{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-sl-2015.pdf","jurisdiction":"Saarland","num_pages":72,"pages":["Lagebild Verfassungsschutz 2015 Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport","INHALTSVERZEICHNIS Vorwort Innenminister Klaus Bouillon .................................................................4 I. Der Verfassungsschutz im Saarland ...............................................6 1. Gesetzliche Grundlage ..........................................................................................6 2. Beobachtungsaufgaben des Verfassungsschutzes .....................................6 3. Arbeitsweise und Befugnisse des Verfassungsschutzes......................... 7 4. Kontrolle des Verfassungsschutzes..................................................................8 5. Aufbauorganisation des LFV Saarland .............................................................9 II. Beobachtungsbereich Rechtsextremismus 2015 .................... 10 1. Allgemeines...........................................................................................................10 1.1 Ideologie.................................................................................................................10 1.2 Entwicklung, Tendenzen ...................................................................................11 1.3 Personenpotential ......................................................................................13 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t mit rechtsextremistischem Hintergrund ..............................................................14 2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Rechtsextremismus ..................................................................16 2.1.1 Rechtsextremistische Parteien ........................................................................16 2.1.1.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) ..............................16 2.1.1.2 Partei \"Die Rechte\"...............................................................................................23 2.1.2 Sonstige Zusammenschl\u00fcsse und Projekte ................................................24 2.1.2.1 \"Der Stahlhelm e.V.\" -Landesverband Saar (Stahlhelm) .........................24 2.1.2.2 \"Aktion Schwarze Kreuze\" ................................................................................24 2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten, insbesondere Skinhead-/Kameradschafts-Szene ................................................................25 2.2.1 Skinhead-Subkultur / \"Hammerskins\" (HS) ................................................25 2.2.2 Kameradschaften ................................................................................................26 2.2.2.1 \"Kameradschaft 13. Januar\" .............................................................................26 2.2.2.2 \"Kameradschaft Sturmdivision Saar\" ............................................................27 2.3 Rechtsextremistische Musikszene und Veranstaltungen im Saarland ..........................................................................28 2.4 Nutzung neuer Medien - Saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten online .....28 III. Beobachtungsbereich Linksextremismus 2015 ........................29 1. Allgemeines...........................................................................................................29 1.1 Ideologie.................................................................................................................29 1.2 Entwicklung / Tendenzen .................................................................................30 1.3 Personenpotential ...............................................................................................30 1.4 Politisch Motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) .........................................................31 2. Einzelaspekte ........................................................................................................32 2.1 Organisierter Linksextremismus .....................................................................32 2","2.1.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ......................................................33 2.1.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)...........................34 2.2. Gewaltorientierter Linksextremismus ...........................................................34 2.2.1 Autonome Szene .................................................................................................34 2.2.2 Antiimperialistische Szene ...............................................................................44 IV. Beobachtungsbereich Ausl\u00e4nderextremismus (Ohne Islamismus/Islamistischer Terrorismus) ................... 46 1. Allgemeines...........................................................................................................46 1.1 Ideologie.................................................................................................................46 1.2 Entwicklung / Tendenzen .................................................................................47 1.3 Personenpotential ...............................................................................................47 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) .........................................................48 2. Einzelaspekte ........................................................................................................49 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) ...................................................................49 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung .........................................................................49 2.1.2 Struktur ..................................................................................................................53 2.1.3 Veranstaltungen / Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft.....54 2.2 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) .....................................................57 V. Islamismus / islamistischer Terrorismus ................................ 59 1. Allgemeines...........................................................................................................59 1.1 Ideologie.................................................................................................................59 1.2 Entwicklung / Tendenzen .................................................................................60 1.3 Personenpotential ...............................................................................................62 2. Einzelaspekte ........................................................................................................63 2.1 Islamistischer Terrorismus ...............................................................................63 2.2 Islamismus im Saarland....................................................................................64 VI. Spionage-/ Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz 2015 ... 66 VII. Organisierte Kriminalit\u00e4t ....................................................... 70 3","Klaus Bouillon Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, die Terroranschl\u00e4ge in Paris und Br\u00fcssel haben uns erneut gezeigt, dass die Gefahr terroristischer islamistischer Bedrohungen auch in Europa gegenw\u00e4rtig ist. Der religi\u00f6se Fanatismus des sog. \"Islamischen Staates\" und anderer islamistischer Gruppen hat auch zum Ziel, terroristisches Gedankengut und in der Folge auch Anschlags-Szenarien nach Europa zu tragen. Dabei muss ber\u00fccksichtigt werden, dass terroristische Gefahren auch von fanatisierten Einzelt\u00e4tern oder Kleingruppen ausgehen k\u00f6nnen; eine Tatsache, die die Aufkl\u00e4rungsarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden vor neue Herausforderungen stellt. Ebenso muss das Augenmerk darauf gelegt werden, ob jihadistische K\u00e4mpfer m\u00f6glicherweise mit dem Fl\u00fcchtlingsstrom einreisen wollen. Obwohl Deutschland nach wie vor zu den sichersten L\u00e4ndern der Welt z\u00e4hlt, erfordert die Bek\u00e4mpfung des internationalen Terrorismus eine st\u00e4ndige Wachsamkeit der mit der Sicherheit unseres Landes zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden. Das Saarl\u00e4ndische Landesamt f\u00fcr Verfassungschutz \u00fcbernimmt hier im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags eine wichtige Aufgabe zur Gew\u00e4hrleistung der Inneren Sicherheit. Im Saarland ist eine Zunahme rechtsextremistisch motivierter, ausl\u00e4nderfeindlicher Straftaten zu verzeichnen. Die rechtsextremistische Szene hat auch die Fl\u00fcchtlingsproblematik zum Anlass genommen, mit einer Vielzahl von demonstrativen Aktionen ihre Parolen zu verbreiten, was auch zu verst\u00e4rkten Gegenreaktionen nicht zuletzt aus dem linksextremistischen politischen Spektrum gef\u00fchrt hat. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fokussiert seine Beobachtungsaufgaben auf all diese Bereiche und nimmt damit seine Funktion als Fr\u00fchwarnsystem der Demokratie durch Erkennen extremistischer Gefahren wahr. 4","Das jetzt vorliegende Lagebild Verfassungschutz f\u00fcr das Jahr 2015 schafft Transparenz \u00fcber die Arbeit des saarl\u00e4ndischen Verfassungsschutzes und dokumentiert eindrucksvoll die umfangreichen Recherchen und Erkenntnisse der Beh\u00f6rde. Abschlie\u00dfend bedanke ich mich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des saarl\u00e4ndischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungschutz f\u00fcr die geleistete gute Arbeit im Dienste unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Klaus Bouillon Minister f\u00fcr Inneres und Sport 5","I. Der Verfassungsschutz im Saarland 1. Gesetzliche Grundlage Die wichtigste gesetzliche Handlungsgrundlage f\u00fcr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) ist das Saarl\u00e4ndische Verfassungsschutzgesetz (SVerfSchG). Eingriffe in die Rechte der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unterliegen den rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen des Gesetzesvorbehalts sowie der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und sind gerichtlich nachpr\u00fcfbar. 2. Aufgaben 2.1 Beobachtungsaufgaben Die zentralen Aufgaben des LfV sind im SS 3 Abs. 1 SVerfSchG zusammengefasst. Hiernach beobachtet das LfV * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, * Sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde Macht, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, * Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Artikel 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 GG) gerichtet sind. Die Beobachtung durch das LfV erfolgt durch gezielte planm\u00e4\u00dfige Sammlung und Auswertung von Informationen. Die Auswertungsergebnisse werden dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport regelm\u00e4\u00dfig und umfassend \u00fcbermittelt, um die Landesregierung in die Lage zu versetzen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne von Absatz 1 zutreffend beurteilen zu k\u00f6nnen und entsprechende Abwehrma\u00dfnahmen einzuleiten. Dar\u00fcber hinaus dient die \u00dcbermittlung auch der Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Absatz 1. 2.2 Mitwirkungsaufgaben Neben den beschriebenen Beobachtungsaufgaben hat der Verfassungsschutz noch sogenannte Mitwirkungsaufgaben. So wirkt das LfV auf Er- 6","suchen der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen nach SS 4 SVerfSchG ferner mit bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen sowie bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftig sind. Die Befugnisse des LfV im Zusammenhang mit Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen sind im \"Saarl\u00e4ndischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz\" geregelt. Zu den weiteren Aufgaben des LfV z\u00e4hlt u. a. die Beantwortung von Anfragen der zust\u00e4ndigen Stellen im Rahmen der Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach SS 7 Luftsicherheitsgesetz und nach SS 12 b Atomgesetz, im Rahmen des Visumverfahrens und bei der Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen nach SS 73 Aufenthaltsgesetz sowie im Rahmen des Einb\u00fcrgerungsverfahrens. 3. Arbeitsweise Die Informationsgewinnung des LfV erfolgt sowohl in offener wie auch in verdeckter Form. Bei der offenen Beschaffung von Informationen werden aus offen zug\u00e4nglichen Quellen, die in der Regel auch jedem B\u00fcrger zur Verf\u00fcgung stehen (Printmedien wie z. B. Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Flugbl\u00e4tter etc. sowie elektronische Medien wie z.B. Internet, Rundfunk, Fernsehen etc.) Informationen erhoben. Dar\u00fcber hinaus darf das LfV auch Informationen mit nachrichtendienstlichen Mittel verdeckt erheben. Hierzu z\u00e4hlen die in SS 8 SVerfSchG aufgef\u00fchrten Mittel wie z. B. das F\u00fchren verdeckt eingesetzter Personen, die planm\u00e4\u00dfige Observation, Bildund Tonaufzeichnungen sowie nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes die \u00dcberwachung des Brief-, Postund Fernmeldeverkehrs. Der Verfassungsschutz tr\u00e4gt als wichtige S\u00e4ule der deutschen Sicherheitsarchitektur mit dazu bei, die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu gew\u00e4hrleisten. Deshalb arbeitet das LfV im Verfassungsschutzverbund mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sowie den \u00fcbrigen Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz eng und vertrauensvoll zusammen. Das LfV hat keine polizeilichen Befugnisse und ist auch gegen\u00fcber polizeilichen Einrichtungen nicht weisungsbefugt. Es darf auch nicht die Polizei im Rahmen der Amtshilfe ersuchen, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, zu denen es selbst nicht befugt ist. Dies schlie\u00dft jedoch einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz nicht aus. Das oben beschriebene Trennungsgebot beinhaltet kein Zusammenarbeitsverbot. Gerade vor dem Hintergrund der in der Vergangenheit festgestellten Defizite im Austausch von Informationen zwischen Nachrichtendiensten, Polizei und Justiz wurden verschiedene Zusammenarbeitsforen eingerichtet, die sich bis heute bew\u00e4hrt haben. Hierzu z\u00e4hlt insbesondere das \"Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum\" (GTAZ) in Berlin, das der Aufkl\u00e4rung und Abwehr des islamistisch motivierten Terrorismus dient. Das GTAZ hat ma\u00dfgeblich zu einem verbesserten Informationsfluss zwischen den beteiligten Beh\u00f6rden beige- 7","tragen. Um dies auch auf andere Ph\u00e4nomenbereiche zu \u00fcbertragen, wurde das \"Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum\" (GETZ) gegr\u00fcndet, das seinen Standort mittlerweile in K\u00f6ln hat. Schwerpunkt der dortigen Zusammenarbeit ist die Bek\u00e4mpfung des Rechts-, Links und des sonstigen Ausl\u00e4nderextremismus, der nicht islamistisch motiviert ist, sowie die Spionageabwehr. Auch im Saarland wird im Rahmen der bestehenden gesetzlichen M\u00f6glichkeiten ein enger Austausch zwischen den Sicherheitsbeh\u00f6rden praktiziert. So arbeitet das LfV im Wege des Informationsaustausches eng und vertrauensvoll mit dem Landespolizeipr\u00e4sidium zusammen. 4. Kontrolle Der Verfassungsschutz ist an klare gesetzliche Vorgaben gebunden. Sein Verwaltungshandeln ist wie bei allen anderen Beh\u00f6rden gerichtlich nachpr\u00fcfbar. \u00dcber die innerbeh\u00f6rdlichen Kontrollmechanismen (z. B. beh\u00f6rdlicher Datenschutzbeauftragter, Geheimschutzbeauftragter) und die Dienstund Fachaufsicht durch das saarl\u00e4ndische Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport hinaus wird die T\u00e4tigkeit des LfV fortlaufend \u00fcberwacht durch * den Landtagsausschuss f\u00fcr Fragen des Verfassungsschutzes, gleichzeitig auch Kontrollgremium des Landtages nach G 10, * die G10-Kommission des Landtages, bei Anordnungen zur Telekommunikations\u00fcberwachung, * richterliche Kontrolle bei Ma\u00dfnahmen im Schutzbereich des Art. 13 GG, * die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit, * den Rechnungshof des Saarlandes. Das LfV ist dar\u00fcber hinaus auf Antrag verpflichtet, anfragenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern Auskunft zu den zu ihrer Person gespeicherten Daten zu geben (SS 21 SVerfSchG). Eine Auskunft unterbleibt nur dann, wenn ein in Absatz 2 dieser Vorschrift ausdr\u00fccklich genannter Verweigerungsgrund vorliegt. In einem solchen Ausnahmefall werden die Anfragenden darauf hingewiesen, dass sie die Richtigkeit der Speicherungen durch die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit \u00fcberpr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich unterliegen Ma\u00dfnahmen des LfV, hinsichtlich derer Betroffene geltend machen, in ihren Rechten verletzt zu sein, auch der gerichtlichen Kontrolle. 8","5. Aufbauorganisation des LfV Saarland Direktor Sicherheits-angelegenheiten, IT-Sicherheit, des LfV Spionage- / Sabotageund Wirtschftsschutz, G10-Stelle Beh\u00f6rdlicher DatenschutzPoliferation beauftragter Abteilung Z Abteilung I Abteilung II Zentralabteilung Auswertung Beschaffung Referat 1: Grundsatz und Beschaffung Personal Referat 1: Auswertung dt. Linksextremismus, sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern, Referat 2: Einb\u00fcrgerungen, Verwaltung Aufenthaltsangelegenheiten Nachrichten Haushalt und und Scientologydienstliche InformationsOrganisation Internetaufkl\u00e4technik rung Referat 2: Auswertung dt. RechtextreOrganisierte mismus Kriminalit\u00e4t Referat 3: Auswertung Islamismus / Islamistischer Terrorismus ND-Technik Tarnmittel 9","II. RECHTSEXTREMISMUS 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Rechtsextremismus in Deutschland ist ein \u00e4u\u00dferst heterogenes Gebilde. Dies gilt zun\u00e4chst mit Blick auf die organisatorische Ebene, die ein breit gef\u00e4chertes Spektrum aus Parteien, Vereinen, Kameradschaften, informellen Personenzusammenschl\u00fcssen, Subkulturen, Verlagen, Medien und Einzelaktivisten aufweist, die rechtsextremistisches Gedankengut vertreten. Diese Zersplitterung steht zu einem gro\u00dfen Teil f\u00fcr die weltanschauliche Vielgestaltigkeit der Szene, deren Gliederungen teils sehr unterschiedlichen Str\u00f6mungen mit uneinheitlichen Ideologiefragmenten zuzurechnen sind. Gleichwohl sind mehrere Themenfelder auszumachen, bei denen Rechtsextremisten im Grundsatz \u00fcbereinstimmen. Einige dieser Fixpunkte k\u00f6nnen auch als Triebfeder und Katalysatoren f\u00fcr die im vergangenen Jahr festzustellende menschenverachtende Agitation von Rechtsextremisten im Zusammenhang mit den in der Bundesrepublik Deutschland Schutz suchenden Asylbewerbern und Fl\u00fcchtlingen herangezogen werden. Ausgangspunkt ist dabei der bei Rechtsextremisten vorherrschende Gedanke, die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse bestimme den \"Wert\" eines Menschen. Andere Werte und Interessen, damit auch die Rechte des Einzelnen, sind dem untergeordnet. Eine \u00dcberbewertung der ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit und eine gegen die Menschenw\u00fcrde und den Gleichheitssatz des Grundgesetztes versto\u00dfende Fremdenfeindlichkeit - gegebenenfalls auch in der \"modernen\" Ausformung Islamfeindlichkeit - sind daher bei allen Rechtsextremisten festzustellen. Zus\u00e4tzliches Klammerelement kann das autorit\u00e4re Staatsverst\u00e4ndnis sein, nach dem der Staat und das nach der Vorstellung der Rechtsextremisten ethnisch homogene Volk als \"nat\u00fcrliche Ordnung\" eine Einheit bilden. Tats\u00e4chlich l\u00e4sst diese Ideologie der \"Volksgemeinschaft\" den wesentlichen Kontrollelementen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung keinen Raum und negiert die generelle Gleichheit der Menschen bzw. wertet diese als h\u00f6heroder minderwertig. Weitere wichtige Bindeglieder zwischen den verschiedenen rechtsextremistischen Str\u00f6mungen sind insbesondere die Leugnung oder Verharmlosung der nationalsozialistischen Verbrechen sowie die aggressive Agitation gegen die parlamentarische Demokratie und deren Repr\u00e4sentanten. 10","1.2 Entwicklung / Tendenzen 2015 zeigten Rechtsextremisten im Saarland ein deutlich anderes Auftreten im \u00f6ffentlichen Raum als in den Vorjahren. Nie zuvor war die Szene au\u00dferhalb von Wahlkampfzeiten sowohl auf der Stra\u00dfe als auch im Internet so aktiv und kreativ. Ursache hierf\u00fcr war die politisch wie medial dominierende Fl\u00fcchtlingsproblematik. Diese Thematik bot zwar eine gemeinsame Basis f\u00fcr das rechtsextremistische Agitieren, offensichtlich lie\u00df die Heterogenit\u00e4t auch der saarl\u00e4ndischen Szene aber ein gemeinsamens Strategiekonzept f\u00fcr ein geschlossenes Vorgehen aller rechtsextremistischer Organisationen/ Personen nicht zu. Auch die szeneintern aufkeimende Hoffnung, gesellschaftspolitisch ankn\u00fcpfen und eine nachhaltige Akzeptanz aus dem Kreis der \"besorgten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\" erfahren zu k\u00f6nnen, erf\u00fcllte sich nicht. Schon im Fr\u00fchjahr war der Themenkomplex \"Asyl und Fl\u00fcchtlinge\" zunehmend in das Aktionsspektrum der rechtsextremistischen Szene ger\u00fcckt. Vor allem die NPD sah sich veranlasst, ihre diesbez\u00fcglichen Positionen wie beispielsweise \"Kein Asyl f\u00fcr Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge vom Balkan!\" und \"Deutschland ist kein Einwanderungsland!\" zu verbreiten und die \"konsequente Abschiebung von Asylbetr\u00fcgern und Sozialtouristen\" zu fordern. Wie schon in den Vorjahren blieb die Saar-NPD mit rund 90 Mitgliedern die personenst\u00e4rkste und aktivste Organisation der rechtsextremistischen Szene des Saarlandes. Erstmals erkennbar wurden allerdings Bem\u00fchungen der lagerinternen Konkurrenzpartei \"Die Rechte\", hier Fu\u00df zu fassen. Querelen bei den Nationaldemokraten d\u00fcrften die Entwicklung beg\u00fcnstigt haben, setzte sich doch in diesem Stadium die Anh\u00e4ngerschaft der Partei \"Die Rechte\" f\u00fcr das Saarland neben ehemaligen Aktivisten der regionalen Kameradschaftsszene vornehmlich aus Ex-Kadern und Mitl\u00e4ufern der NPD zusammen. Nachdem zum Jahresbeginn der NPD-Bundesvorsitzende Frank F. in seiner via Internet verbreiteten Neujahrsbotschaft 2015 dazu aufgefordert hatte, gegen die \"gleichgeschaltete Politikund Medienkaste\" sowie \"gehirngewaschene Gutb\u00fcrger\" zu opponieren, die Wut auf die Stra\u00dfe zu tragen und sich an stattfindenden Protesten und Demonstrationen zu beteiligen, versuchte auch die Saar-NPD, sich als \"Stimme der unterdr\u00fcckten Mehrheit sowie der Opfer einer linken Meinungsdiktatur\" zu positionieren; mit den Themen Islam, Asyl/Fl\u00fcchtlinge und EU-B\u00fcrokratie/Euro sowie anti-amerikanischen T\u00f6nen suchte sie die \u00d6ffentlichkeit. Dies geschah zum einen unter eigener Flagge, zum anderen im Mantel der Gruppierung \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa), um so Ber\u00fchrungs\u00e4ngste der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber der Partei abbauen und das eigene Wirkungspotenzial steigern zu k\u00f6nnen. Dieses taktische Man\u00f6ver, mit einer vermeintlich parteipolitisch neutralen und 11","an den Interessen der einheimischen Bev\u00f6lkerung orientierten Gruppierung Vorbehalte gegen\u00fcber der NPD umgehen zu k\u00f6nnen, misslang allerdings. Tats\u00e4chlich wurde der NPD-Hintergrund fr\u00fch enttarnt, und es kam in der Folge zu Protestaktionen des b\u00fcrgerlichen Lagers und der linksextremistischen autonomen \"Antifa-Szene\" bei entsprechenden SageSa-Auftritten. Zudem gelang es SageSa nicht, kontinuierlich spektrumsund organisations\u00fcbergreifend f\u00fcr die eigenen Aktionen zu mobilisieren. So blieb es bei der sporadischen Beteiligung einiger weniger Kameradschaftsangeh\u00f6riger sowie Hooligans/Ultras der Fu\u00dfballszene an den Veranstaltungen mit maximal bis zu 100 Teilnehmern. Neben der Fl\u00fcchtlingsproblematik nutzte vor allem die NPD auch andere Punkte der \u00f6ffentlichen Diskussion in ihrem Sinne und griff verst\u00e4rkt \"weiche\" Themen auf, um mit ihren plakativen Antworten und Forderungen m\u00f6glichst gesellschaftspolitische Akzeptanz zu erreichen. Beispielhaft erw\u00e4hnt seien die Themen: * Umgang mit rechtskr\u00e4ftig verurteilten Sexualstraft\u00e4tern (\"Wir verabscheuen P\u00e4dophile und Du?\"), * Prostitution/Stra\u00dfenstrich (\"Je sch\u00f6ner das Wetter, je weniger bekleidet sind die rum\u00e4nischen Liebesdienerinnen\"), * Tierschutz (\"Ein Tier ist kein Gegenstand-Wir fordern: Tierqu\u00e4ler h\u00e4rter bestrafen\"), * Drogen (\"Weg mit dem Crystal-Dreck\") und * NSA (\"Schluss mit der US-Spionage\"). Andere Bereiche der rechtsextremistischen Szene des Saarlandes, allen voran die \"Hammerskins\" (HS) und Kameradschaften, agierten mehr im Verborgenen. Politisch-strategische Ausrichtungen waren bei ihnen nicht erkennbar. Auch wurden keine Kampagnen initiiert, obwohl Themen wie Globalisierung, Banken-/Griechenlandkrise und Islamisierung/Fl\u00fcchtlinge aus rechtsextremistischer Sicht geradezu dazu einluden. Parallel zur Diskussion um die Fl\u00fcchtlings-/Asylproblematik stiegen die Fallzahlen der \"politisch motivierten Kriminalit\u00e4t\" (PMK) in neue H\u00f6hen. Gleichwohl ist diese spezielle Entwicklung nur bedingt geeignet f\u00fcr eine (Neu-) Bewertung der bis dahin umrissenen rechtsextremistischen Szene. So entstammen die festgestellten T\u00e4ter nur in wenigen F\u00e4llen dem bekannten gefestigten Personenpotenzial des regionalen rechtsextremistischen Spektrums. Beispielsweise hatten 84 % der Tatverd\u00e4chtigen keinen verfassungsschutzrelevanten Vorlauf. Hinweise auf eine Steuerung oder Koordinierung dieser Straftaten durch Angeh\u00f6rige der hiesigen rechtsextremistischen Szene fielen ebenfalls nicht an. Trotz gestiegener Gewaltdelikte war auch keine Zunahme der Gewaltbereitschaft bei den bekannten Angeh\u00f6rigen 12","der hiesigen rechtsextremistischen Szene zu verzeichnen. So hatten die im Rahmen der Ermittlungen zu den neun fremdenfeindlichen Gewalttaten bekannt gewordenen Tatverd\u00e4chtigen alle keine verfassungsschutzrelevanten Vorl\u00e4ufe. Diese Feststellung konnte schon in den Vorjahren bei den bekannt gewordenen PMK-Tatverd\u00e4chtigen getroffen werden. 1.3 Personenpotenzial Die Zahl der erkannten Rechtsextremisten im Saarland ist mit insgesamt 290 Personen im Vergleich zum Vorjahr (280) leicht angestiegen. Davon werden nach wie vor 40 Personen als gewaltorientiert eingestuft, bei rund 20 Personen ist eine neonazistische Ausrichtung zu erkennen (2014: 25). Entwicklung des rechtsextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 13","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen rechtsextremistisch motivierten Straftaten erreichte mit 226 ein historisches Hoch und \u00fcberstieg die Marke des Vorjahres (168) um rund 34,5 %. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machten - wie seit Jahren festzustellen - mit rund 86 % (Vorjahr: 90 %) den \u00fcberwiegend Anteil dieser Straftaten aus. Die Zahl der darin enthaltenen rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten stieg von zwei auf dreizehn. Hierbei handelte es sich um zw\u00f6lf situativ bedingte K\u00f6rperverletzungsdelikte und ein Brandstiftungsdelikt. Davon hatten sieben eine fremdenfeindliche Ausrichtung. Mit Blick auf die asyl-/fl\u00fcchtlingsfeindliche Agitation der rechtsextremistischen Szene ist festzuhalten, dass von den 64 fremdenfeindlichen Straftaten im Saarland zw\u00f6lf (darunter vier Gewaltdelikte) direkte objektbzw. personenbezogene Bez\u00fcge zu Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften hatten. Siebzehn weitere fremdenfeindliche Straftaten (darunter ein Gewaltdelikt) betrafen das Thema Fl\u00fcchtlinge indirekt. Entwicklung der Straftatenzahlen innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 14","Die Verteilung nach Zielrichtung der Straftaten ergibt folgendes Bild: Straftaten nach Zielrichtungen: Im Sachzusammenhang ist zu erg\u00e4nzen: - Die umfangreichen Aufkl\u00e4rungsarbeiten von Gerichten, Parlamenten und Sicherheitsbeh\u00f6rden zum \"Nationalsozialistischen Untergrund\" (NSU) und seinen Aktivit\u00e4ten erbrachten bisher keine Hinweise auf eine Einbindung hier ans\u00e4ssiger Rechtsextremisten. - Auch die erneuten Recherchen im Zuge der Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens gegen Unbekannt wegen des Verdachts des Mordes anl\u00e4sslich des Sprengstoffanschlages auf dem Oktoberfest in M\u00fcnchen am 26. September 1980 erbrachten bisher keine Hinweise auf eine Einbindung hier ans\u00e4ssiger Rechtsextremisten. 15","2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Rechtsextremismus 2.1.1 Rechtsextremistische Parteien 2.1.1.1 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Struktur/Organisation Nach einer Eigendarstellung verf\u00fcgt die Saar-NPD \u00fcber die drei Kreisverb\u00e4nde Saarbr\u00fccken, Saar-West und Saarpfalz sowie \u00fcber vier Ortsverb\u00e4nde in den Saarbr\u00fccker Stadtteilen Burbach, Malstatt-St. Johann und Schafbr\u00fccke sowie in V\u00f6lklingen. Der beschr\u00e4nkte Umfang der jeweils erkennbarer Aktivit\u00e4ten und der ebenso \u00fcberschaubare Kreis der tats\u00e4chlich aktiven Mitglieder lassen aber an der Arbeitsf\u00e4higkeit auf allen Strukturebenen zweifeln. Nach au\u00dfen deutlich erkennbare Alleing\u00e4nge und St\u00f6rman\u00f6ver ma\u00dfgeblicher Parteikader sprechen zudem nicht f\u00fcr einen inneren Zusammenhalt insbesondere auf der F\u00fchrungsebene des Landesverbandes. So trat der ein und derselbe Personenkreis sowohl unter dem Label NPD als auch mit neuen Namenskreationen auf (z. B. \"B\u00fcndnis Saar\") oder bet\u00e4tigte sich beim Aufbau von Regionalstrukturen der lagerinternen Konkurrenzpartei \"Die Rechte\". An der Besetzung der bei der letzten Wahl durch die NPD erzielten f\u00fcnf Mandate in saarl\u00e4ndischen Kommunalparlamenten (Regionalversammlung Saarbr\u00fccken, Stadtr\u00e4te Saarbr\u00fccken und V\u00f6lklingen, Bezirksrat Saarbr\u00fccken-West und Ortsrat V\u00f6lklingen) \u00e4nderte sich nichts, nachdem Mitte M\u00e4rz der NPD-Bundesvorsitzende F. sein Stadtratsmandat in V\u00f6lklingen niedergelegt hatte. F\u00fcr ihn r\u00fcckte ein Mitglied nach, das auch das einzige NPDMandat im Ortsrat V\u00f6lklingen inne hat. Angesichts fehlender eigener Aktivit\u00e4ten vor Ort bzw. mangels Hinweisen auf eine personelle Ausgestaltung ist dar\u00fcber hinaus weiter davon auszugehen, dass die NPD-Nachwuchsorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) 2015 nicht \u00fcber Organisationsstrukturen im Saarland verf\u00fcgte. Einem existierenden Facebook-Profil fehlte die Kontinuit\u00e4t bei der Pflege. Mitgliederpflege/-schulung Auch 2015 lud die Saar-NPD zur Teilnahme an ihren traditionellen Terminen Neujahrsempfang, politischer Aschermittwoch und Weihnachtsfeier 16","ein. So fanden sich rund 50 Personen zum Neujahrsempfang am 31. Januar im Festsaal des Saarbr\u00fccker Schlosses ein. Gast war der ehemalige NPDParteivorsitzende und NPD-Europaabgeordnete Udo V. (Berlin). In einem mit Bildern unterlegten Artikel berichtete das NPD-Parteiorgan \"Deutsche Stimme\" in seiner M\u00e4rz-Ausgabe von einem \"gelungenen Neujahrsempfang im Saarbr\u00fccker Schlo\u00df\". Der \"politische Aschermittwoch\" fand am 18. Februar in Saarbr\u00fccken-Schafbr\u00fccke (Festhalle) statt. Gastredner vor rund 70 Besuchern war der NPD-Bundesorganisationsleiter und Vorsitzende des Berliner NPD-Landesverbandes. F\u00fcr das musikalische Rahmenprogramm sorgte die Berliner Szeneband \"A3stus\". Gast der Weihnachtsfeier am 19. Dezember in einem Hotel in Saarbr\u00fccken-Fechingen war der Revisionist und Ex-NPD-Parteivorsitzende G\u00fcnter D. (Weinheim). Hieran beteiligten sich bis zu 60 Personen, darunter auch mehrere Kinder. Am 6. M\u00e4rz referierte der Pressesprecher des NPD-Landesverbandes Berlin im Rahmen einer Rechtsschulung zum Thema \"Verhalten vor Polizei und Justiz\" in einer Gastst\u00e4tte in Saarbr\u00fccken-Burbach. Weitere nennenswerte regionalpolitische Aktivit\u00e4ten Nicht zuletzt auf Grund der SageSa-Aktionen war bei der Saar-NPD im vergangenen Jahr eine deutliche Dynamik der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten - au\u00dferhalb von Wahlkampfzeiten - zu verzeichnen. Im Fr\u00fchjahr intensivierten die Nationaldemokraten die \u00f6ffentlichen Auftritte der von NPD-Kadern ma\u00dfgeblich gesteuerten SageSa. Es begann mit der Anmeldung w\u00f6chentlicher Montagsdemonstrationen f\u00fcr den Zeitraum 19. Januar bis 28. Dezember 2015 in Saarbr\u00fccken. Umgesetzt wurde dieses Vorhaben allerdings nicht. Stattdessen beteiligten sich SageSa/NPD-Aktivisten zun\u00e4chst am 19. Januar an dem Saarbr\u00fccker Aufzug des PEGIDAAblegers Saargida (kein Beobachtungsobjekt des LfV Saarland). Die von Saargida bereits angemeldeten 26. Januar und 2. Februar wurden abgesagt und schlie\u00dflich alle weiteren Termine gecancelt. Mit einem \"Abendspaziergang\" am 2. M\u00e4rz in Sulzbach, an dem sich rund 60 Personen beteiligten, startete SageSa neu. Deklariert wurde die Aktion als Protest gegen eine als \"Anlaufstelle f\u00fcr Salafisten\" bezeichnete \u00f6rtliche Moschee. Mitgef\u00fchrte Transparente trugen die Aufschriften: \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\", \"Der Islam geh\u00f6rt zum Saarland, wie der Schwenker zum Veganer\" und \"Heute tolerant - Morgen fremd im eigenen Land\". 17","Datum Ort: Teilnehmerzahl | 23.03.2015 Neunkirchen 30 | 30.03.2015 V\u00f6lklingen 50 13.04.2015] Saarbr\u00fccken-Burbach. so 20.04.2015| Saarbrucken-Burbach 70 27 04.2015] Saarbr\u00fccken-Malstatt 40 04.05.2015 Saarbr\u00fccken-Burbach/Malstatt so | 11.05.2015 Puttlingen 30 18.05.2015| Lebach 50 01.06.2015| Saarbr\u00fccken-Dudweiler 25 06.07 2015| Bous 20 | 5.10.2015 Saarbr\u00fccken-Dudweiler 40 | 19 10.2015 Saarbr\u00fccken-Dudweler bs zu 100 | 23.10.2015 Saarbrucken so 09 11.2015| Sulzbach 50 16.11.2015| Saarbr\u00fccken 70 21.11.2015| Saarbr\u00fccken-Burbach 15","Datum [ort: Teilnehmerzahl 09.03.2015| Saarbr\u00fccken-St Johann 15 | 26.04.2015 Saarbr\u00fccken-Dudweler & 15.06.2015| Saarbr\u00fccken-Brebach 15 19.06.2015| Saarbr\u00fccken-Altenkessel 13 29.06.2015 Merzigt 11 13.07.2015| Saarbrucken 25 20.07.2015| Homburg 9 20.07 2015| Saarbr\u00fccken 20 03.08.2015| Saarbrucken 15 10.08.2015| Neunkirchen 10 17 08.2015| Saarbr\u00fccken-Malstatt 15 31.08.2015| Saarlous 10 06.09.2015| Bous 3 06.09.2015 V\u00f6lklingen 2 07 09.2015 Saarlouns 10 12.09.2015 V\u00f6lklingen | E 14.09.2015| Lebach 5 16.09.2015] Neunkirchen 12 21.09.2015| Saarbr\u00fccken-Burbach 10 | 28.09.2015 V\u00f6lklingen-Wehrden 14 | 08.10.2015 Saarbr\u00fccken-Klarenthal E 16.10.2015 Namborn 4 18.11.2015| Homburg 5 07 12.2015| Saarbr\u00fccken(vor Europa-Galenie) 15 13 12.2045| Saarbr\u00fccken(vor Europa-Galenie) & 28.12.2015| Saarbr\u00fccken-Burbach 3","Angemeldete bzw. geplante und von SageSa abgesagte bzw. nicht durchgef\u00fchrte Aktionen (vgl. nachfolgende Tabelle) Des Weiteren war man bem\u00fcht, mit rein geselligen Veranstaltungen auch den inneren Zusammenhalt zu festigen. Dies geschah u. a. mit Grillfeiern am 6. April am Burbacher Weiher (80 Personen, darunter 30 Kinder), am 1. Mai am Schwarzenbergturm in St. Johann (50 Personen) und am 25. Mai wieder am Burbacher Weiher (15 Personen). Mit Erreichen einer gewissen Kontinuit\u00e4t im aktionistischen Bereich legte SageSa dann bei der eigenen organisatorischen Infrastruktur nach und gr\u00fcndete am 14. Mai in Heusweiler den gleichnamigen Verein. Als dessen Sprecher wurde u. a. ein ehemaliger NPD-Funktion\u00e4r aus V\u00f6lklingen benannt. In einer via Facebook verbreiteten Presseerkl\u00e4rung verlautete erg\u00e4nzend, die Eintragung ins Vereinsregister stehe bevor; sie wurde jedoch nicht realisiert. Stagnierende bis abnehmende Teilnehmerzahlen und das Ausbleiben der erhofften Resonanz in der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrten zu Beginn der zweiten Jahresh\u00e4lfte zu einem lagerinternen Bedeutungsverlust. Kurz sah es aus, als steuere SageSa dem Ende entgegen. Doch mit dem Anstieg der Fl\u00fcchtlingszahlen kam SageSa zur\u00fcck und war bestrebt, provokativer zu agieren, um \u00f6ffentlich wahrgenommen zu werden. So wurden u. a. das traditionelle Sch\u00fclerferienfest des \"Saarl\u00e4ndischen Rundfunks\" (SR) am 24. Juli und das Wohnumfeld eines Saarbr\u00fccker Pfarrers, der seit Jahren Proteste gegen Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene initiiert, f\u00fcr propagandistische Auftritte genutzt. Parallel dazu wurde versucht, mit Auftritten von \"Szenegr\u00f6\u00dfen\" Zugkraft zu gewinnen. Vor diesem Hintergrund d\u00fcrften f\u00fcr die weitere Entwicklung von SageSa Rahmenbedingungen wie steigende 20","Fl\u00fcchtlingszahlen oder islamitisch-terroristische Aktivit\u00e4ten in Deutschland mitentscheidend sein. Parallel zu den voran geschilderten \"verdeckten\" Aktivit\u00e4ten trat die SaarNPD nur mit wenigen eigenen Aktionen \u00f6ffentlich in Erscheinung. Hierzu geh\u00f6rten drei Mahnwachen unter dem Motto \"Genug ist genug - Schluss mit dem Asylbetrug\" am 11. April auf dem Burbacher Markt sowie am 31. Juli und 17. August auf dem Neunkircher Stummplatz mit Teilnehmerzahlen zwischen drei und f\u00fcnfzehn. Erg\u00e4nzend betrieben die saarl\u00e4ndischen Nationaldemokraten im abgelaufenen Jahr f\u00fcnf Informationsst\u00e4nde in den Saarbr\u00fccker Stadtteilen Burbach (27. Juni, 02. Oktober und 17. Dezember), Dudweiler und Malstatt (22. August), bei denen auch themenbezogene Flugbl\u00e4tter der Berliner Parteizentrale verteilt wurden. Hieran beteiligten sich zwischen drei und sieben Aktivisten. Am 23. September stellte Saar-NPD-Chef Peter M. im Rahmen einer Pressekonferenz im Saarbr\u00fccker Schloss, an der allerdings keine Vertreter \u00f6ffentlicher Medien teilnahmen, eine \"Saarbr\u00fccker Erkl\u00e4rung\" unter dem Motto \"Deutschland ist kein Einwanderungsland\" vor. Mit diesem Gegenentwurf zur sogenannten \"Lebacher Erkl\u00e4rung\", die beim ersten Integrationsgipfel des Saarlandes verfasst worden war und ein Zeichen f\u00fcr Offenheit gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen und gegen Fremdenfeindlichkeit setzen soll, will M. die NPD-Botschaften der Bev\u00f6lkerung n\u00e4her bringen. Erste Kontingente der nach Parteiangaben in einer Erstauflage von 10.000 Exemplaren gedruckten Erkl\u00e4rung wurden am 4. Oktober im Rahmen einer Hauswurfaktion in Saarbr\u00fccken-St. Johann verteilt. Dar\u00fcber hinaus wurde das Pamphlet im Verlauf des SageSa-Abendspaziergangs am 5. Oktober in Saarbr\u00fccken-Dudweiler verlesen. In der von M. als Mitglied des Stadtrates Saarbr\u00fccken unterzeichneten Erkl\u00e4rung wird u. a. ein \"gezielter Missbrauch\" des Asylrechts durch \"multikulturelle Extremisten\" angeprangert. Urs\u00e4chlich f\u00fcr die \"gigantischen Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me\" seien die \"schmutzigen Kriege der USA\". Mit der Behauptung, die \"einwanderungseuphorischen Politiker\" blendeten offensichtlich die Sorgen und N\u00f6te der B\u00fcrger aus, warben die Nationaldemokraten um Unterst\u00fctzungsunterschriften f\u00fcr ihren Forderungskatalog, der folgende acht Punkte umfasst: - \"Schluss mit dem massenhaften Asylbetrug!\", - \"Unverz\u00fcgliche Abschiebung abgelehnter Asylbewerber!\", - \"Strafbarkeit der Beihilfe zum Asylbetrug!\", - \"Schluss mit der ungehinderten Einwanderung in unser Land!\", - \"Nachhaltige Sicherung unserer Grenzen!\", - \"Austritt aus der EU, wenn die Au\u00dfengrenzen nicht gesichert werden!\", - \"Deutsches Geld zuerst f\u00fcr deutsche Aufgaben!\" und - Sofortiger Abzug deutscher Soldaten aus Afghanistan und der T\u00fcrkei!\". 21","Mitte November gedachte die NPD am Ehrenmal im Saarbr\u00fccker \"DeutschFranz\u00f6sischen Garten\" (DFG) der deutschen Gefallenen des Krieges von 1870/71 und hinterlie\u00df ein Blumenbukett. \u00dcber die eigenen Aktionen hinaus beteiligten sich NPD-/SageSa-Aktivisten auch an von Drittorganisationen getragenen Veranstaltungen in Saarbr\u00fccken wie einem von Abtreibungsgegnern initiierten \"Marsch f\u00fcr das Leben\" am 1. Oktober und einer zuwanderungskritischen Demonstration am 4. November in der N\u00e4he des Landtages. Das Ereignis vom 1. Oktober wurde anschlie\u00dfend bebildert auf der SageSa-Website aufbereitet; bei der Demo am 4. November f\u00fchrten NPD-/SageSa-Aktivisten u.a. ein Transparent mit, das sie auch bei den eigenen Veranstaltungen nutzten. Beteiligung an \u00fcberregionalen Aktivit\u00e4ten Wie in den Vorjahren verzichtete die rechtsextremistische Szene in Deutschland auf eine gemeinsame, spektren\u00fcbergreifende 1. Mai-Gro\u00dfdemonstration. Stattdessen fanden mehrere dezentrale kleinere Veranstaltungen statt, die ausschlie\u00dflich von rechtsextremistischen Parteien organisiert wurden. Einige wenige Anh\u00e4nger und Sympathisanten der Saar-NPD geh\u00f6rten zu den rund 140 Teilnehmern einer vom Landesverband Rheinland-Pfalz organisierten Demo unter dem Motto \"Asylbetrug macht uns arm!\" in Worms. Sie f\u00fchrten u. a. ein Transparent mit der Aufschrift \"JN Saar - Jedem Volk sein Land - Nicht jedem Volk ein St\u00fcck Deutschland\" mit; als Redner traten u. a. der NPD-Parteivorsitzende und ein Beisitzer im saarl\u00e4ndischen NPD-Vorstand auf. Anl\u00e4sslich des G7-Gipfels in Elmau hatten saarl\u00e4ndische NPD-Aktivisten unter dem Deckmantel der Gruppierung \"Das Kreuz bleibt\" zwei Mahnwachen f\u00fcr den 7. und 8. Juni in Mittenwald angemeldet, die letztlich aber nicht realisiert wurden. Somit entpuppte sich das Ganze mehr als Effekthascherei denn als ernstgemeinter Kritikbeitrag zum Gipfeltreffen. An der Sommersonnwendfeier des NPD-Kreisverbandes Westpfalz am 20. Juni in Niedersimten bei Pirmasens nahmen auch mehrere saarl\u00e4ndische Nationaldemokraten teil. Am 11. Juli fanden in Kaiserslautern und am 1. August zeitversetzt in Pirmasens und Zweibr\u00fccken Mahnwachen zu den Themen \"Abzug aller US-Truppen aus Europa!\", \"Raus aus NATO und EU!\" und \"Freiheit f\u00fcr Horst Mahler! - Kriegsgefangener der US-Kolonie BRD\" statt. An den Gemeinschaftsaktionen der Kameradschaft \"Nationaler Widerstand Zweibr\u00fccken\" und der \"Europ\u00e4ischen Aktion\" (EA) beteiligten sich jeweils bis zu 20 Per22","sonen, darunter stets der Beisitzer im saarl\u00e4ndischen NPD-Landesvorstand und SageSa-Aktivist W.. Unter dem Motto \"K\u00f6ln 2.0 - friedlich und gewaltfrei gegen islamischen Extremismus\" hatte die HoGeSa-Bewegung (kein Beobachtungsobjekt der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden) zu einer Kundgebung am 25. Oktober in K\u00f6lnDeutz eingeladen, an der zeitweise bis zu 1.700 Personen, darunter auch etwa 25 saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten, teilnahmen. In der rechtsextremistischen Szene des Saarlandes hatten vor allem die Vorsitzende des NPDOrtsverbandes Saarbr\u00fccken-Burbach S. und der SageSa Aktivist W. f\u00fcr eine Teilnahme mobilisiert. Hauptredner waren der stellvertretende Vorsitzende der rechtsextremistischen \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\", ein HoGeSa-Gr\u00fcndungsmitglied sowie die Organisatorin der rechtsextremistisch dominierten D\u00fcsseldorfer und K\u00f6lner Demonstrationen \"gegen die Islamisierung des Abendlandes\" (D\u00dcGIDA bzw. K\u00d6GIDA) Das musikalische Rahmenprogramm gestalteten die bekannten rechtsextremistischen Szenebands \"Kategorie C\" (Bremen) und \"A3STUS\" (Berlin). An Gegenveranstaltungen beteiligten sich nach Polizeiangaben insgesamt bis zu 18.000 Personen, darunter etwa 700 gewaltbereite Linksextremisten. Am Rande der Kundgebung sowie bei den Anund Abreisen kam es verschiedentlich zu massiven Zusammenst\u00f6\u00dfen von HoGeSa-Teilnehmern mit gewaltbereiten Linksextremisten, die \u00fcberwiegend von linksextremistischer Seite ausgingen. An einem von den Gruppierungen \"Pf\u00e4lzer gegen Salafisten\" (PfageSa) und \"Patriotische Europ\u00e4er sagen Nein\" (PEsN) organisierten asylfeindlichen \"Spaziergang\" am 31. Oktober in Kaiserslautern beteiligten sich rund 150 Personen. In einem kurzen Redebeitrag \u00fcberbrachte ein SageSa-Vertreter Gr\u00fc\u00dfe seiner Gruppierung und bedankte sich f\u00fcr die Unterst\u00fctzung durch rheinland-pf\u00e4lzische Kameraden in den vergangenen Monaten. 2.1.1.2 Partei \"Die Rechte\" Mit einer Aktion zum sogenannten \"Heldengedenken\" am 15. November am Ehrenmal in Dillingen trat erstmals eine kleine Personengruppe \u00f6ffentlich f\u00fcr die Partei im Saarland in Erscheinung. Die Gruppe f\u00fchrte u. a. zwei schwarz-wei\u00df-rote Fahnen, ein Plakat mit der Aufschrift \"Die Rechte\" sowie ein Transparent \"Wir gedenken der Opfer des IS-Terrors von Paris\" mit und legte einen Kranz nieder. Gegen\u00fcber Einsatzkr\u00e4ften der Polizei gab sich eine Person als verantwortlich zu erkennen, die sich in der Vergangenheit bereits in mehreren rechtsextremistischen Gruppierungen engagiert hatte, so auch in der Kameradschaft \"Sturmdivision Saar\" und der Saar-NPD, wo sie im Dezember 2013 zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt worden war. 23","Daneben wurden virtuelle Aktivit\u00e4ten erkennbar. Am 25. November 2015 konnte die Internetseite \"Die Rechte Landesverband S\u00fcdwest\" festgestellt werden, auf der haupts\u00e4chlich die Asylund Fl\u00fcchtlingsproblematik thematisiert wurde. Zwar unterblieb eine Erl\u00e4uterung zur \u00f6rtlichen Zust\u00e4ndigkeit des Verbands, jedoch war jeweils ein Link zu den Regionen \"Hessen\", \"Rheinland-Pfalz\" und \"Saarland\" eingerichtet. Die beiden zuerst genannten Verlinkungen f\u00fchrten zu Unterverzeichnissen der Internetseite, auf denen haupts\u00e4chlich Pressemeldungen mit den entsprechenden regionalen Bez\u00fcgen ver\u00f6ffentlicht wurden. Der Link \"Region Saarland\" hingegen verwies auf eine separate Internetseite mit der \u00dcberschrift \"DIE RECHTE\", \"WIR sind wie IHR - Saarl\u00e4nder. Gemeinsam f\u00fcr das Saarland.\" Auf dieser Seite wurde u. a. ein Artikel zu der geplanten Teilnahme an der saarl\u00e4ndischen Landtagswahl 2017 sowie Berichte zu Mahnwachen der Partei am 14. November 2015 vor der Europa Galerie in Saarbr\u00fccken und am 15. November 2015 am Ehrenmal in Dillingen ver\u00f6ffentlicht. 2.1.2 Sonstige Zusammenschl\u00fcsse und Projekte 2.1.2.1 \"Der Stahlhelm e. V.\"-Landesverband Saar (Stahlhelm) Die bundesweite Verbandsschrift \"Stahlhelm-Nachrichten\" vermeldete in ihrer Ersatzausgabe II vom M\u00e4rz 2015, der \"Dienstbetrieb des Landesverbandes Saar musste aufgrund von Abg\u00e4ngen und dem Heimgang des Landesf\u00fchrers vorl\u00e4ufig eingestellt werden\". Die verbliebenen wenigen Einzelaktivisten beteiligten sich in der Folge an den Aktivit\u00e4ten des Landesverbandes Pfalz. 2.1.2.2 \"Aktion Schwarze Kreuze\" Wie schon 2014 fand am 13. Juli im Gedenken an die angeblich mehrere tausend deutsche Opfer von Ausl\u00e4ndergewalt deutschlandweit die rechtsextremistische \"Aktion Schwarze Kreuze\" statt. Dem Aufruf entsprechend sollten schwarze Kreuze m\u00f6glichst an Ortseing\u00e4ngen und \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen aufgestellt und die Aktion im Nachgang mit Fotos via Internet publiziert werden. Die \u00fcber den Facebook-Account eines rechtsextremistischen Berliner Musikers (Bandprojekt \"A3stus\", das das musikalische Rahmenprogramm des \"politischen Aschermittwoch\" der Saar-NPD am 18. Februar in Saarbr\u00fccken-Schafbr\u00fccke bestritt) beworbene Aktion fand offensichtlich dieses Jahr erstmals auch Widerhall im Saarland. So wurden entsprechende Kreuze an den Ortseing\u00e4ngen von Ottweiler-F\u00fcrth und St. Wendel-Osterbr\u00fccken festgestellt. 24","2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten, insbesondere Skinhead-/Kameradschafts-Szene 2.2.1 Skinhead-Subkultur /\"Hammerskins\" (HS) Subkulturell orientierte Rechtsextremisten sind ideologisch/politisch eher m\u00e4\u00dfig interessiert. Ihre Einbindung in die rechtsextremistische Szene basiert in der Hauptsache auf der Teilnahme an identit\u00e4tsstiftenden rechtsextremistischen Konzerten. Diese zumeist \u00e4u\u00dferst konspirativ organisierten Events \u00fcben noch immer eine gewisse Faszination aus. Im allgemeinen Stra\u00dfenbild hingegen sind Skinheads bedeutend weniger anzutreffen als in fr\u00fcheren Jahren - auch ein Indiz f\u00fcr ihre stark abgeklungene Bedeutung. Die weltweit agierenden \"Hammerskins\" verstehen sich als \"Eliteorganisation\" und propagieren die \u00dcberlegenheit der wei\u00dfen Rasse. In Deutschland liegt der regionale Schwerpunkt der HS-Aktivit\u00e4ten seit Jahren im s\u00fcdwestlichen Teil der Bundesrepublik, wo mit dem \"Chapter Westwall\" und seiner Unterst\u00fctzergruppe \"Crew38-Westwall\" auch das gr\u00f6\u00dfte der insgesamt elf deutschen Chapter der \"Hammerskins\"-Nation besteht. Die Zahl 38 steht f\u00fcr die Buchstaben C und H und verweist auf das Logo der \"Hammerskins\", die gekreuzten Zimmermannsh\u00e4mmer - \"crossed Hammers\". Das \"Chapter Westwall\", finanziell gut situiert und personell eng verwoben mit der saarl\u00e4ndischen \"Kameradschaft 13. Januar\", agitiert, um staatlichen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen und Outings des politischen Gegners entgegenzuwirken, sehr konspirativ. Die Arbeitsschwerpunkte lagen auch im vergangenen Jahr auf der Produktion und dem Vertrieb rechtsextremistischer Musik sowie der Organisation und Durchf\u00fchrung entsprechender Konzertveranstaltungen. Erneut zeigten sich die \"Hammerskins\" mehr eventorientiert als politisch agierend. Beispielhaft f\u00fcr diese Ausrichtung war ein Sommerfest mit Live-Musik am 13. Juni im grenznahen franz\u00f6sischen VolmunsterEschwiller, wo vor rund 120 Personen die saarl\u00e4ndische Formation \"Wolfsfront\" sowie die Bands \"Feindbild Deutsch\" (Baden-W\u00fcrttemberg), \"Nahkampf\" (Bremen) und \"Treueorden\" (Th\u00fcringen) auftraten. Etwa zehn Angeh\u00f6rige der saarl\u00e4ndischen HS-Szene beteiligten sich am 2. Oktober an der Beerdigung eines langj\u00e4hrigen Szenemitglieds in Karlsruhe, zu der rund 200 Szeneangeh\u00f6rige angereist waren. 25","2.2.2 Kameradschaften Eine Kameradschaft definiert sich \u00fcber die vier Mindestkriterien - abgegrenzter Aktivistenstamm, - lediglich lokale bis regionale Ausdehnung, - zumindest rudiment\u00e4re Struktur und - Bereitschaft zu einer gemeinsamen politischen Arbeit auf der Basis einer rechtsextremistischen Grundorientierung. 2015 waren - abh\u00e4ngig von der jeweiligen lokalen F\u00fchrungsfigur - Aktivit\u00e4ten von zwei saarl\u00e4ndischen Kameradschaften, erkennbar. 2.2.2.1 \"Kameradschaft 13. Januar\" Die konspirativ arbeitende \"Kameradschaft 13. Januar\" trat im vergangenen Jahr nicht durch \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen in Erscheinung, die einen Einblick in ihre konkrete inhaltliche Ausrichtung sowie ihre regionalspezifischen politischen Zielsetzungen geben k\u00f6nnten. Die erkennbaren Aktivit\u00e4ten der Gruppe beschr\u00e4nkten sich auf gemeinsame Partys sowie die Besuche und die Durchf\u00fchrung von Musikveranstaltungen. Zun\u00e4chst wurde 2015 die Reihe der Szeneveranstaltungen mit Events am 24. Januar (\"Thirteen Party\"), 27. Februar (\"Black, White and Red Party\"), und am 07. M\u00e4rz (\"Two Years Hate Bar Party\") fortgesetzt. Diese Veranstaltungen fanden alle noch im damaligen \"Clubheim\" in einer Sulzbacher Immobilie statt, die die Kameradschaft k\u00e4uflich erwerben wollte. Nachdem entsprechende Bem\u00fchungen nicht zum Ziel gef\u00fchrt hatten, konnte man erst Mitte des Jahres als Nachfolgeobjekt eine ehemalige Gastst\u00e4tte in Dillingen erwerben. Die \"Er\u00f6ffnungsfeier\" fand am 15. August statt und stand unter dem Motto \"III. Strike Grand Re-opening\". Weitere Events in der neuen Immobilie waren u.a. - am 26. September eine Memorial-Party in Erinnerung an den Kopf der Rechtsrock-Band \"Screwdriver\" Ian Stuart DONALDSON (ISD), - am 10. Oktober ein \"Oktoberfest\", - am 16. Oktober, 04. und 11. Dezember \"Open House-Partys\", - am 30. Oktober ein \"Irish Pub\" und - am 12. Dezember eine \"Yule Party\". 26","2.2.2.2 \"Kameradschaft Sturmdivision Saar\" Wie in den Vorjahren erinnerten Aktivisten der Kameradschaften \"Nationaler Widerstand Zweibr\u00fccken\" (NWZ) und \"Sturmdivision Saar\", der rund zehn Personen zugerechnet werden, unter dem Motto \"Fahrt der Erinnerung\" an die Bombardierung deutscher St\u00e4dte durch alliierte Bomber im Zweiten Weltkrieg. Die zeitversetzten Kurzkundgebungen fanden dieses Mal am 7. M\u00e4rz in Zweibr\u00fccken, Blieskastel und Homburg statt. W\u00e4hrend es in Zweibr\u00fccken zu kurzzeitigen verbalen Provokationen zwischen Angeh\u00f6rigen des rechtsextremistischenund linksextremistischen Lagers kam, verlief das Veranstaltungsgeschehen auf saarl\u00e4ndischer Seite trotz Protestaktionen des b\u00fcrgerlichen Lagers unspektakul\u00e4r und st\u00f6rungsfrei. Am 11. April wurde die Aktion unter dem Motto \"Fahrt der Erinnerung 2.0\" wiederholt. An beiden Terminen war eine m\u00e4\u00dfige Beteiligung des rechtsextremistischen Lagers zu verzeichnen. An einem von der Kameradschaft \"Sturmdivision Saar\" am 28. M\u00e4rz in der V\u00f6lklinger Innenstadt durchgef\u00fchrten Marsch unter dem Motto \"Tradition und Kultur sch\u00fctzen\" beteiligten sich 12 Personen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland. Sie f\u00fchrten schwarz-wei\u00df-rote Fahnen und ein Transparent mit der Aufschrift \"Kameradschaft Zweibr\u00fccken - Widerstand l\u00e4sst sich nicht verbieten!\" mit. Der knapp einst\u00fcndige Aufzug der rechtsextremistischen Kameradschaft verlief trotz einer Gegenveranstaltung friedlich. Auch an der Sommersonnwendfeier des NWZ am 20. Juni im rheinlandpf\u00e4lzischen Walshausen beteiligten sich einige saarl\u00e4ndische Kameradschaftsaktivisten. Die \"Feuer-Zeremonie\" gestaltete ein in der Szene als \"Druide Burgos\" bekannter Aktivist, der auch mehrfach an SageSa-Veranstaltungen im Saarland teilnahm. Am 3. Oktober nahmen Angeh\u00f6rige der Kameradschaft an einem vom NWZ organisierten \"Wikingerfest\" mit Livemusik teil. Den musikalischen Beitrag der rein geselligen Veranstaltung bestritt die baden-w\u00fcrttembergische Band \"Kommando 192\". Am 15. November begingen Angeh\u00f6rige der Sturmdivision und des NWZ ihr traditionelles Heldengedenken mit Kranzniederlegungen in Zweibr\u00fccken, Niederauerbach und Wadgassen-Werbeln. An einer \"Julfeier\" des NWZ am 19. Dezember in einer Homburger Gastst\u00e4tte nahmen auch einige wenige Sturmdivision-Aktivisten teil. 27","2.3 Rechtsextremistische Musikszene und Veranstaltungen im Saarland Zur Vermeidung von Exekutivma\u00dfnahmen und Protesten werden rechtsextremistische Musikveranstaltungen und Events in der Regel nicht offen beworben bzw. die potenziellen Teilnehmer konspirativ an die jeweiligen Veranstaltungsst\u00e4tten herangef\u00fchrt. Ende Mai z\u00e4hlte die saarl\u00e4ndische Szeneband \"Wolfsfront\" zu den 18 Formationen, die auf dem Solidarit\u00e4ts-Sampler \"Tag der deutschen Zukunft 2015\" (TDDZ) vertreten waren. Der zur Unterst\u00fctzung der Kampagne zum \"7. Tag der deutschen Zukunft\" am 6. Juni im brandenburgischen Neuruppin erschienene Tontr\u00e4ger wurde \u00fcber den rechtsextremistischen Szeneverlag PC Records (Chemnitz/SN) vermarktet. Mit Entscheidung vom 9. Dezember 2015 hat die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien (BPjM) den Sampler mit zwanzig \u00fcberwiegend deutschsprachigen Liedern in Teil B der Liste der jugendgef\u00e4hrdenden Medien eingetragen. Ausschlaggebend f\u00fcr die Indizierung der CD war im Rahmen einer Gesamtw\u00fcrdigung u. a. der Titel neun \"Fight against ZOG\" der Band \"Wolfsfront\", auf dem sich nach Wertung der BPjM besonders drastische antisemitische Aussagen wiederfinden. Liveauftritte der Band \"Wolfsfront\" waren am 13. Juni im franz\u00f6sischen Volmunster-Eschwiller, am 29. August im unterfr\u00e4nkischen Roden-Ansbach/Landkreis Main-Spessart/BY und am 12. September in Combressous-les Cotes bei Verdun/F. zu verzeichnen. 2.4. Nutzung neuer Medien - Saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten online Rechtsextremisten wissen die M\u00f6glichkeiten des Internets gezielt zu nutzen, sei es als Informations-, Propagandaoder Kommunikationsplattform. Soziale Netzwerke k\u00f6nnen zwar die unmittelbare Ansprache auf der Stra\u00dfe nicht ersetzen, bieten aber unbegrenzte Multiplikationsm\u00f6glichkeiten. So betreiben beispielsweise alle saarl\u00e4ndischen NPD-Verb\u00e4nde FacebookSeiten. Immer mehr wird das Internet f\u00fcr konspirative Aktivit\u00e4ten genutzt. Geschlossene Gruppen und verschl\u00fcsselte Kommunikation erfreuten sich zunehmender Beliebtheit. So war auch im vergangenen Jahr festzustellen, dass bei der szeneninternen Kommunikation zunehmend auf zugangsgesicherte und \u00f6ffentlich nicht einsehbare Internet-Seiten ausgewichen wurde. 28","III. Beobachtungsbereich Linksextremismus 2015 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Linksextremismus ist ein Sammelbegriff f\u00fcr alle Bestrebungen, die eine Beseitigung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und stattdessen die Schaffung eines sozialistischen bzw. kommunistischen Systems oder einer herrschaftsfreien, anarchistischen Gesellschaft zum Ziel haben. Gemeinsame ideologische Grundlage linksextremistischer Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse bildet nach wie vor die Ablehnung des \"kapitalistischen Systems\", das f\u00fcr Kriege, Faschismus, Rassismus, \u00f6kologische Katastrophen, weltweite Wirtschaftsund Finanzkrisen sowie \"soziales Elend\" verantwortlich gemacht wird. Linksextremisten sehen im Kapitalismus die Basis \"b\u00fcrgerlicher Herrschaft\". Seine \u00dcberwindung ist f\u00fcr sie Voraussetzung f\u00fcr die Errichtung einer neuen gesellschaftlichen und politischen Ordnung in Verbindung mit der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Daher engagieren sich Linksextremisten in gesellschaftlichen Konfliktfeldern und versuchen dort, im Sinne ihrer grunds\u00e4tzlichen \"Systemkritik\" zu intervenieren. Durch den Anschluss an nichtextremistische Protestbewegungen sind sie bestrebt, B\u00fcndnispartner f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Ziele zu gewinnen und gesellschaftliche Proteststr\u00f6mungen f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Mit dieser Zielrichtung beteiligen sich Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene beispielsweise vor dem Hintergrund der anhaltenden Fl\u00fcchtlingsproblematik auch an Solidarit\u00e4tsveranstaltungen von Initiativen f\u00fcr Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, bzw. an demonstrativen Aktionen gegen die staatliche Asylund Fl\u00fcchtlingspolitik sowie die europ\u00e4ische Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Gleichzeitig unterst\u00fctzen sie im Rahmen ihres Kampfes gegen den \"gesellschaftlichen Alltagsrassismus\" Proteste b\u00fcrgerlicher Aktionsb\u00fcndnisse, die sich gegen die fast t\u00e4glich zu registrierenden fremdenfeindlichen \u00dcbergriffe auf Asylsuchende und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte in Deutschland durch \"Nazis und andere RassistInnen\" richten. Linksextremistische Parteien und Organisationen wie die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) halten nach wie vor an ihrer Idee einer Revolution der Arbeiterklasse fest. Die Schaffung einer klassenlosen kommunistischen Gesellschafsordnung auf der programmatischen Grundlage des \"Marxismus-Leninismus\" stellt das utopische Endziel dieser Gruppierungen dar. 29","1.2 Entwicklung/Tendenzen Die Hauptaktivit\u00e4ten der linksextremistischen Szene im Saarland waren auch im vergangenen Jahr auf den zentralen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\", \"Antirassismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\" zu verzeichnen. Vor dem Hintergrund weltweiter Anschl\u00e4ge von Dschihadisten, der Gr\u00e4ueltaten der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) in Syrien und dem Irak, der Bundeswehreins\u00e4tze im Ausland und deutscher Waffenlieferungen in Krisengebiete beteiligte sich die linksextremistische Szene spektrums\u00fcbergreifend in Saarbr\u00fccken an friedenspolitischen Veranstaltungen der \"Antikriegsbewegung\". Gleichzeitig unterst\u00fctzten sie Solidarit\u00e4tsaktionen des PKK-nahen \"Kurdischen Gesellschaftszentrums Saarland e.V.\" (KGZ) f\u00fcr die \"kurdischen K\u00e4mpferInnen gegen den IS-Terror\". 1.3 Personenpotenzial Im Saarland haben sich Strukturen und Erscheinungsbild des organisierten und gewaltorientierten Linksextremismus im vergangenen Jahr gegen\u00fcber 2014 kaum ver\u00e4ndert. Das Gesamtpotenzial linksextremistischer Gruppierungen und Zusammenschl\u00fcsse, die tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Ausrichtung bieten, hat sich insbesondere durch den permanenten altersbedingten Mitgliederschwund bei der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) geringf\u00fcgig von 430 auf etwa 400 Personen verringert. Den Hauptanteil stellt mit ca. 320 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern das organisierte linksextremistische Parteienspektrum einschlie\u00dflich seiner Umfeldorganisationen gegen\u00fcber rund 80 Personen der gewaltorientierten autonomen und antiimperialistischen Szene. Entwicklung des linksextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre 30","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Im Saarland hat sich die Gesamtzahl der linksextremistisch motivierten Straftaten, insbesondere die Anzahl der darin enthaltenen Gewalttaten, gegen\u00fcber 2014 aufgrund gesteigerter \"antifaschistischer\" Aktivit\u00e4ten anl\u00e4sslich von Veranstaltungen der rechten Szene und insbesondere gegen die seit Anfang 2015 regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden Mahnwachen der NPD-gesteuerten Facebook-Bewegung \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa) deutlich erh\u00f6ht. Dabei war festzustellen, dass sich die Aggression, die von Szeneangeh\u00f6rigen gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten als legitim angesehen wird, bei demonstrativen \"antifaschistischen\" Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar mit einer Ausnahme gegen Polizeibeamte als Vertreter des \"staatlichen Repressionsapparates\" richtete. Die Bandbreite der linksextremistisch motivierten Straftaten reichte von Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz bis hin zu K\u00f6rperverletzungen. Insgesamt waren 24 Gesetzesverletzungen (2014: 15) mit linksextremistischem Hintergrund zu registrieren, darunter sechs Gewalttaten (2014: drei). 31","Entwicklung der linksextremistisch motivierten Straftaten im Saarland in den letzten f\u00fcnf Jahren: 2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Linksextremismus Zu den nennenswerten Organisationen dieses linksextremistischen Spektrums im Saarland geh\u00f6rten auch 2015 die orthodox-kommunistische DKP und die streng maoistisch-stalinistisch ausgerichtete MLPD. Mitglieder/ Anh\u00e4nger des vorgenannten Parteienspektrums einschlie\u00dflich der von ihnen beeinflussten Organisationen beteiligten sich im vergangenen Jahr an aktuellen gesellschafts-, sozialund friedenspolitischen Auseinandersetzungen. Ankn\u00fcpfungspunkte boten die Bundeswehreins\u00e4tze im Ausland, deutsche Waffenlieferungen in Krisenregionen, die Krisenund Sparpolitik der Europ\u00e4ischen Union und Deutschlands, fremdenfeindliche \u00dcbergriffe auf Fl\u00fcchtlinge und ihre Unterk\u00fcnfte sowie regelm\u00e4\u00dfige Aufm\u00e4rsche der SageSa-Bewegung. 32","2.1.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Die DKP, die auf Bundesund L\u00e4nderebene in der politischen Bedeutungslosigkeit versunken ist, k\u00e4mpft aufgrund ihrer \u00dcberalterung und einer damit verbundenen immer geringeren Mobilisierungsf\u00e4higkeit, eines ungebrochenen Mitgliederr\u00fcckganges und gro\u00dfer Finanzprobleme um ihre Existenz. Dar\u00fcber hinaus l\u00e4hmt die Partei ein bereits seit Jahren offen ausgetragener Richtungsstreit zwischen Hardlinern und Reformkr\u00e4ften \u00fcber programmatische Positionen. W\u00e4hrend der orthodoxe Parteifl\u00fcgel f\u00fcr eine Neubesinnung auf die unverf\u00e4lschte Lehre des Marxismus-Leninismus mit der Forderung nach einer F\u00fchrungsrolle der DKP an der Spitze politischer Bewegungen steht, sehen die reformorientierten Parteimitglieder in einer Zusammenarbeit mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Str\u00f6mungen eine Chance, eine \"sozialistische\" und letztlich eine kommunistische Gesellschaftsordnung in Deutschland zu schaffen. Der innerparteiliche Streit wurde auf dem DKP-Parteitag Mitte November in Frankfurt am Main mit der Wiederwahl des bisherigen Vorsitzenden, der dem orthodoxen Parteifl\u00fcgel angeh\u00f6rt, entschieden. Bei der turnusgem\u00e4\u00dfen Vorstandsneuwahl scheiterte der zum reformwilligen Lager z\u00e4hlende Vorsitzende der DKP-Saar. Die DKP ist innerhalb des organisierten Linksextremismus im Saarland trotz eines ungebremsten Mitgliederschwundes mit noch etwa 120 Mitgliedern die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Organisation. Aktive Stadtund Ortsgruppen bestehen zumindest noch in Neunkirchen, P\u00fcttlingen, St. Ingbert, Sulzbach, V\u00f6lklingen und Saarbr\u00fccken. In kommunalpolitischen Gremien ist die DKP-Saar lediglich noch in der Stadt P\u00fcttlingen vertreten, in der die Partei \u00fcber einen Sitz im Stadtrat verf\u00fcgt. Gegen\u00fcber den Vorjahren waren in 2015 jedoch keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der DKP in P\u00fcttlingen zu registrieren. Auch die Herausgabe ihrer Stadtzeitung \"pro + kontra\", die zuvor kostenlos und in gro\u00dfer Auflage im Stadtgebiet regelm\u00e4\u00dfig verteilt worden war, wurde offensichtlich im vergangen Jahr eingestellt. 33","2.1.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die streng maoistisch-stalinistisch orientierte MLPD versteht sich nach wie vor als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland\". Ihre grundlegenden Ziele sind laut Parteiprogramm der \"revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des Monopolkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats\", die letztlich zum Aufbau einer \"klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\" f\u00fchren sollen. Sie ist bundesweit innerhalb der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert und \u00e4hnlich wie die DKP in der \u00d6ffentlichkeit kaum wahrnehmbar. Die MLPD-Saar ist \u00fcberregional dem Landesverband Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland (RHS) angegliedert, der seinen Sitz in Frankfurt am Main hat. Die MLPD-Saar war auch im Jahr 2015 bem\u00fcht, durch Beteiligung an b\u00fcrgerlichen Protestbewegungen gegen \"Faschismus/Antirassismus\", \"Militarismus\", \"Kapitalismus\" und \"Sozialabbau\" sowie durch Unterst\u00fctzung von Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und den Kampf der \"kurdischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\" in Syrien und dem Nordirak politisch interessierte Personen an die Partei heranzuf\u00fchren. Mit dem gleichen Ziel betrieben Genossinnen und Genossen regelm\u00e4\u00dfig im Saarbr\u00fccker Stadtteil Malstatt Informationsst\u00e4nde. Ferner sorgten sie f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der Montagsdemonstrationen gegen \"Sozialabbau\", die im monatlichen Rhythmus in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Bahnhofstra\u00dfe stattfanden. Die MLPD geht davon aus, Proteste gegen die offenbar von vielen Bev\u00f6lkerungskreisen als einschneidend empfundenen Sozialund Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung als vermeintlich revolution\u00e4res Potenzial f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Zwecke nutzen zu k\u00f6nnen. 2.2. Gewaltorientierter Linksextremismus 2.2.1 Autonome Szene Autonome Gruppierungen sind nicht wie kommunistische Organisationen von einer einheitlichen dogmatischen Ideologie gepr\u00e4gt. Sie stellen nicht eine Partei, sondern das Individuum und seine Selbstverwirkli34","chung in den Mittelpunkt. Dieses selbst erm\u00e4chtigende Politikverst\u00e4ndnis \u00e4u\u00dfert sich praktisch besonders im militanten Widerstand gegen alles, was subjektiv als Missstand empfunden wird. Aus der Einstellung \"Macht kaputt, was euch kaputt macht!\" heraus lehnen Autonome das bestehende \"System\" und folglich das staatliche Gewaltmonopol ab. Die Anwendung von Gewalt stellt f\u00fcr Autonome sowohl ein \"Mittel subjektiver Befreiung\" als auch ein unverzichtbares Element in der politischen Auseinandersetzung bzw. in ihrem Kampf gegen ein angebliches System von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung dar. Politische Zielsetzung ist demnach die \u00dcberwindung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung in Richtung einer herrschaftsfreien/libert\u00e4ren Gesellschaft. Trotz grunds\u00e4tzlicher Organisierungsund Hierarchiefeindlichkeit autonomer Zusammenschl\u00fcsse sind Bem\u00fchungen festzustellen, durch den Aufbau bundesweiter Strukturen mit Hilfe von Internetplattformen und sozialen Netzwerken die Zersplitterung der Szene zu \u00fcberwinden. Durch anlassbezogene Kooperationen mit anderen Teilen des linksextremistischen Spektrums wird versucht, die eigene Handlungsf\u00e4higkeit und Durchschlagskraft zu erh\u00f6hen. In aktuellen gesellschaftsund sozialpolitischen Auseinandersetzungen arbeiten Autonome auch mit b\u00fcrgerlich-demokratischen Organisationen zusammen bzw. sie versuchen, diese f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Ziele einzuspannen. Die autonome Szene bildete 2015 die weitaus gr\u00f6\u00dfte Personengruppe innerhalb des gewaltorientierten linksextremistischen Spektrums. Innerhalb der rund 70 Personen umfassenden gewaltorientierten autonomen Szene Saar war im vergangenen Jahr die Saarbr\u00fccker Gruppe \"Antifa Saar/Projekt AK\" (AK: Analyse und Kritik) aktiv. Sie versteht sich als linker, politischer und unabh\u00e4ngiger Zusammenschluss, der au\u00dferparlamentarisch aktiv ist und sich den Kampf gegen Faschismus, Sexismus und Rassismus sowie f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zum Ziel gesetzt hat. Von f\u00fchrenden Aktivisten dieser \"Antifa\"-Gruppe wurde Anfang April 2015 ein Arbeitskreis mit der Bezeichnung \"... resist! Unsere Solidarit\u00e4t gegen ihre Repression!\" gegr\u00fcndet, um \"von staatlicher Repression betroffene Antifaschist*innen und politische Aktivist*innen\" solidarisch und finanziell zu unterst\u00fctzen. Dieser interne Arbeitskreis pr\u00e4sentiert sich auf seiner Homepage (www.resistsb.blogsport.eu) und seinem Facebook-Profil als \"kommunistische Gruppe\". Unter Kommunismus verstehen die Szeneangeh\u00f6rigen jedoch keine \"staatssozialistische und somit antifortschrittliche, sondern eine hierarchiefreie und solidarische Gesellschaftsform, in der Ausbeutungsund Unterdr\u00fcckungsmechanismen nicht weiter existieren\". Sie streben die \u00dcberwindung der 35","bestehenden Staatsund Gesellschaftsform in Richtung einer herrschaftsfreien/libert\u00e4ren Ordnung an. Internetver\u00f6ffentlichungen zufolge hat sich dar\u00fcber hinaus Anfang Oktober 2015 im n\u00f6rdlichen Saarland eine neue \"Antifa\"-Gruppe gegr\u00fcndet, um \"Naziaktivit\u00e4ten auch au\u00dferhalb gr\u00f6\u00dferer St\u00e4dte sabotieren\" zu k\u00f6nnen. Bei diesem unter der Bezeichnung \"Antifa Nord-Westsaar\" agierenden Zusammenschluss handelt es sich bislang lediglich um eine \"virtuelle\" Gruppierung innerhalb der autonomen Szene. Eigenst\u00e4ndige \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten der \"Antifa Nord-Westsaar\" waren im Jahr 2015 nicht zu verzeichnen. Um gesamtgesellschaftlich gegen das \"Wiedererstarken faschistischer Ideologien\" wirken zu k\u00f6nnen, arbeitete die \"Antifa Saar/Projekt AK\" im vergangenen Jahr mit \"antifaschistischen\" Kr\u00e4ften aus anderen Teilen des linksextremistischen Spektrums und auch nichtextremistischen Organisationen zusammen. Mit der \u00d6ffnung gegen\u00fcber anderen ideologischen Str\u00f6mungen und b\u00fcrgerlichen Initiativen soll die eigene Handlungsf\u00e4higkeit und gleichzeitig das Mobilisierungspotenzial erh\u00f6ht werden. Die \"Antifa Saar/Projekt AK\" einschlie\u00dflich des Arbeitskreises \"... resist!\" nutzte im vergangenen Jahr insbesondere ihre Internetseite zur offenen Mobilisierung f\u00fcr ihre zahlreichen \"politischen Aktivit\u00e4ten\". Dar\u00fcber hinaus diente ihnen das linksextremistische Internetportal \"linksunten indymedia\", das als erstes regionales \"independent media center\" (imc) seit 2009 online ist, als Informations-, Diskussionsund Mobilisierungsplattform. Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar entwickelten 2015 zahlreiche Aktivit\u00e4ten auf den zentralen autonomen Themenfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\" und \"Antirassismus\". Ferner unterst\u00fctzten die Szeneangeh\u00f6rigen vor dem Hintergrund der anhaltenden Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus dem Nahen Osten und aus Nordafrika ausschlie\u00dflich friedlich Veranstaltungen und demonstrative Aktivit\u00e4ten nichtextremistischer Fl\u00fcchtlingsinitiativen gegen die staatliche Asylund Abschiebepolitik. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sie sich gelegentlich an Protestaktionen b\u00fcrgerlicher B\u00fcndnisse, die sich gegen die 2015 regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrten SageSa-Mahnwachen richteten, insbesondere vor \"brisanten \u00d6rtlichkeiten\" wie beispielsweise dem Fl\u00fcchtlingslager Lebach. Die Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar zu Beginn des Jahres standen ganz im Zeichen der Terroranschl\u00e4ge am 7. Januar in Frankreich. An einer Solidarit\u00e4tskundgebung f\u00fcr die Opfer des terroristischen \u00dcberfalls auf Mitarbeiter des franz\u00f6sischen Satire-Magazins \"Charlie Hebdo\", zu der die \"Antifa Saar/Projekt AK\" gemeinsam mit der \"Kurdischen Jugend im Saarland\" f\u00fcr 36","den 10. Januar vor dem franz\u00f6sischen Konsulat in Saarbr\u00fccken aufgerufen hatte, beteiligten sich rund 300 Personen, darunter aus dem linksextremistischen Spektrum etwa 30 Angeh\u00f6rige der autonomen \"Antifa-Szene\" und einzelne Mitglieder/Anh\u00e4nger kommunistischer Parteien. Aktionsfeld \"Antifaschismus\" Der \"antifaschistische Kampf\" z\u00e4hlt nach wie vor zu den traditionellen Aktionsfeldern von linksextremistischen Zusammenschl\u00fcssen. Er richtet sich seit jeher nur vordergr\u00fcndig gegen den Rechtsextremismus. Er hat letztlich eine system\u00fcberwindende Sto\u00dfrichtung, um den verhassten, als \"kapitalistisches System\" bezeichneten freiheitlichen demokratischen Rechtsstaat mit seinen angeblich faschistischen Wurzeln zu beseitigen. Dabei wird die Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner vornehmlich auf der Stra\u00dfe gesucht mit der Absicht, durch Massenmilitanz oder in \"Kleingruppentaktik\" Aufm\u00e4rsche von Rechtsextremisten zu verhindern oder zumindest r\u00e4umlich oder zeitlich einzuschr\u00e4nken. Zudem betreiben autonome Gruppierungen \"Antifarecherchen\", um Strukturen und Logistik rechtsextremistischer Gruppen und Organisationen aufzukl\u00e4ren. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse \u00fcber Personen, Trefflokale, Schulungseinrichtungen oder \"Nazil\u00e4den\" werden in Publikationen oder im Internet zu deren Blo\u00dfstellung ver\u00f6ffentlicht bzw. dienen zur Vorbereitung militanter Aktionen. Die Bek\u00e4mpfung rechtsextremistischer Strukturen und Entwicklungen im Saarland bildete im vergangenen Jahr f\u00fcr die \"Antifa Saar/Projekt AK\" einen Schwerpunkt ihrer \"politischen Arbeit\". Auf dem Aktionsfeld \"Antifaschismus\" waren folgende nennenswerte Aktivit\u00e4ten im Saarland und \u00fcberregional zu verzeichnen: 12.01.2015 Beteiligung von etwa 50 Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an Protestund Blockadeaktionen eines b\u00fcrgerlichen Aktionsb\u00fcndnisses gegen eine Demonstration der Facebook-Bewegung \"Saarland gegen die Islamisierung des Abendlandes\" (Saargida), 37","19.01.2015 \"Antifa\"-Kundgebung unter dem Motto \"Refugees Welcome - Gegen Rassismus und Nationalismus - F\u00fcr die Emanzipation eines Jeden!\" gegen einen \"Saargida-Abendspaziergang\" in Saarbr\u00fccken, 28.01.2015 Interneteinstellung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" mit der \u00dcberschrift \"NPDStrukturen und Gegenwehr Saar\", in der auf einen von ihr im bundesweit vertriebenen \"Antifaschistischen Infoblatt\" ver\u00f6ffentlichten Regionalbericht \u00fcber rechtsextremistische Entwicklungen und \"antifaschistische\" Gegenaktivit\u00e4ten hingewiesen wurde, 08.02.2015 \"Reklamation\" einer Verurteilung eines \"Neonazis\" durch das Amtsgericht Saarbr\u00fccken wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung im Internet als Erfolg der \u00d6ffentlichkeitsarbeit der \"Antifa Saar/Projekt AK\", 18.02.2015 \"Antifa\"-Kundgebung unter dem Motto \"Immer wieder dieselbe Schei\u00dfe! Den politischen Aschermittwoch der NPD zum Desaster machen!\" in Saarbr\u00fccken-Schafbr\u00fccke mit anschlie\u00dfender \"Spontandemo\" von rund 50 Szeneangeh\u00f6rigen in die Saarbr\u00fccker Innenstadt, 02.03.2015 Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" zu angeblichen rassistischen und homophoben \u00dcbergriffen von \"Neonazis\" Anfang 2015 in Saarbr\u00fccken und Merzig, 07.03.2015 \"Outing\" von Teilnehmern an Veranstaltungen der \"neonazistischen\" Kameradschaftsszene im Saar-Pfalz-Raum auf der Internetplattform \"linksunten indymedia\", 14.03.2015 Internetbericht der \"Antifa Saar/Projekt AK\" \u00fcber den politischen Werdegang des NPD-Bundesvorsitzenden, 14.04.2015 Internetver\u00f6ffentlichung von \"Rechercheergebnissen\" zu Veranstaltungen der NPD und zu Aufm\u00e4rschen der \"neonazistischen Kameradschaftsszene\" im Monat M\u00e4rz sowie zu rechten Protagonisten im Saar-Pfalz-Raum, 38","08.06.2015 Mobilisierungsaufruf von \"... resist!\" im Internet f\u00fcr eine Teilnahme an Protestund Blockadeaktionen der autonomen \"Antifa Frankfurt\" gegen eine \"rechte islamfeindliche Gro\u00dfdemonstration\" am 20. Juni in Frankfurt am Main, 28.06.2015 Spendenaufruf im Internet zur finanziellen Unterst\u00fctzung eines Anfang Mai vom Amtsgericht Saarbr\u00fccken zu einer Bew\u00e4hrungsund Geldstrafe verurteilten \"Antifaschisten\", 02.08.2015 Darstellung von SageSa als Tarnorganisation der NPD-Saar in einer Ver\u00f6ffentlichung \"Recherche\u00fcbersicht - Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" auf \"linksunten indymedia\", 03.08.2015 Beteiligung von etwa 20 Szeneangeh\u00f6rigen an Protesten gegen eine SageSa-Mahnwache in der N\u00e4he des als Holocaust-Mahnmal ausgewiesenen Rabbiner-R\u00fclf-Platz in Saarbr\u00fccken, 12.08.2015 Verbreitung eines von der \"Antifa Saar/Projekt AK\" herausgegebenen Readers zu \"rechten Lebenswelten und Grauzonen\" mit Darstellung von angeblichen Verflechtungen zwischen rechtsextremistischer und vermeintlich unpolitischer Musikszene, 11.10.2015 Ver\u00f6ffentlichung von \"Rechercheergebnissen\" der autonomen \"Antifa Freiburg\" auf der Homepage der \"Antifa Saar/Projekt AK\" zu Strukturen s\u00fcdwestdeutscher Gruppierungen der rechten \"Hammerskin-Szene\" mit Hinweisen auf das ehemalige \"Clubhaus\" der saarl\u00e4ndischen \"Hammerskins\" in Saarbr\u00fccken-Ru\u00dfh\u00fctte und das Nachfolgeobjekt \"Hate Bar\" in Sulzbach-Altenwald, 19.10.2015 Verbreitung eines Flugblattes \"Nachbar - NPD-Funktion\u00e4r - Neonazi\" am Wohnort eines NPD-Funktion\u00e4rs und SageSa-Organisators in RheinlandPfalz zwecks Aufkl\u00e4rung seiner Nachbarschaft \u00fcber dessen \"neonazistischen Werdegang\", 21.11.2015 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen und massiven \u00dcbergriffen auf Polizeibeamte bei Protesten 39","unter dem Motto \"Block NPD! Den NPD-Bundesparteitag in Weinheim verhindern! Rassismus und v\u00f6lkischem Nationalismus entgegentreten!\" gegen den NPD-Bundesparteitag in Weinheim/BW (21./22. November), 02.12.2015 \"Outing\" eines Riegelsberger NPD-Aktivisten und \"Anti-Antifa-Fotografen\" im Internet auf \"linksunten indymedia\", 13.12.2015 Vortragsund Diskussionsveranstaltung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" in Kooperation mit nichtextremistischen Organisationen in Saarbr\u00fccken zum Thema \"SAARGIDA & SaGeSa Extrem irre - relativ gef\u00e4hrlich\" mit \u00fcber 100 Teilnehmern. Aktionsfeld \"Antirepression\" Einen weiteren Aktionsschwerpunkt bei ihrem Kampf f\u00fcr eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" bzw. gegen den freiheitlichen Rechtsstaat, der von Autonomen als \"imperialistisches, rassistisches und faschistisches System\" verunglimpft wird, bildet das Thema \"Staatliche Repression\". Dabei werfen sie den Sicherheitsbeh\u00f6rden regelm\u00e4\u00dfig vor, durch Einleitung zahlreicher Ermittlungsverfahren im Nachgang zu Demonstrationen politisch unbequeme Personen und den \"antifaschistischen Widerstand\" zu kriminalisieren. Das Thema \"Antirepression\" hat bundesweit innerhalb der linksautonomen Szene an Bedeutung gewonnen und entfaltete in den letzten Jahren eine hohe Mobilisierungswirkung. Ma\u00dfnahmen des Staates als Garant \u00f6ffentlicher Sicherheit und Ordnung bei demonstrativen Anl\u00e4ssen auf den verschiedenen linksextremistischen Aktionsfeldern werden von den Szeneangeh\u00f6rigen generell als ungerechte \"staatliche Unterdr\u00fcckung\", \"Repression\" und \"Polizeioder Amtswillk\u00fcr\" interpretiert. Auf diese Weise pflegen Autonome bewusst ihr Feindbild einer Polizei, die angeblich jede Form von Stra\u00dfenprotest mit Gewalt unterdr\u00fcckt und politisch Andersdenkende schikaniert. Entsprechende Solidarit\u00e4tskampagnen zu Gunsten von Personen oder Organisationen, die einer vermeintlich \"repressiven Ma\u00dfnahme\" ausgesetzt sind, erfahren in der Regel eine breite Unterst\u00fctzung. Auf diesem Aktionsfeld waren im vergangenen Jahr folgende Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar zu verzeichnen: 09.04.2015 Vortragsveranstaltung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" und des \"Offenen Antifa Treffens Saarbr\u00fccken\" zum Thema \"Was tun wenn's brennt?! Tipps und Tricks im Umgang mit den staatlichen Repressionsorganen\", 40","06.05.2015 Teilnahme von rund 20 Szeneangeh\u00f6rigen als \"solidarische Beobachter\" an einer Gerichtsverhandlung gegen einen Gesinnungsgenossen vor dem Amtsgericht Saarbr\u00fccken wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und Versto\u00dfes gegen das Sprengstoffgesetz. Der Angeklagte wurde zu einer Haftstrafe von acht Monaten auf drei Jahre zur Bew\u00e4hrung, einer Ableistung von 90 Arbeitsstunden f\u00fcr soziale Zwecke und einer Zahlung von Schmerzensgeld an einen Polizeibeamten in H\u00f6he von 400 Euro verurteilt. 23.05.2015 Ver\u00f6ffentlichung eines \"Prozessberichtes\" auf der Homepage der \"Antifa Saar/Projekt AK\", in dem das Urteil gegen ihren Gesinnungsgenossen als \"Kriminalisierung antifaschistischen Protests\" dargestellt und gleichzeitig eine angebliche Verharmlosung von Polizeigewalt durch die Justiz als \"gegenw\u00e4rtiger Alltag\" angeprangert wurde, 03.06.2015 Internetaufruf der \"Antifa Saar/Projekt AK\" an alle von einem \"repressiven Polizeieinsatz\" anl\u00e4sslich eines SageSa-Aufmarsches am 18. Mai in Lebach betroffenen \"AntifaschistInnen\" zwecks Koordinierung der \"Antirepressionsarbeit\", 25.10.2015 Unterst\u00fctzung eines Solidarit\u00e4tsund Spendenaufrufs f\u00fcr einen Szeneangeh\u00f6rigen aus Frankfurt/M. und fr\u00fcheren Aktivisten innerhalb der autonomen Szene Saar, der bei militanten Aktionen von Linksextremisten am 1. Mai 2015 gegen die \"Expo\" in Mailand festgenommen worden war und sich am 2. November 2015 vor einem italienischen Gericht verantworten musste, durch die Saarbr\u00fccker Gruppe \"... resist!\" und 15.12.2015 Herausgabe eines \"Antirepressionskalenders 2016\" durch \"... resist!\". Aktionsfeld \"Antirassismus\" Auch der Kampf gegen die staatliche Asylund Abschiebepolitik, die von Linksextremisten als \"institutioneller Rassismus\" bezeichnet wird, geh\u00f6rt zu den bevorzugten Aktionsfeldern von militanten Autonomen. Im Rahmen seiner \"antirassistischen\" Aktivit\u00e4ten gegen das \"System Abschiebehaft\" unterst\u00fctzt das autonome Spektrum Forderungen wie beispielsweise \"Abschiebegef\u00e4ngnisse abschaffen!\", \"Keine Abschiebungen in Kriegsgebiete und Folterstaaten!\" oder \"Keine Ausreisezentren und andere Sammellager!\". 41","Dieses Themenfeld hat nicht nur bundesweit, sondern auch im Saarland im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Asylund Fl\u00fcchtlingsproblematik ebenfalls eine hohe Mobilisierungswirkung im linksextremistischen Spektrum erzeugt. Folgende \"antirassistische\" Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar waren im vergangenen Jahr zu registrieren: 18.05.2015 Beteiligung von Aktivisten der \"Antifa Saar/Projekt AK\" an Protesten gegen einen SageSa-Aufmarsch in Lebach, 20.06.2015 Verbreitung eines Flugblattes \"FIGHT FORTRESS EUROPE\" durch \"...resist!\" in Saarbr\u00fccken, 19.07.2015 Vortragsund Diskussionsveranstaltung in Saarbr\u00fccken gegen \"Rassismus/ Neonazismus\", 11.09.2015 Teilnahme von Angeh\u00f6rigen der \"Antifa Saar/Projekt AK\" an einem \"Gedenkkongress f\u00fcr Opfer neonazistischer und rassistischer Gewalt\" vom 11. bis 13. November in einem linken Szenetreffpunkt in Leipzig, 19.09.2015 Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an einer \"Antirassismus-/Antifaschismusdemo\" in Saarlouis, 26.09.2015 Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" zum \"Versagen der Polizei und anderen staatlichen Beh\u00f6rden\" bei der Bek\u00e4mpfung von Rassismus und der Aufkl\u00e4rung \"rassistischer Straftaten\" im Saarland, 04.11.2015 Beteiligung einer Gruppe von Szeneangeh\u00f6rigen an einer Protestaktion eines b\u00fcrgerlichen Aktionsb\u00fcndnisses in Saarbr\u00fccken gegen eine AfDKundgebung und 14.11.2015 Mitveranstalter einer Vortragsund Diskussionsveranstaltung in Saarbr\u00fccken mit Vorf\u00fchrung des Films \"The Truth lies in Rostock!\", der sich mit den \"rassistischen deutschen Zust\u00e4nden\" in den fr\u00fchen 1990er Jahren besch\u00e4ftigte. 42","Dar\u00fcber hinaus war die gr\u00f6\u00dftenteils pro-israelisch eingestellte autonome Szene Saar Mitveranstalterin einer Vortragsund Diskussionsveranstaltung am 12. M\u00e4rz in Saarbr\u00fccken \u00fcber den \"arabischen und islamischen Antisemitismus als einer der zentralen Ursachen des Nahostkonflikts\". Einem Aufruf des autonomen Arbeitskreises \"... resist!\" zu einer Protestkundgebung am 1. Oktober in Saarbr\u00fccken gegen einen \"Marsch f\u00fcr das Leben\" waren rund 35 Aktivisten der \"Antifa Saar/Projekt AK\" gefolgt. W\u00e4hrend der Demonstrationszug von \"Abtreibungsgegnern\" durch die Innenstadt st\u00f6rungsfrei verlief, wurde die Abschlussveranstaltung auf dem St. Johanner Markt von den Szeneangeh\u00f6rigen lautstark mit Parolen, wie \"F\u00fcr die Freiheit, f\u00fcr das Leben, Faschos von der Stra\u00dfe fegen!\", \"Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat!\", \"BRD Bullenstaat\" oder \"Es lebe der Kommunismus\" gest\u00f6rt. Am 28. August fand auf Initiative von \"... resist!\" eine \"Nachttanzdemo gegen Sexismus und Homophobie\" in Saarbr\u00fccken und eine Veranstaltungsreihe f\u00fcr \"feministische und kommunistische Alternativen zum bestehenden Ausbeutungssystem\" statt. Etwa 50 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar zogen mit einem Transparent mit der Aufschrift \"FEMINISM? HELL, YEAH! LOVE FEMINISM! HATE CAPITALISM!\" friedlich durch die Innenstadt. W\u00e4hrend der Auftakt-, Zwischenund Abschlusskundgebung wurde in Redebeitr\u00e4gen auf angebliche \u00dcbergriffe von Aktivisten der \"neonazistischen\" Kameradschaftsszene auf Homosexuelle im Saarland hingewiesen. Ferner wurde die Asylund Fl\u00fcchtlingsproblematik vor dem Hintergrund fremdenfeindlicher \u00dcbergriffe auf Asylsuchende und Brandanschl\u00e4ge auf Fl\u00fcchtlingsheime thematisiert und ein Vergleich mit entsprechenden Ereignissen in den neunziger Jahren in Solingen, M\u00f6lln und Saarlouis angestellt. Den bundesweiten Aufrufen mehrerer gewaltorientierter autonomer Zusammenschl\u00fcsse f\u00fcr eine Teilnahme an einer Kundgebung am 2. Oktober sowie an \"dezentralen und kreativen Aktionen\" am 3. Oktober in Frankfurt am Main gegen die offiziellen Feierlichkeiten zum \"25. Jahrestag der Wiedervereinigung\" waren auch Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar gefolgt. Aktivisten von \"... resist!\" beteiligten sich am Vorabend des 3. Oktober an einer Demonstration unter dem Motto \"Grenzen abschaffen - Deutschland \u00fcberwinden!\" mit rund 1.000 Teilnehmern. Obwohl das Thema \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" im vergangenen Jahr keinen Aktionsschwerpunkt der autonomen Szene Saar bildete, beteiligten sich zumindest einzelne Aktivisten in Saarbr\u00fccken an Solidarit\u00e4tsveranstaltungen des PKK-nahen KGZ und der PKK-Jugendgruppe \"Ciwanen Azad Saarland\" f\u00fcr die \"kurdischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\". Gleichzeitig unterst\u00fctzten sie deren Aktivit\u00e4ten f\u00fcr eine Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland. Vor dem Hintergrund der Lageversch\u00e4rfung Anfang September an der t\u00fcrkisch43","syrischen Grenze durch Milit\u00e4rinterventionen der T\u00fcrkei gegen die PKK und die entsprechenden PKK-Vergeltungsaktionen sowie durch Angriffe t\u00fcrkischer Nationalisten auf Einrichtungen der pro-kurdischen \"Demokratischen Partei der V\u00f6lker\" (HDP) warb \"... resist!\" auf seinem Facebook-Profil f\u00fcr eine solidarische Teilnahme an einer KGZ-Mahnwache am 19. September vor der Europagalerie mit anschlie\u00dfender Demonstration durch die Innenstadt. Bei einer weiteren KGZ-Demonstration in Saarbr\u00fccken am 27. November anl\u00e4sslich eines bundesweiten Aktionstages \"Weg mit dem PKK-Verbot! Freiheit f\u00fcr alle kurdischen politischen Gefangenen\" mit rund 200 Teilnehmern zeigten Aktivisten von \"... resist!\" gro\u00dffl\u00e4chige Transparente mit Aufschriften wie \"Weg mit dem PKK-Verbot!\" und \"Patriarchat, Kapitalismus, Islamismus bek\u00e4mpfen!\". 2.2.2 Antiimperialistische Szene Neben den Autonomen sind dem gewaltorientierten linksextremistischen Spektrum im Saarland noch einige wenige Aktivisten aus der ehemaligen Saarbr\u00fccker Unterst\u00fctzerszene der fr\u00fcheren terroristischen \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) zuzurechnen. Sie treten zwar nicht offen gewaltt\u00e4tig oder gewaltbef\u00fcrwortend auf, lehnen aber ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit grunds\u00e4tzlich ab. Angeh\u00f6rige dieses kleinen Aktivistenkreises agieren unter der Firmierung \"Libertad! Saar\" innerhalb der bundesweiten antiimperialistisch ausgerichteten Initiative \"Libertad!\", die in Frankfurt am Main ans\u00e4ssig ist. Ein Gro\u00dfteil der \"Libertad!\"-Angeh\u00f6rigen sieht in der Weiterentwicklung eines im Jahr 2005 gegr\u00fcndeten Aktionsb\u00fcndnisses \"Interventionistische Linke\" (IL) durch den Aufbau fester Organisationsstrukturen eine Chance, um als \"radikale Linke\" in den aktuellen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen gegen Globalisierung, Krieg, Kapitalismus und \"staatliche Repression\" wieder \"interventionsf\u00e4hig\" zu werden. Die IL pl\u00e4diert f\u00fcr strategische B\u00fcndnisse sowohl mit anderen gewaltorientierten linksextremistischen B\u00fcndnissen zur \u00dcberwindung des \"Systems\" als auch mit dem b\u00fcrgerlichen Spektrum in einzelnen Aktionsfeldern wie etwa gegen Rechtsextremismus. Innerhalb der antiimperialistischen Szene Saar standen 2015 die Themenfelder \"Kapitalismus\" und Kurdistansolidarit\u00e4t sowie eine solidarische Unterst\u00fctzung von Protesten saarl\u00e4ndischer Fl\u00fcchtlingsinitiativen gegen die Asylund Fl\u00fcchtlingspolitik in Deutschland sowie gegen die Au\u00dfenund Sicherheitspolitik der EU im Vordergrund. 44","Die Saarbr\u00fccker Szeneangeh\u00f6rigen z\u00e4hlten zum breiten Unterst\u00fctzerkreis eines bundesweiten \"Blockupy-B\u00fcndnisses\", das die Planungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von \"antikapitalistischen Aktionstagen\" gegen die Feierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des Neubaus der \"Europ\u00e4ischen Zentralbank\" (EZB) am 18. M\u00e4rz 2015 ma\u00dfgeblich steuerte. Dieses B\u00fcndnis setzte sich aus \u00fcberwiegend nichtextremistischen Initiativen, Gewerkschaften und demokratischen Organisationen sowie aus gem\u00e4\u00dfigten Linksextremisten und autonomen Gruppierungen zusammen. Die Beteiligung von linken Gruppen an diesem breit aufgestellten B\u00fcndnis verdeutlicht, dass aus dem gesamten linksextremistischen Spektrum heraus versucht wird, die demokratischen Proteste gegen die globale Wirtschaftsund Finanzkrise f\u00fcr die eigenen Ziele zu instrumentalisieren bzw. eine \"antikapitalistische Grundeinstellung\" in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Die entsprechenden Vorbereitungen im Saarland f\u00fcr eine Teilnahme an den vorgenannten Protesten gegen die EZB als \"das Symbol der kapitalistischen Gesellschaft\" wurden von einer regionalen \"AG Blockupy\" gef\u00fchrt, in der u.a. Angeh\u00f6rige von \"Libertad! Saar\" mitarbeiteten. Am vorgenannten Aktionstag war es in Frankfurt am Main insbesondere in den fr\u00fchen Morgenstunden zu massiven gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen mit betr\u00e4chtlichen Sachbesch\u00e4digungen und teilweise lebensbedrohlichen Angriffen auf Polizeibeamte gekommen. Bei den Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten des gewaltorientierten autonomen Spektrums und den polizeilichen Einsatzkr\u00e4ften wurden rund 150 Polizeibeamte verletzt, davon zwei schwer. Ferner wurden sieben Polizeifahrzeuge in Brand gesteckt und \u00fcber 50 weitere besch\u00e4digt. Angeh\u00f6rige der antiimperialistischen Szene Saar beteiligten sich im vergangenen Jahr auch regelm\u00e4\u00dfig friedlich an Solidarit\u00e4tsveranstaltungen des KGZ f\u00fcr den kurdischen Widerstand in Syrien und im Nordirak gegen die ISTerrororganisation. Eine Aktivistin von \"Libertad! Saar\" war zudem ma\u00dfgeblich in eine Spendenkampagne eingebunden, die bereits Ende Oktober 2014 in Berlin vom linksextremistischen Aktionsb\u00fcndnis IL gemeinsam mit dem der PKK zuzurechnenden Verband der Studierenden aus Kurdistan (YXK) angeblich zur Unterst\u00fctzung des \"Aufbaus selbstverwalteter Strukturen in der Region Rojava\" gestartet worden war. Die Saarbr\u00fccker Szeneangeh\u00f6rige hatte ein entsprechendes Spendenkonto \"Initiative Rojava\" bei der Sparkasse Saarbr\u00fccken eingerichtet. Nach Internetver\u00f6ffentlichungen unter www. rojava-solidaritaet.net war bereits im November 2014 in Berlin von den Initiatoren ein erster Betrag der Spendeneinnahmen in H\u00f6he von 50.000 Euro an einen Vertreter der \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD) , Zweigorganisation der PKK in Syrien, \u00fcbergeben worden. Der symbolisch \u00fcberreichte Scheck war auf die Sparkasse Saarbr\u00fccken ausgestellt. Ein weiterer Betrag in gleicher H\u00f6he wurde demnach am 4. April 2015 in Hamburg an den stellvertretenden PYD-Vorsitzenden weitergeleitet. Dieses Spendenkonto wurde 45","jedoch Anfang April 2015 von der Sparkasse Saarbr\u00fccken mit der Begr\u00fcndung, dass die Spendengelder m\u00f6glicherweise auch zum Kauf von Waffen genutzt werden k\u00f6nnten, zum 31. Mai 2015 gek\u00fcndigt. Unbeeindruckt von medienwirksamen, aber friedlich verlaufenen Protestveranstaltungen am 7. und 15. Mai sowie einer kurzzeitigen Besetzung der Sparkassenzentrale durch Personen kurdischer Herkunft und Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene Saar hielt die Bank an ihrer Entscheidung fest und l\u00f6ste das Spendenkonto zum 31. Mai 2015 auf. Dar\u00fcber hinaus fand am 24. September auf Initiative einer hiesigen \"Libertad!\"-Aktivistin im Saarbr\u00fccker Filmhaus eine Informationsveranstaltung unter dem Motto \"Demokratie oder religi\u00f6ser Wahn!\" zur Lage der Kurden in der T\u00fcrkei und in Nordsyrien statt. Als Referent fungierte ein Vertreter der \"Libertad!\"-Ortsgruppe Frankfurt am Main, der von seinen Erlebnissen auf seiner durchgef\u00fchrten Rundreise im sogenannten Krisengebiet berichtete. Die gleiche Szeneangeh\u00f6rige trat als Anmelderin einer Solidarit\u00e4tsdemonstration f\u00fcr Kurdistan in Erscheinung, zu der das PKK-nahe KGZ f\u00fcr den 27. November anl\u00e4sslich eines bundesweiten Aktionstages \"Weg mit dem PKKVerbot! Freiheit f\u00fcr alle kurdischen politischen Gefangenen\" aufgerufen hatte. IV. AUSL\u00c4NDEREXTREMISMUS (ohne Islamismus/islamistischer Terrorismus) 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Ausl\u00e4nderextremismus stellt keine Extremismusform eigener Art dar. Er umfasst vielmehr extremistische Bestrebungen von Migrantenorganisationen, bei denen Gr\u00fcndung und Wirken auf unterschiedlichste Konflikte in den Herkunftsregionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Bei dem Bem\u00fchen, die dortigen Verh\u00e4ltnisse in ihrem Sinne zu ver\u00e4ndern, wenden sie friedliche, zum Teil aber auch militante Mittel an. Die Aktivit\u00e4ten der in der Bundesrepublik - oft auch im Zusammenwirken mit deutschen extremistischen Gruppierungen - agierenden Organisationen zielen in der Hauptsache auf die Unterst\u00fctzung ihrer Mutterorganisationen ab. Zu beobachten sind dabei vor dem Hintergrund der jeweiligen Entwicklungen in den Ursprungsregionen insbesondere propagandistische, logistische und finanzielle Unterst\u00fctzungshandlungen. Vor allem aus Akzeptanzgr\u00fcnden bem\u00fchen sich die Gruppen grunds\u00e4tzlich um ein friedliches Erscheinungsbild in Deutschland; vereinzelte, durch besonders emotionalisierende Ereignisse und Entwicklungen ausgel\u00f6ste gewaltt\u00e4tige Aktionen sind jedoch immer wieder festzustellen. Ideologische Grundausrichtungen findet der Ausl\u00e4nderextremismus im Linksextremismus, Nationalismus und Separatismus. 46","1.2 Entwicklung/Tendenzen Die heterogene Zusammensetzung des Ausl\u00e4nderextremismus spiegelt sich in seiner ganzen Bandbreite auch im Saarland wider. Wie in den Jahren zuvor hatte die Bearbeitung der in Deutschland mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Priorit\u00e4t. Die Beobachtungsergebnisse belegten erneut die Einbindung der regionalen PKK-Strukturen in die streng hierarchisch gegliederte Gesamtorganisation und zeigen auf, welche ma\u00dfgebliche Bedeutung die politische Entwicklung in der Heimatregion f\u00fcr das Aktivit\u00e4tenspektrum der hiesigen Anh\u00e4ngerschaft hat. Vor dem Hintergrund der massiven bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Kurden und staatlichem Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei war ein besonderes Augenmerk auch darauf zu richten, inwieweit der Konflikt auf das gegenseitige Aktionsverhalten von PKK-Anh\u00e4ngern einerseits und von Vertretern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"Bewegung (\"Idealisten\"-Bewegung) andererseits durchschl\u00e4gt, nachdem insbesondere ein Verein in Saarbr\u00fccken diesem t\u00fcrkischen rechtsextremistischen Spektrum zugeordnet werden konnte, dessen Anh\u00e4nger die t\u00fcrkische Nation in ihren politischen, territorialen und kulturellen Auspr\u00e4gungen idealisieren. 1.3 Personenpotenzial Insbesondere durch Zuw\u00e4chse im Bereich des t\u00fcrkischen Rechtsextremismus (\"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung) war insgesamt ein Anstieg des Mitglieder-/ Anh\u00e4nger potenzials im Beobachtungsbereich Ausl\u00e4nderextremismus zu verzeichnen, das mit 445 Personen (2014: 400) beziffert werden kann. Unver\u00e4ndert stellt sich die PKK mit etwa 300 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern und einem Mobilisierungspotenzial von bis zu 1.000 Personen als die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte und auf Grund ihrer Aktivit\u00e4ten in der \u00d6ffentlichkeit am st\u00e4rksten wahrgenommene Einzelgruppierung dar. Entwicklung des ausl\u00e4nderextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 47","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Die Zahl der im Saarland ver\u00fcbten Straftaten mit erwiesenem bzw. zu vermutendem ausl\u00e4nder extremistischen Hintergrund lag mit zw\u00f6lf Taten (keine Gewalttat) unter der Marke des Vorjahres. Elf Straftaten waren dem Bereich PKK zuzuordnen (Zeigen verbotener Symbole bei Demonstrationen), eine Straftat dem Bereich Islamismus (Bedrohung gem. SS 241 StGB in der LaSt Lebach), f\u00fcr den in dieser Berichtslegung noch keine eigene statistische Ausweisung erfolgt. Entwicklung der Straftatenzahlen innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre 48","2. Einzelaspekte 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung Der zwischen der PKK und der t\u00fcrkischen Regierung Ende 2012 eingeleitete und in der Folgezeit ins Stocken geratene Friedenskurs fand im vergangenen Jahr ein vorl\u00e4ufiges Ende. Seit Sommer 2015 befindet sich die PKK mit ihren \"Volksverteidigungseinheiten\" (HPG) wieder in verst\u00e4rkten Kampfhandlungen mit der t\u00fcrkischen Armee. Ausl\u00f6ser war ein Anschlag des so genannten \"Islamischen Staates\" (IS) am 20. Juli in der t\u00fcrkischen Stadt Suruc, f\u00fcr den die PKK den t\u00fcrkischen Staat (mit-) verantwortlich machte und als Vergeltung zwei t\u00fcrkische Polizisten t\u00f6tete. Als Reaktion flog die t\u00fcrkische Luftwaffe erstmals seit 2012 mehrere Bombenangriffe auf Stellungen der PKK in Syrien und im Nordirak. Zudem kam es in der T\u00fcrkei zu landesweiten Exekutivma\u00dfnahmen gegen PKK-nahe Einrichtungen. Die PKK wiederum griff - mit kurzzeitigen Unterbrechungen bis zu den t\u00fcrkischen Parlamentsneuwahlen vom 1. November - t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte bzw. staatliche Einrichtungen an. Durch Gro\u00dfeins\u00e4tze der t\u00fcrkischen Armee gegen die PKK mit zahlreichen Todesopfern auf beiden Seiten eskalierte der 49","Konflikt bis zum Ende des Jahres weiter. Die Milit\u00e4roffensive richtete sich auch gegen die Ausrufung der kurdischen \"Selbstverwaltung\" durch die PKK in den Provinzen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei. Pr\u00e4sident ERDOGAN erkl\u00e4rte Ende Dezember, dass die Milit\u00e4roffensive fortgesetzt und er \"die PKK bis zum Ende bek\u00e4mpfen\" werde. In Westeuropa bzw. in Deutschland ist die PKK seit 1999 um ein weitgehend friedliches Erscheinungsbild bem\u00fcht. Zentrale Themen der PKKAnh\u00e4ngerschaft in Deutschland waren 2015 die Freilassung Abdullah \u00d6CALANs aus der t\u00fcrkischen Haft, die Ereignisse im Heimatland insbesondere mit Blick auf die Parlamentswahlen, die Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland, die Streichung der PKK von der EU-Liste terroristischer Organisationen und die Aufkl\u00e4rung der Morde an drei PKK-Aktivistinnen am 9. Januar 2013 in Paris. Auf die Versch\u00e4rfung der Situation in den Kampfgebieten reagierten PKK-Jugendliche allerdings auch mit einer Reihe von \"Besetzungsaktionen\" sowie Sachbesch\u00e4digungen an t\u00fcrkischen Einrichtungen. In mehreren deutschen St\u00e4dten kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern der PKK und des rechtsextremistischnationalistischen t\u00fcrkischen Spektrums. Hervorzuheben sind folgende Aktivit\u00e4ten: Anl\u00e4sslich des zweiten Jahrestages der Ermordung von drei PKK-Aktivistinnen nahmen am 10. Januar in Paris mehrere Tausend Teilnehmer an der zentralen Gro\u00dfkundgebung (Motto: \"Euer Schweigen r\u00fchrt aus euerer Mitschuld!\") teil. Wie bereits im Vorjahr fanden auch \u00fcber das ganze Jahr themenbezogene Kundgebungen und Mahnwachen in zahlreichen deutschen St\u00e4dten (u. a. vor franz\u00f6sischen Auslandsvertretungen) statt, in denen die Aufkl\u00e4rung der Morde gefordert wurde. Ende Januar feierten PKK-Anh\u00e4nger bundesweit im Rahmen friedlich verlaufener Spontankundgebungen mit Autokorsos und in Saalveranstaltungen die Befreiung der nordsyrischen Stadt Kobane von Milizen des IS durch kurdische K\u00e4mpfer. 50","Am 14. Februar fand in Stra\u00dfburg die j\u00e4hrliche Gro\u00dfveranstaltung zum Jahrestag der Festnahme Abdullah \u00d6CALANs (15. Februar 1999) mit insgesamt etwa 8.000 Teilnehmern statt. Etwa 17.000 PKK-Anh\u00e4nger begingen am 21. M\u00e4rz mit einer friedlich verlaufenen Gro\u00dfkundgebung in Bonn das traditionelle kurdische Neujahrsfest NEWROZ. Im Mittelpunkt standen die Angriffe des IS auf die kurdische Bev\u00f6lkerung in Syrien und im Irak sowie die Verlesung einer Erkl\u00e4rung \u00d6CALANs, in der dieser den t\u00fcrkischen Staat aufforderte, den Friedensverhandlungen einen gesetzlichen Rahmen zu geben. Ein Organisationsvertreter erkl\u00e4rte in diesem Zusammenhang, dass Deutschland u. a. daf\u00fcr Sorge tragen m\u00fcsse, dass die PKK von der \"EU-Terrorliste\" gestrichen werde, um die Kurdenfrage zu l\u00f6sen. Am 19. Mai besetzten 20 Personen f\u00fcr knapp zwei Stunden die Zentrale der Sparkasse Saarbr\u00fccken, um die R\u00fccknahme der zum Monatsende ausgesprochenen K\u00fcndigung des dort gef\u00fchrten Spendenkontos \"Solidarit\u00e4t mit Rojava\" zu erreichen; die Besetzer forderten auf einem Transparent auch die Aufhebung des PKK-Verbotes. Neben den gr\u00f6\u00dftenteils au\u00dfersaarl\u00e4ndischen Teilnehmern der von der PKK-Studentenorganisation \"Verband der Studierenden aus Kurdistan e.V.\" (YXK; Vereinssitz in K\u00f6ln) initiierten, friedlich verlaufenen Aktion befanden sich ein saarl\u00e4ndischer PKK-Jugendaktivist sowie vier Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene Saar. Anl\u00e4sslich der t\u00fcrkischen Parlamentswahlen vom 7. Juni f\u00fchrten PKKAnh\u00e4nger ab M\u00e4rz deutschlandweit zahlreiche Wahlkampfveranstaltungen zugunsten der pro-kurdischen \"Partei der demokratischen V\u00f6lker\" (HDP) durch und organisierten Fahrten zur Stimmabgabe (08.31.Mai) zu den \u00fcberwiegend in den Generalkonsulaten eingerichteten Wahllokalen. In der Folge von Bombenanschl\u00e4gen am Rande einer Wahlveranstaltung der HDP im s\u00fcdostanatolischen Diyarbakir am 6. Juni kam es in mehreren deutschen St\u00e4dten zu friedlichen Protesten. Das Wahlergebnis der HDP (13,1% der Stimmen) und den Einzug ins Parlament feierten PKK-Anh\u00e4nger bundesweit mit Autokorsos bzw. Spontankundgebungen; die islamischkonservative \"Partei f\u00fcr Gerechtigkeit und Aufschwung\" (AKP) verlor nach 12 Jahren die absolute Mehrheit. Nach einem Bombenanschlag am 20. Juli auf das Camp einer sozialistischen Jugendorganisation in der t\u00fcrkischen Stadt Suruc fanden bundesweit Protestkundgebungen statt. Vereinzelt kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen PKK-Anh\u00e4ngern und rechtsextremistischen T\u00fcrken, so in Berlin und Stuttgart, sowie zu Sachbesch\u00e4digungen an t\u00fcrki51","schen Generalkonsulaten (Hannover, D\u00fcsseldorf und N\u00fcrnberg). H\u00f6hepunkt der Proteste war eine st\u00f6rungsfreie Gro\u00dfkundgebung am 8. August in K\u00f6ln mit 6.000 Teilnehmern. In einem Mobilisierungsaufruf wurden die Bombardements der t\u00fcrkischen Luftwaffe gegen PKK-Stellungen im Nordirak und in der Ostt\u00fcrkei aufs Sch\u00e4rfste verurteilt, der \"Festnahmeterror der t\u00fcrkischen Polizei\" vor allem gegen Kurden und \"linke AktivistInnen\" sowie die \"Totalisolation\" des inhaftierten PKK-F\u00fchrers \u00d6CALAN angeprangert. Am 5. September fand in D\u00fcsseldorf das \"23. Internationale Kurdische Kulturfestival\" statt. An der st\u00f6rungsfreien Veranstaltung beteiligten sich ca. 21.000 Personen aus ganz Europa. Tenor zahlreicher Ansprachen war die Forderung nach Frieden und Freiheit, die Aufforderung zu Entschlossenheit und Widerstand und die Freilassung Abdullah \u00d6CALANs. H\u00f6hepunkt der Veranstaltung war der Auftritt des Co-Vorsitzenden der HDP, Selahattin DEMIRTAS, der in seiner Rede die \"Kriegspolitik\" der T\u00fcrkei kritisierte und betonte, dass die HDP niemals zur\u00fcckweichen werde. W\u00e4hrend die t\u00fcrkische Regierungspartei versuche, so DEMIRTAS weiter, ihre Wahlniederlage bei den Parlamentswahlen mit Waffen aus der Welt zu schaffen, w\u00fcnschten sich die Kurden Frieden, seien aber auch bereit, f\u00fcr diese zu k\u00e4mpfen. Ab Mitte September unterst\u00fctzten PKK-Anh\u00e4nger erneut bundesweit den Wahlkampf der HDP f\u00fcr die (nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen erforderlich gewordenen) Parlamentsneuwahlen am 1. November. Neben kleineren lokalen Veranstaltungen fanden f\u00fcnf gro\u00dfe Saalveranstaltungen (u. a. in Frankfurt/M.) mit DEMIRTAS statt. In der Folge eines von der PKK ver\u00fcbten Anschlags in der t\u00fcrkischen Provinz Hakkari Anfang September mit 16 get\u00f6teten t\u00fcrkischen Soldaten, des Einmarsches der t\u00fcrkischen Armee in den Nordirak und einer Lageversch\u00e4rfung in der Grenzstadt Cizre verst\u00e4rkten PKK-Anh\u00e4nger im September ihre Protestaktionen im gesamten Bundesgebiet. Andererseits fanden nach diesem Anschlag auch zahlreiche pro-t\u00fcrkische Demonstrationen statt, die \u00fcberwiegend friedlich verliefen. Vereinzelt kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischen und kurdischen Demonstranten (so in Hannover, Berlin, Stuttgart und K\u00f6ln). In Saarbr\u00fccken st\u00f6rten am 26. September etwa 40 \u00fcberwiegend jugendliche Kurden eine pro-t\u00fcrkische Demonstration. Gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen beiden Lagern konnten aufgrund des massiven Polizeieinsatzes verhindert werden. Am 10. Oktober kam es in vielen deutschen St\u00e4dten zu \u00fcberwiegend friedlichen kurdischen Spontandemonstrationen mit bis zu 5.000 Teilnehmern. Ausl\u00f6ser war ein Sprengstoffanschlag zweier mutma\u00dflicher IS-Selbstmordattent\u00e4ter in Ankara inmitten einer pro-kurdischen Friedensdemonstra52","tion, dem \u00fcber 100 Menschen zum Opfer gefallen waren. Bei Protesten in Karlsruhe, N\u00fcrnberg, Stuttgart und Ulm kam es zu St\u00f6rungen bzw. Provokationen, u. a. durch nationalistische T\u00fcrken. Die PKK hatte etwa zeitgleich erkl\u00e4rt, sie werde gewaltsame Aktionen gegen den t\u00fcrkischen Staat und dessen Sicherheitskr\u00e4fte bis zu den Neuwahlen des t\u00fcrkischen Parlaments am 1. November einstellen. Bei den Parlamentswahlen vom November konnte die HDP schlie\u00dflich 10,75% der Stimmen auf sich vereinigen. Damit hatte sie - wie bei den Wahlen im Juni - die landesweite Sperrklausel von 10% \u00fcbersprungen und zog mit 59 Sitzen ins Parlament ein. Nennenswerte Reaktionen der PKK-Anh\u00e4ngerschaft in Deutschland auf das Wahlergebnis waren nicht festzustellen. Anl\u00e4sslich des 22. Jahrestages des PKK-Verbots in Deutschland (22. November 1993) und zum 37. Jahrestag der Gr\u00fcndung der PKK (27. November 1978) fanden bundesweit friedlich verlaufene Demonstrationen und Veranstaltungen statt. An den Demonstrationen, die auch eine Aufhebung des PKK-Verbotes thematisierten, beteiligten sich auch Anh\u00e4nger t\u00fcrkischer und deutscher linksextremistischer Organisationen. Die intensivierten Angriffe der t\u00fcrkischen Armee auf Stellungen der PKK im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei sowohl im Vorfeld der Parlamentswahlen vom November als auch danach l\u00f6sten erneut eine Protestwelle aus. Haupts\u00e4chlich ab Mitte Dezember fanden deutschlandweit friedlich verlaufene Aktionen statt. Allerdings reagierten jugendliche PKK-Anh\u00e4nger aufgrund der aufgeheizten Stimmung verst\u00e4rkt mit \"Besetzungsaktionen\" u. a. von Fernsehsendern. Au\u00dferdem kam es zu mehreren Brandanschl\u00e4gen gegen t\u00fcrkische Einrichtungen, so z. B. in K\u00f6ln und Stuttgart. 2.1.2 Struktur Im Zuge der 2013 eingeleiteten Neustrukturierung der PKK in Europa hatte sich der europ\u00e4ische Dachverband PKK-naher Vereine von \"Konf\u00f6deration der kurdischen Vereine in Europa\" (KON-KURD) in \"Kongress der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa\" (KCD-E) umbenannt. Die KCD-E bildet nunmehr die PKK-Europaf\u00fchrung, in die auch die \"Koordination der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" (CDK) als politischer Arm integriert ist. Sie ist weiterhin streng hierarchisch gegliedert. An der Spitze stehen Funktion\u00e4re, die in der Regel durch die europ\u00e4ische Leitungsebene der Organisation eingesetzt werden. Die Zuweisung auf die einzelnen Funktionen erfolgt zumeist nur f\u00fcr einen begrenzten Zeitraum. Die hauptamtlichen Kader der PKK sind ideologisch geschult und leben \u00e4u\u00dferst konspirativ an h\u00e4ufig wechselnden Orten. 53","Auf oberster Gliederungsebene ist die PKK in Deutschland in vier Sektoren (\"SAHAs\") f\u00fcr die Bereiche Nord, Mitte, S\u00fcd 1 und S\u00fcd 2 aufgeteilt. Diesen SAHAs sind 31 Gebiete untergeordnet, die sich wiederum in Teilgebiete gliedern. Das \"Gebiet Saarland\" mit seinen sieben bis in die Westpfalz und nach Trier reichenden Teilgebieten geh\u00f6rt zum \"SAHA S\u00fcd 1\". F\u00fcr die organisatorische Umsetzung ihrer Vorgaben bedient sich die PKK \u00fcberwiegend \u00f6rtlicher kurdischer Vereine, die den Organisationsanh\u00e4ngern als Treffpunkte und Anlaufstellen dienen. Als Dachverband fungiert das \"Demokratische kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland e.V.\" (NAVDEM) mit 46 angeschlossenen Kurdenvereinen. Im Saarland ist das \"Kurdische Gesellschaftszentrum Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) mit R\u00e4umlichkeiten in der St. Johanner Str. 66 Mitgliedsverein des NAV-DEM. Aufgabe des KGZ ist es, die durch die Gebietsleitung vermittelten Vorgaben der PKK-F\u00fchrung organisatorisch umzusetzen. Das bedeutet nicht nur, die in ihrem Einzugsgebiet lebenden Kurden f\u00fcr die Ziele der PKK zu gewinnen, sondern ihnen auch den Rahmen f\u00fcr politische Schulungen zu geben und sie - u.a. \u00fcber eine Ende Juli eingerichtete Facebook-Seite - f\u00fcr Veranstaltungen bzw. Demonstrationen sowie Spendenkampagnen zu mobilisieren. Die Mobilisierung der PKK-Jugend im Saarland erfolgte seit Anfang Februar durch die PKK-Jugendgruppierung \"Ciwanen Azad Saarland\", welche zu dem 2013 gegr\u00fcndeten europ\u00e4ischen Dachverband \"Ciwanen Azad\" geh\u00f6rt. Sowohl die Jugendgruppierung, als auch die im Saarland 2013 gegr\u00fcndete und der YXK zugeh\u00f6rige Studentengruppe kommunizieren \u00fcber Facebook und sind u. a. mit deutschen linksextremistischen Gruppierungen im Rahmen der \"Kurdistansolidarit\u00e4t\" vernetzt. Bis zum Ende des Jahres war u. a. die Co-Vorsitzende des KGZ eine der Administratoren dieses geschlossenen Forums, das bis zu diesem Zeitpunkt \u00fcber ca. 600 Mitglieder verf\u00fcgte. 2.1.3 Veranstaltungen/Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft Die Aktivit\u00e4ten der PKK-Anh\u00e4nger im Saarland orientierten sich wie in den Vorjahren an den Vorgaben der Organisationsf\u00fchrung und waren regionaler als auch \u00fcberregionaler Art, wozu im vergangenen Jahr auch die Unterst\u00fctzung der Arbeit des \"Mesopotamischen Kulturvereins Kaiserslautern e.V.\" durch Teilnahme an dortigen Veranstaltungen geh\u00f6rte. 54","Das Veranstaltungsgeschehen verlief - bis auf die St\u00f6raktion bei der v. g. Saarbr\u00fccker Demonstration vom 26. September - insgesamt friedlich. Es zeigte sich, dass die PKK-Anh\u00e4ngerschaft bei besonderen Ereignissen auch kurzfristig in hohem Ma\u00dfe handlungsf\u00e4hig ist. An den KGZ-Veranstaltungen beteiligten sich zudem Personen des t\u00fcrkischen und deutschen linksextremistischen Spektrums. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang: 11.01.2015 Beteiligung von 400 saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngern an der Jahrestagsveranstaltung in Paris, 27.01.2015 Kundgebung des KGZ mit 150 Teilnehmern in Saarbr\u00fccken anl\u00e4sslich der Befreiung der Stadt Kobane/Syrien von IS-Milizen, 14.02.2015 Beteiligung von etwa 600 Anh\u00e4ngern an der Gro\u00dfdemonstration in Stra\u00dfburg zum 16. Jahrestag der Festnahme \u00d6CALANs, 21.03.2015 Teilnahme mehrerer hundert Kurden an der NEWROZ-Veranstaltung in Bonn, mehrere Aktivit\u00e4ten zur Unterst\u00fctzung der HDP, u. a neben der Organisation von Fahrdiensten zum Wahllokal im Mainzer Konsulat am 06. April/2. Mai mit Veranstaltungen des KGZ mit 300 Teilnehmern bzw. 700 Teilnehmern in Saarbr\u00fccken, am 06. Juni durch eine Protestaktion mit 400 Teilnehmern in Saarbr\u00fccken i. Z. m. den Diyarbakir-Bombenanschl\u00e4gen, am 07. Juni mit einer \"Wahlparty\" mit mehreren hundert Teilnehmern in den R\u00e4umlichkeiten der KGZ, einem Autokorso kurdischer Jugendlicher durch Saarbr\u00fccken und einem Treffen auf den Saarterrassen zum Wahlerfolg der HDP (ca. 1.000 Personen) sowie am 04. Oktober mit der Beteiligung saarl\u00e4ndischer Kurden an einer HDPVeranstaltung in Frankfurt/M., 20.07./ 08.08.2015: Spontankundgebung des KGZ in Saarbr\u00fccken mit 300 Teilnehmernanl\u00e4sslich des Anschlages in Suruc sowie Beteiligung mehrerer hundert Anh\u00e4nger an der zentralen Gro\u00dfkundgebung in K\u00f6ln, 55","05.09.2015 Beteiligung von 600 Anh\u00e4ngern am \"Internationalen Kurdistan-Festival\" in D\u00fcsseldorf, 10.09.2015 Protestaktion des KGZ zur politischen Situation in der T\u00fcrkei mit 400 Anh\u00e4ngern vor der Europagalerie, 14.-19.09.2015 Aktionsreihe mit Informationszelt vor der Europagalerie, 19.09.2015 Aufzug durch die Saarbr\u00fccker Innenstadt mit rund 1.000 Teilnehmern, 10.10.2015 Spontanaktion anl\u00e4sslich des Bombenanschlags in Ankara mit etwa 300 Teilnehmern vor der Europa-Galerie, 12.11.2015 Kundgebung des KGZ mit 200 Teilnehmern vor der Europa-Galerie zur Vorgehensweise des t\u00fcrkischen Staates gegen die kurdische Zivilbev\u00f6lkerung, 27.11.2015 Demonstration des KGZ mit 200 Personen (Motto: \"Weg mit dem PKKVerbot, Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\") in Saarbr\u00fccken mit Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der linksextremistischen Szene Saar, 29.11.2015 Feier des KGZ zum \"Jahrestag der PKK-Gr\u00fcndung\" in Karlsbrunn mit 500 Teilnehmern, 14./15.12.2015 Spontandemonstrationen i. Z. m. den t\u00fcrkischen Milit\u00e4rangriffen im Saarbr\u00fccker Hauptbahnhof und vor der Europagalerie, 16.-20.12.2015: Mahnwachen des KGZ in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und 19.12.2015 Kundgebung des KGZ mit mehreren hundert Teilnehmern in Saarbr\u00fccken. 56","2.2 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) Die separatistische LTTE verfolgt das Ziel, einen unabh\u00e4ngigen Tamilenstaat \"Tamil Eelam\" zu errichten, der den \u00fcberwiegend von Tamilen besiedelten Norden und Osten der Insel Sri Lanka umfasst. Zur Durchsetzung dieses Ziels f\u00fchrte die LTTE von 1983 bis zu ihrer milit\u00e4rischen Zerschlagung 2009 einen erbitterten B\u00fcrgerkrieg gegen die von der Bev\u00f6lkerungsgruppe der Singhalesen getragene Zentralregierung Sri Lankas, dem insgesamt mehr als 100.000 Menschen zum Opfer fielen. Die au\u00dferhalb Sri Lankas bestehenden Netzwerke der LTTE blieben weitgehend intakt und setzten ihre Arbeit ohne Anleitung durch eine \u00fcbergeordnete Instanz fort; von LTTEAnh\u00e4ngern in der Diaspora begangene Gedenkund Feiertage belegen die tiefe Verwurzelung in der milit\u00e4rischen Tradition der LTTE. In Deutschland, wo rund 60.000 Tamilen leben, ist die Organisation mit einer Anh\u00e4ngerschaft von ca. 1000 Personen zwar nicht verboten, wurde aber auf der so genannten \"Terrorliste\" der Europ\u00e4ischen Union gef\u00fchrt. Die 2014 wegen Formfehlern erfolgte Aufhebung der Listung, seinerzeit von der tamilischen Diaspora als Erfolg und \"Freispruch\" gewertet, wurde durch Beschluss des Rates der Europ\u00e4ischen Union vom 21. Dezember mit der erneuten Listung der LTTE korrigiert. Die nach der milit\u00e4rischen Niederlage der LTTE und dem Tod ihres F\u00fchrers Velupillai PRABHAKARAN erfolgte Spaltung in konkurrierende Gruppen endete im Herbst 2013 mit einer offiziell verk\u00fcndeten Wiedervereinigung beider Fl\u00fcgel. Die tamilischen Vereine im Bundesgebiet - wie der \"Tamilische Kulturverein e.V.\" in Saarbr\u00fccken - dienen als Anlaufstellen der Anh\u00e4ngerschaft und sind prim\u00e4r f\u00fcr das Sammeln von Spendengeldern, die Durchf\u00fchrung von Propagandaaktionen und die Mobilisierung f\u00fcr \u00fcberregionale Veranstaltungen zust\u00e4ndig. Der Saarbr\u00fccker Kulturverein sowie die tamilischen Schulen (so genannte \"Thamilalayams\") in Saarbr\u00fccken, Sulzbach, Dillingen und Homburg bilden die legalen Strukturen der LTTE im Saarland. Insgesamt sind etwa 35 Tamilen der LTTE direkt zuzurechnen, das Mobilisierungspotenzial liegt bei rund 200 Personen. 57","Innerhalb der tamilischen Diaspora im Saarland ist nach wie vor eine Tendenz zu politischer Teilnahmslosigkeit festzustellen. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr d\u00fcrfte die Einsicht sein, dass die Errichtung eines souver\u00e4nen tamilischen Staates in Sri Lanka in naher Zukunft weder mit milit\u00e4rischen noch politischen Mitteln erreicht werden kann. Zu verzeichnen waren daher nur wenige Aktionen im Saarland sowie nur geringe Beteiligungen hiesiger Organisationsanh\u00e4nger an \u00fcberregionalen Veranstaltungen. Die vier tamilischen Schulen veranstalteten am 17. Januar ein \"PongalFestival\" in Sulzbach-Neuweiler mit etwa 200 Teilnehmern; am 16. M\u00e4rz beteiligten sich etwa 20 Tamilen an der Abschlussveranstaltung des \"Walk for Justice\" in Genf, mit dem auf die Menschenrechtsverletzungen an der tamilischen Bev\u00f6lkerung in Sri Lanka aufmerksam gemacht werden sollte. Etwa 200 Tamilen aus dem s\u00fcdwestdeutschen Raum beteiligten sich am 11. April an einer von der Jugendorganisation \"Tamil Youth Organisation Germany\" (TYO Germany) organisierten Kulturveranstaltung in Dudweiler. An einer Gro\u00dfdemonstration anl\u00e4sslich des so genannten \"Tamil Genocide Day\", am 18. Mai in D\u00fcsseldorf, an dem traditionell der tamilischen Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Sri Lanka gedacht wird, nahmen etwa 15 LTTE-Anh\u00e4nger aus dem Saarland teil. Am 10. September legten Teilnehmer eines \"Radmarathons von London nach Genf\", mit dem \u00f6ffentlichkeitswirksam der Forderung nach einer internationalen Untersuchung der Menschenrechtsverletzungen im Heimatland Nachdruck verliehen werden sollte, einen Zwischenstopp im Saarland ein. Mit einer Kundgebung am gleichen Tag vor der Saarbr\u00fccker Europagalerie machten rund 15 saarl\u00e4ndische Anh\u00e4nger mit themenbezogenen Transparenten, Plakaten und LTTE-Fahnen auf den \"V\u00f6lkermord an Tamilen in Sri Lanka\" aufmerksam. Am 27. November, dem Geburtstag ihres 2009 get\u00f6teten F\u00fchrers PRABAKHARAN, nahmen in Dortmund insgesamt ca. 3.500 Anh\u00e4nger teil, darunter auch rund 30 Tamilen aus dem Saarland. Der so genannte \"Heldengedenktag\" zur Erinnerung an die im Kampf f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Tamilen-Staat Gefallenen, wurde von einem umfangreichen Kulturund Musikprogramm umrahmt. 58","V. Islamismus/islamistischer Terrorismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Islamismus ist eine Form des politischen Extremismus, die sich einer religi\u00f6sen Sprache und religi\u00f6ser Argumentationsmuster bedient. Ihre Religion bewusst missbrauchend oder aber in einem v\u00f6llig faschen Verst\u00e4ndnis des Glaubens sehen Islamisten den Islam als ein ganzheitliches, allumfassendes Regelwerk an, das die alleinige Basis f\u00fcr die L\u00f6sung aller gesellschaftlichen und politischen Fragen bietet. Unter dem \u00dcberbegriff Islamismus werden verschiedene Str\u00f6mungen subsumiert, die von politisch legalistischen Organisationen \u00fcber unterschiedliche missionarische Bewegungen bis hin zu militanten bzw. terroristischen Strukturen oder Netzwerken reichen. Die \u00dcberg\u00e4nge innerhalb dieses Spektrums sowie innerhalb bestimmter Str\u00f6mungen sind flie\u00dfend und bed\u00fcrfen immer wieder einer Neubestimmung. Innerhalb des Islamismus beobachten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder auch die Str\u00f6mung des Salafismus, die aktuell sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene als dynamischste islamistische Bewegung gilt und insbesondere auf j\u00fcngere Menschen eine enorme Anziehungskraft entfaltet. Salafisten verstehen sich als Verfechter eines urspr\u00fcnglichen, unverf\u00e4lschten Islam, die ihre Lebensf\u00fchrung ausschlie\u00dflich an den Prinzipien des Koran sowie dem vom Propheten Muhammad und den ersten Muslimen gesetzten Vorbild auszurichten haben. Ziel von Salafisten ist die vollst\u00e4ndige Umgestaltung von Staat, Gesellschaft und individueller Lebensf\u00fchrung jedes einzelnen Menschen nach \"gottgewollten\" Grunds\u00e4tzen. Das Demokratieprinzip wird kategorisch abgelehnt, \"weltliche\" Gesetzgebung strikt negiert. Mit diesen ideologischen Grundlagen stellt der Salafismus auch eine Gegenkultur mit alternativem Lebensstil und markanten Alleinstellungsmerkmalen (Kleidung und Sprache) dar, dessen Anh\u00e4nger sich nach au\u00dfen als eingeschworene Gemeinschaft mit intensivem Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl abgrenzen. Sowohl diese Abgrenzung als auch ein das t\u00e4gliche Leben bis ins Detail bestimmendes salafistisches Regelwerk entfalten eine gro\u00dfe Anziehungskraft f\u00fcr alle diejenigen, die sich in der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert f\u00fchlen; gerade ungefestigte, Sinn suchende Jugendliche und Heranwachsende f\u00fchlen sich so als Teil einer Elite, als Vork\u00e4mpfer des 59","\"wahren Islam\", der Welt der Ungl\u00e4ubigen moralisch \u00fcberlegen. W\u00e4hrend die Mehrzahl der Salafisten ihre Ziele durch eine langfristige Ver\u00e4nderung der Gesellschaft und Missionierung erreichen will, setzt ein zahlenm\u00e4\u00dfig deutlich geringerer Teil auf Gewalt und terroristische Akte. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Im Fokus der Bearbeitung des Islamismus/islamistischer Terrorismus im Saarland standen im vergangenen Jahr insbesondere die spezifischen Auswirkungen der Syrien/Iraksowie der Fl\u00fcchtlingsproblematik auf diesen Beobachtungsbereich, konkrete Ans\u00e4tze terroristischer Aktivit\u00e4ten, salafistische Erscheinungsformen sowie entsprechende partielle Wechselwirkungen. Die j\u00fcngsten terroristischen Anschl\u00e4ge in mehreren europ\u00e4ischen Metropolen machten deutlich, dass Europa - und damit auch die Bundesrepublik Deutschland - mit seinen staatlichen und zivilen Einrichtungen unver\u00e4ndert im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus steht und damit einer fortgesetzten hohen abstrakten Gef\u00e4hrdung unterliegt, die sich jederzeit durch terroristische Taten konkretisieren kann. Auch wenn den deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden derzeit keine belastbaren Hinweise auf konkrete Tatplanungen in Deutschland vorliegen, muss unter Ber\u00fccksichtung des zumindest quantitativ starken jihadistischen Personenpotenzials sowie der Schwierigkeit, emotionalisierte Spontanund Einzelt\u00e4ter oder Kleinstgruppen fr\u00fchzeitig zu erkennen, auch in Deutschland mit der Vorbereitung bzw. Verwirklichung terroristischer Anschl\u00e4ge gerechnet werden. Einen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der bisher in Europa ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge mit islamistischem Hintergrund stellten die Terroranschl\u00e4ge von Paris vom 13. November 2015 dar, bei denen mehrere Selbstmordattent\u00e4ter mit Bezug zum IS verschiedene, \u00fcber das Pariser Stadtgebiet verteilte Ziele angriffen. Diese strukturierte Anschlagsserie mit dem Einsatz gut ausger\u00fcsteter, in mehreren mobilen Zellen agierender Attent\u00e4ter sowie die hohen Opferzahlen markierten eine neue Dimension des Terrors in Europa. Zudem machten die Anschl\u00e4ge von Paris erneut deutlich, dass das gr\u00f6\u00dfte Gef\u00e4hrdungspotenzial neben fanatisierten Einzelt\u00e4tern und Kleinstgruppen erfahrene Jihadk\u00e4mpfer, seien es Ersteinreisende oder R\u00fcckkehrer aus jihadistischen Ausbildungslagern bzw. Kampfgebieten, darstellen. Derzeit liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden Erkenntnisse zu mehr als 800 60","(Stand: Februar 2016) deutschen Islamisten bzw. Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien / Irak ausgereist sind, um dort auf Seiten des IS und anderer terroristischer Gruppierungen an Kampfhandlungen teilzunehmen oder diese in sonstiger Weise zu unterst\u00fctzen. Insgesamt zeichnet sich eine verringerte Ausreisedynamik ab. Nicht in allen F\u00e4llen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tats\u00e4chlich in Syrien/ Irak aufhalten oder aufgehalten haben. Etwa ein F\u00fcnftel der gereisten Personen ist weiblich; der \u00fcberwiegende Teil der insgesamt ausgereisten Personen ist j\u00fcnger als 30 Jahre. Etwa ein Drittel der insgesamt gereisten Personen befindet sich momentan wieder in Deutschland. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer liegen keine belastbaren Informationen vor, dass sie sich aktiv an Kampfhandlungen in Syrien/ Irak beteiligt haben. Als Ergebnis der kontinuierlichen Ausund Bewertung der Erkenntnislage zu zur\u00fcckgekehrten Personen liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden aktuell zu \u00fcber 70 Personen Erkenntnisse vor, wonach sie sich aktiv an K\u00e4mpfen in Syrien oder im Irak beteiligt oder hierf\u00fcr eine Ausbildung absolviert haben. Ferner gibt es zu ca. 130 Personen Hinweise, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sind bestrebt, m\u00f6glichst viele dieser Ausreiseplanungen fr\u00fchzeitig wahrzunehmen, um deren Verwirklichung zu unterbinden. Die Anzahl der beh\u00f6rdlich verh\u00e4ngten Ausreiseverbotsverf\u00fcgungen bewegt sich im niedrigen dreistelligen Bereich. Im Zusammenhang mit ersteinreisenden Jihadisten aus der syrisch-irakischen Krisenregion ist anzumerken, dass die Sicherheitsbeh\u00f6rden mangels belastbarer Hinweise zun\u00e4chst davon ausgingen, dass es der IS eher nicht n\u00f6tig habe, Attent\u00e4ter \u00fcber die beschwerlichen Fl\u00fcchtlingsrouten einzuschleusen, da ihm effektivere Wege zur Verf\u00fcgung stehen. Diese Einsch\u00e4tzung musste nach den Erkenntnissen zu den Anschl\u00e4gen in Paris teilweise revidiert werden. Bislang erlangten die Bundessicherheitsbeh\u00f6rden (Stand: Januar 2016) Hinweise zur Einreise bzw. Aktivit\u00e4ten mutma\u00dflicher aktiver/ehemaliger Jihadisten (einschl. Unterst\u00fctzer und Sympathisanten) bzw. zur Einreise von Einzelpersonen mit extremistischer Gesinnung und islamistisch motivierten Kriegsverbrechern in einer Gesamth\u00f6he im unteren dreistelligen Bereich. Der Gro\u00dfteil dieser zumeist unspezifischen Hinweise l\u00e4sst sich weder eindeutig verifizieren noch falsifizieren und bleibt Gegenstand intensiver sicherheitsbeh\u00f6rdlicher Ermittlungen. In Bezug auf Aktivit\u00e4ten des islamistischen Spektrums im engeren und weiteren Zusammenhang mit dem Fl\u00fcchtlingszustrom war festzustellen, dass 61","in Deutschland ans\u00e4ssige Islamisten mit Hilfsleistungen und -angeboten (u. a. materielle Spenden, Dolmetscherdienste, Seelsorge) an die Bewohner von Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften herantraten; bisher konnten im Verfassungsschutzverbund (Stand: Januar 2016) Hinweise in einer Gesamth\u00f6he im unteren dreistelligen Bereich zu direkten islamistischen Kontaktaufnahmeversuchen gez\u00e4hlt werden. Grunds\u00e4tzlich ist zu konstatieren, dass Kontaktaufnahmen zu Fl\u00fcchtlingen bzw. Hilfskampagnen nicht auf organisationsgebundenen, zentral gesteuerten Strategien basieren, sondern vielmehr auf \u00f6rtlicher Ebene von Einzelpersonen bzw. Personenzusammenschl\u00fcssen vorgenommen wurden. Zudem ergeben sich potenzielle Ber\u00fchrungspunkte zwischen Islamisten und Migranten wiederholt durch die berufliche Besch\u00e4ftigung von Personen mit Verbindung zum Islamismus als Sicherheitspersonal oder Dolmetscher in Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften. Erkenntnisse zu islamistischen Radikalisierungsprozessen unter Fl\u00fcchtlingen im Bundesgebiet liegen bislang nur im Einzelfall vor. 1.3 Personenpotenzial Das Mitglieder-/Anh\u00e4ngerpotenzial der dem Beobachtungsbereich Islamismus/islamistischer Terrorismus zugeordneten Organisationen, Gruppierungen und Einzelaktivisten im Saarland belief sich im abgelaufenen Jahr auf etwa 220 Personen (Vorjahr: 210). W\u00e4hrend bei anderen Beobachtungsfeldern des Islamismus leichte Abg\u00e4nge zu verzeichnen waren, mussten dem Ph\u00e4nomenbereich des Salafismus nach Etablierung der erkannten Anlaufstellen rund 150 Personen zugerechnet werden (Vorjahr: ca. 100). Etwa 10 Personen werden als gewaltorientiert eingesch\u00e4tzt. Entwicklung des islamistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 62","Hinweis: Die signifikante Reduzierung des Gesamtpotenzials in 2014 resulierte aus dem Umstand, dass die \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs\" (IGMG) mit mehr als 200 Anh\u00e4ngern seit Oktober des gleichen Jahres nicht mehr unter Beobachtung steht. 2. Einzelaspekte 2.1 Islamistischer Terrorismus Die Situation in Syrien und im Irak f\u00fchrte seit 2012 zu einem massiven Anstieg islamistisch motivierter Ausreisen in die Krisengebiete mit dem Ziel der Unterst\u00fctzung des so genannten \"Islamischen Staates\" (IS) oder eines anderen jihadistischen Netzwerkes. Im Saarland wurden in der Vergangenheit Informationen zu wenigen Einzelpersonen bekannt, die eine Ausreise nach Syrien geplant haben sollen. Bislang konnten allerdings keine Erkenntnisse gewonnen werden, die auf realisierte islamistisch motivierte Reisebewegungen nach Syrien/ Irak hindeuten. Eine im vergangenen Jahr von einem breiten Medienecho beglei63","tete mutma\u00dflich jihadistisch motivierte Ausreise betraf einen inzwischen 22-j\u00e4hrigen pakistanischen Staatsangeh\u00f6rigen aus Saarbr\u00fccken, der im Januar zun\u00e4chst zu Verwandten in sein Heimatland reiste; wenige Wochen sp\u00e4ter schloss er sich angeblich einer jihadistischen Gruppe in Afghanistan an. Etwa seit Mitte 2015 h\u00e4uften sich auch im LfV Saarland Hinweise auf im Zuge des Fl\u00fcchtlingsstroms eingereiste Personen, die einen jihad-salafistischen Vorlauf haben bzw. Mitglieder einer islamistisch-terroristischen Organisation im Ausland sein sollen. Die zumeist unspezifischen Hinweise wurden hier in enger Abstimmung mit der Polizei bearbeitet. Zur Optimierung, Beschleunigung und Standardisierung der Arbeitsabl\u00e4ufe bei der Bearbeitung von Hinweisen, Verdachtsf\u00e4llen, Gef\u00e4hrdungsund Ausreisesachverhalten mit Bezug zum Ph\u00e4nomenbereich Islamismus/islamistischer Terrorismus wurde im Herbst vergangenen Jahres eine besondere Arbeitseinheit innerhalb des LfV eingerichtet. Da sich entsprechende Verdachtsf\u00e4lle / Gef\u00e4hrdungssachverhalte, die oftmals auf fr\u00fchere Aktivit\u00e4ten in der syrisch-irakischen Krisenregion abheben, h\u00e4ufig nur sehr schwer eindeutig verifizieren bzw. falsifizieren lassen, sind sie mitunter bis dato Gegenstand intensiver nachrichtendienstlicher Ermittlungen. Nach derzeitiger Bewertung liegen jedoch keine belastbaren Hinweise auf aktuelle Verbindungen einzelner Personen zum IS oder anderen jihadistischen Gruppierungen sowie auf islamistisch-terroristische Aktivit\u00e4ten im Saarland bzw. von im Saarland ans\u00e4ssigen Personen vor. 2.2 Islamismus im Saarland Das breite Spektrum islamistischer Bestrebungen ist in Teilen auch im Saarland vertreten bzw. in einigen Erscheinungsformen ideologisch oder organisatorisch mit Gruppierungen oder Einzelpersonen aus dem Saarland verbunden. H\u00e4ufig nicht auf den ersten Blick erkennbar, bestehen solche Verbindungen z. B. zur \"Hizb Allah\" (HA), zur \"Muslimbruderschaft\" (MB) und auch zur \"Tabligh-i-Jama'at\"Bewegung (TJ). Die Anziehungskraft des Salafismus insbesondere auf j\u00fcngere Menschen sowie die weiterhin signifikant steigenden Anh\u00e4ngerzahlen entsprechender Gruppierungen in Deutschland zeigten sich im abgelaufenen Jahr auch im Saarland. Obgleich im Berichtszeitraum keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen 64","Veranstaltungen von Salafisten festzustellen waren, konnte dennoch eine deutliche Belebung hiesiger personeller und organisatorischer Strukturen bei salafistischen Erscheinungsformen festgestellt werden. Der hiesigen Klientel von derzeit rund 150 Personen dienten weiterhin insbesondere Vereine in Sulzbach und Merzig als Anlaufstellen; weitere Ans\u00e4tze waren dar\u00fcber hinaus auch f\u00fcr die Landeshauptstadt festzustellen. Nach wie vor war die Szene nahezu in G\u00e4nze dem politischen Salafismus zuzurechnen. Gewalt bzw. Jihad bef\u00fcrwortende Tendenzen waren lediglich bei Einzelpersonen ansatzweise erkennbar. Angesichts der Entwicklungen in Syrien / Irak und einer stetig steigenden Zahl islamistisch motivierter Ausreisen von Salafisten aus Deutschland und Europa in die dortige Krisenregion stand der Salafismus erneut im besonderen Fokus der \u00d6ffentlichkeit. Auch innerhalb der salafistischen Szene im Saarland war der Syrien-Konflikt unver\u00e4ndert Gespr\u00e4chsthema. Mit den in dortigen Kreisen durchgef\u00fchrten Spendensammlungen f\u00fcr Syrien (Sachund Geldspenden) wurden vornehmlich karitative Zwecke verfolgt; eine Unterst\u00fctzung islamistischer Gruppierungen in Syrien kann allerdings im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden. Im abgelaufenen Jahr wurden hiesigem Landesamt wenige Einzelf\u00e4lle im konkreten Spannungsfeld Islamismus/ Fl\u00fcchtlinge bekannt. In einem Fall engagierten sich im Sp\u00e4tsommer mehrere Angeh\u00f6rige des hiesigen salafistischen Spektrums im Rahmen humanit\u00e4rer Hilfsdienste in der Landesaufnahmestelle Lebach; belastbare Erkenntnisse zu einer dar\u00fcber hinausgehenden gezielten \"Dawa-/ Missionierungsarbeit\" durch diese Personen lagen nicht vor. Andererseits darf nicht vernachl\u00e4ssigt werden, dass Fl\u00fcchtlinge in durchaus gro\u00dfer Zahl auch verfassungsschutzrelevante, insbesondere unter salafistischem Einfluss stehende Moscheen im Saarland aufsuchten. Nach den bisherigen Erkenntnissen schien dies sehr h\u00e4ufig aber aus praktischen Erw\u00e4gungen zu erfolgen. So d\u00fcrften vornehmlich die Wohnortn\u00e4he bzw. die in salafistisch gepr\u00e4gten Moscheen zumeist dominierende arabische Sprache ausschlaggebend sein. Obgleich im Saarland bislang keine Erkenntnisse zu islamistischen Radikalisierungsprozessen unter Fl\u00fcchtlingen bekannt wurden, wird das entsprechende Spannungsfeld auch weiterhin im besonderen Fokus der hiesigen Beobachtung stehen. 65","VI. Spionage-/ Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz 2015 Die Bundesrepublik ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie mit Weltmarktf\u00fchrung sowie wegen ihrer politischen Rolle in der EU und NATO ein Zielgebiet f\u00fcr fremde Nachrichtendienste. Ihre offene und pluralistische Gesellschaft erleichtert Nachrichtendiensten fremder Staaten die Informationsbeschaffung. Haupttr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten gegen Deutschland sind derzeit die russische F\u00f6rderation und die Volksrepublik China. Dar\u00fcber hinaus sind vornehmlich L\u00e4nder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas nachrichtendienstlich in Deutschland aktiv. Die Nachrichtendienste dieser Staaten sind in unterschiedlicher Personalst\u00e4rke an den jeweiligen amtlichen und halbamtlichen Vertretungen in Deutschland pr\u00e4sent und unterhalten dort sogenannte Legalresidenturen. Darunter versteht man St\u00fctzpunkte eines fremden Nachrichtendienstes, abgetarnt in einer offiziellen (z.B. Botschaft, Generalkonsulat) oder halboffiziellen (z.B. Presseagentur, Fluggesellschaft) Vertretung im Gastland. Die dort angeblich als Diplomaten oder Journalisten t\u00e4tigen Nachrichtendienstmitarbeiter betreiben entweder selbst offene oder verdeckte Informationsbeschaffung oder leisten Unterst\u00fctzung bei nachrichtendienstlichen Operationen, die direkt von den Zentralen der Nachrichtendienste in den Heimatl\u00e4nden gef\u00fchrt werden. Daneben f\u00fchren Nachrichtendienste auch Operationen ohne Beteiligung ihrer Legalresidenturen durch. Fremde Nachrichtendienste handeln nicht allein nach gesetzlichen Aufgabenzuweisungen, sondern werden zudem politisch gesteuert. Die Schwerpunkte ihrer jeweiligen Beschaffungsaktivit\u00e4ten orientieren sich an aktuellen politischen Vorgaben oder wirtschaftlichen Priorit\u00e4ten in ihren Staaten. Die Aufkl\u00e4rungsziele ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste umfassen eine breite Palette von der Politik, Wirtschaft und Milit\u00e4r bis zur Wissenschaft und Technik. Nachrichtendienste einiger Staaten (wie Iran, Syrien, China) legen ihren Aufkl\u00e4rungsschwerpunkt auch auf die Aussp\u00e4hung von hier lebenden Oppositionellen. Um ihr Aufkl\u00e4rungsziel zu erreichen, versuchen diese Nachrichtendienste, ausgew\u00e4hlte Personen aus der Oppositionsbewegung mit dem Ziel einer Verpflichtung zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit anzusprechen. Bei Ablehnung wird den betroffenen Personen oder ihren in der Heimat lebenden Angeh\u00f6rigen oftmals mit Repressalien gedroht. Vor dem Hintergrund der Globalisierung der M\u00e4rkte und neuer weltpolitischer Konstellationen hat die Bedeutung der Wirtschaftsspionage in den 66","letzten Jahren stetig zugenommen. Im Zentrum der Ausforschung durch fremde Nachrichtendienste stehen wegen ihres enormen \u00f6konomischen Potenzials auch Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland. Staaten mit Technologier\u00fcckstand sind besonders an der Beschaffung von Informationen \u00fcber Fertigungstechniken und technischem Know-how interessiert, um auf dem Markt mit kosteng\u00fcnstiger gefertigten Nachbauten wettbewerbsf\u00e4hig zu sein oder die Kosten f\u00fcr eigene Entwicklungen und Lizenzgeb\u00fchren zu sparen. Technisch und wirtschaftlich hoch entwickelte Staaten interessieren sich mehr f\u00fcr wirtschaftspolitische Strategien, sozial\u00f6konomische und politische Trends, Marktund Unternehmensstrategien, komplexe Fertigungstechniken bis hin zu Informationen \u00fcber Preisgestaltungsmodalit\u00e4ten und Zusammenschl\u00fcssen von Unternehmen. Daher kommt der Sensibilisierung, Information und Aufkl\u00e4rung von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen \u00fcber die Gefahren der Wirtschaftsspionage eine hohe Bedeutung zu. Dar\u00fcber hinaus bem\u00fchen sich einige L\u00e4nder (sogenannte Risikostaaten wie z.B. Iran und Nordkorea) darum, in den Besitz von Technologien f\u00fcr atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen und die daf\u00fcr erforderlichen Tr\u00e4gersysteme zu gelangen sowie die hierzu erforderlichen G\u00fcter und das entsprechende Know-how zu erwerben (Proliferation). Massenvernichtungswaffen und entsprechende Tr\u00e4gertechnologie sind als Gesamtprodukte auf dem freien Markt nicht erh\u00e4ltlich. Deshalb versuchen die Proliferation betreibenden Staaten systematisch, Kontrollma\u00dfnahmen durch Lieferung von Teilprodukten \u00fcber Drittl\u00e4nder und durch die Beschaffung von \"Dual-use\"-Produkten, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch nutzbar sind, zu umgehen. Deutschland ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie ein Zielgebiet f\u00fcr entsprechende Beschaffungsbem\u00fchungen dieser Risikostaaten. Deshalb sind in Deutschland seit Jahren intensive und stetig ansteigende Beschaffungsbem\u00fchungen zu verzeichnen. Eine besondere Gefahr mit Zielrichtung \"Wirtschaftsspionage/Proliferation\" stellen die in sehr hoher Zahl festgestellten \"Elektronischen Angriffe\" auf Computersysteme von Wirtschaftsunternehmen und Forschungseinrichtungen dar. Angesichts der ausgew\u00e4hlten Ziele und der angewandten Methoden erscheint eine staatlich gelenkte nachrichtendienstliche Steuerung in vielen F\u00e4llen als sehr wahrscheinlich. Elektronische Angriffe haben sich zu einer wichtigen Methode der Informationsgewinnung f\u00fcr fremde Nachrichtendienste entwickelt und erg\u00e4nzen als zus\u00e4tzliche Informationsquelle die bislang eingesetzten nachrichtendienstlichen Mittel. Neben der Informationsgewinnung sind auf diesem Weg 67","verbreitete \"Schadprogramme\" auch in der Lage, Sabotagefunktionen auszuf\u00fchren, die gerade beim Einsatz gegen sensible Infrastrukturen erhebliche Auswirkungen haben k\u00f6nnten. Auf Beh\u00f6rden zielende Elektronische Angriffe mit nachrichtendienstlichem Hintergrund waren auch im vergangenen Jahr wieder festzustellen. Fallzahlen belegen die weiterhin hohe Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Informationssicherheit von Bundesbeh\u00f6rden und sonstiger staatlicher Stellen durch solche Angriffe. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Infiltration des ITNetzwerkes des Deutschen Bundestages im Sommer letzten Jahres, die eine Abschaltung des Systems und einen partiellen Neuaufbau erzwang. Nach den bisher vorliegenden Analysen ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Attacken einen staatlich gelenkten nachrichtendienstlichen Hintergrund besitzt. Die zur Durchf\u00fchrung der Angriffe erforderlichen Infrastrukturen und die sehr hohe Qualit\u00e4t und Zielrichtung deuten auf Parallelen zu fr\u00fcheren Angriffen aus China und Russland hin. Auch ist nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer nicht erkannter Elektronischer Angriffe auszugehen. Nicht zuletzt hat die sogenannte \"NSA Aff\u00e4re\" klargemacht, dass elektronische Spionageaktivit\u00e4ten auch von sog. \"befreundeten Staaten\" ausgehen. Die Aktivit\u00e4ten \"befreundeter Staaten\" m\u00fcssen k\u00fcnftig bei der Spionageabwehr st\u00e4rker als bisher ber\u00fccksichtigt werden. Dazu wurden im Verfassungsschutzverbund bereits neue Bearbeitungsans\u00e4tze konzipiert, die k\u00fcnftig mit einem \"360 Grad Blickwinkel\" Spionaget\u00e4tigkeiten aller Staaten erfassen. Neben der Verfolgung einzelner Spionageaktivit\u00e4ten, die h\u00e4ufig schwer zu erkennen sind, ist die Pr\u00e4vention durch die Sensibilisierung von saarl\u00e4ndischen Unternehmen ein wichtiger Aspekt. Gerade kleine und mittelst\u00e4ndige Unternehmen verf\u00fcgen h\u00e4ufig im Hinblick auf Firmensicherheit weder \u00fcber die notwendigen personellen noch finanziellen Ressourcen. Sie untersch\u00e4tzen nach den Erfahrungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden oft die m\u00f6glichen Risiken f\u00fcr ihr Unternehmen. Diese Fehleinsch\u00e4tzung kann unter Umst\u00e4nden existenzielle Folgen haben. Die Spionageabwehr unterst\u00fctzt daher saarl\u00e4ndische Firmen und Forschungseinrichtungen, bei denen aufgrund von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen bekannt ist, dass sie m\u00f6glicherweise im Zielspektrum fremder Nachrichtendienste stehen k\u00f6nnten. Durch Sensibilisierung und Beratung werden dabei Vorgehensweisen und potenzielle Gefahren durch Wirtschaftsspionage angesprochen und Schutz68","ma\u00dfnahmen/Verhaltensregeln bei Gesch\u00e4ftsreisen in Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken anhand von Beispielen verdeutlicht. Saarl\u00e4ndische Firmen, die gesch\u00e4ftliche Kontakte nach China, in die GUS-Staaten und in den Iran unterhalten, werden \u00fcber Spionagerisiken und die bekanntgeworden Methoden fremder Nachrichtendienste aufgekl\u00e4rt. F\u00fcr diese Sensibilisierungen hat der Verfassungsschutzverbund die Brosch\u00fcren \"Wirtschaftsspionage - Risiko f\u00fcr Ihr Unternehmen\" und \"Proliferation\" sowie Merkbl\u00e4tter mit Sicherheitsund Verhaltensweisen, z.B. bei Gesch\u00e4ftsreisen, erstellt. Diese k\u00f6nnen \u00fcber das Saarl\u00e4ndische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bezogen oder unter www.verfassungsschutz.de heruntergeladen werden. Mitarbeiter der Spionageabwehr stehen f\u00fcr eine pers\u00f6nliche Beratung zur Verf\u00fcgung. Nehmen Sie Kontakt \u00fcber info@lfv.saarland.de auf. 69","VII. Organisierte Kriminalit\u00e4t 2014 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz gewinnt und bewertet sachund personenbezogene Informationen \u00fcber kriminelle Strukturen. Ziel ist es, ohne den Druck des Legalit\u00e4tsprinzips Strukturen Organisierter Kriminalit\u00e4t sowie die T\u00e4ter und Hinterm\u00e4nner zu erkennen. Die Ergebnisse werden an die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden abgegeben. Hierdurch leistet das Landesamt auch einen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der allgemeinen Kriminalit\u00e4t. 70","71","Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport Franz-Josef-R\u00f6der-Str. 21 66119 Saarbr\u00fccken E-Mail: lagebild-verfassungsschutz@ innen.saarland.de www.innen.saarland.de /innen.saarland Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport 72"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2015","year":2015}
