{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-st-1994.pdf","jurisdiction":"Sachsen-Anhalt","num_pages":210,"pages":["Landtag von Sachsen-Anhalt Drucksache 2/91 0 Zweite Wahlperiode 04.05.1995 Unterrichtung Pr\u00e4sident des Landtages Magdeburg, 4. Mai 1995 von Sachsen-Anhalt Verfassungsschutzbericht 1994 Sehr geehrte Damen und Herren, mit Schreiben vom 26. April 1995 hat der Chef der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt gem\u00e4\u00df SS 15 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt (VerfSchG-LSA) vom 14. Juli 1992 (GVBI. LSA S. 590) dem Landtag den Verfassungsschutzbericht 1994 der Landesregierung mit der Bitte um Kenntnisnahme \u00fcbermittelt. Federf\u00fchrend ist das Ministerium des lnnern des Landes Sachsen-Anhalt. Die Unterrichtung des Landtages erfolgt gem\u00e4\u00df SS 54 Abs. 1 Satz 2 der Vorl\u00e4ufigen Gesch\u00e4ftsordnung des Landtages von Sachsen-Anhalt (VoriGO.LT). Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen Dr. Klaus Keitel Anlage Hinweis: Die Ausgabe des gedruckten Verfassungsschutzberichtes 1994 erfolgt zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt. (Ausgegeben am 05.05.1995)","","Vorabdruck Verfassungsschutzbericht des Landes SachsenAnhalt 1994 ~Iinisterium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt","","--------------------Sachsen-AnhaltVerfassungsschutzbericht 1994 Ministerium des lnnern des Landes Sachsen-Anhalt - - - - - - - - - - - Berichtszeitraum: 01. 01. 1994-31. 12. 1994 -","","Vorwort Die Bedeutung und der Wert eines freiheitlich-demokratischen verfa\u00dften Staates wissen gerade diejenigen zu sch\u00e4tzen, die die Freiheitsrechte nach deren jahrzehntelanger staatlicher Mi\u00dfachtung erk\u00e4mpft haben. Die Verteidigung und der Schutz des demokratischen Rechtsstaates ist Aufgabe aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger. Deren Bereitschaft, sich mit den Werten unserer Verfassung zu identifizieren und an ihrer Bewahrung engagiert mitzuwirken, ist der beste Garant fiir einen wirksamen Verfassungsschutz. Ein positives und ermutigendes Signal in dieser Hinsicht ist die deutliche Absage der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger in unserem Land an extremistische Parteien bei den Wahlg\u00e4ngen des vergangeneo Jahres. Trauriger H\u00f6hepunkt des Berichtsjahres waren demgegen\u00fcber die Ausschreitungen in Magdeburg am Himmelfahrtstag. Die besorgniserregende Zunahme fremdenfeindlicher Straftaten im Berichtszeit- . raum ist nicht zuletzt auf diese Ereignisse im Mai 1994 und ihre Folgewirkung zur\u00fcckzufiihren. Als erschreckende Beispiele fiir Fremdenha\u00df und Gewalt sind die Krawalle zugleich Mahnung zu erh\u00f6hter Wachsamkeit aller, um Wiederholungen vorzubeugen. Der Verfassungsschutz leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem er Erkenntnisse zu rechtsund linksextremistischen Bestrebungen gibt. Sein Arbeitsauftrag und seine Mittel sind gesetzlich festgelegt und werden durch den Landtag kontrolliert. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde wird gerade im Vorfeld polizeilich relevanter Aktivit\u00e4ten t\u00e4tig. Deutlicher Beleg hierf\u00fcr sind die Verbote von rechtsextremistischen Vereinigungen im vergangeneo Jahr, die wesentlich auf Informationen des Verfassungsschutzes gest\u00fctzt werden konnten.","Der Information der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber extremistische Bestrebungen und andere Angriffe auf unsere Verfassung dient der vorliegende Bericht. Er zeigt verfassungsfeindliche Ziele und Bestrebungen auf, die gerade von extremistischen Gruppierungen h\u00e4ufig durch Scheinbekenntnisse zur Demokratie, durch die Umwertung politischer und juristischer Begriffe und verdeckte Querverbindungen verschleiert werden. Der diesj\u00e4hrige Verfassungsschutzbericht gibt den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern hierzu die notwendigen Informationen und liefert damit einen wichtigen Beitrag zur praktizierten wehrhaften Demokratie. Dr. Manfred P\u00fcchel Minister des Innem des Landes Sachsen-Anhalt","Inhaltsverzeichnis Vonvort ** 1 I. Uberblick II. Rechtsextremismus 3 1. Vorbemerkungen 3 1.1 Begriffsbestimmungen 3 1.2 Ideologische Str\u00f6mungen 4 1.3 Erscheinungsformen des Rechtsextremismus 4 1.4 Merkmale des Rechtsextremismus 5 1.5 Nutzung der modernen Informationstechnik 7 1.5.1 Mailboxen 7 1.5.2 \"Nationale Info-Telefone\" (NIT) 12 1.5.3 Mobiltelefone 15 1.5.4 Mobilfunk, CB-Funk und FAX 15 1.5.5 Gegenma\u00dfnahmen 16 1.6 Revisionismus-Kampagne 16 1.6.1 Ziele und Methoden 16 1.6.2 Entwicklung 17 1.6.3 Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne 18 1.7 Auslandskontakte deutscher Rechtsextre19 misten 1.7.1 Neonazistische Propaganda aus dem Aus20 land 1.7.2 Internationale Treffen 23 2. Militanter Rechtsextremismus 26 2.1 Erscheinungsformen 26 2.1.1 Skinheads 26 2.1.2 Andere militante Rechtsextremisten 29","II 2.2 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 30 2.2.1 \u00dcbersicht \u00fcber die Strafund Gewalttaten 34 2.2.2 Gerichtsurteile 44 2.2.3 Kein Rechtsterrorismus in Sachsen-Anhalt 47 3. Neonazistische Organisationen 47 und Parteien 3.1 Allgemeines 47 3.1.1 Ideologisch-politischer Standort 48 3.1.2 Organisation 49 3.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 51 3.2 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 57 3.2.1 Ideologisch-politischer Standort 57 3.2.2 Organisation 60 3.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 62 3.3 Direkte Aktion!Mitteldeutschland (JF) 66 3.3.1 Ideologisch-politischer Standort 66 3.3.2 Organisation 68 3.3.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 70 3.4 Deutscher Freundeskreis Nordharz (DFN) 74 3.4.1 Ideologisch-politischer Standort 74 3.4.2 Organisation 75 3.4.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 76 3.5 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische 78 Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V. (HNG) 3.5.1 Ideologisch-politischer Standort 78 3.5.2 Organisation 78 3.5.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 79 3.6 Internationales HUfskomitee f\u00fcr nationale 79 politische Verfolgte und deren Angeh\u00f6rige e. V. (IHV) 3.6.1 Ideologisch-politischer Standort 79 3.6.2 Organisation 79 3.6.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 80 3.7 Die Nationalen e. V. 80 3.7.1 Ideologisch-politischer Standort 80","111 3.7.2 Organisation 83 3.7.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 84 4. Rechtsextremistische Parteien 88 und Organisationen 4.1 Partei \"Die Republikaner\" (REP) 88 4.1.1 Ideologisch-politischer Standort 89 4.1.2 Organisation 91 4.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 92 4.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands 95 (NPD) 4.2.1 Ideologisch-politischer Standort 95 4.2.2. Organisation 96 4.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 98 4.3 Deutsche Volksunion (DVU) 99 4.3.1 Ideologisch-politischer Standort 99 4.3.2 Organisation 101 4.3.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 102 4.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 102 4.4.1 Ideologisch-politischer Standort 102 4.4.2 Organisation 103 4.4.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 104 4.5 Wiking-Jugend (WJ) 105 111. Linksextremismus 107 1. Allgemeines 107 2. Autonome 108 2.1 Ideologisch-politischer Standort 108 2.2 Aktionsformen militanter Autonomer 109 2.3 Gegenw\u00e4rtige Situation innerhalb der auto110 nomen Szene 2.4 Strukturen in Sachsen-Anhalt 112 2.5 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 115","IV 2.6 \u00dcbersicht in Zahlen 120 3. Parteien, Organisationen und 122 sonstige Gruppierungen 3.1 Marxistisch-Leninistische Partei 123 Deutschlands (MLPD) 3.1.1 Ideologisch-politischer Standort 123 3.1.2 Organisation 123 3.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 123 3.2 Kommunistische Partei Deutschlands, Sitz 124 Berlin (KPD-Ost) 3.2.1 Ideologisch-politischer Standort 124 3.2.2 Organisation 124 3.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 126 3.3 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 127 3.4 Kommunistische Partei Deutschlands 127 (Gruppe M\u00d6LLER) 3.4.1 \"KPD/Magdeburg\" 127 3.4.2 Internationale Jugend gegen Kapitalismus 128 und Faschismus 3.5 Kommunistische Plattform in der PDS 129 (KPF) 3.5.1 Ideologisch-politischer Standort 129 3.5.2 Organisation 130 3.5.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 130 3.6 Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands 131 (SpAD) 3.6.1 Ideologisch-politischer Standort 131 3.6.2 Organisation 131 3.6.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 131 4. Linksextremistischer Terrorismus 133 4.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 133 4.2 Antiimperialistische Zelle (AIZ) 135","V IV. Fortwirkende Strukturen 137 und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdiensteder DDR V. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und 138 extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 138 2. Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt 139 VI. Spionageabwehr 140 ** 1. Allgemeiner Uberblick 140 2. Ehemalige DDR-Nachrichten140 dienste 3. Nachrichtendienste der rus141 sischen F\u00f6deration und der \u00fcbrigen GUS-Staaten 4. Nachrichtendienste sonstiger 141 ehemaliger Warschauer-PaktStaaten 5. Nachrichtendienste aus dem 142 Nahen und Mittleren Osten 6. Spionageabwehr mit Hilfe der 142 Bev\u00f6lkerung","VI VII. Geheimschutz 143 1. Allgemeines 143 2. Geheimschutz im Beh\u00f6rden143 hereich 2.1 Personeller Geheimschutz 143 2.2 Materieller Geheimschutz 144 3. Geheimschutz in der Wirtschaft 145 VIII. Verfassungsschutz in 147 Sachsen-Anhalt 1. Grundlagen und organisatorische 147 Ausgestaltung des Verfassungsschutzes 2. Aufgaben des Verfassungs148 schutzes 3. Organisation des Verfassungs154 schutzes in Sachsen-Anhalt 4. Methoden und Mittel der Infor154 mationsgewinnung 5. Kontrolle 157","VII IX. Verfassungsschutz durch 158 Aufkl\u00e4rung ** 1. Fortsetzung der \"FAIRSTAND158 NIS-Kampagne\" ** 2. Offentlichkeitsarbeit des Ver162 fassungssch utzes X. Anhang Anhang 1: 163 Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt (VerfassungsschutzgesetzLSA) Anhang 2: 178 Abk\u00fcrzungsverzeichnis Anhang 3: 181 Stichwortverzeichnis Anhang 4: 193 Strukturdaten","","1 I. \u00dcberblick 1994 ging die Gefahr fiir die innere Sicherheit haupts\u00e4chlich von rechtsextremistischen Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten aus. Eine Bedrohung stellen aber auch weiterhin verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten von Linksextremisten dar. Im rechtsextremistischen Bereich war eine drastische Zunahme neonazistischer Aktivit\u00e4ten festzustellen. Die Zahl der Neonazis hat sich in Sachsen-Anhalt im Berichtszeitraum mehr als verdreifacht. Den \u00f6rtlichen Schwerpunkt bildet die Harzregion. Dort konnte insbesondere die im Februar 1995 verbotene Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei neue Mitglieder und Sympathisanten gewinnen. Auch war zu beobachten, da\u00df sich einzelne Neonazis und militante Rechtsextremisten Gruppen anschlossen, die absichtlich auf feste innere Strukturen verzichten und dadurch Einzelg\u00e4nger ansprechen. Besondere Gefahren gehen weiterhin von rechtsextremistischen Gewaltt\u00e4tern aus. Obwohl ein leichter R\u00fcckgang bei den Gewalttaten festzustellen war, nahmen die fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten - gegen den Bundestrend - um mehr als ein Drittel zu. Eine ungew\u00f6hnliche Entwicklung war bei den antisemitischen Straftaten festzustellen. Ihre Zahl hat sich mehr als verzehnfacht, wobei die Gewalttaten aiJerdings nur einen kleinen Teil ausmachten. Die informationeile Vernetzung zwischen Neonazis, militanten Rechtsextremisten und rechtsextremistischen Parteien und Gruppierungen wurde im Berichtszeitraum fortgesetzt, um die andauernden Organisationsverluste auszugleichen. Es ist zu erwarten, da\u00df im April 1995 auch in Sachsen-Anhalt ein \"Nationales Info-Telefon\" installiert werden wird. Die rechtsextremistischen Parteien erzielten im Berichtszeitraum aus ihrer Sicht verheerende Wahlergebnisse und litten unter der weiterhin bestehenden innerparteilichen Zerstrittenheit. Dies hatte r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederzahlen zur Folge, so da\u00df unter anderem auch deshalb sich die bestehenden Organisationsstrukturen nicht weiter entwickelten.","2 Linksextremistische Bestrebungen gingen im Berichtszeitraum haupts\u00e4chlich von Autonomen aus. Ihnen waren auch die meisten Straftaten zuzurechnen, obwohl hier ein allgemeiner R\u00fcckgang zu verzeichnen war. Als Reaktion auf die Zunahme neonazistischer Aktivit\u00e4ten in der Harzregion bildete sich im Bereich Halberstadt und Quedlinburg eine ,,Antifa-Ha/Qu\". Die linksextremistischen Parteien spielten in Sachsen-Anhalt keine besondere Rolle. Die Auswertung der begangenen Gewalttaten fiihrte zu dem Schlu\u00df, da\u00df auch im Jahr 1994 in Sachsen-Anhalt weder im rechtsnoch im linksextremistischen Bereich terroristische Aktivit\u00e4ten bestehen. Die gesetzlichen Voraussetzungen fiir die Annahme einer terroristischen Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129a Abs. 1 StGB liegen weiterhin nicht vor. Allerdings ist die Gefahr, die von der terroristischen \"Antiimperialistischen Zelle\" bundesweit ausgeht, nicht zu untersch\u00e4tzen. Sie hatte im Berichtszeitraum angedroht, die bundesdeutschen Eliten da anzugreifen\" wo sie wohnen und arbeiten\". Extremistische Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten von Ausl\u00e4ndern waren in Sachsen-Anhalt nicht festzustellen. Das gleiche gilt fiir den Bereich \"Fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der DDR\". Im Bereich der Spionageabwehr wurden bei der Abarbeitung von Altf\u00e4llen Erkenntnisse des Landesamtes fiir Verfassungsschutz zum Anla\u00df fiir die Einleitung von Ermittlungsverfahren genommen.","3 * II. Rechtsextremismus 1. Vorbemerkungen 1.1 Begriffsbestimmung \"Rechtsextremismus\" umfa\u00dft im Verst\u00e4ndnis der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden politisch motivierte Bestrebungen, die im N ationalismus und Rassismus wurzeln. Nationalismus beinhaltet dabei im wesentlichen die \u00dcberbewertung eigener nationaler Interessen zu Lasten der Interessen anderer Nationen und zu Lasten der Individualrechte von Angeh\u00f6rigen der eigenen Nation. Nationalismus und Rassismus sind miteinander eng verzahnte Begriffe, weil in der rechtsextremistischen Interpretation die Nation nur die Gemeinschaft derjenigen umfa\u00dft, die aufgrund gemeinschaftlicher Abstammung - also einheitlicher Rasse - zusammengeh\u00f6ren (\"Rassenation\"). Die nationalsozialistische Propaganda verk\u00fcndete einen solchen von Volkstumsideologie und Rassenfanatismus beherrschten biologischen Nationenbegriff, der im Unterschied zum Begriff der \"Kultumation\" steht. Die \"Kulturnation\" ist gegr\u00fcndet auf die ethnisch-kulturelle Entwicklung des Volkes, stellt also auf die Gemeinschaft von Menschen ab, die durch gemeinsame Abstammung und durch gemeinsame Sprache, Religion und Kultur sowie durch gemeinsam erlebte Geschichte ein politisches Gemeinschaftsgef\u00fchl entwickelt haben. Rechtsextremismus ist somit gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet. Nationalistische Elemente stellen die Wertordnung des Grundgesetzes in Frage, weil sie Individualrechte hinter nationale Kollektivinteressen zur\u00fccktreten L_ sen. Der Rassismus ist zudem mit dem grundgesetzlich verb\u00fcrgten Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsgrundsatz im Sinne der Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes unvereinbar. Eine dergestalt rassistisch motivierte und damit rechtsextremistische Fremdenfeindlichkeit sollte nicht als ,,Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" bezeichnet werden. Denn ein Rassist bek\u00e4mpft auch die inzwischen eingeb\u00fcrgerten, d. h. zu deutschen Staatsangeh\u00f6rigen gewordenen Ausl\u00e4nder, nicht jedoch diejenigen Ausl\u00e4nder, die er im weitesten Sinne der \"nordischen Rasse\" zuordnet.","4 * 1.2 Ideologische Str\u00f6mungen Der Rechtsextremismus weist keine einheitliche Ideologie auf. Das wesentliche Kennzeichen jedweder rechtsextremistischen Einstellung und Ideologie ist der Nationalismus. Unter den Nationalisten bilden die Anh\u00e4nger AdolfHITLERs und des Nationalsozialismus eine nicht nur im Inland, sondern auch in vielen anderen L\u00e4ndern vertretene Minderheit. Neonazis sind zu unterscheiden von den nichtnationalsozialistisch gepr\u00e4gten rechtsextremistischen Gruppierungen. Rechtsextremistische Parteien in der Bundesrepublik Deutschland wie die \"Deutsche Volksunion\" (DVU), die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) und die \"Deutsche Liga fiir Volk und Heimat\" (DLVH) propagieren kein geschlossenes Ideologiegeb\u00e4ude, sondern eine mit wechselnden Schwerpunktthemen besetzte rechtsextremistische Agitation. Dabei ist die NPD einer eher v\u00f6lkisch-kollektivistischen Vorstellung verhaftet mit dem Ziel, einen Volksstaat anzustreben; der die Interessen der Gemeinschaft \u00fcber die Rechte des Einzelnen stellt. Die DVU hingegen hat bisher \u00fcberhaupt keine weltanschaulichen oder ideologischen Konzepte erkennen lassen. Sie greift in den Publikationen ihres Bundesvorsitzenden Dr. FREY regelm\u00e4\u00dfig aktuelle Themen auf, um Feindbilder zu erzeugen, wie etwa das Bild vom \"vagabundierenden Zigeuner\", dem \"faulen Polen\", den \"kriminellen Asylbewerbern\" oder den \"Juden, die die Deutschen erpressen\". Die DLVH ist das Ergebnis von Personalquerelen im rechtsextremistischen Parteienbereich. Sie hat von den anderen rechtsextremistischen Parteien Teilaspekte \u00fcbernommen, um sich als \"Partei der nationalen Sammlung\" zu empfehlen. 1.3 Erscheinungsformen des Rechtsextremismus Bei den Erscheinungsfonnen des Rechtsextremismus ist zu trennen zwischen: dem militanten Rechtsextremismus (Seite 26), dem organisierten Neonazismus (Seite 4 7) und","5 den rechtsextremistischen Parteien und Organisationen (Seite 88). 1.4 Merkmale des Rechtsextremismus Die unter dem Begriff Rechtsextremismus zusammengefa\u00dften Parteien, Organisationen oder Personenzusammenschl\u00fcsse verfUgen nicht \u00fcber ein gefestigtes theoretisches System. Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Sie stellen sich damit gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die wichtigsten Elemente des Rechtsextremismus sind: ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender, \u00fcbersteigerter, oft aggressiver Nationalismus, verbunden mit menschenverachtender Fremdenfeindlichkeit, die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, wie die Warnung vor einer ,,Rassenmischung u als Gef\u00e4hrdung des \"deutschen Volkscharakters\", die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen, die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische Gewaltherrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen (Revisionismus) und","6 eine \u00dcberbetonung milit\u00e4rischer und soldatischer Werte und hierarchischer Prinzipien (,,F\u00fchrer\" und \"Gefolgschaft\") verbunden mit der Propagierung einer autorit\u00e4ren und diktatorischen staatlichen und sozialen Ordnung sowie der \u00dcberbetonung der Notwendigkeit eines nach innen und au\u00dfen starken Staates (Etatismus). Hinzu kommt die von allen Extremisten betriebene planm\u00e4\u00dfige Verunglimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, die Demokratie in den Augen der Bev\u00f6lkerung als Wert zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht immer vollst\u00e4ndig bei allen rechtsextremistischen Personenzusammenschl\u00fcssen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte fiir das Gesamterscheinungsbild bestimmend. Auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wahrend die Neonazis offen alle wesentlichen demokratischen Verfassungsgrundsatze ablehnen und sie langfristig durch ein System des ,,Dritten Weges\" ersetzen wollen, versuchen die rechtsextremistischen Parteien wie die NPD und die DVU, ihre wahren Ziele vielfach hinter tagespolitischen Forderungen zu verbergen. Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele lehnen sie verbal ab. Dagegen fordern Neonazis schon seit Jahren offen zur Gewaltanwendung auf. Das herausragende gemeinsame Merkmal aller rechtsextremistischen Bestrebungen ist der Rassismus, der im Neonazismus und in der rechtsextremistischen Skinhead-Bewegung am st\u00e4rksten artikuliert wird. Betont wird die rechtsextremistische Ideologie von der angeblichen Ungleichheit der Menschen und der angeblich unterschiedlichen \"Wertigkeit\" der Menschenrassen. Neben Juden sind Ausl\u00e4nder, vor allem T\u00fcrken, von dieser Aggression betroffen. Gegenw\u00e4rtig steht die rassistisch begr\u00fcndete Fremdenfeindlichkeit im Vordergrund, wahrend der Antisemitismus dahinter zur\u00fccktritt. Rechtsextremisten orientieren sich dabei an den Kriterien der ,,Fremdartigkeit\" der Ausl\u00e4nder: Je ,fremdrassiger\" der Ausl\u00e4nder, besonders der Asylbewerber oder Fl\u00fcchtling nach ihrer Auffassung ist, desto deutlicher wird er als potentielle Gefahr f\u00fcr die deutsche \"Volkssubstanz\" bzw. \"Volks-","7 gemeinschaft\" hingestellt. Infolgedessen fordern sie die ,,Entfernung\" dieser Ausl\u00e4ndergruppen. 1.5 Nutzung der modernen Informationstechnik Mit der Perfektionierung der Informationstechnik entstanden f\u00fcr die neonazistische und die \u00fcbrige rechtsextremistische Szene neue M\u00f6glichkeiten der Strukturierung durch informationeile Vernetzung, die auch als Steuerungsmittel wirksam nutzbar sind. Diese besonders f\u00fcr einen \u00fcberregionalen Informationsaustausch einsetzbaren Kommunikationswege haben die Rechtsextremisten wie zuvor die Linksextremisten inzwischen voll in ihr logistisches Konzept aufgenommen. Das steigert die Gef\u00e4hrlichkeit dieses Personenkreises, der dadurch die \"Szene\" kurzfristig mobilisieren, gr\u00f6\u00dfere Aktionen steuern und auf Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden flexibel reagieren kann. Nachdem auch die rechten Parteien die Vorteile der modernen Informationstechnik erkannt haben, sind sie zunehmend bem\u00fcht, eigene Kornmunikationswege aufzubauen. 1.5.1 Mailboxen Mailboxen 2 sind elektronische Informationsverteilungsstellen, die jedermann, der das erforderliche technische Ger\u00e4t besitzt, zur Verf\u00fcgung stehen. Mindestausstattung fiir den Betrieb und die Kommunikation mit einer Mailbox ist ein PC, eine entsprechende MailboxSoftware, ein Modem 3 sowie ein Fernsprechanschlu\u00df. Die Mailbox bietet dem SYSOP4 die M\u00f6glichkeit, Informationen selektiert an lediglich durch ihn berechtigte Informationssuchende (POINT, USER und GUEST) abzugeben. Als Betreiber der Mailbox hat der SYSOP h\u00f6chste Priorit\u00e4t ftir alle Vorg\u00e4nge. Das bedeutet, da\u00df er sich jederzeit in die Verbindung zwischen dem Informationssuchenden und seiner Mailbox einschalten und den Informationsaustausch kontrollieren und protokollieren kann. 2 \u00dcbersetzt etwa elektronische Briefk\u00e4sten. 3 Kunstwort, Zusammensetzung aus Modulator-Demodulator. 4 Abk\u00fcrzung f\u00fcr Systemoperator = Betreiberund Verantwortlicher der Mailbox.","\"Zentralbox\" Sysop-Boxen Point, User oder Guest Das System mehrerermiteinander verbundener Mailboxenist oben schematisch darge- = stellt. In einem Mailbox-Netz \u00fcbernimmtdie \"Zentralbox\" (Mailbox I) die Aufgabe, deg' nach einemfestgelegtenZeitplan Informationenvon den ansieangeschlossenen!Mailboxen 2-7 (SYSOP-Boxen) abzufragen und diesen im Austausch eigene aktuelle Informationen zu \u00fcbermitteln. Nach demselben Verfahren tauschen dann die SYSOP-Boxen .: DatenmitdenansieangeschlossenenPoints,UsernundGuests(8-12)aus.Durchdiesen \"Schneeballeffekt\"werden Informationen schnell und weit verbreitet. . \u00c4 DadieInformationennichtnur\u00fcberdas TelefonnetzderTelekom,sondernauch'\u00fcber | Mobilfunknetze \u00fcbermittelt werden k\u00f6nnen, sind Mailboxen nichtunbedingt standortgebunden. Siek\u00f6nnenalsotheoretisch auchimAuto oder im ii Zugbetriebenwerden.DerDatenaustausch \u00fcber Mobilfunknetze bietet zwar den Vorteil der Abh\u00f6rsicherheit, f\u00fchrtdeg aber wegen h\u00e4ufig auftretender St\u00f6rungen der Mobilfunkverbindung oft zu 1 Datenver-2 lusten. Die moderneInformationstechnikmachtes jederzeitm\u00f6glich, dasMailbox-Netznenzu. Strukturierenund eine andereMailbox zur \"Zentralbox\" zu bestimmen. Den \u00dcberblick = \u00fcber den Aufbau des Netzeshat in der Regel nur der Betreiber der Zentralbox. deg","9 Auf der niedrigsten - der Allgemeinheit zug\u00e4nglichen - Berechtigungsstufe kann die Mailbox \u00e4hnlich einem Info-Telefon genutzt werden. H\u00f6here Berechtigungsstufen schaffen die M\u00f6glichkeit, sensible Informationen nur dem fiir die jeweilige Stufe Legitimierten abrufbar vorzuhalten. Der Zugang zu diesen Bereichen ist nur \u00fcber Password und Registrierung von Name und Telefonnummer zu erreichen. Bei Festlegung unterschiedlich berechtigter Nutzer der Mailboxen durch deren Betreiber bietet dieses Kommunikationsmittel variable Einsatzm\u00f6glichkeiten. Zuerst bedienten sich die Linksextremisten der modernen Kommunikationstechniken, insbesondere der Mailboxen. Sie nutzen sie zur Agitation, zum Informationsaustausch und zur Mobilisierung ihrer Kr\u00e4fte. Seit Januar 1991 bauten vor allem Personen des RAP-Umfeldes den bundesweiten Mailboxverbund \"Spinnen Netz\" auf. Die Setreiber - inzwischen als \"Verein zur F\u00f6rderung politischer Kultur durch Kommunikation e. V.\" organisiert - arbeiten mit Info-L\u00e4den, Antifa-Gruppen, freien Radios und Zeitungsprojekten der linksextremistischen Szene zusammen. \u00dcber ein \"European Counter Network\" (ECN) ist der Mailboxverbund \"Spinnen Netz\" in den internationalen Nachrichtenaustausch eingebunden. Im Herbst 1992 wurden erstmals zwei dem rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnende Mailboxen bekannt. Nach dem Vorbild \"linker\" Netze wurde von einer dritten Mailbox in weniger als einem Jahr eine Vernetzung aufgebaut. Diesem zun\u00e4chst als \"Deutsches Nationales Netz\", sp\u00e4ter als \"THULE-Network\" bezeichneten Verbund traten bis heute noch mindestens neun weitereMailboxen bei. F\u00fchrende Kraft im \"THULE-Network\" ist die Mailbox \"Widerstand\" in Erlangen. Au\u00dferdem z\u00e4hlen dazu u.a. die Mailboxen \"Gennania\" (Bonn), \"Rechtsweg\" (Frankfurt a. M.), \"Propaganda\" (Karlsruhe), \"Kraftwerk\" (Wei\u00dfenbrunn!Niederbayern), \"Elias\" (Rhein-NeckarRaum) und \"Empire\" (Winnenden). Obwohl die Mailboxbetreiber h\u00e4ufig dem neonazistischen Spektrum angeh\u00f6ren, sind die Mailboxen des \"THULE-Network\" grunds\u00e4tzlich organisations\u00fcbergreifend, d. h. sie k\u00f6nnen in der Regel nicht einer bestimmten rechtsextremistischen Organisation zugeordnet werden.","10 Im \"THULE-Network\" k\u00f6nnen Texte und Informationen zu Themen wie ANTI-ANTIFA, Konservative Revolution, Europ\u00e4ischer Nationalismus, Gesellschaft, Kultur oder Zeitgeschichte eingestellt oder abgerufen werden. Von der Mailbox \"Widerstand\" wurden folgende Ziele f\u00fcr das \"THULE-Network\" formuliert: Kontakte zwischen \"nationalen Gruppen\" herzustellen und zu verfestigen, eine Datenbank mit \"Informationen f\u00fcr Nationale Aktivisten\" zu entwickeln und die Bereitstellung eines \"nicht oder nur mit erheblichem technischen Aufwand\" auszusp\u00e4henden Kommunikationssystems, um so den \" Verfolgungsdruck durch das System\" zu mindern. Letztendlich soll durch die informationeile Vemetzung eine \"befreite Zone\" im Mailbox-Bereich geschaffen werden. Hierunter verstehen die Mailbox-Betreiber einen Freiraum f\u00fcr politische Aktivisten oder Aktivit\u00e4ten nach dem Motto: \"Wir sind drinnen, der Staat bleibt drau\u00dfen\". In der zweiten Ausgabe des \"THULE-Joumals\" wird zum einen beklagt, da\u00df der Verfolgungsdruck des Staates auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern zugenommen habe und zum andern der Informationsaustausch von Nationalisten aus den alten Bundesl\u00e4ndern zu den Nationalisten in \"Mitte/deutschland\" noch nicht auf dem Stand sei, den die Technik zulie\u00dfe. In den alten Bundesl\u00e4ndern gebe es eine gro\u00dfe Menge an F\u00fchrungskr\u00e4ften, denen aber die breite Basis f\u00fcr die Umsetzung ihrer Ideen fehle. Das Gegenteil sei in den neuen Bundesl\u00e4ndern festzustellen. Dort gebe es viele Aktivisten, aber zu wenige F\u00fchrungskr\u00e4fte. Daraus folgert der Autor, da\u00df diese ungleiche Zusammensetzung sich durch eine Vemetzung zwischen den Kaderfunktion\u00e4ren in den alten Bundesl\u00e4ndern und den Aktivisten aus den neuen Bundesl\u00e4ndern l\u00f6sen lie\u00dfe. Dazu sei das \"THULE-Network\" am geeignetsten, denn im Gegensatz zu den Info-Telefonen sei dort ein Informations-","11 Das 'Tl \"Netz em: Bs nn WIDERSTAND.BBS Be So BS ESGAR ANUS.BBS","12 austausch von beiden Seiten gew\u00e4hrleistet. Au\u00dferdem sei ein Zugriff von Unbefugten bei Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen ausgeschlossen. Weiter hei\u00dft es dann: \"Es mu\u00df vorher in Mitteldeutschland zu einer gro\u00dfen Aufkl\u00e4rung in bestimmten Punkten kommen, wie zum Beispiel 'Verhalten gegen\u00fcber Polizei und Justiz' sowie 'Umgang mit Mai/boxen'. Der Mangel von Wissen auf diesem Gebiet bringt uns Monat f\u00fcr Monat eine st\u00e4tig wachsende Gefangenenliste ein und w\u00e4re eine Gefahr f\u00fcr die bis jetzt schon bestehende Vernetzung durch Mai/boxen. Wir sollten aber auch f\u00fcr eine Integration der Kameraden in Mitteldeutschland an Projekten die 'bundesweite' Bedeutung haben sorgen. Das Potential der Aktivisten wird noch nicht genug gef\u00f6rdert und ausgesch\u00f6pft. Es w\u00e4re vor allem sehr wirksam wenn in Mitteldeutschland an jeden Punkt wo es eine handvoll Kameraden gibt, auch die Benutzung von Mai/boxen favorisiert , und vorangetrieben wird. Damit w\u00e4re eine kurzfristige Mobilisierung m\u00f6glich, sowie eine Absprache von Aktionen die sich auf ein bestimmtes Gebiet beziehen nicht mehr auszuschlie\u00dfen. Wir sollten auch den regionalen Nationalismus f\u00f6rdern, weil dadurch eine breite Masse angesprochen werden kann. ... Auf jedenfall handelt es sich bei Mitteldeutschland um die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung die wir seit Kriegsende zu bew\u00e4ltigen und zu l\u00f6sen haben\". (Fehler im Original \u00fcbernommen) In Sachsen-Anhalt ist bislang noch keine rechtsextremistische Mailbox bekannt geworden. Es sind jedoch Bem\u00fchungen feststellbar, geeignete Aktivisten als Mailbox-Betreiber zu gewinnen. 1.5.2 \"Nationale Info-Telefone\" (NIT) Neben Mailboxen werden im linksextremistischen Spektrum wie im neonazistischen Bereich Anrufbeantworter, \"Info-Telefone\" oder sogenannte \"Nationale Info-Telefone\" als jedermann zug\u00e4nglicher, automatisierter Informationspool betrieben. Sie dienen der B\u00fcndelung und Koordinierung von meist logistischen Informationen, da sie eine breite Informationsstreuung gew\u00e4hrleisten. \u00dcber den Anrufbeantworter werden allen Interessenten kurzfristig Meldungen zug\u00e4nglich gemacht. So dient er der linken Szene vornehmlich zur schnellen \u00dcbermittlung aktueller Infonnationen und als Mittel zur schnellen Mobili-","13 sierung zu spontanen Aktionen und Demonstrationen. Bei den Rechtsextremisten werden insbesondere Veranstaltungshinweise aus dem \"Nationalen Lager\", Informationen \u00fcber Exekutivma\u00dfnahmen und Hinweise auf m\u00f6gliche Aktionen politischer Gegner verbreitet. Zus\u00e4tzlich wird Mitgliederwerbung f\u00fcr rechtsextremistische Organisationen betrieben, und f\u00fcr Interessierte werden Kontaktadressen und Rufnummern bekanntgegeben. Nach dem Ende des Ansagetextes wird dem Anrufer die M\u00f6glichkeit zur Aufsprache eines eigenen Textes einger\u00e4umt. Das Info-Telefon der FAP verk\u00fcndet in seiner Ansage vom 13. Juni 1994, da\u00df zur Zeit bundesweit sechs \"Nationale Info-Telefone\" installiert seien, n\u00e4mlich in Hamburg, Schleswig-Holstein, Berlin, Rheinland, N\u00fcrnberg und Schwaben. Die Ansage beschreibt die InfoTelefone als \"Institution der nationalen Bewegung und als \"Symbol H f\u00fcr eine sich vereinigende Rechte\". Die von Neonazis betriebenen Info-Telefone tragen partei-und organisations\u00fcbergreifend zu einer hohen Mobilisierung des gesamten rechtsextremistischen Spektrums bei. Besondere Bedeutung kommt dem Einsatz der NIT bei der Koordinierung von gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen des rechtsextremistischen Lagers zu. So wurde bei den allj\u00e4hrlich Mitte August von Rechtsextremisten durchgef\u00fchrten \"RudolfHess-Gedenkveranstaltungen\" \u00fcber die NIT im Vorfeld zur Teilnahme aufgerufen. Dabei kamen 1994 auch zwei Telefone in den Niederlanden als Ausweichnummern der NIT Rheinland und Schleswig-Holstein zum Einsatz. Die Betreiber der NIT sind sich durchaus bewu\u00dft, da\u00df der politische Gegner - womit sowohl das linke Spektrum als auch staatliche Stellen gemeint sind - die Informationen ebenfalls ohne. Aufwand abrufen kann. Daher werden neben den NIT zunehmend weitere moderne Kommunikationsmittel wie Mobilfunk und Mailboxen zur logistischen Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen genutzt. Die Betreiber der NIT sind bem\u00fcht, die Ansagetexte so zu formulieren, da\u00df die rechtsextremistische Grundeinstellung zwar erkennbar ist, jedoch m\u00f6glichst keine Angriffsfl\u00e4che filr eine strafrechtliche Verfolgung geboten wird. Dennoch wurden in der Vergangenheit wiederholt","14 Info-Telefonezum Teil nur vor\u00fcbergehendstillgelegt, da Passagen der Ansagetexte gegen strafrechtliche Bestimmungen verstie\u00dfen. So kam es am 25. M\u00e4rz 1994 beim NIT Harnburg zu einer Hausdurchsuchung wegen des Verdachts der \u00fcblen Nachrede(SS 186 StGB). Der Verdacht gr\u00fcndete sich auf den Ansagetext vom 22. M\u00e4rz 1994, in dem zu dem Spielberg-Film \"Schindlers Liste\" Stellung bezogen wurde: \"Wie nicht anders zu envarten war, ist die Hollywood-Seifenoper des Juden Steven Spielberg 'Schindlers Liste' mit Oscar-Auszeichnungen \u00fcberh\u00e4uft worden. Ein Film von Spielberg erh\u00e4lt grunds\u00e4tzlich einen Oscar, richtet er sich gegen Nazi-Deutschland, kommen weitere dazu, und h\u00e4lt er den Auschwitz-Mythos am Leben, wird er mit sieben Oscars zum Film des Jahres\". Der Anrufbeantworter, schriftliche Unterlagen, ein PC sowie Disketten wurden aufgrund dessen beschlagnahmt. Die n\u00e4chste Ansage erfolgte jedoch bereits am 28. M\u00e4rz 1994. Um einer m\u00f6glichen Strafverfolgung zu entgehen, werden oftmals Ironie und Zynismus als Hilfsmittel verwendet: \"Der Ausflug von 22 Skinheads nach Buchenwald, bei dem einige Fensterscheiben zu Bruch gingen, hat wieder einmal gezeigt, wie hysterisch Altparteien und Medien auf Tabuverletzungen reagieren .... \" (Ansagetext des NIT Harnburg vom 29. Juli 1994) Das NIT Rheinland neigt hingegen durch provokante Ausdrucksweise zur Verbannlosung von Gewalt von rechts und somit indirekt zur Billigung von Gewalt. \"In Tangerm\u00fcnde hatten f\u00fcnf mit finster aussehenden Tarnanz\u00fcgen bekleidete Jugendliche einen sanften Vietnamesen \u00fcberfallen und beraubt. Sie bedrohten ihr armes Opfer mit einem \u00fcblen Sportgewehr~ Gegen zwei wurde nat\u00fcrlich sofort Haftbefehl beantragt. \" \"Geschickter stellten es etwa 15 Jugendliche in Waschkow bei Cottbus an. Sie griffen ein von 20 Rum\u00e4nen, also Zigeunern, bewohntes Haus an und verschwanden sp\u00e4ter unerkannt. \" (NIT Rheinland vom 19. Juli 1994)","15 In Sachsen-Anhalt wurde kein Info-Telefon betrieben. Die Installation eines NIT in Magdeburg wurde jedoch bereits f\u00fcr April 1995 angek\u00fcndigt. 1.5.3 Mobiltelefone Von zunehmender Bedeutung ist auch der Einsatz von Mobiltelefonen des C- und D-Netzes. Sie sind bereits bei mehreren Gro\u00dfkundgebungen von rechtsextremistischen Gruppen zum Einsatz gekommen. Im Vorfeld von Aufm\u00e4rschen und sonstigen Veranstaltungen wurde \u00fcber Info-Telefone zur Verwendung von C- und D-Netz-Ger\u00e4ten aufgefordert. \u00dcber diese wurde dann - nach Nennung des entsprechenden Codewortes - eine erste Anlaufstelle weitergegeben. Damit soll erreicht werden, da\u00df die in getrennten Fahrzeugkolonnen anreisenden Teilnehmer - bei bereits ausgesprochenem oder erwartetem Verbot der Veranstaltung - zentral (ohne Zugriffsm\u00f6glichkeit der Polizei) zu Ausweichveranstaltungen dirigiert werden k\u00f6nnen. Einzelne f\u00fchrende Neonazis nutzen C- oder D-Netz-Ger\u00e4te, um so st\u00e4ndig f\u00fcr ihre Anh\u00e4nger erreichbar zu sein. Au\u00dferdem hoffen sie, damit einer bef\u00fcrchteten Telefon\u00fcberwachung erfolgreich entgegenwirken zu k\u00f6nnen. 1.5.4 Mobilfunk, CB-Funk und FAX F\u00fchrungspersonen neonazisfiseher Gruppen verf\u00fcgen desweiteren \u00fcber Scanners , Mobilund CB-Funk sowie FAX-Ger\u00e4te. So wurde bei den Ausschreitungen in Rostock 1992 der Polizeifunk abgeh\u00f6rt und CB-Funk zur Verst\u00e4ndigung genutzt. Als im gleichen Jahr Ende September in Hoyerswerda eine Demonstration der \"Linken\" stattfand, hatten sich die Rechtsextremisten - wohl aus Angst vor \u00dcbergriffen - gewappnet und einen gut durchorganisierten CB-Funkverkehr beinahe professionell gef\u00fchrt. FAX-Ger\u00e4te wurden u.a. eingesetzt, um Berichte \u00fcber durchgef\u00fchrte Veranstaltungen oder Aktionen an Redaktionen rechtsextremistischer Publikationen oder Info-Telefone zur weiteren Verbreitung zu \u00fcbermitteln. Die Bedeutung der vorgenannten Kommunikationsmittel ist gegen\u00fcber Mailboxen, Infound Mobiltelefonen nachrangig und d\u00fcrfte es auf die absehbare Zukunft auch bleiben. 5 scan = suchen; vollautomatisches Frequenzsuchger\u00e4t, u.a. zum Abh\u00f6ren von CBund Polizeifunk geeignet.","16 1.5.5 Gegenma\u00dfnahmen Ma\u00dfnahmen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden gegen den Mi\u00dfbrauch moderner Kommunikationsmittel sind nur dann m\u00f6glich, wenn die Ansagetexte der Info-Telefone oder die in den Mailboxen eingestellten Infonnationen Straftatbest\u00e4nde erfiillen. In diesen F\u00e4llen k\u00f6nnen gegen die Setreiber exekutive Ma\u00dfnahmen zum Zwecke der Strafverfolgung ergriffen werden. Bei Mailboxen, deren Informationsflu\u00df insbesondere bei Beteiligung ausl\u00e4ndischer Mailboxen f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden schwer nachvollziehbar ist, gestaltet sich bereits der Zugang problematisch, da sie hierarchisch aufgebaut sind. Dar\u00fcber hinaus erschwert der Gebrauch von Passw\u00f6rtern als Voraussetzung f\u00fcr den Einstieg in eine Mailbox den Zugriff auf die gespeicherten Informationen. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen mit Hilfe von Verschl\u00fcsselungsprogrammen, die zunehmend von Mailboxbetreibern genutzt werden, sensible Nachrichten kodiert werden. Die strafrechtliche Verfolgung eines Mailbox-Betreibers st\u00f6\u00dft nicht zuletzt auf die Schwierigkeit des Nachweises, da\u00df der Text, der Strafgesetze verletzt, von ihm selbst und nicht von au\u00dfen in die Mailbox eingestellt worden ist. 1.6 Revisionismus-Kampagne 1.6.1 Ziele und Methoden Revisionismus bedeutet allgemein das Streben nach \u00c4nderung eines politischen Zustandes oder Programms. Von Rechtsextremisten wird darunter das Bestreben verstanden, die angeblich in der Nachkriegszeit falsch dargestellte Geschichte der Weltkriege und des Dritten Reiches zugunsten des Nationalsozialismus zu korrigieren. Das rechtsextremistische Lager ist sich weitgehend darin einig, da\u00df das deutsche Volk in wesentlichen Fragen seiner j\u00fcngeren Geschichte rehabilitiert werden mu\u00df. Als Revisionismus im engeren Sinne wird die Leugnung des \"Holocaust\" bezeichnet. Das Thema Revisionismus erf\u00e4hrt damit eine deutliche Einengung auf den Teilaspekt der Judenverfolgung im Dritten Reich, n\u00e4mlich die von Rechtsextremisten vehement bestrittene massenhafte Ermordung europ\u00e4ischer Juden in","17 Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges. In der Verfolgung ihres Ziels, das nationalsozialistische Unrechtsregime aufzuwerten, m\u00fcssen die rechtsextremistischen Revisionisten freilich Regeln der kritischen Geschichtswissenschaft mi\u00dfachten und Forschungsergebnisse negieren, die nicht ihrem vorgefa\u00dften Geschichtsbild entsprechen. Ihre Argumentation liegt damit zwangsl\u00e4ufig neben der historischen Realit\u00e4t und f\u00fchrt zu falschen Ergebnissen. Diese Art von \"Geschichtsrevision\" ist also weder Selbstzweck, noch politisch neutral, noch der historischen Wahrheit verpflichtet, sondern soll als Mittel dienen, sich von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. Nationalismus und Antisemitismus bilden die Wurzeln dieses Revisionismus, der letztlich die Opfer zu T\u00e4tern und die T\u00e4ter zu Opfern einer angeblich falschen Geschichtsschreibung machen will. 1.6.2 Entwicklung Revisionismus war von Anfang an keine deutsche, sondern eine internationale Erscheinung. Urspr\u00fcnglich ging es den rechtsextremistischen Revisionisten vor allem darum, HITLERs alleinige Verantwortung f\u00fcr den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu leugnen. Alsbald mu\u00dften sie aber feststellen, da\u00df s\u00e4mtliche Versuche, den Nationalsozialismus mit einer nur auf die \"Kriegsschuldl\u00fcge\" gest\u00fctzten Agitation zu rechtfertigen, regelm\u00e4\u00dfig scheiterten, solange es nicht zugleich gelingen w\u00fcrde, die millionenfache Ermordung von Juden durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft mit scheinbar plausiblen Argumenten zu bestreiten. Dies gab den Ansto\u00df zu der zun\u00e4chst von Frankreich und den USA ausgehenden rechtsextremistischen Propaganda unter dem Schlagwort ,,Auschwitzl\u00fcge\". Ab Mitte der 60er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den \"historischen\" Nachweis f\u00fchren wollten, da\u00df es keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Die ma\u00dfgeblichen Autoren waren keine Historiker. So war der Autor der Schrift \"Es gab keine Gaskammern\", Robert FAURISSON, Dozent f\u00fcr franz\u00f6sische Literatur des 20. Jahrhunderts. Der deutsche Agrarjournalist Thies CHRISTOPHERSEN und der Jurist Wilhelm ST\u00c4GLICH verfa\u00dften die Schrift \"Die Auschwitz-L\u00fcge\" und das Buch \"Der Auschwitz-Mythos\".","18 Seit den Jahren 1988/89 ist eine verst\u00e4rkte Revisionsmus-Kampagne festzustellen. Sie wurde ausgel\u00f6st durch einen Strafproze\u00df, der 1988 vor dem Bezirksgericht Toronto gegen den in Kanada lebenden deutschen Revisionisten Ernst Z\u00dcNDEL anh\u00e4ngig war. Z\u00dcNDEL war wegen wissentlicher Verbreitung \"falscher Nachrichten durch Leug- H nung des \"Holocaust\" angeklagt. Er legte zu seiner Entlastung ein auf Robert FAURISSONs Initiative von Fred LEUCHTER aus Boston verfa\u00dftes technisches \"Gutachten\" vor, wonach es in Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Obwohl dieses als \"LEUCHTER-Bericht\" bekanntgewordene \"Gutachten\" nichts anderes als eine pseudowissenschaftliche, ziemlich plump gemachte NS-apologetische Propagandaschrift darstellt, wird es von europ\u00e4ischen Revisionisten als Beweis f\u00fcr ihre Thesen verwandt. Die in zweiter Instanz gegen Z\u00dcNDEL verh\u00e4ngte Freiheitsstrafe wurde nicht rechtskr\u00e4ftig, da das Berufungsurteil im Sommer 1992 aus verfassungsrechtlichen Gr\u00fcnden aufgehoben wurde. 1.6.3 Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international agierende britische Schriftsteller David IRVING, der sich nach eigenen Angaben durch den \"LEUCHTER-Bericht\" \"\u00fcberzeugen\" lie\u00df, da\u00df der Holocaust nur eine Propagandal\u00fcge der Sieger des Zweiten Weltkrieges sei. Seitdem vertritt er diese These in bezahlten Vortragsveranstaltungen in verschiedenen Staaten Europas und Amerikas. IRVING war zur Zur\u00fcckweisung an der deutschen Grenze ausgeschrieben~ trotzdem gelang es ihm immer wieder, in die Bundesrepublik Deutschland einzureisen. Auch in anderen Staaten, besonders in den USA, sind zunehmend Revisionisten t\u00e4tig. Artbur BUTZ ver\u00f6ffentlichte bereits 1976 das Buch \"Der JahrhundertbetrugH, welches das Produkt eines Kreises war, der sich in Kalifornien als \"Institute of Historical Review\" zusammenfand. Diese Institution ist mittlerweile mit aktiven Revisionisten wie beispielsweise dem bereits erw\u00e4hnten, in Kanada lebenden Ernst Z\u00dcNDEL, dem zur Zeit in D\u00e4nemark wohnhaften Thies CHRISTOPHERSEN, dem Hamburger Rechtsanwalt J\u00fcrgen RIEGER u. a.","19 verbunden und gibt die Zeitschrift \" The Journal of Historical Review\" heraus. Wegen drohender strafrechtlicher Verfolgung werden auch andere revisionistische Publikationen wie \"Die Bauernschaft\" CHRISTOPHERSENs, das von Ernst Z\u00dcNDEL herausgegebene Blatt \"germania\", der \"Deutschlandreport\" des in Spanien lebenden Alt-Nazis Otto Ernst REMER6 im Ausland hergestellt und von dort \u00fcber Kontaktnetze bis in den letzten Winkel der rechtsextremistischen Szene verteilt. Der Revisionismus hat insgesamt gesehen \u00fcber s\u00e4mtliche Organisationsgrenzen hinweg eine ideologische Klammerfunktion. Er wird von Rechtsextremisten als wichtigstes politisches Thema zur Einigung des nationalen Lagers und zur gemeinsamen Mobilisierung gegen den Rechtsstaat eingesetzt. Auch in Sachsen-Anhalt ist zunehmend zu beobachten, da\u00df sich Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene mit dem Revisionismus gezielt auseinandersetzen und vor allen Dingen regelm\u00e4\u00dfig revisionistisches Propagandamaterial bestellen und auch beziehen. Im Berichtszeitraum sind ferner wiederholt Publikationen und Flugbl\u00e4tter mit revisionistischem Inhalt unaufgefordert an Firmen, Institutionen und Privatpersonen versandt worden. 1.7 Auslandskontakte deutscher Rechtsextremisten Kontakte deutscher Neonazis zu Gesinnungsgenossen im Ausland bestehen bereits seit vielen Jahren, insbesondere in die USA, nach Kanada, D\u00e4nemark, \u00d6sterreich, Belgien, Frankreich, Schweiz, Spanien sowie in die Niederlande und neuerdings auch in die osteurop\u00e4ischen Staaten. Die teilweise intensiven Kontakte bestanden auch 1994 fort, da die Neonazis ihren Verbindungen ins Ausland gro\u00dfe Bedeutung zumessen. Pers\u00f6nliche Verbindungen werden erg\u00e4nzt durch einen 6 Generalmajor der Wehrmacht, trug als Kommandeur des Wachbataillons in Berlin entscheidend zur Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler arn 20.07.1944 bei.","20 'breitgef\u00e4cherten ,Publikationsaustausch und internationale Kontakte \u00fcber moderne Kommunikationsmittel sowie durch Treffen auf internationaler Ebene. Im Ausland werden - meist straffrei - verschiedene neonazistische Schriften hergestellt und auf konspirativen Wegen in die Bundesrepublik Deutschland gebracht, wo sie dann in der Szene vertrieben werden. Mit diesen Schriften soll der Boden f\u00fcr eine \"Renaissance des Nationalismus\" in der Bundesrepublik bereitet werden. Durch die in Sachsen-Anhalt zunehmende Verbreitung dieser neonazistischen, revisionistischen und antisemitischen Zeitschriften, Rundbriefe, Flugbl\u00e4tter und Aufkleber hat sich der damit transportierte geflihrliche Einflu\u00df aus dem Ausland hier deutlich verst\u00e4rkt. 1.7.1 Neonazistische Propaganda aus dem Ausland * \"NS-Kampfruf~ Zu den bekanntesten, gleichzeitig aber auch \u00fcbelsten und geflihrlichsten Zeitschriften in der deutschen Neonazi-Szene z\u00e4hlt der seit April 1973 von dem US-B\u00fcrger Gary Rex LAUCK aus Lincoln/Nebraska (USA) herausgegebene \"NS-Kampfruf' der \"Nationalsozialistischen Deutschen ArbeiterparteilAuslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP/AO). In der Bundesrepublik Deutschland verf\u00fcgt die NSDAP/AO, die sich selbst als \"gr\u00f6\u00dfte nationalsozialistische Untergrundorganisation im heutigen Deutschland\" bezeichnet, \u00fcber zahlreiche, meist nur aus Einzelaktivisten bestehende St\u00fctzpunkte. Diese werden von der ,,Auslandszentrale\" in Lincoln/Nebraska konspirativ mit nationalsozialistischem Propagandamaterial versorgt. Die in den USA straffrei hergestellten Schriften, Aufkleber und Handzettel werden von den deutschen Gesinnungsgenossen bei ihren Schmier-, Klebeund Verteilaktionen verwendet. Dies konnte im Berichtszeitraum auch in Sachsen-Anhalt wiederholt festgestellt werden. Ihre Geflihrlichkeit offenbart die NSDAP/AO in einem demaskierenden Artikel, der in Fortsetzungen in mehreren Ausgaben des \"NSKampfruf' unter der \u00dcberschrift: \"Eine Bewegung in Waffen: Massenpsychologie, Propaganda und Revolution\" erschienen ist. In des-","21 sen Teil2 (abgedruckt im \"NS-Kampfruf' von M\u00e4rz/Aprill994) wird dem Leser unter der Teil\u00fcberschrift \"Der verdeckte Kampf' die Strategie des revolution\u00e4ren Kleinkrieges erl\u00e4utert: \"F\u00fcr uns jedenfalls gilt die Werwolf-Proklamation Dr. Goebbels' vom 1. April1945 sinngem\u00e4\u00df noch immer: Ha\u00df ist unser Gebet und Rache unser Feldgeschrei! Der 'Werwolf' ist eine aus nationalsozialistischem Geist geborene Organisation. Er h\u00e4lt sich nicht an die Beschr\u00e4nkungen, die dem innerhalb regul\u00e4rer Streitkr\u00e4fte K\u00e4mpfenden auferlegt sind. ... Das Wesen der verdeckten Phase des Werwolfs ist der beginnende bewaffnete Kampf Dieser verfolgt zwei Ziele: a) der Gegner soll auf der moralischen Ebene gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich geschw\u00e4cht werden, gleichzeitig soll ihm ein materieller Schaden gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Ausma\u00dfes zugef\u00fcgt werden; b) die Bev\u00f6lkerung soll vom System psychologisch isoliert werden. \" Im Teil 3 (abgedruckt im \"NS-Kampfruf' von Januar/Februar 1993 7 ) - \"Die nationalsozialistische Revolution\" - hei\u00dft es unter anderem: \"Alles Zersetzende und Volkssch\u00e4digende wird aus der Volksgemeinschaft ausgeschlossen, um im Gegenteil alles zu f\u00f6rdern, was unserem Volk n\u00fctzt, allem voran das Wesen der deutschen Familie. Deutschland wird wieder sauber, - aber nicht von uns, wie der Jid anstrebt, sondern durch uns.\" Aufgrund des angeblichen \"Meinungsund Polizeistaatsterrors\" deutscher Beh\u00f6rden schlie\u00dft der \"NS-Kampfruf' (Ausgabe Juli/August 7 Der Teil 3 ist zeitlich vor Teil 2 abgedruckt worden.","22 1994) in einem mit Pseudonym gezeichneten Beitrag die M\u00f6glichkeiten eines rechten Terrorismus nicht aus: \"Bewaffnete militante Aktionen werden ... dann wohl ein Mittel der politischen Artikulation werden, wenn die Herrschenden in diesem System der politischen Meinungs\u00e4u\u00dferung von Nationalsozialisten und Nationalisten keinen Raum mehr lassen und die Unterdr\u00fckkungsma\u00dfnahmen immer unertr\u00e4glicher werden. \" Die Antworten der Nationalsozialisten werden sichso der Autoran den weiteren Handlungen des Staates orientieren. Gleichzeitig r\u00e4t er denjenigen, die ,,Aktionen\" unternehmen, zu strikter konspirativer Planung und Vermittelbarkeit. Der Abdruck der Schrift \"Eine Bewegung in Wa.ffenH (,,Strategie und revolution\u00e4rer KleinkriegH) in derselben Ausgabe der Zeitung kann in diesem Zusammenhang als Anleitung zum Handeln verstanden werden. Durch solche und \u00e4hnliche Artikel werden Jugendliche zu kriminellen Aktivit\u00e4ten ermutigt. In der September/Oktober-Ausgabe des \"NS-Kampfrufes\" nimmt der Herausgeber LAUCK die \u00c4u\u00dferungen tendenziell zur\u00fcck. Der bewaffnete Kampf erscheine ihm \"aus logistischen Gr\u00fcnden nicht erfolg- H versprechend. Er fordert stattdessen einen \"massenweisen und verdammt auff\u00e4lligen HEinsatz von NS-Propagandamaterial. * \"Die Bauernschaft\" Die Publikation \"Die Bauernschaft\" wird viertelj\u00e4hrlich von dem in D\u00e4nemark lebenden Thies CHRISTOPHERSEN, einem ma\u00dfgeblichen Leugner des Holocaust, herausgegeben. Die in einer Auflage von 4.000 Exemplaren vom \"Nordwind-Verlag\" in Kollund (D\u00e4nemark) verbreitete Publikation ver\u00f6ffentlicht neonazistische und antisemitische Artikel. Au\u00dferdem werden regelm\u00e4\u00dfig revisionistische Schriften und Videofilme zum Kauf angeboten. In seinen Artikeln leugnet CHRISTOPHERSEN, ehemaliger SS-Sonderoffizier und Aufseher im Konzentrationslager Auschwitz, die Massent\u00f6tungen von Juden in Konzentrationslagern im Dritten Reich und spricht den Opfern das Verfolgungsschicksal ab. Die grausame Lagerwirklichkeit wird von ihm geradezu als Idylle ohne Massenmorde dargestellt. Die dortigen","23 Toten werden als \"Opfer widriger hygienischer Umst\u00e4nde\" bezeichnet. In \"Die Bauernschaft\" 3/93 hat er seine Wahrheit \u00fcber Auschwitz so verbreitet \"Ich glaube nicht an die Gaskammern. Ich wei\u00df, in Auschwitz sind Leute gestorben(. ..). Wir hatten Typhus und ich wei\u00df, da\u00df die L\u00e4use bek\u00e4mpft wurden, nicht durch Hitze, sondern mit Zyklon B, damit sind die L\u00e4use totgemacht worden. Au\u00dferdem war f\u00fcr mich Auschwitz kein Konzentrationslager sondern ein Internierungslager.\" F\u00fcr CHRISTOPHERSEN war, ist und bleibt HITLER der Gr\u00f6\u00dfte, den die Geschichte je hervorgebracht hat. So ist es auch nur logisch, da\u00df er sich in seinen Publikationen eindeutig zu HITLER bekennt. Um die weitere Verbreitung der neonazistischen Publikation \"Die Bauernschaft\" zu unterbinden, wurden bereits im Dezember 1993 der \u00fcberwiegende Teil der Ausgabe 4/93 sowie zahlreiche B\u00fccher und Videokassetten beschlagnahmt. Der Erfolg des Vorjahres konnte am 20. September 1994 mit einer Beschlagnahme von etwa rund 4.000 Exemplaren wiederholt werden. Damit ist dem finanziell angeschlagenen CHRISTOPHERSEN ein so schwerer Schlag versetzt worden, da\u00df er mittlerweile davon spricht, die Herausgabe seiner Publikation einzustellen und in die Bundesrepublik Deutschland, wo er seit 1986 mit Haftbefehl gesucht wird, zur\u00fcckzukehren. Durch die 1993 und 1994 durchgefiihrten Exekutivma\u00dfnahmen sind auch 23 Bezieher der Publikation \"Die Bauernschaft\" aus SachsenAnhalt bekanntgeworden. 1. 7.2 Internationale Treffen * Belgien Im Rahmen der allj\u00e4hrlich im August stattfindenden sogenannten Yser-Wallfahrt (\"Ijezbedevaart\") im belgiseben Diksmuide (Provinz Westflandern) versammeln sich regelm\u00e4\u00dfig Zehntausende von Flamen","24 am Denkmal f\u00fcr die im Ersten Weltkrieg gefallenen fl\u00e4mischen Soldaten. Rechtsextremistische fl\u00e4mische Organisationen nutzen diesen Anla\u00df, sich mit Gleichgesinnten aus dem Ausland zu treffen. An der bedeutendsten dieser Veranstaltungen, dem Treffen der \"Voorpost\" am Rande der Yser-Wallfahrt, nahmen am 27. August 1994 rund 200 Personen teil (1993: 500 bis 600), darunter auch Anh\u00e4nger der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP), der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), Mitglieder der zwischenzeitlich verbotenen \"WikingJugend\" (WJ), Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen \"British Natio- . nal Party\" (BNP) und Skinheads aus Westund Osteuropa. An diesem Treffen der europ\u00e4ischen Autonomisten und Nationalisten nahmen erstmals auch zehn FAP-Anh\u00e4nger aus Sachsen-Anhalt teil. Au\u00dferdem war Steffen HUPKA, der Herausgeber der Publikation \"Umbruch\", dort mit einem Info-Stand vertreten. Nach eigenen Angaben konnte er neue Kontakte kn\u00fcpfen. Die bisher erschienenen Ausgaben des \"Umbruch\" sollen nach seiner Darstellung auf reges Interesse gesto\u00dfen sein, auch bei \"Kameraden\" aus dem Ausland. * Frankreich Am 25. Juni 1994 nahmen deutsche Neonazis, darunter zehn Teilnehmer aus Sachsen-Anhalt, an einer Sonnenwendfeier in Saint Genix sur Guiers teil. Die von der franz\u00f6sischen neonazistischen Gruppierung \"Parti Nationaliste Fran9ais et Europeen\" (PNFE) ausgerichtete Feier diente als Vorbereitung einer Rudolf-Hess-Veranstaltung. W\u00e4hrend des Treffens wurde das Marschieren und Zeigen von \"KeltenkreuzFahnen\" ge\u00fcbt. Im weiteren Verlauf wurden an besonders belebten Orten Schilder mit der Aufschrift \"Rudolf-Hess-Piatz\" angebracht. Die PNFE, die \u00fcber gute Kontakte zur FAP verfUgt, war 1992 am \"Rudolf-Hess-Ged\u00e4chtnismarsch\" in Rudolstadt beteiligt. * Spanien Jedes Jahr, an einem Wochenende um den 20. November, treffen sich Neonazis, Skinheads und \"\u00e4ltere K\u00e4mpfer\" in Madrid, um der Todestage von Jose Antonio Primo DE RIVERA (20. November 1936) und des Diktators Francisco FRANCO (20. November 1975) zu gedenken. Aus ganz Europa, vor allem Belgien, Deutschland, Frankreich und Italien, aber auch aus \u00dcbersee reisen FRANCO-Nostalgiker an. Im","25 Rahmen dieses Treffens wird auch der K\u00e4mpfer der \"Division Azul\" gedacht, die mit der deutschen Wehrmacht an der Ostfront k\u00e4mpften. Daneben wird fiir die Gefallenen der im spanischen B\u00fcrgerkrieg ein.gesetzten deutschen \"Legion Condor\" eine Gedenkfeier abgehalten. Verbunden ist der j\u00e4hrliche Aufmarsch in Madrid, an dem in der Vergangenheit Mitglieder der FAP, der inzwischen verbotenen \"Wiking Jugend\" und der ehemaligen Waffen-SS teilgenommen haben, mit Ausfl\u00fcgen in das \"Valle de Los Caidos\" {Tal der Gefallenen) in der Sierra de Guadarrama, wo Generalissimo Francisco FRANCO in einer Krypta beerdigt liegt. Dort werden - zur\u00fcckgehend auf Vorstellungen von FRANCO - K\u00e4mpfer geehrt, die ihr Leben \"f\u00fcr ein vom Bolschewismus befreites Spanien und die Neuordnung Europas\" lie\u00dfen. An dem im Berichtszeitraum vom 18. November bis 21. November 1994 durchgefiihrten Treffen in Madrid nahmen insgesamt etwa 30 Deutsche teil. Die deutschen Teilnehmer geh\u00f6rten mehrheitlich der FAP an. Unter ihnen war erstmals auch ein FAP-Anh\u00e4nger aus Sachsen-Anhalt. Der gesamte Einsatz der deutschen Teilnehmer, wie auch die Aktion im \"Tal der Gefallenen\" am 19. November 1994, stand unter der Leitung eines FAP-Funktion\u00e4rs. Nachdem man sich vor der Kathedrale mit fiinf FAP-Fahnen und einer Reichskriegsflagge formiert hatte, fiihrte der FAP-Funktion\u00e4r die \"Ehrenformation\" zu den Gr\u00e4bern von DE RIVERA und FRANCO. Dem Fahnenappell an den Gr\u00e4bern folgte der Aufmarsch, der von vielen Spaniern mit Beifall bedacht wurde. Die deutsche Gruppe nahm auch an der Abschlu\u00dfkundgebung am 20. November 1994 auf dem \"Plaza de Oriente\" in Madrid teil. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung hatten viele Teilnehmer und Zuschauer die Hand zum \"Hitlergru\u00df\" erhoben.","26 2. Militanter Rechtsextremismus Das gr\u00f6\u00dfte und gef\u00e4hrlichste Gewaltpotential bilden weiterhin die militanten Rechtsextremisten, insbesondere rechtsextremistische Skinheads. Allerdings ist ihre Gesamtzahl im Bundesgebiet im Berichtszeitraum von 5.600 auf 5.400 zur\u00fcckgegangen. Allerdings ist der auf die neuen Bundesl\u00e4nder bezogene Anteil von 2.600 auf 2.900 angestiegen. In Sachsen-Anhalt betr\u00e4gt ihre Anzahl wie im Vorjahr rund 600. Trotzdem konnten Ver\u00e4nderungen festgestellt werden: Lose Personenzusammenschl\u00fcsse, die in den letzten Jahren besonders militant in Erscheinung getreten waren, haben sich aufgrund von Verurteilungen f\u00fchrender Aktivisten aufgel\u00f6st oder aus der Szene zur\u00fcckgezogen. Einige haben sich nach dem Zerfall ihrer Gruppe neonazistischen Zirkeln angeschlossen. Andererseits sind aber neue Gruppen mit einer gro\u00dfen Anzahl von Kindem und Jugendlichen unter 16 Jahren entstanden. Wesensmerkmal rechtsextremistischer Militanz ist das Fehlen fester Organisationsstrukturen, was sich insbesondere darin zeigt, da\u00df die meisten Gewalttaten spontan begangen werden und eine organisierte, von langer Hand vorbereitete Vorgehensweise die Ausnahme darstellt. Die Straftaten werden in aller Regel ungesteuert aus der \u00f6rtlichen Szene ver\u00fcbt, \u00fcberwiegend von Jugendlichen, Skinheads, aber auch von Personen, die bisher nicht als Rechtsextremisten in Erscheinung getreten sind. Zwar fehlte den meisten ein geschlossenes politisches Konzept, gleichwohl liegen dem Handeln rechtsextremistische \u00dcberzeugungen zugrunde. 2.1 Erscheinungsformen Bei militanten Rechtsextremisten ist zu unterscheiden zwischen Skinheads einerseits und sonstigen Gewaltt\u00e4tern andererseits. 2.1.1 Skinheads Die gesamte Skinhead-Szene ist weitgehend als ein ungegliedertes Gebilde ohne \u00fcbergreifende Strukturen zu bezeichnen. Sie setzt sich","27 aus einer Vielzahl loser regionaler oder lokaler Gruppen zusammen, die sich zumeist an bestimmten Trefforten bilden. Verbindende Elemente waren bis Mitte 1993 - bisher einzigartig im politischen Extremismus - ein einheitliches \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild, das jugendliche Alter und eine meist durch soziale Konflikte verursachte Orientierungslosigkeit. Aus Angst, zu leicht von der Polizei und dem politischen Gegner aufgrund des \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes erkannt zu werden, geben Skinheads diese typischen \u00e4u\u00dferen Erkennungsmerkmale zunehmend auf und praktizieren somit ein \"optisches Abtauchen\". Daraus hat sich eine Art \"Feierabend-Skin\" entwickelt, eine Figur, die bereits aus dem Bereich des Linksextremismus als \"Feierabend-Terrorist\" bekannt ist. Insbesondere die Orientierungslosigkeit f\u00fchrt zur Ausbildung eines Feindbildes: ,,Die Fremden\" werden als die am Schicksal der Skinheads Schuldigen angesehen und deshalb zur Zielscheibe ihrer Unzufriedenheit erkl\u00e4rt. Diese Fremdenfeindlichkeit bildet den Ausgangspunkt ihrer politischen Polarisierung und der \u00dcbernahme nationalsozialistischer Gedanken und Ausdrucksformen, die in aktuellen Parolen wie ,,Deutschland den Deutschen\", ,,Nieder mit allem Fremden\" sowie in den Texten ihrer Musik und in zahlreichen Skinhead-Magazinen (sogenannten Fanzines) am deutlichsten sichtbar werden. W\u00e4hrend sich die Hinwendung der - in ihrem Ursprung eher unpolitischen - Skinheads zum rechtsextremistischen Gedankengut in den alten Bundesl\u00e4ndern erst seit einigen Jahren allm\u00e4hlich vollzieht, ist die neonationalsozialistische Einstellung bei den Skins in den neuen L\u00e4ndern st\u00e4rker ausgebildet. Schon zu DDR-Zeiten haben sich ostdeutsche Skins oft als nationalsozialistische Opposition gegen den kommunistischen Parteiund Staatsapparat verstanden. Ihre Ziele verfechten die Skinheads nicht im politischen Meinungskampf, sondern in gewaltt\u00e4tigen Aktionen gegen Ausl\u00e4nder und Asylbewerber - insbesondere Andersfarbige und Personen von s\u00fcdl\u00e4ndischem Aussehen - aber auch gegen \"links orientierte \" Deutsche, Homosexuelle, Prostituierte und Stadtstreicher wegen deren angeblich undeutschen Wesens. Diese Gewaltgeneigtheit spiegelt sich bereits im eigenen Szenejargon wider: Skins sprechen davon, da\u00df \"T\u00fcrken plattgemacht\" oder ,,Fidschis geklatscht\" werden. Bei Angriffen gegen die ,,Linken\" (Anarchos, Autonome, Punks usw.) treten Skins mit Parolen","28","29 wie ,,Rotfront verrecke\" auf. Skinhead-Magazine enthalten Hetzparolen gegen Juden, Asylbewerber werden hierin als ,,Asylantenpack\" oder ,,Ausl\u00e4ndische Schmarotzer\" bezeichnet. Gewaltmotivierend und zugleich integrierend wirkt die szeneeigene Musik, die im Hardrockstil zu rechtsextremistischen Liedertexten gespielt wird. Konzertveranstaltungen von Skin-Bands bieten die bedeutendsten Gelegenheiten fiir \u00fcberregionale Zusammenk\u00fcnfte von Skinheads. Bei Skin-Konzerten wird die Stimmung nicht selten durch die einpeitschenden Rhythmen in Verbindung mit brutalen Texten und die besondere Art des Auftretens der Bands (zum Beispiel: ,,SiegHeif'-Rufe, ,,Hitlergru\u00df\") sowie durch erheblichen Alkoholkonsum so aufgeheizt, da\u00df sie schnell in gewaltt\u00e4tige Aktionen umschlagen kann. Die besondere Gef\u00e4hrlichkeit gewaltgeneigter Skinheads zeigt sich darin, da\u00df sie sich spontan und zumeist nach Alkoholexzessen zu Gewalttaten entschlie\u00dfen, die dann in zuf\u00e4lliger Zusammensetzung (\"Wer Lust hat\") begangen werden (siehe Abbildung auf Seite 28). Bei den Gewalttaten gegen Personen setzen sie u.a. die zum Symbol gewordenen Baseballschl\u00e4ger und Messer ein oder mi\u00dfhandeln ihre Opfer mit Stiefeltritten und Faustschl\u00e4gen. In Sachsen-Anhalt gibt es \u00fcberwiegend strukturlose Skinheadzusammenschl\u00fcsse auf regionaler und lokaler Ebene. Gr\u00f6\u00dfere Gruppierungen existieren in den St\u00e4dten Magdeburg und Halle, daneben in der Harzregion um Wernigerode und Quedlinburg, weiterhin im Raum Merseburg, W ei\u00dfenfels, Bad Lauchst\u00e4dt sowie in der Altmark um Gardelegen und Kl\u00f6tze. Ihre Treffpunkte sind \u00fcberwiegend Jugendclubs, aber auch Imbi\u00dfst\u00e4nde oder \u00f6rtliche Gastst\u00e4tten sowie Freizeitund Einkaufsparks oder leerstehende H\u00e4user. 2.1.2 Andere militante Rechtsextremisten Nach bisherigen Erkenntnissen handelt es sich bei den sonstigen militanten Rechtsextremisten \u00fcberwiegend um Einzelt\u00e4ter, die sich aus dumpfem Ausl\u00e4nderha\u00df spontan zu einer Gewalttat hinrei\u00dfen lie\u00dfen.","30 2.2 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Im Berichtszeitraum haben nur wenige gr\u00f6\u00dfere organisierte SkinheadTreffen in Sachsen-Anhalt stattgefunden. Vom 20. bis 22. Mai 1994 veranstalteten etwa 50 Magdeburger Skinheads ein Zeltlager auf einem Campingplatz in Gerwisch, LandkreisJerichower Land. Sie hi\u00dften am 22. Mai 1994 die Reichskriegsflagge und gr\u00f6lten nazistische Parolen. Aus diesem Grunde wurde das Treffen am gleichen Tag von der Polizei aufgel\u00f6st, und 33 Skinheads wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Dabei sind Luftdruckwaffen, Gasrevolver, Baseballschl\u00e4ger, Buschmesser, eine Pr\u00e4zisionsschleuder, eine Reichskriegsflagge, T -Shirts mit Hitlerbildnissen und Tontr\u00e4ger rechtsextremistischer Skinbands sichergestellt worden. Vom 19. bis 21. August 1994 nahmen zeitweilig bis zu 150 Skinheads aus der Altmark sowie aus Magdeburg, Sch\u00f6nebeck/Elbe, Braunschweig, Stuttgart und Reuttingen an einer als Geburtstagsfeier bezeichneten Skin-Party in Parey, Landkreis Jerichower Land, teil. W\u00e4hrend des Treffens auf einem Privatgrundst\u00fcck sind Kassetten von rechtsextremistischen Skin-Bands und Kampflieder aus der Zeit des Dritten Reiches gespielt worden. Au\u00dferdem wurden fremdenfeindliche Parolen wie \"Ausl\u00e4nderpack raus, Deutschland lebe hoch und Deutschland den Deutschen\" gebr\u00fcllt. Daneben wurden Skin-Treffen im kleineren Rahmen an \u00f6ffentlichen Seen und in Privatg\u00e4rten durchgef\u00fchrt. Skinheads aus Sachsen-Anhalt nahmen auch mehrfach an \u00fcberregionalen Treffen in anderen L\u00e4ndern teil. Die aus Magdeburg stammenden Skin-Bands \"Elbsturm\" und \"Doitsche Patrioten\" haben zusammen mit anderen Bands an Konzerten in Schleswig-Holstein, Bremen, Niedersachsen, Sachsen und Th\u00fcringen teilgenommen. Gr\u00f6\u00dfere Auftritte dieser Gruppen in Sachsen-Anhalt fanden nicht statt. Als Geburtstagsfeier getarnt sollte am 7. Mai 1994 in einer Gastst\u00e4tte in Cobbel, Landkreis Stendal, ein Skin-Konzert stattfinden. Dabei wollten neben \"Elbsturm\" und \"Doitsche Patrioten\" die Skin-Bands \"Boots Brothers\" aus Delmenhorst, \"Sturmgesang\"","31 \"Stunngesang\" aus Leipzig und \"Rheinwacht\" aus DUsseldorf auftreten. Das Konzert wurde durch polizeilich ausgesprochene Platzverweise am vorgesehenen Veranstaltungsort verhindert. Die etwa 80 angereisten \"Geburtstagsg\u00e4ste\" mu\u00dften sich deshalb mit Disco-Musik begn\u00fcgen. Ein f\u00fcr den 22. Oktober 1994 in Magdeburg geplantes Konzert, an dem neben \"Eibstunn\" auch die Skin-Bands \"Triebt\u00e4ter\" aus Mutlangen (Baden-W\u00fcrttemberg) sowie \"Razors Edge\" und \"Celtic Warrior\" aus England teilnehmen wollten, wurde am 14. Oktober 1994 verboten. Aus diesem Grunde f\u00fchrten am 21. Oktober 1994 etwa 30 Jugendliche eine Protestdemonstration mit einer kurzfristigen Stra\u00dfenblockade in Magdeburg durch. Die Demonstration verlief ohne gewaltt\u00e4tige Ausschreitungen. Ein anl\u00e4\u00dflich des dreij\u00e4hrigen Bestehens eines Magdeburger Jugendclubs am 17. Dezember 1994 geplantes Konzert mit den Gruppen \"Elbsturm\" und \"Doitsche Patrioten\" wurde ebenfalls durch die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde verboten. Ein Demo-Tape, das die Band \"Doitsche Patrioten\" 1994 aufnahm, wurde aufgrund einer Textauswertung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz am 13. September 1994 durch die BundesprOfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften indiziert. In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es u.a.: Der f\u00fcr die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in f\u00fchrender Funktion verantwortliche Rudolf HESS werde in einem der Lieder glorifiziert. Verschwiegen werde bei diesem Loblied auf HESS der totalit\u00e4re Charakter der nationalsozialistischen Ideologie, ebenso die geschichtliche Realit\u00e4t. Die Botschaft des Liedes, bei HESS handele es sich um einen ehrenwerten Mann, der sich f\u00fcr das Vaterland aufgeopfert habe, sei geeignet, Jugendlichen ein falsches Bild \u00fcber den Charakter des Nationalsozialismus und die ihn tragenden F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten zu vermitteln. Die anderen Lieder auf diesem Tape enthalten eine \u00dcberh\u00f6hung des Deutschtums. \u00dcberdies sind in den Texten feindliche Tendenzen gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern und anderen Minderheiten sichtbar: Passagen wie \"Zuh\u00e4lter, Ausl\u00e4nder und viel mehr, dagegen das deutsche Arbeitslosenheer\" treffen Schuldzuweisungen, die zu nichts anderem dienen,","","33 -- --- < - / ------.: :_ \"**- I / / *<} * ~~-....,-.-. -** ............ . \". -'-~.:*. /' ~ .-:-~--*. ~~~ ~-~:~-:-...~:.'~~~~~;~'~;-- .","34 als eine Rechtfertigungsgrundlage ftir eine Art \"Gegenwehr\" zu bilden, die prompt im Lied \"F\u00fcr Doitschland\" ihren Ausdruck findet: \"Jetzt wird aufger\u00e4umt in jeder Stadt, wir haben schon lang die Asylanten satt\". Das Lied \"Schwule \" hetzt gegen Homosexuelle auf. Au\u00dferdem haben die Gruppen \"Elbsturm\" und \"Doitsche Patrioten\" im Berichtszeitraum gemeinsam eine Musikkassette unter dem Namen \"Volxsturm\" produziert, die \u00fcber Skinhead-Fanzines und -Verlage bestellt werden kann. 2.2.1 \u00dcbersicht \u00fcber die Strafund Gewalttaten Im Berichtszeitraum wurden 777 Straftaten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation erfa\u00dft, davon 108 Gewalttaten und 669 sonstige Straftaten. Der Vergleich zum Vorjahr zeigt eine Zunahme der Straftaten insgesamt sowie eine Verminderung der Gewalttaten: 1994 1993 1992 Straftaten insgesamt& 777 328 448 Gewalttaten 108 132 303 sonstige Straftaten 669 196 145 Der Anstieg der sonstigen Straftaten um \u00fcber 240 %ist im wesentlichen auf die Zunahme von sogenannten Propagandadelikten (u. a. Schmier-, Klebe-, Plakat-, Flugblattaktionen, Zeigen des Hitlergru\u00dfes) zur\u00fcckzufUhren (siehe Abbildungen auf Seite 32 und 33). Diese haben auch bundesweit erheblich zugenommen. 8 Die Angaben \u00fcber Straftaten stammen vom Landeskriminalamt von Sachsen-Anhalt (Stand: Anfang M\u00e4rz 1995). Die Zahlen f\u00fcr 1994 k\u00f6nnen sich durch Nachmeldungen noch geringf\u00fcgig \u00e4ndem","35 \u00dcbersicht der Brandanschl\u00e4ge im Land Sachsen-Anhalt . .. / _) (.\"'-- ) j j; ~ /~ ~ ' Wanzleben ir ~agdeburg -J/~ .... \"lo/ emigerode Ir\" Quedlinburg ..... Bitterfeld . . . . . . . .. .* .. ~ ir / -~ Halle Brandanschl\u00e4ge","36 Die Gewalttaten gliedern sich wie folgt: 1994 1993 T\u00f6tungsdelikte(-versuche) 1 2 Brandanschl\u00e4ge 8 13 Landfriedensbr\u00fcche 15 25 K\u00f6rperverletzungen 62 48 Sachbesch\u00e4digungen9 22 44 108 132 * Fremdenfeindlich motivierte Gewalttaten Von den 108 Gewalttaten waren 54, also jede zweite Gewalttat, fremdenfeindlich motiviert. Sie sind damit gegen\u00fcber dem Vorjahr (41) um fast 32 % gestiegen, bundesweit sind sie jedoch zur\u00fcckgegangen. Diese Gewalttaten gliedern sich wie folgt (siehe auch die \u00dcbersicht auf Seite 3 7): 1994 1993 1992 T\u00f6tungsdelikte (-versuche) 1 1 0 Brandanschl\u00e4ge 7 9 53 Landfriedensbr\u00fcche 4 7 39 K\u00f6rperverletzungen 34 8 56 Sachbesch\u00e4digungen 8 16 67 54 41 215 Hatten im Vorjahr die Sachbesch\u00e4digungen den h\u00f6chsten Anteil an den fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten, so stehen im Berichtszeitraum die K\u00f6rperverletzungen mit einem Anteil von fast 63 % eindeutig im Vordergrund. Daran ist erkennbar, da\u00df nicht mehr die Asylbewerberheime und das Eigentum der \"Fremden'~ Ziel der Angriffe sind, sondern vielmehr die \"Fremden\" selbst. Sie werden damit pers\u00f6nlich fiir tats\u00e4chliche oder vermeintliche gesellschaftliche, wirtschaftliche oder soziale Probleme der T\u00e4ter verantwortlich gemacht, da sie es in deren Augen \"auf Kosten Deutschlands gut haben wollen Die fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten, an denen gro\u00dfe H. T\u00e4tergruppen beteiligt waren, bildeten die Ausnahme. Meist - Aus- 9 Gez\u00e4hlt werden nur Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung.","37 Gewalttaten mit fremdenfeindlicher Motivation 1992 1983 1984 * Totungsdelikt * Korperverletzung * Brandanschlag Cl Landfriedensbruch Cl Sachbeschadigung 10~------------------------------------------------------------------~ ' * 7 s 5 2 0~~~~~---r~~~--~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ .Januar Februar Marz Apnl Mao Juno Juli Monatliche Verteilung der fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten","38 nahme waren aber z. B. die Ereignisse am Himmelfahrtstag -wurden sie von Einzelt\u00e4tern oder Kleingruppen begangen. Folgende Gewalttaten sind hervorzuheben: Halle, 01.03.1994 Drei rechtsorientierte Jugendliche beleidigen und beschimpfen in der Stra\u00dfenbahn einen Schwarzafrikaner. Sie schlagen und treten ihn mit solcher Brutalit\u00e4t, da\u00df er durch eine Seitenscheibe der fahrenden Bahn hinaus auf die Stra\u00dfe st\u00fcrzt. Burg, Landkreis Jerichower Land, 01.04.1994 Ein Asylbewerber wird in einem Jugendclub von rechten Jugendlichen zusammengeschlagen und durch dem Schu\u00df einer Gasdruckwaffe am Auge verletzt. Magdeburg, 12.05.1994 Am fr\u00fchen Nachmittag verfolgt eine Gruppe von 30 bis 40 Jugendlichen vier bis f\u00fcnf Schwarzafrikaner durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone der Innenstadt. Als sich die Schwarzafrikaner in ein Cafe retten, zertr\u00fcmmert die verfolgende Gruppe s\u00e4mtliche Scheiben des Cafes mittels St\u00fchlen und B\u00e4nken. Im Ionern des Cafes kommt es zu k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen zwischen den Verfolgern und anderen dort anwesenden Ausl\u00e4ndern. Im Verlauf der Feindseligkeiten wird ein benachbarter t\u00fcrkischer Imbi\u00df ebenfalls Zielscheibe der Ausschreitungen. Bei den nachfolgenden Ausschreitungen im Stadtgebiet wird ein Algerier von Jugendlichen angegriffen und mit einer Stange niedergeschlagen. Au\u00dferdem kommt es zu weiteren Sachbesch\u00e4digungen und zu mehreren Straftaten nach SS 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Nach erneuten St\u00f6rungen im Stadtgebiet kommt es am Abend im Bereich der Leiterstra\u00dfe nochmals zu einer gr\u00f6-","39 \u00dferen Auseinandersetzung zwischen etwa 40 Randalierern, linksorientierten Jugendlichen, Ausl\u00e4ndern und dem Personal des Kabaretts \"Kugelblitze\". Im Verlauf dieser Auseinandersetzungen werden Fensterscheiben zertr\u00fcmmert und sieben Personen zum Teil schwer verletzt. An diesem Tag hat die Polizei insgesamt 49 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen, darunter 35 Deutsche und 14 Ausl\u00e4nder. Unter den festgenommenen deutschen Randalierern befinden sich vier Jugendliche, die bereits als Skinheads im Zusammenhang mit Straftaten in Erscheinung getreten sind. Bei den \u00fcbrigen handelt es sich \u00fcberwiegend um Hooligans. Von diesen sind die Auseinandersetzungen begonnen worden. Im weiteren Verlauf haben sich dann auch Skinheads, die anderorts \"gefeiert\" hatten, beteiligt. Halle, 22.05.1994 F\u00fcnf rechtsorientierte Jugendliche schlagen vor einer Disco brutal auf einen Afrikaner aus Zaire ein. Dabei rufen sie \"Sieg Heil, macht den Neger platt!\". Dessau, 31.05.1994 Zwei rechtsorientierte Jugendliche schlagen einem deutschst\u00e4mmigen Aussiedler im Berufsbildungszentrum mit der Faust ins Gesicht und rufen dabei, \"Ausl\u00e4nder raus, Russen raus, ab geht 's nach Ru\u00dfland!\". Halberstadt, 13.08.1994 Rechtsorientierte Jugendliche schlagen auf vier italienische Gastarbeiter mit F\u00e4usten und einem Baseballschl\u00e4ger ein. 1 agdeburg, 09.10.1994 Vier Asylbewerber werden grundlos von f\u00fcnf rechten Jugendlichen mit folgenden Worten bel\u00e4stigt: \" Was macht ihr in Deutschland, raus aus unserem Land, Ausl\u00e4nder raus!\". Als die Asylbewerber daraufhin die Flucht ergreifen wollen, wird ein Ausl\u00e4nder von einem rechten Jugendlichen durch eine zerschlagene Flasche verletzt.","40 Tangerh\u00fctte, Landkreis Stendal, 10.11.1994 Auf dem Bahnhofsvorplatz wird ein \u00e4lterer B\u00fcrger von sieben rechtsorientierten Jugendlichen, die ihn f\u00fcr einen Ausl\u00e4nder halten, besinnungslos geschlagen. * Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Rechtsund Linksextremisten W\u00e4hrend der ,,Kampf gegen Rechts\" f\u00fcr Linksextremisten, insbesondere f\u00fcr die Autonomen, seit Jahren zum festen Bestandteil ihrer Aktivit\u00e4ten geh\u00f6rt, ist die Formierung von Neonazis als ANTI-ANTIFA gegen Linksextremisten relativ neu. Die Praxis der Linksextremisten, die Personendaten von ,,Faschos\" zusammenzutragen und zu ver\u00f6ffentlichen, wird mittlerweile von Neonazigruppen auch den \"linken Zecken\" gegen\u00fcber angewendet (siehe hierzu unten 3.1.3). Damit hat sich die Gefahr gegenseitiger Angriffe erheblich gesteigert. Von den 108 erfa\u00dften Gewalttaten richteten sich 28 (25,93 %) gegen ,,Linke \" und ihre Trefforte. Damit sind die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Rechtsund Linksextremisten gegen\u00fcber dem Vorjahr um 60% zur\u00fcckgegangen. Wie in den Vorjahren \u00fcberwiegen die K\u00f6rperverletzungen mit einem Anteil von \u00fcber 57 % an den erfa\u00dften Gewalttaten. Oft wurden die Angriffe gegen \"Linke\" von gr\u00f6\u00dferen Gewaltt\u00e4tergruppen ausgef\u00fchrt. Erschreckend ist die dabei gezeigte Brutalit\u00e4t, wobei auf beiden Seiten schwerste Verletzungen und der Tod des Gegners in Kauf genommen werden. Die Gewalttaten gliedern sich wie folgt: 1994 1993 1992 Brandanschl\u00e4ge 5 3 1 Landfriedensbr\u00fcche 2 17 9 K\u00f6rperverletzungen 16 30 20 Sachbesch\u00e4digung10 _5 20 __2 28 70 35 IO Gez\u00e4hlt werden nur Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung.","41 Ge,valttaten \"Rechts\" gegen \"Links\" 30 1992 1993 1994 ll Korperverletzung 0 Landfriedensbruch * Brandanschlag 1!1 Sachbesch\u00e4digung Vergleich 199: 93 194","42 Folgende Gewalttaten sind hervorzuheben: Schwanebeck, Landkreis Halberstadt, 15.01.1994 Mehrere rechte Jugendliche schlagen auf einen \"Linken\" ein, spr\u00fchen ihm Reizgas ins Gesicht und rufen dabei mehrfach\" Sieg heil, Rotfront verrecke!\". Kl\u00f6tze, Altmarkkreis Salzwedel, 20.01.1994 Sieben Jugendliche der \u00f6rtlichen rechten Jugendszene dringen in eine Wohnung, die als Treffort der linken Szene bekannt ist, ein und schlagen mit Stuhlund Tischbeinen auf die anwesenden linken Jugendlichen ein. Landsberg, Saalkreis, 14.05.1994 Vermeintlich linke Jugendliche werden in einer Discothek von etwa 25 rechtsorientierten Jugendlichen geschlagen, getreten und mit den Worten: \" Wenn ihr eure Meinung nicht \u00e4ndert, dann seid ihr tot!\" bedroht. Halberstadt, 11.10.1994 Zehn rechtsextremistische, vermummte Jugendliche schlagen auf vermeintlich \"Linke\" mit Baseballschl\u00e4gern ein und besch\u00e4digen mehrere PKW. Ballenstedt, Landkreis Quedlinburg, 04.11.1994 Etwa 60 rechte Jugendliche mit Baseballschl\u00e4gern zerschlagen die Eingangst\u00fcr einer Gastst\u00e4tte und feuern Leuchtgeschosse ab, weil sie dort linke Jugendliche vermuten. * Antisemitische Vorf\u00e4lle Die Gesetzesverletzungen mit antisemitischer Motivation sind in Sachsen-Anhalt - wie auch bundesweit - erheblich gestiegen. 41 Straftaten (im Vorjahr drei) von 777 (= 5,28 %) hatten eine antisemitische Zielrichtung, davon fiinf Gewalttaten. Bei den meisten antisemitischen Straftaten handelte es sich um Schmieraktionen sowie verbale und schriftliche Volksverhetzungen. Zu dem Anstieg dieser Straftaten","43 k\u00f6nnte die Vorfiihrung des Films \"Schindlers Liste\" beigetragen haben, denn auf ihn nahmen die T\u00e4ter oft Bezug. So ging zum Beispiel der j\u00fcdischen Gemeinde in Magdeburg am 18. April 1994 ein Brief mit folgendem Inhalt zu: \"Schindlers Liste ist ein Affront gegen die W\u00fcrde aller Deutschen daf\u00fcr nehmen wir Rache an euch Juden in Deutschland an lgnatz Bubis weitergeben mein Hund rufen wir auch mit Ignatz an bewacht eure Juden Synagoge\". (Fehler im Original \u00fcbernommen) Die Zunahme der bekanntgewordenen antisemitischen Straftaten d\u00fcrfte auch auf eine gestiegene Sensibilit\u00e4t in der \u00d6ffentlichkeit und ein durch sie ver\u00e4ndertes Anzeigeverhalten der Bev\u00f6lkerung zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Folgende Gewalttaten sind bekanntgeworden: Wolmirstedt, Ohre-Kreis, 22.01.1994 Auf einem j\u00fcdischen Friedhof werden Grabsteine gewaltsam umgesto\u00dfen und zerst\u00f6rt. Harzgerode, Landkreis Quedlinburg, 29.03.1994 In der Gedenkst\u00e4tte der j\u00fcdischen Gemeinde werden Gedenksteine gewaltsam zerst\u00f6rt. Holzwei\u00dfg, Landkreis Bitterfeld, 10.09.1994 Vor einer Diskothek schlagen 15 militante Rechtsextremisten brutal auf zwei Jugendliche ein und rufen dabei: \"Judenschweine, schlagt sie tot, schlagt ihnen den Sch\u00e4,~ I . .!\" . ue ezn Stendal, Landkreis Stendal, 09.11.1994 Auf einem j\u00fcdischen Friedhof wird ein Davidstern zerst\u00f6rt, der zum Gedenken an die Pogromnacht aufgestellt worden war.","44 Haldensleben, Ohre-Kreis, 01.12.1994 Ein Ehepaar wird w\u00e4hrend eines Spazierganges von vier einschl\u00e4gig bekannten rechtsorientierten Jugendlichen durch Schl\u00e4ge und Tritte verletzt und anschlie\u00dfend mit den Worten: \"Du Judensau, HitZer ist unser F\u00fchrer!\" beschimpft. * Altersstruktur der nzutma\u00dflichen T\u00e4ter Die Altersstruktur der mutma\u00dflichen T\u00e4ter ergibt folgendes Bild: 1994 1993 1992 16-17 Jahre 16,83 deg/o 9,05deg/o 37,26% 18-20 Jahre 40,12 deg/o 47,74deg/o 38,74% 21 -24 Jahre 27,20% 35,67% 18,32% 25-29 Jahre 9,79% 4,52% 5,05% 30 Jahre und \u00e4lter 6,06% 3,02% 0,63% Der Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden an der Gesamtzahl der mutma\u00dflichen T\u00e4ter betr\u00e4gt wie im Vorjahr rund 57%. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der T\u00e4ter geh\u00f6rt mit rund 67 % der Altersgruppe der 18bis 24j\u00e4hrigen an (1993: fast 84 %). Eine szenetypische Besonderheit ist das jugendliche Alter der Skinheads, das oft unter 16 Jahren, manchmal sogar unter 14 Jahren liegt. Im Berichtszeitraum waren von 619 bekannten T\u00e4tern 108 (17,45 %) unter 16 Jahre alt. Die Altersgruppe der unter 16j\u00e4hrigen wird jedoch nicht erfa\u00dft (siehe \u00dcbersicht auf Seite 45). Bezogen auf 511 Straft\u00e4ter lag der Frauenanteil bei 29 (5,68 %). Von den erfa\u00dften Straft\u00e4tern sind acht im Jahre 1994 mehrfach in Erscheinung getreten. Zwanzig fielen bereits 1993 durch rechtsextremistische Straftaten auf. 2.2.2 Gerichtsurteile Es hat sich gezeigt, da\u00df auch Straft\u00e4ter im politischen Bereich und die Szene, der sie angeh\u00f6ren, dann durch Verurteilungen nachhaltig beeindruckt werden, wenn diese m\u00f6glichst zeitnah auf die Tat folgen.","45 Altersstruktur von 511 Tatverd\u00e4chtigen 17o/o 40o/o Altersstruktur von 291 Neonazis 11o/o 11o/o 7o/o 36o/o 35o/o * 16-17 1118-20 * 21-24 D 25-29 D 30+ Jahre Jahre Jahre Jahre Jahre","46 So hat im Berichtszeitraum die Justiz in den folgenden drei Beispielsf\u00e4llen sehr z\u00fcgig reagiert: Das Amtsgericht Kl\u00f6tze verurteilte am 19. April 1994 vier rechtsorientierte junge M\u00e4nner wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu Haftstrafen von drei Jahren, zu zwei Jahren acht Monaten und zu zwei Jahren sechs Monaten sowie zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten. Drei der vier M\u00e4nner im Alter zwischen 22 und 27 Jahren waren bereits vier bis zehnmal vorbestraft. Die M\u00e4nner hatten am 20. Januar 1994 in Kl\u00f6tze, Altmarkkreis Salzwedel, mit Schlagwerkzeugen bewaffnet, eine Wohnung von vermeintlich \"Linken\" gest\u00fcrmt und anschlie\u00dfend auf die Anwesenden brutal eingeschlagen. Wegen schwerer K\u00f6rperverletzung an einem Schwarzafrikaner aus Ghana verurteilte das Landgericht Halle am 20. September 1994 drei rechtsgerichtete, zum Teil achtmal vorbestrafte junge M\u00e4nner im Alter zwischen 22 und 28 Jahren zu Haftstrafen von drei Jahren und neun Monaten bzw. drei Jahren und zwei Monaten sowie zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe von zwei Jahren. Diesen Verurteilungen lagen die auf Seite 38 geschilderten Ereignisse zugrunde. Gegen neun der insgesamt 17 Angeklagten im sogenannten \"Himmelfahrtsproze\u00df\" sind zwischen dem 22. Juli 1994 und dem 12. Dezember 1994 die Urteile vom Amtsbzw. Landgericht Magdeburg gesprochen worden. Das Strafma\u00df liegt zwischen einem Jahr sechs Monaten Freiheitsstrafe (ausgesetzt auf drei Jahre zur Bew\u00e4hrung) und drei Jahren Freiheitsentzug. Von den erw\u00e4hnten neun Hauptangeklagten im Alter zwischen 19 und 24 Jahren war lediglich einer bereits vor den Ereignissen des 12. Mai 1994 strafrechtlich in Erscheinung getreten. Diesen Verurteilungen lagen die auf Seite 38 geschilderten Ereignisse zugrunde.","47 2.2.3 Kein Rechtsterrorismus in Sachsen-Anhalt Die Auswertung der bisher bekanntgewordenen Gewalttaten militanter Rechtsextremisten hat auch im Berichtszeitraum zu dem Ergebnis gef\u00fchrt, da\u00df diese keinen rechtsterroristischen Hintergrund hatten. Nach den Regeln des Strafrechts macht sich derjenige der Bildung einer terroristischen Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129a Absatz I StOB strafbar, der eine Vereinigung gr\u00fcndet oder sich an ihr als Mitglied beteiligt, deren Zweck oder T\u00e4tigkeit auf die Begehung der im Gesetz aufgef\u00fchrten Katalogstraftaten (schwerste Straftaten) gerichtet ist. Zur Ausf\u00fcllung der einzelnen Tatbestandsmerkmale sind von der h\u00f6chstrichterlichen Rechtsprechung verschiedene Kriterien verbindlich festgelegt worden, deren Vorliegen bei den ermittelten Gewalttaten militanter Rechtsextremisten bislang noch nicht nachgewiesen werden konnte. Zum einen konnte bei den bekanntgewordenen Gewaltt\u00e4tergruppen der zur Annahme einer terroristischen Vereinigung erforderliche Organisationsgrad nicht festgestellt werden. Zum anderen fehlte es in s\u00e4mtlichen der bekanntgewordenen F\u00e4lle nach dem bisherigen Erkenntnisstand den \"Gemeinschaften\" bereits an einem auf gewisse Dauer angelegten und zu einem gemeinsamen Zweck erfolgten Zusammenschlu\u00df mit fester Zusammengeh\u00f6rigkeit der Tatbeteiligten. Schlie\u00dflich konnte auch nicht festgestellt werden, da\u00df sich die Tatbeteiligten verbindlichen Regeln \u00fcber die Willensbildung unterworfen hatten. 3. Neonazistische Organisationen und Parteien 3.1 Allgemeines Der \"Neonazismus\" umfa\u00dft diejenigen politischen Bestrebungen, die sich auf die Zeit des Dritten Reiches, d. h. auf die Programmatik der NSDAP und den diktatorischen F\u00fchrungsanspruch ihrer Vertreter zur\u00fcckf\u00fchren lassen. Die Forderungen der Neonazis entsprechen im wesentlichen dem Parteiprogramm der NSDAP aus dem Jahre 1920. Ziel","48 des Neonazismus ist die Errichtung eines totalit\u00e4ren Staates auf der Grundlage des Eliteund F\u00fchrerprinzips. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es keinen einheitlichen Neonazismus, weder als bundesweit \u00fcbergreifende Organisation noch als ideologische Bewegung. Diese Zerrissenheit, die im Grunde genommen :filr den gesamten Rechtsextremismus symptomatisch ist, hat mehrere Gr\u00fcnde. Dem Neonazismus fehlt es an einem langfristig angelegten realistischen Programm mit Handlungsanweisungen :filr die sich rasch ver\u00e4ndernde moderne Gesellschaft, das zur Schulung und politischen Festigung der Anh\u00e4nger und als permanente Aktionsgrundlage dienen k\u00f6nnte. Es gibt zuwenig Personen, die einerseits in der Lage sind, systematische politische Schulungen durchzufUhren und andererseits die F\u00e4higkeiten oder das Interesse haben, sich intensiv f\u00fcr politische Dinge zu interessieren und die politischen Inhalte zu verinnerlichen. Die meisten Neonazis, aber auch andere Rechtsextremisten, sind in geringem Ma\u00df politisierte Mitl\u00e4ufer, die dadurch jedoch nicht minder gef\u00e4hrlich sind. Das Funktionieren des Systems des Neonazismus h\u00e4ngt von der Existenz einer herausragenden, unumstrittenen F\u00fchrungsperson ab, die das blinde Vertrauen ihrer Anh\u00e4nger genie\u00dft und ein richtungweisendes Programm vorweisen kann. Eine derartige F\u00fchrungsperson fehlt in der Bundesrepublik Deutschland. Statt dessen f\u00fchlt sich eine Reihe von Aktivisten zum \"F\u00fchrer\" berufen und sorgt so f\u00fcr Konkurrenzk\u00e4mpfe, Abgrenzungen und Spaltungen innerhalb des neonazistischen Lagers. In einem Punkt sind sich jedoch alle Neonazis einig: Sie bek\u00e4mpfen die demokratische Staatsform der Bundesrepublik Deutschland mit dem Ziel ihrer Vernichtung und kn\u00fcpfen mit ihren Vorstellungen an Weltanschauung, Programm und Machtanspruch des Nationalsozialismus an. Es haben sich zahlreiche neonazistische Gruppen und Parteien in der Bundesrepublik Deutschland gebildet, von denen ~inige ihre Aktivit\u00e4ten auch nach Sachsen-Anhalt ausgedehnt haben. 3.1.1 Ideologisch-politischer Standort Der Neonazismus umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus ablegen","49 und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren oder totalit\u00e4ren Staates gerichtet sind. Auff\u00e4llig bei den Neonazis ist ihre hemmungslose Agitation, die sich eindeutig gegen die vom Grundgesetz garantierte Menschenw\u00fcrde, das Demokratieprinzip und den Gleichheitsgrundsatz richtet. Sie propagieren die Wiedereinfiihrung des NS-Systems und \u00e4u\u00dfern unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus. Die NS-Verbrechen werden verharmlost und geleugnet sowie die Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur verherrlicht. Teilweise ist eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren FrOhform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich meist auf die kritiklose \u00dcbernahme von Parolen und symbolischen Elementen der ehemaligen NSDAP, insbesondere das Hakenkreuz. Wegen der versch\u00e4rften Anwendung der einschl\u00e4gigen strafrechtlichen Bestimmung werden diese Symbole und Hinweise auf das politische Ziel zumeist nur noch anonym ohne m\u00f6gliche Zuordnung zu einer Organisation verwendet. Gewalt wird sowohl emotional bejaht als auch angewandt. Die neonazistischen Aktivit\u00e4ten gehen zumeist von jungen Menschen aus, die nach dem Zweiten Weltkrieg geboren sind und den Nationalsozialismus selbst nicht erlebt haben. H\u00e4ufig sind auch militante Rechtsextremisten, vor allem Skinheads, in neonazistische Aktivit\u00e4ten eingebunden. An einer Mitgliedschaft und kontinuierlichen Mitarbeit in Neonazi-Parteien sowie Gruppen zeigt die Skinheadszene jedoch kein Interesse. 3.1.2 Organisation Die Gesamtzahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 2.450 auf 3.740 gestiegen. Davon sind etwa 1.150 (1993: rund 950) nicht organisierte Neonazis, und etwa 2.590 (1993: rund 1.500) geh\u00f6ren den neonazistischen Parteien und Personenzusammenschl\u00fcssen als Mitglieder an. Die Anzahl der neonazistischen Parteien und Personenzusammenschl\u00fcsse hat sich bundesweit von 27 auf 33 erh\u00f6ht.","50 Bei diesen Personenzusammenschl\u00fcssen handelt es sich zum Teil um lose Gesinnungsund Kampfkader auf regionaler und lokaler Ebene, deren Anh\u00e4nger sich teilweise auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind oft nicht mehr erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. In Sachsen-Anhalt ist die Anzahl der Neonazis von rund 100 im Jahre 1993 auf nunmehr rund 320 angewachsen. Davon sind jedoch nur etwa 60 als Mitglieder neonazistischer Parteien anzusehen. Bei den \u00fcbrigen handelt es sich um Unorganisierte und um Sympathisanten neonazistischer Parteien sowie um Anh\u00e4nger neonazistischer Personenzusammenschl\u00fcsse ohne feste Mitgliedschaften. Die enorme Zunahme von Neonazis in Sachsen-Anhalt hat zahlreiche Gr\u00fcnde. So sind die massiven Mitgliederwerbungen und zahlreichen Schulungen der neonazistischen Parteien, insbesondere der FAP 11 , nicht ohne Wirkung auf die mit ihrer Lebenssituation unzufriedenen Jugendlichen geblieben. F\u00fcr einen Teil der Jugendlichen, der sich entt\u00e4uscht von den ihrer Meinung nach \"lahmen\" rechtsextremistischen Parteien abwandte, boten die sich k\u00e4mpferischer gebenden Neonazis eine ihren Vorstellungen entsprechende \"revolution\u00e4re\" Alternative. Auch aus der Subkultur der rechtsextremistischen Skinheads und militanten Rechtsextremisten, die eine kontinuierliche, vor allem organisationsgebundene politische Arbeit in hierarchischen Strukturen nach wie vor abschreckt, konnten die auf lokaler Ebene neu entstandenen strukturlosen neonazistischen Personenzusammenschl\u00fcsse neue Anh\u00e4nger gewinnen. Der im Berichtszeitraum beobachtete Trend der Neonazis, weg von parteif\u00f6rmig strukturierten hin zu aktionsund themenbezogenen, organisations\u00fcbergreifenden Zusammenschl\u00fcssen ohne feste Mitgliedschaft und Parteidisziplin, erm\u00f6glichte der rechtsextremistischen Subkultur eine zwanglose, dennoch ungebundene Mitarbeit. Das dabei von den neonazistischen \"Ideologen\" verfolgte Ziel ist ein weitgef\u00e4chertes Netzwerk von Initiativen, Zellen, \"Kameradschaften\" und Aktionsb\u00fcndnissen, eine \"Volksfront von rechts\", eine \"nationale Bewegung\", die ein \u00fcber den Neonazismus hinausreichendes Potential von Rechtsextremisten einschlie\u00dft. 11 Die F AP wurde bis zur Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts arn 22. Februar 1995 von den Sicherheitsbeh\u00f6rden als Partei betrachtet.","51 Die zun\u00e4chst beeindruckende Verdreifachung des neonazistischen Spektrums in Sachsen-Anhalt ist jedoch weniger politisch, sondern mehr aufgrund der Gewaltbereitschaft bedeutsam. So waren im Berichtszeitraum zw\u00f6lf Neonazis, davon zwei zweimal, an sieben Gewalttaten beteiligt. Die Altersstruktur der mit Geburtsdatum bekannten Neonazis (291 von 320) ergibt folgendes Bild: 1617 Jahre 7% 18-20 Jahre 35% 21 - 24 Jahre 36% 25 - 29 Jahre 11 % 30 Jahre und \u00e4lter 11 %. Der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Neonazis geh\u00f6rt mit 71 % der Altergruppe der 18bis 24j\u00e4hrigen an (siehe \u00dcbersicht auf Seite 45). Unter den insgesamt 320 Neonazis befinden sich 24 Frauen. Dies entspricht einem Anteil von 7,5 %. 3.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt * Vernetzungsans\u00e4tze Die bereits im letzten Berichtszeitraum festgestellten informationeilen Vemetzungsans\u00e4tze zwischen Neonazis, militanten Rechtsextremisten und rechtsextremistischen Parteien stellten auch diesmal wieder einen Schwerpunkt der Beobachtung dar. Die von den Neonazis seit 1993 entwickelten Aktivit\u00e4ten im Hinblick auf eine \u00fcberregionale Vemetzung werden kontinuierlich und zielstrebig ausgeweitet. Insbesondere die planm\u00e4\u00dfige Vorbereitung und Mobilisierung zu \u00fcberregionalen Aktionen unter Einsatz modernster Kommunikationsmittel, wie beispielsweise von CE-Funkger\u00e4ten, Mobiltelefonen, sowie durch Bildung von Telefonketten und Info-Telefonen deuten auf eine gestiegene Organisierung, Technisierung und internationale Vemetzung der Szene hin. In der Intensivierung der Vernetzungsbestrebungen sehen die Neonazis eine M\u00f6glichkeit, den ver-","52 sch\u00e4rften staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen zu begegnen. Die gegen neonazistische Organisationen ausgesprochenen Verbote, insbesondere die sich daraus ergebenden strafrechtlichen M\u00f6glichkeiten, eine Fortf\u00fchrung der politischen Arbeit dieser verbotenen Organisationen zu unterbinden, zwangen die betroffenen Rechtsextremisten zu neuen Organisationsund Aktionsmodellen, um die tats\u00e4chlichen Aktivit\u00e4ten vor den Sicherheitsbeh\u00f6rden zu verschleiern. Da die blo\u00dfe Gr\u00fcndung direkter Nachfolgeorganisationen wenig Erfolg versprach, wurden neue Fonnen organisations\u00fcbergreifender Zusammenarbeit entwickelt. Beweggr\u00fcnde daf\u00fcr waren haupts\u00e4chlich das Unterlaufen vollzogener und k\u00fcnftiger Organisationsbzw. Parteiverbote, das \u00dcberwinden der bisherigen Zersplitterung im Interesse einer gr\u00f6\u00dferen politischen und medienbezogenen Wirksamkeit sowie das Vorantreiben einer neonazistischen Vemetzung durch Organisierung ohne Organisation nach dem Vorbild der linksextremistischen autonomen Szene. Tr\u00e4ger der beginnenden Umstrukturierung und Neufonnierung der Neonaziszene sind einzelne F\u00fchrer und Funktion\u00e4re verbotener oder vom Verbot bedrohter Organisationen. Als ma\u00dfgeblicher Ideengeber tritt dabei der Hamburger Neonazi Christian WORCH in Erscheinung. Zur Thematisierung der \"totalen Vemetzung\" sowie zum Ausloten der \u00dcbereinstimmungen f\u00fcr das Projekt der \"nationalen Bewegung\" finden seit Ende 1993 regelm\u00e4\u00dfig Treffen der neonazistischen F\u00fchrer statt. Die Basis der neonazistischen Organisationen ist bisher noch nicht in diese Strategiediskussion mit einbezogen. Aus einem Strategiepapier des FAP-Funktion\u00e4rs Andre GOERTZ lassen sich folgende Ziele der Neonazif\u00fchrer ableiten: Fonnierung der nationalen Rechten durch \"totale Vemetzung\" einer Vielzahl von rechtsextremistischen Gruppen, Parteien und Initiativen, Ablehnung einer einheitlichen rechtsextremistischen Partei, Schaffung einer integrierten \"nationalen Bewegung\" durch St\u00fctzpunkte auf Ortsebene, R\u00e4te von anerkannten F\u00fchrern auf regiona-","53 ler Ebene, einen bundesweiten \u00c4ltestenrat als \"Elite der nationalen Bewegung\", Verzicht auf Konkurrenz von Organisationen auf Ortsebene und Einrichtung von \"Nationalen Info-Telefonen\" und Mailboxen als technische Mittel zur Vemetzung, zumindest auf nationaler Ebene. In Sachsen-Anhalt ist die Umstrukturierung der Neonaziszene im wesentlichen von Aktivisten der \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) betrieben worden (siehe hierzu 3.3.2 und 3.3.3). Nach der angeblichen Selbstaufl\u00f6sung der JF-Strukturen sind im Bereich des Ostharzes autonome Gruppen ohne Satzung, Kasse und feste Mitgliedschaftell geschaffen worden. Diese Gruppen sind \u00fcber einen regionalen F\u00fchrer aus dem SrA12/JF-Kader miteinander vemetzt, der die politische Arbeit der Gruppen leitet und die Anh\u00e4nger motiviert. Durch die Umstrukturierung konnte die vom Verbot bedrohte JF einerseits ihre politische Arbeit fortsetzen und andererseits mit den neugeschaffenen autonomen Strukturen die Aufkl\u00e4rung und m\u00f6gliche Verbote erschweren. Ein weiteres Beispiel fiir die Vemetzung und Verflechtung auf lokaler Ebene ist der in1 Berichtszeitraum gegr\u00fcndete \"Deutscher Freundeskreis Nordharz\" (DFN)~ siehe hierzu 3.4.2. Das d\u00fcrftige Programm des DFN stellt dabei einen Minimalkonsens f\u00fcr die Zusammenarbeit von Mitgliedern rechter Parteien, neonazistischer Gruppen und Einzelaktivisten dar. Der aus dem \"Nationalen Gespr\u00e4chskreis Nordharz\" hervorgegangene DFN d\u00fcrfte damit Modellcharakter f\u00fcr andere \"Nationale Gespr\u00e4chskreise\" bzw. sogenannte \"Nationale Stammtische\" haben. Die \u00f6rtliche Zusammenarbeit rechtsextremistischer Organisationen wird auch durch das regionale Zeitungsprojekt \"Nordharz InfoDienst\" des DFN unterst\u00fctzt. In den Themenbeitr\u00e4gen mit regionalen Bez\u00fcgen wird versucht, das gesamte \"nationa1e Spektrum\" einzube12 SrA steht fur die Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront, siehe 3.3.2 und 3.3.3.","54 ziehen. Daneben werden ideologische und strategische Grundsatzdiskussionen gef\u00fchrt. Aufgrund des erh\u00f6hten staatlichen Verfolgungsdrucks d\u00fcrften die Neonazis weiterhin bem\u00fcht sein, eine F\u00fclle regionaler Gruppen unterschiedlichster Organisationsformen zu bilden, die als eingetragene oder nichteingetragene Vereine, als Parteien, als Gruppen mit neutralem Namen, die nicht ohne weiteres als Rechtsextremisten zu erkennen sind, als autonome Kameradschatten oder Leserkreise auftreten k\u00f6nnen. * ANTI-ANTIFA Eine weitere Erscheinungsform der fortschreitenden organisations\u00fcbergreifenden informationeilen Vemetzung ist die 1992 von den Neonazis als aktionistischer Personenzusammenschlu\u00df geschaffene ANTI-ANTIFA. Urspr\u00fcngliches Ziel der ANTI-ANTIFA-Arbeit war vor allem eine \"bessere Aufkl\u00e4rung der feindlichen Aktivit\u00e4ten, ihrer Drahtzieher und Anf\u00fchrer\". Inzwischen dient sie haupts\u00e4chlich dazu, die vorhandene Zersplitterung sowie die unter dem Druck der staatlichen Abwehrund Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahmen entstandene Verunsicherung zu \u00fcberwinden und die Zusammenarbeit zu verst\u00e4rken. Nach der Vorstellung ihrer Initiatoren verfolgt die ANTI-ANTIFA folgende Ziele: Sie soll ein Instrument der Ver:flechtung zwischen den rechtsextremistischen Vereinigungen, insbesondere den neonazistieben Organisationen sein. Damit soll die durch die staatlichen Verbote geschw\u00e4chte neonazistische Szene aktionsf\u00e4hig gehalten, zusammengef\u00fchrt und auch erweitert werden. Sie soll der \"Feindaujkl\u00e4rung\" dienen, d. h.: Durch die Aussp\u00e4hung und Verbreitung von Personendaten sowie durch die Ermunterung zu ,,Aktionen\" sollen die politischen Feinde verunsichert und geschw\u00e4cht werden.","55 Verflechtung und Feindaufkl\u00e4rung sollen nicht von herk\u00f6mmlichen organisatorischen Strukturen geleistet werden, sondern durch organisations\u00fcbergreifende informationelle Vernetzung, d. h. durch den Einsatz moderner elektronischer Techniken. Dadurch sollen konventionelle und strukturelle Elemente wegen ihrer Verbotsanf\u00e4lligkeit letztlich \u00fcberfl\u00fcssig gemacht werden. Der mit diesen Perspektiven ausgestattete ANTI-ANTIFA-Aktionismus erh\u00f6ht das Selbstwertgef\u00fchl der Rechtsextremisten. Im Kampf gegen den politischen Gegner erkennen die Neonazis die Klammer f\u00fcr eine organisationsunabh\u00e4ngige bzw. -\u00fcbergreifende Zusammenarbeit. Die ANTI-ANTIFA findet zunehmend Akzeptanz auch im \u00fcbrigen Rechtsextremismus, wie beispielsweise bei der NPD und ihrer Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN). Damit ist die ANTI-ANTIFA zu einem ausschlaggebenden Part einer tiefgreifenden, ma\u00dfgeblich logistischen Umorientierung des rechtsextremistischen Lagers geworden. Dazu mu\u00dften interne Differenzen zugunsten einer gemeinsamen komplexen Aktionsplanung zur\u00fcckgestellt und die bundesweiten Kontakte auf der neonazistischen F\u00fchrungsebene erheblich intensiviert werden. Getragen wird die ANTI-ANTIFA-Arbeit jedoch von regionalen Gruppen. Diese informellen Gruppen, ohne formale Mitgliedschaft und Vorstand, werden von regional anerkannten F\u00fchrungsfiguren, die untereinander in Kontakt stehen, angeleitet. Es sei \"keine feste zusammengeh\u00f6rige Organisation\" geplant, die \"leicht zu verfolgen, zu verbieten und aufzul\u00f6sen\" sei, hei\u00dft es dazu in einem ANTI-ANTIFA-Flugblatt. WORCH spricht von einer \"sehr lose strukturierten Szene\". Welche Anforderungen an die Aktivisten zu stellen sind, verr\u00e4t ein \"Manifest des revolution\u00e4ren nationalistischen Befreiungskampfes\", das im Rahmen einer Exekutivma\u00dfnahme im Land Brandenburg sichergestellt werden konnte: Entsprechend ihrer konspirativen Vorgehensweise soll sich die \u00f6rtliche ANTI-ANTIFA-Arbeit vorwiegend auf Personen st\u00fctzen, die nicht als \"Nationalisten\" erkennbar und dem politischen Gegner und den Staatsschutzorganen nicht bekannt sein sollen. Es m\u00fc\u00dften nach au\u00dfen unauff\u00e4llige \"Kameraden\" sein: \"Nationalisten, die den feindlichen Sp\u00e4hern und Lauschern bisher","56 noch nicht aufgefallen sind\". Sie sollten sich von den bekannten rechten Gruppierungen prinzipiell fernhalten und jede Zuordnung zum \"nationalen Spektrum\" unm\u00f6glich machen; sie m\u00fc\u00dften \"strengste Zur\u00fcckhaltung\" \u00fcben, ggf. sollten sie eine \"Ausbildung bei Bundeswehr oder Polizei in Erw\u00e4gung ziehen mit dem Ziel, sich in besonders qualifizierten Spezialeinheiten das n\u00f6tige Wissen und K\u00f6nnen anzueignen\". Die Aufgabe des \"revolution\u00e4ren K\u00e4mpfers\" liege nicht in der programmatischen Arbeit, sondern \"allein im milit\u00e4rischen Kampf'. Mit diesen Aktivisten versucht die ANTI-ANTIFA, die gegnerischen politischen Organisationen zu infiltrieren, um an deren interne Informationen zu gelangen. Au\u00dferdem werden sie bei Gegendemonstrationen verdeckt in den gegnerischen Reihen zur \"Feindaufk]\u00e4rung\" eingesetzt. Der a11umfassende Ansatz, Andersdenkende und politische Gegner nachrichtendienstlich auszusp\u00e4hen, schlie\u00dft auch den Einsatz von Observationsund Nachrichtentechnik ein. Nach der spektakul\u00e4ren Herausgabe des \"Einblick\" Ende 1993, mit der die Neonazis eine beachtliche Publizit\u00e4t erreichten, sind lediglich einige ANTI-ANTIFA-Schriften in Erstausgabe erschienen. Andere rechtsextremistische Publikationen ver\u00f6ffentlichten in unterschiedlichem Ausma\u00df ANTI-ANTIFA-Informationen. Dort und in einer Vielzahl von Flugbl\u00e4ttern wurden Namen und Anschriften, teilweise auch Fotos von politischen Gegnern und deren Organisationen publiziert. In der von der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) herausgegebenen Publikation \"Die Neue Front\" vom April 1994 ist unter der \u00dcberschrift \"ANTI-ANTIFA-Meldung\" ein Foto des Generalbundesanwalts abgebildet. Auf die Stirn ist ein Maschinengewehr gerichtet: \"Herr Genera/bundesanwalt. Herzlich willkommen an der Front!\" Daneben enth\u00e4lt die Schrift eine Auflistung der angeblich vom Bundeskriminalamt benutzten Kennzeichen. Danach bedankt sich \"Die Neue Front\" bei der linkautonomen Szenepublikation \"Interim\", die die Liste im April erstmals ver\u00f6ffentlicht hatte: \"Weiter so Jungs! Gemeinsam gegen das System\". Nur ein Teil der Publikationen, die \u00fcber die ANTI-ANTIFA-Arbeit berichten, ver\u00f6ffentlichen \u00e4hnlich subtile Bedrohungstexte wie der","57 \"Einblick\". Diese Fonnen der Gewaltandrohung sind den Herausgebern der Schrift \"NaturSchutz-Denkzettel\" (\"NS-Denkzettel\") nicht genug. Diese Zeitschrift der Berliner Gruppe \"Wei\u00dfer Arischer Widerstand\" enth\u00e4lt einen Mordaufruf: \"Die Ver\u00f6ffentlichung einer erfolgreichen Recherche eines terroristischen Gegners sollte erst dann erfolgen, wenn sich ein dicker Strick au\u00dfenherum befindet!!! Nicht schreiben, sondern machen hei\u00dft die Devise!\". Immerhin, so der \"NS-Denkzettel\", m\u00fc\u00dften die \"Einblick\"-Herausgeber mit strafrechtlicher Verfolgung rechnen. Bei solchen Konsequenzen aber m\u00fcsse sich die Sache \"rentiert\" haben. \"Telefonische Bedrohungen und kleine Sachbesch\u00e4digungen\" rechtfertigten diese Opfer jedenfalls nicht. Auch diejenigen innerhalb der ANTI-ANTIFA, die - zumindest verbal - Gewalttaten ablehnen oder kundtun, sie nicht selbst durchfUhren zu wollen, gehen mit ihrer Ver\u00f6ffentlichung davon aus, da\u00df andere gewaltt\u00e4tige Handlungen gegen die von ihnen benannten Angriffsziele durchfUhren. Die Bedrohungstexte umfassen alle gesellschaftlichen und politischen Bereiche, die in Gegnerschaft zum Rechtsextremismus stehen. Obwohl in einigen Druckschriften offen zur Gewalt aufgefordert wird, liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden bis heute nur wenige Anzeigen Betroffener wegen telefonischer oder schriftlicher Bel\u00e4stigungen und Bedrohungen vor. Gewalttaten gegen Zielpersonen/-objekte, die bislang in ANTI-ANTIFA-Publikationen ver\u00f6ffentlicht wurden, sind nicht bekanntgeworden. Ob und gegebenenfalls inwieweit sich in der ANTI-ANTIFA rechtsterroristische Strukturen entwickeln, wird ein wichtiger Aspekt k\u00fcnftiger Beobachtung sein. 3.2 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 3.2.1 Ideologisch-politischer Standort In ihrem Programm \"Unser Weg in das neue Jahrtausend\" propagiert die FAP den \"v\u00f6lkischen Sozialismus\". Sie orientiert sich mit Parolen","58 wie ,,Europ\u00e4ischer Gemeinnutz geht vor europ\u00e4ischem Eigennutz\" in kaum verh\u00fcllter Weise an Grundz\u00fcgen des NSDAP-Programms vom 24. Februar 1920. Diese fiir das Gesamterscheinungsbild der Partei typische, die Verfassungsfeindlichkeit begr\u00fcndende Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus zeigt sich in zahlreichen weiteren Aussagen der Partei. So fordert sie eine ,,gesetzliche Kontrolle der Zinswirtschaft \", um das \"m\u00fchelose Einkommen\" der Unternehmer, Aktion\u00e4re und Banken zu begrenzen und vertritt die Auffassung, der ,,Schaffende\" als \"wichtigster Faktor innerhalb der Volkswirtschaft\" verdiene mehr Anerkennung. Soziale Probleme sollen nach Vorstellung der FAP durch \"Gemeinsinn statt Klassenkampf und Ausbeutung\", insbesondere durch eine ,Nitbeteiligung des Arbeiters\" am Betriebskapital und den Produktionsmitteln, gel\u00f6st werden; \"Gemeinschaftssch\u00e4dlinge\" seien \"n\u00f6tigenfalls durch Enteignung\" zur Verantwortung zu ziehen. Der Arbeitslosigkeit will die FAP mit einem ,,Arbeitsund Sozialdienst\" und der Forderung \"deutsche Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr deutsche Arbeiter\" begegnen. Ferner wendet sie sich gegen eine angeblich drohende \"massive V\u00f6lkervermischung\" und tritt fiir eine ,,Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung nach Volksabstimmung\" sowie fiir einen strikten ,,Einwanderungsstop f\u00fcr Ausl\u00e4nder\" ein. Die Stunde habe geschlagen, da \"das gesamte schaffende Deutschland die marxistischen Lumpen und Gauner sowie die Unterwerfungslakaien und Verfassungsverr\u00e4ter aller Schattierungen von sich sch\u00fctteln\" und sich wieder in der\" Volksgemeinschaft eines freiheitlichen, antiimperialistischen und klassenlosen Volksstaates\" zusammenfinden m\u00fcsse. Die inhaltlichen Schwerpunkte der FAP-Agitation betreffen im wesentlichen Ablehnung der demokratischen Grundordnung, Ablehnung einer \"\u00dcberfremdung\" des deutschen Volkes, Ablehnung von \"Scheinasylanten\", Ablehnung der Europ\u00e4ischen Union sowie Aufhebung des NSDAP-Verbotes. Das Hauptgewicht der Agitation nimmt die Thematik Ausl\u00e4nder und Asylbewerber ein. Sehr deutlich kommt dies in einem Artikel in ihrer Publikation \"Standarte\" vom Januar 1994 unter der \u00dcberschrift: \"Sterben wir Deutschen aus?\" zum Ausdruck: \"Wie der Umgang mit Kindern und Familien in der Bundesrepublik beweist, haben die sogenannten Volks-","59 vertreterwenig bis gar kein Interesse daran, da\u00df deutsche Volk und die deutsche Kultur zu erhalten. \" ... Und die Beitr\u00e4ge in die Sozialkassen leisten nur die arbeitenden Menschen: Das Heer der Analphabeten und Habenichtsen aus Afrika und Asien hingegen, w\u00fcrde lediglich die Zahl der hiesigen Arbeitslosen vergr\u00f6\u00dfern.\" (Fehler im Original \u00fcbernommen) In den \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re der FAP wird dem Sprachgebrauch der Nationalsozialisten entsprechend eine ,,Macht\u00fcbernahme\" angek\u00fcndigt. Politisch Andersdenkende werden als ,,Feinde\" der FAP bezeichnet, die nach der ,,Macht\u00fcbernahme\" zu erschie\u00dfen seien. Auf diese Weise werden bei Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der FAP Ressentiments erzeugt und Ha\u00dfgef\u00fchle aufgebaut. So erkl\u00e4rte der FAP-Vorsitzende BUSSE anl\u00e4\u00dftich des au\u00dferordentlichen Bundesparteitages der FAP in Reifenstein/Th\u00fcringen am 10. Juli 1993: \"... Endziel der Partei ... \" sei es, \"... die gesamte Macht in Deutschland... \" zu \u00fcbernehmen. In diesem Fall gebe es \"... Arbeitslager, wo die Feinde des deutschen Volkes und vor allem die Ausl\u00e4nder nutzbringende Arbeit verrichten ... \" sollen. Weiterhin ist er der Auffassung, da\u00df ,,Feinde\" der Partei, wie beispielsweise Polizeipr\u00e4sidenten, die jemals eine Veranstaltung der FAP verboten h\u00e4tten und Zeitungsverleger, wie die Verleger der Bildzeitung, die gegen rechte Parteien hetzten und die multikulturelle Gesellschaft propagierten, nach der Macht\u00fcbernahme mit dem Tod durch Erschie\u00dfen rechnen m\u00fc\u00dften. Diese Geisteshaltung machte BUSSE auf einer FAP-Arbeitstagung am 26. November 1994 in Berlin wieder deutlich. In einer Anmerkung zur aktuellen politischen Entwicklung wies er darauf hin, da\u00df \"der Staat am Ende ist. Das sieht man daran, da\u00df die CDU/CSU so schamlos ist, sich den GR\u00dcNEN anzubiedern. F\u00fcr uns und alle 'nationalen Dissidenten' bedeutet das zwangsl\u00e4ufig die Ausweitung und","60 verst\u00e4rkte Einrichtung von 'Anhalte lagern', man kann auch sagen KZ.\" Der Bundesminister des lnnern hat im Namen der Bundesregierung am 16. September 1993 einen Verbotsantrag gegen die FAP beim Bundesverfassungsgericht gestellt. Kurz danach stellte auch der Bundesrat einen entsprechenden Verbotsantrag 13 * Auf diese Antr\u00e4ge reagierte die FAP, indem sie u.a. in ihrer Publikation \"Standarte\" versuchte, sich als Opfer staatlicher Repression darzustellen. Unter der \u00dcberschrift \"Politische Verfolgung in der Bundesrepublik\" f\u00fchrte sie aus: \" ... selbst vor undemokratischer Bet\u00e4tigung schrecken einige 'Paten/demokraten' nicht mehr zur\u00fcck. \" In der gleichen Ausgabe schrieb die Redaktion in einem Aufruf:\" Unsere Arbeit geht trotz Gewalt gegen uns und politischer Verfolgung nat\u00fcrlich unvermindert weiter. Wenn die Guten nicht k\u00e4mpfen, siegen die Schlechten!\" In ihrer Publikation ,,Aufbruch\" spricht die FAP von einer immer brutaler werdenden \" Verfolgung nationaldenkender Deutscher\": \" Widerstand\" sei zur \"ersten B\u00fcrgerpflicht\" geworden. Die \"Demokratie sei l\u00e4ngst zu einer Diktatur gegen das eigene Volk geworden\". Es w\u00fcrden \"Gr\u00e4ber von der Polizei gesch\u00e4ndet, deutsche Patrioten brutal von diesen Staatsdienern auf Befehl von oben zusammengeschlagen.\" 3.2.2 Organisation Die 1979 von Martin PAPE gegr\u00fcndete FAP war bis 1983 eine v\u00f6llig unbedeutende Partei. Anfang 1984 begannen Anh\u00e4nger der im Dezember 1983 verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die FAP zu unterwandern und f\u00fcr ihre Ziele umzufunktionieren. Die Partei nahm seit 1986 eine von heftigen internen Auseinandersetzungen gekennzeichnete Entwicklung. Aus den Fl\u00fcgelk\u00e4mpfen zwischen Anh\u00e4ngern des seit 1988 amtierenden FAP-Vorsitzenden Friedhelm BUSSE und seinem internen Widersacher J\u00fcrgen MOSLER ging BUSSE im M\u00e4rz 1990 als Sieger hervor. Nach der Wiedervereinigung konnte die FAP die Zahl ihrer 13 Da das Bundesverfassungsgericht die Antr\u00e4ge der Bundesregierung und des Bundesrates auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit der FAP mangels Parteieigenschaft als unzul\u00e4ssig zur\u00fcckgewiesen hat, ist die FAP arn 24. Februar 1995 vom Bundesminister des lnnem als Verein nach SS 3 Vereinsgesetz verboten worden.","61 Mitglieder zun\u00e4chst erh\u00f6hen. Der Partei geh\u00f6ren inzwischen bundesweit etwa 430 Mitglieder an. Die innerparteiliche Diskussion \u00fcber die Art und Weise der weiteren politischen Arbeit nach einem erwarteten Verbot der FAP durch das Bundesverfassungsgericht brachte bisher noch kein mehrheitsf\u00e4higes Ergebnis. Alternativ stehen sich folgende Vorschl\u00e4ge gegen\u00fcber: Aufbau autonomer Strukturen bei gleichzeitiger Vernetzung mit anderen Gesinnungsgenossen und \u00dcbertritt nach dem Verbot in eine bestehende Partei, beispielsweise in die NPD. Bisher hat nur der FAP-Landesverband Nordrhein-Westfalen seine Organisationsstruktur aufgegeben und die Parteigliederungen in die Autonomie entlassen. Mit Beschlu\u00df vom 14. Mai 1994 hat er alle Kreisverb\u00e4nde aufgel\u00f6st und zu St\u00fctzpunkten einzelner FAP-Aktivisten ohne Satzung, Kasse oder formelle Mitgliedschaft umgewandelt. In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Parteianh\u00e4nger (=Mitglieder und Sympathisanten) landesweit von etwa 60 im Vorjahr auf etwa 180 angewachsen. Besondere Schwerpunkte bilden der Landkreis Wernigerode mit 121 Anh\u00e4ngern und erstmals Magdeburg mit 21 Anh\u00e4ngern. Der FAP gelang es damit offensichtlich, eine weitere Struktur aufzubauen. Bezogen auf die landesweit etwa 180 Anh\u00e4nger ist die Anzahl der Mitglieder - derzeit etwa 30 - relativ gering. Das gro\u00dfe Potential der Sympathisanten konnte die FAP unter den militanten Rechtsextremisten und Skinheads gewinnen. Dieser Personenkreis zeigt naturgem\u00e4\u00df wenig Neigung, sich fest in eine Parteistruktur einzuordnen. Die geringe Mitgliederzahl mag auch ein Grund dafiir sein, da\u00df der bereits mehrfach angek\u00fcndigte Landesverband Sachsen-Anhalt noch nicht gegr\u00fcndet wurde. Nach wie vor werden die Anh\u00e4nger und Parteistrukturen vom FAP-Landesverband Niedersachsen mit betreut. Am 24. Mai 1994, zu einem Zeitpunkt, als sich in Nordrhein-Westfalen alle Kreisverb\u00e4nde aufl\u00f6sten, wurde in Wernigerode der erste Kreisverband der FAP in Sachsen-Anhalt gegr\u00fcndet. Bis zu diesem","62 Zeitpunkt firmierte der FAP-St\u00fctzpunkt als \"FAP-Kameradschaft Wernigerode\". Bei der Kreisverbandsgr\u00fcndung wurde die Kameradschaft tatkr\u00e4ftig von FAP-Funktion\u00e4ren aus Niedersachsen unterst\u00fctzt. Im Juni 1994 trat der FAP-Kreisverband dann mit einer eigenen Publikation an die \u00d6ffentlichkeit. F\u00fcr das von ihm herausgegebene Informationsblatt \"Der Kamerad\" zeichnet der Vorsitzende des FAP-Landesverbandes Niedersachsen, Thorsten HEISE, verantwortlich. Ermutigt durch die erfolgreiche Kreisverbandsgr\u00fcndung in Wernigerode sollte nach den Vorstellungen der nieders\u00e4chsischen Parteifunktion\u00e4re auch eine FAP-Struktur in der Landeshauptstadt Magdeburg aufgebaut werden. Ab Juli 1994 setzte eine massive Mitgliederwerbung in Magdeburg ein. Diese wurde haupts\u00e4chlich von Funktion\u00e4ren aus Niedersachsen mit Unterst\u00fctzung aus Wernigerode betrieben. Innerhalb weniger Monate konnten die bereits erw\u00e4hnten Anh\u00e4nger gewonnen werden. Neben der zweimonatlich erscheinenden Schrift \"Standarte\" mit einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren bringt die FAP sporadisch etwa 500 Exemplare der Publikation \"Neue Nation\" heraus. Au\u00dferdem gibt der FAP-Landesverband Berlin unregelm\u00e4\u00dfig ein \"Informationsblatt f\u00fcr Mitteldeutschland\" mit dem Namen ,,Aufbruch\" in einer Auflage von rund 300 Exemplaren heraus. 3.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Als Ersatz f\u00fcr die urspr\u00fcnglich zum Jahreswechsel 1993/1994 geplante FAP-Werbewoche fand am 14. Januar 1994 in einer Gastst\u00e4tte in Reddeber, Landkreis Wernigerode, eine Informationsveranstaltung statt, an der etwa 80 Personen aus Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern teilnahmen. Die ,,FAPKameradschaft Wernigerode\" und Mitglieder der NPD aus Wernigerode waren mit rund 30 Personen vertreten. Unter den G\u00e4sten befanden sich BUSSE und HEISE. Die Gespr\u00e4chsleitung wurde von BUSSE \u00fcbernommen. Hauptthema seiner Rede war das Wahljahr 1994 und die Teilnahme seiner Partei an den anstehenden Wahlen, f\u00fcr die er die FAP als eine \"Partei der Zukunft\" empfahl. Dazu erkl\u00e4rte er, in","63 der FAP sitze die junge Generation, die etablierten Parteien best\u00fcnden aus mumifizierten Parteimitgliedern. Im Rahmen der Veranstaltung wurden bereits Unterst\u00fctzungsunterschriften filr den Europawahlkampf der FAP geleistet. BUSSE rief dazu auf, 5.000 Unterst\u00fctzungsunterschriften zu sammeln und an der Wahl teilzunehmen. HElSE informierte die Teilnehmer dar\u00fcber, da\u00df er zu den Buropawahlen auch filr den Bereich Sachsen-Anhalt kandidieren werde. Anschlie\u00dfend tagten die politischen Leiter der FAP am 15. Januar 1994 in Northeim/Niedersachsen. Dort wurde vorgeschlagen, den FAP-Landesverband Sachsen-Anhalt 1994 zu gr\u00fcnden und an der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zun\u00e4chst in einem Wahlkreis teilzunehmen. In der Folgezeit versuchte die FAP-Kameradschaft im Landkreis Wernigerode, die notwendigen Unterst\u00fctzungsunterschriften filr die Teilnahme an den Kommunalwahlen am 12. Juni 1994 zu sammeln. Da dies scheiterte, unternahm sie keine Anstrengungen mehr, an den \u00fcbrigen Wahlen teilzunehmen. Anh\u00e4nger des am 24. Mai 1994 gegr\u00fcndeten Kreisverbandes Wernigerode und des St\u00fctzpunktes Magdeburg nahmen vom 3. bis 5. Juni 1994 an einem FAP-Treffen in Northeim/Niedersachsen teil. Zu diesem Treffen hatte der zwischenzeitlich inhaftierte REISE eingeladen. Hintergrund des Treffens war eine von der Antifa angemeldete Demonstration vor seinem Anwesen. In Abwesenheit von REISE wurde die Veranstaltung von BUSSE geleitet. Er rief dazu auf, sich friedlich zu verhalten und die \"Linken\" nicht au\u00dferhalb des Grundst\u00fccks zu provozieren. An der Zusammenkunft, die friedlich verlief, nahmen 150 FAP-Mitglieder und Sympathisanten aus dem ganzen Bundesgebiet teil, darunter 15 aus Wernigerode. Am 23. Juli 1994 veranstalteten die Anh\u00e4nger des FAP-St\u00fctzpunktes Magdeburg mit Gleichgesinnten aus Niedersachsen eine Geburtstagsfeier in einem Magdeburger Jugendclub. Im Anschlu\u00df daran wollten sie sich an einer von Skinheads durchgefilhrten Grillparty beteiligen. Dies wurde von den Skinheads jedoch abgelehnt. Als Grund gaben sie an, sie h\u00e4tten erfahren, da\u00df BUSSE w\u00e4hrend des FAP-Treffens vom 3. bis 5. Juni 1994 in Northeim folgende Aussage gemacht habe: \"Man","64 '. .. *.* ... Wir fordern: Verbot aller kommunistischen Organisationen! ~~~d -er ntcrmatior:sttatt des FAP-Kr~ertardes Werrit;erode @@QDVOOC(~Ltit~~@* *- --@OC~C@ ~&'iJI]c:J\u00df:&C~@ -_ ___ w-~IId 1.. a. wm.......__u-. \" ........\",..._ w.,...__.. .- 'WIR _\" _... r~t~ O...t-=:rwt Ar'Dell.\".tM(F/11). SIND **-Ueft 305 ~- T'ar11on - * , . . 305.auf EIN VOLK! Ostdeutschland : Breslau * K\u00f6nigsberg * Stettin * i In eigener Sache! sind deutsche S t i d t (r) wie Berlin! I - IC.arn.er~nnan u:n.ct Jr:.arnar-.ni Wir wehren uns - f\u00fcr Oeutsc:.iland! fAP ~r= ~~c~,..=:w._os*-=--~ Ueo::l1 ver Euc:'>. Wir -ol~ ~ ~t *t.n*n tn::...rl:>Uc:Joc ~ ~..n pcuu..cnarn %1sle t.zr'\\d. u::n.sers Arl:lelt Ca-tel -ouen - u euer. Ul:er Akttonen von oe~ freiheitliclu Deutrehe Brb~tt~rpartei ,,., * ., ** ..,.. . \" ll1. )1146 ........... ... anderen Verl:>el.nden. Zettun.;r.-us.::nzune Clder Leser.t:onere ~:ertc:nten. Sc:n.Jckt uruo c.:x:.r ----------------------------------------------X Et.:cn '-U\"'1CC. cu.e nauona~.e :s:z.eno a.n. Reoglon. Um d . . tnzorrna~\" at.rc:h ~ S'I.D'IIIIZ' \"...... 8:~~ ~~~; ;;;: ..\"\" o::rt::-u~ ~~;::;*.:*~~;~:* ~-:*~*~::~~~~. ~ . ~;':~:;:~,:* 1J:: *~ ....:., Freu.nd~ t..z::r\"\\C\\l 8elcann.ten.kz'e1.8 .u ....,.rt.Uen. konnen. ha.t:ot D\"u\" ctle MI:>Q\"U.C:n>coru. gr.,_. Mengen da von Z'T..I bez::Le!\"\\lft'1.. '\"''Ir;*** 10 StUc:loC - S.-DM Be::::uQS!!!!Ildr~ FA.P. ~rac:n :aca. 3EIIEI4e w .. ~....,MU d~ Z::.OS,en Cn..&A Dte Sc:nruu..uunq","65 brauche die Skinheads, um an die Macht zu kommen. Danach w\u00e4ren sie die ersten, die ins KZ marschieren w\u00fcrden. \" Daher wird insbesondere von den \u00e4lteren Skinheads aus Magdeburg eine Zusammenarbeit mit der FAP strikt abgelehnt. Am 12. August 1994 f\u00fchrte der FAP-Kreisverband Wernigerode ein Vorbereitungstreffen f\u00fcr den \"Rudolf-Hess-Marsch 1994\" durch. Neben 25 FAP-Anh\u00e4ngern aus dem Landkreis Wernigerode beteiligten sich daran sieben aus Magdeburg, f\u00fcnf aus Hannover und drei aus Northeim. Im Anschlu\u00df an die Veranstaltung klebten einige FAP-Anh\u00e4nger im Stadtgebiet von Wernigerode FAP-Werbeplakate und Plakate mit der Aufschrift \"Rudolf Hess M\u00e4rtyrer f\u00fcr den Frieden\" an S\u00e4ulen und W\u00e4nde. Am 13. August 1994 gegen 01.00 Uhr konnte die Polizei f\u00fcnf Plakatekleber festnehmen. Im Verlauf des gleichen Tages wurden zwei weitere FAP-Anh\u00e4nger festgenommen, die Plakate mit der Aufschrift \"FAP f\u00fcr Deutschland\" aufgeklebt hatten. Da sich unter den festgenommenen FAP-Anh\u00e4ngern auch der ma\u00dfgebliche Organisator befand, stellten die verbliebenen Parteianh\u00e4nger ihre Vorbereitungen f\u00fcr die Teilnahme am \"Rudolf-Hess-Marsch 1994\" ein und reisten ab. An einem Treffen der europ\u00e4ischen Autonomisten und Nationalisten am 27. August 1994 im belgiseben Diksmuide nahmen zehn FAP-Anh\u00e4nger des Kreisverbandes Wernigerode teil (siehe hierzu 3.1.2). FAP-Anh\u00e4nger aus Wernigerode und Magdeburg beteiligten sich am 24. September 1994 in Allenb\u00fcttel bei Wolfsburg am Landesparteitag der FAP Niedersachsen. Der Parteitag stand unter dem Motto \"Landesparteitag des Widerstandes\". Auf der Veranstaltung wurde ein Gru\u00dfwort des trotz seiner Inhaftierung weiter amtierenden REISE verlesen, der den Landesverband aufforderte, verst\u00e4rkt. weiterzuarbeiten. Der Kreisverband Wernigerode hatte f\u00fcr den 12. November 1994 zu einer ANTI-ANTIFA-Demo unter dem Motto \"Stop dem linken Stra\u00dfenterror I Stop den L\u00fcgen! Stop der Gewalt und Kriminalit\u00e4t in unserer Stadt! F\u00fcr ein friedliches Miteinander, nicht gegeneinander!\" aufgerufen. Zu dieser Demonstration erwartete der Kreisverband etwa 350 Teilnehmer. Der Aufruf erfolgte, weil die Antifa Wernigerode am gleichen Tag eine Demonstration gegen \"Rechts\" angemeldet hatte.","66 Im Gegensatz zur angemeldeten und durchgef\u00fchrten Antifa-Demonstration fand die angek\u00fcndigte Demonstration des Kreisverbandes nicht statt. Der FAP-Kreisvorstand Wernigerode ist aufgrund von Differenzen \u00fcber politische Inhalte zerstritten. Dies wirkt sich auch auf seine Aktivit\u00e4ten aus. Im \u00fcbrigen nehmen nur noch wenige Mitglieder und Sympathisanten am Parteileben teil. Ein Grund f\u00fcr den Streit und den sp\u00fcrbaren Sympathieverlust des Kreisverbandes kann in der Inhaftierung von REISE gesehen werden, dem bis seiner Verhaftung die politische Schulung des Kreisverbandes Wernigerode oblag. Im Berichtszeitraum waren FAP-Anh\u00e4nger aus Wernigerode an folgenden Gewalttaten beteiligt: Am 2. M\u00e4rz 1994 drangen FAP-Sympathisanten in einen vornehmlich von linksorientierten Jugendlichen besuchten Jugendclub in Wernigerode ein, um an die Mitgliederkartei zu gelangen. Zur Verwischung ihrer Spuren legten sie anschlie\u00dfend Feuer im Geb\u00e4ude. Am 31. Dezember 1994 randalierten etwa 40 militante Rechtsextremisten, darunter Mitglieder und Sympathisanten der FAP, auf dem Marktplatz in Wernigerode. Nach dem Eintreffen der Polizei wurde diese mit Baseballschl\u00e4gern, Latten und anderen Schlagwerkzeugen angegriffen. 3.3 Direkte Aktion/Mitteldeutschland (JF) 3.3.1 Ideologisch-politischer Standort Aus ihren Publikationen ergibt sich, da\u00df die JF in Programm, Vorstellungsweit und Gesamtstil eine Wesensverwandschaft mit dem Nationalsozialismus aufweist. Dort finden sich nationalsozialistischer Sprachgebrauch, das Bekenntnis zu ma\u00dfgeblichen Repr\u00e4sentanten des Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus sowie Propaganda f\u00fcr die \u00dcberwindung des gegenw\u00e4rtigen staatlichen \"Systems\" nach dem Vorbild der NSDAP.","67 Ihre Ver\u00f6ffentlichungen belegen aber auch, in welcher k\u00e4mpferischaggressiven Form sie ihre neonazistischen Zielsetzungen verfolgt. Im ,,Angriff' Nr. 1 wird zum Beispiel in einer Anleitung mit Verhaltensregeln fiir den politischen Kampf auf der Stra\u00dfe das GOEBBELs-Zitat \"Rache mu\u00df kalt genossen werden\" angefiihrt. Dieses Heft enth\u00e4lt auch revisionistische Darstellungen, wie aus dem Artikel \" Gaskammern, gab es sie wirklich\" hervorgeht. Ihre ausgepr\u00e4gte antisemitische Grundhaltung zeigt u.a. ein Artikel im ,,Angriff' Nr. 4. Dort hei\u00dft es: \" ... Dieser durch die parasit\u00e4re Ausnutzung der V\u00f6lker hervorgebrachte Reichtum erm\u00f6glicht es den Juden in einem Zeitalter wie dem unseren, wo Geldreichtum entscheidet, einen au\u00dfergew\u00f6hnlich weitreichenden Einflu\u00df auszu\u00fcben ... \". Rassistische Aussagen belegt ein Artikel im ,,Angriff' Nr. 5 unter der \u00dcberschrift \"In eigener Sache! I\". Dort hei\u00dft es: \"Wer hier jetzt 'nen Aufruf erwartet: 'Der Angriff distanziert sich von den schrecklich b\u00f6sen Taten gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern' oder 'Ein Bedauer-Rundschreiben' ... der hat sich get\u00e4uscht!\". Weiter hei\u00dft es dann: \"Au\u00dferdem haben wir schon in Ausgabe Nr. 1 geschrieben, wie wir das so sehen mit den Kanakenheimen und so. Auch schreiben und sagen wir nicht: 'Mordbrenner ihr geh\u00f6rt nicht zu uns'. ... Keiner kann uns erz\u00e4hlen, da\u00df er sich nicht gefreut hat, als es in Rostock/Lichtenhagen los ging, wie \u00fcberall 'Protest' laut wurde. Ja das ist es was sie brauchen ... \". Au\u00dferdem l\u00e4\u00dft die JF in einem fiktiven Gespr\u00e4ch eine Person die Meinung \u00e4u\u00dfern, gingen die Ausl\u00e4nder nicht von alleine, m\u00fcsse nachgeholfen werden; dies aber \"nicht in Asylheimen, sondern auch und vor allem an den richtigen Stellen\". Protestieren m\u00fcsse man bei B\u00fcrgermeistern, Ausl\u00e4nderbeauftragten und lnnenministern. Abschlie\u00dfend hei\u00dft es: \"Wie? Ihr wi\u00dft nicht wo die Leute wohnen? Auf Kameraden, die A\"rsche hoch. Schreibstift und Fotoapparat in der Tasche. Organi~ siert den nationalen Widerstand!\". Mit dem Namen ihrer Publikation ,,Angriff' versuchen die Herausgeber offensichtlich eine Beziehung zur gleichnamigen Schrift der ehemaligen NSDAP herzustellen. Mit dem in ihren Beitr\u00e4gen verbreiteten \"nationalrevolution\u00e4ren\" Gedankengut beweisen die Verfasser, da\u00df sie aus der verbotenen NF hervorgegangen sind. Diese hatte ebenfalls einen ,,Angriff' herausgegeben.","68 Seit April 1994 verbreitet die in Quedlinburg erscheinende Publikation \"Umbruch\" die gleichen nationalrevolution\u00e4ren Theorien, die auch von der SrA/JF vertreten werden. Die JF wirbt zwar in ihrer Publikation ,,Angriff' fiir den \"Umbruch\", bekennt sich aber nicht zu \"ihrer\" Schrift. Auch der Herausgeber, der der SrA/JF zuzurechnen ist, verschleiert die Verbindung zur JF und bezeichnet das Blatt als \"v\u00f6llig organisationsunabh\u00e4ngig\". Selbst wenn unterstellt wird, da\u00df er das Blatt tats\u00e4chlich in eigener Regie herausgibt, ist doch erkennbar, da\u00df er damit die gleichen neonazistischen Zielsetzungen wie die JF verfolgt. Ein weiterer Beleg fiir die Verbindung des \"Umbruch\" zur SrA/JF ist eine Ver\u00f6ffentlichung in der Ausgabe 9/101994 der franz\u00f6sischen Publikation \"Lutte du Peuple\". Die von der nationalrevolution\u00e4ren Gruppierung \"Nouvelle Resistance\" herausgegebene Publikation stellt dies wie folgt dar: \"In Deutschland haben die Kameraden der SrA eine verlegerische Arbeit geleistet, die sehr interessant ist. In der Region erregt die 'Berlin-Brandenburger Zeitung' gro\u00dfes Aufsehen. (...) Gleichzeitig gibt sie die Zeitung 'Umbruch' f\u00fcr die Kader sowie f\u00fcr die Jugend den 'Angriff' heraus. \" Danach d\u00fcrfte es legitim sein, den \"Umbruch\" als Ersatz f\u00fcr das im ersten Quartal 1994 letztmalig erschienene Mitteilungsblatt \"In Aktion\" zu betrachten, zumal in einer Anzeige im \"Nordharz InfoDienst\" der ,,Angriff', der \"Umbruch\" und die \"Berlin-Brandenburger-Zeitung\" \u00fcber dieselbe Postfach-Adresse in Berlin (Redaktionsanschrift des ,,Angriff') angeboten werden. 3.3.2 Organisation \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) ist die seit Sp\u00e4tsommer 1993 benutzte aktuelle Bezeichnung f\u00fcr das bereits mehrmals umbenannte neonazistische \"F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ). Bei dem Begriff \"Direkte Aktion\" handelt es sich um einen von Anarchisten \u00fcbernommenen Kampfbegriff. Das FMJ ist im Juli 1992 nach eigenen Angaben als ,Nassenbzw. Umfeldorganisation\" gegr\u00fcndet worden, \"um neben der Kaderund Elitepartei 'Nationalistische Front' (NF) 14 *** nationaldenkende Jugendliche zu mobilisieren und zu organisieren\". Nach der Spaltung der NF im Sp\u00e4tsommer 1992 hat sich 14 Die NF wurde am 27. November 1992 vorn Bundesminister des Innern verboten.","69 die Gruppierung, die sich von dem einstigen Bundesvorsitzenden der NF, Meinolf SCH\u00d6NBORN, getrennt und um den damaligen stellvertretenden Vorsitzenden der NF, Andreas POHL, geschart hat, den Namen \"Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront\" (SrA) gegeben. In ihrer Kampfschrift ,,Angriff' stellt sie die SrA als ,,Kaderund Elitepartei'', das FMJ als ,)fassenorganisation\" dar. Die JF verf\u00fcgt \u00fcber eine abgestufte Mitgliedschaft. So gibt es einfache Mitglieder, Kaderanw\u00e4rter und Kaderverbandsmitglieder. An die Kaderanw\u00e4rter werden \"milit\u00e4risch harte Bedingungen\" gestellt. Der Kaderverband wird als \"eigentliche Kampforganisation\" der Bewegung dargestellt. Die JF hatte bis zum Januar 1994 ihren Sitz in Berlin und verf\u00fcgte bis zu diesem Zeitpunkt \u00fcber Ortsgruppen bzw. St\u00fctzpunkte in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommem, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. In der Ausgabe Januar/Februar 1994 der \"BerlinBrandenburger-Zeitung\" der neonazistischen Vereinigung \"Die Nationalen\" wird ein \"Info\" der \"Direkten Aktion\" zitiert, in dem diese als Reaktion auf die vom Bundesminister des Innem angeordnete Durchsuchung am 20. Januar 1994 ihre Selbstaufl\u00f6sung erkl\u00e4rt. Weiter hei\u00dft es in dem Info: \" Wir stellen es unseren ehemaligen Aktivisten, Gruppen und St\u00fctzpunkten frei sich in 'legalen, zugelassenen und eingetragenen' Vereinen und Parteien zu integrieren ... Dies bedeutet freilich nicht die Aufgabe einer einheitlichen Organisationsform unseres Kampfes. Wir sind aber sicher, auf diesem Weg noch mehr erreichen zu k\u00f6nnen. Denn wir werden nicht aufh\u00f6ren, f\u00fcr sozialgerechte Verh\u00e4ltnisse in Deutschland zu k\u00e4mpfen. \" In der letzten Ausgabe ihrer Zeitschrift \"In Aktion\" ver\u00f6ffentlichte die JF Anfang 1994 unter der \u00dcberschrift \"Die Zeit ist reif' folgende Erkl\u00e4rung: \" Wir l\u00f6sten mit Wirkung vom 20.01.1994 s\u00e4mtliche Vereinsnamen, Symbolik und kameradschafts\u00fcbergreifende Strukturen auf Die St\u00fctzpunkte werden in die vollst\u00e4ndige Autonomie entlassen. (...) Ein Auftreten unter dem Namen FMJIJF ist zu unterlassen, eine st\u00e4ndig wechselnde Bezeichnung wird den Gruppen f\u00fcr die Zukunft angeraten. Au\u00dferdem sollte alles vermieden werden, was \"einen \u00fcberregionalen Zusammenschlu\u00df dokumentiert\". Weiter hei\u00dft es dann: \"Wir betrachten die Arbeit der Vorfeldorganisationen f\u00fcr abgeschlossen und halten die Kampfform der unz\u00e4hligen Kadergemeinschaften, Zellen und Strukturen (in Eigenregie!) vor Ort, in seiner","70 Gesamtheit als f\u00fcr das System unangreifbar und f\u00fcr die Erringung des politischen Erfolges f\u00fcr absolut. \" Die Autoren dieser Erkl\u00e4rung halten eine Steuerung dieser Gruppe durch die \"Kameradschaftsf\u00fchrer\", die untereinander in Verbindung st\u00fcnden, weiterhin f\u00fcr notwendig. Im Juni/Juli 1994, also nach der angeblichen Selbstaufl\u00f6sung der JF, erschien der ,,Angriff' Nr. 6 mit neuer Redaktionsanschrift Darin behauptet die Redaktion, da\u00df der ,,Angriff' in allen mitteldeutschen L\u00e4ndern und in Niedersachsen in \"Szenel\u00e4den\" erh\u00e4ltlich sei. Neben dem als \"Massenblatt\" mit einer angeblichen Auflage von 15.000 Exemplaren konzipierten ,,Angriff' empfiehlt die Redaktion: \"Dem interessierten Leser wollen wir deshalb die Schriften 'Umbruch-Blatt f\u00fcr Ideologie und Strategie' sowie die 'Berlin-Brandenburger-Zeitung' (BBZ), welche tagespolitische Ereignisse aus unserer Sicht kommentiert, ans Herz legen\". Neben diesen beiden Bl\u00e4ttern wird in dieser Ausgabe des ,,Angriff' u.a. auch f\u00fcr den \"Nordharz InfoDienst\" der Gruppe \"Deutscher Freundeskreis Nordharz\" geworben. 3.3.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt * Umund Neustrukturierung Die 1993 festgestellten St\u00fctzpunkte und Kameradschaften in SachsenAnhalt haben im Berichtszeitraum keine Aktivit\u00e4ten mehr entfaltet. Oberfl\u00e4chlich betrachtet kann gesagt werden, da\u00df sich die JF-Gruppen in Sachsen-Anhalt aufgel\u00f6st haben. Bei genauerer Betrachtung f\u00e4llt jedoch auf, da\u00df sich in den Harz-Orten, in denen fr\u00fcher JF-Strukturen bestanden, neue Gruppen gebildet haben. Mit unterschiedlichen Gruppennamen wie z. B. \"Harzfront\", \"Unabh\u00e4ngiger Arbeitskreis\", ,,Harzer Heimatschutz\" und ,,Aufbruch\" wird versucht, den bestehenden JF-Zusammenhang zu verschleiern. Damit wird deutlich, da\u00df sich die ehemaligen JF-Strukturen genau an die propagierte Verschleierungstaktik halten. F\u00fcr die JF ist es ein Erfolg, da\u00df die nach dem Kaderprinzip strukturierten \"autonomen Gruppen\" nur sehr schwer aufgekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen. Die F\u00fchrungspersonen der JF werden noch bei Schulungen und bei der Organisation von gr\u00f6\u00dferen \u00fcber\u00f6rtlichen Veranstaltungen t\u00e4tig.","71 F\u00fcr die tats\u00e4chliche Weiterf\u00fchrung der JF-Strukturen unter verschiedenen neuen Namen spricht auch, da\u00df ihre F\u00fchrungspersonen in den neu gegr\u00fcndeten Gruppen wieder eine ma\u00dfgebliche Rolle spielen. Eine \u00fcbergeordnete Steuerung der bereits genannten \"autonomen Gruppen\" wird durch einen \"Szenebericht\" mit dem Untertitel \"'Harzfront' im Einsatz\" in der Publikation ,,Nordharz Info-Dienst\" belegt. Dort hei\u00dft es: \"Es haben sich verschiedene lokale Gruppen und Einzelpersonen zu einem regionalen Verband zusammengeschlossen, der den Namen 'Harzfront' tr\u00e4gt. Vorher schon bestehende Initiativen und Gruppen wie 'Unabh\u00e4ngiger Arbeitskreis' (Qued/inburg), 'Harzer Heimatschutz' (Fhale), 'Aufbruch' (Blankenburg), u.a. arbeiten nat\u00fcrlich in ihrem Rahmen weiter, sind aber auch \u00fcber die 'Harzfront' zu erreichen. Um das kritische Bewu\u00dftsein der B\u00fcrger etwas zu fordern, wurden bereits einige tausend Flugbl\u00e4tter verteilt und anderes Material verbreitet\". Dem Bericht zufolge erstrecken sich die Aktivit\u00e4ten der \"Harzfront\" nicht nur auf den politischen Bereich, sondern \"auf fast jede Art von Unternehmungen\". Au\u00dferdem wird behauptet, da\u00df \"Arbeitsgruppen\" im Aufbau seien, die verschiedene Bereiche in Eigenregie organisieren sollen. So sei auch ein \"M\u00e4delund Frauenkreis\" im Entstehen begriffen. * \"Arbeitstagung Unzbruch\" Vom 22. bis 24. April 1994 f\u00fchrte ein aus Niedersachsen stammender Neonazi, Steffen HUPKA, im Jugendg\u00e4stehaus in Blankenburg die von ihm initiierte ,,Arbeitstagung Umbruch\" durch. Zu dieser Veranstaltung hatte er ausgesuchte Rechtsextremisten eingeladen. Zur Tarnung hatte er die R\u00e4umlichkeiten im Jugendg\u00e4stehaus f\u00fcr den \"Bund f\u00fcr Kulturund Heimatpflege e. V.\" reservieren lassen. An dieser Veranstaltung nahmen 13 Rechtsextremisten, insbesondere Neonazis, aus mehreren Bundesl\u00e4ndern teil. Die Tagesordnung der Veranstaltung sah u. a. folgende Themen vor: Bundesweites informelles Kadernetz, Informationsflu\u00df (Tele-Systeme, Mailbox, eigener Postdienst), Mobilisierung, Koordinierung und Projekte (Sch\u00fclerzeitung, Musikbereich, allgem. Agitation).","72 * Herausgabe der Publikation \"Umbruch\" Die erste in Sachsen-Anhalt herausgegebene neonazistische Publikation, die Schrift \"Umbruch\", erschien erstmals im April 1994. Im Impressum k\u00fcndigte der Herausgeber, Steffen HUPKA, regelm\u00e4\u00dfiges Erscheinen in Abst\u00e4nden von zwei Monaten an. Seit dem sind f\u00fcnf Ausgaben, die letzte im Dezember 1994, erschienen. HUPKA vertreibt die Schrift \u00fcber eine Postfachadresse an seinem Wohnort Quedlinburg. Als ehemaliges Mitglied der inzwischen verbotenen NP verf\u00fcgt er \u00fcber einschl\u00e4gige Erfahrungen, da er w\u00e4hrend seiner NPMitgliedschaft Schulungen geleitet und f\u00fcr den Inhalt der NPPublikation ,,Aufbruch\"verantwortlich war. Nach der von ihm in der ersten Ausgabe ge\u00e4u\u00dferten Zielstellung soll der \"Umbruch\" ein Schulungsorgan f\u00fcr Strategie, Taktik, Politik und Weltanschauung sein. Aufgabe des Organs sei es, dem politischen F\u00fchrer, Unterf\u00fchrer und dem bew\u00e4hrten Einzelk\u00e4mpfer Material an die Hand zu geben, das geeignet ist, sein Wissen zu vertiefen oder es im Rahmen eigener Schulungen zu verwenden. Die revolution\u00e4re Bewegung habe trotz einiger Lernerfolge immer noch einen gro\u00dfen Nachholbedarf an weltanschaulicher und politischer Ausrichtung. Der stark zunehmende Verfolgungsdruck des Systems zwinge dazu, auf die Repressionsmechanismen schnell zu reagieren und taktischstrategische Methoden anzuwenden, mit denen der politische Angriff weiterhin offensiv und erfolgreich gef\u00fchrt werden k\u00f6nne. Ferner soll die Schrift dazu dienen, die Verbesserung der taktischen und strategischen F\u00e4higkeiten lokaler und regionaler Gruppen herbeizuf\u00fchren. Hierbei geht es HUPKA auch darum, die Verflechtung der einzelnen Gruppen weiter voranzutreiben. Die Publikation soll zunehmend \u00fcber sogenannte Bereichsund Ortsgruppenleiter an untergeordnete Gruppen und Einzelaktivisten durch eigene Verteilerkreise weitergeleitet werden, um \"hierdurch dem Gegner den Zugriff erheblich zu erschweren\". Au\u00dferdem will HUPKA mit Hilfe der Leser regelm\u00e4\u00dfig - mindestens zweimal im Jahr - bundesweite Lesertreffen organisieren, die sich \u00fcber mehrere Tage erstrecken und der gruppen\u00fcbergreifenden Vernetzung dienen sollen.","73 E \"AMiEN R DAS VATERLAN JEDES OPFER CEEE. T BEBEEEE E FORDERN DARF ne at NORADEL NORDHARZ zer] dies' \u00dcberperunlsch - Umismngng Jeutscher Freundeskreis Nordharz naturliedend - Hemaluerdungen - konseqgueni - uberp\u00e4artellich DPN Postfach 22 33871 Ieeaburg \"Takes Id 2 Lem warte wurden. la\"Ich mc uh gern Oeupr sah 5 mau Verzutar den DFN en Nr. oo \"Ich minute cu mas Veransatung den DFN unugubtelen werden \"> Ta minbte unge Sram karn des iz eulnagablartan *Marder Beil S > Iniulense\" nygmctsar bekzuumen, die ua 'u eunuem Ansiumkres vertmium won den 3.DM a U das Ken habe ch ba guisee. -- -- WIR HABEN SCHON Su MANCHEN AUF DEN RECHTEN WEG GEBRACHT ' 3.4798","74 In der zweiten Ausgabe seiner \"revolution\u00e4ren\" Publikation nennt er die Zielgruppen f\u00fcr die von ihm beschriebene \"nationalistische Basisgruppenarbeit\". Eine der wichtigsten Zielgruppen sei die Sch\u00fclerschaft, insbesondere die der Oberschulen und ihrer Oberklassen. Dort m\u00fcsse die \"nationalistische Bewegung\" mit ihrer Arbeit ansetzen, um \"die zweite Generation der unzufriedenen Jugend in den Griff zu bekommen\". Als weitere wichtige Zielgruppen stellt er die Lehrlinge, Jungarbeiter und die Landjugend dar. Au\u00dferdem solle \"der sogenannte Mittelstand, also das freiberufliche B\u00fcrgertum\" als Zielgruppe nicht vergessen werden. In dieser Schicht sei die F\u00e4higkeit zur politischen Meinungsbildung ziemlich weit ausgepr\u00e4gt. Die existentielle Gef\u00e4hrdung dieser Bev\u00f6lkerungsgruppe b\u00f6te dar\u00fcber hinaus gute Ansatzpunkte f\u00fcr die politische Arbeit. Das von der SrA/JF praktizierte Kaderprinzip wird von HUPKA in seiner Publikation besonders herausgestellt. F\u00fcr ihn hat der \"Aufbau einer \u00fcberregionalen Kaderstruktur grunds\u00e4tzlich Vorrang vor wahlpolitischen Experimenten\". Deshalb tritt er daf\u00fcr ein, alle M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die \"Errichtung eines \u00fcberregionalen Kadernetzes\" zu nutzen. Die von ihm dargestellte \"revolution\u00e4re Organisation\" besteht aus zwei Teilen; einem engen Kreis st\u00e4ndiger leitender Kr\u00e4fte, dem Kader und aus einer gro\u00dfen Zahl von Mitgliedern, die in einem verzweigten N eiz peripherer Organisationen (Vorfeldorganisationen) gebunden sind. 3.4 Deutscher Freundeskreis Nordharz (DFN) 3.4.1 Ideologisch-politischer Standort Die 13 Punkte umfassende Satzung des DFN enth\u00e4ltabgesehen von der recht vagen Formulierung\" unterst\u00fctzt solche Parteien und Organisationen, die Deutschland als Land der Deutschen erhalten wollen \" - keine Hinweise auf verfassungsfeindliche Ziele. Die Mitgliedschaft im DFN ist aufDeutsche beschr\u00e4nkt. Das zw\u00f6lf Zielsetzungen umfassende \"Minimal\"-Programm des DFN ist bewu\u00dft allgemein und zur\u00fcckhaltend formuliert. Dennoch finden sich einige \"klassische\" Themengebiete rechtsextremistischer - insbe-","75 sondere neonazistischer - Agitation. Diese tauchen - teilweise in modifizierter Formin nahezu allen Programmen neonazistischer Gruppen auf. Insbesondere geh\u00f6ren dazu folgende Forderungen: \"Der DFN trittf\u00fcr eine Geschichtsschreibung ein, die der Wahrheit entspricht und sich nicht f\u00fcr Kollektivschuldthesen und andere politische Manipulation mi\u00dfbrauchen l\u00e4\u00dft. \" \"Wir lehnen Gleichmacherei (und) \u00dcberfremdung ... ab.\" \"Deutschland hat Anspruch auf Wiederherstellung seiner v\u00f6lkerrechtlichen Grenzen. \" \"Das Ansehen und die Ehre des deutschen Soldaten sind unter strafrechtlichen Schutz zu stellen. Wer Leistung und Leiden der Frontgeneration leugnet und ver\u00e4chtlich macht, vers\u00fcndigt sich am Andenken der Gefallenen. \" In seinen Flugschriften beweist der DFN eine nationalistische und betont feindselige Haltung gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern, insbesondere Asylbewerbern. Mit dieser gezielten Agitation will er bei der deutschen Bev\u00f6lkerung \u00c4ngste mit dem Ziel erzeugen, bei ihr rassistisch motivierte Abwehrreaktionen zu erzielen. Die deutschen Politiker werden in diesem Zusammenhang als\" Verfechter der multikulturellen Wahnidee\" und\" \u00fcber/remdungss\u00fcchtige Bu\u00dfund Abbitteapostel\" diffamiert. In den Flugbl\u00e4ttern klingen auch revisionistische Bez\u00fcge an. So wird die \"verlogene Geschichtsdarstellung\" und die \"verlogene Kriegsund Greuelhetze\" kritisiert. 3.4.2 Organisation Der DFN ist im September 1994 im Landkreis Goslar gegr\u00fcndet worden. Dazu hei\u00dft es in einer Selbstdarstellung: \" Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, die in den verschiedenen rechten Parteien und Gruppen aktiven Menschen in unserer Region zu vernetzen und dar\u00fcber hinaus eine \u00fcberparteiliche Plattform im DFN zu bieten. (...) Im DFN ist das gesamte Spektrum, vom gem\u00e4\u00dfigt-patriotisch bis zum radikal-nationalistisch gesinnten Menschen, vertreten. \" Er bezeich-","76 net sich als \u00fcberregional aktiv; seine Arbeit konzentriert sich jedoch schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf die Landkreise Goslar und Wernigerode. Der DFN stellt eine zukunftstr\u00e4chtige neue Organisationsund Aktionsform auf lokaler Ebene dar, denn in ihm haben sich Mitglieder der FAP, JF, DLVH, JN sowie neonazistische Einzelg\u00e4nger und Skinheads zusammengefunden. Damit folgen sie der \"Strategie der Vereinheitlichung des nationalen Lagers\", die seit l\u00e4ngerem von einigen neonazistischen \"Chefideologen\" propagiert wird. Das Hamburger Nationale Info-Telefon der FAP meldete dazu am 2. Dezember 1994: \" \u00dcberall in der Bundesrepublik ist der Aufbruch zu sp\u00fcren. Immer neue Gruppen und Bewegungen entstehen, die die Zersplitterung der ~nationalen Rechte' \u00fcberwinden wollen. In vielen St\u00e4dten gibt es schon ~Runde Tische ', an denen Aktivisten der verschiedensten nationalen Parteien mitwirken. Sichtbare Ergebnisse gibt es ... zunehmend auch im Harz. Mehrere nationale Gruppierungen haben sich organisiert zm ~Deutschen Freundeskreis Nordharz '\". Diese neue Organisationsform nach dem Motto: \"Jeder arbeitet mit jedem zusammen\" funktioniert auf Dauer jedoch nur, wenn die Gruppenmitglieder ihre organisationsspezifischen Egoismen \u00fcberwinden. Eine weitere Problematik ergibt sich m\u00f6glicherweise insofern, als erstmals in einem lokalen neonazistischen Personenzusammenschlu\u00df Personen aus den alten und neuen Bundesl\u00e4ndern eng zusammenarbeiten. Zur Zeit befinden sich die DFN-Anh\u00e4nger aus Sachsen-Anhalt in dieser Gruppierung noch in der Minderheit. Der DFN gibt die Publikation \"Nordharz Info-Dienst\" heraus. Diese Schrift erscheint nach eigenen Angaben in einer Auflage von 700 Exemplaren. 3.4.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Die Aktivit\u00e4ten des DFN konzentrieren sich bisher haupts\u00e4chlich auf den Landkreis Goslar. Lediglich die von ihm herausgegebene Publi-","77 kation \"Nordharz Info-Dienst\" wird \u00fcber eine Postfach-Adresse in Ilsenburg, Landkreis Wernigerode, vertrieben. Auch die Zusammenk\u00fcnfte des DFN fanden im Berichtszeitraum in Goslar und Bad Harzburg statt. Der DFN beteiligt sich, wie auch andere neonazistische Personenzusammenschl\u00fcsse, aktiv an der ANTI-ANTIFA-Kampagne. So ver\u00f6ffentlicht er in der Ausgabe 3 + 4/94 seiner Publikation auf einer ,,Anti-Antifa\"-Seite die Anschrift der linksextremistischen Organisation ,,Antifaschistische Jugend/Bundesweiter Zusammenschlu\u00df\" (AJ/BZ). Die Verbreitung von Infonnationen \u00fcber den politischen Gegner, d. h. die \"Feindaujkl\u00e4rung\", geh\u00f6rt zu den wichtigsten Aufgaben der ANTI-ANTIFA-Arbeit. Anl\u00e4\u00dftich des dreij\u00e4hrigen Bestehens des \"Nationalen Gespr\u00e4chskreises Nordharz\" fiihrte der DFN am 2. Dezember 1994 in Bad Harzburg eine \u00fcberregionale Vortragsveranstaltung durch. Der angek\u00fcndigte Vortrag wurde von Dr. Rigolf HENNIG, Mitglied des Parteivorstandes und stellvertretender Vorsitzender der DLVH, gehalten. An dieser Veranstaltung nahmen insgesamt etwa 50 Personen aus Niedersachsen und Sachsen-Anhalt teil. Mitglieder des DFN haben am 10. Dezember 1994 an einem haupts\u00e4chlich von den JN veranstalteten \"1. Europ\u00e4ischen Kongre\u00df der Jugend\" in Klingenberg/Bayern teilgenommen. Neben den Teilnehmern der JN und des DFN waren dort auch Mitglieder der FAP und JF vertreten. Au\u00dferdem waren Delegierte aus Belgien (Flandern), Luxemburg, Frankreich, \u00d6sterreich, Kroatien, Bulgarien und den Niederlanden angereist. Insgesamt nahmen \u00fcber 200 Personen teil. In dem Kongre\u00dfaufruf forderte die JN die Bildung einer \"grenz\u00fcbergreifenden nationalistischen Einheitsfront ... die sich gemeinsam der Unterdr\u00fcckung der europ\u00e4ischen V\u00f6lker durch imperiale Gro\u00dfm\u00e4chte, falsche Ideologien und dem Wirtschaftsimperialismus multikultureller Konzerne widersetzt\". Das von dem Kongre\u00df beschlossene \"Europ\u00e4ische Jugendmanifest\" k\u00fcndigt wechselseitige Besuche bei Kongressen und Veranstaltungen an, \"verbunden mit dem k\u00fcnftigen Ziel gemeinschaftlicher Aktionen gegen den zentralistischen europ\u00e4ischen Einheitsstaat\". Der \"Euro-","78 p\u00e4ische Kongre\u00df der Jugend\" soll k\u00fcnftigj\u00e4hrlich stattfinden, 1995 in einem nicht n\u00e4her bezeichneten Land Mitteleuropas. 3.5 HUfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V. (HNG) 3.5.1 Ideologisch-politischer Standort Die HNG ist eine der mitgliederst\u00e4rksten neonazistischen Organisationen, die ihre Anh\u00e4nger aus vielen neonazistischen Vereinigungen rekrutiert. Nach eigener Aussage versteht sie sich als \"Sammelbecken f\u00fcr Neonazis aller Richtungen\". Neben ihrem satzungsgem\u00e4\u00dfen Ziel, \"nationale politische Gefangene\" zu betreuen, ist die HNG bestrebt, aus der Haft entlassene Gesinnungsgenossen wieder in die neonazistische Szene zur\u00fcckzufiihren. Eine weitere Aufgabe sieht sie in der Aufkl\u00e4rung \u00fcber die \"wachsende Repression des herrschenden Systems gegen volksfreue Kr\u00e4fte des rechten 'ultra-militanten' Lagers\". In Berichten \u00fcber inhaftierte Neonazis werden regelm\u00e4\u00dfig staatliche Institutionen diffamiert. Weiterhin werden Mitteilungen von Rechtsextremisten an die Staatsanwaltschaften abgedruckt. Dabei werden der Name des Staatsanwaltes und die Dienstanschrift ver\u00f6ffentlicht. Bereits 1993 forderte die HNG ihre Anh\u00e4nger zur Sammlung von Namen und Adressen von \"Schergen des herrschenden Systems\" auf, um diesen Personenkreis \u00f6ffentlich anzuprangern. Au\u00dferdem unterst\u00fctzt die HNG in ihrer Publikation \"Nachrichten der HNG\" auch die ANTI-ANTIFA-Aktivit\u00e4ten. So ver\u00f6ffentlichte sie unter der \u00dcberschrift \"ANTIFA Gewaltt\u00e4ter des \u00dcberfalls auf Kamerad Thomas KUBIAK enttarnt\" eine Liste mit 13 Namen von Personen, die als \"mutma\u00dfliche linke Gewaltt\u00e4ter\" bezeichnet wurden. 3.5.2 Organisation Die HNG wurde im September 1979 gegr\u00fcndet. Bundesweit verfiigt die von der Mainzer NS-Aktivistin Ursula M\u00dcLLER geleitete Organisation \u00fcber 300 Mitglieder, darunter elf aus Sachsen-Anhalt. Ihre Pu-","79 blikation \"Nachrichten der HNG\" erscheint monatlich in einer Auflage von etwa 400 Exemplaren. 3.5.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt An der am 16. April 1994 durchgef\u00fchrten Jahreshauptversammlung der HNG in Butzbach/Hessen nahmen etwa 90 Personen, \u00fcberwiegend aus dem neonazistischen Spektrum, teil, darunter sechs HNGMitglieder aus Sachsen-Anhalt. 3.6 Internationales HUfskomitee f\u00fcr nationale politische Verfolgte und deren Angeh\u00f6rige e. V. (IHV) 3.6.1 Ideologisch-politischer Standort Laut Satzung ist es das Ziel des IHV \"weltweit f\u00fcr die Unterst\u00fctzung nationaler politischer Verfolgter einzutreten\". Hauptaufgabe ist die Betreuung der Kameraden in Haft. \"Schwerpunkt ist hierbei das Durchbrechen der Kontaktsperre, die von manchen Gef\u00e4ngnisleitungen \u00fcber politische Gefangene, die es in der BRD nicht gibt, verh\u00e4ngt wird\". Die konkrete Betreuung der \"inhaftierten Nationalisten\" obliegt in den einzelnen L\u00e4ndern sogenannten IHV-Bezirksf\u00fchrern. Eine weitere Aufgabe sieht das IHV in der Betreuung noch nicht einsitzender Mitglieder durch Rechtsberatung und Empfehlung von Rechtsanw\u00e4lten, um so einer Inhaftierung vorzubeugen. 3.6.2 Organisation Das IHV wurde am 20. Juni 1987 als Konkurrenzorganisation zur HNG von dem bekannten Neonazi Ernst TAG gegr\u00fcndet. Bundesweit verf\u00fcgt es \u00fcber 20 Mitglieder. Das IHV gibt monatlich seine Mitteilungen \"IHV e. V.F\u00fcr Recht und Wahrheit\" heraus.","80 3.6.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Die wenigen, im wesentlichen von Ernst TAG ausgehenden Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich auf die Herausgabe und Versendung der lliVMitteilungen. In dieser Publikation und Ober sein eigenes \"InfoTelefon\" betreibt TAG intensiv Werbung ftir das lliV. Dieses versucht, vor allem in den neuen L\u00e4ndern inhaftierte Gesinnungsgenossen als Mitglieder zu gewinnen. In Sachsen-Anhalt betreute es vier inhaftierte militante Rechtsextremisten. 3.7 Die Nationalen e. V. 3. 7.1 Ideologisch-politischer Standort Die Nationalen e. V. sind urspr\u00fcnglich mit dem Ziel angetreten, integrativ auf die Einheit der \"nationalen Kr\u00e4fte\" hinzuarbeiten. Sie verstanden sich dabei nicht als Konkurrenz zu bestehenden rechtsextremistischen Parteien und Gruppierungen, sondern als \"weltanschaulich - nationale\" Zweckgemeinschaft mit der Absicht, an Wahlen teilzunehmen. In ihrer Satzung bezeichnen sie sich als eine von bestehenden Parteien entt\u00e4uschte Gemeinschaft deutscher W\u00e4hler im Land Brandenburg und in Berlin. Von den seinerzeitigen Zielen ist der Verein heute weit entfernt. Nachdem der Verein immer mehr in das neonazistische Lager abdriftete, zogen sich die Mitglieder der rechtsextremistischen Parteien, bis auf einige DLVH-Mitglieder, aus seiner politischen Arbeit zur\u00fcck. Heute ist der Verein ein Sammelbecken ftir Neonazis. In ihm haben Neonazis aus verbotenen Organisationen wie der \"Deutschen Alternative\" (DA) und der NF genauso eine neue Heimat gefunden wie ehemalige Mitglieder der angeblich aufgel\u00f6sten JF. Die derzeitige Vereinsftihrung setzt sich Oberwiegend aus Neonazis zusammen. Wie auch andere neonazistische Personenzusammenschl\u00fcsse und rechtsextremistische Parteien vertreten Die Nationalen e. V. die Meinung, da\u00df in der Nachkriegszeit die Geschichte der Weltkriege und des Dritten Reichs falsch dargestellt wurde. Aus diesem Grunde meldeten sie ftir den 9. November 1994 (Jahrestag der Reichspogromnacht) eine Mahnwache und Lichterkette vor dem Gel\u00e4nde des ehe-","81 maligen Konzentrationslagers in Oranienburg!Brandenburg an. Die Veranstaltung sollte unter dem Motto \"F\u00fcr Wahrheit und Recht in der deutschen Geschichtsschreibung - Gegen die Geschichtsklitterung der herrschenden Klasse\" zusammen mit den Deonazistischen Organisationen \"Deutsche Nationalisten\" (DN) und dem \"V\u00f6lkischen Freundeskreis Berlin\" sowie der DLVH durchgef\u00fchrt werden. Die Militanz des Vereins belegt ein in k\u00e4mpferisch-aggressiver Form abgefa\u00dfter Faxbrief an die PDS-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Guben/Brandenburg. In dem vom Vereinsvorsitzenden Frank SCHWERDT Ende Oktober 1994 \u00fcbermittelten Schreiben wird die PDS vor St\u00f6raktionen gegen eine Versammlung der Die N ationalen e. V. am 5. November 1994 in Guben gewarnt:\" Vor dem Hintergrund vergangener St\u00f6raktionen Ihrerseits und der damit in direktem Zusammenhang stehenden Gewalttaten von Seiten der von Ihnen alimentierten 'Antifa' wenden wir uns auf diesem Wege direkt an Sie . ... Sollte noch irgendjemand in der Stadt aufgrundseiner politischen Einstellung von Ihren Leuten traktiert, geschlagen oder sonstwie gen\u00f6tigt werden, sehen wir uns gezwungen, aktiv und wirksam Gegenma\u00dfnahmen zu ergreifen. Autonome Gruppen der nationalen Szene aus ganz Deutschland haben sich bereit erkl\u00e4rt, k\u00fcnftige Gewalt Ihrerseits im Keim ersticken zu helfen. Auch Sie haben Familien, denken Sie daran! Wir hoffen, Sie zeigen sich vern\u00fcnftig und einsichtig und sehen in Zukunft von Ihrer Gewalthetze ab\". \u00dcber sein Publikationsorgan \"Berlin-Brandenburger Zeitung\" (BBZ) und die Mailbox-Adresse \"Kommando F\" im \"THULE\"-Netz betreibt der Verein eine planm\u00e4\u00dfige Verunglimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, die Demokratie in den Augen der Bev\u00f6lkerung als Wert zu ersch\u00fcttern. So hei\u00dft es in einem mit \"Kommando F\" gezeichneten Beitrag vom 14. Oktober 1994 unter der \u00dcberschrift \"Herzog in Polen: Herr Pr\u00e4sident sorgt f\u00fcr einen Eklat in Warschau \": Symptomatisch f\u00fcr die heutige \"Ochlokratie\" {P\u00f6belherrschaft) seien personelle Neubesetzungen von Staats\u00e4mtem. Es werde auf immer niedrigere unqualifizierte Chargen in der Parteihierarchie zur\u00fcckgegriffen. Ein Beispiel sei der neue Bundespr\u00e4sident. Der Auftritt \"dieses Menschen\" in Warschau habe bei jedem aufrechten Deutschen Ekel, Abscheu und Verachtung erzeugt. In unterw\u00fcrfiger, w\u00fcrdeloser Pose habe der Bundespr\u00e4sident die Polen um Vergebung f\u00fcr deutsche Verbrechen angefleht. Von einem neuerli-","82 eben Kniefall habe er wohl nur wegen seiner Fettleibigkeit und Beh\u00e4bigkeit abgesehen. Von den Vertreibungsverbrechen an Millionen unschuldiger Deutscher sei hingegen nicht die Rede gewesen. Der \"Redaktionsstab Kommando F\" hat sich in der BBZ vom Juli/August 1994 wie folgt vorgestellt: Das \"Kommando Fu setze sich aus \"mitteldeutschen\" Jugendlichen zusammen, welche unterschiedlichen nationalen Jugendszenen angeh\u00f6rten. Gemeinsam sei ihnen der revolution\u00e4re Aspekt innerhalb ihres Kampfes. Nur durch die \u00dcberwindung der kapitalistischen Gesellschaftsform k\u00f6nnten ein Leben in Gl\u00fcck und Freiheit und lebensw\u00fcrdige Umst\u00e4nde garantiert werden. Nach der Diktion der Selbstdarstellung und der bisher ver\u00f6ffentlichten Artikel d\u00fcrfte es sich bei dem \"Redaktionsstab Kommando F\" um ehemalige Mitglieder der angeblich aufgel\u00f6sten JF handeln. Schon fr\u00fcher belegten zahlreiche BBZ-Artikel \u00fcber das \"F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ) und \u00fcber die daraus hervorgegangene JF die enge Zusammenarbeit. Die angebliche Selbstaufl\u00f6sung des FMJ mit dem gleichzeitigen Versprechen, da\u00df die politische Arbeit unabh\u00e4ngig vom Namen weitergehe, kommentierte das Vereinsorgan BBZ: \"Das sind Idealisten, die weitermachen ... Dementsprechend legen die H. JF-Schriften ,,Angriff' und \"Umbruch\" ihren Lesern die BBZ, \"welche tagespolitische Ereignisse aus unserer Sicht kommentiertu, ans Herz. Dar\u00fcber hinaus werden in einer Anzeige im \"Nordharz InfoDienst\" die Publikationen ,,Angriff', \"Umbruch\" und BBZ \u00fcber dieselbe Postfach-Adresse in Berlin angeboten. Die Nationalen e. V. unterhalten aber auch zu weiteren neonazistischen Personenzusammenschl\u00fcssen enge Kontakte. Symptomatisch daf\u00fcr sind die zusammen mit anderen neonazistischen Organisationen sowie rechtsextremistischen Parteien durchgef\u00fchrten Veranstaltungen. Neben ,jungen Aktivisten\" aus der Neonazi-Szene versucht der Vereinsvorsitzende SCHWERDT, auch Mitglieder rechtsextremistischer Parteien fiir eine Zusammenarbeit mit seinem Verein zu gewinnen. Das nach dem Parteiaustritt von Frank SCHWERDT aus der DLVH abgek\u00fchlte Verh\u00e4ltnis des Vereins Die Nationalen e. V. zur DLVH hat sich inzwischen wieder verbessert. So sind Ende 1994 einige Ver-","83 anstaltungen gemeinsam unter der Bezeichnung \"Vereinigte RechteDeutsche Liga I Die Nationalen\" durchgefiihrt worden. 3. 7.2 Organisation Die Nationalen e. V. wurden am 3. September 1991 von Angeh\u00f6rigen der NPD, der DLVH, der FAP sowie ehemaligen Mitgliedern der Partei \"Die Republikaner\" unter dem Namen \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft'Wir sind das Volk\"' (WSDV) gegr\u00fcndet, um an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BVV) am 24. Mai 1992 teilzunehmen. Anla\u00dflieh der BVV-Wahlen erhielt die W\u00e4hlergemeinschaft in den einzelnen Bezirken zwischen 0,16 % und 0,69 %. Trotz des entt\u00e4uschenden Wahlergebnisses wurde die W\u00e4hlergemeinschaft am 28. August 1992 als Verein Die Nationalen e. V. mit Sitz in Berlin gegr\u00fcndet. Der damalige Vereinsvorstand setzte sich aus Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der DLVH, der NPD und ihrer Jugendorganisation, den \"Jungen Nationaldemokraten\" sowie Neonazis zusammen. Nachdem sich die Gr\u00fcndungsmitglieder aus der NPD und der Partei \"Die Republikaner\" wegen der zunehmenden neonazistischen Orientierung aus dem Verein zur\u00fcckgezogen haben, \u00fcberwiegen heute im Vorstand Neonazis und Anh\u00e4nger der DLVH. Der Landesverband \"Die Nationalen e. V. Berlin-Brandenburg\" mit etwa 80 Mitgliedern gliedert sich in den Verband Land Brandenburg mit drei Kreisverb\u00e4nden und den Stadtverband Berlin mit ebenfalls drei Kreisverb\u00e4nden. Vorsitzender des Landesverbandes ist seit Februar 1993 Frank SCHWERDT. Mit der Verabschiedung einerneuen Satzung Mitte 1993 wurden die Voraussetzungen fiir den Aufbau von organisatorischen Strukturen auch au\u00dferhalb von Berlin und Brandenburg geschaffen. Seit etwa Mitte 1993 existierte in der Lutherstadt Wittenberg eine sogenannte \"Kameradschaft Wittenberg im Freundeskreis Sachsen-Anhalt des Vereins Die Nationalen e. V.\" (\"Kameradschaft Wittenberg\"). Die \"Kameradschaft Wittenberg\" hat sich in der ersten Novemberh\u00e4lfte 1994 aufgel\u00f6st. Ein Grund fiir die Selbstaufl\u00f6sung d\u00fcrfte in den am","84 10. November 1994 vollzogenen Durchsuchungen bei Mitgliedern dieser Kameradschaft und der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung nach SS 129 StGB zu sehen sein. Bereits am 19. November 1994 haben sich Mitglieder der aufgel\u00f6sten Kameradschaft zu einer neuen Gruppierung zusammengeschlossen, die den Namen \"Kameradschaft Ostelbe\" tr\u00e4gt. Bei dieser Zusammenkunft wurden sieben Funktion\u00e4re eingesetzt, weitere sieben Personen sind fest in die \"Kameradschaft Ostelbe\" eingebunden. Dar\u00fcber hinaus sind etwa 20 Mitl\u00e4ufer Ober sogenannte \"Ortsgruppenfiihrer\" mit ihr verbunden. Die Mitglieder und Anh\u00e4nger stammen haupts\u00e4chlich aus Wittenberg, Coswig, Ro\u00dflau und Dessau. Im Berichtszeitraum gr\u00fcndeten Die Nationalen e. V. die Jugendorganisation \"Junges Nationales Spektrum\" (JNS). Die erste JNS-Struktur wurde in Sachsen aufgebaut. Danach folgten weitere in Brandenburg. In dem JNS haben sich u.a. ehemalige Mitglieder und Aktivisten der DA und der JF zusammengefunden. In Sachsen-Anhalt ist Ende 1994 die erste JNS-Struktur in Zahna, Landkreis Wittenberg, bekanntgeworden. Die Nationalen e. V. geben die \"Berlin-Brandenburger Zeitung\" mit einer angeblichen Auflage von 18.500 Exemplaren heraus. Daneben werden seit Oktober 1994 Berichte im \"THULE\"-Netz \u00fcber die Berliner Mailbox \"Kommando F\" verbreitet. 3.7.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Einzelne Mitglieder der \"Kameradschaft Wittenberg\" nahmen an Veranstaltungen und Wehrsportobungen der verbotenen NF in NordrheinWestfalen teil. Au\u00dferdem wurden WehrsportObungen im Raum Kropst\u00e4dt, Landkreis Wittenberg, und auf einem verwilderten Gel\u00e4nde einer ehemaligen Fabrik der Lutherstadt Wirtenberg durchgefiihrt. Am 5. Februar 1994 detonierte in der Wohnung eines Mitglieds der \"Kameradschaft Wittenberg\" ein selbsthergestellter Sprengsatz. Dabei wurde ein Kameradschaftsmitglied leicht verletzt und die Wohnung erheblich besch\u00e4digt. Bei der polizeilichen Vernehmung gaben die Tatverd\u00e4chtigen an, da\u00df der Sprengsatz perFernz\u00fcndungw\u00e4hrend ei-","85 ner PDS-Veranstaltung zur Explosion gebracht werden sollte. Diese Aussage wurde sp\u00e4ter von den Beschuldigten widerrufen. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des Verdachts der Herbeifiihrung einer Sprengstoffexplosion ergaben, da\u00df ein Mitglied der Kameradschaft \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum Chemikalien beschaffi hatte. Daraus stellte er mit einem weiteren Kameradschaftsmitglied den Sprengsatz her. Dieser wurde nach erheblichem Alkoholkonsum durch ein Versehen gez\u00fcndet. Am 5. September 1994 nahmen 19 Mitglieder sowie Anh\u00e4nger der \"Kameradschaft Wittenberg\" an einer Veranstaltung der Nationalen e. V. in G\u00f6hlen/Brandenburg teil. Aufgrund einer Verbotsverfiigung wurde die Versammlung von Polizeikr\u00e4ften aufgel\u00f6st. Bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Versammlungsteilnehmer wurden drei Messer, eine Schreckschu\u00dfpistole, ein Baseballschl\u00e4ger, Reizgas, eine Reichskriegsflagge und ein Koppelschlo\u00df mit Hakenkreuz sichergestellt. Die \"Kameradschaft Ostelbe\" veranstaltete am 21. Dezember 1994 in einem Waldgrundst\u00fcck im Raum Kropst\u00e4dt, Landkreis Wittenberg, eine sogenannte Wintersonnenwendfeier. Neben den Mitgliedern der Kameradschaft beteiligten sich auch FAP-Mitglieder aus Berlin sowie Berliner Mitglieder der Die Nationalen e. V .. Unter den insgesamt 25 Teilnehmern befanden sich auch der Berliner FAP-Landesvorsitzende Lars BURMEISTER und der Vorsitzende der Die Nationalen e. V. Frank SCHWERDT. Bereits vor Erreichen der fiir die Feier vorgesehenen Waldlichtung wurden Fackeln entz\u00fcndet und mit dem \"feierlichen Trommeln\" begonnen. Auf der Lichtung wurden dann drei Hakenkreuze aufgestellt. Nach dem Entz\u00fcnden des Feuers wurde eine Rede \u00fcber die Tradition der Sonnenwendfeiern gehalten. Im weiteren Verlauf der Feier wurden verschiedene rechtsextremistische Lieder gesungen und Marschmusik von Tontr\u00e4gem abgespielt. Im Dezember 1994 haben Mitglieder und Anh\u00e4nger des Jugendverbandes JNS an den Schulen im Landkreis Wirtenberg Flugbl\u00e4tter mit dem Titel: \"Den Marxismus an den Schulen stoppen! verteilt. Darin H wird behauptet, die gesamte Lehrerschaft sei \"durchsetzt von einer Clique marxistischer Ideologen Der Unterricht, insbesondere in den H. meinungsbildenden F\u00e4chern sei die \"pure politische BeeinflussungH. Deshalb fordern sie: \"Schlu\u00df mit den Geschichtsl\u00fcgen und der poli-","86 fischen Beeinflussung! Sofortige Entlassung aller linksradikalen Lehrerinnen und Lehrer! F\u00fcr ein selbstbestimmtes und freies Lernen! Zerschlagung der linksradikalen Jugendbanden!u. Mit der Verteilung dieser Flugbl\u00e4tter sind die Anh\u00e4nger des JNS in Sachsen-Anhalt erstmals in Erscheinung getreten.","Durnt 2 |8Leift \". D a. \"RechterTerror\"L\u00fcgeundWahrhet i TSES ih \" . Werden die Deutschen get\u00e4uscht , . .- \" sa SZ Beuf\u00e4eid Teurnr. v 2 wa u ri Mm mean Fe War Wr Amp Cu Tem au mumesre, r 0u G * f #5 ai GE He a \" E ill dersimerurine: m MnnfHihe SanS ammne m \"nn un a 6 mn al anne U 0 m en an ae au au mm den. - \"ur.","88 * 4. Rechtsextremistische Parteien und Organisationen 4.1 Partei \"Die Republikaner\" (REP) Bereits im Dezember 1992 hatten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder gemeinsam festgestellt, da\u00df bei der Partei \"Die Republikaner\" tats\u00e4chliche Anhaltspunkte fiir Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorliegen. Sie vereinbarten daraufhin, \u00fcber diese Partei gezielt Infonnationen zu beschaffen und auszuwerten, um den Verdacht verfassungsfeindlicher Bestrebungen best\u00e4tigen oder ausschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Dieser Verdacht hat sich zwischenzeitlich soweit verfestigt, da\u00df die Mehrheit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder das Vorliegen solcher Bestrebungen bejaht. Daraufhin haben die Innenminister in zw\u00f6lf*s L\u00e4ndern \"Die Republikaner\" als rechtsextremistische Partei eingestuft. Gegen ihre Beobachtung mit nachrichtendienstliehen Mitteln haben die REP in einigen L\u00e4ndern die Verwaltungsgerichte angerufen. Bis auf Niedersachsen wurden ihre Antr\u00e4ge abgewiesen 16 , soweit sie diese nicht selbst zur\u00fcckgenommen hatten. Damit wurde die Vorgehensweise der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gerichtlich best\u00e4tigt und auf die Grunds\u00e4tze der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zur Beurteilung verfassungsfeindlicher Bestrebungen verwiesen. Danach reicht ein \"rein formales Bekenntnis\" zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht aus, um den \"wirklichen politischen Standort der Partei zu kennzeichnen\", und ein \"bewu\u00dft vorsichtig gehaltenes Programm\" beweist nicht die wahren Ziele. Das Wesen und der Sinn er\u00f6ffnen sich erst, wenn die \"F\u00fclle der Einzelheiten, die Worte und Taten der F\u00fchrenden und ihrer Anh\u00e4nger sowie das verwendete Schulungsund Propagandamaterial\" zusammenh\u00e4ngend gepr\u00fcft sind. Auch wenn radikale \u00c4u\u00dferungen vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gesch\u00fctzt werden, kann ihre \"Zusammenschau\" lS Nach Ablauf des Berichtszeitraums hat sich diese Anzahl auf 14 erh\u00f6ht. 16 Am 9. Januar 1995 hat das Bundesverwaltungsgericht die Entscheidung des Nieders\u00e4chsischen Oberverwaltungsgericht wegen eines Formfehlers aufgehoben und zur anderweitigen Verhandlung und Entscheidung zur\u00fcckverwiesen. Das Oberverwaltungsgericht hatte im Berufungsverfahren die Entscheidung des Verwaltungsgerichts Hannover best\u00e4tigt, das die Unzul\u00e4ssigkeil der nachrichtendienstliehen Beobachtung durch die nieders\u00e4chsische Verfassungsschutzbeh\u00f6rde nach dem nieders\u00e4chsischen Verfassungsschutzgesetz festgestellt hatte.","89 sehr wohl den Verdacht der Gefahrdung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung begr\u00fcnden. Weiterhin mu\u00df sich eine Bundespartei das diesbez\u00fcgliche Fehlverhalten eines ihrer Landesverb\u00e4nde zurechnen lassen und umgekehrt. 4.1.1 Ideologisch-politischer Standort Die REP haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einer rechtspopulistischen Partei entwickelt, deren Agitation in der politischen Zielsetzung, im Inhalt und in der Diktion mit den rechtsextremistischen Parteien wie NPD und DVU weitgehend \u00fcbereinstimmt. Obwohl sich aus dem Wortlaut ihrer Satzung und ihres Parteiprogramms keine verfassungsfeindliche Zielstellung ergibt, sind dennoch rechtsextremistische Bestrebungen festzustellen, die sich in folgenden \u00c4u\u00dferungen und Handlungsweisen manifestieren: (1) Die REP versuchen, die Geschichte umzuschreiben. Die negative Wertsch\u00e4tzung des Dritten Reiches und der DDR in der Geschichtswissenschaft und im \u00f6ffentlichen Bewu\u00dftsein wird zun\u00e4chst \u00fcbernommen. Durch die \u00dcbertragung der Kritik an den beiden Diktaturen auf bundesrepublikanische Verh\u00e4ltnisse werden die Unrechtsregime indirekt jedoch wieder aufgewertet. Dagegen wird der Rechtsstaat abgewertet. (2) Gleichsetzungen von Institutionen und Handlungen der Bundesrepublik Deutschland mit solchen des Dritten Reiches oder auch der DDR sowie die \u00dcbertragung von NSund realsozialistischer Tenninologie auf bundesrepublikanische Verh\u00e4ltnisse dienen dazu, rechtsstaatliche Konturen zu verwischen und die freiheitliche demokratische Grundordnung zu diskreditieren. (3) Die REP leugnen eigene Fremdenfeindlichkeit und lehnen formal Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele ab. Damit wollen sie ihren politischen Gegnern m\u00f6glichst wenig Angriffsfl\u00e4che bieten und als Partei der \"Biedenn\u00e4nner\" auftreten. Tats\u00e4chlich sch\u00fcren sie jedoch Fremdenha\u00df und sprechen damit die bestehenden Ressentiments ihrer Mitglieder an. Auch ist","90 das Leugnen der eigenen Fremdenfeindlichkeit angesichts des von der Partei erhobenen Exklusivit\u00e4tsanspruchs \"Deutschland den Deutschen\" leicht als Tarnungsman\u00f6ver zu durchschauen. (4) Die dr\u00e4ngenden gesellschaftlichen Probleme wie Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot und Umweltschutz werden im Kontext mit der Asylbewerberproblematik erw\u00e4hnt. Auch das Kriminalit\u00e4tsproblem wird in seiner Komplexit\u00e4t bewu\u00dft vereinfacht dargestellt und die hohe Kriminalit\u00e4t den Ausl\u00e4ndern angelastet. Die REP fordern \"die sofortige Beendigung der Masseneinwanderung nach Deutschland\" und sehen \"die Erhaltung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen\" des deutschen Volkes in Gefahr. Daneben machen sie den Liberalismus filr gesellschaftliche Mi\u00dfst\u00e4nde verantwortlich. (5) Die REP stellen in ihren Reden und Schriften das deutsche Volk als eine von Kollektivismus getragene \"Solidargemeinschaft\" dar, die sich deutlich von den in Deutschland lebenden Ausl\u00e4ndern und Asylbewerbern abgrenzt. Mit dem Hinweis auf eine drohende \"\u00dcberfremdung\" lehnen die REP eine multikulturelle Gesellschaft strikt ab. (6) Die REP erkennen die Oder-Nei\u00dfe-Grenze nicht an, sondern fordern die \"Vollendung der deutschien Einheit unter Einbezug Ostdeutschlands\" in den Grenzen von 193 7. So ist das Gebiet der DDR nach republikanischem Verst\u00e4ndnis nicht Ostdeutschland, sondern wird als \"Mitteldeutschland\" bezeichnet. (7) Der Antisemitismus wird von den REP vor allem im Zusammenhang mit j\u00fcdischen Restitutionsanspr\u00fcchen hemmungslos filr ihre politischen Zwecke gesch\u00fcrt. Gerade mit antisemitischen \u00c4u\u00dferungen ist der langj\u00e4hrige Parteivorsitzende Pranz SCH\u00d6NHUBER immer wieder aufgefallen. Negativer H\u00f6hepunkt solchen Ausflusses waren seine Attacken gegen den Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz BUBIS, Ende M\u00e4rz 1994. Nach dem Brandanschlag auf die L\u00fcbecker Synagoge hatte der Zentralratsvorsitzende die rechtsextremistischen Parteien als \"geistige Brandstifter\" filr den gesellschaftlichen Hintergrund sol-","91 eher Anschl\u00e4ge mitverantwortlich gemacht. Daraufhin bezeichnete SCH\u00d6NHUBER den Zentralratsvorsitzenden BUBIS als \"einen der schlimmsten Volksverhetzer Deutschlands\". Er sei derjenige, der in Deutschland ftir den Antisemitismus sorge. Diese \u00c4u\u00dferung rief bundesweite Emp\u00f6rung hervor. Die REP hatten mit ihren \"Ruhstorfer Beschl\u00fcssen\" die Zusammenarbeit mit anderen rechten Parteien abgelehnt, um die ideologische N\u00e4he zu diesen Parteien zu kaschieren. Gleichwohl zeigte das Zusammentreffen von SCH\u00d6NHUBER mit dem DVU-Vorsitzenden Dr. FREY im August 1994, welchen weiteren Weg SCH\u00d6NHUBER mit \"seiner\" Partei einzuschlagen beabsichtigte. 4.1.2 Organisation \"Die Republikaner\" wurden 1983 in M\u00fcnchen von den beiden ehemaligen CSU-Bundestagsabgeordneten Franz HANDLOS und Eckehard VOIGT sowie Franz SCH\u00d6NHUBER gegr\u00fcndet. Die Partei z\u00e4hlt bundesweit rund 20.000 Mitglieder. Von 1985 bis 1994 war SCH\u00d6NHUBER fast ununterbrochen Vorsitzender der Partei mit Bundesgesch\u00e4ftsstelle in Bonn. Der autorit\u00e4re und selbstherrliche F\u00fchrungsstil SCH\u00d6NHUBERs ftihrte zu Fl\u00fcgelbildungen und Machtk\u00e4mpfen innerhalb der F\u00fchrungsspitze bis hinunter in die Landesverb\u00e4nde. Die Differenzen der Parteikader untereinander wurden zunehmend in der \u00d6ffentlichkeit ausgetragen. Nach dem ftir die Partei durchweg entt\u00e4uschenden Ausgang der Wahlen im Berichtszeitraum und den Parteiaustritten fUhrender Funktion\u00e4re, wie der Bundesschriftftihrerin Martina ROSENEERGER und des Bundesorganisationsleiters Udo B\u00d6SCH wuchs die innerparteiliche Kritik am Bundesvorsitzenden. Der spontane Alleingang SCH\u00d6NHUBERs beim Treffen mit dem DVU-Vorsitzenden Dr. FREY stie\u00df bei den meisten Landesverb\u00e4nden auf Ablehnung und hat zur weiteren Polarisierung innerhalb der Partei geftihrt.","92 Auf dem Bundesparteitag im Dezember 1994 erfolgte dann der Machtund Generationswechsel. Dr. Rolf SCHLIERER, einer der ehemaligen Stellvertreter SCH\u00d6NHUBERs, wurde zum neuen Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Dr. SCHLIERER galt l\u00e4ngere Zeit als \"Kronprinz\" SCH\u00d6NHUBERs. Einer der Stellvertreter Dr. SCHLIERERs wurde der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Dr. Rudolf KRAUSE, der dem \"ultrarechten\" SCH\u00d6NHUBER-Fl\u00fcgel der Partei zuzuordnen ist. Von Dr. KRAUSE ist weiter bekannt, da\u00df er einen autorit\u00e4ren und selbstherrlichen F\u00fchrungsstil wie SCH\u00d6NHUBER praktiziert. Der von ihm geleitete Landesverband hatte sich seit seiner Gr\u00fcndung 1990 stetig entwickelt und wies noch 1993 \u00fcber 800 Mitglieder aus. Zwischenzeitlich ist diese Mitgliederzahl r\u00fcckl\u00e4ufig und lag Ende 1994 deutlich unter 500 Personen. Der REP-Landesverband in Sachsen-Anhalt gliedert sich fl\u00e4chendeckend in 19 Kreisverb\u00e4nde, von denen die in Magdeburg, Halle, Oschersleben und Zerbst besonders aktiv waren. Die Finanzlage der Partei ist \u00e4u\u00dferst angespannt, da die Verwaltung des Deutschen Bundestages den REP die Schlu\u00dfzahlung der der Partei fiir 1994 nach dem Parteienfinanzierungsgesetz noch zustehenden staatlichen Mittel in H\u00f6he von DM 900.000 verweigert. Rund 2,8 Mio. DM, die bereits gezahlt wurden, soll die Partei dar\u00fcberhinaus zur\u00fcckzahlen, weil sie keinen fristgerechten Antrag auf Festsetzung der staatlichen Teilfinanzierung gestellt habe. Das monatlich erscheinende Presseorgan \"Der Republikaner\" hatte im Berichtszeitraum eine Auflagenst\u00e4rke von 80.000 (1993: 135.000) Exemplaren. 4.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Unter F\u00fchrung von Dr. KRAUSE hat sich bei der Partei in SachsenAnhalt offensichtlich ein \"Rechtsruck\" vollzogen. Das geschah so deutlich und von Dr. KRAUSE gepr\u00e4gt, da\u00df die von den REP in Sachsen-Anhalt ausgegangenen und bekannt gewordenen Aktivit\u00e4ten nicht losgel\u00f6st von seiner Person zu sehen sind. Nach \u00c4u\u00dferungen von REP-Mitgliedem soll es dem Landesvorsitzenden durch Intrigen,","93 Manipulationen und Parteiausschlu\u00dfverfahren gelungen sein, eine ihm genehme Zusammensetzung des Landesvorstandes durchzusetzen. Dabei soll der wegen seines autorit\u00e4ren F\u00fchrungsstils bekannte Dr. KRAUSE bewu\u00dft Prinzipien der innerparteilichen Demokratie verletzt und Abweichungen von Parteibeschl\u00fcssen zugelassen haben. Es ist bezeichnend, wie Martina ROSENBERGER, ehemalige Bundesschriftf\u00fchrerin, den Landesvorsitzenden charakterisiert: \"KRAUSE ist einer der gr\u00f6\u00dften Rechtsextremisten, den ich je in meinem Leben kennengelernt habe. ... Die Mitglieder kommen mitKRAUSE einfach nicht zurecht. Mit seiner diktatorischen Art ver\u00e4ngstigt er seine eigenen Parteifreunde und setzt sie psychisch unter Druck\". Wie weit \"rechts\" Dr. KRAUSE steht, wurde deutlich, als er sich als derjenige zu erkennen gab, der das Treffen SCH\u00d6NHUBERs mit Dr. FREY pers\u00f6nlich arrangierte. Im Mai 1994 organisierte Dr. KRAUSE als Mitglied des Bundestages den Besuch von 50 Mitgliedern seines Landesverbandes in Bonn. Die auf Kosten der Steuerzahler Eingeladenen geb\u00e4rdeten sich skandal\u00f6s. Im Bistro des Bundesministeriums f\u00fcr Jugend und Frauen \u00e4u\u00dferten sie gegen\u00fcber dem Wirt: \"Ihr lebt hier wie die Maden im Speck!\" Auf dessen Hinweis zum Rauchverbot reagierten sie so: \" Uns wurde 40 Jahre alles verboten. Jetzt ist es Zeit, da\u00df hier andere Saiten aufgezogen werden. Wir sind n\u00e4mlich Republikaner, da\u00df Sie es wissen!\". Dann beschimpften sie ausl\u00e4ndische Gartenarbeiter: \"Ihr geh\u00f6rt in einen Viehwagen und dann ab ins Lager!\" Eindeutiger Schwerpunkt der Parteiarbeit im \"Superwahljahr\" war die Teilnahme an den Wahlen. Zur Kandidatenaufstellung der Landesliste f\u00fcr die Landtagsund die Bundestagswahl fanden Landesparteitage im M\u00e4rz 1994 in Halle und im Juni 1994 in Neuwegersteben statt. An ihnen nahmen jeweils etwa 100 Delegierte teil. Zu den G\u00e4sten der Veranstaltung in Halle geh\u00f6rte der Bundesvorsitzende SCH\u00d6NHUBER. Zur Wahlvorbereitung gab es eine Vielzahl von Mitgliederversammlungen, Landesvorstandssitzungen, Delegiertenversammlungen und Wahlplakatierungen sowie Postwurfsendungen an Haushalte.","94 In einigen F\u00e4llen erf\u00fcllten die REP die Zulassungsvoraussetzungen zur Wahl nicht. So wurden zum einen die geforderten Unterst\u00fctzerunterschriften nicht beigebracht und zum anderen Abgabefristen f\u00fcr Bewerbungen vers\u00e4umt. Im Vorfeld der Landtagswahlen verweigerte der Landeswahlausschu\u00df der Partei die Zulassung zur Wahl wegen Fonnfehlem bei der Kandidatenaufstellung. Die REP hatten auf der Einladung zu ihrer Delegiertenversammlung nur einen Treffpunkt, nicht aber den Tagungsort angegeben. Die Entscheidung des Wahlausschusses wurde sp\u00e4ter revidiert und die Partei zur Landtagswahl zugelassen. Zu den Kommunalwahlen am 12. Juni 1994 trat die Partei in sechs Landkreisen und einer kreisfreien Stadt mit insgesamt 51 Bewerbern an. Im Ergebnis der Wahlen konnten die REP lediglich 0,3 % der W\u00e4hlerstimmen erreichen. Trotz dieses geringen landesweiten Stimmenanteils wurden in einigen Orten \"Republikaner\" gew\u00e4hlt. So erhielten acht ihrer Kandidaten Gemeindebzw. Stadtratsmandate in Bonese, Haldensleben, Halle, Naumburg, Oschersleben (2 Mandate), Stendal und Zerbst. Ein Kandidat der REP wurde in den Kreistag des Landkreises \u00d6stliche Altmark gew\u00e4hlt. Bei den ebenfalls am 12. Juni 1994 stattgefundenen Wahlen der Abgeordneten des europ\u00e4ischen Parlaments traten zehn REP auf einer gemeinsamen Liste f\u00fcr alle L\u00e4nder an. Aus Sachsen-Anhalt kandidierten Dr. Rudolf KRAUSE aus Bonese auf Listenplatz zwei und Marita SCHWARZE aus Jessen auf Listenplatz zehn. Auch bei den Buropawahlen mu\u00dften die REP eine herbe Niederlage einstecken. W\u00e4hrend die Partei bei der Buropawahl 1989 bundesweit noch 7,1 % der g\u00fcltigen Stimmen erringen konnte, waren es 1994 nur noch 3,9 %. In Sachsen-Anhalt erreichte die Partei lediglich 2,8 % der g\u00fcltigen Stimmen. Mit diesem Wahlergebnis b\u00fc\u00dften die REP ihre bisher sechs Sitze im europ\u00e4ischen Parlament ein und sind dort nicht mehr vertreten. Auch die Landtagswahlen am 26. Juni 1994 verliefen f\u00fcr die Partei erfolglos. Im Ergebnis dieser Wahlen erreichten die REP 1,4 % der g\u00fcltigen Stimmen. Damit gelang es keinem ihrer 25 Kandidaten, einen Sitz im Landtag zu erringen.","\" 95 . Eine weitere Wahlniederlage erlebten die REP bei der Wahl zum 13. Deutschen Bundestag im Oktober 1994. Auch hier konnte keiner ihrer bundesweit immerhin 325 Kandidaten, Sachsen-Anhalt stellte 14 Kandidaten, einen Sitz erlangen. Der Landesvorsitzende der REP in Sachsen-Anhalt, Dr. KRAUSE, schied aus dem Bundestag aus, dessen Mitglied er 1990 als gew\u00e4hlter Vertreter der CDU geworden war. Im Dezember 1994 nahmen Delegierte des Landesverbandes SachsenAnhalt am Bundesparteitag der REP in Sindelflogen teil. Auf diesem Parteitag wurde Dr. KRAUSE zu einem der Stellvertreter des neuen Bundesvorsitzenden Dr. SCHLIERER gew\u00e4hlt. Zuvor hatte er in einer Rede vor den Delegierten gefordert, da\u00df die REP \"hartgesottene M\u00e4nner\" um sich scharen m\u00fc\u00dften. Die Wahl zum Stellvertreter bedeutete eine St\u00e4rkung der Position Dr. KRAUSEs sowohl auf Bundesebene als auch innerhalb des Landesverbandes in Sachsen-Anhalt. Das gab ihm die M\u00f6glichkeit, seinen Kurs der Ann\u00e4herung an die DVU und andere rechtsextremistische Organisationen zielgerichtet fortzusetzen. Dabei hatte Dr. KRAUSE auch die Unterst\u00fctzung der Mehrzahl der Funktion\u00e4re im Landesverband. 4.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 4.2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Parteiprogramm betont, sie trete filr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, lehnt sie wesentliche Prinzipien dieser Grundordnung ab. Trotz ihres Lippenbekenntnisses zum Grundgesetz strebt die NPD in Wirklichkeit einen Volksstaat mit einer von v\u00f6lkisch-kollektivistischen Strukturen bestimmten Volksgemeinschaft an, in dem die Interessen des Volksganzen und des Volkswohles Vorrang vor den Freiheitsrechten des einzelnen haben. Damit kn\u00fcpft sie an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. In ihren Propagandaschriften, zu denen ma\u00dfgeblich die Parteizeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer Auflage von 45.000 Exemplaren z\u00e4hlt, werden die in Teilen der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Vorbehalte gegen","* 96 ein weiteres Anwachsen der Zahl in der Bundesrepublik Deutschland lebender Ausl\u00e4nder und Asylbewerber von der NPD genutzt, um ausl\u00e4nderfeindliche Agitation zu betreiben. Die Ursachen filr Arbeitslosigkeit, Wohnraummangel und Kriminalit\u00e4t sind danach angeblich allein in der Anwesenheit der Ausl\u00e4nder zu sehen. Die rassistisch unterlegte Agitation gegen Fremde st\u00fctzt die NPD auf die These von der biologischen Ungleichheit der Menschen. Die NPD, ma\u00dfgeblich ihr Bundesvorsitzender DECKERT, setzt sich in zunehmenden Ma\u00dfe filr eine rechtsextremistisch gepr\u00e4gte \"objektive Geschichtsschreibung\" ein und bekennt sich offen zum Revisionismus. Ein gemeinsamer Auftritt mit dem US-Amerikaner und Holocaust-Leugner Fred LEUCHTER, dessen Vortrag DECKERT ins Deutsche \u00fcbersetzte und zustimmend kommentierte, fiihrte zu Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. W\u00e4hrend LEUCHTER in die USA fl\u00fcchten konnte, wurde DECKERT wegen Volksverhetzung angeklagt und verurteilt. Die Begr\u00fcndung des milden Urteils der Mannheimer Richter sorgte f\u00fcr einen Skandal in der \u00d6ffentlichkeit. Inzwischen hat der Bundesgerichtshof das Urteil aufgehoben. 4.2.2 Organisation Die NPD wurde 1964 in Hannover mit dem Ziel gegr\u00fcndet, die rechte Opposition in einerneuen Partei zu sammeln und in die bundesdeutschen Parlamente zu bringen. Die NPD hat ihren Sitz in Stuttgart. Ihr Bundesvorsitzender ist seit Juni 1991 G\u00fcnter DECKERT. Die NPD verfUgt \u00fcber 15 Landesverb\u00e4nde, die je nach Mitgliederst\u00e4rke in Bezirks-, Kreisund Ortsverb\u00e4nde untergliedert sind. Dem Landesverband Sachsen-Anhalt mit Sitz in Magdeburg sind zehn Kreisverb\u00e4nde zugeordnet.","97 .. als Gn.m . den J Ote Fam*he 1n ~~~e.._.,.._.,. ____ ....... __ ....... , *---","98 Die Anzahl der NPD-Mitglieder ist gegen\u00fcber 1993 deutlich gesunken. Bundesweit ist von etwa 4.500 Mitgliedern auszugehen, im Vorjahr waren es noch rund 5.000 Mitglieder. In Sachsen-Anhalt war eine vergleichbare Tendenz zu beobachten. Der Mitgliederbestand des Landesverbandes ging von zuvor 140 Personen auf etwa 80 Personen zur\u00fcck. Auffallend hoch ist der Anteil j\u00fcngerer Parteimitglieder in Sachsen-Anhalt. Weniger als ein Drittel der Parteimitglieder ist \u00e4lter als 40 Jahre. Bei sinkenden Mitgliederzahlen und fehlenden finanziellen Mitteln ist es der NPD in Sachsen-Anhalt nicht gelungen, die Arbeitsf\u00e4higkeit der bestehenden Kreisverb\u00e4nde voll aufrecht zu erhalten. Lediglich der Kreisverband Saale-Unstrut mit Sitz in Naumburg kann als funktionierend eingesch\u00e4tzt werden. Der NPD-Landesvorstand selbst bezeichnet den Zustand der Partei in Sachsen-Anhalt als \"desolat\" und kritisiert die mangelnde Einsatzbereitschaft seiner Mitglieder. Strukturen der NPD-Nachwuchsorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) sind in Sachsen-Anhalt bisher nicht zu erkennen. Gleichwohl sind hier Mitglieder bekannt geworden, die an \"Nationalen Stammtischen\" in Niedersachsen teilnahmen. JN-Funktion\u00e4re aus Niedersachsen unterhalten Kontakte zum hiesigen NPD-Landesverband und nahmen an NPD-Veranstaltungen in Sachsen-Anhalt teil. Der Vorsitzende des JN-Landesverbandes Niedersachsen hat seinen Wohnsitz im Landkreis Wernigerode (Ostharz). 4.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Der durch sinkende Mitgliederzahlen und unzureichend funktionierende Organisationsstrukturen gekennzeichnete Gesamtzustand der NPD in Sachsen-Anhalt wirkt sich l\u00e4hmend auf die Aktivit\u00e4ten der Partei aus. So war die NPD hier kaum in der Lage, Informationsund Werbematerial zu finanzieren und zu verteilen, um ihren Bekanntheitsgrad zu erh\u00f6hen und neue Mitglieder zu gewinnen. Allerdings wurden die bereits zuvor bekannten \"Nationalen Stammtische\" auch im Berichtszeitraum fortgesetzt. Sie waren haupts\u00e4chlich auf \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Mitgliedergewinnung gerichtet. Daneben fanden \"Kameradschaftstreffen\" im Kreisverband Saale-Unstrut statt.","99 Bei den 1994 durchgefiihrten Wahlen blieb die NPD in Sachsen-Anhalt bedeutungslos. Bei den Kommunalwahlen am 12. Juni 1994 kandidierte der NPD-Bundesvorsitzende DECKERT als Oberb\u00fcrgermeisterkandidat f\u00fcr Halle. Er erhielt nur 0,35% der g\u00fcltigen W\u00e4hlerstimmen. Zuvor kam es anl\u00e4\u00dflich der Vorstellung der Oberb\u00fcrgermeisterkandidaten bei einer Veranstaltung im Hallischen Kongre\u00dfund Kulturzentrum zu massiven St\u00f6rungen, als Jugendliche aus der autonomen Szene gegen den Auftritt DECKERTs protestierten. Am 3. September 1994 fand in Bad K\u00f6sen der Landesparteitag der NPD statt. An dieser Veranstaltung nahmen etwa 35 Parteimitglieder teil. Bei der Neuwahl des Landesvorstandes wurde der bisherige Landesvorsitzende Waldemar MAlER wegen angeblicher Inaktivit\u00e4t abgew\u00e4hlt. Zum neuen Landesvorsitzenden wurde der Vorsitzende des Kreisverbandes Saale-Unstrut, Meinhard M\u00d6CKEL, gew\u00e4hlt. Aufsehen erregte die Partei, als bekannt wurde, da\u00df ihr Bundesvorstand eine Immobilie in Siedentramm, Altmarkkreis Salzwedel, erworben hat. Der seit l\u00e4ngerem geplante Kauf war zustande gekommen, ohne da\u00df die NPD als K\u00e4uferin in Erscheinung trat. Diese Strategie fortsetzend gibt sich als offizieller Nutzer des Objektes ein ,,Altm\u00e4rkischer Verein f\u00fcr Tradition und Begegnung e. V.\" aus, der zun\u00e4chst keinen Bezug zur NPD erkennen l\u00e4\u00dft, tats\u00e4chlich aber NPDgesteuert agiert. Mit dem Objekt ,,Altmark\" soll langfristig das Problem von R\u00e4umlichkeiten fiir Veranstaltungen und parteiinterne Schulungen bundesweit gel\u00f6st werden. Damit k\u00f6nnten sich k\u00fcnftig im Land Sachsen-Anhalt Aktivit\u00e4ten der NPD verst\u00e4rken und konzentrieren. 4.3 Deutsche Volksunion (DVU) 4.3.1 Ideologisch-politischer Standort Das Programm der DVU ist, wie bei anderen rechtsextremistischen Parteien, bewu\u00dft allgemein und zur\u00fcckhaltend formuliert, um verfassungsfeindliche Ziele und Ans\u00e4tze m\u00f6glichst zu verschleiern. Die DVU hat sich das Ziel gesetzt, den \"Nutzen des deutschen Volkes zu mehren und Schaden von ihm zu wenden\". Ihr ,.ganzes Streben gilt","100 der Durchsetzung von Recht und Freiheit f\u00fcr das deutsche Volk und Vaterland, eines gleichen Rechtsf\u00fcr alle Deutschen\". Ferner verbreitet die DVU Parolen wie \"Deutschland soll deutsch bleiben\", \"Deutschland zuerst\" und \"Gleichberechtigung f\u00fcr das deutsche Volk\". Sie setzt sich dafiir ein, den Ausl\u00e4nderanteil zu begrenzen, den \"zunehmenden Ausl\u00e4nderzustrom\" in das Bundesgebiet zu stoppen und die \"Zuweisung von Kollektivschuld und Kollektivverantwortung an die Deutschen\" einzustellen. Diese und \u00e4hnliche deutseh-nationale Parolen werden begleitet von ausl\u00e4nderfeindlicher Agitation verschiedener DVU-Funktion\u00e4re. Die gro\u00dffl\u00e4chige Verbreitung rechtsextremistischen Gedankengutes erfolgt durch die vom Parteigr\u00fcnder und Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard FREY als Verleger herausgegebenen Wochenzeitungen \"Deutsche Wochenzeitung/Deutscher Anzeiger\" und \"Deutsche Nationalzeitung\" mit einer Gesamtauflage von 67.000 (1993: 80.000) Exemplaren. Auch die herabsetzende Art und Weise, in der gegen Asylbewerber gehetzt wird, insbesondere der diskriminierende Unterton, ist als Angriff auf die grundgesetzlich garantierte Menschenw\u00fcrde zu werten. Die Tatsache, da\u00df das Grundrecht auf Asyl nach Artikel 16a des Grundgesetzes teilweise auch von Menschen in Anspruch genommen wird, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden in die Bundesrepublik Deutschland gekommen sind, wird von der DVU zum Anla\u00df genommen, die hier lebenden Ausl\u00e4nder in ihrer Gesamtheit durch eine \u00fcbertriebene Darstellung und verzerrende Wertung der tats\u00e4chlichen Verh\u00e4ltnisse pauschal als \"Schmarotzer\" hinzustellen. Neben diesen ausl\u00e4nderfeindlichen Angriffen wird auch heftig gegen die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Juden und ihre Repr\u00e4sentanten agitiert. Die Politik des Staates Israel ist hierbei st\u00e4ndiges Ziel publizistischer Attacken des Dr. FREY. Diese sind gepr\u00e4gt durch eine unverkennbare Parteinahme fiir die arabischen Nachbarn Israels sowie das einseitige negative Herausstellen israelischer Verhaltensweisen. Einen besonderen Stellenwert in den Publikationen des Dr. FREY nimmt au\u00dferdem die Verharmlosung der Verbrechen des Dritten Rei-","101 ches ein. Ob es . dabei um die Judenverfolgung oder die Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geht, immer relativiert Dr. FREY diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Gegen\u00fcberstellung und Aufrechnung mit den Verbrechen anderer kriegftihrender V\u00f6lker. Angriffsziel der DVU sind auch die Repr\u00e4sentanten und Institutionen des demokratischen Rechtsstaates. Die in den Publikationen der Partei . und den Reden ihrer Funktionare geftihrten Attacken zeichnen sich durch erhebliche Begr\u00fcndungsdefizite und unsachliche Kritik, insbesondere durch drastische Formulierungen aus. Die engen Beziehungen Dr. FREYs zum F\u00fchrer der \"Liberal-Demokratischen-Partei-Ru\u00dflands\" (LDPR), SCHIRINOWSKIJ, sind be.kannt. Von diesen Kontakten erhoffie sich Dr. FREY eine Aufwertung seiner Person auf nationaler und internationaler Ebene und konnte als Verleger sogar wirtschaftliche Vorteile daraus ziehen. Die milit\u00e4rische Intervention Ru\u00dflands im Kaukasus zwingt Dr. FREY nunmehr, die Kontakte zun\u00e4chst auszusetzen, weil das russische Vorgehen in der deutschen \u00d6ffentlichkeit auf Ablehnung st\u00f6\u00dft, w\u00e4hrend *gleichzeitig SCHIRINOWSKIJ diesen Krieg versch\u00e4rfen will. 4.3.2 Organisation *Die DVU wurde 1987 in M\u00fcnchen aufinitiative des M\u00fcnchener Verlegers Dr. Gerhard FREY gegr\u00fcndet. Die Partei hat etwa 20.000 Mitgliederl7 und verf\u00fcgt \u00fcber Landesverb\u00e4nde in allen L\u00e4ndern. Dem F\u00fchrerprinzip der NSDAP folgend richtet Dr. FREY die DVU zentralistisch ganz auf seine Person aus. Mit seinem diktatorischen F\u00fchrungsstil unterdr\u00fcckt er jeden Ansatz von Demokratie in \"seiner\" Partei. Auch den Bundesvorstand dominiert er, bei dem die Beitragshoheit ftir Mitgliedsbeitr\u00e4ge liegt. Die Landesverb\u00e4nde haben keinerlei Mitwirkungsrechte an der Verteilung des Beitragsaufkommens. Die DVU verst\u00f6\u00dft damit gegen Artikel21 Abs. 1 Satz 3 Grundgesetz, der besagt, da\u00df die innere Ordnung der Parteien demokratischen Grunds\u00e4tzen entsprechen mu\u00df. 17 Dr. FREY nennt h\u00f6here Mitgliederzahlen.","102 Der Landesverband Sachsen-Anhalt wurde 1991 in Magdeburg gegr\u00fcndet. Von Beginn an behinderten Streitigkeiten zwischen dem Landesverband und dem Bundesvorsitzenden die Parteiarbeit Es gab zahlreiche Parteiausschl\u00fcsse, Amtsenthebungen und R\u00fccktritte inner.halb des Landesverbandes sowie Partei\u00fcbertritte zu anderen rechtsextremistischen Organisationen. Das hatte erhebliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Mitgliederzahl und hemmte den Aufbau von Kreisverb\u00e4nden . .*. Die Anzahl der Mitglieder des Landesverbandes der DVU in Sachsen,: Anhalt ist gegen\u00fcber 1993 (etwa I 00 Personen) um die H\u00e4lfte gesunken. Es ist nicht erkennbar, ob es sich um eingetragene Mitglieder oder Parteifreunde ohne feste Mitgliedschaft handelt. Die rund 50 Mitglieder und Sympathisanten der DVU in Sachsen-Anhalt wurden in der letzten Zeit durch den Landesverband Sachsen mit- . betreut. Gleichzeitig fungierte das Mitglied des Landesvorstandes der ., DVU in Th\u00fcringen, Dr. Dieter HAUBACH, als kommissarischer Vor~: sitzender des Landesverbandes Sachsen-Anhalt. 4.3.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt * Die eher unbedeutende Rolle der DVU in Sachsen-Anhalt zeigte sich auch daran, da\u00df die Partei hier kaum \u00f6ffentlichkeitswirksam in Erscheinung trat. Die bestehenden Defizite bei den Organisationsstrukturen im Land hindem sie, gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen durchzuf\u00fchren. Bei den Wahlen 1994 beteiligte sich die DVU in Sachsen-Anhalt le- . diglich an der Oberb\u00fcrgermeisterwahl in Halle. Ihr Kandidat, Holger ; KEILHOLZ, scheiterte mit 0,25 % der W\u00e4hlerstimmen. :- ~ *~ 4.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 4.4.1 Ideologisch-politischer Standort Das bewu\u00dft zur\u00fcckhaltend formulierte Parteiprogramm enth\u00e4lt Anhaltspunkte f\u00fcr eine nationalistische, rassistische und v\u00f6lkisch-kollektivistische Grundhaltung. So lehnt die DLVH \"Gleichmacherei,","103 ,, Oberfremdung und Bevormundungu ab, bekennt sich zur V\u00f6lkervielfalt und betont die\" Eingebundenheit des Menschen in Volk und Heimalu sowie die \"Unterschiedlichkeil der Menschen und Nationen\". Nach Auffassung der DLVH hat der Staat die Freiheit des einzelnen dort zu begrenzen, wo \"die Rechte anderer und der Bestand der Gemeinschaft gef\u00e4hrdet sind\". Der zunehmende Mangel an Wertvorstellungen und moralischen Grunds\u00e4tzen verursache Sch\u00e4den am \"Gemeinschaftsbewu\u00dftsein \". Au\u00dferdem fordert die DLVH eine wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Geschichtsschreibung, die sich nicht f\u00fcr \"Kol/ektivschuldthesen und andere politische Manipulationen mi\u00dfbrauchen\" lasse sowie eine Vergangenheitsbew\u00e4ltigung und Wiedergutmachung, die nicht zur \"politischen Erpressung\" f\u00fchren d\u00fcrfe. 4.4.2 Organisation Die DLVH wurde 1991 von ehemaligen Mitgliedern der REP, DVU und NPD gegr\u00fcndet. Hervorgegangen ist sie aus dem Verein \"Deutsche Allianz - Vereinigte Rechte\" und versteht sich seither als Sammlungsbewegung des \"rechten Lagers\". Diesem Anspruch wird die Partei bisher nicht gerecht. Vielmehr wird die DLVH von der DVU, NPD und den REP als weitere Zersplitterung des \"rechten Lagers\" angesehen und deswegen von diesen abgelehnt. Gleichwohl gibt es auf lokaler Ebene Kontakte zu Funktion\u00e4ren dieser Parteien. So sind Absprachen zur Unterst\u00fctzung der REP bei den Wahlen bekannntgeworden. Auf dem letzten Bundesparteitag der DLVH im Oktober 1993 wurden drei ehemalige Funktion\u00e4re von REP, NPD und DVU als gleichbe- * rechtigte Vorsitzende der Partei gew\u00e4hlt: Harald NEUBAUER, ehe- - maliges Bundesvorstandsmitglied der REP, J\u00fcrgen SCH\u00dcTZINGER, ehemaliges Bundesvorstandsmitglied der NPD und lngo STAWITZ, ehemaliger Fraktionsvorsitzender der DVU im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Dem Vorstand geh\u00f6ren weitere ehemals fUhrende Repr\u00e4sentanten von rechtsextremistischen Gruppierungen an. Die DLVH hat bundesweit rund 900 Mitglieder. Bisher ist es der Partei nicht gelungen, in allen L\u00e4ndern Organisationsstrukturen aufzu-","104 bauen. Mitgliederst\u00e4rkste Landesverb\u00e4nde sind die in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. In Sachsen-Anhalt wurde im Januar 1993 in HaUe der Landesverband Sachsen-Anhalt der . DLVH gegr\u00fcndet. Ihm geh\u00f6ren etwa 70 Mitglieder (1993: 90 Mitglieder) an. Landesvorsitzender der Partei ist der HaUenser Andreas MERKEL. Der DLVH in Sachsen-Anhalt ist es auch im Berichtszeitraum offen- . sichtlich nicht gelungen, funktionierende Kreisverb\u00e4nde aufzubauen. f 4.4.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Anfang 1994 fand in HaUe der Landesparteitag der DLVH statt. An dieser Veranstaltung nahmen etwa 70 Personen teil, darunter auch der .; .Landesvorsitzende der DLVH Niedersachsen, Dr. Rigolf HENNIG, und der Vorsitzende des Landesverbandes Berlin!Brandenburg der ~: Vereinigung \"Die Nationalen e. V.\" Frank SCHWERDT. Wichtigste . Themen des Landesparteitages waren die Wahlen 1994 und die Wahl des neuen Landesvorstandes der DLVH in Sachsen-Anhalt. Dabei wurde der bisherige Landesvorsitzende Andreas MERKEL in seinem Amt best\u00e4tigt. Der Landesparteitag war begleitet von Protesten durch etwa 40 zum Teil vermummte Personen der autonomen Szene. Es kam zu Ausschreitungen, in deren Folge die Polizei eingreifen mu\u00dfte. -.,Des weiteren fanden im Berichtszeitraum Mitgliederversammlungen, Landesvorstandssitzungen und Kameradschaftsabende statt. Die Aktivit\u00e4ten konzentrierten sich im wesentlichen auf die Stadt HaUe, weil rund die H\u00e4lfte der Mitglieder im Raum HaUe wohnt. ,_-t An den Landtagsund Kommunalwahlen des Jahres 1994 nahm die ,. DLVH nicht teil. Die fiir die Teilnahme erforderliche Anzahl Unterst\u00fctzerunterschriften konnte nicht erbracht werden~ Auch rechnete der Landesvorstand mit geringen Erfolgsaussichten bei den Wahlen und empfahl statt dessen seinen Mitgliedern, die Partei \"Die Republikaner\" zu w\u00e4hlen, um einer weiteren Zersplitterung des \"rechten Lagers\" vorzubeugen.","105 4.5 * Wiking-Jugend (WJ) Der Bundesminister des Innern hat am 10. November 1994 die \"Wiking-Jugend\" (WJ) bundesweit mit sofortiger Wirkung verboten und erkl\u00e4rt: \"Die wehrhafte Demokratie wird nicht hinnehmen, da\u00df Neonationalsozialisten durch ihre Propaganda und sonstige politische T\u00e4tigkeit die freiheitliche demokratische Grundordnung unter- . graben. \" Weiter f\u00fchrte er dazu aus, da\u00df derartige Vereinigungen, die Rassismus und Antisemitismus verbreiten und junge Menschen zu Gewaltbereitschaft, Intoleranz und Ha\u00df auf die Demokratie erz\u00f6gen, aus dem \u00f6ffentlichen Leben ausgeschaltet werden m\u00fc\u00dften. Die 1952 gegr\u00fcndete \"Wiking-Jugend\" war eine nach dem elit\u00e4ren F\u00fchrerprinzip ausgerichtete Jugendorganisation mit zuletzt bundes- . weit rund 400 Mitgliedern. An der Spitze der in \"Gaue\" und \"Horste\" gegliederten Organisation standen der \"Bundesf\u00fchrer\" Wolfram NAHRATHund die \"Bundesm\u00e4delfiihrerin\" Susann GESTRICH. Un\u00fcbersehbar in der Tradition der ehemaligen \"Hitlerjugend\" stehend war die Vereinigung von einer v\u00f6lkisch-nationalistischen \"NordlandIdeologie\" getragen und lie\u00df in Programm, Vorstellungswelt und Gesamtstil eine Wesensverwandtschaft mit der fr\u00fcheren NSDAP erken... nen. Die WJ trat stets als entschiedener Gegner der parlamentarischen Demokratie auf und diffamierte die Bundesrepublik Deutschland als ,_\"Verbrecherund Lumpenstaat\". Das erkl\u00e4rte Ziel der Wiking-Ju*gend war die erneute Errichtung eines nationalsozialistischen Staates in Deutschland. Unmittelbar nach Zustellung der Verbotsverf\u00fcgung wurden in insgesamt zehn L\u00e4ndern zeitgleich zahlreiche Wohnungen, B\u00fcros und La- . ger der WJ durchsucht und dabei Uniformen, Zelte, Fahnen und Propagandamaterial sowie das Vereinsverm\u00f6gen beschlagnahmt. Von den Exekutivma\u00dfnahmen war Sachsen-Anhalt nicht betroffen. In Sachsen-Anhalt verf\u00fcgte die Wiking-Jugend nur \u00fcber wenige Mitglieder, die an deren Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb Sachsen-Anhalts teilgenommen haben. Bekannt geworden ist die Teilnahme am Pfingsttreffen der WJ im Mai 1994 in Hetendorf/Niedersachsen sowie am Winterlager der WJ im Dezember 1994 in Mutzschen/Sachsen.","-'. .,","107 111. Linksextremismus 1. Allgemeines :Als linksextremistisch werden Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten verstanden, die auf die Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grund*ordnung gerichtet sind, um an ihre Stelle ein totalit\u00e4res, sozialistischkommunistisches oder anarchistisches System zu setzen. \" Der Linksextremismus wird im wesentlichen durch zwei Geistesstr\u00f6\"mungen repr\u00e4sentiert, den Marxismus-Leninismus und den Anarchismus. Die Propagierung der sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats sowie ihre Umsetzung in die Praxis als Kernelemente der *marxistisch-leninistischen Weltanschauung versto\u00dfen gegen elementare Grunds\u00e4tze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, vor allem gegen das vom Grundgesetz garantierte Mehrparteienprinzip, die Prinzipien der Gewaltenteilung, der Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, der Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte sowie gegen den Gleichheitsgrundsatz . .Der Grundgedanke des Anarchismus ist die freie, herrschaftslose Gesellschaft, die jede Art von Autorit\u00e4t (Staat, Kirche) ablehnt. Folglich lehnen die Anarchisten auch den demokratischen Staat Bundesrepublik Deutschland ab. Im Bereich des Linksextremismus sind seit mehr als 20 Jahren terro- ~ ristische Aktivit\u00e4ten zu verzeichnen. Unter Terrorismus wird der sy- . stematische, aus dem Verborgenen gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr politische Ziele mittels Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum anderer Menschen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie inSS 129a StGB genannt sind, verstanden. Er zielt darauf ab, eine gesellschaftliche . oder politische Ver\u00e4nderung herbeizuf\u00fchren.","108 2. Autonome 2.1 Ideologisch-politischer Standort Die sogenannten Autonomen entstanden in der Bundesrepublik Deutschland Anfang der 80er Jahre. Sie lehnten insbesondere die stark ausgepr\u00e4gte Hierarchie in den marxistisch-leninistisch ausgerichteten Gruppierungen jener Zeit ab. Die Autonomen begreifen ihr , Zusammenwirken weniger als Organisations-, sondern eher als Le*~ bensform. Sie wollen im Sinne des Wortes \"autonom\" selbstbestimmt leben und f\u00fcr sich und die Gruppen, zu denen sie sich zusammenschlie\u00dfen, einen \"Freiraum\" erk\u00e4mpfen. Bevorzugte \"Lebensform\" ist das Wohnen im besetzten Haus (entweder mit oder ohne Zustimmung des Eigent\u00fcmers), das, wenn n\u00f6tig, auch durch Anwendung von Ge*:, walt gegen Eingriffe des Staates (d. h. die R\u00e4umung zwecks R\u00fcckga,.be an den Eigent\u00fcmer) verteidigt wird . *.,. ; Autonome \"Ideologie\" folgt am ehesten verschwommenen anarchistischen Vorstellungen, die durch einen stark ausgepr\u00e4gten Ha\u00df auf die b\u00fcrgerliche Gesellschaft, ihre Normen und Lebensformen Ausdruck . findet. Die Autonomen selbst definieren sich als antikapitalistisch, antiimperialistisch, antipatriarchalisch und antirassistisch. Diese Eigen- . schaften sprechen sie dem Staat Bundesrepublik Deutschland ab und . erachten es deshalb f\u00fcr gerechtfertigt und notwendig, ihn zu bek\u00e4mpfen. Diese Ablehnung jeglicher staatlichen Ordnung bedeutet auch eine Ablehnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland insgesamt. Sie ist f\u00fcr die autonome Szene . typisch. ,. Einigkeit unter den Autonomen besteht eher in der Ablehnung des .. Vorhandenen als in der Formulierung eigener Ans\u00e4tze. \"Einig sind wir uns dar\u00fcber, da\u00df wir den Staat nur zerst\u00f6ren und uns ihm gegen\u00fcber nicht konstruktiv formulieren wollen. u","109 *Vergangenheit und Gegenwart haben gezeigt, da\u00df die Autonomen in der Bundesrepublik Deutschland gewaltbejahend, in der Regel sogar militant eingestellt sind. 2.2 Aktionsformen militanter Autonomer Militante Autonome begn\u00fcgen sich nicht mit legalen Aktionen wie dem Verteilen von Flugbl\u00e4ttern und der blo\u00dfen Teilnahme an angemeldeten Demonstrationen. Sie propagieren in ihren Schriften vielmehr die Anwendung von Gewalt und werden bei Auseinandersetzungen auf der Stra\u00dfe auch oftmals gewaltt\u00e4tig. Dabei legen sie weniger Wert auf die Artikulierung und Verbreitung politischer Ziele, als vielmehr auf die gewaltsame Konfrontation mit dem Staat. Willkommenen Anla\u00df bieten Demonstrationen, die die Autonomen entweder *selber durchf\u00fchren oder an denen sie teilnehmen. Sie versuchen, aus dem Demonstrationszug heraus Stra\u00dfenkrawalle mit der Polizei zu provozieren und dabei friedliche Demonstrationsteilnehmer miteinzu- . beziehen. Es werden aber auch Demonstrationen der politischen Gegner - insbesondere von Rechtsextremisten - gewaltsam angegriffen. Diese Aktionsform* wird insbesondere deshalb gern gew\u00e4hlt, weil sie sich gegen den politischen Gegner und die Polizei gleicherma\u00dfen richtet. W\u00e4hrend gegen die Demonstranten gewaltsam vorgegangen * wird, veranlassen die Autonomen die Polizei, den Demontrationszug *~zu sch\u00fctzen, wozu diese gesetzlich verpflichet ist, um die Polizei dann ~als \"Besch\u00fctzer der Faschisten\" 18 zu diffamieren. Neben der Gewalt im Zusammenhang mit Demonstrationen, die sich zumeist erst spontan entwickelt, gehen Autonome auch gezielt gegen *Sachen und Personen vor. Diese Aktionsform wird gew\u00e4hlt, um besonders ausgesuchte Gegner einzusch\u00fcchtern. So werden Autos \"abgefackelt\", Fensterscheiben eingeschlagen, Sprengs\u00e4tze gez\u00fcndet und Anschl\u00e4ge auf Leben und Gesundheit ver\u00fcbt, um die Zielperson f\u00fcr *,ihre angeblich gesellschaftssch\u00e4digende T\u00e4tigkeit zu \"bestrafen\". Solche Bestrafungsaktionen waren urspr\u00fcnglich \"nur\" auf die Verletzung des K\u00f6rpers gerichtet. Jedoch f\u00fchrte im Jahre 1991 eine solche *Bestrafungsaktion zum Tode der Zielperson: Am 12. Juni 1991 wurde 18 Faschismus ist historisch die von Benito MUSSOLINI in Italien in den 20iger Jahren begr\u00fcndete politische Bewegung. Sp\u00e4ter wird der Begriff undifferenziert f\u00fcr alle extremistischen nationalistischen Bestrebungen benutzt, die antiliberale und antimarxistische Z\u00fcge aufweisen.","110 der Referatsleiter des Berliner Senators fiir Bauund Wohnungswesen, Hanno KLEIN, durch eine Briefbombe get\u00f6tet. Nach dieser Aktion setzte unter den Autonomengruppen eine anhaltende Diskussion dar\u00fcber ein, ob auch der politische Mord ein geeignetes Mittel im Kampf gegen das \"System~~ darstellt. Seitdem ist strittig, ob der Anschlag auf das Leben des politischen Gegners als eine zul\u00e4ssige Aktionsform anzusehen ist. F\u00fcr Teile der autonomen Szene mu\u00df jede Aktion \"begr\u00fcndbar ~~ sein und positive Breitenwirkung erzielen k\u00f6nnen, d. h. die Gesellschaft mu\u00df von dem Nutzen solcher Bestrafungsaktionen \u00fcberzeugt sein. Hierzu soll vor einer Aktion * gepr\u00fcft werden, ob durch die Gesamtheit der Aktionen die \"Massenmilitanz ~~ erreicht werden kann, die fiir einen revolution\u00e4ren Sturz des \"Systems~~ notwendig w\u00e4re. Nachdem jedoch eine \"Grundentscheidung\" \u00fcber den verwerflichen Charakter des politischen Mordes im autonomen Lager nicht getroffen wurde, mu\u00df auch weiterhin mit At_***tentaten autonomer Gruppierungen gerechnet werden. 2.3 Gegenw\u00e4rtige Situation innerhalb der autonomen Szene Die gegenw\u00e4rtige Situation der autonomen Szene ist im Vergleich zum Jahr 1993 deutlich weniger von Gewalttaten gepr\u00e4gti9. Derzeit . befinden sich die Autonomen in einer Phase der geistigen und politi'::. sehen Orientierung. In zahlreichen Schriften und Diskussionen wird . . -dar\u00fcber nachgedacht, wie autonome Politik genau aussehen soll. Um eine \"Einigung\" in dieser Frage auf m\u00f6glichst breiter Basis zu erreichen, soll im Jahr 1995 ein bundesweiter \"Autonomen-Kongre\u00df\" unter dem Motto ,,Autonome auf dem Weg ins 21. Jahrhundert\" in Ber- . lin abgehalten werden, der gegenw\u00e4rtig auf \"Vorbereitungstreffen\" ..., organisiert wird. Ein solches Treffen fand im Mai 1994 unter Mitwir- - kung der autonomen Szene Sachsen-Anhalts in Halle statt. Obwohl auch auf dem geplanten \"Autonomen-Kongre\u00df~~ weiterhin die Vernetzung der einzelnen Gruppen im Vordergrund der Dis~s , sion stehen wird, gibt es grunds\u00e4tzlich zwei verschiedene Denkans\u00e4t-ze: Die Mehrheit der \" West-Autonomen\" vertritt die Auffassung, da\u00df innerhalb der autonomen Szene eine gemeinsame, verbindliche Struk19 siebe auch unter Nummer 2.6.","111 tur mit dem Ziel der Ballung der Kr\u00e4fte herbeigefUhrt werden kann. Dementgegen steht der Wunsch der meisten \"Ost-Autonomen\" nach mehr Eigenst\u00e4ndigkeit und das Recht auf Entwicklung einer eigenen \"autonomen Kultur\", woraus auch der Wunsch nach einer \"Ost-Verne tzung\" resultiert. \"Diese Unterschiede sollten herausgearbeitet werden und begr\u00fcndet werden, um sich selbst, aber auch die Westlerinnen einer begr\u00fcndeten Kritik unterziehen zu k\u00f6nnen, um gemeinsame Handlungswege zu finden, aber auch Akzeptanz zu erreichen, da\u00df nicht alles und \u00fcberall so wie im Westen gewohnt abl\u00e4uft. \"2o > Aufgrund dieser unterschiedlichen Betrachtungsweisen von Ostund West-Autonomen wird derzeit dar\u00fcber nachgedacht, getrennte Vorbereitungen zum \"Autonomen-Kongre\u00df\" durchzuf\u00fchren. Neuester Vorschlag im Rahmen der Bem\u00fchungen zu einer \"OstVernetzung\" ist das sogenannte \"K.O.M.P.L.O.T.T'': Ein \"Konstruktives Offenes Munteres Politisches Links-radikales Ost-Thematisches Treffen\", das ein \"solidarisches Mitund Nebeneinander\" der verschiedenen Gruppen erreichen soll. Insofern zeigt sich, wie gegens\u00e4tzlich die Interessen der Autonomen in bezug auf Selbstbestimmtheit und Eigenheit auf der einen Seite und das Streben nach effektiver Arbeit durch Organisierung auf der anderen Seite sind. Diese Gratwanderung pr\u00e4gt die gegenw\u00e4rtige Organisationsdebatte unter den Autonomen und ist Kennzeichen fiir die Instabilit\u00e4t autonomer Organisierung schlechthin. Bemerkenswert ist die Tatsache, da\u00df die geschilderten Differenzen nur dann zutage treten, wenn die Organisierung abstrakt diskutiert wird. In bezug auf konkrete Aktionen funktioniert die Abstimmung zwischen den verschiedenen Autonomengruppen (auch zwischen \"Ost\" und \"West\") sehr wohl. , J\u00fcngstes Beispiel dafiir war die linksextremistische Kampagne ,,Aktion '94\", in deren Rahmen auch die unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung von Autonomen aus Magdeburg organisierte Demonstration am 13. August 1994 in Wernigerode stattfand. Dort versammelten sich etwa 2o ,.Interim\" Nummer 293 vom 30. Juni 1994, Seite 11.","112 300 Personen zum ,,Antifa-Aktionstag Ostharz\". Die \u00fcberregionale Bedeutung dieser Aktion wird durch die Teilnahme eines Vertreters der franz\u00f6sischen Antifa-Gruppe \"S.C.A.L.P.\" deutlich, der eine Gru\u00dfbotschaft verlas. Zu den Intentionen der ,,Aktion '94\" f\u00fchrte die ,,Antifaschistische Koordination Rhein/Main\" aus: \" Wir streben nicht nur eine Vernetzung unter den einzelnen Antifa-Gruppen an, sondern eine allgemein bessere Zusammenarbeit zwischen linksradikalen Grup- \" pen. Denn die Bek\u00e4mpfung von Faschismus kann nicht isoliert werden vom Kampf gegen andere Unterdr\u00fckkungsmechanismen, vom Kampf gegen das Patriarchat, gegen Kapitalismus und Rassismus. Denn Kampf gegen Faschismus ist Kampff\u00fcr eine freie Gesellschaft ohne die angef\u00fchrten Herrschaftsverh\u00e4ltnisse.\" * 2.4 Strukturen in Sachsen-Anhalt ..; Autonome Strukturen sind in den meisten gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung und St\u00e4rke vorhanden. Indikator f\u00fcr die Bedeutung der autonomen Szene einer Stadt ist de- . ren Einbindung in \u00fcberregionale, d. h. in der Regel l\u00e4nder\u00fcbergrei-* fende Zusammenh\u00e4nge. Insofern sind die wichtigsten Zentren der in Sachsen-Anhalt etwa 350 Personen z\u00e4hlenden autonomen Szene in Halle und Magdeburg zu finden. So wird zum Beispiel das autonome Zentrum ,,Kellnerstra\u00dfe I Oa\"21 in Halle in den international bekannten . Szenepublikationen \"Clash\" und \"radikal\" in einer Liste der wichtigf. sten Autonomenzentren gef\u00fchrt. Die Hallenser Autonomenszene hat sich inzwischen weiter konsolidiert. In Halle erscheint nach wie vor die f\u00fcr Sachsen-Anhalt wichtigste Szenepublikation \"Subbotnik in L.A.\". In ihr werden neben politischen Nachrichten und Analysen auch die f\u00fcr die linksextremistische Szene von Halle und Umgebung relevanten Termine, wie Bekanntma21 Seit 1. Oktober 1994 besteht f\u00fcr das Geb\u00e4ude kein Mietvertrag mehr. Da ein neues Objekt bisher nicht zur VerfUgung steht. wird die weitere Nutzungjedoch geduldet.","113 chungen zu Veranstaltungen oder Demonstrationsaufrufe, ver\u00f6ffent*licht. Eine weitere Szenepublikation aus Halle erschien im Berichtszeitraum erstmalig. Die ,,Zweite Zeitung der Besetzten Zone\"22 ist Nachfolger- . in der Publikation \"Besetzte Zone\" und soll als \u00fcberregionales \"Ostinfo\" fungieren. Geplant sind sechs Ausgaben j\u00e4hrlich. Demgegen\u00fcber hat sich die autonome Szene Magdeburgs erst mit Gr\u00fcndung der ,,Antifaschistischen Gruppe Bandiera Rossa23\", die sich ;* auch nur \"Bandiera Rossa\" nennt, im Januar 1994 fester formiert und * auf nationaler Ebene etabliert. \"Bandiera Rossa\" und weitere Gruppen wie ,,Autonomer Antifaschistischer Zusammenschlu\u00df\" (AAZ), ,,Antifa-Jugendfront Nord\" (AJF), \"Edelwei\u00dfpiratlnnen\" (epis) und \"Unabh\u00e4ngige Infogruppe\" nutzen gemeinsam das von ihnen gegr\u00fcndete \"Jugendzentrum\" in der Uhlandstra\u00dfe 8 (\"U8\"), von dem in der Vergangenheit bereits mehrmals gemeinsame Aktivit\u00e4ten ausgingen. Somit ist die Magdeburger Szene, zumindest was ihre wichtigste Gruppe \"Bandiera Rossa\" und deren Organisationsgrad betriffi, mit der Hallenser Autonomenszene vergleichbar. Mit Halle und Magdeburg existieren in Sachsen-Anhalt zwei gut funktionierende und in \u00fcberregionale Strukturen eingebundene Zentren, was auch verst\u00e4rkende und kumulierende Wirkung in denjenigen Regionen SachsenAnhalts hat, in denen bisher schon kleinere Autonomengruppen vorhanden waren. Diese Wirkung ist in den letzten Monaten besonders anband der Bildung von Strukturen im Ostharz deutlich geworden. Dort haben sich Autonome aus den Bereichen Halberstadt und Quedlinburg zu einer ,,Antifa-Ha/Qu\" zusammengeschlossen. 22 siehe Abbildungen auf Seite 114. 23 italienisch f\u00fcr ,,Rote Fahne\".","Yun . Ve Szencepublikation\"Zwene Zeitung der Besetzten Zune\"(BZ) aus Halle EZ Zn we yr Zweite Zeit | SIEWENN K\u00d6NNEN SIESICH EINIGESWERDEN. POLIZIST/AN ERSPAREN, ung der Besetzten Zone Erste Ausgabe: JellAagesl \"U Kost Behiaftuneh Zum Beispiel, ewig im Schattenandererzu stehen, Bei uns k\u00f6nnen Sie selbst eine f\u00fchrende Rollo aebe A} N | Ten N POLIZEI TH\u00dcRINGEN Were Sin sich fiir den Pofirelberuf Interessieren, so nen Sie einfach an. Telefon: 0961 / 6620 Fo Informationen much bei jeder Pohsckionststefle In Thirinmen Titelblatt der ersten Ausgabe Diffamicrung von Staatsorganen \"in linksextremistischen Publikationen am Beispicl der \"BZ\"","115 Am Beispiel der ,,Antifa-Ha/Qu\" und anderer Gruppen aus dem Ostharz kann auch eine in der letzten Zeit immer h\u00e4ufiger zu beobachtende anla\u00dfbezogene Bildung von Zweckgemeinschaften deutlich ge- : macht werden. Hierbei werden zugunsten eines gemeinsamen Ziels *unter bewu\u00dfter Au\u00dferachtlassung ideologischer Differenzen B\u00fcndnisse mit anderen extremistischen Organisationen und dar\u00fcber hinaus mit demokratischen Organisationen eingegangen. Die Verbindung zu letzteren wird in der Regel ausgenutzt, um zum einen in der \u00d6ffentlichkeit einen seri\u00f6seren Eindruck zu erwecken, zum anderen wird die bei Beteiligung von demokratischen Organisationen gebotene Zur\u00fcckhaltung des Staates ins Kalk\u00fcl gezogen, um auf diese Weise etwaige extremistische Motivationen verschleiern zu k\u00f6nnen. J\u00fcngstes Beispiel f\u00fcr die Zusammenarbeit von Autonomen und anderen extremistischen Gruppen mit demokratischen Organisationen *ist das \"B\u00fcndnis gegen faschistische Strukturen im Ostharz\", das sich gegen die Etablierung und Festigung der dortigen Neonaziszene und ihren Anf\u00fchrer Steffen HUPKA richtet. Das \"B\u00fcndnis\" besteht neben mehreren Antifa-Gruppen aus den extremistischen Organisationen \"Internationale Jugend\" und \"Bund der Antifaschisten\" (BdA) sowie aus demokratischen Parteien und Organisationen. 2.5 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt * Die wichtigsten Aktivit\u00e4ten gingen im Berichtszeitraum von den neugegr\u00fcndeten Magdeburger Gruppen aus. Eine der bedeutendsten Veranstaltungen war die zuvor erw\u00e4hnte Demonstration am 13. August 1994 in Wernigerode. Im Vorfeld dieser ***Aktion organisierte \"Bandiera Rossa\" zwei Informationsund Werbeveranstaltungen sowie den Bustransfer. Es nahmen allein 35 Autonome aus Magdeburg teil, weitere Autonome kamen aus Halle und G\u00f6ttingen. Zusammen mit anderen Gruppen aus dem Treffzentrum \"U8\" veranstaltete \"Bandiera Rossa\" in der Zeit vom 1. bis 9. Mai 1994 zur \" Vermittlung linker Werte\" und als \"Massenwirksame Aktion gegen Nazis\" sogenannte \"Tage des Widerstands\" in Magdeburg. Hierbei","116 kam es neben Fest-, Diskussionsund Filmveranstaltungen auch zu demonstrativen Aktionen in der Innenstadt Magdeburgs. Als Reaktion auf den \u00dcbergriff von Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder vom 12. Mai 1994 (\"Herrentag\") organisierten Kr\u00e4fte des linksextremistischen Spektrums, ma\u00dfgeblich unter Beteiligung von \"Bandiera Rossa\", am 14. und 16. Mai 1994 gewaltfrei verlaufende Demonstrationen. Es konnte festgestellt werden, da\u00df f\u00fcr die vorgenannten Demonstrationen . auch Autonome aus Berlin sowie Mitglieder und Sympathisanten extremistischer Parteien und Gruppierungen, zum Beispiel der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD), der \"T\u00fcrkischen Kommu- . nistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und der \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK)24 , einer Teilorganisation der verbotenen ,,Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) mobilisiert werden konnten. Am 29. September und 29. Oktober 1994 wurden in Magdeburg Demonstrationen unter Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der linken Szene * gegen die Unterdr\u00fcckung der Kurden in der T\u00fcrkei durchgef\u00fchrt. Au\u00dferdem wurde am 9. November 1994 aus Anla\u00df des 76. Jahrestages der Novemberrevolution und des 56. Jahrestages der Reichspogromnacht von \"Bandiera Rossa\" eine Demonstration unter dem Motto \"9. November - Die Geschichte begreifen - Widerstand organisieren\" durchgef\u00fchrt. * *Eine von \"Bandiera Rossa\" und ,,Antifa-Jugendfront\" organisierte und unter Beteiligung von etwa 200 Personen durchgef\u00fchrte Demonstration2s am 17. Dezember 1994 richtete sich gegen einen Auftritt 24 Bei Verbot einer Organisation sind s\u00e4mtliche Teilund Nebenorganisationen ebenfalls verboten. 2S Abbildungen der Plakatierungen zu den Demonstrationen siehe Seite 117.","117 - Poliz.ei * * mus .aus dem DGB_! -*-*-.. -~ -----. ***- I -SmRTAKI J I I Fahne der ERNK, einer Spartakist-Arbeiterpartei ... Teilorganisation der PKK Deutschlands (SpAD)","118 der rechtsextremen Band \"Elbsturm\" im \u00f6ffentlich gef(}rderten Jugendklub \"Brunnenhof'. In diesem Zusammenhang d\u00fcrfte auch ein mit ,,Autonome antifaschistische Gruppen\" unterzeichneter und an die Evangelische Hoffnungsgemeinde Magdeburg gerichteter Drohbrief zu sehen sein. Der Gemeinde, die den Jugendklub angeblich finanziell unterst\u00fctzt, wird angedroht, da\u00df \"Sodom und Gomorrha \u00fcber das Anwesen~~ komme. Au\u00dferdem hei\u00dft es w\u00f6rtlich: \" Wer Gewalt s\u00e4t, wird durch Gewalt umkommen. \" Am 14. September 1994 veranstaltete \"Bandiera Rossa\" eine Demonstration unter dem Motto \"Gegen die Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstandes\" und beteiligte sich damit an den bundesweit laufenden Aktionen aus Anla\u00df der Er\u00f6ffnung eines Mordprozesses gegen ausl\u00e4ndische ,,Antifas\" vor einem Berliner Gericht (sogenannter \"Mordfall Kaindl\"26). Als flankierende Ma\u00dfnahmen erfolgten zu allen Veranstaltungen umfangreiche Plakatierungen und der Aushang von Transparenten. Zur Koordination und Planung solcher Aktionen dient u.a. das von \"Bandiera Rossa\" im September 1994 ins Leben gerufene \"Offene Antifaschistische Plenum\". Dort will man nach eigenen Aussagen \"Informationen austauschen, Aktionen vorbereiten, Transparente malen, gemeinsam feiern, Plakate kleben (und) zu Demos fahren.\" Des weiteren ist zu erw\u00e4hnen, da\u00df Autonome aus Sachsen-Anhalt nach wie vor in die \"Wunsiedel-Aktionen\" eingebunden sind. Zweck ist die Verhinderung von rechtsextremistischen Aufin\u00e4rschen zum Todesta~7 des Rudolf HESS, der 1987 in Wunsiedel (Bayern) beigesetzt : wurde. Autonome aus Halle stellten eine der \"lnformationszentralen\" zur Steuerung dieser Aktionen. In diesem Zusammenhang kam es in Sachsen-Anhalt, wie schon im Vorjahr, zu anonymen Drohschreiben an Busuntemehmen, um die Bef(}rderung von Rechtsextremisten zu deren zentralen Aktionen zu verhindern. Abschlie\u00dfend ist zu erw\u00e4hnen, da\u00df Autonome sich erstmalig an Wahlen beteiligten. Auf einer bundesweiten Liste \"Die Unregierbaren - Autonome Liste\" kandidier26 Gerhard KAINDL, Funktion\u00e4r der rechtsex1remistischen ,.Deutschen Liga fiir Volk und Heimat\", wurde am 4. April1992 in Berlin bei einem \u00dcberfalllinksextremistischer Gewaltt\u00e4ter erstochen. 27 17. August 1987.","WIEN T: \"SOFORTIGEFREILASSUNGALLER INHAFTIERTEN ANTIFASCHISTINNEN Die faschistischen Strukturen aufdecken und angreifen! ..:IMFALL KAINDLI DemonstrationzurVertinderungdes \"Eibeturm\"Konzertesim Brunnentof a (c) DIE FASCHISTISCHEN ing STRUK TUREN AuFDECKENBANGREIEN ... \" \" Sonnabend, 17.12..'94 In Berlin der Parefl rl - TRUTH ran DaehrenEnDER 92 D e 15. 00 Uhr \", September' ermeediet Dinsee Prorefl rl der geftiin Schenn . SergreenArttenchneheunnachdan?Waltrug 9 ZentralerPlatz % 17.00 Uhr u UnaareDearam Mir LammahSud Zentraler Platz ' 2. . mu.delldindmtsche rate wirleralrvnelmi dam Faachen Hart in Harl erorliet, un une gu Iririnatinie KEESIEIRSNE \" ton und Leufe von une, win I dinanm Fall ale bei 4m, SCHLUS MT DER KAIMINALISIERUNG UND Hetrkampengn,m uraneeround har ZanI VERFOLGUNG VON ANTIFASCHISTINNENI Sollparty Inder UB KnastverschwindenIasannkart mit Volxk\u00fcche NEEIMDE:NCHTHRDEARSIEFRLRCHVORANTTITASCHESTIER und Mucke Fran, POWERDURCHDIEMAUER-BISSIE. BRICHT! x ANTIFA-AKTIONSB\u00dcNDNIS Kundgebungam 19.09.1994 Demonstration am 17.12.1994 in Magdeburg in Magdeburg SELL","120 ten sechs Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Wuppertal/Solingen f\u00fcr die Wahl zum Buropaparlament am 12. Juni 1994. Diese Liste erzielte in Sachsen-Anhalt bemerkenswerte Ergebnisse. Sie erreichten in Salzwedel und Gardelegen 0,3 % und in Dessau/Stadt, Halberstadt, Haldensieben und Burg 0,2 % der abgegebenen Stimmen. Die Liste \"Die Urnegierbaren -Autonome Liste\" hatte vor der Wahl offen erkl\u00e4rt, den Parlamentarismus abzulehnen und die Konstituierung als Partei lediglich als \"Mittel\" zum Zweck betrieben zu haben. Es gehe darum, die M\u00f6glichkeiten des Wahlkampfes fiir autonome/antifaschistische Agitation zu nutzen und den Herrschenden \"legal auf der Nase rumzutanzen~~. ** * * 2.6 Ubers1cht In Zahlen Im Berichtszeitraum wurden in Sachsen-Anhalt 32 (13)28 Demonstrationen von Linksextremisten (in der Regel Autonomen) durchgefiihrt, an denen zusammengenommen \u00fcber 6.000 (2.000) Personen teilnahmen. Bei vier Demonstrationen kam es zu Ausschreitungen. Insgesamt wurden im Berichtszeitraum durch Linksextremisten in Sachsen-Anhalt 8229 (128) Straftaten ver\u00fcbt, davon 21 (89)30 unter erheblicher Gewaltanwendung. In 10 (34) F\u00e4llen kam es zu K\u00f6rperverletzungen. 27 (64) Straftaten richteten sich gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten, davon allein 9 (31) K\u00f6rperverletzungen. 28 Die Angaben in Klammem beziehen sich auf 1993. 29 Die Angaben \u00fcber Straftaten stammen vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (Stand Anfang M\u00e4rz 1995). Die Zahlen fiir 1994 k\u00f6nnen sich durch Nachmeldungen noch geringf\u00fcgig \u00e4ndern. 30 Der auffiUlige R\u00fcckgang der Gewalttaten gegen\u00fcber 1993 ist auch aufBundesebene zu verzeichnen.","Linksextremistisch motivierte Gewalttaten 11 R1993 01994 11 14 12 10 * I 4 2 0 Januw Febru* Mirz April M.. Juni Juli August September Oktober November Dezember ~ f\\) Vergleich 1993/94 ~","122 3. Parteien, Organisationen und sonstige Gruppierungen Die von Karl LIEBKNECHT und Rosa LUXEMBURG 1918 gegr\u00fcndete Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) erstrebte die \"Diktatur des Proletariats\" durch eine \"proletarische Revolution\". Nach der Machtergreifung des Nationalsozialismus verboten und aufgel\u00f6st, . wurde sie nach 1945 wieder aktiv. In der damaligen sowjetischen Besatzungszone verschmolz die KPD 1946 mit der SPD durch Zwangs.~. vereinigung zur SED. ' In der Bundesrepublik Deutschland wurde die KPD 1956 filr verfas- - sungswidrig erkl\u00e4rt und aufgel\u00f6st. Beginnend mit dem Jahr 1968 bildeten sich eine Vielzahl kommunistischer Gruppierungen. Zu ihnen geh\u00f6rt auch die einstmals 30.000 Mitglieder z\u00e4hlende Deutsche Kommunistische Partei (DKP), in die viele ehemalige KPD-Mitglieder gingen, und die Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten (KPDIML). * Die DKP orientierte sich am Marxismus-Leninismus, wie ihn die KPdSU und die SED lehrten und praktizierten. Die KPDIML lie\u00df sich in ihrer gesamten T\u00e4tigkeit von der Theorie von MARX, ENGELS, LENIN, STALIN und MAO TSE-TUNG leiten. 1986 schlo\u00df sich die KPDIML mit der trotzkistischen \"Gruppe Inter- . nationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP) zusammen. Diese Fusion wurde von zahlreichen KPDIML Mit- , gliedern aus ideologischen Gr\u00fcnden nicht akzeptiert. Es entstanden . KPD-Gruppen um Diethard M\u00d6LLER, Wolfgang EGGERS und Michael KOTH, die f\u00fcr sich jeweils in Anspruch nahmen, die \"rechtm\u00e4\u00dfige\" KPD zu sein. Auch die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands {MLPD), die '!. 1982 aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) .** hervorging, entstammt dieser Tradition. Noch w\u00e4hrend des Bestehens der DDR gr\u00fcndete sich im Januar 1990 in Berlin (Ost) aus Mitgliedern der SED eine weitere Splittergruppe, die sich auch KPD nannte (KPD-Ost). Sie sieht sich als direkte Nachfolgerin der 1918 entstandenen Partei Karl LIEBKNECHTs und Rosa ., LUXEMBURGs.","123 3. 1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 3.1.1 Ideologisch-politischer Standort Die MLPD bekennt sich zum Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch STALIN und MAO TSE-TUNG. Das Scheitern der KPdSU ist fiir sie eine Folge der Verf\u00e4lschung des Marxismus-Le.* ninismus in der Sowjetunion. Sie versteht sich selbst als \"Vorhutorganisation der Arbeiterklasse\". Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist der ,,revolution\u00e4re Sturz_ der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung einer ,,Diktatur des Proletariats\". 3.1.2 Organisation . Die MLPD wurde 1982 in Bochum gegr\u00fcndet und umfa\u00dft etwa 2.300 ' Mitglieder bundesweit. Seit 1992 betreibt sie einen ,,gesamtnationalen Parteiaufbau \". Dafiir gr\u00fcndete sie Initiativund Ortsgruppen. In diesem Zusammenhang gibt es eine \"Ortsadresse\" in Halle. 3.1.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt ~*'Die MLPD gibt als bundesweites Mitteilungsblatt die Zeitung ,,Rote *Fahne\" heraus, in der auch von Zeit zu Zeit Aktionen angek\u00fcndigt werden, die in Sachsen-Anhalt stattfinden, wie z.B. Schulungen in Bitterfeld und Vortr\u00e4ge in Halle. Die Ereignisse am 12. Mai 1994 *(\"Herrentag\") in Magdeburg nahm das Magazin zum Anla\u00df, einen Ar'*tikel zu ver\u00f6ffentlichen, in dem der sofortige R\u00fccktritt des Ministers -*,des Inneren gefordert wurde, weil er ebenso wie der Polizeipr\u00e4sident den ,,neofaschistischen Terror\" besch\u00f6nigt habe. Zu den Bundestagswahlen pr\u00e4sentierte die Partei eine Landesliste, auf der von f\u00fcnf Kandidaten immerhin vier aus den alten Bundesl\u00e4ndern kamen. Es gelang ihr jedoch als nichtetablierter Partei, dem Landes*wahlleiter die fiir ihre Landesliste erforderlichen 2.000 Unterst\u00fct- . Zerunterschriften vorzulegen. Sie erzielte am 16. Oktober 1994 landesweit 395, bundesweit 10.254 Zweitstimmen. Obwohl die MLPD den Marxismus-Leninismus sehr eng und dogmatisch auslegt, scheint der Aktionismus der wenigen Mitglieder bei an-","124 deren linksextremistischen Organisationen einen gewissen Eindruck nicht verfehlt zu haben. Im November 1994 fand auf Einladung der KPF31 ein \"Roter Runder Tisch\" statt, zu dem sich Vertreter der MLPD wie auch der DKP, KPD und KPF einfanden. 3.2 Kommunistische Partei Deutschlands, Sitz Berlin (KPD-Ost) 3.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die KPD-Ost bekennt sich zu den Prinzipien des Marxismus-Leninismus, den sie als \"lebendige Anleitung zum Handeln\" betrachtet. Ihr Ziel ist die ,,Aufhebung der alten, auf Klassengegens\u00e4tzen beruhen- . den Gesellschaft durch die Revolution des Volkes und die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft\". Sie bezeichnet sich selbst als revolution\u00e4re Partei, die die ,,sozialistische Idee bei den kapitalismuserfahrenen Werkt\u00e4tigen auf demokratische Weise reifen l\u00e4\u00dft, bis diese Idee zur materiellen Gewalt wird, indem sie die Massen ergreift\". Sie will nicht zu dem \"bereits real existent gewesenen Sozialismus zur\u00fcckkehren, wohl aber dessen reichen Erfahrungsfundus in positiver wie in negativer Hinsicht f\u00fcr neue Politikans\u00e4tze nutzen\". Die Wiederherstellung einer einheitlichen kommunistischen Partei stellt das Nahziel ihrer derzeitigen Politik dar. 3.2.2 Organisation Die KPD-Ost gliedert sich in Zellen, Ortsund Landesorganisationen. * * In Sachsen-Anhalt bestehen seit dem Landesparteitag am 28. Mai 1994 drei Gebietsorganisationen. Ihre Mitglieder entstammen vorwiegend der SED. Die ohnehin geringe Mitgliederzahl - etwa 400 bundesweit - hat die Partei bewogen zuzugeben, da\u00df sie keine Aussicht hat, zu einer Massenpartei zu werden. Sie sei deshalb \"im wesentlichen eine Kaderpartei, die entsprechend organisiert und geleitet werden mu\u00df\". Die innerparteiliche Demokratie hat sie in der Weise gestaltet, da\u00df zwar \"alle gew\u00e4hlten Organe der Ebene rechenschafts31 Kommunistische Plattform in der POS, siehe auch Nummer 3.5.","g111g<1ie KP\u00d6;~;*it-~t~i'spi)JI'~\u00d6~1d~-~li'~~~~~ in der SED au[ Den Aufbau des Sozialisflireincei':'~'J~eit\u00dc~he g~;~'i~;~~~~uls~l;~ \"om- 1 Unsere Partei, die Kommunistische Partei munistische Partei ein. Enlsprechend ihrer mus in der DDR verbanden die deutschen Deutschlands (KPD), wurde 1918/19 im Tradition k\u00e4mpft die KPD insbesondcrl! Kommunisten mit dem Ziel einer gerechVerlaufe der deutschen Novemberrevof\u00fcrdie sozialen und politischen Rechte der ten. von Ausbeutung freien Gesellschaft. lution gegrilndet. Zu ihren Mitbegrilndem Arbeitenden und aller vom Kapitalismus Auch wenn es im ersten Anlauf nicht gegeh\u00f6ren Kar ILiebknecht und Rosa LuxemAusgebeuteten und Benachteiligten. Entlang. den Sozialismus zu einer dauerhaften burg. schieden wendet sich die KPD gegen die Altemative gegenOber dem Kapitalismus zu entwickeln, blieben die Kommunisten Verfolgung und Diskriminienmg von DeDie historischen Wurzeln der KPD reichen mokraten in der BRD, nicht zuletzt gegen zur\u00fcck bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. ihrer Idee treu. Oie KPD hat Schlu\u00dffolgenmgen aus der zeitweiligen Niederlage den Rachefeldzuggegen ehemalige DDRdem Bund der Kommunisten und ihre proB\u00fcrger. grammatische Grundlage entspringt dem gezogen und setzt entschlossen den Kampf Kommunistischen Manifest, der Theorie f\u00fcr Sozialismus und Freiheit fort. Die KPD unterh\u00e4lt intensive Beziehungen des Marxismus-Leninismus. Sie vereint in Nachdem sich 1990 die SED-PDS vom zu verb\u00fcndeten Kommunistischen Parteisich die Erfahrungen der deutschen und Marxismus und Sozialismus lossagte und en in aller Welt. Sie tritt ein f\u00fcr ein neues internationalen Arbeiterbewegung und die in Ostdeutschland eine neue SPD gegr\u00fcnintemationales B\u00fcndnis und koordinierdes Aufbaus des ersten Sozialismus. det wurde, wurde folgerichtig im Januar tes Handeln der kommunistischen 1990 die KPD wiedergcgrllndet. Sie ist die Weltbewegung. ln den Klassenk\u00e4mpfen der 20er und 30er Jahrewuchsdie KPDzueinerMassea11>artei legale und legitime Nachfolgerin und Erbin DieKPDgibtalstraditionellesZentralorgan der Arbeiter. deren Interessen die KPD am der KJ>D Liebknechts. Th\u00e4lmanns und die Zeitung **Die Rote Falme.. konsequentesten verfocht. hn antifaschiPiecks: Seit ihrer Wiedergr\u00fcndung setzt weitere Publikationen heraus. stischen Widerstandskampf brachte unsich die KPD nachdlilcklich f\u00fcr ein umfasIhren Sitz hat die KPD in Berlin. sere l1 aa1ei die gr\u00f6\u00dfte:1 Opfer. Nach I sendes \u00dflln<lnis aller linken Kriine sowie Abdruck einer Textkolonne aus \"Die Rote Fahne\" 10-12/94 ~ N (J'I","126 pjlichtig sind, von der sie gew\u00e4hlt wurden\", jedoch soll der \"demokratische Zentralismus\" zur Erh\u00f6hung der politischen Handlungsf\u00e4higkeit als das ,,grunds\u00e4tzliche Meinungsund F\u00fchrungsprinzip\" weiter gefestigt werden. 3.2.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Mitgliederschw\u00e4che und geringes Finanzverm\u00f6gen l\u00e4hmen die Partei- ; arbeit ebenso wie der innerparteiliche Streit zwischen der Parteifilh- ; rung um WAUER, SCHLEESE, LANGER u.a. einerseits und der - \"Hildebrandt-Meinel-Steins-Gruppe\", dem ,,Arbeitskreis zur Wiederherstellung der innerparteilichen Demokratie\", andererseits. Trotzdem ist es ihr im Berichtszeitraum gelungen, \"Die Rote Fahne\" als Zentralorgan zw\u00f6lfmal und die \"Trotz Alledem\" als Zeitschrift filr \"Theorie und Praxis der Parteiarbeit\" viermal herauszugeben. Der \"Vereinigungsparteitag\" am 19. Februar 1994 in Leipzig mit der kommunistischen Splittergruppe KPD (Gruppe KOTH) hatte lediglich die Aufnahme KOTHs in das Zentralkomitee der KPD-Ost und den \u00dcbertritt einiger weiterer Mitglieder zur Folge. Die KPD-Ost wurde in Sachsen-Anhalt in der Weise in der \u00d6ffentlichkeit t\u00e4tig, da\u00df sie zu di.* versen Gedenktagen Kranzniederlegungen durchf\u00fchrte, so z. B. am '. 19. M\u00e4rz 1994 in Leuna-Kr\u00f6llwitz zum Gedenken an die \"M\u00e4rz- , k\u00e4mpfe\" 1921 und zum Tode HONECKERs am 5. Juni 1994 in Halle : auf dem Gertraudenfriedhof. Ebenso f\u00fchrte sie anl\u00e4\u00dflich des 50. To- ~ destages von Ernst TH\u00c4LMANN am 18. August 1994 im Vorfeld des Bundestagswahlkampfes zusammen mit Vertretern der KPF, Angeh\u00f6rigen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und von Jugendweiheorganisationen eine Kranzniederlegung in Kretzschau bei Zeitz durch. Zwei weitere Veranstaltungen in Zeitz, zu denen eine Diskussionsveranstaltung geh\u00f6rte, an der sich zus\u00e4tzlich Vertreter der Jugend gegen Rassismus in Europa. (JRE) beteiligten, folgten. An den Wahlen am 16. Oktober 1994 beteiligte sie sich lediglich mit zwei Direktkandidaten in Berlin und in der Stadt Brandenburg. Am 12. November 1994 fand in Wittgendorfbei Zeitz die Landeskonferenz der Landesorganisation Sachsen-Anhalt zur Vorbereitung des \"18. Parteitages der KPD\" statt.","127 Die KPD-Ost strebt trotz \"un\u00fcberbr\u00fcckbarer Gegens\u00e4tze\" Aktionsb\u00fcndnisse mit PDS und SPD zur Bek\u00e4mpfung von Rassismus und Faschismus an. ; 3.3 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Die DKP orientiert sich nach wie vor am Marxismus-Leninismus, wie ihn die SED praktiziert hat. In Sachsen-Anhalt verf\u00fcgt sie \u00fcber keine eigene Landesorganisation. .:'Sie nutzte jedoch den Bundestagswahlkampf, um mit Info-St\u00e4nden in * Magdeburg, Sta\u00dffurt, Zerbst, Dessau, Wittenberg, Halle und Merseburg auf sich aufmerksam zu machen. Es ist ihr Ziel, im Osten Deutschlands Mitglieder zu gewinnen, um dort Parteistrukturen aufbauen zu k\u00f6nnen. 3.4 Kommunistische Partei Deutschlands (Gruppe M\u00d6LLER) Bei der KPD (Gruppe M\u00d6LLER) handelt es sich um eine kommunistische Gruppierung stalinistischer Pr\u00e4gung, die auf den Lehren von MARX, ENGELS, LENIN, STALIN und MAO TSE-TUNG aufbaut. * Sie verfiigt bundesweit \u00fcber 50 Mitglieder. Ihr Publikationsorgan ist ;~ die Zeitung \"Roter Morgen\", die in dem gleichnamigen Stuttgarter Zeitungsverlag erscheint. Die KPD (Gruppe M\u00d6LLER) unterh\u00e4lt enge Kontakte zur \"KPD/Magdeburg\". 3.4.1 \"KPD/Magdeburg\" Der Stuttgarter Verlag fungiert als Kontaktadresse einer Gruppierung \"KPD/Magdeburg\". Sie trat in Sachsen-Anhalt mehrmals in Erschei- . nung. Unter ihrem Namen wurden Flugbl\u00e4tter und Wurfsendungen verbreitet, die Verleumdungen gegen\u00fcber der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere gegen\u00fcber der Polizei und der Justiz beinhalten. So wird z. B. in einem Flugblatt mit dem Titel \"Wer richtet diese Polizisten ab?\" behauptet, die Polizei werde \"vor allem als Instrument des politischen Terrors gegen alle zur Politik des staatsmo-","128 nopolistischen Kapitalismus in Opposition stehenden Kr\u00e4ften\" wirksam. In einem weiteren in Magdeburg verteilten Flugblatt, das auch in der Zeitung \"Roter Morgen\" im April 1994 ver\u00f6ffentlicht wurde, wird die Wohnungspolitik der Bundesregierung angegriffen. Darin hei\u00dft es u. a., die Wohnungsnot k\u00f6nne nur dann beseitigt werden, wenn die Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung der arbeitenden Klasse durch die herrschende Klasse an sich beseitigt werde. \"Nur durch einen gemeinsa- ; men kollektiven Widerstandskampf k\u00f6nnen einige Verbesserungen * und Linderungen erreicht werden. \" 3.4.2 Internationale Jugend gegen Kapitalismus und Faschismus Die \"Internationale Jugend gegen Kapitalismus und Faschismus\", die sich auch nur \"Internationale Jugend\" nennt, bezeichnet sich selbst als revolution\u00e4re Jugendbewegung, die die bestehende Gesellschaft fllr ,,so vollst\u00e4ndig kaputt\" h\u00e4lt, \"da\u00df sie nicht mehr reformierbar ist\". In Sachsen-Anhalt machte die \"Internationale Jugend\" mit verschiedenen Plakatierungen und Wurfsendungen auf sich aufmerksam. Ei- . nes ihrer in Magdeburg aufgefundenen Plakate listet die \"Opfer\" der , bundesdeutschen Polizei auf, unter denen sich auch Angeh\u00f6rige der ..)inksterroristischen \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) und der ehemaligen * \"Bewegung 2. Juni\" befinden und endet mit dem aus dem terroristischen Umfeld bekannten Aufruf: \"Wandelt Wut und Trauer in Widerstand\". Im Gebiet um Wolfen/Z\u00f6rbig wurde ein Flugblatt aufgefunden, welches den Einsatz der Bundeswehr in Somalia zum The- 1 ma hatte und diese diskreditierte. Hierbei wurde um Mitglieder fllr die \"Internationale Jugend\" geworben. Im Vorfeld der Bundestagswahlen kam es zu Plakatierungen mit dem Ziel, die demokratischen Parteien zu diskreditieren. So wurde z. B. im September 1994 anl\u00e4\u00dftich des Besuches des Bundeskanzlers in Wer- . >nigerode ein Flugblatt verteilt, in welchem die ,,Politikerangef\u00fchrt vom Kanzlerbo\u00df -\" als ,,Dienstleistungskr\u00e4fte, die f\u00fcr die deutschen Gelds\u00e4cke arbeiten,\" bezeichnet wurden. Weiter hei\u00dft es: ,,La\u00dft uns gemeinsam das ganze Pack eines Tages verjagen. Kohl speziell nach","129 _,Chile verfrachten!\" Ebenfalls zum Thema Bundestagswahl wurde in einem Infoblatt zu einer Fahrraddemonstration im Stadtgebiet von Magdeburg aufgerufen, um \"einige Aktionen gegen die Wahlpropaganda (zu) starten\". Ziel der Aktion war, Wahlplakate demokratischer Parteien unleserlich zu machen. Am 8. Oktober 1994 kam es zu diesem Fahrradkorso, an dem etwa 30 Personen teilnahmen. Weitere Aktionen der \"Internationalen Jugend\" richteten sich gegen den Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften , die in ihren Augen als \"faschistisch\" anzusehen sind. So wurden vor einem Kaufhaus in Magdeburg ein Transparent mit der Aufschrift \"Karstadt unterst\u00fctzt Faschisten\" gezeigt und Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Nazipropaganda bei Karstadt\" verteilt. 3.5 Kommunistische Plattform in der PDS (KPF) 3.5.1 Ideologisch-politischer Standort Im Februar 1994 erschien im Monatsblatt der KPF, den \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform in der PDS\", ein Thesenpapier mit dem Titel ,,Zur Progr~matik von Kommunistinnen und Kommunisten in der PDS. Ein Angebot zur Diskussion.\" Es enth\u00e4lt grunds\u00e4tzliche politische \u00c4u\u00dferungen zu den Anschauungen und Zielen der KPF. Diese sieht den revolution\u00e4ren Marxismus, den sie auch als \"Wissenschaftlichen Kommunismus\" bezeichnet, als Leitlinie zur \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen Klassengesellschaft an und erstrebt eine ,,revolution\u00e4re Transformation\" in eine \"neue, klassenlose Gesellschaft'. Eine \"revolution\u00e4re \u00dcberwindung des Kapitalismus\" sei unumg\u00e4nglich. Dazu sei der herrschenden Klasse die Macht zu entrei\u00dfen, und die Eigentumsverh\u00e4ltnisse an Produktionsmitteln seien grundlegend umzugestalten. Der politische \u00dcbergang zur klassenlosen Gesellschaft kann nach Ansicht der KPF vielflUtige Formen annehmen; den Einsatz von Gewalt schlie\u00dft sie dabei nicht aus. Ihr aktuelles Anliegen, den ,,Klassenkampf um demokratische Strukturen\" m\u00f6chte sie nicht mit b\u00fcrgerlicher Demokratie, etwa der repr\u00e4sentativen Demokratie der Bundesrepublik Deutschland, gleichgesetzt","130 sehen: \" Unser Verst\u00e4ndnis von Demokratie f\u00fchrt jedoch weit \u00fcber die b\u00fcrgerlichen Formen der parlamentarischen Demokratie hinaus.\" Die \"b\u00fcrgerliche Demokratie\" bleibe \"in ihrer Dialektik zugleich eine antidemokratische Diktatur des Kapitals\". Der Begriff der demokratischen Mehrheit wird von der KPF auf die ,,Mehrheit der Ausgebeuteten\" reduziert, wobei unklar bleibt, wer ausgebeutet ist. Ein sachsenanhaltisches Mitglied der KPF forderte in einem Artikel die Weiterentwicklung der ,,gegenw\u00e4rtigen parlamentarischen Repr\u00e4sentationsdemokratie\" in eine ,.plebiszit\u00e4re Demokratie der Volksmassen\". Das , Volk m\u00fcsse die Macht handhaben k\u00f6nnen, um die Staatsordnungen ,Igrunds\u00e4tzlich bis zu ihrer Aufl\u00f6sung zu demokratisieren. 3.5.2 Organisation Die KPF stellt einen kleinen, aber aktiven Teil der PDS dar. Sie ist auf allen Ebenen mit Ausnahme des Bundesvorstandes der Partei vertreten. Als oberstes Gremium fungiert der Bundeskoordinierungsrat zusammen mit dem Bundessprecherlnnenrat. Dem entspricht auf der Ebene der Landesorganisation der Landessprecherrat In Zeitz, Halberstadt und Halle verf\u00fcgt die KPF \u00fcber ,feste St\u00fctzpunkte\". In Havelberg, Sangerhausen und Wei\u00dfenfels wurde im Berichtszeitraum noch an festeren Strukturen gearbeitet. In Magdeburg konstituierte sich eine \"Initiativgruppe der KPF im Stadtverband der PDS\". Die bundesweite Mitgliederzahl betr\u00e4gt nach eigenen Angaben etwa 5000; von der KPF wird behauptet, es gebe weitaus mehr Sympathisanten. 3.5.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Neben der Mitarbeit in den Gremien der PDS beschr\u00e4nkten sich die Aktivit\u00e4ten der KPF auf das Eingreifen in die parteiinterne Diskussion durch Artikel in den \"Mitteilungen\" und auf Beitr\u00e4ge filr die Mitgliederzeitschrift der PDS \"Disput\". Auch in den Tageszeitungen \"Neues Deutschland\" und ,junge Welt\" ergriffen KPF-Mitglieder wiederholt* das Wort, um vor der \"Rechtsdrift\" der Gesamtpartei zu warnen.","131 Im Raum Zeitz arbeiteten sie im Vorfeld des Bundestagswahlkampfes mit der KPD-Ost zusammen. 3.6 Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands (SpAD) 3.6.1 Ideologisch-politischer Standort :Die Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands ist eine trotzkistische * Kernorganisation, die auf der Tradition der Lehren TROTZK.Is und seiner 1938 gegr\u00fcndeten \"IV. Internationale\" aufbaut. 3.6.2 Organisation \"Anfang 1990 ging die SpAD aus der \"Trotzkistischen Liga Deutsch-Iands\" (TLD) und den neugegr\u00fcndeten \"Spartakist-Gruppen\" in der * DDR hervor. Von der \"Internationalen Komm\u00fcnistischen Liga (IV. Internationale)\" wird sie als sympathisierende Organisation anerkannt. Sitz der SpAD ist Berlin. Monatlich gibt sie die Zeitung \"Spartakist\" heraus. 3.6.3 Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Die SpAD verfUgt \u00fcber eine Kontaktadresse in Halle. Sie ist in Sachsen-Anhalt durch Schulungsreihen in Halle in Erscheinung getreten. , Behandelt wurden Themen wie: - ,,Stalinismus - Totengr\u00e4ber der Revolution. Der Kampf der Spartakisten gegen die kapitalistische Wiedervereinigung\" - \"Brecht mit der Sozialdemokratie! F\u00fcr eine Arbeiterregierung!\" - \"F\u00fcr die Wiederschmiedung der IV. Internationale!\". Als Reaktion auf die Ereignisse am 12. Mai 1994 (\"Herrentag\") in Magdeburg riefen Antifaund Friedensgruppen zu einem Schweigemarsch durch die Magdeburger Innenstadt auf. Diese Veranstaltung","","133 4. Linksextremistischer Terrorismus Im Bereich des linksextremistischen Terrorismus sind in Sachsen-An- , halt bislang keine Aktivit\u00e4ten zu verzeichnen. Es mu\u00df jedoch die Gesamtentwicklung der terroristischen Szene betrachtet werden, um rechtzeitig Tendenzen zu erkennen, die sich m\u00f6glicherweise auch in Sachsen-Anhalt auswirken k\u00f6nnen. 4.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Bundesweit kam es innerhalb der RAF -Szene zu einer Spaltung. Bis * zum April 1992 wies das bisherige RAF -Gesamtgefilge eine fest umrissene hierarchische Struktur auf. Seither verzichtet die Kommandoebene der RAF auf die Avantgarde-Rolle. Die neue RAF-Politik ist * durch eine Abkehr vom bisherigen Konzept des bewaffneten Kampfes * gekennzeichnet. Sie will den bewaffneten Kampf neu definieren, bei' m\u00fcht sich um eine Neuorientierung in ihrer revolution\u00e4ren Politik und * eine Organisierung der \"Gegenmacht von unten~', wobei gezielte Aktionen gegen die Spitzen in Politik und Wirtschaft eingeschlossen sind. Diese Wandlung filhrte innerhalb des Unterst\u00fctzerspektrums im Herbst 1993 zu einer Spaltung in Befilrworter und Ablehner der neuen RAF-Politik sowie in eine Gruppe Unentschlossener. Zu den Befilrwortem geh\u00f6ren in erster Linie die Inhaftierten DELLWO, FOLKERTS, TAUFER, HOGEFELD und der kleinere Teil des fr\u00fcheren RAF-Umfeldes. Weiterhin sind den Beftlrwortem Personen und Gruppen aus dem autonomen und sozialrevolution\u00e4ren Spektrum zuzuordnen, deren Grundkonzeption der neuen RAF-Politik entgegenkommt, sowie Personen, die eine politische L\u00f6sung der Gefangenenfrage anstreben. Am 15. November 1994 \u00e4u\u00dferte sich Birgit R\u00fcGEFELD in ihrer Proze\u00dferkl\u00e4rung dahingehend, da\u00df es ,,keine R\u00fcckkehr zur alten Strategie als politisches Konzept u geben werde, aber das ,,Recht aufSelbstverteidigung\". Zu den Ablehnern geh\u00f6ren Personen und Gruppen des harten Kerns des fr\u00fcheren RAP-orientierten antiimperialistischen Spektrums, die zun\u00e4chst von der Gefangenenmehrheit um POHL und MOHNHAUPT angefilhrt wurden. Diese lehnen die neue RAF-Politik ab, weil diese","134 nicht mehr die ihrer Meinung nach unverzichtbar erscheinenden Elemente revolution\u00e4rer Politik enth\u00e4lt, insbesondere das AvantgardePrinzip und den bewaffneten Kampf im Sinne der alten RAP-Konzeption. ~Die zweite gr\u00f6\u00dfere Kategorie der Ablehner sind antiimperialistisch-feministische Gruppen und Einzelpersonen, die ihre Schwerpunkte bei , der revolution\u00e4ren Neuorientierung im Bereich des Kampfes gegen .*Patriarchat und fiir Feminismus sehen. Ihrer Meinung nach m\u00fcsse das ',derzeit bestehende \"imperialistische Patriarchalu im Rahmen eines internationalistischen revolution\u00e4ren Befreiungskampfes gewaltsam \u00fcberwunden werden. Dem Spektrum der Ablehner geh\u00f6ren ferner Personen mit kommunistischer Orientierung an, die versuchen, die autonome, antiimperialistische und radikal-feministische Szene zu beeinflussen. Sie gehen . davon aus, da\u00df die sozialistische Revolution nicht von einigen weni- . gen zu bewirken sei, sondern immer von den unterdr\u00fcckten Klassen getragen werden m\u00fcsse. Ihre vorrangige Aufgabe sehen sie darin, die bestehenden Widerspr\u00fcche zu analysieren und den \"Unterdr\u00fcckten\" das fehlende Klassenbewu\u00dftsein zu vermitteln. In Sachsen-Anhalt gibt es keine RAF-Unterst\u00fctzerszene. Trotzdem 'kam es zu vereinzelten Aktionen, die eine eindeutige Sympathie fiir die Inhaftierten der RAF widerspiegeln. Hier zeigt sich, da\u00df der von Teilen der RAF -Szene geforderte Aufbau einer \"Gegenmacht von unten u zunehmend von autonomen Strukturen angenommen wird. Seit Beginn des Jahres 1994 lassen sich mehr und mehr Farbschmierereien .und Spruchb\u00e4nder der linksextremistischen Szene mit RAF-Bezug ~.feststellen. So wurde am 26. Februar 1994 in Magdeburg das Trans~'parent einer \"Bewegung 25. Februar\" zum Thema Freilassung von lrmgard M\u00d6LLER aufgefunden, das vermutlich im Zusammenhang mit dem bundesweiten Protesttag zur Freilassung M\u00d6LLERs am 26. Februar 1994 stand. Am 26. Juni 1994 wurde am Magdeburger Abendgymnasium ein Handzettel der \"Initiative f\u00fcr die Freilassung von Irmgard M\u00d6LLER\" festgestellt. Aus Anla\u00df eines Hungerstreiks von zw\u00f6lf in Justizvollzugsanstalten einsitzenden RAP-Gefangenen kam es zu bundesweiten Protestaktionen der RAF-Unterst\u00fctzer. Auch in Magdeburg wurden am 30. Juli 1994 Transparente aufgefunden mit","135 den Aufschriften: \"Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen\" und \"lrmgard M. mu\u00df raus! Sofort und bedingungslos\". Einen Tag sp\u00e4ter wurde in Halle ein Plakat mit der Aufschrift: \"Solidarit\u00e4t mit den *Hungerstreikenden aus der RAF! Freiheit f\u00fcr lrmgard M\u00d6LLER: 4 AUTONOME ANTIFAS.\" festgestellt. Am 23. September 1994 versuchte ein Jugendlicher in Magdeburg, ein Transparent zur Freilassung von lrmgard M\u00d6LLER an einer BrOcke anzubringen; am 24. Oktober 1994 erfolgten weitere Plakatierungen in Magdeburg. Eben\"falls RAF-Bezug zeigten die am 27. Juni 1994 in Halle aufgefundenen . Plakate mit dem Text \"Wir gedenken Wolfgang GRAMS - Ermordet . am 27.06.1993 von der GSG 9\" und die am 21. November 1994 in . Magdeburg erfolgte Plakatierung zum Proze\u00dfbeginn gegen Birgit HOGEFELD. * 4.2 Antiimperialistische Zelle (AIZ) ';Als wichtigste Gruppe des Ablehnerspektrums der neuen RAP-Politik . ist die ,,Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) vormals ,,Antiimperialistische Widerstandszelle N adia SHEHADAH\" zu nennen. Auf sie treffen die Kriterien einer terroristischen Vereinigung im Sinne des SS 129a Abs. 1 StGB zu. Die AIZ ist u. a. f\u00fcr die Sprengstoffanschl\u00e4ge auf die Kreisgesch\u00e4ftsstelle der CDU in Dosseidorf (5. Juni 1994) und ~auf die Landesgesch\u00e4ftsstelle der FDP in Bremen (26. September * 1994) verantwortlich. In einem Grundsatzpapier vom 7. November 1994 verk\u00fcndete die AIZ, da\u00df sie mit den Anschl\u00e4gen dazu beitragen will, da\u00df sich \"der militante widerstand, ausgehend von den politischen inhalten der ,militanten/bewaffneten aktionen der roten armee fraktion (14.5. 70 - ,t 01.04.91) in der brd weiterentwickelt. wir verstehen militanten widerstand nicht als eine angelegenheil von wenigen, sondern als sache von allen, die ihre herzen und hirne nicht in einen knast von resignation, entpolitisierung und apathie eingesperrt haben. \". Ziel der vorgenannten Sprengstoffanschl\u00e4ge war eine \"thematisierung der politik der regierungsparfeien cdu undfdp\". Die AIZ h\u00e4lt die \"militante .causeinandersetzung mit der politik des herrschenden parteienblocks csulcdu/fdplgr\u00fcne/spdf\u00fcr wichtig\".","136 Hauptthemen der AIZ im Grundsatzpapier sind die EU-Politik der Bundesrepublik Deutschland und die Fl\u00fcchtlingsbzw. Abschiebungsproblematik Ihr Aktionsfeld und die anzuwendenden Mittel beschreibt die AIZ wie folgt: \"unsere einzigen rechte, um uns gegen sie, ihre gesetze, das system und seine konformismen, gegen den staat, gegen diesen alllag von ausbeutung und erniedrigung zu verteidigen, sind das recht auf revolte, auf aujlehnung, auf emanzipation, sind *. das recht, das wort zu ergreifen, die wa.ffen in die hand zu nehmen, *zu kritisieren, sich zu organisieren, zu k\u00e4mpfen, sich zu erheben und *,~ sie zu bek\u00e4mpfen bis zum ende, \u00fcberall, pausenlos \"32 * Im Gegensatz zur neuen RAF-Politik setzt die AIZ auf die Fortf\u00fchrung terroristischer Zielsetzungen aus den 70er und 80er Jahren: \"unsere politik wird dahin gelzend orientiert sein, dort militant/bewaffnet anzugreifen, wo die hrd-eliten ihre arheitspl\u00e4tze hzw. ihre wohnsitze haben. 1'l3. Die AIZ sieht sich somit als ,,Nachfolgeorganisation\" der RAF alter Pr\u00e4gung. Es liegt filr die Bereiche Politik, Wirtschaft, Milit\u00e4r und \"Repressionsapparat\" ein erhebliches Gef\u00e4hrdungspotential im gesamten Bundesgebiet vor, das auch filr Sachsen-Anhalt nicht ausgeschlossen werden kann. Da\u00df die Ank\u00fcndigungen der AIZ sehr ernstzunehmen sind, beweist der im Januar 1995 erfolgte Sprengstoffanschlag auf das Wohnhaus des ehemaligen *CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Volkmar K\u00d6HLER in Wolfsburg. 32 Zitat von \"Joelle, Nathalie und Jean-Marc\"Inhaftierte Militante aus der Action Directe, vom 2. Mai 1994. 33 Im Original nicht hervorgehobea","137 IV. Fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungund Abwehr dienste der DDR Seit der Wiedervereinigung treffen und organisieren sich in einigen Zirkeln Bedienstete des ehemaligen MfS - zum Teil zur Bew\u00e4ltigung oder auch Rechtfertigung ihrer Vergangenheit oder aber aus alter Ver*~ bundenheit. Mitunter vertreten sie dort auch politische Anliegen und beginnen, sie in die Praxis umzusetzen. Bisher sind zwei Organisationen an die \u00d6ffentlichkeit getreten, die sich in besonderer Weise der Interessen ehemaliger Angeh\u00f6riger des _. MfS annehmen. 'lDie \"Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angeh\u00f6riger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung *.der DDR\" (ISOR) wurde im Juni 1991 gegr\u00fcndet. Die Satzung nennt als Zweck der Organisation u. a. die Interessenvertretung der Mitglieder in der \u00d6ffentlichkeit und vor parlamentarischen und au\u00dferparlamentarischen Gremien sowie die Unterest\u00fctzung ihrer Mitglieder vor Gericht, insbesondere in rentenrechtlichen und krankenversicherungsrechtlichen Angelegenheiten. Gegen das Renten\u00fcberleitungsgesetz (R\u00dcG) hat die ISOR Verfassungsbeschwerde eingelegt. Eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts steht noch aus. Ehemalige Angeh\u00f6rige des MfS gr\u00fcndeten im M\u00e4rz 1992 das \"Insider-Komitee zur Aufarbeitung der Geschichte des MfS\". Laut Angaben der Initiatoren des Komitees soll die Geschichte aufgearbeitet, gleichzeitig aber \"entschlossen gegen alle ungerechtfertigten Anschuldigungen, gegen Pauschalierungen oder Verleumdungen\" angegangen werden. In Sachsen-Anhalt konnten auch im Berichtszeitraum keine Aktivit\u00e4ten der genannten Organisationen oder anderer Zirkel festgestellt werden, die ein T\u00e4tigwerden des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz erfordern.","138 *V. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines * Aktivit\u00e4ten von Ausl\u00e4ndern, die sich nicht in deutschen linksoder :*, rechtsextremistischen Gruppen bet\u00e4tigen, werden dann vom Verfassungsschutz beobachtet, wenn es sich bei ihrer T\u00e4tigkeit um Bestrebungen handelt, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange die Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Das ist immer der Fall, wenn Ausl\u00e4n.. der terroristische Aktivit\u00e4ten in ihrem Heimatland vom Boden der * Bundesrepublik Deutschland aus vorbereiten oder steuern wollen. Ihre Beobachtung ist aber auch erforderlich, wenn sie terroristische Auseinandersetzungen aus ihren Heimatl\u00e4ndern in die Bundesrepublik . Deutschland hineintragen. Die Nichterw\u00e4hnung des Begriffs ,,Ausl\u00e4n- , der\" in der gesetzlichen Aufgabenzuweisung des SS 4 Abs. 1 Nr. 4 . VerfSchG - LSA gr\u00fcndet sich auf die Erkenntnis, da\u00df auch Deutsche allein oder im Zusammenwirken mit Ausl\u00e4ndern ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden k\u00f6nnen. Allerdings ist die Zahl der in diesem Zusammenhang t\u00e4tigen Deutschen gering. Die Beobachtung konzentriert sich nahezu ausschlie\u00dflich auf die sicherheitsgef\u00e4hrdenden und extremistischen Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern. Nach den bisherigen Beobachtungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden sind von den etwa sieben Millionen in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Ausl\u00e4ndern rund 45.600 Mitglieder in Gruppen, von denen sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen ausgehen. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere Organisationen wie die ,,Bewaffnete Islamische Gruppe\" (GIA), bewaffneter Arm der \"Islamischen Heilsfront\" (FIS) und islamische Gruppen wie die Terrorbewegung \"Islamischer Dschihad\", die weltweit immer wieder durch terroristische Anschl\u00e4ge in Erscheinung treten. In der Bundesrepublik Deutschland hat in den letzten Jahren haupts\u00e4chlich die kurdische Organisation ,,Arbeiterpartei Kurdistans\"","139 (PKK) mit ihren Tarnund Nebenorganisationen, auch nach ihrem Verbot im Dezember 1993 Aufsehen erregt. Diese Gruppierung begeht zwar in erster Linie terroristische Anschl\u00e4ge in der T\u00fcrkei, hat aber ihre Aktivit\u00e4ten auch auf das Gebiet der Bundesrepublik . Deutschland ausgedehnt. 2. Aktivit\u00e4ten in Sachsen-Anhalt Im Berichtszeitraum waren politisch-propagandistische Aktivit\u00e4ten *~ (Plakatierungen und Farbspr\u00fchschriften) filr die ,,Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), die \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) und ein \"Komitee gegen Hinrichtung ohne Gerichtsurteil\" festzustellen. Die ausf\u00fchrenden Personen, T\u00fcrken kurdischer Nationalit\u00e4t, waren Bewohner von Asylbewerberunterk\u00fcnften. Die Plakatierungen und Farbspr\u00fchschriften waren fast immer ereignisbezogen: In Hannover kam im Juni 1994 ein junger Kurde durch einen Polizisten zu Tode. Dieses Ereignis l\u00f6ste umfangreiche Plaka- . tierungen in Magdeburg und anderen St\u00e4dten Sachsen-Anhalts aus. Forderungen f\u00fcr eine Aufhebung des Verbots der PKK und f\u00fcr ein freies Kurdistan wurden an verschiedenen Stellen Magdeburgs und anderen Orten Sachsen-Anhalts durch das Anbringen von Farbspr\u00fchschriften gestellt. . -","140 . VI. Spionageabwehr *1. .. Allgemeiner Uberblick Auch im vierten Jahr nach Herstellung der staatlichen Einheit . Deutschlands war die Spionageabwehr mit der Aufarbeitung der Hin.terlassenschaft ehemaliger DDR-Nachrichtendienste befa\u00dft. Dabei ist nach wie vor von Bedeutung, da\u00df die Aufkl\u00e4rungsdienste der ehema- ~ Iigen UdSSR und anderer ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten durch *ihre 40j\u00e4hrige Zusammenarbeit mit dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) \u00fcber ein umfangreiches Potential an nachrichtendienstlich nutzbaren Erkenntnissen verf\u00fcgen, auf das vornehmlich die aus dem KGB entstandenen Nachfolgedienste der Russischen F\u00f6deration und . der \u00fcbrigen GUS-Staaten zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen. Die Bundesrepublik Deutschland ist wegen ihrer politischen und wirt- . : schaftliehen Bedeutung sowie aufgrund ihrer zentralen Lage in Europa weiterhin bevorzugtes Aussp\u00e4hungsziel fremder Nachrichtendienste. Ein neuer T\u00e4tigkeitsschwerpunkt der Spionageabwehr hat sich hinsichtlich der Aktivit\u00e4ten von Nachrichtendiensten des Nahen und . Mittleren Ostens entwickelt, die zunehmend Anstrengungen zur illegalen Beschaffung embargogesch\u00fctztef34 Technologie unternehmen. 2. Ehemalige DDR-Nachrichtendienste *,'Durch die Aufkl\u00e4rung der Strukturen der ehemaligen DDR-Nach- . richtendienste und vornehmlich durch die damit verbundene Enttarnung und Identifizierung bislang unentdeckt gebl~ebener MfS-Agenten soll eine Fortfilhrung der nachrichtendienstliehen T\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland durch andere Dienste unterbunden werden, die \u00fcber die nachrichtendienstliche Verstrickung dieses Personenkreises Kenntnis haben und dieses Wissen als Druckmittel verwenden k\u00f6nnen. 34 Von einem Ausfuhrverbot betroffene Gegenst\u00e4nde und Dienstleistungen.","141 In diesem Zusammenhang wurden nach Hinweisen der hiesigen Spionageabwehr an die jeweils zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit eingeleitet. 3. Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration und der \u00fcbrigen GUS-Staaten * Auch nach dem Abzug der auf dem Gebiet der DDR stationierten rus- . sischen Streitkr\u00e4fte und dem damit verbundenen Wegfall von nachrichtendienstliehen St\u00fctzpunkten im August 1994 sind die Aufkl\u00e4rungsdienste - insbesondere die der Russischen F\u00f6deration - weiterhin bestrebt, Informationen aus den klassischen Bereichen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik zu beschaffen. *:-Unabh\u00e4ngig von den Umbesetzungen an der F\u00fchrungsspitze versu;: chen*sowohl der zivile Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration SWR als auch der milit\u00e4rische Aufkl\u00e4rungsdienst GRU, sich nach.richtendienstliche Zugangsm\u00f6glichkeiten u. a. \u00fcber abgetamte Positionen in JOINT VENTURES 3s zu verschaffen. <Von den Nachrichtendiensten der \u00fcbrigen GUS-Staaten ist der ka- . sachische Nachrichtendienst KNB hervorzuheben, der deutschst\u00e4mmige Aussiedler aus Kasachstan ftlr nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten anzuwerben versucht. . 4. Nachrichtendienste sonstiger ehemaliger Warschauer-Pakt-Staaten Im Berichtszeitraum waren in Sachsen-Anhalt keine aggressiven nachrichtendienstliehen Aktivit\u00e4ten der ehemaligen Ostblockstaaten * zu verzeichnen. Im Hinblick auf Polen, Rum\u00e4nien und Bulgarien bleibt festzuhalten, da\u00df diese L\u00e4nder nach wie vor Auslandsaufkl\u00e4rungsdienste unterhalten. 35 Hierbei handelt es sich um gemischte Gesellschaften, das hei\u00dft Gesellschaften mit ausl\u00e4ndischer Kapitaloder Personenbeteiligung.","142 5. Nachrichtendienste aus dem Nahen und Mittleren Osten Ein weiterer bedeutsamer Arbeitsschwerpunkt der Spionageabwehr ist ~*die Beobachtung des nachrichtendienstlich gesteuerten Technologie- , transfers und entsprechender sensitiver Exporte, die filr den Bau ato- , marer, biologischer oder chemischer Waffen Verwendung finden k\u00f6n- . nen. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei die mit gro\u00dfem Auf,-t wand vorbereiteten und durchgef\u00fchrten Anstrengungen von Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, auf illegale Weise besonders schutzbed\u00fcrftige G\u00fcter, z.B. milit\u00e4rische Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde und technisches Know-how, zu beschaffen. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen nachrichtendienstliehen Aktivit\u00e4ten und staatsterroristischen Aktionen ge~* gen Personen und Einrichtungen im Bundesgebiet sind dabei flie\u00dfend. Es zeigt sich weiterhin, da\u00df in diesem schwer zu durchdringenden Bereich eine enge Zusammenarbeit mit Zoll und Polizei erforderlich ist. 6. Spionageabwehr mit Hilfe der Bev\u00f6lkerung Wirkungsvolle Spionageabwehr ist nur mit Hilfe der Bev\u00f6lkerung m\u00f6glich. Das Landesamt filr Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt bittet :. daher jede B\u00fcrgerio und jeden B\u00fcrger, die von der T\u00e4tigkeit fremder Geheimdienste gegen die Bundesrepublik Deutschland und ihre Verb\u00fcndeten Kenntnis haben oder von solchen Nachrichtendiensten angesprochen oder zur Mitarbeit aufgefordert worden sind, ihr Wissen , im Interesse unseres freiheitlichen Staatswesens, aber auch der eige:* nen Sicherheit wegen, zu offenbaren. Das gilt auch filr diejenigen, die schon im fremden Interesse nachrichtendienstlich t\u00e4tig geworden sind. Ihnen k\u00f6nnen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden helfen, sich aus einer f\u00fcr ausweglos gehaltenen Lage zu befreien. Voraussetzung hierf\u00fcr ist die freiwillige Aufgabe der nachrichtendienstliehen T\u00e4tigkeit und eine umfassende Offenbarung. . . Das Landesamt filr Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt bietet jederzeit seine Hilfe36 an. Vertraulichkeit wird zugesichert. 36 Das Amt ist in der Tessenowstra\u00dfe 8, Eingang 2, 39114 Magdeburg unter der Rufnummer 0391/567-3900 * zu erreichen.","143 VII. Geheimschutz 1. Allgemeines Alle Institutionen des Bundes und der L\u00e4nder sowie die Bev\u00f6lkerung selbst m\u00fcssen sich darauf verlassen k\u00f6nnen, da\u00df Informationen, deren Kenntnisnahme durch Unbefugte den Bestand oder lebenswichtige Interessen der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder gef\u00e4hrden k\u00f6nnten, als im staatlichen Interesse geheimzuhaltende Informationen (Verschlu\u00dfsachen - VS) wirkungsvoll gesch\u00fctzt werden. Besondere vorbeugende Ma\u00dfnahmen, der sogenannte personelle und materielle Geheimschutz, sollen dies gew\u00e4hrleisten. Zudem ist die Bundesrepublik Deutschland als Mitglied der NATO und anderer \u00fcberbzw. zwischenstaatlicher Einrichtungen gehalten, bestimmte Sicherheitsnor- . men zu erfilllen. Grundlage des personellen Geheimschutzes sind die \"Richtlinien fllr die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen im Rahmen des Geheimschutzes\" des Landes Sachsen-Anhalt (SiR-LSA). Ma\u00dfgebliche Regelung des materiellen Geheimschutzes ist die \"Verschlu\u00dfsachenanweisung filr das Land Sachsen-Anhalt\" (VSA-LSA). Diese beiden Verwaltungsvorschriften wurden 1992 in Kraft gesetzt. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt gem\u00e4\u00df SS 4 Abs. 2 des Verfassungsschutzgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt beim Geheimschutzverfahren im Beh\u00f6rdenbereich mit. Rechtsgrundlage f\u00fcr den Geheimschutz in der Wirtschaft ist das Geheimschutzhandbuch des Bundesministeriums filr Wirtschaft. 2. Geheimschutz im Beh\u00f6rdenbereich 2.1 Personeller Geheimschutz Ma\u00dfgeblich filr den personellen Geheimschutz ist die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung. Sie ist notwendige Voraussetzung f\u00fcr die Erm\u00e4chtigung einer Person zum Zugang zu im staatlichen Interesse geheimzuhaltenden Informationen (Verschlu\u00dfsachen) und filr die T\u00e4tigkeit in sicher-","6\" der jeweilige Geheimschutzbeauftragte der Beh\u00f6rde, die die Durchf\u00fchrung der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung f\u00fcr die betreffenden Personen beim Landesamtf\u00fcr Verfassungsschutz beantragt. Im Rahmender Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung ist es Aufgabe der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde herauszufinden, ob eine Person f\u00fcr eine sicherheitsempfindliche Posi- _ tion geeignetist. Dabeigilt es, etwaige Sicherheitsrisiken festzustellen und auszuschlie\u00dfen. \"Je nach Intensit\u00e4t des Zugangs zu Verschlu\u00dfsachen gibt es unter- - schiedliche Arten der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung. Diese richten sich nach dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit. Voraussetzung f\u00fcr die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personenist immer die Zustimmungdes zu \u00dcberpr\u00fcfenden bzw. die Zustimmung des in die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung einzubeziehenden Lebenspartners. Seit Inkrafttreten der Sicherheitsrichtlinien hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz insgesamt 720 Antr\u00e4ge auf Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung 'bearbeitet. Dazu geh\u00f6ren sowohldie Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen f\u00fcr die Beh\u00f6rden des Landesals auch die f\u00fcr den eigenen Dienst des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz. Bisher konnten 460 Sicherheits\u00fcberpr\u00fc'fungen abgeschlossen werden. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrt im Bereich des materiellen und personellen Geheimschutzes Tagungen und Schulungen f\u00fcr die Geheimschutzbeauftragten der Ressorts sowie der oberen und mittleren Landesbeh\u00f6rden durch, da sich der Geheimschutz in vielen Bereichen noch im Aufbau befindet. Hier wirkt das Landesamt f\u00fcr . Verfassungsschutz auch bei der Festlegung von sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeiten mit. 2.2 Materieller Geheimschutz Der materielle Geheimschutz befa\u00dft sich mit technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen, die erschweren sollen, da\u00df Un- _ befugte an zu sch\u00fctzende Informationen gelangen. Das Landesamtf\u00fcr 'Verfassungsschutz hat hierbei die Aufgabe, \u00f6ffentliche Stellen des Landes zu beraten, wie sie am besten technische Sicherungsma\u00dfnah-","145 men planen und durchfUhren k\u00f6nnen. Hierzu geh\u00f6ren zum Beispiel Informationen \u00fcber Alarmsysteme, Stahlschr\u00e4nke und Schlie\u00dfanlagen. Im Rahmen seiner technischen Unterst\u00fctzung fiihrt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch Lauschabwehrma\u00dfnahmen durch, um versteckte Mikrophone und Aufschaltungen aufzusp\u00fcren. Dar\u00fcber hinaus wird das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in allen Fragen des sogenannten \"gesch\u00fctzten Fernmeldeverkehrs\" beratend t\u00e4tig. Dieser betrifft die \u00dcbertragung von Verschlu\u00dfsachen auf Fern- , meldewegen sowie deren Beoder Verarbeitung mit elektrischem Ge- \\ r\u00e4t. Dabei werden Verschlu\u00dfsachen besonderen Risiken ausgesetzt, denen mit geeigneten Ma\u00dfnahmen begegnet werden mu\u00df. Verant- , wortlieh fiir diesen \u00fcberaus sensiblen Fernmeldebereich ist ein Fernmeldesicherheitsbeauftragter der jeweiligen Beh\u00f6rde, der sogenannte COMSEC-Beauftragte (COMSEC = COMMUNICATION SECU- r RITY). Dieser arbeitet eng mit dem Landesamt fiir Verfassungsschutz zusammen. ' 3. Geheimschutz in der Wirtschaft Neben den erforderlichen Ma\u00dfnahmen auf dem Gebiet des Geheimschutzes im Beh\u00f6rdenbereich mu\u00df der Staat auch sensible Bereiche seiner Wirtschaft sch\u00fctzen, die mit der Ausf\u00fchrung geheimhaltungsbed\u00fcrftiger \u00f6ffentlicher Auftr\u00e4ge betraut sind. Die Erfahrungen haben gezeigt, da\u00df sich die Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste nicht nur gegen staatliche Institutionen, sondern in starkem Ma\u00dfe auch gegen Wirtschaftsunternehmen richten, um beispielsweise Kenntnisse \u00fcber Forschungsoder R\u00fcstungsvorhaben * zu erlangen. Ein wirksames Geheimschutzsystem soll hier gew-\u00e4hrleisten, da\u00df die gegen die deutsche Wirtschaft gerichteten Aussp\u00e4hungsversuche durch gezielte Ma\u00dfnahmen im vorbeugenden Bereich abgewehrt werden k\u00f6nnen, um irreparable Sch\u00e4den zu vermeiden. Wirtschaftliche Unternehmen, die mit geheimhaltungsbed\u00fcrftigen \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen betraut werden sollen, verpflichten sich daher","146 _zur Einhaltung .von Sicherheitsvorschriften und werden in ein Geheimschutzverfahren aufgenommen. Zust\u00e4ndig fUr den Geheimschutz in der Wirtschaft ist bei Auftr\u00e4gen von Bundesbeh\u00f6rden oder nichtdeutseben Stellen das Bundesministerium fUr Wirtschaft. Die bei der DurchfUhrung von \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen zu beachtenden Vorschriften sind in dem vom Bundesministerium fUr Wirtschaft herausgegebenen Handbuch fUr den Geheimschutz in der Wirtschaft (Geheimschutzhandbuch) zusammengefa\u00dft. Rechtsgrundlage fUr das Geheimschutzverfahren in der Wirtschaft ist * die rechtsverbindliche Anerkennung der in dem Geheimschutzhandbuch festgelegten Regeln durch das Unternehmen. Dies geschieht durch eine Erkl\u00e4rung, die das Unternehmen gegen\u00fcber dem Bundesminister fUr Wirtschaft oder der zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rde abgibt. . Das Landesamt fUr Verfassungsschutz wirkt w\u00e4hrend des laufenden ;. Verfahrens im Rahmen der geheimschutzm\u00e4\u00dfigen Betreuung mit.","147 *VIII. Verfassungsschutz in SachsenAnhalt 1. .Grundlagen und organisatorische Ausgestaltung des Verfassungsschutzes Nicht zuletzt die geschichtlichen Erfahrungen der Weimarer Republik, die sich den Angriffen von rechts und links schutzlos ausgesetzt sah und schlie\u00dflich vor der Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten kapitulieren mu\u00dfte, veranla\u00dften die V\u00e4ter des Grundgesetzes, das Modell \"Bundesrepublik Deutschland\" im Sinne einer streitbaren Demokratie auszugestalten. J Zur Verteidigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung . wurde daher im Grundgesetz ein komplexes Schutzsystem installiert. '! Hierzu geh\u00f6rt: die Verwirkung bestimmter Grundrechte, wenn diese zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mi\u00dfbraucht werden (Artikel 18 Grundgesetz), das Recht, Parteien und sonstige Vereinigungen zu verbieten, wenn diese darauf abzielen, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeintr\u00e4chtigen oder zu beseitigen (Artikel 9 Absatz 2, Artikel 21 Absatz 2 Grundgesetz), die Unab\u00e4nderlichkeit wesentlicher Grunds\u00e4tze des Grundgesetzes, wie zum Beispiel der Schutz der Menschenw\u00fcrde und fundamentale Verfassungsgrunds\u00e4tze (Artikel 79 Absatz 3 Grundgesetz). Bereits der Grundgesetzgeber war der Auffassung, da\u00df dem Verfassungsschutz in diesem komplexen Schutzsystem eine wichtige Rolle zukommt. Daher hat er den Bund zur Errichtung von Zentralstellen zur Sammlung von Nachrichten und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und die Sicherheit von Bund und L\u00e4ndern erm\u00e4chtigt (Artikel 73 Nr. 1Ob; Artikel 87 Absatz 1 Satz 2 Grundgesetz). Von dieser Erm\u00e4chtigung hat der Bund","148 bereits 1950 Gebrauch gemacht und das Gesetz \u00fcber die Zusammen- . arbeit von Bund und L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes (Bundesverfassungsschutzgesetz) erlassen, das Bund und * L\u00e4nder nicht nur zur Zusammenarbeit, sondern auch zur Errichtung von Verfassungsschutzbeh\u00f6rden verpflichtete. Auf Bundesebene wurde daraufhin das Bundesamt f\u00fcr Verfassungs- . schutz in K\u00f6ln gegr\u00fcndet. Die L\u00e4nder haben ihre Verfassungsschutz- : beh\u00f6rden entweder als Teil des Innenministeriums oder als selbst\u00e4ndige Landesbeh\u00f6rde organisiert. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder unterstehen nicht dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Dieses hat als zentrale Sammelstelle f\u00fcr Nachrichten lediglich eine koordinierende Funktion. Das Bundesverfassungschutzgesetz ist im Dezember 1990 novelliert .~worden. Es enth\u00e4lt detaillierte Bestimmungen \u00fcber die Aufgaben und Befugnisse des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und einen strengen Katalog datenschutzrechtlicher Vorschriften. Das Bundesgesetz hat - wie in den meisten anderen L\u00e4ndern - auch im Land SachsenAnhalt als Vorlage gedient. Das Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz * im Land Sachsen-Anhalt vom 14. Juli 1992 (GVBI. LSA S. 590) ist * im Anhang abgedruckt. ..2. Aufgaben des Verfassungsschutzes Der Verfassungsschutz hat gem\u00e4\u00dfSS 4 Absatz 1 Nm. 1 -4 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt (VerfSchG - ;. LSA) die Aufgabe, ,,Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und sonstige Unterla- * : gen\" zu sammeln und auszuwerten \u00fcber * Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, oder","149 eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben (Extremismus, Terrorismus), * fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der Deutschen Demokratischen Republik, insbesondere des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit oder des Amtes f\u00fcr Nationale Sicherheit, im Sinne der SSSS 94 - 99, 129, 129a des Strafgesetzbuches, * sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht im Geltungsbereich des Grundgesetzes (Spionagebek\u00e4mpfung) und * Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden (Ausl\u00e4nderextremismus). Ferner wirken die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gem\u00e4\u00df SS 4 Absatz 2 VerfSchG - LSA auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen Stellen beim personel..,. len und materiellen Geheimschutz mit. 2.1 Extremismus (Rechtsund Linksextremismus, Terrorismus) Hauptaufgabe des Verfassungsschutzes ist die Sammlung und Auswertung von Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, die ge- . --~ gen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind. Solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten werden als \"extr_emistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet. Der Gesetzgeber hat die Begriffe \"freiheitliche demokratische Grundordnung\" und \"Bestrebungen\" im Gesetz definiert.","150 . 2.1.1 Freiheitliche demokratische Grundordnung Die freiheitliche demokratische Grundordnung ist nicht die Verfassung selbst, sondern die Gesamtheit der obersten Wertprinzipien, wie sie das Bundesverfassungsgericht in seinen Entscheidungen zum Ver- - bot der Sozialistischen Reichspartei - SRP - (1952) und der Kommu- . nistischen Partei Deutschlands - KPD - (1956) herausgearbeitet hat. Diese Wertprinzipien sind in SS 5 Absatz 2 VerfSchG - LSA wiedergegeben. 2.1.2 Bestrebungen Bestrebungen sind nach dem allgemeinen Sprachverst\u00e4ndnis alle auf ein Ziel gerichteten Aktivit\u00e4ten. Folglich sind extremistische oder ver- . fassungsfeindliche Bestrebungen Aktivit\u00e4ten, die auf Beseitigung zumindest eines der vorgenannten obersten Wertprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung abzielen. Der Gesetzgeber definiert dies in SS 5 Absatz I c VerfSchG - LSA wie folgt: Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne dieses Gesetzes sind solche politisch bestimmten, zielund zweckgerichteten Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschlu\u00df, der darauf gerichtet ist, einen der in Absatz 2 genannten Verfassungsgrunds\u00e4tze zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen. 2.1.3 Rechtsund Linksextremismus ~: Beim politischen Extremismus ist je nach inhaltlicher Zielrichtung * zwischen Rechtsund Linksextremismus zu unterscheiden. Rechtsextremisten begn\u00fcgen sich in aller Regel damit, willkOrlieh einzelne Ideologiesplitter zu einer rechten Idee zusammenzusetzen. Als \"Fundgrube\" dienen Nationalismus und Rassismus: Angestrebt wird eine v\u00f6lkische Gemeinschaft, in der die Pflichten gegen\u00fcber der Gemeinschaft auf Kosten der Grundrechte des einzelnen \u00fcberbewertet werden und dem Ausl\u00e4nder (Fremden) kein Platz in Staat und Gesellschaft einger\u00e4umt wird.","151 Linksextremisten verf\u00fcgen zumeist \u00fcber eine in sich geschlossene Ideologie; sie wollen die Demokratie revolution\u00e4r beseitigen und an ihrer Stelle eine kommunistische Diktatur oder die Anarchie errichten. Der Auftrag des Verfassungsschutzes beschr\u00e4nkt sich auf die Beobachtung extremistischer Bestrebungen. Um radikale politische Auffassungen37 dagegen hat sich der Verfassungsschutz nicht zu sorgen, solange die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht angetastet werden. 2.1.4 Terrorismus Extremisten, die ihre politischen Ziele planm\u00e4\u00dfig mit schwersten Straftaten, wie sie in SS 129a StGB genannt sind (zum Beispiel Mord, t Totschlag, bestimmte gemeingef\u00e4hrliche Straftaten), durchzusetzen versuchen, sind als Rechtsoder Linksterroristen vom Verfassungs- . schutz zu beobachten. 2.1.5 Bestrebungen gegen den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes oder die ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung ihrer Verfassungsorgane oder Mitglieder Neben der Beobachtung von Rechtsund Linksextremisten ist dem Verfassungsschutz auch die Beobachtung von Bestrebungen einger\u00e4umt, die sich gegen die Sicherheit des Staates richten. Voraussetzung ist, da\u00df diese Bestrebungen politisch bestimmt sind. Dies ist der l Fall, wenn politische Vorstellungen durch sicherheitsgef\u00e4hrdende ., St\u00f6rhandlungen zum Beispiel gegen Verwaltungs-, Verkehrsoder Versorgungseinrichtungen umgesetzt oder hierdurch die Verfassungsorgane des Bundes oder eines der L\u00e4nder in ihrer Amtsf\u00fchrung beeintr\u00e4chtigt werden sollen. 37 Das hei\u00dft solche, die eine an die Wunel einer Fragestellung gehende Zielsetzung haben.","152 2.2 Fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der ehemaligen DDR (MfS und AtNS) Schon vor dem 3. Oktober 1990 war festzustellen, da\u00df Teile der Auf*; kl\u00e4rungsund Abwehrdienste der DDR, insbesondere des Ministeri}ums filr Staatssicherheit (MfS) und des Amtes filr Nationale Sicher- , heit (AfNS), ihre konspirative T\u00e4tigkeit auf dem Gebiet des wieder- : vereinigten Deutschlands fortsetzen w\u00fcrden. Um einen ungest\u00f6rten Aufbau in den neuen Bundesl\u00e4ndern zu gew\u00e4hrleisten, wurde daher der Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt durch den Landesgesetzgeber mit der Beobachtung von solchen \"fortwirkenden Strukturen und T\u00e4tigkeiten\" beauftragt, durch die folgende Straftatbest\u00e4nde erfilllt werden k\u00f6nnen: * Landesverrat (SS 94 StGB), * Offenbarung von Staatsgeheimnissen(SS 95 StGB), * Landesverr\u00e4terische Aussp\u00e4hung; Auskundschaften von Staatsgeheimnissen (SS 96 StGB), * Preisgabe von Staatsgeheimnissen (SS 97 StGB), * Verrat illegaler Geheimnisse(SS 97a StGB), Verrat in irriger Annahme eines illegalen Geheimnisses (SS 97b StGB), * Landesverr\u00e4terische Agentent\u00e4tigkeit (SS 98 StGB), * Geheimdienstliche Agentent\u00e4tigkeit (SS 99 StGB), * Bildung krimineller Vereinigungen(SS 129 StGB), * Bildung terroristischer Vereinigungen(SS 129a StGB) . Der Beobachtungsauftrag betriffi jedoch nur solche Strukturen, die nach der Wiedervereinigung fortwirken, und T\u00e4tigkeiten, die nach diesem Zeitpunkt begonnen oder fortgesetzt wurden. Eine Aufarbeitung der MfS-Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz aus der Zeit vor der Wiedervereinigung findet dagegen nicht statt. Diese Aufgabe bleibt Justiz und Geschichtsforschung vorbehalten.","153 2.3 Spionagebek\u00e4mpfung Das Landesamt fiir Verfassungsschutz ist au\u00dferdem zust\u00e4ndig fiir die **Sammlung und Auswertung von Informationen \u00fcber die unerlaubte T\u00e4tigkeit fremder Nachrichtendienste gegen die Bundesrepublik Deutschland. Auf diesem Arbeitsgebiet ist die Rolle des Bundesamtes fiir Verfassungsschutz als zentrale Auswertungsstelle hervorzuheben. Dort werden die Einzelfallerkenntnisse aus den L\u00e4ndern mit dem Ziel . gepr\u00fcft, methodische Arbeitsans\u00e4tze oder Vorgehensweisen der fremden Nachrichtendienste zu erkennen, um hierdurch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder in ihrer Spionagebek\u00e4mpfung zu unterst\u00fctzen. 2.4 Ausl\u00e4nderextremismus Die Beobachtung politischer Aktivit\u00e4ten von Ausl\u00e4ndern durch den Verfassungsschutz findet nur statt, soweit * sie sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland wenden, z. B. wenn Ausl\u00e4nder mit deutschen Extremisten Hand in Hand arbeiten, * sie ihre Ziele mit Gewalt auf deutschem Boden verfolgen und dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gef\u00e4hrden, oder * Ausl\u00e4ndergruppen vom Bundesgebiet aus Gewaltaktionen in anderen Staaten durchf\u00fchren oder vorbereiten und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden . *.. 2.5 Geheimschutz Der Auftrag des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz im Bereich des Geheimschutzes ist bereits oben unter VTI. ausruhrlieh dargestellt.","154 1 Organisation des Verfassungsschutzes in Sachsen-Anhalt Die Aufgaben des Verfassungsschutzes werden in Sachsen-Anhalt vom Landesamt fiir Verfassungsschutz wahrgenommen. Das Landesamt geh\u00f6rt als obere Landesbeh\u00f6rde zum Gesch\u00e4ftsbereich des Mi- . nisteriums des Ionern und unterliegt somit dessen Fachund Dienst- . aufsieht. Das Landesamt, das von einem Pr\u00e4sidenten und bei seiner Abwesenheit von einem Vizepr\u00e4sidenten, der zugleich einer Abteilung vorsteht, geleitet wird, gliedert sich in Abteilungen, die ihrerseits in Dezernate untergliedert sind . . Zu erreichen ist das Landesamt fiir Verfassungsschutz wie folgt: - Tessenowstra\u00dfe 8, Eingang 2 oder Postfach 18 49 39114 Magdeburg 39008 Magdeburg Telefon: 0391/567 3900 Telefax: 0391/567 3999 -4. Methoden und Mittel der Informations- * gew1nnung Der Verfassungsschutz sammelt seine Informationen (Nachrichten, Unterlagen etc.) sowohl durch die Auswertung von Pressemeldungen, den Besuch von \u00f6ffentlichen Veranstaltungen, freiwillige Ausk\u00fcnfte (offene lnformationserhebung) als auch unter Einsatz der sogenannten , nachrichtendienstliehen Mittel (verdeckte Informationserhebung). 4.1 Keine Zwangsbefugnisse Aufgrund der Erfahrungen mit der Geheimen Staatspolizei im Dritten Reich stehen dem Verfassungsschutz fiir seine Aufgabenerfiillung keinerlei Zwangsbefugnisse zu. Er ist also nicht berechtigt zu verh\u00f6ren, zu verhaften, festzunehmen, anzuhalten, zu beschlagnahmen oder zu durchsuchen. Dies obliegt allein der Polizei. Die Verfassungs-",". 155 schutzbeh\u00f6rde darf daher auch nicht die Polizei bitten, an ihrer Stelle t\u00e4tig zu werden. 4.2 Methoden und Mittel nachrichtendienstlicher *. T\u00e4tigkeit Wo die offene Infonnationserhebung nicht m\u00f6glich ist oder keinen Erfolg verspricht, darf die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gem\u00e4\u00df SS 7 Ab- . satz 3 VerfSchGLSA die sogenannten nachrichtendienstliehen Mit- ; tel einsetzen. Hierzu geh\u00f6ren insbesondere der Einsatz von Vertrauensleuten, Gew\u00e4hrspersonen, Observanten, Bildund Tonaufzeichnungen und die Verwendung von Tarnpapieren und Tamkennzeichen. Der Einsatz solcher nachrichtendienstliehen Mittel kann insbesondere dann erforderlich werden, wenn eine Organisation oder Grup;:pierung sich nur unter Ausschlu\u00df der \u00d6ffentlichkeit zusammenfindet ~oder sich generell konspirativ verh\u00e4lt, um ihre wahren Absichten zu , verschleiern. Besonders deutlich wird dies bei den in der Illegalit\u00e4t z. agierenden terroristische Gruppierungen. Weil der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel einen Eingriff in die : grundgesetzlich gesch\u00fctzte Privatsph\u00e4re und die allgemeinen Freiheitsrechte darstellt, ist er nur zul\u00e4ssig, wenn die Erforschung des Sachverhaltes auf andere, die Betroffenen weniger beeintr\u00e4chtigende *Weise nicht m\u00f6glich ist und er nicht erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverhalts steht. Die nachrichtendienstlichen Mittel, die das Landesamt ftir Verfassungsschutz einsetzen darf, sind in einer Dienstvorschrift zu benennen, die auch die Zust\u00e4ndigkeit ftir deren Anordnung regelt. *.Das einschneidendste nachrichtendienstliche Mittel ist die Brief-, Postund Telefonkontrolle. Weil hierdurch das Grundrecht gem\u00e4\u00df Art. 10 Grundgesetz beeintr\u00e4chtigt wird, kann der Einsatz eines solchen Mittels nur auf der Grundlage eines Gesetzes erfolgen. Mit dem Bundesgesetz zur Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses (allgemein \"G 10\" genannt) und dem entsprechenden Landesausfilhrungsgesetz sind in Sachsen-Anhalt die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen worden.","156 * * 4.3 Datenschutz Der Verfassungsschutz sieht sich dem Datenschutz verpflichtet. Die zur Aufgabenerftillung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde erhobenen per- . sonenbezogenen Daten werden daher gem\u00e4\u00df den im Verfassungs- . schutzgesetz enthaltenen Vorschriften \u00fcber die Erhebung, Verarbei- . ~ tung und Nutzung solcher Daten behandelt. Hierdurch wird sicherge- . stellt, da\u00df die strengen Ma\u00dfgaben des Datenschutzrechtes in jeder Phase der Datengewinnung und -bearbeitung eingehalten werden. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Daten nicht unbegrenzt oder auf Vorrat speichern. Wird festgestellt, da\u00df eine Speicherung unzul\u00e4ssig war oder die Kenntnis der gespeicherten Daten nicht mehr erforderlich ist, m\u00fcssen diese gel\u00f6scht werden. Ergibt *sich, da\u00df die Daten zu l\u00f6schen sind, m\u00fcssen auch die zur Person geftihrten Akten vernichtet werden (n\u00e4heres siehe SS 11 VerfSchG - LSA). Zum Schutz des B\u00fcrgers vor einer unberechtigten Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung enth\u00e4lt das Gesetz die Bestimmung, da\u00df Daten zu Minderj\u00e4hrigen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in Dateien nicht gespeichert werden d\u00fcrfen. Weiterhin sind Daten zu berichtigen, wenn sie unrichtig sind. Im \u00fcbri- . gen d\u00fcrfen Daten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz nur unter genau festgelegten engen Voraussetzungen an Dritte \u00fcbermittelt werden. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden personenbezogene Daten \u00fcber- . mittelt, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daftir bestehen, da\u00df die Daten\u00fcbermittlung zur Verhinderung oder Verfolgung von Staatsschutz- . deliktenerforderlich ist. In der Vergangenheit ist dies in einigen F\u00e4llen auch geschehen. 4.4 Auskunftserteilung Jederman hat die M\u00f6glichkeit, das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz um unentgeltliche Auskunft \u00fcber die zu seiner Person gespeicherten Daten zu bitten. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist gem\u00e4\u00df SS 14 VerfSchG - LSA grunds\u00e4tzlich verpflichtet, Auskunft zu erteilen, so-","157 weit der BUrger auf einen konkreten Sachverhalt hinweist und ein besonderes Interesse an einer Auskunft darlegt. Die Auskunftsecteilung hat aber zu unterbleiben, wenn die VerweigerungsgrUnde vorliegen, die bereits das Gesetz zum Schutz personen.bezogener Daten der BOrger (DSG - LSA) in SS 15 Absatz 4 nennt. Zu diesen Verweigerungsgr\u00fcnden kommt als spezieller gesetzlicher Auskunftsverweigerungsgrund f\u00fcr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hinzu die Gefahr der Gef\u00e4hrdung von Quellen oder der Ausforschung : seines Erkenntnisstandes oder seiner Arbeitsweise. 5. Kontrolle Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterliegt einer umfassenden :~Kontrolle, n\u00e4mlich \"\";* ' l der Dienstund Fachaufsicht des Ministeriums des Innem, der Pr\u00fcfung durch den Landesrechnungshof, der Kontrolle durch das Parlament, der Kontrolle des Datenschutzbeauftragten, der Kontrolle durch die Gerichte und ~ - der Kontrolle durch die Medien, die seit Jahren die Arbeit von Verfassungsschutzbeh\u00f6rden kritisch begleiten. Wie sonst keine andere Beh\u00f6rde in Sachsen-Anhalt unterliegt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz au\u00dferdem der besonderen parlamentarischen Kontrolle durch die Parlamentarische Kontrollkommission. Diese Kommission wird von der Landesregierung umfassend \u00fcber die aiigemeine T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung unterrichtet.. Die aus f\u00fcnf Abgeordneten des Landtages bestehende Kontrollkommission tritt mindestens viertelj\u00e4hrlich zusammen. Unter bestimmten Voraussetzungen hat sie das Recht auf Erteilung von Ausk\u00fcnften, Einsicht in Akten und andere Unterlagen, Zugang zu Einrichtungen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz sowie auf Anh\u00f6rung von Auskunftspersonen.","158 IX. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung Der Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des Bundes sowie der L\u00e4nder kann nicht * aiiein staatlichen Institutionen \u00fcberlassen bleiben, er ist vielmehr die . gemeinsame Aufgabe aller B\u00fcrger. Ein wirksamer Verfassungsschutz * bedarf vor allem der geistig-politischen Auseinandersetzung der B\u00fcrger mit dem Extremismus und den daraus erwachsenden Gefahren f\u00fcr den demokratischen Rechtsstaat. Der vorliegende Verfassungsschutzbericht soii dazu beitragen. Zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes geh\u00f6rt jedoch nicht nur die Vorlage eines j\u00e4hrlichen T\u00e4tigkeitsberichtes, sondern auch die kontinuierliche Unterrichtung der B\u00fcrger \u00fcber verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen. Ziel ist es, \u00fcber die Grundlagen der ' freiheitlichen Demokratie, den Rechtsstaat und das Prinzip der abwehrbereiten Demokratie aufzukl\u00e4ren sowie fr\u00fchzeitig insbesondere auf die Gefahren des Linksund Rechtsextremismus aufmerksam zu machen und diesen entgegenzuwirken. In Sachsen-Anhalt wird \u00d6ffentlichkeitsarbeit nicht nur vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, sondern auch vom Ministerium des Ionern geleistet. ; 1. Fortsetzung der \"FAIRST\u00c4NDNISKampagne\" Politischer Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt sind in , den letzten Jahren zu einem zentralen Thema in der \u00f6ffentlichen Diskussion geworden. Auch wenn die Zahl der rechtsextremistischen :~ Gewalttaten nach dem Brandanschlag von Solingen3s r\u00fcckl\u00e4ufig ist, bewegt sie sich immer noch auf einem relativ hohen Niveau. Erfreulich ist, da\u00df sich seit der Welle der fremdenfeindlichen Gewalttaten im Juli 1993 keine neue Nachahmungsund Mobilisierungswelle entwickelt hat, obwohl es seitdem eine Vielzahl spektakul\u00e4rer frem- . -denfeindlicher Aktionen gab, \u00fcber die die Medien ausf\u00fchrlich berichtet haben. Dies verdeutlicht m\u00f6glicherweise, da\u00df fremdenfeindliche 38 Bei diesem Brandanschlag auf ein von einer t\u00fcrkischen Familie bewohntes Haus am 29. Mai 1993 fanden zwei Frauen und drei Kinder den Tod. Sieben weitere Personen erlitten zum Teil schwere Verletzungen.","159 Aktionen nicht mehr im gleichen Ma\u00dfe Resonanz erzeugen k\u00f6nnen, wie dies zuvor der Fall war. Die Ursachen liegen nach neuesten Forschungsergebnissen einer Trierer Wissenschaftlergruppe39 in dem entschiedenen polizeilichen und gerichtlichen Vorgehen gegen fremdenfeindliche Gewaltund Straft\u00e4ter, in der abschreckenden Wirkung von Gewalt auf ein junges, noch nicht politisch radikalisiertes T\u00e4terpotential, in dem R\u00fcckgang der Asylbewerberzahl und der damit verbundenen Reduzierung der \u00c4ngste, Spannungen und Konflikte in den Kommunen; ferner ist der rechten Szene das zentrale Agitationsthema genommen worden, in der ver\u00e4nderten Einstellung der Bev\u00f6lkerung zur Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung. Zu letzterem hat sicherlich auch die bereits im Fr\u00fchjahr 1993 von den Innenministern und -Senatoren von Bund und L\u00e4ndern ins Leben gerufene Aufkl\u00e4rungskampagne unter dem Motto \"FAIRST\u00c4NDNIS - Menschenw\u00fcrde achten - Gegen Fremdenha\u00df\" beigetragen. Unter diesem Motto wurde auch im Berichtszeitraum in Sachsen-Anhalt filr mehr Fairne\u00df gegen\u00fcber Fremden und Verst\u00e4ndnis filr das Fremde, f\u00fcr ein gesellschaftliches Miteinander und mehr Toleranz geworben sowie \u00fcber die Ursachen und Formen von Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus aufgekl\u00e4rt. Zur Unterst\u00fctzung der geistig-politischen Auseinandersetzung mit den Problemen Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus wurden im Rahmen der \"FAIRST\u00c4NDNIS-Kampagne\" Werbematerialien und Hintergrundinformationen gezielt verteilt. Hervorzuheben ist das Sch\u00fclerheft \"BastaNein zur Gewalt\" mit einer dazugeh\u00f6rigen Lehrerhandreiche, das im Jahre.1994 konzipiert wurde und eine \u00fcber die Erwartungen hinausgehende Resonanz in Sch\u00fcler39 H. Willems, St. W\u00fcrz, R Eckert: Forschungsprojekt ,.Analyse fremdenfeindlicher Straft\u00e4ter\" Trier, August 1994 (der Endbericht ist in der Brosch\u00fcrenreihe des Bundesministeriums des Innem .,Texte zur inneren Sicherheit\" ver\u00f6ffentlicht worden und kann dort angefordert werden).","160 und auch Lehrerkreisen gefunden hat. Das gleiche gilt ftlr das Computerspiel \"Dunkle Schatten\", dassolange der Vorrat reichtunter der unten angegebenen Adresse kostenlos angefordert werden kann. Es ist \"freeware\", kann also beliebig oft kopiert werden. Au\u00dferdem haben die Innenressorts der neuen L\u00e4nder eine gemeinsame Wanderausstellung unter dem Motto \"Demokratie - aber sicher!\" erarbeitet, die in plakativer Form vor allem jungen Menschen (Altersgruppe 12 - 18 Jahre) fundamentale Grundwerte unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung, die sie bedrohenden Gefahren (Extremismus und Spionage) sowie die Aufgaben und Arbeitsweise des Verfassungsschutzes im demokratischen Rechtsstaat n\u00e4herbringen will. Innenminister Dr. Manfred Pilehel hat die Wanderausstellung am 21. November 1994 in der Landeszentrale ftlr politische Bildung des Landes Sachsen-Anhalt in Magdeburg feierlich er\u00f6flhet. Dort war sie bis zum 2. Dezember 1994 fiir die \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich und wurde insbesondere von Schulklassen und Jugendgruppen interessiert aufgenommen. Anschlie\u00dfend wurde sie bis zum 22. Dezember 1994 abwechselnd in drei Magdeburger Schulen gezeigt. Die Betreuung der Wanderausstellung erfolgte durch Mitarbeiter des Landesamtes fiir Verfassungsschutz. Informationsmaterialien der Aufkl\u00e4rungskampagne k\u00f6nnen angefordert werden beim Ministerium des lnnem des Landes Sachsen-Anhalt Referat 43 Halberst\u00e4dter Str. 2 39112 Magdeburg.","161 ewalt ist die falsche \u00fcsh!! Dr mar ze rem Du mu 4 Der rum en Krmre Wurzer na NT wer Zu Denn 7 nimm are mon ur Dane min eure miorugua Miete img len\" \" Ar Kae Men Semot jenan ee rer Te oe Frmwuinne Sungerraen Su arze \"mi Benmawtat nt De meet za geraree Rarcar.auen urn sen Iecten von Str Semzcwent Craig Dion ent ame Senet! Yersararu und Fame} munsen die Won sen. Dre Innenmunster von Bund und Landern nenn u... -- x Eur nen tee Dun ur ne Ta a -.: rn ee","162 2. ..Offentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Weiterer Schwerpunkt der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes im Berichtszeitraum war die Durchfiihrung von lnforma.tionsund Vortragsveranstaltungen, insbesondere in Schulen und politischen Seminaren. Au\u00dferdem wurde die \u00d6ffentlichkeit durch Interviews in Presse und Rundfunk sowohl \u00fcber Funktion und Arbeitsweise des Verfassungsschutzes als auch \u00fcber Entwicklungen seiner Beobachtungsobjekte informiert.","163 SS 11 Berichtigung, L\u00f6schung und Sperrung von personenbezogenen Daten in Dateien SS 12 Berichtigung und Sperrung personenbezogener Daten in Akten SS 13 Dateianordnungen Dritter Teil: Auskunft Gesetz \u00fcber den VerfassungsSS 14 Auskunft an die betroffene Person schutz im Land Sachsen-Anhalt Vierter Teil: (VerfSchG-LSA) Informations\u00fcbermittlung SS 15 Unterrichtungspflichten Vom 14. Juli 1992 SS 16 Zul\u00e4ssigkeit von Ersuchen der Ver(GVBI. LSA Nr. 30/1992, fassungsschutzbeh\u00f6rde um \u00dcberausgegeben am 16. 7. 1992) mittlung personenbezogener Daten SS 17 \u00dcbermittlung von Informationen an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Inhalts\u00fcbersicht SS 18 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Erster Teil: SS 19 \u00dcbermittlung von Informationen Organisation und Aufgaben durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde an Strafverfolgungsund SicherSS 1 Zweck des Verfassungsschutzes heitsbeh\u00f6rden in Angelegenheiten SS 2 Organisation und Zusammenarbeit des Staatsund VerfassungsschutSS 3 Bedienstete und Mitarbeiter zes . SS 4 Aufgaben der VerfassungsschutzbeSS 20 \u00dcbermittlungsverbote h\u00f6rde SS 21 Minderj\u00e4hrigenschutz SS 5 Begriffsbestimmungen SS 22 Pflichten des Empf\u00e4ngers SS 23 Nachberichtspflicht Zweiter Teil: Erhebung, Verarbeitung und F\u00fcnfter Teil: Nutzung personenbezogener Daten Parlamentarische Kontrolle SS 6 Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit SS 24 Parlamentarische KontrollkommisSS 7 Befugnisse der Verfassungsschutzsion beh\u00f6rde SS 25 Zusammensetzung und Wahl SS 8 Besondere Formen der DatenerSS 26 Verfahrensweise hebung SS 27 Aufgaben und Befugnisse der ParlaSS 9 Speicherung, Ver\u00e4nderung und mentarischen Kontrollkommission Nutzung personenbezogener Daten SS 28 Beteiligung des DatenschutzbeaufSS 10 Speicherung, Ver\u00e4nderung und Nuttragten zung personenbezogener Daten von SS 29 Datenerhebung bei Mitgliedern des Minderj\u00e4hrigen Landtages","164 Sechster Teil: (4) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer Schlu\u00dfvorschriften L\u00e4nder d\u00fcrfen in Sachsen-Anhalt im Rahmen der Bestimmungen dieses GeSS 30 Geltung des Gesetzes zum Schutz setzes nur im Einvernehmen, das Bunpersonenbezogener Daten der B\u00fcrdesamt fiir Verfassungsschutz nur im ger Benehmen mit der VerfassungsschutzSS 31 Inkrafttreten beh\u00f6rde t\u00e4tig werden. SS3 Bedienstete und Mitarbeiter Erster Teil Organisation und Aufgaben (1) Die Mitarbeiter des Landesamtes fiir Verfassungsschutz haben sich einem SS1 Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsverfahren zu Zweck des Verfassungsschutzes unterziehen, welches insbesondere auf T\u00e4tigkeit fiir das ehemalige Ministe- ( 1) Der Verfassungsschutz dient dem rium fiir Staatssicherheit oder das Amt Schutz der freiheitlichen demokratifiir Nationale Sicherheit der Deutschen schen Grundordnung, des Bestandes Demokratischen Republik \u00fcberpr\u00fcft und der Sicherheit des Bundes und der und fiir das die Beh\u00f6rde des BeaufL\u00e4nder. tragten fiir die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen (2) Er hat die Landesregierung und andere Deutschen Demokratischen Republik Stellen nach Ma\u00dfgabe dieses Gesetzes einbezogen wird. \u00fcber Gefahren fiir diese Schutzg\u00fcter zu unterrichten. Dadurch sollen diese Stel(2) Personen, die dem ehemaligen Represlen rechtzeitig die erforderlichen Ma\u00dfsionsapparat der Deutschen Demokranahmen ergreifen k\u00f6nnen. tischen Republik angeh\u00f6rten, insbesondere ehemalige hauptamtliche oder in(3) Er hat auch die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber seioffizielle Mitarbeiter des Ministeriums ne Aufgabenfelder zu unterrichten. fiir Staatssicherheit oder des Amtes fiir Nationale Sicherheit, Mitarbeiter der SS2 Abteilung I der Kriminalpolizei und Organisation und Zusammenarbeit ehemalige hauptamtliche Mitarbeiter der Sozialistischen Einheitspartei (I) Die Aufgaben des Verfassungsschutzes Deutschlands d\u00fcrfen nicht mit Aufnimmt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gaben des Verfassungsschutzes betraut wahr. Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist werden~ Personen mit Offiziersrang der das Landesamt fiir Verfassungsschutz, ehemaligen bewaffueten Organe der das als obere Landesbeh\u00f6rde dem MiDeutschen Demokratischen Republik nisterium des Innern untersteht. d\u00fcrfen Aufgaben des Verfassungsschutzes nur 1n zu begr\u00fcndenden Aus(2) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darfmit nahmefallen \u00fcbertragen werden. Polizeidienststellen organisatorisch nicht verbunden werden. (3) Sie ist verpflichtet, in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes mit dem Bund und den L\u00e4ndern zusammenzuarbeiten.","165 SS4 Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder ErAufgaben der Verfassungsschutzkenntnisse anvertraut werden, die beh\u00f6rde Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; (1) Aufgabe der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist die Sammlung und Auswertung von 2. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Infonnationen, insbesondere von sachPersonen, die an sicherheitsemund personenbezogenen Ausk\u00fcnften, pfindlichen Stellen von lebensNachrichten und Unterlagen \u00fcber oder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder 1. Bestrebungen, die gegen die freiwerden sollen, welche das zust\u00e4nheitliche demokratische Grundorddige Ministerium im einzelnen benung, den Bestand oder die Sicherstimmt hat; ' heit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetz3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsmen zum Schutz von im \u00f6ffentfiihrung der Verfassungsorgane des lichen Interesse geheimhaltungsBundes oder eines Landes oder ihbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nrer Mitglieder zum Ziel haben; den oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte. 2. fortwirkende Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund AbF\u00fcr die Mitwirkung des Verfassungswehrdienste der ehemaligen Deutschutzes an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung schen Demokratischen Republik, nach Satz I ist die Einwilligung der beinsbesondere des Ministeriums fiir troffenen Person erforderlich. EhegatStaatssicherheit oder des Amtes fiir ten, Verlobte oder die Person, die mit Nationale Sicherheit, im Sinne der der betroffenen Person in LebensgeSSSS 94 bis 99, 129, 129a des Strafmeinschaft zusammenlebt, d\u00fcrfen in die gesetzbuches; Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen ebenfalls nur mit ihrer Einwilligung einbezogen wer3. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geden. heimdienstliche T\u00e4tigkeiten fiir eine fremde Macht im Geltungsbereich (3) Die Mitwirkung der Verfassungsdes Grundgesetzes; schutzbeh\u00f6rde gem\u00e4\u00df Absatz 2 setzt im Einzelfall voraus, da\u00df die betroffene 4. Bestrebungen im Geltungsbereich Person und andere in die \u00dcberpr\u00fcfung des Grundgesetzes, die durch Aneinbezogene Personen \u00fcber Zweck und wendung von Gewalt oder darauf Verfahren der \u00dcberpr\u00fcfung einschlie\u00dfgerichtete Vorbereitungshandlunlich der Verarbeitung der erhobenen gen ausw\u00e4rtige Belange der BunDaten durch die beteiligten Dienststeldesrepublik Deutschland geflihrlen vorab unterrichtet werden. den. SS5 (2) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde wirkt Begriffsbestimmungen auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen mit (1) Es gelten folgende Begriffsbestimmungen: 1. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen a. Bestrebungen gegen den Bestand Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige des Bundes oder eines Landes im Sinne dieses Gesetzes sind solche","166 politisch bestimmten, zielund a. das Recht des Volkes, die Staatszweckgerichteten Verhaltensweigewalt in Wahlen und Abstimmunsen in einem oder fiir einen Pergen und durch besondere Organe sonenzusammenschlu\u00df, der darauf der Gesetzgebung, der vollziehengerichtet ist, die Freiheit des Bunden Gewalt und der Rechtspredes oder eines Landes von fremder chung auszu\u00fcben und die VolksHerrschaft aufzuheben, ihre staatvertretung in allgemeiner, unmittelliche Einheit zu beseitigen oder ein barer, freier, gleicher und geheizu ihm geh\u00f6rendes Gebiet abzumer Wahl zu w\u00e4hlen, trennen. b. die Bindung der Gesetzgebung an b. Bestrebungen gegen die Sicherheit die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung des Bundes oder eines Landes im und die Bindung der vollziehenden Sinne dieses Gesetzes sind solche Gewalt und der Rechtsprechung an politisch bestimmten zielund Gesetz und Recht, zweckgerichteten Verhaltensweisen in einem oder fiir einen Persoc. das Mehrparteienprinzip sowie das nenzusammenschlu\u00df, der darauf Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung gerichtet ist, den Bund, L\u00e4nder einer parlamentarischen Opposioder deren Einrichtungen in ihrer tion, Funktionsf\u00e4higkeit erheblich zu beeintr\u00e4chtigen. d. die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit gegenc. Bestrebungen gegen die freiheit\u00fcber der Volksvertretung, liche demokratische Grundordnung im Sinne dieses Gesetzes sind sole. die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, che politisch bestimmten, zielund zweckgerichteten Verhaltensweif. der Ausschlu\u00df jeder Gewaltund sen in einem oder fiir einen PersoWillk\u00fcrherrschaft und nenzusammenschlu\u00df, der darauf gerichtet ist, einen der in Absatz 2 g. die im Grundgesetz und in der V ergenannten Verfassungsgrunds\u00e4tze fassung des Landes Sachsen-Anhalt zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung konkretisierten Menschenrechte. zu setzen. Zweiter Teil F\u00fcr einen Personenzusammenschlu\u00df handelt, wer ihn in seinen Bestrebungen aktiv Erhebung, Verarbeitung und sowie zielund zweckgerichtet unterst\u00fctzt. Verhaltensweisen von Einzelpersonen, die Nutzung personenbezogener Daten nicht in einem oder fiir einen Personenzusammenschlu\u00df handeln, sind Bestrebungen SS6 im Sinne dieses Gesetzes, wenn sie auf AnGrundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit wendung von Gewalt gerichtet sind oder auf Grund ihrer Wirkungsweise geeignet Eine Ma\u00dfnahme ist unverz\u00fcglich zu beensind, ein Schutzgut dieses Gesetzes erhebden, wenn ihr Zweck erreicht ist oder sich lich zu besch\u00e4digen. Anhaltspunkte dafiir ergeben, da\u00df er nicht oder nicht auf diese Weise erreicht werden (2) Zur freiheitlichen demokratischen kann. Von mehreren geeigneten Ma\u00dfnahGrundordnung im Sinne dieses Gesetmen ist diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofzes z\u00e4hlen: fene Person voraussichtlich am wenigsten beeintr\u00e4chtigt. Eine Ma\u00dfnahme darf keinen","167 Nachteil herbeifiihren, der erkennbar au\u00dfer schutzbeh\u00f6rde nicht zu; sie darf die PoVerh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg lizei auch nicht im Wege der Amtshilfe steht. um Ma\u00dfnahmen ersuchen, zu denen sie selbst nicht befugt ist. SS7 Befugnisse der Verfassungsschutz(6) Werden personenbezogene Daten bei beh\u00f6rde der betroffenen Person mit ihrer Kenntnis erhoben, so ist der Erhebungszweck (1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf die anzugeben. Die betroffene Person ist zur Erfiillung ihrer Aufgaben erforderauf die Freiwilligkeit ihrer Angaben lichen Informationen einschlie\u00dflich perund bei einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung sonenbezogener Daten erheben, verarnach SS 4 Abs. 2 auf eine dienst-, arbeiten und nutzen, soweit nicht die anbeitsrechtliche oder sonstige vertragzuwendenden Bestimmungen des Geliche Mitwirkungspflicht hinzuweisen. setzes zum Schutz personenbezogener Daten der B\u00fcrger vom 12. M\u00e4rz 1992 (7) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ist an (GVBl. LSA S. 152) oder besondere die allgemeinen Rechtsvorschriften geRegelungen in diesem Gesetz entgebunden (Artikel 20 des Grundgesetgenstehen. zes). (2) Voraussetzung fiir die Sammlung und SS8 Auswertung von Informationen ist das Besondere Formen der DatenVorliegen tats\u00e4chlicher Anhaltspunkte erhebung fiir Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten im Sinne des SS 4 Abs. 1. (1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf Informationen, insbesondere personenbe(3) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darfmit zogene Daten, mit nachrichtendienstnachrichtendienstliehen Mitteln, insbeliehen Mitteln erheben, wenn Tatsachen sondere durch Einsatz von Vertrauensdie Annahme rechtfertigen, da\u00df leuten und Gew\u00e4hrspersonen, Observation, Bildund Tonaufzeichnungen und 1. auf diese Weise Erkenntnisse \u00fcber die Verwendung von Tarnpapieren und Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten Tarnkennzeichen Informationen vernach SS 4 Abs. 1 oder die zur Erdeckt erheben. Die nachrichtendienstforschung solcher Erkenntnisse erliehen Mittel sind in einer Dienstvorforderlichen Quellen gewonnen schrift zu benennen, die auch die Zuwerden k\u00f6nnen oder st\u00e4ndigkeit fiir die Anordnung solcher Informationsbeschaffung regelt. Die 2. dies zum Schutz der Mitarbeiter, Dienstvorschrift ist der ParlamentaEinrichtungen, Gegenst\u00e4nde und ~: rischen Kontrollkommission zu \u00fcberQuellen der Verfassungsschutzbesenden. h\u00f6rde gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tig(4) Die Beh\u00f6rden des Landes sind verkeiten erforderlich ist. pflichtet, den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden technische und verwaltungsm\u00e4Die Erhebung nach Satz 1 ist unzu\u00dfige Hilfe fiir Tarnma\u00dfnahmen zu leil\u00e4ssig, wenn die Erforschung des Sachsten. verhalts auf andere, die betroffene Person weniger beeintr\u00e4chtigende Weise (5) Polizeiliche Befugnisse oder Weisungsm\u00f6glich ist; eine geringere Beeintr\u00e4chbefugnisse stehen der Verfassungstigung ist in der Regel anzunehmen,","168 wenn die Information aus allgemein zuzu Artikel 10 Grundgesetz vom 13. g\u00e4nglichen Quellen oder durch eine August 1968 (BGBI. I S. 949), zuletzt Auskunft nach SS 17 Abs. 3 gewonnen ge\u00e4ndert durch Artikel 2 des Gesetzes werden kann. Die Anwendung eines zur \u00c4nderung des Au\u00dfenwirtschaftsnachrichtendienstliehen Mittels darf gesetzes, des Strafgesetzbuches und nicht erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zur anderer Gesetze vom 28. Februar 1992 Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sach(BGBI. I S. 372), verwendet werden. verhalts stehen; insbesondere nicht au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu der Gefahr, die von (4) Mit der Ausnahme von Eigensicheder jeweiligen Bestrebung oder T\u00e4tigrungsma\u00dfnahmen ist die Erhebung keit im Sinne des SS 4 Abs. 1 ausgeht. nach Absatz 1 und 2 in den F\u00e4llen des SS 4 Abs. 2 unzul\u00e4ssig. (2) Das in einer Wohnung nicht \u00f6ffentlich gesprochene Wort darf mit technischen (5) Gegen Unbeteiligte d\u00fcrfen nachrichMitteln nur heimlich mitgeh\u00f6rt oder tendienstliche Mittel grunds\u00e4tzlich aufgezeichnet werden, wenn es im Einnicht gezielt angewendet werden. zelfall zur Abwehr einer gegenw\u00e4rtigen Gefahr fiir das Leben einzelner PerSS9 sonen unerl\u00e4\u00dflich ist und geeignete poSpeicherung, Ver\u00e4nderung und lizeiliche Hilfe fiir das bedrohte RechtsNutzung personenbezogener gut nicht rechtzeitig erlangt werden Daten kann. Satz 1 gilt entsprechend fiir einen verdeckten Einsatz technischer Mittel ( 1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf zur zur Anfertigung von Bildaufnahmen Erfiillung ihrer Aufgaben personenbeund Bildaufzeichnungen in einer Wohzogene Daten in Dateien und Akten nung. speichern, ver\u00e4ndern und nutzen, wenn (3) Bei Erhebungen nach Absatz 2 und sol1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte fiir Bechen nach Absatz 1, die in ihrer Art strebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des 4 Abs. 1 vorliegen, Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses gleichkommen, ist 2. dies fiir die Erforschung und Bewertung von Bestrebungen oder 1. die Parlamentarische KontrollkomT\u00e4tigkeiten nach SS 4 Abs. 1 erformission zu unterrichten und derlich ist oder 2. der Eingriff nach seiner Beendi3. die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde gung der betroffenen Person mitzunach SS 4 Abs. 2 t\u00e4tig wird. teilen, sobald eine Gef\u00e4hrdung des Zweckes des Eingriffs ausge(2) Zur Aufgabenerfiillung nachSS 4 Abs. 2 schlossen werden kann. Die Parlad\u00fcrfen in automatisierten Dateien nur mentarische Kontrollkommission personenbezogene Daten \u00fcber die Perist sp\u00e4testens drei Jahre nach Besonen gespeichert werden, die der Siendigung des Eingriffs zu untercherheits\u00fcberpr\u00fcfung unterliegen oder richten, sofern eine Mitteilung an in die . Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung eindie betroffene Person nicht erfolgt bezogen werden. ist. (3) Die Speicherung von Informationen Die durch solche Ma\u00dfnahmen erhoaus der engeren Pers\u00f6nlichkeitssph\u00e4re benen Informationen d\u00fcrfen nur nach Ma\u00dfgabe des SS 7 Abs. 3 des Gesetzes","169 der betroffenen Personen in Dateien ist diesem Falle sind die Daten zu sperren. unzul\u00e4ssig. Sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt wer(4) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat die den. Speicherungsdauer auf das fi.ir ihre Aufgabenerfiillung erforderliche Ma\u00df (3) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde pr\u00fcft zu beschr\u00e4nken. bei der Einzelfallbearbeitung und nach festgesetzten Fristen, sp\u00e4testens nach SS 10 fiinf Jahren, ob gespeicherte personenSpeicherung, Ver\u00e4nderung und bezogene Daten zu berichtigen oder zu Nutzung personenbezogener Daten l\u00f6schen sind. Gespeicherte personenbevon Minderj\u00e4hrigen zogene Daten \u00fcber Bestrebungen nach SS 4 Abs. 1 Nm. I, 2 oder 4 sind sp\u00e4Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor testens zehn Jahre nach dem Zeitpunkt Vollendung des I6. Lebensjahres d\u00fcrfen in der letzten gespeicherten relevanten InDateien nicht gespeichert werden. Daten formation zu l\u00f6schen, es sei denn, der \u00fcber das Verhalten einer Person nach VollBeh\u00f6rdenleiter begr\u00fcndet im Einzelfall . endungdes I6. und vor Vollendung des I8. ausnahmsweise eine andere Entschei_Lebensjahres sind sp\u00e4testens zwei Jahre dung und legt die Pr\u00fcffiist erneut fest. nach der Erkenntnis auf die Erforderlichkeit der Speicherung zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4te(4) Personenbezogene Daten, die aus- * stens nach fi.inf Jahren zu l\u00f6schen, es sei schlie\u00dflich zu Zwecken der Daten:,' denn, da\u00df nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit schutzkontrolle, der Datensicherung weitere Erkenntnisse nach SS 4 Abs. I angeoder zur Sicherstellung eines ordnungsfallen sind. F\u00fcr die F\u00fchrung von Akten zu gem\u00e4\u00dfen Betriebes einer DatenverarMinderj\u00e4hrigen gelten Satz I und 2 entbeitungsanlage gespeichert werden, sprechend. d\u00fcrfen nur fi.ir diese Zwecke verwendet werden. SS 11 Berichtigung, L\u00f6schung und SS 12 Sperrung von personenbezogenen Berichtigung und Sperrung Daten in Dateien personenbezogener Daten in Akten (I) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat die (1) Stellt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde in Dateien gespeicherten personenbefest, da\u00df in Akten gespeicherte persozogenen Daten zu berichtigen, wenn sie nenbezogene Daten unrichtig sind, oder unrichtig sind. wird ihre Richtigkeit von der betroffenen Person bestritten, so ist dies in (2) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat die der Akte zu vermerken oder auf sonin Dateien gespeicherten personenbestige Weise festzuhalten. zogenen Daten zu l\u00f6schen, wenn ihre Speicherung unzul\u00e4ssig war oder ihre (2) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde hat personenbezogene Daten zu sperren, wenn ~enntnis fi.ir die Aufgabenerfi.illung mcht mehr erforderlich ist. In diesem sie im Einzelfall feststellt, da\u00df ohne die Fall sind auch die zu ihrer Person geSperrung schutzw\u00fcrdige Interessen der fi.ihrten Akten zu vernichten. Die betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrL\u00f6schung unterbleibt, wenn Grund zu den und die Daten fi.ir ihre k\u00fcnftige der Annahme besteht, da\u00df durch sie Aufgabenerfi.illung nicht mehr erforschutzw\u00fcrdige Interessen der betrofderlich sind. Gesperrte Daten sind mit fenen Person beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden. In einem entsprechenden Vermerk zu ver-","170 sehen; sie d\u00fcrfen nicht mehr genutzt SS 14 oder \u00fcbermittelt werden. Eine AufheAuskunft an die betroffene Person bung der Sperrung ist m\u00f6glich, wenn ihre Voraussetzungen nachtr\u00e4glich ent(1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde erteilt fallen. der betroffenen Person \u00fcber zu ihrer SS 13 Person gespeicherte Daten auf Antrag Dateianordnungen unentgeltlich Auskunft, soweit sie hierzu auf einen konkreten Sachverhalt hin(1) F\u00fcr jede automatisierte Datei sind in eiweist und ein besonderes Interesse an ner Dateianordnung, die der Zustimeiner Auskunft darlegt. Die von der be-~ mung des Ministeriums des lnnem betroffenen Person nach Satz 1 mitgedarf, festzulegen: teilten Infonnationen d\u00fcrfen nur zum Zwecke der Pr\u00fcfung des Auskunfts1. Bezeichnung der Date~ begehrens verwendet werden. 2. Zweck der Datei, 3. Voraussetzungen der Speicherung, (2) Die Auskunftserteiluns unterbleibt, so\u00dcbermittlung und Nutzung (betrofweit fener Personenkreis, Arten der Daten), 1. eine Gef\u00e4hrdung der Aufgabener4. Anlieferuns oder Eingabe, rullung durch die Auskunftsertei5. Zugangsberechtigung, luns zu besorgen ist, 6. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, 2. durch die Auskunftserteiluns Quel1. Protokollierung. len gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforschung des ErkenntnisstanDer Landesbeauftragte fiir den Datendes oder der Arbeitsweise der Verschutz ist vor Erla\u00df einer Dateianordfassungsschutzbeh\u00f6rde zu befiirchnung anzuh\u00f6ren. ten ist, (2) Die Speicherung personenbezogener 3. die Auskunft die \u00f6ffentliche SicherDaten ist auf das erforderliche Ma\u00df zu heit gef\u00e4hrden oder sonst dem beschr\u00e4nken. In angemessenen Abst\u00e4nWohl des Bundes oder eines Landen ist die Notwendigkeit der Weiterdes Nachteile bereiten w\u00fcrde oder ruhruns oder \u00c4nderung der Dateien zu \u00fcberpr\u00fcfen. 4. die Daten oder die Tatsache der Speicherung nach einer Rechtsvor(3) In der Dateianordnung \u00fcber automatischrift oder ihrem Wesen nach, inssierte personenbezogene Textdateien besondere wegen der \u00fcberwiegenist die Zugriffsberechtigung auf Persoden berechtigten Interessen eines nen zu beschr\u00e4nken, die unmittelbar mit Dritten, geheimgehalten werden Arbeiten in dem Gebiet betraut sind, m\u00fcssen. dem die Textdateien zugeordnet sind; Ausz\u00fcge aus Textdateien d\u00fcrfen nicht Die Entscheidung triffi der Beh\u00f6rdenohne die dazugeh\u00f6renden erl\u00e4uternden leiter oder ein von ihm besonders beUnterlagen \u00fcbermittelt werden. auftragter Mitarbeiter. Dritter Teil (3) Die Auskunftsverpflichtung erstreckt sich nicht auf die Herkunft der Daten Auskunft und die Empf\u00e4nger von \u00dcbermittlungen.","171 (4) Die Ablehnung der Auskunftserteilung kanntgabe fiir das Verst\u00e4ndnis des Zubedarf keiner Begr\u00fcndung, soweit dasammenhanges oder der Darstellung durch der Zweck der Auskunftsverweivon Organisationen oder unorganisiergerung gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Die Gr\u00fcnde ten Gruppen erforderlich ist und \u00fcberder Auskunftsverweigerung sind aktenwiegende schutzw\u00fcrdige Interes-sen kundig zu machen. Wrrd die Ausder betroffenen Person nicht entkunftserteilung abgelehnt, ist die begegenstehen. troffene Person auf die Rechtsgrundlage fiir das Fehlen der Begr\u00fcndung SS 16 und darauf hinzuweisen, da\u00df sie sich an Zul\u00e4ssigkeit von Ersuchen der den Landesbeauftragten fiir den DatenVerfassungsschutzbeh\u00f6rde um schutz wenden kann. Dem Landesbe\u00dcbermittlung personenbezogener Daauftragten fiir den Datenschutz ist auf ten sein Verlangen Auskunft zu erteilen, soweit nicht das Ministerium des In- ( 1) Werden \u00f6ffentliche Stellen, die nicht nem im Einzelfalle feststellt, da\u00df daNachrichtendienste sind, um \u00dcbermittdurch die Sicherheit des Bundes oder lung personenbezogener Daten ersucht, eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Mitso d\u00fcrfen nur die Daten \u00fcbermittelt teilungen des Landesbeauftragten an werden, die bei der ersuchten Beh\u00f6rde _. die betroffene Person d\u00fcrfen keine bekannt sind oder aus allgemein zuR\u00fcckschl\u00fcsse auf den Erkenntnisstand g\u00e4nglichen Quellen entnommen werden der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde zulask\u00f6nnen. sen, sofern sie nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Der Landesbe(2) Absatz I gilt nicht fiir Ersuchen um auftragte kann die Parlamentarische solche Daten, die bei der WahrnehKontrollkommission unterrichten, wenn mung grenzpolizeilicher Aufgaben besich fiir ihn im Einzelfall Beanstankannt werden. dungen ergeben, eine Auskunft an die betroffene Person aber aus Geheimhal(3) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde braucht tungsgr\u00fcnden unterbleiben mu\u00df. Ersuchen nicht zu begr\u00fcnden, soweit dies dem Schutz der betroffenen PerVierter Teil son dient oder eine Begr\u00fcndung den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden w\u00fcrInformations\u00fcbermittlung de. SS 15 SS 17 Unterrichtungspflichten \u00dcbermittlung von Informationen an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde ' (1) Die Landesregierung unterrichtet den J Landtag mindestens einmal j\u00e4hrlich (I) \u00d6ffentliche Stellen des Landes unter\u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten richten von sich aus die VerfassungsnachSS 4 Abs. 1. schutzbeh\u00f6rde \u00fcber die ihnen bekanntgewordenen Tatsachen, die sicherheits(2) Die Landesregierung und die Verfasgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche sungsschutzbeh\u00f6rde unterrichten die T\u00e4tigkeiten fiir eine fremde Macht oder \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und Bestrebungen im Geltungsbereich dieT\u00e4tigkeiten nach SS 4 Abs. 1. ses Gesetzes erkennen lassen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf (3) Sie d\u00fcrfen dabei auch personenbezogegerichtete Vorbereitungshandlungen ne Daten bekanntgeben, wenn die Be-","172 gegen die in SS 4 Abs. 1 Nm. 1 und 4 Wahrnehmung der Aufgaben nach SS 4 genannten Schutzg\u00fcter gerichtet sind. Abs. 1 Nm. 2 bis 4 sowie bei der Beobachtung terroristischer Bestrebungen (2) Die Staatsanwaltschaften und, vorbeamtliche Register einsehen. haltlich der staatsanwaltschaftliehen Sachleitungsbefugnis, die Polizei \u00fcber(5) \u00dcber die Einsichtnahme nach Absatz 4 mitteln dar\u00fcber hinaus von sich aus der hat die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde eiVerfassungsschutzbeh\u00f6rde auch alle nen Nachweis zu fUhren, aus dem der anderen ~en bekanntgewordenen InZweck und die Veranlassung, die erformationen einschlie\u00dflich personenbesuchte Beh\u00f6rde und die Aktenfundzogener Daten \u00fcber Bestrebungen nach stelle hervorgehen; die Nachweise sind SS 4 Abs. 1, wenn tats\u00e4chliche Anhaltsgesondert aufzubewahren, gegen unbepunkte dafiir bestehen, da\u00df die \u00dcberrechtigten Zugriff zu sichern und am mittlung fi.ir die Erfiillung der Aufgaben Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde erforihrer Erstellung folgt, zu vernichten. derlich ist. (6) Die \u00dcbermittlung personenbezogener (3) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf zur Daten, die auf Grund einer Ma\u00dfnahme Erfi.illung ihrer Aufgaben die Staatsannach SS 100 a der Strafproze\u00dfordnung waltschaften und, vorbehaltlich der bekanntgeworden sind, ist nach den staatsanwaltschaftliehen SachleitungsVorschriften der Abs\u00e4tze 1 bis 3 nur befugnis, die Polizei sowie andere Bezul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Anhaltsh\u00f6rden um \u00dcbermittlung der zur Erpunkte dafiir bestehen, da\u00df jemand eine fi.illung ihrer Aufgaben erforderlichen der in SS 2 des Gesetzes zu Artikel 10 Informationen einschlie\u00dflich personenGrundgesetz genannten Straftaten bezogener Daten ersuchen, wenn sie plant, begeht oder begangen hat. Auf nicht aus allgemein zug\u00e4nglichen Queldie der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde nach len oder nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem AufSatz 1 \u00fcbermittelten Kenntnisse und wand oder nur durch eine die betrofUnterlagen findet SS 7 Abs. 3 und 4 des fene Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfGesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz nahme erhoben werden k\u00f6nnen. Die entsprechende Anwendung. Ersuchen sind aktenkundig zu machen. Unter gleichen Voraussetzungen darf (7) \u00dcbermittelte Informationen hat die die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Verfassungsschutzbeh\u00f6rde eigenst\u00e4ndig zu bewerten. I. Beh\u00f6rden des Bundes und der bundesunmittelbaren juristischen PerSS 18 sonen des \u00f6ffentlichen Rechts, \u00dcbermittlung personenbezogener Daten durch die Verfassungsschutz2. Staatsanwaltschaften und, vorbebeh\u00f6rde haltlich der staatsanwaltschaftliehen Sachleitungsbefugnis, Poli(1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf zeien des Bundes und anderer L\u00e4npersonenbezogene Daten an inl\u00e4ndische der um die \u00dcbermittlung solcher Beh\u00f6rden \u00fcbermitteln, wenn dies zur Informationen ersuchen. Erfi.illung ihrer Aufgaben erforderlich ist oder der Empf\u00e4nger die Daten zum (4) W\u00fcrde durch die \u00dcbermittlung nach Schutz der freiheitlichen demokraAbsatz 3 der Zweck der Ma\u00dfnahme getischen Grundordnung oder sonst fi.ir fahrdet oder die betroffene Person unZwecke der \u00f6ffentlichen Sicherheit beverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig beeintr\u00e4chtigt, darf die n\u00f6tigt. Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcberVerfassungsschutzbeh\u00f6rde bei der","173 mittelten Daten, soweit gesetzlich geheimdienstliehen T\u00e4tigkeiten einer nichts anderes bestimmt ist, nur zu dem fremden Macht erforderlich ist und das Zweck verwenden, zu dem sie ihm Ministerium des Innem seine Zustim\u00fcbermittelt wurden. mung erteilt hat. Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten Daten nur fiir den (2) Auf Anfragen der Einstellungsbeh\u00f6rden Zweck verwenden, zu dem sie ihm erteilt der Verfassungsschutz auch \u00fcbermittelt wurden. Der Empf\u00e4nger ist Ausk\u00fcnfte zur \u00dcberpr\u00fcfung der Verauf die Verwendungsbeschr\u00e4nkung und fassunsstreue von Personen, die sich darauf hinzuweisen, da\u00df die Verfasfiir den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. sungsschutzbeh\u00f6rde sich vorbeh\u00e4lt, Die Auskunft ist beschr\u00e4nkt auf ge\u00fcber die vorgenommene Verwendung richtsverwertbare Tatsachen aus vorder Daten um Auskunft zu bitten. handenen Unterlagen. - SS 19 (3) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf Ubermittlung von Informationen personenbezogene Daten an ausl\u00e4ndurch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde dische Stellen sowie an \u00fcberund zwian Strafverfolgungsund Sicherheitsschenstaatliche Stellen \u00fcbermitteln, beh\u00f6rden in Angelegenheiten des wenn die \u00dcbermittlung zur Erfiillung Staatsund Verfassungsschutzes ihrer Aufgaben oder zur Wahrung erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erforderlich ist. Die \u00dcber(1) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde \u00fcbermittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige mittelt den Staatsanwaltschaften und, Belange der Bundesrepublik Deutschvorbehaltlich der staatsanwaltschaftland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige liehen Sachleitungsbefugnis, der Polizei Interessen -der betroffenen Personen, von sich aus die ihr bekanntgeworinsbesondere wegen der Gefahr einer denen Informationen einschlie\u00dflich perrechtsstaatswidrigen Verfolgung, entsonenbezogener Daten, wenn tats\u00e4chgegenstehen. Die \u00dcbermittlung ist akliche Anhaltspunkte dafiir bestehen, tenkundig zu machen. Der Empf\u00e4nger da\u00df die \u00dcbermittlung zur Verhinderung ist darauf hinzuweisen, da\u00df die \u00fcberoder Verfolgung von Staatsmittelten Daten nur zu dem Zweck verschutzdelikten erforderlich ist. wendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden und die Verfas(2) Delikte nach Absatz 1 sind sungsschutzbeh\u00f6rde sich vorbeh\u00e4lt, \u00fcber die vorgenommene Verwendung 1. die in SSSS 74 a und 120 des Geder Daten um Auskunft zu bitten. richtsverfassungsgesetzes genannten Straftaten, * (4) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde darf im ;' Rahmen ihrer Aufgaben nach SS 4 per2. alle Straftaten, bei denen auf Grund sonenbezogene Daten an andere Stellen ihrer Zielsetzung, des Motivs des \u00fcbermitteln, soweit dies fiir die ErheT\u00e4ters oder dessen Verbindung zu bung personenbezogener Daten erforeiner Organisation tats\u00e4chliche Anderlich ist. Im \u00fcbrigen d\u00fcrfen personenhaltspunkte dafiir vorliegen, bezogene Daten an andere Stellen nicht \u00fcbermittelt werden, es sei denn, da\u00df a. da\u00df sie sich gegen die freidies zum Schutz der freiheitlichen deheitliche demokratische mokratischen Grundordnung, des BeGrundordnung, gegen den Bestandes oder der Sicherheit des Bundes stand oder die Sicherheit des oder eines Landes oder ferner zur AbBundes oder eines Landes wehr von sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder richten,","174 b. da\u00df es sich um Bestrebungen Die Verpflichtung zur Wahrung gesetzlihandelt, die durch Anwendung cher Geheimhaltungspflichten oder von Bevon Gewalt oder durch darauf rufsoder besonderen Amtsgeheimnissen, gerichtete Vorbereitungshanddie nicht auf gesetzlichen Vorschriften belungen ausw\u00e4rtige Belange der ruhen, bleibt unber\u00fchrt. Bundesrepublik Deutschland gefahrden (Artikel 73 Nr. 10 SS21 Buchst. b und c des GrundgeMinderj\u00e4hrigenschutz setzes, Gesetzestext ist ebenfalls im Anhang abgedruckt). (1) Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcber das Verhalten (3) Die Polizei darf zur Verhinderung von Minderj\u00e4hriger d\u00fcrfen nach den VorStaatsschutzdelikten nach Absatz 2 die schriften dieses Gesetzes \u00fcbermittelt Verfassungsschutzbeh\u00f6rde um \u00dcberwerden, solange die Voraussetzungen mittlung der erforderlichen Informatioder Speicherung nach SS 10 erfiillt sind. nen einschlie\u00dflich personenbezogener Liegen die Voraussetzungen nicht mehr Daten ersuchen. vor, bleibt eine \u00dcbermittlung nur zul\u00e4ssig, wenn sie zur Abwehr einer er(4) Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde \u00fcberheblichen Gefahr oder zur Verfolgung mittelt dem Bundesnachrichtendienst einer Straftat von erheblicher Bedeuund dem Milit\u00e4rischen Abschirmdienst tung erforderlich ist. Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten, wenn tats\u00e4chliche (2) Informationen einschlie\u00dflich personenAnhaltspunkte dafiir bestehen, da\u00df die bezogener Daten \u00fcber Minderj\u00e4hrige \u00dcbermittlung zur Erfiillung der gesetzvor Vollendung des 16. Lebensjahres lichen Aufgaben des Empf\u00e4ngers erforaus nicht zur Person gefiihrten Akten derlich ist (SS 21 Abs. 2 des Bundesverd\u00fcrfen an ausl\u00e4ndische, \u00fcberoder zwifassungsschutzgesetzes). schenstaatliche Stellen nicht \u00fcbermittelt werden. SS20 \u00dcbermittlungsverbote SS22 Pflichten des Empf\u00e4ngers Die \u00dcbermittlung nach den Vorschriften dieses Teils unterbleibt, wenn Der jeweilige Empf\u00e4nger pr\u00fcft, ob die nach den Vorschriften dieses Gesetzes \u00fcbermit1. fiir die \u00fcbermittelnde Stelle erkennbar telten personenbezogenen Daten fiir die Erist, da\u00df unter Ber\u00fccksichtigung der Art fiillung seiner Aufgaben erforderlich sind. der Informationen, insbesondere bei Ergibt die Pr\u00fcfung, da\u00df sie nicht erforderDaten aus der engeren Pers\u00f6nlichkeitslich sind, hat er die Unterlagen zu vernichsph\u00e4re, und ihrer Erhebung die schutzten. Die Vernichtung kann unterbleiben, w\u00fcrdigen Interessen der betroffenen wenn die Trennung von anderen InformaPerson das Allgemeininteresse an der tionen, die zur Erfiillung der Aufgaben er\u00dcbermittlung \u00fcberwiegen. forderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand m\u00f6glich ist; in diesem 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen Fall sind die Daten zu sperren und in den dies erfordern oder Akten entsprechend zu kennzeichnen. 3. besondere gesetzliche \u00dcbermittlungsregelungen entgegenstehen, insbesondere wenn die Informationen zu l\u00f6schen waren.","175 SS23 (4) Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag Nachberichtspflicht oder seiner Fraktion aus oder wird es Mitglied der Landesregierung, so verErweisen sich personenbezogene Daten liert es seine Mitgliedschaft in der nach ihrer \u00dcbennittlung als unvollst\u00e4ndig Kommission. Absatz 3 bleibt unbeoder unrichtig, so sind sie unverz\u00fcglich ger\u00fchrt. F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcggen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, es lich ein neues Mitglied zu w\u00e4hlen. Das sei denn, da\u00df dies fiir die Beurteilung eines gleiche gilt, wenn ein Mitglied aus der Sachverhaltes ohne Bedeutung ist. Kommission ausscheidet. F\u00fcnfter Teil SS26 Verfahrensweise Parlamentarische Kontrolle (1) Die Beratungen der Parlamentarischen Kontrollkommission sind geheim. Die SS24 Mitglieder und ihre Stellvertreter sind Parlamentarische Kontrollzur Geheimhaltung der Angelegenheikommission ten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigkeit in der Parlamentarischen Kon- ( 1) Die Landesregierung unterliegt auf dem trollkommission bekannt geworden Gebiet des Verfassungsschutzes der sind. Dies gilt auch fiir die Zeit nach Kontrolle durch den Landtag. Diese dem Ausscheiden aus der Kommission. *... Aufgabe nimmt die Parlamentarische Die Pflicht zur Geheimhaltung gilt nicht Kontrollkommission wahr. fiir die Bewertung aktueller Vorg\u00e4nge, wenn eine Mehrheit von zwei Dritteln (2) Die Rechte des Landtages und seiner der anwesenden Mitglie-der der ParlaAussch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. mentarischen Kontroll-kommission ihre vorherige Zustim-mung erteilt. SS25 Zusammensetzung und Wahl (2) Die Kommission tritt mindestens viertelj\u00e4hrlich, zus\u00e4tzlich auf Antrag eines * (1) Die Parlamentarische KontrollkommisMitgliedes zusammen. sion besteht aus fiinf Abgeordneten des Landtages. Die Sitze stehen den Frak(3) Sie w\u00e4hlt einen Vorsitzenden und gibt tionen nach dem d'Hondtschen H\u00f6chstsich eine Gesch\u00e4ftsordnung. Diese rezahlverfahren im Verh\u00e4ltnis ihrer St\u00e4rgelt auch, unter welchen Voraussetke zu. zungen Sitzungsunterlagen und Protokolle von den Mitgliedern der Kommis(2) Der Landtag w\u00e4hlt die Mitglieder der sion und ihren Stellvertretern eingeKommission sowie die gleiche Zahl von sehen werden k\u00f6nnen. Stellvertretern mit der Mehrheit seiner Abgeordneten. SS27 Aufgaben und Befugnisse der (3) Die Parlamentarische KontrollkommisParlamentarischen Kontrollsion \u00fcbt ihre T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das kommission Ende der Wahlperiode des Landtages solange aus, bis der nachfolgende (1) Die Landesregierung unterrichtet die Landtag eine neue Parlamentarische Parlamentarische Kontrollkommission Kontrollkommission gew\u00e4hlt hat. umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6r-de","176 und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung. Hierzu geh\u00f6rt auch das T\u00e4SS28 tigwerden von VerfassungsschutzbeBeteiligung des Datenschutzh\u00f6rden anderer L\u00e4nder und des Bunbeauftragten desamtes fiir Verfassungsschutz in Sachsen-Anhalt. Sie berichtet auch Die Parlamentarische Kontrollkommission \u00fcber den Erla\u00df von Verwaltungsvorhat auf Antrag von mindestens zwei Mitschriften. Die Entw\u00fcrfe der j\u00e4hrlichen gliedern den Landesbeauftragen fiir den Wirtschaftspl\u00e4ne der VerfassungsDatenschutz zu beauftragen, die Rechtm\u00e4schutzbeh\u00f6rde werden der Kommission \u00dfigkeit einzelner Ma\u00dfnahmen, die die Verzur Mitberatung \u00fcberwiesen. Die Lanfassungsschutzbeh\u00f6rde durchgefiihrt hat, zu desregierung unterrichtet die Kommis\u00fcberpr\u00fcfen. Die Befugnisse des Beauftragsion \u00fcber den Vollzug der Wrrtschaftsten richten sich nach den Bestimmungen pl\u00e4ne im Haushaltsjahr. Die Kommisdes Gesetzes zum Schutz personenbezogesion hat das Recht, von sich aus Sachner Daten der B\u00fcrger. verhalte aufzugreifen. SS29 (2) Die Kommission hat auf Antrag mindeDatenerhebungen bei Mitgliedern stens eines ihrer Mitglieder das Recht des Landtages auf Erteilung von Ausk\u00fcnften, Einsicht in Akten und andere Unterlagen, Zu(1) Setzt die Verfassungsschutzbeh\u00f6r~e gang zu Einrichtungen der Verfasnachrichtendienstliche Mittel gegen em sungsschutzbeh\u00f6rde sowie auf Anh\u00f6Mitglied des Landtages von Sachsenrung von Auskunftspersonen. Der MiAnhalt ein, hat der Minister des lnnem nister des lnnem kann einem bestimmdie Parlamentarische Kontrollkommisten Kontrollbegehren widersprechen, sion und den Pr\u00e4sidenten des Landwenn es im Einzelfall die Erfi.illung der tages unverz\u00fcglich hiervon zu unterAufgaben der Verfassungsschutzberichten. h\u00f6rde erheblich gefahrden w\u00fcrde~ er hat dies vor dem Ausschu\u00df schl\u00fcssig zu (2) Im Falle des Absatz 1 sind der betroffebegr\u00fcnden. Die besonderen Rechte parnen Person nachrichtendienstliche lamentarischer UntersuchungsausMa\u00dfnahmen nach ihrer Einstellung mitsch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. zuteilen, wenn eine Gefahrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen (3) Die Parlamentarische Kontrollkommiswerden kann. L\u00e4\u00dft sich in diesem Zeitsion ist auch das Gremium nach dem punkt noch nicht abschlie\u00dfend b.eurGesetz zu Artikel 10 Grundgesetz, das teilen, ob diese Voraussetzung vorliegt, nach SS 11* Abs. 1 und 5 dieses Geist die Mitteilung vorzunehmen, sobald setzes \u00fcber die angeordneten Beeine Gefahrdung des Zwecks der Ma\u00dfschr\u00e4nkungsma\u00dfnahmen unterrichtet nahme ausgeschlossen werden kann. wird. SS 9 Abs. 4 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. (4) Die Parlamentarische Kontrollkommission erstattet dem Landtag in der Mitte und am Ende jeder Wahlperiode einen Bericht \u00fcber * ihre bisherige Kontrollt\u00e4tigkeit. Dabei sind die Grunds\u00e4tze des SS 26 Abs. 1 zu beachten. * Richtigerweise mu\u00df es SS 9 hei\u00dfen","177 Sechster Teil Schlu\u00dfvorschriften SS30 Geltung des Gesetzes zum Schutz personenbezogener Daten der B\u00fcrger Bei der Erfiillung der Aufgaben nach SS 4 durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde finden die SSSS 7 und 9 bis 16 des Gesetzes zum Schutz personenbezogener Daten der B\u00fcrger keine Anwendung. SS 31 In krafttreten _ Dieses Gesetz tritt vierzehn Tage nach sei:* ner Verk\u00fcndung in Kraft.","178 AAZ Autonomer Antifaschistischer Zusammenschlu\u00df AIZ Antiimperialistische Zelle AJIBZ Antifaschistische Jugend/Bundesweiter Zusammenschlu\u00df AJF Antifa-Jugendfront Nord ANS/NA Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten BBZ Berlin-Brandenburger-Zeitung BdA Bund der Antifaschisten BNP British National Party BWK Bund Westdeutscher Kommunisten DA Deutsche Alternative DFN Deutscher Freundeskreis Nordharz DKP Deutsche Kommunistische Partei DLVH Deutsche Liga fiir Volk und Heimat DN Deutsche Nationalisten DVU Deutsche Volksunion . epts Edelwei\u00dfpiratinnen ERNK Nationale Befreiungsfront Kurdistans FAP Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei FIS Islamische Heilsfront FMJ F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend GdNF Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front GIA Bewaffnete Islamische Gruppe GIM Gruppe Internationaler Marxisten","179 GRU Milit\u00e4rischer Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration HNG Hilfsorganisation fiir nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V. IHV Internationales Hilfskomitee fiir nationale politische Ver.; folgte und deren Angeh\u00f6rige e. V. ISOR Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angeh\u00f6riger bewaffneter Organe und der Zollverwaltung der DDR JF Direkte Aktion!Mitteldeutschland JN Junge Nationaldemokraten JNS Junges Nationales Spektrum JRE Jugend gegen Rassismus in Europa K.O.M.Konstruktives Offenes Munteres Politisches LinksP.L.O.T.T radikales Ost-Thematisches Treffen KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands KGB Komitee fiir Staatssicherheit der ehemaligen Sowjet- . unton .KNB Kasachischer Nachrichtendienst KPD Kommunistische Partei Deutschlands KPD-Ost Kommunistische Partei Deutschlands, Sitz Berlin KPDIML Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten - KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion KPF Kommunistische Plattform in der PDS LDPR Liberal-Demokratische-Partei-Ru\u00dflands MfS Ministerium fiir Staatssicherheit MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands NADIS Nachrichtendienstliches Informationssystem NF Nationalistische Front NID Nordharz Info-Dienst","180 NIT Nationale Info-Telefone NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP/AO Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei/Auslandsund Aufbauorganisation PDS Partei des Demokratischen Sozialismus PKK Arbeiterpartei Kurdistans PNFE Parti Nationaliste Fran~ais et Europeen RAF Rote Armee Fraktion REP Die Republikaner SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SiR-LSA Richtlinien fiir die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen im Rahmen des Geheimschutzes ; SpAD Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands SrA Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront StGB Strafgesetzbuch SWR Ziviler Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration TLD Trotzkistische Liga Deutschlands TKP/M-L T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten *. VerfSchGGesetz \u00fcber den Verfassungsschutz im Land SachsenLSA Anhalt vs Verschlu\u00dfsachen VSA-LSA Verschlu\u00dfsachenanweisung f\u00fcr das Land Sachsen-Anhalt VSP Vereinigte Sozialistische Partei VVN Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes WJ Wiking-Jugend WSDV Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft\"Wir sind das Volk\"","* 181 * -AAktion '94 112 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) 60 Altm\u00e4rkischer Verein f\u00fcr Tradition und Begegnung e. V. 99 Angriff 67 - 70; 72; 82; 100 Anschrift des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt 142; 154 ANTI-ANTIFA 10; 40; 5457; 65; 77; 78 Antifa 2* 9* 63* 65* 77* 81* 112116* 131 '''' Antifa-Aktionstag ' ' 112 Ostharz ' Antifa-Gruppen 9; 112; 115 Antifa-Ha/Qu 2; 113; 115 Antifa-Jugendfront Nord (AJF) 113 *Antifaschistische Gruppe Bandiera Rossa 113; 115; 116; 118 Antifaschistische Jugend/Bundesweiter Zusammenschlu\u00df (AJ/BZ) 77 Antiimperialistische Widerstandszelle Nadia SHEHADAH 135 Antiimperialistische Zelle (AIZ) 135;136 Antisemitische Vorf\u00e4lle 42 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 116; 138; 139 Arbeitstagung Umbruch 71 Aufbruch (Blankenburg) 71 Aufbruch (Publikation) 60; 62; 72 Auschwitz 14; 17; 18; 22; 23 Auschwitzl\u00fcge 17 Ausl\u00e4nderextremismus 149; 153 Autonome 27; 81; 108110; 112; 113; 115; 116; 118; 120 Autonomen-Kongre\u00df 11 0; 111 Autonomer Antifaschistischer Zusammenschlu\u00df (AAZ) 113","* 182 -BBad K\u00f6sen, Burgenlandkreis 99 Bad Lauchst\u00e4dt, Landkreis Merseburg -Querfurt 29 Ballenstedt, Landkreis Quedlinburg 42 Bandiera Rossa 113; 115; 116; 118 Basta-Nein zur Gewalt 159 Berlin-Brandenburger-Zeitung (BBZ) 68 - 70; 81; 82; 84 Besch\u00e4ftigtenanzahl des Landesamtes filr Verfassungsschutz SachsenAnhalt 193 Besetzte Zone 113 Bewaffnete Islamische Gruppe {GIA} 138 Bewegung 2. Juni 128 Bewegung 25. Februar 134 Bitterfeld, Landkreis Bitterfeld 43; 123 Blankenburg, Landkreis Wernigerode 71 Bonese, Altmarkkreis Salzwedel 94 Boots Brothers (Skin-Band aus Delmenhorst) 30 British National Party (BNP) 24 Bund der Antifaschisten (BdA) 115 Bundesgerichtshof 96 Bundeskoordinierungsrat (Gremium der KPF) 130 , Bundesminister des lnnem 60; 68; 69; 105 .* Bundespr\u00fcfstelle filr jugendgef\u00e4hrdende Schriften 31 Bundesregierung 60; 128 Bundessprecherlnnenrat (Gremium der KPF) 130 Bundesverfassungsgericht 60; 61; 150 Bundesverwaltungsgericht 88 B\u00fcndnis gegen faschistische Strukturen im Ostharz 115 Burg, Landkreis Jerichower Land 38; 120 BURMEISTER, Lars 85 BUSSE, Friedhelm 59; 60; 62; 63 BUTZ, Artbur 18 -CCB-Funk 15; 51 Celtic Warrior (Skin-Band aus England) 31","183 * CHRISTOPHERSEN, Thies 17; 22; 23 Clash 112 Cobbel, Landkreis Stendal 30 COMMUNICATION SECURITY (COMSEC) 145 COMSEC-Beauftragter 145 Coswig, Landkreis Anhatt-Zerbst 84 -DDECKERT, G\u00fcnter 96; 99 DELLWO, Karl-Heinz 133 Demokratie - aber sicher! 160 Der Kamerad 62 Der Republikaner 92 Dessau 39; 84; 120; 127 Deutsche Alternative (DA) 80; 84 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 122; 124; 127 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 4; 76; 77; 8083; 102104 Deutsche Nationalisten (DN) 81 Deutsche Nationalzeitung 100 Deutsche Stimme 95 Deutsche Volksunion (DVU) 4; 6; 89; 91; 95; 99; 100103 Deutsche Wochenzeitung/Deutscher Anzeiger 100 Deutscher Freundeskreis Nordharz (DFN) 53; 70; 7477 Deutschlandreport 19 Die Bauernschaft 19; 22; 23 Die Nationalen e. V. 80; 8285; 104 Die Neue Front 56 Die Republikaner (REP) 83; 8892; 94; 95; 103; 104 Die Rote Fahne 126 Die Unregierbaren - Autonome Liste 118; 120 Direkte Aktion!Mitteldeutschland (JF) 53; 66 - 71; 74; 76; 77; 80; 82;84 Disput 130 Doitsche Patrioten (Skin-Band aus Magdeburg) 30; 31; 34 Dunkle Schatten 160","184 -EEdelwei\u00dfpiratinnen (epis) 113 EGGERS, Wolfgang 122 Einblick 56; 57 Elbsturm (Skin-Band aus Magdeburg) 30; 31; 34; 118 Elias (Mailbox im Rhein Neckar-Raum) 9 Empire (Mailbox in Winnenden) 9 -FFAIRST\u00c4NDNIS-Kampagne 158; 159 FAP-Kameradschaft Wernigerode 62; 63 FAP-Verbotsantrag 60 Fanzines 27; 34 Faschismus 109; 112; 127; 128 FAURISSON, Robert 17; 18 FAX 15 FOLKERTS, Knut 133 F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend (FMJ) 68; 69; 82 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 13; 24; 25; 50; 52; 5763*65*66* 76* 77* 83* 85 ' ' ' ' ' ' Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft - \"Wir sind das Volk\" (WSDV) 83 FREY, Dr. Gerhard 4; 91; 93; 100; 101 -GGardelegen, Altmarkkreis Salzwedel 29; 120 Geheimschutz 143146; 149; 153 Geheimschutz in der Wirtschaft 143; 145; 146 Geheimschutzbeauftragte 144 Generalbundesanwalt 56 Germania (Mailbox in Bonn) 9 germania 19 Gerwisch, Landkreis Jerichower Land 30","185 * Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz im Land Sachsen-Anhalt (VerfSchG-LSA) 163 Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front (GdNF) 56 GESTRICH, Susann 105 GOERTZ, Andre 52 GRAMS, Wolfgang 135 Gruppe Internationaler Marxisten (GIM) 122 ' --HHalberstadt, Landkreis Halberstadt 2; 39; 42; 113; 120; 130 Haldensleben, Ohre-Kreis 44; 94; 120 Halle 29; 38; 39; 46; 9294; 99; 102; 104; 110; 112; 113; 115; 118; 123; 126; 127; 130; 131; 135 Harzer Heimatschutz (Thale) 70; 71 Harzfront 70; 71 Harzgerode, Landkreis Quedlinburg 43 HAUBACH, Dr. Dieter 102 Haushalt des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt 193 Havelberg, Landkreis Stendal 130 REISE, Thorsten 62; 63; 65; 66 . HENNIG, Dr. Rigolf 77; 104 HESS, Rudolf 31; 118 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V. (HNG) 78; 79 Himmelfahrtsproze\u00df 46 HITLER, Adolf 23 HOGEFELD, Birgit 133 Holocaust 16; 18; 22; 96 Holzwei\u00dfig, Landkreis Bitterfeld 43 Hooligans 39 HUPKA, Steffen 24; 71; 72; 74; 115 -1IHV e. V.F\u00fcr Recht und Wahrheit 79","* 186 * Ilsenburg, Landkreis Wernigerode 77 Info-Telefone 10; 1216; 53 Informationsblatt f\u00fcr Mitteldeutschland 62 Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte ehemaliger Angeh\u00f6riger bewaffheter Organe und der Zollverwaltung der DDR (ISOR) 137 *Insider-Komitee zur Aufarbeitung der Geschichte des MfS 137 * Interim 111 * Internationale Jugend gegen Kapitalismus und Faschismus (Internationale Jugend) 128 Internationale Kommunistische Liga (IV. Internationale) 131 Internationales Hilfskomitee f\u00fcr nationale politische Verfolgte und deren Angeh\u00f6rige e. V. (IHV) 79; 80 IRVING, David 18 Islamische Heilsfront (FIS) 138 Islamischer Dschihad 13 8 -JJessen, Landkreis Wittenberg 94 Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 126 Junge Nationaldemokraten (JN) 24; 55; 76; 77; 98 junge Welt 130 Junges Nationales Spektrum (JNS) 84; 85 -KKameradschaft Osteibe 84; 85 Kameradschaft Wittenberg im Freundeskreis Sachsen-Anhalt des Vereins Die Nationalen e. V. (Kameradschaft Wittenberg) 83-85 Kasachischer Nachrichtendienst (KNB) 141 KEILHOLZ, Holger 102 Kl\u00f6tze, Altmarkkreis Salzwedel 29; 42; 46 Komitee filr Staatssicherheit der ehemaligen Sowjetunion (KGB) 140 Komitee gegen Hinrichtung ohne Gerichtsurteil 139 Kommando F 81; 82; 84 Kommandoebene der RAF 133","187 Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) 122; 123 Kommunistische Partei Deutschlands (Gruppe M\u00d6LLER) 127 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 122; 124; 126; 150 Kommunistische Partei Deutschlands, Sitz Berlin (KPD-Ost) 124; 126 Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten 122 Kommunistische Plattform in der PDS (KPF) 124; 126; 129; 130 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 122 Konstruktives Offenes Munteres Politisches Links-radikales OstThematisches Treffen (K.O.M.P.L.O.T.T.) 111 KOTH, Michael 126 KPD (Gruppe KOTH) 126 KPD/Magdeburg 12 7 Kraftwerk (Mailbox in Wei\u00dfenbrunn!Niederbayem) 9 KRAUSE, Dr. Rudolf 92-95 Kretzschau, Burgenlandkreis 126 Kriegsschuldl\u00fcge 17 Kropst\u00e4dt, Landkreis Wittenberg 85 KUBIAK, Thomas 78 -LLandessprecherrat (Gremium der KPF) 130 Landkreis Wernigerode 62; 65; 77; 98 Landsberg, Saalkreis 42 LAUCK, Gary Rex 20; 22 LEUCHTER, Fred 18; 96 Leuna-Kr\u00f6llwitz, Landkreis Merseburg-Querfurt 126 Liberal-Demokratische-Partei Ru\u00dflands (LDPR) 101 Linksextremismus 27; 107; 150 Linksextremistischer Terrorismus 133 Lutherstadt Wittenberg, Landkreis Wittenberg 8385; 127 -MMagdeburg 15; 2931; 38; 39; 43; 46; 61 - 63; 65; 92; 96; 102; 111 - 113; 115118; 123; 127131; 134; 139; 142; 154; 160","188 \" Mailboxen 7; 9..; 12; 13; 15; 16; 53 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 122124 Materieller Geheimschutz 144 MERKEL, Andreas 104 Merseburg, Landkreis Merseburg-Querfurt 29 Militante Autonome 109 Militanter Rechtsextremismus 26 Milit\u00e4rischer Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration (GRU) 141 Ministerium des Innem des Landes Sachsen-Anhalt 158; 160 Ministerium fiir Staatssicherheit (MfS) 137; 140; 152 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform in der PDS 129 Mobilfunk 13; 15 Mobiltelefone 15 M\u00d6CKEL, Meinhard 99 MOHNHAUPT, Brigitte 133 M\u00d6LLER, Diethard 122 M\u00d6LLER, Irmgard 134; 135 MOSLER, J\u00fcrgen 60 M\u00dcLLER, Ursula 78 -NNachrichtendienstliches Informationssystem (NADIS) 193 Nachrichten der HNG 78; 79 NAHRATH, Wolfram 105 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 4; 6; 55; 61; 62; 83* 89*95*96*98*99* 103 ' ' ' ' ' ' _ Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) 116; 117; 139 Nationale Info-Telefone (NIT) 1215; 18 Nationalistische Front (NF) 67; 68; 72; 80; 84 Nationalsozialismus 4; 16; 17; 31; 48; 49; 58; 66; 122 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 20; 47; 49; 58*66*67* 101* 105 ' ' ' ' Nationalsozialistische Deutsche ArbeiterparteilAuslandsund Aufbauorganisation (NSDAP/AO) 20 NaturSchutz-Denkzettel (NS-Denkzettel) 57 Naumburg, Burgenlandkreis 94; 98","189 * Neonazis I* 4* 6* 13* 15* 19* 24* 40* 47SO* 51* 5456* 71* 78* 80* 83 '''' '''' '' '''' Neonazismus 4; 6; 47; 48; 50 NEUBAUER, Harald 103 Neue Nation 62 Neues Deutschland 130 Nordharz Info-Dienst (NID) 53; 68; 70; 71; 76; 77; 82 Nordwind-Verlag 22 NS-Kampfruf 20 - 22 -\u00d6\u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes 158 -0Oschersleben, B\u00f6rdekreis 92; 94 Ostharz 98; 112; 113; 115 -PPAPE, Martin 60 Parey, Landkreis Jerichower Land 30 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 81; 85; 124; 127; 129; 130 Parti Nationaliste Fran9ais et Europeen (PNFE) 24 Personeller Geheimschutz 143 POHL, Andreas 69 POHL, Helmut 133 Propaganda (Mailbox in Karlsruhe) 3; 9; 17; 20; 105 -QQuedlinburg, Landkreis Quedlinburg 2; 29; 42; 43; 68; 71; 72; 113","190 -R- * radikal 75; 112; 134 Razors Edge (Skin-Band aus England) 31 Rechtsextremismus 3; 4; 5; 26; 48; 55; 158 Rechtsextremistische Parteien und Organisation 88 Rechtsterrorismus 47 Rechtsweg (Mailbox in Frankfurt a. M.) 9 Reddeber, Landkreis Wernigerode 62 REMER, Otto Ernst 19 Revisionismus 5; 16 - 19 Revisionismus-Kampagne 16; 18 Rheinwacht (Skin-Band aus D\u00fcsseldorf) 31 RIEGER, J\u00fcrgen 18 Ro\u00dflau, Landkreis Anhalt Zerbst 84 Rote Armee Fraktion (RAF) 9; 128; 133 - 136 Rote Fahne 113; 123; 126 Roter Morgen 127; 128 Roter Runder Tisch 124 Rudolf-Hess-Gedenkveranstaltung 13; 24 Rudolf-Hess-Marsch 1994 65 -SSalzwedel, Altmarkkreis Salzwedel 120 Sangerhausen, Landkreis Sangerhausen 130 SCHIRINOWSKIJ, Wladimir 101 SCHLIERER, Dr. Rolf 92; 95 SCH\u00d6NBORN, Meinolf 69 Sch\u00f6nebeck/Eibe, Landkreis Sch\u00f6neheck 30 SCH\u00d6NHUBER, Franz 90 - 93 SCH\u00dcTZINGER, J\u00fcrgen 103. Schwanebeck, Landkreis Halberstadt 42 SCHWARZE, Marita 94 SCHWERDT, Frank 8183; 85; 104 Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung 143; 144 Siedentramm, Altmarkkreis Salzwedel 99","191 * Skinheads 14*24*26*27*29*30*39*44*49* so* 61* 63*65 Sozialistische ' ' ' ' Deutschlands Einheitspartei ' ' ' '(SED) ' '122;'' 124; 127 Sozialrevolution\u00e4re Arbeiterfront (SrA) 53; 68; 69; 74 Spartakist 131 Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands (SpAD) 116; 117; 131; 132 Spionageabwehr 2; 140; 142 ST\u00c4GLICH, Wilhelm 17 Standarte 58; 60; 62 Sta\u00dffurt, AscherslebenSta\u00dffurter Landkreis 127 STAWITZ, lngo 103 Stendal, Landkreis Stendal 43; 94 Sturmgesang (Skin-Band aus Leipzig) 31 Subbotnik in L.A. 112 -TTAG, Ernst 79; 80 Tangerh\u00fctte, Landkreis Stendal 40 Tangerm\u00fcnde, Landkreis Stendal 14 TAUFER, Lutz 133 The Journal ofHistorical Review 19 THULE-Journal 10 THULE-Network 9; 10 Triebt\u00e4ter (Skin-Band aus Mutlangen) 31 Trotz Alledem 126 Trotzkistische Liga Deutschlands {TLD) 131 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten {TKP/M-L) 117 -UUmbruch (Publikation) 24; 68; 70; 72; 82 Unabh\u00e4ngige Infogruppe 113 Unabh\u00e4ngiger Arbeitskreis (Quedlinburg) 70; 71","192 ' * -VVereinigte Sozialistische Partei (VSP) 122 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) 126 Verfassungsschutzbeh\u00f6rden 3; 88; 138; 142; 148; 149; 157 Verfassungsschutzbericht 158 Vernetzung I* 7* 9* 10* 12* 5155* 61* 72* 110* 112 Verschlu\u00dfsachen ' ' 143' - 145 ' ' ' ' ' (VS) ' V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin 81 -WWei\u00dfenfels, Landkreis Wei\u00dfenfels 29; 130 *~Wei\u00dfer Arischer Widerstand 57 Wernigerode, Landkreis Wernigerode 29; 61 - 63; 65; 66; 76; 77; 98; 111; 115; 128 Werwolf 21 Widerstand (Mailbox in Erlangen) 9; 10 Wiking-Jugend (WJ) 24; 105; 106 Wikinger 106 Wittgendorf, Burgenlandkreis 126 Wolfen/Z\u00f6rbig, Landkreis Bitterfeld 128 Wolmirstedt, Ohre-Kreis 43 WORCH, Christian 52; 55 -ZZahna, Landkreis Wirtenberg 84 Zeitz, Burgenlandkreis 126; 130; 131 Zerbst, Landkreis Anhatt-Zerbst 92; 94; 127 Ziviler Aufkl\u00e4rungsdienst der Russischen F\u00f6deration (SWR) 141 Z\u00dcNDEL, Ernst 18; 19 Zweite Zeitung der Besetzten Zone 113","193 Besch\u00e4ftigte Zum Jahresende 1994 waren im Landesamt fiir Verfassungsschutz Sachsen-Anhalt 121 der vorgesehenen 13040 Besch\u00e4ftigten t\u00e4tig. ~Haushalt Der Haushalt des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz sah fiir 1994 - ein Gesamtvolumen von DM 12.187.500 vor. Es wurden jedoch wegen des auch noch im Jahre 1994 andauernden Aufbaus des Landes*' amtes nur DM 9.551.447 verbraucht. Im einzelnen verteilen sich die Ausgaben wie folgt: ~-1994 Soll Ist Gesamt: 12.187.500 9.551.447 Personalhaushalt 9.119.900 7.142.707 Sachhaushalt: 2.162.600 1.621.097 Investitionshaushalt: 905.000 787.643 Datenspeicherung Seit seiner Gr\u00fcndung (30. Juli 1992) hat das Landesamt fiir Verfas.. sungsschutz Sachsen-Anhalt bis Ende 1994 Daten zu etwa 4.400 Per- , sonen in dem von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder als Aktenfundstelle gemeinsam betriebenen und genutzten nachrichtendienstliehen Informationssystem (\"NADIS\") gespeichert, davon Daten zu etwa 1.100 Personen im Rahmen von Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen. 40 Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat im M\u00e4rz 1995 beschlossen, die Planstellen stufenweise bis zum 30. Juni 1998 auf80 zu reduzieren.",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1994","year":1994}
