{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-2015.pdf","jurisdiction":"Bund","num_pages":317,"pages":["Verfassungsschutzbericht 2015","Vorwort des Bundesministers des Innern Dr. Thomas de Maiziere, MdB Der Verfassungsschutzbericht 2015 informiert \u00fcber Gefahren f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung. Dabei z\u00e4hlt der Bericht nicht abschlie\u00dfend alle verfassungsschutzrelevanten Personenzusammenschl\u00fcsse auf, sondern unterrichtet \u00fcber die wesentlichen, w\u00e4hrend des Berichtsjahres zu verzeichnenden Entwicklungen und deren Bewertung. Der Verfassungsschutzbericht verdeutlicht die Gef\u00e4hrdungen durch den politischen Extremismus, den Terrorismus oder durch Spionage. Die unver\u00e4ndert gr\u00f6\u00dfte Bedrohung f\u00fcr unsere freien Gesellschaften stellt aktuell der international agierende islamistische Terrorismus dar. Die schrecklichen Attentate am Abend des 13. November 2015 in Paris mit Hunderten von get\u00f6teten und verletzten Menschen haben eine neue Dimension des Terrors in Europa offenbart. Auch Deutschland ist und bleibt im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus. Doch auch der enorme Anstieg rechtsextremistischer Gewalt ist alarmierend: Rechtsextremistisch motivierte Strafund Gewalttaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte haben sich im Jahr 2015 gegen\u00fcber dem Vorjahr mehr als verf\u00fcnffacht. Die rechtsextremistische Szene erh\u00e4lt nach einem jahrelangen R\u00fcckgang nun wieder Zulauf. Auch in den anderen Aufgabenbereichen des Verfassungsschutzes bleiben die Herausforderungen hoch: sowohl im gewaltbereiten Linksund Ausl\u00e4nderextremismus als auch in der Abwehr von Spionage und sonstigen nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten gegen unser Land und gegen unsere heimische Wirtschaft. 3","VORWORT Diesem breiten Spektrum an Gefahren kann nur mit einem gut aufgestellten Verfassungsschutz begegnet werden. Dazu geh\u00f6rt ein sp\u00fcrbarer personeller Aufwuchs im Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Dazu geh\u00f6rt aber auch ein inhaltlicher Reformprozess. Mit dem im November 2015 in Kraft getretenen Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich des Verfassungsschutzes ist eine Neuausrichtung eingeleitet worden, durch die die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder k\u00fcnftig noch besser kooperieren werden. Der Verfassungsschutzbericht 2015 verdeutlicht, wie wichtig die Arbeit des Verfassungsschutzes f\u00fcr die Sicherheit aller B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und f\u00fcr die Sicherheit unseres Landes ist. Er dokumentiert die engagierte und zuverl\u00e4ssige Arbeit einer Institution, die einen wesentlichen Eckpfeiler im System der deutschen Sicherheitsarchitektur bildet und deren Dienste unentbehrlich sind. Dr. Thomas de Maiziere, MdB Bundesminister des lnnern 4","5","Inhaltsverzeichnis Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie I. \"Fr\u00fchwarnsystem\" Verfassungsschutz 15 II. Kontrolle des Verfassungsschutzes 18 III. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung 19 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) I. Definitionssystem PMK 23 II. Gesamt\u00fcberblick PMK 24 III. Politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund in den einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen 25 1. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 25 1.1 Zielrichtungen der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten 26 1.1.1 Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund 27 1.1.2 Gewalttaten von Rechtsextremisten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten 29 1.2 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder 30 2. Linksextremistisch motivierte Straftaten 31 2.1 Zielrichtungen der linksextremistisch motivierten Gewalttaten 32 2.1.1 Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten 33 2.1.2 Gewalttaten von Linksextremisten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden 34 2.2 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder 35 3. Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich der \"Politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" 36 3.1 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder 37 6","INHALTSVERZEICHNIS Rechtsextremismus I. \u00dcberblick 40 1. Entwicklungstendenzen 40 2. Personenpotenzial 43 II. Gewalt und Militanz 46 1. Organisierte Gewalt / Ans\u00e4tze f\u00fcr Rechtsterrorismus 47 2. Rechtsextremistische Strafund Gewalttaten mit fremdenfeindlicher Motivation bzw. gegen Fl\u00fcchtlinge und Asylbewerberunterk\u00fcnfte 49 3. Angriffsziele: Politiker, Journalisten, politische Gegner, Fl\u00fcchtlinge und ihre Helfer 53 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial 55 III. Anti-Asyl-Agitation: Anschlussf\u00e4higkeit und Radikalisierung 56 1. Ausgangslage 56 2. Hetze und Radikalisierung 57 3. Rechtsextremistische Anti-Asyl-Agitation im Internet 61 4. Rechtsextremistische Demonstrationen 62 5. Rechtsextremistische Einflussnahme 64 5.1 PEGIDA-Bewegung und Rechtspopulismus 64 5.2 Rekrutierungsfeld Hooligans 66 6. Gef\u00e4hrdungspotenzial 68 IV. Parteistrukturen im Rechtsextremismus 70 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 70 2. \"DIE RECHTE\" 74 3. \"Der III. Weg\" 76 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") 78 5. Gef\u00e4hrdungspotenzial 79 V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 81 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 81 1.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) 83 1.2 \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) 84 1.3 \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) 84 1.4 \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) 85 2. \"DIE RECHTE\" 86 3. \"Der III. Weg\" 87 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") 88 5. \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) 89 6. \"Hammerskins Deutschland\" 90 7","INHALTSVERZEICHNIS Linksextremismus I. \u00dcberblick 92 1. Entwicklungstendenzen 92 2. Entwicklung des Personenpotenzials 95 3. Aktionsfelder 97 3.1 \"Antifaschismus\" 97 3.2 \"Antirassismus\" 98 3.3 \"Antikapitalismus\" 99 3.4 \"Antirepression\" 100 3.5 \"Antigentrifizierung\" 100 3.6 Kurdistansolidarit\u00e4t 101 II. Gewalt und Militanz 102 1. Konfrontative Gewalt 104 2. Personenund objektbezogene Gewalt 106 III. Gewaltorientierter Linksextremismus zwischen Kontinuit\u00e4t und Kurskorrektur: Strategisch-strukturelle Neuformierung 107 1. Ausgangslage der linksextremistischen Strategiedebatte 107 2. Autonome 108 2.1 Autonome Organisierungsans\u00e4tze 108 3. Marxisten, Leninisten, Antiimperialisten 111 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial 113 IV. Kampagnenf\u00e4higkeit der linksextremistischen Szene 114 1. Ausschreitungen bei Protesten anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) 115 2. Mobilisierung und Proteste gegen den G7-Gipfel 2015 in Elmau (Bayern) 118 3. \"Ende Gel\u00e4nde\"-Kampagne gegen den Braunkohletagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) 121 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial 122 V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 124 1. \"Interventionistische Linke\" (IL) 124 2. \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" 125 3. \"...ums Ganze! - kommunistisches B\u00fcndnis\" (uG) 126 4. \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) 128 5. \"Perspektive Kommunismus\" (PK) 130 6. \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 132 6.1 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 134 7. \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 135 7.1 \"REBELL\" 136 8. \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) - Gefangenenhilfsorganisation 137 9. \"GegenStandpunkt\" (GSP) 138 8","INHALTSVERZEICHNIS 10. \"Sozialistische Alternative\" (SAV), deutsche Sektion des internationalen Dachverbandes \"Committee for a Worker's International\" (CWI) mit Sitz in London 139 11. Offen extremistische Strukturen in der Partei DIE LINKE 140 11.1 \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) 140 11.2 \"Sozialistische Linke\" (SL) 141 11.3 \"Arbeitsgemeinschaft Cuba Si\" (Cuba Si) 142 11.4 \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) 143 11.5 \"Marxistisches Forum\" (MF) 144 11.6 \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) 145 11.7 \"marx21\" 146 12. \"junge Welt\" (jW) 147 Islamismus/islamistischer Terrorismus I. \u00dcberblick 150 1. Entwicklungstendenzen 151 2. Organisationen und Personenpotenzial 154 II. Internationale Konflikte und ihre Bedeutung f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland 156 1. Lage in Syrien und im Irak - Auswirkungen auf die Sicherheitslage 156 1.1 Professionelle IS-Propaganda 157 1.2 Reisebewegungen 161 1.3 Jihadisten unter Fl\u00fcchtlingen 164 1.4 Gef\u00e4hrdungspotenzial 165 2. Lage in Afghanistan/Pakistan und auf dem indischen Subkontinent - Auswirkungen auf die Sicherheitslage 167 2.1 Gef\u00e4hrdungspotenzial 169 3. Lage in Somalia - Auswirkungen auf die Sicherheitslage 169 3.1 Gef\u00e4hrdungspotenzial 170 III. Salafistische Szene in Deutschland 170 IV. Antisemitismus im Islamismus 176 V. Staatliche Ma\u00dfnahmen 181 VI. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 185 1. Kern-\"al-Qaida\" 185 2. \"Islamischer Staat\" (IS) 186 3. \"Al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) 187 4. \"Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) 188 5. \"Al-Shabab\" 189 6. \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) 190 9","INHALTSVERZEICHNIS 7. \"Al-Qaida auf dem indischen Subkontinent\" (AQIS) 191 8. \"Hizb Allah\" 192 9. HAMAS 194 10. \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 195 10.1 \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) 195 10.2 \"Kaukasisches Emirat\" (KE) 196 11. \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) 197 12. \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 198 13. \"Muslimbruderschaft\" (MB) 199 13.1 \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) 200 14. \"Tablighi Jama'at\" (TJ) 201 15. Einfluss regimetreuer Iraner auf in Deutschland lebende Schiiten durch das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) 202 16. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung 203 16.1 Der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnende Vereinigungen 204 Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) I. \u00dcberblick 208 1. Entwicklungstendenzen 208 2. Organisationen und Personenpotenzial 211 II. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 212 1. Politische Ausgangslage 212 2. Auswirkungen der krisenhaften Entwicklung in der Heimatregion auf die Sicherheitslage in Deutschland 214 3. Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla 215 4. Zentrale PKK-Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen 216 5. Hierarchische Organisationsstruktur und finanzielle Situation der PKK in Europa 217 6. Strafverfahren gegen Funktion\u00e4re der PKK 219 7. Internetaktivit\u00e4ten 219 8. Gef\u00e4hrdungspotenzial 220 III. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 221 IV. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung 225 V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 230 1. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 230 1.1 \"Ciwanen Azad\" 231 1.2 \"Komalen Ciwan\" 232 10","INHALTSVERZEICHNIS 1.3 \"Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.\" (NAV-DEM) 232 1.4 \"AZADI e.V. Rechtshilfefonds f\u00fcr Kurdinnen und Kurden in Deutschland\" (AZADI e.V.) 233 2. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 234 2.1 \"Anatolische F\u00f6deration\" 235 3. \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) 236 3.1 \"Partizan\"-Fl\u00fcgel 237 3.2 \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) (bis September 2002 \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" - DABK) 237 4. \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) 238 5. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung 239 5.1 \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) 240 5.2 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung 241 6. \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) 242 7. Gruppierungen des extremistischen Sikh-Spektrums 243 7.1 \"Babbar Khalsa International\" (BKI) 243 7.2 \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) 244 7.3 \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) 244 Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten I. \u00dcberblick und Entwicklungstendenzen 246 II. Bedrohung durch \"Elektronische Angriffe\" 248 1. Gef\u00e4hrdungsdimension 248 2. Erkannte Angreifer 249 III. Nachrichtenund Sicherheitsdienste der Russischen F\u00f6deration 253 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung 254 2. Methodik der Informationsgewinnung 255 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial 256 IV. Nachrichtendienste der Volksrepublik China 257 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung 257 2. Methodik der Informationsgewinnung 258 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial 259 V. Nachrichtendienste der Islamischen Republik Iran 260 VI. Nachrichtendienste sonstiger Staaten 262 VII. Proliferation 264 1. Islamische Republik Iran 265 11","INHALTSVERZEICHNIS 2. Weitere Staaten mit Beschaffungsaktivit\u00e4ten 266 VIII. Wirtschaftsschutz 267 IX. Festnahmen und Verurteilungen 269 X. Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste 269 1. Spionage mit menschlichen Quellen 269 2. Spionage mit technischen Mitteln 271 XI. Strukturen und Aufgaben ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste 275 1. Strukturen und Aufgaben russischer Nachrichtendienste 275 2. Strukturen und Aufgaben chinesischer Nachrichtendienste 276 3. Strukturen und Aufgaben iranischer Nachrichtendienste 279 \"Scientology-Organisation\" (SO) 281 Anhang \u00dcbersicht \u00fcber Verbotsma\u00dfnahmen des BMI gegen extremistische Bestrebungen im Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 2015 288 Register 294 Registeranhang 308 Bildnachweis 316 12","Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t 13","Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie Wehrhafte Eine der vorrangigen Aufgaben des Staates ist es, Sicherheit und Demokratie Freiheit f\u00fcr seine B\u00fcrger zu garantieren. Sicherheit ist die Grundlage, auf der Freiheit sich erst vollends entfalten kann. Die Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland ist an die grundlegenden Werte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung gebunden. Die Grunds\u00e4tze einer wehrhaften Demokratie und die Unverletzlichkeit grundlegender Normen der Werteordnung finden ihre Konkretisierung in einer Reihe von Vorschriften des Grundgesetzes (GG): # Nach Art. 79 Abs. 3 GG sind wesentliche Grunds\u00e4tze unab\u00e4nderlich, insbesondere der Schutz der Menschenw\u00fcrde, Art. 1 Abs. 1 GG, und die in Art. 20 GG enthaltenen Prinzipien der staatlichen Ordnung (Demokratie, F\u00f6deralismus, Rechtsund Sozialstaatlichkeit). # Parteien k\u00f6nnen nach Art. 21 Abs. 2 GG vom Bundesverfassungsgericht f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt werden. # Vereinigungen, deren Zwecke oder deren T\u00e4tigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung oder gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten, sind gem\u00e4\u00df Art. 9 Abs. 2 GG verboten. Voraussetzung f\u00fcr die Abwehr der von Feinden der demokratischen Grundordnung ausgehenden Gefahr ist eine umfassende Information der staatlichen Organe und der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber verfassungsfeindliche Bestrebungen und Entwicklungen. Zur Sammlung von Unterlagen und Erkenntnissen \u00fcber derartige Bestrebungen und sicherheitsgef\u00e4hrdende T\u00e4tigkeiten sind die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder (Art. 73 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe b und Art. 87 Abs. 1 Satz 2 GG) eingerichtet worden und bilden einen festen, untrennbaren Bestandteil der wehrhaften Demokratie. Strukturdaten gem\u00e4\u00df Im Jahr 2015 hatte das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz 2.813 SS 16 Abs. 2 Bundes(2014: 2.783) Bedienstete. Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt verfassungsschutzbetrug 222.480.785 Euro (2014: 205.956.162 Euro). gesetz 14","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst hatte 1.086 (2014: 1.067) Bedienstete und erhielt aus dem Bundeshaushalt einen Zuschuss von 75.554.628 Euro (2014: 72.250.895 Euro). Anfang 2016 waren von Bund und L\u00e4ndern im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) 1.851.584 (Anfang 2015: 1.807.023) personenbezogene Eintragungen enthalten, davon 1.405.920 Eintragungen (75,9%, Anfang 2015: 76,2%) aufgrund von Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen oder Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach den Bestimmungen des Luftsicherheitsgesetzes oder des Atomgesetzes. I. \"Fr\u00fchwarnsystem\" Verfassungsschutz Dem Verfassungsschutz kommt in der deutschen SicherheitsarAufgaben chitektur die Aufgabe zu, Gefahren durch den politischen Extremismus, den Terrorismus und deren Entwicklungspotenziale sowie die Bedrohungen durch Spionageaktivit\u00e4ten weit im Vorfeld polizeilicher Ma\u00dfnahmen einzusch\u00e4tzen. Dar\u00fcber hinaus wirkt der Verfassungsschutz im Bereich des Geheimund Sabotageschutzes mit (z.B. durch Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen von Personen, die in sicherheitsempfindlichen Bereichen arbeiten). Sein wesentliches Bet\u00e4tigungsfeld - niedergelegt in SS 3 Abs. 1 und 2 des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BVerfSchG) - besteht in der Sammlung und Auswertung von Informationen \u00fcber # Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben, # sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten in Deutschland f\u00fcr eine fremde Macht, # Bestrebungen im Geltungsbereich des BVerfSchG, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, 15","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE # Bestrebungen in Deutschland, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind. Im Sinne eines effektiven \"Fr\u00fchwarnsystems\" erstellt der Verfassungsschutz Lagebilder und Analysen, die es der Bundesregierung und den Landesregierungen erm\u00f6glichen, rechtzeitig Ma\u00dfnahmen zur Abwehr von Gefahren f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung und die innere Sicherheit einzuleiten. Einzelne Erkenntnisse \u00fcbermittelt der Verfassungsschutz, dem selbst keinerlei polizeiliche Befugnisse zustehen, an Polizei und Staatsanwaltschaft, um exekutive Ma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen. Die zur Aufgabenerf\u00fcllung des Verfassungsschutzes erforderlichen rechtlichen Voraussetzungen sind im Lichte konkreter Bedrohungen immer wieder neu zu bestimmen. Gesetz zur VerbesseDas am 21. November 2015 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesrung der Zusammenserung der Zusammenarbeit im Bereich des Verfassungsschutzes arbeit ist ein essenzieller Baustein bei der Umsetzung der Empfehlungen des NSU-Untersuchungsausschusses und ein weiterer konsequenter Schritt im Reformprozess des BfV und der Neuausrichtung des Verfassungsschutzes. Zentrale Ziele des Gesetzes sind: # St\u00e4rkung der Zentralstellenfunktion und des Verbundes Dem BfV kommt eine gesetzlich normierte Koordinierungsaufgabe zu, die auf eine St\u00e4rkung des Verfassungsschutzverbundes durch optimiertes Zusammenwirken der Beh\u00f6rden zielt. Zudem ist das BfV nun berechtigt, im Benehmen mit dem jeweiligen Land eigenst\u00e4ndig auch lediglich lokale, aber gewaltorientierte Bestrebungen zu beobachten. Diese Regelung dient dazu, etwaige Beobachtungsl\u00fccken in diesem Bereich zu schlie\u00dfen. # Verbesserung des Informationsflusses und Ausbau der Analysef\u00e4higkeit K\u00fcnftig m\u00fcssen alle relevanten Informationen zwischen den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden ausgetauscht werden. Dem BfV kommt hierbei die Aufgabe zu, Informationen \u00fcber Bestrebungen bzw. T\u00e4tigkeiten i.S. des SS 3 Abs. 1 BVerfSchG zentral 16","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE zusammenzuf\u00fchren und l\u00e4nder\u00fcbergreifend auszuwerten. Erst hierdurch wird es m\u00f6glich, Strukturen verbessert zu erkennen und gef\u00e4hrliche Informationsinseln zu vermeiden. # Klare Regelungen zum Einsatz von V-Leuten V-Leute sind f\u00fcr den Nachrichtendienst ein unersetzliches Mittel zur Aufkl\u00e4rung von mitunter hoch konspirativ agierenden extremistischen Gruppierungen. Auswahl und F\u00fchrung von V-Leuten haben nunmehr einen klaren transparenten Rahmen. Zudem wurden eindeutige Regelungen zum Einsatzrahmen von V-Leuten - einschlie\u00dflich der Einsatzbeendigung bei begangenen Straftaten - gesetzlich normiert. # Neuregelung der \u00d6ffentlichkeitsarbeit Sachgerechte Information ist die notwendige Voraussetzung f\u00fcr die gebotene Auseinandersetzung mit Extremismus. Das BfV wird hier verst\u00e4rkt auf Anforderungen der Medien wie auch \u00f6ffentlicher oder zivilgesellschaftlicher Akteure eingehen, ohne eine Institution der politischen Bildung zu sein. Die zur sachgerechten \u00d6ffentlichkeitsunterrichtung unter Umst\u00e4nden erforderliche Bekanntgabe personenbezogener Daten darf neben dem BMI nunmehr auch durch das BfV vorgenommen werden. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden arbeiten mit anderen deutschen Zusammenarbeit mit Sicherheitsbeh\u00f6rden in Kompetenzzentren zusammen. Diese deutschen Sichergew\u00e4hrleisten die B\u00fcndelung von Fachwissen ebenso wie den heitsbeh\u00f6rden schnellen Austausch von Informationen und Analysen. Bei den Informationsund Kommunikationsplattformen - so das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ, seit Ende 2004) und das Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus/-terrorismus, des Linksextremismus/-terrorismus, des Ausl\u00e4nderextremismus/terrorismus und der Spionage einschlie\u00dflich proliferationsrelevanter Aspekte (GETZ, seit Ende 2012) - handelt es sich nicht um eigenst\u00e4ndige Beh\u00f6rden. Einen wesentlichen Erkenntnisgewinn erzielt der VerfassungsInternationale schutz des Weiteren durch die Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndiZusammenarbeit schen Partnerdiensten und in internationalen Gremien. Diese Kooperation ist insbesondere vor dem Hintergrund des internationalen Terrorismus und der Gef\u00e4hrdung durch Cyberattacken 17","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE von \u00fcberragender Bedeutung. Sie bleibt auszubauen und muss im Informationsaustausch und der gemeinsamen Analyse auch verbessert die M\u00f6glichkeiten zeitgem\u00e4\u00dfer IT nutzen. InformationsEinen erheblichen Teil ihrer Informationen gewinnen die Verfasgewinnung sungsschutzbeh\u00f6rden aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen. Fremde Nachrichtendienste, Extremisten und Terroristen arbeiten indes konspirativ und legen ihre Ziele nicht offen dar. Entsprechend ist der Verfassungsschutz befugt, im Rahmen gesetzlich festgelegter Grenzen und unter Wahrung des Grundsatzes der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit auch nachrichtendienstliche Mittel zur Informationsbeschaffung einzusetzen, wie z.B. Observationen und Telefon\u00fcberwachungen. II. Kontrolle des Verfassungsschutzes Bundesregierung Die T\u00e4tigkeit des BfV unterliegt einer vielf\u00e4ltigen \u00dcberpr\u00fcfung. Hierzu geh\u00f6rt die Fachaufsicht durch das Bundesministerium des Innern (BMI). Parlamentarisches Die Bundesregierung unterliegt - auch in Bezug auf die Arbeit des Kontrollgremium Verfassungsschutzes - der Kontrolle durch den Deutschen Bundestag. Zur Wahrnehmung der parlamentarischen Kontrolle ist beim Deutschen Bundestag ein Kontrollgremium eingerichtet, das von der Bundesregierung regelm\u00e4\u00dfig und umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung unterrichtet wird. Auf Verlangen ist das Parlamentarische Kontrollgremium auch \u00fcber sonstige Vorg\u00e4nge zu unterrichten. G 10-Kommission Beschr\u00e4nkungen des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses nach Ma\u00dfgabe des Art. 10 GG werden durch die vom Parlamentarischen Kontrollgremium bestellte unabh\u00e4ngige G 10-Kommission auf ihre Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit \u00fcberpr\u00fcft. Bundesbeauftragte Die Bundesbeauftragte f\u00fcr den Datenschutz und die Informatif\u00fcr den Datenschutz onsfreiheit (BfDI) unterzieht das BfV einer kontinuierlichen \u00dcberund die Informapr\u00fcfung. Grundlage sind die datenschutzrechtlichen Bestimmuntionsfreiheit (BfDI) gen im BVerfSchG und in den spezialgesetzlichen Regelungen, die 18","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE den Aufgabenbereich des BfV ber\u00fchren (z.B. das Ausl\u00e4nderzentralregister). Das BfV ist gesetzlich verpflichtet, Betroffenen auf Antrag unentgeltlich Auskunft \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten zu erteilen, soweit auf einen konkreten Sachverhalt hingewiesen und ein besonderes Interesse an der Auskunft dargelegt wird (SS 15 Abs. 1 BVerfSchG). Die Auskunft unterbleibt nur dann, wenn einer der in SS 15 Abs. 2 BVerfSchG bezeichneten Verweigerungsgr\u00fcnde vorliegt. Ma\u00dfnahmen des BfV, die nach Darstellung der Betroffenen diese Gerichte in ihren Rechten beeintr\u00e4chtigen, unterliegen der gerichtlichen Nachpr\u00fcfung. III. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung Die Aufgabe Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung wird auf Bundesebene gemeinsam vom BMI und BfV wahrgenommen. Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann dauerhaft nicht ohne eine geistig-politische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Auspr\u00e4gungen des Extremismus bewahrt werden. Eine wichtige Aufgabe des Verfassungsschutzes stellt daher die fundierte Aufkl\u00e4rung und Informationsvermittlung \u00fcber Art und Umfang extremistischer Bedrohung dar. Der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht beruht auf den ErkenntVerfassungsschutznissen, die das BfV im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags bericht zusammen mit den Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz gewonnen hat. Der Verfassungsschutzbericht stellt keine abschlie\u00dfende Aufz\u00e4hlung aller verfassungsschutzrelevanten Personenzusammenschl\u00fcsse dar, sondern unterrichtet \u00fcber die wesentlichen, w\u00e4hrend des Berichtsjahres zu verzeichnenden verfassungsschutzrelevanten Entwicklungen und deren Bewertung. Informationen zu ideologischen Hintergr\u00fcnden, Strukturdaten, Aktivit\u00e4ten und Publikationen zu den wichtigsten Beobachtungsobjekten 19","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE des Verfassungsschutzes befinden sich in entsprechenden Einzel\u00fcbersichten im Anschluss an die jeweiligen Berichtsteile. Personenpotenzial Die Zahlenangaben zum Mitgliederpotenzial der im Bericht genannten Personenzusammenschl\u00fcsse beziehen sich auf die Bundesrepublik Deutschland und sind z.T. gesch\u00e4tzt und gerundet. Im \u00dcbrigen ist darauf hinzuweisen, dass den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden nicht zu allen Mitgliedern dieser Personenzusammenschl\u00fcsse individuelle Erkenntnisse vorliegen. www.verfassungsDas BfV informiert im Rahmen seiner \u00d6ffentlichkeitsarbeit mit schutz.de einem umfangreichen Internetangebot sowie weiteren Publikationen \u00fcber aktuelle Entwicklungen in den einzelnen Arbeitsfeldern. Ausstellungen Die drei Wanderausstellungen1 des BfV verzeichneten im Jahr 2015 eine r\u00fcckl\u00e4ufige Besucherzahl von ann\u00e4hernd 64.000 Personen. Newsletter Die Abonnentenzahl des viertelj\u00e4hrlich angebotenen Newsletters entwickelte sich weiterhin positiv. Neben Beitr\u00e4gen zu wichtigen Ereignissen in den einzelnen Bereichen des Extremismus enth\u00e4lt er ph\u00e4nomen\u00fcbergreifende Artikel sowie Interviews der Amtsleitung und Hinweise auf neue BfV-Publikationen. Ansprechpartner In allen Fragen des Verfassungsschutzes steht das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Merianstr. 100 50765 K\u00f6ln Tel.: 0221/792-0 oder 03018-792-0 Telefax: 0221/792-2915 oder 03018-10-792-2915 E-Mail: poststelle@bfv.bund.de als Ansprechpartner jederzeit zur Verf\u00fcgung. 1 \"Die braune Falle - Eine rechtsextremistische 'Karriere'\" \"Es betrifft Dich! Demokratie sch\u00fctzen - Gegen Extremismus in Deutschland\" \"Die missbrauchte Religion - Islamisten in Deutschland\" 20","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE Zu einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen hat der Verfassungsschutz Telefone eingerichtet, \u00fcber die eine Kontaktaufnahme jederzeit m\u00f6glich ist: # F\u00fcr Hinweise auf Planungen und Tatvorbereitungen im Zusammenhang mit dem islamistischen Terrorismus hat das BfV ein vertrauliches Hinweistelefon eingerichtet: Telefon: 0221-792-3366 oder 03018-792-0 E-Mail: HiT@bfv.bund.de # F\u00fcr Ausstiegswillige aus dem Rechtsextremismus existiert ein Aussteigerprogramm mit dem Experten des Verfassungsschutzes Ausstiegswillige beraten und betreuen: Telefon: 0221-792-62 oder 03018-792-0 E-Mail: aussteiger@bfv.bund.de # Ebenso gibt es f\u00fcr Linksextremisten ein spezielles Aussteigerprogramm, das Hilfesuchenden eine Vielzahl an unterst\u00fctzenden Ma\u00dfnahmen anbietet: Telefon: 0221-792-6600 oder 03018-792-0 E-Mail: aussteiger@bfv.bund.de 21","22","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) I. Definitionssystem PMK Als \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbest\u00e4nde der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erf\u00fcllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Als solche klassischen Staatsschutzdelikte gelten die folgenden Straftatbest\u00e4nde: SSSS 80-83, 84-91, 94-100a, 102-104a, 105-108e, 109109h, 129a, 129b, 130, 234a oder 241a des Strafgesetzbuches (StGB). Auch Straftaten, die in der Allgemeinkriminalit\u00e4t begangen werden k\u00f6nnen (wie z.B. T\u00f6tungsund K\u00f6rperverletzungsdelikte, Brandstiftungen, Widerstandsdelikte, Sachbesch\u00e4digungen), fallen unter \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\", wenn in W\u00fcrdigung der gesamten Umst\u00e4nde der Tat und/oder der Einstellung des T\u00e4ters Anhaltspunkte f\u00fcr eine politische Motivation gegeben sind, weil sie # den demokratischen Willensbildungsprozess beeinflussen sollen, der Erreichung oder Verhinderung politischer Ziele dienen oder sich gegen die Realisierung politischer Entscheidungen richten, # sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung bzw. eines ihrer Wesensmerkmale, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes richten oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, # durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, # sich gegen eine Person wegen ihrer politischen Einstellung, Nationalit\u00e4t, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder aufgrund ihres \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status richten (sogenannte Hasskriminalit\u00e4t); dazu z\u00e4hlen auch Taten, die nicht unmittelbar gegen eine Person, sondern im oben genannten Zusammenhang gegen eine Institution oder Sache ver\u00fcbt werden. 23","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Die im Verfassungsschutzbericht genannten Zahlen zu den politisch motivierten Straftaten mit extremistischem Hintergrund basieren auf Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA). II. Gesamt\u00fcberblick PMK Das BKA registrierte f\u00fcr das Jahr 2015 insgesamt 38.981 (2014: 32.700) politisch motivierte Straftaten. Davon sind 13.687 (35,1%) Propagandadelikte (2014: 12.543 Delikte = 38,4%). 4.402 Straftaten (11,3%) sind der politisch motivierten Gewaltkriminalit\u00e4t zuzuordnen (2014: 3.368 = 10,3%). Politisch motivierte Nach Ph\u00e4nomenbereichen unterschieden wurden 22.960 (2014: Straftaten nach 17.020) Straftaten dem Bereich \"Politisch motivierte KriminaliPh\u00e4nomenbereichen t\u00e4t - rechts\", 9.605 (2014: 8.113) dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" und 2.025 (2014: 2.549) dem Bereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" zugeordnet. Bei 4.391 (2014: 5.018) Straftaten konnte keine Zuordnung zu einem der o.g. Ph\u00e4nomenbereiche getroffen werden. Extremistisch Insgesamt wurden 29.681 Straftaten (76,1%) mit extremistischem motivierte Straftaten Hintergrund ausgewiesen (2014: 23.909 = 73,1%). Bei diesen Straftaten gab es Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass sie darauf abzielten, bestimmte Verfassungsgrunds\u00e4tze zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen, die f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung pr\u00e4gend sind. Von den 29.681 Straftaten konnten 21.933 (2014: 16.559) dem Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - rechts\", 5.620 (2014: 4.424) dem Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" und 1.524 (2014: 2.014) dem Bereich der \"Politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" zugeordnet werden. 604 (2014: 912) Straftaten mit einem extremistischen Hintergrund wurden ohne Zuordnung zu einem bestimmten Ph\u00e4nomenbereich gemeldet. 24","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T III. Politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund in den einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen Extremistisch motivierte Straftaten bilden eine Teilmenge des Ph\u00e4nomenbereichs \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\". Es handelt sich um diejenigen Straftaten, bei denen es Anhaltspunkte daf\u00fcr gibt, dass sie darauf abzielen, bestimmte Verfassungsgrunds\u00e4tze zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen, die f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung pr\u00e4gend sind. 1. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten Dem Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - Erneuter Anstieg rechts\" wurden 22.960 (2014: 17.020) Straftaten zugeordnet, hierrechtsextremistivon 12.175 (2014: 11.071) Propagandadelikte nach SSSS 86, 86a StGB scher Straftaten und und 1.485 (2014: 1.029) Gewalttaten. Als Teilmenge dieses Ph\u00e4noinsbesondere der menbereichs wurden 21.933 (2014: 16.559) Straftaten mit rechtsGewalttaten extremistischem Hintergrund erfasst, darunter 1.408 (2014: 990) Gewalttaten. Dies entspricht einem Anstieg der Gewalttaten um 42,2%. Wie bereits im Vorjahr handelte es sich ganz \u00fcberwiegend um K\u00f6rperverletzungsdelikte. 25","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Straftaten mit rechtsextremistisch motiviertem Hintergrund 2 Gewalttaten: 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 1 8 K\u00f6rperverletzungen 871 1.116 Brandstiftungen 21 99 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 6 18 Landfriedensbruch 23 42 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 5 10 Freiheitsberaubung 1 0 Raub 8 23 Erpressung 7 7 Widerstandsdelikte 45 84 Sexualdelikte 2 1 gesamt 990 1.408 Sachbesch\u00e4digungen 819 1.243 N\u00f6tigung/Bedrohung 209 443 Propagandadelikte 11.055 12.154 St\u00f6rung der Totenruhe 12 9 Andere Straftaten, insbesondere Volksverhetzung 3.474 6.676 gesamt 15.569 20.525 Straftaten insgesamt 16.559 21.933 1.1 Zielrichtungen der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten Mit 918 Delikten (2014: 512) nahm die Zahl rechtsextremistischer fremdenfeindlicher Gewalttaten um 79,6% zu. Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Straftaten mit antisemitischem Hintergrund sank im Jahr 2015 auf insgesamt 1.236 Taten (2014: 1.328); bei den Gewalttaten war hingegen nur ein leichter R\u00fcckgang auf 29 (2014: 31) zu verzeichnen. 2 Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. Die \u00dcbersicht enth\u00e4lt - mit Ausnahme der T\u00f6tungsdelikte - vollendete und versuchte Straftaten. Jede Tat wurde nur einmal gez\u00e4hlt. Sind z.B. w\u00e4hrend eines Landfriedensbruchs zugleich K\u00f6rperverletzungen begangen worden, so erscheint nur die K\u00f6rperverletzung als das Delikt mit der h\u00f6heren Strafandrohung in der Statistik. Wurden mehrere Straftaten ver\u00fcbt, wurde ausschlie\u00dflich der schwerer wiegende Straftatbestand gez\u00e4hlt. 26","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - rechts\" * Gesamt Fremdenfeindliche Gewalttaten Gewalttaten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten Gewalttaten gegen sonstige politische Gegner Antisemitische Gewalttaten 01.01.-31.12.2014 01.01.-31.12.2015 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. Es sind nur die wichtigsten Zielrichtungen ber\u00fccksichtigt. Da die erfassten Sachverhalte im Rahmen einer mehrdimensionalen Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet werden, k\u00f6nnen Gewalttaten unter mehreren Zielrichtungen subsumiert sein. 1.1.1 Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund Im Jahr 2015 setzte sich die seit Jahren steigende Anzahl der K\u00f6rperverletzungen im Bereich rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund fort. Sieben der insgesamt acht versuchten T\u00f6tungsdelikte hatten einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten gegen Asylunterk\u00fcnfte stiegen im Jahr 2015 drastisch 27","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T an (2014: 170, 2015: 894). Der Anteil der Gewalttaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte hat sich mehr als verf\u00fcnffacht im Jahr 2015 (2014: 25, 2015: 153); die Zahl der Brandanschl\u00e4ge stieg dramatisch auf 75 Delikte (2014: f\u00fcnf) an. Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten mit fremdenfeindlichem Hintergrund 3 Gewalttaten: 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 1 7 K\u00f6rperverletzungen 464 756 Brandstiftungen 16 83 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 5 11 Landfriedensbruch 8 16 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 4 4 Freiheitsberaubung 0 0 Raub 5 16 Erpressung 2 3 Widerstandsdelikte 6 21 Sexualdelikte 1 1 Fremdenfeindliche Gewalttaten insgesamt 512 918 3 Siehe Fu\u00dfnote 2. 28","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 1.1.2 Gewalttaten von Rechtsextremisten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten Die Anzahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten nahm gegen\u00fcber dem Vorjahr um 81,3% zu. K\u00f6rperverletzungsdelikte sind weiterhin die am h\u00e4ufigsten ver\u00fcbten Gewalttaten. Gewalttaten von Rechtsextremisten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten 4 Gewalttaten: 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 0 1 K\u00f6rperverletzungen 127 215 Brandstiftungen 1 5 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 1 4 Landfriedensbruch 5 14 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 1 1 Freiheitsberaubung 1 0 Raub 2 4 Erpressung 0 1 Widerstandsdelikte 1 7 gesamt 139 252 4 Siehe Fu\u00dfnote 2. 29","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 1.2 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder Die - in absoluten Zahlen - meisten rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ereigneten sich mit 288 registrierten Delikten in Nordrhein-Westfalen. Danach folgen - in absoluten Zahlen - Sachsen (201), Berlin (132) und Brandenburg (128). Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - rechts\" * in den L\u00e4ndern 01.01.-31.12.2015 01.01.-31.12.2014 288 Nordrhein-Westfalen 370 201 Sachsen 83 132 Berlin 96 128 Brandenburg 73 95 Sachsen-Anhalt 46 Mecklenburg94 Vorpommern 35 91 Bayern 66 89 Niedersachsen 53 73 Th\u00fcringen 49 71 Baden-W\u00fcrttemberg 23 45 Rheinland-Pfalz 32 38 Schleswig-Holstein 21 25 Hamburg 17 20 Hessen 21 13 Saarland 2 5 Bremen 3 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. 30","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2. Linksextremistisch motivierte Straftaten Dem Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" Hoher Anstieg wurden 9.605 (2014: 8.113) Straftaten zugeordnet, hiervon 2.246 linksextremistischer (2014: 1.664) Gewalttaten. In diesem Bereich wurden als TeilStrafund Gewaltmenge 5.620 (2014: 4.424) Straftaten mit linksextremistischem taten Hintergrund erfasst, darunter 1.608 (2014: 995) Gewalttaten. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Straftaten stieg um 27%, die der Gewalttaten drastisch um 61,6% an. Im Jahr 2015 wurden acht versuchte linksmotivierte T\u00f6tungsdelikte mit extremistischem Hintergrund ver\u00fcbt (2014: sieben). Linksextremistisch motivierte Straftaten 5 Gewalttaten: 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 7 8 K\u00f6rperverletzungen 633 986 Brandstiftungen 62 69 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 1 4 Landfriedensbruch 116 256 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 44 46 Freiheitsberaubung 1 0 Raub 15 21 Erpressung 1 2 Widerstandsdelikte 115 216 gesamt 995 1.608 Sachbesch\u00e4digungen 1.974 1.731 N\u00f6tigung/Bedrohung 68 84 Andere Straftaten 1.387 2.197 gesamt 3.429 4.012 Straftaten insgesamt 4.424 5.620 5 Siehe Fu\u00dfnote 2. 31","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2.1 Zielrichtungen der linksextremistisch motivierten Gewalttaten Von den linksextremistisch motivierten Gewalttaten wurden 1.032 F\u00e4lle (2014: 623) im Themenfeld \"Gewalttaten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden\", 833 (2014: 367) \"Gewalttaten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten\", 572 (2014: 326) \"Gewalttaten gegen den Staat, seine Einrichtungen und Symbole\" sowie 54 Gewalttaten (2014: 60) im Themenfeld \"Kampagne gegen Umstrukturierung\" ausgewiesen. Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" * Gesamt Gewalttaten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden Gewalttaten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten Gewalttaten gegen den Staat, seine Einrichtungen und Symbole Kampagne gegen Umstrukturierung 01.01.-31.12.2014 01.01.-31.12.2015 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. Es sind nur die wichtigsten Zielrichtungen ber\u00fccksichtigt. Da die erfassten Sachverhalte im Rahmen einer mehrdimensionalen Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet werden, k\u00f6nnen Gewalttaten unter mehreren Zielrichtungen subsumiert sein. 32","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2.1.1 Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Anstieg der Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten um 127% zu verzeichnen. Fast zwei Drittel der Gewalttaten sind K\u00f6rperverletzungsdelikte, gefolgt von Landfriedensbruchdelikten. Gewalttaten von Linksextremisten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten 6 Gewalttaten 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 2 1 K\u00f6rperverletzungen 230 547 Brandstiftungen 21 25 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 0 2 Landfriedensbruch 45 120 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 26 22 Freiheitsberaubung 0 0 Raub 11 16 Erpressung 0 2 Widerstandsdelikte 32 98 gesamt 367 833 6 Siehe Fu\u00dfnote 2. 33","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2.1.2 Gewalttaten von Linksextremisten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden Die Zahl der Gewalttaten von Linksextremisten gegen die Polizei und Sicherheitsbeh\u00f6rden stieg gegen\u00fcber dem Vorjahr um 65,7%. Neben den Protestmobilisierungen des letzten Jahres, so z.B. in Frankfurt a.M. im M\u00e4rz 2015 anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank, f\u00fchrte auch die gesteigerte Auseinandersetzung mit dem \"politischen Gegner\" zu massiver Aggression gegen die Polizei. Gewalttaten von Linksextremisten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden7 Gewalttaten 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 6 6 K\u00f6rperverletzungen 382 600 Brandstiftungen 16 9 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 1 3 Landfriedensbruch 93 183 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 6 16 Freiheitsberaubung 0 0 Raub 0 2 Erpressung 0 0 Widerstandsdelikte 119 213 gesamt 623 1.032 7 Siehe Fu\u00dfnote 2. 34","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2.2 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder Die - in absoluten Zahlen - meisten linksextremistisch motivierten Gewalttaten ereigneten sich mit 401 registrierten Delikten in Nordrhein-Westfalen. Danach folgen - in absoluten Zahlen - Sachsen (283) und Hamburg (211). Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" * in den L\u00e4ndern 01.01.-31.12.2015 01.01.-31.12.2014 401 Nordrhein-Westfalen 199 283 Sachsen 154 211 Hamburg 219 135 Baden-W\u00fcrttemberg 78 122 Bayern 50 108 Niedersachsen 98 86 Hessen 16 83 Berlin 86 Mecklenburg63 Vorpommern 34 48 Brandenburg 29 22 Schleswig-Holstein 4 15 Sachsen-Anhalt 12 13 Rheinland-Pfalz 7 8 Th\u00fcringen 0 6 Saarland 3 4 Bremen 6 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. 35","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 3. Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich der \"Politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" Der Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" umfasst auch die Teilmenge der politisch motivierten Straftaten mit extremistischem Hintergrund. Dem Ph\u00e4nomenbereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" wurden 2.025 (2014: 2.549) Straftaten zugeordnet, hiervon 345 (2014: 390) Gewalttaten. In diesem Bereich wurden 1.524 (2014: 2.014) Straftaten mit extremistischem Hintergrund erfasst, darunter 235 (2014: 259) Gewalttaten. Damit sank die Zahl der Straftaten im Bereich \"Politisch motivierter Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" mit extremistischem Hintergrund um 24,3%, die der Gewalttaten lediglich um 9,3%. Im Bereich der extremistisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t waren drei versuchte T\u00f6tungsdelikte zu verzeichnen (2014: sechs). Straftaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" 8 Gewalttaten: 2014 2015 T\u00f6tungsdelikte 0 0 Versuchte T\u00f6tungsdelikte 6 3 K\u00f6rperverletzungen 200 177 Brandstiftungen 2 11 Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion 0 1 Landfriedensbruch 28 21 Gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahn-, Luft-, Schiffsund Stra\u00dfenverkehr 1 2 Freiheitsberaubung 0 2 Raub 4 6 Erpressung 1 2 Widerstandsdelikte 17 10 gesamt 259 235 Sachbesch\u00e4digungen 136 175 N\u00f6tigung/Bedrohung 72 97 Andere Straftaten 1.547 1.017 gesamt 1.755 1.289 Straftaten insgesamt 2.014 1.524 8 Siehe Fu\u00dfnote 2. 36","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 3.1 Verteilung der Gewalttaten auf die L\u00e4nder Die - in absoluten Zahlen - meisten Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" ereigneten sich mit 64 registrierten Delikten in Baden-W\u00fcrttemberg. Danach folgen - in absoluten Zahlen - Nordrhein-Westfalen (58) und Niedersachsen (40). Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" * in den L\u00e4ndern 01.01.-31.12.2015 01.01.-31.12.2014 64 Baden-W\u00fcrttemberg 22 58 Nordrhein-Westfalen 121 40 Niedersachsen 12 25 Berlin 17 11 Bayern 30 9 Hessen 3 7 Sachsen 8 4 Brandenburg 4 4 Hamburg 32 Mecklenburg- 4 Vorpommern 2 4 Schleswig-Holstein 1 4 Th\u00fcringen 0 1 Rheinland-Pfalz 3 0 Bremen 3 0 Sachsen-Anhalt 1 0 Saarland 0 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. 37","38","Rechtsextremismus 39","Rechtsextremismus I. \u00dcberblick Im Rechtsextremismus herrscht die Auffassung vor, die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide \u00fcber den Wert eines Menschen. In der ethnisch-rassistisch definierten \"Volksgemeinschaft\" werden zentrale Werte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung missachtet. Hauptaspekte rechtsextremistischer Agitation sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Antisemitismus9 und Geschichtsrevisionismus sowie eine grunds\u00e4tzliche Demokratiefeindschaft. 1. Entwicklungstendenzen Anti-Asyl-Agitation: Der exorbitante Anstieg rechtsextremistischer Gewalt und die Anstieg von Gewalt zunehmende Anschlussf\u00e4higkeit des Rechtsextremismus sind und Militanz zwei Entwicklungen, die f\u00fcr das Berichtsjahr pr\u00e4gend sind. Ausgehend von der angestiegenen Zahl an Fl\u00fcchtlingen entwickelte sich eine Anti-Asyl-Agitation, die zum beherrschenden Thema im Jahr 2015 wurde. Sie ist von einer schwindenden Abgrenzung zum Rechtsextremismus und einer Akzeptanz von Gewalt und Militanz in Teilen der Bev\u00f6lkerung gepr\u00e4gt. In einer tief polarisierten Gesellschaft stehen sich Bef\u00fcrworter und Gegner einer offenen Asylpolitik scheinbar kompromisslos gegen\u00fcber. Angst vor sozialer Unsicherheit und einem Staatsversagen sind entscheidende Motive einer kritischen Klientel. Sie werden von Rechtspopulisten und Rechtsextremisten in Richtung einer fundamentalen Kritik an den politischen und gesellschaftlichen Grundlagen des demokratischen Rechtsstaates gelenkt. Die Anti-Asyl-Agitation schafft einen Resonanzboden f\u00fcr rechtsextremistische Ideologiefragmente (Enttabuisierung). Rechtsextremistische Protagonisten sind teilweise ein integraler Teil der Proteste. Damit wird an vielen Orten ein N\u00e4hrboden verfassungsfeindlicher Agitation etabliert. Der Rechtsextremismus gewinnt an Anschlussf\u00e4higkeit. 9 Vgl. Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, Antisemitismus im politischen Extremismus. Ideologische Grundlagen und Argumentationsformen, K\u00f6ln 2016, abrufbar unter: www.verfassungsschutz.de. 40","RECHTSEXTREMISMUS In den organisatorisch und personell h\u00f6chst unterschiedlichen Ausformungen der Proteste wird deutlich, dass das Thema Asyl/ Fl\u00fcchtlinge geeignet ist, aus Einstellungspotenzialen Handlungsorientierungen zu generieren. Empirische Befunde der Sozialwissenschaften belegen teilweise hohe Zustimmungswerte zu einzelnen fremdenfeindlichen und rassistischen Aussagen. In der gegenw\u00e4rtigen angespannten Situation treten diese bislang untergr\u00fcndigen Str\u00f6mungen deutlich an die \u00d6ffentlichkeit - im Internet, auf den Stra\u00dfen und auch in Form von Brandanschl\u00e4gen. Auf unz\u00e4hligen Internetseiten finden sich Gewaltfantasien und Rechtsextremistische eine Entmenschlichung der Fremden und politischen Gegner. Konstrukte erzeugen Mit ihnen wird ein unmittelbarer Handlungsdruck erzeugt, der Handlungsdruck: von den Rechtsextremisten mit ihren ideologischen Konstrukten Gewalt und Militanz einer \"\u00dcberfremdung\" und eines drohenden \"Volkstodes\" angeheizt wird. Sie schaffen den N\u00e4hrboden f\u00fcr Militanz und Gewalt mit dem Ergebnis enorm angestiegener Gewalttaten. Besonders deutlich wird dies bei der Entwicklung rechtsextremistisch motivierter Strafund Gewalttaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte. Wurden im Jahr 2014 insgesamt 170 Straftaten (davon 25 Gewalttaten) ver\u00fcbt, sind es 2015 mehr als f\u00fcnfmal so viele: 894 Straftaten, darunter 153 Gewaltdelikte. Angestiegen ist auch die Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten (um 1.300 auf 11.800). Eine Vielzahl der rechtsextremistischen Gewalttaten im Zusammenhang mit der Fl\u00fcchtlingsfrage erfolgt indes nicht aus dem organisierten Rechtsextremismus. Die Mehrzahl der T\u00e4ter ist vielmehr bislang nicht in rechtsextremistischen Zusammenh\u00e4ngen in Erscheinung getreten. Neben den Fl\u00fcchtlingen selbst geh\u00f6ren vor allem Politiker, Journalisten und Menschen, die sich in der Fl\u00fcchtlingsfrage engagieren, zum Feindbild einer radikalisierten Anti-Asyl-Bewegung. Rechtspopulisten und Rechtsextremisten versuchen Militanz in Militanz als strateein \u00fcbergeordnetes Handlungssystem zu integrieren und als vergisches Konzept: fassungsrechtlich legitim darzustellen. Mit Verweis auf Artikel 20 Diskussion um Absatz 4 Grundgesetz begr\u00fcnden sie ein vermeintliches Recht auf Widerstandsrecht Widerstand, um den Staat und seine Organe als verfassungsfeindlich zu diffamieren und gleichzeitig Gesetzesverst\u00f6\u00dfe, Militanz und Gewalt zu legitimieren. 41","RECHTSEXTREMISMUS Neonazis, rechtsextremistische Parteien und Kr\u00e4fte aus dem rechtspopulistischen beziehungsweise -intellektuellen Spektrum, die teilweise \u00fcber eine breite organisationspolitische Erfahrung, ideologische Konzepte und eine alternative Publizistik verf\u00fcgen, erh\u00f6hen somit die Gefahr, dass sich aufgrund ihrer scharfen Anti-Asyl-Agitation eine breite gesellschaftliche Bewegung gegen den Bestand der freiheitlichen demokratischen Grundordnung formt. F\u00fcr sie sind b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde nur eine Frage der Zeit, f\u00fcr die sie bereits jetzt vorschlagen, Vorkehrungen zu treffen, beispielsweise in Form von B\u00fcrgerwehren oder auch durch Bewaffnung. Die Diktion der Rechtsextremisten ist auf Eskalation gerichtet - sie beschw\u00f6ren ein Szenario ethnisch-kultureller Konflikte, vor dem sie zu warnen vorgeben, w\u00e4hrend sie in Wahrheit versuchen, Konflikte zu sch\u00fcren. Gefahr des Soziale Netzwerke spielen bei Agitation und Radikalisierung eine Rechtsterrorismus wichtige Rolle. Die enthemmte Hetze im Internet kann zu einer individuellen oder kollektiven Radikalisierung f\u00fchren. Zun\u00e4chst rein virtuelle Gruppen festigen und radikalisieren sich im Internet, um sp\u00e4ter Aktionen in der Realwelt durchzuf\u00fchren. Mit den Exekutivma\u00dfnahmen gegen Mitglieder der \"Oldschool Society\" (OSS) gelang es den Sicherheitsbeh\u00f6rden, eine Gruppierung mit mutma\u00dflich rechtsterroristischer Zielsetzung zu zerschlagen. Nach wie vor besteht jedoch die Gefahr, dass sich in einer derart aufgeheizten Stimmung gegen Fl\u00fcchtlinge \u00e4hnliche Gruppierungen herausbilden oder radikalisierte Einzelt\u00e4ter schwere Gewalttaten ver\u00fcben. RechtsextremisDer Rechtsextremismus profitiert von einer schwindenden mus gewinnt an Abgrenzung: Seine Mobilisierungsf\u00e4higkeit steigt an und seine Anschlussf\u00e4higkeit Themen werden zunehmend diskutiert. Der organisierte Rechtsextremismus stellt den Protesten seine Infrastruktur zur Verf\u00fcgung und ist bereit, dort, wo es erw\u00fcnscht ist, rhetorisch abzur\u00fcsten und an anderer Stelle die Hetze zu versch\u00e4rfen. Die militanten Teile f\u00fchlen sich als \"Vollstrecker\" eines vermeintlichen \"Volkswillens\". 42","RECHTSEXTREMISMUS Profitiert haben insbesondere auch die rechtsextremistischen Parteien Parteien. Die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) hat die innerparteilichen Machtk\u00e4mpfe einged\u00e4mmt und sich auf niedrigem Niveau konsolidiert. Die neonazistischen Parteien \"DIE RECHTE\" und \"Der III. Weg\", die im Berichtsjahr ihre Strukturen ausbauen konnten, st\u00fcnden als Auffangbecken f\u00fcr Neonazis bei einem Verbot der NPD zur Verf\u00fcgung. Das mit der Anti-Asyl-Agitation einhergehende gesteigerte Wechselwirkungen Selbstbewusstsein in der rechtsextremistischen Szene erh\u00f6ht das der Extremismen Gewaltpotenzial zwischen den Extremismen. Rechtsextremisten kalkulieren Auseinandersetzungen mit linksextremistischen Gegendemonstranten ein. Eine Gewalteskalation wird zumindest billigend in Kauf genommen, wenn sie nicht sogar erw\u00fcnscht ist und herbeigef\u00fchrt werden soll. Jihadistische Anschl\u00e4ge in Europa f\u00fchren immer wieder zu propagandistischen Aufwallungen im Rechtsextremismus und neuen Versuchen, die Gef\u00e4hrdungslage zu dramatisieren und als ethnisch-kulturellen Konflikt darzustellen. Auch wenn bislang unmittelbare Aktionen der gewaltorientierten rechtsextremistischen Szene gegen Salafisten ausgeblieben sind, besteht hier doch ein erhebliches Konfliktund Radikalisierungspotenzial. 2. Personenpotenzial Das rechtsextremistische Personenpotenzial belief sich Ende 2015 auf insgesamt 22.600 Personen (2014: 21.000). Damit erhielt die rechtsextremistische Szene nach einem jahrelangen R\u00fcckgang wieder Zulauf. Als beg\u00fcnstigend hierf\u00fcr kann die dynamische Entwicklung im Zuge der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise und der sich damit f\u00fcr Rechtsextremisten ergebenden Aktionsfelder gewertet werden. Best\u00e4rkt durch das eigene ma\u00dfgeblich von Fremdenfeindlichkeit und der Ablehnung des demokratischen Systems in Deutschland gepr\u00e4gte Selbstverst\u00e4ndnis f\u00fchlen sich Rechtsextremisten in ihrem Aktivismus best\u00e4rkt und herausgefordert. Gerade in diesem Zusammenhang gelang es den rechtsextremistischen Akteuren, wieder mehr neue Szeneangeh\u00f6rige oder Sympathisanten an sich zu binden und insbesondere mit fremdenfeindlichen 43","RECHTSEXTREMISMUS Anti-Asyl-Kundgebungen zu mobilisieren. Das Thema Anti-Asyl bietet vermehrt M\u00f6glichkeiten des Zusammenkommens und gemeinsamer Agitation. Der Anstieg des rechtsextremistischen Personenpotenzials ist unter anderem auf eher formlose Gruppierungen ohne feste Organisationsstruktur zur\u00fcckzuf\u00fchren: So etablierten sich zum Beispiel in einigen Regionen Deutschlands rechtsextremistisch ausgerichtete strukturarme Gruppierungen - zum Teil nur durch einen kleinen Personenkreis gesteuert -, die \u00fcberwiegend durch ihre fremdenfeindlichen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung treten. Auch der NPD gelang es, ihren personellen Abw\u00e4rtstrend der vergangenen Jahre zu stoppen. Die neonazistischen Parteien \"Der III. Weg\" und \"DIE RECHTE\" konnten auch 2015 neue Mitglieder gewinnen. In der Mehrzahl der Bundesl\u00e4nder kam es zu einem unterschiedlich starken Anstieg des rechtsextremistischen Personenpotenzials, meist einhergehend mit einer Zunahme der Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten. 44","RECHTSEXTREMISMUS Rechtsextremismuspotenzial1 2013 2014 2015 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten 7.400 7.200 8.200 Neonazis 5.800 5.600 5.800 in Parteien 7.000 6.850 6.650 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 5.500 5.200 5.200 \"DIE RECHTE\" 500 500 650 \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\"2 (\"pro NRW\") 1.000 950 500 \"Der III. Weg\" (Neuaufnahme 2014) - 200 300 in sonstigen rechtsextremistischen Organisationen 2.500 2.500 3.200 Summe 22.700 22.150 23.850 Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 21.700 21.000 22.600 davon gewaltbereite Rechtsextremisten 9.600 - - davon gewaltorientierte Rechtsextremisten3 - 10.500 11.800 1 Die Zahlen sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Ende 2015 spaltete sich von \"pro NRW\" der Ortsverband \"B\u00fcrgerbewegung pro K\u00f6ln e.V.\" ab. Dessen Mitglieder werden nunmehr im Personenpotenzial sonstiger rechtsextremistischer Organisationen ber\u00fccksichtigt. 3 Bis 2013 wurde bei der Darstellung des Personenpotenzials ausschlie\u00dflich die Anzahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten ausgewiesen. Seit 2014 wird die Anzahl gewaltorientierter Rechtsextremisten angegeben, in der die Zahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten als Teilmenge enthalten ist. 45","RECHTSEXTREMISMUS II. Gewalt und Militanz Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten ist 2015 mit 1.408 gegen\u00fcber dem Vorjahr (990) stark gestiegen. In Verbindung mit einer angestiegenen Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten (gegen\u00fcber dem Vorjahr um 1.300 auf nunmehr 11.800) ist ein deutlicher Beleg f\u00fcr die Gefahr, die von diesem Spektrum ausgeht. Aspekte der Drei Aspekte der Gewaltentwicklung sind besonders hervorzuGewaltentwicklung heben: # Hinweise auf organisierte Gewalt bis hin zu Ans\u00e4tzen f\u00fcr rechtsterroristische Strukturen. # Fremdenfeindliche Gewalt wird auch von Personen au\u00dferhalb rechtsextremistischer Strukturen ver\u00fcbt. # Ausweitung von Opfertypen (Politiker, Polizisten, Journalisten, Mitarbeiter von Fl\u00fcchtlingsorganisationen usw.). Funktionen Auch wenn die Anwendung von Gewalt durch Rechtsextremisten strategischer Gewalt in der Regel ohne l\u00e4ngerfristige Planung erfolgt, so wird sie doch in der Summe zu einer strategischen Gewalt: # Sie dient der Einsch\u00fcchterung der \"Hassobjekte\". # Gewalt soll den \"Herrschenden\" den Grad des Widerstands anzeigen. # Mit den Gewalttaten sollen Nachahmungst\u00e4ter animiert werden. # Gewalt wird als exekutierter \"Volkswille\" verstanden. Intensit\u00e4t der Gewalt Die Intensit\u00e4t rechtsextremistischer Militanz k\u00fcndigte sich bereits im Fr\u00fchjahr 2015 an und steigerte sich seitdem kontinuierlich: von Bedrohungen von Politikern und Journalisten \u00fcber Brandanschl\u00e4ge auf Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte bis hin zu versuchten T\u00f6tungsdelikten. Die Gewalt verteilt sich auf das gesamte Bundesgebiet. Wenngleich sie im bev\u00f6lkerungsreichsten Land Nordrhein-Westfalen am h\u00f6chsten ist (288 Gewalttaten), folgen mit Sachsen (201) und Brandenburg (128) zwei Hotspots der Gewalt, deren Gewaltintensit\u00e4t sich erst in Relation zur Bev\u00f6lkerungszahl wirklich erschlie\u00dft. 46","RECHTSEXTREMISMUS Im Jahr 2015 wurden insgesamt 99 Brandund 18 Sprengstoffdelikte mit rechtsextremistischer Motivation registriert. Dies ist beinahe eine Verf\u00fcnffachung beziehungsweise eine Verdreifachung gegen\u00fcber dem Vorjahr (2014: 21 bzw. 6). Die angestiegene Anzahl der rechtsextremistisch motivierten Delikte Landfriedensbruch (2015: 42, 2014: 23) und Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte (2015: 84, 2014: 45) ist ein weiteres Indiz f\u00fcr das gesteigerte Selbstbewusstsein der rechtsextremistischen Szene und ihre zunehmende Bereitschaft, die offene Konfrontation mit dem politischen Gegner und der Polizei zu suchen. 1. Organisierte Gewalt / Ans\u00e4tze f\u00fcr Rechtsterrorismus Gewalt und Terrorismus sind auch im Rechtsextremismus mit seiner nachdr\u00fccklichen Gewaltaffinit\u00e4t eine Handlungsoption. Auch wenn die Mehrheit der rechtsextremistischen Szene dies aktuell ablehnt, muss stets in Betracht gezogen werden, dass nicht nur schwerste Gewaltstraftaten durch Einzelt\u00e4ter oder Kleinstgruppen, sondern auch die Bildung weiterer bislang unerkannter terroristischer Gruppen innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums nicht auszuschlie\u00dfen sind. Vor dem Hintergrund der aufgeheizten Anti-Asyl-Kampagne und deren Radikalisierung und Verrohung gilt dies umso mehr. Die Erfahrungen mit dem \"Nationalsozialistischen Untergrund\" (NSU) haben den Blick der Sicherheitsbeh\u00f6rden auf diesen Ph\u00e4nomenbereich ver\u00e4ndert und zu einer modifizierten Beobachtung des gewaltbereiten Rechtsextremismus gef\u00fchrt. Ein besonderes Augenmerk des Verfassungsschutzes liegt seitdem auf der Identifizierung von rechtsterroristischen Strukturen und deren Handlungsweisen. Im Jahr 2015 gelang es den Sicherheitsbeh\u00f6rden in mehreren F\u00e4llen, rechtsextremistische Bestrebungen, die auf die Anwendung von Gewalt ausgerichtet waren, zu unterbinden: # Am 23. Dezember 2015 erhob der Generalbundesanwalt (GBA) \"Oldschool Society\" vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen (Bayern) gegen vier Angeh\u00f6rige der \"Oldschool Society\" (OSS) Anklage wegen des 47","RECHTSEXTREMISMUS Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Die Hauptverhandlung wurde am 27. April 2016 er\u00f6ffnet. Ausgangspunkt f\u00fcr die Ermittlungen waren nachrichtendienstliche Erkenntnisse von BfV und einigen Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz. Die OSS hatte sich bereits im August 2014 als zun\u00e4chst virtuelle Gruppe gegr\u00fcndet und mittels diverser Internetdienste (u.a. WhatsApp, Facebook) kommuniziert. Ende 2014 kristallisierte sich ein fester Personenzusammenschluss heraus, der zun\u00e4chst verbal \u00e4u\u00dferst aggressiv auftrat und sich durch eine starke Waffenaffinit\u00e4t auszeichnete, zunehmend aber auch reale (Gewalt-)Aktionen ins Auge fasste. Demnach planten Mitglieder der OSS, in kleinen Gruppen einen \"bewaffneten Kampf gegen Salafisten\" zu f\u00fchren beziehungsweise Anschl\u00e4ge gegen Moscheen zu ver\u00fcben. Ebenso waren beispielsweise \"Aktionen\" gegen \"Asylantenheime\" und \"Antifa-Quartiere\" geplant. Die Bundesanwaltschaft lie\u00df am 6. Mai 2015 vier Personen festnehmen. Ihre Wohnungen sowie die R\u00e4umlichkeiten von f\u00fcnf weiteren Personen in den Bundesl\u00e4ndern Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wurden durchsucht. Unter den beschlagnahmten Gegenst\u00e4nden befanden sich auch pyrotechnische Gegenst\u00e4nde mit gro\u00dfer Sprengkraft. Bamberger Gruppe # Am 21. Oktober 2015 durchsuchte die Polizei zw\u00f6lf Wohnungen von Angeh\u00f6rigen der rechtsextremistischen Szene im Gro\u00dfraum Bamberg (Bayern). Die betreffenden Personen - zum Teil Mitglieder der Partei \"DIE RECHTE\" sowie der \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" (WWT)10 - stehen im Verdacht, eine kriminelle Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129 StGB gegr\u00fcndet beziehungsweise ein Explosionsoder Strahlungsverbrechen vorbereitet zu haben. Bei den Durchsuchungen wurden neben einer scharfen Schusswaffe mit Munition und verschiedenen Hieb-, Sto\u00dfund Stichwaffen auch verbotene pyrotechnische Gegenst\u00e4nde sichergestellt. Es bestand der Verdacht, dass die Betroffenen Angriffe auf Asylbewerbereinrichtungen in Bamberg oder gegen den politischen Gegner geplant hatten. 10 Am 16. M\u00e4rz 2016 hat der Bundesminister des Innern die rechtsextremistische Gruppierung \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\" (WWT) auf Grundlage des Vereinsgesetzes verboten. Hintergrund waren die gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung gerichteten Aktivit\u00e4ten der Organisation, welche neben wiederholter neonationalsozialistischer Propaganda auch die Androhung und Anwendung von Gewalt gegen Menschen mit Migrationshintergrund, vermeintliche politische Gegner und Polizeibeamte umfassten. 48","RECHTSEXTREMISMUS # Am 5. November 2015 durchsuchte die Polizei neun Woh\"B\u00fcrgerwehr nungen mutma\u00dflicher Mitglieder der \"B\u00fcrgerwehr FTL/360\" FTL/360\" in Dresden und Freital (beide Sachsen). Im Zuge der Ma\u00dfnahmen wurden sogenannte Tschechenb\u00f6ller, Kugelbomben sowie Schwarzpulver sichergestellt. Den acht Beschuldigten wird unter anderem vorgeworfen, im Herbst 2015 an einem Sprengmittelund Butters\u00e4ureanschlag auf ein alternatives Wohnprojekt in Dresden und an einem Sprengmittelanschlag auf ein Asylbewerberheim in Freital beteiligt gewesen zu sein. Zun\u00e4chst f\u00fchrte die Staatsanwaltschaft Dresden zwei Ermittlungsverfahren gegen diverse Mitglieder der \"B\u00fcrgerwehr FTL/360\" wegen gemeinschaftlichen Herbeif\u00fchrens einer Sprengstoffexplosion in Tateinheit mit versuchter gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und Sachbesch\u00e4digung. Am 11. April 2016 hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen wegen des Verdachts der Bildung einer rechtsterroristischen Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129a StGB \u00fcbernommen. Am 17. Oktober 2015 wurde in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) ein Messerattacke auf Messerangriff auf die sp\u00e4ter gew\u00e4hlte Oberb\u00fcrgermeisterkandiPolitikerin datin Henriette Reker ver\u00fcbt. An einem Wahlkampfstand stach ein Mann mit einem Messer auf Frau Reker und vier weitere im Umkreis stehende Personen ein. In ersten Angaben gegen\u00fcber der Polizei bezeichnete der Beschuldigte die schwer verletzte Politikerin als \"Schuldige f\u00fcr das ganze Ausl\u00e4nderproblem\". Er habe ein Zeichen setzen wollen gegen die aus seiner Sicht immer gr\u00f6\u00dfer werdende Anzahl der von der Bundesrepublik aufgenommenen Fl\u00fcchtlinge. Am 19. Oktober 2015 hat die Bundesanwaltschaft angesichts der besonderen Bedeutung des Falles mit Blick auf die Schwere der Tat und ihrer von dem Beschuldigten angestrebten Signalwirkung die Ermittlungen \u00fcbernommen. Am 29. Januar 2016 wurde vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) Anklage wegen versuchten Mordes und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung erhoben. 2. Rechtsextremistische Strafund Gewalttaten mit fremdenfeindlicher Motivation bzw. gegen Fl\u00fcchtlinge und Asylbewerberunterk\u00fcnfte Im Jahr 2015 wurde mit insgesamt 918 fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund die 49","RECHTSEXTREMISMUS h\u00f6chste Zahl seit Einf\u00fchrung des geltenden Definitionssystems \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" zum 1. Januar 2001 registriert und der erst im Vorjahr erreichte H\u00f6chstwert deutlich \u00fcberschritten (2014: 512). Augenf\u00e4llig ist die massiv angestiegene Zahl der rechtsextremistisch motivierten Angriffe auf Asylbewerberunterk\u00fcnfte: Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) wurden im Jahr 2015 insgesamt 894 rechtsextremistische Straftaten (2014: 170), davon 153 Gewalttaten, ver\u00fcbt (2014: 25). Brandanschl\u00e4ge Die Zahl der rechtsextremistischen Brandanschl\u00e4ge gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte ist mit 75 im Vergleich zum Vorjahr enorm angestiegen (2014: 5). Somit richtete sich mehr als jeder zweite rechtsextremistisch motivierte Brandanschlag in 2015 gegen die Unterbringung von Asylsuchenden. W\u00e4hrend es sich bei einem Gro\u00dfteil der Gewaltdelikte nach vorl\u00e4ufiger Bewertung eher um situative und spontan ausgef\u00fchrte Taten von Personen aus der engeren Wohnumgebung handeln d\u00fcrfte, weisen einzelne Gewalttaten ein erh\u00f6htes Ma\u00df an Vorbereitung und Planung auf. Beispiele f\u00fcr Brandanschl\u00e4ge sind: # In Freiberg (Sachsen) explodierte am 13. Februar 2015 im Flur einer bewohnten Asylbewerberunterkunft eine unkonventionelle Sprengund Brandvorrichtung (USBV) in Form eines rohrf\u00f6rmigen Gegenstandes. Durch die Druckwelle wurde eine T\u00fcr komplett aus der Verankerung gerissen, eine weitere wurde aus dem T\u00fcrschloss gedr\u00fcckt. Mehrere Personen wurden leicht verletzt. Die Ermittlungen unter anderem wegen versuchten Totschlags ergaben, dass die USBV auch t\u00f6dlich h\u00e4tte wirken k\u00f6nnen. # In Hoyerswerda (Sachsen) warfen am 3. Juni 2015 mehrere Personen einen Molotowcocktail gegen eine Fl\u00fcchtlingsunterkunft. Zu dem Zeitpunkt hielten sich zahlreiche Menschen in dem Geb\u00e4ude auf, verletzt wurde jedoch niemand. Die Polizei ermittelte vier Tatverd\u00e4chtige, von denen einige bereits in der Vergangenheit mit rechtsextremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Durch das Amtsgericht Hoyerswerda wurde am 9. November 2015 Anklage wegen St\u00f6rung des \u00f6ffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten in Tateinheit mit Versto\u00df gegen das Waffengesetz erhoben. 50","RECHTSEXTREMISMUS # In Salzhemmendorf (Niedersachsen) warfen in der Nacht zum 28. August 2015 zwei M\u00e4nner und eine Frau einen Molotowcocktail durch ein geschlossenes Fenster eines von Asylbewerbern bewohnten ehemaligen Schulgeb\u00e4udes, wodurch Teile der Einrichtung in Brand gerieten. Die vier Bewohner, eine Frau und drei Kinder, befanden sich zum Tatzeitpunkt in einem Nebenraum und blieben unverletzt. Die T\u00e4ter, zu denen den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden keine Erkenntnisse vorlagen, hatten vor der Tat Alkohol konsumiert und sich durch rechtsextremistische Musik aufgeputscht. Das Landgericht Hannover (Niedersachsen) verurteilte am 17. M\u00e4rz 2016 die beiden Hauptt\u00e4ter wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung zu Haftstrafen von acht beziehungsweise sieben Jahren, die Mitt\u00e4terin zu vier Jahren und sechs Monaten Haft. Die Urteile sind noch nicht rechtskr\u00e4ftig. # In Nauen (Brandenburg) brannte in der Nacht zum 25. August 2015 eine Turnhalle nieder, die als Fl\u00fcchtlingsunterkunft vorgesehen war. Die ermittelten Tatumst\u00e4nde deuten darauf hin, dass die bislang unbekannten T\u00e4ter Gas in die Halle einleiteten und mittels eines angez\u00fcndeten Autoreifens den Brand ausl\u00f6sten. Nach umfangreichen Ermittlungen konnten die zust\u00e4ndigen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden mehrere Tatverd\u00e4chtige - darunter einen kommunalen Mandatstr\u00e4ger der NPD - identifizieren. Bei drei dringend Tatverd\u00e4chtigen fanden am 1. M\u00e4rz 2016 Exekutivma\u00dfnahmen statt, zwei der mutma\u00dflichen T\u00e4ter befinden sich seitdem in Haft. Gegen die Beschuldigten und weitere Personen wird wegen diverser Straftaten - unter anderem wegen Herbeif\u00fchrens einer Sprengstoffexplosion und Brandstiftung - ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129 StGB bei der Staatsanwaltschaft Potsdam (Brandenburg) gef\u00fchrt. Allerdings werden nicht nur Unterk\u00fcnfte angegriffen - mit zum Angriffe auf Teil lebensbedrohlichen Folgen f\u00fcr die Bewohner -, sondern Fl\u00fcchtlinge Fl\u00fcchtlinge auch au\u00dferhalb ihrer Unterk\u00fcnfte ganz direkt und gezielt: # In Magdeburg (Sachsen-Anhalt) griff in der Nacht zum 1. November 2015 eine teilweise mit Baseballschl\u00e4gern bewaffnete Gruppe von 20 bis 30 Personen sechs syrische Asylbewerber an. Beim Eingreifen durch zivile Polizeibeamte fl\u00fcchteten 51","RECHTSEXTREMISMUS die Angreifer, wobei ein Polizeibeamter mit einem Schlagstock bedroht wurde. Nach Einsatz von Pfefferspray fl\u00fcchtete auch dieser Angreifer. Drei der Opfer des \u00dcberfalls mussten mit Prellungen und Verletzungen im Gesicht ambulant im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei ermittelt wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung, schweren Landfriedensbruchs, Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. # In Dresden (Sachsen) kam es am 23. Dezember 2015 in einer Stra\u00dfenbahn zun\u00e4chst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen zwei augenscheinlich deutschen Staatsangeh\u00f6rigen und einem somalischen Asylbewerber. Als der Somali mit zwei weiteren Landsleuten die Bahn verlie\u00df, folgten ihm die beiden T\u00e4ter. W\u00e4hrend sie ihn mit Worten wie \"Nigger\" und \"black man\" beleidigten, stach einer mit einem Messer auf den Asylbewerber ein und verletzte ihn an der Hand schwer. Die T\u00e4ter konnten unerkannt fl\u00fcchten. Lokale Schwerpunkte Lokale Schwerpunkte schwerer Straftaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte - Delikte nach dem Sprengstoffund dem Waffengesetz, K\u00f6rperverletzungsund Brandstiftungsdelikte, das Herbeif\u00fchren einer Sprengstoffexplosion bis hin zu (versuchten) T\u00f6tungsdelikten - waren im laufenden Jahr Berlin, Teile des Ruhrgebietes, Brandenburg sowie in Sachsen insbesondere Dresden und Umgebung. Die Erkenntnisse der Sicherheitsbeh\u00f6rden haben bisher keine Hinweise auf eine zentrale Steuerung von Gewalttaten oder eine regionale oder \u00fcberregionale Koordinierung durch Rechtsextremisten ergeben. Besonders auff\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang, dass etwa zwei Drittel der ermittelten Tatverd\u00e4chtigen in der Vergangenheit weder durch politisch motivierte Straftaten noch durch eine strukturelle Anbindung an die rechtsextremistische Szene aufgefallen sind. Fremdenfeindliche Nach wie vor ist die fremdenfeindliche Gewalt in Deutschland Gewalt au\u00dferhalb der nicht auf Fl\u00fcchtlinge begrenzt. Ein Beispiel: Asylthematik # In Kassel (Hessen) versuchte am 7. Juni 2015 ein Mann mit einem K\u00fcchenmesser auf zwei ihm mutma\u00dflich unbekannte t\u00fcrkische Frauen einzustechen. Nachdem er von Passanten gehindert wurde, rief er \"Ich hasse Schei\u00df-T\u00fcrken!\". Auch 52","RECHTSEXTREMISMUS gegen\u00fcber Polizeibeamten \u00e4u\u00dferte er fortw\u00e4hrend, dass er T\u00fcrken hasse und diese abstechen wolle. 3. Angriffsziele: Politiker, Journalisten, politische Gegner, Fl\u00fcchtlinge und ihre Helfer Einen weiteren Schwerpunkt rechtsextremistischer Gewalt bilden Angriffe auf politische Gegner, auf Linksextremisten und Repr\u00e4sentanten des demokratischen Rechtsstaates sowie Journalisten und Helfer von Fl\u00fcchtlingen. Die als \"Volksfeinde\" diffamierten Personen geraten nicht wegen ihrer Ethnie, sondern aufgrund ihrer politischen Einstellung in den Fokus aggressiver rechtsextremistischer Agitation und Gewalt. Rechtsextremistische Kampagnen und Demonstrationen richten sich zum Teil gegen Politiker und zielen auch auf deren Einsch\u00fcchterung. In den vergangenen Jahren haben Rechtsextremisten punktuell ein Bedrohungsszenario gegen\u00fcber Politikern aufgebaut. Der Dortmunder Kreisverband der Partei \"DIE RECHTE\" f\u00fchrte beispielsweise mehrmals in der Weihnachtszeit Demonstrationen im unmittelbaren Wohnumfeld von lokalen Entscheidungstr\u00e4gern, Landtagsabgeordneten (z.B. Piratenpartei, SPD) oder anderen Personen des \u00f6ffentlichen Lebens durch, die sich in der Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus engagieren. Mitunter werden die Mitglieder von Parteien oder deren EinrichAngriffsziel: Parteien tungen Ziel von Straftaten, wie zum Beispiel: # In Offenbach am Main (Hessen) beschmierten am 17. M\u00e4rz 2015 unbekannte T\u00e4ter ein B\u00fcro der Partei DIE LINKE. mit einem Hakenkreuz und dem Schriftzug \"Wir kommen wieder\". # In Viersen (Nordrhein-Westfalen) spr\u00fchten am 1. Juli 2015 Unbekannte auf eine Hausfassade der Gesch\u00e4ftsstelle der CDU das Wort \"Volksverr\u00e4ter\" sowie ein Hakenkreuz. # In Bernau (Brandenburg) besch\u00e4digten am 4. Oktober 2015 unbekannte Personen den Briefkasten am DIE LINKE.-Parteib\u00fcro und brachten einen Aufkleber mit dem Schriftzug \"ANTIFA aufs Maul, nein zum Heim\" an. Im Zeitraum August 2014 bis Juli 2015 wurden in Berlin ins\"Deutsche Widergesamt acht versuchte schwere Brandstiftungen an Geb\u00e4uden stands Bewegung\" 53","RECHTSEXTREMISMUS demokratischer Institutionen ver\u00fcbt, unter anderem dem Reichstag, dem Paul-L\u00f6be-Haus und dem Amtssitz des Bundespr\u00e4sidenten Schloss Bellevue. Die Brandstiftungen verursachten nur geringe Sachsch\u00e4den und Personen kamen nicht zu Schaden. In den an den Tatorten gefundenen Flugbl\u00e4ttern einer \"DWB - Deutsche Widerstands Bewegung\" wurde - in Anlehnung an demokratiefeindliche Protagonisten der Weimarer Republik - eine kollektivistische, ethnisch homogene Gesellschaft propagiert. Als Motivation f\u00fcr die Brandstiftungen gab ein kurz nach der letzten Tat festgenommener Mann an, ein Zeichen setzen zu wollen: Entfremdet von den etablierten Parteien f\u00fchle er sich mit seiner (asylkritischen) Stimme in der jetzigen Demokratie nicht mehr ausreichend geh\u00f6rt. Der Tatverd\u00e4chtige beging in Untersuchungshaft Suizid. Hinweise auf weitere Gruppenmitglieder lagen nicht vor. Bis zu seinen Taten lagen keine verfassungsoder staatsschutzrelevanten Erkenntnisse zu dem Verstorbenen vor. Konfrontative Gewalt Nicht immer werden die Gewalttaten klandestin ver\u00fcbt. Anl\u00e4sslich und am Rand von Demonstrationen kommt es auch zu \u00dcbergriffen auf politische Gegner. Ein besonders eklatantes Beispiel ereignete sich zu Jahresanfang 2016 in Leipzig (Sachsen): # Am 11. Januar 2016 \u00fcberfielen 250 Personen aus der rechtsextremistischen und Hooliganszene zeitgleich zu einer LEGIDADemonstration den in der alternativen und \"linken\" Szene besonders beliebten Leipziger Stadtteil Connewitz. Sie zerschlugen Schaufensterscheiben und steckten Autos in Brand. Angriffsziel: Journalisten werden immer h\u00e4ufiger zum Ziel von Angriffen. Die Journalisten Mitarbeiter der \"L\u00fcgenpresse\" werden als Teil des herrschenden Machtkartells gesehen, die - indem sie die Hintergr\u00fcnde der fremdenfeindlichen Demonstrationen deutlich machen - eine Aufkl\u00e4rung des Volkes behinderten. # Im Internet wurde beispielsweise die fingierte Todesanzeige eines Journalisten aus Nordrhein-Westfalen ver\u00f6ffentlicht (\"nehmen wir fr\u00f6hlich bald Abschied\"), unterzeichnet mit \"Nationaler Widerstand jetzt\". # T\u00e4tliche \u00dcbergriffe gibt es immer wieder bei PEGIDA-Demonstrationen, so beispielsweise am 28. September 2015, als ein Reporter des MDR getreten und einem Reporter der \"Dresdner Neueste Nachrichten\" ins Gesicht geschlagen wurde. 54","RECHTSEXTREMISMUS Zum Angriffsziel rechtsextremistischer Gewalt werden auch Angriffsziel: Fl\u00fcchtlingshelfer: Fl\u00fcchtlingshelfer # In Niederau bei Mei\u00dfen (Sachsen) waren im September 2015 THW-Mitarbeiter angegriffen und beschimpft worden, als sie ein Haus f\u00fcr den Einzug von Fl\u00fcchtlingen vorbereiteten. Asylgegner bewarfen sie und ihre Autos mit Steinen. # Ebenfalls im September 2015 z\u00fcndeten Unbekannte in Neuhardenberg (Brandenburg) Fahrzeuge von Mitgliedern einer \u00f6rtlichen Helfergruppierung an. Im Januar 2016 fanden in diesem Zusammenhang Durchsuchungen bei neun M\u00e4nnern und zwei Frauen statt, die alle bereits wegen Staatsschutzdelikten beziehungsweise in zwei F\u00e4llen auch als politisch motivierte Straft\u00e4ter in Erscheinung getreten sind. 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial Das Gef\u00e4hrdungsniveau rechtsextremistischer Gewalt hat sich im Verlauf des Jahres 2015 deutlich erh\u00f6ht. Dies zeigen die Anzahl der Gewalttaten, die Tatausf\u00fchrungen, die zunehmend Leib und Leben von Menschen gef\u00e4hrden, sowie die T\u00e4tertypen, die oftmals ohne extremistischen Vorlauf direkt zur \"Propaganda der Tat\" schreiten. F\u00fcr die Eind\u00e4mmung von Militanz und Gewalt bedarf es eines konsequenten Vorgehens der Sicherheitsbeh\u00f6rden sowie einer unmissverst\u00e4ndlichen Distanzierung von der Gewalt seitens der nichtextremistischen Asylkritiker. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden jedenfalls beobachten die Entwicklung sehr genau: von den Radikalisierungsprozessen \u00fcber den Aufbau organisierter Strukturen bis hin zur Beschaffung von Waffen. Dabei hat sich das Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) bew\u00e4hrt, wie nicht zuletzt die Enttarnung der rechtsterroristischen OSS gezeigt hat. Gleichwohl bleiben Risiken und Unw\u00e4gbarkeiten, insbesondere durch eine m\u00f6gliche Selbstradikalisierung einzelner Personen oder Kleinstgruppen. 55","RECHTSEXTREMISMUS III. Anti-Asyl-Agitation: Anschlussf\u00e4higkeit und Radikalisierung 1. Ausgangslage Der Anstieg der Fl\u00fcchtlingszahlen in Deutschland ist ein beherrschendes Thema im politischen und medialen Diskurs. Es ist eine tiefe Polarisierung der Gesellschaft erkennbar, in der sich die Fronten scheinbar unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcberstehen. Ein \u00fcber das Berichtsjahr hinweg st\u00e4ndig steigender Prozentsatz in der Bev\u00f6lkerung ist von erheblicher Skepsis bis Ablehnung gepr\u00e4gt - bis hin zu Behauptungen von einem Kontrollverlust durch die Politik.11 Agitation und An dieses Meinungsbild kn\u00fcpfen Rechtsextremisten an. Sie sehen Ideologie der hier eine M\u00f6glichkeit, ihre weit \u00fcber die blo\u00dfe Ablehnung der Rechtsextremisten Asylpolitik hinausgehenden Forderungen zu popularisieren. Sie versuchen, die Debatte zu radikalisieren, indem zum Beispiel nicht \u00fcber die konkrete Ausformung von Migration und Asyl gestritten, sondern eine fundamentale Ablehnung der bestehenden gesellschaftlichen und politischen Ordnung propagiert wird: Anh\u00e4nger der Regierungspolitik werden dann zu \"Volksverr\u00e4tern\" und eine nicht willf\u00e4hrige Presse zu einer \"L\u00fcgenpresse\" - eine Terminologie, die nur noch zwischen gut und b\u00f6se unterscheidet und einem demokratischen Diskurs den Raum nimmt. Radikalisierung Den Rechtsextremisten entgegen kommt eine zunehmende Radider Proteste kalisierung der vordergr\u00fcndig nicht extremistischen Proteste. Vielfach etabliert sich hier ein populistischer \"unten-gegenoben\"-Diskurs, der einen \"reinen\" Volkswillen gegen eine angeblich abgehobene b\u00fcrokratische Politikerkaste und ihre \"Lakaien\" in Presse und Verwaltung setzt. Die vielfach von einem tiefen Ressentiment gegen die parlamentarische Demokratie gepr\u00e4gten Proteste zeigen, dass die sozialwissenschaftlich seit Jahren festgestellten hohen Zustimmungsraten zu demokratieskeptischen und fremdenfeindlichen Positionen von einem blo\u00dfen Einstellungspotenzial zu einer Handlungsoption gerinnen - wie im konkreten Fall, wenn sich ein pr\u00e4gendes Ereignis anbietet und der Eindruck entsteht, die Politik bleibe Antworten schuldig oder verharre in tiefer Zerstrittenheit. 11 Vgl. Homepage Frankfurter Allgemeine Zeitung (21. Oktober 2015); vgl. auch INSAUmfrage f\u00fcr Focus Online (21. Oktober 2015). 56","RECHTSEXTREMISMUS Proteste gegen die Asylpolitik sind nicht BeobachtungsgegenAsylkritik nicht Beobstand der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden, schlie\u00dflich sind freie achtungsobjekt des Meinungs\u00e4u\u00dferung und Versammlungsfreiheit grundgesetzlich Verfassungsschutzes festgeschriebene Verfassungsg\u00fcter. Im Rahmen der gesetzlichen Zust\u00e4ndigkeit beobachtet das BfV nur (rechts)extremistische Bestrebungen. Darunter fallen unter anderem die Anti-AsylDemonstrationen, bei denen Anhaltspunkte vorliegen, dass sie rechtsextremistisch oder zumindest rechtsextremistisch beeinflusst sind. Um dies zu beurteilen, m\u00fcssen verschiedene Faktoren ber\u00fccksichtigt werden. F\u00fcr eine rechtsextremistische Beeinflussung spricht zum Beispiel, wenn der Anmelder oder Veranstalter der Demonstration den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden als Rechtsextremist bekannt ist. Aber auch die Mobilisierung auf einschl\u00e4gigen rechtsextremistischen Internetseiten kann Hinweise darauf geben, ob der Charakter der Veranstaltung sich noch im Rahmen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung bewegt oder schon rechtsextremistisch beziehungsweise rechtsextremistisch beeinflusst ist. Auch das Motto der Veranstaltung oder die auftretenden Redner und deren Aussagen sind f\u00fcr die Einordnung der Veranstaltung relevant. 2. Hetze und Radikalisierung Der anhaltende Zustrom von Fl\u00fcchtlingen nach Europa dient Rechtsextremisten Rechtsextremisten als Beleg f\u00fcr ihre \"Volkstod\"und \"\u00dcberwarnen vor fremdungs\"-Thesen. Angesichts der Dringlichkeit wird ein End\"Volkstod\" zeit-Diskurs initiiert, in dem ein sofortiges, militantes Handeln lebensnotwendig erscheint, einschlie\u00dflich der Gewalt, die als \"Selbstverteidigung\" verbr\u00e4mt wird. Diesen unmittelbaren Handlungszwang dokumentiert beispielsweise eine \u00c4u\u00dferung der Kleinstpartei \"Der III. Weg\": \"Die Flut an kulturfremden Menschen wird unser Volk an den Rand seiner Existenz dr\u00e4ngen. \u00dcberfremdet, verarmt, als Deutscher nicht mehr Herr im eigenen Land - so sieht unsere Zukunft aus, die, wendet man sie nicht ab, der endg\u00fcltige Todessto\u00df f\u00fcr unser Volk bedeuten wird.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 15. September 2015) 57","RECHTSEXTREMISMUS In diesem Sinne bezeichnet auch die neonazistische \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) die \"Masseneinwanderung nach Europa\" als einen \"Vernichtungskrieg gegen die V\u00f6lker Europas\", als \"unkontrollierte Flut\" und als \"V\u00f6lkerund Rassenchaos\". Wie auch andere neonazistische Gruppierungen argumentiert die EA antisemitisch und sieht hinter den Fl\u00fcchtlingsbewegungen eine Bestrebung des \"weltweit operierenden Zionismus\", um die \"V\u00f6lker durch V\u00f6lkervermischung zu vernichten\". Ebenso sei die Europ\u00e4ische Union (EU) eine \"Dienststelle dieses Machtkartells ... mit dem Ziel, die genetische Substanz der Europ\u00e4er nachhaltig zu vernichten.\"12 Andere Teile des rechtsextremistischen Spektrums argumentieren weniger mit rassistischen Versatzst\u00fccken, sondern beziehen sich auf die Herkunft vieler Migranten aus dem islamischen Kulturraum, so beispielsweise die NPD-Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN): \"Auch wenn wir den Islam nicht als das Hauptproblem ansehen, ist die Bedrohung einer feindlichen \u00dcbernahme durch die Steinzeitmenschen akuter denn je. Wir m\u00fcssen sie aufhalten, bevor sie unsere Kultur g\u00e4nzlich verbannen und Europa ins Mittelalter katapultieren.\" (Facebook-Seite JN, 3. September 2015) Gewalt Auf einschl\u00e4gigen Internetseiten oder in Eintr\u00e4gen und Postings in sozialen Netzwerken sind unz\u00e4hlige Hasskommentare zu finden, von der rassistischen Abwertung von Migranten bis hin zu offenen Gewaltfantasien. Die Wortwahl - vor allem im Internet - zeugt von einer stetig anwachsenden Emotionalisierung bis hin zur offenen Propagierung von Gewalt: \"Der Krieg kommt zu uns, in unsere St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Es ist an der Zeit Neger und Musels wieder aus Europa zu vertreiben, sonst ist unser Fortbestehen und unsere Kultur dem Untergang geweiht. Von allen Edelmetallen ist BLEI das Wertvollste zur Zeit: als Flugblei im Kaliber .45\" (Homepage \"Globalecho\", 23. Oktober 2015) 12 Vgl. Homepage \"Europ\u00e4ische Aktion\" (24. September 2015). 58","RECHTSEXTREMISMUS Neben diesen - eher unreflektierten, wenngleich drastischen - Gewaltfantasien gibt es eine Militanz, die Gewalt in einen politischen Kontext setzt. \"DIE RECHTE\" spricht im Zusammenhang mit einer mutma\u00dflichen Brandstiftung an einer Asylbewerberunterkunft in Nauen (Brandenburg) von einem anwachsenden Widerstand: \"Der Widerstand w\u00e4chst! Und erst recht die Volksverr\u00e4ter, die die Fremden aus der ganzen Welt nach Deutschland holen, sollten sich nicht zu sicher f\u00fchlen...\" (Facebook-Seite Kreisverband M\u00fcnchen der Partei \"DIE RECHTE\", 26. August 2015) Die Partei \"Der III. Weg\" beschw\u00f6rt eine existenzielle Notlage und fordert zur \"Gegenwehr\" auf: \"Der Rest des deutschen Volkes, die noch deutsch sein wollen und ihren Kindern eine lebenswerte Heimat hinterlassen m\u00f6chten, sollten endlich die geballte Faust aus den Taschen nehmen und sich mit aller Vehemenz gegen diese identit\u00e4tsvernichtende und im Grunde f\u00fcr alles Deutsche todbringende Politik zur Wehr setzen.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 20. August 2015) Dabei gewinnen die Wortmeldungen in Bezug auf politische EntHetze gegen scheidungstr\u00e4ger zunehmend an Sch\u00e4rfe. Wenngleich \"zum jet\"Volksverr\u00e4ter\" zigen Zeitpunkt Gewaltaktionen noch nicht in Betracht\" k\u00e4men, seien doch, so eine sich euphemistisch als \"Neue Gemeinschaft von Philosophen\" bezeichnende Gruppe, \"widerlichste Volksverr\u00e4ter\" ins Visier zu nehmen: \"Patrioten, die ihre Wut gar nicht mehr b\u00e4ndigen k\u00f6nnen und auf Strafaktionen aus sind, sollten diese auf eine m\u00f6glichst intelligente und wirksame Weise den so scheinheiligen und heuchlerischen System-Vertretern des Unterdr\u00fcckungssystem zu sp\u00fcren kommen lassen, also die Inquisitoren des Gutmenschentums in den Fokus nehmen\". (Homepage \"Reichsbewegung im Kulturkampf\", 12. Oktober 2015) Im Mittelpunkt der Hetze steht die Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. In einem Beitrag in der neonazistischen Publikation 59","RECHTSEXTREMISMUS \"National Journal\" (NJ) wird sie als \"grauenhafte Gestalt auf zwei Beinen\" verunglimpft, die mit ihrer Politik eine \"Vernichtung der Deutschen\" (\"Blutverbrechen\") plane.13 Die Kommentare nach einer Ver\u00f6ffentlichung auf der Internetplattform \"Altermedia Deutschland\" zeigten schlaglichtartig das Ausma\u00df des Hasses, der den politisch Verantwortlichen entgegenschl\u00e4gt. Die Radikalisierung gipfelte in einer \"Hassliste\", auf der unter anderem Politiker und Personen, die sich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge einsetzen, in Fadenkreuzen abgebildet waren. Diese Personen seien \"zum Abschuss freigegeben\"14. \"Recht zum Das \"National Journal\" ver\u00f6ffentlichte einen Beitrag mit Ausf\u00fchWiderstand\" rungen zur angeblichen Anwendbarkeit des Artikels 20 Absatz 4 des Grundgesetzes auf die aktuelle politische Situation (\"Recht zum Widerstand\"). Der Verfasser15 bejaht darin die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit verschiedener Widerstandsformen (Blockade von Zufahrtswegen, Unterbrechung der Stromzufuhr in Asylbewerberunterk\u00fcnften). Entsprechende Aktionen wurden seit Mitte 2015 mehrfach durchgef\u00fchrt - zum Teil unter Mitwirkung von Rechtsextremisten. Vor allem in Sachsen und Th\u00fcringen wurden des \u00d6fteren Zufahrtsstra\u00dfen zu Asylunterk\u00fcnften von gr\u00f6\u00dferen Personengruppen blockiert. Exemplarisch werden zwei Beispiele genannt: # In Heidenau (Sachsen) wurde an drei aufeinanderfolgenden Tagen gegen eine bezugsreife Asylbewerberunterkunft demonstriert. Am 21. August 2015 beteiligten sich rund 1.100 Teilnehmer - die meisten davon nicht der rechtsextremistischen Szene zuzurechnen - an einer zun\u00e4chst friedlichen Demonstration. W\u00e4hrend der Demonstration, die ein NPD-Funktion\u00e4r initiiert hatte, wurden Zettel herumgereicht, auf denen zur Blockade einer Asylunterkunft aufgerufen wurde. Diesem Aufruf folgten etwa 600 Personen, die wiederholt versuchten, mit Sitzblockaden und dem Einsatz von Gewalt, mit Flaschenund Steinw\u00fcrfen die Durchfahrt eines 13 Homepage \"National Journal\" (3. November 2015). 14 Internetplattform \"Altermedia Deutschland\" (7. November 2015). 15 Der Autor ist Rechtsanwalt und ehemaliger Vorsitzender des \"Nationaldemokratischen Hochschulbundes\" (NHB) und trat in der Vergangenheit mehrmals als Redner bei Jahreskongressen der gr\u00f6\u00dften rechtsextremistischen Kulturvereinigung \"Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik e.V.\" (GfP) auf. 60","RECHTSEXTREMISMUS Busses mit Fl\u00fcchtlingen zu verhindern. Im Zuge der Ausschreitungen wurden 31 Polizeibeamte verletzt. Die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden haben mittlerweile rund 50 Tatverd\u00e4chtige ermittelt, denen unter anderem Landfriedensbruch, Volksverhetzung, K\u00f6rperverletzung und \u00e4hnliche Delikte vorgeworfen werden. # Am 18. Oktober 2015 wurde die Asylbewerbererstaufnahmeeinrichtung in Leipzig-Mockau (Sachsen) kurze Zeit blockiert, unter anderem durch etwa 40 Angeh\u00f6rige des \u00f6rtlichen Kreisverbands der NPD. # In Gotha (Th\u00fcringen) beteiligten sich nach eigenen Angaben Aktivisten des Landesverbands Th\u00fcringen der Partei \"DIE RECHTE\" vom 3. bis 7. November 2015 an einer f\u00fcnft\u00e4gigen Blockade der Zufahrt zur dortigen Erstaufnahmestelle f\u00fcr Asylsuchende. 3. Rechtsextremistische Anti-Asyl-Agitation im Internet Rechtsextremisten nutzen das Internet unter anderem, um f\u00fcr Anti-Asyl-Veranstaltungen zu mobilisieren, ihre Propaganda zu verbreiten oder sich gar zu Straftaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte zu verabreden. Dabei spielen sowohl soziale Netzwerke als auch Instant Messenger-Dienste eine wichtige Rolle. Zunehmend erfolgen Absprachen zur Planung von Aktionen bis hin zur Verabredung zu Straftaten in zugangsbeschr\u00e4nkten und/oder verschl\u00fcsselten Bereichen von Kurznachrichtendiensten. Beispielsweise verabredeten sich am 20. August 2015 rund 15 Instant Messaging Personen, unter ihnen auch einschl\u00e4gig in Erscheinung getretene Rechtsextremisten, zu einer Brandstiftung gegen eine Asylbewerberunterkunft in Berlin-Marzahn, die jedoch fehlschlug. Der Aufruf zur Zusammenkunft an einem Vorabtreffpunkt war \u00fcber ein kleines, lediglich etwa 25 bis 30 Personen umfassendes Hooligan-Supporter-Forum per Facebook und \u00fcber WhatsApp-Nachrichten verbreitet worden. Zur Verbreitung rechtsextremistischer Propaganda, zur RekrutieSoziale Netzwerke rung neuer Anh\u00e4nger und zur Hetze gegen Fl\u00fcchtlinge werden hingegen vor allem die \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Bereiche des Internets genutzt, unter anderem die sozialen Netzwerke. Hier existieren weit \u00fcber hundert - zum Teil von Rechtsextremisten 61","RECHTSEXTREMISMUS initiierte oder administrierte - Gruppen und Seiten, die sich gegen die Errichtung von Asylbewerberunterk\u00fcnften richten. Die Anonymit\u00e4t des Internets f\u00fchrt zu einer Verrohung der Sprache: In der Realwelt noch vorhandene zivilisatorische Schranken scheinen sich hier g\u00e4nzlich aufzul\u00f6sen. In v\u00f6llig enthemmter Art und Weise werden Fl\u00fcchtlinge entmenschlicht und bedroht, ebenso wie Politiker und Fl\u00fcchtlingshelfer. Das Internet bietet Rechtsextremisten zwar einerseits ein hohes Potenzial an \u00d6ffentlichkeitswirksamkeit f\u00fcr Propagandaund Rekrutierungszwecke. Andererseits bergen Ma\u00dfnahmen der Diensteanbieter oder Sicherheitsbeh\u00f6rden aus ihrer Sicht auch ein relativ hohes Risiko der Identifizierung von Verantwortlichen und der M\u00f6glichkeiten strafrechtlicher Verfolgung. Die Folge sind Abwanderungsbewegungen in gesch\u00fctzte Bereiche des Netzes (z.B. Szeneforen oder Instant Messenger-Gruppen wie WhatsApp). Verbot \"Altermedia Eine bedeutende Rolle in der Verbreitung rechtsextremistischer Deutschland\" Propaganda kam der Internetplattform \"Altermedia Deutschland\" zu. Der Bundesminister des Innern hat die Internetplattform daher am 27. Januar 2016 verboten. Hintergrund war insbesondere die Verbreitung rassistischer, ausl\u00e4nderfeindlicher, antisemitischer und islamfeindlicher Inhalte. Die Bundesanwaltschaft f\u00fchrt gegen f\u00fcnf Beschuldigte ein Verfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. 4. Rechtsextremistische Demonstrationen Mobilisierungsschub Im Zug der aktuellen Asyldebatte gelang es der rechtsextremistischen Szene, deutlich mehr Anh\u00e4nger und Sympathisanten f\u00fcr ihre Kundgebungen zu mobilisieren als in den vergangenen Jahren. So nahmen im Jahr 2015 insgesamt 95.200 Personen an rechtsextremistischen oder ma\u00dfgeblich von Rechtsextremisten gesteuerten Demonstrationen teil (2014: 20.610), wobei mitunter nicht alle Kundgebungsteilnehmer der rechtsextremistischen Szene zugerechnet werden k\u00f6nnen. Rund 80 Prozent aller rechtsextremistischen Demonstrationen befassten sich mit den Themen Zuwanderung, Asyl und Fl\u00fcchtlinge. 62","RECHTSEXTREMISMUS Die gestiegene Mobilisierungsf\u00e4higkeit f\u00fchrt zu einem erh\u00f6hten Selbstbewusstsein der rechtsextremistischen Szene. Nach wie vor gelten \u00f6ffentliche Kundgebungen als \"Machtdemonstration\" (\"Kampf um die Stra\u00dfe\"). Besonders viele Kundgebungen fanden in den Bundesl\u00e4ndern Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Th\u00fcringen statt. Neben \u00f6ffentlicher Aufmerksamkeit ging es den beteiligten Rechtsextremisten auch darum, durch ein vordergr\u00fcndig gem\u00e4\u00dfigtes Auftreten \u00fcber die eigene Szene hinaus zu wirken und Anschlussf\u00e4higkeit an nichtextremistische Potenziale zu demonstrieren, insbesondere durch den Versuch, sich als Interessenvertreter der Bev\u00f6lkerung oder als \"besorgte Nachbarn\" zu gerieren. Dies gelang vor allem der NPD in einigen Regionen Sachsens und Sachsen-Anhalts (vgl. Kap. IV, Nr. 1). Anzahl rechtsextremistischer Kundgebungen NPD/JN \"DIE RECHTE\" \"Der III. Weg\" \"pro NRW\" Neonazis/sonstige Rechtsextremisten 2014 2015 63","RECHTSEXTREMISMUS 5. Rechtsextremistische Einflussnahme Neben eigenen Demonstrationen ist die Beteiligung von Rechtsextremisten an Veranstaltungen anderer Gegner der Asylpolitik festzustellen. Auch wenn in vielen F\u00e4llen ein steuernder Einfluss verneint werden kann, sind hier Faktoren erkennbar, die einerseits einem weiteren Aufschwung des Rechtsextremismus und andererseits einer Radikalisierung des Protests hin zu einer verfassungsfeindlichen Einstellung den Weg ebnen k\u00f6nnen. 5.1 PEGIDA-Bewegung und Rechtspopulismus Nachdem bereits Ende 2014 in Dresden (Sachsen) erste Kundgebungen einer Initiative Patriotische Europ\u00e4er gegen die Islamisierung des Abendlandes (PEGIDA) durchgef\u00fchrt worden waren, stiegen die Teilnehmerzahlen zum Jahreswechsel 2014/2015 rapide an und erreichten im Januar 2015 einen H\u00f6chststand von bis zu 25.000 Personen. Zeitgleich gr\u00fcndeten sich in zahlreichen Regionen Deutschlands Ableger, die zwar teilweise das Namensfragment \"-GIDA\" (\"gegen die Islamisierung des Abendlandes\") \u00fcbernahmen, jedoch nicht von Dresden aus gesteuert werden. Islamfeindlichkeit In einem \"Positionspapier\" - zu dem sich die offiziellen PEGIund PolitikverDA-Ableger formal bekennen mussten - erl\u00e4uterten die Orgadrossenheit nisatoren ihre Beweggr\u00fcnde. Ausgehend von der Gefahr einer \"Islamisierung Deutschlands\" erheben sie Forderungen nach \u00c4nderungen in der aktuellen Asylpolitik, einer forcierten Bek\u00e4mpfung der extremistischen Auspr\u00e4gungen des Islams sowie einem rigideren Vorgehen gegen straff\u00e4llig gewordene Ausl\u00e4nder. Mitunter ressentimentgeladene Redebeitr\u00e4ge oder Sprechch\u00f6re auf den PEGIDA-Kundgebungen offenbarten nicht nur fremdenund islamfeindliche Tendenzen bei einem Teil der Sympathisanten. Sie zeigten auch eine grundlegende Politikverdrossenheit und ein vorherrschendes Misstrauen bis hin zur Feindschaft insbesondere gegen\u00fcber den etablierten Parteien und Politikern (\"Volksverr\u00e4ter\"), aber auch gegen Journalisten und Medien (\"L\u00fcgenpresse\"). Kein BeobachtungsDie heterogene GIDA-Bewegung insgesamt stellt kein Beobobjekt achtungsobjekt der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden dar, da in der Gesamtschau noch keine hinreichenden tats\u00e4chlichen 64","RECHTSEXTREMISMUS Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Bestrebung vorliegen. Mit Blick auf seine gesetzliche Aufgabenstellung beobachtet der Verfassungsschutz jedoch die Versuche einer Einflussnahme durch Rechtsextremisten. Intention und Rhetorik der GIDA-Bewegung bieten grunds\u00e4tzliRechtsextremistische che Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Rechtsextremisten. Diese deuteten Einflussnahme die Dynamik und Breitenwirkung der Proteste als Beginn eines Krisenszenarios, in dem die Bev\u00f6lkerung gegen die Bedrohung der eigenen \"v\u00f6lkischen Identit\u00e4t\" endlich aufbegehre. Rechtsextremisten hofften dabei auf eine sich versch\u00e4rfende feindselige Stimmung und die Etablierung einer grunds\u00e4tzlichen Abkehr vom politischen System. Ungeachtet einiger ideologischer Differenzen - Rechtsextremisten lehnen zum Beispiel die PEGIDAForderung nach einer Pflicht zur Integration weitgehend ab - riefen rechtsextremistische Gruppierungen ihre Anh\u00e4nger verst\u00e4rkt zur Teilnahme an den Kundgebungen auf oder versuchten regionale GIDA-Ableger in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Beispielhaft k\u00f6nnen hier die Kundgebungen in K\u00f6ln (K\u00d6GIDA) und D\u00fcsseldorf (D\u00dcGIDA) in Nordrhein-Westfalen genannt werden, die von einer zeitweiligen Funktion\u00e4rin der rechtsextremistischen Partei \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") initiiert wurden - letztlich jedoch erfolglos. Das rechtsextremistische Spektrum konnte das Ziel einer nachhaltigen Einflussnahme beziehungsweise Steuerung bisher nur eingeschr\u00e4nkt erreichen. Einerseits f\u00fchrte eine Zunahme des rechtsextremistischen Einflusses meist zu r\u00fcckl\u00e4ufigen Teilnehmerzahlen, w\u00e4hrend andererseits bei Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen organisierte Rechtsextremisten vergleichsweise schwach vertreten waren und nicht \u00fcber einen pr\u00e4genden Einfluss verf\u00fcgten. Bei einigen Veranstaltungen mit geringeren Teilnehmerzahlen war dagegen eine rechtsextremistische Beeinflussung beziehungsweise Steuerung feststellbar. In einigen Regionen Deutschlands gelang es zudem, rechtsextremistisch beeinflusste beziehungsweise gesteuerte Kundgebungen mit \u00c4hnlichkeit zur origin\u00e4ren PEGIDA-Bewegung zu etablieren. Hervorzuheben sind folgende Regionen, wo einschl\u00e4gige Kundgebungen mittlerweile \u00fcberwiegend von Rechtsextremisten frequentiert werden: 65","RECHTSEXTREMISMUS # Unter der Bezeichnung TH\u00dcGIDA agierten Funktion\u00e4re von NPD und \"Europ\u00e4ischer Aktion\" (EA) als treibende Kr\u00e4fte. Bei den Kundgebungen r\u00fcckte bereits fr\u00fch die \"Islamisierung Deutschlands\" gegen\u00fcber einer generellen Ablehnung von Zuwanderung und aktueller Asylpolitik in den Hintergrund. # Auch in Mecklenburg-Vorpommern gelang es insbesondere der NPD, ihre Dominanz bei Kundgebungen der Initiative MVGIDA auszubauen. # In Magdeburg (Sachsen-Anhalt) hat sich die extremistische Ausrichtung der Initiative \"Magida 2.0\" zum Jahresende hin verfestigt. Weitere rechtsextremistisch beeinflusste oder gesteuerte Kundgebungen in Anklang an die PEGIDA-Bewegung fanden sich unter anderem in den Bundesl\u00e4ndern Berlin (\"B\u00e4rgida\"), Brandenburg (\"BraMM-PEGIDA\") oder Bayern (\"PEGIDA Franken\"). 5.2 Rekrutierungsfeld Hooligans Die Initiative Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) hatte bereits 2014 mit zwei Veranstaltungen gezeigt, dass sich mit einem Aufruf \"gegen islamischen Extremismus\" ein breites, heterogenes und militantes Personenpotenzial mobilisieren l\u00e4sst, einschlie\u00dflich zahlreicher Rechtsextremisten. Im Jahr 2015 versuchten Rechtsextremisten - einige von ihnen geh\u00f6ren selbst der Hooliganszene an - an diese Mobilisierungserfolge anzukn\u00fcpfen und gleichzeitig die Klientel um eine Fu\u00dfballfanszene mit fremdenund islamfeindlichen Tendenzen zu erweitern. In diesem Sinne fanden beispielsweise folgende Kundgebungen statt: Kundgebungen # Unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung eines stellvertretenden \"pro NRW\"-Parteivorsitzenden fand am 8. Februar 2015 in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) eine Versammlung mit dem Motto \"Gemeinsam gegen Salafisten - Jahrestag der \u00fcberparteilichen Islamkritik\" statt. Unter den 500 Teilnehmern - \u00fcberwiegend aus der Hooligan-Szene - befanden sich auch 150 organisierte Rechtsextremisten. # Die Partei \"DIE RECHTE\" mobilisierte am 28. M\u00e4rz 2015 f\u00fcr eine Kundgebung (gegen \"Einwanderung\" und \"gegen Pressehetze und die Politik der Etablierten!\") mit insgesamt 1.000 66","RECHTSEXTREMISMUS Teilnehmern in Dortmund (Nordrhein-Westfalen), darunter rund 280 Hooligans aus dem HoGeSa-Spektrum. # F\u00fcr den 12. September 2015 versuchten kleinere Personengruppen der rechtsextremistischen und der Hooligan-Szene, mit den Schlagworten \"Multikulti - Werteverfall - Volkstod - \u00dcberfremdung\" f\u00fcr einen \"Tag der deutschen Patrioten\" (TddP) in Hamburg zu mobilisieren. Das Motto erinnerte nicht zuf\u00e4llig an die neonazistische Kundgebungsreihe \"Tag der deutschen Zukunft\" (TddZ). Unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung eines Hamburger Neonazis und des NPD-Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers warben die Organisatoren insbesondere in einem dem Hooligan-Spektrum zuzurechnenden Internetforum f\u00fcr die Veranstaltung. Die Kundgebung wurde schlie\u00dflich im Vorfeld richterlich verboten, da Gewaltund Straftaten von Teilnehmern und Gegendemonstranten bef\u00fcrchtet wurden. # Mit zeitweise bis zu 1.700 Teilnehmern fand am 25. Oktober 2015 in K\u00f6ln eine HoGeSa-Kundgebung unter dem Motto \"K\u00f6ln 2.0 - friedlich und gewaltfrei gegen islamische Extremisten\" statt. Unter den Teilnehmern befanden sich rund 130 gewaltbereite Hooligans und etwa 100 organisierte Rechtsextremisten. Die Demonstration war in Anlehnung an die ein Jahr zuvor durchgef\u00fchrte erste HoGeSa-Demonstration erneut von dem stellvertretenden \"pro NRW\"-Parteivorsitzenden als Privatperson angemeldet worden. Die Teilnahme unterschiedlich gro\u00dfer Personengruppen aus der Hooliganszene an solchen Kundgebungen zeigt, dass eine signifikante Anzahl Hooligans durchaus gewillt ist, sich f\u00fcr politische Aktionen einzubringen. Hier erhoffen sich Rechtsextremisten, ein - zum Teil gewaltorientiertes - Rekrutierungspotenzial zu erschlie\u00dfen. Rechtsextremisten bem\u00fchen sich erkennbar, eine lager\u00fcbergreifende Protestbewegung zu initiieren - vergleichbar der PEGIDABewegung in Dresden mit ihren teils beachtlichen Teilnehmerzahlen. So wurde beispielsweise der \"Tag der deutschen Patrioten\" in Hamburg von der rechtsextremistischen Szene als \"ein Mittelding zwischen HoGeSa und Pegida\" wahrgenommen, bei dem neben Personen aus der gewaltbereiten Fu\u00dfballfanszene auch 67","RECHTSEXTREMISMUS \"heimattreue B\u00fcrger\" gemeinsam gegen das \"korrupte (...) System\" protestieren sollten.16 6. Gef\u00e4hrdungspotenzial Mit den im Laufe des Jahres rapide angestiegenen Fl\u00fcchtlingszahlen gewann die Anti-Asyl-Agitation eine ungeheure Dynamik. Unabh\u00e4ngig von den \u00c4ngsten und Sorgen, die im Zusammenhang mit der Asylpolitik ge\u00e4u\u00dfert werden und deren Artikulation grundgesetzlich gesch\u00fctzt ist, gibt es in der Anti-Asyl-Agitation einzelne Aspekte, die f\u00fcr die innere Sicherheit und den Bestand der freiheitlichen demokratischen Grundordnung hochgradig relevant sind. Radikalisierung der Obgleich PEGIDA und \u00e4hnliche Protestformen nicht g\u00e4nzlich Anti-Asyl-Agitation Beobachtungsobjekte des Verfassungsschutzes sind, k\u00f6nnte hier ein N\u00e4hrboden f\u00fcr verfassungsfeindliche Agitation etabliert werden. Einerseits finden fremdenfeindliche Einstellungspotenziale einen Entfaltungsraum. Andererseits gelangt der Rechtsextremismus aus der gesellschaftlichen Isolation heraus und gewinnt an Resonanz und Anschlussf\u00e4higkeit. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass die Radikalisierung noch nicht ihr Ende gefunden hat, wie ein Beispiel zu Beginn des Jahres 2016 zeigt: # Bei einer Kundgebung eines rechtsextremistisch beeinflussten GIDA-Ablegers aus Nordrhein-Westfalen am 9. Januar 2016 in K\u00f6ln glaubte ein Redner den \"Beginn des B\u00fcrgerkriegs\" zu erkennen: \"Ich rufe euch Deutsche auf zum Widerstand gegen das verbrecherische System\" - zum \"kollektiven und unbeschr\u00e4nkten Widerstand\".17 Im weiteren Verlauf der Demonstration bewarfen Teilnehmer die eingesetzten Polizeikr\u00e4fte massiv mit Pyrotechnik, Steinen etc., woraufhin der Aufzug von der Polizei aufgel\u00f6st wurde. Solcherart \u00c4u\u00dferungen finden ihre Entsprechung auf den unz\u00e4hligen Internetseiten, in denen Entmenschlichung der Fremden und politischen Gegner sowie Gewaltfantasien einen 16 Homepage \"AG Nordheide\" (17. Mai 2015). 17 Videoportal YouTube (11. Januar 2016). 68","RECHTSEXTREMISMUS unmittelbaren Handlungsdruck bei Ausl\u00e4nderfeinden, Rassisten und sonstigen \"Rettern deutscher Identit\u00e4t\" erzeugen. Militanz und Gewalt wachsen auf diesem rhetorischen und ideoMilitanz und Gewalt logischen N\u00e4hrboden - dies belegen die enorm angestiegenen rechtsextremistischen Gewalttaten. Aber auch hier zeigt sich die Erosion der Abgrenzung: Eine Vielzahl der fremdenfeindlichen, \"asylkritischen\" Gewalttaten erfolgt nicht aus dem organisierten Rechtsextremismus. Es sind vielmehr T\u00e4ter, die bislang nicht einschl\u00e4gig in Erscheinung getreten sind. Die Anti-Asyl-Agitation wirkt auch im linksextremistischen Wechselwirkungen Spektrum als Gewaltbeschleuniger. Rechtsextremisten kalkulieder Extremismen ren Auseinandersetzungen mit linksextremistischen Gegendemonstranten ein oder bereiten sich gezielt auf Gewaltt\u00e4tigkeiten vor (z.B. durch das Mitf\u00fchren von Pfefferspray oder Schlaghandschuhen). Rechtsextremistische Wortmeldungen im Vorfeld von Demonstrationen lassen erkennen, dass eine Gewalteskalation zumindest billigend in Kauf genommen wird, wenn sie nicht sogar erw\u00fcnscht ist und herbeigef\u00fchrt werden soll. Auch au\u00dferhalb von Demonstrationen finden Provokationen statt, die zu Auseinandersetzungen f\u00fchren k\u00f6nnen. So provozierten Rechtsextremisten am 18. Januar 2015 in Bamberg (Bayern) aus einer Gruppe heraus mehrere Angeh\u00f6rige der \"linken\" Szene mit den Rufen \"Schei\u00df Antifa\" und \"Schei\u00df Zecken\". Nachdem einem Gesch\u00e4digten zun\u00e4chst aus nichtigem Grund dessen Baseball-Kappe entwendet und er zu Boden gesto\u00dfen worden war, schlugen die Rechtsextremisten wahllos und brutal auf ihre Gegner ein und verletzten mehrere Personen leicht. Ein weiterer Faktor sind Aktionen und vor allem Anschl\u00e4ge von Islamisten in Europa. Sie f\u00fchren immer wieder zu propagandistischen Aufwallungen und neuen Versuchen, die Gef\u00e4hrdungslage zu dramatisieren und als ethnisch-kulturellen Konflikt darzustellen. Auch wenn bislang unmittelbare Aktionen der gewaltorientierten rechtsextremistischen Szene gegen Salafisten ausgeblieben sind, besteht hier doch ein erhebliches Konfliktund Radikalisierungspotenzial. Die rechtsextremistische Szene f\u00fchlt sich im Aufwind: Ihre MobiAuswirkungen auf die lisierungsf\u00e4higkeit steigt an und ihre Themen finden Eingang in rechtsextremistische einen breiteren Diskurs. Sie stellt den Protesten ihre Infrastruktur Szene 69","RECHTSEXTREMISMUS zur Verf\u00fcgung und ist bereit, dort, wo es erw\u00fcnscht ist, rhetorisch abzur\u00fcsten und an anderer Stelle ihre Hetze zu versch\u00e4rfen. Rechtsextremisten initiieren sich als Teil einer \"Volksbewegung\", die sie radikalisieren und auch weiterhin in Richtung einer grunds\u00e4tzlichen Ablehnung des politischen Systems lenken m\u00f6chten. IV. Parteistrukturen im Rechtsextremismus 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Konsolidierung der 2015 gelang es der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" Partei (NPD) sich zu konsolidieren. Unter dem neuen Bundesvorsitzenden Frank Franz wurde der jahrelange F\u00fchrungsstreit \u00fcber den Parteikurs einged\u00e4mmt, die Kommunikation nach innen und au\u00dfen verbessert sowie die Mobilisierungsf\u00e4higkeit gest\u00e4rkt. Der Parteivorsitzende Franz trat sein Amt im November 2014 am Ende eines Jahres an, das durch weitgehend desastr\u00f6se Wahlergebnisse sowie den Verlust der Landtagsfraktion in Sachsen gepr\u00e4gt war und die NPD personell und finanziell erheblich geschw\u00e4cht hatte. Die Wahlniederlagen hatten die parteiinternen, auf pers\u00f6nlicher Ebene bemerkenswert schroff gef\u00fchrten Auseinandersetzungen weiter versch\u00e4rft und den anhaltenden Mitgliederr\u00fcckgang beschleunigt. Vor diesem Hintergrund legte der neue Vorsitzende sein Hauptaugenmerk darauf, eine positivere Au\u00dfendarstellung und damit ein \"sympathischeres\" Image der NPD zu erreichen und den Parteikonflikten durch eine bessere Binnenkommunikation zu begegnen. Der nicht mit einer eigenen Machtbasis ausgestattete Franz versucht, die konkurrierenden Parteifl\u00fcgel auszubalancieren, indem er durch seinen F\u00fchrungsstil Polarisierungen vermied. Tats\u00e4chlich arbeitete der heterogen zusammengesetzte Bundesvorstand weit st\u00f6rungsfreier als in den vorausgegangenen Jahren; \u00f6ffentlich ausgetragene Parteifehden wie sie die \u00c4ra der beiden Vorg\u00e4nger Holger Apfel und Udo Past\u00f6rs pr\u00e4gten, blieben weitgehend aus. 70","RECHTSEXTREMISMUS Exemplarisch f\u00fcr den Modernisierungsansatz sind etwa die ModernisierungsKampagne \"Frieden. Freiheit. Souver\u00e4nit\u00e4t\" oder das Ende M\u00e4rz versuche 2015 etablierte Medienprojekt \"DS-TV\". Positiv besetzte Begriffe, die nicht erkennbar rechtsextremistisch konnotiert sind, sollen einerseits die Partei anschlussf\u00e4hig f\u00fcr gesellschaftliche Diskurse machen, bleiben aber andererseits inhaltlich so vage, dass sie in der NPD str\u00f6mungs\u00fcbergreifend Akzeptanz finden. In Erg\u00e4nzung zur Druckversion des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" (DS) soll der Internetauftritt \"DS-TV\" die \u00f6ffentliche Wahrnehmung der NPD verst\u00e4rken und der rechtsextremistischen Partei ein modernes Image geben. Dort ver\u00f6ffentlicht die NPD w\u00f6chentlich einen kurzen, professionell gefertigten Filmbeitrag zu unterschiedlichen politischen Aspekten, wobei 2015 die Asyldebatte einen deutlichen Schwerpunkt bildete. Die Sendereihe soll - nicht zuletzt durch die Person der Moderatorin - das Bild einer sympathischen Partei zeichnen, die investigativ und sachorientiert Themen aufgreift, die f\u00fcr die B\u00fcrger allgemein von Interesse sind. Tats\u00e4chlich aber handelt es sich bei den Verantwortlichen von \"DS-TV\" um Aktivisten mit einem geschlossenen rechtsextremistischen Weltbild. Die durch den Wegfall der s\u00e4chsischen Landtagsfraktion knapper gewordenen finanziellen und materiellen Ressourcen versuchte die NPD durch einen m\u00f6glichst \u00f6ffentlichkeitswirksamen Einsatz der noch vorhandenen Mittel zu kompensieren. Udo Voigt, einziger Abgeordneter der NPD im Europaparlament, gelang es - unterst\u00fctzt durch einen Mitarbeiterstab aus langj\u00e4hrigen Vertrauten - punktuell \u00f6ffentlichkeitswirksam zu agieren. Die Partei ist Teil der Vernetzung im europ\u00e4ischen Parteienb\u00fcndnis \"Alliance for Peace and Freedom\" (APF). Ein B\u00fcndnis, das jedoch im Wesentlichen - mit Ausnahme der neonazistisch gepr\u00e4gten griechischen Partei \"Chrysi Avgi\" (Goldene Morgenr\u00f6te) und der NPD - aus unbedeutenden Splitterparteien besteht. Zu den wesentlichen Aktivit\u00e4ten des B\u00fcndnisses z\u00e4hlte die Teilnahme an einem internationalen Seminar im M\u00e4rz 2015 im russischen St. Petersburg. Zudem reiste eine APF-Delegation im Juni 2015 auf Einladung der regierenden Baath-Partei des Machthabers Baschar al-Assad nach Syrien. Beide Reisen, an denen Voigt teilnahm, wurden in der Parteizeitung DS und auf der NPD-Homepage propagandistisch besonders hervorgehoben. 71","RECHTSEXTREMISMUS Kommunale VeranVon gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Gesamtpartei bleibt die einzig kerung als Basis f\u00fcr verbliebene Landtagsfraktion der NPD. Die mit den f\u00fcnf AbgeordAnti-Asyl-Agitation neten in Mecklenburg-Vorpommern verbundenen finanziellen, logistischen und propagandistischen M\u00f6glichkeiten sollen im September 2016 durch den dritten Einzug in den Landtag in Folge gesichert werden. Hervorzuheben sind schlie\u00dflich die f\u00fcr die NPD enorm wichtigen rund 360 Kommunalmandate, von denen gut 80 Prozent auf die ostdeutschen Bundesl\u00e4nder entfallen. Die kommunalen Mandatstr\u00e4ger zeigen die lokale Verwurzelung der Partei und schaffen andererseits die Basis um Ressentiments und fremdenfeindliche Stimmungen vor Ort - etwa im Zusammenhang mit der Unterbringung von Asylbewerbern - aufzugreifen und Proteste zu beeinflussen oder auch zu initiieren und zu steuern. Instrumentalisierung Die NPD nutzte 2015 die Fl\u00fcchtlingsdebatte als zentrales und der Asyldebatte alles \u00fcberragende Agitationsthema im Kampf gegen die politische Ordnung. Die Partei verbindet die Fl\u00fcchtlingsfrage mit ihren theoretischen Grunds\u00e4tzen: Die Aufnahme von Migranten stellt f\u00fcr sie einen Angriff auf ihr Bild einer ethnisch homogenen \"Volksgemeinschaft\" dar. In ihrer v\u00f6lkischen Diktion entsteht ein unmittelbarer Handlungsdruck, da die Zuwanderung inzwischen die ethnische Zusammensetzung der Bev\u00f6lkerung irreversibel zulasten der Deutschen ver\u00e4ndere. Die NPD zeigte bei Protesten gegen Asylbewerber und deren Unterbringung taktische Flexibilit\u00e4t: Sie variierte zwischen dem Image einer an den Sorgen von Anwohnern orientierten, vermeintlich sachbezogenen \"K\u00fcmmererpartei\" und - vor allem in den sozialen Netzwerken - diffamierend-hetzerischen Tiraden gegen Einwanderer. NPD-Mitglieder beteiligten sich 2015 an GIDA-Demonstrationen, hielten sich dort aber aus taktischen Gr\u00fcnden zur\u00fcck. Bei verschiedenen GIDA-Ablegern - etwa MVGIDA in Mecklenburg-Vorpommern oder TH\u00dcGIDA in Th\u00fcringen - erlaubte die Konstellation jedoch eine deutlich st\u00e4rkere Einflussnahme oder gar Dominanz dieser Veranstaltungen. \u00c4hnlich gelang es der Partei auch an anderen Orten, asylfeindliche Proteste nachhaltig zu beeinflussen: 72","RECHTSEXTREMISMUS # Beispielsweise organisierte ein kommunaler Mandatstr\u00e4ger der NPD im Zeitraum Januar bis M\u00e4rz 2015 eine Reihe von Kundgebungen gegen die Zuweisung von Asylbewerbern in Tr\u00f6glitz (Sachsen-Anhalt) mit Teilnehmerzahlen zwischen 70 und 200 Personen. Der dortige B\u00fcrgermeister trat zur\u00fcck, nachdem die Proteste an Militanz zugenommen hatten und eine Kundgebung vor seinem Haus geplant wurde. # Die NPD war auch in der Lage, kurzfristig Demonstrationen gegen eine bevorstehende Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen zu organisieren, so etwa am 24. Juli 2015 in Dresden und am 21. August 2015 in Heidenau (Sachsen). Im Nachgang zu beiden Veranstaltungen, die jeweils durch eine hochaggressive Grundstimmung gekennzeichnet waren, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen gegen Polizei und Gegendemonstranten. Die gestiegene Mobilisierungsf\u00e4higkeit der NPD l\u00e4sst sich auch quantitativ belegen: Die Partei organisierte 2015 insgesamt 113 \u00fcberwiegend asylfeindlich ausgerichtete Demonstrationen mit mehr als 100 Teilnehmern (2014: 27), darunter zwei Demonstrationen, bei denen die Teilnehmerzahl von 1.000 Personen \u00fcberschritten wurde (2014: 0). In diesem Kontext sind zudem NPD-beeinflusste Veranstaltungen wie TH\u00dcGIDA zu ber\u00fccksichtigen. So konnten f\u00fcr eine TH\u00dcGIDA-Demonstration in Altenburg (Th\u00fcringen) am 19. Oktober 2015 beispielsweise insgesamt rund 2.300 Teilnehmer mobilisiert werden. Die Partei sieht sich in der Asylproblematik im Aufwind und zeigt ein gesteigertes Selbstbewusstsein. Im Zuge ihrer \"Wortergreifungsstrategie\" st\u00f6ren ihre Mitglieder Veranstaltungen von politischen Gegnern, so beispielsweise eine DGB-Kundgebung am 1. Mai 2015 in Weimar (Th\u00fcringen): Nach Polizeiangaben behinderten etwa 40 bis 50 Rechtsextremisten, darunter einige JN-Mitglieder, die Kundgebung, entwendeten einem SPDBundestagsabgeordneten das Mikrofon und verletzten eine Angeh\u00f6rige der Partei DIE LINKE. leicht. Mit Beschluss vom 2. Dezember 2015 (2 BvB 1/13) gab der Zweite Pr\u00fcfung eines Senat des Bundesverfassungsgerichts bekannt, dass die VerhandParteiverbots lung \u00fcber das vom Bundesrat beantragte Parteiverbot durchzuf\u00fchren ist. Der Verbotsantrag des Bundesrates ist also nach Auffassung des Bundesverfassungsgerichts zul\u00e4ssig und hinreichend 73","RECHTSEXTREMISMUS begr\u00fcndet. Die m\u00fcndliche Verhandlung fand vom 1. bis zum 3. M\u00e4rz 2016 statt. 2. \"DIE RECHTE\" Der Partei \"DIE RECHTE\" gelang es 2015 ihre organisatorischen Strukturen und ihre Mitgliederbasis auszubauen. Mittlerweile verf\u00fcgt die Partei in elf Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde/-gruppen beziehungsweise einen landesgrenzen\u00fcbergreifenden \"Gebietsverband S\u00fcdwest\". Bem\u00fchen um Schwerpunkt bleibt indes Nordrhein-Westfalen mit rund der Parteistatus H\u00e4lfte der Mitglieder. Vor allem in den regionalen Hochburgen Hamm und Dortmund (Nordrhein-Westfalen) - hier ist die Partei mit jeweils einem Mandat im Stadtrat vertreten - agitiert \"DIE RECHTE\" offensiv und nutzt ihren Parteistatus, um neonazistische Aktivit\u00e4ten durchzuf\u00fchren. Hierzu z\u00e4hlen auch \u00f6ffentlichkeitswirksame Provokationen wie eine Anfrage an die Stadt Dortmund nach der Anzahl dort lebender Juden. Um die Privilegien der Parteiform weiter nutzen zu k\u00f6nnen und einem Parteiverbot entgegenzuwirken, zeigt sich die Organisation bem\u00fcht, den Anforderungen des Parteiengesetzes (PartG) nachzukommen, beispielsweise durch eine (zumindest auch als taktisch zu wertende) Teilnahme an den Landtagswahlen im M\u00e4rz 2016 in Sachsen-Anhalt und Baden-W\u00fcrttemberg und 2017 in Nordrhein-Westfalen. Im Berichtsjahr fokussierte \"DIE RECHTE\" ihre Aktivit\u00e4ten auf die Asylproblematik. In Nordrhein-Westfalen f\u00fchrte sie regelm\u00e4\u00dfige Mahnwachen durch und errichtete Informationsst\u00e4nde (in der Regel mit mehreren Dutzend Teilnehmern) gegen bereits bestehende oder geplante Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte - zum Teil mit deutlich provokativer Ausrichtung. Im Rahmen von Kundgebungen \u00e4u\u00dfern sich Parteifunktion\u00e4re massiv hetzerisch gegen Politiker, Fl\u00fcchtlinge oder deren Unterst\u00fctzer. So organisierte der Dortmunder Kreisverband am 7. September 2015 eine Kundgebung unter dem Motto \"Gegen den Asylanten-Sonderzug! - Vier Tage Ausnahmezustand sind Chaos und keine Willkommenskultur\", die sich gegen die fast zeitgleiche Ankunft von etwa 1.000 Asylsuchenden in Dortmund richtete. 74","RECHTSEXTREMISMUS Der stellvertretende Bundesvorsitzende Christoph Drewer f\u00fchrte aus: \"Diese Menschen sind kriminell (...) und werden hier in unserem geliebten Vaterland ihre kriminelle Ader knallhart ausleben. (...) Ich hoffe, dass diese geisteskranken Subjekte, die t\u00e4glich an den Bahnh\u00f6fen (...) die Asylbetr\u00fcger begr\u00fc\u00dfen, dass die M\u00e4nner unter euch brutal zusammengeschlagen und ausgeraubt werden. Und den Frauen unter euch w\u00fcnsche ich dazu noch eine Vergewaltigung von den Asylbetr\u00fcgern.\" (Videoportal YouTube, 8. September 2015) Wenngleich die Partei offene Gewaltaufrufe vermeidet, zeigt sich die Gewaltorientierung bei der Mitgliederschaft deutlich, bei dem Mobilisierungspotenzial ebenso wie bei einem Aufeinandertreffen mit dem linksextremistischen Antipoden: # Im Rahmen einer Demonstration (einschlie\u00dflich eines einschl\u00e4gigen Musikprogramms) gelang es der Partei am 28. M\u00e4rz 2015 rund 1.000 Personen in Dortmund zu mobilisieren, unter ihnen auch etliche gewaltorientierte Fu\u00dfballfans der \u00fcberwiegend nicht als rechtsextremistisch einzustufenden HoGeSa-Initiative. Vor allem die Dortmunder Parteistrukturen werben - wie bereits 2014 - in der gewaltorientierten, regionalen Fu\u00dfballfanszene um Unterst\u00fctzung. # Im Vorfeld einer Kundgebung des Landesverbands NordrheinWestfalen am 1. Mai 2015 in Essen (\"Heraus zum 1. Mai 2015\", 360 Teilnehmer) kam es am K\u00f6lner Hauptbahnhof, an dem sich potenzielle Teilnehmer zur gemeinsamen Anreise sammelten, zwischen jeweils etwa 100 Rechtsund Linksextremisten zu Auseinandersetzungen, wie anschlie\u00dfend auch am Zielbahnhof in Essen. Gegen\u00fcber gewaltbereiten Parteimitgliedern zeigte der BundesGewaltbereite vorsitzende Christian Worch in \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen eine Parteimitglieder und gewisse Gleichg\u00fcltigkeit, nicht zuletzt auch, indem er Straftaten Positionierung des gegen Asylbewerberheime verharmloste: Als von Exekutivma\u00dfBundesvorsitzenden nahmen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung am 21. Oktober 2015 in Bayern auch Mitglieder der Partei \"DIE RECHTE\" betroffen waren (vgl. Kap. II, Nr. 1), weigerte sich Worch, sich von den Tatverd\u00e4chtigen zu distanzieren. Auf die Frage von Journalisten, ob es denkbar sei, dass 75","RECHTSEXTREMISMUS sich Parteimitglieder Sprengstoff und Waffen beschafften, um Anschl\u00e4ge auf Asylbewerberunterk\u00fcnfte zu begehen, entgegnete Worch, dies sei durchaus m\u00f6glich, schlie\u00dflich k\u00f6nne man \"den Leuten nicht hinter die Stirn schauen\". Zu beanstanden sei lediglich die Missachtung der \"Grundregeln der Konspiration\". Worch nannte es eine \"elegante Aktion\", f\u00fcr Asylbewerber vorgesehene Wohnungen unter Wasser zu setzen, da sich T\u00e4ter einem geringeren strafrechtlichen Risiko als bei einer Brandstiftung aussetzten.18 \"DIE RECHTE\" kooperiert in der Anti-Asyl-Agitation mitunter mit anderen rechtsextremistischen Parteien oder Gruppierungen. Der Landesverband Th\u00fcringen organisierte beispielsweise gemeinsam mit der neonazistischen Organisation \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) und der rechtsextremistisch dominierten Initiative TH\u00dcGIDA am 3. Oktober 2015 eine Kundgebung in Jena. 3. \"Der III. Weg\" Die rechtsextremistische Kleinstpartei \"Der III. Weg\" konzentriert ihre Aktivit\u00e4ten \u00fcberwiegend auf die Bundesl\u00e4nder RheinlandPfalz und Bayern. Dar\u00fcber hinaus versuchte sie im Berichtsjahr ihre Strukturen vor allem in Sachsen und Brandenburg auszubauen. Asylfeindschaft im Im Vordergrund der Parteipropaganda steht die Anti-Asyl-AgiVordergrund tation. \"Der III. Weg\" hat einen - auch im Internet abrufbaren - \"Leitfaden: Kein Asylantenheim in meiner Nachbarschaft! Wie bebzw. verhindere ich die Errichtung eines Asylantenheims in meiner Nachbarschaft\" ver\u00f6ffentlicht mit der Darstellung unterschiedlicher Protestformen sowie juristischen Handreichungen. Zudem ist auf der Homepage eine Deutschlandkarte mit geplanten und bereits existierenden Unterk\u00fcnften f\u00fcr Asylbewerber abrufbar. Nachdem diese im Juli 2015 von dem Internetanbieter aufgrund von Pressemeldungen gesperrt worden war, wurde wenige Tage sp\u00e4ter eine neue, fast identische Karte eingestellt, die bis heute aktualisiert wird, mit Kennzeichnungen von deutschlandweit \u00fcber 4.900 Unterk\u00fcnften. 18 Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Oktober 2015, S. 4. 76","RECHTSEXTREMISMUS Die Kleinstpartei ist erkennbar um lokale und regionale Pr\u00e4senz bem\u00fcht. Angesichts der bescheidenen personellen Ressourcen konzentriert sie ihre Aktivit\u00e4ten - neben der Agitation im Internet - vor allem auf Orte mit vorhandenen oder geplanten Asylbewerberunterk\u00fcnften. Dort sucht sie auch das Gespr\u00e4ch mit B\u00fcrgern, um eine Beeinflussung von Nichtextremisten zu erreichen. Kommentierungen von Brandanschl\u00e4gen auf Unterk\u00fcnfte von Positionierung Asylbewerbern lassen immer wieder Genugtuung erkennen: Herzu Gewalt vorgehoben wird die Tatsache, dass dadurch die Unterbringung von Asylbewerbern im jeweiligen Ort wirksam verhindert worden sei. So kommentierte die Partei eine Brandstiftung an einer als Asylbewerberunterkunft geplanten Turnhalle in Wertheim (BadenW\u00fcrttemberg) in der Nacht zum 20. September 2015 wie folgt: \"Letztes Wochenende fiel eine Turnhalle im baden-w\u00fcrttembergischen Wertheim, welche als Unterkunft f\u00fcr 400 Asylanten zweckentfremdet werden sollte, den Flammen zum Opfer. Die Asyl-Unterbringungspl\u00e4ne sind somit in Wertheim vorerst durchkreuzt. (...) Sollte es sich also tats\u00e4chlich um einen asylkritischen Anschlag handeln, hat der oder die T\u00e4ter ihr Ziel erreicht.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 22. September 2015) Triumphierend hie\u00df es an anderer Stelle: \"Nach Brandanschlag bleibt Tr\u00f6glitz asylantenfrei.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 6. April 2015) Der Bundesvorsitzende der Partei \"Der III. Weg\" Klaus Armstroff ging in einer Stellungnahme zu einem Brandanschlag, der auf drei f\u00fcr den Bezug von Asylbewerbern vorgesehene H\u00e4user in Rockensu\u00dfra (Th\u00fcringen) in der Nacht zum 7. September 2015 ver\u00fcbt worden war, noch weiter und sprach von \"nachvollziehbaren\" Taten im Allgemeinen: \"Es gibt Taten, die man nicht verstehen kann, und welche, die man nachvollziehen kann. Taten, die zum Beispiel verhindern, da\u00df Kinder mi\u00dfbraucht werden, da\u00df deutsche Frauen nachts sexuell bel\u00e4stigt werden oder junge Deutsche grundlos auf offener Stra\u00dfe verpr\u00fcgelt werden.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 9. September 2015) 77","RECHTSEXTREMISMUS 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\")19 Die Entwicklung der \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") war im Jahr 2015 ma\u00dfgeblich von parteiinternen Streitigkeiten gepr\u00e4gt. Eine bereits Ende 2014 begonnene Auseinandersetzung zwischen dem Landesvorstand und Funktion\u00e4ren des mitgliederstarken K\u00f6lner Ablegers eskalierte im Fr\u00fchjahr 2015 mit der Abspaltung der \"B\u00fcrgerbewegung pro K\u00f6ln e.V.\" und dem Austritt zahlreicher Parteikader. Der Verlust dieser regionalen Hochburg schr\u00e4nkte die Funktionsf\u00e4higkeit von \"pro NRW\" auf Landesund Kreisebene nachhaltig ein. \"Pro NRW\" setzte ihren fremdenund islamfeindlichen Kurs fort, wenngleich die Anzahl \u00f6ffentlichkeitswirksamer Aktionen r\u00fcckl\u00e4ufig war. Zu Beginn des Jahres 2015 versuchten einzelne \"pro NRW\"-Funktion\u00e4re insbesondere in Bonn, K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf - letztlich jedoch erfolglos - eigene Ableger der GIDA-Bewegung zu initiieren. Weitere \u00f6ffentliche Aktionen der Partei erzielten eine nur begrenzte Au\u00dfenwirkung, beispielsweise die \"Fr\u00fchjahrsoffensive gegen Asylmissbrauch - Fl\u00fcchtlings-Tsunami stoppen\". Die Partei definiert die \"Fl\u00fcchtlingskrise\" als zerst\u00f6rerische \"Naturkatastrophe\" mit deutlichen Drohungen an die handelnden Politiker. Ein Vorstandsmitglied f\u00fchrte aus, Deutschland werde \"mit Sozialschmarotzern geflutet (...) Das dicke Ende kommt und dann werden sich diese 'Volksverr\u00e4ter' rechtfertigen m\u00fcssen.\"20 Die weitere Entwicklung von \"pro NRW\" wird in den n\u00e4chsten Monaten ma\u00dfgeblich durch die Aktivit\u00e4ten auf lokaler Ebene gepr\u00e4gt werden. Um bei dem nordrhein-westf\u00e4lischen Landtagswahlkampf 2017 \u00fcberhaupt eine Chance auf ein nennenswertes Wahlergebnis zu haben, br\u00e4uchte die Partei eine Phase der Konsolidierung. Sollte der Absturz in die Bedeutungslosigkeit weitergehen, werden die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden aufmerksam 19 Mit Urteil vom 21. Januar 2016 hat das Verwaltungsgericht Berlin festgestellt, dass die Erw\u00e4hnung von \"pro NRW\" im Verfassungsschutzbericht 2012 und die dort \u00fcber \"pro NRW\" getroffenen feststellenden und wertenden Aussagen rechtm\u00e4\u00dfig sind, da die Voraussetzungen der SS 16 Absatz 2 in Verbindung mit SS 3 Absatz 1 des Bundesverfassungsschutzgesetzes vorl\u00e4gen. \"Pro NRW\" habe im Berichtszeitraum 2012 Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung betrieben. 20 Facebook-Seite \"pro NRW\" (26. Juli 2015). 78","RECHTSEXTREMISMUS beobachten, inwieweit sich die bisherigen Akteure organisationspolitisch neu orientieren. 5. Gef\u00e4hrdungspotenzial Der NPD gelingt es, von den nach wie vor vorhandenen innerparteilichen Spaltungslinien abzulenken und gleichzeitig in verschiedenen Regionen Ostdeutschlands ihr Image als \"K\u00fcmmererpartei\" erneut zu st\u00e4rken. Die Partei - beziehungsweise einzelne Protagonisten - wird in einigen Regionen als Kooperationspartner oder Mitorganisator f\u00fcr Anti-Asyl-Kundgebungen und -Initiativen auch jenseits des extremistischen Spektrums wahrgenommen. Von Teilen der b\u00fcrgerlichen Asylgegner wird dabei die bewusste Abgrenzung zu rechtsextremistischen Akteuren zugunsten eines m\u00f6glichst starken Protestes gegen die Asylpolitik aufgegeben. Das Schicksal des neuen NPD-Vorsitzenden h\u00e4ngt von vorzeigbaren Wahlergebnissen ab - ein schwieriges Unterfangen angesichts der Konkurrenz aus dem \"rechten\" und rechtspopulistischen Milieu. Dass dies in Einzelf\u00e4llen punktuell gelingen kann, offenbaren die hessischen Kommunalwahlen im M\u00e4rz 2016. Hier errang die NPD in Regionen, in denen sie mit ihrer Asylablehnung ein Alleinstellungsmerkmal inne hatte, \u00fcberdurchschnittliche Ergebnisse. So erreichte die Partei ein nicht unerhebliches Protestw\u00e4hlerpotenzial und konnte von einem Zugewinn an Kommunalmandaten profitieren. Dennoch belasten die Unw\u00e4gbarkeiten des Verbotsverfahrens nach wie vor die Partei. Es ist zu vermuten, dass im Falle eines Verbots ehemalige Funktion\u00e4re der NPD ihre verfassungsfeindliche Agitation - insbesondere im Anti-Asyl-Kontext - auch ohne den organisatorischen \u00dcberbau einer Partei fortsetzen werden. Als Auffangbecken f\u00fcr die neonazistische Klientel st\u00fcnden die beiden Kleinstparteien \"DIE RECHTE\" und \"Der III. Weg\" bereit. Ihnen ist es im Berichtsjahr gelungen, die Parteistrukturen auszubauen. Nicht zuletzt erhoffen sie sich, mit der Anti-Asyl-Agitation an Bedeutung zu gewinnen und neue Aktivisten zu rekrutieren. Die Zugewinne an Mitgliedern bei beiden Parteien belegen indes, dass gerade Personen des neonazistischen Spektrums die 79","RECHTSEXTREMISMUS Organisationsform der Partei zunehmend akzeptieren und bereit sind, sich in Parteistrukturen zu engagieren. Auch jenseits von messbaren Wahlerfolgen ergibt sich aus der fremdenfeindlichen Agitation rechtsextremistischer Parteien ein Gef\u00e4hrdungspotenzial. Mit ihrer zum Teil aggressiven Rhetorik versch\u00e4rfen sie eine bereits hoch emotional gef\u00fchrte Asyldebatte. Dadurch kann bei Einzelpersonen der Eindruck entstehen, ein radikaleres oder gewaltt\u00e4tiges Handeln sei von einer weit gr\u00f6\u00dferen Menge erw\u00fcnscht oder zumindest gebilligt. 80","RECHTSEXTREMISMUS V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Frank Franz Mitglieder/Anh\u00e4nger 5.200 (2014: 5.200) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Deutsche Stimme\" (Zeitung, monatlich, Auflage: 25.000) \"DS-TV\" (Internet-TV-Projekt) Teil-/Nebenorganisationen: 16 Landesverb\u00e4nde zzgl. Kreisund Regionalverb\u00e4nde \"Junge Nationaldemokraten\" (JN; Jugendorganisation) \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) 81","RECHTSEXTREMISMUS Die NPD ist die bedeutendste und mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Partei in Deutschland. Ideologisches Kernelement der NPD ist die Vorstellung einer ethnisch homogenen \"Volksgemeinschaft\". Das \"Volksgemeinschafts\"-Dogma bestimmt die grunds\u00e4tzliche Fremdenfeindlichkeit der Partei. Die fremdenfeindliche Agitation der Partei belegt Ausl\u00e4nder, Muslime und Asylbewerber pauschal mit Negativeigenschaften und diffamiert diese als Bedrohung f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung. Auch der Antisemitismus ist ein fester Bestandteil der NPD-Agitation. Mit geschichtsrevisionistischen \u00c4u\u00dferungen unterstreicht die NPD ihre grunds\u00e4tzlich bejahende Haltung gegen\u00fcber dem NS-Regime und ihr Bem\u00fchen, die Zeit des Nationalsozialismus fundamental umzudeuten beziehungsweise Teilbereiche als vorbildlich darzustellen. Die sogenannte Vier-S\u00e4ulen-Strategie - \"Kampf um die K\u00f6pfe\", \"Kampf um die Stra\u00dfe\", \"Kampf um die Parlamente\" und \"Kampf um den organisierten Willen\" - verdeutlicht seit Jahren die Intention der NPD, den demokratischen Verfassungsstaat systematisch und umfassend zu bek\u00e4mpfen. 82","RECHTSEXTREMISMUS 1.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: L\u00fcbtheen (Mecklenburg-Vorpommern) Leitung/Vorsitz: Sebastian Richter Mitglieder/Anh\u00e4nger 350 (2014: 350) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Der Aktivist\" (Zeitschrift, 2015 keine Ausgabe) Mit den JN verf\u00fcgt die NPD \u00fcber eine Jugendorganisation, die laut Satzung \"integraler Bestandteil\" der Gesamtpartei ist. Ziel der JN ist die Verbreitung nationalistischer und v\u00f6lkischer Positionen. Die JN sind bestrebt, eigene Akzente und Agitationsschwerpunkte zu setzen sowie entsprechende Kampagnen und \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen mit der Zielgruppe Jugendliche/Erstw\u00e4hler zu initiieren. W\u00e4hrend die Mutterpartei sich unter anderem als parlamentarischer Arm der \"nationalen Opposition\" versteht, sehen die JN ihren T\u00e4tigkeitsschwerpunkt im \"vorpolitischen Raum\". 83","RECHTSEXTREMISMUS 1.2 \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) Gr\u00fcndung: 2006 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Ricarda Riefling Mitglieder/Anh\u00e4nger unter 100 (2014: 100) in Deutschland: Der RNF sieht sich als \"Sprachrohr und Ansprechpartner f\u00fcr nationale Frauen\" und propagiert frauenund familienpolitische Themen im Sinne der NPD. Vertreterinnen des RNF unterst\u00fctzen die NPD bei Wahlk\u00e4mpfen, nehmen an Demonstrationen der Mutterpartei teil oder organisieren Infost\u00e4nde auf Veranstaltungen. 1.3 \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) Gr\u00fcndung: 2003 Sitz: Dresden (Sachsen) Leitung/Vorsitz: Hartmut Krien Die in der Satzung der NPD verankerte KPV versteht sich als bundesweite Interessenvertretung f\u00fcr kommunale Mandatstr\u00e4ger der Partei. Die KPV zielt darauf ab, die kommunalpolitischen Aktivit\u00e4ten der NPD zu professionalisieren. In Schulungen f\u00fcr Mandatstr\u00e4ger werden Vernetzung und Erfahrungsaustausch gef\u00f6rdert. 84","RECHTSEXTREMISMUS 1.4 \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) Gr\u00fcndung: 1976 Sitz: Riesa (Sachsen) Leitung/Vorsitz: Peter Schreiber Publikationen/Medien: u.a. \"Deutsche Stimme\" (Zeitung, monatlich, Auflage: 25.000) Der DS Verlag dient der NPD als Vertrieb f\u00fcr eigene Publikationen, Medien, Devotionalien etc. Als bedeutendste Schrift verlegt der DS Verlag das Parteiorgan \"Deutsche Stimme\". Als Sprachrohr der Partei berichtet sie unter anderem \u00fcber NPD-Aktionen, publiziert Stellungnahmen der Parteif\u00fchrung oder liefert NPD-ideologisch ausgerichtete Reportagen. 85","RECHTSEXTREMISMUS 2. \"DIE RECHTE\" Gr\u00fcndung: 2012 Sitz: Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) Leitung/Vorsitz: Christian Worch Mitglieder/Anh\u00e4nger 650 (2014: 500) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: 11 Landesverb\u00e4nde (inkl. Landesgruppe Bremen), ein Gebietsverband S\u00fcdwest, rund 30 Kreisverb\u00e4nde Die ideologischen Schwerpunkte der Partei \"DIE RECHTE\" bilden Neonationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Zahlreiche Kundgebungen und Internetverlautbarungen richten sich gegen \"staatliche Repression\" und Zuwanderung. Bei ihren Propagandaaktionen setzen Parteimitglieder mitunter verst\u00e4rkt auf Provokation des politischen Gegners und der Polizei. \"DIE RECHTE\" lehnt den Parlamentarismus grunds\u00e4tzlich ab und betrachtet die Organisationsform einer politischen Partei lediglich als Mittel zum Zweck f\u00fcr ihren Kampf gegen das \"System\". Einige Unterorganisationen der Partei haben sich zu Auffangbecken f\u00fcr Neonazis entwickelt und Funktionen verbotener Neonazi-Gruppierungen \u00fcbernommen. 86","RECHTSEXTREMISMUS 3. \"Der III. Weg\" Gr\u00fcndung: 2013 Sitz: Bad D\u00fcrkheim (Rheinland-Pfalz) Leitung/Vorsitz: Klaus Armstroff Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2014: 200) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: 17 Regionalverb\u00e4nde (\"St\u00fctzpunkte\"), davon sechs in Bayern Die ideologischen Aussagen der Partei \"Der III. Weg\" sind gepr\u00e4gt vom historischen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. In ihrem \"Zehn-Punkte-Programm\" propagiert die Partei unter anderem die Schaffung eines \"Deutschen Sozialismus\" sowie die Entwicklung und Erhaltung der \"biologischen Substanz des Volkes\". Die fundamental ablehnende Haltung der Partei gegen\u00fcber dem demokratischen Rechtsstaat kommt in ihrer politischen Agitation deutlich zum Ausdruck, insbesondere bei der mit einer aggressiven Rhetorik vorgetragenen Instrumentalisierung der Themen Asyl und Zuwanderung. 87","RECHTSEXTREMISMUS 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") Gr\u00fcndung: 2007 Sitz: D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Markus Beisicht Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2014: 950) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: acht Bezirksund 53 Kreisverb\u00e4nde (bis Ende 2015) Islamfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit (insbesondere gegen Asylbewerber) bilden die ideologischen Schwerpunkte der \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\". So werden zum Beispiel Aktionen gegen \"Armutszuwanderung\", \"\u00dcberfremdung\" oder eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands und Europas durchgef\u00fchrt. \"Pro NRW\" versucht, unter anderem mit Kampagnen gegen Moscheebauten \u00c4ngste gegen\u00fcber dem Islam zu sch\u00fcren und Vorurteile gegen\u00fcber Muslimen zu verbreiten beziehungsweise zu verst\u00e4rken. Dar\u00fcber hinaus sollen beispielsweise mit Kundgebungen vor Asylbewerberunterk\u00fcnften \u00dcberfremdungs\u00e4ngste geweckt und fremdenfeindliche Ressentiments gesch\u00fcrt werden. 88","RECHTSEXTREMISMUS 5. \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) Gr\u00fcndung: 2010 Leitung/Vorsitz: Rigolf Hennig (Landesleiter Deutschland) Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2014: 100) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Europa ruft!\" (Zeitschrift, unregelm\u00e4\u00dfig) Die \"Europ\u00e4ische Aktion\" zeichnet sich durch eine besonders ausgepr\u00e4gte antisemitische und revisionistische Agitation aus. Ein vorrangiges Ziel sieht die Organisation in der \"Wiederherstellung der freien Rede\", d.h. die \"Revision\" zeitgeschichtlicher Offenkundigkeiten, vor allem des Holocaust. Die international ausgerichtete EA fordert unter anderem die Herstellung homogener Volksgemeinschaften in Europa und die Ausweisung \"rassisch Fremder\" (notfalls mit Gewalt). Besondere Bedeutung erreicht die EA dadurch, dass unter ihrem organisatorischen und ideologischen Dach Rechtsextremisten mit unterschiedlichen Ausrichtungen zusammenarbeiten. In die F\u00fchrungsstruktur der EA sind namhafte Rechtsextremisten eingebunden, die \u00fcber weitreichende Verbindungen in alle Spektren des deutschen und ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus verf\u00fcgen, insbesondere in die Neonazi-Szene. 89","RECHTSEXTREMISMUS 6. \"Hammerskins Deutschland\" Gr\u00fcndung: Anfang der 1990er-Jahre Sitz: internationale Vereinigung; Ableger existieren neben Deutschland auch in Australien, Frankreich, Italien, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Ungarn und den USA Leitung/Vorsitz: Bundesweit mehrere gleichberechtigte Regionalgruppen (\"Chapter\") Mitglieder/Anh\u00e4nger 140 (2014: 130) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: \"Crew 38\"21-Gruppierungen: Zusammenschluss von Unterst\u00fctzern (Supporter) und Anw\u00e4rtern (Prospect of the Nation) f\u00fcr die \"Hammerskin Nation\" Bei den \"Hammerskins\" handelt es sich um ein internationales Skinhead-Netzwerk, das in mehreren L\u00e4ndern \u00fcber Ableger verf\u00fcgt. \"Hammerskins\" betrachten sich selbst als die Elite der Skinhead-Bewegung. Ihre Ideologie ist von Rassismus und Neonationalsozialismus gepr\u00e4gt. Ziele sind die Erhaltung der \"Reinheit der wei\u00dfen Rasse\" sowie die Vereinigung aller rechtsextremistischen wei\u00dfen Skinheads in einer weltweiten \"Hammerskin Nation\". Es werden interne Koordinierungstreffen und rechtsextremistische Konzerte im Inund Ausland durchgef\u00fchrt. 21 Die Zahl 38 steht f\u00fcr die Buchstaben C und H und verweist auf das Logo der \"Hammerskins\", die \"Crossed Hammers\". 90","Linksextremismus 91","Linksextremismus I. \u00dcberblick Linksextremismus zielt auf die \u00dcberwindung der bestehenden \"b\u00fcrgerlichen\", \"kapitalistischen\" Staatsund Gesellschaftsordnung, die durch ein kommunistisches oder ein \"herrschaftsfreies\", anarchistisches System ersetzt werden soll. Die theoretischen Leitfiguren sind - in unterschiedlichem Ausma\u00df und abweichender Interpretation - Marx, Engels und Lenin. Gewalt, verstanden als \"revolution\u00e4re Gewalt\" der \"Unterdr\u00fcckten gegen die Herrschenden\", gilt grunds\u00e4tzlich als legitim. Unterschiede in der ideologischen Herleitung, Zielsetzung und Herangehensweise, insbesondere auch in der Anwendung konkreter Gewalt, erschweren ein einheitliches Vorgehen der verschiedenen Gruppierungen. 1. Entwicklungstendenzen \"Kapitalistisches Linksextremisten sind weiterhin bestrebt, gesellschaftliche KonSystem\" angreifen flikte im Sinne ihrer revolution\u00e4ren Ziele zu instrumentalisieren. Sie intervenieren in unterschiedlichen Aktionsund Politikfeldern, um dort ihre Positionen zu popularisieren und neue Anh\u00e4nger zu gewinnen. Ideologische Grundlage ist die Ablehnung des \"kapitalistischen Systems\", das f\u00fcr gesellschaftliche und politische Missst\u00e4nde wie soziale Ungerechtigkeit, Migrationsstr\u00f6me und Kriege, Rechtsextremismus und Rassismus ebenso verantwortlich gemacht wird wie f\u00fcr \u00f6kologische Katastrophen und die Zerst\u00f6rung von Wohnraum. Im linksextremistischen Diskurs ist der \"Kapitalismus\" mehr als eine blo\u00dfe Wirtschaftsform: Er ist die Basis \"b\u00fcrgerlicher Herrschaft\" und der Staat durch \"Repression\" nach innen und Aggression nach au\u00dfen ein Garant dieser Herrschaftsverh\u00e4ltnisse. \"DestruktionsDie \"Zerst\u00f6rungsdynamik\" dieses auf Wachstum und \"Profitdynamik\" erzeugt maximierung\" ausgerichteten Systems hat sich aus linksextreHandlungsdruck mistischer Sicht bereits in aktuellen globalen und europ\u00e4ischen Krisen niedergeschlagen. Dies zeige sich etwa in der \"Verw\u00fcstung\" sozialer Strukturen, insbesondere in den \u00e4rmeren L\u00e4ndern in S\u00fcdeuropa, in den \"Interventionskriegen\" im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika sowie im Abbau sozialer und politischer Rechte. Mangels \"linker Alternativen\" folge die deutsche 92","LINKSEXTREMISMUS Bev\u00f6lkerung zudem zunehmend rechtspopulistischen, rassistischen und rechtsextremistischen Denkmustern. Derart dramatisierende Zustandsbeschreibungen haben einen gesteigerten Handlungsdruck bei Linksextremisten erzeugt. Dies zeigt sich einerseits in dem Versuch, durch den Aufbau gesellschaftlich relevanter, interventionsf\u00e4higer Strukturen endlich die bisherige politische und gesellschaftliche Marginalisierung aufzubrechen, andererseits aber auch in der Aus\u00fcbung von Militanz und Gewalt. Es sei die \"Wut auf die Verh\u00e4ltnisse\" oder schlicht die Antwort Hohes Gewaltniveau auf ein gewaltt\u00e4tiges System (\"Gegengewalt\"), hei\u00dft es dementsprechend immer wieder zur Begr\u00fcndung linksextremistischer Gewalt. Die Zahl der gewaltorientierten Linksextremisten ist 2015 mit 7.700 nach wie vor hoch. Akzeptanz und Intensit\u00e4t von Gewalt haben in der linksextremistischen Szene in den letzten Jahren sp\u00fcrbar zugenommen. Dies betrifft insbesondere Gewaltanwendungen gegen\u00fcber der Polizei und dem politischen Gegner (vor allem Rechtsextremisten). Hier schrecken die T\u00e4ter auch nicht vor schweren k\u00f6rperlichen Attacken zur\u00fcck und nehmen dabei schwerste Verletzungen ihrer Opfer in Kauf. In Wechselwirkung mit einer Zunahme rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Agitation und Gewalt gegen Fl\u00fcchtlinge ist eine Versch\u00e4rfung der Gef\u00e4hrdungslage jederzeit m\u00f6glich. Nach einer eher r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung in 2014 hat die MiliMilitanz tanz im Zusammenhang mit Demonstrationen im Berichtsjahr 2015 deutlich zugenommen - was sich insbesondere bei den massiven gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen) am 18. M\u00e4rz 2015 gezeigt hat. Die eigene gesellschaftliche Marginalisierung wird von LinksexAufbau intertremisten selbstkritisch auch als Folge einer zu selbstbezogenen ventionsf\u00e4higer Politik erkannt. Daher gelte es, innerer Zersplitterung und Agonie Strukturen entgegenzuwirken, indem eine Mitwirkung an gesellschaftlichen Prozessen, lokal wie regional, sowie eine bundesweite Organisierung und Zusammenarbeit mit anderen extremistischen und nichtextremistischen Zusammenh\u00e4ngen angestrebt wird - ohne dabei das Ziel einer grundlegenden, revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung 93","LINKSEXTREMISMUS aufzugeben (\"aus (...) einzelnen Widerstandsbewegungen ein Netzwerk der Gegenmacht\"22 herstellen). Vor diesem Hintergrund hat es in den letzten Jahren verschiedene Organisierungsinitiativen gegeben, die auch 2015 fortgef\u00fchrt wurden. # Im Bereich des (post-)autonomen Linksextremismus setzte die ideologisch offene \"Interventionistische Linke\" (IL) ihren Organisierungsprozess weiter fort. Mehrere autonome Gruppen traten bislang der Organisation bei. Ein f\u00fcr 2015 angek\u00fcndigter Strategiekongress fand zwar nicht statt, die IL war jedoch ma\u00dfgeblich beteiligt an der Konzeption des BlockupyAktionsb\u00fcndnisses, das sich als Teil eines europaweiten Netzwerks gegen die Sparund Reformma\u00dfnahmen im Rahmen der Finanzkrise versteht. Das Ziel der IL bleibt der \"revolution\u00e4re Bruch mit dem nationalen und dem globalen Kapitalismus, mit der Macht des b\u00fcrgerlichen Staates\". Sie strebt eine \u00fcberregionale, aber lokal verankerte Organisation an, um als \"radikale Linke in den gesellschaftlichen K\u00e4mpfen\" pr\u00e4sent zu sein. # Auch das \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnis, ein Zusammenschluss autonomer, kommunistischer Gruppen, war an der Organisation der (militanten) Proteste in Frankfurt am Main im M\u00e4rz 2015 beteiligt. Auch dieses B\u00fcndnis setzt auf eine Verbindung von Ausschreitungen und Organisierung. # Die \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) versucht, sowohl trotzkistische als auch autonome Potenziale miteinander zu verbinden. # Im nicht parteif\u00f6rmigen, gewaltorientierten marxistischleninistischen Bereich gibt es derzeit zwei \u00fcberregionale B\u00fcndnisse, die sich - neben den Anti-EZB-Protesten - insbesondere bei der Mobilisierung gegen den G7-Gipfel in Elmau (Bayern) im Juni 2015 engagiert haben: die \"Perspektive Kommunismus\" und das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\". Beide B\u00fcndnisse halten den Aufbau einer \"revolution\u00e4ren kommunistischen Organisation\" f\u00fcr unabdingbar, denn mit den bislang vereinzelten K\u00e4mpfen der jeweils angeschlossenen Gruppierungen k\u00f6nnten die angestrebten Ziele nicht erreicht werden. 22 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (14. April 2015). 94","LINKSEXTREMISMUS Angesichts der von der \"Hegemonialmacht Deutschland\" angeInternationalismus f\u00fchrten \"kapitalistischen Offensive\" in Europa wird verst\u00e4rkt die internationale Zusammenarbeit gesucht, um einen \"wirklichen europ\u00e4ischen Widerstand gegen das Regime der Austerit\u00e4t, der Schulden, der Grenzen, der Prekarit\u00e4t, der Polizeikn\u00fcppel und der Exklusion\"23 aufzubauen. Zwischen deutschen und ausl\u00e4ndischen Linksextremisten besteht daher seit vielen Jahren eine enge Kooperation. Diese Zusammenarbeit \u00e4u\u00dfert sich in der wechselseitigen Teilnahme an Demonstrationen, aber auch in einer multinationalen Beteiligung an Mobilisierungsveranstaltungen bei Gro\u00dfereignissen, wie zum Beispiel dem G7-Gipfel in Elmau, und in einem Protestgeschehen mit zum Teil signifikanter Unterst\u00fctzung aus anderen, vor allem europ\u00e4ischen, Staaten. 2. Entwicklung des Personenpotenzials Das linksextremistische Personenpotenzial betrug Ende 2015 nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften insgesamt 26.700 Personen und weist damit gegen\u00fcber dem Vorjahr einen leichten R\u00fcckgang auf (2014: 27.200). Eine leichte Abnahme war - wie bereits in den Vorjahren - im Spektrum der marxistisch-leninistischen und anderen legalistischen linksextremistischen Zusammenschl\u00fcsse zu verzeichnen, deren Potenzial auf 20.300 Personen sank (2014: 21.100). Hingegen hat das Personenpotenzial der gewaltorientierten Linksextremisten im Berichtszeitraum leicht zugenommen und umfasste Ende 2015 7.700 Personen (2014: 7.600), darunter 6.300 Autonome (2014: 6.100). 23 Homepage IL (2. M\u00e4rz 2015). 95","LINKSEXTREMISMUS Linksextremismuspotenzial1 2013 2014 2015 Autonome 6.100 6.100 6.300 Anarchisten 800 800 800 Marxisten-Leninisten und andere Linksextremisten 21.600 21.100 20.300 Summe 28.500 28.000 27.400 Nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 27.700 27.200 26.700 davon gewaltbereite Linksextremisten 6.900 - - davon gewaltorientierte Linksextremisten2 - 7.600 7.700 1 Die Zahlen sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Bis 2013 wurde bei der Darstellung des Personenpotenzials ausschlie\u00dflich die Anzahl der gewaltbereiten Linksextremisten ausgewiesen. Seit 2014 wird die Anzahl gewaltorientierter Linksextremisten angegeben, in der die Zahl der gewaltbereiten Linksextremisten als Teilmenge enthalten ist. 96","LINKSEXTREMISMUS 3. Aktionsfelder Linksextremisten unterschiedlicher Auspr\u00e4gung agieren und agitieren in diversen gesellschaftlichen und politischen Aktionsfeldern. In der Hauptsache geht es ihnen dabei nicht um die blo\u00dfe Behebung gesellschaftlicher Missst\u00e4nde, sondern um eine revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung. Die sogenannten Teilbereichsk\u00e4mpfe, das hei\u00dft die Aktivit\u00e4ten in den einzelnen linksextremistischen Aktionsfeldern, laufen aus Sicht von Linksextremisten n\u00e4mlich ins Leere, wenn ihr Ziel nicht die \u00dcberwindung des \"kapitalistischen Systems\" als Ganzes ist. Linksextremistische Agitation zielt auf eine \"Demaskierung\" der \"wahren\" Herrschaftsverh\u00e4ltnisse und darauf, neue Sympathisanten und Mitglieder zu rekrutieren. Die unterschiedlichen Agitationsfelder werden dabei inhaltlich miteinander verbunden und nach einem immer gleichen Schema dargestellt: Die Gr\u00fcnde f\u00fcr Kriege, Flucht und Migration, f\u00fcr Armut und soziale Ungerechtigkeiten l\u00e4gen im globalen \"Kapitalismus\" und im Herrschaftsstreben \"imperialistischer M\u00e4chte\". Rechtsextremismus und \"staatliche Repression\" seien im \"kapitalistischen System\" begr\u00fcndet und letztlich Instrumente zur Sicherung der Herrschaftsund Eigentumsverh\u00e4ltnisse. Im Berichtszeitraum 2015 standen vor allem die nachfolgend angef\u00fchrten Aktionsfelder im Zentrum linksextremistischer Agitation. Angesichts der Bundeswehreins\u00e4tze in Syrien d\u00fcrfte auch der im Berichtsjahr eher vernachl\u00e4ssigte \"Antimilitarismus\" zuk\u00fcnftig wieder verst\u00e4rkt in den Fokus r\u00fccken. 3.1 \"Antifaschismus\" \"Antifaschismus\" ist in der linksextremistischen Diktion mehr als der blo\u00dfe Kampf gegen den Rechtsextremismus. Aus linksextremistischer Sicht hat der \"Faschismus\" seine Wurzeln im \"Kapitalismus\". Der Kampf gegen Rechtsextremismus gilt vor diesem Hintergrund nur dann als ausreichend und zielf\u00fchrend, wenn er die vermeintlichen gesellschaftlichen Voraussetzungen mit in den Fokus r\u00fcckt und angreift. \"Antifaschismus\" sei deshalb immer auch \"Kampf gegen das kapitalistische System\". 97","LINKSEXTREMISMUS Das Jahr 2015 war - als Reaktion auf die H\u00e4ufung rechtsextremistischer und rechtspopulistischer Aktionen gegen Fl\u00fcchtlinge (vgl. Berichtsteil Rechtsextremismus, Kap. III) - gepr\u00e4gt von einer Intensivierung \"antifaschistischer\" Aktionen, die \u00fcber die \"Antifa-Recherchearbeit\", also die Sammlung von Informationen \u00fcber \"Faschisten\" mit dem Zweck, diese zu \"outen\", hinausgingen. Neben rechtsextremistischen Protagonisten stand dabei auch die Partei Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) im Fokus der Agitation. Wiederholt wurden deren Kundgebungen Ziel gewaltt\u00e4tiger Gegendemonstrationen. Einrichtungen der Partei und Fahrzeuge von Mitgliedern wurden besch\u00e4digt und in Brand gesetzt. Teilweise kam es dabei zu hohen Sachsch\u00e4den. In der Konfrontation mit Rechtsextremisten ist eine Versch\u00e4rfung der Gef\u00e4hrdungslage jederzeit m\u00f6glich. So mehren sich die Stimmen von Linksextremisten, die mehr Militanz fordern. Dies manifestiert sich vor allem im Kontext der aktuellen Fl\u00fcchtlingsthematik, bei der die Aktionsfelder \"Antirassismus\" und \"Antifaschismus\" ineinander \u00fcbergehen: \"Nazis angreifen, ob auf der Strasse oder in den Beh\u00f6rden.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 10. November 2015) 3.2 \"Antirassismus\" Mit der Fl\u00fcchtlingsthematik gewann das Thema \"Antirassismus\" im Jahr 2015 weiter an Relevanz. In der linksextremistischen Propaganda stehen sowohl Staat als auch Gesellschaft unter dem Generalverdacht, rassistisch zu sein. Auch im Agitationsfeld \"Antirassismus\" werden unterschiedliche Themenfelder verkn\u00fcpft, zum Beispiel \"Antifaschismus\", \"Antiimperialismus\" und \"Antikapitalismus\". Schlie\u00dflich sei es der \"Kapitalismus\", der Fluchtursachen produziere. Solidarit\u00e4t mit Fl\u00fcchtlingen wird verbunden mit dem Kampf gegen die \"herrschende Klasse\". Ankn\u00fcpfungspunkte der linksextremistischen Agitation im Bereich der Asylthematik sind vor allem die \"Versch\u00e4rfung\" der Asylgesetze und der vermeintliche \"Alltagsrassismus\": 98","LINKSEXTREMISMUS \"Wir rufen zur aktiven Fluchthilfe und Unterbringung illegalisierter Fl\u00fcchtlinge auf. (...) Wir rufen auf zu Anschl\u00e4gen auf alle Beh\u00f6rden, deren Zweck es ist, Menschen nach ihrer Verwertbarkeit im Kapitalismus zu sortieren und alle \u00dcberfl\u00fcssigen abzuschieben. Wir rufen allerorten auf zu Anschl\u00e4gen auf Infrastruktureinrichtungen aller Art, die dazu dienen, die Normalit\u00e4t und Ordnung aufrecht zu erhalten (...).\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 30. November 2015) In diesem Begr\u00fcndungszusammenhang werden Straftaten - von Sachbesch\u00e4digungen bis hin zu Brandstiftungen - auf \"Verantwortliche der Fl\u00fcchtlingskrise\" ver\u00fcbt, zumeist auf Einrichtungen von Parteien oder staatliche Institutionen. 3.3 \"Antikapitalismus\" \"Antikapitalismus\" ist die Basis linksextremistischer Ideologie. Strukturen und Eigentumsverh\u00e4ltnisse des \"Kapitalismus\" sind demnach nicht nur die Grundlagen f\u00fcr Armut, Hunger und soziale Ungerechtigkeit, sondern dar\u00fcber hinaus f\u00fcr \"Faschismus\", \"Repression\", Migrationsstr\u00f6me, \u00f6kologische Katastrophen, \"Imperialismus\" und Krieg. Obgleich es Linksextremisten bislang nicht gelungen ist, die europ\u00e4ische Finanzund Wirtschaftskrise f\u00fcr die eigenen Ziele zu nutzen, unternehmen sie immer neue Anl\u00e4ufe, um linksextremistische Positionen zu verbreiten. Im Rahmen einer gesellschaftlich breiter angelegten Kapitalismuskritik sehen sie sich berufen, der Kritik an einzelnen Erscheinungsformen ein theoretisches Fundament zu verleihen und militant vorzugehen. Dies wurde am 18. M\u00e4rz 2015 bei den Protesten anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main erneut deutlich. Verantwortlich f\u00fcr Protestplanung und -mobilisierung war zwar das 2012 gegr\u00fcndete bundesweite Aktionsb\u00fcndnis Blockupy, das sich als Teil eines europaweiten Netzwerks gegen die Sparund Reformma\u00dfnahmen im Rahmen der Finanzkrise versteht. Tats\u00e4chlich aber bestimmten gewaltorientierte Linksextremisten die Choreografie am \"Tag des Zorns\", unter anderem mit Brandanschl\u00e4gen auf Polizeiautos und 99","LINKSEXTREMISMUS Privat-Pkw und mit Verw\u00fcstungen in der Frankfurter Innenstadt (vgl. Kap. IV, Nr. 1). 3.4 \"Antirepression\" \"Staatliche Repression\" dient nach linksextremistischer Argumentation der Unterdr\u00fcckung revolution\u00e4rer Prozesse und der Herrschaftssicherung im Allgemeinen. Militante Agitation richtet sich deshalb in erster Linie gegen Polizeikr\u00e4fte, die als Repr\u00e4sentanten des \"Repressionsapparates\" angesehen werden, und eine vermeintlich politisch instrumentalisierte \"Klassenjustiz\". Eine der bedeutendsten Organisationen im Themenfeld \"Antirepression\" ist die \"Rote Hilfe e.V.\", die sich selbst als \"parteiunabh\u00e4ngige, str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutzund Solidarit\u00e4tsorganisation\" versteht und Personen aus dem linksextremistischen Spektrum unterst\u00fctzt, die von \"staatlicher Repression bedroht\" sind, darunter auch Strafund Gewaltt\u00e4ter. Finanzielle Unterst\u00fctzung erhalten dabei jedoch nur diejenigen, die sich jeglicher Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz verweigern. Angriffe auf Polizisten im Einsatz und Polizeireviere werden in der gewaltorientierten Szene \u00fcberwiegend akzeptiert und begr\u00fc\u00dft (\"Kriminell ist das System und nicht der Widerstand!\"24). Die T\u00e4ter nehmen bei solchen Attacken mittlerweile auch schwere und sogar lebensbedrohliche Verletzungen in Kauf. 3.5 \"Antigentrifizierung\" Das Thema \"Gentrifizierung\" versuchen Linksextremisten zu nutzen, um eigene Interessen - unter anderem den Erhalt von \"Freir\u00e4umen\" (zum Beispiel besetzte H\u00e4user oder kollektive Wohnprojekte) - in einen gesellschaftlich relevanten Diskurs einzubetten. Der Kampf gegen \"antisoziale Stadtumstrukturierungen\" in Form von Demonstrationen, Besch\u00e4digungen von Luxusimmobilien und B\u00fcros von Immobiliengesellschaften bis hin zu Drohungen gegen angeblich Verantwortliche, soll Menschen ansprechen, die 24 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (20. M\u00e4rz 2014). 100","LINKSEXTREMISMUS vom Verlust ihres tradierten Wohnumfeldes bedroht sind. Wie in anderen Themenfeldern ist auch hier die Suche nach einem \"revolution\u00e4ren Potenzial\" von entscheidender Bedeutung. Szeneobjekte, wie zum Beispiel die \"Rote Flora\" in Hamburg, gelten als wichtige Widerstandsstrukturen mit entsprechendem Symbolcharakter, die frei sind von \"kapitalistischer Verwertungslogik\", vor allem aber frei von \u00dcberwachung und staatlicher Einflussnahme, und in denen sogar versucht wird, das staatliche Gewaltmonopol au\u00dfer Kraft zu setzen. Mancherorts bilden sie den Rahmen f\u00fcr eine subkulturelle \"Gegenkultur\", die auch Nichtextremisten anspricht. Entsprechend aggressiv reagiert die Szene \u00fcblicherweise auf den drohenden Verlust solcher \"Freir\u00e4ume\". So kam es beispielsweise im Juli 2015 in Berlin bei der \"Langen Woche der Rigaer Stra\u00dfe\" (dort gibt es mehrere autonome Wohnprojekte) zu gewaltt\u00e4tigen Angriffen auf die Polizei. Polizeiwagen und Polizeibeamte wurden mit Steinen, Flaschen und Eiern beworfen und M\u00fcllcontainer angez\u00fcndet. 3.6 Kurdistansolidarit\u00e4t Die Kurdistansolidarit\u00e4t ist ein klassisches Agitationsfeld deutscher Linksextremisten, das vor dem Hintergrund der Entwicklungen in Syrien und dem Vorgehen der Terrormiliz \"Islamischer Staat\" (IS) erneut an Bedeutung gewonnen hat. Die Solidarit\u00e4t gilt kurdischen Autonomiebestrebungen, insbesondere der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Die linksextremistische Szene unterst\u00fctzte 2015 bundesweite und regionale Demonstrationen und Veranstaltungen. Vor allem aber initiierte sie zwei Spendenkampagnen: Die \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB), die seit 2014 in der \"Neuen antikapitalistischen Organisation\" (NaO) organisiert ist, geh\u00f6rte neben anderen extremistischen und nichtextremistischen Organisationen zu den Akteuren der 2014 gestarteten Spendenkampagne \"Waffen f\u00fcr Rojava - Solidarit\u00e4t mit der YPG/YPJ!\", die nach Eigenangaben bis September 2015 eine Spendensumme von bis zu 119.000 Euro aufgebracht hat. Ein Gro\u00dfteil der Summe soll bereits an die bewaffneten syrischen 101","LINKSEXTREMISMUS \"Volksverteidigungseinheiten\" (YPG) geflossen sein. Einen \u00e4hnlich hohen Erl\u00f6s erzielte die ebenfalls im Vorjahr gestartete Kampagne \"Solidarit\u00e4t mit Rojava\", die von der \"Interventionistischen Linken\" (IL) sowie der PKK-Studentenvereinigung \"Verband der Studierenden aus Kurdistan\" (YXK) initiiert worden war. Die Ende Mai 2015 beendete Spendensammlung erbrachte - nach Eigenangaben der IL - bis M\u00e4rz 2015 eine Summe von etwa 100.000 Euro. Dar\u00fcber hinaus ist zum Beispiel die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) ma\u00dfgeblich in die Organisation der \"Kobane-Solidarit\u00e4tsbrigaden\" eingebunden, einer Initiative der linksextremistischen \"Internationalistischen Organisation revolution\u00e4rer Parteien und Organisationen\" (ICOR), der weltweit 49 Gruppierungen angeh\u00f6ren. Ziel der \"Solidarit\u00e4tsbrigaden\" ist die Errichtung eines Gesundheitszentrums in Nordsyrien. Zur Unterst\u00fctzung dieses Projektes sind im Jahr 2015 auch deutsche Linksextremisten in die kurdisch kontrollierten Kampfgebiete in Syrien gereist. Im Jahr 2015 ist in Syrien eine deutsche Linksextremistin bei K\u00e4mpfen ums Leben gekommen - sie hatte f\u00fcr die t\u00fcrkische \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) auf Seiten der YPG gegen den IS gek\u00e4mpft. II. Gewalt und Militanz Die Zahl linksextremistisch motivierter Gewalttaten ist im Jahr 2015 um fast zwei Drittel auf nunmehr 1.608 Taten gestiegen (2014: 995 Gewalttaten). Dieser Zuwachs ist im Wesentlichen auf folgende Fakten zur\u00fcckzuf\u00fchren: Die Anzahl der gewaltorientierten Autonomen hat zugenommen. Zudem ist deren Aktionsund Aggressionsniveau betr\u00e4chtlich angestiegen; insbesondere bei den gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten beziehungsweise angeblichen Rechtsextremisten ist ein deutlicher Zuwachs zu verzeichnen. Bei Gro\u00dfereignissen kam es zum Teil zu erheblichen Ausschreitungen, so zum Beispiel anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) am 102","LINKSEXTREMISMUS 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt am Main (vgl. Kap. IV, Nr. 1). Von den 2015 bundesweit erfassten acht versuchten T\u00f6tungsdelikten (2014: sieben) wurden allein vier bei den Protestaktionen gegen die EZB ver\u00fcbt. In der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2015 war eine Zunahme der Gewalttaten im Zusammenhang mit der Kampagne \"Ende Gel\u00e4nde\" gegen den Braunkohletagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) zu verzeichnen (vgl. Kap. IV, Nr. 3). Dies verdeutlicht die Gewaltbereitschaft der Szene, welche aktuell von Sachbesch\u00e4digungen \u00fcber K\u00f6rperverletzungen bis hin zu versuchten T\u00f6tungsdelikten reicht. Gewaltorientierter Linksextremismus ist prim\u00e4r ein urbanes Hot Spots Ph\u00e4nomen. Die Szene agiert insbesondere in st\u00e4dtischen Ballungsr\u00e4umen. Die Schwerpunkte des gewaltorientierten Linksextremismus liegen vor allem in den sogenannten Hot Spots, den Stadtstaaten Berlin und Hamburg sowie in Leipzig (Sachsen). In diesen St\u00e4dten lebt ein Gro\u00dfteil des linksextremistischen Personenpotenzials. Hier wird auch ein hoher Anteil der durch gewaltorientierte Linksextremisten ver\u00fcbten Straftaten begangen, darunter schwere Gewaltdelikte. Die Szene beweist in urbanen Ballungsr\u00e4umen eine besonders gro\u00dfe Mobilisierungskraft, Handlungsf\u00e4higkeit und Gewaltbereitschaft. Das gilt besonders f\u00fcr die jeweiligen Szeneviertel mit entsprechenden \"Szenel\u00e4den\" und besetzten H\u00e4usern, die gewaltorientierte Linksextremisten als ihr ureigenes Terrain ansehen. St\u00e4rker als andernorts schafft es die Szene hier \u00fcblicherweise, kurzfristig und spontan auf einschl\u00e4gige Ereignisse zu reagieren und ein hohes Gewaltpotenzial auf die Stra\u00dfe zu bringen. Die Notwendigkeit \"revolution\u00e4rer Gewalt\" ist in allen linksextremistischen Auspr\u00e4gungen anerkannt, denn es wird davon ausgegangen, dass die \"Herrschenden\" und ihr Staatsapparat sich revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungsprozessen widersetzen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es lediglich \u00fcber Einsatz und Grad von Gewalt und Militanz in nichtrevolution\u00e4ren Zeiten. Dabei handelt es sich aber eher um eine strategische als eine moralische Frage. Entscheidend ist insoweit die \"Vermittelbarkeit\" der Gewaltanwendung. F\u00fcr Autonome ist Gewalt gar ein Mittel subjektiver Befreiung und Selbstverwirklichung. 103","LINKSEXTREMISMUS In der ideologisch und was die strategische Ausrichtung angeht eher heterogenen Szene gilt Gewalt weithin als legitimes Mittel gegen die \"strukturelle Gewalt\" eines \"Systems von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\". Die eigene Gewaltt\u00e4tigkeit wird verbr\u00e4mt als moralisch gebotene Gegengewalt: \"Wir denken, in einer unanst\u00e4ndigen Gesellschaft ist es anst\u00e4ndig, Steine zu werfen.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 18. Juni 2015) In Bezug auf die Formen der Gewaltaus\u00fcbung unterscheidet die Szene zwischen Gewalt gegen Personen und Gewalt gegen Sachen sowie zwischen konfrontativer Gewalt (\"Massenmilitanz\") und personenund objektbezogenen Anschl\u00e4gen durch Kleinstgruppen. Hohes W\u00e4hrend die Zahl linksextremistischer Gewalttaten \u00fcber die Jahre Aggressionsniveau schwankt, ist die Intensit\u00e4t der Gewalt in den letzten Jahren angestiegen. Seit Jahren ist im gewaltorientierten Linksextremismus ein hohes Aggressionsniveau festzustellen. Immer wieder werden gerade Polizisten als Repr\u00e4sentanten des verhassten \"Repressionsapparates\" angegriffen. Die Hemmschwelle, Polizeibeamte dabei zu verletzen ist gesunken. Die T\u00e4ter nehmen nicht nur schwerste K\u00f6rperverletzungen, sondern auch den Tod von Menschen billigend in Kauf. Angriffe werden meist im Umfeld von Demonstrationen ver\u00fcbt. In der gewaltorientierten Szene werden Angriffe auf Polizisten wie auch auf tats\u00e4chliche (oder vermeintliche) Rechtsextremisten weitestgehend akzeptiert. Zwar gibt es derzeit keinen Linksterrorismus in Deutschland. Dennoch sind bei radikalisierten Einzelt\u00e4tern oder Kleinstgruppen auch strategisch geplante, gezielte T\u00f6tungen nicht vollst\u00e4ndig auszuschlie\u00dfen. 1. Konfrontative Gewalt Konfrontative Gewalt soll die bedingungslose Grenzziehung zwischen Linksextremisten und dem \"System\" kennzeichnen. Sie zielt dar\u00fcber hinaus auf mediale Aufmerksamkeit. 104","LINKSEXTREMISMUS Die Militanz der autonomen Szene - Stra\u00dfenkrawalle, die im Militanz Zusammenhang mit Demonstrationen oder Gro\u00dfveranstaltungen initiiert werden - sucht die direkte Konfrontation mit der Polizei oder dem politischen Gegner. Eine entsprechende Stimmung der Teilnehmer wird im Rahmen der Mobilisierung via Internet oft durch gewaltf\u00f6rdernde Videoclips und Musik gesch\u00fcrt. Ein wichtiges Ziel aktionsorientierter Linksextremisten bleibt die Verhinderung rechtsextremistischer Veranstaltungen - auch mittels direkter Konfrontation: Teilnehmer werden etwa bei der Anreise zu Demonstrationen angegriffen oder Anreisewege werden blockiert. W\u00e4hrend noch im Jahr 2014 ein R\u00fcckgang \"massenmilitanter\" Aktionen festgestellt werden konnte, trifft dies f\u00fcr das Berichtsjahr 2015 nicht mehr zu. Besonders hervorzuheben sind die gewaltt\u00e4tigen Aktionen im Zusammenhang mit der Er\u00f6ffnung des Neubaus der EZB in Frankfurt am Main sowie einer rechtsextremistischen Demonstration in Leipzig: # Im Rahmen der Protestmobilisierung gegen die EZB am 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt am Main rief das in seiner Gesamtheit nichtextremistische Blockupy-B\u00fcndnis zu \"vielf\u00e4ltigem Protest\" auf: von einer Demonstration \u00fcber symbolische Aktionen bis hin zu Blockaden der Zufahrtswege. Ziel war die Verhinderung, zumindest nachhaltige Behinderung der Feierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus. W\u00e4hrend die offiziell angemeldete abendliche Demonstration unter Teilnahme von 17.000 Personen weitgehend friedlich verlief, hatten Autonome bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden die Frankfurter Innenstadt verw\u00fcstet, brennende Blockaden errichtet und zahlreiche Ladengesch\u00e4fte und Geb\u00e4ude besch\u00e4digt. Ein H\u00f6hepunkt der Gewaltexzesse war der Angriff auf eine Polizeiwache in der Frankfurter Innenstadt, bei der allein vier Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt wurden. Im Rahmen der Ausschreitungen wurden \u00fcber 150 Polizeibeamte verletzt. # Nachdem die rechtsextremistische Szene f\u00fcr den 12. Dezember 2015 eine Demonstration im Leipziger Stadtteil Connewitz angek\u00fcndigt hatte, mobilisierten Linksextremisten zu Gegenaktionen. Linksextremistische Gewaltt\u00e4ter initiierten eine Stra\u00dfenschlacht mit Steinen, Flaschen und Feuerwerksk\u00f6rpern gegen die Polizei, bei der 69 Beamte verletzt wurden. 105","LINKSEXTREMISMUS Bemerkenswert ist, dass sich dieser Angriff in erster Linie gegen die Polizei richtete. Demgegen\u00fcber war die rechtsextremistische Kundgebung ein nachrangiges Ziel. 2. Personenund objektbezogene Gewalt Neben offener, konfrontativer Stra\u00dfengewalt ver\u00fcben gewaltorientierte Linksextremisten klandestin vorbereitete und ausgef\u00fchrte Anschl\u00e4ge. Diese Gewalttaten sind planvoll konzipiert und sollen eine Signalwirkung entfalten. Neben der medialen Resonanz zielt die objektbezogene Gewalt darauf ab, die angegriffenen Einrichtungen oder Unternehmen zu einer Ver\u00e4nderung ihres Verhaltens zu n\u00f6tigen. Aus diesem Grund ist ein finanzieller Schaden beabsichtigt: Die Anschl\u00e4ge sollen den Betriebsablauf st\u00f6ren. Sie werden in Selbstbezichtigungsschreiben, die h\u00e4ufig auf Internetplattformen wie \"linksunten.indymedia\" ver\u00f6ffentlicht werden, ideologisch begr\u00fcndet und gerechtfertigt. Zum Schutz vor Strafverfolgung verwenden die T\u00e4ter wechselnde Aktionsbezeichnungen oder verzichten g\u00e4nzlich auf die Nennung von Namen (\"no-name-Militanz\"): # 5. Juni 2015: W\u00e4hrend des G7-Gipfels in Elmau (Bayern) randalierten etwa 50 vermummte Personen im Leipziger Stadtgebiet, errichteten Stra\u00dfenbarrikaden, besch\u00e4digten Fassaden und Fensterscheiben von Gesch\u00e4ften, Banken und Beh\u00f6rden und setzten Fahrzeuge in Brand. # 9. Dezember 2015: Der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Kreisverbands Leipzig wurde in den Abendstunden in seinem Ladengesch\u00e4ft \u00fcberfallen und zusammengeschlagen. W\u00e4hrend einer der mutma\u00dflich aus der gewaltorientierten linksextremistischen Szene stammenden T\u00e4ter den Funktion\u00e4r auf den Kopf schlug, filmte ein anderer den \u00dcberfall. Bilder der Tat wurden auf der linksextremistischen Internetplattform \"linksunten.indymedia\" eingestellt, das Video des \u00dcberfalls wurde verlinkt. Der NPD-Funktion\u00e4r erlitt eine Platzwunde am Kopf. Er erkl\u00e4rte Ende Dezember 2015 seinen Austritt aus der Partei. Mutma\u00dflich gewaltorientierte Linksextremisten reagierten darauf mit dem Posting: \"Autonome Gruppen w\u00fcnschen Halsund Beinbruch!\"25 25 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (30. Dezember 2015). 106","LINKSEXTREMISMUS # 17. Januar 2016: Eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe mutma\u00dflicher Linksextremisten \u00fcberfiel eine kleine Gruppe von Rechtsextremisten am Bahnhof Oschersleben (Sachsen-Anhalt) auf deren R\u00fcckweg von einer Kundgebung anl\u00e4sslich des Jahrestags der Bombardierung der Stadt Magdeburg (Sachsen-Anhalt) im Jahre 1945. Sechs der Opfer konnten fliehen, vier wurden durch Eisenstangen und Holzlatten zum Teil schwer verletzt. Eine Person erlitt so schwere Sch\u00e4delverletzungen, dass sie nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden konnte. Die T\u00e4ter entkamen unerkannt. III. Gewaltorientierter Linksextremismus zwischen Kontinuit\u00e4t und Kurskorrektur: Strategischstrukturelle Neuformierung 1. Ausgangslage der linksextremistischen Strategiedebatte Der seit Jahren andauernde Bedeutungsverlust linksextremistischer Positionen, der sich in Mobilisierungsproblemen, gesellschaftlicher Marginalisierung und mangelnder Anschlussf\u00e4higkeit \u00e4u\u00dfert, hat bei den Protagonisten eine Debatte \u00fcber ideologische und strategische Grundlagen ausgel\u00f6st, die auch 2015 fortgef\u00fchrt wurde. Hierbei werden zwar die grunds\u00e4tzlichen Ausrichtungen und Pr\u00e4missen nicht infrage gestellt, gleichwohl f\u00fchrt die Debatte zu strategischen Modifizierungen und einer tendenziellen Neugewichtung ideologischer Grundlagen. In einem Neuformierungsprozess versuchen gewaltorientierte Linksextremisten, durch die Schaffung bundesweiter Strukturen die Zersplitterung der Szene zu \u00fcberwinden sowie gesellschaftliche und politische Relevanz zu erringen. Dabei sind sie sich weitgehend einig, dass dies nur m\u00f6glich ist, wenn die \"bequeme, oft unreflektierte Einrichtung in der eigenen Subkultur und in unseren bisherigen, oftmals nur selbst-referenziellen Formen von Politik\"26 \u00fcberwunden werden kann. 26 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (2. April 2015). 107","LINKSEXTREMISMUS 2. Autonome Autonome bilden mit 6.300 (2014: 6.100) Angeh\u00f6rigen die weitaus gr\u00f6\u00dfte Gruppe des gewaltorientierten Linksextremismus. Wenngleich die Gruppe der Autonomen weder ideologisch noch strategisch homogen ist und handelt, verf\u00fcgt sie doch \u00fcber einheitliche Pr\u00e4missen und Leitziele: individuelle und soziale Autonomie (Kampf gegen die Lohnarbeit und das \"Kapital\"), \"Politik der ersten Person\" (Ablehnung einer \"Stellvertreterpolitik\", keine Unterscheidung zwischen politischem und privatem Leben), Staatsfeindlichkeit, Antiautoritarismus, Organisationsfeindlichkeit sowie ein hoher Grad an Gewaltorientierung. Grunds\u00e4tzlich organisationsund hierarchiefeindlich bevorzugen sie eher strukturlose, informelle Formen der Zusammenarbeit. Dar\u00fcber hinaus fordern Autonome \"Freir\u00e4ume\" (besetzte H\u00e4user und selbstverwaltete Zentren), in denen zum Beispiel in autonomen Wohnprojekten \"herrschaftsfreie\" und selbstbestimmte Lebensformen praktiziert werden - unter Ablehnung des staatlichen Gewaltmonopols. 2.1 Autonome Organisierungsans\u00e4tze Die letztlich auf die eigenen Belange beschr\u00e4nkten Aktionen der Autonomen f\u00fchren dazu, dass der Wirkungsbereich \"klassischer\" autonomer Gruppen - mit Ausnahme weniger Gro\u00dfereignisse - meist nicht \u00fcber den eigenen Wohnbereich hinausreicht. Um dieser Isolierung entgegenzuwirken, hat es in der Geschichte der Bewegung immer wieder Versuche gegeben, verbindlichere regionale und bundesweite Strukturen aufzubauen, um Kontakte und Zusammenarbeit mit anderen Akteuren zu erm\u00f6glichen und die \"sozialen K\u00e4mpfe\" vor Ort zu b\u00fcndeln und bundesweit miteinander zu vernetzen. Diese Bestrebungen zu neuen \"postautonomen\" Organisierungsans\u00e4tzen, bei denen es um die Beibehaltung militanter Konzepte, aber auch um deren Vermittelbarkeit (\"Keine Militanz um der Militanz willen\") geht, haben seit dem Jahr 2014 an Dynamik gewonnen. 108","LINKSEXTREMISMUS Die derzeit erfolgreichsten Akteure dieses Organisierungsansatzes sind das B\u00fcndnis \"...ums Ganze!\" und die \"Interventionistische Linke\" (IL). \"...ums Ganze!\" (uG) ist ein Verbund eigenst\u00e4ndiger, lokal ver\"...ums Ganze!\" ankerter Gruppen der autonomen Szene. Er umfasst insgesamt circa 250 Personen. Lokal treten die einzelnen Mitgliedsgruppen autark, in Aktionsb\u00fcndnissen und bei Gro\u00dfveranstaltungen aber unter dem Label \"...ums Ganze!\" auf. Das B\u00fcndnis bekennt sich zur Militanz als strategische Komponente einer Organisierung. Die Kr\u00e4fte der einzelnen Gruppierungen sollen geb\u00fcndelt werden, um auch \u00fcberregional handlungsf\u00e4hig zu sein. Das B\u00fcndnis konnte seinen Organisierungsgrad im Berichtszeitraum weiter steigern. Es bezeichnet sich selbst als ein \"kommunistisches B\u00fcndnis\" und beschreibt damit seinen ideologischen Anspruch: Ziel ist die kommunistische Revolution, die umfassende Umgestaltung von Staat und Gesellschaft. So hei\u00dft es in einem Aufruf des B\u00fcndnisses aus dem Jahr 2014: \"There is an Alternative! Kommunismus statt Schweinesystem!\"27. Das f\u00fcr Autonome eher ungew\u00f6hnlich deutliche Bekenntnis zum Reideologisierung der Kommunismus ist ein Beispiel f\u00fcr Reideologisierungstendenzen autonomen Szene in Teilen der gewaltorientierten Szene - bislang eher ein Kennzeichen im dogmatischen Linksextremismus. Ideologisch undogmatisch zielt die formell 2005 gegr\u00fcndete \"Interventionistische \"Interventionistische Linke\" (IL) auf die Verbindung von MasLinke\" senbasis (mit entsprechenden Interventionsm\u00f6glichkeiten) und Militanz. Der 2014 mit einem \"Zwischenstandspapier\" publik gemachte, gesteuerte Entwicklungsprozess von einem Netzwerk hin zu einer Organisation wurde im Berichtszeitraum weiter fortgesetzt. Ziel bleibt der \"revolution\u00e4re Bruch mit dem nationalen und dem globalen Kapitalismus, mit der Macht des b\u00fcrgerlichen Staates\"28. Dabei setzt die IL auf die \"radikalisierende Wirkung von 27 Homepage uG (12. Juli 2014). 28 Homepage IL (28. April 2015). 109","LINKSEXTREMISMUS Widerst\u00e4ndigkeit und Selbsterm\u00e4chtigung durch kollektiv organisierte ungehorsame Massenaktionen\"29. Die IL strebt eine \u00fcberregionale, lokal verankerte Organisation an, um als \"radikale Linke in den gesellschaftlichen K\u00e4mpfen pr\u00e4sent zu sein\". Die in der IL organisierte Gruppe Prisma aus Leipzig (Sachsen) sieht die IL auf dem Weg in \"Richtung einer multizentrischen postautonomen Organisation\". Sie sei der Versuch, \"\u00fcberregionale und transnationale Handlungsund Interventionsf\u00e4higkeit zu gewinnen.\"30 Breite Vernetzung Dem handlungsorientierten Ansatz der IL sollen keine ideologischen Dogmen entgegenstehen. Diese ideologische Unverbindlichkeit erm\u00f6glicht eine Vernetzung mit marxistischen Gruppierungen auf der einen und nichtextremistischen Akteuren auf der anderen Seite. Die IL manifestiert ihre B\u00fcndnisf\u00e4higkeit, indem sie die Notwendigkeit der Beteiligung an aktuellen \"K\u00e4mpfen\" betont. Durch sie sei es m\u00f6glich, einer \"hegemonialen Ver\u00e4nderung\" den Boden zu bereiten. In ihren \u00c4u\u00dferungen vermeidet die Organisation ein eindeutiges Bekenntnis zu (revolution\u00e4rer) Gewalt, sie spricht zum Beispiel von \"Aktionsund Kampfformen\": \"Zugespitzte gesellschaftliche Bedingungen werden daher ver\u00e4nderte Aktionsund Kampfformen ben\u00f6tigen.\" (Homepage IL, 2. Februar 2016) Scharnierfunktion Die IL fungiert als Bindeglied sowohl innerhalb des linksextremistischen Spektrums als auch zwischen Extremisten und Nichtextremisten. Sie ist in der Lage, sowohl das gewaltorientierte als auch das nicht gewaltbereite Potenzial zu erreichen. Differenzen Stellt bereits die Debatte um den Grad verbindlicher Organisierung mit \"klassischen\" ein Grundprinzip \"klassischer\" Autonomer infrage, so gilt dies erst Autonomen recht f\u00fcr die verbale und strategisch begr\u00fcndete Zur\u00fcckhaltung \"Postautonomer\" in der Gewaltfrage. W\u00e4hrend f\u00fcr \"klassische\" 29 Homepage IL (28. April 2015). 30 Ebenda. 110","LINKSEXTREMISMUS autonome Strukturen Gewalt ein \"Mittel subjektiver Befreiung\" und ein unverzichtbares Element darstellt, vermeiden Gruppierungen wie uG und IL ein ostentatives Bekenntnis zur Gewalt, nicht zuletzt, um ihre B\u00fcndnisoptionen nicht zu gef\u00e4hrden. Die Kritik der \"klassischen\" Autonomen an \"postautonomen\" Militante KleinstInitiativen richtet sich gegen eine Strategie, die als grundlegende gruppen als GegenAbkehr von einem autonomen Politikverst\u00e4ndnis verstanden trend wird, da dieses eine bundesweite Organisierung mit der Gefahr einer Hierarchisierung und eine strategische Zur\u00fcckhaltung in der Gewaltfrage gerade ausschlie\u00dft. Vor diesem Hintergrund ist im \"klassischen\" Bereich der Autonomen die Herausbildung militanter Kleinund Kleinstgruppen festzustellen, die f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Eskalationen bei Demonstrationen und Anschl\u00e4ge auf Personen und Geb\u00e4ude verantwortlich sind. Eine Gruppierung, die sich selbst als \"autonome gruppe\" bezeichnet, formuliert beispielsweise: \"Jeder Glasbruch an (Bullen) Karren oder Neubauten, in Faschofenstern oder Wachh\u00e4uschen ist ein richtiges Signal. Uniformierte zu bedrohen und zu verletzen ist eine notwendige Konsequenz. (...) Wir sind gewaltbereit und erhalten unsere (n\u00e4chtlichen) Aktionsformen aufrecht (...). Wir brauchen mehr gewaltbereite aktive Menschen, im Alltag sowie in den N\u00e4chten, auf verschiedenste Weisen.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 14. Juli 2015) 3. Marxisten, Leninisten, Antiimperialisten W\u00e4hrend die linksextremistischen Parteien - die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) - keinerlei Relevanz f\u00fcr den gewaltorientierten Linksextremismus haben, sind die gewaltorientierten marxistischen, leninistischen und antiimperialistischen Gruppen zunehmend bem\u00fcht, eine bundesweite Vernetzung ihrer Strukturen aufzubauen. Der Zusammenschluss \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" - die drei \"[3A]*Revolution\u00e4res A stehen f\u00fcr \"Antifaschismus\", \"Antikapitalismus\" und \"AntimiliB\u00fcndnis\" tarismus\" - bekennt sich ausdr\u00fccklich zum Kommunismus und 111","LINKSEXTREMISMUS zur \"internationalen Solidarit\u00e4t mit den fortschrittlichen und revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften in aller Welt\": Die im B\u00fcndnis vertretenen Organisationen, darunter auch Gruppen aus dem s\u00e4kularen Ausl\u00e4nderextremismus, st\u00fcnden f\u00fcr eine \"klassenk\u00e4mpferische und revolution\u00e4re Theorie und Praxis\" auf der \"Basis eines proletarischen Klassenstandpunkts\". Ziel sei es, \"eine langfristige Zusammenarbeit zu organisieren\".31 Das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\" geh\u00f6rte zu den ma\u00dfgeblichen Akteuren im Aktionsb\u00fcndnis \"Stop G7\" gegen den G7-Gipfel im Juni 2015 in Elmau (Bayern). Ebenso war das B\u00fcndnis an den Protesten anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des Neubaus der EZB am 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt am Main (Hessen) beteiligt. \"Neue antikapitalistiDie eher trotzkistisch gepr\u00e4gte \"Neue antikapitalistische Organische Organisation\" sation\" (NaO) verst\u00e4rkt, allerdings ohne gr\u00f6\u00dferen Erfolg, seit 2014 ihre Vernetzungsbem\u00fchungen auch mit autonomen Gruppierungen. Anders als die Vernetzungsinitiativen aus dem (post-)autonomen Bereich setzt die NaO auf eine \"Erneuerung des Marxismus und der Arbeiterbewegung\". \u00dcbereinstimmung herrscht hingegen in der Einsch\u00e4tzung, eine Revolution sei unabdingbar: \"Die b\u00fcrgerliche Herrschaft wird nicht durch Parlamentsmehrheiten, sondern durch Massenmobilisierung und revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung abgeschafft.\" (Homepage NaO, 17. Dezember 2015) Der \"b\u00fcrgerliche\" Staat soll durch ein \"System der R\u00e4tedemokratie\" ersetzt werden. \"Perspektive Die 2014 von sechs Organisationen des gewaltbereiten Spektrums Kommunismus\" gegr\u00fcndete marxistisch-leninistische \"Perspektive Kommunismus\" strebt den \"Aufbau des Sozialismus hin zu einer befreiten, einer kommunistischen klassenlosen Gesellschaft\" an. Dies k\u00f6nne indes, so hei\u00dft es auf der Homepage, nicht durch Reformen, sondern nur durch die revolution\u00e4re Zerschlagung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung erreicht werden: \"(...) ein kapitalistisches Gebilde (...). Es kann nicht mit ein paar Ref\u00f6rmchen hier und da verbessert werden. Es kann nur 31 Homepage \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" (4. November 2014). 112","LINKSEXTREMISMUS grundlegend und das hei\u00dft auf revolution\u00e4rem Wege \u00fcberwunden werden.\" (Homepage \"Perspektive Kommunismus\", 30. Oktober 2015) Die Militanz der Organisation zeigt sich beispielsweise in ihrer Definition des \"Antimilitarismus\": \"Dazu geh\u00f6ren auch Sabotage-Aktionen wie Brandanschl\u00e4ge gegen deutsches Kriegsger\u00e4t (...). Wir zeigen uns solidarisch mit denjenigen, die auf diese weise zeigen, dass die Bundeswehr angreifbar ist (...).\" (Brosch\u00fcre \"Fight G7 - Gemeinsam k\u00e4mpfen gegen Kapitalismus, Rassismus & Krieg\", April 2015) 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial Seit 2014 ist eine gewisse Konstanz innerhalb der neu geschaffenen Strukturen erkennbar, die eine dauerhafte Organisierung im gewaltorientierten Linksextremismus m\u00f6glich erscheinen l\u00e4sst. Die IL hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie mit ihrem Konzept der Akzeptanz unterschiedlicher Protestformen \u00fcber die eigene Szene hinaus (\"massenwirksam\") agieren kann. Mit der Fortsetzung ihrer Organisierungsbem\u00fchungen und der Aufnahme weiterer Gruppierungen und Mitglieder k\u00f6nnte sie die Voraussetzungen hierzu k\u00fcnftig weiter verbessern. Die Gro\u00dfereignisse linksextremistischen Protests im Jahr 2015 (Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus und G7-Gipfel) haben gezeigt, dass eine Zusammenf\u00fchrung unterschiedlicher linksextremistischer Potenziale durchaus m\u00f6glich ist. Dies entspricht zwar bei Weitem noch nicht dem Anspruch von Organisationen wie der IL bez\u00fcglich einer dauerhaften B\u00fcndelung, es zeigt jedoch eine wachsende Bereitschaft, gruppenspezifische und ideologische Differenzen zugunsten einer gemeinsamen Aktionsorientierung zur\u00fcckzustellen und zu \u00fcberwinden. In diesem Organisierungsprozess sind die \"klassischen\" Autonomen zun\u00e4chst au\u00dfen vor geblieben. Einige Gruppen werden m\u00f6glicherweise ihre klandestinen gewaltt\u00e4tigen Aktivit\u00e4ten verst\u00e4rken, um ihrem eigenen Konzept weiterhin Nachdruck zu 113","LINKSEXTREMISMUS verleihen. Andere autonome Gruppen k\u00f6nnten sich hingegen dem Prozess der Neustrukturierung anschlie\u00dfen. IV. Kampagnenf\u00e4higkeit der linksextremistischen Szene Die B\u00fcndnisund Kampagnenarbeit - insbesondere im Zusammenhang mit Gro\u00dfereignissen - ist ein wichtiger Bestandteil der linksextremistischen Agenda, insbesondere auch vor dem Hintergrund mangelnder personeller und organisatorischer St\u00e4rke. Das Ziel besteht darin, anlassbezogen ein gesellschaftlich m\u00f6glichst breites, \u00fcber das extremistische Spektrum hinausgehendes B\u00fcndnis zu etablieren, das auch \u00fcber eine regionale und lokale Verankerung verf\u00fcgt. Eine wesentliche Komponente hierbei ist die internationale Vernetzung. Entsprechende Gro\u00dfereignisse werden von einer Vielzahl von Vorbereitungsund Mobilisierungsveranstaltungen begleitet. Aktionskonferenzen, Arbeitsgruppen und aktionsbezogene Kooperationen erm\u00f6glichen ein abgestimmtes Vorgehen der einzelnen Gruppierungen und B\u00fcndnisse. Im Vorfeld und w\u00e4hrend einer Veranstaltung werden linksextremistische Gruppierungen so zu einer treibenden Kraft der Mobilisierung. Vielfach wird in Aktionsb\u00fcndnissen ein Konsens auch \u00fcber die Formen des Protestes gesucht. Nicht immer halten sich alle Gruppen an solche Absprachen, vor allem aber handelt es sich oftmals um Formelkompromisse, die einen breiten Auslegungsspielraum zulassen, so etwa bei den Mitteln des \"zivilen Ungehorsams\" oder der \"Blockade\". Das Jahr 2015 war f\u00fcr die linksextremistische Szene von drei gro\u00dfen Kampagnen bestimmt: gegen die Feierlichkeiten zur Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen) im M\u00e4rz, gegen den G7-Gipfel in Elmau (Bayern) im Juni sowie die Kampagne \"Ende Gel\u00e4nde\" und deren Protestaktionen gegen den Braunkohletagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) im August. 114","LINKSEXTREMISMUS 1. Ausschreitungen bei Protesten anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) Das Blockupy-B\u00fcndnis hatte bereits drei Jahre vor der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der EZB in Frankfurt am Main mit der Mobilisierung f\u00fcr den \"Tag X\" begonnen und seit 2012 auch Demonstrationen durchgef\u00fchrt. Im Aufruf zu den Protesten am 18. M\u00e4rz 2015 hie\u00df es unmissverst\u00e4ndlich: \"Es wird nicht nur eine ungehorsame Massenaktion am Tag der EZB-Er\u00f6ffnung geben, sondern eine Vielzahl von Demonstrationen, Blockaden und anderen Aktionen darum herum.\" (Homepage Blockupy, 9. November 2015) Die dominierende Kraft im extremistischen Segment des auch nichtextremistische Gruppierungen umfassenden BlockupyB\u00fcndnisses war allen voran die \"Interventionistische Linke\" (IL), von der auch Idee und Grundkonzept f\u00fcr \"Blockupy\" stammen. Im Jahr 2013 kam au\u00dferdem das \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnis als weitere extremistische Gruppierung hinzu. Besonderen Wert legt das Blockupy-B\u00fcndnis auf die europaweite Vernetzung. Entsprechend fand im Vorfeld des Protestes eine Koordinierung mit vielf\u00e4ltigen Gruppierungen und Organisationen statt: zum Beispiel mit Gewerkschaften, Parteien und Fl\u00fcchtlingsinitiativen aus ann\u00e4hernd allen L\u00e4ndern Westeuropas. Bei den Blockupy-Aktionstagen in den zur\u00fcckliegenden Jahren konnten dementsprechend viele Teilnehmer aus dem europ\u00e4ischen Ausland festgestellt werden, insbesondere aus Italien. Die Organisatoren hatten neben einer Gro\u00dfdemonstration Protestverlauf Blockaden auf den Zufahrtswegen zum EZB-Neubau beschlossen. Die IL strebte Proteste in Form eines \"Metropolenstreiks\" an: \"Verhindern wir die Er\u00f6ffnung der EZB durch Unterbrechung des Betriebs und der Betriebsamkeit der Stadt.\" (Homepage IL, 5. Januar 2015) 115","LINKSEXTREMISMUS Das \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnis assistierte: \"Die Neuer\u00f6ffnung der Europ\u00e4ischen Zentralbank zum Desaster machen! (...) Face the players, fight the game!\" (Homepage \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnis, 18. M\u00e4rz 2014) In ihrem Demonstrationsaufruf hie\u00df es: \"Mit der EZB-Er\u00f6ffnung inszeniert sich das Schweinesystem immer noch als unangreifbar, alternativlos und sympathisch. (...) Eine andere, eine solidarische Welt ist m\u00f6glich - aber sie kann nur auf den Tr\u00fcmmern der alten Ordnung errichtet werden. Fangen wir mit dem Abriss an.\" (Homepage \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnis, 4. M\u00e4rz 2015) Bereits in den fr\u00fchen Morgenstunden des 18. M\u00e4rz 2015 kam es in der Frankfurter Innenstadt zu massiven Krawallen. Autonome f\u00fchrten teilweise lebensbedrohliche Angriffe auf Polizeibeamte durch und begingen zahlreiche Sachbesch\u00e4digungen (Schadenssumme: \u00fcber 1,5 Millionen Euro). Die Gewalt richtete sich nicht nur gegen die Polizei oder Einrichtungen des \"kapitalistischen\" Staates, sondern auch gegen Feuerwehrund Rettungskr\u00e4fte. Die Kundgebungen und Demonstrationen am Nachmittag des 18. M\u00e4rz 2015 verliefen hingegen weitestgehend st\u00f6rungsfrei, darunter auch die Demonstration des Blockupy-B\u00fcndnisses, welche mit bis zu 17.000 Teilnehmern die gr\u00f6\u00dfte Versammlung darstellte. Insgesamt wurden bei den Protesten 150 Polizeibeamte verletzt (zwei von ihnen schwer) und 63 Polizeifahrzeuge besch\u00e4digt (sieben davon wurden durch Brandstiftung vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt). Es wurden 26 Strafverfahren eingeleitet, davon vier wegen versuchter T\u00f6tung. Insgesamt z\u00e4hlte die Polizei 4.000 Straft\u00e4ter. Stellungnahmen zu Nach den Ausschreitungen zeigten sich Vertreter des Blockupyden Protesten B\u00fcndnisses in diversen Stellungnahmen \"\u00fcberrascht\" und \"schockiert\", \u00e4u\u00dferten andererseits aber auch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr eine Eskalation, deren Grund allein im provokativen Repressionsaufwand der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu suchen sei. Damit wiesen sie jede Verantwortung des B\u00fcndnisses f\u00fcr den Gewaltausbruch zur\u00fcck. Stattdessen bedankte sich das B\u00fcndnis \u00fcber Twitter f\u00fcr einen \"gro\u00dfartigen Vormittag\". Bei der Bewertung 116","LINKSEXTREMISMUS der Geschehnisse herrscht innerhalb des Blockupy-B\u00fcndnisses Uneinigkeit. Mehrheitlich distanzierte man sich zwar von den Ausschreitungen, blieb dabei jedoch ambivalent. Eine eindeutige Stellungnahme der Gesamtorganisation gab es nicht. # Der Blockupy-Koordinierungskreis ver\u00f6ffentlichte ein Thesenpapier, in dem vom \"Aktionstag in seiner Ambivalenz\" die Rede war. Insgesamt sei es ein \"wichtiger Tag des Protests\" gewesen. Blockupy bestehe aus ganz unterschiedlichen \"linken\" Akteuren: \"Das gilt auch f\u00fcr Militanz und militante Aktionen, die wir unterschiedlich sehen.\" Blockupy stehe f\u00fcr massenhaften, also auch b\u00fcndnisf\u00e4higen Ungehorsam.32 # Ein Blockupy-Sprecher - gleichzeitig Mitglied des \"...ums Ganze!\"-B\u00fcndnisses - warf indes der Polizei vor, durch ihr martialisches Auftreten die Proteste \"angeheizt\" zu haben. Die autonomen und Antifa-Gruppen bezeichnete er als \"Teil des B\u00fcndnisses, und das ist auch gut so.\" \"Der Verlauf des Protestes ist nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir glauben aber auch, dass es wichtig ist, zu sehen, wo die Wut der Leute herkommt.\"33 Auch innerhalb der linksextremistischen Szene selbst wurde \u00fcber den Verlauf der Proteste diskutiert. W\u00e4hrend einige Stimmen kritisierten, die Kapitalismuskritik sei durch die Anwendung von Gewalt vollst\u00e4ndig untergegangen, bewerteten Gruppen aus dem autonomen Spektrum die Proteste als Erfolg: Die militanten Aktionen seien ein \"unmissverst\u00e4ndliches Signal\" an die EZB. Die Wut auf der Stra\u00dfe habe damit den richtigen Adressaten gefunden. In einer im Internet ver\u00f6ffentlichten \"Auswertung\" der Proteste verwahrten sich \"autonome gruppen\" gegen eine Ausgrenzung von Militanz: \"Doch genau das wollten wir und unsere w\u00fctenden Freund*innen aus ganz Europa: einen politischen Krawall!\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 9. November 2015) Auch in weiteren Ver\u00f6ffentlichungen wurde Gewalt als ad\u00e4quates Mittel hervorgehoben. 32 Homepage Blockupy-B\u00fcndnis (22. Juli 2015). 33 Homepage Cicero (18. M\u00e4rz 2015). 117","LINKSEXTREMISMUS Unter dem Titel \"Vielfalt ist unsere St\u00e4rke\" hie\u00df es: \"Wir finden, dass solche Aktionen - zusammen mit militanteren Aktionen wie dem Anz\u00fcnden von Polizeiautos - eine Form von wichtiger und notwendiger Gegengewalt gegen die allt\u00e4gliche Gewalt des Kapitalismus sind. (...) Auch die Polizei ist ein legitimes Ziel, ist sie doch die Institution die dieses kapitalistische System sch\u00fctzt.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 20. M\u00e4rz 2015) Einige \"Aktivist_innen\" forderten \"Schluss mit der Heuchelei\": \"Die Wut gegen die allt\u00e4gliche Gewalt der t\u00f6dlichen kapitalistischen Maschinerie wurde in Frankfurt auf die Stra\u00dfe getragen. Die Staatsmacht wurde dabei f\u00fcr kurze Zeit in die Defensive gezwungen. (...) Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr solcher Momente.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 20. M\u00e4rz 2015) Schlie\u00dflich wurde von einer Gruppe, die sich selbst als \"sehr, sehr kleinen Haufen von Leuten\" (\"Flamme und Feuer\") bezeichnete, die als scheinheilig empfundene Distanzierung der Organisatoren zur\u00fcckgewiesen: \"Wir sind welche, die Freude hatten am Riot (...), an jedem Angriff auf die Bullen. Und wir freuen uns schon auf den n\u00e4chsten Krawall. (...) Der Widerstand ist - wegen uns allen - im Herzen der Bestie angekommen. (...) wenn ihr (...) in euren Aufrufen mit einem militanten Habitus kokettiert, dann ist doch klar, dass auch die kommen, die das anspricht. Ihr mobilisiert doch selbst die Leute, von denen ihr euch dann distanziert.\" (Internetplattform \"linksunten.indymedia\", 3. Juli 2015) 2. Mobilisierung und Proteste gegen den G7-Gipfel 2015 in Elmau (Bayern) Gegen das Treffen der Gruppe der sieben f\u00fchrenden Industrienationen der Welt (G7) am 7./8. Juni 2015 auf Schloss Elmau riefen neben linksextremistischen Akteuren auch zahlreiche Organisationen aus dem nichtextremistischen Spektrum zu Protesten auf. 118","LINKSEXTREMISMUS Diese Treffen gelten seit den Protesten von Seattle (1999) und Genua (2001) als Kristallisationspunkte eines internationalen \"antikapitalistischen Widerstands\". Sie ber\u00fchren eine Vielzahl der Themenbereiche, zu denen aktuell von Linksextremisten agitiert wird. Impulsgeber f\u00fcr eine bundesweite Vernetzung des Protestes war Protestb\u00fcndnis das Aktionsb\u00fcndnis \"Stop G7 Elmau\", das im Zeitraum von Juli 2014 bis April 2015 insgesamt f\u00fcnf Aktionskonferenzen in M\u00fcnchen (Bayern) durchgef\u00fchrt hatte.34 In dem B\u00fcndnis waren neben nichtextremistischen Organisationen auch Gruppen des gewaltorientierten linksextremistischen Spektrums vertreten, darunter das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\" (3A-B\u00fcndnis), die \"Perspektive Kommunismus\" (PK) und Teile der \"Interventionistischen Linken\" (IL). Die PK beschrieb in ihrer eigens zum Gipfel-Protest herausgegebenen Publikation \"Fight G7\", die im Untertitel bereits die wesentlichen Ziele der Proteste anf\u00fchrte - \"Gemeinsam k\u00e4mpfen gegen Kapitalismus, Rassismus und Krieg!\" -, den Zweck des G7-Gipfels wie folgt: \"Es geht um die Koordinierung eines Systems, das auf weltweiter Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung baut, um Erhalt und St\u00e4rkung kapitalistischer Machtbl\u00f6cke, die ihre Vorherrschaft mit allen Mitteln absichern wollen.\" Die Breite des B\u00fcndnisses im Vorfeld des Gipfels wertete die PK als Erfolg: \"Die spektren\u00fcbergreifende Zusammenarbeit, die Auseinandersetzungen \u00fcber Positionen und Strategien und gerade die gemeinsamen praktischen Schritte im Aufbau einer breit aufgestellten klassenk\u00e4mpferischen und internationalistischen Linken. Die Themenvielfalt des Widerstandes spiegelt sich auch in der Vielfalt der Protestm\u00f6glichkeiten wieder.\" An einer Demonstration in M\u00fcnchen am 4. Juni 2015, zu der verProtestverlauf schiedene nichtextremistische Gruppierungen aufgerufen hatten, nahmen circa 34.000 Personen teil, die ganz \u00fcberwiegend aus 34 Das Aktionsb\u00fcndnis gr\u00fcndete sich formal erst auf der zweiten Aktionskonferenz am 20./21. September 2014. 119","LINKSEXTREMISMUS dem nichtextremistischen Spektrum stammten. Vereinzelt waren unter den Demonstranten jedoch auch Linksextremisten aus dem orthodox-kommunistischen Spektrum. Die Beteiligung an diversen Aktionen in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) blieb indes deutlich hinter den urspr\u00fcnglichen Erwartungen der Organisatoren. Ganz \u00fcberwiegend handelte es sich bei den Teilnehmern um Personen aus dem linksextremistischen Spektrum: # An einer \"antimilitaristischen\" Demonstration am 5. Juni 2015 vor dem deutsch-amerikanischen Studienzentrum \"George C. Marshall Center\" beteiligten sich rund 400 Personen. # Zur \"Gro\u00dfdemonstration\" am 6. Juni 2015 konnten rund 3.600 Teilnehmer mobilisiert werden, darunter etwa 700 gewaltorientierte Linksextremisten sowie Aktivisten aus dem Ausland. Der Versuch einiger Demonstrationsteilnehmer, die Polizeisperren zu durchbrechen, wurde verhindert. # Am Morgen des 7. Juni 2015 starteten insgesamt rund 350 Personen auf drei Routen einen \"Sternmarsch\" in Richtung Elmau. An den Sicherungsstellen wurden sie jedoch von Einsatzkr\u00e4ften aufgehalten. Es kam zu mehreren Blockadeversuchen. Stellungnahmen zu Selbstkritisch merkten Linksextremisten an, es sei nicht gelunden Protesten gen, Menschen au\u00dferhalb der \"'linken\" Szene oder gar die lokale Bev\u00f6lkerung in die Proteste einzubeziehen. Zudem seien die gr\u00f6\u00dferen Organisationen des linksextremistischen Spektrums, wie etwa die IL, kaum vertreten gewesen. Die PK hob zun\u00e4chst positiv hervor, dass Proteste \u00fcberhaupt m\u00f6glich gewesen seien. Hierdurch sei ein \"sichtbares Zeichen des Widerstands\" gesetzt worden. Aufgrund der nur m\u00e4\u00dfigen Protestbeteiligung sei der Aktionsspielraum allerdings begrenzt gewesen: \"Auch wenn das Stop-G7-B\u00fcndnis verschiedene Spektren umfasst, sind einige eher reformistische Akteure kaum sichtbar gewesen (...). Damit fehlten zum einen wichtige Adressaten revolution\u00e4rer Agitation, zum anderen grenzte es den praktischen Spielraum antikapitalistischer Kr\u00e4fte ein.\" (Homepage PK, 22. Juni 2015) 120","LINKSEXTREMISMUS 3. \"Ende Gel\u00e4nde\"-Kampagne gegen den Braunkohletagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen) Die Kampagne gegen den Braunkohletagebau in Garzweiler veranschaulicht einen weiteren erfolgreichen Versuch von Linksextremisten, mithilfe von Aktionsb\u00fcndnissen tagespolitische Themen aufzugreifen und in der Szene als Agitationsschwerpunkt zu etablieren. Im Mittelpunkt der Kampagne standen das Braunkohleabbaurevier mit dem angrenzenden \"Hambacher Forst\" in der N\u00e4he von K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) sowie die Betreibergesellschaft RWE als der \"gr\u00f6\u00dfte CO2-Verursacher im Dienste der kapitalistischen Verwertungsgesellschaft\". Ein breit gef\u00e4chertes B\u00fcndnis von Gruppierungen vor allem der AntiAtomund der Anti-Kohle-Bewegung mobilisierte unter dem Motto \"Ende Gel\u00e4nde\" bundesweit zu Protestaktionen vom 14. bis 16. August 2015. Die \"Interventionistische Linke\" (IL, vgl. Kap. III, Nr. 2.1) war auch hier ma\u00dfgeblich an der Organisation und Mobilisierung zu den Aktionstagen beteiligt. Die IL forderte dazu auf, den Klimaschutz \"selbst in die Hand\" zu nehmen. In einem Mobilisierungsaufruf hie\u00df es, gegen eine zunehmende \"Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen der Menschen\" komme man nicht mit \"Appellen zur Weltrettung\" an - \u00fcberdies gelte es, gemeinsam die Welt als Ganzes zu ver\u00e4ndern: \"In dieser Situation ist massenhafter ungehorsamer Widerstand an den konkreten Orten der Zerst\u00f6rungen die notwendig-angemessene Option. (...) Ziel massenhaften Ungehorsams ist nicht 'nur` Bebzw. Verhinderung konkreter Zerst\u00f6rungen, sondern selbstverst\u00e4ndlich auch Vertiefung und Intensivierung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung \u00fcber die herrschenden Zust\u00e4nde insgesamt. Eine Klimabewegung wird bei aller Dringlichkeit ihres Anliegens nicht als Ein-Punkt-Bewegung erfolgreich sein k\u00f6nnen. Sie muss sich vielmehr in Beziehung setzen und verbinden mit weiteren K\u00e4mpfen u.a. f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit Gefl\u00fcchteten, Care-Revolution, Recht auf Stadt, gegen Austerit\u00e4t, das herrschende Arbeitsbzw. Prekarit\u00e4tsregime, Militarismus sowie jegliche weitere Herrschaftsformen.\" (Homepage IL, 29. Juli 2015) An den Protestaktionen am 15. August 2015 im BraunkohleProtestverlauf revier Garzweiler beteiligten sich etwa 1.200 Personen, darunter 121","LINKSEXTREMISMUS Angeh\u00f6rige des linksextremistischen Spektrums und zahlreiche Aktivisten aus dem Ausland. Bei wiederholten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei wurden im Verlauf der Aktionstage 15 Polizeibeamte verletzt. Rund 800 Personen war es gelungen, in die Abbaugrube einzudringen und etwa 40 Aktivisten besetzten \u00fcber mehrere Stunden drei Schaufelradbagger. In den Folgemonaten kam es im Bereich des Braunkohlereviers zu weiteren gewaltt\u00e4tigen Aktionen mit zum Teil hohen Sachsch\u00e4den (Baggerbesetzungen, \"Ankett-Aktionen\", Brandanschl\u00e4ge auf Fahrzeuge der Betreibergesellschaft). Das Thema \"Klimawandel\" hat f\u00fcr Linksextremisten erheblich an Stellenwert gewonnen, da es ein hohes Ma\u00df an Anschlussf\u00e4higkeit bei der demokratischen Mehrheitsgesellschaft bietet. Breite B\u00fcndnisstrukturen werden genutzt, um sich als zuverl\u00e4ssiger und aktiver Partner zu zeigen. So wertete auch die IL die Protestaktion als gro\u00dfen Erfolg und sieht Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr weitere Aktionen. 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial W\u00e4hrend die Ereignisse im Zusammenhang mit der Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus in Frankfurt am Main und die Aktionstage \"Ende Gel\u00e4nde\" im Braunkohletagebau in Garzweiler in der Szene zum Teil breit diskutiert und insgesamt als Erfolg gewertet wurden, blieben Reaktionen auf die Veranstaltungen gegen den G7-Gipfel in Elmau weitgehend aus. Die gewaltt\u00e4tigen Proteste anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus belegen die anhaltende Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit durch den gewaltorientierten Linksextremismus. Einmal mehr haben gewaltt\u00e4tige Personenzusammenschl\u00fcsse eine Proteststimmung genutzt, um hemmungslose Gewalt auszu\u00fcben. Auch wenn die Initiatoren der Veranstaltung anf\u00fchren, ihr Aktionskonzept habe in Widerspruch zum Gewaltausbruch gestanden, l\u00e4sst sich nicht abstreiten, dass sie der Stra\u00dfenmilitanz eine B\u00fchne geliefert haben. Zudem fielen nachtr\u00e4gliche Distanzierungen der Organisatoren eher ambivalent aus. Bei den Protestaktionen gegen den G7-Gipfel waren die extremistischen Akteure in Garmisch-Partenkirchen weitgehend auf sich 122","LINKSEXTREMISMUS allein gestellt - wozu sicherlich auch die Aufspaltung der Proteste auf zwei Orte beigetragen haben d\u00fcrfte. Diese Aufspaltung des Personenpotenzials - und damit das Fehlen einer R\u00fcckzugsm\u00f6glichkeit in eine Masse, die militante Aktionen aus ihrer Mitte heraus zumindest duldet - war einer der Gr\u00fcnde, warum die Mobilisierung f\u00fcr die Demonstration in Garmisch-Partenkirchen, die nahezu allein von Linksextremisten getragen wurde, weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zur\u00fcckblieb. Hinzu kommt, dass die Protestm\u00f6glichkeiten einer eher urban gepr\u00e4gten linksextremistischen Szene durch die geografischen Gegebenheiten rund um das Schloss Elmau und ung\u00fcnstige Witterungsbedingungen signifikant beeintr\u00e4chtigt wurden. Einige der Protagonisten bem\u00e4ngelten so auch, dass selbst die eigene Klientel (hier insbesondere die Aktivisten der EZB-Proteste um die IL) nicht den Weg nach Elmau gefunden hatte. Die im Gegensatz hierzu hohe Polizeipr\u00e4senz konnte Aktionen des gewaltbereiten Klientels \u00fcberwiegend verhindern. Die \"Ende Gel\u00e4nde\"-Mobilisierung hat gezeigt, dass - bei einem entsprechend \"zugf\u00e4higen\" Thema - insbesondere die IL derzeit in der Lage ist, innerhalb relativ kurzer Zeit und selbst nach zwei gro\u00dfen Protestaktionen im selben Jahr, verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele Aktivisten, darunter auch gewaltorientierte Linksextremisten, f\u00fcr eine \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktion zu mobilisieren. Aus Gef\u00e4hrdungssicht d\u00fcrfte hier relevant sein, dass das Aktionsb\u00fcndnis die Aktion \"Ende Gel\u00e4nde\" als so erfolgreich einstuft, dass man nun versucht, dieses Konzept auch auf andere Braunkohlereviere zu \u00fcbertragen und den lokalen Widerstand gegen die Kohlef\u00f6rderung bundesweit zu vernetzen. Insgesamt zeigen die drei geschilderten Kampagnen, dass die B\u00fcndnisstrategie der linksextremistischen Szene durchaus als erfolgreich bezeichnet werden kann. Die Protestorganisatoren bedienen sich dabei einer vielf\u00e4ltigen Bandbreite linksextremistischer Bet\u00e4tigungsfelder, wobei die szenetypische Aktionsform des \"zivilen Ungehorsams\" bei gewaltorientierten Linksextremisten als Legitimation f\u00fcr gewaltsame Ausschreitungen angesehen wird. Die spektren\u00fcbergreifende Mobilisierung wird somit sowohl f\u00fcr die Propagierung der eigenen politischen Ziele als auch f\u00fcr die Durchf\u00fchrung militanter Aktionen genutzt. 123","LINKSEXTREMISMUS V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 1. \"Interventionistische Linke\" (IL) Gr\u00fcndung: Ende 2005 Mitglieder/Anh\u00e4nger in 700 (2014: 500 bis 600) Deutschland: in 30 Ortsgruppen Publikationen/Medien: Arranca!, halbj\u00e4hrlich sowie verschiedene, aktionsabh\u00e4ngig unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Publikationen Die \"Interventionistische Linke\" (IL) wurde 2005 als bundesweites Netzwerk mit dem Ziel einer verbindlichen \"Organisierung\" autonomer Gruppierungen und Aktivisten gegr\u00fcndet. Mit der Ver\u00f6ffentlichung des \"Zwischenstandspapiers\" im Oktober 2014 wurde diese Phase abgeschlossen und die IL zu einer bundesweiten Organisation umformiert. Statt wie bisher nur anlassbezogen unter einem gemeinsamen IL-Label zu agieren, soll mit der Gr\u00fcndung von einheitlich benannten Ortsgruppen das lokale Handeln dieser Gruppierungen als Handeln der IL wahrgenommen werden. Die IL bem\u00fcht sich in B\u00fcndnissen und Initiativen um eine kampagnenorientierte Zusammenf\u00fchrung linksextremistischer Akteure unterschiedlicher ideologischer Pr\u00e4gung zugunsten einer erh\u00f6hten Handlungsf\u00e4higkeit sowohl in Deutschland, als auch in internationalen Kampagnen und Netzwerken. Die IL fungiert dabei als Scharnier zwischen militanten Gruppierungen und nichtgewaltorientierten Linksextremisten, beziehungsweise nichtextremistischen Gruppen und Initiativen. Die Einstellung zur Gewalt ist taktisch gepr\u00e4gt, sie wird nicht grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Da die IL auf die \u00dcberwindung des \"Kapitalismus\" mittels eines revolution\u00e4ren Umsturzes abzielt, bildet der \"Antikapitalismus\" einen ideologischen Schwerpunkt. 124","LINKSEXTREMISMUS 2. \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" Gr\u00fcndung: 2010 Publikationen/Medien: unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriften: 2015: \"Ins Herz der Bestie!\" Mitgliedsgruppen u.a.: \"Antikapitalistische Aktion Bonn\" (AKAB) \"Rote Aktion K\u00f6ln/Berlin\" \"Rote Antifa [NRW]\" Das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\" - ein Zusammenschluss linksextremistischer Organisationen - orientiert sich grundlegend am Marxismus-Leninismus und zielt somit auf die Zerschlagung des \"kapitalistischen Staates\" in einer \"sozialistischen Revolution\" sowie den Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. Es bem\u00fcht sich um eine bundesweite Vernetzung gewaltorientierter linksextremistischer Gruppierungen; darunter auch solche aus dem Spektrum des s\u00e4kularen Ausl\u00e4nderextremismus. Das B\u00fcndnis bekennt sich ausdr\u00fccklich zum Kommunismus und zur \"internationalen Solidarit\u00e4t mit den fortschrittlichen und revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften in aller Welt\". Gewalt als politisches Mittel wird hierbei als legitim erachtet. Das B\u00fcndnis beteiligt sich an \u00fcberregional bedeutsamen Veranstaltungen und mobilisiert zu diesen, wie zum Beispiel zu den Protesten anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) am 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt am Main (Hessen), den Protesten gegen den G7-Gipfel im Juni 2015 in Elmau (Bayern) und den j\u00e4hrlichen \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstrationen\". Die haupts\u00e4chlichen Aktionsfelder spiegeln sich auch im Namen (\"[3A]\") wider: \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\". 125","LINKSEXTREMISMUS 3. \"...ums Ganze! - kommunistisches B\u00fcndnis\" (uG) Gr\u00fcndung: 2006 Mitglieder/Anh\u00e4nger in 250 Deutschland: Publikationen/Medien: \"mole\" (englisch: \"Maulwurf\"; Zeitung, erscheint unregelm\u00e4\u00dfig) Mitgliedsgruppen: \"Basisgruppe Antifaschismus\" (Bremen) \"Theorie. Organisation. Praxis\" (Berlin) \"Fast Forward\" (Hannover, Niedersachsen) \"redical [m]\" (G\u00f6ttingen, Niedersachsen) \"Antifa AK K\u00f6ln\" (K\u00f6ln, Nordrhein-Westfalen) \"the future is unwritten\" (Leipzig, Sachsen) \"Kritik&Praxis\" (Frankfurt am Main, Hessen) \"Antifa NT\" (M\u00fcnchen, Bayern) \"critique'n'act\" (Dresden, Sachsen) \"LevelUP\" (T\u00fcbingen, BadenW\u00fcrttemberg) \"autonome antifa [w]\" (Wien, \u00d6sterreich) 126","LINKSEXTREMISMUS Das 2006 gegr\u00fcndete \"...ums Ganze! - kommunistisches B\u00fcndnis\" (uG) ist ein Zusammenschluss eigenst\u00e4ndiger, lokal verankerter Gruppen der autonomen Szene, die ihre Kr\u00e4fte b\u00fcndeln, um \u00fcberregional handlungsf\u00e4hig zu sein. Bis Mitte 2015 war das B\u00fcndnis vor allem im norddeutschen Raum vertreten. Seitdem verst\u00e4rkte sich seine Pr\u00e4senz in S\u00fcddeutschland durch den Beitritt der M\u00fcnchner \"Antifa NT\". Das B\u00fcndnis bezeichnet sich im Untertitel seines Namens als ein \"kommunistisches B\u00fcndnis\" und beschreibt damit seinen ideologischen Hintergrund. Dieser besteht in der Grundpr\u00e4misse, dass der \"Kapitalismus\" das nicht reformierbare Grund\u00fcbel der Menschheit sei, welches es bedingungslos zu bek\u00e4mpfen und mitsamt seinem Staatssystem durch eine Revolution zu \u00fcberwinden gelte, die dann die Errichtung einer kommunistischen Ordnung erm\u00f6gliche. Das B\u00fcndnis organisiert ma\u00dfgeblich Protestaktionen und Demonstrationen gegen die j\u00e4hrlichen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit und beteiligt sich an sogenannten Krisenprotesten gegen die Politik zur Bew\u00e4ltigung der europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsund Wirtschaftskrise. 127","LINKSEXTREMISMUS 4. \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) Gr\u00fcndung: 2013 Mitglieder/Anh\u00e4nger 150 in Deutschland: Mitgliedsgruppen: \"Gruppe Arbeitermacht\" (GAM), \"REVOLUTION\" (REVO), \"Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund\" (RSB), \"Internationale sozialistische Linke\" (isL) (zur NaO-Berlin geh\u00f6ren noch zus\u00e4tzlich \"Partei des sozialistischen Wiederaufbaus in der T\u00fcrkei\" (SYKP), \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB)) Sitz: sechs NaO-Ortsgruppen in Berlin, Bremen, Kassel (Hessen), K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen), Potsdam (Brandenburg) und Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) 128","LINKSEXTREMISMUS Die ganz \u00fcberwiegend trotzkistisch gepr\u00e4gte \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) trat unter diesem Namen erstmals Mitte Dezember 2013 mit der Herausgabe des \"Manifests f\u00fcr eine Neue antikapitalistische Organisation\" \u00f6ffentlich in Erscheinung. Inhaltlich setzt die NaO im Gegensatz zu postautonomen Strukturen st\u00e4rker auf eine Erneuerung des Marxismus und der Arbeiterbewegung. Die NaO betont die Erforderlichkeit der revolution\u00e4ren Umw\u00e4lzung und will den b\u00fcrgerlichen Staat durch ein \"System der R\u00e4tedemokratie\" ersetzen. Ziel ist letztlich eine revolution\u00e4re Umgestaltung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung hin zum Sozialismus/Kommunismus. Im Oktober 2014 trat die 2007 in Berlin gegr\u00fcndete aktionsorientierte \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB) der NaO bei. Die ARAB war bis zur Fusion mit der NaO eine der aktivsten Gruppen im gewaltorientierten Spektrum Berlins und in nahezu allen linksextremistischen Aktionsfeldern aktiv. Der regionale Schwerpunkt der NaO liegt in Berlin und Potsdam (Brandenburg). Seit Oktober 2014 f\u00fchrt die NaO gemeinsam mit der ARAB die Spendenkampagne \"Solidarit\u00e4t mit Rojava - Waffen f\u00fcr die YPG/YPJ\" (\"Volksverteidigungseinheiten\"/\"Frauenverteidigungseinheiten\" der PYD, dem syrischen Ableger der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK)) durch und mobilisiert seither regelm\u00e4\u00dfig zu Veranstaltungen von kurdischen Organisationen. Die NaO bringt hier ihre fundamentale Ablehnung der \"herrschenden Verh\u00e4ltnisse\" zum Ausdruck und propagiert \"klassenk\u00e4mpferische\" Gewalt. 129","LINKSEXTREMISMUS 5. \"Perspektive Kommunismus\" (PK) Gr\u00fcndung: April 2014 Publikationen/Medien: Unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriften 2015: u.a. \"Zeitung zum Revolution\u00e4ren 1. Mai 2015\", \"Fight G7\", \"Berxwedan Jiyan E - Widerstand ist Leben\" Mitgliedsgruppen: \"Antikapitalistische Linke M\u00fcnchen\" (al[m]) \"Linke Aktion VillingenSchwenningen\" \"Projekt Revolution\u00e4re Perspektive Hamburg\" (PRP HH) \"Revolution\u00e4re Aktion Stuttgart\" (RAS) \"Revolution\u00e4re Perspektive Berlin\" (RPB) \"Rote Aktion Mannheim\" (RAM) 130","LINKSEXTREMISMUS Der Zusammenschluss \"Perspektive Kommunismus\" (PK) wird von lokal verankerten Organisationen aus dem gewaltorientierten Linksextremismus getragen. Ideologisch orientieren sich die eingebundenen Organisationen am Marxismus-Leninismus sowie einzelnen trotzkistischen Elementen. Durch eine \"sozialistische Revolution\" soll der \"kapitalistische Staat\" zerschlagen und durch eine kommunistische Gesellschaft ersetzt werden. Der Zusammenschluss bem\u00fcht sich um eine bundesweite Vernetzung gleichgesinnter linksextremistischer Akteure zu einer \"bundesweiten, aktionsorientierten und revolution\u00e4r kommunistischen Organisation\". Gewalt als politisches Mittel wird dabei grunds\u00e4tzlich als legitim erachtet. Die PK beteiligte sich an \u00fcberregional bedeutsamen Veranstaltungen wie zum Beispiel den j\u00e4hrlichen \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstrationen\", den Protesten anl\u00e4sslich der offiziellen Er\u00f6ffnung des Neubaus der \"Europ\u00e4ischen Zentralbank\" (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen) am 18. M\u00e4rz 2015 und den Protesten gegen den G7-Gipfel im Juni 2015 in Elmau (Bayern). Der Zusammenschluss bekennt sich ausdr\u00fccklich zu einer \"Vernetzung und Solidarit\u00e4t mit Bewegungen in anderen L\u00e4ndern\" und betrachtet diese als Bestandteil \"revolution\u00e4rer Politik\". 131","LINKSEXTREMISMUS 6. \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Gr\u00fcndung: 1968 Sitz: Essen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Patrik K\u00f6bele Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 (2014: 3.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"unsere zeit\" (Zeitung, w\u00f6chentlich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (Theoriemagazin, zweimonatlich) Jugendorganisation: \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 132","LINKSEXTREMISMUS Das zentrale Ziel der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) ist der \"grundlegende Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnissen\" sowie die Errichtung einer sozialistischen/kommunistischen Gesellschaft. Die DKP versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD). Sie betont zudem, dass sie stets eng verbunden war mit der damaligen \"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands\" (SED). Seit 2009 herrscht in der DKP ein innerparteilicher Richtungsstreit \u00fcber die k\u00fcnftige ideologische Ausrichtung und Strategie der Partei. Die dominierende \"Parteilinke\" votiert f\u00fcr die unbedingte R\u00fcckkehr zur unverf\u00e4lschten Lehre des Marxismus-Leninismus. Demgegen\u00fcber h\u00e4lt die innerparteiliche Opposition um den Verein \"Marxistische Linke e.V.\" an den \"Politischen Thesen\" fest, die 2010 vom vormaligen DKP-Parteivorstand formuliert worden waren. Dort wurden die Bedeutung der Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt sowie die Avantgarderolle der Partei relativiert und daf\u00fcr pl\u00e4diert, in allen fortschrittlichen Bewegungen mitzuarbeiten. Die DKP bekannte sich auf ihrem 21. Parteitag am 14./15. November 2015 in Frankfurt am Main (Hessen) mit gro\u00dfer Mehrheit ausdr\u00fccklich dazu, eine \"marxistisch-leninistische Partei\" zu sein. Bei Wahlen erzielt sie - sofern sie antritt - keine nennenswerten Erfolge. Die DKP bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\". 133","LINKSEXTREMISMUS 6.1 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Gr\u00fcndung: 1968 Sitz: Essen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Paul Rodermund Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2014: 500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Position\" (Magazin der SDAJ, zweimonatlich) Der marxistisch-leninistisch orientierte Jugendverband \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) ist formal unabh\u00e4ngig, betrachtet sich aber als Nachwuchsorganisation der DKP. Beide verfolgen das Ziel, eine sozialistische/kommunistische Gesellschaft zu errichten. Zus\u00e4tzlich zu den Aktionsfeldern, in denen sich auch die DKP bet\u00e4tigt, liegt der Fokus der SDAJ auch auf der Schulund Jugendpolitik. Die SDAJ richtet traditionell im Zweijahresrhythmus stattfindende sogenannte Pfingstcamps aus. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen stehen politische Diskussionen; Musikveranstaltungen, Workshops und \"sportliche\" Wettk\u00e4mpfe bilden das Rahmenprogramm. 134","LINKSEXTREMISMUS 7. \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Stefan Engel Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.800 (2014: 1.800) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Rote Fahne\" (Magazin, zweiw\u00f6chentlich) \"Revolution\u00e4rer Weg\" (theoretisches Organ, unregelm\u00e4\u00dfig) Jugendorganisation: \"REBELL\" Die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) ist streng maoistisch-stalinistisch ausgerichtet und strebt die Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft an. Hierzu bed\u00fcrfe es eines \"revolution\u00e4ren Sturzes der Diktatur des Monopolkapitals und der Errichtung der Diktatur des Proletariats, um den Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\" aufzubauen. Die MLPD ist in der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert und sieht unter anderem in Parteien wie der DKP und DIE LINKE \"Haupttr\u00e4ger des modernen Revisionismus in Deutschland\". Sie ist dogmatisch gepr\u00e4gt. Ihre Eigenschaft als Kaderpartei zeigt sich nicht zuletzt in ihrem seit der Gr\u00fcndung amtierenden Vorsitzenden. Haupts\u00e4chlich bet\u00e4tigt sie sich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antiimperialismus\". Arbeitsschwerpunkt im Jahr 2015 war die Solidarit\u00e4t mit der \u00fcberwiegend von Kurden bewohnten syrischen Stadt Kobane. 135","LINKSEXTREMISMUS 7.1 \"REBELL\" Gr\u00fcndung: 1992 Sitz: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Lisa G\u00e4rtner Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2014: 100) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"REBELL-Magazin\" (Zeitschrift, zweimonatlich) Wie die MLPD ist auch ihr Jugendverband \"REBELL\" maoistisch-stalinistisch ausgerichtet und zielt auf die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft ab. Neben den Aktionsfeldern \"Sozialismus\" und \"Internationalismus\" bet\u00e4tigt sich \"REBELL\" auch in den Bereichen der Umweltpolitik sowie der Jugendarbeit an Schulen, Hochschulen und im Arbeitsund Ausbildungsbereich. Im Jahr 2015 organisierte REBELL ein \"Internationales Pfingstjugendtreffen\", welches am 23./24. Mai 2015 in Gelsenkirchen stattfand. 136","LINKSEXTREMISMUS 8. \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) - Gefangenenhilfsorganisation Gr\u00fcndung: 1975 Sitz: G\u00f6ttingen (Niedersachsen) Bundesgesch\u00e4ftsstelle. Mitglieder/Anh\u00e4nger 7.000 (2014: 6.500) in Deutschland: in nahezu 50 Ortsgruppen Publikationen/Medien: \"DIE ROTE HILFE\" (Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich und als Onlinemagazin) Die \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) definiert sich laut Satzung als eine \"parteiunabh\u00e4ngige str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutzund Solidarit\u00e4tsorganisation\". Sie leistet Strafund Gewaltt\u00e4tern aus dem linksextremistischen Spektrum politische und finanzielle Unterst\u00fctzung, beispielsweise bei anfallenden Anwaltsund Prozesskosten sowie bei Geldstrafen und Geldbu\u00dfen. Ferner versucht die RH durch meinungsbildende \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Publikationen, Vortr\u00e4ge, Demonstrationen), die Sicherheitsund Justizbeh\u00f6rden sowie die rechtsstaatliche Demokratie zu diskreditieren. Dazu organisiert sie unter anderem Informationsund Diskussionsveranstaltungen zu Themenfeldern wie \"staatliche Repression\" und fordert dazu auf, grunds\u00e4tzlich die Zusammenarbeit mit Sicherheitsund Strafverfolgungsbeh\u00f6rden hinsichtlich der Aufkl\u00e4rung von Straftaten zu verweigern. 137","LINKSEXTREMISMUS 9. \"GegenStandpunkt\" (GSP) Gr\u00fcndung: 1992 Sitz: M\u00fcnchen (Bayern) lokale Strukturen in 24 deutschen St\u00e4dten und drei St\u00e4dten im Ausland Leitung/Vorsitz: Zentralredaktion des Verlags Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.500 (2014: 3.500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"GegenStandpunkt - Politische Vierteljahreszeitschrift\" Die sektenartig organisierte Gruppe \"GegenStandpunkt\" (GSP) vertritt eine modifizierte Marxismus-Konzeption. Sie lehnt die parlamentarische Demokratie als \"perfekte Form b\u00fcrgerlicher Herrschaft\" ab und zielt auf die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft durch eine revolution\u00e4re \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen Staatsund Gesellschaftsordnung ab. Aufgrund ihres elit\u00e4ren Marxismus-Verst\u00e4ndnisses ist die Gruppierung in der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert. So findet beispielsweise keine Kampagnenarbeit mit anderen linksextremistischen Zusammenschl\u00fcssen statt. GSP betreibt eine Mitgliedergewinnung vorrangig an Hochschulen und widmet sich in erster Linie der Theorieentwicklung sowie der Ver\u00f6ffentlichung von Texten im Internet. Au\u00dferdem organisiert GSP interne und \u00f6ffentliche Vortragsund Diskussionsveranstaltungen zur Theorie-Schulung der Anh\u00e4nger sowie zur Verbreitung ihrer spezifischen Ideologie. 138","LINKSEXTREMISMUS 10. \"Sozialistische Alternative\" (SAV), deutsche Sektion des internationalen Dachverbandes \"Committee for a Worker's International\" (CWI) mit Sitz in London Gr\u00fcndung: 1994 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Bundesleitung Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2014: 350) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Solidarit\u00e4t\" mit Jugendbeilage \"megafon\" (Zeitung, monatlich) \"sozialismus.info\" (Theoriemagazin, viertelj\u00e4hrlich) Die trotzkistische \"Sozialistische Alternative\" (SAV) verfolgt das Ziel der Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft. Sie versteht sich als \"revolution\u00e4re, sozialistische Organisation in der Tradition von Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Luxemburg und Liebknecht\". Die SAV bedient sich der Strategie des Entrismus. So agieren ihre Mitglieder vorwiegend im offen extremistischen Zusammenschluss \"Antikapitalistische Linke\" der Partei DIE LINKE, um Einfluss auf die Partei nehmen zu k\u00f6nnen. Die SAV beteiligt sich an bundesweiten Protestaktionen und Kampagnen, insbesondere hat sie zur Teilnahme an den Protesten anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung des EZB-Neubaus am 18. M\u00e4rz 2015 in Frankfurt am Main (Hessen) mobilisiert und war mit zahlreichen Mitgliedern aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern bei den Blockaden und der Demonstration vertreten. Sie bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antimilitarismus\" und \"Antiglobalisierung\". Das tendenziell r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederpotenzial wirkt sich auch auf die Teilnehmerzahl der j\u00e4hrlich ausgerichteten sogenannten Sozialismustage aus. 139","LINKSEXTREMISMUS 11. Offen extremistische Strukturen in der Partei DIE LINKE 11.1 \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) Gr\u00fcndung: Dezember 1989 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Bundessprecherrat (vier Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.200 (2014: 1.174) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform\" (Zeitschrift, monatlich) Teil-/Nebenorganisationen: 13 Landesverb\u00e4nde der \"Kommunistischen Plattform\" Die \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) ist der mitgliederst\u00e4rkste offen extremistische Zusammenschluss in der Partei DIE LINKE. Ziel der KPF ist die \u00dcberwindung des Kapitalismus als Gesellschaftsordnung und der Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. In der Partei DIE LINKE ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus sowie zu marxistisch-leninistischen Traditionen bekennt. Sie verteidigt die historische Legitimit\u00e4t der DDR und setzt sich f\u00fcr eine Bewahrung der antikapitalistischen Grundhaltung der Partei DIE LINKE ein. Die KPF bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antirassismus\". 140","LINKSEXTREMISMUS 11.2 \"Sozialistische Linke\" (SL) Gr\u00fcndung: August 2006 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: BundessprecherInnenrat (zw\u00f6lf Personen) Mitglieder/Anh\u00e4nger 826 (2014: 826) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"realistisch und radikal\" (Debattenmagazin, unregelm\u00e4\u00dfig) Der offen extremistische Zusammenschluss \"Sozialistische Linke\" (SL) in der Partei DIE LINKE kn\u00fcpft an \"linkssozialistische und reformkommunistische Traditionen\" an und vertritt neomarxistische Positionen. Ziel ist die \u00dcberwindung des Kapitalismus. Die DDR war f\u00fcr die SL \"ein legitimer Versuch, auf deutschem Boden eine Alternative zum Kapitalismus aufzubauen\". Aktionsfelder der SL sind gewerkschaftliche Themen, Umwelt und politische Bildungsarbeit. Des Weiteren richtet sie j\u00e4hrlich die \"Sommerakademie\" aus - eine \u00f6ffentliche Veranstaltung, bei der die \"Grundlagen linker Politik im und gegen den Kapitalismus\" besprochen werden. 141","LINKSEXTREMISMUS 11.3 \"Arbeitsgemeinschaft Cuba Si\" (Cuba Si) Gr\u00fcndung: 1991 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Koordinierungsrat Mitglieder/Anh\u00e4nger 536 (2014: 536) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Cuba Si revista\" (Zeitschrift, halbj\u00e4hrlich) Der als Arbeitsgemeinschaft beim Parteivorstand der Partei DIE LINKE organisierte, offen extremistische Zusammenschluss Cuba Si tritt f\u00fcr eine uneingeschr\u00e4nkte politische und materielle Solidarit\u00e4t mit dem kubanischen Regime ein. Eine kritische Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfen der kubanischen Regierung findet in der Regel nicht statt. Cuba Si unterh\u00e4lt Kontakte zu zahlreichen kubanischen Organisationen und Einrichtungen, unter anderem zur \"Kommunistischen Partei Kubas\" sowie zum \"Kommunistischen Jugendverband Kubas\". Der Ideologie des sozialistischen Internationalismus folgend f\u00fchrt Cuba Si Solidarit\u00e4tsaktionen - wie zum Beispiel die Spendenkampagne \"Kuba muss \u00fcberleben\" - zugunsten des sozialistischen Staates durch. 142","LINKSEXTREMISMUS 11.4 \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) Gr\u00fcndung: 2006 Leitung/Vorsitz: BundessprecherInnenrat (sechs Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger 592 (2014: 592) in Deutschland: Die seit 2012 als Bundesarbeitsgemeinschaft in der Partei DIE LINKE organisierte \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) fordert einen \"grunds\u00e4tzlichen Systemwechsel\" sowie die \u00dcberwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung durch einen \"Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsstrukturen\". Wesentliche Aktionsfelder sind \"Antikapitalismus\" und \"Antimilitarismus\". Auch Mitglieder der trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative\" (SAV) agieren in der AKL. 143","LINKSEXTREMISMUS 11.5 \"Marxistisches Forum\" (MF) Gr\u00fcndung: 1995 Sitz: Berlin Mitglieder/Anh\u00e4nger 400 (2014: 400) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Marxistisches Forum\" (Zeitschrift, unregelm\u00e4\u00dfig) Dem orthodox-kommunistisch ausgerichteten \"Marxistischen Forum\" (MF) fehlen f\u00fcr eine Anerkennung als bundesweiter Zusammenschluss in der Partei DIE LINKE nach wie vor die satzungsgem\u00e4\u00dfen Voraussetzungen. Gleichwohl tr\u00e4gt es zur Profilierung des linken Fl\u00fcgels der Partei bei. Es bezieht sich positiv auf Marx, Engels und Lenin und sieht den Sozialismus als Vorstufe zum angestrebten Kommunismus an. Das MF zeichnet ein besonders positives Bild der SED-Diktatur und glorifiziert den \"strukturellen Antifaschismus\" in der DDR. 144","LINKSEXTREMISMUS 11.6 \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) Gr\u00fcndung: 2003 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Sprecherrat (zwei Mitglieder) Koordinierungsrat (drei Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger 250 (2014: 250) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Bulletin\" (Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich) Der bundesweite Zusammenschluss \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) in der Partei DIE LINKE setzt sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung und Verbreitung der marxistisch-sozialistischen Positionen in der Partei ein und fordert einen grundlegenden Richtungswechsel gesellschaftlicher Entwicklung hin zum Sozialismus. Er bezeichnet sich selbst als einen \"nicht unwesentlichen Teil der marxistisch-kommunistisch-sozialistischen Str\u00f6mungen und Plattformen\" innerhalb der Partei. Die Hauptaktionsfelder des GSoD sind \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\". 145","LINKSEXTREMISMUS 11.7 \"marx21\" Gr\u00fcndung: September 2007 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: marx21-Koordinierungskreis (17 Personen) Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2014: 400) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"marx21\" (vier Ausgaben pro Jahr) \"Theorie21\" (Theoriemagazin, halbj\u00e4hrlich) Das trotzkistische Netzwerk \"marx21\" ist kein vom Parteivorstand der Partei DIE LINKE anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei. Gleichwohl versucht das Netzwerk im Wege des Entrismus Einfluss auf die Partei zu gewinnen. Weiterhin agitiert \"marx21\" im offen extremistischen Zusammenschluss \"Sozialistische Linke\" (SL) der Partei DIE LINKE. Ziel ist die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung. Unverzichtbare Voraussetzungen hierf\u00fcr sind f\u00fcr \"marx21\" die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparats\" und die Errichtung einer \"Diktatur des Proletariats\". Das Netzwerk bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antiimperialismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antiglobalisierung\". Dazu geh\u00f6rt auch die Teilnahme an Protestaktionen und Kampagnen. Au\u00dferdem richtet \"marx21\" eigene Konferenzen und Versammlungen aus, insbesondere den j\u00e4hrlich in Berlin stattfindenden Kongress \"Marx Is Muss\", an dem 2015 nach eigenen Angaben 800 Personen teilnahmen. 146","LINKSEXTREMISMUS 12. \"junge Welt\" (jW) Gr\u00fcndung: 1947 Sitz: Berlin Verlag: \"8. Mai GmbH\" geh\u00f6rt zur \"Linke Presse VerlagsF\u00f6rderungsund Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G.\" (LPG) Chefredakteur: Arnold Sch\u00f6lzel Erscheinungsweise: t\u00e4glich Die kommunistisch ausgerichtete Tageszeitung \"junge Welt\" (jW) tritt f\u00fcr die Errichtung einer sozialistischen/kommunistischen Gesellschaft ein. Sie ist das bedeutendste und auflagenst\u00e4rkste Printmedium im Linksextremismus. Einzelne Redaktionsmitglieder und ein nicht unerheblicher Teil der Stammund Gastautoren sind dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen. Die jW bekennt sich nicht ausdr\u00fccklich zur Gewaltfreiheit. Vielmehr bietet sie immer wieder Personen, die politisch motivierte Straftaten guthei\u00dfen, eine \u00f6ffentliche Plattform. Die finanzielle Lage der jW ist weiterhin angespannt. 147","148","Islamismus/ islamistischer Terrorismus 149","Islamismus/islamistischer Terrorismus I. \u00dcberblick Der Begriff \"Islamismus\" bezeichnet eine Form des politischen Extremismus. Unter Berufung auf den Islam zielt der Islamismus auf die teilweise oder vollst\u00e4ndige Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland ab. Der Islamismus basiert auf der \u00dcberzeugung, dass Religion, hier: der Islam, nicht nur eine pers\u00f6nliche, private \"Angelegenheit\" ist, sondern auch das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung bestimmt oder zumindest teilweise regelt. Der Islamismus postuliert die Existenz einer gottgewollten und daher \"wahren\" und absoluten Ordnung, die \u00fcber von Menschen gemachten Ordnungen steht. Mit ihrer Auslegung des Islam stehen Islamisten in Widerspruch insbesondere zu den im Grundgesetz verankerten Grunds\u00e4tzen der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, der Trennung von Staat und Religion, der freien Meinungs\u00e4u\u00dferung und der allgemeinen Gleichberechtigung. Ein wesentliches ideologisches Element des Islamismus ist au\u00dferdem der Antisemitismus. Unter dem Oberbegriff \"Islamismus\" werden verschiedene Str\u00f6mungen zusammengefasst, die sich hinsichtlich ihrer ideologischen Pr\u00e4missen, ihrer geografischen Orientierung und ihrer Strategien und Mittel unterscheiden. Legalistische Str\u00f6mungen wie die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung versuchen, \u00fcber politische und gesellschaftliche Einflussnahme eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen. Die Anh\u00e4nger islamistisch-terroristischer Gruppierungen wie HAMAS und \"Hizb Allah\", deren Ziel die Vernichtung des j\u00fcdischen Staates Israel ist, sind auf ihre Herkunftsregionen fokussiert und wenden schwerpunktm\u00e4\u00dfig dort terroristische Gewalt an. Jihadistische Gruppierungen, wie zum Beispiel der \"Islamische Staat\" (IS) und \"al-Qaida\", sehen in ihrem Kampf f\u00fcr einen \"Gottesstaat\" in terroristischer Gewalt ein unabdingbares Mittel gegen \"Ungl\u00e4ubige\" und sogenannte korrupte Regime. Ihre terroristische Agenda ist global und bedroht die internationale Staatengemeinschaft. Eine seit mehreren Jahren stark an Bedeutung gewinnende Str\u00f6mung innerhalb des Islamismus ist der Salafismus. Salafisten geben vor, sich in ihrem Denken und Handeln ausschlie\u00dflich an einem wortgetreuen Verst\u00e4ndnis von Koran und Sunna (zur 150","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Nachahmung empfohlene Handlungsweisen und Aussagen des Propheten) sowie am Vorbild der Gef\u00e4hrten des Propheten zu orientieren. Damit lehnen sie nicht nur die freiheitliche demokratische Grundordnung in G\u00e4nze ab, sondern negieren auch weitestgehend die Geschichte des Islam und der Muslime. Salafisten vertreten einen Exklusivit\u00e4tsanspruch, sie sehen sich als die einzigen \"wahren\" Muslime. 1. Entwicklungstendenzen Die Attentate zum Ende des Jahres in Paris (Frankreich) haben uns Terror in Europa in Europa eine neue Dimension des Terrors vor Augen gef\u00fchrt. Am sp\u00e4ten Abend des 13. November kam es in der franz\u00f6sischen Hauptstadt zu mehreren, nahezu zeitgleich ausgef\u00fchrten Terroranschl\u00e4gen. Ein Fussballspiel, Restaurants, Cafes und ein Konzert, das von vielen jungen Menschen besucht wurde, waren die Tatorte, die gezielt von islamistischen Terroristen angegriffen worden waren. Die Fernsehzuschauer des Fussballspiels wurden Zeugen der Stadionevakuierung noch w\u00e4hrend die Attent\u00e4ter ihre Mordserie ein paar Kilometer weiter entfernt fortsetzten. Im Verlauf der Anschlagsserie wurden 130 Menschen get\u00f6tet und mehr als 350 Personen zum Teil schwer verletzt. Der IS bekannte sich in einer Erkl\u00e4rung zu den Taten. Bereits zuvor war Frankreich immer wieder zum Ziel der Terrormiliz erkl\u00e4rt worden. In IS-Propagandaver\u00f6ffentlichungen wurde Frankreich mehrmals gezielt angesprochen und verurteilt. Unter anderem drohten wiederholt franz\u00f6sischsprachige K\u00e4mpfer mit entsprechenden Anschl\u00e4gen in Frankreich. Es ist davon auszugehen, dass der IS Pl\u00e4ne f\u00fcr weitere Anschl\u00e4ge Jihadistische Gefahr in Europa, und damit auch in Deutschland, verfolgt. Das deutsche f\u00fcr Deutschland milit\u00e4rische Engagement in Syrien und im Irak stellt bereits ein hinreichendes Argument f\u00fcr den IS dar, um die Anwendung von Gewalt gegen deutsche Interessen zu legitimieren. Dar\u00fcber hinaus hat der IS alle, die sich ihm nicht unterwerfen, zu \"Ungl\u00e4ubigen\" erkl\u00e4rt und damit zu Feinden, die zu bek\u00e4mpfen und zu vernichten sind. Zu diesen Feinden z\u00e4hlt nicht nur \"der Westen\", dessen Kampf gegen den IS von diesem als Krieg gegen 151","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS den Islam dargestellt und propagandistisch ausgeschlachtet wird. Zu den Feinden z\u00e4hlen auch \"die Juden\" und \"die Schiiten\", aber auch alle Sunniten, die nicht f\u00fcr den IS sind, und damit auch konkurrierende jihadistische Organisationen wie \"al-Qaida\". Neben dem IS sowie Personen, die sich zu ihm bekennen, als derzeit gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr \"den Westen\", propagiert auch \"al-Qaida\" den Kampf gegen \"den Westen\" als prim\u00e4res Ziel weiter und ist nach wie vor in der Lage, Worten des Hasses auch t\u00f6dliche Taten folgen zu lassen, wie der Anschlag auf das Satiremagazin \"Charlie Hebdo\" in Paris am 7. Januar 2015 demonstrierte. Anschlagsrisiken bestehen vordringlich durch # sich selbst radikalisierende Einzelt\u00e4ter und Kleinstgruppen, # R\u00fcckkehrer aus Jihad-Gebieten, # an der Ausreise gehinderte Personen sowie # langfristig lancierte Schl\u00e4fer von Terrororganisationen. Angesichts der anhaltenden Zuwanderungsbewegungen nach Deutschland ist zudem davon auszugehen, dass sich unter den Fl\u00fcchtlingen auch aktive und ehemalige Mitglieder, Unterst\u00fctzer und Sympathisanten terroristischer Organisationen sowie Einzelpersonen mit extremistischer Gesinnung und/oder islamistisch motivierte Kriegsverbrecher befinden k\u00f6nnen. Verringerte Trotz der anhaltenden IS-Propaganda, die das Ziel verfolgt, Ausreisedynamik Anh\u00e4nger zur Auswanderung in das \"Kalifat\" zu bewegen und sich auch gezielt an Sympathisanten in westlichen Staaten richtet, wurde f\u00fcr das Jahr 2015 eine verringerte Ausreisedynamik festgestellt. Die Ursachen des R\u00fcckgangs sind nicht gekl\u00e4rt: Neben der H\u00e4ufung von Todesf\u00e4llen in Syrien und im Irak unter den Islamisten aus Deutschland k\u00f6nnen auch die verschlechterte milit\u00e4rische Situation vor Ort verbunden mit einer katastrophalen humanit\u00e4ren Lage Einflussfaktoren dieser Entwicklung sein. Die verringerte Ausreisedynamik bedeutet jedoch keine Entwarnung f\u00fcr die Gefahr durch Jihadisten. Jihadistische Deutlich wird dies vor allem durch die jihadistische Propaganda, Propaganda die keine Grenzen kennt und den Jihadismus auch im \"Westen\" gedeihen l\u00e4sst. Sie tr\u00e4gt nach wie vor wesentlich zur Radikalisierung insbesondere junger Menschen bei. Da die Dauer der 152","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Radikalisierung bis zum aktiven Eintreten f\u00fcr den militanten Kampf immer k\u00fcrzer wird, ist sowohl die Bek\u00e4mpfung des Terrorismus/Jihadismus als auch die Pr\u00e4vention des Islamismus im Vorfeld weiterhin eine dringliche Aufgabe. Der Islamismus in Deutschland verzeichnet ungebrochenen Weiterhin Zulauf f\u00fcr Zulauf. Besonders stark steigen die Anh\u00e4ngerzahlen beim SalaSalafisten fismus, der Str\u00f6mung innerhalb des Islamismus, die - anders als die seit vielen Jahren in Deutschland \"etablierten\" islamistischen Organisationen - auf keine hier fortgef\u00fchrten Traditionen und Strukturen aus (ehemaligen) Herkunftsl\u00e4ndern R\u00fccksicht zu nehmen braucht. Der Salafismus pr\u00e4sentiert sich einerseits als Gegenmodell zur hiesigen, westlichen Gesellschaft, ist aber andererseits auch deren Produkt. Mit dem Salafismus ist damit erstmals ein \"einheimischer Islamismus\" entstanden.35 Seine anhaltende \"Attraktivit\u00e4t\" verdeutlicht die Wichtigkeit sowohl der gesamtgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit ihm als auch seiner Aufkl\u00e4rung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Dies umso mehr, als die jihadistische Ausrichtung des Salafismus \"den Westen\" - symbolisiert in der freiheitlichen demokratischen Grundordnung - nicht nur ablehnt, sondern aktiv bek\u00e4mpft, sei es durch die Ausreise zum IS oder durch Anschl\u00e4ge im Westen. Die Koranverteilaktion \"LIES!\" der salafistischen Vereinigung Koranverteilaktion \"Die Wahre Religion\" (DWR) ist - aus Sicht der Salafisten - ein der \"LIES!\"-Kampagne \"Erfolgsmodell\". Unter dem Deckmantel von \"Missionierungsarbeit\" wurden die Aktivit\u00e4ten im Jahr 2015 mit ungebrochenem Engagement fortgef\u00fchrt. Inzwischen wurden etwa drei Millionen Koran-Exemplare verteilt. Die im Inund Ausland stetig expandierende Kampagne wird von der \u00d6ffentlichkeit verst\u00e4rkt wahrgenommen und entfaltet gerade auf Jugendliche und Heranwachsende eine besondere Anziehungskraft. Auch Personen aus dem jihadistischen Spektrum oder mit Kontakten in die jihadistische 35 Vgl. bspw. Rauf Ceylan, Michael Kiefer, Salafismus: Fundamentalistische Str\u00f6mungen und Radikalisierungspr\u00e4vention, Wiesbaden 2013, S. 75 f., 92 ff.; Analyse der Radikalisierungshintergr\u00fcnde und -verl\u00e4ufe der Personen, die aus islamistischer Motivation aus Deutschland in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind (Fortschreibung 2015), abrufbar unter: www.innenministerkonferenz.de. 153","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Szene nehmen an Aktionen des Projekts \"LIES!\" teil, mitunter bereits mit dem Vorsatz, islamistisch zu radikalisieren und jihadistisch zu rekrutieren. Mit dem Strom der Fl\u00fcchtlinge aus Syrien und dem Irak wittern islamistische Organisationen in Deutschland die Chance, ihre Anh\u00e4ngerschaft zu vergr\u00f6\u00dfern, indem sie versuchen, Fl\u00fcchtlinge unter dem Deckmantel der humanit\u00e4ren Hilfe f\u00fcr ihre extremistische Ideologie zu gewinnen. Diese Bestrebungen werden andauern. Antisemitismus im Ein Ankn\u00fcpfungspunkt daf\u00fcr kann der Antisemitismus sein, Islamismus der nicht nur integraler Bestandteil aller Erscheinungsformen des Islamismus ist, sondern generell geeignet ist, latent vorhandene, antisemitische Ressentiments bei vielen Muslimen, zumal in orientalischen L\u00e4ndern, zu verst\u00e4rken. Die Bandbreite des Antisemitismus im Islamismus ist gro\u00df. Sie reicht von j\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rungstheorien (z.B. in der dem Umfeld der \"Milli-G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zugeordneten Zeitung \"Milli Gazete\") \u00fcber die Propagierung und Unterst\u00fctzung des Kampfes gegen Israel (z.B. durch HAMAS und \"Hizb Allah\") bis zu Anschl\u00e4gen auf (vermeintliche) Juden und j\u00fcdische Einrichtungen weltweit, zu denen jihadistische Gruppierungen aufrufen (z.B. der einem IS-Anh\u00e4nger zugeschriebene Anschlag auf einen j\u00fcdischen Supermarkt in Paris am 9. Januar 2015). 2. Organisationen und Personenpotenzial Zu mehreren der bundesweit aktiven islamistischen Organisationen beziehungsweise Gruppierungen liegen keine gesicherten Anh\u00e4ngerzahlen vor, sodass ein umfassendes Personenpotenzial der Islamisten in Deutschland nicht ausgewiesen werden kann. Insbesondere das Personenpotenzial der der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"Bewegung zugeordneten Vereinigungen - einschlie\u00dflich der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) - kann nur grob gesch\u00e4tzt werden. Insgesamt verf\u00fcgt die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung \u00fcber einige Zehntausend Anh\u00e4nger. Die Zahl der extremistischen Anh\u00e4nger wird dabei auf bis zu 10.000 Personen gesch\u00e4tzt. 154","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Islamismuspotenzial1 Organisationen2 2013 2014 2015 Kern-\"al-Qaida\" \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) \"al-Shabab\" \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) \"al-Qaida auf dem indischen keine gesicherkeine gesicherkeine gesicherSubkontinent\" (AQIS) ten Zahlen ten Zahlen ten Zahlen \"Islamischer Staat\" (IS) noch nicht keine gesicherkeine gesicheraufgef\u00fchrt ten Zahlen ten Zahlen Salafistische Bestrebungen 5.500 7.000 8.350 \"Hizb Allah\" 950 950 950 \"Harakat al-Muqawama al-Islamiya\" (HAMAS) 300 300 300 \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 250 220 200 \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) 350 360 360 \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 300 300 320 \"Muslimbruderschaft\" (MB)/\"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.\" (IGD) 1.300 1.000 1.040 \"Tablighi Jama'at\" (TJ) 700 700 650 \"Islamisches Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) keine gesicherkeine gesicherkeine gesicherten Zahlen ten Zahlen ten Zahlen \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung und keine gesicherkeine gesicherzugeordnete Vereinigungen (IGMG) 31.000 ten Zahlen ten Zahlen Sonstige3 2.540 2.060 1.950 1 Die Zahlenangaben beziehen sich auf Deutschland und sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Die Reihenfolge der Auflistung ist geordnet von terroristischen Organisationen bis zu Organisationen, die auf Gewalt verzichten. 3 Weitere Organisationen, deren Mitgliederund Anh\u00e4ngerzahlen im Islamismuspotenzial zu ber\u00fccksichtigen sind. 155","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS II. Internationale Konflikte und ihre Bedeutung f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland Die Sicherheitslage in Deutschland wird hinsichtlich des transnationalen islamistischen Terrorismus in hohem Ma\u00dfe von internationalen Entwicklungen bestimmt. Ganz ma\u00dfgeblich sind hier der Krieg in Syrien und im Irak und die Eskalation des Terrors durch den IS. Das Jahr 2015 war gepr\u00e4gt von zahlreichen Anschl\u00e4gen in westlichen L\u00e4ndern, in der T\u00fcrkei und im Nahen Osten, f\u00fcr die der IS die Verantwortung \u00fcbernommen hat. Diese Anschl\u00e4ge f\u00fchrten unmittelbar zu politischen und milit\u00e4rischen Reaktionen, deren Folgen noch nicht absehbar sind. 1. Lage in Syrien und im Irak - Auswirkungen auf die Sicherheitslage Der Krieg in Syrien und im Irak geht weiter. Der IS eskaliert seinen Terror. Die Folgen von Krieg und Terror treffen nicht nur die Bev\u00f6lkerungen beider L\u00e4nder und ihrer Nachbarstaaten, sondern erreichen auch Europa und \"den Westen\" insgesamt sowie Russland. Die unterschiedlichen Interessen sowohl innerhalb des \"Westens\" als auch Russlands sowie der Regionalm\u00e4chte T\u00fcrkei, Saudi-Arabien und Iran erschweren es weiterhin, eine umfassende und nachhaltige Strategie f\u00fcr Syrien (und den Irak) und gegen den IS zu entwerfen und umzusetzen. Das milit\u00e4rische Eingreifen Russlands auf Seiten des AssadRegimes seit Ende September 2015 verkompliziert nicht nur die Findung einer politischen und milit\u00e4rischen Strategie. Der russische Einsatz f\u00fchrte auch dazu, dass sich mehrere jihadistische und islamistische Gruppierungen zu einer antirussischen Allianz zusammengeschlossen haben und sowohl der F\u00fchrer des syrischen Ablegers von \"al-Qaida\", der \"Jabhat al-Nusra\" (JaN), Abu Muhammad al-Julani, als auch saudische Kleriker zum Jihad gegen Russland aufgerufen haben. Bereits seit Mitte 2015 weitet der IS seine Terrorangriffe aus. Seit Oktober 2015 ist eine weitere Eskalation zu verzeichnen: Terroranschl\u00e4ge des IS treffen nicht mehr ausschlie\u00dflich die 156","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Nachbarstaaten Syriens oder andere arabische L\u00e4nder. Mit der Anschlagsserie in Paris am 13. November 2015 hat der IS deutlich gemacht, dass er in der Lage ist, auch in Europa terroristische Angriffe durchzuf\u00fchren. Es ist davon auszugehen, dass der IS Pl\u00e4ne f\u00fcr weitere Anschl\u00e4ge in Europa, und damit auch in Deutschland, verfolgt. Der Krieg und der Terror in Syrien und im Irak sind auch der Grund daf\u00fcr, dass Abertausende von Menschen auf der Flucht sind, sowohl im Land selbst als auch in den Nachbarstaaten, und seit Sp\u00e4tsommer 2015 in gro\u00dfer Zahl weiter \u00fcber den Balkan nach Europa. Der IS empfindet diesen Massenexodus offenbar als bedrohlich, er bezeichnet ihn als \"S\u00fcnde\". Daher hat er eine intensive Medienkampagne im Internet gestartet mit dem Ziel, die Muslime von einer Auswanderung in den Westen abzuhalten und sie zum Verbleib in den von ihm eroberten Gebieten im Irak und in Syrien zu \u00fcberzeugen. 1.1 Professionelle IS-Propaganda Der IS dominiert die jihadistische Propaganda-Landschaft. Er Dominanz publiziert in t\u00e4glichem Rhythmus Texte, Fotoreihen sowie Videooder Audiobotschaften. Die durchweg aufwendig produzierten Ver\u00f6ffentlichungen zielen auf die Anspr\u00fcche eines jungen und medienaffinen Publikums ab. Hinzu kommt eine Omnipr\u00e4senz in sozialen Netzwerken. Soziale Netzwerke wie Facebook spielen eine entscheidende Rolle Multiplikatoren f\u00fcr die Gewinnung von Unterst\u00fctzern und Mitgliedern des IS. Dies gilt auch f\u00fcr die deutschsprachige Szene. In sozialen Netzwerken ist es leicht, mit Sympathisanten des IS oder mit deutschsprachigen K\u00e4mpfern vor Ort in Kontakt zu kommen. Die Nutzung von Instant-Messenger-Diensten f\u00fcr Smartphones und Tablets ist kein Novum. WhatsApp-Gruppen dienen zum Beispiel als Radikalisierungsplattformen und virtuelle Treffpunkte der Szene. 157","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS \"Al-Hayat Media Neben Medienstellen f\u00fcr die Produktion und Verbreitung araCenter\"/\"DABIQ\" bischsprachiger Propaganda verf\u00fcgt der IS mit dem \"al-Hayat Media Center\" \u00fcber eine international ausgerichtete Medienstelle, die Propaganda in vielen unterschiedlichen Sprachen verbreitet, darunter auch Deutsch. Das \"al-Hayat Media Center\" produziert das grafisch hochwertige englischsprachige Onlinemagazin \"DABIQ\". Die Ausgaben werden teilweise auch ins Franz\u00f6sische und Deutsche \u00fcbersetzt. \"DABIQ\" b\u00fcndelt die unterschiedlichen Themen der IS-Propaganda und bereitet sie in komprimierter Form auf. In der zw\u00f6lften Ausgabe (erschienen im November 2015) wurden unter anderem die Anschl\u00e4ge in Paris am 13. November 2015 sowie der Absturz der russischen Passagiermaschine \u00fcber der Sinai-Halbinsel am 31. Oktober 2015 thematisiert. Deutschsprachige In Videover\u00f6ffentlichungen des IS treten ebenso deutschspraIS-Propaganda chige K\u00e4mpfer auf, die unter anderem mit jihadistischen Kampfges\u00e4ngen daf\u00fcr werben, in das \"Kalifat\" auszureisen. Neben der vom IS produzierten deutschsprachigen Propaganda wird von Unterst\u00fctzern und Sympathisanten Propaganda des IS ins Deutsche \u00fcbersetzt und \u00fcber einschl\u00e4gige Internetpr\u00e4senzen sowie \u00fcber soziale Netzwerke verbreitet. Seit Juli 2015 existiert beispielsweise das Label \"Furat\", das sich aus einer russischsprachigen jihadistischen Internetpr\u00e4senz entwickelt hat. \"Furat\" produziert ausschlie\u00dflich Propaganda f\u00fcr den IS und kann als halboffizielle Medienstelle des IS bezeichnet werden. Unter anderem produziert sie auch vereinzelt deutschsprachige Propaganda. In einer Serie von Videos portr\u00e4tierte sie angeblich aus Deutschland stammende K\u00e4mpfer und Selbstmordattent\u00e4ter. Das \"Kalifat\" als Im Zentrum der IS-Propaganda steht die Festigung und AusAusreiseziel weitung des \"Kalifats\", das der IS Ende Juni 2014 ausgerufen hat. Damit ist nach dem Selbstverst\u00e4ndnis des IS Wirklichkeit geworden, was jihadistische Organisationen bis dato nur als Utopie und fernes Ideal betrachtet haben. Die IS-Propaganda stellt dieses nun errichtete \"Kalifat\" als einzig legitimes muslimisches Staatswesen dar. Nur hier sei eine \"wahrhaft islamische Ordnung\" nach den Regeln der Scharia realisiert, nur hier sei ein \"wahrhaft islamisches Leben\" m\u00f6glich. Daher erkl\u00e4rt der IS es zur Pflicht eines jeden Muslims, in das Gebiet des \"Kalifats\" auszuwandern, an seinem Aufbau mitzuwirken und f\u00fcr seine Ausbreitung zu k\u00e4mpfen. 158","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Eines der wichtigsten Ziele der IS-Propaganda ist es, Anh\u00e4nger zur Auswanderung in das \"Kalifat\" zu bewegen. Der IS richtet diese Aufrufe auch gezielt an Sympathisanten in westlichen Staaten. Dass das \"Kalifat\" ein \"wahrhaft islamisches Leben\" erm\u00f6gliche, versucht die Propaganda auf unterschiedliche Art zu untermauern: Die Einhaltung der Gebetszeiten und das Vorgehen gegen Alkoholund Zigarettenkonsum sowie gegen \"unsittliches\" Verhalten werden betont. Es wird \u00fcber Scharia-Gerichte und eine Scharia-Polizei berichtet, die f\u00fcr die Einhaltung der islamischen Gesetze, wie sie der IS versteht, sorgen. In Videos und Bilderreihen wird gezeigt, wie angeblich auf der Scharia beruhende Strafen vollstreckt werden (z.B. Amputationen von Gliedma\u00dfen, Steinigungen). Die religi\u00f6se Unterweisung von Kindern und Jugendlichen wird besonders hervorgehoben. Das \"Kalifat\" befindet sich, so stellt es die Propaganda dar, in Bewaffneter Kampf einem permanenten existenziellen Kampf: Es muss sich gegen seine Gegner verteidigen und seine Ausbreitung vorantreiben. H\u00e4ufig werden endzeitliche Vorstellungen heraufbeschworen, die eine finale Schlacht zwischen den Kr\u00e4ften des Islam und denen des \"Unglaubens\" vorhersagen. Entsprechend ist die Propaganda des IS wesentlich von der Glorifizierung des bewaffneten Jihad und des religi\u00f6s begr\u00fcndeten M\u00e4rtyrertums gepr\u00e4gt. Der IS ruft seine Anh\u00e4nger in westlichen Staaten dazu auf, dort Aufruf zu Anschl\u00e4gen in eigener Regie Anschl\u00e4ge zu planen und zu ver\u00fcben. In der Propaganda wird besonders f\u00fcr Angriffe geworben, die ohne gro\u00dfen logistischen Aufwand durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen, wie zum Beispiel Messerattacken, Brandanschl\u00e4ge oder absichtlich herbeigef\u00fchrte Verkehrsunf\u00e4lle. Attent\u00e4ter, die solche Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt und sich als IS-Anh\u00e4nger zu erkennen gegeben haben, werden in Ver\u00f6ffentlichungen des IS ausf\u00fchrlich gew\u00fcrdigt und als Vorbilder pr\u00e4sentiert. Auch die Anh\u00e4nger des IS stellten in unterschiedlichen sozialen Medien des Internets Beitr\u00e4ge ein, in denen sie die Anschl\u00e4ge von Paris im November 2015 euphorisch guthie\u00dfen. H\u00e4ufig \u00e4u\u00dferten sie sich dahingehend, dass mit den Anschl\u00e4gen nun die Drohungen wahrgemacht w\u00fcrden, die der IS in seinen fr\u00fcheren Botschaften an Frankreich gerichtet habe. Der IS hatte sich in der Vergangenheit in seinen Ver\u00f6ffentlichungen wiederholt 159","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS gegen Frankreich gewandt, beispielsweise drohten franz\u00f6sischsprachige IS-K\u00e4mpfer Frankreich in Videos mit Anschl\u00e4gen. Nach den Anschl\u00e4gen im November 2015 drohte der IS Frankreich mit weiteren blutigen Attacken, sollte das Land seine angeblich antiislamische Politik fortsetzen und sich weiterhin am Krieg gegen den IS beteiligen. Nach dem Absturz eines russischen Passagierflugzeugs im Oktober 2015 \u00fcber dem Sinai in \u00c4gypten behauptete der IS umgehend, den Absturz durch einen Anschlag herbeigef\u00fchrt zu haben. Dieser sei die Antwort auf das russische Vorgehen in Syrien. Exzessive Gewalt Kampfhandlungen, Hinrichtungen (Massenerschie\u00dfungen, Entversus zivile hauptungen, Kreuzigungen, Steinigungen, Verbrennungen bei Staatlichkeit lebendigem Leib etc.) und andere exzessive Gewalttaten sind fester Bestandteil der IS-Propaganda. Die provozierenden Gewaltdarstellungen verschaffen dem IS ein hohes Ma\u00df an medialer Aufmerksamkeit und k\u00f6nnen bei einzelnen Anh\u00e4ngern Allmachtsfantasien ausl\u00f6sen. Das gilt ebenso f\u00fcr die durch die IS-Propaganda medienwirksam zelebrierte Zerst\u00f6rung von aus IS-Sicht \"unislamischen\" oder \"nichtislamischen\" Kulturg\u00fctern, wie etwa in der syrischen Oasenstadt Palmyra. Ein wichtiger Strang im propagandistischen Narrativ des IS ist die Darstellung des \"Kalifats\" als reales Staatswesen mit einer ausdifferenzierten Verwaltung und funktionierenden Institutionen. In Propagandaver\u00f6ffentlichungen wird \u00fcber Krankenh\u00e4user, Fabriken, Wasserund Stromversorgung, M\u00fcllabfuhr bis hin zu Ma\u00dfnahmen des Verbraucherschutzes berichtet. In Filmen werden Interviews mit Menschen gezeigt, die hervorheben, wie \"normal\" und wohlgeordnet ihr Alltag unter der Herrschaft des IS verlaufe. Anwerbung von Unter den Anh\u00e4ngern/Unterst\u00fctzern des IS sind seit einigen Frauen Jahren zunehmend auch Frauen festzustellen. Deutschsprachige Sympathisantinnen finden sich vorrangig in sozialen Netzwerken zusammen und tauschen sich \u00fcber die Vorz\u00fcge des IS und M\u00f6glichkeiten der Ausreise in das \"Kalifat\" aus. Bereits ausgereiste Frauen berichten \u00fcber ihre Erfahrungen und sprechen gezielt m\u00f6gliche Interessentinnen an. Ziel der ausreisenden Frauen ist in vielen F\u00e4llen die Heirat mit einem IS-K\u00e4mpfer, der 160","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS als romantischer Held und idealer Ehemann verkl\u00e4rt wird. Die IS-Propaganda verspricht den Frauen ein von finanziellen Sorgen befreites und ihren religi\u00f6sen \u00dcberzeugungen gem\u00e4\u00dfes Leben. Die Normalit\u00e4t des Alltags abseits der Kampfgebiete wird betont. Indem Frauen eine Familie gr\u00fcnden und ihre Kinder im Sinne der Ideologie des IS erziehen, legen sie - so wird ihnen suggeriert - das Fundament f\u00fcr die zuk\u00fcnftige Bl\u00fcte des \"Kalifats\". Wenngleich der IS seine milit\u00e4rischen Erfolge und sein Handeln Fazit islamisch-religi\u00f6s zu rechtfertigen versucht, verzichtet er doch propagandistisch weitgehend auf ausf\u00fchrliche und theologisch fundierte Predigten und Erkl\u00e4rungen. Vielmehr stellt er sich als schlagkr\u00e4ftige und erfolgreiche Organisation dar, der es gelingt, in die Tat umzusetzen, was jihadistische Ideologen seit Jahren predigen. Dieser handlungsorientierte Ansatz spricht vor allem junge Menschen an, deren Ziel es ist, Teil einer \"Revolution\" zu sein. Im Internet verschwimmt die Grenze zwischen Propagandaproduzenten und -konsumenten. Die Anh\u00e4nger verbreiten nicht nur offizielle IS-Propaganda, vielmehr produzieren sie selbst mit eigenen Videos, Bildern, Eintr\u00e4gen und Kommentaren Inhalte. Die virtuelle Verkn\u00fcpfung f\u00f6rdert neben einem Gemeinschaftsgef\u00fchl im Internet auch die realweltliche Vernetzung der Anh\u00e4nger. 1.2 Reisebewegungen Die Region Syrien/Irak ist weiterhin ein Reiseziel f\u00fcr deutsche Islamisten beziehungsweise Islamisten aus Deutschland. Bis Ende des Jahres 2015 lagen Erkenntnisse zu mehr als 780 Personen vor, die in Richtung Syrien/Irak gereist sind, um dort auf Seiten des IS und anderer terroristischer Gruppierungen an Kampfhandlungen teilzunehmen oder diese in sonstiger Weise zu unterst\u00fctzen. Insgesamt zeichnet sich eine verringerte Ausreisedynamik Verringerte Dynamik ab. Die Ursachen des R\u00fcckgangs sind nicht gekl\u00e4rt. Folgende Faktoren k\u00f6nnen die Entwicklung beeinflusst haben: 161","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Entwicklung der Ausreisezahlen gereiste Personen (gesamt) Jan 15 Feb 15 Mrz 15 Apr 15 Mai 15 Jun 15 Jul 15 Aug 15 Sep 15 Okt 15 Nov 15 Dez 15 Im Jahr 2015 haben sich die bekannt gewordenen Todesf\u00e4lle in Syrien und im Irak unter den Islamisten aus Deutschland verdoppelt. Diese Entwicklung wirkt vermutlich abschreckend auf Ausreisewillige. Zu Beginn der Ausreisewelle \"pendelten\" etliche Islamisten zwischen Deutschland und der Region Syrien/Irak (z.B. Transport von Hilfsg\u00fctern). Die zunehmende \"Jihadisierung\" des Konflikts tr\u00e4gt mutma\u00dflich dazu bei, dass Islamisten ihre Ausreise (noch) gewissenhafter abw\u00e4gen und im Falle einer tats\u00e4chlichen Ausreise l\u00e4ngerfristig beziehungsweise dauerhaft vor Ort bleiben. Denkbare Hindernisse f\u00fcr eine Ausreise sind ebenso die verschlechterte milit\u00e4rische Situation vor Ort verbunden mit einer katastrophalen humanit\u00e4ren Lage sowie der Umgang des IS mit \"straff\u00e4llig\" gewordenen Mitgliedern. Bei den Ausgereisten handelt es sich \u00fcberwiegend um in Deutschland geborene m\u00e4nnliche Muslime mit Migrationshintergrund. Etwa ein Achtel der Ausgereisten sind Konvertiten. Der 162","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Anteil der ausgereisten Frauen liegt bei circa 20%. Zudem reisen vereinzelt auch Minderj\u00e4hrige in die Region Syrien/Irak aus. Nicht in allen F\u00e4llen liegen Erkenntnisse vor, dass sich diese Personen tats\u00e4chlich in Syrien/Irak aufhalten oder aufgehalten haben. Ferner liegen zu circa 130 Personen Hinweise vor, dass diese in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen sind. Zudem wurden weitere Ausreiseplanungen bekannt. Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sind bestrebt, m\u00f6glichst viele dieser Ausreiseplanungen fr\u00fchzeitig wahrzunehmen, um deren Verwirklichung zu unterbinden. Die Anzahl der beh\u00f6rdlich verh\u00e4ngten Ausreiseverbotsverf\u00fcgungen bewegt sich im niedrigen dreistelligen Bereich. Etwa ein Drittel der gereisten Personen befindet sich momentan R\u00fcckkehrer wieder in Deutschland. Als Ergebnis der kontinuierlichen Ausund Bewertung der Erkenntnislage zu zur\u00fcckgekehrten Personen liegen den Sicherheitsbeh\u00f6rden aktuell zu \u00fcber 70 Personen Erkenntnisse vor, wonach sie sich aktiv an K\u00e4mpfen in Syrien oder im Irak beteiligt oder hierf\u00fcr eine Ausbildung absolviert haben. Insbesondere vom letztgenannten Personenkreis geht ein hohes Risiko aus. Neben terroristischer Ausbildung und \"Kampfpraxis\" verf\u00fcgen diese Personen zumeist \u00fcber eine Reihe weiterer Qualifikationen, die dem aktuellen Anforderungsprofil islamistischer Organisationen f\u00fcr potenzielle Operateure in westlichen Staaten entsprechen. Hierzu geh\u00f6ren h\u00e4ufig ein \"westliches\" Aussehen, das Wissen \u00fcber unauff\u00e4lliges Verhalten in westlichen Staaten im Alltag sowie der Besitz westlicher Reiseund Identit\u00e4tsdokumente. Zudem verf\u00fcgen jihadistische R\u00fcckkehrer aus Syrien/Irak in der Regel \u00fcber eine Vielzahl an Kennverh\u00e4ltnissen. Hieraus resultiert perspektivisch die Gefahr einer grenz\u00fcberschreitenden Vernetzung zur\u00fcckgekehrter Syrien-/Irak-Reisender in unterschiedlichste, unter anderem auch operative Netzwerke mit weiterhin bestehenden Verbindungen in den Nahen Osten. 163","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 1.3 Jihadisten unter Fl\u00fcchtlingen Vor allem aus den Kriegsund Krisengebieten im Nahen Osten h\u00e4lt der Zustrom von Fl\u00fcchtlingen nach Deutschland an. Au\u00dferdem ist Deutschland mit einer hohen Zahl irregul\u00e4r einreisender Personen aus anderen Regionen, wie etwa dem Balkan, Afghanistan oder Eritrea, konfrontiert. Angesichts der anhaltenden Zuwanderungsbewegungen nach Deutschland ist davon auszugehen, dass sich unter den Fl\u00fcchtlingen auch aktive und ehemalige Mitglieder, Unterst\u00fctzer und Sympathisanten terroristischer Organisationen gem\u00e4\u00df SSSS 129a und 129b StGB (wie dem sogenannten Islamischen Staat) sowie Einzelpersonen mit extremistischer Gesinnung und/oder islamistisch motivierte Kriegsverbrecher befinden k\u00f6nnen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder erhielten in diesem Zusammenhang Hinweise im unteren dreistelligen Bereich auf derartige Personen. Diesen Hinweisen gehen die Sicherheitsbeh\u00f6rden in jedem Einzelfall unverz\u00fcglich nach. Dies f\u00fchrte bisher zur Einleitung von Ermittlungsverfahren im unteren zweistelligen Bereich. Die Attentate vom 13. November 2015 in Paris haben gezeigt, dass sich der IS des aktuellen Fl\u00fcchtlingsstroms bedient, um (Selbstmord-)Attent\u00e4ter zur Begehung von Anschl\u00e4gen nach Europa zu schleusen. Den deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden liegen Einzelhinweise auf ein gezieltes beziehungsweise organisiertes Einschleusen von Mitgliedern/Unterst\u00fctzern terroristischer Organisationen im Fl\u00fcchtlingsstrom mit dem Ziel der Begehung von Anschl\u00e4gen in Deutschland vor. Bislang haben sich diese Einzelhinweise nicht best\u00e4tigt. Die Bearbeitung dieser Hinweise erfolgt im engen Austausch mit den betroffenen Sicherheitsbeh\u00f6rden beziehungsweise im Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ) und mit europ\u00e4ischen und internationalen Partnern. 164","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 1.4 Gef\u00e4hrdungspotenzial Unverhohlener als andere global-jihadistische Organisationen fordert der IS dazu auf, den Jihad durch Terroranschl\u00e4ge mit m\u00f6glichst einfach zu beschaffenden Tatmitteln und willk\u00fcrlich ausgew\u00e4hlten sogenannten weichen Zielen in die Mitte der westlichen Gesellschaften zu tragen. Unmittelbare Nachbarstaaten Deutschlands wurden im Jahr 2015 durch islamistisch motivierte und im Kontext der IS-Propaganda stehende t\u00f6dliche Attacken ersch\u00fcttert. # Am Morgen des 8. Januar 2015 er\u00f6ffnete ein Attent\u00e4ter das Feuer auf Polizisten, die zu einem Unfall in einen Pariser Vorort gerufen worden waren. Eine Polizistin erlag ihren Verletzungen. Am 9. Januar 2015 \u00fcberfiel derselbe T\u00e4ter einen j\u00fcdischen Supermarkt, verschanzte sich mit den Geiseln und erschoss vier von ihnen. Nach St\u00fcrmung des Marktes durch die Polizei kam der Attent\u00e4ter ums Leben. # Am 14. Februar 2015 wurde auf ein Kulturzentrum in Kopenhagen (D\u00e4nemark) ein Anschlag ver\u00fcbt. Ein d\u00e4nischer Dokumentarfilmer wurde get\u00f6tet und drei Polizisten verletzt. Ziel des Anschlags war eine Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit\". Am 15. Februar 2015 ver\u00fcbte derselbe Mann einen weiteren Anschlag auf eine Kopenhagener Synagoge, bei der ein j\u00fcdischer Wachmann erschossen und zwei Polizisten verletzt wurden. Der mutma\u00dfliche T\u00e4ter wurde kurz darauf von der Polizei gestellt und bei einem Schusswechsel get\u00f6tet. # Am 26. Juni 2015 fuhr ein als Lieferant besch\u00e4ftigter Mann mit seinem Lieferfahrzeug auf das Gel\u00e4nde einer Gasflaschenfabrik in der N\u00e4he von Lyon (Frankreich) und f\u00fchrte dort vors\u00e4tzlich eine Explosion eines Gasbeh\u00e4lters herbei, durch die mehrere Menschen verletzt wurden. Bei dem anschlie\u00dfenden Versuch, weitere Explosionen mittels Gasflaschen zu erzeugen, konnte er von herbeieilenden Feuerwehrleuten \u00fcberw\u00e4ltigt werden. Zuvor hatte der Attent\u00e4ter eine m\u00e4nnliche Person mit einem Messer enthauptet und deren Kopf am Absperrgitter des Industriegeb\u00e4udes neben zwei Fahnen befestigt, die nach jihadistischem Vorbild das islamische Glaubensbekenntnis enthielten. 165","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS # Am 13. November 2015 kam es zu weiteren verheerenden Anschl\u00e4gen in Paris. Ein Fu\u00dfballl\u00e4nderspiel, Restaurants, Cafes und ein von vielen jungen Menschen besuchtes Konzert waren die gezielt ausgew\u00e4hlten Anschlagsorte. Das perfide Ziel der Attent\u00e4ter: Niemand soll sich in der \u00d6ffentlichkeit mehr sicher f\u00fchlen. Im Verlauf dieser Anschlagsserie wurden 130 Menschen get\u00f6tet und mehr als 350 Personen zum Teil schwer verletzt. Die koordinierten Attentate wurden von drei T\u00e4tergruppen ver\u00fcbt. Zwei der T\u00e4ter, mutma\u00dflich irakische Staatsangeh\u00f6rige, reisten mit gef\u00e4lschten syrischen P\u00e4ssen als Fl\u00fcchtlinge getarnt nach Europa. Die anderen T\u00e4ter waren belgische beziehungsweise franz\u00f6sische Staatsangeh\u00f6rige. Sieben der T\u00e4ter kamen bei den Anschl\u00e4gen ums Leben. Zwei weitere T\u00e4ter, darunter der mutma\u00dfliche Drahtzieher der Anschl\u00e4ge, wurden bei einer polizeilichen Ma\u00dfnahme in St. Denis nahe Paris am 18. November 2015 erschossen. Schlie\u00dflich wurde am 18. M\u00e4rz 2016 in Br\u00fcssel (Belgien) ein weiterer T\u00e4ter festgenommen. Nahezu alle T\u00e4ter waren Mitglieder des IS und hielten sich zuvor in der Region Syrien/Irak auf. Der IS hat sich am 14. November 2015 zu den Anschl\u00e4gen bekannt. Nicht nur die ersch\u00fctternden Ereignisse in den Nachbarl\u00e4ndern, sondern auch die anhaltenden Fl\u00fcchtlingsbewegungen haben die Diskussion \u00fcber \"Islamisten in Deutschland\" wieder neu entfacht. Das deutsche milit\u00e4rische Engagement in Syrien/im Irak stellt bereits ein hinreichendes Argument f\u00fcr den IS dar, um die Anwendung von Gewalt gegen deutsche Interessen zu legitimieren. Insgesamt bleibt festzustellen, dass Europa einen gemeinsamen Gefahrenraum bildet. Die Anschl\u00e4ge in Frankreich und anderen europ\u00e4ischen Staaten in der j\u00fcngsten Vergangenheit belegen die Gefahr islamistischer Terrorakte. Es ist davon auszugehen, dass der IS Pl\u00e4ne f\u00fcr weitere Anschl\u00e4ge in Europa, und damit auch in Deutschland, verfolgt. Es besteht daher grunds\u00e4tzlich eine erh\u00f6hte Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Deutschland. 166","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 2. Lage in Afghanistan/Pakistan und auf dem indischen Subkontinent - Auswirkungen auf die Sicherheitslage F\u00fcr Kern-\"al-Qaida\" ist die Lage in ihren traditionellen R\u00fcckzugsKerngebieten im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet schwierig. \"al-Qaida\" Milit\u00e4roffensiven und Drohnenangriffe forderten in den vergangenen Jahren zahlreiche personelle Verluste und f\u00fchrten dazu, dass die Organisation einen gro\u00dfen Teil ihrer Ressourcen f\u00fcr die Eigensicherung aufwenden muss. Die Kommunikation mit den \"al-Qaida\"-Organisationen in anderen Regionen gestaltet sich aufgrund des Verfolgungsdrucks schwerf\u00e4llig. Im Jahr 2014 formierte sich ein weiterer \"al-Qaida\"-Ableger: AQIS \"al-Qaida auf dem indischen Subkontinent\" (AQIS). In einer Videover\u00f6ffentlichung erkl\u00e4rte \"al-Qaida\"-Anf\u00fchrer Aiman al-Zawahiri, dass die Neugr\u00fcndung \"den Muslimen in Burma, Bangladesch sowie den indischen Bundesstaaten und Regionen Assam, Gujarat, Ahmedabad und Kaschmir zeigen soll, dass 'al-Qaida' sie nicht vergessen hat\" und rief dazu auf, \"die k\u00fcnstlich von den Engl\u00e4ndern geschaffenen Grenzen des Subkontinents einzurei\u00dfen, die die Muslime trennen\". Das Aktionsgebiet von AQIS lag bislang prim\u00e4r in Pakistan, scheint sich mittlerweile aber nach Bangladesch auszudehnen. AQIS ver\u00f6ffentlichte am 18. Juni 2015 eine Erkl\u00e4rung auf Twitter, wonach die im Januar 2015 bei einem amerikanischen AntiTerroreinsatz an der afghanisch-pakistanischen Grenze get\u00f6teten zwei westlichen Geiseln zuvor in der Gefangenschaft zum Islam konvertiert seien. Die Beteiligung an der Geiselhaft36 zeigt, dass die Aktivit\u00e4ten von AQIS \u00fcber blo\u00dfe Propagandaarbeit hinausgehen. Die Entf\u00fchrung westlicher Geiseln war und ist erkl\u00e4rtes Ziel von Kern-\"al-Qaida\". Im Jahr 2015 verk\u00fcndeten die \"Taleban\" den bereits zwei Jahre Tod des Anf\u00fchrers der zur\u00fcckliegenden Tod ihres Anf\u00fchrers Mullah Omar. In der Ver\"Taleban\" gangenheit hatten die \"Taleban\" mehrfach Botschaften im Namen ihres bereits verstorbenen Anf\u00fchrers ver\u00f6ffentlicht und dessen Tod dementiert. Etliche Gruppierungen und Anh\u00e4nger f\u00fchlten 36 Kern-\"al-Qaida\" hatte sich zuvor in Botschaften zur Entf\u00fchrung einer der Geiseln bekannt. 167","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS sich nach der Bekanntmachung hintergangen. Sie wandten sich von den \"Taleban\" ab und dem IS beziehungsweise dessen Regionalorganisation zu. Prominentes Beispiel ist die \"Islamische Bewegung Usbekistans\" (IBU). F\u00fcr Kern-\"al-Qaida\" leistete al-Zawahiri gleichwohl den Treueeid auf den neu ernannten Anf\u00fchrer der \"Taleban\" Mullah Akthar Mansur.37 Konflikt zwischen Im globalen Jihadismus stehen sich seit 2014 zwei gro\u00dfe Lager IS und AQ unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber: Anh\u00e4nger des IS auf der einen und Anh\u00e4nger von \"al-Qaida\" auf der anderen Seite. Der Konflikt zwischen IS und \"al-Qaida\" wird auch in Afghanistan/Pakistan ausgetragen. Im Januar 2015 rief der IS die \"Provinz Khorasan\" beziehungsweise den \"Islamischen Staat - Khorasan Provinz\" (ISKP) aus. Der ISKP rekrutiert sich vornehmlich aus ehemaligen pakistanischen und afghanischen \"Taleban\". Insbesondere in der ostafghanischen Provinz Nangarhar kam es im Jahresverlauf verst\u00e4rkt zu milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwischen der ISKP und den \"Taleban\". Hierbei konnte der ISKP zahlreiche Gebietsgewinne erzielen. Mitte 2015 ver\u00fcbte der ISKP dann erstmals Anschl\u00e4ge gegen afghanische Sicherheitskr\u00e4fte. Der Konflikt zwischen beiden jihadistischen Organisationen dauert an und versch\u00e4rft die Lage insbesondere f\u00fcr die \"Taleban\" und die mit ihr durch Treueeid verbundene \"al-Qaida\". Nach einer l\u00e4ngeren Pause ver\u00f6ffentlichte al-Zawahiri im Sommer 2015 erstmals wieder Botschaften. In diesen setzte er sich mit dem Herrschaftsanspruch des IS \u00fcber alle Muslime auseinander. Nach den anf\u00e4nglich eher kompromissbereiten Botschaften alZawahiris im Jahr 2014 kritisiert er inzwischen das Vorgehen des IS scharf. Der Konflikt zwischen IS und \"al-Qaida\" spiegelt sich in der jeweiligen Propaganda wider. 37 Nach der Eroberung weiter Teile Afghanistans im Herbst 1994 durch die \"Taleban\" gew\u00e4hrten sie Jihadisten aus aller Welt Zuflucht, unter ihnen Usama Bin Ladins \"al-Qaida\". 168","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 2.1 Gef\u00e4hrdungspotenzial \"Al-Qaida\" ist seit Jahren bestrebt, wieder spektakul\u00e4re Gro\u00dfanschl\u00e4ge in westlichen L\u00e4ndern durchzuf\u00fchren. Alternativ setzt \"al-Qaida\" auch auf radikalisierte Einzelt\u00e4ter, die ohne eine konkrete Beauftragung Anschl\u00e4ge begehen. Am 7. Januar 2015 \u00fcberfielen zwei Br\u00fcder die Redaktion des Satiremagazins \"Charlie Hebdo\" in Paris und t\u00f6teten mit ihren Schusswaffen zw\u00f6lf Personen, darunter zwei Polizisten. Weitere Personen wurden verletzt. Beide Attent\u00e4ter wurden im Rahmen eines polizeilichen Zugriffs get\u00f6tet. Am 14. Januar 2015 wurde ein als authentisch bewertetes Video der \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) bekannt. Hierin \u00fcbernimmt die Organisation, vertreten durch ihren Milit\u00e4rkommandeur Nasr al-Anisi, die Verantwortung f\u00fcr die Anschl\u00e4ge. Al-Anisi, wie auch ein weiterer ranghoher Anf\u00fchrer der AQAH, Nasir al-Wuhayshi, kamen im Jahr 2015 bei US-gef\u00fchrten milit\u00e4rischen Luftschl\u00e4gen im Jemen ums Leben. In der Vergangenheit wurden \"Schl\u00e4ferzellen\" von \"al-Qaida\" in westlichen L\u00e4ndern enttarnt. Zahlreiche Menschen aus Afghanistan/Pakistan kamen bislang mit dem Fl\u00fcchtlingsstrom nach Deutschland. Es kann nicht grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen werden, dass sich potenzielle \"al-Qaida\"-Attent\u00e4ter als Fl\u00fcchtlinge getarnt nach Deutschland begeben. 3. Lage in Somalia - Auswirkungen auf die Sicherheitslage Die \"al-Shabab\" ist ein regionaler Ableger der \"al-Qaida\". Die Terrorgruppe kompensierte die in den letzten Jahren in Somalia erlittenen Gebietsverluste durch eine hohe Anschlagsintensit\u00e4t, die sich in Somalia vor allem gegen Regierungsmitglieder, Parlamentarier und die Truppen der \"Mission der Afrikanischen Union in Somalia\" (AMISOM) richtet. Daneben stellt insbesondere das Nachbarland Kenia als wichtiger AMISOM-Truppensteller und \u00fcberwiegend christlich gepr\u00e4gtes 169","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Land ein erkl\u00e4rtes Ziel der Terrororganisation dar. Ihre F\u00e4higkeit, auf kenianischem Territorium erfolgreich zu operieren, unterstrich \"al-Shabab\" beispielsweise durch ihren Angriff auf den Campus der Universit\u00e4t Garissa am 2. April 2015, bei dem 148 Personen get\u00f6tet wurden. Propaganda Die Terrororganisation betreibt das Medienportal \"al-Kataib\", das regelm\u00e4\u00dfig Videoverlautbarungen und Statements ver\u00f6ffentlicht, zum Beispiel \u00fcber Twitter und einschl\u00e4gige Internetseiten. Twitter hat in der Vergangenheit mehrere der \"al-Shabab\" zuzurechnende Kan\u00e4le geschlossen. 3.1 Gef\u00e4hrdungspotenzial Der ostafrikanische Jihad-Schauplatz gilt derzeit f\u00fcr ausl\u00e4ndische K\u00e4mpfer im Vergleich zu Syrien oder Irak als weniger attraktiv. Reisebewegungen deutscher Islamisten beziehungsweise von Islamisten aus Deutschland sind nicht zu verzeichnen. Die Zahl der somalischen Asylsuchenden in Deutschland ist gering. Die meisten somalischen Migranten gelangen auf dem Seeweg \u00fcber Libyen nach Europa. Die Reisen werden in der Regel \u00fcber professionelle Schleusungsnetzwerke abgewickelt. Istanbul (T\u00fcrkei) hat sich als wichtige Drehscheibe f\u00fcr Reisen von in Europa lebenden Somaliern nach Ostafrika entwickelt. Diese Route k\u00f6nnten hypothetisch auch Angeh\u00f6rige und Sympathisanten der \"al-Shabab\" nutzen. Konkrete Hinweise liegen nicht vor. III. Salafistische Szene in Deutschland Salafistische Gruppierungen verzeichnen mit 8.350 Personen in Deutschland weiterhin signifikant steigende Anh\u00e4ngerzahlen (2014: 7.000; 2013: 5.500). Extremistische Salafismus ist eine fundamentalistische islamistische Ideologie Gegenkultur und zugleich eine extremistische moderne Gegenkultur mit einem alternativen Lebensstil mit markanten Alleinstellungsmerkmalen 170","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS (Kleidung und Sprache). Salafismus will eine eingeschworene Gemeinschaft mit intensivem Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl erzeugen. Dies zieht insbesondere diejenigen Personen an, die sich von der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert f\u00fchlen. Gerade ungefestigte Personen, die auf der Suche nach einem Lebenssinn, nach Orientierung und Sicherheit sind, werden durch das einfache salafistische Regelwerk angesprochen, welches das t\u00e4gliche Leben bis in die Details hinein bestimmt. Der Einzelne wird zum Teil einer Elite, zum Vork\u00e4mpfer des \"wahren Islam\", ausgezeichnet durch seine moralische \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber einer Welt des Verdorbenen. Diese subkulturellen Elemente machen im Wesentlichen die Ideologie Anziehungskraft einer Ideologie aus, die der Verfassungsschutz als eine vom Wahhabismus, der \"Staatsdoktrin\" Saudi-Arabiens, gepr\u00e4gte, besonders strenge und radikale Str\u00f6mung innerhalb des Islamismus definiert. Salafisten sehen sich als Verfechter eines urspr\u00fcnglichen, unverf\u00e4lschten Islam. Sie geben vor, ihre religi\u00f6se Praxis und Lebensf\u00fchrung ausschlie\u00dflich an den Prinzipien des Koran, dem Vorbild des Propheten Muhammad und der ersten drei muslimischen Generationen, den sogenannten rechtschaffenen Altvorderen (arab. al-salaf al-salih), auszurichten. In letzter Konsequenz versuchen Salafisten, einen \"Gottesstaat\" nach ihrer Auslegung der Regeln der Scharia zu errichten, in dem die freiheitliche demokratische Grundordnung keine Geltung mehr haben soll. Politische und jihadistische Salafisten teilen dieselben ideologiImmanente schen Grundlagen. Sie unterscheiden sich vornehmlich in der Gewaltorientierung Wahl der Mittel, mit denen sie ihre Ziele verwirklichen wollen. Politische Salafisten versuchen, ihre islamistische Ideologie durch intensive Propagandaaktivit\u00e4ten - die sie als \"Missionierung\" (dawa) bezeichnen - zu verbreiten und die Gesellschaft in einem langfristig angelegten Prozess nach salafistischen Normen zu ver\u00e4ndern. In Teilbereichen positionieren sich die Anh\u00e4nger des politischen Salafismus ostentativ gegen Terrorismus, heben den friedfertigen Charakter des Islam hervor und vermeiden offene Aufrufe zur Gewalt. Dennoch ist festzustellen, dass der politische Salafismus ein ambivalentes Verh\u00e4ltnis zur Gewalt als Mittel zur Durchsetzung seiner Ziele pflegt, da religi\u00f6s legitimierte Gewalt nicht prinzipiell ausgeschlossen wird. Salafisten beziehen sich in ihrer Islamauslegung selektiv auf klassische Werke der 171","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS islamischen Rechtsliteratur, die im Umgang mit Nichtmuslimen eine starke Affinit\u00e4t zur Gewalt aufweisen. Nach salafistischer Islamauslegung muss der universelle Geltungsanspruch des Islam aufgrund seiner \u00dcberlegenheit und nach g\u00f6ttlichem Heilsplan der gesamten Menschheit zuteil werden und notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden. Damit ist die grunds\u00e4tzliche Bejahung von Gewalt ein immanenter Bestandteil salafistischer Ideologie. Die Grenzen zwischen politischem und gewaltbereitem/jihadistischem Salafismus verschwimmen zunehmend. Die beiden salafistischen Str\u00f6mungen haben unterschiedliche, aber leicht zu \u00fcberbr\u00fcckende Auffassungen dar\u00fcber, unter welchen Voraussetzungen Gewalt angewendet werden darf. Das erkl\u00e4rt auch, weshalb der \u00dcbergang vom politischen zum jihadistischen Salafismus flie\u00dfend ist. Kampagne \"LIES!\" Die salafistische Vereinigung \"Die Wahre Religion\" (DWR) setzte auch im Jahr 2015 ihre \"Missionierungsarbeit\" mit ungebrochenem Engagement fort, wobei sich ihre Aktivit\u00e4ten auf die Durchf\u00fchrung von Infost\u00e4nden im Rahmen des Projekts \"LIES!\" konzentrierten. Es liegen vermehrt Hinweise auf Personen vor, die zun\u00e4chst an den Koranverteilaktionen teilgenommen hatten, um sich danach an den K\u00e4mpfen in Syrien zu beteiligen. Daneben finden nur noch vereinzelt Vortragsveranstaltungen DWR-naher Prediger, Seminare sowie anlassbezogen Benefizveranstaltungen statt. Im Rahmen der Kampagne \"LIES!\" werden kostenlos Koran\u00fcbersetzungen vorwiegend an Nichtmuslime verteilt und Spenden f\u00fcr das Projekt erbeten. Da die Durchf\u00fchrung von Infost\u00e4nden anmeldepflichtig ist, gingen die Organisatoren dazu \u00fcber, neben den Infost\u00e4nden eine sogenannte Street Dawa durchzuf\u00fchren. Dabei bewegen sich die Verteiler durch Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen und bieten Passanten den Koran aus Taschen und Rucks\u00e4cken zur Mitnahme an. So k\u00f6nnen Aktionen spontan und flexibel durchgef\u00fchrt werden, man umgeht das Anmeldeerfordernis und erschwert ordnungsrechtliche Ma\u00dfnahmen. DWR ist mittlerweile nicht nur in zahlreichen St\u00e4dten und Gemeinden Deutschlands aktiv, sondern verteilt den Koran auch international in mehreren L\u00e4ndern. Um ein m\u00f6glichst breites 172","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Publikum zu erreichen und zu \"missionieren\", wird die \u00dcbersetzung des Koran inzwischen in vielen Sprachen verteilt. Nachdem zuletzt die schwedische \u00dcbersetzung gedruckt wurde, ist nun eine portugiesische \u00dcbersetzung geplant. Nach Angaben der Organisation wurden bis Herbst 2015 drei Millionen Koranexemplare von bis zu 3.000 Aktivisten (f\u00fcr Deutschland) verteilt. St\u00e4nde des \"LIES!\"-Projekts oder \"Street Dawa\" bieten deren Akteuren die M\u00f6glichkeit, salafistische Ideologie zu propagieren, die geeignet ist, eine islamistische Radikalisierung anzusto\u00dfen oder voranzutreiben. Gerade bei jungen Menschen in der Identit\u00e4tsfindungsphase und auf der Suche nach Antworten finden salafistische Ideen oftmals Anklang, wenn charismatische Leitfiguren der salafistischen Szene einfache L\u00f6sungen auf komplexe Fragen anbieten. Das d\u00fcrfte einer der Gr\u00fcnde sein, warum es sich bei der \u00fcberwiegenden Zahl der Koranverteiler um Jugendliche und Heranwachsende handelt. Nicht zuletzt durch die intensive Nutzung moderner Medien und sozialer Netzwerke bei der Verbreitung der salafistischen Ideologie wird insbesondere ein junges Publikum auf DWR aufmerksam. Hinzu kommt, dass auch Personen aus dem jihadistischen Spektrum oder mit Kontakten in die jihadistische Szene an Aktionen des Projekts \"LIES!\" teilnehmen, mitunter bereits mit dem Vorsatz, islamistisch zu radikalisieren und jihadistisch zu rekrutieren. In der Vergangenheit kooperierte DWR bereits offen mit jihadistischen Gruppierungen. Auff\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang, dass sich nicht wenige Teilnehmer der Koranverteilaktion \"LIES!\" so weit radikalisierten, dass sie zur Teilnahme am Jihad nach Syrien oder in den Irak ausgereist sind. Eine neue Form der von Salafisten praktizierten \"Missionierungs\"Home Dawa\" arbeit\" stellen Treffen in Privatwohnungen dar. Zu diesen als \"Home Dawa\" bezeichneten Vortragsveranstaltungen k\u00f6nnen \u00fcber das Internet salafistische Prediger nach Hause eingeladen werden. Die Veranstaltungen finden unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit statt und sind nur einem begrenzten Personenkreis zug\u00e4nglich. Im Gegensatz zur jihadistischen Szene, die die Anschl\u00e4ge auf Reaktionen auf die die Redaktion des franz\u00f6sischen Satiremagazins \"Charlie Hebdo\" Anschl\u00e4ge in Paris im am 7. Januar 2015 in Paris begr\u00fc\u00dfte und die Attent\u00e4ter zu ihrem Januar und November Erfolg begl\u00fcckw\u00fcnschte, bem\u00fchten sich politisch-salafistische 173","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Akteure in der \u00d6ffentlichkeit um Schadensbegrenzung. In Videobotschaften verurteilten salafistische Prediger den Anschlag und riefen dazu auf, sich nicht provozieren zu lassen und sich von jeder Gewalt fernzuhalten. Muslime sollten den Propheten mit Argumenten und vorbildlichem Verhalten verteidigen. Diese Aufrufe k\u00f6nnen jedoch als taktisch motiviertes Lippenbekenntnis gewertet werden, da in der Vergangenheit weitere jihadistische Anschl\u00e4ge mit Verweis auf die vermeintliche Verteidigung des Islam entschuldigt wurden. Die Anschl\u00e4ge in Paris am 13. November 2015 lehnten bekannte Akteure des politisch-salafistischen Spektrums ebenfalls \u00f6ffentlich ab. Im Rahmen der Kritik an den Anschl\u00e4gen sprachen sie aber nicht nur Beileidsbekundungen f\u00fcr die Opfer aus, sondern r\u00fcckten die solchen Anschl\u00e4gen angeblich folgende \"Hetze gegen Muslime\" und deren daraus resultierende Opferrolle in den Vordergrund. Zugleich wurde das im Vergleich angeblich geringe Interesse des \"Westens\" an den Konflikten und Opfern in der muslimischen Welt thematisiert. \"Missionierung\" Etwa 70% der in Deutschland eintreffenden Fl\u00fcchtlinge sind Musunter Fl\u00fcchtlingen lime. Islamisten beziehungsweise islamistische Organisationen versuchen, unter diesen Neuank\u00f6mmlingen zu missionieren und Anh\u00e4nger zu rekrutieren. Dabei bietet sich eine Kontaktaufnahme unter dem Deckmantel humanit\u00e4rer Hilfsangebote an. Eine zentrale Koordinierung durch namhafte salafistische Organisationen konnte dabei bislang nicht festgestellt werden. So rief ein bekannter deutscher salafistischer Prediger auf seiner Facebook-Seite dazu auf, \"Teams zu bilden\", \"Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte ausfindig\" zu machen und diese schlie\u00dflich zu besuchen. Der Prediger betonte, es gehe dabei nicht um die Befriedigung materieller Bed\u00fcrfnisse, sondern um das \"Gebet und \u00c4hnliches\". In mehreren F\u00e4llen traten Salafisten in Kontakt mit Fl\u00fcchtlingen, indem sie Gegenst\u00e4nde zur Religionsaus\u00fcbung (z.B. Gebetsteppiche) verteilten und Einladungen in einschl\u00e4gig bekannte salafistische Moscheen aussprachen. In sozialen Netzwerken \u00e4u\u00dferten Einzelpersonen aus dem salafistischen Umfeld ihre Betroffenheit. Hier fanden sich Aufrufe zur Solidarit\u00e4t mit den Fl\u00fcchtlingen und zu deren Unterst\u00fctzung. Teilweise erfolgte auch die Aufforderung, man solle darauf achten, dass der Einfluss der Nichtmuslime 174","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS nicht \u00fcberhandnehme: \"Diese Kinder brauchen uns Muslime als Betreuer, sonst werden sie bei Nichtmuslimen landen.\" Perspektivisch ist von einer Zunahme dieser Aktivit\u00e4ten auszugehen. Die Kontaktaufnahmen von Salafisten beziehungsweise Islamisten zu Fl\u00fcchtlingen werden den Verfassungsschutz auch in Zukunft besch\u00e4ftigen. Dabei ist zu kl\u00e4ren, inwieweit islamistische Organisationen oder Personen sich bei ihren Aktivit\u00e4ten auf humanit\u00e4re Hilfe beschr\u00e4nken oder diese zur Verbreitung islamistischer Ideologie nutzen. Ein besonderes Augenmerk muss dabei auf sogenannte unbegleitete Jugendliche unter den Fl\u00fcchtlingen gelegt werden, da diese aufgrund ihrer Situation besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Versprechen von Islamisten sein d\u00fcrften. Die vielf\u00e4ltigen Propagandaaktivit\u00e4ten der Salafisten, die sie verGef\u00e4hrdungsharmlosend als \"Missionierung\" oder \"Einladung zum Islam\" potenzial bezeichnen - in Wahrheit ist es eine systematische Indoktrinierung und oftmals auch der Anfang einer noch weitergehenden Radikalisierung -, sind \"erfolgreich\": Der Salafismus ist nach wie vor die am st\u00e4rksten wachsende islamistische Str\u00f6mung in Deutschland. Mit einer umfassenden propagandistischen Arbeit in den sozialen Netzwerken, provokativen Stra\u00dfenaktionen und dem Einsatz salafistischer Prediger aus dem Ausland, die sich oftmals radikaler \u00e4u\u00dfern als ihre deutschen Pendants, werden immer neue Anh\u00e4nger rekrutiert. Sie geraten in eine Szene, die gepr\u00e4gt wird von einer \"Wagenburgmentalit\u00e4t\" gegen\u00fcber einer als \"ungl\u00e4ubig\" diffamierten Umwelt, zu der nicht nur Christen, Juden und Nicht-Gl\u00e4ubige z\u00e4hlen, sondern auch nicht-salafistische Muslime. Damit soll jeglicher Einfluss von au\u00dfen unterbunden werden; Kontakt mit Nicht-Salafisten gilt lediglich dann als legitim, wenn er der Verbreitung der eigenen Ideologie dient. Die salafistische Szene stellt ein wesentliches Rekrutierungsfeld f\u00fcr den Jihad dar. Fast ausnahmslos alle Personen mit Deutschlandbezug, die sich dem Jihad angeschlossen haben, standen zuvor mit salafistischen Strukturen in Kontakt. So durchsuchte das LKA Berlin im Rahmen zweier Ermittlungsverfahren gem\u00e4\u00df SS 89a StGB im September 2015 eine salafistisch beeinflusste Moschee in Berlin-Tempelhof. Dem Imam dieser Moschee wird vorgeworfen, Personen radikalisiert und zur Teilnahme am Jihad 175","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS in Syrien angestiftet zu haben. Sowohl bei der \"LIES!\"-Kampagne als auch in der \"Syrien-Solidarit\u00e4t\" wird zudem erkennbar, wie wenig trennscharf die Unterscheidung zwischen einem politischen und einem jihadistischen Salafismus in der Realit\u00e4t ist: Es liegen Hinweise auf Personen vor, die zun\u00e4chst an den Koranverteilaktionen teilgenommen hatten, um sich danach an den K\u00e4mpfen in Syrien zu beteiligen. Zumindest in diesen F\u00e4llen ist der Zusammenhang zwischen salafistischer Propaganda und Jihad-Ausreisen nach Syrien evident. Das Gef\u00e4hrdungspotenzial durch salafistische Gewalt bleibt unver\u00e4ndert hoch. Salafistische Gewalt k\u00f6nnte eine zus\u00e4tzliche Dynamik aufgrund von Wechselwirkungen mit extremistischen Gruppen aus anderen, \"verfeindeten\" ideologischen Lagern bekommen, wie in der Vergangenheit bereits an Einzelf\u00e4llen deutlich wurde. IV. Antisemitismus im Islamismus38 Erscheinungsbild Antisemitismus ist nicht nur ein Agitationsthema von Rechtsund Linksextremisten, vielmehr stellt er auch ein konstitutives Element in der Ideologie des gesamten islamistischen Spektrums dar. Vor allem in der islamistischen Propaganda spielt der Antisemitismus eine Rolle. Hier werden Stereotype und Vorurteile verwendet, die allgemein mit der judenfeindlichen Hetze in Europa vom Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert in Verbindung gebracht werden. Allerdings verzichten in Deutschland aktive islamistische Organisationen angesichts der strafrechtlichen Relevanz und der Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Antisemitismus in der \u00d6ffentlichkeit weitgehend auf offen antisemitische Propaganda. Auch in der salafistischen Szene existieren Juden beziehungsweise der Staat Israel als erkl\u00e4rtes Feindbild. Dies wird am Beispiel der im Jahr 2013 vom Bundesminister des Innern verbotenen Vereinigung \"Islamische Audios\" deutlich. Auf deren Facebook-Profilen 38 Vgl. Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, Antisemitismus im politischen Extremismus. Ideologische Grundlagen und Argumentationsformen, K\u00f6ln 2016, abrufbar unter: www.verfassungsschutz.de. 176","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS waren in der Vergangenheit zahlreiche antisemitische Bilder und Wortbeitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht worden, die letztlich auch als Grundlage f\u00fcr das ausgesprochene Verbot dienten. Ein wesentliches Kennzeichen des islamistischen Antisemitismus ist die antij\u00fcdische \"Weltverschw\u00f6rungstheorie\". \u00c4hnlich wie im Rechtsextremismus werden Juden als Drahtzieher einer weltweiten Verschw\u00f6rung gesehen und kollektiv f\u00fcr verschiedenste \u00dcbel und Missst\u00e4nde verantwortlich gemacht. Im islamistisch begr\u00fcndeten Antisemitismus findet man auch Inhalte, die den besonderen Stereotypen der jahrhundertealten europ\u00e4ischen Judenfeindschaft entlehnt sind und ab Mitte des 19. Jahrhunderts im Zuge der Kolonialisierung der arabischen beziehungsweise islamischen Welt dort Verbreitung fanden. Antisemitische Aussagen finden sich beispielsweise regelm\u00e4\u00dfig in Druckerzeugnissen aus dem Umfeld der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung, insbesondere in der Zeitung \"Milli Gazete\". Die Juden - so die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie - w\u00fcrden den gottlosen Westen und den gr\u00f6\u00dften Teil der Welt beherrschen. Sie seien hinter den Kulissen agierende F\u00fchrer der herrschenden unislamischen, tyrannischen und \"nichtigen\" Ordnung und damit ewige Gegner des Islam. So hie\u00df es in einer Kolumne der Zeitung, f\u00fcr die \"Milli Gazete\" zu schreiben bedeute unter anderem, \"sich der Weltherrschaft der zionistischen Ideologie zu widersetzen\".39 In einer anderen Kolumne mit dem Titel \"Wenn das Gerechte kommt, verschwindet das Ungerechte\" machte der Kolumnist die \"Zinswirtschaft\" des \"Monopolkapitals\" f\u00fcr alle aktuellen Missst\u00e4nde in der T\u00fcrkei verantwortlich. Schuld an den wirtschaftlichen Missst\u00e4nden seien circa 200 j\u00fcdische Familien in den USA.40 In einem Beitrag \u00fcber den im Jahr 2011 verstorbenen Gr\u00fcnder der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung Necmettin Erbakan und seinen Kampf gegen den Zionismus, den Erbakan als einen \"5700 Jahre alten Krankheitserreger\" bezeichnet haben soll, wird der Zionismus als der hauptverantwortliche Feind f\u00fcr den Niedergang des Osmanischen Reiches und die Besatzung der islamischen Welt benannt. 39 \"Milli Gazete\" vom 10. August 2015, S. 12. 40 \"Milli Gazete\" vom 13. April 2015, S. 6. 177","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Zudem sei die Gr\u00fcndung eines \"Israel\" genannten \"Besatzungsund Terrorregimes\" auf pal\u00e4stinensischem Boden durch den Zionismus eine der gr\u00f6\u00dften Katastrophen in der Geschichte.41 Antisemitische Stereotype schreiben \"den Juden\" ein ganzes Arsenal negativer Eigenschaften und antiislamischer Weltverschw\u00f6rungspl\u00e4ne zu, was die Ablehnung, Bek\u00e4mpfung oder gar Vernichtung von Juden, wo immer sie auch leben, rechtfertigen soll. Zeugenbefragungen und einschl\u00e4gige Dokumente geben Aufschluss dar\u00fcber, dass auch den Attent\u00e4tern des 11. September 2001 derartige Auffassungen nicht fernlagen. So ging der als \"Todespilot\" bekannt gewordene Mohammed Atta davon aus, dass die Juden als reiche Drahtzieher hinter den Kriegen der USA auf dem Balkan und am Persischen Golf agierten. Das Zentrum des \"Weltjudentums\" lag f\u00fcr ihn in New York. Folglich musste auch von dort aus der vermeintliche Befreiungskrieg f\u00fcr die Errichtung eines islamischen Gottesstaates seinen Anfang nehmen. Bei salafistischen Predigern in Deutschland f\u00e4llt generell auf, dass sie antisemitische \u00c4u\u00dferungen in der \u00d6ffentlichkeit weitgehend vermeiden. Offen antisemitische Propaganda findet daher nur selten statt. Ein explizites Beispiel f\u00fcr die Bedeutung von Predigern im Bereich des von Islamisten verbreiteten Antisemitismus vermag jedoch die antiisraelische Predigt eines salafistischen Reisepredigers am 18. Juli 2014 in der Berliner \"al-Nur-Moschee\" zu geben. Darin sprach der Prediger den Vernichtungswunsch gegen die \"zionistischen Juden\" im Rahmen eines Bittgebets an Allah unverbl\u00fcmt aus: \"Oh Allah, rechne mit den zionistischen Juden ab, sie k\u00f6nnen nichts gegen Dich tun. Z\u00e4hle sie, t\u00f6te sie alle und lass niemanden von ihnen \u00fcbrig.\" Bei dieser Predigt handelt es sich um einen besonders schweren Fall von antiisraelischer Agitation und islamistisch fundiertem Antisemitismus. Zwar rief der Prediger nicht ausdr\u00fccklich zur Gewaltanwendung auf, jedoch sch\u00fcrt diese Predigt Hass gegen den Staat Israel und seine B\u00fcrger. Der Prediger wurde vom Amtsgericht Tiergarten im Jahr 2015 zu einer Geldstrafe verurteilt. 41 \"Milli Gazete\" vom 10. M\u00e4rz 2015, S. 1 und 11. 178","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Hiergegen hat er Berufung eingelegt, sodass das Urteil bislang nicht rechtskr\u00e4ftig ist. Derartige Predigten durch religi\u00f6se Autorit\u00e4ten (z.B. Imame) tragen ma\u00dfgeblich zur Meinungsbildung ihrer Zuh\u00f6rer bei. Insbesondere k\u00f6nnen sich damit bereits vorhandene antisemitische Ressentiments weiter verfestigen. Bei der Demonstration anl\u00e4sslich des \"al-Quds-Tages\" am 11. Juli 2015 in Berlin waren w\u00e4hrend der gesamten Veranstaltung antizionistische Tendenzen zu verzeichnen. Es konnten folgende Aufrufe dokumentiert werden: \"Kinderm\u00f6rder Israel\", \"Zionisten sind Faschisten\" und \"Seid ihr alle taub und stumm - Israel bringt Kinder um\". Zur Schlusskundgebung der Demonstration wurde unter den Teilnehmern eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Wer t\u00f6tet mehr Kinder? - Israel oder ISIS?\" verteilt. Die Brosch\u00fcre enth\u00e4lt stark antizionistische Propaganda an der Grenze zum Antisemitismus. Israel wird als \"zionistisches Apartheidregime\" oder als \"Krebsgeschw\u00fcr\" bezeichnet. Sein Vorgehen sei \"faschistisch\" und \"manipulativ\". Israel wird als tyrannischer Unterdr\u00fccker des pal\u00e4stinensischen Volkes dargestellt. Die \"unterdr\u00fcckten Nationen\" werden aufgefordert, sich \"wie die Islamische Republik Iran zu erheben und die arroganten M\u00e4chte niederzuschlagen\". Beim \"al-Quds-Tag\" handelt es sich um einen von Ayatollah Khomeini im Jahre 1979 ausgerufenen Gedenktag, der die Muslime dazu auffordert, Jerusalem aus der Hand des \"Ursurpators Israel\" zu befreien. Der \"al-Quds-Tag\" ist somit auch Ausdruck der Leugnung des Existenzrechts des Staates Israel durch den iranischen Staat. Die allj\u00e4hrlich in Berlin stattfindende und von regimetreuen Iranern organisierte Demonstration setzt sich \u00fcberwiegend aus Anh\u00e4ngern der \"Hizb Allah\", regimetreuen Iranern sowie schiitischen T\u00fcrken und Irakern zusammen. Auch innerhalb der jihadistischen Internetszene ist AntisemitisAntisemitismus mus ein fester Bestandteil der weltweit propagierten islamistiim Internet schen Ideologie. Dabei ist festzustellen, dass ein deutlicher, hinter antiisraelischen oder vermeintlich antizionistischen Positionen versteckter islamistischer Antisemitismus seit Jahren auch \u00fcber das Internet sowie in islamistischen Medien verbreitet wird. In 179","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS einschl\u00e4gigen jihadistischen Internetforen werden Juden nicht als Religionsgemeinschaft wahrgenommen, sondern insbesondere als Vertreter einer politischen Macht, die den Muslimen grunds\u00e4tzlich feindlich gesonnen erscheint. \u00dcbersetzungen antisemitischer Verlautbarungen, die regelm\u00e4\u00dfig auf einschl\u00e4gigen Internetseiten eingestellt werden, f\u00fchren zu einer Verbreitung der Propaganda auch unter deutschen Islamisten. Ein zentrales Thema im Hinblick auf die pauschale Kritik und die Verunglimpfung von Juden bleibt der Nahost-Konflikt. Entsprechende Presseartikel werden hochgeladen und kommentiert sowie Bilder von Demonstrationen gegen das Vorgehen Israels in Gaza ver\u00f6ffentlicht. Bilder von Pal\u00e4stinensern, insbesondere von pal\u00e4stinensischen Kindern, die durch israelische Angriffe ums Leben gekommen sind, verbreiten sich nahezu ohne Unterlass \u00fcber die sozialen Netzwerke im Internet. Auf islamistischen Facebook-Profilen sind in diesem Zusammenhang immer wieder eindeutig antisemitische beziehungsweise antizionistische \u00c4u\u00dferungen feststellbar. In einer Serie von Videobotschaften rief der IS im Oktober/ November 2015 dazu auf, Anschl\u00e4ge auf Juden zu ver\u00fcben. Die Aufrufe standen im Kontext der Ereignisse in Israel, wo es eine Vielzahl von Messerattacken einzelner Pal\u00e4stinenser auf Israelis gegeben hatte. Der IS unterst\u00fctzte in seinen Videover\u00f6ffentlichungen diese Angriffe, betonte aber, dass der zugrundeliegende Konflikt kein politischer, sondern ein religi\u00f6ser sei. Die Aufrufe des IS zu Anschl\u00e4gen gingen daher \u00fcber den israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikt hinaus und richteten sich gegen Juden im Allgemeinen. Anh\u00e4nger des IS weltweit k\u00f6nnten dies als Aufforderung verstehen, ihrerseits Angriffe auf Juden zu ver\u00fcben. Auch die vermutete weltweite \"zionistische Verschw\u00f6rung\" zur Unterst\u00fctzung \"j\u00fcdischer Interessen\" bleibt als Thema virulent. Im Zusammenhang mit den andauernden Umw\u00e4lzungen in der arabischen Welt warnen unterschiedliche jihadistische Organisationen in ihren Verlautbarungen davor, dass nach dem Sturz der jeweiligen Regime neue \"Statthalter\" des Westens eingesetzt werden k\u00f6nnten, um dann die \"Interessen des Westens und Israels\" zu vertreten und den Muslimen zu schaden. 180","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS V. Staatliche Ma\u00dfnahmen Vereinsverbote sind ein geeignetes Mittel, um die organisatoriVereinsrechtliche schen und finanziellen M\u00f6glichkeiten von Islamisten zu beschr\u00e4nMa\u00dfnahmen ken. Wenngleich sich dadurch extremistische Gesinnungen nicht \u00e4ndern, werden doch Strukturen und Kommunikationswege nachhaltig gest\u00f6rt. # Am 26. M\u00e4rz 2015 verbot der Bundesminister des Innern mit Verf\u00fcgung vom 26. Februar 2015 den jihadistischen Verein \"Tauhid Germany\" (TG) als Ersatzorganisation der bereits im Jahre 2012 verbotenen Gruppierung \"Millatu Ibrahim\" (MI). Im Rahmen des Verbotsvollzugs am 26. M\u00e4rz 2015 fanden Durchsuchungsma\u00dfnahmen gegen 26 Mitglieder von TG in vier Bundesl\u00e4ndern statt. Die zahlreichen Internetpr\u00e4senzen des Vereins wurden abgeschaltet. Das Verbot von TG ist seit dem 30. April 2015 rechtskr\u00e4ftig. Bereits kurz nach dem Verbot von MI im Jahre 2012 begannen zwei in Deutschland verbliebene MI-F\u00fchrungsmitglieder mit Planungen f\u00fcr eine Ersatzorganisation. Dabei stimmten sie sich eng mit dem Gr\u00fcnder von MI ab, der zu diesem Zeitpunkt bereits aus Deutschland ausgereist war. Im Mai 2013 f\u00fchrten diese Absprachen schlie\u00dflich zur Gr\u00fcndung von TG. Der Verein setzte die T\u00e4tigkeit von MI inhaltlich fort. Zudem fiel bereits fr\u00fch auf, dass es eine ausgepr\u00e4gte personelle Kontinuit\u00e4t zwischen beiden Organisationen gab. Das Ziel von TG bestand darin, Jugendliche zu rekrutieren, zu radikalisieren und letztlich zur Ausreise in ein Jihad-Gebiet - vorzugsweise Syrien - und zur Teilnahme am bewaffneten Kampf zu bewegen. Zu diesem Zweck verbreitete der Verein \u00fcber das Internet umfangreiche salafistische und jihadistische Propaganda. TG organisierte aber auch zahlreiche Infost\u00e4nde und f\u00fchrte interne Schulungsveranstaltungen durch. Erg\u00e4nzt wurde dieses Angebot durch gemeinsame Freizeitaktivit\u00e4ten (z.B. Fu\u00dfballturniere), die insbesondere auf eine jugendliche Zielgruppe zugeschnitten waren und dazu dienten, neue Anh\u00e4nger zu rekrutieren. In seinen Ver\u00f6ffentlichungen bekannte TG sich zum gewaltsamen Jihad, der als Verteidigungskrieg der Muslime gegen eine angebliche Unterdr\u00fcckung verstanden wurde. Die Muslime in Deutschland stellte TG als Opfer einer staatlich gesteuerten Diskriminierungsund Vernichtungskampagne dar. Dabei 181","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS wurden auch Parallelen zur Judenverfolgung im Dritten Reich suggeriert. Diese Form der Propaganda diente dazu, Terroranschl\u00e4ge und Gewalttaten durch Islamisten als eine Form der Selbstverteidigung zu legitimieren. Sp\u00e4testens seit dem Jahr 2014 war TG ideologisch dem IS zuzuordnen, der in der TG-Propaganda gegen Kritiker verteidigt wurde. Selbst die grausame Ermordung von Gefangenen durch den IS, wie etwa die Verbrennung eines jordanischen Piloten bei lebendigem Leib im Februar 2015, versuchte TG durch Internetver\u00f6ffentlichungen zu rechtfertigen. In der Realwelt verf\u00fcgte TG \u00fcber Mitglieder im mittleren zweistelligen Bereich, die \u00fcberwiegend in Nordrhein-Westfalen aktiv waren. Der virtuelle Wirkungsradius des Vereins war jedoch durch dessen umfangreiche Internetpropaganda wesentlich gr\u00f6\u00dfer. Auf YouTube hatte TG in den knapp zwei Jahren seines Bestehens \u00fcber 400 Videos ver\u00f6ffentlicht, deren Spieldauer zum Teil \u00fcber eine Stunde betrug. Die Facebook-Seite von TG hatte zuletzt innerhalb von sechs Monaten \u00fcber 3.000 \"Likes\" erhalten. Auch wenn es schwierig ist, von derart unspezifischen Sympathiebekundungen auf eine tats\u00e4chliche Anh\u00e4ngerschaft zu schlie\u00dfen, zeigt diese Zahl zumindest, dass der Verein \u00fcber das Internet einen gro\u00dfen Personenkreis erreichen und propagandistisch ansprechen konnte. Das Radikalisierungspotenzial von TG war damit erheblich. # Mit Urteil vom 16. November 2015 wies das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) die Klage des Vereins \"Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V.\" - vormals \"Waisenkinderprojekt Libanon e.V.\" (WKP) - gegen das vom Bundesminister des Innern am 2. April 2014 verf\u00fcgte Verbot ab. Der Verein hatte Spendengelder aus Deutschland an die \"Shahid-Stiftung\" im Libanon weitergeleitet. Die \"ShahidStiftung\" ist integraler Teil der \"Hizb Allah\" und betreut Waisenkinder sowie Hinterbliebene von \"Hizb Allah\"-K\u00e4mpfern, die bei Kampfhandlungen gegen die israelischen Streitkr\u00e4fte oder als Attent\u00e4ter ums Leben gekommen sind. Dieses soziale Engagement steigert das Ansehen der \"Hizb Allah\" in der libanesischen Bev\u00f6lkerung und f\u00f6rdert die Bereitschaft zum bewaffneten Kampf. Wie schon zuvor in seinen Urteilen vom 3. Dezember 2004 (\"al-Aqsa e.V.\") und 18. April 2012 (\"Internationale Humanit\u00e4re Hilfsorganisation e.V.\" - IHH) hat das BVerwG erneut festgestellt, dass auch karitative T\u00e4tigkeiten gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung versto\u00dfen 182","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS k\u00f6nnen, wenn dadurch eine Gruppierung unterst\u00fctzt wird, die ihrerseits durch Aus\u00fcbung von Gewalt das friedliche Miteinander der V\u00f6lker beeintr\u00e4chtigt. Weiter hat das BVerwG wie bereits in den vorangegangenen Urteilen zur HAMAS nun auch zur \"Hizb Allah\" festgestellt, dass es sich um ein einheitliches Gebilde handelt, bei dem soziale, politische und milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten eine Einheit bilden. Insofern stellt das WKP-Urteil eine konsequente Fortf\u00fchrung der bisherigen Rechtsprechung dar. Aus der Vielzahl von Verfahren im Zusammenhang mit dem Strafverfahren islamistischen Terrorismus werden die folgenden exemplarisch aufgef\u00fchrt: # Am 15. Juni 2015 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) Anklage gegen eine Person mit deutscher und t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6rigkeit wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung IS und Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat in Syrien. Dar\u00fcber hinaus ist der Angeschuldigte wegen Mordes angeklagt. Ihm wird zur Last gelegt, Anfang M\u00e4rz 2013 \u00fcber die T\u00fcrkei nach Syrien gereist zu sein und sich dort sp\u00e4testens im September 2013 dem IS angeschlossen zu haben. Laut Anklage sei er in einem milit\u00e4rischen Ausbildungslager unter anderem im Umgang mit Schusswaffen geschult worden. Anschlie\u00dfend habe er einer in Syrien stationierten Kampfgruppe des IS angeh\u00f6rt und mit dieser wiederholt an Kampfhandlungen teilgenommen. Dabei habe der Angeschuldigte mindestens einen Menschen get\u00f6tet. Nach einer vor\u00fcbergehenden R\u00fcckkehr nach Deutschland zu Beginn des Jahres 2014 soll der Angeschuldigte Anfang Juli 2014 erneut nach Syrien gereist sein und erneut an Kampfhandlungen teilgenommen haben. Im Januar 2015 habe er sich in die T\u00fcrkei begeben, wo er von den t\u00fcrkischen Beh\u00f6rden festgenommen und anschlie\u00dfend nach Deutschland abgeschoben wurde. # Am 24. Juni 2015 verurteilte das OLG D\u00fcsseldorf eine Frau mit deutscher und polnischer Staatsangeh\u00f6rigkeit wegen Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung IS zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Nach Feststellung des Gerichts hielt sich die Angeklagte im Jahr 2013 zweimal \u00fcber einen Zeitraum von mehreren 183","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Wochen mit ihrem Ehemann nach islamischem Recht und dem im Oktober 2012 geborenen gemeinsamen Sohn in Syrien auf. Sie sei eine \u00fcberzeugte Anh\u00e4ngerin der vom IS vertretenen radikal-islamischen Ziele gewesen. Nach ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland Ende 2013 habe sie unter hier lebenden Muslimen Spendenund Sachsammlungen durchgef\u00fchrt und sich um den Transfer nach Syrien zum IS gek\u00fcmmert. Die Angeklagte wurde wegen insgesamt f\u00fcnf Unterst\u00fctzungshandlungen verurteilt. Bei der Strafzumessung wurde ber\u00fccksichtigt, dass sich die Angeklagte zu einem \u00fcberwiegenden Teil der gegen sie erhobenen Vorw\u00fcrfe am Ende der Hauptverhandlung gest\u00e4ndig eingelassen hat. Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig. # Am 4. September 2015 erhob die Bundesanwaltschaft vor dem OLG D\u00fcsseldorf Anklage gegen einen deutschen Staatsangeh\u00f6rigen wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung IS und Vorbereitung einer schweren staatsgef\u00e4hrdenden Gewalttat in Syrien. Dem Angeschuldigten wird zur Last gelegt, sich sp\u00e4testens ab Mitte Oktober 2013 bis Anfang November 2014 in Syrien dem IS als Mitglied angeschlossen zu haben. Zu Beginn dieses Zeitraums soll sich der Angeschuldigte zun\u00e4chst Schusswaffen und Handgranaten verschafft und sich in deren Umgang sowie in der Verarbeitung von Sprengstoff zum Bau von Sprengs\u00e4tzen unterweisen lassen haben, um gegebenenfalls an Kampfhandlungen f\u00fcr den IS teilzunehmen. Anschlie\u00dfend sei er von April bis November 2014 in eine Spezialeinheit zur Festnahme von Deserteuren aus den Reihen des IS und die Verwaltung von dessen Gef\u00e4ngnissen eingebunden gewesen. Au\u00dferdem habe der Angeschuldigte bei verschiedenen Gelegenheiten Wachdienst zum Schutz von St\u00fctzpunkten des IS abgeleistet. W\u00e4hrend des gesamten Zeitraums habe er der Organisation eigene finanzielle Mittel in H\u00f6he von 7.000 bis 9.000 Euro dadurch zur Verf\u00fcgung gestellt, dass er seinen Lebensunterhalt selbst bestritt, um damit den IS hiervon zu entlasten. Weiterhin habe er beim bewaffneten Transport von verletzten K\u00e4mpfern des IS und der Bestattung eines toten Gefangenen geholfen. Au\u00dferdem sei er bei einem Verh\u00f6r eines Gefangenen als Sprachmittler in Erscheinung getreten. 184","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS VI. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 1. Kern-\"al-Qaida\" Gr\u00fcndung: Mitte der 1980er-Jahre Leitung: Aiman al-Zawahiri Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Resurgence\" (Onlinemagazin) \"as-Sahab\" (Medienstelle) Die von Usama Bin Ladin gegr\u00fcndete \"al-Qaida\" strebt ein islamistisches Regime zumindest in den mehrheitlich von Muslimen bewohnten L\u00e4ndern und darauf aufbauend eine globale Ausdehnung an. Ihr Kampf gilt dem \"\u00e4u\u00dferen Feind\" (dem westlichen Einfluss, insbesondere den USA und Israel) und dem \"inneren Feind\" (den sogenannten unislamischen Regierungen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika). Ziel von \"al-Qaida\" sind weiterhin medienwirksame Anschl\u00e4ge. Zudem werden Einzelt\u00e4ter oder Kleinstgruppen dazu aufgerufen, Anschl\u00e4ge ohne Absprache und formale Anbindung an die Organisation durchzuf\u00fchren. Strukturen der \"al-Qaida\" in Deutschland sind nicht bekannt. 185","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 2. \"Islamischer Staat\" (IS) Gr\u00fcndung: Ende 2003 als \"al-Qaida im Irak\", seit Mitte 2014 \"Islamischer Staat\" Leitung: Abu Bakr al-Baghdadi Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"DABIQ\" (Onlinemagazin) \"KONSTANTINIYYE\" (t\u00fcrkischsprachiges Onlinemagazin) \"ISTOK\" (russischsprachiges Onlinemagazin) \"al-Hayat Media Center\" (Medienstelle) Bet\u00e4tigungsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 12. September 2014 Der \"Islamische Staat\" (IS) ist die aktivste terroristische Gruppierung im Irak sowie in weiten Teilen Syriens. Im Verlauf des Jahres 2013 nahm er eine zentrale Rolle im syrischen B\u00fcrgerkrieg ein und eroberte seit Anfang 2014 auch Gebiete im Nordirak. Am 29. Juni 2014 rief der IS das \"Kalifat\" aus. Propagandistisch agiert er wie ein modernes, globales Unternehmen und ist in sozialen Netzwerken weitr\u00e4umig pr\u00e4sent. Die IS-Propaganda zielt darauf ab, den \"Islamischen Staat\" als das einzig wahre, islamische Staatswesen darzustellen, dem sich Muslime in aller Welt anschlie\u00dfen sollen, um ihn zu verteidigen. Seit dem Beginn der US-gef\u00fchrten Luftangriffe gegen den IS im Jahr 2014 ruft die Terrororganisation auch zu Anschl\u00e4gen im Westen auf. Strukturen des IS in Deutschland sind nicht bekannt. 186","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 3. \"Al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) Gr\u00fcndung: Ende der 1990er-Jahre in Algerien als \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC) Leitung: Abdalmalik Droukdal alias Abu Mus'ab Abdalwadud Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Der Beitritt der \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC) zu \"al-Qaida\" wurde im September 2006 offiziell bekannt gegeben; im Januar 2007 erfolgte die Umbenennung in \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM). Die AQM ist die derzeit gr\u00f6\u00dfte und aktivste islamistisch-terroristische Organisation im Maghreb (im Sinne der AQM umfasst der Maghreb die Staaten Tunesien, Algerien, Marokko, Libyen, Mauretanien, Mali und Niger), wo sie die Errichtung eines islamistischen Staates anstrebt. Die terroristischen Aktivit\u00e4ten der AQM (unter anderem Anschl\u00e4ge durch Selbstmordattent\u00e4ter) konzentrieren sich insbesondere auf Algerien und Mali. Strukturen der AQM in Deutschland sind nicht bekannt. 187","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 4. \"Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) Gr\u00fcndung: Januar 2009 Leitung/Vorsitz: Qasim al-Raimi Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Anmerkung: Verschiedene jihadistiPublikationen/Medien: \"INSPIRE\" (Onlinemagazin) sche Organisationen \"PALESTINE\" (Onlinemagazin) benutzen h\u00e4ufig \"Sada al-Malahem\" (Onlinemagazin) dasselbe Logo; \"al-Malahem Media\" (Medienstelle) vgl. Logo IS. Im Januar 2009 schlossen sich \"al-Qaida im Jemen\" (AQJ) und \"al-Qaida\"-Kr\u00e4fte aus Saudi-Arabien zu \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) zusammen, wodurch die bis dahin ausschlie\u00dflich im Jemen aktive AQJ ihren terroristischen Aktionsradius auf Saudi-Arabien erweiterte. Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf der Arabischen Halbinsel. Seit ihrer Gr\u00fcndung hat AQAH ihre operative Handlungsf\u00e4higkeit durch Anschl\u00e4ge, unter anderem auf den internationalen Luftverkehr sowie staatliche Institutionen und Einrichtungen, insbesondere in Jemen und Saudi-Arabien, unter Beweis gestellt. Strukturen beziehungsweise Unterst\u00fctzer der AQAH in Deutschland sind nicht bekannt. 188","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 5. \"Al-Shabab\" Gr\u00fcndung: 2006 in Somalia Leitung: Ahmad Umar alias Abu Ubaidah Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Kataib\" (Medienstelle) Die Gruppierung \"al-Shabab\" hat sich im Jahr 2006 von der \"Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe\" (UIG) abgespalten und sich im Wesentlichen aus deren jungen, radikalen K\u00e4mpfern formiert. Im Februar 2012 wurde \"al-Shabab\" durch Kern-\"al-Qaida\" offiziell als regionaler Arm des \"al-Qaida\"-Netzwerks anerkannt. Ziel von \"al-Shabab\" ist die Errichtung eines islamistischen Staates in \"Gro\u00df-Somalia\" unter Einbeziehung der \u00e4thiopischen Region Ogaden sowie Teilen Kenias und Dschibutis. Zur Durchsetzung ihres Ziels wurden eine Vielzahl von Selbstmordattentaten und Anschl\u00e4gen auf Regierungsvertreter und diplomatische Einrichtungen - vor allem in der Hauptstadt Mogadischu - durchgef\u00fchrt. Organisationsstrukturen von \"al-Shabab\" in Deutschland sind nicht bekannt. 189","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 6. \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) Gr\u00fcndung: Ende 2011 Leitung: Abu Muhammad al-Julani Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"AZBIRU\" (Onlinemagazin) Als eine Regionalorganisation von \"al-Qaida\" strebt \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) die Errichtung eines islamistisch gepr\u00e4gten Staatswesens in \"Gro\u00df-Syrien\" an. Die regionalen Schwerpunkte der Gruppierung liegen im westlichen Teil Syriens, von Aleppo im Norden des Landes bis nach Daraa an der Grenze zu Jordanien im S\u00fcden. Im Umgang mit der Bev\u00f6lkerung und der Implementierung der (jeweils eigenen) Interpretation der Scharia in den \"befreiten\" Gebieten in Syrien gilt JaN als \"moderater\" als der \"Islamische Staat\" (IS), zu dem sie in scharfer Konkurrenz steht. Strukturen von JaN in Deutschland sind nicht bekannt. 190","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 7. \"Al-Qaida auf dem indischen Subkontinent\" (AQIS) Gr\u00fcndung: 3. September 2014 Leitung: Asim Umar Mitglieder/Anh\u00e4nger keine bekannt in Deutschland: Publikationen/Medien: \"as-Sahab\" (Medienstelle) Am 3. September 2014 gab al-Zawahiri (vgl. Nr. 1) die Gr\u00fcndung von \"al-Qaida auf dem indischen Subkontinent\" (AQIS) als neue Regionalorganisation des \"al-Qaida\"-Netzwerks bekannt. Deren Ziele seien unter anderem die Bek\u00e4mpfung der USA und ihrer Verb\u00fcndeter, die Einf\u00fchrung der Scharia, die \"Befreiung\" muslimischer Gebiete sowie der Jihad zur Etablierung des Kalifats. Bei AQIS handelt es sich um einen Zusammenschluss \"al-Qaida\"naher Gruppen und Personen auf dem indischen Subkontinent. Innerhalb des \"al-Qaida\"-Netzwerks betrachtet AQIS vor allem Pakistan, Indien, Bangladesch und Myanmar als Einflussgebiet. Zeitnah zu ihrer Gr\u00fcndung bekannte sich AQIS zu Anschl\u00e4gen in Pakistan. Im Februar 2015 \u00fcbernahm AQIS die Verantwortung f\u00fcr mehrere Morde an Bloggern in Bangladesch und Pakistan. 191","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 8. \"Hizb Allah\"42 Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Sitz: Beirut (Libanon) Leitung: Generalsekret\u00e4r Hassan Nasrallah, Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 950 (2014: 950) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Ahd - al-Intiqad\" (Auswahl) (Zeitschrift, w\u00f6chentlich) \"al-Manar\" (TV-Sender) \"Moqawama.org\" (Internetseite) Bet\u00e4tigungsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"al-Manar TV\": Bundesministers des Innern vom 29. Oktober 2008 Vereinsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"Waisenkinderprojekt Bundesministers des Innern Libanon e.V.\" (WKP)43: vom 2. April 201444 42 Arabisch f\u00fcr \"Partei Gottes\". 43 Der Verein hat sich umbenannt und hei\u00dft seit dem 16. Oktober 2014 \"Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V.\" 44 Das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) hat das Verbot am 16. November 2015 best\u00e4tigt. Die Klage des Vereins gegen das Verbot wurde als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Damit ist das Vereinsverbot rechtskr\u00e4ftig. 192","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Die mit Unterst\u00fctzung des Iran gegr\u00fcndete schiitisch-islamistische Organisation \"Hizb Allah\" bestreitet das Existenzrecht Israels. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist der mit terroristischen Mitteln gef\u00fchrte und als \"legitimer Widerstand\" bezeichnete Kampf gegen Israel als \"unrechtm\u00e4\u00dfigen Besatzer pal\u00e4stinensischen Bodens\". Es muss damit gerechnet werden, dass die \"Hizb Allah\" auch au\u00dferhalb des Nahen Ostens weiterhin terroristische Aktionen gegen Israel plant. In Deutschland pflegen die Anh\u00e4nger der \"Hizb Allah\" den organisatorischen und ideologischen Zusammenhalt, unter anderem in \u00f6rtlichen Moscheevereinen, die sich in erster Linie durch Spendengelder finanzieren. Das BVerwG hat mit Urteil vom 16. November 2015 seine st\u00e4ndige Rechtsprechung zur HAMAS (vgl. Nr. 9) auf die \"Hizb Allah\" \u00fcbertragen. Danach richtet sich die \"Hizb Allah\" insgesamt gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, unabh\u00e4ngig davon, ob sie im Einzelfall als politische, soziale oder terroristische Struktur in Erscheinung tritt. Sie stellt das Existenzrecht des Staates Israel offen in Frage und ruft zu dessen gewaltsamer Beseitigung auf. 193","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 9. HAMAS45 Gr\u00fcndung: Ende 1987 Sitz: Pal\u00e4stinensische Autonomiegebiete, Gazastreifen Leitung: Khalid Mash'al Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2014: 300) in Deutschland: Vereinsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des Bundesminis\"al-Aqsa e.V.\" ters des Innern vom 31. Juli 2002 Vereinsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"YATIM-Kinderhilfe e.V.\" Bundesministers des Innern vom 30. August 2005 Ziel der HAMAS ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf dem gesamten Gebiet \"Pal\u00e4stinas\" - auch durch bewaffneten Kampf. Unter \"Pal\u00e4stina\" versteht die HAMAS das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan, somit auch das Territorium des Staates Israel. Westliche Staaten wie Deutschland werden von der HAMAS als R\u00fcckzugsraum betrachtet, in dem die Organisation sich darauf konzentriert, Spendengelder zu sammeln, neue Anh\u00e4nger zu rekrutieren und ihre Propaganda zu verbreiten. Das BVerwG hat in st\u00e4ndiger Rechtsprechung (vgl. Urteile zum Verbot des \"al-Aqsa e.V.\" vom 3. Dezember 2004 und zum Verbot der \"Internationalen Humanit\u00e4ren Hilfsorganisation e.V.\" vom 18. April 2012) festgestellt, dass die HAMAS sich insgesamt gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtet, unabh\u00e4ngig davon, ob sie im Einzelfall als politische, soziale oder terroristische Struktur in Erscheinung tritt. 45 Abk\u00fcrzung f\u00fcr \"Harakat al-Muqawama al-Islamiya\" - \"Islamische Widerstandsbewegung\". Das arabische Wort HAMAS bedeutet \u00fcbersetzt \"Begeisterung, Eifer\". 194","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 10. \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 10.1 \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) Gr\u00fcndung: Anfang der 1990er-Jahre im Kaukasus Leitung: Ahmed Zakaev Mitglieder/Anh\u00e4nger 30 (2014: 40) in Deutschland: Nach dem Zerfall der Sowjetunion f\u00fchrte die \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) einen Guerillakrieg gegen die Russische F\u00f6deration mit dem Ziel der Errichtung eines islamistischen Regimes. 2007 proklamierte der damalige CRI-Pr\u00e4sident Dokku Umarov das islamistisch ausgerichtete \"Kaukasische Emirat\" (KE), das mit terroristischen Mitteln f\u00fcr einen islamistischen Staat auf dem Gebiet des gesamten Nordkaukasus k\u00e4mpft. Dieser Strategiewechsel f\u00fchrte zur Spaltung. Die CRI entwickelte sich zu einer legalistischen Bewegung und beschr\u00e4nkt sich auf die politische Durchsetzung ihres Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebens f\u00fcr Tschetschenien. 195","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 10.2 \"Kaukasisches Emirat\" (KE) Gr\u00fcndung: 2007 (durch Abspaltung von der CRI; vgl. Nr. 10.1) Leitung: derzeit keine F\u00fchrung bekannt Mitglieder/Anh\u00e4nger 170 (2014: 180) in Deutschland: Ziel des \"Kaukasischen Emirates\" (KE) ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf dem Gebiet des gesamten Nordkaukasus. Dabei setzt das KE in der Region auch terroristische Mittel ein. Deutschland dient den Anh\u00e4ngern des KE prim\u00e4r als R\u00fcckzugsraum zur finanziellen und logistischen Unterst\u00fctzung der Organisation im Nordkaukasus. Mit Blick auf den Bedeutungsgewinn globaler jihadistischer Bewegungen ist das regional auf den Kaukasus ausgerichtete KE im Wandel begriffen. Zuletzt bekannte sich ein Teil des KE zum \"Islamischen Staat\" (IS) (vgl. Nr. 2) und dessen Anf\u00fchrer Abu Bakr al-Baghdadi, der eine globale jihadistische Agenda verfolgt. Insbesondere in Deutschland wenden sich Anh\u00e4nger des KE verst\u00e4rkt solchen \u00fcberregionalen jihadistischsalafistischen Bestrebungen zu. 196","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 11. \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) Gr\u00fcndung: 1979 in Batman (T\u00fcrkei) Leitung: Edip G\u00fcm\u00fcs (F\u00fchrer), Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 360 (2014: 360) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"INZAR\" \"Dogru Haber\" \"Kelhaamed\" \"Kendi Dilinden Hizbullah\" Onlinemagazine: \"Hurseda\" \"Susaningulleri\" \"Huseynisevda\" Hauptziel der sunnitischen, kurdisch dominierten \"T\u00fcrkischen Hizbullah\" (TH) ist die Abschaffung des laizistischen Staatssystems in der T\u00fcrkei, die Errichtung eines islamistischen Staates und dessen kontinuierliche, letztlich globale Ausweitung. Zur Durchsetzung ihrer Ziele h\u00e4lt die TH die Anwendung von Gewalt f\u00fcr gerechtfertigt. Die Organisation nutzt Deutschland als R\u00fcckzugsraum zur Gewinnung neuer Mitglieder, Spendensammlungen und Organisation religi\u00f6ser und kultureller Veranstaltungen. 197","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 12. \"Hizb ut-Tahrir\"46 (HuT) Gr\u00fcndung: 1953 in Jerusalem (Israel) Leitung: Ata Abu al-Rashta alias Abu Yasin Mitglieder/Anh\u00e4nger 320 (2014: 300) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"al-Khilafa\" \"Hilafet\" \"K\u00f6kl\u00fc Degisim\" \"al-Waie\" \"Expliciet\" Bet\u00e4tigungsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 10. Januar 2003 Ziel der panislamisch ausgerichteten \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) ist die Vereinigung der Gemeinschaft aller Muslime (Umma) in einem weltweiten Kalifat mit islamischer Rechtsordnung (Scharia). Aus Sicht der HuT haben \"unterdr\u00fcckte\" Muslime das Recht auf \"Selbstverteidigung\" mit allen Mitteln. Als Konsequenz werden Gewalttaten anderer islamistischer Gruppierungen oftmals gebilligt. Die HuT kann in Deutschland wegen des Bet\u00e4tigungsverbots keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten entfalten, setzt jedoch ihre Agitation, Spendensammlungen und die Rekrutierung neuer Mitglieder im Untergrund fort. 46 Arabisch f\u00fcr \"Partei der Befreiung\". 198","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 13. \"Muslimbruderschaft\"47 (MB) Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Leitung: Muhammad Badi Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.04048 (2014: 1.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Risalat al-Ikhwan\" (Zeitung/Zeitschrift) Die \"Muslimbruderschaft\" (MB) gilt als \u00e4lteste und einflussreichste sunnitische islamistische Bewegung. Sie ist eigenen Angaben zufolge in mehr als 70 \u00fcberwiegend muslimischen L\u00e4ndern in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung vertreten. Zahlreiche islamistische Organisationen, zum Beispiel die pal\u00e4stinensische HAMAS, sind aus der MB hervorgegangen. Ziel der MB ist die Errichtung eines \"b\u00fcrgerlichen Staates mit islamischen Werten\". Seit den 1970er-Jahren formuliert die MB den Verzicht von Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele. Ausgenommen davon sei jedoch der Widerstand gegen \"Besatzer\", worunter die MB vor allem Israel versteht. Im Jahr 2013 wurde die MB in \u00c4gypten verboten und als Terrororganisation eingestuft. 47 Arabisch \"Gama'at al-Ikhwan al-Muslimin\". 48 Einschlie\u00dflich 300 Mitglieder der \"Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD; vgl. Nr. 13.1). 199","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 13.1 \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) Gr\u00fcndung: 1958 Sitz: K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Samir Falah Mitglieder in Deutschland: 300 (2014: 300) Jugendorganisation: \"Muslimische Jugend in Deutschland e.V.\" (MJD; formal unabh\u00e4ngige Jugendorganisation mit engen Verbindungen zur IGD) Die \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) ist die wichtigste und zentrale Organisation von Anh\u00e4ngern der MB in Deutschland. Ziel der IGD ist es, sich in Deutschland als anerkannter Ansprechpartner zum Thema Islam zu etablieren. Sie verfolgt daher eine an der MB-Ideologie ausgerichtete Strategie der Einflussnahme im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Eigenen Angaben zufolge koordiniert die IGD ihre Aktivit\u00e4ten mit mehr als 50 Moscheegemeinden. Bei \u00f6ffentlichen Auftritten werden Bekenntnisse zur MB und verfassungsfeindliche \u00c4u\u00dferungen vermieden. Gleichwohl sind die Aktivit\u00e4ten der IGD-Zentren aufgrund der ideologischen Ausrichtung an der MB geeignet, eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber westlichen Werten zu verst\u00e4rken und Demokratiedistanz zu f\u00f6rdern. 200","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 14. \"Tablighi Jama'at\"49 (TJ) Gr\u00fcndung: 1926 in Indien Leitung: F\u00fchrungszirkel (Schura), Vorsitzender: Maulana Ibrahim Saad Mitglieder/Anh\u00e4nger 650 (2014: 700) in Deutschland: Die transnationale Massenbewegung mit weltweit etwa 12 Millionen Anh\u00e4ngern wird von einem F\u00fchrungszirkel (Schura) sowie den drei religi\u00f6sen Zentren in Dhaka (Bangladesch), Neu-Delhi (Indien) und Raiwind (Pakistan) geleitet. Die TJ orientiert sich eng an dem Islamverst\u00e4ndnis der islamischen Fr\u00fchzeit. Langfristiges Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Regimes. Die Ablehnung s\u00e4kularer Prinzipien und die Abgrenzung gegen\u00fcber Nichtmuslimen k\u00f6nnen die Bildung abgeschotteter Parallelgesellschaften zur Folge haben und individuelle Radikalisierungsprozesse beg\u00fcnstigen. Die Aktivit\u00e4ten der TJ in Deutschland werden \u00fcber informelle Kontakte in einem hierarchisch aufgebauten Netzwerk herausragender Akteure koordiniert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Werbung neuer Anh\u00e4nger, der Missionierung und der Durchf\u00fchrung ideologischer Schulungen. 49 Urdu f\u00fcr \"Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Mission\". 201","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 15. Einfluss regimetreuer Iraner auf in Deutschland lebende Schiiten durch das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) Gr\u00fcndung: 1962 Sitz: Hamburg Leitung/Vorsitz: Reza Ramezani Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Fadschr\" (Zeitung/Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich) \"SALAM! Zeitschrift f\u00fcr junge Muslime\" (viertelj\u00e4hrlich) In Deutschland existieren eine Reihe islamischer Zentren und Organisationen regimetreuer Iraner, mit deren Hilfe das iranische Regime versucht, Einfluss auf hier lebende Schiiten unterschiedlicher Nationalit\u00e4t zu nehmen. Das gr\u00f6\u00dfte und einflussreichste Zentrum ist das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH), das Tr\u00e4ger der \"Imam Ali Moschee\" ist. Der Leiter des IZH gilt als Vertreter des \"Revolutionsf\u00fchrers\" der Islamischen Republik Iran - derzeit Ayatollah Seyyed Ali Khamenei - in Deutschland. Die Aktivit\u00e4ten des IZH sind darauf ausgerichtet, die islamische Lehre schiitisch-iranischer Pr\u00e4gung auf unterschiedlichste Art und Weise in Deutschland und Europa zu verbreiten. Hierf\u00fcr organisiert das IZH unter anderem regelm\u00e4\u00dfige Gebetsund Vortragsveranstaltungen, religi\u00f6se Feierlichkeiten sowie Sprachunterricht und andere Lehrveranstaltungen. 202","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 16. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung Die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung besteht aus mehreren Bestrebungen, die von einer gemeinsamen ideologisch-religi\u00f6sen Ausrichtung und der ideellen Bindung an den t\u00fcrkischen Politiker Necmettin Erbakan (1926-2011) zusammengehalten werden. Obgleich alle Vereinigungen selbstst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig voneinander agieren, ist die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie - wenn auch in unterschiedlich starker Auspr\u00e4gung - das verbindende Element. Die von Erbakan gepr\u00e4gten Schl\u00fcsselbegriffe seines politischen Denkens sind \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (\"Nationale Sicht\") und \"Adil D\u00fczen\" (\"Gerechte Ordnung\"). \"Gerecht\" sind f\u00fcr Erbakan die Ordnungen, die auf \"g\u00f6ttlicher Offenbarung\" gegr\u00fcndet, \"nichtig\" jene, die von Menschen entworfen wurden. Gegenw\u00e4rtig dominiere mit der westlichen Zivilisation eine \"nichtige\", eine auf Gewalt, Unrecht und Ausbeutung der Schwachen basierende Ordnung. Dieses \"nichtige\" System m\u00fcsse durch eine \"gerechte Ordnung\" ersetzt werden, die sich ausschlie\u00dflich an islamischen Grunds\u00e4tzen ausrichte, anstatt an von Menschen geschaffenen und damit \"willk\u00fcrlichen Regeln\". Alle Muslime sollen an der Verwirklichung der \"Gerechten Ordnung\" mitwirken. Hierzu m\u00fcssen sie eine bestimmte Haltung einnehmen, einen bestimmten Blick (\"G\u00f6r\u00fcs\") auf die Welt gewinnen, n\u00e4mlich einen nationalen/religi\u00f6sen (\"Milli\") Blick, einen \"Milli G\u00f6r\u00fcs\". 203","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 16.1 Der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnende Vereinigungen \"Ismail Aga Cemaati\" (IAC) Die \"Ismail Aga Cemaati\" (IAC) ist der weitverzweigten mystischen Bruderschaft der Naqshbandiya zuzuordnen. Die IAC gilt allgemein als einer der radikaleren Zweige der Bruderschaft. Spirituelles Oberhaupt ist der in der T\u00fcrkei lebende Scheich Mahmud Ustaosmanoglu, der seine Anh\u00e4nger in der Vergangenheit immer wieder zur Unterst\u00fctzung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie aufgefordert hat. Bis zu seiner Abschiebung in die T\u00fcrkei am 23. Oktober 2015 pr\u00e4gte der Prediger Nusret Cayir die IAC in Deutschland. Seiner Auffassung zufolge gebe es niemanden au\u00dfer der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\", der die T\u00fcrkei retten k\u00f6nne. Wer nach Cayirs Ausreise in die T\u00fcrkei die IAC in Deutschland vertreten wird, ist derzeit noch ungewiss. \"Deutschlandvertretung der 'Saadet Partisi' (SP)\" Die \"Saadet Partisi\" (SP), seit dem Jahr 2001 die politische Vertretung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei, hat im Jahr 2013 damit begonnen, auch au\u00dferhalb der T\u00fcrkei Strukturen aufzubauen. Erkl\u00e4rtes Ziel der Auslandsvertretungen ist zum einen die Verbreitung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie und zum anderen die Unterst\u00fctzung der Mutterpartei, zum Beispiel bei den im Juni 2015 erfolgten Parlamentswahlen und den im November 2015 durchgef\u00fchrten Neuwahlen in der T\u00fcrkei. W\u00e4hrend sich die \"Deutschlandvertretung der SP\" bereits am 30. September 2013 in M\u00fcnchen (Bayern) vereinsrechtlich angemeldet hatte, fand die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung erst am 27. Dezember 2013 in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) statt. \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" Die \"Erbakan-Stiftung\" wurde im Juni 2013 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Fatih Erbakan, der Sohn Necmettin Erbakans und Vorsitzender der Stiftung, erkl\u00e4rte, dass die Stiftung das Ziel habe, eine Wiederbelebung der Ideen Necmettin Erbakans herbeizuf\u00fchren und die gesamte \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung wieder st\u00e4rker hierauf zu verpflichten. Am 24. November 2013 fand in Solingen (Nordrhein-Westfalen) unter Teilnahme von Fatih Erbakan die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung der \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" statt. 204","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS \"Milli Gazete\" Als Sprachrohr der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung bildet die formal unabh\u00e4ngige t\u00fcrkische Tageszeitung \"Milli Gazete\" ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Komponenten der Bewegung und tr\u00e4gt zur Verfestigung der ideologischen Positionen bei. In Deutschland ist die Europa-Ausgabe der \"Milli Gazete\" erh\u00e4ltlich (seit Mai 2011 lediglich im Abonnement). \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) Vorliegende Anhaltspunkte belegen die auch weiterhin bestehenden Verbindungen der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG), die im Jahr 1985 in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) als \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) gegr\u00fcndet wurde, zu Teilbereichen der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung. Gleichwohl ist deutschlandweit - allerdings regional in unterschiedlicher Intensit\u00e4t - ein schw\u00e4cher werdender Extremismusbezug der IGMG festzustellen. Dies korrespondiert mit den anhaltenden Bem\u00fchungen des IGMG-Vorsitzenden Kemal Erg\u00fcn, die Organisation aus der Einflussnahme der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei loszul\u00f6sen und der IGMG ein eigenst\u00e4ndiges Profil zu geben. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten liegt inzwischen eindeutig im religi\u00f6sen Bereich, zum Beispiel auf dem Ausbau entsprechender Bildungseinrichtungen. Die IGMG ver\u00f6ffentlicht neben einer Vielzahl von Brosch\u00fcren unter anderem die Zeitschriften \"Perspektif\" (monatlich oder zweimonatlich) und \"Camia\" (zweiw\u00f6chentlich). 205","206","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) 207","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) I. \u00dcberblick Im nichtislamistischen Ausl\u00e4nderextremismus finden sich Ideologieelemente aus dem Rechtsund Linksextremismus, einige Organisationen verfolgen auch gewaltorientierte separatistische Bestrebungen. Insoweit handelt es sich nicht um ein einheitliches tendenziell b\u00fcndnisf\u00e4higes Spektrum, sondern um disparate Teile, die nur fallund anlassbezogen untereinander oder mit deutschen extremistischen Gruppierungen kooperieren. Politik, Strategie und Aktionen der nichtislamistischen extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen in Deutschland werden ganz entscheidend von den Entwicklungen und Ereignissen in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern (und den dortigen zentralen Organisationseinheiten) bestimmt. Entsprechend zielen sie - oftmals auch durch den Einsatz von Gewalt und Terror - auf eine radikale Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sie auch in der Bundesrepublik Deutschland die innere Sicherheit gef\u00e4hrden und versto\u00dfen zudem zum Teil gegen das Prinzip der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Deutschland gilt den meisten als sicherer R\u00fcckzugsraum. Von hier aus k\u00f6nnen sie die Heimatorganisationen propagandistisch, vor allem aber auch materiell und finanziell unterst\u00fctzen. 1. Entwicklungstendenzen Agitation und Militanzniveau der ausl\u00e4nderextremistischen Organisationen sind weit \u00fcberwiegend von der politischen Entwicklung in den Heimatl\u00e4ndern abh\u00e4ngig. Daher ist es schwierig, Prognosen \u00fcber Tendenzen und Relevanz der einzelnen Gruppierungen f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland zu treffen. Die in Deutschland lebenden Anh\u00e4nger sind in der Regel die Empf\u00e4nger politisch-strategischer Richtlinien der Organisationen in den jeweiligen Heimatl\u00e4ndern und bereit, diese konsequent in die Tat umzusetzen. 208","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Von herausgehobener Bedeutung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland bleiben - wie bereits in den Vorjahren - die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" PKK (die mit Abstand aktionsund kampagnenf\u00e4higste Organisation im s\u00e4kularen Ausl\u00e4nderextremismus), die \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" DHKP-C (wegen ihres offenen Bekenntnisses zum bewaffneten Kampf) und die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung (wegen ihrer militanten Ablehnung des Gleichheitsgrundsatzes). Die Determinanten ihrer ideologischen und politischen Zielrichtungen bestehen unver\u00e4ndert fort. Die Kurden geh\u00f6ren zu den Leidtragenden des B\u00fcrgerkriegs in PKK: bewaffneter Syrien und der instabilen Lage im Irak, politisch k\u00f6nnte hingegen und politischer gerade die PKK von dieser Lage profitieren. Sp\u00e4testens seit dem Kampf Vormarsch der Terrormiliz \"Islamischer Staat\" (IS) im Jahr 2014 nimmt die Welt in hohem Ma\u00dfe Anteil an dem Schicksal der Kurden. Die Gr\u00fcndung der \"Demokratischen Autonomie\" in \"Rojava\" (kurdisch besiedelter Teil Nordsyriens) ist f\u00fcr die PKK ein bedeutender Schritt hin zu einer \"demokratischen Konf\u00f6deration\" autonomer Einheiten \u00fcber nationale Grenzen hinweg. Faktisch k\u00f6nnte dies auch auf separatistische Bestrebungen hinauslaufen. Die syrische Grenzstadt Kobane50 ist zu einem Synonym f\u00fcr den Verteidigungswillen der Kurden und anderer vom IS bedrohter Gruppen geworden. Dies sichert der PKK Sympathie und Zustimmung: Sie wird als Verteidigerin von Leib und Leben der Kurden wahrgenommen (wobei oft \u00fcbersehen wird, dass neben ihr eben auch andere kurdische Milizen an den K\u00e4mpfen beteiligt sind). Die PKK nutzt den Reputationsgewinn, um vehementer noch als in der Vergangenheit die Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots in Deutschland zu fordern. Sie ist bestrebt, sich vom Makel einer verbotenen Organisation zu befreien und erf\u00e4hrt hierbei Unterst\u00fctzung aus dem linksextremistischen Spektrum. In den Hintergrund ger\u00e4t dabei das Festhalten der PKK am bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei, ihre in Europa indifferente Haltung zu Militanz und Gewalt, insbesondere auch die anhaltende Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla, sowie die intransparenten Entscheidungsstrukturen und die fehlende demokratische Organisierung. Mit dem Ende des Friedensprozesses in der T\u00fcrkei und den massiven bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der PKK-Guerilla und Einheiten des t\u00fcrkischen Staates ist auch die 50 Kurdische Bezeichnung; arabisch: Ain al-Arab. 209","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) k\u00fcnftige Ausrichtung der PKK in Europa ungewiss: Eine R\u00fcckkehr zu militanten Formen ist jederzeit m\u00f6glich. DHKP-C: Die DHKP-C propagiert nach wie vor die Notwendigkeit tert\u00fcrkischer Staat und roristischer Gewalt in der T\u00fcrkei und hat im Jahr 2015 ihre \"US-Imperialismus\" Anschlagsserie gegen den t\u00fcrkischen Staat und den \"US-Impebleiben Hauptfeinde rialismus\" fortgesetzt. In Deutschland ist die DHKP-C \u00fcber ihre Tarnorganisation \"Anatolische F\u00f6deration\" t\u00e4tig, insbesondere in der Betreuung von inhaftierten Anh\u00e4ngern und im Politikfeld \"Antirassismus\". Die DHKP-C betrachtet Deutschland zwar als Ruheraum, zeigt jedoch mit ihren Todeskult-Veranstaltungen zum Gedenken an die sogenannten M\u00e4rtyrer (Organisationsmitglieder, die bei terroristischen Aktionen in der T\u00fcrkei ums Leben gekommen sind), dass die Organisationseinheiten auch hier die Linie der Gesamtpartei einschlie\u00dflich der terroristischen Option mittragen. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung: Die nationalistische und rassistische - und damit rechtsextreorganisatorischer mistische - \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Ideologie, die auf einer \u00dcberh\u00f6hung der Kern und strukturlose T\u00fcrkei und des T\u00fcrkentums bei gleichzeitiger Abwertung anderer Formen Ethnien basiert, wird in Deutschland im Wesentlichen durch den Dachverband \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) und die meist unorganisierten jugendlichen Anh\u00e4nger vertreten. W\u00e4hrend sich der Dachverband nach au\u00dfen hin um ein gesetzeskonformes Verhalten bem\u00fcht, propagieren die weitgehend \u00fcber das Internet vernetzten Jugendlichen ihren Rassismus offensiv und fordern nicht nur verbalradikal zur Gewalt auf, sondern ver\u00fcben gelegentlich auch Gewalttaten gegen\u00fcber anderen ethnischen Gruppen. Wechselwirkungen Eine permanente Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit stellt das zwischen den Aufeinandertreffen rivalisierender extremistischer Gruppen bei Extremismen Demonstrationen oder Kundgebungen dar. Die oftmals kriegerischen Auseinandersetzungen in ihren Herkunftsl\u00e4ndern f\u00fchren bei etlichen Migranten zu einer nachvollziehbar hohen Emotionalisierung. Extremisten versuchen dies f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen und instrumentalisieren Kundgebungen. Sie sch\u00fcren eine aggressive Stimmung, die sich oftmals in Militanz und Gewalt gegen rivalisierende Gruppen oder gegen die Polizei entl\u00e4dt, im Besonderen zwischen PKK-Anh\u00e4ngern und 210","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) rechtsextremistischen T\u00fcrken sowie Personen, die von PKK-Anh\u00e4ngern dem salafistischen Spektrum zugerechnet werden. 2. Organisationen und Personenpotenzial Das Mitgliederund Anh\u00e4ngerpotenzial nichtislamistischer sicherheitsgef\u00e4hrdender beziehungsweise extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen ist im Vergleich zum Vorjahr nahezu konstant geblieben und betr\u00e4gt 29.050 Personen. Der gr\u00f6\u00dfte Anteil entfiel mit 17.550 Personen auf linksextremistische Ausl\u00e4ndergruppierungen, 10.000 Personen geh\u00f6rten rechtsextremistischen Ausl\u00e4ndergruppierungen an, 1.500 Personen waren gewaltorientierten separatistischen Ausl\u00e4ndergruppierungen zuzurechnen. Mitgliederpotenzial extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen1, 2 (ohne Islamismus) 2013 2014 2015 Linksextremisten 16.970 17.550 17.550 davon: \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 13.000 14.000 14.000 \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 650 650 650 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) 1.300 1.300 1.300 \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) 600 600 600 Sonstige 1.420 1.000 1.000 Gewaltorientierte Separatisten 1.790 1.780 1.500 davon: \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) 1.000 1.000 1.000 extremistische Sikhs 790 780 500 Rechtsextremisten 10.050 10.000 10.000 Summe 28.810 29.330 29.050 1 Die Zahlenangaben beziehen sich auf Deutschland und sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Hier werden auch Mitglieder/Sympathisanten der mit Verbot belegten Gruppen gez\u00e4hlt. 211","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) II. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 1. Politische Ausgangslage Die Aktivit\u00e4ten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK)51 in Deutschland - sie verf\u00fcgt wie im Vorjahr \u00fcber 14.000 Anh\u00e4nger, kann aber dar\u00fcber hinaus weitaus mehr Personen mobilisieren - wurden 2015 ganz wesentlich von drei Faktoren bestimmt: # weltweit beachteter Kampf der Kurden in Syrien und im Irak gegen den islamistisch-terroristischen \"Islamischen Staat\" (IS), # Scheitern der Friedensverhandlungen und neuerliche bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen der PKK und dem t\u00fcrkischen Staat, # Forderungen nach Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots f\u00fcr die PKK in Deutschland. Noch zu Beginn des Jahres hatte der nach wie vor unumstrittene PKK-F\u00fchrer Abdullah \u00d6calan, der seit 1999 auf der t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnisinsel Imrali inhaftiert ist, die PKK-Guerillaeinheiten zur Niederlegung der Waffen aufgefordert. Er stellte eine Beendigung des seit \u00fcber 30 Jahren andauernden Konflikts in Aussicht, sofern der t\u00fcrkische Staat bereit sei, wesentliche Bedingungen der PKK zu erf\u00fcllen. Zentrale Forderungen der PKK sind die Anerkennung der kurdischen Identit\u00e4t sowie eine politische und kulturelle Autonomie der Kurden unter Aufrechterhaltung nationaler Grenzen in ihren Siedlungsgebieten, vor allem in der T\u00fcrkei, verst\u00e4rkt aber auch in Syrien. Der Co-Vorsitzende der \"Union der Gemeinschaften Kurdistans\" (KCK)52 Cemil Bayik bekr\u00e4ftigte im Fr\u00fchjahr 2015, die PKK strebe eine politische L\u00f6sung des Konflikts an, da weder die T\u00fcrkei noch die PKK ihre Ziele durch Krieg erreicht h\u00e4tten. Der von der PKK gegen\u00fcber dem t\u00fcrkischen Staat angebotene Gewaltverzicht wurde im Sommer 2015 zur\u00fcckgenommen. Ausl\u00f6ser f\u00fcr eine neuerliche Eskalation des milit\u00e4rischen Konflikts 51 \"Partiya Karkeren Kurdistan\". 52 \"Koma Civaken Kurdistan\". 212","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) war ein der Terrormiliz IS zugerechneter Selbstmordanschlag am Anschlag in der 20. Juli 2015 in der t\u00fcrkischen Grenzstadt Suruc, der \u00fcber 30 Tote T\u00fcrkei l\u00f6st Eskalation und etwa 100 Verletzte gefordert hatte. PKK-Guerillaeinheiten zwischen PKK t\u00f6teten daraufhin am 22. Juli 2015 zwei t\u00fcrkische Polizisten, die und t\u00fcrkischem Staat sie einer Kooperation mit dem IS bezichtigten. Das t\u00fcrkische aus Milit\u00e4r nahm dies zum Anlass, in der Nacht zum 25. Juli 2015 Bombenangriffe auf Lager der PKK in Syrien und im Nordirak zu fliegen. Parallel fanden in der T\u00fcrkei landesweite Exekutivma\u00dfnahmen gegen Einrichtungen der PKK statt. Noch am selben Tag erkl\u00e4rten die PKK-Guerillaeinheiten den - seit M\u00e4rz 2013 jedenfalls auf dem Papier bestehenden - Waffenstillstand mit der t\u00fcrkischen Regierung f\u00fcr bedeutungslos. Die t\u00fcrkische Regierung k\u00fcndigte nach deutlich intensivierten Kampfhandlungen der PKK am 28. Juli 2015 ihrerseits den Friedensprozess faktisch auf. Ende des In der Folgezeit setzte die t\u00fcrkische Luftwaffe ihre Angriffe auf Friedensprozesses PKK-Stellungen im eigenen Land und im Nordirak fort. Die PKK griff in der Folgezeit immer wieder t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte an. Seit Mitte August 2015 hat die PKK in zahlreichen Provinzen mit Autonomie\u00fcberwiegend kurdischer Bev\u00f6lkerung die \"Selbstverwaltung\" ausbestrebungen gerufen, da sie nicht mehr bereit sei, die Autorit\u00e4t des t\u00fcrkischen Staates in diesen Gebieten anzuerkennen. Die PKK-Guerillaeinheiten forderten, sich gegen den \"Genozid\" der t\u00fcrkischen Regierung zu wehren und die ausgerufenen Selbstverwaltungsgebiete zu verteidigen. In der Provinz Hakkari kamen zum Beispiel bei einem Anschlag der PKK-Guerilla am 6. September 2015 16 t\u00fcrkische Soldaten ums Leben. Daraufhin drangen t\u00fcrkische Bodentruppen am 8. September 2015 erstmals seit 2011 wieder in den Nordirak ein, um PKK-K\u00e4mpfer zu verfolgen, die an dem Anschlag beteiligt gewesen sein sollen. In der \u00fcberwiegend von Kurden bewohnten Grenzstadt Cizre im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei, in der die PKK die \"Selbstverwaltung\" ausgerufen hatte, kam es ebenfalls zu anhaltenden Gefechten der PKK-Guerilla mit der t\u00fcrkischen Armee. Nach einem weiteren der Terrormiliz IS zugerechneten BomBombenanschlag benanschlag auf eine regierungskritische Gro\u00dfdemonstration in Ankara mit mehr als einhundert Toten und mehreren Hundert Verletzten am 10. Oktober 2015 in Ankara (T\u00fcrkei) erkl\u00e4rte die PKK zun\u00e4chst zwar, sie werde die gewaltsamen Aktionen gegen den t\u00fcrkischen Staat bis zur Neuwahl des t\u00fcrkischen Parlaments am 213","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 1. November 2015 einstellen.53 Nachdem die t\u00fcrkische Armee dessen ungeachtet ihre Angriffe auf PKK-Stellungen jedoch fortgesetzt hatte, k\u00fcndigte die PKK den Gewaltverzicht am 5. November 2015 wieder auf. 2. Auswirkungen der krisenhaften Entwicklung in der Heimatregion auf die Sicherheitslage in Deutschland Die durch den Anschlag in Suruc (T\u00fcrkei) am 20. Juli 2015 ausgel\u00f6ste zugespitzte Situation zwischen PKK und t\u00fcrkischem Staat f\u00fchrte zu Auseinandersetzungen zwischen den Anh\u00e4ngern der Kontrahenten auch in Deutschland. Insbesondere die PKKJugendorganisation \"Ciwanen Azad\" appellierte immer wieder an ihre Mitglieder, \"Widerstand\" zu leisten. Die \u00fcberwiegende Anzahl der in der zweiten Jahresh\u00e4lfte durchgef\u00fchrten Protestkundgebungen von PKK-Anh\u00e4ngern verlief dennoch st\u00f6rungsfrei. In einigen F\u00e4llen kam es aber auch zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit rechtsextremistischen T\u00fcrken (vgl. Kap. IV) oder mit Salafisten. Abseits von Demonstrationen kam es dar\u00fcber hinaus zu Sachbesch\u00e4digungen an t\u00fcrkischen Einrichtungen. Einige Beispiele: # 20. Juli 2015, Berlin Ausschreitungen im Verlauf einer PKK-Demonstration mit 1.100 Teilnehmern; die Polizei nahm sechs Personen fest und leitete 13 Strafermittlungsverfahren ein. # 25. Juli 2015, Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) Teilnehmer einer PKK-Demonstration (insgesamt 1.500 Kundgebungsteilnehmer) griffen ein Fahrzeug mit Steinund Flaschenw\u00fcrfen an, nachdem der Fahrer eine t\u00fcrkische Nationalflagge in Richtung der Demonstranten gezeigt hatte. # 25. Juli 2015, Mannheim (Baden-W\u00fcrttemberg) Junge Kurden griffen einen von Salafisten betriebenen Stand an, auf dem im Rahmen der \"LIES!\"-Kampagne kostenlose Koranexemplare verteilt wurden. 53 PKK-Anh\u00e4nger unterst\u00fctzten den Wahlkampf der prokurdischen Demokratischen Partei der V\u00f6lker (Halklarin Demokratik Partisi - HDP) bei den Parlamentswahlen im Juni 2015 und im November 2015 mit europaweiten HDP-Solidarit\u00e4tsveranstaltungen. 214","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) # 10. September 2015, Bielefeld (Nordrhein-Westfalen) Versuch einer Gruppe vermummter Jugendlicher, in eine der rechtsextremistischen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung (vgl. Kap. IV) zugerechnete Moschee einzudringen; als dies misslang, besch\u00e4digten sie geparkte Fahrzeuge und schmierten PKK-Schriftz\u00fcge an die Hausfassade. # 12. September 2015, Hannover (Niedersachsen) Erhebliche Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischen und kurdischen Demonstranten; ein Kurde wurde durch einen Messerstich lebensgef\u00e4hrlich verletzt - der T\u00e4ter hatte zuvor an einer Demonstration rechtsextremistischer T\u00fcrken teilgenommen (vgl. Kap. IV). # 14. September 2015, M\u00fcnster (Nordrhein-Westfalen) Das t\u00fcrkische Generalkonsulat wurde mit Molotow-Cocktails beworfen. Zuvor sind bereits am 12. September 2015 PKK-Farbschmierereien beziehungsweise PKK-Schriftz\u00fcge an dem Geb\u00e4ude festgestellt worden. # 20. September 2015, K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) Massive k\u00f6rperliche Auseinandersetzungen, als etwa 70 \u00fcberwiegend junge PKK-Anh\u00e4nger mit sichtbaren kurdischen Symbolen auf einen prot\u00fcrkischen \"Friedensmarsch f\u00fcr die T\u00fcrkei\" mit 1.200 Teilnehmern trafen. # 27. September 2015, Stuttgart Teilnehmer einer Demonstration rechtsextremistischer T\u00fcrken wurden von in der Hauptsache kurdischen Gegendemonstranten mit Steinen und Flaschen beworfen - ein Aufeinandertreffen gr\u00f6\u00dferer Gruppierungen konnte nur durch verst\u00e4rkten Polizeieinsatz verhindert werden. # 13. November 2015, K\u00f6ln Brandanschlag auf eine t\u00fcrkische Moschee; die PKK-Jugend \"Ciwanen Azad\" K\u00f6ln bekannte sich im Internet zu dem Anschlag. 3. Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla Vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten in Syrien und im Irak setzte die PKK ihre intensiven Rekrutierungsaktivit\u00e4ten auch in Europa weiter fort. Sie forderte Jugendliche auf, sich den bewaffneten Einheiten der PKK anzuschlie\u00dfen, um ihre \"Heimat\" zu verteidigen. Die Anzahl der aus Deutschland in die Kampfgebiete 215","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) ausgereisten Rekruten stieg 2015 weiter an. Insgesamt sind \u00fcber 100 Personen bekannt, die auf Seiten der Kurden gegen den IS k\u00e4mpfen, der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der aus Deutschland ausgereisten Personen wurde von der PKK rekrutiert. Vorwiegend Jugendliche und junge Erwachsene werden durch PKK-Kader vor einem Einsatz auf ihre Tauglichkeit f\u00fcr entsprechende Aufgaben gepr\u00fcft. Ein Teil dieser Personen wird im Nordirak milit\u00e4risch ausgebildet und auch im Kampf eingesetzt. Mindestens zwei aus Deutschland stammende Personen sind bei solchen Kampfeins\u00e4tzen ums Leben gekommen: # 6. Juli 2015 Ein 21-J\u00e4hriger aus Baden-W\u00fcrttemberg, der sich Ende 2012 der PKK-Guerilla angeschlossen hatte, wurde bei Gefechten in Syrien get\u00f6tet. # 18. Oktober 2015 Ein 24-J\u00e4hriger aus Baden-W\u00fcrttemberg, der sich im Jahr 2010 dem bewaffneten Kampf der PKK angeschlossen hatte, wurde in Syrien get\u00f6tet. Solange die K\u00e4mpfe sowohl zwischen dem IS und der PKK als auch zwischen der PKK und t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften andauern, d\u00fcrften die Rekrutierungsbem\u00fchungen der Organisation in Deutschland und Europa fortgesetzt werden. Neben den Rekrutierungsma\u00dfnahmen der PKK wurden 2015 vermehrt auch F\u00e4lle bekannt, in denen sich Personen ohne vorherige Bez\u00fcge zur PKK eigenst\u00e4ndig und aus Solidarit\u00e4t mit den Kurden entschlossen haben, in Syrien am bewaffneten Kampf gegen den IS teilzunehmen. Hinzu kam bei einigen Personen auch eine gro\u00dfe Affinit\u00e4t zu Waffen und eine gewisse \"Abenteuerlust\". Die \u00fcberwiegende Zahl der eigenst\u00e4ndig ausgereisten Personen kn\u00fcpfte im Vorfeld der Ausreise \u00fcber das Internet Kontakt in das Krisengebiet. Erst vor Ort wandten sie sich an PKK-Strukturen. 4. Zentrale PKK-Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen Wie in den Jahren zuvor f\u00fchrte die PKK auch 2015 zentrale Propagandaveranstaltungen in Deutschland und dem benachbarten Ausland durch. Im Mittelpunkt standen erwartungsgem\u00e4\u00df die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen in den kurdischen 216","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Siedlungsgebieten sowie das Schicksal des seit 1999 inhaftierten PKK-F\u00fchrers \u00d6calan und das PKK-Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland. Wesentliche Elemente der Propaganda sind Demonstrationen und Kundgebungen, die im Regelfall friedlich verlaufen, sowie Podiumsdiskussionen, Unterschriftskampagnen, Hungerstreiks und Mahnwachen. Wie die nachfolgenden Beispiele zeigen, gelingt es der Organisation nach wie vor, ihre Anh\u00e4ngerschaft in hohem Ma\u00dfe zu mobilisieren: # 14. Februar 2015, Stra\u00dfburg (Frankreich) Gro\u00dfdemonstration zum 16. Jahrestag der Festnahme \u00d6calans (8.000 Teilnehmer, darunter ein Gro\u00dfteil aus Deutschland, 2014: 10.000 Teilnehmer). # 21. M\u00e4rz 2015, Bonn (Nordrhein-Westfalen) Zentrale Gro\u00dfkundgebung zum traditionellen kurdischen Neujahrsfest \"Newroz\" unter dem Motto \"Im Lichte von Kobane zur Freiheit der V\u00f6lker\" (17.000 Teilnehmer, 2014: 10.000 Teilnehmer). # 5. September 2015, D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) \"23. Internationales Kurdisches Kulturfestival\" unter dem Doppel-Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Status f\u00fcr Kurdistan\" und \"No Pasaran - Wir sagen NEIN zum Krieg\" (21.000 Teilnehmer aus ganz Europa, 2014: 30.000 Teilnehmer). 5. Hierarchische Organisationsstruktur und finanzielle Situation der PKK in Europa Die PKK hat in Europa diverse Umbenennungen vorgenommen, Autorit\u00e4re F\u00fchrung um den Eindruck einer politischen Neuausrichtung zu erwecken und nicht mehr als Terrororganisation wahrgenommen zu werden. Nach au\u00dfen hin wird die Einf\u00fchrung demokratischer Strukturen propagiert - tats\u00e4chlich jedoch h\u00e4lt die Organisation weiterhin an einem strikt hierarchischen Organisationsaufbau und einer autorit\u00e4ren F\u00fchrung fest. Die zumeist konspirativ agierenden F\u00fchrungsfunktion\u00e4re leiten nach wie vor organisationsinterne Anweisungen und Vorgaben nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam an nachgeordnete Ebenen weiter. 217","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Bei den PKK-Strukturen in Europa, mithin auch in Deutschland, handelt es sich nach Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) weder um organisatorisch selbstst\u00e4ndige (Teil-)Vereinigungen, noch sind sie in ihrem Willensbildungsprozess von der ausl\u00e4ndischen Hauptorganisation PKK unabh\u00e4ngig. Zum einen sind sie nahtlos in den PKK-Aufbau eingegliedert, zum anderen werden auch die politisch-ideologischen Zielsetzungen und die Art und Weise ihrer Umsetzung von der PKK-F\u00fchrungsspitze vorgegeben und sind f\u00fcr die Strukturen der Organisation im Ausland verbindlich. Deren eigenverantwortlicher Entscheidungsspielraum ist somit \u00e4u\u00dferst gering und bewegt sich ausschlie\u00dflich im Rahmen der vorgegebenen Direktiven.54 Deutschland ist in vier Bereiche mit je einem F\u00fchrungsfunktion\u00e4r eingeteilt, die ihrerseits aktuell insgesamt aus 31 Gebieten bestehen. Dar\u00fcber hinaus bedient sich die Partei der \u00fcberwiegend \u00f6rtlichen kurdischen Vereine, die von der PKK-Anh\u00e4ngerschaft als Anlaufstellen und Treffpunkte genutzt werden. Als Dachverband der Vereine fungiert das \"Demokratische Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.\" (NAV-DEM)55. Herausragendes Die PKK steigerte im Jahr 2015 bei ihrer \"JahresspendenkamErgebnis der \"Jahrespagne\" mit 13 Millionen Euro erneut das Ergebnis des Vorjahres spendenkampagne\" (2014: 10 Millionen Euro). Demgegen\u00fcber blieb der Gesamtspendenerl\u00f6s in Europa mit gesch\u00e4tzt mehr als 25 Millionen Euro weitgehend konstant. Die hohe Spendenbereitschaft ist auch eine Reaktion auf den milit\u00e4rischen Vormarsch des IS in den Kurdengebieten im Irak und in Syrien. Der PKK gelingt es, die gro\u00dfe Solidarit\u00e4t in der kurdischen Gemeinschaft angesichts der Gr\u00e4ueltaten des IS f\u00fcr sich zu nutzen und Spender \u00fcber die eigene Anh\u00e4ngerschaft hinaus zu erreichen. Die Einnahmen aus der Spendenkampagne, aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf von Publikationen und der Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen werden vor allem f\u00fcr den Unterhalt der Organisation und des umfangreichen Propagandaapparats in Europa eingesetzt, flie\u00dfen zum Teil aber auch in die Organisationsstrukturen in den Kampfgebieten. 54 Urteil des BGH, 3. Strafsenat, vom 28.10.2010, Aktenzeichen 3 StR 179/10. 55 \"Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye\". 218","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Die finanziellen Aktivit\u00e4ten der PKK in Deutschland und Europa werden von der Kadereinheit \"Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro\" (EMB)56 gesteuert und kontrolliert. 6. Strafverfahren gegen Funktion\u00e4re der PKK Auch im Jahr 2015 wurden Strafverfahren gegen PKK-Funktion\u00e4re gef\u00fchrt: # Am 6. M\u00e4rz 2015 verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) einen ehemaligen Leiter des EMB wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Er soll zudem ehemaliger Leiter des Bereichs \"Mitte\" in Deutschland gewesen sein. # Am 28. Mai 2015 verh\u00e4ngte das Oberlandesgericht Koblenz (Rheinland-Pfalz) gegen einen PKK-Funktion\u00e4r wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK eine rechtskr\u00e4ftige Freiheitsstrafe von einem Jahr - ausgesetzt zur Bew\u00e4hrung. Er soll vor allem finanzielle Mittel f\u00fcr die PKK beschafft haben. # Am 28. August 2015 verurteilte das Hanseatische Oberlandesgericht Hamburg einen F\u00fchrungsfunktion\u00e4r wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Er war bis Mitte 2014 Leiter des PKK-Bereichs \"Mitte\", anschlie\u00dfend Leiter des PKK-Bereichs \"Nord\". 7. Internetaktivit\u00e4ten Die M\u00f6glichkeiten des Internets spielen f\u00fcr die PKK eine immer wichtigere Rolle. Insbesondere die PKK-Jugend nutzt neben klassischen Internetseiten auch Videoportale wie YouTube, um zum Beispiel Propagandavideos \u00fcber die Guerillaeinheiten der PKK zu verbreiten. Die gr\u00f6\u00dfte Rolle spielen jedoch Aktivit\u00e4ten in sozialen Netzwerken (insbesondere Facebook). Deren M\u00f6glichkeiten werden zur 56 \"Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu\". 219","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) kurzfristigen und \u00fcberregionalen Mobilisierung f\u00fcr Demonstrationen oder zu sonstigen Protestaktionen sowie zu Rekrutierungen f\u00fcr den Kampf gegen den IS genutzt. Mit ihnen gelingt es, Anh\u00e4nger schnell zu emotionalisieren - oft in Verbindung mit der Diffamierung des \"Gegners\". 8. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die PKK ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste und schlagkr\u00e4ftigste ausl\u00e4nderextremistische Organisation in Deutschland. Die aktuelle Lage in der T\u00fcrkei und in den \u00fcbrigen kurdischen Siedlungsgebieten ist geeignet, Stellvertreter-Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern der PKK und rechtsextremistischen T\u00fcrken beziehungsweise Islamisten auszul\u00f6sen. Sie sind ein best\u00e4ndiger Gefahrenherd f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland. Die aufgeheizte Stimmung kann jederzeit zu spontanen Gewalteskalationen f\u00fchren. Die schwere K\u00f6rperverletzung eines Kurden in Hannover am 12. September 2015 (vgl. Nr. 2) ist Beleg f\u00fcr eine Gef\u00e4hrdungsdimension, in der auch Todesopfer nicht auszuschlie\u00dfen sind. Trotz der zur Schau gestellten \"Demokratisierungsbem\u00fchungen\" werden Linie und die Aktivit\u00e4ten der PKK nicht von den scheinlegalen Organisationsstrukturen wie insbesondere des NAV-DEM bestimmt, sondern von der F\u00fchrungsspitze der PKK. Die PKK ist nach wie vor in der Lage und im Bedarfsfall auch bereit, zumindest punktuell Gewalt auch in Deutschland einzusetzen beziehungsweise Gewalttaten ihrer jugendlichen Anh\u00e4nger zu dulden. In einem am 9. April 2015 in der ARD ausgestrahlten Interview entschuldigte sich Cemil Bayik, Co-Vorsitzender der \"Union der Gemeinschaften Kurdistans\" (KCK), zwar im Namen der PKK beim deutschen Volk f\u00fcr die gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen von PKK-Anh\u00e4ngern in den 1990er-Jahren und erkl\u00e4rte, so etwas werde nie wieder passieren.57 Diese Entschuldigung - bezogen nur auf die 1990er-Jahre - d\u00fcrfte aus taktischen Gr\u00fcnden erfolgt sein, um die Bem\u00fchungen f\u00fcr die Aufhebung des PKK-Bet\u00e4tigungsverbots zu forcieren. 57 Seinerzeit war es unter anderem zu Autobahnblockaden, t\u00e4tlichen Angriffen auf Polizeibeamte und zu Selbstverbrennungen gekommen. 220","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Wenngleich in Europa auch 2015 friedliche Veranstaltungen im Vordergrund standen, bleibt die Gewalt eine Option der PKK-Ideologie. Vor dem Hintergrund der Gewalteskalation in der T\u00fcrkei ist eine R\u00fcckkehr der PKK zu militanten Kampfformen nicht auszuschlie\u00dfen. III. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) Die t\u00fcrkische marxistisch-leninistische \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C)58 - sie besteht aus einem politischen und einem milit\u00e4rischen Arm - propagiert weiterhin die Notwendigkeit eines revolution\u00e4ren, gewaltsamen Umsturzes in der T\u00fcrkei. Sie unterliegt in Deutschland seit 1998 einem Organisationsverbot. Die Europ\u00e4ische Union listet sie seit 2002 und die USA bereits seit 1997 als terroristische Organisation. An ihrem absoluten Avantgardeanspruch l\u00e4sst die DHKP-C nach wie vor keinen Zweifel: \"In der Welt des Jahres 2015, in der das marxistisch-leninistische Revolutionsverst\u00e4ndnis aufgegeben wird und die Organisationen und Parteien, die den bewaffneten Kampf f\u00fchren, bereit sind, sich mit den Imperialisten und ihren Helfershelfern vor Ort zu verst\u00e4ndigen, sind wir die einzige Organisation, die den bewaffneten Kampf nach marxistisch-leninistischem Revolutionsverst\u00e4ndnis, das f\u00fcr die Imperialisten eine Bedrohung darstellt, f\u00fchrt.\" (Bulletin der DHKP Nr. 48 vom 30. M\u00e4rz 2015) Allj\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlicht die DHKP-C eine Erkl\u00e4rung zum Geden\"M\u00e4rtyrergedenken\" ken an Aktivisten, die bei terroristischen Aktionen ums Leben gekommen sind und als \"M\u00e4rtyrer\" verehrt werden: \"Die einzige Alternative f\u00fcr die V\u00f6lker der Welt besteht im Sozialismus. Der einzige zum Sozialismus f\u00fchrende Weg ist der bewaffnete Kampf. (...) In den Tagen vom 30. M\u00e4rz bis 17. April, 58 \"Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi\". 221","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) den Tagen des Gedenkens an die Revolutionsm\u00e4rtyrer und der Feier unserer Parteigr\u00fcndung, schw\u00f6ren wir unserem Volk und unseren M\u00e4rtyrern, dass wir auf unserem Weg nicht umkehren werden, dass wir auf dem Weg des Sozialismus bis zur Befreiung Krieg f\u00fchren werden, koste es, was es wolle. Wir werden den V\u00f6lkern der T\u00fcrkei und der Welt die antiimperialistische, antioligarchische Volksregierung schenken! ES LEBE DIE REVOLUTION, ES LEBE DER SOZIALISMUS!\" (Bulletin der DHKP Nr. 48 vom 30. M\u00e4rz 2015) Hauptfeinde: Als Hauptfeinde gelten die T\u00fcrkei und insbesondere die USA. Die T\u00fcrkei und die USA T\u00fcrkei werde in politischer, wirtschaftlicher und vor allem milit\u00e4rischer Hinsicht vom \"US-Imperialismus\" dominiert. Die USA werden als das gr\u00f6\u00dfte terroristische Land der Welt diffamiert: \"Amerika mordet, foltert, besetzt und beutet aus. Amerika hat die Welt in ein Blutmeer und in ein Gef\u00e4ngnis verwandelt. (...) Wir schreien es nochmals hinaus: Amerika ist das gr\u00f6\u00dfte terroristische Land der Welt. Der gr\u00f6\u00dfte Feind ist der amerikanische Imperialismus. (...) Der einzige Weg, um die Herrschaft des amerikanischen Imperialismus zu beseitigen, ist der bewaffnete Befreiungskampf.\" (Erkl\u00e4rung der DHKC Nr. 452 vom 2. Juli 2015) Terroristische AktioDie DHKP-C setzte ihre terroristischen Aktivit\u00e4ten in der T\u00fcrkei nen in der T\u00fcrkei mit Anschl\u00e4gen und militanten Aktionen gegen staatliche Einrichtungen und Angeh\u00f6rige der Polizei im Jahr 2015 fort: # 1. Januar 2015, Istanbul (T\u00fcrkei) Ein DHKP-C-Aktivist griff vor dem Dolmahbace-Palast, in dem der t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident ein B\u00fcro unterh\u00e4lt, zwei Polizisten mit Schusswaffe und Handgranaten an. # 30. Januar 2015, Istanbul Eine Einzelt\u00e4terin schoss im Zentrum der Stadt gezielt auf Polizisten. # 31. M\u00e4rz 2015, Istanbul Zwei DHKP-C-Aktivisten drangen in ein Justizgeb\u00e4ude ein und nahmen einen Staatsanwalt als Geisel, der bei der sp\u00e4teren Befreiungsaktion seinen Schussverletzungen erlag. # 1. April 2015, Istanbul Bewaffneter \u00dcberfall einer DHKP-C-Aktivistin auf das 222","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Polizeipr\u00e4sidium. In einer Erkl\u00e4rung rechtfertigt die DHKP-C den Anschlag: \"WIR K\u00c4MPFEN NICHT F\u00dcR EINE POLITISCH VOM IMPERIALISMUS VORANGETRIEBENE VERST\u00c4NDIGUNG, KAPITULATION UND ELIMINIERUNG, SONDERN F\u00dcR DIE REVOLUTION, EINE DEMOKRATISCHE VOLKSREGIERUNG. (...) Revolution\u00e4r, Linke(r), Sozialist(in) zu sein bedeutet, f\u00fcr das Volk, f\u00fcr das Land, alles Notwendige zu tun, auch wenn es einem das Leben kosten sollte. (...) bedeutet, f\u00fcr das Land, f\u00fcr die Leute und die Revolution zu k\u00e4mpfen. (...) Unser revolution\u00e4rer Kampf wird nur so wachsen: schie\u00dfend oder sterbend.\" (Erkl\u00e4rung der DHKP-C vom 3. April 2015) # 10. August 2015, Istanbul Zwei bewaffnete \"K\u00e4mpferinnen\" der DHKP-C nahmen das US-amerikanische Generalkonsulat unter Beschuss. Der bewaffnete DHKP-C-Arm k\u00fcndigte in einer Taterkl\u00e4rung weitere Attentate an: \"Wir werden Amerika und die AKP mitsamt ihren Fu\u00dfspuren aus unserer Heimat vertreiben! Wir werden nicht die Opfer, sondern die Henker des Imperialismus sein! (...) Wir werden Waffen, Bomben, St\u00f6cke, Molotowcocktails, Ketten, Messer und Steine in die Hand nehmen und mit unseren Gehirnen und Herzen k\u00e4mpfen. Wir werden so lange k\u00e4mpfen, bis wir den letzten amerikanischen M\u00f6rder aus unserem Land vertrieben haben. Wir werden keine Schuld der Amerikaner und ihrer Handlanger unges\u00fchnt lassen.\" (Erkl\u00e4rung der DHKC Nr. 456 vom 11. August 2015) # 19. August 2015, Istanbul Neuerlicher Schusswaffenangriff von zwei DHKP-C-Aktivisten auf den Dolmahbace-Palast. # 24. September 2015, Istanbul Militante Anh\u00e4nger der DHKP-C beschossen ein Polizeifahrzeug; in einer Taterkl\u00e4rung drohte die DHKP-C \u00fcber das Internet weitere Aktionen an. 223","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Gewaltverherrlichung Die Wochenzeitschrift \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcS\" enth\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfig gewaltverin der \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcS\" herrlichende Beitr\u00e4ge: \"An unser Volk! Die L\u00f6sung liegt in der Revolution! Die L\u00f6sung liegt nicht im Parlament der Oligarchie, sondern in den Volksr\u00e4ten! Die L\u00f6sung liegt in der Ausweitung des B\u00fcrgerkrieges! (...) Unser Land ist ein von dem Faschismus regiertes Land, welches von dem Imperialismus inoffiziell besetzt ist, und welches mit einer Revolution schwanger geht. (...) Der im Lande herrschende Faschismus macht die F\u00fchrung eines bewaffneten Kampfes erforderlich!\" (\"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcS\", Ausgabe Nr. 475 vom 28. Juni 2015) Publikationsverbot in Die Publikation unterliegt in Deutschland einem VerbreitungsDeutschland verbot, denn sie ist als Nachfolgepublikation der seinerzeitigen Parteizeitschrift \"Kurtulus\" von dem 1998 vom Bundesminister des Innern ausgesprochenen DHKP-C-Organisationsverbot betroffen. In der T\u00fcrkei ist bei den Anh\u00e4ngern der DHKP-C-Jugendorganisation \"Devrimci Genclik\" (\"Revolution\u00e4re Jugend\") eine Zunahme der Militanz festzustellen. Diesem Kreis haben sich auch einzelne aus Deutschland stammende Personen angeschlossen. Aktivit\u00e4ten in Im Bundesgebiet konzentriert sich die DHKP-C auf propaDeutschland gandistische Aktivit\u00e4ten. Sie tritt hier \u00fcber ihre Tarnorganisation \"Anatolische F\u00f6deration\" in Erscheinung, zuweilen auch unter der Bezeichnung \"Volksfront\". Militante Aktionen der DHKP-C in der T\u00fcrkei werden seitens der Organisation als wichtiges Mittel zur St\u00e4rkung des Zusammenhalts und der Motivation gewertet und sto\u00dfen auch hierzulande bei den Anh\u00e4ngern auf gro\u00dfe Resonanz. Schwerpunktthemen in Deutschland sind \"Gefangenenbetreuung\", \"Antirassismus\" und \"M\u00e4rtyrergedenken\": # 4. April 2015, Dortmund (Nordrhein-Westfalen) Etwa 300 Anh\u00e4nger beteiligten sich an einer Kundgebung, bei der auch der drei Attent\u00e4ter gedacht wurde, die am 31. M\u00e4rz und am 1. April in Istanbul bei der Geiselnahme im Justizgeb\u00e4ude beziehungsweise bei dem Angriff auf das Polizeipr\u00e4sidium ums Leben gekommen waren. Kundgebungsteilnehmer 224","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) f\u00fchrten ein Transparent mit dem Konterfei der Attent\u00e4ter und dem Schriftzug \"Dieses Volk liebt Euch!\" mit sich. # 14. November 2015, Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) Mitglieder der DHKP-C organisierten ein Konzert unter dem Motto \"Eine Stimme, ein Herz gegen Rassismus\" mit der Musikgruppe \"Grup Yorum\", die zum Umfeld der DHKP-C geh\u00f6rt (6.000 Besucher). Im Foyer der Veranstaltungshalle wurde die verbotene Publikation \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs\" zum Verkauf angeboten. Am 28. Juli 2015 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart Verurteilungen (Baden-W\u00fcrttemberg) vier langj\u00e4hrige Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung DHKP-C zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen. Die Urteile sind noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Die in der T\u00fcrkei von DHKP-C-Aktivisten im Laufe des Jahres Gef\u00e4hrdungs2015 ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge zeigen die hohe Intensit\u00e4t und die potenzial Kompromisslosigkeit des gewaltsamen Vorgehens der Organisation bei der Verfolgung ihrer Ziele. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung solcher Anschl\u00e4ge sind die Strukturen der DHKP-C in Westeuropa, insbesondere in Deutschland, als R\u00fcckzugsraum und logistische Versorgungsbasis unverzichtbar. Daher ist es unwahrscheinlich, dass die DHKP-C dies durch militante Aktivit\u00e4ten hierzulande gef\u00e4hrden wird. IV. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung (\"Idealisten\"-Bewegung) entstand Mitte des 20. Jahrhunderts in der T\u00fcrkei. Sie fu\u00dft auf einer nationalistischen und rassistischen rechtsextremistischen Ideologie, deren Wurzeln im Panturkismus/Turanismus liegen. Die ideologische Bandbreite reicht von neuheidnischen Elementen \u00fcber einen nationalistischen Kemalismus bis in den Randbereich des Islamismus. Ziel ist ein ethnisch homogener Staat \"Turan\"59 unter F\u00fchrung der T\u00fcrken. Einer der zentralen Vordenker der Bewegung Nihal Atsiz hatte in seinem 1941 verfassten \"Testament\" eine 59 \"Turan\" w\u00fcrde vom Balkan bis Zentralasien reichen und alle Turkv\u00f6lker vereinen. 225","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Vielzahl von V\u00f6lkern als Feinde bezeichnet, die Juden indes seien \"insgeheim die Feinde aller V\u00f6lker\".60 Das Symbol des \"Grauen Wolfs\" (\"Bozkurt\") und der \"Wolfsgru\u00df\" - Daumen und Finger des rechten ausgestreckten Arms formen den Kopf eines Wolfs - gelten als Erkennungszeichen der umgangssprachlich als \"Graue W\u00f6lfe\" (\"Bozkurtlar\") bezeichneten \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger. Organisierte Die \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF)61 ist der gr\u00f6\u00dfte \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Dachverband in Deutschland. Sie ist die Auslandsvertretung der extrem nationalistischen t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP)62. In rund 170 lokalen Vereinen sind etwa 7.000 Mitglieder organisiert und fungieren als Tr\u00e4ger und Multiplikatoren der Ideologie. Nach au\u00dfen hin bem\u00fcht sich die AD\u00dcTDF um ein gesetzeskonformes Verhalten. Im Zentrum ihrer Aktivit\u00e4ten stand 2015 die Unterst\u00fctzung der MHP bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen im Juni und November: Die AD\u00dcTDF organisierte bundesweit in ihren Vereinsr\u00e4umlichkeiten zahlreiche Wahlkampfveranstaltungen, bei denen MHP-Funktion\u00e4re auftraten, sowie Reisen zu den t\u00fcrkischen Konsulaten f\u00fcr die Stimmabgabe. Die gr\u00f6\u00dfte Wahlkampfveranstaltung der MHP fand am 26. April 2015 in Oberhausen (Nordrhein-Westfalen) statt. Unter dem Motto \"Marschiert mit uns, ihr T\u00fcrken Europas\" sprach der MHP-Vorsitzende Devlet Bahceli vor rund 9.000 Zuh\u00f6rern. Nationalismus und Bei Veranstaltungen der AD\u00dcTDF wird nationalistisches und Rassismus rassistisches Gedankengut verbreitet. Am 3. Mai 2015 demonstrierten rund 850 Personen in D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Gedenken an den \"Rassismus-Turanismus-Prozess\" in der T\u00fcrkei im Jahr 1944. Seinerzeit waren f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten der panturkistischen Bewegung zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt worden. Seither gilt der 3. Mai als Geburtsstunde der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung. Der Umstand, dass die AD\u00dcTDF diesen Tag 60 Vgl. Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, Antisemitismus im politischen Extremismus. Ideologische Grundlagen und Argumentationsformen, K\u00f6ln 2016, abrufbar unter: www.verfassungsschutz.de. 61 \"Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu\". 62 \"Milliyetci Hareket Partisi\". 226","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) als Feiertag begeht, zeigt, dass sie nicht mit ihren rassistischen Urspr\u00fcngen gebrochen hat. Demonstrationsteilnehmer zeigten Symbole der MHP und den \"Wolfsgru\u00df\". Dar\u00fcber hinaus organisierte die AD\u00dcTDF 2015 bundesweit Kulturveranstaltungen und feierte besondere Anl\u00e4sse, zum Beispiel den Geburtstag des MHP-Gr\u00fcnders Alparslan T\u00fcrkes. In Publikationen und Internetauftritten vermeidet die AD\u00dcTDF in der Regel rechtsextremistische \u00c4u\u00dferungen - nicht immer erfolgreich, wie zum Beispiel der Facebook-Eintrag eines AD\u00dcTDF-Vereins in Velbert (Nordrhein-Westfalen) zeigt: \"Diejenigen, die nicht sagen k\u00f6nnen' wie gl\u00fccklich bin ich, ein T\u00fcrke zu sein, sind entweder Christ, Jeside, Jude oder orthodox.\" (Facebook-Seite \"Velbert \u00dclk\u00fc Ocagi\", 28. Dezember 2014) Dies zeigt deutlich, dass eine Ideologie vertreten wird, in der T\u00fcrken mehr gelten als andere Volksgruppen. Eine solche Auffassung verst\u00f6\u00dft gegen die Menschenw\u00fcrde und den Gleichheitsgrundsatz. Neben der strikt hierarchisch aufgebauten AD\u00dcTDF mit GebietsUnorganisierte verantwortlichen und Vereinsstrukturen hat sich \u00fcber die Jahre \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung eine unorganisierte \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung herausgebildet. Ihr sind etwa 3.000 meist jugendliche Anh\u00e4nger zuzurechnen, die haupts\u00e4chlich \u00fcber das Internet vernetzt sind. In diesem Spektrum zeigt sich die ganze politische und ideologische Bandbreite der Bewegung. Allen gemeinsam ist die Verwendung einschl\u00e4giger Symbole, eine grunds\u00e4tzlich militaristische Einstellung sowie die Verherrlichung der T\u00fcrkei und der Turkv\u00f6lker. Feinde sind die zu Gegnern des T\u00fcrkentums und der T\u00fcrkei erkl\u00e4rten Armenier, Griechen, Chinesen und Russen sowie Juden, Israel und die USA. Kurden werden mitunter pauschal als Terroristen diffamiert - in Postings in einschl\u00e4gigen Internetforen wird zum Beispiel der Wunsch ge\u00e4u\u00dfert, sich dieser \"Probleme\" durch Hinrichtungen zu entledigen. In Bezug auf den Konflikt zwischen Guerillaeinheiten der PKK und dem t\u00fcrkischen Staat hei\u00dft es: \"Rache Rache nicht nur die Flagge wird brennen.\" (Facebook-Gruppe der \"Atat\u00fcrken Gemeinschaft\", 10. Juni 2015) 227","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Postings in einschl\u00e4gigen Foren und Internetgruppen belegen die offen rassistische Einstellung der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger. Einige Beispiele: \"Der Turkismus wird marschieren und die t\u00fcrkische Rasse wird siegen!\" (Facebook-Seite \"Genc Atsizlar\", 9. M\u00e4rz 2015) \"Hoch lebe die t\u00fcrkische Rasse.\" (Facebook-Gruppe der \"Atat\u00fcrken Gemeinschaft\", 10. Juni 2015) \"Die t\u00fcrkische Rasse hat gezeigt, was sie mit jenen macht, die ein Auge auf die T\u00fcrkei (...) geworfen haben. 1915 wurden die Armenier und 1922 die Griechen in diesem Land vernichtet.\" (Facebook-Seite \"Genc Atsizlar\", 9. M\u00e4rz 2015) Die gezielte Herabsetzung anderer Ethnien verst\u00f6\u00dft fundamental gegen das Prinzip der Menschenw\u00fcrde und hemmt gleichzeitig massiv den Integrationsprozess in die deutsche Gesellschaft. Gewalt bei Die andauernden milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen zwiDemonstrationen schen dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r und den Guerillaeinheiten der PKK f\u00fchrten im Verlauf des Jahres auch in Europa zu Konfrontationen beider Lager. Bei Kundgebungen und Demonstrationen kam es mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen national gesinnten T\u00fcrken und rechtsextremistischen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern auf der einen Seite und Kurden auf der anderen Seite. Bei den Demonstrationen wurden zwar keine Kennzeichen der AD\u00dcTDF gezeigt, der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-typische Wolfsgru\u00df war jedoch omnipr\u00e4sent - auch als Provokation kurdischer Gruppen. Hervorzuheben ist die Gewaltattacke am 12. September 2015 in Hannover (Niedersachsen): W\u00e4hrend einer Demonstration von rund 600 nationalistischen T\u00fcrken (Motto \"Solidarit\u00e4t mit der T\u00fcrkei\") kam es zu stundenlangen gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit kurdischen Gegendemonstranten. Ein kurdischer Demonstrant wurde durch Messerstiche schwer verletzt (vgl. Kap. II, Nr. 2). Zu weiteren Zusammenst\u00f6\u00dfen kam es auch in Berlin, Frankfurt am Main (Hessen), Mannheim, Stuttgart (beide Baden-W\u00fcrttemberg) und weiteren St\u00e4dten in Deutschland. 228","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Ideologie f\u00f6rdert in Kreisen t\u00fcrkischer Migranten Gef\u00e4hrdungsdas Entstehen einer nationalistischen und rassistischen Jugendbepotenzial wegung. Konflikte in der T\u00fcrkei, insbesondere im Zusammenhang mit der Kurdenpolitik, finden ihre Fortsetzung in Deutschland. Mit den jugendlichen Anh\u00e4ngern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist das Potenzial f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen vorhanden. 229","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) V. \u00dcberblick mit Strukturdaten zu wichtigen Beobachtungsobjekten 1. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Abdullah \u00d6calan Mitglieder/Anh\u00e4nger 14.000 (2014: 14.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Serxwebun\" (Zeitung, monatlich) \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Zeitung, t\u00e4glich) \"Sterk TV\" (TV-Sender) Bet\u00e4tigungsverbot in Verbotsverf\u00fcgung des BundesminisDeutschland: ters des Innern vom 22. November 1993. Das Verbot bezieht sich auch auf alle sp\u00e4teren Umbenennungen: - \"Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans\" (\"Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane\" - KADEK) - \"Volkskongress Kurdistans\" (\"Kongra Gele Kurdistan\" - KONGRA GEL) - \"Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan\" (\"Koma Komalen Kurdistan\" - KKK) - \"Union der Gemeinschaften Kurdistans\" (\"Koma Civaken Kurdistan\" - KCK) Jugendorganisationen: \"Ciwanen Azad\" \"Komalen Ciwan\" 230","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Die im Jahr 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK ist die mitgliederst\u00e4rkste und bedeutendste Kurdenorganisation. Zentrale Forderung der PKK ist die Anerkennung der kurdischen Identit\u00e4t sowie unter Aufrechterhaltung nationaler Grenzen eine politische und kulturelle Autonomie der Kurden in ihren Siedlungsgebieten, vor allem in der T\u00fcrkei, verst\u00e4rkt auch in Syrien. Daneben konzentrieren sich die politischen Forderungen der PKK auf die Freilassung ihres seit 1999 inhaftierten F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan beziehungsweise auf die Verbesserung seiner Haftbedingungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der PKK-Aktivit\u00e4ten in Deutschland ist die logistische und finanzielle Unterst\u00fctzung der Gesamtorganisation. Diesem Zweck dienen Spendenkampagnen und Gro\u00dfveranstaltungen, die auch dazu genutzt werden, weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr die Parteiarbeit und f\u00fcr den aktiven Guerillakampf zu gewinnen. Die Anh\u00e4nger der PKK in Deutschland fordern die Aufhebung des im Jahr 1993 gegen die Organisation verf\u00fcgten Bet\u00e4tigungsverbots. 1.1 \"Ciwanen Azad\" Gr\u00fcndung: November 2013 Publikationen/Medien: \"Sterka Ciwan\" (Zeitschrift, monatlich) Bei \"Ciwanen Azad\" handelt es sich um den europ\u00e4ischen Dachverband PKK-naher Jugendorganisationen, wie etwa der \"Komalen Ciwan\" (vgl. Nr. 1.2). Er orientiert sich an den Zielen der PKK. Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten bildet die Mobilisierung sowie die Durchf\u00fchrung von Kundgebungen und Demonstrationen mit thematischem Bezug zur PKK beziehungsweise zur Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten. 231","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 1.2 \"Komalen Ciwan\" Gr\u00fcndung: 2005 Publikationen/Medien: \"Sterka Ciwan\" (Zeitschrift, monatlich) Bei den \"Komalen Ciwan\" handelt es sich um eine Jugendorganisation der PKK. Sie agiert unter dem Dach der \"Ciwanen Azad\" (vgl. Nr. 1.1) und veranstaltet in diesem Kontext Demonstrationen und Kundgebungen. Dar\u00fcber hinaus ist \"Komalen Ciwan\" verantwortlich f\u00fcr anlassbezogene \"Hit-and-Run\"-Aktionen - beispielsweise Brandanschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen - sowie f\u00fcr die Rekrutierung von Personen f\u00fcr den bewaffneten Kampf der PKK (Aufrufe, Camps). 1.3 \"Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.\" (NAV-DEM) Gr\u00fcndung: 27. M\u00e4rz 1994 als \"F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM) Gleichberechtigte VorY\u00fcksel Koc und Fatos G\u00f6ksungur standsvorsitzende: F\u00fcr die Umsetzung von Vorgaben der F\u00fchrungsspitze und den Informationsfluss zur Basis bedient sich die PKK \u00fcberwiegend der \u00f6rtlichen kurdischen Vereine in Deutschland, die den Anh\u00e4ngern der Organisation als Treffpunkte und Anlaufstellen dienen. Als Dachverband dieser Vereine fungiert das NAV-DEM. 232","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 1.4 \"AZADI e.V. Rechtshilfefonds f\u00fcr Kurdinnen und Kurden in Deutschland\" (AZADI e.V.) Gr\u00fcndung: 1996 Sitz: K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) Publikationen/Medien: \"AZADI infodienst\" (Zeitschrift, monatlich) Bei dem \"AZADI e.V. Rechtshilfefonds f\u00fcr Kurdinnen und Kurden in Deutschland\" (AZADI e.V.) handelt es sich um einen Verein, dessen Hauptzweck in der finanziellen beziehungsweise materiellen Unterst\u00fctzung von Personen liegt, die aufgrund ihrer T\u00e4tigkeit f\u00fcr die PKK in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden. Der Rechtshilfefonds \u00fcbernimmt zum Beispiel ganz oder teilweise Anwaltsund Prozesskosten oder finanziert Zeitungsabonnements PKK-naher Zeitschriften f\u00fcr verurteilte Personen. Auf diese Weise sollen die Betroffenen auch weiterhin an die Organisation gebunden werden. Es bestehen enge Verbindungen zu PKK-nahen Organisationen sowie zur linksextremistischen Gefangenenhilfsorganisation \"Rote Hilfe e.V.\" 233","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 2. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) Gr\u00fcndung: 30. M\u00e4rz 1994 in Damaskus (Syrien) Leitung/Vorsitz: Gruppe von F\u00fchrungskadern Mitglieder/Anh\u00e4nger 650 (2014: 650) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs\" (w\u00f6chentlich) \"G\u00fcndogdu\" (15-t\u00e4glich) \"Devrimci Sol\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Tavir\" (monatlich/zweimonatlich) \"Bizim Genclik\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Organisationsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 6. August 1998. Hierunter f\u00e4llt auch ein Verbreitungsverbot der Wochenzeitschrift \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcS\". Tarnorganisation: \"Anatolische F\u00f6deration\" Die marxistisch-leninistische DHKP-C ist aus der 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndeten Organisation \"Devrimci Sol\", einer politisch-milit\u00e4rischen Organisation, hervorgegangen. Der ideologische Leitgedanke der DHKP-C ist die Errichtung eines sozialistischen Gesellschaftssystems durch gewaltsame Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung der T\u00fcrkei. Zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele ver\u00fcbt die DHKP-C Terroranschl\u00e4ge in der T\u00fcrkei. Angriffsziele sind vorrangig Einrichtungen des t\u00fcrkischen Staates. In Deutschland leisten Anh\u00e4nger der DHKP-C als sogenannte R\u00fcckfront logistische, finanzielle und propagandistische Unterst\u00fctzung. 234","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 2.1 \"Anatolische F\u00f6deration\" Gr\u00fcndung: 28. Februar 2004 (Umbenennung) Hervorgegangen aus dem \"Verband anatolischer Volkskulturvereine e.V.\" Leitung/Vorsitz: Halit Uzuncelebi Als Tarnorganisation der DHKP-C entfaltet die \"Anatolische F\u00f6deration\" in Deutschland propagandistische Aktivit\u00e4ten im Sinne der DHKP-C. In diesem Zusammenhang veranstaltet sie Demonstrationen. Schwerpunkte der Kampagnenarbeit sind die Themen \"Antirassismus\" und \"Gefangenenbetreuung\". 235","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 3. \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.300 (2014: 1.300) in Deutschland: Die Organisation gr\u00fcndete sich 1972 in der T\u00fcrkei und ist seit 1994 in die beiden Fl\u00fcgel \"Partizan\" und \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) gespalten. Beide Fraktionen sind fest in dem ideologischen Fundament des Marxismus-Leninismus verankert, folgen dabei aber einer maoistischen Linie. Gemeinsames Ziel ist die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates und die Errichtung eines kommunistischen Regimes. Guerillaeinheiten beider Fraktionen ver\u00fcben in der T\u00fcrkei terroristische Anschl\u00e4ge. Anh\u00e4nger beider Fl\u00fcgel greifen die propagierten Themen in Deutschland auf und unterst\u00fctzen bei der Veranstaltung von Demonstrationen und Kundgebungen. 236","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 3.1 \"Partizan\"-Fl\u00fcgel Sitz: T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 800 (2014: 800) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"\u00d6zg\u00fcr Gelecek\" (Zeitung/Zeitschrift, 14-t\u00e4glich) 3.2 \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) (bis September 2002 \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" - DABK) Sitz: T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2014: 500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Halk Icin Devrimci Demokrasi\" (Zeitung/Zeitschrift, 14-t\u00e4glich) 237","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 4. \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) Gr\u00fcndung: 1994 in der T\u00fcrkei [Zusammenschluss der \"TKP/ ML-Hareketi\" (Bewegung) und der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Arbeiterbewegung\" (TKIH)] Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 600 (2014: 600) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"Atilim\" (w\u00f6chentlich) \"Internationales Bulletin\" (monatlich) \"Partinin Sesi\" (zweimonatlich) Die MLKP bekennt sich ideologisch zum revolution\u00e4ren Marxismus-Leninismus. Sie strebt in der T\u00fcrkei die gewaltsame Zerschlagung der staatlichen Ordnung und die Errichtung eines kommunistischen Gesellschaftssystems an. Nach eigenen Angaben versteht sich die MLKP als politische Vorhut des Proletariats der t\u00fcrkischen und kurdischen Nation sowie der nationalen Minderheiten. Mit Kampagnen und Demonstrationen f\u00fcr die \"M\u00e4rtyrer\" im Kampf f\u00fcr die Revolution und den Sozialismus reagieren die Anh\u00e4nger der Organisation in Deutschland auf politische/gesellschaftliche Ereignisse in der T\u00fcrkei. 238","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung Mitglieder/Anh\u00e4nger 10.000 (2014: 10.000) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisation: \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) Jugendbewegung: \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist eine heterogene rechtsextremistische Bewegung, deren Urspr\u00fcnge in der nationalistisch-rassistischen panturkistischen Ideologie des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts liegen. Die unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen reichen von klassischem Rassismus bis in den Randbereich des Islamismus. Die t\u00fcrkische Nation wird von allen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern politisch-territorial und ethnisch-kulturell als h\u00f6chster Wert erachtet. Die geschichtliche Gr\u00f6\u00dfe beziehungsweise die politischen Errungenschaften des Osmanischen Reiches werden zu einem hegemonialen Nationalismus und Nachweis t\u00fcrkischer \u00dcberlegenheit verkl\u00e4rt. Die so antizipierte Sonderstellung \u00e4u\u00dfert sich in der Idealisierung der t\u00fcrkischen Identit\u00e4t bei gleichzeitiger Herabw\u00fcrdigung anderer Volksgruppen und politischer Gegner. Die \u00dcberh\u00f6hung der eigenen t\u00fcrkischen Ethnie und Kultur stellt ein signifikantes Hindernis bei der Integration in die deutsche Gesellschaft dar. Jugendliche Anh\u00e4nger der Bewegung \u00e4u\u00dfern sich - im Gegensatz zu den organisierten Teilen der Bewegung, die einen offenen Antisemitismus vermeiden - vor allem im Internet mitunter unverhohlen antisemitisch. Langfristiges Ziel und geografischer Sehnsuchtsort der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4nger ist ein fiktiver, ethnisch und kulturell homogener Staat Turan als Heimat aller Turkv\u00f6lker. 239","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5.1 \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) Gr\u00fcndung: 1978 in Frankfurt am Main (Hessen) Sitz: Frankfurt am Main (Hessen) Leitung/Vorsitz: Sent\u00fcrk Dogruyol Mitglieder/Anh\u00e4nger 7.000 (2014: 7.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"B\u00fclten\" (Zeitung/Zeitschrift, unregelm\u00e4\u00dfig) Die t\u00fcrkische \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (\"Milliyetci Hareket Partisi\" - MHP) ist die Hauptorganisation der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung. Die MHP wurde 1969 von Alparslan T\u00fcrkes gegr\u00fcndet, er wird bis heute als ewiger F\u00fchrer (Basbug) verehrt. Derzeitiger Vorsitzender der Partei ist Devlet Bahceli. Die MHP ist Oppositionspartei im t\u00fcrkischen Parlament. In Deutschland wird die MHP durch die AD\u00dcTDF vertreten, dem mit 7.000 Mitgliedern gr\u00f6\u00dften \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Dachverband im Bundesgebiet. Die hierarchisch aufgebaute AD\u00dcTDF teilt Deutschland organisatorisch in 13 B\u00f6lge (Gebiete) ein, in denen sie rund 170 Vereine unterh\u00e4lt. In der Au\u00dfendarstellung versucht die AD\u00dcTDF einen positiven und legalistischen Eindruck zu vermitteln. Tats\u00e4chlich bekennt sich der Dachverband zu einer extrem nationalistischen, rechtsextremistischen Ideologie, die \u00fcber die Mitgliedsvereine, das Internet und bei Kulturveranstaltungen verbreitet wird. Dies f\u00f6rdert die Bildung einer Parallelgesellschaft von t\u00fcrkischen Nationalisten in Deutschland. 240","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5.2 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 (2014: 3.000) in Deutschland: Der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugend geh\u00f6ren 3.000 Personen an. Sie sind der Bewegung zwar ideologisch verbunden, jedoch in keinem Dachverband organisiert. Die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendlichen stehen zum Teil \u00fcber soziale Netzwerke miteinander in Kontakt. Dort pflegen sie ihre Feindbilder und agitieren gegen ihre \"Gegner\". Vor allem Juden, Griechen, die USA, Kurden und Armenier sind Volksbeziehungsweise Religionsgemeinschaften, die - auch in v\u00f6lkerverst\u00e4ndigungswidriger Hinsicht - herabgew\u00fcrdigt und zu Feinden des T\u00fcrkentums erkl\u00e4rt werden. Emotionaler Hauptbezugspunkt der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung sind die T\u00fcrkei und die dortigen Geschehnisse. Die milit\u00e4rische Auseinandersetzung des t\u00fcrkischen Staates mit K\u00e4mpfern der PKK (vgl. Nr. 1.) und anderer kurdischer Gruppen im Verlauf des Jahres 2015 fand Widerhall auch bei den \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendlichen in Westeuropa. Sie beteiligten sich 2015 an prot\u00fcrkischen Demonstrationen, bei denen es immer wieder zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit kurdischen Jugendlichen kam. Ausl\u00f6ser hierf\u00fcr waren meist wechselseitige Provokationen, wie das Zeigen des \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-typischen Wolfsgru\u00dfes auf der einen und das Zeigen von Fahnen mit dem Konterfei des PKK-Gr\u00fcnders Abdullah \u00d6calan auf der anderen Seite. Bei diesen Auseinandersetzungen wurden auch Polizisten verletzt. 241","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 6. \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) Gr\u00fcndung: 1972 in Sri Lanka Leitung/Vorsitz: seit 2009 unbekannt Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.000 (2014: 1.000) in Deutschland: Tamilen bilden im Inselstaat Sri Lanka die gr\u00f6\u00dfte Minderheit. Um ihrer Teilhabe auf Macht Ausdruck zu verleihen, f\u00fchrten die LTTE seit den 1980er-Jahren Krieg f\u00fcr die Errichtung eines von Sri Lanka unabh\u00e4ngigen tamilischen Staates im Nordosten des Inselstaates. Im Mai 2009 wurden die LTTE-Kampfeinheiten milit\u00e4risch zerschlagen. Die LTTE-Strukturen innerhalb der weltweiten tamilischen Diaspora sind jedoch \u00fcberwiegend intakt geblieben und arbeiten auch nach der milit\u00e4rischen Niederlage weiter an einem Wiederaufbau der LTTE in Sri Lanka. Einnahmen aus kulturellen Veranstaltungen der LTTE in Deutschland dienen der finanziellen Unterst\u00fctzung der Organisation. Durch Demonstrationen soll auf die Lage der tamilischen Bev\u00f6lkerung auf Sri Lanka aufmerksam gemacht werden. 242","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 7. Gruppierungen des extremistischen Sikh-Spektrums 7.1 \"Babbar Khalsa International\" (BKI) Gr\u00fcndung: 1978 in Indien Sitz: D\u00fcren (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Vereinsvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2014: 200) in Deutschland: Die \"Babbar Khalsa\" (BK) geh\u00f6rt zum Spektrum der separatistisch-terroristischen Organisationen aus der Religionsgemeinschaft der Sikhs, deren Ziel die Gr\u00fcndung eines eigenen, von Indien unabh\u00e4ngigen Staates \"Khalistan\" auf dem Gebiet des indischen Bundesstaates Punjab ist. Die Organisation operiert in Indien auch mit terroristischen Mitteln und versucht, die politische Lage im Punjab mit gezielten Anschl\u00e4gen zu destabilisieren. Die in der Diaspora bestehenden Gruppierungen der BK agieren unter dem Namen \"Babbar Khalsa International\" (BKI). Die BKI in Deutschland unterst\u00fctzt propagandistisch die Separationsbestrebungen in Indien, zudem sammelt sie Spendengelder f\u00fcr inhaftierte Gesinnungsgenossen und deren Angeh\u00f6rige. Im Kampf f\u00fcr \"Khalistan\" get\u00f6tete Sikh-Aktivisten werden in deutschen \"Sikh-Tempeln\" verehrt. 243","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 7.2 \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) Gr\u00fcndung: 2008 in Deutschland Sitz: D\u00fcren (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Vereinsvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2014: 30) in Deutschland: Von der \"Babbar Khalsa International\" (BKI) hat sich im Jahr 2008 eine Gruppierung abgespalten, die unter der Bezeichnung \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) firmiert. Auch sie unterst\u00fctzt propagandistisch mit Protestveranstaltungen die Separationsbestrebungen der Sikhs in Indien. 7.3 \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) Gr\u00fcndung: 1984 in Gro\u00dfbritannien Leitung/Vorsitz: Gespalten in zwei Fraktionen: \"Sikh Federation Germany\" (SFG) und \"Sikh Federation International Germany\" (SFIG) mit jeweils eigenem Bundesvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2014: 550) in Deutschland: Die aus der \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) hervorgegangenen, in Deutschland aktiven Sikh-Gruppierungen \"Sikh Federation Germany\" (SFG) und \"Sikh Federation International Germany\" (SFIG) unterst\u00fctzen mit regelm\u00e4\u00dfigen Protestveranstaltungen die Forderungen der Sikhs nach einem unabh\u00e4ngigen Staat \"Khalistan\" und kritisieren die Regierungspolitik Indiens in Bezug auf die Rechte der Sikhs. 244","Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten 245","Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten I. \u00dcberblick und Entwicklungstendenzen Staaten, die sich in politischen, milit\u00e4rischen (insbesondere strategischen) oder auch in wirtschaftlichen und technologischen Zusammenh\u00e4ngen einen Wissensvorsprung sichern wollen, scheuen nicht davor zur\u00fcck, sich hierf\u00fcr notwendige Informationen auch geheim und illegal unter Versto\u00df gegen geltendes Recht zu verschaffen. Die Folgen f\u00fcr unser Land reichen von geschw\u00e4chten Verhandlungspositionen \u00fcber hohe materielle Kosten und volkswirtschaftliche Sch\u00e4den bis hin zu m\u00f6glichen Beeintr\u00e4chtigungen nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t. Deutschland als Ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste betreiben mit hohem organisaSpionageziel torischem und finanziellem Aufwand Spionage gegen Deutschland. Das Interesse gilt Deutschland als weltpolitischem Akteur, als NATOund EU-Mitglied sowie seiner Wirtschaftskraft mit innovativen Unternehmen. Ein weiteres Ausforschungsziel ausl\u00e4ndischer Dienste in Deutschland sind systemoppositionelle Gruppen aus ihren Heimatl\u00e4ndern. Hauptakteure Nach wie vor sind die Russische F\u00f6deration, die Volksrepublik China und die Islamische Republik Iran die Hauptakteure der gegen Deutschland gerichteten Spionageaktivit\u00e4ten. Daneben spielen aber auch nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten weiterer - auch westlicher - Staaten f\u00fcr die Spionageabwehr eine zunehmende Rolle. Ziele Die politische Agenda ihrer Regierungen bestimmt die Schwerpunkte der Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten der Dienste: # Die russische Spionage ist weiterhin wesentlich gepr\u00e4gt von dem Konflikt Russlands mit dem Westen in Bezug auf die Ukraine. Russland geht es dabei in erster Linie darum, fr\u00fchzeitig Informationen \u00fcber die Positionierung der Bundesregierung sowie politischer Parteien und Institutionen im Zusammenhang mit der Krise und einer k\u00fcnftigen Russlandpolitik in Erfahrung zu bringen. Nicht zuletzt versuchen russische 246","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Dienste auch, \u00fcber ihre Kontakte ihre Sicht der Dinge in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen und Einfluss auszu\u00fcben. # Die chinesischen Dienste sind ein wichtiger Faktor zur Umsetzung der politischen Leitlinien der Staatsf\u00fchrung: territoriale Integrit\u00e4t und Schutz der Hegemonie der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), Ausbau weltpolitischer und milit\u00e4rischer Machtpositionen und volkswirtschaftliche Modernisierung. Entsprechend gelten die Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen im Ausland vor allem der Systemopposition, den politischen Entscheidungsprozessen und dem technologischen Wissen. # Der Iran sieht sich als Regionalmacht mit F\u00fchrungsanspruch. Ungeachtet des am 14. Juli 2015 in Wien unterzeichneten \"Joint Comprehensive Plan of Action\"63 setzen iranische Stellen ihre illegalen proliferationsrelevanten Beschaffungsaktivit\u00e4ten auf hohem Niveau fort. Die Staatsf\u00fchrung hat zudem ein erhebliches Interesse an Informationen \u00fcber die deutsche Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Weiterhin gilt f\u00fcr die Dienste im Inund Ausland das Prinzip der rigiden Bek\u00e4mpfung Oppositioneller. Mit der Entwicklung der Informationsund KommunikationsMethodik technologien erweitert und ver\u00e4ndert sich auch die Methodik der Spionage permanent. Im Zuge der Digitalisierung gewinnt die technische Informationsbeschaffung stetig an Bedeutung. \"Elektronische Angriffe\" k\u00f6nnen neben der Spionage aber auch zur Sabotage genutzt werden: eine Gefahr, die insbesondere f\u00fcr sogenannte Kritische Infrastrukturen64 gilt. Die zunehmende Wirkungskraft digitaler Spionage geht allerdings nicht mit einem Bedeutungsverlust menschlicher Quellen einher. Vielmehr erg\u00e4nzen sich diese und erh\u00f6hen so das Gef\u00e4hrdungspotenzial. Die potenziellen Opfer von Spionageaktivit\u00e4ten m\u00fcssen ihre Schutzg\u00fcter daher nicht nur vor Aussp\u00e4hungsversuchen von au\u00dfen, sondern auch gegen\u00fcber 63 Die zwischen den VN-Vetom\u00e4chten sowie Deutschland und dem Iran getroffene Vereinbarung sieht Kontrollmechanismen und technische Beschr\u00e4nkungen vor, die gew\u00e4hrleisten sollen, dass das iranische Nuklearprogramm ausschlie\u00dflich zivilen Zwecken dient und nicht der Entwicklung von Atomwaffen. 64 Kritische Infrastrukturen sind Organisationen und Einrichtungen von besonderer Bedeutung f\u00fcr das Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeintr\u00e4chtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengp\u00e4sse, erhebliche St\u00f6rungen der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten k\u00f6nnten. Dies gilt z.B. f\u00fcr Energieoder Telekommunikationsunternehmen. 247","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN illoyalen Mitarbeitern sch\u00fctzen (\"Innent\u00e4ter\"), die von ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten f\u00fcr diese Zwecke angeworben oder erpresst oder gar gezielt eingeschleust werden. II. Bedrohung durch \"Elektronische Angriffe\" 1. Gef\u00e4hrdungsdimension Mit der Entwicklung der Informationsund Kommunikationstechnologien hat sich auch der Modus Operandi ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste ver\u00e4ndert. Informationen k\u00f6nnen heute auf digitalem Wege und mit einem erheblich geringeren Entdeckungsrisiko beschafft werden, als dies fr\u00fcher der Fall war. Es ist davon auszugehen, dass ausl\u00e4ndische Nachrichtendienste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den Kommunikationsund Internetverkehr zu erfassen. Gefahren entstehen daher bei allen Formen der Kommunikation. Mit der Nutzung des Cyberraums f\u00fcr Spionageaktivit\u00e4ten hat sich deren Intensit\u00e4t um ein Vielfaches gesteigert. Insbesondere \"Elektronische Angriffe\" sind inzwischen eine wichtige Methode ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste geworden. \"Elektronische Angriffe\" k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass jahrelang unbemerkt Informationen illegal abflie\u00dfen. Zudem ist es m\u00f6glich, die Schadsoftware zun\u00e4chst zu deponieren oder platzieren und erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt zu aktivieren. Sollte in einem solchen Fall nicht nur der Abfluss von Informationen, sondern die Manipulation von Daten und die (Zer-)St\u00f6rung der Funktionalit\u00e4t, ggf. verbunden mit der gezielten Herbeif\u00fchrung eines gr\u00f6\u00dferen Schadensfalles, also Sabotage, das eigentliche Ziel sein, k\u00f6nnte der entsprechende Angriff zu einer lautlos tickenden Zeitbombe werden. Eine solche Gefahr besteht insbesondere bei Kritischen Infrastrukturen. Zusammenarbeit im Bei der Bek\u00e4mpfung der Gefahren durch \"Elektronische Angriffe\" Cyber-AZ arbeiten auf nationaler und internationaler Ebene zahlreiche 248","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Beh\u00f6rden zusammen. In Deutschland wurde zur Verbesserung der Zusammenarbeit der f\u00fcr diesen Aufgabenbereich zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden im April 2011 das Nationale Cyber-Abwehrzentrum (Cyber-AZ) eingerichtet, in dem das BfV ma\u00dfgeblich mitwirkt. Ziel des Cyber-AZ ist die Optimierung der operativen Zusammenarbeit sowie die bessere Koordinierung von Schutzund Abwehrma\u00dfnahmen gegen potenzielle IT-Vorf\u00e4lle. Eine vertiefte und dauerhafte Zusammenarbeit mit potenziell Zusammenarbeit gef\u00e4hrdeten nationalen Stellen in Wirtschaft und Forschung war mit Wirtschaft und dagegen in der Vergangenheit h\u00e4ufig nur schwer zu realisieren. Wissenschaft Um dies zu verbessern, hat das BfV seit 2014 einen regelm\u00e4\u00dfigen Informationsaustausch mit zentralen Ansprechpartnern in Wirtschaft und Forschung etabliert: mit Arbeitskreisen, Vereinen oder Informationsplattformen, die jeweils stellvertretend f\u00fcr eine Vielzahl von Unternehmen oder Institutionen aus einem bestimmten Bereich oder Themenfeld stehen. Damit ist es zum Beispiel m\u00f6glich geworden, Informationen, die dem Selbstschutz potenziell Betroffener dienen, zeitnah und zielgerichtet an einen bestimmten Adressatenkreis zu steuern. 2. Erkannte Angreifer Die erkannten Angreifer stammen \u00fcberwiegend aus China und Russland, wenngleich auch Nachrichtendienste anderer Staaten \u00fcber die erforderlichen Ressourcen und F\u00e4higkeiten zur Durchf\u00fchrung \"Elektronischer Angriffe\" verf\u00fcgen. So konnten 2015 erstmals \"Elektronische Angriffe\" mutma\u00dflich iranischen staatlichen Stellen zugeordnet werden. Nachhaltigkeit und Zielauswahl dieser Angriffe tragen deutliche Angriffsziele Anzeichen einer strategischen Aufkl\u00e4rung. Ziele in Politik und Bundesverwaltung sind haupts\u00e4chlich das Ausw\u00e4rtige Amt und seine diplomatischen Auslandsvertretungen, das Bundesministerium der Finanzen sowie das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie. Auch das Bundeskanzleramt, die Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht sowie Dienststellen der Bundeswehr stehen im Fokus der Angreifer. Zudem stellen nachrichtendienstlich initiierte und gesteuerte Kampagnen zur Informationsgewinnung eine nicht unerhebliche 249","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Gefahr f\u00fcr den Erfolg und die Entwicklungsm\u00f6glichkeiten deutscher Unternehmen dar. Chinesische Angriffe China ist seit Jahren gegen deutsche Unternehmen aktiv. Spionaauf Wirtschaftsgeschwerpunkte im staatlichen Interesse sind neben klassischen unternehmen Bereichen (z.B. die R\u00fcstungsindustrie) folgende Branchen: # Eisen-, Stahlund Metallverarbeitung, # Automobil-, Luftfahrzeug-, Schiffsund Maschinenbau, # Chemie, Pharma und Biotechnologie, # Elektronik und Elektrotechnik. Mehrere deutsche Unternehmen dieser Branchen waren im Jahr 2015 Ziel einer Angriffskampagne mit einem mutma\u00dflich chinesischen Hintergrund. Auffallend war hierbei ein sehr sicheres und zielgerichtetes Vorgehen in den Netzwerken der Opfer, was eine Abkehr vom bisherigen Prinzip mutma\u00dflich chinesischer Angreifer bedeuten k\u00f6nnte, alle verf\u00fcgbaren Informationen breitfl\u00e4chig \"abzusaugen\". Die Angreifer initiierten vielmehr einen auf spezifische Inhalte begrenzten Datenabfluss und verwischten ihre \"digitalen Spuren\", um eine Nachverfolgung oder Identifizierung zu vermeiden. Angriffsoperation Die russischen Nachrichtendienste nutzen ebenfalls \"Elektronimit mutma\u00dflich sche Angriffe\" zur Informationsbeschaffung. Die bereits 2014 russischem nachbeschriebene mutma\u00dflich russische Spionageoperation mit interrichtendienstlichem nationaler Zielauswahl unter Einsatz der sehr komplexen und Hintergrund qualitativ hochwertigen Schadsoftware Uroburos65 (auch Snake bzw. Turla genannt) hielt auch 2015 unver\u00e4ndert an. Dabei konnten weitere Angriffsziele weltweit festgestellt werden. Zu den betroffenen deutschen Zielen z\u00e4hlen unter anderem Botschaften sowie Hochschulen, Forschungsinstitute und Wirtschaftsunternehmen. Uroburos ist darauf ausgelegt, in gro\u00dfen Netzwerken von Beh\u00f6rden, Firmen und Forschungseinrichtungen zu agieren, wobei die Infektion \u00fcber sogenannte Watering-Hole-Attacken66 erfolgt. 65 Vgl. Verfassungsschutzbericht 2014, Berichtsteil Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten, S. 145. 66 Hierbei identifiziert der Angreifer Webpr\u00e4senzen, die f\u00fcr das Opfer potenziell interessant sind, und leitet es auf den infizierten Webserver um. Hier\u00fcber erfolgt die Installation der Schadsoftware bei dem Opfer des \"Elektronischen Angriffs\". Die ausgew\u00e4hlten Opfer sind auf einer sogenannten white-list gespeichert. 250","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Aufgrund der Komplexit\u00e4t und Funktionsweise der eingesetzten Schadsoftware, des Modus Operandi sowie des erkennbaren Aufkl\u00e4rungsinteresses geht das BfV - wie auch andere Nachrichtendienste und IT-Sicherheitsunternehmen - nach wie vor von einer russischen nachrichtendienstlichen Angriffsoperation aus. Die Schadsoftware ist schwer zu detektieren, arbeitet autonom und verbreitet sich selbstst\u00e4ndig in den infizierten Netzen. Dabei werden auch Rechner angegriffen, die nicht direkt mit dem Internet verbunden sind. Mitte Mai 2015 konnten die Sicherheitsbeh\u00f6rden einen schwerCyberangriff auf den wiegenden und weitreichenden \"Elektronischen Angriff\" auf das Deutschen Bundestag interne Netz des Deutschen Bundestages aufdecken. Das BfV hatte einen ersten Hinweis auf eine Kompromittierung von mindestens zwei Rechnern im Netz des Bundestages erhalten und umgehend die entsprechenden Stellen der Bundestagsverwaltung sowie das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) informiert. Die sofort eingeleiteten Untersuchungen durch das BSI und ein externes IT-Sicherheitsunternehmen best\u00e4tigten eine umfangreiche Infektion von Teilen des internen Kommunikationsnetzes des Parlaments und stellten einen nicht unerheblichen Abfluss von Daten fest. Durch entsprechende Gegenma\u00dfnahmen konnte innerhalb einer Woche ein weiterer Datenabfluss verhindert werden. Die Infektion war \u00fcber Spear-Phishing-E-Mails67 mit Linkverweisen auf eine malizi\u00f6se Webseite erfolgt. Das Netz wurde derart weitreichend kompromittiert, dass es zu gro\u00dfen Teilen neu aufgesetzt werden musste. Die bei den Analysen festgestellten technischen Parameter deuten Internationale Kamdarauf hin, dass der \"Elektronische Angriff\" auf den Bundestag pagne mit vermutlich russischem Urheber 67 Spear-Phishing ist eine Spezialform des Phishing-Angriffs, bei dem nicht breitfl\u00e4chig, sondern nur ein kleiner Empf\u00e4ngerkreis (h\u00e4ufig F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Wissenstr\u00e4ger auf Leitungsebene) attackiert wird. Voraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Angriff ist eine gute Vorbereitung und die Einbettung des Angriffs in einen f\u00fcr das Opfer glaubw\u00fcrdigen Kontext. 251","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Teil einer APT-Angriffskampagne68 ist - eine der aktivsten und gef\u00e4hrlichsten im Cyberraum. Bei ihr handelt es sich um eine langj\u00e4hrige, international angelegte Angriffsoperation mit Opfern weltweit, deren Beginn mindestens bis ins Jahr 2007 zur\u00fcckreicht. Auch das BfV beobachtet die Kampagne bereits seit mehreren Jahren. Die Ermittlungen lassen auf eine Steuerung durch russische staatliche Stellen schlie\u00dfen. Dies ergibt sich unter anderem aus der Analyse der Angriffsinfrastruktur und der eingesetzten Schadsoftware. Im Jahr 2015 kam es zu weiteren mutma\u00dflich staatlich gesteuerten Cyberangriffen auf \u00f6ffentliche Stellen, deren Bekanntwerden teilweise auf gro\u00dfes mediales Interesse stie\u00df. Dazu zwei Beispiele: DDos-Angriffe auf Am 7. Januar 2015 waren einige vom Bundespresseamt betriebene Webseiten von Internetseiten \u00fcber mehrere Stunden nicht erreichbar, darunter Bundestag und unter anderem diejenigen der Bundeskanzlerin, der BundesregieBundesregierung rung und des Bundestages. Ursache war eine DDoS-Attacke, bei der Server durch massenhafte Anfragen von (in der Regel infizierten) Computersystemen \u00fcberlastet werden und infolgedessen zusammenbrechen. Zu dem Angriff bekannte sich die pro-russische ukrainische Hackergruppe \"CyberBerkut\". In einer auf ihrer Internetseite ver\u00f6ffentlichten Stellungnahme begr\u00fcndete sie ihren Angriff mit dem Besuch des ukrainischen Ministerpr\u00e4sidenten bei der Bundeskanzlerin am darauffolgenden Tag. Aufgrund vorgegebener Routinen k\u00f6nnen die attackierten Systeme derartige - qualitativ nicht sehr ausgefeilte - \u00dcberlastungsangriffe in der Regel selbst abwehren. So waren auch die hier angegriffenen Webpr\u00e4senzen nach einiger Zeit wieder verf\u00fcgbar. Anfang Dezember 2015 fand im Raum Freiburg (BadenW\u00fcrttemberg) eine Durchsuchungsma\u00dfnahme in einem Gesch\u00e4ftslokal wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit f\u00fcr einen russischen Nachrichtendienst statt. 68 APT steht f\u00fcr Advanced Persistent Threat (etwa \"fortgeschrittene, andauernde Bedrohung\") und bezeichnet einen komplexen, zielgerichteten und effektiven Angriff auf IT-Strukturen durch einen gut ausgebildeten und ressourcenstarken Angreifer, der sich im Opfersystem ausbreitet, weitere Hintert\u00fcren einbaut und - ggf. \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum - Informationen sammelt (Cyberspionage) und/oder Manipulationen vornimmt (Cybersabotage). Mit dem Begriff APT kann sowohl die Cyberattacke selbst als auch die Angreifergruppe bezeichnet werden. Diese ist oft von einem Staat beauftragt und gut finanziert. 252","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Hintergrund war eine mutma\u00dflich durch russische Stellen gesteuerte Cyberspionageoperation. Neben China und Russland ist auch der Iran im Bereich der Angriffe mit Cyberspionage aktiv. Vieles spricht daf\u00fcr, dass das Land bereits mutma\u00dflich seit Langem sowohl die Bereitschaft als auch die F\u00e4higkeiten zur iranischem Durchf\u00fchrung von Cyberspionageaktionen besitzt. Bislang konnHintergrund ten Angriffe auf deutsche Stellen nicht mit Sicherheit festgestellt werden. Jedoch erhielt das BfV im Jahr 2015 Kenntnis von mehreren Cyberspionagef\u00e4llen, die - unter Ber\u00fccksichtigung aller vorliegenden Informationen - mit hoher Wahrscheinlichkeit einem iranischen Nachrichtendienst zuzuordnen sind. Im besonderen Interesse der Angreifer stand vor allem der Bereich Wissenschaft und Forschung. Nach Analyse der dem Angreifer zuzuordnenden Infrastruktur ist zu vermuten, dass neben den national und international bekannten Opfern eine hohe Dunkelziffer von weiteren Opfern existiert. Auff\u00e4llig war dabei insbesondere das hervorragende Social Engineering des Angreifers, mit dem die Empf\u00e4nger der SpearPhishing-E-Mails zur Aktivierung von bestimmten Links verleitet werden sollten. Hierbei nutzte er gestohlene Identit\u00e4ten verschiedener, tats\u00e4chlich existierender Wissenschaftler, deren Forschungsfelder thematische Schnittmengen zu den Fachgebieten der Opfer aufwiesen. Ziel dieser Angriffskampagne waren Informationen, um einen weitreichenden Zugriff auf einen gesch\u00fctzten Netzwerkbereich zu erhalten. III. Nachrichtenund Sicherheitsdienste der Russischen F\u00f6deration Die russischen Nachrichtendienste spielen in der Sicherheitsstruktur des Landes eine wichtige Rolle. Sie dienen der Staatsf\u00fchrung als Garant der inneren Stabilit\u00e4t, der staatlichen Einheit sowie der Sicherung der eigenen Machtposition. Die Nachrichtendienste analysieren die von ihnen beschafften Informationen f\u00fcr ihre politische F\u00fchrung und sind dadurch an politischen 253","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Entscheidungen in Russland substanziell beteiligt. Durch die starke Pr\u00e4senz ihrer Mitarbeiter in vielen staatlichen Einrichtungen und Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens sind die Dienste ma\u00dfgeblich in die wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklung des Landes eingebunden. Russische Nachrichtendienste betreiben mit einem hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand Spionage gegen Deutschland und nutzen dabei auch die M\u00f6glichkeiten des Cyberraums. Die anhaltend angespannte Situation in der Ukraine hat erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit russischer Nachrichtendienste. 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung Die russischen Nachrichtendienste interessieren sich nach wie vor f\u00fcr die traditionellen Themenbereiche Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Energie, Technik und Milit\u00e4r. Aufkl\u00e4rungsfokus Allerdings hat der Ukraine-Konflikt zu einer deutlichen VerschieUkraine-Konflikt bung der Schwerpunkte gef\u00fchrt: Dieses Thema steht mit all seinen politischen, wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Konsequenzen verst\u00e4rkt im Aufkl\u00e4rungsfokus. Russland geht es insbesondere darum, fr\u00fchzeitig Informationen \u00fcber die inhaltliche Positionierung und den Umgang der Bundesregierung sowie politischer Parteien und Institutionen mit der Krise und \u00fcber deren k\u00fcnftige Russlandpolitik zu erlangen. Versuche politischer Neben der reinen Informationsbeschaffung versuchen die Dienste Einflussnahme auch, im Sinne der russischen Politik Einfluss auf Entscheidungstr\u00e4ger und die \u00f6ffentliche Meinung in Deutschland zu nehmen. Hierf\u00fcr ist f\u00fcr sie besonders von Interesse, wie Entscheidungen zustande kommen und inwieweit auf diese (noch) Einfluss genommen werden kann. Russische Nachrichtendienstoffiziere versuchen, ihre Gespr\u00e4chspartner als Medium f\u00fcr die Weiterverbreitung russlandfreundlicher Sichtweisen zu nutzen. So werben sie beispielsweise f\u00fcr die Rolle Russlands im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt und versuchen, die Verantwortung f\u00fcr die Instabilit\u00e4t des Landes in Richtung Westen zu verlagern. 254","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Auch in verschiedenen deutschsprachigen Internetforen, in den sozialen Netzwerken oder beim Kurznachrichtendienst Twitter kann insbesondere seit Ausbruch der Ukraine-Konflikt politische Meinungsmache im Sinne Russlands festgestellt werden. Sogenannte Internet-Trolle versuchen, mit pro-russischer Agitation andere Nutzer zu manipulieren oder den Kommunikationsfluss in destruktiver Weise zu st\u00f6ren. Zeitweise erging eine regelrechte Flut russlandfreundlicher Kommentare. Dabei wurden nahezu identische Beitr\u00e4ge zeitgleich gepostet. Hier besteht die Vermutung, dass staatliche russische Stellen solche Meinungs\u00e4u\u00dferungen - direkt oder indirekt - veranlasst haben k\u00f6nnten. Dar\u00fcber hinaus betreibt Russland zunehmend pro-russische Propaganda \u00fcber verschiedene \u00f6ffentliche Medien (TVund Radiosender, Internet, \u00f6ffentlichkeitswirksame Veranstaltungen etc.). So verbreiten beispielsweise deutschsprachige regierungsnahe russische Auslandssender Sachverhaltsdarstellungen im Sinne einer pro-russischen Haltung. Bei der Mehrzahl der entsprechenden Versuche einer Einflussnahme ist es jedoch nur schwer m\u00f6glich, eine direkte nachrichtendienstliche Steuerung zu belegen. 2. Methodik der Informationsgewinnung Spionageaktivit\u00e4ten gegen deutsche Interessen gehen in erster Aktivit\u00e4ten aus Linie von Mitarbeitern an den Legalresidenturen aus. Im europ\u00e4iLegalresidenturen schen Vergleich verf\u00fcgen diese St\u00fctzpunkte in Deutschland \u00fcber einen besonders hohen Personalbestand. Die Nachrichtendienste gewinnen ihre Informationen sowohl aus Offene und offenen, allgemein zug\u00e4nglichen Quellen (z.B. Internet, Industriekonspirative Informessen, Tagungen) als auch aus konspirativen, geheimdienstmationsbeschaffung lichen Verbindungen. In beiden F\u00e4llen nutzen sie die von den Mitarbeitern der Legalresidenturen gekn\u00fcpften Kontakte. Abgesch\u00f6pfte deutsche Kontaktpersonen wissen h\u00e4ufig nicht, dass es sich bei den \"Diplomaten\" in Wirklichkeit um Angeh\u00f6rige 255","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN eines Nachrichtendienstes handelt. Entsprechend sorglos verhalten sie sich ihnen gegen\u00fcber. Zentrale Steuerung Daneben reisen russische Nachrichtendienstoffiziere aus der Moskauer Zentrale oder einem Drittland nach Deutschland. Die weitgehende Reisefreiheit innerhalb Europas durch Schengen-Visa oder Diplomatenp\u00e4sse bietet ihnen die M\u00f6glichkeit des weitgehend unkontrollierten Reisens f\u00fcr nachrichtendienstliche Zwecke. Russische Nachrichtendienste setzen bei Aktivit\u00e4ten aus der Zentrale unver\u00e4ndert auf \"Illegalenoperationen\" - ungeachtet der hohen finanziellen Kosten und des immensen Aufwands. Gef\u00e4hrdung in In Russland selbst richten die Nachrichtendienste ihren Blick vorRussland nehmlich auf Personen, die sich beruflich oder privat f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit dort aufhalten. Insbesondere Angeh\u00f6rige deutscher diplomatischer Vertretungen, Beh\u00f6rdenvertreter auf Dienstreisen, aber auch Firmenrepr\u00e4sentanten sowie Personen, die in Russland einer freiberuflichen T\u00e4tigkeit nachgehen oder studieren, geraten in das Blickfeld der dortigen Nachrichtendienste. Pers\u00f6nliche Daten in Visaantr\u00e4gen, Grenzkontrollen sowie die Telefonund Internet\u00fcberwachung bieten den Diensten im eigenen Land zahlreiche M\u00f6glichkeiten, geeignete Zielpersonen f\u00fcr eine Ansprache zu ermitteln. Sofern die gewonnenen Informationen die Zielpersonen kompromittieren k\u00f6nnen, scheuen die Dienste nicht vor aggressiven Anwerbungsversuchen zur\u00fcck. 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial Mit ihren breit angelegten Beschaffungsund Beeinflussungsbem\u00fchungen sind die russischen Nachrichtendienste seit vielen Jahren mit hoher Intensit\u00e4t sowohl in Deutschland als auch in der Russischen F\u00f6deration gegen deutsche Interessen aktiv. Dabei reagieren sie flexibel auf aktuelle Ereignisse. Die Versuche, politische Entscheidungen nicht nur zu antizipieren, sondern Einfluss auf Politik und \u00d6ffentlichkeit in Deutschland zu nehmen, zeigen die anhaltend gro\u00dfe Bedeutung, die Deutschland f\u00fcr die russischen Dienste hat. Auf absehbare 256","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Zeit ist mit einem Nachlassen ihrer Spionageaktivit\u00e4ten nicht zu rechnen. Vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftsund Handelssanktionen der EU gegen\u00fcber der Russischen F\u00f6deration sind vielmehr verst\u00e4rkte Spionageaktivit\u00e4ten gegen die deutsche Wirtschaft, insbesondere den Energiesektor, zu erwarten. IV. Nachrichtendienste der Volksrepublik China Im autorit\u00e4ren und repressiven politischen System Chinas spielen die Nachrichtendienste eine bedeutende Rolle. Mit ihren umfangreichen Befugnissen dienen sie ma\u00dfgeblich dem Machterhalt der Kommunistischen Partei. 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung Die Zielrichtung chinesischer Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten wird von dem Streben der Regierung nach st\u00e4rkerer weltpolitischer Bedeutung und territorialer Integrit\u00e4t geleitet. Ein wesentlicher Teil der Ausforschungst\u00e4tigkeit in Deutschland Bek\u00e4mpfung richtet sich gegen Bestrebungen, die - nach chinesischem Verregimekritischer st\u00e4ndnis - das Machtmonopol der Partei ersch\u00fcttern und die Bewegungen nationale Einheit bedrohen. Hierzu z\u00e4hlt China die nach Unabh\u00e4ngigkeit strebenden ethnischen Minderheiten der Uiguren und Tibeter, die Falun Gong-Bewegung, die Demokratiebewegung sowie die Bef\u00fcrworter einer Eigenstaatlichkeit Taiwans. Diese Gruppen und Organisationen werden von den chinesischen Beh\u00f6rden diffamierend als die \"F\u00fcnf Gifte\" bezeichnet. Des Weiteren stehen deutsche Interessen im Fokus der Dienste: # Politik (Au\u00dfen-, Sicherheitsund Wirtschaftspolitik sowie alle innenpolitischen Vorg\u00e4nge, die chinesische Interessen ber\u00fchren k\u00f6nnten), # Milit\u00e4r (Struktur, Bewaffnung und Ausbildung der Bundeswehr, moderne Waffentechnik - trotz bestehender Exportbeschr\u00e4nkungen), 257","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN # Wirtschaft, Wissenschaft und Technik: Die Nachrichtendienste sind in das ehrgeizige und langfristig angelegte Programm zur Modernisierung der chinesischen Wirtschaft eingebunden; konkret im Aufkl\u00e4rungsinteresse stehen sensible Informationen aus der deutschen Wirtschaft wie Produktinnovationen und aktuelle Forschungsergebnisse. 2. Methodik der Informationsgewinnung Offene Informationsbeschaffung (z.B. Gespr\u00e4chsabsch\u00f6pfung) erfolgt \u00fcberwiegend aus den chinesischen Legalresidenturen in Deutschland oder durch dort eingebundene Journalisten, verdeckte Informationsbeschaffung zumeist durch zentral aus China gesteuerte nachrichtendienstliche Operationen. Aktivit\u00e4ten aus Die Nachrichtendienstmitarbeiter in den Legalresidenturen Legalresidenturen unterhalten eine Vielzahl von Kontakten und Beziehungsnetzwerken (\"guanxi\") zu Gespr\u00e4chspartnern, die \u00fcber f\u00fcr sie interessante Zug\u00e4nge oder Informationen verf\u00fcgen. Durch eine langfristig angelegte, geduldige \"Kultivierung\" sollen die Kontaktpersonen dazu verleitet werden, dem vorgeblichen Freund auch vertrauliche Informationen preiszugeben und zum Informanten oder sogar Agenten f\u00fcr einen chinesischen Dienst zu werden. Bek\u00e4mpfung der Bei der Bek\u00e4mpfung regimekritischer Personen und Gruppierun\"F\u00fcnf Gifte\" gen gehen die chinesischen Nachrichtendienste offensiv und energisch vor und schrecken nicht vor Drohungen zur\u00fcck. Dabei wirken sich Konfliktsituationen in China - wie Unruhen in der autonomen Region Xinjiang oder in Tibet - auf die Aufkl\u00e4rungsintensit\u00e4t in Deutschland aus. Wirtschafts-, Die chinesischen Nachrichtendienste eruieren intensiv ArbeitsbeWissenschaftsund reiche und Wissenspotenzial in Deutschland lebender chinesiTechnologiespionage scher Wissenschaftler. \u00dcber freundschaftliche Beziehungen und informelle Kontakte versuchen sie, ausgew\u00e4hlte Personen f\u00fcr eine Zusammenarbeit zu gewinnen (\"Non-Professionals\"). Wegen der engen Verflechtung von Staat und Wirtschaft in China ist es im Einzelfall kaum m\u00f6glich, zwischen staatlich betriebener Wirtschaftsspionage und Aussp\u00e4hung durch konkurrierende Unternehmen zu unterscheiden. 258","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten erfolgen aber auch ohne Unterst\u00fctzung Reisende der Legalresidenturen. So nutzen reisende NachrichtendienstoffiNachrichtenziere der Zentrale in Peking oder aus Provinzb\u00fcros die M\u00f6glichdienstoffiziere keiten des Schengenraumes, um in Deutschland und angrenzenden L\u00e4ndern Agenten zu werben oder zu f\u00fchren. Sie betreiben dabei einen erheblichen logistischen, finanziellen und teils auch technischen Aufwand. An Bedeutung gewinnt die Einbindung politischer oder wissenThink Tanks schaftlicher Think Tanks in nachrichtendienstliche Strategien. Diese f\u00f6rdern das Ansehen Chinas, helfen bei der Verbreitung chinesischer Werte und dienen einer \"Softpower-Politik\". Es bestehen offizielle Kooperationen mit politischen Stiftungen der Bundesrepublik. Die Nachrichtendienste nutzen diese Institutionen aber auch als Tarnung f\u00fcr Reisen nach Deutschland und - meist in China - f\u00fcr die Kontaktaufnahme zu jungen Studenten, Diplomaten und Gesch\u00e4ftsleuten. So dienen die chinesischen Think Tanks auch dazu, sensible Informationen zu sammeln, nicht zuletzt auch zur Vorbereitung \"Elektronischer Angriffe\", sowie geeignete Zielpersonen auszuw\u00e4hlen und nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten zu tarnen. Die engen wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland Aktivit\u00e4ten in China und China er\u00f6ffnen vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten zur Wirtschaftsund Technologiespionage, beispielsweise \u00fcber deutsche Firmenniederlassungen in China (u.a. \"joint ventures\"). Die Nachrichtendienste werden dabei von staatlichen und privaten Unternehmen unterst\u00fctzt. Die umfassend praktizierten \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen in China, die neben der einheimischen Bev\u00f6lkerung auch den dort lebenden ausl\u00e4ndischen Diplomaten, Studenten, Wissenschaftlern, Gesch\u00e4ftsleuten und selbst Touristen gelten, bieten konkrete Ansatzpunkte f\u00fcr nachrichtendienstliche Operationen. 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die weltpolitische Situation und die politischen wie wirtschaftlichen Ambitionen Chinas lassen eine Intensivierung der Spionageaktivit\u00e4ten erwarten. Nach wie vor setzt das Regime auf eine umfassende Kontrolle der eigenen Bev\u00f6lkerung durch die Partei. 259","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Mit neuen, strikteren Sicherheitsgesetzen st\u00e4rkt Staatspr\u00e4sident Xi Jinping die Macht des Sicherheitsapparates. Die wirtschaftliche Liberalisierung geht nicht mit einer demokratischen \u00d6ffnung einher. Ebenso wenig lassen die strategische Konkurrenz mit den USA und Japan, die territorialen Konflikte und die infolgedessen angespannten Beziehungen mit verschiedenen Nachbarl\u00e4ndern sowie mit den USA Hoffnungen auf eine nachhaltige Entspannung zu. \u00d6konomisch ist China im Begriff, sich von der \"verl\u00e4ngerten Werkbank\" der Welt zu einem Land mit technologisch h\u00f6herwertigen Produktionstechniken fortzuentwickeln - ein Ziel, das mithilfe illegaler Wissensund Technologietransfers durchaus schneller und kosteng\u00fcnstiger verfolgt werden kann. Hatten sich die chinesischen Nachrichtendienste in Deutschland zuvor auf die Bek\u00e4mpfung der Exilopposition konzentriert, sind in den letzten Jahren vor allem in der klassischen Spionage (Politik und Milit\u00e4r, Wirtschaft und Technologie) wesentliche Akzentverschiebungen deutlich geworden: W\u00e4hrend in der Vergangenheit fast ausschlie\u00dflich chinesischst\u00e4mmige Personen als Agenten rekrutiert worden waren, versuchen die Dienste mittlerweile verst\u00e4rkt, Personen aus westlichen L\u00e4ndern als Informanten oder Agenten zu werben. Hinzu kommen die Reiseaktivit\u00e4ten von Nachrichtendienstoffizieren aus China, die in Deutschland und den angrenzenden L\u00e4ndern agieren. Politische Think Tanks werden ebenfalls vermehrt f\u00fcr nachrichtendienstliche Zwecke genutzt. Ferner liegen Hinweise auf kombinierte HUMINTund SIGINT-Aktivit\u00e4ten chinesischer Nachrichtendienste vor.69 V. Nachrichtendienste der Islamischen Republik Iran Die Aussp\u00e4hung und Bek\u00e4mpfung oppositioneller Bewegungen im Inund Ausland stellt nach wie vor einen Schwerpunkt der Arbeit des iranischen Nachrichtendienstapparates dar. Dar\u00fcber hinaus beschaffen die Dienste im westlichen Ausland 69 HUMINT steht f\u00fcr Human Intelligence und bezeichnet die Informationsgewinnung durch menschliche Quellen. SIGINT steht f\u00fcr Signals Intelligence und bezeichnet die technische Informationsbeschaffung. 260","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Hauptakteur der gegen Deutschland gerichteten Aktivit\u00e4ten ist Zielbereiche des weiterhin das Ministry of Intelligence (VAJA70, zumeist MOIS MOIS abgek\u00fcrzt). In seinem Fokus stehen insbesondere die \"Volksmodjahedin Iran-Organisation\" (MEK) und ihr politischer Arm, der \"Nationale Widerstandsrat Iran\" (NWRI). Daneben belegen nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten gegen deutsche Einrichtungen im Inund Ausland ein anhaltendes Aufkl\u00e4rungsinteresse des MOIS in den Bereichen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Die Steuerung nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten zur InformatiMethodik onsbeschaffung erfolgt in erster Linie durch das Hauptquartier des MOIS in Teheran. Zur Anbahnung nutzt der Dienst insbesondere beruflich oder famili\u00e4r bedingte Reisen seiner Zielpersonen in den Iran. Dort ist es ihnen kaum m\u00f6glich, sich dem Zugriff des MOIS zu entziehen - eine ideale Voraussetzung f\u00fcr nachrichtendienstliche Ansprachen. Daneben erf\u00fcllt auch die Legalresidentur des MOIS an der Iranischen Botschaft in Berlin eine wichtige Funktion bei der nachrichtendienstlichen Aussp\u00e4hung. Zu deren Aufgaben z\u00e4hlt neben der Durchf\u00fchrung eigenst\u00e4ndiger nachrichtendienstlicher Operationen auch die Unterst\u00fctzung von zentral gesteuerten Aktivit\u00e4ten der MOIS-Zentrale. Diese richten sich haupts\u00e4chlich gegen Ziele in Deutschland, vereinzelt aber auch gegen Personen oder Einrichtungen im europ\u00e4ischen Ausland. Die Mitarbeiter der iranischen konsularischen Vertretungen in Deutschland sind verpflichtet, die Legalresidentur des MOIS zu unterst\u00fctzen. Die Bundesanwaltschaft hat am 17. September 2015 die Wohnung Ermittlungsverfahren eines 30-j\u00e4hrigen afghanischen Staatsangeh\u00f6rigen wegen des Verdes Generalbundesdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit durchsuchen lasanwalts sen. Er wird beschuldigt, f\u00fcr einen iranischen Nachrichtendienst exilafghanische Gruppierungen in Deutschland ausgeforscht zu haben. Am 28. Oktober 2015 lie\u00df die Bundesanwaltschaft einen 31-j\u00e4hrigen iranischen Staatsangeh\u00f6rigen vorl\u00e4ufig festnehmen. Seine 70 In Farsi: Vezarat-e Ettela'at-e Jomhouri-ye Eslami-ye Iran - VAJA. 261","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Wohnung sowie die Wohnungen weiterer f\u00fcnf Beschuldigter wurden durchsucht. Sie werden verd\u00e4chtigt, f\u00fcr einen iranischen Nachrichtendienst die MEK ausgesp\u00e4ht zu haben. Der festgenommene Beschuldigte soll dar\u00fcber hinaus die hierbei erlangten Erkenntnisse an seinen nachrichtendienstlichen Auftraggeber weitergeleitet haben. Er befindet sich seit dem 29. Oktober 2015 in Untersuchungshaft. Am 22. M\u00e4rz 2016 hat die Bundesanwaltschaft vor dem Staatsschutzsenat des Kammergerichts Berlin Anklage gegen ihn und einen weiteren Beschuldigten wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit f\u00fcr den Iran erhoben. Gef\u00e4hrdungsDie iranischen Nachrichtendienste sind ein zentrales Instrument potenzial der politischen F\u00fchrung zur Sicherung ihres Herrschaftsanspruches. Demzufolge wird die iranische Opposition weiter im Blickpunkt des MOIS stehen. Der Iran versteht sich als Regionalmacht mit einem Gestaltungswillen \u00fcber die eigenen Grenzen hinaus, einschlie\u00dflich einer ausgepr\u00e4gt antiwestlichen sowie antiisraelischen Sto\u00dfrichtung. Damit einhergehend ist das iranische Regime an (Insider-)Informationen \u00fcber die k\u00fcnftige Politik des Westens - beispielsweise \u00fcber die deutsche Au\u00dfenund Sicherheitspolitik - interessiert. VI. Nachrichtendienste sonstiger Staaten Die Aufkl\u00e4rungsund Abwehraktivit\u00e4ten der Spionageabwehr richten sich gegen alle illegalen nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten ohne Festlegung auf einen ausgew\u00e4hlten oder eingegrenzten Kreis von Staaten. Das BfV arbeitet mit einer Vielzahl ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste vertrauensvoll und partnerschaftlich zusammen. Trotzdem gibt es immer wieder Hinweise, dass einzelne Partnerdienste durch \u00dcberwachung von Telekommunikationsund sonstigen Datenstr\u00f6men oder mittels menschlicher Quellen Spionage in beziehungsweise gegen Deutschland betreiben. Die im Jahr 2014 eingeleitete Neuausrichtung der Spionageabwehr wurde 2015 fortgef\u00fchrt: Mittels Ressourcenverst\u00e4rkung und fortentwickelter Methodik wird eine umf\u00e4ngliche Bearbeitung 262","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN illegaler nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten sonstiger Staaten im Rahmen der sogenannten 360deg-Bearbeitung gew\u00e4hrleistet. Dieser Ansatz schlie\u00dft ausdr\u00fccklich auch die Untersuchung nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten westlicher Dienste mit ein. Das BfV geht gem\u00e4\u00df seinem gesetzlichen Auftrag jedem Anfangsverdacht von Spionage nach. Auch 2015 berichteten die Medien \u00fcber Aktivit\u00e4ten der National Ver\u00f6ffentlichunSecurity Agency (NSA), unter anderem mit direktem Bezug zu gen zu Aktivit\u00e4ten Deutschland. So ver\u00f6ffentlichte die Internetplattform WikiLeaks US-amerikanischer im Juli 2015 Datenbankausz\u00fcge von mutma\u00dflich durch die NSA Nachrichtendienste \u00fcberwachten Telefonanschl\u00fcssen deutscher Regierungsstellen und Beh\u00f6rden, darunter Minister, Staatssekret\u00e4re, hochrangige Beamte und B\u00fcroleiter. Gegen den im Juli 2014 verhafteten Mitarbeiter des BundesnachFall von richtendienstes (BND) wurde am 11. August 2015 durch den GeneUS-amerikanischer ralbundesanwalt Anklage wegen Landesverrats in zwei F\u00e4llen, Spionage beim BND Verletzung des Dienstgeheimnisses und Bestechlichkeit erhoben. Der Strafprozess hatte am 16. November 2015 vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen (Bayern) begonnen. Am 17. M\u00e4rz 2016 wurde der Angeklagte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt. Zudem wurde ihm f\u00fcr die Dauer von f\u00fcnf Jahren das Wahlrecht aberkannt. Der Angeklagte hatte im Ermittlungsverfahren einger\u00e4umt, seit 2008 \u00fcber einen Zeitraum von sechs Jahren einem US-amerikanischen Dienst mehr als 200 vertrauliche Dokumente \u00fcbergeben zu haben. Er soll hierf\u00fcr insgesamt mindestens 95.000 Euro als Agentenlohn erhalten haben. 2014 hatte er sich zudem einem russischen Nachrichtendienst angedient. Im Zusammenhang mit den anhaltenden Fl\u00fcchtlingsbewegungen Syrische nach Deutschland gab es im Jahr 2015 eine Vielzahl von HinweiNachrichtendienste sen auf bundesweite Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen syrischer Dienste im Fl\u00fcchtlingsumfeld. Die syrischen Nachrichtendienste verf\u00fcgen ungeachtet des B\u00fcrgerkriegs und damit einhergehender Aufl\u00f6sungserscheinungen in Teilen des Machtapparates unver\u00e4ndert \u00fcber leistungsf\u00e4hige Strukturen. Ihr Aufgabenschwerpunkt ist die Ausforschung von Gegnern des syrischen Regimes, zu denen sowohl islamistische 263","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN und islamistisch-terroristische Gruppierungen als auch die breit gef\u00e4cherte s\u00e4kulare und kurdische Opposition z\u00e4hlen. Bei anhaltenden unkontrollierten Einreisen syrischer Staatsangeh\u00f6riger in die EU ist auch mit weiteren Ausforschungsaktivit\u00e4ten syrischer Nachrichtendienste zu rechnen. VII. Proliferation Die Weiterverbreitung atomarer, biologischer oder chemischer Massenvernichtungswaffen (ABC-Waffen) beziehungsweise der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte sowie entsprechender Waffentr\u00e4gersysteme (z.B. Raketen und Drohnen) einschlie\u00dflich des daf\u00fcr erforderlichen Know-hows wird als Proliferation bezeichnet. Die Herstellung von Massenvernichtungswaffen und deren Verbreitung stellt eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dar. Sie k\u00f6nnen zudem zu einer erheblichen Destabilisierung in den betroffenen Regionen beitragen. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass proliferationsrelevante Staaten Massenvernichtungswaffen im Fall eines bewaffneten Konflikts einsetzen oder deren Einsatz zur Durchsetzung politischer Ziele androhen. Dies birgt die Gefahr eines milit\u00e4rischen Wettr\u00fcstens in den betroffenen Regionen. Trotz eines teilweise erheblichen technologischen Fortschritts bleiben diese Staaten bei der Forschung und Herstellung dieser Waffen und Tr\u00e4gersysteme auf den Weltmarkt angewiesen. Unter anderem versuchen sie auch in Deutschland, entsprechende Produkte zu beschaffen - unter Umgehung von Genehmigungspflichten und Ausfuhrverboten. Die bestehenden strengen deutschen und europ\u00e4ischen Exportkontrollbestimmungen zur Verhinderung entsprechender Wareneink\u00e4ufe haben zu einer Ver\u00e4nderung des Einkaufsund Beschaffungsverhaltens proliferationsrelevanter Staaten gef\u00fchrt. 264","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Die direkte Beschaffung solcher Waren bildet nunmehr eher die Ausnahme. Zur Umgehung eines Ausfuhrverbots durch die Genehmigungsbeh\u00f6rden beschaffen sie die Produkte stattdessen \u00fcber Drittl\u00e4nder (sogenannte Umgehungsausfuhren), schalten Tarnfirmen ein oder machen bei \"dual use\"-G\u00fctern - dies sind Produkte, die sowohl f\u00fcr zivile als auch f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke verwendet werden k\u00f6nnen - falsche Angaben \u00fcber den Verwendungszweck. F\u00fcr Studenten und Wissenschaftler aus proliferationsrelevanten L\u00e4ndern kommen zudem deutsche Universit\u00e4ten, Fachhochschulen, wissenschaftliche Institute und Forschungsgesellschaften sowie Forschungsabteilungen in der Industrie als m\u00f6gliche Quellen zur Beschaffung von Wissen in Betracht. 1. Islamische Republik Iran Die im November 2013 zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und dem Iran vereinbarten Verhandlungen \u00fcber das iranische Nuklearprogramm wurden am 14. Juli 2015 mit der Verabschiedung des \"Joint Comprehensive Plan of Action\" abgeschlossen. Der Iran stimmt darin erheblichen Beschr\u00e4nkungen und Kontrollen seines Nuklearprogramms zu. Im Gegenzug wurde vereinbart, die wegen des Nuklearprogramms verh\u00e4ngten Sanktionen schrittweise aufzuheben. Eine m\u00f6gliche milit\u00e4rische Dimension des iranischen Nuklearprogramms wurde von der Internationalen Atomenergiebeh\u00f6rde (IAEO) untersucht. In dem Abschlussbericht vom 2. Dezember 2015 stellte die IAEO fest, dass es im Iran bis Ende 2003 ein strukturiertes Programm und koordinierte Aktivit\u00e4ten zum Bau einer Atomwaffe gegeben habe. Bis 2009 seien nur noch vereinzelte Aktivit\u00e4ten fortgef\u00fchrt worden. F\u00fcr die Zeit nach 2009 hat die IAEO keine glaubhaften Hinweise auf entsprechende Aktivit\u00e4ten mehr finden k\u00f6nnen. Ebenfalls hat die IAEO keine glaubhaften Hinweise auf eine Abzweigung von Nuklearmaterial f\u00fcr den Bau einer Atombombe gefunden. Die vom BfV festgestellten illegalen iranischen Beschaffungsversuche in Deutschland befanden sich 2015 weiterhin auf einem auch im internationalen Vergleich quantitativ hohen Niveau. Dies 265","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN galt vor allem f\u00fcr G\u00fcter, die im Bereich Nukleartechnik eingesetzt werden k\u00f6nnen. Das BfV konstatiert auch im Bereich des ambitionierten iranischen Tr\u00e4gertechnologieprogramms, das unter anderem dem Einsatz von Kernwaffen dienen k\u00f6nnte, eine steigende Tendenz der ohnehin schon erheblichen Beschaffungsbem\u00fchungen. Vor diesem Hintergrund sind weiterhin intensive Beschaffungsaktivit\u00e4ten des Iran unter Nutzung konspirativer Methodik in Deutschland zu erwarten. 2. Weitere Staaten mit Beschaffungsaktivit\u00e4ten Zu den Staaten, die in Deutschland Beschaffungsaktivit\u00e4ten f\u00fcr sensitive G\u00fcter entwickeln, z\u00e4hlen auch die beiden Atomm\u00e4chte Nordkorea und Pakistan sowie Syrien. Nordkorea Nordkorea verf\u00fcgt \u00fcber ein weit fortgeschrittenes Atomwaffenprogramm und ist zu eigenst\u00e4ndigen Entwicklungen beim Bau von Reaktoren in der Lage. Ungeachtet internationaler Sanktionen wird dieses Programm unver\u00e4ndert fortgesetzt. Daneben verfolgt das Land weiterhin ein umfangreiches Tr\u00e4gertechnologieprogramm. Zudem exportiert Nordkorea Raketen und bietet anderen proliferationsrelevanten Staaten Unterst\u00fctzung beim Aufbau eines eigenen Raketenentwicklungsprogramms an. Der Ausbau bestehender Raketenstartanlagen soll die Voraussetzung f\u00fcr den Start von Raketen mit gr\u00f6\u00dferer Reichweite und Nutzlast schaffen. Neben diversen Kurzstreckenraketen testete Nordkorea im Mai 2015 erstmals eine U-Boot-gest\u00fctzte ballistische Rakete. Trotz einer Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen71 als Reaktion auf den Nukleartest im Februar 2013 sind weiterhin anhaltende nordkoreanische Beschaffungsbem\u00fchungen um westliche Technologie zu beobachten, unter anderem in Deutschland. 71 VN-Resolution 2094 vom 07.03.2013, abrufbar auf der Homepage der Vereinten Nationen. 266","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Am 2. Juli 2015 beschloss die Europ\u00e4ische Kommission, die Hamburger Niederlassung der international t\u00e4tigen \"Korea National Insurance Corporation\" (KNIC) sowie insgesamt sechs leitende Angestellte (drei in Hamburg und drei in Pj\u00f6ngjang) in die Sanktionsliste der EU aufzunehmen. Die KNIC erwirtschaftet Devisen zur Finanzierung von R\u00fcstungsgesch\u00e4ften sowie zur finanziellen Unterst\u00fctzung und Stabilisierung des herrschenden Regimes. Nordkorea legte vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof Widerspruch gegen die Listung ein. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Pakistan verf\u00fcgt \u00fcber ein umfangreiches milit\u00e4risches, gegen den Pakistan \"Erzfeind\" Indien gerichtetes Nuklearund Tr\u00e4gertechnologieprogramm. Es baut sein Kernwaffenpotenzial sukzessive aus. F\u00fcr die Weiterentwicklung seines Massenvernichtungswaffenprogramms sowie zur Instandhaltung der vorhandenen Nuklearanlagen (milit\u00e4rische und/oder zivile Nutzung) und Tr\u00e4gersysteme versucht Pakistan, unter anderem in Deutschland hochwertige neue Produkte und Technologien zu beschaffen. Dazu z\u00e4hlt auch der Erwerb von technischem Know-how durch Entsendung von pakistanischen Studenten und Wissenschaftlern nach Deutschland. Syrien bem\u00fcht sich offensichtlich insbesondere um Wiederaufbau Syrien und Instandhaltung der Teile seines Raketenprogramms, die durch den seit 2011 herrschenden B\u00fcrgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurden. So sind wieder verst\u00e4rkt Beschaffungsbem\u00fchungen des als Haupttr\u00e4ger der syrischen Massenvernichtungswaffenprogramme geltenden Scientific Studies and Research Center (SSRC) und seiner Tarnunternehmen zu verzeichnen. VIII. Wirtschaftsschutz Die deutsche Wirtschaft ist eine der wissensintensivsten weltweit; ihre Erfolgsfaktoren sind Ideenreichtum, technische Innovation und deren kurzfristige Umsetzung sowie zukunftsweisende Forschung und Entwicklung. Vor diesem Hintergrund ist Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen ein seit Jahren anhaltendes Ph\u00e4nomen. Die 267","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Erkenntnislage des BfV l\u00e4sst vorrangig auf Aktivit\u00e4ten chinesischer und russischer Nachrichtendienste schlie\u00dfen. Die Bundesregierung misst dem Wirtschaftsschutz und seinem Ziel, deutsches Know-how als Wettbewerbsvorteil zu sichern, hohe Bedeutung bei. Eine Kernzielgruppe des Wirtschaftsschutzes der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden sind dabei innovative und technologieorientierte mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Nationale Effektiver Wirtschaftsschutz setzt jedoch das gemeinsame HanStrategie f\u00fcr den deln von Staat, Verb\u00e4nden und Unternehmen voraus. Ein MeilenWirtschaftsschutz stein zur Kooperation ist die federf\u00fchrend vom Bundesminister des Innern begleitete \"Nationale Strategie f\u00fcr den Wirtschaftsschutz\". Expertengruppen unter Beteiligung von Staat und Wirtschaft72 haben Handlungsziele erarbeitet und korrespondierende Projekte konzipiert, die im Fr\u00fchjahr 2016 als \"Initiative Wirtschaftsschutz\" unter anderem mit einer zentralen Internetplattform zum Wirtschaftsschutz (www.wirtschaftsschutz.info) gestartet wurden. Ziele sind vor allem eine st\u00e4rkere Vernetzung, ein intensivierter Informationsaustausch zwischen staatlichen Stellen und der Wirtschaft sowie die St\u00e4rkung der unternehmerischen Eigenverantwortung zum Know-how-Schutz. Pr\u00e4vention Das BfV als Dienstleister f\u00fcr pr\u00e4ventive Spionageabwehr wird verdurch Dialog und st\u00e4rkt f\u00fcr eine Security-Awareness in der Wirtschaft sowie im Information Bereich von Forschung und Wissenschaft werben und den direkten vertrauensvollen Dialog mit seinen Partnern weiter intensivieren. Das Angebot umfasst eine inhaltlich breit aufgestellte Vortragst\u00e4tigkeit sowie eine Vielzahl an Brosch\u00fcren, Newslettern und Informationsm\u00f6glichkeiten auf der Homepage des BfV (Rubrik \"Wirtschaftsschutz\") und eine vom BfV ma\u00dfgeblich mitgestaltete Internetplattform zum Wirtschaftsschutz. Das BfV beteiligt sich dar\u00fcber hinaus an einem monatlichen Bericht von Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes zum Thema Wirtschaftsschutz (\"Sonderbericht Wirtschaftsschutz\"). 72 Beteiligt sind das Bundeskanzleramt, das Bundesministerium des Innern, das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, das Bundeskriminalamt, das Bundesamt f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik, der Bundesnachrichtendienst sowie auf Seiten der Wirtschaft der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., der Deutsche Industrieund Handelskammertag, die Allianz f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft e.V. sowie der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft. 268","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Erg\u00e4nzt wird das Informationsund Beratungsangebot durch bilaterale themenund risikobezogene Informationsund Sensibilisierungsgespr\u00e4che. Bei Verdacht auf Wirtschaftsspionage ist das BfV aufgrund seiner langj\u00e4hrigen Erfahrung und Expertise in der Bewertung und Aufkl\u00e4rung von Sachverhalten ein fachkundiger Ansprechpartner f\u00fcr Betroffene, denen es angesichts der gesetzlichen Rahmenbedingungen weitreichend Vertraulichkeit zusichern kann. IX. Festnahmen und Verurteilungen Im Jahr 2015 leitete der Generalbundesanwalt insgesamt 14 neue Ermittlungsverfahren im Bereich Spionage ein. Die Anzahl der Verfahren liegt damit auf dem Niveau des Vorjahres (14 Verfahren). Davon wurden zw\u00f6lf Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit (SS 99 StGB), eins wegen Landesverrats (SS 94 StGB) und eins wegen des Offenbarens von Staatsgeheimnissen (SS 95 StGB) gef\u00fchrt. Im selben Zeitraum wurde ein Haftbefehl vollstreckt. Eine Person wurde wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit rechtskr\u00e4ftig verurteilt. X. Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste Spionage gegen Deutschland wird sowohl mit menschlichen Quellen als auch technikgest\u00fctzt durchgef\u00fchrt. Der Einsatz menschlicher Quellen kann dabei sowohl offen als auch konspirativ erfolgen. 1. Spionage mit menschlichen Quellen Nachrichtendienstliche Arbeit findet oft aus sogenannten LegalNutzung von residenturen heraus statt, die in den offiziellen oder halboffizielLegalresidenturen len Vertretungen ausl\u00e4ndischer Staaten in Deutschland untergebracht sind. Dazu geh\u00f6ren Botschaften und Generalkonsulate 269","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN sowie Repr\u00e4sentanzen halbstaatlicher Einrichtungen und Wirtschaftsunternehmen (z.B. Fluggesellschaften). Die in Botschaften und Konsulaten eingesetzten Dienstmitarbeiter verf\u00fcgen zumeist \u00fcber einen Diplomatenstatus, der sie vor Strafverfolgung sch\u00fctzt und im Fall ihrer Enttarnung daher nur die M\u00f6glichkeit der Ausweisung aus Deutschland zul\u00e4sst. In der Regel handelt es sich bei den Funktionen oder T\u00e4tigkeiten, die von den so abgetarnten Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen wahrgenommen werden, um solche, die ein Informationsbed\u00fcrfnis und eine gewisse \"Kontaktfreudigkeit\" nachvollziehbar erscheinen lassen. Denkbar ist hier etwa die T\u00e4tigkeit im Bereich Handelsund Wirtschaftsangelegenheiten eines Konsulats, die ein vordringliches Interesse f\u00fcr Produkte und Marktstrategien plausibel erscheinen l\u00e4sst. Gleicherma\u00dfen unauff\u00e4llig ist beispielsweise die Abtarnung als Journalist, wenn es etwa um die Kontaktanbahnung zu Parteien und politischen Institutionen sowie zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen geht. Offene und verdeckte Die Nachrichtendienste gewinnen ihre Informationen sowohl aus Informationsoffenen, allgemein zug\u00e4nglichen Quellen (z.B. Internet, Industriebeschaffung messen, Tagungen) als auch aus konspirativen, geheimdienstlichen Verbindungen. Abgesch\u00f6pfte deutsche Kontaktpersonen wissen nicht, dass es sich bei ihren Gespr\u00e4chspartnern in Wahrheit um Angeh\u00f6rige eines Nachrichtendienstes handelt und verhalten sich dementsprechend arglos. Die Legalresidenturoffiziere nutzen die unter Legende aufgebauten Kontakte, um ihre Gespr\u00e4chspartner auszuforschen und vorhandene Informationen zu erg\u00e4nzen oder zu verdichten. Zielpersonen f\u00fcr den Aufbau eines Informantennetzes werden perspektivisch ausgew\u00e4hlt: Entscheidend sind deren aktuelle und langfristige Zugangsm\u00f6glichkeiten. Mit geschickter Gespr\u00e4chsf\u00fchrung gelingt es, sensible Informationen zu erlangen oder auch Hinweise auf weitere potenzielle Quellen zu gewinnen. Zielpersonen derartiger Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen sind unter anderem Beh\u00f6rdenvertreter, Bundeswehrangeh\u00f6rige, Wissenschaftler und Mitarbeiter von Wirtschaftsunternehmen. Operationen aus den Nachrichtendienstliche Operationen gegen deutsche Interessen Dienstzentralen werden auch unmittelbar aus den jeweiligen Zentralen der Dienste in den Heimatl\u00e4ndern initiiert und gesteuert und 270","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN nehmen gezielt deutsche B\u00fcrger ins Visier, die sich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit im jeweiligen Land aufhalten oder regelm\u00e4\u00dfig dorthin reisen (z.B. Angeh\u00f6rige diplomatischer Vertretungen und Beh\u00f6rdenvertreter, Firmenrepr\u00e4sentanten, Studenten). Die Dienste nutzen hierzu die breite Palette der \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten in ihrem Land, von den Grenzkontrollen \u00fcber die Beobachtung von Auslandsvertretungen bis hin zu den Kontrollm\u00f6glichkeiten im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich. Die Nachrichtendienste nutzen ihren \"Heimvorteil\", indem sie gezielt nach kompromittierenden Ansatzm\u00f6glichkeiten suchen, um die Zielpersonen zu einer Mitarbeit zu dr\u00e4ngen. In anderen F\u00e4llen versuchen die Nachrichtendienstoffiziere, ihre Zielperson f\u00fcr sich einzunehmen und auf freundschaftlicher Basis zu werben. Im Rahmen ihrer operativen Aktivit\u00e4ten unternehmen NachrichReisende tendienstoffiziere aus der Dienstzentrale teilweise ErkundungsF\u00fchrungsoffiziere und Treffreisen in andere L\u00e4nder. Auch Treffen zwischen den F\u00fchund Quellen rungsoffizieren und ihren deutschen Quellen finden zuweilen im Ausland statt. Dabei nutzen die Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen die Reisefreiheit innerhalb des Schengenraums, treffen ihre Agenten aber bei sogenannten Drittlandtreffs auch in L\u00e4ndern au\u00dferhalb Europas, in denen sie sich vor einer Entdeckung sicher f\u00fchlen. Einen enormen infrastrukturellen Aufwand erfordert der Einsatz \"Illegale\" von Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen, die mit einer falschen Identit\u00e4t und langfristigen Perspektive im Ausland eingesetzt werden. Diese \"Illegalen\" sind wegen ihrer professionellen Arbeit und sorgf\u00e4ltigen Abdeckung nur schwer durch die Spionageabwehr zu enttarnen. Seit 2006 wurden in Mitgliedsstaaten der EU und NATO mindestens 15 \"Illegale\" enttarnt, die von russischen Diensten eingesetzt worden sind. 2. Spionage mit technischen Mitteln Angesichts der zunehmenden Bedeutung der technischen Informationsbeschaffung im digitalen Zeitalter er\u00f6ffnen sich auch f\u00fcr die Spionage neue M\u00f6glichkeiten und Wege - und f\u00fcr die Spionageabwehr neue Herausforderungen. Informationen, die fr\u00fcher nur durch Agenten zu erlangen waren, k\u00f6nnen heutzutage verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht und ohne gr\u00f6\u00dfere Risiken auf technischem Weg beschafft werden. 271","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Es ist davon auszugehen, dass fremde Nachrichtendienste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um Kommunikationsverbindungen abzuh\u00f6ren, insbesondere auch den \u00fcber Server oder Internetknoten im Ausland gef\u00fchrten deutschen Kommunikationsund Internetverkehr. Fernmeldeaufkl\u00e4F\u00fcr Fernmeldeaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen in Deutschland stellen rungsma\u00dfnahmen die Botschaftsgeb\u00e4ude im Zentrum Berlins sowie andere vergleichbare diplomatische Vertretungen wegen ihrer g\u00fcnstigen Lage und ihrer Exterritorialit\u00e4t besonders geeignete Standorte dar. Insbesondere im Bereich des Regierungsviertels in Berlin besteht ein konkretes Abh\u00f6rrisiko f\u00fcr alle \u00fcber Funk gef\u00fchrten Kommunikationsverbindungen (z.B. Gespr\u00e4che mit Mobiltelefonen, WLANund Bluetooth-Verbindungen). Gleicherma\u00dfen gef\u00e4hrdet sind auch Daten, die auf in Funknetzwerken betriebenen Laptops oder Tablet-PCs vorgehalten werden. \"Elektronische \"Elektronische Angriffe\" haben sich in den letzten Jahren als Angriffe\" wichtige Methode fremder Nachrichtendienste etabliert. Hierbei handelt es sich um gezielte aktive Ma\u00dfnahmen mit und gegen IT-Infrastrukturen. Das Ziel kann Spionage sein, also das Ausforschen sensibler Informationen und Strategien. Sie k\u00f6nnen aber auch auf Sabotage ausgerichtet sein, beispielsweise auf das Lahmlegen Kritischer Infrastrukturen. Zu \"Elektronischen Angriffen\" z\u00e4hlen das Aussp\u00e4hen, Kopieren oder Ver\u00e4ndern von Daten, die \u00dcbernahme einer fremden elektronischen Identit\u00e4t, der Missbrauch oder die Sabotage fremder IT-Infrastrukturen sowie die \u00dcbernahme von computergesteuerten netzgebundenen Produktionsund Steuereinrichtungen. Die Angriffe k\u00f6nnen von au\u00dfen \u00fcber Computernetzwerke wie das Internet oder durch einen direkten, nicht netzgebundenen Zugriff auf einen Rechner erfolgen, etwa \u00fcber manipulierte Hardwarekomponenten wie Speichermedien (z.B. USB-Sticks). \"Elektronische Angriffe\" sind ein effizientes Mittel zur Informationsbeschaffung. Von den betroffenen Stellen sind solche Angriffe nur schwer aufzukl\u00e4ren. Insbesondere die Anonymit\u00e4t des Internets erschwert eine Identifizierung und Verfolgung der T\u00e4ter. Oft ist aber aufgrund bestimmter Merkmale und Indizien zumindest eine regionale Zuordnung der Urheber m\u00f6glich. 272","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Seit 2005 werden in Deutschland auf breiter Basis durchgef\u00fchrte, Staat und Wirtschaft zielgerichtete \"Elektronische Angriffe\" gegen Bundesbeh\u00f6rden, im Fokus Politik und Wirtschaftsunternehmen festgestellt. Solche Attacken h\u00e4ufen sich regelm\u00e4\u00dfig im Zusammenhang mit bedeutenden wirtschaftsund finanzpolitischen Treffen. So werden bereits seit Jahren im Zusammenhang mit den G20-Gipfeltreffen unter anderem Bundesministerien und der Bankensektor angegriffen. In geschickt gestalteten E-Mails an hochrangige Entscheidungstr\u00e4ger und deren unmittelbare Mitarbeiter wird eine Kommunikation der Chefunterh\u00e4ndler beteiligter Regierungen (SherpaGruppe) vorget\u00e4uscht. Auf diese Weise sollen die Empf\u00e4nger dazu verleitet werden, den Schadanhang zu \u00f6ffnen und so eine Infektion der Systeme auszul\u00f6sen. Fremde Nachrichtendienste sind in hohem Ma\u00dfe an Informationen interessiert, die bei staatlichen Stellen abgesch\u00f6pft werden k\u00f6nnen. Die anhaltenden \"Elektronischen Angriffe\" mit mutma\u00dflich nachrichtendienstlichem Hintergrund gegen Bundesbeh\u00f6rden verdeutlichen den hohen Stellenwert dieser Methodik. Von besonderem Interesse f\u00fcr die Angreifer sind dabei vor allem die Bereiche Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, Finanzen sowie Milit\u00e4r und R\u00fcstung. Die Dauer einzelner Angriffsoperationen und die globale Ausrichtung bei der Auswahl von Themen und Opfern weisen deutlich auf staatliche Ausforschungsaktivit\u00e4ten und ein strategisches Vorgehen hin. Es liegt auf der Hand, dass elektronische Spionageangriffe nicht nur im Bereich der Beh\u00f6rden, sondern auch im Bereich der Wirtschaft und Forschung ein probates Tatmittel darstellen. So haben manche Nachrichtendienste den gesetzlichen beziehungsweise staatlichen Auftrag, die eigenen Volkswirtschaften mit Informationen zu unterst\u00fctzen, die auf nachrichtendienstlichem Weg beschafft wurden. Damit tragen die Dienste nicht unerheblich zu staatlicher Planerf\u00fcllung und Wirtschaftswachstum bei. Erfolgreiche Spionageangriffe - sei es mit herk\u00f6mmlichen MethoHoher volkswirtden der Informationsgewinnung oder mit \"Elektronischen schaftlicher Schaden Angriffen\" - k\u00f6nnen immense volkswirtschaftliche Sch\u00e4den verursachen, insbesondere wenn aus Forschungseinrichtungen und privaten Unternehmen geistiges Eigentum abflie\u00dft. \"Elektronische Angriffe\" aller T\u00e4tergruppen zusammengenommen f\u00fchren in der deutschen Wirtschaft bereits jetzt pro Jahr zu einem auf mehrere 273","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Milliarden Euro gesch\u00e4tzten finanziellen Schaden. Gerade in kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen finden die Angreifer h\u00e4ufig leicht verwundbare Standard-IT-Komponenten vor; zudem sorgt der zunehmende Einsatz mobiler Endger\u00e4te (Smartphones, Tablet-PCs) mit Zugang zum Firmennetz f\u00fcr neue Einfallstore. Hauptbetroffene Ziele in der Wirtschaft sind Unternehmen aus den Bereichen R\u00fcstung, Luftund Raumfahrt (insbesondere die Satellitensparte), die Automobilindustrie sowie Forschungsinstitute. Da die Angreifer die eingesetzten Schadprogramme permanent weiterentwickeln, steigt die Effektivit\u00e4t derartiger Angriffe - selbst aktuelle Virenschutzprogramme k\u00f6nnen die eingesetzte Schadsoftware nicht erkennen. Da die Methoden zunehmend ausgekl\u00fcgelter werden, ist die Dunkelziffer nicht erkannter \"Elektronischer Angriffe\" als hoch einzusch\u00e4tzen. Die Urheber \"Elektronischer Angriffe\" sind oft nicht zweifelsfrei zu identifizieren. Soweit es Hinweise auf eine Steuerung durch fremde Nachrichtendienste gibt, f\u00e4llt die Bearbeitung schwerpunktm\u00e4\u00dfig in die Zust\u00e4ndigkeit der Spionageabwehr. 274","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN XI. Strukturen und Aufgaben ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste 1. Strukturen und Aufgaben russischer Nachrichtendienste SWR Ziviler Auslandsnachrichtendienst (Slushba Wneschnej Raswedki) Leitung: General Michail Fradkow Mitarbeiterzahl: mehr als 13.000 Der zivile Auslandsnachrichtendienst SWR ist f\u00fcr Spionage in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie zust\u00e4ndig. Zu seinen Aufgaben z\u00e4hlen ferner die Ausforschung von Zielen und Arbeitsmethoden westlicher Nachrichtenund Sicherheitsdienste sowie die elektronische Fernmeldeaufkl\u00e4rung. Der Dienst wirkt zudem an der Bek\u00e4mpfung von Proliferation und Terrorismus mit. GRU Milit\u00e4rischer Auslandsnachrichten(Glawnoje Raswedywatelnoje dienst Uprawlenije) Leitung: Generalleutnant Igor Sergun (bis Anfang Januar 2016) Generalleutnant Igor Korobov (seit 1. Februar 2016) Mitarbeiterzahl: ca. 12.000 Schwerpunkt des milit\u00e4rischen Auslandsnachrichtendienstes ist die Beschaffung von Informationen in den Bereichen Milit\u00e4r und Sicherheitspolitik. Zu den Zielobjekten z\u00e4hlen die Bundeswehr, die NATO und andere westliche Verteidigungsstrukturen sowie milit\u00e4risch nutzbare Technologien. 275","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN FSB Inlandsnachrichtendienst (Federalnaja Slushba Besopasnosti) Leitung: General Aleksandr Bortnikow Mitarbeiterzahl: ca. 350.000, davon mehr als 200.000 im Grenzschutzdienst Zu den Kernaufgaben des Inlandsnachrichtendienstes FSB geh\u00f6ren die Spionageabwehr, die Beobachtung des \"politischen Extremismus\" sowie die Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalit\u00e4t (OK). Zudem z\u00e4hlt der Schutz der russischen Industrie vor Wirtschaftsspionage und OK sowie ausl\u00e4ndischer Investoren vor Wirtschaftskriminalit\u00e4t sowie die Sicherung der Staatsgrenzen zu seinen Aufgaben. In Einzelf\u00e4llen betreibt der Inlandsnachrichtendienst Gegenspionage auch im Ausland. 2. Strukturen und Aufgaben chinesischer Nachrichtendienste MSS Ziviler Inund AuslandsnachMinistry of State Security richtendienst Leitung: Minister Geng Huichang Das MSS ist sowohl mit Abwehrals auch mit Spionageaktivit\u00e4ten betraut. Innerhalb Chinas ist es f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Gefahren f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung zust\u00e4ndig und in diesem Bereich auch mit Polizeibefugnissen ausgestattet. In Fragen der nationalen Sicherheit nimmt das MSS eine zentrale Rolle unter den chinesischen Diensten ein. In Deutschland bem\u00fcht es sich nachhaltig um Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und sp\u00e4ht aktive oppositionelle chinesische Gruppierungen aus. 276","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN 2PLA73 Milit\u00e4rischer Inund Military Intelligence Auslandsnachrichtendienst Department Leitung: Generalmajor Chen Youyi Der milit\u00e4rische Inund Auslandsnachrichtendienst 2PLA geh\u00f6rt zur Volksbefreiungsarmee und ist weltweit offensiv t\u00e4tig. Er entsendet Milit\u00e4rattaches und unterh\u00e4lt Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften. Der Dienst ist f\u00fcr die Beschaffung von Informationen zust\u00e4ndig, die die \u00e4u\u00dfere Sicherheit der Volksrepublik betreffen. Hierzu geh\u00f6ren unter anderem Struktur, St\u00e4rke und Ausr\u00fcstung fremder Streitkr\u00e4fte. Spionageziele sind aber auch Politik, Wissenschaft und Technik anderer Staaten. Auch die Bek\u00e4mpfung regimekritischer Bestrebungen innerhalb und au\u00dferhalb Chinas geh\u00f6rt - im Rahmen des Generalauftrags der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) - zu den Aufgaben des Dienstes. 2PLA ist dem Central Military Commission Joint Staff Department unterstellt. 3PLA Milit\u00e4rischer technischer Dienst Technische Aufkl\u00e4rung Leitung/Vorsitz: Generalmajor Meng Xuezheng 3PLA ist zust\u00e4ndig f\u00fcr technische Spionage, weltweite Fernmeldeaufkl\u00e4rung und Cyberspionage. Dar\u00fcber hinaus ist der Nachrichtendienst f\u00fcr Telekommunikations\u00fcberwachung und IT-Sicherheit im Milit\u00e4rbereich zust\u00e4ndig. 73 PLA = People's Liberation Army (Volksbefreiungsarmee). 277","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN MPS Polizeiministerium Ministry of Public Security Ministerium f\u00fcr \u00f6ffentliche Sicherheit Leitung/Vorsitz: Minister Guo Shengkun Das chinesische Polizeiministerium MPS ist f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung zust\u00e4ndig. Hierzu unterstehen ihm zum Beispiel die Ordnungsund Kriminalpolizei. Ferner verf\u00fcgt das MPS \u00fcber nachrichtendienstliche Spezialeinheiten mit einem \u00e4hnlichen Aufgabenspektrum wie das MSS. So sammelt das MPS sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb Chinas Informationen \u00fcber solche Bev\u00f6lkerungsgruppen, die aus Sicht der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) als staatsgef\u00e4hrdend eingestuft werden. \u00dcberdies kontrolliert und zensiert das MPS die Medien und den Internetverkehr. B\u00fcro 610 Institution der KPCh Leitung/Vorsitz: Vizeminister Liu Jinguo Das B\u00fcro 610, das dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) untersteht, ist sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb Chinas aktiv. Hauptaufgabe dieses Nachrichtendienstes ist die Beobachtung und Verfolgung der regimekritischen Meditationsbewegung Falun Gong. Obwohl der Dienst ein Parteiorgan ist, arbeiten ihm die Verwaltungs-, Justizund Polizeibeh\u00f6rden des Staates zu. 278","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN 3. Strukturen und Aufgaben iranischer Nachrichtendienste VAJA/MOIS Ziviler Inund (Ministry of Intelligence)74 Auslandsnachrichtendienst Leitung/Vorsitz: Minister Mahmud Alawi Der zivile Nachrichtendienst VAJA (vormals VEVAK75, oftmals auch MOIS abgek\u00fcrzt) wurde 1984 als Nachfolger verschiedener unter dem revolution\u00e4ren Regime im Iran entstandener Nachrichtendienstorganisationen gegr\u00fcndet. VAJA/MOIS ist wegen seiner Organisationsgr\u00f6\u00dfe und Bedeutung f\u00fcr den Machterhalt des Regimes eines der m\u00e4chtigsten Ministerien der iranischen Regierung. In seiner Funktion als Minister hat der Leiter des VAJA/ MOIS einen Sitz im iranischen Kabinett. Schwerpunktaufgabe ist die Aussp\u00e4hung und Bek\u00e4mpfung oppositioneller Bewegungen im Inund Ausland. Dar\u00fcber hinaus werden im westlichen Ausland Informationen aus den Bereichen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Wissenschaft beschafft. RGID Milit\u00e4rischer Inund (Revolutionary Guards Auslandsnachrichtendienst Intelligence Department)76 Der Nachrichtendienst der iranischen Revolutionsgarden RGID ist sowohl f\u00fcr Spionage im Ausland als auch f\u00fcr Abwehraufgaben im Inland zust\u00e4ndig. 74 In Farsi: Vezarat e Ettela'at-e Jomhouri-ye Eslami-ye Iran - VAJA. 75 Vezarat e Ettela'at Va Amniat e Keshsvar - VEVAK, w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt: Ministerium f\u00fcr Information und Sicherheit. 76 In Farsi: Sepah Pasdaran. 279","280","\"Scientology-Organisation\" (SO) 281","\"Scientology-Organisation\" (SO) Die Expansionsbestrebungen der 1954 in den USA gegr\u00fcndeten \"Scientology-Organisation\" (SO) bestehen im 45. Jahr ihrer Aktivit\u00e4ten in Deutschland weiter fort, blieben aber auch im Jahr 2015 weitgehend erfolglos. Die Mitgliederzahl liegt - wie bereits 2014 - derzeit zwischen 3.000 und 4.000 Mitgliedern. Weiterhin haben lediglich die beiden Niederlassungen in Berlin und Hamburg den Status einer \"Idealen Org\"77. Ideologie Die SO h\u00e4lt an ihrer ideologischen Grundorientierung und Strategie sowie den bekannten Agitationsschwerpunkten fest und orientiert sich weiterhin an den Schriften des 1986 verstorbenen Gr\u00fcnders L. Ron Hubbard. Die scientologischen Vorstellungen versto\u00dfen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, indem sie wesentliche Grundund Menschenrechte, wie zum Beispiel die Menschenw\u00fcrde, das Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit oder das Recht auf Gleichbehandlung, einschr\u00e4nken. Ebenso widersprechen sie den Grundelementen des demokratischen Rechtsstaats, wie der Gewaltenteilung, Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte. F\u00fcr die Verbreitung der SO-Ideologie sowie zur Imagepflege und Mitgliederwerbung nutzt die Organisation zunehmend Internetdienste und soziale Netzwerke wie Twitter, YouTube und Facebook. Kampagnen Einige Kampagnen der SO laufen \u00fcber Teilund Nebenorganisationen, deren Zugeh\u00f6rigkeit zur SO in vielen F\u00e4llen f\u00fcr den Adressaten nicht unmittelbar ersichtlich ist. Sie konzentrieren sich bewusst auf Themenfelder, denen die Gesellschaft positiv gegen\u00fcbersteht. Dadurch sollen Vorbehalte gegen\u00fcber der SO abgebaut und schlie\u00dflich neue Interessenten gewonnen werden. Ein Beispiel hierf\u00fcr sind Aktivit\u00e4ten im Bereich der Drogenund Suchtpr\u00e4vention, wie sie durch den Verein \"Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben\" durchgef\u00fchrt werden. So organisierte der Verein eine Werbetour (\"Drogenpr\u00e4ventionstour\") mit Informationsst\u00e4nden vom 20. bis 27. Juni 2015 von M\u00fcnchen (Bayern) nach Berlin. Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagnenstrategie 77 Unter einer \"Idealen Org\" versteht die SO eine besonders gro\u00dfe und repr\u00e4sentative Niederlassung in f\u00fcr sie politisch und wirtschaftlich bedeutenden St\u00e4dten. 282","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) ist das Angebot insbesondere an Schulen, Informationsmaterial zur Verf\u00fcgung zu stellen oder sogar Referenten f\u00fcr Vortr\u00e4ge zu vermitteln - in einigen F\u00e4llen mit Erfolg, so beispielsweise in Sachsen. In \u00e4hnlicher Art und Weise agiert auch die SO-Teilorganisation \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\". Diese versucht ebenfalls, mit jugendaffin gestalteten Brosch\u00fcren (\"Was sind Menschenrechte? - Nur wer seine Rechte kennt, kann sie auch sch\u00fctzen\") und Internetpr\u00e4senzen Kinder und Jugendliche f\u00fcr die SO zu gewinnen. Die \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM), die der SO zuzurechnen ist, trat auch 2015 wieder mit Kampagnen zur Diffamierung von Psychologen und Psychiatern in Erscheinung. Die KVPM lehnt Psychiatrie als Wissenschaft und Psychotherapie mit der Begr\u00fcndung ab, diese seien sch\u00e4dlich f\u00fcr den Patienten und dienten als Mittel zur Unterdr\u00fcckung. Die SO bietet als L\u00f6sung die eigene \"Dianetik\" an, mit der \"negative Auswirkungen\" auf die Seele geheilt werden k\u00f6nnten. Besonders \u00f6ffentlichkeitswirksam trat die KVPM mit einer auch in Deutschland beworbenen Kundgebung am 28. M\u00e4rz 2015 im \u00f6sterreichischen Wien auf, indem sie dort gegen einen Jahreskongress der Europ\u00e4ischen Vereinigung f\u00fcr Psychiatrie demonstrierte. Auch schreibt die Organisation nach wie vor Beh\u00f6rden und deren Mitarbeiter sowie Abgeordnete an, um diese \u00fcber die KVPM selbst sowie \u00fcber \"Fakten \u00fcber die Psychiatrie\" zu informieren. 283","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) \"Scientology-Organisation\" (SO) Gr\u00fcndung: 1954 in den USA 1970 erste Niederlassung in Deutschland Sitz: Los Angeles (USA) (\"Church of Scientology International\", CSI), M\u00fcnchen (Bayern) (\"Scientology Kirche Deutschland e.V.\", SKD) Leitung/Vorsitz: USA: David Miscavige Deutschland: Helmuth Bl\u00f6baum Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 - 4.000 (2014: 3.000 - 4.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: (Auswahl) \"Impact\", \"International Scientology News\", \"The Auditor\", \"Source\", \"Freewinds\" 284","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) Teil-/Nebenorganisationen: neun \"Kirchen\" in Deutschland, (Auswahl) darunter zwei \"Celebrity Centres\", \"Office of Special Affairs\" (OSA), \"International Association of Scientologists\" (IAS), \"World Institute of Scientology Enterprises\" (WISE), \"Association for Better Living & Education\" (ABLE), \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM), \"Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben\", \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\" Nach wie vor sind die Schriften des Organisationsgr\u00fcnders L. Ron Hubbard (1911-1986) richtungweisend. In ihnen wird deutlich, dass in einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen wesentliche Grundund Menschenrechte, wie beispielsweise die Menschenw\u00fcrde und das Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, ebenso wenig gew\u00e4hrleistet sind wie das Recht auf Gleichbehandlung. 285","286","Anhang 287","VERBOTSMASSNAHMEN \u00dcbersicht \u00fcber Verbotsma\u00dfnahmen des BMI gegen extremistische Bestrebungen im Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 2015 (Soweit nicht anders gekennzeichnet, sind die Verbote unanfechtbar) Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Nationalistische Front\" (NF) 26.11.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Deutsche Alternative\" (DA) 08.12.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Nationale Offensive\" (NO) 21.12.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Arbeiterpartei Kurdistans\" 22.11.1993 Strafgesetzwidrigkeit, AE (PKK)/ \"Nationale BefreiGef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit ungsfront Kurdistans\" und \u00f6ffentlichen Ordnung sowie (ERNK) und Teilorganisationen, au\u00dfenpolitischer Belange \"F\u00f6rderation der patriotiDeutschlands schen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V.\" (FEYKA-Kurdistan), \"Kurdistan-Komitee e.V.\" \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) 10.11.1994 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Kurdistan Informations20.02.1995 Ersatzorganisation des rechtskr\u00e4ftig AE b\u00fcro\" (KIB) alias verbotenen \"Kurdistan Komitee e. V.\" \"Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland\" RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 288","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Freiheitliche Deutsche 22.02.1995 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Arbeiterpartei\" (FAP) m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Revolution\u00e4re 06.08.1998 Strafgesetzwidrigkeit und Gef\u00e4hrAE Volksbefreiungspartei-Front\" dung der inneren Sicherheit (DHKP-C) Ersatzorganisation der am 9. Februar 1983 rechtskr\u00e4ftig verbotenen \"Revolution\u00e4ren Linke\" (Devrimci Sol) T\u00fcrkische Volksbefreiungs06.08.1998 Strafgesetzwidrigkeit und Gef\u00e4hrAE partei/-Front\" (THKP/-C) dung der inneren Sicherheit \"Blood & Honour\" (B&H) mit 12.09.2000 Vereinszweck gegen die verfassungsRE \"White Youth\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Kalifatsstaat\" 08.12.2001 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT und 35 Teilorganisationen 14.12.2001 m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet 13.05.2002 16.09.2002 Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Propagierung von Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele \"al-Aqsa e.V.\" 31.07.2002 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (finanzielle Unterst\u00fctzung der HAMAS und ihrer sogenannten Sozialvereine) RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 289","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 10.01.2003 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Bef\u00fcrwortung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange \"Yeni Akit GmbH\" 22.02.2005 Leugnung und Verharmlosung des ISiT Verlegerin der Holocaust in volksverhetzender Europa-Ausgabe der t\u00fcrWeise kischsprachigen Tageszeitung \"Anadoluda Vakit\" Verbreitung antisemitischer/ antiwestlicher Propaganda \"Bremer Hilfswerk e.V.\"78 SelbstaufISiT l\u00f6sung mit Wirkung vom 18.01.2005; L\u00f6schung im Vereinsregister am 29.06.2005 \"YATIM-Kinderhilfe e.V.\" 30.08.2005 Nachfolgeorganisation des rechtsISiT kr\u00e4ftig verbotenen \"al-Aqsa e.V.\" \"Collegium 18.04.2008 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Humanum\" (CH) m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet mit \"Bauernhilfe e. V.\" Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze 78 Das BMI hatte am 3. Dezember 2004 ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren mit dem Ziel eines Verbots gegen das \"Bremer Hilfswerk e.V.\" eingeleitet. Der Verein ist dem Verbot durch Selbstaufl\u00f6sung zuvorgekommen. RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 290","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Verein zur Rehabilitierung 18.04.2008 Vereinszweck gegen die verfassungsRE der wegen Bestreitens des m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Holocaust Verfolgten\" (VRBHV) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze \"Mesopotamia Broadcast 13.06.2008 Versto\u00df gegen den Gedanken der AE A/S\", V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Roj TV A/S\" \"VIKO Fernseh 13.06.2008 Teilorganisation von Produktion GmbH\" \"Roj TV A/S\" \"al-Manar TV\" 29.10.2008 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Heimattreue Deutsche 09.03.2009 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Jugend - Bund zum Schutz m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet f\u00fcr Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.\" (HDJ) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze Ideologische Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen mit nationalsozialistischem Gedankengut \"Internationale Humanit\u00e4re 23.06.2010 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT Hilfsorganisation e.V.\" (IHH) V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Hilfsorganisation f\u00fcr natio30.08.2011 Vereinszweck gegen die verfassungsRE nale politische Gefangene m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 291","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Millatu Ibrahim\" 29.05.2012 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Dawa FFM\" einschlie\u00dflich 25.02.2013 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT der Teilorganisation \"Interm\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet nationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V.\" Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"an-Nussrah\" 25.02.2013 Teilorganisation des rechtskr\u00e4ftig ISiT verbotenen Vereins \"Millatu Ibrahim\" \"DawaTeam 25.02.2013 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT Islamische Audios\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Waisenkinderprojekt 02.04.2014 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT Libanon e.V.\" (WKP) V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Umbenennung in \"Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V.\" am 16.10.2014) \"Islamischer Staat\" (IS) alias 12.09.2014 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT \"Islamischer Staat im Irak\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet alias \"Islamischer Staat im Irak und in Gro\u00df-Syrien\" Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 292","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Tauhid Germany\" (TG) 26.02.2015 Ersatzorganisation des rechtskr\u00e4ftig ISiT verbotenen Vereins \"Millatu Ibrahim\" RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 293","REGISTER Register Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu (AD\u00dcTDF - F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen A Idealistenvereine in Deutschland e.V.) .... 226 Adil D\u00fczen (Gerechte Ordnung) ................ 203 al-Nur-Moschee ................................................ 178 AG Nordheide (Internetportal) .....................68 al-Qaida .............150, 152, 155 f., 167 ff., 185 ff. Agent ....................................................... 258 ff., 271 al-Qaida auf dem indischen Subkontinent (AQIS) .................................................. 155, 167, 191 Ain al-Arab (arabische Bezeichnung; kurdisch: Kobane) ............................................. 209 al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH) ................................................ 155, 169, 188 Aktionsb\u00fcndnis Stop G7 ............................... 112 al-Qaida im Irak ................................................ 186 Aktionsfelder ............ 43, 97 f., 125, 129, 133 ff. 139 ff., 143, 146 al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM) ............................................................155, 187 al-Ahd - al-Intiqad ........................................... 192 al-Qaida im Jemen (AQJ) ............................... 188 al-Anisi, Nasr ....................................................... 169 al-Quds-Tag ......................................................... 179 al-Aqsa e.V. ........................................ 182, 194, 289 al-Raimi, Qasim ................................................. 188 al-Assad, Baschar .................................................71 al-Rashta, Ata Abu (alias Abu Yasin) ......... 198 al-Baghdadi, Abu Bakr ...........................186, 196 al-Shabab ........................................155, 169 f., 189 al-Fadschr (Publikation) ................................ 202 Altermedia Deutschland al-Hayat Media Center (Internetportal) ..............................................60, 62 (Medienstelle) ............................................158, 186 Alternative f\u00fcr Deutschland (AfD) ..............98 al-Julani, Abu Muhammad ..................156, 190 al-Waie (Publikation) ...................................... 198 al-Kataib (Medienstelle) ........................170, 189 al-Wuhayshi, Nasir ........................................... 169 al-Khilafa (Publikation) ................................. 198 al-Zawahiri, Aiman ....................167 f., 185, 191 Alliance for Peace and Freedom (APF) ......71 Anadolu Federasyonu al-Malahem Media (Medienstelle) ............ 188 (Anatolische F\u00f6deration) ............................... 224 al-Manar TV (Fernsehsender) .............192, 291 Anarchisten ............................................................96 294","REGISTER Anatolische F\u00f6deration Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)/Nationale (Anadolu Federasyonu) ............210, 224, 234 f. Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) und Teilorganisationen ........................................... 288 Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin (ARAB) ........................................ 101, 128 f. Arbeitsgemeinschaft Cuba Si (Cuba Si) ... 142 Antifa AK, K\u00f6ln .................................................. 126 Armstroff, Klaus ............................................77, 87 Antifa NT, M\u00fcnchen ....................................126 f. Arranca! (Publikation) .................................... 124 Antifaschismus ...... 97 f., 111, 125 f., 133, 135, Assad-Regime ..................................................... 156 140, 144 f. as-Sahab (Medienstelle) ........................185, 191 Antigentrifizierung .......................................... 100 Association for Better Living & Education Antiimperialisten ............................................. 111 (ABLE) ..................................................................... 285 Antikapitalismus ............98 f., 111, 124 f., 133, Atilim (Der Vorsto\u00df, Publikation) ............. 238 143, 145 Atta, Mohammed .............................................. 178 Antikapitalistische Aktion Bonn (AKAB) .................................................................... 125 Ausbildungslager .............................................. 183 Antikapitalistische Linke (AKL) ........139, 143 Autonome ....... 95 f., 102 f., 105 f., 108 ff., 113, 116 Antikapitalistische Linke M\u00fcnchen (al[m]) ...................................................................... 130 autonome Organisierungsans\u00e4tze ........... 108 Antimilitarismus ...........97, 111, 113, 125, 133, Autonomiebestrebungen .....................101, 213 135, 139 f., 143, 145 f. AZADI e.V. Rechtshilfefonds f\u00fcr Kurdinnen Antirassismus ..................98, 140, 210, 224, 235 und Kurden in Deutschland (AZADI e.V.) .......................................................... 233 Antirepression .................................................... 100 AZADI infodienst (Publikation) ................. 233 Antisemitismus .............. 40, 82, 86 f., 150, 154, 176 ff., 226, 239 AZBIRU (Onlinemagazin) ............................. 190 antisoziale Stadtumstrukturierung ......... 100 B Apfel, Holger ..........................................................70 Babbar Khalsa (BK) ........................................... 243 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK - Partiya Babbar Khalsa Germany (BKG) .................. 244 Karkeren Kurdistan) ...............101, 129, 209 ff., 212 ff., 227 f., 230, 241, 288 Babbar Khalsa International (BKI) ........243 f. 295","REGISTER Badi, Muhammad ............................................. 199 B\u00fcro 610 (chinesischer Nachrichtendienst der KPCh) ............................................................. 278 Bahceli, Devlet ..........................................226, 240 Bamberger Gruppe .............................................48 C B\u00e4rgida ......................................................................66 Camia (Publikation) ......................................... 205 Basbug .................................................................... 240 Cayir, Nusret ....................................................... 204 Basisgruppe Antifaschismus, Bremen .... 126 Celebrity Centres .............................................. 285 Bayik, Cemil ...............................................212, 220 Charlie Hebdo ................................. 152, 169, 173 Beisicht, Markus ...................................................88 Chrysi Avgi (Goldene M\u00f6rgenr\u00f6te) ..............71 Benefizveranstaltungen ................................ 172 Church of Scientology International (CSI) ......................................................................... 284 Berxwedan Jiyan E - Widerstand ist Leben ...................................... 130 Ciwanen Azad (Freie Jugend; lang: Tevgera Ciwanen Azad a Kurdistane - Bewegung der Bin Ladin, Usama .....................................168, 185 freien Jugend Kurdistans) ...........214 f., 230 ff. Bizim Genclik Committee for a Worker's International (unsere Jugend, Publikation) ....................... 234 (CWI) ....................................................................... 139 Bl\u00f6baum, Helmuth .......................................... 284 Crew 38-Gruppierungen ..................................90 Blockupy ...................................94, 99, 105, 115 ff. critique'n'act, Dresden ................................... 126 Blockupy-Koordinierungskreis ................. 117 Cuba si revista (Publikation) ........................ 142 Bozkurtlar (Graue W\u00f6lfe) .............................. 226 D BraMM-PEGIDA ...................................................66 DABIQ (Onlinemagazin) ......................158, 186 Bulletin (Publikation) ..................................... 145 Demokratische Autonomie ......................... 209 B\u00fclten (Das Bulletin, Publikation) ............ 240 Demokratisches Gesellschaftszentrum der B\u00fcrgerbewegung pro K\u00f6ln e.V. .................45, 78 KurdInnen in Deutschland e.V. (NAV-DEM - Navenda Civaka Demokratik B\u00fcrgerbewegung pro NRW ya Kurden li Almanyaye) ............ 218, 220, 232 (pro NRW) ..........................................45, 65, 78, 88 Demokratische Konf\u00f6deration .................. 209 B\u00fcrgerwehr FTL/360 .........................................49 296","REGISTER Demokratischen Partei der V\u00f6lker Drewer, Christoph ...............................................75 (Halklarin Demokratik Partisi - HDP) .... 214 Droukdal, Abdalmalik (alias Abu Mus'ab Der Aktivist (Publikation) ................................83 Abdalwadud) ....................................................... 187 Der III. Weg ... 43 ff., 57, 59, 63, 76 f., 79 f., 87 f. DS-TV .................................................................71, 81 Destruktionsdynamik .......................................92 D\u00dcGIDA ...................................................................65 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) .........................................................111, 132 ff. E Deutsche Stimme (Publikation) .....71, 81, 85 Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu (EMB - Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro) .... 219 Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH (DS Verlag) ........................................................81, 85 Elektronische Angriffe ............... 247 ff., 272 ff. Deutsche Widerstands Bewegung Ende Gel\u00e4nde (Kampagne) ...103, 114, 121 ff. (DWB) .................................................................... 53 f. Engel, Stefan ....................................................... 135 Deutschlandvertretung der Saadet Partisi Entrismus ....................................................139, 146 (SP) ........................................................................... 204 Erbakan, Fatih .................................................... 204 Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi (DHKP-C - Revolution\u00e4re VolksbefreiungsErbakan, Necmettin ........................... 177, 203 f. partei-Front) ............. 209 ff., 221 ff., 234 f., 289 Erbakan-Stiftung .............................................. 204 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, Personenzusammenschluss) ..............234, 289 Erg\u00fcn, Kemal ...................................................... 205 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, Europ\u00e4ische Aktion (EA) .............58, 66, 76, 89 Publikation) ......................................................... 234 Europ\u00e4ische Zentralbank (EZB) ............93, 99, Dianetik ................................................................. 283 102 f., 105, 112 ff., 122 f., 125 DIE RECHTE ......... 43 ff., 48, 53, 59, 61, 63, 66, Europa ruft (Publikation) .................................89 74 ff., 79 f., 86 Europavertretung der DIE ROTE HILFE (Publikation) .................. 137 Erbakan-Stiftung .............................................. 204 Die Wahre Religion (DWR) .............. 153, 172 f. Expliciet (Publikation) .................................... 198 Dogru Haber (Publikation) ........................... 197 Dogruyol, Sent\u00fcrk ............................................ 240 297","REGISTER F F\u00fcnf Gifte ..........................................................257 f. Falah, Samir ......................................................... 200 Furat (Medienstelle) ......................................... 158 Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V. ..182 f., 192, 292 G Fast Forward, Hannover ................................ 126 G7-Gipfel ....... 94 f., 106, 112 ff., 118 ff., 122 f., Fernmeldeaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen ....... 272 125, 131 Fight G7 (Publikation) ................. 113, 119, 130 Gama'at al-Ikhwan al-Muslimin ............... 199 F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund G\u00e4rtner, Lisa ........................................................ 136 Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. Gef\u00e4hrdungspotenzial ... 68, 79 f., 122, 169 f., (FEYKA-Kurdistan) ........................................... 288 175 f., 225, 229, 247, 259, 262 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen GegenStandpunkt (Organisation) ............. 138 Idealistenvereine in Deutschland e.V. GegenStandpunkt (Publikation) ............... 138 (AD\u00dcTDF - Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu) ....210, 226 ff., Gemeinschaft der Jugend 239 f. (Komalen Ciwan) ......................................... 230 ff. F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan Deutschland e.V. (YEK-KOM - Yekitiya (KKK - Koma Komalen Kurdistan) ........... 230 Komalen Kurd Li Elmanya) .......................... 232 Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Franz, Frank .....................................................70, 81 Mission (TJ - Tablighi Jama'at) ..........155, 201 Freewinds ............................................................. 284 Geraer/Sozialistischer Dialog (GSoD) ..... 145 Freiheitsund Demokratiekongress Gerechte Ordnung (Adil D\u00fczen) ................ 203 Kurdistans (KADEK - Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane) ............................. 230 Geschichtsrevisionismus .................................40 Freir\u00e4ume ................................................ 100 f., 108 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik e.V. (GfP) ............................................................................60 Friedensmarsch ................................................. 215 Gesetz zur Verbesserung der Friedensprozess ........................................209, 213 Zusammenarbeit ............................................ 4, 16 Fr\u00fchwarnsystem .............................................. 15 f. Gewalt und Militanz ...........40 f., 46 ff., 102 ff. FSB Gewaltverherrlichung .................................... 224 (russischer Inlandsnachrichtendienst) ..... 276 Globalecho (Internetportal) ............................58 298","REGISTER Graue W\u00f6lfe (Bozkurtlar) .............................. 226 Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) ....................................................... 66 f., 75 Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat (GSPC) ........................................ 187 Hot Spots .............................................................. 103 Gruppe Arbeitermacht (GAM) .................... 128 Hubbard, L. Ron ........................................282, 285 GRU (russischer milit\u00e4rischer AuslandsHurseda (Onlinemagazin) ............................. 197 nachrichtendienst) ........................................... 275 Huseynisevda (Onlinemagazin) ................. 197 Guerilla ....... 209, 212 f., 215 f., 219, 227 f., 236 G\u00fcm\u00fcs, Edip ........................................................ 197 I G\u00fcndogdu (Publikation) ............................... 234 Ideale Org ............................................................. 282 Idealisten-Bewegung H (\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung) ...209, 215, 225 ff., 239 ff. Halk Icin Devrimci Demokrasi Illegale .................................................................... 271 (Revolution\u00e4re Demokratie f\u00fcr das Volk, Publikation) ......................................................... 237 Illegalenoperation ............................................ 256 Halklarin Demokratik Partisi (HDP - Imam Ali Moschee ........................................... 202 Demokratische Partei der V\u00f6lker) ............. 214 Impact (Publikation) ....................................... 284 Hammerskins ........................................................90 Infost\u00e4nde ............................................84, 172, 181 Harakat al-Muqawama al-Islamiya Ins Herz der Bestie! (Publikation) ............. 125 (HAMAS - Islamische Widerstandsbewegung) ..... 150, 154 f., 183, 193 f., 199, 289 INSPIRE (Onlinemagazin) ............................ 188 Hennig, Rigolf .......................................................89 International Association of Scientologists (IAS) ......................................................................... 285 Hilafet (Publikation) ........................................ 198 Internationale Humanit\u00e4re Hit-and-Run-Aktionen .................................. 232 Hilfsorganisation e.V. (IHH) ................182, 291 Hizb Allah (Partei Gottes) .......150, 154 f., 179, Internationales Bulletin (Publikation) ... 238 182 f., 192 f. Internationales Kurdisches Hizb ut-Tahrir (HuT - Partei der Kulturfestival ...................................................... 217 Befreiung) .......................................... 155, 198, 290 Internationale sozialistische Linke Home Dawa ......................................................... 173 (isL) .......................................................................... 128 299","REGISTER Internationalismus ..........................95, 136, 142 Islamische Zentren .......................................... 202 International Scientology News Islamistischer Terrorismus .......... 3, 21, 149 f., (Publikation) ....................................................... 284 156, 183 International Sikh Youth Federation Ismail Aga Cemaati (IAC) .............................. 204 (ISYF) ....................................................................... 244 ISTOK (Onlinemagazin) ................................ 186 Internetaktivit\u00e4ten .......................................... 219 Internet\u00fcberwachung .................................... 256 J Interventionistische Linke (IL) ........... 94, 102, Jabhat al-Nusra (JaN) .......................... 155 f., 190 109 ff., 113, 115, 119 ff. Jahresspendenkampagne .............................. 218 INZAR (Publikation) ........................................ 197 Jihad .............. 152, 156, 159, 162, 165, 170, 173, Islamfeindlichkeit ........................................64, 88 175 f., 181, 191 Islamische Audios ................................ 176 f., 292 Jihadisten/jihadistisch ...43, 150, 156 ff., 161, 163 ff., 168, 171 ff., 176, 179 f., 196 Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) ........................................................................ 168 Jihadistische Gruppierungen .............150, 154 Islamische Gemeinschaft in Jihadistischen Internetforen ....................... 180 Deutschland e.V. (IGD) ....................... 155, 199 f. Jugend f\u00fcr Menschenrechte Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (Youth for Human Rights) ...................283, 285 (IGMG) ....................................................... 154 f., 205 Junge Nationaldemokraten islamische Rechtsordnung (Scharia) ...158 f., (JN) ..................................................58, 63, 73, 81, 83 171, 190 f., 198 junge Welt (jW, Tageszeitung) ..................... 147 Islamischer Staat (IS) .....101 f., 150 ff., 164 ff., 168, 180, 182 ff., 186, 190, 196, 209, 212 f., 216, K 218, 220, 292 Kalifat ..........................152, 158 ff., 186, 191, 198 Islamischer Staat - Khorasan Provinz (ISKP) ...................................................................... 168 Kampagnenf\u00e4higkeit ...................................... 114 Islamisches Zentrum Hamburg e.V. Kaukasisches Emirat (KE) ..........................195 f. (IZH) ...............................................................155, 202 Kelhaamed (Publikation) .............................. 197 Islamische Widerstandsbewegung (Harakat al-Muqawama al-Islamiya - Kendi Dilinden Hizbullah HAMAS) ......... 150, 154 f., 183, 193 f., 199, 289 (Publikation) ....................................................... 197 300","REGISTER Kern-al-Qaida ....................155, 167 f., 185, 189 Kongra Gele Kurdistan (KONGRA GEL - Volkskongress Kurdistans) ........................... 230 Khalistan ............................................................243 f. Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane Khamenei, Ayatollah Seyyed Ali ................ 202 (KADEK - Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans) ....................................... 230 Khomeini, Ayatollah ....................................... 179 KONSTANTINIYYE (Onlinemagazin) ..... 186 Klandestine Gewalt ..........................54, 106, 113 Kontaktpersonen ........................... 255, 258, 270 Kobane (kurdische Bezeichnung; arabisch: Ain al-Arab) .........102, 135, 209, 217 Kontrolle ...............................................18, 259, 265 K\u00f6bele, Patrik ..................................................... 132 Konvertiten ......................................................... 162 Koc, Y\u00fcksel ........................................................... 232 Krien, Hartmut .....................................................84 K\u00d6GIDA ....................................................................65 Kritik&Praxis, Frankfurt am Main ............ 126 K\u00f6kl\u00fc Degisim (Publikation) ....................... 198 Kulturelle Autonomie ...........................212, 231 Koma Civaken Kurdistan (KCK - Union der Kurdistan ................................................. 101 f., 217 Gemeinschaften Kurdistans) .... 212, 220, 230 Kurdistan Informationsb\u00fcro (KIB) Koma Komalen Kurdistan (KKK - Gemeinalias Kurdistan Informationsb\u00fcro in schaft der Kommunen in Kurdistan) ...... 230 Deutschland ........................................................ 288 Komalen Ciwan Kurdistan-Komitee .......................................... 288 (Gemeinschaft der Jugend) ...................... 230 ff. Kurdistansolidarit\u00e4t ........................................ 101 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ..........................................................283, 285 L Kommunalpolitische Vereinigung der NPD Legalresidenturen ............255, 258 f., 261, 269 (KPV) ...................................................................81, 84 LEGIDA .....................................................................54 Kommunismus .. 109, 111, 125, 129, 140, 144 Leninisten .................................. 96, 111, 211, 236 Kommunistische Partei Chinas LevelUP, T\u00fcbingen ........................................... 126 (KPCh) ....................................................... 247, 277 f. Liberation Tigers of Tamil Eelam Kommunistische Plattform der Partei (LTTE) ............................................................211, 242 DIE LINKE (KPF) ............................................... 140 LIES! .................................... 153 f., 172 f., 176, 214 Konfrontative Gewalt .....................54, 104, 106 301","REGISTER Linke Aktion Villingen-Schwenningen ... 130 Mash'al, Khalid ................................................... 194 Linke Presse VerlagsF\u00f6rderungsMassenmilitanz ................................................. 104 und Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G. .................................................... 147 Merkel, Angela ......................................................59 linksunten.indymedia Mesopotamia Broadcast A/S ....................... 291 (Internetplattform) .........94, 98 ff., 104, 106 f., Militanz ..............40 f., 46, 55, 59, 69, 73, 93, 98, 111, 117 f. 102 f., 105 f., 108 f., 113, 117, 209 f., 224 M Millatu Ibrahim (MI) .......................... 181, 292 f. Magida 2.0 ...............................................................66 Milli Gazete (Publikation) .......154, 177 f., 205 Mansur, Akthar .................................................. 168 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ............150, 154 f., 177, 203 ff. Maoistische Kommunistische Partei (MKP - Maoist Kom\u00fcnist Partisi) ...........236 f. Milli G\u00f6r\u00fcs (Nationale Sicht) ....................... 203 M\u00e4rtyrer ..........................................210, 221 f., 238 Milliyetci Hareket Partisi (MHP - Partei der Nationalistischen Bewegung) ........ 226 f., 240 M\u00e4rtyrergedenken ..................................221, 224 Ministry of Intelligence (VAJA, zumeist marx21 (Publikation) ...................................... 146 abgek\u00fcrzt MOIS, vormals VEVAK, iranischer ziviler Inund Auslandsmarx21 (trotzkistisches Netzwerk) ........... 146 nachrichtendienst) .............................. 261 f., 279 Marx Is Muss ....................................................... 146 Ministry of Public Security (MPS, chinesisches Polizeiministerium) ............. 278 Marxisten ................................... 96, 111, 211, 236 Ministry of State Security (MSS, Marxistische Bl\u00e4tter (Publikation) ............ 132 chinesischer ziviler Inund Marxistische Leninistische Kommunistische Auslandsnachrichtendienst) ..............276, 278 Partei (MLKP - Marksist Leninist Kom\u00fcnist Miscavige, David ............................................... 284 Parti) .................................................... 102, 211, 238 Mission der Afrikanischen Union in Marxistische Linke e.V. ................................... 133 Somalia (AMISOM) .......................................... 169 Marxistisches Forum (MF) ............................ 144 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform (Publikation) .................................. 140 Marxistisches Forum (Publikation) .......... 144 Marxistisch-Leninistische Partei mole (englisch: Maulwurf; Publikation) ... 126 Deutschlands (MLPD) ...............102, 111, 135 f. Moqawama.org (Internetseite) ................... 192 302","REGISTER Muslimbruderschaft (MB) ............... 155, 199 f. Newroz .................................................................. 217 Muslimische Jugend in Deutschland e.V. Newsletter ..................................................... 20, 268 (MJD) ....................................................................... 200 no-name-Militanz ............................................ 106 MVGIDA ............................................................66, 72 Non-Professionals ............................................ 258 N Nordkaukasische Separatistenbewegung (NKSB) ...........................................................155, 195 Nasrallah, Hassan ............................................. 192 Nationaldemokratische Partei Deutschlands O (NPD) ........... 43 ff., 51, 58, 60 f., 63, 66 f., 70 ff., 79, 81 ff., 106 Objektbezogene Gewalt ........................104, 106 Nationaldemokratischer Hochschulbund \u00d6calan, Abdulllah .............212, 217, 230 f., 241 (NHB) .........................................................................60 Office of Special Affairs (OSA) .................... 285 Nationales Cyber-Abwehrzentrum Oldschool Society (OSS) ................. 42, 47 f., 55 (Cyber-AZ) .........................................................248 f. Omar, Mullah ..................................................... 167 Nationale Sicht (Milli G\u00f6r\u00fcs) ....................... 203 Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK - National Journal ...................................................60 Dogu Anadolu B\u00f6lge Komitesi) .................. 237 National Security Agency (NSA, US-ameri\u00d6zg\u00fcr Gelecek (Publikation) ....................... 237 kanischer milit\u00e4rischer technischer Nachrichtendienst) ..................................................... 263 P Nationalsozialismus ......................... 82, 86 f., 90 PALESTINE (Onlinemagazin) ..................... 188 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) ...................................................................16, 47 Partei der Nationalistischen Bewegung (Milliyetci Hareket Partisi, MHP) ...226 f., 240 Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye (NAV-DEM - Demokratisches Parteiverbotsverfahren .....................................73 Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.) ............................ 218, 220, 232 Partinin Sesi (Stimme der Partei, Publikation) ......................................................... 238 Neonazis ...................................42 f., 45, 63, 67, 86 Partiya Karkeren Kurdistan (PKK - ArbeiterNeue antikapitalistische Organisation partei Kurdistans) ...101 f., 129, 209 ff., 227 f., (NaO) ..........................................94, 101, 112, 128 f. 230 ff., 241, 288 Neue Gemeinschaft von Philosophen .......59 Partizan-Fl\u00fcgel ...............................................236 f. 303","REGISTER Past\u00f6rs, Udo ............................................................70 Reichsbewegung im Kulturkampf (Internetportal) .....................................................59 PEGIDA .........................................................54, 64 ff. Reideologisierung ............................................ 109 PEGIDA Franken ..................................................66 Reker, Henriette ...................................................49 Personenbezogene Gewalt ........................... 104 Resurgence (Onlinemagazin) ...................... 185 Perspektif (Publikation) ................................. 205 Revolution\u00e4re Aktion Stuttgart (RAS) .... 130 Perspektive Kommunismus (PK) ...94, 112 f., 119 f., 130 f. Revolution\u00e4re Gewalt .....................92, 103, 110 Position (Publikation) ..................................... 134 Revolution\u00e4re Perspektive Berlin (RPB) ....................................................................... 130 Postautonome .................................................... 110 Revolution\u00e4rer Weg (Publikation) ............ 135 Projekt Revolution\u00e4re Perspektive Hamburg (PRP HH) ............................................................... 130 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C - Devrimci Halk Kurtulus Proliferation ...............................................264, 275 Partisi-Cephesi) ...... 209 ff., 221 ff., 234 f., 289 Propaganda ...48, 55, 61 f., 98, 152, 157 ff., 165, Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund 168, 170, 176, 178 ff., 186, 194, 217, 255, 290 (RSB) ........................................................................ 128 Prophet Muhammad ...................................... 171 Revolutionary Guards Intelligence Department (RGID, Nachrichtendienst Publikationsverbot .......................................... 224 der iranischen Revolutionsgarde) ............. 279 REVOLUTION (REVO) ....................... 128, 222 f. R Richter, Sebastian ................................................83 Ramezani, Reza .................................................. 202 Riefling, Ricarda ...................................................84 realistisch und radikal (Publikation) ....... 141 Ring Nationaler Frauen (RNF) ................81, 84 REBELL (Jugendverband) ..........................135 f. Risalat al-Ikhwan (Publikation) ................. 199 REBELL (Publikation) ..................................... 136 Rodermund, Paul .............................................. 134 Rechtsextremistische Musik ..........................51 Rojava (Westkurdistan) ............101 f., 129, 209 Rechtsextremistischer Terrorismus/ Rechtsterrorismus ........................................42, 47 Roj TV A/S ............................................................ 291 redical [m], G\u00f6ttingen ..................................... 126 Rote Aktion K\u00f6ln/Berlin ............................... 125 304","REGISTER Rote Aktion Mannheim (RAM) .................. 130 Scientology-Organisation (SO) ............. 281 ff. Rote Antifa [NRW] ............................................ 125 Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit, Publikation) ................... 230 Rote Fahne (Publikation) .............................. 135 Shahid-Stiftung ................................................. 182 Rote Flora ............................................................. 101 Sikh Federation Germany (SFG) ................ 244 Rote Hilfe e.V. (RH) ........................ 100, 137, 233 Sikh Federation International Germany R\u00fcckkehrer .................................................152, 163 (SFIG) ...................................................................... 244 Solidarit\u00e4t (Publikation) ................................ 139 S Source .................................................................... 284 Saadet Partisi (SP) ............................................. 204 Sozialismus .............. 87, 112, 129, 135 f., 144 f., Saad, Maulana Ibrahim .................................. 201 221 f., 238 Sada al-Malahem (Onlinemagazin) .......... 188 sozialismus.info (Publikation) .................... 139 Sag NEIN zu Drogen - Sozialistische Alternative (SAV) ........139, 143 Sag JA zum Leben ....................................282, 285 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Salafismus .......................150, 153, 170 ff., 175 f. (SDAJ) .............................................................132, 134 Salafisten/salafistisch ......43, 48, 66, 69, 150 f., Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 153, 171 ff., 178, 181, 196, 211, 214 (SED) ...............................................................133, 144 Salafistische Prediger ....................... 173 ff., 178 Sozialistische Linke (SL) ........................141, 146 SALAM! Zeitschrift f\u00fcr junge Muslime Sterka Ciwan (Stern der Jugend, (Publikation) ....................................................... 202 Publikation) ......................................................231 f. Schadsoftware ............................248, 250 ff., 274 Sterk TV (Fernsehsender) .............................. 230 Scharia (islamische Rechtsordnung) ...158 f., Stop G7 (Aktionsb\u00fcndnis) ...................112, 120 171, 190 f., 198 Stra\u00dfenkrawalle ................................................ 105 Schiiten/schiitisch ...............152, 179, 193, 202 Strategiedebatte ................................................ 107 Sch\u00f6lzel, Arnold ................................................ 147 Strukturdaten ............. 14, 19, 81, 124, 185, 230 Schreiber, Peter .....................................................85 Subkulturell gepr\u00e4gte Scientology Kirche Deutschland e.V. Rechtsextremisten ..............................................45 (SKD) ....................................................................... 284 305","REGISTER Sunnitisch ...................................................197, 199 T\u00fcrkischen Kommunistischen Arbeiterbewegung (TKIH - T\u00fcrk Kom\u00fcnist Susaningulleri (Onlinemagazin) ................ 197 Isci Hareketi) ....................................................... 238 SWR (russischer ziviler T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-Front Auslandsnachrichtendienst) ....................... 275 (THKP/-C) ............................................................ 289 T U Tablighi Jama'at (TJ - Gemeinschaft der \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Idealisten-Bewegung) Verk\u00fcndigung und Mission) ..............155, 201 ......................................209, 215, 225 ff., 229, 239 ff. Taleban ...............................................................167 f. \u00dclk\u00fcc\u00fc-Jugendbewegung ....................239, 241 Tauhid Germany (TG) ........................ 181 f., 293 Umar, Ahmad (alias Abu Ubaidah) ........... 189 Tavir (Haltung, Publikation) ........................ 234 Umar, Asim .......................................................... 191 The Auditor ......................................................... 284 Umarov, Dokku ................................................. 195 the future is unwritten, Leipzig ................. 126 Umma .................................................................... 198 Theorie21 (Publikation) ................................. 146 ums Ganze! - Kommunistisches B\u00fcndnis .............................. 94, 109, 115 ff., 126 f. Theorie. Organisation. Praxis (TOP B3rlin) ......................................................... 126 Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK - Koma Civaken Kurdistan) ...212, 220, TH\u00dcGIDA .............................................. 66, 72 f., 76 230 TKP/ML-Hareketi (Bewegung) ................... 238 Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe (UIG) ... 189 Tschetschenische Republik Itschkeria unsere zeit (uz, Publikation) ........................ 132 (CRI) ......................................................................195 f. Urbanes Ph\u00e4nomen ......................................... 103 Turan .............................................................225, 239 Ustaosmanoglu, Mahmud ............................ 204 T\u00fcrkische Hizbullah (TH) ....................155, 197 Uzuncelebi, Halit .............................................. 235 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Marxisten-Leninisten (TKP/ML - T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist) ...... 211, V 236 Verband anatolischer t\u00fcrkische Nationalisten ................................. 240 Volkskulturvereine e.V. .................................. 235 306","REGISTER Verdeckte Informationsbeschaffung ..... 258, Worch, Christian ....................................... 75 f., 86 270 World Institute of Scientology Enterprises Vereinigung der neuen Weltsicht in (WISE) ..................................................................... 285 Europa e.V. (AMGT) .......................................... 205 Wortergreifungsstrategie .................................73 Verlag 8. Mai GmbH ........................................ 147 Vier-S\u00e4ulen-Strategie ........................................82 Y VIKO Fernseh Produktion GmbH ............ 291 YATIM-Kinderhilfe e.V. .........................194, 290 V-Leute .....................................................................17 Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya (YEK-KOM - F\u00f6deration Kurdischer Voigt, Udo ................................................................71 Vereine in Deutschland e.V.) ........................ 232 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL - Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika (Y\u00d6P - Neue Freie Kongra Gele Kurdistan) ................................. 230 Politik, Tageszeitung) ...................................... 230 Volksverteidigungseinheiten ( YPG - Y\u00fcr\u00fcy\u00fcS (Marsch, Publikation) ...... 224 f., 234 Yekineyen Parastina Gel) ................. 101 f., 129 Volksmodjahedin Iran-Organisation Z (MEK) ...................................................................261 f. Zakaev, Ahmed .................................................. 195 W Zeitung zum Revolution\u00e4ren 1. Mai 2015 ........................................................... 130 Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) .................................................. 182, 192, 292 Zwischenstandspapier ..........................109, 124 Wanderausstellungen ........................................20 Wechselwirkungen ............43, 69, 93, 176, 210 2PLA (chinesischer milit\u00e4rischer Inund Auslandsnachrichtendienst) .............. 277 Wehrhafte Demokratie ................................. 13 f. [3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis ..........94, 111 f., Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew (WWT) .................48 119, 125 Wirtschaftsschutz ..........................................267 f. 3PLA (chinesischer milit\u00e4rischer technischer Nachrichtendienst) ................ 277 Wirtschaftsspionage ...........258, 267, 269, 276 Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro (EMB - Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu) ........ 219 Wolfsgru\u00df .............................................. 226 ff., 241 307","REGISTERANHANG Registeranhang zum Verfassungsschutzbericht 2015 In diesem Registeranhang sind die im vorliegenden Verfassungsschutzbericht genannten Gruppierungen aufgef\u00fchrt, bei denen die vorliegenden tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte in ihrer Gesamtschau zu der Bewertung gef\u00fchrt haben, dass die Gruppierung verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, es sich mithin um eine extremistische Gruppierung handelt. Gruppierungen Seitenzahl A al-Aqsa e.V. 182, 194, 289 al-Manar TV (Fernsehsender) 192, 291 Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk 226 Dernekleri Federasyonu (AD\u00dcTDF - F\u00f6deration der T\u00fcrkischDemokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.) al-Qaida 150, 152, 155 f., 167 ff., 185 ff. al-Qaida auf dem indischen Subkontinent (AQIS) 155, 167, 191 al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH) 155, 169, 188 al-Qaida im Irak 186 al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM) 155, 187 al-Qaida im Jemen (AQJ) 188 al-Shabab 155, 169 f., 189 Anadolu Federasyonu (Anatolische F\u00f6deration) 210, 224, 234 f. Anatolische F\u00f6deration (Anadolu Federasyonu) 210, 224, 234 f. an-Nussrah 292 Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin (ARAB) 101, 128 f. Antifa AK K\u00f6ln 126 Antifa NT, M\u00fcnchen 126 f. Antikapitalistische Aktion Bonn (AKAB) 125 Antikapitalistische Linke (AKL) 139, 143 Antikapitalistische Linke M\u00fcnchen (al[m]) 130 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK - Partiya Karkeren Kurdistan) 101 f., 129, 209 ff., 212 ff., 227 f., 230 ff., 241, 288 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK)/Nationale Befreiungsfront 288 Kurdistans (ERNK) und Teilorganisationen Arbeitsgemeinschaft Cuba Si (Cuba Si) 142 Association for Better Living & Education (ABLE) 285 AZADI e.V. Rechtshilfefonds f\u00fcr Kurdinnen und Kurden in 233 Deutschland (AZADI e.V.) 308","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl B Babbar Khalsa Germany (BKG) 244 Babbar Khalsa International (BKI) 243 f. Basisgruppe Antifaschismus, Bremen 126 Bauernhilfe e.V. 290 Blood & Honour (B&H) 289 Bremer Hilfswerk e.V. 290 Berxwedan Jiyan E - Widerstand ist Leben 130 B\u00fcrgerbewegung pro K\u00f6ln e.V 45, 78 B\u00fcrgerbewegung pro NRW (pro NRW) 45, 65, 78, 88 B\u00fcrgerwehr FTL/360 49 C Church of Scientology International (CSI) 284 Ciwanen Azad (Freie Jugend; lang: Tevgera Ciwanen Azad a 214 f., 230 ff. Kurdistane - Bewegung der freien Jugend Kurdistans) Collegium Humanum (CH) 290 Committee for a Worker's International (CWI) 139 critique'n'act, Dresden 126 D DawaFFM 292 Dawa Team Islamische Audios 292 Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in 218, 220, 232 Deutschland e.V. (NAV-DEM) Der III. Weg 43 ff., 57, 59, 63, 76 f., 79 f., 87 f. Deutsche Alternative (DA) 288 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 111, 132 ff. Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH (DS Verlag) 81, 85 Deutsche Widerstands Bewegung (DWB) 53 f. Deutschlandvertretung der Saadet Partisi (SP) 204 Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi (DHKP-C - 209 ff., 221 ff., 234 f., 289 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front) Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke - Organisation) 234, 289 DIE RECHTE 43 ff., 48, 53, 59, 61, 63, 66, 74 ff., 79 f., 86 Die Wahre Religion (DWR) 153, 172 f. 309","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl E Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu 219 (EMB - Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro) Erbakan-Stiftung 204 Europ\u00e4ische Aktion (EA) 58, 66, 76, 89 Europavertretung der Erbakan-Stiftung 204 F Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V. 182 f., 192, 292 Fast Forward, Hannover 126 F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen 288 aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in 210, 226 ff., 239 f. Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF - Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu) F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland e.V. 232 (YEK-KOM - Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya) Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 289 Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK - 230 Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane) G GegenStandpunkt 138 Gemeinschaft der Jugend (Komalen Ciwan) 230 ff. Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan 230 (KKK - Koma Komalen Kurdistan) Gruppe Arbeitermacht (GAM) 128 H Harakat al-Muqawama al-Islamiya 150, 154 f., 183, 193 f., (HAMAS - Islamische Widerstandsbewegung) 199, 289 Heimattreue Deutsche Jugend - Bund zum Schutz f\u00fcr Umwelt, 291 Mitwelt und Heimat e.V. (HDJ) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren 291 Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Hizb Allah (Partei Gottes) 150, 154 f., 179, 182 f., 192 f. Hizb ut-Tahrir (HuT) 155, 198, 290 310","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl I Idealisten-Bewegung (\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung) 209, 215, 225 ff., 239 ff. International Association of Scientologists (IAS) 285 Internationale Humanit\u00e4re Hilfsorganisation e.V. (IHH) 182, 291 Internationale sozialistische Linke (isL) 128 International Sikh Youth Federation (ISYF) 244 Internationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V. 292 Interventionistische Linke (IL) 94, 102, 109 ff., 113, 115, 119 ff. Islamische Audios 176, 292 Islamische Bewegung Usbekistans (IBU) 168 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) 155, 199 f. Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) 154 f., 205 Islamischer Staat (IS) 101 f., 150 ff., 164 ff., 168, 180, 182 ff., 186, 190, 196, 209, 212 f., 216, 218, 220, 292 Islamischer Staat im Irak 292 Islamischer Staat im Irak und in Gro\u00df-Syrien 292 Islamischer Staat - Khorasan Provinz (ISKP) 168 Islamisches Zentrum Hamburg e.V. (IZH) 155, 202 Ismail Aga Cemaati (IAC) 204 J Jabhat al-Nusra (JaN) 155 f., 190 Jugend f\u00fcr Menschenrechte (Youth for Human Rights) 283, 285 Junge Nationaldemokraten (JN) 58, 63, 73, 81, 83 K Kalifatsstaat 289 Kaukasisches Emirat (KE), siehe auch NKSB 195 f. Koma Civaken Kurdistan 212, 220, 230 (KCK - Union der Gemeinschaften Kurdistans) Koma Komalen Kurdistan 230 (KKK - Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan) Komalen Ciwan (Gemeinschaft der Jugend) 230 ff. Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen 283, 285 Menschenrechte e.V. (KVPM) Kommunalpolitische Vereinigung der NPD (KPV) 81, 84 311","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE (KPF) 140 KONGRA GEL (Volkskongress Kurdistans) 230 Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane 230 (KADEK - Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans) Kritik&Praxis 126 Kurdistan Informationsb\u00fcro (KIB) 288 alias Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland Kurdistan-Komitee e.V. 288 L LevelUP 126 Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) 211, 242 Linke Aktion Villingen-Schwenningen 130 Linke Presse VerlagsF\u00f6rderungsund 147 Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G. M Magida 2.0 66 Maoistische Kommunistische Partei 236 f. (MKP - Maoist Kom\u00fcnist Partisi) Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti (MLKP - Marxistische Leninis102, 211, 238 tische Kommunistische Partei) marx21 146 Marxistische Leninistische Kommunistische Partei 102, 211, 238 (MLKP - Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti) Marxistisches Forum (MF) 144 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 102, 111, 135 f. Mesopotamia Broadcast A/S 291 Millatu Ibrahim (MI) 181, 292 f. Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung 150, 154 f., 177, 203 ff. Muslimbruderschaft (MB) 155, 199 f. Muslimische Jugend in Deutschland e.V. (MJD) 200 MVGIDA 66, 72 N Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) 288 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 43 ff., 51, 58, 60 f., 63, 66 f., 70 ff., 79, 81 ff., 106 Nationale Offensive (NO) 288 Nationalistische Front (NF) 288 312","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) 16, 47 Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye 218, 220, 232 (NAV-DEM - Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland e.V.) Neue antikapitalistische Organisation (NaO) 94, 101, 112, 128 f. Neue Gemeinschaft von Philosophen 59 Nordkaukasische Separatistenbewegung (NKSB) 155, 195 O Office of Special Affairs (OSA) 285 Oldschool Society (OSS) 42, 47 f., 55 P Partei der Demokratischen Union 129 (PYD - Partiya Yekitiya Demokrat) Partiya Karkeren Kurdistan 101 f., 129, 209 ff., 227 f., (PKK - Arbeiterpartei Kurdistans) 230 ff., 241, 288 Partiya Yekitiya Demokrat 129 (PYD - Partei der Demokratischen Union) PEGIDA Franken 66 Perspektive Kommunismus (PK) 94, 112 f., 119 f., 130 f. Projekt Revolution\u00e4re Perspektive Hamburg (PRP HH) 130 R REBELL 135 f. redical [m] 126 Revolution\u00e4re Aktion Stuttgart (RAS) 130 Revolution\u00e4re Linke (Devrimci Sol) 234, 289 Revolution\u00e4re Perspektive Berlin (RPB) 130 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C - Devrimci 209 ff., 221 ff., 234 f., 289 Halk Kurtulus Partisi-Cephesi) Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) 128 REVOLUTION (REVO) 128, 222 f. Ring Nationaler Frauen (RNF) 81, 84 Roj TV A/S 291 Rote Aktion K\u00f6ln/Berlin 125 Rote Aktion Mannheim (RAM) 130 Rote Antifa [NRW] 125 Rote Hilfe e.V. (RH) 100, 137, 233 R\u00fcckkehrer 152, 163 313","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl S Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben 282, 285 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) 284 Scientology-Organisation (SO) 281 ff. Shahid-Stiftung 182 Sozialistische Alternative (SAV) 139, 143 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 132, 134 Sozialistische Linke (SL) 141, 146 T Tablighi Jama'at 155, 201 (TJ - Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Mission) Taleban 167 f. Tauhid Germany (TG) 181 f., 293 the future is unwritten, Leipzig 126 Theorie. Organisation. Praxis (TOP B3rlin) 126 TH\u00dcGIDA 66, 72 f., 76 Tschetschenische Republik Itschkeria (CRI) 195 f. T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist (TKP/ML - T\u00fcrkische 211, 236 Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten) T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 211, 236 (TKP/ML - T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-Front (THKP/-C) 289 U \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Idealisten-Bewegung) 209, 215, 225 ff., 229, 239 ff. \u00dclk\u00fcc\u00fc-Jugendbewegung 239, 241 ums Ganze! - Kommunistisches B\u00fcndnis 94, 109, 115 ff., 126 f. Union der Gemeinschaften Kurdistans 212, 220, 230 (KCK - Koma Civaken Kurdistan) Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe (UIG) 189 V Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust 291 Verfolgten (VRBHV) Verlag 8. Mai GmbH 147 VIKO Fernseh Produktion GmbH 291 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) 230 314","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Volksverteidigungseinheiten (YPG - Yekineyen Parastina Gel) 101 f., 129 W Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) 182 f., 192, 292 Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew (WWT) 48 White Youth 289 Wiking-Jugend e.V. (WJ) 288 Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro 219 (EMB - Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu) World Institute of Scientology Enterprises (WISE) 285 Y YATIM-Kinderhilfe e.V. 194, 290 Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya (YEK-KOM - F\u00f6deration 232 Kurdischer Vereine in Deutschland e.V.) Yeni Akit GmbH 290 Verlegerin der Europa-Ausgabe der t\u00fcrkischsprachigen Tageszeitung \" Anadoluda Vakit\" [3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis 94, 111 f., 119, 125 315","Bildnachweis S. 48 https://www.facebook.com/pages/Oldschool-Society S. 48 dpa S. 49 https://www.facebook.com/B\u00fcrgerwehr-FTL-360 S. 54 https://www.facebook.com/Freies-Deutschland S. 58 https://facebook.com/junge.nationalisten/photos S. 59 https://www.facebook.com/pages/Die-Rechte-Kreisverband-Hamm S. 62 https://www.facebook.com/npd.sachsen/photos S. 65 dpa S. 66 https://linksunten.indymedia.org S. 66 https://de-de.facebook.com/dortmundsrechte S. 67 https://www.facebook.com/events/ S. 71 www.npd-materialdienst.de S. 71 https://www.facebook.com/npd.berlin S. 73 dpa S. 73 dpa S. 74 www.facebook.com/dortmundsrechte S. 76 www.der-dritte-weg.info S. 78 www.pro-nrw.net S. 97 https://linksunten.indymedia.org S. 98 https://linksunten.indymedia.org S. 98 https://linksunten.indymedia.org S. 100 http://miraberlin.blogsport.eu S. 100 http://wirbleibenalle.blogsport.de S. 101 http://arab.blogsport.de S. 101 http://arab.blogsport.de S. 103 https://linksunten.indymedia.org S. 103 http://roteszenehamburg.blogsport.de S. 115 dpa S. 116 https://beyondeurope.net S. 116 dpa 316","BILDNACHWEIS S. 118 http://www.stop-g7-elmau.info S. 119 http://perspektive-kommunismus.org S. 120 https://linksunten.indymedia.org S. 120 dpa S. 121 https://www.ende-gelaende.org S. 151 Internetforum SHUMUKH AL-ISLAM S. 158 https://shamikh1.info/vb/showthread.php?t=250816 S. 159 https://shamikh1.info/vb/showthread.php?t=250816 S. 160 https://shamikh1.info/vb/showthread.php?t=250816 S. 166 dpa S. 173 www.facebook.com/diewahrereligion S. 173 www.facebook.com/PierreVogelOffiziell S. 174 www.facebook.com/erolishaqselmani Facebookseite von \"Siegel der Propheten\" S. 217 http://navdem.com S. 217 https://www.facebook.com S. 220 http://www.kurdistan.blogsport.de S. 222 http://yuruyus.biz S. 224 http://halkinsesitv-2.blogspot.de S. 226 dpa S. 226 https://www.facebook.com S. 228 https://www.facebook.com S. 248 BfV S. 248 dpa S. 248 dpa S. 255 dpa S. 258 dpa S. 265 dpa S. 282 www.presse-scientology-berlin.de S. 282 www.facebook.com/scientology.berlin 317","Impressum Herausgeber: Bundesministerium des Innern Alt-Moabit 140 10557 Berlin Redaktion: Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Druck: Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg Der Verfassungsschutzbericht 2015 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar, unter: www.bmi.bund.de www.verfassungsschutz.de ISSN: 0177-0357 Diese Brosch\u00fcre ist Teil der \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern und Wahlhelfern w\u00e4hrend eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwandt werden. Artikelnummer: BMI16006"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2015","year":2015}
