere sch\u00e4digende Straftat darstellen und im Zusammenhang mit anderen Straftaten (z. B. nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung) auftreten. Im Juli 2024 kam es in mehreren europ\u00e4ischen Staaten zu Brandausbr\u00fcchen in Paketen, die per Luftfracht versendet wurden oder werden sollten. Einer dieser Vorf\u00e4lle ereignete sich am Flughafen Leipzig/Halle, wo ein mit Zeitz\u00fcnder und hochentz\u00fcndlichen Brennstoffen pr\u00e4parierter Brandsatz in Flammen aufging. Die Ermittlungen deuten auf ein organisiertes Sabotagenetzwerk hin, das mutma\u00dflich von russischen Geheimdiensten unterst\u00fctzt wird. F\u00fcr die Umsetzung von Sabotageaktionen bedient sich der GRU h\u00e4ufig sogenannter \"Low Level-Agenten\". Damit sind Personen ohne nachrichtendienstlichen Hintergrund gemeint, die niedrigschwellig und \u00fcber Kontaktpersonen und -netzwerke zur Verschleierung des nachrichtendienstlichen Hintergrunds angeworben und f\u00fcr 91 https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/themenfelder/desinformation-und-hybridebedrohungen 161","Spionageabwehr vergleichsweise einfache Operationen im nachrichtendienstlichen Interesse eingesetzt werden. Den Akteuren ist ihre Einbindung in einen nachrichtendienstlichen Gesamtkontext in der Regel nicht bekannt. Die Motivation zur \u00dcbernahme von Auftr\u00e4gen liegt \u00fcblicherweise in finanziellen Interessen oder prorussischen Haltungen. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen hat die EU gegen Personen, die aus ihrer Sicht an der Steuerung russischer Sabotageaktivit\u00e4ten in Europa beteiligt sind, Sanktionen verh\u00e4ngt. Auch in Sachsen-Anhalt sind Straftaten gegen Kritische Infrastrukturen bekannt geworden, welche die Qualit\u00e4t von Sabotage erreicht haben. Ein konkreter Nachweis f\u00fcr einen nachrichtendienstlichen Hintergrund liegt allerdings in keinem dieser F\u00e4lle vor. Auf der Homepage des Verfassungsschutzes Sachsen-Anhalt steht das Informationsblatt \"Schutz vor Sabotage\" in deutscher und englischer Sprache zum Download zur Verf\u00fcgung.92 CYBERABWEHR Unternehmen, Beh\u00f6rden und wissenschaftliche Institutionen sind t\u00e4glich mit Cyberangriffen konfrontiert. Sie k\u00f6nnen staatlich geduldet, unterst\u00fctzt oder sogar gelenkt sein. Fremde Nachrichtendienste sowie andere fremde staatliche oder staatlich unterst\u00fctzte Cyberakteure bauen ihre Cyberf\u00e4higkeiten immer st\u00e4rker aus. Sie nutzen den Cyberraum als Operationsgebiet, um verborgene Informationen zu erlangen oder ihre Opfer mittels Ransomware zu erpressen.93 Die fortschreitende Digitalisierung aller Lebensbereiche kommt dem Interesse fremder Nachrichtendienste entgegen. Grunds\u00e4tzlich kann jedes Ger\u00e4t mit Zugang zum Internet von Cyberakteuren identifiziert und angegriffen werden. Autorit\u00e4re Regierungen sind bestrebt, ihre Staaten auch im Internet abzuschotten und Vernetzungsm\u00f6glichkeiten unter ihre Kontrolle zu bringen. Aus dieser umfassenden \u00dcberwachung kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass von diesen Staaten ausgehende Cyberangriffe nicht unbemerkt bleiben und von den jeweiligen Regierungen daher entweder blo\u00df geduldet oder sogar unterst\u00fctzt werden. Eine der wirksamsten Cyberangriffsmethoden stellt nach wie vor das \"Phishing\" dar, bei dem die Zielperson dazu verleitet wird, Kennwort und Passwort an die unbekannten Angreifer weiterzuleiten, die daraufhin Zugriff auf interne IT-Netzwerke erhalten. Auf der Homepage der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde finden Sie Handlungsempfehlungen zum Schutz vor \"Phishing\"94. 92 https://mi.sachsenanhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/MI/3._Themen/Verfassungsschutz/Referat_4 4/WiSchu_Sabotageschutz.pdf. 93 Als Ransomware werden Schadprogramme bezeichnet, die den Zugriff auf Daten und Systeme einschr\u00e4nken oder verhindern und diese Ressourcen nur gegen Zahlung eines L\u00f6segeldes (englisch \"ransom\") wieder freigeben. 94 117 https://mi.sachsenanhalt.de/fileadmin/Bibliothek/Politik_und_Verwaltung/MI/MI/3._Themen/Verfassungsschutz/Referat_4 4/WiSchu_Schutz_vor_Phishing.pdf. 162","Spionageabwehr Cyberangriffe der Russischen F\u00f6deration Russische Nachrichtendienste unterhalten Organisationseinheiten, die Cyberangriffe gegen Ziele in der Ukraine, in EUund NATO-Staaten durchf\u00fchren. Sie nutzen den Cyberraum zur Unterst\u00fctzung der mittelund langfristigen Absichten der Regierung, aber auch um (Wirtschafts-)Spionage und Sabotage zu betreiben. Daneben gibt es in der Russischen F\u00f6deration Cyberakteure, die staatlich gegr\u00fcndet oder staatlich unterst\u00fctzt, bisweilen auch nur staatlich geduldet sind und die aus kriminellen, nachrichtendienstlichen oder politischaktivistischen Motiven gegen europ\u00e4ische und deutsche Ziele handeln. Die Russische F\u00f6deration und ihre Unterst\u00fctzer begreifen den Cyberraum als zus\u00e4tzliches milit\u00e4risches Operationsgebiet, auf dem es gilt, empfindliche Schl\u00e4ge gegen feindliche Infrastrukturen auszuf\u00fchren. Die Staaten der NATO und der EU unterst\u00fctzen die Ukraine in ihrem Kampf zur Erhaltung ihrer Staatlichkeit und wurden daher verst\u00e4rkt von russischen Cyberakteuren angegriffen, insbesondere mittels sogenannter DDoS-Attacken95, die Internetseiten f\u00fcr mehrere Stunden stilllegen k\u00f6nnen. Wenngleich die tats\u00e4chlichen Folgen solcher Angriffe (wie etwa Einschr\u00e4nkungen bei Online-Services) minimal sind, k\u00f6nnen sie mittelfristig eine destabilisierende Wirkung entfalten: Mit DDoS-Angriffen gegen staatliche Homepages werden eGovernment-Dienste dem Zugriff der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger entzogen; die Sichtbarkeit solcher Angriffe kann au\u00dferdem Zweifel an der Sicherheit digitaler Prozesse hervorrufen oder verst\u00e4rken und damit mittelbar auch das Vertrauen der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in den demokratischen Rechtsstaat negativ beeinflussen. Wie bereits in den Vorjahren griff der prorussische Cyberakteur \"NoName057(16)\" auch im Jahr 2025 das Online-Portal des Landes Sachsen-Anhalt an, allerdings ohne gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den zu verursachen. Hochschulen und Universit\u00e4ten unterliegen einer besonderen Gef\u00e4hrdung. Aufgrund ihrer offenen IT-Netze und einer Vielzahl von Nutzern, die sich von au\u00dfen in die Hochschulnetze einloggen m\u00fcssen, bieten sich Angreifern oft viele M\u00f6glichkeiten, um die IT-Infrastrukturen von Hochschuleinrichtungen zu infiltrieren. Cyberangriffe aus der Volksrepublik China Die VRC hat in den letzten Jahren ihre Sicherheitsgesetzgebung zu Lasten von in China t\u00e4tigen ausl\u00e4ndischen Unternehmen, Besucherinnen und Besuchern und der eigenen Bev\u00f6lkerung versch\u00e4rft. Es gelingt ihr damit, sensible personenbezogene Daten und Unternehmensdaten in ihren Machtbereich zu ziehen. Dies macht deutlich, dass die VRC und chinesische Nachrichtendienste grunds\u00e4tzlich bestrebt sind, nach dem \"Staubsaugerprinzip\" alle verf\u00fcgbaren Informationen \u00fcber die Ziell\u00e4nder und ihre relevanten Ziele zu gewinnen und daf\u00fcr ggf. auch neue Technologien oder Zugangswege zu nutzen bzw. zu entwickeln. 95 Ein DDoS-Angriff (engl. Distributed-Denial-of-Service-Attack) ist eine technisch niederschwellige Form des Cyberangriffs, bei dem in der Regel ein Internetdienst von einer Vielzahl von gekaperten Servern aus angegriffen wird, was zur \u00dcberlastung und damit zur Nichtverf\u00fcgbarkeit des Internetdienstes f\u00fchrt. 163","Spionageabwehr WIRTSCHAFTSSCHUTZ Der Wirtschaftsschutz hat gem\u00e4\u00df SS 4a VerfSchG-LSA die Aufgabe, die sachsen-anhaltische Bev\u00f6lkerung, Unternehmen, Beh\u00f6rden sowie Einrichtungen der Wissenschaft und der Forschung \u00fcber Mittel und Methoden, mit denen sich fremde Nachrichtendienste illegal Know-how verschaffen oder Sabotageakte ver\u00fcben, sowie \u00fcber Extremismus, Cyberangriffe und Staatsterrorismus zu informieren. Er ber\u00e4t, informiert und sensibilisiert Unternehmen, Wirtschaftsverb\u00e4nde, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und andere Institutionen, so dass diese eigenverantwortlich und effektiv Ma\u00dfnahmen gegen Ausforschung (insbesondere Wirtschaftsspionage), Sabotage und andere sch\u00e4dliche Einwirkungen fremder Staaten und Nachrichtendienste ergreifen k\u00f6nnen. Auslandsdienstreisende unterliegen der st\u00e4rksten Gef\u00e4hrdung, von fremden Nachrichtendiensten offen oder verdeckt ausgeforscht und angesprochen zu werden. Dies gilt ganz besonders f\u00fcr autorit\u00e4r regierte Staaten wie Russland, Iran, Nordkorea und China sowie andere Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken (SmbS). Wirtschaftsschutz gegen chinesische Aktivit\u00e4ten In ihrem erkl\u00e4rten Bestreben, bis zur Mitte dieses Jahrhunderts zur weltweit f\u00fchrenden Technologieund Wirtschaftsmacht zu werden, setzt die VRC gezielt unlautere Methoden des Wissensund Technologietransfers ein. Die VRC verfolgt das Fernziel, aus der wirtschaftlichen Abh\u00e4ngigkeit von Staaten eine politische zu generieren und in deren Souver\u00e4nit\u00e4t einzugreifen. Um die gesteckten Ziele im Bereich der Zukunftstechnologien zu erreichen, setzt die VRC auf verschiedene Methoden des Know-how-Erwerbs. Eine seit Jahren wichtige Strategie ist dabei der Kauf westlicher Unternehmen. Als Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (ADI) bezeichnet man den sonst \u00fcblichen Erwerb oder Teilerwerb von deutschen Unternehmen durch ausl\u00e4ndische Investoren, deren Firmensitz oder der des Mutterkonzerns sich nicht in einem EU-Mitgliedstaat befindet. Insbesondere die chinesische Botschaft unterst\u00fctzt solche strategisch wichtigen Erwerbsvorhaben mit entsprechender Medienarbeit und greift dabei stark in innerdeutsche Belange ein. Zur Vorsorge und zum Schutz kritischer Infrastrukturen sowie f\u00fcr die Sicherheit der f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland bedeutsamen Unternehmen wurden daher gesetzliche Regelungen geschaffen. Wenn Akteure au\u00dferhalb der EU ein solches Unternehmen erwerben m\u00f6chten, greift ein staatliches Pr\u00fcfverfahren. Die au\u00dfenwirtschaftsrechtliche Investitionspr\u00fcfung in Deutschland wird durch das Au\u00dfenwirtschaftsgesetz (AWG) und die Au\u00dfenwirtschaftsverordnung (AWV) geregelt. Zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde ist das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWE). Die \u00dcbernahme von Unternehmen aus strategisch wichtigen oder sensiblen Industriesektoren wird damit zum Schutz nationaler und europ\u00e4ischer Sicherheitsinteressen erschwert. Im Vorfeld von Unternehmensk\u00e4ufen bietet der Wirtschaftsschutz der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde an, den Ver\u00e4u\u00dferer entsprechend zu sensibilisieren. F\u00fcr die gesellschaftliche, wirtschaftliche und milit\u00e4rische Zukunft der VRC sind die \"Emerging Technologies\" oder \"Disruptive Technologies\" (z. B. K\u00fcnstliche Intelligenz, Nanotechnologie, additive Fertigungsverfahren, Quantentechnologie) von gro\u00dfer Bedeutung: Das sind zukunftsweisende Technologien, deren Einsatz in den Bereichen der milit\u00e4rischen und der 164","Spionageabwehr R\u00fcstungsforschung sprunghafte Forschungsfortschritte verspricht. Die innerchinesische Wissenschaftsstrategie der \"zivil-milit\u00e4rischen Fusion\" tr\u00e4gt dem Begehren in besonderer Weise Rechnung. Anders als an deutschen Universit\u00e4ten existieren milit\u00e4rische und zivile Forschungseinrichtungen auf demselben Campus. Zivile Forschungsergebnisse sollen nach dieser Zielsetzung unmittelbar der milit\u00e4rischen Forschung zuflie\u00dfen. Pr\u00e4ventionsarbeit des Wirtschaftsschutzes Die in Sachsen-Anhalt t\u00e4tigen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen k\u00f6nnen bei Bedarf kostenfrei Beratungen und Gespr\u00e4che mit dem Wirtschaftsschutz in Anspruch nehmen. Sollten dem Wirtschaftsschutz konkrete oder abstrakte Gef\u00e4hrdungshinweise vorliegen, geht er selbst\u00e4ndig auf die Betroffenen zu. Im Rahmen seiner Pr\u00e4ventionsarbeit sucht der Wirtschaftsschutz insbesondere Kontakt zu kleinen und mittleren Unternehmen und wirbt im Rahmen von Informationsund Sensibilisierungsgespr\u00e4chen daf\u00fcr, Risiken und Bedrohungen durch fremde Nachrichtendienste ernst zu nehmen und Schutzma\u00dfnahmen zu ergreifen. Wichtige Medien f\u00fcr die Sensibilisierung von Unternehmen sind auch Informationsbl\u00e4tter des Wirtschaftsschutzes zu speziellen Einzelthemen - z. B. Sicherheit auf Gesch\u00e4ftsreisen (mit Checkliste), Schutz vor Social Engineering; Spionage in Wissenschaft und Forschung, Schutz vor Phishing. Diese k\u00f6nnen auch auf der Homepage des Verfassungsschutzes heruntergeladen werden.96 Fokussiert wird in diesen Publikationen u. a. auf das Agieren von \"Innent\u00e4tern\", also von Personen, die entweder in ein Unternehmen eingeschleust oder aus ihm f\u00fcr Aussp\u00e4hzwecke geworben werden (siehe Informationsblatt \"Bedrohung durch Innent\u00e4ter\"). Unternehmen, Beh\u00f6rden und Wissenschaftsinstitutionen k\u00f6nnen dieses Sicherheitsrisiko mit Hilfe eines \"Pre-Employment Screening\", einem datenschutzkonformen Personencheck von Bewerberinnen und Bewerbern, vermeiden (siehe hierzu das Informationsblatt \"PreEmployment Screening\"). Der Wirtschaftsschutz ist mit den Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder, den Industrieund Handelskammern in Sachsen-Anhalt, mit Wirtschaftsverb\u00e4nden sowie wissenschaftlichen Lehrund Forschungseinrichtungen vernetzt, um Wissen, Analysen und Warnmeldungen aus dem gesamten Verfassungsschutzverbund und im Interesse der Sicherheit von Wirtschaft und Forschung zu teilen. Allen sachsen-anhaltischen Unternehmen, Unternehmensverb\u00e4nden, Forschungsund Wissenschaftseinrichtungen steht der Wirtschaftsschutz mit seinem Informationsangebot in Form von Publikationen, Sensibilisierungen und Vortr\u00e4gen kostenfrei zur Verf\u00fcgung. Weitergehende Angebote k\u00f6nnen im Rahmen eines pers\u00f6nlichen Kontaktes erarbeitet werden. Treten Sie mit uns in Kontakt: Telefon: 0391/567 3900 E-Mail: wirtschaftsschutz@mi.sachsen-anhalt.de 96 Unter dem Link https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/publikationen. 165","Spionageabwehr PROLIFERATIONSABWEHR Die Weiterverbreitung atomarer, biologischer und chemischer Massenvernichtungswaffen sowie bestimmter Tr\u00e4gersysteme (Raketen, Drohnen etc.) und des daf\u00fcr erforderlichen Know-hows bedrohen den Frieden und unterliegen in der Bundesrepublik Deutschland der Exportkontrolle. Die Finanzierung der Proliferation ist streng reglementiert. Die Exportkontrolle fu\u00dft auf mehreren internationalen Vertr\u00e4gen, freiwilligen Selbstverpflichtungen und Kontrollregimen, welche die Bundesrepublik Deutschland ratifiziert hat bzw. eingegangen ist: Atomwaffensperrbzw. Nichtverbreitungsvertrag (1970), Biowaffenkonvention (1975), Chemiewaffen\u00fcbereinkommen (1993), Kontrollsystem f\u00fcr Raketentechnologie (1987) zur Verhinderung der Verbreitung von Raketen mit mehr als 300km Reichweite, Nuclear Suppliers Group (1975, regelt den Export von Nukleartechnologie), Wassenaar-Vereinbarung (1996) zur Koordinierung der Exportkontrolle von R\u00fcstungsund Dual-Use-G\u00fctern. Mit der Durchf\u00fchrung der Exportkontrollen sind die Zollbeh\u00f6rden beauftragt. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden stellen jedoch immer wieder fest, dass f\u00fcr den illegalen Export von sensiblen G\u00fctern verdeckte Methoden eingesetzt werden, die auf das Wirken von fremden Nachrichtendiensten schlie\u00dfen lassen. Die Nachrichtendienste der Staaten Russland, Iran, Nordkorea, Pakistan, Syrien und VRC stehen im Verdacht, Proliferation zu betreiben oder logistisch und personell Unterst\u00fctzung zu leisten. Auch die Russische F\u00f6deration setzt nachrichtendienstliche Mittel ein, um an sensible G\u00fcter zu gelangen, die den in Reaktion auf den v\u00f6lkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine gegen Russland verh\u00e4ngten Wirtschaftssanktionen unterliegen. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere hochentwickelte Industrieg\u00fcter, die, wie z. B. Mikrochips, f\u00fcr die russische R\u00fcstungsproduktion von gro\u00dfer Bedeutung sind. Um illegale Exporte durchzuf\u00fchren, verschleiern proliferatorische Akteure beispielsweise die tats\u00e4chlichen Endnutzer einer sensiblen Ware und beschaffen sie \u00fcber Umweglieferl\u00e4nder wie die VRC oder die Nachbarn von Risikostaaten wie Iran, Pakistan, Nordkorea oder Syrien. Zudem werden Tarnfirmen und Strohm\u00e4nner genutzt. Weitere Hinweise zum Thema Proliferation finden Sie in der Brosch\u00fcre \"Zusammenarbeit gegen Proliferation. Technologien sch\u00fctzen - Sicherheit st\u00e4rken\", die von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder herausgegeben wird. Sie kann im Internet unter https://mi.sachsen-anhalt.de/verfassungsschutz/publikationen/publikationenspionage-und-proliferationsabwehr/ heruntergeladen oder als Druckschrift per E-Mail bei wirtschaftsschutz@mi.sachsen-anhalt.de angefordert werden. 166","Spionageabwehr Mitarbeit der Bev\u00f6lkerung Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat nach SS 4 Abs. 1 Nr. 3 VerfSchG-LSA den gesetzlichen Auftrag, Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht zu sammeln und auszuwerten. Damit sie ihren Auftrag erf\u00fcllen kann, ist sie auch auf die Mithilfe der Bev\u00f6lkerung angewiesen. Dies gilt beispielsweise f\u00fcr die \u00dcbermittlung etwaiger Verdachtsmomente sowie von Informationen \u00fcber m\u00f6gliche Sicherheitsvorf\u00e4lle und Cyberangriffe an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde zur weiteren Pr\u00fcfung und Bewertung, sei es von Institutionen und Einrichtungen (z. B. Beh\u00f6rden, Hochschulen, Unternehmen) oder von Privatpersonen. Die Spionageabwehr bietet zudem allen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, Unternehmen, Interessenverb\u00e4nden, Forschungseinrichtungen, Hochschulen und Beh\u00f6rden Sensibilisierungen zu den Themen Spionageabwehr, Wirtschaftsschutz und Cyberabwehr an. Die Spionageabwehr des Landes Sachsen-Anhalt ist zu erreichen unter: Telefon: 0391/567 3900 E-Mail: wirtschaftsschutz@mi.sachsen-anhalt.de Schlie\u00dflich k\u00f6nnen sich Menschen ungewollt in nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten verstricken. So k\u00f6nnen sie etwa im Zuge eines privaten oder gesch\u00e4ftlichen Auslandsaufenthalts in das Visier fremder Nachrichtendienste geraten und z. B. aufgrund eines Versto\u00dfes gegen ihnen nicht bekannte Gesetze im Ausland zu einer Mitarbeit gezwungen werden. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde kann in solchen F\u00e4llen Menschen, die bereits im Interesse fremder Staaten nachrichtendienstlich t\u00e4tig geworden sind, dabei helfen, sich aus einer ausweglos erscheinenden Situation zu befreien. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegen - anders als die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden - nicht dem Legalit\u00e4tsprinzip. Daher sind sie nicht verpflichtet, Strafverfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcber Hinweise auf Spionagedelikte zu informieren, und sichern daher unter bestimmten Bedingungen Hilfesuchenden Vertraulichkeit zu. Voraussetzung ist die freiwillige Aufgabe der nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeit und eine umfassende Offenbarung gegen\u00fcber der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. 167","GEHEIMSCHUTZ","Geheimschutz GEHEIMSCHUTZ Allgemeines Verschlusssachen (VS) sind Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse, die - unabh\u00e4ngig von ihrer Darstellungsform - geheim zu halten und entsprechend ihrer Schutzbed\u00fcrftigkeit mit einem der Geheimhaltungsgrade STRENG GEHEIM, GEHEIM, VS-VERTRAULICH oder VS-NUR F\u00dcR DEN DIENSTGEBRAUCH zu kennzeichnen sind. Alle Institutionen des Bundes und der L\u00e4nder m\u00fcssen sich darauf verlassen k\u00f6nnen, dass Informationen, deren Kenntnisnahme von Unbefugten den Bestand oder lebenswichtige Interessen der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder gef\u00e4hrden k\u00f6nnen, als im staatlichen Interesse geheim zu haltende Informationen wirkungsvoll gesch\u00fctzt werden. Jeder, dem eine VS anvertraut oder zug\u00e4nglich gemacht worden ist, tr\u00e4gt die pers\u00f6nliche Verantwortung f\u00fcr ihre sichere Aufbewahrung und vorschriftsm\u00e4\u00dfige Behandlung sowie f\u00fcr die Geheimhaltung ihres Inhalts gem\u00e4\u00df den Bestimmungen der Verschlusssachenanweisung f\u00fcr das Land Sachsen-Anhalt (VSA). Geheimschutz im \u00f6ffentlichen Bereich Personeller Geheimschutz Mit dem personellen Geheimschutz soll verhindert werden, dass Personen mit Sicherheitsrisiken Zugang zu VS erhalten. Das hierzu genutzte Instrument ist die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die mit einer sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeit betraut werden sollen. Die Verantwortung f\u00fcr diese Sicherheitsma\u00dfnahmen liegt bei den zust\u00e4ndigen Stellen. Im \u00f6ffentlichen Bereich des Landes ist die zust\u00e4ndige Stelle in der Regel die Besch\u00e4ftigungsbeh\u00f6rde. Die zust\u00e4ndige Stelle bestellt zur Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben einen Geheimschutzbeauftragten und einen Vertreter. Das Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsverfahren ist im Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsund Geheimschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (S\u00dcG-LSA) geregelt. Die Mitwirkung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Sachsen-Anhalts beruht auf SS 4 Abs. 2 Nr. 1 VerfSchG-LSA in Verbindung mit SS 4 Abs. 3 S\u00dcG-LSA. Gr\u00fcnde, die einem Einsatz in einer sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeit entgegenstehen, k\u00f6nnen sich insbesondere ergeben aus: Zweifeln an der Zuverl\u00e4ssigkeit (z. B. aufgrund von Straftaten, Drogenoder Alkoholmissbrauch); Gef\u00e4hrdungen durch Anbahnungsund Werbungsversuche fremder Nachrichtendienste (z. B. im Falle einer \u00dcberschuldung, da dies ein Ansatzpunkt sein kann, um den Betroffenen gegen Geldzahlung zu einer Verletzung seiner Pflichten zu veranlassen); 169","Geheimschutz Zweifeln am Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung (z. B. wegen extremistischer Bet\u00e4tigung). Die Frage, ob sich aus einem derartigen Umstand tats\u00e4chlich ein Sicherheitsrisiko ergibt, ist in jedem Einzelfall unter Ber\u00fccksichtigung der Art der vorgesehenen sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeit zu pr\u00fcfen. Eine Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung darf nur mit ausdr\u00fccklicher vorheriger Zustimmung des Betroffenen erfolgen. Materieller Geheimschutz Der materielle Geheimschutz befasst sich mit technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen, die verhindern oder zumindest erschweren sollen, dass Unbefugte an gesch\u00fctzte Informationen gelangen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat hierbei die Aufgabe, \u00f6ffentliche Stellen und geheimschutzbetreute Unternehmen des Landes zu beraten, wie sie am besten technische Sicherungsma\u00dfnahmen planen und durchf\u00fchren k\u00f6nnen. 170","ANHANG","Anhang STATISTIK Extremistisches Personenpotenzial in Sachsen-Anhalt 2023 2024 2025 Rechtsextremisten Parteigebundener Rechtsextremismus (Parteien) 2.345 2.750 3.680 Weitgehend unstrukturierter, meist subkulturell 970 1.110 1.170 gepr\u00e4gter Rechtsextremismus Parteiungebundener Rechtsextremismus 250 290 310 Summe: 3.565 4.150 5.160 Gesamt (nach Abzug der Mehrfachmitgliedschaften): 3.350 4.000 5.100 Reichsb\u00fcrgerszene (inkl. Rechtsextremisten 700 700 700 innerhalb dieser Szene) Delegitimiererszene 100 90 90 Linksextremisten Gewaltorientierte Linksextremisten 295 295 320 Organisationsund parlamentsorientierte 385 385 450 Linksextremisten Gesamt: 680 680 770 Islamisten 400 400 400 PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) 250 250 250 Summe 5.480 6.120 7.310 172","Anhang BILDNACHWEIS Seite 13 MI LSA Seite 15 Michel Klehm Seite 24 Logo AfD Landesverband Sachsen-Anhalt Seite 27 https://www.instagram.com/stories/held_der_arbeit_89/364676965028161 1374/ Seite 29 https://www.facebook.com/profile.php?id=61563486665557 Seite 31 https://www.instagram.com/wut.halle/ Seite 33 Logo \"Die Heimat\" Seite 36 https://www.instagram.com/burgenlandjugend/ Seite 38 Logo \"Der III. Weg\" Seite 40 t.me/DerDritteWeg Seite 50 https://x.com/khkh656fhff/ Seite 51 https://wedaelysiabuch.wordpress.com/ Seite 63 MI LSA Seite 64 https://vaterlandliebe.de/ Seite 69 Logo IBD Seite 71 Logos IBD Seite 74 Logo IfS Seite 84 MI LSA Seite 85 https://www.hilfsdienst.net/ Seite 94 https://komaufbau.org/ Seite 95 https://www.instagram.com/roter.aufbau.burg/ Seite 96 https://www.instagram.com/oaphalle/ Seite 98 https://www.instagram.com/p/DJPa5UTMo8i/?img_index=1 Seite 100 https://www.instagram.com/p/DFAccZnsSSh/?img_index=1 https://www.instagram.com/p/DKfYFb3oiBu/?img_index=1 Seite 101 https://www.instagram.com/antifa_salzwedel Seite 102 https://www.instagram.com/internationalejugendhallesaale/ Seite 104 https://www.instagram.com/p/DKiI2UJoApx/ https://www.instagram.com/redmediakollektiv/ Seite 105 https://www.instagram.com/unschaerfe.kollektiv/ https://www.instagram.com/oaphalle/ Seite 106 https://www.instagram.com/redmediakollektiv/ Seite 107 https://www.instagram.com/redmediakollektiv/ Seite 108 https://dendaumenrunter.noblogs.org/post/2025/06/11/start-der-kampagne-ge gen-die-rechte-gladiator-fight-academy-in-halle/. Seite 111 Logo \"Rote Hilfe\" Seite 114 Logo FAU Seite 115 https://www.instagram.com/fau_magdeburg/ Seite 116 https://www.instagram.com/fau_magdeburg/ Seite 117 Logo MLPD Seite 119 Logo DKP Seite 120 https://instagram.com/p/DR4-IPICAZ4/ Seite 126 Berliner Kurier (Onlineausgabe) vom 20. Februar 2025 173","Anhang Seite 127 Logo IS Seite 130 Logo TJ Seite 137 Logo PKK Seite 141 https://dubisthalle.de/newroz-piroz-be-kurdisches-neujahrsfest-wurde-imsuedpark-gefeiert/ Seite 145 Logo MLKP Seite 146 Logo YS Logo ZORA Seite 147 https://www.instagram.com/youngstruggle_dessau/ Seite 160 MI LSA Seite 161 Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz MI LSA Seite 166 Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz 174"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2025","year":2025}
