{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-sl-2016.pdf","jurisdiction":"Saarland","num_pages":80,"pages":["Lagebild Verfassungsschutz 2016","INHALTSVERZEICHNIS Vorwort Innenminister Klaus Bouillon .................................................................4 I. Der Verfassungsschutz im Saarland ...............................................6 1. Gesetzliche Grundlage ..........................................................................................6 2. Aufgaben...................................................................................................................6 2.1 Beobachtungsaufgaben .......................................................................................6 2.2 Mitwirkungsaufgaben ...........................................................................................6 3. Arbeitsweise ................................................................................................... 7 4. Kontrolle....................................................................................................................8 5. Aufbauorganisation des LfV Saarland .............................................................9 II. Rechtsextremismus .................................................................. 10 1. Allgemeines...........................................................................................................10 1.1 Ideologie.................................................................................................................10 1.2 Entwicklung/Tendenzen ...................................................................................10 1.3 Personenpotenzial ......................................................................................12 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) mit rechtsextremistischem Hintergrund ..............................................................13 2. Einzelaspekte .......................................................................................................15 2.1 Organisierter Rechtsextremismus ..................................................................15 2.1.1 Rechtsextremistische Parteien ........................................................................15 2.1.1.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) ..............................15 2.1.1.2 Partei \"Die Rechte\"...............................................................................................21 2.1.1.3 \"Freie B\u00fcrger Union\" (FBU) Landesverband Saar .......................................22 2.1.1.4 Partei \"Der Dritte Weg\" .......................................................................................22 2.1.2 Sonstige Zusammenschl\u00fcsse und Projekte ................................................24 2.1.2.1 \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD)...................................................24 2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten, insbesondere Skinhead-/Kameradschafts-Szene ................................................................25 2.2.1 Skinhead-Subkultur/\"Hammerskins\" (HS) ..................................................25 2.2.2 \"Kameradschaft Sturmdivision Saar\" ............................................................26 2.3 Rechtsextremistische Musikszene und Veranstaltungen im Saarland ..........................................................................27 2.4 Sonderfall \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" .....................................28 III. Linksextremismus .............................................................................29 1. Allgemeines...........................................................................................................29 1.1 Ideologie.................................................................................................................29 1.2 Entwicklung/Tendenzen ...................................................................................30 1.3 Personenpotenzial ...............................................................................................31 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) .........................................................32 2","2. Einzelaspekte ........................................................................................................33 2.1 Organisierter Linksextremismus .....................................................................33 2.1.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ......................................................34 2.1.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)...........................35 2.2. Gewaltorientierter Linksextremismus ...........................................................36 2.2.1 Autonome Szene .................................................................................................36 2.2.2 Antiimperialistische Szene ...............................................................................47 IV. Ausl\u00e4nderextremismus (ohne Islamismus/Islamistischer Terrorismus).................... 48 1. Allgemeines...........................................................................................................48 1.1 Ideologie.................................................................................................................48 1.2 Entwicklung/Tendenzen ...................................................................................48 1.3 Personenpotenzial ...............................................................................................49 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) .........................................................50 2. Einzelaspekte ........................................................................................................51 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) ...................................................................51 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung .........................................................................51 2.1.2 Struktur ..................................................................................................................54 2.1.3 Veranstaltungen/Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft.......56 2.2. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Idealisten-Bewegung\") .............................................58 2.2.1 Entstehung, Entwicklung...................................................................................58 2.2.2 Struktur ..................................................................................................................58 2.3 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) .....................................................59 2.3.1 Allgemeine Lage, Entwicklung .........................................................................59 2.3.2 Struktur, Aktivit\u00e4ten in Deutschland ..............................................................60 V. Islamismus/Islamistischer Terrorismus .................................. 60 1. Allgemeines...........................................................................................................60 1.1 Ideologie.................................................................................................................60 1.2 Entwicklung/Tendenzen ...................................................................................62 1.3 Personenpotenzial ...............................................................................................64 1.4 \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" (PMK) ......................................................65 2. Einzelaspekte ........................................................................................................66 2.1 Islamistischer Terrorismus ...............................................................................66 2.2 Islamismus im Saarland....................................................................................67 VI. Spionage-/Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz............... 68 Anhang ................................................................................................. 72 3","Klaus Bouillon Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, durch eine Reihe von Anschl\u00e4gen in 2016 hat sich gezeigt, dass die Bundesrepublik Deutschland auch weiterhin im Visier islamistischer Terroristen steht. Trauriger H\u00f6hepunkt war der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem es 12 Tote und eine Vielzahl von Verletzten gegeben hat. Die Taten belegen unter anderem die Gef\u00e4hrlichkeit von fanatisierten Gruppen, aber auch Einzelpersonen mit Kontakten zum sogenannten \"Islamischen Staat\", die mit multiplen und unkalkulierbaren Anschlagsszenarien Menschen t\u00f6ten und versuchen, unser freiheitlich-demokratisches Wertesystem nachhaltig zu destabilisieren. Dem muss mit aller Entschlossenheit begegnet werden. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden in unserem Land sind gut aufgestellt. Gleichwohl sind sie aufgrund der anhaltend hohen Terrorgefahr einem immens hohen Aufkl\u00e4rungsaufwand ausgesetzt, um den Gefahren f\u00fcr unsere Demokratie wirkungsvoll zu begegnen und die Sicherheit aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu gew\u00e4hrleisten. Mit dem Ziel, gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Sicherheit einerseits und m\u00f6glichst weitgehende individuelle Freiheit andererseits zu garantieren, muss versucht werden, solche Terrorszenarien zu vermeiden. Um dies zu erreichen, gilt es unter anderem die bestehende Sicherheitsarchitektur weiterzuentwickeln, aber auch notwendige gesetzgeberische Ma\u00dfnahmen auf den Weg zu bringen. Das Saarl\u00e4ndische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist eine tragende S\u00e4ule der Sicherheitsarchitektur in unserem Bundesland. Nur mit einem starken Verfassungsschutz ist ein effektiver Schutz der Menschen in unserem Land und der Werte, f\u00fcr die unsere Gemeinschaft eintritt, m\u00f6glich. Mit dem nun vorliegenden Lagebild Verfassungsschutz f\u00fcr das Jahr 2016 dokumentiert der saarl\u00e4ndische Verfassungsschutz auch seine transparente Ausrichtung, in dem er allen interessierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern die Ergebnisse seiner Beobachtungst\u00e4tigkeit anschaulich darstellt. 4","Der Bericht beleuchtet unter anderem die Beobachtungsfelder in den Ph\u00e4nomenbereichen Rechts-/Links-/Ausl\u00e4nderextremismus sowie Islamismus. Im Ergebnis ist auch in 2016 eine Zunahme rechtsextremistisch motivierter, ausl\u00e4nderfeindlicher Straftaten zu verzeichnen. Dar\u00fcber hinaus wurde ein signifikanter Anstieg von Straftaten mit islamistischem Hintergrund registriert. Insgesamt belegen die Ergebnisse die wichtige Bedeutung der Beobachtungst\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und unterstreichen den unverzichtbaren Beitrag, den die Beh\u00f6rde als sogenanntes \"Fr\u00fchwarnsystem\" bei der Gew\u00e4hrleistung der Inneren Sicherheit erbringt. Daher m\u00f6chte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des saarl\u00e4ndischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fcr die geleistete Arbeit und ihren Einsatz f\u00fcr den Schutz unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ganz herzlich bedanken. Klaus Bouillon Minister f\u00fcr Inneres, Bauen und Sport 5","I. Der Verfassungsschutz im Saarland 1. Gesetzliche Grundlagen Die wichtigste gesetzliche Handlungsgrundlage f\u00fcr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) ist das Saarl\u00e4ndische Verfassungsschutzgesetz (SVerfSchG). Eingriffe in die Rechte der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unterliegen den rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen des Gesetzesvorbehalts sowie der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und sind gerichtlich nachpr\u00fcfbar. 2. Aufgaben 2.1 Beobachtungsaufgaben Die zentralen Aufgaben des LfV sind im SS 3 Abs. 1 SVerfSchG zusammengefasst. Hiernach beobachtet das LfV * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, * Sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde Macht, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, * Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Artikel 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 GG) gerichtet sind. Die Beobachtung durch das LfV erfolgt durch gezielte planm\u00e4\u00dfige Sammlung und Auswertung von Informationen. Die Auswertungsergebnisse werden dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport regelm\u00e4\u00dfig und umfassend \u00fcbermittelt, um die Landesregierung in die Lage zu versetzen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne von Absatz 1 zutreffend beurteilen zu k\u00f6nnen und entsprechende Abwehrma\u00dfnahmen einzuleiten. Dar\u00fcber hinaus dient die \u00dcbermittlung auch der Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Absatz 1. 2.2 Mitwirkungsaufgaben Neben den beschriebenen Beobachtungsaufgaben hat der Verfassungs- 6","schutz noch sogenannte Mitwirkungsaufgaben. So wirkt das LfV auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen nach SS 4 SVerfSchG ferner mit bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen sowie bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftig sind. Die Befugnisse des LfV im Zusammenhang mit Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen sind im \"Saarl\u00e4ndischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz\" geregelt. Zu den weiteren Aufgaben des LfV z\u00e4hlt u. a. die Beantwortung von Anfragen der zust\u00e4ndigen Stellen im Rahmen der Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach SS 7 Luftsicherheitsgesetz und nach SS 12 b Atomgesetz, im Rahmen des Visumverfahrens und bei der Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen nach SS 73 Aufenthaltsgesetz sowie im Rahmen des Einb\u00fcrgerungsverfahrens. 3. Arbeitsweise Die Informationsgewinnung des LfV erfolgt sowohl in offener wie auch in verdeckter Form. Bei der offenen Beschaffung von Informationen werden aus offen zug\u00e4nglichen Quellen, die in der Regel auch jedem B\u00fcrger zur Verf\u00fcgung stehen (Printmedien wie z. B. Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Flugbl\u00e4tter etc. sowie elektronische Medien wie z. B. Internet, Rundfunk, Fernsehen etc.) Informationen erhoben. Dar\u00fcber hinaus darf das LfV auch Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln verdeckt erheben. Hierzu z\u00e4hlen die in SS 8 SVerfSchG aufgef\u00fchrten Mittel wie z. B. das F\u00fchren verdeckt eingesetzter Personen, die planm\u00e4\u00dfige Observation, Bildund Tonaufzeichnungen sowie nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes die \u00dcberwachung des Brief-, Postund Fernmeldeverkehrs. Der Verfassungsschutz tr\u00e4gt als wichtige S\u00e4ule der deutschen Sicherheitsarchitektur mit dazu bei, die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu gew\u00e4hrleisten. Deshalb arbeitet das LfV im Verfassungsschutzverbund mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sowie den \u00fcbrigen Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz eng und vertrauensvoll zusammen. Das LfV hat keine polizeilichen Befugnisse und ist auch gegen\u00fcber polizeilichen Einrichtungen nicht weisungsbefugt. Es darf auch nicht die Polizei im Rahmen der Amtshilfe ersuchen, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, zu denen es selbst nicht befugt ist. Dies schlie\u00dft jedoch einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz nicht aus. Das oben beschriebene Trennungsgebot beinhaltet kein Zusammenarbeitsverbot. Gerade vor dem Hintergrund der in der Vergangenheit festgestellten Defizite im Austausch von Informationen zwischen Nachrichtendiensten, Polizei und Justiz wurden verschiedene Zusammenarbeitsforen eingerichtet, die sich bis heute bew\u00e4hrt haben. Hierzu z\u00e4hlt insbesondere das \"Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum\" (GTAZ) in Berlin, das der Aufkl\u00e4rung und Abwehr des isla- 7","mistisch motivierten Terrorismus dient. Das GTAZ hat ma\u00dfgeblich zu einem verbesserten Informationsfluss zwischen den beteiligten Beh\u00f6rden beigetragen. Um dies auch auf andere Ph\u00e4nomenbereiche zu \u00fcbertragen, wurde das \"Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum\" (GETZ) gegr\u00fcndet, das seinen Standort mittlerweile in K\u00f6ln hat. Schwerpunkt der dortigen Zusammenarbeit ist die Bek\u00e4mpfung des Rechts-, Links und des sonstigen Ausl\u00e4nderextremismus, der nicht islamistisch motiviert ist, sowie die Spionageabwehr. Auch im Saarland wird im Rahmen der bestehenden gesetzlichen M\u00f6glichkeiten ein enger Austausch zwischen den Sicherheitsbeh\u00f6rden praktiziert. So arbeitet das LfV im Wege des Informationsaustausches eng und vertrauensvoll mit dem Landespolizeipr\u00e4sidium zusammen. 4. Kontrolle Der Verfassungsschutz ist an klare gesetzliche Vorgaben gebunden. Sein Verwaltungshandeln ist wie bei allen anderen Beh\u00f6rden gerichtlich nachpr\u00fcfbar. \u00dcber die innerbeh\u00f6rdlichen Kontrollmechanismen (z. B. beh\u00f6rdlicher Datenschutzbeauftragter, Geheimschutzbeauftragter) und die Dienstund Fachaufsicht durch das saarl\u00e4ndische Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport hinaus wird die T\u00e4tigkeit des LfV fortlaufend \u00fcberwacht durch * den Landtagsausschuss f\u00fcr Fragen des Verfassungsschutzes, gleichzeitig auch Kontrollgremium des Landtages nach G 10, * die G10-Kommission des Landtages, bei Anordnungen zur Telekommunikations\u00fcberwachung, * richterliche Kontrolle bei Ma\u00dfnahmen im Schutzbereich des Art. 13 GG, * die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit, * den Rechnungshof des Saarlandes. Das LfV ist dar\u00fcber hinaus auf Antrag verpflichtet, anfragenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern Auskunft zu den zu ihrer Person gespeicherten Daten zu geben (SS 21 SVerfSchG). Eine Auskunft unterbleibt nur dann, wenn ein in Absatz 2 dieser Vorschrift ausdr\u00fccklich genannter Verweigerungsgrund vorliegt. In einem solchen Ausnahmefall werden die Anfragenden darauf hingewiesen, dass sie die Richtigkeit der Speicherungen durch die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit \u00fcberpr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich unterliegen Ma\u00dfnahmen des LfV, hinsichtlich derer Betroffene geltend machen, in ihren Rechten verletzt zu sein, auch der gerichtlichen Kontrolle. 8","Aufbauorganisation des LfV Saarland Direktor Sicherheitsangeleg enheiten, IT Sicherheit, des LfV Spionage / Sabotage und G10Stelle Beh\u00f6rdlicher Datenschutz beauftragter Wirtschaftsschutz, Proliferation Abteilung Z Abteilung I Abteilung II Zentralabteilung Auswertung Beschaffung Referat 1: Auswertung dt. Referat 1: Links und VP-F\u00fchrung/ Grundsatz, Ausl\u00e4nderextre Ermittlungen Personal und mismus sowie Organisation Scientology Referat 2: Referat 2: NachrichtenVerwaltung, Auswertung dt. dienstliche Haushalt und Rechtsextre InternetaufInformations mismus technik kl\u00e4rung Referat 3: Auswertung Observation/ Islamismus / NachrichtenIslamistischer dienstliche Terrorismus Technik Priorisierte Operative Fallbearbeitung (PROF) 9","II. Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Rechtsextremisten bemessen den \"Wert eines Menschen\" vorrangig nach seiner Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie, einer Nation oder einer Rasse. Die so \"ethnisch-rassistisch\" definierte und angestrebte \"Volksgemeinschaft\" bietet keinen Platz f\u00fcr die zentralen Werte unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Vielmehr durchziehen die Elemente Fremdenund Islamfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Leugnung des Holocaust, Geschichtsrevisionismus sowie eine ausgepr\u00e4gte Demokratiefeindlichkeit das durchaus vielschichtige Agitieren und Agieren der rechtsextremistischen Szene. 1.2 Entwicklung / Tendenzen Wie schon 2015 betrafen auch 2016 die menschenverachtenden Argumentationsund Handlungsmuster der Rechtsextremisten facettenreich vor allem die Situation um die in der Bundesrepublik Deutschland Schutz suchenden Asylbewerber und Fl\u00fcchtlinge. Nicht nur Vorurteile und Ressentiments gegen\u00fcber Asylanten/Fl\u00fcchtlingen wurden kreiert und gesch\u00fcrt; auch das Ver\u00e4chtlichmachen von politisch Verantwortlichen geh\u00f6rte zum Handlungsrepertoire. Insbesondere die islamistischen Terroranschl\u00e4ge und Attacken des vergangenen Jahres im Inund benachbarten Ausland boten der rechtsextremistischen Szene willkommene Ansatzpunkte f\u00fcr ihre fremdenund regierungsfeindliche Agitation. Dabei wurden irrationale \u00c4ngste und alte Vorurteile bedient sowie das Misstrauen gegen\u00fcber Politikern und Medien (\"die da oben\" - \"L\u00fcgenpresse\") gesch\u00fcrt. Allerdings gelang es dem rechtsextremistischen Spektrum offensichtlich nicht, die Bev\u00f6lkerung mit seinen Scheinl\u00f6sungen f\u00fcr die mit der Fl\u00fcchtlingskrise verbundenen Fragen (\"Grenzen schlie\u00dfen\", \"ausweisen\") zu \u00fcberzeugen. Die Fortsetzung der auf Vorurteilen aufbauenden, zum Teil verschw\u00f6rungstheoretisch unterlegten und einzig an den eigenen verfassungsfeindlichen Zielsetzungen orientierten Stimmungsmache brachte nicht die von der Szene erhofften Erfolge. Auch das Agitieren mit H\u00e4me f\u00fcr Repr\u00e4sentanten des Rechtsstaates sowie der Verachtung f\u00fcr demokratische Institutionen, z. B. wurden Politiker der sogenannten \"Altparteien\" als \"Volksverr\u00e4ter\" denunziert, nutzte den Rechtsextremisten nicht. Um gesellschaftspolitisch punkten zu k\u00f6nnen, griffen saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten aber noch weitere emotional besetzte Themen auf. So richtete sich ihre Propaganda u. a. gegen die Rundfunkbeitr\u00e4ge (\"GEZ-Schluss mit 10","der Abzocke!\") sowie gegen \"Kindesmissbrauch\" (\"Pascal Zimmer - Wir vergessen niemals!\") und widmete sich gesundheitspolitischen Themen (\"Die Gesundheit der B\u00fcrger darf nicht den Konzernen geopfert werden! Deshalb muss Glyphosat verboten werden!\") ebenso wie der Frage der Windkraftnutzung (\"Kein Windkraftwerk im Burbacher Wald\"). Hinsichtlich der Mobilisierung bzw. des \u00f6ffentlichen Auftretens des rechtsextremistischen Spektrums war 2016 im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Abschw\u00e4chung festzustellen. In der Regel handelte es sich um Aktionen mit geringer personeller Beteiligung und Au\u00dfenwirkung. Erneut wurden die Anti-Asyl-Aktionen zun\u00e4chst fast ausschlie\u00dflich von der Saar-NPD und ihren Tarn-Gruppierungen \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa) sowie \"B\u00fcndnis Saar\" getragen. Vor allem das \"B\u00fcndnis Saar\" verbreitete ureigene NPD-Positionen. Kopf und Motor war dabei die Vorsitzende des NPD-Ortsverbandes Burbach Jacqueline S. Diese versuchte, mit ihrer Gruppierung - mehr oder minder deutlich - vorhandene lokale b\u00fcrgerliche Proteste aufzugreifen (wie zuletzt gegen Windkraftwerke im Burbacher Wald), oder kopierte \u00fcberregionale Aktionen (z. B. das Sammeln von Sachspenden f\u00fcr deutsche Obdachlose bzw. f\u00fcr Kinder sozialschwacher deutscher Familien). Parallel zu ihren NPDAktivit\u00e4ten, die sowohl auf der Stra\u00dfe wie auch in den sozialen Netzwerken stattfanden, pflegte S. zudem \u00fcberregionale Kontakte zu extremistischen Organisationen auch au\u00dferhalb des nationaldemokratischen Spektrums. SageSa startete zwar tatkr\u00e4ftig ins Jahr 2016, es gelang der NPD aber auch mit dieser Tarnorganisation nicht, die Agitationsbasis zu verbreitern und neue Anh\u00e4nger aus b\u00fcrgerlichen Kreisen zu gewinnen. Zudem stie\u00df SageSa vermehrt auf Proteste des b\u00fcrgerlichen und des linksextremistischen Lagers. In der zweiten Jahresh\u00e4lfte brachen die SageSa-Aktivit\u00e4ten f\u00f6rmlich ein. Etwa zur Jahresmitte waren im Saarland auch Aktionen der neonazistischen Partei \"Der Dritte Weg\" zu verzeichnen, die wie die Partei \"Die Rechte\" versuchte, im parteigebundenen Rechtsextremismus zu punkten und eigene Strukturen aufzubauen. Als Reaktion auf die Ereignisse in der Silvesternacht 2015/2016 in K\u00f6ln entstanden bundesweit zahlreiche \"B\u00fcrgerwehren\", um angesichts einer vermeintlich \u00fcberforderten Polizei den Schutz der B\u00fcrger zu gew\u00e4hrleisten. Parallel dazu wurde in den sozialen Netzwerken z. T. heftig \u00fcber ausl\u00e4ndische T\u00e4ter bzw. T\u00e4ter mit Migrationshintergrund sowie das Sicherheitsgef\u00fchl der Bev\u00f6lkerung debattiert. Auch hiesige Rechtsextremisten versuchten unter diesem Tenor, vermeintliche oder tats\u00e4chlich empfundene Bedrohungen 11","in ihrem Sinne zu instrumentalisieren, um u. a. den Staat ver\u00e4chtlich zu machen und dessen Handlungsf\u00e4higkeit infrage zu stellen. Hinweise auf Versuche saarl\u00e4ndischer Rechtsextremisten, solche \"B\u00fcrgerwehren\" selbst zu initiieren oder im Einzelfall eine vorhandene \"B\u00fcrgerwehr\" zu unterwandern bzw. zu steuern, fielen allerdings nicht an. Vom 1. bis 3. M\u00e4rz fand vor dem Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in Karlsruhe die m\u00fcndliche Verhandlung des am 2. Dezember 2013 durch den Bundesrat eingeleiteten Verbotsverfahrens gegen die NPD statt. Dabei stellte der zust\u00e4ndige Zweite Senat des BVerfG u. a. fest, dass mit der Abschaltung der Quellen in den Bundesund Landesvorst\u00e4nden der NPD und durch weitere staatliche Vorkehrungen zur Rechtsstaatlichkeit ein faires Verfahren gegeben sei. Mit Urteil vom 17. Januar 2017 wies das BVerfG den Verbotsantrag des Bundesrates wegen fehlender Anhaltspunkte f\u00fcr eine erfolgreiche Durchsetzung der verfassungsfeindlichen NPD-Ziele einstimmig als unbegr\u00fcndet zur\u00fcck. Nach Ansicht des Gerichts sei die NPD zwar darauf ausgerichtet, die freiheitlich demokratische Grundordnung (fdGO) zu beseitigen, sie sei aber derzeit zu bedeutungslos, um die fdGO ernsthaft in Gefahr bringen zu k\u00f6nnen. Noch im Vorfeld dieser Entscheidung hatte die Saar-NPD die f\u00fcr M\u00e4rz 2017 terminierte Landtagswahl ins Visier genommen. Sie stellte im November ihre diesbez\u00fcglichen Kandidatenlisten auf und sammelte die zum Wahlantritt erforderlichen Unterst\u00fctzungsunterschriften. Im Sp\u00e4therbst r\u00fcckte das Thema \"Reichsb\u00fcrger\" zunehmend in den \u00f6ffentlichen Fokus und f\u00fchrte Ende November zur Einrichtung eines entsprechenden Sammelbeobachtungsobjektes der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden (vgl. unter 2.4). 1.3 Personenpotenzial Die Zahl der erkannten Rechtsextremisten im Saarland blieb mit insgesamt 290 Personen auf dem Vorjahresniveau. Mit rund 240 Personen (2015: 230) ist das Gros im organisierten Rechtsextremismus mit den Parteien NPD (90 - 2015: 90) und \"Die Rechte\" (25 - 2015: 0) sowie kleineren Gruppierungen zu verorten. Rund 30 Personen des gesamten Personenpotenzials sind als gewaltorientiert eingestuft (2015: 40), bei rund 20 Personen ist eine neonazistische Ausrichtung zu erkennen (2015: 20). 12","Entwicklung des rechtsextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen rechtsextremistisch motivierten Straftaten \u00fcberstieg 2016 mit 253 das \"Vorjahreshoch\" von 226. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machen - wie seit Jahren festzustellen - mit rund 80 % (Vorjahr: 86 %) den \u00fcberwiegend Anteil dieser Straftaten aus. Die Zahl der darin enthaltenen rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten sank von dreizehn auf acht. Hierbei handelte es sich um f\u00fcnf situativ bedingte K\u00f6rperverletzungsdelikte, einen versuchten Totschlag, eine schwere Brandstiftung und einmal um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Au\u00dfer dem Widerstandsdelikt hatten alle Gewalttaten eine fremdenfeindliche Ausrichtung. Mit Blick auf die asyl-/fl\u00fcchtlingsfeindlichen Agitationen der rechtsextre13","mistischen Szene ist festzuhalten, dass von den 101 fremdenfeindlichen Straftaten im Saarland 61 (darunter zwei Gewaltdelikte) Bez\u00fcge zum Thema Fl\u00fcchtlinge aufwiesen. Nach wie vor war keine Zunahme der Gewaltbereitschaft bei den bekannten Angeh\u00f6rigen der hiesigen rechtsextremistischen Szene zu verzeichnen. Die im Rahmen der Ermittlungen zu den sieben fremdenfeindlichen Gewalttaten bekannt gewordenen Tatverd\u00e4chtigen hatten alle keinen Vorlauf in der rechtsextremistischen Szene und wurden dem LfV erstmals durch die von ihnen begangenen Straftaten bekannt. Entwicklung der rechtsextremistisch motivierten Straftaten im Saarland in den letzten f\u00fcnf Jahren 14","Die Verteilung nach Zielrichtung der Straftaten ergibt folgendes Bild: Straftaten nach Zielrichtung 2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Rechtsextremismus 2.1.1 Rechtsextremistische Parteien 2.1.1.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Struktur/Organisation Die dem NPD-Verbotsverfahren geschuldete \u00e4u\u00dferst geringe Beobachtungsintensit\u00e4t hat erwartungsgem\u00e4\u00df zu einem nur l\u00fcckenhaften und nur bedingt belastbaren Erkenntnisstand gef\u00fchrt. Hinsichtlich der strukturellen Gliederung der Partei waren zudem sich teilweise widersprechende Eigenangaben festzustellen. So soll beispielsweise am 15. Juli der NPD-Kreisverband Merzig mit dem Vorsitzenden Gerhard B. gegr\u00fcndet worden sein. Dagegen vermeldet die offizielle Website der Landespartei bis heute lediglich die Existenz der drei Kreisverb\u00e4nde Saarbr\u00fccken, Saar-West sowie Saarpfalz 15","und weist B. als stellvertretenden Vorsitzenden des Kreisverbandes SaarWest aus. In der Gesamtzahl hat sich im vergangenen Jahr bei den bei der Kommunalwahl 2014 erzielten f\u00fcnf NPD-Mandaten (Regionalversammlung Saarbr\u00fccken, Stadtr\u00e4te Saarbr\u00fccken und V\u00f6lklingen, Bezirksrat Saarbr\u00fccken-West und Ortsrat V\u00f6lklingen) nichts ge\u00e4ndert. Zu verzeichnen war lediglich eine neue Personalie. Mitte April legte Thorsten K. seine Mandate im Stadtrat und Ortsrat in V\u00f6lklingen nieder. Auf beiden Positionen r\u00fcckte Sascha P. nach. Mitgliederpflege/-schulung Die \u00fcblichen Veranstaltungen zur St\u00e4rkung des Gemeinschaftsgef\u00fchls mit einem Neujahrsempfang, dem \"Politischen Aschermittwoch\" und einer Weihnachtsfeier standen auch 2016 auf der Agenda der Saar-NPD. Zudem wurde die Reihe der monatlichen \"politischen Gespr\u00e4chskreise\" in gewohnter Weise in der Form interner Treffen ohne Au\u00dfenwirkung fortgesetzt. Der vermutlich handverlesenen Einladung zu einem Neujahrsempfang mit vorausgegangenem Landesparteitag am 9. Januar in Saarbr\u00fccken (VHS-Zentrum am Schloss) waren rund 60 Personen gefolgt. Im Mittelpunkt des Landesparteitages stand die satzungsgem\u00e4\u00df vorgesehene Neuwahl des Landesvorstandes. Dabei wurde Peter M. erwartungsgem\u00e4\u00df als Landesvorsitzender best\u00e4tigt. In seinem Rechenschaftsbericht res\u00fcmierte M. die Arbeit seines Landesverbandes als durchaus erfolgreich und wiederholte die bekannte Aussage, die NPD sei \"die einzig wahre Alternative im bundesdeutschen Parteienspektrum\". Gast des Neujahrsempfangs war der in V\u00f6lklingen beheimatete NPD-Parteivorsitzende Frank F. In seiner kurzen Ansprache prognostizierte dieser seiner Partei eine \"positive Zukunft\". M. thematisierte insbesondere die Ereignisse der K\u00f6lner Silvesternacht, die er als \"abzusehende Konsequenz\" der von der Bundesregierung propagierten \"Willkommenskultur\" bezeichnete. Rund 80 Personen besuchten am 10. Februar in Saarbr\u00fccken-Bischmisheim (Festhalle) den \"Politischen Aschermittwoch\" der Saar-NPD. Den Hauptteil der politischen Redebeitr\u00e4ge bestritt der NPD-Landesvorsitzende. Thematischer Schwerpunkt seiner Ausf\u00fchrungen war die Fl\u00fcchtlingspolitik. In bekannter Manier sprach er von \"Asylbetrug\" und der \"fortschreitenden Islamisierung Deutschlands\". F\u00fcr das musikalische Rahmenprogramm sorgte 16","der bekannte rechtsextremistische \"Barde\" Frank R. (Hof/Saale). Grillfeiern unter dem Label des NPD-Ablegers SageSa am 28. M\u00e4rz am Burbacher Weiher und gemeinsam mit dem rheinland-pf\u00e4lzischen Pendant \"Pf\u00e4lzer Spazierg\u00e4nge\" am 5. Mai in Herschberg rundeten die identit\u00e4tsstiftenden geselligen Veranstaltungen ab. \u00dcber dieses Standardrepertoire hinaus f\u00fchrte die Saar-NPD am 20. M\u00e4rz eine \"Grundlagenschulung\" f\u00fcr \"Neumitglieder, Mitglieder und Interessenten\" in Saarbr\u00fccken durch. Als Referenten waren Stefan L., Beisitzer im Berliner NPD-Landesvorstand und wissenschaftlicher Mitarbeiter der NPD-Parteizentrale, sowie Ronny Z. (Cottbus), stellvertretender Vorsitzender des NPDLandesverbandes Brandenburg und f\u00fcr den Gesch\u00e4ftsbereich Bildung im NPD-Parteivorstand zust\u00e4ndig, angereist. Mitte Mai warb der NPD-Kreisverband Saarpfalz auf seiner Facebook-Seite f\u00fcr die von der NPD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle herausgegebene Informationsund Schulungsbrosch\u00fcre mit dem Titel \"Der Islam - Ein Beitrag zur Frage: Geh\u00f6rt der Islam zu Deutschland?\". Weitere nennenswerte regionalpolitische Aktivit\u00e4ten Zu den Propagandaaktivit\u00e4ten der Saar-NPD und ihres Ablegers \"B\u00fcndnis Saar\" geh\u00f6rten im vergangenen Jahr auch knapp zwanzig Informationsst\u00e4nde und Mahnwachen. Die lokalen Schwerpunkte lagen mit dem Platz vor der Europagalerie, dem Marktplatz in Burbach sowie dem Pariser Platz in Malstatt erwartungsgem\u00e4\u00df in der Landeshauptstadt. Zudem traten die Nationaldemokraten zum Jahresende mehrfach in den Mittelzentren V\u00f6lklingen, Saarlouis und Neunkirchen auf, um u. a. die zum Antritt bei der saarl\u00e4ndischen Landtagswahl ben\u00f6tigten Unterst\u00fctzungsunterschriften zu sammeln. Dabei gefertigte Fotodokumentationen erschienen zeitnah auf den einschl\u00e4gigen Facebook-Seiten der Partei. Vom 8. bis 10. Juli tagte der bundesweite \"Arbeitskreis Christen in der NPD\" in Saarbr\u00fccken. Unter den Teilnehmern der geschlossenen Veranstaltung befand sich zeitweise auch der NPD-Landesvorsitzende. Referent war u. a. der ehemalige evangelische Pfarrer Willi B. (Bruchsal). E. sprach zu dem Thema \"Der Kampf um Gott, Allah und die Welt\". B. befasste sich unter der \u00dcberschrift \"Religion-Kirche-Vaterland\" mit der Historie der beiden deutschen Amtskirchen und kritisierte deren Entgegenkommen gegen\u00fcber dem 17","Islam als \"falsch verstandene N\u00e4chstenliebe\". Vom 19. bis 21. August fand in Saarbr\u00fccken eine weitere \"Sommeruniversit\u00e4t\" der Saar-NPD statt, zu der man nach zweij\u00e4hriger Abstinenz wieder eingeladen hatte. An der Veranstaltung unter dem Motto \"Europa wehrt sich!\" beteiligten sich etwa 40 Personen; etwa die H\u00e4lfte waren Mitglieder der Saar-NPD. Die Moderation der Veranstaltung \u00fcbernahm der saarl\u00e4ndische NPD-Vorsitzende. Erster Referent war der Heidelberger Buchautor Jonathan S., alias Johannes S.. In seinem Beitrag mit dem Titel \"Untergang oder R\u00fcckeroberung\" forderte er u. a. eine strikte Trennung der verschiedenen Kulturen und Rassen. Im Weiteren sprach er von \"den Gefahren der aktuellen Fl\u00fcchtlingswelle f\u00fcr die westlichen Kulturen\" und prognostizierte deren Untergang, wenn diesbez\u00fcglich nicht entschlossen gehandelt werde. Der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Saar-West B. referierte zum Thema \"Nachhaltigkeit in der Ern\u00e4hrungswirtschaft\". Der gelernte LebensmittelIngenieur schilderte u. a. negative Folgen der Massenproduktion, pl\u00e4dierte f\u00fcr mehr Nachhaltigkeit und einen sorgsamen Umgang mit Energie bei der Nahrungsproduktion. \"Der Widerstand in Flandern gegen Islamisierung\" lautete das Thema des Beitrages des fl\u00e4mischen Aktivisten Jan V. Dieser sah die hohen Fl\u00fcchtlingszahlen als mitverantwortlich f\u00fcr \"die stetig steigende Islamisierung\" und eine daraus resultierende \"steigende Terrorgefahr\". V. bilanzierte zugleich aber auch einen wachsenden Widerstand gegen diese Entwicklung in der belgischen Bev\u00f6lkerung. In diesem Kontext zeigte er Bilder und Videos von Demonstrationen. Ariane M. (Bornheim/NW), Mitglied des NPD-Parteivorstandes, sprach zu dem Thema \"TTIP - Die Folgen f\u00fcr Europa\". Sie agitierte in bekannter NPD-Manier gegen \"die Fremdbestimmung Deutschlands\" durch die USA. Abgerundet wurde das Veranstaltungsgeschehen mit einer Grillfeier und einem \"Kameradschaftsabend\". F\u00fcr die musikalische Untermalung sorgte der Bretone Pierre-Yves L. G. Auf eine begleitende \u00f6ffentlichkeitswirksame Au\u00dfendarstellung hatte die Partei im Vorfeld und w\u00e4hrend des Verlaufs der \"Sommeruniversit\u00e4t\" verzichtet. Am 29. Oktober beteiligten sich einige NPDund SageSa-Aktivisten am sogenannten \"Marsch f\u00fcr das Leben\" des Aktionskomitees \"Christen f\u00fcr das Leben\" (kein Beobachtungsobjekt) durch die Saarbr\u00fccker Innenstadt. Wie allj\u00e4hrlich fanden sich auch 2016 Nationaldemokraten zu einem kurzen \"Heldengedenken\" im \"Deutsch-Franz\u00f6sischen Garten\" (DFG) in Saarbr\u00fccken ein. Am 13. November legten sie -von der \u00d6ffentlichkeit unbemerktam dortigen Ehrenmal einen Kranz mit Schleifen und den Aufschriften \"Unseren Gefallenen und Toten\" sowie \"NPD-Landesverband Saarland\" und auf verschie18","denen Gr\u00e4bern Blumen nieder. Die Aktion wurde via Facebook nachbereitet. Angelehnt an die \"K\u00fcmmerer\"-Aktionen th\u00fcringischer Rechtsextremisten sowie der s\u00e4chsischen Gruppierung \"Deutschland muss leben e. V.\" (Dml) unter dem Motto \"Ein Volk hilft sich selbst\", bem\u00fchten sich zum Jahresende auch saarl\u00e4ndische Nationaldemokraten unter der Regie der Vorsitzenden des NPDOrtsverbandes Burbach Jacqueline S. um Sachspenden, um \"speziell bed\u00fcrftige Deutsche\" und deren Kinder zu beschenken. Im Rahmen dieser Weihnachtsaktion unter dem Label \"B\u00fcndnis Saar\" und dem Motto \"F\u00fcr unsere Kinder-f\u00fcr unser Volk\" sammelte und verteilte sie im November und Dezember \u00f6ffentlich S\u00fc\u00dfigkeiten, Spielsachen, Kleider und B\u00fccher. Diese Initiative zielte u. a. auf eine Erweiterung des eigenen Anh\u00e4ngerkreises. Die weitere Botschaft war: Der vermeintlich versagende Staat hilft lieber Fl\u00fcchtlingen als seinen \"deutschen Bed\u00fcrftigen\". Verbunden mit dieser Delegitimierung des Staates war zumindest unterschwellig auch eine pauschale Stimmungsmache gegen Fl\u00fcchtlinge. SageSa zeigte mit rund einem dutzend Mahnwachen Pr\u00e4senz, die im Vergleich zum Vorjahr (mehr als 40) allerdings deutlich geringer ausfiel. Am 17. November nahmen rund 30 Personen an einer Protestveranstaltung gegen die Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung unter dem Motto \"Merkel muss weg!\" in Saarbr\u00fccken teil. Die im Wesentlichen ohne besondere Vorkommnisse verlaufene Aktion war von \"B\u00fcndnis Saar\" und SageSa organisiert worden. Mitgef\u00fchrte Transparente und Schilder beinhalteten u. a. Forderungen/Aussagen wie \"Merkel muss weg!\", \"Gegen die Islamisierung unserer Heimat, Missst\u00e4nde und \u00dcberfremdung\" und \"Minderheit im eigenen Land? Wehr dich gegen den gro\u00dfen Austausch\". Kurze Reden hielten Saar-NPD-Chef Peter M., der SageSaVorstand Otfried B. und die aus dem GIDA-Spektrum stammende und als Anmelderin organisations\u00fcbergreifender rechter Demonstrationen bundesweit bekannte Esther S. (Neumarkt/BY). M. polemisierte in gewohnter Weise gegen die Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung. Dar\u00fcber hinaus beschuldigte er die USA, mit ihren \"v\u00f6lkerrechtswidrigen Kriegen\" mitverantwortlich f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingswelle in Europa zu sein. B. unterstrich in seinen Ausf\u00fchrungen die christliche Ausrichtung Europas. S. bezichtigte u. a. die Bundeskanzlerin, \"ganz Europa ins Chaos\" gest\u00fcrzt zu haben. Als \"willige Helferin der amerikanischen Eliten\" betreibe Merkel eine katastrophale Au\u00dfenpolitik, die den Nahen Osten weiter destabilisiere und Russland provoziere. Eine Propagandaaktion eigener Art f\u00fchrten einige NPD-/SageSa-Akteure am 22. Juli durch, als sie die \"Sommeralm\" des \"Saarl\u00e4ndischen Rundfunks\" auf der Redener Halde besuchten. Dabei trugen sie die bekannten SageSa-T-Shirts mit der Aufschrift \"Der Islam geh\u00f6rt zum Saarland wie der Schwenker zum Veganer\". Im Nachgang wurde auf der SageSa-Website gepostet, die Aktion habe f\u00fcr \"manchen Hingucker\" gesorgt, und man sei mit \"zahlreichen B\u00fcrgern\" ins Gespr\u00e4ch gekommen. 19","Beteiligung an \u00fcberregionalen Aktivit\u00e4ten Im Nachgang zu den Vorf\u00e4llen der Silvesternacht in K\u00f6ln f\u00fchrten rheinlandpf\u00e4lzische und saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten am 30. Januar in Kaiserslautern und Homburg zeitversetzte Kurzkundgebungen unter dem Motto \"Sch\u00fctzt unsere Frauen vor sexuell motivierten \u00dcbergriffen\" durch. Das Gros der rund 60 Teilnehmer in Kaiserlautern bzw. 50 Teilnehmer in Homburg waren Angeh\u00f6rige der NPD, darunter der NPD-Landesvorsitzende, sowie der Gruppierungen \"Pf\u00e4lzer gegen Salafisten\" (PfageSa), \"Patriotische Europ\u00e4er sagen Nein\" (PEsN) und SageSa. Im Verlauf der beiden Aktionen wurden neben Deutschland-Fahnen auch Transparente und Plakate mit Aufschriften wie \"Frauen sind kein Freiwild\" bzw. \"Die Asylmafia geh\u00f6rt hinter Gittern\" mitgef\u00fchrt sowie Parolen wie \"Wer Deutschland nicht liebt soll Deutschland verlassen\" bzw. \"Heimat, Freiheit, Tradition - Multikulti-Endstation\" skandiert. Einige wenige Aktivisten der Saar-NPD und ihres Ablegers SageSa nahmen an einer gemeinsamen Demonstration des NPD-Landesverbandes RheinlandPfalz und der Gruppierung \"Pf\u00e4lzer gegen Salafisten\" (PfageSa) am 22. Februar in Pirmasens teil, die gegen die Asylpolitik der Bundeskanzlerin gerichtet war. Vor den rund 200 Teilnehmern sprach u. a. der NPD-Bundesvorsitzende. Unter dem Motto \"B\u00fcrger stehen auf - bald auch in deiner Stadt\" fand am 26. Juni im nordrhein-westf\u00e4lischen Linnich bei Aachen eine gegen die Fl\u00fcchtlingspolitik der Bundesregierung gerichtete Kundgebung statt, an der sich auch rechtsextremistische Akteure beteiligten. Beispielsweise trat die Vorsitzende des NPD-Ortsverbandes Saarbr\u00fccken-Burbach Jacqueline S. als Rednerin auf. Auf ihrer Facebook-Seite ver\u00f6ffentlichte sie am 5. Juli \"f\u00fcr die, die (...) nicht dabei sein konnten\", ihr Redemanuskript. Darin forderte S. u. a., Pr\u00e4senz auf den Stra\u00dfen zu zeigen und sich \"gegen diese deutschfeindliche Politik und dieses System, welches gegen sein eigenes Volk Krieg f\u00fchrt\", zu wehren. Im Weiteren wurden Asylsuchende generell als \"Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge\" bezeichnet, die \"(...) unsere Sozialsysteme hier ausschmarotzen und als Lohndr\u00fccker fungieren (...)\". In diesem Zusammenhang betonte S., dass der Islam nicht nach Deutschland und nicht nach Europa geh\u00f6re. Am 16. Juli fand in Waren an der M\u00fcritz eine organisations\u00fcbergreifende \"Anti-Antifa\"-Kundgebung statt, an der rund 120 Personen teilnahmen. Unter den Rednern befand sich neben dem NPD-Europaabgeordneten Udo V. (Berlin), der stellvertretenden rheinland-pf\u00e4lzischen NPD-Landesvorsitzenden Ricarda R. (Pirmasens) und Aktivisten regionaler Kameradschaften auch Jacqueline S. 20","2.1.1.2 Partei \"Die Rechte\" Die in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2015 gestartete Formierungsphase der \"Region Saarland\" des Landesverbandes S\u00fcdwest der Partei \"Die Rechte\" verlief schleppend und im Ergebnis offensichtlich wenig erfolgreich. Die Partei blieb auch 2016 im Saarland organisatorisch und mit etwa 25 Mitgliedern, zumeist ehemalige NPD-Angeh\u00f6rige, personell schwach aufgestellt. Eine vitale Partei-Basisarbeit war nicht zu erkennen. Eigenen Angaben zufolge fand am 3. April 2016 ein \"Saarlandtreffen\" statt, in dessen Verlauf ein vertretungsberechtigter Landesvorstand - Namen wurden auch sp\u00e4ter nicht genannt - gew\u00e4hlt worden sein soll. Parallel dazu ver\u00f6ffentlichte die Partei ihr Wahlprogramm f\u00fcr die saarl\u00e4ndische Landtagswahl 2017. Obwohl sich die Partei in der Pr\u00e4ambel ihres Landtagswahlprogramms explizit zur freiheitlich demokratischen Grundordnung bekennt, werden in dem elf Punkte umfassenden Programm mehrfach Ressentiments gegen Fl\u00fcchtlinge und Asylbewerber erkennbar. Dabei reicht die Bandbreite von einer einfachen Entsolidarisierung und Intoleranz bis zur \u00dcbernahme von f\u00fcr die rechtsextremistische Gedankenwelt typischen Vorurteilen und Feindseligkeiten. Die Ausgrenzung wird u. a. mit vorgeblichen kriminalpr\u00e4ventiven und sozialpolitischen Argumenten unterlegt. Dem Landesverband wurde die Unterst\u00fctzung der Mutterpartei in Aussicht gestellt, nachdem der Bundesvorsitzende W. Anfang April erkl\u00e4rt hatte, \"alle Kr\u00e4fte f\u00fcr den Wahlkampf im Saarland zu b\u00fcndeln\". Ende April meldete die Partei, sie habe ihre Kandidatenlisten aufgestellt und werde in K\u00fcrze mit dem Sammeln der zum Wahlantritt erforderlichen Unterst\u00fctzungsunterschriften beginnen. Realisiert wurde diese Ank\u00fcndigung jedoch nicht. Am 19. M\u00e4rz f\u00fchrte die Partei in Bruchsal einen sogenannten \"Tag der Heimattreue\" durch. Unter den rund 150 Teilnehmern befand sich eine etwa 15-k\u00f6pfige Gruppe aus dem Saarland. Ein weiteres Lebenszeichen gab \"Die Rechte\" im Saarland am 18. Juni mit einem von sieben Anh\u00e4ngern/Sympathisanten auf dem Neunkircher Stummplatz betriebenen Informationsstand, der bei Passanten auf wenig Interesse stie\u00df, von sich. 21","2.1.1.3 \"Freie B\u00fcrger Union\" (FBU) Landesverband Saar Im Rahmen der bundesweiten medialen Berichterstattung zum Landesverband Saar einer anderen Partei und dessen Kontakten zu Rechtsextremisten geriet im Fr\u00fchjahr letzten Jahres auch der FBU Landesverband Saar in den \u00f6ffentlichen Fokus. Dies hatte u. a. zur Folge, dass der FBU ab Anfang April zumindest vor\u00fcbergehend eine Lokalit\u00e4t in Ensdorf, die sie bis dahin f\u00fcr regelm\u00e4\u00dfige Treffen genutzt hatte, nicht mehr zur Verf\u00fcgung stand. Parallel zur Teilnahme einzelner FBU-Aktivisten an asylfeindlichen Aktionen von NPD und SageSa wurden in f\u00fcnf Ausgaben der FBU-Schrift \"Stimme der Freiheit\" die zunehmenden Kosten f\u00fcr die Betreuung von Fl\u00fcchtlingen kritisiert sowie eine daraus resultierende Benachteiligung und fiskalische Belastung der deutschen Bev\u00f6lkerung behauptet. Sie wolle alles tun, um die Identit\u00e4t des deutschen Volkes zu sch\u00fctzen. Dar\u00fcber hinaus wurde in der \"Stimme der Freiheit\" vermeldet, am 25. Juni seien die Kandidaten f\u00fcr die FBU-Landesliste und am 5. Juli die FBU-Wahlkreiskandidaten f\u00fcr die saarl\u00e4ndische Landtagswahl 2017 nominiert worden. Einen fl\u00e4chendeckenden Wahlantritt gab es f\u00fcr die FBU jedoch nicht; sie wurde nur f\u00fcr den Wahlkreis Neunkirchen zugelassen. Am 21. Juni fand eine Landesversammlung in V\u00f6lklingen statt. \u00dcber Anlass und Tagesordnung wurde nichts bekannt. Am 2. Juli betrieb die Partei einen Informationsstand in Ensdorf. Am 22. Oktober fand in Ensdorf eine Bundesversammlung der FBU statt, von der keine erkennbaren Impulse ausgingen. 2.1.1.4 Partei \"Der Dritte Weg\" Der im September 2013 gegr\u00fcndeten Partei \"Der Dritte Weg\" mit Sitz in Weidenthal/RP werden bundesweit rund 200 Personen zugerechnet. Organisatorisch gliedert sie sich in die Gebietsverb\u00e4nde S\u00fcd, West, Nord und 22","Mitte. Derzeit verf\u00fcgt die Partei \u00fcber 16 - zum Teil - l\u00e4nder\u00fcbergreifende sogenannte \"St\u00fctzpunkte\". Das Parteiprogramm lehnt sich begrifflich zum Teil an Vertreter des \"linken\" nationalsozialistischen Parteifl\u00fcgels an und propagiert ein v\u00f6lkisch-antipluralistisches Menschenund Gesellschaftsbild. Gefordert wird u. a. die Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes und die Schaffung eines \"Deutschen Sozialismus\". \"Der Dritte Weg\" agitiert antisemitisch, fremdenfeindlich und revisionistisch. Das Saarland geh\u00f6rt zu dem am 19. November gegr\u00fcndeten \u00fcberregionalen Gebietsverband West der neonazistisch gepr\u00e4gten Partei, dem auch die L\u00e4nder Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz zugeordnet sind. In diesem Bereich bestehen derzeit f\u00fcnf St\u00fctzpunkte. Drei von ihnen befinden sich in Rheinland-Pfalz, zwei davon mit \u00dcberschneidungen nach Hessen. Zwei weitere befinden sich in Nordrhein-Westfalen. Im Saarland existieren aktuell keine Organisationsstrukturen; dennoch waren auch hier Einzelaktionen zu verzeichnen. In einem Facebook-Beitrag vom 15. Juni unter der \u00dcberschrift \"Verteilaktion in Saarbr\u00fccken\" berichtete die Partei \u00fcber eine Verteilung von hunderten asylkritischen Flugbl\u00e4ttern am 10. Juni im Saarbr\u00fccker Stadtteil Burbach. Auch das hochverschuldete Saarbr\u00fccken leide unter \"dem Multikulti-Hirngespinst Willkommenskultur\"; trotzdem w\u00fcrden die politisch Verantwortlichen nicht m\u00fcde, \"weitere Horden von Scheinasylanten und Wirtschaftsfl\u00fcchtlingen\" ins Land zu holen. Weiter wurde angemerkt: \"Mit dieser Aktion wurde der Startschuss f\u00fcr eine Aufkl\u00e4rungskampagne gelegt, welche nach und nach \u00fcber das ganze Saarland ausgedehnt werden soll.\" Einen Monat sp\u00e4ter wurde erneut via Facebook von einer weiteren Verteilaktion in Saarbr\u00fccken berichtet. Am 9./10. Juli habe man in der saarl\u00e4ndischen Landeshauptstadt, deren Stadtbild bereits \"in gro\u00dfen Teilen stark \u00fcberfremdet\" sei, mit Flugbl\u00e4ttern die Bewohner im Stadtteil Rodenhof auf die negativen Folgen der \"verfehlten Asylpolitik der BRD\" hingewiesen. In einem weiteren Beitrag vom 17. August unter der \u00dcberschrift \"Verteilaktion rund um Landesaufnahmestelle Lebach (Saarland)\" berichtete die Partei \u00fcber eine Aktion von Aktivisten und Unterst\u00fctzern am selben Tag in Lebach. \"Hunderte\" asylkritische Infoschriften habe man an Haushalte im Umfeld der Landesaufnahmestelle verteilt. 23","Es folgten weitere Beitr\u00e4ge \u00fcber gleichgelagerte Aktionen am 13. August in Saarlouis, \"Anfang September\" in Dillingen und am 8. September in Wallerfangen sowie \"Anfang November\" in Saarbr\u00fccken-G\u00fcdingen. 2.1.2 Sonstige Zusammenschl\u00fcsse und Projekte 2.1.2.1 \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD) Die \"Identit\u00e4re Bewegung Deutschland\" (IBD), die gegen einen \"kulturellen Verfall\", \"Multikulti\" und \"Islamisierung\" agitiert, trat zun\u00e4chst projektartig im Internet auf und suggerierte mit Facebook-Postings die Existenz einer bundesweit aktiven Bewegung mit regionalen Ablegern, darunter eine \"Identit\u00e4re Bewegung Saar\". Die unregelm\u00e4\u00dfig gepflegte Facebook-Seite der \"IB Saarland\", die inhaltlich in gro\u00dfen Teilen mit dem Facebook-Auftritt der \"IB Deutschland\" \u00fcbereinstimmt, sowie die gelegentliche Feststellung von Aufklebern im \u00f6ffentlichen Raum -wie beispielsweise im Juni vor der Wehrdener Moschee (\"Islamisierung? Nicht mit uns!\") oder in Homburg (\"0 % Rassismus - 100 % Identit\u00e4t\") sowie am 19. September in Saarbr\u00fccken (\"Islamisierung? Nicht mit uns!\" und \"Wehr dich - Es ist dein Land\")lie\u00dfen bislang keine belastbaren R\u00fcckschl\u00fcsse auf tats\u00e4chlich existierende arbeitsf\u00e4hige Strukturen im Saarland erkennen. Bezeichnend daf\u00fcr ist auch ein wenig aussagekr\u00e4ftiges IB-Posting \u00fcber ein angebliches Treffen \"saarl\u00e4ndischer Aktivisten und Interessenten\" am 20. Dezember in einer Saarlouiser Gastst\u00e4tte. Ein beigef\u00fcgtes Foto l\u00e4sst lediglich drei auf einem Tisch ausgelegte Flyer erkennen. Gleiches gilt f\u00fcr den hiesigen Ableger der \"Identit\u00e4ren Aktion\" (IA), die eigenen Angaben zufolge eine \"Abspaltung\" der \"Identit\u00e4ren Bewegung Deutschland\" (IBD) um die bekannte Aktivistin Melanie D. (Bornheim/NW) ist und die die Urheberschaft f\u00fcr bundesweite Aktionen wie \"Halal Challenge\", \"Anti-Merkel Challenge\" und \"Stolperstein-Aktion\" f\u00fcr sich reklamierte. Vereinzelt fanden diese auch im Saarland Widerhall. Beispielsweise wurden Lebensmittelpackungen in Superm\u00e4rkten in Neunkirchen und Sulzbach entsprechend gekennzeichnet. 24","2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten, insbesondere Skinhead-/KameradschaftsSzene 2.2.1 Skinhead-Subkultur/\"Hammerskins\" (HS) Bei den subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten steht weniger eine kontinuierliche politische Basisarbeit als vielmehr der Erlebnischarakter im Vordergrund. Vor allem rechtsextremistische Musikveranstaltungen stehen hoch im Kurs. Die seit Jahren im Saarland erkennbare Erosion dieser Szenensubkultur hat sich fortgesetzt. Das diesbez\u00fcgliche Personenpotenzial schmolz auf rund 50 (2015: 60). Dagegen sind \"Hammerskins\" (HS), die ein rassistisches und nationalistisches Weltbild pflegen, eher politisch ausgerichtet. Sie verstehen sich als Elite der Szene und sind straff organisiert. Abgesehen von Konzerten treten die \u00e4u\u00dferst konspirativ agierenden HS \u00f6ffentlich nicht in Erscheinung. Kommuniziert und mobilisiert wird u. a. \u00fcber speziell abgeschottete Messenger-Gruppen. Das im Saarland beheimatete HS-Chapter \"Westwall\", dem auch Aktivisten aus Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen angeh\u00f6ren, ist tonangebend innerhalb der HS-Division Deutschland. Flankiert wird das Chapter von der Unterst\u00fctzergruppe \"Crew38-Westwall\". Diese nutzte vor allem ihr Dillinger Clubheim, die so genannte \"Hate Bar\", im vergangenen Jahr u. a. f\u00fcr elf identit\u00e4tsstiftende Veranstaltungen, an denen bis zu 60 Personen teilnahmen. Im Einzelnen handelte es sich um drei Geburtstagsfeiern und mehrere Mottopartys wie z. B. eine Saarabstimmungsparty \"Deutsch die Saar\" am 30. Januar oder eine \"ValhallaParty\" zu Ehren gefallener deutscher Soldaten am 19. November. 25","Im grenznahen lothringischen Volmunster-Eschwiller verf\u00fcgt die Gruppierung mit einem Wiesengel\u00e4nde \u00fcber eine weitere Immobilie, durch deren Vermietung f\u00fcr musikalische Gro\u00dfereignisse einerseits sowie die damit verbundene entgeltliche \u00dcbernahme von Ordnungsdiensten und Bewirtung bei Konzerten Einnahmen generiert werden. Beispielhaft daf\u00fcr steht ein \"Open Air\" mit der rechtsextremistischen Bremer Szeneband \"Kategorie C - Hungrige W\u00f6lfe\" (KC) am 13. August mit Unterst\u00fctzung des G\u00fcterslohers NS-Rappers Julian F. (alias \"Makss Damage\"). In Eschwiller fand auch das Sommerfest mit Livemusik der Crew am 9. Juli statt. Das Gros der bis zu 150 Teilnehmer, darunter auch eine Vielzahl aus dem Saarland, kam aus dem gesamten s\u00fcdwestdeutschen Raum. W\u00e4hrend der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Veranstaltung traten neben der saarl\u00e4ndischen Formation \"Wolfsfront\" die Bands \"Breakdown\" (Kastellaun/RP), \"Flak\" (Bonn) und \"Kommando 192\" (Enzkreis/BW) auf. Ein von den lokalen Medien als aufgel\u00f6st bzw. untersagt gemeldetes Konzert (SZ vom 29. Februar 2016: \"Polizei l\u00f6st Rechtsrock-Konzert in Burbach auf\"/SR-Website vom 29. Februar 2016: \"Polizei untersagt Konzert der rechten Szene\") entpuppte sich im Nachgang als ein \"Deutschlandtreffen\" (\"National Officers Meeting\" -NOM) der \"Hammerskins\" (HS). Ausrichter des f\u00fcr den 27. Februar anberaumten und urspr\u00fcnglich in einer Halle eines Burbacher Industriegebietes vorgesehenen HS-NOM war das hiesige HSChapter \"Westwall\". 2.2.2 \"Kameradschaft Sturmdivision Saar\" Rechtsextremistische Kameradschaften sind autonom agierende, lokal auftretende unabh\u00e4ngige und auf Dauer angelegte Personenzusammenschl\u00fcsse. Sie verzichten auf eine formale Mitgliedschaft und erkennbare Organisationsstrukturen. Ihre Effektivit\u00e4t ist eng gekoppelt mit der jeweiligen F\u00fchrungsfigur. Mit eigenen Aktionen im Saarland war die Dillinger \"Kameradschaft Sturmdivision Saar\" zuletzt 2015 \u00f6ffentlich in Erscheinung getreten. 26","2016 beteiligten sich zwar wie in den Vorjahren auch einzelne Aktivisten der Kameradschaft an Aktionen des \"Nationalen Widerstands Zweibr\u00fccken\" (NWZ), so z. B. am 5. M\u00e4rz an der sogenannten \"Fahrt der Erinnerung\" und am 14. M\u00e4rz an einem Fackelmarsch, die Kameradschaft als solche war aber \u00f6ffentlich nicht mehr wahrnehmbar. Einige Personen orientierten sich organisatorisch neu, z. B. in der Partei \"Die Rechte\", andere waren g\u00e4nzlich inaktiv. Zuletzt verlautete, die \"Sturmdivision\" habe sich aufgel\u00f6st. Ein Wiederaufleben der Gemeinschaftsaktivit\u00e4ten ist nicht mehr zu erwarten. 2.3 Rechtsextremistische Musikszene und Veranstaltungen im Saarland Rechtsextremistische Musik erweist sich nach wie vor als ein wichtiger Identifikations-, Intergrationsund Mobilisierungsfaktor f\u00fcr die Szene. Die rechtsextremistische Musikszene des Saarlandes wird seit Jahren von den Bands \"Jungsturm\" (Ende der 1990er Jahre gegr\u00fcndet und zuletzt inaktiv), \"Hunting Season\" (seit 2004 vier CDs ver\u00f6ffentlicht) und \"Wolfsfront\" (Deb\u00fct-CD 2012 erschienen) gepr\u00e4gt. Die letztgenannte Formation war im vergangenen Jahr das \"Aush\u00e4ngeschild\" mit Konzertauftritten im Inund Ausland. Im Februar erschien die neue \"Wolfsfront\"-CD mit dem Titel \"Viel Feind - Viel Ehr\". Am 24. M\u00e4rz postete die Band auf ihrer Facebook-Seite \"Vielen Dank f\u00fcr 1488 Gef\u00e4llt mir Angaben!\". Dabei steht die 14 f\u00fcr die aus 14 Worten bestehende rassistische Parole \"We must secure the existence of our people and a future for white children\" (Wir m\u00fcssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft der wei\u00dfen Kinder sichern.), die 88 f\u00fcr \"Heil Hitler\". Die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien (BPjM) trug mit Entscheidung vom 9. Mai 2016 die bereits 2012 erschienene CD \"Demo\" der saarl\u00e4ndischen Band \"Wolfsfront\" in Teil A der Liste der jugendgef\u00e4hrdenden Medien ein. Der Tontr\u00e4ger beinhaltet die vier deutschsprachigen Lieder \"Viel Feind - Viel Ehr\", \"Fight against ZOG\", \"Ehre, Glaube, Treue\" und \"Deutsche Wehrmacht\". Das Gremium vertrat die Auffassung, der Tontr\u00e4ger verherrliche den Nationalsozialismus und die nationalsozialistische Kriegsf\u00fchrung. Die Indizierung habe aber auch zu erfolgen, weil der Titel \"Fight against ZOG\" textgleich auf der Sampler-CD \"7. Tag der Deutschen Zukunft - Soli CD\" enthalten sei, die im Dezember 2015 indiziert worden sei. Im April trat das Musikprojekt \"Saarbrigade\" mit seiner Deb\u00fct-CD \"Saarbrigade - Saarland Skinheads\" an die \u00d6ffentlichkeit. Der Initiator, der Leader der Band \"Wolfsfront\" und HS-Kader Robert K., wollte offensichtlich unter dem Label \"Hate Bar Productions\" den \"guten alten Zeiten der 1990-er Jahre\" der saarl\u00e4ndischen Skinhead-Szene huldigen. Dieser \"Lokalpatriotis27","mus\" wird in den Texten der insgesamt vier Lieder mit den Titeln \"Deutsche Front\", \"Saarland RAC\", \"Saarland Skinheads\" und \"Spicherer H\u00f6hen\" erkennbar. Die H\u00f6he der Erstauflage des im \"Crew38-Westwall\"Umfeld sowie \u00fcber die Szene-Vertriebe \"Frontmusik\", vormals \"Gjallarhorn-Klangschmiede\" (Ludwigshafen), \"Wewelsburg-Records\" (Leer/NI) und \"Front-Records\" (Falkenhain/SN) verbreiteten Tontr\u00e4gers wird auf 200 Exemplare gesch\u00e4tzt. Mitte Oktober folgte in Form einer \"Schallfolie\" mit nur zwei Titeln als zweites Werk der \"Hate Bar Productions\" die CD \"Saarbrigade - Eisern Saarlouis\" in einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren. Zu einer politischen Kundgebung mit Konzert unter dem Motto \"Rock f\u00fcr Identit\u00e4t\" am 7. Mai im s\u00fcdth\u00fcringischen Hildburghausen reisten auch rund 30 saarl\u00e4ndische Aktivisten. W\u00e4hrend der Veranstaltung trat u. a. die rheinland-pf\u00e4lzisch/saarl\u00e4ndische Formation \"Blutbanner\" auf. Bei \"Blutbanner\" handelt es sich um ein Musikprojekt des \"Hunting Season\"-Produzenten und Ex-\"Jungsturm\" Mitglieds Danny H. sowie des \"Jungsturm\"-Gitarristen Nico R. (Ludwigshafen). Die Band, die nur sporadisch in Erscheinung tritt, hatte 2012 ihren ersten Live-Auftritt im lothringischen Neufgrange-Roth und bevorzugt musikalisch deutschsprachige Rockballaden. Am 15. Oktober fand in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann (Ortsteil Unterwasser) im Kanton St. Gallen/Schweiz ein Gro\u00dfkonzert statt, an dem rund 5.000 Personen teilnahmen. Zu dem mutma\u00dflich gr\u00f6\u00dften jemals von deutschen Rechtsextremisten organisierten Konzert im Ausland waren auch bis zu 30 Personen der saarl\u00e4ndischen Szene angereist. Es spielten die Bands \"Stahlgewitter\" (Meppen), \"Frontalkraft\" (Senftenberg/BB), \"Confident of Victory\" (Cottbus) und \"Exzess\" (Strausberg/BB), der G\u00fcterloher NS-Rapper Julian F. (alias \"Makss Damage\") sowie die Schweizer Formation \"Amok\". 2.4. Sonderfall \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" sind Gruppierungen und Einzelpersonen, die aus unterschiedlichen Motiven und mit unterschiedlichen Begr\u00fcndungen, u. a. unter Berufung auf das historische Deutsche Reich, mit verschw\u00f6rungstheoretischen Argumentationsmustern oder unter Heranziehen eines selbst definierten Naturrechts, die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und deren Rechtssystem ablehnen, den demokratisch gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten die Legitimation absprechen oder sich gar in G\u00e4nze als au\u00dferhalb der Rechtsordnung stehend definieren. 28","Dieser heterogenen Szene der \"Reichsb\u00fcrger\" und \"Selbstverwalter\" ist gemeinsam die fundamentale Ablehnung des Staates und seiner gesamten Rechtsordnung. F\u00fcr die Verwirklichung ihrer Ziele treten sie aktiv ein, so z. B. mit Werbeaktivit\u00e4ten oder aggressiven Verhaltensweisen gegen\u00fcber Gerichten und Beh\u00f6rden der Bundesrepublik Deutschland. Bestrebungen, die eine derart grunds\u00e4tzliche Ablehnung der Bundesrepublik Deutschland, ihrer Gesetze und Institutionen beinhalten, bieten hinreichend tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr extremistische Bestrebungen, unabh\u00e4ngig davon, dass diese Bestrebungen nur z. T. dem Ph\u00e4nomenbereich Rechtsextremismus zugeordnet werden k\u00f6nnen. Nach der Erkl\u00e4rung zum Beobachtungsobjekt Ende November wurden die Kommunen, Landkreise, Justizund Finanzbeh\u00f6rden f\u00fcr das Ph\u00e4nomen sensibilisiert und gebeten, eventuelle Feststellungen dem LfV mitzuteilen. Zum Jahresende lagen Hinweise zu 75 im Saarland ans\u00e4ssigen Personen vor, die im Verdacht stehen, weitgehend ohne eine organisatorische Einbindung der Reichsb\u00fcrgerbewegung anzugeh\u00f6ren. Davon hatten 16 einen rechtsextremistischen Vorlauf bzw. sind der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen. III. Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Linksextremismus zielt auf die \u00dcberwindung der bestehenden freiheitlichen demokratischen Staatsund Gesellschaftsordnung ab, die durch ein kommunistisches oder ein \"herrschaftsfreies\", anarchistisches System ersetzt werden soll. Trotz der Unterschiede in der ideologischen Herleitung, Zielsetzung und Herangehensweise streben linksextremistische Parteien, Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse unisono nach wie vor die Beseitigung des \"b\u00fcrgerlichen, kapitalistischen Systems\" an. Dieses ist in ihren Augen urs\u00e4chlich f\u00fcr gesellschaftliche und politische Missst\u00e4nde wie soziale Ungerechtigkeit, Migrationsstr\u00f6me, Kriege, Rechtsextremismus, Rassismus, \u00f6kologische Katastrophen, weltweite Wirtschaftsund Finanzkrisen sowie die Zerst\u00f6rung von Wohnraum. F\u00fcr Linksextremisten stellt der \"Kapitalismus\" mehr als eine blo\u00dfe Wirtschaftsform dar. Er bildet f\u00fcr sie die Grundlage \"b\u00fcrgerlicher Herrschaft\", die vom Staat durch \"Repression nach innen und Aggression nach au\u00dfen\" garantiert wird. Seine \u00dcberwindung ist f\u00fcr sie Voraussetzung zum Erreichen einer grundlegenden, revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung hin zu einer neuen gesellschaftlichen und politischen Ordnung in Verbindung mit der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Dieses 29","Ziel soll entweder durch die Herrschaft einer zentralistischen Partei, durch dezentrale Selbstverwaltung oder die Eliminierung jeglicher Regierungsstrukturen erreicht werden. Verfechter derartiger Ideen gr\u00fcnden Parteien und Organisationen, um bei Wahlen anzutreten oder f\u00fcr ihre Ziele \u00f6ffentlich zu werben. Andere versuchen, zivilgesellschaftliche Initiativen zu unterwandern, um diese in ihrem Sinne zu beeinflussen. Organisierungsund hierarchiefeindliche \"Autonome\" setzen eher auf demonstrative bis militante Ausdrucksformen unter bewusster Missachtung des staatlichen Gewaltmonopols. Aufgrund ihrer eigenen gesellschaftlichen Bedeutungslosigkeit, inneren Zersplitterung und Gegens\u00e4tze sind Linksextremisten bestrebt, durch den Anschluss an nichtextremistische Protestbewegungen und Mitwirkung an gesellschaftlichen Prozessen dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Damit versuchen sie gleichzeitig, lokal und \u00fcberregional B\u00fcndnispartner f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Ziele zu gewinnen bzw. f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Mit dieser Intention beteiligen sich linksextremistische Gruppierungen und Einzelpersonen vor dem Hintergrund der aktuellen globalen, europ\u00e4ischen und nationalen Krisen zum Beispiel an Solidarit\u00e4tsveranstaltungen f\u00fcr Kriegsfl\u00fcchtlinge aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie Afrika bzw. an demonstrativen Aktivit\u00e4ten gegen die staatliche Asylund Fl\u00fcchtlingspolitik sowie die europ\u00e4ische Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Gleichzeitig unterst\u00fctzen sie im Rahmen ihres \"antifaschistischen/-rassistischen Kampfes\" Proteste anderer extremistischer, insbesondere aber auch nichtextremistischer Aktionsb\u00fcndnisse gegen zunehmende rechtspopulistische, rassistische und rechtsextremistische Hetzkampagnen gegen Asylsuchende in Deutschland. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Die Hauptaktivit\u00e4ten der linksextremistischen Szene im Saarland waren auch im vergangenen Jahr auf den zentralen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\", \"Antirassismus\", \"Antimilitarismus\", \"Antikapitalismus\" und \"Sozialabbau\" zu verzeichnen. Im besonderen Fokus linksextremistischer Agitation standen die Konferenzen der Innenminister und -senatoren (IMK), die im vergangenen Jahr unter dem turnusgem\u00e4\u00dfen Vorsitz des Saarlandes stattfanden. Linksextremisten sehen in der IMK den Ausgangspunkt f\u00fcr eine Ausweitung und Versch\u00e4rfung des staatlichen \u00dcberwachungsund Kontrollapparates sowie f\u00fcr die Erhaltung, Festigung und Verteidigung der bestehenden \"kapitalistischen Wirtschaftsordnung\" in Deutschland. Vor dem Hintergrund weltweiter Anschl\u00e4ge von Dschihadisten und insbesondere von Terrorakten in Deutschland, der Gr\u00e4ueltaten der Terrororgani30","sation \"Islamischer Staat\" (IS) in Syrien und dem Irak, des B\u00fcrgerkrieges in Syrien, der Bundeswehreins\u00e4tze im Ausland und deutschen Waffenlieferungen in Kriegsgebiete beteiligte sich die linksextremistische Szene spektrums\u00fcbergreifend in Saarbr\u00fccken an friedenspolitischen Veranstaltungen der \"Antikriegsbewegung\" unter dem Motto \"F\u00fcr Frieden! Gegen Krieg und Terror!\". Bez\u00fcglich der Lageentwicklung in der T\u00fcrkei nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 und den anschlie\u00dfenden \"S\u00e4uberungsaktionen\" durch die t\u00fcrkische Regierung hat das klassische Agitationsfeld \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" deutscher Linksextremisten auch hierzulande zunehmend wieder an Bedeutung gewonnen. Die Solidarit\u00e4t gilt kurdischen Autonomiebestrebungen, insbesondere der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). So unterst\u00fctzten hiesige linksextremistische Parteien sowie Gruppierungen der gewaltorientierten antiimperialistischen und autonomen Szene ausschlie\u00dflich friedlich Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen im Saarland f\u00fcr die \"kurdischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\", die Freilassung des Kurdenf\u00fchrers Abdullah \u00d6CALAN und eine Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland. Im Rahmen dieser Solidarit\u00e4tsveranstaltungen, die vom PKKnahen \"Kurdischen Gesellschaftszentrum Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) initiiert wurden, traten Linksextremisten wiederholt als Redner auf. 1.3 Personenpotenzial Im Saarland haben sich Strukturen und Erscheinungsbild des organisierten und gewaltorientierten Linksextremismus im vergangenen Jahr gegen\u00fcber 2015 kaum ver\u00e4ndert. Das Gesamtpotenzial linksextremistischer Gruppierungen und Zusammenschl\u00fcsse, die tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Ausrichtung bieten, hat sich durch einen fortw\u00e4hrenden altersbedingten Mitgliederschwund insbesondere bei der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) geringf\u00fcgig von 400 auf etwa 380 Personen verringert. Den Hauptanteil stellt mit ca. 300 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern dennoch das organisierte linksextremistische Parteienspektrum einschlie\u00dflich seiner Umfeldorganisationen gegen\u00fcber rund 80 Angeh\u00f6rigen der gewaltorientierten autonomen und antiimperialistischen Szene Saar. 31","Entwicklung des linksextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Im Saarland hat sich die Gesamtzahl der linksextremistisch motivierten Straftaten gegen\u00fcber 2015 nur unwesentlich erh\u00f6ht. In Abstimmung mit dem Landespolizeipr\u00e4sidium waren 2016 insgesamt 26 Gesetzesverletzungen (2015: 24) mit linksextremistischem oder zu vermutendem linksextremistischen Hintergrund zu registrieren. Im Rahmen zahlreicher \"antifaschistischer/-rassistischer\" Aktivit\u00e4ten und Proteste gegen \"staatliche Repression\" waren jedoch lediglich zwei Gewalttaten (2015: sechs), die sich gegen NPD-Aktivisten richteten, zu verzeichnen. Die Bandbreite der linksextremistischen Straftaten reichte von Verst\u00f6\u00dfen gegen das Kunsturheberrechtsgesetz (2) bzw. Urheberrechtsgesetz (2) \u00fcber das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (1), Beleidigungen (2), \u00dcbler Nachrede (2), Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz (8) und Sachbesch\u00e4digungen (7) bis hin zu zwei gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzungen. \u00d6rtlichen Schwerpunkt bildete die Landeshauptstadt mit 17 Straftaten, darunter die beiden Gewalttaten. 32","Entwicklung der linksextremistisch motivierten Straftaten im Saarland in den letzten f\u00fcnf Jahren 2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Linksextremismus Innerhalb des organisierten Linksextremismus sind unver\u00e4ndert gegen\u00fcber den Vorjahren die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) zu nennen, die sich im vergangenen Jahr einschlie\u00dflich ihrer Umfeldorganisationen als \"au\u00dferparlamentarische Opposition\" an aktuellen gesellschafts-, sozialund friedenspolitischen Auseinandersetzungen beteiligten. Neben ihrer entsprechenden Gewerkschaftsund Betriebsarbeit bildete ihr Engagement in Aktionsb\u00fcndnissen auf den zentralen linksextremistischen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\" und \"Antirepression\" einen weiteren Schwerpunkt. Ankn\u00fcpfungspunkte boten die Bundeswehreins\u00e4tze im Ausland, die Asylund Fl\u00fcchtlingspolitik in Deutschland, Aufm\u00e4rsche von \"Neonazis\", die Krisen33","und Sparpolitik der Europ\u00e4ischen Union und die \"Kaputtsparpolitik der saarl\u00e4ndischen Landesregierung\" sowie der \"kurdische Befreiungskampf\". 2.1.1 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Die DKP ist eine marxistisch-leninistische Kernorganisation, die als Ziel die Errichtung einer sozialistischen/kommunistischen Gesellschaft durch einen revolution\u00e4ren Bruch mit den kapitalistischen Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnissen verfolgt. Sie bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern Antifaschismus, Antimilitarismus und Antikapitalismus. Die DKP versucht, durch die Teilnahme an entsprechenden Demonstrationen und Veranstaltungen sowie durch Ver\u00f6ffentlichungen zu aktuellen politischen Themen in der \u00d6ffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Der bereits seit 2013 schwelende innerparteiliche Richtungsstreit \u00fcber die k\u00fcnftige ideologische Ausrichtung und Strategie l\u00e4hmte auch im vergangenen Jahr die Parteiarbeit. W\u00e4hrend die dominierende \"Parteilinke\" f\u00fcr eine bedingungslose R\u00fcckkehr zur unverf\u00e4lschten Lehre des Marxismus-Leninismus eintritt, sieht die innerparteiliche Opposition in einer Zusammenarbeit mit allen fortschrittlichen gesellschaftlichen Str\u00f6mungen eine Chance, eine \"sozialistische\" und letztlich eine kommunistische Gesellschaftsordnung in Deutschland zu schaffen. Die DKP, die auf Bundesund L\u00e4nderebene in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch wahrnehmbar ist, k\u00e4mpft aufgrund ihrer \u00dcberalterung und einer dadurch bedingten geringen Aktionsund Mobilisierungsf\u00e4higkeit, eines ungebrochenen Mitgliederr\u00fcckganges und gro\u00dfer Finanzprobleme nach wie vor um ihre Existenz. Die DKP ist innerhalb des organisierten Linksextremismus im Saarland mit noch rund 100 Mitgliedern (Bund: 3.000) die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte linksextremistische Partei. Aktive Stadtund Ortsgruppen bestehen noch in V\u00f6lklingen, P\u00fcttlingen, Saarbr\u00fccken-Dudweiler, Neunkirchen/Wiebelskirchen und St. Ingbert. In der fr\u00fcheren DKP-Hochburg P\u00fcttlingen verf\u00fcgt die Partei seit den letzten Kommunalwahlen nur noch \u00fcber einen Sitz im Stadtrat. Anders als in den Vorjahren waren in 2016 jedoch keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der DKP in P\u00fcttlingen mehr zu registrieren. 34","2.1.2 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die MLPD ist eine maoistisch-stalinistisch ausgerichtete Partei, die sich an den Lehren von MARX, ENGELS, LENIN, MAO TSETUNG und STALIN orientiert. Ihrem Verst\u00e4ndnis nach kann der Kapitalismus nicht reformiert werden, sondern muss revolution\u00e4r durch den echten Sozialismus abgel\u00f6st werden. Der Sozialismus wird ideologisch innerhalb der MLPD als eine Vorstufe der klassenlosen kommunistischen Gesellschaft angesehen. Die Partei ist bundesweit innerhalb der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert und wie die DKP in der \u00d6ffentlichkeit weitestgehend unauff\u00e4llig. Auf ihrem X. Parteitag im Herbst 2016 wurde ein Generationswechsel an der Spitze eingel\u00e4utet. Die MLPD-Saar ist \u00fcberregional dem Landesverband Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland (RHS) angegliedert, der seinen Sitz in Frankfurt am Main hat. Die MLPD-Saar beteiligte sich 2016 an b\u00fcrgerlichen Protestbewegungen bzw. Kampagnen und B\u00fcndnissen gegen \"Faschismus, Rassismus\", \"Krieg und Terror\", \"Kapitalismus\" sowie \"Sozialabbau\", um auf diese Weise Akzeptanz in der \u00d6ffentlichkeit zu erlangen. Sie unterst\u00fctzte Solidarit\u00e4tsaktionen des PKK-nahen \"Kurdischen Gesellschaftszentrums Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) f\u00fcr \"kurdische Selbstverteidigungskr\u00e4fte\" in Syrien und im Nordirak. Vor dem Hintergrund der Lageentwicklung in der T\u00fcrkei nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 und den anschlie\u00dfenden S\u00e4uberungsaktionen durch die t\u00fcrkische Regierung nahmen Mitglieder/Anh\u00e4nger der MLPD an entsprechenden Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen der saarl\u00e4ndischen PKK-Anh\u00e4ngerschaft in Saarbr\u00fccken teil. Mit dem Ziel, ihre \"gesellschaftliche Isolierung\" zu durchbrechen, politisch interessierte Personen an die Partei heranzuf\u00fchren und letztlich ihr \"revolution\u00e4res Potenzial\" zu erh\u00f6hen, betrieben Genossinnen und Genossen der MLPD in Saarbr\u00fccken regelm\u00e4\u00dfig Informationsst\u00e4nde. Dar\u00fcber hinaus organisierte die MLPD wie in den Vorjahren die Saarbr\u00fccker \"Montagsdemonstrationen gegen Sozialabbau\", die im monatlichen Rhythmus in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Bahnhofstra\u00dfe stattfanden. Die MLPD geht davon aus, Proteste gegen die in vielen Bev\u00f6lkerungskreisen als einschneidend empfundenen Sozialund Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung als vermeintlich revolution\u00e4res Potenzial f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Zwecke nutzen zu k\u00f6nnen. Vertreter der Partei waren ferner ma\u00dfgeblich in die IMK-Proteste Ende November in Saarbr\u00fccken eingebunden. Die vom Aktionsb\u00fcndnis \"NO IMK 2016\" am 26. November initiierte Demonstration hatte ein MLPD-Funktion\u00e4r angemeldet. 35","2.2. Gewaltorientierter Linksextremismus 2.2.1 Autonome Szene Gewaltorientierter Linksextremismus ist prim\u00e4r ein st\u00e4dtisches Ph\u00e4nomen. Schwerpunkte liegen vor allem in Berlin, Hamburg und Leipzig, in denen ein Gro\u00dfteil dieses linksextremistischen Personenpotenzials lebt und \u00fcber eine besonders gro\u00dfe Mobilisierungskraft, Handlungsf\u00e4higkeit und Gewaltbereitschaft verf\u00fcgt. St\u00e4rker als andernorts gelingt es der Szene hier, kurzfristig und spontan auf einschl\u00e4gige Ereignisse zu reagieren und ein hohes Gewaltpotenzial auf die Stra\u00dfe zu bringen. Innerhalb der Szene besteht Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeit \"revolution\u00e4rer Gewalt\" zur Umw\u00e4lzung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. In der ideologisch und strategisch eher heterogenen Szene gilt Gewalt daher weiterhin als legitimes Mittel gegen die \"strukturelle Gewalt eines Systems von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\". In Bezug auf die Formen von Gewaltaus\u00fcbung unterscheidet die Szene zwischen konfrontativer Gewalt (Massenmilitanz) und personensowie objektbezogenen klandestinen Anschl\u00e4gen durch Kleinstgruppen. W\u00e4hrend die Zahl linksextremistischer Gewalttaten \u00fcber die Jahre schwankt, hat deren Intensit\u00e4t in den letzten Jahren stetig zugenommen. Insbesondere im Umfeld von Demonstrationen ist ein hohes Aggressionsniveau festzustellen. Dabei werden in der gewaltorientierten Szene t\u00e4tliche Angriffe auf Polizeibeamte als Repr\u00e4sentanten des verhassten \"Repressionsapparates\" wie auch auf Angeh\u00f6rige der rechten Szene weitestgehend akzeptiert. Die autonome Szene bildete auch 2016 die weitaus gr\u00f6\u00dfte Personengruppe innerhalb des gewaltorientierten linksextremistischen Spektrums. Der autonomen Szene Saar waren in 2016 etwa 70 Personen zuzuordnen. Die saarl\u00e4ndischen Szeneangeh\u00f6rigen sind nach wie vor aufgrund ihrer \u00fcberwiegend \"antinationalen\" Ausrichtung zu einem kleinen \"antideutschen Teil\" innerhalb des bundesweiten autonomen Spektrums zu z\u00e4hlen. Dieser solidarisiert sich aufgrund der historischen Schuld Deutschlands mit dem \"j\u00fcdischen Staat\" Israel und den USA als dessen Schutzmacht. Demgegen\u00fcber sehen die breite Mehrheit der linksextremistischen Szene und insbesondere die pro-pal\u00e4stinensisch eingestellten \"Anti-Imperialisten\" den Zionismus als Teil milit\u00e4rischer Expansionsbestrebungen des Kapitalismus unter Federf\u00fchrung der USA. Von folgenden autonomen Gruppen und Zusammenschl\u00fcssen im Saarland waren im vergangenen Jahr Aktivit\u00e4ten zu verzeichnen: 36","Die \"Antifa Saar/Projekt AK\" (AK = Analyse und Kritik) versteht sich als linker, politischer, unabh\u00e4ngiger Zusammenschluss, der au\u00dferparlamentarisch aktiv ist und sich dem Kampf gegen Faschismus, Sexismus und Rassismus sowie f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zum Ziel gesetzt hat. Der autonome Arbeitskreis \"... resist! Unsere Solidarit\u00e4t gegen ihre Repression!\" hat sich zum Ziel gesetzt, \"von staatlicher Repression betroffene Antifaschist*innen und politische Aktivist*innen\" solidarisch und finanziell zu unterst\u00fctzen. \"... resist!\" hat sich Ende Oktober 2016 dem \"umsGanze! - kommunistisches B\u00fcndnis\" (uG) angeschlossen, in dem eigenst\u00e4ndige, lokal verankerte Gruppen der autonomen Szene aus Deutschland und \u00d6sterreich zur B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte und \u00fcberregionalen Handlungsf\u00e4higkeit organisiert sind. Das B\u00fcndnis organisiert ma\u00dfgeblich Protestaktionen gegen die j\u00e4hrlichen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit und beteiligt sich an so genannten Krisenprotesten gegen die Politik zur Bew\u00e4ltigung der europ\u00e4ischen Finanzund Wirtschaftskrise sowie der Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me. Die \"Antifa Nord-Westsaar\" stellt sich auf ihrer Homepage als \"unabh\u00e4ngige Antifa-Gruppe\" aus dem Raum Merzig, Mettlach, Perl und Losheim vor. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, \u00fcber \"Naziaktivit\u00e4ten\" im n\u00f6rdlichen Saarland zu informieren und rechtsextremistischen Entwicklungen auch au\u00dferhalb Saarbr\u00fcckens entgegenzutreten. Die erstmals im Mai 2016 in Erscheinung getretene \"Antifa\"-Gruppe \"Solidarische Rose Homburg/Zweibr\u00fccken\" pr\u00e4sentiert sich auf ihrem Facebook-Profil als \"linke antifaschistische Gruppe\" aus dem Saar-Pfalz-Raum. Sie strebt laut ihrem im Internet ver\u00f6ffentlichten Selbstverst\u00e4ndnis die Schaffung einer Gesellschaft an, \"in der auf der Grundlage antifaschistischer, antirassistischer, anti-antisemitischer und antisexistischer Solidarit\u00e4t der freie Zusammenschluss freier Menschen m\u00f6glich ist\". Dar\u00fcber 37","hinaus hat sich die Gruppe zur Aufgabe gemacht, \u00fcber rechte Aktivit\u00e4ten in der Region pr\u00e4ventiv in Form von Infoveranstaltungen, Flugblattverteilungen und Ver\u00f6ffentlichungen aufzukl\u00e4ren, \"klassische Demonstrationen\" gegen rechte Aufm\u00e4rsche und Veranstaltungen zu organisieren sowie \"kreative antifaschistische Proteste im Alltag\" durchzuf\u00fchren. Um gesamtgesellschaftlich gegen das \"Wiedererstarken faschistischer Ideologien\" wirken zu k\u00f6nnen, suchte die \"Antifa Saar/Projekt AK\" erfolgreich \u00fcber das eigene Klientel hinaus B\u00fcndnispartner f\u00fcr ihren \"antifaschistischen Kampf\". Im Sommer 2014 wurde in Saarbr\u00fccken ein \"Offenes Antifa Treffen Saarbr\u00fccken\" ins Leben gerufen, um gemeinsam mit \"antifaschistischen\" Kr\u00e4ften aus dem nichtextremistischen Spektrum Aktivit\u00e4ten gegen rechtsextremistische Entwicklungen und Organisationen im Saarland zu entwickeln und gleichzeitig das Mobilisierungspotenzial zu erh\u00f6hen. Zu diesem Zweck fanden auch 2016 regelm\u00e4\u00dfig entsprechende Treffen in Saarbr\u00fccken statt. Von \"... resist!\" wurde zur Vorbereitung einer Demonstration am 26. November 2016 in Saarbr\u00fccken ein lokales \"Aktionsb\u00fcndnis gegen die IMKHerbsttagung im Saarland\" mit der Bezeichnung \"NO IMK 2016\" ins Leben gerufen. In dem B\u00fcndnis engagierten sich neben Szeneangeh\u00f6rigen auch Mitglieder bzw. Anh\u00e4nger linksextremistischer Parteien und Personen kurdischer Herkunft. Die vorgenannten autonomen Zusammenschl\u00fcsse sowie die von ihnen ma\u00dfgeblich gesteuerten B\u00fcndnisse und Einrichtungen nutzten im vergangenen Jahr insbesondere eigene Internetseiten und Facebook-Profile zur offenen Mobilisierung f\u00fcr ihre zahlreichen \"politischen Aktivit\u00e4ten\". Dar\u00fcber hinaus diente ihnen das linksextremistische Internetportal \"linksunten indymedia\", das als regionales \"independent media center\" (imc) bereits seit 2009 online ist, als Informations-, Diskussionsund Mobilisierungsplattform. F\u00fcr Angeh\u00f6rige der gewaltorientierten autonomen Szene Saar bildeten im Jahr 2016 die Themenfelder \"Antifaschismus\", \"Antirassismus\" und \"Antirepression\" Schwerpunkte ihrer \"politischen Arbeit\". 38","Im Vordergrund der \"antifaschistischen/antirassistischen Aktivit\u00e4ten\" stand die Kampagne \"Hass hat Konsequenzen - In Erinnerung an Samuel YEBOAH - Schluss mit der Verharmlosung rechten Terrors!\", die von der autonomen \"Antifa Saar/Projekt AK\" anl\u00e4sslich des 25. Todestages eines ghanaischen Fl\u00fcchtlings sowie vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlinge und deren Unterk\u00fcnfte Ende April 2016 gestartet wurde. Nach entsprechenden Vortragsveranstaltungen und Kundgebungen in Saarbr\u00fccken, V\u00f6lklingen, Dillingen, Saarlouis und Sulzbach fand diese \"Antifa-/ Antira-Kampagne\" ihren Abschluss am 24. September 2016 in Saarlouis mit einer Demonstration unter dem Motto \"Schluss mit der Verharmlosung rechten Terrors! F\u00fcr ein w\u00fcrdiges Gedenken an die Opfer rechten Terrors! Organisiert den antifaschistischen Selbstschutz!\" mit etwa 180 Teilnehmern. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzte die autonome Szene Saar eine bundesweite von Linksextremisten getragene Kampagne \"Nationalismus ist keine Alternative\" (NIKA), die sich gegen die Partei \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) richtet. Die NIKA-Kampagne war auf einem Vernetzungstreffen der \"radikalen Linken\" am 31. Januar in Frankfurt am Main, an dem auch saarl\u00e4ndische Szeneangeh\u00f6rige teilgenommen hatten, ins Leben gerufen worden. Insbesondere \"... resist!\"-Aktivisten beteiligten sich gemeinsam mit mehreren nichtextremistischen Organisationen, Gruppen und Jugendverb\u00e4nden demokratischer Parteien an entsprechenden Protestaktionen im Saarland und \u00fcberregional gegen die AfD. So nahmen auch Angeh\u00f6rige der hiesigen autonomen Szene an den Protestaktionen gegen den AfD-Bundesprogrammparteitag am 30. April in Stuttgart teil. Im Rahmen der \"Antirepressionsarbeit\" startete der autonome Arbeitskreis \"... resist!\" im Vorfeld der \"IMK-Herbsttagung\" in Kooperation mit linksextremistischen Parteien und nichtextremistischen Organisationen eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto \"SAVE THE DATE\". Die entsprechenden Veranstaltungen dienten einer thematischen Vorbereitung der Szene auf \"die von den IMK-Tagungen ausgehenden Widerw\u00e4rtigkeiten und zum 39","Aufbau einer kritischen Gegen\u00f6ffentlichkeit\" sowie zur Mobilisierung f\u00fcr eine Teilnahme an entsprechenden Protestaktionen. W\u00e4hrend die Fr\u00fchjahrskonferenz Mitte Juni in Orscholz st\u00f6rungsfrei und ohne \u00f6ffentliche Resonanz innerhalb der linksextremistischen Szene verlief, formierte sich auf Initiative der autonomen Szene Saar in Kooperation mit dem linksextremistischen Parteienspektrum und der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft der in Deutschland verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) unter der Bezeichnung \"NO IMK 2016\" ein Aktionsb\u00fcndnis gegen die IMK-Herbsttagung (29./30. November) im Saarland. Ideologische Differenzen w\u00e4hrend der Protestvorbereitungen spalteten das vorgenannte Aktionsb\u00fcndnis und m\u00fcndeten schlie\u00dflich in zwei getrennten Aufz\u00fcgen am 26. November in Saarbr\u00fccken gegen die Herbstkonferenz. An dem Protestmarsch des \"NO IMK 2016\"-B\u00fcndnisses gegen die \"Au\u00dfenpolitik im Innern\" und \"Abschottung, Rassismus und Repression!\" sowie f\u00fcr \"Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen Befreiungskampf\" und \"Aufhebung des PKK-Verbotes\" beteiligten sich rund 400 Personen, darunter neben Mitgliedern/Anh\u00e4ngern linksextremistischer Parteien \u00fcberwiegend Personen kurdischer Herkunft. Dem eigenst\u00e4ndigen Aufruf der autonomen Szene zu einer Demonstration unter dem Motto \"NO IMK 2016 - Nationalismus ist keine Alternative - Gegen Abschottung, Rassismus und Repression!\" waren in der Spitze bis zu 180 Personen gefolgt. Unter den Teilnehmern befanden sich neben sch\u00e4tzungsweise etwa 50 bis 70 Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene und einzelnen \"GesinnungsgenossInnen\" aus Rheinland-Pfalz auch zeitweise eine etwa 30-k\u00f6pfige Gruppe jugendlicher Kurden. Aktionsfeld \"Antifaschismus\" Der \"antifaschistische Kampf\" z\u00e4hlt nach wie vor zu den traditionellen Aktionsfeldern von linksextremistischen Zusammenschl\u00fcssen. Er richtet sich seit jeher nur vordergr\u00fcndig gegen den Rechtsextremismus, der aus linksextremistischer Sicht seine Wurzeln in dem als \"kapitalistisches System\" bezeichneten freiheitlich demokratischen Rechtsstaat hat. Der Kampf gegen \"Faschismus\" gilt vor diesem Hintergrund nur dann als ausreichend und zielf\u00fchrend, wenn er die vermeintlichen gesell40","schaftlichen Voraussetzungen mit in den Fokus r\u00fcckt und angreift. Als Reaktion auf die Zunahme rechtsextremistischer und rechtspopulistischer Aktivit\u00e4ten im Kontext der Fl\u00fcchtlingsthematik war im vergangenen Jahr eine Intensivierung \"antifaschistischer\" Aktionen zu registrieren. Neben den Auseinandersetzungen mit den politischen Gegnern auf der Stra\u00dfe bildete die \"Antifa-Recherchearbeit\" einen weiteren Schwerpunkt. Die Sammlung von Informationen \u00fcber rechtsextremistische Organisationen und Gruppen, deren Protagonisten, Strukturen und Einrichtungen wurden wiederholt f\u00fcr entsprechende \"Outing-Aktionen\" genutzt. Bei der Bek\u00e4mpfung rechtsextremistischer Strukturen und Entwicklungen waren folgende nennenswerte Szeneaktivit\u00e4ten im Saarland und \u00fcberregional zu verzeichnen: 16.01.2016 Infostand der autonomen Szene Saar in Dillingen w\u00e4hrend eines \"Rockgegen-Rechts-Konzertes\", 10.02.2016 Beteiligung von etwa 20 Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an Protesten in Bischmisheim gegen das Aschermittwochstreffen der NPD-Saar, 13.02.2016 \"Antifa-Demo\" der autonomen Szene Saar in Riegelsberg mit rund 60 Teilnehmern, darunter ca. 30 teilweise vermummte Szeneaktivisten, gegen die von der \"Initiativgruppe Hindenburg\" angestrebte Errichtung einer Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Wehrmachtssoldaten aus Riegelsberg, darunter auch angeblich Angeh\u00f6rige der Waffen-SS und andere Kriegsverbrecher, 03.03.2016 Ver\u00f6ffentlichung einer Flugschrift \"Saargida und Sagesa - Extrem irre, relativ gef\u00e4hrlich!\" der \"Antifa Saar/Projekt AK\" auf ihrer Homepage und dem linksextremistischen Internetportal \"linksunten indymedia\", in der \u00fcber 50 angebliche saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten mit Namen, Lichtbild und Organisationszugeh\u00f6rigkeit geoutet wurden, 05.03.2016 Beteiligung von Aktivisten der \"Antifa Saar/Projekt AK\" mit einem Transparent \"Wir danken den Alliierten f\u00fcr die Befreiung vom Nationalsozialismus! Deutsche T\u00e4ter sind keine Opfer!\" an einer Kundgebung in Homburg gegen die allj\u00e4hrliche \"Fahrt der Erinnerung\" des rechtsextremistischen \"Nationalen Widerstands Zweibr\u00fccken\" (NWZ), 41","15.03.2016 Ver\u00f6ffentlichung von \"Rechercheergebnissen\" zu \"Nazis in der saarl\u00e4ndischen Fu\u00dfballszene\" durch die \"Antifa Saar/Projekt AK\" auf ihrer Homepage und auf \"linksunten indymedia\", 28.03.2016 Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Nord-Westsaar\" zu \"Naziaktivit\u00e4ten\" in Beckingen, 29.03.2016 Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" \u00fcber Verbindungen der rechtsextremistischen Kameradschaftsszene in Zweibr\u00fccken zur NPDgesteuerten Facebook-Bewegung \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa), 01.04.2016 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der \"Antifa Saar/Projekt AK\" an einer Blockadeaktion gegen eine Mahnwache der rechtsextremistischen Initiative \"B\u00fcndnis Saar\" in Saarbr\u00fccken-Burbach, 15.04.2016 Mobilisierungsveranstaltung von \"... resist!\" in Saarbr\u00fccken f\u00fcr eine Teilnahme an Protesten gegen den AfD-Bundesparteitag am 30. April in Stuttgart, 29.04.2016 Facebook-Eintrag von \"... resist!\" zu einer Sachbesch\u00e4digung am 28. April an einem von der AfD als Versammlungsort genutzten Lokal in Dillingen durch Aufspr\u00fchen von Parolen wie \"Hier hetzt die AfD\" und \"Nationalismus ist keine Alternative\", 18.06.2016 Vortragsveranstaltung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Saarbr\u00fccken im Rahmen ihrer Kampagne \"Hass hat Konsequenzen - In Erinnerung an Samuel YEBOAH - Schluss mit der Verharmlosung rechten Terrors!\", 19.06.2016 \"Antifa\"-Kundgebung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in V\u00f6lklingen unter dem Motto \"Gegen das Vergessen! In Erinnerung an die Zwangsarbeiter_innen der V\u00f6lklinger H\u00fctte\", 28.06.2016 Internetver\u00f6ffentlichung \"Die Saar-AfD: Rechtsau\u00dfen angekommen\" der \"Antifa Saar/Projekt AK\", in der auf angebliche Kontakte von Parteiverantwortlichen der AfD-Saar zur rechtsextremistischen Szene hingewiesen wird, 42","08.07.2016 Mobilisierungsund Informationsveranstaltung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Saarlouis im Rahmen ihrer Kampagne \"Hass hat Konsequenzen\", 15.07.2016 Aufruf der \"Solidarischen Rose\" zur Teilnahme an Protesten gegen eine Mahnwache der neonazistischen Kameradschaft \"Nationaler Widerstand Zweibr\u00fccken\" am 15. Juli in Zweibr\u00fccken, 16.07.2016 \"Antifa\"-Kundgebung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Dillingen unter dem Motto \"Gegen das Vergessen! In Erinnerung an die Opfer rechter Gewalt\", 10.08.2016 \"Antifa\"-Kundgebung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Sulzbach im Rahmen ihrer Antifaschismus-/Antirassismuskampagne \"Hass hat Konsequenzen\", 11.08.2016 Outing von Teilnehmern an der \"Nazikundgebung\" am 5. August in Saarbr\u00fccken auf \"linksunten indymedia\" durch die autonome Szene Saar, 22.08. und 16.11.2016 Offene Briefe der \"Antifa Saar/Projekt AK\" an den Saarlouiser Oberb\u00fcrgermeister und die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat mit der Forderung nach Anerkennung der Ermordung Samuel YEBOAHs als \"rechts motivierte Gewalttat\", 01.09.2016 Plakatenth\u00fcllung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Saarlouis zur Erinnerung an den \"rassistischen Mord\" an Samuel YEBOAH vor 25 Jahren, 08.09.2016 Auftakt einer Veranstaltungsreihe der \"Antifa\"-Gruppe \"Solidarische Rose\" in Zweibr\u00fccken unter dem Motto \"Um uns und unter uns - Rechte Bewegungen und Gegenstrategien\", 13.11.2016 Beteiligung von \"... resist!\"-Aktivisten an einer St\u00f6raktion der \"Solidarischen Rose\" in Zweibr\u00fccken gegen eine Kranzniederlegung der neonazistischen Kameradschaft \"Nationaler Widerstand Zweibr\u00fccken\" (NWZ) und 04.12.2016 Informationsveranstaltung in Saarbr\u00fccken der \"Antifa Saar/Projekt AK\" zum 43","Thema \"Der National Sozialistische Untergrund (NSU): Blick in den Abgrund - Vortrag & Prozessbericht\" mit rund 60 Teilnehmern. Aktionsfeld \"Antirepression\" Einen weiteren Aktionsschwerpunkt bei ihrem Kampf f\u00fcr eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" bildete das Thema \"Antirepression\". Nach linksextremistischer Argumentation dient \"staatliche Repression\" der Unterdr\u00fcckung revolution\u00e4rer Prozesse und der Sicherung des \"imperialistischen, rassistischen und faschistischen Systems\". Ihre militante Agitation richtet sich deshalb in erster Linie gegen Polizeikr\u00e4fte, die als Repr\u00e4sentanten des \"staatlichen Repressionsapparates\" im Nachgang zu Demonstrationen f\u00fcr eine Kriminalisierung politisch unbequemer Personen und des \"antifaschistischen Widerstands\" verantwortlich gemacht werden. Nach dem Motto \"Kriminell ist das System und nicht der Widerstand\" werden Angriffe auf polizeiliche Einsatzkr\u00e4fte in der gewaltorientierten linksextremistischen Szene akzeptiert. Solidarit\u00e4tskampagnen f\u00fcr Personen oder Organisationen aus dem linksextremistischen Spektrum, die von \"staatlicher Repression\" betroffen sind, entfalten regelm\u00e4\u00dfig eine hohe Mobilisierungswirkung. Auf diesem Aktionsfeld waren im vergangenen Jahr neben den Protesten gegen die IMK-Herbsttagung folgende Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar zu registrieren: 05.05., 02.06., 07.07., 03.08. und 08.09.2016 Vortragsund Diskussionsveranstaltungen der Gruppe \"... resist!\" in Saarbr\u00fccken im Rahmen der Kampagne \"SAVE THE DATE\" zu den Themen \"Wir sind alle 129 b?! - Auswirkungen des PKK-Verbotes in Deutschland auf die hier lebenden politisch aktiven Kurd*innen\", \"No Border & kritische Theorie? Zur Kritik der Migrationspolitik\", \"Einf\u00fchrung in die Kapitalismuskritik\", \"Selbstorganisierung als Solidarit\u00e4t - K\u00e4mpfe am Rande der Festung Europa am Beispiel eines selbstverwalteten Zentrums f\u00fcr Gefl\u00fcchtete in Athen\" und \"Verzerrte Islamdebatte - Das Sprechen \u00fcber den Islam zwischen antimuslimischem Rassismus und emanzipatroischer Kritik\", 14.07.2016 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an Protesten gegen eine Mahnwache von \"Neonazis\" vor dem Presseclub in Saarbr\u00fccken unter dem Motto \"Gegen Maaslosigkeit - f\u00fcr Anstand und Vernunft\", 18.07.2016 Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Saar/Projekt AK\", in der das Vorgehen der Polizei gegen \"antifaschistische\" Demonstranten anl\u00e4sslich einer Mahnwache der NPD-gesteuerten Facebook-Bewegung \"Saarl\u00e4nder gegen 44","Salafisten\" als \"Kriminalisierung antifaschistischen Engagements\" angeprangert wird und 15.10.2016 \"Antirepressions-Soliparty\" unter dem Motto \"Pfeffi statt Pfefferspray\" der Gruppe \"Solidarische Rose\" und von \"... resist!\" in St. Ingbert f\u00fcr \"von Repression betroffene Antifaschist_Innen aus dem Saarland\". Aktionsfeld \"Antirassismus\" Vor den gro\u00dfen Herausforderungen, die mit der Bew\u00e4ltigung des Zustroms von Fl\u00fcchtlingen verbunden sind, gewann das Thema \"Antirassismus\" 2016 innerhalb der linksextremistischen Szene zunehmend an Relevanz. Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr ihren Kampf gegen die staatliche Asylund Abschiebepolitik, die von Linksextremisten als \"institutioneller Rassismus\" bezeichnet wird, ist vor allem die \"Versch\u00e4rfung\" der Asylgesetze. Eine gro\u00dfe mobilisierende und emotionalisierende Wirkung im linksextremistischen Spektrum erzeugen nach wie vor Aufm\u00e4rsche von Gegnern der Fl\u00fcchtlingspolitik sowie entsprechende Veranstaltungen rechtsextremistischer Organisationen und rechtspopulistischer Parteien. Folgende \"antirassistische\" Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar, die teilweise mit den Themenfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\" und \"Antikapitalismus\" verbunden wurden, waren im vergangenen Jahr zu verzeichnen: Ende Februar warb \"... resist!\" auf seinem Facebook-Profil f\u00fcr eine Teilnahme an einer bundesweiten Demonstration am 12. M\u00e4rz in K\u00f6ln unter dem Motto \"Unser Feminismus ist antirassistisch - Reclaim Feminism\". Dazu hatte anl\u00e4sslich des \"Weltfrauentages\" (8. M\u00e4rz) ein breites B\u00fcndnis aus \"unabh\u00e4ngigen migrantischen und nicht-migrantischen Frauenorganisationen, feministischen Initiativen sowie antifaschistischen, antirassistischen und antikapitalistischen Gruppen aus K\u00f6ln und NRW\" aufgerufen, um nach den Silvesterereignissen in der Domstadt \"ein starkes Zeichen gegen Rassismus und Sexismus\" zu setzen. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzten Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar Protestveranstaltungen saarl\u00e4ndischer Fl\u00fcchtlingsinitiativen, die sich gegen die staatliche Asylund Fl\u00fcchtlingspolitik sowie gegen die europ\u00e4ische Au\u00dfenund Sicherheitspolitik richteten. Im Rahmen von bundesweiten dezentralen Aktionstagen (24. bis 26. Juni) unter dem Motto \"Die Festung Europa angreifen!\" befestigten unbekannte Szeneangeh\u00f6rige am Saarbr\u00fccker Schloss ein gro\u00dffl\u00e4chiges Transparent mit dem Schriftzug \"FIGHT FORTRESS EUROPE\". In der Nacht zum 27. Juni war einem Bericht mit der Schlagzeile \"[Saarland] Innenministerium zum NIKA-Wochenende mit Stacheldraht zugemacht!\" auf der linksextremistischen Internetplattform \"linksunten indymedia\" 45","zufolge das hiesige Innenministerium Ziel einer Protestaktion. Unbekannte Aktivisten versperrten den Eingang symbolisch mit Stacheldraht und einem daran befestigten Transparent mit der Aufschrift \"EURE ABSCHIEBUNG IST MORD - GRENZEN AUF F\u00dcR ALLE\". Ferner beteiligten sich Autonome auch gelegentlich an Protestaktionen b\u00fcrgerlicher B\u00fcndnisse wie \"Bunt statt Braun\" oder \"Blockade Saar\", die sich insbesondere gegen Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen des NPD-gesteuerten \"B\u00fcndnis Saar\" richteten. Sonstige Aktivit\u00e4ten Auf dem linksextremistischen Agitationsfeld \"Kurdistansolidarit\u00e4t\", das vor dem Hintergrund der Entwicklungen in der T\u00fcrkei, in Syrien und dem Vorgehen der Terrormiliz \"Islamischer Staat\" (IS) erneut an Bedeutung gewonnen hat, waren entsprechende Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar festzustellen. Ihre Solidarit\u00e4t gilt nach wie vor kurdischen Autonomiebestrebungen, insbesondere der PKK. Am 19. Februar fand auf Initiative des autonomen Arbeitskreises \"... resist!\" in Kooperation mit dem \"Kurdischen Gesellschaftszentrum Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) eine Informationsveranstaltung \u00fcber die \"Rolle der Frauen im kurdischen Befreiungskampf\" mit rund 40 Teilnehmern statt. Im Rahmen einer weiteren Vortragsund Diskussionsveranstaltung von \"... resist!\" und dem KGZ am 5. Mai in Saarbr\u00fccken zum Thema \"Wir sind alle SS 129b?! Auswirkungen des PKK-Verbotes in Deutschland auf die hier lebenden politisch aktiven Kurd*innen\" wurde zu einer solidarischen Unterst\u00fctzung aller \"kurdischen Politiker\" aufgerufen, die derzeit wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK gem\u00e4\u00df SS 129 StGB in Deutschland angeklagt seien. Gleichzeitig wurden ein Ende der \"Stigmatisierung der kurdischen Freiheitsbewegung\" und die Aufhebung des PKK-Verbotes hierzulande gefordert. Anfang August unterst\u00fctzte die \"Antifa Saar/Projekt AK\" auch finanziell die \"kurdischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\" in der nordsyrischen Stadt Kobane. Einer Ver\u00f6ffentlichung auf ihrer Homepage zufolge spendete die Saarbr\u00fccker \"Antifa\"-Gruppe den Erl\u00f6s aus ihrem seit Oktober 2014 laufenden Verkauf eines \"Soli T-Shirts gegen Islamismus\" mit dem Aufdruck \"No Jihad - Stop Boko Haram, Al-Qaida, Hamas, Isis\" f\u00fcr ein Projekt in der vorgenannten Stadt. Ende August unterst\u00fctzte \"... resist!\" einen Aufruf eines bundesweiten \"Blockupy-B\u00fcndnisses\" aus \u00fcberwiegend nichtextremistischen Initiativen, Gewerkschaften und demokratischen Organisationen sowie aus gem\u00e4\u00dfigten Linksextremisten und autonomen Gruppen zur Teilnahme an Aktionstagen \"Gegen die inneren und \u00e4u\u00dferen Grenzen! Weekend of Actions Against Austerity, Racism and Borders!\" vom 2. bis 4. September in Berlin. 46","2.2.2 Antiimperialistische Szene Dem antiimperialistischen Spektrum im Saarland sind nur noch einige wenige Aktivisten aus der ehemaligen Saarbr\u00fccker Unterst\u00fctzerszene der fr\u00fcheren terroristischen \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) zuzurechnen. Angeh\u00f6rige dieses kleinen Aktivistenkreises agierten im vergangenen Jahr unter der Firmierung \"Libertad! Saar\" innerhalb der bundesweiten antiimperialistisch ausgerichteten Initiative \"Libertad!\", die bis zu ihrer Selbstaufl\u00f6sung im M\u00e4rz 2016 in Frankfurt am Main ans\u00e4ssig war. Nach einem fast zweij\u00e4hrigen Diskussionsprozess \u00fcber die Zukunftsperspektive bzw. ein Aufgehen von \"Libertad!\" in dem ebenfalls antiimperialistisch ausgerichteten Aktionsb\u00fcndnis \"Interventionistische Linke\" (IL) l\u00f6ste sich die Initiative selbst auf. \"LIBERTAD! - Alles hat seine Zeit - Bemerkungen zum Ende der Initiative\" lautete die \u00dcberschrift ihrer auf den 18. M\u00e4rz 2016 datierten und auf ihrer Homepage ver\u00f6ffentlichten Aufl\u00f6sungserkl\u00e4rung. Wie es darin u.a. hei\u00dft, sei mit Aufl\u00f6sung der als \"einzige organisierte Stimme aus dem Post-RAFSpektrum\" wahrgenommenen Initiative jetzt formal vollzogen worden, was sich schon seit ein paar Jahren abgezeichnet habe. Trotz vieler Projekte, die durchaus den Nerv der Zeit getroffen h\u00e4tten, sei es nicht gelungen, den eigenen Handlungsraum wirkungsvoll zu erweitern. Hinzu komme das Scheitern von \"Libertad!\" beim Versuch, eine an \"sozialen K\u00e4mpfen und politischen Gefangenen orientierte transnationale Struktur\" aufzubauen bzw. linke Kr\u00e4fte international miteinander zu vernetzen. Absichtserkl\u00e4rungen und Verabredungen im Hinblick auf eine \"tats\u00e4chliche Internationalisierung linker Politiken\" seien im allgemeinen Zerfallsprozess linker Solidarit\u00e4tsund Befreiungsorganisationen versickert. Die \"Begrenztheit unseres politischen Prozesses\" sei daher der zentrale Grund f\u00fcr den Schritt zur Aufl\u00f6sung von \"Libertad!\". In der Folge stellten Einzelpersonen der antiimperialistischen Szene Saar die \"Kurdistan-Solidarit\u00e4tsarbeit\" in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten. Vor dem Hintergrund der Lageentwicklung in der T\u00fcrkei nach dem gescheiterten Putschversuch im Juli 2016 und den anschlie\u00dfenden S\u00e4uberungsaktionen durch die t\u00fcrkische Regierung sowie der Festnahmen von zwei B\u00fcrgermeistern in Diyarbakir und von HDP-Abgeordneten Anfang November unterst\u00fctzte die antiimperialistische Szene Saar regelm\u00e4\u00dfig Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen im Saarland f\u00fcr die \"kur47","dischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\", die Freilassung von Abdullah \u00d6CALAN und eine Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland. IV. Ausl\u00e4nderextremismus (ohne Islamismus/Islamistischer Terrorismus) 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Ausl\u00e4nderextremismus ist kein eigener Typus des Extremismus, sondern ein Sammelbegriff f\u00fcr extremistische Bestrebungen von Migrantenorganisationen. Die Aktivit\u00e4ten der in Deutschland festgestellten Ausl\u00e4nderorganisationen, die oftmals auch in Zusammenarbeit mit deutschen extremistischen Gruppierungen agieren, orientieren sich an den aktuellen politischen Ereignissen und Entwicklungen in ihren Heimatl\u00e4ndern. Sie zielen in der Hauptsache auf propagandistische, logistische und finanzielle Unterst\u00fctzungshandlungen ihrer Kernorganisationen ab. Bei dem Bem\u00fchen, die Verh\u00e4ltnisse in der Heimatregion in ihrem Sinne zu ver\u00e4ndern, wenden sie \u00fcberwiegend friedliche, zum Teil aber auch militante Mittel an. Vor allem aus Akzeptanzgr\u00fcnden bem\u00fchen sich die Gruppen grunds\u00e4tzlich um ein friedliches Erscheinungsbild in Deutschland; vereinzelte, durch besonders emotionalisierende Ereignisse und Entwicklungen ausgel\u00f6ste gewaltt\u00e4tige Aktionen sind jedoch immer wieder festzustellen. Ideologische Grundausrichtungen findet der Ausl\u00e4nderextremismus im Linksextremismus, Nationalismus und Separatismus. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Die Vielfalt und die Vielschichtigkeit des Ausl\u00e4nderextremismus spiegeln sich in ihrer ganzen Bandbreite auch im Saarland wider. Wie in den Vorjahren hatte die Beobachtung der in Deutschland mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Priorit\u00e4t. Die Stimmung unter der PKK-Anh\u00e4ngerschaft blieb infolge der krisenhaften Entwicklung in der T\u00fcrkei mit Milit\u00e4roperationen und u. a. auch gegen kurdische Oppositionelle gerichtete repressive Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden nach dem Putschversuch zwar weiterhin angespannt. Zu spontanen Besetzungsaktionen sowie gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit nationalistischen T\u00fcrken w\u00e4hrend oder am Rande von Kundgebungen kam es im Saarland bislang aber nicht. Demgegen\u00fcber begr\u00fc\u00dfen Aktivisten der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (t\u00fcrkisch nationalistisches Spektrum) das Vorgehen der t\u00fcrkischen Regierung. Ein im Saarland diesem Spektrum zuzurechnender Verein verhielt sich in diesem Zusammenhang ruhig und zur\u00fcckhaltend. 48","1.3 Personenpotenzial Das Gesamtmitgliederpotenzial ausl\u00e4nderextremistischer Gruppierungen hat sich im Saarland auf sch\u00e4tzungsweise 475 Personen (2015: 445) leicht erh\u00f6ht. Bei PKK-Veranstaltungen traten auch t\u00fcrkische Linksextremisten wiederholt in Erscheinung. Die PKK selbst stellt sich im Saarland mit etwa 300 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern und einem Mobilisierungspotenzial von bis zu 1.000 Personen als die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte und auf Grund ihrer Aktivit\u00e4ten in der \u00d6ffentlichkeit am st\u00e4rksten wahrnehmbare Einzelgruppierung dar. Die Unterst\u00fctzung der von der Organisationsf\u00fchrung initiierten Kampagnen und Aktionen durch die hiesige Anh\u00e4ngerschaft belegt erneut deren Einbindung in die streng hierarchisch gegliederte Gesamtorganisation. Entwicklung des ausl\u00e4nderextremistischen Personenpotenzials im Saarland in den letzten f\u00fcnf Jahren 49","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Die Zahl der im Saarland ver\u00fcbten Straftaten mit erwiesenem bzw. zu vermutendem ausl\u00e4nderextremistischen Hintergrund lag mit elf Taten auf Vorjahresniveau. Neun Gesetzesverletzungen waren dem Bereich PKK zuzuordnen (u. a. Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsund Vereinsgesetz); zwei Straftaten wurden von Personen aus dem nationalistischen t\u00fcrkischen Spektrum begangen, darunter eine Gewalttat (versuchte schwere Brandstiftung). Entwicklung der Straftatenzahlen 50","2. Einzelaspekte 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung Seit der Aufk\u00fcndigung des Friedenskurses im Sommer 2015 befinden sich die \"Volksverteidigungseinheiten\" (HPG) der PKK in andauernden Kampfhandlungen mit der t\u00fcrkischen Armee. Auf die versch\u00e4rften Milit\u00e4roperationen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei reagierten die PKK-Guerillaeinheiten im vergangenen Jahr mit Anschl\u00e4gen auf Milit\u00e4reinheiten und Polizeistationen. Daneben bekannte sich die PKK-Splittergruppe \"Freiheitsfalken Kurdistans\" (TAK) zu mehreren terroristischen Attentaten in Ankara und Istanbul. Die Milit\u00e4roffensiven in der T\u00fcrkei, im Irak sowie in Syrien gegen die PKKSchwesterorganisation \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD) wie auch das repressive Vorgehen des t\u00fcrkischen Staates nach dem misslungenen Putsch vom 15. Juli in der T\u00fcrkei mit Massenverhaftungen von Politikern der pro-kurdischen \"Demokratischen Partei der V\u00f6lker\" (HDP) f\u00fchrten in Westeuropa bzw. Deutschland, wo sich die PKK seit dem im Jahre 1999 eingeschlagenen \"Friedenskurs\" um ein gewaltfreies Erscheinungsbild bem\u00fcht, zu Massenprotesten der PKK-Anh\u00e4ngerschaft. Dabei bildete das Schicksal des inhaftierten Kurdenf\u00fchrers Abdullah \u00d6CALAN einen Schwerpunkt der Propagandaaktionen. Auf die versch\u00e4rfte Sicherheitslage in der T\u00fcrkei reagierten PKK-Jugendliche allerdings auch mit militanten Aktionen. Es kam in mehreren deutschen St\u00e4dten zu Brandanschl\u00e4gen auf t\u00fcrkische Einrichtungen. Das angespannte Verh\u00e4ltnis zwischen Anh\u00e4ngern der PKK und des rechtsextremistisch-nationalistischen t\u00fcrkischen Spektrums f\u00fchrte auch zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern im Rahmen der Proteste. Anfang des Jahres f\u00fchrten PKK-Anh\u00e4nger, zum Teil unterst\u00fctzt von t\u00fcrkischen und deutschen Linksextremisten, in zahlreichen deutschen St\u00e4dten Kundgebungen durch und protestierten gegen die Milit\u00e4roperationen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei. Abgesehen von Vorf\u00e4llen in Heilbronn, wo es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei kam, verliefen die Veranstaltungen st\u00f6rungsfrei. 51","Am 9. Januar erinnerten etwa 7.000 PKK-Anh\u00e4nger in Paris unter dem Motto \"Wir fordern Gerechtigkeit\" an die Ermordung von drei PKK-Aktivistinnen in der franz\u00f6sischen Hauptstadt im Januar 2013. Wie bereits in den Vorjahren fanden \u00fcber das ganze Jahr themenbezogene Kundgebungen und Mahnwachen in zahlreichen deutschen St\u00e4dten (u. a. vor franz\u00f6sischen Auslandsvertretungen) statt, in denen die Aufkl\u00e4rung der Morde gefordert wurde. Hauptausl\u00f6ser einer Protestwelle im Februar 2016 waren die Ausweitung von Eins\u00e4tzen des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs und massive Auseinandersetzungen zwischen K\u00e4mpfern der PKK und t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften in der s\u00fcdostanatolischen Stadt Cizre. Hier sollen in der Nacht auf den 8. Februar bei einem Angriff von Sicherheitskr\u00e4ften auf ein Geb\u00e4ude bis zu 60 Personen get\u00f6tet worden sein. Noch am gleichen Tag fanden deutschlandweit kurzfristig angemeldete und st\u00f6rungsfrei verlaufene Proteste statt. Am 13. Februar nahmen etwa 15.000 PKK-Anh\u00e4nger an einer friedlichen Gro\u00dfdemonstration zum 17. Jahrestag der Festnahme Abdullah \u00d6CALANs (15. Februar 1999) in Stra\u00dfburg teil. Ein Marsch der PKK-Jugend im Vorfeld der Demonstration von Stuttgart aus hatte hingegen in gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Personen geendet. Zudem wurden bundesweit mehrt\u00e4gige Demonstrationsm\u00e4rsche zu L\u00e4nderparlamenten organisiert. Anl\u00e4sslich des kurdischen Neujahrsfestes NEWROZ fand am 19. M\u00e4rz in Hannover eine zentrale Gro\u00dfdemonstration mit etwa 12.000 PKK-Anh\u00e4ngern statt. In den Reden wurde die prek\u00e4re Situation der Bev\u00f6lkerung in den kurdischen Siedlungsgebieten beklagt und die hierf\u00fcr verantwortlich gemachte t\u00fcrkische Regierung kritisiert sowie eine Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland gefordert. Im gesamten Bundesgebiet fanden zahlreiche kleinere lokale Feierlichkeiten statt. Vor dem Hintergrund der andauernden Milit\u00e4roperationen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei und von drei Terroranschl\u00e4gen der TAK Ende 2015 und Anfang 2016 nahmen im April auch die Konfrontationen zwischen rechtsextremistischen T\u00fcrken und PKK-Anh\u00e4ngern in Deutschland erheblich zu. In einigen St\u00e4dten, insbesondere in K\u00f6ln, Stuttgart und Hamburg, kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen pro-t\u00fcrkischen Demonstranten und kurdischen Aktivisten. Aus beiden Lagern heraus kam es zudem zu Angriffen gegen eingesetzte Polizeikr\u00e4fte. Ende Mai protestierten PKK-Anh\u00e4nger in diversen deutschen St\u00e4dten \u00fcberwiegend friedlich gegen die Aufhebung der Immunit\u00e4t von Abgeordneten der pro-kurdischen HDP im t\u00fcrkischen Parlament. 52","Im Juni und Juli forderten PKK-Anh\u00e4nger im Rahmen einer Aktionskampagne weltweit die Freilassung von Abdullah \u00d6CALAN. Gleichzeitig richteten sie ihre Proteste gegen die politischen Beziehungen Deutschlands zur T\u00fcrkei. In einer entsprechenden Erkl\u00e4rung der PKK-Europaf\u00fchrung hie\u00df es, Deutschland verschlie\u00dfe die Augen vor den Massakern des t\u00fcrkischen Staates in \"Kurdistan\" und habe im Rahmen seiner \"gegen Kurden gerichteten Kriminalit\u00e4tspolitik\" bereits zahlreiche \"kurdische Politiker\" verhaftet. Durch dieses Vorgehen legalisiere Deutschland die \"Massaker des t\u00fcrkischen Staates\". Auf den gescheiterten Putschversuch in der T\u00fcrkei am 15. Juli reagierte die PKK zur\u00fcckhaltend und sah in den Ereignissen einen \"innert\u00fcrkischen\" Konflikt. Die Sorgen der PKK galten haupts\u00e4chlich dem Gesundheitszustand Abdullah \u00d6CALANs, von dem es aufgrund einer Kontaktsperre seit April 2015 kein Lebenszeichen mehr gab. In diesem Zusammenhang sprach die PKK erstmals seit langem offen und unverhohlen erhebliche Drohungen f\u00fcr Leib und Leben t\u00fcrkischer Politiker aus. Ende Juli verst\u00e4rkten PKK-Anh\u00e4nger in Deutschland ihre Demonstrationen f\u00fcr den inhaftierten Kurdenf\u00fchrer. Im Rahmen der \u00fcberwiegend friedlich verlaufenen Proteste f\u00fchrten kurdische Jugendliche Mitte August auch Besetzungsaktionen durch, so beispielsweise in Rundfunkanstalten (D\u00fcsseldorf, Duisburg) bzw. in Bahnhofsgeb\u00e4uden (Dortmund, Essen) sowie auf den Flugh\u00e4fen K\u00f6ln/Bonn und Hamburg. Daneben traten Organisationsanh\u00e4nger ab dem 23. August in einen unbefristeten Hungerstreik in Stra\u00dfburg. Ende August gab die PKK zu verstehen, dass sich bei weiterer Weigerung der t\u00fcrkischen Regierung, Besuche bei \u00d6CALAN zu erm\u00f6glichen, \"niemand mehr sicher f\u00fchlen d\u00fcrfe\". Das \"24. Internationale Kurdische Kulturfestival\" fand am 3. September in K\u00f6ln mit rund 28.000 Teilnehmern aus ganz Europa statt. Die friedliche Gro\u00dfkundgebung richtete sich gegen die Haftbedingungen Abdullah \u00d6CALANs und die Politik des t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten ERDOGAN, insbesondere das milit\u00e4rische Vorgehen des t\u00fcrkischen Staates in Nordsyrien (\"Westkurdistan\", \"Rojava\"). Beim obligatorischen, dem Festival vorgeschalteten, \"Marsch der Jugendlichen\" war es teilweise zu Auseinandersetzungen mit nationalistischen T\u00fcrken gekommen. Er wurde nach drei Tagen von der Polizei aufgel\u00f6st. Nachdem Mehmet \u00d6CALAN am 11. September seinen Bruder Abdullah im Gef\u00e4ngnis besucht und anschlie\u00dfend verk\u00fcndet hatte, dass der Kurdenf\u00fchrer zu einer Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen mit der T\u00fcrkei bereit sei, wurde der am 23. August in Stra\u00dfburg begonnene Hungerstreik mit einer zentralen Gro\u00dfdemonstration beendet. 53","Anl\u00e4sslich des Jahrestages der Ausweisung \u00d6CALANs aus Syrien vor 18 Jahren (9. Oktober 1998), die in seine Festnahme und Verbringung in seine Heimat m\u00fcndete, kam es zu Anschl\u00e4gen durch die PKK-Guerillaeinheiten HPG und TAK in der T\u00fcrkei. In zahlreichen deutschen St\u00e4dten wurde dagegen mit \u00fcberwiegend st\u00f6rungsfrei verlaufenen Kundgebungen an das Ereignis erinnert. Sowohl das anhaltende milit\u00e4rische Vorgehen der T\u00fcrkei in Nordsyrien u. a. gegen die \"Volksverteidigungseinheiten\" (YPG), milit\u00e4rischer Arm der PKK-Schwesterorganisation \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD), als auch die repressiven Ma\u00dfnahmen in der T\u00fcrkei gegen die PKK und ihr nahe stehende Organisationen bzw. Parteien, wie etwa die Verhaftung der kurdischen B\u00fcrgermeisterin von Diyarbakir und ihres Stellvertreters am 25. Oktober, f\u00fchrten zu einer weiteren Emotionalisierung der PKK-Anh\u00e4ngerschaft in Deutschland. Diese erreichte ihren vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt durch die Festnahme von insgesamt 12 Abgeordneten der pro-kurdischen HDP in der T\u00fcrkei. Deutschlandweit kam es in der Nacht vom 3. auf den 4. November zu \u00fcberwiegend friedlichen Protesten; allerdings ver\u00fcbten PKK-Jugendliche auch Brandanschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen, so u. a. am 4. November auf eine von nationalistischen T\u00fcrken frequentierte Teestube in Essen sowie am 5. November auf ein Fahrzeug des t\u00fcrkischen Generalkonsulates in Hannover. Anl\u00e4sslich des 23. Jahrestages des PKK-Verbots in Deutschland (22. November 1993) und zum 38. Jahrestag der PKK-Gr\u00fcndung (27. November 1978) beteiligten sich PKK-Anh\u00e4nger im gesamten Bundesgebiet an diversen Feierlichkeiten und Demonstrationen, die auch von Anh\u00e4ngern t\u00fcrkischer und deutscher linksextremistischer Organisationen unterst\u00fctzt wurden. 2.1.2 Struktur Im Zuge der 2013 eingeleiteten Neustrukturierung der PKK in Europa hatte sich der europ\u00e4ische Dachverband PKK-naher Vereine von \"Konf\u00f6deration der kurdischen Vereine in Europa\" (KON-KURD) in \"Kongress der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa\" (KCD-E) umbenannt. Die KCD-E bildet die PKK-Europaf\u00fchrung, in die auch die \"Koordination der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa\" (CDK) als politischer Arm integriert ist. Im Rahmen eines KCD-E-Kongresses im Juni benannte sich diese in \"Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft Kurdistans in Europa\" (KCDK-E) um und strukturierte ihre 31 Gebiete in Deutschland neu. Danach ist die bisherige Aufteilung in vier Sektoren (\"SAHAs\") f\u00fcr die Bereiche Nord, Mitte, S\u00fcd 1 und S\u00fcd 2 in Wegfall geraten und durch neun \"EYALETs\" (Regionen) mit jeweils einem Regionsverantwortlichen ersetzt worden. Zur 54","\"Region Saarland\" geh\u00f6ren die Bereiche Saarbr\u00fccken, Mainz und Ludwigshafen/Mannheim. Die Regionen gliedern sich in einzelne Gebiete; das \"PKK-Gebiet Saarland\" ist in sieben Teilgebiete eingeteilt. Es reicht bis in die Westpfalz sowie nach Trier und umfasst den grenznahen Teil Luxemburgs. Trotz des nach au\u00dfen dargestellten Demokratisierungsprozesses ist die PKK weiterhin hierarchisch gegliedert. An der Spitze stehen Funktion\u00e4re, die in der Regel durch die europ\u00e4ische Leitungsebene der Organisation eingesetzt werden. Die Zuweisung auf die einzelnen Funktionen erfolgt zumeist nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum. Die hauptamtlichen Kader der PKK sind ideologisch geschult und leben \u00e4u\u00dferst konspirativ an h\u00e4ufig wechselnden Orten. F\u00fcr die Umsetzung von Vorgaben der F\u00fchrungsspitze und den Informationsfluss zur Basis bedient sich die PKK \u00fcberwiegend der \u00f6rtlichen kurdischen Vereine in Deutschland, die den Anh\u00e4ngern als Treffpunkte und Anlaufstellen dienen. Als deren Dachverband fungiert das \"Demokratische kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland e.V.\" (NAV-DEM). Im Saarland ist das \"Kurdische Gesellschaftszentrum Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) Mitgliedsverein des NAV-DEM. Die Gebietsleitung nutzt das KGZ als Anlaufstelle, um Vorgaben der PKK-F\u00fchrung organisatorisch umzusetzen. Das bedeutet nicht nur, die in ihrem Einzugsgebiet lebenden Kurden f\u00fcr die Ziele der PKK zu gewinnen, sondern ihnen auch den Rahmen f\u00fcr politische Schulungen zu geben und sie - u. a. \u00fcber eine Facebook-Seite - f\u00fcr Veranstaltungen bzw. Demonstrationen sowie Spendenkampagnen zu mobilisieren. Der F\u00fchrungsanspruch der PKK ist darauf ausgelegt, auf m\u00f6glichst viele Lebensund Interessenbereiche einwirken zu k\u00f6nnen. Verschiedene Massenorganisationen bilden dieses Bem\u00fchen ab. So erfolgt die Mobilisierung der PKK-Jugend im Saarland durch die Jugendgruppierung \"Ciwanen Azad Saarland\", die zu dem 2013 gegr\u00fcndeten europ\u00e4ischen Dachverband \"Ciwanen Azad\" geh\u00f6rt. Sowohl die Jugendgruppierung als auch die im Saarland 2013 gegr\u00fcndete und dem \"Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.\" (YXK) zugeh\u00f6rige Ortsgruppe \"YXKSaarland\" kommunizieren \u00fcber Facebook und sind u. a. mit deutschen linksextremistischen Gruppierungen im Rahmen der \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" vernetzt. Dar\u00fcber hinaus wurde den anl\u00e4sslich des Juni-Kongresses aufgestellten Vorgaben der Europaf\u00fchrung, wonach sich die Frauen zuk\u00fcnftig selbst organisieren sollen, im September Rechnung getragen und in Homburg die Fraueninitiative \"Ekin Wan\" ins Leben gerufen. Die Einrichtung geh\u00f6rt zu 55","der im Januar 2016 gegr\u00fcndeten Dachorganisation \"Union der Frauen aus Kurdistan in Deutschland\" (YJK-E), die wiederum Teil der PKK-Massenorganisation \"Kurdische Frauenbewegung in Europa\" (TJK-E) ist. 2.1.3 Veranstaltungen/Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft Orientiert an der Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten in der T\u00fcrkei, Syrien und dem Irak sowie aus Sorge um die Gesundheit des inhaftierten Kurdenf\u00fchrers folgten PKK-Anh\u00e4nger im Saarland den Organisationsvorgaben mit zahlreichen friedlich verlaufenen Protesten und beteiligten sich in diesem Sinne auch an \u00fcberregionalen Veranstaltungen. Dabei zeigte sich, dass die Anh\u00e4ngerschaft bei besonderen Ereignissen auch kurzfristig in hohem Ma\u00dfe handlungsf\u00e4hig ist. An den KGZ-Veranstaltungen nahmen Personen des t\u00fcrkischen und deutschen linksextremistischen Spektrums teil. Die Protestaktionen wurden auch h\u00e4ufig in der PKK-nahen Tageszeitung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" thematisiert. Folgende Aktivit\u00e4ten sind hervorzuheben: 07.01.2016 Kundgebung des KGZ und der Jugendgruppierung \"Ciwanen Azad Saarland\" zur \"Situation in Nordkurdistan\" mit 200 Teilnehmern; dar\u00fcber hinaus kontaktierten PKK-Anh\u00e4nger das B\u00fcro einer politischen Partei in Saarbr\u00fccken und forderten die Parteivertreter auf, sich des Konfliktes im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei anzunehmen, 10. bis 12.02.2016 \"Langer Marsch\" des KGZ unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6CALAN, Status f\u00fcr Kurdistan\" von Merzig nach Saarbr\u00fccken, 13.02.2016 Beteiligung von etwa 1.000 PKK-Anh\u00e4ngern und -Sympathisanten aus dem Saarland an einer zentralen Gro\u00dfkundgebung in Stra\u00dfburg zum Jahrestag der Festnahme \u00d6CALANs, 15.02.2016 Protestaktion des KGZ zum o. g. Jahrestag und zur Situation in der T\u00fcrkei mit 700 Teilnehmern in Saarbr\u00fccken, 19.03.2016 Beteiligung von saarl\u00e4ndischen PKK-Anh\u00e4ngern an einer zentralen NEWROZGro\u00dfdemonstration in Hannover, 56","05.04.2016 Beteiligung von etwa 100 saarl\u00e4ndischen PKK-Anh\u00e4ngern an einer Kundgebung in Stra\u00dfburg zum Geburtstag Abdullah \u00d6CALANs, 27.05.2016 Kundgebung des KGZ mit rund 80 Teilnehmern in Saarbr\u00fccken zur aktuellen Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei, 23.06.2016 Beteiligung saarl\u00e4ndischer PKK-Anh\u00e4nger an einer zentralen Gro\u00dfkundgebung in Stra\u00dfburg zur Freilassung \u00d6CALANs, 23.07.2016 Demonstration des KGZ mit 500 Teilnehmern im Rahmen einer Aktionskampagne zur Freilassung \u00d6CALANs und zum \"4. Jahrestag der RojavaRevolution\", 13.08.2016 Demonstration des KGZ in Saarbr\u00fccken gegen die Haftbedingungen \u00d6CALANs mit ca. 400 PKK-Anh\u00e4ngern, 03.09.2016 Beteiligung von saarl\u00e4ndischen PKK-Anh\u00e4ngern am \"24. Internationalen Kurdischen Kulturfestival\" in K\u00f6ln, 08.10.2016 Saarl\u00e4ndische Beteiligung an einer Demonstration in Stra\u00dfburg zum Jahrestag der Ausweisung \u00d6CALANs aus Syrien (9. Oktober 2016), 26.10.2016 Kundgebung des KGZ gegen die Angriffe des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs auf \"Rojava\", 04. und 05.11.2016 Spontankundgebung vor der Europagalerie aufgrund der Festnahme von HDP-Abgeordneten in der T\u00fcrkei und anlassbezogene Demonstration des KGZ in Saarbr\u00fccken mit einer Beteiligung von \u00fcber 1.000 Personen und 10.12.2016 Schweigemarsch des KGZ in Saarbr\u00fccken zur Lage in der T\u00fcrkei mit 200 Teilnehmern. 57","2.2 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (\"Idealisten-Bewegung\") 2.2.1 Entstehung, Entwicklung Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" hat ihre Urspr\u00fcnge in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Sie ging aus der Turkisten/Turanisten-Bewegung, die sich als rassistisch und nationalistisch verstand, hervor. In den 1970er-Jahren kam der Islam als pr\u00e4gendes Element hinzu, und die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" wurde zu einem Tr\u00e4ger der so genannten \"t\u00fcrkisch-islamischen Synthese\". In dieser Zeit organisierte sich die Bewegung erstmalig in Form einer politischen Partei, der \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP). Sp\u00e4ter spaltete sich die Bewegung in mehrere kleinere Auspr\u00e4gungen. Die t\u00fcrkische Nation wird von allen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als h\u00f6chster Wert erachtet. Demzufolge umfasst die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" ein breites Spektrum ultranationalistischen und rassistischen Gedankenguts. Zu den Erkennungszeichen der \"Idealisten\" geh\u00f6ren u. a. der mit dem Finger der rechten Hand geformte \"Wolfsgru\u00df\" sowie das Logo der MHP (drei wei\u00dfe Halbmonde auf rotem Grund). Eine vereinfachte Darstellung davon ist der Schriftzug \"CCC\". Ereignisse in der T\u00fcrkei sind f\u00fcr \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger emotionaler Hauptbezugspunkt. Die angespannte Lage in der T\u00fcrkei, im Nordirak und in Syrien findet immer wieder ihren Widerhall auch auf deutschen Stra\u00dfen. So kam es beispielsweise im Fr\u00fchjahr 2016 im Rahmen der so genannten Friedensm\u00e4rsche gegen die PKK und den IS-Terror in zahlreichen deutschen St\u00e4dten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischen Nationalisten und Kurden bzw. Linksextremisten. Im Zuge dieser Auseinandersetzungen wurden dutzende Polizisten und Demonstranten verletzt. Mitglieder der rechtsextremistischen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung beteiligten sich an zahlreichen Veranstaltungen. Der \"Wolfsgru\u00df\" wurde auf fast allen Demonstrationen gezeigt, um den politischen Gegner zu provozieren. 2.2.2 Struktur Die t\u00fcrkische rechtsextremistische \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt/M. ist der gr\u00f6\u00dfte \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Dachverband\" im Bundesgebiet. Sie ist die Aus58","landsvertretung der ultranationalistischen t\u00fcrkischen MHP. Bundesweit verf\u00fcgt die streng hierarchisch gegliederte AD\u00dcTDF \u00fcber etwa 7.000 Anh\u00e4nger, die sich in rund 160 Ortsvereinen engagieren. In der Organisationsstruktur ist Deutschland in mehrere Gebiete (\"B\u00f6lge\") unterteilt. In der Au\u00dfendarstellung versucht die AD\u00dcTDF, einen positiven legalistischen Eindruck zu vermitteln. Daneben hat sich \u00fcber die Jahre eine unorganisierte \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" herausgebildet. Ihr sind etwa 3.000 meist jugendliche Anh\u00e4nger zuzurechnen, die haupts\u00e4chlich \u00fcber das Internet vernetzt sind. Dort pflegen sie ihre Feindbilder und agitieren gegen ihre \"Gegner\". In Saarland ist ein \"T\u00fcrkischer Kulturverein\" mit Sitz in Saarbr\u00fccken der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" zuzurechnen. Soweit feststellbar, gingen von dem Verein im vergangenen Jahr keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten aus. 2.3 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) 2.3.1 Allgemeine Lage, Entwicklung Die Tamilen bilden im Inselstaat Sri Lanka die gr\u00f6\u00dfte Minderheit. Um Teilhabe an der Macht zu erlangen, f\u00fchrten die LTTE ab den 80er-Jahren Krieg f\u00fcr die Errichtung eines von Sri Lanka unabh\u00e4ngigen tamilischen Staates im Nordosten des Inselstaates. Im Mai 2009 wurden die LTTE-Kampfeinheiten milit\u00e4risch zerschlagen. Die LTTE-Strukturen innerhalb der weltweiten tamilischen Diaspora sind jedoch \u00fcberwiegend intakt geblieben und arbeiten auch nach der milit\u00e4rischen Niederlage weiter an einem Wiederaufbau der LTTE in Sri Lanka. Ganz im Sinne des im B\u00fcrgerkrieg gefallenen LTTE-F\u00fchrers Velupillai PRABAKHARAN bleibt die Errichtung eines unabh\u00e4ngigen Staates \"Tamil Eelam\" auf Sri Lanka ihr vorrangiges Ziel. Seit Mai 2006 wird die nationalistisch ausgerichtete Separationsbewegung auf der Liste von Personen, Vereinigungen und K\u00f6rperschaften zur Bek\u00e4mpfung des Terrorismus des EU-Ministerrates (sog. \"EU-Terrorliste\") gef\u00fchrt. 59","2.3.2 Struktur, Aktivit\u00e4ten in Deutschland Die LTTE ist in Deutschland in erster Linie propagandistisch t\u00e4tig und verf\u00fcgt \u00fcber ca. 1.000 Anh\u00e4nger. Die tamilischen Vereine im Bundesgebiet - wie der \"Tamilische Kulturverein e.V.\" in Saarbr\u00fccken - dienen als Anlaufstellen der Anh\u00e4ngerschaft und sind prim\u00e4r f\u00fcr das Sammeln von Spendengeldern, die Durchf\u00fchrung von Propagandaaktionen und die Mobilisierung f\u00fcr \u00fcberregionale Veranstaltungen zust\u00e4ndig. Der Saarbr\u00fccker Kulturverein sowie die tamilischen Schulen (so genannte \"Tamilalayams\") in Saarbr\u00fccken, Sulzbach, Dillingen und Homburg bilden die legalen Strukturen der LTTE im Saarland. Insgesamt sind im Saarland ca. 35 Tamilen der LTTE direkt zuzurechnen; das Mobilisierungspotenzial liegt bei rund 200 Personen. Innerhalb der tamilischen Diaspora im Saarland ist nach wie vor eine Tendenz zu politischer Teilnahmslosigkeit festzustellen. Zu verzeichnen waren im vergangenen Jahr daher nur wenige Aktionen im Saarland bzw. lediglich geringe Beteiligungen hiesiger Organisationsanh\u00e4nger an \u00fcberregionalen Veranstaltungen. Hierzu z\u00e4hlt eine Teilnahme von LTTE-Aktivisten an der Abschlussveranstaltung zum \"Walk for Justice\" am 14. M\u00e4rz in Genf, mit der auf die Menschrechtsverletzungen an der tamilischen Bev\u00f6lkerung in Sri Lanka aufmerksam gemacht werden sollte. Ein im Vorfeld am 29. Februar in Br\u00fcssel gestarteter \"Radmarathon\" machte am 6. M\u00e4rz in Saarbr\u00fccken Station und wurde von saarl\u00e4ndischen LTTE-Aktivisten mit einer Kundgebung vor der Europagalerie unterst\u00fctzt. Am 27. November nahmen LTTE-Anh\u00e4nger an einer Veranstaltung zum \"Heldengedenktag\" in Dortmund teil. V. Islamismus/Islamistischer Terrorismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Die Begriffe Islam und Islamismus werden in der \u00f6ffentlichen Diskussion h\u00e4ufig gleichbedeutend verwendet oder verwechselt. W\u00e4hrend die Bezeichnung Islam f\u00fcr eine Religion mit einer Vielzahl von Str\u00f6mungen steht, bezeichnet Islamismus eine extremistische politische Ideologie, die den Anspruch erhebt, Herrschaftsideologie und Gesellschaftsordnung zu sein. In letzter Konsequenz streben Islamisten nach einem \"Gottesstaat\", in dem alle Staatsgewalt von Gott ausgeht und ausschlie\u00dflich ein in weiten Teilen 60","im Widerspruch zur freiheitlich demokratischen Grundordnung stehendes religi\u00f6ses Recht strikt zu befolgen ist. Der Islamismus bedient sich dabei vordergr\u00fcndig einer religi\u00f6sen Sprache sowie religi\u00f6ser Argumentationsmuster und verwendet Symbole und Begriffe aus dem Islam, verfolgt jedoch tats\u00e4chlich das Ziel einer radikalen Ver\u00e4nderung des Staates und der Gesellschaft. Ihre Anh\u00e4nger lehnen \"von Menschen gemachte Gesetze\" ab und schrecken teilweise zur Durchsetzung ihrer Zielsetzungen auch nicht vor dem Einsatz von Gewalt zur\u00fcck. Als heterogene Bewegung hat der Islamismus im Laufe der Geschichte verschiedene Auspr\u00e4gungen entwickelt, die von politisch legalistischen Organisationen \u00fcber unterschiedliche missionarische Bewegungen bis hin zu militanten bzw. terroristischen Strukturen oder Netzwerken reichen, wobei die \u00dcberg\u00e4nge flie\u00dfend sind. Trotz gemeinsamer ideologischer Merkmale existieren verschiedene, teils konkurrierende Konzepte, welche von einer Ablehnung der Demokratie bis zur Beteiligung an Wahlen reichen. Erhebliche Unterschiede bestehen im Bereich der Gewaltorientierung. Der Salafismus, eine besonders strenge und kompromisslose radikale Str\u00f6mung eines \"reinen und unverf\u00e4lschten Islam\" gilt als einer der Wegbereiter des islamistischen Terrorismus und wird sowohl in Deutschland wie auch auf internationaler Ebene als die derzeit dynamischste islamistische Bewegung betrachtet. Seine Anh\u00e4ngerschaft wird bundesweit auf etwa 10.000 Personen beziffert. Salafisten glorifizieren den \"urspr\u00fcnglichen unverf\u00e4lschten Islam\" des 7./8. Jahrhunderts und orientieren sich - um diesem m\u00f6glichst nahe zu kommen - an der Lebensweise der ersten Muslime in der islamischen Fr\u00fchzeit. Sie versuchen, ihre religi\u00f6se Praxis und Lebensf\u00fchrung ausschlie\u00dflich an den von ihnen w\u00f6rtlich verstandenen Prinzipien des Korans, dem Vorbild des Propheten Muhammad und den drei ersten muslimischen Generationen, den so genannten rechtschaffenen Altvorderen (arab.: \"alsalafal-salih\"), auszurichten. Sie lehnen die Demokratie kategorisch ab, negieren die \"weltliche Gesetzgebung\" und stehen damit im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Selbst moderate Muslime oder solche, die ihre politischen und gesellschaftlichen Auffassungen nicht teilen, werden von Salafisten als \"Ungl\u00e4ubige\" (arab.: \"kuffar\") diffamiert. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterscheiden zwischen politischem und jihadistischem Salafismus. Politische und jihadistische Salafisten teilen dieselben ideologischen Grundlagen, unterscheiden sich jedoch vornehmlich in der Wahl der Mittel zur Verwirklichung ihrer Ziele. 61","Politische Salafisten versuchen, ihre islamistische Ideologie durch intensive Propagandaaktivit\u00e4ten (= Missionierung, arab.: \"da 'wa\") zu verbreiten und die Gesellschaft \u00fcber eine Einflussnahme auf bzw. Beteiligung an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen nach salafistischen Normen zu ver\u00e4ndern. Teilweise positionieren sich Anh\u00e4nger des politischen Salafismus nachdr\u00fccklich gegen Terrorismus und heben den friedfertigen Charakter des Islam hervor; offene Aufrufe zur Gewalt werden meist vermieden. Dennoch ist festzustellen, dass der politische Salafismus ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis zur Gewalt pflegt, da religi\u00f6s legitimierte Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele nicht prinzipiell abgelehnt wird. Jihadistische Salafisten (Jihadisten) dagegen erkl\u00e4ren die Teilnahme am bewaffneten Kampf gegen Ungl\u00e4ubige zur individuellen Pflicht eines jeden Muslim und berufen sich auf den \"Jihad\". F\u00fcr Jihadisten stellt Gewalt nicht nur ein Mittel neben anderen dar, sondern wird als der wichtigste und einzige Weg zur Durchsetzung ihrer Vorstellungen angesehen (\"Gotteskrieger\"). Insbesondere auf junge Menschen und alle diejenigen, die sich in der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert f\u00fchlen, wie z. B. ungefestigte, Sinn suchende Jugendliche und Heranwachsende, \u00fcbt der Salafismus eine enorme Anziehungskraft aus. Mit dieser \"Gegenkultur\" eines alternativen Lebensstils, markanten Alleinstellungsmerkmalen (Kleidung und Sprache) und einem detaillierten salafistischen Regelwerk f\u00fcr das t\u00e4gliche Leben grenzen sich die Salafisten nach au\u00dfen als eingeschworene Gemeinschaft mit intensivem Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl ab. Durch diese Abgrenzung f\u00fchlt sich die Anh\u00e4ngerschaft als Teil einer Elite, als Vork\u00e4mpfer des \"wahren Islam\", der Welt der Ungl\u00e4ubigen moralisch \u00fcberlegen. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Die Anschl\u00e4ge von Istanbul, Br\u00fcssel, Nizza und Rouen, die Attacken von Hannover, Essen, W\u00fcrzburg und Ansbach, insbesondere aber der Anschlag am 19. Dezember auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz mit zw\u00f6lf Todesopfern und mehr als 60 teils schwer Verletzten, haben im vergangenen Jahr deutlich gemacht, dass ganz Europa - und damit auch die Bundesrepublik Deutschland - nach wie vor im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus steht. Eine Ver\u00e4nderung dieser Situation ist nicht zu erwarten; vielmehr kann sich die fortgesetzt hohe Gef\u00e4hrdungslage jederzeit durch weitere terroristische Taten konkretisieren. Die aktuelle Defensivsituation des so genannten \"Islamischen Staates\" (IS) im Nahen Osten kann zu einer Verst\u00e4rkung seiner aggressiven, vor allem gegen Europa gerichteten Auslandsstrategie f\u00fchren. Diese beinhaltet offenbar neben komplexen multiplen Anschlagsvorhaben durch instruierte 62","T\u00e4ter (insbesondere R\u00fcckkehrer, als Fl\u00fcchtlinge getarnte und nach Europa geschleuste K\u00e4mpfer der Terrororganisation oder an der Ausreise gehinderte Personen) vor allem die Beeinflussung tatbereiter, einzeln agierender Personen durch die eigene Propaganda; hier wird der IS auch weiterhin Migrationsbewegungen ausnutzen und gezielt in seine Planungen einbeziehen. Insofern besteht die latente Gefahr, dass sich tatgeneigte, auch den Sicherheitsbeh\u00f6rden bislang unbekannte Personen im Inland weiter radikalisieren und beliebige Anl\u00e4sse zum Tatausl\u00f6ser werden. Im vergangenen Jahr zeigte sich auch das verst\u00e4rkte Bem\u00fchen terroristischer Gruppierungen, das Internet und die sozialen Medien als weitere Mittel einer hybriden Kriegsf\u00fchrung einzusetzen. Insbesondere die M\u00f6glichkeiten von Facebook, WhatsApp und zahlreicher anderer Messengerdienste werden dazu benutzt, neben der Verbreitung der eigenen Propaganda auch Kommunikationsstrukturen aufzubauen. In diesem Zusammenhang ist hervorzuheben, dass die T\u00e4ter von Hannover, W\u00fcrzburg und Ansbach \u00fcber eine solche Kommunikationsstruktur vom Ausland her motiviert und sogar bis kurz vor der Tatausf\u00fchrung angeleitet (\"gecoacht\") wurden. War nach der Ausrufung des \"Kalifats\" durch den IS am 29. Juni 2014 zun\u00e4chst ein deutlicher Anstieg der Ausreisezahlen festzustellen, ging die Zahl islamistisch motivierter Ausreisen aus Deutschland in Richtung Syrien/ Irak seit Juli 2015 deutlich zur\u00fcck. Parallel hierzu ist seit Anfang 2015 ein starker Anstieg an Erkenntnissen zu mutma\u00dflichen Todesf\u00e4llen - wohl auf Grund des verst\u00e4rkten Durchgreifens der Anti-IS-Koalition - zu verzeichnen. Ein Zusammenhang zwischen den r\u00fcckl\u00e4ufigen Ausreisen und den milit\u00e4rischen Niederlagen sowie den territorialen Verlusten des IS in Syrien und im Irak kann unterstellt werden. Der Verlust des Nimbus der Unbesiegbarkeit geht zudem einher mit einer gr\u00f6\u00dferen Gefahr f\u00fcr Leib und Leben im \"Kalifat\". Eine weitere Ursache d\u00fcrfte in den Aufforderungen der IS-F\u00fchrung, zu Hause zu bleiben und dort Anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben, zu sehen sein. Abh\u00e4ngig vom weiteren Verlauf des Konflikts wird eine steigende Zahl ausl\u00e4ndischer K\u00e4mpfer in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckkehren und dort ein f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden generell nicht kalkulierbares Bedrohungspotenzial darstellen. Aktuell (Stand: Mai 2017) liegen Erkenntnisse zu mehr als 930 deutschen Islamisten bzw. Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien/Irak gereist sind, um dort auf Seiten des IS und anderer terroristischer Gruppierungen an Kampfhandlungen teilzunehmen oder diese in sonstiger Weise zu unterst\u00fctzen. Der \u00fcberwiegende Teil der ausgereisten Personen ist j\u00fcnger als 30 Jahre, etwa ein F\u00fcnftel weiblich. Nicht in allen F\u00e4llen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tats\u00e4chlich in Syrien/Irak aufhalten 63","oder aufgehalten haben; teilweise werden die Ausreisen erst mit zeitlicher Verz\u00f6gerung bekannt. Etwa ein Drittel dieser gereisten Personen befindet sich momentan wieder in Deutschland. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer liegen keine belastbaren Informationen vor, dass sie sich aktiv an Kampfhandlungen beteiligt haben. Als Ergebnis der kontinuierlichen Ausund Bewertung der Erkenntnislage zu R\u00fcckkehrern liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden aktuell zu \u00fcber 70 Personen Erkenntnisse vor, wonach diese sich aktiv an K\u00e4mpfen in Syrien oder im Irak beteiligt oder hierf\u00fcr eine Ausbildung absolviert haben. Ferner liegen zu ca. 145 Personen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sind bestrebt, m\u00f6glichst viele Ausreiseplanungen fr\u00fchzeitig wahrzunehmen, um deren Verwirklichung zu unterbinden; die Anzahl beh\u00f6rdlich tats\u00e4chlich verhinderter Ausreisen bewegt sich im niedrigen dreistelligen Bereich. Im Saarland konnten bis dato keine Erkenntnisse zu realisierten islamistisch motivierten Reisebewegungen nach Syrien/Irak gewonnen werden. 1.3 Personenpotenzial Das Mitglieder-/Anh\u00e4ngerpotenzial der dem Beobachtungsbereich Islamismus/Islamistischer Terrorismus zugeordneten Organisationen, Gruppierungen und Einzelaktivisten im Saarland belief sich im abgelaufenen Jahr auf insgesamt etwa 260 Personen (Vorjahr: ca. 220). Entwicklung des islamistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre 64","Hinweis: Der signifikante R\u00fcckgang in 2014 beruht auf der Streichung der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs\" (IGMG) als Beobachtungsobjekt im Saarland. Dem Ph\u00e4nomenbereich des Salafismus werden dabei rund 200 Personen (Vorjahr: ca. 150) zugerechnet, die nahezu in G\u00e4nze im politischen Salafismus zu verorten sind; ca. 10 % gelten als gewaltorientiert. Etwa 10 % sind weiblich, der Anteil an Konvertiten betr\u00e4gt ca. 5 %. Den zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dften Anteil bildet die Personengruppe im Alter von 26 bis 35 Jahren (ca. 50 %), 18bis 25-J\u00e4hrige machen etwa 25 % aus, unter 18-J\u00e4hrige ca. 5 %. Der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund betr\u00e4gt \u00fcber 90 %. 1.4 \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" (PMK) Die Zahl der im Saarland ver\u00fcbten Straftaten mit erwiesenem bzw. zu vermutendem islamistischem Hintergrund lag mit 9 Taten (keine Gewalttat) signifikant \u00fcber der Marke des Vorjahres (2015: 1). Den \u00fcberwiegenden Anteil der Straftaten stellten im Berichtszeitraum Gewaltdarstellungen (SS 131 StGB) und Bedrohungsdelikte (SS 241 StGB) dar; des Weiteren wurden jeweils eine Straftat nach SS 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat), SS 89c StGB (Terrorismusfinanzierung), SS 129a StGB (Bildung einer terroristischen Vereinigung) sowie SS 303 StGB (Sachbesch\u00e4digung) festgestellt. 65","Hinweis: Die Straftatenzahlen f\u00fcr den Bereich Islamismus werden an dieser Stelle erstmals gesondert ausgewiesen; bisher waren diese in den Angaben f\u00fcr den Bereich Ausl\u00e4nderextremismus enthalten. 2. Einzelaspekte 2.1 Islamistischer Terrorismus Im Saarland wurden in der Vergangenheit Informationen zu wenigen Einzelpersonen bekannt, die eine Ausreise nach Syrien geplant haben sollen. Bislang konnten allerdings keine Erkenntnisse gewonnen werden, die auf realisierte islamistisch motivierte Reisebewegungen nach Syrien/Irak hindeuten. Das im LfV Saarland bereits seit Jahresmitte 2015 zu konstatierende stark erh\u00f6hte Hinweisaufkommen von Seiten anderer (Sicherheits-) Beh\u00f6rden, Bildungseinrichtungen und nicht zuletzt aufmerksamer B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auf Personen, die sich radikalisiert bzw. islamistischen Gruppierungen angeschlossen haben oder selbst radikalisierend auf andere einwirken sollen sowie auf Fl\u00fcchtlinge, die einen jihad-salafistischen Vorlauf haben und Mitglieder einer islamistisch-terroristischen Organisation im Ausland sein sollen, setzte sich auch im vergangenen Jahr unvermindert fort. Die entsprechenden F\u00e4lle bildeten den Arbeitsschwerpunkt einer im Herbst 2015 eingerichteten besonderen Arbeitseinheit innerhalb des LfV. Die interdisziplin\u00e4r zusammengesetzte F\u00fchrungsgruppe, die Auswertungsund Beschaffungskompetenzen vereint, stellt hierbei eine effiziente, systematische, strukturierte und nachvollziehbar dokumentierte Bearbeitung der eingehenden Hinweise und der sich daraus ergebenden F\u00e4lle sowie eine enge Kooperation mit dem saarl\u00e4ndischen Landespolizeipr\u00e4sidium (LPP) sicher. Die bisherigen Erfahrungswerte in diesem Zusammenhang zeigen, dass sich die konzentrierte Bearbeitung aller Hinweise, Verdachtsf\u00e4lle und Gef\u00e4hrdungssachverhalte in einer entsprechenden Arbeitseinheit bew\u00e4hrt hat und mit dieser Struktur die besonderen Herausforderungen in dem Arbeitsfeld, in dem die Sachverhalte oftmals einen unspezifischen Charakter aufweisen bzw. auf fr\u00fchere Aktivit\u00e4ten in der syrisch-irakischen Krisenregion abheben und sich folglich nur sehr schwer eindeutig verifizieren bzw. falsifizieren lassen, letztlich am effektivsten bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Im Jahr 2016 wurden rund 200 terroristische Verdachtsmeldungen mit Saarlandbezug registriert, darunter ca. 120 F\u00e4lle mit Bezug zum IS. Aufgrund des hohen Gef\u00e4hrdungspotenzials wurden diese Sachverhalte schwerpunktm\u00e4\u00dfig operativ bearbeitet. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Verdachtsf\u00e4lle konnte zwischenzeitlich in enger Abstimmung mit dem LPP mit hinreichender Wahrscheinlichkeit falsifiziert werden. Dies bedeutet, dass nach einge66","hender Bewertung in diesen F\u00e4llen der Eintritt eines gef\u00e4hrdenden Ereignisses f\u00fcr eher unwahrscheinlich gehalten wurde. Im Ergebnis konnte festgestellt werden, dass der gr\u00f6\u00dfte Teil des Hinweisaufkommens zu potenziellen Gef\u00e4hrdungssachverhalten einen Migrationsbezug hatte und die wenigsten Verdachtspersonen einen nachweisbaren terroristischen Hintergrund aufwiesen. Nichtsdestotrotz konnte beobachtet werden, dass eine nicht unerhebliche Anzahl von Verdachtspersonen \u00fcber milit\u00e4rische oder paramilit\u00e4rische Erfahrungen verf\u00fcgt und mit der salafistischen Ideologie sympathisiert. Ob bzw. inwieweit sich daraus perspektivisch ein erh\u00f6htes Gef\u00e4hrdungspotenzial ergibt, bleibt abzuwarten. 2.2 Islamismus im Saarland Das breite Spektrum islamistischer Bestrebungen ist in Teilen auch im Saarland vertreten bzw. in einigen Erscheinungsformen ideologisch oder organisatorisch mit Gruppierungen oder Einzelpersonen aus dem Saarland verbunden. H\u00e4ufig nicht auf den ersten Blick erkennbar, bestehen solche Verbindungen z. B. zur \"Hizb Allah\" (HA), zur \"Muslimbruderschaft\" (MB) und auch zur \"Tabligh-i-Jama'at\"Bewegung (TJ). Obgleich im Berichtszeitraum keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen von Salafisten festgestellt werden konnten, war dennoch eine deutliche Belebung hiesiger personeller und organisatorischer Strukturen bei salafistischen Erscheinungsformen zu verzeichnen. Der hiesigen Klientel dienten weiterhin insbesondere Vereine in Sulzbach und Merzig als Anlaufstellen; weitere Ans\u00e4tze waren dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die Landeshauptstadt festzustellen. Nach wie vor ist die Szene nahezu in G\u00e4nze dem politischen Salafismus zuzurechnen; Gewalt bzw. Jihad bef\u00fcrwortende Tendenzen sind lediglich bei etwa 10% ansatzweise erkennbar. Im Berichtszeitraum hat das Interesse der islamistischen Szene am Syrienkonflikt bzw. das Engagement f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge nachgelassen; Spendenbzw. Sammelaktionen f\u00fcr Syrien wurden nicht bekannt. Personen des hiesigen salafistischen Spektrums engagierten sich nur in Einzelf\u00e4llen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge. Belastbare Erkenntnisse f\u00fcr eine gezielte Missionierungsarbeit (d a 'wa) 67","konnten nicht gewonnen werden. Allerdings werden die entsprechenden Moscheegemeinden - insbesondere auch die unter salafistischem Einfluss stehenden - weiterhin von einer Vielzahl von Fl\u00fcchtlingen besucht. Es ist jedoch davon auszugehen, dass hierbei weniger die ideologische Ausrichtung der Moschee, sondern praktische Erw\u00e4gungen wie die Wohnortn\u00e4he oder die Herkunft des Imams aus dem arabischen Sprachraum ausschlaggebend sind. VI. Spionage-/Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz Die Bundesrepublik ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie mit Weltmarktf\u00fchrung sowie wegen ihrer politischen Rolle in der EU und NATO ein Zielgebiet f\u00fcr fremde Nachrichtendienste. Ihre offene und pluralistische Gesellschaft erleichtert Nachrichtendiensten fremder Staaten die Informationsbeschaffung. Haupttr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten gegen Deutschland sind derzeit die russische F\u00f6deration und die Volksrepublik China. Dar\u00fcber hinaus sind vornehmlich L\u00e4nder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas nachrichtendienstlich in Deutschland aktiv. Die Nachrichtendienste dieser Staaten sind in unterschiedlicher Personalst\u00e4rke an den jeweiligen amtlichen und halbamtlichen Vertretungen in Deutschland pr\u00e4sent und unterhalten dort sogenannte Legalresidenturen. Darunter versteht man St\u00fctzpunkte eines fremden Nachrichtendienstes, abgetarnt in einer offiziellen (z.B. Botschaft, Generalkonsulat) oder halboffiziellen (z.B. Presseagentur, Fluggesellschaft) Vertretung im Gastland. Die dort angeblich als Diplomaten oder Journalisten t\u00e4tigen Nachrichtendienstmitarbeiter betreiben entweder selbst offene oder verdeckte Informationsbeschaffung oder leisten Unterst\u00fctzung bei nachrichtendienstlichen Operationen, die direkt von den Zentralen der Nachrichtendienste in den Heimatl\u00e4ndern gef\u00fchrt werden. Daneben f\u00fchren Nachrichtendienste auch Operationen ohne Beteiligung ihrer Legalresidenturen durch. Fremde Nachrichtendienste handeln nicht allein nach gesetzlichen Aufgabenzuweisungen, sondern werden politisch gesteuert. Die Schwerpunkte ihrer jeweiligen Beschaffungsaktivit\u00e4ten orientieren sich an den aktuellen politischen Vorgaben oder wirtschaftlichen Priorit\u00e4ten in ihren Staaten. Die Aufkl\u00e4rungsziele ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste umfassen eine breite Palette von der Politik, Wirtschaft und Milit\u00e4r bis zur Wissenschaft und Technik. Nachrichtendienste einiger Staaten (wie Iran, Syrien, China) legen ihren Aufkl\u00e4rungsschwerpunkt auch auf die Aussp\u00e4hung von hier leben68","den Oppositionellen. Um ihr Aufkl\u00e4rungsziel zu erreichen, versuchen diese Nachrichtendienste, ausgew\u00e4hlte Personen aus der Oppositionsbewegung mit dem Ziel einer Verpflichtung zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit anzusprechen. Bei Ablehnung wird den betroffenen Personen oder ihren in der Heimat lebenden Angeh\u00f6rigen oftmals mit Repressalien gedroht. Vor dem Hintergrund der Globalisierung der M\u00e4rkte und neuer weltpolitischer Konstellationen hat die Bedeutung der Wirtschaftsspionage in den letzten Jahren stetig zugenommen. Im Zentrum der Ausforschung durch fremde Nachrichtendienste stehen wegen ihres enormen \u00f6konomischen Potenzials auch Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland. Staaten mit Technologier\u00fcckstand sind besonders an der Beschaffung von Informationen \u00fcber Fertigungstechniken und technischem Know-how interessiert, um auf dem Markt mit kosteng\u00fcnstiger gefertigten Nachbauten wettbewerbsf\u00e4hig zu sein oder die Kosten f\u00fcr eigene Entwicklungen und Lizenzgeb\u00fchren zu sparen. Technisch und wirtschaftlich hoch entwickelte Staaten interessieren sich mehr f\u00fcr wirtschaftspolitische Strategien, sozial\u00f6konomische und politische Trends, Marktund Unternehmensstrategien, komplexe Fertigungstechniken bis hin zu Informationen \u00fcber Preisgestaltungsmodalit\u00e4ten und Zusammenschl\u00fcssen von Unternehmen. Daher kommt der Sensibilisierung, Information und Aufkl\u00e4rung von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen \u00fcber die Gefahren der Wirtschaftsspionage eine hohe Bedeutung zu. Dar\u00fcber hinaus bem\u00fchen sich einige L\u00e4nder (sogenannte Risikostaaten wie z.B. Iran und Nordkorea) darum, in den Besitz von Technologien f\u00fcr atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen und die daf\u00fcr erforderlichen Tr\u00e4gersysteme zu gelangen sowie die hierzu erforderlichen G\u00fcter und das entsprechende Know-how zu erwerben (Proliferation). Massenvernichtungswaffen und entsprechende Tr\u00e4gertechnologie sind als Gesamtprodukte auf dem freien Markt nicht erh\u00e4ltlich. Deshalb versuchen die Proliferation betreibenden Staaten systematisch Kontrollma\u00dfnahmen, durch Lieferung von Teilprodukten \u00fcber Drittl\u00e4nder und durch die Beschaffung von \"Dual-use\"-Produkten, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch nutzbar sind, zu umgehen. Deutschland ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie ein Zielgebiet f\u00fcr entsprechende Beschaffungsbem\u00fchungen dieser Risikostaaten. Deshalb sind in Deutschland seit Jahren intensive und stetig ansteigende Beschaffungsbem\u00fchungen zu verzeichnen. Eine besondere Gefahr mit Zielrichtung \"Wirtschaftsspionage/ Proliferation\" stellen die in sehr hoher Zahl festgestellten \"Elektronischen Angriffe\" auf Computersysteme von Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtun69","gen dar. Angesichts der ausgew\u00e4hlten Ziele und der angewandten Methodik erscheint eine staatlich gelenkte nachrichtendienstliche Steuerung in vielen F\u00e4llen als sehr wahrscheinlich. \"Elektronische Angriffe\" haben sich zu einer wichtigen Methode der Informationsgewinnung f\u00fcr fremde Nachrichtendienste entwickelt und erg\u00e4nzen als zus\u00e4tzliche Informationsquelle die bislang eingesetzten nachrichtendienstlichen Mittel. Neben der Informationsgewinnung sind auf diesem Weg verbreitete \"Schadprogramme\" auch in der Lage, Sabotagefunktionen auszuf\u00fchren, die gerade beim Einsatz gegen sensible Infrastrukturen erhebliche Auswirkungen haben k\u00f6nnen. Auf Beh\u00f6rden zielende \"Elektronische Angriffe\" mit nachrichtendienstlichem Hintergrund waren auch im vergangenen Jahr wieder festzustellen. Fallzahlen belegen die weiterhin hohe Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Informationssicherheit von Bundesbeh\u00f6rden und sonstiger staatlicher Stellen durch solche Angriffe. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Infiltration des IT-Netzwerkes des Deutschen Bundestages im Sommer 2015, die eine Abschaltung des Systems und einen partiellen Neuaufbau erzwang. Im vergangenen Jahr scheiterte ein Angriff auf Rechner von saarl\u00e4ndischen CDU-Politikern. Unter Nutzung einer falschen Absenderangabe der Europ\u00e4ischen Union wurde versucht, die Adressaten dazu zu bewegen, einen mit einem Trojaner verseuchten Anhang einer Mail zu \u00f6ffnen. Da in einigen F\u00e4llen die Mails auf Dienstrechner weitergeleitet wurden, bestand auch eine Gef\u00e4hrdung f\u00fcr das Netz der Landesverwaltung. Nach den bisher vorliegenden Analysen ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Attacken einen staatlich gelenkten nachrichtendienstlichen Hintergrund besitzt. Die zur Durchf\u00fchrung der Angriffe erforderlichen Infrastrukturen und die sehr hohe Qualit\u00e4t und Zielrichtung deuten auf Parallelen zu fr\u00fcheren Angriffen aus China und Russland hin. Auch ist nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer nicht erkannter \"Elektronischer Angriffe\" auf deutsche Wirtschaftsunternehmen auszugehen. Nicht zuletzt hat die sogenannte \"NSA Aff\u00e4re\" klargemacht, dass elektronische Spionageaktivit\u00e4ten auch von sog. \"befreundeten Staaten\" ausgehen. Die Aktivit\u00e4ten \"befreundeter Staaten\" m\u00fcssen k\u00fcnftig bei der Spionageabwehr st\u00e4rker als bisher ber\u00fccksichtigt werden. Dazu wurden im Verfassungsschutzverbund bereits neue Bearbeitungsans\u00e4tze konzipiert, die k\u00fcnftig mit einem \"360 Grad Blickwinkel\" Spionaget\u00e4tigkeiten aller Staaten erfassen. 70","Neben der Verfolgung einzelner Spionageaktivit\u00e4ten, die h\u00e4ufig schwer zu erkennen sind, ist die Pr\u00e4vention durch die Sensibilisierung von saarl\u00e4ndischen Unternehmen ein wichtiger Aspekt. Gerade kleine und mittelst\u00e4ndige Unternehmen verf\u00fcgen h\u00e4ufig im Hinblick auf Firmensicherheit weder \u00fcber die notwendigen personellen noch finanziellen Ressourcen. Sie untersch\u00e4tzen nach den Erfahrungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden oft die m\u00f6glichen Risiken f\u00fcr ihr Unternehmen. Diese Fehleinsch\u00e4tzung kann unter Umst\u00e4nden existenzielle Folgen haben. Die Spionageabwehr unterst\u00fctzt daher saarl\u00e4ndische Firmen und Forschungseinrichtungen, bei denen aufgrund von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen bekannt ist, dass sie m\u00f6glicherweise im Zielspektrum fremder Nachrichtendienste stehen k\u00f6nnten. Durch Sensibilisierung und Beratung werden dabei Vorgehensweisen und potenzielle Gefahren durch Wirtschaftsspionage angesprochen und Schutzma\u00dfnahmen/Verhaltensregeln bei Gesch\u00e4ftsreisen in Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken anhand von Beispielen verdeutlicht. Saarl\u00e4ndische Firmen, die gesch\u00e4ftliche Kontakte nach China, in die GUS-Staaten und in den Iran unterhalten, werden \u00fcber Spionagerisiken und die bekanntgeworden Methoden fremder Nachrichtendienste aufgekl\u00e4rt. F\u00fcr diese Sensibilisierungen hat der Verfassungsschutzverbund die Brosch\u00fcren \"Wirtschaftsspionage - Risiko f\u00fcr Ihr Unternehmen\" und \"Proliferation\" sowie Merkbl\u00e4tter mit Sicherheitshinweisen und Verhaltensweisen, z.B. bei Gesch\u00e4ftsreisen, erstellt. Diese k\u00f6nnen \u00fcber das Saarl\u00e4ndische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bezogen oder unter www.verfassungsschutz. de heruntergeladen werden. Mitarbeiter der Spionageabwehr stehen f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Beratung zur Verf\u00fcgung. Nehmen Sie Kontakt auf \u00fcber info@lfv.saarland.de 71","Anhang In dem vorstehenden Bericht sind folgende extremistische Organisationen bzw. Gruppierungen genannt, die im Berichtszeitraum im Saarland strukturell vertreten und aktiv waren: zu II. Rechtsextremismus Organisationen: \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Quelle: https://npd.de NPD-Landesverband Saar einschlie\u00dflich seiner lokalen Teilvertretungen Quelle: www.npd-saar.de \"Freie B\u00fcrger Union\" (FBU) Quelle: www.bpb.de Partei \"Die Rechte\" Quelle: www.die-rechte.com 72","Partei \"Der Dritte Weg\" Quelle: www.der-dritte-weg.info Identit\u00e4re Bewegung Quelle: https://identitaere-bewegung.de Hammerskin\" (HS) Chapter Westwall Quelle: http://bremer-schattenbericht.com/wp-content/uploads/2013/05/ HN-logo.jpg Rechtsextremistische Bands: Jungsturm Hunting Season Wolfsfront 73","Kameradschaften: Sturmdivision Saar Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/system/files/mages/6550501854.jpg zu III. Linksextremismus Linksextremistische Parteien: \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Quelle: http://www.dkp.de/ \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Quelle: http://www.mlpd.de/ Gewaltorientierte autonome Szene: \"Antifa Saar/ Projekt AK\" Quelle: http://antifa-saar.org/ 74","\"... resist! Unsere Solidarit\u00e4t gegen ihre Repression!\" Quelle: https://www.facebook.com/ \"Antifa Nord-Westsaar\" Quelle: http://antifa-nordwestsaar.de.tl/ \"Solidarische Rose Homburg/ Zweibr\u00fccken\" Quelle: https://www.facebook.com/ \"umsGanze! - kommunistisches B\u00fcndnis\" (uG) Quelle: https://umsganze.org/ 75","Gewaltorientierte antiimperialistische Szene: \"Libertad!\" \"Libertad!\" Saar Quelle: http://www.libertad.de/ \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Quelle: https://de.wikipedia.org zu IV: Ausl\u00e4nderextremistische Organisationen (ohne Islamismus): \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Quelle: https://de.wikipedia.org \"Ciwanen Azad Saarland\" Quelle: https://www.facebook.com/ 76","\"Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.\" (YXK) Quelle: https://www.facebook.com/ http://www.yxkonline.com/ \"Union der Frauen aus Kurdistan in Deutschland\" (YJK-E) \"\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung\" (\"Idealisten-Bewegung\") Quelle: https://de.wikipedia.org \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) Quelle: http://turkfederasyon.com/ \"Liberation Tigers of Tamil Ealam\" (LTTE) Quelle: https://en.wikipedia.org 77","zu V. Islamismus/ Islamistischer Terrorismus: \"Hizb Allah\" (HA) Quelle: http://rehmat1.com/2008/08/13/hizballah-the-party-of-allah/ \"Muslimbruderschaft\" (MB) Quelle: http://europenews.dk/ \"Tabligh-i-Jama'at\"Bewegung (TJ) Quelle: http://tablighijamaatijtema.blogspot.de/ \"Islamischer Staat\" (IS) www.bmi.bund.de 78","","Ministerium f\u00fcr Inneres, Bauen und Sport Franz-Josef-R\u00f6der-Str. 21 66119 Saarbr\u00fccken E-Mail: lagebild-verfassungsschutz@ innen.saarland.de www.innen.saarland.de /innen.saarland 80"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2016","year":2016}
