{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-hh-2014.pdf","jurisdiction":"Hamburg","num_pages":259,"pages":["Verfassungsschutzbericht 2014 - Pressefassung 11.06.2015 -","Im Text finden Sie vielfach die Symbole und Das Sinnbild \"Buch\" verweist auf eine Fundstelle in diesem Verfassungsschutzbericht. Das Symbol \"Weltkugel\" bedeutet, dass es zu dem Thema weitere Informationen auf unseren Internetseiten gibt. Unter http://www.hamburg.de/verfassungsschutz finden Sie regelm\u00e4\u00dfig aktuelle Informationen \u00fcber alle Arbeitsfelder des Hamburger Verfassungsschutzes. Herausgeber: Freie und Hansestadt Hamburg Beh\u00f6rde f\u00fcr Inneres und Sport Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) Johanniswall 4, 20095 Hamburg Telefon: 040 / 24 44 43 Telefax: 040 / 33 83 60 Internet: http://www.hamburg.de/verfassungsschutz E-Mail-Adresse des LfV: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de E-Mail \u00d6ffentlichkeitsarbeit: info@verfassungsschutz.hamburg.de - Pressefassung - Redaktionsschluss: 31.12.2014 In Teilen wurden Erkenntnisse aus 2015 aufgenommen. Fotos: LfV Hamburg, Polizei Hamburg, ruega","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis Impressum I. Verfassungsschutz in Hamburg 1. Verfassungsschutz und Demokratie 10 2. Gesetzliche Grundlage 11 3. Aufgaben des Verfassungsschutzes 11 4. Arbeitsweise und Befugnisse des 12 Verfassungsschutzes 5. Informationsverarbeitung 13 6. Kontrolle 15 7. Strukturdaten, Regelanfragen und \u00dcberpr\u00fcfungen 15 8. Organigramm des LfV Hamburg 18 II. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 1. Entwicklungen und Schwerpunkte 20 2. Potenziale 23 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 24 4. Transnationaler islamistisch motivierter Terrorismus 25 4.1 Aktuelle Entwicklungen 25 4.2 al-Qaida-Netzwerk 25 * Kern-al-Qaida 25 * al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAH) 26 * al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM) 27 * Jabhat al-Nusra (JaN) 27 4.3 \"Islamischer Staat\" (IS) 28 4.4 Prozesse, Ermittlungsverfahren, Festnahmen und 30 Verbote 4.5 Salafismus 33 4.6 Situation in Hamburg 35 5. Hizb ut-Tahrir (HuT) 41 4","Inhaltsverzeichnis 6. Hizb Allah (\"Partei Gottes\") 44 7. Iranische Islamisten 46 8. Sonstige islamistische Gruppierungen 50 III. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug 1. Entwicklungen und Schwerpunkte 54 2. Potenziale 55 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 57 4. PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) 58 4.1 Entwicklungen und Organisatorisches 58 4.2 Aktivit\u00e4ten und Schwerpunkte in Deutschland 63 4.3 Situation in Hamburg 68 5. T\u00fcrkische Extremisten 71 5.1 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppierungen 71 5.2 AD\u00dcTDF / \u00dclc\u00fcc\u00fc Bewegung / T\u00fcrkische 72 Nationalisten IV. Linksextremismus 1. Entwicklungen und Schwerpunkte 76 2. Potenziale 78 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 81 4. Militanzdebatte und linksextremistische Gewalt 82 5. Gewaltorientierte Linksextremisten 87 5.1 Gruppen und Strukturen 88 5.1.1 Autonome Szene 88 5.1.2 AVANTI - Projekt undogmatische Linke 91 5.1.3 ATES.H 95 5.1.4 Antiimperialistische Gruppen 96 5.1.5 Anarchisten 101 5.1.6 Rote Hilfe e.V. (RH) 102 5","Inhaltsverzeichnis 5.2 Aktionsfelder 103 5.2.1 Antirepression 103 5.2.2 Antifaschismus 104 5.2.3 Antimilitarismus 106 5.2.4 Linksextremistische Einflussnahme auf Proteste 109 gegen die Stadtentwicklungspolitik 5.2.5 Antirassismus 111 5.2.6 Kurdistan-Solidarit\u00e4t 113 6. Orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re 115 Marxisten 6.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 115 * DKP Hamburg 116 6.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 117 * SDAJ Hamburg 117 6.3 Marxistische Abendschulen (MASCH) in Hamburg 118 6.4 Extremistische Teilstrukturen in der Partei DIE LINKE. 118 Linksjugend ['solid] 118 6.5. Trotzkisten 119 V. Rechtsextremismus 1. Entwicklungen und Schwerpunkte im \u00dcberblick 122 2. Potenziale 124 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 129 4. Rechtsterrorismus 131 4.1 Der \"Nationalsozialistische Untergrund\" (NSU) - 131 Sachstand und Ergebnisse der Ermittlungen 4.2 Aktuelle Ans\u00e4tze f\u00fcr rechtsterroristische 134 Bestrebungen in Deutschland und Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden 5. Neonazismus 134 5.1 Organisationsverbote 2014 136 5.2 \u00dcberregionale Aktivit\u00e4ten 137 5.3 Kameradenkreis Neonazis in Hamburg 139 6","Inhaltsverzeichnis 5.4 Hamburger Nationalkollektiv / Weisse W\u00f6lfe 141 Terrorcrew Sektion Hamburg (HNK & WWT) 6. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten 145 7. Rechtsextremistische Musikszene 148 8. Rechtsextremistische Parteien 151 8.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 151 * Hamburg 156 8.2 DIE RECHTE 159 8.3 Der III. Weg 160 9. Sonstige rechtsextremitische Organisationen und 160 Bestrebungen 9.1 Hamburger Burschenschaft Germania (HB! Germania) 161 9.2 Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg 167 zu Hamburg (PB! Chattia) 9.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) 168 9.4 Artgemeinschaft - Germanische Glaubens169 Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung e.V. (AG-GGG) 9.5 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik 170 und Verhaltensforschung e.V. (GfbAEV) 9.6 Deutsches Rechtsb\u00fcro im Deutschen 171 Rechtsschutzkreis e. V. (DRB) 9.7 Europ\u00e4ische Aktion (EA) 174 10. Politisch motivierte Islamfeindlichkeit 177 VI. Scientology-Organisation (SO) 1. Entwicklungen und Schwerpunkte 182 2. Potenziale 185 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 187 4. Strukturen und Organisationseinheiten 187 5. Strukturen in Hamburg 189 6. Aktivit\u00e4ten 191 7","Inhaltsverzeichnis VII. Spionageabwehr 1. \u00dcberblick 196 2. Elektronische Attacken 197 3. Nachrichtendienste Mittlerer und Naher Osten 198 4. Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration 200 5. Chinesische Nachrichtendienste 202 6. Aussp\u00e4hung durch andere L\u00e4nder 204 VIII. Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz 1. Allgemeines 208 2. Geheimschutz 209 2.1 Personeller Geheimschutz 209 2.2 Materieller Geheimschutz 211 3. Personeller Sabotageschutz 211 4. Schutz von IT-Systemen und 212 Kommunikationsstrukturen 5. Wirtschaftsschutz 212 IX. Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz 216 8","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Verfassungsschutz in Hamburg I. Verfassungsschutz in Hamburg 1. Verfassungsschutz und Demokratie Im Gegensatz zur Weimarer Verfassung von 1919, die in ihrem Anspruch, ein H\u00f6chstma\u00df an Freiheit und Demokratie zu garantieren, darauf verzichtet hatte, ausreichende Vorkehrungen gegen ihre eigene Abschaffung zu treffen, enth\u00e4lt das Grundgesetz (GG) - dem Prinzip der wehrhaften Demokratie folgend - grundlegende Schutzmechanismen gegen Gef\u00e4hrdungen der Verfassung und ihre wesentlichen Systemund Werteentscheidungen. Dazu geh\u00f6ren * die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, * die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, * die Gewaltenteilung, * die Verantwortlichkeit der Regierung, * die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, * die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, * das Mehrparteienprinzip, * die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Zu den Schutzmechanismen geh\u00f6ren im Wesentlichen * die Unab\u00e4nderlichkeit der in den Artikeln 1 und 20 GG niedergelegten elementaren Verfassungsgrunds\u00e4tze, * das Verbot von Parteien und sonstigen Vereinigungen wegen verfassungswidriger Aktivit\u00e4ten (Artikel 21 Abs. 2 GG und Artikel 9 Abs. 2 GG), * die Verwirkung von Grundrechten, wenn diese zum Kampf gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung missbraucht werden (Artikel 18 GG), * die Pflicht der Angeh\u00f6rigen des \u00d6ffentlichen Dienstes zur Verfassungstreue (Artikel 5 Abs. 3 und Artikel 33 Abs. 5 GG in Verbindung mit den beamtenrechtlichen Vorschriften), * die Verfolgung von Straftaten, die sich gegen den Bestand des Staates oder gegen die Verfassung richten (Staatsschutzdelikte). 10","Verfassungsschutz in Hamburg Zentrale Aufgabe des Verfassungsschutzes ist die Beobachtung von Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, die die Werteentscheidungen der Verfassung beseitigen wollen oder den Bund, die L\u00e4nder oder deren Einrichtungen in ihrer Funktionsf\u00e4higkeit erheblich zu beeintr\u00e4chtigen beabsichtigen [vgl. SS 1 Abs. 1, SS 4 und SS 5 des Hamburgischen Verfassungsschutzgesetzes (HmbVerfSchG, IX.) sowie Artikel 73 Nr. 10 b und Artikel 87 Abs. 1 Satz 2 GG, SS 2 Abs. 2 Bundesverfassungsschutzgesetz]. 2. Gesetzliche Grundlage Das Hamburgische Verfassungsschutzgesetz ( IX.) ist die wichtigste gesetzliche Grundlage f\u00fcr die Arbeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV). Der Verfassungsschutz ist, wie jede andere Beh\u00f6rde auch, bei der Erf\u00fcllung seiner Aufgaben an Gesetz und Recht gebunden und muss bei Eingriffen in die Rechte der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger den Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit wahren. 3. Aufgaben des Verfassungsschutzes Hauptaufgabe des LfV ist nach SS 4 Abs. 1 HmbVerfSchG die Sammlung und Auswertung von Informationen \u00fcber * Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben, * sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht in der Bundesrepublik Deutschland, * Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, * Bestrebungen im Geltungsbereich dieses Gesetzes, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs. 2 GG), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 GG) gerichtet sind. 11","Verfassungsschutz in Hamburg Das Landesamt wertet die mit offenen oder mit nachrichtendienstlichen Mitteln ( 4.) gewonnenen Erkenntnisse aus und informiert \u00fcber entsprechende Gefahren. Neben seiner Informationsverpflichtung gegen\u00fcber dem Senat und der Weitergabe von Informationen an die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen zur Gefahrenabwehr informiert das LfV mit seinem j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzbericht, mit weiteren Publikationen, Pressemitteilungen, Ausstellungen, Informationsveranstaltungen sowie aktuellen Berichten auf seiner Internetseite auch die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse seiner Arbeit, soweit diese offen dargestellt werden k\u00f6nnen. Beobachtungsfelder sind Rechts- ( V.) und Linksextremismus ( IV.), extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug ( III.), die Spionaget\u00e4tigkeit ( VII.) fremder Geheimdienste und die Scientology-Organisation ( VI.). Einen besonderen Beobachtungsschwerpunkt bilden seit 2001 der Islamismus und der islamistisch motivierte Terrorismus ( II.). Bei Straftaten und Gefahren in den genannten Beobachtungsbereichen des Extremismus darf der Verfassungsschutz - grunds\u00e4tzlich anders als die Polizei - bereits im Vorfeld konkreter Verdachtsmomente t\u00e4tig werden. Geheimund Sabotageschutz und Wirtschaftsschutz ( VIII.) geh\u00f6ren zu den weiteren Aufgaben des Verfassungsschutzes. 4. Arbeitsweise und Befugnisse des Verfassungsschutzes Die Informationen, die das LfV zur Wahrnehmung seiner Aufgaben ben\u00f6tigt, beschafft es zum Teil aus offen zug\u00e4nglichen Quellen, die grunds\u00e4tzlich auch jedem B\u00fcrger zur Verf\u00fcgung stehen, zum Beispiel aus Zeitungen und Zeitschriften, Brosch\u00fcren, Flugbl\u00e4ttern, Archiven und zunehmend aus dem Internet sowie aus Unterlagen anderer staatlicher Stellen. Neben der offenen Informationsgewinnung darf das LfV auch Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln verdeckt erheben. Zu diesen Mitteln, die in SS 8 Abs. 2 HmbVerfSchG ( IX.) aufgez\u00e4hlt sind, geh\u00f6ren beispielsweise die F\u00fchrung von Vertrauensleuten (Quellen), die planm\u00e4\u00dfige Observation, Bildund Tonaufzeichnungen und - nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes - die \u00dcberwachung des Brief-, Postund Fernmeldeverkehrs. 12","Verfassungsschutz in Hamburg Im Jahr 2002 wurden im Rahmen der Umsetzung des Terrorismusbek\u00e4mpfungsgesetzes die Befugnisse des Landesamtes in wichtigen Punkten erweitert. Hierzu z\u00e4hlt unter anderem das Mittel der Finanzermittlung, um zum Beispiel Geldtransfers im Zusammenhang mit der Finanzierung des islamistischen Terrorismus aufdecken zu k\u00f6nnen. Dem LfV stehen weder polizeiliche Befugnisse noch Weisungsbefugnisse gegen\u00fcber polizeilichen Dienststellen zu, noch darf es die Polizei im Amtshilfeweg veranlassen, Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, zu denen es selbst nicht befugt ist. Das LfV darf nicht an eine polizeiliche Dienststelle angegliedert werden. Das schlie\u00dft einen Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutz nicht aus, im HmbVerfSchG ist dies im Detail geregelt. In den letzten Jahren sind besondere Einrichtungen zum kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen Polizei und Verfassungsschutzbeh\u00f6rden geschaffen worden. Dazu z\u00e4hlt insbesondere das \"Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum\" (GTAZ) in Berlin. Das GTAZ hat ma\u00dfgeblich zu einem verbesserten Informationsfluss zwischen den beteiligten Beh\u00f6rden beigetragen. Um dies auch auf andere Ph\u00e4nomenbereiche zu \u00fcbertragen, wurde an den Standorten K\u00f6ln und Meckenheim das \"Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum\" (GETZ) gegr\u00fcndet. Schwerpunkt der dortigen Zusammenarbeit ist die Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus. 5. Informationsverarbeitung Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden sammeln und speichern sachund personenbezogene Daten \u00fcber extremistische Bestrebungen sowie sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten. Zu den Instrumenten der gegenseitigen Unterrichtung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden z\u00e4hlen unter anderem gemeinsame Dateien. Die \"klassische\" gemeinsame Datei war das bundesweite Nachrichtendienstliche Informationssystem (NADIS, Zahl der Hamburger Speicherungen: 7), das nach mehreren Jahrzehnten im Jahr 2012 durch ein neues System abgel\u00f6st wurde. Das bisherige NADIS war eine allen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung stehende Datenbank, in der jede Verfassungsschutzbeh\u00f6rde biografische Grunddaten von Personen und Objekten in eigener Verantwortung speicherte. Es enthielt nur Hinweise auf Aktenfundstellen. Um N\u00e4heres zu erfahren, musste die 13","Verfassungsschutz in Hamburg speichernde Verfassungsschutzbeh\u00f6rde um \u00dcbermittlung der Einzelerkenntnisse gebeten werden. Im neuen \"NADIS-WN\" (WN f\u00fcr WissensNetz) werden mehr Informationen erfasst und f\u00fcr alle Berechtigten zur Verf\u00fcgung gestellt. Es bietet damit deutlich bessere M\u00f6glichkeiten zu umfassenderen Analysen und dabei insbesondere zur Verkn\u00fcpfung von Daten. Die Entwicklungen im Bereich des islamistischen Terrorismus und die Ermittlungsergebnisse im Zusammenhang mit dem rechtsterroristischen \"Nationalsozialistischen Untergrund\" (NSU) haben deutlich gemacht, warum der Informationsaustausch und die Vernetzung zwischen den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden fortentwickelt werden musste. In den vergangenen Jahren erfolgten unter anderem folgende Verbesserungen: Am 30.03.2007 wurde die Arbeit mit einer von Polizei und Verfassungsschutz eingerichteten zentralen \"Antiterrordatei\" (ATD) aufgenommen und seit Anfang des Jahres 2008 erlaubt das HmbVerfSchG, Projektdateien mit den anderen Bundesund Landessicherheitsbeh\u00f6rden zu betreiben. Mit diesen Dateien wird die Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden unterst\u00fctzt und der Informationsaustausch verbessert. Das Bundesverfassungsgericht hat mit einer Entscheidung vom 24.04.2013 das der ATD zugrunde liegende Gesetz in Teilen f\u00fcr nicht verfassungskonform erkl\u00e4rt. Das Gericht fordert vom Gesetzgeber hinsichtlich einiger Speichervoraussetzungen und des Informationsaustausches zwischen Polizei und Verfassungsschutz weitere Pr\u00e4zisierungen. Mit Beschluss vom 08./09.12.2011 hatte sich die \"St\u00e4ndige Konferenz der Innenminister und -senatoren der L\u00e4nder\" (IMK) f\u00fcr die Einrichtung einer gemeinsamen Verbunddatei Rechtsextremismus f\u00fcr Polizei und Verfassungsschutz - \"Rechtsextremismusdatei\" (RED) - ausgesprochen. Sie wurde am 19.09.2012 in Betrieb genommen. Ziele der neuen Verbunddatei sind eine Zusammenf\u00fchrung bestimmter personenbezogener Daten von Verfassungsschutzund Polizeibeh\u00f6rden auf dem Gebiet des gewaltorientierten Rechtsextremismus sowie die Intensivierung und Beschleunigung des Informationsaustausches. Zudem soll die Rechercheund Analysef\u00e4higkeit der Datei \u00fcber gewaltbezogene Aktivit\u00e4ten von Rechtsextremisten weiter ausgebaut werden. 14","Verfassungsschutz in Hamburg 6. Kontrolle Der Verfassungsschutz ist an klare gesetzliche Vorgaben gebunden, seine Arbeit unterliegt kontinuierlicher parlamentarischer Kontrolle. In Hamburg wird diese Aufgabe vom \"Ausschuss zur parlamentarischen Kontrolle des Senats auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes\" (verk\u00fcrzt auch \"PKA\" f\u00fcr \"Parlamentarischer Kontrollausschuss\" genannt) der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft wahrgenommen. \u00dcber Eingriffe in das Brief-, Post-, und Fernmeldegeheimnis entscheidet die G 10-Kommission der B\u00fcrgerschaft. Der Hamburgische Beauftragte f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit (HmbBfDI) hat ebenfalls umf\u00e4ngliche Kontrollbefugnisse. Wie bei allen anderen Beh\u00f6rden ist auch das Verwaltungshandeln des Verfassungsschutzes grunds\u00e4tzlich gerichtlich nachpr\u00fcfbar. 7. Strukturdaten, Regelanfragen und \u00dcberpr\u00fcfungen Stellenplan Nach den Terroranschl\u00e4gen vom 11.09.2001 in den USA war der Personalbestand des LfV mit dem Stellenplan 2002 zun\u00e4chst um 15,5 Stellen aufgestockt worden. In den Jahren 2003 bis 2008 wurde der Stellenbestand insgesamt um weitere elf Stellen auf 151 erh\u00f6ht. Im Jahr 2014 verf\u00fcgte das LfV \u00fcber 150 Stellen. Haushaltsansatz Im Jahr 2014 betrug der Haushaltsansatz f\u00fcr das LfV insgesamt 12.833.000 EUR (2013: 12.710.000 EUR). Darin enthalten waren 9.960.000 EUR f\u00fcr Personalausgaben (2013: 9.837.000 EUR), davon 2.772.000 EUR Versorgungsleistungen (2013: 2.661.000 EUR) und 200.000 EUR f\u00fcr Investitionen. 15","Verfassungsschutz in Hamburg Hamburger NADIS-Speicherungen Vom LfV waren am 31.12.2014 im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS-WN, 5.) Daten von 56.267 Personen gespeichert (31.12.2012: 60.209), davon 50.534 (89,81 %) im Zusammenhang mit Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (31.12.2013: 53.835 = 89,41 %). Im Ph\u00e4nomenbereich Linksextremismus werden 1.371 Datens\u00e4tze gef\u00fchrt, im Bereich Rechtsextremismus sind es 1.337, im Bereich auslandsbezogener Extremismus 2.303 und bei der Scientology-Organisation 369. Die Zahl der NADIS-Datens\u00e4tze ist nicht identisch mit dem Personenpotenzial, insbesondere weil sich Speicherund L\u00f6schfristen zus\u00e4tzlich auswirken. Beteiligungsund Mitwirkungsaufgaben Das LfV Hamburg nutzt seine Informationen nicht nur zur Analyse und Bewertung extremistischer Organisationen, sondern beteiligt sich mit seinen Informationen an den Entscheidungen einer Vielzahl anderer Beh\u00f6rden. Einb\u00fcrgerungsverfahren Mit Wirkung vom 22.10.2001 wurde in Hamburg die Regelanfrage bei Einb\u00fcrgerungen eingef\u00fchrt: Das Einwohner-Zentralamt als Einb\u00fcrgerungsbeh\u00f6rde fragt vor jeder Entscheidung beim LfV nach, ob Erkenntnisse vorliegen, die einer Einb\u00fcrgerung entgegenstehen k\u00f6nnten. Vor Einf\u00fchrung dieser Regelung wurde nur angefragt, wenn bereits der Einb\u00fcrgerungsbeh\u00f6rde Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht auf politisch-extremistische Bestrebungen aufgefallen waren. Im Jahr 2014 gab es 8.209 Anfragen (2013: 8.691), die nach einer Dateiabfrage im NADIS-WN und gegebenenfalls weiteren Ermittlungen beantwortet wurden. In neun F\u00e4llen (2013: 15) hat das LfV Erkenntnisse zu den Antragstellern mitgeteilt. Diese f\u00fchren in der Regel zur Ablehnung des Antrages. 16","Verfassungsschutz in Hamburg Aufenthaltsverfahren Seit dem 01.05.2004 f\u00fchren die Ausl\u00e4nderdienststellen bei Personen aus bestimmten Herkunftsl\u00e4ndern vor Erteilung oder Verl\u00e4ngerung von Aufenthaltstiteln eine Sicherheitsbefragung durch. In jedem Fall wird auch das LfV beteiligt. Im Jahr 2014 wurden 11.592 Anfragen beantwortet (2013: 10.213). In 31 F\u00e4llen wurden Ermittlungen angestellt (2013: 43), Bedenken mussten in keinem Fall erhoben werden (2013: kein Fall). Schengener Visumverfahren Im Jahr 2014 gab es im \"Schengener Visumverfahren\" 4.743 Anfragen an das LfV (2013: 3.736). In keinem Fall (2013: drei F\u00e4lle) wurden Bedenken erhoben. Das Verfahren wird ausgel\u00f6st, wenn der Antragsteller aus einem \"Problemstaat\" stammt. In das Verfahren eingebunden sind das Ausw\u00e4rtige Amt, das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und gegebenenfalls die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde des jeweiligen Bundeslandes. 17","Verfassungsschutz in Hamburg 8. Organigramm des LfV Hamburg Referat V 01 Amtsleiter \u00d6ffentlichkeitsund Gremienarbeit Abteilung 1 Abteilung 2 Abteilung 3 Staatsschutz Abwehr Zentrale Aufgaben (Stellv. Amtsleiterin) Rechtsangelegenheiten Referat V 21 Referat V 31 Auswertung Referat V 11 auslandsbezogener Geheimund Verwaltung Sabotageschutz Extremismus Wirtschaftsschutz Islamismus Referat V 22 Auswertung Referat V 12 Referat V 32 Linksextremismus IuK, Techn. Dienst Spionageaufkl\u00e4rung Rechtsextremismus Scientology-Organisation Referat V 23 Referat V 13 Beschaffung Operative Technik Forschung / Werbung Referat V 24 Observation Konspirative Ermittlung 18","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten II. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 1. Entwicklungen und Schwerpunkte Das Jahr 2014 war durch einschneidende Ver\u00e4nderungen im globalen islamistisch-terroristischen Netzwerk gekennzeichnet. Die mit der Kernal-Qaida ( 4.2) konkurrierende Terrormiliz \"Islamischer Staat\" (IS, 4.3) machte mit der Ausrufung eines \"Kalifats\" am 29.06.2014 in Syrien und Irak ihren F\u00fchrungsanspruch innerhalb der jihadistischen Szene deutlich. Die milit\u00e4rischen Erfolge des IS in Syrien und Irak vergr\u00f6\u00dferten die ohnehin schon bestehende Anziehungskraft f\u00fcr viele junge Muslime, sich dem bewaffneten Jihad anzuschlie\u00dfen. Nach derzeitigem Erkenntnisstand (Fr\u00fchjahr 2015) sind bisher circa 680 Islamisten aus Deutschland in Richtung Syrien und Irak gereist, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen oder den Widerstand gegen das Assad-Regime in sonstiger Weise zu unterst\u00fctzen. Nicht in allen F\u00e4llen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tats\u00e4chlich in Syrien oder Irak aufhalten oder aufgehalten haben. Etwa ein Drittel dieser ausgereisten Personen befindet sich momentan wieder in Deutschland. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer liegen keine belastbaren Informationen vor, dass sie sich aktiv an Kampfhandlungen vor Ort beteiligt haben. Anfang 2015 lagen den Sicherheitsbeh\u00f6rden zu etwa 50 Personen Erkenntnisse vor, wonach sie sich aktiv am bewaffneten Widerstand in Syrien oder Irak beteiligt haben. Ferner lagen zu circa 85 Personen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder dem Irak ums Leben gekommen sind. Auch 2014 riefen sowohl IS als auch verschiedene al-Qaida-Gliederungen ihre Unterst\u00fctzer dazu auf, im westlichen Ausland Anschl\u00e4ge zu begehen. So forderte der offizielle Sprecher des IS im September 2014 in einer Audiobotschaft dazu auf, sich auf \"eine kreuzz\u00fcglerische Offensive\" unter Federf\u00fchrung der USA und deren Verb\u00fcndeten vorzubereiten. Dar\u00fcber hinaus rief er die Anh\u00e4nger und Sympathisanten seiner Organisation dazu auf, in Staaten, die mit den USA verb\u00fcndet sind, Anschl\u00e4ge zu begehen. Namentlich wurden die USA, Frankreich, Kanada und Australien genannt. In seinem Online-Magazin \"Dabiq\" wiederholte der IS am 12.10.2014 seine Aufforderung. Muslime sollten 20","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten \"aus dem Haus gehen, einen Kreuzz\u00fcgler finden und diesen t\u00f6ten\". Wichtig sei, dass der Anschlag dem IS zuzurechnen sei. Diesmal wurde auch ausdr\u00fccklich Deutschland erw\u00e4hnt. Hierdurch werden insbesondere Einzelt\u00e4ter angesprochen, Anschl\u00e4ge im Sinne des IS durchzuf\u00fchren. Dass derartige Aufrufe nicht ohne Folgen bleiben, belegen folgende Beispiele: * Am 24.09.2014 versuchte ein 18-j\u00e4hriger Islamist in Melbourne/ Australien, Polizisten mit einem Messer anzugreifen und wurde von den Beamten erschossen. Der T\u00e4ter f\u00fchrte eine IS-Flagge mit sich. * Am 20.10.2014 \u00fcberfuhr ein islamistischer Attent\u00e4ter mit seinem Fahrzeug in Ottawa/Kanada zwei Soldaten. Ein Soldat kam dabei ums Leben, der Attent\u00e4ter verstarb an Schussverletzungen. * Am 24.10.2014 erschoss ein T\u00e4ter ebenfalls in Ottawa einen Polizisten und versuchte anschlie\u00dfend in das kanadische Parlament einzudringen. Er wurde bei diesem Versuch erschossen. Nach gegenw\u00e4rtigem Kenntnisstand handelte es sich jeweils um Einzelt\u00e4ter. Auch Europa war von derartigen Attacken betroffen. * Am 20.12.2014 und am 22.12.2014 kam es in Frankreich zu zwei Einzelt\u00e4ter-Attacken mit einem mutma\u00dflichen islamistischen Hintergrund. Am 20.12.2014 drang ein 20j\u00e4hriger in eine Polizeiwache nahe Tours ein und griff drei Polizisten mit einem Messer an. Er wurde erschossen. Am 22.12.2014 raste ein T\u00e4ter im franz\u00f6sischen Nantes in eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und verletzte 17 Besucher eines Weihnachtsmarktes. Noch am Tatort versuchte der 37j\u00e4hrige sich mit einem Messer selbst zu t\u00f6ten. Islamistisch motivierte Anschl\u00e4ge setzten sich auch zu Jahresbeginn 2015 fort: 21","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten * Am 07.01.2015 \u00fcberfielen die Br\u00fcder Said und Cherif Kouachi in Paris die Redaktion der franz\u00f6sischen Satirezeitung \"Charlie Hebdo\" und t\u00f6teten zw\u00f6lf Personen, darunter zwei Polizisten. Die T\u00e4ter wurden am 09.01.2015 im Rahmen eines polizeilichen Zugriffs erschossen. Eine Woche nach der Tat bekannte ein Sprecher der \"al-Qaida auf der arabischen Halbinse (AQAH, 4.2), dass die Tat durch AQAH als Bestrafung der wiederholt in der Satirezeitung \"Charlie Hebdo\" abgedruckten Muhammad-Karikaturen initiiert worden sei. Insofern ist diese Tat anscheinend nicht als \"lone wolf\"-Aktion einzuordnen. * Am 08.01.2015 er\u00f6ffnete Amedy Coulibaly in einem Pariser Vorort das Feuer auf Polizisten, die zu einem Unfall gerufen worden waren. Eine Polizistin erlag ihren Verletzungen. Am 09.01.2015 \u00fcberfiel Coulibaly einen j\u00fcdischen Supermarkt in Paris und nahm Mitarbeiter und Kunden als Geisel. Bei der St\u00fcrmung des Marktes durch die Polizei kamen der Attent\u00e4ter und vier Geiseln ums Leben. Unklar ist, inwieweit diese Tat mit dem \u00dcberfall auf \"Charlie Hebdo\" koordiniert war. Coulibaly bezeichnete sich in einem sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Internetvideo als Anh\u00e4nger des \"Islamischen Staates\" und verlas einen Treueeid auf den selbsternannten IS-Kalifen Abu Bakr Al-Baghdadi. * Am 14.02.2015 ver\u00fcbte ein 22j\u00e4hriger T\u00e4ter in Kopenhagen einen Schusswaffenanschlag auf ein Kulturcafe, in dem eine Veranstaltung mit einem schwedischen Muhammad-Karikaturisten stattfand. Eine Person starb, drei Polizisten wurden verletzt. In derselben Nacht schoss der T\u00e4ter auf das Wachpersonal einer Synagoge in Kopenhagen. Ein Wachmann wurde get\u00f6tet, mehrere Personen verletzt. Der T\u00e4ter wurde sp\u00e4ter von der Polizei erschossen. Der Kopenhagener Attent\u00e4ter muss nach gegenw\u00e4rtigem Kenntnisstand als \"lone wolf\" eingestuft werden. 22","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 2. Potenziale Das bundesweite Potenzial der Anh\u00e4nger islamistischer Bestrebungen hat sich auf 43.890 (2013: 43.185) erh\u00f6ht. Davon sind 31.000 der \"Milli G\u00f6r\u00fcs Bewegung\" (MGB) zuzurechnen. Diese Zahl enth\u00e4lt auch die Mitglieder der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs\" (IGMG) in Deutschland. Bund: Gesamt-Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus mit dem Anteil der Islamisten 80000 70000 60000 64.490 62.380 60.980 58.420 70.432 71.360 71.995 59.470 57.300 57.420 50000 40000 30000 43.890 38.080 42.550 32.050 36.270 34.720 32.100 43.185 37.470 33.170 20000 10000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 insgesamt Islamisten - Alle Zahlen sind gerundet - Das LfV Hamburg hat die Beobachtung der Hamburger IGMG-Gliederung - das B\u00fcndnis islamischer Gemeinden in Norddeutschland e.V.\" (BIG) im Verlauf 2014 eingestellt. ( 8.). Deren Anh\u00e4ngerschaft (1.650) ist in den Hamburger Zahlen f\u00fcr 2014 nicht mehr enthalten. Das salafistische Spektrum ( 4.6) wuchs auf insgesamt 400 Personen (2013: 240). Von diesen 400 Salafisten sind 240 (2013: 70) der jihadistischen Str\u00f6mung zuzurechnen. Auch die Hizb ut-Tahrir (HuT, 5.) konnte ihre Anh\u00e4ngerschaft auf 100 (2013: 80) steigern. 23","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Ende 2014 wurden in Hamburg 955 Personen islamistischen Bestrebungen zugerechnet. Hamburg: Gesamt-Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus mit dem Anteil der Islamisten 3500 3000 2.985 3.040 3.078 3.015 2.985 2.930 3.000 3.000 3.265 2500 2000 1.805 1500 1000 2.245 2.000 2.000 2.005 2.225 2.030 2.065 2.270 955 2.010 500 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 insgesamt Islamisten - Alle Zahlen sind gerundet - 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Seit 2001 wird der Deliktsbereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" (PMK) bundesweit nach einheitlichen Kriterien erfasst. Darin sind s\u00e4mtliche politisch motivierte Straftaten verzeichnet, extremistische Straftaten werden dabei als Teilmenge registriert. Die statistische Erfassung politisch motivierter Kriminalit\u00e4t sieht im Ph\u00e4nomenbereich \"auslandsbezogener Extremismus\" bisher keine Differenzierung zwischen islamistisch und anderen extremistisch motivierten Delikten vor. Im Jahr 2015 wird diese Kategorie neu in die statistische Erfassung aufgenommen. Die Gefahr aus islamistisch-politisch motivierter Kriminalit\u00e4t macht sich allerdings nicht an den Fallzahlen fest, sondern an der m\u00f6glichen Schwere eines gelungenen Anschlags. 24","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 4. Transnationaler islamistisch motivierter Terrorismus 4.1 Aktuelle Entwicklungen Die ma\u00dfgeblichen und international am meisten beachteten Entwicklungen im Bereich des Jihadismus fanden 2014 in Syrien und Irak statt. Mehrere dort aktive, zum Teil untereinander konkurrierende bis verfeindete Aufstandsgruppen folgen einer jihadistischen Agenda und haben auch europ\u00e4ische Unterst\u00fctzer in ihren Reihen. Die beiden wichtigsten Organisationen in diesem Zusammenhang sind al-Qaida in Syrien, die dort als Jabhat al-Nusra (JaN) auftritt, sowie der sogenannte \"Islamische Staat\" (IS). Seit den Luftangriffen der USA und der internationalen Allianz gegen IS und JaN ist von beiden eine zunehmende aggressive Rhetorik gegen\u00fcber westlichen Staaten zu vernehmen. So riefen sowohl JaN als auch IS als Reaktion auf die Luftschl\u00e4ge ihre Anh\u00e4nger im Westen dazu auf, dort Anschl\u00e4ge zu begehen. Diesen Aufrufen sind einzelne Sympathisanten in mehreren L\u00e4ndern gefolgt ( II.1). 4.2 al-Qaida-Netzwerk Kern-al-Qaida Das Jahr 2014 war insbesondere durch die versch\u00e4rfte Auseinandersetzung zwischen dem Islamischen Staat (IS) und al-Qaida gekennzeichnet. Mit der Ausrufung des \"Kalifats\" seitens des IS hat dieser das seit langem von al-Qaida proklamierte Ziel eines \"eigenen Staates\" umgesetzt. Al-Qaida und deren Sympathisantenumfeld reagierten mit dem Versuch, das \"Kalifat\" und den Staatsanspruch des IS islamrechtlich zu delegitimieren. Doch waren es vor allem bekannte pro-al-Qaida Ideologen, die diesen Diskurs f\u00fchrten und nicht der F\u00fchrer von Kernal-Qaida, Aiman az-Zawahiri, selbst. Dieser hatte vielmehr in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2014 versucht, den syrischen al-Qaida-Ableger Jabhat al-Nusra mit dem IS, der sich zu jener Zeit noch ISIG/ISIS ( 4.3) nannte, zu vers\u00f6hnen und den gegen az-Zawahiri rebellierenden ISIG/ ISIS wieder in das al-Qaida-Netzwerk zu integrieren. Nach dem Scheitern dieser Vermittlungsversuche und der Ausrufung des \"Kalifats\" seitens IS hielt az-Zawahiri sich jedoch mit weiteren \u00c4u\u00dferungen in der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcck und gab lediglich im September die Gr\u00fcndung des al-Qaida-Ablegers auf dem indischen Subkontinent bekannt. Doch der 25","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Schwerpunkt des internationalen Jihads liegt nun nicht mehr in der Region Afghanistan/Pakistan, wo die al-Qaida-F\u00fchrungsriege sich vermutlich aufh\u00e4lt, sondern die wichtigsten Aktionsr\u00e4ume der Jihadisten sind heute Syrien und Irak sowie immer mehr auch Libyen und der Norden \u00c4gyptens. Doch trotz des Anspruchs des IS auf F\u00fchrung der internationalen Jihadisten-Szene konnte die Terrororganisation al-Qaida, wenn auch geschw\u00e4cht, 2014 ihre Stellung behaupten und verf\u00fcgt weiterhin \u00fcber einflussreiche F\u00fcrsprecher sowie \u00fcber loyale Regionalableger. al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AQAH) Als wichtigste St\u00fctze im Netzwerk von Kern-al-Qaida hat sich abermals der Regionalableger \"al-Qaida auf der arabischen Halbinsel\" (AQAH) erwiesen. AQAHs Operationsgebiet ist haupts\u00e4chlich der Jemen. AQAH erlitt wie in den Jahren zuvor zum Teil schwerwiegende Verluste, die der Organisation insbesondere durch Drohnenangriffe der USA zugef\u00fcgt wurden. Dennoch demonstrierte AQAH auch 2014 wieder ihre Handlungsf\u00e4higkeit, unter anderem mit mehreren Angriffen auf jemenitische Sicherheitskr\u00e4fte und Vertreter des jemenitischen Staates. In der Auseinandersetzung zwischen al-Qaida und dem IS hat sich AQAH ab November 2014 immer deutlicher zu Gunsten Aiman az-Zawahiris und damit Kern-al-Qaidas positioniert. Dieses eindeutige Bekenntnis der AQAH-F\u00fchrung war notwendig geworden, nachdem der IS im November seinen Anspruch auf F\u00fchrerschaft \u00fcber die Jihadisten im Jemen und Saudi-Arabien deutlich gemacht und somit AQAH vor die Wahl gestellt hatte, sich f\u00fcr oder gegen den IS zu entscheiden. Mit dem Bekenntnis AQAHs zur Kern-al-Qaida ist Aiman az-Zawahiri die schlagkr\u00e4ftigste Regionalorganisation zun\u00e4chst erhalten geblieben. Mit dem Anschlag auf die Redaktion der franz\u00f6sischen Zeitung \"Charly Hebdo\" wurde die globale Reichweite von AQAH nachdr\u00fccklich bewiesen. ( 1.) 26","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM) Im September 2006 schloss sich die algerische \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC, Salafistische Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf) al-Qaida an; seit Januar 2007 operiert sie unter dem Namen \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM). Sie versteht sich als f\u00fchrende Organisation aller maghrebinischen Jihadisten und bem\u00fcht sich um den Ausbau der Kontakte zu gleichgesinnten Mujahiddin aus der gesamten Region. Die Einbindung in das Netzwerk al-Qaidas hatte dabei zun\u00e4chst zu einer merklichen St\u00e4rkung der Gruppe gef\u00fchrt. Mittlerweile hat sich AQM zu einer regional bedeutsamen Organisation entwickelt, die auch in Tunesien, Libyen, Mali, Burkina Faso, Niger und Mauretanien Aktivit\u00e4ten vorzuweisen hat. Wie auch andere jihadistische Gruppen war 2014 f\u00fcr AQM besonders durch den Konflikt um die Vorherrschaft zwischen al-Qaida und IS gekennzeichnet. In Algerien schloss sich im September 2014 der ehemalige Anf\u00fchrer der \"Zone Zentrum\" der AQM, Khalid Abu Sulayman, dem \"Islamischen Staat\" an und erkl\u00e4rte, AQM sei vom \"richtigen Kurs\" abgekommen. Die Gruppe um Sulayman hat sich den Namen Jund al-Khilafa (Armee des Kalifats) gegeben. Doch die zentrale F\u00fchrung von AQM um Abdelmalik Droukdal bekennt sich weiterhin zu al-Qaida. AQM versucht sich insbesondere in Tunesien und Libyen weiter zu verfestigen. Allerdings befindet sie sich dort, insbesondere in Libyen, in Konkurrenz zu weiteren Milizen und ist somit nur ein Gewaltakteur von mehreren. Jabhat al-Nusra (JaN) Die JaN (\"Unterst\u00fctzungsfront\") ist die syrische al-Qaida-Regionalorganisation. Im Januar 2012 verk\u00fcndete die JaN ihre Gr\u00fcndung und wurde noch im Dezember 2012 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als Terrororganisation eingestuft. Die zuvor lediglich vermutete enge Beziehung zum damaligen \"Islamischen Staat im Irak\" (IStI) best\u00e4tigte sich im April 2013, als der F\u00fchrer des IStI, Abu Bakr al-Baghdadi, die Verbindung zur JaN bekannt gab und diese als regionalen Ableger des IStI bezeichnete. Zugleich verk\u00fcndete al-Baghdadi, dass die beiden Organisationen k\u00fcnftig unter dem Namen \"Islamischer Staat in Irak und Gro\u00dfsyrien\" (ISIG) beziehungsweise \"Islamischer Staat in Irak und 27","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Syrien\" (ISIS), sp\u00e4ter \"Islamischer Staat\" (IS) agieren w\u00fcrden. Der Anf\u00fchrer der JaN, Abu Muhammad al-Jaulani, widersprach dieser Darstellung jedoch und betonte die Unabh\u00e4ngigkeit der JaN. Ende 2013 brach der schwelende Konflikt zwischen Gruppen in einer offenen bewaffneten Konfrontation aus. Im Verlauf der Auseinandersetzungen gelang es dem IS im Juni 2014 die JaN aus den \u00f6stlichen Gebieten Syriens zu vertreiben. Die JaN versucht sich seitdem im S\u00fcden, Osten und Nordosten zu konsolidieren. Bei Qunaitra, an der syrisch-israelischen Grenze war es JaN im August 2014 gelungen, in Kooperation mit anderen Rebellengruppen grenznahe Stellungen einzunehmen. In der Region des Qalamun-Gebirges, in der syrisch-libanesischen Grenzregion, konzentrierten sich die milit\u00e4rischen Bem\u00fchungen der JaN auf die Bek\u00e4mpfung der Hizb Allah. Auch im Libanon selbst ist die JaN aktiv und kooperiert dort wahrscheinlich auch in Teilen mit IS-K\u00e4mpfern. Im Nordosten Syriens, in der Provinz Idlib, ging die JaN seit Herbst 2014 erheblich gegen andere Rebellengruppen, wie die Front der Revolution\u00e4re Syriens oder die Hazm-Bewegung vor, um dort ein eigenes Herrschaftsgebiet zu errichten. JaN ist seit September 2014, neben dem IS, Ziel der Luftschl\u00e4ge der USA in Syrien. Der Anf\u00fchrer der Gruppe al-Jaulani hat seine Anh\u00e4nger daher zu Vergeltungsma\u00dfnahmen gegen die USA und ihre Verb\u00fcndeten aufgerufen und erstmals klare globale Ziele formuliert. JaN ist neben AQAH der derzeit wohl st\u00e4rkste Regionalableger al-Qaidas und somit eine wichtige St\u00fctze in deren Netzwerk. 4.3 \"Islamischer Staat\" (IS) Nach mehreren Umbenennungen operierte \"al-Qaida im Irak\" seit 2006 unter dem Namen \"Islamischer Staat im Irak\" (IStI). Im April 2013 erfolgte jedoch eine erneute Umbenennung in \"Islamischer Staat in Irak und Gro\u00dfsyrien\" (ISIG) beziehungsweise \"Islamischer Staat in Irak und Syrien (ISIS). Hiermit wollte die Organisation ihren Anspruch auf F\u00fchrung innerhalb der jihadistischen Gruppierungen im syrischen B\u00fcrgerkrieg unterstreichen. In diesem Zusammenhang steht auch die am 1. Tag im Monat Ramadan 2014 (29. Juni) erfolgte Deklaration \u00fcber die Wiedererrichtung des \"Kalifats\" unter F\u00fchrung von Ibrahim Awwad Ibrahim Ali al-Badri alias 28","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Abu Bakr al-Baghdadi alias Kalif Ibrahim. Damit einher ging auch die vorerst letzte Namens\u00e4nderung von ISIG/ISIS zu \"Islamischer Staat\" (IS). Andere Jihad-Gruppen hatten sich in den Augen des IS fortan entweder dem \"Kalifat\" anzuschlie\u00dfen oder aber sie verloren ihre Legitimit\u00e4t und galten als feindlich. Bereits zuvor hatte es Konflikte bis hin zu offenen K\u00e4mpfen zwischen den Truppen des IS und anderen Rebellengruppen in Syrien und auch Irak gegeben. In Syrien und Irak hat der IS im Jahr 2014 seine Strategie der maximalen Brutalit\u00e4t ausgebaut. Zu den massivsten in 2014 begangenen Verbrechen des IS geh\u00f6ren unter anderem Massaker an Angeh\u00f6rigen eines sunnitischen Stammes in der syrischen Provinz Dair al-Zaur, an irakischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen bei Camp Speicher nahe der irakischen Stadt Tikrit, an syrischen Milit\u00e4rangeh\u00f6rigen bei Raqqa, die Vertreibung und teilweise auch Versklavung kurdischer Jesiden im Nordirak sowie die Vertreibung von irakischen Christen aus Mossul und anderen Gebieten. Nachdem der IS in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2014 sein Gebiet stets hatte ausdehnen k\u00f6nnen, erlebte die Miliz in der zweiten Jahresh\u00e4lfte die Grenzen ihrer tats\u00e4chlichen Macht. US-Pr\u00e4sident Barack Obama hatte sich im August 2014 zu einem milit\u00e4rischen Eingreifen der USA entschlossen. In den folgenden Wochen bauten die USA eine breite internationale Allianz gegen den IS auf und weiteten die Luftschl\u00e4ge von Irak auch auf Syrien aus. Lokale Kr\u00e4fte, etwa Angeh\u00f6rige der syrischen YPG-Miliz oder der irakischen Peschmerga, konnten mit Luft-Unterst\u00fctzung der Allianz den weiteren Vormarsch des IS stoppen und die Jihadisten zu Beginn des Jahres 2015 aus wichtigen Gebieten, etwa um die monatelang umk\u00e4mpfte Stadt Kobane/Ain al-Arab in Syrien, zur\u00fcckdr\u00e4ngen. Aber der IS hatte mittlerweile auch au\u00dferhalb Syriens und Irak Unterst\u00fctzer gefunden und schaffte es, Jihadisten in diversen L\u00e4ndern f\u00fcr sich zu vereinnahmen. In Libyen scheint der Einfluss des IS 2015 am st\u00e4rksten zu sein, aber auch in \u00c4gypten verf\u00fcgt der IS seit dem Anschluss der Ansar Bait al-Maqdis im November 2014 an den IS \u00fcber eine \u00e4u\u00dferst aktive und gef\u00e4hrliche Anh\u00e4ngerschaft. Zudem ist es dem IS gelungen, auch in Pakistan und Afghanistan lokale Taliban-Kommandeure f\u00fcr sich zu gewinnen. Dies ist insofern bedeutsam, als dass sich die F\u00fchrung al-Qaidas wahrscheinlich in den Stammesgebieten Pakistans aufh\u00e4lt und die Region als traditionelles Stammland al-Qaidas 29","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten galt, die sich in Konkurrenz zum IS befindet. Weiterhin versucht der IS auch im Jemen und in Saudi-Arabien Anh\u00e4nger zu rekrutieren. Inwiefern dies gelingen wird, l\u00e4sst sich derzeit noch nicht absch\u00e4tzen. Anfang M\u00e4rz 2015 legte auch die in Nigeria \u00e4u\u00dferst brutal agierende Boko Haram ihren Treueeid auf den selbsternannten IS-Kalifen Baghdadi ab. Damit verf\u00fcgt der IS nicht nur auf der arabischen Halbinsel, sondern auch in Nordund Westafrika und in S\u00fcdasien \u00fcber Wilayat (Provinzen) und unterstreicht damit seine globale Agenda. 4.4 Prozesse, Ermittlungsverfahren, Festnahmen und Verbote Im Jahre 2014 wurden in Deutschland 496 (Vorjahr: 368) Ermittlungsverfahren im Bereich des islamistischen Terrorismus gef\u00fchrt. Davon entfielen auf das Bundeskriminalamt 171 und auf die Landeskriminal\u00e4mter 325 Ermittlungsverfahren. In Hamburg wurden sechs Ermittlungsverfahren gef\u00fchrt. Daraus ergab sich eine Reihe von Strafprozessen, wie die nachfolgende Aufz\u00e4hlung beispielhaft zeigt: * Am 29.01.2014 wurde die Hauptverhandlung gegen Sulaiman Sidiqi (27) vor dem Hamburgischen Oberlandesgericht er\u00f6ffnet. Das Gericht beschuldigte ihn der Mitgliedschaft in den ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigungen Islamische Bewegung Usbekistan (IBU) und al-Qaida (AQ). Ihm wurde vorgeworfen, im M\u00e4rz 2009 als Teil der \"Hamburger Ausreisegruppe\" (zu der auch sein Bruder Ahmad Wali Sidiqi geh\u00f6rte) von Deutschland nach Waziristan/Pakistan gereist zu sein und sich zun\u00e4chst der IBU und anschlie\u00dfend der AQ angeschlossen zu haben. In beiden Organisationen soll er eine Waffenausbildung absolviert und gegen\u00fcber der IBU zudem einen Treueschwur geleistet haben. Auch soll er als Darsteller an dem deutschsprachigen Propagandafilm \"Die Vorz\u00fcge des Jihad\" mitgewirkt haben. W\u00e4hrend des Verfahrens entzog sich Sulaiman Sidiqi dem Verfahren durch Flucht ins Ausland. Nach seiner Festnahme in Bulgarien wurde er nach Deutschland ausgeliefert und zu drei Jahren Haft verurteilt. Sein Bruder Ahmad Wali Sidiqi war bereits zu fr\u00fcherer Zeit festgenommen und verurteilt worden, mittlerweile jedoch bereits wieder aus der Haft entlassen. 30","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten * Am 19.03.2014 verurteilte das Landgericht Darmstadt die deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Saeed Salim Stefan N. (21) und Thomas H. (37) sowie den serbischen Staatsangeh\u00f6rigen Munever K. (31) wegen versuchter gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu Freiheitsstrafen von je zweieinhalb Jahren. Die Verurteilten hatten den islamkritischen Schriftsteller Zahid Ali Khan und einen Begleiter im Juli 2013 auf einem Waldweg mit einem Messer und einem Teleskopschlagstock angegriffen. Khan konnte sich des Angriffs durch die Schussabgabe aus seiner legal gef\u00fchrten Pistole erwehren. Der verurteilte H. wurde hierbei von jeweils einem Projektil in Fu\u00df und Oberschenkel getroffen. Khan ist der \u00d6ffentlichkeit als Verfasser des Buches \"Die Verbrechen des Propheten Mohammed\" bekannt. * Am 08.09.2014 wurde vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf das Verfahren gegen Marco-Rene G. (27), Enea B. (48), Koray Nicolas D. (25) und Tayfun S. (25) er\u00f6ffnet. Den Angeklagten werden mehrere geplante Anschl\u00e4ge in Deutschland zur Last gelegt. G. wird unter anderem vorgeworfen, f\u00fcr den versuchten Anschlag auf den Bonner Hauptbahnhof im Dezember 2012 verantwortlich gewesen zu sein. In der Folge soll G. mit den \u00fcbrigen Angeklagten eine terroristische Vereinigung gebildet und Pl\u00e4ne ausgearbeitet haben, f\u00fchrende PRO NRW-Funktion\u00e4re zu ermorden. Darunter befand sich auch der PRO NRW-Vorsitzende Markus Beisicht, dessen T\u00f6tung f\u00fcr den 13. M\u00e4rz 2013 geplant war, allerdings von den Sicherheitsbeh\u00f6rden verhindert werden konnte. Grundlage f\u00fcr das Vorgehen gegen PRO NRW soll unter anderem ein Drohvideo von 2012 sein, in dem die \"Islamische Bewegung Usbekistan\" (IBU) dazu aufrief, die Mitglieder von PRO NRW zu t\u00f6ten. F\u00fcr den Prozess sind \u00fcber 50 Sitzungstage bis Ende April 2015 anberaumt. * Am 13.11.2014 verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf die marokkanischen Staatsangeh\u00f6rigen Abdeladim el-K. (33) und Jamil S. (34) zu neun beziehungsweise sieben Jahren und den iranischen Staatsangeh\u00f6rigen Amid C. (23) zu f\u00fcnfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung. Der deutsche Staatsangeh\u00f6rige Halil S. (30) wurde zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Genannten als Angeh\u00f6rige der sogenannten \"D\u00fcsseldorfer Zelle\" ab 2010 als Mitglieder von 31","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten al-Qaida (AQ) t\u00e4tig waren. Die Verurteilten hatten geplant, Sprengstoffanschl\u00e4ge in Deutschland zu begehen und zu diesem Zweck bereits Geb\u00e4ude ausgekundschaftet. El-K. ist das rangh\u00f6chste al-Qaida-Mitglied, das bislang in Deutschland verurteilt wurde. * Am 28.11.2014 verurteilte das Landgericht Wuppertal den deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Hasan K. (30) in einer Berufungsverhandlung wegen Landfriedensbruchs, K\u00f6rperverletzung und Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sieben Monaten. Das Landgericht versch\u00e4rfte damit das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Solingen erheblich, das K. am 27.08.2013 zu neun Monaten Haft auf Bew\u00e4hrung verurteilt hatte. K. hatte am 01.05.2012 w\u00e4hrend der Auseinandersetzung zwischen Salafisten und Pro NRW mit einem Besenstiel auf eingesetzte Polizeibeamte eingeschlagen. * Am 05.12.2014 verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main den deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Kreshnik B. (20) zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten Gef\u00e4ngnis. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass B. Mitglied des Islamischen Staates (IS) war. Er hatte von Juli bis Dezember 2013 an K\u00e4mpfen des IS in Syrien teilgenommen. Polizeibeamte hatten ihn bei der R\u00fcckkehr nach Deutschland im Dezember 2013 am Flughafen Frankfurt am Main festgenommen. B. ist damit das erste Mitglied des IS, das in Deutschland verurteilt wurde. * am 05.12.2014 hat die Freie und Hansestadt Bremen den salafistischen \"Kultur und Familienverein e.V.\" (KuF) verboten und aufgel\u00f6st. In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es, dass der Verein mit der in den Freitagspredigten verbreiteten Ideologie gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung verst\u00f6\u00dft. Zudem waren Mitglieder des Vereins in den vergangenen Monaten nach Syrien ausgereist, von denen einige mutma\u00dflich den Islamischen Staat unterst\u00fctzen. Zwei dieser Personen sind bei Kampfteilnahmen f\u00fcr den Islamischen Staat get\u00f6tet worden. 32","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 4.5 Salafismus Der Salafismus stellt eine radikale und kompromisslose Ausrichtung innerhalb des sunnitisch-islamistischen Spektrums dar. Salafisten wollen den Islam von allen vermeintlich \"unerlaubten\" Neuerungen bereinigen, wie sie vor allem im Volksislam verbreitet sind. Als vorbildlich gelten ihnen dabei die ersten drei Generationen der Muslime, die sogenannten \"as-Salaf as-Salih\" (die frommen Vorfahren), wovon sich die Bezeichnung der Salafisten ableitet. Der Salafismus bewegt sich au\u00dferhalb der etablierten Rechtsschulen des Islam und akzeptiert deren Meinungen lediglich, wenn sie mit den eigenen Anschauungen vereinbar sind. Innerhalb des Salafismus existieren verschiedene Str\u00f6mungen, welche sich in ideologischer Hinsicht unterscheiden, aber dennoch Durchl\u00e4ssigkeiten und \u00dcberschneidungen aufweisen. Salafisten der LIES-Kampagne verteilen Koranausgaben in der Hamburger City - hier am 18. April 2015 auf der Spitaler Stra\u00dfe. Seit 2011 werden in gr\u00f6\u00dferen deutschen St\u00e4dten Korane verteilt. Die Hauptrichtungen werden dabei als puristischer, politischer und jihadistischer Salafismus bezeichnet. W\u00e4hrend die Puristen die Demokratie aus einer fundamentalistischen Haltung heraus zwar ablehnen, entwickeln sie jedoch keine Aktivit\u00e4ten im Sinne einer Bestrebung, die eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz zur Folge h\u00e4tte. Anders verh\u00e4lt es sich bei politischen und jihadistischen Salafisten: Beide Richtungen propagieren aktiv die Ablehnung wesentlicher 33","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Bestandteile der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und treten f\u00fcr die Etablierung eines Staatswesens ein, in dem vermeintlich g\u00f6ttlich gegebene Gesetze gelten sollen. W\u00e4hrend politische Salafisten ihr Ziel mit Mitteln der Mission und fortw\u00e4hrender \u00dcberzeugungsarbeit zu verwirklichen suchen, bef\u00fcrworten jihadistische Salafisten die Anwendung von Gewalt. Zwischen diesen beiden Auspr\u00e4gungen des Salafismus existieren allerdings flie\u00dfende \u00dcberg\u00e4nge. Der geographische Fokus der Jihadisten liegt dabei vornehmlich auf muslimischen L\u00e4ndern wie Syrien, Irak oder Pakistan. Jedoch richten sich ihre Aktivit\u00e4ten auch gegen die Staaten und Gesellschaften Europas sowie gegen die USA und beinhalten somit auch weiterhin die Gefahr von Anschl\u00e4gen. Die Anziehungskraft der salafistischen Suchen das Gespr\u00e4ch mit Passanten: Ideologie scheint ungebrochen: Salafisten der LIES-Kampagne in der Hamburwie in den Vorjahren steigt das ger Innenstadt (hier am 18. April 2015, Spitaler Stra\u00dfe). Bereits im M\u00e4rz 2012 inforPersonenpotenzial weiter an. W\u00e4hmierte das Hamburger Landesamt f\u00fcr rend 2012 bundesweit 3.850 PerVerfassungsschutz die \u00d6ffentlichkeit dar\u00fcber, sonen dem Ph\u00e4nomenbereich dass Islamisten hinter der Verteilung der zugerechnet wurden, stieg die Zahl Korane stehen. im Laufe des Jahres 2014 auf 7.000 (2013: 5.500) Salafisten an. Diese rasante Steigerung ist auch auf die erfolgreichen Propagandastrategien der Salafisten zur\u00fcckzuf\u00fchren, mit denen sie in professioneller Weise f\u00fcr ihre Ziele werben. Vor allem \u00fcber das Internet werden die salafistischen Ideologieinhalte in Form von Webseiten und Videosequenzen transportiert. Als weitere Aktionsformen werden im Rahmen der \"Stra\u00dfenmission\" unter anderem Infotische auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und Vortragsveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Gerade f\u00fcr junge Menschen stellen diese Propagandastrategien die ersten Ber\u00fchrungspunkte zum Salafismus dar. Um insbesondere Nicht-Muslime an den Islam heranzuf\u00fchren, verteilt das salafistische Missionierungsnetzwerk \"Die wahre Religion\" (DWR) 34","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten des Predigers Ibrahim Abou Nagie aus Nordrhein-Westfalen seit dem Herbst 2011 \u00fcber sogenannte \"Islam-Infotische\" bundesweit kostenlose Koran-Exemplare in deutscher Sprache. Diese Aktion unter dem Motto \"Lies! Im Namen deines Herren, der dich geschaffen hat!\" f\u00fchrt neben dem offenkundigen Ziel, weitere Interessenten beziehungsweise Sympathisanten f\u00fcr den Islam zu gewinnen, auch zu einer St\u00e4rkung des Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls der salafistischen Aktivisten. Die Kampagne war seinerzeit mit dem selbst erkl\u00e4rten Ziel gestartet, 25 Millionen Koranexemplare an Haushalte in Deutschland zu verteilen. Von 2011 bis Ende 2014 wurden rund 1,7 Millionen Korane verteilt. Im Herbst 2013 erkl\u00e4rte Ibrahim Abou Nagie, dass die Lies!-Kampagne auf ganz Europa erweitert wurde. Mittlerweile erstreckt sich die Ausgabe der Koranexemplare auf sieben Sprachen, die Verbreitung zieht sich \u00fcber den europ\u00e4ischen Raum hinaus, zum Beispiel nach Nordafrika. Auch in Hamburg nutzten die Salafisten zahlreiche Infotische, um neue Mitglieder zu rekrutieren ( 4.6). 4.6 Situation in Hamburg 2014 stand die salafistische Szene im Mittelpunkt der Beobachtung des Hamburger Verfassungsschutzes. Die Zahl der Salafisten, die den bewaffneten Jihad (Heiliger Krieg) bef\u00fcrworten stieg um mehr als das Dreifache von 70 auf 240 an. Zusammen mit den in Hamburg aktiven politischen Salafisten betr\u00e4gt das salafistische Gesamtpotenzial mittlerweile rund 400 Personen (2013: 240). Der Anstieg insbesondere der jihadistisch orientierten Salafisten ist sowohl auf eine verbesserte Einblickstiefe des Verfassungsschutzes nach einer weiteren Schwerpunktsetzung seit Sommer 2014 als auch auf eine schnell zunehmende Radikalisierung speziell j\u00fcngerer Erwachsener zur\u00fcckzuf\u00fchren. Eine entscheidende Rolle bei der Radikalisierung kommt den Ereignissen in den Krisenregionen Syrien und Irak zu, medial transportiert \u00fcber soziale Netzwerke. Insbesondere junge Menschen, die auf der Suche nach Vorbildern sind und die zum Beispiel in Familien ohne Vater aufwachsen, ohne Integration in ihr soziales Umfeld sind und Br\u00fcche in ihrer Biografie haben, m\u00f6glicherweise auch Probleme in der Schule, bei der Ausbildung oder der Arbeitsstelle, lassen sich f\u00fcr die milit\u00e4rischen Erfolge des \"Islamischen Staates\" (IS) begeistern und haben der jihadistischen Szene einen Zulauf verschafft. 35","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Zunehmend verschwimmen die Grenzen zwischen den politischen und jihadistischen Salafisten. Viele von ihnen, ob alteingesessene Protagonisten oder Neueinsteiger, f\u00fchlen sich aufgerufen, die in \"Not\" geratenen Glaubensgeschwister in den Kriegsgebieten Syrien und Irak zu unterst\u00fctzen. Die Unterst\u00fctzung ist vielf\u00e4ltig und reicht von Spendenaktionen \u00fcber Propagandat\u00e4tigkeiten bis hin zu aktiven Kampfbeteiligungen. Einerseits gibt es ein starkes Engagement, die Not leidende Bev\u00f6lkerung humanit\u00e4r zu unterst\u00fctzen; andererseits gehen Hilfsleistungen auch an die in den Kriegsgebieten operierenden terroristischen Organisationen, namentlich der al-Qaida-Ableger Jabhat al-Nusra oder den \"Islamischen Staat\". Auch im Internet finden sich regelm\u00e4\u00dfig Aufrufe von Salafisten, die Glaubensgeschwister in Syrien und Irak zu unterst\u00fctzen, gleichzeitig identifiziert sich dieser Personenkreis offen mit den genannten Terrororganisationen. Diese Vermengung wird besonders deutlich auf den sogenannten Benefizveranstaltungen f\u00fcr Syrien. So kamen am 05.01.2014 auf der Ausdruck vom 04.05.2015 der Internetseite Veddel zu einer Spendenveranstal\"Ansaar International\" tung von der in D\u00fcsseldorf ans\u00e4ssigen salafistischen \"Ansaar International\" 400 Personen, von denen ein Gro\u00dfteil der jihadistisch-salafistischen Szene angeh\u00f6rten. Insgesamt erreichten die Spenden, die unter anderem durch Versteigerungen von B\u00fcchern und Bekleidung zusammenkamen, einen f\u00fcnfstelligen Betrag. Als Redner trat der in Niedersachsen wohnhafte Roman Reinders alias Abu Bilal auf, der dem jihadistisch-salafistischen Spektrum zugerechnet wird. Eine weitere Veranstaltung des salafistischen Vereins \"Helfen in Not e.V.\" fand am 20.04.2014 in der \"Golden Lounge\" im \u00dcberseering statt. Bis zu 300 Teilnehmer spendeten ebenfalls einen f\u00fcnfstelligen Betrag. Als Redner traten Pierre Vogel und der dem jihadistischen Lager zuzurechnende Brahim Belkaid alias Abu Abdallah aus Nordrhein Westfalen auf. 36","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Erstmalig im Bundesgebiet wurde eine f\u00fcr den 15.03.2015 geplante Benefizveranstaltung der salafistisch-jihadistischen Szene auf Grundlage von Erkenntnissen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und des Landeskriminalamtes Hamburg am 12.03.2015 verboten. Die Erkenntnisse zu weitestgehend identischen Veranstaltungen der letzten zwei Jahre belegen, dass der Veranstalter beziehungsweise sein Umfeld Ansichten vertreten oder \u00c4u\u00dferungen dulden w\u00fcrden, die strafrechtlich relevant sind. Unter anderem wurde eine strafrechtliche Unterst\u00fctzung der seit 12.09.2014 verbotenen Organisation \"Islamischer Staat\" (IS) bef\u00fcrchtet. In der Folge war eine Ersatzveranstaltung f\u00fcr den 15.03.2015 auf dem Rathausmarkt angemeldet worden. Per Verf\u00fcgung wurde auch diese Versammlung und jede Ersatzveranstaltung verboten. Das Oberverwaltungsgericht erkl\u00e4rte die Verbotsverf\u00fcgung am Abend des 14.03.2015 f\u00fcr rechtswirksam und wies die Beschwerde des Veranstalters zur\u00fcck. Neben den Veranstaltungen sind zahlreiche kleinere Gruppen und Einzelpersonen aktiv, um Spenden und Hilfstransporte nach Syrien und Irak zu organisieren. Insbesondere \u00fcber das Internet wird zu vielf\u00e4ltigen Unterst\u00fctzungen aufgerufen. Zur Abgabe von Spenden aller Art werden Sammelstellen bekannt gegeben, von denen aus der Weitertransport in die Krisenregionen organisiert wird. Diese Transporte werden von jihadistischen Salafisten nicht selten genutzt, um weitestgehend unbemerkt in die Kampfgebiete zu gelangen. 2014 hat sich die Zahl der jihadistischen Salafisten, die aus dem Gro\u00dfraum Hamburg in Richtung Syrien oder Irak gereist sind, von 25 auf 50 verdoppelt. Allerdings ist nur in wenigen F\u00e4llen eine Teilnahme an Kampfhandlungen oder Ausbildungen in einem Terrorcamp belegbar. Oft dienen die Reisen aufgrund ihrer kurzzeitigen Dauer offenkundig der \u00dcbergabe von Spenden und anderen logistischen G\u00fctern an islamistische Organisationen. Etwa ein Dutzend der aus Hamburg ausgereisten Personen sind in Syrien oder dem Irak ums Leben gekommen. Nach Feststellungen des LfV Hamburg sind mehr als ein Viertel der seit 2012 ausgereisten Personen aktiv in die Hamburger Dawa-Strukturen eingebunden gewesen und haben entweder kostenlose Korane im Rahmen der Lies!-Kampagne verteilt oder sich im Hamburg Dawa 37","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Movement-Team beziehungsweise anderen Dawa-Gruppierungen engagiert. Ein Teil der Ausgereisten hat auch an Schulungszirkeln wie beispielsweise um den bekannten Salafistenprediger Baher Ibrahim alias Abu Abdullah teilgenommen, der seit Ende 2014 in der As-Sahaba Moschee in Barmbek-Nord Unterricht insbesondere f\u00fcr junge Erwachsene gegeben hat. Der Hamburger Verfassungsschutz warnte bereits Anfang des Jahres 2015 in einem Internetartikel vor Ibrahim (Internetbeitrag: \"Abu Abdullah\": Salafistischer Prediger in der AsSahaba-Moschee aktiv). Derzeit darf Ibrahim dort keine Schulungen mehr durchf\u00fchren. Der Vorstand der As-Sahaba Moschee hat zwischenzeitlich gewechselt. Nach dem Wechsel trat die Moschee aus der Schura aus. Auf Initiative des Landeskriminalamtes (LKA) und des Hamburger Verfassungsschutzes sind seit 2013 bis Fr\u00fchjahr 2015 gegen 16 Personen Ausreiseuntersagungen verf\u00fcgt worden. Zu den am 07.01.2015 begangenen Anschl\u00e4gen in Paris auf die Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo und auf ein j\u00fcdisches Kaufhaus gab es bis auf ganz wenige Ausnahmen keine nennenswerten \u00f6ffentlichen Reaktionen in der salafistischen Szene. Lediglich im Internet kommentierten vereinzelt Islamisten die Anschl\u00e4ge positiv. Am 11.01.2015 kam es in Hamburg-Altona zu einem Brandanschlag auf ein von der Hamburger Morgenpost angemietetes Geb\u00e4ude in der Griegstra\u00dfe. Dabei entstand nur geringer Sachschaden. Die Morgenpost hatte am Tag nach den Pariser Anschl\u00e4gen auf der Titelseite verschiedene Muhammad-Karikaturen von Charlie Hebdo ver\u00f6ffentlicht. Anfang M\u00e4rz 2015 fanden in Hamburg im Zusammenhang mit diesem Brandanschlag Hausdurchsuchungen bei Tatverd\u00e4chtigen statt, die zum Teil aus der salafistischen Szene bekannt waren. Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes wurden im Jahr 2014 im Rahmen der \"Lies!\"-Kampagne circa 50 St\u00e4nde zur Koranverteilung in Hamburg organisiert und durchgef\u00fchrt. Auffallend ist, dass sich neben den bekannten Protagonisten der salafistischen und zum Teil jihadistischen Szene vermehrt junge Konvertiten unterschiedlichster Herkunft (wie zum Beispiel aus Polen, der T\u00fcrkei, Deutschland, \u00c4gypten) f\u00fcr das \"Lies!\"-Projekt engagieren. Neben den St\u00e4nden setzt das Lies!-Netzwerk vermehrt auf mobile Verteilaktionen, sogenannte \"Street-Dawah\", da hierf\u00fcr keine ordnungsrechtliche Genehmigung 38","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten erforderlich ist und die Akteure somit \u00f6rtlich komplett flexibel agieren k\u00f6nnen. Die Verbreitung der \"Lies!\"-Kampagne wurde vor allem im Internet, insbesondere bei Facebook und Youtube, vorangetrieben. Die Facebook-Seite von \"Die wahre Religion\" (DWR) beispielsweise ver\u00f6ffentlicht Videos und Fotos von den zahlreichen Infost\u00e4nden dieser Aktion und verbreitet auch die weiteren Termine. Auch die Hamburger Informationsst\u00e4nde wurden dort angek\u00fcndigt, Videos der Veranstaltungen angefertigt und bei Youtube eingestellt. In Hamburg tritt vornehmlich der \"Deutschsprachige Islamkreis im Norden e.V.\" (DIIN) Koranverteilung der als Anmelder der salafistischen Koran-VerteiLies!-Kampagne in Hamburg lungsaktion auf. Vorsitzender des DIIN-Vereins ist der ehemalige \"Pressesprecher\" der Taiba-Moschee, die am 09.08.2010 von der Innenbeh\u00f6rde geschlossen wurde, weil sich Aktivit\u00e4ten des Tr\u00e4gervereins unter anderem gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richteten. In Ausnahmef\u00e4llen laufen die Anmeldungen auch \u00fcber Einzelpersonen aus dem salafistischen Spektrum, die als regelm\u00e4\u00dfige Teilnehmer der Kampagne bekannt sind. Daneben existiert in Hamburg eine weitere, der salafistischen Szene zuzurechnende Gruppierung, die sich zun\u00e4chst \"Dawa Team Hamburg\" nannte und seit Oktober 2014 als \"Hamburg Dawah Movement\" auftritt. Diese rund 30 Personen starke Gruppe zielt wie \"Lies! Hamburg\" darauf ab, durch ihre Info-St\u00e4nde und Street-Dawa-Aktionen in der Harburger sowie in der Hamburger Innenstadt im Bereich M\u00f6nckebergstra\u00dfe, haupts\u00e4chlich Jugendliche f\u00fcr ihre Ansichten und Ideologien zu gewinnen. Die Aktivisten treten dabei vordergr\u00fcndig zur\u00fcckhaltend auf, im Gespr\u00e4ch geben sie sich kooperativ, wollen nur \u00fcber den Islam informieren, treten tats\u00e4chlich aber kompromisslos f\u00fcr ihre salafistische Auslegung des Islam ein. Mit kurzen, pr\u00e4gnanten Botschaften wie \"Ist das Leben nur ein Spiel?\", der Benennung von Internetadressen zur weiteren Information gelingt es ihnen, das Interesse der Jugendlichen, 39","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten vor allem im Alter zwischen 16 bis 18 Jahren zu wecken. Die Gruppierung intensivierte ihre Aktionen vor allem im Mai und Juni 2014 in der Harburger Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, Bereich L\u00fcneburger Stra\u00dfe. Zwei weitere salafistische Gruppierungen treten in Hamburg unter den Namen \"Siegel des Propheten Team Hamburg\" und \"Jesus im Islam\" auf. Die genannten Gruppen \u00fcberschneiden sich zum Teil personell. Sie sind vor allem bei Street-Dawa-Aktionen und Koranverteilungen aktiv. Veranstaltung am Hamburger Hauptbahnhof mit Im Juli 2014 fand zum wiederPierre Vogel und Sven Lau zum Thema holten Mal eine Veranstaltung \"Gerechtigkeit f\u00fcr Pal\u00e4stina\" im Juli 2014 des bekannten salafistischen Predigers Pierre Vogel am Hamburger Hauptbahnhof statt. Zusammen mit dem Gastredner und Salafisten Sven Lau widmete Vogel sich vor etwa 250 Zuh\u00f6rern dem Thema \"Gerechtigkeit f\u00fcr Pal\u00e4stina\". Unter dem vorwiegend j\u00fcngeren Publikum befanden sich etliche Personen aus dem islamistischen Spektrum. Im Vorwege der Veranstaltung absolvierte Vogel bereits kleinere Vortr\u00e4ge in der Taqwa-Moschee, die als wichtigster Anlaufpunkt der hiesigen salafistischen Szene gilt. Mit dem Versuch, in Hamburg seine propagandistische Arbeit auszuweiten, verlegte Vogel im Herbst 2014 zun\u00e4chst seinen Wohnsitz in die Hansestadt. Letztlich gelang es ihm jedoch nicht, seine Pl\u00e4ne zur Missionsarbeit erfolgreich umzusetzen. Bereits nach kurzer Zeit verlie\u00df Pierre Vogel die Stadt wieder. Der Hamburger Verfassungsschutz warnte bereits vorzeitig auf seiner Internetseite in einem Internetbeitrag im Juli 2014 davor, dass Vogel den Schwerpunkt seiner Aktivit\u00e4ten nach Hamburg verlegen wolle. (Internetbeitrag: Umstrittener Salafist Pierre Vogel versucht sich an neuer Wirkungsst\u00e4tte in Hamburg) Ab dem 06.10.2014 kam es rund um den Steindamm / St. Georg zu mehrt\u00e4gig andauernden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Jesiden gegen Islamisten und IS-Sympathisanten. Den Aus40","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten schreitungen in Hamburg gingen Proteste der Konfliktparteien im Bundesgebiet voraus. Neben dem milit\u00e4rischen Vorgehen des \"Islamischen Staates\" (IS) gegen Zivilisten im n\u00f6rdlichen Irak beziehungsweise in der Grenzstadt Kobane waren Rivalit\u00e4ten im Bundesgebiet zwischen Gruppen mit kurdischem und tschetschenischem Hintergrund Ausl\u00f6ser f\u00fcr Pierre Vogel spricht zu den Besuchern der Veranstaltung \"Gerechtigkeit f\u00fcr Pal\u00e4stina\" im Juli die folgenden Auseinanderset2014 am Hamburger Hauptbahnhof zungen. Bei den gewaltsamen Ausschreitungen wurden auch Schlagund Stichwaffen eingesetzt, zahlreiche Personen trugen leichte, einige sogar schwere Verletzungen davon. Einer der zentralen Anlaufpunkte f\u00fcr Hamburgs Salafisten ist die im Stadtteil Harburg gelegene Taqwa-Moschee. Hier treffen aber nicht nur politische, sondern auch jihadistische Salafisten auch au\u00dferhalb der \u00f6ffentlichen Gebetsveranstaltungen zusammen. Eine weitere unter Beobachtung des LfV Hamburg stehende Moschee ist die ebenfalls in Harburg gelegene El Iman-Moschee. Auch in dieser Einrichtung hat der Einfluss der salafistischen Szene zugenommen. 5. Hizb ut-Tahrir (HuT) Die Hizb ut-Tahrir (HuT) - Partei der Befreiung - wurde 1953 von dem pal\u00e4stinensischen Politiker und Juristen Taqiaddin an Nabhani in Jerusalem gegr\u00fcndet. Es handelt sich um eine transnationale islamistische Organisation, die aus der Muslimbruderschaft hervorgegangen ist. Das Ziel der HuT ist die Errichtung eines weltweiten islamischen Kalifatstaates auf der Grundlage der Scharia unter der Herrschaft eines Kalifen. Sie propagiert damit eine theokratische Regierungsform, die weltliche und geistige F\u00fchrung in einer Person vereint. 41","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Die HuT ist eine politische Bewegung, die den von ihr postulierten Absolutheitsanspruch des Islam mit einem entsprechenden politischen Modell (Kalifat) verbindet und jede hiervon abweichende \"ungl\u00e4ubige Staatsform\" zur\u00fcckweist. Auch wird jede Teilnahme am politischen Leben in den \"blasphemischen Systemen\" entschieden abgelehnt. Es ist insbesondere verboten, die Regeln und Pflichten des Islam nur teilweise oder stufenweise umzusetzen. Weitere zentrale Punkte des Parteiprogrammes der HuT sind die Bek\u00e4mpfung des \"Kolonialismus\" und des \"Zionismus\". Unter der Bek\u00e4mpfung des Kolonialismus wird dabei die Befreiung der \"islamischen Gesellschaft\" von der angeblichen ideologischen F\u00fchrung durch den Westen verstanden. Die HuT bezeichnet den Staat Israel und das Volk der Juden als die zu bek\u00e4mpfenden \"Grund\u00fcbel\" auf dem Weg zur Verwirklichung der islamischen Gesellschaft. Die HuT distanziert sich von fast allen ihrer IdeoSymbol auf der Internetseite der Hizb ut-Tahrir logie nicht entsprechenden Organisationen. Innerhalb der muslimischen Gemeinde wird die HuT in der Regel abgelehnt, weil sie keine profunde religi\u00f6se Ausbildung vermittle, sondern in erster Linie nur das Kalifat propagiere. Bereits in den ersten Jahren nach der Gr\u00fcndung fand die HuT eine Vielzahl von Anh\u00e4ngern in den Staaten des arabischen Sprachraumes. Sie soll in den sechziger und siebziger Jahren an Putschversuchen in Jordanien, \u00c4gypten, Syrien und dem Irak beteiligt gewesen sein. Die HuT ist inzwischen in nahezu allen arabischen Staaten verboten, da sie die dortigen Herrschaftssysteme ablehnt und die jeweiligen Staatsoberh\u00e4upter als ungl\u00e4ubig betrachtet. Trotz der Verbote in den arabischen L\u00e4ndern ist sie in vielen dieser und anderer Staaten aktiv. Laut der Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministeriums des Inneren vom 15.01.2003 richtet sich die Organisation gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und bef\u00fcrwortet Gewaltanwendung als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele. \"Sie verbreite unter anderem antisemitische Hetzpropaganda und fordere zur T\u00f6tung von Juden auf.\" Das 42","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Verbot umfasst die Produktion und Verbreitung von Publikationen wie der deutschsprachigen Zeitschrift \"Explizit\". Das Bet\u00e4tigungsverbot wurde durch das Bundesverwaltungsgericht am 25.01.2006 best\u00e4tigt. Es stellte auch fest, dass es sich bei der HuT zudem nicht um eine Religionsoder Weltanschauungsgemeinschaft handelt. Auch vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) scheiterte die HuT am 19.01.2012 mit ihrer Klage gegen das Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland. Die Klage wurde vom EGMR f\u00fcr unzul\u00e4ssig erkl\u00e4rt, da die Richter es weiterhin als erwiesen ansahen, dass die HuT dem Staat Israel das Existenzrecht abgesprochen und zur Zerst\u00f6rung Israels aufgerufen habe. Zudem habe diese Vereinigung den Sturz der Regierungen in muslimisch gepr\u00e4gten Staaten bef\u00fcrwortet, um diese durch ein \u00fcbergeordnetes Kalifat auf Grundlage der Scharia zu ersetzen. Die HuT ist st\u00e4ndig bem\u00fcht ihren Mitgliederstamm zu erweitern. Als geeignete Plattformen haben sich hierzu Veranstaltungen in Moscheen, gezielte Ansprachen an Universit\u00e4ten und Schulen, politische Diskussionen mit Islambezug, aber auch eigene Veranstaltungen erwiesen. Durch den Aufbau freundschaftlicher Beziehungen wird zun\u00e4chst ein Vertrauensverh\u00e4ltnis geschaffen, indem besonders h\u00e4ufig religi\u00f6se und weltanschauliche Themen angesprochen und diskutiert werden. In Hamburg k\u00f6nnen der HuT etwa 100 \u00fcberwiegend afghanischund t\u00fcrkischst\u00e4mmige Anh\u00e4nger zugerechnet werden, die sich in Privatr\u00e4umen und geschlossenen Veranstaltungen, Restaurant oder anderen R\u00e4umlichkeiten treffen. Wie bereits in den Vorjahren gab es einige gr\u00f6\u00dfere Veranstaltungen der HuT in Hamburg, auf denen haupts\u00e4chlich Jugendliche und Interessierte an die Ideologie der HuT herangef\u00fchrt werden, ohne dass die wahren Initiatoren und deren Absichten offen gelegt werden. F\u00fcr die interne Weiterbildung gibt es \u00fcber Hamburg verteilt zahlreiche Schulungszirkel \"Halaqa\" sowohl in Deutsch als auch in Dari f\u00fcr den muttersprachlichen Unterricht, die zweimal die Woche stattfinden und sehr diszipliniert durchgef\u00fchrt werden. In Hamburg sind Mitglieder der HuT in vielen Moscheen unerw\u00fcnscht. Deshalb agieren sie dort zur\u00fcckhaltender, wo sie - wie zum Beispiel in 43","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten der Billstedter Ibrahim-Khalilullah Moschee - nur geduldet werden. Der Versuch in einigen Moscheen, sich aktiv in die jeweiligen Moschee-Vorst\u00e4nde einzubringen, scheiterte. Die Entwicklung des salafistischen Spektrums ( 4.5 und 4.6) blieb auch auf die HuT nicht ohne Auswirkung. Bis vor wenigen Jahren konnte die HuT als eine eher einheitliche und straff gef\u00fchrte Organisation betrachtet werden, die einheitlich den ideologischen Leitlinien folgte. Zwar schlossen sich immer wieder HuT-Angeh\u00f6rige dem salafistischen Spektrum an. In 2014 war aber festzustellen, dass sich HuT-Mitglieder gleichzeitig im salafistischen Spektrum engagieren, obwohl zwischen beiden Lagern gro\u00dfe ideologische Unterschiede bestehen. Auch die Ausrufung des \"Kalifats\" durch den \"Islamischen Staat\" wird in der HuT kontrovers diskutiert. 6. Hizb Allah (\"Partei Gottes\") Die schiitische Hizb Allah wurde im Sommer 1982 nach dem Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon auf iranische Initiative hin gegr\u00fcndet. Sie entwickelte sich auf Grund massiver iranischer Unterst\u00fctzung rasch zu einer militanten Sammlungsbewegung libanesischer Schiiten mit Schwerpunkten im Bekaa-Tal, S\u00fcd-Libanon und den Vororten von Beirut. Hier agiert sie als parastaatliche Ordnungsmacht. Eine Entwaffnung dieser Miliz ist nach wie vor eine nicht umgesetzte Forderung der UN-Resolution 1559 vom September 2004. Wichtigstes Ziel der Organisation ist der Kampf - auch mit terroristischen Mittelngegen Israel als \"unrechtm\u00e4\u00dfigen Besatzer pal\u00e4stinensischen Bodens\", den die Hizb Allah als \"legitimen Widerstand\" bezeichnet. Das lange propagierte Fernziel, die Umwandlung des Libanon in eine islamische Republik nach iranischem Vorbild, hat sich im Lauf der Zeit gewandelt. Nunmehr steht die allgemeinere Forderung nach mehr politischem Einfluss und einer Revision des konfessionellen Proporzsystems die sogenannte \"Taifija\" im politischen und administrativen Bereich zu Gunsten der Muslime und insbesondere der Schiiten im Vordergrund. Die enge ideologische Beziehung zur Islamischen Republik Iran besteht jedoch unver\u00e4ndert fort. 44","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Unter dem Dach der Hizb Allah agieren eine seit 1992 im libanesischen Parlament vertretene Partei, verschiedene Wohlfahrtsorganisationen sowie der milit\u00e4rische Fl\u00fcgel \"Islamischer Widerstand\" (\"al-Muqawama al-Islamiya\"). Die Hizb Allah ist im Libanon seitdem zu einem festen Bestandteil des politischen Systems geworden. Der im Nachbarland Syrien andauernde B\u00fcrgerkrieg gegen das Regime von Pr\u00e4sident Bashar al-Assad hat massive Auswirkungen auf die Sicherheitslage und Innenpolitik im Libanon. Nach Angaben der UN-Fl\u00fcchtlingsorganisation UNHCR wurden rund 1.150.000 syrische Fl\u00fcchtlinge im Libanon aufgenommen (Stand: Januar 2015). Fortlaufend finden bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Anh\u00e4ngern al-Assads, zu denen die Hizb Allah z\u00e4hlt, auch auf libanesischem Staatsgebiet statt. Die unterSymbol der Hizb Allah schiedlichen Lager sind zwar grunds\u00e4tzlich bem\u00fcht, eine Eskalation der Lage zu verhindern. Dennoch hat der Hizb Allah-Generalskret\u00e4r Hassan Nasrallah wiederholt erkl\u00e4rt, dass die Hizb Allah bis zum Sieg an der Seite al-Assads k\u00e4mpfen werde. Derzeit sind bundesweit etwa 30 Kulturund Moscheevereine bekannt, in denen sich regelm\u00e4\u00dfig ein Publikum trifft, das der Hizb Allah beziehungsweise deren Ideologie nahe steht. Diese Vereine sind \u00fcberwiegend im Vereinsregister eingetragen. Die Vereinsaktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich im Wesentlichen auf interne Treffen, Diskussionsveranstaltungen und religi\u00f6se Feiern (zum Beispiel Ramadan und Ashura). Sie sind von dem Bem\u00fchen gepr\u00e4gt, die Bindungen der hier lebenden Libanesen an ihre Heimat und an die Organisation zu festigen. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt das Sammeln von Spendengeldern zu den wichtigsten Aufgaben der Vereine. Der Organisation werden bundesweit etwa 950 Anh\u00e4nger zugerechnet. Die Anordnung Hassan Nasrallahs, sich in Deutschland gesetzeskonform zu verhalten, um keine Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr staatliche Ma\u00dfnahmen zu bieten, wird weiterhin befolgt. Auch der Syrienkonflikt und die 45","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten dadurch angespannte Sicherheitslage im Libanon haben bisher nicht zu wahrnehmbaren Reaktionen von Hizb Allah-Sympathisanten in Deutschland gef\u00fchrt. In Hamburg gibt es weiterhin etwa 30 Hizb Allah-Anh\u00e4nger, die auch im \"Islamischen Zentrum Hamburg\" (IZH) verkehren. 7. Iranische Islamisten Die Islamische Republik Iran ist einerseits ein politisches System mit gew\u00e4hlten Gremien und Parlament, andererseits eine theokratische Ordnung. Der Pr\u00e4sident repr\u00e4sentiert in ihrem Rahmen die Republik und hat sich unter anderem vor dem Volk zu verantworten; der oberste Religionsgelehrte Khamenei hingegen ist Stellvertreter des sogenannten verborgenen Imams, der 874 nicht gestorben, sondern \"entr\u00fcckt\" sei und wiederkehren werde, um die F\u00fchrung zu \u00fcbernehmen. Die Rolle des obersten Korangelehrten als Platzhalter mit nahezu unbegrenzter weltlicher Machtf\u00fclle hat der Gr\u00fcnder der Islamischen Republik Iran, der verstorbene Gro\u00dfayatollah Khomeini mit dem Prinzip der \"Velayat-e faqih\", der absoluten Herrschaft des anerkannten Rechtsgelehrten bzw. des Klerus, formuliert. Khamenei bestimmt - trotz massiver Verwerfungen innerhalb des Establishments und teilweise mangelnder Anerkennung in klerikalen Kreisen - nach wie vor die Richtlinien in grundlegenden politischen Fragen. Hierzu steht ihm mit dem sogenannten \"Beyt-e rahbar\" ein eigenes Steuerungs-, Machtund Finanzinstrument zur Verf\u00fcgung, das zwar auch eine informelle, aber vor allem zentrale politische Funktion innerhalb der Islamischen Republik einnimmt und mit tausenden Mitarbeitern der faktischen Durchsetzung des Prinzips der Herrschaft des Obersten Rechtsgelehrten (persisch: \"Velayat-e faqih\") dienen soll. Die iranische Staatsf\u00fchrung pr\u00e4sentierte sich der \u00d6ffentlichkeit mit antiisraelischen \u00c4u\u00dferungen, wiederkehrend wird f\u00fcr den Staat Israel die Bezeichnung \"Krebsgeschw\u00fcr\" genutzt, im November 2013 titulierte Khamenei das \"zionistische Regime\" als \"Bastard\". Sowohl auf der innenwie au\u00dfenpolitischen B\u00fchne wird ein antiwestlicher und rigoros islamistischer Kurs mit dem in der iranischen Verfassung deklarierten Leitmotiv der Islamisierung der westlichen Nationen (\"Export der islamischen Revolution\") gepflegt. Seit der Wahl des als gem\u00e4\u00dfigt 46","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten geltenden Hassan Rouhani im Juni 2013 zum neuen Pr\u00e4sidenten sind Anzeichen f\u00fcr eine Wieder-Ann\u00e4herung Irans an die westlichen Regierungen erkennbar. Proiranische Einrichtungen in Deutschland sind grunds\u00e4tzlich als Instrumente der iranischen Staatsf\u00fchrung zu bewerten, die deren theokratische Staatsdoktrin vertreten. Sie repr\u00e4sentieren eine Werteordnung, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbar ist. In Hamburg befindet sich eine derartige proiranische Einrichtung, die an der Au\u00dfenalster gelegene schiitische \"Imam Ali-Moschee\", deren Tr\u00e4gerverein das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) ist. Die Finanzierung der Moschee soll \u00fcber das \"Beyt-e rahbar\" gesteuert werden. Die Position des IZH-Leiters wird traditionell mit einem linientreuen Anh\u00e4nger der iranischen Staatsdoktrin und der islamischen Revolutionsziele besetzt. Der aktuelle IZH-Leiter Ayatollah Dr. Reza Ramezani gilt wie seine Vorg\u00e4nger als Vertreter des Revolutionsf\u00fchrers Khamenei in Europa und ist in der schiitischen Gemeinde als religi\u00f6ser Repr\u00e4sentant der Islamischen Republik Iran bekannt. Dar\u00fcber hinaus ist er Mitglied des \"Expertenrates\", eines Gremiums in Iran, das alle vom iranischen Parlament beschlossenen Gesetze auf Verfassungskonformit\u00e4t \u00fcberwacht und den Revolutionsf\u00fchrer kontrollieren soll. Die Religion, so wie sie Die Imam Ali-Moschee an der Au\u00dfenalster vom IZH verstanden wird, ist mehr als der Rahmen f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen Mensch und Gott. Vielmehr soll sie das Verh\u00e4ltnis der Menschen untereinander unter anderem auf den Feldern der Politik, \u00d6konomie und Jurisprudenz regeln. Dem Grunde nach betrachtet der IZH-Leiter S\u00e4kularismus und Laizismus als nicht mit dem Islam vereinbar. Das IZH ist eines der wichtigsten islamischen Zentren in Europa, das von schiitischen Muslimen verschiedener Nationen als zentrale religi\u00f6se Anlaufstelle genutzt wird - neben Iranern vor allem von Afghanen, Arabern, Libanesen, Pakistanern und T\u00fcrken sowie deutschen Konver47","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten titen. In der Moschee finden regelm\u00e4\u00dfig Gebetsveranstaltungen sowie eine Vielzahl religi\u00f6ser Feierlichkeiten statt. Zudem werden diverse Lehrveranstaltungen angeboten, so etwa islamischer Religionsunterricht f\u00fcr Kinder und Sprachunterricht in den Sprachen Arabisch, Deutsch und Persisch. Wie bereits seit 2009 beteiligen sich IZH-Besucher und -Funktion\u00e4re bei der Unterst\u00fctzung der auch 2014 in Berlin stattgefundenen israelfeindlichen Demonstration zum \"Jerusalem-Tag\" (\"Quds-Tag\"). Am 25.07.2014 beteiligten sich etwa 120 Personen aus Hamburg an der von insgesamt circa 1.200 Demonstranten besuchten Veranstaltung, um ihren Protest gegen die Besetzung Jerusalems (arabisch: al-quds = die Heilige Stadt) und ihre Solidarit\u00e4t mit den aus ihrer Sicht unterdr\u00fcckten Pal\u00e4stinensern auszudr\u00fccken. Es gibt nach wie vor Anhaltspunkte f\u00fcr eine Beteiligung des IZH bei der Organisation und Durchf\u00fchrung der Veranstaltung. Durch eine umfangreiche \u00d6ffentlichkeitsarbeit propagiert das IZH den Islam iranischer Pr\u00e4gung und strebt damit an, den \"Export der islamischen Revolution\" zu verwirklichen. Die Inhalte sind dabei moderat formuliert und bieten nur selten Angriffsfl\u00e4chen. Nach au\u00dfen stellt sich das IZH als rein religi\u00f6se Einrichtung dar, die keine politischen Aktivit\u00e4ten gestattet. \u00dcblicherweise wird eine \u00f6ffentliche Verbindung oder Identifizierung mit der iranischen Staatsf\u00fchrung vermieden. Dennoch ist das Staatsund Gesellschaftsverst\u00e4ndnis des IZH vom Primat der Religion gegen\u00fcber Demokratie und Rechtsstaat gepr\u00e4gt. In der gegenw\u00e4rtig aktuellen Diskussion zur Abgrenzung des Islam vom Islamismus, insbesondere unter dem Eindruck der Mordanschl\u00e4ge von Paris vom 07.01.2015 distanzierte sich Ramezani auf einer Veranstaltung am 10.01.2015 im IZH ganz eindeutig von der M\u00f6glichkeit der Legitimation von Gewalttaten im Namen des Islam. Gleichzeitig ver\u00f6ffentlichte das IZH auf seiner Webseite jedoch eine Rede Ayatollah Khameneis, in der dieser unter anderem die USA, England und das als \"zionistisches Regime\" benannte Israel beschuldigt, Konflikte zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen zu sch\u00fcren. So identifiziert er als Basis f\u00fcr die Ideologie und Existenz der Terrororganisation IS die Idee des \"Takfirismus\" (sinngem\u00e4\u00df jemanden \"f\u00fcr Ungl\u00e4ubig erkl\u00e4ren\"), auf dessen Grundlage sunnitische Muslime Gewalttaten auch gegen schiitische Muslime rechtfertigen. 48","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten \"Obwohl diese Takfiri-Ausrichtung nicht neu ist, (...), wurden sie jetzt seit einigen Jahren wiederbelebt und gest\u00e4rkt mit den Verschw\u00f6rungen der Arroganz, mit dem Geld von einigen Regionalregierungen und mit den Systemen der Nachrichtendienste der kolonialistischen L\u00e4nder wie USA, England und dem zionistischen Regime.\" Weiter behauptet er: \"Wir wurden dar\u00fcber informiert, dass ein US-amerikanisches Transportflugzeug die Munition genau dort abgeworfen hat, wo diese als DAESH, arabische Bezeichnung f\u00fcr Islamischer Staat (IS), bekannte Gruppe sie ben\u00f6tigte.\" Damit unterstellt er eine direkte Unterst\u00fctzung der Terrororganisation durch Waffenlieferungen der USA. Da diese Rede von den Verantwortlichen des IZH nicht kommentiert wurde, teilen sie offensichtlich diese \u00dcberzeugungen Khameneis. In Deutschland existieren eine Reihe von schiitischen islamischen Zentren und Organisationen. Das IZH hat ein bundesweites Kontaktnetz aufgebaut und \u00fcbt auf Schiiten unterschiedlicher Nationalit\u00e4t sowie die schiitisch-islamischen Moscheen und Vereine Einfluss aus, bin hin zur vollst\u00e4ndigen Kontrolle. \u00dcber diese Organisationen sorgt das IZH vor allem mit finanziellen Mitteln f\u00fcr die Verbreitung der iranischen \"Revolutionsidee\" in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen wie Religion, Bildung und Sport. Das IZH ist in einigen islamischen Dachverb\u00e4nden vertreten. In Hamburg wirkt es in f\u00fchrender Position in der zentralen islamischen Organisation \"Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg e.V.\" (SCHURA), einem Zusammenschluss von zahlreichen Moschee-Tr\u00e4gervereinen. Auf Bundesebene sind Vertreter des IZH im \"Zentralrat der Muslime in Deutschland\" (ZMD) und in der \"Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden in Deutschland e.V.\" (IGS) und auf europ\u00e4ischer Ebene in der \"Islamisch-Europ\u00e4ischen Union der Schia-Gelehrten und Theologen\" (IEUS) aktiv. 49","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten 8. Sonstige islamistische Gruppierungen Au\u00dfer den n\u00e4her beschriebenen Organisationen und Gruppierungen stufen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden einige weitere Bestrebungen als islamistisch gepr\u00e4gt ein. Folgende Gruppierungen sind auch in Hamburg vertreten, waren aber 2014 wenig aktiv oder wurden aufgrund Priorit\u00e4tensetzungen nur eingeschr\u00e4nkt beobachtet: * \"Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung\" (MGB): Zu diesem Sammel-Beobachtungsobjekt des Verfassungsschutzverbundes geh\u00f6ren verschiedene Organisationen und Vereinigungen, die sich an das mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht vereinbare Gedankengut des Gr\u00fcnders der Bewegung Necmettin Erbakan anlehnen. Als sehr heterogene Bestrebung erwies sich 2014 die \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs\" (IGMG). Einige Teile dieser bundesweiten Organisationen weisen noch eine sehr gro\u00dfe N\u00e4he zu der Ursprungsideologie auf, so dass sie von den zust\u00e4ndigen Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz weiterhin beobachtet werden. Der Hamburger Landesverband der IGMG - das \"B\u00fcndnis Islamischer Gemeinden in Norddeutschland e.V.\" (BIG) - hat sich von dem verfassungsfeindlichen Gedankengut der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung so weit entfernt, dass das LfV Hamburg im Verlauf des Berichtsjahres 2014 die Beobachtung eingestellt hat. Aber auch in Hamburg sind Strukturen der verfassungsfeindlichen MGB vorhanden, die der Verfassungsschutz im Fokus behalten wird. Hierzu z\u00e4hlen unter anderem die \"Ismail Aga Gemeinde\" (\"Ismail Aga Cematii\"), IAC, und Parteistrukturen der \"Saadet Partisi\" (SP). Weiterhin islamistisch gepr\u00e4gt sind: * \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) * HAMAS (Harakat al-Muqaqama al-Islamiya, Islamische Widerstandsbewegung) * Muslimbruderschaft (MB) 50","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten * Hezb-e Eslami-ye Gulbuddin (HIG; Islamische Partei Gulbuddin)/ Hezb-e Eslami-ye Afghanistan (HIA, Islamische Partei Afghanistan) * Tablighi Jama'at (TJ, Gemeinschaft der Verk\u00fcndung und Mission) Weitere Informationen zum Thema sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten finden Sie auf den Internetseiten: www.hamburg.de/verfassungsschutz www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen/ www.hamburg.de/innenbehoerde/islamismus/ 51","","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug III. Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug 1. Entwicklungen und Schwerpunkte Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden klassifizieren die von ihnen beobachteten Bestrebungen traditionell in die Bereiche Links-, Rechtsund Ausl\u00e4nderextremismus. Die Klassifizierung Ausl\u00e4nderextremismus ist insofern missverst\u00e4ndlich, als es sich bei solchen extremistischen Gruppierungen, die vor allem von Menschen ausl\u00e4ndischer Herkunft unterst\u00fctzt werden, auch um links-, beziehungsweise rechtsextremistische Bestrebungen handeln kann. Zudem sind mittlerweile zahlreiche Anh\u00e4nger dieser Bestrebungen deutsche Staatsangeh\u00f6rige. Das LfV Hamburg hat 2012 daher den Sprachgebrauch auslandsbezogener Extremismus eingef\u00fchrt. Extremistische Bestrebungen mit religi\u00f6sem Bezug, also insbesondere der Islamismus (Kapitel II), lassen sich nicht in die herk\u00f6mmliche Klassifizierung einordnen. Sie werden deshalb gesondert ausgewiesen. Die politische Entwicklung in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern ist die ma\u00dfgebliche Einflussgr\u00f6\u00dfe der in Deutschland aktiven extremistischen Organisationen. Dies gilt auch f\u00fcr islamistische Gruppen. Im Jahr 2014 hatte insbesondere der Vormarsch der Terrororganisation IS in Syrien (Kampf um die Stadt Kobane) und Irak (K\u00e4mpfe im Sindschar-Gebirge) gro\u00dfe Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Hamburg. Die Verfolgung und Bedrohung vornehmlich der kurdischen Bev\u00f6lkerung in Syrien und Irak sorgten f\u00fcr zunehmende Spannungen, insbesondere bei den hier lebenden kurdischen Volkszugeh\u00f6rigen. Diese m\u00fcndeten schlie\u00dflich im Oktober 2014 in gewaltsame Ausschreitungen mit Anh\u00e4ngern und Sympathisanten der Terrororganisation IS auf dem Steindamm im Stadtteil St. Georg, die nur durch einen \u00fcber Tage andauernden massiven Polizeieinsatz beendet werden konnten ( 4). Ein Schwerpunkt der Beobachtung des LfV Hamburg ist hier die mit einem Bet\u00e4tigungsverbot belegte \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK, 4). Sie ist die mitgliederst\u00e4rkste Organisation und stets in der Lage, auch kurzfristig auf bestimmte Ereignisse zu reagieren und Kampagnen 54","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug im Sinne der PKK-Ideologie durchzuf\u00fchren. Neben der Situation ihres seit 1999 in der T\u00fcrkei inhaftierten Anf\u00fchrers Abdullah \u00d6calans wurden insbesondere die bewaffneten Auseinandersetzungen in Syrien und im Irak in der \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Hamburg thematisiert, an denen die milit\u00e4rische Arme der PKK zur Durchsetzung der Organisationsziele aktiv beteiligt sind. T\u00fcrkisch-nationalistische Organisationen ( 5.2) waren 2014 \u00f6ffentlich mit Demonstrationen nicht aktiv. Ihre Anh\u00e4nger und Sympathisanten nutzen in Hamburg weiterhin \u00fcberwiegend das Internet f\u00fcr ihren Austausch, sind aber bem\u00fcht, diese virtuellen Kontakte in das reale Leben zu \u00fcbertragen. 2. Potenziale Im Jahr 2014 belief sich die Zahl der Anh\u00e4nger extremistischer Organisationen mit Auslandsbezug (ohne Islamisten) in Deutschland auf 26.542 (2013: 28.810). Davon wurden 16.227 Personen (2013: 17.920) linksextremistischen sowie 10.315 Personen (2013: 10.840) extrem-nationalistischen Organisationen zugerechnet. Die leicht gesunBund: Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus 30000 25000 25.250 25.250 26.542 25.320 24.750 24.910 28.810 28.810 24.710 26.410 20000 15000 10000 5000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - 55","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug kenen Zahlen resultieren im Wesentlichen aus ge\u00e4nderten Einsch\u00e4tzungen auf Bundesebene hinsichtlich des Potenzials der PKK, iranischer Extremisten und t\u00fcrkischer Linksextremisten. Das zahlenm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Potenzial mit 12.128 Personen wird weiterhin von kurdischen Gruppierungen gebildet. Die Anh\u00e4nger des t\u00fcrkisch-nationalistischen Extremismus, stellen mit rund 10.000 Anh\u00e4ngern die zweitgr\u00f6\u00dfte auslandsbezogene extremistische Gruppierung dar. In Hamburg wurde die Zahl der Anh\u00e4nger politisch-extremistischer Gruppierungen mit Auslandsbezug (ohne Islamisten) im Jahr 2014 auf etwa 850 Personen (2013: 850, 2012: 770) gesch\u00e4tzt. Hamburg: Gesamt-Personenpotenzial im auslandsbezogenen Extremismus 1500 1200 900 850 850 770 770 920 920 980 1.000 1.265 970 600 300 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - 56","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Sie verteilen sich auf die verschiedenen Ph\u00e4nomenbereiche wie folgt: * Die Anh\u00e4ngerschaft der PKK wird auf rund 600 Personen gesch\u00e4tzt (2013: 600) * Die Zahl t\u00fcrkischer Linksextremisten betrug 145 (2013: 148) * Die Zahl t\u00fcrkisch-nationalistischer Anh\u00e4nger betrug 105 (2013: 105) 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t Im Jahr 2014 wurden 130 politisch motivierte Straftaten im Ausl\u00e4nderextremismus in Hamburg erfasst (2013: 34). Dieser signifikante Anstieg ist im Wesentlichen auf die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Islamisten und Unterst\u00fctzern kurdischer Organisationen im Gebiet des Steindamms im Stadtteil St. Georg im Oktober 2014 zur\u00fcckzuf\u00fchren ( 4.3), bei denen eine hohe Zahl von F\u00e4llen teils schwerer K\u00f6rperverletzung, Landfriedensbruch und Sachbesch\u00e4digung zu verzeichnen war sowie das Mitf\u00fchren und Verwenden unerlaubter Waffen festgestellt wurde. Weitere Delikte im Berichtszeitraum waren Sachbesch\u00e4digungen durch Farbschmierereien sowie \u00f6ffentliches Zeigen von Fahnen und Transparenten mit verbotenen Symbolen. Mit Ausnahme der Auseinandersetzungen im Oktober 2014 verliefen Kundgebungen und Demonstrationen ausl\u00e4ndisch-extremistischer Organisationen weitgehend st\u00f6rungsfrei. Die PKK als gr\u00f6\u00dfte unter diesen Gruppierungen ist weiterhin bem\u00fcht, in Deutschland und Europa als politischer Ansprechpartner akzeptiert zu werden. Im April 2015 bat ein Sprecher der Organisation sogar um Verzeihung f\u00fcr die Gewalttaten, die die PKK in den 1990er Jahren in Deutschland begangen hat. Daher h\u00e4lt sich die Organisation bei der Mobilisierung ihrer Anh\u00e4nger wie schon in den Vorjahren sehr zur\u00fcck. Ein gewisses Risikopotenzial stellen weiterhin die jugendlichen Anh\u00e4nger der PKK dar, die sich nicht immer an die offiziellen Direktiven der Organisation halten. 57","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug PMK2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Ausl\u00e4nder PMKAusl\u00e4nder 39 42 33 46 30 14 33 40 34 130 insgesamt davon extrem. 20 13 12 35 7 3 5 5 3 101 Kriminalit\u00e4t hiervon extrem. Gewaltde12 2 4 7 1 1 4 3 0 32 likte Die Zahlen stammen von der Polizei Hamburg. - Stand: Februar 2015 - 4. PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) 4.1 Entwicklungen und Organisatorisches Die am 27.11.1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK wurde in Deutschland am 26.11.1993 verboten und wird von der europ\u00e4ischen Union seit 2002 als terroristische Organisation gelistet. Die PKK hatte 1984 haupts\u00e4chlich im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei einen Guerillakrieg gegen das t\u00fcrkische Milit\u00e4r begonnen. Das Ziel, ein eigener kurEmblem der PKK discher Staat, wurde sp\u00e4ter aufgegeben und durch die Forderung nach begrenzter Autonomie innerhalb des t\u00fcrkischen Staates ersetzt. Der PKK-Gr\u00fcnder Abdullah \u00d6calan befindet sich seit 1999 auf der t\u00fcrkischen Insel Imrali in Haft. Basierend auf den Vorstellungen \u00d6calans wurde seit 2005 die Idee eines \u00fcberstaatlichen Gemeinwesens der Kurden entwickelt. Als organisatorische Struktur wurde hierzu die \"Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans\" (Koma Civaken Kurdistan, KCK) ins Leben gerufen, deren h\u00f6chstes Beschlussgremium der KONGRA GEL ist. Trotz seiner Inhaf58","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug tierung fungiert \u00d6calan formell als F\u00fchrer der KCK, die von \u00d6calan und dem Exekutivrat der KCK festgelegte F\u00fchrungslinie gilt quasi als Gesetz. Im Zuge des seit Ende 2012 eingeleiteten Friedensprozesses zwischen der T\u00fcrkei und der PKK konnten 2014 weiterhin kleine Delegationen kurdischer Parteien \u00d6calan regelm\u00e4\u00dfig besuchen. Gleichzeitig fungierten diese als \u00dcbermittler und als Kommunikationsstrang zur PKK - F\u00fchrung im irakischen Kandil-Gebirge. Am 04.08.2014 durfte erstmals seit mehr als drei Emblem der \"Koma Civaken Kurdistan\" (KCK) Jahren wieder ein Anwalt \u00d6calans auf die Gef\u00e4ngnisinsel \u00fcbersetzen. Auf der Europaebene liegt die Parteiarbeit der PKK in den H\u00e4nden ihres politischen Arms, der \"Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa\" (CDK). Die Forderung nach der Freilassung \u00d6calans, die Aufkl\u00e4rung der Morde an drei PKK-Aktivistinnen in Paris im Januar 2013 und die Entwicklungen im Friedensprozess mit der T\u00fcrkei, blieben auch 2014 weiterhin grunds\u00e4tzliche Themen der PKK-Anh\u00e4ngerschaft. Im besonderen Fokus standen aber die eskalierenden milit\u00e4rischen Konflikte zwischen kurdischen Einheiten und der islamistischen Miliz des \"Islamischen Staates\" (IS) im Norden und Nordosten Syriens (der \"selbstverwalteten kurdischen Region Rojava\") und im Nordirak. Zun\u00e4chst stimmten Anfang Januar 2014 Delegierte aus dem syrischen Teil \"Kurdistans\", der unter der Federf\u00fchrung der syrischen PKK-Schwesterorganisation \"Partei der demokratischen Union\" (PYD) steht, einem Verfassungsentwurf zu, in dem die Rahmenbedingungen wie allgemeine Prinzipien, Rechte und Pflichten f\u00fcr ein Zusammenleben in \"Rojava\" festgeschrieben wurden. Mithin wurde auch eine Gebietsunterteilung in drei Kantone festgelegt: Cizere, Kobane, Afrin. Am 21.01.2014 wurde dann in dem in Nordost-Syrien gelegenen, neu gegr\u00fcndeten Kanton \"Cizire\" (In Anlehnung an die vorwiegend kurdisch besiedelte t\u00fcrkische Grenzstadt Cizre) die \"Demokratische Autonomie\" ausgerufen und eine Regierung gebildet, die sich aus einem Pr\u00e4sidenten 59","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug und 22 Ministern zusammensetzt. Hierbei sind dem kurdischen Pr\u00e4sidenten und den Ministern jeweils ein der assyrischen und arabischen Volksgruppe zugeh\u00f6riger Vertreter beigeordnet. Im Anschluss gr\u00fcndeten sich am 27. und am 29.01.2014 auch die Kantone \"Kobane\" und \"Afrin\". Durch das Erstarken und das Expansionsbestreben islamistischer Kr\u00e4fte in der Region, versch\u00e4rften sich auch in 2014 die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwischen dem milit\u00e4rischen Arm der PYD, den \"Volksverteidigungseinheiten\" (Yekineyen Parastina Gel [YPG] / Yekineyen Parastina Jin [YPJ]) und islamistischen Milizen zun\u00e4chst in den an der syrischen Grenze zur T\u00fcrkei gelegenen kurdischen Kantonsgebieten. Nach dem schnellen Vormarsch der islamamistischen Terrormiliz \"Islamischer Staat\" (IS) gelang es Einheiten verschiedener kurdischer Verb\u00e4nde im Sindschar-Gebirge, kurzfristig Fluchtkorridore f\u00fcr tausende eingeschlossene Fl\u00fcchtlinge zu errichten. Kobane wurde vom IS soweit eingeschlossen, dass Kampfgruppen der YPG / YPJ lediglich den Zugang zum nahegelegenen t\u00fcrkischen Grenz\u00fcbergang freihalten konnten. Die T\u00fcrkei verlagerte daraufhin Panzertruppen an die Grenze. In einem Interview mit der PKK-Tageszeitung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Y\u00d6P) beschuldigte eine hochrangige PKK-Funktion\u00e4rin die t\u00fcrkische Regierung, den IS zu unterst\u00fctzen. Nachdem die \"Regierung Rojavas\" ein Verteidigungsgesetz erlassen hatte, das die Ableistung einer sechsmonatigen \"Verteidigungspflicht\" f\u00fcr B\u00fcrger der \"Rojava\"-Kantone im Alter zwischen 18 und 30 Jahren regelt, hatte auch die Europaf\u00fchrung der PKK-Jugend kurdische Jugendliche in Europa dazu aufgerufen, sich jeweils f\u00fcr sechs Monate am Widerstand in Kobane zu beteiligen. Auch auf der Internetseite eines einschl\u00e4gigen kurdischen Nachrichtenportals hie\u00df es, es sei an der Zeit, dass auch die kurdisch st\u00e4mmigen Jugendlichen in Europa diese \"Ehrenschuld\" begleichen sollen. Es sei erforderlich, f\u00fcr die \"Massaker und Morde\" Vergeltung zu \u00fcben, denn diese Rache garantiere ein freies \"Kurdistan\" sowie die Befreiung \u00d6calans. 60","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Trotz heftiger Gefechte mit mehreren hundert Toten auf beiden Seiten und der Unterst\u00fctzung US-gef\u00fchrter Luftschl\u00e4ge gegen islamistische Stellungen, drohte der Stadt Kobane ab Mitte Oktober 2014 die vollst\u00e4ndige Einnahme durch IS-Milizen. Diese konnten jedoch in erbitterten H\u00e4userk\u00e4mpfen wiederholt zur\u00fcckgeschlagen werden. Ende Oktober wurden nach l\u00e4ngeren Verhandlungen mit der T\u00fcrkei zur Unterst\u00fctzung der YPG / YPJ-Verb\u00e4nde zun\u00e4chst 150 irakische Peschmerga-K\u00e4mpfer mit schweren Waffen \u00fcber t\u00fcrkisches Gebiet nach Kobane herangef\u00fchrt. In den Folgewochen und Monaten konnten kurdisch-gef\u00fchrte Bodenstreitkr\u00e4fte im Zusammenwirken mit gezielten Bombardements aus der Luft die islamistischen K\u00e4mpfer nahezu g\u00e4nzlich aus dem mittlerweile fast v\u00f6llig zerst\u00f6rten Stadtgebiet dr\u00e4ngen und auch einige vorgelagerte D\u00f6rfer zur\u00fcckerobern. Diese Koalition gegen den IS bestand aus K\u00e4mpfern der YPG / YPJ, der PKK, der Peschmerga, der \"Freien syrischen Armee\", Gruppen verschiedener syrisch-arabischer St\u00e4mme und aus Einzelpersonen, die sich unter anderem aus Europa oder \u00dcbersee angeschlossen hatten. Im Zuge dieser Wendung wurde die \"Befreiung von Kobane\" und der \"Sieg gegen IS\" Ende Januar 2015 in der kurdischen Community nicht nur in Deutschland teils frenetisch gefeiert. Der anhaltende Friedensprozess zwischen der T\u00fcrkei und der PKK war auch in 2014 mehr von gegenseitigem Misstrauen, Vorw\u00fcrfen und Drohungen gepr\u00e4gt als von weiterf\u00fchrenden positiven Entwicklungen. Nach t\u00fcrkischen Presseberichten aus dem Fr\u00fchjahr 2014 sei in einigen Provinzen der PKK-Waffenbestand unver\u00e4ndert geblieben. Der R\u00fcckzug der PKK sei beschr\u00e4nkt auf einige t\u00fcrkische Regionen am Schwarzen Meer, in Ostanatolien und im Landesinneren. Aktionen wie kleinere Gefechte, Angriffe auf staatliche Einrichtungen, Entf\u00fchrungen, Sammeln von Schutzgeldern, Blockieren von Stra\u00dfen seien noch aktuell. Bei Entf\u00fchrungen und Stra\u00dfenblockaden sei ein Anstieg zu beobachten. 61","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Nachdem PKK-Anh\u00e4nger Mitte August 2014 in der Stadt Lice eine Bronzestatue eines Mitbegr\u00fcnders der Organisation errichtet hatten, wurde diese kurz darauf durch t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte wieder entfernt. Bei anschlie\u00dfenden Protesten soll ein Demonstrant get\u00f6tet worden sein. Laut der PKK-Tageszeitung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Y\u00d6P) h\u00e4tten K\u00e4mpfer der PKK als Vergeltung f\u00fcr das Einrei\u00dfen der Statue Stellungen von Polizei und Armee angegriffen und neun Angeh\u00f6rige der Sicherheitskr\u00e4fte get\u00f6tet. Weiteren Anschl\u00e4gen und Aktionen der PKK-Guerilla seien nochmals drei Soldaten zum Opfer gefallen. Auch die der PKK zuzurechnende \"Patriotische revolution\u00e4re Jugendbewegung\" (YDG-H) lieferte sich in einigen St\u00e4dten im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei Stra\u00dfenschlachten mit Sicherheitskr\u00e4ften und auch Anh\u00e4ngern der \"Partei der freien Sache\" (H\u00fcda Par), die der t\u00fcrkisch-islamistischen Hizbullah nahesteht. Die YDG-H gilt als eine Art militante \"Stadtguerilla\", die zumindest bis Ende 2014 versuchte, die Kontrolle \u00fcber mehrere Orte in den kurdischen besiedelten Provinzen zu erlangen. Nach Pressemeldungen habe sich die YDG-H im Januar 2015 zu mehreren Bombenanschlagsversuchen in Istanbul bekannt. Im Konflikt um die umk\u00e4mpfte Stadt Kobane warf die PKK der t\u00fcrkischen Regierung wiederholt Tatenlosigkeit im Hinblick auf ein drohendes Massaker und auch die Unterst\u00fctzung der islamistischen IS vor. Sie kritisierte weiterhin den Ausbau milit\u00e4rischer Einrichtungen in der T\u00fcrkei und warnte die t\u00fcrkische Regierung vor dem Scheitern des Friedensprozesses. W\u00e4hrend \u00d6calan als Verhandlungspartner gegen\u00fcber der T\u00fcrkei bestrebt scheint, diesen Friedensprozess am Laufen zu halten, stehen verschiedene Aktionen und Anschl\u00e4ge von PKK-Einheiten der Entwicklung einer friedlichen L\u00f6sung entgegen. Dies erweckt auch vor dem Hintergrund wiederholter Aussagen und Drohkulissen der PKK-F\u00fchrung im Nord-Irak nicht den Eindruck, dass diese ohne Abstriche hinter \u00d6calan und seinem Kurs steht. Dennoch ist \u00d6calans Einfluss, Ansehen und Bedeutung insgesamt innerhalb der Organisation nach wie vor als ungebrochen hoch anzusehen. Insofern erscheint eine erneute Doppelstrategie der PKK nicht abwegig, um einerseits Friedensbem\u00fchungen und Gespr\u00e4chsbereitschaft zu signalisieren, andererseits milit\u00e4rischen Druck auszu\u00fcben, um die t\u00fcrkische Regierung an den Verhandlungstisch zu zwingen. 62","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug 4.2 Aktivit\u00e4ten und Schwerpunkte in Deutschland Im Urteil vom 28.10.2010 (Az. 3StR 179/10) hat der Bundesgerichtshof festgestellt, dass es sich bei der PKK um eine ausl\u00e4ndische terroristische Vereinigung handelt. Dementsprechend basieren die Ermittlungen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auf SSSS129 a,b StGB. Die PKK verf\u00fcgt ungeachtet des Verbots in Deutschland weiterhin \u00fcber einen illegalen und konspirativ handelnden Funktion\u00e4rsk\u00f6rper. Ebenso besteht weiterhin eine feste Organisationsstruktur, nach der Deutschland in vier \"Bereiche\" (\"Saha\") unterteilt ist. Neben dem Saha Nord existieren die Bereiche Mitte, S\u00fcd I und II. Auf der darunter liegenden Hierarchie-Ebene bestehen \"Gebiete\" (\"B\u00f6lge\"); Hamburg bildet zusammen mit seinem Umland in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ein solches Gebiet. In Deutschland werden der PKK derzeit circa 14.000 Personen zugerechnet. F\u00fcr ihren gro\u00dfen Funktion\u00e4rsapparat und ihre umfangreichen Aktivit\u00e4ten sowie zur Unterst\u00fctzung der Guerilla in der T\u00fcrkei und den angrenzenden Staaten ben\u00f6tigt die PKK erhebliche finanzielle Mittel, die \u00fcberwiegend in Europa beschafft werden. Die Einnahmen stammen vor allem aus Beitr\u00e4gen der Mitglieder, dem Verkauf von Publikationen und den Erl\u00f6sen aus Veranstaltungen. Den gr\u00f6\u00dften Teil bringen die j\u00e4hrlichen Spendensammlungen ein. Hierbei erh\u00e4lt jedes Gebiet schwer zu erreichende Zielvorgaben und steht unter entsprechendem organisationsinternen Druck, diese zu erf\u00fcllen. Es geh\u00f6rt zum Selbstverst\u00e4ndnis der PKK, alle Kurden zu vertreten. Deshalb deklariert sie ihre Zahlungen als eine \"Steuer\" zur \"Befreiung Kurdistans\", der man sich nicht entziehen k\u00f6nne. Dar\u00fcberhinaus haben auch situativ bedingte Themen, wie das umk\u00e4mpfte \"Rojava\", Einfluss auf die Spendenforderungen und -bereitschaft. Mitunter f\u00fchren die in der Summe geleisteten Spenden, Beitr\u00e4ge oder anderen Abgaben manchen aus der PKK-Anh\u00e4ngerschaft an die Grenze seiner finanziellen Belastbarkeit. Die Koordinierung des Vereinslebens obliegt auf Europaebene einem 1993 gegr\u00fcndeten und in Br\u00fcssel ans\u00e4ssigen europ\u00e4ischen Dachverband, der sich nach Umbenennung als \"Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" (KCD-E - vormals Konf\u00f6deration 63","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug kurdischer Vereine in Europa, KON-KURD) bezeichnet. Ihm sind die jeweiligen nationalen - der PKK zuzurechnenden - Dachverb\u00e4nde kurdischer Vereine als Mitgliedsorganisationen angeschlossen. Eine durch den KCD-E beschlossene Neustrukturierung der Vereine in Europa sollte ab Anfang 2014 fl\u00e4chendeckend umgesetzt werden. So fanden in diversen St\u00e4dten in Deutschland und Europa Gr\u00fcndungsversammlungen \"kurdischer Gesellschaftszentren\" statt. Da der illegal t\u00e4tige Funktion\u00e4rsapparat der PKK weiterhin richtungsweisend agiert, ist eine echte Neustrukturierung und -ausrichtung bisher zweifelhaft. Die PKK suggeriert ihren Anh\u00e4ngern durch eine vermeintlich verbesserte dezentrale Pr\u00e4senz bis in kleinere Teilgebiete hinein mehr Mitwirkung an Entscheidungsprozessen und ist bestrebt, weitere kurdisch-st\u00e4mmige B\u00fcrger zu erreichen und f\u00fcr sich zu gewinnen. Ferner wird der Versuch unternommen, legale Strukturen zu schaffen und auszubauen, um mittelfristig als Verhandlungspartner in Politik und Gesellschaft wahrgenommen zu werden und somit schrittweise Forderungen durchsetzen zu k\u00f6nnen. In Deutschland tritt f\u00fcr die Belange der PKK nach Umbenennung nunmehr die Dachorganisation \"Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdenInnen in Deutschland\" (NAV-DEM - vormals Yetikiya Komalen Kurd il Almanya, YEKKOM) ein, der \u00fcber 40 Ortsvereine angeh\u00f6ren. Das NAV-DEM \u00fcbernimmt vor allem Propagandat\u00e4tigkeiten, indem sie f\u00fcr Presseerkl\u00e4rungen und Flugbl\u00e4tter verantwortlich zeichnet und h\u00e4ufig als Anmelderin von \u00f6ffentlichen VeranEmblem der NAV-DEM staltungen fungiert. Neben aktuellen Kampagnen (zum Beispiel gegen die Festnahme von Funktion\u00e4ren oder die Haftbedingungen, beziehungsweise f\u00fcr die Freilassung \u00d6calans) setzt sich das NAV-DEM kontinuierlich f\u00fcr die Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots ein und fordert die Streichung der PKK und ihrer Nachfolgeorganisationen von der EU-Terrorliste. 64","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Die PKK und die ihr angeschlossenen Organisationen f\u00fchren pro Jahr mehrere bundesweite Gro\u00dfveranstaltungen durch, die in erster Linie den inneren Zusammenhalt st\u00e4rken sollen. Dar\u00fcber hinaus dienen solche Veranstaltungen regelm\u00e4\u00dfig dazu, wichtige Themen der PKK (zum Beispiel die Haftsituation \u00d6calans) im Bewusstsein der eigenen Anh\u00e4nger zu halten. Im Jahr 2014 gab es mehrere \u00f6ffentlichkeitswirksame Protestaktionen der PKK. Im Folgenden dazu einige Beispiele: * Zum Jahrestag der Ermordung von drei PKK Aktivistinnen am 09.01.2013 in Paris, kamen zu einer Protestveranstaltung am 11.01.2014 mehrere tausend Teilnehmer aus vielen Teilen Europas in die franz\u00f6sische Hauptstadt. * Am 15.02.2014 wurde zum 15. Jahrestag der Festnahme des PKK-F\u00fchrers \u00d6calan eine Gro\u00dfkundgebung in Stra\u00dfburg veranstaltet. An der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Demonstration nahmen rund 10.000 Teilnehmer aus Frankreich, Deutschland und den Benelux-Staaten teil. F\u00fcr die Gro\u00dfkundgebung war im Vorfeld auch massiv in Deutschland mobilisiert worden. * Am 22.03.2014 nahmen in D\u00fcsseldorf zum kurdischen Neujahrsfest Newroz rund 10.000 Personen an einer zentralen Gro\u00dfkundgebung unter dem Motto \"Freiheit in Kurdistan - Demokratie in der T\u00fcrkei\" teil, die friedlich und weitgehend st\u00f6rungsfrei verlief. Neben Tanzund Musikdarbietungen wurden zahlreiche Redebeitr\u00e4ge gehalten. Es gab 35 Strafanzeigen, \u00fcberwiegend wegen versammlungstypischer Straftaten. Parallel zu der zentralen Gro\u00dfveranstaltung fanden bundesweit lokale Feierlichkeiten statt. * In Duisburg fand am 12.04.2014 eine \"europaweite Jugenddemonstration\" unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\" statt, an der rund 650 - zumeist jugendliche - Anh\u00e4nger der PKK teilnahmen, die aus ganz Deutschland und auch aus dem benachbarten Ausland angereist waren. Dabei thematisierten die Teilnehmer auch aktuelle bewaffnete Auseinandersetzungen in Nordsyrien. Im Vorfeld war in verschiedenen kurdischen Medien und durch ein im Internet eingestelltes Video \u00fcberregional zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen worden. Im Verlauf kam es zu Gewaltt\u00e4tigkeiten, 65","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug unter anderem durch Steinund Flaschenw\u00fcrfe auf einen t\u00fcrkischen Kulturverein sowie auf ein Wohnhaus, an dem eine t\u00fcrkische Nationalflagge hing. Eine unbekannte Person hatte einen Polizisten mit Faustschl\u00e4gen attackiert und auf dessen Oberk\u00f6rper eingetreten. Insgesamt nahm die Polizei elf Tatverd\u00e4chtige wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie K\u00f6rperverletzungen vorl\u00e4ufig fest und erstellte 21 Strafanzeigen. Von Sommer bis Herbst 2014 kam es unter zeitweiser Beteiligung von mehreren tausend Personen bundesweit in vielen St\u00e4dten vermehrt zu Solidarit\u00e4tskundgebungen mit \"Rojava\" beziehungsweise zu Protestveranstaltungen gegen den IS. Dazu folgende Beispiele: * Am 06.08.2014 wurden in Herford bei Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Jesiden und Salafisten mehrere Personen verletzt. Anlass war ein in einem Imbiss angebrachtes Plakat, auf dem zu einer Demonstration gegen den IS aufgerufen wurde. Sechs an dem Angriff beteiligte Salafisten, in der Mehrzahl mit tschetschenischem Hintergrund, wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Im Verlauf versammelten sich rund 300 Jesiden in der Herforder Innenstadt, um gegen Salafisten und den IS zu demonstrieren. Dabei kam es zu Sachbesch\u00e4digungen und Landfriedensbruch. Eine vermummte und mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Menge schlug auf Passanten ein. Die Lage konnte nur durch massiven Polizeieinsatz beruhigt werden. * Am 13.09.2014 veranstaltete das NAV-DEM in D\u00fcsseldorf das \"22. Internationale Kurdische Kulturfestival\". An der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Veranstaltung beteiligten sich bis zu 30.000 Personen aus ganz Europa. Die Veranstaltung stand unter dem Doppel-Motto \"Die Rojava-Revolution ist dem freien Kurden eine Ehre\" und \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Status f\u00fcr Kurdistan\". Das Kulturfestival war insbesondere von den Kampfhandlungen der PKK und ihr zugeh\u00f6riger Gruppierungen gegen die islamistische Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) in Irak und Syrien gepr\u00e4gt. Es war den Opfern der \u00dcbergriffe des IS gewidmet. Nach Presseangaben sammelte die PKK-nahe Hilfsorganisation \"Kurdischer Roter Halbmond e.V.\" (HSK) auf dem Festival 15.000 Euro an Spendengeldern sowie Hilfsg\u00fcter; darunter haupts\u00e4chlich Medikamente. Im Laufe 66","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug des Festivals zeigten einige Teilnehmer Fahnen mit Symbolen der PKK. Die Polizei leitete entsprechende Strafverfahren ein. * In Celle kam es am 06.10.2014 zu erheblichen k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen zwischen kurdischund tschetschenisch-st\u00e4mmigen Personengruppen, die unter anderem Eisenstangen und Messer einsetzten. Massives polizeiliches Einschreiten konnte zwischenzeitlich die Lage beruhigen. Am Folgetag standen sich in Celle Gruppen von rund 500 Jesiden und etwa 200 zum Teil mit Schlagwerkzeugen bewaffnete Islamisten - hierunter auch Tschetschenen - von der Polizei getrennt gegen\u00fcber. Bei dem Versuch einer rund 200 Personen starken jesidischen Gruppe, die polizeiliche Absperrung zu durchbrechen, wurden Polizisten mit Steinen und Holzlatten beworfen. Von Seiten der Jesiden kam es zu Sch\u00fcssen mit einer Schreckschusswaffe. Die Polizei setzte circa 450 Personen fest beziehungsweise nahm sie in Gewahrsam. * Wiederum in D\u00fcsseldorf nahmen nach europaweiter Mobilisierung am 11.10.2014 rund 21.000 Menschen friedlich an einer durch das NAV-DEM\" angemeldeten Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"Stoppt den Terror IS - Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\". teil. Darunter befanden sich auch t\u00fcrkische und mehrere hundert deutsche Linksextremisten. Wenngleich der Kampf um die kurdische Stadt Kobane die Anh\u00e4ngerschaft der PKK hoch emotionalisierte, folgten vergleichsweise nur wenige junge Kurden aus Deutschland (im unteren zweistelligen Bereich) den Aufrufen der PKK-Gliederungen, sich dem bewaffneten Kampf in Syrien anzuschlie\u00dfen. Strafverfahren / Verurteilungen: * Am 27.02.2014 verurteilte der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts (OLG) Stuttgart den F\u00fchrungsfunktion\u00e4r der PKK-Jugendorganisation \"Komalen Ciwan\" Metin A. wegen Mitgliedschaft in der PKK zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. 67","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Der Senat war zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass A. vor allem mit der Aufgabe betraut gewesen sei, Jugendliche f\u00fcr die PKK-Guerilla zu rekrutieren sowie Geld und Ausweispapiere f\u00fcr Reisen zu Kampfeins\u00e4tzen der PKK im Nordirak zu beschaffen. Das Urteil erlangte mittlerweile Rechtskraft. Ein f\u00fchrender Funktion\u00e4r des \"NAV-DEM\" sprach in diesem Zusammenhang von einem \"politischen Prozess\" gegen A. und bezeichnete das Urteil als \"Justizskandal\". * Am 29.08.2014 wurde der PKK-Kader Mehmet D. in Bremen festgenommen und einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes vorgef\u00fchrt. Die Festnahme erfolgte im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwaltes wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der PKK. D. war dringend verd\u00e4chtig, Geld f\u00fcr die PKK beschafft und Nachwuchs rekrutiert zu haben. Unter anderem war er seit Sommer 2013 f\u00fcr den PKK-Sektor Nord leitend verantwortlich. 4.3 Situation in Hamburg Die politische Linie des Dachverbandes NAV-DEM wird auf regionaler Ebene von den jeweiligen lokalen Vereinen umgesetzt. Das 2008 gegr\u00fcndete \"Kurdisch-deutsche Kulturzentrum\" beziehungsweise das in 2014 inoffiziell umbenannte \"Demokratisch-kurdisches Gesellschaftszentrum\" dient mit seinen R\u00e4umlichkeiten am Steindamm 62 weiterhin als zentraler Anlaufpunkt f\u00fcr PKK-Anh\u00e4nger. Der Verein organisierte mehrfach \u00f6ffentlichkeitswirksame Demonstrationen. Inhaltlicher Schwerpunkt des seit Oktober 2008 bestehenden \"Nujiyan Frauenzentrum e.V.\" war in 2014 weiterhin die Ermordung der drei PKK-Aktivistinnen, die am 09.01.2013 in Paris ermordet wurden. Der Hintergrund dieser Tat ist bis heute nicht aufgekl\u00e4rt. Vor diesem Hintergrund wurden in w\u00f6chentlichem Rhythmus, teilweise auch unter der Bezeichnung \"Rojbin Frauenrat\", kleinere \u00f6ffentliche Protestversammlungen initiiert, bei denen die \"Aufkl\u00e4rung der Morde an den kurdischen Politikerinnen\" gefordert wurde. Ein weiterer Themenschwerpunkt der PKK-Anh\u00e4ngerinnen war im Jahr 2014 auch die kurdische Situation im umk\u00e4mpften Rojava. 68","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Lokale Aktivit\u00e4ten der PKK werden auch unter dem Namen \"Kurdischer Volksrat Hamburg\" organisiert. Die PKK versucht - auch im Zuge der europaweiten Umstrukturierung - den Anschein von Mitbestimmung und Basisdemokratie zu erwecken, so zum Beispiel durch zahlreiche Aussch\u00fcsse - etwa f\u00fcr Frauen, Jugend, Schulung und Propaganda, Kultur und Kunst, Au\u00dfenbeziehungen, religi\u00f6se Gruppen oder Finanzen. Das personelle Potenzial der PKK liegt seit Jahren auf etwa gleichem Niveau von 1.500 Personen. Au\u00dfer ihren rund 600 Anh\u00e4ngern verf\u00fcgt die Organisation in Hamburg \u00fcber ein Sympathisantenumfeld, das sich ebenfalls weitgehend mit ihren Zielen und insbesondere mit \u00d6calan als Person und F\u00fchrungsfigur im \"Freiheitskampf\" des kurdischen Volkes identifiziert. Die eigentlichen \u00f6rtlichen Entscheidungstr\u00e4ger der Organisation, so auch in Hamburg, sind die von der PKK nach einem Rotationsprinzip in der Regel f\u00fcr einige Monate bis zu einem Jahr entsandten Kader. Diese sind h\u00e4ufig nicht in der Lage, die eigene Gefolgschaft zu einer Mitarbeit zum Beispiel in Aussch\u00fcssen zu motivieren. Dies liegt auch an ihren kurzen Verweilzeiten, die ihnen kaum einen tieferen Einblick in interne Abl\u00e4ufe und informelle Strukturen mit ihren regionalen Besonderheiten erlauben. Der PKK mangelt es in Hamburg schon seit Jahren vor allem an Aktivisten, die die \"Arbeit auf der Stra\u00dfe\" leisten, das hei\u00dft Spenden sammeln, Publikationen und Karten f\u00fcr Veranstaltungen verkaufen sowie f\u00fcr die Teilnahme an Demonstrationen werben. Diese mitunter mangelnde Bereitschaft ist unter anderem auch auf die erhebliche zeitliche Intensit\u00e4t der Aufgaben und Einbindungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Lediglich durch kleinere Aktionen machte die PKK-Jugendorganisation \"Ciwanen Azad\" (vormals \"Komalen Ciwan\") 2014 in Hamburg auf sich aufmerksam. Gleichwohl ist davon auszugehen, dass sich kurdische Jugendliche situationsabh\u00e4ngig kurzfristig mobilisieren lassen, die m\u00f6glicherweise auch Gewalt als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Forderungen einsetzen. Im Internet treten Hamburger Jugendliche als \"Ciwanen Azad Hamburg\" auf. Zu ihren weiteren Aktivit\u00e4ten z\u00e4hlt die Anwerbung von 69","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Jugendlichen f\u00fcr organisationsinterne Lehrg\u00e4nge, die vorwiegend der ideologischen Schulung dienen. Die Zahl der Demonstrationen, Kundgebungen und Informationsveranstaltungen mit PKK-Hintergrund wurden in 2014 in Hamburg wesentlich von den Ereignissen um Rojava gepr\u00e4gt, so dass eine Zunahme gegen\u00fcber dem Jahr 2013 zu verzeichnen war. Die Teilnehmerzahl variierte zwischen 20 und 900 Personen, blieb jedoch \u00fcberwiegend im zweistelligen bis unteren dreistelligen Bereich. Am 09.08.2014 nahmen an einem weitgehend st\u00f6rungsfrei verlaufenden Aufzug mit dem Tenor \"Schluss mit dem ISIS-Terror gegen Kurden und die anderen V\u00f6lker im mittleren Osten und Solidarit\u00e4t mit Abdullah \u00d6calan!\", 1.600 Personen teil, darunter auch Personen aus dem deutschen linksextremistischen Spektrum. ( IV. 5.2.6) Am 26. und 27.09, sowie am 07.10.2014 wurde im Rahmen kurdischer Demonstrationen durch Teilnehmer wiederholt der Bannkreis des Hamburger Rathauses verletzt. Aus einer urspr\u00fcnglich geplanten Kleinkundgebung am 08.10.2014 entwickelte sich kurzfristig ein Aufzug mit bis zu 1.170 Teilnehmern, der sich ebenfalls Personen aus dem deutschen linksextremistischen Spektrum angeschlossen hatten. Am 07.10.2014 am Steindamm trafen kurAm sp\u00e4ten Nachmittag des dische Vertreter auf salafistische Anh\u00e4nger 07.10.2014 besetzten bis zu 100 PKK-Anh\u00e4nger im Anschluss einer Demonstration f\u00fcr kurze Zeit einige Gleise im Hamburger Hauptbahnhof, wodurch es zu Behinderungen im Bahnverkehr kam. In der Zeit vom 06. - 10.10.2014 kam es am Hamburger Steindamm und im Umfeld mehrfach zu zum Teil heftigen Auseinandersetzungen zwischen kurdischen Vertretern und salafistischen Anh\u00e4ngern. Die hef70","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug tigste Konfrontation ereignete sich in den Abendstunden des 07.10.2014, bei dem sich jeweils bis zu 400 Personen beider Lager teils mit Schlagwerkzeugen, Messern und Macheten gegen\u00fcberstanden. Wechselseitige Provokationen und verschiedene falsche Ger\u00fcchte (\u00fcber angeblich massive Sichergestellte Waffen bei den AuseinanderVerletzungen oder gar T\u00f6tungen) setzungen am 07.10.2014 zwischen kursorgten ebenfalls f\u00fcr eine Mobilidischen Vertretern und salfistischen Anh\u00e4ngern am Steindamm sierung auf beiden Seiten. Mehr als ein Dutzend der Beteiligten wurde verletzt. Die auch in den Folgetagen angespannte Lage konnte lediglich durch massive Polizeipr\u00e4senz beruhigt werden. Auch diese Auseinandersetzungen fanden vor dem Hintergrund der zugespitzten Lage um die kurdische Grenzstadt Kobane statt. 5. T\u00fcrkische Extremisten 5.1 Revolution\u00e4r-marxistische Gruppierungen Die meisten t\u00fcrkischen linksextremistischen Organisationen haben Ableger in Deutschland. Sie propagieren einen revolution\u00e4ren Umsturz in der T\u00fcrkei und wollen dort die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatssystems erwirken, um es durch eine marxistische Gesellschaftsordnung zu ersetzen. Zur Erreichung dieser Ziele propagieren sie den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei und f\u00fchren dort immer wieder terroristische Aktionen durch. Ziele sind vor allem staatliche t\u00fcrkische Einrichtungen, insbesondere Geb\u00e4ude und Angeh\u00f6rige der t\u00fcrkischen Sicherheitsbeh\u00f6rden (Armee, Polizei und Justiz). Bei ihren \u00f6ffentlichkeitswirksamen Anschl\u00e4gen auf Einrichtungen setzen sie auch Selbstmordattent\u00e4ter ein. So griff am 01.01.2015 ein K\u00e4mpfer der \"Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephe\" (DHKP-C) einen Polizeiposten vor dem Dolmabahce-Palast in Istanbul an, in dem sich auch ein B\u00fcro des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten befindet. Der Angreifer warf zwei Handgranaten, die jedoch nicht explodierten. 71","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Die DHKP-C bekannte sich zun\u00e4chst auch zu einem Selbstmordanschlag am 06.01.2015, bei dem sich eine Attent\u00e4terin in einer Polizeiwache in Istanbul in die Luft sprengte und dabei einen Polizisten t\u00f6tete. Am 09.01.2015 nahm sie die Tatbekennung jedoch zur\u00fcck, erkl\u00e4rte sie als Folge einer Verwechslung und k\u00fcndigte gleichzeitig weitere Anschl\u00e4ge an. In Hamburg sind folgende t\u00fcrkische linksextremistische Organisationen pr\u00e4sent: * \"Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephe\" (DHKP-C) * \"T\u00fcrkiye Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist\" (TKP/ML) * \"Maoist Kom\u00fcnist Partisi\" (MKP) und die * \"Marksist Leninist Kom\u00fcnist Partisi\" (MLKP) Trotz ihrer ideologischen Gemeinsamkeiten und punktuellen Bem\u00fchungen um eine st\u00e4rkere Vernetzung ist die gesamte Szene stark zersplittert. Die Mitgliederzahlen der einzelnen Gruppierungen liegen seit Jahren jeweils im niedrigen zweistelligen Bereich. Sie organisieren Kundgebungen und Demonstrationen mit zumeist wenigen Teilnehmern. Durch Spendenkampagnen, dem Verkauf von Publikationen und durch Einnahmen von Veranstaltungen unterst\u00fctzen sie die in der T\u00fcrkei aktiven Guerillaorganisationen. Die dortigen Guerillaorganisationen haben bereits mehrfach gemeinsam mit der PKK terroristische Aktionen durchgef\u00fchrt. Auch in Deutschland gibt es eine Kooperation zwischen Anh\u00e4ngern t\u00fcrkischer linksextremistischer Gruppen und der PKK, die sich jedoch auf die solidarische Unterst\u00fctzung bei Demonstrationen, Kundgebungen und Ver\u00f6ffentlichungen beschr\u00e4nkt. 5.2 AD\u00dcTDF / \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung / T\u00fcrkische Nationalisten Die \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (\"Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu\", AD\u00dcTDF) wurde 1978 in Frankfurt am Main gegr\u00fcndet. Sie gilt als Auslandsvertretung der t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (\"Milliyetci Hareket Partisi\"), MHP. Das Umfeld t\u00fcrkischer Nationalisten und Rechtsextremisten firmiert ferner unter der Bezeichnung \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\" (Idealisten) und \"Bozkurt\" 72","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug (Graue W\u00f6lfe). Die Bezeichnungen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\" und \"Bozkurt\" stehen letztlich immer f\u00fcr denselben Personenkreis t\u00fcrkischer Nationalisten. Ihre Ideologie ist gekennzeichnet durch * den Turanismus/Panturkismus - die Idee der ethnischen und kulturellen Verbundenheit aller Turkv\u00f6lker und daraus resultierende Gebietsanspr\u00fcche. In Abgrenzung dazu erkennt der Kemalismus die t\u00fcrkischen Grenzen aus dem Vertrag von Lausanne vom 24.07.1923 an. * eine t\u00fcrkische Auslegung des sunnitischen Islam. Diese findet als wichtiger Bestandteil ihren Ausdruck in dem \u00dclk\u00fcc\u00fc-Ausspruch: \"Der Islam ist unsere Seele, T\u00fcrkentum unser Leib!\" * eine ausgepr\u00e4gt anti-kurdische Ausrichtung. Der AD\u00dcTDF werden vom Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ca. 7.000 Mitglieder und Unterst\u00fctzer zugerechnet. Sie ist damit die gr\u00f6\u00dfte Organisation t\u00fcrkisch-nationalistischer Bestrebungen in Deutschland. Die Zahl der Mitglieder und Unterst\u00fctzer in Hamburg wird auf mehrere Hundert gesch\u00e4tzt. Die Zahl derjenigen, die sich nicht im Verein organisieren, aber das Internet als Plattform f\u00fcr ihre Ideologie nutzen, w\u00e4chst kontinuierlich. Weitere Informationen zum Thema sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug finden Sie auf den Internetseiten: www.hamburg.de/verfassungsschutz www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen www.hamburg.de/innenbehoerde/auslaenderextremismus 73","","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Linksextremismus IV. Linksextremismus 1. Entwicklungen und Schwerpunkte Das \u00f6ffentliche Erscheinungsbild des Linksextremismus in Hamburg wird fast ausschlie\u00dflich von gewaltorientierten Linksextremisten (Autonomen, Antiimperialisten und Anarchisten) gepr\u00e4gt. Die Bedeutung orthodoxer Kommunisten und anderer revolution\u00e4rer Marxisten ist weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. \u00d6ffentliche Aufmerksamkeit erzeugen Linksextremisten vor allem \u00fcber die Instrumentalisierung von Themenfeldern, die \u00fcber die linksextremistische Szene hinaus gesellschaftlich von Bedeutung sind. Sie versuchen dadurch, eigene Positionen zu verbreiten und sie f\u00fcr nichtextremistische Gruppierungen und Initiativen anschlussf\u00e4hig zu machen. Dies betrifft insbesondere die Themenfelder \"Stadtentwicklungspolitik\", \"Antirassismus\" und \"Antifaschismus\". Diese Fragen werden von Linksextremisten \u00fcber verschiedene Medien und auch mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen in den Vordergrund gestellt, und f\u00fcr die eigenen politischen Ziele instrumentalisiert. Militanten Widerstand gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige, demokratische Gesellschaftsordnung halten gewaltorientierte Linksextremisten dabei f\u00fcr ein legitimes Mittel. Die Beteiligung an Protesten gegen die Fl\u00fcchtlingspolitik war 2014 insgesamt geringer als 2013, dennoch hatte das Thema f\u00fcr die Szene weiterhin eine gro\u00dfe Mobilisierungswirkung. Insbesondere die Vielzahl der Straftaten in diesem Kontext verdeutlicht, dass Linksextremisten im Bereich \"Antirassismus\" unver\u00e4ndert ein zentrales Agitationsfeld sehen. Linksextremistische Agitation bezog sich vor allem auf den von ihnen behaupteten \"Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft\" und vorgeblichen \"staatlichen Rassismus\". ( 5.2.5) Die Mobilisierungsschw\u00e4che der Hamburger Rechtsextremisten f\u00fchrte zu einem R\u00fcckgang der \"Antifaarbeit\". Gleichzeitig propagieren linksextremistische Antifaschisten verst\u00e4rkt einen \"Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft\", die sie insbesondere mit den PEGIDA-Protesten und den Wahlerfolgen der Partei \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD) begr\u00fcnden. Linksextremisten streben insbesondere auf dem Gebiet des \"Antifaschismus\" eine Deutungshoheit \u00fcber vermeintlich \"rassistische\" oder \"faschistische\" Ansichten an und \u00fcberziehen dementsprechend 76","Linksextremismus Repr\u00e4sentanten und Einrichtungen des demokratischen Staates mit diffamierenden Vorw\u00fcrfen. ( 5.2.2) Im Rahmen von Demonstrationen gegen Stadtentwicklungspolitik gelang es Linksextremisten auch 2014, sich in nichtextremistischen Protestbewegungen gegen die Mietpreisentwicklung und einzelne Bauprojekte einzubringen. Die Proteste f\u00fcr den Erhalt der Esso-H\u00e4user wurden 2014 bis zu deren Abriss von Linksextremisten f\u00fcr ihre politischen Ziele instrumentalisiert. Im August 2014 wurden die sogenannten \"Squatting Days\" in Hamburg durchgef\u00fchrt. Im Rahmen des gleichnamigen Camps unter dem Motto Gentrifizierung (soziale Umstrukturierung, Aufwertung des Wohnumfeldes), zu dem europaweit mobilisiert worden war, wurden Hausbesetzungen zum Thema gemacht. Linksextremisten nutzten das Camp, um ihre eigene Ideologie zu verbreiten. Gewalt ist dabei ein legitimes Mittel: So gab es im Zusammenhang mit dem Camp eine Hausbesetzung, in deren Verlauf Straftaten gegen Polizeibeamte begangen wurden, aufgrund derer die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Totschlags ermittelt. ( 4. und 5.2.4) Durch den kurdischen Abwehrkampf gegen den \"Islamischen Staat\" (IS) - insbesondere in der Stadt Kobane - r\u00fcckte auch die in den Vorjahren weniger beachtete Kurdistan-Solidarit\u00e4tsarbeit wieder in den Fokus von Linksextremisten. ( 5.2.6) Hamburger Linksextremisten beteiligten sich an mehreren Solidarit\u00e4ts-Demonstrationen f\u00fcr die Kurden und Protesten gegen den IS. Die Bedeutung der Antiimperialisten innerhalb der gewaltorientierten linksextremistischen Szene ist insbesondere an der deutlich gestiegenen Teilnehmerzahl der f\u00fcr sie zentralen \"revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" und den dort begangenen Gewaltstraftaten erkennbar. Die Zahl linksextremistischer Sachbesch\u00e4digungen und Brandstiftungen ist im Jahr 2014 gestiegen. Auch ist eine Zunahme der bereits 2013 hohen Zahl linksextremistischer Gewalttaten zu verzeichnen. ( 3) 77","Linksextremismus 2. Potenziale Das Potenzial linksextremistischer Organisationen und Vereinigungen betrug im Jahr 2014 bundesweit 27.200 Personen (nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften, 2013: 27.700). Davon sind 7.600 Personen (2013: 6.900) gewaltorientierte Linksextremisten (Autonome, Anarchisten und Antiimperialisten). Bund: Linksextremistische Personenpotenziale 35000 30000 25000 30.600 32.200 29.400 30.800 30.700 31.200 31.800 27.200 31.600 20000 27.700 15000 10000 5000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - Die Zahlen f\u00fcr die Bundesebene enthalten auch die Mitglieder der offen extremistischen Zusammenschl\u00fcsse in der Partei DIE LINKE, aber nicht die Gesamtzahl ihrer Mitglieder. In Hamburg blieb die Gr\u00f6\u00dfe des linksextremistischen Personenpotenzials im Jahr 2014 mit 1.110 Personen (2013: 1.120) nahezu unver\u00e4ndert. Der autonomen Szene in Hamburg geh\u00f6rten 2014 rund 480 Personen an (2013: 470). Das Potenzial der anarchistischen Szene lag mit 50 Personen auf dem Stand des Vorjahres. Den Antiimperialisten waren wie 2013 circa 100 Personen zuzurechnen. 78","Linksextremismus Linksextremistisches Personenpotenzial 2013 2014 auf Bundesebene Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten (Angeh\u00f6rige von Kernund Nebenorganisationen)1 21.600 21.100 Gewaltorientierte Linksextremisten2 6.900 3 7.600 3 Gesamtpotenzial (nach Abzug der Mehrfachmitgliedschaften)4 27.700 27.200 - Alle Zahlen sind gerundet - 1 Einschlie\u00dflich der offen extremistischen Zusammenschl\u00fcsse innerhalb der Partei DIE LINKE 2 Enth\u00e4lt nicht nur tats\u00e4chlich als T\u00e4ter / Tatverd\u00e4chtige festgestellte Personen, sondern auch solche Linksextremisten, bei denen lediglich Anhaltspunkte f\u00fcr Gewaltorientierung gegeben sind. Erfasst sind nur Personenzusammenschl\u00fcsse, die feste Strukturen aufweisen und \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum aktiv waren 3 Das Mobilisierungspotenzial der \"Szene\" umfasst zus\u00e4tzlich mehrere Tausend Personen 4 In den Zahlen nicht enthalten sind Mitglieder linksextremistisch beeinflusster Organisationen Das Potenzial gewaltorientierter Linksextremisten in Hamburg stieg leicht auf 630 (2013: 620). Das Potenzial der marxistisch-leninistischen Kernund Nebenorganisationen sowie revolution\u00e4r-marxistischer Gruppen ging auf 480 Personen (2013: 500) zur\u00fcck. 79","Linksextremismus Hamburg: Linksextremistische Personenpotenziale 1500 1200 1.480 1.200 1.500 1.500 1.150 1.120 1.120 1.120 1.120 1.110 900 600 300 500 500 580 630 620 620 620 520 570 470 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtzahl Gewaltorientierte - Alle Zahlen sind gerundet \"Die Angaben f\u00fcr die Jahre 2004 bis 2007 enthalten die Gesamtzahl der Mitglieder der \"Partei des demokratischen Sozialismus\" (PDS) bzw. der \"Linkspartei.PDS\" bzw. die der Partei DIE LINKE, ab 2008 nur noch deren extremistische Teilstrukturen Linksextremistisches Personenpotenzial 2013 2014 in Hamburg Angeh\u00f6rige marxistisch-leninistischer Kernu. Nebenorganisationen sowie andere revolution\u00e4re Marxisten und Trotzkisten 5001 4801 Gewaltorientierte (Autonome, Anarchisten u. Antiimperialistischer Widerstand) 620 2 6302 Gesamtpotenzial 1.120 1.110 -Alle Zahlen sind gerundet- 1 Die Zahl enth\u00e4lt die Mitglieder der revolution\u00e4r-marxistischen Organisationsteile der Partei DIE LINKE 2 Das Mobilisierungspotenzial der \"Szene\" umfasst zus\u00e4tzlich mehrere Hundert Personen 80","Linksextremismus 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Die Zahl der in Hamburg insgesamt erfassten Straftaten im Rahmen der PMK Links sank mit 853 Taten im Vergleich zum Vorjahr leicht (2013: 895). Bei den darin enthaltenen 248 linksextremistischen Straftaten ist ebenfalls ein R\u00fcckgang zu verzeichnen (2013: 297). Hingegen erh\u00f6hte sich die Zahl der linksextremistischen Gewaltdelikte von 187 im Jahr 2013 auf 219 im Jahr 2014. Die vergleichsweise hohen Zahlen resultieren insbesondere aus dem gewaltt\u00e4tigen Verlauf der \"revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\". ( 5.1.4) PMK2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Links PMK-Links insgesamt 289 255 453 535 757 470 618 555 895 853 davon linksextrem. 32 18 98 92 41 70 81 138 297 248 Straftaten hiervon extrem. Gewaltde19 9 49 51 37 27 48 64 187 219 likte Die Zahlen stammen von der Polizei Hamburg - Stand: Februar 2015 - Einige linksextremistische Straftaten werden hier exemplarisch genannt: * 2014 wurden zahlreiche Anschl\u00e4ge im Kontext \"Antirassismus\" begangen. Im Fokus der Linksextremisten stand die Fl\u00fcchtlingspolitik des Senats. Daher wurden wiederholt Parteib\u00fcros und Wohnh\u00e4user von SPD-Politikern angegriffen. Am 02.03.2014 ver\u00fcbten Unbekannte Farbanschl\u00e4ge gegen die Wohnungen der Zweiten B\u00fcrgermeisterin Dr. Dorothee Stapelfeldt und des Mitglieds der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft und innenpolitischen Sprechers der sozialdemokratischen Fraktion, Arno M\u00fcnster. Der SPD wurde in einem Bekennerschreiben eine \"rassistische Haltung gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen\" vorgeworfen. Am 10.05.2014 wurde die Wohnung des Ersten B\u00fcrgermeisters Olaf Scholz mit Farbe angegriffen. In der Nacht zum 08.09.2014 wurden die Wohnh\u00e4user von drei weiteren Mitgliedern des SPD-Parteivorstandes mit Farbe besch\u00e4digt. Im Mai 81","Linksextremismus 2015 wurden auch Wohnh\u00e4user von Politikern der GR\u00dcNEN attackiert ( 5.2.5). * Am 19.07.2014 ver\u00fcbten Linksextremisten einen Brandanschlag auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn AG und verursachten dadurch erhebliche St\u00f6rungen im Zugverkehr. Sich selbst als \"Magma Aktionsgruppen\" bezeichnende Verfasser, begr\u00fcndeten ihre Tat mit einer beabsichtigten \"Entschleunigung und perspektivischen Zerst\u00f6rung kapitalistischer Warenzirkulation, Arbeitsund Konsumwelten\". ( 4) * Am 08.08.2014 bewarfen unbekannte T\u00e4ter das Hamburger Wohnhaus des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Volker R\u00fche mit Farbbeuteln. ( 5.2.3) Besonders schwerwiegende linksextremistische Gewalttaten Im zeitlichen Kontext zum Aufzug \"Das Proletariat hat kein Vaterland!\" am 01.05.2014 wurde ein Polizeifahrzeug mit zwei Insassen von unbekannten T\u00e4tern mit zwei \"Molotowcocktails\" angegriffen. Ein Brandsatz durchschlug dabei die Heckscheibe des Fahrzeugs, z\u00fcndete zum Gl\u00fcck f\u00fcr die Polizeibeamten aber nicht. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen wegen versuchten Mordes auf. Die Ermittlungen waren bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. ( 5.1.4) W\u00e4hrend der \"Squatting Days\" besetzten mehrere Personen am 27.08.2014 ein leer stehendes Mehrfamilienhaus an der Breiten Stra\u00dfe. Polizisten, die das Geb\u00e4ude r\u00e4umen sollten, wurden unter anderem mit einer Nachtspeicherheizung, einer T\u00fcr und weiteren schweren Gegenst\u00e4nden aus den Obergeschossen beworfen. (ausf\u00fchrlich unter 5.2.4) Gegen drei Beschuldigte beginnt die Verhandlung wegen versuchten Totschlags voraussichtlich im August 2015. 4. Militanzdebatte und linksextremistische Gewalt Die linksextremistische Szene ist durch unterschiedliche ideologische Ansichten und interne Differenzen gepr\u00e4gt. Unabh\u00e4ngig davon streben alle gewaltorientierten Linksextremisten (Autonome, Anarchisten und Antiimperialisten) die \u00dcberwindung des \"kapitalistischen Systems\" und 82","Linksextremismus die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung an. Zudem eint sie die Bereitschaft, das Ziel einer herrschaftsfreien kommunistischen oder anarchistischen Gesellschaft durch teils erhebliche Gewalttaten gegen die Demokratie und ihre Repr\u00e4sentanten zu erreichen. Zu ihren markantesten Erkennungszeichen geh\u00f6rt die Bildung sogenannter \"schwarzer Bl\u00f6cke\" bei Versammlungen, zum Teil auch wenn sie von Nichtextremisten angemeldet wurden. Dunkel gekleidete Gewaltt\u00e4ter gehen aus dem Schutz der Masse gewaltsam vor allem gegen Polizisten vor. Besonders bei \"antifaschistischen\" Demonstrationen gegen rechte Aufm\u00e4rsche richtet sich die Gewalt auch gegen Rechtsextremisten. F\u00fcr Angriffe benutzen sie Steine, Flaschen, pyrotechnische Gegenst\u00e4nde und andere Wurfgeschosse ebenso wie improvisierte Schlagwerkzeuge wie Fahnenstangen und nehmen dabei schwerste Verletzungen in Kauf. Das Mobilisierungspotenzial f\u00fcr solche Demonstrationen geht hierbei mitunter beispielsweise bei Themen wie der Fl\u00fcchtlingspolitik deutlich \u00fcber die linksextremistische Szene hinaus. N\u00e4chtliche, konspirative Kleingruppenaktionen geh\u00f6ren seit Jahrzehnten zum Repertoire linksextremistischer Straft\u00e4ter. Fahrzeuge und Immobilien von Firmen, Beh\u00f6rden und politisch Andersdenkenden werden in Brand gesetzt oder durch Steinw\u00fcrfe und Farbe besch\u00e4digt. Durch Angriffe auf die Wohnungen von Wirtschaftsvertretern, Politikern und weitere gesellschaftliche Entscheidungstr\u00e4ger werden diese Menschen konkret und gewollt in ihrem heimischen Umfeld bedroht. Ende 2014 wurde die Hamburger Polizei Ziel solcher Aktionen. Am 27.12.2014 wurde Butters\u00e4ure im Eingangsbereich der Davidwache versch\u00fcttet. Diese Aktion wurde in der Ausgabe Nr. 184 (Januar/Februar 2015) der linksextremistischen, von Autonomen herausgegebenen Szene-Zeitschrift \"Zeck\" dokumentiert. Weiterhin wurde am 30.12.2014 ein vor dem Polizeikommissariat 14 (Hamburg-Mitte) abgestellter Funkstreifenwagen angez\u00fcndet. Angesichts des Jahrestages der Angriffe im Umfeld der Davidwache ist ein Kontext wahrscheinlich. Das traditionelle Militanzverst\u00e4ndnis der autonomen Szene rechtfertigt Angriffe auf Personen f\u00fcr vorgebliche \"Selbstverteidigung gegen Poli83","Linksextremismus zei\u00fcbergriffe\" und Angriffe auf Rechtsextremisten. Einschl\u00e4gige Aktionen und eine zunehmende Gewalt-Rhetorik insbesondere in der antiimperialistischen Szene bergen dennoch die Gefahr, dass sich der generelle Szenekonsens, direkte Angriffe auf Personen zu unterlassen, zunehmend aufl\u00f6sen k\u00f6nnte. Diese Entwicklung wird insbesondere angesichts zweier versuchter T\u00f6tungsdelikte deutlich, die am Rande des antiimperialistischen Aufzugs \"Das Proletariat hat kein Vaterland!\" am 01.05.2014 ( 5.1.4) und im Zusammenhang mit den sogenannten \"Squatting Days\" am 27.08.2014 ( 5.2.4) begangen wurden. ( 3.) Konkrete Hinweise auf Straftaten, die die Schwelle zu linksterroristischem Handeln \u00fcberschreiten, lagen den Sicherheitsbeh\u00f6rden bis Redaktionsschluss nicht vor. Militante Aktionen werden von der gewaltorientierten linksextremistischen Szene unter anderem mit Blick auf die \"Vermittelbarkeit\" in der \u00d6ffentlichkeit sowie auf den Erfolg als Mittel zur Durchsetzung ihrer ideologischen Ziele diskutiert. Als Plattform f\u00fcr die Gewaltdebatte werden, neben Szenezeitschriften wie der interim aus Berlin, einschl\u00e4gige Internetseiten wie beispielsweise linksunten.indymedia, genutzt. \"Autonome aus Berlin\" \u00e4u\u00dferten sich am 23.02.2014 auf dieser Plattform kritisch zum Aktionslevel der linken Szene. Am 21.12.2013 habe in Hamburg erstmals seit Jahren wieder eine \"massenmilitante Praxis\" stattgefunden. Die Organisatoren linker Demonstrationen gerieten jedoch \"regelm\u00e4\u00dfig an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, weil die tr\u00e4ge Masse sich [...] in der Rolle des Demo-Konsumenten [...] eingerichtet\" habe. Hieraus schlussfolgern sie eine Orientierungslosigkeit diverser autonomer Zirkel. Am 11.07.2014 ver\u00f6ffentlichten \"Autonome aus Berlin\" eine erg\u00e4nzende Stellungnahme unter dem Tenor \"There's Gonna be Brighter Days - Autonome Politik in Berlin\". Nach dem Dezember 2013 in Hamburg erschien vieles m\u00f6glich, \"dass und warum unsere Hoffnungen zerschellt sind, sollte unser Thema sein\". Autonome Kleingruppen in Berlin seien auf n\u00e4chtliche Aktionen ausgewichen, was \"als ein Eingest\u00e4ndnis des Scheiterns autonomer Politik und Praxis\" zu werten sei. 84","Linksextremismus In einer Art Grundsatzdarstellung \u00e4u\u00dferten Autonome unter dem Label \"Gruppo Informale\" am 17.06.2014 auf linksunten.indymedia, dass eine sinnvolle \"Massenmilitanz [...] ab einer gewissen Anzahl von aktiven Menschen m\u00f6glich\" sei. Dies habe der 21.12.2013 in Hamburg gezeigt. Die \"n\u00e4chtlichen Aktionen in Berlin\" seien derzeit das \"Kleingruppenpendant zur Massenmilitanz\". Die wiederholte Verwendung eines Pseudonyms mit Wiedererkennungswert ist f\u00fcr die linksextremistische Szene ungew\u00f6hnlich. Zuletzt hatte die zwischen 2001 und 2009 aktive \"militante gruppe\" Straftaten ver\u00fcbt und Papiere unter einem Eigennamen ver\u00f6ffentlicht. Am 19.11.2014 befassten sich \"Einige Menschen in Solidarit\u00e4t\" im Internet unter der \u00dcberschrift \"In Bewegung kommen ... \u00fcber die Abgr\u00fcnde der Solidarit\u00e4t\" ebenfalls mit der \"Militanzfrage\". Sie bem\u00e4ngelten die fehlende Unterst\u00fctzung der \"Besetzer_innen der Breiten Stra\u00dfe\". ( 3) Es habe nie \"eine Einigkeit innerhalb des Widerstandes \u00fcber den Sinn von Militanz\" gegeben. Die \"Entscheidung liegt immer bei einer_m selbst\". Die militante Szene solidarisierte sich mit dem im Sommer 2014 in Venezuela festgenommenen, per Haftbefehl gesuchten deutschen Staatsangeh\u00f6rigen Bernhard Heidbreder. Er wurde wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der linksterroristischen Vereinigung \"Das K.O.M.I.T.E.E.\" gesucht, der ein Brandanschlag auf ein Kreiswehrersatzamt in Brandenburg im Oktober 1994 und ein versuchter Sprengstoffanschlag auf eine im Bau befindliche Justizvollzugsanstalt im April 1995 in Berlin vorgeworfen werden. Zwei Mitt\u00e4ter sind noch fl\u00fcchtig. Hamburger Linksextremisten wandten sich in mehreren Selbstbezichtigungsschreiben nach Sachbesch\u00e4digungen gegen eine Auslieferung Heidbreders an deutsche Beh\u00f6rden. Ferner nutzten verschiedene linksextremistische Gruppierungen den 40. Todestag der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof, um deren Wirken in Publikationen und Veranstaltungen zu w\u00fcrdigen. Der Schwerpunkt linksextremistischer, gewaltt\u00e4tiger Agitation in Hamburg lag im Jahr 2014 auf dem Themenfeld \"Antirassismus\". In den Monaten vor der B\u00fcrgerschaftswahl im Februar 2015 wurde der Auf85","Linksextremismus enthaltsstatus der Lampedusa-Fl\u00fcchtlinge kritisiert und Einrichtungen der regierenden SPD mit Farbe, Steinen und Brands\u00e4tzen attackiert. Nach der Regierungsbildung wurden im Mai 2015 auch Wohnh\u00e4user von Politikern der GR\u00dcNEN das Ziel von Farbattacken ( 5.2.5). Dar\u00fcber hinaus wurden mehrere Sachbesch\u00e4digungen im Kontext \"Antikapitalismus\" begangen. Ein Thema war die \"kapitalistische Verwertung\" im Rahmen der Fu\u00dfballweltmeisterschaft in Brasilien. Unbekannte T\u00e4ter begingen am 11.06.2014 eine Sachbesch\u00e4digung am Wohnhaus eines Hamburger Architekten, dessen Firma an Stadionprojekten in Brasilien beteiligt war. Am 12.06.2014 ging bei zwei Hamburger Zeitungsredaktionen eine Bekennung von \"V.A.N.D.A.L.O.S.\" ein. Sie begr\u00fcndeten die Tat mit den teuren Stadionprojekten, der Ausbeutung auf den Stadionbaustellen und der gewaltsamen Vertreibung sozial schwacher Bev\u00f6lkerungsschichten. Am Abend des 20.06.2014 beteiligten sich rund 100 Personen an einer spontanen Demonstration im Schanzenviertel gegen die Fu\u00dfballweltmeisterschaft. Aus dem Aufzug heraus bewarfen circa 20 Vermummte, die ein Transparent mit der Aufschrift: \"HH, Brasilien und WM\" mit sich f\u00fchrten, ein Sportartikelgesch\u00e4ft am Schulterblatt mit Steinen und Flaschen mit Farbe. Am 19.07.2014 ver\u00fcbten unbekannte Linksextremisten einen Brandanschlag auf die Infrastruktur der Deutschen Bahn AG. In der N\u00e4he des G\u00fcterrangierbahnhofs Maschen setzten sie ein Stromversorgungskabel mittels Brandbeschleuniger in Brand. Der entstandene Kurzschluss f\u00fchrte zu hohem Sachschaden und erheblichen St\u00f6rungen im Zugverkehr. Am 21.07.2014 ging bei zwei Hamburger Zeitungen ein Selbstbezichtigungsschreiben ein. Darin betonten \"Magma Aktionsgruppen\", dass sie mit ihrer Tat eine \"Sabotage an Eisenbahnzubringern des Hamburger Hafens\" beabsichtigt h\u00e4tten, da es sich hierbei um den zweitgr\u00f6\u00dften Containerhafen Europas handele. Ziel ihrer Tat sei \"eine Entschleunigung und perspektivische Zerst\u00f6rung kapitalistischer Warenzirkulation, Arbeitsund Konsumwelten\". Da der \"Transportsektor\" besonders anf\u00e4llig sei, regten die unbekannten Verfasser an, \"die kommenden Monate\" f\u00fcr eine \"antikapitalistische(n) Mobilisierung\" gegen \"die 86","Linksextremismus Er\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Zentralbank in Frankfurt/M.\" zu nutzen. Am 18.12.2014 \u00e4u\u00dferte sich \"Eine Vulkangruppe\" im Internet positiv zu der Aktion. Mit \u00e4hnlichen Anschl\u00e4gen in Berlin habe man vermitteln wollen, \"dass der ganze Betrieb falsch l\u00e4uft.\" Am 12.10.2014 ver\u00f6ffentlichten anonyme Verfasser auf indymedia unter dem Tenor: \"Destroika - Aktionen gegen Business-Club, Wirtschaftsbeh\u00f6rde und Griechisches Konsulat in Hamburg\" eine Bekennung zu drei Sachbesch\u00e4digungen gegen die genannten Institutionen mit Farbe und Steinen, die zwischen dem 05. und 11.10.2014 ver\u00fcbt worden waren. Auch sie verkn\u00fcpften ihre Taten mit der geplanten Er\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Zentralbank in Frankfurt am Main am 18.03.2015, bei der es im Kontext der Blockupy-Demonstration zu schwersten gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen mit mehr als 200 Verletzten und Zerst\u00f6rungen in der Frankfurter Innenstadt kam. 5. Gewaltorientierte Linksextremisten \"Gewaltorientierte Linksextremisten\" sind Autonome, Antiimperialisten und Anarchisten. Ihr Gesamtpotenzial liegt in Hamburg 2014 bei circa 630 (2013: 620) Personen. Autonome lehnen \u00fcberwiegend formelle Hierarchien und Organisationsstrukturen ab. Von der Organisationsfeindlichkeit klassischer Autonomer grenzen sich einige aus der autonomen Szene stammende Gruppen wie \"AVANTI - Projekt undogmatische Linke\" oder ATES.H ab, die auch mit weniger dogmatischen antiimperialistischen Gruppen wie \"Projekt revolution\u00e4re Perspektive\" (PRP) zusammen arbeiten. Zwischen Autonomen und Anarchisten besteht insbesondere in Bezug auf die Betonung des Strebens nach \"Freir\u00e4umen\" eine ideologische N\u00e4he. Dar\u00fcber hinaus bestehen zwischen Antiimperialisten und Autonomen erhebliche ideologische Differenzen. Antiimperialisten orientieren sich an einem in Teilen \u00e4u\u00dferst dogmatischen Marxismus-Leninismus. Ihre Solidarit\u00e4tsarbeit f\u00fcr internationale \"Befreiungsbewegungen\" ist zentraler Teil ihrer Agitation. Insbesondere aus der unterschiedlichen Positionierung im Nahost-Konflikt resultiert ein st\u00e4ndiges Konfliktthema zwischen diesen Str\u00f6mungen. 87","Linksextremismus 5.1 Gruppen und Strukturen 5.1.1 Autonome Szene Autonome lehnen den demokratischen Staat und dessen Strukturen strikt ab. Ihre Aktivit\u00e4ten richten sich daher insbesondere gegen Beh\u00f6rden und Parteien, aber auch gegen Wirtschaftsunternehmen, die autonomer Argumentation zufolge, staatliche Strukturen und das \"kapitalistische System\" repr\u00e4sentieren. In Themenfeldern wie \"Antifaschismus\", \"Antirepression\", \"Antimilitarismus\" und \"Anti-Gentrifizierung\" agitieren Autonome gegen das \"kapitalistische System\". Da Autonome hierarchische Strukturen grunds\u00e4tzlich ablehnen, arbeiten sie meist anlassbezogen in kleinen Gruppen und B\u00fcndnissen zusammen. Untereinander bestehen dar\u00fcber hinaus lose, st\u00e4ndiger Fluktuation unterworfene Kontakte und Netzwerke, die f\u00fcr Unterst\u00fctzungsund Mobilisierungszwecke genutzt werden. Um ihre Vorstellung eines von Zw\u00e4ngen des \"Systems\" unabh\u00e4ngigen Lebens umzusetzen, versuchen Autonome sich sogenannte \"Freir\u00e4ume\" zu schaffen. Diese sollen vor allem dem staatlichen Gewaltmonopol entzogen werden. Die \"Rote Flora\" gilt seit Jahren bundesund europaweit als Symbol f\u00fcr autonome Freir\u00e4ume. Gewalt betrachten Autonome als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Neben Brandanschl\u00e4gen agieren Autonome insbesondere im Zusammenhang mit Demonstrationen auch gewaltt\u00e4tig gegen Polizisten als Vertreter des Staates. K\u00f6rperliche Angriffe auf Rechtsextremisten oder Personen, die Linksextremisten als rechtsextremistisch stigmatisieren, werden von Autonomen ebenfalls als gerechtfertigt erachtet. \"Rote Flora\" Die autonome Szene konzentriert sich in Hamburg seit Jahren auf das Schanzenviertel mit dem linken Kommunikationszentrum \"Rote Flora\". Dieses ist seit 1989 ihr bedeutendster politischer Treffund Veranstaltungsort. 88","Linksextremismus Die \"Rote Flora\" (Bild vom 19. April 2015): Seit mehr als 25 Jahren ist das Geb\u00e4ude am Schulterblatt das Zentrum der autonomen Szene in Hamburg. Die autonome Szene ist Teil des gewaltbereiten linksextremistischen Spektrums. Vom 02.08.2014 bis 09.11.2014 feierten die Nutzer der \"Roten Flora\" ihr 25-j\u00e4hriges Bestehen mit zahlreichen kulturellen und politischen Veranstaltungen. In einem Flugblatt zum \"Festprogramm\" betonten sie, dass die Flora sich bis heute nicht damit abfinde, \"dass die vielf\u00e4ltigen gesellschaftlichen unterdr\u00fcckungsund herrschaftsverh\u00e4ltnisse unumkehrbar sein sollen\". Das Geb\u00e4ude wird derzeit umgebaut. Am 18.12.2014 wurde bei einer Vollversammlung in der \"Roten Flora\" die Kampagne \"25 Jahre sind nicht genug - Flora baut\" vorgestellt und um finanzielle Unterst\u00fctzung zugunsten des Projekts gebeten. Ziel des Umbaus sei auch ein neues Nutzungskonzept, demzufolge man die R\u00e4ume \u00f6ffnen und Nutzungsm\u00f6glichkeiten verbessern wolle. Die bauliche \u00d6ffnung der \"Roten Flora\" d\u00fcrfte auch die Zug\u00e4nglichkeit der Szene f\u00fcr politischen Nachwuchs verbessern. Zwar nutzen regelm\u00e4\u00dfig gewaltorientierte Jugendliche und junge Erwachsene die Gelegenheit, um bei Demonstrationen Gewalt auszuleben; es gelingt der autonomen Szene aber bisher selten, junge Aktivisten f\u00fcr ein dauerhaftes politisches und organisatorisches Engagement in der \"Roten Flora\" zu gewinnen. Der \u00fcberwiegende Teil der politischen Arbeit liegt weiterhin in den H\u00e4nden alteingesessener Flora-Aktivisten. 89","Linksextremismus Autonome aus dem Umfeld der \"Roten Flora\" ver\u00f6ffentlichen die alle zwei Monate erscheinende Szenezeitschrift \"Zeck\". Diese dient Szeneangeh\u00f6rigen als \u00f6ffentliche Diskussionsplattform, als Sprachrohr der autonomen Szene Hamburgs und zur Dokumentation von Selbstbezichtigungsschreiben nach Brandstiftungen und Sachbesch\u00e4digungen. Seit Jahren thematisieren die Nutzer der \"Roten Flora\" verst\u00e4rkt eine m\u00f6gliche R\u00e4umung des Objektes, da wiederholt Ger\u00fcchte \u00fcber einen Verkauf des Grundst\u00fccks oder eine anderweitige Nutzung durch den damaligen Besitzer in der Presse thematisiert wurden. Anfang 2010 riefen sie die Kampagne \"Flora bleibt unvertr\u00e4glich!\" ins Leben, die 2013 in \"eine breit angelegte Kampagne zur Verteidigung des Projektes auf politischer wie praktischer Ebene\" m\u00fcndete. H\u00f6hepunkt war die gewaltt\u00e4tig verlaufene autonome Demonstration \"Rote Flora verteidigen - Esso-H\u00e4user durchsetzen! Gegen rassistische Zust\u00e4nde - Bleiberecht f\u00fcr alle!\" am 21.12.2013. Nach einer anschlie\u00dfend mehrere Wochen anhaltenden, vorwiegend im Internet gef\u00fchrten Diskussion um die Gewaltfrage beruhigte sich die Lage 2014. Dieser Trend verst\u00e4rkte sich noch, als sich Mitte des Jahres 2014 abzeichnete, dass der damalige Eigent\u00fcmer der \"Roten Flora\" auf ein Insolvenzverfahren zusteuere und die Stadt Hamburg das Geb\u00e4ude zur\u00fcckkaufe. Im Rahmen einer autonomen Vollversammlung am 21.05.2014 unter dem Tenor \"Konflikte zuspitzen, Konflikte ausweiten?!\" sollte in der \"Roten Flora\" die Frage gekl\u00e4rt werden, wie man politisch in die Offensive kommen k\u00f6nne, um die Zukunft des Projekts zu sichern und wieder politische Akzente zu setzen. Dass Verhandlungen oder Vertr\u00e4ge mit der Stadt f\u00fcr sie nicht in Frage kommen, haben die Floranutzer bereits mehrfach \u00f6ffentlich bekr\u00e4ftigt. Themen wie die Situation der Lampedusa-Fl\u00fcchtlinge und Gentrifizierung sollten aus ihrer Sicht st\u00e4ndig, wenn n\u00f6tig auch mit Gewalt, aufgegriffen werden, da sich an der grundlegenden Situation nichts ge\u00e4ndert habe. Angeh\u00f6rige der \"Roten Flora\" mobilisierten daher zu den \"Squatting Days\" vom 27. bis 31.08.2014, in deren Verlauf es zu einer gewaltt\u00e4tigen Hausbesetzung an der Breiten Stra\u00dfe und anschlie\u00dfend f\u00fcnf Festnahmen wegen versuchten T\u00f6tungsdelikts kam. Angeh\u00f6rige der \"Kampagne Flora bleibt unvertr\u00e4glich!\" erkl\u00e4rten sich am 30.08.2014 90","Linksextremismus solidarisch mit \"den Kriminalisierten der Breiten Stra\u00dfe\" und mobilisierten zur Solidarit\u00e4tsdemonstration am 30.08.2014. \"Bei R\u00e4umungen werden sich BesetzerInnen auch in Zukunft wehren. Wir lassen uns nicht gut und b\u00f6se, nicht in friedliche und militante BesetzerInnen spalten.\" ( 5.2.4) Ende Oktober 2014 kaufte die Johann-Daniel-Lawaetz-Stiftung die \"Rote Flora\" f\u00fcr 820.000 Euro als Treuh\u00e4nderin der Stadt Hamburg zur\u00fcck. In einer Presseerkl\u00e4rung vom 05.11.2014 bezog das Plenum der \"Roten Flora\" hierzu Stellung. Sie betonten aus ihrem autonomen Selbstverst\u00e4ndnis heraus, dass die Flora damit nicht befriedet sei und es ihnen egal sei, \"wer meint, Besitzer der Roten Flora zu sein.\" 5.1.2 AVANTI - Projekt undogmatische Linke AVANTI entstand 1989 aus einem Zusammenschluss zweier autonomer Gruppen aus Schleswig-Holstein und verf\u00fcgt derzeit \u00fcber Gruppen in Berlin, Bremen, Hamburg, Hannover, Kiel, L\u00fcbeck und Norderstedt, die miteinander vernetzt sind. Die Gruppe besch\u00e4ftigt sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit den Themenfeldern Antifaschismus, Antimilitarismus, Antirassismus, Klimawandel und \"sozialen K\u00e4mpfen\". AVANTI verdeutlicht seinen verfassungsfeindlichen Ansatz in dem 2004 \u00fcberarbeiteten Grundsatzpapier: \"Unsere \u00dcberzeugung war und ist, dass die heutige Gesellschaft revolution\u00e4r ver\u00e4ndert werden muss und dass die hierf\u00fcr notwendige gesellschaftliche Gegenmacht nicht allein aus spontanen Bewegungen bestehen kann, sondern die Beteiligung revolution\u00e4rer Organisationen braucht.\" Um den Gesellschaftsumbau zu erreichen, legitimiert AVANTI in seinem Grundsatzpapier auch revolution\u00e4re Gewalt: \"Unsere Utopie ist [...] die einer gewaltund herrschaftsfreien Gesellschaft. Dennoch haben Revolution\u00e4rInnen immer wieder zum Mittel der Gewalt gegriffen. [...] Wir sind daher der \u00dcberzeugung, dass die Entscheidung zum Einsatz revolution\u00e4rer Gewalt sehr genau abgewogen werden muss und nur als letztes Mittel gelten kann\". 91","Linksextremismus Mit der Auffassung, dass die System\u00fcberwindung eine Organisierung voraussetzt, hebt sich AVANTI von der typischen organisationskritischen Einstellung autonomer Gruppierungen ab. Ihre theoretische Basis ist von kommunistischen Ideologieelementen gepr\u00e4gt, die Aktionsformen \u00e4hneln denen autonomer Gruppen. Eine Zusammenarbeit mit nichtextremistischen Gruppierungen wird ausdr\u00fccklich bef\u00fcrwortet. \"Gesellschaftliche Verankerung meint die Einbettung von AVANTI in ein Netzwerk von B\u00fcndnissen und/oder Kontakten sowohl mit anderen linken (nicht unbedingt revolution\u00e4ren) Organisationen als auch mit politisch interessierten und engagierten Menschen, die z. B. in politischen Gruppen oder B\u00fcrgerinitiativen aktiv sind. [...] Denn Verankerung entsteht [...] durch gemeinsame Erfahrungen in politischen Kampagnen und K\u00e4mpfen.\" Ausdruck der Avanti-Internetseite mit dem Tenor \"25 Jahre AVANTI - ab jetzt sind wir Interventionistische Linke\" AVANTI ver\u00f6ffentlichte im September 2014 seinen \"Aufbruchschritt\" in das bundesweite Netzwerk \"Interventionistische Linke\" (IL) mit dem Tenor \"25 Jahre AVANTI - ab jetzt sind wir Interventionistische Linke\". Dies stelle keine Aufl\u00f6sung von AVANTI dar. Inwieweit die zuk\u00fcnftige politische und strategische Ausrichtung der IL mitgetragen werde, beh\u00e4lt sich die Gruppe vor. Die IL ist ein seit 1999 bundesweit agierendes Netzwerk, in dem neben linksextremistischen Gruppen aus der autonomen und antiimperialistischen Szene auch einzelne nichtextremistische Organisationen und Einzelpersonen zusammenarbeiten und das in mehr als 20 St\u00e4dten aktiv ist. Mit dem strategischen Konsens 92","Linksextremismus \"Wir wollen eine neue, radikale Linke, die um politische Hegemonie ringt und Gegenmacht organisiert\" f\u00fchrt die IL seit 2010 eine intensive Organisierungsdebatte und ver\u00f6ffentlichte hierzu ein \"Zwischenstandspapier\". Dieses wird von allen dem Netzwerk angeschlossenen Gruppierungen mitgetragen. Mit diesem Umstrukturierungsprozess beabsichtigt die IL, die Handlungsf\u00e4higkeit und die Wahrnehmbarkeit der \"radikalen Linken\" in der Bundesrepublik Deutschland fl\u00e4chendeckend zu verbessern und gesellschaftlich zu etablieren. Die IL bietet in ihrem Zwischenstandspapier keine konkrete \"Systemalternative\" an, setzt aber, wie andere linksextremistische Gruppierungen, auf die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft: \"Wir wollen eine radikale Linke, die auf den revolution\u00e4ren Bruch mit dem nationalen und dem globalen Kapitalismus, mit der Macht des b\u00fcrgerlichen Staates und allen Formen von Unterdr\u00fcckung, Entrechtung und Diskriminierung orientiert. [...] Um den Weg zu einer befreiten Gesellschaft freizumachen, braucht es die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Kapitalverwertung und die \u00dcberwindung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates.\" Im Januar 2015 distanzierte sich die IL via Twitter ausdr\u00fccklich von der Einsch\u00e4tzung Berliner Linksextremisten, sie sei eine \"gem\u00e4\u00dfigt auftretende\" Organisation, und bezeichnete sich als \"militant\". Sie identifiziere sich haupts\u00e4chlich \"mit Blockaden und anderen ungehorsamen Massenaktionen\". Die IL gibt in ihrem Zwischenstandspapier an, sie wolle \"mit m\u00f6glichst vielen Menschen Aktionen machen, die radikalisieren und ermutigen. [...] Gleichzeitig vertreten wir politisch und praktisch die Notwendigkeit von Gegenwehr und offensivem Widerstand.\" Das Netzwerk setzte 2014 seine Hauptaktivit\u00e4ten mit Protesten gegen das globale Finanzsystem fort und beteiligte sich insbesondere an der Organisation zum \"Blockupy-Festival\" sowie an den Vorbereitungen zu den Protesten gegen die von massiven gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen begleitete Er\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) am 18.03.2015 in Frankfurt am Main. Im Rahmen der Solidarit\u00e4t gegen den Terror durch die Organisation \"Islamischer Staat\", insbesondere gegen die Kurden, stellte die IL zu den bundesweiten \"Antikriegsde93","Linksextremismus monstrationen\" am 01.09.2014 in Hamburg und anderen deutschen St\u00e4dten unter anderem die Forderungen \"Weg mit dem PKK-Verbot! Schluss mit der Drangsalierung und Kriminalisierung kurdischer Jugendlicher in Deutschland\". Im Oktober 2014 beteiligte sich die IL gemeinsam mit dem \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" an der Spendenkampagne \"Solidarit\u00e4t mit Rojava\". Schwerpunkt der Hamburger Ortsgruppe waren 2014 die Proteste zum 1. Mai und den dezentralen Aktionstagen \"Blockupy\" in Hamburg. Das im Kern aus den Gruppierungen AVANTI/IL Hamburg, ATES.H - F\u00fcr eine sozialrevolution\u00e4re Perspektive und \"Projekt Revolution\u00e4re Perspektive\" (PRP) bestehende \"RISE UP! - B\u00fcndnis\" organisierte zum 30.04.2014 unter dem Motto \"Freedom of Movement now\" eine \"Antirassistische & Antikapitalistische Vorabenddemonstration\" in Hamburg. Daran beteiligten sich circa 1.300 Personen, darunter rund 650 gewaltorientierte Linksextremisten. W\u00e4hrend des Aufzugs wurden pyrotechnische Gegenst\u00e4nde gez\u00fcndet sowie auf der Reeperbahn f\u00fcnf Polizeifahrzeuge besch\u00e4digt. Bereits zum zweiten Mal rief das \"RISE UP! B\u00fcndnis\" auch zur Bildung eines \"Antikapitalistischen / Klassenk\u00e4mpferischen Blocks\" innerhalb der DGB-Demonstration in Hamburg zum 1. Mai 2014 auf. Unter den circa 5.600 Teilnehmern befanden sich etwa 300 bis 400 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum. Im Fr\u00fchjahr 2014 fanden zahlreiche dezentrale Aktionen zu den \"internationalen Tagen des Widerstands gegen die Politik von EU und Troika\" vom 15. bis 25.05.2014 in verschiedenen St\u00e4dten Europas statt. In Deutschland wurden in den St\u00e4dten Berlin, D\u00fcsseldorf, Hamburg und Stuttgart unter dem Motto \"Grenzenlos solidarisch - f\u00fcr eine Demokratie von unten!\" Protestaktionen durchgef\u00fchrt. In Hamburg rief das \"B\u00fcndnis RISE UP!\" zu einer unangemeldeten \"antikapitalistischen Fahrraddemonstration\" am 16.05.2014 auf, an der 330 Personen teilnahmen. Sie skandierten unter anderem \"Ganz Hamburg hasst die SPD\" und \"Bleiberecht \u00fcberall, kein Mensch ist illegal\". F\u00fcr den 17.05.2014 rief das \"Blockupy B\u00fcndnis Nord\" zu der Demonstration \"Hafencity entern - Elbphilharmonie besichtigen\" auf. Im Auf94","Linksextremismus ruf wird \"unsere Ablehnung zur herrschenden Politik klar und deutlich\" ge\u00e4u\u00dfert und zu Widerstand und zivilem Ungehorsam gegen die Politik der Troika (EZB, Internationaler W\u00e4hrungsfonds, EU-Kommission) aufgerufen. Dem \"Blockupy B\u00fcndnis Nord\" geh\u00f6ren neben mehreren nichtextremistischen Gruppierungen und Organisationen unter anderem Personen von ATES.H, AVANTI/IL Hamburg und PRP an. Die am 17.05.2014 zun\u00e4chst mit 1.000 Teilnehmern friedlich gestartete Demonstration wurde durch den Veranstalter vorzeitig beendet. Im Anschluss wurden Flugbl\u00e4tter mit der Aufschrift \"Elbphilharmonie st\u00fcrmen\" verteilt und St\u00f6rergruppen versuchten die polizeilichen Absperrungen zu \u00fcberwinden und bewarfen Polizeibeamte mit Pyrotechnik. Sechs Personen wurden festgenommen, zehn in Gewahrsam genommen. Drei Polizeibeamte erlitten Verletzungen. In einem Bericht des \"RISE UP! B\u00fcndnisses\" wurde bilanziert: \"Auch wenn noch vieles ausbauf\u00e4hig ist, konnte mit vielf\u00e4ltigen Aktionen die lokale Verankerung von Blockupy ein gutes St\u00fcck voran gebracht werden. Die Proteste in Hamburg waren ein gelungenes Warmlaufen: Die geplante EZB-Er\u00f6ffnung in Frankfurt am Main kann kommen [...].\" 5.1.3 ATES.H Die Hamburger Gruppe ATES.H stellte sich im Februar 2012 \u00f6ffentlich mit einem Grundsatzpapier, einer Homepage und einer Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung vor. ATES.H formuliert das Ziel, \"durch allt\u00e4gliche Intervention und revolution\u00e4re Politik eine Perspektive zu diesen unterdr\u00fcckerischen, menschenverachtenden Verh\u00e4ltnissen zu schaffen\". ATES.H sieht sich als Gruppe, die \"revolution\u00e4re Inhalte in die Gesellschaft tr\u00e4gt\". Die Absicht einer \"undogmatischen, hierarchiefreien und spektren\u00fcbergreifenden Arbeitsweise\" setzte ATES.H um, indem sich die Gruppe 2013 dem Hamburger B\u00fcndnis RISE UP! anschloss und dessen Aktivit\u00e4ten auch 2014 unterst\u00fctzte. ( 5.1.2) ATES.H unterhielt auch im Jahr 2014 Kontakte zu solchen linksextremistischen Gruppen, die die Unterst\u00fctzung der Lampedusa-Fl\u00fcchtlinge f\u00fcr ihre Agitation nutzten ( 5.2.5). 95","Linksextremismus Dar\u00fcber hinaus ver\u00f6ffentlichte ATES.H Demonstrationsaufrufe kurdischer Gruppierungen unter anderem der kurdischen Jugendbewegung in Hamburg, dem kurdisch - deutschen Kulturzentrum e.V. Hamburg und der kurdischen Frauenbewegung in Hamburg. ATES.H leistete intensive Mobilisierungsarbeit f\u00fcr die Kurdistan-Solidarit\u00e4t ( 5.2.6), unterst\u00fctzte die Forderung nach einer Aufhebung des in Deutschland bestehenden PKK-Verbots und unterzeichnete Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen f\u00fcr einen in Hamburg inhaftierten Kurden, der am 29.08.2014 in Bremen im Zusammenhang mit einem Ermittlungsverfahren des Generalbundesanwaltes gem\u00e4\u00df SSSS129a, b StGB wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der PKK festgenommen worden war. 5.1.4 Antiimperialistische Gruppen Antiimperialisten verkn\u00fcpfen Kernelemente des Marxismus-Leninismus mit dem Vorwurf, der Reichtum der Industrienationen beruhe auf der \u00f6konomischen Ausbeutung von Ressourcen in den Entwicklungsl\u00e4ndern und werde zudem milit\u00e4risch gesichert. Aus diesem Grund agitieren sie \u00fcberwiegend gegen global t\u00e4tige Konzerne sowie nationale und internationale Institutionen. Sie lehnen das Gewaltmonopol des Staates ab und reklamieren f\u00fcr sich zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele ein Recht auf Widerstand gegen das \"System\", welches auch gewaltt\u00e4tige Aktionen einschlie\u00dft. Von den Autonomen grenzen sie sich aufgrund ideologischer Differenzen ab und haben daher kaum Ber\u00fchrungspunkte. Die antiimperialistische Szene Hamburgs hat neben der j\u00e4hrlichen Mobilisierung zur \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" auch in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen eine Kontinuit\u00e4t gefunden. Ihre Bandbreite reicht dabei von marxistisch-leninistischen Standpunkten bis zu maoistischen Auffassungen. Ein gro\u00dfer Teil der rund 100 Hamburger Antiimperialisten trifft sich regelm\u00e4\u00dfig im \"Internationalen Zentrum\" an der Brigittenstra\u00dfe 5 (B5). Die dort ans\u00e4ssigen Gruppen sympathisieren mit terroristischen beziehungsweise kommunistischen Organisationen aus Indien, Peru und den kurdischen Autonomiegebieten. Die K\u00e4mpfe in der Ukraine werden ebenfalls zum Thema von Veranstaltungen und Demonstrationen gemacht. Antiimperialistische Gruppen streben seit Jahren die Gr\u00fcndung einer kommunistischen Partei in Deutschland an, welche die Massen zur Revolution f\u00fchren solle. 96","Linksextremismus Zu den antiimperialistischen Gruppen in Hamburg geh\u00f6ren unter anderem die \"Rote Szene Hamburg\" (RSH), die \"Sozialistische Linke\" (SoL), das \"B\u00fcndnis gegen imperialistische Aggression\" (BgiA) und das \"Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\" (Netzwerk). Dabei gibt es personelle \u00dcberschneidungen. Die RSH und die SoL versuchen durch Veranstaltungen und Ver\u00f6ffentlichungen im Internet Jugendliche und junge Erwachsene f\u00fcr Aktionsformen zu gewinnen, um sie anschlie\u00dfend mit marxistisch-leninistischem Gedankengut zu indoktrinieren. Um eine \"Grundlagenschulung\" zu vermitteln, sind auf den Internetseiten beider Organisationen klassische kommunistische Ideologietexte hinterlegt. Die SoL verweist in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis darauf, dass f\u00fcr den Kampf gegen den deutschen Imperialismus eine Kommunistische Ausdruck der RSH Internetseite vom Partei notwendig sei. 21.06.2014 zum R\u00fcckzug aus der B5 Am 21.06.2014 ver\u00f6ffentlichte die RSH einen Internetbeitrag, zu ihrem R\u00fcckzug aus der B5, der aufgrund ideologischer Differenzen mit anderen Gruppierungen vor Ort erfolgte. Der Beitrag endet mit dem Schluss: \"Olaf und Angie, wir bek\u00e4mpfen euch weiter!\" Ihre politische Leitlinie einschlie\u00dflich der Legimitation von Gewalt gegen politische Gegner beschrieb die RSH am 02.07.2014: \"Konsequenter Antikapitalismus, Antifaschismus, Antirassismus und Antiimperialismus und das Streben nach der Revolution und dem Kommunismus sind und bleiben die elementaren Eckpfeiler unserer Politik. [...] Organisiert euch, greift Nazis an und bleibt in Bewegung.\" Am 25.08.2014 beschreibt die RSH in dem Internetbeitrag \"SPD t\u00f6tet\" die sozialdemokratische Geschichte der letzten 100 Jahre aus ihrer 97","Linksextremismus Sicht. Darin wird die SPD unter anderem ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Millionenen Toten des Ersten Weltkriegs sowie das Scheitern der Weimarer Republik verantwortlich gemacht. Der Artikel endet mit dem Aufruf: \"Sozialdemokraten das Handwerk legen! F\u00fcr den Kommunismus!\" Die RSH-Kampagne gegen die SPD wurde am 30.09.2014 mit einer weiteren Ver\u00f6ffentlichung unter der \u00dcberschrift: \"Nazis morden, die SPD l\u00e4dt nach!\" fortgef\u00fchrt. Ihre Gewaltbereitschaft unterstrich die RSH mit dem Facebook-Artikel \"Zur Situation in Kobane\" vom 08.10.2014. Hierin erteilten sie den Rat: \"Wer hierzulande irgendwelche IS-Sympathisanten trifft, sollte gnadenlos zuschlagen.\" Ausdruck der Internetseite der \"Sozialistischen Linken\" (SoL) Die \"Sozialistische Linke\" (SoL) ver\u00f6ffentlichte 2013 eine Erkl\u00e4rung, wonach sie \"allgemeing\u00fcltigen marxistischen Prinzipien \u00fcber die revolution\u00e4re Gewalt, den revolution\u00e4ren Krieg und die Machtergreifung\" verpflichtet sei. Diese Auffassung untermauerte die SoL mit ihrer anl\u00e4sslich der Wahlboykottkampagne ver\u00f6ffentlichten Publikation \"Geht nicht w\u00e4hlen! Sondern k\u00e4mpft und wehrt euch!\". Darin wird behauptet, Hauptzweck der Wahlen sei \"die Legitimierung eines imperialistischen Projekts der westeurop\u00e4ischen Staaten\". Das EU-Parlament sei ein \"Schweinestall\". Der Text endet mit dem Aufruf: \"Der Boykott der Wahlen ist ein Dienst f\u00fcr die Revolution und er ist eine Waffe im Kampf.\" Das \"Netzwerk Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\" (Netzwerk) ist eine Initiative von Gruppen und Einzelpersonen, die die Solidarit\u00e4t mit \"politischen Gefangenen\" st\u00e4rken, sich vernetzen und f\u00fcr die Freiheit der \"politischen Gefangenen\" k\u00e4mpfen will. Das Netzwerk vertritt die Auffassung, 98","Linksextremismus \"dass die Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen integraler Bestandteil aller politischen und sozialen K\u00e4mpfe sein muss.\" Im Rahmen dieser Arbeit kam es zu regionalen und \u00fcberregionalen Treffen. Es wurden auch verschiedene Veranstaltungen f\u00fcr \"politische Gefangene\" durchgef\u00fchrt. So organisierte das Netzwerk am 22.06.2014 eine Informationsveranstaltung \u00fcber \"politische Gefangene\" in Griechenland. Das \"B\u00fcndnis gegen imperialistische Aggression\" (BgiA) beschreibt sich als Zusammenschluss \"von Gruppen, Organisationen, Parteien und Einzelpersonen aus verschiedenen L\u00e4ndern\". Ihre gemeinsame Basis sei \"der antiimperialistische und internationalistische Kampf\". Das BgiA initiierte die \"Revolution\u00e4re 1. MaiDemonstration 2014\", nach deren Abschluss es zu massiven Ausschreitungen und Festnahmen kam. Am 24.05.2014 organisierte das BgiA eine Demonstration unter dem Tenor: \"H\u00e4nde weg von der Ukraine!\" mit 70 Teilnehmern. Angeh\u00f6rige des BgiA nahmen im Juli und August an Demonstrationen mit Ukrainebeziehungsweise Pal\u00e4stina-Bezug teil. Ausdruck der BgiA Internetseite und der Ank\u00fcndigung zur \"Revolution\u00e4ren Auch im Jahr 2014 war das herausra1. Mai-Demonstration 2014\" gende Ereignis f\u00fcr das antiimperialistische Lager die \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\". Mehrere Gruppen mobilisierten bereits im Vorfeld dazu mit eigenen Aufrufen. Das BgiA forderte: \"Wir wollen den kompromisslosen Kampf gegen die Monopolbourgeoisie, ihren Staat, ihre Parteien und Institutionen. Der Aufstand ist gerechtfertigt! Hoch die internationale Solidarit\u00e4t! Es lebe der 1. Mai.\" Die RSH beendet ihren Aufruf \"Hamburg sieht Rot\" mit den Worten: \"Es gilt also unseren Kampf gegen dieses kapitalistische System zu organisieren.\" 99","Linksextremismus Neben verschiedenen kleineren Demonstrationen, fand am Abend der Aufzug unter dem Tenor \"Das Proletariat hat kein Vaterland\" mit etwa 2.200 Teilnehmern im Schanzenviertel statt. Unter den Teilnehmern waren rund 500 Linksextremisten. Aus dem Aufzug heraus wurden B\u00f6ller, Flaschen und Steine auf die Polizei geworfen. Polizeibeamte stellten auch geworfene oder geschossene Metallkugeln fest. Danach griffen Kleingruppen die Polizei mehrfach mit Steinen an. Eine etwa 20 Personen umfassende Gruppe zerst\u00f6rte die Scheiben des SPD-B\u00fcros in der Clemens-Schulz-Stra\u00dfe 45. Insgesamt wurden 20 Polizeibeamte verletzt; 19 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Ausdruck der RSH Internetseite mit dem Aufruf \"Hamburg sieht Rot\" Die RSH schrieb nach der Demonstration in dem Artikel \"Bericht vom Block\", dass sie auf einen eigenen Lautsprecherwagen verzichten und daher ihre Inhalte unter anderem mit Flugbl\u00e4ttern, Parolen und lautstarken Skandierungen verbreiten musste. Ihr Block sei \"der lauteste, organisierteste und entschlossenste Teil der Demonstration gewesen. Viele h\u00e4tten im Rahmen ihres M\u00f6glichen Gegenwehr geleistet, Verletzte aus der Gefahrenzone gebracht und den Bullen zugesetzt\". Nach Auffassung der SoL sei die Demonstration eine \"konkrete Realisierung der Einheitsfront\" gewesen. Auch die \"revolution\u00e4ren Frauen h\u00e4tten eine wesentliche Rolle in der Demonstration gespielt, da sie ihre Reihen wie niemand sonst hielten\". Im weiteren Verlauf der \"Revolution\u00e4ren 1.-Mai-Demonstration\" kam es zu einem versuchten T\u00f6tungsdelikt gegen zwei Polizeibeamte, in deren Fahrzeug ein Molotowcocktail geworfen wurde. Die Hintergr\u00fcnde der Tat sind bislang noch nicht aufgekl\u00e4rt. ( 3.) 100","Linksextremismus Im Gegensatz zu den meisten in der B5 ans\u00e4ssigen antiimperialistischen Gruppen zeigt das \"Projekt revolution\u00e4re Perspektive\" (PRP) gegen\u00fcber anderen linksextremistischen Str\u00f6mungen eine aufgeschlossenere Haltung. Seit 2013 beteiligt sich PRP neben den linksextremistischen Gruppen \"ATES.H\" und \"AVANTI/IL\" an dem Hamburger \"RISE UP!\"-B\u00fcndnis. Dies deutet darauf hin, dass PRP seine politische Zukunft eher in der Zusammenarbeit mit b\u00fcndnisorientierten linksextremistischen Gruppen und weniger im Bereich der Antiimperialisten um die B5 sieht. PRP wurde Anfang 2009 gegr\u00fcndet und beschreibt sich selbst als \"Zusammenschluss von Menschen aus verschiedenen Bereichen der (radikalen) Linken\". In ihrem Selbstverst\u00e4ndnis bezeichnet die Gruppe den Kapitalismus als \"unertr\u00e4glichen Zustand, der nicht naturw\u00fcchsig, sondern ein von Menschen gemachtes System\" sei, das auch von Menschen wieder abgeschafft werden k\u00f6nne. Im Rahmen von \"praktischen Aktionen\" will PRP gesellschaftliche Widerspr\u00fcche aufgreifen, \"f\u00fcr eine revolution\u00e4re Perspektive eintreten und Alternativen zum gegenw\u00e4rtigen kapitalistischen System\" aufzeigen. Die Gruppe bekennt sich zum \"Aufbau einer starken Organisation.\" Laut einer Erkl\u00e4rung auf linksunten.indymedia vom 06.04.2014 gr\u00fcndete sich die \"Perspektive Kommunismus\" Anfang April 2014, um \"der Zersplitterung der revolution\u00e4ren Linken in der BRD entgegen zu wirken\". PRP schloss sich dieser bundesweiten Organisation, in der linksextremistische Gruppen aus dem aktionsund gewaltorientierten Spektrum mitarbeiten, an. Ihr verbindendes Ziel ist \"der Aufbau des Sozialismus hin zu einer befreiten, einer kommunistischen klassenlosen Gesellschaft\". 5.1.5 Anarchisten Gemeinsamer Kern der verschiedenen anarchistischen Str\u00f6mungen ist eine Gesellschaft ohne Herrschaft und Eigentum, die dem Individuum ein H\u00f6chstma\u00df an Selbstentfaltung erm\u00f6glichen soll. Diese Grund\u00fcberzeugung ist das verbindende Element innerhalb der zersplitterten anarchistischen Szene in Hamburg, der rund 50 Personen angeh\u00f6ren. 101","Linksextremismus Die best\u00e4ndigste anarchistische Gruppe in Hamburg ist die Ortsgruppe der \"Freie ArbeiterInnen Union\" (FAU). Ihr Treffpunkt ist das selbstverwaltete Libert\u00e4re Kulturund Aktionszentrum \"Schwarze Katze\" (LKA) an der Fettstra\u00dfe in Eimsb\u00fcttel. Die FAU agiert bundesweit und ist an die \"Internationale Arbeiter Assoziation\" (IAA) angebunden. In Hamburg hatten die Aktivit\u00e4ten der FAU 2014 nur geringe Au\u00dfenwirkung. Weitere Nutzer der \"Schwarzen Katze\" sind kleinere libert\u00e4re und anarchistische Gruppen, Projekte sowie Einzelpersonen. Das \"Libert\u00e4re Zentrum\" (LIZ) im Karolinenviertel galt noch vor mehreren Jahren als Treffpunkt traditioneller Anarchisten. Derzeit nutzen insbesondere Angeh\u00f6rige der autonomen Hamburger Szene das selbstverwaltete LIZ als Veranstaltungsund Versammlungsort. 5.1.6 Rote Hilfe (RH) Die Rote Hilfe (RH) wurde 1975 gegr\u00fcndet und bezeichnet sich als Rote Hilfe e.V. im Internet \"parteiunabh\u00e4ngige, str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutzund Solidarit\u00e4tsorganisation\". Von strafprozessualen Ma\u00dfnahmen betroffene Aktivisten werden finanziell, unter anderem bei Anwaltsund Gerichtskosten unterst\u00fctzt. In ihren Publikationen fordert die Rote Hilfe dazu auf, die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbeh\u00f6rden - auch hinsichtlich der Aufkl\u00e4rung von Straftaten -konsequent zu verweigern. Die Zeitschrift \"Die Rote Hilfe\" wird viertelj\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlicht. Die szeneintern konsensf\u00e4hige Agitation der Roten Hilfe gegen vorgebliche \"staatliche Repression\" und ihr Status als Hilfseinrichtung verschafft der Organisation hohes Ansehen unter Linksextremisten. Daher setzt sich ihr Mitgliederbestand aus verschiedenen Teilbereichen linker und linksextremistischer Organisationen zusammen. Nur sehr wenige Mitglieder arbeiten in der Gruppe aktiv mit. Unter den bundesweit circa 6.500 und den circa 620 Hamburger Mitgliedern (2013: 600) befinden sich zahlreiche passive Unterst\u00fctzer. Die Ortsgruppe Hamburg bietet w\u00f6chentliche Beratungstermine und Veranstaltungen zu aktuellen Themen an. Der monatlich erscheinende 102","Linksextremismus Newsletter \"pressback\", in dem aktuelle Beitr\u00e4ge zum Thema \"Antirepression\" erscheinen, wird von der Roten Hilfe gef\u00f6rdert. 5.2 Aktionsfelder 5.2.1 Antirepression Gewaltorientierte Linksextremisten, das hei\u00dft Autonome, Antiimperialisten und Anarchisten, reklamieren f\u00fcr sich ein Recht auf Widerstand gegen staatliche Ma\u00dfnahmen, weil sie das Gewaltmonopol des Staates nicht anerkennen. Als \"Repression\" bezeichnen Linksextremisten insbesondere die strafrechtliche Verfolgung politisch motivierter Kriminalit\u00e4t. Zur \"Repression\" geh\u00f6ren nach ihrem Verst\u00e4ndnis s\u00e4mtliche staatliche Ma\u00dfnahmen zur Pr\u00e4vention und Verfolgung von Straftaten wie unter anderem Videooder Telefon\u00fcberwachung, Durchsuchungen und erkennungsdienstliche Behandlungen. Die \"Repression\" diene vornehmlich zur \"Ausforschung\", \"Einsch\u00fcchterung\" und f\u00fcr \"Angriffe auf linke Strukturen\". Wesentliche Bedeutung im Kampf gegen \"Repression\" kommt neben der Roten Hilfe ( 5.1.6 Rote Hilfe) dem \"Ermittlungsausschuss\" (EA) zu. Der EA unterst\u00fctzt Personen, die im Zusammenhang mit linksextremistischen Versammlungen festgenommen oder in Gewahrsam genommen wurden. Er ist insbesondere w\u00e4hrend linksextremistischer Versammlungen mit Gewaltpotenzial telefonisch erreichbar, um bei Konfrontationen mit Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zu beraten und Kontakte zu Rechtsanw\u00e4lten herzustellen. Als Leitsatz im Umgang mit Strafverfolgungsbeh\u00f6rden propagiert der EA regelm\u00e4\u00dfig das Szene-Dogma \"Anna und Arthur halten das Maul\", mit dem szeneinterne Verschwiegenheit gew\u00e4hrleistet und Unterst\u00fctzung f\u00fcr strafrechtliche Ermittlungen unterbunden werden sollen. Einmal im Monat veranstalten der EA und die Rote Hilfe eine \"Antirepkneipe\" zu wechselnden Themen in der Szenekneipe \"Hafenvok\u00fc\" an der Hafenstra\u00dfe in St. Pauli. Infolge der wiederholten Angriffe auf Polizeibeamte und polizeiliche Einrichtungen im Dezember 2013 richtete die Polizei in der Zeit vom 04.01. bis zum 13.01.2014 ein Gefahrengebiet im Bereich Schanzenviertel ein. Gegen diese Ma\u00dfnahme wurden mehrere unangemeldete Spontandemonstrationen (unter anderem sogenannte \"Stadtteilrund103","Linksextremismus g\u00e4nge\") durchgef\u00fchrt, an denen sich mehrheitlich Nichtextremisten, aber auch zahlreiche Angeh\u00f6rige der autonomen Szene beteiligten. Das \u00fcberwiegend von nichtextremistischen Zusammenh\u00e4ngen sowie einzelnen linksextremistischen Gruppen (unter anderem AVANTI, DKP und die Rote Hilfe) unterst\u00fctzte B\u00fcndnis \"Gefahrengebiete abschaffen\", f\u00fchrte am 18.01.14 einen Aufzug mit dem Tenor \"Ausnahmezustand stoppen! Politische Konflikte politisch l\u00f6sen!\" durch. W\u00e4hrend der Demonstration, an der gut 3.200 Personen teilnahmen, wurden vereinzelt Feuerwerksk\u00f6per gez\u00fcndet. Die pers\u00f6nliche Betroffenheit der Anwohner wurde von Linksextremisten genutzt, um eine breite Mobilisierung f\u00fcr ihre Proteste gegen angebliche \"Polizeiwillk\u00fcr\" zu erzeugen. An der j\u00e4hrlich von Linksextremisten durchgef\u00fchrten \"Knastdemonstration\" vor der Untersuchungshaftanstalt Hamburg am 31.12.2014 mit dem Tenor \"Sylvester gegen alle Kn\u00e4ste!\" nahmen rund 70 Personen teil. 5.2.2 Antifaschismus Ideologische Grundlage des linksextremistischen \"Antifaschismus\" ist der in den 1920er Jahren aus der marxistisch-leninistischen Doktrin heraus entwickelte Faschismusbegriff. Dieser definierte den Faschismus als Werkzeug der Kapitalisten zum Niederhalten der revolution\u00e4ren Arbeiterklasse. Linksextremisten fordern auch heute die \u00dcberwindung der bestehenden Gesellschaftsund Staatsordnung, die sie als Ursache des \"Faschismus\" interpretieren. In dem im November 2013 auf der Internet-Seite des \"Antifa Info Pool Hamburg\" ver\u00f6ffentlichten Aufruf \"Antifa supports Rote Flora: Eine f\u00fcr Alle - Alle f\u00fcr Eine\" erl\u00e4uterten autonome \"Antifaschisten\": \"F\u00fcr uns ist Antifaschismus mehr, als nur der Kampf gegen Neonazis und rechte Strukturen. Wir sehen [...] unser Engagement als einen Teil von vielen K\u00e4mpfen gegen Staat, Nation und Kapital.\" Auch wegen des breiten gesellschaftlichen R\u00fcckhalts f\u00fcr das Engagement gegen Rechtsextremismus versuchen Linksextremisten, ihre verfassungsfeindliche Ideologie \u00fcber dieses Thema in demokratische und zivilgesellschaftliche Initiativen auszudehnen. 104","Linksextremismus Hauptaktionsfeld linkextremistischer \"Antifaschisten\" sind Demonstrationen und andere Protestaktionen gegen Informationsst\u00e4nde und Veranstaltungen von Rechtsextremisten. Dar\u00fcber hinaus gehen Linksextremisten auch direkt gegen Einzelpersonen vor. Das geht von sogenannten Outing-Aktionen, Sachbesch\u00e4digung bis hin zur Anwendung k\u00f6rperlicher Gewalt. Gewaltanwendung wird im Rahmen des \"Kampfes gegen Rechts\" als legitimes und geeignetes Mittel angesehen beziehungsweise als antifaschistischer \"Selbstschutz\" verharmlost. Hierzu hei\u00dft es in der von Hamburger Linksextremisten vertriebenen Brosch\u00fcre \"Tipps und Tricks f\u00fcr Antifas\": \"Selbstschutz bedeutet auch, dass wir nicht warten, bis die Faschist_innen sich in unserem Kiez oder unserer Stadt festgesetzt haben und eine gut organisierte Struktur aufgebaut haben, sondern sie schon dann anzugreifen, wenn sie noch schwach und unsicher sind und unsere Angriffe wirklich noch gute Chancen haben, sie zu vertreiben.\" Im Rahmen von \"Outing-Aktionen\" sp\u00e4hen Antifa-Gruppen einzelne Rechtsextremisten gezielt aus, sammeln Informationen \u00fcber sie und ver\u00f6ffentlichen diese dann. Zur Verbreitung der Rechercheergebnisse werden Internet und Szene-Publikationen, aber auch Flugbl\u00e4tter im Wohnoder beruflichen Umfeld des Betroffenen genutzt. Die Aktionen sollen Rechtsextremisten aus der Anonymit\u00e4t l\u00f6sen und ihre Gesinnung \u00f6ffentlich machen. Die autonome Antifa setzt sich in Hamburg aus zahlreichen Gruppen mit unterschiedlicher Best\u00e4ndigkeit zusammen. Zu den bedeutenderen Strukturen geh\u00f6ren die langj\u00e4hrig aktiven Gruppen \"[a2]-Hamburg\" und das \"Antifa-Infotelefon\". Mitglieder der Gruppe [a2] und andere autonome Antifaschisten reisten 2014 mehrfach zu ausw\u00e4rtigen Protestveranstaltungen, unter anderem gegen eine Demonstration von Rechtsextremisten am 08.05.2014 in Demmin (Mecklenburg-Vorpommern) und gegen den Tag der Deutschen Einheit am 03.10.2014 in Hannover. Bei beiden Versammlungen griffen Linksextremisten Polizeieinsatzkr\u00e4fte an. Zu den Protesten gegen den Tag der deutschen Einheit hatte [a2] unter der \u00dcberschrift \"Deutschland, du Drecksau halt's Maul\" mobilisiert. Wegen des geringen Aktionsaufkommens der rechtsextremistischen Szene Hamburgs f\u00fchrten linksextremistische \"Antifaschisten\" nur 105","Linksextremismus wenige Aktionen gegen Neonazis und die NPD in Hamburg durch, darunter einzelne Outing-Aktionen. In den besonderen Fokus geriet die Partei \"Alternative f\u00fcr Deutschland\" (AfD), der Linksextremisten Rechtspopulismus und Rassismus vorwerfen. Dies wurde insbesondere im Rahmen der Wahlk\u00e4mpfe im Vorfeld der Europawahl 2014 und der Wahl zur Hamburgischen B\u00fcrgerschaft im Februar 2015 durch St\u00f6rungen von Parteiveranstaltungen und Besch\u00e4digungen von Wahlplakaten deutlich. H\u00f6hepunkt der linksextremistischen Kampagne gegen die AfD in Hamburg waren n\u00e4chtliche Farbw\u00fcrfe gegen die H\u00e4user dreier AfD-Politiker im Januar 2015, zu denen am 26.01.2015 ein Selbstbezichtigungsschreiben auf linksunten.indymedia ver\u00f6ffentlicht wurde. Darin betonten die unbekannten Verfasser: \"Demos der Rassist_innen [...] angreifen, keine Ruhe den Hetzer_innen an ihren Wohnorten!\" Am 05.11.2014 demonstrierten rund 500 Personen, darunter ungef\u00e4hr 100 Linksextremisten, gegen einen Aufzug mutma\u00dflich rechtsgerichteter Personen im Stadtteil Farmsen. Bei Versuchen, in die N\u00e4he der Aufzugsteilnehmer zu gelangen, bewarfen Linksextremisten Polizeibeamte mit Flaschen, Steinen und Farbbeuteln. 5.2.3 Antimilitarismus \"Antimilitarismus\" ist seit Jahren ein Schwerpunktthema der linksextremistischen Szene Hamburgs. Bundeswehreins\u00e4tze in Krisengebieten werden von \"Antimilitaristen\" als ein Mittel zur Durchsetzung kapitalistischer Interessen im Ausland angesehen. Neben Bundeswehreinrichtungen werden daher auch im R\u00fcstungsbereich t\u00e4tige Unternehmen wiederholt von linksextremistischen R\u00fcstungsgegnern angegriffen. Bereits seit Juni 2011 rufen \"Antimilitaristen aus Europa\" unter dem Tenor \"War starts here - let's stop it here!\" zu einer auch militanten Kampagne \"gegen die kriegerische Normalit\u00e4t\" auf. Im Zuge der Kampagne soll an \"zivile(n) Orte(n)\" und Institutionen, wie \"Schulen, Arbeitsagenturen, Universit\u00e4ten, Berufsmessen\" gegen die Eigenwerbung der Bundeswehr protestiert werden. Die Kampagne wurde 2014 erneut von Hamburger Linksextremisten aufgegriffen. 106","Linksextremismus Am 07.04.2014 malten Unbekannte mit wei\u00dfer Farbe einen menschlichen Umriss und die Worte \"Kein Werben f\u00fcr T\u00f6ten und Sterben, Bundeswehr raus, Schulfrei\" auf den Schulhof einer Stadtteilschule, bei der am 08.04.2014 eine Informationsveranstaltung der Bundeswehr anstand. Am Folgetag verteilte die von SDAJ und ['solid] getragene Gruppe \"Bildung ohne Bundeswehr\" (BoB) vor der Schule Flyer zum gleichen Tenor. Am 08.08.2014 bewarfen unbekannte T\u00e4ter das Hamburger Wohnhaus des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Volker R\u00fche mit Farbbeuteln. Am selben Tag wurde auf der Internetseite linksunten. indymedia.org eine Selbstbezichtigung mit der \u00dcberschrift \"war started and still starts here - let's stop it here\" ver\u00f6ffentlicht. Die Verfasser begr\u00fcndeten ihr Vorgehen mit R\u00fches T\u00e4tigkeit in der Kommission zur \u00dcberpr\u00fcfung und Sicherung der Parlamentsrechte bei der Mandatierung von Auslandseins\u00e4tzen der Bundeswehr. Au\u00dferdem wurde zu weiteren Aktionen, unter anderem im Rahmen des antimilitaristischen Camps im August 2014 aufgerufen. Bereits ab Februar 2014 mobilisierten \"Antimilitaristen\" \u00fcber das Internet zum dritten \"War starts here-Camp\" vom 17. bis 24.08.2014 gegen das Gefechts\u00fcbungszentrum (G\u00dcZ) der Bundeswehr in der Altmark (Sachsen-Anhalt). Die Organisatoren des Camps behaupteten in ihrem Aufruf, dass die Militarisierung der Gesellschaft weiter fortschreite. \"Die scheinbare Normalit\u00e4t dieser herrschenden Verh\u00e4ltnisse widert uns an und macht uns w\u00fctend. Unvers\u00f6hnlich und entschlossen wollen wir uns dieser in den Weg stellen. [...] Krieg beginnt hier - Widerstand auch!\". Zudem bestehe die Chance, das Camp zu einem \"Kristallisationspunkt einer breiter werdenden antimilitaristischen Bewegung\" zu machen. Mit einem vierseitigen Flyer mobilisierten unbekannte Verfasser zus\u00e4tzlich zu einem Aktionstag am 23.08.2014 im Rahmen des Camps. Mit den Parolen \"Gefechts\u00fcbungszentrum scheppern lassen!\" und \"Kriegsger\u00e4te interessieren uns brennend\" machten sie ihre Ziele deutlich. In Hamburg fanden von Juni bis August 2014 in verschiedenen Treffpunkten der Szene drei Mobilisierungsund Informationsveranstaltun107","Linksextremismus gen mit rund 20 Teilnehmern f\u00fcr das \"War starts here\"-Camp 2014 statt. Au\u00dferdem wurde f\u00fcr die Mobilisierung plakatiert. Im Camp hielten sich im Laufe der Aktionswoche gut 250 Personen auf. Unter den Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet befanden sich auch Hamburger Aktivisten. Neben friedlichen Protestaktionen wurden in Einzelgruppentaktik wiederholt Straftaten (vorwiegend Sachbesch\u00e4digungen) an milit\u00e4rischen und zivilen Objekten auf dem \u00dcbungsgel\u00e4nde begangen. Am 23.08.2014 wurde ein Bagger einer privaten Baufirma durch Brandstiftung v\u00f6llig zerst\u00f6rt. In einer am 20.08.2014 auf indymedia.org ver\u00f6ffentlichten Bekennung zu einer \"Schotteraktion\" an Gleisanlagen auf dem \u00dcbungsgel\u00e4nde des G\u00dcZ betonten die unbekannten Verfasser, dass die herrschenden \"kapitalistischen Verh\u00e4ltnisse\" nur durch einen \"Umsturz\" \u00fcberwunden werden k\u00f6nnten und \"eine kommunistische Gesellschaft\" erk\u00e4mpft werden m\u00fcsse. Die Betonung, nach der revolution\u00e4r-gewaltsamen Abschaffung der Demokratie eine kommunistische Gesellschaftsform errichten zu wollen, ist ein Indiz daf\u00fcr, dass neben Autonomen auch Teilnehmer aus dem antiimperialistischen Lager an den Protesten beteiligt waren. Trotz ideologischer Differenzen zwischen Antiimperialisten und Autonomen scheint zumindest im Rahmen des Camps eine Vernetzung verschiedener linksextremistischer Lager punktuell gelungen zu sein. Im M\u00e4rz 2014 protestierten linksextremistische Antimilitaristen gegen die Pr\u00e4senz der Bundeswehr beim 825. Hamburger Hafengeburtstag vom 09. bis 11.05.2014. Am 09.05.2014 wurden von einer Barkasse auf der Elbe Transparente mit der Aufschrift \"Kriegsschiffe versenken\" und \"kein Frieden mit dem allt\u00e4glichen Kriegszustand\" gezeigt. \"Antimilitaristische Frauen\" \u00e4u\u00dferten anschlie\u00dfend auf indymedia.org, dass sie mit ihrer Aktion \"ihre Ablehnung gegen diese Milit\u00e4rschau\" zum Ausdruck gebracht h\u00e4tten. Am 10.05.2014 parodierten Aktivisten in Clownskost\u00fcmen Angeh\u00f6rige der Bundeswehr. Dar\u00fcber hinaus st\u00f6rten rund 60 Personen das Konzert der Bundeswehr Big Band mit Trillerpfeifen und Transparenten mit der Aufschrift \"Bundeswehrauftritte stoppen\" und \"Kein Werben f\u00fcrs Sterben\". 108","Linksextremismus 5.2.4 Linksextremistische Einflussnahme auf Proteste gegen die Stadtentwicklungspolitik Linksextremistische Proteste gegen die sogenannte \"Gentrifizierung\" (soziale Umstrukturierung, Aufwertung des Wohnumfeldes) haben ihre Wurzeln in den Urspr\u00fcngen der autonomen und der Hausbesetzerszene. Im Gegensatz zu anderen Stadtteilund Mieterinitiativen geht es Linksextremisten jedoch nicht haupts\u00e4chlich um den Erhalt sozialund wohnr\u00e4umlich gewachsener Strukturen, sondern um die Etablierung \"autonomer Freir\u00e4ume\". In ihnen werden weder rechtstaatliche Normen noch eine st\u00e4dtische Entwicklungspolitik akzeptiert. Linksextremisten propagieren \"Widerstand\" gegen die \"kapitalistische Stadtentwicklung\" und sehen Hausbesetzungen als eine \"Form der Vergesellschaftung\" von Wohnraum. Proteste gegen bestimmte Mietentwicklungen und andere wohnungspolitische Themen sind in hohem Ma\u00dfe auch f\u00fcr Nichtextremisten relevant. Linksextremisten gelingt es insofern \u00fcber diese Thematisierung, Nichtextremisten f\u00fcr ihre Auffassungen zu interessieren und auch gemeinsame Aktionen zu organisieren. \u00dcber gesellschaftlich bedeutende und diskutierte Fragestellungen Kontakte zu nichtextremistischen Organisationen zu kn\u00fcpfen, um dar\u00fcber die eigene verfassungsfeindliche Ideologie zu transportieren, ist eine Strategie von Linksextremisten. Letztendlich streben sie durch die Instrumentalisierung einzelner Politikfelder die \"\u00dcberwindung des Systems\" an, womit sie im Kern die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung meinen. Ab Mitte Februar 2014 fanden t\u00e4gliche Mahnwachen vor den bauf\u00e4lligen Esso-H\u00e4usern statt, an denen sich auch Linksextremisten beteiligten. Am 07.05.2014 begannen die dortigen Abrissarbeiten. Am selben Tag fanden zwei Versammlungen unter Beteiligung von Linksextremisten mit dem Tenor \"Kaputtbesitzen darf sich nicht lohnen\" statt, an deren Vorbereitung und Durchf\u00fchrung sich ebenfalls Linksextremisten beteiligten. Die erste Kundgebung mit etwa 30 Teilnehmern verlief friedlich. An der zweiten nahmen rund 700 Personen teil. Hierbei wurde vereinzelt mit Pyrotechnik geworfen. Am 12.07.2014 wurde die ehemalige Geh\u00f6rlosenschule im M\u00fcnzviertel (Hammerbrook) besetzt. Hinter der Aktion stand die Initiative \"Solidarische Raumnahme\", die neben nichtextremistischen Initiativen auch von der \"Roten Flora\" und \"Autonomen Wohnprojekten\" unterst\u00fctzt 109","Linksextremismus wird. An der Aktion beteiligten sich rund 80 Personen. Bei der R\u00e4umung durch die Polizei wurden 19 Personen vorl\u00e4ufig festgenommen, darunter mehrere Linksextremisten. Vom 27.08. bis zum 31.08.2014 fanden in Hamburg die sogenannten \"Squatting Days\" statt, ein seit dem Fr\u00fchjahr ma\u00dfgeblich von Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene organisiertes, mehrt\u00e4giges Protestcamp mit Workshops zum Themenbereich Hausbesetzung, Leerstandsproblematik und Zwischennutzung. Auch die \"Rote Flora\" ver\u00f6ffentlichte einen Aufruf zu den \"Squatting Days\", in dem erkl\u00e4rt wurde, Hausbesetzungen seien \"notwendig und mit einer entsprechenden Entschlossenheit und Solidarit\u00e4t machbar. [...] Kommt und nehmt Euch die R\u00e4ume, die Stra\u00dfen und die Stadt!\" Im August-L\u00fctjens-Park in Altona zelteten rund 120 Personen. Dort fanden Workshops, Vortr\u00e4ge und andere Veranstaltungen statt. Dar\u00fcber hinaus wurden vor und w\u00e4hrend des Camps mehrere Demonstrationen und Spontanaktionen im \u00f6ffentlichen Raum durchgef\u00fchrt und Straftaten begangen, deren Urheber sich auf die \"Squatting Days\" beriefen. In der Nacht vom 26.08. auf den 27.08.2014 hinterlie\u00dfen unbekannte T\u00e4ter Farbschmierereien sowie den Schriftzug \"Fight capitalism\" an der Au\u00dfenfassade der Beh\u00f6rde f\u00fcr Stadtentwicklung und Umwelt in Hamburg-Wilhelmsburg. Auf linksunten.indymedia.org wurde am 28.08.2014 ein Selbstbezichtigungsschreiben ver\u00f6ffentlicht, in dem zu gemeinsamen Aktionen aufgerufen wurde, um zu zeigen, dass die \"kapitalistische Stadtentwicklung\" nicht widerstandslos hingenommen werde. Weiterhin wurde mit Blick auf die zeitgleiche Hausbesetzung an der Breiten Stra\u00dfe betont, die Aktion habe gezeigt, dass es mit militanten Mitteln m\u00f6glich sei, H\u00e4user zu verteidigen. Im Anschluss an einen nicht angemeldeten Aufzug am 28.08.2014 mit rund 180 Teilnehmern, der von einem Bauwagenplatz zum Schanzenpark f\u00fchrte und dort mit einer sogenannten \"Volxk\u00fcche\" am Schanzenturm endete, wurde das leer stehende Haus an der Breiten Stra\u00dfe 114 besetzt. Als Einsatzkr\u00e4fte der Polizei versuchten, das Geb\u00e4ude zu r\u00e4umen, wurden sie von f\u00fcnf Personen aus einem oberen Stockwerk mit verschiedenen schweren Gegenst\u00e4nden (darunter ein Waschbecken, eine Nachtspeicherheizung und eine T\u00fcr) beworfen. F\u00fcnf Tatverd\u00e4ch110","Linksextremismus tige wurden festgenommen. Gegen drei von ihnen wird wegen des Verdachts des versuchten Totschlags ermittelt. In den folgenden Wochen wurden mehrere Solidarit\u00e4tskundgebungen in der Innenstadt und vor der Untersuchungshaftanstalt durchgef\u00fchrt. An diesen Versammlungen beteiligten sich jeweils zwischen 30 und 60 Personen. Ebenfalls am 28.08.2014 besetzten Aktivisten im Zusammenhang mit den \"Squatting Days\" eine im Besitz der Freien und Hansestadt Hamburg befindliche Freifl\u00e4che im Stadtteil Bahrenfeld. Gegen 133 Personen, unter denen sich gut 20 Linksextremisten befanden, wurden polizeiliche Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch eingeleitet. Die H\u00e4lfte der festgestellten Personen wohnte nicht in Hamburg. Als Abschluss der \"Squatting Days\" fand am 30.08.2014 ein Aufzug mit dem Tenor \"Selber handeln - gegen eine profitorientierte Stadtentwicklung\" mit 1.300 Teilnehmern statt. W\u00e4hrend der Demonstration wurden Nebelt\u00f6pfe und bengalische Feuer eingesetzt. Nach dem Aufzug versammelten sich rund 400 Personen am Paulinenplatz und z\u00fcndeten im Umfeld Pyrotechnik. 25 Personen wurden in Gewahrsam genommen. Vor dem Strafjustizgeb\u00e4ude versammelten sich etwa 100 Personen und z\u00fcndeten ebenfalls Pyrotechnik. 5.2.5 Antirassismus Linksextremisten, die das Themenfeld \"Antirassismus\" zur Durchsetzung eigener ideologischer Ziele in den Vordergrund r\u00fcckten, f\u00fchrten 2014, wie in den Vorjahren, zahlreiche Protestaktionen durch. Neben \u00f6ffentlich mehrheitlich positiv besetzten Aktivit\u00e4ten wie individueller Fl\u00fcchtlingsunterst\u00fctzung, friedlicher Demonstrationen und Informationsveranstaltungen wurden aber auch zahlreiche antirassistisch motivierte Straftaten durchgef\u00fchrt. Diese richteten sich gegen Parteib\u00fcros der SPD, Beh\u00f6rden und auch gegen Wohnh\u00e4user politischer Entscheidungstr\u00e4ger, im Mai 2015 auch gegen Wohnh\u00e4user der GR\u00dcNEN. Das Thema Antirassismus war 2014 die h\u00e4ufigste Begr\u00fcndung f\u00fcr planm\u00e4\u00dfig begangene linksextremistische Straftaten. ( 4.) 111","Linksextremismus Die im M\u00e4rz 2013 begonnenen Proteste f\u00fcr ein dauerhaftes kollektives Bleiberecht der Lampedusa-Fl\u00fcchtlinge hielten 2014 an. Die Teilnehmerzahlen des Jahres 2013 konnten nicht mehr erreicht werden. An der auch von Linksextremisten mit vorbereiteten friedlichen Gro\u00dfdemonstration \"Anerkennung der libyschen Kriegsfl\u00fcchtlinge Lampedusa in Hamburg!\" am 01.03.2014 nahmen 3.900 Personen teil, darunter auch Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Fl\u00fcchtlings-Unterst\u00fctzerszene. Im Rahmen der Proteste zum 1. Mai fand eine Kundgebung mit dem Tenor \"This is the place to be: Recht auf Stadt kennt keine Grenzen - Parade & refugees welcome club\" im Bereich Sternschanze mit 1.300 Personen statt. Im Verlauf der Demonstration begaben sich rund 300 Versammlungsteilnehmer in die Laeiszstra\u00dfe und besetzten dort kurzfristig die ehemalige Grundschule, die sie zum \"Refugee Welcome Center\" umbenannten. Mit der Verkn\u00fcpfung der Fl\u00fcchtlingsproblematik und der Anti-Gentrifikations-Bewegung setzten Linksextremisten die Verbindung zweier gesellschaftlich anschlussf\u00e4higer Agitationsthemen fort. Diese strategisch motivierte Verbindung hatte schon im Zusammenhang mit der Demonstration \"Rote Flora verteidigen - Esso-H\u00e4user durchsetzen! Gegen rassistische Zust\u00e4nde - Bleiberecht f\u00fcr alle!\" am 21.12.2013 ( s. Verfassungsschutzbericht 2013) dazu gef\u00fchrt, dass sich auch Nichtextremisten an der linksextremistisch dominierten Versammlung beteiligten. Linksextremisten ver\u00fcbten auch im Jahre 2014 Sachbesch\u00e4digungen im Zusammenhang mit dem Thema Antirassismus: * In der Nacht vom 02.03. auf den 03.03.2014 bewarfen unbekannte T\u00e4ter die Wohnungen der Zweiten B\u00fcrgermeisterin Dr. Dorothee Stapelfeldt und des innenpolitischen Sprechers der SPD-B\u00fcrgerschaftsfraktion, Arno M\u00fcnster, mit Farbe. In einem Selbstbezichtigungsschreiben wurden die Taten mit der Problematik der Lampedusagruppe und der Einrichtung von Gefahrengebieten ( 5.2.1) begr\u00fcndet. * Am 06.06.2014 wurden ein SPD-Abgeordnetenb\u00fcro auf St. Pauli, ein Bankhaus im Schanzenviertel sowie die Au\u00dfenstelle St. Pauli des Bezirksamtes Hamburg-Mitte am Rande einer mit linksextremistischer Beteiligung durchgef\u00fchrten Demonstration gegen die 112","Linksextremismus Fl\u00fcchtlingspolitik des Senats durch Steinw\u00fcrfe besch\u00e4digt und mit Farbe beschmiert. * Am 09.07.2014 warfen unbekannte Personen zwei mit Farbe gef\u00fcllte Gl\u00e4ser und Steine auf das SPD-Abgeordnetenb\u00fcro in Hamburg-Niendorf. Am Tatort wurde ein Zettel mit der Aufschrift \"Bleiberecht f\u00fcr alle - Alle Tage Sabotage\" hinterlassen. * Am 19.12.2014 ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag auf den Dienstwagen des Senators der Beh\u00f6rde f\u00fcr Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI), Detlef Scheele, und am 22.12.2014 einen Farbanschlag auf das Wohnhaus des Leiters des Instituts f\u00fcr Rechtsmedizin, Prof. Klaus P\u00fcschel. Ein auf linksunten. indymedia ver\u00f6ffentlichtes Selbstbezichtigungsschreiben begr\u00fcndetet beide Anschl\u00e4ge mit der Fl\u00fcchtlingsproblematik (\"Lampedusa in Hamburg\"). * Im Mai 2015 ver\u00fcbten Linksextremisten Farbanschl\u00e4ge auf die Wohnh\u00e4user von Politikern der GR\u00dcNEN. Nach der B\u00fcrgerschaftswahl bildeten die GR\u00dcNEN mit der SPD eine Koalition. Betroffen waren die Wohnungen der Zweiten B\u00fcrgermeisterin Katharina Fegebank, des Senators f\u00fcr Umwelt und Energie Jens Kerstan sowie des Fraktionsvorsitzenden der GR\u00dcNEN Anjes Tjarks. 5.2.6 Kurdistan-Solidarit\u00e4t Durch den Symbolwert des kurdischen Kampfes gegen den \"Islamischen Staat\" (IS), insbesondere in Kobane, ist die in den vergangenen Jahren auf wenige Kleingruppen beschr\u00e4nkte Kurdistan-Solidarit\u00e4t wieder in den Fokus der linksextremistischen Szene ger\u00fcckt. Zus\u00e4tzlich zu den seit den 1990er Jahren aktiven Unterst\u00fctzern gewann die Kurdistan-Solidarit\u00e4t 2014 f\u00fcr j\u00fcngere Personen an Bedeutung. In Hamburg z\u00e4hlten 2014 insbesondere ATES.H - F\u00fcr eine sozialrevolution\u00e4re Perspektive ( 5.1.3) - und \"Projekt Revolution\u00e4re Perspektive\" (PRP, 5.1.4) zu jenen linksextremistischen Gruppen, die Solidarit\u00e4tsund Unterst\u00fctzungsaktivit\u00e4ten leisteten. Im Oktober 2014 wurde die Solidarit\u00e4tsinitiative \"Hamburg f\u00fcr Kobane\" (sp\u00e4ter umbenannt in \"Hamburg f\u00fcr Rojava\") gegr\u00fcndet, die aus linksextremistischen 113","Linksextremismus und nichtextremistischen Anh\u00e4ngern besteht. Laut Eigendarstellung ist diese Initiative ein Zusammenschluss aus \"linken und antifaschistischen Gruppen, jungen GewerkschafterInnen sowie Einzelpersonen aus Kurdistan Solidarit\u00e4t\". PRP beteiligte sich an diesem B\u00fcndnis. Am 14.10.2014 wurde, um \"Solidarit\u00e4t mit der k\u00e4mpfenden Bev\u00f6lkerung in Kobane auszudr\u00fccken\", das Foyer des Hamburger Rathauses von 30 Aktivisten von \"Hamburg f\u00fcr Kobane\" besetzt. Sie skandierten Parolen und zeigten Transparente mit der Aufschrift \"IS ist ein Angriff auf die demokratische L\u00f6sung - Solidarit\u00e4t mit der k\u00e4mpfenden Bev\u00f6lkerung von Rojava\", hielten eine spontane Kundgebung ab und verteilten Flugbl\u00e4tter, in denen die Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots der PKK in Deutschland gefordert wurde. F\u00fcr den 01.11.2014 wurde weltweit zu Solidarit\u00e4tskundgebungen f\u00fcr die kurdischen Verteidiger von Kobane aufgerufen. Auch in Hamburg fand unter dem Tenor \"Solidarit\u00e4t mit Kobane - Beendigung der Unterst\u00fctzung des IS!\" eine Demonstration statt. In einem eigenen Aufruf von \"Hamburg f\u00fcr Rojava\" und der seit vielen Jahren auch von Linksextremisten unterst\u00fctzten Kampagne \"Tatort Kurdistan Hamburg\" wurde unter anderem die Forderung \"PKK Verbot aufheben\" thematisiert. An der friedlich verlaufenen Demonstration nahmen rund 2.500 Personen teil. Gut 600 Teilnehmer zogen nach Beendigung der Demonstration in Ausdruck der PRP Internetseite mit die N\u00e4he der Untersuchungshaftanstalt der Forderung \"PKK - Verbot aufheben\" zur Demonstration am Holstenglacis, um ihre Solidarit\u00e4t mit 29.11.2014 in Hamburg einer dort inhaftierten Person, die beschuldigt wird, Mitglied der PKK zu sein, zu bekunden. ( 5.1.3) Die Forderung \"PKK - Verbot aufheben\" stand auch im Mittelpunkt der Demonstration am 29.11.2014 in Hamburg anl\u00e4sslich des Jahrestages des Verbots der PKK in Deutschland. Neben kurdischen und t\u00fcrkischen Organisationen rief auch \"Hamburg f\u00fcr Rojava\" hierzu auf. Unter den 114","Linksextremismus etwa 530 Teilnehmern befanden sich gut 80 aus dem linksextremistischen Spektrum, die eine verbotene PKK-Flagge zeigten. Der Demonstrationszug endete erneut vor der Untersuchungshaftanstalt. Verschiedene linksextremistische Gruppierungen in Hamburg und bundesweit engagieren sich seit Herbst 2014 mit Spendensammlungen und Solidarit\u00e4tsveranstaltungen f\u00fcr den kurdischen Widerstand gegen den IS. Insbesondere im Rahmen einer \"Soliparty in der Roten Flora\" am 05.12.2014 wurden unter dem Motto \"Waffen f\u00fcr Rojava\" weitere Spenden f\u00fcr die \"Selbstverteidigungskr\u00e4fte\" kurdischer K\u00e4mpfer gesammelt. Zu dieser Veranstaltung luden die Gruppen [a2], Gruppe f\u00fcr den organisierten Widerspruch, Gruppe gegen Kapital und Nation Hamburg, AVANTI/IL Hamburg, PRP und Tatort Kurdistan ein. Unter dem Motto \"Leben ist Widerstand - Widerstand ist Leben\" Waffen f\u00fcr Rojava selbst organisieren!\" wies PRP auf zwei europaweite Spendenkampagnen hin. In einem eigenen Aufruf kritisierte PRP dagegen: \"Deutsche Waffenlieferungen haben seit jeher nur den reaktion\u00e4ren Kr\u00e4ften geholfen und sich letztendlich immer gegen fortschrittliche und linke Kr\u00e4fte gerichtet! Es gilt daher den K\u00e4mpferInnen in Rojava die Mittel zukommen zu lassen die sie f\u00fcr die Verteidigung und den Aufbau ihrer Region und ihrer Selbstverwaltung ben\u00f6tigen!\" 6. Orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Als \"orthodoxe Kommunisten\" werden nicht aktionistisch ausgerichtete Parteien und Organisationen bezeichnet, deren Ideologie auf den Theorien von Marx, Engels und Lenin (Marxismus-Leninismus) beruht. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP), revolution\u00e4r-marxistische Teilstrukturen innerhalb der Partei DIE LINKE sowie trotzkistische Gruppierungen. 6.1 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) wurde 1968 gegr\u00fcndet und ist die Kernorganisation der orthodoxen Kommunisten. Ihrer Weltanschauung zufolge erm\u00f6glicht nur der revolution\u00e4re - auf die Realisierung 115","Linksextremismus des Kommunismus gerichtete - Sozialismus eine L\u00f6sung aller gesellschaftlichen Probleme. Die nachrevolution\u00e4re Gesellschaft beinhalte demnach keine kapitalistischen Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnisse mehr und die wichtigsten Produktionsmittel w\u00e4ren in Gemeinschaftseigentum \u00fcberf\u00fchrt. Diese Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnten nur \"mit der politischen Macht des arbeitenden Volkes verwirklicht werden.\" Der seit Jahren in der Partei gef\u00fchrte Richtungsstreit um ideologische Positionen dauert weiterhin an; er entz\u00fcndete sich nicht am Ziel, eine kommunistische Gesellschaftsordnung zu schaffen, Mitglieder: 3.000 sondern an unterschiedlichen Bundessitz: Essen, NW taktischen \u00dcberlegungen, wie man dieses politische Ziel am Vorsitzender: Patrick K\u00f6bele besten erreichen k\u00f6nnte. Die Debatte um die \u00d6ffnung der ParBezirksorganisation Hamburg tei f\u00fcr gesellschaftliche Bewegungen aufgrund r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitglieder: 170 Mitgliederzahlen und mangelnVorsitzender: Michael G\u00f6tze der Aktionsf\u00e4higkeit oder die Konzentration auf die Vorreiterstellung der Partei als Avantgarde im Prozess einer vermeintlich m\u00f6glichen revolution\u00e4ren Umgestaltung der Gesellschaft steht dabei im Mittelpunkt. Mit den Parteitagswahlen 2013 haben sich vorerst die traditionalistischen Kr\u00e4fte durchgesetzt, die f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zur reinen Lehre des Marxismus-Leninismus mit der DKP als alleiniger Avantgarde der Arbeiterklasse pl\u00e4dieren. Im Oktober 2013 beschloss die DKP ihre Kandidatur bei der Europawahl 2014. Unter den Kandidaten war der ehemalige Vorsitzende des Hamburger Landesverbandes, Olaf Harms. Die DKP erzielte einen Stimmenanteil von 0,1 %. DKP Hamburg Das \"Magda-Th\u00fcrey-Zentrum\" (MTZ) in Hamburg-Eimsb\u00fcttel ist die Parteizentrale der Hamburger DKP. Es steht auch anderen linksextre116","Linksextremismus mistischen Organisationen zur Verf\u00fcgung, wie zum Beispiel der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und der Wilhelmsburger \"Marxistischen Abendschule\" (MASCH). Ende November 2014 w\u00e4hlte die DKP Hamburg Michael G\u00f6tze zum neuen Vorsitzenden. Dirk Wilke wurde als stellvertretender Vorsitzender in seinem Amt best\u00e4tigt. Auf einer Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September 2014 in Hamburg \u00e4u\u00dferte Olaf Harms in einer Rede zum Ukraine-Konflikt: \"Tats\u00e4chlich ist das imperialistische Deutschland doch selbst Kriegspartei. Es handelt zur Sicherung eigener geostrategischer und wirtschaftlicher Interessen.\" Parallel zu diesem Auftritt ver\u00f6ffentlichte die DKP auf ihrer Internetseite eine Fotomontage \u00fcber angebliche Kriegshetze des Bundespr\u00e4sidenten. 6.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde im Mai 1968 als revolution\u00e4rer Jugendverband gegr\u00fcndet und hat etwa 500 Mitglieder. Sie agiert formal unabh\u00e4ngig, ist jedoch eng mit der DKP verbunden. Auf ihrem Bundeskongress im Oktober 2013 w\u00e4hlte die SDAJ Paul Rodermund aus Baden-W\u00fcrttemberg zum neuen Bundesvorsitzenden. Er forderte den Klassenkampf in die Klassenzimmer zu tragen und sich st\u00e4rker in Sch\u00fclervertretungen zu engagieren. Im September 2014 fand der Jugendkongress in K\u00f6ln mit etwa 300 Teilnehmern statt. Thema war die \"k\u00e4mpferische und antikapitalistische Perspektive der Gewerkschaftsarbeit.\" SDAJ Hamburg Die Hamburger SDAJ f\u00fchrt sogenannte \"Grundlagenschulungen\" zur marxistisch-leninistischen Weltanschauung durch und organisiert die Treffen des \"Havanna Club\" im MTZ. 117","Linksextremismus Am 18.01.2014 beteiligten sich SDAJ und DKP an einer Demonstration gegen Gefahrengebiete, Vertreibung von Mietern und Mieterinnen und f\u00fcr das Bleiberecht von Fl\u00fcchtlingen. Im M\u00e4rz und Mai hielten SDAJMitglieder Redebeitr\u00e4ge anl\u00e4sslich einer Kundgebung vor dem Konsulat der Ukraine in Hamburg. Die SDAJ positionierte sich dabei auf der Seite der prorussischen Separatisten. Aktionen gegen einen Klinikbetreiber waren Schwerpunkt der SDAJArbeit im September und Oktober. Die SDAJ f\u00fchrte dazu im MTZ Podiumsdiskussionen \u00fcber Missst\u00e4nde in der Pflegeausbildung und Informationsveranstaltungen mit dem Thema \"Ausbeuter outen! Ausbildung erk\u00e4mpfen!\" durch. 6.3 Marxistische Abendschulen (MASCH) in Hamburg Die \"Marxistische Abendschule - MASCH e.V.\" wurde 2007 auf Initiative der DKP in Wilhelmsburg gegr\u00fcndet. Sie sieht ihre Aufgabe darin, eine neue \"Einheit der marxistischen Kr\u00e4fte auf revolution\u00e4rer Basis\" zu erreichen. Auf ihrer Internetseite bietet MASCH eine Themenabend-Serie, unter anderem mit Veranstaltungen zum Ukrainekonflikt und Grundsatzfragen der Theorie, der Programmatik, der Strategie und Taktik des Sozialismus an. Neben der \"Wilhelmsburger MASCH\" besteht in Hamburg seit 1981 die ebenfalls auf DKP-Initiative gegr\u00fcndete \"Marxistische Abendschule - Forum f\u00fcr Politik und Kultur e.V.\". Diese ist haupts\u00e4chlich als \"MASCH-Hochschulgruppe\" im Universit\u00e4tsbereich t\u00e4tig und bietet dort Gespr\u00e4chsund Lesekreise an. 6.4 Extremistische Teilstrukturen in der Partei \"DIE LINKE.\" Der Hamburger Verfassungsschutz beobachtet seit 2008 nicht mehr die Gesamtpartei, sondern nur die revolution\u00e4r-marxistischen Str\u00f6mungen innerhalb der Partei DIE LINKE. Es handelt sich dabei um etwa 80 Personen, die verschiedenen Zusammenschl\u00fcssen angeh\u00f6ren. In Hamburg ist insbesondere der parteinahe Jugendverband Linksjugend ['solid] aktiv. Weitere Gruppierungen wie die \"Kommunistische 118","Linksextremismus Plattform\" (KPF), die trotzkistische \"marx21\" oder die \"Sozialistische Linke\" (SL) hatten in Hamburg keine nennenswerte Au\u00dfenwirkung. Linksjugend ['solid] Die Mitgliederstruktur von ['solid] weist \u00dcberschneidungen zur trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative\" (SAV) auf. Schwerpunktthemen der Gruppe waren \"Antimilitarismus\" und \"Antirassismus\". In der parteiinternen Debatte untermauerte der solid-Landesverband seine Positionierung als revolution\u00e4r-marxistische Str\u00f6mung. In einer schriftlichen Stellungnahme von Juni 2014 zum Bundesparteitag der Partei DIE LINKE verk\u00fcndete solid-Hamburg, die Partei m\u00fcsse \"Mittel und Wege aufzeigen, dass System zu \u00fcberwinden.\" Es m\u00fcssten Menschen erreicht werden, \"die erfahren haben, dass sich nur durch einen Austausch von b\u00fcrgerlichen Parteien auf Dauer 'eh nichts \u00e4ndert'.\" In der wirtschaftlichen Krise k\u00f6nne es \"linke Regierungen geben, die sich auf die Bewegungen der Massen st\u00fctzen und bereit sind mit den kapitalistischen Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnisse zu brechen.\" 6.5 Trotzkisten Der Grundgedanke des Trotzkismus ist die Theorie der permanenten Revolution, nach der der politische Prozess mit einer proletarischen Revolution nicht zum Abschluss komme. Trotzkistische Gruppen versuchen mit ihrer \"Entrismus\" genannten Unterwanderungsstrategie Einfluss in linken Organisationen zu gewinnen. Die \"Sozialistische Alternative\" (SAV) ist die einzig relevante trotzkistisch ausgerichtete Gruppe in Hamburg. Ihre Mitglieder engagieren sich unter anderem bei ['solid] und in der Partei DIE LINKE. Weitere Informationen zum Thema Linksextremismus finden Sie auf: www.hamburg.de/verfassungsschutz www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen www.hamburg.de/innenbehoerde/linksextremismus 119","","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Rechtsextremismus V. Rechtsextremismus 1. Entwicklungen und Schwerpunkte im \u00dcberblick Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder arbeiteten 2014 weiter an der Aufkl\u00e4rung der Verbrechen der neonazistischen Terrorzelle \"Nationalistischer Untergrund\" (NSU) und ihrer Verbindungen in die rechtsextremistische Szene. In Hamburg war am 27.06.2001 der t\u00fcrkische Gem\u00fcseh\u00e4ndler S\u00fcleyman Task\u00f6pr\u00fc mutma\u00dflich von Uwe Mundlos und Uwe B\u00f6hnhardt in seinem Laden in Hamburg-Bahrenfeld erschossen worden. Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) liegen weiterhin keine Hinweise vor, die auf eine Kenntnis Hamburger Rechtsextremisten von den Morden des NSU oder auf eine Unterst\u00fctzung hindeuten. Am 22.08.2013 wurde der Abschlussbericht des Untersuchungsausschusses des Bundestages zum NSU-Komplex vorgelegt, der Fehler und Vers\u00e4umnisse in der Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder aufzeigt und dazu eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen enth\u00e4lt. Der seit Mai 2013 vor dem M\u00fcnchner Oberlandesgericht laufende Prozess gegen Beate Zsch\u00e4pe und vier mutma\u00dfliche Unterst\u00fctzer des NSU wird noch mindestens bis ins Jahr 2016 dauern. Das LfV Hamburg arbeitet eng mit den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zusammen. So wurde die im Februar 2014 in Hamburg aufgefundene sogenannte \"NSU/NSDAP-DVD\" nach Erhalt durch eine Vertrauensperson (VP) des Amtes unverz\u00fcglich dem zust\u00e4ndigen Generalbundesanwalt zu Ermittlungszwecken \u00fcbergeben. Trotz der 2014 weiter gesunkenen Potenzialzahlen und der damit einhergehenden Aktionsund Mobilisierungsschw\u00e4che der Szene hat der organisierte Rechtsextremismus nichts von seiner Gef\u00e4hrlichkeit verloren. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder beobachten weiterhin die m\u00f6gliche Entstehung rechtsterroristischer Strukturen. Zudem wurden 2014 drei weitere, in Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Sachsen beheimatete neonazistische Gruppierungen verboten. Das im Dezember 2013 durch den Antrag des Bundesrates eingeleitete Verbotsverfahren gegen die NPD wird weiter mit Nachdruck betrieben. 122","Rechtsextremismus Im Fr\u00fchjahr 2015 war das Vorverfahren, in dem es vorrangig um die Kl\u00e4rung der von der NPD behaupteten Verfahrenshindernisse geht, noch nicht abgeschlossen. Nach zehn Jahren im s\u00e4chsischen Landtag verpasste die NPD bei der Landtagswahl am 31.08.2014 mit 4,95% den Wiedereinzug. Damit brach der rechtsextremistischen Partei ein wichtiges parlamentarisches und organisatorisches Standbein weg. Sie ist jetzt nur noch in Mecklenburg-Vorpommern in einem Landesparlament vertreten. Auch in Th\u00fcringen, wo sie sich ebenfalls gute Chancen ausgerechnet hatte, gelang es der NPD nicht, die 5-Prozent-H\u00fcrde zu \u00fcberspringen. Bei der B\u00fcrgerschaftswahl am 15.02.2015 in Hamburg erreichte die NPD 0,3%. Wie in den Vorjahren pr\u00e4gten innerparteiliche Querelen, Skandale, R\u00fcckund Austritte das negative Bild der NPD in der \u00d6ffentlichkeit. Dass der neue junge Parteivorsitzende Frank Franz, der sich nach dem Verzicht von Udo Past\u00f6rs gegen weitere Mitbewerber durchsetzen konnte, die Wende zum Besseren bewirken kann, ist zweifelhaft. Viele in der NPD sehen in ihm nicht den neuen Hoffnungstr\u00e4ger, sondern eher das letzte Aufgebot der Partei. Nutznie\u00dfer der Krise ist unter anderem der seit M\u00e4rz 2014 amtierende neue Hamburger Landesvorsitzende Thomas Wulff, der eigentlich wegen parteisch\u00e4digenden Verhaltens l\u00e4ngst aus der Partei h\u00e4tte ausgeschlossen werden sollen. Im November 2014 wurde er zudem \u00fcberraschend wieder in den Bundesvorstand der NPD gew\u00e4hlt. Unter seiner F\u00fchrung entwickelte der Hamburger Landesverband wieder mehr Aktivit\u00e4ten, insbesondere im Vorfeld der B\u00fcrgerschaftswahl am 15.02.2015. Der angestrebte Parteiausschluss Wulffs scheiterte im M\u00e4rz 2015 vor dem NPD-Bundesschiedsgericht. Parteiunabh\u00e4ngige neonazistische Gruppierungen waren in Hamburg kaum aktiv. Der \"Kameradenkreis Neonazis in Hamburg\" machte in der ersten Jahresh\u00e4lfte 2014 noch mit verschiedenen Flugblattverteilungen und Transparenten auf sich aufmerksam. Schwerpunktm\u00e4\u00dfig wurde weiter gegen Fl\u00fcchtlinge und Asylbewerber und gegen \"\u00dcberfremdung\" und \"Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" agitiert. Bis auf die Hetzartikel auf ihrer Internetseite waren danach kaum noch Aktivit\u00e4ten wahrnehmbar. Seit Oktober 2014 wird auch die Internetseite nicht mehr aktualisiert. 123","Rechtsextremismus Die Vereinigung \"Hamburger Nationalkollektiv & Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" war 2014 in Hamburg kaum pr\u00e4sent. Aktivisten der sich seit einiger Zeit nur noch \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" nennenden Gruppierung nahmen aber wie in den Vorjahren an verschiedenen Demonstrationen im Bundesgebiet teil. Unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung des Hamburger Sektionsleiters wird zudem seit einiger Zeit am Aufbau eines bundesweiten Neonazi-Netzwerkes mit dem Namen \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" (WWT) gearbeitet. F\u00fchrende Aktivisten der WWT trafen sich am 26.07.2014 in Hamburg. Die subkulturell gepr\u00e4gte rechtsextremistische Szene war weitgehend unauff\u00e4llig. In Hamburg sind zwar mehrere Rechtsrockbands beheimatet, diese treten jedoch fast ausschlie\u00dflich au\u00dferhalb der Stadtgrenzen auf. 2014 fand erstmals seit mehreren Jahren wieder ein Konzert der Band \"Abtrimo\" in Hamburg statt. Mit dem Auftreten neuer islamkritischer B\u00fcrgerbewegungen und Gro\u00dfdemonstrationen mit mehreren Tausend Teilnehmern wurde die Debatte \u00fcber den Einfluss des Islam in Deutschland im Herbst 2014 neu entfacht. Teile der rechtsextremistischen Szene erhoffen sich, in diesen Bewegungen Fu\u00df fassen und politisch Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. In Hamburg haben im Jahr 2014 keine antiislamischen Kundgebungen stattgefunden; 2014 waren keine Initiativen auf rechtsextremistischer Seite erkennbar. Mit der Hamburger Burschenschaft Germania (HB! Germania) und der Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg (PB! Chattia) beobachtet der Verfassungsschutz zwei Verbindungen, von denen nach Einsch\u00e4tzung des LfV rechtsextremistische Bestrebungen ausgehen. 2. Potenziale Die Zahl der Personen, die bundesweit rechtsextremistischen Organisationen und Gruppen zugeordnet werden, ist 2014 erneut von 21.700 auf 21.000 Personen gesunken. Die Gesamtzahl der Rechtsextremisten ist damit in den vergangenen 16 Jahren kontinuierlich zur\u00fcckgegangen. 1998 z\u00e4hlten die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden noch 53.600 Anh\u00e4nger der rechtsextremistischen Organisationen. 124","Rechtsextremismus Bund: Rechtsextremistische Personenpotenziale 45000 40000 35000 30000 25000 20000 22.400 33.000 38.600 39.000 30.000 25.000 26.600 21.000 22.150 21.700 15000 10000 5000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - Dem Spektrum der \"Subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten\", das sich \u00fcberwiegend aus rechtsextremistischen Skinheads und Angeh\u00f6rigen anderer rechtsextremistisch beeinflusster Jugendund Musikszenen zusammensetzt, werden bundesweit 7.200 Personen zugerechnet, 200 weniger als 2013 (7.400). Die Zahl der Neonazis, die sich in den Jahren 2003 bis 2011 von 3.000 auf 6.000 verdoppelt hatte, ist seit 2013 wieder r\u00fcckl\u00e4ufig. Sie sank 2014 von 5.800 auf 5.600 Personen. Auch bei der NPD setzte sich der Abw\u00e4rtstrend weiter fort. 2014 hatte die Partei noch 5.200 Mitglieder - gegen\u00fcber 5.500 im Vorjahr. Die Mitgliederzahl der \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (Pro NRW) lag 2014 bei 950 und damit ebenfalls etwas niedriger als 2013 (1.000). Pro NRW wird von der nordrhein-westf\u00e4lischen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde und dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuft und beobachtet. Der Partei DIE RECHTE geh\u00f6rten wie 2013 weiterhin 500 Mitglieder an. Die Partei \"Der III. Weg\", die im September 2013 in Heidelberg 125","Rechtsextremismus gegr\u00fcndet wurde und ebenfalls dem neonazistischen Lager zuzurechnen ist, hatte Ende 2014 sch\u00e4tzungsweise 200 Mitglieder. Unver\u00e4ndert geblieben ist das Personenpotenzial der sonstigen rechtsextremistischen Organisationen (2.500 Personen). Rechtsextremistisches Personenpotenzial 2013 2014 auf Bundesebene Subkulturell gepr\u00e4gte Rechts7.400 7.200 extremisten Neonazis1 5.800 5.600 Parteien 7.000 6.850 davon NPD 5.500 5.200 davon DIE RECHTE 500 500 davon Der III. Weg k.A. 200 davon B\u00fcrgerbewegung pro NRW 1.000 950 Sonstige rechtsextremistische 2.500 2.500 Organisationen Summe 22.700 22.150 abz\u00fcgl. Mehrfachmitgliedschaften2 1.000 1.150 Gesamtpotenzial 21.700 21.000 davon gewaltorientierte 10.700 10.500 Rechtsextremisten - Alle Zahlen sind gerundet - 1 Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften in der Neonazi-Szene. 2 Die Mehrfachmitgliedschaften im Bereich der Parteien und sonstigen rechtsextremistischen Organisationen wurden vom gesamten Personenpotenzial abgezogen. In allen Bereichen des Rechtsextremismus, insbesondere aber im subkulturellen Milieu und in der Neonazi-Szene, sind Personen aktiv, die als gewaltorientiert gelten und Anhaltspunkte daf\u00fcr bieten, dass sie Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele bef\u00fcrworten oder unterst\u00fct126","Rechtsextremismus zen oder selber bereit sind, Gewalt anzuwenden oder dies bereits getan haben. Ihre Zahl liegt bundesweit jetzt bei 10.500, der Anteil am gesamten Personenpotenzial betr\u00e4gt damit 50%. Hamburg Die Gesamtzahl der Personen in Hamburg, die rechtsextremistischen Organisationen und Gruppen angeh\u00f6ren, lag 2014 bei 340 und damit geringf\u00fcgig h\u00f6her als 2013 (330). Hamburg: Rechtsextremistische Personenpotenziale 600 500 400 550 540 540 540 480 450 530 330 330 340 300 200 100 150 150 150 150 140 180 180 160 160 150 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Gesamtzahl Gewaltorientierte -Alle Zahlen sind gerundetBei der NPD waren keine signifikanten Mitgliederschwankungen zu verzeichnen; dem Hamburger Landesverband geh\u00f6ren weiterhin etwa 130 Rechtsextremisten an, darunter etliche mit einem politischen Vorlauf in der Neonazi-Szene. Der \"Kameradenkreis Neonazis in Hamburg\" und die Gruppierung \"Hamburger Nationalkollektiv & Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" (HNK & WWT) geh\u00f6ren der parteiunab127","Rechtsextremismus h\u00e4ngigen Neonazi-Szene an. Beide Gruppierungen verf\u00fcgen jeweils \u00fcber maximal zehn Aktivisten. Die Zahl der subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten lag 2014 bei 120 (2013: 130). Zu dieser Kategorie werden auch Einzelpersonen ohne erkennbare Szeneanbindung gez\u00e4hlt, die durch rechtsextremistisch motivierte Straftaten aufgefallen sind oder sonst aus rechtsextremistischer Motivation heraus Schutzg\u00fcter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung angreifen und bek\u00e4mpfen. Die Gesamtzahl der Rechtsextremisten in den sonstigen rechtsextremistischen Organisationen stieg 2014 von 50 auf 70 Personen an. Dazu geh\u00f6ren unter anderem die Hamburger Burschenschaft Germania, die Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg, die \"Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung e.V.\" sowie die \"Europ\u00e4ische Aktion\". Rechtsextremistisches Personenpotenzial 2013 2014 in Hamburg Subkulturell gepr\u00e4gte Rechts130 120 extremisten Neonazis 60 201 NPD 130 130 Sonstige rechtsextremistische 50 70 Organisationen Summe 370 340 abz\u00fcgl. Mehrfachmitgliedschaften 40 0 Gesamtpotenzial 330 340 davon gewaltorientierte 160 150 Rechtsextremisten - Alle Zahlen sind gerundet - 1 Bis 2013 wurden \"Doppelmitgliedschaften\" (40) zwischen der NPD und der Neonazi-Szene ausgewiesen. Etliche Neonazis waren in Umsetzung des \"Volksfront\"-Gedankens ab 2006 in die Hamburger NPD eingetreten, waren dar\u00fcber hinaus aber noch au\u00dferhalb der Partei politisch aktiv. Dies ist seit einiger Zeit nicht mehr der Fall. F\u00fcr 2014 wird daher nur noch die Zahl der parteiunabh\u00e4ngigen Neonazis in Hamburg angegeben, die \"Doppelmitgliedschaften\" entfallen. 128","Rechtsextremismus Die Zahl der gewaltorientierten Rechtsextremisten ist von 160 auf 150 Personen gesunken. Dies entspricht einem Anteil am Gesamtpotenzial von 44,1%. 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Bereits 2013 war ein R\u00fcckgang der rechtsextremistischen Straftaten zu verzeichnen gewesen, 2014 sank die Zahl erneut. Insgesamt wurden 278 Straftaten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation ver\u00fcbt, 82 weniger als 2013 (-22,8%). Die Zahl der rechtsextremistischen Gewalttaten hat sich nahezu halbiert und ist von 32 im Vorjahr auf 17 gesunken (-46,9%). Der Anteil der Gewalttaten an den rechtsextremistischen Straftaten liegt bei 6,1% (2012: 8,9%). PMK2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 Rechts PMKRechts 314 441 349 385 318 321 312 403 362 296 insgesamt davon rechtsextrem. 285 400 332 369 297 316 298 396 360 278 Straftaten hiervon extrem. Gewaltde20 29 22 45 30 21 21 38 32 17 likte Die Zahlen stammen aus den jeweiligen Jahres-Statistiken der Polizei Hamburg - Stand: M\u00e4rz 2015 - Propagandadelikte machen weiterhin die Masse der rechtsextremistischen Straftaten aus. 183 der 278 Straftaten sind diesem Deliktsbereich zuzuordnen. Mit 65,8 % ist ihr Anteil in etwa gleich geblieben (2012: 64,4 %). Die Verst\u00f6\u00dfe betreffen \u00fcberwiegend das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (SS 86a StGB). Darunter fallen insbesondere das Verwenden von Hakenkreuzen oder der Gru\u00dfformel \"Sieg Heil!\" und das Zeigen des Hitler-Gru\u00dfes. 129","Rechtsextremismus Bei 52 der 183 Propagandadelikte (28,4%) konnten Tatverd\u00e4chtige festgestellt werden, in den \u00fcbrigen F\u00e4llen nicht. Auch wenn sich \u00fcber die Motive der T\u00e4ter nur bedingt Aussagen treffen lassen, werden die Straftaten generell als rechtsextremistisch eingestuft, es sei denn, die Tatumst\u00e4nde lassen einen solchen Hintergrund unwahrscheinlich erscheinen oder schlie\u00dfen diesen aus. Insgesamt wurden im Bereich der \"PMK-rechts\" 17 Gewaltdelikte als rechtsextremistisch motiviert eingestuft. In 14 dieser F\u00e4lle lag eine fremdenfeindliche und in einem Fall eine antisemitische Motivation vor. 17 Gewalttaten waren K\u00f6rperverletzungsdelikte, sieben davon gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzungen. Insgesamt 14 Gewalttaten wurden aufgekl\u00e4rt, in f\u00fcnf F\u00e4llen blieben die Tatverd\u00e4chtigen unbekannt (Aufkl\u00e4rungsquote 73,7%). Von den ermittelten 18 m\u00e4nnlichen und zwei weiblichen Tatverd\u00e4chtigen hatten 14 einen Hamburger Wohnsitz, zwei kamen aus Th\u00fcringen, drei hatten keinen festen Wohnsitz. Jeweils neun Tatverd\u00e4chtige waren unter 30 beziehungsweise zwischen 30 und 59 Jahre alt, zwei waren \u00fcber 60. Bei sechs Tatverd\u00e4chtigen lagen Vorerkenntnisse aus dem Staatsschutzbereich vor. Den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden waren ebenfalls insgesamt sechs Tatverd\u00e4chtige als Rechtsextremisten bekannt. Nachfolgend einige Beispiele f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten: Am 01.02.2014 betraten vier m\u00e4nnliche Personen, von denen drei dem LfV Hamburg als Angeh\u00f6rige der Neonazi-Gruppierung \"Wei\u00dfe W\u00f6lfe Terrorcrew\" aus Th\u00fcringen, Berlin und Hamburg bekannt sind, ein Schnellrestaurant im Hamburger Hauptbahnhof. Beim Betreten des Restaurants rief ein Beschuldigter \"Sieg Heil\" und zeigte den \"Hitlergru\u00df\". Eine weitere Person rief in Richtung eines Mitarbeiters eine fremdenfeindliche Drohung. Der Ausruf erfolgte, weil sich zwei Personen mit schwarzer Hautfarbe im Lokal befanden. Im weiteren Verlauf kam es zu einem Streit mit Personen, die der linken Szene zuzuordnen sind. Als sich diese Auseinandersetzung vor das Lokal verlagerte, kamen alarmierte Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma und Bundespolizisten zum Tatort. Diese wurden von den Rechtsextremisten angegriffen. Die Beamten der Bundespolizei setzten schlie\u00dflich Pfefferspray ein. Am 12.06.2014 kam es zu einer k\u00f6rperlichen Auseinandersetzung zwischen zwei Personen an der Hoheluftchaussee. Nachdem ein Polizei130","Rechtsextremismus beamter hinzukam, stie\u00df der Beschuldigte eine fremdenfeindliche und rassistische Drohung aus. Weiterhin gab der Beschuldigte an, er sei NPD-Mitglied, und bei seinem Kontrahenten w\u00fcrde es sich um einen \"dreckigen Ausl\u00e4nder\" handeln, der ihn beleidigt habe. Das Opfer trug eine Schwellung am rechten Kn\u00f6chel davon. Am 20.09.2014 wurde ein Mann am Bahnhof Berliner Tor zun\u00e4chst als \"Schei\u00df Schwarzer\" beleidigt. Ein weiterer Mann, der dazukam, zog ihn an den Haaren und schlug das Opfer mehrfach ins Gesicht. Zeugen gaben an, dass der T\u00e4ter versucht habe, das Opfer mit einem Schraubendreher zu stechen. Hamburg 2014: Aufteilung der rechtsextremistischen 2013 2014 Straftaten nach Delikten Gesamt 360 278 Propagandadelikte 232 183 Fremdenfeindliche Delikte 97 81 Antisemitische Delikte 26 29 Gewaltdelikte 32 17 Die Zahlen stammen von der Polizei Hamburg - Stand: M\u00e4rz 2015 - 4. Rechtsterrorismus 4.1 Der \"Nationalsozialistische Untergrund\" (NSU) - Sachstand und Ergebnisse der Ermittlungen Im November 2012 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Beate Zsch\u00e4pe sowie gegen Ralf Wohlleben und drei weitere mutma\u00dfliche Unterst\u00fctzer des NSU; seit dem 6. Mai 2013 findet der sogenannte \"NSU-Prozess\" vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen statt. Zsch\u00e4pe muss sich wegen Mordes in zehn F\u00e4llen, besonders schwerer Brandstiftung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verantworten. Die Hauptangeklagte hat sich bislang weder zum Tatvorwurf ge\u00e4u\u00dfert noch an der Aufkl\u00e4rung der Tatumst\u00e4nde mitgewirkt. Mit dem Ende des Prozesses ist nicht vor 2016 zu rechnen. 131","Rechtsextremismus Einer der Tatorte des NSU war Hamburg; dennoch wurden bislang keine direkten pers\u00f6nlichen Beziehungen Hamburger Rechtsextremisten zu den Mitgliedern des NSU-Trios festgestellt. Im August 2013 wurde allerdings bekannt, dass das von der Hamburger Rechtsanw\u00e4ltin Gisa Pahl geleitete \"Deutsche Rechtsb\u00fcro\" (DRB) und die bis zu dessen Tod von dem Hamburger Neonazi J\u00fcrgen Rieger verantwortlich gef\u00fchrte \"Nordische Zeitung\" - neben den Namen weiterer Publikationen und Einrichtungen der rechtsextremistischen Szene - auf einem Schriftst\u00fcck standen, das bei der Durchsuchung der ausgebrannten Wohnung des NSU in Zwickau gefunden wurde. Die genannten Einrichtungen und Publikationen galten als m\u00f6gliche Empf\u00e4nger von Briefen und Geldspenden des NSU. Gesichert war dies bereits im Fall des neonazistischen Magazins \"Der Weisse Wolf\", welches 2001 beziehungsweise 2002 einen Brief des NSU und eine gr\u00f6\u00dfere Geldsumme erhalten hatte. Im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen des BKA waren im September 2012 weitere Objekte durchsucht worden. Das DRB geh\u00f6rte nicht dazu, da das BKA keinen f\u00fcr das Jahr 2002 Verantwortlichen ermitteln konnte. Der 2002 f\u00fcr die \"Nordische Zeitung\" verantwortliche J\u00fcrgen Rieger war bereits 2009 gestorben. Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass die mutma\u00dflichen Hamburger Empf\u00e4nger in pers\u00f6nlicher Verbindung zum NSU standen, liegen nicht vor. Die \u00dcberpr\u00fcfung der Kontakte Pahls ergab, dass die Hamburger Szeneanw\u00e4ltin den Mitangeklagten Ralf Wohlleben zumindest seit 2005 pers\u00f6nlich kennt. Er hatte sie bevollm\u00e4chtigt, ihn beziehungsweise den NPD-Kreisverband Jena in einem Rechtsstreit wegen eines Veranstaltungsverbotes anwaltlich zu vertreten. Es ergaben sich aber keine Hinweise darauf, dass dieser Kontakt irgendeinen Zusammenhang mit der mutma\u00dflichen Unterst\u00fctzung des NSU durch Wohlleben hatte. Eine m\u00f6gliche neue Spur zum NSU ergab sich im Februar 2014 durch den Fund eines Datentr\u00e4gers. Am 24.02.2014 erhielt das LfV Hamburg von einer Vertrauensperson (VP) des Amtes eine unbeschriftete DVD, die diese nach eigenen Angaben beim Aufr\u00e4umen ihrer Wohnung entdeckt hatte. Insbesondere die Verwendung des K\u00fcrzels \"NSU/NSDAP\" in zwei Dateien veranlasste die VP, diese sofort dem LfV zu \u00fcbergeben. Der Datentr\u00e4ger enthielt mehrere Tausend Fotos und Abbildungen mit rechtsextremistischem Inhalt sowie in einem Unterordner ein Begleitschreiben, in dem von der ersten umfangreichen \"Bilddaten-CD des Nationalsozialistischen Untergrundes der NSDASP\" (NSU)\" die Rede ist, die kostenlos verbreitet werden sollte. Daneben befand sich ein 132","Rechtsextremismus sogenanntes Einlegeblatt als JPEG-Datei auf dem Datentr\u00e4ger. Zu sehen ist darauf die Teil-Abbildung einer Waffe - unterlegt mit dem Symbol einer Wolfsangel und den Schriftzeichen \"NSU / NSDAP\". Dar\u00fcber hinaus ist auf der DVD kein weiterer NSU-Bezug erkennbar. Die Inhalte der DVD waren dem LfV Hamburg bis dahin nicht bekannt. Unmittelbar nach Erhalt informierte das LfV Hamburg den f\u00fcr die NSU-Ermittlungen zust\u00e4ndigen Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) \u00fcber den Eingang der DVD und \u00fcbergab den Datentr\u00e4ger. Weitere Nachforschungen best\u00e4tigten die Aussage der VP, dass ihr der Datentr\u00e4ger 2006 von einer damals aktiven VP des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) zugesandt worden sei. Erg\u00e4nzend zu der ersten \u00dcberpr\u00fcfung des Datentr\u00e4gers wurde eine Internet-Recherche vorgenommen, um festzustellen, inwieweit die sogenannte \"Bilddaten-CD\" des \"NSU/NSDAP\" bereits bekannt war. Dabei wurde festgestellt, dass ein Blogger namens \"fatalist\" am 13.11.2013 auf der Website \"politikforen.net\" die \"NSU-CD\" erw\u00e4hnte und behauptete, diese sei zwischen 2002 und 2004 massenhaft in \"der Nationalen Szene\" verteilt worden. Am 19.11.2013 berichtete auch ein Blogger auf der Website \"eigent\u00fcmlich frei\" (ef-magazin.de) \u00fcber die \"Propaganda-CD aus dem Jahr 2003\". Neben dem in Hamburg aufgefundenen Datentr\u00e4ger wurden 2014 drei weitere \"NSU/NSDAP\"-CDs in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und beim BfV entdeckt. Im April 2014 wurde ein Exemplar bei einer Durchsuchung in Rostock als Zufallsfund sichergestellt; die zugrundeliegenden Ermittlungen hatten einen allgemeinkriminellen Hintergrund. Bei Exekutivma\u00dfnahmen der s\u00e4chsischen Polizei gegen Angeh\u00f6rige der \"Nationalen Sozialisten Chemnitz\" waren am 28.03.2014 umfangreiche Asservate sichergestellt worden. Bei der anschlie\u00dfenden Auswertung wurde am 09.10.2014 festgestellt, dass eine dort sichergestellte CD mit der in Hamburg aufgefundenen DVD mit NSU-Bezug weitgehend identisch ist. 133","Rechtsextremismus 4.2 Aktuelle Ans\u00e4tze f\u00fcr rechtsterroristische Bestrebungen in Deutschland und Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden Seit November 2011 leitete der Generalbundesanwalt im Bereich Rechtsextremismus insgesamt 20 neue Ermittlungsverfahren nach SS 129 StGB (Bildung krimineller Vereinigungen) und SS 129a StGB (Bildung terroristischer Vereinigungen) ein. Diese 20 Verfahren richten sich gegen 41 namentlich bekannte sowie weitere unbekannte Beschuldigte. In einzelnen F\u00e4llen ergaben sich Bez\u00fcge nach Hamburg. Am 17.07.2013 war bei sechs Angeh\u00f6rigen der rechtsextremistischen Szene in Deutschland, in der Schweiz und in den Niederlanden durchsucht worden. Zu den Betroffenen geh\u00f6rten ein ehemaliges und ein aktuelles Mitglied der Hamburger Neonazi-Gruppierung \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" ( 5.4). Den Beschuldigten war vorgeworfen worden, ein rechtsextremistisches \"Werwolf-Kommando\" mit dem Ziel gegr\u00fcndet zu haben, das politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen. Der Tatverdacht konnte jedoch nicht erh\u00e4rtet werden. Zum 31.10. 2014 stellte die Generalbundesanwaltschaft das Ermittlungsverfahren ein. Auch die \u00fcbrigen Ermittlungsverfahren wegen des Anfangsverdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung haben bislang keine Anhaltspunkte f\u00fcr konkrete Anschlagsplanungen in Deutschland ergeben. 5. Neonazismus Neonazis definieren sich durch die positive Bezugnahme auf den historischen Nationalsozialismus und das von den Nazis sogenannte \"Dritte Reich\". Sie bef\u00fcrworten einen autorit\u00e4ren \"F\u00fchrerstaat\" mit einer ethnisch homogenen Bev\u00f6lkerungsstruktur. Das dahinter stehende nationalsozialistische Konzept der \"Volksgemeinschaft\" steht in unaufl\u00f6sbarem Widerspruch zum Grundgesetz, insbesondere zum Prinzip der Menschenw\u00fcrde und den aus ihr abgeleiteten Grundrechten. Konstitutiv f\u00fcr den Neonazismus ist zudem ein ausdr\u00fccklicher Rassismus, der die Welt in h\u00f6herund minderwertige V\u00f6lker einteilt und diese Unterscheidung auch zum Kriterium f\u00fcr die Ausgrenzung von Angeh\u00f6rigen anderer Kulturen in Deutschland erhebt. Der ausgepr\u00e4gte Antisemitismus der neonazistischen Szene st\u00fctzt sich auf die bereits durch den 134","Rechtsextremismus historischen Nationalsozialismus verbreitete aberwitzige These, Deutschland sei das Angriffsziel einer internationalen j\u00fcdischen Verschw\u00f6rung, die die Weltherrschaft zum Ziel habe. Die Neonazi-Szene in Deutschland ist vorwiegend durch freie \"Kameradschaften\" und \"Aktionsgruppen\" gepr\u00e4gt, die teilweise durch regionale oder \u00fcberregionale Aktionsb\u00fcndnisse miteinander vernetzt sind. Mit dem seit August 2012 in Koblenz laufenden Verfahren gegen 26 Mitglieder des \"Aktionsb\u00fcros Mittelrhein\" unter anderem wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und dem 2014 erfolgten Verbot des Kameradschaftsnetzwerkes \"Freies Netz S\u00fcd\" sind mittlerweile zwei wichtige \u00fcberregionale Organisationsstrukturen der Neonazi-Szene handlungsunf\u00e4hig. Der unter dem Schlagwort \"Volksfront von rechts\" 2004 vollzogene Schulterschluss zwischen NPD und Neonazis hatte in den vergangenen zehn Jahren dazu gef\u00fchrt, dass die Zusammenarbeit vielerorts intensiviert wurde. Mehrere Landesverb\u00e4nde und -vorst\u00e4nde der NPD sind seit Jahren fest in der Hand von Rechtsextremisten mit neonazistischem Vorlauf. Dazu geh\u00f6rt auch Hamburg. Unter Holger Apfel, der am 19.12.2013 nach rund zweij\u00e4hriger Amtszeit als Parteivorsitzender zur\u00fccktrat, hatten die Spannungen mit den radikaleren Kr\u00e4ften aus dem neonazistischen Lager allerdings innerwie au\u00dferparteilich wieder deutlich zugenommen. Einer der exponiertesten Kritiker des zur\u00fcckgetretenen NPD-Chefs war der im M\u00e4rz 2014 ins Amt gew\u00e4hlte Hamburger Landesvorsitzende und bekennende Nationalsozialist Thomas Wulff, gegen den 2013/14 zwei Parteiausschlussverfahren wegen \"fortw\u00e4hrender St\u00f6rung des Parteifriedens\" beziehungsweise wegen seines \u00f6ffentlichen Bekenntnisses zum Nationalsozialismus eingeleitet wurden. Zu einer politischen Alternative f\u00fcr unzufriedene NPD-Anh\u00e4nger und ehemalige Mitglieder verbotener neonazistischer Organisationen hat sich die im Mai 2012 von dem Neonazi Christian Worch gegr\u00fcndete Partei \"Die Rechte\" ( 8.2) entwickelt. Sie ist in Folge des kontinuierlichen Zulaufs von Neonazis als eindeutig neonazistisch gepr\u00e4gt einzustufen. Ebenfalls neonazistisch ausgerichtet ist die am 28.09.2013 in Heidelberg gegr\u00fcndete Partei \"Der III. Weg\" ( 8.3). 135","Rechtsextremismus Ber\u00fchrungspunkte und \u00dcberschneidungen gibt es mit der subkulturell gepr\u00e4gten Szene. Neonazis unterscheiden sich von den als \"subkulturell gepr\u00e4gt\" bezeichneten Rechtsextremisten in erster Linie durch den Grad ihrer Ideologisierung und der Bereitschaft, sich politisch in festen Gruppenstrukturen zu engagieren. Die \u00dcberg\u00e4nge sind daher h\u00e4ufig flie\u00dfend und meist abh\u00e4ngig vom Lebensalter und der individuellen pers\u00f6nlichen Entwicklung. Der Einstieg in die Neonazi-Szene erfolgt h\u00e4ufig \u00fcber Kontakte zum rechten subkulturellen Milieu. 2014 wurden der neonazistischen Szene deutschlandweit 5.600 Personen zugerechnet, 200 weniger als 2013. In Hamburg gibt es zwei parteiunabh\u00e4ngige neonazistische Gruppierungen, die jeweils \u00fcber einen Aktivistenstamm von maximal zehn Personen verf\u00fcgen. 5.1 Organisationsverbote 2014 Die neonazistische Szene wurde 2014 durch weitere Organisationsverbote in Sachsen, Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg geschw\u00e4cht. So wurde am 28.03.2014 die Vereinigung \"Nationale Sozialisten Chemnitz\" verboten, die seit mehreren Jahren die rechtsextremistische Szene in und um Chemnitz pr\u00e4gte. Am 23.07.2014 folgte das \"Freie Netz S\u00fcd\" (FNS), das als Ersatzorganisation der verbotenen Vereinigung \"Fr\u00e4nkische Aktionsfront\" (FAF) verboten wurde. Das FNS fungierte als Dachverband f\u00fcr rund 20 Kameradschaften in Bayern. Gleichzeitig wurden der \"Final Resistance\"-Versand und eine Immobilie in Oberprex (Bayern) beschlagnahmt. Gegen das Organisationsverbot, das Verfahren bez\u00fcglich des Versandhandels und der Beschlagnahme der Immobilie wurden bei den zust\u00e4ndigen Gerichten Klagen eingereicht. Etliche F\u00fchrungsaktivisten des FNS engagierten sich bereits seit einiger Zeit in der neuen rechtsextremistischen Partei \"Der III. Weg\". Am 18.12.2014 wurden die \"Autonomen Nationalisten G\u00f6ppingen\" verboten, weil sie in Programm, Vorstellungswelt und Gesamtstil eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus aufwiesen. Sie verfolgten unter anderem das Ziel, in G\u00f6ppingen eine \"national befreite Zone\" zu errichten. 136","Rechtsextremismus 5.2 \u00dcberregionale Aktivit\u00e4ten Die \u00fcberregionalen Aktivit\u00e4ten der Neonazi-Szene sind \u00fcberwiegend Gedenkveranstaltungen anl\u00e4sslich historischer Ereignisse. Auch 2014 beteiligten sich einige Hamburger Aktivisten an diesen bundesweiten Veranstaltungen. Bei fast allen Veranstaltungen war jedoch ein R\u00fcckgang der Teilnehmerzahlen zu beobachten; die neonazistische Szene hat 2014 weiter an Mobilisierungsst\u00e4rke eingeb\u00fc\u00dft. Am 18.01.2014 fand in Magdeburg anl\u00e4sslich der Bombardierung der Stadt am 16.01.1945 die j\u00e4hrliche rechtsextremistische Demonstration des Aktionsb\u00fcndnisses \"Initiative gegen das Vergessen\" statt. An dem Aufmarsch mit dem Motto \"Ehrenhaftes Gedenken statt Anpassung an den Zeitgeist\" beteiligten sich etwa 800 (2013: 900) Rechtsextremisten aus ganz Deutschland. Rund 1.200 Gegendemonstranten, darunter circa 450 gewaltbereite, protestierten gegen die rechtsextremistische Veranstaltung. Aufgrund der Gegenproteste begann der Aufzug mit mehrst\u00fcndiger Versp\u00e4tung und folgte einer verk\u00fcrzten Route. Am 12.02.2014 folgte der sogenannte Dresdner \"Trauermarsch\" unter dem Motto \"Gegen die Unkultur des Vergessens!\", an dem etwa 500 Rechtsextremisten (2013: 700) teilnahmen. Der Aufzug wurde unter Protest von etwa 350 Gegendemonstranten durchgef\u00fchrt. Aufruf im Internet zum Zum \"Tag der Arbeit\" am 1. Mai 2014 \"Tag der deutschen Zukunft\" in wurden deutschlandweit elf rechtsextreDresden mistische Demonstrationen durchgef\u00fchrt. Die Partei \"Die Rechte\" veranstaltete einen Aufmarsch in Dortmund, die NPD insgesamt sechs Demonstrationen in Eisenh\u00fcttenstadt, Falkensee, Frankfurt/Oder (alles Brandenburg), Rostock, Duisburg und Kaiserslautern. Au\u00dferdem fanden drei Demonstrationen von \"pro NRW\" statt, davon eine in Duisburg und zwei in Essen. Neonazistische Kr\u00e4fte f\u00fchrten unter dem Namen \"Nationales und Soziales Aktionsb\u00fcndnis 1. 137","Rechtsextremismus Mai\" eine Demonstration in Plauen (Sachsen) unter dem Motto \"Arbeitspl\u00e4tze zuerst f\u00fcr Deutsche\" durch, an der sich etwa 700 Rechtsextremisten beteiligten. Am 07.06.2014 fand in Dresden zum sechsten Mal der sogenannte \"Tag der deutschen Zukunft\" (TddZ) statt. In den Vorjahren war die rechtsextremistische Veranstaltung ausschlie\u00dflich in norddeutschen St\u00e4dten durchgef\u00fchrt worden, zuletzt 2013 in Wolfsburg. Die Verlegung nach Ostdeutschland konnte den Abw\u00e4rtstrend bei den Teilnehmerzahlen nicht stoppen. An der Versammlung nahmen nur etwa 460 (Vorjahr: 530) Rechtsextremisten teil. Die von der sogenannten \"Initiative Zukunft statt \u00dcberfremdung\" organisierte Demonstration wurde auf der eigens f\u00fcr die Veranstaltung eingerichteten Internetseite dennoch als \"voller Erfolg\" gewertet. Da die Aufzugroute kurzfristig ge\u00e4ndert wurde, konnten die Neonazis ohne St\u00f6rungen durch Meinungsgegner marschieren. Etwa 1.000 Gegendemonstranten hatten gegen die Veranstaltung protestiert. Der n\u00e4chste \"TddZ\" soll am 06.06.2015 in Neuruppin (Brandenburg) stattfinden. Internetseite \"Trauermarsch Bad Nenndorf\" Eine weitere j\u00e4hrlich wiederkehrende Veranstaltung ist der \"Trauermarsch\" durch Bad Nenndorf, der am 02.08.2014 stattfand. Zu dem Aufzug unter dem Motto \"Gefangen - Gefoltert - Gemordet! Damals wie heute: Besatzer raus!\" versammelten sich jedoch nur noch etwa 190 Teilnehmer (2013: 300). Neonazis behaupten, dass deutsche Kriegsgefangene im sogenannten \"Wincklerbad\", dem ehemaligen alliierten Internierungslager, gefoltert und ermordet worden seien. Auch das oberfr\u00e4nkische Wunsiedel geh\u00f6rt nach wie vor zu den Orten, die jedes Jahr von Rechtsextremisten aufgesucht werden. Dort befand sich bis 2011 das Grab des \"Hitler-Stellvertreters\" Rudolf He\u00df. Am 15.11.2014 versammelten sich rund 250 Angeh\u00f6rige der neonazistischen Szene anl\u00e4sslich des sogenannten \"Heldengedenkens\" zu einem Marsch durch die Stadt. Als Redner trat der bundesweit bekannte Neonazi Thomas Wulff auf. 138","Rechtsextremismus 5.3 Kameradenkreis Neonazis in Hamburg Der rechtsextremistischen Gruppierung \"Kameradenkreis Neonazis in Hamburg\" geh\u00f6ren wie in den Vorjahren maximal zehn ideologisch gefestigte Mitglieder an. F\u00fchrende Mitglieder sind weiterhin Tobias Thiessen und Inge Nottelmann. Die Kernthemen des \"Kameradenkreises\" im Jahr 2014 waren wie im Vorjahr \"\u00dcberfremdung\", die \"Asylproblematik\" und der Protest gegen geplante oder bestehende Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte. Auf der von den Hamburger Neonazis betriebenen Internetseite \"mein-hh.info\" wurden aber auch andere tagesaktuelle politische Ereignisse und Entwicklungen kommentiert. Zudem wurde dort regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber rechtsextremistische Veranstaltungen berichtet. Angeh\u00f6rige des \"Kameradenkreises\" nahmen, wenn auch in deutlich geringerer Zahl als noch vor einigen Jahren, an Demonstrationen der rechtsextremistischen Szene im gesamten Bundesgebiet teil. So beteiligten sie sich am 07.06.2014 an der Demonstration zum sogenannten \"Tag der deutschen Zukunft\" (TddZ) in Dresden und 02.08.2014 am \"Trauermarsch\" durch Bad Nenndorf. Am 01.03.2014 verteilten Neonazis in Hamburg-Langenhorn Flugbl\u00e4tter gegen die dortige Unterbringung von Asylbewerbern und stellten ein Transparent mit der Aufschrift \"Asylrecht abschaffen! \u00dcberfremdung stoppen\" auf. In dem Artikel vom 04.03.2014, in dem \u00fcber die vorgenannte Flugblattund Transparentaktion berichtet wurde, wurden auch zwei Infost\u00e4nde der NPD erw\u00e4hnt, die im Dezember 2013 in Bramfeld und im Januar 2014 in Rahlstedt unter dem Motto \"Asylflut stoppen\" stattfanden. Der Bericht macht deutlich, dass der \"Kameradenkreis Neonazis in Hamburg\" und die Hamburger NPD im Rahmen \u00f6ffentlicher Aktionen eng zusammenarbeiten. In einem weiteren Artikel zum Thema \"Jetzt auch noch Arbeit f\u00fcr Asylanten?\" vom 21.03.2014 wird pauschal gefordert, Asylbewerber abzuschieben und das Asylrecht abzuschaffen. Am darauf folgenden Wochenende 22./23.03.2014 verteilten Aktivisten des Kameradenkreises in Hamburg-Bergstedt Flugbl\u00e4tter mit entsprechendem Tenor: \"Wir wollen keine Asylantenheime!\". Au\u00dferdem wurde ein Transparent mit der Aufschrift \"Asylrecht abschaffen! \u00dcberfremdung stoppen!\" am Bauzaun der geplanten Unterkunft angebracht. In dem entsprechenden Bericht auf mein-hh.info \"Anti-Asyl-Protest in Hamburgs Norden\" vom 139","Rechtsextremismus 25.03.2014 wurde zudem erw\u00e4hnt, dass Aufkleber zum Thema verklebt worden seien. Im Mai 2014 wurde die geplante Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen in einem Seniorenheim in Hamburg-Othmarschen auf \"mein-hh.info\" thematisiert. In einem am 17.05.2014 dazu ver\u00f6ffentlichten Artikel ist von einem \"perfiden Asylanten-Plan\" die Rede. Auch in einem am 21.05.2014 ver\u00f6ffentlichten Artikel wird gegen die Unterbringung von Asylbewerbern gehetzt. So hei\u00dft es in dem Artikel \"Scheisse, noch mehr Asylanten nach Bergedorf\", dass sich in der geplanten Unterkunft \"zu \u00fcber 90 % Asylbetr\u00fcger auf unsere Kosten breit machen d\u00fcrfen\". Internetseite \"mein-hh.info\" mit einem Auszug des Artikels \"Weiter Proteste gegen Asylflut in Hamburg\" Am Wochenende 21./22.06.2014 verteilten \"lokale Aktivisten des nationalen Widerstandes\" nachweislich eines bei \"mein-hh.info\" ver\u00f6ffentlichten Artikels wiederum Flugbl\u00e4tter gegen die geplante Asylbewerberunterkunft in der Brookkehre in Hamburg-Bergedorf. Au\u00dferdem wurde ein Transparent mit der Aufschrift \"Asylanten ausweisen - \u00dcberfremdung stoppen\" am geplanten Standort angebracht. Ein wei140","Rechtsextremismus teres Transparent wurde vor einer anderen Unterkunft in Bergedorf entdeckt. In dem Hetzartikel \"Keine Asylanten in die Brookkehre\", in dem die Aktion beschrieben wurde, ist von \"Asylschmarotzern\" und \"Massen\u00fcberfremdung\" die Rede. Zuletzt wurden Flugblattverteilungen Ende August im Bezirk Wandsbek festgestellt. In einem Artikel vom 28.06.2014, in dem es um die Umbenennung einer Stra\u00dfe in Hamburg-Bahrenfeld zum Gedenken an das Hamburger Opfer des NSU ging, beklagten sich die Neonazis \u00fcber eine angebliche \"Pogromstimmung gegen rechts\" und die \"Kriminalisierung nationalgesinnter Menschen in Deutschland\". Am 06.10.2014 erschien letztmals ein Beitrag auf der Internetseite \"mein-hh.info\". Auch dieser Artikel mit dem Titel \"Asylflut: Keiner traut sich Nein zu sagen\" richtete sich gegen die Aufnahme von Asylsuchenden. Weiter ist von einer \"Asylmafia\" die Rede und davon, dass die \"Massenmedien in der BRD\" alle \"gleichgeschaltet\" seien. Da wiederholt dem \"Kameradenkreis\" zuzurechnende Flugbl\u00e4tter mit falschem Impressum verbreitet wurden, erstattete die Polizei eine Ordnungswidrigkeitenanzeige. Die Verfasser hatten auf die Internetseite \"mein-hh. info\" verwiesen. Die zust\u00e4ndige \"Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein\" (MA HSH) ermittelte nach einem entsprechenden Hinweis des LfV Hamburg im Oktober 2014 gegen den mutma\u00dflichen Betreiber der Internetseite wegen Versto\u00dfes gegen das Telemediengesetz. Seitdem wurden keine neuen Beitr\u00e4ge mehr ver\u00f6ffentlicht. 5.4 \"Hamburger Nationalkollektiv & Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" (HNK & WWT) Die seit dem Fr\u00fchjahr 2011 aktive, aktionistisch gepr\u00e4gte Gruppierung \"Hamburger Nationalkollektiv & Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" (HNK & WWT) ist ein Zusammenschluss von Neonazis und ehemaligen Angeh\u00f6rigen der Skinhead-Szene. Einen Teil der Vereinigung bildet die \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" (WWT), die urspr\u00fcnglich 2008 als Fangruppe der gleichnamigen rechtsextremistischen Skinhead-Band \"Weisse W\u00f6lfe\" gegr\u00fcndet wurde. Der damaligen Gruppe geh\u00f6rten auch Rechtsextremisten aus anderen Bundesl\u00e4ndern wie Brandenburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Berlin an. Deren Mitglieder traten ab 2008 in Hamburg durch 141","Rechtsextremismus rechtsextremistische Strafund Gewalttaten in Erscheinung. 2010 musste eine der F\u00fchrungspersonen der Gruppierung wegen Widerstandes gegen Polizeibeamte und vors\u00e4tzlicher K\u00f6rperverletzung in zwei F\u00e4llen eine vierzehnmonatige Haftstrafe antreten. Infolgedessen wurde es vorerst ruhiger um die Gruppe. Nach seiner Haftentlassung im Fr\u00fchjahr 2011 wurden die Strukturen reaktiviert und die Gruppierung zeigte sich durch personelle Ver\u00e4nderungen als \"Hamburger Nationalkollektiv & Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" (HNK & WWT)\" vermehrt politisch aktiv. HNK & WWT entwickelte sich nach der personellen Neuaufstellung von einem erlebnisorientierten Skinhead-Zusammenschluss zu einer gewaltbereiten Aktionsgruppe mit politischem Anspruch. Durch selbstbewusstes und provokantes Auftreten bei Demonstrationen und Veranstaltungen versucht die Gruppierung vor allem j\u00fcngere und aktionsbereite Aktivisten an sich zu binden und f\u00fcr rechtsextremistisches Gedankengut empf\u00e4nglich zu machen. \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" im Internet Seit Anfang 2014 tritt die Gruppierung in der \u00d6ffentlichkeit nur noch unter dem Namen \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg\" (WWT) auf und verwendet f\u00fcr Schriftz\u00fcge und Transparente ausschlie\u00dflich diese Bezeichnung. Zwar wird auf der seit Februar 2014 inaktiven Internetseite der Vereinigung das \"Hamburger Nationalkollektiv\" (HNK) noch aufgef\u00fchrt, Personengruppen oder Einzelpersonen k\u00f6nnen ihm aber nicht mehr zugeordnet werden. Nachdem die Vereinigung bis Mitte 2013 \u00fcberwiegend im Hamburger Raum aktiv war und auch deren Mitglieder in Hamburg und im Umland ihren Wohnsitz hatten, ist seit einiger Zeit eine \u00fcberregionale aber auch bundesweite Expansion der Gruppenstruktur zu beobachten. So haben sich mittlerweile in mehreren Bundesl\u00e4ndern weitere sogenannte \"WWT-Sektionen\" gebildet, die als selbstst\u00e4ndig agierende Personenzusammenschl\u00fcsse \u00f6ffentlich in Erscheinung treten und \u00fcberwiegend 142","Rechtsextremismus aus bereits bekannten und zum Teil gewaltt\u00e4tigen Rechtsextremisten bestehen. Der als gewaltbereit eingestuften Gruppierung \"WWT Sektion Hamburg\" werden derzeit maximal zehn Neonazis zugeordnet - mit abnehmender Tendenz. Bundesweit ist von mindestens 50 WWT-Mitgliedern und -Anh\u00e4ngern auszugehen. Als Erkennungszeichen bei \u00f6ffentlichen Auftritten dient den Sektionen die uniformartige einheitliche Oberbekleidung der Aktivisten, die sie bei Musikveranstaltungen, Kundgebungen und sonstigen Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene zur Schau tragen. Die Vereinigung versucht zudem durch bundesweit beworbene Rechtsrockkonzerte szeneintern Aufmerksamkeit zu erlangen und nach au\u00dfen propagandistisch zu wirken. So organisierte die \"WWT Sektion Th\u00fcringen\" beispielsweise am 16.08.2014 in Erfurt ein Konzert mit rund 90 Teilnehmern, bei der diverse rechtsextremistische Bands und S\u00e4nger auftraten. Am 26.07.2014 konnte in Hamburg-Harburg erstmals eine \u00f6ffentliche Zusammenkunft der bundesweiten Sektionen und deren Mitglieder polizeilich festgestellt werden. Die 17 polizeilich \u00fcberpr\u00fcften Personen stammen aus Bayern, Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen, Th\u00fcringen, Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg. Da die meisten Teilnehmer in schwarzen T-Shirts mit der Aufschrift \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" sowie einer Schlagring-Abbildung \u00f6ffentlich auftraten, wurde ein Strafverfahren wegen des Versto\u00dfes gegen das Uniformierungsverbot eingeleitet. Im Zuge der Zusammenkunft kam es zudem zu Verst\u00f6\u00dfen gem\u00e4\u00df SS 86a StGB (Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen). Zumindest ein WWT-Angeh\u00f6riger rief \"Sieg Heil\" und zeigte den \"Hitlergru\u00df\". Die immanente Gewaltbereitschaft der WWT zeigte sich unter anderem bei einem Vorfall am 01.02.2014 am Hamburger Hauptbahnhof. Dort kam es in einem Schnellrestaurant zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung bei der Angeh\u00f6rige der WWT-Sektionen \"Hamburg\" und \"Th\u00fcringen\" zun\u00e4chst rechtsextremistische Parolen wie \"Sieg Heil\" skandierten und den \"Hitlergru\u00df\" zeigten und anschlie\u00dfend Personen, die sie f\u00fcr \"Linke\" hielten, eingesetztes Sicherheitspersonal sowie Beamte der Bundespolizei zun\u00e4chst verbal und dann auch massiv t\u00e4tlich angriffen. Bei den T\u00e4tern wurden Einhandmesser, Tierabwehrspray und Mundschutze sichergestellt. Gegen die Beschuldigten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer K\u00f6rperverletzung, Widerstand gegen 143","Rechtsextremismus Vollstreckungsbeamte, Volksverhetzung, N\u00f6tigung, Beleidigung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet. Angeh\u00f6rige der Hamburger WWT-Sektion zeigten sich 2014 bei diversen neonazistischen Veranstaltungen wie dem j\u00e4hrlichen Trauermarsch in Magdeburg am 18.01.2014 aktiv. Hier marschierten sie gemeinsam mit Th\u00fcringer Aktivisten hinter einem Transparent mit der Aufschrift \"Kein Vergeben, Kein Vergessen - WWT Sektion Th\u00fcringen\". Bei einem am 08.02.2014 durchgef\u00fchrten sogenannten Trauermarsch in Weimar konnten ebenfalls Mitglieder der \"WWT Sektion Hamburg\" festgestellt werden. Die Veranstaltung war von einer F\u00fchrungsperon der \"WWT Sektion Th\u00fcringen\" angemeldet und organisiert worden. Am 26.04.2014 nahmen Angeh\u00f6rige der \"WWT Sektion Hamburg\" an einer NPD-Kundgebung in Berlin-Kreuzberg teil unter dem Motto \"Kreuzberg muss befreit werden - sicher, sauber, ordentlich! Weg mit Multikulti, Kriminalit\u00e4t, Verslumung!\". Gegen die Hamburger wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet, da sie im Nachgang der Veranstaltung in einer Szene-Kneipe unter anderem \"Sieg Heil\" gerufen haben sollen. Angeh\u00f6rige der \"WWT Sektion Hamburg\" waren auch bei der NPD-Kundgebung am 1. Mai in Rostock vor Ort und beteiligten sich zusammen mit Aktivisten und Mitgliedern anderer Sektionen an der Demonstration zum sogenannten\"Tag der deutschen Zukunft\" am 07.06.2014 in Dresden. Am 12.07.2014 wurden Angeh\u00f6rige der \"WWT Sektion Hamburg\" bei einer Solidarit\u00e4tsveranstaltung f\u00fcr den zuvor geschlossenen \"Club 88\" in Neum\u00fcnster (Schleswig-Holstein) polizeilich festgestellt. Die Personen trugen T-Shirts mit der Aufschrift \"Wei\u00dfe W\u00f6lfe Terrorcrew\". Der Aufdruck war von der Farbgebung und dem Schriftzug her dem Logo der in Deutschland verbotenen Skinhead-Organisation \"Blood & Honour\" nachempfunden. Statt der Triskele in der Mitte wurde ein Schlagring verwendet. Die vom verbotenen \"Blood & Honour\"-Netzwerk verwendete und von der WWT \u00fcbernommene Triskele \u00e4hnelt von der Formgebung her einem dreiarmigen Hakenkreuz. 144","Rechtsextremismus Im Oktober 2012 hatte der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof (GBA) ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet, das Bez\u00fcge nach Hamburg aufwies. Den Beschuldigten, darunter ein Mitglied und ein ehemaliges Mitglied der \"WWT Sektion Hamburg\", wurde vorgeworfen, ein rechtsextremistisches \"Werwolf-Kommando\" gegr\u00fcndet zu haben, mit dem Ziel, das politische System der Bundesrepublik Deutschland zu beseitigen. Die Ermittlungen und die am 17.07.2013 durchgef\u00fchrten Exekutivma\u00dfnahmen konnten den Verdacht nicht weiter erh\u00e4rten. Das Verfahren wurde im Oktober 2014 eingestellt. Nachdem sich die \"WWT Sektion Hamburg\" in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2013 zun\u00e4chst durch ein neues Design und aktuelle Beitr\u00e4ge und Statements zu politischen Themenfeldern wieder auf ihrer Internetseite pr\u00e4sentierte, kam der mediale Auftritt der Vereinigung Anfang 2014 v\u00f6llig zum Erliegen. Lediglich ein Verlaufsbericht \u00fcber die Teilnahme am j\u00e4hrlichen Neonazi-Aufmarsch am 18.01.2014 in Magdeburg wurde im Februar eingestellt. 6. Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten Als \"subkulturell gepr\u00e4gt\" bezeichnen die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden vornehmlich j\u00fcngere Rechtsextremisten, die ihre rechtsextremistischen Einstellungen in erster Linie durch entsprechende Verhaltensweisen, durch Musik, Kleidung, einschl\u00e4gige T\u00e4towierungen und andere Erkennungszeichen zum Ausdruck bringen und ausleben - weniger durch politische Aktivit\u00e4ten. Ein hervorstechendes Merkmal der subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten ist ihre grunds\u00e4tzliche Gewaltaffinit\u00e4t. Deshalb z\u00e4hlt das LfV Hamburg auch Einzelpersonen ohne erkennbare Anbindung an rechtsextremistische Organisationsoder Szenestrukturen, die durch rechtsextremistisch motivierte Straftaten aufgefallen sind, zu dieser Kategorie. Der Anteil klassischer Skinheads in dieser Szene geht, auch altersbedingt, kontinuierlich zur\u00fcck. An die Stelle des traditionellen Skinhead-Outfits (Glatze, Bomberjacke und Springerstiefel) sind Kleidungsst\u00fccke und Marken getreten, die sich an allgemeinen Trends der Jugendmode, der Hooliganszene oder der \"Autonomen Nationalisten\" 145","Rechtsextremismus orientieren. Bei Demonstrationen wird zudem das Tragen Skinhead-typischer Kleidung oftmals durch entsprechende Auflagen untersagt. Die meisten der subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten verf\u00fcgen \u00fcber kein geschlossenes rechtsextremistisches Weltbild, sie sind mehr von einzelnen rechtsextremistischen Einstellungen und Argumentationsmustern beeinflusst. Aktivit\u00e4ten mit Erlebnischarakter wie der Besuch rechtsextremistischer Musikveranstaltungen oder Fu\u00dfballspielen sowie die gelegentliche Teilnahme an Demonstrationen, insbesondere wenn es zu \"Feindber\u00fchrungen\" kommen k\u00f6nnte, stehen f\u00fcr diesen Personenkreis im Vordergrund. An der Einbindung in feste Strukturen und eine langfristige politische Bet\u00e4tigung besteht im Gegensatz zu den Angeh\u00f6rigen neonazistischer Gruppen kein Interesse. Kennzeichnend f\u00fcr diese Szene ist das Ausleben eines \"rechten\" Lebensgef\u00fchls, zu dem neben Rockmusik mit nationalistischen, antisemitischen, rassistischen und fremdenfeindlichen Texten auch starker Alkoholkonsum und szenetypische Straftaten geh\u00f6ren. Eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle in dieser Szene spielen die sozialen NetzDas Logo auf der Internetseite der werke. Diese Plattformen werden Hammerskins zunehmend genutzt, um rechtsextremistisches Gedankengut zu verbreiten. Die insbesondere durch Musik und rechtsextremistische Internetpropaganda vermittelten Feindbilder f\u00fchren zu Hass und Aggressivit\u00e4t. Sie k\u00f6nnen Ausl\u00f6ser f\u00fcr Gewalttaten sein, die h\u00e4ufig spontan und unter Alkoholeinfluss ver\u00fcbt werden. Die mittlerweile einzige bundesweit aktive Skinhead-Organisation sind die \"Hammerskins\", die sich durch einen hohen Organisierungsgrad und ein ausgepr\u00e4gtes rassistisches Elitedenken auszeichnen. Die Organisation wurde 1986 in den USA gegr\u00fcndet und hat sich das Ziel gesetzt, die Skinheads in einer sogenannten \"Hammerskin-Nation\" zu vereinen. Die \"Hammerskins\" sind in verschiedenen L\u00e4ndern mit sogenannten \"Divisionen\" vertreten, darunter auch in Deutschland. Regional gliedert sich die Vereinigung in Untereinheiten, den \"Chaptern\". Die Hammers146","Rechtsextremismus kins weisen somit \u00e4hnliche Strukturen auf wie bekannte Rockergruppen (\"Hells Angels\" und andere). Die sich als exklusive Bruderschaft verstehenden \"Hammerskins\" unterwerfen Interessenten einem langwierigen Auswahlund Bew\u00e4hrungsprozess, an dessen Ende der Status \"Member\", also die Vollmitgliedschaft, steht. Die Supporter-Organisation \"Crew 38\" geh\u00f6rt zum engen Umfeld der Hammerskins. Die Angeh\u00f6rigen dieses Netzwerks besitzen selber keinen Mitgliedsstatus, f\u00fchlen sich aber den Hammerskins eng verbunden. Das Logo der Hammerskins sind zwei gekreuzte Zimmermannsh\u00e4mmer auf einem Zahnrad. In Deutschland ist dieses Logo in den Farben der Reichsflagge, also schwarz-wei\u00df-rot, gehalten. Auch die Bezeichnung \"Crew 38\" orientiert sich an diesem Logo. Die Ziffer 3 steht f\u00fcr c = crossed und die Ziffer 8 f\u00fcr h = hammers. Die Hammerskins sind in Deutschland seit Anfang der 1990er Jahre pr\u00e4sent. Es gibt aktuell circa 10 deutsche \"Chapter\". In Hamburg gibt es bislang keine Strukturen. Die \"Hammers\" kommen regelm\u00e4\u00dfig zu nationalen und internationalen Treffen an unterschiedlichen Orten zusammen. Das allj\u00e4hrliche \"Hammerfest\" fand am 29.11.2014 in Mailand mit rund 500 Teilnehmern statt. Zum \"Hammerfest\" 2013 in Toul (Frankreich) waren noch circa 1.500 Teilnehmer aus ganz Europa angereist. Bis auf die Organisation von einzelnen Konzertveranstaltungen tritt die Vereinigung nach au\u00dfen kaum in Erscheinung. Zur Kategorie der subkulturell gepr\u00e4gten Rechtsextremisten werden in Hamburg etwa 120 Personen gerechnet, die sich zum Teil in losen, stadtteilbezogenen Cliquen formieren und meistens auch \u00fcber soziale Netzwerke in Beziehung stehen. Personelle \u00dcberschneidungen gibt es in geringem Umfang mit der gewaltbereiten Fu\u00dfballszene. Den Kern der subkulturell gepr\u00e4gten rechtsextremistischen Szene bildet das Umfeld der in Hamburg beheimateten Rechtsrockbands ( 7). In der \u00d6ffentlichkeit ist die Szene jedoch selten wahrnehmbar. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr ist unter anderem, dass es in Hamburg keine Szenetreffpunkte gibt und in den vergangenen Jahren (bis 2014) auch keine rechtsextremistischen Konzerte in Hamburg stattfanden. Auch gelingt es weder der NPD noch den hiesigen neonazistischen Gruppierungen kaum, rechtsextremistisch 147","Rechtsextremismus orientierte Jugendliche und junge Erwachsene aus dem subkulturellen Milieu f\u00fcr politische Aktivit\u00e4ten zu gewinnen und zu mobilisieren. Im September 2014 wandten sich Spieler des SC Sternschanze mit einem offenen Brief an die Presse. Sie weigerten sich, gegen eine Herrenmannschaft des SC Osterbek anzutreten, da sie Akteure dieser Mannschaft aufgrund von \u00c4u\u00dferungen und deren Erscheinung und Auftreten der rechtsextremistischen Szene zuordneten. Der Vorstand des SC Osterbek schloss die Spieler nach Pr\u00fcfung der Vorw\u00fcrfe mit sofortiger Wirkung aus dem Verein aus und distanzierte sich von rechtem Gedankengut in jedweder Form. Einige der betroffenen Spieler sind dem LfV Hamburg als Angeh\u00f6rige der subkulturell gepr\u00e4gten rechtsextremistischen Szene bekannt. Auch der Hamburger Fu\u00dfballverband erhielt den offenen Brief und wandte sich darauf an das LfV. Der Verfassungsschutz konnte den Fu\u00dfballverband durch intensive Beratung unterst\u00fctzen. 7. Rechtsextremistische Musikszene Musik ist f\u00fcr die Verbreitung rechtsextremistischen Gedankengutes unter Jugendlichen und jungen Heranwachsenden von zentraler Bedeutung. \u00dcber die Musik soll Interesse an der rechten Subkultur und deren Einstellungen geweckt werden. Sie ist zudem - wie generell bei Jugendkulturen - ein wesentlicher identit\u00e4tsstiftender Faktor und festigt die Bindung zur jeweiligen Szene. Das Kalk\u00fcl ist: Wer die Musik mag, ist wahrscheinlich auch empf\u00e4nglich f\u00fcr die Botschaften. Der 1993 verstorbene Gr\u00fcnder des rechtsextremistischen \"Blood & Honour\"-Netzwerks\" und S\u00e4nger und Gitarrist der Skinhead-Kultband \"Skrewdriver\", Ian Stuart Donaldson, war sich dessen bewusst und erkl\u00e4rte in einem Interview: \"Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus n\u00e4her zu bringen, besser als das in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann, kann damit Ideologie transportiert werden\". Im Rahmen von Konzertveranstaltungen werden \u00fcblicherweise CDs sowie Merchandisingprodukte zum Kauf angeboten. Rechtsextremistische Musik wird allerdings haupts\u00e4chlich \u00fcber das Internet, \u00fcber Ver148","Rechtsextremismus sandhandel oder Downloadangebote, sowie in entsprechenden Szenel\u00e4den vertrieben. Im Jahr 2014 gab es bundesweit gut 160 rechtsextremistische Musikveranstaltungen (2013: 171). Konzertveranstaltungen wie zum Beispiel Skinhead-Konzerte nehmen hierbei mit 55 (2013: 78) Events eine bedeutende Stellung ein. Bei 51 (2013: 46) rechtsextremistischen Parteiveranstaltungen traten Live-Musiker im Rahmenprogramm auf. Zudem gab es 55 (2013: 47) rechtsextremistische Liederabende mit Auftritten eines oder mehrerer Interpreten. W\u00e4hrend Liederabende in der Regel vor einem \u00fcberschaubaren Publikum mit meist weniger als 100 Teilnehmern stattfinden, k\u00f6nnen einzelne offen beworbene Live-Konzerte durchaus Besucherzahlen im vierstelligen Bereich erreichen. Regionale Konzertveranstaltungen werden zumeist von 100 bis 200 Besuchern frequentiert. Diese Konzerte werden oftmals als Geburtstagsoder sonstige Privatfeiern getarnt und entsprechend bei potenziellen Vermietern geeigneter R\u00e4umlichkeiten angemeldet. Offen angek\u00fcndigt werden insbesondere Veranstaltungen, mit denen Parteien wie die NPD oder \"Die Rechte\" die Popularit\u00e4t rechtsextremistischer Musik f\u00fcr ihre Zwecke instrumentalisieren wollen, sowie Veranstaltungen, die vorrangig einen kommerziellen Hintergrund haben und professionell organisiert sind. Am 05.07.2014 fand in Gera zum zw\u00f6lften Mal die NPD-Konzertveranstaltung \"Rock f\u00fcr Deutschland\" statt. An der vom Kreisverband Gera angemeldeten Veranstaltung nahmen jedoch nur noch etwa 300 Personen teil. Der Veranstalter der Open-Air-Veranstaltung hatte rund 1.200 Teilnehmer erwartet. 2013 zog die Veranstaltung noch circa 700 Besucher an, 2012 waren es rund 1.000 gewesen. Neben der etablierten, aber an Bedeutung verlierenden Veranstaltung \"Rock f\u00fcr Deutschland\" setzte die NPD bei weiteren gr\u00f6\u00dferen Events Livebands als Werbestrategie in Kombination mit Redebeitr\u00e4gen ein. Am 09.08.2014 f\u00fchrte der NPD-Kreisverband Kyffh\u00e4userkreis zum zweiten Mal eine Veranstaltung mit dem Titel \"In Bewegung - das politische Fest der Nationalen\" durch. Veranstaltungsort war Sonderhausen (Th\u00fcringen). An der Veranstaltung nahmen circa 700 Besucher 149","Rechtsextremismus teil. Der Veranstalter bezifferte die Teilnehmerzahl mit rund 1.200. Neben Redebeitr\u00e4gen von ranghohen NPD-Funktion\u00e4ren traten mehrere rechtsextremistische Bands auf, darunter die in der rechtsextremistischen Szene besonders popul\u00e4re Band \"Die Lunikoff Verschw\u00f6rung\". Einige Wochen zuvor, am 28.06.2014, fand in Schwanebek/OT Nienhagen (Sachsen-Anhalt) unter dem Titel \"Skinhead Rock Open Air\" mit 1.300 Besuchern das gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Konzert des Jahres statt. Organisator war ein ortsans\u00e4ssiger Neonazi, der bereits seit mehreren Jahren als Konzertveranstalter aktiv ist. 2012 und 2013 hatte die von ihm organisierte Vorl\u00e4uferveranstaltung \"European Skinhead Party\" bis zu 1.800 Teilnehmer angezogen. In Nienhagen traten sechs Bands auf. Wie bereits 2013, war auch die Hamburger Band \"Abtrimo\" dabei. Nach einer Pressemeldung soll der S\u00e4nger der Band das Konzert mit den Worten \"Wir hassen das System .. wir hassen diesen Staat ...\" eingeleitet haben. Die Gemeinde Vorharz hatte die Veranstaltung im Vorfeld mit Verf\u00fcgung vom 23.06.2014 verboAusdruck der Facebook-Seite mit der Ank\u00fcndigung zum Abtrimo Konzert am 26.04.2014 ten. Diese hatte vor Gericht jedoch in Hamburg keinen Bestand. Am 27.06.2014 hob das Oberverwaltungsgericht (OVG) des Landes Sachsen-Anhalt das Verbot auf und begr\u00fcndete seine Entscheidung unter anderem mit dem teilweise politischen Charakter der Veranstaltung. Angeh\u00f6rige der subkulturell gepr\u00e4gten rechtsextremistischen Szene in Hamburg nehmen regelm\u00e4\u00dfig an Rechtsrock-Konzerten im Hamburger Umland und auch weiter entfernten Orten teil. Zudem haben in Hamburg mehrere Skinhead-Bands ihren Sitz, die, wie Abtrimo, auch zu \u00fcberregionalen Konzerten eingeladen werden. 2014 fand nach mehrj\u00e4hriger Pause wieder ein rechtsextremistisches Konzert auf Hamburger Boden statt. Eigenen Angaben zufolge gab Abtrimo gemeinsam mit einer brasilianischen Skinhead-Band am 26.04.2014 ein Konzert in kleinem Rahmen. Neben dem Konzert in Nienhagen trat die Band nach 150","Rechtsextremismus eigener Darstellung im Juli in Berlin und im August in Baden-W\u00fcrttemberg auf. 2014 ver\u00f6ffentlichte \"Abtrimo\" unter dem Namen \"Hammonia\" eine weitere CD mit vier neuen St\u00fccken mit zum Teil eindeutig rechtsextremistischen Texten. Auf Anregung des LfV Hamburg wurde der Tontr\u00e4ger indiziert, das hei\u00dft in die Liste der jugendgef\u00e4hrdenden Medien aufgenommen. Die Verbreitung der CD an unter 18j\u00e4hrige ist damit verboten. In ihrer Entscheidung vom 02.10.2014 beanstandete die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien (BPjM) zwei der vier Lieder. In dem Text des Liedes \"Hammonia\" sah die BPjM die Tatbest\u00e4nde des Anreizes zum Rassenhass und zur Gewalt gegeben. Der Text sei \"geeignet, erhebliche Vorurteile und eine feindselige Haltung gegen\u00fcber den in Hamburg lebenden Ausl\u00e4ndern beziehungsweise Menschen mit Migrationshintergrund hervorzurufen. [...]\" Insgesamt sei der Text des Titels \"Hammonia\" \"geeignet, eine aggressive Grundstimmung gegen Fremde und eine Angst vor einer \u00dcberfremdung Hamburgs (und Deutschlands) zu erzeugen.\" Bereits 2013 war auf Anregung des LfV Hamburg die Abtrimo-CD \"7 auf einen Streich\" von der BPjM auf den Index gesetzt worden ( s. VSB 2013, S. 170). 8. Rechtsextremistische Parteien 8.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Die Situation der NPD als einzige bundesweit agierende rechtsextremistische Partei verschlechterte sich 2014 zunehmend. InnerparteiMitglieder: 5.200 lich setzte sich die Spaltung in ein Bundessitz: Berlin radikales und ein gem\u00e4\u00dfigteres Vorsitzender: Frank Franz Lager fort. Personelle Differenzen und Skandale innerhalb des BunLandesverband Hamburg desvorstandes und einzelner Landesverb\u00e4nde schw\u00e4chten die ParMitglieder: 130 tei, ihre Struktur und ihre Vorsitzender: Thomas Wulff Au\u00dfenwirkung zus\u00e4tzlich. Auch die 151","Rechtsextremismus Wahlergebnisse im \"Superwahljahr\" 2014 mit drei Landtagswahlen in den strategisch wichtigen ostdeutschen Bundesl\u00e4ndern und der Europawahl waren f\u00fcr die NPD entt\u00e4uschend. Nachdem der Parteivorsitzende Holger Apfel Ende 2013 skandaltr\u00e4chtig von seinem Amt zur\u00fcckgetreten war, \u00fcbernahm der Fraktionsvorsitzende der NPD in Mecklenburg-Vorpommern, Udo Past\u00f6rs, zun\u00e4chst kommissarisch die F\u00fchrung der Partei. W\u00e4hrend Apfel seinerzeit versucht hatte, seinen \"s\u00e4chsischen Weg\", das hei\u00dft einen moderateren, auf mehr gesellschaftliche Anschlussf\u00e4higkeit setzenden Kurs der NPD durchzusetzen, ist Past\u00f6rs dem radikaleren Fl\u00fcgel der Partei zuzuordnen und k\u00fcndigte zun\u00e4chst \"eine harte Hand\" in der F\u00fchrungsspitze an. Entgegen der Prognosen setzte der mehrfach vorbestrafte \"Hardliner\" jedoch kaum Akzente und stellte sich auf dem Bundesparteitag am 21./22.11.2014 in Weinheim nicht wieder zur Wahl. Die zunehmend desolate Lage der Partei spiegelt sich auch in den seit Jahren zur\u00fcckgehenden Mitgliederzahlen wider. Nachdem 2013 noch 5.500 Mitglieder zu verzeichnen waren (2012: 6.000), sind es 2014 nur noch 5.200. Damit einhergehend sinken auch die Einnahmen der NPD durch Mitgliedsbeitr\u00e4ge stetig. Die Ergebnisse bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Th\u00fcringen und Sachsen blieben hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Gerade in Ostdeutschland wollte man sich nach der F\u00fchrungskrise Ende 2013 wieder gest\u00e4rkt pr\u00e4sentieren. In Th\u00fcringen erhoffte sich die NPD, in das dritte Landesparlament einzuziehen. Sie erreichte jedoch lediglich einen Stimmenanteil von 3,6 Prozent (2009: 4,3%), und dies obwohl sich die Partei personell stark aufgestellt hatte. Sie war in allen 44 Wahlkreisen mit Direktkandidaten vertreten und f\u00fchrte einen ressourcenintensiven Wahlkampf. F\u00fcr den Misserfolg ma\u00dfgeblich verantwortlich gemacht wurde der Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Patrick Wieschke, der nach Presseberichten mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs an Minderj\u00e4hrigen und h\u00e4uslicher Gewalt konfrontiert worden war. Wieschke legte daraufhin sein Amt als Bundesorganisationsleiter nieder und kandidierte beim Landesparteitag am 12.01.2015 nicht mehr f\u00fcr den Landesvorsitz. Auch in Brandenburg musste die NPD im Vergleich zur vorangegangenen Landtagswahl 2009 Stimmenverluste hinnehmen. Mit 2,2 Prozent lag sie 0,4 Prozentpunkte unter ihrem Ergebnis von 2009. Noch am 152","Rechtsextremismus Wahlabend k\u00fcndigte der damalige Pressesprecher und heutige Bundesvorsitzende Frank Franz aufgrund des entt\u00e4uschenden Ergebnisses eine \"intensive Wahlkampfund Ergebnisanalyse\" an. Noch gr\u00f6\u00dfer war die Entt\u00e4uschung \u00fcber das Abschneiden in Sachsen. Neben Mecklenburg-Vorpommern war Sachsen bislang das einzige Bundesland, in dem die NPD in einem Landtag vertreten war. Mit 4,95 Prozent (2009: 5,6 Prozent) verpasste die Partei den Wiedereinzug. Ihr fehlten 809 Stimmen zum \u00dcberspringen der F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde. In ersten Reaktionen wurde eine Neuausz\u00e4hlung der Stimmen gefordert, da es bei der Ausz\u00e4hlung angeblich zu \"zahlreichen Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten\" gekommen sei. Bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 25.05.2014 konnte sich der fr\u00fchere NPD-Vorsitzende Udo Voigt einen Platz sichern. Die NPD erreichte bundesweite 1,0 Prozent und hat damit Anspruch auf einen Sitz in Stra\u00dfburg, nachdem das Bundesverfassungsgericht im Fr\u00fchjahr die Drei-Prozent-H\u00fcrde als verfassungswidrig erkl\u00e4rt hatte. Wahlergebnis Wahlergebnis Datum Bundesland 2014 in % 2009 in % 25.05.2014 Europawahl 1,0 - 31.08.2014 Sachsen 4,95 5,6 14.09.2014 Th\u00fcringen 3,6 4,3 14.09.2014 Brandenburg 2,2 2,6 15.02.2015 Hamburg 0,3 - Der bayerische Landesvorsitzende Karl Richter trat im Oktober 2014 von seinem Amt zur\u00fcck. Ausl\u00f6ser hierf\u00fcr war die Aff\u00e4re um seinen Stellvertreter Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, der seit einigen Jahren aktives Mitglied des Motorradclubs \"Bandidos\" ist. Der damalige stellvertretende Landesvorsitzende wurde bei einer Razzia wegen des Verdachts der schweren K\u00f6rperverletzung und krimineller Bet\u00e4tigungen in Untersuchungshaft genommen. Zuvor war er parteiintern sogar als m\u00f6glicher Kandidat f\u00fcr das Amt des Parteivorsitzenden gehandelt worden. 153","Rechtsextremismus Neben den Vorw\u00fcrfen gegen Wieschke und Ro\u00dfm\u00fcller pr\u00e4gten weitere Skandale und personelle Querelen das Bild der NPD in der \u00d6ffentlichkeit. So trat auch Generalsekret\u00e4r Peter Marx unfreiwillig zur\u00fcck, da er in die Aff\u00e4re um eine ehemalige Erotikdarstellerin verwickelt war, die sich in der Partei zu etablieren versuchte. Aufgrund parteiinterner Streitigkeiten kam es im nordrhein-westf\u00e4lischen Landesverband und - nach der Wahlniederlage - auch in Sachsen zu zahlreichen R\u00fccktritten von Funktion\u00e4ren und Parteiaustritten. Die NPD meldete 2014 anl\u00e4sslich des 1. Mai nur noch drei Gro\u00dfveranstaltungen an. In Rostock nahmen rund 300 Personen an der von dem NPD-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern angemeldeten Demonstration unter dem Motto \"Arbeit, Heimat, Zukunft - Wir k\u00e4mpfen f\u00fcr Deutschland\" teil. Die Aufzugsroute wurde blockiert und musste daraufhin kurzfristig ge\u00e4ndert werden. Der Aufzug wurde aufgrund der Blockadeaktion vorzeitig abgebrochen. In Kaiserslautern versammelten sich bei einer Demonstration rund 130 Rechtsextremisten unter dem Motto \"Europa w\u00e4hlt rechts - die Pfalz w\u00e4hlt NPD\" weitgehend st\u00f6rungsfrei. In Duisburg kam es dagegen bei der NPD-Kundgebung zu Auseinandersetzungen zwischen den rund 100 Teilnehmern und 400 Gegendemonstranten. Des Weiteren gab es diverse kleinere Veranstaltungen ohne \u00fcberregionale Bedeutung, unter anderem in Eisenh\u00fcttenstadt, Falkensee und Frankfurt/Oder. Am 21./22.11.2014 hielt die NPD ihren 35. ordentlichen Bundesparteitag in Weinheim ab, der anl\u00e4sslich des 50-j\u00e4hrigen Bestehens der Partei unter dem Motto \"50 Jahre f\u00fcr Frieden, Freiheit und Souver\u00e4nit\u00e4t\" stand. Frank Franz, der bisherige Bundespressesprecher und ehemalige Landesvorsitzende der NPD im Saarland, wurde mit 63,7 Prozent zum neuen Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Udo Past\u00f6rs, der bis dahin das Amt kommissarisch geleitet hatte, stellte sich nicht erneut zur Wahl. Der erst 36-j\u00e4hrige Franz gilt parteiintern als gem\u00e4\u00dfigt und wird daher insbesondere von Vertretern des nationalsozialistischen Fl\u00fcgels innerhalb des Bundesvorstandes kritisch gesehen. Hierzu geh\u00f6ren unter anderem die Landesvorsitzenden von Berlin und Hamburg, Sebastian Schmidtke und Thomas Wulff, der \u00fcberraschenderweise wieder in den Bundesvorstand gew\u00e4hlt wurde. Aus seiner mangelnden Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr den neuen Parteichef machte Wulff keinen Hehl. Das Wahlergebnis zeigt, dass die neonazistischen Kr\u00e4fte in der NPD, die nach dem Tod J\u00fcrgen Riegers 2009 an Einfluss verloren haben, nach wie vor \u00fcber 154","Rechtsextremismus einen starken R\u00fcckhalt in der Partei verf\u00fcgen. Sollte es mit der Entwicklung der NPD so weiter gehen, ist auch mit einem erneuten Aufflammen der Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe zu rechnen. Dass Wulff zumindest im Parteivorstand kritisch gesehen wird, zeigt sich auch daran, dass gegen ihn im M\u00e4rz 2014 ein neues Parteiausschlussverfahren eingeleitet wurde. Er hatte sich auf einer Parteiveranstaltung in Hamburg offen zum Nationalsozialismus bekannt. Der angestrebte Parteiausschluss Wulffs scheiterte allerdings im M\u00e4rz 2015 vor dem NPD-Bundesschiedsgericht. Vor dem Hintergrund der hohen \u00d6ffentlichkeitswirkung des Themas Fl\u00fcchtlinge fokussiert die NPD, neben ihrer langfristig angelegten, aber bisher wenig erfolgreichen Anti-EUund Anti-Euro-Kampagne, dieses Themenfeld weiter und agitiert offensiv und provokativ gegen Ausl\u00e4nder und \"Asylbetr\u00fcger\". Damit versucht sie gezielt, Verunsicherungen und Abwehrhaltungen in der Bev\u00f6lkerung aufzugreifen und f\u00fcr ihre ausl\u00e4nderund fremdenfeindlichen Agitationen zu instrumentalisieren. Der Jugendorganisation der NPD, den \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), geh\u00f6rten 2014 noch circa 350 Mitglieder an (2013: 380). Am 13.12.2014 w\u00e4hlten die Delegierten auf dem 40. ordentlichen Bundeskongress der JN in Th\u00fcringen Sebastian Richter zum neuen Bundesvorsitzenden. Am 22. M\u00e4rz f\u00fchrten die JN in Kirchheim (Th\u00fcringen) unter dem Motto \"Viele Nationen - ein Ziel\" einen sogenannten Europakongress durch; an der Veranstaltung nahmen rund 150 Personen teil. Unter den Teilnehmern befanden sich auch Vertreter aus acht europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Im Zuge des Wahlkampfes f\u00fcr die Landtagswahl im September in Sachsen starteten die JN eine \"Anti-Drogen-Aktionswoche\" unter dem Motto \"Weg mit dem Drogendreck\", die bundesweit f\u00fcr Aufsehen sorgte. Die Jugendorganisation der NPD verteilte ihre eigene Sch\u00fclerzeitung \"Platzhirsch - Der Sch\u00fclersprecher\", in der sie neben dem vorgeblichen Thema Drogenbek\u00e4mpfung vor allem ihr rechtsextremistisches Gedankengut propagierte und an Jugendliche heranzutragen versuchte. \u00d6ffentlichkeitsund medienwirksam inszeniert wurde die Verbreitung der vermeintlichen Sch\u00fclerzeitung durch einen Aktivisten im Elchkost\u00fcm, der die Propaganda-Publikation an Schulen verteilte. ( VI. 5) 155","Rechtsextremismus Hamburg Die Mitgliederzahl der NPD Hamburg liegt wie in den Vorjahren bei circa 130 Mitgliedern. Nachdem der Landesverband in den vergangenen Jahren strukturell und organisatorisch erheblich geschw\u00e4cht schien, zeigte er sich 2014 unter Leitung des neuen Landesvorsitzenden Thomas Wulff wieder zunehmend aktionistisch und engagierter. Die NPD f\u00fchrte 2014 insgesamt zw\u00f6lf Informationsst\u00e4nde im Hamburger Stadtgebiet durch, an denen sich jeweils nicht mehr als zehn Aktivisten beteiligten. Der erste fand am 25.01.2014 unter dem Motto \"Asylflut stoppen\" in Hamburg-Rahlstedt statt. Im Vorfeld der Europawahl und der Bezirksversammlungswahlen trat die NPD am 24.05.2014 auch in Bramfeld und Bergedorf auf. Mit ihren antieurop\u00e4ischen und fremdenfeindlichen Parolen stie\u00df sie allerdings, wie schon in der Vergangenheit, nur auf geringe Resonanz. Im Oktober 2014 unterst\u00fctzte der Hamburger Landesverband mit zwei Infost\u00e4nden am 04.10. in Rahlstedt und Bramfeld und einer Unterschriftenaktion die \"G9 Initiative\" f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der neunj\u00e4hrigen Gymnasialzeit. Bereits im November l\u00e4utete die Hamburger NPD ihren Wahlkampf zur B\u00fcrgerschaftswahl am 15.02.2015 ein. Mit einer Serie von sieben Infost\u00e4nden innerhalb in einer Woche, unter anderem in Bramfeld, Berne, Sasel, Wellingsb\u00fcttel und Rahlstedt, zeigte die NPD vor allem im Bezirk Wandsbek verst\u00e4rkt Pr\u00e4senz. Am 13.12.2014 hielt die Partei in Nettelnburg eine Kundgebung unter dem Motto \"Multikulti ist asozial - Wehrt Euch gegen Asylbetr\u00fcger\" ab, an der sich jedoch nur knapp 20 Aktivisten beteiligten. Neben Redebeitr\u00e4gen von Thomas Wulff, sprach auch der Spitzenkandidat Lennart Schwarzbach insbesondere \u00fcber die \"Islamisierung\" Hamburgs, die unaufhaltbare \"Asylflut\" und die damit angeblich einhergehende zunehmende \"Kriminalit\u00e4tsbelastung durch Ausl\u00e4nder\". Die Partei \"DIE LINKE\" mobilisierte zu einer Gegenkundgebung unmittelbar am Veranstaltungsort. Insgesamt versuchten rund 450 Gegendemonstranten zum Teil gewaltsam die Kundgebung zu st\u00f6ren und \u00fcber die polizeilichen Absperrungen zu den NPD-Anh\u00e4ngern zu gelangen. Am 02.03.2014 w\u00e4hlte die Partei einen neuen Landesvorstand und Thomas Wulff zu ihrem neuen Landesvorsitzenden. Der vorige Amtsinhaber und langj\u00e4hrige Szeneaktivist Torben Klebe wurde zu seinem 156","Rechtsextremismus Stellvertreter gew\u00e4hlt. Kurz nach seiner Wahl enthob der Bundesvorstand der NPD Wulff jedoch wieder seines Amtes und leitete erneut ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn ein, da er sich auf der parteiinternen Veranstaltung offen als Nationalsozialist bezeichnet und zum Nationalsozialismus bekannt hatte. Das erste Parteiausschlussverfahren gegen ihn, das 2013 noch unter dem alten Parteichef Holger Apfel eingeleitet worden war, musste wegen eines Formfehlers eingestellt werden. Der Bundesvorstand hatte es damals vers\u00e4umt, zuvor ein Mediationsverfahren durchzuf\u00fchren. Wulff verfasste daraufhin, wie bereits 2013, einen provokativen \"Brandbrief\", in dem er erneut die Parteif\u00fchrung, insbesondere den damaligen kommissarischen Bundesvorsitzenden Udo Past\u00f6rs, massiv kritisierte und der Partei mit der aktuellen politischen Wegrichtung eine desastr\u00f6se Zukunft prognostizierte. Bereits im Mai agierte Wulff jedoch bereits wieder als Landeschef, nachdem die einstweilige Verf\u00fcgung der Amtsenthebung vom Hamburger Schiedsgericht f\u00fcr unwirksam erkl\u00e4rt worden war. Der Ausschluss Wulffs aus der Partei scheiterte im M\u00e4rz 2015 vor dem NPD-Bundesschiedsgericht. Am 27.04.2014 f\u00fchrte die NPD eine interne Wahlund Vortragsveranstaltung mit dem langj\u00e4hren Aktivisten und mehrfach unter anderem wegen rechtsterroristischer Anschl\u00e4ge vorbestraften Neonazi Peter Naumann zum Thema \"Beispiel Ukraine - Die geostrategische Einflussnahme der USA\" durch. In einem am 30.04.2014 auf ihrer Internetseite ver\u00f6ffentlichten Beitrag wurden Naumanns stark antisemitisch-verschw\u00f6rungstheoretisch gef\u00e4rbte Ausf\u00fchrungen zum Thema wie folgt wiedergegeben: \"Unabh\u00e4ngig von den jeweiligen Regierungen in den USA\" habe es \"eine kleine - aber sehr einflussreiche - Gruppe in der Vergangenheit verstanden, die Gutgl\u00e4ubigkeit der V\u00f6lker in einer perversen Verschleierung ihrer wahren Absichten f\u00fcr ihre Zwecke auszunutzen.\" Wie in der Ukraine sei von \"denselben M\u00e4chten\" auch b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde in Libyen und Syrien angezettelt worden. Die seit 1990 ausgesandten positiven Signale Russlands seien von \"volksfeindlichen US-Handlangern in Bonn und Berlin\" missachtet worden. Die Einbindung in die sogenannte. \"westliche Wertegemeinschaft\" bringe \"unwei157","Rechtsextremismus gerlich den geplanten Volkstod aller europ\u00e4ischen Kulturv\u00f6lker mit sich.\" Die NPD blieb wie erwartet bei der Wahl zu den Bezirksversammlungen am 25.05.2014 ohne Erfolg. In den Bezirken Wandsbek und Bergedorf kam sie auf lediglich 0,7 Prozent, im Bezirk Nord sogar nur auf 0,4 Prozent der Stimmen. Dieses schlechte Ergebnis versuchte die NPD wie gewohnt zu besch\u00f6nigen, feierte \"Teilerfolge\" bei den \u00f6rtlichen Wahlergebnissen und erkl\u00e4rte, der B\u00fcrgerschaftswahl 2015 positiv entgegenzusehen. Bei der Europawahl kam die NPD in Hamburg ebenfalls nicht \u00fcber 0,4 Prozent hinaus und lag damit noch deutlich unter dem bundesweiten Wert von 1,0 Prozent. Bei der B\u00fcrgerschaftswahl am 15.02.2015 in Hamburg erreichte die NPD 0,3% und zog nicht in die Hamburgische B\u00fcrgerschaft ein. Die Hamburger NPD setzt mittlerweile verst\u00e4rkt auf mediale Pr\u00e4senz und modernes Auftreten im Web 2.0. So wird seit November 2013 neben der Internetseite auch Facebook f\u00fcr aktuelle Berichterstattungen und politische Statements genutzt. Durch kurze Videobeitr\u00e4ge und Wahlwerbespots versucht vor allem der seit einiger Zeit ambitioniert auftretende Spitzenkandidat Lennart Schwarzbach die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler f\u00fcr die politischen Argumente der NPD zu gewinnen. Schwarzbach, der auch bei der Europawahl f\u00fcr die NPD antrat, geriet im Fr\u00fchjahr 2014 in die Schlagzeilen, nachdem seine Trainert\u00e4tigkeit f\u00fcr eine Hamburger Jugendfu\u00dfballmannschaft bekannt wurde. Er wurde daraufhin von dieser Aufgabe entbunden. Den thematischen Schwerpunkt ihrer medialen Propaganda setzte die NPD Hamburg, neben ihrer \u00fcblichen Agitation zu \"\u00dcberfremdungsund Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\", auf die derzeitige Asylund Fl\u00fcchtlingsproblematik. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden ver\u00f6ffentlicht der Landesverband eine \"Hamburg-Karte\" in der Asylbewerberunterk\u00fcnfte einschlie\u00dflich der Anzahl, der dort untergebrachten Fl\u00fcchtlinge eingezeichnet sind. Die Partei forderte die Hamburger B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auf, \"weitere Pl\u00e4tze dauerhaften Asylbetrugs\" zu melden, um so einen aktuellen \"Gesamt\u00fcberblick \u00fcber den Asylbetrug\" in Hamburg zu ver\u00f6ffentlichen\". Auf die Einreise eines mit Ebola infizierten Senegalesen, der in Hamburg behandelt wurde, reagierte die NPD in einem rassistischen Internetbei158","Rechtsextremismus trag vom 01.09.2014 und zeigte abermals deutlich ihre zutiefst fremdenfeindliche und rassistische Grundhaltung. In ihrem Wahlflyer zur B\u00fcrgerschaftswahl forderte die NPD \"Frieden und Wohlstand statt Masseneinwanderung, Kriminalit\u00e4t und Seuchen\" sowie einen \"Stopp der Volksverdummung durch Multikultiwahn an den Hamburger Schulen\". In Hamburg sind JN seit 2011 nicht mehr vertreten. Im Februar 2015 k\u00fcndigte die NPD Hamburg allerdings an, im April wieder einen JN-St\u00fctzpunkt zu gr\u00fcnden. 8.2 DIE RECHTE Die Partei \"DIE RECHTE\" wurde am 27.05.2012 von dem Neonazi Christian Worch und ehemaligen DVU-Mitgliedern in Hamburg gegr\u00fcndet. Sie hat mittlerweile Die Partei DIE RECHTE im Internet 550 Mitglieder (2013: 500) und baut, trotz einiger R\u00fcckschl\u00e4ge, ihre Strukturen weiter aus; inzwischen gibt es neun Landesverb\u00e4nde. Am 30.11.2014 wurde der j\u00fcngste in Sachsen-Anhalt gegr\u00fcndet. Zum Vorstand des am 15.09.2012 in Dortmund gegr\u00fcndeten Landesverbandes Nordrhein-Westfalen geh\u00f6ren zahlreiche ehemalige F\u00fchrungsaktivisten der am 23.08.2012 vom Innenminister des Landes verbotenen neonazistischen Vereinigungen \"Nationaler Widerstand Dortmund\" und \"Kameradschaft Hamm\". Zudem geh\u00f6rten weitere Mitglieder des Landesverbandes den verbotenen Kameradschaften an. Anl\u00e4sslich des zweiten Jahrestages demonstrierten am 23.08.2014 in Dortmund 85 Anh\u00e4nger der Partei gegen die 2012 verh\u00e4ngten Vereinsverbote. Worchs langj\u00e4hriger politischer Weggef\u00e4hrte Thomas Wulff trat bereits mehrmals bei Veranstaltungen der Partei \"Die Rechte\" als Redner auf, zuletzt am 03.10.2014 auf einer Kundgebung in Hamm. Dies sorgte bei einigen NPD-Funktion\u00e4ren f\u00fcr erhebliche Verstimmung. Sollte sich das angespannte Verh\u00e4ltnis Wulffs zur Parteif\u00fchrung der NPD weiter verschlechtern und es zum endg\u00fcltigen Bruch kommen, scheint es 159","Rechtsextremismus zumindest denkbar, dass \"Die Rechte\" dann auch f\u00fcr Hamburger Rechtsextremisten eine Alternative w\u00e4re. 8.3 Der III. Weg Am 28.09.2013 wurde in Heidelberg eine weitere neonazistisch ausgerichtete Partei gegr\u00fcndet: \"Der III. Weg\". An der Gr\u00fcndungsDie Partei \"Der III. Weg\" im Internet veranstaltung nahmen nach eigenen Angaben \"mehr als ein Dutzend Aktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet\" teil. Neben der Forderung nach \"Wiedererlangung der nationalstaatlichen Souver\u00e4nit\u00e4t Deutschlands\" liege \"die Betonung der Parteiausrichtung auf einem sozialistischen Programm mit nationalrevolution\u00e4ren Charakter\". Ein Motiv f\u00fcr die Gr\u00fcndung dieser im s\u00fcddeutschen Raum aktiven Partei d\u00fcrfte gewesen sein, Vorsorge f\u00fcr m\u00f6gliche weitere Vereinsverbote zu treffen. 2014 hat \"Der \"III. Weg\" seine Strukturen weiter ausgebaut und neue \"St\u00fctzpunkte\" in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg/F\u00fcrth, in Ostbayern und der Pfalz gegr\u00fcndet. Insgesamt verf\u00fcgt die Partei nunmehr \u00fcber neun St\u00fctzpunkte. Zulauf erhielt die Partei auch von ehemaligen Aktivisten des am 23.07.2014 verbotenen Neonazi-Netzwerkes \"Freies Netz S\u00fcd\". Am 15.11.2014 veranstaltete die Partei den \"Trauermarsch\" in Wunsiedel, an dem 250 Personen teilnahmen. Als Redner trat dort unter anderem Thomas Wulff auf. 9. Sonstige rechtsextremistische Organisationen und Bestrebungen Neben den rechtsextremistischen Parteien, den neonazistischen Kameradschaften und Aktionsgruppen und der subkulturell gepr\u00e4gten Szene gibt es weitere rechtsextremistische Vereinigungen, Einrichtungen und Initiativen, die sich in ihrer politisch-ideologischen Ausrichtung, mit ihren Agitationsthemen und auch hinsichtlich ihrer Gr\u00f6\u00dfe und ihres Aktionsradius unterscheiden. Einige von ihnen sind seit Jahren Bestand160","Rechtsextremismus teil der rechtsextremistischen Hamburger Szene oder verf\u00fcgen hier \u00fcber Anh\u00e4nger. Die Gesamtzahl der diesen Organisationen zuzuordnenden Personen lag 2014 bundesweit unver\u00e4ndert bei 2.500 Personen. Zu den Themen, die von Rechtsextremisten wie Rechtspopulisten gleicherma\u00dfen aufgegriffen werden, geh\u00f6rt die angebliche \"Islamisierung\" Deutschlands. Das LfV Hamburg beobachtet auch rechtsextremistische Tendenzen bei einigen Burschenschaften. Der 2011 begonnene Richtungsstreit innerhalb des Dachverbandes \"Deutsche Burschenschaft\" (DB) schwelte auch 2014 weiter. Ende des Jahres waren nicht einmal mehr 70 B\u00fcnde unter dem Dach der DB vereint. Etwa die H\u00e4lfte geh\u00f6rt der national-konservativen \"Burschenschaftlichen Gemeinschaft\" (BG) an, die nationalistisch-revisionistische Positionen vertritt und am volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff festh\u00e4lt. Die Entwicklung zeigt, dass in erster Linie liberal-konservative Burschenschaften austreten und den in der BG organisierten, zum Teil rechtsextremistisch beeinflussten B\u00fcnden innerhalb der DB das Feld \u00fcberlassen. 9.1. Hamburger Burschenschaft Germania (HB! Germania) Die Entwicklung innerhalb des Dachverbandes \"Deutsche Burschenschaft\" (DB) ist seit mehreren Jahren von einem politischen Richtungskampf zwischen liberal-konservativen und rechtsgerichteten Burschenschaften gepr\u00e4gt. Die innerhalb der DB in der \"Burschenschaftlichen Gemeinschaft\" (BG) organisierten B\u00fcnde sind \u00fcberwiegend nationalistisch-revisionistisch ausgerichtet und halten am \"volkstumsbezogenen Vaterlandsbegriff\" fest. Die Forderung, dass die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Burschenschaft nur dann m\u00f6glich sein soll, wenn der Betreffende eine deutsche Abstammung vorweisen k\u00f6nne, sorgte seit 2011 auf den Burschenschaftstagen f\u00fcr heftige Diskussionen. Verbandsintern wurde wiederholt der Vorwurf erhoben, einzelne Burschenschaften der BG w\u00fcrden rechtsextremistische Positionen vertreten. Dazu z\u00e4hlt die Hamburger Burschenschaft Germania (HB! Germania), deren politische Aktivit\u00e4ten seit 2013 zugenommen haben. Zumindest von der Aktivitas, das hei\u00dft, den studierenden Mitgliedern, gehen rechtsextremistische Bestrebungen aus und beeinflussen die politische Ausrichtung der HB! Germania ma\u00dfgeblich. 161","Rechtsextremismus Die 1919 gegr\u00fcndete HB! Germania ist eine sogenannte \"schlagende\" (fechtende) Studentenverbindung und geh\u00f6rt als einzige Hamburger Burschenschaft der BG an. Im Gesch\u00e4ftsjahr 2012/13 hatte sie den Vorsitz der BG inne. Ihr Wahlspruch lautet \"Ehre - Freiheit - Vaterland\". Mitglieder der HB! Germania haben Verbindungen in das rechtsextremistische Spektrum; zudem waren oder sind Angeh\u00f6rige der Burschenschaft Mitglied in einer rechtsextremistischen Gruppierung. Dass aktive Mitglieder und auch Alte Herren weiterhin Verbindungen zu Gruppierungen und Einrichtungen der rechtsextremistischen Szene unterhalten, wird unter anderem daran deutlich, dass die HB! Germania mehrfach bekannte Rechtsextremisten zu Vortragsveranstaltungen in ihr Haus einlud oder ank\u00fcndigte. So war f\u00fcr den 07.01.2012 der Das Haus der Hamburger Burschenschaft Germania in Winterhude - hier eine Aufrechtsextremistische Publizist J\u00fcrnahme vom 19. April 2015 mit einem ideologen Schwab als Referent zum gischen Statement zur Aufnahme von Fl\u00fcchtThema \"Die Manipulation des V\u00f6llingen in Hamburg. kerrechts\" angek\u00fcndigt. Schwab war bis zu seinem Austritt 2004 einer der f\u00fchrenden ideologischen K\u00f6pfe der NPD. Seine politischen Aktivit\u00e4ten setzte er in der von ihm initiierten \"Deutschen Akademie\" fort. Enge Kontakte unterh\u00e4lt die HB! Germania auch zur rechtsextremistischen \"Pennalen Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg\" (PB! Chattia). Einzelne Germanen sind oder waren gleichzeitig Mitglied der PB! Chattia. Diese 1989 im hessischen Friedberg gegr\u00fcndete Sch\u00fclerverbindung verlegte 1992 ihren Bundessitz nach Hamburg und wird seit Jahren vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet ( 9.2.). Im Juli 2013 stellten die Germanen ihr Verbindungshaus in Winterhude der PB! Chattia f\u00fcr eine Veranstaltung zur Verf\u00fcgung. Ferner spielen Kontakte zu ausl\u00e4ndischen rechtsextremistischen Organisationen eine Rolle. So wurde etwa die belgische \"NSV! Nationalistische Studentenvereniging\", die der Regionalpartei \"Vlaams Belang\" nahe steht, auf 162","Rechtsextremismus der Facebook-Seite der HB! Germania \"geliked\". Vertreter dieser Studentenvereinigung waren unter anderem auf dem \"Europakongress\" der NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) am 22.03.2014 in Kirchheim (Th\u00fcringen) zu Gast. Die HB! Germania sieht sich als eine politische Studentenverbindung, die ihre Mitglieder \"intellektuell und kulturell\" weiterbilden will, wie es auf der Homepage hei\u00dft. Die \"F\u00fcxe\" und \"Burschen\" der HB! Germania sollten sich ihre Meinung nicht von \"stimmungsbildenden Verdummungsmedien diktieren\" lassen. Ihre Haltung gegen\u00fcber den politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen in Deutschland und den gew\u00e4hlten Verantwortungstr\u00e4gern schildert sie in ihrer Selbstdarstellung: \"In einer Zeit, in der moralische Werte nichts mehr gelten [...] und eine mediale Verdummung den Geist der Gesellschaft bestimmt, ist die Existenz von aufrechten Klardenkern [Hervorhebung im Original], die gegen dieses \u00dcbel angehen, wichtiger denn je. Wer sich in dieser Zeit als Burschenschafter bekennt, zeigt damit, dass ihm die Zukunft Deutschlands nicht egal ist, wie einem Gro\u00dfteil derjenigen, die heute \u00fcber das Volk in Politik und Wirtschaft entscheiden.\" Besonderes Feindbild der HB! Germania ist der \"Allgemeine Studentenausschuss\" (ASTA) der Hamburger Universit\u00e4t. Ein \"Bursche\" der HB! Germania m\u00fcsse ein \"Stachel im Fleisch der Schmarotzer vom ASTA und seinen linken Vereinen\" sein, die er immer verachtet habe, weil sie auf seine Kosten lebten. Die politischen Aktivit\u00e4ten der HB! Germania haben seit dem Jahr 2013 zugenommen. So nahm die Burschenschaft mehrfach sowohl durch Ver\u00f6ffentlichungen im Internet als auch durch Flugblattaktionen zu aktuellen politischen Ereignissen und Entwicklungen in Hamburg Stellung, und fiel unter anderem durch fremdenfeindliche Parolen auf. Diktion und Tenor ihrer Ver\u00f6ffentlichungen unterschieden sich wenig von Internetver\u00f6ffentlichungen der Hamburger NPD und hiesiger Neonazi-Gruppierungen. So wurde unter der \u00dcberschrift \"Hamburg, das Sozialamt der Welt!\" auf der Homepage ver\u00f6ffentlicht: \"Der Ruf der Bundesrepublik Deutschland als Sozialamt der Welt, gef\u00f6rdert durch die bundesdeutsche Kuschelpolitik und die Pro163","Rechtsextremismus paganda diverser linker Gutmenschengruppierungen, erh\u00f6ht zweifellos die Attraktivit\u00e4t unseres Landes f\u00fcr Zuwanderung in die Sozialsysteme\". Die fremdenfeindliche Haltung und die pauschale Abwertung von Fl\u00fcchtlingen und Zuwanderern dokumentiert folgender Kommentar: \"Nebenbei tun die afrikanischen Migranten in Hamburg das, was sie offensichtlich am besten k\u00f6nnen. Einer der Asylsuchenden bedrohte - mit zwei Messern bewaffnet - einen Bahnangestellten [...]. Diese Zuwanderer liegen nicht nur dem Staat auf der Tasche, sondern bedrohen auch noch rechtschaffene B\u00fcrger in diesem Land.\" Dieses Flugblatt ist keine Einzelmeinung: Im Facebook-Profil der HB! Germania vom 18.07.2013 teilte sie ein Foto, auf dem eine Gruppe von Ausl\u00e4ndern auf am Boden liegende Personen eintritt. Dar\u00fcber steht: \"Fachkr\u00e4fte bei der Arbeit\". Unter der \u00dcberschrift \"Deserteure sind keine Helden!\" protestierte die HB! Germania 2013 gegen das geplante \"Deserteurs-Denkmal\", das in der N\u00e4he des Ehrenmals f\u00fcr das 76. Hanseatische Infanterie-Regiment am Dammtor-Bahnhof errichtet werden soll. In ihrem auch im Internet ver\u00f6ffentlichten Flugblatt stellen die Germanen die Weigerung von Wehrmachtssoldaten, sich weiter in den Dienst des verbrecherischen Regimes der Nationalsozialisten zu stellen, mit dem heutigen Straftatbestand auf eine Stufe: \"Jeder B\u00fcrger muss sich fragen, wie unsere Volksvertreter in der Hamburger B\u00fcrgerschaft auf die Idee kommen k\u00f6nnen Menschen ehren zu wollen, die auch heute eine Verurteilung nach SS 16 des Wehrstrafgesetzbuches ('Fahnenflucht') von bis zu f\u00fcnf Jahren Freiheitsentzug erwarten m\u00fcssen.\" Ein weiteres Beispiel f\u00fcr die bei einigen Burschenschaften offenbar tief verwurzelte unkritische Haltung zum Unrechtsstaat des \"Dritten Reiches\" lieferte der ehemalige Schriftleiter des DB-Verbandsorgans \"Burschenschaftliche Bl\u00e4tter\", Norbert Weidner. Weidner, der einer rechtsgerichteten Bonner Burschenschaft angeh\u00f6rt und in den 1990er Jahren f\u00fcr die 1995 verbotene neonazistische \"Freiheitliche Arbeiterpartei\" 164","Rechtsextremismus (FAP) aktiv war, hatte 2011 in einem Leserbrief die Behauptung aufgestellt, dass Dietrich Bonhoeffer \"zweifelsfrei ein Landesverr\u00e4ter\" gewesen sei, und dass das gegen ihn verh\u00e4ngte Todesurteil \"rein juristisch [...] gerechtfertigt\" gewesen w\u00e4re. Der Theologe Dietrich Bonhoeffer war am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt, Mitglied der \"Bekennenden Kirche\" und wurde noch im April 1945 von den Nationalsozialisten im KZ Flossenb\u00fcrg ermordet. Norbert Weidner wurde nach seinen \u00c4u\u00dferungen zu Bonhoeffer wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener rechtskr\u00e4ftig zu einer Geldstrafe verurteilt. Am 11. Oktober 2013 starb der als Kriegsverbrecher verurteilte, in der Neonazi-Szene hochverehrte ehemalige SS-Angeh\u00f6rige Erich Priebke. Weidner postete an diesem Tag auf Facebook: \"R.I.P. E.P.\" (Rest In Peace Erich Priebke). Das Posting wurde von einzelnen Mitgliedern der HB! Germania und der PB! Chattia mit \"gef\u00e4llt mir\" markiert. Weidner pflegt enge Kontakte zur HB! Germania und war am 10. April 2014 bei einem Germanenabend in Hamburg zu Gast. Eine weitere zweifelhafte Ehrung erfolgte im Rahmen eines Aktiven-Ausflugs im Oktober 2013 nach Aum\u00fchle. Dort legten die Germanen einen Kranz auf das Grab des \u00f6sterreichischen Politikers und F\u00fchrers der Alldeutschen Vereinigung, Georg Heinrich Ritter von Sch\u00f6nerer (1842 - 1921). Sch\u00f6nerer war ein radikaler Antisemit, der starken Einfluss auf Adolf Hitler aus\u00fcbte. Die politische Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt bezeichnete Sch\u00f6nerer in einem ihrer Hauptwerke (\"Elemente und Urspr\u00fcnge totaler Herrschaft\") als \"geistigen Vater\" Hitlers. So ist von Sch\u00f6nerer unter anderem folgendes Zitat \u00fcberliefert: \"Der unter k\u00fchlerem Himmel gereifte Mensch hat auch die Pflicht, die parasit\u00e4ren Rassen auszurotten, so wie man bedrohliche Giftschlangen und wilde Raubtiere eben ausrotten muss.\" W\u00e4hrend der NS-Zeit wurden in Deutschland Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze nach Sch\u00f6nerer benannt. F\u00fcr \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit sorgte der Besuch eines bekannten t\u00fcrkischst\u00e4mmigen Schriftstellers am 18. Oktober 2014 im Haus der HB! Germania, gegen den nach eigenen Angaben aufgrund seiner islamfeindlichen \u00c4u\u00dferungen wegen Volksverhetzung ermittelt worden sei. 165","Rechtsextremismus Am 25. Oktober 2014 war die Burschenschaft Gastgeberin eines Regionalseminars der Deutschen Burschenschaft (DB). Unter den angek\u00fcndigten Referenten wurde ein Politikwissenschaftler aufgef\u00fchrt, der unter anderem als Autor f\u00fcr mehrere rechtsextremistische Zeitungen aktiv war und fr\u00fcher der NPD und ihrer Jugendorganisation (\"Junge Nationaldemokraten\") angeh\u00f6rte. Anfang 2015 wurde am Haus der Burschenschaft ein Transparent mit dem Slogan \"Refugees Welcome... in Harvestehude, in der Schanze, in Eppendorf\" angebracht; dazu wurde ein entsprechender Text in den sozialen Netzwerken publiziert. Darin wird zwar f\u00fcr bestimmte Personengruppen ein \"Anrecht auf Asyl\" anerkannt; der gro\u00dfen Mehrheit der Fl\u00fcchtlinge wird jedoch in abwertender, pauschalisierender Form kriminelle Energie unterstellt: \"Wer Bleiberecht f\u00fcr alle fordert, sollte selber einmal erfahren, was das in der Realit\u00e4t bedeutet. Die Anwohner der Feuerbergstra\u00dfe, die t\u00e4glich von kriminellen ,Fl\u00fcchtlings'kindern aus dem dortigen Heim terrorisiert werden, [...] haben diese Erfahrungen schon machen d\u00fcrfen. Es wird Zeit, dass der 'politisch korrekte Gutverdiener damit auch konfrontiert wird.\" Daher begr\u00fc\u00dfe die HB! Germania ein Fl\u00fcchtlingsheim in den Sophienterrassen. Man freue sich \u00fcber jedes weitere Heim in Hamburger In-Vierteln, gerne auch in Winterhude. Die unter anderem in einem sozialen Netzwerk verbreitete Stellungnahme wurde dort am 13.02.2015 folgenderma\u00dfen kommentiert: \"Wie soll man sich verhalten, wenn eine durchgegenderte GutmenschX von einer nordafrikanischen Drogendealerbande oder durchgeknallten Muselhorde gruppenbereichert wird? Was sollte man dann tun? Sollte man diesen hirnfreien Gutmenschen zun\u00e4chst ihre ganz pers\u00f6nliche Multi-Kulti-Erfahrung g\u00f6nnen? Oder sollte man diesem (xxx) Gesindel - bereits vorher - zeigen, wo der Hammer h\u00e4ngt?\" Der Kommentar wurde von der HB! Germania nicht entfernt und war noch im Juni 2015 aufzurufen. 166","Rechtsextremismus 9.2 Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg (PB! Chattia) Die \"Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg\" (PB! Chattia) ist eine Verbindung, die deutliche Bez\u00fcge zum Rechtsextremismus aufweist. Seit ihrer Gr\u00fcndung 1989 im hessischen Friedberg wirken in der PB! Chattia Personen mit, die Beziehungen in die rechtsextremistische Szene unterhalten, unter anderem f\u00fcr die NPD aktiv sind oder waren, und die deutliche \"Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Sympathien f\u00fcr den NationalsozialisHamburg\" im Internet mus zu erkennen geben. Seit dem Wechsel des Bundessitzes nach Hamburg im Jahr 1992 tr\u00e4gt die PB! Chattia den Namenszusatz \"zu Hamburg\". Ihr Wahlspruch lautet \"Volkstum - Wahrheit - Recht\". Als pennale Burschenschaft wendet sie sich vorrangig an Sch\u00fcler und Auszubildende ab 16 Jahre, was sie von einer rein akademischen Verbindung unterscheidet. Sie geh\u00f6rt daher auch nicht dem Dachverband \"Deutsche Burschenschaft\" an, sondern dem \"Allgemeinen Penn\u00e4lering\" (APR). Einschlie\u00dflich der sogenannten \"Alten Herren\" hat die PB! Chattia rund 30 Mitglieder; nur wenige j\u00fcngere Mitglieder sind aktiv. Ihnen gelingt es kaum, neue Mitglieder zu rekrutieren. Die PB! Chattia erwartet von ihren aktiven Mitgliedern regelm\u00e4\u00dfige Teilnahme an Treffen und Veranstaltungen, die \u00dcbernahme von Pflichten f\u00fcr die Gemeinschaft sowie Kenntnisse \u00fcber Geschichte und Verhaltenskodex der Burschenschaft. Um \"Feiglinge und Dummschw\u00e4tzer\" auszusortieren, erwartet sie dar\u00fcber hinaus von den sogenannten F\u00fcxen und Burschen mindestens einen Fechtgang mit dem S\u00e4bel (Mensur). Da sie kein eigenes Verbindungshaus hat, ist die PB! Chattia bei der Durchf\u00fchrung von gr\u00f6\u00dferen burschenschaftlichen Veranstaltungen auf die Unterst\u00fctzung durch andere Verbindungen angewiesen. Allerdings sind derartige Aktivit\u00e4ten mittlerweile eher die Ausnahme. Auch in der 167","Rechtsextremismus \u00d6ffentlichkeit tritt sie kaum mehr in Erscheinung. Ihre Internetseite ist \u00e4u\u00dferst knapp und allgemein gehalten. Daf\u00fcr ist sie seit Ende 2012 in einem sozialen Netzwerk pr\u00e4sent. Hier werden unter anderem Beitr\u00e4ge anderer Burschenschaften \"geliked\" und eigene Berichte eingestellt. So wird von gemeinschaftlichen Aktionen berichtet wie etwa dem Sommerfest 2014 und einer Kranzniederlegung. Ver\u00f6ffentlicht wurden auch Fotos von einem Ausflug zu den Externsteinen (Heinrich Himmler gr\u00fcndete 1933 die Externsteinstiftung mit dem Ziel einen \"Heiligen Hain\" zur Erinnerung an die Ahnen zu gestalten) im Teutoburger Wald und zu der in der N\u00e4he von Paderborn gelegenen Wewelsburg, die in den 1930er Jahren unter Leitung von Heinrich Himmler zu einer \"Kultst\u00e4tte\" der SS umgebaut wurde. \u00dcber das soziale Netzwerk pflegt die PB! Chattia auch Kontakte zu anderen Verbindungen und Organisationen, die zum Teil eindeutig Bez\u00fcge zum Rechtsextremismus aufweisen. So ver\u00f6ffentlichte sie im Januar 2015 auf ihrer Seite einen Aufruf der rechtsextremistischen Studentenorganisation \"Nationalistische Studentenvereniging\" (NSV) aus Belgien f\u00fcr eine Demonstration am 12.03.2015 in Gent unter dem Motto \"Von Syrien bis Ukraine - Stoppt die NATO-Kriegsmaschine\". Die NSV war - zusammen mit einigen anderen rechtsextremistischen Jugendorganisationen - Gast beim \"Europakongress\" der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), der am 22.03.2014 unter dem Motto \"Viele Nationen - ein Ziel\" in Kirchheim / Th\u00fcringen stattfand. 9.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Die \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik e.V.\" (GfP) mit Sitz in M\u00fcnchen und Sekretariat in Bad Soden-Salm\u00fcnster (Hessen) ist die gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Kulturvereinigung in Deutschland. Vorsitzender der GfP ist seit 2010 der in Graz Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik im Internet lebende deutsche Publizist Martin Pfeiffer. Er beschreibt den Verein als \"\u00fcberparteiliche Interessentenvertretung\" f\u00fcr \"konservativ, patriotisch, heimattreu, national beziehungsweise volksverbunden\" eingestellte Personen. Zu den weiteren ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4ren des Ver168","Rechtsextremismus eins geh\u00f6ren langj\u00e4hrig aktive Rechtsextremisten. Dem Verein geh\u00f6ren etwa 500 Mitglieder an, insbesondere Buchh\u00e4ndler, Redakteure, Schriftsteller und Verleger der rechtsextremistischen Szene. In der Vergangenheit hatten sich auch Hamburger Rechtsextremisten an den Aktivit\u00e4ten des Vereins beteiligt oder diese unterst\u00fctzt. 2014 konnten keine entsprechenden Aktivit\u00e4ten mehr festgestellt werden. 9.4 Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung e.V. (AG-GGG) Die 1951 gegr\u00fcndete Artgemeinschaft-GGG beschreibt sich selbst als \"gr\u00f6\u00dfte\" und \"\u00e4lteste germanisch-heidnische GlaubensgemeinDie \"Artgemeinschaft - Germanische Glaubensschaft\" Deutschlands. Ihren Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung Sitz hat sie in Berlin. Ihr e.V.\" im Internet angeschlossen ist der Verein \"Familienwerk e.V.\", dessen Vorstand mit dem der AG-GGG identisch ist. Untergliedert ist der Verein in sogenannte \"Gef\u00e4hrtschaften\". Auch Hamburger Rechtsextremisten geh\u00f6ren seit Jahren zum Anh\u00e4ngerund Unterst\u00fctzerkreis der AG-GGG. Als Vorsitzender beider Vereine fungiert seit dem Tode J\u00fcrgen Riegers (2009) Axel Schunk aus Stockstadt (Bayern). Als \"Stimme des Artglaubens\", die sich f\u00fcr den \"Lebensschutz\" und das \"\u00dcberleben unserer Art\" einsetzt, wird viertelj\u00e4hrlich die \"Nordische Zeitung\" (NZ) herausgegeben. Im Rahmen der Ermittlungen zum NSU wurde 2013 bekannt, dass die Zeitschrift, zusammen mit anderen Publikationen und Einrichtungen der rechtsextremistischen Szene, 2002 m\u00f6glicherweise einen Brief vom NSU erhalten hat ( VSB 2013, S. 150). Die AG-GGG vertritt v\u00f6lkisch-rassistisches, revisionistisches und antisemitisches Gedankengut und kn\u00fcpft unmittelbar an die Rassenlehre des \"Dritten Reiches\" und das Denkmodell der \u00dcberlegenheit der arisch-nordischen beziehungsweise germanischen \"Rasse\" an. Die Vereinigung orientiert sich an den von Rieger verfassten Richtlinien \u00fcber Aussagen zur \"biologisch begr\u00fcndeten Ethik\" und zur Schaffung 169","Rechtsextremismus einer \"neuen Lebensordnung\". Auch das von Rieger verfasste \"Sittengesetz unserer Art\" mit seinen \"24 K\u00fcren\" ist f\u00fcr die Mitglieder nach wie vor bindend. Dort werden \"Mut\" und \"Wehrhaftigkeit\" gegen jeden \"Feind\" gefordert. Zur Erreichung des \"gro\u00dfen Ziels\" seien \"Opfer\" n\u00f6tig. Dies schlie\u00dft offenbar auch die Anwendung von Gewalt nicht aus. Im Vergleich zu Rieger fehlt es dem jetzigen Vorsitzenden Axel Schunk an der n\u00f6tigen F\u00fchrungsst\u00e4rke, Richtlinienkompetenz und Akzeptanz. Dies beg\u00fcnstigt Lagerbildungen zwischen Anh\u00e4ngern einer konservativ-heidnischen und einer radikaleren, stark revisionistisch gepr\u00e4gten Linie, die sich insbesondere am Gedankengut der \"Europ\u00e4ischen Aktion\" ( 9.6) orientiert. An den bundesweiten \"Gemeinschaftstagen\" der AG-GGG, die viermal im Jahr in Th\u00fcringen stattfinden, nahmen 2014 bis zu 200 erwachsene \"Gef\u00e4hrten, Kameraden und Freunde\" teil. Die Veranstaltungen sind nur f\u00fcr Mitglieder, Anw\u00e4rter, F\u00f6rderer und Bezieher der Zeitschrift \"Nordische Zeitung\" gedacht. Seit Oktober 2012 informiert ein \"Freundeskreis Artgemeinschaft-GGG\" im Internet \u00fcber den Verein, erkl\u00e4rt aber, \"keine offizielle Informationsseite\" der AG-GGG zu sein. Dort wird f\u00fcr den Verein und seine Ziele geworben und auf Ver\u00f6ffentlichungen des Buchdienstes hingewiesen. Agitiert wird dort unter anderem gegen das Christentum und die anderen \"volksfeindlichen\" Religionen, Judentum und Islam, und erkl\u00e4rt, diese seien \"mit dem Pesthauch des Todes f\u00fcr unser Volk und die V\u00f6lker Europas\" belegt. Die Seite des \"Freundeskreis\" z\u00e4hlte Ende 2014 rund 500 Sympathisanten. 9.5 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V. (GfbAEV) Die von dem 2009 verstorbenen Hamburger Rechtsextremisten J\u00fcrgen Rieger von 1972 bis zu seinem Tod geleitete \"Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung\" (GfbAEV) geh\u00f6rt zu den rassistisch und heidnisch gepr\u00e4gten Weltanschauungsvereinen. Satzungsgem\u00e4\u00dfer Zweck des Vereins ist die F\u00f6rderung \"lebenssch\u00fctzender und erbgesundheitlicher Bildungsund Aufkl\u00e4rungsarbeit\". 2012 versuchte sich die GfbAEV offensichtlich von der bislang unter Rieger vertretenen Ideologie der \"Rassenreinheit\" und der 170","Rechtsextremismus nationalsozialistischen Rassenkunde offiziell zu distanzieren. Entsprechende Vereinsziele wurden gestrichen und beschlossen, den Namensbestandteil \"Eugenik\" aus dem Vereinsnamen zu streichen. Inhaltlich wird jedoch an den alten Vereinszielen festgehalten. Auf der vom Verein seit 2012 betriebenen, umfangreich gestalteten Internetseite werden Definitionen, Berichte und Beitr\u00e4ge zu den Themen \"Anthropologie\", \"Verhaltensforschung\" und \"Eugenik\" ver\u00f6ffentlicht. 2014 wurden monatlich zwischen drei und zw\u00f6lf Ver\u00f6ffentlichungen neu eingestellt. In den Beitr\u00e4gen geht es unter anderem um \"Rassenunterschiede\", den \"biologischen Artbegriff\" und den \"anthropologischen Rassebegriff\", der \"aus politischen Beweggr\u00fcnden\" nicht Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, mehr verwendet werden solle. Eugenik und Verhaltensforschung Durch die gezielte Auswahl der Beitr\u00e4ge versucht der Verein, sich einen akademischen und seri\u00f6sen Anstrich zu geben und den eigenen rassistischen Ansatz zu verschleiern. Der Vereinssitz wurde im Juni 2014 von Ellerau (Schleswig-Holstein) nach Lalendorf (Mecklenburg-Vorpommern) verlegt und die GfbAEV im dort zust\u00e4ndigen Vereinsregister (G\u00fcstrow) eingetragen. Seit einiger Zeit sind keine nennenswerten Bez\u00fcge nach Hamburg mehr festzustellen. 9.6 Deutsches Rechtsb\u00fcro im Deutschen Rechtsschutzkreis e.V. (DRB) Das im April 1992 in Hamburg gegr\u00fcndete \"Deutsche Rechtsb\u00fcro\" (DRB) fungiert als bundesweite Kontaktund Koordinationsstelle f\u00fcr juristischen Rat suchende Personen und Organisationen aus der rechtsextremistischen Szene. Es beschreibt sich als \"Selbsthilfegruppe zur Wahrung der Grundrechte nationaler Deutscher\". Formal geh\u00f6rt das DRB zum Verein \"Deutscher Rechtsschutzkreis e.V.\" mit Sitz in Bochum und ist au\u00dferdem \u00fcber ein Postfach in Birkenwerder (Brandenburg) zu 171","Rechtsextremismus erreichen. Ma\u00dfgebliche Initiatorin und Hauptverantwortliche des DRB ist die Hamburger Rechtsanw\u00e4ltin Gisa Pahl. Durch Schulungen, Vortr\u00e4ge sowie die Herausgabe eines \"Rechtsratgebers\" und sonstige Ver\u00f6ffentlichungen leistet das DRB juristische Beratung und vorbeugende Aufkl\u00e4rungsarbeit f\u00fcr die rechtsextremistische Szene. Es informiert \u00fcber rechtliche Neuentwicklungen, gibt Tipps zum Verhalten gegen\u00fcber Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und vermittelt Betroffenen in \"politischen Verfahren\" erfahrene, \"national\" eingestellte Rechtsanw\u00e4lte. Es hilft au\u00dferdem bei der rechtlichen \u00dcberpr\u00fcfung von Ver\u00f6ffentlichungen, insbesondere von Liedtexten aus der \"Rechtsrock\"-Szene im Hinblick auf strafrechtlich relevante Inhalte. Szeneweit bekannt ist der \"Rechtsratgeber\" \"M\u00e4xchen Treuherz und die juristischen Fu\u00dfangeln\", der von der \"Deutschen Stimme Verlagsgesellschafts mbH\" der NPD vertrieben wird. Thematische Schwerpunkte des DRB sind die Straftatbest\u00e4nde Volksverhetzung (SS 130 StGB), verfassungswidrige Propagandamittel und Kennzeichen (SSSS 86, 86a StGB) sowie Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole (SSSS 90, 90a StGB). Anhand aktueller und zum Teil als streitbar bezeichneter Rechtsprechung will das DRB dar\u00fcber aufkl\u00e4ren, welche \u00c4u\u00dferungen gerade noch vom Grundrecht auf Meinungsfreiheit gedeckt sind und welche nicht. Das DRB verbreitete seine Ver\u00f6ffentlichungen bislang haupts\u00e4chlich \u00fcber die eigene Internetseite. Diese war jedoch seit Anfang 2014 zun\u00e4chst nicht mehr erreichbar. Seit August 2014 erhalten nur registrierte User \u00fcber die Eingabe einer Benutzerkennung und eines Passwortes Zugang zu den Inhalten. Stattdessen fungiert jetzt die 2012 eingerichtete Internetseite www. rechtsanwaeltin-pahl.de als \u00f6ffentliche Informationsquelle f\u00fcr rechtliche Fragen. Auf ihrer Homepage pr\u00e4sentiert die Hamburger Anw\u00e4ltin die von ihr seit 1998 erstrittenen rechtskr\u00e4ftigen Entscheidungen, darunter sind f\u00fcnf aus 2014. Nach dem Bekanntwerden der NSU-Mordserie hatte es Spekulationen \u00fcber Kontakte Pahls beziehungsweise des DRB zum NSU-Trio gegeben. Diese ergaben sich zum einen aus Verbindungen Pahls zu Tino Brandt, damals ma\u00dfgeblichen Aktivisten des \"Th\u00fcringer Heimatschutzes\" 172","Rechtsextremismus (THS), einer von Pahl 1997 beim THS durchgef\u00fchrten Rechtsschulung, bei der auch das NSU-Mitglied Uwe B\u00f6hnhardt anwesend war, Kontakten zum mutma\u00dflichen NSU-Unterst\u00fctzer Ralf Wohlleben sowie aus einem aufgefundenen Schriftst\u00fcck, das nahe legt, dass das DRB 2002 Adressat eines Briefes des NSU gewesen sein k\u00f6nnte. Es gibt jedoch weiterhin keine Hinweise auf eine direkte, pers\u00f6nliche Verbindung Pahls zu Mitgliedern des NSU-Trios. Pahl wird seit Jahren als Gutachterin zur Pr\u00fcfung rechtsextremistischer Liedtexte in Anspruch genommen. Die von Pahl erstellten Gutachten waren jedoch nicht immer gerichtsfest. So wurde beispielsweise der S\u00e4nger der rechtsextremistischen Band \"Gigi und die braunen Stadtmusikanten\" am 27.03.2014 vom Oberlandesgericht Oldenburg wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe in H\u00f6he von 1.000 Euro verurteilt. Pahl hatte in ihrer vorherigen Pr\u00fcfung die Strafbarkeit der Lieder auf der inzwischen indizierten CD \"Adolf Hitler lebt\" verneint. Auf der CD befindet sich unter anderem das Lied \"D\u00f6ner-Killer\", in dem die dem NSU zugerechneten Morde verherrlicht, die Opfer und die erfolglosen Ermittlungen der Sicherheitsbeh\u00f6rden verh\u00f6hnt und weitere T\u00f6tungsdelikte als m\u00f6glich bezeichnet werden, da die \"Lust am T\u00f6ten\" noch nicht gestillt sei. Der Betreiber des Chemnitzer Rechtsrock-Fachhandels \"PC Records\" wurde am 26.11.2014 vom AG Chemnitz ebenfalls wegen Produzierens der von Pahl f\u00fcr strafrechtlich unbedenklich erkl\u00e4rten Songs wegen Volksverhetzung zu 7.200 Euro Geldstrafe verurteilt. Nach Ansicht des Gerichtes sei in den Liedtexten unter anderem zum Mord an politisch Andersdenkenden aufgerufen und sich \u00fcber Bev\u00f6lkerungsgruppen b\u00f6swillig ver\u00e4chtlich gemacht worden. Auf die Internetseite von Pahl wird auch von anderen Rechtshilfeeinrichtungen verwiesen. So erkl\u00e4rte die \"Nationale Hilfe Schleswig-Holstein e.V.\" (NHSH) im November, dass man \"rechtliche Hilfe\" f\u00fcr verfolgte nationale Aktivisten und deren \"politischen Kampf\" mit \"freundlicher Genehmigung\" Pahls von deren Netzseite \u00fcbernehme. Am 08.11.2014 f\u00fchrte Pahl bei der NHSH eine pers\u00f6nliche Rechtsschulung durch. Am 22.02.2014 war sie auf einer gemeinsam von NPD und JN organisierten Veranstaltung in Niedersachsen als Referentin zu Gast. Pahl gilt in der rechtsextremistischen Szene allgemein als kompetente Rechtsanw\u00e4ltin. Ihr Interesse gilt der Unterst\u00fctzung politischer Aktivisten aus dem gesamten rechtsextremistischen Spektrum. Vorrangiges 173","Rechtsextremismus Ziel ihrer Aktivit\u00e4ten ist es, rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten rechtlich abzusichern. Sie h\u00e4lt zwar grunds\u00e4tzlich dazu an, Rechtsvorschriften zu beachten, die Verhaltensempfehlungen zielen jedoch h\u00e4ufig darauf ab, die Grenze des rechtlich Zul\u00e4ssigen auszureizen. Der Tenor ihres \"Rechtsratgebers\", ihre wohlwollende Berichterstattung \u00fcber f\u00fcr die rechtsextremistische Szene g\u00fcnstige Gerichtsurteile und ihre sonstigen Verlautbarungen sind Belege daf\u00fcr, dass Pahl die politischen Ansichten ihrer Klientel teilt. Dar\u00fcber hinaus \u00e4u\u00dfert sie sich auch selber in rechtsextremistischer Weise, so beispielsweise als eine von 35 Autorinnen und Autoren in einer Festschrift f\u00fcr den bekannten deutschen Rechtsextremisten Dr. Rolf Kosiek, die 2014 im Hohenrain-Verlag erschien. 9.7 Europ\u00e4ische Aktion (EA) Bei der 2010 zun\u00e4chst unter der Bezeichnung \"Bund Freies Europa\" von dem bekannten Schweizer Revisionisten Bernhard Schaub gegr\u00fcndeten Vereinigung \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) handelt es sich um ein fremdenfeindlich, rassistisch und antisemitisch ausgerichtetes internationales Netzwerk von Holocaustleugnern mit Hauptsitz in der Schweiz. Es verf\u00fcgt nach eigenen Angaben \u00fcber \"Informationsstellen\" und Mitstreiter in Deutschland und anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern. Die organisations\u00fcbergreifend t\u00e4tige EA will eine \"gesamteurop\u00e4ische Freiheitsbewegung\" bilden, in die sich jeder einreihen kann, der im bevorstehenden \"Befreiungs\"und \u00dcberlebenskampf\" willens ist, in den \"Widerstand einzutreten\". Ziel sei die \"US-h\u00f6rige\" Europ\u00e4ische Union durch eine \"Europ\u00e4ische Eidgenossenschaft\" und ein aus Volksgemeinschaften bestehendes \"Europa der Vaterl\u00e4nder\" zu ersetzen. Die \u00f6rtlichen T\u00e4tigkeitsschwerpunkte lagen 2014 in Deutschland, \u00d6sterreich und Liechtenstein. Weitere \"Informationsstellen\" der EA gibt es in Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Die im Vorjahr intensivierten Kontakte nach Frankreich, Spanien und Portugal konnten offensichtlich nicht weiter ausgebaut werden. Neue Mitstreiter konnten hingegen nach eigenen Angaben insbesondere im osteurop\u00e4ischen Raum gewonnen werden. So berichtete die EA \u00fcber eine \"Werbefahrt\" des Th\u00fcringischen EA-Gebietsleiters zu \"Freunden in Ungarn\" im Juni/Juli 2014 (\"Ostlandfahrt\"), die die \"Grundlage f\u00fcr ungarische Strukturen und eine gute Zusammenarbeit\" geschaffen h\u00e4tte. Des Weiteren berichtete die EA im Juli \u00fcber \u00e4hnliche \"Werbeaktionen\" in der Ukraine, im \"polnisch 174","Rechtsextremismus besetzten Schlesien\" und \"enge freundschaftliche Verbindungen\" nach Griechenland. Die nach dem F\u00fchrerprinzip gegliederte EA verf\u00fcgt in Deutschland nach eigenen Angaben neben einer \"Allgemeinen\" \u00fcber vier weitere \"Informationsstellen\" (\"Th\u00fcringen\", \"Brandenburg\", \"Nordrhein-Westfalen\", \"Bayern\"). Dar\u00fcber hinaus bestehen weitere nach Bundesl\u00e4ndern und Regionen untergliederte \"Gebiete\" und \"St\u00fctzpunkte\". Die \"Landesleitung der BRD\" liegt in den H\u00e4nden des bekannten Rechtsextremisten Dr. Rigolf Hennig aus Verden. Dieser und andere EA-Aktivisten waren in den 2008 vom Bundesministerium des Innern verbotenen revisionistischen Vereinen \"Collegium Humanum\" und \"Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten\" (VRBHV) aktiv. 2014 war die EA zum Erhalt der eigenen \"Handlungsf\u00e4higkeit\" schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der \"Vernetzung\", \"Straffung und Strukturierung der Bewegung\" besch\u00e4ftigt. In deren Verlauf kam es zu mehreren personellen und organisatorischen Umstrukturierungen. Die \"Europ\u00e4ische Aktion\" im Internet Die EA f\u00fchrte 2014 auch \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen und Veranstaltungen in und au\u00dferhalb Deutschlands durch. \u00dcber ihre Ziele und Aktivit\u00e4ten informiert sie weiterhin auf ihrer regelm\u00e4\u00dfig gepflegten Internetseite, in einem sozialen Netzwerk und in ihrem Mitteilungsblatt \"Europa ruft\". Ziel der EA ist die Abschaffung des gegenw\u00e4rtigen politischen Systems in Deutschland. Die \"Nachkriegssch\u00f6pfung 'BRD'\" wird als \"Erf\u00fcllungsgehilfin der US-Imperialisten\" verunglimpft. Einen besonderen B\u00fcndnispartner im Kampf gegen den Zionismus und die USA sieht die EA in Russland. So erkl\u00e4rte der deutsche EA-Landesleiter im Juni, dass Deutschland und Russland \"geradezu ideale Partner\" seien und die \"Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit\" bestehe. In Anbetracht des gemeinsamen Feindes solidarisierte sich die EA auch im aktuellen Ukrainekonflikt mit Russland. Die EA agitiert zudem gegen die \"Rassenund V\u00f6lkervermischung\" und die gezielte 175","Rechtsextremismus Schaffung einer \"eurasisch-negroiden Mischrasse\". Nach \u00dcberzeugung Hennigs seien Rassen durch h\u00e4rteste Auslese entstanden und Ausdruck der Naturgesetze. Die EA zeigt sich aber nicht nur verbal aggressiv, ihre Anh\u00e4nger besch\u00e4ftigen sich auch intensiv mit dem Gedanken eines m\u00f6glichen B\u00fcrgerkriegs in Deutschland und den dazu notwendigen Vorkehrungen. Im Juli 2014 wurde im Internet ein Interview des deutschen Landesleiters ver\u00f6ffentlicht, in dem dieser seinen Werdegang und seine Beteiligung an der Sprengung von Strommasten in S\u00fcdtirol in den 1960er Jahren als erfolgreiches Mittel gegen \"\u00dcberfremdung\" beschrieb und erkl\u00e4rte: \"Masseneinwanderung\" und \"\u00dcberfremdung\" k\u00f6nne wie \"in S\u00fcdtirol\" auch hier \"Einhalt\" geboten werden. Im Rahmen des von der EA propagierten gemeinsamen \"Widerstands\"und \"R\u00fcckeroberungskampfes\" pflegt sie Kontakte zu Rechtsextremisten im gesamten Bundesgebiet. Durch ihre Beteiligung an Aktivit\u00e4ten anderer Rechtsextremisten und durch intensive Eigenwerbung versucht sie sich als \"Dachverband aller volksund heimattreuen Kr\u00e4fte\" und f\u00fchrende Bewegung aller \"nationalen Kr\u00e4fte\" Deutschlands zu etablieren. So nahmen \"Mitstreiter der EA\" am \"Europakongress\" der JN am 22.03.2014 in Kirchheim (Th\u00fcringen) teil und forderten dazu auf, \"Teil\" der EA zu werden. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sich Angeh\u00f6rige der EA an dem von der Partei \"Der \"III. Weg\" ausgerichteten \"Heldengedenken\" am 15.11.2014 in Wunsiedel (Bayern). 2014 f\u00fchrte sie zudem in einigen St\u00e4dten Mahnwachen vor US-Einrichtungen durch, an denen sich jedoch jeweils maximal zehn EA-Anh\u00e4nger beteiligten. Insgesamt konnte die EA ihrem selbstgesteckten Ziel einer national und international bedeutsamen Sammlungsbewegung 2014 kaum n\u00e4her kommen. Auch Hamburger Rechtsextremisten sind in der EA organisiert. Im Verlauf der von der EA vorgenommenen Neubesetzung von Gebietsund Organisationsleiterstellen wurde im Juli berichtet, dass auch Hamburg \"neu besetzt\" worden sei und die Betreuung von Anh\u00e4ngern in Schleswig-Holstein mit \u00fcbernommen habe. Am 27.09.2014 f\u00fchrte die EA in Hamburg eine Mahnwache vor dem US-Generalkonsulat durch. An der von Rigolf Hennig unter dem Tenor \"Syrische Kurden sollen an Friedensverhandlungen beteiligt werden!\" angemeldeten Aktion beteiligten sich jedoch nur zwei Personen, einschlie\u00dflich Hennig. 176","Rechtsextremismus 10. Politisch motivierte Islamfeindlichkeit Politisch motivierte Bestrebungen gegen den Islam und die Muslime in Deutschland haben in den vergangenen Jahren bundesweit stark zugenommen. Rechtsextremisten und Rechtspopulisten versuchen \u00c4ngste vor dem Islam zu sch\u00fcren und Vorurteile zu verst\u00e4rken. Zu diesem Zweck verbreiten sie die Behauptung einer Bedrohung Deutschlands und Europas durch \"\u00dcberfremdung\" und \"Islamisierung\". Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsschutzrelevante Bestrebungen gegen den Islam und die Muslime liegen dann vor, wenn Agitation und Propaganda systematisch gegen die Menschenrechte, insbesondere gegen die Menschenw\u00fcrde, das Diskriminierungsverbot und die Religionsfreiheit gerichtet sind. Neben den bekannten rechtsextremistischen Organisationen und Gruppen, deren Agitation gegen Muslime spezifischer Ausdruck ihrer grunds\u00e4tzlichen Fremdenfeindlichkeit und rassistischen Denkweise ist, haben sich in den vergangenen Jahren weitere Vereinigungen, Gruppen und Netzwerke - auch mit Ablegern in Hamburg - gebildet, die ihren Kampf gegen Islam, Scharia und Koran zumeist im und \u00fcber das Internet f\u00fchren. Die Grenze zur verfassungsfeindlichen Agitation ist dabei h\u00e4ufig flie\u00dfend. Ein wichtiges Mittel politischer Agitation und Indiz f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Ausrichtung ist die bewusste und gezielte Provokation. Islamgegner versuchten auch 2014 durch entsprechende Aktionen und \u00c4u\u00dferungen radikale Muslime herauszufordern, was in der Vergangenheit auch zu Mordpl\u00e4nen militanter Islamisten gef\u00fchrt hatte. Von der Strategie der \"maximalen Provokation\" haben Islamgegner seit dem erkennbar Abstand genommen. Mit dem Aufkommen neuer islamkritischer Bewegungen im Herbst 2014, die zu ihren Veranstaltungen erheblichen Zulauf verzeichnen konnten, versch\u00e4rfte sich die innenpolitische Auseinandersetzung. Bislang politisch nicht aktive, nicht extremistische Personen und Gruppen, darunter auch Fu\u00dfballhooligans, demonstrierten am 08.02.2014 in M\u00f6nchengladbach erstmals gemeinsam gegen Kundgebungen bekannter salafistischer Prediger und riefen seit September - auch in Norddeutschland - mit zum Teil aggressiven Bildern und Texten zu eigenen Kundgebungen auf. Vereinzelt kam es, wie am 26.10.2014 in K\u00f6ln, zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen. An den \u00f6ffentlichen Kundgebungen gegen die 177","Rechtsextremismus \"Islamisierung des Abendlandes\", die zun\u00e4chst schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Dresden stattfanden, beteiligten sich bis zu 25.000 Personen. Rechtsextremisten begr\u00fc\u00dfen diese islamkritischen Proteste, sehen sich als deren \"Wegbereiter\" und versuchen diese f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen. Nach eigenen Angaben beteiligten sie sich vereinzelt an Kundgebungen der Islamkritiker oder riefen zur Teilnahme auf. So erkl\u00e4rte die NPD im Dezember im Internet: \"Die NPD unterst\u00fctzt jeden friedlichen Protest gegen \u00dcberfremdung, Islamisierung und Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t...\". In einem Beitrag der NPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern hie\u00df es: \"Wir als NPD solidarisieren uns mit den Forderungen dieser B\u00fcrgerbewegungen [...]. Auch wir fordern die Bewahrung und den Schutz unserer Identit\u00e4t und unserer abendl\u00e4ndischen Kultur. Unsere Mitglieder, Sympathisanten und politischen Weggef\u00e4hrten [...] beteiligen sich [...] an diesen Demonstrationen\". Rechtsextremisten sehen die zunehmenden Proteste gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands au\u00dferdem als Best\u00e4tigung ihrer rassistisch motivierten Fremdenund Ausl\u00e4nderfeindlichkeit. Durch ihre Solidarit\u00e4tsbekundungen hoffen sie, ihren politischen Einfluss vergr\u00f6\u00dfern und Unterst\u00fctzer f\u00fcr ihre menschenverachtende und systemfeindliche Zielsetzung gewinnen zu k\u00f6nnen. So sieht die Partei \"DIE RECHTE\" die zunehmenden Proteste als Folge volksfeindlicher Politik, die bald zu einer fundamentalen Ablehnung der multikulturellen Gesellschaft f\u00fchren k\u00f6nnte. Vertreter der NPD sehen die Proteste als Ausdruck eines neuen Volkswillens, der \"ur-nationaldemokratische Werte\" beinhalte und \"die statischen betonharten politischen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland zum Tanzen bringen\" k\u00f6nne. Dies w\u00fcrden die Nationaldemokraten \"nach Kr\u00e4ften unterst\u00fctzen\". Der Bundesvorsitzende der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN) forderte im Dezember, dass der \"Protest endlich Partei ergreifen\", sich einer \"nationalen Sammlungsbewegung\" anschlie\u00dfen und zu einer geb\u00fcndelten \"volkstreuen Massenbewegung mit der NPD an der Spitze\" werden m\u00fcsse. Bislang gelang es Rechtsextremisten jedoch nicht, die islamkritischen Bewegungen insgesamt ma\u00dfgeblich zu beeinflussen oder dort f\u00fchrend t\u00e4tig zu werden, auch wenn bei einzelnen Versammlungen ein erheblicher Anteil von Rechtsextremisten festzustellen war. Versuche, eigene Aktionen als Teil der b\u00fcrgerlichen Proteste darzustellen, blieben nur m\u00e4\u00dfig erfolgreich. Weiter ist festzu178","Rechtsextremismus stellen, dass sich die meisten Islamkritiker glaubw\u00fcrdig von Extremisten distanzieren. Ihre Parolen und politischen Forderungen enthalten ganz \u00fcberwiegend keine Anhaltspunkte f\u00fcr Rechtsextremismus. Dennoch sind Anzeichen erkennbar, dass sich Teile der neuen antiislamischen B\u00fcrgerbewegungen radikalisieren und der Einfluss von Rechtsextremisten mittelfristig erfolgreicher sein k\u00f6nnte. Kundgebungen \"gegen die Islamisierung des Abendlandes\" gab es in Hamburg bisher keine. Anonyme hasserf\u00fcllte \u00c4u\u00dferungen und Aktivit\u00e4ten gegen muslimische Einrichtungen f\u00fchrten 2014 in mehreren F\u00e4llen zu polizeilichen Ermittlungen wegen Beleidigung und Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen. So wurden seit Oktober mehrere beleidigende, islamfeindliche Gewaltandrohungen gegen eine Hamburger Moschee bekannt, in denen ein \"Deutschland ohne Muslime\" gefordert, der Islam als nicht zu Deutschland geh\u00f6rende \"faschistische Ideologie\" bezeichnet und Muslime und ihr Prophet Mohammed beschimpft wurden. Au\u00dferdem wurde angedroht, dass sich \"Deutsche Geschichte wiederholen\" und auf \"Moslems geschossen\" werden k\u00f6nnte und dass diese \"aufpassen\" m\u00fcssten, \"dass da nicht ein Kuffar\" hinter ihnen stehe und ihnen \"den Kopf abhacke\". Auch Hamburger Rechtsextremisten versuchten, die \"friedlichen Volksproteste\" f\u00fcr sich und ihre Agitation gegen \"\u00dcberfremdung\", \"Asylwahn\", \"Volksverrat\", \"Politikversager\", \"Einheitsparteien\" und die \"L\u00fcgenpresse\" zu nutzen. Sie unterst\u00fctzten diese unter anderem mit Teilnahmeaufrufen und Solidarit\u00e4tsbekundungen. Im Oktober \u00e4u\u00dferte sich der Landesvorsitzende der Hamburger NPD, Thomas Wulff, zu der gewaltt\u00e4tig verlaufenden Demonstration von Hooligans am 26.10.2014 in K\u00f6ln und unterst\u00fctzte das Anliegen der Veranstalter. Au\u00dferdem warb die Hamburger NPD im Oktober f\u00fcr eine urspr\u00fcnglich am 15.11.2014 in Hamburg unter dem Tenor \"Europa gegen den Terror des islamischen Staates\" geplante Kundgebung von Hooligans, die dann in Hannover stattfand. Mit direkten Aktionen gegen Muslime trat die rechtsextremistische Szene in Hamburg jedoch nicht in Erscheinung. Eine \u00f6ffentliche Veranstaltung mit dem bekannten Salafisten Pierre Vogel am 19.07.2014 zum Thema \"Gerechtigkeit f\u00fcr Pal\u00e4stina\" verlief ohne Proteste oder sonstige Reaktionen. 179","Rechtsextremismus Weitere Informationen zum Thema Rechtsextremismus finden Sie auf den Internetseiten: www.hamburg.de/verfassungsschutz www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen www.hamburg.de/innenbehoerde/rechtsextremismus 180","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Scientology-Organisation VI. Scientology-Organisation (SO) 1. Entwicklungen und Schwerpunkte Die \"Scientology Organisation\" (SO) wird seit 1997 vom Verfassungsschutz beobachtet. In der von ihr angestrebten \"scientologisch\" gepr\u00e4gten Gesellschaft w\u00e4ren zentrale demokratische Grundwerte au\u00dfer Kraft gesetzt oder nur eingeschr\u00e4nkt vorhanden. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) M\u00fcnster best\u00e4tigte im Februar 2008 die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Beobachtung, nachdem die SO gegen ihre Beobachtung geklagt hatte. Die Technologie der SO soll \"... die Menschheit vor der anbrechenden Dunkelheit und dem Verfall der Zivilisation dieser Erde retten.\" (Scientology News, Ausgabe 60 /2014) Die SO wirbt weiter, k\u00e4mpft um Expansion und plant globale Strategien. Ihr F\u00fchrer, David Misacvige, preist weltweit Renovierungen und Neuerrichtungen von Scientology-Niederlassungen als Erfolge an. In Florida / entstand ein neues Scientology-Zentrum und in Internetauftritt der Scientology-Organisation Kopenhagen, dem kontinentalen St\u00fctzpunkt der Scientologen f\u00fcr Europa wurde ebenfalls in Immobilien investiert. In der \"Scientology News\" (60/2014) hei\u00dft es dazu: \"Org um Org, Stadt um Stadt, Land um Land ... Auf dem ganzen Planeten erschaffen wir eine neue Kultur.\" Laut Miscavige ist das \"Kontinentale Verbindungsb\u00fcro\" in Kopenhagen \"der perfekte Ausgangspunkt f\u00fcr die geographische Expansion in der gesamten Europ\u00e4ischen Gemeinschaft.\" (Pressedienst der SO Hamburg, 03.11.2014) 182","Scientology-Organisation Das \"explosivartige internationale Wachstum\" (SK Hamburg, 03.11.2014) ist reine Propaganda. Tats\u00e4chlich geht es mit Scientology nicht voran. Die psycho-sozialen Methoden der Beeinflussung von Mitgliedern, die teuren Kurssysteme und die totalit\u00e4re scientologische Ideologie sto\u00dfen zunehmend auf Ablehnung. Kritik von Aussteigern, Beh\u00f6rden und Medien hat sich verfestigt, und weitere Scientology-Gruppen haben sich als Konkurrenz abgespalten. In vielen SO-Niederlassungen mangelt es an Personal und es kam bereits zu Schlie\u00dfungen, wie z.B. im Vorjahr in Hamburg, als die erfolglose Eppendorfer Org ihre Arbeit einstellen musste. Doch auch wenn die Mitgliederzahlen in den letzten Jahren deutlich zur\u00fcckgingen, verf\u00fcgt die SO noch \u00fcber hinreichend Mittel und Personal, um weiterhin f\u00fcr Unruhe und Gefahren zu sorgen. Immer noch gibt sich die SO aggressiv und will alle Hindernisse f\u00fcr eine Expansion \u00fcberwinden. Wer dabei im Wege steht wird schnell zu einer \"unterdr\u00fcckerischen Person\". Dazu hei\u00dft es \"Unterdr\u00fccker! Rotten Sie sie aus.\" (Der Organisationsf\u00fchrungskurs/Ausgabe 1999) Die Scientology-Beratung in Hamburg Die Nachfrage nach der Scientology-Beratung des LfV Hamburg ist seit Jahren konstant hoch. Es gibt j\u00e4hrlich rund 400 bis 500 Anfragen. Dabei geht es von der einfachen telefonischen Beratung bis hin zur Ausstiegshilfe, bei der es auch zu l\u00e4ngeren Betreuungsphasen kommt. Es werden Vortragsund Interviewanfragen gestellt, zudem Ausk\u00fcnfte zu Schutz-und Erkennungsmerkmalen in Bezug auf die SO erfragt. Neben privat motivierten Anfragen von Betroffenen nutzen Beh\u00f6rden, Journalisten, Universit\u00e4ten, Schulen, Parteien und weitere gesellschaftliche Gruppen, Organisationen und Institutionen diesen Service des LfV Hamburg, bei dem sich jeder Betroffene auf die vertrauliche Behandlung seines Anliegens verlassen kann. Wie in den Vorjahren kommen auch 2014 rund 70 Prozent der Anfragen aus Hamburg und Umgebung, etwa 25 Prozent aus dem \u00fcbrigen Bundesgebiet und 5 Prozent aus dem europ\u00e4ischen Ausland. Da Scientology sich \u00fcber die gesamte Gesellschaft ausbreiten m\u00f6chte, sorgen scientologische Aktivit\u00e4ten f\u00fcr \u00c4ngste und Aufkl\u00e4rungsbedarf. 183","Scientology-Organisation Anlass der Anfragen f\u00fcr eine Beratung durch das LfV Hamburg sind verschiedene Aktivit\u00e4ten der SO. Hamburger Scientologen werben gezielt mit gesellschaftspolitischen Themen sowie mit Musikund Kulturveranstaltungen in der Hoffnung auf Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Wenn Kontakte zustande kommen, nutzt sie die SO oft f\u00fcr Werbezwecke. Die totalit\u00e4re Organisation versteht es, sich den Anstrich von Harmlosigkeit zu geben. Bei dem breiten Themenspektrum der SO geht es auch um Wirtschaft, Politik, um Drogenaufkl\u00e4rung, Resozialisierung, Menschenrechte, Kampagnen gegen die Psychiatrie und vorgebliche Lebenshilfe. Ein Beispiel ist die Anti-Drogen-Kampagne unter dem Motto \"Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben\". Die gleichnamige SO-Nebenorganisation organisiert dazu Veranstaltungen und verteilt Info-Heftchen, die in Hamburg zum Beispiel in \u00f6ffentlichen B\u00fccherhallen und verschiedenen Gesch\u00e4ften ausgelegt werden - zumeist im Wartebereich auf Zeitschriften-Tischen und in der Regel ohne den Gesch\u00e4ftsinhaber zu informieren, dass hier Scientologen aktiv sind. Die SO instrumentalisiert das popul\u00e4re Thema \"Drogenkonsum\", um \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu erzielen, um insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen und neue Anh\u00e4nger zu gewinnen. Die Scientologen sind im \u00dcbrigen nicht die einzigen Extremisten, die Anti-Drogen-Kampagnen ins Leben rufen. So organisierten die rechtsextremistischen \"Jungen Nationaldemokraten Sachsen\" im Sommer 2014 in mehreren St\u00e4dten Ostdeutschlands entsprechende Kampagnen, verteilten unter dem Motto \"Weg mit dem Drogendreck\" ihre eigene Sch\u00fclerzeitung \"Platzhirsch - Der Sch\u00fclersprecher\" und versuchten auf diese Weise, unter dem Mantel des Themas Drogenkonsum ihr rechtsextremistisches Gedankengut an Jugendliche heranzutragen. (Siehe dazu den Internetbeitrag des LfV Hamburg vom 29. August 2014: Extremisten missbrauchen das popul\u00e4re Thema \"Drogenkonsum\" f\u00fcr ihre Zwecke). Zur\u00fcck zur SO: Die im Internetauftritt von \"Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben\" angebotene sogenannte \"Aufkl\u00e4rung\" und \"Hilfe\" bei Drogenproblemen verlinkt direkt auf die Homepage des Scientology-Drogenhilfe-Vereins \"Narconon\". 184","Scientology-Organisation Personen, deren Freunde oder Angeh\u00f6rige zu Scientologen werden, sind oft verzweifelt und ben\u00f6tigen Hilfe und Rat ebenso wie Aussteigerinnen und Aussteiger. Wer Scientology verl\u00e4sst, braucht h\u00e4ufig formelle Hilfe f\u00fcr den Austritt und eine psychisch-soziale Unterst\u00fctzung f\u00fcr die R\u00fcckkehr in eine Gesellschaft ohne Zwang. Dazu geh\u00f6ren der Umgang mit nachwirkender scientologischer Indoktrination, der Schutz vor Nachstellungen der Organisation, die \u00dcberwindung von \u00c4ngsten und Unterst\u00fctzung bei der Neuorientierung. Die Beratungsstelle des LfV Hamburg unterst\u00fctzt Betroffene und Angeh\u00f6rige, auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume. N\u00e4here Informationen finden Sie auf der Internetseite: http://www. hamburg.de/innenbehoerde/service/2470458/scientology-beratung-fhh-hamburg.html. F\u00fcr ein Beratungsgespr\u00e4ch wenden Sie sich gerne an das Beratungsteam des LfV Hamburg: Manfred Napieralla und Britta Pavlovic E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de Telefon: 040 244443 (Stichwort: Scientology-Beratung). 2. Potenziale \"SCHWERVERBRECHEN - Diese bestehen darin, \u00f6ffentlich von der Scientology wegzugehen ...\" (Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\"/2007) Die Aufkl\u00e4rung zeigt Wirkung. Die Bedeutung von Scientology hat sich verringert. In den Medien war das Thema nicht mehr so pr\u00e4sent wie in fr\u00fcheren Jahren und viele Ex-Scientologen schildern \u00f6ffentlich, wie es ihnen in der Organisation erging. Staatliche Stellen kl\u00e4ren \u00fcber die wahren Ziele der totalit\u00e4ren Organisation auf und das Internet ist mit einfach abrufbarer kritischer Berichterstattung ein Problem jeglicher totalit\u00e4rer Systeme. Scientology ist nicht reformf\u00e4hig und h\u00e4lt an der alten Ideologie des Gr\u00fcnders, L. Ron Hubbard, fest. Zudem sind Angeh\u00f6rige der Organisation h\u00e4ufig frustriert, weil Scientology nicht so erfolgreich funktioniert, wie versprochen. Die Organisation hat daher seit Jahren Mitgliederverluste zu verzeichnen. 185","Scientology-Organisation Bund: Scientology-Organisation Personenpotenziale 6000 5000 rd. 5.000 bis 6.000 rd. 5.000 bis 6.000 rd. 5.000 bis 6.000 rd. 5.000 bis 6.000 4000 gut 4.500 rd. 4.500 rd. 4.000 3000 rd. 3.500 5.000 3.500 2000 1000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - Weltweit hat die SO etwa 70.000 - 80.000 Mitglieder (in Vorjahren 80.000 - 90.000), in Deutschland wie im Vorjahr rund 3.500 und in Hamburg rund 400 (2013: 450). Die Organisation kann einen Teil der Aussteiger durch neu gewonnene Mitglieder ersetzen. Aufkl\u00e4rung ist insofern auch weiterhin n\u00f6tig. Trotz der r\u00fcckl\u00e4ufigen Mitgliederzahlen verfolgt die Organisation weiterhin ihre verfassungsfeindlichen Ziele und strebt eine totalit\u00e4re Gesellschaftsform an, die mit der Demokratie in Deutschland nicht vereinbar ist. 186","Scientology-Organisation Hamburg: Scientology-Organisation Personenpotenziale 900 750 600 450 gut 700 rd. 400 750 750 700 650 650 600 550 450 300 150 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 - Alle Zahlen sind gerundet - 3. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) Scientologisch motivierte Strafund Gewalttaten wurden im Jahr 2014 in Hamburg nicht festgestellt. 4. Strukturen und Organisationseinheiten \"Wir haben also einen Plan. ..., und der Plan selbst ist International City, was nichts anderes hei\u00dft als Regierung der Erde.\" (Aus den Scientology-Kursmaterialien \"Saint Hill Special Briefing Course\" (SHSBC), 1991) International und regional betreibt die SO zahlreiche Organisationseinheiten und Gruppierungen, um in verschiedensten gesellschaftlichen Themenfeldern aktiv zu sein - immer mit dem Ziel, neue Anh\u00e4nger zu 187","Scientology-Organisation gewinnen und politisch, sozial, kulturell sowie wirtschaftlich Einfluss zu erlangen. * David Miscavige f\u00fchrt das internationale Management in Los Angeles / USA, zu dem das sogenannte \"Religious Technology Center\" (RTC) geh\u00f6rt. Es besitzt die Urheberrechte der Schriften des Scientology-Gr\u00fcnders L. Ron Hubbard und \u00fcbt damit die Kontrolle \u00fcber die scientologische Ideologie aus. * Die \"International Association of Scientologists\" (IAS) treibt Geld durch Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge ein und finanziert Kampagnen aus ihrer \"Kriegskasse\". * Die \"Sea Organization\" (Sea Org) ist eine uniformierte Eliteeinheit und paramilit\u00e4rische Keimzelle der SO. Sie besetzt F\u00fchrungspositionen und betreibt die \"Rehabilitation Project Forces\" (RPF), die Straflagern gleichen und in denen Scientologen wieder \"auf Linie\" gebracht werden. * Das \"Office of Special Affairs\" (OSA) ist f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit und rechtliche Angelegenheiten zust\u00e4ndig, f\u00fchrt aber auch Untersuchungen gegen Kritiker und Abtr\u00fcnnige durch. Diese Ausforschungst\u00e4tigkeit trug dem OSA das Attribut \"scientologischer Geheimdienst\" ein. * Zur \"Association of Better Living and Education\" (ABLE) geh\u00f6ren \"Applied Scholastics\" (ApS) f\u00fcr den Bildungsbereich, \"Narconon\" f\u00fcr Drogenentzug und \"Criminon\" f\u00fcr Resozialisierung. * \"Ehrenamtliche Geistliche\", international \"Volunteer Ministers\" genannt, nutzen Hilfseins\u00e4tze in Katastrophengebieten zu Propagandazwecken. Die \"Volunteers\" tragen gelbfarbene Kleidung und bauen zu Werbezwecken in den St\u00e4dten vor Ort ebenfalls gelbfarbene Informationszelte auf. Kampagnen und Brosch\u00fcren unter den Titeln \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\", \"The Way to Happiness Foundation\" und \"Operation: Ein friedvoller Planet\" geh\u00f6ren ebenfalls zur SO. 188","Scientology-Organisation * Die \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie\" gegen Menschenrechte (KVPM), international \"Citizens Commissions on Human Rights\" (CCHR), hetzt gegen die Psychiatrie und betreibt Ausstellungen mit dem Tenor \"Psychiatrie: Tod statt Hilfe\". Die SO lehnt die Psychiatrie ab und reklamiert f\u00fcr sich ein Monopol auf jegliche psychologische Betreuung. * Mit \"Youth for Human Rights\", der \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\" und \"United for Human Rights\" werden vorzugsweise Jugendliche angesprochen, ebenso wie mit den in t\u00fcrkisfarbenen T-Shirts auftretenden Angeh\u00f6rigen der Initiative \"Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben\". Eine internationale Gruppe hei\u00dft \"Foundation for a Drug Free World\". * Die \"International Hubbard Ecclesiastical League of Pastors\" (I HELP) betreut Dianetikgruppen und Feldauditoren, die in ihrem Lebensumfeld nach Personen suchen, um sie f\u00fcr Scientology zu werben. * Das \"World Institute of Scientology Enterprises\" (WISE) ist ein Wirtschaftverbund von Scientologen und ebenfalls der Expansion verpflichtet. * Die sogenannten \"Scientology Kirchen\" (auch \"Orgs\" genannt), Missionen und Dianetik-Zentren sind Ausgangspunkte und Zentren f\u00fcr regionale Aktivit\u00e4ten. 5. Strukturen in Hamburg \"Eine Org ist eine Auditing-Fabrik, die auch Leute im Auditieren ausbildet. Das ist die grundlegende Art und Weise, wie wir die Welt gewinnen werden - mit Auditing. (...) Das gibt den Zweck der Org - denn nur Auditing kann die Gemeinde kl\u00e4ren. Das gibt Aktion. Das gibt Einnahmen.\" (Der Organisationsf\u00fchrungskurs, 1999) Beim \"Auditing\" durchleuchten psychologisch nicht qualifizierte Scientologen das Leben und die Psyche anderer Scientologen. Die Hamburger \"Auditing-Fabrik\" ist die Scientology Kirche Hamburg e.V., auch 189","Scientology-Organisation Hamburger Org genannt. Sie liegt am Domplatz in der Innenstadt und ist die einzig verbliebene Niederlassung der SO in Hamburg. Von dort werden Pr\u00e4sident: Gerd Christoffel die verschiedenen Scientology-GrupVize-Pr\u00e4sidentin und pen und ihre Aktivit\u00e4ten organisiert leitende Direktorin und beaufsichtigt, um zu expandieder Hamburger Org: Pia Michel ren und Einnahmen zu erzielen. Pressesprecher: Frank Busch Viele Nebenorganisationen der SO treten in Hamburg und umliegenden Bundesl\u00e4ndern nicht offen auf, einige verheimlichen sogar auf Nachfrage ihren Scientology-Status. Daher werden die Gruppen im Folgenden aufgef\u00fchrt. * Inhaber und Mitarbeiter von rund 25 scientologisch gef\u00fchrten Firmen sind Mitglieder im \"World Institute of Scientology Enterprises\" (WISE). F\u00fcr Organisationsund Schlichtungszwecke gibt es ein WISE-Charterkomitee. * Zur \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\" geh\u00f6ren in Hamburg junge Scientologen, die vorzugsweise Gleichaltrige mit diesem Thema ansprechen wollen. * Unter dem Tenor \"Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben\" werden Informationsst\u00e4nde betrieben und Brosch\u00fcren \u00fcber die Sch\u00e4dlichkeit von Drogen verteilt. Dieses gesellschaftlich brisante Thema nutzt die SO, um das Interesse von Passanten zu gewinnen. (Siehe dazu den Internetbeitrag des LfV Hamburg vom 29. August 2014: Extremisten missbrauchen das popul\u00e4re Thema \"Drogenkonsum\" f\u00fcr ihre Zwecke) * An Dianetik-St\u00e4nden werden Scientology-B\u00fccher und Stresstests mit einem E-Meter angeboten. * Die \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte\" (KVPM) verf\u00fcgt in Hamburg \u00fcber eine kleine Ortsgruppe. * \"Criminon Deutschland e.V.\" thematisiert unter anderem die Resozialisierung von Strafgefangenen und hat seinen Sitz in Barsb\u00fcttel 190","Scientology-Organisation / SH. Dort sind Hamburger und Schleswig-Holsteiner Scientologen engagiert. * Zu \"Applied Scholastics\" (ApS), dem internationalen scientologischen Bildungsbereich, geh\u00f6ren nur wenige Hamburger Scientologen, von denen einige Nachhilfeunterricht anbieten. * Neben dem internationalen Bereich \"The Way to Happiness Foundation\" gibt es auch in Hamburg die Initiative \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\". * Das \"Departement of Special Affairs\" (DSA) ist Bestandteil der Hamburger Org und ein regionaler Ableger des sogenannten scientologischen Die Scientology-Organisation verteilte Flyer Geheimdienstes \"Office of zur Anti-Drogen-Kampagne in Hamburger Special Affairs\" (OSA). Gesch\u00e4ften 6. Aktivit\u00e4ten \"Wir haben dich lieber tot als unf\u00e4hig. (...) Wir spielen nicht irgendein unbedeutendes Spiel in der Scientology. (...) Dies ist eine t\u00f6dlich ernste Angelegenheit.\" (Der Organisationsf\u00fchrungskurs, 1999) Derma\u00dfen unter Druck gesetzt f\u00fchlen sich die Hamburger Scientologen auch f\u00fcr das Umland und weite Teile Norddeutschlands zust\u00e4ndig. So versuchen sie regelm\u00e4\u00dfig ihre Expansion durch Werbung in norddeutschen Gemeinden und St\u00e4dten voranzutreiben. Neben den Dianetik-St\u00e4nden und Antipsychiatriekampagnen ist die scientologische Antidrogengruppe \"Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben\" besonders aktiv. Passanten, die den SO-Hintergrund nicht kennen, lassen sich so leicht f\u00fcr erste Gespr\u00e4che gewinnen. Die SO legte in diversen Hamburger Gesch\u00e4ften ihre Brosch\u00fcren aus und verteilte viele der kleinen Hefte \"Fakten \u00fcber Drogen\" in Norddeutschland. Die Hefte enthalten keinen Hinweis auf Scientology. 191","Scientology-Organisation Die SO ist stets auf der Suche nach kulturellen, politischen und religi\u00f6sen Dialogen. 2014 konnten die Hamburger Scientologen diesbez\u00fcglich Erfolge aufweisen. Am 18. M\u00e4rz 2014 trafen sich in der Scientology Kirche Hamburg e.V. Scientologen mit Vertretern verschiedener Religionen und Kulturen. Dabei wurden auch Scientology-Kampagnen vorgestellt. Am 25. April folgte ein interkultureller Abend mit einer afrikanischen Folkloregruppe und am 26. Mai wurde ein \"Tag der Familie\" in der Scientology Kirche Hamburg e.V. gefeiert, zu dem sich ebenfalls Vertreter religi\u00f6ser Gruppen und Sekten einfanden. Auch hier stellten die Scientologen ihre Inhalte vor, wie unter anderem ihre Initiative \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\". Im Laufe des Jahres 2014 kam es zu weiteren Treffen dieser Art. Der SO geht es dabei stets um Einfluss und Verbreitung in Politik und Gesellschaft und diese Kontakte zu gesellschaftlichen Gruppen sind f\u00fcr sie wichtige Schritte dorthin. Wie in den Vorjahren best\u00fcckten Scientologen auch 2014 viele Briefk\u00e4sten in Hamburger Stadtteilen mit Scientology-Werbung. Stets wurde dabei zum Besuch der Hamburger Org am Domplatz eingeladen, mit Aufforderungen wie \"ENTDECKEN SIE SICH SELBST!\", \"ERKENNE DICH SELBST!\", mit Hinweisen, wie \"KOSTENFREIER PERS\u00d6NLICHKEITSTEST\" und dem Vorschlag, sich einen Film anzusehen: \"DIANETIK Entwicklung einer Wissenschaft\". Auch 2014 warb die Scientology Kirche Hamburg e.V. erneut im Internet mit beitragsfreien Scientology-Online Kursen, auch \"Lebensverbesserungskurse\" genannt. Das LfV Hamburg warnt seit 2012 vor diesen Lockangeboten im Internet. 192","Scientology-Organisation Beratung Wenn Sie Beratung oder weitere Informationen w\u00fcnschen, wenden Sie sich gern unter dem Stichwort \"Scientology\" an den Hamburger Verfassungsschutz unter der Telefonnummer 040 / 244443 oder mailen Sie an poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de. Weitere Informationen zum Thema Scientology-Organisation finden Sie auf den Internetseiten: www.hamburg.de/innenbehoerde/schlagzeilen und www.hamburg.de/innenbehoerde/scientology-organisation 193","","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Spionageabwehr VII. Spionageabwehr 1. \u00dcberblick Die Spionageabwehr der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden sammelt Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste und wertet diese aus. Die bundesweite Zusammenfassung und Auswertung der Erkenntnisse und der Informationsaustausch mit ausl\u00e4ndiZiele fremder Nachrichtendienste in Deutschland schen Nachrichtendiensten obliegen hierbei dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Dabei geht es zum einen darum, die Methoden, Zielrichtungen und Strukturen der in Deutschland aktiven Nachrichtendienste zu erkennen und zum anderen um das Aufkl\u00e4ren aktueller Spionagef\u00e4lle. Daher ist der gesetzliche Auftrag der Spionageabwehr nicht auf einzelne L\u00e4nder fixiert. Nachrichtendienste fremder Staaten richten bei der Spionage gegen Deutschland ihre Ausforschungsbem\u00fchungen insbesondere auf Informationen aus den Bereichen Politik und Wirtschaft. Vor allem geht es um Erkenntnisse \u00fcber Au\u00dfen-, Europaund B\u00fcndnispolitik sowie auch \u00fcber Wirtschaftsund Energiepolitik. Im Rahmen der Wirtschaftsspionage liegt das Interesse beim Produkt selbst, den Fertigungsprozessen und den strategischen Informationen zu deutschen Firmen. Zunehmend gibt es auch Aktivit\u00e4ten von Nachrichtendiensten aus dem Nahen und Mittleren Osten, welche die Bundesrepublik als politisch und wirtschaftlich interessantes Operationsgebiet betrachten. Deren Hauptinteresse gilt einerseits der illegalen Beschaffung von R\u00fcstungsg\u00fctern und Hochleistungstechnologien (Proliferation) sowie der Ausfor196","Spionageabwehr schung von Personen und Unterwanderung von Gruppierungen, die in Opposition zum Regime in ihrem Heimatland stehen. Die fremden Nachrichtendienste bedienen sich zur Informationsbeschaffung der M\u00f6glichkeiten aus offen zug\u00e4nglichen Informationsquellen sowie der durch verdeckte Spionageaktivit\u00e4ten. Nachrichtendienste nutzen verst\u00e4rkt das Internet und versuchen \u00fcber weitere elektronische Kommunikationsmedien Informationen zu erlangen. Die Gewinnung und der Einsatz menschlicher Quellen ist aber nach wie vor ein g\u00e4ngiges und f\u00fcr die Dienste ein unverzichtbares Mittel der Informationsbeschaffung. Das Ziel fremder Nachrichtendienste in Deutschland ist zumeist der Aufbau verdeckt operierender Informationsnetzwerke, innerhalb derer angeworbene Einzelpersonen agieren; im Bereich der Wirtschaftsspionage und der Proliferation vor allem unter Tarnung als legal am Gesch\u00e4ftsleben teilnehmende Unternehmen. Die Spionageabwehr ist zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben ganz entscheidend auf Hinweise aus der Bev\u00f6lkerung angewiesen. H\u00e4ufig erm\u00f6glichen erst Informationen von betroffenen Personen, Unternehmen oder anderen Stellen die Ermittlungen zur Kl\u00e4rung eines Spionageverdachts. Viele Betroffene untersch\u00e4tzen die Tragweite des Falles oder f\u00fcrchten einen Imageverlust und verzichten deshalb darauf, die Spionageabwehr zu informieren. Damit verhindern sie aber auch, dass ihre Erfahrungen Dritten zugute kommen k\u00f6nnen um k\u00fcnftige Spionagef\u00e4lle zu verhindern. Personen, die von einem Anwerbungsversuch fremder Geheimdienste betroffen sind, wird geraten, sich an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Hamburg zu wenden: Tel.: 040 - 244443 oder E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de 2. Elektronische Attacken Elektronische Angriffe haben sich zu einer wichtigen Methode der Informationsgewinnung entwickelt und erg\u00e4nzen als zus\u00e4tzliche Informationsquelle die nachrichtendienstliche Ausforschung mit menschlichen 197","Spionageabwehr Quellen. Sie sind kosteng\u00fcnstig, sehr schnell, anonym und risikolos vom Heimatland aus durchf\u00fchrbar. Elektronische Angriffe auf die Wirtschaft sind wegen der oft dezentralen IT-Strukturen nur schwer zu erkennen und werden oft eher zuf\u00e4llig bemerkt. Die Infrastrukturen in den Unternehmen unterscheiden sich ebenso wie die jeweils bestehenden Sicherheitsinstallationen. Grunds\u00e4tzlich sind elektronische Angriffe ein effektives und von den betroffenen Stellen nur schwer aufzukl\u00e4rendes Mittel der Informationsbeschaffung, bei dem insbesondere die Anonymit\u00e4t des Internets eine Identifizierung der T\u00e4ter oder die eindeutige Zuordnung zum angreifenden Land extrem erschwert. Ein Teil der festgestellten elektronischen Angriffe zeigte in der Vergangenheit auf einen chinesischen oder russischen Hintergrund. Die Nachhaltigkeit und globale Ausrichtung, mit der die mutma\u00dflichen Angreifer aus China, Russland und anderen L\u00e4ndern Informationen zu beschaffen versuchen, sind Indizien f\u00fcr eine strategisch ausgelegte Aufkl\u00e4rung durch die dortigen Nachrichtendienste. 3. Nachrichtendienste Mittlerer und Naher Osten Diverse Nachrichtendienste aus L\u00e4ndern des Nahen und Mittleren Ostens sowie Afrikas entfalten in Deutschland ihre Aktivit\u00e4ten. Zumeist geht es dabei um die Ausforschung und \u00dcberwachung der in Deutschland lebenden Landsleute. Besonderes Interesse der Nachrichtendienste gilt den hier lebenden Oppositionellen oder islamistischen Gruppierungen, die als Bedrohung f\u00fcr das eigene Regime angesehen werden. Die Nachrichtendienste versuchen, Hinweisgeber zu gewinnen und Informanten in Gruppierungen einzuschleusen, um Informationen \u00fcber Mitglieder und geplante Aktionen zu gewinnen - h\u00e4ufig wird massiver Druck auch auf die Betreffenden oder Familienangeh\u00f6rige im Heimatland ausge\u00fcbt. Beispiel: So wurde am 18.12.2013 als letzter von vier Angeklagten der deutsch-syrische Staatsangeh\u00f6rige Samer C. wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit in Tateinheit mit Unterschlagung zu einer Haftstrafe von neun Monaten vom Kammergericht Berlin verurteilt. Er hatte regi198","Spionageabwehr mekritische Kundgebungen ausgesp\u00e4ht und Fotos von Angeh\u00f6rigen der syrischen Opposition gemacht, um seinem nachrichtlichendienstlichen Auftraggeber deren Identifizierung zu erm\u00f6glichen. Die nachrichtendienstliche Vorgehensweise Irans war 2014 neben dem Augenmerk auf Oppositionelle in der Bundesrepublik haupts\u00e4chlich auf den Bereich Proliferation gerichtet. Als Proliferation wird die Weiterverbreitung von atomaren, biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen und der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte bezeichnet; eingeschlossen sind das dazu erforderliche Know-how sowie die entsprechenden Tr\u00e4gersysteme. Die islamische Republik Iran war hier in 2014 unver\u00e4ndert der aktivste Staat auf dem Gebiet der Proliferation neben anderen Staaten wie Syrien, Pakistan und Nordkorea. Gegen den weiteren Ausbau von Urananreicherungsanlagen durch den Iran hat der Weltsicherheitsrat in den vergangenen Jahren mehrere Resolutionen beschlossen, der sich die Europ\u00e4ische Union mit noch weitergehenden Handelssanktionen anschloss. Im Mittelpunkt der Beschaffungsaktivit\u00e4ten auf dem Gebiet der Proliferation stehen neben direkten Embargo-G\u00fctern auch sogenannte Dualuse-G\u00fcter, das hei\u00dft G\u00fcter mit m\u00f6glichem doppelten Verwendungszweck, einschlie\u00dflich Software-Know-how und Technologien, die sowohl f\u00fcr zivile als auch milit\u00e4rische Zwecke eingesetzt werden k\u00f6nnen. Ein Beispiel f\u00fcr Dual-use-G\u00fcter sind Hochgeschwindigkeits-Zentrifugensysteme. In der Regel werden sie in der Medizin und Pharmakologie eingesetzt. Mit ihrer Hilfe kann aber auch Uran angereichert werden, das zur Produktion einer Atombombe genutzt werden kann. Um hier die Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen umgehen zu k\u00f6nnen, kommen beim Export sensibler Produkte regelm\u00e4\u00dfig konspirative oder geheimdienstliche Methoden zur Anwendung. Es werden Tarnfirmen gegr\u00fcndet, Gesch\u00e4ftsleute mit falschen Identit\u00e4ten ausgestattet, tats\u00e4chliche Verwendungszwecke verschleiert oder Umgehungslieferungen \u00fcber mehrere L\u00e4nder organisiert. Um den Anstrengungen der Beschaffungsbem\u00fchungen dieser \"Risikostaaten\" wirksam begegnen zu k\u00f6nnen, arbeiten s\u00e4mtliche an der Proliferationsbek\u00e4mpfung beteiligte Stellen eng zusammen. Deshalb pflegt 199","Spionageabwehr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Hamburg gerade in diesem Aufgabenbereich eine intensive Kooperation mit den anderen deutschen Nachrichtendiensten, der Polizei, der Zollfahndung und dem Bundesamt f\u00fcr Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Der Generalbundesanwalt erhob am 24. Juli 2014 vor dem Oberlandesgericht Hamburg Anklage gegen den deutsch-iranischen Gesch\u00e4ftsmann Dr. Ali Reza B. Ihm wird vorgeworfen, von 2011 bis 2013 in zehn F\u00e4llen G\u00fcter aus deutscher Produktion oder aus Drittstaaten f\u00fcr das iranische Raketenprogramm beschafft zu haben, die sowohl zivil als auch milit\u00e4risch verwendet werden k\u00f6nnen. Er war bereits 2009 wegen \u00e4hnlicher Ausfuhren zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe verurteilt worden. Wirtschaftsunternehmen, Hochschulen und andere Einrichtungen k\u00f6nnen sich f\u00fcr Fragen zum Thema Proliferation an die Spionageabwehr des Verfassungsschutzes wenden. Telefon: 040 - 244443, E-Mail: poststelle@verfassungsschutz.hamburg.de. Erste Informationen gibt es zudem in dem aktuellen Leitfaden unter dem Titel \"Proliferation - Wir haben Verantwortung\". Die Brosch\u00fcre kann unter www.hamburg.de/innenbehoerde/spionageabwehr heruntergeladen werden. 4. Nachrichtendienste der Russischen F\u00f6deration Die russische Au\u00dfenpolitik verfolgt nach wie vor das Ziel, als bedeutender internationaler Akteur - auf Augenh\u00f6he mit den USA - agieren zu k\u00f6nnen. Dieser Anspruch wurde in 2014 insbesondere durch russische Aktivit\u00e4ten in der Ukraine-Krise nach au\u00dfen deutlich gemacht. Die russischen Nachrichtendienste sind hierbei ein wichtiger Faktor der nationalen Sicherheitsarchitektur; sie genie\u00dfen bei der politischen F\u00fchrung R\u00fcckhalt und hohes Ansehen. Die im Inund Ausland beschafften Informationen werden bei der Vorbereitung von politischen Entscheidungen genutzt. Sie tragen zur Erf\u00fcllung politischer Vorgaben bei und dienen nicht zuletzt dazu, neben den 200","Spionageabwehr politischen auch die \u00f6konomischen Interessen Russlands weltweit voranzutreiben. Auch die russische Wirtschaft profitiert in erheblichem Ma\u00dfe davon, dass das russische Bundesgesetz Nr. 5 von 1995 den dortigen Geheimdiensten einen eindeutigen Auftrag zur Wirtschaftsspionage erteilt. Im Mittelpunkt der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen stehen insbesondere die Bereiche Politik, Milit\u00e4r, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik. Drei Nachrichtendienste arbeiten aktiv gegen deutsche Sicherheitsinteressen: Der Auslandsnachrichtendienst SWR (Slushba Wneschnej Raswedki), der Milit\u00e4rgeheimdienst GRU (Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije) und der Inlandsnachrichtendienst FSB (Federalnaja Slushba Besopasnosti). Bei der Informationsbeschaffung im Inund Ausland treten die Mitarbeiter der Nachrichtendienste selbstbewusst und selbstsicher auf. Neben der offenen und verdeckten Informationsbeschaffung sowie der Anwerbung von menschlichen Quellen bedienen sie sich heute verst\u00e4rkt halboffener sowie verdeckter konspirativer Methoden unter Einsatz modernster Technik. Die Informationsbeschaffung erfolgt entweder unter zentraler Steuerung von Russland aus oder aus den Legalresidenturen (Botschaften und Konsulate, Medienvertretungen, staatliche Unternehmen) im Ausland. Eine weitere klassische, zentral gesteuerte Methode ist das \"Illegalen-Programm\". Sogenannte Illegale sind mit einer Falschidentit\u00e4t ausgestattete Nachrichtendienstoffiziere, die mit langfristigen Spionageauftr\u00e4gen in die Ziell\u00e4nder entsandt werden. Beispiel: Am 11.11.2014 wurde die russische Staatsangeh\u00f6rige alias Heidrun Anschlag nach Moskau abgeschoben. Die am 18.10.2011 zusammen mit ihrem Ehemann festgenommene Agentin war wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland in einem besonders schweren Fall zu f\u00fcnfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Gericht hatte als erwiesen angesehen, dass beide bis zu ihrer Festnahme f\u00fcr den russischen Auslandsnachrichtendienst SWR in Deutschland Informationen \u00fcber die zivilund milit\u00e4rpolitischen Strategien der EU und der NATO beschafft hatten. Sie waren bereits 1988 und 1990 201","Spionageabwehr als vorgeblich \u00f6sterreichische Staatsangeh\u00f6rige s\u00fcdamerikanischer Herkunft in die Bundesrepublik Deutschland eingereist. Unter dieser mit falschen \u00f6sterreichischen Ausweispapieren untermauerten Legende bauten sie sich eine b\u00fcrgerliche Existenz auf. Damit tarnten sie ihre geheimdienstliche T\u00e4tigkeit. Weder Enttarnungen von Agenten noch die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen der EU zu ihrem Land halten die russischen Nachrichtendienste von weiteren Spionageaktivit\u00e4ten ab. 5. Chinesische Nachrichtendienste Chinesische Nachrichtendienste nutzen wie die Nachrichtendienste anderer Staaten ihre diplomatischen und konsularischen Vertretungen in Deutschland, um hier ihre Mitarbeiter getarnt einzusetzen (sogenannte Legalresidenturen). Sie beschaffen sich nicht nur auf verdecktem Wege Erkenntnisse, sondern sammeln vor allem offen zug\u00e4ngliche Informationen. Diese werden auf ihre Relevanz f\u00fcr die chinesische Interessenlage ausgewertet. Das gilt f\u00fcr Informationen aus den Medien aber auch f\u00fcr solche, die anl\u00e4sslich von Ausstellungen, Messen und Kongressen erlangt werden. Personen mit sensiblem Know-how werden \"abgesch\u00f6pft\". Dies geschieht in erster Linie in Gespr\u00e4chen. Speziell hierf\u00fcr geschulten Mitarbeitern gelingt es auf diese Weise, in den Besitz vertraulicher Unterlagen oder auch von Prototypen von Werkst\u00fccken zu gelangen. Ebenso legendieren sich Mitarbeiter der Nachrichtendienste gelegentlich als Journalisten oder nutzen Delegationen in Firmen und Beh\u00f6rden, sonstige Firmenbesuche oder Kontakte in Forschungsbereiche zur erfolgreichen Wissensabsch\u00f6pfung. Daneben werden chinesische oder chinesisch-st\u00e4mmige Gastwissenschaftler, Studenten oder Praktikanten aufgrund ihres Wissens oder ihrer Zug\u00e4nge als Informationsquelle genutzt. Mit gezielten Apellen an ihren Patriotismus und Hinweisen auf das besondere Privileg eines Auslandsaufenthaltes werden sie zur intensiven Mitarbeit bewegt. Die Gewinnung von Know-how \u00fcber diese sogenannten \"Non Professionals\" hat den Vorteil, dass beim Bekanntwerden eines Aussp\u00e4hungs202","Spionageabwehr versuchs nicht sofort erkennbar wird, ob die Person aus eigenem Antrieb handelte oder f\u00fcr einen Mitbewerber spionierte oder einen nachrichtendienstlichen Auftrag erledigte. Stark zugenommen haben auch Angriffe mittels Schadsoftware \u00fcber das Internet, etwa durch Trojaner. T\u00e4glich gibt es zwischen 2.000 und 3.000 Angriffe allein auf das Netzwerk der Bundesregierung. Bei immerhin f\u00fcnf Angriffen gibt es den starken Verdacht auf Aktivit\u00e4ten ausl\u00e4ndischer Geheimdienste. Wenn auch nicht jeder Angriff, der \u00fcber einen chinesischen Server erfolgt, einem chinesischen Nachrichtendienst zuzuordnen ist, so spricht bei einigen Attacken vor allem aufgrund der Professionalit\u00e4t vieles f\u00fcr einen nachrichtendienstlichen Hintergrund. Wesentliche Angriffsziele der Nachrichtendienste sind hierbei die Beschaffung von Erkenntnissen aus Politik, Milit\u00e4r, Wirtschaft und Wissenschaft. Das Interesse ist hier sowohl auf innovative Hightech-Produkte gelegt als auch auf Grundlagenforschung. Dar\u00fcber hinaus geht die chinesische Regierung mittels ihrer Nachrichtendienste konsequent gegen oppositionelle Gruppen als auch Einzelpersonen vor. Diese Oppositionellen sind insgesamt im chinesischen Sprachgebrauch zu den \"F\u00fcnf Giften\" zusammengefasst. Dazu geh\u00f6ren die Demokratiebewegung, die Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Tibet, die Anh\u00e4nger eines unabh\u00e4ngigen Taiwan, die FalunGong-Praktizierenden und die turkst\u00e4mmigen (muslimischen) Uiguren. Die chinesischen Nachrichtendienste haben die Aufgabe, im Ausland die Aktivit\u00e4ten dieser Vereinigungen aufzukl\u00e4ren, die Veranstaltungen zu beeintr\u00e4chtigen und \u00f6ffentlichkeitswirksame, f\u00fcr die chinesische Staatsf\u00fchrung negative Aktionen, abzuwenden. Dazu geh\u00f6rt es auch, Vereinigungen und deren Veranstaltungen bei Beh\u00f6rden oder Gastgebern in Deutschland zu diskreditieren. Die chinesischen Nachrichtendienste sind auch gegen Ausl\u00e4nder auf eigenem Hoheitsgebiet aktiv. So unterliegen Reisende nach China einer intensiven \u00dcberwachung durch die Sicherheitsorgane. Mit Hilfe der Legalresidenturen sind die Dienste schon bei Beantragung des notwendigen Visums in der Lage, relevante Personen zu erfassen und deren Personalien weiterzugeben. Diese Informationsbasis hat sich durch Einf\u00fchrung neuer Visaformulare im Jahr 2011 noch vergr\u00f6\u00dfert. Mitt203","Spionageabwehr lerweile m\u00fcssen z.B. auch Angaben zur beruflichen T\u00e4tigkeit naher Angeh\u00f6riger gemacht werden. In China besteht die M\u00f6glichkeit, die Reisenden nach dem Grenz\u00fcbertritt umfassend zu \u00fcberwachen. So sind in bestimmten Hotelzimmern Videound Abh\u00f6reinrichtungen verbaut und das Gep\u00e4ck wird in den Zimmern durchsucht. 6. Aussp\u00e4hung durch andere L\u00e4nder Die Arbeit der Spionageabwehr ist nicht begrenzt auf die oben genannten st\u00e4rksten Aktionsfelder. Auch Nachrichtendienste anderer L\u00e4nder sind in Deutschland aktiv: So erhob der Generalbundesanwalt am 19. Februar 2014 vor dem Oberlandesgericht Koblenz Anklage wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit gegen den indischen Staatsangeh\u00f6rigen Ranjit S., der verd\u00e4chtigt wird, f\u00fcr einen indischen Nachrichtendienst t\u00e4tig gewesen zu sein. Er soll seit Februar 2013 Informationen \u00fcber Mitglieder von Sikh-Organisationen beschafft und gegen Geldzahlungen an seinen nachrichtendienstlichen F\u00fchrungsoffizier weitergegeben haben. Am 17. Dezember 2014 wurden au\u00dferdem drei t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige am Flughafen Frankfurt am Main festgenommen. Sie sind dringend verd\u00e4chtig, f\u00fcr einen t\u00fcrkischen Nachrichtendienst gearbeitet zu haben, indem sie Informationen \u00fcber in der Bundesrepublik lebende Landsleute und hiesige Organisationsstrukturen gesammelt und an den t\u00fcrkischen Nachrichtendienst weitergegeben haben. Am 2. Juli 2014 wurde ein Mitarbeiter des Bundesnachrichtendienstes unter dem Verdacht festgenommen, f\u00fcr einen US-amerikanischen Nachrichtendienst als Informant gearbeitet zu haben. Der Mitarbeiter befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Eine Woche sp\u00e4ter wurden Ermittlungen des Generalbundesanwaltes gegen einen hochrangigen Mitarbeiter des Bundesverteidigungsministeriums bekannt, der durch intensive Kontakte zu mutma\u00dflichen US-Ge204","Spionageabwehr heimdienstlern ins Blickfeld der bundesdeutschen Abwehrdienste geraten war. Weiter Informationen zum Thema Spionageabwehr finden Sie auf der Internetseite: www.hamburg.de/innenbehoerde/spionageabwehr 205","","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz VIII. Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz 1. Allgemeines In Beh\u00f6rden und Einrichtungen gibt es geheimhaltungsbed\u00fcrftige staatliche Informationen, die vor Ausforschung zu sch\u00fctzen sind. Im Bereich des Geheimschutzes ( 2.) obliegt diese Aufgabe dem LfV Hamburg durch personelle, technische und organisatorische Vorkehrungen. Solche amtlich geheim zu haltenden Angelegenheiten, sogenannte Verschlusssachen (VS), sind im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse. Dazu z\u00e4hlen insbesondere elektronische Speichermedien, Schriftverkehr, Transportwege, aber auch R\u00e4umlichkeiten. Sie werden nach ihrer Schutzbed\u00fcrftigkeit entweder als \"STRENG GEHEIM\", \"GEHEIM\", \"VS-VERTRAULICH\" oder \"VS - NUR F\u00dcR DEN DIENSTGEBRAUCH\" klassifiziert. Entscheidend f\u00fcr die Einstufung ist der m\u00f6gliche Schaden, wenn Unbefugte von diesen Informationen Kenntnis erhalten. Auch Wirtschaftsunternehmen arbeiten mit staatlichen Verschlusssachen, wenn geheimhaltungsbed\u00fcrftige Staatsauftr\u00e4ge zum Beispiel im Bereich der R\u00fcstungsindustrie vergeben werden. Zum Schutz dieser Verschlusssachen werden diese Unternehmen vom Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie (BMWi) und dem Hamburger Verfassungsschutz betreut und daher als \"geheimschutzbetreut\" bezeichnet. Im Zuge des personellen Sabotageschutzes ( 3.) f\u00fchrt der Verfassungsschutz pr\u00e4ventive Personen\u00fcberpr\u00fcfungen durch, um potenzielle Saboteure von sicherheitsempfindlichen Bereichen fernzuhalten. Seine eigenen IT-Systeme und die von ihm genutzten Kommunikationsstrukturen sch\u00fctzt das LfV Hamburg durch Einhaltung von Sicherheitsstandards entsprechend dem jeweiligen Schutzbedarf ( 4.). Im Bereich des Wirtschaftsschutzes ( 5.) h\u00e4lt das LfV Hamburg ein umfassendes Informationsund Beratungsangebot vor. Anhand modular aufgebauter Vortr\u00e4ge zeigt es den Hamburger Unternehmen aktuelle Gefahren durch Wirtschaftsspionage sowie geeignete Schutzm\u00f6glichkeiten auf. 208","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz 2. Geheimschutz Ziel des staatlichen Geheimschutzes ist es, geheimhaltungsbed\u00fcrftige Informationen des Staates bestm\u00f6glich vor einem Zugriff durch Unbefugte zu sichern. F\u00fcr solche Verschlusssachen ist deshalb ein optimaler Schutz zu gew\u00e4hrleisten. Der Umgang mit ihnen ist sowohl personenbezogen ( 2.1) als auch materiell ( 2.2) geregelt. 2.1 Personeller Geheimschutz Der personelle Geheimschutz soll verhindern, dass solche Personen Zugang zu Verschlusssachen erhalten, bei denen Sicherheitsrisiken vorliegen. Zu diesem Zweck werden Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen nach dem Hamburger Landesrecht (HmbS\u00fcGG) durchgef\u00fchrt. Die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen dienen der Feststellung, ob einer Person eine sicherheitsempfindliche T\u00e4tigkeit in einer \u00f6ffentlichen Stelle oder einem Unternehmen \u00fcbertragen werden kann. Ein Sicherheitsrisiko, das die Zuweisung einer solchen T\u00e4tigkeit aus Gr\u00fcnden des staatlichen Geheimschutzes verbietet, kann insbesondere bestehen bei Unzuverl\u00e4ssigkeit * wegen Straftaten oder Drogenund Alkoholmissbrauchs, * bei fehlender Verfassungstreue, insbesondere bei politisch-extremistischer T\u00e4tigkeit oder * bei besonderer Gef\u00e4hrdung durch Anbahnungsoder Werbungsversuche fremder Nachrichtendienste (zum Beispiel Erpressbarkeit). Zum Schutz der Grundrechte der Betroffenen wurde im Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsrecht festgelegt, dass die Durchf\u00fchrung einer vorherigen Zustimmung bedarf. Der Eingriff in das informationelle Selbstbestimmungsrecht ist nur mit vorliegender Zustimmung der zu \u00fcberpr\u00fcfenden Person zul\u00e4ssig. Dies gilt ebenso f\u00fcr die Ehegatten, Lebenspartner oder Lebensgef\u00e4hrten, die bei bestimmten \u00dcberpr\u00fcfungsarten in die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung mit einzubeziehen sind. Falls die Zustimmung zur Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung verweigert wird, ist die Zuweisung einer sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeit allerdings nicht m\u00f6glich. 209","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Je nach Art der sicherheitsempfindlichen T\u00e4tigkeit werden entweder eine einfache Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung (\u00dc1), eine erweiterte Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung (\u00dc2) oder eine erweiterte Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung mit Sicherheitsermittlungen (\u00dc3) durchgef\u00fchrt. Mit der sogenannten verk\u00fcrzten einfachen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung (\u00dc1-VK-) bietet das HmbS\u00dcGG zudem eine besondere \u00dcberpr\u00fcfungsart: Zust\u00e4ndige Stellen (z.B. Beh\u00f6rden) d\u00fcrfen den kurzzeitigen Zugang zu einem Sicherheitsbereich gew\u00e4hren, ohne eine komplette - f\u00fcr diese kurzzeitige T\u00e4tigkeit unangemessene - Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung vornehmen zu m\u00fcssen (zum Beispiel bei unaufschiebbaren Ma\u00dfnahmen von Handwerkern). Der Umfang der Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die einzelnen \u00dcberpr\u00fcfungsarten ist im HmbS\u00dcGG geregelt. Hierzu geh\u00f6ren z. B. Anfragen bei anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und dem Bundeszentralregister. Das HmbS\u00dcGG enth\u00e4lt gegen\u00fcber den Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzen des Bundes und anderer L\u00e4nder einen erweiterten Aufgabenkatalog. Unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Umgang mit Verschlusssachen k\u00f6nnen auch Personen \u00fcberpr\u00fcft werden, die in einem sicherheitsempfindlichen \u00f6ffentlichen Bereich t\u00e4tig sind, der aufgrund seiner Aufgabenstellung oder seiner besonderen Bedeutung zum Sicherheitsbereich erkl\u00e4rt wurde. Bei dieser Form der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht mit (SS 34 HmbS\u00dcGG), sie wird von der jeweiligen Beh\u00f6rde selbst durchgef\u00fchrt. \u00dcberpr\u00fcft werden hier regelhaft auch Personen, die in zentralen sicherheitsempfindlichen \u00f6ffentlichen Bereichen in Funktionen der Informationsund Kommunikationstechnik - zum Beispiel bei Dataport - t\u00e4tig sind. Bei der Durchf\u00fchrung von einzelnen Personen\u00fcberpr\u00fcfungen und grunds\u00e4tzlichen Fragen zum personellen Geheimschutz steht der Verfassungsschutz den \u00f6ffentlichen Stellen der Freien und Hansestadt Hamburg und auch den geheimschutzbetreuten Wirtschaftsunternehmen beratend zur Seite. Im Jahr 2014 hat das LfV Hamburg 417 (2013: 442) Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen bearbeitet. 210","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz 2.2 Materieller Geheimschutz Der materielle Geheimschutz umfasst technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen zum Schutz von Verschlusssachen. Verschlusssachen sind vor dem Zugriff Unbefugter zu sch\u00fctzen, insofern sind sie entsprechend ihrer Schutzbed\u00fcrftigkeit zu behandeln und aufzubewahren. Bei der Planung und Durchf\u00fchrung technischer, baulicher und organisatorischer Sicherungsma\u00dfnahmen steht der Verfassungsschutz den Verschlusssachen beund verarbeitenden \u00f6ffentlichen Stellen der Freien und Hansestadt Hamburg beratend zur Seite. 3. Personeller Sabotageschutz Der vorbeugende personelle Sabotageschutz wurde in Reaktion auf die Terroranschl\u00e4ge vom 11. September 2001 eingef\u00fchrt. Ziel der im Rahmen des Sabotageschutzes durchgef\u00fchrten Personen\u00fcberpr\u00fcfungen ist es, potenzielle Saboteure (sog. Innent\u00e4ter) von sicherheitsempfindlichen Bereichen fernzuhalten. \u00dcberpr\u00fcft werden Personen, die innerhalb von lebensund verteidigungswichtigen Einrichtungen an sicherheitsempfindlichen Stellen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen und die tats\u00e4chlich auf die Funktionsf\u00e4higkeit dieser Einrichtungen Einfluss nehmen k\u00f6nnen. Im Rahmen des vorbeugenden personellen Sabotageschutzes werden auch Personen, die in sicherheitsempfindlichen Bereichen des Hamburger Flughafens besch\u00e4ftigt werden sollen, nach SS 7 des Gesetzes zur Neuregelung von Luftsicherungsaufgaben (Luftsicherheitsgesetz - LuftSiG) auf ihre Zuverl\u00e4ssigkeit \u00fcberpr\u00fcft. Im Jahr 2014 wurden 9.162 (2013: 6.571) \u00dcberpr\u00fcfungen f\u00fcr den Bereich des Hamburger Flughafens vorgenommen. Auch die Sicherheitsma\u00dfnahmen f\u00fcr Hafenanlagen sehen entsprechende Personen\u00fcberpr\u00fcfungen vor. Von den im Hafensicherheitsgesetz (HafenSG) definierten Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen wurden im Jahr 2014 53 (2013: 56) vorgenommen. Das LfV Hamburg ist dar\u00fcber hinaus an den Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungsverfahren des Gesetzes \u00fcber explosionsgef\u00e4hrliche Stoffe 211","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz (Sprengstoffgesetz - SprengG) beteiligt. 2014 wurden 178 Auskunftsersuchen beantwortet (2013: acht). Das umfassende Beratungsangebot des Verfassungsschutzes steht den betroffenen \u00f6ffentlichen und privaten Stellen im \u00dcbrigen zu allen Fragen rund um den personellen Sabotageschutz zur Verf\u00fcgung. 4. Schutz von IT-Systemen und Kommunikationsstrukturen Sicherheitsstandards von IT-Systemen, Netzund Kommunikationsinfrastrukturen werden anhand des Schutzbedarfes der verarbeiteten Daten festgelegt; hieraus resultieren / ergeben sich die zu treffenden Schutzma\u00dfnahmen. Gleichwohl ist es immer wieder erforderlich, f\u00fcr die \u00dcbermittlung von Daten auch \u00f6ffentliche Kommunikationswege zu nutzen. In \u00f6ffentlichen Kommunikationsinfrastrukturen befindliche IT-Systeme sind grunds\u00e4tzlich einem hohen Risiko ausgesetzt, elektronisch angegriffen zu werden. Ziel dieser Angriffe kann das Ausforschen, das Manipulieren oder L\u00f6schen von Daten sowie die Beeintr\u00e4chtigung der Verf\u00fcgbarkeit dieser IT-Systeme sein. Um dieses zu erreichen wird sowohl einfache als auch sehr komplexe und professionelle Schadsoftware, welche mit hohen personellen und finanziellen Ressourcen entwickelt worden sein muss, eingesetzt. Urheber solcher Angriffe k\u00f6nnen Einzelpersonen, politische oder kriminelle Vereinigungen oder auch fremde Staaten sein ( VII. 2.). 5. Wirtschaftsschutz Vor dem Hintergrund zunehmender Presseberichterstattungen \u00fcber Cyberspionage gegen staatliche Stellen und Unternehmen waren die Themenbereiche IT-Sicherheit, mobile Kommunikation, hier insbesondere der Schutz vor Aussp\u00e4hung durch fremde Nachrichtendienste, Gegenstand h\u00e4ufiger Nachfragen. Das LfV Hamburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, Hamburger Unternehmen f\u00fcr die Gefahren durch Wirtschaftsspionage zu sensibilisieren 212","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz und mit einem umfangreichen Informationsund Beratungsangebot bei der Abwehr dieser Gefahren zu unterst\u00fctzen. Um eine erh\u00f6hte Sensibilit\u00e4t und ein angemessenes Sicherheitsbewusstsein von F\u00fchrungskr\u00e4ften und Mitarbeitern zu erreichen, erfolgen Firmenbesuche, Informationsund Vortragsveranstaltungen, aktuelle Lageeinsch\u00e4tzungen sowie konkrete Verhaltensempfehlungen bei eingetretenen oder bef\u00fcrchteten Sicherheitsgef\u00e4hrdungen. 2014 hat das LfV Hamburg 45 Sensibilisierungsgespr\u00e4che mit Sicherheitsverantwortlichen oder der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung von Hamburger Unternehmen gef\u00fchrt, 26 davon bei geheimschutzbetreuten Unternehmen. Daneben f\u00fchrte das LfV Hamburg 14 Informationsund Vortragsveranstaltungen bei Unternehmen durch und hielt 22 Vortr\u00e4ge im Rahmen von Multiplikatorenveranstaltungen. Am 2. September 2014 veranstaltete das LfV Hamburg erneut den alle zwei Jahre stattfindenden Wirtschaftsschutztag in der Handelskammer Hamburg. Rund 200 Vertreter von Hamburger Unternehmen und Verb\u00e4nden nahmen das Angebot des LfV Hamburg an, sich unter dem Titel \"Gefahren durch Wirtschaftsspionage und KonkurTorsten Vo\u00df, Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz beim Wirtschaftsschutztag in der renzaussp\u00e4hung: L\u00f6sungsstraHandelskammer Hamburg tegien f\u00fcr Hamburger Unternehmen im internationalen Wettbewerb\" zu informieren. Im Mittelpunkt der Tagung standen L\u00f6sungsstrategien f\u00fcr Unternehmen zum Schutz vor Wirtschaftsspionage und Konkurrenzaussp\u00e4hung. Anlass hierf\u00fcr war, dass im globalisierten Handel fremde Nachrichtendienste und konkurrierende Unternehmen immer wieder versuchen, vertrauliches Know-how zu entwenden, um sich einen Wettbewerbsvorteil f\u00fcr die eigene Volkswirtschaft oder das eigene Unternehmen zu verschaffen. Der finanzielle Schaden, der dadurch bei den ausgesp\u00e4hten Unternehmen entstehen kann, kann immens sein. 213","Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Infolge der intensiven Zusammenarbeit des LfV Hamburg mit der Hamburger Wirtschaft sowie ihren Vereinigungen und des dadurch gewachsenen Vertrauensverh\u00e4ltnisses geben die Unternehmen dem LfV Hamburg auch Hinweise zu sicherheitsrelevanten Vorkommnissen, zum Beispiel zu Auff\u00e4lligkeiten auf Gesch\u00e4ftsreisen bei der Einund Ausreisekontrolle, im Hotel oder bei Gesch\u00e4ftsverhandlungen. Weitere Informationen finden sich auf den Internetseiten des LfV Hamburg unter Arbeitsfeld Wirtschaftsschutz / Publikationen Wirtschaftsschutz. Beratung Unternehmen mit Beratungsbedarf k\u00f6nnen sich jederzeit mit dem Bereich \"Wirtschaftsschutz\" des LfV Hamburg unter der Telefonnummer (040) 24 44 43 in Verbindung setzen oder eine E-Mail an geheimschutz@verfassungsschutz.hamburg.de schreiben. 214","Verfassungsschutz in Hamburg Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Islamisten Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Gruppierungen mit Auslandsbezug Linksextremismus Rechtsextremismus Scientology-Organisation Spionageabwehr Geheimund Sabotageschutz; Wirtschaftsschutz Anhang * Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz * Abk\u00fcrzungsverzeichnis * Stichwortverzeichnis","Anhang / Verfassungsschutzgesetz Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz (HmbVerfSchG) vom 07.03.1995 zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 19.06.2013 1. Abschnitt Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz SS1 Zweck des Verfassungsschutzes SS2 Zust\u00e4ndigkeit SS3 Zusammenarbeit SS4 Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz SS5 Begriffsbestimmungen SS6 Voraussetzung und Rahmen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz 2. Abschnitt Erheben und weitere Verarbeitung von Informationen SS7 Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz SS 7a Verfahrensregelungen zu besonderen Auskunftsverlangen SS 7b Einschr\u00e4nkung von Grundrechten SS 7c Weitere Auskunftsverlangen SS8 Erheben von Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln SS9 Weitere Verarbeitung personenbezogener Daten SS 10 Verarbeitung von Daten Minderj\u00e4hriger SS 11 Berichtigung, Sperrung und L\u00f6schung 3. Abschnitt Daten\u00fcbermittlung SS 12 \u00dcbermittlung nicht personenbezogener Daten SS 13 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an inl\u00e4ndische Nachrichtendienste SS 14 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an inl\u00e4ndische 216","Anhang / Verfassungsschutzgesetz \u00f6ffentliche Stellen und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden SS 15 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stationierungsstreitkr\u00e4fte SS 16 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen SS 17 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs SS 18 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an die \u00d6ffentlichkeit SS 19 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz SS 20 Registereinsicht durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz SS 21 \u00dcbermittlungsverbote und -einschr\u00e4nkungen SS 22 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten Minderj\u00e4hriger 4. Abschnitt Auskunftserteilung SS 23 Auskunftserteilung 5. Abschnitt Parlamentarische Kontrolle des Verfassungsschutzes SS 24 Parlamentarischer Kontrollausschuss SS 25 Zusammensetzung und Pflichten des Ausschusses SS 26 Aufgaben des Ausschusses SS 27 Eingaben 6. Abschnitt Schlussvorschriften SS 28 \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz SS 29 Inkrafttreten 217","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 1. Abschnitt Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz SS1 Zweck des Verfassungsschutzes (1) Der Verfassungsschutz dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder. (2) Zu diesem Zweck tritt dieses Gesetz neben das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (Bundesverfassungsschutzgesetz - BVerfSchG) vom 20. Dezember 1990 (Bundesgesetzblatt I Seiten 2954, 2970), zuletzt ge\u00e4ndert am 20. Juni 2013 (BGBl. I S. 1602, 1607). SS2 Zust\u00e4ndigkeit (1) 1 Der Verfassungsschutz wird innerhalb der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wahrgenommen. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist ausschlie\u00dflich hierf\u00fcr zust\u00e4ndig. 3 Bei der Erf\u00fcllung seiner Aufgaben ist es an Gesetz und Recht gebunden (Artikel 20 Absatz 3 des Grundgesetzes). (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. 2 Ihm stehen polizeiliche Befugnisse oder Weisungsbefugnisse gegen\u00fcber polizeilichen Dienststellen nicht zu; es darf die Polizei auch nicht im Wege der Amtshilfe um Ma\u00dfnahmen ersuchen, zu denen es selbst nicht befugt ist. SS3 Zusammenarbeit (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist verpflichtet, mit Bund und L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes zusammenzuarbeiten. 2 Die Zusammenarbeit besteht auch in gegenseitiger Unter218","Anhang / Verfassungsschutzgesetz st\u00fctzung und Hilfeleistung sowie in der Unterhaltung gemeinsamer Einrichtungen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. 2 Ihm stehen polizeiliche Befugnisse oder Weisungsbefugnisse gegen\u00fcber polizeilichen Dienststellen nicht zu; es darf die Polizei auch nicht im Wege der Amtshilfe um Ma\u00dfnahmen ersuchen, zu denen es selbst nicht befugt ist. SS4 Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 1 Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Informationen, insbesondere von sachund personenbezogenen Ausk\u00fcnften, Nachrichten und Unterlagen, \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben, 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht in der Bundesrepublik Deutschland, 3. Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, 4. Bestrebungen im Geltungsbereich dieses Gesetzes, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Artikel 9 Absatz 2 des Grundgesetzes), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Artikel 26 Absatz 1 des Grundgesetzes) gerichtet sind (SS 3 Absatz 1 BVerfSchG). 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat insbesondere den Senat \u00fcber Gefahren f\u00fcr die Schutzg\u00fcter des SS 1 zu informieren und die daf\u00fcr zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen in die Lage zu versetzen, Ma\u00dfnahmen zu ihrer Abwehr zu ergreifen. 3 Es informiert und ber\u00e4t auf Anforderung 219","Anhang / Verfassungsschutzgesetz \u00f6ffentliche und nicht-\u00f6ffentliche Stellen und Einrichtungen \u00fcber die Gefahren der gegen sie gerichteten Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten des Absatzes 1. 4 Dar\u00fcber hinaus unterrichtet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mindestens einmal j\u00e4hrlich die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Gefahren f\u00fcr die Schutzg\u00fcter des SS 1. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich dienstlich verschaffen k\u00f6nnen, 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensund verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden und Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte (SS 3 Absatz 2 Satz 1 BVerfSchG) und 4. bei der Betreuung nicht-\u00f6ffentlicher Stellen und Einrichtungen, bei denen auf Grund von \u00f6ffentlichen Verschlusssachenauftr\u00e4gen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen durchgef\u00fchrt worden sind. 2 Die Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz bei der Mitwirkung nach Satz 1 Nummern 1 und 2 sind im Hamburgischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsund Geheimschutzgesetz (HmbS\u00dcGG) vom 25. Mai 1995 (HmbGVBl. S. 82), zuletzt ge\u00e4ndert am 2. April 2013 (HmbGVBl. S. 121, 124), geregelt. 3 Die Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz bei der Mitwirkung an Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen zum Schutz vor Angriffen auf die Sicherheit des Hamburger Hafens sind im Hafensicherheitsgesetz vom 6. Oktober 2005 (HmbGVBl. S. 424), zuletzt ge\u00e4ndert am 22. Juni 2010 (HmbGVBl. S. 440), geregelt. 220","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS5 Begriffsbestimmungen (1) 1 Im Sinne dieses Gesetzes sind: 1. Bestrebungen gegen den Bestand des Bundes oder eines Landes solche politisch motivierten zielund zweckgerichteten Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der darauf gerichtet ist, die Freiheit des Bundes oder eines Landes von fremder Herrschaft aufzuheben, ihre staatliche Einheit zu beseitigen oder ein zu ihnen geh\u00f6rendes Gebiet abzutrennen, 2. Bestrebungen gegen die Sicherheit des Bundes oder eines Landes solche politisch motivierten zielund zweckgerichteten Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der darauf gerichtet ist, den Bund, L\u00e4nder oder deren Einrichtungen in ihrer Funktionsf\u00e4higkeit erheblich zu beeintr\u00e4chtigen, 3. Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung solche politisch motivierten zielund zweckgerichteten Verhaltensweisen in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss, der darauf gerichtet ist, einen der in Absatz 2 genannten Verfassungsgrunds\u00e4tze zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen. 2 F\u00fcr einen Personenzusammenschluss handelt, wer ihn in seinen Bestrebungen nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt (SS 4 Absatz 1 S\u00e4tze 1 und 2 BVerfSchG). 3 Bestrebungen im Sinne dieses Gesetzes sind auch Verhaltensweisen gem\u00e4\u00df Satz 1 von Einzelpersonen, die nicht in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschluss handeln, wenn sie gegen Schutzg\u00fcter dieses Gesetzes mit Anwendung von Gewalt gerichtet sind oder diese sonst angreifen und bek\u00e4mpfen. (2) Zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne dieses Gesetzes z\u00e4hlen gem\u00e4\u00df SS 4 Absatz 2 BVerfSchG 1. das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen, 221","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2. die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung an Gesetz und Recht, 3. das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition, 4. die Verantwortlichkeit der Regierung gegen\u00fcber der Volksvertretung und ihre Abl\u00f6sbarkeit, 5. die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, 6. der Ausschluss jeder Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und 7. die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. SS6 Voraussetzung und Rahmen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf nur Ma\u00dfnahmen ergreifen, wenn und soweit sie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlich sind; dies gilt insbesondere f\u00fcr die Erhebung und weitere Verarbeitung personenbezogener Daten. 2 Von mehreren m\u00f6glichen und geeigneten Ma\u00dfnahmen hat es diejenige zu treffen, die den Einzelnen insbesondere in seinen Grundrechten und die Allgemeinheit voraussichtlich am wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 3 Eine geringere Beeintr\u00e4chtigung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Information aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen oder durch eine beh\u00f6rdliche Auskunft gewonnen werden kann. 4 Eine Ma\u00dfnahme darf nicht zu einem Nachteil f\u00fchren, der zu dem erstrebten Erfolg erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis steht. 5 Sie ist nur so lange zul\u00e4ssig, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich zeigt, dass er nicht erreicht werden kann. 222","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2. Abschnitt Erheben und weitere Verarbeitung von Informationen SS7 Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben Informationen erheben und weiter verarbeiten. 2 Es darf personenbezogene Daten auch f\u00fcr die Vorgangsverwaltung nutzen und verarbeiten. 3 Ist zum Zwecke der Datenerhebung die \u00dcbermittlung von personenbezogenen Daten unerl\u00e4sslich, ist sie auf das unbedingt erforderliche Ma\u00df zu beschr\u00e4nken. 4 Schutzw\u00fcrdige Interessen des Betroffenen d\u00fcrfen nur in unvermeidbarem Umfang beeintr\u00e4chtigt werden. (1a) 1 Die Erhebung von personenbezogenen Daten, die dem Kernbereich privater Lebensgestaltung oder einem Vertrauensverh\u00e4ltnis mit Berufsgeheimnistr\u00e4gern oder zeugnisverweigerungsberechtigten Personen gem\u00e4\u00df SSSS 53, 53a Strafprozessordnung zuzuordnen sind (Vertrauensbereiche), ist unzul\u00e4ssig. 2 Werden personenbezogene Daten aus diesen Vertrauensbereichen durch Ma\u00dfnahmen unvermeidbar erfasst, so d\u00fcrfen die Daten nicht weiter verarbeitet werden; sie sind unter Aufsicht eines Bediensteten mit der Bef\u00e4higung zum Richteramt zu l\u00f6schen oder zu vernichten. 3 Die Tatsache der Erhebung und die L\u00f6schung oder Vernichtung der Daten aus diesen Vertrauensbereichen ist zu dokumentieren. 4 In Zweifelsf\u00e4llen entscheidet der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder sein Stellvertreter, ob die Daten weiter verarbeitet werden d\u00fcrfen. 5 Eine Weiterverarbeitung darf erst nach einer Berichterstattung an den Kontrollausschuss gem\u00e4\u00df SS 26 erfolgen, sofern keine Gefahr im Verzug vorliegt. 6 Soweit die Daten f\u00fcr eine Mitteilung an den Betroffenen oder f\u00fcr eine gerichtliche Nachpr\u00fcfung der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme von Bedeutung sein k\u00f6nnen, sind sie zu sperren. 7 Die gesperrten Daten d\u00fcrfen nur zu den in Satz 6 genannten Zwecken verwendet werden. 8 Im Fall der Mitteilung an den Betroffenen sind die Daten erst zu l\u00f6schen, wenn der Betroffene nach Ablauf eines Monats nach seiner Benachrichtigung keine Klage erhebt; auf diese Frist ist in der Mitteilung hinzuweisen. 9 Im Fall einer gerichtlichen \u00dcberpr\u00fcfung sind die Daten nach deren Abschluss zu l\u00f6schen. 10 Die L\u00f6schung von Daten ist zu protokollieren. 11 Anderweitige Rechtsvorschriften \u00fcber die Bearbeitung von personenbezogenen Daten aus den Vertrauensbereichen bleiben unber\u00fchrt. 223","Anhang / Verfassungsschutzgesetz (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf bei den hamburgischen Beh\u00f6rden und den der Aufsicht der Freien und Hansestadt Hamburg unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts nur die Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten erheben, die diesen Stellen im Rahmen ihrer Aufgabenerf\u00fcllung bereits vorliegen und die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Verfassungsschutzes erforderlich sind. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz braucht die Ersuchen nicht zu begr\u00fcnden, soweit dies dem Schutz des Betroffenen dient oder eine Begr\u00fcndung den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im Einzelfall bei denjenigen, die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Telemediendienste erbringen oder daran mitwirken, Auskunft \u00fcber Daten einholen, die f\u00fcr die Begr\u00fcndung, inhaltliche Ausgestaltung, \u00c4nderung oder Beendigung eines Vertragsverh\u00e4ltnisses \u00fcber Telemediendienste (Bestandsdaten) gespeichert worden sind, soweit dies zur Sammlung und Auswertung von Informationen erforderlich ist und tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr schwerwiegende Gefahren f\u00fcr die in SS 4 Absatz 1 genannten Schutzg\u00fcter vorliegen. (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im Einzelfall Auskunft einholen bei 1. Luftfahrtunternehmen sowie Betreibern von Computerreservierungssystemen und Globalen Distributionssystemen f\u00fcr Fl\u00fcge zu Namen und Anschriften des Kunden sowie zur Inanspruchnahme und den Umst\u00e4nden von Transportleistungen, insbesondere zum Zeitpunkt von Abfertigung und Abflug und zum Buchungsweg, 2. Kreditinstituten, Finanzdienstleistungsinstituten und Finanzunternehmen zu Konten, Konteninhabern und sonstigen Berechtigten sowie weiteren am Zahlungsverkehr Beteiligten und zu Geldbewegungen und Geldanlagen, insbesondere \u00fcber Kontostand und Zahlungseinund -ausg\u00e4nge, 3. (aufgehoben), 4. denjenigen, die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Telekommunikationsdienste erbringen oder daran mitwirken, zu Verkehrsdaten nach SS 96 Absatz 1 Nummern 1 bis 4 des Telekommunikationsgesetzes vom 224","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 22. Juni 2004 (BGBl. I S. 1190), zuletzt ge\u00e4ndert am 20. Juni 2013 (BGBl. I S. 1602), und sonstigen zum Aufbau und zur Aufrechterhaltung der Telekommunikation notwendigen Verkehrsdaten und 5. denjenigen, die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Telemediendienste erbringen oder daran mitwirken, zu a) Merkmalen zur Identifikation des Nutzers eines Telemediendienstes, b) Angaben \u00fcber Beginn und Ende sowie \u00fcber den Umfang der jeweiligen Nutzung und c) Angaben \u00fcber die vom Nutzer in Anspruch genommenen Telemediendienste, soweit dies zur Sammlung und Auswertung von Informationen erforderlich ist und Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass schwerwiegende Gefahren f\u00fcr die in SS 4 Absatz 1 Satz 1 genannten Schutzg\u00fcter vorliegen. 2 Im Falle des SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 gilt dies nur f\u00fcr Bestrebungen, die bezwecken oder auf Grund ihrer Wirkungsweise geeignet sind, 1. zu Hass oder Willk\u00fcrma\u00dfnahmen gegen Teile der Bev\u00f6lkerung aufzustacheln oder deren Menschenw\u00fcrde durch Beschimpfen, b\u00f6swilliges Ver\u00e4chtlichmachen oder Verleumden anzugreifen und dadurch die Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt zu f\u00f6rdern und den \u00f6ffentlichen Frieden zu st\u00f6ren oder 2. Gewalt anzuwenden oder vorzubereiten, einschlie\u00dflich dem Bef\u00fcrworten, Hervorrufen oder Unterst\u00fctzen von Gewaltanwendung, auch durch Unterst\u00fctzen von Vereinigungen, die Anschl\u00e4ge gegen Personen oder Sachen veranlassen, bef\u00fcrworten oder androhen. (5) Anordnungen nach Absatz 4 d\u00fcrfen sich nur gegen Personen richten, bei denen 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass sie die schwerwiegenden Gefahren nach Absatz 4 nachdr\u00fccklich f\u00f6rdern oder 225","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2. auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist a) bei Ausk\u00fcnften nach Absatz 4 Satz 1 Nummern 1, 2 und 5, dass sie die Leistung f\u00fcr eine Person nach Nummer 1 in Anspruch nehmen oder b) bei Ausk\u00fcnften nach Absatz 4 Satz 1 Nummer 4, dass sie f\u00fcr eine Person nach Nummer 1 bestimmte oder von ihr herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder weitergeben, oder dass eine Person nach Nummer 1 ihren Anschluss benutzt. SS 7a Verfahrensregelungen zu besonderen Auskunftsverlangen (1) Anordnungen nach SS 7 Absatz 4 werden vom Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder seinem Vertreter beantragt; der Antrag ist schriftlich zu stellen und zu begr\u00fcnden. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Anordnungen ist der Pr\u00e4ses oder bei seiner Verhinderung der Staatsrat der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde. Die Anordnung einer Auskunft \u00fcber k\u00fcnftig anfallende Daten ist auf h\u00f6chstens drei Monate zu befristen. Die Verl\u00e4ngerung dieser Anordnung um jeweils nicht mehr als drei Monate ist auf Antrag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der Anordnung fortbestehen. Auf die Anordnung der Verl\u00e4ngerung finden die S\u00e4tze 1 und 2 Anwendung. (2) \u00dcber Anordnungen nach SS 7 Absatz 4 unterrichtet die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde die G 10-Kommission nach SS 1 Absatz 1 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Artikel 10-Gesetzes vom 17. Januar 1969 (HmbGVBl. S. 5), zuletzt ge\u00e4ndert am 2. April 2013 (HmbGVBl. S. 121, 128), in der jeweils geltenden Fassung, vor deren Vollzug. Bei Gefahr im Verzug kann sie den Vollzug der Entscheidung auch bereits vor der Unterrichtung der G 10-Kommission anordnen. Die G 10-Kommission pr\u00fcft von Amts wegen oder auf Grund von Beschwerden die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Einholung von Ausk\u00fcnften. SS 15 Absatz 5 des Artikel 10-Gesetzes vom 26. Juni 2001 (BGBl. I S. 1254, 2298), zuletzt ge\u00e4ndert am 7. Dezember 2011 (BGBl. I S. 2576, 2580), ist mit der Ma\u00dfgabe entsprechend anzuwenden, dass die Kontrollbefugnis der Kommission sich auf die gesamte Erhebung, Verarbeitung und Nutzung 226","Anhang / Verfassungsschutzgesetz der nach SS 7 Absatz 4 erlangten personenbezogenen Daten erstreckt. Entscheidungen \u00fcber Ausk\u00fcnfte, welche die G 10-Kommission f\u00fcr unzul\u00e4ssig oder nicht notwendig erkl\u00e4rt, sind unverz\u00fcglich aufzuheben. Die Daten unterliegen in diesem Falle einem absoluten Verwendungsverbot und sind unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. F\u00fcr die Verarbeitung der nach SS 7 Absatz 4 erhobenen Daten ist SS 4 des Artikel 10-Gesetzes entsprechend anzuwenden. (3) Die nach Absatz 2 zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde unterrichtet im Abstand von h\u00f6chstens sechs Monaten den Kontrollausschuss gem\u00e4\u00df SS 24 \u00fcber Anordnungen nach SS 7 Absatz 4; dabei ist insbesondere ein \u00dcberblick \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis und Kosten der im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen zu geben. Die nach Satz 1 zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde erstattet ferner dem Parlamentarischen Kontrollgremium nach dem Kontrollgremiumgesetz vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2346) j\u00e4hrlich einen Bericht \u00fcber die Durchf\u00fchrung sowie Art, Umfang und Anordnungsgr\u00fcnde der Ma\u00dfnahmen; dabei sind die Grunds\u00e4tze des SS 2 Absatz 4 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Artikel 10-Gesetzes und des SS 10 Absatz 1 des Kontrollgremiumgesetzes zu beachten. (4) Anordnungen sind dem Verpflichteten insoweit schriftlich mitzuteilen, als dies erforderlich ist, um ihm die Erf\u00fcllung seiner Verpflichtung zu erm\u00f6glichen. Anordnungen und \u00fcbermittelte Daten d\u00fcrfen dem Betroffenen oder Dritten vom Verpflichteten nicht mitgeteilt werden. (5) Dem Verpflichteten ist es verboten, allein auf Grund einer Anordnung nach SS 7 Absatz 3 oder 4 einseitige Handlungen vorzunehmen, die f\u00fcr den Betroffenen nachteilig sind und die \u00fcber die Erteilung der Auskunft hinausgehen, insbesondere bestehende Vertr\u00e4ge oder Gesch\u00e4ftsverbindungen zu beenden, ihren Umfang zu beschr\u00e4nken oder ein Entgelt zu erheben oder zu erh\u00f6hen. Die Anordnung ist mit dem ausdr\u00fccklichen Hinweis auf dieses Verbot und darauf zu verbinden, dass das Auskunftsersuchen nicht die Aussage beinhaltet, dass sich die betroffene Person rechtswidrig verhalten hat oder ein darauf gerichteter Verdacht bestehen m\u00fcsse. (6) Die in SS 7 Absatz 3 und Absatz 4 Satz 1 genannten Stellen sind verpflichtet, die Auskunft unverz\u00fcglich, vollst\u00e4ndig, richtig und in dem Format zu erteilen, das durch die auf Grund von Absatz 8 S\u00e4tze 1 bis 3 erlassene Rechtsverordnung oder in den in Absatz 8 S\u00e4tze 4 und 5 227","Anhang / Verfassungsschutzgesetz bezeichneten Rechtsvorschriften vorgeschrieben ist. (7) Anordnungen nach SS 7 Absatz 4 Satz 1 Nummern 1 und 2 hat die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde dem Betroffenen mitzuteilen; eine Mitteilung unterbleibt, solange eine Gef\u00e4hrdung des Zwecks des Eingriffs nicht ausgeschlossen werden kann oder solange der Eintritt \u00fcbergreifender Nachteile f\u00fcr das Wohl des Bundes oder eines Landes absehbar ist. F\u00fcr Anordnungen nach SS 7 Absatz 4 Satz 1 Nummern 4 und 5 findet SS 12 Absatz 1 des Artikel 10-Gesetzes entsprechende Anwendung. Wurden personenbezogene Daten an eine andere Stelle \u00fcbermittelt, erfolgt die Mitteilung im Benehmen mit dieser. (8) Der Senat wird erm\u00e4chtigt, durch Rechtsverordnung zu bestimmen, dass Ausk\u00fcnfte nach SS 7 Abs\u00e4tze 3 und 4 mit Ausnahme der Ausk\u00fcnfte nach SS 7 Absatz 4 Satz 1 Nummer 4, auch soweit andere Vorschriften hierauf verweisen, ganz oder teilweise auf maschinell verwertbaren Datentr\u00e4gern oder durch Datenfern\u00fcbertragung \u00fcbermittelt werden m\u00fcssen. Dabei k\u00f6nnen insbesondere geregelt werden 1. die Voraussetzungen f\u00fcr die Anwendung des Verfahrens, 2. das N\u00e4here \u00fcber Form, Inhalt, Verarbeitung und Sicherung der zu \u00fcbermittelnden Daten, 3. die Art und Weise der \u00dcbermittlung der Daten, 4. die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Entgegennahme der zu \u00fcbermittelnden Daten, 5. der Umfang und die Form der f\u00fcr dieses Verfahren erforderlichen besonderen Erkl\u00e4rungspflichten des Auskunftspflichtigen, 6. Tatbest\u00e4nde und Bemessung einer auf Grund der Auskunftserteilung an Verpflichtete zu leistenden Aufwandsentsch\u00e4digung und 7. die technischen und organisatorischen Ma\u00dfnahmen nach SS 8 des Hamburgischen Datenschutzgesetzes vom 5. Juli 1990 (HmbGVBl. S. 133, 165, 266), zuletzt ge\u00e4ndert am 14. Juni 2011 (HmbGVBl. S. 255). 228","Anhang / Verfassungsschutzgesetz Zur Regelung der Daten\u00fcbermittlung kann in der Rechtsverordnung auf Ver\u00f6ffentlichungen sachverst\u00e4ndiger Stellen verwiesen werden; hierbei sind das Datum der Ver\u00f6ffentlichung, die Bezugsquelle und eine Stelle zu bezeichnen, bei der die Ver\u00f6ffentlichung archivm\u00e4\u00dfig gesichert niedergelegt ist. Der Senat kann die Erm\u00e4chtigung nach Satz 1 durch Rechtsverordnung auf die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde weiter \u00fcbertragen. Die Vorgaben f\u00fcr die Erteilung von Ausk\u00fcnften nach SS 7 Absatz 4 Satz 1 Nummer 4, insbesondere ob und in welchem Umfang die Verpflichteten hierf\u00fcr Vorkehrungen f\u00fcr die technische und organisatorische Umsetzung der Auskunftsverpflichtung zu treffen haben, bestimmen sich nach SS 110 des Telekommunikationsgesetzes und der dazu erlassenen Rechtsverordnung. Die technischen Einzelheiten, die zur Auskunftserteilung sowie zur Gestaltung des \u00dcbergabepunktes zu den berechtigten Stellen erforderlich sind, insbesondere das technische Format f\u00fcr die \u00dcbermittlung derartiger Auskunftsverlangen an die Verpflichteten und die R\u00fcck\u00fcbermittlung der zugeh\u00f6rigen Ausk\u00fcnfte an die berechtigten Stellen, richten sich nach den Festlegungen in der Technischen Richtlinie nach SS 110 Absatz 3 des Telekommunikationsgesetzes. (9) F\u00fcr die Erteilung von Ausk\u00fcnften nach SS 7 Absatz 4 Satz 1 Nummer 4 hat der Verpflichtete Anspruch auf Entsch\u00e4digung entsprechend SS 23 und Anlage 3 des Justizverg\u00fctungsund -entsch\u00e4digungsgesetzes (JVEG) vom 5. Mai 2004 (BGBl. I S. 718, 776), zuletzt ge\u00e4ndert am 19. Oktober 2012 (BGBl. I S. 2182, 2189); die Vorschriften \u00fcber die Verj\u00e4hrung in SS 2 Abs\u00e4tze 1 und 4 JVEG finden entsprechend Anwendung. SS 7b Einschr\u00e4nkungen von Grundrechten Das Grundrecht des Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10 des Grundgesetzes) wird nach Ma\u00dfgabe des SS 7 Absatz 3 und Absatz 4 Satz 1 Nummern 4 und 5 sowie des SS 7a Abs\u00e4tze 1, 2 und 4 bis 8 eingeschr\u00e4nkt. 229","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS 7c Weitere Auskunftsverlangen (1) Soweit dies zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz erforderlich ist, darf von demjenigen, der gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Telekommunikationsdienste erbringt oder daran mitwirkt, Auskunft \u00fcber die nach den SSSS 95 und 111 des Telekommunikationsgesetzes erhobenen Daten verlangt werden. Bezieht sich das Auskunftsverlangen nach Satz 1 auf Daten, mittels derer der Zugriff auf Endger\u00e4te oder auf Speichereinrichtungen, die in diesen Endger\u00e4ten oder hiervon r\u00e4umlich getrennt eingesetzt werden, gesch\u00fctzt wird, darf die Auskunft nur verlangt werden, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr die Nutzung der Daten vorliegen. (2) Die Auskunft nach Absatz 1 darf auch anhand einer zu einem bestimmten Zeitpunkt zugewiesenen Internetprotokoll-Adresse sowie weiterer zur Individualisierung erforderlicher technischer Daten verlangt werden. (3) In den F\u00e4llen des Absatzes 1 Satz 2 und des Absatzes 2 ist zust\u00e4ndig f\u00fcr die Anordnung der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder sein Vertreter. SS 7a Absatz 7 S\u00e4tze 2 und 3 gilt in diesen F\u00e4llen entsprechend. (4) Auf Grund eines Auskunftsverlangens nach Absatz 1 oder 2 hat derjenige, der gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Telekommunikationsdienste erbringt oder daran mitwirkt, die zur Auskunftserteilung erforderlichen Daten unverz\u00fcglich, vollst\u00e4ndig und richtig zu \u00fcbermitteln. (5) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat f\u00fcr ihm erteilte Ausk\u00fcnfte eine Entsch\u00e4digung zu gew\u00e4hren, deren Umfang sich nach SS 23 und Anlage 3 JVEG bemisst; die Vorschriften \u00fcber die Verj\u00e4hrung in SS 2 Abs\u00e4tze 1 und 4 JVEG finden entsprechend Anwendung. (6) Das Grundrecht des Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10 des Grundgesetzes) wird nach Ma\u00dfgabe des Absatzes 2 eingeschr\u00e4nkt. 230","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS8 Erheben von Informationen mit nachrichtendienstlichen Mitteln (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf mit nachrichtendienstlichen Mitteln Informationen verdeckt erheben. 2 Der Einsatz von nachrichtendienstlichen Mitteln ist vorbehaltlich SS 6 nur zul\u00e4ssig, wenn 1. er sich gegen Organisationen, unorganisierte Gruppen, in ihnen oder einzeln t\u00e4tige Personen richtet, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht von Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 bestehen, 2. er sich gegen andere als die in Nummer 1 genannten Personen richtet, von denen auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass sie f\u00fcr den Betroffenen bestimmte oder von ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder weitergeben, um auf diese Weise Erkenntnisse \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht oder gewaltt\u00e4tige Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 zu gewinnen, 3. auf diese Weise die zur Erforschung von Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 erforderlichen Nachrichtenzug\u00e4nge geschaffen werden k\u00f6nnen oder 4. dies zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf die so gewonnenen Informationen nur f\u00fcr die in Satz 2 genannten Zwecke verwenden. 4 Unterlagen, die f\u00fcr diese Zwecke nicht erforderlich sind, sind unverz\u00fcglich zu vernichten. 5 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die Informationen von anderen schriftlichen Unterlagen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand getrennt werden k\u00f6nnen; in diesem Fall unterliegen sie einem Verwertungsverbot. (2) 1 Zul\u00e4ssige nachrichtendienstliche Mittel sind 231","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 1. verdeckt eingesetzte hauptamtliche Mitarbeiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, 2. verdeckt eingesetzte Personen, die nicht in einem arbeitsvertraglichen oder \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstverh\u00e4ltnis zum Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stehen, wie Vertrauensleute, Informanten, Gew\u00e4hrspersonen, 3. planm\u00e4\u00dfig angelegte Beobachtungen (Observationen), 4. Bildaufzeichnungen, 5. verdeckte Ermittlungen und Befragungen, 6. verdecktes Mith\u00f6ren ohne Inanspruchnahme technischer Mittel, 7. verdecktes Mith\u00f6ren und Aufzeichnen des nicht \u00f6ffentlich gesprochenen Wortes oder sonstiger Signale unter Einsatz technischer Mittel innerhalb und au\u00dferhalb von Wohnungen (Artikel 13 des Grundgesetzes), 8. Beobachten und Aufzeichnen des Funkverkehrs und die verdeckte Standortbestimmung mit technischen oder telekommunikativen Mitteln, soweit nicht der Postund Fernmeldeverkehr nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes betroffen ist, 9. Aufbau und Gebrauch von Legenden, 10. Beschaffen, Erstellen und Verwenden von Tarnpapieren und Tarnkennzeichen, 11. \u00dcberwachen des Brief-, Postund Fernmeldeverkehrs nach Ma\u00dfgabe des Artikel 10-Gesetzes sowie 12. weitere vergleichbare Methoden, Gegenst\u00e4nde und Instrumente zur heimlichen Informationsbeschaffung, insbesondere das sonstige Eindringen in technische Kommunikationsbeziehungen durch Bild-, Tonund Datenaufzeichnungen, um die nach Absatz 1 erforderlichen Informationen zu gewinnen. 232","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2 Die nachrichtendienstlichen Mittel sind abschlie\u00dfend in einer Dienstvorschrift zu benennen, die auch die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Anordnung solcher Informationserhebungen regelt. 3 Die Dienstvorschrift bedarf der Zustimmung des Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde. 4 Der oder dem Hamburgischen Beauftragten f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit ist Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. 5 Die Beh\u00f6rden der Freien und Hansestadt Hamburg sind verpflichtet, dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Hilfe f\u00fcr Tarnungsma\u00dfnahmen zu leisten. (3) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel zur Informationsgewinnung ist im Schutzbereich des Artikels 13 des Grundgesetzes innerhalb von Wohnungen in Abwesenheit einer f\u00fcr das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tigen Person zur Abwehr dringender Gefahren f\u00fcr die Schutzg\u00fcter des SS 1 und unter Ber\u00fccksichtigung des SS 6 nur zul\u00e4ssig, wenn die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach SS 1 Absatz 1 Nummer 1 und SS 3 Absatz 1 Satz 1 des Artikel 10-Gesetzes vorliegen und die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich nur gegen den Verd\u00e4chtigen richten. 3 Bei unmittelbar bevorstehender Gefahr darf der Einsatz sich auch gegen Personen richten, von denen aufgrund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass sie f\u00fcr die Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von ihnen herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder weitergeben oder dass die Verd\u00e4chtigen sich in ihrer Wohnung aufhalten. 4 In den F\u00e4llen des SS 53 Absatz 1 der Strafprozessordnung sind Ma\u00dfnahmen nach den S\u00e4tzen 1 bis 3 nur zul\u00e4ssig, wenn auf Grund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass bei den zur Verweigerung des Zeugnisses Berechtigten die materiellen Voraussetzungen des Satzes 1 vorliegen. (4) 1 Die Anordnung des Einsatzes besonderer technischer Mittel nach Absatz 3 Satz 1 trifft der Richter. 2 Bei Gefahr im Verzug kann der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder bei seiner Verhinderung sein Vertreter einen Einsatz nach Absatz 3 Satz 1 anordnen; die Tatsachen, die Gefahr im Verzug begr\u00fcnden, sind aktenkundig zu machen. 3 Eine richterliche Entscheidung ist unverz\u00fcglich nachzuholen. 4 Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngstens vier Wochen zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um jeweils nicht mehr als vier weitere Wochen sind auf Antrag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der Anordnung fortbestehen. 233","Anhang / Verfassungsschutzgesetz (5) 1 Die Anordnung des Einsatzes besonderer technischer Mittel nach Absatz 3 Satz 1 wird unter der Aufsicht eines Besch\u00e4ftigten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz vollzogen, der die Bef\u00e4higung zum Richteramt hat. 2 Liegen die Voraussetzungen der Anordnung nicht mehr vor oder ist der verdeckte Einsatz technischer Mittel zur Informationsgewinnung nicht mehr erforderlich, ist die Ma\u00dfnahme unverz\u00fcglich zu beenden. 3 Das Abh\u00f6ren und Aufzeichnen ist unverz\u00fcglich zu unterbrechen, soweit sich w\u00e4hrend der \u00dcberwachung Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, dass \u00c4u\u00dferungen, die dem Kernbereich privater Lebensgestaltung zuzurechnen sind, erfasst werden. 4 Aufzeichnungen \u00fcber solche \u00c4u\u00dferungen sind unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. 5 Erkenntnisse \u00fcber solche \u00c4u\u00dferungen d\u00fcrfen nicht verwertet werden. 6 Die Tatsache der Erfassung der Daten und ihrer L\u00f6schung ist zu dokumentieren. 7 Ist eine Ma\u00dfnahme unterbrochen worden, so darf sie fortgef\u00fchrt werden, soweit auf Grund tats\u00e4chlicher Anhaltspunkte, insbesondere zu der Art der zu \u00fcberwachenden R\u00e4umlichkeiten und dem Verh\u00e4ltnis der zu \u00fcberwachenden Personen zueinander, anzunehmen ist, dass durch die \u00dcberwachung \u00c4u\u00dferungen, die dem Kernbereich privater Lebensgestaltung zuzurechnen sind, nicht mehr erfasst werden. 8 Im Zweifel ist \u00fcber die Unterbrechung oder Fortf\u00fchrung der Ma\u00dfnahme unverz\u00fcglich eine Entscheidung des Gerichts herbeizuf\u00fchren. (6) 1 Erkenntnisse und Unterlagen, die durch Ma\u00dfnahmen nach Absatz 3 Satz 1 gewonnen wurden, d\u00fcrfen zur Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten sowie nach Ma\u00dfgabe des SS 4 Abs\u00e4tze 4 bis 6 des Artikel 10-Gesetzes verwendet werden. 2 SS 14 Absatz 2 Satz 2 bleibt unber\u00fchrt. 3 F\u00fcr die Speicherung und L\u00f6schung der durch die Ma\u00dfnahmen nach den Abs\u00e4tzen 3 und 7 erlangten personenbezogenen Daten sowie die Entscheidung \u00fcber die nachtr\u00e4gliche Information der von Ma\u00dfnahmen nach den Abs\u00e4tzen 3 und 7 Betroffenen gelten SS 4 Absatz 1 und SS 12 des Artikel 10-Gesetzes entsprechend. 4 Die Zusammenarbeitsverpflichtung nach SS 3 bleibt unber\u00fchrt. (7) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Artikels 13 des Grundgesetzes innerhalb von Wohnungen ist auch dann zul\u00e4ssig, wenn es ausschlie\u00dflich zum Schutz der dort f\u00fcr den Verfassungsschutz t\u00e4tigen Personen zur Abwehr von Gefahren f\u00fcr Leben, Gesundheit oder Freiheit unerl\u00e4sslich ist und vom Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder bei seiner Verhinderung von 234","Anhang / Verfassungsschutzgesetz seinem Vertreter angeordnet ist. 2 Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangten Kenntnisse zum Zweck der Strafverfolgung oder der Gefahrenabwehr ist nur zul\u00e4ssig, wenn zuvor die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme richterlich festgestellt ist; bei Gefahr im Verzug ist die richterliche Entscheidung unverz\u00fcglich nachzuholen. 3 Die Tatsachen, die Gefahr im Verzug begr\u00fcnden, sind aktenkundig zu machen. (8) 1 Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den Abs\u00e4tzen 3 und 7 ist das Amtsgericht Hamburg. 2 F\u00fcr das Verfahren findet Buch 1 des Gesetzes \u00fcber das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit vom 17. Dezember 2008 (BGBl. I S. 2586, 2587), zuletzt ge\u00e4ndert am 21. Juli 2012 (BGBl. I S. 1577, 1579), entsprechend Anwendung. (9) Das Grundrecht der Unverletzlichkeit der Wohnung (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird nach Ma\u00dfgabe der Abs\u00e4tze 3 und 7 eingeschr\u00e4nkt. (10) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf unter den Voraussetzungen des SS 7 Absatz 4 technische Mittel zur Ermittlung des Standortes eines aktiv geschalteten Mobilfunkendger\u00e4tes oder zur Ermittlung der Ger\u00e4teoder Kartennummer einsetzen. 2 Die Ma\u00dfnahme ist nur zul\u00e4ssig, wenn ohne Einsatz technischer Mittel nach Satz 1 die Ermittlung des Standortes oder die Ermittlung der Ger\u00e4teoder Kartennummer aussichtslos oder wesentlich erschwert ist. 3 Sie darf sich nur gegen die in SS 7 Absatz 5 Nummer 1 und Nummer 2 Buchstabe b bezeichneten Personen richten. 4 F\u00fcr die Verarbeitung der Daten ist SS 4 des Artikel 10-Gesetzes entsprechend anzuwenden. 5 Personenbezogene Daten eines Dritten d\u00fcrfen anl\u00e4sslich solcher Ma\u00dfnahmen nur erhoben werden, wenn dies aus technischen Gr\u00fcnden zur Erreichung des Zwecks nach Satz 1 unvermeidbar ist. 6 Sie unterliegen einem absoluten Verwendungsverbot und sind nach Beendigung der Ma\u00dfnahme unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. 7 SS 7a Abs\u00e4tze 1 bis 3 und Absatz 7 Satz 1 gilt entsprechend. 8 Das Grundrecht des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10 des Grundgesetzes) wird insoweit eingeschr\u00e4nkt. (11) 1 Erhebungen nach den Abs\u00e4tzen 3 bis 8 und Eingriffe, die in Art und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses gleichkommen, bed\u00fcrfen der Zustimmung des Pr\u00e4ses, bei dessen Verhinderung des Staatsrates der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde. 2 Sie 235","Anhang / Verfassungsschutzgesetz sind dem Betroffenen mitzuteilen, sobald eine Gef\u00e4hrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen werden kann. 3 L\u00e4sst sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschlie\u00dfend beurteilen, ob diese Voraussetzung vorliegt, ist die Mitteilung vorzunehmen, sobald eine Gef\u00e4hrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen werden kann. 4 Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn der Kontrollausschuss gem\u00e4\u00df SS 24 einstimmig festgestellt hat, dass 1. diese Voraussetzung auch nach f\u00fcnf Jahren nach Beendigung der Ma\u00dfnahme noch nicht eingetreten ist, 2. diese Voraussetzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in Zukunft nicht eintreten wird und 3. die Voraussetzungen f\u00fcr eine L\u00f6schung sowohl bei der erhebenden Stelle als auch beim Empf\u00e4nger vorliegen. SS9 Weitere Verarbeitung personenbezogener Daten (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben personenbezogene Daten weiter verarbeiten, wenn 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht bestehen, dass die betroffene Person an Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 teilnimmt, und dies f\u00fcr die Beobachtung der Bestrebung oder T\u00e4tigkeit erforderlich ist, 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 erforderlich ist, 3. dies zur Schaffung oder Erhaltung nachrichtendienstlicher Zug\u00e4nge \u00fcber Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 erforderlich ist, 4. eine Mitwirkung bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen nach SS 2 Absatz 3 des Artikel 10-Gesetzes oder bei Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach dem Hafensicherheitsgesetz oder eine Beteiligung bei \u00dcberpr\u00fcfungen nach SS 7 des Luftsicherheitsgesetzes vom 11. Januar 236","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2005 (BGBl. I S. 78), zuletzt ge\u00e4ndert am 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2424, 2429), und SS 12b des Atomgesetzes in der Fassung vom 15. Juli 1985 (BGBl. I S. 1566), zuletzt ge\u00e4ndert am 24. Februar 2012 (BGBl. I S. 212, 249), erfolgt. 2 Das Recht der Nutzung und Verarbeitung personenbezogener Daten nach SS 7 Absatz 1 Satz 2 zur Vorgangsverwaltung bleibt unber\u00fchrt. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Speicherungsdauer auf das f\u00fcr seine Aufgabenerf\u00fcllung erforderliche Ma\u00df zu beschr\u00e4nken. 2 Bei der Einzelfallbearbeitung, im \u00dcbrigen jeweils sp\u00e4testens vier Jahre beginnend ab der ersten Speicherung, pr\u00fcft das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, ob die Speicherung der personenbezogenen Daten weiterhin erforderlich ist. (3) Gespeicherte personenbezogene Daten \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1, 3 oder 4 d\u00fcrfen l\u00e4nger als zehn Jahre nach dem Zeitpunkt der letzten gespeicherten Information nur mit Zustimmung des Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde oder der von ihm besonders erm\u00e4chtigten Bediensteten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz gespeichert bleiben. (4) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist befugt, gem\u00e4\u00df SS 22 a BVerfSchG personenbezogene Daten in gemeinsamen Dateien mit den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder und anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden zu verarbeiten, soweit besondere bundesrechtliche Vorschriften oder landesrechtliche Vorschriften Anlass, Umfang und sonstige datenschutzrechtliche Anforderungen regeln. SS 10 Verarbeitung von Daten Minderj\u00e4hriger (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf unter den Voraussetzungen des SS 9 Daten \u00fcber Minderj\u00e4hrige in Sachakten und amtseigenen Dateien speichern und weiter verarbeiten. 2 Daten \u00fcber Minderj\u00e4hrige vor Vollendung des 16. Lebensjahres d\u00fcrfen nicht in gemeinsamen Dateien (SS 6 BVerfSchG), Daten Minderj\u00e4hriger vor Vollendung des 14. Lebensjahres nicht in amtseigenen Dateien gespeichert werden. 237","Anhang / Verfassungsschutzgesetz (2) Daten \u00fcber Minderj\u00e4hrige in Dateien sind nach zwei Jahren auf die Erforderlichkeit der weiteren Speicherung zu \u00fcberpr\u00fcfen; sp\u00e4testens nach f\u00fcnf Jahren sind diese Daten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit weitere Erkenntnisse nach SS 4 Absatz 1 angefallen sind. SS 11 Berichtigung, Sperrung und L\u00f6schung (1) 1 Erweist sich eine Information nach ihrer \u00dcbermittlung als unrichtig oder unvollst\u00e4ndig, hat die \u00fcbermittelnde Stelle ihre Information unverz\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen oder zu erg\u00e4nzen, wenn durch die unrichtige oder unvollst\u00e4ndige \u00dcbermittlung schutzw\u00fcrdige Interessen des Betroffenen beeintr\u00e4chtigt sein k\u00f6nnen. 2 Die Berichtigung erfolgt dadurch, dass die unrichtigen Angaben, soweit sie in Akten enthalten sind, entfernt werden und, soweit sie in Dateien gespeichert sind, gel\u00f6scht werden. 3 Hiervon kann abgesehen werden, wenn die Trennung von zu berichtigenden und richtigen Informationen nicht oder nur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigem Aufwand m\u00f6glich ist. (2) Personenbezogene Daten, die ausschlie\u00dflich zu Zwecken der Datenschutzkontrolle oder der Datensicherung gespeichert werden, d\u00fcrfen nur f\u00fcr diese Zwecke oder bei Verdacht des Datenmissbrauchs genutzt werden. (3) Im \u00dcbrigen gilt f\u00fcr die Berichtigung, Sperrung und L\u00f6schung SS 19 des Hamburgischen Datenschutzgesetzes. 3. Abschnitt Daten\u00fcbermittlung SS 12 \u00dcbermittlung nicht personenbezogener Daten Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann die im Rahmen seiner gesetzlichen Aufgabenerf\u00fcllung erlangten Daten, die nicht personenbezogen sind, an andere Beh\u00f6rden und Stellen, insbesondere an die Polizei und die Staatsanwaltschaft, \u00fcbermitteln, wenn sie f\u00fcr die Auf238","Anhang / Verfassungsschutzgesetz gabenerf\u00fcllung der Empf\u00e4nger erforderlich sein k\u00f6nnen. SS 13 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an inl\u00e4ndische Nachrichtendienste (1) Gem\u00e4\u00df SS 5 Absatz 1 BVerfSchG \u00fcbermittelt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder alle personenbezogenen Daten, deren Kenntnis zur Erf\u00fcllung der Aufgaben der Empf\u00e4nger erforderlich ist. (2) Gem\u00e4\u00df SS 21 Absatz 2 BVerfSchG \u00fcbermittelt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bundesnachrichtendienst und dem Milit\u00e4rischen Abschirmdienst Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten. SS 14 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an inl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen und Strafverfolgungsbeh\u00f6rden (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten an inl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, wenn dies zum Schutz vor Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 zwingend erforderlich ist oder der Empf\u00e4nger eine Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung durchf\u00fchrt. 2 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten Daten nur f\u00fcr den Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 3 Hierauf ist er hinzuweisen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf \u00fcber Absatz 1 hinaus Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten an die Staatsanwaltschaften und die Polizei \u00fcbermitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass jemand eine in den SSSS 74 a und 120 Gerichtsverfassungsgesetz, SS 100a Absatz 2 Nummern 6, 7, 9 und 11 der Strafprozessordnung und SSSS 130, 131 Strafgesetzbuch genannte Straftat plant, begeht oder begangen hat sowie sonstige Straftaten, bei denen aufgrund ihrer Zielsetzung, des Motivs des T\u00e4ters oder dessen Verbindung zu einer Organisation tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr 239","Anhang / Verfassungsschutzgesetz vorliegen, dass sie gegen die in Artikel 73 Nummer 10 Buchstabe b oder c des Grundgesetzes genannten Schutzg\u00fcter gerichtet sind. 2 Personenbezogene Daten, die das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz selbst mit nachrichtendienstlichen Mitteln nach SS 8 erhoben hat, d\u00fcrfen nur dann an die Staatsanwaltschaft oder an die Polizei \u00fcbermittelt werden, wenn die tats\u00e4chlichen und rechtlichen Voraussetzungen f\u00fcr deren Erhebung mit entsprechenden Befugnissen zur verdeckten Datenerhebung nach der Strafprozessordnung oder nach den SSSS 9 bis 12 und SS 23 Gesetz \u00fcber die Datenverarbeitung der Polizei vom 2. Mai 1991 (HmbGVBl. S. 187, 191), zuletzt ge\u00e4ndert am 30. Mai 2012 (HmbGVBl. S. 204), vorgelegen h\u00e4tten. SS 15 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stationierungsstreitkr\u00e4fte 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten an Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen von Artikel 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (Bundesgesetzblatt II 1961 Seiten 1183, 1218) \u00fcbermitteln. 2 Die Entscheidung f\u00fcr eine \u00dcbermittlung treffen der Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde oder die von ihm besonders erm\u00e4chtigten Bediensteten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz. 3 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass er die \u00fcbermittelten Daten nur zur Verarbeitung f\u00fcr den Zweck erh\u00e4lt, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. SS 16 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Daten im Einvernehmen mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen sowie an \u00fcberoder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben oder zur Wahrung erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4n240","Anhang / Verfassungsschutzgesetz gers erforderlich ist. 2 Die Entscheidung f\u00fcr eine \u00dcbermittlung treffen der Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde oder die von ihm besonders erm\u00e4chtigten Bediensteten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz. 3 Die \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen des Betroffenen entgegenstehen oder wenn dadurch gegen den Zweck eines deutschen Gesetzes versto\u00dfen w\u00fcrde. 4 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass er die \u00fcbermittelten Daten nur zur Verarbeitung f\u00fcr den Zweck erh\u00e4lt, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. SS 17 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Daten an Personen oder Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs nicht \u00fcbermitteln, es sei denn, dass die \u00dcbermittlung zum Schutz 1. der sicherheitsempfindlichen Stellen der in SS 4 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2 genannten Einrichtungen, 2. der Verschlusssachen der in SS 4 Absatz 2 Satz 1 Nummer 4 genannten Stellen und Einrichtungen, 3. der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes oder der Sicherheit des Bundes oder eines Landes vor den in SS 4 Absatz 1 bezeichneten Bestrebungen, T\u00e4tigkeiten und Gefahren erforderlich ist und hinreichende Tatsachen f\u00fcr eine Beeintr\u00e4chtigung vorliegen. 2 Zul\u00e4ssig ist auch die Mitteilung, dass zu der betroffenen Person keine Erkenntnisse vorliegen.3 Die Entscheidung f\u00fcr eine \u00dcbermittlung treffen der Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde, bei dessen Verhinderung der Staatsrat oder die besonders erm\u00e4chtigten Bediensteten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz. 4 Dies gilt nicht bei Erhebungen nach SS 7 Absatz 1 S\u00e4tze 2 und 3. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrt \u00fcber die \u00dcbermittlung nach Absatz 1 einen Nachweis, aus dem der Zweck und die Veranlassung der \u00dcbermittlung, die Aktenfundstelle und der Empf\u00e4nger hervor241","Anhang / Verfassungsschutzgesetz gehen. 2 Die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer Erstellung folgt, zu vernichten. (3) 1 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten Daten nur f\u00fcr den Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 2 Hierauf ist er hinzuweisen. 3 Die \u00dcbermittlung der personenbezogenen Daten ist dem Betroffenen durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mitzuteilen, sobald eine Gef\u00e4hrdung seiner Aufgabenerf\u00fcllung durch die Mitteilung nicht mehr zu besorgen ist. 4 Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn diese Voraussetzung auch f\u00fcnf Jahre nach der erfolgten \u00dcbermittlung noch nicht eingetretenist und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch in absehbarer Zukunft nicht eintreten wird. (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf eine Bewertung \u00fcber personenbezogene Daten an Personen oder Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs \u00fcbermitteln, soweit die \u00dcbermittlung f\u00fcr Zwecke einer Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfung mit Einwilligung der Betroffenen erfolgt und im Hinblick auf den Anlass dieser \u00dcberpr\u00fcfung, insbesondere den Zugang der Betroffenen zu einer besonders gef\u00e4hrdeten Veranstaltung, mit R\u00fccksicht auf ein berechtigtes Interesse des Empf\u00e4ngers und wegen der Art oder des Umfangs der Erkenntnisse \u00fcber den Betroffenen angemessen ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat den Betroffenen die Gr\u00fcnde f\u00fcr eine negative Bewertung mitzuteilen. Abs\u00e4tze 2 und 3 gelten entsprechend. SS 18 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an die \u00d6ffentlichkeit 1 Bei der Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit einschlie\u00dflich der Medien \u00fcber Erkenntnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten nur zul\u00e4ssig, wenn sie zu einer sachgerechten Information zwingend erforderlich ist. 2 Stehen schutzw\u00fcrdige Interessen des Betroffenen entgegen, kommt eine \u00dcbermittlung der personenbezogenen Daten des Betroffenen nur dann in Betracht, wenn die Interessen der Allgemeinheit deutlich \u00fcberwiegen. 242","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS 19 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Die hamburgischen Beh\u00f6rden und die der Aufsicht der Freien und Hansestadt Hamburg unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts sind befugt, die Daten zu \u00fcbermitteln, um die das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach SS 7 Absatz 2 ersucht hat, soweit sie diesen Stellen bereits vorliegen. (2) Die in Absatz 1 genannten Stellen \u00fcbermitteln dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle ihnen im Rahmen ihrer Aufgabenerf\u00fcllung vorliegenden Informationen \u00fcber gewaltt\u00e4tige Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gem\u00e4\u00df SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummern 1, 3 und 4 und \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummern 2 und 3. (3) 1 Die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde der Freien und Hansestadt Hamburg \u00fcbermittelt gem\u00e4\u00df SS 18 Absatz 1 a BVerfSchG von sich aus dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihr bekannt gewordenen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcber Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 4 Absatz 1, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz erforderlich ist. 2 Die \u00dcbermittlung dieser personenbezogenen Daten an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen sowie an \u00fcberund zwischenstaatliche Stellen durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterbleibt, wenn \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Belange der Person, deren Daten \u00fcbermittelt werden sollen oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Belange Dritter entgegenstehen. 3 Vor einer \u00dcbermittlung ist das Bundesamt f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge zu beteiligen. 4 F\u00fcr diese \u00dcbermittlungen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz gilt SS 7a Absatz 3 entsprechend. (4) 1 Die Staatsanwaltschaften und, vorbehaltlich der staatsanwaltschaftlichen Sachleitungsbefugnis, die Polizei \u00fcbermitteln auch andere im Rahmen ihrer Aufgabenerf\u00fcllung bekannt gewordene Informationen \u00fcber Bestrebungen nach SS 4 Absatz 1, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz erforderlich ist. 243","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 2 Die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten, die aufgrund eines Eingriffs in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis bekannt geworden sind, ist nur zul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass jemand eine der in SS 3 des Artikel 10-Gesetzes genannten Straftaten plant, begeht oder begangen hat. 3 Die \u00dcbermittlung personenbezogener Informationen, die auf Grund anderer strafprozessualer Zwangsma\u00dfnahmen oder verdeckter Datenerhebungen nach SS 2 Absatz 3 Satz 3 oder nach den SSSS 9 bis 12 des Gesetzes \u00fcber die Datenverarbeitung der Polizei bekannt geworden sind, ist nur zul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Bestrebungen oder sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten bestehen; die \u00dcbermittlung ist auch zul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine in SSSS 74 a und 120 Gerichtsverfassungsgesetz und SSSS 130, 131 Strafgesetzbuch genannte Straftat bestehen oder eine sonstige Straftat, bei der aufgrund ihrer Zielsetzung, des Motivs des T\u00e4ters oder dessen Verbindung zu einer Organisation tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass sie gegen die in Artikel 73 Nummer 10 Buchstabe b oder c des Grundgesetzes genannten Schutzg\u00fcter gerichtet ist. 4 F\u00fcr die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten, die auf Grund verdeckter Datenerhebung nach SSSS 8a, 10a bis 10d des Gesetzes \u00fcber die Datenverarbeitung der Polizei bekannt geworden sind, gilt Satz 2 entsprechend. 5 Auf die nach Satz 2 \u00fcbermittelten Informationen und die dazu geh\u00f6renden Unterlagen ist SS 4 des Artikel 10-Gesetzes entsprechend anzuwenden. 6 Die nach Satz 2 \u00fcbermittelten Informationen d\u00fcrfen nur zur Erforschung gewaltt\u00e4tiger Bestrebungen oder sicherheitsgef\u00e4hrdender oder geheimdienstlicher T\u00e4tigkeiten genutzt werden. (5) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00fcbermittelten Informationen unverz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlich sind. 2 Ist dies nicht der Fall, sind die Unterlagen zu vernichten. 3 Die Vernichtung unterbleibt, wenn die Unterlagen von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand getrennt werden k\u00f6nnen; in diesem Fall unterliegen die personenbezogenen Daten einem Verwertungsverbot und sind entsprechend zu kennzeichnen. (6) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Informations\u00fcbermittlung aktenkundig zu machen. 2 Vorschriften in anderen Gesetzen \u00fcber die Informations\u00fcbermittlung an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber ihre Dokumentation bleiben unber\u00fchrt. 244","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS 20 Registereinsicht durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf in von \u00f6ffentlichen Stellen gef\u00fchrte Register und Datensammlungen einsehen, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte vorliegen \u00fcber 1. Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind (SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1), oder 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2) oder 3. Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden (SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3), oder 4. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung oder das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichet sind (SS 4 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4). (2) Eine Einsichtnahme ist nur zul\u00e4ssig, wenn 1. die Aufkl\u00e4rung auf andere Weise nicht m\u00f6glich erscheint, insbesondere durch eine \u00dcbermittlung der Daten durch die registerf\u00fchrende Stelle der Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrdet w\u00fcrde, 2. die betroffenen Personen durch eine anderweitige Aufkl\u00e4rung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden und 3. eine besondere gesetzliche Geheimhaltungsvorschrift oder ein Berufsgeheimnis ihr nicht entgegensteht. (3) Die Anordnung f\u00fcr die Ma\u00dfnahme treffen der Pr\u00e4ses der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde oder die von ihm besonders erm\u00e4chtigten Bediensteten 245","Anhang / Verfassungsschutzgesetz des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz. (4) 1 Die auf diese Weise gewonnenen Unterlagen d\u00fcrfen nur zu den in Absatz 1 genannten Zwecken verwendet werden. 2 Gespeicherte Daten sind zu l\u00f6schen und Unterlagen zu vernichten, sobald sie f\u00fcr diese Zwecke nicht mehr ben\u00f6tigt werden. (5) 1 \u00dcber die Tatsache der Einsichtnahme ist ein gesonderter Nachweis zu f\u00fchren, aus dem ihr Zweck, die in Anspruch genommenen Stellen sowie die Namen der Betroffenen hervorgehen. 2 Diese Aufzeichnungen sind gesondert aufzubewahren, durch technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen gegen unbefugten Zugriff zu sichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer Erstellung folgt, zu vernichten. SS 21 \u00dcbermittlungsverbote und -einschr\u00e4nkungen (1) Die \u00dcbermittlung von Informationen nach diesem Abschnitt unterbleibt, wenn 1. eine Pr\u00fcfung durch die \u00fcbermittelnde Stelle ergibt, dass die Informationen zu vernichten sind oder einem Verwertungsverbot unterliegen oder f\u00fcr den Empf\u00e4nger nicht mehr bedeutsam sind, 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern oder 3. f\u00fcr die \u00fcbermittelnde Stelle erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art der Informationen und ihrer Erhebung die schutzw\u00fcrdigen Interessen des Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegen. (2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informations\u00fcbermittlungen zulassen, einschr\u00e4nken oder verbieten sowie die Verpflichtung zur Wahrung gesetzlicher Geheimhaltungspflichten oder von Berufsoder besonderen Amtsgeheimnissen, die nicht auf gesetzlichen Vorschriften beruhen, bleiben unber\u00fchrt. 246","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS 22 \u00dcbermittlung personenbezogener Daten Minderj\u00e4hriger (1) Personenbezogene Daten Minderj\u00e4hriger vor Vollendung des 16. Lebensjahres d\u00fcrfen nach den Vorschriften dieses Gesetzes \u00fcbermittelt werden, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass der Minderj\u00e4hrige eine der in SS 3 des Artikel 10-Gesetzes genannten Straftaten plant, begeht oder begangen hat, im \u00dcbrigen, solange die Voraussetzungen der Speicherung nach SS 10 erf\u00fcllt sind. (2) Personenbezogene Daten Minderj\u00e4hriger vor Vollendung des 16. Lebensjahres d\u00fcrfen nach den Vorschriften dieses Gesetzes nicht an ausl\u00e4ndische oder \u00fcberoder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermittelt werden. 4. Abschnitt Auskunftserteilung SS 23 Auskunftserteilung (1) 1 Den Betroffenen ist vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auf Antrag geb\u00fchrenfrei Auskunft zu erteilen \u00fcber 1. die zu ihrer Person gespeicherten Daten, 2. die Zweckbestimmung und die Rechtsgrundlage der Speicherung, 3. die Herkunft der Daten, 4. die Stellen, denen die Daten im Rahmen regelm\u00e4\u00dfiger \u00dcbermittlungen \u00fcbermittelt werden, und die an einem automatisierten Abrufverfahren teilnehmenden Stellen, auch soweit diese Angaben nicht zu ihrer Person gespeichert sind, aber mit vertretbarem Aufwand festgestellt werden k\u00f6nnen. 2 Die Betroffenen sollen die Art der personenbezogenen Daten, \u00fcber die sie Auskunft verlangen, n\u00e4her bezeichnen. 3 Aus Akten ist den Betroffenen 247","Anhang / Verfassungsschutzgesetz Auskunft zu erteilen, soweit sie Angaben machen, die das Auffinden der Daten erm\u00f6glichen, und der f\u00fcr die Erteilung der Auskunft erforderliche Aufwand nicht au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zum Auskunftsinteresse der Betroffenen steht. 4 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bestimmt die Form der Auskunftserteilung nach pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen; die Auskunft kann auch in der Form erteilt werden, dass den Betroffenen Akteneinsicht gew\u00e4hrt oder ein Ausdruck aus automatisierten Dateien \u00fcberlassen wird. 5 SS 29 des Hamburgischen Verwaltungsverfahrensgesetzes bleibt unber\u00fchrt. (2) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit 1. durch sie die Nachrichtenzug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitsweise des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zu bef\u00fcrchten ist, 2. die personenbezogenen Daten oder die Tatsache ihrer Speicherung nach einer Rechtsvorschrift oder wegen der \u00fcberwiegenden schutzw\u00fcrdigen Interessen Dritter geheim gehalten werden m\u00fcssen, 3. sie die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden oder sonst dem Wohle des Bundes oder eines Landes Nachteile bereiten w\u00fcrde. (3) Im \u00dcbrigen gilt f\u00fcr die Auskunft SS 18 Abs\u00e4tze 2 und 4 bis 6 des Hamburgischen Datenschutzgesetzes. 5. Abschnitt Parlamentarische Kontrolle des Verfassungsschutzes SS 24 Parlamentarischer Kontrollausschuss 1 Zur parlamentarischen Kontrolle des Senats auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes bildet die B\u00fcrgerschaft einen Kontrollausschuss. 2 Dieser tagt in nicht\u00f6ffentlicher Sitzung. 248","Anhang / Verfassungsschutzgesetz SS 25 Zusammensetzung und Pflichten des Ausschusses (1) Der Ausschuss besteht aus neun Mitgliedern der B\u00fcrgerschaft. (2) Die Mitglieder des Ausschusses werden von der B\u00fcrgerschaft in geheimer Abstimmung gew\u00e4hlt. (3) 1 Die Mitglieder des Ausschusses sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen im Zusammenhang mit ihrer T\u00e4tigkeit in dem Ausschuss bekannt geworden sind. 2 Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Ausschuss oder aus der B\u00fcrgerschaft. 3 Satz 1 und Satz 2 gelten nicht f\u00fcr eigene Bewertungen bestimmter Vorg\u00e4nge, sofern die Belange des Geheimschutzes beachtet werden. (3a) 1 Die Mitglieder des Ausschusses haben das Recht, zur Unterst\u00fctzung ihrer Arbeit jeweils eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter je Fraktion zu benennen. 2 Voraussetzung f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit ist die Erm\u00e4chtigung zum Umgang mit Verschlusssachen und die f\u00f6rmliche Verpflichtung zur Geheimhaltung. 3 Die benannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind befugt, anlassbezogen die vom Ausschuss beigezogenen Akten und Dateien einzusehen und die Beratungsgegenst\u00e4nde des Ausschusses mit den Mitgliedern zu er\u00f6rtern; das Unterst\u00fctzungsbegehren ist dem Vorsitzenden anzuzeigen und den Mitgliedern des Ausschusses zur Kenntnis zu geben. 4 Die benannten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben keinen Zutritt zu den Sitzungen. 5 Absatz 3 S\u00e4tze 1 und 2 gilt entsprechend. (3b) 1 Dem Ausschuss ist die f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner Aufgaben notwendige Personalund Sachausstattung zur Verf\u00fcgung zu stellen. 2 F\u00fcr die Besch\u00e4ftigten gelten Absatz 3 S\u00e4tze 1 und 2 sowie Absatz 3a Satz 2 entsprechend. 3 Zur Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben ist ihnen Auskunft zu ihren Fragen zu erteilen. (4) 1 Der Ausschuss w\u00e4hlt einen Vorsitzenden und gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 2 Beschl\u00fcsse des Ausschusses bed\u00fcrfen der Mehrheit der Stimmen der anwesenden Mitglieder. (5) Sitzungsunterlagen und Protokolle verbleiben f\u00fcr die laufende Wahl249","Anhang / Verfassungsschutzgesetz periode im Gewahrsam der B\u00fcrgerschaftskanzlei, im \u00dcbrigen im Gewahrsam des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und k\u00f6nnen nur an diesen Orten von den Ausschussmitgliedern eingesehen werden. (6) 1 Scheidet ein Mitglied des Ausschusses aus der B\u00fcrgerschaft oder seiner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Ausschuss; f\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein neues Mitglied zu bestimmen. 2 Das Gleiche gilt, wenn ein Mitglied aus dem Ausschuss ausscheidet. (7) 1 Der Parlamentarische Kontrollausschuss berichtet der B\u00fcrgerschaft j\u00e4hrlich und im \u00dcbrigen anlassbezogen \u00fcber seine Kontrollt\u00e4tigkeit. 2 Dabei nimmt er auch dazu Stellung, ob der Senat seinen Pflichten gegen\u00fcber dem Ausschuss nachgekommen ist. 3 Die Berichte sollen so gefasst sein, dass die im Ausschuss vertretenen Meinungen und die Gr\u00fcnde, die zu Beschl\u00fcssen gef\u00fchrt haben, ersichtlich sind. 4 Sie m\u00fcssen die Empfehlung des Ausschusses und das Abstimmungsverh\u00e4ltnis, mit dem die Empfehlung zustande gekommen ist, wiedergeben. 5 Bei der Erstellung des Berichts sind die Belange des Geheimschutzes zu beachten. SS 26 Aufgaben des Ausschusses (1) 1 Der Ausschuss \u00fcbt die parlamentarische Kontrolle auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes aus. 2 Diese umfasst aus zwingenden Gr\u00fcnden des Geheimschutzes auch die Haushaltsangelegenheiten. 3 Der das Aufgabengebiet des Verfassungsschutzes betreffende Teil des Haushaltsplanentwurfs bedarf daher der Zustimmung des Ausschusses. 4 Die Rechte der B\u00fcrgerschaft bleiben unber\u00fchrt. (2) 1 Der Senat hat den Ausschuss umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung zu unterrichten. 2 Der Ausschuss tagt in Abst\u00e4nden von h\u00f6chstens drei Monaten oder auf Antrag eines Mitglieds. (3) 1 Zur Erf\u00fcllung seiner Kontrollaufgaben hat der Ausschuss auf Antrag mindestens eines seiner Mitglieder das Recht auf 250","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 1. Erteilung von Ausk\u00fcnften, 2. Einsicht in Akten, in Dateien gespeicherte Daten, Stellungnahmen und andere Unterlagen, 3. Zugang zu den R\u00e4umen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und 4. Anh\u00f6rung bestimmter Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes als Auskunftspersonen, die verpflichtet sind, vollst\u00e4ndige und wahrheitsgem\u00e4\u00dfe Angaben zu machen. 2 Die Befugnisse des Ausschusses nach Satz 1 Nummer 2 erstrecken sich nur auf Gegenst\u00e4nde, die der alleinigen Verf\u00fcgungsberechtigung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz unterliegen. 3 Die Rechte nach Satz 1 sind Befugnisse gegen\u00fcber dem Ausschuss als Ganzes. (4) Den Ersuchen nach Absatz 3 ist unverz\u00fcglich zu entsprechen. Der Senat bescheidet ein solches Ersuchen abschl\u00e4gig oder schr\u00e4nkt die Aussagegenehmigung ein, soweit gesetzliche Vorschriften entgegenstehen oder wenn dieses aus zwingenden Gr\u00fcnden des Nachrichtenzugangs, des Schutzes von Pers\u00f6nlichkeitsrechten oder des Kernbereichs der exekutiven Eigenverantwortung erforderlich ist. In diesem Fall legt der Senat dem Ausschuss seine Gr\u00fcnde dar. (5) Der Senat hat dem Ausschuss insbesondere \u00fcber 1. Gefahren f\u00fcr die Schutzg\u00fcter des SS 1, 2. die Dienstvorschrift \u00fcber nachrichtendienstliche Mittel nach SS 8 Absatz 2 Satz 2 sowie ihre \u00c4nderungen, 3. die Ma\u00dfnahmen nach SS 8 Absatz 11, 4. die Weiterspeicherung nach SS 9 Absatz 3, 5. die tats\u00e4chliche Arbeitsaufnahme mit einem automatisierten Verfahren, f\u00fcr das eine Verfahrensbeschreibung nach SS 9 Absatz 1 des Hamburgischen Datenschutzgesetzes vorgeschrieben ist, und seine wesentlichen inhaltlichen \u00c4nderungen, 251","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 6. die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stationierungsstreitkr\u00e4fte nach SS 15, 7. die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen nach SS 16, 8. die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs nach SS 17, 9. Anfragen bei ausl\u00e4ndischen \u00f6ffentlichen Stellen nach SS 12 Absatz 5 Satz 4 HmbS\u00dcGG mitzuteilen und j\u00e4hrlich \u00fcber die Pr\u00fcfungen nach SS 9 Absatz 2 Satz 2 zu berichten. zu berichten. (6) Der Ausschuss kann dem beh\u00f6rdlichen Datenschutzbeauftragten der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde und dem Hamburgischen Beauftragten f\u00fcr Datenschutz und Informationsfreiheit Gelegenheit zur Stellungnahme in Fragen des Datenschutzes geben. SS 27 Eingaben 1 Eingaben einzelner B\u00fcrger oder einzelner Angeh\u00f6riger des Verfassungsschutzes \u00fcber ein sie betreffendes Verhalten des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz sind dem Ausschuss zur Kenntnis zu geben. 2 Der Ausschuss bescheidet die an ihn gerichteten Eingaben, nachdem er diese dem Senat zur Stellungnahme \u00fcbermittelt hat. 3 Der Ausschuss hat auf Antrag eines Mitglieds Petenten und Auskunftspersonen zu h\u00f6ren. 4 SS 26 Abs\u00e4tze 3 und 4 findet entsprechende Anwendung. 5 Die Rechte des Eingabenausschusses bleiben unber\u00fchrt. 252","Anhang / Verfassungsschutzgesetz 6. Abschnitt Schlussvorschriften SS 28 \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz 1 In SS 1 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz vom 17. Januar 1969 mit der \u00c4nderung vom 2. Februar 1981 (Hamburgisches Gesetzund Verordnungsblatt 1969 Seite 5, 1981 Seite 24), wird folgender Absatz 5 angef\u00fcgt: \"(5) Die Kommission ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung der von der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde angeordneten Beschr\u00e4nkungsma\u00dfnahmen zust\u00e4ndig. 2 Sie kann zu ihrer Unterst\u00fctzung den Hamburgischen Datenschutzbeauftragten ersuchen, die Einhaltung der Vorschriften \u00fcber den Datenschutz in ihrem Zust\u00e4ndigkeitsbereich zu kontrollieren und ausschlie\u00dflich ihr dar\u00fcber zu berichten.\" SS 29 Inkrafttreten 1 Dieses Gesetz tritt am Tag nach seiner Verk\u00fcndung in Kraft. 2 Gleichzeitig tritt das Gesetz \u00fcber den Verfassungsschutz in der Freien und Hansestadt Hamburg vom 13. Februar 1978 (Hamburgisches Gesetzund Verordnungsblatt Seite 51) au\u00dfer Kraft. 253","","Anhang / Abk\u00fcrzungsverzeichnis Abk\u00fcrzungsverzeichnis A ABLE Association of Better Living and Education AD\u00dcTDF Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu e.V. (F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland) AK II Arbeitskreis II - Polizei AK IV Arbeitskreis IV - Verfassungsschutz ApS Applied Scholastics AQAH al-Qaida auf der arabischen Halbinsel AQM al-Qaida im islamischen Maghreb AG-GGG Artgemeinschaft - Germanische Glaubens-Gemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung e.V. ATD Antiterrordatei AQ al-Qaida B B5 Internationales Zentrum Brigittenstra\u00dfe 5 BGBl Bundesgesetzblatt BgiA B\u00fcndnis gegen imperialistische Aggression BKA Bundeskriminalamt BMWi Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Technologie BoB Bildung ohne Bundeswehr BPjM Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien BVerfSchG Bundesverfassungsschutzgesetz C CDK Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa D DB Deutsche Burschenschaft DGB Deutscher Gewerkschaftsbund 255","Anhang / Abk\u00fcrzungsverzeichnis DHKP-C Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephe (Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front) DIIN Deutschsprachiger Islamkreis im Norden e.V. DKP Deutsche Kommunistische Partei DRB Deutsches Rechtsb\u00fcro DSA Departement of Special Affairs DVU Deutsche Volksunion DWR Die wahre Religion E EA Ermittlungsausschuss EA Europ\u00e4ische Aktion EU Europ\u00e4ische Union F FAU Freie Arbeiterinnenund Arbeiter Union G G 10 Meint das geltende Gesetz zu Artikel 10 Grundgesetz (Gesetz zur Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses) GAR Gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus GBA Generalbundesanwalt(schaft) GETZ Gemeinsames Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum GfP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik e.V. GfbAEV Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V. GG Grundgesetz GTAZ Gemeinsames Terrorismusabwehrzentrum G\u00dcZ Gefechts\u00fcbungszentrum 256","Anhang / Abk\u00fcrzungsverzeichnis H HmbGVBl Hamburgisches Gesetzund Verordnungsblatt HmbS\u00dcGG Hamburgisches Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungund Geheimschutzgesetz HmbVerfSchG Hamburgisches Verfassungsschutzgesetz HNK & WWT Hamburger Nationalkollektiv / Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew Sektion Hamburg HuT Hizb ut-Tahrir; auch Hizb Al Tahrir al Islami (Befreiungspartei) I IBU Islamische Bewegung Usbekistans IGMG Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. IL Interventionistische Linke IS Islamischer Staat ISIG Islamischer Staat in Irak und Gro\u00dfsyrien ISIS Islamischer Staat in Irak und Syrien IStI Islamischer Staat im Irak IZH Islamisches Zentrum Hamburg J JaN Jabhat al-Nusra JN Junge Nationaldemokraten K KCD-E Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" KCK Koma Civaken Kurdistan (Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans) KONGRA GEL Kongra Gele Kurdistan (Volkskongress Kurdistan) KON-KURD Konf\u00f6deration der kurdischen Vereine in Europa L LfV Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz LIZ Libert\u00e4res Zentrum 257","Anhang / Abk\u00fcrzungsverzeichnis LKA Landeskriminalamt LKA Libert\u00e4res Kulturund Aktionszentrum M MLKP Marksist Leninist Kom\u00fcnist Partisi (Kommunistische Partei der T\u00fcrkei / Marxistisch-Leninistisch) MTZ Magda Th\u00fcrey-Zentrum N NADIS Nachrichtendienstliches Informationssystem NATO North Atlantic Treaty Organization NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands NSU Nationalsozialistischer Untergrund O Org Scientology-Bezeichnung f\u00fcr \"Scientology-Kirche\" OSA Office of Special Affairs P P.B! Chattia Pennale Burschenschaft Chattia Friedberg zu Hamburg PKA Parlamentarischer Kontrollausschuss PKK Partiya Karkeren Kurdistan (Arbeiterpartei Kurdistans) PMK Politisch Motivierte Kriminalit\u00e4t PRP Projekt revolution\u00e4re Perspektive R RAF Rote Armee Fraktion RH Rote Hilfe e.V. RSH Rote Szene Hamburg S SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend 258","Anhang / Abk\u00fcrzungsverzeichnis SO Scientology-Organisation SoL Sozialistische Linke SprengG Sprengstoffgesetz StGB Strafgesetzbuch T TddZ Tag der deutschen Zukunft TKP/ML T\u00fcrkiye Kom\u00fcnist Partisi / Marksist Leninist (Kommunistische Partei der T\u00fcrkei / Marxistisch-Leninistisch) V V Verfassungsschutz (K\u00fcrzel im Organigramm des LfV) VP Vertrauensperson VS Verschlusssachen VSB Verfassungsschutzbericht W WWT Weisse W\u00f6lfe Terror Crew Y YPG Yekineyen Parastina Gel (Volksverteidigungseinheiten) 259"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2014","year":2014}
