{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1983.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":63,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Vorwort ................................................................................................ 3 1 Rechtsextremismus ......................................................................... 4 1.1 Entwicklungstendenz ....................................................................................4 1.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge Nationaldemokraten ............................................................................................4 1.3 \"National-freiheitliche\" Rechte.......................................................................8 1.4 Neonazistische Gruppen ...............................................................................8 1.4.1 Allgemeines .......................................................................................8 1.4.2 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) ...9 1.4.3 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-A0) ...............10 1.4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG).............................................................................10 1.5 Internationale rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten ...........................................10 1.6 Rechtsextremistische Jugendgruppen ........................................................11 1.6.1 Wiking-Jugend (WJ) ........................................................................11 1.6.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)/Gemeinschaft Volkstreuer Jugend e.V. (GVJ) ....................................................................................11 1.7 Rechtsextremistische Einflu\u00dfnahme auf Randgruppen ..............................11 1.8 Kulturgruppen..............................................................................................12 1.9 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ...................................................13 2 Linksextremismus.......................................................................... 17 2.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................17 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP).....................................................18 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen ..............................24 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ..............................24 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) ..............................24 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP)..................25 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen und Einrichtungen...................................25 2.4.1 Deutsche Friedens-Union (DFU) .....................................................25 2.4.2 Deutsche Volkszeitung (DVZ)..........................................................25 2.4.3 Krefelder Appell ...............................................................................26 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK)..................................................................................................26 2.5 Dogmatische Neue Linke ............................................................................26 2.5.1 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) - KPD - ................................................................................................................27 2.5.2 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (Volksfront) - V -27 2.5.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD)...................28 2.5.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) ............................28 2.5.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) .....................................28 2.5.6 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) ..........................29 2.5.7 Marxistische Gruppe (MG)...............................................................29 1","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 2.6 Undogmatische Neue Linke ........................................................................29 2.6.1 Militante Autonome ..........................................................................30 2.6.2 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf die Umweltschutz-Bewegung .....30 2.6.3 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf Aktivit\u00e4ten gegen Munitionstransporte ..................................................................................30 2.7 Trotzkismus.................................................................................................31 2.8 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ......................................................31 3 Terrorismus .................................................................................... 38 3.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................38 3.2 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) ..........................................................38 3.3 Rote Armee Fraktion (RAF) und RAF-Umfeld .............................................39 3.4 Sonstiges terroristisches Umfeld.................................................................40 3.5 Weitere linksterroristische oder sonstige links-extremistisch motivierte Gewalttaten .......................................................................................................41 4 Ausl\u00e4nderextremismus.................................................................. 44 4.1 Entwicklungstendenz ..................................................................................44 4.2 T\u00fcrken .........................................................................................................45 4.3 Kurden.........................................................................................................49 4.4 Iraner...........................................................................................................49 4.5 Afghanen.....................................................................................................49 4.6 Pal\u00e4stinenser ..............................................................................................50 4.7 Jugoslawen .................................................................................................50 4.8 Sonstige ausl\u00e4nder-extremistische Aktivit\u00e4ten ............................................51 5 Spionageabwehr............................................................................. 54 5.1 Entwicklungstendenzen ..............................................................................54 5.2 Art und Umfang des gegnerischen Agenteneinsatzes, Werbungsmethoden54 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen .....................54 5.4 Legale Residenturen ...................................................................................55 5.5 Verurteilungen.............................................................................................55 6 Strafrechtspflege............................................................................ 56 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten.....................................56 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten .......................................56 6.3 Demonstrationsstraftaten ............................................................................56 6.4 Gesetzgeberische \u00dcberlegungen................................................................57 7 Anhang: \u00dcbersichten ..................................................................... 59 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................59 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse ...........................60 2","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Vorwort Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden haben eine f\u00fcr die Erhaltung unserer freiheitlichen Demokratie wesentliche und unverzichtbare Aufgabe: Sie m\u00fcssen Gef\u00e4hrdungen, die ihr durch politischen Extremismus von Rechts und Links und durch Spionage drohen k\u00f6nnen, erkennen und \u00fcber sie berichten. Ihr Feld ist das Vorfeld der aktuellen Bedrohung: sie sind der Fr\u00fchwarndienst zum Schutze der Grundwerte unserer Verfassung, wie sie im Grundgesetz ihren verpflichtenden Niederschlag gefunden haben. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde unseres Landes wendet sich mit der Ver\u00f6ffentlichung ihrer Jahresberichte an die B\u00fcrger, um sie \u00fcber politisch extremistische Bestrebungen zu unterrichten. Damit erf\u00fcllt sie eine Pflicht in Wahrnehmung ihres gesetzlichen Auftrags. Die notwendige geistigpolitische Auseinandersetzung mit Bestrebungen und Aktivit\u00e4ten gegen unseren freiheitlich-demokratischen Staat ist eine Aufgabe der B\u00fcrger selbst und der von ihnen getragenen politischen und gesellschaftlichen demokratischen Organisationen und Einrichtungen. Der Staat greift durch Verbot und Strafverfolgung nur dann und da zu, wenn und wo die geistig-politische Auseinandersetzung nicht mehr wirksam ist oder \u00fcberhaupt nicht wirksam sein kann, dann allerdings auch mit Entschlossenheit, St\u00e4rke und Konsequenz. Dies im gegebenen Fall zu zeigen, ist wiederum auch ein Beitrag, die geistig-politischen Auseinandersetzungen mit den Gegnern der Freiheit zu f\u00f6rdern. Dr. Herbert Schnoor Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen 3","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 1 Rechtsextremismus 1.1 Entwicklungstendenz Die Gesamtzahl der Mitglieder rechtsextremistischer Gruppen in NordrheinWestfalen wird f\u00fcr 1983 auf ca. 4.000 (1982: ca. 3.000) gesch\u00e4tzt. Sie sind in ca. 30 Gruppen organisiert. Die Steigerung der Mitgliederzahlen gegen\u00fcber dem Vorjahr ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df genauere Sch\u00e4tzungen im Bereich der \"national-freiheitlichen\" Gruppierungen m\u00f6glich wurden. Die \"nationaldemokratischen\" Organisationen haben 1983 ihre Position weitgehend halten k\u00f6nnen. Die Mitgliederzahlen weichen nicht wesentlich von denen des Vorjahres ab und auch die Aktivit\u00e4ten in der \u00d6ffentlichkeit hielten sich im \u00fcblichen Rahmen. Nachdem zun\u00e4chst die T\u00e4tigkeit der B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp im Vordergrund stand, liefen im Herbst mit den Kandidatenwahlen die Vorbereitungen f\u00fcr die Wahl des Europ\u00e4ischen Parlaments im Juni 1984 an, an denen sich die Nationaldemokraten beteiligen wollen. Intern haben sich im Jahre 1983 personelle Spannungen - insbesondere in der Jugendorganisation - gezeigt, die sich auf die Arbeit auswirkten. Die um die \"Deutsche National-Zeitung\" des Dr. Gerhard FREY gruppierten \"national-freiheitlichen\" Organisationen stellen nach ihrer Mitgliederzahl und nach dem Finanzaufkommen das st\u00e4rkste rechtsextremistische Potential. Sie verf\u00fcgen nur \u00fcber einen geringen Organisationsaufbau und die \u00fcberwiegend \u00e4lteren, meist inaktiven Mitglieder treten h\u00f6chstens bei gelegentlichen Veranstaltungen in Erscheinung. Im wesentlichen dienen sie dazu, Dr. FREY die finanziellen und publizistischen Mittel zur Verfolgung seiner Ziele zur Verf\u00fcgung zu stellen, Die neonazistische Szene wurde 1983 gepr\u00e4gt von der im Januar 1983 gegr\u00fcndeten Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die rasch Zulauf erhielt und sich im Laufe des Jahres im Bundesgebiet zur gr\u00f6\u00dften neonazistischen Gruppe entwickelte. Es gelang ihr auch zunehmend Jugendliche anzusprechen, die bisher dem rechtsextremistischen Lager nicht nahegestanden hatten. Diese Entwicklung ist mit dem Verbot am 7. Dezember 1983 z u\"n\u00e4chst unterbunden worden. Nach den seitdem Verbot gewonnenen Erkenntnissen mu\u00df aber damit gerechnet werden, da\u00df die ANS/NA sich der Verbotsfeststellung widersetzt. Sie hat Klage beim Bundesverwaltungsgericht eingelegt. Es steht inzwischen auch fest, da\u00df zumindest die Kader, teils in dokumentierter, teils in verdeckter Form, die T\u00e4tigkeit der ANS/NA fortf\u00fchren wollen. Aus dem Verlauf des Jahres 1983 ist weiter bemerkenswert, da\u00df Anh\u00e4nger jugendlicher Randgruppen (Rocker, Skinheads, \"Fu\u00dfball-Fans\" pp.) bei ihrem Auftreten in der \u00d6ffentlichkeit (insbesondere bei Gro\u00dfveranstaltungen, wie Fu\u00dfballspielen) vermehrt nationalsozialistische, antisemitische und ausl\u00e4nderfeindliche Zeichen und Parolen \u00fcbernehmen und damit eine Hinwendung zu rechtsextremistischen Verhaltensweisen erkennen lassen. Dies ist teils auf eine bewu\u00dfte \"Antihaltung\" zu den bestehenden gesellschaftlichen und sozialen Verh\u00e4ltnissen, aber auch auf entsprechende Bem\u00fchungen rechtsextremistischer Kreise zur\u00fcckzuf\u00fchren, die \u00fcber Kontakte oder einzelne Mitglieder in dieser Szene versuchen, ihre Basis in diesem Bereich zu erweitern. 1.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge 4","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Nationaldemokraten Ziele Ideologische Basis der NPD ist ein \u00fcbersteigerter Nationalismus, gepaart mit einem v\u00f6lkischen und rassistischen Kollektivismus sowie Vorstellungen von einem autorit\u00e4ren F\u00fchrerstaat. Durch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. November 1980 -2C24.78wurde erstmals h\u00f6chstrichterlich - festgestellt, da\u00df die NPD verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, die sich - unabh\u00e4ngig von dem offiziellen Parteiprogramm und der Satzung der NPD - aus einer st\u00e4ndigen, gegen die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichteten und der Partei politisch zuzurechnenden Polemik ergeben. Darin kommen - nach dem Urteil - \"Mi\u00dfachtung und Ablehnung oberster Verfassungswerte, insbesondere der parlamentarischen Demokratie, des Mehrparteiensystems und der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t\" zum Ausdruck. Parteiorganisation Die NPD, deren Parteivorstand in Stuttgart seinen Sitz hat, verf\u00fcgt in NordrheinWestfalen \u00fcber einen Landesverband mit Sitz in Bochum-Wattenscheid, dem in 6 Landesbereichen insgesamt 54 Kreisverb\u00e4nde unterstehen. Unter seinem Landesvorsitzenden Klaus SCHULTZ geh\u00f6rt er mit ca. 1.000 Mitgliedern (Bund: 6.000) zu den st\u00e4rksten Landesverb\u00e4nden der NPD. Finanzierung Die NPD finanziert ihre Aktivit\u00e4ten durch Beitr\u00e4ge und Spenden; vereinzelt versucht sie, \u00fcber \"Freundes-\" und \"F\u00f6rderkreise\" neue Geldquellen zu erschlie\u00dfen. Insgesamt kann die finanzielle Situation der Partei als \u00e4u\u00dferst angespannt bezeichnet werden. Konnte die NPD ihre finanzielle Lage auch vor\u00fcbergehend durch strenge Beitragseintreibung und Erhebung einer Sonderumlage etwas verbessern, so bleibt doch die Verpflichtung zur R\u00fcckzahlung der Vorsch\u00fcsse auf Wahlkampfkosten. Die nordrhein-westf\u00e4lische NPD hat hiervon noch ca. DM 99.000,zur\u00fcckzuzahlen, die sie regelm\u00e4\u00dfig in monatlichen Raten von DM 750,erstattet. Publikationen Als Presseorgan der NPD erscheint die \"Deutsche Stimme\". Sie wird vom Parteivorstand herausgegeben und erscheint monatlich in einer Auflage von ca. 75.000 Exemplaren. Daneben erscheinen regelm\u00e4\u00dfig als wichtigste zentrale Schriften \"NPD Aktuell\" und \"NPD-Info-Blitz\". Der Landesverband der nordrhein-westf\u00e4lischen NPD gibt monatlich den \"NPDLandesspiegel Nordrhein-Westfalen\" sowie den \"NPD-Organisationsspiegel Nordrhein-Westfalen\" heraus. Au\u00dferdem vertreibt die NPD auf allen Gliederungsebenen periodische Bl\u00e4tter und Informationsdienste, deren Gesamtauflage r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Schwerpunkte der Parteiarbeit 5","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 - Der 17. ordentliche Bundesparteitag der NPD fand am 1./2. Oktober 1983 in Fallingbostel mit ca. 1.000 Teilnehmern statt. Wesentliche Tagesordnungspunkte waren die Wahl des Parteivorstandes, wobei der bisherige Parteivorsitzende Martin MUSSGNUG mit gro\u00dfer Mehrheit wiedergew\u00e4hlt wurde, und die Wahl der Kandidaten zur Europawahl im Juni 1984. Neue programmatische Aussagen wurden nicht verabschiedet. Der Parteitag bekr\u00e4ftigte den bereits 1982 beschlossenen neutralistischen Kurs, der u. a. die Forderung nach dem Austritt der beiden deutschen Staaten aus NATO bzw. Warschauer Pakt enth\u00e4lt. Zum Protest gegen den NPD-Bundesparteitag hatten sich etwa 2.500 Gegendemonstranten eingefunden. Es kam zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und der Polizei. - Am 12. Mai 1983 fand in Bochum-Wattenscheid der Landesparteitag der nordrhein-westf\u00e4lischen NPD statt; der bisherige Landesvorsitzende Klaus SCHULTZ aus Recklinghausen wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Schwerpunkt der Reden des Landesvorsitzenden und des Parteivorsitzenden MUSSGNUG bildete die Aktion \"Ausl\u00e4nderstopp\". SCHULTZ erkl\u00e4rte, es sei auf die B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp und die Nationaldemokraten zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df sich der Ausl\u00e4nderzustrom verlangsamt habe. MUSSGNUG sah in dem Thema Ausl\u00e4nderstopp und R\u00fcckf\u00fchrung der Ausl\u00e4nderin ihre Heimatl\u00e4nder nach wie vor eine der Hauptforderungen der NPD. Im Verlauf des Parteitages kam es zu Gegendemonstrationen, an denen sich bis zu 1.200 Personen beteiligten. Durch Aktionen der Demonstranten wurden insgesamt 47 Polizeibeamte verletzt. Vier St\u00f6rer wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. - Bei der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz 1983 erhielt die NPD in NordrheinWestfalen 6.673 (Bund: 57.112) Erststimmen = 0,1 % und 19.400 (Bund: 91.095) Zweitstimmen 0,2 %. Sie hat damit ihren W\u00e4hlerschwund bei Bundestagswahlen seit 1969 erstmals stoppen k\u00f6nnen und gegen\u00fcber der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980, an der sie sich nur mit einer Landesliste beteiligte (14.407 Stimmen = 0,1 %), einen Stimmengewinn von 4.993 (Bund = ca. 22.000) Stimmen erzielt. Die NPD beabsichtigt, sich an den Wahlen zum Europ\u00e4ischen Parlament im Jahre 1984 zu beteiligen. Auf ihrem Bundesparteitag am 1. und 2. Oktober 1983 in Fallingbostel w\u00e4hlten die Delegierten die Kandidaten f\u00fcr die Bundesliste. Ein Wahlprogramm f\u00fcr die Europawahl soll erst 1984 verabschiedet werden. Sonstige Aktivit\u00e4ten 6","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 - InderNachtzum5.Aprill983wurdein Dortmund ein NPD-Funktion\u00e4r festgenommen. In seinem Fahrzeug wurden u. a. eine geladene Maschinenpistole, 200 Schu\u00df Munition, eine Schleuder mit Stahlkugeln sowie Farbspr\u00fchdosen gefunden. Das Sch\u00f6ffengericht in Dortmund hat den Angeklagten am 24. Oktober 1983 wegen unerlaubten Erwerbs von Kriegswaffen in Tateinheit mit einem Vergehen gegen das Waffengesetz, wegen unerlaubter Bef\u00f6rderung von Kriegswaffen sowie wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Der Verurteilte hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. - Am Morgen des 13. November 1983 besetzten etwa 50 NPDund JNMitglieder - verst\u00e4rkt durch einige Skinheads - den Platz um ein Ehrenmal auf dem Zentralfriedhof in Gelsenkirchen-Buer, an dem Angeh\u00f6rige der VVN Kr\u00e4nze niederlegen wollten. Die NPD-Anh\u00e4nger entfalteten NPD - und JN-Fahnen und legten einen Kranz nieder. Durch den Einsatz der Polizei konnten handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den sp\u00e4ter eintreffenden rd. 200 NPD-Gegnern verhindert werden. Junge Nationaldemokraten (JN) Auch bei den JN, der Jugendorganisation der NPD, l\u00e4hmen personelle Streitigkeiten die politischen Aktivit\u00e4ten. In Teilbereichen der JN ist ein Sympathisieren mit Mitgliedern der neonazistischen Szene zu erkennen. Sie erhoffen sich von diesen Kreisen eine st\u00e4rkere Konfrontation mit dem politischen Gegner. Am 29. und 30. Oktober 1983 fand in Stuttgart der 12. ordentliche Bundeskongre\u00df der Jungen Nationaldemokraten statt. Es nahmen ca. 200 Personen teil, darunter 111 Delegierte. Zum neuen Bundesvorsitzenden wurde Hermann LEHMANN aus Watzum/Niedersachsen gew\u00e4hlt. Dem Bundesvorstand geh\u00f6ren drei JN-Mitglieder aus Nordrhein-Westfalen an. Die JN w\u00e4hlten auf ihrem Landeskongre\u00df am 9. April 1983 in Wuppertal Meinolf SCH\u00d6NBORN aus G\u00fctersloh zum neuen Landesvorsitzenden. SCH\u00d6NBORN geh\u00f6rt seit 1972 der NPD/JN an, wurde 1981 als Beisitzer in den Landesvorstand der JN Nordrhein-Westfalen gew\u00e4hlt und ist seit Anfang 1983 stellvertretender Vorsitzender des NPD-Kreisverbandes G\u00fctersloh. B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die BIA hatte am 17. M\u00e4rz 1982 die Auslegung von Eintragungslisten f\u00fcr ein erneutes Volksbegehren - gerichtet auf den Erla\u00df eines \"Gesetzes \u00fcber die Einf\u00fchrung muttersprachlicher Regelklassen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Sch\u00fcler in Nordrhein-Westfalen\" - beantragt. Von der Landesregierung wurde diese Listenauslegung nicht zugelassen. Die hiergegen vor dem Verfassungsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen erhobene Beschwerde ist durch Beschlu\u00df vom 4. M\u00e4rz 1983 als offensichtlich unbegr\u00fcndet verworfen worden. Die BIA will daraufhin ihre Bem\u00fchungen um ein Volksbegehren in Nordrhein-Westfalen nicht weiter verfolgen. 7","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die BIA hat im Sommer 1983 mit einer bundesweiten Unterschriftenaktion unter eine Petition an den Deutschen Bundestag begonnen, in der eine Revision der Freiz\u00fcgigkeitsregelungen in den R\u00f6mischen Vertr\u00e4gen \u00fcber die Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft gefordert wird. 1.3 \"National-freiheitliche\" Rechte Die \"national-freiheitlichen\" Organisationen bilden - mit einer Mitgliederzahl von ca. 11000 (NRW: 2.500) Personen - z. Z. die st\u00e4rkste Gruppierung im organisierten Rechtsextremismus. Die Deutsche Volksunion (DVU) stellt den Kern folgender \"Aktionsgemeinschaften\", deren Mitglieder kraft Satzung gleichzeitig der DVU angeh\u00f6ren: - Aktion Deutsche Einheit (AKON) - Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) - Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) - Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) - Ehrenbund Rudel (ER). Hinter der DVU steht der bekannte Dr. Gerhard FREY aus M\u00fcnchen, Herausgeber der \" Deutschen National-Zeitung\" (DNZ) und des \"Deutschen Anzeigers\" (offizielles Organ der DVU), zum Teil inhaltsgleich mit der DNZ. Die DVU f\u00fchrte im Mai 1983 Vortragsveranstaltungen in Neuss und Recklinghausen durch. Der britische Rechtsextremist und Historiker David IRVING referierte \u00fcber das Thema \"Hitlers Tageb\u00fccher - Wahrheit oder F\u00e4lschung!\". Im Oktober sprach IRVING u. a. in Essen und K\u00f6ln \u00fcber das Thema \" Nachr\u00fcstung - Gebot der Stunde\". An den Veranstaltungen nahmen jeweils ca. 100 Personen teil. 1.4 Neonazistische Gruppen 1.4.1 Allgemeines Neonazistische Aktivit\u00e4ten zielen - gest\u00fctzt auf die Weltanschauung, das Programm und den Machtanspruch der ehemaligen NSDAP - auf die Wiedererrichtung eines der NS-Diktatur vergleichbaren Systems. Die zahlreichen Verbotsma\u00dfnahmen und Strafverfahren der letzten Jahre haben zu einer Verunsicherung gef\u00fchrt mit der Folge, da\u00df einige Anh\u00e4nger neonazistischer Gruppen sich zur\u00fcckzogen. Andere fanatische Aktivisten entwickelten einen st\u00e4rkeren Aktionismus, der dazu beitrug, da\u00df nach der Haftentlassung des Leiters der neonazistischen Aktionsfront Nationaler Sozialisten (ANS), Michael K\u00dcHNEN, Teile der neonazistischen Szene am 15. Januar 1983 in 8","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Frankfurt/Main eine neue Organisation gr\u00fcndeten, die bald, danach auch St\u00fctzpunkte in Nordrhein-Westfalen aufbauen konnte. Die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), wie sie sich nannte, entwickelte sich rasch zur gr\u00f6\u00dften und f\u00fchrenden neonazistischen Organisation in der Bundesrepublik Deutschland und zog insbesondere junge Leute an, die z. T. ohne politische Motivation zu dieser Gruppierung stie\u00dfen. Mit Verf\u00fcgung vom 24. November 1983 hat der Bundesminister des Innern festgestellt, da\u00df diese neonazistische Organisation verboten ist. Das Verbot wurde am 7. Dezember 1983 vollzogen, die Organisation damit aufgel\u00f6st. Im ideologischen Bereich wird die neonazistische Szene derzeit von neuen Tendenzen bestimmt. Die Mehrheit der Neonazis strebt die Wiedererrichtung eines der NS-Diktatur vergleichbaren Systems an, wobei Adolf HITLER als charismatischer F\u00fchrer ihr Denken beherrscht. Andere NS-Aktivisten und Gewaltt\u00e4ter f\u00fchlen sich aber nicht mehr HITLER, sondern der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus mit seinen Elementen eines \"Nationalen Sozialismus\" verpflichtet, der seine Entschlossenheit betonte, mi\u00dfbr\u00e4uchlichen Kapitalismus zu beseitigen, den Marxismus zu \u00fcberwinden und die Vers\u00f6hnung aller Schichten in einer Volksgemeinschaft herbeizuf\u00fchren. Diese ideologische Hinwendung findet Ausdruck in Bekenntnispapieren. Unter dem Schlagwort \"Abschied vom Hitlerismus\" verurteilen sie Hitlers \"Amoklauf\" und seine \"dogmenhafte Engstirnigkeit\" und erkl\u00e4ren, nur noch der \"historische Nationalsozialismus\" sei ma\u00dfgebend. Allgemein ist festzustellen, da\u00df von den neonazistischen Kleinstgruppen und rechtsextremistischen Einzelaktivisten weiterhin eine ernste Gefahr ausgeht, auch wenn Gewalttaten, wie sie von ihnen in den letzten Jahren durchgef\u00fchrt wurden, im Berichtszeitraum 1983 in Nordrhein-Westfalen nicht zu beobachten waren. 1.4.2 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Die von Michael K\u00dcHNEN initiierte und am 15. Januar 1983 in Frankfurt/Main gegr\u00fcndete ANS/NA wurde einschlie\u00dflich ihrer Nebenorganisationen Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung (AAR) und Freundeskreis Deutsche Politik vom Bundesminister des Innern mit Verf\u00fcgung vom 24. November 1983 als eine gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtete Organisation verboten und am 7. Dezember 1983 aufgel\u00f6st. Zum Zeitpunkt des Verbotes verf\u00fcgte die ANS/ NA \u00fcber insgesamt etwa 270 Mitglieder, davon etwa 70 in Nordrhein-Westfalen. Die im Rahmen der Vollzugsma\u00dfnahmen vorgenommenen bundesweiten Durchsuchungen - in Nordrhein-Westfalen bei 15 Aktivisten - f\u00fchrten zur Sicherstellung von Vereinsverm\u00f6gen, Mitgliederkarteien, NS-Emblemen und Druckmaterial. Die als \"Gau Rhein-Westfalen\" firmierende nordrhein-westf\u00e4lische ANS/NA-Gruppierung war vor dem Verbot zunehmend aktiv geworden. So hatte sie - zuletzt bestehend aus einer Reihe von Kameradschaften und St\u00fctzpunkten - am 15.10.1983 ein \"Gautreffen\" in Blomberg am 22.10.1983 ein \"F\u00fchrerthing\" in Burlo/Borken am 04.11.1983 eine \"Kameradschaftsgr\u00fcndung\" in Hattingen 9","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 am 12.11.1983 eine \"Fahnenweihe\" bei den Externsteinen und am 13.11.1983 eine Kranzniederlegung am Ehrenmal in Duisburg an l\u00e4\u00dflich des Volkstrauertages durchgef\u00fchrt. K\u00dcHNEN und weitere ehemalige ANS/NA-Funktion\u00e4re bem\u00fchen sich seit dem Verbot, die personelle Struktur der verbotenen AN S/NA zu erhalten und in nahezu allen Bundesl\u00e4ndern sog. Leserkreise zu gr\u00fcnden mit dem Ziel, diese als Basis f\u00fcr eine neue neonazistische Organisation zu nutzen. 1.4.3 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-A0) Die in Lincoln, Nebraska/USA, ans\u00e4ssige NSDAP-AO versorgt weiterhin deutsche Neonazis - auch in Nordrhein-Westfalen - mit Propagandamaterial (Hakenkreuzaufkleber, Propaganda-Schrift \"NS-Kampfruf\"), das von den Anh\u00e4ngern zumeist unerkannt durch Klebeaktionen oder anonyme Postsendungen an B\u00fcrger weiterverbreitet wird. Dabei stellt das viertelj\u00e4hrlich erscheinende NSDAP-AO-Organ \"NS-Kampfruf\" insofern ein gef\u00e4hrliches Propagandamittel dar, als die Schrift neben ihrer antisemitischen Polemik st\u00e4ndig zu Gewalt und Mord aufruft. Sie d\u00fcrfte militante NS-Anh\u00e4nger zu den bekannten Gewalttaten der letzten Jahre motiviert haben. 1.4.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG, die gem\u00e4\u00df ihrer Satzung inhaftierte Rechtsextremisten sowohl ideell als auch finanziell betreut, hatte sich nach dem Verbot der Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands (VSBD) im Januar 1982 und vor der Gr\u00fcndung der ANS/NA zu einem Integrationsfaktor der neonazistischen Szene entwickelt. Mit zunehmender Konsolidierung der ANS/NA ergaben sich personelle Spannungen, zumal die ANS/NA durch Eintritt zahlreicher Mitglieder in die HNG versuchte, diese f\u00fcr ihre \"Bewegung\" zu nutzen. Am 7. Januar 1984 fand in Bielefeld die j\u00e4hrliche HNG-Jahreshauptversammlung statt, an der sich auch ehemalige ANS/NA-Funktion\u00e4re beteiligten. Aus satzungsrechtlichen Gr\u00fcnden mu\u00dfte am 25. Februar 1984 in Speyer eine au\u00dferordentliche Mitgliederversammlung durchgef\u00fchrt werden, auf der eine ANS/NA-Anh\u00e4ngerin aus Bielefeld zur neuen HNG-Vorsitzenden gew\u00e4hlt wurde. Hiermit k\u00f6nnte nunmehr eine Radikalisierung der HNG verbunden sein. Die HNG verf\u00fcgt zur Koordination ihrer bundesweiten T\u00e4tigkeit in NordrheinWestfalen \u00fcber einen Regionalbeauftragten. 1.5 Internationale rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten Die allj\u00e4hrliche fl\u00e4mische Volkstumsveranstaltung \" Ijzerbedevaart\" am 2./3. Juli 1983 in Diksmuide/Belgien wurde auch dieses Jahr von mehreren hundert europ\u00e4ischen Rechtsextremisten zu einem Zusammentreffen genutzt. 10","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die deutschen Teilnehmer kamen mit ihren ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen gruppenweise in verschiedenen belgischen St\u00e4dten zu Gespr\u00e4chen, u. a. zur Intensivierung der Zusammenarbeit, zusammen. Beteiligt waren auch Personen aus allen Bereichen des rechtsextremistischen Spektrums Nordrhein-Westfalens. 1.6 Rechtsextremistische Jugendgruppen 1.6.1 Wiking-Jugend (WJ) Die nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete, in \"Gaue\" und \"Horste\" gegliederte, WJ mit ihrem Bekenntnis zum Volkstumsund Reichsgedanken ist neben den JN die st\u00e4rkste rechtsextremistische Jugendorganisation mit insgesamt etwa 350 Mitgliedern, davon ca. 100 in Nordrhein-Westfalen. In Teilbereichen der WJ sind neonazistische Tendenzen erkennbar. Auff\u00e4llig ist, da\u00df ein Teil der ehemaligen ANS/NA-Mitglieder bzw. anderer NS-Gruppierungen der WJ angeh\u00f6ren bzw. angeh\u00f6rten. Die Veranstaltungen der WJ dienen in der Hauptsache ideologischer Schulung und Folklore, umfassen aber auch paramilit\u00e4rische \u00dcbungen. So f\u00fchrten am 30. September 1983 WJ-Mitglieder in einem Waldgel\u00e4nde bei K\u00f6nigswinter eine \"Gel\u00e4nde\u00fcbung\" durch. Dabei wurden zwei selbstgefertigte Sprengk\u00f6rper zur Explosion gebracht. Acht Personen im Alter zwischen 14 und 22 Jahren wurden festgenommen. Bei anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen stellte die Polizei umfangreiches NS-Propagandamaterial sicher. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungsverfahren wegen Herbeif\u00fchrung einer Sprengstoffexplosion und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. 1.6.2 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ)/Gemeinschaft Volkstreuer Jugend e.V. (GVJ) Eine Gruppe von nordrhein-westf\u00e4lischen Funktion\u00e4ren hat ihren Austritt aus dem BHJ erkl\u00e4rt und im Herbst 1983 eine neue Jugendorganisation - die Gemeinschaft Volkstreuer Jugend mit Sitz in Essen - gegr\u00fcndet, die ca. 30 Mitglieder haben d\u00fcrfte. Die Spaltung geht auf personelle Spannungen in der F\u00fchrung des st\u00e4ndig an Bedeutung verlierenden BHJ zur\u00fcck. Die GVJ versteht sich als \"\u00fcberzeugter Verfechter nationaler Jugendarbeit\" . F\u00fcr sie ist das \"Leben und \u00dcberleben unseres Volkes\" h\u00f6chstes Ziel. Aus der Satzung geht hervor, da\u00df sie zum F\u00fchrerprinzip tendiert. Die Zeitschrift der GVJ - \"Der Trommler\" - tr\u00e4gt denselben Namen wie das ehemalige Organ des BHJ. 1.7 Rechtsextremistische Einflu\u00dfnahme auf Randgruppen Im Laufe des Jahres ist erkennbar geworden, da\u00df Anh\u00e4nger jugendlicher Randgruppen (Rocker, Skinheads, \"Fu\u00dfball-Fans\" pp.) in zunehmendem Ma\u00dfe bei ihren Aktionen eine Hinwendung zu nazistischen bzw. neonazistischen Vorstellungen zeigen. Dies \u00e4u\u00dfert sich in der \u00d6ffentlichkeit - insbesondere in Fu\u00dfballstadien - durch 11","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 - das Tragen von NS-Symbolen an der Kleidung - die Verwendung des \" Hitler-Gru\u00dfes\" und ausgesprochenen NS-Parolen - das Singen nationalsozialistischer Lieder - rassistische, insbesondere ausl\u00e4nderfeindliche \u00c4u\u00dferungen. Zumeist handelt es sich um Jugendliche, die damit unreflektiert ihren Unmut \u00fcber soziale und gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse zum Ausdruck bringen wollen. Es gibt aber auch Hinweise auf Versuche rechtsextremistischer Kreise (NPD/JN, ANS/NA), Einflu\u00df in diesen Randgruppen zu gewinnen und damit ihre Basis unter der Jugend zu erweitern. In Nordrhein-Westfalen hat in diesem Zusammenhang der Fan-Club des Bundesligavereins Borussia Dortmund \"Borussenfront\" eine gewisse \"Ber\u00fchmtheit\" erlangt, weil in der Presse an ihm die Gefahren dieser Entwicklung aufgezeigt wurden. Der Club, dessen Leiter Kontakte zu rechtsextremistischen Kreisen hat und von dem einige Mitglieder zumindest als Sympathisanten der NPD bekannt sind, verwendet die SS-Rune in seinem Namen und ist bei Fu\u00dfballspielen und auch sonst in der \u00d6ffentlichkeit durch nazistische, vor allem aber durch ausl\u00e4nderfeindliche \u00c4u\u00dferungen und Aktionen in Erscheinung getreten. Gegen Mitglieder des Clubs sind zahlreiche staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren anh\u00e4ngig. Rechtsextremisten sind auch in einigen anderen Fu\u00dfball-Fanclubs vertreten, so in Bielefeld, D\u00fcsseldorf und Krefeld. In Einzelf\u00e4llen bestehen nur Kontakte von Rechtsextremisten zu Fanclubs, die zur Einflu\u00dfnahme benutzt werden. Die im Herbst 1983 geplanten Aktionen beim Fu\u00dfball-L\u00e4nderspiel Deutschland: T\u00fcrkei, die in diesem Bereich den \"H\u00f6hepunkt\" darstellen und massive Ausschreitungen gegen T\u00fcrken auch au\u00dferhalb des Stadions bringen sollten, konnten durch umfassende, fr\u00fchzeitig einsetzende Exekutivma\u00dfnahmen verhindert werden. Eine andere Variante rechtsextremistischen Einflusses ist das 1983 auch beobachtete Auftreten von jugendlichen Randgruppen (Rocker, Skinheads) zur Unterst\u00fctzung und zum Schutz rechtsextremistischer Veranstaltungen. Hier soll die Neigung dieser Gruppen zur Gewaltanwendung u. a. als Mittel dazu verwendet werden, \"die Botschaft\" den \"Unbelehrbaren\" aufzuzwingen. F\u00e4lle dieser Art sind im Land schon bekannt aus der Zeit vor den Bundestagswahlen. So wurden in Dortmund Wahlaktionen der NPD \"gesch\u00fctzt\" durch Anh\u00e4nger des Fu\u00dfballFanclubs \" Borussenfront\". Im November 1983 trat die NPD in Gelsenkirchen mit Skinheads bei Gegenaktionen gegen einen Fackelzug zum 45. Jahrestag der Reichskristallnacht und bei einer Feierstunde zum Volkstrauertag auf. In K\u00f6ln wurde im Dezember 1983 die Vorf\u00fchrung des Films \" Der ewige Jude\" in der Volkshochschule durch Rechtsextremisten - vorwiegend Mitglieder der WikingJugend - gest\u00f6rt, die von Skinheads unterst\u00fctzt wurden. 1.8 Kulturgruppen 12","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die rechtsextremistischen Kulturund Weltanschauungsvereinigungen weisen fast alle - insbesondere aufgrund der \u00dcberalterung ihrer Mitglieder - Verfallserscheinungen auf. Sie sind 1983 in Nordrhein-Westfalen \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung getreten. Bei der in den Medien mehrfach genannten Europ\u00e4ischen Arbeiterpartei (EAP) handelt es sich um eine Splittergruppe (NW: ca. 30 Mitarbeiter, Bund: 200 - 250), deren Ziele eine eindeutige Zuordnung zu traditionellen extremistischen Richtungen noch nicht zulassen. Das in ihren Verlautbarungen erkennbar werdende Sendungsbewu\u00dftsein und die Theorien einer gegen sie gerichteten weltweiten Verschw\u00f6rung waren Anla\u00df, die EAP in den im September 1983 erschienenen Bericht der Landesregierung \u00fcber Jugendreligionen aufzunehmen. 1.9 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Ende 1983 befanden sich unter den ca. 340.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt15 Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: Die Zahl der Rechtsextremisten hat sich gegen\u00fcber dem vorangegangenen Berichtsjahr nicht ver\u00e4ndert. 13","en EI RT LANDESSPIEGEL LANDESSPIEGEL Nordrhein-Westfalen Nordrhein-Westfalen ----n bene TE re | | |","Pannen Elena Tu II | N zu Ei 4 | alle ER ff en cha e u s modern das","SARRALENDER e","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 2 Linksextremismus 2.1 Entwicklungstendenz Das organisatorische Gef\u00fcge des Linksextremismus und die Zahl der organisierten Mitglieder haben sich seit Ende 1982 nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger linksextremistischer Organisationen wird in NordrheinWestfalen weiterhin auf etwa 20.000 gesch\u00e4tzt, von denen 18.000 dem \" orthodoxen \" Linksextremismus und die restlichen 2.000 der sog. Neuen Linken zuzurechnen sind. St\u00e4rkste linksextremistische Gruppierung ist mit etwa 12.000 Mitgliedern in unserem Land (Bund: ca. 40.000) nach wie vor die Deutsche Kommunistische Partei (DKP). Die Nebenorganisationen der DKP - Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) - Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) und - Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) bildeten auch 1983 in ihrer Unterordnung und Abh\u00e4ngigkeit einen ideologisch festen Block mit der DKP. Auch in den beeinflu\u00dften Organisationen - Deutsche Friedensunion (DFU) - Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) und - Deutsche FriedensgesellschaftVereinigte Kriegsdienstgegner (DFGVK) blieben die ma\u00dfgeblichen Funktionen in H\u00e4nden kommunistischer oder eindeutig prokommunistischer Funktion\u00e4re. Die politische Bedeutung der Organisationen der sog. Neuen Linken Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) - KPD Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 17","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK), die den sowjetisch orientierten Kommunismus ablehnen und sich an den Vorstellungen der albanischen bzw. chinesischen kommunistischen Partei orientieren und grunds\u00e4tzlich bereit sind, zur Durchsetzung ihrer Ziele Gewalt anzuwenden, ging weiter zur\u00fcck. W\u00e4hrend die meisten Organisationen Mitgliederverluste und finanzielle Schwierigkeiten zu verzeichnen hatten, ist die MLPD die einzige, die als relativ stabil angesehen werden kann. Nach Anfangserfolgen in der Betriebsarbeit und in der Friedensbewegung ist allerdings auch bei ihr eine gewisse Stagnation eingetreten, die u. a. durch Auseinandersetzungen in den F\u00fchrungsgremien bedingt ist. Obwohl die MLPD die mitgliederst\u00e4rkste Organisation der dogmatischen Neuen Linken darstellt, ist ihr politischer Einflu\u00df insgesamt gering. Neben den ideologisch festgelegten Parteien und Organisationen gibt es eine Reihe von Gruppen, deren Anh\u00e4nger die dogmatische Konzeption des MarxismusLeninismus ablehnen und eigene, unabh\u00e4ngige politische Zielvorstellungen entwickeln. Von diesen, im \u00fcbrigen in Nordrhein-Westfalen unbedeutenden, Gruppen sind lediglich die militanten Autonomen hervorzuheben. Sie haben kein gemeinsames politisches Gesamt-Konzept, finden sich aber in dem Ziel, das von ihnen so genannte \" Schweine-System \" zu zerschlagen und an Stelle des demokratischen Rechtsstaats eine herrschaftslose Gesellschaft zu errichten. Ihre M\u00f6glichkeiten werden zwar noch gering bewertet; da sie jedoch Gewalt propagieren und auch anwenden sowie punktuell mit Kr\u00e4ften des terroristischen Umfeldes zusammenarbeiten, d\u00fcrfen sie nicht untersch\u00e4tzt werden. Besonderer Schwerpunkt der Bestrebungen aller linksextremistischen Organisationen war der Versuch, auf die Friedensbewegung, die im \"Stationierungsjahr\" 1983 eine Vielzahl von \u00f6rtlichen und \u00fcber\u00f6rtlichen Aktionen brachte, Einflu\u00df zu nehmen. Trotz \u00f6rtlicher Erfolge in der Einflu\u00dfnahme auf lokale Friedensinitiativen kann jedoch von einer Steuerung oder Unterwanderung der Friedensbewegung durch Linksextremisten insgesamt nicht gesprochen werden. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Ziele Die DKP versteht sich als revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse mit einem besonderen historischen Sendungsbewu\u00dftsein. Ihre T\u00e4tigkeit und ihre Zielsetzung gr\u00fcndet sie auf dem \"wissenschaftlichen Sozialismus\" (Marxismus-Leninismus). Sie will das \"historisch \u00fcberlebte kapitalistische Ausbeutersystem\" revolution\u00e4r \u00fcberwinden und durch eine sozialistische Gesellschaftsordnung nach dem Grundmodell der DDR ersetzen (\"Herrschaft der\" - von der Partei gef\u00fchrten - \"Arbeiterklasse\"). Der Weg zu diesem Ziel, der \u00fcber die Zwischenstufen der \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\" und der \"antimonopolistischen Demokratie\" f\u00fchrt, wird allein vom Klassenkampf bestimmt, der alle Kampfformen umfa\u00dft und politisch, wirtschaftlich und ideologisch gef\u00fchrt wird. Ein entscheidendes Instrument zur Erreichung dieses Zieles ist f\u00fcr die DKP die B\u00fcndnispolitik, d. h. die strategische Vorstellung von der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und dem \"breiten B\u00fcndnis der demokratischen Kr\u00e4fte\", letztlich m\u00fcndend im Konzept der \"Volksfront\", dem \"Zusammenwirken aller 18","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 demokratischen Kr\u00e4fte\". Noch in den \"Materialien zum Karl-Marx-Jahr 1983\" ist zum Thema \"Arbeiterklasse und demokratische Massenbewegungen\" ausgef\u00fchrt: \"... B\u00fcndnispolitik war und bleibt immer ein fundamentaler Bestandteil der Strategie der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung...\" Vor diesem Hintergrund ist auch das Engagement der DKP in der Friedensbewegung zu sehen. Parteiorganisation Die DKP verf\u00fcgt weiterhin \u00fcber einen stets einsatzbereiten Parteiapparat. Die Anzahl der hauptamtlichen Funktion\u00e4re ist au\u00dfergew\u00f6hnlich hoch. Der Parteivorstand in D\u00fcsseldorf besch\u00e4ftigt mehr als 100 Mitarbeiter. Er leitet 12 Bezirksorganisationen im Bundesgebiet an, darunter die Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen und Rheinland-Westfalen, die - ohne Hilfskr\u00e4fte - etwa 30 weitere Funktion\u00e4re in gehobenen Positionen besch\u00e4ftigen. Von den 42 Kreisorganisationen in, Nordrhein-Westfalen werden als sogenannte Grundeinheiten etwa 300 Orts-, Stadtteilund Wohngebietsgruppen sowie etwa 120 Betriebsund Hochschulgruppen angeleitet. Finanzierung Die DKP legte im Herbst 1983 ihren Rechenschaftsbericht f\u00fcr 1982 vor. Hierin hat sie Gesamteinnahmen in H\u00f6he von DM 16.488.871,62 ausgewiesen. (1981 DM 15.102.744,13.) Mit diesen Einnahmen war sie nicht in der Lage, die Vielzahl der hauptamtlichen Mitarbeiter ordnungsgem\u00e4\u00df zu entlohnen. Hinzu kommen die Aufwendungen f\u00fcr die vielen Parteib\u00fcros, die Schulungsst\u00e4tten, die gr\u00f6\u00dfere Reiset\u00e4tigkeit der Funktion\u00e4re sowie die weitgef\u00e4cherte Publizistik und die umfangreiche Agitation. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP - wie in den Vorjahren - auch 1983 erhebliche finanzielle Zusch\u00fcsse aus der DDR erhielt. Auf dem Geldkurierweg d\u00fcrften der Partei monatlich rd. DM 5 Mio. bundesweit zugeflossen sein. Dar\u00fcber hinaus kann sich die DKP auf ein Netz kommunistischer Wirtschaftsunternehmen st\u00fctzen, die zumeist von im westlichen Ausland befindlichen Anlagegesellschaften in der Bundesrepublik Deutschland errichtet worden sind. Diese Firmen werden von der SED in Verbindung mit dem Ministerium f\u00fcr Au\u00dfenhandel der DDR gesteuert und kontrolliert. Als leitende Mitarbeiter werden nur solche Personen ausgew\u00e4hlt, die sowohl bei der DKP als auch bei der SED als besonders zuverl\u00e4ssig gelten. In dem politisch erw\u00fcnschten Handel zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR sind sie besonders engagiert. Ihnen ist aufgegeben, unter Ausnutzung aller \"kapitalistischen\" Methoden, den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Nutzen f\u00fcr die DDR zu erzielen. Zur zus\u00e4tzlichen finanziellen Unterst\u00fctzung der DKP tragen die Firmen dadurch bei, da\u00df sie hauptamtlichen Funktion\u00e4ren gut dotierte Posten \u00fcberlassen, die tats\u00e4chlich nicht wahrgenommen werden (\"Scheinarbeitsverh\u00e4ltnisse\"). Publikationen 19","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Als Zentralorgan gibt die DKP die Tageszeitung \"Unsere Zeit\" (UZ) heraus. Die Auflagenh\u00f6he betr\u00e4gt etwa 25.000, w\u00e4hrend die Wochenendausgabe mit ca. 50.000 Exemplaren hergestellt wird. Daneben erscheinen regelm\u00e4\u00dfig als wichtigste zentrale Schriften der \"DKPPressedienst\", die \"Marxistischen Bl\u00e4tter\", die \"Nachrichten\" (f\u00fcr Gewerkschaftsfunktion\u00e4re), die \"Landrevue\" (f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung), der \"infodienst\" (f\u00fcr DKP-Betriebs-, Wohngebietsund Hochschulzeitungen), die deutschsprachige Ausgabe der internationalen Zeitschrift \"Probleme des Friedens und des Sozialismus\", die Brosch\u00fcre \"Praxis\" (f\u00fcr die Parteiarbeit). Eine besondere Rolle nehmen die Betriebs-, Kreisund Stadtteilzeitungen ein. 1983 konnten in Nordrhein-Westfalen ca. 140 Betriebsund Hochschulzeitungen sowie ca. 130 Kreisund Stadtteilzeitungen festgestellt werden, deren Auflagenh\u00f6he durchschnittlich unter 10.000 Exemplaren lag. Die Schriften werden \u00fcberwiegend in der \"Hausdruckerei\" der DKP \"Plambeck & Co.\" in Neuss hergestellt. Dieses Unternehmen besch\u00e4ftigt ca. 360 Personen. Betriebsarbeit Auch im Jahr 1983 sah die DKP in den Betrieben einen \"wichtigen Kampfplatz\" f\u00fcr jeden Kommunisten und in der Unterst\u00fctzung ihrer Betriebsgruppen eine Hauptaufgabe. Es gelang der Partei aber wiederum nicht, den Einflu\u00df in den Betrieben auszubauen. Schwerpunktthema der etwa 100 Betriebsgruppen war die Arbeitslosigkeit. Mit Aktionen und st\u00e4ndiger Berichterstattung \u00fcber ihre Aktivit\u00e4ten versuchte die DKP, Einflu\u00df auf die Arbeitslosenbewegung\" zu nehmen. Weiterhin solidarisierte sich die DKP mit den Gewerkschaften bei der Forderung nach der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und versuchte, dies agitatorisch f\u00fcr sich zu nutzen. Unterst\u00fctzt wird die Betriebsarbeit durch die Herausgabe von ca. 130 Betriebszeitungen in Nordrhein-Westfalen, die in unterschiedlicher Auflage erscheinen. Schulung Die DKP hat ein umfangreiches System von Schulungseinrichtungen geschaffen, mit dem sie Mitglieder und Funktion\u00e4re ideologisch fortbildet, organisatorisch schult und agitatorisch ausbildet. Die Betriebsarbeiterschulen in Dortmund, D\u00fcsseldorf und Essen begannen ihre Jahreslehrg\u00e4nge im Januar 1983. Ihre Hauptaufgabe ist die Weiterbildung der DKP-Mitglieder, die in den Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen. Einen weiteren wesentlichen Beitrag leistet die DKP-Parteischule \"KarlLiebknecht\" in Leverkusen. Dort fanden im Jahr 1983 insgesamt 40 einw\u00f6chige Grundlehrg\u00e4nge bzw. einund zweiw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge zur Einf\u00fchrung in Teilbereiche (Kommunal-, B\u00fcndnis-, Kultur-, Frauenund Hochschulpolitik) sowie 20","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Lehrg\u00e4nge zum \"Klassikerstudium\", zur Wirtschaftsund Sozialpolitik und f\u00fcr Bildungsverantwortliche statt. Daneben stehen der DKP f\u00fcr die Schulung folgende Einrichtungen zur Verf\u00fcgung * Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. in Frankfurt/Main, * Marxistische Arbeiterbildung (MAB) in Wuppertal als Dachverband der lokalen MAB Bildungsgruppen und der Marxistischen Abendschulen, * Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau, * SED-Parteischule \"Franz Mehring \" in Ost-Berlin und * Verein Marx-Engels-Stiftung e.V. im Marx-Engels-Zentrum in Wuppertal. Schwerpunkte der Parteiarbeit 1983 standen die politischen Auseinandersetzungen um die NATO-Nachr\u00fcstung im Mittelpunkt der Parteiarbeit. Dies dr\u00fcckte sich in einer Vielzahl von Ver\u00f6ffentlichungen in Kleinzeitungen, Flugbl\u00e4ttern und Nachbarschaftsbriefen, in Versammlungen und Info-St\u00e4nden zu diesem Thema und der erheblichen personellen und organisatorischen Unterst\u00fctzung der Friedensbewegung aus. Die Folge war ein sp\u00fcrbarer R\u00fcckgang der eigentlichen innerparteilichen Arbeit, der in Kauf genommen wurde. Als positiv wertet die DKP, da\u00df bei anderen gesellschaftlichen Gruppen bestehende Ber\u00fchrungs\u00e4ngste durch die Mitwirkung in der Friedensbewegung zum Teil abgebaut worden sind und die Partei f\u00fcr Teile der Friedensbewegung inzwischen ein akzeptabler politischer Mitstreiter geworden ist. Bundestagswahl 1983 Am 22. Januar 1983 veranstaltete die DKP im Rahmen der sog. Woche der DKP (22. Januar -30. Januar 1983) in Wuppertal einen \"Bundeswahlkongre\u00df\". An der Veranstaltung nahmen ca. 1.000 Mitglieder und Funktion\u00e4re aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Vertreter der DKP-Nebenorganisationen teil. Der auf dem Kongre\u00df verabschiedete Wahlaufruf enthielt u. a. die Forderung nach einer K\u00fcrzung des R\u00fcstungshaushaltes, Verabschiedung eines 50-MilliardenBesch\u00e4ftigungsprogrammes, Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, gesicherter Ausbildung und Gleichberechtigung und Schutz der Umwelt. Trotz eines erheblichen Kostenaufwandes gelang es der DKP in Nordrhein-Westfalen nicht, die Parteimitglieder in dem gew\u00fcnschten Ma\u00dfe zu mobilisieren. In Nordrhein-Westfalen gaben ihr 32.159 W\u00e4hler ihre Erststimme = 0,3 %, 21.065 ihre Zweitstimme = 0,2 %. Sie hat gegen\u00fcber der Bundestagswahl am 5. Oktober 1980 (33.594 Erststimmen, 23.105 Zweitstimmen) eine Stimmeneinbu\u00dfe von 1.435 Erststimmen und 2.040 Zweitstimmen erlitten. 21","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Ein wesentlich \u00fcber dem Landesdurchschnitt liegendes Ergebnis konnte sie lediglich in dem Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen IV erzielen. Sie erhielt dort 1,3 % der g\u00fcltigen Erststimmen und 0,7 % der g\u00fcltigen Zweitstimmen. Delegationsreisen in die DDR Die Bezirksorganisationen Rheinlandund Ruhr-Westfalen entsandten im Jahre 1982 ca. 100 Delegationen in die DDR. Es handelte sich hierbei vorwiegend um Funktion\u00e4rsdelegationen, Delegationen mit Mitgliedern aus Stadtteilund Betriebsgruppen und \"Frauen\"-, \"Eltern\" und \"Veteranen\" -delegationen. Sie umfa\u00dften in der Regel nicht mehr als ca. 20 Personen. Zentrale Veranstaltungen * Anl\u00e4\u00dflich des Internationalen Frauentages am 8. M\u00e4rz 1983 trat die DKP mit zahlreichen politischen Aktionen unter der Losung \"Wir wollen in Frieden leben!\" in Erscheinung. Es wurden Flugbl\u00e4tter verbreitet, rote Nelken verteilt sowie auf Kreis-, Ortsund Stadtteilebene Veranstaltungen durchgef\u00fchrt. Schwerpunkte der politischen Agitation waren die Themen \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Arbeitspl\u00e4tze und soziale Sicherheit\", \"Gleichberechtigung\". * Die Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen hat am 17. Juni 1983 in der Stadthalle in Castrop-Rauxel den sog. \"Tag des Gruppenvorsitzenden\" veranstaltet. Hieran nahmen ca. 300 DKP-Funktion\u00e4re teil. * Die Bezirksorganisation Ruhr-Westfalen hat am 17./18. September 1983 in Bottrop auf der 7. Bezirksdelegiertenkonferenz einen neuen Vorstand, eine neue Schiedskommission und Revisionskommission gew\u00e4hlt. Die 507 wahlberechtigten Delegierten w\u00e4hlten Heinz CZYMEK, bisher Bezirkssekret\u00e4r f\u00fcr Kommunalpolitik, zum neuen Vorsitzenden. Stellvertretender Vorsitzender wurde Werner H\u00d6NER. Er \u00fcbte zuvor die Funktion eines Bezirkssekret\u00e4rs f\u00fcr Landwirtschaft aus. Von dem neugew\u00e4hlten, 78 Personen umfassenden Bezirksvorstand geh\u00f6rten 65 bereits dem bisherigen an. Volker SPITZ wurde als Landesvorsitzender der Jungen Pioniere und Monika SCHULZE als Landesvorsitzende der SDAJ aufgenommen. Der Bezirksvorstand hat ein 11 Personen umfassendes Sekretariat gew\u00e4hlt. * Auf der 7. Bezirksdelegiertenkonferenz der Bezirksorganisation Rheinland-Westfalen am 29./30. Oktober 1983 in K\u00f6ln wurden ebenfalls ein neuer Vorstand, eine neue Schiedskommission und die Revisionskommission gew\u00e4hlt. Die 269 stimmberechtigten Delegierten w\u00e4hlten Heinz HUMBACH wieder zum Vorsitzenden. Peter T\u00dcMMERS, stellvertretender Vorsitzender, wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Der 22","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 neugew\u00e4hlte Bezirksvorstand ist um 3 Personen auf 65 erweitert worden. Hiervon geh\u00f6rten bereits 44 dem bisherigen Bezirksvorstand an. Der Bezirksvorstand hat ein 10 Personen umfassendes Sekretariat gew\u00e4hlt. In die Bezirksschiedskommission wurden 8 Parteimitglieder und in die Bezirksrevisionskommission 7 Parteimitglieder gew\u00e4hlt. * Am 17. November in Bochum und am 19. November 1983 in D\u00fcsseldorf veranstaltete die DKP sog. Arbeiterfestkonzerte mit dem RundfunkSinfonieorchester Berlin/DDR. Sie nutzte die Veranstaltungen zur Agitation gegen die Sicherheitspolitik der Staaten des Nordatlantikpakts. * Am Parteitag vom 6.-8. Januar 1984 in N\u00fcrnberg, der unter der Losung stand \"Der Frieden mu\u00df siegen! Jetzt erst recht: Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen\", nahmen 651 ordentliche Delegierte und 127 Gastdelegierte aus dem Bundesgebiet teil. Entgegen den Angaben der DKPF\u00fchrungsgremien, da\u00df davon fast 75 % Arbeiter und Angestellte seien, lag deren Anteil in Wirklichkeit unter 50 %. Auf Einladung der DKP waren 40 Delegationen anderer kommunistischer Parteien und Vertreter sogenannter antiimperialistischer Befreiungsbewegungen sowie befreundeter Organisationen aus dem Ausland erschienen. Wie bei den fr\u00fcheren Parteitagen r\u00e4umte die DKP den Vertretern der KPdSU und der SED den Vorrang ein. Der bisherige Parteivorsitzende Herbert MIES sowie sein Stellvertreter Hermann GAUTIER wurden mit gro\u00dfer Mehrheit in ihren Funktionen best\u00e4tigt. Von den weiteren 89 Mitgliedern des neu gew\u00e4hlten Parteivorstandes wohnen 35 in Nordrhein-Westfalen. Am Vorabend des Parteitages fand die Bundeswahlversammlung zu den Europawahlen am 17. Juni 1984 statt. Die Bundesliste mit insgesamt 78 Kandidaten wird von dem Parteivorsitzenden Herbert MIES angef\u00fchrt. Die DKP strebt an, zu diesen Wahlen ein B\u00fcndnis \"linker Kr\u00e4fte\" mit einem gemeinsamen F\u00f6rderungsprogramm zu bilden. In diesem Falle w\u00fcrde sie die eigene Kandidatur zur\u00fcckziehen und zur Wahl des B\u00fcndnisses aufrufen.*) 23","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 *) Nach letzten Informationen will die DKP nunmehr auf eine eigene Kandidatur verzichten und eine sog. Friedensliste \"mit aller politischen, geistigen und organisatorischen Leistungskraft unterst\u00fctzen\". 2.3 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Auch die SDAJ war 1983 eindeutig ausgerichtet auf die aktive Mitarbeit innerhalb der Friedensbewegung. Die Hoffnung der Funktion\u00e4re, damit der SDAJ einen kr\u00e4ftigen Mitgliederzuwachs zu verschaffen, ist - soweit bekannt - nicht in Erf\u00fcllung gegangen. H\u00f6hepunkt der Aktivit\u00e4ten der SDAJ war das gemeinsam mit dem MSB am 22. und 23. Mal 1983 in Dortmund durchgef\u00fchrte 4. \"Festival der Jugend\", an dem nach polizeilichen Sch\u00e4tzungen mehr als 80.000, nach Darstellung der Veranstalter (\"UZ\" vom 24. Mai 1983) mehr als 200.000 Jugendliche teilnahmen. Politische Anliegen des Festivals waren der \"Kampf f\u00fcr den Frieden und gegen die Stationierung neuer amerikanischer Atomraketen in der Bundesrepublik Deutschland\", Treffen gegen rechts und f\u00fcr Lehrstellen und Arbeitspl\u00e4tze. Die SDAJ war auch dominierend auf dem 1. bundesweiten Sch\u00fclerkongre\u00df im Dezember 1983 in K\u00f6ln, zu dem die Konferenz der Landessch\u00fclervertretungen (KDLSV) eingeladen hatte. In einem Gru\u00dfschreiben des Bundesvorstandes der SDAJ wurde hervorgehoben, da\u00df die Mitglieder der SDAJ in den Schulen daran mitwirken w\u00fcrden, \"die K\u00e4mpfe gegen die Politik der Rechtskoalition, gegen die friedensbedrohende Stationierung der US-Raketen, gegen den Baf\u00f6g-Klau \" weiter zu entwickeln. In der verabschiedeten Resolution wird gefordert: \"Kampf gegen die Streichung des Sch\u00fclerbaf\u00f6gs, gegen Atomraketen, f\u00fcr Friedenserziehung in den Schulen, f\u00fcr die Gr\u00fcndung von bisher nicht zugelassenen Sch\u00fclervertretungen in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg.\" 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) Auf dem 8. Bundeskongre\u00df des MSB am 3./4. Oktober 1983 in M\u00fcnster unter dem Motto \"Auf Dich selber kommt es an! Nein zu Pershing II und Cruise Missile! Gemeinsam gegen rechts! Mach mit im MSB Spartakus!\" betonte der Bundesvorstand, da\u00df er mit der DKP in der marxistischen Weltanschauung und im sozialistischen Ziel \u00fcbereinstimme. Weiter erkl\u00e4rte er, da\u00df im weiteren Kampf gegen den \"Baf\u00f6g-Kahlschlag\" die Aktionseinheit mit dem SHB \"das wichtigste Kraftzentrum der Studentenbewegung f\u00fcr den Kampf gegen rechts\" bleibt. Der Kongre\u00df verabschiedete den \"Aufruf f\u00fcr eine bundesweite Urabstimmung gegen die Raketenstationierung!! F\u00fcr einen bundesweiten Streik der Studenten vom 5. - 12. Dezember 1983!!\". Er beschlo\u00df au\u00dferdem ein Frauenaktionsprogramm. Nach eigener Aussage ist \"damit der MSB Spartakus der erste Studentenverband, der auf ein umfangreiches Programm in der Frauenfrage bauen kann\". Bernd G\u00c4BLER - inzwischen auch Mitglied des Parteivorstandes der DKP - wurde zum neuen Bundesvorsitzenden des MSB gew\u00e4hlt. Der Sozialistische Hochschulbund (SHB), langj\u00e4hriger Partner des MSB in studentischen Selbstverwaltungsgremien, hat sich auf seiner 24. ordentlichen Bundesdelegiertenversammlung im Oktober 1983 in Siegen ebenfalls gegen die 24","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Nachr\u00fcstung und f\u00fcr die bundesweite Urabstimmung an den Hochschulen ausgesprochen. 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) Parallel zum \" Festival der Jugend\" am 22. und 23. Mai 1983 fand im Dortmunder Fredenbaumpark erstmals ein bundesweites Pfingsttreffen der JP statt. H\u00f6hepunkt dieses Treffens war ein \"Friedensumzug\" mit ca. 5.000 Kindern am Pfingstmontag zum Konzert \"Flieg Friedenstaube, flieg\". In der Zeit vom 24. Juli - 10. August 1983 veranstalteten die DKP und die Jungen Pioniere ihre allj\u00e4hrlichen preisg\u00fcnstigen Kinderferienreisen in die DDR. Die Kosten betrugen je Kind DM 130,-. Mit Sonderz\u00fcgen und Bussen wurden aus Nordrhein-Westfalen ca. 2.100 Kinder verschickt. Diese Reisen, die dazu dienen sollen, die Kinder als Mitglieder der JP zu werben und \u00fcber die Kinder deren Eltern f\u00fcr die Arbeit der DKP zu gewinnen, haben die in sie gesetzten Erwartungen bisher nicht erf\u00fcllt. 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen und Einrichtungen 2.4.1 Deutsche Friedens-Union (DFU) Auch die DFU setzte 1983 all ihre Kr\u00e4fte im \"Friedenskampf\" ein. Der 10. ordentliche Unionstag der DFU am 17. April 1983 in K\u00f6ln stand unter dem Motto: - Gemeinsam f\u00fcr den Frieden - Keine Raketenstationierung - Rechtstrend stoppen. Die durchgef\u00fchrten Wahlen brachten im Direktorium und im Bundesvorstand nur unwesentliche \u00c4nderungen. So wechselte Simon-Peter GERLACH aus dem Direktorium in den Vorstand. Als sein Nachfolger wurde Horst BETHGE aus Hamburg gew\u00e4hlt. 2.4.2 Deutsche Volkszeitung (DVZ) Die DVZ, bisher Sprachrohr der DFU, stellte mit der Liquidation des MonitorVerlages am 30. September 1983 aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden ihr Erscheinen ein. Der R\u00f6derberg-Verlag in Frankfurt/Main pachtete den Titel, um in Verbindung mit der von ihm herausgegebenen \"die tat\" eine neue kommunistische B\u00fcndniszeitung zu starten. Die \"Nullnummer\" der \" Deutsche Volkszeitung - die tat\" erschien am 6. September 1983. Die Redaktion der neuen Zeitung steht unter entscheidendem Einflu\u00df der DKP. Neben dem Chefredakteur Franz SOMMERFELD (ehemals Chefredakteur des 25","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 MSB-Organs \"rote bl\u00e4tter\") sind auch dessen Stellvertreterin Ruth KELLNER und weitere Mitarbeiter Mitglieder der DKP. 2.4.3 Krefelder Appell Am 17. September 1983 fand in Bonn-Bad Godesberg unter Federf\u00fchrung der DFU das 3. Forum der Krefelder Initiative mit insgesamt ca. 600 Personen statt. Josef WEBER, der auch die Gesamtleitung der Veranstaltung hatte, sagte in einem Interview (UZ vom 9. September 1983), \"das 3.Forum sei in der Reihe der vielf\u00e4ltigen Herbstveranstaltungen der Friedensbewegung zu sehen\". Weiter f\u00fchrte er aus: charakteristisch sei, \"da\u00df erstmals Sprecher von berufsbezogenen Initiativen (Richter, Journalisten, Theologen, Naturwissenschaftler, \u00c4rzte z. B.) und speziellen gesellschaftlichen Gruppen (etwa der Sportler) mit anderen Sprechern der Friedensbewegung und Repr\u00e4sentanten ausl\u00e4ndischer Friedensbewegungen gemeinsam auftreten.\" Die Unterschriftensammlung zum Krefelder Appell soll mit neuen Listen und neuem Text wiederbelebt werden. Darin hei\u00dft es: \"Der Atomtod bedroht uns alle keine Atomraketen in Europa\" \"Gest\u00fctzt auf 5 Millionen Unterschriften lehnen wir die Stationierung von Pershing 11Raketen und Marschflugk\u00f6rpern ab. Wir fordern, die beginnende Stationierung von Pershing II-Raketen und Marschflugk\u00f6rpern zu stoppen und r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen; alle Massenvernichtungswaffen in Ost und West abzubauen mit dem Ziel eines A-, B- und C-Waffen freien Mitteleuropa.\" 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Ein klarer Schwerpunkt der DFG-VK-Aktivit\u00e4ten war das Ziel der Friedensbewegung, den \"NATO-Raketenbeschlu\u00df\" politisch undurchf\u00fchrbar zu machen. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen verabschiedete \"Arbeitsschwerpunkte\" bis in das Jahr 1984 hinein. Danach will die Organisation verst\u00e4rkt gegen die \"Kriegsdienstverweigerungs-Neuregelung\" k\u00e4mpfen, die \"Kampagne f\u00fcr atomwaffenfreie St\u00e4dte und Gemeinden\" betreiben und die Aktivit\u00e4ten der Friedensbewegung mittragen. In der Zeit vom 17. - 19. Juni 1983fand in Hamm eine Gro\u00dfveranstaltung der DFG-VK \"Jugend gegen Kriegsdienst\" statt, an der ca. 8 500 Personen im Alter bis zu 30 Jahren teilnahmen. 2.5 Dogmatische Neue Linke 26","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 2.5.1 Kommunistische Partei Deutschlands (MarxistenLeninisten) - KPD - Nach eigenen Angaben ist die Mitgliederzahl der Partei seit dem IV. Parteitag 1978 auf rund 850 zur\u00fcckgegangen. Nach hiesiger Sch\u00e4tzung d\u00fcrfte die Mitgliederzahl in Nordrhein-Westfalen derzeit lediglich 150 (Bund: 400) betragen. Im April 1983 erschien erstmalig, anstelle des bisherigen theoretischen Organs \"Der Weg der Partei\", das neue theoretische Organ \" Kommunistische Hefte\". Es wird viertelj\u00e4hrlich herausgegeben. Das Zentralorgan der KPD, \"Roter Morgen\", erscheint seit September ohne t\u00fcrkischsprachigen Teil. Die KPD kandidierte zur Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz 1983 zusammen mit dem Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) innerhalb eines Wahlb\u00fcndnisses. In einem gemeinsamen Kommunique vom 16. April 1983 wurde eine engere Zusammenarbeit dieser Organisationen vereinbart. Die geplanten gemeinsamen Beratungen beider Zentralkomitees haben bisher jedoch nicht stattgefunden. Im Rahmen ihrer Protestaktionen gegen die Verurteilung von \"kommunistischen Oppositionellen\" in der DDR f\u00fchrte die KPD in der Zeit vom 29. Juni - l. Juli 1983 vor der St\u00e4ndigen Vertretung der DDR in Bonn einen Hungerstreik durch. Im November und Dezember 1983 f\u00fchrte die KPD konspirativ ihren V. ordentlichen Parteitag durch. Der bisherige Vorsitzende und Gr\u00fcnder der Partei, Ernst AUST aus Hamburg, kandidierte nicht mehr, ist aber weiterhin Mitglied des Zentralkomitees. Zum Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt wurde der einzige Kandidat Horst-Dieter KOCH aus Dortmund. KOCH war bisher langj\u00e4hriges Mitglied des Polit-B\u00fcros des Zentralkomitees der KPD. Am 17./18. Dezember 1983 traf sich das auf dem V. Parteitag neugew\u00e4hlte Zentralkomitee der KPD zu seiner ersten konstituierenden Sitzung. Es wurde ein neues Politisches B\u00fcro des Zentralkomitees gew\u00e4hlt, dem neben dem Vorsitzenden der Partei sechs weitere Mitglieder des Zentralkomitees angeh\u00f6ren. Au\u00dferdem wurde vom Zentralkomitee ein Organisationsb\u00fcro bestimmt. 2.5.2 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (Volksfront) - V - Die Mitgliederzahl f\u00fcr den Landesverband Nordrhein-Westfalen (Sitz: Aachen) wird auf 500 (Bund: 1.500) gesch\u00e4tzt. Auf Initiative der Volksfront fand am 26. und 27. Februar 1983 in Krefeld ein Kongre\u00df statt, an dem bis zu 550 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Das Thema war: \"Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg\", Schwerpunkt des Kongresses war die \"Ausl\u00e4nderproblematik\". Am 26. und 27. November 1983 f\u00fchrte die Volksfront in Frankfurt/Main ihren 3. ordentlichen Bundeskongre\u00df durch. Der bisherige Vorsitzende der Volksfront, Harry DUBINSKY aus Bad Homburg, wurde wiedergew\u00e4hlt. Die Volksfront ist bestrebt, M\u00f6glichkeiten antifaschistischen Kampfes, auch in verschiedenen Teilbereichen, aufzuzeigen und in Angriff zu nehmen. 27","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 2.5.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die Mitgliederzahl wird f\u00fcr Nordrhein-Westfalen auf 400 (Bund: 1.000) gesch\u00e4tzt. Die MLPD hat 1983 - allerdings ohne gr\u00f6\u00dferen Erfolg und ohne nachhaltige Wirkung in der \u00d6ffentlichkeit - versucht, in Betrieben aktiv zu werden und sich an Aktionen der Friedensbewegung zu beteiligen. Zur Bundestagswahl im M\u00e4rz 1983 wollte sie mit einer Vereinigten Arbeiterliste (VAL) kandidieren. Da diese die notwendige Breitenwirkung nicht erzielen konnte, ist sie im Mai 1983 auf ihrem 3. Bundeskongre\u00df wieder aufgel\u00f6st worden. Am 2. Oktober 1983 wurde das Parteihaus der MLPD in 4300 Essen, Rellinghauser Stra\u00dfe 334, offiziell eingeweiht. In dem Geb\u00e4ude sind das Zentralkomitee, die Redaktion \"Rote Fahne\" und die Repro + Druck GmbH (bisher Haan, D\u00fcsseldorfer Stra\u00dfe 10) untergebracht. Auf ihrem 5. zentralen Delegiertentag (zDT) im Herbst 1983 beschlossen die Kommunistischen Studentengruppen (KSG), Hochschulgruppen der MLPD, eine Namens\u00e4nderung in Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV). Von der Zahl der Mitglieder her, die f\u00fcr Nordrhein-Westfalen mit 20 angenommen wird, hat der MLSV nur geringe Bedeutung. 2.5.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Die Mitgliederzahlen f\u00fcr Nordrhein-Westfalen werden auf ca. 100 (Bund: 300) gesch\u00e4tzt. Am 21./22. Mai 1983 fand in Frankfurt/Main die VII. ordentliche Delegiertenkonferenz des KBW statt, an der 85 Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Anl\u00e4\u00dflich dieser Delegiertenkonferenz konstituierte sich der KBW als Verein mit Sitz in Frankfurt/Main und verabschiedete eine Satzung. In seiner Arbeitsweise geht der KBW davon aus, da\u00df nur in Kritik des modernen Kapitalismus und des (sowjetischen) Staatsmonopolismus eine Strategie der Emanzipation der Arbeit, d. h. des Kommunismus, entwickelt werden kann. Er will seine bundesweiten Arbeitsund Diskussionszusammenh\u00e4nge st\u00e4rken und dabei die Zusammenarbeit mit Kr\u00e4ften, die \u00e4hnliche Ziele verfolgen, suchen. Am 1./2. Oktober 1983 fand eine Sitzung der KBW-Bundesleitung statt, auf der ein neuer Bundesvorstand gew\u00e4hlt wurde. Erster Vorsitzender ist G\u00fcnter SCHABRAM aus Aachen, stellvertretende Vorsitzende Annemarie NIKOLAUS aus Berlin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Georg DUFFNER aus Karlsruhe. Anstelle der bisherigen Wochenzeitung (Kommunistische Volkszeitung - KVZ) und der theoretischen Zeitschrift (Kommunismus und Klassenkampf - KuK) gibt der KBW seit Januar 1983 die politische Monatszeitschrift \"Kommune - Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie\" heraus. Die Zeitschrift erreicht eine durchschnittliche monatliche Verkaufsauflage von ca. 2.600 Exemplaren. Nach eigenen Angaben vom April 1983 betrug das monatliche Defizit durchschnittlich DM 12.500,pro Monat. 2.5.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 28","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die Mitgliederzahl des BWK wird in Nordrhein-Westfalen auf 60 (Bund: 450) gesch\u00e4tzt. Der BWK f\u00fchrte am 1./2. April 1983 in Hannover seine 3. ordentliche Delegiertenkonferenz durch, zu der auch Vertreter anderer Gruppen der Neuen Linken eingeladen worden waren, Nicht nur durch die Beteiligung anderer Organisationen, sondern auch in der Thematik und Diskussion der Delegiertenkonferenz wurde das Bem\u00fchen des BWK um Fortschritte in der \"Vereinigung der revolution\u00e4ren Sozialisten\" deutlich. Als ein Ergebnis dieser Bem\u00fchungen ist die im Kommunique von KPD und BWK vom 16. April 1983 erkl\u00e4rte Absicht anzusehen, k\u00fcnftig ernsthaft weiter zusammenarbeiten zu wollen. Dies soll u. a. in der Herausgabe einer gemeinsamen theoretischen Zeitschrift erfolgen. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des ZK des BWK-Bundesvorstandes ist nach wie vor J\u00f6rg DETJEN (Hannover). 2.5.6 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der vom AB getragene \"F\u00f6rderkreis zur westdeutschen Erstauff\u00fchrung des Herrnburger Berichts von Bertold BRECHT und Paul DESSAU am 11. Mai 1983 in Essen e.V.\" hat am 11. Mai 1983 in Essen den \"Herrnburger Bericht\" vor 450 Personen aufgef\u00fchrt. In diesem Zusammenhang hatten schon vor der Auff\u00fchrung ca. 30 Anh\u00e4nger des AB, bekleidet mit den Uniformhemden der Freien Deutschen Jugend (FDJ), an der R\u00fcttenscheider Br\u00fccke in Essen eine Mahnwache zum 31. Todestag des Kommunisten Philipp M\u00dcLLER gehalten. Ferner warben meist aus S\u00fcddeutschland angereiste AB-Anh\u00e4nger mit Info-St\u00e4nden, Flugbl\u00e4ttern und Plakatklebeaktionen f\u00fcr den Besuch der Auff\u00fchrung. 2.5.7 Marxistische Gruppe (MG) MG und BWK riefen zum 17. Juni, \"dem Gro\u00dfkampftag des deutschen Nationalismus und seiner Friedensheuchelei\", auf zu einer Gegendemonstration in Bonn mit dem Thema \"Gegen den BRD-Imperialismus! Gegen die gewaltsame deutsche Wiedervereinigung im NATO-Weltkrieg\". An der st\u00f6rungsfrei durchgef\u00fchrten Demonstration nahmen statt der 20.000 erwarteten nur ca. 6.500 Demonstranten teil. Wie in den Vorjahren f\u00fchrte die MG \u00f6ffentliche Veranstaltungen in Hochschulen bzw. Gastst\u00e4tten durch, die teilweise bis zu 200 Besucher hatte. Neben den bisher bekannten St\u00fctzpunkten in Bochum und Dortmund wird als weiterer der Marxistische Buchladen in Bonn angesehen. 2.6 Undogmatische Neue Linke Undogmatische Links-Extremisten lehnen die bindenden ideologischen Grundlagen des Marxismus-Leninismus ab und streben einen eigenst\u00e4ndigen Sozialismus an. Dessen Inhalte stehen bei den verschiedenen Gruppierungen in 29","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 unterschiedlichem Umfang im Widerspruch zu tragenden Grunds\u00e4tzen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. 2.6.1 Militante Autonome Aus dem zum Teil schwer zu definierenden Spektrum der \" Undogmatischen \" haben die militanten Autonomen besondere Bedeutung erlangt. Sie und ihre Anh\u00e4nger bezeichnen die demokratische Grundordnung als ein \" SchweineSystem \", das sie in eine herrschaftslose Gesellschaft ver\u00e4ndern wollen. Ihre Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt ist vielfach durch entsprechendes Handeln unterstrichen worden. In Schriften militanter Autonomer findet sich der Slogan, der eine wesentliche Zielvorstellung wiedergibt: \"Zerschlagt die NATO! Zerschlagt den Staat! Zerschlagt Justizund Knastapparat! Unser Kampf wird niemals enden, auch nicht hinter Zuchthausw\u00e4nden!\" Trotz \u00dcbereinstimmung in manchen Grundfragen bestehen gemeinsame und von allen getragene bindende politische Gesamtkonzeptionen nicht. Die Autonomen sind auch lediglich \u00f6rtlich organisiert, haben aber selbst hier keine festen Organisationsstrukturen. \u00dcber\u00f6rtliche Zusammenschl\u00fcsse sind auch in Ans\u00e4tzen nicht erkennbar. In Nordrhein-Westfalen haben insbesondere militante Autonome die Krawalle am 25. Juni 1983 in Krefeld ausgel\u00f6st. Ca. 1.000 Randalierer, die auch aus anderen Teilen der Bundesrepublik angereist waren, begingen Ausschreitungen, vornehmlich gegen den an diesem Tag in Krefeld weilenden US-Vizepr\u00e4sidenten Bush. 2.6.2 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf die UmweltschutzBewegung Das Bed\u00fcrfnis nach verbesserten Ma\u00dfnahmen zum umfassenden Schutz der Umwelt ist zunehmend breiten Kreisen der Bev\u00f6lkerung bewu\u00dft geworden. In den vergangenen Jahren richteten sich die Umweltschutzkampagnen vornehmlich gegen die Nutzung der Kernenergie-, heute richten sich die Angriffe gegen alle die Umwelt gef\u00e4hrdenden Einrichtungen und Ma\u00dfnahmen. Obwohl sich an den Kampagnen auch Extremisten - vornehmlich der Neuen Linken - beteiligten, kann von einer Steuerung oder Unterwanderung der Umweltschutzbewegung insgesamt keine Rede sein. Die Erfahrungen im Jahre 1983 haben vielmehr gezeigt, da\u00df sich selbst Extremisten dem \u00fcberwiegend gewaltlosen Potential innerhalb der Umweltschutzbewegung untergeordnet haben, zumal auch in extremistischen Kreisen unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die Frage der Anwendung von Gewalt bei der Durchf\u00fchrung insbesondere gr\u00f6\u00dferer Veranstaltungen bestehen. 2.6.3 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf Aktivit\u00e4ten gegen Munitionstransporte 30","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Militante Protestaktionen gegen Munitionstransporte der US-Streitkr\u00e4fte in den Niederlanden lenkten 1982 die Aufmerksamkeit linksextremistischer Gruppen in Norddeutschland auf die im Bundesgebiet von Nordenham ausgehenden Munitionstransporte und auf den regelm\u00e4\u00dfig verkehrenden Milit\u00e4rzug Bremerhaven - Berlin. Bei einem Treffen des Bundes Autonomer Friedensgruppen (BAF) am 26./27. Februar 1983 in Frankfurt/Main wurde das Thema \"US-Munitionstransporte\" vorgestellt. Weitere Bundestreffen fanden hierzu im M\u00e4rz, Mai, Juli, September und November 1983 statt. Schwerpunkte waren dabei die Absprache \u00fcber die Aussp\u00e4hung der Transportwege sowie der Aufbau einer bundesweiten Telefonkette, um Behinderungsund Blockadeaktionen vorzubereiten. Hierzu f\u00fchrt \"die tageszeitung \" vom 5. Juli 1983 aus: \"Problematisch, so bekannten die Aktivisten in den Arbeitsgruppen, gestaltet sich die Beschaffung verl\u00e4\u00dflicher Informationen \u00fcber Zeitpl\u00e4ne und exakte Routen. Unregelm\u00e4\u00dfige Eins\u00e4tze von Sonderz\u00fcgen und - schiffen sowie kurzfristige Umleitungen verursachten Frust und Demobilisierung' ' Angesichts dieser Schwierigkeiten, die einer effektiven Behinderung der Munitionstransporte zuwiderlaufen, beschr\u00e4nken sich die Hauptaufgaben der Blockadegruppen noch in erster Linie auf die ,Auskundschaft' der Infrastruktur. Zur schnellen Koordination der dezentralen Blockaden wird eine bundesweite Telefonkette verdichtet\". Bundesweit lagen die Schwerpunkte der Aktionen gegen die Munitionstransporte im norddeutschen Raum, und zwar mit Blockaden am 13. und 14. in Nordenham und am 15. Oktober 1983 mit einer Gro\u00dfdemonstration in Bremerhaven. Die Aktionen waren als Ausdruck des Protestes gegen die gesamte \"Milit\u00e4rregion Bremen/Bremerhaven\" gedacht. In Nordrhein-Westfalen ist es nur zu kleineren Zwischenf\u00e4llen gekommen, die sich auf das Werfen von Farbbeuteln, Farbschmierereien, das Zeigen von Transparenten \"Stoppt die Munitionstransporte\" und das Entfernen von NATO-Verkehrszeichen beschr\u00e4nkten. 2.7 Trotzkismus Die verschiedenen trotzkistischen Gruppierungen sind im Laufe des Jahres 1983 in Nordrhein-Westfalen in der \u00d6ffentlichkeit kaum in Erscheinung getreten. Lediglich der Sozialistische Jugendbund (SJB), die deutsche Sektion des \"Internationalen Jugendkomitees der Vierten Internationale\", veranstaltete anl\u00e4\u00dflich des 100. Todestages von Karl MARX im M\u00e4rz 1983 den internationalen \"Marx-Marsch von Trier nach London\", der ohne gr\u00f6\u00dfere Resonanz bei der Bev\u00f6lkerung st\u00f6rungsfrei verlief. 2.8 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Ende 1983 befanden sich unter den ca. 340.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt - 223 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: 31","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die Zahl der Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst hat sich gegen\u00fcber dem vorangegangenen Berichtsjahr um 24 erh\u00f6ht. Die Steigerung ist im wesentlichen auf eine verbesserte Erkenntnislage der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde zur\u00fcckzuf\u00fchren. Dar\u00fcber hinaus ist in Einzelf\u00e4llen die \u00dcbernahme in den \u00f6ffentlichen Dienst auf Anregung der Gerichte erfolgt. 32","Der, ehrheit! her Muindekaiie pe DKP fordert jetzt erWu, 1|250 f. FaelapzyfIHt Ir;faal 1 er a 2a|e De FE ES SEESET eg Te 5 u u ne eh | LHEp salen N tl lla fa","LE ia Prukekerierwe Los nF nie u r Hennef: rende ns \"ir Miiiui il HN Kuna en ei = -- sche | re","* RoterPfeil El El E Schblertie Melenienrerbande -- HLET IT Tg =ug SEEEn Te","\"damit 1083wotz Kohl kein eunin. wird","u De N [u Ben - - = \" | Montag. 2144.16 N,Bundeshaus 'Jeizterst recht... Widerstand","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 3 Terrorismus 3.1 Entwicklungstendenz Im Bereich des deutschen linksextremistischen Terrorismus geht von den \u00fcberregionalen terroristischen Vereinigungen Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) und Rote Armee Fraktion (RAF) trotz der 1983 nachlassenden Aktivit\u00e4ten weiterhin eine ernstzunehmende terroristische Bedrohung aus. Die Zahl der Anschl\u00e4ge der RZ ist im Berichtsjahr in Nordrhein-Westfalen gegen\u00fcber dem Vorjahr von 10 auf 6 zur\u00fcckgegangen. Bemerkenswert ist hierbei, da\u00df die Rote Zora, die sich selbst als Autonome Frauengruppe in den Revolution\u00e4ren Zellen\" bezeichnet, 1983 f\u00fcr vier der sechs ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge der RZ die Verantwortung \u00fcbernahm. Die RAF hat sich offenbar von den R\u00fcckschl\u00e4gen, die sie durch die Festnahmen f\u00fchrender Mitglieder im November 1982 bzw. im M\u00e4rz 1983 erlitt, noch nicht erholt. Ihre noch im Untergrund lebenden Mitglieder bilden jedoch weiterhin ein gef\u00e4hrliches terroristisches Potential. \u00d6rtliche terroristische Aktionen weisen darauf hin, da\u00df die Bedeutung des Kleingruppen-Terrorismus nicht untersch\u00e4tzt werden darf; insbesondere zeigt sich nunmehr auch im Umfeld der RAF eine zunehmende Bereitschaft, terroristische Gewaltakte zu ver\u00fcben. Insgesamt wurden 1983 im Landesbereich NordrheinWestfalen 58 Brandund 20 Sprengstoffanschl\u00e4ge registriert. 3.2 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) Die Auswahl der Zielobjekte macht das Selbstverst\u00e4ndnis der RZ vom \"Widerstand auf allen Ebenen\" und die Strategie der Ankn\u00fcpfung an tats\u00e4chliche oder vermeintliche Mi\u00dfst\u00e4nde deutlich, In den meist umfangreichen ideologischen Begr\u00fcndungen der Tatbekenntnisse werden u. a. die Ausbeutung der Frauen aus der Dritten Welt, die Entwicklungshilfepolitik, die Beteiligung von Firmen an milit\u00e4rischen Projekten sowie die Sammlung personenbezogener Daten durch private Auskunfteien kritisiert. Die RZ bekannten sich in Nordrhein-Westfalen zu folgenden Anschl\u00e4gen: 08.03.1983 Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Botschaft der Republik Philippinen in Bonn (Rote Zora). 08.03.1983 Versuchter Brandanschlag auf den PKW eines Reiseb\u00fcrokaufmanns in K\u00f6ln (Rote Zora). 13.06.1983 Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Konrad-AdenauerStiftung in Sankt Augustin (Revolution\u00e4re Zellen). 06.11.1983 Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude der Firma Siemens in Witten-Annen (Rote Zora). 06.11.1983 Sprengstoffanschlag auf das Justizvollzugsamt in Hamm (Revolution\u00e4re Zellen). 38","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 31.12.1983 Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Firma Creditreform in Neuss (Rote Zora). 3.3 Rote Armee Fraktion (RAF) und RAF-Umfeld Die RAF ist seit der Entdeckung zahlreicher Erddepots im Jahre 1982 sowie der Festnahme f\u00fchrender Mitglieder im November 1982 stark geschw\u00e4cht. 1983 traten weitere R\u00fcckschl\u00e4ge hinzu: - Im K\u00f6lner K\u00f6nigsforst wurde am 10. Januar 1983 ein weiteres Erddepot gefunden, in dem u. a. drei Handgranaten und schriftliche Unterlagen lagerten. - Am 1. M\u00e4rz 1983 konnte Gisela DUTZI in Darmstadt festgenommen werden. Sie f\u00fchrte eine gro\u00dfkalibrige Pistole, eine 100-Dollar-Banknote aus dem L\u00f6segeld im Entf\u00fchrungsfall Palmer, einen gef\u00e4lschten Bundespersonalausweis sowie schriftliche Unterlagen mit konspirativen Notizen bei sich. - Der Deutschen Botschaft in Paris stellte sich am 17. Oktober 1983 ein mutma\u00dfliches RAF-Mitglied, das am selben Tag in die Bundesrepublik Deutschland zur\u00fcckgebracht wurde. Am 11. Oktober 1983 wurde vor dem Oberlandesgericht in D\u00fcsseldorf, unter starker Beachtung bei den Anh\u00e4ngern der RAF, die Hauptverhandlung gegen die angeklagten mutma\u00dflichen RAF-Mitglieder Adelheid SCHULZ und Rolf Clemens WAGNER er\u00f6ffnet; beiden wird u. a. vorgeworfen, 1977 an dem Mordund Entf\u00fchrungsfall Schleyer beteiligt gewesen zu sein. Personen des Umfeldes der RAF sind offenbar in zunehmendem Ma\u00dfe bereit, selbst terroristische Gewalttaten zu ver\u00fcben. Die Tatbekenntnisse zu folgenden terroristischen Anschl\u00e4gen lassen vermuten, da\u00df es sich bei den T\u00e4tern um militante Anh\u00e4nger der RAF handelt: 28.02.1983 Sprengstoffanschlag auf ein Geb\u00e4ude in D\u00fcsseldorf, das etwa zur H\u00e4lfte von der Firma Standard-Elektronik Lorenz (SEL) angemietet ist. 07.06.1983 Brandanschlag auf das Geb\u00e4ude des Landgerichts Wuppertal. 09.06.1983 Brandanschlag auf ein Kabellager der Firma Siemens in Bielefeld. 30.06.1983 Brandanschlag auf das Geb\u00e4ude der Justizvollzugsschule in Wuppertal. 20.11.1983 Sprengstoffanschlag auf das Dienstgeb\u00e4ude 11 des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen in D\u00fcsseldorf sowie versuchter Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Firma Honeywell-Bull in D\u00fcsseldorf. 39","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Daneben haben Personen des RAF-Umfeldes auf Veranstaltungen sowie durch die Verbreitung von Schriften, deren st\u00e4ndige Forderung - insbesondere auch nach den Krawallen in Krefeld - die \"Zusammenlegung der Gefangenen aus der RAF und dem antiimperialistischen Widerstand\" ist, versucht, die politischen Vorstellungen der RAF zu vermitteln. Wichtige Ankn\u00fcpfungspunkte ihrer Aktivit\u00e4ten bildeten auch die NATO und in diesem Zusammenhang besonders das Thema Nachr\u00fcstung. Den RAFAnh\u00e4ngern ist es jedoch nicht gelungen, Einflu\u00df auf die Friedensbewegung zu gewinnen. Erfolglos blieb auch das Bestreben, zusammen mit militanten Autonomen und anderen gewaltbereiten Kr\u00e4ften eine gemeinsame \"Antiimperialistische Front\" im Sinne der von der RAF verfolgten Zielvorstellung aufzubauen. 3.4 Sonstiges terroristisches Umfeld Im Umfeld des Terrorismus waren neben den RAF-Anh\u00e4ngern auch andere Personen und Gruppen aktiv, die dem militanten Widerstand gegen\u00fcber dem Staat nahestehen oder ihn bef\u00fcrworten. - So kam es im Rahmen bundesweiter \"Knastaktionstage\" am 11. Juni 1983 in K\u00f6ln und Wuppertal zu \u00f6ffentlichen Aktionen vor den Justizvollzugsanstalten. W\u00e4hrend in K\u00f6ln ' rund 50 Anh\u00e4nger und Unterst\u00fctzter des \"Autonomen Knastprojektes\" auf vermeintliche Mi\u00dfst\u00e4nde, u. a. bei der \u00e4rztlichen Versorgung, und die Isolationssituation hinwiesen, versuchten in Wuppertal rund 70, gr\u00f6\u00dftenteils vermummte Personen - darunter auch RAF-Anh\u00e4nger-, zur Justizvollzugsanstalt zu gelangen. - Im Zusammenhang mit dem Hungerund Durststreik eines Terroristen der fr\u00fcheren \"Bewegung 2. Juni\", der zur Zeit in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bielefeld-Brackwede eine mehrj\u00e4hrige Freiheitsstrafe verb\u00fc\u00dft, sammelten sich am Abend des 29. Oktober 1983 rund 40 Personen vor der JVA zu einer nicht angemeldeten Demonstration; dabei warfen sie Feuerwerksk\u00f6rper und Farbbeutel gegen die Anstaltsmauer. Unbekannte T\u00e4ter dieser Gruppe bespr\u00fchten in der anschlie\u00dfenden Nacht das Haus des Anstaltsarztes mit Parolen drohenden und beleidigenden Inhalts, gleichzeitig spr\u00fchten sie Butters\u00e4ure ins Haus; Farbspr\u00fchaktionen anl\u00e4\u00dflich des Hungerstreiks wurden in derselben Nacht auch im Stadtbereich von B\u00fcnde durchgef\u00fchrt. - Am 10.November 1983 wurde ein seit mehreren Jahren besetztes Haus in Bielefeld von den Besetzern verlassen vorgefunden. Das Haus, ein ehemaliges Fabrikgeb\u00e4ude, war gegen eine zwangsweise R\u00e4umung mit teilweise gef\u00e4hrlichen Sperrvorrichtungen versehen und festungs\u00e4hnlich ausgebaut worden. \u00dcber eine verborgene Fallt\u00fcr f\u00fchrte ein 15 Meter langer Fluchttunnel unter der Stra\u00dfe hinweg zum Keller eines gegen\u00fcber liegenden Nachbarhauses. Das ehemalige Fabrikgeb\u00e4ude hatte in der 40","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Vergangenheit Personen des terroristischen Umfeldes als Treffpunkt und Aufenthaltsort gedient. Als Sprachrohr des terroristischen Umfeldes und des \"Autonomen Widerstands\" in Nordrhein-Westfalen kann die in Dortmund erscheinende Schrift \"Regenbogen\" gelten. In ihr werden u. a. Tatbekenntnisse terroristischer Gruppen, so der Revolution\u00e4ren Zellen/Rote Zora, ver\u00f6ffentlicht. 3.5 Weitere linksterroristische oder sonstige links-extremistisch motivierte Gewalttaten Terroristische oder militante Kleingruppen \u00f6rtlicher Bedeutung, deren ideologischer Standort von der Ausrichtung auf die RAF \u00fcber den \"Autonomen Widerstand\" bis zu politisch-extrem kaum einzuordnenden Vorstellungen reicht, sind f\u00fcr mehrere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge und andere militante Aktionen verantwortlich. Zu erw\u00e4hnen sind: 25.01.1983 Sachbesch\u00e4digung (Einwerfen von Fensterscheiben und Glast\u00fcren) zum Nachteil der Generalstaatsanwaltschaft in D\u00fcsseldorf, offenbar im Zusammenhang mit einem Verfahren nach SS 129 a StGB u. a., in dem elf Personen aus Wuppertal von der GStA D\u00fcsseldorf vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf angeklagt sind. 07.03.1983 Brandanschlag auf das Fraunhofer-Institut M\u00fcnster mit betr\u00e4chtlichem Sachschaden. In einem Bekennerschreiben wird der Anschlag begr\u00fcndet mit einem Gutachten des Instituts \u00fcber CS-(Tr\u00e4nen)Gas. 08.06.1983 Brandanschlag auf ein Labor f\u00fcr Tierversuche der Firma Hazleton in M\u00fcnster mit einem Sachschaden von rund DM 200.000. 13.06.1983 Ablegen einer Bombenattrappe am Neubau des Polizeidienstgeb\u00e4udes in Paderborn im Zusammenhang mit der Grundsteinlegung, die am selben Tag in Anwesenheit des Innenministers des Landes Nordrhein-Westfalen erfolgte. Zur Tat bekannte sich eine \" Revolution\u00e4re Zuckerzelle Paderborn\". 24.06.1983 Versuchter Sprengstoffbzw. Brandanschlag auf das Firmenfahrzeug eines US-amerikanischen Unternehmens in D\u00fcsseldorf. 08.08.1983 Brandanschlag auf das Baub\u00fcro einer Firma in Bielefeld, die dort im Rahmen der Stadtsanierung Bauarbeiten ausf\u00fchrt. 12.09.1983 Brandanschl\u00e4ge auf die D\u00fcsseldorfer Niederlassungen der Firmen Daimler-Benz, Rheinmetall und Thyssen, durch die zum Teil erheblicher Sachschaden entstand. In einem Bekennerschreiben wird der Jahrestag der Macht\u00fcbernahme 41","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei am 12. 9.1980 als Anla\u00df f\u00fcr die Anschl\u00e4ge genannt, zur \"Solidarit\u00e4t mit dem Kampf der politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei und in der BRD\" aufgerufen sowie der Freitod des t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen ALTUN erw\u00e4hnt. 13.09.1983 Sprengstoffanschlag auf das Amtsgericht in M\u00fcnster, der nach einem Tatbekenntnis ebenfalls im Zusammenhang mit dem Selbstmord des T\u00fcrken ALTUN steht. 42","RZ-Sprengstoffanschlag auf Konrad-Adenauer-Stiftung in St. Augustin am 13.6. 1983","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 4 Ausl\u00e4nderextremismus 4.1 Entwicklungstendenz Im Berichtszeitraum ist die Gesamtzahl der in Nordrhein-Westfalen lebenden Ausl\u00e4nder gegen\u00fcber dem Vorjahr (1,443 Mio.) erstmalig auf 1,402 Mio. gesunken. Der Anteil ausl\u00e4ndischer Extremisten liegt weiterhin bei insgesamt \u00fcber 20.000. Von den Organisationen der T\u00fcrken (mit sch\u00e4tzungsweise 15.000 bis 16.000 Anh\u00e4ngern) gingen die meisten ausl\u00e4nderextremistischen Aktivit\u00e4ten aus. Dabei herrscht nach wie vor Konfrontation zwischen Linksund Rechtsextremisten, ohne da\u00df es jedoch 1983 in Nordrhein-Westfalen - anders als im \u00fcbrigen Bundesgebiet und in den Vorjahren - zu blutigen Zusammenst\u00f6\u00dfen gekommen ist; es wurden lediglich rechtsextremistische Veranstaltungen durch linksgerichtete T\u00fcrken gest\u00f6rt. Gewaltt\u00e4tigkeit gab es allerdings zwischen verfeindeten Linksextremisten. Im Vordergrund der Aktivit\u00e4ten linksextremistischer T\u00fcrken steht weiterhin der Kampf gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime. Versch\u00e4rft haben die t\u00fcrkischen Linksextremisten ihre Agitation gegen die Bundesrepublik Deutschland. Daneben wirken sie an \"antiimperialistischen\" und \"antifaschistischen\" Veranstaltungen insbesondere deutscher Kommunisten mit. Erstmals ist eine gewaltt\u00e4tige linksextremistische T\u00fcrkenorganisation im Bundesgebiet verboten worden. Die armenischen und die kurdischen Extremistengruppen traten durch ihre - teils gewaltsamen - Autonomiebestrebungen und durch Racheaktionen auch weiterhin in Erscheinung. Unter den Iranern h\u00e4lt die Polarisierung zwischen extremistischen Khomeini-Anh\u00e4ngern und -Gegnern an. Afghanische und pakistanische Extremistengruppen k\u00e4mpfen von deutschem Boden aus immer noch gegen die Regime in ihren Heimatl\u00e4ndern. Der anhaltende Machtkampf innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation PLO, die mit Untergliederungen auch in NordrheinWestfalen vertreten ist, wird m\u00f6glicherweise nicht ohne Auswirkungen bleiben; insbesondere israelische, j\u00fcdische und amerikanische Einrichtungen sind gef\u00e4hrdet. Angebliche Revolution\u00e4re aus Kroatien drohten deutschen Geldinstituten und Reiseunternehmen, die Kredite an Jugoslawien gew\u00e4hren bzw. JugoslawienReisen vermitteln. Erneut wurden deutsche Urlauber in Flugbl\u00e4ttern gewarnt, ihren Urlaub in Jugoslawien zu verbringen. Drei Mordanschl\u00e4ge gegen f\u00fchrende kroatische Exilpolitiker in der Bundesrepublik Deutschland werden dem jugoslawischen Geheimdienst angelastet. Serbischen Nationalistenf\u00fchrern in Nordrhein-Westfalen gingen erneut Morddrohungen zu. Ein Schu\u00dfwaffengebrauch deutet auf die Bereitschaft unter kosovost\u00e4mmigen Exiljugoslawen hin, die Autonomie der Provinz Kosovo innerhalb des jugoslawischen Staates durch Gewaltakte zu erlangen. Anschl\u00e4ge wurden im Berichtszeitraum der rum\u00e4nischen Botschaft in K\u00f6ln - m\u00f6glicherweise von Exilrum\u00e4nen - sowie der UdSSR-Botschaft in Bonn und der sowjetischen Fluggesellschaft AEROFLOT in K\u00f6ln - nach dem Abschu\u00df eines s\u00fcdkoreanischen Verkehrsflugzeuges (Ende August 1983) - angedroht. Zahl44","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 reiche telefonische Bombendrohungen richteten sich gegen den britischen Radiosender BFBS in K\u00f6ln, das britische Hauptquartier in M\u00f6nchengladbach und andere Einrichtungen der Britischen Rheinarmee. Bei den englisch-sprechenden anonymen Anrufern kann es sich um Sympathisanten der irischen Untergrundorganisationen IRA, PIRA oder INLA gehandelt haben, die in der Vergangenheit Anschl\u00e4ge auf britische Milit\u00e4rs und Einrichtungen in NordrheinWestfalen ver\u00fcbten. Erstmals machte eine franz\u00f6sische rechtsextremistische Organisation in unserem Land auf sich aufmerksam. 4.2 T\u00fcrken Rechtsextremisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - T\u00fcrk-F\u00f6deration - Bei der T\u00fcrk-F\u00f6deration, die bekanntlich als Sammelbecken der in Deutschland lebenden sog. \"Grauen W\u00f6lfe\" gilt, handelt es sich um einen extrem nationalistischen und militant antikommunistischen Dachverband, dem \u00fcber 100 Mitgliedsvereine angeschlossen sind. Auf dem Jahreskongre\u00df der Organisation am 7. Mai 1983 in Gerlingen bei Stuttgart ist bis zur erwarteten Freilassung des an Italien ausgelieferten Serdar CELEBI dessen Stellvertreter mit dem Vorsitz betraut worden. Mit einer Reihe von Jugendkongressen verst\u00e4rkte die T\u00fcrk-F\u00f6deration ihre Werbung unter Jugendlichen, um dem schon im Vorjahr eingetretenen Mitgliederschwund entgegenzuwirken. F\u00fcr Nordrhein-Westfalen fand ein solcher Jugendkongre\u00df am 30. April 1983 mit bis zu500 Teilnehmern in Solingen statt. Kulturund Idealistenvereine Die in Nordrhein-Westfalen bestehenden rd. 30 der T\u00fcrk-F\u00f6deration angeh\u00f6renden Kulturoder Idealistenvereine, in denen die t\u00fcrkischen \"Grauen W\u00f6lfe\" verkehren, f\u00fchrten im Berichtszeitraum insgesamt eine F\u00fclle von Kultur-, Folkloreund sonstigen Veranstaltungen mit politischem Einschlag durch. Hiergegen richtete sich vielfach Protest t\u00fcrkischer und deutscher Linksextremisten. Einige Veranstaltungen wurden durch linksextremistische Landsleute gest\u00f6rt. T\u00fcrkische Union Europa Die islamisch-fundamentalistisch, betont antikommunistisch ausgerichtete T\u00fcrkische Union Europa e.V., die sich seit Jahresbeginn auch Islamische Union Europa nennt, hielt ihre Jahreshauptversammlung 1983 Anfang April in Hannover ab. Es nahmen rund 2.000 Vorstandsvertreter aus 258 Mitgliedsvereinen teil, darunter aus 23 Vereinen des Bezirks Rheinland und 30 Vereinen des Bezirks Ruhr. Der bisherige Vorstand wurde wiedergew\u00e4hlt. Linksextremisten Orthodoxe Kommunisten und Neue Linke 45","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Die linksextremistischen Gruppen der T\u00fcrken teilen sich in orthodoxkommunistische (moskautreue) und Organisationen der Neuen Linken. Sie alle k\u00e4mpfen f\u00fcr eine Revolution im Heimatland, unterscheiden sich jedoch in ihrer Ideologie, Strategie und Taktik wie auch in ihrem politischen Gewicht. Die dadurch bedingten Spannungen entladen sich gelegentlich in gegenseitigen Gewaltt\u00e4tigkeiten. Bedeutendste orthodoxe Organisationen sind * die F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF) mit ihren \u00f6rtlichen Mitgliedsvereinen, * die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) mit konspirativ arbeitenden Zellen und * die Spaltergruppe TKP/Leninisten. Zur Neuen Linken z\u00e4hlen insbesondere: * DEVRIMCI SOL (Revolution\u00e4re Linke, abgek. DEV SOL) * DEVRIMCI YOL (Revolution\u00e4rer Weg, abgek. DEV YOL) * Kommunistische Partei der T\u00fcrkei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) mit konspirativ arbeitenden Zellen und der Spaltergruppe Bolschewiken * F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) mit \u00f6rtlichen Mitgliedsvereinen * Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AT\u00d6F) * F\u00f6deration der demokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (DIDF) mit \u00f6rtlichen Mitgliedsvereinen * Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM). DEVRIMCI SOL (DEV SOL) Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 27. Januar 1983 festgestellt, da\u00df die DEV SOL einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisation HALK (Volksvereine) verboten ist. Das Verbot wurde am 9. Februar 1983 vollzogen, die Organisation damit aufgel\u00f6st. Hiervon wurden in Nordrhein-Westfalen 46","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Volksvereine in Bielefeld, K\u00f6ln und Solingen betroffen. Hierauf kam es im Februar und M\u00e4rz 1983 in Dortmund, D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln, Solingen und Wuppertal zu Solidarit\u00e4tskundgebungen. In Dortmund entdeckte man Anfang September1983 eine Bombenattrappe mit einem DEV SOLTransparent. Es gibt Hinweise, wonach DEV SOL-Anh\u00e4nger sich unter der Bezeichnung DEV GENC (Revolution\u00e4re Jugend) weiter bet\u00e4tigen. Daneben wird die Organisationsbezeichnung \"DEV SOL\" illegal fortgef\u00fchrt, wie u. a. im Laufe des Jahres erfa\u00dfte Flugbl\u00e4tter zeigen. Agitation gegen die Bundesrepublik Deutschland Im Berichtszeitraum hat sich die Agitation links-extremistischer T\u00fcrken gegen die Bundesrepublik Deutschland versch\u00e4rft; im Mittelpunkt stehen Ausl\u00e4nderpolitik, T\u00fcrkei-Hilfe und NATO-Mitgliedschaft des Gastlandes. So wurde in der Januar-Ausgabe 1983 von \"Tatsachen aus der T\u00fcrkei\", dem deutschsprachigen Organ der DIDF, der \"Kohlregierung eine wichtige Rolle bei der t\u00e4glich zunehmenden Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" unterstellt; die neue deutsche Bundesregierung stehe \"Seite an Seite mit den Neo-Faschisten\" und versuche, \"das Volk gegen die Ausl\u00e4nder aufzuhetzen\". Angriffe gegen die Bundesrepublik Deutschland enthielt auch \"T\u00fcrkei Information\", die in K\u00f6ln erscheinende deutschsprachige Zeitung von DEV YOL. In ihrer Ausgabe vom 12. April 1983 rief sie zur Teilnahme an einem Tribunal \"Ausl\u00e4nderpolitik und Menschenrechte\" Anfang Juni 1983 in Frankfurt/Main auf. Abschlie\u00dfend verlangte sie: \"Die rassistische und ausl\u00e4nderfeindliche Vertreibungsund \u00dcberwachungspolitik der deutschen Innenminister mu\u00df gestoppt werden!\" Zum 1. Mai 1983 brachte \"BOLSEVIK PARTIZAN\", das Organ der TKP/M L (Bolschewiken), wie im Vorjahr, eine Flugschrift heraus. Darin wird wiederum \"die gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates des westdeutschen Imperialismus\" gefordert. Kampf gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime Einen weiteren Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten t\u00fcrkischer Linksextremisten bildet nach wie vor die Kampagne gegen das Milit\u00e4rregime im Heimatland. Hiermit befa\u00dfte sich u. a. der 7. Jahreskongre\u00df der FIDEF am 9. und 10. April 1983 in Essen. Der Kongre\u00df beschlo\u00df u. a., \"die demokratischen Kr\u00e4fte in der T\u00fcrkei ...finanziell und moralisch zu unterst\u00fctzen\". Im April 1983 fanden deutschund t\u00fcrkischsprachige Flugbl\u00e4tter Verbreitung, die von DEV GENC und der ebenfalls revolution\u00e4ren Gruppe PARTIZAN gemeinsam verfa\u00dft waren. Darin teilten beide T\u00fcrkenorganisationen mit, da\u00df sie \"gegen die Hinrichtungen, Folterungen und Massaker der faschistischen Junta eine Aktionseinheit in Europa gebildet\" h\u00e4tten. 47","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Auch das Antifaschistische Einheitskomittee BIRKOM hat eine Kampagne \"Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei und T\u00fcrkei-Kurdistan\" gestartet. In deren Rahmen demonstrierten Anh\u00e4nger t\u00fcrkischer und kurdischer linksextremistischer Organisationen fast aller ideologischen Richtungen sowie deutsche Gruppen der Neuen Linken am 11. Juni 1983 in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes. Einem am 7. Juli begonnenen Hungerstreik von rund 2.500 \"politischen\" Gef\u00e4ngnisinsassen in der T\u00fcrkei gegen die dortigen Haftbedingungen schlo\u00df sich seit Ende Juli 1983 in mehreren nordrhein-westf\u00e4lischen St\u00e4dten eine Serie von Solidarit\u00e4tskundgebungen und -aktionen t\u00fcrkischer und deutscher Linksextremisten, aber auch demokratischer Kreise an. Kernst\u00fcck war ein 14t\u00e4giger Hungerstreik von etwa 150 Personen ab Ende Juli in Bonn, hinter dem vermutlich die DIDF stand. Ca. 25 mutma\u00dfliche t\u00fcrkische Linksextremisten besetzten am 16. August 1983 das Essener M\u00fcnster. Aus Anla\u00df des 3. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei fand am 10. September 1983 in K\u00f6ln eine zentrale Protestdemonstration vorwiegend t\u00fcrkischer und kurdischer Linksextremisten statt. An ihr nahmen rund 11.000 Personen teil; fast alle links-extremistischen T\u00fcrkenund KurdenOrganisationen waren vertreten. Zu einer eigenen Kundgebung gegen die \"faschistische Junta\" versammelten sich am selben Tag in Duisburg etwa 300 Anh\u00e4nger von BOLSEVIK PARTIZAN, einer Abspaltung der TKP/ML. Am 31. Oktober 1983 drangen 5 Personen in die Dortmunder Zweigstelle einer t\u00fcrkischen Bank ein. Sie zwangen die Angestellten unter Bedrohung mit Schu\u00dfwaffen in einen Nebenraum und beschmierten die W\u00e4nde mit Parolen gegen die am 6. November 1983 in der T\u00fcrkei durchgef\u00fchrten Parlamentswahlen (\"Scheinwahlen der Junta\"). Einer der mutma\u00dflichen T\u00e4ter ist m\u00f6glicherweise Anh\u00e4nger von DEV SOL. Vordem Schaufenster eines t\u00fcrkischen Reiseb\u00fcros in Recklinghausen wurden am 2. November 1983 eine Sprengsatzattrappe sowie ein Transparent mit einer revolution\u00e4ren t\u00fcrkischen Parole entdeckt. In der Vergangenheit haben meist DEV SOL-Anh\u00e4nger solche Bombenoder Sprengsatzattrappen verwendet. Am 4. November 1983 versammelten sich unangemeldet ca. 15 Personen vor dem B\u00fcro des t\u00fcrkischen Arbeitsund Sozialattaches in K\u00f6ln. Sie warfen mit Farbbeuteln und spr\u00fchten politische Parolen auf Geb\u00e4ude und Gehweg; ferner verbrannten sie eine Flagge der USA. Anh\u00e4nger von FIDEF-Vereinen protestierten am 17. November in D\u00fcsseldorf und am18. November 1983 in Duisburg gegen ein Urteil des Milit\u00e4rgerichts in Istanbul vom14. November 1983. Darin hat das Gericht hohe Freiheitsstrafen gegen f\u00fchrende Mitglieder des Friedenskomitees der T\u00fcrkei verh\u00e4ngt wegen des Versuchs, in der T\u00fcrkei ein \" marxistisch-leninistisches Regime\" zu errichten. Kampagne gegen rechtsextremistische Landsleute Schlie\u00dflich setzten die t\u00fcrkischen Linksextremisten im Berichtszeitraum ihre heftige Kampagne gegen ihre rechtsextremistischen Landsleute fort. Dies belegen insbesondere ihre st\u00e4ndigen Protestaktionen gegen die \"Grauen W\u00f6lfe\" sowie St\u00f6rungen von deren Veranstaltungen. 48","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 4.3 Kurden Die bekannte orthodox-kommunistische F\u00f6deration der Arbeitervereine Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR) hat im 2. Halbjahr 1983 ihren Sitz von Frankfurt/Main nach K\u00f6ln verlegt. Sie hielt Mitte Mai 1983 in D\u00fcsseldorf ihren 5. Kongre\u00df ab, an dem als Gast ein Vertreter des DKP-Parteivorstands teilnahm. Am auff\u00e4lligsten trat 1983 die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistan (PKK) in Erscheinung. Sie geh\u00f6rt als einzige Kurdenorganisation dem von t\u00fcrkischen Gruppen getragenen Antifaschistischen Einheitskomitee BIRKOM an. Die (zumeist t\u00fcrkischen) Kurden beteiligten sich - an zentralen Protestveranstaltungen gegen die T\u00fcrkei im Juni und im September in K\u00f6ln - an einer Demonstration vor der t\u00fcrkischen Botschaft im Juni in BonnBad Godesberg - an Blockaden und Besetzungen im September in Dortmund, Essen und K\u00f6ln. 4.4 Iraner Union der Islamischen Studentenvereine in Europa (UISA) Die Ziele des Khomeini-Regimes werden im Bundesgebiet von der fanatischislamischen UISA vertreten. Ende April 1983 hielt sie in Bonn eine Kundgebung mit rund 250 Teilnehmern ab. Themen waren der Krieg zwischen Iran und Irak und die politische Lage in Afghanistan. Ende August 1983 wurde in einem Bochumer Studentenwohnheim ein KhomeiniGegner von einem Landsmann (UISA-Mitglied) durch Messerstiche verletzt. Oppositionsgruppen Eine der aktivsten und mitgliederst\u00e4rksten Oppositionsgruppen ist die Moslemische Studentenvereinigung (MSV) mit neuem Sitz in K\u00f6ln. In ihr sammeln sich die hier lebenden Anh\u00e4nger der Volksmojahedin. Sie organisierte im Februar 1983 in Bonn eine zentrale Demonstration gegen Khomeini und eine weitere Demonstration im Juni 1983 in Bonn. Ein Koordinationskomitee iranischer Demokraten, in dem sich eine Reihe persischer Oppositionsgruppen zusammengefunden hat, forderte Mitte Mal 1983 bei einer Kundgebung in Bonn (mit ca. 350 Teilnehmern) au\u00dfer der Beendigung des irakisch-iranischen Krieges die Zerschlagung des Khomeini-Regimes. 4.5 Afghanen 49","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Afghanische Extremisten demonstrierten 1983 in Bonn mehrfach gegen die Besetzung ihres Heimatlandes durch die UdSSR sowie gegen die dortige prosowjetische Regierung. Sie forderten u. a.: \"Russische Aggressoren raus aus Afghanistan!\", \"Nieder mit dem Karmal-Regime!\" und \"Es lebe der bewaffnete Befreiungskampf des afghanischen Volkes!\". Bei der zentralen Bonner Protestdemonstration im Dezember 1983 zum 4. Jahrestag des sowjetischen Einmarsches in Afghanistan zogen folgende Organisationen mit insgesamt rund 1500 Teilnehmern auf: * F\u00f6deration afghanischer Studenten im Ausland e.V. (FASA) - Prochinesisch * Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten e.V. (GUAFS) - dogmatische Neue Linke * Verein zur Unterst\u00fctzung der afghanischen Freiheitsk\u00e4mpfer (Mudjahidin) e.V. (MUD) * Rat der islamischen Vereinigung der Afghanen in Europa (VIRAE) 4.6 Pal\u00e4stinenser Etwa 50 Pal\u00e4stinenser aus dem gesamten Bundesgebiet besetzten am 6. November 1983 das B\u00fcro der Arabischen Liga in Bonn und begannen einen Hungerstreik, den die - der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation PLO nahestehende - Informationsstelle Pal\u00e4stina (ISPA) organisiert hatte. Die Aktion dauerte bis zum14. November 1983. Zeitweise hielten sich bis zu 150 Sympathisanten in dem Geb\u00e4ude auf. In Pressemitteilungen erkl\u00e4rten sie, ihr Protest richte sich gegen den von \" Meuterern und prosyrischen Gruppen mitgetragenen syrisch-libyschen Vernichtungskrieg\", gegen PLO und FATAH. Zum \"Solidarit\u00e4tstag mit dem pal\u00e4stinensischen Volk\" fanden sich Anfang Dezember1983 in einem Bonner Gymnasium ca. 400 Personen zu einer Veranstaltung der ISPA ein. Hauptredner war ein aus Tunis angereister Arafatloyaler Pal\u00e4stinenserf\u00fchrer. 4.7 Jugoslawen Im Januar 1983 ging bei der Westdeutschen Landesbank in D\u00fcsseldorf ein Drohschreiben einer - bislang unbekannten - Vereinigten Revolution\u00e4ren Bewegung f\u00fcr Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit Kroatiens und Kosovos (URPSN) ein. Darin wurden alle Geldinstitute vor Kreditgew\u00e4hrung an Jugoslawien gewarnt und bei Nichtbeachtung mit \"systematischen Zerst\u00f6rungen\" bedroht. In gleichartigen Schreiben drohten die Verfasser allen Reiseunternehmen, die weiterhin Jugoslawien-Reisen vermitteln, Sprengstoffanschl\u00e4ge an, au\u00dferdem warnten sie Jugoslawien-Urlauber vor Gefahren durch \"Widerstandshandlungen\" des \"Kroatischen Untergrunds\". Alle Schreiben enthielten detaillierte Hinweise auf 50","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Anschl\u00e4ge, die zuvor in Baden-W\u00fcrttemberg auf jugoslawische Einrichtungen ver\u00fcbt worden sind. Jugoslawische Emigranten setzten im April und Mai 1983 u. a. in Bonn Flugbl\u00e4tter der Kroatischen Revolution\u00e4re (KR) in Umlauf. Auch diese enthielten eine \"Warnung an alle Urlauber mit Reiseziel Jugoslawien\" wegen der Aktionen (Sabotage, Brandund Bombenanschl\u00e4ge), die die KR dort t\u00e4glich gegen das kommunistische Regime starteten. F\u00fchrende Funktion\u00e4re des Serbischen Nationalbundes (SNO) in Bocholt, Dortmund und D\u00fcsseldorf erhielten Anfang April 1983 schriftliche Morddrohungen von einer \"Gruppe aus Paris Lazo Dabetic\". Bei dem SNO handelt es sich um eine nationalistische Exilorganisation von Serben, die f\u00fcr ein vom Kommunismus befreites Jugoslawien unter F\u00fchrung des serbischen K\u00f6nighauses eintritt. Ihr fr\u00fcherer Pr\u00e4sident Dusan SEDLAR war 1980 in D\u00fcsseldorf auf offener Stra\u00dfe von zwei unbekannten M\u00e4nnern erschossen worden. W\u00e4hrend einer Filmvorf\u00fchrung in einem jugoslawischen Club in Sundern, die Anfang Juni1983 in Anwesenheit des jugoslawischen Vizekonsuls aus Dortmund stattfand, zog der Gastarbeiter Harun BEKA aus Kosovo eine geladene Pistole. Bei dem sich anschlie\u00dfenden Handgemenge mit Veranstaltungsteilnehmern l\u00f6ste sich ein Schu\u00df. Das Sch\u00f6ffengericht in Arnsberg verurteilte BEKA im November 1983 rechtskr\u00e4ftig zu Freiheitsentzug von 10 Monaten und 2 Wochen Dauer; die Strafe wurde zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt. 4.8 Sonstige ausl\u00e4nder-extremistische Aktivit\u00e4ten In Nordrhein-Westfalen fanden Anfang Dezember 1983 hektografierte Briefe Verbreitung. Darin wurde im Namen der franz\u00f6sischen rechtsextremistischen Untergrundbewegung \"Schwarze W\u00f6lfe\" (Loups Noirs) zu finanzieller Hilfe aufgerufen, um den \"gerechten Kampf\" fortf\u00fchren zu k\u00f6nnen; man wolle nicht l\u00e4nger tatenlos den \" Kolonialzustand des Elsa\u00df\" ertragen, Die Loups Noirs treten gewaltsam f\u00fcr eine Losl\u00f6sung ihrer els\u00e4ssischen Heimat von Frankreich und einen Anschlu\u00df an Deutschland ein. Gegen die \"einseitige\" Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der T\u00fcrkischen Republik Nordzypern wandte sich am 19. November 1983 in Bonn die - bislang nicht bekannte - F\u00f6deration der zypriotischen studentischen Vereine in der Bundesrepublik Deutschland mit etwa 300 Teilnehmern. Protest \u00e4u\u00dferte Anfang Dezember 1983, ebenfalls in Bonn, auch der - orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dfte - Verband griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland (OEK) (Teilnehmer: ca. 2 500 Griechen). Unterst\u00fctzt wurde die Kundgebung von Mitgliedern der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (Einheit) und der F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR). Die Demonstranten forderten u. a. \" H\u00e4nde weg von Zypern!\". 51","Tatsachen == TI [E ce) de en ar Alan a rn ur Ba a VERF] T\u00dcRK.-F\u00d6DERATION - Fircleration der t\u00fcrkischen demokratischen Idealisten Vereine in Europa e.W, - JUGEND KONGRESSE THEMEN \"Die Rolle der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit \u00fcber Entwicklung zuk\u00fcnftiger deutsch-t\u00fcrkischen Bessichungen\" \"Hauschgift und Jugendliche\" \"'Henschlseit une Fraeebher' - Familie oder Umgebung = \"Weiche ist noch wichtigerFir die Erssehung cher Jugendlichen # DEREN HR ELE Ei 5 RT:2 7; reed Aurf zfirRER DATUM: 733 N \u00d6 ee","Bd [ Ausl\u00e4nderfeindlichkeit --mi a= St\u00fctzpfeilerdes eleumst: FSsIDER *Weitere Thesen zumKampf een Ar Ausl\u00e4nderfeindlichkeit . Bereit. ANTIDEMOKRATISCHE WELLE GEGEN AUSL\u00c4NDER UND DIE BUNDESTAGSWAHLEN AM 6. M\u00c4RZ","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 5 Spionageabwehr 5.1 Entwicklungstendenzen Die Zielrichtung der Nachrichtendienste der kommunistischen Staaten hat sich auch im Verlauf des Jahres 1983 nicht ge\u00e4ndert. Die Bundesrepublik Deutschland ist als Ziel gegnerischer Spionage in einer gegen\u00fcber den anderen westlichen Staaten nicht vergleichbaren geographischen Lage. Sie erlaubt es den \u00f6stlichen Nachrichtendiensten, die DDR als F\u00fchrungsbasis f\u00fcr ihre Agenten im Bundesgebiet zu benutzen. Nach wie vor geh\u00f6rt die Bundesrepublik Deutschland auch zum Hauptangriffsziel \u00f6stlicher Aussp\u00e4hungst\u00e4tigkeit, wobei alle wichtigen Bereiche des \u00f6ffentlichen Lebens gleicherma\u00dfen betroffen sind. Dabei bildet Nordrhein-Westfalen als gr\u00f6\u00dftes Land mit 24 % der Spionagef\u00e4lle (1982 - 20 %) den Schwerpunkt der Agentent\u00e4tigkeit. In der Berichtszeit sind die Werbungen bzw. die Werbungsversuche, die sich gegen im Lande Nordrhein-Westfalen wohnhafte Personen richteten, um mehr als 11 % zur\u00fcckgegangen. Die Nachrichtendienste der DDR stehen mit fast 80 % weiterhin an der Spitze. Die Zahl der erkannten Auftr\u00e4ge gegnerischer Nachrichtendienste, die bundesweit auch um etwa 11 % zur\u00fcckging, ist f\u00fcr Nordrhein-Westfalen um etwas mehr als 9 % gestiegen. 5.2 Art und Umfang des gegnerischen Agenteneinsatzes, Werbungsmethoden Die Methoden zur Anwerbung von Agenten haben sich gegen\u00fcber der Vergangenheit kaum ge\u00e4ndert. Seit eh und je nutzen die Nachrichtendienste aller kommunistischen Staaten Aussiedlungsbem\u00fchungen f\u00fcr Anwerbung und Einschleusung von Agenten in die Bundesrepublik. Das gilt besonders f\u00fcr die polnischen und rum\u00e4nischen Nachrichtendienste. Auch die Werbungsmittel sind die gleichen geblieben. Ideologische Appelle, Versprechen wirtschaftlicher oder sonstiger Vorteile, skrupellose Ausnutzung von Zwangslagen oder Kompromittierung sowie Drohung stehen in der Reihenfolge obenan. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr geht unver\u00e4ndert von den Nachrichtendiensten der DDR aus, auf die 1983 etwa 36 % (1982 knapp 50 %) aller erkannten Aktivit\u00e4ten entfielen. Es folgen die Nachrichtendienste der UdSSR mit 34 %. Erst mit Abstand folgen die Nachrichtendienste der \u00fcbrigen Ostblockstaaten, die - ebenfalls wie die Sowjets - nach wie vor als Operationsbasis die Vertretungen und Einrichtungen ihrer L\u00e4nder in der Bundesrepublik benutzen, um unter dem Deckmantel diplomatischer bzw. wirtschaftlicher Beziehungen Spionage zu betreiben. 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Nordrhein-Westfalen Die politische Spionage, insbesondere die Ausforschung politischer Planungen und Entscheidungen deutscher Stellen, ist nach wie vor eines der Hauptziele der \u00f6stlichen Nachrichtendienste. Das seit geraumer Zeit in den Staaten des kommunistischen Machtbereichs angelaufene \"systematische Technologie54","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Beschaffungsprogramm\" zur Unterst\u00fctzung der milit\u00e4rischen R\u00fcstung ist verst\u00e4rkt worden. Der illegale Technologie-Transfer, der oft durch komplizierte Dreiecksgesch\u00e4fte \u00fcber Drittl\u00e4nder abgewickelt wird, gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Im Berichtsjahr lag der Anteil der politischen Spionage bei etwa 29 % (1982 = knapp 26 Ziele waren wiederum - Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes, des Landes und der Kommunen - politische Parteien - Landsmannschaften, Vertriebenenverb\u00e4nde und Emigrantenorganisationen. Die Anzahl der gegen die gewerbliche Wirtschaft gerichteten' und erkannten Auftr\u00e4ge ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von 20 % auf 17 % zur\u00fcckgegangen. Der Anstieg der erkannten Auftr\u00e4ge bei der milit\u00e4rischen Spionage von 20% (1982) auf fast 36 % ist vor allem auf die Einbeziehung der bei der Bundeswehr erfa\u00dften F\u00e4lle in die Statistik des Verfassungsschutzes zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die gegnerischen Aussp\u00e4hungsversuche richteten sich sowohl gegen die Bundeswehr und ihre Einrichtungen, als auch gegen die in unserem Lande stationierten NATO-Streitkr\u00e4fte. Bei den Spionageauftr\u00e4gen vorbereitender und unterst\u00fctzender Art mit 17 % (1982 = 25 %) stand wie bisher die Personenund Objektkl\u00e4rung, Kontaktaufnahme sowie Anbahnung zur Gewinnung einer Person zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit im Vordergrund. 5.4 Legale Residenturen Im Herbst 1983 hat die Bekanntgabe nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten sowjetischer Diplomaten im westlichen Ausland Aufsehen erregt. Auch in der Bundesrepublik sind in politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Einrichtungen eine gro\u00dfe Anzahl Mitarbeiter aus kommunistischen Staaten t\u00e4tig. In den einzelnen Institutionen ist der Anteil an Personen, die gleichzeitig Angeh\u00f6rige der Nachrichtendienste ihrer Staaten sind, unterschiedlich. Er reicht von 10 % - 40 % des Personals. 5.5 Verurteilungen Im Jahre 1983 hat das Oberlandesgericht in D\u00fcsseldorf sieben Personen wegen Landesverrats oder geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit rechtskr\u00e4ftig verurteilt. Von den Verurteilten hatten sechs Personen Beziehungen zu einem Nachrichtendienst der DDR und eine Person zu einem sowjetischen. 55","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 6 Strafrechtspflege Die Justizbeh\u00f6rden des Landes NordrheinWestfalen sind, wie schon in den Vorjahren, auch 1983 in erheblichem Ma\u00dfe mit Strafverfahren, deren Gegenstand Straftaten im Zusammenhang mit extremistischen Umtrieben waren, befa\u00dft worden. 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten Die Staatsanwaltschaften des Landes hatten im Jahre 1983 insgesamt 841 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. In dieser Zeit ist in 137 Verfahren gegen 161 Personen Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt worden. Rechtskr\u00e4ftig verurteilt wurden 68 Personen; ein Angeklagter wurde verwarnt; 13 Angeklagte wurden freigesprochen. Gegen82 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt bzw. die Untersuchung auf nicht einschl\u00e4gige Straftaten beschr\u00e4nkt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum 576 Ermittlungsverfahren eingestellt, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten oder weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten. Gegen 197 Beschuldigte haben die Staatsanwaltschaften die Verfahren wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) eingestellt oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen, von der Erhebung der \u00f6ffentlichen Klage abgesehen. 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten Wie schon in den Vorjahren haben Straftaten, deren Ursprung dem Bereich des Linksextremismus zuzuordnen ist, die Justizbeh\u00f6rden des Landes nicht unerheblich besch\u00e4ftigt. Im Berichtszeitraum wurden 273 Verfahren wegen einschl\u00e4giger Propagandaaktionen neu eingeleitet. Der Schwerpunkt lag wiederum bei der Staatsanwaltschaft Dortmund. In ihrem Zust\u00e4ndigkeitsbereich erscheinen zahlreiche Druckschriften, die von ihr wegen ihrer zentralen Zust\u00e4ndigkeit (SS 7 Abs. 2 StPO) auf strafrechtliche Relevanz \u00fcberpr\u00fcft werden. 6.3 Demonstrationsstraftaten Die nachfolgende Darstellung bezieht sich auf Ermittlungsund Strafverfahren, die anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen entstanden sind und im Jahre 1983 bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten anh\u00e4ngig waren. \u00dcber die H\u00e4ufigkeit von Gewalttaten im Zusammenhang mit Demonstrationen soll und kann sie keinen Aufschlu\u00df geben. Nach einer statistischen Erhebung der Polizei sind 1983 39 von insgesamt 2.839 Demonstrationen unfriedlich verlaufen; das sind 1,37 %. Wie bereits in den fr\u00fcheren Berichten dargelegt, ist es bei Veranstaltungen der genannten Art zu strafrechtlich relevanten \u00dcbergriffen sowohl der Veranstaltungsteilnehmer als auch von Au\u00dfenstehenden gegen\u00fcber Teilnehmern und von Teilnehmern einer Gegendemonstration gekommen. Ferner sind die F\u00e4lle der Ausschreitungen gegen\u00fcber den eingesetzten Polizeikr\u00e4ften erfa\u00dft. Die 56","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Vorkommnisse r\u00fchren sowohl aus rechtswie aus linksextremistischen Aktivit\u00e4ten her. Im Jahre 1983 hatten die Staatsanwaltschaften des Landes insgesamt 2.207 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. Insgesamt 1.399 der genannten Verfahren sind im Jahre 1983 abgeschlossen worden und zwar - 1.113 Verfahren durch Einstellung, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten, eine Straftat nicht vorlag, der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung des Beschuldigten nicht ausreichten, - 74 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Urteile gegen 106 Personen, - 139 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Strafbefehle gegen 139 Personen und - 73 Verfahren auf andere Weise. Noch anh\u00e4ngig waren am 31. Dezember 1983 708 Verfahren gegen 1274 Personen, wobei in254 Verfahren gegen 387 Personen bereits Anklage erhoben bzw. der Erla\u00df eines Strafbefehls beantragt worden ist. Die weiteren Verfahren befinden sich noch im Ermittlungsstadium. Der erhebliche Anstieg dieser Verfahren d\u00fcrfte im wesentlichen auf der Zahl und dem Umfang der Demonstrationen im Herbst 1983 beruhen. 6.4 Gesetzgeberische \u00dcberlegungen Die Bundesregierung hat inzwischen den Entwurf eines 21. Strafrechts\u00e4nderungsgesetzes am 11. April 1984 dem Deutschen Bundestag vorgelegt (Drucksache 10/1286). Im Hinblick auf die mit der Mehrheit der CDUregierten L\u00e4nder beschlossene ablehnende Stellungnahme des Bundesrates zu der urspr\u00fcnglich vorgesehenen \u00c4nderung des SS 140 StGB hat die Bundesregierung nunmehr vorgeschlagen, das Verbreitender \"Auschwitz-L\u00fcge\" nur noch dann unter Strafe zu stellen, wenn es durch die Verbreitung von Schriften im Sinne des SS 11 Abs. 3 StGB geschieht. Danach bliebe z. B. auch das Billigen von NS-V\u00f6lkermord in einer von vielen Menschen besuchten Veranstaltung straffrei. Au\u00dferdem so-11 der Straftatbestand, der nunmehr als SS 131 a StGB eingef\u00fchrt werden soll, auch auf das Billigen oder Leugnen von V\u00f6lkermord, der \"unter einer anderen Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft gegen Deutsche\" begangen worden ist, ausgedehnt werden. Dies birgt die Gefahr in sich, da\u00df sich deutsche Gerichte und Staatsanwaltschaften mit den Verh\u00e4ltnissen in unter Umst\u00e4nden weit entlegenen Staaten besch\u00e4ftigen m\u00fc\u00dften. Die praktische Wirksamkeit der Vorschrift w\u00fcrde darunter unertr\u00e4glich leiden. Au\u00dferdem erscheint die Beschr\u00e4nkung auf Deutsche unverst\u00e4ndlich. 57","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Gegen den neuen Vorschlag der Bundesregierung, der das urspr\u00fcngliche Gesetzesvorhaben in entscheidender Weise ver\u00e4ndert, bestehen daher erhebliche Bedenken. Die Bundesregierung hat am 22. Juli 1983 den Entwurf eines Strafrechts\u00e4nderungsgesetzes zur Erg\u00e4nzung des Straftatbestandes des Landfriedensbruchs (SS 125 StGB) vorgelegt. Danach soll sich k\u00fcnftig auch strafbar machen, wer beim Ausbruch von Gewaltt\u00e4tigkeiten oder Bedrohungen - aus einer Menschenmenge mit vereinten Kr\u00e4ften - einer polizeilichen Aufforderung zum Auseinandergehen zuwiderhandelt. Gegen die beabsichtigte Erweiterung des Straftatbestandes des Landfriedensbruchs bestehen aus der Sicht der Landesregierung sowohl aus verfassungsrechtlichen als auch aus rechtsdogmatischen, kriminalpolitischen und - nicht zuletzt - polizeilichen Erw\u00e4gungen erhebliche Bedenken. Gleichwohl hat der Bundesrat mit der Mehrheit der CDU-regierten L\u00e4nder den Gesetzesantrag der Bundesregierung bef\u00fcrwortet. 58","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 7 Anhang: \u00dcbersichten 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1983 (1982) B\u00fcrgerinitiative \"Deutsche Zukunft\" Ausl\u00e4nderstopp (unregelm\u00e4\u00dfig) 4630 Bochum-Wattenscheid Deutsche Volksunion (DVU) 11.000 (10.000) \"Deutscher Anzeiger\" 8000 M\u00fcnchen (w\u00f6chentlich) NRW 2.500 Einschlie\u00dflich Aktion Deutsche Einheit AKON e.V. 8000 M\u00fcnchen Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Ehrenbund Rudel (ER) Gemeinschaft Volkstreuer Jugend \"Der Trommler\" e.V. (GVJ) 4300 Essen NRW 30 59","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 300 (100) Information der HNG politische Gefangene und deren (monatlich) Angeh\u00f6rige (HNG) 6000 Frankfurt am Main NRW 20 Junge Nationaldemokraten (JN) 500 (500) \"JN-Pressedienst\" 5000 K\u00f6ln (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 100 (100) \"JN-Orgblitz\" 4630 Bochum-Wattenscheid (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Intern\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Querkopp\"-JN Wuppertal (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Klartext\" - JNLandesverband (unregelm\u00e4\u00dfig) Nationaldemokratische Partei 6.000 (6.000) \"Deutsche Stimme\" Deutschlands (NPD) (monatlich) 7000 Stuttgart \"NPD Aktuell\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"NPD-Info-Blitz\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 1.000 (1.000) \"Landesspiegel Nordrhein4630 Bochum-Wattenscheid Westfalen\" NRW: 54 Kreisverb\u00e4nde (monatlich) \"NPD-Organisationsspiegel Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NSDAP-Auslandsund 100 (100) \"NS-Kampfruf\" Aufbauorganisation (NSDAP-A0) Lincoln/USA NRW 20 Wiking-Jugend (WJ) 350 (350) \"Wikinger\" 5190 Stolberg (viertelj\u00e4hrlich) NRW 100 (100) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse 60","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) Erscheinungsweise und Auflage) 1983 (1982) Bund Westdeutscher 450 (500) \"Politische Berichte des Kommunisten (BWK) BWK\" 5000 K\u00f6ln (vierzehnt\u00e4gig) NRW 60 (80) Deutsche Friedensunion (DFU) 1.000 (1.500) \"Deutsche Volkszeitung\" (DVZ) ab September 1983 \"Deutsche Volkszeitung - die tat\" - inoffiziell - (40.000 w\u00f6chentlich) \"Pressedienst DFU\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"DFU betr. Politik\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NRW 400 (800\"Pressedienst DFU NRW 4300 Essen 1.000) (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Kommunistische Partei 40.000 (40.000) \"Unsere Zeit\" (UZ) (DKP) Tagesausgaben: 25.000 Wochenendausgaben: Parteivorstand: 50.000 Prinz-Georg-Str. 79 \"DKP-Pressedienst\" 4000 D\u00fcsseldorf (t\u00e4glich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (alle 2 Monate) Zentrale Einrichtungen \"Nachrichten\" - f\u00fcr \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Forschungen\" (monatlich) 6000 Frankfurt/Main \"Landrevue\" - Informationen \"Verein zur F\u00f6rderung der f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung - Forschung und des (unregelm\u00e4\u00dfig) Studiums der Sozialwissenschaften e.V.\" 6000 Frankfurt/Main \"Karl-Liebknecht-Schule\" \"PRAXIS\" 5090 Leverkusen (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" \"Probleme des Friedens und (fr\u00fcher: \"Friedrich-EngelsSozialismus\" - Zentrum\") deutschsprachige Ausgabe 5600 Wuppertal der in der CSSR hergestellten Schrift - (monatlich) \"infodienst\" - f\u00fcr DKPBetriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen (unregelm\u00e4\u00dfig) 61","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Bezirk Ruhr-Westfalen 6.500 (6.500) Hoffnungstr. 18 4300 Essen Bezirk Rheinland-Westfalen 5.500 (5.500) Ackerstr. 3 4000 D\u00fcsseldorf NRW: 42 Kreisorganisationen ca. 130 Kreisund ca. 120 Betriebsund Stadtteilzeitungen Hochschulgruppen ca. 140 Betriebsund ca. 300 Hochschulzeitungen Wohngebietsgruppen (Ortsbzw. Stadtteilorganisationen) Junge Pioniere (JP) 4.000 (3.500) \"Willibald\" 4600 Dortmund (zweimonatlich) Landesverband Ruhrgebietab Dez. 1983 \"pionier\" Westfalen 4300 Essen Landesverband RheinlandWestfalen 5000 K\u00f6ln NRW 1.500 (1.400) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung 400 (400) \"Bulletin\" und Zusammenarbeit (KFAZ) (unregelm\u00e4\u00dfig) 5000 K\u00f6ln Kommunistische Partei ca. 400 (500) \"Roter Morgen\" Deutschlands (Marxisten(6.000 w\u00f6chentlich) Leninisten) (KPD) \"Kommunistische Hefte\" 4600 Dortmund (alle 3 Monate) Landesverband Mitte 150 (200) 4600 Dortmund NRW: 8 \u00f6rtliche Gruppen Kommunistischer Bund 300 (500) \"Kommune - Forum f\u00fcr Westdeutschland (KBW) Politik und \u00d6konomie\" 6000 Frankfurt am Main (monatlich, durchschnittlich NRW: 8 Bezirke (k\u00fcnftig 100 (100) 2.600) Ortsverb\u00e4nde) Marxistische Arbeiterbildung 60 Gruppen e.V. (MAB) Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus 5600 Wuppertal NRW Ca. 30 Gruppen 62","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1983 Marxistische Gruppe 1.300 (1.000) \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ) \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ) (zweimonatlich) Marxistisch-Leninistische Partei 1.000 (900) \"Rote Fahne\" Deutschlands (MLPD) (10.000 w\u00f6chentlich) 4300 Essen NRW 400 (300) (bis August 1982 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands - KABD) Marxistischer Studentenbund 6.000 (6.000) \"rote Bl\u00e4tter\" Spartakus (MSB) 5300 Bonn NRW: 35 Hochschulgruppen 1.400 (1.200) Sozialistische Deutsche 15.000 (15.000) \"elan\" (inoffiziell) Arbeiterjugend (SDAJ) (40.000 monatlich) 4600 Dortmund Landesverband Ruhrgebiet86 \u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 4300 Essen Landesverband Rheinland80 \u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 5000 K\u00f6ln NRW: 39 Kreisverb\u00e4nde mit 216 4.600 (4.500) Ortsgruppen 150 (150) \"links voran\" Sozialistischer Jugendbund (monatlich) (SJB) 4300 Essen NRW 40 (50) Volksfront (V) 1.500 (1.500) \"Volks-Echo\" 5100 Aachen (monatlich) Landesverband NRW 500 (550) 5100 Aachen Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 63"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1983","year":1983}
