{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-sl-2014.pdf","jurisdiction":"Saarland","num_pages":68,"pages":["Lagebild Verfassungsschutz 2014","INHALTSVERZEICHNIS Vorwort Innenminister Klaus Bouillon ..............................................4 I. Der Verfassungsschutz im Saarland ..............................................6 1. Gesetzliche Grundlagen ........................................................................................6 2. Aufgaben ..................................................................................................................6 2.1 Beobachtungsaufgaben .......................................................................................6 2.2 Mitwirkungsaufgaben ..........................................................................................7 3. Arbeitsweise .............................................................................................................7 4. Kontrolle ....................................................................................................................8 5. Aufbauorganisation des LfV Saarland ................................................................9 II. Rechtsextremismus ....................................................................... 10 1. Allgemeines ........................................................................................................... 10 1.1 Ideologie............................................................................................................... 10 1.2 Entwicklung/Tendenzen................................................................................... 10 1.3 Personenpotenzial ............................................................................................. 13 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) mit rechtsextremistischem Hintergrund .............................................................. 14 2. Einzelaspekte ......................................................................................................... 16 2.1 NPD........................................................................................................................ 16 2.1.1 Organisationsstruktur der Saar-NPD .......................................................... 16 2.1.2 Beteiligung der Saar-NPD an der Europawahl .......................................... 17 2.1.3 Beteiligung der Saar-NPD an der Kommunalwahl .................................. 17 2.1.4 Sonstige nennenswerte regional-politische Aktivit\u00e4ten der NPD ........ 19 2.1.5 Beteiligung der Saar-NPD an \u00fcberregionalen Aktivit\u00e4ten ...................... 20 2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten - insbes. Skinhead-/Kameradschafts-Szene .......... 22 2.2.1 Skinhead-Subkultur/\"Hammerskins\"(HS) ................................................ 22 2.2.2 Kameradschaften............................................................................................ 22 2.2.3 Rechtsextremistische Musik ........................................................................ 23 2.3 Nutzung neuer Medien - Saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten online ........ 24 III. Linksextremismus ........................................................................ 25 1. Allgemeines ........................................................................................................... 25 1.1 Ideologie............................................................................................................... 25 1.2 Entwicklung/Tendenzen................................................................................... 25 1.3 Personenpotenzial ............................................................................................. 26 1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) ......................................................... 37 2. Einzelaspekte ......................................................................................................... 28 2.1 Organisierter Linksextremismus ..................................................................... 28 2.1.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP).................................................... 28 2.1.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)......................... 29 2","2.2 Gewaltorientierter Linksextremismus ........................................................... 30 2.2.1 Autonome ......................................................................................................... 30 2.2.2 Antiimperialistische Szene Saar .................................................................. 37 IV. Ausl\u00e4nderextremismus (ohne Islamismus/islamistischer Terrorismus) ........................ 39 1. Allgemeines ........................................................................................................... 39 1.1 Ideologie............................................................................................................... 39 1.2 Entwicklung /Tendenzen.................................................................................. 39 1.3 Personenpotenzial ............................................................................................. 40 1.4 \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" (PMK) ...................................................... 41 2. Einzelaspekte ........................................................................................................ 42 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) ................................................................... 42 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung ..................................................................... 42 2.1.2 Struktur ............................................................................................................. 45 2.1.3 Exekutivma\u00dfnahmen ..................................................................................... 46 2.1.4 Veranstaltungen/Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft...... 46 2.2 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) ..................................................... 49 V. Islamismus/islamistischer Terrorismus ..................................... 51 1. Allgemeines ........................................................................................................... 51 1.1 Ideologie............................................................................................................... 51 1.2 Entwicklung/Tendenzen................................................................................... 51 1.3 Personenpotenzial ............................................................................................. 52 2. Einzelaspekte ......................................................................................................... 53 2.1 Islamistischer Terrorismus .............................................................................. 53 2.2 Islamismus im Saarland ................................................................................... 54 VI. Spionage-/ Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz .................... 56 VII. Organisierte Kriminalit\u00e4t ............................................................ 60 Anhang ................................................................................................. 61 3","Klaus Bouillon Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, auch im Jahr 2014 wurde uns vor Augen gef\u00fchrt, dass es eine Vielzahl von Bestrebungen in unserem Land gibt, die sich gegen die Werte unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung stemmen. Jener Werte, die aus den Erfahrungen unserer Vergangenheit geboren wurden und zu wichtigen S\u00e4ulen unserer Demokratie geworden sind, die es zu verteidigen gilt. Der Verfassungsschutz ist dabei eine wesentliche Institution zum Schutz dieser Werte und unverzichtbares Instrument unserer wehrhaften Demokratie. Gefahren f\u00fcr unsere Demokratie und die Sicherheit unseres Landes werden uns t\u00e4glich durch die mediale Berichterstattung bewusst gemacht. Dabei zeigen die Taten von islamistischen Terrorgruppen wie der \"Boko Haram\" oder des \"Islamischen Staates\" in erschreckender Weise die Entschlossenheit dieser Terroristen, zum Erreichen ihrer Ziele alle Mittel im Kampf gegen die westlichen Werte einzusetzen. Eine Reihe von Anschl\u00e4gen in der Vergangenheit, nicht zuletzt Anfang 2015 in Paris, macht uns dies immer wieder bewusst. Allerdings sind es oftmals nicht an Organisationen gebundene, sondern vielmehr fanatisierte Einzelt\u00e4ter, die in hasserf\u00fcllter Weise bereit sind, unschuldige Menschen zu t\u00f6ten. Daher gilt es auch weiterhin, verfassungsfeindlichen oder gar terroristischen Bestrebungen mit einem selbstbewussten und gut aufgestellten Verfassungsschutz wirksam entgegenzutreten. Im Rahmen der Aufarbeitung der Mordtaten des Nationalsozialistischen Untergrunds wurden Defizite im Austausch von Informationen zwischen den Nachrichtendiensten, Polizei und Justiz festgestellt. Deshalb haben sich die Innenminister auf eine Neuausrichtung des Verfassungsschutzes verst\u00e4ndigt, deren Ergebnisse zum Teil bereits umgesetzt bzw. noch in den zust\u00e4ndigen Gremien beraten werden. So kam man im Saarland mit der Ver\u00f6ffentlichung des \"Lagebildes Verfassungsschutz\" der Forderung nach einem 'Mehr' an Transparenz nach. Dar\u00fcber hinaus haben wir mit Blick auf die zunehmende Nutzung des Internets 4","sowohl zur Verbreitung extremistischer Propaganda, als auch zur Rekrutierung von Personen und Werbung von Sympathisanten und Unterst\u00fctzern in unserem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) mit dem Aufbau eines Referates \"Nachrichtendienstliche Internetauswertung\" begonnen und damit eine weitere Forderung im Prozess der Neuausrichtung umgesetzt. Das Internet hat sich mittlerweile zu dem wichtigsten Kommunikationsmedium weltweit und zu einer \"virtuellen Parallelwelt\" entwickelt, die im Schutz einer vermeintlichen Anonymit\u00e4t Radikalisierungsprozesse in Gang setzen bzw. beschleunigen kann. Daher muss sich auch der Verfassungsschutz diesen ver\u00e4nderten Lebenswirklichkeiten stellen und seine Aufkl\u00e4rungst\u00e4tigkeit auf das Internet ausweiten. Der Beobachtungsschwerpunkt des LfV Saarland lag auch im Jahr 2014 in den Bereichen des gewaltbereiten Rechtsextremismus und des Ausl\u00e4nderextremismus. Dar\u00fcber hinaus war die Beobachtung im Bereich des Islamismus insbesondere auf den Salafismus ausgerichtet, der in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen auch im Saarland eine nicht zu untersch\u00e4tzende Anziehungskraft insbesondere auf junge Menschen hat. Hier zeigte sich im Berichtsjahr eine deutliche Belebung der personellen und organisatorischen Strukturen, deren Entwicklung auch weiterhin im Blick unseres Verfassungsschutzes stehen wird. Liebe Mitb\u00fcrgerinnen und Mitb\u00fcrger, auch in diesem Jahr m\u00f6chten wir Ihnen die Arbeitsergebnisse unseres Verfassungsschutzes durch die Pr\u00e4sentation dieses Lagebildes nahebringen. Nutzen Sie die M\u00f6glichkeit, sich zu informieren und mit uns in den Dialog einzutreten !- das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wird auch zuk\u00fcnftig f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der Sicherheit zum Wohle aller Saarl\u00e4nderinnen und Saarl\u00e4nder eintreten. Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich mich bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Saarl\u00e4ndischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fcr die geleistete Arbeit und ihren Einsatz f\u00fcr den Schutz unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ganz herzlich bedanken. Saarbr\u00fccken, im Juni 2015 Klaus Bouillon 5","I. Der Verfassungsschutz im Saarland 1. Gesetzliche Grundlagen Die wichtigste gesetzliche Handlungsgrundlage f\u00fcr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) ist das Saarl\u00e4ndische Verfassungsschutzgesetz (SVerfSchG). Eingriffe in die Rechte der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger unterliegen den rechtsstaatlichen Grunds\u00e4tzen des Gesetzesvorbehalts sowie der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit und sind gerichtlich nachpr\u00fcfbar. 2. Aufgaben 2.1 Beobachtungsaufgaben Die zentralen Aufgaben des LfV sind im SS 3 Absatz 1 SVerfSchG zusammengefasst. Hiernach beobachtet das LfV * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben, * Sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde Macht, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, * Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t in der Bundesrepublik Deutschland, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Artikel 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Artikel 26 Abs. 1 GG) gerichtet sind. Die Beobachtung durch das LfV erfolgt durch gezielte planm\u00e4\u00dfige Sammlung und Auswertung von Informationen. Die Auswertungsergebnisse werden dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport regelm\u00e4\u00dfig und umfassend \u00fcbermittelt, um die Landesregierung in die Lage zu versetzen, Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne von Absatz 1 zutreffend beurteilen zu k\u00f6nnen und 6","entsprechende Abwehrma\u00dfnahmen einzuleiten. Dar\u00fcber hinaus dient die \u00dcbermittlung auch der Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Absatz 1. 2.2 Mitwirkungsaufgaben Neben den beschriebenen Beobachtungsaufgaben hat der Verfassungsschutz noch sogenannte Mitwirkungsaufgaben. So wirkt das LfV auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen nach SS 4 SVerfSchG ferner mit bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen sowie bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftig sind. Die Befugnisse des LfV im Zusammenhang mit Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen sind im \"Saarl\u00e4ndischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz\" geregelt. Zu den weiteren Aufgaben des LfV z\u00e4hlt u. a. die Beantwortung von Anfragen der zust\u00e4ndigen Stellen im Rahmen der Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach SS 7 Luftsicherheitsgesetz und nach SS 12 b Atomgesetz, im Rahmen des Visumverfahrens und bei der Erteilung von Aufenthaltsgenehmigungen nach SS 73 Aufenthaltsgesetz sowie im Rahmen des Einb\u00fcrgerungsverfahrens. 3. Arbeitsweise Die Informationsgewinnung des LfV erfolgt sowohl in offener wie auch in verdeckter Form. Bei der offenen Beschaffung von Informationen werden aus offen zug\u00e4nglichen Quellen, die in der Regel auch jedem B\u00fcrger zur Verf\u00fcgung stehen (Printmedien wie z. B. Zeitungen, Zeitschriften, Plakate, Flugbl\u00e4tter etc. sowie elektronische Medien wie z.B. Internet, Rundfunk, Fernsehen etc.) Informationen erhoben. Dar\u00fcber hinaus darf das LfV auch Informationen mit nachrichtendienstlichen Mittel verdeckt erheben. Hierzu z\u00e4hlen die in SS 8 SVerfSchG aufgef\u00fchrten Mittel wie z. B. das F\u00fchren verdeckt eingesetzter Personen, die planm\u00e4\u00dfige Observation, Bildund Tonaufzeichnungen sowie nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes die \u00dcberwachung des Brief-, Postund Fernmeldeverkehrs. Der Verfassungsschutz tr\u00e4gt als wichtige S\u00e4ule der deutschen Sicherheitsarchitektur mit dazu bei, die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland zu gew\u00e4hrleisten. Deshalb arbeitet das LfV im Verfassungsschutzverbund mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sowie den \u00fcbrigen Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz eng und vertrauensvoll zusammen. Das LfV hat keine polizeilichen Befugnisse und ist auch gegen\u00fcber polizeilichen Einrichtungen nicht weisungsbefugt. Es darf auch nicht die Polizei im Rahmen der Amtshilfe ersuchen, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, zu denen es selbst nicht befugt ist. 7","Dies schlie\u00dft jedoch einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz nicht aus. Das oben beschriebene Trennungsgebot beinhaltet kein Zusammenarbeitsverbot. Gerade vor dem Hintergrund der in der Vergangenheit festgestellten Defizite im Austausch von Informationen zwischen Nachrichtendiensten, Polizei und Justiz wurden verschiedene Zusammenarbeitsforen eingerichtet, die sich bis heute bew\u00e4hrt haben. Hierzu z\u00e4hlt insbesondere das \"Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum\" (GTAZ) in Berlin, das der Aufkl\u00e4rung und Abwehr des islamistisch motivierten Terrorismus dient. Das GTAZ hat ma\u00dfgeblich zu einem verbesserten Informationsfluss zwischen den beteiligten Beh\u00f6rden beigetragen. Um dies auch auf andere Ph\u00e4nomenbereiche zu \u00fcbertragen, wurde das \"Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum\" (GETZ) gegr\u00fcndet, das seinen Standort mittlerweile in K\u00f6ln hat. Schwerpunkt der dortigen Zusammenarbeit ist die Bek\u00e4mpfung des Rechts-, Links und des sonstigen Ausl\u00e4nderextremismus, der nicht islamistisch motiviert ist, sowie die Spionageabwehr. Auch im Saarland wird im Rahmen der bestehenden gesetzlichen M\u00f6glichkeiten ein enger Austausch zwischen den Sicherheitsbeh\u00f6rden praktiziert. So arbeitet das LfV im Wege des Informationsaustausches eng und vertrauensvoll mit dem Landespolizeipr\u00e4sidium zusammen. 4. Kontrolle Der Verfassungsschutz ist an klare gesetzliche Vorgaben gebunden. Sein Verwaltungshandeln ist wie bei allen anderen Beh\u00f6rden gerichtlich nachpr\u00fcfbar. \u00dcber die innerbeh\u00f6rdlichen Kontrollmechanismen (z. B. beh\u00f6rdlicher Datenschutzbeauftragter, Geheimschutzbeauftragter) und die Dienstund Fachaufsicht durch das saarl\u00e4ndische Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport hinaus wird die T\u00e4tigkeit des LfV fortlaufend \u00fcberwacht durch * den Landtagsausschuss f\u00fcr Fragen des Verfassungsschutzes, gleichzeitig auch Kontrollgremium des Landtages nach G 10, * die G10-Kommission des Landtages, bei Anordnungen zur Telekommunikations\u00fcberwachung, * richterliche Kontrolle bei Ma\u00dfnahmen im Schutzbereich des Art. 13 GG, * die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit, * den Rechnungshof des Saarlandes. Das LfV ist dar\u00fcber hinaus auf Antrag verpflichtet, anfragenden B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern Auskunft zu den zu ihrer Person gespeicherten Daten zu geben (SS 21 SVerfSchG). Eine Auskunft unterbleibt nur dann, wenn ein in Absatz 2 dieser Vorschrift ausdr\u00fccklich genannter Verweigerungsgrund vorliegt. In einem solchen Ausnahmefall werden die Anfragenden darauf hingewiesen, 8","dass sie die Richtigkeit der Speicherungen durch die Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit \u00fcberpr\u00fcfen lassen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich unterliegen Ma\u00dfnahmen des LfV, hinsichtlich derer Betroffene geltend machen, in ihren Rechten verletzt zu sein, auch der gerichtlichen Kontrolle. 5. Aufbauorganisation des LfV Saarland Direktor des LfV SicherheitsBeh\u00f6rdlicher angelegenG10-Stelle Datenschutzheiten beauftragter Abteilung Z Abteilung I Abteilung II ZentralAuswertung Beschaffung abteilung Referat 1: Beschaffung Auswertung Referat 1: dt. LinksGrundsatz und extremismus/ Personal Scientology ScientologyOrganisation Organisierte Kriminalit\u00e4t Referat 2: Referat 2: Verwaltung, Auswertung dt. Haushalt und RechtssextreInformationsSpionagemismus technik abwehr Referat 3: Auswertung IslamisND-Technik mus/islamistischer Terrorismus, SicherEinb\u00fcrgeheitsgef\u00e4hrdende rungen und Bestrebungen von AufenthaltsAusl\u00e4ndern angelegenTarnmittel heiten 9","II. Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Rechtsextremismus zeigt sich in Deutschland sowohl hinsichtlich seiner ideologischen Verortung wie auch mit Blick auf sein Erscheinungsbild als \u00e4u\u00dferst vielschichtiges Ph\u00e4nomen. So treten verschiedene Varianten nationalistischer, rassistischer und antisemitischer Ideologieelemente mit unterschiedlichen sich daraus ergebenden Zielsetzungen auf. Pr\u00e4gend ist dabei die im Widerspruch zum Grundgesetz stehende Auffassung, die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide \u00fcber den Wert des Menschen. Eine weitere Klammer ist in der Regel das autorit\u00e4re Staatsverst\u00e4ndnis, nach dem der Staat und das nach Vorstellung der Rechtsextremisten ethnisch homogene Volk in einer Einheit verschmelzen. Tats\u00e4chlich l\u00e4uft diese Ideologie der \"Volksgemeinschaft\" auf ein antipluralistisches System hinaus, das die Rechte des Einzelnen beschneidet und wesentlichen Kontrollelementen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung wie dem Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen auszu\u00fcben, oder dem Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition keinen Raum l\u00e4sst. Zu den unverzichtbaren Ideologieelementen f\u00fcr die Mehrheit deutscher Rechtsextremisten geh\u00f6ren der Antisemitismus und der Geschichtsrevisionismus. Als \"moderne\" Form der Fremdenfeindlichkeit hat f\u00fcr Rechtsextremisten in den letzten Jahren das Aktionsund Agitationsfeld \"Islamfeindlichkeit\" an Bedeutung gewonnen. Bez\u00fcglich des Erscheinungsbildes des rechtsextremistischen Spektrums in Deutschland sind insbesondere subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten, Neonazis und legalistisch agierende rechtsextremistische Parteien wie zum Beispiel die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) zu nennen, wobei auf Grund von \u00dcberschneidungen bei diesen Teilspektren eine trennscharfe Zuordnung nicht immer m\u00f6glich ist. \u00dcberdies ersch\u00f6pft sich das Auftreten des Rechtsextremismus nicht in dieser Aufz\u00e4hlung, artikuliert sich doch das Gedankengut dar\u00fcber hinaus zum Beispiel auch im Schrifttum rechtsextremistischer Autoren und Verlage, im Angebot der rechtsextremistischen Musikszene und der Artikelvertriebe sowie nicht zuletzt in rechtsextremistischen Straftaten. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Im Saarland zeigt sich der Rechtsextremismus ebenfalls sehr heterogen. Das Gesamtbild der Erscheinungsformen reichte auch 2014 wieder vom strukturierten Bereich mit der NPD und mehreren kleineren Personenzusammenschl\u00fcssen \u00fcber den Skinheadund Kameradschaftssektor bis hin zu Einzelaktivisten und Personen, die aus rechtsextremistischer Motivation Straftaten begingen. Eine Zustandsbeschreibung f\u00fcr das abgelaufene Jahr 10","lie\u00dfe sich mit Stichworten wie \"r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederzahlen\", \"\u00fcberschaubare au\u00dfenwirksame Aktivit\u00e4ten\", \"mangelnder ph\u00e4nomeninterner Kooperationswille\", \"nicht erreichte Wahlziele\", insbesondere aber auch \"steigende Straftatenzahlen\" abk\u00fcrzen. Wie im Bund war auch im Saarland die NPD dominierend im strukturierten Bereich rechtsextremistischer Zusammenschl\u00fcsse. Diese Vorrangstellung war aber mehr der relativen Bedeutungslosigkeit der \u00fcbrigen im Saarland existenten Vereinigungen (z. B. \"Der Stahlhelm e. V. -Landesverband Saar\" (Stahlhelm)) geschuldet, als der eigenen Leistungsst\u00e4rke. \u00dcberdies waren Bestrebungen der lagerinternen Konkurrenzparteien (\"Die Rechte\" und \"Der Dritte Weg\") zum Aufbau regionaler Strukturen im Saarland auch weiterhin nicht erkennbar. Die internen und \"hausgemachten\" Problemstellungen der Saar-NPD waren auch im Berichtsjahr existent. So gelang es der Partei nicht, durch die Etablierung einer funktionierenden Jugendund Frauenarbeit sowie durch die Gr\u00fcndung weiterer Ortsverb\u00e4nde in der Fl\u00e4che eigene strukturelle Defizite zu minimieren. Auch mit der \"Harmonie in der F\u00fchrungsebene\" war es anscheinend schlecht bestellt, l\u00e4sst es sich doch anders kaum erkl\u00e4ren, dass der alte Landesvorsitzende Frank F. und sein Nachfolger Peter M. Anfang November auf dem Bundesparteitag bei der Wahl des Parteivorsitzenden gegeneinander antraten. In diesem Zusammenhang ist anzumerken, dass M. nicht nur bei diesem Anlass eine innerparteiliche Niederlage einstecken musste. Schon beim NPD-Sonderparteitag am 18. Januar im th\u00fcringischen Kirchheim war er als amtierender Generalsekret\u00e4r bei der Wahl um Platz drei auf der Kandidatenliste f\u00fcr die Europawahl unterlegen gewesen. Hatte er dabei wahrscheinlich die Quittung f\u00fcr sein Versagen bei der Vorbereitung der urspr\u00fcnglich im Saarland geplanten Veranstaltung erhalten, nachdem ein von ihm f\u00fcr die Festhalle in Saarbr\u00fccken-Schafbr\u00fccke geschlossener Mietvertrag wegen falscher Angaben zum Anmietungszweck \"geplatzt\" war, geriet er in der Folge auch wegen seiner via Facebook \u00f6ffentlich diskutierten Teilnahme an einer Party mit einer ehemaligen Pornodarstellerin zunehmend unter Druck. Anfang April trat M. schlie\u00dflich als Generalsekret\u00e4r zur\u00fcck. Diese Gesamtumst\u00e4nde d\u00fcrften mit dazu beigetragen haben, dass die saarl\u00e4ndischen Nationaldemokraten 2014 bei der Anwendung ihres \"Vier-S\u00e4ulen-Konzeptes\" kaum Erfolge zu verzeichnen hatten bzw. sich nur bedingt engagiert zeigten. So konnte man im Rahmen des \"Kampfes um die Parlamente\" zwar darauf verweisen, bei der Europawahl mit einem Landesergebnis von 1,3 % besser als im Bundesschnitt (1 %) und besser als bei der Wahl 2009 (0,4 % mit dem B\u00fcndnispartner DVU) abgeschnitten zu haben, bei der gleichzeitig stattgefundenen Kommunalwahl blieb es aber trotz eines auf wenige St\u00e4dte konzentrierten Wahlkampfes bei nur f\u00fcnf Mandaten, wobei der Fraktionsstatus im V\u00f6lklinger Stadtrat sogar verloren ging. 11","Was den \"Kampf um die Stra\u00dfe\" angeht, musste die NPD sp\u00e4testens im Herbst feststellen, dass ebenfalls Ressentiments gegen Ausl\u00e4nder bedienende Bewegungen mit allenfalls rudiment\u00e4r vorhandenen Strukturen wie die \"Hooligans gegen Salafisten\" (HogeSa) und \"Patriotische Europ\u00e4er gegen Islamisierung des Abendlandes\" (PEGIDA) - beide keine Beobachtungsobjekte der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden - im Gegensatz zum \"Original\" zum Teil mehrere Tausend Personen mobilisieren konnten. Mit der Facebook-Initiative \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa) und einer Mahnwache am 22. November in V\u00f6lklingen versuchten bekannte Kader der Saar-NPD, an die Thematik anzudocken, um so die eigene gesellschaftliche Akzeptanz zu erh\u00f6hen. HogeSa distanzierte sich allerdings deutlich von dem NPD-gesteuerten Plagiat im Saarland. Mitte Dezember pr\u00e4sentierte sich \u00fcber Facebook dann der PEGIDA-Ableger \"Saargida - Saarland gegen die Islamisierung des Abendlandes\" (kein Beobachtungsobjekt des LfV Saarland). Auch hier versuchte sich die NPD-gesteuerte SageSa einzubringen und beteiligte sich im Januar 2015 an zwei Saargida-Kundgebungen mit ihrem eigenen Transparent. Es gelang den Nationaldemokraten aber nicht, Einfluss auf die Organisation und den Ablauf der Veranstaltungen zu nehmen. Zus\u00e4tzlich distanzierte sich der Saargida-Initiator \u00f6ffentlich vom rechtsextremistischen Lager, insbesondere der NPD. Ansonsten geh\u00f6rten zum \"Kampf\" der saarl\u00e4ndischen Nationaldemokraten \"um die Stra\u00dfe\" vor allem von der Bev\u00f6lkerung wenig beachtete Infost\u00e4nde und Mahnwachen. Der \"Kampf\" der Saar-NPD \"um die K\u00f6pfe\" beschr\u00e4nkte sich im vergangenen Jahr nahezu ausschlie\u00dflich auf den Teilbereich \"Schulung der eigenen Mitglieder und Anh\u00e4nger\", ersch\u00f6pfte sich letztlich aber in monatlichen Gespr\u00e4chskreisen. Auch der \"Kampf um den organisierten Willen\" als letztes zu erw\u00e4hnendes Glied des \"Vier-S\u00e4ulen-Konzeptes\" scheint bei der Saar-NPD in der Sackgasse zu stecken. Hatte die Vorstandswahl im vorangegangenen Jahr noch als Signal an die \"Freien Kr\u00e4fte\" zur Zusammenarbeit verstanden werden k\u00f6nnen, so war davon bis auf wenige gemeinsame Wahlkampfaktivit\u00e4ten in 2014 nichts mehr zu sp\u00fcren: Die saarl\u00e4ndische Kameradschaftsszene h\u00e4lt bis auf eine Ausnahme offensichtlich Abstand zur NPD. Auch die restliche rechtsextremistische Szene des Saarlandes, in der vor allem lokale Kameradschaften und \"Hammerskins\" (HS) den Ton angeben, hielt sich mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Auftritten im Saarland zur\u00fcck. So waren zum Beispiel Skinhead-Konzerte ebenso wenig festzustellen wie demonstrative Aufm\u00e4rsche zu den rechtsextremistischen Gedenktagen wie dem Hitler-Geburtstag oder dem He\u00df-Todestag. Bis auf eine Ausnahme blieb es mehr oder weniger bei internen Aktivit\u00e4ten, so dass \u00fcber die Grundausrichtung hinaus eine \u00f6ffentlichkeitswirksame Vermittlung politischer Inhalte oder Zielsetzungen - Wahlkampfzeiten ausgenommen - im Saarland kaum erkennbar war. Bevorzugt beteiligten sich jedoch Aktivisten einer Kameradschaft \u00fcberregional an \u00f6ffentlichkeitswirksamen Szeneevents. 12","Im Hinblick auf immer wiederkehrende Fragen zu m\u00f6glichen rechtsextremistischen Einflussnahmeversuchen auf die Fu\u00dfballund Rockerszenen ist zu konstatieren, dass die Schnittmenge von erfassten Rechtsextremisten und gewaltbereiten Fu\u00dfballfans im Saarland auch 2014 nur im niedrigen zweistelligen Bereich zu beziffern war. Dabei war eine strukturelle Zusammenarbeit beider Szenen ebenso wenig festzustellen wie der Versuch einer Politisierung der Fu\u00dfballfanszene. Analog gilt dies auch f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis der rechtsextremistischen Szene zum Rockermilieu. 1.3 Personenpotenzial Die Zahl der erkannten Rechtsextremisten im Saarland ist mit insgesamt 280 Personen im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr (300) leicht gesunken. Davon werden 40 Personen als gewaltorientiert eingestuft (2013: 60), bei rund 25 Personen ist eine neonazistische Ausrichtung zu erkennen (2013: 25). Entwicklung des rechtsextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtpotenzial 340 310 300 300 280 davon Gewaltorientierte 100 90 90 60 40 400 350 300 250 200 Gesamtpotenzial davon Gewaltorientierte 150 100 50 0 2010 2011 2012 2013 2014 13","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Gesamtzahl der bekannt gewordenen rechtsextremistisch motivierten Straftaten \u00fcberstieg mit 168 die Marke des Vorjahres (134) um rund 25 %. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machten - wie seit Jahren festzustellen - mit rund 90 % (Vorjahr: 96 %) den \u00fcberwiegenden Anteil dieser Straftaten aus. Die Zahl der darin enthaltenen rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten lag wie im vorangegangenen Jahr bei zwei. Hierbei handelte es sich um situativ bedingte K\u00f6rperverletzungsdelikte mit fremdenfeindlicher Ausrichtung. Entwicklung der rechtsextremistisch motivierten Straftaten im Saarland innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 2010 2011 2012 2013 2014 Straftaten insgesamt 128 138 138 134 168 davon Gewalttaten 7 6 12 2 2 180 160 140 120 100 Straftaten insgesamt 80 davon Gewalttaten 60 40 20 0 2010 2011 2012 2013 2014 14","Die Verteilung nach Zielrichtung der Straftaten ergibt folgendes Bild: Straftaten nach Zielrichtungen: Zielrichtung 2010 2011 2012 2013 2014 antisemitisch 6 16 5 10 11 fremdenfeindlich 11 17 28 12 21 sonstige Zielrichtung 111 105 105 112 136 Insgesamt 128 138 138 134 168 180 160 140 120 100 antisemitisch fremdenfeindlich 80 sonstige Zielrichtung Insgesamt 60 40 20 0 2010 2011 2012 2013 2014 \u00dcber diese Deliktsstatistik hinaus ist zu erg\u00e4nzen: * Die umfangreichen Aufkl\u00e4rungsarbeiten von Gerichten, Parlamenten und Sicherheitsbeh\u00f6rden zum \"Nationalsozialistischen Untergrund\" (NSU) und seinen Aktivit\u00e4ten haben bisher keine Hinweise auf eine Einbindung hier ans\u00e4ssiger Rechtsextremisten erbracht. * Das Sch\u00f6ffengericht in Neunkirchen verurteilte am 13. M\u00e4rz einen 24-J\u00e4hrigen aus Bexbach u. a. wegen Volksverhetzung zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, verbunden mit einer Auflage zur Ableistung von 100 gemeinn\u00fctzigen Arbeitsstunden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er im 15","April 2013 mehrfach Filme und Fotos mit nationalsozialistischem Inhalt ins Internet gestellt habe. Dar\u00fcber hinaus habe er \u00f6ffentlich zur Befreiung eines inhaftierten Rechtsextremisten aufgerufen und auf eine im Internet abrufbare Anleitung zum Bau einer Bombe hingewiesen. Der zuvor nicht einschl\u00e4gig bekannte Verurteilte war nicht in die rechtsextremistische Szene eingebunden und unterhielt auch keine erkennbaren Kontakte zu hier ans\u00e4ssigen Rechtsextremisten. * Die Staatsanwaltschaft Saarbr\u00fccken leitete im Mai gegen die Mitglieder der hiesigen Band \"Wolfsfront\" ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung ein. Der Band wird vorgeworfen, mindestens in dem verbreiteten Musikst\u00fcck mit der Bezeichnung \"Holocaustus\" die Ermordung von Juden in Auschwitz zu leugnen. * Die 2013 im sogenannten \"Winterbach-Prozess\" wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung verurteilten drei saarl\u00e4ndischen Kameradschaftsaktivisten traten Ende Juli bzw. Anfang August ihre Haftstrafen an. 2. Einzelaspekte 2.1 NPD 2.1.1 Organisationsstruktur der Saar-NPD Nachdem der NPD-Kreisverband Saarbr\u00fccken-Land rund zwei Jahre nach seiner Gr\u00fcndung wieder r\u00fcckabgewickelt wurde, gliedert sich die Saar-NPD, der noch rund 90 Mitglieder zugerechnet werden (2013: 100), organisatorisch in die drei Kreisverb\u00e4nde Saarbr\u00fccken, Saar-West und Saarpfalz. Eine kontinuierliche politische Basisarbeit der bislang sporadisch erw\u00e4hnten Ortsverb\u00e4nde Burbach, Schafbr\u00fccke und V\u00f6lklingen war nicht erkennbar. Auch weiterhin kann die Saar-NPD nicht auf Strukturen ihrer Teilorganisationen \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) und \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) zur\u00fcckgreifen, obwohl gerade die im M\u00e4rz neu gew\u00e4hlte RNF-Bundesvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz Ricarda R. gute Kontakte ins Saarland pflegt. Ebenso gelang es auch nicht, eine regionalspezifische, der internen Kommunikation und Identifikation dienende Info-/Verbands-Schrift aufzulegen. Dar\u00fcber hinaus war auch eine koordinierte kommunalpolitische Vorfeldarbeit nicht erkennbar. Selbst die wenigen NPD-Vertreter in den Kommunalparlamenten (je ein Mandat in der Regionalversammlung Saarbr\u00fccken, den Stadtr\u00e4ten Saarbr\u00fccken und V\u00f6lklingen sowie im Ortsrat V\u00f6lklingen und dem Bezirksrat Saarbr\u00fccken-West) waren trotz sporadisch - zumeist im Internet 16","- aufflackernder \u00c4u\u00dferungen in ihrer Au\u00dfendarstellung selbst f\u00fcr politisch Interessierte kaum wahrnehmbar. Die mit der Vorstandsneuwahl im Dezember 2013 eingeleitete Ann\u00e4herung an die Kameradschaftsszene, bekanntlich \u00fcbernahmen ehemalige Kameradschaftsaktivsten Vorstandsposten und sollten auf diese Weise als institutionelles Bindeglied zwischen der Partei und den sogenannten \"freien Kr\u00e4ften\" wirken, blieb bis auf einige wenige wahlkampfunterst\u00fctzende Aktivit\u00e4ten folgenlos. 2.1.2 Beteiligung der Saar-NPD an der Europawahl Im Saarland entfielen bei der Europawahl 2014 auf die NPD 5.594 Stimmen = 1,3 % (2009: als seinerzeitiger NPD-B\u00fcndnispartner hatte die DVU 1.675 Stimmen = 0,4 % erzielt). Damit lag sie prozentual \u00fcber dem Ergebnis im Bund mit 300.815 Stimmen = 1,0 % (111.631 = 0,4 %). Im Vergleich zum Saarlandergebnis bei der Bundestagswahl im September 2013 (9.691 Zweitstimmen = 1,7 %) verlor die NPD allerdings mit 4.115 Stimmen rund 0,4 Prozentpunkte. 2.1.3 Beteiligung der Saar-NPD an der Kommunalwahl Bei der Kommunalwahl am 25. Mai trat die NPD nur in drei der 52 saarl\u00e4ndischen St\u00e4dte und Gemeinden mit Listen an. In Saarbr\u00fccken bewarb sie sich um Mandate im Stadtrat sowie in den Bezirksr\u00e4ten von Saarbr\u00fccken-West, Saarbr\u00fccken-Halberg und Saarbr\u00fccken-Mitte. In Saarlouis ging es um den Einzug in den Stadtrat, w\u00e4hrend in V\u00f6lklingen die Kandidaturen auf den Stadtrat und die Ortsr\u00e4te V\u00f6lklingen und V\u00f6lklingen-Lauterbach abzielten. Zudem kandidierten Nationaldemokraten f\u00fcr die Regionalversammlung Saarbr\u00fccken und den Kreistag Saarlouis. Die Partei hatte dazu insgesamt 18 Bewerber (darunter drei Frauen) nominiert. Der Altersdurchschnitt lag zum Wahltag bei rd. 48 Jahren (bei den Frauen bei 43 Jahren). Ihren Wahlkampf betrieben die Nationaldemokraten in der Hauptsache via Internet, dar\u00fcber hinaus f\u00fchrten sie insbesondere Informationsst\u00e4nde, Hauswurfaktionen und Plakatierungen durch. Erg\u00e4nzend stellten sie im Rahmen eines sogenannten \"kommunalpolitischen Forums\" am 16. Mai im \"B\u00fcrgerhaus\" in Saarbr\u00fccken-Burbach ihre kommunalpolitischen Forderungen und Kandidaten vor. An der Veranstaltung nahmen bis zu 50 Personen teil. Auf Kreisebene gelang es der NPD, ein Mandat in der Regionalversammlung Saarbr\u00fccken zu erreichen. Die Partei blieb auch in den Stadtr\u00e4ten von Saar17","br\u00fccken und V\u00f6lklingen vertreten; allerdings entfiel der bisherige Fraktionsstatus in V\u00f6lklingen und die damit verbundenen Vorteile. Auf Ortsratsbzw. Bezirksratsebene konnte die Partei je ein Mandat in V\u00f6lklingen und Saarbr\u00fccken-West erzielen. Wahlergebnisse der NPD bei der Kommunalwahl 2014 2009 Kommunalparlament Stimmen % Mandate Stimmen % Mandate Regionalvers. Saarbr. 2478 2,1 1 2615 2,0 0 Kreistag Saarlouis 1262 1,5 0 nicht angetreten Stadtrat Saarbr\u00fccken 1187 2,0 1 1156 1,9 1 Stadtrat V\u00f6lklingen 485 4,0 1 650 4,6 2 Stadtrat Saarlouis 232 1,7 0 nicht angetreten Ortsrat V\u00f6lklingen 362 4,0 1 544 5,2 1 Ortsr. VK-Lauterbach 65 6,1 0 79 5,8 0 Bezirksrat SB-West 459 5,3 1 nicht angetreten Bezirksrat SB-Halberg 237 2,4 0 214 2,0 0 Bezirksrat SB-Mitte 739 2,1 0 nicht angetreten 3000 2500 2000 1500 1000 2009 2014 500 0 18","2.1.4 Sonstige nennenswerte regional-politische Aktivit\u00e4ten der NPD Auf Einladung des NPD-Kreisverbandes Saarbr\u00fccken referierte der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Krefeld Rainer H. am 24. Januar in Saarbr\u00fccken-Fechingen zum Thema \"Islam - Freund oder Feind?\". Der seinerzeitige NPD-Bundespressesprecher und Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Saarbr\u00fccken-Land F. startete am 26. Januar die Onlinepetition \"Das Saarland spricht Deutsch!\" (www.openpetition.de/online/ das-saarland-spricht-deutsch) und stellte erkl\u00e4rend fest, die Landesregierung des Saarlandes habe vor, Franz\u00f6sisch bis 2043 als Verkehrssprache zu etablieren. Das wolle die NPD nicht, Zweisprachigkeit per Zwang sei abzulehnen. Im Nachgang wurde diese Initiative von den Nationaldemokraten allerdings nicht mehr thematisiert. Am 6. Februar referierte der mehrfach vorbestrafte Revisionist und ehemalige NPD-Bundesvorsitzende G\u00fcnter D. (Weinheim) im Rahmen eines \"politischen Gespr\u00e4chskreises\" des NPD-Kreisverbandes Saarpfalz in Homburg-Kirrberg. Sein Thema lautete: \"Ausblick 2014 - Was bringt uns die Gro\u00dfe Koalition?\". Am \"politischen Aschermittwoch\" der Saar-NPD am 5. M\u00e4rz in P\u00fcttlingen-K\u00f6llerbach beteiligten sich rund 110 Besucher. Hauptredner waren die beiden Spitzenkandidaten der NPD-Liste zur Wahl des Europ\u00e4ischen Parlamentes Udo V. (Berlin) und Dr. Olaf R. (Pirna) sowie der saarl\u00e4ndische NPD-Vorsitzende. Thematische Schwerpunkte ihrer Ausf\u00fchrungen betrafen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts \u00fcber die Verfassungswidrigkeit der Drei-Prozent-H\u00fcrde bei der Wahl des Europ\u00e4ischen Parlamentes, \"Fl\u00fcchtlingswellen und Masseneinwanderung\" in die \"Europ\u00e4ische Union\" (EU) sowie M\u00f6glichkeiten und Erfolgsaussichten f\u00fcr die politische Rechte in Europa. Die NPD-Protagonisten sprachen von gestiegenen Erfolgsaussichten bei der Europawahl und betonten, jetzt gelte es, das \"einzige heimattreue Original\" zu unterst\u00fctzen und zu w\u00e4hlen. Die NPD sei keineswegs gegen Europa, sie lehne allerdings jegliche Br\u00fcsseler Bestrebungen einer \"kulturellen Einebnung\" sowie den \"Zentralisierungswahn der EU-Technokraten\" ab. Beim Thema Zuwanderung wurde auf die erfolgreiche Kampagne der \"Schweizerischen Volkspartei\" (SVP) hingewiesen und hervorgehoben, es g\u00e4be noch viele weitere Gemeinsamkeiten mit anderen \"europ\u00e4ischen Heimatparteien\". W\u00e4hrend der gesamten Veranstaltung war ein Kamerateam des ZDF anwesend. Am 13. Mai mischten sich NPD-Funktion\u00e4re unter eine \"Burbacher Initiative gegen Stra\u00dfenprostitution\" (kein Beobachtungsobjekt des LfV Saarland), die anl\u00e4sslich einer Stadtratssitzung in der Saarbr\u00fccker Congresshalle unter dem Motto \"Nein zur Stra\u00dfenprostitution in Saarbr\u00fccken\" protestierten. Ende Mai richtete die Saar-NPD auf YouTube einen eigenen Videokanal ein. 19","Im Rahmen eines sogenannten \"Aktionstages\" betrieben die Nationaldemokraten am 27. September Informationsst\u00e4nde in Saarbr\u00fccken, Saarlouis und V\u00f6lklingen. Verbreitet wurde dabei auch ein eigens entworfenes Flugblatt \"NPD SAAR informiert\" zu dem Thema \"Asylmissbrauch endlich stoppen!\". Eine Mahnwache unter dem Motto \"Genug ist genug - Schluss mit dem Asylbetrug\" am 17. Oktober in der Lebacher Innenstadt verlief st\u00f6rungsfrei und stie\u00df auf wenig Resonanz bei Passanten. In kurzen Redebeitr\u00e4gen vertraten Saar-NPD-Chef M. und der Beisitzer im NPD-Landesvorstand Markus M. die bekannten themenbezogenen Parteipositionen. Auch eine zweite Mahnwache unter dem erw\u00e4hnten Motto am 18. Dezember auf dem Saarbr\u00fccker Schlossplatz (H\u00f6he des Historischen Museums) wurde von der Bev\u00f6lkerung wenig beachtet. Dieses Mal forderte M. in einem kurzen Redebeitrag u. a. den Asylantenzustrom zu stoppen und die Kriegseins\u00e4tze deutscher Soldaten zu beenden. Mit der Facebook-Bewegung \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SageSa) versuchten f\u00fchrende saarl\u00e4ndische Nationaldemokraten an die Bewegung \"Hooligans gegen Salafisten\" (HogeSa) anzudocken, um diese Aktionsform f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. Mit einer Mahnwache am 22. November auf dem V\u00f6lklinger Hindenburgplatz unter dem Motto \"Europa gegen den Terror des Islamismus\", an der laut Abschlussmeldung der Polizei in der Spitze rund 250 Personen teilnahmen, darunter bekannte Rechtsextremisten und der Fu\u00dfball-Risikoszene zurechenbare Personen, wurde der \u00dcbergang von der virtuellen in die Realwelt vollzogen. Die Saar-NPD sah dar\u00fcber hinaus in dem PEGIDA-Ableger \"Saargida\" (kein Beobachtungsobjekt) einen weiteren m\u00f6glichen T\u00fcr\u00f6ffner, um die eigenen Positionen gesellschaftsf\u00e4higer in der Bev\u00f6lkerung verbreiten zu k\u00f6nnen. Folglich rief sie ihre Anh\u00e4nger zur Unterst\u00fctzung von Kundgebungen dieser Bewegung auf, vermied es aber zugleich, ihre Teilnahmen offen erkennbar zu machen. 2.1.5 Beteiligung der Saar-NPD an \u00fcberregionalen Aktivit\u00e4ten Knapp ein Drittel der rund 30 Teilnehmer einer Kundgebungstour des NPD-Kreisverbandes Trier gegen Asylmissbrauch am 1. Februar durch mehrere Trierer Stadtteile sollen - nach Angaben des Veranstalters - saarl\u00e4ndische NPD-Mitglieder und Aktivisten der Dillinger Kameradschaft \"Sturmdivision Saar\" gewesen sein. Der gegen die neue Au\u00dfenstelle der rheinland-pf\u00e4lzischen Erstaufnahmeeinrichtung f\u00fcr Asylbegehrende gerichtete Protest der Rechtsextremisten war zugleich deren Wahlkampfauftakt f\u00fcr die Trierer Stadtratswahl im Mai. Es kam zu vereinzelten Zusammenst\u00f6\u00dfen mit Teilnehmern einer Gegendemonstration, an der sich zeitweise bis zu 180 Personen beteiligten. 20","Rund 20 Rechtsextremisten protestierten am 25. M\u00e4rz in Trier gegen \"die Verschwendung deutscher Steuergelder f\u00fcr die F\u00f6rderung linker Kulturpropaganda\". Anlass der kurzfristig initiierten Aktion des NPD-Kreisverbandes Trier war ein zeitgleich stattfindendes Konzert des \"linken Barden\" Hannes W. Nach Angabe des Veranstalters beteiligten sich auch Aktivisten aus Pirmasens, Zweibr\u00fccken und Saarlouis an dem Protest. Das NPD-Parteiorgan \"Deutsche Stimme\" (DS) widmete in seiner Juni-Ausgabe zwei seiner 24 Seiten einem Interview mit dem fr\u00fcheren saarl\u00e4ndischen Landesvorsitzenden und NPD-Bundespressesprecher F. Thematisch ging es dabei um dessen Erfahrungen mit den etablierten Medien und seine Vorstellungen zur Zukunft der NPD. In seinen Antworten beklagte F. u. a., dass eine wohlwollende Berichterstattung der Medien nicht zu erwarten und es deshalb nicht einfach sei, die Botschaften der NPD zu transportieren. So k\u00f6nne beispielsweise ein Kernthema wie \"Identit\u00e4t und Volk\" auch nicht in einem Halbsatz erkl\u00e4rt werden. In ihrer Selbstdarstellung k\u00f6nne die Partei deshalb \"(...) ruhig als radikal gelten, solange wir ernst genommen werden\". Im Weiteren betonte er, die NPD m\u00fcsse bei ihrer Positionierung zeitgem\u00e4\u00df auftreten. Die Frage nach potenziellen B\u00fcndnispartnern sah F. als Frage der praktischen Vernunft an. Bedingung sei ein ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit. Dies gelte auch f\u00fcr die Kameradschaftsszene, was regionalspezifisch auszuloten sei. Die \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD - kein Beobachtungsobjekt der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden) k\u00f6nne behilflich sein, NPD-Botschaften zur \"Europ\u00e4ischen Union\" (EU) oder kritische Thesen zur \"unkontrollierten Zuwanderung\" in die Sozialsysteme salonf\u00e4hig zu machen. Wie jede andere Partei lebe auch die NPD von starken Frontleuten und deren medialer Inszenierung. Den Schl\u00fcssel zum Erfolg sah F. in der \"richtigen Kommunikationsstrategie\". Die NPD-Konzepte sollten daher klug formuliert und zielorientiert vermarktet werden. Einige Wochen zuvor hatte die NPD-Nachwuchsorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) unter der \u00dcberschrift \"F. (...) und die NPD\" ein mehrseitiges Interview mit F. in der Ausgabe 1/2014 ihrer Schrift \"Der Aktivist\" ver\u00f6ffentlicht. Am 4. August war der saarl\u00e4ndische NPD-Vorsitzende Gastreferent einer NPD-Veranstaltung in Ludwigshafen, an der rund 20 Personen teilnahmen. Zu Beginn seines knapp einst\u00fcndigen Vortrages res\u00fcmierte er die Europawahl aus Sicht der Nationaldemokraten und sprach von \"durchaus positiven Aspekten\". In seinen weiteren Ausf\u00fchrungen schlug er einen weiten Bogen von lokalen Diskussionsthemen bis zu den Konflikten im Irak, in Syrien, Gaza und in der Ukraine. In diesem Kontext bezeichnete der NPD-Funktion\u00e4r die USA als \"Kriegstreiber\" und vertrat pro-russische Positionen. Auch beim NPD-Bundesparteitag am 1./2. November im baden-w\u00fcrttembergischen Weinheim standen saarl\u00e4ndische Aktivisten im Blickfeld. Dort wurde der bisherige NPD-Bundespressesprecher F. trotz zweier Gegenkandi21","daten bereits im ersten Wahlgang mit deutlicher Mehrheit (62 %) zum neuen NPD-Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt. Seine Kontrahenten, Saar-NPD-Chef M. und die ehemalige Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation \"Ring Nationaler Frauen (RNF) Sigrid SCH. (M\u00fcnchen), erhielten lediglich 23 bzw. 12 % der Stimmen. Auch bei den Wahlen zu den stellvertretenden Parteivorsitzenden unterlag der saarl\u00e4ndische NPD-Chef. 2.2 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten und gewaltorientierte Rechtsextremisten - insbesondere Skinhead-/Kameradschafts-Szene 2.2.1 Skinhead-Subkultur/\"Hammerskins\"(HS) Die politische und die organisatorische Ausrichtung sind bei den subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten seit jeher nachrangig. Im Vordergrund steht die aktionsorientierte Freizeitgestaltung, wie die Teilnahme an Szenepartys und Konzerten. Gewandelt hat sich allerdings im Laufe der Zeit das Erscheinungsbild der Skinheadszene. Martialische Auftritte in der \u00d6ffentlichkeit sind mittlerweile die Ausnahme. Insgesamt hat die Skinheadszene an Bedeutung eingeb\u00fc\u00dft. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten z\u00e4hlen aber weiterhin zum Rekrutierungspotenzial rechtsextremistischer Kameradschaften. W\u00e4hrend die Skinheadszene allgemein einen geringen Organisationsgrad aufweist, sind \"Hammerskins\" eine straff organisierte Vereinigung, die sich als elit\u00e4re Bewegung innerhalb der rechtsextremistischen Szene versteht. Ihre Hauptaktivit\u00e4t liegt im Bereich rechtsextremistischer Musik/Konzerte. Organisatorisch angelehnt an die Struktur von Rockergruppierungen, sind die \"Hammerskins\" regional in Chapter untergliedert. Die vollwertige Mitgliedschaft setzt die erfolgreiche Absolvierung einer l\u00e4ngeren Probezeit voraus. Der Kreis der Mitgliedsanw\u00e4rter der weltweit vernetzten HS-Szene nutzt als Erkennungszeichen den Zahlencode 38 stellvertretend f\u00fcr den dritten und achten Buchstaben des Alphabetes C und H (Crossed Hammers). Die saarl\u00e4ndischen HS-Aktivisten treten unter der Bezeichnung \"Chapter Westwall\" bzw. \"Crew38-Westwall\" auf. 2.2.2 Kameradschaften Von einer Kameradschaft spricht man, wenn die vier Mindestkriterien abgegrenzter Aktivistenstamm, lediglich lokale bis regionale Ausdehnung, zumindest rudiment\u00e4re Struktur und Bereitschaft zu einer gemeinsamen politischen Arbeit auf der Basis einer rechtsextremistischen Grundorientierung gegeben sind. Wie im vorangegangenen Jahr war 2014 von den saarl\u00e4ndischen 22","Kameradschaften nur die \"Sturmdivision Saar\" \u00f6ffentlich wahrnehmbar. Ihre Aktivisten beteiligten sich u. a. am 1. M\u00e4rz an zeitversetzten Kundgebungen in Pirmasens, Zweibr\u00fccken, Homburg und Kaiserslautern unter dem Motto \"Fahrt der Erinnerung\", um an die Angriffe auf die genannten St\u00e4dte durch alliierte Bomber im Zweiten Weltkrieg zu erinnern. Am 10. Mai f\u00fchrte die Kameradschaft im V\u00f6lklinger Stadtteil Wehrden einen \"Trauermarsch\" zum Gedenken an die Bombardierung des Stadtteils im Mai 1944 durch. In ihren Redebeitr\u00e4gen negierten der Anmelder Mathias T. und der stellvertretende rheinland-pf\u00e4lzische NPD-Landesvorsitzende Safet B. die Schuld Deutschlands am Ausbruch beider Weltkriege, verurteilten die Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr und kritisierten den hohen Ausl\u00e4nderanteil an der Bev\u00f6lkerung V\u00f6lklingens. Ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot verhinderte ein direktes Aufeinandertreffen von Demonstranten und Personen, die an Protestaktionen des b\u00fcrgerlichen sowie des antifaschistischen Lagers teilnahmen. Dabei kam es zu strafbaren Handlungen aus der Gruppe der autonomen Szene. Bem\u00fchungen der Kameradschaftsszene, sich auf Dauer eine Treff\u00f6rtlichkeit zuzulegen, waren auch 2014 nur bedingt erfolgreich. Nachdem man im vorangegangenen Jahr in Folge einer Outing-Aktion des \"Antifa\"-Spektrums ein als \"Clubheim\" genutztes Mietanwesen in Saarbr\u00fccken-Ru\u00dfh\u00fctte hatte aufgeben m\u00fcssen, konnte man in eine Ersatzimmobilie in Sulzbach-Altenwald ausweichen, die Mitte 2014 auch k\u00e4uflich erworben werden sollte. Die Kommune machte jedoch von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch und k\u00fcndigte das Mietverh\u00e4ltnis mit den Rechtsextremisten. 2.2.3 Rechtsextremistische Musik Die rechtsextremistische Musik ist nach wie vor ein wichtiger Identifikationswie Integrationsfaktor der Szene und baut mit ihren z. T. rassistischen und antisemitischen Texten Feindbilder auf. Rechtsextremistische Musikveranstaltungen dienen dazu, Kontakte herzustellen, aufrechtzuerhalten und zu verfestigen. Hierzu treffen sich vor allem junge Menschen, die rechtextremistischem Gedankengut zug\u00e4nglich oder bereits der Szene selbst zuzurechnen sind. W\u00e4hrend solcher Veranstaltungen, in deren Rahmen in der Regel reichlich Alkohol angeboten und konsumiert wird, werden oftmals auch einschl\u00e4giges Propagandamaterial sowie entsprechende Musiktr\u00e4ger verbreitet bzw. verkauft. Insoweit spielen auch kommerzielle Aspekte eine nicht unwesentliche Rolle. Die Vorbereitungen f\u00fcr derartige Musikveranstaltungen laufen in aller Regel \u00e4u\u00dferst konspirativ. Wie im Vorjahr war auch 2014 im Saarland kein Skinhead-Konzert zu verzeichnen. Von den drei bekannten Bands \"Jungsturm\", \"Hunting Season\" und 23","\"Wolfsfront\" trat lediglich die Letztgenannte drei Mal au\u00dferhalb des Saarlandes live in Erscheinung. Hierbei handelte es sich um Veranstaltungen am 24. Mai in Concevreux nahe Reims, am 26. Juli im grenznahen franz\u00f6sischen Volmunster-Eschwiller und am 18. Oktober im \"Rhein-/Ruhrgebiet\". 2.3 Nutzung neuer Medien - Saarl\u00e4ndische Rechtsextremisten online Auch die saarl\u00e4ndischen Rechtsextremisten haben ihre Pr\u00e4senz in allen Bereichen des Internet ausgebaut. Die von ihnen betriebenen Seiten dienen der Selbstdarstellung und werden zur Agitation sowie zur Mobilisierung f\u00fcr Veranstaltungen und Aktionen genutzt. Sie versuchen aber auch \u00fcber die sozialen Netzwerke auf die politische Willensbildung Einfluss zu nehmen. Dies erfordert eine intensive Beobachtung, um auch zun\u00e4chst anonyme Urheber von rechtsextremistischen Inhalten identifizieren zu k\u00f6nnen und gegebenenfalls f\u00fcr strafbare Inhalte zur Verantwortung zu ziehen. 24","III. Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Linksextremisten aller Schattierungen streben die \u00dcberwindung der bestehenden und von ihnen als imperialistisch, kapitalistisch oder rassistisch bezeichneten Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland an. Je nach ideologisch-politischer Ausrichtung wollen sie die freiheitlich demokratische Grundordnung durch eine kommunistische oder eine \"herrschaftsfreie\" Gesellschaft ersetzen. Linksextremistische Parteien haben sich den Sturz des bestehenden politischen Systems und die Errichtung einer Diktatur des Proletariats unter F\u00fchrung einer \"proletarischen Avantgarde\" als Ziel gesetzt. Marxistisch-Leninistische Organisationen wie die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) halten an ihrer Idee einer Revolution der Arbeiterklasse fest. Das utopische Endziel dieser Gruppierungen ist die Schaffung einer klassenlosen kommunistischen Gesellschaftsordnung. Im Kapitalismus sehen sie u.a. die Ursachen f\u00fcr imperialistische Kriege und Faschismus. Eine Art Renaissance erlebt der klassische \"Anti-Kapitalismus\" durch die aktuelle weltweite Wirtschaftsund Finanzkrise sowie eine \"entfesselte\" Globalisierung. Autonome Zusammenschl\u00fcsse sind nicht wie kommunistische Organisationen von einer einheitlichen Ideologie gepr\u00e4gt, sondern verkn\u00fcpfen Elemente kommunistischer und anarchistischer Theoretiker miteinander. Wenngleich sie weder ideologisch noch strategisch homogen sind, haben sie sich mit der \u00dcberwindung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung in Richtung einer herrschaftsfreien/libert\u00e4ren Ordnung das gleiche politische Ziel gesetzt. Zur Verbreitung ihrer politischen Vorstellungen beteiligen Linksextremisten sich an aktuellen gesellschaftsund sozialpolitischen Auseinandersetzungen. Dazu arbeiten sie auch mit b\u00fcrgerlich-demokratischen Organisationen und globalisierungskritischen Bewegungen zusammen bzw. sie versuchen, auf diese Weise B\u00fcndnispartner f\u00fcr ihre system\u00fcberwindenden Ziele zu gewinnen. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Die Hauptaktivit\u00e4ten der linksextremistischen Szene im Saarland waren auch im vergangenen Jahr auf den zentralen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\", \"Antirassismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\" zu verzeichnen. Vor dem Hintergrund der milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, der Eskalationen im Nahost-Konflikt, der Gr\u00e4ueltaten der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS), von Bundeswehreins\u00e4tzen im Ausland und deutscher Waffenlieferungen in Krisengebiete beteiligte sich die linksextremistische Szene spektrums\u00fcbergreifend in Saarbr\u00fccken an frieden25","spolitischen Veranstaltungen der \"Antikriegsbewegung\" und Solidarit\u00e4tsaktionen des \"Kurdischen Gesellschaftszentrums Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) f\u00fcr die \"kurdischen K\u00e4mpferInnen gegen den IS-Terror\" insbesondere in der nordsyrischen Stadt Kobane. 1.3 Personenpotenzial Im Saarland haben sich Strukturen und Erscheinungsbild des organisierten und gewaltorientierten Linksextremismus im vergangenen Jahr gegen\u00fcber 2013 kaum ver\u00e4ndert. Das Gesamtpotenzial linksextremistischer Gruppierungen und Zusammenschl\u00fcsse, die tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Ausrichtung bieten, hat sich durch den Fortzug einzelner Angeh\u00f6riger der autonomen Szene Saar aus dem Saarland und den permanenten altersbedingten Mitgliederschwund insbesondere bei der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) geringf\u00fcgig von 450 auf etwa 430 Personen verringert. Den Hauptanteil stellt mit etwa 350 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern das organisierte linksextremistische Parteienspektrum einschlie\u00dflich seiner Umfeldorganisationen gegen\u00fcber rund 80 Personen der gewaltorientierten autonomen und antiimperialistischen Szene. Entwicklung des linksextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtpotenzial 490 470 460 450 430 Organisierte 370 370 360 360 350 Gewaltorientierte 120 100 100 90 80 600 500 400 Gesamtpotenzial 300 Organisierte Gewaltorientierte 200 100 0 2010 2011 2012 2013 2014 26","1.4 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Die Gesamtzahl der linksextremistisch motivierten Straftaten, insbesondere die Anzahl der darin enthaltenen Gewalttaten, hat sich trotz gesteigerter Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene Saar im Rahmen einer \"Antifa-Offensive\" gegen rechtsextremistische Strukturen, Funktion\u00e4re, Einrichtungen und Veranstaltungen gegen\u00fcber dem Vorjahr deutlich verringert. Dabei war festzustellen, dass sich die Aggression, die von Szeneangeh\u00f6rigen gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten als legitim angesehen wird, in zwei F\u00e4llen auch gegen Polizeibeamte als Vertreter des \"staatlichen Repressionsapparates\" richtete. Die Bandbreite der Straftaten reichte von Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz bis hin zur gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung. Insgesamt waren 15 Gesetzesverletzungen (2013: 20) mit linksextremistischem Hintergrund zu registrieren, darunter drei Gewalttaten (2013: sieben). Entwicklung der linksextremistisch motivierten Straftaten im Saarland in den letzten f\u00fcnf Jahren: 2010 2011 2012 2013 2014 Straftaten insgesamt 5 6 6 20 15 davon Straftaten 3 3 6 7 6 gegen \"Rechts\" Teilbereich Gewalttaten 2 2 1 7 3 davon Gewalttaten 1 ./. 1 1 1 gegen \"Rechts\" davon Gewalttaten 1 2 ./. 6 2 gegen Polizeibeamte 25 20 Straftaten insgesamt 15 davon Straftaten gegen \"Rechts\" Teilbereich Gewalttaten 10 davon Gewalttaten gegen \"Rechts\" davon Gewalttaten gegen 5 Polizeibeamte 0 2010 2011 2012 2013 2014 27","2. Einzelaspekte 2.1 Organisierter Linksextremismus Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Zusammenschl\u00fcsse verloren im vergangenen Jahr bundesweit weiter an Einfluss und stellen innerhalb des linksextremistischen Spektrums nur noch eine Randerscheinung dar. Wichtigste Vertreter innerhalb des organisierten Linksextremismus im Saarland waren auch 2014 die orthodox-kommunistische DKP und die streng maoistisch-stalinistisch ausgerichtete MLPD. Bet\u00e4tigungsfelder des vorgenannten linksextremistischen Parteienspektrums einschlie\u00dflich der von ihnen beeinflussten Organisationen waren im vergangenen Jahr aktuelle gesellschaftsund sozialpolitische Auseinandersetzungen. Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr friedenspolitische Aktionen boten die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen in der Ukraine, die Eskalationen im Nahost-Konflikt und die IS-Gr\u00e4ueltaten sowie Bundeswehreins\u00e4tze im Ausland und deutsche Waffenlieferungen in Krisenregionen. Im Fokus linksextremistischer Parteien standen die Europaund Kommunalwahlen am 25. Mai 2014. Bei der Europawahl beteiligten sich im Saarland aus dem linksextremistischen Parteienspektrum die DKP mit dem Slogan \"Ja zum Europa der Solidarit\u00e4t und des Widerstands gegen die EU! NEIN zum Europa der Banken und Konzerne!\" und erstmals die MLPD unter dem Motto \"Rebellion gegen die EU ist gerechtfertigt!\" jeweils mit Bundeslisten. Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte die DKP insgesamt 298 Stimmen (0,1 %) gegen\u00fcber 450 Stimmen (0,1 %) bei der Wahl 2009. Die MLPD war erstmals nach Aufhebung der bisher geltenden 3-Prozent-Sperrklausel durch das Bundesverfassungsgericht bei der Europawahl bundesweit mit einer Kandidatenliste angetreten. Saarl\u00e4ndische Parteimitglieder befanden sich jedoch nicht darauf. Auf die MLPD entfielen 207 Stimmen (0,0 %). Bei den zeitgleichen Kommunalwahlen im Saarland trat als einzige linksextremistische Partei die DKP an, kandidierte jedoch lediglich f\u00fcr den Stadtrat P\u00fcttlingen. Dabei musste sie starke Stimmenverluste hinnehmen. Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte die DKP nur noch 281 Stimmen (3,4 %) gegen\u00fcber 768 Stimmen (7,1 %) bei den Kommunalwahlen 2009. 2.1.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Die auf Bundesund L\u00e4nderebene in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch wahrnehmbare DKP k\u00e4mpft aufgrund ihrer \u00dcberalterung, eines ungebremsten Mit28","gliederschwundes, gro\u00dfer Finanzprobleme und insbesondere eines bereits seit mehreren Jahren offen ausgetragenen Richtungsstreits zwischen Hardlinern und reformorientierten Kr\u00e4ften \u00fcber wesentliche programmatische Positionen um ihren Fortbestand. W\u00e4hrend der orthodoxe Parteifl\u00fcgel f\u00fcr eine Neubesinnung auf die unverf\u00e4lschte Lehre des Marxismus-Leninismus mit der Forderung nach einer F\u00fchrungsrolle der Partei an der Spitze politischer Bewegungen steht, streben die reformwilligen Parteimitglieder eine Zusammenarbeit mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Str\u00f6mungen an. Die zu dem reformorientierten Lager z\u00e4hlende DKP-Saar ist innerhalb des organisierten Linksextremismus mit ihren noch etwa 150 Mitgliedern die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Organisation. Aktive Stadtund Ortsgruppen bestehen zumindest noch in Neunkirchen-Wiebelskirchen, P\u00fcttlingen, St. Ingbert, V\u00f6lklingen und Saarbr\u00fccken. Kommunalpolitischer Schwerpunkt der DKP-Saar ist nach wie vor die Stadt P\u00fcttlingen, in der sie regelm\u00e4\u00dfig im Rahmen monatlicher Aktionstage ihre Stadtzeitung \"pro + kontra\" kostenlos und in gro\u00dfer Auflage verbreitet. Nach den herben Stimmenverlusten bei der Kommunalwahl, die auf den altersbedingten R\u00fcckzug des langj\u00e4hrigen Fraktionsvorsitzenden aus der Politik zur\u00fcckzuf\u00fchren sind, verlor sie jedoch zwei ihrer zuvor drei Sitze im Stadtrat. Die DKP-Saar beteiligte sich am 18. Pressefest des DKP-Zentralorgans \"Unsere Zeit\", das vom 27. bis 29. Juni in Dortmund unter dem Motto \"Gemeinsam k\u00e4mpfen - gemeinsam feiern!\" stattfand und die wichtigste Veranstaltung neben dem Parteitag darstellt. Dort war sie u.a. mit einer Ausstellung zu ihrer Kampagne \"Stoppt die Kaputtsparer\" pr\u00e4sent, mit der politische Alternativen zur \"neoliberalen Politik\" der saarl\u00e4ndischen Landesregierung aufgezeigt wurden. Dar\u00fcber hinaus unterst\u00fctzte die DKP-Saar im Jahr 2014 Veranstaltungen der Arbeiterund Frauenbewegung, Aktivit\u00e4ten von Fl\u00fcchtlingsinitiativen gegen die europ\u00e4ische Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, \"Antikriegsdemonstrationen\" und \"antifaschistische\" Protestaktionen gegen Rechtsextremismus. 2.1.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die MLPD, die innerhalb der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert und \u00e4hnlich wie die DKP in der \u00d6ffentlichkeit kaum wahrnehmbar ist, sieht sich nach wie vor als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse\" in Deutschland. Sie h\u00e4lt an ihrem grundlegenden Ziel, dem revolution\u00e4ren Sturz des \"Monopolkapitals\" und Aufbau des Sozialismus als \"\u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\", fest. 29","Die MLPD-Saar ist \u00fcberregional dem Landesverband Rheinland-Pfalz, Hessen und Saarland (RHS) angegliedert. Die Landesgesch\u00e4ftsstelle befindet sich nach Angaben in der Parteizeitung \"Rote Fahne\" und auf der Internetseite der MLPD in Frankfurt am Main. Im Mittelpunkt der Parteiarbeit standen im Jahr 2014 die Bem\u00fchungen, durch eine verst\u00e4rkte \u00d6ffentlichkeitsarbeit insbesondere im Rahmen ihres EU-Wahlkampfes m\u00f6glichst viele Menschen f\u00fcr die \"Alternative des echten Sozialismus\" zu gewinnen. Schwerpunkt ihrer Mitgliederwerbeaktionen und Wahlkampfveranstaltungen bildete wie schon in den Vorjahren der Saarbr\u00fccker Stadtteil Malstatt, wo nahezu monatlich entsprechende Informationsst\u00e4nde betrieben wurden. Ein Mitgliederzuwachs war aber nicht festzustellen. Die MLPD-Saar bem\u00fchte sich auch im Jahr 2014 um die Fortf\u00fchrung der Saarbr\u00fccker Montagsdemonstrationen gegen \"Sozialabbau in Deutschland\", die bereits 2004 vom nichtextremistischen \"B\u00fcndnis gegen Sozialkahlschlag\" ins Leben gerufen worden waren. Die im monatlichen Rhythmus in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Bahnhofstra\u00dfe durchgef\u00fchrten Protestveranstaltungen wurden ausnahmslos von MLPD-Aktivisten angemeldet. Einer entsprechenden Pressemeldung zufolge agitierten unbekannte Teilnehmer an der \"Montagsdemo\" am \"Antikriegstag 1. September\" u.a. gegen die Bundeswehr. Am \"offenen Mikro\" wurden eine zunehmende Militarisierung der Gesellschaft und die Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr angeprangert. Dar\u00fcber hinaus wurden die Lage in Kurdistan und das in Deutschland bestehende Verbot der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) thematisiert. 2.2 Gewaltorientierter Linksextremismus 2.2.1 Autonome Autonome bilden bundesweit die weitaus gr\u00f6\u00dfte Personengruppe innerhalb des gewaltorientierten linksextremistischen Spektrums. Trotz unterschiedlicher ideologischer Orientierungen einigt sie der Widerstand gegen das bestehende \"kapitalistische System\". Autonome Gruppierungen lehnen das staatliche Gewaltmonopol ab. Stattdessen fordern sie \"herrschaftsfreie R\u00e4ume\", in denen staatliche Organe keine Macht aus\u00fcben. Derartige \"Freir\u00e4ume\" wie beispielsweise besetzte H\u00e4user oder selbstverwaltete Jugendzentren versteht die Szene als R\u00fcckzugsgebiet und Ausgangspunkt ihrer \"antistaatlichen\" Aktivit\u00e4ten, die sich an aktuellen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen orientieren. Die Anwendung von Gewalt ist f\u00fcr Autonome in der politischen Auseinandersetzung bzw. in ihrem Kampf gegen ein \"System von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\" unverzichtbar und wird von ihnen zur Durchsetzung ihrer Ziele als legitim angesehen. Gewalt ist Ausdruck ihrer Unvers\u00f6hnlichkeit mit den Verh\u00e4ltnissen und soll den Forderungen der Szene 30","Nachdruck verleihen sowie mediale Aufmerksamkeit erzeugen. Eine typische Form autonomer Gewalt ist die \"Massenmilitanz\", d. h. Stra\u00dfenkrawalle, die situativ im Zusammenhang mit Demonstrationen und Gro\u00dfveranstaltungen initiiert werden. Trotz grunds\u00e4tzlicher Organisierungsund Hierarchiefeindlichkeit autonomer Gruppierungen sind bundesweit Bem\u00fchungen um eine B\u00fcndelung und Vernetzung linker Kr\u00e4fte, anlassbezogene Kooperationen mit anderen Teilen des linksextremistischen Spektrums und auch nichtextremistischen Organisationen festzustellen. Mit der \u00d6ffnung gegen\u00fcber anderen ideologischen Str\u00f6mungen soll die eigene Handlungsf\u00e4higkeit erh\u00f6ht werden. Im Saarland war innerhalb der etwa 70 Personen umfassenden gewaltorientierten autonomen Szene im vergangenen Jahr lediglich noch die Saarbr\u00fccker Gruppe \"Antifa Saar/Projekt AK\" (AK = Analyse und Kritik) aktiv. Sie versteht sich als linker, politischer, unabh\u00e4ngiger Zusammenschluss, der au\u00dferparlamentarisch aktiv ist und sich den Kampf gegen Faschismus, Sexismus und Rassismus sowie f\u00fcr eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zum Ziel gesetzt hat. Sie nutzte im vergangenen Jahr insbesondere das Internet zur offenen Mobilisierung f\u00fcr ihre zahlreichen \"politischen Aktivit\u00e4ten\". Ihre interne Kommunikation erfolgte ausschlie\u00dflich in geschlossenen Foren unter Verwendung von g\u00e4ngigen Verschl\u00fcsselungsprogrammen. Dar\u00fcber hinaus wurde vor allem auch das Internetportal \"linksunten.indymedia\" genutzt, das als erstes regionales \"independent media center\" (imc) seit 2009 von \"MedienaktivistInnen aus dem S\u00fcdwesten Deutschlands\" betrieben wird. Die \"Antifa Saar/Projekt AK\" sowie einzelne Szeneangeh\u00f6rige aus den R\u00e4umen Neunkirchen und St. Ingbert entwickelten im vergangenen Jahr zahlreiche Aktivit\u00e4ten auf den zentralen autonomen Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antirepression\", \"Antisemitismus\", \"Antirassismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Erhalt bzw. Schaffung autonomer Freir\u00e4ume\". Ferner unterst\u00fctzten die Szeneangeh\u00f6rigen vor dem Hintergrund der Eskalationen im Nahostkonflikt und der Gr\u00e4ueltaten der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" entsprechende Solidarit\u00e4tsveranstaltungen in Saarbr\u00fccken. Der Arbeitsschwerpunkt der \"Antifa Saar/Projekt AK\" lag erneut auf dem Aktionsfeld \"Antifaschismus\". Ihren \"antifaschistischen Kampf\" definiert die \"Antifa Saar/Projekt AK\" als Eintreten f\u00fcr eine \u00dcberwindung des \"kapitalistischen Gesellschaftssystems und der staatlichen Ordnung als Wurzeln des Faschismus\". Im Rahmen der so genannten Antifa-Recherchearbeit sammeln sie Informationen \u00fcber \"Neonazis\", deren Treffpunkte und andere logistische Einrichtungen, um sie \u00f6ffentlich via Internet oder in Szenepublikationen blo\u00dfzustellen. Gleichzeitig sollen \"Outing-Aktionen\" vor einer rechtsextremistischen Bet\u00e4tigung abschrecken. Ferner geht es darum, die politische Arbeit von Rechtsextremisten zumindest zu erschweren. Von Jahresbeginn an setzte 31","die \"Antifa Saar/Projekt AK\" konsequent ihre generelle Ank\u00fcndigung um, der NPD k\u00fcnftig und insbesondere im EUund Kommunalwahlkampf jede Gelegenheit zu nehmen, den \u00f6ffentlichen Raum f\u00fcr die Verbreitung ihrer menschenfeindlichen Ideologie zu nutzen. Auf dem Aktionsfeld \"Antifaschismus\" waren folgende nennenswerte regionale und \u00fcberregionale Aktivit\u00e4ten der \"Antifa Saar/Projekt AK\", die sich insbesondere gegen Veranstaltungen, Einrichtungen und Mitglieder der NPD-Saar und der \"neonazistischen\" Kameradschaftsszene richteten, zu verzeichnen: 18.01.: \"Antifa-Demo\" in Saarbr\u00fccken anl\u00e4sslich des urspr\u00fcnglich im Stadtteil Schafbr\u00fccke geplanten NPD-Parteitages mit rund 180 Teilnehmern, 25. + 27.01.: \"Outing\" der Betreiber von NPD-Infost\u00e4nden in V\u00f6lklingen auf der Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 01.02.: Beteiligung mit einem Transparent \"Der NPD in die braune Suppe spucken! Gegen jeden Antisemitismus, Geschichtsrevisionismus, Rassismus und Deutscht\u00fcmelei!\" an Protestaktionen gegen eine NPD-Kundgebungstour in Trier, 01.03.: Spontane \"Outing-Aktion\" in Saarbr\u00fccken-Fechingen vor dem Hotel \"Budapest\" als \"jahrzehntelanger Nazitreffpunkt\", 05.03.: Farbanschl\u00e4ge eines \"Autonomen Farbkommandos\" in Saarbr\u00fccken auf das Wohngeb\u00e4ude des Vorsitzenden der NPD-Saar im Stadtteil Schafbr\u00fccke und auf das Verbindungshaus der Burschenschaft Germania in der Bismarckstra\u00dfe 112, 06.03.: Verbreitung eines Flyers \"Hotel Budapest - R\u00fcckzugsort der NPD\" durch Postwurf und an Passanten in Fechingen, 13.03.: Teilnahme von Szeneangeh\u00f6rigen als \"antifaschistische Prozessbeobachter\" an einer Gerichtsverhandlung gegen einen Bexbacher \"Neonazi\" vor dem Sch\u00f6ffengericht in Neunkirchen, 17.04.: Spontandemonstration in Saarbr\u00fccken unter dem Motto \"Kein Raum f\u00fcr Nazis - Den rechten Lifestyle aus der Deckung holen! Nazis unter die Hufe nehmen\" gegen eine Wahlkampfveranstaltung der NPD-Saar, 32","01.05.: Beteiligung von etwa 20 Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar an Protestund Blockadeaktionen gegen einen \"Naziaufmarsch\" in Kaiserslautern, 10.05.: Beteiligung von etwa 50 Angeh\u00f6rigen der autonomen \"Antifa-Szene\" an Protestaktionen gegen einen \"Naziaufmarsch\" in V\u00f6lklingen, 18.05.: \"Enttarnung\" einer Protestaktion einer \"Burbacher Initiative gegen Stra\u00dfenprostitution\" am 13. Mai vor der Congresshalle w\u00e4hrend einer Stadtratssitzung via Internet als eine Wahlkampfveranstaltung der NPD-Saar, 29.07.: Ver\u00f6ffentlichung einer weiteren Ausgabe ihres \"Recherche Infos\" auf ihrer Homepage, in dem die \"Ermittlungsergebnisse\" zu einer angeblich geplanten neuen \"Nazikneipe\" auf dem Gastronomieschiff \"Piraterie\" in Saarbr\u00fccken zusammengefasst waren sowie die Saarbr\u00fccker Kneipe \"City Train\" als angeblicher Treffpunkt der rechten Szene und deren Betreiberin als \"NPD-Sympathisantin\" geoutet wurden, 05.11.: Outing eines Ehepaares aus Saarbr\u00fccken-Ensheim mit Lichtbild und Angabe ihrer Wohnanschrift im Internet als \"aktive Nazis\" innerhalb der NPD-Saar, 06.11.: Bericht auf ihrer Homepage \u00fcber die Teilnahme von acht saarl\u00e4ndischen \"Neonazis\" an der von schweren Ausschreitungen begleiteten Demonstration von etwa 4.800 Hooligans und Rechtsextremisten gegen Salafismus am 26. Oktober in K\u00f6ln, 23.11.: Internetver\u00f6ffentlichung unter \"linksunten.indymedia\" zur geplanten Er\u00f6ffnung von zwei rechten Szenelokalen in Saarbr\u00fccken-G\u00fcdingen und Saarbr\u00fccken-Burbach durch die Vorsitzende des NPD-Ortsverbandes SB-Burbach am 29. November bzw. 6. Dezember 2014 und 04.12.: Outing eines angeblichen \"Neonazis\" aus Limbach mit Lichtbild und Angabe seiner Wohnanschrift im Internet. Auch der Kampf gegen vermeintliche staatliche Kontrolle und \"Repression\" bildete f\u00fcr die saarl\u00e4ndischen Szeneangeh\u00f6rigen im vergangenen Jahr wieder einen Schwerpunkt bei ihren \"politischen Aktivit\u00e4ten\". Die damit verbundene 33","Ablehnung des staatlichen Gewaltmonopols ist das zentrale verbindende Element innerhalb der in Kleingruppen zersplitterten linksextremistischen autonomen Szene. Unter \"Repression\" verstehen Autonome die staatliche \u00dcberwachung und Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit linksextremistischen Aktivit\u00e4ten. Ma\u00dfnahmen des Staates als Garant \u00f6ffentlicher Sicherheit und Ordnung bei demonstrativen Anl\u00e4ssen werden von den Szeneangeh\u00f6rigen generell als \"ungerechte staatliche Unterdr\u00fcckung\", \"Repression\" und \"Polizeioder Amtswillk\u00fcr\" interpretiert. Entsprechende Solidarit\u00e4tskampagnen zu Gunsten von Personen oder Organisationen, die einer vermeintlich \"repressiven Ma\u00dfnahme\" ausgesetzt sind, erfahren in der Regel eine breite Unterst\u00fctzung. So prangerte die \"Antifa Saar/Projekt AK\" in einer auf den 23. April datierten Internetver\u00f6ffentlichung mit dem Titel \"STILL NOT LOVING POLICE!\" mehrere Strafverfahren gegen \"antifaschistische GegendemonstrantInnen\" als gezielte \"staatliche Repression\" an. Diese waren im Nachgang zu den t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen bei einer \"Nazi-Kundgebung\" anl\u00e4sslich des 100. Geburtstages des Kriegsverbrechers Erich PRIEBKE am 29. Juli 2013 in Saarbr\u00fccken eingeleitet worden. In dem Artikel wies die \"Antifa Saar/Projekt AK\" gleichzeitig auf polizeiliche \u00dcbergriffe auf \"Antifas\" hin.1 Als Reaktion auf eine Hausdurchsuchung am 5. Mai bei einem \"Antifaschisten\" in Saarbr\u00fccken im Zusammenhang mit einer \"Nazi-Outing-Aktion\" Mitte August 2013 ver\u00f6ffentlichte die \"Antifa Saar/Projekt AK\" auf ihrer Internetseite eine Pressemitteilung mit der Schlagzeile \"Nach Nazi\u00fcbergriff: LKA kriminalisiert Antifaschisten\". Darin wurde die Ma\u00dfnahme als nach b\u00fcrgerlichen Ma\u00dfst\u00e4ben \u00e4u\u00dferst fragw\u00fcrdig und als ein weiterer \"Kriminalisierungsversuch der politischen Polizei\" gegen\u00fcber saarl\u00e4ndischen \"AntifaschistInnen\" dargestellt. Am 7. November verfolgten etwa 15 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar als Beobachter eine Gerichtsverhandlung vor dem Amtsgericht Saarbr\u00fccken gegen drei Gesinnungsgenossen wegen Versto\u00dfes gegen das Sprengstoffgesetz. Diese hatten in der Silvesternacht im Nauwieser Viertel randaliert und eintreffende Polizeibeamte durch Werfen von Feuerwerksk\u00f6rpern gegen das Dienstfahrzeug gezielt angegriffen. Zwei Szeneaktivisten wurden wegen Einsatzes gef\u00e4hrlicher Explosivstoffe zu Geldstrafen in H\u00f6he von zehn bzw. 20 Tagess\u00e4tzen zu je 15 Euro verurteilt. 1 Der Artikel war mit einem \"aufgetauchten Journalistenvideo\" \u00fcber die damaligen Ereignisse verlinkt. In der Folge wurde ein Polizeibeamter am 13. November vom Amtsgericht Saarbr\u00fccken wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung im Amt und Verfolgung Unschuldiger zu einer Haftstrafe von 18 Monaten auf Bew\u00e4hrung und zur Zahlung von 2000 Euro an einen Gesch\u00e4digten, der als Nebenkl\u00e4ger aufgetreten war, verurteilt. Auf Grund des vorgenannten Videos sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Beamte einen \"Antifaschisten\" ungerechtfertigt angegriffen und durch den Einsatz eines Schlagstockes verletzt hatte. 34","Vor dem Hintergrund der anhaltenden Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus dem Nahen Osten und aus Afrika beteiligten sich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene im Rahmen ihres Kampfes gegen den \"institutionellen Rassismus\" auch friedlich an Veranstaltungen und demonstrativen Aktivit\u00e4ten gegen die staatliche Asylund Abschiebepolitik. Die linksextremistische Szene wirft dem Staat vor, durch Abwehrma\u00dfnahmen an den europ\u00e4ischen Grenzen und durch Abschiebungen eine rassistische Politik zu betreiben sowie letztlich f\u00fcr den Tod von Bootsfl\u00fcchtlingen und anderen in \"Folterstaaten\" abgeschobenen Fl\u00fcchtlingen verantwortlich zu sein. Sie unterst\u00fctzt Forderungen wie beispielsweise \"Abschiebegef\u00e4ngnisse abschaffen\", \"Keine Abschiebungen in Kriegsgebiete und Folterstaaten!\" oder \"Keine Ausreisezentren und andere Sammellager!\". Dar\u00fcber hinaus zielen ihre antirassistischen Aktivit\u00e4ten gegen den \"Alltagsrassismus\", der sich in zahlreichen fremdenfeindlichen Vorf\u00e4llen offenbare. Einer Internetver\u00f6ffentlichung der \"Antifa Saar/Projekt AK\" zufolge f\u00fchrten Szeneangeh\u00f6rige am 19. September in Saarbr\u00fccken und Saarlouis zwei \"antirassistische Aktionen\" zur Erinnerung an den Todestag eines ghanaischen Fl\u00fcchtlings durch, der 1991 bei einem vermutlich fremdenfeindlichen, aber bis heute nicht aufgekl\u00e4rten Brandanschlag auf ein Fl\u00fcchtlingsheim in Saarlouis-Fraulautern ums Leben gekommen war. Mitte November rief die \"Antifa Saar/Projekt AK\" auf ihrer Homepage mit dem Slogan \"Gemeinsam gegen Rassismus und Islamismus! Dem rassistischen SaGeSa-Mob entgegentreten!\" f\u00fcr eine Beteiligung an einer Kundgebung auf, um gegen eine am 22. November in V\u00f6lklingen angemeldete Demonstration der Gruppierung \"Saarl\u00e4nder gegen Salafisten\" (SaGeSa) zu protestieren. Unter die rund 300 Teilnehmer der von einer demokratischen Partei initiierten Gegenveranstaltung unter dem Motto \"Gegen Rassismus und religi\u00f6sen Fanatismus\" mischten sich auch etwa 40 Angeh\u00f6rige der hiesigen linksextremistischen autonomen \"Antifa-Szene\" und einzelne \"antifaschistische GesinnungsgenossInnen\" aus Rheinland-Pfalz sowie Mitglieder/Anh\u00e4nger der DKP und der MLPD. Die teilweise vermummten autonomen Aktivisten verteilten ein Flugblatt mit dem Aufmacher \"Gegen Rassismus und Islamismus! Kein Kompromiss mit der Barbarei!\" und zeigten gro\u00dffl\u00e4chige Transparente der \"Antifa Saar/Projekt AK\" mit den Aufschriften \"pas de quartiers pour les fascistes, pas de fascistes dans les quartiers!\" und \"No Jihad! Stop Boko Haram, Al-Qaida, Hamas, Isis! - Islamismus bek\u00e4mpfen!\". Die autonome Szene beteiligte sich ferner an bundesweiten und regionalen friedenspolitischen bzw. \"antimilitaristischen\" Protestveranstaltungen. Die Agitation richtete sich gegen Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr und deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete. Dar\u00fcber hinaus wurde auch eine angeblich zunehmende \"Militarisierung der Gesellschaft\" thematisiert, die sich in einer vermehrten Pr\u00e4senz der Bundeswehr in der \u00d6ffentlichkeit zeige. Im Fokus von Linksextremisten standen insbesondere Milit\u00e4rmusikkonzerte sowie Bundeswehrveranstaltungen zur Nachwuchswerbung in Arbeitsagen35","turen und Schulen. Einer auf den 16. Oktober datierten Internetver\u00f6ffentlichung zufolge beteiligte sich die \"Antifa Saar/Projekt AK\" ab Anfang Oktober in Saarbr\u00fccken an Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen vor der Europagalerie bzw. vor dem saarl\u00e4ndischen Landtag sowie an einer Besetzung des Hauptbahnhofes zur solidarischen Unterst\u00fctzung der \"K\u00e4mpferInnen\" der PKK in Kobane. Gleichzeitig wurden bei diesen Anl\u00e4ssen die Aufhebung des PKK-Verbotes in Deutschland und die Aufnahme des Kampfes gegen den \"globalen politischen Islam\" gefordert. Zur finanziellen Unterst\u00fctzung der \"kurdischen Selbstverteidigungskr\u00e4fte\" bot die vorgenannte \"Antifa\"-Gruppe Mitte Oktober auf ihrer Homepage ein \"Soli T-Shirt gegen Islamismus\" mit dem Aufdruck \"No Jihad - Stop Boko Haram, Al Qaida, Hamas, Isis\" zum Kauf an. Unter den rund 1.000 Teilnehmern eines friedlich verlaufenen Aufzuges am 1. November in Saarbr\u00fccken unter dem Motto \"Solidarit\u00e4t mit Kobane - Gegen IS-Terror/Ermordung von Yeziden\", die von der \"Kurdischen Gemeinde Saarland e.V.\" (KGS) anl\u00e4sslich eines \"Internationalen Aktionstages f\u00fcr Kobane\" organisiert worden war, befanden sich auch etwa 20 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar. Zur Aufarbeitung der j\u00fcngsten Eskalationen im Gazakonflikt organisierte die \"Antifa Saar/Projekt AK\" gemeinsam mit nichtextremistischen Organisationen am 16. November in Saarbr\u00fccken eine Vortragsund Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Israel: Der ewige S\u00fcndenbock\" mit etwa 120 Teilnehmern. Obwohl das Thema \"Schaffung und Erhalt autonomer Freir\u00e4ume\" infolge ihrer \"Antifa-Offensive\" im vergangenen Jahr etwas in den Hintergrund gedr\u00e4ngt wurde, besitzt es bei Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene Saar nach wie vor einen hohen Stellenwert. In diesem Zusammenhang beteiligten sich Angeh\u00f6rige der autonomen Szene Saar am 8. Februar an einem \"Solifestival\" f\u00fcr die Schaffung eines \"alternativen Hausprojektes\" in Saarbr\u00fccken. Zum Auftakt dieses Musikfestivals mit mehreren \"Punk-Rock-Bands\" aus der Region, das im Jugendzentrum St. Ingbert (kein Beobachtungsobjekt) stattfand, wurde ein von der autonomen \"Antifa Saar/Projekt AK\" produzierter \"Doku-Film\" \u00fcber ihren Kampf in den Jahren 2004/2005 f\u00fcr den Erhalt der \"Alten Feuerwache\" in Saarbr\u00fccken als Kontaktund Anlaufstelle f\u00fcr die Szene gezeigt. Derartige \"subkulturelle Musikangebote\" in \"Autonomen Zentren\" und vergleichbaren selbst verwalteten Einrichtungen werden von Szeneangeh\u00f6rigen u.a. auch dazu genutzt, Einnahmen f\u00fcr ihre politische Arbeit zu generieren, Kontakte zu Au\u00dfenstehenden aufzubauen bzw. Nachwuchs anzuwerben oder f\u00fcr eine Teilnahme an ihren linksextremistischen Aktivit\u00e4ten zu mobilisieren. Von diversen Bands werden dabei auch Lieder verbreitet, die typische linksextremistische Gesellschaftsund Systemkritik beinhalten. Mitunter finden sich in den Texten auch Aufrufe zu Gewalttaten gegen\u00fcber Rechtsextremisten oder Polizisten, aber auch zu Straftaten im Verlauf von Demonstrationen. Zu dieser Kategorie deutscher Musikgruppen geh\u00f6ren beispielsweise die in der autonomen Szene Mecklenburg-Vorpommerns verankerte Punk-Band \"Feine 36","Sahne Fischfilet\" und die in der linksextremistischen Szene beliebte Berliner Elektro-Formation \"Egotronic\". Beide Bands traten am 12. Juli auf einem Musikfestival im \"Skatepark Theley\" mit rund 700 Besuchern auf, das vom Verein \"Volcano e.V. - Verein zur F\u00f6rderung offener Jugendarbeit und selbstverwalteter Jugendkultur\" aus Tholey bereits seit mehreren Jahren organisiert wird. W\u00e4hrend der Veranstaltung, mit der ein deutliches Zeichen gegen rechtes Gedankengut und Rassismus gesetzt werden sollte, waren nach einem Bericht in der Saarbr\u00fccker Zeitung auch eine bundesweite Initiative \"Kein Bock auf Nazis\" mit einem Stand und die autonome \"Antifa Saar/Projekt AK\" pr\u00e4sent. 2.2.2 Antiimperialistische Szene Saar Neben den Autonomen sind dem gewaltorientierten linksextremistischen Spektrum im Saarland noch einige wenige Aktivisten aus der ehemaligen saarl\u00e4ndischen RAF-Unterst\u00fctzerszene zuzurechnen. Sie sind zwar nach wie vor in der antiimperialistisch ausgerichteten Saarbr\u00fccker Gruppe \"BASIS\" (B\u00fcro und Anlaufstelle f\u00fcr Selbstorganisierung - Internationalismus - Soziale Emanzipation) organisiert, treten aber nach au\u00dfen hin ausschlie\u00dflich unter der Firmierung \"Libertad! Saar\" in Erscheinung. Angeh\u00f6rige dieses kleinen Aktivistenkreises halten den Aufbau fester Organisationsstrukturen innerhalb des antiimperialistischen/autonomen Spektrums f\u00fcr unverzichtbar, um eine weitere \"Marginalisierung revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte\" zu verhindern bzw. die Sprachund Bedeutungslosigkeit der \"radikalen Linken\" \u00fcberwinden zu k\u00f6nnen. Aufgrund dieser Zielsetzung engagieren sich die vorgenannten Szeneangeh\u00f6rigen innerhalb der bundesweiten und in Frankfurt am Main ans\u00e4ssigen Initiative \"Libertad!\", die zunehmend in den aktuellen Auseinandersetzungen gegen Globalisierung, Krieg, \"staatliche Repression und \u00dcberwachung\" sowie insbesondere gegen Kapitalismus Ausgangspunkte f\u00fcr den Aufbau eines internationalen Netzwerkes revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte sieht. Deshalb ist \"Libertad!\" bestrebt, mit einer strategischen B\u00fcndnisorientierung str\u00f6mungs\u00fcbergreifend zu agieren. Dazu setzte die Initiative einschlie\u00dflich ihrer Saarbr\u00fccker Ortsgruppe auch im Jahr 2014 ihre Mitarbeit im Aktionsb\u00fcndnis \"Interventionistische Linke\" (IL) fort, einem bundesweiten informellen Netzwerk von Gruppen und Einzelaktivisten \u00fcberwiegend aus dem autonomen Lager und mehreren revolution\u00e4r-marxistischen Organisationen. Ein Gro\u00dfteil der \"Libertad!\"-Angeh\u00f6rigen sieht in der Weiterentwicklung dieses im Jahr 2005 gegr\u00fcndeten B\u00fcndnisses durch Schaffung fester Organisationsstrukturen eine Chance, die Stagnation zu \u00fcberwinden und die \"radikale Linke\" in Deutschland wieder \"interventionsf\u00e4hig\" zu machen. Sie treten zwar nicht offen gewaltt\u00e4tig oder gewaltbef\u00fcrwortend auf, lehnen aber ein Bekenntnis zur Gewaltfreiheit grunds\u00e4tzlich ab. 37","\"Libertad! Saar\" unterst\u00fctzte im vergangenen Jahr einen Protestmarsch von Fl\u00fcchtlingen von Stra\u00dfburg \u00fcber Saarbr\u00fccken nach Br\u00fcssel (20. Mai bis 22. Juni), der sich gegen die Au\u00dfenund Sicherheitspolitik der Europ\u00e4ischen Union (EU) richtete. Die Szeneangeh\u00f6rigen beteiligten sich an entsprechenden Solidarit\u00e4tsaktionen, die von saarl\u00e4ndischen Fl\u00fcchtlingsinitiativen entlang des Marschweges vom 26. Mai bis 1. Juni im Saarland organisiert worden waren. Ferner nahmen hiesige \"Libertad!\"-Aktivisten friedlich an Solidarit\u00e4tsveranstaltungen der des \"Kurdischen Gesellschaftszentrums Saarbr\u00fccken e.V.\" (KGZ) f\u00fcr den kurdischen Widerstand gegen die IS-Terrororganisation in Saarbr\u00fccken teil. Dar\u00fcber hinaus z\u00e4hlten die Saarbr\u00fccker Szeneangeh\u00f6rigen zum breiten Unterst\u00fctzerkreis eines bundesweiten \"Blockupy-B\u00fcndnisses\", das die Planungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von \"antikapitalistischen Aktionstagen\" in Frankfurt am Main anl\u00e4sslich der urspr\u00fcnglich im November geplanten Feierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des Neubaus der \"Europ\u00e4ischen Zentralbank\" (EZB) in der deutschen Bankenmetropole ma\u00dfgeblich steuerte. Dieses B\u00fcndnis setzte sich aus \u00fcberwiegend nichtextremistischen Initiativen, Gewerkschaften und demokratischen Organisationen sowie aus gem\u00e4\u00dfigten Linksextremisten und autonomen Gruppierungen zusammen. Die Beteiligung von linken Gruppen an diesem breit aufgestellten B\u00fcndnis verdeutlicht, dass aus dem gesamten linksextremistischen Spektrum heraus versucht wird, die demokratischen Proteste gegen die globale Wirtschaftsund Finanzkrise f\u00fcr die eigenen Ziele zu instrumentalisieren bzw. eine \"antikapitalistische Grundeinstellung\" in die Mitte der Gesellschaft zu tragen. Die Vorbereitungen auf Landesebene f\u00fcr eine Teilnahme an den Protesten gegen die EZB als das \"Symbol der kapitalistischen Gesellschaft\" wurden von einer regionalen \"AG Blockupy\" gef\u00fchrt, in der Angeh\u00f6rige der antiimperialistisch ausgerichteten Gruppe \"Libertad! Saar\" sowie Vertreter mehrerer nichtextremistischer Organisationen mitarbeiteten. Anfang Mai mobilisierte die vorgenannte AG via Internet und mit einem im Raum Saarbr\u00fccken verbreiteten Flyer \"Blockupy 2014 - Grenzenlos solidarisch - f\u00fcr eine Demokratie von unten! Wir zahlen nicht f\u00fcr eure Krise!\" f\u00fcr eine gemeinsame Bahnanreise zu einer \"Antikapitalismusdemo\" am 17. Mai in Stuttgart. Diese war im Rahmen europaweiter Protestaktionen unter dem Motto \"Solidarity beyond Borders - Building Democracy from below\" gegen die europ\u00e4ische Sparpolitik der \"Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem W\u00e4hrungsfonds (IWF)\" organisiert worden. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte die regionale \"AG Blockupy\" in monatlichem Rhythmus in Saarbr\u00fccken entsprechende Mobilisierungsveranstaltungen zu den in den M\u00e4rz 2015 verschobenen \"antikapitalistischen\" Protestveranstaltungen gegen die Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt/Main durch. 38","IV. Ausl\u00e4nderextremismus (ohne Islamismus/islamistischer Terrorismus) 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Ausl\u00e4nderextremismus ist keine Extremismusform eigener Art. Der Begriff umfasst vielmehr extremistische Bestrebungen von Migrantenorganisationen, bei denen Gr\u00fcndung und Wirken auf unterschiedlichste Konflikte in den Herkunftsregionen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind. Bei dem Versuch, die dortigen Verh\u00e4ltnisse in ihrem Sinne zu ver\u00e4ndern, wenden sie friedliche, zum Teil aber auch militante Mittel an. Die Aktivit\u00e4ten der in der Bundesrepublik - oft auch im Zusammenwirken mit deutschen extremistischen Gruppierungen - agierenden Ableger zielen in der Hauptsache auf die Unterst\u00fctzung ihrer Mutterorganisationen ab. Zu beobachten sind dabei vor dem Hintergrund der jeweiligen Entwicklungen in den Ursprungsregionen insbesondere propagandistische, logistische und finanzielle Unterst\u00fctzungshandlungen. Vor allem aus Akzeptanzgr\u00fcnden bem\u00fchen sich die Gruppen grunds\u00e4tzlich um ein friedliches Erscheinungsbild in Deutschland; vereinzelte, durch besonders emotionalisierende Ereignisse und Entwicklungen ausgel\u00f6ste gewaltt\u00e4tige Aktionen sind aber immer wieder festzustellen. Ideologische Grundausrichtungen findet der hier relevante nicht-islamistische Ausl\u00e4nderextremismus im Linksextremismus, Nationalismus und Separatismus.2 1.2 Entwicklung /Tendenzen Die beschriebene heterogene Zusammensetzung des Ausl\u00e4nderextremismus (AEX) findet sich in seiner ganzen Bandbreite auch im Saarland. Wie bereits in den vergangenen Jahren hatte die Beobachtung der in Deutschland mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Priorit\u00e4t. 2 Im vorliegenden Bericht wird erstmals der fr\u00fcher im Teil \"Ausl\u00e4nderextremismus\" mitbehandelte Ph\u00e4nomenbereich \"Islamismus/islamistischer Terrorismus\" gesondert dargestellt. Diese \u00c4nderung wurde im Wesentlichen aus zwei Gr\u00fcnden vorgenommen: - W\u00e4hrend Islamismus fr\u00fcher als ein von au\u00dfen kommendes Ph\u00e4nomen betrachtet wurde, muss festgestellt werden, dass die hier lebenden Islamisten h\u00e4ufig deutsche Staatsb\u00fcrger sind und ihre Radikalisierung sich ohne direkte Einfl\u00fcsse aus dem Ausland vollzieht. - Religi\u00f6ser Extremismus hat andere Ursachen als der s\u00e4kulare und stellt daher eine eigenst\u00e4ndige Kategorie dar. 39","1.3 Personenpotenzial Das Mitglieder-/Anh\u00e4ngerpotenzial der dem Beobachtungsbereich Ausl\u00e4nderextremismus zugeordneten Organisationen, Gruppierungen und Einzelaktivisten im Saarland war zum Jahresende 2014 auf Grund aktueller Erkenntnisse mit bis zu 400 geringer zu beziffern als im Vorjahr, als rund 430 Personen diesem Spektrum zuzurechnen waren. Nach wie vor stellt sich dort die PKK mit etwa 300 Mitgliedern/Anh\u00e4ngern und einem Mobilisierungspotenzial von bis zu 1.000 Personen unver\u00e4ndert als die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte und auf Grund ihrer Aktivit\u00e4ten in der \u00d6ffentlichkeit am st\u00e4rksten wahrgenommene Einzelgruppierung dar. Die Unterst\u00fctzung der von der Organisationsf\u00fchrung initiierten Kampagnen und Aktionen durch die Anh\u00e4ngerschaft im Saarland belegte erneut deren Einbindung in die streng hierarchisch gegliederte Gesamtorganisation. Entwicklung des ausl\u00e4nderextremistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtpotenzial 450 450 430 430 400 460 450 440 430 420 Gesamtpotenzial 410 400 390 380 370 2010 2011 2012 2013 2014 40","1.4 \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" (PMK) Im Jahr 2014 waren insgesamt 16 Straftaten mit erwiesenem bzw. zu vermutendem ausl\u00e4nderextremistischen Hintergrund zu verzeichnen (keine Gewalttaten). Die gegen\u00fcber den Vorjahren erh\u00f6hten Fallzahlen sind auf ein umfangreiches Strafverfahren gegen Funktion\u00e4re/Anh\u00e4nger der tamilischen Separatistenorganisation \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) zur\u00fcckzuf\u00fchren. Auch LTTE-Funktion\u00e4re und -Aktivisten im Saarland waren von diesem Strafverfahren betroffen; so sind hier elf Verfahren gegen LTTE-Angeh\u00f6rige wegen Versto\u00dfes gegen das Au\u00dfenwirtschaftsgesetz (AWG) zu verzeichnen. F\u00fcnf Straftaten waren dem Bereich PKK zuzuordnen. Entwicklung der ausl\u00e4nderextremistisch motivierten Straftaten innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre3: 2010 2011 2012 2013 2014 gesamt: 5 6 3 3 16 davon Gewalttaten: 0 1 1 0 0 18 16 14 12 10 gesamt: 8 davon Gewalttaten: 6 4 2 0 2010 2011 2012 2013 2014 3 Bei der von der Polizei \u00fcbernommenen Straftatenstatistik erfolgt keine Trenung zwischen \"ausl\u00e4nderextremistischen\" und \"islamistischen\" Straftaten. Wie auch im Vorjahr war 2014 keine Straftat mit islamistischem Hintergrund zu registrieren. 41","2. Einzelaspekte 2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 2.1.1 Allgemeine Lage, Entwicklung Die PKK befindet sich seit Anfang 2013 in einem nach wie vor anhaltenden, allerdings ins Stocken geratenen Friedensprozess mit der T\u00fcrkei. Seitdem sind die Kampfhandlungen zwischen den Guerillaeinheiten der PKK und der t\u00fcrkischen Armee insgesamt zwar signifikant zur\u00fcckgegangen, flackern aber immer wieder auf. So f\u00fchrte das t\u00fcrkische Milit\u00e4r am 13. Oktober vergangenen Jahres Luftangriffe auf PKK-Stellungen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei durch. Dies wurde von den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) der PKK als Bruch der Waffenruhe bezeichnet; die Angriffe seien durch die HPG beantwortet worden, hie\u00df es in der Erkl\u00e4rung weiter. Andererseits hat die PKK gemeinsam mit ihrem syrischen Ableger \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD) im vergangenen Jahr ihr Engagement gegen die sunnitische Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) in den kurdischen Siedlungsgebieten in Syrien und Irak verst\u00e4rkt. Ziele waren die Verteidigung der in drei \"Kantonen\" Nord-Syriens im Januar 2014 von Kurden ausgerufenen \"Demokratischen Autonomie\" sowie der Schutz der vom IS bedrohten Jesiden im Nordirak. Das Aktionsverhalten der PKK, die in Westeuropa seit 1999 um ein weitgehend gewaltfreies Erscheinungsbild bem\u00fcht ist, richtete sich im vergangenen Jahr neben Aktionen zur Freilassung der F\u00fchrungsund Symbolfigur Abdullah \u00d6CALAN aus t\u00fcrkischer Haft und zur Aufkl\u00e4rung der Morde an drei PKK-Aktivistinnen vom 9. Januar 2013 in Paris gegen den Vormarsch des IS in kurdische Siedlungsgebiete in der Heimatregion. Nicht zuletzt die prek\u00e4re Situation um die syrische Stadt Kobane lie\u00df insbesondere die Zahl der Protestkundgebungen im September und Oktober deutlich ansteigen. Aufgrund der Emotionalisierung insbesondere PKK-naher kurdischer Jugendlicher kam es zu Spontandemonstrationen u. a. an deutschen Flugh\u00e4fen, Bahnh\u00f6fen sowie zu Sitzstreiks gegen die \"Unt\u00e4tigkeit Europas im Kampf gegen den IS\". Die Proteste verliefen bis auf vereinzelte gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Kurden bzw. PKK-Anh\u00e4ngern und Islamisten/Salafisten weitestgehend friedlich. Insbesondere wurde im Rahmen der Veranstaltungen in Deutschland verst\u00e4rkt eine Aufhebung des PKK-Verbotes gefordert. Zum Jahrestag der Ermordung der drei PKK-Aktivistinnen in Paris fand am 11. Januar in der franz\u00f6sischen Hauptstadt eine zentrale Gro\u00dfkundgebung mit 13.000 Teilnehmern statt. Im Rahmen der friedlich verlaufenen Veranstaltung bekr\u00e4ftigten kurdische Vertreter ihre Forderung an den franz\u00f6sischen Staat zur Aufkl\u00e4rung der Morde und betonten, dass \"Europa Gastgeber dieses besch\u00e4menden und barbarischen Mordes gewesen\" sei. In zahlreichen deutschen St\u00e4dten wurde das ganze Jahr \u00fcber bei Kundgebungen und Mahnwa42","chen, u. a. vor franz\u00f6sischen Auslandsvertretungen, eine l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung der Morde gefordert. Anl\u00e4sslich des 15. Jahrestages der Festnahme Abdullah \u00d6CALANs fand am 15. Februar in Stra\u00dfburg eine Gro\u00dfkundgebung mit etwa 10.000 Personen statt. Allgemeiner Tenor der Ansprachen war die Forderung nach einer Freilassung des Kurdenf\u00fchrers sowie nach einer L\u00f6sung der Kurdenfrage. PKK-Anh\u00e4nger begingen am 22. M\u00e4rz mit einer zentralen Gro\u00dfdemonstration (10.000 Teilnehmer) unter dem Motto \"Freiheit in Kurdistan - Demokratie in der T\u00fcrkei\" in D\u00fcsseldorf das traditionelle kurdische Neujahrsfest NEWROZ. Per eingespieltem Video forderte der inhaftierte Kurdenf\u00fchrer zum Festhalten am Friedensprozess und die t\u00fcrkische Regierung zur Aufnahme konkreter Verhandlungen auf. Im Juni betonte \u00d6CALAN ferner, es sei wichtig, die Inhalte der Friedensgespr\u00e4che mit der \u00d6ffentlichkeit zu teilen. \u00dcberdies m\u00fcsse man aufh\u00f6ren, den Friedensprozess mit gegenseitigen Provokationen zu behindern; der Waffenstillstand m\u00fcsse von beiden Seiten eingehalten werden. Zur Jahresmitte hin versch\u00e4rften sich die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwischen den \"Volksverteidigungseinheiten\" (YPG) der PYD und dem IS in der t\u00fcrkisch-syrischen Grenzregion \"Rojava\". Vor diesem Hintergrund fanden in zahlreichen deutschen St\u00e4dten verst\u00e4rkt Solidarit\u00e4tsaktionen zur Unterst\u00fctzung der kurdischen Autonomiebestrebungen in Syrien bzw. Protestaktionen gegen den Vormarsch des IS statt. Insbesondere wurde an die internationale Politik appelliert, sich ihrer Verantwortung in dieser Angelegenheit bewusst zu werden. In einer Erkl\u00e4rung vom 8. Juli betonte die PKK-F\u00fchrung, die IS-Angriffe blieben nicht auf \"Rojava\" beschr\u00e4nkt, sondern stellten eine gro\u00dfe Gefahr f\u00fcr alle Kurden dar. Funktion\u00e4re riefen die Kurden zum gemeinsamen Widerstand mit dem Volk von \"Rojava\" auf und hoben hervor, es sei f\u00fcr sie eine nationale Pflicht, sich an diesem Widerstand zu beteiligen. Der Vormarsch des IS im Nordirak, insbesondere die Eroberung der Stadt Sengal, die haupts\u00e4chlich von Angeh\u00f6rigen der religi\u00f6sen Minderheit der Jesiden bewohnt wird, l\u00f6ste Anfang August zahlreiche Protestkundgebungen von PKK-Anh\u00e4ngern und Jesiden in Deutschland aus. In Ver\u00f6ffentlichungen PKK-naher Organisationen wurden die Angriffe als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Vor allem Deutschland st\u00fcnde hier in der Verantwortung, da viele hier lebende Kurden deutsche Staatsb\u00fcrger seien und den Schutz ihrer Verwandten und Bekannten in der Heimat auch als ihren Schutz verst\u00fcnden. Ferner wurde die Politik der \"regionalen M\u00e4chte\", vor allem die der t\u00fcrkischen Regierung, verurteilt, welche den IS unterst\u00fctze oder zumindest auf ihrem Staatsgebiet operieren lasse. 43","Vor dem Hintergrund der Offensiven des IS in den kurdischen Siedlungsgebieten in Nordsyrien und im Nordirak waren in Deutschland und in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern verst\u00e4rkt Bem\u00fchungen festzustellen, Personen f\u00fcr den bewaffneten Kampf der PKK zu gewinnen. Unter Hinweis auf die als Erfolg der PKK deklarierte Zur\u00fcckdr\u00e4ngung des IS und die Befreiung der Jesiden aus dem nordirakischen Sindschar-Gebirge wurden junge Kurden in PKK-nahen Medien dazu aufgefordert, sich zur Verteidigung ihrer Heimat f\u00fcr mindestens sechs Monate den bewaffneten Einheiten der PKK in Syrien bzw. im Irak anzuschlie\u00dfen. Unter dem Motto \"Die RojavaRevolution ist dem freien Kurden eine Ehre/ Freiheit f\u00fcr \u00d6CALAN - Status f\u00fcr Kurdistan\" fand am 13. September in D\u00fcsseldorf das \"22. Internationale Kurdische Kulturfestival\" statt. An der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Veranstaltung mit ca. 30.000 Teilnehmern aus ganz Europa wurde der \"Widerstand der k\u00e4mpfenden Gruppen der PKK\" gegen den IS thematisiert sowie die Forderung nach Aufhebung des PKK-Verbotes erneuert. Aufgrund der anhaltenden Angriffe des IS auf die nordsyrische Stadt Kobane kam es Ende September bundesweit zu einer mehrw\u00f6chigen Protestwelle mit zahlreichen sowohl angemeldeten als auch spontanen Kundgebungen. Getragen wurden die weitgehend friedlichen Demonstrationen, Mahnwachen, kurzzeitigen Besetzungen oder Blockaden des Schienenund Stra\u00dfenverkehrs \u00fcberwiegend von PKK-Anh\u00e4ngern mit Beteiligung t\u00fcrkischer und deutscher Linksextremisten. Bei den Spontanaktionen wurden u. a. Flugh\u00e4fen (Frankfurt/M., Hamburg, K\u00f6ln-Bonn Stuttgart), Rundfunkanstalten (Hannover, D\u00fcsseldorf, Kiel) und Parteib\u00fcros (Frankfurt, K\u00f6ln, Dortmund) besetzt. Im Rahmen des Protestgeschehens kam es in einzelnen F\u00e4llen auch zu Sachbesch\u00e4digungen an t\u00fcrkischen Einrichtungen und zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen, u. a. am 6. und 7. Oktober zwischen Kurden bzw. Jesiden und Salafisten bzw. Tschetschenen in Hamburg und Celle. Zudem stellte die PKK-F\u00fchrung als Reaktion auf die zur\u00fcckhaltende Position der T\u00fcrkei bez\u00fcglich eines Milit\u00e4reinsatzes gegen den IS in Syrien den Friedensprozess zwischen der t\u00fcrkischen Regierung und der PKK in Frage. Den vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt erreichten die Massenproteste am 11. Oktober mit einer zentralen Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"Stoppt den IS - Freiheit f\u00fcr \u00d6CALAN\" in D\u00fcsseldorf, an der sich 21.000 Personen beteiligten, darunter t\u00fcrkische und deutsche Linksextremisten. Der t\u00fcrkischen Regierung wurde vorgeworfen, den IS zu finanzieren und f\u00fcr die Angriffe auf die Kurden in \"Rojava\" verantwortlich zu sein. Dar\u00fcber hinaus wurde die deutsche Regierung aufgefordert, \"Rojava\" anzuerkennen. Am 1. November, der zu einem \"Internationalen Aktionstag f\u00fcr Kobane - Global Rally for Kobane\" erkl\u00e4rt worden war, beteiligten sich an bundesweiten, 44","weitgehend st\u00f6rungsfrei verlaufenen Demonstrationen ca. 39.000 Personen, darunter auch t\u00fcrkische und deutsche Linksextremisten. Mitte November unterzeichneten u. a. 39 \"kurdische Einrichtungen und Organisationen\", hierunter auch PKK-nahe Vereinigungen, einen an die Bundeskanzlerin gerichteten Brief mit der Forderung nach Aufhebung des PKK-Verbotes und begr\u00fcndeten dies mit einer angeblichen grundlegenden \u00c4nderung der aktuellen politischen Situation in Deutschland gegen\u00fcber dem Jahr 1993, als die PKK durch den Bundesminister des Innern mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegt worden war. Zur Bekr\u00e4ftigung f\u00fchrten sie den nun fast zwei Jahre andauernden Friedensprozess zwischen der t\u00fcrkischen Regierung und Abdullah \u00d6CALAN an, in dem die PKK ihre friedlichen Absichten unter Beweis gestellt habe. Die Forderungen wurden insbesondere auch im Rahmen von Demonstrationen anl\u00e4sslich des 21. Jahrestages des Verbots (22. November 1993) thematisiert. Die gr\u00f6\u00dfte Demonstration fand mit 1.200 Personen am 29. November in Frankfurt/M. statt. 2.1.2 Struktur Im Zusammenhang mit dem von Abdullah \u00d6CALAN im Fr\u00fchjahr 2013 ausgerufenen Friedenskurs hatte die Organisationsf\u00fchrung beschlossen, ihre europ\u00e4ischen Gliederungen in legale, transparente und basisdemokratische Strukturen zu \u00fcberf\u00fchren. Hierzu hatten sich bereits im Juli 2013 der politische Arm der PKK in Europa, die \"Koordination der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" (CDK) und die \"Konf\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland\" (KON-KURD) unter der Bezeichnung \"Kurdisch-Demokratischer Gesellschaftskongresses in Europa\" (KCD-E) mit dem Ziel zusammengeschlossen, alle kurdischen Vereine in Europa unter einem Dach zu vereinen und u. a. demokratische Gesellschaftszentren f\u00fcr Kurden zu er\u00f6ffnen. Im Fr\u00fchjahr 2014 wurde mit den Umstrukturierungen in den Gebieten begonnen. In zahlreichen deutschen St\u00e4dten fanden in der Folge so genannte \"Gr\u00fcndungsversammlungen kurdischer Gesellschaftszentren\" statt. Der Dachverband der \u00f6rtlichen Kurdenvereine, die \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM), dem eigenen Angaben zufolge 46 \u00f6rtliche Kurdenvereine angeh\u00f6ren, nannte sich im Juni 2014 in \"Demokratisches kurdisches Gesellschaftszentrum Deutschland e.V.\" (NAV-DEM) um. Das NAV-DEM will die Zusammenarbeit von Frauen, Jugendlichen, verschiedenen kurdischen Religionsgemeinschaften und insgesamt 260 Vereinen und Einrichtungen koordinieren. Die prim\u00e4re Entscheidungsbefugnis soll bei den Gesellschaftszentren auf der lokalen Ebene liegen. Im Rahmen dieser bundesweiten \"Gr\u00fcndungskongresse\" beschloss die als zentrale Anlaufstelle der PKK-Anh\u00e4nger im Saarland fungierende \"Kurdische Gemeinde Saarland e.V.\" (KGS) in einer Mitgliederversammlung im 45","Mai ihre Umbenennung in \"Kurdisches Gesellschaftszentrum Saarbr\u00fccken\" (KGZ-Saarbr\u00fccken). Zur Bew\u00e4ltigung der praktischen Arbeit richtete der Verein in der Folge Kommissionen ein, so u. a. f\u00fcr Au\u00dfenbeziehungen und \u00d6ffentlichkeitsarbeit sowie Jugend, Kultur und Sprache. Die neue Vereinsbezeichnung KGZ-Saarbr\u00fccken wurde am 18. Dezember im Vereinsregister beim Amtsgericht Saarbr\u00fccken eingetragen. Die \"Kurdische Jugend Saarland\" ist \u00fcber das Internet vernetzt. Nach derzeitigen Erkenntnissen nutzen rund 200 jugendliche PKK-Sympathisanten das soziale Netzwerk \"Facebook.com\" als Kommunikationsplattform. Die hier in 2013 gegr\u00fcndete Studentengruppe der PKK-Massenorganisation \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" (YXK) kommuniziert ebenfalls \u00fcber Facebook. Zum Kreis der Administratoren des geschlossenen Forums geh\u00f6rt die Leiterin der Jugendkommission im KGZ-Saarbr\u00fccken. Die Einrichtung der Gesellschaftszentren kann jedoch nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass der konspirativ agierende Kaderapparat, der die eigentliche Leitung inne hat - nach wie vor - weiter besteht. In diesen Strukturen ist die PKK in Deutschland weiterhin in vier Sektoren (\"SAHAs\") f\u00fcr die Bereiche Nord, Mitte und S\u00fcd 1 und 2 mit jeweils einem F\u00fchrungsfunktion\u00e4r an der Spitze eingeteilt. Diesen SAHAs sind 30 Gebiete untergeordnet, die sich wiederum in Teilgebiete gliedern. Die \u00f6rtlich eingesetzten Funktion\u00e4re arbeiten meist im Verborgenen, um sich einem staatlichen Zugriff zu entziehen, und verf\u00fcgen nur selten \u00fcber pers\u00f6nliche Bindungen. Das Gebiet \"Saarland\" geh\u00f6rt mit seinen sieben bis in die Westpfalz und nach Trier reichenden Teilgebieten zum \"SAHA S\u00fcd 1\". 2.1.3 Exekutivma\u00dfnahmen Am 16. Dezember wurde ein mutma\u00dflicher PKK-Funktion\u00e4r aus dem Saarland aufgrund eines Haftbefehls des Oberlandesgerichtes (OLG) Koblenz durch Beamte des Landespolizeipr\u00e4sidiums Saarland wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland festgenommen. Er wird verd\u00e4chtigt, im PKK-Gebiet Saarbr\u00fccken von Mai 2013 bis Sommer 2014 als hauptamtlicher Kader f\u00fcr die Organisation t\u00e4tig gewesen zu sein. 2.1.4 Veranstaltungen/Aktivit\u00e4ten der saarl\u00e4ndischen Anh\u00e4ngerschaft Die hiesige PKK-Anh\u00e4ngerschaft hat auch im vergangenen Jahr kontinuierlich die Marschrichtung der Organisation mitgetragen und gezeigt, dass sie bei besonderen Ereignissen relativ kurzfristig handlungsf\u00e4hig ist. Offensichtlich vor dem Hintergrund der Solidarit\u00e4t mit den K\u00e4mpfern kurdischer Milizen gegen 46","den IS in Syrien und im Nordirak erh\u00f6hte sich das Mobilisierungspotenzial im Saarland im Vergleich zu 2013 von ca. 700 auf rund 1.000 Personen. An den friedlich verlaufenen Veranstaltungen der KGS beteiligten sich neben Personen aus der linksextremistischen Szene auch jesidische Kurden. Folgende Aktionen sind hervorzuheben: 11.01.: Beteiligung von 300 PKK-Anh\u00e4ngern an einer zentralen Gro\u00dfdemonstration in Paris im Zusammenhang mit der Ermordung von drei PKK-Aktivistinnen, 15.02.: Beteiligung von 500 PKK-Anh\u00e4ngern an der Gro\u00dfdemonstration zum 15. Jahrestag der Festnahme Abdullah \u00d6CALANs in Stra\u00dfburg, 22.03.: Beteiligung von etwa 700 PKK-Anh\u00e4ngern und -Sympathisanten an der zentralen Gro\u00dfveranstaltung in D\u00fcsseldorf zum kurdischen Neujahrsfest NEWROZ, 31.05.: Kundgebung der KGS vor der Europagalerie in Saarbr\u00fccken zur Lage in Syrien, 14.07.: Protestaktion der KGS in Saarbr\u00fccken mit 100 Teilnehmern gegen die Angriffe des IS auf die Bev\u00f6lkerung in der nordsyrischen Stadt Kobane, 06.08.: Protestkundgebung der KGS in Saarbr\u00fccken mit etwa 1.000 Teilnehmern, darunter zahlreiche jesidische Kurden, im Zusammenhang mit der Eroberung der nordirakischen Stadt Sengal und den damit verbundenen Gr\u00e4ueltaten durch den IS, 13.09.: Beteiligung von 700 Kurden aus dem Saarland am \"Internationalen Kurdischen Kulturfestival\" in D\u00fcsseldorf, 29.11.: Beteiligung hiesiger Aktivisten an einer bundesweiten Gro\u00dfdemonstration gegen das PKK-Verbot in Frankfurt/M., 13.12.: Benefizveranstaltung der KGS zugunsten der kurdischen Bev\u00f6lkerung in Kobane. 47","Zur speziellen Protestwelle i. Z. m. den K\u00e4mpfen um die nordsyrische Stadt Kobane im Herbst geh\u00f6rten: 20.09.: Kundgebung der KGS mit 200 Teilnehmern vor der Europagalerie, 26.09.: Petitions\u00fcbergabe durch KGSMitglieder beim Saarl\u00e4ndischen Landtag, 27.09.: Nicht angemeldete Demonstration der KGS mit 400 Teilnehmern durch die Saarbr\u00fccker Innenstadt; anschlie\u00dfend Sitzstreik von ca. 70 jugendlichen Kurden in der Bahnhofsvorhalle, 06.10.: Spontandemonstration mehrerer Hundert Kurden vor der Europagalerie, 07.10.: Spontankundgebung der KGS vor dem Saarl\u00e4ndischen Landtag mit 200 Teilnehmern; Fortsetzung der Protestaktion vor der Europagalerie und \u00dcbergabe einer Informationsmappe beim Saarl\u00e4ndischen Rundfunk, 09.10.: Aufzug der KGS in Saarbr\u00fccken mit 300 Teilnehmern, 11.10.: Beteiligung an der zentralen Gro\u00dfdemonstration in D\u00fcsseldorf, 13.-15.10.: Kundgebungen der KGS in Saarbr\u00fccken, 20./22.10.: Nicht angemeldete Kundgebung vor der Europagalerie, 01.11.: Demonstration der KGS in Saarbr\u00fccken mit etwa 1.000 Teilnehmern zum \"Internationalen Aktionstag f\u00fcr Kobane\". 48","2.2 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) Seit Anfang der 1980er Jahre verfolgt die tamilische Separatistengruppe LTTE das Ziel, im \u00fcberwiegend von Tamilen bev\u00f6lkerten Norden und Osten Sri Lankas einen unabh\u00e4ngigen sozialistischen Tamilen-Staat, den Tamil Eelam, zu errichten. Bis zu ihrer milit\u00e4rischen Zerschlagung im Mai 2009 f\u00fchrte sie einen Guerillakrieg gegen die sri-lankischen Sicherheitskr\u00e4fte, der auch von zahlreichen Terroranschl\u00e4gen gegen Zivilisten und zivile Einrichtungen begleitet wurde. Der rund 26 Jahre dauernde B\u00fcrgerkrieg forderte insgesamt mehr als 100.000 Todesopfer auf beiden Seiten. Die Organisation ist in Deutschland zwar nicht verboten, wurde aber auf der so genannten \"Terrorliste\" der Europ\u00e4ischen Union gef\u00fchrt. Mit Urteil des Gerichts der Europ\u00e4ischen Union in Luxemburg vom 16. Oktober 2014 wurde die Listung wegen festgestellter Fehler im seinerzeitigen Listungsverfahren des Rates der Europ\u00e4ischen Union allerdings f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt. Die Frage, ob es sich bei der LTTE um eine terroristische Vereinigung handelt, wurde vom Gericht hingegen ausdr\u00fccklich offen gelassen. Das Urteil wurde von der tamilischen Diaspora dennoch als Erfolg und als \"Freispruch\" von dem Vorwurf, eine terroristische Organisation zu sein, gewertet. Im Zuge der letzten milit\u00e4rischen Offensive der sri-lankischen Armee verlor die LTTE nahezu ihre komplette oberste \"Kommandoebene\", darunter auch ihren F\u00fchrer Velupillai PRABHAKARAN. Aufgrund der fehlenden F\u00fchrung aus dem Heimatland kam es innerhalb der Organisationsstrukturen in der Diaspora zu einer Aufspaltung der Anh\u00e4ngerschaft. Dabei konnten sich zwei miteinander konkurrierende Gruppen etablieren: Die \"Moderaten\", die die LTTE in eine gewaltfreie und demokratische Bewegung umwandeln wollen, und die \"Hardliner\", die an der Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes zur Errichtung eines tamilischen Staates festhalten. Nach einem anf\u00e4nglichen Konkurrenzkampf kam es zu einer Ann\u00e4herung beider Fl\u00fcgel, die schlie\u00dflich im Herbst 2013 in einer offiziell verk\u00fcndeten Wiedervereinigung m\u00fcndete. Aktuell ist die LTTE-Anh\u00e4ngerschaft in Deutschland in einer Vielzahl tamilischer Vereine organisiert, die schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr das Sammeln von Spendengeldern, die Durchf\u00fchrung von Propagandaaktionen und die Mobilisierung f\u00fcr regionale und \u00fcberregionale Veranstaltungen zust\u00e4ndig sind. Der Saarbr\u00fccker \"Tamilische Kulturverein e.V.\" sowie die tamilischen Schulen (\"Thamilalayams\") in Saarbr\u00fccken, Sulzbach, Dillingen und Homburg bilden die legalen Strukturen der LTTE im Saarland. Hier sind ca. 35 Tamilen der LTTE direkt zuzurechnen; das Mobilisierungspotenzial liegt bei rund 300 Personen. Innerhalb der tamilischen Diaspora im Saarland ist nach wie vor eine anhaltende politische Teilnahmslosigkeit festzustellen. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr d\u00fcrfte die Einsicht sein, dass die Errichtung eines souver\u00e4nen tamilischen Staates in Sri 49","Lanka in naher Zukunft weder mit milit\u00e4rischen noch mit politischen Mitteln erreicht werden kann. Auch im vergangenen Jahr waren daher wieder nur wenige Aktionen im Saarland sowie nur eine geringe Beteiligung dortiger Organisationsanh\u00e4nger an \u00fcberregionalen Veranstaltungen zu beobachten. Am 10. M\u00e4rz beteiligten sich etwa 50 Tamilen aus dem Saarland an der Abschlussveranstaltung des \"Walk for Justice\" in Genf. Der vorangegangene Marsch mehrerer LTTE-Anh\u00e4nger von Br\u00fcssel nach Genf, mit dem auf die Menschenrechtsverletzungen an der tamilischen Bev\u00f6lkerung in Sri Lanka aufmerksam gemacht werden sollte, hatte am 16. Februar auch durch das Saarland gef\u00fchrt. Anl\u00e4sslich des so genannten \"Tamil Genocide Day\", an dem traditionell der tamilischen Opfer des B\u00fcrgerkriegs in Sri Lanka gedacht wird, beteiligten sich rund 25 LTTE-Anh\u00e4nger aus dem Saarland an einer Gro\u00dfdemonstration am 18. Mai in D\u00fcsseldorf. Der Demonstrationszug vom dortigen Hauptbahnhof bis zum nordrhein-westf\u00e4lischen Landtag stand unter dem Motto \"Wir fordern einen Tamil Eelam\". Die \"Tamil Youth Organisation Germany\" (TYO Germany) organisierte am 29. Juni eine Kulturveranstaltung in Saarbr\u00fccken-St. Arnual, an der sich etwa 200 Tamilen aus dem s\u00fcdwestdeutschen Raum beteiligten. Das folkloristische Programm mit Musik, T\u00e4nzen und Theaterauff\u00fchrungen wurde von den Sch\u00fclern der tamilischen Schulen im Saarland mitgestaltet. Am 7. September machten Teilnehmer der \"Fahrradtour von Genf nach Br\u00fcssel\" einen Zwischenstopp im Saarland. Im Rahmen dieser unter dem Motto \"Auf die Stra\u00dfe f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige internationale Untersuchung\" stehenden Protestaktion kam es vor der Saarbr\u00fccker Europagalerie zu einer Kundgebung, an der sich rund 25 saarl\u00e4ndische LTTE-Anh\u00e4nger beteiligten. In seiner Rede forderte der hiesige LTTE-Gebietsleiter u. a. die Durchf\u00fchrung einer unabh\u00e4ngigen internationalen Untersuchung des V\u00f6lkermordes in Sri Lanka durch die Vereinten Nationen (UN) und die Anerkennung der LTTE. Am 27. November, dem Geburtstag des bei einer Milit\u00e4roperation der sri-lankischen Armee im Mai 2009 get\u00f6teten LTTE-F\u00fchrers Velupillai PRABAKHARAN, begingen zuletzt ca. 2.000 Organisationsanh\u00e4nger, darunter auch rund 50 Tamilen aus dem Saarland, in Dortmund den so genannten \"Heldengedenktag\". Die Feierlichkeiten zur Erinnerung an die im Kampf f\u00fcr einen unabh\u00e4ngigen Tamilen-Staat \"Tamil Eelam\" get\u00f6teten K\u00e4mpfer wurden von einem umfangreichen Kulturund Musikprogramm begleitet. 50","V. Islamismus/islamistischer Terrorismus 1. Allgemeines 1.1 Ideologie Der Islamismus ist eine Form des politischen Extremismus, die sich vordergr\u00fcndig einer religi\u00f6sen Sprache und religi\u00f6ser Argumentationsmuster bedient. Islamisten instrumentalisieren den Islam f\u00fcr ihre politischen Zwecke und sehen ihn als ein ganzheitliches, allumfassendes Regelwerk an. F\u00fcr sie gilt: Der Islam ist die einzige L\u00f6sung f\u00fcr alle gesellschaftlichen und politischen Fragen. Unter dem \u00dcberbegriff Islamismus werden verschiedene Str\u00f6mungen subsumiert. Diese reichen von politisch legalistischen Vereinigungen \u00fcber unterschiedliche missionarische Bewegungen bis hin zu militanten bzw. terroristischen Strukturen oder Netzwerken. Die \u00dcberg\u00e4nge innerhalb dieses Spektrums sowie innerhalb bestimmter Str\u00f6mungen sind flie\u00dfend und m\u00fcssen immer wieder neu bestimmt werden. Alle Islamisten haben das Ziel, aus der Religion des Islam gesellschaftlich-politische Ordnungen abzuleiten. Diese m\u00fcssen nach den Vorstellungen der Islamisten aus Werten und Normen bestehen, die sich aus den Quellen des Islam, dem Koran und der Sunna, ableiten lassen. Derartige Gesellschaftsordnungen, die auch das Staatsund Rechtswesen umfassen sollen, widersprechen ganz \u00fcberwiegend der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. 1.2 Entwicklung/Tendenzen Arbeitsschwerpunkte des Landesamtes waren auch im vergangenen Jahr die Aufkl\u00e4rung islamistisch-terroristischer Aktivit\u00e4ten sowie die Beobachtung salafistischer Bestrebungen. Wie die Anschl\u00e4ge von Paris im Januar und Kopenhagen Anfang Februar 2015 deutlich gemacht haben, steht Europa - und damit auch die Bundesrepublik Deutschland - mit ihren staatlichen und zivilen Einrichtungen unver\u00e4ndert im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus und unterliegt damit einer fortgesetzten hohen abstrakten Gef\u00e4hrdung, die sich jederzeit durch terroristische Taten konkretisieren kann. Auch wenn den deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden derzeit keine Hinweise auf konkrete Tatplanungen in Deutschland vorliegen, muss unter Ber\u00fccksichtung des zumindest quantitativ starken jihadistischen Personenpotenzials sowie der Schwierigkeit, emotionalisierte Spontanund Einzelt\u00e4ter fr\u00fchzeitig zu erkennen, auch in Deutschland mit der Vorbereitung bzw. Verwirklichung terroristischer Anschl\u00e4ge gerechnet werden. 51","Insbesondere R\u00fcckkehrer aus jihadistischen Ausbildungslagern stellen neben fanatisierten Einzelt\u00e4tern das gr\u00f6\u00dfte Gef\u00e4hrdungspotenzial dar. Aktuell liegen Erkenntnisse zu ca. 680 (Stand: April 2015) Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien ausgereist sind, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen oder den Widerstand gegen das Assad-Regime in sonstiger Weise zu unterst\u00fctzen. Nicht in allen F\u00e4llen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tats\u00e4chlich in Syrien aufhalten oder aufgehalten haben. Dar\u00fcber hinaus ist bekannt, dass sich Islamisten aus Deutschland von Syrien aus in den Irak begeben haben, um sich dort an Kampfhandlungen zu beteiligen; die Anzahl kann nicht abschlie\u00dfend beziffert werden. Aufgrund der dynamischen Lageentwicklung vor Ort unterliegt die Gesamtzahl der ausgereisten Personen tagesaktuellen Ver\u00e4nderungen mit weiterhin steigender Tendenz. Diese Dynamik k\u00f6nnte lediglich durch den weiteren Kriegsverlauf auf syrischem bzw. irakischem Territorium beeinflusst werden. Etwa ein Drittel dieser ausgereisten Personen befindet sich momentan wieder in Deutschland. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer ist nicht bekannt, ob sie sich aktiv an Kampfhandlungen vor Ort beteiligt haben. Als Ergebnis der kontinuierlichen Ausund Bewertung der Erkenntnislage zu zur\u00fcckgekehrten Personen liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden aktuell zu etwa 50 Personen Erkenntnisse vor, wonach diese sich aktiv am bewaffneten Widerstand in Syrien oder dem Irak beteiligt haben. Ferner gibt es zu ca. 85 Personen Hinweise, dass diese in Syrien oder dem Irak verstorben sind. Zudem wurden weitere Ausreiseplanungen bekannt. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sind bestrebt, m\u00f6glichst viele dieser Ausreiseplanungen fr\u00fchzeitig wahrzunehmen, um deren Verwirklichung zu unterbinden; die Anzahl der beh\u00f6rdlich tats\u00e4chlich verhinderten Ausreisen bewegt sich im mittleren zweistelligen Bereich. 1.3 Personenpotenzial Das Mitglieder-/Anh\u00e4ngerpotenzial der dem Beobachtungsbereich Islamismus/ islamistischer Terrorismus zugeordneten Organisationen, Gruppierungen und Einzelaktivisten im Saarland belief sich im abgelaufenen Jahr auf etwa 210 Personen (Vorjahr: ca. 420). Dabei waren dem Ph\u00e4nomenbereich des Salafismus rund 100 Personen (Vorjahr: ca. 90) zuzurechnen. Die signifikante Reduzierung des Gesamtpotenzials resultiert aus dem Umstand, dass die \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs\" (IGMG) mit mehr als 200 Anh\u00e4ngern seit Oktober 2014 nicht mehr unter Beobachtung steht. 52","Entwicklung des islamistischen Personenpotenzials innerhalb der letzten f\u00fcnf Jahre: 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtpotenzial 350 400 420 420 210 450 400 350 300 250 Gesamtpotenzial 200 150 100 50 0 2010 2011 2012 2013 2014 2. Einzelaspekte 2.1 Islamistischer Terrorismus Die Ausrufung eines \"Kalifats\" durch den \"Islamischen Staat\" (IS) Ende Juni 2014 stellte auch f\u00fcr die jihadistische Szene in Deutschland ein herausragendes Ereignis dar. Neben entsprechenden Sympathiebekundungen f\u00fcr die Terrorgruppe war in der Folgezeit ein deutlicher Anstieg der Ausreisezahlen nach Syrien/Irak zu verzeichnen. Im Saarland konnten bislang keine islamistisch motivierten Reisebewegungen festgestellt werden. Ein Bezug zum IS ergab sich im vergangenen Jahr lediglich insoweit, dass ein amtsbekannter Aktivist Anfang Juli eine IS-Fahne4 am Balkon seiner Saarbr\u00fccker Wohnung hisste, die auf Betreiben der Polizei wieder abgeh\u00e4ngt wurde. 4 Am 12. September 2014 hat der Bundesminister des Innern ein Bet\u00e4tigungsverbot der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) f\u00fcr die Bundesrepublik erlassen. Das Verbot umfasst u. a. auch die \u00f6ffentliche Verwendung und Verbreitung von Kennzeichen des IS. 53","2.2 Islamismus im Saarland Mehrere Ausformungen des breiten Spektrums der dem Beobachtungsbereich Islamismus zuzurechnenden Bestrebungen sind auch im Saarland vertreten oder organisatorisch bzw. ideologisch mit hiesigen Gruppierungen oder Einzelpersonen verbunden. Nicht auf den ersten Blick erkennbar, bestehen solche Verbindungen z. B. zur \"Hizb Allah\" (HA), zur \"Muslimbruderschaft\" (MB) und auch zur \"Tabligh-i-Jama'at\"-Bewegung (TJ). Die aktuell sowohl in Deutschland als auch auf internationaler Ebene dynamischste islamistische Bewegung, die insbesondere auf j\u00fcngere Menschen eine enorme Anziehungskraft entfaltet, ist der Salafismus. Der Begriff \"Salafismus\" bezeichnet eine islamistische Ideologie und die aus ihr hervorgegangene Bewegung, nach der sich die Muslime in Glaube, religi\u00f6ser Praxis und Lebensf\u00fchrung ausschlie\u00dflich an den Prinzipien des Koran sowie dem vom Propheten Muhammad und den ersten Muslimen gesetzten Vorbild auszurichten haben. Ziel von Salafisten ist die vollst\u00e4ndige Umgestaltung von Staat, Gesellschaft und individueller Lebensf\u00fchrung jedes einzelnen Menschen nach \"gottgewollten\" Grunds\u00e4tzen. Das Demokratieprinzip wird kategorisch abgelehnt, \"weltliche\" Gesetzgebung strikt negiert. Damit stehen Kernelemente der salafistischen Ideologie im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. W\u00e4hrend die Mehrzahl der Salafisten ihre Ziele durch eine langfristige Ver\u00e4nderung der Gesellschaft und Missionierung erreichen will, setzen einige wenige auf Gewalt und terroristische Akte. Salafistische Gruppierungen verzeichnen in Deutschland weiterhin signifikant steigende Anh\u00e4ngerzahlen. Im Saarland werden der salafistischen Str\u00f6mung ca. 100 Personen zugerechnet; eine exakte Quantifizierung ist aufgrund struktureller Besonderheiten dieses Ph\u00e4nomenbereichs jedoch nur schwer m\u00f6glich. Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Jahren, als insbesondere der salafistische Verein \"Einladung zum Paradies\" (EZP) im Saarland offene Missionierungsarbeit leistete, waren hier im Berichtszeitraum keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen von Salafisten festzustellen. Gleichwohl war auch im vergangenen Jahr eine deutliche Belebung der personellen und organisatorischen Strukturen bei salafistischen Erscheinungsformen im Saarland zu konstatieren. Der hiesigen Klientel dienten weiterhin insbesondere ein Verein in Sulzbach sowie ein Verein in Merzig als Anlaufstellen; weitere Ans\u00e4tze waren dar\u00fcber hinaus auch f\u00fcr die Landeshauptstadt festzustellen. Die Szene war nach wie vor nahezu in G\u00e4nze dem politischen Salafismus zuzurechnen. Gewalt bzw. Jihad bef\u00fcrwortende Tendenzen konnten lediglich bei Einzelpersonen nicht ausgeschlossen werden. 54","Im besonderen Fokus der \u00d6ffentlichkeit stand der Salafismus erneut aufgrund der aktuellen Entwicklungen in Syrien und einer stetig steigenden Zahl von Reisebewegungen von Salafisten aus Deutschland und Europa in die dortige Krisenregion. Innerhalb der salafistischen Szene im Saarland war der Syrien-Konflikt unver\u00e4ndert Gespr\u00e4chsthema. Mit den in dortigen Kreisen durchgef\u00fchrten Spendensammlungen f\u00fcr Syrien (Sachund Geldspenden) wurden vornehmlich karitative Zwecke verfolgt; eine Unterst\u00fctzung islamistischer Gruppierungen in Syrien kann allerdings im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden. 55","VI. Spionage-/ Sabotageabwehr, Wirtschaftsschutz Die Bundesrepublik ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie mit Weltmarktf\u00fchrung sowie wegen ihrer politischen Rolle in der EU und NATO ein Zielgebiet f\u00fcr fremde Nachrichtendienste. Ihre offene und pluralistische Gesellschaft erleichtert Nachrichtendiensten fremder Staaten die Informationsbeschaffung. Haupttr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten gegen Deutschland sind derzeit die russische F\u00f6rderation und die Volksrepublik China. Dar\u00fcber hinaus sind vornehmlich L\u00e4nder des Nahen und Mittleren Ostens sowie Nordafrikas nachrichtendienstlich in Deutschland aktiv. Die Nachrichtendienste dieser Staaten sind in unterschiedlicher Personalst\u00e4rke an den jeweiligen amtlichen und halbamtlichen Vertretungen in Deutschland pr\u00e4sent und unterhalten dort sogenannte Legalresidenturen. Darunter versteht man St\u00fctzpunkte eines fremden Nachrichtendienstes, abgetarnt in einer offiziellen (z.B. Botschaft, Generalkonsulat) oder halboffiziellen (z.B. Presseagentur, Fluggesellschaft) Vertretung im Gastland. Die dort angeblich als Diplomaten oder Journalisten t\u00e4tigen Nachrichtendienstmitarbeiter betreiben entweder selbst offene oder verdeckte Informationsbeschaffung oder leisten Unterst\u00fctzung bei nachrichtendienstlichen Operationen, die direkt von den Zentralen der Nachrichtendienste in den Heimatl\u00e4nden gef\u00fchrt werden. Daneben f\u00fchren Nachrichtendienste auch Operationen ohne Beteiligung ihrer Legalresidenturen durch. Fremde Nachrichtendienste handeln nicht allein nach gesetzlichen Aufgabenzuweisungen, sondern werden zudem politisch gesteuert. Die Schwerpunkte ihrer jeweiligen Beschaffungsaktivit\u00e4ten orientieren sich an aktuellen politischen Vorgaben oder wirtschaftlichen Priorit\u00e4ten in ihren Staaten. Aufkl\u00e4rungsziel ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste ist vor allem die Informationsbeschaffung aus Politik, Wirtschaft, Milit\u00e4r sowie Wissenschaft und Technik. Nachrichtendienste einiger Staaten (wie Iran, Syrien, China) legen ihren Aufkl\u00e4rungsschwerpunkt auch auf die Aussp\u00e4hung von Oppositionellen. Um ihr Aufkl\u00e4rungsziel zu erreichen, versuchen diese Nachrichtendienste, ausgew\u00e4hlte Personen aus der Oppositionsbewegung mit dem Ziel einer Verpflichtung zur nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit anzusprechen. Bei Ablehnung wird den betroffenen Personen oder ihren in der Heimat lebenden Angeh\u00f6rigen oftmals mit Repressalien gedroht. Vor dem Hintergrund der Globalisierung der M\u00e4rkte und neuer weltpolitischer Konstellationen hat die Bedeutung der Wirtschaftsspionage in den letzten Jahren stetig zugenommen. Im Zentrum der Ausforschung durch fremde Nachrichtendienste stehen wegen ihres enormen \u00f6konomischen Potenzials auch Unternehmen in der Bundesrepublik Deutschland. Staaten mit Techno56","logier\u00fcckstand sind besonders an der Beschaffung von Informationen \u00fcber Fertigungstechniken und technischem Know-how interessiert, um auf dem Markt mit kosteng\u00fcnstiger gefertigten Nachbauten (auch Plagiate) wettbewerbsf\u00e4hig zu sein und zum anderen Kosten f\u00fcr eigene Entwicklungen und Lizenzgeb\u00fchren zu sparen. Technisch und wirtschaftlich hoch entwickelte Staaten interessieren sich mehr f\u00fcr wirtschaftspolitische Strategien, sozial\u00f6konomische und politische Trends, Marktund Unternehmensstrategien, komplexe Fertigungstechniken bis hin zu Informationen \u00fcber Preisgestaltungsmodalit\u00e4ten und Zusammenschl\u00fcssen von Unternehmen. Daher kommt der Sensibilisierung, Information und Aufkl\u00e4rung von Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen \u00fcber die Gefahren der Wirtschaftsspionage eine hohe Bedeutung zu. Dar\u00fcber hinaus bem\u00fchen sich einige L\u00e4nder (sogenannte Risikostaaten wie Iran, Nordkorea und Syrien) darum, in den Besitz von Technologien f\u00fcr atomare, biologische oder chemische Massenvernichtungswaffen und den daf\u00fcr erforderlichen Tr\u00e4gersystemen zu gelangen sowie die hierzu erforderlichen G\u00fcter und das entsprechende Know-how zu erwerben (Proliferation). Massenvernichtungswaffen und entsprechende Tr\u00e4gertechnologie sind als Gesamtprodukte auf dem freien Markt nicht erh\u00e4ltlich. Deshalb versuchen die Proliferation betreibenden Staaten systematisch, Kontrollma\u00dfnahmen durch Lieferung von Teilprodukten \u00fcber Drittl\u00e4nder und durch die Beschaffung von \"Dual-use\"-Produkten, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch nutzbar sind, zu umgehen. Deutschland ist als eine der f\u00fchrenden Industrienationen und als Standort zahlreicher Unternehmen der Spitzentechnologie ein Zielgebiet f\u00fcr entsprechende Beschaffungsbem\u00fchungen dieser Risikostaaten. Deshalb sind in Deutschland seit Jahren intensive und stetig ansteigende Beschaffungsbem\u00fchungen zu verzeichnen. Iran spielt dabei wegen seines umstrittenen Nuklearprogramms eine herausragende Rolle. Eine besondere Gefahr mit Zielrichtung \"Wirtschaftspionage/Proliferation\" stellen \"Elektronische Angriffe\" auf Computersysteme von Wirtschaftsunternehmen dar. Angesichts der ausgew\u00e4hlten Ziele und der angewandten Methoden erscheint eine staatlich gelenkte nachrichtendienstliche Steuerung in vielen F\u00e4llen als sehr wahrscheinlich. \"Elektronische Angriffe\" haben sich zu einer wichtigen Methode der Informationsgewinnung f\u00fcr fremde Nachrichtendienste entwickelt und erg\u00e4nzen als zus\u00e4tzliche Informationsquelle die bislang eingesetzten nachrichtendienstlichen Mittel. Neben der Informationsgewinnung sind auf diesem Weg verbreitete \"Schadprogramme\" auch in der Lage, Sabotagefunktionen auszuf\u00fchren, die gerade beim Einsatz gegen sensible Infrastrukturen erhebliche Auswirkungen haben k\u00f6nnten. 57","Auch auf Beh\u00f6rden zielende \"Elektronische Angriffe\" mit nachrichtendienstlichem Hintergrund waren im vergangenen Jahr festzustellen. Fallzahlen belegen die weiterhin hohe Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Informationssicherheit von Bundesbeh\u00f6rden und sonstiger staatlicher Stellen durch solche Angriffe. Nach den bisher vorliegenden Analysen ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Attacken einen staatlich gelenkten nachrichtendienstlichen Hintergrund besitzt. Die zur Durchf\u00fchrung der Angriffe erforderlichen Infrastrukturen und die sehr hohe Qualit\u00e4t und Zielrichtung deuten auf Parallelen zu fr\u00fcheren Angriffen aus China und Russland hin. Auch ist nach wie vor von einer hohen Dunkelziffer nicht erkannter \"Elektronischer Angriffe\" auf deutsche Wirtschaftsunternehmen auszugehen. Nicht zuletzt hat die sogenannte \"NSA Aff\u00e4re\" klargemacht, dass elektronische Spionageaktivit\u00e4ten auch von sog. \"befreundeten Nationen\" ausgehen. Die Aktivit\u00e4ten befreundeter Staaten m\u00fcssen k\u00fcnftig bei der Spionageabwehr st\u00e4rker als bisher ber\u00fccksichtigt werden. Dazu wurden im Verfassungsschutzverbund bereits neue Bearbeitungsans\u00e4tze konzipiert, die k\u00fcnftig mit einem \"360 Grad Blickwinkel\" Spionaget\u00e4tigkeiten aller Staaten erfassen. Wichtiger als die Verfolgung einzelner Spionageaktivit\u00e4ten, die h\u00e4ufig gar nicht erkannt werden, ist die Pr\u00e4vention durch die Sensibilisierung von saarl\u00e4ndischen Unternehmen. Gerade kleine und mittelst\u00e4ndige Unternehmen verf\u00fcgen h\u00e4ufig im Hinblick auf Firmensicherheit weder \u00fcber die notwendigen personellen noch finanziellen Ressourcen. Sie untersch\u00e4tzen nach den Erfahrungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden oft die m\u00f6glichen Risiken f\u00fcr ihr Unternehmen. Diese Fehleinsch\u00e4tzung kann unter Umst\u00e4nden existenzielle Folgen haben. Die Spionageabwehr unterst\u00fctzt daher saarl\u00e4ndische Firmen und Forschungseinrichtungen, bei denen aufgrund von nachrichtendienstlichen Erkenntnissen bekannt ist, dass sie m\u00f6glicherweise im Zielspektrum fremder Nachrichtendienste stehen k\u00f6nnten. Durch Sensibilisierung und Beratung werden dabei Vorgehensweisen und potenzielle Gefahren durch Wirtschaftsspionage angesprochen und Schutzma\u00dfnahmen/Verhaltensregeln bei Gesch\u00e4ftsreisen in Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken anhand von Beispielen verdeutlicht. Saarl\u00e4ndische Firmen, die gesch\u00e4ftliche Kontakte nach China, in die GUS-Staaten und in den Iran unterhalten, werden \u00fcber Spionagerisiken und die bekanntgewordenen Methoden fremder Nachrichtendienste aufgekl\u00e4rt. Im Rahmen dieser Sensibilisierungen werden stets auch die im Verfassungsschutzverbund einheitlich erstellten Brosch\u00fcren \"Wirtschaftsspionage - Risiko f\u00fcr Ihr Unternehmen\" und \"Proliferation\" sowie Merkbl\u00e4tter mit Sicherheitsund Verhaltensweisen, z.B. bei Gesch\u00e4ftsreisen, \u00fcbergeben. In Vortr\u00e4gen von Experten aus dem saarl\u00e4ndischen LfV und dem BfV wurden 58","beispielhaft Unternehmensverb\u00e4nde, aber auch interessierte B\u00fcrger \u00fcber Spionagerisiken und Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste informiert. Neben der Sensibilisierung im Rahmen des Wirtschaftsschutzes stellt die Verhinderung der Proliferation einen weiteren Arbeitsschwerpunkt der Spionageabwehr dar. Saarl\u00e4ndische Firmen, die proliferationsrelevante Produkte herstellen, wurden in Sensibilisierungsgespr\u00e4chen \u00fcber Beschaffungsmodalit\u00e4ten iranischer, syrischer und nordkoreanischer Nachrichtendienste informiert. 59","VII. Organisierte Kriminalit\u00e4t Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz gewinnt und bewertet sachund personenbezogene Informationen \u00fcber kriminelle Strukturen. Ziel ist es, ohne den Druck des Legalit\u00e4tsprinzips Strukturen Organisierter Kriminalit\u00e4t sowie die T\u00e4ter und Hinterm\u00e4nner zu erkennen. Die Ergebnisse werden an die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden abgegeben. Hierdurch leistet das Landesamt auch einen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der allgemeinen Kriminalit\u00e4t. 60","Anhang In dem vorstehenden Bericht sind folgende extremistische Organisationen bzw. Gruppierungen genannt, die im Berichtszeitraum im Saarland strukturell vertreten und aktiv waren: zu II. Rechtsextremismus 1. Organisationen \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Quelle: https://de-de.facebook.com/npd.de NPD Landesverband Saar einschlie\u00dflich seiner lokalen Teilvertretungen Quelle: https://de-de.facebook.com/npdsaar \"Hammerskin\" (HS) Chapter Westwall Quelle: http://bremer-schattenbericht.com/wp-content/uploads/2013/05/HN-logo.jpg 61","2. Rechtsextremistische Bands Jungsturm Hunting Season Wolfsfront 3. Kameradschaften Sturmdivision Saar Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/system/files/ mages/6550501854.jpg zu III. Linksextremismus 1. Linksextremistische Parteien \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Quelle: http://www.dkp.de/ 62","\"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Quelle: http://www.mlpd.de/ 2. Gewaltorientierte autonome Szene Saar Antifa Saar/Projekt AK Quelle: http://antifa-saar.org/ 3. Gewaltorientierte antiimperialistische Szene Saar \"BASIS\" B\u00fcro und Anlaufstelle f\u00fcr Selbstorganisierung - Internationalismus - Soziale Emanzipation Quelle: http://www.sandimgetriebe.de/basis/stern.gif Libertad! Saar Quelle: http://www.libertad.de/ 63","zu IV. Ausl\u00e4nderextremismus 1. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Quelle: https://de.wikipedia.org \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" (YXK) Quelle: http://www.yxkonline.com/ \"Befreiungstiger von Tamil Eelam\" (LTTE) Quelle: http://www.ntamil.com/ 64","zu V. Islamismus / islamistischer Terrorismus Islamischer Staat (IS) \"Hizb Allah\" (HA) Quelle: http://rehmat1.com/2008/08/13/hizballah-the-party-of-allah/ \"Muslimbruderschaft\" (MB) Quelle: http://europenews.dk/ 65","\"Tabligh-i-Jama'at-Bewegung\" (TJ) Quelle: http://tablighijamaatijtema.blogspot.de/ 66","67","Ministerium f\u00fcr Inneres und Sport Franz-Josef-R\u00f6der-Str. 21 66119 Saarbr\u00fccken E-Mail: lagebild-verfassungsschutz@ innen.saarland.de www.innen.saarland.de /innen.saarland 68"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2014","year":2014}
