{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-2014.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":231,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 2014 Verfassungsschutzbericht NRW 2014 www.mik.nrw.de","Impressum Herausgeber Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62-80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871-01 Telefax: 0211/871-3355 poststelle@mik.nrw.de www.mik.nrw.de Redaktion Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen Telefon: 0211/871-2821 Telefax: 0211/871-2980 kontakt.verfassungsschutz@mik1.nrw.de www.mik.nrw.de/verfassungsschutz Bestellservice bestellung.verfassungsschutz@mik1.nrw.de www.mik.nrw.de/publikationen Stand: Mai 2015 Druck: Silber Druck oHG, Niestetal Fotos: picture alliance / landov, / AA, / JOKER, dpa (Seite 12) Foto Vogt, Mark Hergenr\u00f6der, D\u00fcsseldorf Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen","Vorwort Der Einsatz f\u00fcr Freiheit und Demokratie bleibt weiterhin eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der die Sicherheitsbeh\u00f6rden lediglich einen unterst\u00fctzenden Beitrag im Rahmen der ihnen zugeschriebenen Aufgaben leisten k\u00f6nnen. Eine informierte und aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit ist die st\u00e4rkste Abwehr gegen\u00fcber extremistischen Bestrebungen, die das friedliche Zusammenleben in einer freiheitlichen und demokratischen Gesellschaft gef\u00e4hrden. Die Arbeit des Verfassungsschutzes fungiert in diesem Rahmen als eine Art Seismograph der Gesellschaft, der unterschwellige extremistische Stimmungen verzeichnet und \u00d6ffentlichkeit, Politik und Gesellschaft gegebenenfalls vor Gefahren und Fehlentwicklungen warnt. Ganz in diesem Sinne erscheint der Bericht des Verfassungsschutzes \u00fcber das Jahr 2014 erstmals in einem neuen Format, das durch seine kompakte, einheitliche Darstellung der Themen und seine strukturierte Leserf\u00fchrung nicht mehr ausschlie\u00dflich ein Fachpublikum anspricht, sondern sich an ein breite Leserschaft wendet, um \u00fcber die Erkenntnisse und die Arbeit des Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen aufzukl\u00e4ren. Der R\u00fcckblick auf das Jahr 2014 ist vor allem von zwei extremistischen Ph\u00e4nomenen in Nordrhein-Westfalen gekennzeichnet: Salafismus und Rechtsextremismus. Die desolate Situation in Syrien und dem Irak und die milit\u00e4rischen Erfolge des sogenannten Islamischen Staates f\u00fchren weiterhin zu einem gro\u00dfen Zulauf gewaltbereiter Salafisten, die darauf abzielen, auch in Nordrhein-Westfalen junge Menschen zur Er- 2 Vorwort Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","richtung eines vermeintlichen Gottesstaates und f\u00fcr ihre Ziele zu vereinnahmen. Die nordrhein-westf\u00e4lischen Sicherheitsbeh\u00f6rden haben die Beobachtung der salafistischen Szene erneut vor dem Hintergrund verst\u00e4rkt, dass Personen aus B\u00fcrgerkriegsgebieten zur\u00fcckkehren, die m\u00f6glicherweise ideologisch radikalisiert, im Umgang mit Waffen geschult und durch ihre Erlebnisse verroht sind. Neben repressiven Ma\u00dfnahmen leistet der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen weiterhin Pionierarbeit auf dem Gebiet der Pr\u00e4vention. Mit dem 2014 initiierten Programm \"Wegweiser - Gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus\" werden junge Menschen vor dem Abrutschen in den extremistischen Salafismus bewahrt. Ein separat angelegtes Aussteigerprogramm f\u00fcr den Bereich Islamismus hilft wiederum Menschen, die bereits tief in der Szene verwurzelt sind, beim Ausstieg. Im Rechtsextremismus zeigt auch das Jahr 2014, dass sich Neonazis in der Partei Die Rechte vereinen und den vorteilhaften Parteienstatus ausnutzen, um sich zu organisieren und die Grenze zwischen parlamentsund aktionsorientierten Rechtsextremisten zu verwischen. Gleichwohl ist eine Kontinuit\u00e4t der Ideologie und Gewaltbereitschaft zu konstatieren. Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen konnten mehrere rechtsextremistische Parteien geringf\u00fcgig hinzugewinnen und in Stadtr\u00e4te und Bezirksvertretungen einziehen. Thematisch konzentrieren sich dabei alle rechtsextremistischen Parteien auf die Diffamierung von Muslimen, Asylbewerbern sowie Sinti und Roma. Die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen und der zur Herstellung ben\u00f6tigten Produkte zu verhindern ist in Nordrhein-Westfalen als einem Hochtechnologiestandort ebenfalls Kernaufgabe des Verfassungsschutzes. Die Anzahl der aufgedeckten Beschaffungsversuche hat in 2014 einen H\u00f6chststand erreicht, so dass die Identifizierung von Beschaffungsnetzwerken und pr\u00e4ventive Sensibilisierungsma\u00dfnahmen zum Schutz der Wirtschaft einen neuen Stellenwert erlangt haben. Ralf J\u00e4ger, MdL Minister f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Vorwort 3 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Inhaltsverzeichnis Vorbemerkung 8 Kompakt 12 Extremismus in Zahlen 15 Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) ..................................................... 22 Rechtsextremismus 37 NPD ...................................................................................................................................... 40 B\u00fcrgerbewegung Pro NRW und Pro K\u00f6ln e.V ...................................................................... 48 Die Rechte ............................................................................................................................ 54 Der III. Weg .......................................................................................................................... 66 Neonazis............................................................................................................................... 68 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten ............................................................................. 72 Rechtsextremismus im Internet ............................................................................................ 78 4 InhaltsverzeIchnIs Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Linksextremismus 83 Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE ........................................................... 86 DKP ...................................................................................................................................... 92 MLPD.................................................................................................................................... 98 Autonome Linksextremisten ............................................................................................... 104 Ausl\u00e4nderextremismus 109 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Graue W\u00f6lfe\") .................................................................................... 112 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (DHKP-C) ...................................................... 118 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................................................................... 122 Tamilische Befreiungstiger (LTTE) ..................................................................................... 128 Islamismus 133 Salafismus - politisch-extremistische Netzwerke ............................................................... 136 Extremistischer Salafismus - Jihadismus .......................................................................... 146 Hamas ................................................................................................................................ 152 Hizb Allah (Partei Gottes) ................................................................................................... 154 Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) ............................................................ 156 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) .............................................................................................. 158 Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) .......................................................................... 160 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil) ...................................................................... 162 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung (NKSB) ........................................................... 166 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) .................................................................................................... 168 Scientology Organisation (SO) 171 Scientology Organisation (SO) ........................................................................................... 172 InhaltsverzeIchnIs 5 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme 177 \u00dcbergreifende Pr\u00e4ventionskonzepte gegen Extremismus ................................................. 180 Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" ................................................................................... 182 Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes .............................................................. 186 Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus\" ....................................................................... 190 Modellprojekt VIR ............................................................................................................... 194 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen ................................................................................................ 196 Ver\u00f6ffentlichungen .............................................................................................................. 198 Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz 201 Spionage als politisches Hilfsmittel .................................................................................... 204 Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation ........................................................................... 208 Wirtschaftsschutz ............................................................................................................... 212 \u00dcber den Verfassungsschutz 215 Liste der Bestrebungen und Organisationen 220 Stichwortverzeichnis 224 6 InhaltsverzeIchnIs Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","InhaltsverzeIchnIs 7 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Vorbemerkung Der vorliegende Verfassungsschutzbericht bezieht sich auf Ereignisse und Beobachtungen im Jahr 2014; zeitlich danach liegende Vorf\u00e4lle und Entwicklungen werden punktuell angesprochen, wenn sie von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung sind. Hinweise auf Geschehnisse au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens sind aufgenommen, soweit sie f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Berichts erforderlich sind. Erg\u00e4nzende Informationen finden Sie im Internet unter www.mik.nrw.de/verfassungsschutz. Grundlagen und Zielsetzung des Verfassungsschutzes Nach SS 3 Abs. 1 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen (VSG NRW) hat der Verfassungsschutz die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten, die Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten betreffen, > die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder > darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen, oder > die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden oder > die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder > die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sammelt hierzu die f\u00fcr sie relevanten Informationen und wertet sie aus, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine Bestrebung gegeben sind oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht solcher Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten vorliegen. Weder eine konkrete Gefahr noch eine begangene Straftat sind notwendig, um ihr T\u00e4tigwerden zu legitimieren. Es ist nicht Voraussetzung f\u00fcr die Berichterstattung in den Jahresberichten, dass sich die Verdachtsmomente bis zur Einsch\u00e4tzung einer Bestrebung als \"verfassungsfeindlich\" 8 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","verdichtet haben. Der Verfassungsschutz arbeitet zum Schutz der Verfassung und des Gemeinwesens im Vorfeld konkreter Gefahren oder Straftaten. Er hat bei der Wahrnehmung seines gesetzlichen Auftrags im Wesentlichen Organisationen und Strukturen im Blick. \\ Kennzeichnung Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst (sogenannte Chevrons). Beispiel: \"Partei XY\" Bei einer \"Bestrebung\" handelt es sich nach SS 3 Abs. 3 VSG NRW um politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der gegen die in SS 3 Abs. 1 genannten Schutzg\u00fcter gerichtet ist. Ein \"Personenzusammenschluss\" setzt mehrere Personen voraus, die gemeinsam handeln. Einzelpersonen stehen nicht unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes, es sei denn, ihr Verhalten ist auf die Anwendung von Gewalt gerichtet oder von ihnen geht eine erhebliche Gefahr f\u00fcr eines der Schutzg\u00fcter des Verfassungsschutzgesetzes aus. Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung Im Zentrum steht der Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung - also der nicht zur Disposition stehende Kern des Grundgesetzes (SS 3 Abs. 4 VSG NRW). Hierzu z\u00e4hlen: > Das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen; > die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung an Gesetz und Recht; > das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition; 9 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","> die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und deren Verantwortlichkeit gegen\u00fcber der Volksvertretung; > die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte; > der Ausschluss jeder Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und > die Achtung der im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. Ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Daneben beobachtet der Verfassungsschutz Bestrebungen, \"die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden\". Hier geht es beispielsweise um gewaltbereite extremistische Gruppen mit Auslandsbezug, die vom Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus Gewaltaktionen vorbereiten, um eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Ausland, insbesondere in ihren Heimatl\u00e4ndern herbeizuf\u00fchren und die dadurch die Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zu anderen Staaten beeintr\u00e4chtigen (SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW). Auch Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind, geh\u00f6ren zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes (SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW). Der Verfassungsschutz beobachtet international operierende Gruppierungen, die beispielsweise darauf abzielen, konfessionelle oder ethnische Gruppen im Ausland zu bek\u00e4mpfen. In diesem Fall sind die Angriffe nicht auf die staatliche Ordnung oder die Grenzen eines einzelnen anderen Landes gerichtet, sondern gegen bestimmte (Volks)Gruppen in den betreffenden Staaten. Gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind damit auch Gruppierungen, die die - notfalls gewaltsame - R\u00fcckgewinnung der ehemaligen deutschen Ostgebiete propagieren. Arbeitsweise des Verfassungsschutzes Bei seiner T\u00e4tigkeit st\u00fctzt sich der Verfassungsschutz in gro\u00dfem Umfang auf offenes Material wie Zeitungen, wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen, Radiound Fernsehberichte, Interviews und Parteiprogramme. Sensible Informationen aus geschlossenen Zirkeln werden hingegen h\u00e4ufig mit nachrichtendienstlichen Mitteln gewonnen. Es werden nach Ma\u00dfgabe konkreter gesetzlicher Vorgaben Vertrauenspersonen (V-Personen) eingesetzt und Zielpersonen observiert. In besonders gravierenden Einzelf\u00e4llen erfolgt eine \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs. Der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist zur Aufkl\u00e4rung konspirativ arbeitender verfassungsfeindlicher Organisationen notwendig. Die Beschaffung von Informationen durch den Verfassungsschutz unterliegt der Kontrolle des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Landtags NRW und bei bestimmten, die Kommunikation oder die Finanzierung von Bestrebungen be10 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","treffenden Ma\u00dfnahmen der Kontrolle durch eine unabh\u00e4ngige Kommission (G 10-Kommission). Typischerweise geben sich extremistische Organisationen in ihren Programmen und \u00f6ffentlichen Auftritten gem\u00e4\u00dfigt, um ihre Akzeptanz und ihre Wahlchancen nicht zu beeintr\u00e4chtigen. Klartext wird h\u00e4ufig nur in den inneren Zirkeln und unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit geredet. Dar\u00fcber muss der Verfassungsschutz verl\u00e4ssliche Informationen erlangen, wenn er sich ein realistisches Bild von den Zielen und den Methoden derartiger Organisationen verschaffen und seinen Auftrag zur Beratung der Politik und Aufkl\u00e4rung der \u00d6ffentlichkeit erf\u00fcllen will. Mit \"Weblinks\" zu weiteren Informationen Nutzen Sie die \"Web-Links\" in dieser Brosch\u00fcre, um direkt zu erg\u00e4nzenden Webseiten und Dokumenten im Internet zu gelangen. Sie finden die Codes im Text jeweils am Ende einiger Kapitel in folgender Darstellung: Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_xxxx So geht es: Rufen Sie die Adresse www.mik.nrw.de/verfassungsschutz in Ihrem Browser auf und geben Sie die jeweilige Zahlenund Buchstabenkombination des \"Web-Links\" in das daf\u00fcr vorgesehene Feld ein. Mit Klick auf den Pfeil erscheint die gew\u00fcnschte Information auf dem Bildschirm. 11 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Kompakt Politisch motivierte Gewalt > In allen Bereichen (Ausnahme Linksextremismus) ist im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Zunahme von Gewaltdelikten zu verzeichnen, die teilweise in Beziehung zu einzelnen Ereignissen stehen. Rechtsextremismus > An Veranstaltungen von HoGeSa, PEGIDA und \u00e4hnlichen Organisationen in Nordrhein-Westfalen nehmen Rechtsextremisten regelm\u00e4\u00dfig teil und \u00fcben einen unmittelbaren Einfluss aus. > In der Partei Die Rechte versammeln und organisieren sich Neonazis und verwischen die Grenze zwischen parlamentsorientierten und aktionsorientierten Rechtsextremisten. Linksextremismus > Linksextremistische parlamentsorientierte Parteien verzeichnen durchweg sehr niedrige Ergebnisse bei den Kommunalund Europawahlen. Der W\u00e4hlerzuspruch f\u00fcr die DKP und die MLPD bleibt weiterhin gering. Ausl\u00e4nderextremismus > Im Zusammenhang mit den kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und dem Nordirak lassen sich im Umfeld der nordrhein-westf\u00e4lischen PKK-Anh\u00e4ngerschaft verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen zur Rekrutierung von Kr\u00e4ften f\u00fcr die dortigen Guerillaeinheiten beobachten. Islamismus > Salafismus ist weiterhin die am schnellsten wachsende extremistische Str\u00f6mung in Deutschland. 24. Mai 29. Juni 7. August Anschlag auf Ausrufung eines Krawalle in das j\u00fcdische Islamischen Herford zwiMuseum in Kalifats (Irak, schen Jesiden Br\u00fcssel Syrien) und Sunniten 20148 01 02 03 04 05 06 25. Mai Juli/August 8. September Kommunalund EuroZuspitzung Prozessauftakt pawahlen (gewaltt\u00e4tige der Gewalt \"Bonner HauptbahnAuseinandersetzungen im Gazahof\"/Anschlagsveram Rathaus Dortmund) Konflikt such auf Politiker 12 Themen im Fokus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","> Die milit\u00e4rischen Erfolge des sogenannten Islamischen Staats im Nordirak und in Syrien haben zu einem verst\u00e4rkten Zulauf bei Jihadisten auch in Nordrhein-Westfalen und zu einer dramatisch hohen Zahl von Ausreisen in die Krisenregion gef\u00fchrt. > Die Sicherheitsbeh\u00f6rden in Deutschland sind durch die in der Folge zu erwartende hohe Zahl von R\u00fcckkehrern und durch terroristische Anschl\u00e4ge in westlichen L\u00e4ndern alarmiert. > Die Konflikte in der Krisenregion f\u00fchren auch zu Eskalation und Gewaltausbruch zwischen religi\u00f6sen und ethnischen Personengruppen in Nordrhein-Westfalen. Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz > Die Zahl vom Verfassungsschutz erkannter proliferationsrelevanter Beschaffungsversuche in Nordrhein-Westfalen hat einen H\u00f6chstwert erreicht. Dies liegt auch an der verst\u00e4rkten Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und Multiplikatoren wie beispielsweise Kammern und Verb\u00e4nden bei der Aufkl\u00e4rung. > In mehr als 220 Veranstaltungen hat der Verfassungsschutz Unternehmen f\u00fcr die Gefahren durch Wirtschaftsspionage sensibilisiert. Pr\u00e4vention und Aussteigerprogramme > Das Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\", mit dem junge Menschen zum Ausstieg vor dem Einstieg in den gewaltbereiten Salafismus bewegt werden sollen, ist im M\u00e4rz erfolgreich in drei Modellkommunen gestartet. > Das Land Nordrhein-Westfalen \u00fcbernimmt mit einem separaten, reinen Aussteigerprogramm f\u00fcr den Bereich Islamismus eine Vorreiterrolle in Deutschland. > Mit \u00fcber hundert Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen in allen Landesteilen sensibilisiert der Verfassungsschutz weiterhin auf konstant hohem Niveau f\u00fcr die Gefahren des Rechtsextremismus. > Mit der gemeinsamen Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus - eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung\" setzen der Verfassungsschutz NRW und der Koordinationsrat der Muslime ein weiteres Zeichen gegen islamfeindliche Kampagnen im Rechtsextremismus. 12. September 26. Oktober 22. November Verbot des Ausschreitungen Ausschreitungen IS durch das bei HoGeSabei BlockupyBundesinnenDemonstration Demonstration in ministerium in K\u00f6ln Frankfurt am Main 07 08 09 10 11 12 4 28. September 13. November 16. Dezember IS beginnt Urteil im TerrorErste Sitzung Gro\u00dfangriff auf prozess gegen Parlamentarischer Kobane die \"D\u00fcsseldorUntersuchungsfer Zelle\" ausschuss NSU Themen im Fokus 13 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","14 \u00dcber den Verfassungsschutz Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Extremismus in Zahlen ExtrEmiismus in ZahlEn 15 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Externe Konfliktlagen und daraus resultierende Wechselwirkungen Konfliktlagen in entfernten Krisenregionen haben mittelbar und unmittelbar Einfluss auf Deutschland. Hieraus entstehen unterschiedliche Wechselwirkungen zwischen einzelnen extremistischen Gruppierungen sowie Extremisten und der Gesellschaft. (c) dpa picture alliance / landov Information und Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung in picture alliance / JOKER den Krisenregionen durchbrechen die Wirkungskette hin zur Gewalt. Protest / Unwissen Misstrauen Angst Hass Gewalt 16 extremIIsmus In zahlen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Gewalt im Rechtsextremismus Gewalt im Rechtsextremismus nimmt deutlich 370 zu. Die T\u00e4ter nutzen dabei auch Plattformen 4. Quartal wie die HoGeSa-Demonstration in K\u00f6ln am 26. Oktober 2014. 192 192 91 1.-3. Quartal 2012 2013 2014 Politisch motivierte Gewalt Die Anzahl der Gewalttaten im Rechtsextremismus und im Ausl\u00e4nderextremismus haben sich drastisch erh\u00f6ht, was zum Teil Einzelereignissen geschuldet ist. RechtsLinksextremismus Ausl\u00e4nderSonstige extremismus extremismus ExtrEmiismus in ZahlEn 17 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Parlamentsorientierter Rechtsextremismus Bei den Kommunalwahlen 2014 haben rechtsextremistische Parteien rund 0,7% der g\u00fcltigen Stimmen erhalten. Die Verteilung der Mandate der Partei Die Rechte bei den Kommunalwahlen 2014 in NordrheinWestfalen (erreichte Gesamtmandate). Hamm Dormund 18 extremIIsmus In zahlen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Verteilung der Mandate der Pro NRW und Pro K\u00f6ln e.V. bei den Kommunalwahlen 2014 in Nordrhein-Westfalen (erreichte Gesamtmandate). Gelsenkirchen Bochum Duisburg Witten Hagen Essen Wuppertal M\u00f6nchengladbach Solingen Radevormwald Pulheim Remscheid Oberbergischer Kreis Rhein-Erft-Kreis Leverkusen Bergheim K\u00f6ln Aachen Bonn Die Verteilung der Mandate der NPD bei den Kommunalwahlen 2014 in Nordrhein-Westfalen (erreichte Gesamtmandate). Bochum Dortmund Duisburg Essen M\u00e4rkischer Kreis Viersen Kreis Heinsberg L\u00fcdenscheid M\u00f6nchengladbach Erkelenz Geilenkirchen H\u00fcckelhoven Rhein-Sieg-Kreis Eschweiler extremIIsmus In zahlen 19 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Verteilung der Mandate bei den Kommunalwahlen 2014 in Nordrhein-Westfalen (erreichte Gesamtmandate) im Gesamt\u00fcberblick. Pro NRW / Pro K\u00f6ln e.V. Die Rechte NPD 20 extremIIsmus In zahlen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ausreisen in den Jihad Die Zahl der Salafisten, die aus Deutschland beziehungsweise Nordrhein-Westfalen nach Syrien und in den Irak ausreisen, nimmt stetig zu. Stand M\u00e4rz 2015 ExtrEmiismus in ZahlEn 21 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK) Betrachtung der Gesamtentwicklung In Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2014 insgesamt 5.883 Delikte der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t bekannt (2013: 4.670). Das entspricht einem Anstieg von 26% im Vergleich zum Vorjahr. Im Zehnjahresvergleich ist damit eine weitere Steigerung erreicht, nachdem sich die Fallzahlen in den letzten vier Jahren auf einem ann\u00e4hrend gleichbleibenden Niveau bewegt hatten. Der Anstieg erstreckt sich \u00fcber alle Deliktgruppen. Am deutlichsten zeigt er sich im Bereich der Sachbesch\u00e4digungssowie K\u00f6rperverletzungsdelikte. Lediglich im Bereich der 2.098 Propagandadelikte ist ein R\u00fcckgang von 69 Straftaten zu verzeichnen (2013: 2.167). Die Aufkl\u00e4rungsquote im Bereich der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t f\u00fcr das Jahr 2014 liegt bei 39,7% (2013: 42,3%). Dies bedeutet einen R\u00fcckgang um 2,6% im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten 2.338 Straftaten gekl\u00e4rt werden (2013: 1.977), 361 mehr als im Vorjahr. 2014 wurden 3.008 (2013: 2.735) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 2.593 bzw. 86,2% m\u00e4nnlich (2013: 85,0%) und 415 bzw. 13,8% (2013: 15,0%) weiblich. Gewaltdelikte der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t (PMK-Gewalt) Die Zahl der bekannt gewordenen Gewaltdelikte mit politischer Motivation ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Insgesamt wurden in Nordrhein-Westfalen 717 Gewaltdelikte bekannt, das bedeutet einen Anstieg um 65,2% (2013: 434). In der Detailbetrachtung zeigt sich, dass der Anstieg zum Teil auf die K\u00f6rperverletzungsdelikte zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, die im Bereich der PMK-Rechts im Zusammenhang mit der Veranstaltung \"Hooligans gegen Salafisten\" am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln ver\u00fcbt wurden. Dar\u00fcber hinaus 22 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMK und PMK Gewalt im 10-Jahresvergleich f\u00fchrten der Nahostkonflikt und die Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak zu vermehrten K\u00f6rperverletzungen im Bereich der Politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t (PMK-Ausl\u00e4nder), insbesondere im Zusammenhang mit Versammlungen. Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 54,4% niedriger als im Vorjahr (2013: 66,6%). Insgesamt konnten jedoch 390 Gewaltdelikte im Bereich der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t aufgekl\u00e4rt werden. Propagandadelikte Einen hohen Anteil der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t macht j\u00e4hrlich wiederkehrend die Gruppe der Propagandadelikte, also Delikte der SSSS 86 und 86a StGB, aus. Im Jahr 2014 betrug deren Anteil mit 2.098 F\u00e4llen 35,7% an der PMK Gesamt und damit 10,7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr (2013: 2.167 F\u00e4lle, 46,4%). Mit 33,7% liegt die Aufkl\u00e4rungsquote der Propagandadelikte unter dem Wert des Vorjahres (2013: 36,0%). ExtrEmiismus in ZahlEn 23 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMK im 10-Jahresvergleich - Gegen\u00fcberstellung Propagandadelikte und \u00fcbrige Delikte PMK Auswirkungen der Kommunalwahlen auf die Entwicklung der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t Regelm\u00e4\u00dfig werden politisch motivierte Straftaten im Begr\u00fcndungszusammenhang mit Wahlen begangen. Dabei sind in Nordrhein-Westfalen insbesondere Kommunalwahlen Agitationsgrundlage. So wurden im Jahr 2014 in diesem Begr\u00fcndungszusammenhang 590 Straftaten gemeldet, was einen Anteil von 10,0% an den Gesamtfallzahlen der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t bedeutet. Vornehmlich kam es zu Sachbesch\u00e4digungen an Wahlplakaten, zum Teil durch Inbrandsetzungen, aber auch zu k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen, zum Beispiel an Infost\u00e4nden oder bei anderen Wahlkampfveranstaltungen. Bei 45 der genannten Straftaten handelte es sich um Gewaltdelikte. Von den 590 Straftaten im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen 2014 wurden 163 Delikte (27,6%) aufgekl\u00e4rt. Von den 45 gemeldeten Gewaltdelikten in diesem Zusammenhang konnten 31 aufgekl\u00e4rt werden, was einer Aufkl\u00e4rungsquote von 68,9% entspricht. 24 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Extremistische Straftaten Von den 5.883 im Jahr 2014 bekannt gewordenen Delikten der PMK sind 5.534 (94,1%) als extremistische Straftaten im Sinne des SS 3 des Gesetzes \u00fcber den Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen eingestuft, weil sie sich beispielsweise gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung richteten. Nach Ph\u00e4nomenbereichen unterschieden entfallen von den extremistischen Straftaten > 3.276 (2013: 3.048) auf die PMK-Rechts, > 1.178 (2013: 744) auf die PMK-Links, > 641 (2013: 147) auf die PMK-Ausl\u00e4nder und > 439 (2013: 258) auf die PMK-Sonstige. Insgesamt ist die Anzahl der als extremistisch einzustufenden Straftaten gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum um 1.337 Delikte (31,9%) gestiegen. Entwicklung der Ph\u00e4nomenbereiche der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t Eine Betrachtung der einzelnen Ph\u00e4nomenbereiche der Politisch motivierten Kriminalit\u00e4t zeigt Anstiege in allen Bereichen. Erfasst wurden > 3.286 Straftaten der PMK-Rechts (2013: 3.085) (+201) > 1.261 Straftaten der PMK-Links (2013: 908) (+353) > 671 Straftaten der PMK-Ausl\u00e4nder (2013: 163) (+508) > 665 Straftaten der PMK-Sonstige (2013: 514) (+151) Straftaten der PMK-Sonstige (Straftaten, die keinem bestimmten Ph\u00e4nomen zuzuordnen sind) werden beispielsweise im Zusammenhang mit der Energieversorgung oder dem Tierrecht ver\u00fcbt. ExtrEmiismus in ZahlEn 25 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMK im Jahresvergleich 2013 und 2014 nach Ph\u00e4nomenbereichen 26 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMKPMKPMKPMKRechts Links Ausl\u00e4nder Sonstige T\u00f6tungsdelikte 0 (0) 1 (0) 1 (0) 0 (0) Brandund Sprengstoffdelikte 7 (3) 8 (5) 2 (1) 1 (4) Landfriedensbruchdelikte 8 (2) 18 (21) 15 (0) 0 (0) Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, 0 (0) 15 (4) 1 (0) 0 (6) Schiffs-, Luftund Stra\u00dfenverkehr K\u00f6rperverletzungsdelikte 332 (164) 104 (116) 83 (25) 25 (17) Widerstandshandlungen 17 (19) 47 (34) 15 (1) 0 (1) Raub, Erpressung, 5 (4) 6 (5) 4 (2) 1 (0) Freiheitsberaubung Sexualdelikte 1 (0) 0 (0) 0 (0) 0 (0) Zwischensumme 370 (192) 199 (185) 121 (29) 27 (28) Bedrohungen, N\u00f6tigungen 33 (41) 38 (16) 32 (12) 11 (9) Sachbesch\u00e4digungen 192 (156) 482 (320) 71 (26) 269 (189) Propagandadelikte 1.896 (1.989) 20 (20) 21 (6) 161 (152) Volksverhetzungen 388 (451) 2 (1) 72 (7) 15 (5) St\u00f6rungen des \u00f6ffentlichen Friedens 3 (1) 0 (2) 8 (3) 4 (1) Beleidigungen 293 (206) 119 (76) 51 (17) 71 (48) Verst\u00f6\u00dfe gegen das 0 (0) 0 (0) 151 (30) 0 (0) Vereinsgesetz Verst\u00f6\u00dfe gegen das 67 (15) 278 (170) 55 (2) 11 (11) Versammlungsgesetz Sonstige Straftaten 44 (34) 123 (118) 89 (31) 96 (71) Gesamt 3.286 (3.085) 1.261 (908) 671 (163) 665 (514) PMK nach Deliktgruppen und Ph\u00e4nomenbereichen im Jahresvergleich 2014 und 2013 (2013 als Klammerwerte) ExtrEmiismus in ZahlEn 27 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-Rechts (PMK-Rechts) Die bekannt gewordenen Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich der PMK-Rechts erh\u00f6hten sich gegen\u00fcber dem Vorjahr um 6,5% von 3.085 auf 3.286 Straftaten. 1.304 Straftaten der PMK-Rechts wurden aufgekl\u00e4rt (2013: 1.354). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 39,7% niedriger als im Vorjahr (2013: 43,9%). Insgesamt wurden 1.466 (2013: 1.652) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 1.311 Personen bzw. 89,4% m\u00e4nnlich (2013: 88,7%) und 155 bzw. 10,6% weiblich (2013: 11,3%). 564 (38,5%) waren zur Tatzeit zwischen 14 und 24 Jahre alt (2013: 42,3%). 913 (62,3%) der Tatverd\u00e4chtigen waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten (2013: 57,9%). Vorherrschende Themenfelder der PMK-Rechts waren \"Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus\" (2.108 Straftaten, 2013: 2.243 Straftaten), \"Hasskriminalit\u00e4t\" (1.020 Straftaten, 2013: 1.018 Straftaten), \"Konfrontation/politische Einstellung\" (502 Straftaten, 2013: 194 Straftaten) sowie \"Innenund Sicherheitspolitik\" (501 Straftaten, 2013: 271 Straftaten). Der Anstieg der Straftaten in den Themenfeldern \"Konfrontation/ \\ Hinweis zu Themenfeldern politische Einstellung\" sowie Die Melderichtlinien des \"Kriminalpolizeilichen Mel\"Innenund Sicherheitspolitik\" dedienstes in F\u00e4llen Politisch motivierter Kriminalit\u00e4t\" im Vergleich zum Vorjahr ist auf sehen Mehrfachnennungen bei den Oberthemen vor, Veranstaltungen der \"Hooligans so dass eine Straftat mehreren Oberthemen zugeordgegen Salafisten\" zur\u00fcckzuf\u00fchren, net werden kann. in deren Zusammenhang eine Vielzahl von politisch motivierten Straftaten begangen worden sind, die \u00fcberwiegend diesen beiden Themenfeldern zugeordnet wurden. Propagandadelikte und Volksverhetzungen machten mit 69,5% (2.284 Straftaten von 3.286 Straftaten) den \u00fcberwiegenden Anteil der Straftaten der PMK-Rechts aus. Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Rechts Die Anzahl der Gewaltdelikte durch rechtsmotivierte Straft\u00e4ter ist mit 370 Straftaten gegen\u00fcber dem Vorjahr um 178 Straftaten (92,7%) gestiegen und hat im 10-Jahresvergleich den h\u00f6chsten Stand erreicht. Bei der \u00fcberwiegenden Anzahl der Gewaltdelikte handelte es sich um K\u00f6rperverletzungen (332 Straftaten). 28 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Gewaltdelikte durch rechtsmotivierter Straft\u00e4ter wurden mehrheitlich im \u00f6ffentlichen Raum ver\u00fcbt. Sie standen mit 195 von 370 Straftaten vermehrt im Begr\u00fcndungszusammenhang mit demonstrativen Ereignissen. In den vergangenen Jahren war dies nicht der Fall, 2013 waren 16 von 192 Straftaten im Kontext mit Versammlungen zu sehen. Diese ver\u00e4nderte Erscheinungsform ist auf die Ereignisse bei der Veranstaltung \"Hooligans gegen Salafisten\" am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln zur\u00fcckzuf\u00fchren. In diesem Zusammenhang wurden 174 Gewaltdelikte ver\u00fcbt, die bis auf eine Ausnahme der PMK-Rechts zugeordnet wurden. Diese Straftaten richteten sich auch gegen die eingesetzten Polizeikr\u00e4fte. Insgesamt richteten sich 193 Gewaltdelikte rechtsmotivierter Straft\u00e4ter gegen Polizeibeamtinnen bzw. -beamte. Die Aufkl\u00e4rungsquote der Gewaltdelikte im Bereich der PMK-Rechts liegt bei 48,6% (2013: 79,2%), dies entspricht 180 gekl\u00e4rten Taten. Der R\u00fcckgang der Aufkl\u00e4rungsquote ist ebenfalls auf die Veranstaltung \"Hooligans gegen Salafisten\" am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln zur\u00fcckzuf\u00fchren. PMK-Rechts und PMK-Rechts Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2005 bis 2014 ExtrEmiismus in ZahlEn 29 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hasskriminalit\u00e4t durch \"Rechte\" Die Anzahl der Straftaten, die unter die \"Hasskriminalit\u00e4t\" im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Rechts fallen, blieb im Vergleich zum Vorjahr ann\u00e4hernd konstant. Insgesamt wurden hier 1.020 Straftaten registriert (2013: 1.018 Straftaten), dabei handelte es sich in 59,7% um Volksverhetzungen (372 Straftaten) und Beleidigungen (237 Straftaten). Einen gro\u00dfen Anteil hatten auch Propagandadelikte (169 Straftaten) und Gewaltdelikte (113). Dem Unterthema \"Fremdenfeindlichkeit\" wurden weniger Delikte als im Vorjahreszeitraum zugeordnet (805 Straftaten, 2013: 815 Straftaten). Die Anzahl der fremdenfeindlich motivierten Gewaltdelikte ist gesunken (106 Straftaten, 2013: 115 Straftaten). \\ Hinweis zu Hasskriminalit\u00e4t Der Hasskriminalit\u00e4t werden Straftaten zugeordnet, wenn in W\u00fcrdigung der Umst\u00e4nde der Tat und/oder der Einstellung des T\u00e4ters Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass sie gegen eine Person wegen ihrer Nationalit\u00e4t, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Herkunft oder aufgrund ihres \u00e4u\u00dferlichen Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status gerichtet sind. Antisemitische Straftaten Die Anzahl der antisemitischen Straftaten hat um 48,1% von 237 auf 351 zugenommen. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Anstieg sind insbesondere die gestiegenen Fallzahlen im Bereich der Politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t (von 7 auf 98 Delikte). Bei den Deliktgruppen machten Volksverhetzungen (182 Straftaten), Propagandadelikte (56 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (48 Straftaten) mit 81,5% den \u00fcberwiegenden Anteil der Fallzahlen aus. Von den 351 antisemitischen Straftaten entfallen > 226 Delikte auf die PMK-Rechts (2013: 221) > 98 Delikte auf die PMK-Ausl\u00e4nder (2013: 7) > 5 Delikte auf die PMK-Links (2013: 0) > 22 Delikte auf die PMK-Sonstige (2013: 9). 30 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Der Anstieg der antisemitischen Straftaten im Bereich der PMK-Ausl\u00e4nder begr\u00fcndet sich wesentlich mit den Geschehnissen im Nahostkonflikt und den daraus resultierenden demonstrativen Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen. Die antisemitischen Straftaten in diesem Zusammenhang wurden mehrheitlich dem Themenfeld \"Hasskriminalit\u00e4t\" zugeordnet. Die Anzahl der antisemitischen Gewaltdelikte ist gestiegen (19 Straftaten, 2013: 13 Straftaten). Neun der antisemitischen Gewaltdelikte (f\u00fcnf K\u00f6rperverletzungen, zwei Branddelikte und zwei Widerstandshandlungen) sind dem T\u00e4terkreis der PMK-Ausl\u00e4nder zuzuordnen. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t-Links (PMK-Links) Die Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich der PMK-Links ist mit 1.261 Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 38,9% gestiegen (2013: 908). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 32,4% niedriger als im Vorjahr (2013: 36,1%). Es wurden 408 Straftaten der PMK-Links aufgekl\u00e4rt. Insgesamt wurden 677 (2013: 619) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 530 bzw. 78,3% (2013: 76,9%) m\u00e4nnlich und 147 bzw. 21,7% (2013: 23,1%) weiblich. 340 Personen bzw. 50,2% waren zur Tatzeit zwischen 14 und 24 Jahre alt (2013: 57,1%). 280 bzw. 41,4% der Tatverd\u00e4chtigen waren bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten (2013: 47,8%). Haupts\u00e4chliche Themenfelder der PMK-Links im Jahr 2014 waren \"Konfrontation mit dem politischen Gegner\" (862 Straftaten, 2013: 508 Straftaten), \"Antifaschismus\" (730 Straftaten, 2013: 470 Straftaten) sowie \"Innenund Sicherheitspolitik\" (631 Straftaten, 2013: 367 Straftaten). 219 Straftaten standen in Zusammenhang mit den Kommunalwahlen. Das entspricht einem Anteil von 17,4% am Gesamtaufkommen der Straftaten PMK-Links. Der Anteil von Straftaten in Zusammenhang mit versammlungsrechtlichen Ereignissen am Gesamtaufkommen der PMK-Links lag mit 40,7% (513 von 1261 Straftaten) unter dem Niveau des Vorjahres (2013: 44,3%). Bei mehr als der H\u00e4lfte der Straftaten der PMK-Links (760 von 1.261 Straftaten) handelte es sich um Sachbesch\u00e4digungen (482 Straftaten, 2013: 320 Straftaten) und Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz (278 Straftaten, 2013: 170 Straftaten). Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Links Die Anzahl der Gewaltdelikte durch linksmotivierte Straft\u00e4ter ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,6% gestiegen (199 Straftaten, 2013: 185 Straftaten). Sie liegt unter den H\u00f6chstwerten von 2009 und 2011 (jeweils 219 Straftaten). ExtrEmiismus in ZahlEn 31 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMK-Links und PMK-Links Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2005 bis 2014 Bei demonstrativen Ereignissen wurden 69,3% der Gewaltdelikte PMK-Links (138 von 199 Straftaten) ver\u00fcbt (2013: 70,8%). 125 der Gewaltdelikte standen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den rechten Gegner. Dies macht einen Anteil von 62,8% aller Gewaltdelikte PMK-Links aus. Gegen Polizeikr\u00e4fte richteten sich 94 Gewaltdelikte (2013: 75 Straftaten). 87 dieser gegen Polizeikr\u00e4fte gerichteten Straftaten standen in Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen (2013: 65 Straftaten). Polizeikr\u00e4fte gelten nicht nur als Repr\u00e4sentanten des \"reaktion\u00e4ren und repressiven\" Staates, sondern der Auftrag der Polizei, das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit zu sch\u00fctzen und die Durchf\u00fchrung der Demonstration zu gew\u00e4hrleisten, wird ideologisch umgedeutet und als Schutz der \"Rechten\" interpretiert. Die Anwendung von Gewalt gegen Polizeikr\u00e4fte wird von der linken Szene so als legitimes Mittel im \"Kampf gegen Rechts, gegen den politischen Gegner\" gerechtfertigt. 32 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten im Ph\u00e4nomenbereich der PMK-Links betr\u00e4gt mit 119 aufgekl\u00e4rten Straftaten 59,8% (2013: 60,5%). Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t (PMK-Ausl\u00e4nder) Die Anzahl der Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder ist im Vergleich zum Vorjahr um 311,7% gestiegen (671 Straftaten, 2013: 163 Straftaten). Die Aufkl\u00e4rungsquote liegt mit 53,8% h\u00f6her als im Vorjahr (2013: 49,1%). Es wurden 361 Straftaten der PMK-Ausl\u00e4nder aufgekl\u00e4rt (2013: 80 Straftaten). Insgesamt wurden 491 (2013: 159) Tatverd\u00e4chtige ermittelt. Davon waren 444 Personen bzw. 90,4% (2013: 74,8%) m\u00e4nnlich und 47 bzw. 9,6% (2013: 25,2%) weiblich. 264 (53,8%) waren zur Tatzeit zwischen 14 und 24 Jahre alt (2013: 54,7%). 248 (50,5%) waren bereits zuvor kriminalpolizeilich in Erscheinung getreten (2013: 62,9%). Haupts\u00e4chliche Themenfelder waren \"Innenund Sicherheitspolitik\" (314 Straftaten, 2013: 60 Straftaten), \"Krisenherde/B\u00fcrgerkriege\" (295 Straftaten 2013: 10 Straftaten) und \"Befreiungsbewegungen/Internationale Solidarit\u00e4t\" (283 Straftaten, 2013: 62 Straftaten). Weiterhin trat das Themenfeld \"Hasskriminalit\u00e4t\" in den Fokus (143 Straftaten, 2013: 24 Straftaten). Ph\u00e4nomenologisch handelte es sich bei den Straftaten der PMK-Ausl\u00e4nder mehrheitlich um Verst\u00f6\u00dfe gegen das Vereinsgesetz (151 Straftaten), K\u00f6rperverletzungen (83 Straftaten), Volksverhetzungen (72 Straftaten) und Sachbesch\u00e4digungen (71 Straftaten). Bei den Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsverbot handelte es sich \u00fcberwiegend (104 Straftaten) um das Zeigen verbotener Symbole der mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegten PKK. Es wurden 349 Straftaten im Zusammenhang mit demonstrativen Ereignissen begangen. W\u00e4hrend in der ersten Jahresh\u00e4lfte lediglich bei zwei kurdischen Gro\u00dfveranstaltungen eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Straftaten (insgesamt 69) registriert wurden, waren in der zweiten Jahresh\u00e4lfte der Konflikt im Gazastreifen sowie die Gr\u00e4ueltaten des Islamischen Staates (IS) gegen Jesiden im Nordirak und in Syrien Grundlage f\u00fcr eine Vielzahl von Demonstrationen, im Wege derer Straftaten begangen wurden. Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich PMK-Ausl\u00e4nder Die Anzahl der Gewaltdelikte der PMK-Ausl\u00e4nder hat sich im Vergleich zum Vorjahr um 317,2% erh\u00f6ht (121 Straftaten, 2013: 29 Straftaten) Mit 73,6% (89 von 121) standen fast drei Viertel der Gewaltdelikte im Zusammenhang mit \u00f6ffentlichen Versammlungen (2013: 30,0%). Dabei wurden auch vermehrt Polizeikr\u00e4fte Angriffsziel; ExtrEmiismus in ZahlEn 33 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","PMK-Ausl\u00e4nder und PMK-Ausl\u00e4nder Gewalt im 10-Jahresvergleich von 2005 bis 2014 von den 65 F\u00e4llen in denen Polizeibeamtinnen bzw. -beamte Opfer von Gewalttaten wurden, handelte es sich in 62 F\u00e4llen um Straftaten im Zusammenhang mit Demonstrationen. Auch bei versammlungsunabh\u00e4ngigen Gewaltdelikten waren mehrheitlich der Nahostkonflikt sowie die Auseinandersetzungen im Irak und Syrien initiierend. Die Aufkl\u00e4rungsquote bei den Gewaltdelikten der PMK-Ausl\u00e4nder liegt mit 71 gekl\u00e4rten Straftaten bei 58,7% (2013: 37,9%). Gef\u00e4hrdung durch den islamistischen Terrorismus Die Zahl der 2014 registrierten Straftaten im Ph\u00e4nomenbereich \"Islamismus/Islamistischer Terrorismus\" liegt mit 126 (+ 260%) h\u00f6her als im Vorjahr (2013: 35 Straftaten). Einen wesentlichen Erkl\u00e4rungsansatz f\u00fcr die Steigerung der Straftaten in diesem Ph\u00e4nomenbereich stellt die gestiegene Anzahl von Ermittlungsverfahren nach SS 89a StGB (Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat), SS 89b StGB (Aufnahme von Beziehungen zur Begehung einer staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat) sowie nach SS 129 a StGB (Bildung terroristi34 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","scher Vereinigungen) und SS129 b StGB (Kriminelle und terroristische Vereinigung im Ausland) in Zusammenhang mit Ausreisesachverhalten dar. Im Berichtszeitraum sind der Gewaltkriminalit\u00e4t im Ph\u00e4nomenbereich \"Islamismus/Islamistischer Terrorismus\" insgesamt elf Delikte zuzuordnen. Hierbei handelt es sich um sieben K\u00f6rperverletzungen, zwei Widerstandshandlungen gegen Polizeivollzugsbeamte, einen Raub und einen Landfriedensbruch. Unabh\u00e4ngig von den eher niedrigen Fallzahlen stellt der islamistische Terrorismus weiterhin eine anhaltende Bedrohung dar. Deutsche Interessen im Inund Ausland sind erkl\u00e4rtes und tats\u00e4chliches Ziel jihadistisch motivierter Gewalt. F\u00fcr diese besteht auch weiterhin eine hohe abstrakte Gef\u00e4hrdung, die sich jederzeit in Form von sicherheitsrelevanten Ereignissen bis hin zu Anschl\u00e4gen konkretisieren kann. Die derzeit gr\u00f6\u00dfte Gefahr islamistischer Anschl\u00e4ge und Gewalttaten geht weiterhin von Einzelt\u00e4tern und autonom agierenden Gruppen aus. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese sich in einem terroristischen Ausbildungslager aufgehalten haben oder aktiv an entsprechenden Kampfhandlungen beteiligt waren. Die Anzahl der in \"Jihadgebiete\" (zum Beispiel Irak, Syrien und Somalia) ausgereisten Personen stieg in 2014 deutlich an. Im Berichtszeitraum wurden zunehmend Aufrufe von ausgereisten Protagonisten aus NordrheinWestfalen, aber auch aus dem gesamten Bundesgebiet, im Internet und in Sozialen Medien festgestellt, die versuchten, Personen aus Nordrhein-Westfalen ebenfalls zur Ausreise in Krisengebiete und zur Teilnahme am bewaffneten Kampf zu veranlassen. Die Reisebewegungen von Teilen des jihadistischen Spektrums zu terroristischen Ausbildungszwecken bzw. zur Teilnahme an Kampfhandlungen haben neben der R\u00fcckkehr terroristisch ausgebildeter Personen wesentlichen Einfluss f\u00fcr die Bewertung der Sicherheitslage in Nordrhein-Westfalen. ExtrEmiismus in ZahlEn 35 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Mitgliederpotenziale in Nordrhein-Westfalen Die Angaben zu den Parteien und Organisationen umfassen grunds\u00e4tzlich alle Mitglieder. Die Angaben sind gerundet und zum Teil gesch\u00e4tzt. Rechtsextremismus 2013 2014 NPD 650 600 pro K\u00f6ln e.V./pro NRW 1.000 950 Die Rechte 250 280 Der III. Weg - 20 Neonazistische Kameradschaften einschl. regionale Szenen 650 650 Militante Rechtsextremisten einschl. Skinheads 1.350 1.350 Sonstige 150 150 abz\u00fcglich Doppelmitgliedschaften* -430 -530 Gesamt 3.620 3.470 Linkssextremismus 2013 2014 Gewaltorientierte Linksextremisten einschl. Autonome 780 780 DKP 1.200 800 MLPD 650 650 Gesamt 2.630 2.230 Ausl\u00e4nderextremismus 2013 2014 AD\u00dcTDF 2.000 2.000 DHKP-C 200 200 KONGRA-GEL bzw. PKK 2.200 2.200 LTTE 300 300 Gesamt 4.700 4.700 Islamismus 2013 2014 Salafistische Bestrebungen 1.500 1.900 HAMAS 70 65 Hizb Allah 350 100 Hizb ut-Tahrir 70 35 Kalifatsstaat 350 220 Muslimbruderschaft** 320 65 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil)** 8.000 250 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung - 70 T\u00fcrkische Hizbullah 60 100 Gesamt 10.790 2.805 * Einzelne Personen k\u00f6nnen gleichzeitig zwei Organisationen oder Gruppierungen zugerechnet werden. Die Mitglieder der Partei Die Rechte werden weiterhin als Neonazis gez\u00e4hlt. ** R\u00fcckgang durch Neubewertung der Bewegung oder von Teilen der Bewegung. 36 ExtrEmiismus in ZahlEn Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Rechtsextremismus RechtsextRemismus 37 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Rechtsextremismus 37 NPD ...................................................................................................................................... 40 B\u00fcrgerbewegung Pro NRW und Pro K\u00f6ln e.V ...................................................................... 48 Die Rechte ............................................................................................................................ 54 Der III. Weg .......................................................................................................................... 66 Neonazis............................................................................................................................... 68 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten ............................................................................. 72 Rechtsextremismus im Internet ............................................................................................ 78 Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen konnten die rechtsextremistischen Parteien bis auf die NPD geringf\u00fcgig hinzugewinnen. Thematisch konzentrieren sich alle rechtsextremistischen Parteien auf die Diffamierung von Muslimen, Asylbewerbern sowie Sinti und Roma. Rechtsextremisten beteiligten sich an den HoGeSa und PEGIDA-Veranstaltungen in NordrheinWestfalen und steuern diese sogar zum Teil. Die anhaltende F\u00fchrungskrise der NPD und der damit verbundene Richtungsstreit l\u00e4hmten die Partei weitgehend. Zudem verunsicherte das schwebende Parteiverbotsverfahren Teile der Partei. Im Berichtsjahr verzeichnete die NPD eine weitere Stagnation bei der Mitgliederentwicklung. Bei den aktiven Kreisverb\u00e4nden ist die Zahl weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. W\u00e4hrend die NPD vor rund f\u00fcnf Jahren \u00fcber fast 30 Kreisverb\u00e4nde verf\u00fcgte, sind es aktuell weniger als 20. Hinzu kommt das ambivalente Verh\u00e4ltnis zur Neonazi-Szene, welches zwischen Kooperation und Konflikt schwankt. Dabei ist die NPD auf die Unterst\u00fctzung der Neonazis gerade bei Wahlk\u00e4mpfen zwingend angewiesen. Zudem nimmt die Konkurrenz im rechtsextremistischen Parteienlager in Nordrhein-Westfalen zu, was die Erringung von Mandaten und die \u00dcberwindung der jeweiligen H\u00fcrden f\u00fcr die staatliche Parteienfinanzierung erschwert. Die Pro-Bewegung setzte ihre diffamierenden Kampagnen gegen Minderheiten im Kommunalund Europawahlkampf fort. Obschon Pro NRW sich bei den Kommunalwahlen 2014 von 45 auf 65 Mandate in den R\u00e4ten und Bezirksvertretungen verbesserte, blieben die Ergebnisse bei den Wahlen weit hinter den eigenen Anspr\u00fcchen zur\u00fcck. Auch die anhaltenden internen, \u00fcberwie38 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","gend pers\u00f6nlichen Konflikte l\u00e4hmen die Partei. Zahlreiche Parteiaustritte und die mangelnde Mobilisierbarkeit der eigenen Anh\u00e4nger hemmen die Handlungsf\u00e4higkeit. Alle diese Gr\u00fcnde haben dazu beigetragen, dass der langj\u00e4hrige Versuch der Bildung einer Allianz von ideologisch \u00e4hnlichen Organisationen auf Bundesebene unter der F\u00fchrung von Pro NRW gescheitert ist. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Partei Die Rechte dominiert innerhalb der Gesamtpartei inhaltlich, personell und durch seine Vielzahl an Aktivit\u00e4ten. Seine aktiven Kreisverb\u00e4nde stellten sowohl in ideologischer und personeller Hinsicht als auch bez\u00fcglich seiner Aktivit\u00e4ten eine Weiterf\u00fchrung der verbotenen Kameradschaften dar. Dies gilt insbesondere f\u00fcr den hochaktiven Dortmunder Kreisverband, der sich im Laufe des Jahres stetig aggressiver zeigte. Dies \u00e4u\u00dferte sich in Einsch\u00fcchterungsversuchen von B\u00fcrgern, Journalisten, Beamten und Politikern. Um das Parteienprivileg zu sichern, nimmt Die Rechte pro Forma einige parteitypische Aktivit\u00e4ten auf. Dies geschieht beispielsweise durch die Teilnahme an Wahlen und die Arbeit in den Stadtr\u00e4ten in Dortmund und Hamm. Die relativen Erfolge der Partei Die Rechte gehen zu Lasten der NPD. So sind bereits einige Personen von der NPD zu Die Rechte gewechselt, um einem m\u00f6glichen Verbot der NPD zu entgehen oder weil sie aus Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Kurs der NPD ohnehin nach einer radikaleren Variante suchten. Der wichtigste Teil der Neonazi-Szene hat sich in der Partei Die Rechte reorganisiert und die vormals klare Trennung zwischen parlamentsorientierten und aktionsorientierten Rechtsextremisten verwischt. Gleichwohl ist eine Kontinuit\u00e4t der Ideologie und Gewaltbereitschaft zu konstatieren. Allerdings schafft es die Neonazi-Szene kaum noch, eigene gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4ten zu initiieren. Stattdessen ist sie inzwischen als Mobilisierungspotenzial der Partei Die Rechte zu begreifen. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. RechtsextRemismus 39 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","NPD Sitz / Verbreitung Sitz des Bundesverbandes: Berlin; Sitz des Landesverbandes: Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1964 (Bundes und Landesverband NRW) Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Udo Past\u00f6rs (Januar 2014 bis November 2014), ab November 2014 Frank Franz; Landesvorsitzender: Claus Cremer (seit Juni 2008); wenige handlungsf\u00e4hige Kreisverb\u00e4nde; insgesamt 16 Ratsund Bezirksvertretungsmandate in NordrheinWestfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: ca. 5.200 Land: ca. 600 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Zeitung des Bundesverbandes Deutsche Stimme (DS) (monatlich) als Printversion; Online-Zeitschrift des Landesverband Blickpunkt (quartalsweise); diverse lokale Publikationen einzelner Kreisverb\u00e4nde (meist unregelm\u00e4\u00dfig) Web-Angebote: mit www.npd.de oder www.npd-nrw.de nahezu fl\u00e4chendeckend eigene Webseiten auf allen organisatorischen Ebenen sowie in den sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ist eine rechtsextremistische Partei, die die Demokratie in Deutschland beseitigen will und stattdessen f\u00fcr eine rassistische, antisemitische, revisionistische und fremdenfeindliche Ideologie eintritt. Vielfach bezieht sich die Partei dabei auf die Ideologie der NSDAP. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele auch in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Dies zeigt nicht zuletzt ihre enge Zusammenarbeit mit der gewaltbereiten Neonazi-Szene. Finanzierung Staatliche Parteienfinanzierung, Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden 40 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die NPD lehnt die freiheitliche Demokratie in Deutschland ab und will diese beseitigen. Dies betrifft auch einzelne wesentliche Prinzipien und Grundwerte unserer Verfassung. So negiert die Partei die im Grundgesetz vertretene Idee, dass jeder Mensch als Individuum und ohne Vorbedingungen eine W\u00fcrde besitzt. Die NPD spricht Menschen nur eine W\u00fcrde als Teil eines nationalen Kollektivs zu. Die von der NPD verfolgten rechtsextremistischen Ziele laufen auf einen anderen Staat hinaus, in dem die Prinzipien der durch das Grundgesetz garantierten freiheitlichen demokratischen Grundordnung ganz oder teilweise au\u00dfer Kraft gesetzt werden sollen. Stattdessen verfolgt die NPD eine rechtsextremistische Ideologie, die sich vor allem durch Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auszeichnet. Die Ablehnung von Ausl\u00e4ndern und Deutschen mit Migrationshintergrund begr\u00fcndet die NPD \"biologisch\", das hei\u00dft, dass sie die Gleichheit aller Der NPD Kreisverband Menschen als allgemeines Unna/Hamm propagiert Menschenrecht nach Art. 3 auf seiner Facebook-Seite des Grundgesetzes ablehnt unverhohlen Rassismus und diese demgegen\u00fcber in \"Rassen\" einteilt. Was darunter zu verstehen ist, wird unter dem entsprechenden Schlagwort auf der Homepage der NPD unter \"A-Z\" erl\u00e4utert. Zum Stichwort \"Rasse\" erkl\u00e4rt die NPD dort: \"Die Menschheit wird in drei Gro\u00dfRassen eingeteilt [...]. Die europ\u00e4ische Gro\u00dfrasse wird im Allgemeinen in folgende Unterrassen gegliedert [...]. Rassen entstehen durch Mutation, Isolation und Auslese\". Hier zeigt sich einmal mehr die ideologische N\u00e4he der NPD zum Nationalsozialismus, zumal der als \"bedeutender Anthropologe\" zitierte Autor Hans F. K. G\u00fcnther nicht irgendein Wissenschaftler, sondern der \"Rasse\"-Ideologe des NS-Regimes war. Neben der allgemeinen Hetze gegen Migranten sind insbesondere Muslime Opfer der NPDPropaganda. Indem die NPD \u00dcberfremdungs\u00e4ngste sch\u00fcrt und den Islam mit Islamismus und Terrorismus gleichsetzt, zeichnet die NPD ein verzerrtes, negatives Bild der hier lebenden Muslime. Auch die Terroranschl\u00e4ge von Paris am 7. Januar 2015 instrumentalisierte die NPD f\u00fcr ihre Kampagne gegen Muslime. So hei\u00dft es in einer vom Bundesverband der NPD ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme, die der Landesverband Nordrhein-Westfalen auf seinem Facebook-Profil am 7. Januar 2015 verbreitete: \"Der Islam ist keine Bereicherung, sondern eine Bedrohung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland und Europa\". RechtsextRemismus 41 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Mit Berichten \u00fcber einen starken Zuzug von Sinti und Roma und einer durch Pro NRW initiierten Hetzkampagne entdeckte die NPD bereits im Jahr 2013 ein vermeintlich erfolgstr\u00e4chtiges Thema f\u00fcr eine weitere Kampagne \"Zigeunerflut stoppen! Kriminalit\u00e4t bek\u00e4mpfen!!\". Mit \u00dcberschriften wie > \"Deutsche Kinder und Rentner an der Armutsgrenze, Zigeuner im Siebten Himmel\" > \"Zigeunerflut: Gutmenschenund Systemschreiberlinge schlagen Alarm\" > \"Sintiund Romaproblematik: Kinderhandel - ein lukratives Gesch\u00e4ftsmodell?\" > \"Duisburger und Wuppertaler Zigeunerbande bereicherte viele Gemeinden in NRW\" > \"Duisburg: Unz\u00e4hlige Zigeunerkinder h\u00f6chst kriminell!!\" werden \u00c4ngste und Ressentiments in der Bev\u00f6lkerung gesch\u00fcrt und Sinti und Roma dabei pauschal als skrupellose Schwerstkriminelle verunglimpft. Obwohl die NPD soziale Themen und die \"Bedrohung durch den Islam\" in den Vordergrund r\u00fcckt, weicht sie auch nicht von ihren \"traditionellen\" antisemitischen und revisionistischen Positionen ab. Es werden nicht nur plumpe antisemitische \u00c4u\u00dferungen wiedergegeben, sondern auch der Holocaust oder die Zahl der Opfer bezweifelt und die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geleugnet. Die NPD glorifiziert in Beitr\u00e4gen der Deutschen Stimme den historischen Nationalsozialismus und stellt sich selbst in die N\u00e4he zu rechtskr\u00e4ftig verurteilten Verbrechern des NS-Regimes. Angesichts der vielfachen Bez\u00fcge auf die Ideologie der NSDAP gibt es eine inhaltliche Wesensverwandtschaft der NPD mit dem Nationalsozialismus. Die Partei verfolgt ihre verfassungsfeindlichen Ziele auch in einer aggressiv-k\u00e4mpferischen Weise. Dies zeigt nicht zuletzt ihre Zusammenarbeit mit der gewaltbereiten Neonazi-Szene sowie gewaltbereiten Hooligans. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Fremdenfeindlichkeit zeigte sich im Jahr 2014 insbesondere in der Kampagne gegen Asylbewerber, die pauschal als kriminell oder \"Sozialschmarotzer\" diffamiert wurden. Negative Folgen werden von der NPD ma\u00dflos \u00fcbertrieben und so Angst sowie Neid gegen\u00fcber Asylbewerbern 42 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","gesch\u00fcrt. So hie\u00df es in einer Stellungnahme auf dem Facebook-Profil des Landesverbandes am 9. Januar 2014: \"Seit Monaten wird unser Land von einer (Schein)Asylantenwelle \u00fcberrollt, wie es sie seit Jahrzehnten nicht gegeben hat. Schulen werden geschlossen und Asylantenwohnheime umgebaut, Problemh\u00e4user schie\u00dfen vielerorts wie Pilze aus dem Boden, in den St\u00e4dten des Ruhrgebietes habe sich sog. 'Arbeiterstriche' etabliert, die Gewalt gegen Deutsche nimmt zu, die Prostitution in den Ballungszentren steigt und das deutsche (!!) Sozialsystem \u00e4chzt unter der zus\u00e4tzlichen Belastung\". Auf Plakaten schlug sich dies in Slogans wie \"Asylantenheim? Nein Danke\" nieder. Wahlplakate der NPD aus verschiedenen St\u00e4dten RechtsextRemismus 43 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Europaund Kommunalwahl 2014 Mit dem Wegfall der 5%-H\u00fcrde bei der Europawahl hatte sich die NPD gute Chancen auf zwei bzw. drei Mandate ausgerechnet. Dazu h\u00e4tte sie jedoch ihren Stimmenanteil aus der Bundestagswahl 2013 mindestens wieder erzielen m\u00fcssen. Mit nur 1% der Stimmen und nur einem Mandat f\u00fcr den ehemaligen Parteivorsitzenden Udo Voigt war das Ergebnis f\u00fcr die Partei eine Ern\u00fcchterung. Auch die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen verlief f\u00fcr die NPD entt\u00e4uschend. Gegen\u00fcber der letzten Kommunalwahl 2009 verlor sie rund ein Drittel ihrer Mandate und fiel ann\u00e4hernd auf den Stand von 2004 zur\u00fcck. In Dortmund b\u00fc\u00dfte sie den Gruppenstatus ein, was mit dem Verlust erheblicher finanzieller Zuwendungen verbunden ist. Gro\u00dfe Einbu\u00dfen erlitt die Partei vor allem in den kreisangeh\u00f6rigen St\u00e4dten, in denen sie die H\u00e4lfte ihrer Mandate verlor. Wahlmaterial der NPD Die NPD in Kommunalparlamenten Obwohl die NPD immer noch in 16 kommunalen Parlamenten sitzt, gehen von den Mandatstr\u00e4gern weder parteiintern noch nach au\u00dfen nennenswerte Impulse aus. Dies liegt zum einen an einer weitgehenden politischen Isolation der Rechtsextremisten und zum anderen an fehlender Kompetenz der meisten gew\u00e4hlten NPD-Vertreter. Deren Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich zumeist auf das nur begrenzt \u00f6ffentlichkeitswirksame Stellen von eigenen Antr\u00e4gen beziehungsweise Anfragen, die man eher als \"Signalantr\u00e4ge\" bezeichnen muss. Diese erf\u00fcllen den Zweck der Selbstdarstellung gegen\u00fcber den eigenen Parteimitgliedern. Allein die Sitzungsgelder und Aufwandspauschalen machen die Teilnahme an der Kommunalpolitik f\u00fcr die NPD in NordrheinWestfalen attraktiv. 44 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Feste und Liederabende der NPD Die NPD in Nordrhein-Westfalen kann mit ihren Angeboten keine Personen au\u00dferhalb des eigenen Mitgliederpotenzials erreichen. Die vom Landesverband und einigen wenigen Kreisverb\u00e4nden durchgef\u00fchrten Grillabende, Sommerund Sommersonnenwendbzw. Wintersonnenwendfeste finden durchweg nur im eigenen Sympathisantenkreis - quasi unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit - statt. Im Gegensatz zu anderen Landesverb\u00e4nden organisiert die NPD in Nordrhein-Westfalen auch keine Skinhead-Konzerte sondern allenfalls rechtsextremistische Liederoder Balladenabende. Ein gr\u00f6\u00dferer Personenkreis wird dabei in der Regel nicht angesprochen. Parteitage Der 41. ordentliche Landesparteitag des NPD Landesverbandes Nordrhein-Westfalen am 28. September 2014 in der Landesgesch\u00e4ftsstelle in Essen verlief unspektakul\u00e4r und endete mit der Best\u00e4tigung des seit 2008 amtierenden Landesvorsitzenden Claus Cremer. Auf den \u00fcbrigen Vorstandsposten gab es nur wenige \u00c4nderungen, was auch den quantitativen und qualitativen Personalproblemen der Partei geschuldet ist. Wesentlich mehr Interesse verursachten die zwei Bundesparteitage in 2014. Am 18. Januar 2014 fand in Kirchheim der au\u00dferordentliche Bundesparteitag zur Aufstellung der Kandidaten zur Europawahl statt. Hier musste der frisch gew\u00e4hlte Parteivorsitzende Udo Past\u00f6rs eine herbe Niederlage einstecken, als er in einer Kampfkandidatur um Platz 1 gegen den langj\u00e4hrigen ehemaligen Parteivorsitzenden Udo Voigt unterlag. F\u00fcr einen der nachfolgenden Listenpl\u00e4tze verzichtete er auf eine Kandidatur. Diese Niederlage d\u00fcrfte ma\u00dfgeblich auch zum R\u00fcckzug von Udo Past\u00f6rs aus dem Bundesvorstand und dem Verzicht auf eine erneute Kandidatur f\u00fcr das Amt des NPD-Parteivorsitzenden beigetragen haben. Auf dem ordentlichen Bundesparteitag am 2. November 2014 in Weinheim wurde der ehemalige saarl\u00e4ndische NPD-Vorsitzende und Bundespressesprecher Frank Franz gew\u00e4hlt, der der Partei ein \"modernes Erscheinungsbild\" geben will. Innerparteilich hat Franz keine Hausmacht und gilt als vergleichsweise schwach. Zudem ist den meisten Parteimitgliedern bewusst, dass man sich keine weiteren zerm\u00fcrbenden F\u00fchrungsk\u00e4mpfe leisten kann. Demos / Infost\u00e4nde Im Gegensatz zur deutlich aktionsorientierteren Neonazi-Szene hat die NPD in Nordrhein-Westfalen kaum gr\u00f6\u00dfere Demonstrationen durchgef\u00fchrt. Eine zu Beginn noch als regionale Gro\u00dfdemonstration mit Unterst\u00fctzung des Bundesparteivorstandes angek\u00fcndigte Veranstaltung am 1. Mai 2014 in Duisburg geriet nicht zuletzt durch konkurrierende rechtsextremistische Demonstrationen zum Fiasko. Weniger als 100 Teilnehmer nahmen teil. Damit zeigt sich die Mobilisierungsschw\u00e4che der NPD in Nordrhein-Westfalen, die aus eigener Kraft ohne die Unterst\u00fctzung der Neonazi-Szene keine gro\u00dfe Demonstration mehr durchf\u00fchren kann. So kamen am 25. OktoRechtsextRemismus 45 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","ber 2014 zu drei nacheinander in Bochum, Essen und Duisburg durchgef\u00fchrten Kundgebungen, in denen die Partei gegen Asylbewerber agitierte, maximal 20 Zuh\u00f6rer. Unterst\u00fctzung von HoGeSa und PEGIDA durch NPD Offenbar in Erkenntnis der eigenen Mobilisierungsschw\u00e4che und getrieben von dem Versuch, die eigene Propaganda in irgendeiner Weise in breitere gesellschaftliche Schichten zu tragen, hat die NPD auch zur Teilnahme an den Demonstrationen der HoGeSa (Hooligans gegen Salafisten) und anderer gleichgesinnter Gruppierungen aufgerufen. In dem Aufruf des NPD-Landesvorsitzenden bei Facebook hei\u00dft es: \"Man muss kein Freund von Hooligans sein und sicherlich auch nicht jede ihrer Aktionen im Fu\u00dfballumfeld guthei\u00dfen, aber ich finde es unterst\u00fctzenswert, dass sich Menschen \u00fcber Organisationsgrenzen hinaus zusammenfinden um gegen die gef\u00e4hrliche Islamisierung unserer Heimat zu protestieren\". An der HoGeSa-Demonstration am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln haben auch Funktion\u00e4re der NPD teilgenommen. Dort war es zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Eine \u00f6ffentliche Distanzierung von den Gewaltexzessen gab es von der NPD nicht. Ebenfalls nahmen einige Funktion\u00e4re der NPD an den Demonstrationen der lokalen PEGIDAAbleger in D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, Bonn und Duisburg teil. Auf der Facebook-Seite des NPD Landesverbandes Nordrhein-Westfalen hie\u00df es dazu: \"Der berechtigte B\u00fcrgerprotest gegen die zunehmende Islamisierung bzw. \u00dcberfremdung unserer Heimat wurde auch in K\u00f6ln von etlichen picture alliance / JOKER 46 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Vertretern der nationalen Opposition an Rhein und Ruhr unterst\u00fctzt und auch die NPD war mit einer Abordnung vertreten\". Angesichts der mangelnden Resonanz bei eigenen Veranstaltungen versucht die NPD bei HoGeSaund PEGIDA-Veranstaltungen Anschluss an eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit zu finden, welche fremdenfeindliche Positionen nicht ausgrenzt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die anhaltende F\u00fchrungskrise der NPD, der Verschlei\u00df von drei Bundesparteivorsitzenden innerhalb von wenigen Jahren und der damit verbundene Richtungsstreit haben die Partei weitgehend gel\u00e4hmt. Hinzu kommt das schwebende Parteiverbotsverfahren, das Teile der Partei verunsichert hat. In dieser Situation schwankt die NPD zwischen zwei Positionen, die auch die beiden wichtigsten Str\u00f6mungen innerhalb der Partei darstellen: Zum einen die \"Modernisierer\" um den amtierenden Parteivorsitzenden Frank Franz, die sich st\u00e4rker b\u00fcrgerlich pr\u00e4sentieren wollen. Und zum anderen die \"Traditionalisten\", die \u00fcber gute und enge Kontakte zur NeonaziSzene verf\u00fcgen. Im Berichtsjahr verzeichnete die NPD eine weitere Stagnation bei der Mitgliederentwicklung. Auch bei den aktiven Kreisverb\u00e4nden ist die Zahl weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. W\u00e4hrend die NPD in Nordrhein-Westfalen vor rund f\u00fcnf Jahren \u00fcber fast 30 Kreisverb\u00e4nde verf\u00fcgte, sind es aktuell weniger als 20. Allein in den Regierungsbezirken M\u00fcnster und Detmold deckt jeweils ein einzelner Kreisverband den gesamten Regierungsbezirk ab. Damit kann die NPD keinen Wahlkampf f\u00fchren und ist in diesen Gebieten kaum aktionsf\u00e4hig. Die Krise der NPD hat sich im Berichtsjahr weiter versch\u00e4rft. Einerseits sind schwindende Mitgliederzahlen, sich aufl\u00f6sende Kreisverb\u00e4nde und der Verlust der wichtigen Landtagsfraktion in Sachsen zu verzeichnen, andererseits nimmt die Konkurrenz im rechtsextremistischen Parteienlager zu. Ohne die B\u00fcndnispartner aus der Neonazi-Szene ist die NPD jedoch nicht mehr aktionsf\u00e4hig, so dass sie dieses Feld weitgehend anderen Organisationen \u00fcberl\u00e4sst. Im Landesverband Nordrhein-Westfalen gibt es dar\u00fcber hinaus auch strukturelle Probleme. Ganze Kreisverb\u00e4nde l\u00f6sen sich auf. Hinzu kommt das ambivalente Verh\u00e4ltnis zur Neonazi-Szene, welches zwischen Kooperation und Konflikt schwankt. Dabei ist die NPD auf die Unterst\u00fctzung der Neonazis gerade bei Wahlk\u00e4mpfen zwingend angewiesen. Die Zersplitterung des rechtsextremistischen Parteienspektrums d\u00fcrfte dazu beitragen, dass den Parteien die Teilhabe an der staatlichen Parteienfinanzierung erschwert wird, weil deshalb wom\u00f6glich keine rechtsextremistische Partei die ma\u00dfgeblichen H\u00fcrden bei den jeweiligen Wahlen \u00fcberschreitet. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_npd RechtsextRemismus 47 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","B\u00fcrgerbewegung Pro NRW und Pro K\u00f6ln e.V Sitz / Verbreitung Pro NRW: D\u00fcsseldorf Pro K\u00f6ln: K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit Pro K\u00f6ln e.V.: 1996; die Partei Pro NRW: 2007 Struktur / Repr\u00e4sentanz Vorsitzender von Pro NRW ist seit Gr\u00fcndung Markus Beisicht; Gliederung in acht Bezirksverb\u00e4nde mit 53 angeschlossenen Kreisverb\u00e4nden; in weniger als 15 Kommunen funktionsf\u00e4hige Kreisverb\u00e4nde; regionaler Schwerpunkt in der Rheinschiene und dem Ruhrgebiet Wechsel des Vorsitzes von Pro K\u00f6ln in 2014 von Markus Beisicht zu Michael Gabel; trotz organisatorischer Eigenst\u00e4ndigkeit des Vereins faktisch herausgehobener Kreisverband mit identischer Programmatik; 65 Mandate in R\u00e4ten und Bezirksvertretungen gewonnen, inzwischen nur noch 64 Mandate Mitglieder / Anh\u00e4nger / Insgesamt circa 950 Mitglieder Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: PRO NRW - Informationen der B\u00fcrgerbewegung pro NRW, PRO K\u00d6LN - Informationen der Fraktion pro K\u00f6ln im Rat der Stadt K\u00f6ln und anlassbezogene Flugund Faltbl\u00e4tter Web-Angebote: pro-koeln.org (Pro K\u00f6ln), pro-nrw.net (Pro NRW) und Facebook-Profile Kurzportrait / Ziele Bereits 1996 gegr\u00fcndet, erzielte Pro K\u00f6ln erstmals bei der Kommunalwahl 2004 Mandate im Rat der Stadt K\u00f6ln und ist bis heute dort vertreten. Bei Pro NRW handelt es sich um den Versuch einer landesweiten Ausdehnung dieser zun\u00e4chst lokalen Struktur mit den gleichen inhaltlichen Ans\u00e4tzen, gleichgelagerter Strategie und zum Teil identischem F\u00fchrungspersonal. Beide Gruppierungen entstanden im Wesentlichen auf Betreiben ehemaliger Funktion\u00e4re und Mitglieder der ebenfalls dem rechtsextremistischen Spektrum zuzurechnenden \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" 48 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","sowie der Partei Die Republikaner (REP), die bis 2007 vom Verfassungsschutz beobachtet wurde. Inhaltlich zeichnen sich Pro NRW und Pro K\u00f6ln durch eine fremdenfeindliche Politik aus, die sich vor allem gegen Muslime, Asylbewerber sowie Sinti und Roma richtet. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Vorsitzende von Pro NRW, ein Teil des Vorstandes und Teile der Mitglieder kommen aus rechtsextremistischen Parteien oder Organisationen. Pro NRW und Pro K\u00f6ln missachten mit ihren Aussagen und Forderungen die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot. Minderheiten werden wegen ihrer Nationalit\u00e4t, ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit oder Religionszugeh\u00f6rigkeit pauschal herabgesetzt und diffamiert. Im Fokus stehen fast ausschlie\u00dflich Muslime, Asylbewerber sowie Sinti und Roma. Die Angeh\u00f6rigen dieser Gruppen werden als unerw\u00fcnschte, nicht integrierbare Menschen zweiter Klasse dargestellt. Mit dieser Art der Darstellung sch\u00fcren Pro NRW und Pro K\u00f6ln Ablehnung und versuchen diffuse \u00c4ngste in Teilen der Bev\u00f6lkerung aufzugreifen und zu instrumentalisieren. Mit herabw\u00fcrdigenden Stereotypen zeichnen die Organisationen ein Bedrohungsszenario, f\u00fcr das sie einseitig die genannten Bev\u00f6lkerungsgruppen verantwortlich machen. Wortwahl und Argumentationsmuster lassen ein Menschenbild deutlich werden, das mit dem Grundgesetz nicht vereinbar ist. Den inhaltlichen Schwerpunkt von Pro NRW und Pro K\u00f6ln bildet die Fremdenfeindlichkeit. Sie stellen bestimmte Minderheiten als fremd und nicht integrierbar dar. Begr\u00fcndet wird dies mit pauschalen negativen Zuschreibungen, die genutzt werden, um Vorurteile zu sch\u00fcren, Konflikte zu dramatisieren und diese Gruppen als S\u00fcndenbock f\u00fcr komplexe gesellschaftliche Probleme zu stigmatisieren. Demgegen\u00fcber wird die Mehrheitsgesellschaft als ausschlie\u00dflich positiv skizziert. Damit konstruieren sie einen Freund-Feind-Gegensatz, mit dem sie Ausgrenzung alles vermeintlich Fremden legitimieren. Dies beinhaltet auch, den Angeh\u00f6rigen vorgeblicher fremder Gruppen ihre Menschenrechte abzusprechen. So \u00e4u\u00dferte sich der Parteivorsitzende Markus Beisicht am 10. Februar 2014 folgenderma\u00dfen: \"Wir werden derzeit ja regelrecht \u00fcberflutet von Scheinasylanten und Armutsmigranten, die zum Dank auch noch h\u00e4ufig unsere einheimischen Wertund Rechtsvorstellungen ablehnen und bek\u00e4mpfen\". RechtsextRemismus 49 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Eine besondere Form der Fremdenfeindlichkeit stellt die Islamfeindlichkeit dar. So ist der Schwerpunkt der Kampagnen von Pro NRW und Pro K\u00f6ln strategisch darauf angelegt, Vorurteile \u00fcber Muslime zu verbreiten, um \u00c4ngste zu wecken oder zu verst\u00e4rken. Dabei wird bewusst nicht zwischen dem Islam als Religion und dem Islamismus als extremistischer Str\u00f6mung unterschieden und somit Muslime pauschal als potenzielle Kriminelle und Terroristen verunglimpft und eine Bev\u00f6lkerungsgruppe als Bedrohung stigmatisiert. So verbreitet Pro NRW auf seinem Facebook-Profil am 8. Januar 2015 nach dem Anschlag auf die Redaktion von \"Charlie Hebdo\": \"Sowohl bei der Landtagswahl 2012 als auch bei den Kommunalwahlen 2014 in NRW haben wir bereits auf die Gefahren des Islam aufmerksam gemacht. Der islamische Anschlag auf die Redaktion von 'Charlie Hebdo' war nicht der erste und wird auch leider nicht der letzte sein. Hass und Tod kommen direkt aus dem Koran und sind untrennbar mit der reinen Lehre des Islam verbunden\". Seit 2013 r\u00fccken auch andere Minderheiten verst\u00e4rkt in den Fokus einer diffamierenden Propaganda. Mit dem Anstieg der Asylbewerber in Deutschland begannen Pro NRW und Pro K\u00f6ln mit Angstkampagnen vor geplanten Asylbewerberunterk\u00fcnften. Sie versuchen latente Sorgen und Vorurteile in der Anwohnerschaft zu sch\u00fcren, indem sie Asylbewerber generell als dreckig und kriminell darstellen. Weiterhin wird die Gruppe der Sinti und Roma als grunds\u00e4tzlich kriminell und nicht integrierbar dargestellt. Mittels gezielter Kampagnen und entsprechender Slogans, in denen fortlaufend vermeintlich unrechtm\u00e4\u00dfige oder ungerechtfertigte Sozialleistungen zu Lasten der Einheimischen thematisiert werden, sollen diffuse Sorgen um den sozialen Abstieg angesprochen und letztlich Angstund Hassgef\u00fchle gesch\u00fcrt werden. Auf einem Bild, das die Pro-Bewegung 2014 mehrfach auf ihren Facebook-Profilen verbreitete, lautet der Slogan: \"Lieber Geld f\u00fcr die Oma statt f\u00fcr Sinti und Roma!\" In ihrem urspr\u00fcnglich geplanten Wahlwerbespot zur Europawahl versuchte Pro NRW im Sinne ihrer fremdenfeindlichen Ideologie Muslime, Asylbewerber sowie Sinti und Roma in einer herabw\u00fcrdigenden Art und Weise darzustellen. Die Partei wollte den Eindruck erwecken, dass die Gruppen im M\u00fcll leben und potenziell kriminell seien. Nachdem die \u00f6ffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten die Ausstrahlung eines Parteiwerbespots von Pro NRW verweigert hatten, musste die Partei die entsprechende Filmsequenz nach einer Entscheidung des VG Berlin wegen volksverhetzender Inhalte zur\u00fcckziehen. In dem Beschluss des Verwaltungsgerichtes Berlin vom 28. Februar 2014 hei\u00dft es unter anderem: \"Die Antragstellerin [Pro NRW] greift durch den Werbefilm die Menschenw\u00fcrde der in Deutschland lebenden Ausl\u00e4nder an, insbesondere Asylbewerber, Muslime und Roma. Dieser Teil der Bev\u00f6lkerung wird von ihr b\u00f6swillig ver\u00e4chtlich gemacht. 50 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","[...] Die in dem Wahlwerbespot zum Ausdruck kommende Meinungs\u00e4u\u00dferung ist weiter auch geeignet den \u00f6ffentlichen Frieden zu gef\u00e4hrden. Eine solche Eignung liegt vor, wenn die \u00c4u\u00dferung die latent vorhandene Gewaltbereitschaft gegen\u00fcber Teilen der Bev\u00f6lkerung vertiefen kann.\" Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen best\u00e4tigte 2014 erneut durch seine Beschl\u00fcsse vom 20. und 21. Februar 2014 die erstinstanzlichen Entscheidungen des Verwaltungsgerichts D\u00fcsseldorf vom 28. Mai und 12. April 2013 sowohl in Bezug auf Pro NRW als auch in Bezug auf Pro K\u00f6ln. Pro NRW und Pro K\u00f6ln werden demnach zu Recht im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen erw\u00e4hnt, da sich ihre Agitation gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richtet. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bei der Kommunalwahl 2014 gelang Pro NRW beziehungsweise Pro K\u00f6ln der Einzug in 19 Kommunalvertretungen mit insgesamt 65 Mandatstr\u00e4gern. Obwohl die Partei damit nahezu \u00fcberall dort, wo sie antrat, Ratsmandate erringen konnte, verringerte sich der Stimmenanteil von 0,6% auf 0,5% der Gesamtstimmen. Damit verfehlte Pro NRW erneut deutlich das selbst vorgegebene Ziel einer landesweiten Verankerung im kommunalpolitischen Spektrum. Der Wahlkampf fokussierte sich neben der islamfeindlichen Kampagne auf die Abwertung und Ausgrenzung von Asylbewerbern sowie Sinti und Roma. Tragendes Element war hierbei die Kundgebungsserie \"Lichterketten gegen Armutszuwanderung, Asylmissbrauch und \u00dcberfremdung\" in 14 St\u00e4dten. Fraktionsst\u00e4rke erreichte Pro NRW 2014 lediglich in Bergheim, Duisburg, Gelsenkirchen, Pulheim und Radevormwald. In Wuppertal formierte die dortige Ratsgruppe von Pro NRW mit dem Mandatstr\u00e4ger der Partei Die Republikaner eine gemeinsame Fraktion, in Witten scheiterte hingegen eine Fraktionsbildung von Pro NRW an internen Querelen der Mandatare von Pro NRW selbst. Ende 2014 zerbrach die Fraktion des mit vier Ratsmandaten erfolgreichsten Kreisverbandes in Duisburg auf Grund interner Konflikte mit dem Landesvorstand. Gr\u00f6\u00dfter R\u00fcckschlag war jedoch der Einbruch von Pro K\u00f6ln von 5,4% der Stimmen in 2009 auf 2,6% unter Verlust des Fraktionsstatus und Reduzierung der Mandatstr\u00e4ger von f\u00fcnf auf zwei Personen im Stadtrat K\u00f6ln. Pro K\u00f6ln reagierte darauf mit einem kollektiven R\u00fccktritt des Vorstandes. RechtsextRemismus 51 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Bereits im Juni 2013 k\u00fcndigte Pro NRW ebenfalls eine Kandidatur zur Europawahl an. Das Wahlergebnis mit bundesweit 0,2% blieb deutlich hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Damit d\u00fcrfte die in der Vergangenheit durch Pro NRW reklamierte Meinungshoheit im Rahmen einer Sammlungsbewegung von rechtsextremistischen Parteien auf bundespolitischer Ebene langfristig gescheitert sein. Pro NRW strebt eine fl\u00e4chendeckende Ausbreitung in Nordrhein-Westfalen an. Tats\u00e4chlich ist sie in nur wenigen Kommunen mit aktiven Kreisverb\u00e4nden vertreten. Auch die Mandatstr\u00e4ger der Pro-Bewegung in den jeweiligen Kommunalparlamenten fallen nur selten damit auf, dass sie auf die Ratsarbeit Einfluss zu nehmen. Die Arbeit in den Kommunalvertretungen verfolgt eher das Ziel, Debatten mit Symbolcharakter zu f\u00fchren und weniger Sacharbeit vor Ort zu leisten. Gegen vier Mitglieder der ehemaligen Fraktion von Pro K\u00f6ln im Rat der Stadt wurde vor dem Landgericht K\u00f6ln Anklage wegen bandenm\u00e4\u00dfigen Betruges erhoben. Nach \u00dcberzeugung der Staatsanwaltschaft sollen die Angeklagten in zahlreichen F\u00e4llen \u00fcber einen mehrj\u00e4hrigen Zeitraum fingierte Abrechnungen f\u00fcr angebliche Fraktionsund Arbeitskreissitzungen eingereicht haben. Das Landgericht verurteilte den Hauptbeschuldigten, der zu diesem Zeitpunkt noch stellvertretender Parteivorsitzender von Pro NRW war, zu zwei Jahren und drei Monaten Haft und einer Geldstrafe. Zwei weitere Angeklagte, darunter der damalige Generalsekret\u00e4r von Pro NRW, erhielten ebenfalls Geldstrafen. Eine Angeklagte wurde freigesprochen. Im Dezember 2014 erfolgte die Neuwahl des Landesvorstandes von Pro NRW. Der Vorsitzende wurde wiedergew\u00e4hlt, trotz Wahlergebnissen, die hinter den eigenen Erwartungen blieben, fehlender inhaltlicher Diskussionen und eines allgemeinen Mitgliederr\u00fcckganges. Aufgrund des Strafverfahrens und der Wahlniederlage in K\u00f6ln schieden zahlreiche K\u00f6lner Vertreter aus dem Vorstand aus. Nunmehr repr\u00e4sentiert der aktuelle Vorstand auch den aktionsorientierten Fl\u00fcgel mit Verbindungen zu anderen rechtsextremistischen Gruppierungen. Nach dem R\u00fccktritt des gesamten Vorstandes von Pro K\u00f6ln um den Vorsitzenden Markus Beisicht wurden Personen aus der zweiten Reihe in den neuen Vorstand gew\u00e4hlt. Aufgrund einer mangelnden Diskussionskultur bei Pro NRW f\u00fchren interne Auseinandersetzungen immer wieder zum Austritt von Aktivisten. Im Herbst 2014 haben beispielsweise drei der vier Mandatstr\u00e4ger im Rat der Stadt Duisburg nach einem Zerw\u00fcrfnis mit dem Parteivortand ihren Parteiaustritt erkl\u00e4rt. Vorher beschimpfte und bedrohte der damalige Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Pro NRW den Duisburger Fraktionsvorsitzenden, der kurz danach aus der Partei austrat: \"Ich werde 52 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Dir so die H\u00f6lle hei\u00df machen, wie Du es noch nie in deinem Leben erlebt hast. [...] Ich warne dich. Ich mach dich platt\". Die PEGIDA-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen stellen sich als \u00fcberparteilich dar. Gleichwohl waren die Veranstaltungen in Bonn am 15. und 22. Dezember 2014 von einer Beisitzerin im Vorstand von Pro NRW organisiert und geleitet. Ferner traten der Generalsekret\u00e4r und ein weiteres Vorstandsmitglied als Redner bei diesen Veranstaltungen auf und zahlreiche weitere Pro NRW-Aktivisten waren als Teilnehmer anwesend. Hier versuchen die Pro-Aktivisten eine breitere \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr fremdenfeindliche und insbesondere islamfeindliche Themen herzustellen und dabei eine Stigmatisierung als rechtsextremistische Veranstaltung zu vermeiden, um auch ein Publikum anzusprechen, das sich zumindest in Teilen nicht von einer rechtsextremistischen Partei instrumentalisieren m\u00f6chte. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die in 2014 bei Pro NRW und Pro K\u00f6ln zu beobachtenden Entwicklungen sind von Stagnation und R\u00fcckschritt gepr\u00e4gt. Der Partei gelingt es weiterhin nicht, auf kommunaler Ebene zu einem relevanten politischen Akteur zu werden und gr\u00f6\u00dfere W\u00e4hlerschichten zu erreichen. Zudem verhindert der autokratische F\u00fchrungsstil des Parteivorsitzenden und des inneren Vorstandszirkels organisationsinterne Diskussionen und schreckt neue Mitglieder ab. Insoweit sind Pro NRW und Pro K\u00f6ln weiterhin von einem elit\u00e4ren F\u00fchrungszirkel und kleinem Aktivistenstamm abh\u00e4ngig. Angesichts des Mangels an personellen Ressourcen beschr\u00e4nken sich Pro NRW und Pro K\u00f6ln darauf, \u00fcber provokante Protestveranstaltungen gelegentlich eine gr\u00f6\u00dfere lokale \u00d6ffentlichkeit herzustellen. Vor allem setzen sie darauf, gesellschaftliche Konflikte fremdenfeindlich zuzuspitzen und mediengerecht zu inszenieren. Die fehlenden Erfolge bei den Europaund Kommunalwahlen, der Mangel an Inhalten und Personal sowie die auch 2014 anhaltenden internen, \u00fcberwiegend pers\u00f6nlichen Konflikte stehen dem Anspruch als Alternative zu den etablierten Parteien deutlich entgegen. Zahlreiche Parteiaustritte und die mangelnde Mobilisierbarkeit der eigenen Anh\u00e4nger verhindern langfristig den angestrebten Aufund Ausbau funktionsf\u00e4higer Strukturen. Alle diese Gr\u00fcnde haben dazu beigetragen, dass der langj\u00e4hrige Versuch der Bildung einer Allianz von ideologisch \u00e4hnlichen Organisationen auf Bundesebene unter der F\u00fchrung von Pro NRW gescheitert ist. Zudem haben die ehemals guten Kontakte zu anderen fremdenfeindlichen und rechtsextremistischen Parteien in Europa abgenommen. Die Partei wird dort nicht mehr als auf Augenh\u00f6he agierend wahrgenommen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_pro RechtsextRemismus 53 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Rechte Sitz / Verbreitung Bundesverband: Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) Landesverband: Dortmund Gr\u00fcndung / Bestehen seit Bundesverband: 27. Mai 2012 Landesverband: 15. September 2012 Struktur / Repr\u00e4sentanz Bundesvorsitzender: Christian Worch; Landesvorsitzender: Dennis Giemsch; insgesamt zwei Ratsmandate und vier Mandate in Bezirksvertretungen in Dortmund und Hamm Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: ca. 500 NRW: ca. 280 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Ver\u00f6ffentlichungen der Partei auf Bundesund Landesebene \u00fcberwiegend \u00fcber soziale Medien wie Facebook oder Twitter; Internetseite www.dortmundecho.org als Hauptsprachrohr des Landesverbandes beziehungsweise des Kreisverbandes Dortmund. Kurzportrait / Ziele Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Partei Die Rechte ist vor allem ein Sammelbecken von Neonazis, die aus den 2012 verbotenen Kameradschaften stammen. Die F\u00fchrung des Landesverbandes sowie der aktivsten Kreisverb\u00e4nden wurde von langj\u00e4hrigen Aktivisten \u00fcbernommen, die bereits F\u00fchrungsaufgaben in den damaligen Kameradschaften innehielten. Die Rechte beteiligt sich haupts\u00e4chlich an der Parteiendemokratie, um den vorteilhaften Parteienstatus zu erhalten. Ziel des Landesverbandes ist es, die bisherigen neonazistischen Aktivit\u00e4ten nunmehr im Schutz des sogenannten Parteienprivilegs aus Art. 21 GG zu betreiben und neonazistische Propaganda zu verbreiten. Die Partei Die Rechte zeichnet sich durch eine ideologische Wesensverwandtschaft zum Nationalsozialismus und aggressivk\u00e4mpferisches Auftreten auf. 54 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge der Parteimitglieder und Einnahmen aus von der Partei durchgef\u00fchrten Veranstaltungen wie Konzerten Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Die Rechte ist in struktureller Hinsicht ein Sammelbecken f\u00fcr Neonazis, ideologisch wesensverwandt mit dem Nationalsozialismus und tritt in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise auf. Dies trifft insbesondere auf den Landesverband Nordrhein-Westfalen zu, der den Bundesverband dominiert. Die Gr\u00fcndung des Landesverbandes erfolgte am 15. September 2012. Dies geschah als Reaktion auf das Verbot von neonazistischen Kameradschaften in Dortmund, Hamm und Aachen am 23. August 2012. Der Landesverband in Nordrhein-Westfalen stellt eine Auffangorganisation f\u00fcr einen wesentlichen Teil der verbotenen Kameradschaften dar. So setzt sich die F\u00fchrung des Landesverbandes aus den Anf\u00fchrern der verbotenen Kameradschaften Dortmund und Hamm zusammen. Die Kreisverb\u00e4nde in Dortmund, Hamm und Aachen sind in der F\u00fchrungsund Mitgliederstruktur weitgehend mit den verbotenen Kameradschaften in den jeweiligen Regionen identisch. Ein politisch-ideologischer Schwerpunkt der Partei Die Rechte ist die Fremdenfeindlichkeit. Das Parteiprogramm stellt einen Zusammenhang zwischen Migranten und dem Begehen von Straftaten her, um Migranten pauschal zu diskreditieren und fremdenfeindliche Vorurteile zu sch\u00fcren. Sozialleistungen, wie Kindergeld, das im Programm vorgeschlagene M\u00fcttergeld oder soziale Sicherungen von Arbeitnehmern, sollen nur Deutschen ausgezahlt werden. Diese fremdenfeindlichen Positionen greift auch der Kreisverband Dortmund in seinem Kommunalwahlprogramm auf, dass das Verh\u00e4ltnis zwischen einheimischer Bev\u00f6lkerung und Migranten als Freund-FeindRechtsextRemismus 55 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Konstellation darstellt, in der die einheimische Bev\u00f6lkerung bedr\u00e4ngt werde. Dabei ist die Thematisierung der Kriminalit\u00e4t von Migranten f\u00fcr die Partei Die Rechte nur ein Vehikel, um ihrer generellen Fremdenfeindlichkeit insbesondere auch gegen\u00fcber Sinti und Roma Ausdruck zu verleihen. Des Weiteren propagiert Die Rechte offen Rassismus auf ihren Demonstrationen mit Parolen wie: \"Wir sind wei\u00df, wir sind rot, f\u00fcr die Rasse in den Tod\". Den Rassismus vertreten sie im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie und verbinden ihn mit einem v\u00f6lkischen Nationalismus. So lautet eine weitere Parole auf mehreren Demonstrationen der Partei im Jahr 2014: \"Alles f\u00fcr Volk, Rasse und Nation.\" Auch die mittlerweile im Rechtsextremismus weit verbreitete islamfeindliche Kampagne greift auch Die Rechte auf. So f\u00fchrt sie gegen Moscheebauvorhaben in Hamm und Grevenbroich Kampagnen durch und versucht, \u00c4ngste gegen Muslime zu sch\u00fcren, indem sie sie mit religi\u00f6sen Extremisten und Terroristen gleichsetzt. Der Kreisverband Hamm spricht Muslimen gar mit \"Blut und Boden\"-Argumenten b\u00fcrgerliche Rechte ab: \"DIE RECHTE lehnt es kategorisch ab, dass islamische, vom Ausland finanzierte Organisationen \u00fcberhaupt in Deutschland Grund und Boden erwerben d\u00fcrfen. Das Recht zum Erwerb von Grundeigentum sollte an die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft gekn\u00fcpft sein, die sich wiederum an der ethnischen Abstammung zu orientieren hat.\" Die Rechte propagiert wiederkehrend Antisemitismus. Der Onlineversandhandel \"Antisem Versand\", den der stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen betreibt, bringt \u00fcber seine Webadresse \"antisem.it\" die antisemitische Einstellung provokativ zum Ausdruck. Zudem stellt das auf der Webseite verk\u00fcndete Motto \"antisem.it hat es nie gegeben\" eine zynische Persiflage auf die strafrechtlich verbotene Leugnung des Holocausts dar. Des Weiteren skandierten die Teilnehmer einer Veranstaltung der Partei Die Rechte am 21. Dezember 2014 unter anderem die Parole \"Antisemiten kann man nicht verbieten!\" und verh\u00f6hnten j\u00fcdische Opfer des Nationalsozialismus: \"Wer sitzt im Schrank? Anne Frank!\" Die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen verzerrt Die Rechte im Dortmunder Kommunalwahlprogramm als \"den Deutschen vielfach zugemutete einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung.\" Ebenfalls relativiert Die Rechte die Verbrechen, indem sie nur allgemein nationalsozialistisches Unrecht bedauert und im n\u00e4chsten Satz daran erinnert, \"dass schwere Kriegsverbrechen auch von den Siegerm\u00e4chten begangen wurden.\" Dies dient dazu, die systematischen Massenvernichtungen in Konzentrationslagern mit vermeintlichen Kriegsverbrechen anderer Staaten auf eine Stufe zu stellen. Dar\u00fcber hinaus bezieht sich Die Rechte positiv auf das nationalsozialistische Regime und stellt sich in deren Tradition. Auf Kundgebungen von Die Rechte skandieren die Teilnehmer \"Nationaler Sozialismus Jetzt\". Der urspr\u00fcngliche Spitzenkandidat f\u00fcr die Europawahl bekennt sich auf einer Rede am 18. Januar 2014 zum Nationalsozialismus, was er als Synthese auf Nationalismus und Sozialismus verbr\u00e4mt: \"Die an den ewigen Lebensgrunds\u00e4tzen ausgerichtete 56 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Weltanschauung, die Synthese aus Nationalismus und Sozialismus, brennt nach wie vor in der Brust der deutschen Menschen, die nicht bereit sind, die Zukunft ihres Volkes aufzugeben\". Der Kreisverband Dortmund fordert in seinem Kommunalwahlprogramm \"Volksgemeinschaft statt Ellbogengesellschaft\". Mit dem Begriff der Volksgemeinschaft kn\u00fcpft er an die gesellschaftspolitische Ideologie im Dritten Reich an, die eine ethnisch und politisch homogene Gemeinschaft bef\u00fcrwortete, in der die Rechte des Einzelnen nichts galten. Die Partei kn\u00fcpft auch symbolisch an den Nationalsozialismus an, so wurden beispielsweise f\u00fcr die Kommunalwahl \"25 Forderungen zur Dortmunder Kommunalwahl 2014\" als Reminiszenz an das 25-Punkte-Programm der NSDAP aufgestellt. Der Vorsitzende des Dortmunder Kreisverbandes sagte in einem Interview f\u00fcr die Fernsehsendung Spiegel-TV, dass er statt des zugeschriebenen Spitznamens \"SS-Siggi\" lieber \"SA-Siggi\" hei\u00dfen w\u00fcrde. Damit betont er seine \u00dcbereinstimmung mit dem Nationalsozialismus, verortet sich allerdings feinsinnig in der paramilit\u00e4rischen Schl\u00e4gertruppe der NSDAP. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen wird von militanten Neonazis dominiert, die in den vergangenen Jahren durch zahlreiche Gewalttaten auffielen. Nur um eine strafrechtliche Verfolgung zu vermeiden, beschr\u00e4nken sich inzwischen in der Partei organisierte Neonazis \u00fcberwiegend auf legale Aktionen. Trotz dieser taktischen Anpassung zeigt die Partei in zahlreichen Stellungnahmen und Aktionen ihre aggressiv-k\u00e4mpferische Haltung. Diese Haltung des Landesverbandes gr\u00fcndet auf einem Freund-Feind-Denken, nach dem politische Gegner Feinde sind, gegen die man alle zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel zur Bek\u00e4mpfung einzusetzen habe. Der Kreisverband Hamm ver\u00f6ffentlichte am 12. M\u00e4rz 2014 den Beitrag auf seiner Homepage: \"Die Politiker der etablierten Einwanderungsparteien sind nicht blo\u00df unsere politischen Gegner, sondern unsere Feinde. Sie sind Feinde des deutschen Volkes und m\u00fcssen genauso bezeichnet werden. Mit diesen Leuten haben wir nichts, aber auch gar nichts gemeinsam und wir werden alles daran setzen, diese Politikerkaste von ihrem Bonzenthron zu verjagen\". Die Partei Die Rechte versucht die von ihnen ausgemachten Feinde der Partei einzusch\u00fcchtern. Zu diesen politischen Gegnern z\u00e4hlen Politiker, Journalisten und B\u00fcrger, die sich kritisch mit der Partei Die Rechte besch\u00e4ftigen sowie Beamte, die im Sinne der wehrhaften Demokratie repressive Ma\u00dfnahmen gegen Neonazis veranlassen. Dabei formulieren die Parteiaktivisten die Bedrohungen meistens unterhalb der Grenze der Strafbarkeit. Zugleich sind die Einsch\u00fcchterungsversuche eindeutig genug, dass die Adressierten wissen, wie es gemeint ist. Bei den Demonstrationen setzt Die Rechte den aggressiven, auf Beherrschung des \u00f6ffentlichen Raumes RechtsextRemismus 57 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","gerichteten, aktionsorientierten Stil der Kundgebungen der verbotenen Kameradschaften fort. Die aggressiv-k\u00e4mpferische Einstellung der Parteimitglieder wird durch Rufe wie \"Linkes Gezeter, neun Millimeter\", \"Wir waschen unsere Stiefel mit dem Blut der Antifa\" und \"Ein Hammer, ein Stein, ins Arbeitslager rein\" bei zahlreichen Demonstrationen deutlich. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Bundesverband In Hamm veranstaltete der Bundesverband am 4. Juli 2014 seinen Bundesparteitag. Dass dieser vor allem durchgef\u00fchrt wurde, um den Parteienstatus formal zu festigen, zeigt der Bericht von der Partei Die Rechte: \"Da das Gesetz vorschreibt, da\u00df mindestens in jedem Kalenderjahr der Vorstand neu zu w\u00e4hlen ist, und da unsere Partei seit nunmehr etwas \u00fcber zwei Jahren besteht, war also eine solche Wahl f\u00e4llig\". Die Teilnehmer w\u00e4hlten den F\u00fchrungsaktivisten Christoph Drewer aus Dortmund zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Der Landesvorsitzende aus Nordrhein-Westfalen Giemsch sowie der Kreisvorsitzende aus Hamm wurden Beisitzer im Vorstand. Von einer politischen Aussprache auf dem Bundesparteitag berichtet die Partei nicht. \u00dcber den Bundesvorsitzenden k\u00fcndigte die Partei Die Rechte bereits 2013 an, an den Europawahlen teilzunehmen. Sie benannte einen einschl\u00e4gig bekannten Neonazi, der zum damaligen Zeitpunkt in Untersuchungshaft wegen mutma\u00dflicher Unterst\u00fctzung einer kriminellen Vereinigung sa\u00df, zum Spitzenkandidaten. In der Folgezeit gelang es der Partei jedoch nicht, die zum Wahlantritt n\u00f6tigen 4.000 Unterst\u00fctzungsunterschriften zu sammeln. Dies lag im Wesentlichen daran, dass sich kaum Parteimitglieder f\u00fcr diese Aufgabe engagierten. Infolgedessen trat die Partei nicht zur Europawahl an. An den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg 2014 nahm die Partei Die Rechte ebenfalls nicht teil, obwohl sie \u00fcber dortige Landesverb\u00e4nde verf\u00fcgte. In der Gesamtschau l\u00e4sst das Verhalten der Partei erhebliche Zweifel aufkommen, ob sie an der politischen Willensbildung insbesondere an der parlamentarischen Demokratie mitwirken will. Landesverband Nordrhein-Westfalen Der Landesverband Nordrhein-Westfalen f\u00fchrte seinen Landesparteitag am 11. Oktober 2014 durch. Die Mitglieder best\u00e4tigten den Landvorsitzenden Giemsch in seinem Amt. Insgesamt dominieren Aktivisten aus Dortmund und Hamm den Landesvorstand. Laut eigenem Bericht beendeten die Mitglieder den Parteitag mit dem Lied \"'Wenn alle untreu werden', welches den Geist verk\u00f6rpert, der f\u00fcr viele Aktivisten Ansporn im t\u00e4glichen politischen Kampf ist!\" Dieses Lied hatte im Nationalsozialismus f\u00fcr die SS eine identit\u00e4tsstiftende Funktion und wurde im SS-Liederbuch aufgef\u00fchrt. 58 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Giemsch verdeutlichte bei der Veranstaltung, dass der Landesverband keine politische Funktion habe, sondern lediglich eine Verwaltungseinheit sei. Dies zeigt, dass der Landesverband Nordrhein-Westfalen von Die Rechte eine politische Willensbildung auf Landesebene ablehnt. Dem entspricht es, dass der Landesverband auf seiner Webseite keine Beitr\u00e4ge zu politischen Themen ver\u00f6ffentlicht. Laut Giemsch seien die Kreisverb\u00e4nde die eigentlichen politischen Akteure, die autonom \u00fcber inhaltliche Belange und Aktivit\u00e4ten entscheiden. Diese Organisationsstruktur stellt den Versuch dar, die dezentrale Struktur der Neonazi-Szene in vormals lokalen Kameradschaften in eine Parteiorganisation zu \u00fcberf\u00fchren. Dass der Gro\u00dfteil der Aktivisten sich weiterhin nicht als Mitglied einer Partei versteht, die sich an der parlamentarischen Demokratie beteiligt, zeigt sich daran, dass lediglich drei von zehn Kreisverb\u00e4nden in Nordrhein-Westfalen versuchten an den Kommunalwahlen 2014 teilzunehmen. Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg Die gemeinsam agierenden Kreisverb\u00e4nde Aachen und Heinsberg f\u00fchrten am 29. M\u00e4rz 2014 in Aachen einen Fackelmarsch mit Kundgebungen mit circa 90 Teilnehmern durch. Neben fremdenfeindlichen Spr\u00fcchen skandierten die Teilnehmer die Parolen \"Aachen erwache\" und \"Rheinland erwache\". Damit ver\u00e4nderten sie die verbotene Losung der SA \"Deutschland erwache\" geringf\u00fcgig mit lokalem Bezug. Die Veranstaltung scheint als Ersatz f\u00fcr die in der Vergangenheit von der inzwischen verbotenen \"Kameradschaft Aachener Land\" am ersten Aprilwochenende in Stolberg durchgef\u00fchrten Veranstaltung zu fungieren. So riefen die Teilnehmer bezeichnenderweise \"Trotz Verbot sind wir nicht tot\". Thematisch schlie\u00dft die Kampagnenseite auf Facebook unter dem fremdenfeindlichen Slogan \"Multikultur t\u00f6tet\" an fr\u00fchere Versammlungen an. W\u00e4hrend der Vorsitzende des Wuppertaler Kreisverbandes als Redner ein Hitler-Zitat als Zitat des \"allergr\u00f6\u00dften Staatsmannes aller Zeiten\" ank\u00fcndigte, drohte ein Parteiaktivist aus Hamm demokratischen Politikern: \"Wenn eine andere Fahne \u00fcber dem Reichstag weht, wer wei\u00df dann schon, was uns so ein Leben dieser Volksverr\u00e4ter noch wert sein wird\". Im Nachgang zur Veranstaltung verbreiteten die rheinischen Kreisverb\u00e4nde ein Video, das unter anderem den Aachener Fackelmarsch mit moderner Popmusik untermalt. Es wird dabei der Spruch eingeblendet: \"Die Form ist wandelbar. Die Nachricht immer gleich!\" Auch dies weist darauf hin, dass die Organisationsform als Partei nur Mittel zum Zweck ist, die neonazistische Propaganda zu verbreiten. Unter dem Namen \"Syndikat 52\" ver\u00f6ffentlichten Mitglieder der Partei Die Rechte ein weiteres Facebook-Profil, das sich zum einen um jugendkulturelle Affinit\u00e4t bem\u00fcht, zum anderen militant gestaltet ist. Am 4. Juli 2014 posierten Mitglieder von Die Rechte gemeinsam mit einer Fu\u00dfballfangruppe vor einer Gastst\u00e4tte. Als ein Passant sie wegen des Zeigens des Hitlergru\u00dfes ansprach, RechtsextRemismus 59 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","wurde er von drei Personen angegriffen. Diesbez\u00fcglich ermittelt die Polizei unter anderem gegen den Kreisvorsitzenden von Die Rechte Aachen. Ein Teil der Mitglieder der beiden Kreisverb\u00e4nde nahm an regionalen und \u00fcberregionalen rechtsextremistischen Versammlungen sowie bei PEGIDA-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen teil. Kreisverband D\u00fcsseldorf/Mettmann/Solingen mit Ortsverband Neuss/Grevenbroich Aktivisten des Kreisverbandes unterst\u00fctzten verschiedene rechtsextremistische Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen von Die Rechte und in Remagen (Rheinland-Pfalz) als Redner oder Versammlungsleiter. Der Ortsverband Neuss/Grevenbroich trat in Zusammenhang mit dem Neubau einer Moschee in Grevenbroich in Erscheinung und sch\u00fcrte zun\u00e4chst auf einem Facebook-Profil und mittels Flugbl\u00e4ttern Ressentiments \u00fcber Muslime. Inzwischen richtet sich die Hetze ebenfalls gegen Asylbewerber und Fl\u00fcchtlinge. Kreisverband Dortmund Der Kreisverband Dortmund ist der Hauptakteur im Landesverband. Er hat eine hochaktive Anh\u00e4ngerschaft von bis zu 80 Personen in Dortmund und seinen Nachbarst\u00e4dten. Der Landesvorsitzende sowie zwei weitere Personen des Landesvorstandes stammen aus dem Dortmunder Kreisverband und auch der stellvertretende Bundesvorsitzende stammt aus Dortmund. Der Kreisverband ist in der deutschen rechtsextremistischen Szene gut vernetzt und pflegt dar\u00fcber hinaus auch internationale Kontakte, insbesondere nach Osteuropa und zur militant rechtsextremistischen Partei Goldene Morgenr\u00f6te in Griechenland. 60 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","In Dortmund trat Die Rechte 2014 zur Kommunalwahl an. Im Wahlkampf waren die Aktivisten mit teilweise mehreren Infost\u00e4nden w\u00f6chentlich pr\u00e4sent. Zudem h\u00e4ngten sie eine Vielzahl von Plakaten mit fremdenfeindlichen Spr\u00fcchen auf. Bei der Wahl gewannen sie ein Mandat im Stadtrat und drei weitere Sitze in Bezirksvertretungen. Am Wahlabend kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen am Dortmunder Rathaus, als Mitglieder und Anh\u00e4nger der Partei uniformiert in aggressiver Stimmung zur Wahlparty ins Rathaus wollten. Bereits nach wenigen Wochen gab der Kreisvorsitzende Siegfried Borchardt, dessen Mandatsgewinn internationales Aufsehen erregt hatte, sein Mandat wieder ab, so dass der ideologisch versiertere Giemsch in den Dortmund Rat nachr\u00fcckte. Wie sich Die Rechte Dortmund die Ratsarbeit vorstellt, machte die Partei in einem Artikel vom 4. Juni 2015 deutlich. \"Statt feigen Kompromissen, bleibt f\u00fcr die Rechten knallharte Oppositionsarbeit. Frei nach dem Motto: 'Wir verhandeln nicht mit Demokraten!'\" Insofern dienen die Mandate im Stadtrat und in den Bezirksvertretungen nicht dazu, sich an der parlamentarischen Demokratie zu beteiligen, sondern den Stadtrat als B\u00fchne f\u00fcr rechtsextremistische Propaganda zu missbrauchen. So \u00fcberschwemmten die Mandatstr\u00e4ger der Partei den Stadtrat und die Bezirksvertretungen mit einer Vielzahl von Anfragen, die einzig der Provokation dienten. Beispielsweise fragte das Ratsmitglied Giemsch in einer Anfrage die Stadt Dortmund nach der Anzahl der in Dortmund lebenden Juden und nach den von ihnen bewohnten Stadtbezirken. In der Begr\u00fcndung der Anfrage hie\u00df es, dass die Informationen f\u00fcr die politische Arbeit relevant seien. Wie die politische Arbeit der Partei Die Rechte aussieht, wurde deutlich, als eine israelische Jugendmannschaft zu einem Freundschaftsspiel in Dortmund antrat und Aktivisten von Die Rechte das Spiel besuchten, um antisemitische Parolen zu rufen. Neben den \u00f6ffentlichkeitswirksamen Provokationsm\u00f6glichkeiten dient das Ratsmandat der Akquirierung von staatlichen Finanzmitteln. Obschon sich Die Rechte und die NPD bis zur Wahl heftig befehdeten, beabsichtigten sie im neuen Rat eine Ratsgruppe zu bilden, um hierdurch RechtsextRemismus 61 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","j\u00e4hrlich mit rund 40.000 Euro aus kommunalen Mitteln bezuschusst zu werden. Bislang ist eine solche Gruppe nicht zustande gekommen. Im Jahr 2014 f\u00fchrte die Partei 76 Versammlungen in Dortmund durch, w\u00e4hrend es in 2013 noch 30 waren. Die gr\u00f6\u00dfte Veranstaltung 2014 war die Demonstration und Kundgebung am 1. Mai, bei der rund 490 Rechtsextremisten aus mehreren Bundesl\u00e4ndern durch Dortmund zogen und fremdenfeindliche Parolen skandierten. Wie in den vergangenen Jahren wollten die Dortmunder Rechtsextremisten erneut kurz vor Weihnachten vor Privatwohnungen von politischen Gegnern demonstrieren. Dazu geh\u00f6rte unter anderem ein Lokaljournalist, der regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten in Dortmund berichtet. Dieses Vorgehen dient einzig und allein der Einsch\u00fcchterung der Betroffenen. Nachdem die Polizei die Versammlung in unmittelbarer N\u00e4he der privaten Wohnungen untersagte und Die Rechte sie verlegen musste, verh\u00f6hnten sie unter anderem Todesopfer rechtsextremistischer Gewalt und des nationalsozialistischen Regimes. > \"Mehmet hat's erwischt\". Mehmet Kubasik wurde 2006 in Dortmund durch den NSU 2006 ermordet. > \"Thomas Schulz das war Sport - Widerstand an jedem Ort.\" Thomas Schulz wurde 2005 durch einen Dortmunder Rechtsextremisten erstochen. > \"Anne Frank in den Schrank\". Anne Frank war J\u00fcdin und versteckte sich ab 1942 vor den Nationalsozialisten \u00fcber zwei Jahre in einem kleinen Hinterhaus in Amsterdam. > \"Gregor Lange aus der Traum, bald liegst Du im Kofferraum.\" Gregor Lange ist der Dortmunder Polizeipr\u00e4sident. Im Sommer 2014 propagierte der Kreisverband Dortmund, dessen Vorsitzender 2014 vom Bochumer Landgericht unter anderem wegen K\u00f6rperverletzung verurteilt wurde, die Gr\u00fcndung eines \"Rechten Stadtschutzes Dortmund\". In der Art einer B\u00fcrgerwehr wolle man mit gelben T- Shirts uniformiert \"Pr\u00e4senz zeigen an Orten mit hoher Kriminalit\u00e4t zur Pr\u00e4vention von Straftaten [...] sowie Personenund Objektschutz nach individuellen Gefahrenprognosen, z.B. im Umfeld von Asylbewerberheimen\". Auch mit dieser Aktion bezweckt der Kreisverband einerseits \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen und andererseits politische Gegner einzusch\u00fcchtern. Der Kreisverband Dortmund pflegt Kontakte in die Dortmunder Hooligan-Szene. Der Kreisvorsitzende Borchardt war einst selbst Anf\u00fchrer der Borussenfront und einer der jetzigen F\u00fchrungsakteure ist zugleich Mitglied bei Die Rechte Dortmund. So mobilisierte Die Rechte in Dortmund ab September 2014 zu den HoGeSa-Versammlungen, wobei sie allerdings betonte, dass man nicht nur gegen Salafisten sei, sondern generell gegen Muslime und Migranten. Als in Dortmund am 28. September 2014 ein HoGeSa-Treffen stattfand, beteiligte sich auch Die Rechte. Ebenfalls nahm eine Gruppe des Kreisverbandes an der HoGeSa-Versammlung am 26. Oktober in K\u00f6ln teil. Unmittelbar nach ihrer Ankunft suchte sie die Auseinandersetzung mit Gegendemonst62 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","ranten, was die Polizei verhinderte. Nach der Beendigung der Versammlung zog die Dortmunder Gruppe durch Nebenstra\u00dfen und skandierte rechtsextremistische Parolen. Als im Dezember 2014 auch in Nordrhein-Westfalen die PEGIDA-Versammlungen begannen, nahmen die Dortmunder Rechtsextremisten mehrfach teil. Weiterhin veranstalteten die Dortmunder Rechtsextremisten Konzerte. Einen Balladenabend f\u00fchrten sie konspirativ organisiert im Ruhrgebiet durch und ein Open-Air Konzert gemeinsam mit dem Landesverband Baden-W\u00fcrttemberg in Sachsen, an dem rund 500 Besucher teilnahmen. Ebenfalls beteiligten sich Dortmunder Rechtsextremisten an der Durchf\u00fchrung einer Kampfsportveranstaltung in Rheinland-Pfalz. Kreisverband Hamm Der Kreisverband Hamm geh\u00f6rt zu den aktivsten im Landesverband. Der Kreisvorsitzende ist auch im Landesund Bundesvorstand vertreten. Besonders \u00f6ffentlichkeitswirksam agierte der Kreisverband im Kommunalwahlkampf, indem er mehrere Informationsst\u00e4nde durchf\u00fchrte und vielfach plakatierte. Bei den Plakaten kopierten sie das Motiv der durchgestrichenen Moschee, mit dem Pro NRW bereits in den letzten Jahren Stimmung gegen den Bau von Moscheen betrieb. Zudem verbreiteten sie ein Plakat mit dem Spruch \"Wir h\u00e4ngen nicht nur Plakate\". Bei den Kommunalwahlen erzielte Die Rechte in Hamm einen Sitz im Stadtrat sowie einen in einer Bezirksvertretung. Das \u00e4ndert freilich nichts an der grunds\u00e4tzlichen Ablehnung der parlamentarischen Demokratie. So beschrieb der Kreisverband das Selbstverst\u00e4ndnis im Rat der Stadt 4. Juni 2014 auf seiner Homepage folgenderma\u00dfen: \"DIE RECHTE wird ohnehin Fundamentalopposition betreiben. Mit den anderen im Stadtrat vertretenen Systemparteien, Volkszerst\u00f6rern und Deutschland-Abschaffern wollen wir nichts, aber auch wirklich gar nichts gemeinsam haben\". Am 13. Juni bekr\u00e4ftigten sie diese Auffassung und nannten sich in einem Beitrag \u00fcber die konstituierende Sitzung des Stadtrates \"einen Stachel im Fleisch des Systems\". Der Kreisverband organisierte mehrere Veranstaltungen zur ideologischen Schulung. Insbesondere standen revisionistische Themen im Vordergrund. Dabei arbeitete er kontinuierlich mit dem NPD Kreisverband Unna/Hamm zusammen. Beispielsweise organisierten die beiden Kreisverb\u00e4nde am 26. April 2014 eine gemeinsame Veranstaltung, in der ein bekannter Revisionist die Kriegsschuld Deutschlands am zweiten Weltkrieg bestritt. Am 6. Dezember 2014 veranstaltete der Kreisverband eine Weihnachtsfeier im nationalsozialistischen Stil. Dort sangen sie ein Winterlied, das in der Hitlerjugend popul\u00e4r war. Am 3. Oktober 2014 organisierte der Kreisverband eine Demonstration, an der knapp 200 Neonazis teilnahmen und fremdenfeindliche, nationalistische und rassistische Parolen skandierten. Ein Redner merkte auf der Versammlung an: \"Heute findet eine Veranstaltung statt, bei der jeder RechtsextRemismus 63 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","der hier zum Mikrofon greifenden Redner entweder droht in Haft zu verschwinden oder bereits eine Haftstrafe hinter sich hat\". Auch das zeigt die aggressiv-k\u00e4mpferische Grundhaltung der Partei Die Rechte. Kreisverband Oberberg Der Kreisverband Oberberg gr\u00fcndete sich am 19. April 2014, was er am symboltr\u00e4chtigen 20. April, Hitlers Geburtstag, auf seiner neuen Internetseite verk\u00fcndete. Bislang beschr\u00e4nkte sich die Arbeit des Kreisverbandes auf das Verteilen von Flugbl\u00e4ttern und der Teilnahme an geschichtsklitternden Gedenkveranstaltungen und an einer Sonnenwendfeier. Die Oberberger Aktivisten beteiligten sich gelegentlich an Demonstrationen von Die Rechte und machten bei der BoGiDa-Demonstration am 22. Dezember 2014 in Bonn mit einem eigenen Transparent auf sich aufmerksam. Eine gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit erreichten die Mitglieder durch den Besuch des Sommerfestes der Partei DIE LINKE. Auf ihrer Internetseite stellten sie dies als angebliche Ann\u00e4herung der beiden Parteien dar, was zu einer breiteren \u00f6ffentlichen Diskussion f\u00fchrte. Kreisverband Rhein-Erft Der Kreisverband Rhein-Erft stellt gewisserma\u00dfen eine Besonderheit in der Partei Die Rechte dar, weil er sich besonders im diskursorientierten Rechtsextremismus bet\u00e4tigt. So nahmen Mitglieder an rechtsextremistischen \"Kulturveranstaltungen\" teil, die der Kreisverband zum Teil selbst veranstaltete. Man lud eine bundesweit aktive Holocaust-Leugnerin zu einem Vortrag ein und f\u00fchrte ein sogenanntes \"Heldengedenken\" durch, bei dem das nationalsozialistische Deutschland als Opfer dargestellt wurde. Weiterhin verteilte der Kreisverband Mitte 2014 mehrfach Flugbl\u00e4tter mit dem Titel \"Israel mordet\" und verbreitete darin antisemitische Propaganda. Auch an den meisten rechtsextremistischen Demonstrationen beteiligte sich eine Delegation des Kreisverbandes. Auf der regelm\u00e4\u00dfig aktualisierten Internetseite des Kreisverbandes findet sich die gesamte Bandbreite rechtsextremistischer Agitation wieder: von Demokratiefeindschaft \u00fcber Antisemitismus bis hin zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Kreisverband Wuppertal Der Wuppertaler Kreisverband nahm an den Kommunalwahlen teil und versuchte mit nationalistischen Spr\u00fcchen auf Wahlplakaten bei den W\u00e4hlern zu punkten. Allerdings konnte er weder im Stadtrat noch in den Bezirken ein Mandat gewinnen. In der zweiten Jahresh\u00e4lfte wollte der Kreisverband mit der Einrichtung einer vermeintlichen \"B\u00fcrgerwehr\" namens \"Stadtschutz Wuppertal\" fremdenfeindliche Parolen verbreiten und \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen, nachdem dies bereits dem Kreisverband Dortmund 64 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","und Wuppertaler Salafisten mit \u00e4hnlichen Aktionen gelungen war. In der Selbstdarstellung des Kreisverbandes hie\u00df es, \"um ihren Teil zu mehr Sicherheit, Recht und Ordnung in unserer Stadt beizutragen\". Au\u00dferdem wurde der Kreisvorsitzende im September 2014 vom Landgericht Wuppertal wegen gemeinschaftlicher gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung verurteilt. Unter anderem hatte er 2011 politisch motiviert einer jungen Frau mit einem Kn\u00fcppel auf den Kopf geschlagen. Ferner f\u00fchrte der Kreisverband mehrere Versammlungen durch, in denen er ein \"nationales Jugendzentrum\" forderte und w\u00e4hlte damit ein Thema zur Provokation der linken Szene, da das autonome Zentrum in Wuppertal geschlossen werden soll. Bei dieser Kampagne kooperierte man mit der NPD. Der Wuppertaler Kreisverband war auch \u00fcberregional aktiv und beteiligte sich an allen gr\u00f6\u00dferen Demonstrationen von Die Rechte in Nordrhein-Westfalen und ebenso an neonazistischen Kundgebungen in Bad Nenndorf (Niedersachsen) oder Dresden (Sachsen). Ebenfalls nahmen die Aktivisten an der HoGeSa-Veranstaltung am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln und an der BoGiDaVeranstaltung am 15. Dezember in Bonn teil, wo der Kreisvorsitzende mehrfach als Redner auftrat. Am 3. Oktober 2014 sprach er bei der Demonstration des Hammer Kreisverbandes. Er sagte unter anderem \"Wir sind gekommen um zu bleiben. [...] Und daf\u00fcr stehen wir mit unserem Namen seit 1923\" und stellte damit unter dem Applaus der Anwesenden Die Rechte in eine ungebrochene Traditionslinie mit dem Nationalsozialismus. 1923 hatte die damalige Reichsregierung die NSDAP verboten. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesverband und die aktiven Kreisverb\u00e4nde stellten sowohl in ideologischer und personeller Hinsicht als auch bez\u00fcglich seiner Aktivit\u00e4ten eine Weiterf\u00fchrung der verbotenen Kameradschaften dar. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen dominiert innerhalb der Gesamtpartei inhaltlich, personell und durch seine Vielzahl an Aktivit\u00e4ten. Um das Parteienprivileg zu sichern, nimmt Die Rechte pro Forma einige parteitypische Aktivit\u00e4ten auf. Dies geschieht beispielsweise durch die Arbeit in den Stadtr\u00e4ten in Dortmund und Hamm. Insofern versch\u00e4rft sich die Parteienkonkurrenz im rechtsextremistischen Parteienspektrum in NordrheinWestfalen. So sind bereits einige Personen von der NPD zu Die Rechte gewechselt, um einem m\u00f6glichen Verbot der NPD zu entgehen oder weil sie aus Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Kurs der NPD ohnehin nach einer radikaleren Variante suchten. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dierechte RechtsextRemismus 65 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Der III. Weg Sitz / Verbreitung Sitz des Bundesverbandes: Weidenthal (Rheinland-Pfalz); Verbreitung fast ausschlie\u00dflich in Bayern und Rheinland-Pfalz; eine Gruppierung in NRW in Ostwestfalen. Gr\u00fcndung / Bestehen seit 28. September 2013 in Heidelberg Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine Landesverb\u00e4nde, Gliederung in Gebietsverb\u00e4nde S\u00fcd, West, Nord und Mitte; m\u00f6gliche Bildung sogenannter \"St\u00fctzpunkte\", sofern keine weitere Untergliederung erfolgt, bisher neun \"St\u00fctzpunkte\" im Bundesverband; sechs in Bayern; einer in Rheinland-Pfalz; St\u00fctzpunkt \"Westerwald\" f\u00fcr Hessen und Teile von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen; seit dem 19. Oktober 2014 St\u00fctzpunkt Hermannsland f\u00fcr den Raum Bielefeld, Paderborn und Teutoburger Wald Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 200 NRW: rund 20 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebot: Homepage der Partei Der III. Weg, www.der-dritte-weg.info; Facebookund Twitterprofil; Youtube-Kanal Kurzportrait / Ziele Bei der Gr\u00fcndung der Partei waren zun\u00e4chst einige wenige ehemalige NPD-Mitglieder und Neonazis aus Rheinland-Pfalz und Hessen beteiligt. Als sich 2014 in Bayern ein Verbot des Neonazi-Netzwerks Freies Netz S\u00fcd abzeichnete, trat ein Teil der betroffenen Neonazis in die Partei Der III. Weg ein. Sie nutzen somit die Partei als Auffangstruktur, um staatlichen Exekutivund Verbotsma\u00dfnahmen zu entgehen. Die Aktivisten verfolgen daher weniger das Ziel, sich an der parlamentarischen Demokratie zu beteiligen. Vielmehr nutzt man den Schutz des Parteienprivilegs, um Neonazis eine Alternativorganisation anzubieten. So fungiert auch der St\u00fctzpunkt Hermannsland als Zusammenschluss von Neonazis aus Ostwestfalen und dem benachbarten Niedersachsen. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden 66 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Partei Der III. Weg propagiert ein rechtsextremistisches Staatsund Gesellschaftsbild und bildet eine ideologische Verbindung zur v\u00f6lkisch-nationalistischen Weltanschauung des Nationalsozialismus. Insbesondere lehnt sie sich mit ihrem 10-Punkte-Programm ideologisch an das Gedankengut der nationalsozialistischen Partei NSDAP an und fordert f\u00fcr einen \"deutschen Sozialismus\" ein. In dem Sinne beteiligt sich die Partei an revisionistischen Kampagnen, die darauf abzielen, nationalsozialistische Verbrechen zu relativieren. Auch andere Ausf\u00fchrungen innerhalb des Parteiprogramms, wie die erkl\u00e4rte Notwendigkeit der \"Beibehaltung der nationalen Identit\u00e4t des deutschen Volkes\", die vermeintliche \"\u00dcberfremdung Deutschlands sowie des anhaltenden Asylmissbrauchs\" oder die Forderung nach der \"friedlichen Wiederherstellung Gesamtdeutschlands in seinen v\u00f6lkerrechtlichen Grenzen\", zeugen von dem von Rechtsextremisten angestrebten typischen ethnisch homogenen Gemeinschaftsmodell, das durch \"Volkstumspolitik\" und rigide Ausgrenzung aller vermeintlich Fremden verwirklicht werden soll. In diesem Sinne ist auch der parteipolitische Schwerpunkt des Themas Asylpolitik zu deuten, in dem die Partei Der III. Weg ebenfalls ihre betont fremdenfeindliche Ausrichtung unterstreicht. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Der St\u00fctzpunkt Hermannsland beschr\u00e4nkt seine Aktivit\u00e4ten in Ostwestfalen bislang auf einzelne lokale \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen, wie die Verteilung von Flugbl\u00e4ttern mit dem Slogan \"Asylmissbrauch in Deutschland endlich stoppen\". \u00dcberregional fielen einzelne Partei-Anh\u00e4nger bei der HoGeSa-Veranstaltung am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln durch das Tragen von T-Shirts mit dem Partei-Logo auf. Zudem versuchten die Organisatoren des St\u00fctzpunktes \"Hermannsland\" mit Veranstaltungen wie einem \"Julfest\" oder sogenannten Heldengedenken Gemeinschaftserlebnisse der Anh\u00e4nger mit nationalsozialistischer Ideologie zu verkn\u00fcpfen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Partei Der III. Weg stellt vor allem eine Auffangstruktur dar, mit der sich erkl\u00e4rte Neonazis vor staatlichen Exekutivund Verbotsma\u00dfnahmen sch\u00fctzen wollen. F\u00fcr den St\u00fctzpunkt Hermannsland bleibt offen, ob mit der neuen Organisationsform auch die neonazistischen Aktivit\u00e4ten in Ostwestfalen intensiviert werden. Seit der Gr\u00fcndung des St\u00fctzpunktes gibt es daf\u00fcr aber bislang keine Anzeichen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dierechte RechtsextRemismus 67 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Neonazis Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1970er Jahre Struktur / Repr\u00e4sentanz lose, lokale Gruppierungen teilweise organisiert in vereins\u00e4hnlichen sogenannten Kameradschaften oder in Kreisverb\u00e4nden der Partei Die Rechte; \u00fcberregionale Vernetzung der Szene zur Koordinierung und Durchf\u00fchrung gemeinsamer Aktivit\u00e4ten; mit den Verboten der wichtigsten Kameradschaften hat in der nordrhein-westf\u00e4lischen Neonazi-Szene ein Strukturwandel stattgefunden. Die Partei Die Rechte stellt in Nordrhein-Westfalen nunmehr das Gravitationszentrum des Neonazismus dar. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Circa 650 Anh\u00e4nger Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Wacht am Rhein (wurde im August 2014 eingestellt), Internetpr\u00e4senzen der Partei Die Rechte Kurzportrait / Ziele Der Neonazismus stellt sich in die ideologische Tradition des historischen Nationalsozialismus. Seit Mitte der 2000er Jahre ist innerhalb der neonazistischen Szene das Ph\u00e4nomen der Autonomen Nationalisten zu beobachten. Diese orientierten sich bez\u00fcglich Habitus und Kleidung an der Autonomen Antifa. Zudem versuchen die Autonomen Nationalisten die Themenfelder des politischen Gegners wie Antikapitalismus oder Antiglobalisierung f\u00fcr ihre eigene Propaganda zu vereinnahmen. Diese Modernisierung fand jedoch unter Beibehaltung der neonazistischen Ideologie statt. Finanzierung Beitr\u00e4ge der Anh\u00e4nger Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Neonazi-Szene ist durch ein offenes Bekenntnis zum Nationalsozialismus sowie durch ihre Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Neonazis verfolgen die Errichtung eines \"Vierten Reiches\", basierend auf den programmatischen Forderungen der NSDAP von 1920. Ideologische Grundlage 68 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","ist ein rassenbiologisch gepr\u00e4gtes, v\u00f6lkisches Menschenbild und die Vorstellung einer antipluralistischen Gesellschaft sowie eines autorit\u00e4ren Staates. Vermeintlich Fremde und auch politische Gegner werden als Feinde dargestellt und ihnen wird ein geringeres beziehungsweise gar kein Existenzrecht zuerkannt. Damit wird Gewalt gegen \"Fremde\" beziehungsweise \"Feinde\" legitimiert. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nachdem im Jahr 2012 das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales in Nordrhein-Westfalen die vier aktivsten Kameradschaften verboten hat, ist der organisierte Teil der Neonazi-Szene in den letzten Jahren \u00fcberwiegend in die Partei Die Rechte eingetreten. Eine neonazistische Gruppierung aus Ostwestfalen gr\u00fcndete im Herbst 2014 einen Kreisverband der Kleinstpartei Der III. Weg. Neben diesen Parteien gibt es mehrere kleinere, meist schwach strukturierte Gruppen. Fast alle gr\u00f6\u00dferen Ereignisse, an denen sich die Neonazi-Szene in Nordrhein-Westfalen beteiligte, veranstaltete die Partei Die Rechte. Ausnahmen hiervon sind die Veranstaltungen \"Hooligans gegen Salafisten\" am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln, \"D\u00fcsseldorfer gegen die Islamisierung des Abendlandes\" am 8. Dezember 2014 und \"Bonner gegen die Islamisierung des Abendlandes\" am 15. und 22. Dezember 2014. Hier beteiligten sich auch Neonazis an den Veranstaltungen, ohne sich allerdings durch szenetypische Banner, Symbole und \u00fcberwiegend ohne Sprechch\u00f6re darzustellen. Weiterhin nahm die Neonazi-Szene auch an Veranstaltungen in benachbarten Bundesl\u00e4ndern teil, in denen vermeintliche Kriegsverbrechen anderer Staaten im 2. Weltkrieg an Deutschen instrumentalisiert werden, um Deutschland als Opfer des Krieges darzustellen und die Verbrechen des NS-Regimes zu relativieren. Ein Neonazi aus Bad Honnef war der Hauptredner auf dem sogenannten \"Trauermarsch\" am 22. November 2014 in Remagen. Am dortigen ehemaligen Gefangenenlager der Alliierten verkl\u00e4rte der Redner die Kriegsschuld Nazideutschlands: \"Aber es ist seit Jahrtausenden so, dass der germanische Siedlungsraum umk\u00e4mpft und umtobt ist und deshalb galt im deutschen Volke immer: Griff zum Schwerte nur in der Not und nur zur Verteidigung.\" Bei einer Veranstaltung in Magdeburg am 18. Januar 2014 war ein Neonazi aus D\u00fcsseldorf der Hauptredner und forderte unverhohlen die Wiederkehr des Nationalsozialismus: \"Egal wohin es uns f\u00fchrt, egal wen wir damit angreifen m\u00fcssen, wir werden nicht weichen, wir werden daf\u00fcr sorgen, dass die Synthese aus Nationalismus und Sozialismus wieder die Gestalt unseres Volkes pr\u00e4gen wird. Nichts f\u00fcr uns, alles f\u00fcr ein freies, nationales und sozialistisches Deutschland\". RechtsextRemismus 69 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Auszug der im August 2014 eingestellten Internetseite von Wacht am Rhein Mitte des Jahres 2014 wurde der Verfassungsschutz auf die Gruppierung Oldschool Society (OSS) aufmerksam und nahm sie in den Fokus seiner Beobachtung. Bei der OSS handelte es sich zun\u00e4chst um eine rein virtuelle Gruppierung deren Mitglieder ausschlie\u00dflich \u00fcber soziale Netzwerke kommunizierten, im Weiteren jedoch auch pers\u00f6nliche Treffen organisierten. 70 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Gruppe setzte sich aus 10 bis 15 Personen aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern zusammen. Die OSS hat sich zum Ziel gesetzt, in kleinen Gruppierungen innerhalb Deutschlands Anschl\u00e4ge gegen Moscheen und namhafte Salafisten sowie gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte zu ver\u00fcben. Zum F\u00fchrungskreis der OSS geh\u00f6rte seit Ende 2014 auch ein Rechtsextremist aus Nordrhein-Westfalen. Im Mai 2015 hatten sich die Anhaltspunkte f\u00fcr m\u00f6gliche bevorstehende Terrorakte, verbunden mit einem vorbereiteten Treffen der OSS derart verdichtet, dass der Generalbundesanwalt (GBA) entsprechende Haftbefehle und Durchsuchungsbeschl\u00fcsse beantragte. Am 6. Mai 2015 f\u00fchrte der GBA im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen die OSS wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung Durchsuchungsma\u00dfnahmen auch in Nordrhein-Westfalen durch. Dabei wurde unter anderem der f\u00fcr Pressearbeit zust\u00e4ndige F\u00fchrungsaktivist der Gruppe in Bochum vorl\u00e4ufig festgenommen. Bei den bundesweiten Durchsuchungen wurden nach Angaben des GBA unter anderem pyrotechnische Gegenst\u00e4nde mit gro\u00dfer Sprengkraft sowie weitere Beweismittel sichergestellt. Im Vorfeld der GBA-Ermittlungen wurden durch Zusammenarbeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und einiger L\u00e4nder die Ziele der Organisation und handelnde Personen aufgekl\u00e4rt. Dabei erh\u00e4rteten sich die Anhaltspunkte f\u00fcr die terroristische Zielsetzung der OSS soweit, dass der GBA zeitnah die Ermittlungen wegen des dringlichen Terrorverdachts einleitete. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der wichtigste Teil der Neonazi-Szene hat sich in der Partei Die Rechte reorganisiert und die vormals klare Trennung zwischen parlamentsorientierten und aktionsorientierten Rechtsextremisten verwischt. Gleichwohl ist eine Kontinuit\u00e4t der Ideologie und Gewaltbereitschaft zu konstatieren. Allerdings schafft es die Neonazi-Szene kaum noch, eigene gr\u00f6\u00dfere Aktivit\u00e4ten zu initiieren. Stattdessen ist sie in Nordrhein-Westfalen inzwischen als Mobilisierungspotenzial der Partei Die Rechte zu begreifen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_neonazis RechtsextRemismus 71 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ende der 1960er Jahre in Gro\u00dfbritannien als sogenannte \"Skinheads\"; seit circa Ende der 1970er Jahre im Rest Europas Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Regel keine festen Strukturen; eine Ausnahme bilden die Hammerskins mit einem festen hierarchischen Aufbau Mitglieder / Anh\u00e4nger / 1.350 Anh\u00e4nger Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: sogenannte Fanzines mit Artikeln zur \u00fcberwiegend subkulturell gepr\u00e4gten Skinhead-Musik-Szene, Interviews und Konzertberichten; CD Ver\u00f6ffentlichungen Web-Angebote: Bekanntmachungen von Konzerten \u00fcber bestimmte Foren; Ver\u00f6ffentlichungen von Videos Kurzportrait / Ziele Der subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremismus definiert sich haupts\u00e4chlich \u00fcber eine spezifische Musik und den damit zusammenh\u00e4ngenden Lebensstil. Es geht darum, eine Erlebniswelt mit gemeinsamen Freizeitaktivit\u00e4ten wie Musikveranstaltungen zu schaffen, in der die Ideologie nur eine nachrangige Rolle spielt. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten vertreten oftmals rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen. Zudem bef\u00fcrworten sie Gewalt gegen als minderwertig angesehene Menschen. Rechtsextremistische Skinheads bilden immer noch die wichtigste rechtsextremistisch gepr\u00e4gte Subkultur. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Dresscode oder Haarschnitt lassen heutzutage kaum noch eindeutige Zuordnung zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene zu. Einerseits gibt es weitgehend unpolitische Jugendliche, die ein vermeintlich Skinhead-typisches Aussehen zeigen, ohne dem rechtsextremistischen Teil der Szene anzugeh\u00f6ren. Andererseits verlieren die altbekannten Erscheinungsbilder seit einigen Jahren immer mehr an Bedeutung. Insbesondere f\u00fcr den rechtsextremistischen Teil der Skinhead-Szene ist es im Alltag einfacher, nicht durch offensichtli72 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","ches Tragen von einschl\u00e4gig bekannten Zeichen oder Haarschnitten eine politische Zuordnung zu erm\u00f6glichen. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten besitzen zumeist kein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild, dennoch vertreten sie rassistische, fremdenfeindliche, nationalistische und antisemitische Positionen gepaart mit einem hohen Gewaltpotential. Musik spielt hier eine herausragende Rolle zur Selbstvergewisserung, Politisierung und Rekrutierung der Szene. Deswegen gilt ein besonderes Interesse Bands, CDs und Konzerten. Gerade rechtsextremistische Musikveranstaltungen gehen oftmals mit menschenverachtenden und demokratiefeindlichen Liedtexten sowie positiven Bez\u00fcgen auf den Nationalsozialismus, wie dem Zeigen des \"HitlerGru\u00dfes\", einher. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Rechtsextremistische Musik hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten in verschiedene Musikstile ausdifferenziert. Zu den g\u00e4ngigsten Stilrichtungen z\u00e4hlen \"Rechtsrock\", der seinen Ursprung in der Skinhead-Szene hat, Balladen, \"National Socialist Black Metal\" und der in letzter Zeit aufgekommene \"Nationale Rap\". Weiterhin bleibt \"Skinheadoder Rechtsrock\" die bedeutendste Cover der CD \"Wutb\u00fcrger\" der rechtsextremistischen Band Oidoxie RechtsextRemismus 73 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Stilrichtung. Diese zeichnet sich neben rechtsextremistischen Texten durch hart gespielte Gitarrenakkorde, lauten, nahezu geschrienen, Gesang und eine aggressive Grundstimmung aus. Aus Nordrhein-Westfalen kommen unter anderem die Bands Oidoxie und Sleipnir, die seit vielen Jahren aktiv sind und eine \u00fcberregionale Szeneprominenz haben. Beide Bands haben jeweils im Dezember 2014 ein neues Album im Balladenstil ver\u00f6ffentlicht. Zeitgleich wollte der aus Nordrhein-Westfalen stammende Rechts-Rapper MAKKS Damage urspr\u00fcnglich eine neue CD ver\u00f6ffentlichen, bei deren Produktion es allerdings zu Problemen kam, so dass er lediglich ein neues Musikvideo ver\u00f6ffentlichte. In diesem bedroht er vermeintliche Gegner und bezieht sich auf Methoden des rassistischen Ku-Klux-Klans, Menschen mit brennenden Kreuzen einzusch\u00fcchtern. In dem Lied hei\u00dft es: \"Vergiss die Baumwollplantagenmusik! Man, Ich befreie keine Sklaven, das hier ist wei\u00dfer Rap. Und an all die lieben Leute, die gerne mal Deutsche jagen, es kommt der Tag, da habt ihr ein brennendes Kreuz im Garten. Ich merke mir eure Namen, und vergesse nicht eure Taten.\" In der rechtsextremistischen Skinhead-Szene ist ein Wandel dahingehend erkennbar, dass die beiden ma\u00dfgeblichen Organisationen Blood and Honour und die Hammerskins sich zunehmend gegenseitig akzeptieren. Dies zeigt sich daran, dass die schwedische Hammerskin-Sektion im September 2014 in Schweden ein internationales Konzert im Gedenken an Ian Stuart Donaldson, dem Gr\u00fcnder von Blood and Honour, organisierte. Eine solche Zusammenarbeit w\u00e4re vor einigen Jahren nicht denkbar gewesen, zumal Blood and Honour und die Hammerskins jahrelang erbittert um die Vorherrschaft bei der Durchf\u00fchrung von Konzerten gek\u00e4mpft haben. Um Sicherheitsund Ordnungsbeh\u00f6rden keine Gelegenheit zu geben, Konzerte zu verbieten oder einzuschr\u00e4nken, organisieren die Veranstalter die Konzerte konspirativ. Diese Vorgehensweise dient der Szene auch als Erkennungsmerkmal und weckt die Neugier und Abenteuerlust. Den Reiz der Veranstaltungen machen neben der Musik das Treffen Gleichgesinnter, der Konsum von Alkohol und das Zeigen rechtsextremistischer Symbolik sowie Slogans aus. Der besondere Reiz, gerade f\u00fcr jugendliche Teilnehmer, die gegebenenfalls in die Szene eingef\u00fchrt werden, liegt \u00fcblicherweise darin, etwas Verbotenes oder sozial Unerw\u00fcnschtes zu erleben. Im Unterschied zu den meist rocklastigen, gr\u00f6\u00dferen Konzerten dienen Balladenoder Liederabende dazu, einen eher kleineren Teilnehmerkreis anzusprechen. H\u00e4ufig werden solche Veranstaltungen von Parteiverb\u00e4nden oder Freien Kameradschaften mit dem Ziel organisiert und durchgef\u00fchrt, das Gemeinschaftsgef\u00fchl zu st\u00e4rken. Bei den musikalischen Darbietungen handelt es sich in der Regel um einen S\u00e4nger mit Gitarre, der eher ruhige St\u00fccke pr\u00e4sentiert. Im Jahr 2014 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt f\u00fcnf Konzerte, zwei Liederbeziehungsweise Balladenabende und sieben sonstige rechtsextremistische Veranstaltungen mit Livemusik festgestellt. Zu den sonstigen Veranstaltungen z\u00e4hlen zum Beispiel parteiinterne Feiern oder Geburtstagsfeiern, bei denen die Musik im Vordergrund steht. Die Anzahl der Musikveranstaltun74 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Abbildungen aus dem Mobilisierungsvideo \"Tr\u00e4nengasdusche\" von MaKss Damage RechtsextRemismus 75 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","gen entspricht der Zahl aus dem Vorjahr. Neben der Partei Die Rechte traten unter anderem die Hammerskins, die NPD und verschiedene kleinere Gruppierungen als Veranstalter von Musikveranstaltungen auf. In der Regel nahmen maximal 100 Zuschauer teil. Eine Ausnahme stellt die Veranstaltung der \"Hooligans gegen Salafisten\" am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln dar, an der ca. 4.800 Personen teilgenommen haben. Bei dieser von Hooligans dominierten Veranstaltung trat die rechtsextremistische Band Kategorie C auf und spielte ein muslimfeindliches Lied, in dem sie Salafisten mit Muslimen gleichsetzt und damit Vorurteile sch\u00fcrt. In dem Lied hei\u00dft es: \"Die Schattenwelt in der BRD, wird von Allahs b\u00e4rtigen M\u00e4nnern regiert, Sharia-Polizei und Ehrenmord, keiner stoppt den Wahnsinn, in der Presse kein Wort, wenn ihr es weiter ignoriert, wenn das Messer an der Kehle, habt ihrs kapiert, Islam will keinen Frieden sondern Gottessklaverei. [...] Glaubst Du an den falschen Gott, verlierst Du schnell mal deinen Kopf, Moslems verstehen hier keinen Spa\u00df, bei ihnen regiert der vermummte Hass\". Nach der Aufl\u00f6sung der Veranstaltung spielten auch noch die rechtsextremistischen Musiker Villain051 und die S\u00e4ngerin der rechtsextremistischen Band Wut aus Liebe als Duett einige Lieder. Dabei sangen sie: \"Neuer deutscher Widerstand, 2014, wir gehen auf die Stra\u00dfe, um dieses System zu st\u00fcrzen, f\u00fcr unser deutsches Land, ziehen wir heute in den Kampf, ihr erwartet Dank, hier ziehen treue Deutsche die Waffen.\" Nordrhein-westf\u00e4lische Rechtsextremisten nehmen auch als Besucher und als Bands an Musikveranstaltungen in anderen Bundesl\u00e4ndern teil. Da zahlreiche Nachbarstaaten rechtsextremistische Konzerte nicht verbieten, weichen Besucher und Bands oftmals auf Veranstaltungen im Ausland aus. Zu nennen sind hier unter anderem die Niederlande, Belgien, Frankreich, Italien, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Italien und Ungarn. Auch in Gro\u00dfbritannien finden regelm\u00e4\u00dfig rechtsextremistische Veranstaltungen, insbesondere rund um den Todestag von Blood and Honour-Gr\u00fcnder Ian Stuart Donaldson statt. Rechtsextremistische Tontr\u00e4ger und Devotionalien werden auf vielf\u00e4ltige Weise vertrieben. Neben Verkaufsst\u00e4nden bei Veranstaltungen und Szenel\u00e4den erfolgt der Handel \u00fcberwiegend \u00fcber das Internet. Wirtschaftliche Interessen sind nach wie vor eine wichtige Motivation bei der Vermarktung von rechtsextremistischer Musik und Szene-Artikeln. Viele Inhaber rechtsextremistischer Musik-Vertriebe bestreiten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Szene-Produkten oder betrachten den Handel als einen lukrativen Nebenverdienst. Einige Vertriebe geben an, die Szene mit einem Teil ihrer Verkaufserl\u00f6se zu unterst\u00fctzen. Damit versuchen sie sich als integraler Bestandteil der Szene darzustellen und den K\u00e4ufern das Gef\u00fchl zu vermitteln, dass sie mit ihrem Kauf gleichzeitig die Bewegung unterst\u00fctzen. Neben der Hoffnung auf einen guten Ruf als F\u00f6rderer der Szene d\u00fcrfte auch die Hoffnung auf eine Erweiterung des Kundenkreises und somit kommerzieller Erfolg eine Rolle spielen. 76 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Bewertung, Tendenzen, Ausblick Subkulturen befinden sich in einem st\u00e4ndigen Wandel. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene befindet sich seit Jahren im Abschwung. Sie gilt bei Jugendlichen als \u00fcberholte und unattraktive Jugendkultur. Zugleich machen andere rechtsextremistische Subkulturen, in Nordrhein-Westfalen vor allem die Autonomen Nationalisten, den Skinheads erfolgreich Konkurrenz. Insofern bleibt der Nachwuchs aus. Zudem verlassen immer wieder \u00e4ltere Protagonisten die Skinhead-Szene. Diese legen zwar nicht umgehend ihre rechtsextremistischen Einstellungen ab, trotzdem verliert die rechtsextremistische Skinhead-Szene damit ihre Gr\u00f6\u00dfe und ihren inneren Zusammenhalt. Daf\u00fcr spricht auch die seit mehreren Jahren zu konstatierende Organisationsschw\u00e4che. Allein gelegentliche Konzerte in Nordrhein-Westfalen und in angrenzenden Bundesl\u00e4ndern beziehungsweise im angrenzenden Ausland schaffen Events, an denen sich die Szene ihrer selbst vergewissert. Rechtsextremistische Musik ist zum einen ein Ausdrucksmittel einer Subkultur, die sich f\u00fcr Menschenverachtung und Demokratiefeindschaft ausspricht. Zum anderen ist sie ein effektives Mittel rechtsextremistischer Strategen, ihre Propaganda Jugendlichen und jungen Erwachsenen nahe zu bringen. Des Weiteren ist rechtsextremistische Musik ein kommerzielles Gesch\u00e4ft, an dem Bands, Konzertveranstalter und Vertriebe verdienen. Mit der Modernisierung der Erscheinungsformen des Rechtsextremismus hat sich auch deren Musik gewandelt. Die Vielfalt an Musikstilen hat zugenommen. Dies beinhaltete sogar ideologisch widerspr\u00fcchlich erscheinende Entwicklungen wie \"Nationaler Rap\". Ebenso ist in der rechtsextremistischen Musik-Szene inzwischen ein Wandel und zunehmende Vielfalt der Cover-\u00c4sthetik und der Selbstpr\u00e4sentation der Musiker festzustellen. Durch die digitale Revolution der letzten 20 Jahre haben sich die Vertriebsbedingungen f\u00fcr rechtsextremistische Musikst\u00fccke enorm verbessert und es nunmehr m\u00f6glich, nahezu jederzeit und an jedem Ort solche Musik zu h\u00f6ren. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_subkrex RechtsextRemismus 77 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Rechtsextremismus im Internet Verbreitung In den letzten Jahren hat sich der virtuelle Rechtsextremismus zunehmend von Webseiten auf soziale Medien verlagert. Die Anzahl ansprechend gestalteter und inhaltlich aktueller Webseiten ist weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. So stellten auch die Betreiber der Webseite Wacht am Rhein im August 2014 ihre Aktivit\u00e4ten ein. Diese Webseite diente der Propaganda von neonazistischen Aktivit\u00e4ten im Rheinland und war ein Nachfolger der Webseite der AG Rheinland des gleichnamigen neonazistischen Netzwerkes. Zentrale Bedeutung zur Verbreitung rechtsextremistischer Propaganda haben inzwischen \u00f6ffentliche Profile und Gruppen bei Facebook, Twitter-Accounts und Kan\u00e4le auf YouTube. Rechtsextremisten, deren Profile oder Kan\u00e4le wegen der Verbreitung menschenverachtender Inhalte gel\u00f6scht wurden, weichen auf andere soziale Medien wie vk.com, Fumano, Vimeo oder Dailymotion aus. Die rechtsextremistischen Internetaktivisten nutzen dabei die ganze Bandbreite an multimedialen M\u00f6glichkeiten. Der Kreisverband Dortmund der Partei Die Rechte stellt zum Beispiel Videos seiner Veranstaltungen ins Internet und berichtet oftmals mit einem Liveticker \u00fcber den Verlauf von Demonstrationen. 78 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Anzahl der \"Gef\u00e4llt mir\"-Angaben von Facebook-Profilen rechtsextremistischer Parteien weisen darauf hin, dass sie \u00fcber das soziale Netzwerk weit mehr Menschen erreichen als nur die eigenen Mitglieder. So hat zum Beispiel Pro NRW weniger als 1.000 Mitglieder, wohingegen jedoch \u00fcber 10.000 Nutzer das Facebook-Profil \"geliked\" haben. Auch rechtsextremistische Musik findet durch Videoportale eine gr\u00f6\u00dfere Verbreitung als in der Vergangenheit. Die aus NordrheinWestfalen stammende Rechtsrock-Band Sleipnir erzielte beispielsweise mit einem Lied auf YouTube mehrere hunderttausende Aufrufe. Strafrechtliche Inhalte stellen Rechtsextremisten in der Regel anonym \u00fcber ausl\u00e4ndische Server ins Internet, so dass den Sicherheitsbeh\u00f6rden die Strafverfolgung erheblich erschwert wird. Gerade die neuen Medien erleichtern es, rechtsextremistische Propaganda in der Mitte der Gesellschaft zu verbreiten. Beispielsweise werden unter dem Begriff \"umstrittener Humor\" Bilder mit vorgeblich lustigen Texten geteilt, die kruden Rassismus beinhalten oder die Opfer des Holocaust verh\u00f6hnen. Auf einem Bild sieht man vermutlich Gefangene eines Konzentrationslagers, die sich freuen. Wahrscheinlich ist das Bild bei ihrer Befreiung entstanden. Betitelt ist das Bild indes mit folgendem menschenverachtenden Spruch: \"Good News. Free Gas for all Jews.\" Vernetzung Das Internet hilft der rechtsextremistischen Szene, sich besser zu vernetzen. Gr\u00f6\u00dfere Foren \u00fcbernehmen die Funktion einer virtuellen Weiterbildungsrichtung. Dort tauschen sich Rechtsextremisten aus, wie auf polizeiliche Ma\u00dfnahmen zu reagieren ist, man best\u00e4tigt sich gegenseitig seine Auffassungen und mobilisiert zu Veranstaltungen. Das gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Forum Thiazi mit rund 30.000 Nutzern schloss im Jahr 2012, nachdem die Polizei bei \u00fcber 20 Beschuldigten in mehreren Bundesl\u00e4ndern, auch in Nordrhein-Westfalen, Hausdurchsuchungen durchf\u00fchrte. Im November 2014 er\u00f6ffnete das Landgericht Rostock die Anklage gegen die HauptbeRechtsextRemismus 79 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","schuldigten wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und gemeinschaftlicher Volksverhetzung. Nach der Schlie\u00dfung von Thiazi gewann das Forum Nationale Revolution an Bedeutung und trat mit deutlich geringerer Nutzerzahl an dessen Stelle. Auch hier verbreiteten die Nutzer strafbare Inhalte. Im Oktober 2014 nahmen deutsche und \u00f6sterreichische Sicherheitsbeh\u00f6rden in einer gemeinsamen Ma\u00dfnahme mehrere mutma\u00dfliche Betreiber als Hauptverd\u00e4chtige fest: Zwei der mutma\u00dflichen Betreiber stammen aus Nordrhein-Westfalen. Die Festnahmen hatten die Abschaltung des Forums zur Folge. Mit der Verbreitung von Smartphones k\u00f6nnen Rechtsextremisten sich auch mobil vernetzen, was ihre Handlungsf\u00e4higkeit steigert. Vor allem Gruppen des Instant-Messaging-Dienstes \"WhatsApp\" spielen dabei eine gro\u00dfe Rolle. Der Trend zum mobilen Internet f\u00fchrt auch bei Rechtsextremisten zu neuen Softwareentwicklungen. So bietet das rechtsextremistische Portal Widerstand, das Beitr\u00e4ge von rund 50 rechtsextremistischen Webseiten anzeigt, seit Herbst 2014 eine App f\u00fcr Android-Handys an. Damit sind die Inhalte nunmehr auch in einer f\u00fcr die Bildschirme mobiler Ger\u00e4te optimierten Fassung verf\u00fcgbar. Bei der Vernetzung achtet die rechtsextremistische Szene zunehmend auf sichere Kommunikation. Schon seit Jahren f\u00fchrt sie Computerschulungen zu Verschl\u00fcsselungstechniken durch. Die \u00f6ffentliche Diskussion um \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen des US-amerikanischen Nachrichtendienstes NSA schlug sich auch in der rechtsextremistischen Szene nieder. Es existieren inzwischen mehrere rechtsextremistische Internetpr\u00e4senzen, welche genaue Hinweise zu 80 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","kostenlosen Verschl\u00fcsselungsprogrammen und deren Anwendung geben. Auch der nordrheinwestf\u00e4lische Landesvorsitzende der Partei Die Rechte gab auf seinem Blog 2014 mehrfach Hinweise zu Verschl\u00fcsselungsprogrammen. Dabei stand 2014 vor allem das sichere Versenden von Nachrichten und Daten mittels Smartphones im Vordergrund. Im Januar 2015 hackte eine Gruppe namens National Sozialistische Hacker Crew einen Online-Versandhandel, der vor allem Musik und Kleidung aus der Punk-Szene anbietet. Die Rechtsextremisten ver\u00f6ffentlichten einen Teil der Kundendaten, wozu auch die Wohnanschriften von Kunden geh\u00f6rten. Auf rechtsextremistischen Interseiten wurde die Aktion positiv kommentiert und von einigen indirekt dazu aufgerufen, die pers\u00f6nlichen Daten zur Einsch\u00fcchterung zu nutzen. Verkauf Die virtuelle Verkaufsform hat sich bei rechtsextremistischen Vertrieben durchgesetzt. Neben wirtschaftlichen und logistischen Vorteilen ist ebenso bedeutsam, dass sowohl Verk\u00e4ufer als auch K\u00e4ufer beim Onlinehandel keine pers\u00f6nlichen Konfrontationen mit dem politischen Gegner bef\u00fcrchten m\u00fcssen. Neben einschl\u00e4giger Musik und Szenekleidung bieten die Vertriebe mittlerweile ein breites Sortiment an rechtsextremistischen Devotionalien, wie Fahnen, Plakate und Aufkleber an. Der Vertrieb Antisem.it, den der stellvertretene nordrhein-westf\u00e4lische Landesvorsitzende der Partei Die Rechte betreibt, hat auch Zwillen und Stahlkugeln in seinem Sortiment. Durch die anonyme Abwicklung des Kaufvorgangs ist der Handel auch f\u00fcr Interessenten attraktiv, die vor einem Einkauf in Szenel\u00e4den bislang zur\u00fcckschreckten. Allerdings wurden nach Hacker-Angriffen der Antifa Kundendaten ver\u00f6ffentlicht. RechtsextRemismus 81 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","82 RechtsextRemismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Linksextremismus Linksextremismus 83 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Linksextremismus 83 Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE ........................................................... 86 DKP ...................................................................................................................................... 92 MLPD.................................................................................................................................... 98 Autonome Linksextremisten ............................................................................................... 104 Linksextremistische Parteien und Gruppierungen stellen eine Gefahr f\u00fcr die demokratische Gesellschaft dar, weil sie sich grunds\u00e4tzlich zum Ziel gesetzt haben, die freiheitliche demokratische Grundordnung revolution\u00e4r zu \u00fcberwinden und \u00fcber eine sozialistische beziehungsweise kommunistische oder eine anarchistische Gesellschaftsform eine vermeintlich herrschaftsfreie Ordnung herbeizuf\u00fchren. Linksextremisten streben somit die \u00dcberwindung der durch das Grundgesetz vorgegebenen Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland an hin zu der Utopie einer klassenlosen Ordnung und eines herrschaftsfreien Zusammenlebens. Im fundamentalen Unterschied zum Rechtsextremismus gehen linksextremistische Ideologien vom Prinzip menschlicher Gleichheit aus. W\u00e4hrend f\u00fcr Rechtsextremisten der Begriff der v\u00f6lkischen Gemeinschaft die wichtigste Bezugsgr\u00f6\u00dfe darstellt, verstehen sich die meisten Linksextremisten als Internationalisten und sehen in der Arbeiterklasse das historische revolution\u00e4re Subjekt. Allerdings stellen auch Marxisten zunehmend die Frage, ob das Proletariat der ihm zugedachten Rolle als Tr\u00e4ger der Revolution \u00fcberhaupt noch gerecht werden kann. Grundlage der politischen Arbeit eines jeden Linksextremisten ist seine antifaschistische, antirassistische und antiimperialistische Grundhaltung, wobei das b\u00fcrgerlich-kapitalistische System f\u00fcr die Ursachen verantwortlich gemacht wird. Zu den Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlen im Bereich Linksextremismus die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die MarxistischLeninistische Partei Deutschlands (MLPD) mit ihren Nebenbeziehungsweise Vorfeldorgani84 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","sationen. Des Weiteren stehen die linksautonome Szene in Nordrhein-Westfalen sowie einzelne Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE unter Beobachtung, w\u00e4hrend die Partei selbst vom Verfassungsschutz nicht beobachtet wird. Sie l\u00e4sst allerdings innerparteilich auch im Jahr 2014 Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Es handelt sich dabei um die Zusammenschl\u00fcsse \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", Kommunistische Plattform (KPF) sowie ihren Jugendverband Linksjugend ['solid]. Hinzu kommt das trotzkistische Netzwerk marx21 innerhalb des Zusammenschlusses Sozialistische Linke. Den Zusammenschl\u00fcssen und auch der Linksjugend solid ist gemeinsam - wenn auch in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung - das Streben nach der \u00dcberwindung des \"kapitalistischen Systems\" und die Forderung nach einer sozialistischen Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Deutschland, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. F\u00fcr die DKP und MLPD war im Jahr 2014 der Ausgang der Kommunalwahlen und der Europawahl ern\u00fcchternd. Beide Parteien sind wahlpolitisch weiterhin bedeutungslos. Wichtiger als Wahlen ist f\u00fcr die Partei DKP die Arbeit in der \"au\u00dferparlamentarischen Opposition\", das hei\u00dft die Gewerkschaftsund Betriebsarbeit sowie in B\u00fcndnissen bei Demonstrationen. Stagnation der Mitgliederzahl, \u00dcberalterung und mangelnde Organisationsdichte sind die gro\u00dfen Probleme der DKP. Die MLPD setzte insbesondere mit der von ihr ma\u00dfgeblich initiierten Gr\u00fcndung der sogenannten \"Umweltgewerkschaft\" ihre Strategie fort, sich gesellschaftlich relevanten Themen zu widmen, die in der \u00d6ffentlichkeit auf Zustimmung treffen und die Partei f\u00fcr politisch interessierte j\u00fcngere Menschen attraktiv machen. Im Unterschied zu linksextremistischen Parteien und Gruppierungen stellt die linksautonome Szene auch im Jahr 2014 eine heterogene, alternative Mischszene dar, deren gemeinsame ideologische Basis fundamental-anarchistische und kommunistische Theoriefragmente bilden. Die Szene ist insgesamt eher weniger ideologiefixiert als aktionsorientiert. Der Mangel an verbindlicher Zielsetzung wird \u00fcber das Erlebnis identit\u00e4tsstiftender, gemeinsamer politischer Protestaktivit\u00e4ten zu Themen wie Antifaschismus, Antirassismus, Antikapitalismus, Antigentrifizierung ausgeglichen. Gewalt ist dabei ein grunds\u00e4tzlich akzeptiertes Mittel im Kampf gegen den Staat, dabei insbesondere gegen Polizeibeamte sowie gegen \"das Kapital\" und andere politische Gegner. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. Linksextremismus 85 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE Sitz / Verbreitung \"Antikapitalistische Linke (AKL)\" Sitz: Berlin marx21 Sitz: Berlin; Unterst\u00fctzergruppe in Nordrhein-Westfalen: Duisburg Kommunistische Plattform (KPF) Sitz: Berlin Linksjugend ['solid] Bundesverband: Berlin Landesverband: D\u00fcsseldorf und Essen Gr\u00fcndung / Bestehen seit \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": 2006 marx21: 2007 Kommunistische Plattform (KPF): 1995 Linksjugend ['solid]: 1999 Struktur / Repr\u00e4sentanz \"AKL\", marx21 und KPF sind Zusammenschl\u00fcsse beziehungsweise Teile der Partei DIE LINKE, die im Bundestag, in Landtagen und bundesweit in kommunalen Gremien vertreten ist \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": zun\u00e4chst Str\u00f6mung, seit 2013 anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei DIE LINKE; sechs Bundessprecherinnen und ein L\u00e4nderrat, in dem Delegierte aus jedem Bundesland sowie die sympathisierenden Parteivorstandsmitglieder vertreten sind marx21: trotzkistisches Netzwerk innerhalb des Zusammenschlusses \"Sozialistische Linke\" in der Partei DIE LINKE; lokale \"Unterst\u00fctzergruppen\" in den Bundesl\u00e4ndern Kommunistische Plattform (KPF): offen t\u00e4tiger Zusammenschluss von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE Linksjugend ['solid]: Jugendorganisation der Partei DIE LINKE mit Bundesgesch\u00e4ftsstelle, Bundessprechern und Landesverb\u00e4nden Mitglieder / Anh\u00e4nger / \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": Bund: 467 Unterst\u00fctzer 2014 marx21: nicht bekannt; 86 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Kommunistische Plattform (KPF): 1.210 Linksjugend ['solid]: Bund: 3.150 aktiv / 9.500 passiv Ver\u00f6ffentlichungen \"Antikapitalistische Linke (AKL)\": antikapitalistische-linke.de/ marx21: marx21.de/ sowie das Magazin f\u00fcnfmal j\u00e4hrlich \"marx21\" Kommunistische Plattform (KPF): die-linke.de/partei/ zusammenschluesse/kommunistische-plattform-der-partei-die-linke/ und monatlich \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE\" Linksjugend ['solid]: Bund: linksjugend-solid.de; NRW: linksjugend-solid-nrw.de/; Zudem berichtet regelm\u00e4\u00dfig die Tageszeitung \"junge Welt (jW)\" auch \u00fcber die politischen Str\u00f6mungen innerhalb der Partei DIE LINKE. Kurzportrait / Ziele Gemeinsam ist - in unterschiedlicher dogmatischer Sch\u00e4rfe - diesen Zusammenschl\u00fcssen, dass nicht nur das \"kapitalistische System\" in der Bundesrepublik Deutschland \u00fcberwunden werden soll, sondern eine sozialistische Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in Deutschland angestrebt wird, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht mehr zu vereinbaren ist. Finanzierung Kommunistische Plattform (KPF): Mittel der Partei DIE LINKE und Spenden. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder der Partei DIE LINKE und wesentliche Teile der politischen Forderungen sind nicht als extremistisch anzusehen. Die Partei DIE LINKE l\u00e4sst allerdings innerparteilich Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet daher nicht die Partei DIE LINKE als Ganzes, sondern nur die linksextremistischen bzw. die im Verdacht einer linksextremistischen Bestrebung stehenden Zusammenschl\u00fcsse in der Partei DIE LINKE. Dies sind die \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", das trotzkistische Netzwerk marx21, die Kommunistische Plattform (KPF) und die Linksjugend ['solid]. Linksextremismus 87 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum \"Antikapitalistische Linke (AKL)\" Die \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", die als innerparteiliche Str\u00f6mung 2006 gegr\u00fcndet wurde, wandelte sich 2013 von einer Str\u00f6mung zu einem anerkannten Zusammenschluss in der Partei DIE LINKE. Sie verspricht sich davon, \"ihren Einfluss sowohl nach innen in die Linkspartei hinein als auch nach au\u00dfen in der Zusammenarbeit mit den sozialen Bewegungen [zu] st\u00e4rken\". Vor dem Hintergrund dieser St\u00e4rkung der innerparteilichen Stellung der \"AKL\" beschloss die Bundesmitgliederversammlung am 9. November 2013 in Hannover einen Text zum politischen Selbstverst\u00e4ndnis mit dem Titel \"Kapitalismus bedeutet Krieg, Umweltzerst\u00f6rung und Armut - f\u00fcr eine antikapitalistische Linke\", der den urspr\u00fcnglichen Gr\u00fcndungsaufruf der \"AKL\" von 2006 mit der Forderung nach \"grundlegende[n] Ver\u00e4nderungen der Wirtschaftsordnung\" abl\u00f6st. Die \"AKL\" sieht sich in dem neuen Grundlagentext als \"eine demokratische Erneuerungsbewegung, die die Verteidigung der B\u00fcrgerund individuellen Freiheitsrechte [...] mit einem Kampf gegen die herrschenden Eigentumsund Machtstrukturen verbindet\". Bei der \"AKL\" bleibt die Tragweite der Formulierung \"Die AKL will Forderungen durchsetzen, die das kapitalistische System in Frage stellen, angreifen und letztlich \u00fcberwinden\" unklar. Ihr nach wie vor zwiesp\u00e4ltiges Verh\u00e4ltnis zum demokratischen Verfassungsstaat, insbesondere im Hinblick auf den Parlamentarismus, wie auch ihr ausgepr\u00e4gtes Freund-Feind-Denken stellen gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr eine extremistische Ausrichtung dar. Ein klares Bekenntnis zum demokratischen Verfassungsstaat l\u00e4sst sich in den offiziellen Verlautbarungen der \"AKL\" nicht feststellen. Eine geringe Wahlbeteiligung wurde zum Beispiel durch den \"AKL\"-BundessprecherInnen-Rat am 15. September 2014 folgenderma\u00dfen interpretiert: \"Das Personal der herrschenden Klasse, ihre Spitzenleute wie die Parteien werden verachtet. Und wie immer spiegelt die Wahlbeteiligung die sozialen Verh\u00e4ltnisse wider. Die Wahlen werden immer mehr zu einer Veranstaltung der materiell wie kulturell Besserverdienenden.\" Dass das Parlament als demokratisch legitimiertes Organ implizit eher instrumentell betrachtet wird, l\u00e4sst sich insbesondere an der Kritik der \"AKL\" an der eigenen Partei an gleicher Stelle festmachen, sofern diese an Regierungskoalitionen beteiligt ist oder plant, sich daran zu beteili88 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","gen: \"Ein bisschen mehr soziale Tunke, aber ansonsten die gleiche politische Entm\u00fcndigung der Menschen und Vollstreckung der Interessen der Herrschenden\". Der demokratisch-parlamentarische Verfassungsstaat wird f\u00fcr die \"AKL\" nur als Disziplinierungsinstrument f\u00fcr \"systemkritische\" Parteien und Abgeordnete gesehen. So gebe es \"keine parlamentarische L\u00f6sung\", um die Krise des Kapitalismus zu beenden und die Interessen der von Lohnarbeit abh\u00e4ngigen Menschen zu vertreten, da der Parlamentarismus grundlegende Herrschaftsund Machtstrukturen nicht hinterfrage und somit die Interessen der Mehrheit nicht durchgesetzt w\u00fcrden. marx21 In der Partei DIE LINKE agiert in dem Zusammenschluss \"Sozialistische Linke\" das trotzkistische Netzwerk marx21. Dogmatisch beruft sich das Netzwerk unter anderem auf sozialistische Klassiker wie Marx und Luxemburg und propagiert Freiheit durch Sozialismus. Eine Reformierbarkeit des Kapitalismus - durch staatliche Intervention - wird dabei von marx21 generell bestritten, stattdessen wirkt man auf seine \u00dcberwindung hin. Diese \u00dcberwindung k\u00f6nne allerdings nicht im vorgegebenen institutionellen Rahmen der Bundesrepublik stattfinden, sondern m\u00fcsse durch eine starke au\u00dferparlamentarische Bewegung unter F\u00fchrung der Partei DIE LINKE erfolgen. So forderte das Netzwerk die Parteimitglieder auf, sich von der \"verengten parlamentarischen Perspektive\" zu l\u00f6sen. Dazu m\u00fcsse DIE LINKE zu einer Bewegungspartei werden, \"die soziale Bewegungen, insbesondere Klassenk\u00e4mpfe, als zentrales Moment der gesellschaftlichen Ver\u00e4nderung\" begreife. Ziel von marx21 ist eindeutig die \u00dcberwindung des bestehenden politischen Systems und die Abschaffung parlamentarischer Strukturen. Im Ergebnis lassen sich daher auch bei marx21 kommunistische Positionen feststellen, die mit Verfassungsgrunds\u00e4tzen des Grundgesetzes nicht in Einklang zu bringen sind. Kommunistische Plattform (KPF) Laut ihrer Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung ist die Kommunistische Plattform (KPF) \"ein offen t\u00e4tiger Zusammenschlu\u00df von Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE\", der sich die Linksextremismus 89 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Bewahrung und Weiterentwicklung marxistischen Gedankenguts sowie deren Einbringung in die Politik der Partei zum Ziel gemacht hat und f\u00fcr den Sozialismus als Ziel gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen eintritt. Ideologische Grundlage der KPF bilden nach wie vor die \"Klassiker\" des Sozialismus bzw. Kommunismus wie die Schriften von Marx, Engels und Lenin, die nach Auffassung der KPF auch im 21. Jahrhundert noch g\u00fcltig sind und von ihr zur Grundlage allumfassender Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze \u00f6konomischer und politischer Prozesse erkl\u00e4rt werden. Nach wie vor verteidigt die KPF die DDR als legitime antikapitalistische Alternative und verfolgt das Ziel einer sozialistischen Gesellschaft. So h\u00e4lt die KPF die Beschreibung \"Unrechtsstaat\" f\u00fcr eine \"denunziatorische [...] Beschreibung der DDR\", die keine Kritik an der DDR sei, sondern die \"diffamierende Absage\" an die Legitimit\u00e4t ihrer Existenz als sozialistischer Staat. Linksjugend ['solid] Einen \"grunds\u00e4tzlichen Systemwechsel\" strebt auch die Linksjugend ['solid], die Jugendorganisation der Partei DIE LINKE an, die sich selbst als einen \"k\u00e4mpferische[n] und sozialistische[n] Jugendverband\" charakterisiert. Die parlamentarische Demokratie wird als untauglich f\u00fcr den Systemwechsel und nur \"als Mittel zum Zweck\" betrachtet. So hei\u00dft es in ihrem am 5. April 2008 beschlossenen Programm: \"Als SozialistInnen, KommunistInnen, AnarchistInnen k\u00e4mpfen wir f\u00fcr eine libert\u00e4re, klassenlose Gesellschaft jenseits von Kapitalismus, Ras90 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","sismus und Patriarchat. [...] Die ber\u00fchmten zwei Gr\u00e4ben Reform oder Revolution bilden f\u00fcr uns keinen Widerspruch. Wir streiten f\u00fcr einen grunds\u00e4tzlichen Systemwechsel. [...] Wir wollen die B\u00fchne des Parlamentarismus f\u00fcr den Kampf um eine gerechtere Welt nutzen, aber uns nicht der Illusion hingeben, dass dort der zentrale Raum f\u00fcr reale Ver\u00e4nderungen sei\". Eine Reformierbarkeit des Kapitalismus wird auch von der Linksjugend ['solid] generell bestritten, stattdessen wirkt die Jugendorganisation auf dessen \u00dcberwindung hin. Die Linksjugend ['solid] fungiert zudem weiterhin als Schnittstelle zwischen parlamentarischen und au\u00dferparlamentarischen Kr\u00e4ften. Diese Verbindungen reichen bis in die linksautonome Szene. Die Linksjugend ['solid] bekennt sich unver\u00e4ndert zur Zusammenarbeit mit dem im Verdacht linksextremistischer Bestrebungen stehenden B\u00fcndnisnetzwerk \"Interventionistische Linke (IL)\", einem Netzwerk mehrerer deutscher, nach eigener Darstellung \"linksradikaler und antikapitalistischer\" Gruppen, von Einzelpersonen aus diversen Nichtregierungsorganisationen, von Zeitungsredaktionen sowie bundesweiten Kampagnen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Zusammenschl\u00fcsse \"AKL\", marx21, KPF und die Linksjugend ['solid] vertreten in unterschiedlicher dogmatischer Sch\u00e4rfe weiterhin Positionen, die auf eine sozialistische Staats-, Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung in der Bundesrepublik abzielen, die unter \u00dcberwindung des \"kapitalistische Systems\" in der Bundesrepublik Deutschland nicht mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu vereinbaren ist. KPF, Linksjugend ['solid] und das Netzwerk marx21 innerhalb der \"Sozialistischen Linken\" sind somit als linksextremistische, die \"AKL\" weiterhin als im Verdacht einer linksextremistischen Bestrebung stehende Zusammenschl\u00fcsse in der Partei DIE LINKE anzusehen. Die Partei DIE LINKE wird vom Verfassungsschutz nicht beobachtet. Sie l\u00e4sst allerdings innerparteilich Zusammenschl\u00fcsse zu und f\u00f6rdert diese teilweise sogar, bei denen entweder Anhaltspunkte f\u00fcr eine linksextremistische Bestrebung vorliegen oder zumindest den Verdacht begr\u00fcnden. Es handelt sich dabei um die Zusammenschl\u00fcsse \"Antikapitalistische Linke (AKL)\", Kommunistische Plattform (KPF) sowie ihren Jugendverband Linksjugend ['solid]. DIE LINKE sieht diese Gruppierungen als wichtigen Bestandteil der Partei an und gew\u00e4hrt ihnen durch die Satzung spezielle Rechte und finanzielle Unterst\u00fctzung. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_zusdielinke Linksextremismus 91 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","DKP Sitz / Verbreitung Sitz: Essen; bundesweit Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1968 Struktur / Repr\u00e4sentanz Entscheidungsgremien: Parteitag, Parteivorstand Gliederungseinheiten: Bezirksverb\u00e4nde Rheinland-Westfalen und Ruhr-Westfalen, Kreisverb\u00e4nde Parteivorsitz: Patrik K\u00f6bele Ratsund Bezirksvertretungsmandate: Bottrop (2 Ratsund 2 Bezirksvertretungssitze), Gladbeck (1 Ratssitz); je ein Vertreter in Wahlb\u00fcndnissen in Bochum, Solingen, Neuss Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 3.000 NRW: rund 800 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: UZ - Unsere Zeit (w\u00f6chentlich), Marxistische Bl\u00e4tter (theoretische Schriftenreihe) Web-Angebote: dkp.de, dkp-online.de, news.dkp.de Kurzportrait / Ziele Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ist neben der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) eine Kernorganisation des orthodox-kommunistischen Linksextremismus. Die Partei versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Sie bekennt sich als \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" zum MarxismusLeninismus und strebt die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft an. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge und Spenden 92 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Nach Vorstellung der DKP soll die Arbeiterklasse als ma\u00dfgebende gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft durch einen klassenk\u00e4mpferisch-revolution\u00e4ren Akt die kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse, den Parlamentarismus und den politisch-gesellschaftlichen Pluralismus \u00fcberwinden. Gewaltanwendung wird dabei nicht ausgeschlossen. \u00dcber die Zwischenstufe des Sozialismus wird eine klassenlose kommunistische Gesellschaft angestrebt, in der alle wesentlichen Antagonismen (Gegens\u00e4tze), insbesondere der zwischen Kapital und Arbeit, aufgehoben sein sollen. Individualgrundrechte haben nur noch eine stark eingeschr\u00e4nkte Bedeutung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die DKP hatte im Jahr 2014 verschiedene Arbeitsund Aktionsschwerpunkte. Europawahl am 25. Mai 2014 Im Rahmen des 20. Parteitages 2013 hatte die DKP beschlossen, nicht zur Bundestagswahl 2013, jedoch zur Europawahl 2014 anzutreten. Die eigene Liste umfasste 36 Kandidatinnen und Kandidaten. Die erforderliche Anzahl von 4.000 Unterst\u00fctzerunterschriften wurde mit rund 7.000 \u00fcbertroffen. Das Motto der DKP zur Europawahl lautete: \"NEIN zum Europa der Banken und Konzerne! JA zum Europa der Solidarit\u00e4t und des Widerstands!\" Wie im Jahr 2009 erzielte die Partei bundesund landesweit nur 0,1% der Stimmen (absolut: 25.204 bzw. 4.129). Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 Die DKP hatte bei den vergangenen Kommunalwahlen 2004 und 2009 landesweit Stimmen verloren. Dieser Trend setzte sich in 2014 fort. Sie erhielt in ganz Nordrhein-Westfalen lediglich 2.950 Stimmen (= 0,0%). In ihrer \"Hochburg\" Bottrop ist sie im Rat noch mit zwei Mandatstr\u00e4gern (vorher drei) vertreten und verlor damit den Status als Fraktion. In den Bottroper Bezirksvertretungen Mitte und S\u00fcd konnten beide Mandate gehalten werden. In Gladbeck wurde das Ratsmandat verteidigt und mit zwei kommunalen B\u00fcndnispartnern die Fraktion \"Soziales B\u00fcndnis Gladbeck\" gebildet. In Bochum und Solingen haben DKP-Mitglieder kommunale Mandate \u00fcber Listen von Wahlb\u00fcndnissen erzielt. In Neuss wurde ein Mitglied der DKP auf der Liste der Partei DIE LINKE in den Stadtrat gew\u00e4hlt. Wahlantritte in Dortmund und Essen sowie zu den Bezirksvertretungen in D\u00fcsseldorf-Gerresheim, K\u00f6ln-Mitte und -Kalk blieben erfolglos. Linksextremismus 93 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Wahlplakate der DKP zu den Kommunalwahlen 2014 94 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","UZ-Pressefest vom 27. bis 29. Juni 2014 in Dortmund Nachdem die DKP 2013 auf das Pressefest aus finanziellen Gr\u00fcnden und wegen parteiinterner Auseinandersetzungen verzichten musste, richtete sie das 18. Pressefest ihrer Wochenzeitung Unsere Zeit (UZ) im Jahr des 40. Jubil\u00e4ums - so die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Bochum (SDAJ) - \"mit mehreren zehntausend Besuchern\" aus. Zur Finanzierung waren zuvor Spenden gesammelt worden. Thematische Schwerpunkte des Festes waren die Jugendarbeit der Partei und der Internationalismus. Der dem \"reformerischen\" Fl\u00fcgel zuzuordnende Verein Marxistische Linke - \u00f6kologisch, emanzipatorisch, feministisch, integrativ (ML) wurde von der Teilnahme ausgeschlossen. ML hatte sich im Februar 2014 ohne Beteiligung beziehungsweise Billigung des Parteivorstandes in Berlin gegr\u00fcndet. Damit setzte sich die bereits seit mehreren Jahren andauernde Auseinandersetzung zwischen \"Reformern\" und \"Orthodoxen\" in der DKP fort. Zugespitzt hatte sich die Kontroverse auf dem 20. Parteitag 2013 mit der Wahlniederlage der damaligen Parteivorsitzenden Bettina J\u00fcrgensen und der Wahl von Patrik K\u00f6bele. Die orthodox-kommunistische Str\u00f6mung in der Partei hatte sich damit durchgesetzt. Auch die MLPD, die weiter an Stalin und Mao als Klassiker des Marxismus-Leninismus festh\u00e4lt und die DKP als \"neorevisionistisch\" bezeichnet, wurde nicht zum Pressefest eingeladen. Anstrengungen zur Mitgliedergewinnung Im Mai 2014 stellte der Parteivorstand fest, dass die Partei bundesweit offenbar nur noch etwa 3.000 Mitglieder z\u00e4hle. Als Ursachen wurden auf der Tagung des Parteivorstandes strukturelle Defizite, \u00dcberalterung und mangelnde Mitgliederwerbung ausgemacht. In der betrieblichen, gewerkschaftlichen und au\u00dferparlamentarischen Arbeit sollen deshalb durch die Parteizeitung Unsere Zeit vor allem politisch links orientierte junge Menschen verst\u00e4rkt angesprochen und als Mitglieder gewonnen werden. Sonderausgaben von \"UZ-Extra\" mit Themenschwerpunkten sowie ein neuer \"UZ-Shop\" sollen zus\u00e4tzlich das Profil der DKP st\u00e4rken. Internetauszug des UZ-Shop Linksextremismus 95 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Zusammenarbeit zwischen der DKP und SDAJ Die DKP unterst\u00fctzte 2014 ihren Jugendverband SDAJ sowohl organisatorisch als auch finanziell. Erkl\u00e4rtes Ziel war es dabei, durch eine st\u00e4rkere Zusammenarbeit eine gr\u00f6\u00dfere Bindung an die Partei zu bewirken und junge Leute f\u00fcr die Arbeit der DKP zu begeistern. So stand der Vorsitzende der SDAJ auf der Liste der Partei zur Europawahl. Zudem wird \u00fcber Aktivit\u00e4ten des Jugendverbandes regelm\u00e4\u00dfig auf dem Nachrichtenportal der DKP (news.dkp.de) berichtet. Gemeinsam richteten DKP und SDAJ im April 2014 in K\u00f6ln einen \"Jugendpolitischen Ratschlag\" aus, wobei beiderseits betont wurde, \"an einem Strang ziehen\" zu wollen. Die DKP unterst\u00fctzte au\u00dferdem die SDAJ-Kampagne \"Unsere Zukunft statt eure Profite - Ausbeuter outen, Ausbildung erk\u00e4mpfen!\". Anl\u00e4sslich eines SDAJKongresses im September 2014 in K\u00f6ln wurde eine UZ-Extra-Ausgabe zum Thema Arbeiterjugendpolitik herausgegeben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die Partei leidet weiterhin an geringer Organisationsdichte, schwindenden Mitgliederzahlen, \u00dcberalterung und ihrer inneren Zerstrittenheit. Ihr Image erscheint f\u00fcr potenzielle B\u00fcndnispartner und f\u00fcr junge Menschen nicht sonderlich attraktiv. Die verst\u00e4rkte Zusammenarbeit mit der SDAJ und Aktionen zur Mitgliederwerbung d\u00fcrften an der Lage der Partei wenig \u00e4ndern. Immerhin berichtete die SDAJ \u00fcber f\u00fcnf Gruppenneugr\u00fcndungen im Land (M\u00fcnster, D\u00fcsseldorf, Siegen, Witten und M\u00e4rkischer Kreis). Obwohl parlamentarische Wahlen f\u00fcr eine orthodox-kommunistische Partei wie die DKP ideologisch keinen allzu hohen Stellenwert haben, ist die Teilnahme daran von Bedeutung, um als politische Kraft \u00f6ffentlich wahrgenommen zu werden. Die Ergebnisse der Europawahl und der Kommunalwahlen 2014 sind jedoch nicht so ausgefallen, wie es sich die DKP vorgestellt hat. Wahlund gesellschaftspolitisch ist und bleibt die Partei weiterhin bedeutungslos. Wichtiger sind f\u00fcr die Partei neben der Betriebsund Gewerkschaftsarbeit die Systemkritik im \"au\u00dferparlamentarischen Kampf\" und der \"Kampf auf der Stra\u00dfe\", um in B\u00fcndnissen mit Gleichgesinnten zu versuchen, linksorientierte Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln und eine politische Alternative anzubieten. Trotz partieller Zusammenarbeit bei Wahlen und thematischen Schnittmengen bleibt das Verh\u00e4ltnis der DKP zur Partei DIE LINKE nicht unbelastet, was insbesondere bei der Bildung der rot-rot-gr\u00fcnen Landesregierung in Th\u00fcringen deutlich wurde. Die DKP rechnet DIE LINKE dem b\u00fcrgerlich-parlamentarischen System zu. Die Akzeptanz der Bezeichnung \"Unrechtstaat\" in Bezug auf die DDR durch die rot-rot-gr\u00fcne Landesregierung in Th\u00fcringen wird von der DKP nicht akzeptiert und als \u00f6ffentlichkeitswirksame \"Delegitimierung des Sozialismus\" abgetan. 96 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Auf der politischen Agenda stehen \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen wie die Kritik am geplanten Freihandelsabkommen mit den USA (unter anderem durch Unterschriftensammlung) und das traditionelle gemeinsame Engagement mit \u00f6rtlichen und regionalen B\u00fcndnispartnern bei Osterm\u00e4rschen und Demonstrationen gegen milit\u00e4rische Einrichtungen. Die DKP sucht auf diese Weise Anschluss und m\u00f6chte sich zu diesen Anl\u00e4ssen und an Jahrestagen wie dem 8. Mai (Ende des 2. Weltkrieges), dem Antikriegstag im September und dem 9. November (Reichspogromnacht) als systemkritische Alternative pr\u00e4sentieren. Wichtiger als Wahlen ist f\u00fcr die Partei die Arbeit in der \"au\u00dferparlamentarischen Opposition\", das hei\u00dft die Gewerkschaftsund Betriebsarbeit sowie in B\u00fcndnissen bei Demonstrationen, um Themen wie Kapitalismuskritik, Antifaschismus, Antimilitarismus, soziale Gerechtigkeit und \u00d6kologie mit kommunistischer Ideologie zu verkn\u00fcpfen. Aufgrund ihrer strukturellen Probleme hat die DKP aber weiter politische Schlagkraft verloren. Hierzu tr\u00e4gt auch der seit einigen Jahren in der DKP gef\u00fchrte Streit zwischen dem orthodox-kommunistischen und dem reformerischen Fl\u00fcgel bei. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dkp Linksextremismus 97 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","MLPD Sitz / Verbreitung Sitz: Gelsenkirchen; Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine Bundestagsund Landtagsmandate; Vorsitzender: Stefan Engel (seit 1982) Entscheidungsgremien: Parteitag, Zentralkomitee (ZK) Gliederungseinheiten: Landes-, Kreis-, Ortsverb\u00e4nde, Betriebsund Wohngebietsgruppen Nebenorganisationen: Rebell und Rotf\u00fcchse (Jugendbzw. Kinderorganisation der Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)); Vorfeldorganisationen: u.a. \"Frauenverband Courage e.V.\", kommunale Wahlb\u00fcndnisse wie \"AUF\" Ratsund Bezirksvertretungsmandate in Wahlb\u00fcndnissen mit dominierendem MLPD-Einfluss: Neukirchen-Vluyn \u00fcber \"NV AUF geht's\" (3 Ratssitze / 0 Bezirksvertretungssitze), Bergkamen \u00fcber \"BergAUF\" (2 / 0), M\u00fclheim an der Ruhr \u00fcber \"M\u00fclheim f\u00fcr AUF\" (fr\u00fcher \"WIR f\u00fcr M\u00fclheim\") (1 / 0), Gelsenkirchen \u00fcber \"Gelsenkirchen f\u00fcr AUF\" (1 /1), Witten \u00fcber \"AUF Witten\" (1 / 0) und Solingen \u00fcber \"Solingen aktiv\" (1 / 1) Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 1.900 NRW: rund 650 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Rote Fahne (RF) (w\u00f6chentlich; Auflage ca. 8.000); Lernen und K\u00e4mpfen (LuK) (mehrmals j\u00e4hrlich; Mitgliedermagazin); Rebell (zweimonatlich; Magazin des gleichnamigen Jugendverbandes); Revolution\u00e4rer Weg (theoretische Schriftenreihe); diverse Buchpublikationen Web-Angebote: mlpd.de, rf-news.de, rotefahne.info Kurzportrait / Ziele Das gesamte Aktionspotenzial der MLPD fu\u00dft auf dem geschlossenen marxistisch-leninistischen Weltbild einer klassischen 98 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","kommunistischen Kaderpartei. Dies zeigt sich auch in der dogmatisch unantastbaren Stellung des seit der Parteigr\u00fcndung amtierenden Vorsitzenden. In Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt die Partei \u00fcber einen Landesverband. Das Hauptaugenmerk ihrer politischen Arbeit legt die Partei neben der Frauenund Jugendpolitik vorwiegend auf die Betriebsund Gewerkschaftsarbeit sowie der Beteiligung an sozialen Protesten. Da sich die MLPD in einer fortdauernden Verfolgungssituation durch den Staat und seine Organe w\u00e4hnt, agiert sie auf kommunaler Ebene verdeckt. Hier unterst\u00fctzt die Partei angeblich unabh\u00e4ngige Personenwahlb\u00fcndnisse mit der Bezeichnung \"AUF\" (f\u00fcr: \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich\"), die jedoch zum Teil personell mit der MLPD verflochten sind. Finanzierung \u00dcberwiegend durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und Einnahmen aus Verm\u00f6gen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die 1982 aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene MLPD bekennt sich nach wie vor zu den Lehren von Marx, Engels, Stalin und Mao Tse Tung und verbindet nach eigener Aussage \"den Kampf um die Forderungen der Arbeiterund Volksbewegungen mit dem Ziel der internationalen sozialistischen Revolution\". Die Zielsetzung der MLPD ist durch eindeutig verfassungsfeindliche Aussagen gepr\u00e4gt. Bereits die Pr\u00e4ambel in den Parteistatuten verdeutlicht dies, wo es unter anderem hei\u00dft: \"Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) versteht sich als politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland. Ihr grundlegendes Ziel ist der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des Monopolkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\". Die angestrebte Gesellschaftsordnung soll durch eine Revolution erreicht werden, in deren Verlauf sich die \"Arbeiterklasse unter F\u00fchrung ihrer Partei [Anmerkung: gemeint ist die MLPD] zum bewaffneten Aufstand erheben, [...] den b\u00fcrgerlichen Staatsapparat zerschlagen, [...] die Diktatur des Proletariats errichten und [...] gegen die Konterrevolution verteidigen\" m\u00fcsse. Linksextremismus 99 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Europawahl am 25. Mai 2014 Mit 5.021 Unterst\u00fctzerunterschriften \u00fcbertraf die MLPD die zur Zulassung zur Europawahl erforderlichen 4.000 Unterst\u00fctzerunterschriften und nahm mit einer Liste mit 18 Kandidaten an der Europawahl teil. Spitzenkandidaten waren Peter Weispfenning (InternationalismusVerantwortlicher und ZK-Mitglied der MLPD) und Lisa G\u00e4rtner (Vorsitzende des Jugendverbands Rebell). Mit der Losung \"Rebellion gegen die EU ist gerechtfertigt!\" wollte sich die Partei wegen \"der berechtigten Emp\u00f6rung unter den Massen \u00fcber die EU-B\u00fcrokratie\" als Alternative f\u00fcr eine \"positive, internationalistische und sozialistische Perspektive\" anbieten. Die MLPD erzielte bundesweit und im Land nur 0,1% der Stimmen (absolut: 18.198), davon 3.858 Stimmen in Nordrhein-Westfalen. Die MLPD bewertet den Wahlkampf dagegen als erfolgreich in Anbetracht der zur Verf\u00fcgung stehenden K\u00fcrze der Zeit und aufgrund einer angeblichen Benachteiligung durch einen medialen Boykott. Kommunalwahlen am 25. Mai 2014 Auf kommunaler Ebene steuert die MLPD im Hintergrund angeblich unabh\u00e4ngige und \u00fcberparteiliche - \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\" - Personenwahlb\u00fcndnisse, in denen ihre Mitglieder aktiv f\u00fcr die Sache des \"echten Sozialismus\" im Sinne des Parteiprogramms eintreten. In Bergkamen, Witten, Solingen und Gelsenkirchen haben diese B\u00fcndnisse ihre Mandate behalten. In M\u00fclheim erzielte das im M\u00e4rz 2014 neu gebildete B\u00fcndnis \"M\u00fclheim f\u00fcr AUF\" nach der Losl\u00f6sung aus dem B\u00fcndnis \"WIR M\u00fclheim\" ein Mandat im Rat der Stadt. In Neukirchen-Vluyn wurde zu den bestehenden zwei Ratsmandaten ein weiteres Ratsmandat erzielt. In Essen verlor das B\u00fcndnis \"Essen steht AUF\" das bisherige Ratsmandat. Im Ergebnis hat sich die Zahl der Mandate f\u00fcr die \"AUF\"-B\u00fcndnisse damit nicht ver\u00e4ndert. 100 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Umweltpolitik als wichtiger strategischer Baustein der MLPD Die MLPD hatte bereits auf ihrem Parteitag 2012 die Umweltpolitik zu ihrer \"zweitwichtigsten Kampflinie f\u00fcr die Vorbereitung der internationalen Revolution\" erkl\u00e4rt, um auch auf diesem Gebiet den Kapitalismus zu bek\u00e4mpfen und die angestrebte internationale Revolution der Arbeiterbewegung zu forcieren. Vor diesem Hintergrund erschien im M\u00e4rz 2014 das Buch \"Katastrophenalarm - Was tun gegen die mutwillige Zerst\u00f6rung der Einheit von Mensch und Natur?\". Herausgeber ist der Parteivorsitzende Stefan Engel gemeinsam mit einem Autorenkollektiv, das zum Teil aus langj\u00e4hrigen Parteifunktion\u00e4ren besteht. Das Buch legt zwar faktenbasiert, jedoch in typisch kommunistischer Dialektik dar, dass die weltweiten Umweltprobleme die Folge marktliberalen Wirtschaftens kapitalistischer Gesellschaften sind, denen nur durch revolution\u00e4re Ver\u00e4nderungen im Sinne sozialistischer beziehungsweise kommunistischer Ideologie begegnet werden kann. Das Buch ist seit seinem Erscheinen zentraler Bestandteil der ideologischen Schulungsarbeit der Partei. Flyer zum Buch \"Katastrophenalarm - Was tun gegen die mutwillige Zerst\u00f6rung der Einheit von Mensch und Natur?\" Das Buch steht im Kontext mit dem von der MLPD forcierten Aufbau einer \"\u00fcberparteilichen Umweltgewerkschaft\". Diese wurde bereits im Jahr 2012 in einer international angelegten Unterschriftenaktion gegen Atomkraft als Folge des Reaktorunfalls in Fukushima (Japan) im Rahmen des internationalen Engagements der MLPD in der \"Internationale Koordinierung revolution\u00e4rer Parteien und Organisationen (ICOR)\" thematisiert. Die Gr\u00fcndung wurde mit mindestens 5.000 Linksextremismus 101 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Initiatoren f\u00fcr Herbst 2014 ins Auge gefasst. Bereits in der Schlussresolution des Parteitages 2012 hei\u00dft es hierzu: \"Die MLPD greift den Vorschlag zum Aufbau einer \u00fcberparteilichen Umweltgewerkschaft auf und f\u00f6rdert sie intensiv. [...] In ihr muss die Arbeiterklasse zur f\u00fchrenden Kraft werden, die sich eng verbinden muss mit den vielf\u00e4ltigen anderen Kr\u00e4ften der k\u00e4mpferischen Umweltbewegung aus den kleinb\u00fcrgerlichen Zwischenschichten bis hinein in Teile der nichtmonopolistischen Bourgeoisie.\" Die sogenannte \"Umweltgewerkschaft\" ist Ende November in Berlin als Verein mit dem Ziel der Anerkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit gegr\u00fcndet worden. Der ma\u00dfgebende Einfluss der MLPD wird aufgrund der Ziele, Sprachmuster und im Kontext mit der \"Umweltgewerkschaft\" genannten Organisationen beziehungsweise Veranstaltungen deutlich. Gerichtliches Vorgehen des \"Frauenverbandes Courage e.V.\" gegen Verfassungsschutzbericht 2013 bleibt erfolglos Der \"Frauenverband Courage e.V.\", eine von der MLPD gesteuerte Vorfeldorganisation der Partei, hat im Juli 2014 im Wege der einstweiligen Anordnung beim Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf beantragt, dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (MIK) die Verbreitung des Verfassungsschutzberichts 2013 - in gedruckter Form - zu untersagen, sofern nicht zuvor Passagen \u00fcber \"Courage\" entfernt oder unleserlich gemacht w\u00fcrden. Mit Beschluss vom 1. September 2014 hat das Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf den Antrag zur\u00fcckgewiesen und festgestellt, dass die Berichterstattung des MIK rechtlich nicht zu beanstanden sei und keine Zweifel an dem Vorliegen tats\u00e4chlicher Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht bestehen, dass \"Courage\" f\u00fcr einen verfassungsfeindlichen Personenzusammenschluss in Gestalt der MLPD handelt. Die MLPD sehe \"Courage\" als Mittel, die eigenen verfassungsfeindlichen Gedanken und Ideologien weiteren Kreisen der Gesellschaft zug\u00e4nglich zu machen und sie dort zu verbreiten. Dass \"Courage\" auch in Kenntnis dieser Auffassung an seiner Zusammenarbeit mit der MLPD festhalte und auch in Zukunft festhalten will, bekr\u00e4ftige den Verdacht, dass \"Courage\" durch sein nachdr\u00fcckliches Unterst\u00fctzen der MLPD selbst verfassungsfeindliche Ziele verfolge. Die Beschwerde von \"Courage\" gegen diesen Beschluss wurde vom Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen mit der Best\u00e4tigung der erstinstanzlichen Entscheidung und mit dem Hinweis zur\u00fcckgewiesen, dass der Verdacht auf verfassungsfeindliche Bestrebungen und die Erw\u00e4hnung im Verfassungsschutzbericht gerechtfertigt seien, wenn man wie \"Courage\" mit einer verfassungsfeindlichen Partei zusammenarbeite, ohne sich von deren Verhalten und Zielen ernsthaft zu distanzieren. Derzeit ist noch das Hauptsacheverfahren beim Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf anh\u00e4ngig. 102 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Das Vorgehen ist im Zusammenhang mit der Entziehung der Gemeinn\u00fctzigkeit des Frauenverbandes Ende 2012 durch das Finanzamt Wuppertal zu sehen. Nach erfolglosem Einspruchsverfahren klagt der Verband derzeit vor dem Finanzgericht auf Anerkennung der Gemeinn\u00fctzigkeit. In s\u00e4mtlichen Verfahren wird \"Courage\" anwaltlich durch eine Kanzlei vertreten, deren Inhaber zum Teil Mitglieder des Zentralkomitees der MLPD sind, also des zentralen F\u00fchrungsgremiums der Partei. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die \"Kritik-Selbstkritik-Kampagne\" unter dem Motto \"Erk\u00e4mpfen wir die Selbstver\u00e4nderung von MLPD und Rebell mit der neuen umweltpolitischen Aufgabenstellung\" soll die durch die Gr\u00fcndung der \"Umweltgewerkschaft\" neue \u00f6kologische Ausrichtung der Partei in Vorbereitung auf den kommenden Parteitag unterst\u00fctzen. In einer Aktionseinheit mit ihren als \"Selbstorganisationen der Massen\" bezeichneten Vorfeldund Nebenorganisationen will die Partei diesen neuen Fokus auch \u00f6ffentlich herausstellen. Nach dem ersten Musikfestival des Jugendverbands Rebell in Truckenthal (Th\u00fcringen) und dem \"Frauenpolitischen Ratschlag\" in Chemnitz in diesem Jahr stehen f\u00fcr 2015 das \"17. Internationale Pfingstjugendtreffen\" in Gelsenkirchen, die Vorbereitungen zur die \"2. Weltfrauenkonferenz\" in Nepal 2016 und die Fortf\u00fchrung der Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr die Kurden in Rojava (Syrien) an. Die Ergebnisse der Europawahl und der Kommunalwahlen zeigen erneut, dass die MLPD wahlpolitisch unbedeutend bleibt und auf niedrigem Niveau stagniert. Die Gr\u00fcndung der sogenannten \"Umweltgewerkschaft\" entspricht der seit Jahren praktizierten Strategie der MLPD, \u00fcber Organisationen, die sich positiv besetzten gesellschaftlichen Themen widmen, die eigene politische Isolierung aufzubrechen. Die Verkn\u00fcpfung der Umweltfrage mit kommunistischer Ideologie im Sinne eines \"echten Sozialismus\" soll die Partei vor allem f\u00fcr politisch interessierte j\u00fcngere Menschen attraktiv machen. Die \"Umweltgewerkschaft\" ist zugleich Ausdruck des zunehmenden internationalen Engagements der MLPD, das sie seit der Gr\u00fcndung der \"ICOR\" in 2010 verst\u00e4rkt vorantreibt. Zuletzt wurde der MLPD-Vorsitzende Stefan Engel Anfang 2014 bei der 2. Weltkonferenz der \"ICOR\" als Hauptkoordinator best\u00e4tigt. In diesem Kontext sind auch andere internationale Konferenzen, zum Beispiel der Frauenbewegung und von Berg-, Hafenund Automobilarbeiter, zu bewerten. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_mlpd Linksextremismus 103 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Autonome Linksextremisten Sitz / Verbreitung Landesweite Verteilung mit lokalen Schwerpunkten in Ballungszentren. Autonome Hochburgen liegen au\u00dferhalb von Nordrhein-Westfalen. Gr\u00fcndung / Bestehen seit Ende der 1970erbzw. Anfang der 1980er-Jahre aus Ausl\u00e4ufern der Studentenbewegung der 1968er-Jahre, der Sponti-Szene der 1970er-Jahre und der Punk-Subkultur entstanden Struktur / Repr\u00e4sentanz Szenestrukturen sind von weitgehend hierarchiefreien Netzwerken mit themenoder aktionsbezogener Ausrichtung; Internet fungiert als offenes Kontaktmedium; \u00fcberregionale Treffen mit Delegierten \u00f6rtlicher oder thematisch gebundener Zusammenh\u00e4nge. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Rund 780 Personen in Nordrhein-Westfalen Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Ver\u00f6ffentlichungen in szenebezogenen Internetportalen, Internetblogs und sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die linksautonome Szene ist eine heterogene, alternative Mischszene, deren gemeinsame ideologische Basis fundamentalanarchistische und kommunistische Theoriefragmente bilden. Ihr Ideal sieht sie in einem selbstbestimmten Leben frei von Herrschaftsverh\u00e4ltnissen. Die Szene ist insgesamt eher weniger ideologiefixiert als aktionsorientiert. Staatliche und gesellschaftliche Normen, Hierarchien und Verbindlichkeiten werden als Unterdr\u00fcckungsmechanismen (\"Repression\") abgelehnt. Eine verbindliche Festschreibung auf konkrete politische Ziele widerspricht autonomen Denkmustern, jedoch wird der von weitgehender Handlungsfreiheit gepr\u00e4gte Lebensstil in \"Freir\u00e4umen\" wie Wohngemeinschaften, besetzten H\u00e4usern oder soziokulturellen Zentren ausgelebt. Der Mangel an verbindlicher Zielsetzung wird \u00fcber das Erlebnis identit\u00e4tsstiftender, gemeinsamer politischer Protestaktivit\u00e4ten (beispielsweise zu den Themen Antifaschismus, 104 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Antirassismus, Antikapitalismus, Antigentrifizierung) ausgeglichen. Gewalt ist dabei ein grunds\u00e4tzlich akzeptiertes Mittel im Kampf gegen den Staat und andere politische Gegner. Finanzierung Keine Mitgliedsbeitr\u00e4ge; ereignisoder anlassbezogene Finanzierung von Aktionen und Kampagnen durch Solidarit\u00e4tskonzerte und -partys oder Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben ohne Staat und gesellschaftliche Zw\u00e4nge bedingt, dass Autonome staatliche und gesellschaftliche Normen ablehnen. Der demokratische Rechtsstaat wird von ihnen als Zwangssystem bek\u00e4mpft. Insbesondere Rechtsextremisten, aber zum Teil auch demokratischen Parteien und Organisationen beziehungsweise deren Vertreter werden von Linksautonomen durch die Verfassung garantierte Grundrechte, insbesondere die Versammlungsfreiheit, abgesprochen. Gewalt wird dabei als legitimes Mittel der Auseinandersetzung mit dem politischen Gegner und der Polizei angesehen. Die Polizei wird dabei als \"Besch\u00fctzer der Rechten\" und als Teil des \"staatlichen Repressionsapparats\" betrachtet. Insbesondere die Ablehnung des staatlichen Gewaltmonopols durch die linksautonome Szene bei gleichzeitiger Bef\u00fcrwortung des Gewalteinsatzes zur Erreichung der eigenen politischen Ziele ist nicht vereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Linksautonome beteiligten sich innerhalb Nordrhein-Westfalens im Herbst und Winter 2014 mit bis zu mehreren Hundert Teilnehmern an den zumeist w\u00f6chentlichen Protestdemonstrationen gegen Kundgebungen von islamkritischen Organisationen. Ihre Teilnahme und damit gelegentlich verbundene St\u00f6rungen standen jedoch in keinem Verh\u00e4ltnis zu der weit dar\u00fcber hinausgehenden Anzahl friedlich protestierender Demonstranten, die keinen Raum f\u00fcr nennenswerte Gewaltaus\u00fcbung durch Protagonisten der linksautonomen Szene boten. Anders verhielt es sich jedoch bei einer Demonstration der Str\u00f6mung \"Hooligans gegen Salafisten\" (\"HoGeSa\") am 15. November 2014 in Hannover, bei der im Nachgang vier Teilnehmer aus Bielefeld von AntifaAktivisten angegriffen und zum Teil sehr schwer verletzt wurden. In einem Internetportal \u00e4u\u00dferten dazu \"Autonome Antifaschist*innen aus Bielefeld\" ohne jede Distanzierung, sie seien \"der traurigen \u00dcberzeugung, dass f\u00fcr einen konsequenten Antifaschismus unter bestimmten Umst\u00e4nden auch militante Aktionsformen notwendig sein k\u00f6nnen. Eine grunds\u00e4tzliche Entsolidarisierung mit militanten Antifaschist*innen steht f\u00fcr uns deshalb in keiner Weise zur Debatte.\" Linksautonome Gruppierungen aus Nordrhein-Westfalen beteiligten sich mit eigenen Aktionen insbesondere an der Mobilisierung der von kapitalismuskritischen und in Teilen auch von linksLinksextremismus 105 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","YouTube-Video zum Aktionstag in D\u00fcsseldorf extremistisch beeinflussten Institutionen getragenen \"Blockupy\"-Kampagne. In D\u00fcsseldorf fand am 17. Mai 2014 ein \"Blockupy-Aktionstag\" mit autonomer Beteiligung statt, bei dem die Gesch\u00e4ftsabl\u00e4ufe von Einzelhandelsfilialen mit hochpreisigen oder in Billiglohnl\u00e4ndern produzierten Waren gest\u00f6rt wurden. Anschlie\u00dfend zog man zum Flughafen, um dort gegen Abschiebungen zu demonstrieren. Linksautonome arbeiten auch bei der Vorbereitung und Planung von Kampagnen gegen Gro\u00dfereignisse mit zivildemokratischen Institutionen zusammen. H\u00e4ufig tritt dabei die linksautonome Szene als wesentlicher Motor der Mobilisierung auf. So wurden bereits Treffen zur Vorbereitung von Protestaktivit\u00e4ten gegen die Er\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt/ Main im M\u00e4rz 2015 und gegen den G7-Gipfel auf Schloss Elmau (Bayern) im Juni 2015 mit ma\u00dfgeblicher Beteiligung auch von Protagonisten der autonomen Szene aus Nordrhein-Westfalen durchgef\u00fchrt. Nach einer Pressemitteilung zur bundesweiten \"Aktionskonferenz zur Mobilisierung gegen den G7-Gipfel 2015 in Elmau\" am 21. September 2014 in M\u00fcnchen \u00e4u\u00dferte der Repr\u00e4sentant einer Bonner Gruppierung, man beabsichtige die Gipfelveranstaltung auf Schloss Elmau nicht nur zu st\u00f6ren, sondern gar zu verhindern. Diese Erkl\u00e4rung wurde zwar dahingehend eingeschr\u00e4nkt, dass man sich an das Gesetz halten wolle, allerdings rechnen Sicherheitsbeh\u00f6rden dennoch mit einer Teilnahme von Gewalt bef\u00fcrwortenden Aktivisten an den Protestaktionen, die sich an derartige \u00f6ffentliche Aussagen nicht gebunden f\u00fchlen. Im Zusammenhang mit den Ereignissen in Syrien hat auch das Thema Kurdistansolidarit\u00e4t neuen Aufwind in der linksextremistischen Szene erhalten. Die deutsche Unterst\u00fctzung kurdischer Peschmerga-K\u00e4mpfer im Kampf gegen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) wurde unter anderem auch zur Forderung nach einem Wegfall des PKK-Verbots genutzt. Auf den 106 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Internetseiten der Roten Aktion aus K\u00f6ln und der bundesweit vernetzten Jugendorganisation Young Struggle wurde \u00fcber die mehrt\u00e4gige Reise einer Delegation mit dem Namen \"Grenzenloser Widerstand\" in das t\u00fcrkisch-syrische Grenzgebiet Anfang Oktober 2014 mit entsprechenden Internetlinks berichtet. Daran nahmen auch Aktivisten aus dem Umfeld der linksautonomen Szene in Nordrhein-Westfalen teil, die in ein Dorf nahe der teilweise vom IS besetzten syrischen Stadt Kobane reisten und dort angeblich Truppenbewegungen und Man\u00f6ver beobachteten. Im Nachgang fanden bundesweit Informationsveranstaltungen statt, bei denen die Teilnehmer \u00fcber ihren Aufenthalt berichteten und zu Spenden an die kurdische Freiheitsbewegung aufriefen. Auch bei der Demonstration am 6. Dezember 2014 in K\u00f6ln gegen die dort stattfindende Sitzung der Innenministerkonferenz (IMK) wurde mit linksautonomer Beteiligung sowohl gegen die europ\u00e4ischen Fl\u00fcchtlingsund Zuwanderungsbestimmungen als auch gegen das PKK-Verbot protestiert. Verglichen mit den Kundgebungen gegen die IMK in Vorjahren war die Gesamtbeteiligung mit rund 2.000 Teilnehmern ungew\u00f6hnlich hoch, wobei die prokurdischen Teilnehmer dabei mehr als die H\u00e4lfte der Demonstranten ausmachten. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Neben der Fl\u00fcchtlingsdebatte und den neuen Aktionsformen islamkritischer und -feindlicher Akteure war vor allem der B\u00fcrgerkrieg im Nahen und Mittleren Osten der Ausl\u00f6ser f\u00fcr Aktivit\u00e4ten der linksautonomen Szene. Dies wird sich im Jahr 2015 fortsetzen. Besondere Aktivit\u00e4tsschwerpunkte des linksautonomen Spektrums werden allerdings die Er\u00f6ffnung der EZB am 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt und der anschlie\u00dfende Protest gegen den G7-Gipfel in Elmau sein. Hier ist mit Anreisen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem europ\u00e4ischen Ausland zu rechnen. Thematisch bildete der Antifaschismus jahrelang den deutlichen Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der linksautonomen Szene. Bereits im letzten Jahr war festzustellen, dass von dieser Dominanz nicht mehr gesprochen werden kann. Die B\u00fcndelung der Themenfelder Antikapitalismus, Antirassismus, Antimilitarismus und Antigentrifizierung aus den Vorjahren setzt sich fort. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen jederzeit aktuelle Anl\u00e4sse, zum Beispiel aufgrund der Entwicklung im Nahen und Mittleren Osten oder Fl\u00fcchtlingsdramen auf dem Mittelmeer, zu einer kurzfristigen Mobilisierung und einem gesteigerten Aggressionspotential f\u00fchren. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: autonome Linksextremismus 107 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","108 Linksextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ausl\u00e4nderextremismus Ausl\u00e4nderextremismus 109 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ausl\u00e4nderextremismus 109 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Graue W\u00f6lfe\") .................................................................................... 112 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (DHKP-C) ...................................................... 118 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................................................................... 122 Tamilische Befreiungstiger (LTTE) ..................................................................................... 128 Der Verfassungsschutz beobachtet im nichtislamistischen Ausl\u00e4nderextremismus schwerpunktm\u00e4\u00dfig Bestrebungen, die die Voraussetzungen des SS 3 Abs. 1 Nr. 3 oder 4 VSG NRW erf\u00fcllen oder bei denen Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht einer solchen Bestrebung vorliegen. In diesen Bereichen finden sich Ideologieelemente aus dem Rechtsextremismus (\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung) und Linksextremismus (PKK und DHKP-C) sowie separatistische Bestrebungen (LTTE). Insbesondere das Aktionsverhalten der nichtislamistischen extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen, namentlich das der PKK, wird entscheidend von den Entwicklungen und Ereignissen in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern gepr\u00e4gt. Im Jahr 2014 waren zudem die Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Kr\u00e4ften und IS-K\u00e4mpfern in Syrien im Raum Kobane Ausl\u00f6ser f\u00fcr Aktionen von PKK-Anh\u00e4ngern in Deutschland. So kam es beispielsweise im Oktober 2014 in D\u00fcsseldorf zu einer Solidarit\u00e4tsaktion in Form einer Demonstration mit rund 21.000 Teilnehmern, bei der gleichzeitig auch eine Aufhebung des PKK-Verbots gefordert wurde. F\u00fcr den Bereich der LTTE sind die j\u00e4hrlichen Gedenkveranstaltungen zum sogenannten M\u00e4rtyrergedenken weiterhin einer der wichtigsten Identifikationspunkte ihrer Anh\u00e4nger. Im Vergleich zu den Vorjahren sind die Teilnehmerzahlen tendenziell steigend. Hinsichtlich der seit einigen Jahren beobachtbaren Auseinandersetzungen innerhalb der LTTE zeichnen sich Anhaltspunkte daf\u00fcr ab, dass die konkurrierenden Fl\u00fcgel inzwischen wieder aufeinander zugehen. Seit dem Jahr 2013 werden beispielsweise keine konkurrierenden Veranstaltungen zum Thema Heldengedenktag mehr durchgef\u00fchrt. 110 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die DHKP-C hat bereits im Jahr 1999 erkl\u00e4rt, in Westeuropa auf den Einsatz von Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele verzichten zu wollen. Diese Zusage hat bislang weiterhin Bestand. In der T\u00fcrkei hingegen ist die Gefahr von terroristischen Anschl\u00e4gen durch die Organisation nach wie vor aktuell. Dies zeigte sich zuletzt an einem durch Wachsoldaten vereitelten Anschlag mit Handgranaten und einer Schusswaffe am 7. Januar 2015 am Dolmabahce-Palast in Istanbul. F\u00fcr den Bereich der Grauen W\u00f6lfe ergibt sich aus Verlautbarungen des Dachverbandes AD\u00dcTDF, dass dieser sich weiterhin darum bem\u00fcht, das Image eines eher kulturell t\u00e4tigen denn politisch agierenden Dachverbandes zu pflegen. Die Organisation setzt damit auf den Ausbau ihrer Strukturen und versucht zugleich, insbesondere Jugendliche an sich zu binden und f\u00fcr die Ideologie der [Grauen W\u00f6lfe] einzunehmen. Das Aktionsverhalten der Grauen W\u00f6lfe war im Berichtszeitraum wie bereits im Vorjahr in Nordrhein-Westfalen r\u00fcckl\u00e4ufig. Gleichwohl verbreiten Graue W\u00f6lfe nach wie vor ihre verbale Hetze gegen die selbst propagierten Feindbilder wie beispielsweise Kurden und Armenier \u00fcber das Internet. Zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass PKK, DHKP-C und die LTTE, gegebenenfalls auch unter Einsatz von Gewalt und Terror, eine radikale Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im jeweiligen Heimatland anstreben. Trotz des hier bestehenden Strafverfolgungsdrucks versuchen die Gruppierungen Deutschland als sicheren R\u00fcckzugsraum zu nutzen, um von hier aus die Heimatorganisationen ideologisch und auch finanziell zu unterst\u00fctzen. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. Ausl\u00e4nderextremismus 111 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Graue W\u00f6lfe\") Sitz / Verbreitung Die F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF) hat ihren Sitz in Frankfurt am Main. In Nordrhein-Westfalen sind rund 70 Vereine unter dem Dachverband der AD\u00dcTDF organisiert. Gr\u00fcndung / Bestehen seit Die AD\u00dcTDF wurde 1978 in Frankfurt am Main als F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. gegr\u00fcndet. Im Jahr 2007 hat sie sich in F\u00f6deration der T\u00fcrkischDemokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. umbenannt. Struktur / Repr\u00e4sentanz Die \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung ist heterogen strukturiert und setzt sich aus mehreren Dachverb\u00e4nden, unter anderem der AD\u00dcTDF, einigen Abspaltungsvereinen sowie einer Anzahl von organisationungebundenen Anh\u00e4ngern zusammen. Je nach Ausrichtung der jeweiligen Gruppierung stehen islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte im Vordergrund. Das gemeinsame und verbindende Element ist ein auf Hegemonie und imperiale Machtentfaltung ausgerichteter t\u00fcrkischer Nationalismus. Die zur \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung z\u00e4hlenden Gruppierungen lassen sich in drei Hauptstr\u00f6mungen unterteilen: Die erste Str\u00f6mung richtet ihre Ideologie vorwiegend nach dem AltT\u00fcrkentum aus und ist stark rassistisch gepr\u00e4gt. Sie ist in der T\u00fcrkei in Form kleinerer Gruppen oder Zusammenschl\u00fcsse organisiert. Die zweite Str\u00f6mung glorifiziert das T\u00fcrkentum und verfolgt im Wesentlichen die Ziele der in der T\u00fcrkei als Milliyetci Hareket Partisi (MHP) aktiven Partei. Im Ausland verf\u00fcgt diese Str\u00f6mung \u00fcber Massenorganisationen wie beispielsweise die AD\u00dcTDF. Die dritte Str\u00f6mung orientiert sich st\u00e4rker am Islam und den Zielen der in der T\u00fcrkei aktiven B\u00fcy\u00fck Birlik Partisi (BBP). 112 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Mitglieder / Anh\u00e4nger / \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung: nicht bezifferbar Unterst\u00fctzer 2014 Vereinsgebundene AD\u00dcTDF-Mitglieder: Bund: circa 7.000 NRW: circa 2.000 Ver\u00f6ffentlichungen Publikation: \"B\u00fclten\" (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration) Webangebot: T\u00fcrkischsprachige Homepage der AD\u00dcTDF und umfangreiche Internetaktivit\u00e4ten unter zahlreichen Internetadressen Kurzportrait / Ziele Als Graue W\u00f6lfe oder \u00dclk\u00fcc\u00fcs werden die Anh\u00e4nger der im t\u00fcrkischen Parlament vertretenen rechtsextremen Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP) sowie anderer t\u00fcrkischnationalistischer Gruppierungen bezeichnet. Je nach Ausrichtung der Gruppierung dominieren islamische, ultranationalistische oder rassistische Inhalte. Pr\u00e4gend f\u00fcr die Bewegung ist ein \u00fcbersteigerter t\u00fcrkischer Nationalismus, der mit einer \u00dcberh\u00f6hung der eigenen Ethnie und einer Abwertung anderer Ethnien gepaart ist. Angestrebt wird die Errichtung einer Gro\u00dft\u00fcrkei in den Grenzen des Osmanischen Reiches (sogenannter Panturkismus oder Streben nach t\u00fcrkischer Hegemonie). Gefordert wird hierbei die Wiedervereinigung aller Turkv\u00f6lker vom Balkan bis nach Zentralasien. Damit einher geht eine rassistische Feindbildorientierung gegen beispielsweise Kurden, Armenier, Griechen und Juden. Diese Feindbildorientierung \u00e4u\u00dfert sich vor allem in verbaler Hetze im Internet. Generell wird f\u00fcr die Verbreitung der Ideologie der Grauen W\u00f6lfe im Internet auf verschiedenen Plattformen wie sozialen Netzwerken und Videoportalen geworben. Zwar geben sich die Vereine der Grauen W\u00f6lfe nach au\u00dfen hin \u00fcberwiegend legalistisch, jedoch dulden sie in ihren Reihen zumindest die Verbreitung des extrem nationalistischen Gedankenguts. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spendengelder, Sponsoring Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Durch ihr extrem nationalistisches Gedankengut bestehen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht, dass die Grauen W\u00f6lfe Ziele verfolgen, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung beziehungsweise das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker richten. Sie erf\u00fcllen damit die Voraussetzungen zur Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden nach SS 3 Abs. 1 Nr. 4 VSG NRW. Ausl\u00e4nderextremismus 113 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Im Einzelnen sprechen hierf\u00fcr der extreme Nationalismus und F\u00fchrerkult sowie ein antipluralistisches und autorit\u00e4r gepr\u00e4gtes Gesellschaftsverst\u00e4ndnis. Dabei werden beispielsweise Menschen, die sich nicht zum T\u00fcrkentum bekennen, als minderwertig betrachtet. Es wird grunds\u00e4tzlich eine \u00dcberlegenheit der \"t\u00fcrkischen Rasse\" angenommen. Der F\u00fchrerkult spiegelt sich sowohl in einer streng hierarchischen Struktur als auch in der Verehrung ihres 1997 verstorbenen Gr\u00fcnders Alparslan T\u00fcrkes als ewigem F\u00fchrer (Basbug) wieder. Der \u00fcbersteigerte Nationalismus wird durch Feindbilder deutlich, bei denen allein die ethnische Zugeh\u00f6rigkeit beispielsweise zur kurdischen oder armenischen Volksgruppe als Grund f\u00fcr eine vermutete Feindschaft gegen\u00fcber dem T\u00fcrkentum bewertet wird. Generell werden Menschen, die als \"Gegner\" t\u00fcrkischer Interessen wahrgenommen werden zu Feinden erkl\u00e4rt. Dabei spielen Verschw\u00f6rungstheorien eine wesentliche Rolle, beispielsweise im Zusammenhang mit Vorw\u00fcrfen an die T\u00fcrkei, 1915 einen V\u00f6lkermord an den Armeniern ver\u00fcbt zu haben. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Es sind vereinsgebundene und vereinsungebundene Aktivit\u00e4ten der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Anh\u00e4nger zu unterschieden: Vereinsgebundene Aktivit\u00e4ten Unter dem Dach der AD\u00dcTDF, die in Nordrhein-Westfalen mit rund 70 Vereinen und rund 2.000 vereinsgebundenen Anh\u00e4ngern vertreten ist, finden sich viele Personen, die sich der Vereinsdirektive entsprechend nach au\u00dfen streng legalistisch geben, insbesondere in der Jugendarbeit aber auf einen Ideologietransfer ihrer extrem nationalistischen Grundeinstellung ausgerichtet sind. In einer im Mai 2014 ver\u00f6ffentlichen Presseerkl\u00e4rung \u00e4u\u00dferte sich der Vorsitzende der AD\u00dcTDF Sent\u00fcrk Dogruyol wie folgt: \"Alle t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrger unabh\u00e4ngig von ihrer Religion, Abstammung und Glaubensrichtung sind Angeh\u00f6rige der t\u00fcrkischen Nation. [...] Zum Programm der t\u00fcrkischen F\u00f6deration geh\u00f6ren die Pflege der t\u00fcrkischen Werte und der Kultur und nat\u00fcrlich die Integration in die hiesige Gesellschaft. Und anders als Assimilation bedeutet Integration auch das Bewahren der Herkunftskultur. Wie jeder Mensch haben auch V\u00f6lker und Gesellschaften 'Ideale' wonach man strebt.\" Das Zitat macht deutlich, dass sich die AD\u00dcTDF in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen darum bem\u00fcht, das Image eines eher kulturell t\u00e4tigen, denn politisch agierenden Dachverbands zu pflegen. Sie setzt damit auf den Ausbau ihrer Strukturen und versucht, weiterhin Jugendliche an sich zu binden und f\u00fcr ihre Ideologie einzunehmen. Gleichzeitig zeigt das Zitat, dass die AD\u00dcTDF sich als Bewahrer t\u00fcrkischer Werte sieht und sich dabei unterschwellig auch gegen ihre \"Feinde\" wendet. 114 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Dies sind nach wie vor insbesondere Kurden, die sich als t\u00fcrkische Staatsb\u00fcrger f\u00fcr die Anerkennung autonomer kurdischer Rechte einsetzen und damit zu Feinden der T\u00fcrkischen Nation beziehungsweise der AD\u00dcTDF werden. Alle Kurden, die sich zum Kurdentum bekennen, werden undifferenziert als PKK-Anh\u00e4nger angesehen und insbesondere im Internet unter anderem als Verr\u00e4ter diffamiert. Die Kurden werden nach der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Ideologie als ein von seinem Ursprung entfremdetes t\u00fcrkst\u00e4mmiges Volk betrachtet. Die Pflege solcher Feindbilder ist naturgem\u00e4\u00df dazu geeignet, zu einer Radikalisierung und Gewaltaffinit\u00e4t beizutragen. Der best\u00e4ndige Gebrauch von Feindbildern ist daher ein Indiz f\u00fcr Extremismus, denn dieser f\u00e4ngt nicht erst bei der Propagierung oder Praktizierung von Gewalt an. Er zeigt sich vielmehr schon im Vorfeld mit der Schaffung stereotyper Feindbilder, die eine gemeinsame Logo der AD\u00dcTDF aggressive Grundhaltung rechtfertigen sollen. Einen deutlichen Schwerpunkt nimmt in den Vereinen die Jugendarbeit ein. Das dort vermittelte Gruppenerlebnis f\u00fchrt zu Identit\u00e4tsfindung und Stabilisierung mit \"Gleichgesinnten\" und dient gleichzeitig zur \u00dcbernahme der Feindbilder. Die in den Vereinen angebotenen Freizeitaktivit\u00e4ten sind auf hohe Attraktivit\u00e4t f\u00fcr die jeweilige Altersgruppe ausgelegt. Jugendliche erhalten eine teilweise im schulischen Umfeld nicht erreichbare Anerkennung. Studien belegen, dass aus der Anerkennung innerhalb der Gruppe ein starkes Gemeinsamkeitsgef\u00fchl resultiert, das mit der Botschaft, in der \"Fremde\" die t\u00fcrkisch-islamische Kultur verteidigen zu m\u00fcssen, gekoppelt wird. Diskriminierungserfahrungen k\u00f6nnen dabei zu einer selbst empfundenen Opferrolle beitragen, die insbesondere in der Adoleszenz als Rechtfertigung f\u00fcr den Hass gegen andere Ethnien dient und zur Gewaltaffinit\u00e4t beitragen kann. Vereinsungebundene Aktivit\u00e4ten Bei einem Teil der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Anh\u00e4nger ist ein Trend zur Abkehr von der traditionellen Organisationsform unter dem Dach der AD\u00dcTDF feststellbar. Es findet ein Wechsel zu autonomen Aktionsplattformen insbesondere zur Agitation im virtuellen Raum statt. Ohne eine vergleichsweise klare Programmatik werden hier vor allem gemeinsame Feindbilder gepflegt. Auch hier spielt das \"Feindbild Kurde\" eine wesentliche Rolle. In diesen heterogenen Strukturen wird in teilweise erschreckender Art in entsprechenden WebAngeboten, Foren und Chats gegen Feindbilder mit Formulierungen wie beispielsweise \"Kurde verrecke\" agitiert. Die Verbreitung von gewaltorientierter rassistischer Ideologie auf der Basis eines aggressiven Nationalismus kann in einer Selbstradikalisierung von Jugendlichen m\u00fcnden. Ausl\u00e4nderextremismus 115 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Beispiele f\u00fcr die Selbstdarstellung der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung im Internet 116 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Bewertung, Tendenzen, Ausblick Trotz der verbalen Radikalit\u00e4t im Internet sind tats\u00e4chlich gewaltt\u00e4tige Aktionen von Anh\u00e4ngern der Grauen W\u00f6lfe, ob vereinsgebunden oder vereinsungebunden, im Berichtszeitraum eher r\u00fcckl\u00e4ufig gewesen. Gewaltt\u00e4tiges Verhalten war in der Regel nur reaktiv beispielsweise nach Provokationen aus dem kurdischen Umfeld feststellbar. Nachdem sich das Aktionsverhalten kurdischer PKKSympathisanten mit Blick auf die Friedensverhandlungen zwischen dem T\u00fcrkischen Staat und der PKK deutlich ver\u00e4ndert und abgenommen hat, sind gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen Kurden und \u00dclk\u00fcc\u00fc-Anh\u00e4ngern deutlich r\u00fcckl\u00e4ufig. Gleichwohl bedarf es weiterhin einer dezidierten Beobachtung, ob die nach wie vor \u00fcberwiegend im Internet feststellbare verbale Aggressivit\u00e4t und Hetze m\u00f6glicherweise in eine Bereitschaft zur tats\u00e4chlichen Gewaltaus\u00fcbung umschl\u00e4gt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_uelkuecue Ausl\u00e4nderextremismus 117 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/Front (Devrimci Halk Kurtulus PartisiCephesi - DHKP-C) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei, weltweite Verbreitung mit Schwerpunkt Europa Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1994, hervorgegangen aus der 1978 gegr\u00fcndeten revolution\u00e4ren Linken (Devrimci Sol - Dev-Sol) Struktur / Repr\u00e4sentanz Generalsekret\u00e4r, Zentralkomitee sowie l\u00e4nderund gebietsverantwortliche Funktion\u00e4re Nach dem Tod von Dursun Karatas im Jahr 2008 wurde offiziell noch kein Nachfolger f\u00fcr das Amt des Generalsekret\u00e4rs bestimmt. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 650 NRW: 200 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, unregelm\u00e4\u00dfiges Erscheinen) und Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Der Marsch, w\u00f6chentliches Erscheinen) Webangebot: mehrsprachiger Internetauftritt Kurzportrait / Ziele Die in der T\u00fcrkei und in Deutschland verbotene Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C) verfolgt das Ziel, das bestehende t\u00fcrkische Staatssystem durch eine bewaffnete Revolution zu zerschlagen, um ein sozialistisches System zu errichten. Auf der ideologischen Grundlage des Marxismus-Leninismus propagiert die DHKP-C einen bewaffneten Volkskampf unter ihrer F\u00fchrung. Die Organisation tritt damit f\u00fcr eine revolution\u00e4re Zerschlagung der t\u00fcrkischen Staatsund Gesellschaftsordnung ein. Hierzu f\u00fchrt sie in der T\u00fcrkei auch terroristische Aktionen durch. In Deutschland kann die DHKP-C aufgrund des Verbotes nicht offen agieren. Sie handelt daher \u00fcber Vereine, deren Satzungen keinen R\u00fcckschluss auf die Zugeh\u00f6rigkeit zur Organisation zulassen. Finanzierung Mitgliedsbeitr\u00e4ge nahe stehender Vereine, Spenden, Verkauf von Publikationen 118 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Mit ihrem Bestreben gef\u00e4hrdet die DHKP-C sowohl die innere Sicherheit als auch die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland (SS 3 Abs. 1 Nr. 1 und Nr. 3 VSG NRW). Die DHKP-C ist eine Nachfolgeorganisation der in der Bundesrepublik Deutschland seit 1983 verbotenen Devrimci Sol. Sie ist selbst in Deutschland seit dem 1. Februar 2000 rechtskr\u00e4ftig verboten. Bereits seit dem Verbot 1983 werden politische Aktivit\u00e4ten konspirativ fortgesetzt. Im Mai 2002 hat der Rat der Europ\u00e4ischen Union die DHKP-C auf die europ\u00e4ische Liste der Terrororganisationen gesetzt. Der politische Fl\u00fcgel der DHKP-C tr\u00e4gt den Namen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei (Devrimci Halk Kurtulus Partisi - DHKP), der milit\u00e4rische Arm der DHKP-C hat die Bezeichnung Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (Devrimci Halk Kurtulus Cephesi - DHKC). Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die DHKP-C hat sich auch im Berichtszeitraum an den im Jahr 1999 vom damaligen Generalsekret\u00e4r Dursun Karatas erkl\u00e4rten Gewaltverzicht f\u00fcr Westeuropa gehalten. In der T\u00fcrkei hingegen ist die Gefahr von terroristischen Anschl\u00e4gen durch die Organisation nach wie vor aktuell. Dies zeigte sich zuletzt an einem durch Wachsoldaten vereitelten Anschlag mit Handgranaten und einer Schusswaffe am 7. Januar 2015 am Dolmabahce-Palast in Istanbul. Der DHKP-C nahestehende Vereine haben im Jahr 2014 zahlreiche \u00f6ffentlichkeitswirksame Veranstaltungen organisiert. Bei der Mehrzahl dieser Ereignisse war die Teilnehmerresonanz gering. Es waren aber auch einige Gro\u00dfveranstaltungen in Nordrhein-Westfalen zu verzeichnen. Beispiele f\u00fcr Veranstaltungen: > Am 10. Februar 2014 wurde in K\u00f6ln eine Gedenkveranstaltung f\u00fcr den am 1. Februar 2013 in Ankara bei einem Selbstmordattentat ums Leben gekommenen DHKP-C-Anh\u00e4nger Ecevit Sanli abgehalten. Die Teilnehmerzahl bewegte sich im niedrigen zweistelligen Bereich. > Der DHKP-C nahe Verein Anatolische F\u00f6deration initiierte eine Demonstration in Form eines politischen Marsches durch mehrere Bundesl\u00e4nder. Der Marsch startete am 18. M\u00e4rz vor dem Dienstgeb\u00e4ude des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in K\u00f6ln und endete am 27. M\u00e4rz in Stuttgart. Themen waren die Freiheit der politischen Gefangen, Vereinigungsfreiheit und Meinungsfreiheit. Zwischenkundgebungen wurden unter anderem vor mehreren Justizvollzugsanstalten, auch in Nordrhein-Westfalen, abgehalten, um auf inhaftierte DHKPC-Funktion\u00e4re aufmerksam zu machen. Die Abschlusskundgebung fand vor der Justizvollzugsanstalt in Stuttgart-Stammheim statt. Bei einer vorausgehenden Versammlung in der Ausl\u00e4nderextremismus 119 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Stuttgarter Innenstadt kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Im \u00dcbrigen verlief der Marsch, an dem sich eine niedrige zweistellige Zahl von Personen beteiligt hat, jedoch friedlich. > Am 19. April fand in Dortmund ein europaweites Treffen von rund 200 DHKP-C-Anh\u00e4ngern zum Thema \"Gedenken an die verstorbenen Revolution\u00e4re in der T\u00fcrkei\" statt. Die Veranstaltung verlief friedlich. Werbung wurde f\u00fcr sie mit einem Plakat gemacht, das ein Portr\u00e4t des oben erw\u00e4hnten Selbstmordattent\u00e4ters Ecevit Sanli zeigte. > Die gr\u00f6\u00dfte mit Unterst\u00fctzung von DHKP-C-Anh\u00e4ngern organisierte Veranstaltung war ein Konzert der t\u00fcrkischen Musikgruppe \"Grup Yorum\" am 28. Juni in der K\u00f6nig-Pilsener-Arena in Oberhausen. Zu dem Konzert unter dem Motto \"Eine Stimme gegen Rassismus\" reisten aus Deutschland und dem benachbarten Ausland circa 10.000 bis 12.000 Besucher an. Im Berichtsjahr wurden zudem mehrere Farbspr\u00fchaktionen mit DHKP-C-Symbolik registriert. 120 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 29. August 2014 einen t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung DHKP-C zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten. Nach Feststellungen des Gerichts war der Angeklagte \u00fcber mehrere Jahre als Mitglied der sogenannten \"R\u00fcckfront\" der DHKP-C im Gro\u00dfraum Duisburg in die Beschaffung von Finanzmitteln f\u00fcr den bewaffneten Kampf der Organisation in der T\u00fcrkei eingebunden. Strafmildernd wurde das Gest\u00e4ndnis des Angeklagten ber\u00fccksichtigt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Polizeiliche Exekutivma\u00dfnahmen im Jahr 2013 und entsprechende negative Berichterstattung hatten zur Verunsicherung der Anh\u00e4nger der DHKP-C in Deutschland gef\u00fchrt. Durch \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Form von Kundgebungen versuchte die Organisation die eigenen Anh\u00e4nger zu motivieren und neue Sympathisanten zu finden. Sie setzte dabei auf Themen wie die weitere Strafverfolgung von DHKP-C-Aktivisten in Europa und aktuelle Anl\u00e4sse wie beispielsweise das Grubenungl\u00fcck in der t\u00fcrkischen Stadt Soma oder der Tod des t\u00fcrkischen Jugendlichen Berkin Elvan. Der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in M\u00fcnchen wird von DHKP-C Anh\u00e4ngern immer wieder zum Anlass genommen, einen vermeintlichen allt\u00e4glichen Rassismus in Deutschland anzuprangern. Der Selbstmordattent\u00e4ter Ecevit Sanli wird als M\u00e4rtyrer f\u00fcr eine gerechte Sache dargestellt und durch \u00f6ffentliche Totenverehrung das Instrument des Selbstmordattentats gerechtfertigt. Im Jahr 2014 haben bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen DHKP-C-Anh\u00e4ngern und der t\u00fcrkischen Polizei zugenommen. Vor dem Hintergrund der v\u00f6lligen Unvers\u00f6hnlichkeit der Ideologie der DHKP-C mit dem t\u00fcrkischen Staat ist weiterhin mit militanten Aktionen durch die DHKP- C in der T\u00fcrkei zu rechnen. Deutschland dient als wichtiger R\u00fcckzugsraum und m\u00f6gliche Rekrutierungsbasis f\u00fcr die Organisation. Daher ist eine weitere Beobachtung der Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz angezeigt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_dhkpc Ausl\u00e4nderextremismus 121 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Volkskongress Kurdistans (KONGRAGEL) und unterst\u00fctzende Organisationen Sitz / Verbreitung Sitz im Nord-Irak Europa: Vertretung durch CDK Koordinasyon Civata Ekolojik - Demokratik a Kurd Li Ewropa, hier insbesondere durch wenige weisungsberechtigte Funktion\u00e4re mit wechselnden Aufenthaltsorten Gr\u00fcndung / Bestehen seit November 1978 Struktur / Repr\u00e4sentanz H\u00f6chste Entscheidungsorgane: Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans (KCK) mit dem Pr\u00e4sidenten Abdullah \u00d6calan und den Vorsitzenden Cemil Bayik und Bese Hozat Generalversammlung der Volkskongress Kurdistans (KONGRAGEL) mit den Vorsitzenden Hacer Zagros und Remzi Kartal Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 14.000 NRW: 2.200 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: unter anderem \"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" (monatlich); \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" (monatlich); \"Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen)\" (monatlich); \"KurdistanReport\" (Auflage bis 15.000); \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (t\u00e4glich) Fernsehsender: aktuell \"NUCE TV\" und \"Mednuce\" Internet: Zahlreiche Internetauftritte \u00fcber mehrere Server Kurzportrait / Ziele Die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die heute unter der Bezeichnung Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) agiert, strebte urspr\u00fcnglich einen eigenen kurdischen Nationalstaat an. Er sollte die Gebiete S\u00fcdostanatoliens (T\u00fcrkei), den Nord-Irak, Teile des westlichen Iran und Gebiete im Norden Syriens umfassen. Obwohl seitens der PKK immer wieder betont wird, man habe die fr\u00fcheren separatistischen Ziele aufgegeben, bem\u00fcht sie sich weiterhin um einen l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Verbund aller Kurden im Nahen Osten. Im Jahre 1993 erlie\u00df das Bundesministerium des Innern ein Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr die PKK und ihrer Nebenorganisationen. Die PKK 122 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","ist zudem auf der EU-Terrorliste verzeichnet. Bis Ende 2013 vertrat die F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland \"YEK-KOM\" nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis unter anderem die politischen Interessen der PKK in Deutschland. Der Sitz der \"YEK-KOM\" war in D\u00fcsseldorf. Aufgrund einer bereits im Juli 2013 durch den Dachverband des \"Kongresses der kurdischdemokratischen Gesellschaft in Europa (KCD-E)\" beschlossenen Neustrukturierung bildeten sich in vielen deutschen St\u00e4dten kurdische Gesellschaftszentren, welche die bisher agierenden \u00f6rtlichen \"YEK-KOM\"Vereine ersetzten. Der Vereinsname lautet seitdem \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM)\". Auf dem 20. Jahreskongress der \"YEK-KOM\" im Juni 2014 wurde die Umbenennung der \"YEK-KOM\" in das \"Demokratisch-kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM)\" beschlossen. Finanzierung J\u00e4hrliche Spendensammlung bei den Anh\u00e4ngern der PKK, Erl\u00f6se aus Zeitschriftenverk\u00e4ufen, Eintrittsgeldern bei Gro\u00dfveranstaltungen Spendensammlung 2014 erbrachte in Deutschland etwa zehn Millionen Euro Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In Westeuropa ist seit Ende M\u00e4rz 1996 ein Kurswechsel zu weitgehend friedlichem Verhalten erkennbar. Die PKK stellt wegen ihrer fortw\u00e4hrenden Bereitschaft, zu aktionsorientiertem Verhalten zur\u00fcckzukehren, jedoch nach wie vor eine Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland dar. Dies begr\u00fcndet ihre Beobachtung gem\u00e4\u00df SS 3 Abs. 1 Nr. 1 VSG NRW. Die PKK verfolgt ihre Ziele in den Kampfgebieten, aktuell insbesondere in Syrien, sowie in der T\u00fcrkei nach wie vor mit Waffengewalt. Damit gef\u00e4hrdet die Organisation die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland, so dass auch aus diesem Grunde eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz nach SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW erforderlich ist. Ausl\u00e4nderextremismus 123 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Von dem aus der PKK hervorgegangenen KONGRA-GEL gehen in Westeuropa weiterhin keine gewaltt\u00e4tigen Aktionen aus. Vielmehr bem\u00fcht er sich auch in Nordrhein-Westfalen durch Aktionen, die auf m\u00f6glichst gro\u00dfe mediale Aufmerksamkeit angelegt sind, um die politische Anerkennung seiner Forderungen. Gewaltt\u00e4tig agieren die PKK und ihre bewaffneten Guerillaverb\u00e4nde, insbesondere die Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG), in den kurdischen Siedlungsgebieten. Neben der T\u00fcrkei geh\u00f6ren dazu die nordirakische Grenzregion und kurdische Gebiete in Syrien (auch \"Rojava\" = Westkurdistan genannt). Ende Januar 2014 war in Teilen der kurdischen Siedlungsgebiete Syriens eine demokratische Autonomie unter Einbeziehung der ebenfalls dort lebenden christlichen und arabischen Bev\u00f6lkerung ausgerufen worden. Die daf\u00fcr federf\u00fchrende Partei der demokratischen Union (PYD) wird als syrischer Zweig der PKK angesehen. Die aktuellen Entwicklungen in den Heimatregionen rufen nach wie vor unmittelbare Reaktionen bei den in Nordrhein-Westfalen lebenden PKK-Anh\u00e4ngern hervor. Die Ende 2012 aufgenommenen Friedensverhandlungen zwischen dem t\u00fcrkischen Staat und der PKK-F\u00fchrung im Nordirak sowie mit Abdullah \u00d6calan dauerten auch in 2014 an. Anl\u00e4sslich des kurdischen Neujahrsfestes im M\u00e4rz 2014 bekr\u00e4ftigte dies Abdullah \u00d6calans noch einmal in einer ver\u00f6ffentlichten Botschaft. Er forderte jedoch, dass man nach einem Jahr des Dialogs zu konkreten Verhandlungen \u00fcbergehen m\u00fcsse. Der Verlauf der Friedensverhandlungen wurde von den PKK-Anh\u00e4ngern in Deutschland aufmerksam beobachtet. Vor dem Hintergrund des im Jahr 2014 anhaltenden B\u00fcrgerkrieges in Syrien, insbesondere aufgrund der Auseinandersetzungen mit dem Islamischen Staat (IS) im Grenzgebiet bei Kobane, kam es zu zahlreichen Solidarit\u00e4tsaktionen in Form von Demonstrationen. Bei diesen wurde regelm\u00e4\u00dfig auch eine Aufhebung des PKK-Verbots gefordert. Die teilnehmerst\u00e4rkste Veranstaltung in dieser Reihe fand am 11. Oktober 2014 in D\u00fcsseldorf statt. Insgesamt beteiligten sich daran rund 21.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland. Folgende weitere Gro\u00dfveranstaltungen und Demonstrationen fanden in Nordrhein-Westfalen statt: 22. M\u00e4rz 2014, D\u00fcsseldorf Newroz-Fest unter dem Motto \"Freiheit in Kurdistan - Demokratie in der T\u00fcrkei\", Teilnehmerzahl: circa 10.000 Personen. 12. April 2014, Duisburg Europaweite Jugenddemonstration unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\", Teilnehmerzahl: circa 650 Personen. 124 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Einladung zum Newroz-Fest in D\u00fcsseldorf Ausl\u00e4nderextremismus 125 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Im Verlauf dieser Demonstration kam es zu Gewaltt\u00e4tigkeiten, unter anderem durch Steinund Flaschenw\u00fcrfe auf einen t\u00fcrkischen Kulturverein. Im Nachgang des Aufzuges kam es im Umfeld des Kurdistan Solidarit\u00e4tszentrums zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen, an denen zeitweise bis zu 100 Personen beteiligt waren. Der Vorfall zeigt das unver\u00e4ndert vorhandene Aggressionspotential von PKK-Anh\u00e4ngern gegen\u00fcber t\u00fcrkischen Nationalisten oder Personengruppen, bei denen eine N\u00e4he zu der von der AKP vertretenen t\u00fcrkischen Politik vermutet wird. 14. Juni 2014, Dortmund 10. Zilan Frauenfestival unter dem Motto \"Mit freien Frauen zu einer demokratischen Gesellschaft\" mit circa 2.500 Teilnehmern 13. September 2014, D\u00fcsseldorf 22. Internationales Kurdisches Kulturfestival unter dem Motto \"Die Rojava-Revolution ist dem freien Kurden eine Ehre\" und \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\" mit circa 30.000 Teilnehmern Zeitgleich mit den kriegerischen Auseinandersetzungen in Syrien und im Nordirak konnten in Nordrhein-Westfalen verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen zur Rekrutierung von Kr\u00e4ften f\u00fcr die dortigen Guerillaeinheiten festgestellt werden. Es wurden vermehrt K\u00e4mpfer f\u00fcr die Guerillaeinheiten der PKK, die sogenannten Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG), und die Volksverteidigungseinheiten (YPG) rekrutiert. Bei den YPG handelt es sich um den milit\u00e4rischen Arm der PYD. Entsprechende Aufrufe, die sich an M\u00e4nner und Frauen richten, wurden \u00fcber das Internet oder Publikationen verbreitet. Im Juli 2014 forderte die PKK zum Beispiel Jugendliche in Europa dazu auf, sich f\u00fcr mindestens sechs Monate den bewaffneten PKK-Einheiten in Syrien und im Irak anzuschlie\u00dfen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Sollte der Friedensprozess zwischen der T\u00fcrkei und der PKK scheitern beziehungsweise aufgek\u00fcndigt werden, wird dies auch in Europa wahrgenommen und seine Auswirkungen entfalten. Die Auseinandersetzungen zwischen den IS-Anh\u00e4ngern und den Anh\u00e4ngern von PKK und PYD in Syrien und Nordirak werden in Deutschland ebenfalls sehr genau beobachtet. Das k\u00fcnftige Demonstrationsgeschehen sowie Aktionsverhalten der PKK-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen wird ganz wesentlich von der weiteren Entwicklung in diesen Krisengebieten abh\u00e4ngen. So intensivierten sich je nach Lageentwicklung in den Kampfgebieten das Demonstrationsgeschehen und das Aktionsverhalten der PKK-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen. Zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern des IS und Jesiden beziehungsweise PKK-Anh\u00e4ngern und anderen IS-Gegnern kam es nur sehr vereinzelt. Dies zeigte dennoch, wie unmittelbar der Konflikt in Syrien oder Irak von entsprechenden Personenkreisen wahrgenommen wird. Es ist weiterhin davon auszugehen, dass die PKK-Anh\u00e4ngerschaft jegliche Art von medienwirksamen 126 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Aktionsformen, wie beispielsweise bereits in der Vergangenheit durchgef\u00fchrte Besetzungsaktionen von Fernsehanstalten, Flugh\u00e4fen, Parteib\u00fcros oder Schiffen, durchf\u00fchren wird. Ebenso wird auch die Forderung nach einer Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbotes der PKK verst\u00e4rkt vorangetrieben. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_pkk Ausl\u00e4nderextremismus 127 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Tamilische Befreiungstiger (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) Sitz / Verbreitung Norden und Osten Sri-Lankas; Verbreitung weltweit mit Schwerpunkt Westeuropa Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1972 Struktur / Repr\u00e4sentanz \"Tamil Coordination Committee - (TCC)\" (Hauptsitz NordrheinWestfalen in Oberhausen) \"Tamil Youth Organization (TYO)\" (Sitz in Hamm) \"Tamil Rehabilitation Organization e. V. (TRO)\" (Sitz in Wuppertal) \"Tamil Student Organization e.V. (TSV)\" (Sitz in Neuss) Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: 1.000 NRW: 300 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Magazin: \"AKARAM\" Web-Angebote: pathivu.com, eedhesam.com Kurzportrait / Ziele Tamilische Befreiungstiger (Liberation Tigers of Tamil Eelam - LTTE) streben die Errichtung eines von Sri Lanka unabh\u00e4ngigen, sozialistischen, tamilischen Staates im \u00fcberwiegend von Tamilen bev\u00f6lkerten Norden und Osten der Insel an. Zur Durchsetzung ihrer Forderung nach einem separaten Staat beging die LTTE von 1983 bis 2009 Terroranschl\u00e4ge gegen srilankische und indische Ziele im Rahmen eines Guerillakrieges gegen die singhalesische Zentralregierung. Nach Einnahme der verbliebenen von der LTTE kontrollierten Gebiete im Nordosten Sri Lankas konnte die Zentralregierung im Mai 2009 den jahrzehntelangen B\u00fcrgerkrieg auf Sri Lanka f\u00fcr sich entscheiden. Bei dieser Schlussoffensive wurden der F\u00fchrer der LTTE, Velupillai Prabhakaran, get\u00f6tet und die Strukturen der LTTE in Sri-Lanka zerst\u00f6rt. Das Hauptziel der LTTE im Ausland besteht darin, Gelder f\u00fcr einen k\u00fcnftigen \"Befreiungskampf\" und die Versorgung von Fl\u00fcchtlingen in der Heimat zu beschaffen. Zudem strebt die Organisation eine 128 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","politische Anerkennung als legitime Interessenvertretung der tamilischen Volksgruppe an. Finanzierung Spenden im Ausland lebender Tamilen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In einem 1983 begonnenen Guerillakrieg gegen die singhalesische Zentralregierung unter anderem mit Terroranschl\u00e4gen gegen sri-lankische und indische Ziele versuchte die LTTE, ihre Forderung nach einem eigenen Staat durchzusetzen. Durch Unterst\u00fctzung dieser Aktivit\u00e4ten verfolgen die in Deutschland lebenden Anh\u00e4nger der LTTE Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Sie erf\u00fcllen damit die Voraussetzungen f\u00fcr die Beobachtung nach SS 3 Abs. 1 Nr. 3 VSG NRW. Wegen der anhaltenden Gewaltaktionen der Organisation in Sri Lanka nahm die Europ\u00e4ische Union die LTTE am 29. Mai 2006 in die Liste terroristischer Organisationen auf. Das Gericht der Europ\u00e4ischen Union (EuG) in Luxemburg hat diese Entscheidung der Europ\u00e4ischen Union wegen grundlegender Verfahrensfehler mit Urteil vom 16. Oktober 2014 aus formellen Gr\u00fcnden f\u00fcr nichtig erkl\u00e4rt. Auf die Frage ob es sich bei den LTTE um eine terroristische Vereinigung handelt, geht das Urteil nicht ein. Das Gericht stellt vielmehr ausdr\u00fccklich fest, dass die materiell rechtliche Beurteilung der Frage, ob die LTTE eine terroristische Vereinigung sei, unber\u00fchrt geblieben ist. Den zust\u00e4ndigen EU-Beh\u00f6rden ist eine M\u00f6glichkeit zur Nachbesserung einger\u00e4umt worden. F\u00fcr diesen Zeitraum bleibe die Wirksamkeit der Listung bestehen. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Nach der vollst\u00e4ndigen milit\u00e4rischen Niederlage im Jahr 2009 und einer Zerschlagung der LTTE-Strukturen sowie der Schw\u00e4chung ihrer Auslandsorganisationen ist seit Mitte 2010 eine Restrukturierung zu beobachten. Eine Konsolidierung der LTTE nahen tamilischen Community scheiterte bis jetzt an inhaltlichen Auseinandersetzungen und pers\u00f6nlichen Zerw\u00fcrfnissen der beiden Hauptstr\u00f6mungen innerhalb der Organisation. Das \"LTTE Headoffice\", auch \"Hauptstelle\" genannt, sieht sich als Vertreter einer moderaten Fraktion. Erstmalig artikulierte diese Gruppierung im Februar 2011 in einem Internetbeitrag ihre Perspektive der politischen L\u00f6sung auf demokratischem Weg. Ausl\u00e4nderextremismus 129 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die \"LTTE International Organisation\" (\"LTTE Internationale Verbindungsstelle\") bildet den \"Hardliner\"-Fl\u00fcgel, der sich offen zu einer Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes in Sri Lanka bekennt. Nach Auseinandersetzungen \u00fcber den internen F\u00fchrungsanspruch war erstmalig Ende 2013 eine enge Zusammenarbeit der beiden Fl\u00fcgel zu erkennen. Seither ist festzustellen, dass zumindest einige Veranstaltungen gemeinsam organisiert und durchgef\u00fchrt werden. Bei der j\u00e4hrlichen Protestveranstaltung des europ\u00e4ischen \"Tamil Coordination Committees (TCC)\" am 10. M\u00e4rz 2014 demonstrierten 4.000 LTTE-Anh\u00e4nger vor dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf f\u00fcr die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen tamilischen Staates. J\u00e4hrliche Demonstration der LTTE-Anh\u00e4nger von dem Sitz der Vereinten Nationen in Genf Sie forderten die Einrichtung einer unabh\u00e4ngigen Kommission zur Untersuchung angeblicher Menschenrechtsverletzungen w\u00e4hrend des 30-j\u00e4hrigen B\u00fcrgerkriegs in Sri Lanka, insbesondere hinsichtlich der Kampfhandlungen des Jahres 2009. Zudem demonstrierten sie f\u00fcr den R\u00fcckzug des sri-lankischen Milit\u00e4rs aus den von Tamilen bev\u00f6lkerten Gebieten und die Aufhebung des dortigen Verbotes der LTTE. Aus Anlass des f\u00fcnften Jahrestages der milit\u00e4rischen Niederlage fand der diesj\u00e4hrige \"Tamils Genocide Day\" (ehemals \"War Crimes Day\") am 18. Mai 2014 in D\u00fcsseldorf statt. In einer Gedenkfeier der tamilischen Diaspora wurde an diesem Tag an den der sri-lankischen Regierung vorgeworfenen Genozid an Tamilen w\u00e4hrend des B\u00fcrgerkrieges in Sri Lanka erinnert. Veran130 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","stalter sind der \"Volksrat der Eelam Tamilen - Deutschland (VETD)\" und die \"Tamil Youth Organisation - Germany (TYO)\". Die Veranstaltung verlief friedlich. Mit rund 1.100 Personen ist die Teilnehmerzahl gegen\u00fcber dem Vorjahr (2013: 850) erneut angestiegen. Am 27. November, dem Geburtstag des im Jahr 2009 get\u00f6teten LTTE-F\u00fchrers Velupillai Prabhakaran, gedachten Anh\u00e4nger der Organisation weltweit in Veranstaltungen zum \"Heldengedenktag\" der im Kampf f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges Tamil Eelam gefalleDemonstration anl\u00e4\u00dflich des \"Tamils nen K\u00e4mpfer der Organisation. Eine Gro\u00dfveranGenocide Day\" in D\u00fcsseldorf staltung fand an diesem Tag in Dortmund statt. Die j\u00e4hrliche Durchf\u00fchrung derartiger Gedenkveranstaltungen bleibt der wichtigste Identifikationspunkt f\u00fcr die LTTE-Anh\u00e4nger. Seit dem Jahr 2013 werden keine konkurrierenden Veranstaltungen beispielsweise zum Heldengedenktag durchgef\u00fchrt. Insofern verdichten sich die Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die beiden Fl\u00fcgel der LTTE enger zusammenarbeiten werden. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Es l\u00e4sst sich derzeit keine eindeutige Tendenz erkennen, ob die Anh\u00e4nger der LTTE mehrheitlich dem \"Hardliner\"-Fl\u00fcgel folgen oder wie im letzten Jahr einen friedlichen und demokratischen Weg gehen. Beide Fl\u00fcgel der Organisation setzen auf gemeinsame Veranstaltungen. Sollte die LTTE den Konflikt um ihre k\u00fcnftige Ausrichtung l\u00f6sen k\u00f6nnen, k\u00f6nnte es ihr gelingen, ihre Gefolgschaft unter zentraler F\u00fchrung zu binden. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_ltte Ausl\u00e4nderextremismus 131 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","132 Ausl\u00e4nderextremismus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Islamismus IslamIsmus 133 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Islamismus 133 Salafismus - politisch-extremistische Netzwerke............................................................... 136 Extremistischer Salafismus - Jihadismus .......................................................................... 146 Hamas ................................................................................................................................ 152 Hizb Allah (Partei Gottes) ................................................................................................... 154 Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) ............................................................ 156 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) .............................................................................................. 158 Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) .......................................................................... 160 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil) ...................................................................... 162 Nordkaukasische Separatisten-Bewegung (NKSB) ........................................................... 166 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) .................................................................................................... 168 Die Gef\u00e4hrdungslage im Bereich des islamisch-motivierten Extremismus in Nordrhein-Westfalen hat sich im Jahr 2014 dramatisch zugespitzt. Hauptgr\u00fcnde hierf\u00fcr sind das Aufflammen des Nahost-Konfliktes im Sommer 2014, vor allem aber der fortdauernde B\u00fcrgerkrieg im Irak und in Syrien und das Erstarken der Terrorgruppierung Islamischer Staat. Seit dem Jahr 2012 sind \u00fcber 3.000 Europ\u00e4er nach Syrien ausgereist, um sich dort dem Kampf gegen das Assad-Regime und f\u00fcr einen - wie auch immer gearteten - sunnitischen und Schariabasierten Staat anzuschlie\u00dfen. Bis Januar 2015 sind \u00fcber 160 Personen aus Nordrhein-Westfalen diesem Ziel gefolgt. Dabei hat dieser Konflikt mittlerweile auch Europa und Nordrhein-Westfalen erreicht: Der Anschlag in einem j\u00fcdischen Museum in Br\u00fcssel im Mai 2014 wurde durch einen franz\u00f6sischen Syrienr\u00fcckkehrer ver\u00fcbt. Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Januar 2015 scheint einerseits auf die jemenitische al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel, andererseits vom sogenannten Islamischen Staat inspiriert zu sein. Bei der ebenfalls im Januar 2015 ausgehobenen Terror-Zelle in Belgien, die kurz davor stand, belgische Polizeibeamte zu \u00fcberfallen und zu t\u00f6ten, handelte es sich um ein Netzwerk von Syrienr\u00fcckkehrern. In Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht zum 29. Juli 2014 ein Brandanschlag auf die Synagoge in Wuppertal ver\u00fcbt. Hintergrund war das Aufflammen des Nahost-Konfliktes. Des Weiteren nimmt die Zahl der salafistischen Extremisten in Nordrhein-Westfalen weiter zu. Beobachtet wird 134 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","vor allem ein stetiger Anstieg der gewaltorientierten Salafisten. Mittlerweile sind es 300 Personen. Die Situation in Syrien sch\u00fcrt religi\u00f6se und ethnische Konflikte. Neben den bereits bekannten \"Ressentiments\" zwischen Salafisten und Schiiten kommen nun auch Konfliktpotentiale zwischen Salafisten und den ebenfalls unter Druck geratenen Gruppierungen der Jesiden und Kurden hinzu. Im August kam es in Herford zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen jesidischen Personen und mutma\u00dflichen Salafisten. Als weiteres Konfliktfeld stellen sich rechtspopulistische beziehungsweise rechtsextremistische Kampagnen dar, die das Thema Salafismus und generell Islamfeindlichkeit f\u00fcr ihre Ziele nutzen (HoGeSa, D\u00dcGIDA und weitere). Dadurch wird die Gesellschaft gespalten und den salafistischen Propagandisten letztendlich weiter in die H\u00e4nde gespielt. Als Prognose f\u00fcr 2015 ist in diesem Extremismus-Bereich von einem weiteren Anstieg der Zahl gewaltbereiter Salafisten auszugehen. Die Terrorgefahr in Deutschland hat sich zu Jahresbeginn 2015 weiter verdichtet. Es ist jederzeit mit weiteren Konflikten bis hin zu einem salafistisch-motivierten Terroranschlag zu rechnen. Die Lage im Nahen Osten ist nach dem Scheitern des \"Arabischen Fr\u00fchlings\" in den meisten L\u00e4ndern sehr instabil. Es ist mit weiteren Krisen zu rechnen, die ihre Auswirkungen auch auf Nordrhein-Westfalen haben werden. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorliegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" eingefasst. IslamIsmus 135 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Salafismus - politisch-extremistische Netzwerke Sitz / Verbreitung Schwerpunkt der gro\u00dfen Organisationen derzeit im Rheinland, etwa 40 gro\u00dfe \u00fcberregionale und kleine lokale Netzwerke in NordrheinWestfalen Gr\u00fcndung / Bestehen seit Der Salafismus hat seinen Ursprung in historischen islamischen Str\u00f6mungen, vor allem in Saudi-Arabien und \u00c4gypten. In NordrheinWestfalen sind erste gezielte Aktivit\u00e4ten ab 2003 festzustellen. Struktur / Repr\u00e4sentanz Der politische Salafismus in Nordrhein-Westfalen ist aufgespalten in verschiedene Vereine, Netzwerke und lokale Szenen. In Deutschland gibt es bislang weder einen Dachverband salafistischer Netzwerke, noch eine politische Repr\u00e4sentanz wie beispielsweise eine Partei. Entsprechende Versuche sind bislang regelm\u00e4\u00dfig gescheitert und sto\u00dfen auch auf ideologische Vorbehalte innerhalb der Szene. Mitglieder / Anh\u00e4nger / Mindestens 1.900 bekannte extremistische Salafisten, davon rund Unterst\u00fctzer 2014 1.600 politisch und 300 gewaltorientiert Ver\u00f6ffentlichungen Politisch-extremistische Netzwerke propagieren ihre Ideologie vor allem auf eigenen Webseiten im Internet. Vielfach nutzen Salafisten soziale Netzwerke auch als Plattformen zur Verbreitung von Botschaften. Kurzportrait / Ziele Politische Salafisten haben sich im Jahr 2014 im Wesentlichen auf drei Themenbereiche fokussiert: Missionierungsnetzwerke: Verteilung religi\u00f6ser Schriften im \u00f6ffentlichen Raum. Damit wird das Ziel verfolgt, Personen an das eigene Netzwerk heranzuf\u00fchren, ohne im Vorhinein die extremistische Agenda deutlich zu machen. Syrienhilfe: Spendensammlungen f\u00fcr Hilfsaktionen zum Thema Syrien. Unter einem humanit\u00e4ren Label werden Gelder und Sachspenden gesammelt und zum Teil gezielt salafistischen Netzwerken in Syrien zugef\u00fchrt. Diese Aktionen werden als Gegenma\u00dfnahmen zu 136 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","angeblich \"christlich-missionarischen\" Hilfsaktionen in Syrien, wie beispielsweise des Internationalen Roten Kreuzes, propagiert. Gefangenenhilfe: Durch Netzwerke zur Gefangenenhilfe werden Personen der salafistischen Szene betreut, die meist aufgrund von Staatsschutzdelikten vor Gericht stehen oder verurteilt worden sind. Die Betreuung reicht von Besuchen der Prozesstermine bis hin zu \"Erbauungsbriefen\" in der Haft. Diese \"Hilfe\" verfolgt das Ziel, Reue zu verhindern und Resozialisierungsprozesse zu unterbinden. Finanzierung \u00dcberwiegend Spenden Religi\u00f6se Schriften und Propaganda-Material werden teilweise aus dem Ausland finanziert Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Extremistische Salafisten verstehen die islamische Religion als Ideologie und die Scharia als gottgegebenes Ordnungsund Herrschaftssystem. Demokratie ist in ihren Augen eine falsche \"Religion\". Gesetze k\u00f6nnen der salafistischen Ideologie zufolge nur von Gott kommen (Prinzip der g\u00f6ttlichen Souver\u00e4nit\u00e4t) und niemals vom Volk. Die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t als wesentliches Element der Demokratie westlicher Pr\u00e4gung ist demnach unvereinbar mit dem religi\u00f6s argumentierenden Salafismus. Vertreter dieser Ideologie behaupten, dass alle gesellschaftlichen Probleme nur durch eine uneingeschr\u00e4nkte Anwendung von Koran und Sunna sowie eine entsprechend strikte Ausrichtung des Lebens gel\u00f6st werden k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt die konsequente Anwendung der \"Scharia\" nach salafistischer Auslegung. Sie fordern eine rigide Trennung von Mann und Frau, nicht nur in der Moschee, sondern insgesamt im \u00f6ffentlichen Raum. Eine gemeinsame schulische Erziehung von Jungen und M\u00e4dchen wird grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Sie grenzen Frauen auf den heimischen Bereich ein. Berufst\u00e4tigkeit von Frauen wird abgelehnt. Frauen sollen sich ganz auf den Haushalt und die Kindererziehung konzentrieren. Sie sind nach diesem Wertebild nominell gleichwertig, aber keinesfalls gleichberechtigt. \"Jihad\" im Sinne eines bewaffneten Kampfes und \"M\u00e4rtyrertum\" werden insbesondere von gewaltorientierten Salafisten offen propagiert. \"Politischen Salafisten\" sind in diesem Punkt eher defensiv eingestellt: Der \"Jihad\" wird als Methode zur \"Selbstverteidigung\" der Muslime verstanden. Nach dieser Logik wird \"der Islam\" beispielsweise in Afghanistan und Syrien, aber auch in Deutschland angegriffen. Salafisten f\u00fchlen sich berufen, diesen \"Angriff\" abzuwehren. IslamIsmus 137 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die salafistische Ideologie widerspricht somit in wesentlichen Punkten (Gesellschaftsbild, politisches Ordnungssystem, Gleichberechtigung, individuelle Freiheit) den Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt sie zur Bildung einer Parallelgesellschaft. Dies birgt aufgrund der propagierten feindlichen Einstellungen gegen\u00fcber der \u00fcbrigen Gesellschaft ein gro\u00dfes Konfliktpotenzial und beeintr\u00e4chtigt das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben. Die extrem vereinfachende Ideologie der salafistischen Bestrebungen hat in der Vergangenheit vielfach eine weitere Radikalisierung gef\u00f6rdert. Sie bildet die ideologische Grundlage f\u00fcr eine Welle von Ausreisen junger radikalisierter Menschen in den Irak und nach Syrien. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Missionierungsnetzwerke Missionierungsnetzwerke verfolgen das Ziel der \"Dawa\", eine arabische Bezeichnung f\u00fcr \"Aufruf, Einladung zum Islam\". Unter der \"trendigen\" Bezeichnung \"Street Dawa\" (= Stra\u00dfenmissionierung) agieren extremistisch-salafistische Netzwerke in vielen Innenst\u00e4dten Nordrhein-Westfalens. Religi\u00f6se Missionierung unterliegt der im Artikel 4 Grundgesetz besonders gesch\u00fctzten Religionsfreiheit. Da in den nachfolgend dargestellten F\u00e4llen jedoch eindeutig f\u00fcr salafistischextremistische Netzwerke geworben wird, darf und muss der Verfassungsschutz \u00f6ffentlich vor diesen Aktionsformen warnen. Pierre Vogel Im Januar 2014 startete der seit Jahren bundesweit agierende salafistische Prediger Pierre Vogel eine \"Deutschlandtour\", die ihn nach eigener Verlautbarung durch 33 deutsche St\u00e4dte f\u00fchren sollte. Pierre Vogel stammt aus Nordrhein-Westfalen und hat hier seinen schwerpunktm\u00e4\u00dfigen Wirkungskreis. Der kurzfristige Versuch, im Sommer 2014 in der Hamburger Salafistenszene Fu\u00df zu fassen, wurde nach kurzer Zeit wieder aufgegeben. Die Kundgebungen von Pierre Vogel wurden im Internet beworben und von Angeh\u00f6rigen der jeweiligen \u00f6rtlichen Salafisten-Szene angemeldet. Obschon Pierre Vogel als einflussreicher Prediger innerhalb der salafistischen Szene anzusehen ist und seit Jahren medienwirksam \u00f6ffentlich auftritt, blieb die Zahl der Versammlungsteilnehmer durchg\u00e4ngig deutlich hinter den angemeldeten Teilnehmerzahlen zur\u00fcck. Dieser mangelnde Zuspruch d\u00fcrfte letztendlich mit dazu beigetragen haben, dass die \"Deutschlandtour\" nicht im urspr\u00fcnglich angek\u00fcndigten Umfang durchgef\u00fchrt wurde. 138 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Sven Lau Neben Pierre Vogel ist auch Sven Lau ein in salafistischen Kreisen popul\u00e4rer Prediger, der dem Netzwerk des zwischenzeitlich aufgel\u00f6sten Vereins Einladung zum Paradies (EZP e.V.) angeh\u00f6rte. Aufgrund eines bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart gef\u00fchrten Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts der Vorbereitung Pierre Vogel (links) und Sven Lau (rechts) einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat und Anwerbens f\u00fcr einen fremden Wehrdienst wurde er am 24. Februar 2014 in Untersuchungshaft genommen. Vor dem Hintergrund der neuerlichen Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes zu SS 89a Strafgesetzbuch (Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat) im Mai 2014 wurde das Strafverfahren eingestellt und Sven Lau aus der Haft entlassen. Auch wenn es nicht zu einer Verurteilung gekommen ist, macht dieser Fall deutlich, dass eine eindeutige Abgrenzung zwischen politischem und jihadistischem Salafismus kaum noch m\u00f6glich ist. Darul Arqam Moschee in Wuppertal Nach seiner Haftentlassung suchte Sven Lau die in Wuppertal ans\u00e4ssige Moscheegemeinschaft Darul Arqam auf. Diese wurde Anfang Mai 2014 von einem Weggef\u00e4hrten Pierre Vogels gegr\u00fcndet und diente sowohl als Szenetreffpunkt, als auch als Bildungsst\u00e4tte f\u00fcr die Verbreitung der salafistischen Ideologie. Das Freitagsgebet sollte regelm\u00e4\u00dfig von prominenten Protagonisten der deutschen Predigerszene abgehalten werden. Diese wurden bei Gr\u00fcndung als Referenzpersonen angegeben. Tats\u00e4chlich wurde dies aber nicht in der geplanten Form umgesetzt, so dass letztendlich Sven Lau offiziell als Imam eingesetzt wurde. Dies l\u00e4sst den Schluss zu, dass innerhalb der salafistischen Predigerszene keine ideologische Einheit besteht, sondern durchaus jeweils eigene Schwerpunkte gesetzt werden. Aufgrund bauordnungsrechtlicher M\u00e4ngel wurde die weitere Nutzung der R\u00e4umlichkeiten im November 2014 untersagt. Aktionen unter der Bezeichnung Scharia-Polizei in Wuppertal Aus dem Kreis der Darul Arqam Moschee fanden sich Anfang September 2014 zehn Personen zusammen, die gemeinsam mit Sven Lau als sogenannte \"Shariah Police\" durch Wuppertal zogen, um in ihren Augen \"fehlgeleiteten Muslimen den rechten Weg zu weisen\". Hierbei trugen sie orangefarbene Leuchtwesten mit einem entsprechenden Aufdruck. Dies sorgte bundesweit f\u00fcr Emp\u00f6rung. Gegen die Beteiligten wurde ein Strafverfahren wegen des Versto\u00dfes gegen das Versammlungsrecht eingeleitet und das Tragen von Westen mit der Aufschrift \"Shariah Police\" IslamIsmus 139 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","in Nordrhein-Westfalen verboten. Sven Lau versuchte diese Aktion als nicht ernst gemeinten PR-Gag darzustellen und f\u00fchrte in der Folge noch vereinzelte \"Nachtspazierg\u00e4nge\" in verschiedenen St\u00e4dten durch, um hierbei mit angeblich irrgeleiteten Muslimen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Eine tats\u00e4chliche Fortf\u00fchrung der Aktionen einer \"Scharia-Polizei\" ist in Nordrhein-Westfalen in der Folge nicht mehr festgestellt worden. Propaganda auf Facebook f\u00fcr die sogenannte Verteilen von Koran-\u00dcbersetzungen \"Scharia-Polizei\" Das Netzwerk Die Wahre Religion um den in K\u00f6ln lebenden salafistischen Prediger Ibrahim Abou Nagie bildet einen Schwerpunkt des politischen Salafismus. Die Wahre Religion ist bundesweit aktiv und betreibt ein eigenes Web-Angebot. \u00dcber dort ebenfalls in Erscheinung tretende salafistische Akteure aus Nordrhein-Westfalen sind eindeutig Bez\u00fcge zum extremistischen Salafismus erkennbar. Die Wahre Religion tritt in der \u00d6ffentlichkeit durch die Verteilung von deutschsprachigen Koranexemplaren unter dem Label Lies! beziehungsweise Haus des Qurans hervor. Die Aktionen sind \u00e4hnlich wie ein Franchise-System organisiert. Eine Zentralstelle leitet an, die Verantwortlichkeit f\u00fcr die Aktionen vor Ort \u00fcbernehmen autarke lokale Akteure. Ihr Ziel ist nicht die tats\u00e4chliche Konversion aller in Deutschland lebenden Menschen zum Islam, sondern das Provozieren medialer und staatlicher Reaktionen. Nach Selbstwahrnehmung und Darstellung von Salafisten geht es beim Umgang der Beh\u00f6rden und der deutschen \u00d6ffentlichkeit mit dem Salafismus um eine vermeintliche \"Verfolgung\" aller Muslime in Deutschland. Dies sei Teil eines globalen Krieges \"des Westens\" gegen \"den Islam\". Bundesweit hat es im Jahr 2014 allein an jedem Wochenende rund 150 Koranverteilungen gegeben. Die Verteilaktionen werden in sozialen Netzwerken Werbung f\u00fcr die Lies!-Kampagne 140 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","intensiv medial verwertet und beworben. Dabei werden auch regelm\u00e4\u00dfig Besucher von St\u00e4nden fotografiert und die Bilder online gestellt. Koranverteilungen sind grunds\u00e4tzlich rechtlich nicht zu beanstanden. Verteilungen im Rahmen der Lies!-Kampagne sind jedoch eindeutig als salafistisch extremistische Aktionsform zu bewerten und dienen einem Heranf\u00fchren junger Menschen an die extremistische Szene. Ein ordnungsrechtliches Vorgehen gegen diese Aktionsform der \"Street Dawa\" gestaltet sich jedoch schwierig, da die Verteilungen zwar in der Regel stra\u00dfenrechtlich genehmigungspflichtig sind, jedoch vorgeblich rein religi\u00f6sen und damit grundgesetzlich gesch\u00fctzten Zwecken dienen. F\u00fcr eine extremistische Ausrichtung der Lies!-Kampagne spricht auch die Reaktion der Verantwortlichen auf die Anschl\u00e4ge in Paris im Januar 2015. Sie wenden sich einseitig gegen die als Begr\u00fcndung genannte Prophetenbeleidigung, machen jedoch in keiner Weise deutlich, dass die gewaltt\u00e4tige Reaktion nicht akzeptiert werden darf. Auf der Internetpr\u00e4senz werden zudem eindeutig demokratiefeindliche Botschaften verbreitet. Neben Lies! haben sich in Nordrhein-Westfalen zwei weitere Koranverteilungsnetzwerke gebildet: > Unter dem Titel Das Siegel der Propheten existiert ein Netzwerk, das schwerpunktm\u00e4\u00dfig im Raum D\u00fcsseldorf agiert. Mit Siegel der Propheten ist Muhammad, der Begr\u00fcnder der islamischen Religion, gemeint. Bei diesem Netzwerk handelt es sich um eine Abspaltung von Lies!. Im Unterschied zu Lies!-St\u00e4nden werden andere religi\u00f6se Schriften unter dem ebenfalls extremistisch-salafistischen Label \"Way to Allah (Der Weg zu Allah)\" verteilt. > Bereits seit September 2013 wird im Internet die Kampagne Jesus, Der Gesandte Allahs als eine weitere Form der \"Street-Dawa\" beworben. Ziel ist nach eigenen Angaben der Aufruf zum Tauhid (Arabisch f\u00fcr \"Glaube an die Einheit und Einzigkeit Gottes\"). Zur Umsetzung wird ebenfalls offenkundig auf die Erfahrungen aus dem Lies!-Projekt zur\u00fcckgegriffen. Eine erste Aktion von Jesus, Der Gesandte Allahs fand am 21. Dezember 2013 in DuisMobile Koranverteilung burg statt. Es folgten Aktionen in Essen, D\u00fcsseldorf, Dortmund und Oberhausen. Nach neuen Erkenntnissen gibt es seit dem Jahr 2014 zudem Aktivit\u00e4ten in anderen Bundesl\u00e4ndern und der Schweiz. \u00dcber den Ankn\u00fcpfungspunkt \"Jesus\" sollen vermutlich vor allem Christen zur Kontaktaufnahme und zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber den Islam ermuntert werden. Menschen sollen in diesen Gespr\u00e4chen und durch entsprechendes Informationsmaterial \u00fcber die Bedeutung und Stellung Jesu im Islam informiert und IslamIsmus 141 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","letztlich f\u00fcr eine Konversion gewonnen werden. An der salafistischen Ausrichtung des Projektes bestehen keine Zweifel. Die Zielrichtung, die verbreiteten Inhalte sowie die ideologische N\u00e4he zum bekannteren Missionierungsnetzwerk Lies! sind eindeutige Indikatoren daf\u00fcr. Netzwerke f\u00fcr die Syrienhilfe Nach dem Scheitern des \"Arabischen Fr\u00fchlings\" in Syrien herrscht dort ein blutiger B\u00fcrgerkrieg, der vor allem die Zivilbev\u00f6lkerung betrifft. Der Konflikt hat mittlerweile auch den Irak erfasst und den Aufstieg diverser al-Qaida-naher terroristischer Gruppierungen erm\u00f6glicht. W\u00e4hrend die Bereitstellung humanit\u00e4rer Hilfe f\u00fcr die syrische Zivilbev\u00f6lkerung einem guten Zweck dient und keinen Anlass zur Beobachtung durch den Verfassungsschutz gibt, werden die Sammelaktionen extremistisch salafistischer Netzwerke in Nordrhein-Westfalen durch den Verfassungsschutz kritisch beobachtet. Es bestehen Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass Gelder, die im Rahmen von Benefizveranstaltungen und Sammelaktionen dieser Netzwerke zusammengetragen werden, teilweise gezielt salafistischen oder gar terroristischen Netzwerken in Syrien zugehen. Die Gelder verbleiben zum Teil auch in Deutschland und werden hier zur Netzwerkpflege zweckentfremdet. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen warnt davor, den nachfolgend genannten Organisationen Gelder zukommen zu lassen oder ihre Aktivit\u00e4ten zu unterst\u00fctzen. Im Berichtszeitraum 2014 wurde die Gr\u00fcndung einer Hilfsorganisation namens Organisation f\u00fcr Frieden und Hilfe bekannt. Im Laufe des Jahres wurde sie in Muslimisches Hilfswerk (MHW) umbenannt. Es konnten personelle und strukturelle Bez\u00fcge des Muslimischen Hilfswerks zum salafistischen Spektrum in Nordrhein-Westfalen festgestellt werden. Nach polizeilichen Ma\u00dfnahmen gegen ein salafistisches Netzwerk im Raum K\u00f6ln Ende 2014 sind die Aktivit\u00e4ten der Hilfsorganisationen aktuell eingestellt, da es personelle Verkn\u00fcpfungen gab. Es ist abzuwarten, ob dies auf Dauer so bleibt. Ziel von MHW war das Generieren von Spendengeldern f\u00fcr \"bed\u00fcrftige Muslime\" in Syrien. Der Hauptakteur des Muslimischen Hilfswerks wohnt im Ruhrgebiet. Bei dem im Jahr 2012 in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndeten Verein Ansaar D\u00fcsseldorf e. V. handelt es sich dem eigenen Verst\u00e4ndnis nach um einen Hilfsbund zur Unterst\u00fctzung notleidender Glaubensgeschwister im Inund Ausland. Der Verein f\u00fchrt auch die Bezeichnung Ansaar International. Er ist fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben. Ansaar D\u00fcsseldorf e. V. unterst\u00fctzt Hilfsprojekte f\u00fcr bed\u00fcrftige Muslime weltweit. Innerhalb Deutschlands verf\u00fcgt die Organisation 142 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","\u00fcber mehrere sogenannte \"Ansaar International Teams\", die im Namen des Vereins Spenden sammeln, Werbeaktionen durchf\u00fchren und im Internet mit eigenen Facebook-Auftritten f\u00fcr sich werben. Mitglieder von Ansaar D\u00fcsseldorf e.V. treten regelm\u00e4\u00dfig an Informationsst\u00e4nden zum Islam und bei Aktionen zur Verteilung des Korans in Erscheinung. Der derzeitige Schwerpunkt der Vereinsarbeit liegt auf der humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr Syrien. Im Berichtszeitraum machte der Verein zudem durch die Organisation und Durchf\u00fchrung von Hilfskonvois nach Syrien auf sich aufmerksam. Spendengelder wurden unter anderem durch zahlreiche Benefizveranstaltungen im gesamten Bundesgebiet und im benachbarten Ausland eingenommen. Der im Jahr 2013 gegr\u00fcndete Verein Helfen in Not (HiN) mit Sitz in Neuss bezeichnet sich als Hilfsverein zur Unterst\u00fctzung notleidender Muslime. Im Vordergrund seiner Aktivit\u00e4ten steht die Hilfe f\u00fcr die vom B\u00fcrgerkrieg betroffenen Menschen in Syrien. Im Berichtsjahr 2014 machte HiN durch Benefizveranstaltungen auf sich aufmerksam, bei denen f\u00fcr in Not geratene Muslime in Syrien, aber Werbung f\u00fcr Syrienhilfe auf dem Videoportal YouTube auch in anderen Regionen der Welt gesammelt wurde. Bei diesen Veranstaltungen traten regelm\u00e4\u00dfig Prediger auf, die fest in der salafistischen Szene verwurzelt sind. Dazu geh\u00f6rten auch Prediger, die dem gewaltaffinen Spektrum des Salafismus in Nordrhein-Westfalen zuzuordnen sind. HiN hat medizinische G\u00fcter und Kleidung in mehreren Hilfskonvois nach Syrien gebracht. In diesem Zusammenhang traten ebenfalls Personen des salafistischen Spektrums in Erscheinung, die die Konvois begleiteten oder organisatorisch in die Abwicklung der Transporte eingebunden waren. Nach K\u00fcndigung der bisherigen R\u00e4ume in Neuss ist der Verein derzeit ohne festen Sitz in Nordrhein-Westfalen. Der Verein Medizin ohne Grenzen ist im Sommer 2013 gegr\u00fcndet worden. Er hatte seinen Sitz bis vor kurzem in Troisdorf bei Bonn und ist aktuell nach Hennef umgezogen Der Verein sammelt Hilfsg\u00fcter und Krankenwagen f\u00fcr vordergr\u00fcndig humanit\u00e4re Zwecke in Syrien. Durch seine IslamIsmus 143 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Aktivit\u00e4ten hat er Bez\u00fcge \u00fcber die Region Bonn hinaus auch in andere Bundesl\u00e4nder. Akteure, die f\u00fcr den Verein t\u00e4tig sind und f\u00fcr ihn werben, sind der salafistischen Szene im Raum Bonn zuzurechnen. Auf dieser Grundlage werden der Verein und seine Aktivit\u00e4ten durch den Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen beobachtet. Seit Jahresanfang agiert der Verein unter der Bezeichnung Medizin mit Herz. Eine wesentliche \u00c4nderung hinsichtlich handelnder Personen und der grunds\u00e4tzlichen Ausrichtung ist bislang nicht erkennbar. Netzwerke zur Gefangenenhilfe Ansarul Aseer Unter der Bezeichnung Ansarul Aseer (Arabisch f\u00fcr \"Helfer des Gefangenen\") verbergen sich eine Internetpr\u00e4senz sowie ein Facebook-Kanal zur Unterst\u00fctzung vorgeblich muslimischer Inhaftierter. Gegr\u00fcndet wurde das Netzwerk bereits im Jahr 2011. Der Hauptorganisator hat seinen Wohnsitz in Solingen. Die Aktivit\u00e4ten sind bundesweit ausgerichtet. Online-Kommentare lassen auf einen extremistisch salafistischen Hintergrund schlie\u00dfen. Bei den betreuten Gefangenen handelt es sich ausschlie\u00dflich um salafistisch-motivierte Straft\u00e4ter beziehungsweise Beschuldigte, die zum Teil auch wegen terroristischer Straftaten verurteilt worden sind. Die Nutzer der Internetpr\u00e4senzen von Ansarul Aseer werden aufgefordert, mit den Gefangenen per E-Mail oder Brief in Kontakt zu treten, um sie moralisch aufzubauen. Daneben werden \u00fcber die Internetpr\u00e4senzen von Ansarul Aseer Neuigkeiten \u00fcber gefangene \"Geschwister\" im Inund Ausland verbreitet, darunter Informationen \u00fcber Haftentlassungen, laufende Verfahren und Verurteilungen. Die Aktivit\u00e4ten von Ansarul Aseer beschr\u00e4nkten sich im Jahr 2014 nicht nur auf das Internet und den Briefverkehr. So wurde im Oktober 2014 zu einem Fu\u00dfballturnier aufgerufen und es wurden gezielt junge Menschen angesprochen. Aufgrund der N\u00e4he zu der jihadistischen Personenvereinigung Tauhid Germany wurde Ansarul Aseer am 26. M\u00e4rz 2015 durch den Bundesinnenminister nach dem Vereinsrecht verboten. Eine offene Bet\u00e4tigung f\u00fcr dieses Netzwerk ist in Deutschland nunmehr strafbar. Bernhard Falk Neben salafistischen Netzwerken wie Ansarul Aseer treten auch Einzelpersonen aktiv f\u00fcr die sogenannten politischen Gefangenen aus dem salafistischen Spektrum auf. Erw\u00e4hnenswert in diesem Zusammenhang ist insbesondere der ehemalige Linksterrorist Bernhard Falk, der sich 144 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","nach eigenem Bekunden in \"Vollzeitbesch\u00e4ftigung\" den \"muslimischen politischen Gefangenen der BRD\" widmet. So sucht er regelm\u00e4\u00dfig salafistische Strafgefangene auf und wohnt entsprechenden Gerichtsverhandlungen bei. Auf eigenen Internetpr\u00e4senzen und in sozialen Netzwerken ruft er zur Unterst\u00fctzung seiner Arbeit und der betroffenen Geschwister auf. Im Berichtsjahr 2014 hat er an zahlreichen Strafprozessen gegen salafistisch-motivierte Einzelt\u00e4ter und Falk in einem YouTube-Video T\u00e4tergruppen in Nordrhein-Westfalen teilgenommen. Seine Aktivit\u00e4ten sowie seine negative Einstellung gegen\u00fcber der \"BRD-Strafverfolgung\" hat er in Internetbeitr\u00e4gen und -videos ausf\u00fchrlich dokumentiert. Bernhard Falk hat sich zwar mittlerweile gegen den Islamischen Staat in Syrien wegen dessen brutalen Vorgehens positioniert, jedoch hat er sich andererseits positiv zu denjenigen al-QaidaGruppierungen bekannt, die noch zu dem Netzwerk von Aiman al-Zawahiri, dem Nachfolger von Usama Bin Laden, z\u00e4hlen. Bernhard Falk muss daher zumindest ideologisch als Jihadist eingeordnet werden, dessen Gefangenenbetreuung kein anderes Ziel verfolgt, als Gleichgesinnte vor, w\u00e4hrend und nach der Inhaftierung an einer Resozialisierung in die Gesellschaft zu hindern. Durch zahlreiche Strafverfahren und strafprozessuale Ma\u00dfnahmen im Umfeld von Ausreisenden nach und R\u00fcckkehrern aus Syrien sowie deren Unterst\u00fctzern steigt das Personenpotenzial in Gerichtsverfahren und absehbar auch in Strafvollzugsanstalten an. Das Thema Gefangenenbetreuung d\u00fcrfte daher in den kommenden Jahren erheblich an Bedeutung gewinnen. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Salafismus wird aller Voraussicht nach auch in den kommenden Jahren ein Extremismusbereich mit hohem Zulauf gerade von j\u00fcngeren Menschen sein. Hierzu tragen neben der Krise in Syrien und im Irak und salafistischer Propaganda auch sektenartige und jugendkulturelle Elemente mit eigenem Kleidungsstil und Habitus sowie eigener Musik (Sprechges\u00e4ngen), Sprache und Symbolik ihren Teil bei. Zudem ist in Zukunft eine weitere Zunahme der Aktivisten-Zahlen zu erwarten, wobei sich der Anstieg jedoch in den letzten Monaten verlangsamt hat. Durch verst\u00e4rkte \u00f6ffentliche Aufkl\u00e4rung, wirksame Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen und staatliche Sanktionen kann der extremistisch-salafistischen Szene mittelfristig der Zulauf entzogen werden. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_polsalaf IslamIsmus 145 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Extremistischer Salafismus - Jihadismus Sitz / Verbreitung In allen Regionen Nordrhein-Westfalens Gr\u00fcndung / Bestehen seit Salafismus hat seinen Ursprung in historischen islamischen Str\u00f6mungen, vor allem in Saudi-Arabien und \u00c4gypten. Der jihadistische Salafismus entwickelte sich aus der MujahidinBewegung in Afghanistan w\u00e4hrend der 1980er Jahre. In Nordrhein-Westfalen sind erste gezielte Aktivit\u00e4ten nach der Jahrtausendwende festzustellen. Struktur / Repr\u00e4sentanz Heterogene Personennetzwerke Mitglieder / Anh\u00e4nger / Rund 300 gewaltorientierte Personen unter den insgesamt 1.900 Unterst\u00fctzer 2014 extremistischen Salafisten in Nordrhein-Westfalen Ver\u00f6ffentlichungen Propaganda-Aktivit\u00e4ten zumeist im Internet, in sozialen Netzwerken, die selbst nicht politisch-extremistisch sind. Die verschiedenen gewaltorientierten Netzwerke kommunizieren konspirativ, um sich der Beobachtung und Strafverfolgung zu entziehen. Kurzportrait / Ziele Gewaltorientierte Salafisten (Jihadisten) wollen ihre Vision eines Islamischen Staats mit terroristischer Gewalt umsetzen. Hauptkonfliktfeld f\u00fcr den internationalen Jihad sind zurzeit Irak und Syrien. Jihadisten sind gewillt, ihre vermeintlichen \"Glaubens\"-Vorstellungen in Deutschland auch mit Gewalt durchzusetzen und sich f\u00fcr die angebliche Verfolgung von Salafisten in Deutschland r\u00e4chen zu m\u00fcssen. Finanzierung Spenden aus dem Inund Ausland, zum Teil auch Geldbeschaffung durch kriminelle Handlungen Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Von gewaltorientierten Salafisten geht eine tats\u00e4chliche Gef\u00e4hrdung f\u00fcr die Innere Sicherheit in Deutschland aus. Sie sind bereit, zum Erreichen ihrer Ziele auch in Deutschland schwerste Ge146 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","walttaten zu ver\u00fcben. Ihre Vorstellungen von einem \"Islamischen Staat\" stehen in einem diametralen Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland und Europa. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Internet-Propaganda Unter der Bezeichnung Tauhid Germany (zeitweise auch Tauhid Deutschland) firmierte eine Gruppe, die sich zur Verbreitung salafistischer Propaganda im Internet zusammengeschlossen hat. Sie verf\u00fcgte neben einem eigenen WebAngebot auch \u00fcber Online-Auftritte bei Facebook und YouTube. Neben Predigten in deutscher Sprache fanden sich auf diesen Plattformen unter anderem Beitr\u00e4ge von arabischsprachiLogo der verbotenen Organisation gen Gelehrten, die der salafistischen Szene als Tauhid Germany Vorbild dienten. Viele der bei Tauhid Germany eingestellten Videos und Postings lie\u00dfen starke Bez\u00fcge zum Jihadismus erkennen. So wurden dort Beitr\u00e4ge und Videos eingestellt, die den gewaltsamen Jihad verherrlichen und zum Hass gegen sogenannte \"Ungl\u00e4ubige\" aufriefen. Akteure von Tauhid Germany haben im Berichtsjahr 2014 vereinzelt durch sogenannte Da'waSt\u00e4nde in deutschen Innenst\u00e4dten auf sich aufmerksam gemacht. An diesen St\u00e4nden wurde salafistisches Propaganda-Material \u00f6ffentlich verteilt und um neue Anh\u00e4nger geworben. Hasan K., Hauptakteur in Nordrhein-Westfalen, ist im November 2014 in einer Berufungsverhandlung \u00fcber die Stra\u00dfenkrawalle in Solingen am 1. Mai 2012 als R\u00e4delsf\u00fchrer zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten verurteilt worden. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. In der Gesamtschau zeigt Tauhid Germany Z\u00fcge einer Folgevereinigung der im Sommer 2012 verbotenen Organisation Millatu Ibrahim. Mit Datum vom 26. M\u00e4rz 2015 hat der Bundesminister des Innern die Organisation Tauhid Germany in Deutschland verboten. Die Beobachtung und Sammlung von Informationen durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden hat hierzu beigetragen. Ehemaliges Umfeld von Millatu Ibrahim Personen aus der im Jahr 2012 verbotenen Vereinigung Millatu Ibrahim sind nach wie vor in Solingen und dort auch weiterhin in der salafistischen Szene aktiv. Die jihadistischen Hauptprotagonisten sind jedoch ausgereist und halten sich aktuell in Syrien auf oder sind dort bereits umgekommen: IslamIsmus 147 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","> Die beiden Hauptr\u00e4delsf\u00fchrer Mohammed Mahmoud und Dennis Cuspert haben sich dem \"Islamischen Staat\" angeschlossen und verbreiten weiterhin Internetpropaganda. Cuspert in einem Propaganda-Video des Islamischen Staates, mutma\u00dflich in Syrien > Auch die ehemaligen Protagonisten Silvio K. sowie Christian E. sind weiterhin aktiv und haben durch ihre Verlautbarungen Diskussionen in deutschen Medien provoziert. Der Solinger Robert B. soll nach Verlautbarungen aus der salafistischen Szene im Januar 2014 ein Selbstmordattentat f\u00fcr den Islamischen Staat begangen haben. Brigade Lohberg Bislang konnten rund 25 Personen identifiziert werden, die der salafistischen Szene DinslakenLohberg zuzuordnen sind beziehungsweise waren. Gegen einen Teil dieser Personen sind aktuell staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren anh\u00e4ngig. Mehr als ein Dutzend der Mitglieder der Lohberger Gruppe sind nach Syrien ausgereist. Vier sind vor dem eigentlichen Kampfeinsatz wieder zur\u00fcckgekehrt. Ein weiterer R\u00fcckkehrer befindet sich aktuell in Untersuchungshaft. Es beMustafa K. aus Dinslaken (vermutlich steht der Verdacht, dass er sich dem Islamischen verstorben), mit gek\u00f6pften mutma\u00dflich Staat angeschlossen haben k\u00f6nnte. kurdischen K\u00e4mpfern in Nord-Syrien 148 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Einige Personen scheinen sich zumindest anfangs gemeinsam unter der Bezeichnung Brigade Lohberg in Syrien aufgehalten zu haben. Die Bezeichnung Brigade Lohberg ist \u00fcber InternetPropaganda bekannt geworden. Sie suggerierte die Existenz einer zusammenh\u00e4ngenden deutschsprachigen Gruppe. \u00dcber die reine Propaganda hinaus sind keine Aktionen dieser vermeintlichen \"Brigade\" bekannt geworden. Es konnte auch keine Ausstrahlung in die verbliebene Szene in Lohberg hinein festgestellt werden. Neue Verlautbarungen der \"Brigade\" sind aktuell nicht bekannt. Die betreffenden Personen k\u00f6nnten sich verteilt und in verschiedene Abschnitte in Syrien und dem Irak begeben haben. Die bekannt gewordenen Berichte \u00fcber vier tote Personen dieser Gruppe legen nahe, dass sie sich dem Islamischen Staat in Syrien angeschlossen haben. Der aus Dinslaken stammende Philip B. (Alias-Name: Abu Usama al-Almani) wurde vom Verfassungsschutz in der Vergangenheit als ein Hauptprotagonist der Lohberger Szene eingesch\u00e4tzt. Er bekannte sich als einer der ersten aus Nordrhein-Westfalen Ausgereisten \u00f6ffentlich zum Islamischen Staat und gelobte dessen selbsternanntem Kalifen die Treue. \u00dcber die Internetauswertung konnte die ebenfalls medial verbreitete Mitteilung gewonnen werden, dass eine Person mit dem Namen Abu Usama Philip B. (vermutlich verstorben) al-Almani durch ein Selbstmordattentat \"M\u00e4rtyrer\" geworden sei. Ob es sich dabei um Philip B. handelt, kann der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen nicht mit letzter Gewissheit best\u00e4tigen. Auff\u00e4llig ist, dass seitdem keine weiteren Bekenntnisse des Philip B. \u00f6ffentlich geworden sind. Mit der Ausreise der Hauptprotagonisten aus Dinslaken scheint die Gruppe zumindest derzeit \u00fcber keinen \"harten Kern\" in Nordrhein-Westfalen zu verf\u00fcgen. Allerdings sind weitere Salafisten in Dinslaken und Duisburg bekannt, die mit den Ausgereisten bekannt waren. Es besteht somit die Gefahr, dass sich weitere Personen aus dem Bereich radikalisieren und ebenfalls versuchen auszureisen. IslamIsmus 149 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Strafverfahren gegen Unterst\u00fctzernetzwerke von Terror-Organisationen in Syrien Der Generalbundesanwalt teilte mit, dass am 18. Oktober 2014 der 38-j\u00e4hrige tunesische Staatsangeh\u00f6rigen Kamel Ben Yahia S. und der 28-j\u00e4hrigen russische Staatsangeh\u00f6rigen Yusup G. in Aachen festgenommen wurden. Zudem wurden die Wohnungen der beiden Festgenommenen und weiterer dreizehn mutma\u00dflicher Unterst\u00fctzer der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigungen Islamischer Staat im Irak und Gro\u00dfsyrien (ISIG, heute: IS) und Ahrar al Sham durchsucht. Neben Nordrhein-Westfalen fanden Ma\u00dfnahmen in Baden-W\u00fcrttemberg, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und Schleswig-Holstein statt. Dem Netzwerk werden Unterst\u00fctzungshandlungen und Schleusungen zugunsten des Islamischen Staates vorgeworfen. Zwei weitere Personen, der 40-j\u00e4hrige deutsche und marokkanische Staatsangeh\u00f6rige Mounir R. und der 31-j\u00e4hrige libanesische Staatsangeh\u00f6rige Kassem El R. wurden im Zusammenhang mit den bundesweiten Ma\u00dfnahmen ebenfalls festgenommen. Alle geh\u00f6rten einem salafistischen Personennetzwerk mit Schwerpunkt im Raum Aachen an. Der Generalbundesanwalt hat am 31. M\u00e4rz 2014 die 27-j\u00e4hrige deutsche und polnische Staatsangeh\u00f6rige Karolina R. in Bonn festnehmen lassen. Die Beschuldigte, die der Bonner SalafistenSzene zugerechnet wird, ist dringend verd\u00e4chtig, die ausl\u00e4ndische terroristische Vereinigung ISIG durch vier Geldzahlungen von insgesamt fast 4.800 Euro unterst\u00fctzt zu haben. Im Rahmen dieses Strafverfahrens ist auch jeweils eine Person in Berlin und Frankfurt a.M. festgenommen worden. Das Polizeipr\u00e4sidium K\u00f6ln f\u00fchrte seit Mai 2013 \u00fcberregionale verdeckte Ermittlungen gegen Salafisten, denen die Unterst\u00fctzung terroristischer Vereinigungen im Ausland sowie das Werben um Mitglieder f\u00fcr solche Vereinigungen mit dem Ziel der Teilnahme am bewaffneten Dschihad vorgeworfen wird. Die Ermittlungen richteten sich gegen insgesamt 44 Beschuldigte. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Beschuldigten stammt aus Nordrhein-Westfalen. Weitere Beschuldigte kommen aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Am 12. November 2014 nahm die Polizei in K\u00f6ln und Umgebung zehn mutma\u00dfliche Unterst\u00fctzer islamistischer Terrorgruppen in Syrien fest und durchsuchte rund 40 Wohnungen. Die Beschuldigten stehen im Verdacht, mit Einbr\u00fcchen die Ausreise von Jihadisten in die Krisengebiete finanziert und islamistische Terrork\u00e4mpfer in Syrien unterst\u00fctzt zu haben. Die Personen werden verschiedenen salafistischen Szenen in Nordrhein-Westfalen zugerechnet und waren bereits seit Jahren, auch vor den ihnen zugerechneten kriminellen Handlungen, als Extremisten bekannt. Al-Shabab - R\u00fcckkehrer aus Somalia Am 20. September 2014 hat der Generalbundesanwalt den 30-j\u00e4hrigen deutschen und tunesischen Staatsangeh\u00f6rigen Mounir T. und den 22-j\u00e4hrigen deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Abdiwahid W. am Flughafen in Frankfurt am Main festnehmen lassen. Die Beschuldigten sind dringend 150 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","verd\u00e4chtig, sich als Mitglieder an der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung Al-Shabab beteiligt zu haben. Sie sollen im Jahr 2012 von Deutschland aus nach Somalia gereist sein, um sich der dort agierenden terroristischen Vereinigung Al-Shabab anzuschlie\u00dfen. Sie sind dringend verd\u00e4chtig, in einem Lager der Terrororganisation eine Ausbildung im Umgang mit Schusswaffen und Handgranaten durchlaufen und in der Folge an Eins\u00e4tzen der Terrororganisation teilgenommen zu haben. Beide werden der Bonner Salafisten-Szene zugerechnet. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Durch den Fortgang des B\u00fcrgerkrieges im Irak und in Syrien sowie der kriegerischen Konflikte in verschiedenen anderen Teilen der islamischen Welt entstehen staatsund regierungsfreie R\u00e4ume. Dies bietet Terrorgruppierungen mit jihadistischer Ideologie die M\u00f6glichkeit, ihren Machtbereich in diesen Freir\u00e4umen zu etablieren. Ihre milit\u00e4rischen Erfolge und ihre im Internet verbreitete Selbstinszenierung als \"musterg\u00fcltige islamische Staaten\" erh\u00f6hen deren Attraktivit\u00e4t in der hiesigen salafistischen Szene. In der Folge wird der Drang nach Ausreise, um sich diesem extremistisch-salafistischen Modell anzuschlie\u00dfen, fortbestehen. Damit steigt gleichzeitig die Zahl derer weiter an, die mit Kampfausbildung potenziell wieder zur\u00fcckkehren und wegen einer weiteren Ideologisierung und Kampferfahrungen ein hohes Risiko f\u00fcr die innere Sicherheit darstellen. Ausgereiste Jihadisten erhalten in den \"befreiten Gebieten\" des IS in Syrien und im Irak eine Ausbildung an Waffen. Sie k\u00f6nnen mit gleichgesinnten Personen aus Europa und anderen Teilen der Welt Netzwerke kn\u00fcpfen und beispielsweise Anschlagspl\u00e4ne gegen westliche Ziele entwickeln. Als R\u00fcckkehrer mit Terrorausbildung und Kampferfahrung stellen sie eine langfristige Gefahr dar. Auch wenn sie eine Zeit lang nicht auff\u00e4llig sind, bleiben sie dennoch potenziell gewaltbereit. Dies wird auch in Zukunft eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden darstellen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_extsalaf IslamIsmus 151 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hamas Sitz / Verbreitung Berlin, Strukturen aber auch in Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern feststellbar Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1987 Struktur / Repr\u00e4sentanz In Deutschland repr\u00e4sentiert durch die Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD) Mitglieder / Anh\u00e4nger / NRW: 65 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Englischsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die sunnitische Hamas (Harakat al-Muqawama Al Islamiya - Bewegung des islamischen Widerstandes) hat sich aus dem pal\u00e4stinensischen Teil der Muslimbruderschaft entwickelt und wurde erstmals \u00f6ffentlich mit Beginn der ersten Intifada im Jahr 1987 aktiv. Das erste Ziel der Hamas ist die \"Befreiung\" Gesamtpal\u00e4stinas und damit die Vernichtung Israels, dessen Existenzrecht nicht anerkannt wird, auch wenn moderate HamasPolitiker dies unter bestimmten Bedingungen hin und wieder in Aussicht stellten. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die Hamas ist eine terroristische Organisation, verf\u00fcgt aber neben ihrem paramilit\u00e4rischen Arm, den Izzedin Al-Qassam-Brigaden, auch \u00fcber eine Partei und ein soziales Hilfswerk. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Selbstmordattentate und Raketenangriffe auf israelisches Gebiet verantwortlich. Die Feindschaft gegen\u00fcber Israel wird begleitet von einem virulenten Antisemitismus, der auch in der Charta der Hamas deutlich zum Ausdruck kommt. Als zweites Ziel verfolgt die Hamas die Errichtung eines \"islamischen Staates\", gest\u00fctzt auf die Ideologie der Muslimbruderschaft. 152 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Das Hamas-nahe Palestinian Return Center (PCR) f\u00fchrte am 3. Mai 2014 in Paris die 12. Europakonferenz durch, an der bis zu 3.000 Personen teilnahmen. Zu der Veranstaltung war unter dem Motto \"A united Palestine for the Promise of Return\" eingeladen worden. Die Konferenz wurde vom PCR in Zusammenarbeit mit dem Pal\u00e4stinensischen Forum in Frankreich organisiert. In Deutschland hatte die Pal\u00e4stinensische Symbol des Palestinian Return Center Gemeinschaft in Deutschland e.V. (PGD), die die Hamas im Bundesgebiet repr\u00e4sentiert, zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen. Etwa 1.000 Teilnehmer aus Deutschland sind diesem Aufruf gefolgt. Ein wesentliches Thema der Konferenz war der angestrebte Prozess der Vers\u00f6hnung zwischen der Hamas und der Fatah-Partei. Die Aktivit\u00e4ten in Deutschland lebender Hamas-Anh\u00e4nger waren \u00fcberwiegend durch den Nahost-Konflikt bestimmt. Nach dem Beginn israelischer Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen am 8. Juli 2014 fanden in Deutschland zahlreiche durch die PGD initiierte Demonstrationen mit zum Teil mehreren Tausend Teilnehmern statt. In Nordrhein-Westfalen wurde unter anderem in Dortmund, Essen, D\u00fcsseldorf, Bonn und Wuppertal protestiert. Unter den Demonstrationsteilnehmern war eine hoch emotionalisierte und aggressive Stimmung feststellbar. Gleichwohl verliefen die Demonstrationen, an denen sich gelegentlich auch Anh\u00e4nger aus dem deutschen linksund rechtsextremistischen Spektrum beteiligten, weitgehend ohne gr\u00f6\u00dfere Zwischenf\u00e4lle. Dies entspricht dem sonstigen Verhalten hier lebender Hamas-Anh\u00e4nger, die grunds\u00e4tzlich kein Interesse an einem gewaltt\u00e4tigen Verlauf von Demonstrationen haben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es auch in Zukunft anlassbezogen zu spontanen Gewaltaktionen stark emotionalisierter jugendlicher Pal\u00e4stinenser gegen israelische, j\u00fcdische oder amerikanische Einrichtungen kommen kann. F\u00fcr organisationsgesteuerte Gewaltaktionen von Hamas-nahen Vereinen liegen jedoch keine Anhaltspunkte vor. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_hamas IslamIsmus 153 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hizb Allah (Partei Gottes) Sitz / Verbreitung Zentren in M\u00fcnster und Hamburg Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1982 Struktur / Repr\u00e4sentanz Seit \u00fcber 20 Jahren ist das Islamische Zentrum (Imam-MahdiZentrum) in M\u00fcnster eine Plattform und Begegnungsst\u00e4tte f\u00fcr Hizb Allah-Anh\u00e4nger in Nordrhein-Westfalen und dem Westen Deutschlands. Weitere erkannte Schwerpunkte finden sich im Raum Essen/Bottrop und Bad Oeynhausen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 100 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die paramilit\u00e4rische schiitische Hizb Allah formierte sich 1982 als Reaktion auf den Einmarsch israelischer Truppen im Libanon. Organisatorisch kn\u00fcpft sie unmittelbar an die iranische Intervention w\u00e4hrend des libanesischen B\u00fcrgerkriegs an. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Bedingt durch den iranischen Einfluss strebte die Hizb Allah in den ersten Jahren die Errichtung eines islamischen Gottesstaates nach iranischem Muster auf libanesischem Boden an. Hiervon hat sich die Organisation sp\u00e4ter zugunsten einer pragmatischen, auf die Festigung ihres Einflusses bedachten Ausrichtung gel\u00f6st. Diesem Ziel ist die Hizb Allah durch ihre mittlerweile gesamtgesellschaftliche und politische Verankerung als Widerstandsbewegung im Libanon deutlich n\u00e4her gekommen. Im Gegenzug musste sie jedoch Teile ihres extremistischen Forderungskataloges aufgeben. Mit ihrer erfolgreichen Teilnahme an der libanesischen Parlamentswahl gelang es der Hizb Allah darum, die angestrebte Etablierung als von der libanesischen \u00d6ffentlichkeit wahrgenommene legalistische Organisation zu verstetigen. Ihre Maximen einer Vernichtung des Staates Israel sowie die Errichtung einer \"islamischen Herrschaft\" \u00fcber Jerusalem sind allerdings 154 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","bis heute unver\u00e4ndert. Um diese Ziele zu erreichen, bedient sich die Hizb Allah auch der Mittel des Terrors. Seit Jahren ist sie f\u00fcr Anschl\u00e4ge im n\u00f6rdlichen Israel verantwortlich und stellt damit eine unmittelbare Bedrohung f\u00fcr den Staat Israel dar. Bei der Hizb Allah handelt es sich um eine international gut vernetzte terroristische Organisation. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 2. April 2014 den Verein Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) wegen des Versto\u00dfes gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung verboten und aufgel\u00f6st. Der Verein hat in der Vergangenheit die libanesische Shahid Stiftung, die zu den Strukturen der Hizb Allah geh\u00f6rt, in erheblichem Umfang finanziell unterst\u00fctzt. Die Shahid Stiftung ihrerseits betreut Waisenkinder und Hinterbliebene von Hizb AllahK\u00e4mpfern. Die Vollstreckung des Verbots und in diesem Zusammenhang angeordnete Durchsuchungen erfolgten am 8. April 2014 unter anderem in Nordrhein-Westfalen, wo der Verein seinen Sitz in Essen hatte. Anl\u00e4sslich der Durchsuchungen wurden das Vereinsverm\u00f6gen sowie Propagandamaterial der Hizb Allah sichergestellt und beschlagnahmt. Gegen diese Ma\u00dfnahme haben die Verantwortlichen des WKP den Rechtsweg beschritten. Mit Beschluss vom 8. Juli 2014 hat das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) die aufschiebende Wirkung der Klage gegen die WKP-Verbotsverf\u00fcgung wiederhergestellt und dem Verein jede Form der Zusammenarbeit mit der Shahid Stiftung untersagt. Besondere Reaktionen hier ans\u00e4ssiger Hizb Allah-Anh\u00e4nger auf die Verbotsma\u00dfnahme waren nicht wahrnehmbar. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Der schiitischen Hizb Allah, die mit Iran und dem Assad-Regime in Syrien verb\u00fcndet ist, sind neben dem Gegner Israel nunmehr auch in der Terrormiliz Islamischer Staat sowie anderen salafistisch gepr\u00e4gten Milizen in Syrien und dem Libanon ideologisch noch unerbittlichere Widersacher erwachsen. Deshalb sorgt der Syrienkonflikt, in den die Hizb Allah-Miliz an der Seite des Assad-Regimes eingegriffen hat, f\u00fcr eine zunehmende Verunsicherung hier ans\u00e4ssiger Hizb Allah-Anh\u00e4nger. Einerseits ist es die Sorge um die im Libanon verbliebenen Familienangeh\u00f6rigen, andererseits bestehen Bef\u00fcrchtungen, dass man Angriffen von hier lebenden Salafisten ausgesetzt sein k\u00f6nnte. Zumindest ist in den der Hizb Allah nahe stehenden Vereinen eine erh\u00f6hte Wachsamkeit festzustellen. Hinweise darauf, dass hier ans\u00e4ssige Hizb Allah-Anh\u00e4nger im Zusammenhang mit dem Pal\u00e4stina-Konflikt oder dem Syrienkonflikt gewaltsame Aktionen in Nordrhein-Westfalen planen, liegen bislang nicht vor. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_hizballah IslamIsmus 155 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - HuT) Sitz / Verbreitung Derzeit keine regionalen Schwerpunkte in Nordrhein-Westfalen erkennbar Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1952 Struktur / Repr\u00e4sentanz In der Bundesrepublik Deutschland ist die HuT in verschiedene Regionen aufgeteilt; in diesen Regionen existieren streng voneinander abgeschottete Kleinstgruppen (Zellen), die sich durch ein \u00e4u\u00dferst konspiratives Verhalten auszeichnen. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 35 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Mehrsprachiges Web-Angebot Kurzportrait / Ziele Die Hizb ut-Tahrir (HuT) wurde 1952 von dem Rechtsgelehrten Scheikh Taqi al-Din al-Nabhani, einem ehemaligen Mitglied der \u00e4gyptischen und pal\u00e4stinensischen Muslimbruderschaft gegr\u00fcndet. Es handelt sich um eine pan-islamistische Bewegung, die sich an alle Muslime richtet. Vorrangiges Ziel der Organisation ist die Wiedereinf\u00fchrung des 1924 durch die Republik T\u00fcrkei abgeschafften Kalifats und die Errichtung eines islamischen Staats. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die HuT unterliegt in Deutschland einem Bet\u00e4tigungsverbot. Am 19. Juni 2012 hat der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) die Klage der HuT gegen das vom Bundesminister des Innern im Januar 2003 ausgesprochene Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die HuT dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen und den Sturz von Regierungen in muslimisch ausgerichteten Staaten gefordert hat, um diese durch ein auf den Regeln der Scharia basierendes Kalifat zu ersetzen. Damit verfolgt die HuT Ziele, die den Grunds\u00e4tzen der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention zuwider laufen, so 156 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","dass sich die Organisation bei ihrer Klage nicht auf das in Art. 11 EMRK bestimmte Recht auf Versammlungsund Vereinigungsfreiheit berufen konnte. Die HuT kennzeichnet ein besonders stark ausgepr\u00e4gter Antisemitismus. Juden, aber auch Christen, gelten entgegen der mehrheitlich von islamischen Gelehrten vertretenen Meinung als Ungl\u00e4ubige, deren Lebensform abzulehnen ist und mit denen m\u00f6glichst kein Kontakt gehalten werden sollte; sie seien ein B\u00fcndnis eingegangen, um den Islam zu zerst\u00f6ren. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Anh\u00e4nger der HuT haben dem geltenden Bet\u00e4tigungsverbot nicht \u00f6ffentlich zuwidergehandelt. Somit gab es 2014 in Nordrhein-Westfalen keine erkennbaren Aktivit\u00e4ten der HuT. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Trotz des Verbots ist davon auszugehen, dass die Organisation ihre Aktivit\u00e4ten in konspirativer Weise fortsetzt und weiter fortsetzen wird. Anders als die Muslimbruderschaft, aus deren Reihen ihr Gr\u00fcnder urspr\u00fcnglich stammt, setzt die HuT nicht auf eine islamische Erziehung der Massen, sondern auf die Gewinnung von Eliten f\u00fcr ihre Ideologie. Aus diesem Grund geh\u00f6ren vor allem Hochschulen zu den Bereichen, an denen die HuT ihre konspirative Propagandat\u00e4tigkeit betreibt. \u00d6ffentliche Auftritte von F\u00fchrungsfunktion\u00e4ren waren weiterhin nicht festzustellen. Dies d\u00fcrfte vor dem Hintergrund des Bet\u00e4tigungsverbots mit der Furcht vor m\u00f6glichen staatlichen Sanktionen in Zusammenhang stehen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_hut IslamIsmus 157 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) Sitz / Verbreitung K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1984 Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 220 in NRW Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Muhacirun (Auswanderer) Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Im Jahr 1984 gr\u00fcndete Cemaleddin Kaplan (1926 - 1995) nach Losl\u00f6sung von der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung den Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) in K\u00f6ln. Der Kalifatsstaat war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte und streng hierarchisch gegliederte Organisation. Ziel der Organisation war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines letzten Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Der Kalifatsstaat wurde im Jahr 2001 wegen Versto\u00dfes gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung sowie Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit in Deutschland durch den Bundesminister des Innern verboten. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Seit dem Vereinsverbot agieren die verbliebenen Anh\u00e4nger in Deutschland konspirativ und streben eine Reorganisation an. Allerdings wird diese seit langem durch interne Auseinandersetzungen verhindert. Dar\u00fcber hinaus ist bei Teilen der Anh\u00e4ngerschaft eine Hinwendung zum Salafismus zu beobachten. Strukturen einer ehemaligen Kalifatsstaats-Anh\u00e4ngerschaft sind in 158 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Nordrhein-Westfalen noch vorhanden, ohne dass es sich dabei um eine sanktionierbare Fortf\u00fchrung der verbotenen Organisation handelt. Deutschsprachige Propaganda des Kalifatsstaates im Internet Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die bereits vor dem Verbot \u00e4u\u00dferst militante Einstellung und Rhetorik des Kalifatsstaats ist dazu geeignet, gerade jugendliche Anh\u00e4nger an den jihadorientierten Salafismus heranzuf\u00fchren und diese an salafistische Bestrebungen zu verlieren. Einige Akteure des Kalifatstaats haben sich inzwischen selbst dem Salafismus zugewandt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_kalifatsstaat IslamIsmus 159 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Muslimbruderschaft (unter anderem IGD) Sitz / Verbreitung Hauptsitz in K\u00f6ln Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1928, in Deutschland seit den 1960er Jahren Struktur / Repr\u00e4sentanz Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) geh\u00f6rt zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der F\u00f6deration islamischer Organisationen in Europa (FIOE), die als Sammelbecken f\u00fcr Organisationen der Muslimbruderschaft in Europa gilt. Seit Ende 2010 hat die IGD ihren Sitz in K\u00f6ln. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 65 Unterst\u00fctzer 2014 (R\u00fcckgang gegen\u00fcber Vorjahr durch Neubewertung von Teilen der Bewegung) Ver\u00f6ffentlichungen Verschiedene Internetseiten und Auftritte in sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Die 1928 von Hassan al-Banna in \u00c4gypten gegr\u00fcndete Muslimbruderschaft (MB) ist die einflussreichste und \u00e4lteste islamistische Bewegung des modernen politischen Islam. Als pan-islamisch ausgerichtete Organisation ist sie nicht nur in allen arabischen Staaten, sondern nach eigenen Angaben in 70 L\u00e4ndern weltweit vertreten. Nach ihrer Ideologie sind die meisten Regime in der muslimischen Welt unislamisch. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Ziel der MB ist die Umgestaltung der L\u00e4nder mit islamischer Mehrheitsbev\u00f6lkerung in Staaten mit islamistischem Regierungssystem auf der Grundlage der Symbol der Scharia sowie der islamischen Rechtsund Lebensord\u00e4gyptischen nung. Gewalt wird zur Durchsetzung dieses Ziels nicht Muslimbruderausgeschlossen. schaft 160 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum In Nordrhein-Westfalen sind neben der IGD in verschiedenen St\u00e4dten Vereine mit angeschlossenen Moscheen ans\u00e4ssig, die eine N\u00e4he zur Ideologie der Muslimbruderschaft aufweisen. Die Einrichtungen finanzieren sich aus Spenden, Mitgliedsbeitr\u00e4gen sowie dem Verkauf von Publikationen. Die Spendenbereitschaft der Anh\u00e4nger ist nach wie vor eher gering, so dass anl\u00e4sslich von Veranstaltungen st\u00e4ndig zu h\u00f6herer Spendenbereitschaft aufgerufen wird. \u00d6ffentliche Aktivit\u00e4ten dieser Einrichtungen sind allerdings nur gelegentlich bei gr\u00f6\u00dferen Veranstaltungen feststellbar. Dort sind die Verlautbarungen gem\u00e4\u00dfigt. Vertreter der Organisationen weisen immer wieder darauf hin, dass hier lebende Muslime sich vom islamistischen Terrorismus zu distanzieren und die Gesetze zu beachten haben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Am 23. September 2013 wurde die Muslimbruderschaft in \u00c4gypten durch Gerichtsbeschluss verboten. Am 25. Dezember 2013 stufte die \u00e4gyptische Regierung die Organisation als Terrororganisation ein. Facebook-Kampagne gegen den Milit\u00e4r-Coup in \u00c4gypten Nach wie vor ist das Bem\u00fchen der IGD feststellbar, sich als gem\u00e4\u00dfigte islamische Organisation darzustellen. F\u00fcr die weitere Entwicklung der MB-nahen Vereine In Nordrhein-Westfalen d\u00fcrfte von entscheidender Bedeutung sein, wie sich der Prozess in \u00c4gypten, dem Ursprungsland der MB, fortsetzen wird. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_mb IslamIsmus 161 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (extremistischer Teil) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei / Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit ca. 1969 Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 250 in NRW Unterst\u00fctzer 2014 (R\u00fcckgang gegen\u00fcber Vorjahr durch Neubewertung der Bewegung) Ver\u00f6ffentlichungen Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Die ideologischen Wurzeln der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (MGB) gehen auf die Ideen des verstorbenen t\u00fcrkischen Politikers und ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten der T\u00fcrkei Prof. Dr. Necmettin Erbakan (1926-2011) zur\u00fcck. Zum Kern dieser Ideologie geh\u00f6ren die Schl\u00fcsselbegriffe \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (Nationale Sicht) und \"Adil D\u00fczen\" (Gerechte Ordnung). Nach der von Erbakan entwickelten Ideologie ist die Welt hinsichtlich der Herrschaftssysteme zweigeteilt. Einerseits in die auf dem Wort Gottes fu\u00dfende religi\u00f6sislamische Ordnung (Adil D\u00fczen) und andererseits in die westliche Ordnung der Gewalt und Unterdr\u00fcckung (Batil D\u00fczen - Nichtige Ordnung). Zum Wohle der Menschen in der T\u00fcrkei und letztlich zum Wohle aller Menschen strebt die Bewegung an, die westliche Ordnung durch die \"gerechte Ordnung\" zu ersetzen. Finanzierung Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Das \"Adil D\u00fczen\"-Konzept stellt die westliche Demokratie als zu \u00fcberwindendes Unterdr\u00fcckungssystem dar und wendet sich damit grunds\u00e4tzlich auch gegen die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Dar\u00fcber hinaus wird die Kritik an der westlichen Demokratie bei Erbakan und seinem politischen Gefolge mit einem unverhohlenen Antisemitismus verbunden, der dem Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung widerspricht. 162 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die Ziele der politischen Ideologie Milli G\u00f6r\u00fcs werden weiterhin von Teilen der auch in Deutschland aktiven Ableger der Bewegung vertreten. In Nordrhein-Westfalen sind folgende Strukturen festzustellen: Saadet Partisi (SP) In der T\u00fcrkei sind die Anh\u00e4nger der MGB in der Saadet Partisi (SP - Gl\u00fcckseligkeitspartei) organisiert. Die SP ist in Deutschland durch ein zentrales Parteib\u00fcro in K\u00f6ln vertreten. Im Beobachtungszeitraum wurde ein Organisationsaufbau unter anderem durch die Ernennung von Gebietsvertretern der SP in 21 Regionen europaweit verzeichnet. Zudem besuchten Funktion\u00e4re der SP die in Deutschland im Aufbau befindlichen Parteistrukturen und hielten unter anderem in Nordrhein-Westfalen Seminare und Vortr\u00e4ge. Als vornehmliche Ziele des SP-Parteib\u00fcros in Deutschland werden die Wahlkampfunterst\u00fctzung f\u00fcr die am 7. Juni 2015 stattfindenden t\u00fcrkischen Parlamentswahlen sowie die Einnahme von Mitgliedsbeitr\u00e4gen und Spenden angesehen. Ableger der Saadet Partisi im Rheinland Ein in der t\u00fcrkischen Presse wiedergegebenes Zitat des SP-Vorsitzenden Mustafa Kamalak anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des zentralen Parteib\u00fcros in K\u00f6ln macht erneut das Festhalten an der extremistischen politischen Ausrichtung deutlich: \"Ein System, das nicht auf Recht (hakk) basiert, kann nicht gerecht (adil) sein. Der Ma\u00dfstab von Recht wiederum wird im Koran und in der Sunna (Brauch des Propheten) bestimmt.\" IslamIsmus 163 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) Die Erbakan Vakfi wurde von Fatih Erbakan, dem Sohn Necmettin Erbakans, 2013 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Sie vertritt das geistige Erbe und die Ideologie Necmettin Erbankans. Die SP distanzierte sich am Folgetag der Stiftungsgr\u00fcndung von dieser, da sich die SP als einziger legitimer Vertreter der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ansieht. Die Erbakan Vakfi verf\u00fcgt \u00fcber eine eigene Europavertretung, deren haupts\u00e4chliche Aktivit\u00e4t in Solingen und Duisburg lokalisiert werden kann. Bielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) Logo der Erbakan-Stiftung Die Organisation Bielefeld Sultan Fatih Genclik besteht aus Personen, die der Ideologie der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung nahestehen. Sie wurde insbesondere im Rahmen von Veranstaltungen der SP und der Erbakan Vakfi unter anderem als Organisator bekannt. Symbol der Bielefeld Sultan Fatih Genclik Ismail Aga Cemaati (IAC) Bei der IAC handelt es sich um eine politisierte Gruppierung aus dem islamischen Sufi-Orden der Nakschibandiya, zu dem auch Necmettin Erbakan, der Gr\u00fcnder der Milli G\u00f6r\u00fcsBewegung, enge Beziehungen pflegte. Der europ\u00e4ische Zweig der IAC zeigt sich verbunden mit der Ideologie der Milli G\u00f6r\u00fcsBewegung und der Saadet Partisi. Europavertreter der IAC ist nach eigenem Bekunden der Prediger Nusret Cayir. Er hielt im Jahr 2014 mehrfach Predigten ideologischen Inhalts im RahSymbol der Ismail Aga men von Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen. Cemaati 164 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Bewertung, Tendenzen, Ausblick Die organisatorischen Ver\u00e4nderungen innerhalb der MGB im Jahre 2013 haben dazu gef\u00fchrt, dass jetzt die oben genannten Organisationen als Vertreter der Milli G\u00f6r\u00fcs-Ideologie in Nordrhein-Westfalen anzusehen sind. Diese Bestrebungen verfolgen ihre Ziele in der T\u00fcrkei und hier nach wie vor mit politischen Mitteln. Es ist damit zu rechnen, dass die SP und die Erbakan Vakfi ihre Organisationsstrukturen weiter ausbauen und ihre in Nordrhein-Westfalen lebenden Anh\u00e4nger ideologisch st\u00e4rker in die entstehenden Strukturen einbinden werden. Mit dem politischen Erfolg der islamisch-orientierten AKP in der T\u00fcrkei ist die MGB dort seit Jahren politisch marginalisiert. Diese Entwicklung hat sich nunmehr auch Nordrhein-Westfalen, wenn auch unter anderen Voraussetzungen, fortgesetzt. Zurzeit ist nicht erkennbar, dass die MGB wieder nennenswert an politischer Bedeutung gewinnen k\u00f6nnte. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_milligoerues IslamIsmus 165 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Nordkaukasische SeparatistenBewegung (NKSB) Sitz / Verbreitung Einzelmitglieder in Deutschland Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1991 als international nicht anerkannte Tschetschenische Republik Itschkerien, seit 2007 Kaukasisches Emirat Struktur / Repr\u00e4sentanz Keine gefestigten Strukturen in Nordrhein-Westfalen Mitglieder / Anh\u00e4nger / 70 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Einzelne Ver\u00f6ffentlichungen im Internet, Austausch in sozialen Netzwerken Kurzportrait / Ziele Mit dem Zerfall der UdSSR 1991 und im Zuge der Unabh\u00e4ngigkeit der s\u00fcdkaukasischen Staaten Armenien, Aserbeidschan und Georgien entstand im n\u00f6rdlichen Kaukasus, vor allem in Tschetschenien, eine separatistische Bewegung mit dem Ziel einer Losl\u00f6sung von Russland. Finanzierung Spenden Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Das Kaukasische Emirat hat das Ziel, die russische Armee mit Gewalt zum R\u00fcckzug aus Tschetschenien zu zwingen und im n\u00f6rdlichen Kaukasus einen islamischen Staat zu errichten. Die Unterst\u00fctzungsaktivit\u00e4ten f\u00fcr das Kaukasische Emirat bestehen in Deutschland vorrangig in der Propaganda f\u00fcr die Bewegung, Spendensammlungen sowie sonstiger logistischer Hilfe. In Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt die NKSB \u00fcber keine festen Strukturen. Einzelne und zum Teil herausragende Personen der NKSB sind in Nordrhein-Westfalen jedoch f\u00fcr die Organisation in \u00fcberregionalen Zusammenh\u00e4ngen aktiv. 166 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Es zeigen sich vermehrt Beteiligungen von Tschetschenen, die zuvor einen Bezug zur NKSB aufwiesen, an einzelnen salafistischen Aktionen wie Koranverteilung, Islamseminaren und Spendensammlungen. Im Sp\u00e4tsommer und Herbst des Jahres 2014 kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Tschetschenen und Jesiden in Herford und Celle. Hierbei war zu erkennen, das sich ein Teil der NKSB Anh\u00e4nger verst\u00e4rkt dem salafistischen Spektrum zugewandt hat. Diese Tendenz findet ihren Ausfluss auch darin, dass sich immer mehr Mitglieder des Kaukasischen Emirats f\u00fcr den Jihad entscheiden. Mittlerweile gibt es erste Hinweise, dass Gruppen von K\u00e4mpfern aus dem Kaukasus einen Treueeid auf den Emir des Islamischen Staates (IS) Abu Bakr Al-Baghdadi geleistet haben. Nach dem Tod Doku Umarows, des Emirs des Kaukasischen Emirats, der im M\u00e4rz 2014 bekannt gegeben und sp\u00e4ter best\u00e4tigt worden ist, \u00fcbernahm Aliaskhab Kebekov (Alias-Name: Scheich Ali Abu Muhammad al-Kaukasi) als neuer Emir die F\u00fchrung des Kaukasischen Emirats. Todesmeldung zu Umarov im russischen Fernsehen auf YouTube Bewertung, Tendenzen, Ausblick Nach den Ereignissen des Jahres 2014 ist von einer weiteren Radikalisierung von Teilen der extremistischen tschetschenischen Szene in Nordrhein-Westfalen auszugehen. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_nksb IslamIsmus 167 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","T\u00fcrkische Hizbullah (TH) Sitz / Verbreitung T\u00fcrkei Gr\u00fcndung / Bestehen seit 1979 in Diyarbakir 1981/82 Trennung der Fraktionen Menzil und Ilim 1987 Ilim-Fraktion in Batman Struktur / Repr\u00e4sentanz ./. Mitglieder / Anh\u00e4nger / 100 in NRW Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Publikationen: Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft), Inzar (Warnung), Dogru Haber (Richtige Nachricht), Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir), Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten) Mehrere Web-Angebote Kurzportrait / Ziele Anfang der 1980er Jahre bildeten sich unter sunnitischen Kurden in der T\u00fcrkei Gruppierungen heraus, die f\u00fcr die Errichtung einer auf strikter Befolgung von Koran und Scharia gegr\u00fcndeten \"islamischen Herrschaft\" eintraten und sich gegen den s\u00e4kularen t\u00fcrkischen Staat wandten. Aus einer dieser Gruppierungen entwickelte sich die Hizbullah (Partei Gottes) , die vor allem seit Beginn der 1990er Jahre zur Erreichung ihrer politischen Ziele gegen interne Abweichler, gegen die marxistische kurdische Separatistenorganisation PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), gegen liberale Journalisten und gegen Vertreter des t\u00fcrkischen Staates Gewalt anwendete. Im Januar 2000 wurde H\u00fcseyin Velioglu, der damalige Anf\u00fchrer der sogenannten T\u00fcrkischen Hizbullah, in Istanbul bei einem Schusswechsel mit der Polizei get\u00f6tet. In der Folge setzten sich zahlreiche Aktivisten der TH nach Europa und insbesondere nach Deutschland ab. Finanzierung Spenden 168 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit In ihrer Zielsetzung verbindet die T\u00fcrkische Hizbullah eine islamistische mit einer kurdischnationalen Agenda. Zu den Feindbildern, die f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung der Muslime verantwortlich gemacht werden, geh\u00f6ren neben den internen Abweichlern, der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Republik T\u00fcrkei auch die \"imperialistischen\" und \"zionistischen M\u00e4chte\", also die westliche Staatengemeinschaft und Israel. Hauptziel der TH ist die Beseitigung des laizistischen Staatssystems in der T\u00fcrkei und langfristig die Errichtung eines islamistischen Regimes. Die TH rechtfertigt die Anwendung von Gewalt. Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Die TH nutzt Deutschland als R\u00fcckzugsraum. Mit ihren \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten, wie zum Beispiel religi\u00f6se oder kulturelle Veranstaltungen, m\u00f6chte die TH m\u00f6glicherweise neue Mitglieder werben sowie Spenden sammeln. So fanden in Nordrhein-Westfalen entsprechende Veranstaltungen im Jahr 2014 unter anderem in Herne statt. Bewertung, Tendenzen, Ausblick Derzeit ist nicht abzusehen, dass die TH ihre Strategie in Deutschland \u00e4ndert und hier zu gewaltt\u00e4tigen Mitteln in der politischen Auseinandersetzung greift. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_tuerkhizbullah IslamIsmus 169 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","170 IslamIsmus Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Scientology Organisation (SO) Scientology organiSation 171 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Scientology Organisation (SO) Sitz / Verbreitung Bundesweite Niederlassungen (zum Beispiel Berlin, M\u00fcnchen, Hamburg) NRW: Scientology Kirche D\u00fcsseldorf und Celebrity Center Gr\u00fcndung / Bestehen seit Die Church of Scientology wurde 1953 durch Lafayette Ron Hubbard (LRH) in den USA gegr\u00fcndet; erste deutsche Niederlassung 1970 in M\u00fcnchen Struktur / Repr\u00e4sentanz Strikter hierarchischer Aufbau mit Strukturen mit totalit\u00e4rem Anspruch; Steuerung durch David Miscavige aus den USA; Unterst\u00fctzung durch Finanzmittel und politische Einflussm\u00f6glichkeiten innerhalb der USA; diverse kontinentale Verbindungsb\u00fcros zur Kontrolle der Arbeit in den einzelnen L\u00e4ndern Mitglieder / Anh\u00e4nger / Bund: rund 4.000 NRW: rund 500 Unterst\u00fctzer 2014 Ver\u00f6ffentlichungen Internationale Publikationen: Unter anderem Impact, Scientology News, Celebrity, Source, Freewinds, OT-Universe, The Aditor, Advance Deutschsprachige Publikation: Freiheit Nordrhein-Westf\u00e4lische Publikation: Kompetenz Kurzportrait / Ziele Die Ziele der SO wurden durch den Gr\u00fcnder LRH festgelegt, dessen Lehren nach der Ideologie der SO unab\u00e4nderlich und bindend sind. Eines der formulierten Ziele lautet \"Clear Planet\", was bedeutet, dass alle Menschen der scientologischen Gesellschaft angeh\u00f6ren sollen. Hieraus kann der Schluss gezogen werden, dass die SO somit die Weltherrschaft erstrebt. Angestrebt wird die scientologische Gesellschaft mit einer Einteilung der Menschen in \"Nichtabberierte\" und \"Abberierte\" (Nicht-Scientologen), wobei Letztere nach scientologischen Vorstellungen in einzelnen Menschenrechten eingeschr\u00e4nkt w\u00fcrden. 172 Scientology organiSation Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Vor diesem Hintergrund ist eines der gro\u00dfen Themen in der SO die Expansion, auf welche die Mitglieder kontinuierlich eingeschworen werden und zu deren Erreichung die SO versucht, Einfluss auf Gesellschaft, Wirtschaft und Politik auszu\u00fcben. Dabei tritt die SO nicht immer offen auf, sondern verbirgt sich h\u00e4ufig bei ihren Aktivit\u00e4ten hinter einer ihrer zahlreichen Tarnorganisationen. Zu diesen Tarnorganisationen geh\u00f6ren unter anderem Der Weg zum Gl\u00fccklichsein, Jugend f\u00fcr Menschenrechte und Sag nein zu Drogen. Mit professionellen Internetpr\u00e4senzen und Themen wie zum Beispiel Drogen und Menschenrechte sprechen sie insbesondere Jugendliche an und nutzen das Internet, um au\u00dferhalb der Einflussm\u00f6glichkeit der Erziehungsberechtigten an sie heranzutreten. Die Zugeh\u00f6rigkeit der Tarnorganisation zur SO ist nur schwer erkennbar. Deren hochwertig gestaltete Brosch\u00fcren werden verteilt, beziehungsweise an gut zug\u00e4nglichen Stellen wie Beratungsb\u00fcros, Gesch\u00e4ften und Praxen auch mit Zustimmung der Verantwortlichen, die den Zusammenhang zur SO nicht erkennen, ausgelegt. Finanzierung Vertrieb von kostenpflichtigen Kursen und Kursmaterialien im Rahmen der Scientology-Ideologie; Spendengelder. Insoweit wird oft ein erheblicher Druck auf Mitglieder ausge\u00fcbt. Grund der Beobachtung / Verfassungsfeindlichkeit Die SO ist seit 1997 Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzes. Die Lehre der SO stellt eine Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung dar. Nicht nur Einschr\u00e4nkungen wesentlicher Grundund Menschenrechte (wie Meinungsfreiheit und Gleichberechtigung) sind Konsequenzen der Lehre, sondern es wird auch eine Gesellschaft ohne allgemeine und gleiche Wahlen angestrebt. Zur Erreichung ihrer Ziele verfolgt die Organisation zumeist verdeckt die Beeinflussung sowohl der Gesellschaft und Wirtschaft als auch der Politik. Mit der Entscheidung des OVG M\u00fcnster vom 12. Februar 2008 ist die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Beobachtung durch den Verfassungsschutz best\u00e4tigt worden. Mit seiner Entscheidung best\u00e4tigte das Gericht die Auffassung des Verfassungsschutzes, dass die Lehre der Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) und der Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) eine Gefahr f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung darstellt. Scientology organiSation 173 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","iEHEET, Tatsache ET Sein] Sg) WISE CONSULTANT Re EC AR N sit \u00dcBER BRINGI ING PROSPERITY TD THER aa Mn TS A An Erfolgsplan KITIHURSG:lH) leid NE ar ass alala E23 Ihre WISE-Mitg EN planerist das perfekte Hil Einf\u00fchrung des Hubbard. m Unternehmen, ana IhrenF\u00fchrung eninzipien und Weikzeuge, umIhre Unternehmensziete zu sezu \u00fcberwinden, die diesen Zielen im Wege stehen Um die umfassende Nutzung des WISE-Erfolgsplaners in Ihrem Unternehmen zu erleichtern, haben wir die Vorteile einer WISEMitgliedschaft wie folgt erweitert: k\u00f6nnen alle Ihre Mitarbeiter Einzelmilglieder werden. 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Siebekommen dannihreneigenen WISE-Erfolgsplaner \\ sowie ale zuk\u00fcnftigen Module und Programme, sobak diese herausgegeben werden. und sie sind zu allen Vorteilen eine Einzelmitgliedschaft berechtigt. |y\u00e4hrkene WISE-Einzelmitgliedschaft f\u00fcr acht Mitarbeiter: beitsgsfe] itigen Karte (Jahresbeitrag f\u00fcr eine WISE-Einzelmitgliedschaft f\u00fcr jeden weiteren Mitarbeiter 195 Dollar) UmweitereExemplare desWISE-Erfolgsplanersf\u00fcr Ihre erh zu erhalten (eih\u00e4llich as Voreil einer Einzelm\u00e4giedschft) darunter K\u00fcnstler, \u00c4rzte, Manag 'er und Angestellte, HANETIK-Meihode erfolgreich im t\u00e4glichen Leben. Keim ge mn","Ereignisse und Entwicklungen im Berichtszeitraum Im Dezember 2013 wurde im Rahmen eines Gro\u00dfevents in den USA durch den Leiter der SO David Miscavige das \"Goldene Zeitalter der Technologie, Phase II\" ausgerufen. Den Mitgliedern wurden vermeintliche Neuerungen angek\u00fcndigt, die letztendlich aufgrund der Unab\u00e4nderlichkeit der Lehren von LRH darin bestanden, dass Kurse und B\u00fccher neu aufgelegt und illustriert wurden. Den Mitgliedern wurde vermittelt, dass sie nun in einer weitaus h\u00f6heren Geschwindigkeit den angestrebten Status \"Clear\" erreichen k\u00f6nnten. Eine Gewinnung neuer Mitglieder konnte im Berichtsjahr 2014 nicht festgestellt werden, jedoch wurde durch diese Ma\u00dfnahme erreicht, dass Mitglieder eine Vielzahl von kostenpflichtigen Kursen absolviert haben. Bewertung, Tendenzen, Ausblick An der Gefahreneinsch\u00e4tzung der Organisation, die durch das OVG M\u00fcnster 2008 formuliert wurde, hat sich nichts ge\u00e4ndert. Die Mittel zur Erreichung der Ziele haben keinen Wandel erfahren. Insbesondere die Umwerbung Jugendlicher unter dem Deckmantel von guten Taten (Aufkl\u00e4rung \u00fcber Menschenrechte, F\u00f6rderung von Toleranz und Frieden, Kampf gegen Drogen) ist sowohl perfide als auch gut durchdacht. Die Kontaktaufnahme von Jugendlichen zur SO erfolgt ebenso einfach wie schnell, es reicht oftmals eine E-Mail oder das Ausf\u00fcllen eines Kontaktformulars. Es kann davon ausgegangen werden, dass eine Weiterentwicklung der SO gerade im Bereich moderner Kommunikationsmedien stattfinden wird. Auch die Beeinflussung der Wirtschaft durch die SO wird weiterhin einer Beobachtung unterliegen m\u00fcssen. Die SO verf\u00fcgt \u00fcber den eigenen Wirtschaftsverband World Institute of Scientology Enterprises (WISE) sowie eigene Organisationsund Managementstrategien. Durch geschicktes und verdecktes Marketing n\u00e4hert sie sich ganzen Firmen, insbesondere aber kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen. Auf diese Art und Weise soll sukzessive die Infiltration der Wirtschaft betrieben und die Macht der Organisation ausgebaut werden. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_so Scientology organiSation 175 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","176 Scientology organiSation Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 177 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Pr\u00e4ventionsarbeit und Aussteigerprogramme 177 \u00dcbergreifende Pr\u00e4ventionskonzepte gegen Extremismus ................................................. 180 Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" ................................................................................... 182 Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes .............................................................. 186 Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus \" ...................................................................... 190 Modellprojekt VIR ............................................................................................................... 194 Vortr\u00e4ge und Fortbildungen ................................................................................................ 196 Ver\u00f6ffentlichungen .............................................................................................................. 198 Extremismuspr\u00e4vention ist seit mehr als zehn Jahren ein fester Bestandteil der Arbeit des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen. Seit Mitte April 2013 werden entsprechende Aufgaben und Aktivit\u00e4ten im eigenst\u00e4ndigen Referat \"Pr\u00e4vention, Aussteigerprogramme\" geb\u00fcndelt. Deutliche Schwerpunkte der Pr\u00e4ventionsarbeit liegen zurzeit in den Bereichen Rechtsextremismus und Islamismus. Pr\u00e4ventionsarbeit findet nicht nur auf institutioneller und gesellschaftlicher, sondern verst\u00e4rkt auch auf individueller Ebene statt. Der Verfassungsschutz bietet Rechtsextremisten und seit Oktober 2014 Islamisten mit eigenen Programmen die M\u00f6glichkeit zum Ausstieg. Noch fr\u00fcher setzt das Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" an, bei dem vorwiegend junge Menschen zum Ausstieg vor dem Einstieg in den gewaltbereiten Salafismus motiviert werden sollen. Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz beteiligt sich zudem an vielf\u00e4ltigen Informationsveranstaltungen, Tagungen und Modellprojekten zur Pr\u00e4vention. Ziel und ein besonderer Schwerpunkt im Jahr 2014 war es, Initiativen im Bereich der Pr\u00e4vention des Islamismus zu vernetzen, auszuweiten und zus\u00e4tzlichen Handlungsbedarf herauszukristallisieren. Der Verfassungsschutz verfolgt dies in enger Kooperation mit mehreren nordrhein-westf\u00e4lischen Landesministerien. Ein wichtiges Element ist das neue Aussteigerprogramm Islamismus, das unabh\u00e4ngig und parallel zum Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser konzipiert worden ist. Mit Regionalkonferenzen bei den Bezirksregierungen Arnsberg und D\u00fcsseldorf konnten zudem insgesamt rund 300 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus unterschiedlichen Arbeitsbereichen zu den Problemfeldern islamistischer Agitation und Rekrutierung sensibilisiert werden. F\u00fcr 178 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","das Jahr 2015 sind entsprechende Konferenzen in den Regierungsbezirken K\u00f6ln, Detmold und M\u00fcnster geplant. Im Bereich der Rechtsextremismuspr\u00e4vention z\u00e4hlten der Beginn der zweiten wissenschaftlichen Evaluation des Aussteigerprogramms, die Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus - eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung\" in K\u00f6ln und das Modellprojekt VIR (\"Ver\u00e4nderungsImpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen\") zu den wichtigsten Aktivit\u00e4ten im Jahr 2014. Ein Kernelement der Pr\u00e4vention ist die Aufkl\u00e4rung der Politik, der Beh\u00f6rden und Institutionen, aber auch der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u00fcber Ideologien, Strukturen und Strategien verfassungsfeindlicher Organisationen und Parteien. Aufkl\u00e4rung st\u00e4rkt die Wachsamkeit der demokratischen \u00d6ffentlichkeit und festigt auf diese Weise das Fundament einer wehrhaften Demokratie. Im Jahr 2014 hat sich der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz an \u00fcber 170 Informationsveranstaltungen in allen Landesteilen beteiligt. Die weitaus meisten Veranstaltungen besch\u00e4ftigten sich mit den Themenfeldern Rechtsextremismus und Islamismus. Der Verfassungsschutz ist dabei in der Regel nicht selbst Ausrichter. Einladende sind fast immer zivilgesellschaftliche Organisationen, Schulen, Lehrerausbildungseinrichtungen oder Stellen der Ausund Fortbildung der Justizund Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die meisten Veranstaltungen richten sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, ein kleinerer Teil direkt an Jugendliche. Im Bereich Islamismus und seit 2014 durch das Modellprojekt VIR erstmals auch im Bereich Rechtsextremismus bringt der Verfassungsschutz NRW seine Erkenntnisse gezielt in alle drei grundlegenden Felder der Pr\u00e4vention ein. In Wissenschaft und p\u00e4dagogischer Praxis wird \u00fcblicherweise die prim\u00e4re, sekund\u00e4re und terti\u00e4re Pr\u00e4vention unterschieden. Eingeteilt wird nach den Zielgruppen, an die sich die Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen richten. Bei der prim\u00e4ren Pr\u00e4vention ist dies die demokratische \u00d6ffentlichkeit (\"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\"). Bei der sekund\u00e4ren Pr\u00e4vention sind es Personengruppen, die N\u00e4he zum extremistischen Denken und Handeln haben. Im Bereich des Rechtsextremismus werden diese Personen beispielsweise h\u00e4ufig als \"rechtsorientiert\" oder \"rechtsaffin\" bezeichnet. Entsprechende Jugendliche befinden sich meist in einer Ann\u00e4herungsphase an extremistische Szenen. Terti\u00e4re Pr\u00e4vention richtet sich an Personen, die fest an der Szene beteiligt und in ihr aktiv sind. Ma\u00dfnahmen der terti\u00e4ren Pr\u00e4vention sind insbesondere Aussteigerprogramme. Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen diesen drei Pr\u00e4ventionsbereichen sind flie\u00dfend, die Unterscheidung ist aber wichtig, weil wirksame Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen passgenau auf die jeweilige Zielgruppe ausgerichtet sein m\u00fcssen. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 179 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","\u00dcbergreifende Pr\u00e4ventionskonzepte gegen Extremismus Vor dem Hintergrund der aktuellen deutschlandund europaweiten Entwicklungen im Ph\u00e4nomenbereich extremistischer Salafismus haben sich im Mai 2014 unter der Federf\u00fchrung des MIK das Ministerium f\u00fcr Schule und Weiterbildung (MSW), das Ministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport (MFKJKS), das Ministerium f\u00fcr Arbeit, Integration und Soziales (MAIS), das Ministerium f\u00fcr Innovation, Wissenschaft und Forschung (MIWF), das Justizministerium (JM) und die Staatskanzlei (StK und MBEM) auf die Entwicklung einer breit wirkenden gemeinsamen pr\u00e4ventiven Gegenstrategie gegen den gewaltbereiten Salafismus verst\u00e4ndigt. In einem schriftlichen Bericht wurde der Landtag im Oktober \u00fcber das gemeinsame Vorgehen sowie die bisherigen Aktivit\u00e4ten und Handlungsschwerpunkte unterrichtet (Bericht \"Unterrichtung des Landtags \u00fcber ein ressort\u00fcbergreifendes, koordiniertes Vorgehen der Landesregierung zur Pr\u00e4vention von gewaltbereitem Salafismus\" vom 21. Oktober 2014, Landtagsvorlage 16/2301). Die m\u00f6glichen Gegenstrategien, die in Nordrhein-Westfalen entwickelt wurden und ausgebaut werden sollen, sind vielf\u00e4ltig und erfordern unterschiedliche Expertise. Sie gehen \u00fcber den Verantwortungsbereich von Polizei und Verfassungsschutz hinaus. Eine wirksame Bek\u00e4mpfung der Ursachen und Wirkung von Radikalisierung erfordert nach Meinung vieler Expertinnen und Experten unabdingbar ein gemeinsames koordiniertes Vorgehen aller betroffenen Ressorts. Es ist erforderlich, bestehende spezifische Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen aus den Aufgabenbereichen verschiedener Ressorts der Landesregierung st\u00e4rker zu vernetzen und auszubauen sowie neue notwendige Ma\u00dfnahmen zu initiieren und die Bek\u00e4mpfung als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzunehmen. Unter Federf\u00fchrung des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales NRW fand ein erster Expertenkreis zum Thema Salafismuspr\u00e4vention statt. Hierzu waren ausgew\u00e4hlte Fachleute aus Wissenschaft und Praxis sowie Vertreterinnen und Vertreter der Landesregierung eingeladen. Im Fachgespr\u00e4ch wurde intensiv er\u00f6rtert, welche neuen Handlungsimpulse sich f\u00fcr Politik, betroffene Bereiche von Regierung und Verwaltung und andere Verantwortungstr\u00e4ger ergeben k\u00f6nnten. Die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr ein gemeinsames Vorgehen und die Zusammenf\u00fchrung der Ma\u00dfnahmen in einem \u00fcbergreifenden Pr\u00e4ventionskonzept werden weiter erarbeitet. Regionalkonferenzen Salafismus Von einer Radikalisierung sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene betroffen. Daher hat das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales 2014 in Regionalkonferenzen bei den Bezirks180 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","regierungen begonnen, landesweit die Institutionen, die in ihrer Arbeit mit dieser Personengruppe vielf\u00e4ltige Kontakte haben, \u00fcber den extremistischen Salafismus, seine Erscheinungsformen sowie Beratungsund Hilfsangebote zu informieren. Die beiden ersten Konferenzen wurden bereits gemeinsam mit den Bezirksregierungen Arnsberg und D\u00fcsseldorf durchgef\u00fchrt. Im Jahr 2015 folgen Konferenzen in K\u00f6ln, Detmold und M\u00fcnster. Sie richten sich mit den Zielen Aufkl\u00e4rung, Information und Sensibilisierung insbesondere an Multiplikatoren aus den Bereichen Schule, Kinderund Jugendhilfe, Integrationsfachstellen, Polizei und Wissenschaft. In Vortr\u00e4gen und Diskussionen wurden die Attraktivit\u00e4t der Szene f\u00fcr Jugendliche, ihre Radikalisierungstendenzen sowie Themen der Pr\u00e4vention gegen den extremistischen Salafismus von und mit Experten beleuchtet. Modellprojekt \"Kommunen gegen Extremismus\" Im Kreis Mettmann wurde durch den nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz zusammen mit dem polizeilichen Staatsschutz des zust\u00e4ndigen Polizeipr\u00e4sidenten D\u00fcsseldorf ein Modellprojekt \"Kommunen gegen Extremismus\" initiiert. Es beruht im Rahmen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit im Wesentlichen auf Informationsaustausch in beide Richtungen und soll bereits im Vorfeld die Entstehung jeder Art von Extremismus entgegenwirken. Im Falle einer Problemlage oder bei Entwicklungen, die auf das Entstehen einer solchen hindeuten, wollen die Beteiligten auf kurzen Wegen gemeinsam geeignete Gegenmittel erarbeiten. Verfassungsschutz und Polizei stehen dauerhaft beratend zur Verf\u00fcgung. Das Modell wurde von den Kommunen im Kreis Mettmann positiv angenommen und f\u00fcr Anfragen und Hinweise genutzt Netzwerk gegen Rechtsextremismus Der Verfassungsschutz NRW vertritt das Innenministerium in einer Interministeriellen Arbeitsgruppe, die die Entwicklung eines Integrierten Handlungskonzepts gegen Rechtsextremismus und Rassismus in Nordrhein-Westfalen begleitet. Das Handlungskonzept wird federf\u00fchrend durch eine Projektgruppe im Ministerium f\u00fcr Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport erarbeitet. Das MIK geh\u00f6rt zudem dem \"Landesnetzwerk gegen Rechtsextremismus\" in Nordrhein-Westfalen an, das im M\u00e4rz 2012 gegr\u00fcndet wurde und in dem alle wesentlichen staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure zusammenarbeiten. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 181 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" - Vorbeugung gegen Radikalisierung in den extremistischen Salafismus Der gewaltbereite Salafismus war auch im Jahr 2014 der Extremismusbereich mit der am st\u00e4rksten wachsenden Szene innerhalb Deutschlands. Das Thema wirft insbesondere bei Eltern und Lehrern viele Fragen auf. Woran erkennt man, ob und inwieweit sich Jugendliche bereits radikalisiert haben? Welche Ver\u00e4nderungen sind typisch? Was kann gegen einen drohenden Einstieg in die Szene unternommen werden? Betroffene fr\u00fchzeitig erreichen Hier setzt das Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser an: Es bietet Anlaufstellen vor Ort f\u00fcr alle, die Fragen zum Thema Salafismus und Radikalisierung haben oder Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigen. Wegweiser setzt fr\u00fcher an als das Aussteigerprogramm Islamismus. Es will verhindern, dass sich Jugendliche \u00fcberhaupt radikalisieren und in die Szene einsteigen. Dabei gibt es vielf\u00e4ltige Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine m\u00f6gliche Radikalisierung. Entsprechend breit ist das Programm Wegweiser aufgestellt. Neben Unzufriedenheit, Schulproblemen, Identit\u00e4tskrisen kann auch mangelnde Akzeptanz ein Grund f\u00fcr den Einstieg in die salafistische Szene sein. Daher ist es sehr wichtig, Beratungsangebote zu unterbreiten und Stellen anzubieten, die gerade Angeh\u00f6rigen und anderen Personen offenstehen, die Probleme erkennen und Ver\u00e4nderungen an den jungen Menschen beobachten. \u00dcber Gespr\u00e4che mit Personen aus dem direkten Umfeld besteht die M\u00f6glichkeit, die Betroffenen fr\u00fchzeitig zu erreichen. Je vielf\u00e4ltiger die Problemlagen der vorwiegend jungen Menschen sind, umso zahlreicher und inhaltlich breiter aufgestellt sollten die Netzwerkpartner vor Ort sein, die bei einer Probleml\u00f6sung mit ihren speziellen Expertisen hinzugezogen werden und behilflich sein k\u00f6nnen. 182 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Breit aufgestelltes Expertennetzwerk Das Programm Wegweiser bindet m\u00f6glichst viele Experten bei allen relevanten, lokal ans\u00e4ssigen Stellen in die Beratungsarbeit mit ein. Es sollen individuelle und umsetzbare Probleml\u00f6sungen erarbeitet werden k\u00f6nnen. Ein solches Expertennetzwerk besteht unter anderem aus kommunalen Beh\u00f6rden, freien Tr\u00e4gern der Jugendund Bildungsarbeit, Sozialverb\u00e4nden, der \u00f6rtlichen Polizei, lokalen Initiativen, Schulen und Moscheegemeinden. Wegweiser versteht sich nicht als alleiniges Programm des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales, sondern als Programm eines Verbundes von Ministerium sowie Kommunen und Akteuren vor Ort. Die einzelnen Wegweiser-Partner tauschen sich regelm\u00e4\u00dfig mit dem Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales aus, um die Wirksamkeit der Organisation und des Konzeptes zu er\u00f6rtern. Die konkrete Beratungsarbeit findet jedoch ausschlie\u00dflich vor Ort statt und wird unabh\u00e4ngig durchgef\u00fchrt. Es ist vertraglich ausdr\u00fccklich geregelt, dass personenbezogene Daten nicht weitergegeben werden d\u00fcrfen. Das Wegweiser-Konzept umfasst Leitlinien, die vom jeweiligen lokalen Partner individuell konkretisiert werden, um Besonderheiten Die Sensiblisierung von Akteuren, die mit Jugendlichen arbeiin der Stadt beziehungsweise ten, ist ein wichtiges Element des Wegweiser-Programms. Hier Region zu ber\u00fccksichtigen. Alle referiert Anke M\u00f6nter bei der Regionalkonferenz in K\u00f6ln. Beteiligten \u00fcberlegen gemeinsam, welche \u00f6rtliche Institution als Tr\u00e4ger f\u00fcr das Wegweiser-Projekt in Frage kommt. Dieser Tr\u00e4ger erh\u00e4lt eine Finanzierung vom Land, die es ihm erm\u00f6glicht, eine Anlaufstelle einzurichten und Betreuer f\u00fcr eine Beratung einzustellen. Diese Ansprechpartner sind in der Beratungsarbeit kundige Personen mit \u00f6rtlichen Bez\u00fcgen, die zudem - da in der Regel selbst muslimisch - einen intensiven Kontakt zur islamischen Gemeinde pflegen. Durch die vom lokalen Netzwerk abgesicherte hohe Akzeptanz der Betreuer und die Anlaufstelle vor Ort ist die Hemmschwelle f\u00fcr Ratsuchende niedrig. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 183 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Wegweiser-Arbeit vor Ort Wegweiser beruht auf der Kooperation und der Kompetenz der Netzwerkpartner bei der Probleml\u00f6sung. Die Wegweiser-Betreuer suchen gemeinsam mit den Ratsuchenden geeignete Experten aus dem \u00f6rtlichen Netzwerk auf, entwickeln individuelle L\u00f6sungen und begleiten die konkreten Umsetzungsschritte. Die Anlaufstellen sind auch f\u00fcr Personen, die allgemeine Informationen \u00fcber den extremistischen Salafismus ben\u00f6tigen, ansprechbar. Sie vermitteln beispielsweise Referenten f\u00fcr Veranstaltungen und Fortbildungen oder stellen Informationsmaterialien zur Verf\u00fcgung. * M\u00e4rz 2014 : Start in drei Modellkommunen * M\u00e4rz 2015: Wegweiser im Bergischen Land * 2015: Weitere Standorte in Planung Im Jahr 2014 wurden erfolgreich Wegweiser-Anlaufstellen in den St\u00e4dten Bochum, Bonn und D\u00fcsseldorf eingerichtet. F\u00fcr 2015 ist eine Erweiterung auf die St\u00e4dte Dortmund, Duisburg und 184 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","K\u00f6ln sowie den Kreis Wesel (mit der Stadt Dinslaken) und den Raum Wuppertal/Solingen/Remscheid in Arbeit. Es ist geplant, Wegweiser in Schwerpunktbereichen weiter auszubauen und landesweit Pr\u00e4ventionsund Unterst\u00fctzungsangebote bereit zu stellen. Mit einer wissenschaftlichen Evaluierung des Wegweiser-Programms sollen die Wirksamkeit \u00fcberpr\u00fcft und eventuelle Verbesserungsm\u00f6glichkeiten aufgezeigt werden. Kontakt zu Wegweiser Neben den Wegweiser-Anlaufstellen vor Ort bestehen direkte Kontaktm\u00f6glichkeiten zur Beratungshotline beim Verfassungsschutz. Ratsuchende aus ganz Nordrhein-Westfalen k\u00f6nnen sich \u00fcber die Rufnummer 0211-871-2728 von Montag bis Freitag in der Zeit von 08:00 bis 18:00 Uhr an die Beraterinnen und Berater wenden. Die E-Mail-Adresse lautet info@wegweiser.nrw.de. Die zentrale Hotline vermittelt auf Wunsch Ansprechpartner vor Ort. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die Erreichbarkeiten der lokalen Wegweiser-Partner und Antworten auf h\u00e4ufige Fragen zum Programm sind unter www.wegweiser.nrw.de zu finden. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 185 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Aussteigerprogramme des Verfassungsschutzes Aussteigerprogramme sind sehr wichtige Angebote der Pr\u00e4vention. Sie erm\u00f6glichen Menschen in extremistischen Szenen neue Perspektiven und begleiten sie auf neuen Lebenswegen. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen bietet ein solches Programm seit langem f\u00fcr den Bereich des Rechtsextremismus an. Im Oktober 2014 hat nun auch ein Aussteigerprogramm Islamismus seine Arbeit aufgenommen. Gemeinsame Qualit\u00e4tsfaktoren f\u00fcr Aussteigerprogramme Der Verbund der Aussteigerprogramme des Bundes und der L\u00e4nder hat auf der 10. Bundesarbeitstagung in Potsdam ein gemeinsames Positionspapier \"Standorte und Perspektiven\" verabschiedet. Das Aussteigerprogramm Rechtsextremismus Nordrhein-Westfalen hat sich aktiv in die Entwicklung des Papiers eingebracht, das beim Deutschen Pr\u00e4ventionstag im Mai 2014 in Karlsruhe der Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt worden ist. Es beschreibt Qualit\u00e4tsfaktoren der Arbeit mit ausstiegswilligen Personen. Der Verbund der staatlichen Aussteigerprogramme bietet f\u00fcr das Team des nordrhein-westf\u00e4lischen Programms eine wichtige M\u00f6glichkeit zur kontinuierlichen Fortbildung und zum Erfahrungsaustausch. Aussteigerprogramm Rechtsextremismus - wichtiger Baustein zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus Das nordrhein-westf\u00e4lische Aussteigerprogramm richtet sich an alle, die an der rechtsextremistischen Szene beteiligt sind: Mitl\u00e4ufer, Aktivisten und F\u00fchrungspersonen. Betreut werden Szeneangeh\u00f6rige, die von sich aus den Kontakt aufgenommen haben. Au\u00dferdem sprechen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Aussteigerprogramms gezielt Rechtsextremisten an, um ihnen Unterst\u00fctzung beim Ausstieg anzubieten. Das Aussteigerprogramm ist ein zentrales Element im AchtPunkte-Programm zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus und -terrorismus, das die Landesregierung im Dezember 2011 verabschiedet hat. Mit gezielten Ma\u00dfnahmen wird der Kontrolldruck auf die rechtsextremistische Szene in Nordrhein-Westfalen erh\u00f6ht. In Folge entsprechender Aktivit\u00e4ten ist die Zahl der ausstiegswilligen Rechtsextremisten angestiegen. Das Aussteigerprogramm betreute 2014 kontinuierlich zwischen 40 und 50 Personen. Im Jahresschnitt sind dies fast doppelt so viele ausstiegswillige Personen wie 2011. Die Klienten werden in ihrem Ausstiegsprozess zwischen drei und sechs Jahre lang begleitet. Wie im Acht-Punkte-Programm 186 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","angek\u00fcndigt, wurde das Aussteigerprogramm seit 2012 in mehreren Schritten personell verst\u00e4rkt und die Zahl der Stellen mehr als verdoppelt: Inzwischen sind sechs Betreuerinnen und Betreuer f\u00fcr das Programm t\u00e4tig (drei Vollzeitstellen und drei Kr\u00e4fte auf Honorarbasis). Das Spektrum der Ausstiegshilfen ist breit. Mit jedem Einzelnen entwickelt das Team des Programms ein pers\u00f6nlich zugeschnittenes Ausstiegskonzept und begleitet die Umsetzung. Dabei spielt einerseits die Stabilisierung der Lebenssituation nach der Abkehr vom bisherigen Umfeld eine gro\u00dfe Rolle. In diesem Stadium ist praktische Hilfe zur Selbsthilfe wichtig. Auf der anderen Seite sind die Aufarbeitung der bislang verinnerlichten ideologischen Denkmuster und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Verhaltensweise mindestens ebenso wichtige Aufgaben im Ausstiegsprozess. Signet des Aussteigerprogramms Rechtsextremismus Zweite Evaluation des Aussteigerprogramms Rechtsextremismus Das Aussteigerprogramm f\u00fcr Rechtsextremisten arbeitet seit 2001 erfolgreich mit Personen, die Unterst\u00fctzung bei ihrer Abkehr von der Szene ben\u00f6tigen. Um Erfolg und Wirksamkeit des Programms durch eine unabh\u00e4ngige Stelle zu \u00fcberpr\u00fcfen sowie Optimierungspotenziale zu erkennen, ist es seit Juni 2014 zum zweiten Mal wissenschaftlich evaluiert worden. Bei dieser Ergebnisund Prozessevaluation kommen quantitative und qualitative Methoden zum Einsatz. Durchgef\u00fchrt wird sie von dem Sozialund Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Kurt M\u00f6ller (Hochschule Esslingen) und der Psychologin Prof. Dr. Beate K\u00fcpper (Hochschule Niederrhein). Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 187 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Beide sind ausgewiesene Fachleute zum Thema Rechtsextremismus. Die Evaluationsergebnisse sind im Mai 2015 \u00f6ffentlich vorgestellt worden. \\ Aussteigerprogramm Rechtsextremismus Das Aussteigerprogramm Rechtsextremismus ist \u00fcber die E-Mail-Adresse kontakt@aussteiger.nrw.de und die Telefonnummer 0211 837 1001 erreichbar. Weitere Informationen zum Programm sind unter www.aussteiger.nrw.de abrufbar. Aussteigerprogramm Islamismus - Verfassungsschutz NRW ist Vorreiter In Umsetzung einer entsprechenden Vereinbarung der nordrhein-westf\u00e4lischen Regierungsfraktionen im \"Koalitionsvertrag 2012-2017\" hat der Verfassungsschutz im Jahr 2014 ein eigenst\u00e4ndiges Aussteigerprogramm f\u00fcr Islamisten entwickelt. Es richtet sich an stark radikalisierte und in die islamistische Szene fest eingebundene Personen. Das Land Nordrhein-Westfalen \u00fcbernimmt mit einem separaten Aussteigerprogramm f\u00fcr diesen Ph\u00e4nomenbereich eine Vorreiterrolle in Deutschland. Es ist deutlich konzeptionell und personell vom Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser abgegrenzt, welches vor allem das Ziel hat, den Einstieg vorwiegend junger Menschen in die Szene zu verhindern und das Rat suchende Umfeld zu st\u00e4rken. Das Aussteigerprogramm Islamismus bietet bereits radikalisierten aber ausstiegswilligen, desillusionierten oder traumatisierten Personen eine Unterst\u00fctzung an und begleitet sie auf ihrem Weg zur\u00fcck in die Gesellschaft und in ein Leben ohne Extremismus. Der Ausstiegswille kann in einem sehr fr\u00fchen Radikalisie188 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","rungsstadium entstehen. Meistens liegt ihm jedoch ein Schl\u00fcsselerlebnis zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt zugrunde wie beispielsweise ein Strafverfahren oder Erlebnisse in den Kriegsgebieten Syriens oder des Irak. Das Team des Programms leistet klassische Aussteigerbetreuung, in der den Betroffenen konkrete und individuelle Beratung und praktische Unterst\u00fctzung angeboten werden. Religi\u00f6se \u00dcberzeugungen werden respektiert, aber keine Gewalt zur Durchsetzung extremistischer Ziele. Neben der M\u00f6glichkeit, dass sich ausstiegswillige Personen selbst Aussteigerprogramm Islamismus an das Programm wenden, Das Aussteigerprogramm Islamismus ist \u00fcber die k\u00f6nnen auch beispielsweise E-Mail-Adresse kontakt@ausstieg-islamismus.nrw.de Angeh\u00f6rige, Polizei oder Justiz und die Telefonnummer 0211 837 1926 erreichbar. Hinweise \u00fcber begonnene Distanzierungsprozesse oder einen ge\u00e4u\u00dferten Ausstiegswillen an die Ausstiegsbetreuer herantragen. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 189 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus - eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung\" Rund 220 Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Medien, aus der p\u00e4dagogischen Praxis sowie von zivilgesellschaftlichen Organisationen kamen am 22. Oktober 2014 in K\u00f6ln zur Fachtagung \"Antimuslimischer Rassismus - eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung\" zusammen. Eingeladen hatte das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales NRW gemeinsam mit dem Koordinationsrat der Muslime (KRM), der Dachorganisation der gr\u00f6\u00dften muslimischen Verb\u00e4nde in Deutschland. Inhaltlich kn\u00fcpfte die Veranstaltung an die Tagung \"WIR oder Scharia? Islamfeindliche Kampagnen im Rechtsextremismus\" an, die der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz und die DITIB Begegnungsst\u00e4tte Duisburg-Marxloh am 23. November 2010 gemeinsam ausgerichtet hatten. Vorurteile dienen Rechtsextremisten als \"T\u00fcr\u00f6ffner\" Die K\u00f6lner Tagung ging ihrem Thema sowohl aus wissenschaftlicher Perspektive nach als auch anhand der pers\u00f6nlichen Erfahrungen von Musliminnen und Muslimen. Hat Rassismus ein neues Gewand? Diese Frage bildete den Ausgangspunkt, denn Zerrbilder des Islam und Abwertungen von Musliminnen und Muslimen sind in Deutschland verbreitet wie kaum zuvor. Vorurteile und Ausgrenzungen sind nicht nur am rechten Rand der Gesellschaft verankert - sie reichen bis in ihre Mitte. Rassismus und die Ablehnung des Wertepluralismus einer demokratischen Gesellschaft sind nicht nur typische Elemente der rechtsextremistischen Ideologie. Rechtsextremistische Parteien und Organisationen verstehen solche Ressentiments auch als \"T\u00fcr\u00f6ffner\": Sie sch\u00fcren die Angst vor dem Islam und m\u00f6chten so den Resonanzraum ihrer Propaganda erweitern. Der Verfassungsschutz NRW legt seit langem ein besonderes Augenmerk auf islamfeindliche Kampagnen im Rechtsextremismus. Als rassistisch unterlegtes Feindbild kommen Musliminnen und Muslime inzwischen Erol P\u00fcrl\u00fc, Sprecher des Koordinationsrates in allen Ver\u00e4stelungen der rechtsextremistider Muslime, er\u00f6ffnet die Tagung 190 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","schen Netzwerke vor, besonders h\u00e4ufig im Internet. Die Aktualit\u00e4t und Brisanz des Tagungsthemas unterstrich in K\u00f6ln wenige Tage nach der Veranstaltung die Demonstration der \"Hooligans gegen Salafismus\", die mit massiven Ausschreitungen verbunden war. Etwas sp\u00e4ter traten auch an Rhein und Ruhr Gruppen auf den Plan, die sich gegen eine angebliche \"Islamisierung des Abendlandes\" wenden und unter K\u00fcrzeln wie D\u00dcGIDA oder K\u00d6GIDA auftreten. Entsprechende Demonstrationen sind in Nordrhein-Westfalen zumindest von Rechtsextremisten unterwandert oder werden auch von ihnen gesteuert. \"Es geht um Vielfalt in der gemeinsamen Gesellschaft\" Im Mittelpunkt der Tagung stand auch das Signal der Gemeinsamkeit. \"Gemeinsam sind wir stark - f\u00fcr den Zusammenhalt unserer Gesellschaft und gegen ihre Polarisierung\", lautete das Credo von Erol P\u00fcrl\u00fc, dem amtierenden Sprecher des KRM, der die Tagung er\u00f6ffnete. Innenminister Ralf J\u00e4ger f\u00fcgte hinzu. \"Indem wir hier und an anderer Stelle antimuslimische Propaganda kritisch in den Blick nehmen, machen wir deutlich, worum es geht: Um Vielfalt in einer gemeinsamen Gesellschaft, um Menschenw\u00fcrde und den Schutz jedes Einzelnen vor Diskriminierung.\" Die Journalistinnen Cornelia Benninghoven und Najima El Moussaoui moderierten die Tagung. Als Auftakt stellte der Soziologe Prof. Dr. Detlef Pollack (Universit\u00e4t M\u00fcnster) Ergebnisse einer internationalen Vergleichsstudie zu den Haltungen und Stimmungen hinsichtlich des Islam vor. Demnach sind Vorbehalte in Deutschland besonders verbreitet. Der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Kai Hafez (Universit\u00e4t Erfurt) verwies auf negative Stereotype, die in der Medienberichterstattung \u00fcber Musliminnen und Muslime in Text und Bild auftauchten. Die Psychologin Prof. Dr. Birgit Rommelspacher (Alice Salomon Hochschule Berlin) analysierte die wachsende Bedeutung, die der Faktor Religion in Selbstund Fremdbildern von Menschen Dr. Thomas Pfeiffer und Dr. Christoph Busch beschreiben in ihrem Vortrag die \"Antimuslimische Agitation und Agression im Rechtsextremismus\" Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 191 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Prof. Dr. Detlef Pollack, Universit\u00e4t M\u00fcnster, pr\u00e4sentiert Forschungsergebnisse zu \"Vorbehalte gegen\u00fcber dem Islam - Haltungen und Stimmungen in Deutschland im internationalen Vergleich\" Prof. Dr. Kai Hafez, Universit\u00e4t Erfurt, referiert zum Thema \"Islamfeindlichkeit in den Medien - Alter Rassismus im neuen Gewand?\" Prof. Dr. Birgit Rommelspacher, Alice Salomon Hochschule Berlin, beleuchtet \"Die Islamisierung der Einwanderungsdebatte - Warum Religion in Selbstund Fremdbildern heute eine so gro\u00dfe Rolle spielt\" 192 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","spiele. F\u00fcr den Verfassungsschutz NRW nahmen Dr. Christoph Busch und Dr. Thomas Pfeiffer die \"Antimuslimische Agitation und Aggression im Rechtsextremismus\" in den Fokus. In einem Impulsinterview vertraten zwei Musliminnen die Perspektive der Betroffenen: die Vorsitzende des Aktionsb\u00fcndnisses muslimischer Frauen, Gabriele Boos-Niazy, und die Pr\u00e4sidentin des Rates muslimischer Studierender & Akademiker, Hatice Durmaz. Diese Erfahrungen waren die Basis der Abschlussdiskussion, an der sich auch Joachim Frank, der Chefkorrespondent des K\u00f6lner Stadt-Anzeiger, Murat Kayman vom Koordinationsrat der Muslime und Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes NRW, beteiligten. Am Ende stand die gemeinsame \u00dcberzeugung, dass es eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung und eine Daueraufgabe bleibt, jedwedem Rassismus entgegenzuwirken und eine demokratische \\ Online Dokumentation der Tagung Kultur der Vielfalt zu st\u00e4rken. Eine Online-Dokumentation der Tagung mit Fotos, Manuskripten und Videosequenzen steht im Internet zur Verf\u00fcgung: www.mik.nrw.de/verfassungsschutz/ tagung-antimuslimischer-rassismus.html. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 193 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Modellprojekt VIR - Ver\u00e4nderungsimpulse setzen bei rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen Mit dem Modellprojekt VIR bringt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz seine Erkenntnisse zum ersten Mal gezielt auch in die sekund\u00e4re Rechtsextremismuspr\u00e4vention in Nordrhein-Westfalen ein. Die Abk\u00fcrzung VIR steht f\u00fcr \"Ver\u00e4nderungsImpulse setzen bei Rechtsorientierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen\". Das Projekt wurde von Mitarbeitern des Aussteigerprogramms f\u00fcr Rechtsextremisten angesto\u00dfen und 2014 gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Kooperationspartnern verwirklicht. VIR ist ein Fortbildungskonzept f\u00fcr Personen, die beruflich oder ehrenamtlich mit rechtsorientierten Jugendlichen oder jungen Erwachsenen im Kontakt sind. In diesem Sinne \"rechtsorientiert\" sind Jugendliche oder junge Erwachsene, die sich an rechtsextremistischen Cliquen, Organisationen oder Parteien beteiligen und rechtsextremistische Denkmuster zunehmend verinnerlichen, ohne in f\u00fchrender Position in dieser Szene aktiv zu sein. Dies sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in einer Ann\u00e4herungsphase an die rechtsextremistische Szene oder solche, die als Sympathisanten oder Mitl\u00e4ufer beteiligt sind. Es ist Ziel des VIR-Konzepts, in Alltagssituationen Impulse zu setzen, die zur Ver\u00e4nderung motivieren und diesen Prozess unterst\u00fctzen. Einbeziehung breitgef\u00e4cherter Expertise Der Verfassungsschutz kann ein methodisch und p\u00e4dagogisch anspruchsvolles Modellprojekt wie VIR nicht allein umsetzen. Bei Konzeption und Durchf\u00fchrung arbeitet er daher eng mit Kooperationspartnern zusammen, die in diesem Feld ausgewiesen sind. Auf diese Weise flie\u00dft Expertise aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen in das Projekt ein. Kooperationspartner des VIR-Projekts sind > der Arbeitskreis der Ruhrgebietsst\u00e4dte gegen rechtsextreme Tendenzen bei Jugendlichen (ak-Ruhr) und > die Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinderund Jugendschutz NW e.V.. 194 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","VIR wird fachlich begleitet durch das LWL-Landesjugendamt Westfalen. Auch die ginko Stiftung f\u00fcr Pr\u00e4vention in M\u00fclheim/Ruhr hat das Modellprojekt unterst\u00fctzt. VIR ist angelehnt an das erfolgreiche Fortbildungskonzept MOVE (Motivierende Kurzintervention), das aus der Suchtpr\u00e4vention stammt und von der ginko Stiftung als Landeskoordinierungsstelle f\u00fcr Suchtvorbeugung entwickelt wurde. In intensiver Zusammenarbeit haben die Kooperationspartner des VIR-Projekts diese Konzeption auf die Rechtsextremismuspr\u00e4vention \u00fcbertragen. Pilotfortbildung und erste Trainer/innen-Ausbildung Das VIR-Konzept sieht dreit\u00e4gige Fortbildungen vor, die aus zehn Bausteinen bestehen, insbesondere aus Modulen zur motivierenden Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und Grundwissen zum Thema Rechtsextremismus. Die Trainings vermitteln Methoden, um Impulse bei Personen zu setzen, die der Verhaltens\u00e4nderung skeptisch gegen\u00fcberstehen und bei denen intensive Beratungsprozesse zun\u00e4chst aussichtslos erscheinen. VIR setzt auf Kurzinterventionen, \"T\u00fcr und Angel\"-Gespr\u00e4che, beziehungsweise Kurzberatungen im Spektrum von zehn bis 60 Minuten. Typische Gespr\u00e4chssituationen sind zum Beispiel > Pausengespr\u00e4che mit Schulsozialarbeiterinnen und -sozialarbeitern, Lehrerinnen und Lehrern, > Gespr\u00e4che im Jugendzentrum, Verein oder in der Wohngruppe, > Gespr\u00e4che zwischen Strafgefangenen und Besch\u00e4ftigten in einer Justizvollzugsanstalt. Entsprechend richten sich VIR-Fortbildungen zum Beispiel an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulsozialarbeit, in Einrichtungen der Jugendhilfe, Sportvereinen und Justizvollzugsanstalten sowie an Lehrerinnen und Lehrer. Ein erstes Pilottraining hat vom 3. bis 5. Juni 2014 in der Volkshochschule Schwerte stattgefunden. Zahlreiche Anregungen der Teilnehmenden sind in die folgende Trainerausbildung eingeflossen. Auf dieser Grundlage hat vom 25. bis zum 28. November 2014 in Oer-Erkenschwick die Ausbildung erster VIR-Trainerinnen und -trainer stattgefunden. Ausgebildet wurden 22 P\u00e4dagoginnen und P\u00e4dagogen, die k\u00fcnftig als Tandems Fortbildungen in Nordrhein-Westfalen anbieten werden. \\ VIR-Projekt Weitere Informationen zum VIR-Projekt und Kontaktm\u00f6glichkeiten zu Trainerinnen und Trainern sind unter www.vir.nrw.de abrufbar. Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 195 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Vortr\u00e4ge und Fortbildungen Der Verfassungsschutz NRW hat einen gesetzlichen Auftrag, \u00fcber extremistische Bestrebungen aufzukl\u00e4ren. Er bringt im Rahmen dieses Auftrags seine Expertise bei fachlichen Fortbildungen ein und sensibilisiert die demokratische \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr Gefahren des Extremismus. Dabei zeigt er die Strategien, Erscheinungsformen und Ideologieelemente solcher Szenen auf. Entsprechende Veranstaltungen sch\u00e4rfen das Bewusstsein f\u00fcr demokratische Grundwerte wie Menschenw\u00fcrde und Religionsfreiheit, die zum Beispiel Rechtsextremisten ablehnen und h\u00e4ufig vehement bek\u00e4mpfen. Veranstaltungen zur allgemeinen Demokratieerziehung - ohne Bezug zum Extremismus - f\u00fchrt der Verfassungsschutz nicht durch. Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen in ganz NRW Im Jahr 2014 hat sich der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz an \u00fcber 170 Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen und speziellen Fortbildungen beteiligt. Auf diese Weise hat er \u00fcber 6.600 Menschen in allen Landesteilen informiert. 78 Prozent der Veranstaltungen richteten sich an ein Fachpublikum - \u00fcberwiegend an Besch\u00e4ftigte von Justizund Sicherheitsbeh\u00f6rden oder an p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte in Schulen und der au\u00dferschulischen Jugendbildung. 22 Prozent der Veranstaltungen fanden im Rahmen von Unterrichtsreihen oder Projekttagen f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler statt. Im Mittelpunkt standen die Vortr\u00e4ge und Fortbildungen zum Thema Rechtsextremismus. Zu diesem Thema fanden \u00fcber 100 Veranstaltungen mit etwa 4.400 Teilnehmenden statt. Viele Veranstaltungen legen den Schwerpunkt auf Aspekte, die als \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\" zusammengefasst werden k\u00f6nnen: Werbeformen, die auf Jugendliche zugeschnitten sind und die rechtsextremistische Inhalte mit den Versprechen von Gemeinschaft und Action sowie mit Freizeitangeboten und unterhaltenden Mitteln verbinden. Rechtsextremisten bem\u00fchen sich vor allem mit entsprechenden Internetangeboten um ein neues Image - modern, dynamisch, idealistisch. Hinter der Fassade werden aber alte rassistische, h\u00e4ufig nationalsozialistische Inhalte deutlich. Generell setzen Rechtsextremisten zunehmend auf Kampagnen, die auch die Mitte der Gesellschaft erreichen sollen. Als Vehikel dient die Agitation gegen Minderheiten, gegen die Vorurteile verbreitet sind - das gilt insbesondere f\u00fcr Musliminnen und Muslime, Asylbewerber, Sinti und Roma. Indem Rechtsextremisten an \u00f6ffentlichen Diskursen ankn\u00fcpfen (Mainstreaming), versuchen sie ihren Resonanzraum auszuweiten. \"Erlebniswelt\" und \"Mainstreaming\" des Rechtsextremismus sind zentrale Aspekte der Vortr\u00e4ge und Fortbildungen. 196 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hamm: Studientag hatte Modellcharakter Einladungen zu Diskussionsund Informationsveranstaltungen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz NRW zum Beispiel von Politischen Stiftungen, Volkshochschulen, Universit\u00e4ten, Parteien, kirchlichen Einrichtungen und der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung. Mit vielen Schulen und Zentren f\u00fcr schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) hat sich eine kontinuierliche Zusammenarbeit etabliert. So hat der Verfassungsschutz im November 2014 auf Einladung des ZfsL in Hamm zum vierten Mal einen Studientag f\u00fcr alle Lehramtsanw\u00e4rterinnen und Lehramtsanw\u00e4rter der Einrichtung mitgestaltet. Der Tag umfasste einen Vortrag zur \"Erlebniswelt Rechtsextremismus\", das intensive Gespr\u00e4ch mit zwei Aussteigern aus dieser Szene und zehn Workshops. Auf Wunsch der Teilnehmenden wurde ein Workshop zum Thema Islamismus in das Programm integriert. An dem Studientag beteiligten sich neben dem Zentrum f\u00fcr schulpraktische Lehrerausbildung und dem Verfassungsschutz NRW auch das Medienzentrum und das Kommunale Integrationszentrum in Hamm, die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus f\u00fcr den Regierungsbezirk Arnsberg und der Fan-Beauftragte von Borussia Dortmund. Durch ihre Gr\u00f6\u00dfe mit rund 160 Teilnehmenden, die Themenvielfalt, die breite Zusammenarbeit und die positive Resonanz hatte die Veranstaltung Modellcharakter. Sensibilisierung f\u00fcr Gefahren des Salafismus Zum Themenfeld Islamismus haben \u00fcber 50 Aufkl\u00e4rungsveranstaltungen des Verfassungsschutzes vor allem f\u00fcr Sicherheitsbeh\u00f6rden, Lehrkr\u00e4fte, Verwaltungsbeh\u00f6rden und Justiz stattgefunden. Rund 1.600 Personen haben daran teilgenommen. Der Schwerpunkt lag insbesondere auf Inhalten und Entwicklungen der salafistischen Szene sowie auf dem Pr\u00e4ventionsprogramm Wegweiser. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes bringen ihr Fachwissen zudem als Referentinnen und Referenten bei zahlreichen Veranstaltungen von Kommunen und anderen Akteuren sowie bei Fachkonferenzen beispielsweise f\u00fcr Schulpsychologinnen und -psychologen ein. In diese Reihe sind auch die Regionalkonferenzen einzuordnen, die der Verfassungsschutz gemeinsam mit den f\u00fcnf Bezirksregierungen in Nordrhein-Westfalen durchf\u00fchrt und bei denen er zu den Themen Salafismus und Pr\u00e4ventionsm\u00f6glichkeiten informiert. Sie richten sich an Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus den Bereichen Wissenschaft, Schule, Kinderund Jugendhilfe, Integrationsfachstellen sowie der Polizei. Die beiden ersten Konferenzen haben in 2014 in Arnsberg und D\u00fcsseldorf stattgefunden. In 2014 wurde au\u00dferdem die Kooperation mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung im Rahmen einer Informationsreihe f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte zum Thema Islamismus fortgef\u00fchrt. Weitere Informationen zum Hintergrund \u00fc www.mik.nrw.de/verfassungsschutz, Web-Link: vs_vortraege Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 197 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ver\u00f6ffentlichungen Der Verfassungsschutz NRW bietet eine breite Palette von Informationsmaterialien zu allen Bereichen des politischen Extremismus an. Dazu geh\u00f6ren Brosch\u00fcren und viele Informationsm\u00f6glichkeiten im Internet. Verschiedentlich beteiligen sich Mitarbeiter des Verfassungsschutzes auch an Buchprojekten mit externen Partnern zu aktuellen Fragen des politischen Extremismus. Im Jahr 2014 sind insbesondere zwei Publikationen zum Themenfeld Islamismus/Salafismus neu erschienen. Brosch\u00fcre \"Extremistischer Salafismus: Ursachen, Gefahren und Gegenstrategien\" Die laufend aktualisierte Kurzbrosch\u00fcre \"Extremistischer Salafismus: Ursachen, Gefahren und Gegenstrategien\" leistet einen Beitrag zur Aufkl\u00e4rungsarbeit. Sie f\u00fchrt in das Thema \"Extremistischer Salafismus\" ein, nennt Zahlen und Fakten und erl\u00e4utert die Gr\u00fcnde f\u00fcr den Erfolg des Ph\u00e4nomens. Zudem beschreibt sie Strategien im Umgang mit gewaltbereitem Salafismus und stellt in diesem Zusammenhang insbesondere das Pr\u00e4ventionsprogramm \"Wegweiser\" vor, das erfolgreich in den St\u00e4dten Bochum, Bonn und D\u00fcsseldorf gestartet ist und weiter ausgebaut wird. Buch \"Integration versus Salafismus\" Das Buch \"Integration versus Salafismus\" behandelt die Identit\u00e4tsfindung muslimischer Jugendlicher in Deutschland. Die von namenhaften Autorinnen und Autoren ver\u00f6ffentlichten Texte in diesem Buch sind in drei Abschnitte unterteilt. Der erste Teil befasst sich mit den Identit\u00e4ten und der Orientierungssuche bei Jugendlichen, wobei diese aus der allgemeinen und wissenschaftlichen Perspektive betrachten werden. Im zweiten Abschnitt widmen sich die Texte den Antworten und Angeboten religi\u00f6ser Extremisten auf Identit\u00e4tsund Orientierungsprobleme Jugendlicher. Sie gehen dabei auf von Jugendlichen bevorzugte Vorlieben wie Internet und Musik ein. Im 198 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","dritten Teil stellen die Autorinnen und Autoren Angebote f\u00fcr junge Menschen aus der demokratischen Gesellschaft vor, welche praxisnah beschrieben sind. Ein wesentliches Fazit ist, dass Salafismuspr\u00e4vention auch als eine gemeinsame Aufgabe von Sicherheitsund Integrationspolitik gesehen werden sollte. Verfassungsschutz NRW sucht den Dialog mit der Wissenschaft Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verfassungsschutzes bringen ihre Analysen regelm\u00e4\u00dfig in Sammelb\u00e4nde und Zeitschriften im wissenschaftlichen Raum ein. Sie tragen auf diese Weise dazu bei, die in der praktischen Arbeit gewonnenen Erkenntnisse wissenschaftlich nutzbar zu machen und den Dialog von Verfassungsschutz und akademischer Forschung zu st\u00e4rken. Die Beteiligung an solchen Projekten erfolgt in aller Regel auf Einladung der Herausgeberinnen und Herausgeber. \\ Publikationen Publikationen des Verfassungsschutzes NRW, Bestellung oder Download: www.mik.nrw.de/verfassungsschutz/publikationen.html. Im Jahr 2014 ist beispielsweise ein ausf\u00fchrlicher Aufsatz entstanden, der der Bedeutung des Symbols der \"Schwarzen Sonne\" im Rechtsextremismus nachgeht. Darunter versteht diese Szene das zw\u00f6lfspeichige Sonnenrad, das die SS im \"Obergruppenf\u00fchrersaal\" der Wewelsburg (bei Paderborn) anbringen lie\u00df. Die Wewelsburg sollte zu einer zentralen Versammlungsst\u00e4tte f\u00fcr h\u00f6here SS-F\u00fchrer werden. Heute z\u00e4hlt das Symbol des Sonnenrads im Rechtsextremismus zu den am weitesten verbreiteten Ersatzsymbolen f\u00fcr strafbare Kennzeichen und ist mit vielen Mythen verbunden. Der Autor geht den Bedeutungen des Zeichens in Parteien wie der NPD, dem nicht parteif\u00f6rmigen Neonazismus, im Online-Handel, innerhalb der Rechtsrock-Szene und in der intellektuellen Neuen Rechten nach. Er appelliert, die Kraft von Mythen wie der \"Schwarzen Sonne\" nicht zu untersch\u00e4tzen, denn sie st\u00fctzten rechtsextremistisches Handeln ab. Der Aufsatz ist im Band \"Mythos Wewelsburg - Fakten und Legenden\" erschienen, den Kirsten John-Stucke und Daniela Siepe f\u00fcr das Kreismuseum Wewelsburg herausgegeben haben. In einem weiteren Beitrag werden die bislang bekannt gewordenen Informationen zu den Morden der Terrorgruppe \"Nationalsozialistischer Untergrund\" im Kontext der Gewaltforschung untersucht. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass die Mordserie einen neuen Typus rechtsextremistischer Gewalt darstellt. Der Aufsatz ist zur Jahreswende 2013/2014 erschienen in der Publikation \"Totalitarismus und Demokratie. Zeitschrift f\u00fcr internationale Diktaturund Freiheitsforschung\". Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme 199 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Die Partei Die Rechte, die in Nordrhein-Westfalen ein Auffangbecken f\u00fcr Aktivisten verbotener Organisationen ist, steht im Mittelpunkt des Aufsatzes \"Die Rechte - alter neonazistischer Wein in neuen parteipolitischen Schl\u00e4uchen\". Der Autor arbeitet die Charakteristik dieser Partei heraus und ordnet sie in das Parteienspektrum ein. Es zeigt sich, dass die rechtsextremistische Organisation vor allem ein Netzwerk von neonazistischen Gruppen darstellt, die unter dem Schutz des Parteienprivilegs ihre neonazistische \"Erlebniswelt\" erhalten m\u00f6chten. Der Beitrag ist in den \"Mitteilungen des Instituts f\u00fcr Deutsches und Internationales Parteienrecht und Parteienforschung\" (Ausgabe 2014) erschienen. 200 Pr\u00e4vention und AussteigerProgrAmme Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz Spionageabwehr 201 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Spionageabwehr und Wirtschaftsschutz 201 Spionage als politisches Hilfsmittel .................................................................................... 204 Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation ........................................................................... 208 Wirtschaftsschutz ............................................................................................................... 212 202 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Bedeutung innerhalb der Bundesrepublik Deutschland steht Nordrhein-Westfalen unvermindert im Fokus fremder Nachrichtendienste. Die Aufkl\u00e4rung und Verhinderung entsprechender nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten ist deshalb einer der Aufgabenschwerpunkte der Spionageabwehr des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes. Neben der Bearbeitung klassischer Spionagef\u00e4lle werden Wirtschaft und Wissenschaft in Zusammenhang mit Geheim-, Sabotageund Wirtschaftsschutz unterst\u00fctzt. Die Experten des Verfassungsschutzes beraten und sensibilisieren Unternehmen, Verb\u00e4nde und Organisationen im Hinblick auf die Gefahren von Wirtschaftsspionage. Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz leistet au\u00dferdem seinen Beitrag zu den internationalen Bem\u00fchungen zur Verhinderung der Herstellung und Verbreitung von Massenvernichtungswaffen (Proliferation). Hierzu tr\u00e4gt die Spionageabwehr durch die Identifizierung sensibler Beschaffungsbem\u00fchungen und die Verhinderung illegaler Lieferungen aus Nordrhein-Westfalen in proliferationsrelevante Staaten bei. Spionageabwehr 203 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Spionage als politisches Hilfsmittel Spionage verschafft Regierungen einen Informationsvorsprung beim Versuch, eigene politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche oder milit\u00e4rische Ziele im Inund Ausland zu erreichen. Sie ist hilfreich f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der politischen Positionierung und wirtschaftlichen Wettbewerbsf\u00e4higkeit anderer Staaten oder der milit\u00e4rischen Leistungsf\u00e4higkeit gegnerischer B\u00fcndnisse. Von hohem nachrichtendienstlichem Wert sind daher Informationen \u00fcber politische Vorhaben und Ziele, Verhandlungspositionen und Strategien, wirtschaftliche Planungen und milit\u00e4rische Potentiale von Zielstaaten. Einige Staaten nutzen ihre Nachrichtendienste zudem regelm\u00e4\u00dfig zur Ausforschung und Bek\u00e4mpfung Oppositioneller im Inund Ausland. Wie wird spioniert? Fremde Nachrichtendienste betreiben nach wie vor Spionage mit hohem organisatorischem und finanziellem Aufwand. Nachweislich ist auch Nordrhein-Westfalen davon betroffen. Die nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten finden vorwiegend aus sogenannten Legalresidenturen statt. Damit werden getarnte St\u00fctzpunkte fremder Nachrichtendienste bezeichnet, die insbesondere in den diplomatischen und konsularischen Vertretungen, bei Medienagenturen oder staatsnahen Unternehmen installiert sind. Von solchen Tarndienstposten aus werden verschiedenste nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten bis hin zur Rekrutierung und F\u00fchrung von Agenten entwickelt. Dar\u00fcber hinaus setzen Nachrichtendienste sogenannte \"Illegale\" ein, die im Zielland unter falscher Identit\u00e4t autark und meist ohne Anbindung an die Legalresidenturen ihrer geheimdienstlichen T\u00e4tigkeit nachgehen. Rund 90% der relevanten Informationen stehen fremden Nachrichtendiensten offen \u00fcber das Internet und andere Medien, auf Messen und Tagungen zur Verf\u00fcgung (Open Source). Diese Informationen m\u00fcssen nur zielgerichtet und systematisch erfasst werden. Anl\u00e4sslich von gegenseitigen Delegationsbesuchen und durch Gespr\u00e4che mit Informationsund Wissenstr\u00e4gern aus den unterschiedlichsten Hierarchieebenen k\u00f6nnen zus\u00e4tzliche Informationen gewonnen werden. Die auf diesen Wegen nicht zu beschaffenden Informationen generieren fremde Nachrichtendienste hingegen mittels verdeckter Methoden. Das Spektrum reicht dabei von der Herbeif\u00fchrung und Kultivierung zun\u00e4chst unverd\u00e4chtiger Kontakte mit dem Ziel einer direkten 204 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","oder indirekten Absch\u00f6pfung der Kontaktpersonen, bis hin zu einer konspirativen Vorgehensweise beispielsweise mit einer Legende. In Ausnahmef\u00e4llen und eher im Ausland, zum Beispiel w\u00e4hrend der Gesch\u00e4ftsreise eines deutschen Staatsb\u00fcrgers, k\u00f6nnen belastende Umst\u00e4nde geschaffen werden, sogenannte Kompromate, um Informationsund Wissenstr\u00e4ger erpressbar zu machen. Zudem initiieren Nachrichtendienste elektronische Angriffe auf Rechnersysteme, auf denen hochsensible Daten liegen. Mittels \"Social Engineering\" werden Kontakte generiert. Durch E-Mail basierte Einschleusung von Schadsoftware (Trojaner), \"Drive-by-downloads\" oder die unbedachte Nutzung von fremden Datentr\u00e4gern oder eigenem Equipment (Stichwort: \"Bringyour-own-Devices\", z. B. USB-Sticks, Smartphones, Tablets) gelingt es, in Systeme einzudringen und Daten zu entwenden oder Systeme zu manipulieren. Dabei stellt allerdings der Mensch die gr\u00f6\u00dfte Sicherheitsl\u00fccke dar, die durch noch so ausgefeilte materielle Absicherung \u00fcber Firewall, Anti-Viren-Programme, Passwortschutz oder Zugangsregelungen nicht geschlossen werden kann. Einfallstore sind hierbei nach wie vor die Kommunikation \u00fcber Handy, Smartphone und Telekommunikationsanlagen. Mitarbeiter der Spionageabwehr des nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzes f\u00fchren Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit Personen, die mutma\u00dflich oder nachweislich im Fokus fremder Nachrichtendienste stehen. Aber auch in den F\u00e4llen, in denen eine Person von sich aus einen nachrichtendienstlichen Hintergrund zum Beispiel bei Gesch\u00e4ftsanbahnungen vermutet, steht die Spionageabwehr sowohl beratend als auch aufkl\u00e4rend zur Verf\u00fcgung. Nachrichtendienste Die Spionageabwehr beim nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz beobachtet eine Vielzahl hier t\u00e4tiger fremder Nachrichtendienste, wobei Hauptakteure vorrangig die Nachrichtendienste der Volksrepublik China, der Russischen F\u00f6deration und der Islamischen Republik Iran sind. Volksrepublik China Die Beschaffungsbem\u00fchungen der chinesischen Nachrichtenund Sicherheitsdienste beschr\u00e4nken sich nicht nur auf den unautorisierten Wissensund Technologietransfer. Die Spionageabwehr sieht daneben einen nachrichtendienstlichen Schwerpunkt in der Bek\u00e4mpfung der von der Kommunistischen Partei Chinas als Bedrohung betrachteten und von ihr unter der Bezeichnung \"F\u00fcnf Gifte\" als staatsfeindlich beschriebenen Gruppen, zu denen die nachfolgenden Bestrebungen und Vereinigungen z\u00e4hlen: > Demokratiebewegung, > Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Taiwan, Spionageabwehr 205 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","> Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Tibet, > Falun Gong Praktizierende und > turkst\u00e4mmige (muslimische) Uiguren. Die \"F\u00fcnf Gifte\" gef\u00e4hrden nach Ansicht der kommunistischen F\u00fchrung Chinas die Einheit des chinesischen Staates und werden daher systematisch verfolgt. Durch Infiltration oder \u00fcber Quellenf\u00fchrung und -absch\u00f6pfung gelingt es den Nachrichtendiensten, Personen und Gruppen aus der Oppositionellenszene auszuforschen und Einblick in die Strukturen zu nehmen. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sind die Sicherheitsbeh\u00f6rden in China in der Lage, besser gegen die Bestrebungen vorzugehen. Es wird immer wieder berichtet, dass auch Druck auf in China lebende Angeh\u00f6rige ausge\u00fcbt wird. In Nordrhein-Westfalen existiert eine nicht unbedeutende Falun-Gong Gemeinde. Ihre Anh\u00e4nger praktizieren ihre \u00dcbungen zum Teil offen, manche aus Angst vor Verfolgung in der Heimat und vor Repressalien chinesischer staatlicher Stellen eher zur\u00fcckhaltend. Anl\u00e4sslich bestimmter Veranstaltungen und Jahrestage wird die Situation in Tibet durch eine kleine Free-Tibet Community thematisiert. Das East Turkestan Information Centre (ETIC) ist als eine Vertretung der Uiguren des World Uigur Congress (WUC) in NRW ans\u00e4ssig. Russische F\u00f6deration Die russischen Nachrichtendienste unterst\u00fctzen ihre Regierung bei der Vorbereitung und Realisierung politischer Vorhaben durch umfassende und verl\u00e4ssliche Beschaffung von Informationen und G\u00fctern. Putin lobt sie \u00f6ffentlich f\u00fcr ihre Arbeit. Sie sind elementarer Bestandteil der russischen Sicherheitsarchitektur. Die \"Organe der Auslandsaufkl\u00e4rung\" (gemeint sind die Nachrichtendienste) haben den klaren gesetzlichen Auftrag, die wirtschaftliche Entwicklung und den wissenschaftlich-technischen Fortschritt durch die Beschaffung von wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Informationen zu f\u00f6rdern. Dabei haben sie besonderes Augenmerk auf die Energiepolitik. Mit Blick auf den Ukraine-Konflikt und die in der Folge beschlossenen Sanktionen gegen Russland ist zudem als sicher anzunehmen, dass die Nachrichtendienste nunmehr vermehrte Anstrengungen unternehmen werden, die angestrebten Ziele zu erreichen, auch um die Folgen der Sanktionen zumindest zu verringern. Auch im Jahr 2014 wurden wieder zahlreiche Kontaktversuche russischer Nachrichtendienstoffiziere zu Gespr\u00e4chspartnern aus Politik und Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen bekannt. Die Festnahme und Verurteilung von zwei russischen Agenten, die bis zum Jahr 2012 viele Jahre unerkannt und unter einer Legende in Deutschland lebten, zeigt, dass auch die Methode der so genannten \"Illegalen\" weiterhin von den russischen Nachrichtendiensten genutzt wird. 206 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Islamische Republik Iran Im Jahr 2014 gingen die wesentlichen nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten des Iran in NordrheinWestfalen vom zivilen Inund Auslandsnachrichtendienst Ministry of Information and Security (MOIS) aus. Traditionell ist die \u00dcberwachung und Bek\u00e4mpfung der iranischen Opposition im Inund Ausland Aufgabenschwerpunkt der iranischen Nachrichtendienste. Vor diesem Hintergrund werden unter anderem zahlreiche Mitglieder der oppositionellen Volksmodjahedin IranOrganisation (MEK), die aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden in Deutschland aufgenommen worden und Ende 2013 aus dem Irak nach NRW eingereist sind, vom MOIS verst\u00e4rkt beobachtet. Mit den Einreisen einhergehende personelle und strukturelle Ver\u00e4nderungen der MEK beziehungsweise ihres politischen Arms, des Nationalen Widerstandrats Iran (NWRI), standen im Fokus der Aufkl\u00e4rung durch das MOIS in Nordrhein-Westfalen. Weiterhin hielt der iranische Nachrichtendienst aber auch an der Strategie fest, die MEK durch gezielte Propaganda zu diskreditieren. Dar\u00fcber hinaus konnten 2014 Bem\u00fchungen des MOIS festgestellt werden, \u00fcber die Einbindung regimetreuer Organisationen und Personen weitere Zugangsfelder zu generieren. Dem nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutz liegen zudem vereinzelte Hinweise darauf vor, dass Nordrhein-Westfalen 2014 mehrfach Reiseziel nachrichtendienstlicher Mitarbeiter des Iran war. Hierbei d\u00fcrften unter anderem verschiedene in Nordrhein-Westfalen veranstaltete Fachmessen aufgesucht worden sein. Spionageabwehr 207 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Aufkl\u00e4rung und Abwehr von Proliferation Unter Proliferation wird die Weiterverbreitung atomarer, biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen beziehungsweise der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte sowie entsprechender Waffentr\u00e4gersysteme einschlie\u00dflich des daf\u00fcr erforderlichen Know-hows verstanden. Bei proliferationsrelevanten Staaten wie Iran, Nordkorea, Syrien oder Pakistan steht zu bef\u00fcrchten, dass Massenvernichtungswaffen in Konflikten eingesetzt oder als politisches Druckmittel genutzt werden. Bis heute ist es den genannten Staaten nicht gelungen, die zur Weiterentwicklung der eigenen Programme erforderlichen G\u00fcter ausschlie\u00dflich im eigenen Land herzustellen. NordrheinWestfalen als starker Wirtschaftsstandort mit einer Vielzahl relevanter Unternehmen und Forschungseinrichtungen stand im Jahr 2014 daher unver\u00e4ndert im Fokus proliferationsrelevanter Beschaffungsbem\u00fchungen. Fallzahlen im Jahr 2014 In 2014 konnte die Spionageabwehr 83 Beschaffungsversuche beobachten, die definitiv oder mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zugunsten eines proliferationsrelevanten Massenvernichtungswaffenprogramms erfolgten. Die Zahl bedeutet einen neuen H\u00f6chstwert der in Nordrhein-Westfalen identifizierten sensiblen Einkaufsbem\u00fchungen. In \u00fcber 90% der F\u00e4lle erfolgte allerdings keine Auslieferung von Waren, da der Verfassungsschutz rechtzeitig Warnungen an die betroffenen Unternehmen aussprechen konnte oder bereits sensibilisierte Firmen verd\u00e4chtige Anfragen als solche erkannten und nicht bedienten. Ungeachtet der 2014 weiter intensivierten Atomverhandlungen zwischen Iran und der 5+1-Gruppe bleibt die Islamische Republik eindeutiger Bearbeitungsschwerpunkt der Spionageabwehr. \u00dcber 80% der festgestellten Beschaffungsversuche sind dem Iran zuzuordnen. Dies verdeutlicht, dass die Verhandlungen keinen erkennbaren Einfluss auf das Einkaufsverhalten des Landes hatten. Dar\u00fcber hinaus war im Berichtsjahr ein sp\u00fcrbarer Anstieg proliferationsrelevanter Aktivit\u00e4ten Pakistans zu verzeichnen. 208 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Verlauf der Beschaffungsversuche bis 2014 Welche G\u00fcter stehen im Fokus? Gegenstand proliferationsrelevanter Anfragen sind in der Regel sogenannte Dual-use-G\u00fcter, also Produkte, die sowohl zivile als auch milit\u00e4rische Relevanz aufweisen. Diese G\u00fcter bieten Einkaufsstellen die M\u00f6glichkeit, gegen\u00fcber Herstellern oder H\u00e4ndlern anstatt der tats\u00e4chlich vorgesehenen Endverwendung eine angeblich geplante zivile Nutzung anzugeben. Dies soll die Lieferbereitschaft auf der Gegenseite erh\u00f6hen. Im Jahr 2014 nutzten die Proliferationsstaaten diesen Vorteil massenhaft, indem sie auf eine Verwendung in der \u00d6l-, Gasoder Stahlindustrie hinwiesen, zum Teil unter Einsatz gef\u00e4lschter Endverbleibszertifikate oder sonstiger scheinbar offizieller Dokumente. Im Berichtsjahr fielen \u00fcber 95% der als proliferationsrelevant identifizierten Gesch\u00e4ftsanbahnungen in die Dual-use-Kategorie. In besonderem Interesse stand dabei Vakuumund Messtechnik aus Nordrhein-Westfalen, die allein etwa 30% der beobachteten Beschaffungsversuche ausmachte. Daneben wurden in hohem Ma\u00dfe Ersatzteile f\u00fcr verschiedenste industrielle Anwendungen gesucht, um die innerhalb der Proliferationsprogramme betriebenen Maschinen und Anlagen in Betrieb halten zu k\u00f6nnen. Eine abschlie\u00dfende Aufz\u00e4hlung relevanter G\u00fcter ist dabei nicht m\u00f6glich, da sich die Produktspanne von Grundstoffen wie verschiedenen Chemikalien oder Fasern bis zur Hochtechnologie, von kleinsten Ersatzteilen wie Dichtungen bis zu industriellen Gro\u00dfanlagen erstreckt. Spionageabwehr 209 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Wie gelangen proliferationsrelevante G\u00fcter ins Zielland? Neben der Benennung einer angeblich zivilen Endverwendung hat sich auch die Angabe falscher Endverwender als h\u00e4ufig genutztes Mittel zum Erwerb proliferationsrelevanter G\u00fcter erwiesen. Dabei werden regelm\u00e4\u00dfig nicht nur vorgeschobene Unternehmen als Empf\u00e4nger der Waren ausgegeben. Oftmals wird zudem versucht, das eigentliche Zielland der Lieferung zu verschleiern. Im Jahr 2014 nutzten die Proliferationsstaaten zu diesem Zweck weiterhin umfangreiche Beschaffungsnetzwerke. Diese bestehen aus Tarnfirmen und Strohm\u00e4nnern in unterschiedlichsten Staaten. Es wird versucht, G\u00fcter \u00fcber sogenannte Umgehungslieferungen zu beschaffen. Knapp 70% der durch den Verfassungsschutz NRW festgestellten sensiblen Anfragen fielen in dieses Raster. Grunds\u00e4tzlich k\u00f6nnen entsprechende Eink\u00e4ufer hierzu jedes beliebige Land nutzen. Erfahrungsgem\u00e4\u00df befinden sich die klassischen \"Umgehungsstaaten\" aber in geographischer N\u00e4he zum Zielland. Am Beispiel Iran zeigt sich, dass das Land im Berichtsjahr vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate, die T\u00fcrkei und China zu nutzen versuchte. Doch auch Turkmenistan oder der Irak konnten von der Spionageabwehr als Ausweichziel beobachtet werden. Vereinigte Arabische Emirate T\u00fcrkei Deutschland Iran China Routen proliferationsrelevanter Waren in den Iran 210 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Ausweitung der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen durch den Verfassungsschutz NRW Die Gr\u00fcnde f\u00fcr die beschriebenen, konstant steigenden Fallzahlen liegen sowohl in den unverminderten Anstrengungen der Proliferationsstaaten zur Beschaffung von Technologie als auch in der kontinuierlichen Ausweitung der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen auf Seiten des Verfassungsschutzes NRW. Neben der Bearbeitung konkreter Verdachtsf\u00e4lle und der Identifizierung von Beschaffungsnetzwerken konnte die Spionageabwehr im Rahmen ihrer Sensibilisierungst\u00e4tigkeit die Anzahl der durchgef\u00fchrten Vortr\u00e4ge und Einzelberatungen in der Wirtschaft im Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln. Aufgrund der hohen Anzahl betroffener Firmen intensivierte die Proliferationsbek\u00e4mpfung im Berichtsjahr insbesondere ihre Kontakte zu Multiplikatoren in der Wirtschaft wie beispielsweise Kammern und Verb\u00e4nde. In 45 Veranstaltungen und Firmengespr\u00e4chen, die teilweise gemeinsam mit den genannten Multiplikatoren durchgef\u00fchrt wurden, konnten mehrere hundert Unternehmen in Nordrhein-Westfalen erreicht werden. \u00dcber diese Partner soll k\u00fcnftig eine noch breitere Sensibilisierungswirkung erzielt werden. Ziele der Sensibilisierungen durch den Verfassungsschutz NRW sind Aufkl\u00e4rung und pr\u00e4ventive Verhinderung m\u00f6glicher Proliferationsgesch\u00e4fte. Die Gespr\u00e4chspartner werden auf Gefahren illegaler Lieferungen sowie die Methoden bei entsprechenden Beschaffungen hingewiesen. In konkreten Einzelf\u00e4llen bietet der Verfassungsschutz eine individuelle Beratung, bei der Probleme und Fragen der Unternehmen stets vertraulich behandelt werden. Umgekehrt profitiert auch die Spionageabwehr vom Austausch mit der Wirtschaft, \u00fcber den Hinweise auf Anbahnungen mit m\u00f6glichem Proliferationshintergrund gewonnen werden k\u00f6nnen. \u00dcber die E-Mail-Adresse kontakt.verfassungsschutz@mik1.nrw.de oder die Rufnummer 0211 871 2821 kann jederzeit ein Gespr\u00e4chstermin mit der Spionageabwehr vereinbart werden. Spionageabwehr 211 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Wirtschaftsschutz Nordrhein-Westfalen ist als besonders technologieund exportorientiertes Land abh\u00e4ngig von seinem Wissen und der Kraft der Innovationen. Dieser teilweise Vorsprung vor anderen L\u00e4ndern und die damit einhergehenden Wettbewerbsvorteile wecken Begehrlichkeiten. Fremde Nachrichtendienste versuchen mit gezielter Wirtschaftsspionage und konkurrierende Unternehmen mit gezielter Konkurrenzaussp\u00e4hung professionell deutschen Unternehmen zu schaden. In Nordrhein-Westfalen sitzen gro\u00dfe Industrieunternehmen von Weltrang ebenso wie zahlreiche kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen, die in ihren Gesch\u00e4ftsfeldern f\u00fchrend sind. Nordrhein-Westfalen ist das Land des Mittelstands: Rund 765.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bilden das wirtschaftliche R\u00fcckgrat der Region. Zudem ist Nordrhein-Westfalen einer der weltweit f\u00fchrenden Messestandorte. Zahlreiche Technologiezentren und hochschulexterne Forschungseinrichtungen bilden das dichteste Forschungsnetzwerk Europas und bieten ideale Voraussetzungen f\u00fcr den Technologietransfer. Nordrhein-Westfalen bietet somit eine Vielzahl von Angriffspunkten f\u00fcr Spionageaktivit\u00e4ten: Um die Gefahren nachrichtendienstlicher Angriffe erfolgreich bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, bietet der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz \u00fcber seinen Bereich Wirtschaftsschutz Beratungsund Sensibilisierungskonzepte zu den Bereichen Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung, Informationssicherheit, Sicherheitsfaktor Mensch, Sicherheit auf Gesch\u00e4ftsreisen im Ausland und Geheimschutz in der Wirtschaft an. Dieses Angebot ist im Berichtszeitraum 2014 verst\u00e4rkt gerade von mittelst\u00e4ndischen Unternehmen und sogenannten Hidden Champions, das sind Unternehmen die in Ihrem Marktsegment unbemerkt von der \u00d6ffentlichkeit zur Weltspitze geh\u00f6ren, in Anspruch genommen worden. Die \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit im Zusammenhang mit \u00fcbernationalen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen durch fremde Nachrichtendienste auch im Bereich der Wirtschaft sowie die gezielte Aufkl\u00e4rung durch den Verfassungsschutz und weitere deutsche Sicherheitsbeh\u00f6rden haben wesentlich zu einer erh\u00f6hten Nachfrage beigetragen. Es konnten insgesamt 5.735 Multiplikatoren mit 226 Sensibilisierungsvortr\u00e4gen in Unternehmen und in \u00f6ffentlichen Veranstaltungen sowie in individuellen Beratungsund Informationsgespr\u00e4chen vor Ort erreicht werden. Als besonders positiv war festzustellen, dass eine Vielzahl von Unternehmen die Sicherheitsempfehlungen des Verfassungsschutzes nach dem Erstkontakt 212 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Foto: M. Hergenr\u00f6der, D\u00fcsseldorf Referenten des Verfassungsschutzes sensibilisieren zum Thema Wirtschaftsschutz tats\u00e4chlich aufgenommen und intern umgesetzt haben. H\u00e4ufig wurde eine weitere Begleitung mit der Expertise des Wirtschaftsschutzes angefordert. Gleichzeitig wurden dem Wirtschaftsschutz dadurch in der auf Wunsch auch vertraulichen Zusammenarbeit mit den Unternehmen sicherheitsrelevante Vorf\u00e4lle mit m\u00f6glichen Know-how-Verlusten bekannt. Aufkl\u00e4rung und Abwehr solcher Verdachtsf\u00e4lle sind neben der Pr\u00e4vention wesentliche Aufgaben des Wirtschaftsschutzes der Spionageabwehr. Unabdingbar hierf\u00fcr ist aber ein professionelles und zielgerichtetes Vorgehen mit Unterst\u00fctzung von Experten, gerade im Zusammenhang mit forensischen Untersuchungen von digitalen Angriffen und der Sicherung von beweiserheblichen digitalen Spuren. Zu dieser besonderen Problematik musste der Wirtschaftsschutz in nicht unbedeutenden Angriffsf\u00e4llen feststellen, dass in den angegriffenen Unternehmen oftmals sogenannte \"Bordmittel\" zur Aufkl\u00e4rung und Abwehr eingesetzt wurden, die ihr Ziel v\u00f6llig verfehlten. In mehreren F\u00e4llen wurden dadurch im Verdacht stehende Innent\u00e4ter so fr\u00fch gewarnt, dass sie Spuren vernichten, nicht widerlegbare Erkl\u00e4rungen f\u00fcr ihr verd\u00e4chtiges Handeln konstruieren oder sich durch eine K\u00fcndigung der Verfolgung entziehen konnten. Eine Aufkl\u00e4rung des Verdachts ist dadurch verhindert worden. Das ungute Gef\u00fchl \"mein Unternehmen ist angegriffen worden, was werde ich verlieren oder was habe ich schon verloren?\" bleibt bestehen. Der Wirtschaftsschutz empfiehlt den Unternehmen wegen dieser negativen Erfahrungen mit allem Nachdruck, innerhalb eines unbedingt erforderlichen Notfallplans den Verfassungsschutz, andere Sicherheitsbeh\u00f6rden sowie private Dienstleister rechtzeitig und auf Wunsch vertraulich einzubeziehen. Spionageabwehr 213 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Geheimschutz in der Wirtschaft Unternehmen, die mit staatlichen Verschlusssachen (VS) umgehen, unterliegen den besonderen Regelungen des Geheimschutzes. Diese umfassen s\u00e4mtliche Ma\u00dfnahmen, die zum Schutz und zur Geheimhaltung von Verschlusssachen getroffen werden m\u00fcssen. Verschlusssachen sind im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse, unabh\u00e4ngig von ihrer Darstellungsform. So kann zum Beispiel auch das gesprochene Wort eine Verschlusssache beinhalten. Die f\u00fcr den Geheimschutz in der Wirtschaft erforderlichen Ma\u00dfnahmen und Regeln sind im Geheimschutzhandbuch des Bundesministeriums f\u00fcr Wirtschaft und Energie festgelegt. Das zentrale Sicherheitsorgan in den Unternehmen im Rahmen dieses Verfahrens ist der oder die Sicherheitsbevollm\u00e4chtigte. Sicherheitsbevollm\u00e4chtigte haben unter anderem die zust\u00e4ndige Landesverfassungsschutzbeh\u00f6rde unverz\u00fcglich zu unterrichten \u00fcber > Hinweise, Wahrnehmungen und Erkenntnisse, die den Verdacht einer nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeit, einer Verratst\u00e4tigkeit anderer Art oder von Sabotage, Terrorismus oder \u00e4hnlichem begr\u00fcnden k\u00f6nnen, > geheimschutzrelevante Vorkommnisse bei Reisen von VS-Erm\u00e4chtigten. Vor diesem Hintergrund f\u00fchrt der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen j\u00e4hrlich rund 100 Beratungsund Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit betroffenen Firmen. Dabei werden die Sicherheitsbevollm\u00e4chtigten insbesondere \u00fcber aktuelle Angriffsmethoden fremder Nachrichtendienste unterrichtet, um m\u00f6gliche Angriffe fr\u00fchzeitig erkennen und entsprechende Gegenma\u00dfnahmen einleiten zu k\u00f6nnen. Durch diese Gespr\u00e4che werden Verdachtsmomente in den Unternehmen vermehrt an den Verfassungsschutz gemeldet und k\u00f6nnen dann jeweils vor Ort besprochen werden. Auf Wunsch der Sicherheitsbevollm\u00e4chtigten finden zudem Vortragsveranstaltungen in den Firmen statt, in denen auch den \u00fcbrigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die aktuellen Erkenntnisse des Verfassungsschutzes vermittelt werden. \\ Kontakt zum Wirtschaftsschutz Der Wirtschaftsschutz beim Verfassungsschutz ist telefonisch erreichbar unter 0211 871 2821 und per E-Mail \u00fcber kontakt.verfassungsschutz@mik1.nrw.de. 214 Spionageabwehr Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","\u00dcber den Verfassungsschutz \u00dcber den Verfassungsschutz 215 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Verfassungsschutz ist nach dem Grundgesetz eine Aufgabe des Bundes und der L\u00e4nder. Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt deshalb wie alle L\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland \u00fcber eine Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Der Verfassungsschutz in Nordrhein-Westfalen ist ein Nachrichtendienst im Sicherheitsgef\u00fcge des Landes Nordrhein-Westfalen und ist als Abteilung in das Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales eingegliedert (SS 2 Abs.1 Verfassungsschutzgesetz Nordrhein-Westfalen). Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der einzelnen Bundesl\u00e4nder sind gesetzlich dazu verpflichtet, untereinander und mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) in K\u00f6ln zusammenzuarbeiten. Dabei \u00fcbernimmt das BfV die Aufgaben einer Zentralstelle auf Bundesebene. Im Jahr 2014 standen f\u00fcr die Abteilung 338 Stellen sowie Sachund Investitionsmittel von 4,58 Millionen Euro zur Verf\u00fcgung. Aufgaben Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, bereits im Vorfeld von konkreten Gef\u00e4hrdungslagen Informationen zu beschaffen, zu sammeln und auszuwerten, die extremistische Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten betreffen. Dazu geh\u00f6ren unter anderem Aktivit\u00e4ten, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder darauf abzielen, die Amtsf\u00fchrung von Verfassungsorganen des Bundes oder eines Landes ungesetzlich zu beeinflussen. Des Weiteren betrifft dies Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind oder die sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht darstellen. Der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz verfolgt mit den zur Verf\u00fcgung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln eine Doppelstrategie aus \u00dcberwachung und Pr\u00e4vention. Es ist seine Aufgabe, fr\u00fchzeitig Probleme zu erkennen und Politik und Gesellschaft zu sensibilisieren. \u00dcber die konkreten Aufgaben von Sicherheitsbeh\u00f6rden hinaus ist die Bek\u00e4mpfung von Extremismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb geht der Verfassungsschutz in die Gesellschaft hinein, kl\u00e4rt auf und bietet eine Zusammenarbeit an. Aktuell liegen die Schwerpunkte des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen in der pr\u00e4ventiven und operativen Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus und des gewaltbereiten Salafismus. Aufkl\u00e4rungsarbeit, Pr\u00e4ventionsund Aussteigerprogramme verhindern den Einstieg in die jeweilige extremistische Szene beziehungsweise helfen darin eingebundenen Personen beim Ausstieg. 216 \u00dcber den Verfassungsschutz Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Kontrolle des Verfassungsschutzes Im Jahr 2013 wurde der Verfassungsschutz umfassend reformiert. In dem neugefassten Verfassungsschutzgesetz sind seine Aufgaben und Befugnisse genau definiert. Zugleich ist geregelt, wie sein Handeln kontrolliert wird. Eine rechtliche und politische Kontrolle von Verwaltung sind Qualit\u00e4tsmerkmale des Rechtsstaates. Dies gilt nicht nur f\u00fcr die allgemeine Verwaltung, sondern auch f\u00fcr den Verfassungsschutz. Da die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes aufgrund ihrer besonderen Geheimhaltungsbed\u00fcrftigkeit in der Regel nicht \u00f6ffentlich im Parlament oder seinen Aussch\u00fcssen beraten werden k\u00f6nnen, existieren f\u00fcr eine wirksame Kontrolle besondere Stellen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG), das sich aus acht Mitgliedern und acht Stellvertretern zusammensetzt. Der Landtag Nordrhein-Westfalen w\u00e4hlt diese zu Beginn jeder Wahlperiode f\u00fcr deren Dauer aus seiner Mitte. Das PKG \u00fcberwacht die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes insgesamt, seine Ma\u00dfnahmen und ihre Notwendigkeit. Einzelne Aspekte der Arbeit des Verfassungsschutzes pr\u00fcfen die G10-Kommission (beispielsweise Telefon\u00fcberwachungen), der Landesbeauftragte f\u00fcr Datenschutz sowie der Landesrechnungshof. Verarbeitung personenbezogener Daten Zur Erf\u00fcllung der \u00fcbertragenen Aufgaben d\u00fcrfen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden personenbezogene Daten erheben und verarbeiten. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde Nordrhein-Westfalens verwendet dazu zum einen \"Personen-Informations-Dateien\" und zum anderen das \"Nachrichtendienstliche Informationssystem Wissensnetz\" (NADIS WN), das von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder und des Bundes gemeinsam genutzt wird. Erfasst werden Daten zu Personen, \u00fcber die Erkenntnisse im Zusammenhang mit politischem Extremismus vorliegen und zu Personen, die in sicherheitsempfindlichen Bereichen von Wirtschaft und Verwaltung t\u00e4tig sind. Die Durchf\u00fchrung von Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen der letztgenannten Personengruppe ist den betroffenen Personen bekannt und macht rund 90% aller NADIS-Eintr\u00e4ge aus Nordrhein-Westfalen aus. \u00d6ffentlichkeitsarbeit Der beste Schutz vor extremistischen Bestrebungen ist eine informierte, aufgekl\u00e4rte \u00d6ffentlichkeit. Den Leitspruch \"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\" versteht der Verfassungsschutz daher als wesentlichen Arbeitsauftrag. Damit Bev\u00f6lkerung, Politik und Medien Anzeichen f\u00fcr Extremismus erkennen k\u00f6nnen, setzt der nordrhein-westf\u00e4lische Verfassungsschutz auf eine intensive Aufkl\u00e4rungsarbeit und bietet \u00dcber den Verfassungsschutz 217 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Demol kratie - Rechtsextremismus. terricht. \"Andi 1\"; Handrei'chung f\u00fcr den Politikun TS er om UF ee Ar LT 1 I: ugandichen n rkenzeiche Moda - Ma aaznrominusel Extremistischer Salafismus: Ursachen, Gefahren und Gegenstrategion","eine breite Palette verschiedener Informationsmaterialien an. Dazu geh\u00f6ren Vortr\u00e4ge vor allem f\u00fcr Multiplikatoren, Tagungen, Brosch\u00fcren und ein st\u00e4ndig erweitertes Informationsangebot im Internet. Einen wichtigen, alle verfassungsschutzrelevanten Themen umfassenden Aufkl\u00e4rungsbeitrag liefert der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht. Die Jahresberichte dienen Gerichten und Beh\u00f6rden als Nachschlagewerk zum Extremismus. Sie werden dem Landtag zur Unterrichtung \u00fcber Entwicklungen vorgelegt und auch von der interessierten \u00d6ffentlichkeit stark nachgefragt. Informationen zu aktuellen Schwerpunktthemen finden sich in Berichten und Brosch\u00fcren, die \u00fcber die Internetseite des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales unter www.mik.nrw.de/ verfassungsschutz abrufbar und bestellbar sind. Besonders hervorzuheben ist der Bildungscomic \"ANDI\" (\"Comic f\u00fcr Demokratie - gegen Extremismus\"). Er greift in drei Ausgaben die Themenfelder Rechtsextremismus, Islamismus und Linksextremismus auf. Die Hefte richten sich an Sch\u00fcler und Jugendliche. Mit einer Gesamtauflage von mittlerweile \u00fcber eine Million Exemplaren stellt der Comic einen gro\u00dfen Erfolg in der Pr\u00e4ventionsarbeit dar. Die Nachfrage ist weiterhin konstant hoch. \u00dcber den Verfassungsschutz 219 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Liste der Bestrebungen A und Organisationen AD\u00dcTDF Advance AG Rheinland Ahrar al Sham \"AKARAM\" \"alternativ, unabh\u00e4ngig, fortschrittlich (AUF)\" al-Qaida Al-Shabab Ansaar D\u00fcsseldorf e.V./ Ansaar International Ansarul Aseer Zur Erf\u00fcllung seiner Funktion als Fr\u00fchwarn\"Antikapitalistische Linke (AKL)\" system in der wehrhaften Demokratie ist der Antisem Versand Verfassungsschutz durch das VerfassungsArbeiterpartei Kurdistans (PKK) schutzgesetz NRW berechtigt, \u00fcber eine \"AUF Witten\" Organisation zu berichten, wenn tats\u00e4chliche B Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht einer verfassungsfeindlichen Bestrebung vorliegen. F\u00fcr \"BergAUF\" eine Berichterstattung ist es nicht VorausBielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) setzung, dass sich Verdachtsmomente bis Blickpunkt zur Einsch\u00e4tzung als \"verfassungsfeindlich\" Blood and Honour verdichtet haben. Brigade Lohberg, Lohberger Gruppe \"B\u00fclten (Bulletin der T\u00fcrkischen F\u00f6deration)\" Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte oder zumindest C gewichtige Anhaltspunkte f\u00fcr die in SS 3 Abs. 1 VSG NRW beschriebenen Merkmale vorCDK Koordinasyon Civata Ekolojik liegen, sind zwischen den Zeichen \" und \" - Demokratik a Kurd Li Ewropa eingefasst (sogenannte Chevrons). Celebrity Church of Scientology \"Courage\" D Der Weg zum Gl\u00fccklichsein Der III. Weg \"Demokratisch-kurdische Gesellschaftszentrum Deutschland (NAV-DEM)\" \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum (DKTM)\" 220 BestreBungen und OrganisatiOnen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Hizb ut-Tahrir (Islamische Befreiungspartei - \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH)\" HuT) Deutsche Stimme I Devrimci Sol Die Rechte Impact Die Wahre Religion \"Internationale Koordinierung revolution\u00e4rer Dogru Haber (Richtige Nachricht) Parteien und Organisationen (ICOR)\" dortmundecho.org \"Interventionistische Linke (IL)\" E Inzar (Warnung) Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) \"eedhesam.com\" Islamische Zentrum (Imam-Mahdi-Zentrum), Einladung zum Paradies e.V. (EZP) M\u00fcnster Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) Islamischer Staat extremistische Salafisten / Islamischer Staat (IS) Extremistischer Salafismus - Jihadismus Islamischer Staat im Irak und Gro\u00dfsyrien extremistisch-salafistische Netzwerke (ISIG) Ismail Aga Cemaati (IAC) F Izzedin Al-Qassam-Brigaden F\u00f6deration islamischer Organisationen in J Europa (FIOE) \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland jemenitische al-Qaida / al-Qaida auf (YEK-KOM)\" der Arabischen Halbinsel \"Frauenverband Courage e.V.\" Jesus im Islam Freies Netz S\u00fcd Jugend f\u00fcr Menschenrechte Freewinds junge Welt Freiheit K G Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) \"Gelsenkirchen f\u00fcr AUF\" Kategorie C Gemeinschaften Kurdistans (KCK) Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir) \"Grup Yorum\" Kendi Dilinden Hizbullah (Die Hizbullah in eigenen Worten) H Kommunistische Plattform (KPF) Hamas Kompetenz Hammerskins \"Kongress der kurdisch-demokratischen Haus des Qurans Gesellschaft in Europa (KCD-E)\" Helfen in Not (HiN) \"Kurdistan-Report\" Hizb Allah (Partei Gottes) BestreBungen und OrganisatiOnen 221 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","L Oldschool Society (OSS) OT-Universe Lernen und K\u00e4mpfen (LuK) Lies! P Linksjugend ['solid] Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Deutsch\"LTTE Headoffice\" land e.V. (PGD) \"LTTE International Organisation\" Palestinian Return Center (PCR) M Partei der demokratischen Union (PYD) \"pathivu.com\" MAKKS Damage politischer Salafismus marx21 PRO K\u00d6LN - Informationen der Fraktion pro Marxistische Bl\u00e4tter K\u00f6ln im Rat der Stadt K\u00f6ln Marxistische Linke - \u00f6kologisch, emanzipatoPro K\u00f6ln e.V. risch, feministisch, integrativ (ML) Pro NRW \"Mednuce\" PRO NRW - Informationen der B\u00fcrgerbeweMillatu Ibrahim gung pro NRW Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung MLPD R Moscheegemeinschaft Darul Arqam Rebell \"M\u00fclheim f\u00fcr AUF\" Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (Devrimci Muhacirun (Auswanderer) Halk Kurtulus Cephesi - DHK-C) Mujahidin-Bewegung in Afghanistan Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei (Devrimci Muslimbruderschaft Halk Kurtulus Partisi - DHK-P) Muslimisches Hilfswerk (MHW) Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-Front N (Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi - DHKP-C) National Sozialistische Hacker Crew Revolution\u00e4rer Weg Nationaldemokratische Partei Deutschlands Rote Fahne (RF) (NPD) Rotf\u00fcchse Nationale Revolution \"Newaya Jin (Erlebnisse der Frauen)\" S Nordkaukasische Separatisten-Bewegung Saadet Partisi (SP) (NKSB), Kaukasische Emirat Sag nein zu Drogen \"NUCE TV\" Scharia-Polizei (Shariah Police) \"NV AUF geht's\" Scientology Kirche Berlin e.V. O Scientology Kirche Deutschland e.V. Scientology Organisation (SO) Oidoxie Scientology News Organisation f\u00fcr Frieden und Hilfe \"Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit)\" 222 BestreBungen und OrganisatiOnen Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Shahid Stiftung Villain051 Siegel der Propheten Volkskongress Kurdistans (KONGRA-GEL) Sleipnir \"Volksrat der Eelam Tamilen - Deutschland \"Solingen aktiv\" (VETD)\" Source Volksverteidigungseinheiten (YPG) \"Soziales B\u00fcndnis Gladbeck\" Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend W Bochum (SDAJ) \"Sozialistische Linke (SL)\" Wacht am Rhein \"Sterka Ciwan (Stern der Jugend)\" \"Wahlb\u00fcndnis AUF\" St\u00fctzpunkt Hermannsland Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) Syndikat 52 \"Way to Allah\" T Widerstand \"WIR f\u00fcr M\u00fclheim\" Tamilische Befreiungstiger - (Liberation Tigers World Institute of Scientology Enterprise of Tamil Eelam - LTTE) (WISE) \"Tamil Coordination Committee (TCC)\" Wut aus Liebe \"Tamil Coordination Committees (TCC)\" Y \"Tamil Rehabilitation Organization e. V. (TRO)\" Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft) \"Tamil Student Organization e.V. (TSV)\" \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" \"Tamil Youth Organisation - Germany (TYO)\" Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs \"Tamil Youth Organization (TYO)\" Tauhid Germany The Aditor Thiazi T\u00fcrkische Hizbullah (TH) U \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Graue W\u00f6lfe\") \"Umweltgewerkschaft\" UZUnsere Zeit V Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) Verein Anatolische F\u00f6deration Verein Medizin mit Herz / vormals: Medizin ohne Grenzen BestreBungen und OrganisatiOnen 223 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Stichwortverzeichnis C CDK Koordinasyon Civata Ekolojik - Demokratik a Kurd Li Ewropa .......... 122 Celebrity ................................................. 172 Celebrity Center ...................................... 172 Church of Scientology ............................ 172 Cremer, Claus ..................................... 40, 45 A Cuspert, Denis ........................................ 148 Abou Nagie, Ibrahim ............................... 140 D Advance .................................................. 172 Darul Arqam ............................................ 139 AG Rheinland ........................................... 78 Das Siegel der Propheten ...................... 141 Ahrar al Sham ......................................... 150 Demokratisch-kurdische GesellschaftsAKARAM ................................................ 128 zentrum Deutschland (NAV-DEM) ...... 123 al-Qaida .................................. 134, 142, 145 Demokratisch-kurdisches GesellschaftsAl-Shabab ............................................ 150 f. zentrum (DKTM) ................................. 123 Ansaar D\u00fcsseldorf e.V./ Der III. Weg .......................................... 66 ff. Ansaar International ............................ 142 Der Weg zum Gl\u00fccklichsein ................... 173 Ansarul Aseer ......................................... 144 Deutsche Kommunistische Partei Antikapitalistische Linke (AKL) ............. 85 ff. (DKP) ....................................... 84 f., 92 ff. Antisem Versand ...................................... 56 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat Arbeiterpartei Kurdistans (DLVH) .................................................. 48 (PKK) ............................106 f., 110 f., 115, Deutsche Stimme (DS) ....................... 40, 42 117, 122 ff., 168 f. Devrimci Sol .........................................118 f. AUF ...................................................... 98 ff. Die Rechte ... 18, 20, 39, 54 ff., 78 f., 81, 200 Autonome Nationalisten (AN) ................... 77 Die Republikaner (REP) ..................... 49, 51 B Die Wahre Religion ................................. 140 Dogru Haber (Richtige Nachricht) .......... 168 Banna al-, Hassan .................................. 160 dormundecho.org ..................................... 54 Beisicht, Markus ................................... 48 ff. BergAUF ................................................... 98 E Bielefeld Sultan Fatih Genclik (BSFG) ... 164 eedhesam.com ....................................... 128 Blickpunkt ................................................. 40 Einladung zum Paradies (EZP) .............. 139 Blood and Honour ............................... 74, 76 Engel, Stefan ............................ 98, 101, 103 Borchardt, Siegfried ............................... 61 f. Erbakan, Necmettin ..................... 162, 164 f. Brigade Lohberg .................................. 148 f. Erbakan Vakfi (Erbakan Stiftung) ........... 164 B\u00fcy\u00fck Birlik Partisi (BBP) ........................112 Extremistischer Salafismus .................... 146 extremistisch-salafistische Netzwerke .... 138 224 StichwortverzeichniS Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","F Internationale Koordination Revolution\u00e4rer Parteien und OrganisaFatah-Partei ............................................ 153 tionen (ICOR) .............................. 101, 103 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Interventionistische Linke (IL) ................... 91 Idealistenvereine in Deutschland Inzar (Warnung) ...................................... 168 e.V. (AD\u00dcTDF) .................................111 ff. Islamische Gemeinschaft in F\u00f6deration der Yezidischen Vereine Deutschland e.V. (IGD) .................... 160 f. Kurdistans (FKE, fr\u00fcher YEK) ............. 123 Islamischer Staat im Irak (ISI) ................ 150 F\u00f6deration islamischer Organisationen Islamischer Staat im Irak und in Europa (FIOE) ................................. 160 Gro\u00dfsyrien (ISIG) ............................... 150 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Islamischer Staat (IS) ..... 106 f., 134, 145 ff., Deutschland (YEK-KOM) .................... 123 155, 167 Franz, Frank ................................. 40, 45, 47 Ismail Aga Cemaati (IAC) ....................... 164 Frauenverband Courage e.V. ........ 98, 102 f. Izzedin Al-Qassam-Brigaden .................. 152 Freewinds ............................................... 172 J Freies Netz S\u00fcd ........................................ 66 G Jesus, Der Gesandte Allahs ................... 141 Jihad ............. 21, 35, 137, 146 f., 150 f., 167 Gelsenkirchen f\u00fcr AUF ............................. 98 Jugend f\u00fcr Menschenrechte ................... 173 Gemeinschaften Kurdistans (KCK) ......... 122 junge Welt (jW) ......................................... 87 Gerechtigkeitsund EntwicklungsJ\u00fcrgensen, Bettina .................................... 95 partei (AKP) ................................ 126, 165 K Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) .................. 163 ff. Grup Yorum ............................................ 120 Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) .................. 158 H Kamalak, Mustafa ................................... 163 Kameradschaft Aachener Land (KAL) ...... 59 Hamas ................................................. 152 f. Kaplan, Cemaleddin ............................... 158 Hammerskins ................................ 72, 74, 76 Kaplan, Metin .......................................... 158 Haus des Qurans .................................... 140 Kartal, Remzi .......................................... 122 Helfen in Not (HiN) ................................. 143 Kategorie C ............................................... 76 Hizb Allah-Miliz ....................................... 155 Kaukasisches Emirat ........................... 166 f. Hizb Allah - Partei Gottes .................... 154 f. Kelhaamet (Pr\u00e4chtiges Diyarbakir) ......... 168 Hizb ut-Tahrir (HuT) ............................. 156 f. Kendi Dilinden Hizbullah .......................... 168 HoGeSa ......................... 38, 46 f., 62, 65, 67 Know-how ....................................... 208, 213 Hozat, Bese ............................................ 122 K\u00f6bele, Patrik ..................................... 92, 95 Kommunistische Partei Chinas (KPCh) .. 205 I Kommunistische Partei Deutschlands Imam-Mahdi-Zentrum ............................. 154 (KPD) .................................................... 92 Impact ..................................................... 172 Kommunistische Plattform (KPF) ......... 85 ff. StichwortverzeichniS 225 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Kommunistischer Arbeiterbund Muslimbruderschaft Deutschlands (KABD) ........................... 99 (MB) .............................. 152, 156 f., 160 f. Kompetenz ..................................... 172, 184 Muslimisches Hilfswerk (MHW) .............. 142 Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa (KCD-E) ......... 123 N Koordination der kurdischen \u00f6kologischNabhani al-, Taqhi al Din ........................ 156 demokratischen Gesellschaft in Nationaldemokratische Partei Europa (CDK) ..................................... 122 Deutschlands, siehe NPD Kurtulus ................................................118 f. Nationale Revolution ................................ 80 L Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) ................................................ 207 Lernen und K\u00e4mpfen (LuK) ...................... 98 National Sozialistische Hacker Crew ........ 81 Lies! .................................................... 140 ff. Nationalsozialistischer UnterLinksjugend ['solid] ............................... 85 ff. grund (NSU) .......................... 62, 121, 199 Linkspartei, siehe DIE LINKE. Neonazi-Szene ..... 38 ff., 45, 47, 58 f., 66, ff. Lohberger Gruppe ............................... 148 f. Newaya Jin ............................................. 122 LTTE Headoffice ..................................... 129 Newroz ................................................... 124 LTTE International Organisation ............. 130 news.dkp.de ....................................... 92, 96 Nordkaukasische Separatisten- M Bewegung (NKSB) ........................... 166 f. MAKKS Damage ...................................... 74 NPD ..................... 19 f., 38 ff., 61 ff., 76, 199 marx21 .................................................. 85 ff. NUCE TV ................................................ 122 Marxistische Bl\u00e4tter .................................. 92 NV AUF geht's .......................................... 98 Marxistische Linke - \u00f6kologisch, O emanzipatorisch, feministisch, integrativ (ML) ....................................... 95 \u00d6calan, Abdullah .................... 122, 124, 126 Marxistisch-Leninistische Partei Oidoxie ..................................................... 74 Deutschlands (MLPD) .. 84 f., 92, 95, 98 ff. Oldschool Society (OSS) ....................... 70 f. Medizin mit Herz ..................................... 144 Organisation f\u00fcr Frieden und Hilfe .......... 142 Medizin ohne Grenzen ........................... 143 OT-Universe ........................................... 172 Mednuce ................................................. 122 Millatu Ibrahim ........................................ 147 P Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung (MGB) ............. 162 ff. Pal\u00e4stinensische Gemeinschaft in Miscavige, David ............................ 172, 175 Deutschland e.V. (PGD) .................. 152 f. Mitteilungen der Kommunistischen Palestinian Return Center (PCR) ........... 153 Plattform ............................................... 87 Partei der demokratischen Union Muhacirun (Auswanderer) ...................... 158 (PYD) .......................................... 124, 126 Mujahidin-Bewegung in Afghanistan ...... 146 M\u00fclheim f\u00fcr AUF ............................... 98, 100 226 StichwortverzeichniS Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Partei der Nationalistischen SDAJ ..................................................... 95 f. Bewegung (MHP) ........................112, 113 Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) ................. 122 Partei Gottes, siehe Hizb Allah Shahid Stiftung ....................................... 155 Past\u00f6rs, Udo ....................................... 40, 45 Skinhead-Szene .............................. 72 f., 77 pathivu.com ............................................ 128 Sleipnir ................................................ 74, 79 PEGIDA ......................... 38, 46 f., 53, 60, 63 Solingen aktiv ........................................... 98 Politischer Salafismus ............................ 136 Source .................................................... 172 Prabhakaran, Velupillai ................... 128, 131 Soziales B\u00fcndnis Gladbeck ...................... 93 Pro K\u00f6ln e.V. ................................ 19 f., 48 ff. Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Proliferation .................................... 203, 208 Bochum (SDAJ) ................................. 95 f. Pro NRW ............. 19 f., 38, 42, 48 ff., 63, 79 Sozialistische Linke (SL) ................. 85 f., 89 Spionageabwehr ................................. 201 ff. R Sterka Ciwan (Stern der Jugend) ........... 122 Rebell ....................................... 98, 100, 103 St\u00fctzpunkt Hermannsland ..................... 66 f. Revolution\u00e4rer Weg .................................. 98 Syndikat 52 ............................................... 59 Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront T (Devrimci Halk Kurtulus Cephesi - DHKC) ...............................................119 Tamil Coordination Committee - (TCC) .. 128 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei Tamilische Befreiungstiger (Devrimci Halk Kurtulus Partisi (LTTE) ...................................110 f., 128 ff. - DHKP) ...........................................118 ff. Tamil Rehabilitation Organization Rote Aktion ............................................. 107 e.V. (TRO) ........................................... 128 Rote Fahne (RF) ....................................... 98 Tamil Student Organization e.V. (TSV) ... 128 Rotf\u00fcchse ................................................. 98 Tamil Youth Organization (TYO) ..... 128, 131 Tauhid Germany .................................. 144 f. S The Aditor ............................................... 172 Saadet Partisi (SP) ................................. 163 Thiazi-Forum ............................................ 79 Sag nein zu Drogen ................................ 173 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) ..................... 168 f. Salafismus ... 46, 62, 65, 69, 76, 105, 134 ff., U 149 ff., 155, 158 f., 178, 180 ff., 190 f., 197 f., 216 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (\"Graue W\u00f6lfe\") .....110 ff. Salafistische Bestrebungen ............ 138, 159 Umweltgewerkschaft .................... 85, 101 ff. Scharia-Polizei (Shariah Police) .......... 139 f. Unsere Zeit (UZ) ................................. 92, 95 Scientology Kirche Berlin e.V. (SKB) ...... 173 V Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) .................................................. 173 Velioglu, H\u00fcseyin .................................... 168 Scientology Kirche D\u00fcsseldorf ................ 172 Verein Anatolische F\u00f6deration .................119 Scientology News ................................... 172 Vereinigte Gemeinschaften Scientology Organisation (SO) ........... 171 ff. Kurdistans (KCK) ................................ 122 StichwortverzeichniS 227 Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Villain051 .................................................. 76 VIR ............................................... 179, 194 f. Voigt, Udo ........................................... 44, 45 Volkskongress Kurdistans, siehe Arbeitspartei Kurdistans (PKK) Volksmodjahedin Iran-Organisation (MEK) .................................................. 207 Volksrat der Eelam Tamilen - Deutschland (VETD) ........................ 131 Volksverteidigungseinheiten (YPG) ........ 126 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) ..... 124, 126 W Wacht am Rhein ................................. 68, 78 Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) ................................................. 155 Way to Allah ............................................ 141 Wegweiser .......................... 178, 182 ff., 198 Widerstand ........................... 62, 76, 80, 107 Wirtschaftsschutz ............... 201, 203, 212 ff. Worch, Christian ....................................... 54 World Institute of Scientology Enterprises (WISE) ............................. 175 Wut aus Liebe ........................................... 76 Y Yeni M\u00fcjde (Neue Frohe Botschaft) ....... 168 Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika ................................. 122 Young Struggle ....................................... 107 Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs ...................................................118 Z Zagros, Hacer ......................................... 122 Zawahiri al-, Ayman ................................ 145 228 StichwortverzeichniS Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2014","Hinweis Diese Druckschrift wird im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Ministeriums f\u00fcr Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlbewerberinnen und Wahlbewerbern oder Wahlhelferinnen und Wahlhelfern w\u00e4hrend eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Dies gilt f\u00fcr die Landtags-, Bundestagsund Kommunalwahlen sowie f\u00fcr die Wahl der Mitglieder des Europ\u00e4ischen Parlaments. Missbr\u00e4uchlich ist insbesondere die Verteilung auf Wahlveranstaltungen, an Informationsst\u00e4nden der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder Aufkleben parteipolitischer Informationen oder Werbemittel. Untersagt ist gleichfalls die Weitergabe an Dritte zum Zwecke der Wahlwerbung. Eine Verwendung dieser Druckschrift durch Parteien oder sie unterst\u00fctzende Organisationen ausschlie\u00dflich zur Unterrichtung ihrer eigenen Mitglieder bleibt hiervon unber\u00fchrt. Unabh\u00e4ngig davon, wann, auf welchem Weg und in welcher Anzahl diese Schrift dem Empf\u00e4nger zugegangen ist, darf sie auch ohne zeitlichen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme des Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales Nordrhein-Westfalen zugunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden k\u00f6nnte. Der Inhalt dieser Brosch\u00fcre wurde auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt.","Ministerium f\u00fcr Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen Friedrichstra\u00dfe 62 - 80 40217 D\u00fcsseldorf Telefon: 0211/871 - 01 Telefax: 0211/871 - 3355 poststelle@mik.nrw.de www.mik.nrw.de Verfassungsschutzbericht NRW 2014"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2014","year":2014}
