{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1986.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":68,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Vorwort ................................................................................................ 3 1 Rechtsextremismus ......................................................................... 4 1.1 Entwicklungstendenz ....................................................................................4 1.2 Neonazistische Gruppen ...............................................................................5 1.2.1 \"Die Bewegung\".................................................................................5 1.2.2 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP).......................................6 1.2.3 Freie Betriebszellen-Organisation (FBO)...........................................8 1.2.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG)...............................................................................8 1.2.5 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO).................8 1.3 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)......................................9 1.4 \"National Freiheitliche\" ................................................................................11 1.5 Rechtsextremistische Jugend .....................................................................11 1.5.1 Wiking-Jugend (WJ) ........................................................................11 1.5.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)....................................................12 1.5.3 Jugendliche Randgruppen ...............................................................12 1.6 Sonstige rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten ...................................................12 1.6.1 Nationalistische Front (NF) ..............................................................12 1.6.2 Kulturund Weltanschauungsvereinigungen ...................................13 1.6.3 Schmierund sonstige Aktionen ......................................................13 1.7 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ...................................................13 2 Linksextremismus.......................................................................... 19 2.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................19 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP).....................................................20 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen ..............................26 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ..............................26 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) ..............................26 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (J P).................26 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen.................................................................27 2.4.1 \"Die Friedensliste\" ...........................................................................27 2.4.2 Demokratische Fraueninitiative (DFI) ..............................................28 2.4.3 Deutsche Friedens-Union (DFU) .....................................................28 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK)..................................................................................................28 2.5 B\u00fcndnispolitik ..............................................................................................29 2.6 Dogmatische Neue Linke ............................................................................29 2.6.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)...................29 2.6.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) .............................................30 2.6.3 Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) ...........................30 2.6.4 Marxistische Gruppe (MG)...............................................................30 2.7 Undogmatische Neue Linke ........................................................................30 1","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 2.8 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ......................................................31 3 Terrorismus .................................................................................... 38 3.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................38 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF).........................................................................38 3.3 \"Militante\" der RAF......................................................................................38 3.4 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) ..........................................................40 3.5 Terroristische Gewalttaten sonstiger Gruppen ............................................40 3.6 Umfeld der RAF und sonstiges terroristisches Umfeld................................41 3.7 Terroristische und sonstige politisch motivierte Gewalttaten.......................43 4 Ausl\u00e4nderextremismus.................................................................. 47 4.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................47 4.2 T\u00fcrken .........................................................................................................47 4.3 Kurden.........................................................................................................50 4.4 Iraker...........................................................................................................52 4.5 Iraner...........................................................................................................52 4.6 Srilanker ......................................................................................................53 4.7 Libyer und Pal\u00e4stinenser.............................................................................54 4.8 Jugoslawen .................................................................................................54 4.9 Spanier........................................................................................................55 5 Spionageabwehr............................................................................. 57 5.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................57 5.2 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen .....................57 5.3 Politische Spionage.....................................................................................57 5.4 Illegale Technologiebeschaffung durch Nachrichtendienste der Staaten des Warschauer Paktes ....................................................................................58 5.5 Milit\u00e4rspionage ............................................................................................60 5.6 Auftr\u00e4ge vorbereitender und unterst\u00fctzender Art ........................................60 5.7 Werbung......................................................................................................60 6 Strafrechtspflege............................................................................ 62 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten.....................................62 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten .......................................62 6.3 Demonstrationsstrafttaten ...........................................................................63 7 Anhang............................................................................................ 64 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................64 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................65 2","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Vorwort Der \"m\u00fcndige und kritische\" B\u00fcrger ist der beste Verfassungssch\u00fctzer. Ihn \u00fcber die vielf\u00e4ltigen gegen unseren Rechtsstaat gerichteten verfassungsfeindlichen Bestrebungen und sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten zu unterrichten ist das Ziel des j\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlichten Verfassungsschutzberichtes der Landesregierung. Diese durch Kenntniserweiterung verbreitete politische Bildung bef\u00e4higt den B\u00fcrger vermehrt, erfolgreich die politische Auseinandersetzung mit den Extremisten von links und rechts zu f\u00fchren. Wenn dabei wie auch in den vorangegangenen Jahren festgestellt werden kann, da\u00df politischer Extremismus, Terrorismus und Spionage unseren freiheitlichen Staat zwar bedrohen, aber nicht ernsthaft gef\u00e4hrden k\u00f6nnen, darf dies die Aufmerksamkeit nicht einschl\u00e4fern. Wenn auch f\u00fcr das Jahr 1986 keine bedeutsame Zunahme der Zahl der Extremisten festzustellen ist, so kann andererseits auch keine Verminderung des verfassungsfeindlichen Potentials festgestellt werden. Dabei stimmt die zunehmende Gewaltbereitschaft bedenklich. Hier rechtzeitig die politisch Verantwortung Tragenden zu unterrichten, ist Aufgabe der an Recht und Gesetz gebundenen Beh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz. Sie dienen damit der Sicherheit der B\u00fcrger und des Staates, in dem wir leben. Ihre Erkenntnisse schlagen sich f\u00fcr alle zug\u00e4nglich in dieser Ver\u00f6ffentlichung nieder. Dr. Herbert Schnoor Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen 3","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 1 Rechtsextremismus 1.1 Entwicklungstendenz Die rechtsextremistische Szene hat sich im Laufe des Jahres 1986 in NordrheinWestfalen kaum ver\u00e4ndert. Die Zahl ihrer Mitglieder liegt weiterhin um 4.000 (Bund: 22.000), darunter 1.000 Nationaldemokraten und 2.500 sog. NationalFreiheitliche. Der Anteil der aktiven Neonazis ist allerdings von ca. 150 auf etwa 220 (Bund: 1.450) angestiegen. Im neonazistischen Bereich konnte die aus Anh\u00e4ngern der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) bestehende Gruppe um die Schrift \"Die Neue Front\" ihre f\u00fchrende Stellung zun\u00e4chst behaupten. Die von leitenden Funktion\u00e4ren dieser Gruppe Mitte 1986 in den eigenen Reihen ausgel\u00f6ste Kampagne gegen Homosexuelle hat jedoch zu erheblicher Unruhe und zur Fraktionsbildung unter den Anh\u00e4ngern gef\u00fchrt, insbesondere nachdem ihre bekanntesten Mitglieder, Michael K\u00dcHNEN und Thomas BREHL, im Herbst 1986 ihren Austritt erkl\u00e4rten. Die Neonazis haben 1986 die Unterwanderung der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) gezielt fortsetzen k\u00f6nnen. Sie besetzten neben den Ortsund Landesvorst\u00e4nden auch die entscheidenden Funktionen im Bundesvorstand und sind damit in der Lage, die Aktivit\u00e4ten dieser Partei entscheidend zu bestimmen. Im Juni 1986 hat der Innenminister der Landes Nordrhein-Westfalen deshalb den Bundesminister des Innern aufgefordert, Schritte zur Feststellung der Verfassungswidrigkeit der FAP mit einem Antrag vor dem Bundesverfassungsgericht zu unternehmen und dem Schreiben entsprechendes Beweismaterial beigef\u00fcgt. F\u00fcr die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und deren Jugendund Studentenorganisationen, die ihren Mitgliederbestand in etwa halten konnten, stand das Jahr 1986 ganz im Zeichen der Bundestagswahl 1987. Es ist ihnen gelungen, bundesweit die erforderlichen Unterst\u00fctzerunterschriften beizubringen und damit die Zulassung ihrer Landeslisten und der in vielen Wahlkreisen aufgestellten Direktkandidaten zu erreichen. Bei der Wahl am 25. Januar 1987 konnte die NPD in Nordrhein-Westfalen mit ca. 41.000 = 0,4 % Zweitstimmen ihren Stimmenanteil gegen\u00fcber der Bundestagswahl 1983 (ca. 19.400 Stimmen) verbessern. Sie lag jedoch unter dem Bundesdurchschnitt (ca. 227.000 = 0,6 %). Der ma\u00dfgebliche Vertreter der \"National-Freiheitlichen\", der M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard FREY, hat 1986 den Verlag der Deutschen Wochen-Zeitung \u00fcbernommen und beherrscht damit fast vollst\u00e4ndig den Zeitungsmarkt der rechtsextremistischen Szene. Die von ihm initiierte Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften geh\u00f6rt weiterhin mit ihren ca. 12.000, allerdings weitgehend inaktiven \u00e4lteren Mitgliedern zu den mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremistischen Vereinigungen in der Bundesrepublik Deutschland. Der 1984 als sechste Aktionsgemeinschaft gegr\u00fcndete \"Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt\" nannte sich 1986 in \"Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur\" um. Hierzu kam Ende 1986 der sog. Wahlverband \"Deutsche Volksliste\", mit dem Dr. FREY eine \"Sammlung aller nationalbewu\u00dften Deutschen\" anstrebt. 4","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die \u00fcbrigen Gruppen der extremistischen Rechten sind 1986 in NordrheinWestfalen \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung getreten. Sie beschr\u00e4nkten sich weitgehend auf das eigene Verbandsleben und die Herausgabe ihrer Publikationen. Wie in den Vorjahren waren auch 1986 eine Vielzahl von Schmieraktionen zu verzeichnen, die angesichts der verwendeten Parolen und Symbole (Hakenkreuze pp.) auf eine rechtsextremistische Motivation der meist unbekannt gebliebenen T\u00e4ter schlie\u00dfen lassen. Die vielfachen Reaktionen auf das Auftreten rechtsextremistischer Parteien und Organisationen machten 1986 deutlich, da\u00df die breite \u00d6ffentlichkeit auf das Wiederaufleben nazistischer Vorstellungen aufmerksam und kritisch reagiert. Insgesamt gesehen ging jedoch auch 1986 von den Rechtsextremisten keine unmittelbare Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung aus. 1.2 Neonazistische Gruppen 1.2.1 \"Die Bewegung\" Die Anh\u00e4ngerschaft der 1983 verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die sich in Ankn\u00fcpfung an den Sprachgebrauch der NSDAP \"Bewegung\" nennt, hat ihren personellen Zusammenhalt mit eigenen Organisationsund F\u00fchrungsstrukturen und eigenen Veranstaltungen bewahren k\u00f6nnen. Sie sieht sich als die alleinige Tr\u00e4gerin der NS-Idee und gr\u00fcndet hierauf ihren F\u00fchrungsanspruch im neonazistischen Lager. Gegen Ende des Jahres 1986 verwendete sie in Nordrhein-Westfalen intern auch wieder die Bezeichnung des 1984 gegr\u00fcndeten \"Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers (KAH)\"., insbesondere f\u00fcr Einladungen, aber auch f\u00fcr eine \"Dienstvorschrift\" des KAH. Auf einem sog. Gautreffen am 19. Juli 1986 in Grevenbroich rief der stellvertretende Organisationsleiter der \"Bewegung\", J\u00fcrgen MOSLER aus Duisburg, in einer polemisch gehaltenen Rede zum \"Kampf gegen Dekadenz\" (gemeint war die Homosexualit\u00e4t) auf und forderte den Ausschlu\u00df aller Homosexuellen. Dem gleichen Thema diente ein Flugblatt \"Der Kampf geht weiter\", in dem Homosexualit\u00e4t u. a. \"als Krankheit und als Verrat am Volk\" bezeichnet und abgelehnt wurde. Unter dem Druck dieser von der Mehrheit der Anh\u00e4nger zun\u00e4chst akzeptierten Entwicklung haben die f\u00fchrenden Funktion\u00e4re Michael K\u00dcHNEN und Thomas BREHL Konsequenzen gezogen und sind im August 1986 formell aus der \"Bewegung\" ausgetreten. J\u00fcrgen MOSLER und ein Funktion\u00e4r aus Hannover haben daraufhin die F\u00fchrung der \"Bewegung\" \u00fcbernommen. Im Impressum der bisher von Michael K\u00dcHNEN herausgegebenen \"Neuen Front\" erscheint derzeit als Herausgeber ein \"braunes Autorenkollektiv\". Seit Oktober 1986 wurden Sonderausgaben der \"Neuen Front\" (Nrn. 36 und 37) verbreitet, in denen ein Treuebekenntnis zu Michael K\u00dcHNEN abgelegt und darauf hingewiesen wurde, da\u00df viele Kameraden, so auch eine \"Kameradschaft\" aus Nordrhein-Westfalen, der neuen F\u00fchrung unter J\u00fcrgen MOSLER \"die Gefolgschaft\" verweigert haben. Dahinter stehen Bem\u00fchungen eines NSAktivisten, \"die Gesinnungsgemeinschaft Michael K\u00dcHNENs\" zu erhalten Wie 5","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 durch ein Rundschreiben des ehemaligen ANS/NA-Kameradschaftsf\u00fchrers aus Hagen vom November 1986 erg\u00e4nzend bekannt wurde, ist dieser von K\u00dcHNEN beauftragt worden, Kontakte zu allen NS-Anh\u00e4ngern herzustellen, die bereit sind, dem \"alten Chef und seiner Konzeption des revolution\u00e4ren Kampfes\" zu folgen. Zum Ende des Jahres 1986 stehen sich in der \"Bewegung\" zwei um den F\u00fchrungsanspruch ringende Gruppen gegen\u00fcber und zwar die Gruppe um MOSLER mit dem \u00dcbergewicht im norddeutschen und die Gruppe um K\u00dcHNEN mit dem \u00dcbergewicht im s\u00fcddeutschen Raum. 1.2.2 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Die Unterwanderung der FAP durch Anh\u00e4nger der \"Bewegung\" ist 1986 fortgesetzt worden. Der Kreis der Mitglieder und Anh\u00e4nger der FAP d\u00fcrfte im Landesbereich inzwischen bei ca. 170 (bundesweit bei ca. 430) Personen liegen. Er ist personell \u00fcberwiegend mit den Anh\u00e4ngern der \"Bewegung\" in NordrheinWestfalen identisch. Am 07. Juni 1986 fand in Stuttgart der erste FAPBundesparteitag statt, an dem etwa 120 Personen, darunter 89 Delegierte, teilnahmen. Die Delegierten best\u00e4tigten den bisherigen Bundesvorsitzenden Martin PAPE aus Stuttgart mit gro\u00dfer Mehrheit in seinem Amt. Der \u00fcbrige Vorstand setzt sich aus Anh\u00e4ngern der \"Bewegung\" zusammen; damit wird deutlich, da\u00df die Delegierten zwar PAPE mit gro\u00dfer Mehrheit wiederw\u00e4hlen wollten, ansonsten aber Bundesvorstand und Schiedsgericht unter den Einflu\u00df der \"Bewegung\" gebracht haben. Sie folgten damit offensichtlich einer taktischen \u00dcberlegung, im Hinblick auf ein m\u00f6glicherweise drohendes Verbotsverfahren den \"ANS/NA-unbelasteten\" PAPE im Amt zu belassen, die \u00fcbrigen Vorstandsfunktionen jedoch mehrheitlich durch Anh\u00e4nger der \"Bewegung\" zu besetzen. Bereits vor dem Parteitag war das \u00fcberarbeitete, im Hinblick auf Verbots\u00fcberlegungen die wahren Ziele verschleiernde FAP-Programm in der von PAPE herausgegebenen Zeitung \"Deutscher Standpunkt\" ver\u00f6ffentlicht worden. Es wurde en bloc mit Stimmenmehrheit angenommen. Die Programmerg\u00e4nzungen lassen einen deutlichen Antikommunismus erkennen; in der \u00f6ffentlichen Diskussion stehende Themen (Atomkraft, SDI, Umweltschutz) wurden eingearbeitet. Die FAP hat sich im Oktober 1986 an der Kommunalwahl in Niedersachsen beteiligt und dort in vier Wahlkreisen 515 Stimmen erhalten. Bei der B\u00fcrgerschaftswahl in Hamburg im November 1986 erhielt sie insgesamt 717 Stimmen. Der Beschlu\u00df, bundesweit auch zur Bundestagswahl 1987 zu kandidieren, mu\u00dfte aufgegeben werden, da die erforderlichen Unterschriften von Unterst\u00fctzern nicht beigebracht werden konnten. Nur in Bremen wurde eine Landesliste zugelassen' auf die 403 Zweitstimmen entfielen. Direktkandidaten in Niedersachsen und Baden-W\u00fcrttemberg erhielten 184 bzw. 157 Erststimmen. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen hat als mitgliederst\u00e4rkster Landesverband entscheidenden Anteil an der neonazistischen Unterwanderung der FAP. Um dem zu begegnen, enthob der FAP-Bundesvorsitzende PAPE am 11. M\u00e4rz 1986 den nordrhein-westf\u00e4lischen FAP-Landesvorsitzenden seiner Funktion und schlo\u00df ihn aus der Partei aus. Er begr\u00fcndete diese Ma\u00dfnahme 6","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 damit, da\u00df dieser mit NS-Anh\u00e4ngern zusammenarbeite und im Namen der FAP nationalsozialistisches Gedankengut verbreite. Dieses - so PAPE - sei mit dem FAP-Programm nicht zu vereinbaren. Wichtige Positionen des Landesvorstandes sind dann wieder mit ehemaligen Aktivisten der verbotenen ANS/NA besetzt worden. Der bisherige stellvertretende Landesvorsitzende und Kassenwart wurde neuer kommissarischer Landesvorsitzender. Am 19. Juli 1986 fand gleichzeitig mit dem \"Gautreffen\" der \"Bewegung\" in Grevenbroich der Landesparteitag des FAP-Landesverbandes NRW statt, an dem auch Anh\u00e4nger der FAP aus anderen Bundesl\u00e4ndern sowie Rechtsextremisten aus den Niederlanden und \u00d6sterreich teilnahmen. Wesentlicher Tagesordnungspunkt war die Wahl des Landesvorstandes. Der bisherige kommissarisch t\u00e4tige Landesvorsitzende wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Am 30. August 1986 trafen sich ca. 140 Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet in Soltau zu einem gemeinsamen \"Gautreffen\" der Landesverb\u00e4nde Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Es diente gleichzeitig als Landesparteitag des Landesverbandes Niedersachsen, um den Forderungen des dortigen Landeswahlleiters f\u00fcr evtl. Teilnahme an den Kommunalwahlen im Oktober 1986 in Niedersachsen nachzukommen. Unter den Teilnehmern befanden sich ca. 30 FAP-Anh\u00e4nger aus Nordrhein-Westfalen. Ferner nahmen der ehem. Generalmajor der Wehrmacht, Otto Ernst REMER aus Kaufbeuren, sowie der ehem. Leiter der verbotenen \"Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands / Partei der Arbeit\" (VSBD/PdA), Friedhelm BUSSE aus M\u00fcnchen, der am 22. August 1986 aus Strafhaft entlassen worden war, an dem \"Gautreffen\" teil. Auch an einem \"Gauaktionstag\" am 1. November 1986 in Hamburg, der zur propagandistischen Unterst\u00fctzung der FAP f\u00fcr die Hamburger B\u00fcrgerschaftswahlen am 8. November 1986 diente, beteiligten sich Anh\u00e4nger des FAP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. In den letzten Monaten des Jahres waren die Anh\u00e4nger des FAPLandesverbandes Nordrhein-Westfalen bem\u00fcht, die f\u00fcr eine Teilnahme an der Bundestagswahl 1987 erforderlichen Unterst\u00fctzungsstimmen zur Aufstellung der Landesliste und der Kreiswahlvorschl\u00e4ge zu erlangen. Gleichzeitig und als propagandistische Unterst\u00fctzung wurden in verschiedenen St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens Druckmaterialien (Flugbl\u00e4tter/Aufkleber) verbreitet, u. a. die Ausgabe Nr. 6 der \"FAP-Nachrichten\", in der unter der \u00dcberschrift \"Deutschland ist kein Urwald - Ausl\u00e4nder raus\" gegen die in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Gastarbeiter polemisiert sowie u. a. in Anlehnung an den 40. Jahrestag der N\u00fcrnberger Prozesse eine Gedenktafel f\u00fcr die \"am 16.10.1946 in N\u00fcrnberg ermordeten Kameraden der Reichsregierung\" ver\u00f6ffentlicht wurde. Gegen die Herausgeber sind mehrere Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Versto\u00dfes gegen SSSS 86,130 StGB anh\u00e4ngig. Zu einer bemerkenswerten Gewaltanwendung kam es am 17. Januar 1986, als ca. 20 FAP-Mitglieder aus Duisburg nach einer Veranstaltung in einer Duisburger Gastst\u00e4tte Mitglieder eines \"antifaschistischen B\u00fcndnisses\", die sich zu einer Demonstration versammelt hatten, vor dem Tagungslokal angriffen. Bei den 7","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen wurde ein Demonstrant durch den Schu\u00df aus einer Gaspistole erheblich verletzt und ein Pkw besch\u00e4digt. Die Polizei nahm neun FAP-Anh\u00e4nger fest, gegen zwei erging Haftbefehl, u. a. wegen Verdachts der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung und des Landfriedensbruches. Die Beteiligten wurden vom Landgericht Duisburg u. a. mit Haftstrafen bis \u00fcber zwei Jahre verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskr\u00e4ftig. 1.2.3 Freie Betriebszellen-Organisation (FBO) Die FBO ist der Versuch eines NS-Aktivisten und FAP-Sympathisanten, nationalsozialistische Ideen in die Betriebe zu tragen und damit ein neues Propagandafeld f\u00fcr die FAP zu schaffen. Die Organisationsbezeichnung lehnt sich an die 1931 gegr\u00fcndete \"Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation\" an, die sp\u00e4ter in der NS-Organisation \"Deutsche Arbeitsfront\" aufging. Anh\u00e4nger der FAP verbreiteten am 1. Mai 1986 in D\u00fcsseldorf am Rande der Gewerkschaftskundgebungen Flugbl\u00e4tter der FBO. Darin wurde - ohne den rechtsextremistischen Hintergrund der FBO erkennen zu lassen - zur Bildung von Betriebsgruppen unabh\u00e4ngig von den bestehenden Gewerkschaftsorganisationen aufgerufen. 1.2.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG hat sich die Aufgabe gesetzt, rechtsextremistische H\u00e4ftlinge moralisch und finanziell zu betreuen. Sie z\u00e4hlt etwa 200. Mitglieder, davon ca. 40 in Nordrhein-Westfalen. Die diesj\u00e4hrige Jahreshauptversammlung der HNG fand am 12. April 1986 in Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis) statt. Unter den etwa 60 Teilnehmern befanden sich auch ma\u00dfgebliche FAP-Funktion\u00e4re aus Nordrhein-Westfalen. Im Anschlu\u00df an eine Protestkundgebung kam es zu einem Zwischenfall, als drei HNG-Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen vier Demonstranten \u00fcberfielen und u. a. mit einer Pistole bedrohten. An einer Mitgliederversammlung am 22. November 1986 in Bad Nauheim beteiligten sich insgesamt ca. 70 Personen aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern. In einer Begr\u00fc\u00dfungsansprache bezifferte die Vorsitzende den Bestand an zahlenden Mitgliedern auf ca. 200. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat ein Ermittlungsverfahren gegen Funktion\u00e4re der HNG wegen Verdachts des Versto\u00dfes gegen SS 20 Vereinsgesetz mit Verf\u00fcgung vom 7. Jan. 1986 gegen alle Beteiligten gem. SS 170 Abs. 2 StPO eingestellt, da ein Nachweis, die HNG sei als Ersatzorganisation der verbotenen ANS/NA anzusehen, nicht erbracht werden konnte. In der Verf\u00fcgung wird festgestellt, \"da\u00df durch die HNG auch Kontakte zwischen Rechtsextremisten der verbotenen ANS/NA gef\u00f6rdert bzw. aufrechterhalten worden sind, reicht zur Begr\u00fcndung eines Vergehens im Sinne des SS 20 des Vereinsgesetzes alleine nicht aus.\" 1.2.5 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Die aus den USA operierende NSDAP-AO setzte auch 1986 den Versand ihres Propagandamaterials, darunter 2 Ausgaben \"NS-Kampfruf\", in das Bundesgebiet fort. Das Material wurde in verschiedenen Orten des Landes Nordrhein-Westfalen verbreitet. 8","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 1.3 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Ziele In einem Urteil des 1. Disziplinarsenats des Bundesverwaltungsgerichts vom 12. M\u00e4rz 1986 - 1 D 103.84 - ist erneut festgestellt worden, da\u00df die NPD eine Partei ist, die in ihren Zielen wesentliche Prinzipien der Verfassungsordnung ablehnt und bek\u00e4mpft. Das ergibt sich nach Meinung des Gerichts zwar nicht schon aus dem Programm oder der Satzung, wohl aber aus einer Zusammenfassung anderer Quellen, z. B. aus Verhalten und \u00c4u\u00dferungen von Anh\u00e4ngern, Funktion\u00e4ren und Mitgliedern, von nahestehenden oder verbundenen Organisationen oder aus nahestehenden Druckerzeugnissen bzw. aus Aufs\u00e4tzen in der offiziellen Parteizeitung \"Deutsche Stimme\". Parteiorganisation Die NPD, deren Parteivorstand seinen Sitz in Stuttgart hat, verf\u00fcgt in NordrheinWestfalen \u00fcber einen Landesverband mit Sitz in Bochum-Wattenscheid. Er gliedert sich in 6 Landesbereiche mit insgesamt 54 Kreisverb\u00e4nden. Somit geh\u00f6rt er zu den st\u00e4rksten Landesverb\u00e4nden der NPD. Die Mitgliederzahl stagniert bei ca. 1.000 (Bund: 6.100) Finanzierung Die Partei finanziert sich durch Beitr\u00e4ge und Spenden. Daneben versucht sie, \u00fcber \"Freundes-\" und \"F\u00f6rderkreise\" weitere Geldquellen zu erschlie\u00dfen. Die Stimmengewinne bei der Wahl des Europa-Parlaments 1984 und der Bundestagswahl 1987 brachten ihr erhebliche zus\u00e4tzliche Mittel aus der Wahlkampfkostenerstattung (insgesamt ca. 3,2 Millionen DM). Publikationen Als Presseorgan der NPD erscheint die \"Deutsche Stimme\". Sie wird vom Parteivorstand herausgegeben und erscheint monatlich in einer Auflagenh\u00f6he von etwa 120.000 Exemplaren. Daneben erscheinen auf allen Gliederungsebenen periodische Bl\u00e4tter und Informationsdienste. Vom Landesverband der nordrheinwestf\u00e4lischen NPD werden regelm\u00e4\u00dfig der \"NPD-Landesspiegel\" und der \"NPDOrganisationsspiegel\" sowie die Zeitschrift \"Deutsche Zukunft\" der sonst inaktiven \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" herausgegeben. Schwerpunkte der Parteiarbeit Die Parteiarbeit stand 1986 ganz im Zeichen der Vorbereitung auf die Teilnahme an der Bundestagswahl 1987. F\u00fcr den Wahlkampf wurde das Motto gew\u00e4hlt \"Dein Herz f\u00fcr Deutschlands Zukunft\". Ein Schwerpunktthema des Bundestagswahlkampfes der NPD war die Asylantenfrage. Die Partei verbreitete in gro\u00dfer Auflage ein Flugblatt mit dem Titel \"Platz f\u00fcr Asylanten!?\", in dem es u. a. hei\u00dft \"Seit die CDU/CSU/FDP unter Wende-Kanzler Kohl die Regierung stellt, hat sich beispielsweise die Zahl der Asylanten um immerhin gute 500 Prozent erh\u00f6ht. Was? Sie finden, man mu\u00df h\u00e4rter kontrollieren, schneller urteilen und die \u00fcber 70 Prozent rechtskr\u00e4ftig abgelehnten Asylbewerber unverz\u00fcglich nach Hause schicken??? Dann w\u00e4hlen Sie NPD!\". 9","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Wahlunterst\u00fctzung erhielt die Partei aus den Reihen der \"National-Freiheitlichen\". Die Wahlempfehlung deutet auf eine Ann\u00e4herung zwischen der NPD und der \"National-Freiheitlichen\" hin. Bei der Bundestagswahl am 25. Januar 1987 erhielt die NPD in NordrheinWestfalen 26.935 = 0,2 % (Bund: 182.750 = 0,5 %) Erststimmen und 41.530 = 0,4 % (Bund 227.054 = 0,6 %) Zweitstimmen. - Die nordrhein-westf\u00e4lische NPD f\u00fchrte am 4. Mai 1986 in Herne ihren Landesparteitag sowie die besondere Vertreterversammlung zur Wahl der Landesliste durch. Es nahmen ca. 200 Personen teil, unter ihnen ein Mitglied der \"Front National\" aus Frankreich. Bei der Wahl f\u00fcr Platz 1 der Landesliste Nordrhein-Westfalen konnte sich der Landesvorsitzende gegen\u00fcber dem Parteivorsitzenden Martin MU\u00dfGNUG aus Tuttlingen behaupten. - Zum Protest gegen den NPD-Landesparteitag hatten sich etwa 1.000 Demonstranten eingefunden. Bei den Auseinandersetzungen wurden 32 Personen u. a wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz, Waffengesetz, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, Beleidigung und versuchter Gefangenenbefreiung vorl\u00e4ufig festgenommen, unter ihnen NPD/JN-Anh\u00e4nger und Personen aus der linksextremistischen Szene. - Am 17. Juni 1986 fand in der Landesgesch\u00e4ftsstelle in Bochum-Wattenscheid als Ersatz f\u00fcr das traditionelle bundesweite Deutschlandtreffen eine interne Veranstaltung statt, an der ca. 50 Personen teilnahmen. - Unter der Bezeichnung \"Freundeskreis - Ein Herz f\u00fcr Deutschland\" hatte der Landesverband der nordrhein-westf\u00e4lischen NPD zu einer Feierstunde aus Anla\u00df des 200. Todestages Friedrich des Gro\u00dfen am 16. August 1986 in Minden eingeladen. Im Anschlu\u00df an eine Vortragsveranstaltung, an der ca. 70 Personen teilnahmen, legten die Anwesenden am Denkmal des Gro\u00dfen Kurf\u00fcrsten in Minden einen Kranz nieder. - Gegendemonstranten versuchten, die NPD-Veranstaltung zu st\u00f6ren. Zu Ausschreitungen kam es nicht. - Am diesj\u00e4hrigen Bundesparteitag der NPD am 8. und 9. November 1986 in Willingen (Hessen) nahmen rund 700 Personen teil, dar unter 225 Delegierte. Neuwahlen fanden nicht statt. - Die Delegierten befa\u00dften sich nicht, wie vorgesehen, mit der Beratung und der Beschlu\u00dffassung des neuen Parteiprogramms, sondern diskutierten \u00fcber die bevorstehende Bundestagswahl und die Chancen der NPD. Etwa 400 Gegendemonstranten protestierten am 8. November in Willingen gegen den NPD-Bundesparteitag; zu nennenswerten Zwischenf\u00e4llen kam es nicht. - Unter der Bezeichnung \"Aktionstag des Nationalen Rechten Blocks\" hatte die NPD anl\u00e4\u00dflich des Volkstrauertages am 16. November 1986 in Gelsenkirchen zu einer Feierstunde eingeladen. An der Kranzniederlegung am Ehrenmal in Gelsenkirchen-Buer nahmen ca. 60 Personen teil. Zu Ausschreitungen kam es nicht. 10","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN, Jugendorganisation der NPD, traten im Berichtsjahr eigenst\u00e4ndig kaum in Erscheinung. Ihre Mitgliederzahl stagniert in Nordrhein-Westfalen bei ca. 100. Am 5. April 1986 fand in Krefeld der 15. ordentliche Landeskongre\u00df mit rd. 40 Teilnehmern statt. Neuwahlen wurden nicht durchgef\u00fchrt. An dem JNBundeskongre\u00df am 6./7. September 1986 in Harsfeld/Nds. nahmen ca. 130 Personen teil, darunter Vertreter der belgischen rechtsextremistischen Organisation \"Voorpost\". Auch hier fanden Neuwahlen nicht statt. Der Kongre\u00df verlief ohne St\u00f6rungen, da der Tagungsort geheimgehalten worden war. 1.4 \"National Freiheitliche\" Um den M\u00fcnchener Verleger und Herausgeber der National-Zeitung, Dr. Gerhard FREY, hat sich in den letzten Jahren die zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Gruppierung gebildet. Dr. FREY, der mit seinen politischen Aktivit\u00e4ten auch wirtschaftliche Interessen verfolgt, schuf sich mit der Deutschen Volksunion (DVU) und den ihr zugeh\u00f6rigen Aktionsgemeinschaften * Aktion Deutsche Einheit (AKON) * Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) * Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) * Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) * Ehrenbund Rudel (ER) * Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur eine Basis von etwa 12.000 Mitgliedern (NRW: 2.500 bis 3.000). Gemessen an diesen Zahlen kommt den \"National-Freiheitlichen\" in Nordrhein-Westfalen politisch jedoch nur geringe Bedeutung zu, da es der DVU an eigener Organisation mangelt und der Mitgliederbestand zum gr\u00f6\u00dften Teil \u00fcberaltert ist. Im Rahmen einer Vortragsreihe mit einem britischen Schriftsteller hatte die DVU Veranstaltungen am 27. September 1986 in K\u00f6ln und am 28. September 1986 in Dortmund angek\u00fcndigt. W\u00e4hrend die Vortragsveranstaltung in K\u00f6ln mit ca. 120 Teilnehmern st\u00f6rungsfrei durchgef\u00fchrt werden konnte, sah sich der Verantwortliche in Dortmund gezwungen, aufgrund von Gegendemonstrationen die Veranstaltung abzusagen. Die Zeitungen Dr. FREYs - zu denen seit Jahresbeginn auch die Deutsche Wochen-Zeitung geh\u00f6rt - riefen Ende 1986 zum Beitritt in einen von ihm propagierten neuen Wahlverband \"Deutsche Volksliste\" auf, einer \"Sammlung aller nationalbewu\u00dften Deutschen\", die \"alle Patrioten und Organisationen umfa\u00dft, die eine wahrhafte Wende anstreben\". 1.5 Rechtsextremistische Jugend 1.5.1 Wiking-Jugend (WJ) Die WJ, die einer v\u00f6lkisch-mythologischen Nordlandideologie huldigt, bleibt neben den JN die mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Jugendorganisation. Ihre Mitgliederzahl hat sich 1986 gegen\u00fcber dem Vorjahr mit bundesweit ca. 380 11","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Personen nicht ver\u00e4ndert. Auch in Nordrhein-Westfalen ist der Mitgliederbestand mit 90 bis 100 Personen unver\u00e4ndert geblieben. Intern war das Jahr 1986 gepr\u00e4gt durch Auseinandersetzungen \u00fcber den k\u00fcnftigen politischen Kurs der WJ. Eine Oppositionsgruppe lehnt die vom Bundesf\u00fchrer der WJ verfolgte Politik der Zusammenarbeit mit der FAP ab. Die Auseinandersetzungen hier\u00fcber f\u00fchrten zur mehrfachen Verschiebung des \"Bundesthings\" mit der Wahl eines neuen \"Bundesf\u00fchrers\". \u00d6ffentlich ist die WJ 1986 im Landesbereich vor allem durch Aktivit\u00e4ten ihres \"Horstes\" BonnRhein-Sieg-Kreis in Erscheinung getreten. So kam es Ende Januar 1986 zur St\u00f6rung einer vom Friedensforum K\u00f6nigswinter angemeldeten Demonstration. Anfang M\u00e4rz 1986 verletzte ein Mitglied der WJ aus Bonn eine Person t\u00f6dlich und zwei weitere Personen schwer, als es sich bei einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung zwischen Angeh\u00f6rigen der \u00f6rtlichen rechtsextremistischen Szene bedroht f\u00fchlte. Im Strafverfahren wurde auf Notwehr erkannt. Im April 1986 beleidigten zwei Angeh\u00f6rige der WJ in Bonn zwei Iraner. Bei der darauffolgenden Auseinandersetzung bedrohte ein Mitglied der WJ einen Iraner mit einem Messer, w\u00e4hrend der zweite WJ-Angeh\u00f6rige den anderen Iraner durch einen Fu\u00dftritt verletzte. 1.5.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Der BHJ blieb auch 1986 in Nordrhein-Westfalen weitgehend inaktiv. Die Mitgliederzahl d\u00fcrfte bundesweit weiter bei 100 Personen liegen. Die nordrheinwestf\u00e4lische Abspaltung vom BHJ, die Gemeinschaft Volkstreuer Jugend (GVJ), trat 1986 \u00f6ffentlich nicht in Erscheinung. 1.5.3 Jugendliche Randgruppen Im Laufe des Jahres 1986 hat das Auftreten der sog. Skinheads in der \u00d6ffentlichkeit mehrfach Aufsehen erregt. Ihr aggressives Verhalten gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern und ihre vereinzelte Unterst\u00fctzung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten r\u00fccken sie in die N\u00e4he der rechtsextremistischen Szene. Insgesamt ist jedoch nur eine kleine Minderheit der Skinheads den Rechtsextremisten zuzurechnen. In Nordrhein-Westfalen kam es 1986 mehrfach zu Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und politischen Gegnern, so z. B. Anfang April bei einer Plakatierungsaktion von DKP-Angeh\u00f6rigen in Leverkusen. In Hagen verletzten Skinheads Anfang November von einer Anti-AKW-Demonstration zur\u00fcckkehrende AKW-Gegner. Bei einer Demonstration gegen ein Anfang Dezember in Hagen geplantes Skinhead-Treffen kam es zu T\u00e4tlichkeiten zwischen Skinheads und den ca. 2.000 Gegendemonstranten. 1.6 Sonstige rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten 1.6.1 Nationalistische Front (NF) Bei der 1985 gegr\u00fcndeten NF f\u00fchrten im Fr\u00fchjahr 1986 gruppeninterne Auseinandersetzungen zum Ausscheiden der M\u00fcnchener Mitgliedsgruppe. Im Sommer 1986 trat der Vorsitzende von seinem Amt zur\u00fcck. Den Vorsitz \u00fcbernahm der bisherige Generalsekret\u00e4r. 12","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Durch diese Vorf\u00e4lle hat sich der Schwerpunkt der Arbeit der NF nach NordrheinWestfalen verlagert. Der neue Vorsitzende hat in Bielefeld ein Einfamilienhaus erworben, das von den ca. 50 Mitgliedern als \"parteieigenes Zentrum\" genutzt wird. Ihre politischen Vorstellungen eines revolution\u00e4ren Nationalismus stellt die NF vor allem in Flugbl\u00e4ttern dar, die 1986 in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesgebietes verbreitet wurden. 1.6.2 Kulturund Weltanschauungsvereinigungen Die Aktivit\u00e4ten der Kulturund Weltanschauungsvereinigungen beschr\u00e4nkten sich im Berichtsjahr in der Hauptsache auf die Durchf\u00fchrung ihrer internen Veranstaltungen und die Herausgabe ihrer Publikationen. 1.6.3 Schmierund sonstige Aktionen Es sind im Berichtsjahr eine Vielzahl von Schmieraktionen mit rechtsextremistischen Parolen sowie ausl\u00e4nderfeindlichen und antij\u00fcdischen \u00c4u\u00dferungen zu verzeichnen. In den meisten F\u00e4llen konnten die T\u00e4ter nicht ermittelt werden. Ein Ende 1985 auf einen T\u00fcrken in Gladbeck ver\u00fcbter Brandanschlag konnte im Zuge der Ermittlungen wegen rechtsextremistischer Schmierereien von der Polizei aufgekl\u00e4rt werden. Die T\u00e4ter - unter ihnen ein bekannter Rechtsextremist - waren Mitglieder einer Jugendgruppe, die sich \"Bomber Zweckel\" nannte. Im M\u00e4rz 1986 wurden, wie bereits im Vorjahr, an zahlreiche Redaktionen im Bundesgebiet Exemplare des Spieles \"Jude \u00e4rgere Dich nicht\" sowie Texte volksverhetzenden Inhalts versandt. Mehrfach kam es im Berichtszeitraum zu \u00dcbergriffen und Anschl\u00e4gen gegen Ausl\u00e4nderund Asylbewerberwohnheime, so u. a. im August 1986 in Meerbusch, im Oktober 1986 in L\u00fcbbecke und CastropRauxel. Auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Bielefeld wurden im November 1986 zahlreiche Hakenkreuze und antij\u00fcdische Parolen auf Grabsteine gespr\u00fcht. Als Einzelt\u00e4ter wurde ein ehemaliger FAP-Angeh\u00f6riger aus Bielefeld ermittelt. 1.7 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Nach dem Stand vom 31. Dezember 1986 befanden sich unter den ca. 340.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt - 11 Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: 13","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die Zahl der erkannten Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst hat sich im Jahre 1986 um 2 vermindert. Dies beruht darauf, da\u00df in diesem Zeitraum die Zahl derjenigen, die erstmals als Rechtsextremisten erkannt wurden, geringer war als die Zahl derjenigen, die wegen Ausscheidens aus extremistischen Organisationen sowie jahrelanger Inaktivit\u00e4t nicht mehr als rechtsextrem einzustufen sind. 14","","\\ W V -I _e r am Werk Verleumde dach: UNSERE EHRE HEISST REU ME _. N _K\u00d6 pieN e u k e e n n t","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 17","| grundsaee | | , Programm nn 3 NK|IONALIS annBose En E BeDes Se;Tre Eu reER nee ur aus Mea | E Angu BEnepene FRes n AR= Be a Tun, -","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 2 Linksextremismus 2.1 Entwicklungstendenz Im Jahre 1986 hat sich das Gef\u00fcge des organisierten Linksextremismus nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Die Gesamtzahl der Mitglieder liegt in Nordrhein-Westfalen bei etwa 20.500. Davon entfallen auf die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) sowie auf ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen ca. 18.500, auf die Gruppierungen der sog. Neuen Linken ca. 2.000. Als Vertreterin der orthodox-kommunistischen Szene konnte die DKP ihre f\u00fchrende Rolle im linksextremistischen Spektrum behaupten. Trotz erheblicher Schwierigkeiten, neue Mitglieder dauerhaft an die Partei zu binden, gelang es ihr im Rahmen eines Wettbewerbs (sog. Ernst-Th\u00e4lmann-Aufgebot), ihre Mitgliederzahl geringf\u00fcgig zu erh\u00f6hen. Der Verzicht der DKP auf eine eigene Kandidatur zur Bundestagswahl 1987 sowie die kritiklose \u00dcbernahme der Argumentation der Sowjetunion zum Reaktorunfall in Tschernobyl l\u00f6sten heftige Diskussionen an der Partei-Basis aus und bewirkten, da\u00df bei der Wahl der Parteispitze auf dem 8. Parteitag im Mai 1986 erstmalig eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Nein-Stimmen abgegeben wurden. Mit den vom Parteitag beschlossenen \"44 Thesen\" verf\u00fcgt die Partei nunmehr \u00fcber ein politisch-ideologisches Grundsatzdokument neben dem Parteiprogramm, das Antworten auf \"neue Fragen des Kampfes f\u00fcr Frieden und Arbeit\" geben und Perspektiven f\u00fcr die weitere Entwicklung der Partei aufzeigen soll. Auch 1986 verst\u00e4rkte die DKP ihre Bem\u00fchungen, im Rahmen ihrer B\u00fcndnispolitik durch Zusammenarbeit mit demokratischen Kr\u00e4ften ihren Einflu\u00df auf deren Zielsetzung zu vergr\u00f6\u00dfern. Die Nebenorganisationen der DKP * Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) * Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) * Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) blieben auch 1986 ideologisch und politisch eng mit der DKP verbunden. In den von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen * Deutsche Friedens-Union (DFU) * Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) * Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) wirkten kommunistische Funktion\u00e4re - ebenso wie bei der an den Bundestagswahlen teilnehmenden \"Friedensliste\" - ma\u00dfgeblich an den Entscheidungen mit. Im Bereich der dogmatischen Neuen Linken konnte lediglich die MarxistischLeninistische Partei (MLPD), die in Nordrhein-Westfalen \u00fcber ca. 600 Mitglieder verf\u00fcgt, ihre Stellung behaupten. Ihre Aktivit\u00e4ten nahmen jedoch im Vergleich zum Vorjahr ab. Durch die beabsichtigte Teilnahme an der Bundestagswahl 1987 19","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 versuchte sie, vor allem ihren Bekanntheitsgrad in der Bev\u00f6lkerung zu erh\u00f6hen. Mit der Inbetriebnahme einer Parteischule (\"Arbeiterbildungszentrum\") soll die Schulung der Mitglieder intensiviert und auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Die Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) und die trotzkistische Gruppe Internationaler Marxisten (GIM) haben ihren seit langem vorbereiteten Zusammenschlu\u00df zu einer gemeinsamen \"Organisation der revolution\u00e4ren Sozialisten\" im Oktober 1986 vollzogen. Die neue Gruppierung nennt sich \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP). Die Jugendorganisationen der beiden Parteien hatten sich bereits im September 1986 vereinigt und hei\u00dfen nunmehr \"Autonome Sozialistische Jugendgruppen\" (ASJG). Sie wollen ihre Ziele unabh\u00e4ngig von der VSP verfolgen. Die \u00fcbrigen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken sind in NordrheinWestfalen nur noch sporadisch hervorgetreten. Ihnen kommt im Gesamtspektrum des Linksextremismus keine entscheidende Bedeutung zu. Der undogmatischen Neuen Linken geh\u00f6ren Gruppen und Einzelpersonen an, die sich weder in das starre ideologische Gebilde der orthodoxen Kommunisten, noch der verschiedenen Gruppen der dogmatischen Neuen Linken einbinden lassen. Neben unbedeutenden Kleingruppen dieser Richtung sind allein die militant orientierten Autonomen hervorzuheben. Ihre zentrale Forderung ist die Vernichtung der demokratischen staatlichen Ordnung. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Die DKP vertritt in der Bundesrepublik Deutschland den orthodoxen, d. h. den sowjetisch gepr\u00e4gten Kommunismus. Sie bezeichnet sich als die \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" Ihre gesamte T\u00e4tigkeit gr\u00fcndet sich unver\u00e4ndert auf den Theorien von Marx, Engels und Lenin. Auf der Basis der marxistisch-leninistischen Weltanschauung m\u00f6chte sie eine \"sozialistische Bundesrepublik\" nach dem Vorbild der DDR schaffen. Dieses Ziel hat sie in ihren vom 8. Parteitag im Mai 1986 verabschiedeten \"44 Thesen\" erneut bekr\u00e4ftigt. Als Teil der kommunistischen Weltbewegung wird die DKP von ausl\u00e4ndischen \"Bruderparteien\" unterst\u00fctzt, von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) aus der DDR angeleitet und weitgehend finanziell gef\u00f6rdert. Die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP wurde mehrmals durch h\u00f6chstrichterliche Rechtsprechung festgestellt. Parteiorganisation Die DKP verf\u00fcgt im Verh\u00e4ltnis zu ihrer Mitgliederzahl \u00fcber einen gro\u00dfen und gut ausgebauten Parteiapparat. Der Parteivorstand hat seinen Hauptsitz in D\u00fcsseldorf. Er unterh\u00e4lt in Bonn ein B\u00fcro (\"kompetente und autorisierte Vertretung\") mit den Abteilungen - Internationale Abteilung - B\u00fcndnispartner - Bundesund Landtagswahlen - Beobachtung und Analyse der Bonner Parteien. 20","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Diesem obliegt es, die DKP gegen\u00fcber den im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien sowie ihr wichtig erscheinenden Pers\u00f6nlichkeiten zu repr\u00e4sentieren. Der Parteivorstand besch\u00e4ftigt \u00fcber 100 hauptamtliche Mitarbeiter. Er leitet 12 Bezirksorganisationen im Bundesgebiet an, darunter in Nordrhein-Westfalen die Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen, bei denen - ohne Schreibund Hilfskr\u00e4fte - mindestens je weitere 30 Funktion\u00e4re in gehobenen Stellungen t\u00e4tig sind. Von den 42 Kreisorganisationen in Nordrhein-Westfalen werden als sogenannte Grundeinheiten etwa 320 Orts-, Stadtteilund Wohngebietsgruppen angeleitet, dar\u00fcber hinaus etwa 140 Betriebsund Hochschulgruppen. Mit dem vom 1. September 1985 bis 16. April 1986 unter der Bezeichnung \"ErnstTh\u00e4lmann-Aufgebot\" durchgef\u00fchrten Mitgliederwettbewerb hat die DKP nach eigenen Angaben eine deutliche Steigerung der Mitgliederzahl erreichen k\u00f6nnen. Laut Rechenschaftsbericht auf dem 8. Parteitag hatte die Partei 57.802 Mitglieder. Nach der Einsch\u00e4tzung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden liegt die tats\u00e4chliche Mitgliederzahl jedoch nur bei ca. 42.000 (1985 ca. 40.000). In NordrheinWestfalen hat die DKP ca. 12.500 Mitglieder (1985 ca. 12.000). Finanzierung Wie in den Vorjahren hatte die DKP auch 1986 finanzielle Aufwendungen, die in keinem Verh\u00e4ltnis zu ihren tats\u00e4chlichen Einnahmen standen. Indizien hierf\u00fcr sind * Vergr\u00f6\u00dferung des hauptamtlichen Mitarbeiterstammes * Unterhaltung zahlreicher, \u00fcberwiegend gut ausgestatteter Parteib\u00fcros und Schulungsst\u00e4tten * Herausgabe von Schriftmaterial in hohen Auflagen * Gro\u00dfveranstaltungen und sonstige vielf\u00e4ltige Propagandaeins\u00e4tze * die aufwendige - teilweise weltweite - Reiset\u00e4tigkeit der Funktion\u00e4re. Es ergaben sich auch 1986 Anhaltspunkte f\u00fcr Finanzzuwendungen der DDR an die DKP. Die H\u00f6he dieser Fremdmittel d\u00fcrfte weit mehr als DM 60 Millionen betragen haben. Publikationen Wichtigstes Propagandainstrument der DKP ist das Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ). Es erscheint t\u00e4glich in einer Auflage von ca. 25.000, die Wochenendausgabe in etwa 50.000 Exemplaren. Daneben werden regelm\u00e4\u00dfig als wichtigste \u00fcberregionale Schriften der \"DKP-Pressedienst\", die \"Marxistischen Bl\u00e4tter\", die \"Nachrichten\" (f\u00fcr Gewerkschaftsangeh\u00f6rige), der \"Infodienst\" (f\u00fcr DKP-Betriebs-, Wohngebietsund Hochschulzeitungen), die deutschsprachige Ausgabe der internationalen Zeitschrift \"Probleme des Friedens und des 21","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Sozialismus\", die Brosch\u00fcre \"Praxis\" (f\u00fcr die Parteiarbeit) und - unregelm\u00e4\u00dfig - die \"Landrevue\" (f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung) herausgegeben. Eine besondere Rolle nehmen die Betriebs-, Wohngebietsund Stadtteilzeitungen ein. 1986 konnten in Nordrhein-Westfalen ca. 140 Betriebsund Hochschulzeitungen sowie ca. 80 Kreisund Stadtteilzeitungen erfa\u00dft werden, die teilweise eine Auflage bis zu 15.000 Exemplaren erreichten. Die Schriften sind fast ausnahmslos in der \"Hausdruckerei\" der DKP, der Firma Plambeck & Co. in Neuss, hergestellt worden. Dort sind ca. 350 Personen besch\u00e4ftigt. Betriebsarbeit Auf den zentralen DKP-Veranstaltungen im Jahre 1986, insbesondere auf dem 8. Parteitag, wurde erneut betont, da\u00df der Betrieb das \"Hauptfeld der auseinandersetzung\" bleibt, \"weil dort der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit am unmittelbarsten wirkt\". In diesem Zusammenhang mi\u00dft die DKP dem Aufbau von Betriebsgruppen in Konzernbetrieben besondere Bedeutung zu, da sie die dort t\u00e4tige Arbeiterschaft als den \"Kern der Arbeiterklasse\" und die entscheidende Kraft f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen erachtet. Dar\u00fcber hinaus kommt es der DKP aber auch darauf an, \"im staatlichen und privaten Dienstleistungssektor, in den Zentren des Finanzkapitals, in den Banken und Versicherungen\" Grundeinheiten zu entwickeln. Trotz aller Absichtserkl\u00e4rungen konnte die DKP 1986 in Nordrhein-Westfalen ihre Basis in den Betrieben nicht nennenswert erweitern. Die Anzahl der arbeitsf\u00e4higen Betriebsgruppen sowie der Betriebszeitungen, denen die Partei im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit erhebliche Bedeutung zumi\u00dft, stagnierte. Agitationsschwerpunkte der DKP im Rahmen der Betriebsarbeit waren im Berichtszeitraum u. a. der Kampf gegen Arbeitsplatzabbau im Bereich der Stahlindustrie (bei Mannesmann, Hoesch, Krupp und Thyssen), die Unterst\u00fctzung des Kampfes f\u00fcr die 35-Stunden-Woche, die Vertiefung der betrieblichen Friedensarbeit sowie die Unterst\u00fctzung der \"Friedenliste\" im Vorfeld der. Bundestagswahlen 1987. Zur F\u00f6rderung und Koordinierung der Betriebsarbeit veranstaltete die DKP neben \u00fcber\u00f6rtlichen Konzernund Branchenberatungen ihre 2. zentrale Betriebsr\u00e4tekonferenz am 21. Juni 1986 in Duisburg mit \u00fcber 400 Teilnehmern. Am 19. November 1986 fand in K\u00f6ln mit etwa 70 Teilnehmern eine Betriebsarbeiterberatung der DKP-Bezirksorganisation Rheinland-Westfalen zu dem Thema \"Wie weiter im Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau?\" statt. Schulung Die DKP sieht in der ideologischen Arbeit, d. h. in der Verbreitung der kommunistischen Weltanschauung ein Kernst\u00fcck ihrer T\u00e4tigkeit. Zur effektiveren Vermittlung k\u00fcndigte die Partei Anfang April Neuerungen in ihrem \"Parteibildungssystem\" an. So werden in den Kreisen f\u00fcr neue Mitglieder 4- Monats-Kurse angeboten. Daneben werden die bisher vom Parteivorstand 22","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 ver\u00f6ffentlichten \"Bildungshefte\" nunmehr als Magazin herausgebracht. Kernst\u00fcck bleiben jedoch die zweimonatlich stattfindenden Bildungsveranstaltungen in den Grundorganisationen. Einen weiteren wesentlichen Beitrag leistet die parteieigene \"Karl-LiebknechtSchule\" in Leverkusen. Dort fanden im Jahr 1986 wiederum ca. 40 einw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge statt. U. a. wurden folgende Themen behandelt * \"Die Wahlkampfstrategie und B\u00fcndnispolitik der DKP\" * \"Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung'' * \"Frauenpolitik der DKP\". Zus\u00e4tzlich wurde die Schulungsarbeit der bei den Bezirksvorst\u00e4nden bestehenden \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\" intensiviert. Dar\u00fcber hinaus stehen der DKP noch folgende Schulungseinrichtungen zur Verf\u00fcgung * Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung e.V. in Frankfurt/Main * Marxistische Arbeiterbildung (MAB) in Wuppertal als Dachverband der lokalen MAB-Bildungsgruppen und der Marxistischen Abendschulen * Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau * SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Ost-Berlin und * Verein Marx-Engels-Stiftung e.V. im Marx-Engels-Zentrum in Wuppertal. Schwerpunkte der Parteiarbeit 8. Parteitag Die DKP f\u00fchrte in der Zeit vom 2. bis 4. Mai 1986 in Hamburg ihren 8. Parteitag durch. Er stand unter der Losung \"F\u00fcr eine neue Politik - Atomwaffenfreie Welt und Arbeit f\u00fcr alle\". Es nahmen 714 ordentliche Delegierte und 165 Gastdelegierte, darunter 263 ordentliche Delegierte aus Nordrhein-Westfalen teil. Auf Einladung der DKP waren rund 50 Delegationen bzw. Vertreter anderer kommunistischer Parteien, befreundeter Organisationen sowie sog. nationaler Befreiungsbewegungen aus dem Ausland erschienen. Die Delegierten w\u00e4hlten Herbert MIES aus D\u00fcsseldorf erneut zum 1. Vorsitzenden und eine Funktion\u00e4rin aus Frankfurt/Main zur stellvertretenden Vorsitzenden. Von den weiteren 92 Mitgliedern des Parteivorstandes haben 35 ihren Wohnsitz in Nordrhein-Westfalen. In seinem Bericht an den Parteitag forderte der DKPVorsitzende Herbert MIES - eine Fortsetzung des Kampfes gegen SDI 23","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 - die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und staatliche Besch\u00e4ftigungsprogramme - die Verstaatlichung der Stahlindustrie, der gro\u00dfen Banken und Versicherungen, der R\u00fcstungsund Energiekonzerne - ferner neue M\u00f6glichkeiten im Kampf um eine \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" zu nutzen. Der Parteitag verabschiedete nach \u00c4nderungen und Erg\u00e4nzungen die vom Parteivorstand im Juni 1985 ver\u00f6ffentlichten \"Thesen zum 8. Parteitag der DKP\", ein politisch-ideologisches Grundsatzdokument neben dem Parteiprogramm mit einer \"Analyse\" der allgemeinen politischen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse, insbesondere in den Staaten des westlichen Verteidigungsb\u00fcndnisses und des Ostblocks. Das neue \"Dokument\" soll die Partei in die Lage versetzen, noch wirksamer gegen die \"Rechtswende und f\u00fcr die Einleitung einer Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt zu k\u00e4mpfen\". \" Woche der DKP\" Im Mittelpunkt der bereits traditionellen \"Woche der DKP\", welche in der Zeit vom 18. bis 25. Januar 1986 stattfand, standen die Themen Frieden und Arbeit. Die politischen Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Herausgabe von Flugbl\u00e4ttern mit agitatorischen Parolen gegen die Sicherheitspolitik der Bundesregierung sowie eine Unterschriftensammlung f\u00fcr einen Appell gegen jegliche Beteiligung der Bundesrepublik am SDI. \" Internationaler Frauentag\" Unter der Losung \"Frieden verteidigen! Weltraumwaffen verhindern! Frauenrechte erk\u00e4mpfen!\" f\u00fchrte die DKP am 8. M\u00e4rz 1986 zahlreiche politische Aktionen anl\u00e4\u00dflich des \"Internationalen Frauentages\" durch. Es wurden Informationsst\u00e4nde errichtet, Flugbl\u00e4tter verbreitet, rote Nelken verteilt sowie auf Kreis-, Ortsund Stadtteilebene Veranstaltungen, zum Teil unter Mitwirkung von K\u00fcnstlern aus der DDR, durchgef\u00fchrt. In einem offenen, auf propagandistische Wirkung abzielenden Brief an die Bundesregierung forderte die DKP zur Unterst\u00fctzung der sowjetischen Abr\u00fcstungsvorschl\u00e4ge auf. 8. Bezirksdelegiertenkonferenz der DKP RuhrWestfalen \"F\u00fcr eine menschliche Zukunft k\u00e4mpfen. Ein lebenswertes Ruhrgebiet schaffen\" war die Devise, unter welcher die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen am 22. und 23. Februar 1986 in Castrop-Rauxel ihre 8. Bezirksdelegiertenkonferenz durchf\u00fchrte. An ihr nahmen 595 ordentliche sowie 55 Gastdelegierte und ca. 50 G\u00e4ste teil. Schwerpunkte der Konferenz waren die Themen Frieden und Ruhrgebietsprogramm. Bei der Wahl des neuen Bezirksvorstandes wurde der bisherige Bezirksvorsitzende erneut gew\u00e4hlt. 24","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Dem neuen Bezirksvorstand geh\u00f6ren auch weiterhin der Landesvorsitzende der JP und der Landesvorsitzende der SDAJ an. Ein weiteres Vorstandsmitglied ist gleichzeitig Mitglied des Landesvorstandes der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA). 8. Bezirksdelegiertenkonferenz der DKP Rheinland-Westfalen Die 8. Bezirksdelegiertenkonferenz der DKP-Bezirksorganisation RheinlandWestfalen fand am 1. und 2. M\u00e4rz 1986 in D\u00fcsseldorf statt. Die 248 stimmberechtigten Delegierten best\u00e4tigten den bisherigen Vorsitzenden in seinem Amt. \"Woche des realen Sozialismus\" Bundesweit f\u00fchrte die DKP in der Zeit vom 8. bis 13. September 1986 eine \"Woche des realen Sozialismus\" \u00fcber \"neue Beitr\u00e4ge der sozialistischen L\u00e4nder zur Sicherung des Friedens und zur weiteren Entfaltung der sozialistischen Gesellschaft\" durch. In allen Bundesl\u00e4ndern fanden Veranstaltungen und zahlreiche kleinere Gespr\u00e4chsrunden mit kompetenten Vertretern der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), der SED und der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) statt. In die vorgesehenen Begegnungen waren nur wenige St\u00e4dte in Nordrhein-Westfalen einbezogen worden. \"Ruhrgebietsprogramm der DKP RuhrWestfalen\" Die DKP-Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen verabschiedete Anfang Oktober 1986 das seit l\u00e4ngerer Zeit diskutierte \"Ruhrgebietsprogramm\", welches alternative energieund besch\u00e4ftigungspolitische Ma\u00dfnahmen aufzeigen soll. Zwecks \u00f6ffentlichkeitswirksamer Vorstellung f\u00fchrte sie daher in der Zeit vom 24. Oktober bis 15. November 1986 eine landesweite Kampagne unter dem Motto \"Kohle statt Atom\" mit zahlreichen Veranstaltungen im Schwerpunktbereich Ruhrgebiet durch. Bundeswahlkongre\u00df Die DKP, die auf ihrem 8. Parteitag in Hamburg (2. - 4. Mai 1986) eine Unterst\u00fctzung der \"Friedensliste\" unter Verzicht auf eine eigene Kandidatur anl\u00e4\u00dflich der bevorstehenden Bundestagswahl angek\u00fcndigt hatte, hielt am 13. September 1986 in Bottrop unter der Losung \"Der Wende ein Ende! Jede Stimme f\u00fcr den Frieden und eine neue Politik! Macht die DKP stark!\" einen Bundeswahlkongre\u00df ab. An der als Auftakt f\u00fcr den Wahlkampf geplanten Veranstaltung nahmen ca. 350 Funktion\u00e4re teil. Im Mittelpunkt des Wahlkongresses stand ein Referat des Parteivorsitzenden Herbert MIES. Als Ziel des Wahlkampfes bezeichnete er die Mobilisierung aller Kr\u00e4fte f\u00fcr die Durchsetzung einer neuen Politik. Die DKP - so MIES - geh\u00f6re zur \"Friedensliste\", die um Erststimmen werbe und dazu auffordere, die Zweitstimme f\u00fcr ein \"Ende der Wende\" einzusetzen. Delegationen aus Nordrhein-Westfalen in die DDR 25","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen entsandten im Jahre 1986 ca. 70 Delegationen in die DDR. Es handelte sich hierbei vorwiegend um Delegationen mit neuen Mitgliedern und Sympathisanten sowie Delegationen, die sich aus Funktion\u00e4ren zusammensetzten. Die Delegationen umfa\u00dften in der Regel nicht mehr als ca. 15 Personen. Die Reisen fanden auf Einladung der SED-Bezirksleitungen Halle, Leipzig und Karl-Marx-Stadt statt. Der zumeist knapp einw\u00f6chige Aufenthalt in der DDR diente der Werbung f\u00fcr den \"realen Sozialismus\". 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ ist mit etwa 15.000 Mitgliedern (NRW ca. 4.600) die st\u00e4rkste und aktivste kommunistische Jugendorganisation. Sie ist mit der DKP ideologisch und personell eng verbunden und bekennt sich in ihrer Satzung zu den sozialistischen Ideen von Marx, Engels und Lenin. Am 17./18. Mai 1986 veranstalteten die SDAJ und der MSB auf dem Gel\u00e4nde der Dortmunder Westfalenhalle das 5. Festival der Jugend. Die Veranstaltung wurde an beiden Tagen von je 150.000 \u00fcberwiegend am Kulturprogramm interessierten Personen besucht. Nach Aussage der Veranstalter waren darunter Delegationen von 61 befreundeten Organisationen aus 50 L\u00e4ndern. Die Freie Deutsche Jugend (FDJ) der DDR war durch eine Funktion\u00e4rsgruppe vertreten. Neben einem breiten Kulturund Freizeitprogramm bildeten das Solidarit\u00e4tskonzert \"Freiheit f\u00fcr Nelson Mandela\" und ein \"Antiimperialistisches Tribunal\" die H\u00f6hepunkte der Veranstaltung. Die Veranstaltung hat insgesamt die hohen Erwartungen nicht erf\u00fcllt. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) Der MSB ist der Studentenverband der DKP in der Bundesrepublik Deutschland. Er bekennt sich zum Marxismus-Leninismus. Auf dem Festival der Jugend in Dortmund im Mai 1986 beging er sein 15j\u00e4hriges Bestehen. Der MSB verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 6.000 Mitglieder (in Nordrhein-Westfalen ca. 1 .400). Sprachrohr ist die monatlich erscheinende Schrift \"rote Bl\u00e4tter\". Mit seinem Dauer-B\u00fcndnispartner Sozialistischer Hochschulbund (SHB) ist der MSB nach wie vor intensiv bem\u00fcht, Einflu\u00df nicht nur auf die studentischen Selbstverwaltungsorgane einzelner Hochschulen, sondern vor allem auf die Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) zu nehmen, um dieses Gremium als \"demokratische Plattform\" seiner eigenen orthodox-kommunistischen Politik zu benutzen. In dem im M\u00e4rz 1986 neu gew\u00e4hlten Vorstand der VDS sind u. a. je eine Vertreterin des MSB und des SHB vertreten. 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (J P) Die JP sollen die Altersklassen der 6- bis 1 4j\u00e4hrigen Kinder organisatorisch erfassen und diese unter Anwendung altersentsprechender Methoden im Sinne der orthodox-kommunistischen Ideologie indoktrinieren. Sie haben bundesweit ca. 4.000, in Nordrhein-Westfalen ca. 1.500 Mitglieder. Auch in diesem Jahr veranstalteten die JP bundesweit ihre Pfingstcamps. Nach eigenen Angaben waren daran insgesamt 4.000 Kinder beteiligt. Die 26","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Veranstaltungen standen \u00fcberwiegend unter dem Motto \"Keinen Krieg der Sterne - den Frieden haben wir gerne\"; in Nordrhein-Westfalen beteiligten sich ca. 700 Kinder. In der Zeit vom 25. Juli bis 10. August 1986 fanden in mehreren Ferienlagern in der DDR Kinderferienaktionen statt. Der bei weitem nicht kostendeckende Preis lag bei 140,DM. Aus Nordrhein-Westfalen haben ca. 1.000 Kinder teilgenommen. Die mit der der Kinderferienaktion verfolgten Ziele, St\u00e4rkung der JP und der SDAJ sowie Gewinnung der Eltern f\u00fcr die DKP, wurden auch in diesem Jahr bei weitem nicht erreicht. 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 \"Die Friedensliste\" Die als Personenund Wahlb\u00fcndnis konzipierte \"Friedensliste\" steht weiter unter ma\u00dfgeblichem Einflu\u00df der DKP. Dem neu gew\u00e4hlten Bundesvorstand geh\u00f6ren zahlreiche Mitglieder der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen an. Bereits seit Februar 1984 unterh\u00e4lt die \"Friedensliste\" in Bonn ein B\u00fcro, von dem aus der Wahlkampf zentral gesteuert wurde. Die Bundesmitgliederversammlungen der \"Friedensliste\" im M\u00e4rz und im Juni 1986 beschlossen, zur Bundestagswahl 1987 bundesweit nur mit Direktkandidaten anzutreten; Landeslisten wurden nicht aufgestellt. Im Bildungsmagazin Sonderheft 86/87 - Kommunisten, Wahlen, Wahlb\u00fcndnisse - schreibt die DKP, die zugunsten der \"Friedensliste\" auf eine eigene Kandidatur verzichtete: \"Mit der Abgabe der Erststimme f\u00fcr die Friedensliste k\u00f6nnen alle, die ein Zeichen f\u00fcr eine konsequente Friedenspolitik setzen wollen, dies demonstrativ tun, vor allem auch solche Leute, die in vielen Fragen nicht mit der SPD oder Gr\u00fcnen \u00fcbereinstimmen.\" \"Mit der Zweitstimme\", so erl\u00e4uterte die stellvertretende Vorsitzende der DKP, \"die Stimme, die \u00fcber die parteipolitische Zusammensetzung des neuen Bundestages entscheidet, wird SPD oder Gr\u00fcn gew\u00e4hlt. Diese Parteien k\u00f6nnen die Wendepolitiker abl\u00f6sen. Sie m\u00fcssen f\u00fcr eine deutliche Mehrheit k\u00e4mpfen. Diese Mehrheit ist m\u00f6glich, wenn beide Parteien nicht gegeneinander sondern gegen die CDU/CSU und FDP k\u00e4mpfen.\" In diesem Sinne hatte die 2. Parteivorstandstagung der DKP im Juni 1986 die drei Bestandteile des kommunistischen Wahlkampfbeitrages zusammengefa\u00dft: 1. Wirken Kommunisten gleichberechtigt mit anderen Kr\u00e4ften aktiv in der Friedensliste; 2. unterst\u00fctzt die DKP als Partei in allen 243 Wahlkreisen den Wahlkampf der Friedensliste, 3. wird die DKP mit eigenst\u00e4ndigen Beitr\u00e4gen ihr Profil als Arbeiterpartei entwickeln.\" 27","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die Wahlkampfarbeit f\u00fcr die \"Friedensliste\" ist fast ausschlie\u00dflich von der DKP organisiert und geleistet worden. Die Unterst\u00fctzerkreise bestanden, soweit Aktivit\u00e4ten festgestellt werden konnten, \u00fcberwiegend aus DKP-Mitgliedern, die allerdings dem Wahlb\u00fcndnis \"Friedensliste\" oft skeptisch gegen\u00fcberstanden. In Parteikreisen wurde bedauert, da\u00df die DKP nicht unter ihrem eigenen Namen zur Wahl angetreten war. Die \"Friedensliste\" hatte in Nordrhein-Westfalen in allen 71 Wahlkreisen Direktkandidaten nominiert. Hiervon waren 70 % der DKP sowie DKP-beeinflu\u00dften Organisationen zuzurechnen. Bei der Bundestagswahl hat die \"Friedensliste\" in Nordrhein-Westfalen 52.141 Erststimmen = 0,5 % erhalten. 2.4.2 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI ist ein Versuch der DKP, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und in ihrem Sinne zu lenken. Die Bundeskonferenz der DFI am 7. und 8. Juni 1986 in K\u00f6ln w\u00e4hlte einen neuen \"Zentralen Arbeitskreis\". Mehr als ein Viertel seiner Mitglieder geh\u00f6rt der DKP an. 2.4.3 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die DFU mit ihren bundesweit etwa 1.000 (NRW ca. 400) Mitgliedern, war auch 1986 wesentlicher Tr\u00e4ger der orthodox-kommunistischen \"Volksfront\"-Politik. Mit ihrem leistungsf\u00e4higen Apparat war sie ma\u00dfgeblich an der Organisation des kommunistischen \"Friedenskampfes\" - in enger Abstimmung mit der DKP - beteiligt. Sie festigte ihren Einflu\u00df in den unterschiedlichen \"Friedensb\u00fcndnissen\", so der \"Krefelder Initiative\", deren 5. Forum am 27. September 1986 in Bremen haupts\u00e4chlich von ihr organisiert wurde, und unterst\u00fctzte die Arbeit der \"Friedensliste\". 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die politischen Aktivit\u00e4ten der DFG-VK beschr\u00e4nkten sich 1986 im wesentlichen auf die Teilnahme an Veranstaltungen des linksextremistischen Spektrums. Am 8./9. November 1986 fand die Landeskonferenz der DFG-VK in Bielefeld statt. Aus dem vorgelegten Rechenschaftsbericht des Vorstandes ist ersichtlich, da\u00df immer noch eine negative Tendenz in der Mitgliederentwicklung zu verzeichnen ist. Die Wahlen f\u00fcr den neuen Landesvorstand ergaben keine bemerkenswerten Ver\u00e4nderungen. In einem Gru\u00dfschreiben an die Teilnehmer der Landeskonferenz schreibt der Kreisvorstand Bielefeld der DKP \"Unser Land mu\u00df einen anderen Weg gehen. Es braucht eine andere Politik, wenn es eine Zukunft in Frieden haben und nicht als potentielles Startfeld eines Nuklearkrieges dienen will ... Als eine politische Kraft, die sowohl in der Friedensbewegung als auch in der Arbeiterbewegung unseres Landes fest verwurzelt ist, wird die DKP beharrlich und mit ganzem Einsatz f\u00fcr diese Ziele arbeiten. Dabei ist es unser Wunsch, die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der DFGVK und ihren Mitgliedern, ungeachtet bestehender Meinungsverschiedenheiten in einer Reihe von Fragen, auch in Zukunft fortzusetzen. In diesem Sinne la\u00dft uns gemeinsam 28","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 den Ostermarsch 1987 vorbereiten. Zeigen wir gemeinsam, da\u00df Hasselbach wirklich Mut gemacht hat.\" Der Landesverband Ruhr-Westfalen der SDAJ schreibt in einem Gru\u00dfwort \"Mitglieder der SDAJ und der DFG-VK wirken zusammen in der Friedensbewegung. Sei es bei den Osterm\u00e4rschen, in Hasselbach oder in den Initiativen vor Ort. Wir werden uns nicht klein kriegen lassen, bis unser gemeinsames Ziel, eine Welt in Frieden, eine Welt ohne Waffen Realit\u00e4t geworden ist.\" Die sich bereits 1985 abzeichnende finanzielle Krise der DFG-VK konnte auch 1986 nicht behoben werden. 2.5 B\u00fcndnispolitik Die DKP und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen waren auch 1986 bem\u00fcht, die Zusammenarbeit mit nichtkommunistischen Kr\u00e4ften im Rahmen ihrer b\u00fcndnispolitischen Vorstellungen zu vertiefen. Der ma\u00dfgeblich von der DKP gef\u00f6rderte Versuch, die \"Antifaschistischen Kr\u00e4fte\" zu mobilisieren, brachte 1986 den Initiatoren nicht den gew\u00fcnschten Erfolg. Es hat sich aber gezeigt, da\u00df es der DKP gelingt, bei konkreten Anl\u00e4ssen ein gewisses Potential zu aktivieren oder bei Protestveranstaltungen demokratischer Gruppen als gleichberechtigter Partner anerkannt zu werden. 2.6 Dogmatische Neue Linke 2.6.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die MLPD bekennt sich unver\u00e4ndert zum Marxismus-Leninismus maoistischer Pr\u00e4gung. Ihr programmatisch erkl\u00e4rtes Ziel bleibt weiterhin der revolution\u00e4re Sturz der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\", wobei sie Gewaltanwendung nicht ausschlie\u00dft. Nach eigenen Angaben finanziert sich die Partei ausschlie\u00dflich aus den Beitr\u00e4gen und Spenden ihrer ca. 1.300 Mitglieder (NRW ca. 600) und ihrer Anh\u00e4nger. Hinweise auf eine Fremdfinanzierung liegen nicht vor. Von der Partei wird das Zentralorgan \"Rote Fahne\" w\u00f6chentlich in einer Auflage von ca. 10.000 Exemplaren herausgegeben. Unter Beteiligung ihrer Nebenorganisationen organisierte die MLPD am 17./18. Mai 1986 ein \"Pfingstjugendtreffen\" in Gelsenkirchen. Nach eigenen Angaben nahmen 5.000 Personen teil. Am 15./16. November 1986 f\u00fchrte die MLPD den \"1. Bundeskongre\u00df marxistisch-leninistischer Frauen\" unter Beteiligung von ca. 400 Teilnehmern in Gelsenkirchen durch Die F\u00fchrungsgremien der MLPD hatten - auch um ihren Bekanntheitsgrad zu erh\u00f6hen - bereits 1985 beschlossen, an der Bundestagswahl teilzunehmen. Es gelang, in s\u00e4mtlichen Bundesl\u00e4ndern die erforderliche Anzahl von Unterschriften 29","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 f\u00fcr die Zulassung zu den Landeslisten zu erhalten. Die Parteimitglieder aus Nordrhein-Westfalen wirkten dabei an zahlreichen Unterst\u00fctzungsaktionen im \u00fcbrigen Bundesgebiet mit. In Nordrhein-Westfalen erhielt die MLPD 3.579 Zweitstimmen (Bund: 13.821). Sie erreichte damit jeweils weniger als 0,1 %. Die Nebenorganisationen * Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) und * Arbeiterjugendverband (Marxisten-Leninisten) (AJV/M L) versuchen, die im Aufbau befindliche Kinderorganisation \"Rotf\u00fcchse\" im Sinne der marxistisch-leninistischen Lehre zu beeinflussen. 2.6.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) Die Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) und die Gruppe Internationale Marxisten (GIM) schlossen sich, nachdem die Vereinigung auf einem Sonderparteitag der KPD bzw. einer Nationalen Konferenz der GIM im Juni 1986 beschlossen worden war, am 4./5. Oktober 1986 zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) zusammen. Sie verf\u00fcgt \u00fcber ca. 600 Mitglieder und hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Ihr neues Zentralorgan ist die \"Sozialistische Zeitung\" (SoZ). Die VSP bezeichnet sich als \"kleine sozialistische Partei mit der Aufgabe, die Arbeitervorhut f\u00fcr die sozialistische Umw\u00e4lzung der Gesellschaft zu gewinnen\". Die GIM l\u00f6ste sich mit der Vereinigung auch als Sektion der trotzkistischen Vierten Internationale auf, wobei jedem ehemaligen Mitglied die individuelle Mitgliedschaft weiterhin erlaubt ist. 2.6.3 Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) Parallel zur Vereinigung von KPD und GIM schlossen sich im September 1986 auch die Jugendorganisationen der beiden Parteien, die Kommunistische Jugend Deutschlands (KJD) und die Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend - Roter Maulwurf (RSJ) zu einer gemeinsamen Gruppierung zusammen. Die neue Organisation nennt sich \"Autonome Sozialistische Jugendgruppen\" (ASJG). Eigene Aktivit\u00e4ten hat sie bisher nicht entwickelt. 2.6.4 Marxistische Gruppe (MG) Die MG mit ihrem organisatorischen Schwerpunkt in Bayern praktiziert eine nach au\u00dfen streng geheim abgeschirmte Verbandsarbeit. Sie betreibt intensive Schulungsarbeit. Daneben werden \u00f6ffentliche Veranstaltungen abgehalten. Die Beteiligung an diesen Veranstaltungen ist im Vergleich zu Vorjahren r\u00fcckl\u00e4ufig. In Nordrhein-Westfalen vertreibt die MG neben der bundesweit verbreiteten \"MSZ - Gegen die Kosten der Freiheit\" vorwiegend eine Reihe von Kleinschriften, die in der Regel an B\u00fcchertischen in Hochschulen und auf der Stra\u00dfe verteilt werden. 2.7 Undogmatische Neue Linke Undogmatische Linksextremisten vertreten kommunistisches Gedankengut, lehnen jedoch eine Bindung an die Lehren des Marxismus-Leninismus ab. Die Vielfalt ihrer aktuellen Forderungen und ihrer Zielvorstellungen erschweren eine 30","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 allgemein g\u00fcltige Definition ihrer Gruppierungen. 1986 haben sie sich insbesondere an der bundesweit organisierten Gro\u00dfdemonstration der Friedensbewegung am 11. Oktober 1986 in Hasselbach/Hunsr\u00fcck, an Aktionen der Antifaschismuskampagne und der Anti-KKW-Kampagne beteiligt. Zum Spektrum der undogmatischen Neuen Linken geh\u00f6ren auch die militanten Autonomen. Ihre Strategie ist darauf gerichtet, den demokratischen Rechtsstaat, den sie als \"Schweinesystem\" bezeichnen, zu zerschlagen und jegliche staatliche und gesellschaftliche Ordnung zu zerst\u00f6ren. Im Jahre 1986 griffen sie insbesondere den Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl auf. Sie wollten die weit verbreitete Sorge der Bev\u00f6lkerung in eine allgemeine Ablehnung des Staatswesens umfunktionieren. Zu gr\u00f6\u00dferen Anti-KKW-Veranstaltungen, bei denen militante Autonome den Ablauf ma\u00dfgeblich beeinflussen konnten, ist es in Nordrhein-Westfalen nicht gekommen. Dagegen wurde von ihnen und ihrem Umfeld in Nordrhein-Westfalen mit Nachdruck f\u00fcr eine Beteiligung an der Demonstration gegen Atomanlagen am 8. November 1986 in Hanau/Hessen geworben. In einem in der bundesweit verbreiteten Zeitschrift \"atom\", G\u00f6ttingen, Jan./Februar-Ausgabe 1987, ver\u00f6ffentlichten \"Autonomen Redebeitrag\" auf der Veranstaltung am 8. November 1986 in Hanau hei\u00dft es u. a. \"Strommasten der Atommafia zu kippen, ist ein legitimes Mittel des Widerstandes.\" Vor diesem Hintergrund wird deutlich, da\u00df offenbar militante Autonome f\u00fcr die in Nordrhein-Westfalen im Jahre 1986 ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge gegen Stromleitungsmasten verantwortlich sind. In \u00fcber 20 F\u00e4llen wurden Masten angesagt oder durch Demontage von Schrauben in Einsturzgefahr gebracht. T\u00e4ter sind bisher nicht gefa\u00dft worden. Die Aktionen werden von Kleingruppen durchgef\u00fchrt, die sich in Bekennerschreiben u. a. Namen geben wie \"Die Schreckschrauben\" oder \"Revolution\u00e4re Heimwerker\". Im Kampf gegen die Atomenergie im besonderen und gegen die demokratische Rechtsordnung im allgemeinen argumentieren sie: \"Das Atomprojekt ist ein dem Wesen des kapitalistisch-imperialistischen System immanentes Moment... Wir bereiten der Logik und den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten dieses Systems ein Ende, indem wir es zerschlagen ...\". Der Kampf gegen das \"Atomprojekt (ist) als ein Kampf gegen dieses System zu begreifen.\" \"Zu unserem Selbstverst\u00e4ndnis geh\u00f6rt es, da\u00df wir uns als Autonome nicht f\u00fcr oder gegen inhaltliche Zielsetzungen des Staates aussprechen, sondern f\u00fcr die Abschaffung des Staates \u00fcberhaupt.\" Die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt kommt in dem immer wieder verwendeten Slogan \"Feuer und Flamme f\u00fcr diesen Staat\" besonders deutlich zum Ausdruck. 2.8 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Nach dem Stand vom 31. Dezember 1936 befanden sich unter den ca. 340.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne 31","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt - 226 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: Die Zahl der erkannten Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst hat sich im Jahr 1986 um 2 erh\u00f6ht. Dies beruht darauf, da\u00df in diesem Zeitraum die Zahl derjenigen, die erstmals als Linksextremisten erkannt wurden, geringf\u00fcgig h\u00f6her war als die Zahl derjenigen, die wegen Ausscheidens aus extremistischen Organisationen sowie jahrelanger Inaktivit\u00e4t nicht mehr als linksextrem einzustufen sind. 32","\" HERi: PS","","","# DieZaitungderDXP-Wiohngebieisgruppe\"August-Bebelstrade\" [en a - Jr 1 wie Fe . = r er N et al rn et fe: rg Aeriiner 2 den Kari Lamee ara ee die Annamtisin mir diskr wur. r er Pipe n\u00e4glisbr 2 Em m run = > Ari ee lau Lat aa nlmi mir 'Er\u00e4kep a Zn r oe ram. 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Die Zahl der Straftaten Revolution\u00e4rer Zellen Rote Zora (RZ) ist in Nordrhein-Westfalen mit sechs Anschl\u00e4gen im Jahr 1986 gegen\u00fcber elf Anschl\u00e4gen im Vorjahr zwar r\u00fcckl\u00e4ufig, Nordrhein-Westfalen bildet jedoch weiterhin einen Schwerpunkt der Straftaten dieser terroristischen Vereinigungen. Durch zahlreiche Anschl\u00e4ge, die von \u00f6rtlichen terroristischen oder auf Gewalt und Sabotage ausgerichteten Kleingruppen ver\u00fcbt wurden, entstand teilweise erheblicher Sachschaden. Mit weiteren terroristischen Gewaltverbrechen ist auch in Zukunft zu rechnen. 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF) Am 9. Juli 1986 ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter in Stra\u00dflach bei M\u00fcnchen einen Sprengstoffanschlag auf das Fahrzeug des Vorstandsmitgliedes der Firma Siemens, Prof. Dr. Karl Heinz Beckurts, bei dem Prof. Beckurts und dessen Fahrer Eckhard Groppler get\u00f6tet wurden. In der N\u00e4he des Tatortes wurde ein Schreiben aufgefunden, in dem ein \"Kommando Mara Cagol\" der RAF sich der Tat bezichtigte (Mara Curcio, geb. Cagol, war die Ehefrau eines f\u00fchrenden Mitgliedes der italienischen Terrororganisation \"Brigate Rosse\"; sie verstarb im Juni 1975 nach einem Schu\u00dfwechsel mit Polizeibeamten). Am 2. August 1986 wurden in R\u00fcsselsheim die terroristische Gewaltt\u00e4terin der RAF Eva Sybille HAULE-FRIMPONG und ihre aus D\u00fcsseldorf stammenden Begleiter Luitgard HORNSTEIN und Christian Otto KLUTH festgenommen. Eva Sybille HAULE-FRIMPONG trug eine gro\u00dfkalibrige Pistole und f\u00fchrte einen verf\u00e4lschten deutschen Reisepa\u00df sowie g\u00e4nzlich gef\u00e4lschte ausl\u00e4ndische Personaldokumente mit sich. Luitgard HORNSTEIN besa\u00df Dokumente, die offenbar einer anderen, unverd\u00e4chtigen Person entwendet worden waren. Bei Christian KLUTH wurden Unterlagen sichergestellt, die auf die Aussp\u00e4hung von Personen deuteten, deren Identit\u00e4t er sich bedienen wollte. Bei anschlie\u00dfenden Durchsuchungen der Wohnungen KLUTH und HORNSTEIN in D\u00fcsseldorf wurden weitere umfangreiche schriftliche Unterlagen sichergestellt. Am Abend des 10. Oktober 1986 wurde der Ministerialdirektor im Ausw\u00e4rtigen Amt, Dr. Gerold von Braunm\u00fchl, vor seiner Wohnung in Bonn-Ippendorf von zwei unbekannten T\u00e4tern erschossen. Die T\u00e4ter hinterlie\u00dfen am Tatort ein Schreiben, in dem sich ein \"Kommando Ingrid Schubert Rote Armee Fraktion\" der Tat bezichtigt (Ingrid Schubert war Mitglied der RAF und bereits im Mai 1970 an der Befreiung Andreas Baader's in Berlin beteiligt, sie starb am 12. November 1977 in der Justizvollzugsanstalt M\u00fcnchen durch Selbstt\u00f6tung). 3.3 \"Militante\" der RAF 38","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Nach dem Mordanschlag eines RAF-Kommandos auf Prof. Dr. Beckurts und dessen Fahrer in Stra\u00dflach am 9. Juli 1986 ver\u00fcbten Militante dieser terroristischen Vereinigung seit dem 24. Juli 1986 insgesamt neun Sprengstoffanschl\u00e4ge im Bundesgebiet, davon sechs in Nordrhein-Westfalen. Sie bezeichneten sich als \"Illegale Militante\" bzw. seit 1986 als \"K\u00e4mpfende Einheit\" wobei die Schreiben, in denen sie sich ihrer Taten bezichtigten, in Inhalt und Diktion den Selbstbezichtigungen der RAF entsprachen. Dabei nahmen sie mehrfach auch Namen von get\u00f6teten ausl\u00e4ndischen Terroristen in die Gruppenbezeichnungen auf, um damit offenbar ihre Solidarit\u00e4t im Rahmen der von der RAF propagierten \"revolution\u00e4ren Front in Westeuropa als Abschnitt im internationalen Befreiungskrieg\" zu bekunden und die Entwicklung dieser Front zu f\u00f6rdern. Im einzelnen handelt es sich in Nordrhein-Westfalen 1986 um folgende Anschl\u00e4ge: - 24. Juli 1986 Aachen, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Fraunhofer-Instituts f\u00fcr Lasertechnik - 11. August 1986 Swisttal-Heimerzheim, Sprengstoffanschlag auf Einrichtungen des Bundesgrenzschutzes - 13. August 1986 Wuppertal, Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude der Firma FanalWestinghouse - 8. September 1986 K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, wobei durch die Explosion zwei Personen leicht verletzt wurden - 19. Dezember 1986 K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Deutschen Entwicklungsgesellschaft (DEG) - 21. Dezember 1986 Bad M\u00fcnstereifel, Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des KurtSchumacher-Bildungszentrums der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bei den Anschl\u00e4gen der \"Militanten\" bestand teilweise \u00dcbereinstimmung mit Tatmitteln, die bei Anschl\u00e4gen der RAF-Kommandos verwendet wurden. Den Sprengs\u00e4tzen waren zur Erh\u00f6hung der Sprengwirkung zum Teil Schrauben und Muttern (Anschl\u00e4ge in Heimerzheim und in K\u00f6ln am 8. September 1986) beigef\u00fcgt, so da\u00df anzunehmen ist, da\u00df die T\u00e4ter die Sch\u00e4digung von Personen gewollt oder doch bewu\u00dft in Kauf genommen haben. 39","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Wegen des Verdachts der Beteiligung an dem Anschlag auf Einrichtungen des Bundesgrenzschutzes in Swisttal-Heimerzheim am 11. August 1986 erlie\u00df der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof im August 1986 Haftbefehle gegen drei Personen des terroristischen Umfeldes aus Duisburg. 3.4 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) Revolution\u00e4re Zellen und deren autonome Frauengruppe Rote Zora ver\u00fcbten w\u00e4hrend 1986 in Nordrhein-Westfalen sechs Anschl\u00e4ge, wobei sie hinsichtlich der Zielrichtung und Begr\u00fcndung der Straftaten wieder an aktuelle tagespolitische Ereignisse ankn\u00fcpften. W\u00e4hrend bei den ersten beiden Anschl\u00e4gen des Jahres 1986 nochmals - wie bereits bei Anschl\u00e4gen im Jahre 1985 - die Rassenpolitik in S\u00fcdafrika sowie die Gentechnologie thematisch aufgegriffen wurden, stehen die \u00fcbrigen Anschl\u00e4ge im Zusammenhang mit der Asylantenproblematik. Im einzelnen wurden folgende Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt: - 11. Februar 1986 Bonn, versuchter Sprengstoffanschlag auf die South Africa Foundation (SAF) - 5. August 1986 M\u00fcnster, Sprengstoffanschlag auf das Institut f\u00fcr Humangenetik der Universit\u00e4t M\u00fcnster (Rote Zora) - 31. August 1986 K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf das Bundesverwaltungsamt (Ausl\u00e4nderzentralregister) - 25. September 1986 Hagen und Hamm, Sprengstoffanschl\u00e4ge auf die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden - 28. Oktober 1986 K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude der Deutschen Lufthansa. Am 28. Oktober 1986 wurde in Berlin der Leiter der dortigen Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde beim Verlassen seiner Wohnung durch gezielte Sch\u00fcsse in die Beine verletzt. In einem zweiseitigen Schreiben bezichtigten sich Revolution\u00e4re Zellen der Tat. Nach dem Anschlag auf einen Berliner Rechtsanwalt im Mai 1978 und dem Mord an dem hessischen Wirtschaftsminister Karry im Mai 1981 handelt es sich hierbei um die dritte Straftat, die gezielt gegen Menschen gerichtet ist 3.5 Terroristische Gewalttaten sonstiger Gruppen In Nordrhein-Westfalen wurden 1986 weitere terroristische Gewalttaten ver\u00fcbt, bei denen teilweise ein Bezug zur RAF und deren \"Militanten\" oder zu den 40","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 sozialrevolution\u00e4ren Zielvorstellungen der RZ deutlich wird. Folgende Ereignisse seien hier erw\u00e4hnt: - 13.Januar1986 Wuppertal, Sprengstoffanschlag auf eine Niederlassung der Firma Daimler Benz - 17. April 1986 D\u00fcsseldorf, Brandanschlag auf eine Niederlassung der Firma Telefunken - 30. Juli 1986 Wuppertal, Brandanschl\u00e4ge auf Dienstfahrzeuge der Deutschen Bundespost - 18. August 1986 Wuppertal, Brandanschl\u00e4ge auf zwei auf einem Baustellengel\u00e4nde abgestellte Baufahrzeuge - 30. September 1986 K\u00f6ln, Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude der Firma Agfa-Gevaert - 5. Dezember 1986 Bielefeld, Verhaftung eines Studenten, der einen Entwurf des Tatgest\u00e4ndnisses einer \"K\u00e4mpfenden Einheit Philipp M\u00fcller zu einem f\u00fcr den 9. Dezember 1986 geplanten Sprengstoffanschlag auf das B\u00fcrogeb\u00e4ude der Siemens AG in Bielefeld verfa\u00dft hatte. Der Entwurf des Tatgest\u00e4ndnisse s enth\u00e4lt die Forderung \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\" (Philipp M\u00fcller war am 11. Mai 1952 in Essen w\u00e4hrend der Aufl\u00f6sung einer verbotenen Demonstration t\u00f6dlich verletzt worden. Bereits 1978 hatten die RZ unter der Bezeichnung \"Gruppe Philipp, M\u00fcller der Revolution\u00e4ren Zellen\" einen Sprengstoffanschlag auf das Bundesamt f\u00fcr Zivildienst in K\u00f6ln ver\u00fcbt). 3.6 Umfeld der RAF und sonstiges terroristisches Umfeld Im Zusammenhang mit der Auff\u00fchrung des Filmes \"Stammheim\" Anfang des Jahres 1986 kam es auch in mehreren St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens zu Farbspr\u00fchereien und anderen Straftaten. So drangen in D\u00fcsseldorf mehrere vermummte Personen in ein Kino ein, zerst\u00f6rten den Film und hinterlie\u00dfen Flugbl\u00e4tter. In Bad Salzuflen drangen nachts unbekannte T\u00e4ter in ein Filmtheater ein und entwendeten zwei Filmrollen. In G\u00fctersloh st\u00f6rten Unbekannte eine Filmvorf\u00fchrung, wobei sie Flugbl\u00e4tter mit f\u00fcr die RAF werbendem Inhalt in den Zuschauerraum warfen. In der Zeit vom 31. Januar bis zum 4. Februar 1986 fand in Frankfurt/Main der Kongre\u00df \"Antiimperialistischer und Antikapitalistischer Widerstand in Westeuropa\" unter Beteiligung von Anh\u00e4ngern der RAF und Angeh\u00f6rigen des autonomen 41","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Spektrums statt. Zur Teilnahme an diesem - vom engeren RAF-Umfeld getragenen - Kongre\u00df war bundesweit mit Flugbl\u00e4ttern und auf Plakaten aufgerufen worden; in einigen St\u00e4dten, darunter M\u00fcnster, hatten Vorbereitungstreffen stattgefunden. An dem Kongre\u00df nahmen zeitweise bis zu 1.000 Personen teil, darunter auch Personen des RAF-Umfeldes sowie des autonomen, antiimperialistischen Spektrums aus Nordrhein-Westfalen. Die gesetzten Ziele - eine Vereinheitlichung des Widerstandes im nationalen Bereich und - die Erarbeitung von gemeinsamen Strukturen im internationalen Bereich sind nicht erreicht worden; vielmehr traten die Meinungsverschiedenheiten zwischen Anh\u00e4ngern der RAF und Personen des autonomen Spektrums deutlich hervor. Am 18. Juni 1986 versuchten vier Personen aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in Genua/Italien den Proze\u00df gegen die Entf\u00fchrer der Kreuzfahrtschiffes \"Achille Lauro\" durch Verlesen einer Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung zu st\u00f6ren; sie wurden am 30. Juni 1986 in einem Schnellverfahren zu jeweils drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt; gleichzeitig wurde ihre Abschiebung verf\u00fcgt. Personen des RAF-Umfeldes widmeten sich weiterhin der Betreuung von RAFH\u00e4ftlingen und wirkten damit an der F\u00f6rderung und Aufrechterhaltung der Kommunikation im RAF-Bereich mit. Au\u00dferdem setzten sie sich in Veranstaltungen sowie durch die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und terroristischen Schriften f\u00fcr die Ziele der RAF ein. Der propagandistischen Unterst\u00fctzung der RAF dient besonders die Untergrundschrift \"Zusammenk\u00e4mpfen - Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa -\", die auch in Nordrhein-Westfalen konspirativ verbreitet wird. Insgesamt erschienen 1986 drei regul\u00e4re Ausgaben sowie zwei Sondernummern dieser Schrift. Im September 1986 wurde in Nordrhein-Westfalen eine weitere aus dem terroristischen Umfeld stammende Schrift mit dem Titel \"Material zur Bedeutung der Informationstechnologie im Rahmen der imperialistischen Gesamtstrategie\" erfa\u00dft. Es handelt sich in wesentlichen um eine Sammlung von Artikeln aus verschiedenen \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Quellen zu dem o. a. Thema. Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt die Schrift auf 30 Seiten Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen, u. a. das achtseitige Tatgest\u00e4ndnis der RAF im Mordfall Beckurts. Der Zweck der Materialsammlung wird in der Einleitung wie folgt dargestellt: \"Die Offensive von Guerilla und antiimperialistischem Widerstand im Sommer 1986 hat sich als Angriff gegen aktuelle strategische Projekte dieser Formierung entwickelt und er\u00f6ffnet so die Perspektive f\u00fcr die Vertiefung und Verbreitung von revolution\u00e4rem Kampf in Westeuropa. Wir begreifen diese Materialsammlung als Beitrag f\u00fcr die Diskussion, die wir f\u00fcr die Bestimmung der n\u00e4chsten Schritte f\u00fcr n\u00f6tig halten.\" Der inhaltlichen \"Diskussion und Weiterentwicklung des Widerstandes\" dienen auch bundesweite Bestrebungen zur Einrichtung von \"lnfol\u00e4den\". \u00dcber sie sollen 42","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 auch Publikationen aus dem terroristischen Bereich und dem terroristischen Umfeld verbreitet werden. Ein solcher \"lnfo-Laden\", der \"Strukturen f\u00fcr ein(en) Austausch von Infos/Diskussionen unter/von Personen, Gruppen, Infol\u00e4den, die sich als Teil des Widerstandes verstehen\" entwickeln will, ist im Mai 1986 in Duisburg er\u00f6ffnet worden. 3.7 Terroristische und sonstige politisch motivierte Gewalttaten Die Polizeibeh\u00f6rden des Landes Nordrhein-Westfalen haben 1986 im Staatsschutzbereich folgendes registriert: Ausgef\u00fchrte Gewalttaten Insgesamt wurden 1986 (in Klammern die Zahlen des Vorjahres) 181 (111) vollendete oder versuchte Gewalttaten bekannt. 1 (2) Mord 1 (1) gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge 20 (26) Sprengstoffanschl\u00e4ge 55 (33) Brandanschl\u00e4ge 5 (-) gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahnverkehr 23 (-) Anschl\u00e4ge auf Hochspannungsmasten 35 (-) Sabotagehandlungen an Schachtsprenganlagen und Verteidigungsmitteln 41 (49) Sachbesch\u00e4digungen. Mit Ausnahme eines Falles der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge, in dem Opfer und T\u00e4ter der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6ren, sind die erfa\u00dften Gewalttaten, soweit sie sichere R\u00fcckschl\u00fcsse auf T\u00e4ter und Tatmotive zulassen, der linksterroristischen/linksextremistischen Szene zuzuordnen. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Anstieg gegen\u00fcber dem Vorjahr sind die Angriffe auf Schachtsprenganlagen und Verteidigungsmittel, die Anschl\u00e4ge auf Hochspannungsmasten und der Anstieg der Brandanschl\u00e4ge. Hauptangriffsziele der Gewalttaten waren u. a. Industrieund Wirtschaftsunternehmen, insbesondere Firmen der R\u00fcstungsbranche sowie Niederlassungen von US-Firmen und Unternehmen mit Wirtschaftsbeziehungen zu S\u00fcdafrika oder mit Beteiligungen beim Bau von Kernkraftwerken. Weitere Angriffsziele der Anschl\u00e4ge waren Banken und Sparkassen sowie Einrichtungen von Polizei, Post, Bundeswehr und Justiz. In zwei F\u00e4llen gingen durchgef\u00fchrten Sprengstoffanschl\u00e4gen unmittelbar Warnanrufe voraus. Angedrohte Gewalttaten Im Jahre 1986 wurden 374 Gewalttaten, bei denen ein politisches Motiv erkennbar war oder behauptet wurde, anonym fernm\u00fcndlich oder schriftlich angedroht. Gegen\u00fcber 1985 (483 F\u00e4lle) ist damit ein R\u00fcckgang um etwa 20 % festzustellen. In 264 F\u00e4llen handelte es sich um sogenannte Bombendrohungen, die vorwiegend gegen \u00f6ffentliche Einrichtungen, Industrieunternehmen, milit\u00e4rische Objekte, Flugh\u00e4fen/Fluggesellschaften, ausl\u00e4ndische Vertretungen, Kaufh\u00e4user, Schulen und Personen aus Politik und Wirtschaft gerichtet waren. 43","Brandanschl\u00e4ge auf zwei Baustellenfahrzeuge in Wuppertal am Brandanschl\u00e4ge auf zwei Baustellenfahrzeuge in Wuppertal am 18.8. 1986 18.2. 1995 Sprengstoffenschlag auf eine Niederlassung der Firma Daimler Sprengstolfanschl\u00e4ge auf ein Geb\u00e4ude der Firma Agfa-Gewaart in Banz in Wuppertal am 13, 1. 1988 K\u00f6ln am 30,9, 1995","nszhlag auf Sprengstoffanachlag auf das Institut f\u00fcr Humangenetik In M\u00fcnster am 5. 8. 1966 Sprengsiollanschlag auf ein Geb\u00e4ude der Firma FanalWestinghouse am 12. 8. 1986 in Wuppertal","Sprengstoffanschlag auf das Institut f\u00fcr Lasertechnik der FraurSprengstoffanschlag auf das Institut f\u00fcr Lasertechnik der Fraunhafer Gesellschaft in Aachen am 24, 7,1985 heder Gesellschaft in Aschen am 24. 71988 Sprengstoffanschlag auf das Bundesverwaltungsamt in K\u00f6ln am Sprengstoffanschlag auf 31.8. 1995 25.9, 1986","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 4 Ausl\u00e4nderextremismus 4.1 Entwicklungstendenz Gegen Ende 1986 lebten in Nordrhein-Westfalen ca. 1,35 Millionen ausl\u00e4ndische Mitb\u00fcrger. Die Zahl der Anh\u00e4nger extremistischer Organisationen mu\u00df nach neuesten Erkenntnissen auf ca. 40.000 gesch\u00e4tzt werden. Hiervon entfallen auf die T\u00fcrken etwa 17.000 (ohne Kurden). Die Zahlen machen erneut deutlich, da\u00df auch 1986 die \u00fcberwiegende Mehrheit der ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger sich nicht an extremistischen Bestrebungen beteiligt hat. Von den Organisationen der rechtsund linksextremistischen T\u00fcrken gehen weiterhin die meisten Aktivit\u00e4ten aus. Bei den extremen t\u00fcrkischen Nationalisten hat sich der Meinungsstreit um die F\u00fchrung zugespitzt. Innerhalb der islamischen Extremisten wird erstmals offen zum Sturz der t\u00fcrkischen Regierung aufgerufen. Die F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF) bleibt die mitgliederst\u00e4rkste und aktivste Vereinigung im linksextremistischen Lager; sie arbeitet wie andere orthodox-kommunistische Organisationen der T\u00fcrken mit der DKP zusammen. Die Neue Linke macht sich trotz ihrer Zersplitterung weiterhin durch sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten bemerkbar. Gemeinsame Aktionsschwerpunkte aller t\u00fcrkischer Linksextremisten sind unver\u00e4ndert u.a. der Kampf gegen das Staatswesen im Heimatland und die Agitation gegen die Bundesrepublik Deutschland. Die wesentlichen Bestrebungen unter den Kurden gehen von der linksextremistischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und ihren Nebenorganisationen aus. Wegen ihrer anhaltenden Gewaltbereitschaft (Besetzung von B\u00fcros pp., Liquidierung von Gegnern, Waffenfunde bei Anh\u00e4ngern) erfordert die PKK erh\u00f6hte Aufmerksamkeit, zumal sie inzwischen in Konfrontation auch zur t\u00fcrkischen Neuen Linken steht. Unter den Gruppen iranischer Extremisten entwickeln die Anh\u00e4nger der zum gegenw\u00e4rtigen System im Iran in Opposition stehenden Volksmodjahedin die st\u00e4rksten Aktivit\u00e4ten. Ihre Aggressivit\u00e4t gegen\u00fcber andersdenkenden Landsleuten offenbarte sich mehrfach in T\u00e4tlichkeiten. Nachdem Frankreich aufgrund seiner politischen Wiederann\u00e4herung an den Iran die Volksmodjahedin zunehmend repressiv behandelt, ist eine Zunahme der Modjahedin-Aktivit\u00e4ten in der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere in Nordrhein-Westfalen, zu beobachten. Der amerikanische Vergeltungsschlag gegen Libyen Mitte April 1986 l\u00f6ste auch in Nordrhein-Westfalen heftige Reaktionen nicht allein bei libyschen, sondern auch bei anderen extremistischen Ausl\u00e4ndern aus. Er hat zur Solidarisierung arabischpal\u00e4stinensischer Extremistenorganisationen mit Libyen gef\u00fchrt. Erstmals drohte die baskische Terrororganisation ETA auf deutschem Boden mit Anschl\u00e4gen gegen deutsche Spanienurlauber. Gewaltbereitschaft lie\u00dfen 1986 auch hier ans\u00e4ssige Iraker und Srilanker erkennen, meist ausgel\u00f6st durch Geschehnisse in den Heimatl\u00e4ndern wie dem B\u00fcrgerkrieg zwischen Singhalesen und Tamilen in Sri Lanka. 4.2 T\u00fcrken Extreme Nationalisten 47","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die F\u00f6deration der t\u00fcrkisch-demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) -T\u00fcrk-F\u00f6deration - mit Sitz in Frankfurt/Main, der in NordrheinWestfalen zahlreiche sog. Kulturoder Idealistenvereine angeh\u00f6ren, trat 1986 lediglich mit \"Folklore\"-Veranstaltungen in Erscheinung. Die Zahl ihrer Mitglieder (vereinfacht oft \"Graue W\u00f6lfe\" genannt) blieb mit etwa 2.500 (im Bundesgebiet rd. 10.000) gegen\u00fcber dem Vorjahr konstant. Zu St\u00f6rungen und Anfeindungen von linksextremistischer Seite kam es 1986 nur noch bei wenigen ihrer Veranstaltungen, so in Siegen und Remscheid. Seit Mitte Januar 1986 vertreibt die F\u00f6deration die in der T\u00fcrkei erscheinende Wochenzeitung \"YENI D\u00dcS\u00dcNCE\" (Das neue Denken). Das Blatt gilt als Sprachrohr der in der T\u00fcrkei verbotenen extremen nationalistischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP). Ihren \"Gro\u00dfen Kongre\u00df 1986\" veranstaltete die T\u00fcrk-F\u00f6deration mit nur ann\u00e4hernd 300 Besuchern Mitte Juni in N\u00fcrnberg. Der bisherige Vorsitzende wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Er ist ein enger Gefolgsmann des ehemaligen F\u00fchrers der MHP. Zahlreiche Mitgliedsvereine - darunter etwa zehn aus Nordrhein-Westfalen - boykottierten die Versammlung, weil sie mit dem Vorsitzenden nicht einverstanden sind. Wegen der neuen Leitung halten die Spannungen innerhalb der T\u00fcrk-F\u00f6deration an. Islamische Extremisten Anh\u00e4nger der Nationalen Heilspartei (MSP) Im Januar 1986 wurde die Gr\u00fcndung der F\u00f6deration Muslimischer Gemeinschaften Nordrhein-Westfalen (FMG) bekannt. Ihr Sitz befindet sich in K\u00f6ln. Ihr Vorsitzender geh\u00f6rt auch dem Vorstand der Vereinigung der neuen Weitsicht in Europa (Avrupa Milli G\u00f6r\u00fcs Teskilatlari - AMGT) an. Mitgliedsvereine sind ausschlie\u00dflich von der MSP beeinflu\u00dfte islamisch-extremistische Organisationen. Die neue F\u00f6deration erstrebt die Anerkennung des Islams als K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts. Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. In seinem Organ \"TEBLIG\" (Die Verk\u00fcndigung) vom 1. Juli 1986 ruft der in K\u00f6ln ans\u00e4ssige iranorientierte Verband erstmals offen zum Sturz der Regierung in der T\u00fcrkei auf. Das dortige Regierungssystem wird als \"Ordnung des Unglaubens\" angeprangert. Die \"widerw\u00e4rtige Demokratie\" sei eine \"Kriegserkl\u00e4rung an Gott, ein Willk\u00fcrstaat\". Orthodoxe Kommunisten F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF) \"Frieden in der Welt - Gleiche Rechte in der Bundesrepublik - Demokratie in der T\u00fcrkei\" unter diesem Motto stand der 10. Jahreskongre\u00df der - orthodoxkomunistisch beeinflu\u00dften - FIDEF im April 1986 in Essen. Unter den rund 800 Teilnehmern befanden sich Abgesandte des Parteivorstands der DKP, der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TKP) und anderer orthodox-kommunistischer ausl\u00e4ndischer Parteien. Der langj\u00e4hrige 1. Vorsitzende wurde wiedergew\u00e4hlt. Er 48","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 rief zur massiven St\u00e4rkung des \"Friedenskampfes\" auf, f\u00fcr den neuerdings auch islamische Geistliche gewonnen werden sollen. Er betonte erneut Alle FIDEFMitglieder haben die Aufgabe, aktive Gewerkschaftler zu sein\". Aus aktuellem Anla\u00df protestierten die Teilnehmer gegen den \"Angriff der USA auf Libyen\". Einen zus\u00e4tzlichen bundesweiten Kongre\u00df hielt die FIDEF am 23. August 1986 in Frankfurt/Main ab; hier wurde \u00fcber die politischen Ziele der F\u00f6deration diskutiert. Unter den rund 400 Besuchern befanden sich auch Vertreter anderer linksextremistischer Organisationen der T\u00fcrken und Kurden. Mitte November 1986 hat die FIDEF eine bundesweite Kampagne begonnen, mit der sie erneut das kommunale Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder fordert. SOL BIRLIK (Linke Einheit) Sol Birlik ist ein Aktionsb\u00fcndnis sechs orthodox-kommunistischer Parteien der T\u00fcrken und Kurden. Im Herbst 1986 trat es als \"Das Komitee f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland Linkseinheit der T\u00fcrkei und T\u00fcrkei-Kurdistans\" auf. Auf einer Veranstaltung am 15. November in D\u00fcsseldorf mit rund 800 Teilnehmern sprach die Vorsitzende der moskautreuen Arbeiterpartei der T\u00fcrkei (TIP) \u00fcber Abr\u00fcstung und SDI. Au\u00dferdem ergriff ein DKP-Vertreter das Wort. Neue Linke In Nordrhein-Westfalen sind 1986 folgende Organisationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken aktiv in Erscheinung getreten * Kommunistische Partei der T\u00fcrkei/Marxisten Leninisten (TKP/ML) Bei ihr handelt es sich um eine im Heimatland verbotene revolution\u00e4re Partei, deren Mitglieder seit langem im Bundesgebiet konspirativ wirken. * F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Die ATIF, ma\u00dfgeblich beeinflu\u00dft von der TKP/M-L, hat ihren Sitz in Duisburg. Rund 300 ihrer Anh\u00e4nger demonstrierten Ende Juni 1986 in Bonn f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des Volkskrieges in Peru\" und gegen den \"Massenmord in Peru\". Gemeint ist damit die Erschie\u00dfung von mehreren hundert H\u00e4ftlingen durch peruanische Sicherheitskr\u00e4fte kurz zuvor. * BOLSEVIK PARTIZAN Diese militante Gruppe hat sich vor einigen Jahren von der TKP/M-L bzw. von der ATIF abgespalten. 1986 trat sie vermehrt mit Flugbl\u00e4ttern in Erscheinung. Diese befa\u00dften sich u. a. mit der \"revolution\u00e4ren Tradition\" des 1. Mai, dem \"Angriff der US-Imperialisten auf Libyen\", dem Gedenken an den Gr\u00fcnder der TKP/M-L und mit der gegnerischen Arbeiterpartei Kurdistans. * F\u00f6deration der demokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (DIDF) Sie verfolgt die Ideologie der Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TDKP), die sich am albanischen Kommunismus orientiert. Gemeinsame Aktionsschwerpunkte t\u00fcrkischer Linksextremisten 49","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Kampf dem Regime im Heimatland In Flugbl\u00e4ttern aus Anla\u00df ihrer \"Freundschaftswoche\" Mitte Januar 1986 bezeichnete die FIDEF das eigene Staatswesen als \"reaktion\u00e4r\" und \"faschistisch\". Anfang M\u00e4rz 1986 wurden in Krefeld Aufkleber und Plakate der DEVRIMCI KURTULUS (Revolution\u00e4re Befreiung), einer Splitterorganisation der Neuen Linken, festgestellt. Sie erinnerten an Gesinnungsgenossen, die im \"Befreiungskampf\" gegen den t\u00fcrkischen Staat get\u00f6tet wurden. Am 12. September 1986 j\u00e4hrte sich die Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei. In K\u00f6ln demonstrierten an diesem Tage ca. 60 Anh\u00e4nger der DIDF gegen das t\u00fcrkische Regime. Am Tag danach versammelten sich in Duisburg rund 4.000 Anh\u00e4nger moskautreuer Gruppen von T\u00fcrken und Kurden sowie der t\u00fcrkischen Neuen Linken zu einer gemeinsamen zentralen Protestdemonstration. Anh\u00e4nger der ATIF besetzten am 25. November 1986 die Bundesgesch\u00e4ftsstelle der GR\u00dcNEN in Bonn, um gegen den \"faschistischen t\u00fcrkischen Staat\" zu protestieren. Am 12. Dezember 1986 besetzten mutma\u00dfliche Anh\u00e4nger der TKP/M-L bzw. ATIF einen Nebeneingang des WDR in K\u00f6ln aus Protest gegen den geplanten Besuch des t\u00fcrkischen Staatspr\u00e4sidenten EVREN in der Bundesrepublik Deutschland sowie gegen die t\u00fcrkischen Milit\u00e4raktionen gegen TKP/M-L-Angeh\u00f6rige. Aus letztgenanntem Grund drohten tags darauf in Wuppertal mutma\u00dfliche TKP/M-LSympathisanten mit einem Bombenanschlag und verbrannten eine Strohpuppe. Agitation gegen die Bundesrepublik Deutschland Auf dem FIDEF-Jahreskongre\u00df im April 1986 warf der wiedergew\u00e4hlte Vorsitzende der Bundesregierung eine Politik vor, \"die auf die Spaltung der gesellschaftlichen Opposition und das Auseinanderdividieren der deutschen und ausl\u00e4ndischen Arbeiter gerichtet ist\". Ein ATIF-Flugblatt vom April 1986 enthielt die Behauptung, der \"westdeutsche Imperialismus\" bereite \"in revanchistischer Weise den III. Weltkrieg\" vor. 4.3 Kurden Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Bei den Kurden gingen die meisten Aktivit\u00e4ten von der orthodox-kommunistischen PKK und deren Nebenorganisationen aus. Die PKK selbst operiert terroristisch. ihr wird eine Serie von Mordanschl\u00e4gen auf abtr\u00fcnnige Anh\u00e4nger und auf Gegner in linksextremistischen Gruppen der T\u00fcrken angelastet. Als Reaktion auf solche Mordf\u00e4lle und andere Gewaltakte richteten t\u00fcrkische Organisationen, insbesondere der Neuen Linken, vermehrt publizistische Angriffe gegen die PKK. Im Januar und Februar sowie im August und September 1986 inszenierten PKKAnh\u00e4nger in nordrhein-westf\u00e4lischen Gro\u00dfst\u00e4dten zahlreiche Besetzungen von B\u00fcros der SPD und des DGB, von Amnesty International, von WDR-Studios und einer Kirche. Damit protestierten sie gegen das Vorgehen der T\u00fcrkei gegen 50","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 kurdische \"Freiheitsk\u00e4mpfer\" sowie gegen die Verhaftung ihres mutma\u00dflichen Gesinnungsgenossen Faruk BOZKURT Mitte August in Hamburg. Als Symbol ihres Widerstandes gegen das t\u00fcrkische Regime feierten zahlreiche PKK-Anh\u00e4nger im M\u00e4rz 1986 in Bielefeld, Duisburg und K\u00f6ln das traditionelle kurdische Neujahrsfest (\"Newroz\"). In Duisburg, wo sich rd. 2.000 Kurden versammelten, nahm die Polizei bei Vorkontrollen zwei Besucher aufgrund Haftbefehls und drei Personen wegen illegalen Aufenthalts fest. Ferner wurden bei PKK-Anh\u00e4ngern sichergestellt: 2 Gaspistolen, 1 Trommelrevolver, 4 H\u00e4mmer, 2 Beile, 8 Messer, 2 Totschl\u00e4ger, 1 Eisenkette. Bei zwei Anh\u00e4ngern der PKK, die Anfang M\u00e4rz 1986 aus den Niederlanden nach Nordrhein-Westfalen einreisten, wurden drei Pistolen nebst Munition gefunden. F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereine Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-KURDISTAN) Mit dieser Nebenorganisation, die ihre Zentrale in Bonn hat. entfaltet die PKK im Bundesgebiet ihre \"legalen\" Aktivit\u00e4ten. FEYKA-KURDISTAN organisierte Ende Mai 1986 in Bonn eine zentrale Kundgebung gegen \"Hinrichtungen, Folter, Massaker... in der T\u00fcrkei\". Unter den 3.200 Teilnehmern befand sich eine Gruppe von ca. 100 deutschen \"Autonomen\", die sich offenbar mit der PKK solidarisieren. FEYKA-KURDISTAN war ferner Veranstalterin einer Demonstration von ca. 2.600 PKK-Anh\u00e4ngern Anfang September 1986 in K\u00f6ln gegen den Milit\u00e4rputsch und das Staatswesen in der T\u00fcrkei sowie einer bundesweiten Zusammenkunft mit rd. 4.000 Teilnehmern am 20. Dezember 1986 in Hannover zum 9. Gr\u00fcndungstag der PKK. Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) Von der PKK ist diese weitere Nebenorganisation geschaffen worden, um den kurdischen \"Befreiungskampf\" gegen\u00fcber der T\u00fcrkei zu b\u00fcndeln. In der Septemberausgabe 1986 des \"Kurdistan-Report\", des in K\u00f6ln erscheinenden deutschsprachigen Organs der ERNK-Europavertretung wird die Reise des Bundespr\u00e4sidenten in die T\u00fcrkei als ein Versuch zur Legitimation des 12. September-Regimes\" bezeichnet. (Am 12. September 1980 \u00fcbernahm das Milit\u00e4r die Macht in der T\u00fcrkei). Solidarit\u00e4tskomitee Faruk BOZKURT Mit einer Demonstration Mitte Oktober 1986 in Bonn und mit der Besetzung des B\u00fcros des UNO-Fl\u00fcchtlingskommissars in Bonn Mitte November 1986 forderte das - vermutlich von PKK-Anh\u00e4ngern gebildete - Komitee die Freilassung des seinerzeit in Hamburg inhaftierten Kurden Faruk BOZKURT. Dieser stand im Verdacht, im Auftrag der PKK einen Sprengstoffanschlag auf das t\u00fcrkische Generalkonsulat in Hamburg geplant zu haben. Von der PKK-Europavertretung wurde dies als \"Komplott\" des t\u00fcrkischen Generalkonsulats und der Hamburger Polizei gegen die PKK bezeichnet. Sonstige kurdische Vereinigungen 51","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Neben der PKK ist die ebenfalls orthodox-kommunistische F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) die bedeutendste Organisation der Kurden. Sie veranstaltete ihr \"Newroz-Fest\" im M\u00e4rz 1986 am Vereinssitz K\u00f6ln. F\u00fcr eine von 10 linksextremistischen T\u00fcrkenund Kurdenvereinigungen getragene Kampagne \"Schlu\u00df mit der Folter und den Hinrichtungen!\" fungierte sie im Fr\u00fchjahr 1986 als Kontaktadresse. Auch andere extremistische Organisationen der Kurden wandten sich seit August 1986 mit Besetzungen, Demonstrationen, Flugbl\u00e4ttern, Presseerkl\u00e4rungen usw. gegen t\u00fcrkische Luftangriffe Mitte August 1986 auf kurdisches Siedlungsgebiet im Irak. Unter anderem besetzten Anh\u00e4nger eines kurdischen Studentenkomitees in Dortmund ein t\u00fcrkisches Reiseb\u00fcro. 4.4 Iraker Die regimefeindliche Islamische Union Irakischer Studenten (IUIS) rief zu einer Demonstration Mitte April 1986 in Bonn auf. Neben Irakern beteiligten sich auch Afghanen und khomeinitreue Iraner. Die Teilnehmer forderten, das HUSSEIN-Regime im Irak zu beseitigen und durch einen islamischen Staat nach iranischem Muster zu ersetzen. 4.5 Iraner Union der Islamischen Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) Die einzige khomeinitreue unter den Gruppen extremistischer Iraner ist die U.I.S.A. mit Sitz in Aachen. Ihr steht eine Reihe regimefeindlicher Organisationen mit unterschiedlichen Ideologien gegen\u00fcber. TUDEH-Partei Irans Seit Januar 1986 gibt die \"Sektion BRD\" der moskautreuen, im Iran seit 1983 verbotenen TUDEH-Partei das \"TUDEH-Bulletin\" heraus. Das monatlich erscheinende Blatt will \u00fcber die komplexen politischen Zusammenh\u00e4nge im Heimatland und \u00fcber die Standpunkte der TUDEH-Partei informieren. Zum 45. Jahrestag ihrer Gr\u00fcndung veranstaltete sie am 28. Oktober 1986 eine Feier in K\u00f6ln-Zollstock. Als Hauptredner trat der DKP-Vorsitzende MIES auf. Er machte die Regierung der LISA \"mitschuldig am Tod tausender Iraner\" im Golfkrieg. Der TUDEH-Partei bescheinigte er, sie sei eine Partei \"des klaren Blickes und aufrechten Ganges vor dem eigenen Volk und der ganzen internationalen Arbeiterbewegung\". Organisation der Volksfedayin Irans (Mehrheit) Im Februar 1986 feierte diese orthodox-kommunistisch ausgerichtete Gruppe in Bochum den 15. Jahrestag ihrer Gr\u00fcndung. Ein Sprecher erkl\u00e4rte, die MehrheitFedayin wollten alle Formen des Volkswiderstandes verst\u00e4rken. Er wies vor den rd. 1.000 Veranstaltungsteilnehmern darauf hin, da\u00df die Organisation eng mit der TUDEH-Partei zusammenarbeite und in der Bundesrepublik Deutschland mit der DKP kooperiere. Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung e.V. (I.M.S.V.) In der I.M.S.V. mit Sitz in K\u00f6ln sammeln sich die Anh\u00e4nger der islamischmarxistischen Volksmodjahedin, einer international t\u00e4tigen Widerstandsgruppe. 52","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Die Organisation verf\u00fcgt neuerdings in K\u00f6ln \u00fcber ein \"Sekretariat f\u00fcr internationale Beziehungen\"; seit Herbst 1986 unterh\u00e4lt sie in K\u00f6ln auch ein \"Kulturzentrum\". Nieder mit KHOMEINI - Es lebe RADJAVI!\" so protestierten im Februar 1986 in der Bonner Innenstadt ca. 1.200 Anh\u00e4nger der 1.M.S.V. gegen ihr Heimatregime. Eine weitere zentrale I.M.S.V.-Demonstration gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran fand mit rd. 1.500 Teilnehmern im Juni 1986 in Bonn statt. \u00c4u\u00dferer Anla\u00df hierf\u00fcr war der f\u00fcnfte Jahrestag der Flucht des ehemaligen Staatspr\u00e4sidenten BANI-SADR und des F\u00fchrers der Volksmodjahedin, Massoud RADJAVI, aus dem Iran. 1986 offenbarte sich die zunehmende Gewaltbereitschaft der Volksmodjahedin gegen\u00fcber anderen oppositionellen Gruppen. So kam es Mitte April in M\u00fcnster zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung mit Anh\u00e4ngern der Volksfedayin (Minderheit), einer Organisation der Neuen Linken. Ein Volksfedayin, der in der Universit\u00e4tsmensa einen B\u00fcchertisch betrieb, wurde beschimpft und geschlagen. Etwa 3.000 Anh\u00e4nger nahmen an einer I.M.S.V.-Veranstaltung am 9. November 1986 in K\u00f6ln M\u00fclheim teil. Dabei warben Mitglieder des Exekutivkomitees der Volksmodjahedin Freiwillige f\u00fcr den aktiven Kampf an der Front gegen das KHOMEINI-Regime auf Seiten des Irak. Mehrere Veranstaltungsteilnehmer meldeten sich spontan. Auf Beschlu\u00df des Amtsgerichts M\u00fcnchen wurden am 12. Dezember 1986 in K\u00f6ln B\u00fcror\u00e4ume der 1.M.SV. und die Wohnung ihres 1. Vorsitzenden durchsucht. Letzterer war tags zuvor mit weiteren 20 1.M.S.V.Anh\u00e4ngern in M\u00fcnchen festgenommen worden. Die Iraner sollen dort versucht haben, durch Vorf\u00fchren von Videofilmen zu Sabotageakten anzustiften. Bei den Durchsuchungen in K\u00f6ln fand die Polizei zahlreiche Propagandaschriften und Videokassetten; ein Iraner wurde vorl\u00e4ufig festgenommen. Iranische Studentenorganisation in der BRD und West-Berlin, Sympathisanten der Guerillaorganisation der Volksfedayin Irans (0.I.P.F.G.) In einem Flugblatt nennt die 0.1.P.F.G., eine Gruppe der Neuen Linken, die Bundesregierung \"Komplizen m\u00f6rderischer Regime\" und behauptet, es sei im Interesse der Bundesregierung, an den Asylbewerbern Geld zu sparen, genauso \"wie an allen Menschen gespart wird, die ... aus dem kapitalistischen Produktionsproze\u00df herausgefallen sind ...\". Das gesparte Geld werde \"direkt in die menschenfeindlichen ... Projekte der Kapitalisten\" wie z. B. \"SDI-Programm und die Atomwirtschaft\" gesteckt. Auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 1986 betrieben Angeh\u00f6rige der 0.J.P.F.G. einen B\u00fccherstand. Sie wurden von Regimebef\u00fcrwortern angegriffen und verletzt. Die herbeigerufene Polizei nahm insgesamt f\u00fcnf Tatbeteiligte fest. Als \"Rache f\u00fcr Frankfurt\" versuchten am 8. Oktober ca. 100 iranische Demonstranten, die deutsche Botschaft in Teheran zu st\u00fcrmen. Die in Frankfurt/Main festgenommenen KHOMEINI-Anh\u00e4nger, alle wohnhaft in Bonn, hatten schon am Tage vor den \u00dcberf\u00e4llen ihre politischen Gegner ausgesp\u00e4ht und fotografiert. Sie wiesen sich als private Angestellte des iranischen Attaches in Bonn aus. 4.6 Srilanker Im Mai 1986 verteilte die radikale Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in Bonn Flugbl\u00e4tter. Darin schilderte sie Greueltaten der gegnerischen singhalesischen 53","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Regierung und rief die deutsche Bev\u00f6lkerung zur Unterst\u00fctzung ihres Kampfes f\u00fcr einen eigenen Staat im Norden Sri Lankas auf. Das Flugblatt endet Jamil Eelam ist der Durst der Tiger\". Wie schon im Februar warnte die LTTE auch im Herbst 1986 auf deutschsprachigen Plakaten deutsche Touristen, nach Sri Lanka zu fahren. Durch einen Urlaub auf der Insel werde die \"singhalesische Regierung unterst\u00fctzt\"; mit den Devisen k\u00f6nne sie mehr Waffen f\u00fcr das \"rassistische Massaker am tamilischen Volk\" importieren. Da die \"Tiger\" zu jeder Zeit jeden Ort in Sri Lanka angreifen k\u00f6nnten, riskiere jeder deutsche Urlauber somit auch sein \"eigenes Leben\". Wegen des Verdachts, eine kriminelle Vereinigung von bundesweiter Bedeutung zu bilden, f\u00fchrte die Polizei am 11. Dezember 1986 in Baden-W\u00fcrttemberg, und Nordrhein-Westfalen Exekutivma\u00dfnahmen gegen die \"Milit\u00e4rabteilung\" der LTTE durch. Bei der Durchsuchung von insgesamt 17 Wohnungen (6 davon in Nordrhein-Westfalen) wurden 7 Schu\u00dfwaffen, Munition, diverse Schlagund Stichwerkzeuge sowie Adressen, Ausweise, Geldsammellisten und zahlreiches Propagandamaterial beschlagnahmt. Vier Tamilen wurden festgenommen, einer von ihnen in Gummersbach. Die LTTE steht im Verdacht, im Bundesgebiet Landsleute unter Gewaltandrohung zu Geldzahlungen f\u00fcr ihre \"K\u00e4mpfer\" in der Heimat zu erpressen. 4.7 Libyer und Pal\u00e4stinenser General-Studentenunion der Sozialistischen Libyschen Arabischen Volksjamahirija in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (GUSJ) Die regimetreue GUSJ mit Sitz in Bochum rief f\u00fcr Ende M\u00e4rz 1986 zu einer Demonstration nach Bonn. 250 Teilnehmer protestierten gegen das Einfahren amerikanischer Kriegsschiffe in die Gro\u00dfe Syrte. Ihre Transparente lauteten \"Wir sind bereit zu sterben in Verteidigung des Syrte Golf\" - \"USA sind F\u00fchrer des internationalen Staatsterrorismus\". Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) Anh\u00e4nger der orthodox-kommunistischen DFLP verteilten Mitte April 1986 nach der amerikanischen Bombardierung libyscher St\u00e4dte w\u00e4hrend einer Gro\u00dfkundgebung in Bonn Flugbl\u00e4tter, in denen es hei\u00dft \"Der Imperialismus, Israel und die arabische Reaktion verstehen nur praktische Schritte in der Weise, da\u00df mit doppelter M\u00fcnze heimgezahlt wird\". Die Araber werden aufgefordert, \"alle Anstrengungen zum Widerstand gegen die amerikanisch-imperialistische Aggression und zur Zerschlagung ihrer Interessen in der Region zu vereinigen\". Pal\u00e4stinensische Nationale Befreiungsbewegung - FATAH - Siegen Unter dieser Bezeichnung verbreiteten Siegener ARAFAT-Anh\u00e4nger im November 1986 eine Flugschrift, die sich mit der derzeitigen Lage des pal\u00e4stinensischen Volkes befa\u00dft. Darin werden die arabischen Regimes - insbesondere Syrien - wegen angeblicher pal\u00e4stinenser-feindlicher Politik angegriffen. 4.8 Jugoslawen 54","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Vereinigte Kroaten In Deutschland e.V. (UHNj) Eine zentrale \"Antonius-Gedenkveranstaltung\" - fr\u00fcher \"Tag der kroatischen Streitkr\u00e4fte\" genannt - fand Mitte Juni 1986 in Recklinghausen statt. Sie wurde von der UHNj organisiert, die einen selbst\u00e4ndigen Staat in Jugoslawien anstrebt. Kroatischer Nationalrat (HNV) Mit einer Mahnwache demonstrierte der HNV am 29. November 1986 in Bonn gegen \"Menschenrechtsverletzungen in Jugoslawien\". Er bef\u00fcrwortet die Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt im Heimatland zur Errichtung eines selbst\u00e4ndigen kroatischen Staates. 4.9 Spanier Im Juni 1986 gingen bei der Deutschen Lufthansa in Bonn und London sowie bei B\u00fcros ausl\u00e4ndischer Flugunternehmen im Bundesgebiet Drohschreiben der baskischen Separatistenorganisation EUZKADI TA AZKATASUNA (ETA) ein. Darin k\u00fcndigte die ETA Anschl\u00e4ge in den Touristenzentren Spaniens an, um die spanische Wirtschaft zu sch\u00e4digen und auch auf diese Weise die Zentralregierung in Madrid zu bek\u00e4mpfen. 55","SITE E: -. in Fi!m EAhFHKSsaUrjyeiln PI|N 13.SEPTEMIEN.1996,11,00Uhr,DUBSEUTESBergplate EI: Tr Er | AVAUFATIA DEU-GENG,EIRLIK YOLU. DIBAF,DEVRIMCIKURTULUS, DEF,GERGER-ADK,SUCHEN. ISCIGERCE\u00d6I.KKDK, KOMKAR.KURDKOM Fi Uners\u00e4tzer.DEYRIMCHISEN,KORDESTANLIDEURN E NEiHlhDr | 1 ajiii na if","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 5 Spionageabwehr 5.1 Entwicklungstendenz Die Nachrichtendienste der Ostblockstaaten richteten ihre geheimdienstlichen Aktivit\u00e4ten auch im Jahre 1986 mit unver\u00e4nderter Intensit\u00e4t auf f\u00fcr sie interessante Ziele in der Bundesrepublik Deutschland. Bevorzugtes Operationsgebiet war und ist dabei das bev\u00f6lkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen, da hier - die Bundesregierung und die meisten diplomatischen sowie konsularischen Vertretungen ihren Sitz haben - bedeutende Unternehmen und z. T. weltweit anerkannte Forschungsst\u00e4tten ihren Wirkungskreis besitzen sowie - wichtige milit\u00e4rische Einrichtungen der Bundeswehr und der NATO angesiedelt sind. F\u00fcr die Regierungen des Ostblocks bleibt die Arbeit der \"Kundschafter des Friedens\", wie ihre Agenten im dortigen Sprachgebrauch genannt werden, unverzichtbarer Bestandteil ihrer Politik. Am aktivsten haben sich wiederum die Nachrichtendienste der DDR, das sind die Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) und die Verwaltung Aufkl\u00e4rung des Ministeriums f\u00fcr Nationale Verteidigung (MfNV), mit mehr als 50 % der erkannten Auftr\u00e4ge in Nordrhein-Westfalen gezeigt. An zweiter Stelle steht die CSSR gefolgt von Polen, der UdSSR und Ungarn. Der geringe Anteil der sowjetischen Auftr\u00e4ge bedeutet nicht, da\u00df sich die Sowjetunion in ihren Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen zur\u00fcckhaltender gibt; vielmehr ist sie Nutznie\u00dfer der nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeiten der \u00fcbrigen Ostblockl\u00e4nder. Da es f\u00fcr das MfS unproblematischer ist, seine Agenten zu tarnen - gleiche Sprache und Kulturkreis erweisen sich dabei als unsch\u00e4tzbarer Vorteil - greifen die Nachrichtendienste der Sowjetunion zus\u00e4tzlich auf die von den Satelliten-Nachrichtendiensten gewonnenen Erkenntnisse zur\u00fcck. Die durch den \u00dcbertritt des ehemaligen Referatsgruppenleiters im BfV TIEDGE entstandenen Sch\u00e4den konnten, nicht zuletzt durch erh\u00f6hten Personaleinsatz, in Grenzen gehalten werden. 5.2 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen Neben der politischen Spionage und der Spionage auf dem Gebiet der Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung (illegale Technologiebeschaffung) bildete die Spionage gegen die Bundeswehr und ihre NATO-Partner (Milit\u00e4rspionage) das Hauptangriffsziel gegnerischer Aktivit\u00e4ten. 5.3 Politische Spionage Die zur politischen Spionage geh\u00f6renden Bereiche sind vielf\u00e4ltig. Hier geht es nicht allein um das Aussp\u00e4hen etwaiger politischer Absichten, sondern auch darum, Agenten in die verschiedensten Positionen bei politischen und 57","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 gesellschaftlichen Institutionen einzuschleusen, um Einflu\u00df auf den unterschiedlichsten Ebenen auszu\u00fcben (Einflu\u00dfagenten). Von besonderem Interesse sind neben den obersten Bundesbeh\u00f6rden die Sicherheitsbeh\u00f6rden (wie Polizei, Bundesgrenzschutz und Verfassungsschutz), die obersten Landesbeh\u00f6rden, Regierungspr\u00e4sidien, Gemeinden, Kreise sowie Parteien und Vereine von \u00fcbergeordneter Bedeutung, wie z.B. der T\u00dcV. Zielobjekte sind auch Exilverb\u00e4nde, Landsmannschaften und Einrichtungen wie \"Hilferufe von dr\u00fcben\". 5.4 Illegale Technologiebeschaffung durch Nachrichtendienste der Staaten des Warschauer Paktes Die Staaten des Warschauer Paktes, allen voran die UdSSR und die DDR. ersparen ihren Volkswirtschaften j\u00e4hrlich Milliardenbetr\u00e4ge an Forschungsund Entwicklungskosten, indem sie sich westliche Technologie illegal mit geheimdienstlichen Methoden beschaffen. Vorrangiges Interesse gilt der milit\u00e4rischen und der sowohl milit\u00e4risch als auch zivil nutzbaren Technologie. Absoluten Vorrang hat dabei immer der milit\u00e4rische Nutzen, von der Logistik bis zum strategischen Marschflugk\u00f6rper. Bemerkenswert ist, da\u00df \u00f6stliche Waffensysteme zu erheblichen Teilen auf westlicher Technologie basieren. Die Beschaffungsziele werden zentral vom Politb\u00fcro des Zentralkomitees der KPdSU festgelegt und unter Federf\u00fchrung des sowjetischen Nachrichtendienstes - Komitee f\u00fcr Staatssicherheit (KGB) - von nachrangigen Staatsorganen im Rahmen bestehender M\u00f6glichkeiten erf\u00fcllt. Zu diesen Staatsorganen geh\u00f6ren neben dem KGB und der Hauptverwaltung f\u00fcr Erkundung als milit\u00e4rischer Nachrichtendienst (GRU) - das Staatskomitee f\u00fcr Wissenschaft und Technologie (GKNT) - das Ministerium f\u00fcr Au\u00dfenhandel - die Akademie der Wissenschaften - das Staatskomitee f\u00fcr Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland (G.KES) - sowie die Milit\u00e4r-Industrielle Kommission (VPK), Dachorganisation f\u00fcr die wehrtechnisch interessanten Produktionsbereiche Luftfahrt, Elektronik, Schiffsbau u. a. Unter der Vorherrschaft des KGB wirken die kommunistischen \"Br\u00fcderl\u00e4nder\" an der Erf\u00fcllung der Zielvorgaben der KPdSU mit. In der Praxis werden die Beschaffungsw\u00fcnsche aus dem Lager des \"real existierenden Sozialismus\" in der Bundesrepublik Deutschland auf mannigfaltige Weise festgestellt. Zur Erl\u00e4uterung sind folgende Beispiele angef\u00fchrt - Da gibt es den Kaufmann K. aus K., der nach genau definierter Milit\u00e4rtechnik, nach Mikrowellenempf\u00e4ngern, Computern und Druckern suchte, sich dabei zur Tarnung des Fernschreibers eines Freundes bediente und potentiellen Lieferanten ein in der Schweiz hinterlegtes Akkreditiv der Narodny-Bank 58","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 (Tochtergesellschaft der sowjetischen Au\u00dfenhandelsbank) in Aussicht stellte. Die inzwischen ausgewiesenen Auftraggeber des Kaufmanns K. geh\u00f6rten der sowjetischen Handelsvertretung (SHV) in K\u00f6ln an. - Da gibt es ferner den Kaufmann J., der nach anf\u00e4nglich legalen Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit der DDR in die F\u00e4nge des MfS geriet und jahrelang f\u00fcr die DDR und die UdSSR Milit\u00e4rtechnologie geliefert hat und schlie\u00dflich wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit bestraft worden ist. - Beispielhaft ist auch der Fall des Verkaufsleiters B. eines ElektronikHandelsunternehmens aus dem Ruhrgebiet, dem das Verhalten seiner sowjetischen Gesch\u00e4ftspartner eigenartig geheimnisvoll erschien und der schlie\u00dflich erkannte, da\u00df er zum Zwecke des illegalen Technologietransfers in eine nachrichtendienstliche Abh\u00e4ngigkeit man\u00f6vriert werden sollte. Der Auftraggeber war ein inzwischen verurteilter und ausgetauschter Mitarbeiter der SHV in K\u00f6ln. Die Beispiele der sogenannten \"H\u00e4ndleragenten\" lie\u00dfen sich fortsetzen. Die Entwicklung l\u00e4uft, wenn nicht von Anfang an eine illegale Anbahnung vorliegt, durchweg \u00fcber eine noch legale Anbahnungsphase in den Bereich der Illegalit\u00e4t hinein, wobei die Fortsetzung der Gesch\u00e4ftsbeziehung von der Erf\u00fcllung gewisser Auftr\u00e4ge abh\u00e4ngig gemacht wird oder \u00fcberh\u00f6hte Gewinnspannen in Aussicht gestellt werden. Als Anbahnungsgelegenheit werden z. B. Messen, Inserate, ver\u00f6ffentlichte wissenschaftliche Abhandlungen, Symposien, touristische Reisen und Familienbesuche genutzt. Insbesondere gef\u00e4hrdet sind kapitalschwache Jungunternehmer. Neben den \"H\u00e4ndleragenten\" worden zur technologischen Ausforschung der Bundesrepublik Deutschland Personen mit nachrichtendienstlichem Auftrag in Bereiche der Wissenschaft und Forschung eingeschleust. Nicht seiten handelt es sich dabei um deutschsprachige Wissenschaftler, die legal aus den sozialistischen L\u00e4ndern ausreisen durften. Ein gro\u00dfer Teil der Aktivit\u00e4ten, die dem nachrichtendienstlich gesteuerten Technologietransfer dienen, geht von den durchweg personell \u00fcberbesetzten Botschaften und Handelsvertretungen der Ostblockstaaten aus. Dar\u00fcber hinaus entsenden sie Personal in Firmen (Handelsh\u00e4user, Produktionsbetriebe, Banken, Versicherungen und Speditionen), die sie hier gegr\u00fcndet haben oder an denen sie beteiligt sind. Es ist auff\u00e4llig, da\u00df bei solchen Firmen T\u00e4tigkeiten zum Gesch\u00e4ftsgegenstand erkl\u00e4rt werden, die, w\u00fcrden sie von einem Agenten ausgef\u00fchrt, einer geheimdienstlichen T\u00e4tigkeit entspr\u00e4chen, z. B. Erwerb und Verwertung von \"Know-how\" aller Art. Welche Bedeutung beispielsweise die Nachrichtendienste der DDR der Technologiebeschaffung beimessen, ist an der breit angelegten \"Feldarbeit\" zu erkennen, der sie sich neben den oben geschilderten qualifizierten Methoden bedienen. Sie reagieren postalisch und telefonisch auf Inserate aus dem Bereich der Mikroelektronik und scheuen nicht davor zur\u00fcck, \"Bettelbriefe\" an ComputerFans, -Clubs und Amateurfunker zu verschicken, um dadurch nachrichtendienstliche Kontakte anzubahnen und technologische Informationen zu erlangen. 59","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 5.5 Milit\u00e4rspionage Neben der Ausforschung der Streitkr\u00e4fte im klassischen Sinne (Strategien, Taktiken und Bewaffnung etc.) ist auch die Erkenntnisgewinnung 'in R\u00fcstungsbetrieben letztlich gegen die Verteidigungskr\u00e4fte gerichtet. In dem Bem\u00fchen, den milit\u00e4rischen Bereich zu erkunden, scheut man auch nicht davor zur\u00fcck, famili\u00e4re Beziehungen auszunutzen, wie folgendes Beispiel zeigt: Ein Bundesb\u00fcrger wird anl\u00e4\u00dflich eines Besuchs bei seinem Bruder in der DDR von diesem aufgefordert, Einzelheiten \u00fcber die Einheit zu beschaffen, bei der sein Schwiegersohn in der Bundeswehr den Wehrdienst ableistet. Als Belohnung wird ihm neben der Abgeltung etwaiger Unkosten auch zugesagt, da\u00df man\" an anderer Stelle\" im Erfolgsfalle nicht abgeneigt sei, dem Bruder eine Westreise zu genehmigen. 5.6 Auftr\u00e4ge vorbereitender und unterst\u00fctzender Art Hierbei handelt es sich um Auftr\u00e4ge, mit denen beispielsweise gerade geworbene Agenten auf ihre Zuverl\u00e4ssigkeit getestet werden. Sie sollen z. B. Telefonb\u00fccher, Vorlesungsverzeichnisse von Universit\u00e4ten oder frei k\u00e4ufliche Handb\u00fccher f\u00fcr Personalcomputer beschaffen. Durch die Lieferung derartiger, f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglicher Unterlagen wird allerdings nicht nur die Zuverl\u00e4ssigkeit festgestellt; es wird auch ein Kompromat geschaffen, d. h., die gegnerischen Nachrichtendienste versuchen, einen derart angeworbenen Agenten durch die Drohung, den hiesigen Sicherheitsbeh\u00f6rden einen Tip zu geben, an sich zu binden. Zu Auftr\u00e4gen dieser Art geh\u00f6ren auch solche, mit denen andere Vorhaben der gegnerischen Nachrichtendienste unterst\u00fctzt erden Beispielhaft ist der Fall eines Kaufmannes, der vom MfS den Auftrag erhielt, Kontakt zu seinem Nachbarn - einem Kernphysiker - herzustellen. Er sollte sich mit ihm anfreunden, seine Familie, seine Lebensumst\u00e4nde und seine Gewohnheiten feststellen und dies nach Ost-Berlin \u00fcbermitteln. Zweck des Ganzen war, den Kernphysiker f\u00fcr eine Spionaget\u00e4tigkeit zu gewinnen. Um eine g\u00fcnstige Ausgangsposition zu erreichen, erstellte das MfS ein Pers\u00f6nlichkeitsbild des Betreffenden; der Kaufmann selbst sollte dazu nur das erforderliche Hintergrundwissen liefern. 5.7 Werbung Die Anwerbung von Agenten erfolgt in vielen F\u00e4llen bei Reisen in L\u00e4nder des kommunistischen Machtbereichs. Jeder B\u00fcrger, der ein Visum f\u00fcr die DDR beantragt, mu\u00df entsprechende Antragsunterlagen ausf\u00fcllen. Dieses Material wird daraufhin \u00fcberpr\u00fcft, ob die betreffende Person aufgrund ihres Wohnortes, ihres Berufes oder ihrer Arbeitsstelle nachrichtendienstlich interessant ist. Bei oder auch erst nach der Einreise erfolgt eine Ansprache durch einen MfS-Angeh\u00f6rigen, die sich z. B. wie folgt abspielt: Ein Kaufmann aus S. fuhr h\u00e4ufig beruflich in die DDR und hatte dabei nicht nur gesch\u00e4ftliche, sondern auch private Kontakte, So ergab sich f\u00fcr ihn die M\u00f6glichkeit, anstatt im Hotel bei seinen \"neuen Freunden\" zu \u00fcbernachten. Was er nicht wu\u00dfte, war die Tatsache, da\u00df es sich hierbei um Angeh\u00f6rige eines Nachrichtendienstes handelte, die die Wohnung gemietet und\" ausgestattet\" hatten, Eines Tages wurde er in einem Lokal von einem ihm 60","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 fremden Mann auf merkw\u00fcrdig viele Einzelheiten seiner Privatsph\u00e4re angesprochen. Das Gespr\u00e4ch m\u00fcndete in dem Hinweis, \"wie unangenehm es f\u00fcr ihn sei, wenn seine Ehefrau diese Details erf\u00fchre\". Eine weitere Gef\u00e4hrdungssituation kann entstehen, wenn Bundesb\u00fcrgern in Ostblockstaaten ein g\u00fcnstiger Geldumtausch angeboten wird. Vielfach handelt es sich um Spitzel der dortigen Nachrichtendienste, die Kompromate in die Hand bekommen wollen. Illegaler Geldumtausch wird in den kommunistischen Staaten bekanntlich streng bestraft. Wird jemand dabei entdeckt, erfolgt in vielen F\u00e4llen eine nachrichtendienstliche Ansprache. Nicht wenige B\u00fcrger erkl\u00e4ren sich in einer solchen Lage zu einer nachrichtendienstlichen Mitarbeit bereit, um ausreisen zu k\u00f6nnen. Allerdings macht sich der Betroffene schon mit dieser Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df SSSS 98, 99 Strafgesetzbuch strafbar. Der Strafverfolgung in der Bundesrepublik Deutschland kann er nur dann entgehen, wenn er freiwillig sein Verhalten aufgibt, und sich umgehend einer Sicherheitsbeh\u00f6rde offenbart. Eine der in NordrheinWestfalen hierf\u00fcr zust\u00e4ndigen Dienststellen ist Der Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen - Abteilung VI - Haroldstra\u00dfe 5 4000 D\u00fcsseldorf Telefon: (0211) 871-2821. 61","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 6 Strafrechtspflege Die Justizbeh\u00f6rden des Landes Nordrhein-Westfalen sind, wie schon in den Vorjahren, auch 1986 in erheblichem Ma\u00dfe mit Strafverfahren befa\u00dft worden, deren Gegenstand Straftaten im Zusammenhang mit extremistischen Umtrieben waren: 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten Bei den Staatsanwaltschaften des Landes sind im Jahre 1986 insgesamt 1.019 einschl\u00e4gige Verfahren neu anh\u00e4ngig geworden. In dieser Zeit ist in 110 Verfahren gegen 178 Personen Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt worden. Rechtskr\u00e4ftig verurteilt wurden 113 Personen; drei Angeklagte wurden freigesprochen. Gegen 28 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Straftaten beschr\u00e4nkt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum in Ermittlungsverfahren gegen insgesamt 965 Personen das Verfahren eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Taten beschr\u00e4nkt, und zwar - gegen 757 Personen, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten oder weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten - gegen 55 Beschuldigte wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen und - gegen 153 Personen nach sonstigen Vorschriften (z. B. wegen unbekannten Aufenthalts). 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten Wegen Straftaten, deren Ursprung dem Bereich des Linksextremismus zuzuordnen ist, haben die Staatsanwaltschaften im Berichtszeitraum insgesamt 984 Verfahren neu eingeleitet. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1986 ist in 91 Verfahren gegen 107 Personen Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt worden. 40 Angeklagte wurden rechtskr\u00e4ftig verurteilt; sechs Angeklagte wurden freigesprochen. Gegen 16 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Straftaten beschr\u00e4nkt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum die Ermittlungsverfahren gegen 838 Personen eingestellt, und zwar - gegen 736 Personen, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten oder weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten 62","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 - gegen 59 Personen wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen und - gegen 43 Personen nach sonstigen Vorschriften (z. B. wegen unbekannten Aufenthaltes). 6.3 Demonstrationsstrafttaten Die nachfolgende Darstellung bezieht sich auf Ermittlungsund Strafverfahren, die anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen aller Art entstanden sind und im Jahre 1986 bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten anh\u00e4ngig waren. Wie bereits in den fr\u00fcheren Berichten dargelegt, ist es bei Veranstaltungen der genannten Art zu strafrechtlich relevanten \u00dcbergriffen sowohl der Veranstaltungsteilnehmer als auch von Au\u00dfenstehenden gegen\u00fcber Teilnehmern und von Teilnehmern einer Gegendemonstration gekommen. Ferner sind die F\u00e4lle von Ausschreitungen gegen\u00fcber den eingesetzten Polizeikr\u00e4ften erfa\u00dft. Nach einer statistischen Erhebung der Polizei sind 1986 26 von insgesamt 1.892 Demonstrationen unfriedlich verlaufen; das sind 1,37 %. Im Jahre 1986 hatten die Staatsanwaltschaften des Landes insgesamt 948 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. Insgesamt 679 der genannten Verfahren sind in der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1986 abgeschlossen worden, und zwar - 387 Verfahren durch Einstellung, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten, eine Straftat nicht vorlag, der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten - 39 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Urteile gegen 56 Personen - 148 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Strafbefehle gegen 148 Personen und - 105 Verfahren auf andere Weise. Noch anh\u00e4ngig waren am 31. Dezember 1986 269 Verfahren gegen 328 Personen, wobei in 79 Verfahren gegen 88 Personen bereits Anklage erhoben bzw. der Erla\u00df eines Strafbefehls beantragt worden ist. Die weiteren Verfahren befinden sich noch im Ermittlungsstadium. 63","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 7 Anhang 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1986 (1985) Deutsche Volksunion (DVU) 12.000 (12.000) \"Deutscher Anzeiger\" 8000 M\u00fcnchen (w\u00f6chentlich) NRW 2.500 (2.500) einschlie\u00dflich Aktion Deutsche Einheit AKON e.V. 8000 M\u00fcnchen Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 8000 M\u00fcnchen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) 8000 M\u00fcnchen Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) 8000 M\u00fcnchen Ehrenbund Rudel (ER) Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur \"Die Bewegung\" \"Die neue Front\" (monatlich) Freie Betriebszellen Organisation \"Die Werkschar\" (FBO) (unregelm\u00e4\u00dfig) nur NRW 10 64","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Freiheitliche Deutsche 430 (300) \"FAP-Nachrichten\" Arbeiterpartei (FAP) (unregelm\u00e4\u00dfig) NRW 170 (100) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 200 (200) Nachrichten der HNG politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige (HNG) 4800 Bielefeld NRW 40 (40) Junge Nationaldemokraten (JN) 600 (550) \"Junge Stimme\" 5000 K\u00f6ln (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 100 (100) \"JN-Pressedienst\" 4630 Bochum-Wattenscheid (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Orgblitz\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Intern\" (viertelj\u00e4hrlich) Nationaldemokratische Partei 6.100 (6.100) \"Deutsche Stimme\" Deutschlands (NPD) (monatlich) 7000 Stuttgart \"Neuer Politischer Dienst\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 1.000 (1.000) \"NPD-Landesspiegel 4630 Bochum-Wattenscheid Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NRW: 54 Kreisverb\u00e4nde \"NPD-Organisationsspiegel Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NSDAP-Auslandsund 100 (100) \"NS-Kampfruf\" Aufbauorganisation (NSDAP-A0) (viertelj\u00e4hrlich) Lincoln/USA Wiking-Jugend (WJ) 380 (380) \"Wikinger\" 5190 Stolberg (viertelj\u00e4hrlich) NRW 90-100 (100) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse 65","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1986 (1985) Deutsche Friedens-Union (DFU) 1.000 (1.000) \"Pressedienst DFU\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 400 (400) \"DFU betr. Politik\" 4300 Essen (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Pressedienst DFU NRW (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Friedensgesellschaft - 4.300 \"nrw-postille\" Vereinigte Kriegsdienstgegner (500) (DFG-VK) Deutsche Kommunistische Partei 42.000 (40.000) \"Unsere Zeit\" (UZ) (DKP) Tagesausgaben: 25.000 Parteivorstand: Wochenendausgaben: Prinz-Georg-Str. 79 50.000 4000 D\u00fcsseldorf \"DKP-Pressedienst\" (t\u00e4glich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (monatlich) Zentrale Einrichtungen \"Nachrichten\" - f\u00fcr \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Forschungen\" (monatlich) 6000 Frankfurt/Main \"Landrevue\" - Informationen \"Verein zur F\u00f6rderung der f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung - Forschung und des (unregelm\u00e4\u00dfig) Studiums der \"PRAXIS\" Sozialwissenschaften e.V.\" (zweimonatlich) 6000 Frankfurt/Main \"Karl-Liebknecht-Schule\" 5090 Leverkusen Marxistische Arbeiterbildung e.V. (MAB) Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus 5600 Wuppertal \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" \"Probleme des Friedens und (fr\u00fcher: \"Friedrich-EngelsSozialismus\" - Zentrum\") deutschsprachige Ausgabe 5600 Wuppertal der in der CSSR hergestellten Schrift - (monatlich) \"infodienst\" - f\u00fcr DKPBetriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen (unregelm\u00e4\u00dfig) Bezirk Ruhr-Westfalen 6.800 (6.500) Hoffnungstr. 18 4300 Essen 66","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Bezirk Rheinland-Westfalen 5.700 (5.500) Ackerstr. 3 4000 D\u00fcsseldorf NRW: 42 Kreisorganisationen ca. 80 Kreisund ca. 140 Betriebsund Stadtteilzeitungen Hochschulgruppen ca. 140 Betriebsund ca. 320 Ortsbzw. Hochschulzeitungen Stadtteilorganisationen und Wohngebietsgruppen Junge Pioniere (JP) 4.000 (4.000) \"pionier\" 4600 Dortmund (monatlich) Landesverband Ruhr-Westfalen \"Pionierleiter-Info\" 4300 Essen (monatlich) Landesverband Rheinland\"Mach-mit-Reihe\" Westfalen (unregelm\u00e4\u00dfig) 5000 K\u00f6ln NRW 1.500 (1.500) Marxistische Gruppe 1.700 (1.700) \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ) \"Marxistische Hochschulzeitung\" \"MSZ-Gegen die Kosten der Freiheit\" (Zentralblatt) (monatlich) Marxistisch-Leninistische Partei 1.300 (1.300) \"Rote Fahne\" Deutschlands (MLPD) (10.000 w\u00f6chentlich) 4300 Essen NRW 600 (600) Marxistischer Studentenbund 6.000 (6.000) \"rote Bl\u00e4tter\" Spartakus (MSB) 5300 Bonn NRW 1.400 (1.400) Sozialistische Deutsche 15.000 (15.000) \"elan\" (inoffiziell) Arbeiterjugend (SDAJ) (35.000 monatlich) 4600 Dortmund Landesverband \"Treffpunkt Gruppenleiter\" Ruhr-Westfalen (monatlich) 4300 Essen \u00f6rtliche Zeitungen Landesverband Rheinland\u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 5000 K\u00f6ln NRW 4.600 (4.600) 67","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1986 Vereinigte Sozialistische Partei 600 \"Sozialistische Zeitung\" (VSP) (SOZ) 5000 K\u00f6ln (vierzehnt\u00e4gig) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 68"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1986","year":1986}
