{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1982.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":67,"pages":["Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Inhaltsverzeichnis Vorwort ................................................................................................3 Einleitung.............................................................................................4 1 Rechtsextremismus .........................................................................7 1.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz ........................................................ 7 1.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge Nationaldemokraten (JN) ................................................................................... 9 1.3.1 Deutsche Volksunion (DVU).................................................................... 11 1.3.2 Wiking-Jugend (WJ) ....................................................................... 11 1.4 Neonazistische Gruppen ............................................................................ 11 1.4.1 Volkssozialistische Bewegung Deutschlands (VSBD) .................... 11 1.4.2 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO).............. 11 1.4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG)............................................................................ 12 1.4.4 Unabh\u00e4ngige Freundeskreise (UFK) .............................................. 12 1.4.5 Deutscher Nationaler Verband Kreis D\u00fcren.................................... 12 1.4.6 Nationalsozialistische Deutsche Befreiungsfront (N.S.D.B.F.)........ 12 1.4.7 \u00dcberregionales Treffen in Willich .................................................... 13 1.5 Wehrsportgruppen ..................................................................................... 13 1.6 Rechtsterrorismus, Waffenund Sprengstoffunde mit rechtsextremistischem Hintergrund.................................................................. 13 1.7 Weitere rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten.................................................... 14 1.7.1 \"Heidelberger Manifest\" .................................................................. 14 1.7.2 Ausl\u00e4nderfeindliche Aktionen.......................................................... 14 1.8 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst .................................................. 15 2 Linksextremismus.......................................................................... 21 2.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz ...................................................... 21 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP).................................................... 23 2.2.1 B\u00fcndnispolitik.................................................................................. 27 2.2.2 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen.................. 29 2.3 Dogmatische Neue Linke ........................................................................... 30 2.3.1 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) KPD 30 2.3.2 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg - Volksfront - (V)............................................................................................................ 31 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD).................. 31 2.3.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) ........................... 31 2.3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) .................................... 32 2.3.6 Kommunistischer Bund (KB)........................................................... 32 2.3.7 Marxistische Gruppe (MG).............................................................. 32 2.4 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf die Anti-Kernkraft-Bewegung ................ 33 1","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 2.5 Trotzkisten.................................................................................................. 34 2.6 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst ..................................................... 34 3 Terrorismus .................................................................................... 39 3.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz ...................................................... 39 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF)........................................................................ 39 3.3 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) ......................................................... 40 3.4 Terroristisches Umfeld ............................................................................... 41 3.5 Weitere linksterroristische oder sonstige linksextremistisch motivierte Gewalttaten ...................................................................................................... 42 3.6 Politisch motivierte Gewalt im Zahlenspiegel ............................................. 43 4 Ausl\u00e4nderextremismus.................................................................. 46 4.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz ...................................................... 46 4.2 T\u00fcrken ........................................................................................................ 47 4.3 Kurden........................................................................................................ 50 4.4 Armenier..................................................................................................... 51 4.5 Iraner.......................................................................................................... 51 4.6 Pal\u00e4stinenser ............................................................................................. 52 4.7 Libyer ......................................................................................................... 52 4.8 Jugoslawen ................................................................................................ 52 4.9 Iren............................................................................................................. 53 4.10 Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Aktivit\u00e4ten .......................................... 54 5 Spionageabwehr............................................................................. 57 5.1 Allgemeine Entwicklung ............................................................................. 57 5.2 Art und Umfang des gegnerischen Agenteneinsatzes, Werbungsmethoden57 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Ziele in Nordrhein-Westfalen ....... 57 5.4 Verurteilte Agenten .................................................................................... 58 6 Strafrechtspflege............................................................................ 59 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten.................................... 59 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten ...................................... 59 6.3 Demonstrationsstraftaten ........................................................................... 59 6.4 Gesetzgeberische \u00dcberlegungen............................................................... 60 7 Anhang............................................................................................ 62 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse .......................... 62 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse .......................... 63 2","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Vorwort Verfassungsfeindliche Bestrebungen und sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten gegen unseren freiheitlich-demokratischen Staat k\u00f6nnen diesen nicht ernsthaft bedrohen, wenn seine B\u00fcrger zu ihm stehen. Deshalb sollte jeder wissen, welche Bestrebungen sich gegen unseren Staat richten und mit welchen Mitteln sie ihre Ziele erreichen wollen. Denn nur unterrichtete B\u00fcrger k\u00f6nnen die freiheitliche Demokratie wirksam tragen. Nur unterrichtete B\u00fcrger k\u00f6nnen die politische Auseinandersetzung mit den Gegnern der freiheitlichen Demokratie erfolgreich f\u00fchren. Verbot und Strafverfolgung sind unverzichtbare Abwehrmittel im geeigneten und gebotenen Einzelfall. Aber sie haben immer nur eine begrenzte Wirkung. Aufs Ganze gesehen und f\u00fcr sich allein ermangeln sie der \u00dcberzeugung, von der freiheitliche Demokratie im Grunde und letztlich lebt. Der Verfassungsschutz h\u00e4tte deshalb seine vom Grundgesetz gewollte und gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe verfehlt, wenn er nicht die B\u00fcrger \u00fcber die wesentlichen Ergebnisse seiner Arbeit unterrichten w\u00fcrde. Diesem Ziel dient die Ver\u00f6ffentlichung des j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzberichts der Landesregierung. Dr. Herbert Schnoor Innenminister des Landes Nordrhein-Westfalen 3","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Einleitung 1 Der vorliegende Verfassungsschutzbericht 1982 erstreckt sich auf Ereignisse und Entwicklungen im Lande Nordrhein-Westfalen. Hinweise auf Geschehnisse au\u00dferhalb des Landes sind nur insoweit aufgenommen worden, als sie wegen des Zusammenhangs f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Berichts erforderlich erscheinen. Im Interesse der Vollst\u00e4ndigkeit des Lagebildes zum Zeitpunkt der Publikation des Berichts sind einige wichtige Ereignisse aus 1983, so das Abschneiden der extremistischen Parteien bei der Bundestagswahl, zus\u00e4tzlich ber\u00fccksichtigt worden. 2. Der Bericht befa\u00dft sich mit den Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, sowie mit sicherheitsgef\u00e4hrdenden und geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht. Au\u00dferdem geht er auf Bestrebungen ein, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik gef\u00e4hrden. Die freiheitliche demokratische Grundordnung, verankert im Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland und in der Verfassung des Landes NordrheinWestfalen, ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts eine Ordnung, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Rechtsund linksextremistische Gruppierungen lehnen diese Grundprinzipien ganz oder zumindest teilweise ab und wollen sie in unserem Staatsleben beseitigen. Einige dieser Organisationen versuchen, Einflu\u00df auf andere Vereinigungen zu nehmen. Auch von solchen, blo\u00df \"beeinflu\u00dften\" Organisationen oder zumindest einem Teil ihrer Anh\u00e4ngerschaft k\u00f6nnen daher verfassungsfeindliche Bestrebungen ausgehen. Die \u00e4u\u00dfere und innere Sicherheit gef\u00e4hrdende geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten (Spionage) werden in unserem Lande in erster Linie von den Nachrichtendiensten der kommunistischen Staaten, vor allem der DDR, ausge\u00fcbt. Ausw\u00e4rtige Belange gef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten - insbesondere von Ausl\u00e4ndern - liegen vor, wenn durch sie das friedliche Zusammenleben der Bundesrepublik Deutschland mit anderen V\u00f6lkern oder die Beziehungen zu anderen Regierungen beeintr\u00e4chtigt werden k\u00f6nnen. F\u00fcr ihr Auftreten sind vor allem die politischen Verh\u00e4ltnisse und sozialen Konflikte in den Herkunftsl\u00e4ndern bestimmend. Zunehmend richtet sich Ausl\u00e4nderextremismus aber auch gegen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. 3. Der Bericht zeigt wie auch seine Vorg\u00e4nger: Rechtsund linksextremistische Bestrebungen haben in der Bundesrepublik Deutschland - besonders auch in 4","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Nordrhein-Westfalen - keine Chance, wenn und soweit sie ihre wirklichen Leitvorstellungen und Ziele zum Ausdruck bringen oder sie doch deutlich erkennen lassen. NPD und DKP, die beiden wichtigsten Gruppierungen des Rechtsbzw. Linksextremismus, haben als politische Parteien, die sich an Wahlen beteiligen und um Parlamentsmandate bewerben, keine ins Gewicht fallende Resonanz. Die Bundestagswahlen am 6. M\u00e4rz 1983 haben das aufs neue erwiesen. Parteien dieser Art gaben und geben sich auch von sich aus keinen Illusionen dar\u00fcber hin, die von ihnen angestrebte politische Macht auf parlamentarisch-demokratischem und damit verfassungsm\u00e4\u00dfigem Wege erreichen zu k\u00f6nnen. \u00dcberdies sind sie im ideologischen Ansatz Gegner der parlamentarischen und rechtsstaatlichen Demokratie. Den Erfolg suchen sie dadurch, da\u00df sie vorhandene Probleme und \u00c4ngste der B\u00fcrger aufgreifen, um diese in au\u00dferparlamentarischen Kampagnen und Aktionen anzusprechen, zu mobilisieren und f\u00fcr ihre Zwecke einzuspannen. Bei der NPD und dar\u00fcber hinaus im gesamten Bereich des Rechtsextremismus ist die Ausl\u00e4nderproblematik der zur Zeit weit im Vordergrund stehende Ankn\u00fcpfungspunkt. Ausl\u00e4nderfeindlichkeit ist dabei noch nicht Rechtsextremismus -. Jedoch bildet sie das emotionale und psychopolitische Umfeld, in dem v\u00f6lkischer oder rassistischer Kollektivismus einen N\u00e4hrboden findet und sich ausbreiten kann. Dies gilt um so mehr, als die Arbeitslosigkeit von der wirtschaftlichen und, sozialen Seite her der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit weiteren Auftrieb gibt. Im linksextremistischen Bereich versucht vor allem die DKP, die friedenspolitische Diskussion mit ihren Vorstellungen zu durchdringen und, wenn m\u00f6glich, zu beherrschen. Sie tut das, indem sie \u00c4ngste, die aus der vorhandenen und gegebenenfalls besonders auch in Europa, vor allem auf dem Boden der Bundesrepublik in Aussicht stehenden weiteren R\u00fcstung herr\u00fchren, f\u00fcr sich auszunutzen trachtet. Dabei kommt ihr zweierlei zugute: einmal eine verbreitete Unklarheit \u00fcber den kommunistischen Friedensbegriff, der Sozialismus\" mit Frieden identifiziert, zum anderen ebenso verbreitete Verst\u00e4ndnisprobleme hinsichtlich der politischen Bedeutung der waffentechnischen Komponente einer auf milit\u00e4rischem Gleichgewicht und auf Abschreckung gegr\u00fcndeten Sicherheitsund Friedenspolitik. Der Terrorismus bleibt eine Gefahr f\u00fcr die Sicherheit unseres Staates. Im Linksterrorismus ist die Rote Armee Fraktion geschw\u00e4cht, aber noch f\u00e4hig zu spektakul\u00e4ren Aktionen. Die Revolution\u00e4ren Zellen haben ihre Aktionen gegen\u00fcber dem Vorjahr erheblich verst\u00e4rkt. Der Rechtsterrorismus hat in seinem gegen das atlantische B\u00fcndnis gerichteten \"Antiimperialismus\" nicht nur ideologisch eine st\u00e4rkere Kontur, sondern auch praktisch mehr Wichtigkeit bekommen. Wenngleich unser Land davon zur Zeit noch nicht besonders betroffen ist, so kann sich das schnell \u00e4ndern. Die Gef\u00e4hrdung ausw\u00e4rtiger Belange der Bundesrepublik Deutschland durch militante extremistische Ausl\u00e4ndergruppen bedarf nach wie vor der sorgf\u00e4ltigen Beobachtung. Im Vordergrund stehen dabei noch immer rechtsund linksextremistische Gruppen der T\u00fcrken. Unter ihnen sind solche, die auf die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit hinweisen und sie als Ausflu\u00df des in ihrer Agitation behaupteten \"imperialistischen'' Charakters der Bundesrepublik hinzustellen versuchen. Dies macht aufs neue die alte Erkenntnis deutlich, da\u00df bedenkliche Erscheinungen und Entwicklungen in einem Bereich den Extremismus im anderen Teil des politischen Spektrums beg\u00fcnstigt. 5","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Nordrhein-Westfalen bleibt ein Schwerpunktbereich gegnerischer Spionage. Deren erfolgreiche Abwehr geh\u00f6rt daher zu den Schwerpunktzielen der Sicherheitsbeh\u00f6rden, f\u00fcr die sie Unterst\u00fctzung aller B\u00fcrger verdienen. 6","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 1 Rechtsextremismus 1.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz Alle rechtsextremistischen Bestrebungen - Parteien, Organisationen, Gruppen sowie Publikationen, die Anh\u00e4ngerschaft bilden und zusammenhalten - haben drei gemeinsame Wesensmerkmale: * V\u00f6lkischen und rassistischen Kollektivismus Der einzelne soll hiernach Wert und W\u00fcrde aus der Zugeh\u00f6rigkeit zu seinem Volk, seiner Nation oder Rasse beziehen. Dieser v\u00f6lkische und rassistische Kollektivismus ist verbunden mit einem * \u00fcbersteigerten Nationalismus auf v\u00f6lkischer oder rassistischer Grundlage Nationen, V\u00f6lker und Rassen bilden angeblich ungleichwertige Menschen und ungleichwertige Kollektive heraus. Die eigene Nation, das eigene Volk und die Rasse, die es vermeintlich pr\u00e4gt, werden als h\u00f6herwertig als die anderen angesehen. * Eintreten f\u00fcr autorit\u00e4re Staatsgestaltung mit F\u00fchrerund Gefolgschaftsprinzip Rechtsextremisten sind antidemokratisch, insbesondere antiparlamentarisch und antirechtsstaatlich. Als wichtigste Gruppierungen innerhalb des Rechtsextremismus sind in NordrheinWestfalen zu nennen die \"nationaldemokratischen\" Organisationen, die \"NationalFreiheitliche\" Rechte und der Neonazismus. Obwohl die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihren Nebenorganisationen Junge Nationaldemokraten (JN) und B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp betont, f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten, steht sie wesentlichen Verfassungsgrunds\u00e4tzen ablehnend gegen\u00fcber. Durch das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 28. November 1980 ist auch h\u00f6chstrichterlich klargestellt worden, da\u00df die NPD verfassungsfeindliche Ziele verfolgt. Das ergibt sich aus ihrer st\u00e4ndigen gegen die Grundprinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gerichteten und der Partei zuzurechnenden Polemik; darin kommen Mi\u00dfachtung und Ablehnung oberster Verfassungswerte, insbesondere der parlamentarischen Demokratie, des Mehrparteiensystems und der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, zum Ausdruck. Die JN als Jugendorganisation der NPD haben dieselben Ziele wie die Mutterpartei. Sie halten aber deren Arbeit f\u00fcr zu wenig k\u00e4mpferisch. Die NPD sieht in der Aktion \"Ausl\u00e4nderstopp'' weiterhin den Schwerpunkt ihrer Arbeit. Dem Antrag der NPD-gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp, ein neues Volksbegehren zuzulassen, hat die Landesregierung nicht stattgegeben. Die hiergegen eingelegte Beschwerde der B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp beim Verfassungsgerichtshof f\u00fcr das Land Nordrhein-Westfalen hat dieser verworfen. Die Propagandaaktionen der B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp hielten weiter an. Zur ,,National-Freiheitlichen'' Rechten z\u00e4hlen die Deutsche Volksunion (DVU) unter dem Vorsitz des M\u00fcnchener Verlegers Dr. Gerhard FREY und folgende, ebenfalls von Dr. FREY gef\u00fchrte und beeinflu\u00dfte \"Bruderverb\u00e4nde\": * Aktion Deutsche Einheit - AKON e.V., 7","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 * Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA), * Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) und * Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF). Die DVU verfolgt im wesentlichen dieselben Ziele wie die NPD; ihre Aussagen sind jedoch meist aggressiver und h\u00e4ufig tagespolitisch bezogen. Neben der Diffamierung staatlicher Organe und der im Bundestag vertretenen Parteien k\u00e4mpft die DVU mit v\u00f6lkisch-biologistischen Parolen gegen eine Ausl\u00e4nderintegration in Deutschland. Au\u00dferdem versucht sie, die NS-Zeit zu rechtfertigen und Verbrechen der NS zu verharmlosen. Die DVU stellt, zusammen mit ihren ,Bruderverb\u00e4nden\", auch in NordrheinWestfalen nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Gruppierung dar. Im Januar 1982 gr\u00fcndete Dr. FREY mit der Aktion deutsches Radio und Fernsehen eine weitere \"national-freiheitliche'' Organisation mit Sitz in M\u00fcnchen. Die DVU ist die bedeutendste der im \"Freiheitlichen Rat'' (FR) vertretenen Organisationen. Der 1972 vom DVU-Vorsitzenden Dr. FREY gegr\u00fcndete und geleitete FR ist ein Funktion\u00e4rsgremium, dem mehrere Rechtsextremisten, darunter die Vorsitzenden der Aktion Deutsche Einheit, des Deutschen Blocks und der Wiking-Jugend (WJ), angeh\u00f6ren. Von den genannten Organisationen hat in Nordrhein-Westfalen nennenswert nur die WJ agitiert. Bei ihr handelt es sich um eine selbst\u00e4ndige Jugendorganisation, welche sich zu einem Volkstumund Reichsgedanken bekennt, der durch die Vorstellung einer \"elit\u00e4ren nordischen Rasse'' gepr\u00e4gt ist. Der Neonazismus - eine besondere Form des Rechtsextremismus - wurzelt im historischen Nationalsozialismus. Er erstrebt ein dem \"Dritten Reich'' \u00e4hnliches nationalistisch-rassistisches Regime, aufgebaut und organisiert nach dem F\u00fchrerprinzip und beherrscht von einer Einheitspartei. Damit zielt er auf die Beseitigung der parlamentarischen Demokratie, des Mehrparteiensystems und der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t. Seine hohe Militanz richtet sich zugleich gegen den Bestand wie die Sicherheit unseres demokratischen Staatswesens. Nach dem Verbot der neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands Anfang 1982 setzten andere neonazistische Gruppen im Jahre 1982 ihre gleichgerichteten Aktivit\u00e4ten fort. In unserem Land traten drei neue NSGruppen in Erscheinung. Von Michael K\u00dcHNEN (Hamburg), dem 1979 im B\u00fcckeburger Terroristenproze\u00df zu vier Jahren Freiheitsentzug verurteilten NSF\u00fchrer, ist nach seiner Haftentlassung (Dezember 1982) eine Reaktivierung der neonazistischen Szene zu erwarten. Die Zusammenarbeit deutscher und ausl\u00e4ndischer Neonazisten hat sich verfestigt. Mittlerweile bestehen Verbindungen deutscher Gruppen zu Gesinnungsgenossen in den Benelux-L\u00e4ndern, in Gro\u00dfbritannien, \u00d6sterreich und Spanien. Wiederum traten Wehrsportgruppen mit rechtsextremistischer Tendenz auf (Herdecke und Dortmund). 8","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Einen rechtsextremistischen Hintergrund weisen auch zahlreiche Waffenund Sprengstoffunde, ausl\u00e4nderfeindliche Aktionen sowie ein Raub\u00fcberfall in Hagen auf. Sie zeigen, da\u00df neben eindeutig neonazistischen Gruppen innerhalb des deutschen Rechtsextremismus auch organisationsunabh\u00e4ngige Einzelpersonen und Kleinstgruppen bestehen, die sich bewaffnen und Gewalt anwenden wollen. Die Gefahr des (seit Herbst 1979 auch in unserem Land auftretenden) Rechtsterrorismus ist nicht beseitigt, wie der Fall OXNER in N\u00fcrnberg (Mordanschl\u00e4ge auf Ausl\u00e4nder im Juni 1982) erweist. Wirksame vorbeugende staatliche Ma\u00dfnahmen sind schwierig, weil die Gewaltakte zumeist von einzelnen Rechtsextremisten und spontan ver\u00fcbt werden. Gegen die Mitglieder der Deutschen ,Aktionsgruppen verh\u00e4ngte langj\u00e4hrige Freiheitsstrafen zeigen, da\u00df der Staat den Rechts- - ebenso wie den Linksterrorismus - nach wie vor mit aller Entschiedenheit bek\u00e4mpft. Organisatorisch haben sich bei den rechtsextremistischen Organisationen im Jahre 1982 in Nordrhein-Westfalen insgesamt gesehen keine bedeutsamen Ver\u00e4nderungen ergeben. Die Gesamtzahl ihrer Anh\u00e4nger wird nach wie vor auf knapp 3.000 gesch\u00e4tzt. Bei der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz 1983 erhielt die NPD in Nordrhein-Westfalen 6.673 Erststimmen (0,1 %) und 19.434 Zweitstimmen (0,2 %). Sie erzielte damit gegen\u00fcber der Bundestagswahl 1980 (14.407 Zweitstimmen) einen Zuwachs von 5.027 Stimmen. 1.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) und Junge Nationaldemokraten (JN) Die von dem Landesvorsitzenden Klaus SCHULTZ (Recklinghausen) gef\u00fchrte nordrhein-westf\u00e4lische NPD kann einen Zuwachs um 200 auf rd. 1.000 Mitglieder verzeichnen. Dies d\u00fcrfte haupts\u00e4chlich auf die Aktivit\u00e4ten ihrer B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstop zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Bundesparteitag Rund 500 NPD-Anh\u00e4nger nahmen am 26. bis 27. Juni 1982 am Bundesparteitag in Germersheim teil. Der Parteivorsitzende Martin MUSSGNUG stellte das NPDWahlprogramm f\u00fcr die n\u00e4chste Bundestagswahl vor. Angesichts der Ausl\u00e4ndersituation wies er auf die Chance hin, durch die Propagandaaktion \"Ausl\u00e4nderstopp\" gr\u00f6\u00dfere Bev\u00f6lkerungskreise f\u00fcr die NPD zu gewinnen. Landesparteitag Unter dem Motto \"NPD rettet Deutschland und die Demokratie!'' stand der Landesparteitag der nordrhein-westf\u00e4lischen NPD am 2. Mai 1982 in Witten, an dem etwa 350 Personen teilnahmen. Den Schwerpunkt des Parteitages bildete die Aktion \"Ausl\u00e4nderstopp\". Vor dem durch Sperrgitter und Polizeikr\u00e4fte abgesicherten Veranstaltungsraum versammelten sich bis zu 2.000 Gegendemonstranten. T\u00e4tliche Auseinandersetzung mit Gegnern in Wuppertal 9","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 An einem Info-Stand der NPD in Wuppertal-Elberfeld bewarfen am 11. September 1982 Personen aus der Punkerszene und dem terroristischen Umfeld die anwesenden Mitglieder der NPD und der JN mit Eiern und traten gegen die NPDWerbetafeln. Die meist jugendlichen NPD/JN-Anh\u00e4nger schlugen mit Latten, die sie mit sich f\u00fchrten, zur\u00fcck. An der Auseinandersetzung beteiligten sich etwa zehn Personen; acht von ihnen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Reaktion auf \"Belagerung\" der Bochumer Gesch\u00e4ftsstelle Gewerkschaftliche Kreise hatten in Flugschriften angek\u00fcndigt: \"Wir belagern eine Woche lang die Zentrale der NPD-\"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp''. Die Aktion begann am 19. September 1982 vor der Landesgesch\u00e4ftsstelle der NPD und JN in Bochum-Wattenscheid, in der sich auch die Zentrale der NPD-gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp befindet. Es beteiligten sich zeitweilig bis zu 200 und an der Abschlu\u00dfkundgebung (24. September) etwa 400 Personen. Die Veranstalter konnten nicht verhindern, da\u00df sich auch Linksextremisten unter die Demonstranten mischten. Bei Beginn der ,,Belagerung'' hielten sich rund 40 NPD-Mitglieder in der Gesch\u00e4ftsstelle auf. Abgesehen von kleineren Zwischenf\u00e4llen verlief die Konfrontation der gegnerischen politischen Lager gewaltlos. Junge Nationaldemokraten (JN) Der Bundesvorsitzende Rainer VOGEL aus H\u00fcrth/Erftkreis ist auf dem Bundeskongre\u00df (30./31. Oktober 1982 in Osnabr\u00fcck) von den etwa 200 Teilnehmern erneut in seiner Funktion best\u00e4tigt worden. Die Bundesgesch\u00e4ftsstelle wurde von Saarbr\u00fccken nach K\u00f6ln verlegt. Anstelle des allj\u00e4hrlichen \"Deutschlandtreffens'' von NPD und JN aus Anla\u00df des 17. Juni trafen sich in diesem Jahr rund 100 JN-Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet zu einer Kundgebung in Bad Hersfeld. Anschlie\u00dfend legten sie Kr\u00e4nze an einem Mahnmal nahe der DDR-Grenze nieder. Den 12. ordentlichen Landeskongre\u00df hielten die JN mit rund 80 Teilnehmern am 3. April 1982 in Bielefeld ab unter dem Motto \"Der deutschen Jugend eine Zukunft\". Vorstandswahlen fanden nicht statt. Landesvorsitzender ist weiterhin Ernst-Dieter SIEPMANN (Duisburg). B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte BIA beantragte am 17. M\u00e4rz 1982 beim Innenminister des Landes erneut die Einleitung eines Volksbegehrens, gerichtet auf Erla\u00df eines \"Gesetzes \u00fcber die Einf\u00fchrung muttersprachlicher Regelklassen f\u00fcr ausl\u00e4ndische Sch\u00fcler in Nordrhein-Westfalen''. Damit erstrebt sie die getrennte Unterrichtung von deutschen und Ausl\u00e4nderkindern. Ihrem Antrag waren ein entsprechender Gesetzentwurf und mehr als 3000 Unterschriften beigef\u00fcgt. Die Landesregierung hat das beantragte Volksbegehren nicht zugelassen (Kabinettbeschlu\u00df vom 23. M\u00e4rz 1982). Die gegen den ablehnenden Bescheid des Innenministers vom 29. M\u00e4rz 1982 beim Verfassungsgerichtshof f\u00fcr das Land 10","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Nordrhein-Westfalen eingelegte Beschwerde der BIA hat dieser mit Beschlu\u00df vom 4. M\u00e4rz 1983 \"als offensichtlich unbegr\u00fcndet verworfen\". 1.3.1 Deutsche Volksunion (DVU) Im Rahmen einer bundesweiten Vortragsreihe mit dem englischen Historiker David IRVING veranstaltete die DVU am 6. Juni 1982 in Dortmund einen Vortragsabend mit etwa 120 Teilnehmern. IRVING sprach \u00fcber ,,Die Wahrheit \u00fcber den Morgenthau-Plan - Wie die Deutschen vernichtet werden sollten\". Weitere Vortragsveranstaltungen (mit Teilnehmerzahlen zwischen 50 und 100 Personen) f\u00fchrte die DVU im November 1982 in Aachen, Bielefeld, D\u00fcsseldorf und Essen durch. Dort behandelte IRVING das Thema ,,Der unges\u00fchnte Holocaust - die Vertreibung der Deutschen''. 1.3.2 Wiking-Jugend (WJ) Die WJ steht nach wie vor unter dem Bundesvorsitz von Wolfgang NAHRATH (Stolberg). Ihr Mitgliederbestand im Bundesgebiet hat sich 1982 leicht erh\u00f6ht. Der Gau Nordrhein-Westfalen, von Reiner SCHMITZ (K\u00f6ln) geleitet, d\u00fcrfte mit rund 100 Mitgliedern der st\u00e4rkste unter den deutschen WJ-Gauen sein. K\u00f6lner WJMitglieder geben weiterhin das rechtsextremistische Jugendmagazin \"G\u00c4CK'' heraus. Am 27. November 1982 feierte die WJ in Wilhelmshaven ihr 30j\u00e4hriges Bestehen. Es nahmen etwa 300 Personen teil, darunter Abordnungen von WJ-Gruppen aus Belgien, Holland und Spanien. Als Redner traten unter anderen der WJ-Gr\u00fcnder Walter MATHEI, Generalmajor a.D. Otto Ernst REMER und der rechtsextremistische Publizist Udo WALENDY (Vlotho) auf. 1.4 Neonazistische Gruppen 1.4.1 Volkssozialistische Bewegung Deutschlands (VSBD) Der Bundesminister des Innern hat mit Verf\u00fcgung vom 27. Januar 1982 das Verbot und die Aufl\u00f6sung der VSBD und ihrer Jugendorganisation Junge Front (JF) ausgesprochen. Gleichzeitig wurden die Wohnungen von 35 Funktion\u00e4ren und Mitgliedern der VSBD und JF im Bundesgebiet durchsucht. Dabei stellte die Polizei zahlreiches NS-Material, Munition, Schlagund Stichwaffen sicher. Gegen das Verbot hat die VSBD Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht erhoben. In Nordrhein-Westfalen, wo etwa zehn Anh\u00e4nger leben, gab es schon seit 1978 keinen Landesverband mehr. 1.4.2 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Anh\u00e4nger der auslandgesteuerten NSDAP-AO traten 1982 wiederholt durch Klebeund Flugblattaktionen in Erscheinung, so in Bonn, Dortmund, K\u00f6ln, Waltrop und Witten. Auf ihren Hakenkreuz-Aufklebern und Flugschriften forderten sie 11","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 \"Ausl\u00e4nder raus'', \"Kampf den Judenparteien KPD, SPD, CDU, CSU, FDP'', ,,Kauft nicht bei Juden'' und \"NSDAP-Verbot aufheben\". In seiner seit Oktober 1982 auch in Nordrhein-Westfalen verbreiteten Ausgabe Nr. 48 rechtfertigt der ,,NS-Kampfruf'' - aus den USA eingeschleustes, viertelj\u00e4hrlich erscheinendes Organ der NSDAP-AO - die Morde des Neonazi OXNER an drei Ausl\u00e4ndern im Juni 1982 in N\u00fcrnberg. Die Schrift bezeichnet den anschlie\u00dfenden Selbstmord OXNERs als ,,Opfertod'' und f\u00fchrt weiter aus: Dem \"Bonner Verbrecherregime'' gelte ,unser Ha\u00df und unser Kampf'\". Seine Beseitigung sei \"uns eine Herzensangelegenheit. Dazu sind wir bereit, jedes Opfer zu bringen; wirklich jedes.'' 1.4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die 1979 von einem NS-Aktivisten gegr\u00fcndete HNG hat sich inzwischen zu einem Sammelbecken f\u00fcr Neonazisten aus dem gesamten Bundesgebiet entwickelt. Sie betreut inhaftierte NS-Anh\u00e4nger und setzt hierf\u00fcr in den Bundesl\u00e4ndern aktive Gesinnungsgenossen ein. In Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgt sie \u00fcber einen ,,Regionalbeauftragten'' in Bielefeld. 1.4.4 Unabh\u00e4ngige Freundeskreise (UFK) Anl\u00e4\u00dflich der Wiederholungssendung ,Holocaust'' Mitte November 1982 im Fernsehen verbreiteten die UFK eine zw\u00f6lfseitige Sonderausgabe ihrer Monatsschrift ,,UN - Unabh\u00e4ngige Nachrichten\". Darin forderten sie unter den Titel\u00fcberschriften \"Holocaust? Wir haben es satt'' und \"Stoppt endlich die Volksverhetzung!'' die Einstellung der Sendung. Au\u00dferdem befa\u00dft sich die Schrift mit angeblichen Kriegsverbrechen der Alliierten gegen\u00fcber Deutschen im Zweiten Weltkrieg. 1.4.5 Deutscher Nationaler Verband Kreis D\u00fcren Beim Treffen einer den Sicherheitsbeh\u00f6rden bis dahin unbekannten Gruppe in D\u00fcren am 9. Januar 1982 war es zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung gekommen, bei der ein Mitglied eine Stichwunde davontrug. Die Polizei fand bei der Durchsuchung des Tatortes (bunker\u00e4hnlicher Bau) und der Wohnungen der Beteiligten funktionst\u00fcchtige Waffen, NS-Aufkleber und -Stoffabzeichen sowie - Propagandamaterial. Nach den polizeilichen Ermittlungen handelte es sich bei der aus elf Personen bestehenden Gruppe, die sich Deutscher Nationaler Verband Kreis D\u00fcren nannte, um eine neonazistische Vereinigung, deren Aktivit\u00e4ten sich auf das Kreisgebiet D\u00fcren beschr\u00e4nkten. Bis auf einen einmaligen brieflichen Kontakt zu einem d\u00e4nischen NS-Anh\u00e4nger unterhielt sie keine Verbindungen zu anderen rechtsextremistischen Kreisen. 1.4.6 Nationalsozialistische Deutsche Befreiungsfront (N.S.D.B.F.) Im August 1982 gingen bei den Firmen BAYER in Leverkusen, FORD in K\u00f6ln und bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverb\u00e4nde in K\u00f6ln Drohschreiben einer N.S.D.B.F. ein. Darin werden die ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmer als \"Volkszerst\u00f6rerbrut'' bezeichnet und ihre Entlassung gefordert. Bei Nichtbefolgung werden Sabotageakte angedroht. Au\u00dferdem erhielt Mitte 12","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 August 1982 der B\u00fcrgermeister von Rheda-Wiedenbr\u00fcck einen N.S.D.B.F.Drohbrief, in welchem gegen seine ausl\u00e4nderfreundlichen \u00c4u\u00dferungen in einer Fernsehsendung polemisiert und in dem die Bundesrepublik Deutschland als ,,j\u00fcdisch-marxistisches Terrorregime'' verunglimpft wird. Die Kopfb\u00f6gen s\u00e4mtlicher Schreiben enthielten rautenf\u00f6rmige Embleme mit Hakenkreuzen. Die Drohschreiben waren \u00fcberwiegend in Darmstadt aufgegeben worden. Einigen war die Abbildung eines SS-Mannes mit dem Text ,,Copyright by N.S.D.B.F. Reichspropagandadienst, 8500 N\u00fcrnberg und 8600 Bamberg i.Ofr.'' beigef\u00fcgt. 1.4.7 \u00dcberregionales Treffen in Willich Am 31. Oktober 1982 l\u00f6ste die Polizei in Willich eine Zusammenkunft von etwa 15 Neonazis auf, die z. T. uniform\u00e4hnlich gekleidet waren. Im Versammlungsraum hing eine schwarzwei\u00dfrote Fahne mit hakenkreuz\u00e4hnlichem Emblem. Es handelte sich um die Fahne der neonazistischen Wehrsportgruppe Fulda, von der einige Mitglieder anwesend waren. Die Veranstaltungsteilnehmer waren durch Absingen judenund ausl\u00e4nderfeindlicher Lieder aufgefallen und angezeigt worden. 1.5 Wehrsportgruppen Wehrsportgruppen sind nicht notwendigerweise im Rechtsextremismus angesiedelt. Erst wenn sie neben ihren milit\u00e4rischen Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden auch NS-Kennzeichen oder rechtsextremistisches Schriftmaterial verwenden, darf und kann man zumindest einen entsprechenden Einflu\u00df annehmen. Beispiele sind: eine Gruppe in Herdecke und eine Wehrsportgruppe Mitte in Dortmund 1.6 Rechtsterrorismus, Waffenund Sprengstoffunde mit rechtsextremistischem Hintergrund Deutsche Aktionsgruppen (DA) Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte am 28. Juni 1982 zwei Mitglieder der rechtsterroristischen DA zu lebensl\u00e4nglicher Haft, ein weiteres Mitglied zu sechs Jahren Freiheitsentzug. Der R\u00e4delsf\u00fchrer der Gruppe, der ehemalige Rechtsanwalt und Gr\u00fcnder der neonazistischen Deutschen B\u00fcrgerinitiative (DBI) Manfred R\u00d6DER, erhielt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Die DA hatten 1980 im Bundesgebiet sieben Brandoder Sprengstoffanschl\u00e4ge unter anderem auf Ausl\u00e4nderwohnheime ver\u00fcbt und im August 1980 Drohschreiben an zahlreiche Polizeidienststellen auch in Nordrhein-Westfalen gerichtet. Waffenund Sprengstoffunde Im Verlauf des Juli 1982 f\u00f6rderten polizeiliche Hausdurchsuchungen bei Einzelpersonen in Schwelm und Hemer sowie bei einer Kleinstgruppe im Kreis Lippe neben umfangreichen Waffen auch NS-Material - darunter eine Hakenkreuzfahne - zutage. Im Besitz von Waffen und Sprengstoff sowie von Uniformteilen, Orden und Druckschriften aus der NS-Zeit wurden im November 1982 ferner zwei M\u00e4nner im Raum Siegen angetroffen. 13","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Bei dem Versuch zweier 19j\u00e4hriger Sch\u00fcler aus Bad M\u00fcnstereifel, im September 1982 in einem Feuerl\u00f6schteich eine selbstgebastelte Bombe zu erproben, explodierte diese vorzeitig; die jungen M\u00e4nner wurden schwerverletzt. Bei anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen fand die Polizei bei ihnen Chemikalien, Metallk\u00f6rper und andere Materialien zur Herstellung von Sprengstoffen und letztlich Bomben, ferner eine Anleitung zur Herstellung von Explosivmitteln. Einer der Sch\u00fcler besa\u00df eine Vielzahl von Druckschriften, B\u00fcchern und Orden aus dem ,,Dritten Reich'' sowie Schallplatten mit NSPropagandareden. Raub\u00fcberfall auf Hagener Supermarkt Am 3. November 1982 erfolgte ein bewaffneter Raub\u00fcberfall auf einen Supermarkt in Hagen. Hierbei wurden etwa DM 13.000 erbeutet. Bei den T\u00e4tern handelt es sich um drei Rechtsextremisten aus Hagen. In ihrer gemeinsamen Wohnung fand die Polizei Hitlerbilder, ein Hakenkreuz und NPD-Druckmaterial. Nach den polizeilichen Ermittlungen wollten zwei der T\u00e4ter durch den \u00dcberfall Geld f\u00fcr private Zwecke beschaffen. Der dritte beabsichtigte, mit Hilfe des erbeuteten Geldes eine Jugendbewegung - offenbar mit rechtsextremistischer Zielsetzung - aufzubauen, die er ,,Sozialistischer Patriotenbund Westdeutschland\" nennen wollte. 1.7 Weitere rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten 1.7.1 \"Heidelberger Manifest\" Im Januar 1982 wurde ein \"Heidelberger Manifest'' vom 17. Juni 1981 bekannt. Darin forderten 15 Professoren \"alle Verb\u00e4nde, Vereinigungen und B\u00fcrgerinitiativen, die sich f\u00fcr die Erhaltung des deutschen Volkes, seiner Sprache, Kultur und Lebensweise einsetzen\", auf, einen Dachverband zu gr\u00fcnden. Weiter hei\u00dft es: \"Mit gro\u00dfer Sorge beobachten wir die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug vieler Millionen Ausl\u00e4nder und ihrer Familien, die \u00dcberfremdung unserer Sprache, unserer Kultur, unseres Volkstums ... Die Integration gro\u00dfer Massen nichtdeutscher Ausl\u00e4nder ist daher bei gleichzeitiger Erhaltung unseres Volkes nicht m\u00f6glich und f\u00fchrt zu den bekannten ethnischen Katastrophen multikultureller Gesellschaften.\" Zugleich mit dem Manifest wurde ein Aufruf zur Gr\u00fcndung eines \"Schutzbundes f\u00fcr das deutsche Volk'' (SDV) ver\u00f6ffentlicht; er \u00e4hnelt in seiner Diktion dem Sprachgebrauch der NPD. - Nach vielf\u00e4ltiger kritischer Reaktion in der \u00d6ffentlichkeit distanzierten sich die Professoren vom SDV. Eine Mehrzahl von ihnen ver\u00f6ffentlichte am 30. Januar 1982 in Mainz ein neues, abgeschw\u00e4chtes Manifest, in dem es hei\u00dft: \"Die Achtung vor anderen V\u00f6lkern gebietet ihre Erhaltung, nicht aber ihre Einschmelzung ... Wer aus diesem Begriff (Volk) folgert, da\u00df es auch nicht erhaltenswerte V\u00f6lker g\u00e4be, interpretiert gegen die Regeln wissenschaftlicher Hermeneutik und mi\u00dfdeutet gr\u00f6blich unser Anliegen.\" 1.7.2 Ausl\u00e4nderfeindliche Aktionen 14","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 1982 tauchte eine Reihe von Pamphleten auf, die sich gegen Ausl\u00e4nder - vor allem T\u00fcrken - richteten und offenbar aus rechtsextremistischen Kreisen stammten. So wurden bekannt Drohschreiben * einer ,,NSDAP-Auslandsorganisation'' - m\u00f6glicherweise identisch mit der NSDAP-AO - an einen Redakteur (Mitte Januar 1982), * von \"Nationalen Deutschen\" an den \"K\u00f6lner Stadtanzeiger'' (Februar 1982), * einer ,,Gruppe zur Endl\u00f6sung des Ausl\u00e4nderproblems'' an die Viersener Polizei (Anfang April 1982) und * eines \"Ausl\u00e4nder-Vernichtungs-Kommandos Deutschland\" an den WDR K\u00f6ln (Mitte September 1982) sowie Flugbl\u00e4tter einer \"Anti-t\u00fcrkischen Terror-Organisation (ATTO)'' in K\u00f6ln (Anfang M\u00e4rz 1982). Von Unbekannten wurde im M\u00e4rz 1982 in Bonn eine lebensgro\u00dfe Puppe am Gel\u00e4nder einer Eisenbahn\u00fcberf\u00fchrung aufgeh\u00e4ngt. Sie trug um den Hals ein Schild mit dem Text ,,Ich bin (war) ein dummes T\u00fcrkenschwein''. Ferner war ein Bettlaken mit den Worten \"T\u00fcrken raus - Deutsche Bewegung (DB)'' an dem Br\u00fcckengel\u00e4nder befestigt. Versendung eines \"Zionistenspiels\" Im November 1982 erhielt die ,,Allgemeine J\u00fcdische Wochenzeitung'' in D\u00fcsseldorf anonym ein \"Spiel: Jude \u00e4rgere Dich nicht'' aus Zweibr\u00fccken zugeschickt. Gleiche \"Zionistenspiele'' gingen bei j\u00fcdischen Institutionen in Ludwigshafen, Saarbr\u00fccken und Mainz ein. Die \"Spielregeln'' sind dem \"Mensch \u00e4rgere Dich nicht\"-Spiel nachempfunden und beschreiben die T\u00f6tung von Juden in Gaskammern unter Nennung der bekanntesten NS-Konzentrationslager. Das eingeleitete Ermittlungsverfahren dauert an. 1.8 Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Ende 1982 befanden sich unter den ca. 350.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt15 Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: 15","IM FM JM KM MWF MAGS insg. Beamte NPD --171% 2 _ 10 sonst. - - 2 1 _ - 2 Beamte ges. - 13 17 2 _ 13 Angestellte NPD = 0-0... 1 1 _ 2 sonst. - - . -.-. = - Angestellte ges. - . -.071 1 _ 2 Rechtsextrem. insg. - 13 8 3 _ 15","NS Le el BIETE Zur jungehatlonsbarialiienbruialermordi -- Zerschlagt _ diesen Staat! men se BELH Lincoln. mE ER50E A AUSLANDER RAUS KTBAF.AO Ein 644. Linie, BE E50 BE","NSKAMPFRUF \"ARBEITERPARTENAL AUSLANDS -UND micAUFBRUORGAN AL BATION a ar ie : Se I Erneuter Fler Minnie Meran.Bar nehmm bei Hal rn a a eines dl NS-Aktivisten Ar u ER a) Beer\" BEE hNR; \"NS-VERBOT Ariesen a","","","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 2 Linksextremismus 2.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz Alle linksextremistischen Bestrebungen wollen den Kommunismus.*) Die vielf\u00e4ltigen Unterschiede im Linksextremismus beziehen sich nicht auf das Ziel, sondern auf die Mittel, mit denen sie es erreichen wollen. Diese stehen im Gegensatz zur W\u00fcrde des (Einzel-)Menschen, den Menschenund Grundrechten als den zentralen Werten der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Drei Wesensmerkmale bestimmen den Linksextremismus: * \u00dcbersteigertes Klassenkampfdenken, wonach das Leben des einzelnen Menschen ausschlie\u00dflich durch die Interessen und Bed\u00fcrfnisse der gesellschaftlichen Klasse bedingt ist, der er zugeordnet wird. * Durch Klassenzugeh\u00f6rigkeit und Klassenkampf bestimmter Kollektivismus, wonach Wert und W\u00fcrde des einzelnen Menschen sich nach seinem ihm zugemessenen politischen Stellenwert richten. * Absage an die \"b\u00fcrgerliche\" parlamentarisch-repr\u00e4sentative und rechtsstaatliche Demokratie. Die bisher vollst\u00e4ndigste, geschlossenste und konsequenteste Auspr\u00e4gung fand der Linksextremismus im Marxismus-Leninismus. Die bedeutsamsten linksextremistischen Organisationen berufen sich s\u00e4mtlich auf diese Ideologie. Sie wollen eine kommunistische Gesellschaftsordnung auf dem Wege \u00fcber die \"sozialistische Revolution\" und die \"Diktatur des Proletariats\" herbeif\u00fchren. Die dadurch von ihnen gewollte Staatsordnung ist mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes nicht vereinbar. Auch soweit sie nicht mehr die Begriffe ,sozialistische Revolution\" und ,Diktatur des Proletariats'' verwenden, sondern sich der in ihrem Sprachgebrauch gleichbedeutenden Ausdr\u00fccke wie \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"Herrschaft\" oder \"Macht der Arbeiterklasse\" bedienen, verfolgen sie dieselben verfassungsfeindlichen Ziele. Dies gilt besonders f\u00fcr die sog. orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik, die sich zum Marxismus-Leninismus in seiner sowjetischen Pr\u00e4gung bekennen und bedingungslos der politischen Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei (SED) der DDR folgen. F\u00fchrende Kraft der \"orthodoxen\" Kommunisten ist - seit Jahren unver\u00e4ndertdie Deutsche Kommunistische Partei (DKP) mit ihren Nebenorganisationen * Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) * Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und * Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation. Diese Nebenorganisationen sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, sie ordnen sich jedoch der Kernorganisation DKP unter, von der sie auch vielf\u00e4ltig unterst\u00fctzt werden. Mit der DKP zusammen stellen sie einen ideologisch festen Block dar. 21","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Die schwierigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse und die weitverbreitete Sorge um die Erhaltung des Friedens haben die agitatorischen Ausgangspositionen der DKP in Betrieben, einzelnen Gewerkschaften, B\u00fcrgerinitiativen und \u00f6rtlichen \"Friedensgruppen'' zweifellos verbessert. Trotz vielf\u00e4ltiger Bem\u00fchungen ist es ihr jedoch nicht gelungen, ihren Einflu\u00df auf die politischen Geschehnisse in Nordrhein-Westfalen zu vertiefen. Die DKP vermochte es aber nach wie vor, auf die T\u00e4tigkeit anderer Organisationen Einflu\u00df zu nehmen und namentlich ihren Nahzielen dienlich zu machen, deren satzungsm\u00e4\u00dfige Ziele nicht gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung versto\u00dfen. Dabei ist der Grad ihres kommunistischen Einflusses unterschiedlich, reicht aber in einigen F\u00e4llen so weit, da\u00df keine politisch bedeutsamen Entscheidungen gegen den Willen der einflu\u00dfnehmenden kommunistischen Organisationen getroffen werden k\u00f6nnen. Dies ist meist der Fall, wenn * eine Organisation auf Initiative einer kommunistischen Organisation gegr\u00fcndet wurde, * die ma\u00dfgeblichen Funktionen der Organisation in H\u00e4nden kommunistischer oder eindeutig prokommunistischer Funktion\u00e4re liegen oder * die beeinflu\u00dfte Organisation von der KPdSU oder anderen kommunistischen Parteien gesteuerten internationalen Dachverb\u00e4nden angeh\u00f6rt. Die linksextremistischen Organisationen und Gruppen der sog. dogmatischen Neuen Linken, die z. T. aus der sozial revolution\u00e4ren Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen sind, lehnen den Kommunismus in seiner sowjetischen Pr\u00e4gung als \"revisionistisch'' und \"sozial-imperialistisch'' ab und orientieren sich \u00fcberwiegend mehr an den Vorstellungen der chinesischen oder albanischen kommunistischen Partei. Das hat dazu gef\u00fchrt, da\u00df sie in ihrer bisherigen Agitation h\u00e4ufig offen die ,Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates'' propagieren und auch zur Durchsetzung ihrer tagespolitischen Ziele grunds\u00e4tzlich bereit sind, Gewalt anzuwenden. Die Kernorganisation der dogmatischen Neuen Linken haben 1982 weiter an Bedeutung verloren. Zu nennen sind noch: * Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) KPD * Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg - Volksfront - (V) * Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), eine am 21. August 1982 in D\u00fcsseldorf vollzogene Neugr\u00fcndung, hervorgegangen aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands. Nebenorganisationen spielen bei ihnen in Nordrhein-Westfalen keine nennenswerte erfolgreiche Rolle mehr. Der Kommunistische Bund Westdeutschland, der durch die im September 1980 vollzogene Abspaltung des Bundes Westdeutscher Kommunisten (BWK) entscheidend geschw\u00e4cht worden ist, hat in Nordrhein-Westfalen seine Handlungsf\u00e4higkeit verloren. Der Kommunistische Bund und der BWK sind in diesem Jahr nicht wesentlich, die Gruppe 99 (Gruppe der Kommunistischen Partei Deutschlands, die sich 1980 selbst aufl\u00f6ste) \u00fcberhaupt nicht mehr in Erscheinung 22","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 getreten. Daneben gibt es auch eine Reihe \"autonomer\" Gruppen, die s\u00e4mtlich die dogmatische Konzeption des Marxismus-Leninismus ablehnen. Sie wollen ebenfalls die bestehende Gesellschaftsordnung k\u00e4mpferisch beseitigen. Hierzu versuchen sie vor allem, alle Ans\u00e4tze von Widerstand gegen die staatliche Ordnung revolution\u00e4r f\u00fcr ihre Ziele, die h\u00e4ufig anarchistische Z\u00fcge tragen, zu nutzen. Sie operieren voneinander unabh\u00e4ngig und spontan. Meist handelt es sich um kleine und lose \u00f6rtliche Zusammenschl\u00fcsse, die auch nur relativ kurzlebig sind. Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger linksextremistischer (Kernund Neben-) Organisationen wird in Nordrhein-Westfalen auf etwa 20.000 gesch\u00e4tzt. Hiervon entfallen auf den \"orthodoxen'' Linksextremismus (DKP und DKPNebenorganisationen) etwa 18.000. Zur Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz 1983 kandidierte die DKP in allen Wahlkreisen. Sie erhielt in Nordrhein-Westfalen 32.312 Erststimmen (0,3 %) und 21.065 Zweitstimmen (0,2 %). Gegen\u00fcber der Bundestagswahl 1980 (33.594 Erstund 23.105 Zweitstimmen) erlitt sie damit eine Stimmeneinbu\u00dfe von 1.282 Erstund 2.040 Zweitstimmen. Ein wesentlich \u00fcber dem Landesdurchschnitt liegendes Ergebnis konnte sie mit 1,3 % der g\u00fcltigen Erstund 0,7 % der g\u00fcltigen Zweitstimmen lediglich im Wahlkreis Bottrop-Recklinghausen IV erzielen. F\u00fcr die KPD und den BWK, die sich mit einer gemeinsamen Liste unter der Bezeichnung \"Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD)'' an der Wahl beteiligten, wurden 2.441 Stimmen (0,0 %) abgegeben. *) D. h. eine ,Gesellschaft ohne Klassen\" auf der Grundlage des ,einheitlichen gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln'', die \"gesetzm\u00e4\u00dfig aus den Bedingungen des Sozialismus hervorgeht'' (Lenin). Die Merkmale einer solchen Gesellschaft im einzelnen bleiben mehr oder weniger unbestimmt; sie unterliegen unterschiedlicher Auspr\u00e4gung und Deutung. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Spitzenfunktion\u00e4re der DKP haben sich im Berichtsjahr in parteioffiziellen Publikationen oder bei Parteiveranstaltungen eindeutig zur Errichtung des \"Sozialismus\" in der Bundesrepublik Deutschland bekannt und den ,Proze\u00df der gesellschaftlichen Umgestaltung\" erneut als unumkehrbar bezeichnet. Jeder Versuch ,,historisch \u00fcberlebter Klassen, die gesetzm\u00e4\u00dfige gesellschaftliche Entwicklung gewaltsam aufzuhalten\", gilt als ,Konterrevolution'', die zu bek\u00e4mpfen ist. Parteiorganisation Die DKP verf\u00fcgt als mitgliederst\u00e4rkste und durch die Zusch\u00fcsse aus der DDR finanzkr\u00e4ftigste linksextremistische Organisation wie bisher \u00fcber einen straff gegliederten, funktionst\u00fcchtigen Parteiapparat. Die Parteizentrale in D\u00fcsseldorf mit etwa 100 hauptamtlichen Mitarbeitern leitet in Nordrhein-Westfalen die beiden Bezirksorganisationen Ruhr-Westfalen (Sitz: 23","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Essen) und Rheinland-Westfalen (Sitz: D\u00fcsseldorf) an, die insgesamt etwa 30 weitere Personen hauptamtlich besch\u00e4ftigen. Von den 44 Kreisorganisationen in Nordrhein-Westfalen werden als sogenannte Grundeinheiten etwa 300 Orts-, Stadtteilund Wohngebietsgruppen sowie etwa 120 Betriebsund Hochschulgruppen angeleitet. Obwohl die DKP gro\u00dfe Anstrengungen unternahm, ihre Mitgliederzahl zu erh\u00f6hen, ist ihr dies nicht gelungen. Sie hat ihre politischen Bem\u00fchungen um Einflu\u00df im Bereich der Friedensbewegung und der B\u00fcrgerinitiativen mit einer Auszehrung des Parteilebens und der Reduzierung der parteiinternen Aktivit\u00e4ten bezahlt. Finanzierung In dem vorgelegten Rechenschaftsbericht f\u00fcr 1981 wies die DKP Gesamteinnahmen in H\u00f6he von DM 15.102.744,13 aus (1980: DM 15.759.404,22). Wie in den Vorjahren kann eine auch nur ann\u00e4hernde Kostendeckung f\u00fcr den umfangreichen Parteiapparat sowie f\u00fcr die aufwendige Publizistik und Agitation mit diesen Einnahmen nicht m\u00f6glich gewesen sein. Auch 1982 ergaben sich Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df die DKP f\u00fcr ihre Parteiarbeit und f\u00fcr ihre Nebenorganisationen von der DDR erheblich finanziell unterst\u00fctzt wurde. Die ihr von dort zugeflossenen Geldbetr\u00e4ge, die verdeckt in das Bundesgebiet geschleust werden, d\u00fcrften monatlich mehr als DM 5 Millionen betragen haben. Schulung \"Gute Bildungsarbeit' unter den Mitgliedern der Partei bezeichnete der DKPVorsitzende Herbert MIES als Voraussetzung, um ,auf den Hauptkonfliktfeldern der n\u00e4chsten Zeit erfolgreich arbeiten zu k\u00f6nnen\". Die Durchf\u00fchrung der zweimonatlichen Bildungsabende in den Grundorganisationen ist f\u00fcr die DKP nach wie vor \"wichtigste Form'' der Parteischulung. Besondere Bedeutung haben auch die ,Marxistischen Betriebsarbeiterschulen'' bei den DKP-Bezirksvorst\u00e4nden, deren Hauptaufgabe die Weiterbildung von DKPMitgliedern ist, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen. Sie veranstalteten in NordrheinWestfalen im Jahr 1982 Jahreslehrg\u00e4nge in Dortmund, Essen und Wuppertal. Weiterhin stehen der DKP f\u00fcr die Schulung bzw. ideologische Arbeit ihrer Mitglieder zur Verf\u00fcgung: * das Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. in Frankfurt/Main, * die Marxistische Arbeiterbildung (MAB) in Wuppertal als Dachverband der lokalen MAB-Bildungsgruppen und der Marxistischen Abendschulen, * die Karl-Liebknecht-Schule in Leverkusen, * die SED-Parteischule ,Franz Mehring\" in Berlin (Ost), * das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim ZK der KPdSU in Moskau und 24","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 * der Verein Marx-Engels-Stiftung e.V. im Marx-Engels-Zentrum in Wuppertal. Betriebsarbeit Als \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse\" bem\u00fchte sich die DKP auch 1982, ihren politischen und ideologischen Einflu\u00df vor allem in den Gro\u00dfbetrieben zu erweitern. Hier entscheide sich, so \u00e4u\u00dferte das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Ludwig M\u00dcLLER, \"wohin sich die Mehrheit der Arbeiterklasse unseres Landes bewegt\". Nach \u00c4u\u00dferungen des Parteivorsitzenden Herbert MIES ist die Partei \u00fcber die Betriebsgruppen ,am engsten mit der Arbeiterklasse verbunden''. Die etwa 100 DKP-Betriebsgruppen in Nordrhein-Westfalen haben vor allem die Aufgabe, die aus ihren Reihen gew\u00e4hlten Betriebsr\u00e4te und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rper zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse'' \u00fcberzeugend zu vertreten. Unterst\u00fctzt wird die Betriebsarbeit in Nordrhein-Westfalen durch etwa 130 DKPBetriebszeitungen. Diese greifen haupts\u00e4chlich innerbetriebliche Probleme und andere, meist lohnbezogene Themen auf, um die Arbeiter als Verb\u00fcndete zu gewinnen. Schwerpunkte waren auch Rationalisierungsma\u00dfnahmen, wobei die DKP versuchte, zwischen R\u00fcstungslasten und Arbeitslosigkeit einen Zusammenhang darzustellen. Publikationen Die DKP besitzt ein weitgef\u00e4chertes Netz von Publikationsorganen. Als Zentralorgan gibt sie die Zeitung \"Unsere Zeit'' (UZ) heraus. Sie erscheint t\u00e4glich (Auflagenh\u00f6he etwa 25 000, Wochenendausgabe etwa 50000 Exemplare). Daneben erscheinen regelm\u00e4\u00dfig als wichtigste zentrale Schriften der ,,DKPPressedienst'', die ,,Marxistischen Bl\u00e4tter\", die \"Nachrichten\" (f\u00fcr Gewerkschaftsfunktion\u00e4re), die \"Landrevue'' (f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung), der ,infodienst'' (f\u00fcr DKP-Betriebs-, Wohngebietsund Hochschulzeitungen), die deutschsprachige Ausgabe der internationalen Zeitschrift \"Probleme des Friedens und des Sozialismus\", die Brosch\u00fcre ,,Praxis'' (f\u00fcr die Parteiarbeit) sowie die Schrift ,,Sozialismus konkret'' (mit ausschlie\u00dflichen Berichten aus der DDR). Eine besondere Rolle nehmen die Betriebs-, Kreisund Stadtteilzeitungen ein. 1982 konnten in Nordrhein-Westfalen rund 140 Betriebsund Hochschulzeitungen sowie 130 Kreisund Stadtteilzeitungen festgestellt werden, deren Auflagenh\u00f6he durchschnittlich unter 10000 Exemplaren lag. Die Schriften sind \u00fcberwiegend in der ,,Hausdruckerei'' der DKP ,,Plambeck & Co.'' in Neuss hergestellt worden. Dieses Unternehmen besch\u00e4ftigt etwa 370 Personen. Internationale Beziehungen Wie in den Vorjahren unterhielt die DKP intensive Kontakte auf internationaler Ebene, vor allem zu ihren \"Bruderparteien''. Besonders eng waren die Beziehungen zwischen der DKP und der KPdSU. Vertreter der KPdSU nahmen wiederholt an Veranstaltungen der DKP im Bundesgebiet teil; Abordnungen der DKP waren G\u00e4ste bei Festveranstaltungen der KPdSU, u.a. zum 1. Mai und zum 65. Jahrestag der Oktoberrevolution. Die Delegation der DKP anl\u00e4\u00dflich der 25","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Beisetzung von Leonid BRESCHNEW wurde von dem DKP-Vorsitzenden MIES angef\u00fchrt. Delegationen in die DDR Die DKP-Bezirksorganisationen Rheinland und Ruhr-Westfalen entsandten im Jahre 1982 mindestens 100 Delegationen in die DDR. Es handelte sich hierbei vorwiegend um Funktion\u00e4rsdelegationen, Delegationen mit neugewonnenen Mitgliedern, ferner solche mit Lehrgangsteilnehmern der \"Marxistischen Betriebsarbeiterschule''. Sie umfa\u00dften in der Regel nicht mehr als 15 Personen. Zu den Reisen luden die SED-Bezirksleitungen Halle, Leipzig und Karl-Marx-Stadt ein. Der Aufenthalt in der DDR diente der Werbung f\u00fcr den \"realen'' Sozialismus. Von zentralen Veranstaltungen sind zu erw\u00e4hnen: * \"Woche der DKP\" Die DKP mobilisierte erhebliche Kr\u00e4fte, um die \u00d6ffentlichkeit im Rahmen dieser Woche (23. bis 31. Januar 1982) mit ihren Vorstellungen zu den Themen Friedenssicherung, \"Sozialabbau'', \"Rotstiftpolitik'' und ,Massenarbeitslosigkeit'' vertraut zu machen. Die Woche fand ihren H\u00f6hepunkt in einem sog. LeninLiebknecht-Luxemburg-Treffen am 24. Januar 1982 in Bottrop, an dem etwa 1000 Personen aus dem 1 n- und Ausland, darunter Vertreter der KPdSU, der kommunistischen Parteien \u00c4thiopiens, Belgiens, Bulgariens, CSSR, Portugals, Ungarns und der SED, teilnahmen. Der stellvertretende DKP-Vorsitzende Hermann GAUTIER erkl\u00e4rte in einem einleitenden Referat, Liebknechts Worte \"der Hauptfeind steht im eigenen Land'' seien f\u00fcr die DKP Auftrag, ,noch energischer die abenteuerliche Politik des Gro\u00dfund R\u00fcstungskapitals und seiner politischen Sachwalter in unserem Land zu entlarven\". Die DKP werde gro\u00dfe Anstrengungen unternehmen, um neue Unterschriften unter den \"Krefelder Appell'' zu sammeln, sich aktiv an Friedenswochen, Meetings und Kundgebungen gegen neue US-Atomraketen beteiligen und massiv die Osterm\u00e4rsche '82 unterst\u00fctzen. Redner der KPdSU und der SED kritisierten die Sicherheitspolitik des westlichen Verteidigungsb\u00fcndnisses. * DKP-Aktionen zum\" Internationalen Frauentag \" Die DKP trat anl\u00e4\u00dflich des Internationalen Frauentages am 8. M\u00e4rz mit zahlreichen politischen Aktionen in Erscheinung, besonders zu den Themen ,Frau und Frieden\", ,,Gegen Raketenstationierung'', ,Frauen gegen die Streichung von Sozialleistungen durch die Rotstiftpolitik der Regierung\", ,,Frauen f\u00fcr das Recht auf Arbeit\". Zum herausragenden Ereignis aus der Sicht der DKP wurde der Besuch einer sowjetischen Delegation mit der Kosmonautin Valentina TERESCHKOWA an der Spitze, die auf Einladung des Parteivorstandes an Frauenveranstaltungen, u.a. in D\u00fcsseldorf, teilnahm. * \"5. UZ-Pressefest - Volksfest der DKP\" Das Zentralorgan der D KP \"Unsere Zeit'' (UZ) f\u00fchrte vom 18. bis 20. Juni 1982 in Duisburg-Wedau sein 5. UZ-Pressefest durch, zu dem \u00fcber 400.000 Besucher erschienen. Neben einem k\u00fcnstlerischen Programm mit rund 1.000 K\u00fcnstlern und Sportlern - vornehmlich aus L\u00e4ndern des Ostblocks - fanden einige politische Veranstaltungen mit DKP-Spitzenfunktion\u00e4ren statt. Auf Einladung der DKP 26","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 erschienen 28 Delegationen sonstiger kommunistischer Parteien mit zum Teil ranghohen Funktion\u00e4ren. Die DKP mu\u00dfte f\u00fcr die \u00dcberlassung des Stadions und der Vorpl\u00e4tze insgesamt etwa DM 100.000 zahlen. Das Interesse der Vielzahl der Besucher galt fast ausschlie\u00dflich den k\u00fcnstlerischen und sportlichen Darbietungen. Bei den politischen Veranstaltungen blieben die DKP-Mitglieder mit ihren G\u00e4sten aus den \u00fcbrigen kommunistischen Parteien weitgehend unter sich. * \"Arbeiterfestkonzerte\" Die DKP veranstaltete am 27. November 1982 in D\u00fcsseldorf und am 28. November 1982 in Bottrop sog. Arbeiterfestkonzerte mit der \"Weimarschen Staatskapelle''. Sie nutzte die Veranstaltung zur Agitation gegen die Sicherheitspolitik der Staaten des Nordatlantikpakts. 2.2.1 B\u00fcndnispolitik Die DKP versuchte auch 1982, auf die politische Lage in der Bundesrepublik Deutschland mit Hilfe von B\u00fcndnisorganisationen einzuwirken und die politischen Verh\u00e4ltnisse dadurch zu ihren Gunsten zu ver\u00e4ndern. Dieses Hinwirken auf die Erreichung von Teilzielen, die als solche nicht spezifisch kommunistisch sind, wird von der DKP als Etappe auf dem Wege zum revolution\u00e4ren Fernund Endziel angesehen und mit diesem ideologisch und politisch verbunden. Die DKP bekennt dies auch offen: \"Die antimonopolistische B\u00fcndnispolitik mu\u00df eingeordnet werden in die Gesamtstrategie des Kampfes um den Sozialismus. Die marxistische Partei der Arbeiterklasse ... darf auch vor den B\u00fcndnispartnern keinen Zweifel daran lassen, da\u00df ihr Ziel der Sozialismus ist.\" Dies gilt in besonderem Ma\u00dfe von den B\u00fcndnissen, die von der DKP angestrebt werden, um auf die friedens-, sicherheitsund abr\u00fcstungspolitische Diskussion in ihrem Sinne Einflu\u00df zu nehmen. F\u00fcr die DKP ist \"der Kampf um den Frieden immer Klassenkampf\". Im ,,Kampf um den Frieden\", wie die DKP ihn versteht, spielen von ihr beeinflu\u00dfte Organisationen eine besondere Rolle. Dazu geh\u00f6ren in diesem Schwerpunktbereich vor allem: * Deutsche Friedens-Union (DFU) Die DFU ist 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfront''-Partei gegr\u00fcndet worden. Von den sieben Mitgliedern ihres Direktoriums und den \u00fcber 50 Mitgliedern ihres Bundesvorstandes sind etwa ein Viertel Kommunisten, etwa ein Drittel geh\u00f6ren gleichzeitig anderen kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen an. Die DFU ist dem sowjetisch gelenkten \"Weltfriedensrat'' angeschlossen und unterh\u00e4lt Kontakte zu gleichgerichteten Organisationen in Ostblockl\u00e4ndern. Gespr\u00e4chspartner sind dabei u. a. die Nationale Front und der Friedensrat der DDR sowie das Tschechoslowakische Friedenskomitee. * Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ ist 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodox-kommunistischer und kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen gegr\u00fcndet worden und ein wichtiges Organ zur Koordinierung der kommunistischen 27","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Abr\u00fcstungskampagne, obgleich die Mehrzahl seiner Anh\u00e4nger Nichtkommunisten sind. Durch gemeinsame Aktionen von Kommunisten und Demokraten soll es helfen, die sowjetischen Vorstellungen zur \"Friedensund Abr\u00fcstungspolitik\" durchzusetzen. Die eigentliche Leitung - insbesondere die politische Ausrichtung sowie die Festlegung und Durchf\u00fchrung von Aktionen - liegt bei einem \"B\u00fcro'', dessen acht Mitglieder pers\u00f6nlich oder \u00fcber Organisationen, in denen sie au\u00dferdem t\u00e4tig sind, dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat angeh\u00f6ren. * Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK, 1974 als Zusammenschlu\u00df zweier Kriegsdienstgegnerorganisationen gegr\u00fcndet, ist eine Organisation, deren Mitglieder zum gr\u00f6\u00dften Teil Nichtkommunisten sind. Im Bundesvorstand (15 Mitglieder) haben jedoch Kommunisten f\u00fchrende Positionen. Einer der Bundesvorsitzenden geh\u00f6rt gleichzeitig dem Weltfriedensrat und dem B\u00fcro des KFAZ an. Dem Bundesvorstand der DFG-VK wird aus eigenen Reihen einseitige Orientierung auf die DKP vorgeworfen. Orthodoxe Kommunisten bilden in den au\u00dferordentlich vielschichtigen Protestbewegungen eine zahlenm\u00e4\u00dfige Minderheit. Da sie aber \u00fcber klare Zielvorstellungen, eine geschlossene Organisation mit verbindlicher Parteidisziplin, ein weites Netz von Vorfeldorganisationen und ausreichend finanzielle Mittel sowie ein erprobtes Kampagnenmanagement verf\u00fcgen, geht ihr Einflu\u00df oft erheblich \u00fcber ihren zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus. 1982 zeigte sich der Einflu\u00df der DKP vor allem bei folgenden Veranstaltungen: * Sie hat sich an der organisatorischen Vorbereitung der \"Osterm\u00e4rsche\" vom 9. bis 12. April 1982 ma\u00dfgeblich beteiligt. * Die von der DFU gesteuerte ,Krefelder Initiative\" war offizieller Veranstalter der bundesweiten Gro\u00dfveranstaltung \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\" am 11. September 1982 rund um das Bochumer Ruhrstadion. Als ,,Initiatoren'' traten u.a. namhafte K\u00fcnstler aus der \"Popund Rock-Szene'' auf. Werbung und Kartenvertrieb lagen weitgehend in H\u00e4nden f\u00fchrender DFU-Funktion\u00e4re. W\u00e4hrend des Programms traten verteilt auf f\u00fcnf der sieben B\u00fchnen Initiatoren des ,Krefelder Appells\" als Redner f\u00fcr ,,Frieden und Abr\u00fcstung\" auf, darunter auch das Direktoriumsmitglied der DFU, Josef WEBER. Ein attraktives Musikprogramm und das Vorschieben namhafter K\u00fcnstler als ,Initiatoren'' lockte mehr als 100.000 zumeist junge Menschen an, die dort f\u00fcr den , Krefelder Appell'' geworben werden sollten. * Auf einer Arbeitstagung des KFAZ am 26. September 1982 in K\u00f6ln wurde den mehr als 300 teilnehmenden Vertretern von ,,Friedensinitiativen'' eine Erkl\u00e4rung des KFAZ vorgelegt, nach der u. a. die Friedensbewegung ihre Aktionen und ihre Zusammenarbeit in der \"Kernfrage - Verhinderung der NATO-Nachr\u00fcstung - weiterentwickeln\" m\u00fcsse. Als Aktionsformen wurden vorgeschlagen: den ,Krefelder Appell\" zu einer ,,Abstimmung des Volkes auszuweiten\", bei der Unterschriftensammlung \"unser Land, Stra\u00dfe f\u00fcr Stra\u00dfe, Gemeinde f\u00fcr Gemeinde, Betrieb f\u00fcr Betrieb, Schule f\u00fcr Schule, Universit\u00e4t f\u00fcr Universit\u00e4t zur atomwaffenfreien Zone zu erkl\u00e4ren\", mit Aktionen zum 30. Januar 1983 (50. Jahrestag der Machtergreifung Hitlers), ,,Osterm\u00e4rschen'' und neuen 28","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Gro\u00dfdemonstrationen \"nationale und internationale H\u00f6hepunkte\" zu schaffen, die Bev\u00f6lkerung in den vorgesehenen Stationierungsorten und an allen Milit\u00e4rst\u00fctzpunkten zu mobilisieren, Aktionen ,vor Ort' durchzuf\u00fchren. Die DKP-Grundeinheiten wurden nachdr\u00fccklich verpflichtet, w\u00e4hrend der von der \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste'' (ASF) und der \"Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden\" (AGDF) im November 1982 initiierten \"Friedenswochen'' mit den \u00f6rtlichen Friedensinitiativen, Gewerkschaften, Christen und anderen Personengruppen die Zusammenarbeit zu suchen. F\u00fcr die Beteiligung an ,Gewaltfreien Aktionen'' vor milit\u00e4rischen Anlagen anl\u00e4\u00dflich des 3. Jahrestages des \"NATO-Beschlusses\" am 12. Dezember 1982 wurde ebenfalls durch die DKP und ihre Nebenorganisationen geworben. 2.2.2 DKP-orientierte Jugendund Studentenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Am 6./7. M\u00e4rz 1982 fand in der D\u00fcsseldorfer Stadthalle der VII. Bundeskongre\u00df der SDAJ statt. Unter den G\u00e4sten befanden sich auch der Botschafter der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sowie der Leiter der St\u00e4ndigen Vertretung der Deutschen Demokratischen Republik in Bonn. In dem von dem wiedergew\u00e4hlten Bundesvorsitzenden Werner ST\u00dcRMANN vorgetragenen Bericht des Bundesvorstandes an den VII. Bundeskongre\u00df spielt der \"Friedenskampf'\" eine zentrale Rolle, wobei auch die SDAJ darunter insbesondere den Kampf ,gegen die Stationierung neuer US-Raketen'' versteht. W\u00f6rtlich sagte ST\u00dcRMANN: \"Je st\u00e4rker der Sozialismus, um so sicherer ist der Frieden \" und \"Das eine (Kapitalismus) ist Aggressivit\u00e4t, das andere (Sozialismus) bedeutet Frieden \". Damit hat er den ideologisch-politischen Standort der Kommunisten zum internationalen Frieden und den Sinn kommunistischer Friedenspolitik auf einpr\u00e4gsame Kurzformeln gebracht, gleichzeitig aus ihrer Sicht den Sinn und die Bedeutung des Engagements der Kommunisten in der Friedensbewegung gekennzeichnet. Der Landesverband Ruhrgebiet-Westfalen der SDAJ veranstaltete in der Zeit vom 28. bis 31. Mai 1982 in Hattingen in den Ruhrwiesen sein ,,Pfingstcamp''. W\u00e4hrend der gesamten Dauer der Veranstaltung \u00fcbernachteten etwa 3000 Personen in den bereitgestellten und mitgebrachten Zelten. In der Zeit vom 29. bis 31. Mai 1982 wurden jeweils Rockveranstaltungen bis zu 10000 Besucher registriert. Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB) Der MSB und der Sozialistische Hochschulbund (SHB) haben auch 1982 ihre ,,Aktionseinheit'' fortgesetzt. Beide traten im Rahmen des ,,Friedenskampfes'' mit \u00f6rtlichen bzw. \u00fcber\u00f6rtlichen Aktionen * gegen die Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen in Europa aufgrund des NATO-Doppelbeschlusses 29","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 * f\u00fcr \"atomwaffenfreie Fachbereiche und Hochschulen\" \u00f6ffentlich hervor. Die auch gemeinsam durchgef\u00fchrten Aktionen gegen die \"Rotstiftpolitik'' der Bundesregierung - insbesondere gegen die Umstellung der Leistungen nach dem Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz (Baf\u00f6G) auf Darlehensbasis - wurden mit dem ,Friedenskampf\" unter dem Motto \"Baf\u00f6G statt Pershing\" verkn\u00fcpft. Vorsitzender des MSB ist weiterhin der auf der letzten Bundesdelegiertenversammlung IM Herbst 1981 gew\u00e4hlte Uwe KNICKREHM (Bonn). Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) Auch 1982 veranstalteten die DKP und die Jungen Pioniere ihre preisg\u00fcnstigen 14t\u00e4gigen Kinderferienreisen in die DDR. Pro Kind mu\u00dften die Eltern DM 120 einzahlen, f\u00fcr jedes weitere Kind verringerte sich der Betrag um jeweils DM 10. Allein der Landesverband Ruhrgebiet-Westfalen verschickte mit Sonderz\u00fcgen und einigen Bussen etwa 1.350 Kinder. Diese Ferienreisen werden bei den Veranstaltern auch als geeignetes Mittel angesehen, neue Mitglieder zu werben und \u00fcber die Kinder auch deren Eltern zu erreichen. Unter dem Motto \"Kinder wollen Frieden\" stand der 4. Bundeskongre\u00df der JP am 4. und 5. Dezember 1982 in Dortmund. Politischer Schwerpunkt dieser Konferenz war erwartungsgem\u00e4\u00df der ,,Kampf gegen US-Raketen\" und in diesem Zusammenhang die Unterst\u00fctzung des Krefelder Appells. Der wiedergew\u00e4hlte Bundesvorsitzende Achim KROOSZ stellte in seinem Referat fest: ,Wir haben massiv neue Mitglieder aufgenommen und Gruppen gegr\u00fcndet ... Unser Pionierverband ist heute doppelt so gro\u00df wie zu Anfang dieses Jahres.\" Diese Feststellung trifft nicht zu; die tats\u00e4chliche Mitgliederzahl liegt nach wie vor bei etwa 3.500. 2.3 Dogmatische Neue Linke 2.3.1 Kommunistische Partei Deutschlands (MarxistenLeninisten) KPD Im Februar 1982 fanden in Dortmund und D\u00fcsseldorf Veranstaltungen der KPD zum Thema \"Polen'' statt. Redner war in Dortmund der Vorsitzende der KPD, Ernst AUST, in D\u00fcsseldorf der Redakteur des \"Roten Morgen\" (Zentralorgan der KPD) Helmut EISZ. Ab Mitte Juni 1982 rief die KPD zu Protestaktionen gegen die Verurteilung von \"kommunistischen Oppositionellen\" in der DDR auf. Bei den Verhafteten handelt es sich um zwei Bewohner der DDR, die zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen verurteilt worden waren, weil sie, so die KPD, f\u00fcr die Ziele der KPD geworben und Parteiaktionen der ,,Sektion DDR'' der KPD verteilt h\u00e4tten. Am 5. Juli 1982 ketteten sich vier Mitglieder der KPD aus Protest am Zaun vor der St\u00e4ndigen Vertretung der DDR in Bonn an. 30","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Am 17. Juli 1982 kam es zu einer Demonstration am Grenzkontrollpunkt Helmstedt-Autobahn in Fahrtrichtung Berlin. Die etwa 25 Teilnehmer (Mitglieder und Sympathisanten der KPD) stammten aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Am 25. bis 26. September 1982 f\u00fchrte die KPD in Dortmund anl\u00e4\u00dflich des 15j\u00e4hrigen Bestehens ihres Zentralorgans \"Roter Morgen\" ein Pressefest durch. Es nahmen etwa 2.000 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Die Mitgliederzahl der KPD wird f\u00fcr Nordrhein-Westfalen derzeit auf 200 (Bund: 500) gesch\u00e4tzt. 2.3.2 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg - Volksfront - (V) Die \"Volksfront\" beschlo\u00df auf ihrem Bundeskongre\u00df am 30./31. Januar 1982 in Frankfurt am Main die obige Namens\u00e4nderung. Seit ihrer Gr\u00fcndung am 6. Oktober 1979 lautete die Bezeichnung der Organisation \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg, f\u00fcr Freiheit und Demokratie, Wohlstand und Frieden\". Nach einem Bericht im Zentralorgan der KPD, \"Roter Morgen\", legte der Kongre\u00df als Arbeitsschwerpunkte f\u00fcr die n\u00e4chste Zeit den Kampf f\u00fcr das Verbot aller \"faschistischen\" Organisationen und gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit fest. Zum neuen Vorsitzenden der Volksfront wurde Harry DUBINSKY (Bad Homburg) gew\u00e4hlt. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen (Sitz: Aachen) gliedert sich in 23 Kreisorganisationen mit 23 Ortsbzw. Stadtteilgruppen. Der Mitgliederbestand wird auf 550 (Bund: 1.500) gesch\u00e4tzt. 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die MLPD hat sich in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndet. Sie ist aus dem Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands hervorgegangen. An der Gr\u00fcndungsveranstaltung nahmen etwa 2.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Grundlegendes Ziel der MLPD, die sich zu den Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung bekennt, ist, \"der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur der Monopolkapitalisten und die Errichtung des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\". Um dieses Ziel zu erreichen, mu\u00df sich, \"wenn die K\u00e4mpfe einen revolution\u00e4ren Aufschwung nehmen, die Arbeiterklasse zum bewaffneten Aufstand unter F\u00fchrung ihrer Partei erheben\". Vorsitzender der MLPD ist Stefan ENGEL (Gelsenkirchen). Der Sitz des Zentralkomitees befindet sich in Essen. Die MLPD ist zur Zeit bem\u00fcht, in den St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens Ortsgruppen aufzubauen, die den drei Bezirksverb\u00e4nden Rheinland, Ruhrund Ostwestfalen untergeordnet werden. Die Mitgliederzahl liegt in Nordrhein-Westfalen bei etwa 300 (Bund: 900). 2.3.4 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 31","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Wie bereits im Jahre 1981 auf Bundesebene, l\u00e4\u00dft sich nunmehr auch in Nordrhein-Westfalen ein vermehrter Parteiaustritt beobachten. W\u00e4hrend 1981 eine Mitgliederzahl von 280 angenommen wurde, sank diese Zahl im Laufe dieses Jahres auf etwa 100 (im Bund 500). Dieser Mitgliederschwund f\u00fchrte in den einzelnen Bezirken zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Bis auf das B\u00fcro in K\u00f6ln mu\u00dften alle anderen aufgel\u00f6st werden. Wegen dieser Entwicklung wurde am 12./13. Juni 1982 in Frankfurt eine au\u00dferordentliche Delegiertenkonferenz durchgef\u00fchrt, die u.a. einen Antrag auf Aufl\u00f6sung des KBW behandelte, der jedoch abgelehnt wurde. Eine weitere au\u00dferordentliche Delegiertenkonferenz am 13./14. November 1982 in Frankfurt/Main diente in der Hauptsache der \"Beratung und Beschlu\u00dffassung \u00fcber die Publizistik\". Ab 1. Januar 1983 wird an Stelle der Wochenzeitung \"Kommunistische Volkszeitung\" (KVZ) und der Zeitschrift ,,Kommunismus und Klassenkampf'' (KuK) eine politische Monatszeitschrift erscheinen, die den Titel \"Kommune Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie'' tragen soll. Es wurde ein Kreis von 15 Personen gew\u00e4hlt, der die Zeitschrift herausgeben und die Redaktion benennen soll. Der Preis betr\u00e4gt je Exemplar DM 5,-. Mit dieser Zeitschrift will man versuchen, sich gegen\u00fcber anderen Gruppen aus dem ,,sozialistischen und kommunistischen Lager'' offener zu zeigen. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des 1982 gew\u00e4hlten Bundesvorstandes des KBW ist Volker LEHMANN (Frankfurt). 2.3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Dem im September 1980 vom KBW abgespaltenen ,Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) gelang es im Jahre 1982 nicht, seine Mitgliederzahl zu erh\u00f6hen. Sie ist in Nordrhein-Westfalen sogar leicht auf etwa 80 (Bund: 500) gesunken. In Gespr\u00e4chen mit der KPD hat man sich darauf verst\u00e4ndigt, gemeinsam bei den Neuwahlen zum Bundestag zu kandidieren. Dies soll in Form der gegenseitigen Unterst\u00fctzung von \"offenen Listen'' geschehen. Daneben wurden lediglich sporadisch Betriebsund Hochschulzeitungen, sowie nach Branchen aufgeteilte \"Nachrichtenhefte\", herausgegeben. Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Ausschusses des BWKBundesvorstandes ist J\u00f6rg DETJEN (Hannover). 2.3.6 Kommunistischer Bund (KB) Auf seinem Kongre\u00df am 16./17. Januar 1982 in Hamburg wurde festgestellt, da\u00df der KB vor allem in den St\u00e4dten Nordrhein-Westfalens faktisch ,liquidiert\" sei; in den ehemaligen ,Hochburgen\" Bielefeld, Dortmund und M\u00fcnster stagniere die politische Arbeit. Seine Mitgliederzahl wird in Nordrhein-Westfalen auf 30 (Bund: 500) gesch\u00e4tzt. 2.3.7 Marxistische Gruppe (MG) 32","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Die MG, die ihren organisatorischen Schwerpunkt in Bayern hat, entwickelte sich aus den ,,Roten Zellen\", die Ende der sechziger Jahre aus der studentischen Protestbewegung hervorgingen. Sie f\u00fchrt deren revolution\u00e4re, marxistischleninistische Politik fort. Die totale Zerschlagung des Kapitalismus erfordert nach ihrer von Lenin hergeleiteten Auffassung zun\u00e4chst die Schulung von Intellektuellen, damit diese dem Proletariat, das f\u00fcr seinen revolution\u00e4ren Auftrag noch nicht reif sei, die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nne. Die MG h\u00e4lt ihre leitenden Gremien weitgehend geheim; in Nordrhein-Westfalen wurden solche bisher nicht festgestellt. Neben der Beteiligung an Gro\u00dfdemonstrationen (10. und 19. Juni 1982 in Bonn) f\u00fchrten die MG 1982 auch in Nordrhein-Westfalen vermehrt \u00f6ffentliche Veranstaltungen in Hochschulen bzw. Gastst\u00e4tten durch, die teilweise von etwa 100 bis 150 Personen besucht wurden. Als St\u00fctzpunkte der MG werden in Nordrhein-Westfalen * die MHB-Gesellschaft f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur in Dortmund, * der Marxistische Buchladen in Bochum, angesehen. Publikationsorgane der MG sind neben der ,,Marxistischen Studentenzeitung\"' (MSZ) - auch MSZ aktuell - vor allem Hochschulzeitungen f\u00fcr Bonn, Bochum und Dortmund. 2.4 Extremistische Einflu\u00dfnahme auf die Anti-KernkraftBewegung Linksextremisten aller Richtungen, darunter auch militante Gruppen, beteiligten sich auch 1982 an der in der Mehrzahl von nicht extremistischen KernenergieGegner und -Gruppen getragenen Kampagne gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie in der Bundesrepublik Deutschland. Die Demonstration am 2. Oktober 1982 in Kalkar, die sich vor allem gegen das dortige Projekt eines \"Schnellen Br\u00fcters\" richtete und an der etwa 20.000 Personen aus weiten Bereichen der Bundesrepublik teilnahmen, hat aber erneut gezeigt, da\u00df die unter ihnen befindliche geringe Zahl militanter Extremisten - etwa 300 beteiligten sich in Kalkar an Ausschreitungen - die angestrebte Solidarisierung der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der friedlichen Demonstranten mit ihnen nicht erreichen. Der Verlauf der Veranstaltung wurde von Beteiligten zum Teil heftig kritisiert. Die bundesweit vertriebene \"die tageszeitung\" ver\u00f6ffentlichte am 6. Oktober 1982 einen \"Kommentar zur Kalkar-Demo\", in dem die tiefe Entt\u00e4uschung \u00fcber die Aktion vom 2. Oktober 1982 zum Ausdruck kommt. Es hei\u00dft hierin u. a.: \"Sp\u00e4testens seit Samstag besteht Gewi\u00dfheit: der Schwung der Anti-KKWBewegung, die Attraktivit\u00e4t ihrer Demonstrationen ist dahin ... die gro\u00dfe Mehrheit der AKW-Gegner war gar nicht erschienen. Das Atomprogramm ist \u00fcber solche Demos offensichtlich nicht zu verhindern.\" Der Verfasser kommt zu dem Schlu\u00df: 33","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 \"Die Au\u00dferparlamentarische Anti-AKW-Bewegung mu\u00df sich neue Widerstandsformen suchen.\" 2.5 Trotzkisten In Nordrhein-Westfalen verf\u00fcgen lediglich die Gruppe Internationale Marxisten (GIM) und der Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA) mit seiner Jugendorganisation Sozialistischer Jugendbund (SJB) \u00fcber arbeitsf\u00e4hige \u00f6rtliche Gruppen. Beide Organisationen geben regelm\u00e4\u00dfig erscheinende Publikationen heraus, so die GIM vierzehnt\u00e4gig die Zeitung \"was tun\", das Zentralkomitee des BSA w\u00f6chentlich die\" neue Arbeiter Presse\" und der SJ13 monatlich die Zeitschrift \"Links Voran\". \u00d6ffentlich ist lediglich der SJB mit dem \"Ruhrmarsch '82 gegen Jugendarbeitslosigkeit\" vom 3. bis 9. Juli 1982 in Erscheinung getreten, an dem sich durchschnittlich 25 Personen beteiligten und der von Dortmund \u00fcber Bochum, Gelsenkirchen, Essen, Oberhausen nach Duisburg f\u00fchrte. Die Aktion fand kaum Resonanz. 2.6 Linksextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Ende 1982 befanden sich unter den etwa 350.000 Besch\u00e4ftigten im \u00f6ffentlichen Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen (ohne Vorbereitungsdienst) - soweit bekannt - 199 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Organisationen. Sie verteilen sich auf die einzelnen Ressorts wie folgt: Die Zunahme der Zahl der statistisch erfa\u00dften Personen gegen\u00fcber dem Vorjahr (1981: 151 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Organisationen) ist im wesentlichen darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df Aktivit\u00e4ten f\u00fcr linksextremistische Organisationen durch Personen, die dem \u00f6ffentlichen Dienst seit l\u00e4ngerer Zeit angeh\u00f6ren, erst im Berichtszeitraum bekannt wurden.*) 34","min Kl A ai ieh an \"m LEN Alk Vorschl\u00e4gederDe zurSicherung undSchaffungvon 0 ee a Br Elias","","a er er ren Are\". BET im u Fox u: \" ar Pan Kommunistische Volkszeitung all k","Pina YinDia Br nePk ar a a nu a PolitischeBerichtenn eaPR HinterWendeutahe.KomausiaenmwuK rn De ur en RE ie Ka eg a bi mnBann er nnA Mi Heranam RR Area op m","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 3 Terrorismus 3.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz Der deutsche linksextremistische Terrorismus ist nach Herkunftsgeschichte und ideologischer Zuordnung mit dem \u00fcbrigen linksextremistischen Bereich verbunden. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Rechtfertigungsversuche seiner Strategien und Taktiken sowie einzelner Aktionen linksterroristischer Gruppen. Ihr \"antiimperialistischer Kampf\" benutzt hierf\u00fcr Vorstellungen, die aus leninistischen Gedankeng\u00e4ngen entwickelt sind, wie sie Ende der sechziger, Anfang der siebziger Jahre in der damaligen extremistischen Neuen Linken eine Rolle spielten. Der \"Anti-Imperialismus\" der Linksterroristen findet eine Entsprechung im Rechtsterrorismus, der sich aus grunds\u00e4tzlicher ideologisch-politischer Feindschaft in militanter Weise auch gegen die Einbindung der Bundesrepublik Deutschland in die nordatlantische Gemeinschaft der freiheitlichen Demokratien wendet Die st\u00e4rkste Bedrohung aus dem deutschen linksextremistischen Terrorismus geht von der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) und den ,Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) aus. W\u00e4hrend die Zahl der Anschl\u00e4ge der RZ gegen\u00fcber dem Vorjahr erheblich zugenommen hat und die wachsende Gef\u00e4hrlichkeit dieser terroristischen Gruppen unterstreicht, hat die RAF durch die Festnahmen von Brigitte MOHNHAUPT, Adelheid SCHULZ, Christian KLAR im November 1982*) und durch die Entdeckung zahlreicher Erddepots vor allem im logistischen Bereich einen empfindlichen R\u00fcckschlag erlitten. Sie ist damit aber noch nicht zerschlagen und zu weiteren Terrorakten f\u00e4hig. Eine gef\u00e4hrliche Gewaltbereitschaft lassen ferner \u00f6rtliche terroristische Kleingruppen erkennen, die sich als \"guerilla diffusa'' verstehen und sich teilweise erkennbar an das auf \"Verbreiterung des bewaffneten Widerstandes\" gerichtete Konzept der RZ anlehnen. Mit weiteren Anschl\u00e4gen deutscher Linksterroristen ist deshalb auch in Zukunft zu rechnen. *) Am 1. M\u00e4rz 1983 konnte die zur Fahndung ausgeschriebene Gisela DUTZI festgenommen werden. 3.2 Rote Armee Fraktion (RAF) Erstmals im Juni 1982 wurde im Bundesgebiet die Schrift ,,Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front'' verbreitet, die mit \"Rote Armee Fraktion, Mai 1982'' unterzeichnet ist. In der 20seitigen Schrift stellt die RAF ihre Entwicklung seit 1977 dar und fordert die Bildung einer \"antiimperialistischen Front\", in der \"milit\u00e4rische Angriffe, einheitliche koordinierte militante Projekte, ...\" und \"... politische Initiativen zur Vermittlung der Politik, ...\" zusammengefa\u00dft werden sollen, wobei die RAF innerhalb dieser Front einen F\u00fchrungsanspruch erhebt. 39","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Am 15. September 1982 erbeuteten drei bewaffnete und maskierte Frauen bei einem Raub\u00fcberfall auf eine Zweigstelle der Sparkasse Bochum rd. DM 118.000, Sie fl\u00fcchteten in einem Fahrzeug, das sp\u00e4ter etwa 300 m vom Tatort entfernt verlassen aufgefunden wurde. Es war rd. 10 Tage vor der Tat in D\u00fcsseldorf gestohlen worden. Bei dem Raub\u00fcberfall handelte es sich, wie u. a. Fingerspuren von Christian KLAR am Fluchtfahrzeug ergaben, um eine \"Geldbeschaffungsaktion\" der RAF. Durch die Entschl\u00fcsselung schriftlicher Unterlagen aus dem Erddepot der RAF, das am 27. Oktober 1982 aufgrund eines Hinweises aus der Bev\u00f6lkerung in einem Waldgebiet zwischen Gravenbruch und Dietzenbach (Hessen) entdeckt wurde, konnten in der Folge zahlreiche weitere Erddepots der RAF aufgefunden werden. In diesen befanden sich Handfeuerwaffen, Maschinenpistolen, Gewehre und Schnellfeuergewehre sowie Munition und Sprengstoff, eine Vielzahl von Personalund Kfz-Papieren, F\u00e4lschungsmittel sowie eine gr\u00f6\u00dfere Menge Banknoten aus der Beute des Raub\u00fcberfalles in Bochum. Am 11. November 1982 gelang es, Brigitte MOHNHAUPT und Adelheid SCHULZ an dem bereits erw\u00e4hnten Depot bei Gravenbruch festzunehmen; am 16. November 1982 konnte Christian KLAR an einem Erddepot im Sachsenwald in der N\u00e4he von Hamburg festgenommen werden. Die drei Festgenommenen sind verd\u00e4chtig, an den schwersten Gewalttaten der RAF, u. a. an dem Mord an dem Bankier J\u00fcrgen PONTO am 30. Juli 1977 sowie an dem Mordund Entf\u00fchrungsfall SCHLEYER im September/Oktober 1977, beteiligt gewesen zu sein. Die Entdeckung der Erddepots sowie die damit verbundenen Verluste im logistischen Bereich und die Festnahme dreier wichtiger RAF-Mitglieder d\u00fcrfen allerdings nicht zu der Annahme f\u00fchren, da\u00df die RAF nunmehr endg\u00fcltig zerschlagen sei. Bisher ist es dieser terroristischen Vereinigung immer wieder gelungen, Einbr\u00fcche im personellen oder logistischen Bereich auszugleichen und ihre Handlungsf\u00e4higkeit wiederzugewinnen. Die von der RAF ausgehende terroristische Bedrohung dauert an. Ende 1982 lebten 15 bis 20 mutma\u00dfliche RAF-Mitglieder im Untergrund. 3.3 Revolution\u00e4re Zellen/Rote Zora (RZ) Die RZ haben ihre Aktionen auch in unserem Land gegen\u00fcber dem Vorjahr erheblich verst\u00e4rkt. Sie \u00fcbernahmen die Verantwortung f\u00fcr zehn Anschl\u00e4ge. Hinzu kommen mindestens zwei Anschl\u00e4ge einer \"RZ Bielefeld\", die sich offenbar an das auf \"Verbreiterung des bewaffneten Widerstands\" gerichtete Konzept der RZ anlehnt (sog. RZ-Nachahmergruppe). Im einzelnen bekannten sich RZ in Nordrhein-Westfalen zu folgenden Anschl\u00e4gen: 24.Januar1982 Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude eines Bauunternehmens in K\u00f6ln; der Inhaber des Bauunternehmens war Honorarkonsul von EI Salvador. 06. M\u00e4rz 1982 Brandanschlag auf Fahrzeuge des Bundeswehrverbandes in Bonn-Bad Godesberg. (Zu dem Anschlag bekannte sich die ,,Rote Zora'', eine autonome Frauengruppe in den RZ). 40","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 10. M\u00e4rz 1982 Sprengstoffanschlag auf die Duisburger Niederlassung einer am Bau der Startbahn West des Frankfurter Rhein-MainFlughafens beteiligten Hochund Tiefbaufirma. 25. M\u00e4rz 1982 Brandanschlag auf das Geb\u00e4ude des Amtsgerichts in EssenBorbeck. 01. Juni 1982 Zwei Sprengstoffanschl\u00e4ge auf Geb\u00e4ude amerikanischer Firmen in D\u00fcsseldorf. 09. Juni 1982 Sprengstoffanschlag auf eine amerikanische ComputerFirma in K\u00f6ln. 01. Oktober 1982 Sprengstoffanschl\u00e4ge gegen die Gesellschaft f\u00fcr Reaktorsicherheit (GRS) in K\u00f6ln und die Fa. Interatom in Bergisch Gladbach. 02. November 1982 Sprengstoffanschlag auf einen Mast der zur Baustelle des Kernkraftwerks Kalkar f\u00fchrenden Hochspannungsleitung. Anschl\u00e4ge der RZ Bielefeld: 01. M\u00e4rz 1982 Versuchter Brandanschlag auf Baufahrzeuge an der Baustelle eines st\u00e4dtischen Sanierungsgebiets in Bielefeld. 03. August 1982 Versuchter Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) in Bielefeld. In ihren Tatbekenntnissen zu den teilweise mit erheblichen Sachsch\u00e4den verbundenen Anschl\u00e4gen kn\u00fcpften die RZ mit dem Ziel, Breitenwirkung und Verst\u00e4ndnis zu erlangen, an aktuelle tagespolitische Ereignisse an; so brachten sie z. B. die drei im Juni 1982 auf US-amerikanische Firmen ver\u00fcbten Sprengstoffanschl\u00e4ge, die Teil einer bundesweiten Serie von RZ-Anschl\u00e4gen waren, mit dem Besuch des amerikanischen Pr\u00e4sidenten REAGAN in der Bundesrepublik Deutschland in Zusammenhang. 3.4 Terroristisches Umfeld Auch 1982 unternahmen Gruppen und einzelne Anh\u00e4nger des terroristischen Umfeldes den allerdings im wesentlichen erfolglosen Versuch, die Zersplitterung in Einzelgruppen und Einzelaktionen zu \u00fcberwinden. So hatte eine am 2. Juni 1982 in Bochum durchgef\u00fchrte \"AntiimperialismusVeranstaltung\", an der rd. 30 Personen des terroristischen Umfeldes aus Nordrhein-Westfalen teilnahmen, offenbar das Ziel, \"das Eindringen der politischen Vorstellungen des Autonomismus*) in die antiimperialistische Bewegung\" im Sinne der von der RAF propagierten Vorstellungen zu \"bek\u00e4mpfen \". Am 3. September 1982 vergo\u00df eine junge Extremistin Butters\u00e4ure in einem Bielefelder Kino, in dem der Anti-Guerilla-Film \"Das Kommando\" gezeigt wurde. Ein anonymes Bekennerschreiben, das zur Tatzeit bei einer Tageszeitung einging, wirbt f\u00fcr die \"bewaffnete Guerilla'' und die RAF. Der F\u00f6rderung des gewaltsamen linksextremen Widerstands diente offenbar die Herausgabe verschiedener Schriften, darunter die im Januar \u00fcberregional verbreitete Schrift \"Der Kampf geht weiter\", Nr. 1/82, bzw. die seit M\u00e4rz 1982 zweimonatlich in Dortmund erscheinende Zeitschrift \"Regenbogen\". 41","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Gemeinsam ist diesen Schriften die Propagierung des sog. \"autonomen Widerstandes\", mit dem Ziel, vielf\u00e4ltige Formen des Widerstandes zu entwickeln. Dies wird besonders deutlich in dem Zitat aus \"Der Kampf geht weiter'': \"Keiner von denen, der Macht in H\u00e4nden h\u00e4lt, darf sich mehr sicher f\u00fchlen, egal ob es der Parteibonze, Stadtrat, das Spekulantenschwein, Bankiers oder schikan\u00f6se und korrupte Beamte sind. Unser Widerstand darf bei Kaufhausoder Bankenglas nicht haltmachen, sondern auch gezielter Terror gegen einzelne Personen ist notwendig.\" *)\"Autonom\" nennen sich undogmatische linksextremistische Gruppen mit z. T anarchistischer Zielsetzung, spontanem Auftreten und militantem Vorgehen (vgl. Seite 27). 3.5 Weitere linksterroristische oder sonstige linksextremistisch motivierte Gewalttaten Neben RAF und RZ sind \u00f6rtliche terroristische oder sonst auf Gewalt gerichtete Gruppen erneut durch zahlreiche Gewalttaten, insbesondere Sprengstoffund Brandanschl\u00e4ge, hervorgetreten. Die Grenzen zwischen Terroraktionen und Gewaltaktionen militanter autonomer Gruppen, die im Bewu\u00dftsein der Rebellion handelnd ihre \"militanten Angriffe auf die vielen Angriffspunkte des Staates verstreut\" vortragen (guerilla diffusa), sind dabei flie\u00dfend. Besonders zu erw\u00e4hnen sind 09 Juni1982 Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in Mettmann, zu dem sich ,,Einige um den Frieden besorgte B\u00fcrger'' bekannten. 09. Juni 1982 Versuchter Sprengstoffanschlag auf die Lagerund Werkstatthalle einer am Ausbau des Flughafens in Frankfurt a. M. beteiligten Baufirma in M\u00fcnster. Zu der Tat bekannte sich \"aus Anla\u00df des NATO Gipfels'' am 10. Juni 1982 ein \"Komitee f\u00fcr praxisorientierte Gewaltfreiheit''. 18.Juni1982 Brandanschlag auf das Kreiswehrersatzamt in Wuppertal; der mutma\u00dfliche T\u00e4ter konnte gefa\u00dft werden. Er ist zusammen mit anderen Personen u. a. angeklagt, einer terroristischen Vereinigung (,,Antifa-Gruppe'') in Wuppertal anzugeh\u00f6ren. 01. Juli 1982 Sprengstoffanschlag auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude eines Textilkaufhauses in D\u00fcsseldorf, das bis Ende 1981 von einer amerikanischen Gro\u00dfbank benutzt worden war. In der N\u00e4he des Tatortes fand man Flugbl\u00e4tter, in denen u.a. der \"imperialistische Krieg des amerikanischen Finanzkapitals'' f\u00fcr den \"V\u00f6lkermord am pal\u00e4stinensischen Volk'' verantwortlich gemacht wird. 29. Juli 1982 Brandanschlag auf Baufahrzeug eines an den Stadtsanierungsma\u00dfnahmen in Bielefeld beteiligten Unternehmens. Zu dem Anschlag, bei dem erheblicher Sachschaden entstand, bekannte sich ein \"KST-Kommando schwarzer Terror''. 42","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 04. August 1982 Brandanschl\u00e4ge auf zwei Firmenfahrzeuge in D\u00fcsseldorf. In der N\u00e4he des Tatortes wurden Flugbl\u00e4tter aufgefunden, in denen \"die Anwendung der Genfer Konvention f\u00fcr die Gefangenen aus dem pal\u00e4stinensischen Volk'' sowie die ,,Mindestgarantie'' der Genfer Konvention auch f\u00fcr die ,,Gefangenen aus der RAF\" gefordert werden. 17. Oktober 1982 Versuchter Brandanschlag auf das britische Globe-Kino in D\u00fcsseldorf. In einem Bekennerschreiben wird u. a. zur \"Solidarit\u00e4t mit allen politischen Gefangenen'' aufgerufen. 29. November 1982 Brandanschlag auf die Bezirksverwaltungsstelle DortmundL\u00fctgendortmund der Stadtverwaltung Dortmund. In einem der ,,Frankfurter Rundschau'' zugesandten Bekennerschreiben \u00fcbernahm ein ,,Kommando Christian KLAR\" die Verantwortung f\u00fcr diesen offenbar als Reaktion auf die polizeilichen Fahndungserfolge verstandenen Brandanschlag. 27. Dezember 1982 Brandanschlag auf einen im Sanierungsgebiet DortmundDorstfeld eingesetzten Bagger. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines Tatverd\u00e4chtigen wurden u. a. die RAFSchrift \"Guerilla, Widerstand und antiimperialistische Front\" sowie weitere Schriften terroristischen Inhalts aufgefunden. 3.6 Politisch motivierte Gewalt im Zahlenspiegel Insgesamt haben die Polizeibeh\u00f6rden des Landes 96 (1981: 103) versuchte bzw. vollendete Gewalttaten mit politischem Hintergrund registriert (einschl. Gewalttaten von Ausl\u00e4ndern). Im Berichtszeitraum wurden 269 Gewalttaten (1981: 263), bei denen ein politisches Motiv erkennbar war oder behauptet wurde, angedroht. In 140 F\u00e4llen handelte es sich um sog. Bombendrohungen, vorwiegend gegen \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude und Einrichtungen. Die restlichen Bedrohungen richteten sich \u00fcberwiegend gegen Personen aus Politik und Wirtschaft. 43","N E,CHRISTIHN| BEER EITT rIs Pi | ERW aa ZUSAMMEN it der Ar m 2Re y aPRr L \u00c4 E G U N E h i AL SEFANGENE orMi FCidAU: ne en > \" | Brandanschlag auf die BezirksverwaltungsD%Se stelle in L\u00fctgendortmund am 21. 11. 1982 7deg ee (r)","","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 4 Ausl\u00e4nderextremismus 4.1 Allgemeines und Entwicklungstendenz Gegenstand der Beobachtungsaufgabe des Verfassungsschutzes sind nach seiner gesetzlichen Aufgabenstellung Bestrebungen, die ihre Ziele \"durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen\" verfolgen und dadurch \"ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden\". Dabei k\u00f6nnen sich solche Bestrebungen auch gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand und die Sicherheit unseres Staates richten. W\u00e4hrend in Nordrhein-Westfalen gegen\u00fcber dem Vorjahr (1,435 Mio.) die Gesamtzahl der Ausl\u00e4nder 1982 leicht auf 1,443 Mio. anstieg, blieb die Zahl der ausl\u00e4ndischen Extremisten hierzulande im ganzen mit rd. 21.000 unver\u00e4ndert. Extremistische Ausl\u00e4nder(gruppen) traten wieder in zahlreichen F\u00e4llen gewaltt\u00e4tig auf. U. a. wurde im Juli ein Brandanschlag auf das Polizeigewerkschafts-Geb\u00e4ude in Hilden ver\u00fcbt, zu dem sich eine ,,Somalische Befreiungsfront\" bekannte. Erstmals machte eine armenische Widerstandsgruppe durch Sprengstoffanschl\u00e4ge in unserem Land von sich reden. Teilweise richteten sich ausl\u00e4nderextremistische Bestrebungen unmittelbar gegen die Bundesrepublik Deutschland. Unvermindert heftig agitierten die linksextremistischen T\u00fcrkenorganisationen von Westdeutschland aus in Schriften und mit Demonstrationen gegen die Milit\u00e4rregierung und deren harte Ma\u00dfnahmen im Heimatland. Mit Hilfe des im M\u00e4rz 1982 aufgetretenen Antifaschistischen Einheitskomitees (BIRKOM) suchen sie eine Aktionseinheit gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime, wie sie z. T. durch moskau-orientierte Gruppen schon besteht, innerhalb der gesamten t\u00fcrkischen extremistischen Linken zu verwirklichen. Bei ihren Protestaktionen \u00fcbten sie vereinzelt Gewalt gegen t\u00fcrkische Einrichtungen und die einschreitende Polizei. Auch besteht weiterhin die Gefahr, da\u00df t\u00fcrkische Rechtsextremisten gewaltt\u00e4tig reagieren, obwohl der Dachverband T\u00fcrk-F\u00f6deration seine Mitglieder nach wie vor aufruft, sich durch verbale oder t\u00e4tliche Angriffe gegnerischer Landsleute nicht provozieren zu lassen. Die hier lebenden kurdischen Extremisten stammen \u00fcberwiegend aus der T\u00fcrkei, aber auch aus Irak, Iran und Syrien. Sie haben sich z. T. linksextremistischen T\u00fcrkengruppen angeschlossen. Ein erheblicher Teil bildet eigene kurdische Organisationen, die letztlich einen selbst\u00e4ndigen Staat Kurdistan auf Kosten der Herkunftsl\u00e4nder schaffen wollen. Ihre Anh\u00e4nger traten 1982 vereinzelt gewaltt\u00e4tig auf. Soweit sich ihr Kampf gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime richtet, beteiligten sie sich an der \"Anti-Junta-Kampagne'' der t\u00fcrkischen Linken. 46","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Vornehmlich zwischen Anh\u00e4ngern und Gegnern des Khomeini-Regimes kam es vermehrt zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. Von deutschem Boden aus k\u00e4mpfen auch vor allem im Exil lebende Staatsb\u00fcrger Jugoslawiens albanischer und kroatischer Volkszugeh\u00f6rigkeit gegen die Einheit des jugoslawischen Staates in seiner gegenw\u00e4rtigen Form und seinem gegenw\u00e4rtigen Bestand. 4.2 T\u00fcrken Rechtsextremisten In den Mitgliedsvereinen der T\u00fcrk-F\u00f6deration (Sitz: Frankfurt/Main) sammeln sich in Nordrhein-Westfalen etwa 6000 Anh\u00e4nger der verbotenen t\u00fcrkischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), h\u00e4ufig vereinfacht als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet. Die Zielsetzung der MHP wird durch extremen Nationalismus und militanten Antikommunismus bestimmt. Um dem Mitgliederr\u00fcckgang gegen\u00fcber dem Vorjahr zu begegnen, betrieb die T\u00fcrk-F\u00f6deration Anfang 1982 eine bundesweite Kampagne, mit der sie die Jugendarbeit und die Werbung unter Jugendlichen verst\u00e4rken wollte. So veranstaltete der \u00f6rtliche Mitgliedsverein in Paderborn im Februar einen Jugendkongre\u00df mit etwa 1.000 Teilnehmern. Zur Solidarit\u00e4t mit dem in der T\u00fcrkei unter Anklage stehenden MHP-F\u00fchrer Alparsplan T\u00dcRKES rief der 1. Vorsitzende der T\u00fcrk-F\u00f6deration, Serdar CELEBI, im M\u00e4rz 1982 in Aachen bei einem Fest des dortigen Mitgliedsvereins auf. Dies zeigt, da\u00df die T\u00fcrk-F\u00f6deration nach wie vor die ideologische Ausrichtung der MHP teilt, obwohl sie offizielle Verbindungen zu ihr stets bestreitet. Auf Ersuchen der italienischen Beh\u00f6rden wurde CELEBI Anfang November 1982 in Auslieferungshaft genommen. Er steht im Verdacht, den T\u00fcrken AGCA bei der Vorbereitung des Anschlags auf Papst Johannes Paul II. (Rom, Mai 1981) unterst\u00fctzt zu haben.*) Ende November f\u00fchrte der Deutsch-T\u00fcrkische Kulturverein, Wuppertaler Mitgliedsverein der T\u00fcrk-F\u00f6deration, eine interne Veranstaltung mit rd. 500 Teilnehmern durch. Aus Protest hiergegen hatte ein Antifaschistisches Aktionskomitee Wuppertal eine Gegendemonstration angemeldet. Auf dem Weg zum Kulturvereinstreffen wurden Teilnehmer von den Demonstranten geschlagen. An der Auseinandersetzung beteiligten sich etwa 40 Personen, die mit Stuhlbeinen und Klappmessern aufeinander losgingen; zwei T\u00fcrken wurden verletzt. Ferner traten Gruppen in Erscheinung, die der gleichfalls verbotenen t\u00fcrkischen Nationalen Heilspartei (MSP) nahestehen, einer islamisch-fundamentalistischen, nationalistischen und gegen den Kommunismus gerichteten Organisation. So veranstaltete die T\u00fcrkische Union Europa e.V. (Sitz: K\u00f6ln) Ende Mai 1982 in der K\u00f6lner Sporthalle zusammen mit dem gleichfalls in K\u00f6ln ans\u00e4ssigen, MSPbeeinflu\u00dften Islamischen Zentrum e.V. eine \"Wohlt\u00e4tigkeitsveranstaltung'' mit etwa 5.500 T\u00fcrken. 47","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Anl\u00e4\u00dflich des NATO-Gipfels wandte sich die F\u00f6deration Islamischer Vereine im Lande Nordrhein-Westfalen (Sitz: K\u00f6ln), Landesverband der T\u00fcrkischen Union Europa, am 10. Juni 1982 in Bonn mit einer Protestdemonstration, an der etwa 300 Personen teilnahmen, \"gegen die Unterdr\u00fcckung der Muslime in Griechenland\". Linksextremisten Tr\u00e4ger der gegen die Milit\u00e4rregierung in der T\u00fcrkei gerichteten Aktionen waren in der Hauptsache die linksextremistischen Organisationen * F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der BRD e.V. (FIDEF), * F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF), * F\u00f6deration demokratischer Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland (DIDF), * DEVRiMC1 SOL (Revolution\u00e4re Linke), * Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM). H\u00f6hepunkt des Kampfes gegen das Milit\u00e4rregime war die Besetzung des t\u00fcrkischen Generalkonsulats in K\u00f6ln mit Geiselnahme am 3. November 1982 durch Angeh\u00f6rige der DEVRIMCI SOL. Weitere Angriffsziele der t\u00fcrkischen Kommunisten bilden die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Politik der Bundesrepublik Deutschland. Zunehmend wird auch \"die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit'' hierzulande angeprangert. Ihre Agitation steigerten die linksextremistischen T\u00fcrken bis zu dem Aufruf (zum 1. Mai), den Staatsapparat des \"westdeutschen Imperialismus'' gewaltsam zu zerschlagen. Erneute \u00dcbergriffe mutma\u00dflicher Anh\u00e4nger der t\u00fcrkischen Neuen Linken gegen t\u00fcrkische Rechtsextremisten (Graue W\u00f6lfe) belegen, da\u00df die starken Spannungen zwischen linksund rechtsextremistischen T\u00fcrkenorganisationen anhalten. So schlugen t\u00fcrkische Linksextremisten im April und im Juni 1982 in Duisburg und im Mai 1982 in Wuppertal auf einzelne ,,Graue W\u00f6lfe'' oder deren vermeintliche Sympathisanten ein und verletzten sie zum Teil. Es ist der gesamten t\u00fcrkischen Linken in der Bundesrepublik auch 1982 nicht gelungen, die angestrebte Aktionseinheit zu erreichen. Beispiel hierf\u00fcr sind die getrennten zentralen Demonstrationen gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime am 8. Mai 1982 in Duisburg und K\u00f6ln. W\u00e4hrend sich in K\u00f6ln (etwa 7.500 Teilnehmer) Gruppen der Neuen Linken zusammenfanden, die sich an der kommunistischen Partei der Arbeit Albaniens (PAA) orientieren, wurde die Demonstration in Duisburg (etwa 10.000 Teilnehmer) im wesentlichen von FIDEF und BIRKOM getragen. Die Inhaftierung des 1. Vorsitzenden der T\u00fcrk-F\u00f6deration wegen mutma\u00dflicher Beteiligung am Papst-Attentat bietet der von der t\u00fcrkischen Linken gef\u00fchrten \"Antifaschismus\"-Kampagne neue Nahrung. F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der BRD e.V. (FIDEF) Die FIDEF ist von der orthodoxen Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TKP) beeinflu\u00dft. Kundgebungen der FIDEF fanden seit Anfang Februar u. a. in Aachen, Dortmund, D\u00fcsseldorf, Duisburg, Essen und K\u00f6ln statt. 48","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Die ATIF ist eine Organisation der Neuen Linken und von der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei/Marxisten-Leninisten (TKP/M-L) beeinflu\u00dft. ATIF und die von ihr abgespaltene Gruppe ATIF-Bolschewiken griffen in Publikationen zum 1. Mai unmittelbar die Bundesrepublik Deutschland an. So hei\u00dft es in einem ATIF-Flugblatt: \"... da\u00df der westdeutsche imperialistische Staat sich in der Bem\u00fchung der Vorbereitung zu einem Weltkrieg befindet... Der westdeutsche Imperialismus ist der Hauptfeind der in Westdeutschland lebenden Werkt\u00e4tigen. Ohne gegen ihn zu k\u00e4mpfen, kann man von einem Kampf gegen Imperialismus \u00fcberhaupt nicht reden ...\". Eine Zeitungs-Sonderausgabe der ATIF-Bolschewiken ruft auf zur Demonstration \"f\u00fcr die gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates des westdeutschen Imperialismus''; dieser wird als \"blutr\u00fcnstiger Ausbeuter der V\u00f6lker der Welt'' bezeichnet. Etwa 1.000 Personen beteiligten sich am 20. November 1982 in K\u00f6ln an einer von der ATIF aufgezogenen Demonstration, die sich gegen das Milit\u00e4rregime im Heimatland sowie gegen angebliche Aktivit\u00e4ten des t\u00fcrkischen Geheimdienstes in der Bundesrepublik Deutschland und Westeuropa richtete. F\u00f6deration demokratischer Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland (DIDF) Die DIDF, eine Gruppe der Neuen Linken, vertritt die Richtung der Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TDKP), die an der kommunistischen Partei der Arbeit Albaniens (PAA) orientiert ist. Ein im Oktober 1982 erfa\u00dftes deutschsprachiges Flugblatt des Demokratischen Arbeitervereins in Krefeld, Mitglied der DIDF, wendet sich ,,Gegen Krieg und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" der ,,BRD-Imperialisten, die an den Kriegsvorbereitungen der US-Imperialisten aktiv teilnehmen (z. B. durch die Stationierung der neuen Mittelstreckenraketen)\". DEVRIMCI SOL (Revolution\u00e4re Linke) Bei einer unangemeldeten Protestaktion der sozialrevolution\u00e4ren, der Neuen Linken zuzuordnenden Gruppe DEVRIMCI SOL**) am 6. Februar 1982 wurden vordem t\u00fcrkischen Generalkonsulat in K\u00f6ln eine Flagge der USA und ein Bild des Staatspr\u00e4sidenten General EVREN verbrannt. Am25. April 1982 ketteten DEVRIMCI SOL-Anh\u00e4nger sich an die Umz\u00e4unung der t\u00fcrkischen Botschaft in Bonn; der einschreitenden Polizei begegneten sie mit Gewalt. Etwa 40 Anh\u00e4nger von DEVRIMCI SOL besetzten Anfang September l982 f\u00fcr mehrere Stunden eine Aussichtsplattform des K\u00f6lner Doms, um gegen Mi\u00dfst\u00e4nde in der T\u00fcrkei zu protestieren. Am Vormittag des 3. November 1982 drangen neun Angeh\u00f6rige der DEVRIMCI SOL, z. T. mit Faustfeuerwaffen ausger\u00fcstet, in das t\u00fcrkische Generalkonsulat in K\u00f6ln ein und nahmen die anwesenden Konsulatsangeh\u00f6rigen und -besucher als Geiseln. Damit wollten sie gegen das Referendum \u00fcber die neue t\u00fcrkische Verfassung protestieren. Erst am n\u00e4chsten 49","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Morgen ergaben sich die Terroristen der Polizei. Nach der Konsulatsbesetzung kam es am Nachmittag des 4. November in K\u00f6ln und Wuppertal zu unangemeldeten Demonstrationen vermutlich linksextremistischer T\u00fcrken, die sich mit den festgenommenen Geiselnehmern solidarisieren. Ferner wurden von Sympathisanten der Terroristen am 13. November in M\u00fcnster und am 18. November 1982 in Dortmund an t\u00fcrkischen Einrichtungen Bombenattrappen angebracht. Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM) In einer linksrevolution\u00e4ren Publikation und in Flugbl\u00e4ttern stellte sich im M\u00e4rz 1982 das neugegr\u00fcndete BIRKOM (Sitz: K\u00f6ln) vor. Darin haben sich die Gruppen der Neuen Linken bzw. orthodox-kommunistische Gruppen * DEVRIMCI ISCI (identisch mit Devrimci YOL = Revolution\u00e4rer Weg) * SERXWEBUN (Unterst\u00fctzer der Arbeiterpartei Kurdistan - PKK) * EMEKCI (Anh\u00e4nger von T\u00dcRKIYE EMEKCI PARTISI = Partei der Werkt\u00e4tigen der T\u00fcrkei) * KIVILCIM (Unterst\u00fctzer der SOSYALIST VATAN PARTISI = Sozialistische Vaterlandspartei) zusammengeschlossen, um gegen die \"faschistische Junta'' \"im Ausland eine Einheit der Kr\u00e4fte und Aktionen aufzubauen\". Bis zum Herbst traten dem B\u00fcndnis ferner bei: * BIRLIK YOLU (Weg der Einheit), * Anh\u00e4nger der Kommunistischen Partei der Werkt\u00e4tigen der T\u00fcrkei (TKEP) CEPHE (Front), * eine Spaltergruppe der T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/-front (THKP-C) DEVRIMCI SAVAS (Revolution\u00e4rer Kampf), * Spaltergruppe der THKP-C ISCININ SESI (Stimme der Arbeiter), * Fraktion der Leninisten in der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TKP). Damit hat sich das gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4rregime errichtete Oppositionspotential besonders in Nordrhein-Westfalen verst\u00e4rkt. BIRKOM war Initiator der vom 24. Mai bis etwa 20. Juni 1982 in zahlreichen St\u00e4dten Westeuropas - darunter in Duisburg, K\u00f6ln und Wuppertal - durchgef\u00fchrten Hungerstreiks der Neuen Linken \"gegen Massaker, Hinrichtungen und Folter in der T\u00fcrkei und T\u00fcrkei-Kurdistan\". W\u00e4hrend der Hungerstreikaktion wurden Anfang Juni 1982 in Wuppertal eine katholische Kirche besetzt und in K\u00f6ln das t\u00fcrkische Generalkonsulat mit Farbbeuteln und Steinen beworfen und mit politischen Parolen beschmiert. *) Am 15. Januar 1983 wurde CELEBI an Italien ausgeliefert. **) Inzwischen verboten durch Verf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 9. Februar 1983. 4.3 Kurden 50","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Vermutlich \u00fcberwiegend Anh\u00e4nger der orthodox-kommunistischen Arbeiterpartei Kurdistan (PKK), die zur kurdischen Widerstandsbewegung geh\u00f6rt und die sich im Heimatland auch terroristisch bet\u00e4tigt, versammelten sich unangemeldet am 18. September am und im WDR-Geb\u00e4ude in K\u00f6ln sowie am 22. September 1982 im Essener Verlagsgeb\u00e4ude der \"Westdeutschen Allgemeinen Zeitung\", in der Nicolaikirche in Bielefeld und im B\u00fcro des SPD-Unterbezirks M\u00fcnster. Damit wollten sie gegen angebliche Massenmorde an Kurden in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen protestieren. Gleichartige Besetzungsaktionen fanden auch im \u00fcbrigen Bundesgebiet statt. Ende Oktober 1982 gerieten in L\u00fcdenscheid kurdische Asylbewerber t\u00e4tlich aneinander. Ein Kurde soll die t\u00fcrkisch-kurdische Zeitschrift ,,ARMANC'' zum Kauf feilgeboten und dabei einen Landsmann mit einer Machete verletzt haben, als dieser die Schrift nicht abnehmen wollte. \"ARMANC\", die in Schweden herausgegeben wird, steht den linksextremistischen FortschrittlichDemokratischen Arbeitervereinen Kurdistans (KKDK) nahe. Etwa 2000 Personen beteiligten sich an einer ,,Solidarit\u00e4tsveranstaltung mit der Widerstandsbewegung Kurdistans'' Ende November 1982 in K\u00f6ln. Anla\u00df war der 4. Jahrestag der PKK-Gr\u00fcndung. 4.4 Armenier Am 24. April 1982 wurden in Dortmund ein Bombenanschlag auf t\u00fcrkische Gesch\u00e4fte und in K\u00f6ln ein versuchter Sprengstoffanschlag auf eine t\u00fcrkische Bankfiliale ver\u00fcbt. Zu den Taten hat sich eine ,,Neue Armenische Widerstandsbewegung'' bekannt. Damit sind armenische Terroristen erstmals in Nordrhein-Westfalen aktiv geworden. 4.5 Iraner Die Aktivit\u00e4ten iranischer Extremistengruppen auf deutschem Boden haben weiter zugenommen. Zumal aus Anla\u00df des 3. Jahrestages der iranischen Revolution im Februar 1982 wurden in Nordrhein-Westfalen zahlreiche Kundgebungen, dar\u00fcber hinaus in Bonn und K\u00f6ln Hungerstreiks gegen das Khomeini-Regime durchgef\u00fchrt. Vom Moslemischen Studentenverein (MSV, Anh\u00e4nger der Volksmodjahedin, Sitz: Hannover) wurde zum 27. Februar 1982 eine bundesweite Kundgebung in Bonn angemeldet. Sp\u00e4ter zeichnete hierf\u00fcr ein \"IranDemonstrations-Komitee\" verantwortlich. Bei dieser Veranstaltung mit rund 1.000 Teilnehmern ist es iranischen Organisationen erstmals gelungen, auch deutsche und t\u00fcrkische Gruppen zur Unterst\u00fctzung ihres Kampfes gegen Khomeini zu gewinnen. Im Februar 1982 erlitten in D\u00fcsseldorf mehrere Mitglieder eines bis dahin unbekannten \"Iranischen Demokratenvereins\"' Verletzungen, als sie von Anh\u00e4ngern der ,,Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin'' in ihrem Vereinslokal angegriffen wurden. In einem Wuppertaler Studentenwohnheim wurden im April 1982 Brandanschl\u00e4ge auf zwei Khomeini-Anh\u00e4nger ver\u00fcbt. Zu den Anschl\u00e4gen bekannte sich eine Organisation \"Junge Solidarit\u00e4t\". Bei deren Anh\u00e4ngern handelt es sich nach dem Inhalt des Bekennerbriefs um militante Khomeini-Gegner. 51","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Ihren H\u00f6hepunkt fanden die Auseinandersetzungen Ende April 1982 in einem organisierten \u00dcberfall von Khomeini-Anh\u00e4ngern auf gegnerische Landsleute in Mainz. 86 Angreifer konnten von der Polizei festgenommen werden. Unter ihnen befanden sich neun persische Studenten, die ihren Wohnsitz in NordrheinWestfalen hatten. Bei anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen wurde zahlreiches Material gefunden, das auf Verbindungen der Festgenommenen zur rechtsextremistischen Union der islamischen Studentenvereine in Europa (UISA) mit Sitz in Aachen schlie\u00dfen l\u00e4\u00dft. Da\u00df die UISA den \u00dcberfall organisiert hat, konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Als Reaktion auf die Festnahmen veranstaltete die UISA am 1. Mai 1982 in Bonn eine Demonstration, bei der u. a. auf Transparenten die deutsche Polizei als \"Marionette der terroristischen Gruppen\" bezeichnet wurde. Die geschilderten Ereignisse riefen wiederum den Protest der hier lebenden Khomeini-Gegner hervor. Im Juli 1982 ereignete sich in einem Wuppertaler Studentenwohnheim erneut ein n\u00e4chtlicher Brandanschlag auf das Zimmer eines persischen Studenten, der als Gegner des derzeitigen Regimes im Heimatland gilt. In einem Aachener Studentenwohnheim wurde Anfang September 1982 ein Brandanschlag auf das Zimmer eines Khomeini-Anh\u00e4ngers ver\u00fcbt. Zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Khomeini-Anh\u00e4ngern und -Gegnern kam es Ende November 1982 wiederum in Wuppertal. Hierbei wurden Messer und angeblich ein schwert\u00e4hnlicher Gegenstand eingesetzt; f\u00fcnf Iraner erlitten Verletzungen. 4.6 Pal\u00e4stinenser Nach dem Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon im Juni 1982 kam es bundesweit zu zahlreichen \u00f6ffentlichen Protestaktionen auch extremistischer Pal\u00e4stinensergruppen; sie wurden teilweise mitgetragen von deutschen Linksextremisten und weiteren ausl\u00e4ndischen Extremistenvereinigungen. So organisierten der Pal\u00e4stinensische Studentenverein (PSV) im Juli Protestkundgebungen in K\u00f6ln und Bonn sowie ein Pal\u00e4stina-Organisationskomitee im August 1982 eine zentrale Demonstration in Frankfurt/Main mit ann\u00e4hernd 60 deutschen und ausl\u00e4ndischen Gruppen aus dem Bundesgebiet (bis zu 6.000 Teilnehmer). W\u00e4hrend einer weiteren zentralen Kundgebung des PSV und des Pal\u00e4stinensischen Arbeitervereins (PAV), die am 25. September in Bonn mit etwa 4.000 Teilnehmern stattfand, war auf Transparenten zu lesen: \"Schlu\u00df mit dem V\u00f6lkermord im Libanon - Nieder mit der zionistischen Besatzungsmacht - Krieg dem imperialistischen Krieg - Revolution bis zum Sieg - PLO wird siegen.\" 4.7 Libyer Wie auch die Presse berichtete, sind Mitte November 1982 im libyschen \"Volksb\u00fcro\" (Botschaft) in Bonn zwei libysche Studenten angeblich unter Beteiligung von Botschaftsangeh\u00f6rigen verh\u00f6rt und gefoltert worden. Nach ihren Aussagen hat man sie als Regimegegner bezeichnet und gezwungen, Namen anderer libyscher Oppositioneller preiszugeben. Der Vorfall d\u00fcrfte im Zusammenhang stehen mit Liquidierungsdrohungen des libyschen Staatschefs GADHAFI gegen regimefeindliche Landsleute im Ausland. 4.8 Jugoslawen 52","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 \"Albanische Emigranten aus Kosovo in Europa\" veranstalteten Anfang April 1982 in Bonn mit etwa 800 Exiljugoslawen eine Demonstration \"Ein Jahr Ausnahmezustand in Kosovo''. In Flugschriften forderten sie eine siebte (Teil)RepublikKosovo - innerhalb Jugoslawiens und riefen dazu auf, ,sich mit dem Kampf des albanischen Volkes zu solidarisieren\". Den Mord an drei im Exil lebenden Staatsb\u00fcrgern Jugoslawiens albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeit Mitte Januar 1982 bei Heilbronn lasteten die Flugblattverteiler der \"Udba'' an (Udba = fr\u00fcherer Name des jugoslawischen Nachrichtendienstes SDB). Anl\u00e4\u00dflich eines jugoslawischen Nationalfeiertages (29. November) gestaltete die Vereinigung der Jugoslawen in K\u00f6ln e.V. am 16. November 1982 in K\u00f6ln einen Konzertabend. Vor Beginn drangen etwa 35 jugoslawische Staatsb\u00fcrger offenbar albanischer Volkszugeh\u00f6rigkeitzum Veranstaltungsraum vor und lieferten sich -z. T. mit Schlagst\u00f6cken - eine t\u00e4tliche Auseinandersetzung mit den Saalordnern. Das Konzert st\u00f6rten sie durch Rufe wie \"Kosovo Republik''. Vor einem auf den n\u00e4chsten Tag angesetzten gleichen Konzert in Dortmund - Veranstalter war der (regimetreue) jugoslawisch-albanische Verein \"Sharry\" - mu\u00dfte der Saal wegen einer Bombendrohung ger\u00e4umt werden. Auch hier trat eine etwa 30bis 40k\u00f6pfige Jugoslawengruppe mit der Parole \"Republika Kosovo\" st\u00f6rend auf. Im Mai 1982 stellte die Polizei unter anderem in D\u00fcsseldorf und K\u00f6ln Flugbl\u00e4tter der \"Kroatischen Freiheitsk\u00e4mpfer in Europa\" und der ,,Kroatischen Revolution\u00e4re\" sicher. Darin werden die \"deutschen Freunde\" davor gewarnt, in diesem Jahr ihren Urlaub in Jugoslawien zu verbringen. An der ganzen Adriak\u00fcste \"(k\u00f6nnten) Dinge passieren..., die Ihre Gesundheit bzw. Leben gef\u00e4hrden w\u00fcrden\". Denn es k\u00f6nne nicht l\u00e4nger hingenommen werden, wie ihr Volk von der jugoslawischen Diktatur vernichtet wird. Das Landgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 18. Oktober 1982 den Jugoslawen Ratomir STANISIC wegen versuchten Mordes zu 14 Jahren Freiheitsentzug. STANISIC und zwei weitere T\u00e4ter hatten im Sommer 1965 in D\u00fcsseldorf einen Pistolenanschlag auf den Vorsitzenden der jugoslawischen Emigrantenorganisation ,,Kroatischer Sozialdienst in Deutschland\", Berislav DEZELIC, und dessen Ehefrau und Tochter ver\u00fcbt. Der Pr\u00e4sident des Serbischen Nationalbundes (SNO), Mane PESUT (Bielefeld), erhielt im Juni und Oktober 1982 Schreiben, in denen ihm und dem SNO-Generalsekret\u00e4r Radoman TOMOVIC mit Ermordung gedroht wurde. Die Drohbriefe sind von der Organisation der Serbischen Tschetniks - Rettung des versklavten Vaterlandes (,,Organizacija Srpskih Cetnika Spas Probijene Otazdbine'' - OSC SPO) unterzeichnet. Gleiche Morddrohungen gingen im Oktober SNO-Funktion\u00e4ren in D\u00fcsseldorf und Dortmund zu. Ebenfalls im Oktober 1982 erhielten Exilserben im Bundesgebiet fingierte Todesanzeigen, die einen TOMOVIC, wohnhaft in Bocholt, betrafen. Auf der Bundesbahnstrecke Bonn-K\u00f6ln wurden am 24. Januar 1982 zwei Waggons des jugoslawischen Tauern-Express, durch Feuer vernichtet. Am 27. Januar 1982 verw\u00fcstete eine explodierende Sprengladung das \"Jugoslawische Kulturzentrum\" in Dortmund; es entstand ein Schaden in H\u00f6he von DM 50.000. Politische Hintergr\u00fcnde der Anschl\u00e4ge sind zu vermuten. 4.9 Iren 53","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Vertreter der Irisch-Republikanischen Sozialistischen Partei (IRSP) unternahmen seit Ende November 1982 mit Unterst\u00fctzung deutscher sog. IrlandSolidarit\u00e4tskomitees und \u00f6rtlicher linksextremistischer Gruppen eine Rundreise durch das Bundesgebiet. In deren Rahmen rief unter anderem das Irland-Komitee Bochum f\u00fcr den 27. November 1982 zu einer zentralen Demonstration in Dortmund auf. Sie stand unter dem Motto \"Briten raus aus Irland\" \"Keine Stationierung von britischen Truppen in der BRD\"; an ihr beteiligten sich etwa 100 Personen. Die IRSP steht in Verbindung mit der terroristischen Irisch-Nationalen Befreiungsarmee (INLA), welche die Verantwortung f\u00fcr Sprengstoffanschl\u00e4ge auf britische Einrichtungen u. a. in Herford (November 1981) tr\u00e4gt. 4.10 Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Aktivit\u00e4ten Gewaltdrohungen gegen Einrichtungen anderer Staaten Gegen\u00fcber Vertretungen und sonstigen Einrichtungen anderer Staaten in Nordrhein-Westfalen erfolgte im Verlauf des Jahres 1982 eine Reihe von BombenAttentats - oder sonstigen Gewaltdrohungen m\u00f6glicherweise extremistischer Ausl\u00e4nder, so * Anfang Januar bei der sowjetischen Botschaft und im M\u00e4rz bei der St\u00e4ndigen Vertretung der DDR in Bonn von angeblichen italienischen Roten Brigaden, * im Februar bei der polnischen Botschaft in K\u00f6ln von einem angeblichen Angeh\u00f6rigen der polnischen 13. Dezember-Brigade und im Oktober von einem anonymen Anrufer in polnischer Sprache, * mehrfach gegen Einrichtungen und Angeh\u00f6rige der Britischen Rheinarmee in Dortmund, K\u00f6ln, Lemgo und M\u00f6nchengladbach, * am 10. April - nach Besetzung der britischen Falkland-Inseln durch Argentinien (2. April 1982) - gegen die argentinische Botschaft in Bonn, die au\u00dferdem mit der Farbaufschrift ,,The Brandnew Argentinian Flag will be the British Union Jack\" beschmiert wurde. * im Mai und Juli bei der Botschaft von EI Salvador in K\u00f6ln und * im November von einem deutsch mit ausl\u00e4ndischem Akzent sprechenden Anonymus bei der DDR-Vertretung. Aktivit\u00e4ten anl\u00e4\u00dflich des NATOGipfeltreffens in Bonn Schon vor Beginn des Bonner NATO-Gipfeltreffens (9./10. Juni 1982), an weichem auch der amerikanische Pr\u00e4sident Reagan teilnahm, erhielten mehrere, vorwiegend amerikanische Gro\u00dffirmen in Bochum, D\u00fcsseldorf, Essen und M\u00fcnster per Post anonyme Briefp\u00e4ckchen zugestellt. Darin befanden sich - getarnt verpackt - unkonventionelle Sprengund Brandvorrichtungen. Den meisten Sendungen waren polemische Texte gegen den Besuch des US-Pr\u00e4sidenten beigef\u00fcgt. An der Gro\u00dfdemonstration aus diesem Anla\u00df am 10. Juni 1982 in Bonn beteiligten sich au\u00dfer linksextremistischen T\u00fcrkenund Kurdenorganisationen, die fast s\u00e4mtlich erschienen waren, auch kleinere Gruppen afghanischer, belgischer, britischer, jugoslawischer, niederl\u00e4ndischer, \u00f6sterreichischer und spanischer Staatsangeh\u00f6rigkeit. Sie nutzten diese Gelegenheit, um auch eigene politische Ziele zu propagieren. 54","","t\u00fcrkei \"m sr --_ Verlegen sennschiedei GEWALTHERRSCHAFT EEE INSTITUTIONALISIERT ig Wo a nn en hd a ee a | a aa \"rnWERFassum Wim dd Bi ne Tre mBm BESSER f F FT Gegen Krieg und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit nt Wil PT ee f\u00fcr Frieden und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung N EST LAE HH) Teird EFreunds, ia Jahre 1925 ssllen laos Nate-Suspelkonchklu\u00df zays gmarisaniPP TERERBE 1\"101 1121200 sehe Aloerakalen, Perahisg 11 und Cruies Miesilen,in Best Earopa, ToE allen in der Bendeerspablin, statienierl werden, Dane emunrtigen Waffesayelese antepeecten der Fo-Slratagie winner of Doropa begransken Absukriscer. Ferobimg II und Grulee Hisallos alad zur Flhreng sicea ai ne Prereererle l Er earac Er\u00f6tschlaga gralgmei eed erb\u00e4hen die Krliegepafahr, | 1 Fer Dis Terh\u00e4rtung der Fronten zwiachen des Soperelchten ascht die konkrete Eriaereslasr Isaor deotlicher,. Die D2A und do Zei jotenion tralben dam Betir\u00e4eleon i=ser eollor rora= und lacem keina Gelagonsalt aus, in freien Eindern zu Anterverdaren: Ta die Weltharrachaft eodglitig em olch zu raidee, liegt en in der Be dca Ioperisliomo, Erlepahetze ze betreiben und Kringe zu f\u00fchren. AUSL\u00c4NDER RALSE) ee u rar \"a ; Tr Tarkr\u00e4 Ta die Velkar der Gelt vogersinerder wfzuhetzen, kralerkriege reran, In dan Iinders, trelten rise Sbellvrere 12 dener des Walk dewof und dsun iat, | Km sich von Jar Isfeor\u00e4slinten su Sofralern, BEriegan eis HilitErraglerunges | = Ami ade mr | ra Bere wei Taachlatieche Diktaturen an dle Haahr, ve Ihre Srellunger ze fontigen; Fayn wla 2,2, in Chilo, Ei Salvador, Afgardeton, Folem und schliedllen weh in \u00fcrr Tirkel. ale | | Hit dar weileeiten Plrkschaftakeiee geht die Wirtachaft in der T\u00fcrkei inrer Bir Teusn Katsetrop\u00e4on antertan. Um Ss TErsel F\u00fcr die Inseraooee dem TE-Ispsrialissia weillor aueeuteuten uud Acan Eriagazieia 34 vorvirklichen, ist Aa Ieter\u00e4rlickung Sea Volker in der Terael wotsenilg, Um dies darchzuf\u00fchren, 10% tine foneslatiache Karleauttesseglarung alngeaatet worden, Die Stabilisierung dioeer Terhkltzieee iot are durch die Einkindung dar Terkei ir dio Naks und durss die deutsche Mllit\u00e4rhbilfe 20 errolehon. Dis Fato, dieser Angridfagaut ulnea dar Haupikriegotreiser, dan \u00fcb=Inporlalissee iet dee gr\u00f6\u00e4te Satoratlltser der faesshietiachen Junte in unseren Land. Darah werosalodense eeholne und offene Abaoason zwisehsa Ben Eau der T\u00fcrkel hat Bas gemihbrieiotot, das ie Falle kringeriecher kemslzandarzsrtzuzgen unser land zu elsen Tentrem don Kriegsa werdan s3ll. Im Juni IE unterechrich Hole nows Abkossen eis des Pitochietenf\u00fchrer Kansas Ersen, Infolge Altaar Farechiodezan Leromman gilt die Trail heute aln dia zicherere Hilitirbaaie der VE bei lkren Krlogepl\u00fcnge gegen die Vilke dao Kahee Gokans mod des Hiklioren \u00d6btane, uch die Eib-inperialisten, die an denIrieesvorbereltungen der sireokenraketan], arboffen wish abenfalle Vorteile von elen neian Aufkeidunpakrisg und warorkirfen airdautig Tnechinkieche Tandeeren im diasen De","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 5 Spionageabwehr 5.1 Allgemeine Entwicklung Die Nachrichtendienste der kommunistischen Staaten setzten auch 1982 ihre geheimdienstlichen Operationen gegen die Bundesrepublik Deutschland fort. Nach wie vor bildet Nordrhein-Westfalen mit etwa 20 % (1981 = 14 %) der erkannten Auftr\u00e4ge ein Hauptangriffsziel \u00f6stlicher Aussp\u00e4hungst\u00e4tigkeit. Hier finden die Agenten das bevorzugte Operationsgebiet, wie zum Beispiel die politischen Zentren in Bonn, die gro\u00dfen Industrieunternehmen an Rhein und Ruhr oder die St\u00fctzpunkte der Bundeswehr und der NATO-Streitkr\u00e4fte vor. Die Zahl der erkannten Werbungen und Werbungsversuche, die sich gegen Ziele in Nordrhein-Westfalen richteten, ist gegen\u00fcber dem Vorjahr fast gleich geblieben. Erfreulich ist hier die Zahl der Personen, die sich den Sicherheitsbeh\u00f6rden freiwillig offenbarten. Die Zahl der erkannten Auftr\u00e4ge gegen Aussp\u00e4hungsziele im Lande Nordrhein-Westfalen, die die \u00f6stlichen Nachrichtendienste erteilten, ist leicht um 2,8 % gestiegen. In der sachlichen Zielsetzung haben sich die Schwerpunkte nicht verlagert. 5.2 Art und Umfang des gegnerischen Agenteneinsatzes, Werbungsmethoden F\u00fcr die Aussp\u00e4hung des Landes Nordrhein-Westfalen setzen die Nachrichtendienste der DDR vornehmlich Bewohner unseres Landes ein. Die Nachrichtendienste der \u00fcbrigen L\u00e4nder des Ostblocks suchen ihre Agenten auch unter Personen aus dem eigenen Machtbereich, z. B. Aussiedler und Besuchsreisende in die Bundesrepublik. Nach wie vor werden die meisten der angesprochenen Personen anl\u00e4\u00dflich eines Aufenthaltes im kommunistischen Machtbereich zur Mitarbeit aufgefordert. Seit Jahren halten die Nachrichtendienste der DDR mit knapp 50 % der gesamten nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten des Ostblocks die Spitze in der Spionage gegen Nordrhein-Westfalen. Mit Abstand folgen die Nachrichtendienste der UdSSR (32 %) und der CSSR (8 %). Die \u00fcbrigen Ostblockstaaten liegen in diesem Zusammenhang zwischen 0,5 und 5 %. Die kommunistischen Geheimdienste setzten auch 1982 Instrukteure und Kuriere ein, die aus dem eigenen Machtbereich unter falscher Identit\u00e4t und mit gef\u00e4lschten Dokumenten in das Bundesgebiet entsandt wurden. 5.3 Nachrichtendienstliche Auftr\u00e4ge gegen Ziele in NordrheinWestfalen Im Jahre 1982 entf\u00e4llt etwas mehr als ein Drittel (34,4 %) aller Ma\u00dfnahmen \u00f6stlicher Nachrichtendienste auf Auftr\u00e4ge mit erkennbarer politischer Aussp\u00e4hung und ein Viertel (25,6 %) auf die Vorbereitung einer Spionaget\u00e4tigkeit. Die Wirtschaftsund Milit\u00e4rspionage ist mit je einem F\u00fcnftel (20 %) vertreten. 57","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Die Auftr\u00e4ge richteten sich u. a. gegen * Regierungsund Verwaltungsstellen des Bundes, des Landes und von Kommunen, * politische Parteien, * Universit\u00e4ten und Hochschulen. Bei den vorbereitenden Ma\u00dfnahmen steht die Abkl\u00e4rung von Personen durch \u00f6stliche Nachrichtendienste im Vordergrund. Von Bedeutung ist auch das Beschaffen von \u00f6rtlichen Orientierungsmitteln, wie Stadtpl\u00e4nen, Telefonund Adre\u00dfb\u00fcchern. Im \u00fcbrigen handelt es sich um die Gewinnung einer Person zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit und das getarnte Verbringen solcher Personen an ihren Bestimmungsund Einsatzort. Das Ansteigen der Auftr\u00e4ge zur Vorbereitung einer Spionaget\u00e4tigkeit um 42 % l\u00e4\u00dft erkennen, welchen Wert die \u00f6stlichen Nachrichtendienste auf Ausbau und Sicherung bestehender und den Aufbau k\u00fcnftiger Spionageverbindungen legen. Die Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen gegen die Wirtschaft und das Milit\u00e4r lassen erkennen, da\u00df in den Staaten des kommunistischen Machtbereichs ein systematisches Technologie-Beschaffungsprogramm zur Unterst\u00fctzung der milit\u00e4rischen Aufr\u00fcstung l\u00e4uft. Nach wie vor benutzen die Nachrichtendienste der kommunistischen Staaten ihre legalen Residenturen in den amtlichen und halbamtlichen Vertretungen zur F\u00fchrung der Agenten. Der Anteil an Personen, die gleichzeitig Angeh\u00f6rige der Nachrichtendienste ihrer Staaten oder dessen verd\u00e4chtig sind, ist in den einzelnen Institutionen unterschiedlich; er reicht bis zu 45 % des Personals. 5.4 Verurteilte Agenten Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf hat 1982 in Landesverratssachen sechs Urteile gesprochen, von denen eins bisher Rechtskraft erlangt hat. Auftraggeber der Agenten waren in drei F\u00e4llen der sowjetische, in zwei F\u00e4llen der DDR und in einem Fall der bulgarische Nachrichtendienst. 58","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 6 Strafrechtspflege Die Justizbeh\u00f6rden des Landes Nordrhein-Westfalen sind, wie schon in den Vorjahren, auch 1982 in erheblichem Ma\u00dfe mit Strafverfahren, deren Gegenstand Straftaten im Zusammenhang mit extremistischen Umtrieben waren, befa\u00dft worden. 6.1 Verfahren wegen rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten Die Staatsanwaltschaften des Landes hatten im Jahre 1982 insgesamt 599 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. In 102 Verfahren gegen 126 Personen wurde Anklage erhoben bzw. Antrag auf Erla\u00df eines Strafbefehls gestellt. Rechtskr\u00e4ftig verurteilt wurden 41 Personen; sechs Angeklagte wurden freigesprochen. Gegen 48 Personen wurde das Verfahren von dem erkennenden Gericht eingestellt. Die Staatsanwaltschaften haben im Berichtszeitraum die Ermittlungsverfahren gegen 566 Beschuldigte aus den im Abschnitt \"Demonstrationsstraftaten\" auf Seite 72 genannten Gr\u00fcnden eingestellt. Gegen 17 Beschuldigte haben die Staatsanwaltschaften die Verfahren wegen geringer Schuld und geringer Bedeutung der Vorf\u00e4lle (zum Teil gegen Geldauflagen) eingestellt oder im Hinblick auf schwerere Tatvorw\u00fcrfe, denen gegen\u00fcber die in Rede stehenden Taten nicht erheblich ins Gewicht fielen, von der Erhebung \u00f6ffentlicher Klagen abgesehen. 6.2 Verfahren wegen linksextremistischer Aktivit\u00e4ten Wie schon in den Vorjahren haben Straftaten, deren Ursprung dem Bereich des Linksextremismus zuzuordnen ist, die Justizbeh\u00f6rden des Landes nicht unerheblich besch\u00e4ftigt, wobei wiederum ein Schwerpunkt bei der Staatsanwaltschaft Dortmund lag; hier wurden allein 255 Verfahren wegen einschl\u00e4giger Propagandaaktionen neu eingeleitet. Im Zust\u00e4ndigkeitsbereich der Staatsanwaltschaft Dortmund erscheinen zahlreiche Druckschriften, die von ihr wegen ihrer zentralen Zust\u00e4ndigkeit (SS 7 Abs. 2 der Strafproze\u00dfordnung) auf strafrechtliche Relevanz \u00fcberpr\u00fcft werden. 6.3 Demonstrationsstraftaten Die nachfolgende Darstellung bezieht sich auf Ermittlungsund Strafverfahren, die anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen entstanden sind und 1982 bei den Staatsanwaltschaften und Gerichten anh\u00e4ngig waren. \u00dcber die H\u00e4ufigkeit von Gewalttaten im Zusammenhang mit Demonstrationen soll und kann sie keinen Aufschlu\u00df geben. Insoweit wird auf die entsprechende Erhebung hingewiesen. Danach ist 1982 bei 28 von insgesamt 1.623 Demonstrationen Gewalt angewendet worden; das sind 1, 7 %. Wie bereits in den fr\u00fcheren Berichten dargelegt, ist es bei Veranstaltungen der genannten Art zu strafrechtlich relevanten \u00dcbergriffen sowohl der Veranstaltungsteilnehmer oder von Au\u00dfenstehenden gegen\u00fcber Teilnehmern als auch von Teilnehmern einer Gegendemonstration gekommen. Ferner sind die F\u00e4lle der Ausschreitungen gegen\u00fcber den eingesetzten Polizeikr\u00e4ften erfa\u00dft. 59","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Im Jahre 1982 hatten die Staatsanwaltschaften des Landes insgesamt 2.399 einschl\u00e4gige Verfahren zu bearbeiten. Davon betrafen 10 Straftaten aus dem Hochschulbereich. Insgesamt 1982 der genannten Verfahren sind im Jahre 1982 abgeschlossen worden, und zwar 1.440 Verfahren durch Einstellung, weil entweder die T\u00e4ter nicht ermittelt werden konnten, weil eine Straftat nicht vorlag, weil der genaue Hergang nicht mit der erforderlichen Sicherheit aufgekl\u00e4rt werden konnte oder aber, weil die Beweismittel zu einer \u00dcberf\u00fchrung der Beschuldigten nicht ausreichten, 227 Verfahren durch rechtskr\u00e4ftige Urteile gegen 295 Personen, 87 Verfahren durch Strafbefehle gegen 88. Personen, 228 Verfahren auf andere Weise. Noch anh\u00e4ngig waren am 31. Dezember 1982 417 Verfahren gegen 676 Personen, wobei in 300 Verfahren gegen 406 Personen bereits Anklage erhoben bzw. der Erla\u00df eines Strafbefehls beantragt worden ist. Die weiteren Verfahren befinden sich noch im Ermittlungsstadium. Die genannten Zahlen weisen einen R\u00fcckgang der einschl\u00e4gigen Verfahren aus. Er betr\u00e4gt bezogen auf das Jahr 1981 nahezu 10 %. 6.4 Gesetzgeberische \u00dcberlegungen Die Bundesregierung hat am 29. September 1982/8. April 1983 den Entwurf eines Einundzwanzigsten Strafrechts\u00e4nderungsgesetzes vorgelegt, der die M\u00f6glichkeiten zur strafrechtlichen Bek\u00e4mpfung extremistischer Agitationen verbessern soll. Der Entwurf sieht die Schlie\u00dfung der Strafbarkeitsl\u00fccken bei der f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus bedeutsamen Strafnorm des SS 86a des Strafgesetzbuches (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen) vor. Daf\u00fcr hatte sich auf Antrag des Justizministers des Landes Nordrhein-Westfalen die Mehrheit der Justizminister und -senatoren ausgesprochen. Zum anderen stellt der Entwurf durch eine \u00c4nderung des SS 76 a Abs. 2 Satz 1 des Strafgesetzbuches klar, da\u00df die Einziehung extremistischer Schriften, soweit sie strafrechtlich relevanten Inhalt haben, auch nach Eintritt der Strafverfolgungsverj\u00e4hrung in sogenannten objektiven Verfahren noch zul\u00e4ssig ist. Diese Klarstellung ist erforderlich geworden, nachdem zwei Strafsenate des Oberlandesgerichts Hamm entgegen der von anderen Oberlandesgerichten vertretenen Auffassung entschieden haben, da\u00df eine Einziehung von Schriften nach Eintritt der Verfolgungsverj\u00e4hrung nicht zul\u00e4ssig sei. Mit der Klarstellung wird einer vom Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen mit Schreiben vom 27. August 1980 an den Bundesminister der Justiz herangetragenen Bitte Rechnung getragen. Schlie\u00dflich schlie\u00dft der Gesetzentwurf durch eine \u00c4nderung der SSSS 126, 140 des Strafgesetzbuches Strafbarkeitsl\u00fccken, die bei der Herstellung und dem Vertrieb 60","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 von Schriften mit nationalsozialistischem oder neonazistischem Inhalt aufgetreten sind. In neuerer Zeit treten verst\u00e4rkt Schriften in den Vordergrund, die zumindest ihrem Wortlaut nach Tendenzen der vorerw\u00e4hnten Art nur mittelbar vertreten, indem sie sich auf die Leugnung oder Verharmlosung des NS-Regimes und seiner Untaten beschr\u00e4nken. Derartige \u00c4u\u00dferungen sind strafrechtlich nach geltendem Recht nicht ausreichend erfa\u00dft, weil insbesondere die Anwendung des SS 131 des Strafgesetzbuches regelm\u00e4\u00dfig daran scheitert, da\u00df die daf\u00fcr erforderliche grausame oder unmenschliche Weise der Schilderung fehlt. 61","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 7 Anhang 7.1 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Parteien, nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) 1982 (1981) Erscheinungsweise und Auflage) B\u00fcrgerinitiative \"Deutsche Zukunft\" Ausl\u00e4nderstopp (unregelm\u00e4\u00dfig) 4630 Bochum-Wattenscheid Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 100 (100) \"Europ\u00e4ische 3579 Schwarzenborn Freiheitsbewegung\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Volksunion (DVU) 10.000 (10.000) \"Deutscher Anzeiger\" 8000 M\u00fcnchen (w\u00f6chentlich 25.000) einschlie\u00dflich Aktion Deutsche Einheit AKON e.V. Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) S\u00e4mtlich ebenfalls M\u00fcnchen Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 100 (50) Information der HNG politische Gefangene und deren (monatlich) Angeh\u00f6rige (HNG) 6000 Frankfurt am Main 62","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Junge Nationaldemokraten (JN) 500 (750) \"JN-Pressedienst\" 5000 K\u00f6ln (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Orgblitz\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"JN-Report\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Junge Stimme\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NW 100 (100) \"JN-Intern\" 4630 Bochum-Wattenscheid (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Querkopp\" - JN Wuppertal (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Stachel\" - JN Steinfurt (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Klartext\" - JN Ostwestfalen (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Der Pfeil\" - JN Hagen (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Der Pfeil\" - JN M\u00fcnster (unregelm\u00e4\u00dfig 5.000) Nationaldemokratische Partei 6.000 (6.500) \"Deutsche Stimme\" Deutschlands (NPD) (monatlich 75.000) 7000 Stuttgart \"NPD Aktuell\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"NPD-Info-Blitz\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NW 1.000 (800) \"Landesspiegel Nordrhein4630 Bochum-Wattenscheid Westfalen\" NW: 54 Kreisverb\u00e4nde mit Beilage \"NPD-Organisationsspiegel Nordrhein-Westfalen\" (monatlich) NSDAP-Auslandsund 100 (100) \"NS-Kampfruf\" Aufbauorganisation (NSDAP-A0) (zweimonatlich) Lincoln/USA Unabh\u00e4ngige Freundeskreise 100 (100) \"Unabh\u00e4ngige Nachrichten\" 4630 Bochum (monatlich) Wiking-Jugend (WJ) 100 (90) \"Wikinger\" 5190 Stolberg (viertelj\u00e4hrlich) Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 7.2 \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische Parteien, 63","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 nebenund beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren Presseerzeugnisse Organisation Mitglieder Presse (einschlie\u00dflich (einschlie\u00dflich Sitz) 1982 (1981) Erscheinungsweise und Auflage) Bund Sozialistischer Arbeiter 150 (150) \"neue Arbeiter Presse\" (BSA) (w\u00f6chentlich) 4300 Essen NW 50 (50) Bund Westdeutscher 500 (600) \"Politische Berichte des Kommunisten (BWK) BWK\" 5000 K\u00f6ln (vierzehnt\u00e4gig) NW 80 (120) Deutsche Friedensunion (DFU) 1.500 (2.000) \"Deutsche Volkszeitung\" (DVZ) - inoffiziell - (40.000 w\u00f6chentlich) \"Pressedienst DFU\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"DFU betr. Politik\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Landesverband NW 800-1.000 (1.000) \"Pressedienst DFU NRW 4300 Essen (unregelm\u00e4\u00dfig) Deutsche Kommunistische 40.000 (40.000) \"Unsere Zeit\" (UZ) Partei (DKP) Tagesausgaben: 25.000 4000 D\u00fcsseldorf Wochenendausgaben: 50.000 \"DKP-Pressedienst\" (t\u00e4glich) Zentrale Einrichtungen \"Nachrichten\" - f\u00fcr \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Forschungen\" (monatlich) 6000 Frankfurt am Main \"Verein zur F\u00f6rderung der \"Landrevue\" - Informationen Forschung und des Studiums der f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung - Sozialwissenschaften e.V.\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Frankfurt am Main \"Karl-Liebknecht-Schule\" \"PRAXIS\" Leverkusen (unregelm\u00e4\u00dfig) 64","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" \"Sozialismus konkret\" (fr\u00fcher: \"Friedrich-Engels(unregelm\u00e4\u00dfig) Zentrum\") \"Probleme des Friedens und Wuppertal Sozialismus\" - deutschsprachige Ausgabe der in der CSSR hergestellten Schrift - (monatlich) \"infodienst\" - f\u00fcr DKPBetriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen (unregelm\u00e4\u00dfig) Bezirk Ruhr-Westfalen 6.500 (6.500) Hoffnungstr. 18 4300 Essen Bezirk Rheinland-Westfalen 5.500 (5.500) Ackerstr. 3 4000 D\u00fcsseldorf NW: 44 Kreisorganisationen ca. 130 Kreisund ca. 120 Betriebsund Stadtteilzeitungen Hochschulgruppen ca. 140 Betriebsund ca. 300 Hochschulzeitungen Wohngebietsgruppen (Ortsbzw. Stadtteilorganisationen) Gruppe Internationale Marxisten 220 (300) \"was tun\" (GIM) (zweiw\u00f6chentlich) 6000 Frankfurt am Main NW 60-80 (80) Junge Pioniere (JP) 3.500 (3.000) \"Willibald\" 4600 Dortmund (zweimonatlich) Landesverband RuhrgebietWestfalen 4300 Essen Landesverband RheinlandWestfalen 5000 K\u00f6ln NW 1.400 (1.300) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung 400 (400) \"Bulletin\" und Zusammenarbeit (KFAZ) (unregelm\u00e4\u00dfig) 5000 K\u00f6ln Kommunistische Partei 500 (500) \"Roter Morgen\" Deutschlands (Marxisten(6.000 w\u00f6chentlich) Leninisten) (KPD) \"Der Weg der Partei\" 4600 Dortmund (theoret. Organ) Landesverband Mitte 200 (200) 4600 Dortmund 65","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Kommunistischer Bund (KB) 500 (600) \"Arbeiterkampf\" 2000 Hamburg (vierzehnt\u00e4gig) NW 30 (40) Kommunistischer Bund 500 (1250) \"Kommunistische Westdeutschland (KBW) Volkszeitung\" (KVZ) 6000 Frankfurt am Main NW 100 (280) \"Kommunismus und Klassenkampf\" Marxistische Arbeiterbildung 60 Gruppen e.V. (MAB) Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus 5600 Wuppertal NW 30 Gruppen Marxistische Gruppe 1.000 (700) \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ) \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ) (zweimonatlich) Marxistisch-Leninistische Partei 900 (900) \"Rote Fahne\" Deutschlands (MLPD) (10.000 w\u00f6chentlich) 4300 Essen NW 300 (250) (bis August 1982 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands - KABD) Marxistischer Studentenbund 6.000 (6.000) \"rote Bl\u00e4tter\" Spartakus (MSB) 5300 Bonn NW: 35 Hochschulgruppen 1.200 (1.400) Sozialistische Deutsche 15.000 (15.000) \"elan\" (inoffiziell) Arbeiterjugend (SDAJ) (40.000 monatlich) 4600 Dortmund Landesverband Ruhrgebiet86 \u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 4300 Essen Landesverband Rheinland80 \u00f6rtliche Zeitungen Westfalen 5000 K\u00f6ln NW: 39 Kreisverb\u00e4nde mit 216 4.500 (5.000Ortsgruppen 6.000) 66","Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen \u00fcber das Jahr 1982 Sozialistischer Jugendbund 150 (150) \"links voran\" (SJB) (monatlich) 4300 Essen NW 50 (50) Volksfront (V) 1.500 (1.500) \"Volks-Echo\" 4300 Essen (monatlich) Landesverband NW 550 (300) 5100 Aachen Anmerkung: Die Aufnahme von extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in die vorstehende \u00dcbersicht bedeutet nicht, da\u00df die eigene Zielsetzung einer solchen Organisation als extremistisch zu beurteilen ist. 67"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1982","year":1982}
