{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-nw-1969.pdf","jurisdiction":"Nordrhein-Westfalen","num_pages":29,"pages":["Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 1 Inhaltsverzeichnis 1 Bericht vor dem Hauptausschu\u00df des Landtags NRW ................... 2 1.1 Rechtsextremismus ..........................................................................................2 1.1.1 NPD und andere rechtsradikale Organisationen ..............................................2 1.1.2 Zur NPD selbst! ................................................................................................2 1.1.3 NPD-Ideologie ..................................................................................................3 1.1.4 Zusammensetzung der Parteif\u00fchrung ..............................................................3 1.1.5 Parteiorgan \"Deutsche Nachrichten\" ................................................................3 1.1.6 NPD in Nordrhein-Westfalen ............................................................................4 1.1.7 NPD-Wahlkampf...............................................................................................5 1.1.8 NPD: ein ernst zu nehmender Faktor des Rechtsradikalismus.........................6 1.1.9 Rechtsradikale Splittergruppen.........................................................................6 1.1.10 Bundestagswahlkampf ...................................................................................6 1.1.11 Organisationen mit politischer Zielsetzung .....................................................6 1.1.12 Kulturell-v\u00f6lkische Vereinigungen...................................................................7 1.1.13 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) ............................................................7 1.1.14 Rechtsextreme Soldatenverb\u00e4nde .................................................................7 1.1.15 Nationalistische Jugendverb\u00e4nde...................................................................8 1.2 Linksextremismus .............................................................................................8 1.2.1 Linksradikale Organisationen ...........................................................................8 1.2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ..........................................................8 1.2.3 Konstituierung in Nordrhein-Westfalen .............................................................9 1.2.4 Zentrale Presse: Wochenzeitung \"Tatsachen\" .................................................9 1.2.5 Organisation und Finanzierung.........................................................................9 1.2.6 Ideologisch-politische Schulung .....................................................................10 1.2.7 Bundestagswahl: \"Aktion demokratischer Fortschritt\" ....................................10 1.2.8 Lenkung der ADF durch DKP/KPD.................................................................12 1.2.9 Republikanische Clubs ...................................................................................13 1.2.10 Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS) .........................................14 1.2.11 M\u00f6gliche Radikalisierung des SDS...............................................................14 1.2.12 Landesverband Nordrhein-Westfalen des SDS ............................................15 1.2.13 Praktische Aktivit\u00e4t radikaler Studentengruppen ..........................................16 1.2.14 Aktionszentrum unabh\u00e4ngiger und sozialistischer Sch\u00fcler (AUSS)..............16 1.2.15 Unabh\u00e4ngige Sch\u00fclergemeinschaft Nordrhein-Westfalen (USG) .................16 1.2.16 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ...........................................17 2 Bericht vor dem Innenausschu\u00df des Landtags NRW.................. 19 2.1 Rechtsextremismus ........................................................................................19 2.1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands ..................................................19 2.2 Linksradikalismus ...........................................................................................22 2.2.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ........................................................22 2.2.2 \u00dcbrige linksradikale Organisationen ...............................................................25","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 2 1 Bericht vor dem Hauptausschu\u00df des Landtags NRW (Berichtsstand: 12. M\u00e4rz 1969) 1.1 Rechtsextremismus 1.1.1 NPD und andere rechtsradikale Organisationen M\u00f6glichkeit eines Verbotsantrags Mit der Frage, welches Material die Landesregierung \u00fcber eine verfassungsfeindliche T\u00e4tigkeit der NPD besitzt und wie sie dieses Material beurteilt, ist die Frage nach der M\u00f6glichkeit eines Verbotsantrags auf Initiative des Landes NordrheinWestfalen unmittelbar angesprochen. Eine solche Initiative k\u00f6nnte formalrechtlich nur \u00fcber den Bundesrat ergriffen werden; denn gem\u00e4\u00df SS 43 des Gesetzes \u00fcber das Bundesverfassungsgericht sind f\u00fcr einen Antrag auf Entscheidung, ob eine Partei im Sinne von Art. 21 Abs. 2 des Grundgesetzes verfassungswidrig ist, nur der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung zust\u00e4ndig. Eine Landesregierung kann gem\u00e4\u00df SS 43 Abs. 2 den Antrag nur gegen eine Partei stellen, deren Organisation sich auf das Gebiet ihres Landes beschr\u00e4nkt. Das ist bei der NPD nicht der Fall. Der Landesregierung erscheint es im gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt nicht geboten, eine entsprechende Initiative im Bundesrat anzuregen, weil sich - wie bekannt - die Bundesregierung seit einigen Monaten der Verbotsfrage unmittelbar angenommen hat und den letzten Informationen nach hier\u00fcber in absehbarer Zeit entscheiden wird. Diese Entscheidung sollte in jedem Fall abgewartet werden; denn es w\u00e4re f\u00fcr eine L\u00e4nderinitiative sehr wesentlich, ob eine eventuelle Ablehnung aus juristischen oder politischen Erw\u00e4gungen erfolgen w\u00fcrde. Das der Bundesregierung vorliegende Material ist zweifellos am umfassendsten, weil es auf den Auswertungsergebnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden aller L\u00e4nder und des Bundes selbst beruht. Nach Auffassung des Bundesinnenministeriums beseitigt die inzwischen erweiterte Zusammenstellung die bei der ersten Beratung im Kabinett aufgekommenen Zweifel an den juristischen Aussichten eines Verbotsverfahrens. Es wird damit gerechnet, dass die Materialsammlung in K\u00fcrze auch den Landesregierungen zugeleitet wird. Erst nach der Entscheidung des Bundeskabinetts und nach Kenntnis des gesamten Materials und dessen eigener kritischen Wertung d\u00fcrfte es zweckm\u00e4\u00dfig sein, gegebenenfalls abweichend von der Entschlie\u00dfung der Bundesregierung ein entsprechendes Einvernehmen im Bundesrat anzustreben. 1.1.2 Zur NPD selbst! Bund und L\u00e4nder haben \u00fcber ihre Verfassungsschutzbeh\u00f6rden gerade der NPD von Anfang an eine erh\u00f6hte Aufmerksamkeit geschenkt, weil sie schon ihrer Entstehung im Jahre 1964 nach alle Anzeichen rechtsradikaler Tendenzen aufwies und damit den Verdacht einer verfassungsfeindlichen Bet\u00e4tigung begr\u00fcndete. Die einzelnen L\u00e4nder k\u00f6nnen jeweils nur Teilbereiche erfassen, also aus eigener Kenntnis keine verbindlichen Aussagen machen. Demgem\u00e4\u00df wurde alles anfallende Material, was in diese Richtung zu deuten schien, unverz\u00fcglich dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zur zentralen Sammlung \u00fcbermittelt. Es ist in dem","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 3 der Bundesregierung vorliegenden Gutachten und dem dazugeh\u00f6rigen Beweismittelband verwertet worden. 1.1.3 NPD-Ideologie Ein wesentlicher Teil des Vorwurfs der Verfassungsfeindlichkeit liegt in der NPDIdeologie begr\u00fcndet, die in einem friedensgef\u00e4hrdenden Nationalismus in allen seinen Erscheinungsformen wurzelt - Wiederbelebung des \"Mythos vom Reich\", Proklamierung einer kompromisslosen Machtpolitik, nationalistische Hasspropaganda gegen andere V\u00f6lker, Rassismus, Antisemitismus usw. -. Die Relativierung der Menschenrechte aus nationalem Kollektivismus f\u00fchrt zu einer politischen Intoleranz bez\u00fcglich demokratischer Freiheiten. Oberstes Gebot jeden Handelns ist nach der Anschauung der NPD das Interesse der Nation. Die Partei r\u00e4umt diesem Nationalismus, den sie autorit\u00e4r und intolerant vertritt, Vorrang vor den Menschenrechten ein. Aus dieser Grundhaltung resultiert der Kampf der NPD gegen die bestehende Ordnung als Ganzes. Die Folgen sind laufende Angriffe gegen das Staatswertbewusstsein, Eintreten f\u00fcr die Abl\u00f6sung der bestehenden Ordnung durch eine im Grunde genommen antiparlamentarische \"Nationaldemokratie\" mit einem autorit\u00e4r gef\u00fchrten Staat als Zielvorstellung, der - wie sie wei\u00df - nur durch einen Kampf gegen die bestehende Ordnung verwirklicht werden kann. In diese Richtung bewegte sich in erster Linie auch die Urkundenbeweismittelsammlung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Das demokratische Zweckund Scheinverhalten der NPD soll u.a. hierdurch belegt werden. 1.1.4 Zusammensetzung der Parteif\u00fchrung Eine untergeordnete, aber immerhin bezeichnende Bedeutung kommt daneben der Zusammensetzung der Parteif\u00fchrung aus ehemaligen Nationalsozialisten und alten Rechtsextremisten zu. Bekanntlich ist die NPD 1964 im Wesentlichen aus der bis dahin erfolglos agitierenden \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) hervorgegangen, deren F\u00fchrungskader unter Leitung des Herrn Adolf von Thadden zu einem gro\u00dfen Teil aus Alten K\u00e4mpfern und Propagandisten des Dritten Reiches bestand. Die NPD hat diese F\u00fchrungskader weitgehend \u00fcbernommen. 1.1.5 Parteiorgan \"Deutsche Nachrichten\" Das gilt besonders hinsichtlich des Propagandaapparates. Von den 14 Gesellschaftern des Parteiorgans \"Deutsche Nachrichten\", die als der \"ideologische Kopf\" der NPD angesehen werden m\u00fcssen, geh\u00f6rten 12 dem DRPBundesvorstand und 11 bereits der ehemaligen NSDAP vor 1933 an bzw. bet\u00e4tigten sich als Aktivisten im damaligen Presseund Propagandawesen. Dieser Propagandaapparat wird auch heute noch erg\u00e4nzt durch eine Reihe weiterer NSIdeologen als st\u00e4ndige oder freie Mitarbeiter. Entscheidend hierbei ist, dass dieser Personenkreis offensichtlich seine in der NS-Ideologie wurzelnde Gesinnung nicht grunds\u00e4tzlich und glaubw\u00fcrdig ge\u00e4ndert hat. Der propagandistisch so gesteuerte Aufbau der Parteiorganisation war auch in Nordrhein-Westfalen nur m\u00f6glich, weil Adolf von Thadden auf viele seiner alten DRP-Getreuen zur\u00fcckgreifen konnte. Inzwischen weisen die F\u00fchrungsgremien im Lande nicht mehr so viele NSDAPund DRP-Funktion\u00e4re auf wie in der Zeit der Gr\u00fcndung. Auch der Landesrednerdienst, der anf\u00e4nglich 11 Alt-Pgs auf seiner Liste f\u00fchrte, hat sich inzwischen stark verj\u00fcngt. Gleichwohl sind die Aussagen dieser","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 4 zum Teil schon durch die DRP gepr\u00e4gten Rednergeneration oftmals nicht weniger aggressiv. Viele gem\u00e4\u00dfigt eingestellte Funktion\u00e4re, die guten Glaubens und aus Idealismus der NPD beigetreten waren, haben mit ihr gebrochen, weil sie sich gegen\u00fcber den radikalen Fl\u00fcgeln nicht durchzusetzen vermochten oder zu besserer Einsicht kamen. Das gilt nicht nur f\u00fcr die Bundesvorstandsebene, sondern auch in Nordrhein-Westfalen f\u00fcr alle Bereiche. Erst im vergangenen Monat trat der Kreisvorsitzende von Kempen-Krefeld zur\u00fcck, und auch der ehemalige Kreisvorsitzende von Recklinghausen trat mit der Begr\u00fcndung aus, er habe das Vertrauen zu seiner Partei verloren. 1.1.6 NPD in Nordrhein-Westfalen Die Partei steht in Nordrhein-Westfalen unter der F\u00fchrung eines Rechtsanwalts aus Bielefeld und eines 15k\u00f6pfigen Landesvorstandes. Bisher ist die NPD hier im Lande nach eigenen Eingest\u00e4ndnissen offensichtlich das schw\u00e4chste Glied in der Kette. Man bem\u00fcht sich daher, die organisatorischen Voraussetzungen zu verbessern. Das fiel in der Vergangenheit deshalb schwer, weil sie unter vielerlei internen Streitigkeiten auf allen Ebenen litt. Diese dauerten auch bis in die j\u00fcngste Zeit an. Die Schwierigkeiten erwachsen der NPD in Nordrhein-Westfalen auch aus einer starken Mitgliederfluktuation. Sch\u00e4tzungsweise haben in NRW 40% der Mitglieder die Partei nach mehr oder weniger kurzer Zugeh\u00f6rigkeit und n\u00e4herem Kennenlernen wieder verlassen. Die NPD verf\u00fcgt zur Zeit \u00fcber etwa 4 500 bis 5 000 beitragszahlende Mitglieder in diesem Lande. Im ganzen Bundesgebiet sind es noch 27 000 bis 28 000; man rechnet hier mit einem Mitgliederschwund von 16 000 bis 17 000 seit ihrer Gr\u00fcndung. Vermutlich werden der NPD durch ihre Aktivit\u00e4t bei den Wahlk\u00e4mpfen in gewissem Umfang wieder neue Mitglieder zugef\u00fchrt werden. Die NPD verf\u00fcgt in Nordrhein-Westfalen \u00fcber 80 bis 90 Kreisverb\u00e4nde, die auf der mittleren Ebene in 16 Bezirken zusammengefasst sind. Sie ist mit diesem Apparat praktisch in der Lage, alle Wahlkreise zu besetzen. Teilweise beschr\u00e4nken sich die Kreisverb\u00e4nde auf die jeweiligen Vorst\u00e4nde: der gr\u00f6\u00dfte Teil verf\u00fcgt jedoch \u00fc- ber 20 bis 80 Mitglieder. Die besonders starken Kreisverb\u00e4nde, die teilweise in Ortsverb\u00e4nde untergliedert wurden, z\u00e4hlen 100 bis 300 Mitglieder. Sie liegen mit wenigen Ausnahmen au\u00dferhalb des Ruhrgebiets. In den gro\u00dfen St\u00e4dten des Ruhrreviers ist es der NPD trotz vielerlei Anstrengungen und unter Ausnutzung der Kohlenkrise bisher nicht gelungen, Anklang bei der Bev\u00f6lkerung zu finden. Diesem Gebiet gilt daher die erh\u00f6hte Aufmerksamkeit. In einem Rundschreiben vom 16.1.1969 wird hierzu ausgef\u00fchrt: ... Nordrhein-Westfalen ist - es ist allgemein bekannt - das mit Abstand w\u00e4hlerst\u00e4rkste Bundesland. Innerhalb dieses Bundeslandes ist wiederum das Ballungszentrum Ruhrgebiet von herausragender Bedeutung. Die F\u00fchrung des Wahlkampfes hat dem Rechnung zu tragen. Neben vielen anderen zweckdienlichen Ma\u00dfnahmen muss vor allem die Organisation dieses ber\u00fccksichtigen. ... Es folgen dann noch n\u00e4here Anweisungen \u00fcber die verantwortliche \"Bearbeitung\" dieses Raumes.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 5 1.1.7 NPD-Wahlkampf Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es einen lebhaften NPD-Wahlkampf - vor allem auch au\u00dferhalb \u00f6ffentlicher Versammlungen - geben. Die ersten Wahlzeitungen werden noch in diesem Monat \u00fcber gewerbliche Verteilerzentralen an alle Haushaltungen der Gro\u00dfst\u00e4dte gelangen. Die Wahlparole \"Sicherheit durch Recht und Ordnung\" wurde geschickt ausgew\u00e4hlt. Bekanntlich hat die NPD an den letzten Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen nicht teilgenommen, weil sie nach eigener Einsch\u00e4tzung eine \"Pleite\" bef\u00fcrchtete. Aber bei den Kommunalnachwahlen am 10.03.1968 in den St\u00e4dten Hamm, Kamen und Unna konnte sie durch konzentrierten Einsatz des Landesverbandes folgende Ergebnisse erzielen: Hamm 2 Sitze = 5,98 % = 2 462 Stimmen Kamen 2 Sitze = 7,51 % = 1 564 Stimmen Unna 4 Sitze = 11,51 % = 2 905 Stimmen Das Durchschnittsalter der acht gew\u00e4hlten Kandidaten betr\u00e4gt 37 Jahre. Am 23. M\u00e4rz 1969 finden wiederum einzelne Neuwahlen in den Landkreisen L\u00fcdenscheid und Herford sowie in 33 Gemeinden statt, die durch kommunale Umgliederungen erforderlich geworden sind. Die NPD beteiligt sich an verschiedenen Orten hieran. Es bleibt abzuwarten, mit welchen Ergebnissen sie nunmehr abschneiden wird. W\u00e4hrend des vergangenen Jahres wurden von der NPD etwa 200 \u00f6ffentliche Veranstaltungen in NRW durchgef\u00fchrt. Mindestens 45 wurden von oppositionellen Gruppen gest\u00f6rt bzw. gesprengt. Darunter fallen alle 10 Gro\u00dfveranstaltungen. Die NPD hat mit R\u00fccksicht auf die nachhaltigen St\u00f6rungen durch politische Gegner vor\u00fcbergehend davon abgesehen, Gro\u00dfkundgebungen in NRW durchzuf\u00fchren. Zur Zeit ist sie dabei, sich einen Ordnerdienst aufzubauen. Voraussichtlich wird schon in den n\u00e4chsten Wochen aus Gr\u00fcnden des Wahlkampfes wieder mit einer verst\u00e4rkten Propagandaund Versammlungst\u00e4tigkeit gerechnet werden m\u00fcssen. Solange die NPD nicht verboten ist, kann sie nach dem Grundgesetz die allgemeinen Privilegien, wie sie den demokratischen Parteien zustehen, formalrechtlich auch f\u00fcr sich in Anspruch nehmen. Hierzu rechnet insbesondere die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr Kundgebungsund Versammlungszwecke ihr geeignet erscheinende R\u00e4umlichkeiten zu ben\u00fctzen. Die St\u00e4dte und Gemeinden haben sich auch in NRW mit allem Nachdruck gegen die \u00dcberlassung von Gro\u00dfkundgebungshallen und sonstigen \u00f6ffentlichen Veranstaltungseinrichtungen gewehrt, wurden hierzu aber von den Verwaltungsgerichten aus Rechtsgr\u00fcnden gezwungen. Als Folge dieser Rechtslage ergeben sich die bekannten Konflikte, besonders auch im Hinblick auf den Einsatz von Polizeikr\u00e4ften, die dadurch in eine schwierige Lage gebracht werden. Der Landesparteitag der NPD am 16./17.11.1968 in Siegen steht in diesem Zusammenhang mit seinen Begleiterscheinungen noch in lebhafter Erinnerung. Es bleibt das Unbehagen, dass sich so etwas jederzeit wiederholen kann.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 6 1.1.8 NPD: ein ernst zu nehmender Faktor des Rechtsradikalismus Wenn auch die NPD im Lande Nordrhein-Westfalen bisher keine gr\u00f6\u00dferen Erfolge erzielen konnte, besteht doch kein Zweifel dar\u00fcber, dass sie sich in der Bundesrepublik insgesamt zu einem ernst zu nehmenden Faktor des Rechtsradikalismus entwickelt hat. Zwar konnte sie den anf\u00e4nglichen Aufschwung nicht fortsetzen. Es ist ihr aber trotz permanenter innerer Krisen und trotz der sich bildenden Gegenkr\u00e4fte gelungen, ihre Organisation zu erhalten. Das ist in erster Linie ein Erfolg des Parteivorsitzenden von Thadden - mit dessen rechtsradikaler F\u00fchrungsrolle sich die Bundesrepublik seit mehr als 20 Jahren auseinanderzusetzen hat - und des auf ihn in der Sache eingeschworenen Kreises seiner alten Mitarbeiter. 1.1.9 Rechtsradikale Splittergruppen Im Schatten der NPD vegetieren - wie auch in den vergangenen Jahren - eine Vielzahl von rechtsradikalen Splittergruppen dahin. Auf der Bundesebene sind es etwa 50 Vereinigungen mit 10 000 bis 12 000 gesch\u00e4tzten Mitgliedern. Zahl, St\u00e4rke und Aktivit\u00e4t dieser Gruppen haben sich im abgelaufenen Jahr nicht nennenswert ge\u00e4ndert. Der in fr\u00fcheren Jahren festzustellende starke Mitgliederschwund, vor allem durch das Abwandern eines erheblichen Teiles der Mitglieder zur NPD, hat nachgelassen. Bei diesen Organisationen handelt es sich gr\u00f6\u00dftenteils um zahlenm\u00e4\u00dfig unbedeutende oder regionale Gruppen. Zwei Drittel haben schon auf der Bundesebene weniger als 100 Mitglieder; nur bei drei Verb\u00e4nden - AUD, HIAG und DKEG - liegt die Mitgliederzahl \u00fcber 1 000. 1.1.10 Bundestagswahlkampf Au\u00dfer der NPD werden sich voraussichtlich die national-neutralistische \"Aktionsgemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Deutscher\" (AUD) und die \"sozialistisch\" tendierende \"Unabh\u00e4ngige Arbeiterpartei\" (UAP) auch in Nordrhein-Westfalen an der Bundestagswahl beteiligen. Beide Parteien haben einen politischen Gesinnungswandel vollzogen. W\u00e4hrend die AUD bekanntlich u.a. aus der rechtsradikalen \"Deutschen Gemeinschaft\" und der rechtsradikalen \"Deutschen Freiheits-Partei\" hervorging, handelt es sich bei der UAP vorwiegend um ehemalige Strasser-Anh\u00e4nger. Beide Parteien bezeichnen sich heute als linksnational. Die AUD unter Haussleiter hat etwa 1 500 Mitglieder, davon ca. 500 bis 1 000. Beiden Parteien fehlen f\u00fcr eine erfolgversprechende Wahlbeteiligung alle personellen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen. Sie werden allenfalls in der Lage sein, an wenigen Schwerpunkten Landeslisten oder Einzelkandidaten aufzustellen. 1.1.11 Organisationen mit politischer Zielsetzung Von den rechtsgerichteten Organisationen mit politischer Zielsetzung hat lediglich die \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) \u00fcberregionale Bedeutung. Von ihr hat sich im M\u00e4rz 1969 der radikalere Fl\u00fcgel unter der Bezeichnung \"Aktion Deutscher Osten\" (ADO) mit Sitz in Duisburg abgespalten. Genaue Angaben \u00fcber die Mitgliederentwicklung liegen noch nicht vor (ca. 90). Die AKON hat jedoch nur einen geringen Teil ihrer insgesamt etwa 300 Mitglieder (NRW ca. 50) an die ADO verloren.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 7 1.1.12 Kulturell-v\u00f6lkische Vereinigungen Unter den kulturell-v\u00f6lkisch orientierten Vereinigungen ist das \"Deutsche Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes\" (DKEG) mit etwa 2 000 Mitgliedern die nach wie vor st\u00e4rkste Gruppe. 1968 haben personelle Differenzen in der F\u00fchrungsspitze die Verbandsarbeit erheblich beeintr\u00e4chtigt. Erfolgreich verlief eine Sammlung f\u00fcr einen geplanten \"Schillerpreis\", die ein Spendenaufkommen von \u00fcber 10 000 DM erbrachte. - Von den etwa 50 \"Pflegst\u00e4tten\" entfallen 15 mit 300 bis 400 Mitgliedern auf Nordrhein-Westfalen. Die Pflegst\u00e4ttenleiter sind \u00fcberwiegend Alt-Pgs. Eine zunehmende \u00dcberalterung ist unverkennbar. Das DKEG tritt in jedem Jahr einmal mit einer Sommersonnenwendfeier am Hermannsdenkmal und an den Externsteinen hervor. In das Licht der \u00d6ffentlichkeit wurde dieser n\u00e4chtliche \"Spuk\", an dem sich etwa 400 bis 500 Personen aller nationalistischen Gruppierungen beteiligen, erst ger\u00fcckt, als die Veranstaltung vor zwei Jahren erstmalig von politischen Gegnern gest\u00f6rt und im Fernsehen in ihrer L\u00e4cherlichkeit blo\u00dfgestellt wurde. 1.1.13 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) In der \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik\" (GfP) haben sich insbesondere solche Journalisten, Schriftsteller und Verleger zusammengeschlossen, die sich die F\u00f6rderung der nationalen Publizistik zum Ziele gesetzt haben. Die Gesellschaft erregte 1964 mit der Verleihung eines \"Ulrich-von Hutten-Preises\" an den deutschamerikanischen \"Kriegsschuldforscher\" David L. Hoggan erhebliches Aufsehen. Der Preis sollte 1968 an den ehemaligen Gro\u00dfadmiral D\u00d6NITZ verliehen werden, der die Annahme jedoch ablehnte. Etwa 10 % der insgesamt rund 400 Mitglieder und ein Drittel der Mitglieder des Vorstandes geh\u00f6ren der NPD an. Nach au\u00dfen bem\u00fcht sich die GfP jedoch, Stellungnahmen zur NPD zu vermeiden. - 40 bis 50 Mitglieder der Gesellschaft wohnen in Nordrhein-Westfalen. Eine eventuelle Bet\u00e4tigung f\u00fcr die GfP machte sich bisher nicht unmittelbar bemerkbar. 1.1.14 Rechtsextreme Soldatenverb\u00e4nde Die Bedeutung der rechtsextremen Soldatenverb\u00e4nde hat in den vergangenen Jahren st\u00e4ndig nachgelassen. Der \"Bundesverband der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS\" (HIAG) mit seinen noch etwa 4 000 Mitgliedern (ca. 800 in NRW) ist die mitgliederst\u00e4rkste Organisation. Sie ist gekennzeichnet von einem st\u00e4ndigen Zerfall des inneren Zusammenhalts und eine abnehmenden Veranstaltungst\u00e4tigkeit. Der NPD gegen\u00fcber h\u00e4lt sich die HIAG betont zur\u00fcck. So hat sie zu ihrem \"Nordmarktreffen\" am 5. Oktober 1968 in Husum zwar Vertreter der Bundestagsparteien, jedoch nicht die NPD eingeladen. Bei jeder Gelegenheit versichert sie ein staatstreues Verhalten. Der rechtsradikale \"Reichsverband der Soldaten\" (RdS), der in den vergangenen Jahren zahlreiche Mitglieder an die NPD verloren hat, schloss sich 1968 mit seinem Rest dem \"Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten\" an. Die rechtsradikale Traditionsgemeinschaft gleichen Namens mit Sitz in K\u00f6ln l\u00f6ste sich im Dezember 1968 auf.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 8 1.1.15 Nationalistische Jugendverb\u00e4nde Die nationalistischen Jugendverb\u00e4nde sind mehr oder weniger stark in den Sog der NPD geraten. Das gilt vor allem f\u00fcr den \"Bund Heimattreuer Jugend\" (BHJ), von dessen \u00e4lteren und f\u00fchrenden Mitgliedern bis zum Fr\u00fchjahr 1968 mehrere zu den \"Jungen Nationaldemokraten\" (Parteijugend der NPD) \u00fcbergetreten sind. Der BHJ versucht nun wieder, deutlicher eine \u00fcberparteiliche Haltung herauszustellen. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit der \"Wiking-Jugend\". Von den 700 bis 800 Mitgliedern der 10 rechtsextremen Jugendverb\u00e4nde im Bundesgebiet wohnen nur verschwindend wenige in Nordrhein-Westfalen. Sieht man von einer kleinen - noch nicht recht bewertbaren - Neugr\u00fcndung im Aachener Raum ab, gibt es in Nordrhein-Westfalen keinen selbst\u00e4ndigen Verband. Alle gegenteiligen Behauptungen, die immer wieder zu h\u00f6ren und zu lesen sind, entbehren der Grundlage, sind also falsch. Der \"Nationaldemokratische Hochschulbund\" (NHB) unterh\u00e4lt zur Zeit 17 Hochschulgruppen mit etwa 250 Mitgliedern. In Nordrhein-Westfalen trat er bisher kaum hervor. Es konnten bisher kleinere Gruppen in M\u00fcnster und Bonn festgestellt werden. Spektakul\u00e4res Aufsehen erregten Gegengr\u00fcndungen unter gleichem Namen in Bochum und Bonn. In Bonn wurde der Oppositionsgruppe die F\u00fchrung des Namens gerichtlich untersagt. 1.2 Linksextremismus 1.2.1 Linksradikale Organisationen Sind verfassungsfeindliche Bestrebungen bei der T\u00e4tigkeit dieser linksradikalen Organisation festgestellt worden? 1.2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Im Bereich der in Nordrhein-Westfalen t\u00e4tigen linksradikalen Organisationen spielt die neugegr\u00fcndete Deutsche Kommunistische Partei (DKP) eine wesentliche Rolle. Nach dem Verbot der KPD durch Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 17.8.1956 gelang es der Partei, in Nordrhein-Westfalen eine Organisation im Untergrund aufzubauen. In etwa 40 Kreisorganisationen und 80 Betriebsgruppen waren rund 3.500 bis 4.000 Mitglieder zusammengefasst, die von vier Bezirksleitungen angeleitet wurden. Die Bezirksleitungen als die F\u00fchrungsstellen der KPD in NRW setzten sich aus bekannten hauptamtlichen Funktion\u00e4ren zusammen, die ihre politischen Weisungen und die f\u00fcr die Parteiarbeit erforderlichen Geldmittel vom Apparat des Zentralkomitees der KPD in Ost-Berlin erhielten. Neben dieser politischen Organisation waren in NRW eine Reihe von zentralen Sonderapparaten t\u00e4tig, die direkt von Ost-Berlin angeleitet wurden und streng konspirativ und getrennt von der politischen Organisation arbeiteten. Neben dem Literaturvertriebsapparat, der sich mit der Herstellung und der Verbreitung der zentralen Schriften \"Freies Volk\" und \"WISSEN UND TAT\" befasste, gab es den geheimen Postkurierapparat. Ein sog. Grenzschleusungsapparat hatte die Aufgabe, geheime Postund Geldkuriere zu den Anlaufstellen der KPD-Bezirksleitungen in Nordrhein-Westfalen zu bringen.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 9 1.2.3 Konstituierung in Nordrhein-Westfalen Unter diesen Voraussetzungen konnte es nicht \u00fcberraschen, dass sich unmittelbar nach der Konstituierung der DKP am 26.9.1968 in Frankfurt/Main bereits am 29.9.1968 in D\u00fcsseldorf der Landesausschuss Nordrhein-Westfalen der DKP konstituierte. Der Landesausschuss setzte sich zum damaligen Zeitpunkt aus 37 Personen zusammen, von denen allein 30 zuvor in leitender Funktion im illegalen Apparat der KPD t\u00e4tig waren. Die f\u00fchrenden Mitglieder der vier KPD-Bezirksleitungen in NRW \u00fcbernahmen nunmehr die entscheidenden Funktionen im Landesausschuss der DKP NRW. Eine weitere wesentliche Verst\u00e4rkung erhielt der Landesausschuss NRW dadurch, dass Personen aus dem Kreis der aus Ost-Berlin in das Bundesgebiet zur\u00fcckgekehrten Funktion\u00e4re des ZK sowie der ZK-Mitarbeiter in den Landesausschuss berufen wurden. Der Landesausschuss richtete in D\u00fcsseldorf, M\u00fcnsterstra\u00dfe 161, eine Gesch\u00e4ftsstelle ein, von der aus der Aufbau der DKP auf Kreisund Ortsebene von oben her vollzogen wurde. Dieser Aufbau ging im Wesentlichen so vonstatten, dass zun\u00e4chst die illegalen Kreisorganisationen in die DKP \u00fcbergef\u00fchrt wurden. Dar\u00fcber hinaus wurde versucht, neue Kreisorganisationen, Betriebsgruppen und Hochschulaussch\u00fcsse zu gr\u00fcnden. - In Nordrhein-Westfalen bestehen 56 Kreisorganisationen der DKP mit rund 4.000 aktiven Mitgliedern. Die Unterschiede in der Mitgliederst\u00e4rke der einzelnen Kreisaussch\u00fcsse sind erheblich. Von einigen Schwerpunktkreisen abgesehen, liegt die St\u00e4rke der Kreisaussch\u00fcsse im allgemeinen unter 100 Mitgliedern. Es f\u00e4llt auf, das - von Duisburg und Essen abgesehen - die Kreisaussch\u00fcsse im Ruhrgebiet die Zahl von 100 Mitgliedern nicht \u00fcbersteigen. Offensichtlich ist es den Kommunisten trotz intensiver Bem\u00fchungen nicht gelungen, in diesem Schwerpunktbereich des Landes NRW eine nennenswerte Anzahl von Anh\u00e4ngern zu organisieren. Neben den Kreisaussch\u00fcssen bestehen in Nordrhein-Westfalen 26 Betriebsaussch\u00fcsse, in denen sch\u00e4tzungsweise 600 bis 800 der 4.000 DKP-Mitglieder zusammengefasst sind. Hochschulaussch\u00fcsse bestehen an den Universit\u00e4ten in Bochum, M\u00fcnster, Bonn und K\u00f6ln. 1.2.4 Zentrale Presse: Wochenzeitung \"Tatsachen\" Nachdem im Zuge der organisatorischen Verschmelzung von KPD und DKP der zentrale Literaturvertriebsapparat der KPD mit Ablauf des Jahres 1968 seine T\u00e4tigkeit eingestellt hat, ist die DKP bem\u00fcht, eine eigene zentrale Presse aufzubauen. Die in Duisburg erscheinende Wochenzeitung \"Tatsachen\" - Auflage 10.000 Exemplare -, die als Sprachrohr der DKP in Nordrhein-Westfalen anzusehen ist, soll der Grundstock f\u00fcr eine im gesamten Bundesgebiet verbreitete Zeitung der DKP werden. Die Bem\u00fchungen sind mittlerweile so weit gediehen, das voraussichtlich im April 1969 unter dem Titel \"Unsere Zeit\" ein Zentralorgan der DKP - Verlagsort D\u00fcsseldorf - erscheinen wird. 1.2.5 Organisation und Finanzierung Der organisatorische Aufbau der DKP, insbesondere die Einrichtung der Parteib\u00fcros, die Besoldung der hauptamtlichen Kr\u00e4fte und die Herstellung von Propagandamaterial, nimmt erhebliche Mittel in Anspruch, die aus den Beitr\u00e4gen und Spenden der Mitglieder oder sympathisierender Au\u00dfenstehender nicht gedeckt werden","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 10 k\u00f6nnen. Um die Fehlbetr\u00e4ge auszugleichen, erhalten die DKP-Landesaussch\u00fcsse Zusch\u00fcsse vom ZK der KPD/SED. Die organisatorischen und politischen Bem\u00fchungen der DKP lassen folgende Schwerpunkte erkennen: 1. Weiterer Aufbau der Parteiorganisation auf allen Ebenen durch Gewinnung neuer, vor allem j\u00fcngerer Mitglieder; 2. aktive Teilnahme an dem Wahlb\u00fcndnis AAktion Demokratischer Fortschritt\"; 3. verst\u00e4rkte Einflussnahme auf die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, vor allem in den Schl\u00fcsselindustrien des Ruhrgebiets; 4. intensive Bem\u00fchungen, mit Mitgliedern und Funktion\u00e4ren der SPD in Nordrhein-Westfalen ins Gespr\u00e4ch zu kommen, um auf der Grundlage der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" die politischen Wirkungsm\u00f6glichkeiten zu verbessern. Im Augenblick konzentrieren sich die parteiinternen Bem\u00fchungen auf die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des f\u00fcr Mitte April 1969 in Essen geplanten 1. Bundesparteitages. Die DKP in NRW geht davon aus, das sich durch diesen Parteitag und durch die Etablierung des DKP-Bundesvorstandes in D\u00fcsseldorf die Aktivit\u00e4t der Parteiorganisation in unserem Lande erheblich steigern wird. 1.2.6 Ideologisch-politische Schulung F\u00fcr die ideologisch-politische Schulung zugunsten der KPD/DKP spielen die marxistisch-sozialistischen Studiengemeinschaften eine wesentliche Rolle. In Nordrhein-Westfalen bestehen zur Zeit etwa 30 dieser Gruppen. Inzwischen hat die DKP fast \u00fcberall ihre Leitung in der Hand. Aus der ADDR\" kommen auch immer wieder Referenten, die auf den Veranstaltungen der Gruppen sprechen. Das Schwergewicht der Gruppenarbeit liegt im Bereich der Indoktrination, nicht dagegen der Aktion, wobei man allerdings bestrebt ist, die Schulung in marxistischsozialistischer Theorie Apraxisbezogen\" zu gestalten. 1.2.7 Bundestagswahl: \"Aktion demokratischer Fortschritt\" Die Kommunisten wollen sich auch nach Gr\u00fcndung der DKP nicht selbst\u00e4ndig zur Bundestagswahl stellen; sie wollen vielmehr versuchen, mit Hilfe eines Wahlb\u00fcndnisses nach dem Muster einer Volksfrontpartei eine parlamentarische Basis f\u00fcr die Propagierung ihrer bzw. einer ihnen genehmen Politik zu erreichen. Es handelt sich dabei um die \"Aktion Demokratischer Fortschritt (ADF)\". Die ADF wurde als Wahlund Aktionsb\u00fcndnis zahlreicher Gruppen und Einzelpersonen mit dem Ziel gegr\u00fcndet, Vertretern der sog. Au\u00dferparlamentarischen Opposition Eingang in die Parlamente zu verschaffen. Nahziel ist zun\u00e4chst die Erringung von Mandaten bei der Bundestagswahl 1969, wobei die ADF hofft, die 5%Klausel zu \u00fcberwinden. Ihren Ursprung hatte die ADF vor etwa einem Jahr in dem sog. Gie\u00dfener Kreis um den Direktor des Soziologischen Instituts der Universit\u00e4t Marburg und den Spitzenfunktion\u00e4r des \"Bundes der Deutschen\" (BdD) und der ADeutschen Friedensunion\" (DFU). Dieser Kreis war bereits Anfang 1968 bestrebt, die verschiedenen","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 11 Kr\u00e4fte der linken sog. au\u00dferparlamentarischen Opposition anl\u00e4sslich der Bundestagswahl 1969 zusammenzufassen und ihr eine Vertretung im Bundestag zu schaffen. Im Laufe des Jahres 1968 wurden Unterschriften f\u00fcr das Vorhaben des Kreises gesammelt und zahlreiche \u00f6rtliche Gruppen ins Leben gerufen, die unter verschiedenen Namen ihre T\u00e4tigkeit im Sinne der Zielsetzung des Gie\u00dfener Kreises aufnahmen. Auf einem Gr\u00fcndungskongress am 2.11.1968 in Dortmund, an dem ca. 1.000 Personen aus Nordrhein-Westfalen und weitere ca. 1.000 aus dem \u00fcbrigen Bundesgebiet teilnahmen, wurde ein \"Aktionsund Wahlb\u00fcndnis f\u00fcr die Bundestagswahl 1969\" mit einem aus 162 Personen bestehenden \"Rat\" und einem 20k\u00f6pfigen \"Arbeitsausschuss\" gebildet. Die Konstituierung als politische Partei - um den Vorschriften des Bundeswahlgesetzes zu entsprechen - erfolgte auf der Gr\u00fcndungsversammlung am 7.12.1968 in Frankfurt/Main. Tr\u00e4ger des Wahlb\u00fcndnisses waren von Anfang an insbesondere die kommunistisch beeinflussten und infiltrierten Parteien BdD und DFU, die ihre Organisation - einschlie\u00dflich des Personals - weitgehend in den Dienst des B\u00fcndnisses stellen. Daneben gab das ZK der illegalen KPD ebenfalls schon sehr fr\u00fchzeitig Weisung, das B\u00fcndnis aktiv zu unterst\u00fctzen. Seit der Gr\u00fcndung der DKP geh\u00f6rt auch diese neue kommunistische Partei zu den Tr\u00e4gern der ADF. Dar\u00fcber hinaus genie\u00dft die ADF die uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung zahlreicher linksradikaler Organisationen wie Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), Fr\u00e4nkischer Kreis, VVN, Westdeutsche FrauenFriedensbewegung (WFFB), Vereinigung Unabh\u00e4ngiger Sozialisten (VUS) u.a. Andere Organisationen, die das B\u00fcndnis mit R\u00fccksicht auf die unterschiedliche Haltung ihrer Mitglieder nicht vorbehaltlos unterst\u00fctzen k\u00f6nnenwie die Kampagne f\u00fcr Demokratie und Abr\u00fcstung (KDA) und die Deutsche Friedensgesellschaft/Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG/IdK) - oder die ein Wahlb\u00fcndnis grunds\u00e4tzlich ablehnen - wie die herrschende Richtung im SDS und das Aktionszentrum Unabh\u00e4ngiger Sozialistischer Sch\u00fcler (AUSS) -, sind dennoch durch namhafte Funktion\u00e4re in den F\u00fchrungsgremien der ADF vertreten. Die beteiligten Organisationen und Einzelpersonen sollen nach dem Willen der Gr\u00fcnder ihre Unabh\u00e4ngigkeit weitgehend behalten und im Wahlkampf auch ihre, \u00fcber ein gemeinsames Minimalprogramm hinausgehenden eigenen Vorstellungen vertreten k\u00f6nnen. Auf der Gr\u00fcndungsversammlung am 7.12.1968 in Frankfurt/Main wurden ein achtk\u00f6pfiges Parteipr\u00e4sidium, ein Parteivorstand mit 55 Mitgliedern, zwei Sekret\u00e4re des Pr\u00e4sidiums, der Bundesschatzmeister und das Parteischiedsgericht gew\u00e4hlt. Au\u00dferdem wurde ein gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Parteivorstand gebildet, dem die 8 Pr\u00e4sidiumsmitglieder, die Sekret\u00e4re und der Bundesschatzmeister kraft Amtes und dar\u00fcber hinaus 5 gew\u00e4hlte Parteivorstandsmitglieder angeh\u00f6ren. Nahezu alle Mitglieder der F\u00fchrungsgremien sind durch ihre - meist f\u00fchrende - T\u00e4tigkeit in einschl\u00e4gigen linksradikalen Organisationen bekannt.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 12 1.2.8 Lenkung der ADF durch DKP/KPD Das \u00e4u\u00dfere Bild der leitenden Gremien, die in etwa die verschiedenen Kr\u00e4fte des B\u00fcndnisses repr\u00e4sentieren, t\u00e4uscht \u00fcber die wirklichen Machtverh\u00e4ltnisse in der F\u00fchrung, insbesondere \u00fcber den tats\u00e4chlichen kommunistischen Einfluss. Die eigentliche Steuerung liegt in den H\u00e4nden, linientreuer und geschulter Kommunisten. In Nordrhein-Westfalen bestehen, soweit bisher bekannt wurde, \u00f6rtliche Gruppen des Aktionsund Wahlb\u00fcndnisses an 44 Orten, und zwar in Ahaus-Borken-Bocholt, Aachen, Altena, Bergheim, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bottrop-Gladbeck, Detmold-Lippe, Dortmund, D\u00fcren, D\u00fcsseldorf, Duisburg, EnnepeRuhr-Kreis (S\u00fcd-Gevelsberg), Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm-L\u00fcnenL\u00fcdinghausen, Hattingen, (Ennepe-Ruhr-Kreis Nord), Herford, Herne, Iserlohn, K\u00f6ln, Krefeld, Mettmann (Landkreis D\u00fcsseldorf-Mettmann), Minden, Moers, M\u00f6nchengladbach-Rheydt, M\u00fclheim-Ruhr, M\u00fcnster, Oberhausen, Olpe-Meschede, Opladen (Rhein-Wupper-Kreis), Paderborn-Wiedenbr\u00fcck, Recklinghausen (Stadtund Landkreis), Remscheid, Rheinisch-Bergischer Kreis (Berg.Gladbach), Siegen, Siegkreis, Solingen, Wanne-Eickel-Wattenscheid, Westm\u00fcnsterland (Coesfeld), Wuppertal. In diesen \u00f6rtlichen Gruppen ist die kommunistische Unterwanderung zum Teil au\u00dferordentlich stark. Die Initiative zur Gr\u00fcndung ging fast \u00fcberall von Kommunisten aus, die damit den Weisungen des ZK der KPD nachkamen. In zahlreichen \u00f6rtlichen Gruppen stellen sie die Mehrheit der Vorstandsmitglieder. Vielfach wurde ihnen das dadurch m\u00f6glich, das sie nicht nur der DKP, sondern auch gleichzeitig anderen am B\u00fcndnis beteiligten Organisationen angeh\u00f6ren. Es kommt also vor, dass ein \u00f6rtlicher Vorstand zwar aus Vertretern aller beteiligten Gruppen gebildet wird, im Endergebnis aber fast alle Vorstandsmitglieder Kommunisten sind. Jedoch auch dort, wo sie zahlenm\u00e4\u00dfig keine Mehrheit besitzen, \u00fcben die Kommunisten dank ihrer gr\u00f6\u00dferen Disziplin und Geschlossenheit meist den ma\u00dfgebenden Einfluss aus. Die Aktivit\u00e4t der Kommunisten und ihr ma\u00dfgebender Einfluss in dem B\u00fcndnis wurde nicht nur von den Gegnern der ADF herausgestellt, sondern hat auch in Kreisen der nicht-kommunistischen Partner Unbehagen und Entt\u00e4uschung ausgel\u00f6st. Es wird immer deutlicher, dass die Kommunisten sich nicht mit der Rolle begn\u00fcgen, als einer unter vielen gleichberechtigten Partnern des B\u00fcndnisses zu wirken, sondern dass sie bestrebt sind, durch eine ausgesprochene Kaderpolitik das Wahlb\u00fcndnis in den Griff zu bekommen und f\u00fcr ihre eigenen politischen Ziele einzuspannen. Das zeigen auch die bisherigen Erkenntnisse \u00fcber die Kandidatenauswahl, die zur Zeit im Gange ist. Auch hierbei kommt den Kommunisten ihre bereits erw\u00e4hnte Taktik zugute, nicht nur offizielle Vertreter der DKP, sondern auch DKP-Angeh\u00f6rige als Vertreter anderer Organisationen w\u00e4hlen zu lassen. Die Wahl der Kandidaten soll in s\u00e4mtlichen Wahlkreisen bis sp\u00e4testens Ende M\u00e4rz erfolgt sein. Anschlie\u00dfend sollen dann auf Gro\u00dfveranstaltungen in allen Bundesl\u00e4ndern die Landeslisten erstellt werden. Im Wahlkampf will die ADF sich spezialisieren auf Hausbesuche, Flugblattverteilung, Aufbau von Informationsst\u00e4nden auf Marktpl\u00e4tzen, \u00f6ffentliche Veranstaltun-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 13 gen und vor allem auf gezieltes Ansprechen von Arbeitern, Studenten und Sch\u00fclern. Ferner will man in die Wahlversammlungen der bestehenden Parteien geschlossene Gruppen schicken, welche die vorgesehenen Reden verhindern und Diskussionen erzwingen sollen. Anfang M\u00e4rz soll eine Wahlillustrierte mit einer vorl\u00e4ufigen Auflage von 1,2 Millionen erscheinen. Au\u00dferdem soll bis zur Wahl monatlich ein Extrablatt in Zeitungsformat herauskommen. Nordrhein-Westfalen wird jeweils 500.000 Exemplare erhalten. Weiter sind im Rahmen des Wahlkampfes Kandidatenbriefe, Flugblattund Plakataktionen und Zeitungsinserate vorgesehen. Seit dem 1.1.1969 verf\u00fcgt die ADF \u00fcber ein B\u00fcro in Bonn, Bornheimer Stra\u00dfe 230. Dieses B\u00fcro gibt dreimal monatlich ein Mitteilungsblatt f\u00fcr die engeren Mitarbeiter und Vertrauensleute heraus. 1.2.9 Republikanische Clubs Bevor ich mich der sogenannten Protestbewegung in der Jugend zuwende, seien mir noch einige Worte \u00fcber die \"Republikanischen Clubs\" gestattet. Nach dem Muster des im Mai 1967 entstandenen \"Republikanischen Clubs Berlin\" wurden im Laufe des Jahres 1968 im ganzen Bundesgebiet in fast allen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten, aber auch in kleineren, insbesondere Universit\u00e4tsst\u00e4dten, \"Republikanische Clubs\" gegr\u00fcndet. Zur Zeit sind insgesamt 54 derartige Clubs, davon 24 in Nordrhein-Westfalen, bekannt. Die wesentlichen Ziele des Berliner Clubs wurden von den \u00fcbrigen Clubs im allgemeinen \u00fcbernommen, wobei jeweils \u00f6rtlich bedingte Themen hinzugenommen wurden. Insbesondere haben sich folgende Schwerpunkte herauskristallisiert: 1. Aktionen zur Durchsetzung des Programms der \"kritischen Universit\u00e4t\" 2. Aktionen zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Rolle des Springer-Konzerns in der Gesellschaft 3. Kampagne f\u00fcr die Anerkennung der \"DDR\" als Voraussetzung f\u00fcr eine europ\u00e4ische Friedensl\u00f6sung 4. Aktionen gegen den \"US-Krieg in Vietnam\" 5. Kampagne gegen die Notstandsgesetze. Bemerkenswert ist die fast \u00fcberall festzustellende Beteiligung von Angeh\u00f6rigen des SDS und anderer linksradikaler Studentenund Sch\u00fclervereinigungen. Dagegen ist die Arbeiterschaft verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig vertreten. Organisatorische Verbindungen zwischen den einzelnen Clubs sind selten festzustellen, eher schon pers\u00f6nliche Kontakte unter Mitgliedern verschiedener Clubs. Es liegen keine Erkenntnisse dar\u00fcber vor, dass die Gr\u00fcndung der \"Republikanischen Clubs\" auf kommunistische Initiative zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Andererseits stellen die Clubs naturgem\u00e4\u00df ein willkommenes Objekt kommunistischer Infiltrationsversuche dar. Erfolge sind jedoch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering. Die Ereignisse in der CSSR im August vorigen Jahres haben in zahlreichen Clubs zu Krisen gef\u00fchrt, die","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 14 vielfach bis heute noch nicht restlos \u00fcberwunden sind und sich teilweise l\u00e4hmend auf die T\u00e4tigkeit der Clubs ausgewirkt haben. Eine besondere Rolle spielt das \"Republikanische Centrum D\u00fcsseldorf\", das sich nicht nur durch seinen Namen von den \u00fcbrigen Clubs unterscheidet. Hier waren bereits bei der Gr\u00fcndung im Fr\u00fchjahr 1968 kommunistische Funktion\u00e4re ma\u00dfgebend beteiligt, die auch weiterhin ihren Einfluss geltend machen. Im Gegensatz zu den \u00fcbrigen \"Republikanischen Clubs\" kann in D\u00fcsseldorf von einer ausgesprochen kommunistisch gesteuerten Organisation gesprochen werden. Dem Vorstand geh\u00f6ren namhafte Vertreter der DKP an. 1.2.10 Sozialistischer Deutscher Studentenbund (SDS) Unter den linksextremen Kr\u00e4ften, die in der Jugend wirksam sind, steht der Sozialistische Deutsche Studentenbund (SDS) als der Haupttr\u00e4ger der studentischen Protestbewegung im Vordergrund des Interesses. Daneben sind der Sozialdemokratische Hochschulbund, der Liberale Studentenbund, die Humanistische Studentenunion und als Dachverband der Allgemeinen Studentenaussch\u00fcsse an den Hochschulen der Verband Deutscher Studentenschaften zu erw\u00e4hnen. Auch in ihnen sind linksextreme Tendenzen wirksam, die Aufmerksamkeit erregen, allerdings - noch - nicht in dem Ausma\u00dfe und der Intensit\u00e4t wie im SDS. Dieser versucht, die aus dem Bed\u00fcrfnis nach durchgreifenden Reformen unseres Hochschulwesens entstandene studentische Protestbewegung \u00fcber ihr urspr\u00fcngliches Ziel hinaus zu politisieren und zu radikalisieren, wobei dieses urspr\u00fcngliche Ziel f\u00fcr den SDS mehr und mehr zu einem blo\u00dfen Ankn\u00fcpfungspunkt revolution\u00e4rsozialistischer Bestrebungen und Aktionen wurde. Das gilt f\u00fcr alle wesentlichen im SDS wirksamen ideologischen Str\u00f6mungen. Gemeinsam ist ihnen die Ablehnung des bestehenden parlamentarischdemokratischen Systems; im Kampf gegen dieses System unterscheiden sie sich vorzugsweise in Fragen des taktischen Vorgehens: Die ganz Radikalen neigen dazu, die legalen Autorit\u00e4ten durch Azivilen Ungehorsam\", d.h. bewusste \u00dcbertretung bestehender Gesetze zu provozieren, um sie auf diese Weise zu Averunsichern\", w\u00e4hrend eine mehr orthodox marxistisch-leninistische Richtung, die auch Anlehnung an die DKP sucht und sich neuerdings \"Spartakus\" bzw. \"Assoziation marxistischer Studenten\" nennt, wegen der angestrebten Solidarisierung mit den Arbeitern gegen\u00fcber solchen Methoden eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung \u00fcbt. 1.2.11 M\u00f6gliche Radikalisierung des SDS In diesem Zusammenhang erscheint es bemerkenswert, dass zwei K\u00f6lner Wortf\u00fchrer dieser Richtung - allerdings ergebnislos - dazu aufgefordert haben sollen, man solle das amerikanische und das spanische Konsulat st\u00fcrmen, da offenbar Demonstrationen nicht mehr gen\u00fcgten. Hier zeichnet sich eine m\u00f6gliche Radikalisierung auch der vorzugsweise taktisch gem\u00e4\u00dfigteren Richtung ab, die bisher in Nordrhein-Westfalen vorherrschend war. Sollte eine solche Entwicklung anhalten, kann es auch bei uns mehr und mehr zu Gewaltaktionen kommen, die bisher besonders aus Berlin und Frankfurt bekannt waren. Au\u00dfer den eigentlichen hochschulbezogenen Aktionen m\u00fcssen nach den Erfahrungen der j\u00fcngsten Zeit auch die auf der letzten Bundesdelegiertenkonferenz im","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 15 September 1968 und ihrer Fortsetzung im November 1968 angek\u00fcndigten Kampagnen gegen die Justiz und die Bundeswehr sehr ernst genommen werden. Die Justizkampagne deswegen, weil Studenten, die sich vor dem Strafrichter zu verantworten haben, auch mancher Sympathien unter Kommilitonen sicher sein k\u00f6nnen, die sich sonst nicht besonders zu radikaler Aktivit\u00e4t hingezogen f\u00fchlen, und weil angesichts der formalen Strenge eines strafgerichtlichen Verfahrens in diesem Bereich provokatorische Gags besonders leicht und gut zu arrangieren sind. Die Bundeswehrkampagne deshalb, weil hier ein Ansatzpunkt gegeben ist, eine Solidarisierung mit pazifistischen Studenten und pazifistischen Organisationen sowie anderen Gruppen von Wehrdienstgegnern zu erreichen, z.B. der Kampagne f\u00fcr Demokratie und Abr\u00fcstung (KDA), die aus der Ostermarschbewegung entstand, und der Deutschen Friedensgesellschaft/Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG/IdK). Dabei ist zu beachten, dass studentische Einzelaktionen oft sehr spontan beschlossen und ausgef\u00fchrt werden. Deshalb sind Hinweise an die Polizei auf Grund von Informationen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden oft gar nicht oder nur kurzfristig m\u00f6glich. 1.2.12 Landesverband Nordrhein-Westfalen des SDS Der Landesverband Nordrhein-Westfalen des SDS tritt in der \u00d6ffentlichkeit und auch als F\u00fchrungszentrum f\u00fcr die nordrhein-westf\u00e4lischen SDS-Gruppen kaum nennenswert in Erscheinung. Im Vorstand des Landesverbandes hat in letzter Zeit die orthodoxe marxistisch-leninistische Richtung den Ton angegeben. Der Mitgliederstand der SDS-Gruppen im Landesbereich l\u00e4sst sich nur sch\u00e4tzen. Er d\u00fcrfte insgesamt bei ca. 200 bis 220 Mitgliedern liegen - einer angesichts der rd. 56.000 Universit\u00e4tsstudenten erstaunlich geringen Zahl -, die sich wie folgt auf die einzelnen Hochschulgruppen verteilt: Technische Hochschule Aachen: ca. 10 P\u00e4dagogische Hochschule Bielefeld: ca. 15 Ruhr-Universit\u00e4t Bochum: ca. 30 Ein gew\u00e4hlter Vorstand ist nach den derzeitigen Erkenntnissen nicht vorhanden; die Mitgliederversammlung w\u00e4hlt jeweils einen Diskussionsleiter. Universit\u00e4t Bonn: ca. 50 Universit\u00e4t K\u00f6ln: ca. 70 Auf Grund schwerer innerer Spannungen innerhalb dieser Gruppe, hervorgerufen im Wesentlichen durch die Bildung eines DKPHochschulausschusses in K\u00f6ln, ist derzeit eine von der Gruppe getragene Leitung nicht erkennbar. Das fr\u00fchere publizistische Organ des SDS K\u00f6ln \"Facit\" wird jetzt unabh\u00e4ngig von dieser Gruppe als - lt. Impressum - \"Zeitschrift marxistischer Studenten\" von einer Gruppe von SDS-Mitgliedern aus Nordrhein-Westfalen und anderen Bundesl\u00e4ndern herausgegeben und kann als das Sprachrohr der orthodoxen Marxisten-Leninisten angesehen werden. Sitz der Redaktion ist K\u00f6ln, wo die Zeitschrift auch gedruckt wird. Universit\u00e4t M\u00fcnster: ca. 30 bis 40 Kirchliche und P\u00e4dagogische Hochschule Wuppertal: ca. 20","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 16 1.2.13 Praktische Aktivit\u00e4t radikaler Studentengruppen \u00dcber die praktische Aktivit\u00e4t radikaler Studentengruppen, insbesondere des SDS, ist folgendes zu sagen: Die Situation in Nordrhein-Westfalen war bis zum Wintersemester 1968/69 relativ ruhig, wenn man einmal von der Beteiligung von Studenten an den Osterunruhen 1968 nach dem Attentat auf Dutschke und vereinzelten damit zusammenh\u00e4ngenden sp\u00e4teren Protestdemonstrationen absieht. Der sehr umfangreiche Bericht des \"Spiegel\" Nr. 7 vom 10.Februar 1969 unter dem Titel \"Gewalt gegen Gewalt\" erw\u00e4hnt denn auch weder \u00c4u\u00dferungen noch Aktionen von SDS oder anderen radikalen Studentenfunktion\u00e4ren aus Nordrhein-Westfalen. Hervorzuheben in diesem Zusammenhang ist allerdings die erkennbare Tendenz einer seit den Osterunruhen fortschreitenden Linksradikalisierung des Gesamtverbandes, wobei das offene Bekenntnis zur Gewalt sich auch nicht mehr auf Gewalt gegen Sachen beschr\u00e4nkt. In Berlin gingen SDS-Mitglieder so weit zu erkl\u00e4ren, Angriffe auf Ordnungsh\u00fcter wie Polizistenund, im Notstandsfalle, Soldaten - seien gar nicht Agegen Personen\", sondern Agegen Sachen\" gerichtet und daher zu billigen, denn: \"Polizisten sind zu Kn\u00fcppeln gewordene Menschen\". Im Verlauf des Wintersemesters 1968/69 ist die Politisierungsund Radikalisierungswelle auch an den nordrhein-westf\u00e4lischen Universit\u00e4ten nicht vor\u00fcbergegangen. Dies beweisen au\u00dfer den Berichten der jeweils betroffenen Polizeibeh\u00f6rden auch Informationen, die dem Kultusministerium von den Universit\u00e4tsverwaltungen zugegangen sind. Diese zeigen auch, wie zahlenm\u00e4\u00dfig klein die von den Radikalen bestimmte politisch aktive Gruppe unter den Studenten ist. So beteiligten sich zum Beispiel an der Sprengung einer Senatssitzung der Universit\u00e4t Bochum durch ein Ago in\" am 2.12.1968 50 von rund 8.000 in Bochum immatrikulierten Studenten; an der Abstimmung, die dieser Aktion vorausging, nahmen 78 Studenten teil. Im Wintersemester 1968/69 kam es bisher an den nordrheinwestf\u00e4lischen Universit\u00e4ten und Hochschulen insgesamt zu sieben studentischen Aktionen, bei denen die Polizei aktiv einschritt. 1.2.14 Aktionszentrum unabh\u00e4ngiger und sozialistischer Sch\u00fcler (AUSS) Im Zusammenhang mit dem SDS ist noch das Aktionszentrum unabh\u00e4ngiger und sozialistischer Sch\u00fcler (AUSS) zu erw\u00e4hnen. Das 1967 unter erheblichem Einfluss des SDS gegr\u00fcndete \"Aktionszentrum ...\" soll als Dachverband \u00f6rtlicher Sch\u00fclergruppen die Ideen des SDS im schulischen Bereich verbreiten helfen. 1.2.15 Unabh\u00e4ngige Sch\u00fclergemeinschaft Nordrhein-Westfalen (USG) Im Oktober 1967 bildete sich in unserem Lande eine Unabh\u00e4ngige Sch\u00fclergemeinschaft Nordrhein-Westfalen (USG), die sich dem AUSS als bisher einziger Landesverband anschloss. Dem dreik\u00f6pfigen Landesvorstand geh\u00f6ren zwei Mitglieder der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) an.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 17 1.2.16 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ, die der KPD/DKP sehr verbunden ist, schickt sich an, die L\u00fccke auszuf\u00fcllen, die durch das Verbot der FDJ in der kommunistischen Jugendarbeit entstanden war, wenngleich man nicht sagen kann, dass die SDAJ eine Nachfolgeund damit Ersatzorganisation der FDJ ist. Die im Mai 1968 auf Bundesund Landesebene gegr\u00fcndete \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ), die in ihrer Zielsetzung und im ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4rsk\u00f6rper ihre enge Anlehnung an die KPD (bzw. DKP) erkennen l\u00e4sst, hat im Laufe des Jahres 1968 ihren Aufbau im Wesentlichen abschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Sie hat im Landesbereich zur Zeit ca. 650 Mitglieder und gr\u00fcndete Gruppen in Bielefeld, Bochum, Dortmund, D\u00fcsseldorf, Duisburg, Gelsenkirchen, K\u00f6ln, Hilden, Velbert, M\u00fclheim, Herten, Siegen, Solingen und Wuppertal. Auch auf Ortsebene zeigt sich, dass die f\u00fchrenden Kr\u00e4fte weitgehend aus dem kommunistischen Bereich - vor allem der DKP - kommen. Bereits jetzt machen Einzelinformationen deutlich, dass dieser Jugendverband in der Folge vor allem mit folgenden Schwierigkeiten zu rechnen haben wird: Einmal mit dem Problem, Jugendliche anzusprechen und sie f\u00fcr die Ziele der Organisation zu begeistern. Wie aus Landesvorstandssitzungen bekannt wurde, macht sich schon kurz nach der Gr\u00fcndung der Gruppen eine gewisse Stagnation bemerkbar, weil die Vorst\u00e4nde nicht in der Lage sind, ein ansprechendes Programm f\u00fcr die Gruppenarbeit vorzulegen. Man denkt daran, die an einigen Orten mit der Gr\u00fcndung der SDAJ-Gruppen stillschweigend aufgel\u00f6sten Jugendclubs wieder aufleben zu lassen, um aus ihrem Interessentenkreis den Nachwuchs f\u00fcr die SDAJ zu gewinnen. Zum anderen musste auch die SDAJ erkennen, dass sich ihr nicht nur an Parteidisziplin gew\u00f6hnte, sondern auch einer Aantiautorit\u00e4ren\" Richtung zuneigende Kr\u00e4fte anschlossen, die sich destruktiv auf das Gruppenleben auswirkten. Es kam vereinzelt zu internen Machtk\u00e4mpfen sowie zu Ausschl\u00fcssen und Austritten. Bezeichnend ist, dass z.B. in K\u00f6ln extrem links tendierende Studenten erst aufgenommen werden sollten, nachdem ein arbeitsf\u00e4higer Vorstand gew\u00e4hlt war. Widerstand in den Gruppen richtet sich auch gegen die Anleitung durch die DKP wie etwa in Siegen, wo sich die Leitung der Gruppe \u00f6ffentlich gegen Beeinflussungsversuche \u00f6rtlicher DKP-Funktion\u00e4re wandte und mehrere der Vorstandsmitglieder einer pro-chinesischen KP-Gruppe beitraten. Nicht zuletzt zur \u00dcberwindung der aufgetretenen Schwierigkeiten hat der SDAJLandesvorstand im Januar 1969 einen Arbeitsplan f\u00fcr die Zeit bis zu den Bundestagswahlen beschlossen, der interne Ma\u00dfnahmen zur Konsolidierung der Organisation und Aktions-Schwerpunkte f\u00fcr folgende Anl\u00e4sse festgelegt: * Ostermarsch 1969 * 1. Mai (Tag der Arbeit) * 8. Mai (Tag der Kapitulation 1945) * Bundestagswahlkampf.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 18 Von den zahlreichen \u00f6rtlichen linksextremen Jungendclubs in unserem Lande haben einige mit der Gr\u00fcndung von entsprechenden SDAJ-Gruppen ihre T\u00e4tigkeit eingestellt, jedoch sind sie - noch - nicht restlos und auch nicht ohne Schwierigkeiten in der SDAJ aufgegangen.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 19 2 Bericht vor dem Innenausschu\u00df des Landtags NRW (Berichtsstand: 11. Dezember 1969) 2.1 Rechtsextremismus 2.1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands Der Rechtsradikalismus wird im Lande Nordrhein-Westfalen im wesentlichen von der NPD repr\u00e4sentiert. Das \u00fcbrige, organisatorisch stark zersplitterte nationalistische Lager wirkt zwar auch in unser Land hinein, ist aber gemessen an der Bev\u00f6lkerungsdichte und unter Einsch\u00e4tzung der politischen Wirksamkeit kaum von wesentlicher Bedeutung. Auch diesen Str\u00f6mungen wird zwar hinreichende Beachtung geschenkt, indem ihre Aufund Abw\u00e4rtsentwicklungen sorgf\u00e4ltig erfa\u00dft werden; sie stellen aber im Verh\u00e4ltnis zur NPD keinen Schwerpunkt dar. Zu einem gro\u00dfen Teil handelt es sich bei den Mitgliedern in diesen politischen, kulturellen und v\u00f6lkischen Splitterorganisationen ohnehin um Personen, die auch der NPD unmittelbar angeh\u00f6ren oder sich ihr verbunden f\u00fchlen. Bundestagswahl 1969 Die Bundestagswahlen waren der entscheidende Pr\u00fcfstein f\u00fcr die Substanz des rechtsradikalen W\u00e4hlerpotentials. Die NPD hatte sich zum Ziel gesetzt, mit einem Stimmenanteil von ca. 6 - 10 % als drittst\u00e4rkste Partei in den Bundestag einzuziehen. Dieses Ziel hat sie, wie wir wissen, nicht erreicht. Von besonderer Bedeutung f\u00fcr diesen Misserfolg war ihr schlechtes Abschneiden in Nordrhein-Westfalen; in diesem Lande wohnen bekanntlich ann\u00e4hernd 30 % der wahlberechtigten Bundesb\u00fcrger. Die NPD erhielt hier nur 3,1 % der abgegebenen Zweitstimmen und damit den niedrigsten Prozentsatz in einem Lande der Bundesrepublik (Im Bund NPDZweitstimmen: 4,3 %). Zur Wahlniederlage der NPD haben sicherlich die Aufkl\u00e4rung \u00fcber den rechtsradikalen Charakter der Partei, der Mangel an attraktiven Kandidaten, die Substanzlosigkeit der nationaldemokratischen Propaganda und nicht zuletzt der wirtschaftliche Aufschwung im Lande ma\u00dfgeblich beigetragen. Die Zunahme der NPD-Stimmen im Vergleich zur Bundestagswahl 1965 (1,1 %) beruht im wesentlichen darauf, da\u00df sich die NPD damals erst im Gr\u00fcndungsstadium befand und deshalb selbst f\u00fcr rechtsextreme Kreise noch suspekt und wenig anziehend war. Inzwischen konnte sie einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig aufwendigen Propagandaeinsatz verwirklichen. Das Potential dieser extrem rechten W\u00e4hlerschicht reicht jedoch nicht aus, der Partei \u00fcber die 5 %-H\u00fcrde zu helfen. Die NPD hatte sich von dem Einzug in den Deutschen Bundestag g\u00fcnstige Auswirkungen auf ihre k\u00fcnftige Entwicklung versprochen. Das Wahlergebnis wird deshalb von ihr als ein schwerwiegender R\u00fcckschlag betrachtet. Es bedeutet zugleich einen pers\u00f6nlichen Autorit\u00e4tsschwund f\u00fcr ihre Funktion\u00e4re. Unterhalb der Funktion\u00e4rsebene wirken sich Entt\u00e4uschung und Resignation besonders nachteilig aus. Die NPD steht somit nach der Bundestagswahl vor unerwarteten Schwierigkeiten:","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 20 In personeller Hinsicht sind die seit langem bestehenden Spannungen zwischen Adolf von Thadden und zahlreichen Spitzenfunktion\u00e4ren - insbesondere des bayrischen Landesverbandes - wieder aufgebrochen. Finanzsituation In finanzieller Hinsicht sieht sich die Partei pl\u00f6tzlich vor unerwartete Schwierigkeiten gestellt. Zwar wird sie (unter Einberechnung der bereits im Wahlkampf gezahlten Abschl\u00e4ge) aus der Wahlkampfkostenerstattung etwa 4 Millionen DM erhalten. Da die NPD aber einen wesentlich h\u00f6heren Betrag f\u00fcr ihre Wahlpropaganda ausgegeben hat (ihre Ausgaben waren auf ca. 6 % Zweitstimmen abgestellt), ist ihr ein erhebliches Defizit entstanden. In organisatorischer Hinsicht ist die NPD nunmehr zu erheblichen Sparma\u00dfnahmen gezwungen. Das Bonner B\u00fcro der Partei ist bereits aufgel\u00f6st worden. Einem Teil der hauptamtlichen Mitarbeiter wurde gek\u00fcndigt; einige sind vom DN-Verlag \u00fcbernommen worden. \u00dcbrigens fordern mehrere Landesverb\u00e4nde nunmehr eine Umstrukturierung der Beteiligungsverh\u00e4ltnisse an der DN-GmbH in Richtung auf den NPD-Bundesvorstand, ohne R\u00fccksicht auf dessen personelle Zusammensetzung. In zukunftsbezogener Hinsicht erscheint Folgendes von nicht unerheblicher Bedeutung: Die Parteif\u00fchrung hatte urspr\u00fcnglich gehofft, aus der Wahlkampfkostenerstattung noch rund zwei Millionen DM f\u00fcr die Landtagswahlk\u00e4mpfe im kommenden Jahr in Hamburg, im Saarland, in Hessen, in Bayern und in NordrheinWestfalen zur\u00fccklegen zu k\u00f6nnen. Da die Parteikasse z. Z. aber leer ist, sieht sie kaum noch eine M\u00f6glichkeit, wie sie sich erfolgreich in die 1970 anstehenden Wahlen einschalten k\u00f6nnte. Positiv hat sie sich bisher nur f\u00fcr eine Teilnahme an der Wahl in Hamburg entschieden. In politischer Hinsicht d\u00fcrfte die NPD es schwer haben, ihr angeschlagenes Image bei Mitgliederund Anh\u00e4ngerschaft wieder aufzubessern. Allerdings haben es ihre Funktion\u00e4re mit einer demagogischen Publizistik auch fr\u00fcher - als sie noch die DRP vertraten - stets verstanden, eine neue Plattform zu finden. Anstatt bei sich selbst nach politischen Fehlleistungen zu suchen, versucht sie ihre Mitglieder zun\u00e4chst einmal mit einer Wahlanfechtung zu beeindrucken. Die G\u00fcltigkeit der Bundestagswahl wird von ihr aufgrund der \"Summe der eindeutigen Wahlbehinderungen, denen die NPD ausgesetzt war, sowie wegen der st\u00e4ndigen Verletzung des Gleichheitsgebotes der Verfassung\" angefochten. Dieser Beschlu\u00df wurde vom Parteipr\u00e4sidium bereits am 4. Oktober 1969 gefa\u00dft. Inzwischen sind alle Verb\u00e4nde aufgefordert worden, mit konkretem Material zur Beweismittelsammlung beizutragen. Die NPD rechnet damit, da\u00df ihre Anfechtung vom Wahlpr\u00fcfungsausschu\u00df verworfen wird. In einem solchen Fall will sie Klage beim Bundesverfassungsgericht erheben. Das Ziel ist eine Wiederholung der Wahl \"unter demokratischen Bedingungen\", wie sie es ausdr\u00fcckt. Bundesparteitag der NPD \u00dcber den weiteren Weg der NPD h\u00e4tte der Bundesparteitag in Saarbr\u00fccken am 14./16.11.1969 Aufschlu\u00df geben k\u00f6nnen, der bekanntlich kurzfristig verboten wurde. Der Streit zwischen der Thadden-Gruppe und ihren Gegnern hatte sich vor dem Parteitag weiter zugespitzt. Die Gegengruppe unter F\u00fchrung der bayrischen Spitzenfunktion\u00e4re lehnte die Forderung v.Thaddens ab, man solle verbindlich er-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 21 kl\u00e4ren, nicht gegen ihn zu kandidieren. Die gemeinsame Tagung des Parteivorstandes, der Landesverb\u00e4nde und der Kreisvorsitzenden, auf der die internen Auseinandersetzungen wahrscheinlich ihren H\u00f6hepunkt erreicht h\u00e4tten, konnte wegen des Parteitagsverbots nicht mehr stattfinden. Der alte Parteivorstand bleibt nunmehr im Amt, bis es gelingt, einen neuen Parteitag abzuhalten, und damit hat man es angesichts der Situation offensichtlich nicht eilig. Die Stellung von Thaddens ist durch das Parteitagsverbot zweifellos gefestigt worden. - Die Partei hat mittlerweile die Delegierten zur Vorbereitung einer Klage aufgefordert, ihre Schadensersatzforderungen gegen die Stadt Saarbr\u00fccken zu beziffern. Auf diese gesetzlich vorgesehene M\u00f6glichkeit hat das Verwaltungsgericht Saarbr\u00fccken ausdr\u00fccklich hingewiesen. Kommunalwahlergebnisse der NPD in NW In Nordrhein-Westfalen pr\u00e4sentierte sich die NPD nach der Bundestagswahl erstmalig wieder der \u00d6ffentlichkeit bei den Kommunalwahlen am 09.11.1969. Sie trat zwar nur in wenigen St\u00e4dten, Landkreisen und Gemeinden auf, erlitt jedoch trotz Wahlunterst\u00fctzungen aus den Nachbarkreisen eine weitere schwere Niederlage mit folgenden Ergebnissen: Kreisfreie St\u00e4dte: Kommunalwahl: Bundestagswahl: D\u00fcsseldorf 4.704 = 1,6 % 13.911 = 3,6 % Hamm 979 = 2,2 % 10.714 = 3,4 % K\u00f6ln 2.768 = 0,8 % 13.345 = 2,9 % Leverkusen 753 = 1,6 % 1.742 = 2,9 % Iserlohn 725 = 2,8 % 1.474 = 4,4 % Landkreise und Gemeinden: Kreistag Halle und 1.149 = 3,4 % 2.330 = 6% Gemeinden: Bockhorst kein Sitz Brockhagen 108 = 7,0 % (1 Sitz) Hesseln kein Sitz Loxten 102 = 6,9 % (1 Sitz) Schr\u00f6ttinghausen kein Sitz * K\u00f6lkebeck kein Sitz * Kreistag Lemgo 3.253 = 4,2 % 4.991 = 5,4 % Kreistag L\u00fcbbecke 2.225 = 4,9 % 3.710 = 7,2 % Kreistag Unna 2.907 = 2,6 % 5.449 = 4,1 % und Gemeinde B\u00f6nen 242 = 2,6 % * Kreisangeh\u00f6rige Stadt 566 = 2,6 % Kamen Kreisangeh\u00f6rige Stadt Unna 1.102 4,2 % * * Keine Vergleichszahlen vorhanden Die NPD verf\u00fcgt damit z. Z. in Nordrhein-Westfalen nur noch \u00fcber 11 (bisher 22) Mandate in Kommunalparlamenten, und zwar aus der Neugliederungswahl im M\u00e4rz im Landkreis L\u00fcdenscheid 3, Stadt L\u00fcdenscheid 3, Stadt Lemgo 3 sowie neuerdings in den vorgenannten Gemeinden Brockhagen und Loxten (ca. je 3.000 Einwohner). Parteitag des NPD-Landesverbandes Unbeachtet von der \u00d6ffentlichkeit und v\u00f6llig invertiert fand am 30.11.1969 in Soest der diesj\u00e4hrige Parteitag des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen statt. Es hatten sich neben 186 Delegierten ca. 100 G\u00e4ste aus der Partei, darunter Adolf von Thadden, eingefunden. In seinem Rechenschaftsbericht erkl\u00e4rte der resignie-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 22 rende bisherige Landesvorsitzende, da\u00df der Landesverband (ohne Kreisverb\u00e4nde) noch ca. 50.000,00 DM Schulden abzutragen habe. Auf den Verlauf der Vorstandswahl nahm er entscheidenden Einflu\u00df. Bei den gew\u00e4hlten 10 Beisitzern handelt es sich \u00fcberwiegend um j\u00fcngere NPD-Funktion\u00e4re; 5 hiervon geh\u00f6rten bereits der ehemaligen rechtsradikalen DRP an. Auf dem Landesparteitag wurde ferner beschlossen, die NPD-Gesch\u00e4ftsstelle von Bielefeld wieder nach D\u00fcsseldorf zu verlegen. Eine definitive Entscheidung \u00fcber eine Beteiligung an der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen ist auf dem Landesparteitag nicht gefallen. Hierzu ist zu bemerken, da\u00df die NPD sehr wohl wei\u00df, da\u00df die Arbeit in vielen Kreisverb\u00e4nden Nordrhein-Westfalens stagniert und zum Teil v\u00f6llig zum Erliegen gekommen ist. Nur wenige Kreisverb\u00e4nde zeigen z. Z. noch eine gewisse Aktivit\u00e4t. Der Arbeitsschwung ist aber auch hier durch das niederschmetternde Ergebnis bei der Kommunalwahl gebremst worden. Es bleibt abzuwarten, ob sich die Kreisverb\u00e4nde bei z. Z. leeren und zum Teil \u00fcberschuldeten Kassen und bei dem angeschlagenen Image der Partei insgesamt wieder soweit regenerieren k\u00f6nnen, da\u00df sie sich zu einer Teilnahme an den Landtagswahlen aufraffen. Ohne Unterst\u00fctzung durch den Bundesvorstand d\u00fcrften die Erfolgschancen von vornherein schlecht sein. Bei dem Fanatismus der neugew\u00e4hlten Landesvorstandsfunktion\u00e4re erscheint es jedoch keineswegs ausgeschlossen, da\u00df man sich unter allen Umst\u00e4nden an der Wahl beteiligen m\u00f6chte. Eine solche Tendenz klang jedenfalls auf dem Landesparteitag bereits durch. Entwicklungstendenzen Abschlie\u00dfend kann festgestellt werden: Die NPD bleibt eine Partei mit einer Erfolgschance in wirtschaftlichen Krisenzeiten. Je gef\u00e4hrdeter die wirtschaftliche Lage erscheint, desto gr\u00f6\u00dfer sind die Wahlaussichten der Rechtsradikalen. Das gilt sowohl konjunkturell als auch strukturell: In wirtschaftlich starken L\u00e4ndern wie Nordrhein-Westfalen ist die NPD verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig schwach, in wirtschaftlich schwachen L\u00e4ndern ist sie relativ stark. Im Bundesdurchschnitt liegt der harte Kern der NPD-W\u00e4hler bei 4 - 5 Prozent. Das sind etwa 1,2 Millionen W\u00e4hler, mit denen die Rechtsradikalen selbst in wirtschaftlich guten Zeiten in der Bundesrepublik rechnen k\u00f6nnen. Auch in Zukunft mu\u00df diese Partei daher ernst genommen werden. Alles andere w\u00e4re ein politischer Irrtum, der weitreichende Folgen haben k\u00f6nnte. 2.2 Linksradikalismus 2.2.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Im Mittelpunkt des sogenannten konventionellen Linksradikalismus steht die im September 1968 in Frankfurt/Main neukonstituierte Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die inzwischen ihren organisatorischen Aufbau abgeschlossen hat und sich nunmehr in zunehmendem Ma\u00dfe bem\u00fcht, auf die politische Entwicklung in Nordrhein-Westfalen einzuwirken. Von besonderer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, da\u00df der auf dem 1. DKP-Parteitag in Essen (April 1969) gew\u00e4hlte Parteivorstand seinen Sitz in D\u00fcsseldorf hat. Er verf\u00fcgt hier \u00fcber ein eigenes gro\u00dfes B\u00fcrogeb\u00e4ude, in dem das 9k\u00f6pfige Parteipr\u00e4sidium, die","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 23 Schiedsund die Revisionskommissionen sowie die wichtigsten Referate und Fachkommissionen des Parteivorstandes residieren und die 5 DKPLandesorganisationen und 8 DKP-Bezirksorganisationen in der Bundesrepublik anleiten. DKP in NRW Nordrhein-Westfalen ist in die Parteibezirke \"Rheinland-Westfalen\" und \"RuhrWestfalen\" gegliedert. Die Bezirksvorst\u00e4nde, die ebenfalls \u00fcber eigene B\u00fcrogeb\u00e4ude in D\u00fcsseldorf und Essen verf\u00fcgen, setzen sich aus 57 (Rheinland-Westf.) bzw. 60 (Ruhr-Westf.) Mitgliedern zusammen. Der Parteivorstand hat angeordnet, da\u00df in den L\u00e4ndern, in denen lediglich Bezirksorganisationen bestehen, als gemeinsames Gremium und zur Koordinierung der landespolitischen Aufgaben ein \"Ausschu\u00df f\u00fcr Landespolitik\" aus Vertretern der Bezirksvorst\u00e4nde gebildet werden soll. F\u00fcr Nordrhein-Westfalen ist die Konstituierung des Ausschusses f\u00fcr 1970 vorgesehen. Seine wesentliche Aufgabe besteht darin, die Vorarbeiten zur Landtagswahl in NW zu leisten, an der sich die DKP - wie bei der Kommunalwahl im November 1969 - mit eigenen Kandidaten und eigener Landesliste beteiligen will. Auf der \u00f6rtlichen Ebene, d.h. unterhalb der beiden Bezirke, verf\u00fcgt die DKP \u00fcber 44 Kreisund Gebietsorganisationen. Besondere organisatorische Schwerpunkte sind die St\u00e4dte D\u00fcsseldorf, Duisburg, Wuppertal, Essen, Remscheid, Solingen, Bochum sowie die Kreise Moers, Rhein-Wupper und Bergheim/Erft. Insgesamt sind in der DKP-Parteiorganisation Nordrhein-Westfalens ca. 8.000 - 9.000 Mitglieder zusammengefa\u00dft. Das ist etwa die H\u00e4lfte der DKP-Mitgliedschaft im Bundesgebiet, die auf etwa 17.000 bis 19.000 Mitglieder gesch\u00e4tzt wird. Ein bedeutungsvoller Faktor der Parteiorganisation sind die DKP-Betriebsgruppen, deren Zahl sich in NW auf \u00fcber 50 bel\u00e4uft. Schwerpunkte der kommunistischen Betriebsgruppenarbeit sind die Gro\u00dfunternehmen der Metallindustrie, des Bergbaus und der \u00f6ffentlichen Hand (Versorgungsund Verkehrsbetriebe). Die St\u00e4rke der Betriebsgruppen reicht von ca. 5 bis 30 Parteimitglieder. Publizistik der DKP Die T\u00e4tigkeit der Parteiorganisation wird von der DKP-eigenen Publizistik unterst\u00fctzt, die inzwischen einen beachtlichen Umfang angenommen hat: Seit April 1969 erscheint die Wochenzeitung \"Unsere Zeit\" (UZ), die von dem DKP-Vorsitzenden herausgegeben wird und als Zentralorgan der DKP anzusehen ist. Die Zeitung hat eine Auflage von 65.000 verkauften Exemplaren und erscheint in 5 Regionalausgaben. Sitz der Hauptredaktion ist Essen. Die \"UZ\" unterh\u00e4lt Landesund Bezirksredaktionen in Duisburg, Kiel, Hamburg, Bremen, Hannover, Frankfurt/M., Mainz, Saarbr\u00fccken, Stuttgart, N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen sowie Korrespondentenb\u00fcros in Ostberlin und Moskau. Daneben gibt der Parteivorstand der DKP in relativ hoher Auflage den \"DKP-Pressedienst\", die \"DKP-Informationen\" sowie die zentrale Schrift \"praxis\" heraus. Als weitere Organe der DKP auf Bundesebene sind die \"Bonner-Korrespondenz\" (Redakteur ist der DKPPressesprecher) und das theoretische Organ \"Marxistische Bl\u00e4tter\" anzusehen. Die Landesund Bezirksorganisationen verfassen ebenfalls eigene periodische Schriften. So erscheint in NW ein vom DKP-Bezirksvorstand Rheinland-Westfalen verbreiteter \"Pressedienst\", der sich vornehmlich mit landespolitischen Fragen befa\u00dft. Ein politisch bedeutungsvoller Bestandsteil der kommunistischen Publizistik","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 24 sind die DKP-Betriebsgruppenzeitungen. In Nordrhein-Westfalen erscheinen 30 Zeitungen dieser Art, die haupts\u00e4chlich von den DKP-Kreisleitungen herausgegeben werden. DKP-Schulungseinrichtungen Neben der Parteiorganisation und den kommunistischen Presseorganen sind als \"3. S\u00e4ule\" der Partei die DKP-Schulungseinrichtungen anzusehen. Die DKP hat ein \"Institut f\u00fcr marxistische Studien und Forschungen\" und einen \"Verein zur F\u00f6rderung der Forschung und des Studiums der Sozialwissenschaften\" gegr\u00fcndet, die sich mit den ideologischen Grundlagen der Partei und mit gesellschaftspolitischen Grundsatzfragen befassen. F\u00fcr die Schulung der Parteimitglieder auf \u00f6rtlicher Ebene bestehen in Nordrhein-Westfalen etwa 30 - 40 \"marxistische Studiengruppen\" (im Bundesgebiet etwa 60), die in der Spitze zu der Dachorganisation \"Marxistische Arbeiterbildung\" (MAB) mit Sitz in Frankfurt/M. zusammengefa\u00dft sind. Am 15.11.1969 wurde in D\u00fcsseldorf als regionale Organisation der MAB f\u00fcr den Bereich des DKP-Bezirks \"Rheinland-Westfalen\" die \"Marxistische Bildungsgemeinschaft NW\" gegr\u00fcndet. Es ist damit zu rechnen, da\u00df demn\u00e4chst eine \u00e4hnliche Zusammenfassung der Studiengruppen im DKP-Bezirk \"Ruhr-Westfalen\" erfolgt. Der DKP-Bezirksvorstand hat bereits in Dortmund ein Haus gekauft, das haupts\u00e4chlich Schulungszwecken dienen soll. Im Bereich der Mitgliederschulung arbeiten die zentralen Bildungseinrichtungen eng mit Institutionen der SBZ und der Sowjet-Union zusammen. So beginnt Anfang Januar 1970 der 1. Lehrgang der DKP (2 Semester) am Franz-MehringInstitut der Universit\u00e4t Leipzig. Die Durchf\u00fchrung einsemestriger Kurse und Spezialseminare an diesem Institut sind geplant. Auch sind Anhaltspunkte daf\u00fcr vorhanden, da\u00df in der UdSSR Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Spitzenfunktion\u00e4re der DKP stattfinden. So sind im Oktober 1969 die ersten Teilnehmer zum 1. Jahreslehrgang der DKP nach Moskau abgereist. Die Parteimitglieder haben den Auftrag, sich nicht bei der Partei, sondern bei der \"Marxistischen Arbeiterbildung\" in Frankfurt/M. zu melden. Damit soll der Eindruck entstehen, da\u00df es sich bei den genannten Bildungseinrichtungen um selbst\u00e4ndige Organisationen und nicht um Bestandteile der DKP handelt. Ziele der DKP in NRW Ausgehend von diesem relativ breiten organisatorischen Fundament sind die Bem\u00fchungen der DKP in Nordrhein-Westfalen darauf gerichtet 1. mit Hilfe vor allem der DKP-Betriebsgruppen und durch erh\u00f6hte Aktivit\u00e4t in den Gewerkschaften die Arbeiterschaft in den industriellen Ballungsgebieten anzusprechen. Dabei stehen lohnund sozialpolitische Forderungen im Vordergrund. Die DKP ist \u00fcberzeugt, da\u00df seit den wilden Streiks weite Teile der Industriearbeiterschaft bereit sind, zur Durchsetzung dieser Forderungen Kampfma\u00dfnahmen zu ergreifen. 2. bei den Landtagswahlen 1970 zumindest einen Achtungserfolg zu erzielen. Im Gegensatz zu dem f\u00fcr sie entt\u00e4uschenden Ausgang der Bundestagswahl wertet sie ihr selbst\u00e4ndiges Auftreten bei der Kommunalwahl als Erfolg. Dieser Umstand hat den Ausschlag daf\u00fcr gegeben, da\u00df sie bei den Landtagswahlen nicht im Rahmen eines sogenannten \"Demokratischen Wahlb\u00fcndnisses\", sondern mit eigenen Kandidaten auftreten wird.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 25 2.2.2 \u00dcbrige linksradikale Organisationen Von den \u00fcbrigen linksradikalen Organisationen ist als erste die \"Aktion Demokratischer Fortschritt\" (ADF) zu nennen, die sich als kommunistisch orientierte und praktisch von der DKP gef\u00fchrte Volksfrontpartei - wie bekannt - mit \u00e4u\u00dferst geringem Erfolg an den Bundestagswahlen beteiligte. Sie erzielte im Landesdurchschnitt 0,7 % der Zweitstimmen gegen\u00fcber 1,3 % DFU-Zweitstimmen 1965 und 2 % 1961. Als relative \"Schwerpunkte\" der ADF sind zu nennen die Wahlkreise Solingen (2,2 %), Remscheid (1,6 %), Castrop-Rauxel-Herne 1,4 %, Wuppertal II, D\u00fcsseldorf II, Gelsenkirchen I und Bottrop-Gladbeck mit je 1,3 % der abgegebenen Zweitstimmen. Bei den Kommunalwahlen, an denen sich - wie anfangs erw\u00e4hnt - zum ersten Mal die DKP in einer Anzahl von ausgew\u00e4hlten Gemeinden beteiligte, hatten zwei W\u00e4hlergemeinschaften auf ADF-Basis und au\u00dferdem in einigen Gemeinden die DFU Kandidaten aufgestellt. In Gronau erzielte die \"Demokratische W\u00e4hlergemeinschaft\" f\u00fcr den Kreistag 2,2 %, im Rhein-Wupperkreis die W\u00e4hlergemeinschaft \"Demokratischer Fortschritt\" 1,0 % der Stimmen. Die DFU kandidierte au\u00dfer in Herne, wo sie 2,5 % gegen\u00fcber 4,0 % der Stimmen im Jahre 1964 erhielt, noch in zwei kleineren Gemeinden (Pelkum und Gescher); auch hier war ihr Stimmenanteil r\u00fcckl\u00e4ufig. Bei den kommenden Landtagswahlen m\u00f6chten nichtkommunistische DFU-Kreise wohl, da\u00df die Friedensunion als eine Art radikal-demokratische, b\u00fcrgerliche Linkspartei neben der DKP antritt. Ob es dazu kommt, ist zur Zeit noch v\u00f6llig offen. Mit entscheidend d\u00fcrfte hier sein, ob und inwieweit die DKP ihre Kandidatenlisten auch f\u00fcr (in ihrem Sinne) fortschrittliche -nichtkommunistische Einzelbewerber offen h\u00e4lt. Entsprechende Absichtserkl\u00e4rungen der DKP liegen vor. Das schlechte Abschneiden der au\u00dferhalb der DKP organisierten Linksradikalen bei den letzten Wahlen in unserem Lande darf aber gleichfalls nicht zu der Annahme f\u00fchren, da\u00df ihren Bestrebungen deswegen keine Aufmerksamkeit mehr geschenkt werden brauche: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Zun\u00e4chst ist auf die intensive Agitation hinzuweisen, die die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) unter der werkt\u00e4tigen Jugend entfaltet. Diese Organisation, die im November d.J. in D\u00fcsseldorf eine Delegiertenkonferenz zur Vorbereitung des 2. Bundeskongresses am 13./14.12.1969 in Dortmund veranstaltete, liegt insgesamt auf der Linie der DKP und des Marxismus-Leninismus Moskauer Observanz. Allerdings gibt es in ihr auch pro-chinesische und \"antiautorit\u00e4re\" Str\u00f6mungen. Letztere haben zu einer Spaltung der Wuppertaler Gruppe gef\u00fchrt, wo die \"Antiautorit\u00e4ren\" eine Unabh\u00e4ngige SDAJ - jetzt Revolution\u00e4re Sozialistische Jugend (RSJ) - gr\u00fcndeten. Anla\u00df dazu war u.a. das Auftreten von Vertretern dieser Gruppe w\u00e4hrend eines \"Treffens junger Sozialisten\" in Ostberlin, das die FDJ anl\u00e4\u00dflich des 20. Jahrestages der DDR veranstaltete. Wegen ihres schlechten Auftretens wurden die \"antiautorit\u00e4ren\" Wuppertaler SDAJler in ostberliner Gastst\u00e4tten entweder nicht erst eingelassen oder z. B. mit dem Bemerken hinausgewiesen, sich erst einmal die Haare schneiden zu lassen.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 26 \"antiautorit\u00e4re\" Linke Die \"antiautorit\u00e4re\" Linke, voran der SDS, befindet sich - durchaus als logische Folge ihres z. T. aus dem Anarchismus entlehnten ideologischen Selbstverst\u00e4ndnisses - organisatorisch in einem desolaten Zustand. Dabei darf man sich jedoch nicht ohne weiteres beruhigen: ihr spontan hervortretender Aktionismus setzt sie instand, bei jedem sich bietenden Anla\u00df spektakul\u00e4r in Erscheinung zu treten. Beispiele hierf\u00fcr wie etwa das Auftreten dieser Gruppen in Westberlin und Frankfurt anl\u00e4\u00dflich der Vietnam-Demonstration Mitte November - sind allerdings bisher aus Nordrhein-Westfalen kaum bekannt. Bei der Beobachtung dieser Gruppen, die zwar in unserem Lande nicht so aufsehenerregend wirksam werden konnten wie in anderen Bundesl\u00e4ndern, aber doch wegen des \u00fcberregionalen Zusammenhanges der studentischen Protestbewegung auch hier eine potentielle Gefahr darstellen, ist ohne eingehendere Informationen nicht auszukommen. Im einzelnen ist zur APO im Sinne einer Schilderung der Schwerpunkte dieses sehr weiten, vielgestaltigen und wenig \u00fcbersichtlichen Bereiches linksradikaler Aktivit\u00e4t folgendes zu sagen: Nach dem derzeitigen Erkenntnisstand kann beim SDS von einer festgef\u00fcgten Organisation nicht mehr gesprochen werden. Drei der f\u00fcnf Mitglieder des Bundesvorstandes sind k\u00fcrzlich aus diesem Vorstand ausgeschieden, um wieder in ihren Basis-Gruppen arbeiten zu k\u00f6nnen. Der f\u00fcr Herbst 1969 vorgesehene Bundeskongre\u00df mu\u00dfte auf Anfang 1970 verlegt werden, weil keine Aussicht bestand, ihn bei der derzeitigen Situation im SDS mit Erfolg durchzuf\u00fchren. Die Situation im Landesbereich Nordrhein-Westfalen stellt sich wie folgt dar: Der nordrhein-westf\u00e4lische Landesverband des SDS ist schon seit l\u00e4ngerer Zeit nicht mehr aktiv in Erscheinung getreten. Das h\u00e4ngt damit zusammen, da\u00df er in den H\u00e4nden des KP-orientierten SDS-Fl\u00fcgels war und von den \"Antiautorit\u00e4ren\" offenbar als f\u00fcr ihre Absichten nicht verwendbar angesehen und fallengelassen wurde. \u00dcber die \u00f6rtlichen Gruppen ist aus letzter Zeit im wesentlichen bekannt: Aachen Die Gruppe tritt nur selten noch \u00f6ffentlich in Erscheinung. Sie hat jedoch Einflu\u00df auf den AStA der TH. Bielefeld (Kirchliche Hochschule) Die immer nur kleine Gruppe ist nicht mehr aktiv. Bochum Es besteht noch eine Gruppe mit ca. 50 Mitgliedern, die einigen Einflu\u00df im AStA der Ruhruniversit\u00e4t hat und auch in der Redaktion der \"Bochumer Studenten Zeitung\" vertreten ist. Die Gruppe ist intern recht aktiv, hat jedoch erhebliche organisatorische Schwierigkeiten. Es bestehen Anzeichen daf\u00fcr, da\u00df ein Teil der Gruppe wegen der mangelnden Organisation zur KPD/ML tendiert.","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 27 Anmerkung zur KPD/ML: Die KPD/ML wurde Ende 1968 in Hamburg von einem ehemaligen KPDFunktion\u00e4r gegr\u00fcndet. Sie bekennt sich zum Kommunismus chinesischer Pr\u00e4gung und hat im Bundesgebiet etwa 1.000 Mitglieder. Im Januar 1969 wurde in Nordrhein-Westfalen ein Landesverband gegr\u00fcndet. Dieser bem\u00fcht sich, in einigen St\u00e4dten Ortsgruppen oder Kreisverb\u00e4nde aufzubauen. Bonn \u00dcber diese Gruppe sind im Laufe des Jahres nur wenige Informationen angefallen. K\u00f6ln Eigenst\u00e4ndig tritt die Gruppe kaum noch auf. Funktion\u00e4re der Gruppe waren jedoch an studentischen Aktionen in der Universit\u00e4t beteiligt. Auch tauchte die Bezeichnung SDS mehrfach bei Veranstaltungen als Mitveranstalter (zuletzt am 15.11.) auf. Nach letzten Informationen haben sich Mitglieder des SDS zu einer Kommune zusammengeschlossen. M\u00fcnster Die Gruppe ist nicht mehr aktiv. Mitglieder der Gruppe sind jedoch an studentischen Aktionen immer noch beteiligt. Siegen Keine Aktivit\u00e4t. \u00dcber SDS-Mitglieder bestehen jedoch Kontakte zum SDSBundesvorstand, wie im Sommer 1969 bei Aktionen des RC Siegen erkennbar wurde. Die ideologischen Diskussionen, aber auch Aktionsplanungen finden im \u00fcbrigen in einer Vielzahl von sog. Projektund Basisgruppen sowie \"Roten Zellen\" statt, wobei von dort aus auch Verbindungen zur arbeitenden Jugend (Lehrlingskomitees) und zu Sch\u00fclergruppen gesucht bzw. gepflegt werden. Linksradikal beeinflu\u00dfte Lehrlingskomitees In Nordrhein-Westfalen gibt es etwa 10 Lehrlingskomitees, die unter linksradikalem Einflu\u00df stehen, allerdings vorwiegend unter dem Einflu\u00df der dem \"konventionellen\", KP-orientierten Linksradikalismus zuzurechnenden SDAJ. An linksradikalen, vor allem unter dem Einflu\u00df des SDS-nahen \"Aktionszentrums Unabh\u00e4ngiger und Sozialistischer Sch\u00fcler\" (AUSS) arbeitenden Sch\u00fclergruppen gibt es ca. 25 in unserem Lande. Bei dem Versuch, den \"antiautorit\u00e4ren\" linksextremen Gruppen einen gewissen Zusammenhalt zu geben, spielt ein Kreis um die Westberliner APO(und SDSnahe) Zeitschrift \"Rote Pressekorrespondenz\" eine f\u00fchrende Rolle. \"Spartakus-Assoziation Marxistischer Studenten\" (AMS) Der orthodoxe, DKP-orientierte Marxismus-Leninismus Moskauer Richtung hat im Bereich der radikalen Studentenbewegung inzwischen eine selbst\u00e4ndige organisa-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 28 torische Basis gefunden. Es handelt sich um die Anfang 1969 gegr\u00fcndete Vereinigung \"Spartakus-Assoziation Marxistischer Studenten\" (AMS). Sie kennt nach einer in ihrem Publikationsorgan \"Facit\" abgedruckten Erkl\u00e4rung * SDS-Gruppen, die insgesamt marxistische Positionen vertreten, * marxistische Fraktionen in SDS-Gruppen und * Gruppen marxistischer Studenten au\u00dferhalb des SDS. Die AMS hat sich bisher nur \u00f6rtlich und nicht auf Bundesebene konstituiert. Die einzelnen Gruppen stehen jedoch in Verbindung und f\u00fchren Beratungen auf Bundesebene durch, wobei die M\u00fcnchener Gruppe, die auch das Organ der AMS \"Rote Korrespondenz\" und die \"Roten Bl\u00e4tter\" herausgibt, gewisse zentrale Funktionen \u00fcbernommen hat. Z. Z. bestehen im Bundesgebiet ca. 17 Spartakus-Gruppen, hiervon sechs in Nordrhein-Westfalen (Bochum, Bonn, D\u00fcsseldorf, Essen, K\u00f6ln, M\u00fcnster, Wuppertal). Die urspr\u00fcnglich dazugeh\u00f6rende Gruppe M\u00fcnster hat inzwischen ihre Aufl\u00f6sung beschlossen. Der gr\u00f6\u00dfere Teil der Mitglieder will sich der DKPHochschulgruppe anschlie\u00dfen. Im \"antiautorit\u00e4ren\" Rest-SDS zeigen sich bei den organisatorisch disziplinierteren Teilen Tendenzen, ihre politische Heimat in der KPD/ML zu suchen. Anti-Bundeswehr-Kampagne Bevorzugtes Zielobjekt aller linksradikalen Bestrebungen ist die Bundeswehr. Dabei tritt der prinzipielle Pazifismus zunehmend gegen\u00fcber einer an Denkkategorien des Marxismus-Leninismus geschulten politisierten Kampagne gegen die Bundeswehr und das NATO-B\u00fcndnis zur\u00fcck. Neben der noch mehr pazifistisch eingestellten Deutschen Friedensgesellschaft - Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-IdK - inzwischen fusioniert -) ist im Zusammenhang mit der Anti-Bundeswehr-Kampagne besonders der Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) hervorzuheben, der fr\u00fcher sozusagen \"rechts\" von der IdK stand. Jetzt ist der VK, der zunehmend unter den Einflu\u00df des SDS geriet, wegen dieser Entwicklung \"links\" davon einzuordnen. Erw\u00e4hnenswert ist noch ein als Bundeskongre\u00df angek\u00fcndigtes Treffen der Kriegsdienstverweigerer und Ersatzdienstleistenden, das vom 07. -09.11.1969 in K\u00f6ln auf Einladung des Arbeitskreises Kriegsdienstverweigerung im dortigen Republikanischen Club veranstaltet wurde. Auf dieser Zusammenkunft sollte der Widerstand gegen behauptete Einschr\u00e4nkungen des Grundrechts auf Kriegsdienstverweigerung und anderer Grundrechte sowie gegen eine Verl\u00e4ngerung des Ersatzdienstes er\u00f6rtert werden. Auch auf diesem Treffen wurde die Absicht deutlich, von einem als abstrakt empfundenen grunds\u00e4tzlichen Pazifismus wegzukommen und die Kampagne gegen die Bundeswehr sowie gegen den Ersatzdienst politisch zu f\u00fchren. Dabei neigen die politisch bewu\u00dften Teile der Kampagne zu der Auffassung, da\u00df der Antrag auf Kriegsdienstverweigerung nach Eintritt in die Bundeswehr gestellt werden solle, weil dies ein w\u00fcnschenswertes Element der Verunsicherung der Bundeswehr sei. Von den vielen Einzelprojekten, die auf der Veranstaltung diskutiert wurden, sei als Beispiel der Plan genannt, bei den Einwohnermelde\u00e4mtern den Versuch zu unternehmen, die Namen der Wehrpflichtigen jahr-","Extremismus-Berichte des Innenministeriums NRW an den Landtag oder Landesbeh\u00f6rden 1969 29 gangsweise festzustellen, um sie in gro\u00dfer Zahl schon vor der Musterung namentlich anzuschreiben und politisch gegen die Bundeswehr zu beeinflussen. Entwicklungstendenzen Ob und gegebenenfalls in welchem Ausma\u00df die linksradikale Protestbewegung zu einer bedeutenden Gefahr f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung werden kann, l\u00e4\u00dft sich nach der gegenw\u00e4rtigen Erkenntnislage kaum sagen. Die Parolen der Linksradikalen werden aber umso weniger auf die Dauer und nachhaltig Anklang finden, je mehr die freiheitliche Demokratie in ihrer nach der Verfassung g\u00fcltigen parlamentarisch-repr\u00e4sentativen Form vor allem vor der Jugend und den Heranwachsenden innerlich akzeptiert wird. Dar\u00fcber kann der Verfassungsschutz, der nur den im Sinne seiner Zust\u00e4ndigkeit einschl\u00e4gigen Teil der APO-Aktivit\u00e4ten beobachtet, freilich keine sichere Aussage machen. Immerhin sieht es so aus, als ob in unserem Lande, insbesondere auch im Industrierevier, aufgrund des n\u00fcchternen Realismus gerade in der Arbeiterschaft radikale Ideologien weniger Resonanz h\u00e4tten. Das hat sich u.a. gezeigt, als neben der DKP auch der SDS und andere linksradikale APO-Kreise sich w\u00e4hrend der wilden Streiks im September bei den Arbeitern anbiedern wollten. Im Hochschulbereich mag es anders sein. Gewaltsamkeit und andere Exzesse der linken studentischen Protestbewegung hat es zwar in Nordrhein-Westfalen nicht in dem Ausma\u00dfe gegeben wie anderswo. Jedoch scheint der KP-orientierte Linksradikalismus an den Universit\u00e4ten und Hochschulen unseres Landes auf Kosten der \"Antiautorit\u00e4ren\" Fortschritte zu machen. Sorgf\u00e4ltige und intensive Beobachtung ist daher geboten."],"title":"Verfassungsschutzbericht 1969","year":1969}
