{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-2014.pdf","jurisdiction":"Bund","num_pages":266,"pages":["Verfassungsschutzbericht 2014","Vorwort des Bundesministers des Innern Dr. Thomas de Maiziere, MdB Auch in diesem Jahr zeigt der Verfassungsschutzbericht wieder einmal wie in einem Brennglas, welch vielf\u00e4ltigen Gef\u00e4hrdungen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung ausgesetzt ist. Der vorliegende Bericht legt dabei einen besonderen Schwerpunkt auf den Bereich der aktuellen Bedrohungen und Gefahren. Er priorisiert den gewaltorientierten Bereich, nimmt Lageanalysen vor und geht auch auf Aspekte der Pr\u00e4vention ein. Beispielhaft m\u00f6chte ich an dieser Stelle die unver\u00e4ndert anhaltenden Gefahren des islamistischen Terrorismus, den Aufwuchs rechtsextremistischer Gewalt sowie die steigenden Herausforderungen durch Cyber-Angriffe nennen. Mit dieser Schwerpunktsetzung wird eine Neuausrichtung gegen\u00fcber dem Verfassungsschutzbericht des Vorjahres vorgenommen, die sich in den allgemeinen Reformprozess beim Verfassungsschutz einf\u00fcgt. Das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in den letzten Jahren eine umfassende Binnenreform durchgef\u00fchrt. Mit mehr als 230 Einzelprojekten und umfassenden innerbeh\u00f6rdlichen Organisationsver\u00e4nderungen ist das Bundesamt nun gut aufgestellt f\u00fcr die aktuellen Herausforderungen. Dieser Reformprozess, der nach der Aufdeckung der NSU-Morde begonnen wurde, wird auch in diesem Jahr konsequent fortgesetzt. Besondere Bedeutung hat dabei das Gesetz zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Bereich des Verfassungsschutzes, dessen Entwurf die Bundesregierung in diesem Fr\u00fchjahr in das parlamentarische Verfahren eingebracht hat. Es schafft die Grundlage insbesondere auch f\u00fcr eine effektive Verbesserung der Kooperation zwischen Bund und L\u00e4ndern und st\u00e4rkt zugleich die Zentralstellenfunktion des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz innerhalb des Verfassungsschutzverbundes. 3","VORWORT Auch wenn die Arbeit des Verfassungsschutzes nicht allzu oft \u00f6ffentlich wahrgenommen wird, so zeigt doch die Lekt\u00fcre dieses Berichts in aller Deutlichkeit, wie unverzichtbar der Verfassungsschutz auch heute als Fr\u00fchwarnsystem unserer wehrhaften Demokratie ist. Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danke ich f\u00fcr die gute Arbeit, die sie tagt\u00e4glich f\u00fcr uns alle leisten. Dr. Thomas de Maiziere, MdB Bundesminister des lnnern 4","5","Inhaltsverzeichnis Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie I. \"Fr\u00fchwarnsystem\" Verfassungsschutz 15 II. Kontrolle des Verfassungsschutzes 18 III. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung 19 Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) I. Definitionssystem PMK 23 II. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 24 1. Gesamtstraftatenaufkommen 24 2. Gewalttaten 25 III. Politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund 26 1. Gesamt\u00fcberblick 26 2. Gewalttaten 27 Rechtsextremismus I. \u00dcberblick 32 1. Entwicklungstendenzen 32 2. Personenpotenzial 33 II. Gewalt und Militanz 35 1. Strategische Gewalt 35 1.1 Rechtsextremistische Straftaten mit fremdenfeindlicher Motivation bzw. gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte 35 1.2 Angriffsziel: Linksextremisten und andere politische Gegner 38 2. Radikalisierungsund Rekrutierungsfaktoren: Musik und Internet 41 3. Gefahrenpotenzial durch Waffenbesitz 43 4. Hinweise auf Gef\u00e4hrdungssachverhalte 44 5. Staatliche Ma\u00dfnahmen 45 6. Gef\u00e4hrdungspotenzial 46 6","INHALTSVERZEICHNIS III. Parteistrukturen im Rechtsextremismus 46 1. Anhaltende Krise der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) 46 2. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") 48 3. Instrumentalisierung von Parteistrukturen durch \"DIE RECHTE\" und \"Der III. Weg\" 49 3.1 \"DIE RECHTE\" 50 3.2 \"Der III. Weg\" 51 3.3 Gef\u00e4hrdungspotenzial 52 IV. Internationale Krisen und ihr Aufgreifen durch die rechtsextremistische Szene 53 1. Asyldebatte und Fremdenfeindlichkeit 53 2. Islamfeindlichkeit: Hooligan-Demonstrationen und \"Rettung des Abendlandes\" 55 3. Gazakrieg und Antisemitismus 57 4. Konflikt Russland-Ukraine und \"Montagsdemonstrationen\" 59 Linksextremismus I. \u00dcberblick 64 1. Entwicklungstendenzen 64 2. Entwicklung des Personenpotenzials 68 II. Gewalt und Militanz 70 1. Konfrontative Gewalt 70 2. Personenund objektbezogene Gewalt 72 III. Gewaltorientierter Linkextremismus zwischen Kontinuit\u00e4t und Kurskorrektur: Tendenzen zur strategisch-strukturellen Neuformierung 75 1. Ausgangslage linksextremistischer Strategiedebatte 75 2. Autonome und Postautonome 76 2.1 \"Klassische\" Autonome 77 2.2 Postautonome und \"Interventionistische Linke\" (IL) 78 3. Marxisten, Leninisten, Antiimperialisten 80 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial 82 Islamismus/islamistischer Terrorismus I. \u00dcberblick 86 1. Entwicklungstendenzen 86 2. Organisationen und Personenpotenzial 91 7","INHALTSVERZEICHNIS II. Internationale Konflikte und ihre Bedeutung f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland 93 1. K\u00e4mpfe in Syrien und im Irak - ein Magnet f\u00fcr Jihadisten 93 1.1 Politische Ausgangslage 93 1.2 Auswirkungen auf die europ\u00e4ische Jihadistenszene 95 1.2.1 Jihadistische/islamistische Propaganda 95 1.2.2 Reisebewegungen 97 1.2.3 Gegenma\u00dfnahmen 100 1.3 Wechselwirkungen 101 1.4 Gef\u00e4hrdungspotenzial 102 2. Gazakrieg: Offener Antisemitismus bei pro-pal\u00e4stinensischen Demonstrationen 103 III. Salafistische Szene in Deutschland wird immer st\u00e4rker 106 IV. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung 110 V. Staatliche Ma\u00dfnahmen 114 Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) I. \u00dcberblick 120 1. Entwicklungstendenzen 120 2. Organisationen und Personenpotenzial 123 II. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 124 1. Politische Ausgangslage 124 2. Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla 125 3. Eskalation auf Deutschlands Stra\u00dfen 127 4. Zentrale PKK-Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen 128 5. Hierarchische Organisationsstruktur und finanzielle Situation der PKK in Europa 129 6. Strafverfahren gegen Funktion\u00e4re der PKK 130 7. Gef\u00e4hrdungspotenzial 131 III. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 131 IV. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung 135 8","INHALTSVERZEICHNIS Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten I. \u00dcberblick und Entwicklungstendenzen 140 II. Bedrohung durch \"Elektronische Angriffe\" 142 1. Gef\u00e4hrdungsdimension 142 2. Erkannte Angreifer: China und Russland 143 III. Nachrichtenund Sicherheitsdienste der Russischen F\u00f6deration 146 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung 146 2. Methodik der Informationsgewinnung 147 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial 148 IV. Nachrichtendienste der Volksrepublik China 149 1. Schwerpunkte der Informationsbeschaffung 149 2. Methodik der Informationsgewinnung 150 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial 151 V. Nachrichtendienste der Islamischen Republik Iran 152 VI. Nachrichtendienste sonstiger Staaten 153 VII. Proliferation 155 1. Islamische Republik Iran 156 2. Weitere Staaten mit Beschaffungsaktivit\u00e4ten 156 VIII. Wirtschaftsschutz 158 IX. Festnahmen und Verurteilungen 159 \"Scientology-Organisation\" (SO) Anhang Einzel\u00fcbersichten zu den wichtigsten Beobachtungsobjekten Rechtsextremismus 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 166 1.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) 167 1.2 \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) 168 1.3 \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) 168 1.4 \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) 169 2. \"DIE RECHTE\" 170 3. \"Der III. Weg\" 171 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") 172 5. \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) 173 6. \"Hammerskins Deutschland\" 174 9","INHALTSVERZEICHNIS Linksextremismus 1. \"Interventionistische Linke\" (IL) 175 2. \"AVANTI - Projekt undogmatische Linke\" (AVANTI) 176 3. \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" 177 4. \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) 178 5. \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 179 5.1 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) 180 6. \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 181 6.1 \"REBELL\" 182 7. \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) - Gefangenenhilfsorganisation 183 8. \"GegenStandpunkt\" (GSP) 184 9. \"Sozialistische Alternative\" (SAV), deutsche Sektion des internationalen Dachverbandes \"Committee for a Worker's International\" (CWI) mit Sitz in London 185 10. \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) 186 11. \"Sozialistische Linke\" (SL) 187 12. \"Arbeitsgemeinschaft Cuba Si\" (Cuba Si) 188 13. \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) 189 14. \"Marxistisches Forum\" (MF) 190 15. \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) 191 16. \"marx21\" 192 17. \"junge Welt\" (jW) 193 Islamismus 1. Kern-\"al-Qaida\" 194 2. \"Islamischer Staat\" (IS) 195 3. \"Al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) 196 4. \"Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) 197 5. \"Al-Shabab\" 198 6. \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) 199 7. \"Hizb Allah\" 200 8. HAMAS 201 9. \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 202 9.1 \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) 202 9.2 \"Kaukasisches Emirat\" (KE) 203 10. \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) 204 11. \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 205 12. \"Muslimbruderschaft\" (MB) 206 12.1 \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) 207 13. \"Tablighi Jama'at\" (TJ) 208 14. Einfluss regimetreuer Iraner auf in Deutschland lebende Schiiten durch das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) 209 10","INHALTSVERZEICHNIS 15. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung 210 15.1 Der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnende Vereinigungen 211 Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) 1. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 213 1.1 \"Ciwanen Azad\" 214 1.2 \"Komalen Ciwan\" 215 2. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 216 2.1 \"Anatolische F\u00f6deration\" 217 3. \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) 218 3.1 \"Partizan\"-Fl\u00fcgel 219 3.2 \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) (bis September 2002 \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" - DABK) 219 4. \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) 220 5. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung 221 5.1 \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) 222 5.2 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung 223 6. \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) 224 7. Gruppierungen des extremistischen Sikh-Spektrums 225 7.1 \"Babbar Khalsa International\" (BKI) 225 7.2 \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) 226 7.3 \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) 226 Spionage Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste 227 1. Spionage mit menschlichen Quellen 227 2. Spionage mit technischen Mitteln 229 3. Strukturen und Aufgaben russischer Nachrichtendienste 232 4. Strukturen und Aufgaben chinesischer Nachrichtendienste 233 5. Strukturen und Aufgaben iranischer Nachrichtendienste 236 \"Scientology-Organisation\" (SO) 237 \u00dcbersicht \u00fcber Verbotsma\u00dfnahmen des BMI gegen extremistische Bestrebungen im Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 2014 239 Register 244 Registeranhang 256 Bildnachweis 264 11","12","Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t 13","Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie Wehrhafte Die Bundesrepublik Deutschland bekennt sich zu einer wehrhafDemokratie ten Demokratie und der Unverletzlichkeit grundlegender Normen der Werteordnung. Dieses Prinzip findet in einer Reihe von Vorschriften des Grundgesetzes (GG) seinen Ausdruck: # Nach Art. 79 Abs. 3 GG sind wesentliche Grunds\u00e4tze unab\u00e4nderlich, insbesondere der Schutz der Menschenw\u00fcrde, Art. 1 Abs. 1 GG, und die in Art. 20 GG enthaltenen Prinzipien der staatlichen Ordnung (Demokratie, F\u00f6deralismus, Rechtsund Sozialstaatlichkeit). # Parteien k\u00f6nnen nach Art. 21 Abs. 2 GG vom Bundesverfassungsgericht f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt werden. # Vereinigungen, deren Zwecke oder deren T\u00e4tigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung oder gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten, sind gem\u00e4\u00df Art. 9 Abs. 2 GG verboten. Zu den im Grundgesetz angef\u00fchrten Schutzmechanismen der streitbaren Demokratie geh\u00f6rt auch die Einrichtung und T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder (Art. 73 Abs. 1 Nr. 10 Buchstabe b und Art. 87 Abs. 1 Satz 2 GG). Strukturdaten gem\u00e4\u00df Im Jahr 2014 hatte das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz 2.783 SS 16 Abs. 2 Bundes(2013: 2.776) Bedienstete. Der Zuschuss aus dem Bundeshaushalt verfassungsschutzbetrug 205.956.162 Euro (2013: 205.958.371 Euro). gesetz Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst hatte 1.067 (2013: 1.095) Bedienstete und erhielt aus dem Bundeshaushalt einen Zuschuss von 72.250.895 Euro (2013: 72.144.513 Euro). Anfang 2015 waren von Bund und L\u00e4ndern im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) 1.807.023 (Anfang 2014: 1.713.094) personenbezogene Eintragungen enthalten, davon 1.376.123 Eintragungen (76,2%, Anfang 2014: 75,2%) aufgrund von Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen oder Zuverl\u00e4ssigkeits\u00fcberpr\u00fcfungen nach den Bestimmungen des Luftsicherheitsgesetzes oder des Atomgesetzes. 14","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE I. \"Fr\u00fchwarnsystem\" Verfassungsschutz Dem Verfassungsschutz kommt in der deutschen SicherheitsarAufgaben chitektur die Aufgabe zu, Erkenntnisse zum politischen Extremismus, zu Terrorismus und Spionage weit im Vorfeld polizeilicher Ma\u00dfnahmen zu generieren sowie im Bereich des Geheimund Sabotageschutzes mitzuwirken (z.B. durch Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen von Personen, die in sicherheitsempfindlichen Bereichen arbeiten). Sein wesentliches Bet\u00e4tigungsfeld - niedergelegt in SS 3 Abs. 1 und 2 des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BVerfSchG) - besteht in der Sammlung und Auswertung von Informationen \u00fcber # Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben, # sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten in Deutschland f\u00fcr eine fremde Macht, # Bestrebungen im Geltungsbereich des BVerfSchG, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, # Bestrebungen in Deutschland, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker gerichtet sind. Im Sinne eines effektiven \"Fr\u00fchwarnsystems\" erstellt der Verfassungsschutz Lagebilder und Analysen, die es der Bundesregierung und den Landesregierungen erm\u00f6glichen, rechtzeitig Ma\u00dfnahmen zur Abwehr von Gefahren f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung und die innere Sicherheit einzuleiten. Einzelne Erkenntnisse \u00fcbermittelt der Verfassungsschutz, dem selbst keinerlei polizeiliche Befugnisse zustehen, an Polizei und Staatsanwaltschaft, um exekutive Ma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden arbeiten mit anderen deutschen Zusammenarbeit mit Sicherheitsbeh\u00f6rden in Kompetenzzentren zusammen. Diese deutschen Sichergew\u00e4hrleisten die B\u00fcndelung von Fachwissen ebenso wie den heitsbeh\u00f6rden 15","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE schnellen Austausch von Informationen und Analysen. Bei den Informationsund Kommunikationsplattformen - so das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ, seit Ende 2004) und das Gemeinsame Extremismusund Terrorismusabwehrzentrum zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus/-terrorismus, des Linksextremismus/-terrorismus, des Ausl\u00e4nderextremismus/-terrorismus und der Spionage einschlie\u00dflich proliferationsrelevanter Aspekte (GETZ, seit Ende 2012) - handelt es sich nicht um eigenst\u00e4ndige Beh\u00f6rden. Internationale Einen wesentlichen Erkenntnisgewinn erzielt der VerfassungsZusammenarbeit schutz des Weiteren durch die Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen Partnerdiensten und in internationalen Gremien. Diese Kooperation ist insbesondere vor dem Hintergrund des internationalen Terrorismus und der Gef\u00e4hrdung durch Cyberattacken von \u00fcberragender Bedeutung. InformationsEinen erheblichen Teil ihrer Informationen gewinnen die Verfasgewinnung sungsschutzbeh\u00f6rden aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen. Fremde Nachrichtendienste, Extremisten und Terroristen arbeiten indes konspirativ und legen ihre Ziele nicht offen dar. Entsprechend ist der Verfassungsschutz befugt, im Rahmen gesetzlich festgelegter Grenzen und unter Wahrung des Grundsatzes der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit auch nachrichtendienstliche Mittel zur Informationsbeschaffung einzusetzen, wie z.B. Observationen und Telefon\u00fcberwachungen. Aktuelle HerausGesellschaftliche und technologische Prozesse stellen die verforderungen bei deckte, aber auch die offene Informationsbeschaffung aktuell vor der Informationsbesondere Herausforderungen: beschaffung # Der Einsatz menschlicher Quellen ist nach wie vor ein wichtiges Instrument der nachrichtendienstlichen Aufkl\u00e4rung. Die Gewinnung von Vertrauenspersonen (V-Personen) in extremistischen, gewaltt\u00e4tigen und terroristischen Organisationen wird aktuell sowohl aufgrund medialer Berichterstattung, die bis hin zur Enttarnung und der Gef\u00e4hrdung von Leib und Leben der Personen reichen kann, als auch durch rechtliche Unw\u00e4gbarkeiten erschwert. Eine ausdr\u00fcckliche gesetzliche Regelung k\u00f6nnte hier f\u00fcr eine verbesserte Transparenz sorgen. # Die modernen Informationstechnologien ver\u00e4ndern auch den Modus Operandi von Verfassungsfeinden - von der Agitation 16","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE und Rekrutierung \u00fcber die interne Kommunikation bis hin zu den M\u00f6glichkeiten digitaler Angriffe. Eine pr\u00e4zise Einsch\u00e4tzung der Gef\u00e4hrdungslage durch \"Elektronische Angriffe\" erfordert eine Optimierung der Abwehr: rechtlich, technisch und analytisch. Im politischen Extremismus beobachtet der Verfassungsschutz eine zunehmende Kommunikation mithilfe - oftmals verschl\u00fcsselter - moderner Technologie, von Homepages hin zu sozialen Netzwerken, vor allem aber eine verst\u00e4rkte Nutzung von Instant-Messenger-Diensten. Sie dienen den entsprechenden Szenen als Radikalisierungsplattformen und virtuelle Treffpunkte. Wertige Informationen lassen sich nicht durch ein blo\u00dfes Monitoring generieren. Eine zielgerichtete Befassung mit diesen Erscheinungsformen durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wird indes das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ebenso beachten m\u00fcssen wie das Grundrecht auf Gew\u00e4hrleistung der Vertraulichkeit und Integrit\u00e4t informationstechnischer Systeme. F\u00fcr die Arbeit in den neuen Medien gelten zudem die allgemeinen datenschutzrechtlichen Vorgaben, die f\u00fcr die Nachrichtendienste z.B. im Gesetz zur Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses (Artikel 10-Gesetz - G 10) modifiziert werden. # Gesellschaftliche Konfliktfelder bieten im Einzelfall geeignete Ankn\u00fcpfungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Extremisten. Mit unterschiedlichem Erfolg bem\u00fchen sie sich z.B., die Anliegen von nichtextremistischen B\u00fcndnissen oder B\u00fcrgerinitiativen f\u00fcr eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Hier ist es Aufgabe des Verfassungsschutzes, extremistische Beteiligungen an bzw. die Einflussnahmen auf derartige gesellschaftliche B\u00fcndnisse m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig zu erkennen. Die Differenzierung zwischen einem durch die Meinungsfreiheit gedeckten Protest einerseits und einer extremistischen Einflussnahme bzw. Instrumentalisierung andererseits stellt die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden bei der Informationsbeschaffung dabei vor eine besondere Herausforderung. 17","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE II. Kontrolle des Verfassungsschutzes Bundesregierung Hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des BfV unterliegt die Bundesregierung der Kontrolle durch den Deutschen Bundestag; die Fachaufsicht \u00fcber das BfV wird durch das Bundesministerium des Innern (BMI) wahrgenommen. Parlamentarisches Zur Wahrnehmung der parlamentarischen Kontrolle ist beim Kontrollgremium Deutschen Bundestag ein Kontrollgremium eingerichtet, das von der Bundesregierung regelm\u00e4\u00dfig und umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung unterrichtet wird. Auf Verlangen ist das Parlamentarische Kontrollgremium auch \u00fcber sonstige Vorg\u00e4nge zu unterrichten. G 10-Kommission Beschr\u00e4nkungen des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses nach Ma\u00dfgabe des Art. 10 GG werden durch die vom Parlamentarischen Kontrollgremium bestellte unabh\u00e4ngige G 10-Kommission auf ihre Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit \u00fcberpr\u00fcft. Bundesbeauftragte Die Bundesbeauftragte f\u00fcr den Datenschutz und die Informatif\u00fcr den Datenschutz onsfreiheit (BfDI) unterzieht das BfV einer kontinuierlichen \u00dcberund die Informatipr\u00fcfung. Grundlage sind die datenschutzrechtlichen Bestimmunonsfreiheit (BfDI) gen im BVerfSchG und in den spezialgesetzlichen Regelungen, die den Aufgabenbereich des BfV ber\u00fchren (z.B. das Ausl\u00e4nderzentralregister). Das BfV ist gesetzlich verpflichtet, Betroffenen auf Antrag unentgeltlich Auskunft \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten zu erteilen, soweit auf einen konkreten Sachverhalt hingewiesen und ein besonderes Interesse an der Auskunft dargelegt wird (SS 15 Abs. 1 BVerfSchG). Die Auskunft unterbleibt nur dann, wenn einer der in SS 15 Abs. 2 BVerfSchG bezeichneten Verweigerungsgr\u00fcnde vorliegt. Gerichte Ma\u00dfnahmen des BfV, die nach Darstellung der Betroffenen diese in ihren Rechten beeintr\u00e4chtigen, unterliegen der gerichtlichen Nachpr\u00fcfung. 18","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE III. Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung Die Aufgabe Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung wird auf Bundesebene gemeinsam vom BMI und BfV wahrgenommen. Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann dauerhaft nicht ohne eine geistig-politische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Auspr\u00e4gungen des Extremismus bewahrt werden. Eine wichtige Aufgabe des Verfassungsschutzes stellt daher die fundierte Aufkl\u00e4rung und Informationsvermittlung \u00fcber Art und Umfang extremistischer Bedrohung dar. Der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht beruht auf den ErkenntVerfassungsschutznissen, die das BfV im Rahmen seines gesetzlichen Auftrags bericht zusammen mit den Landesbeh\u00f6rden f\u00fcr Verfassungsschutz gewonnen hat. Der Verfassungsschutzbericht stellt keine abschlie\u00dfende Aufz\u00e4hlung aller verfassungsschutzrelevanten Personenzusammenschl\u00fcsse dar, sondern unterrichtet \u00fcber die wesentlichen, w\u00e4hrend des Berichtsjahres zu verzeichnenden verfassungsschutzrelevanten Entwicklungen und deren Bewertung. Dies gilt umso mehr f\u00fcr den in diesem Jahr vorgelegten Bericht, der weniger auf die Darstellung einzelner Organisationen und die detaillierte Wiedergabe von Ereignissen abzielt, sondern auf die ideologische und strategische Einordnung extremistischer Ph\u00e4nomene und entsprechender Entwicklungstendenzen. In Verbindung mit dem eindeutigen Schwerpunkt auf den gewaltorientierten Bereich geht diese analytische Darstellung anstelle einer vornehmlich deskriptiven Darstellung mit einer Minimierung des Umfangs gegen\u00fcber fr\u00fcheren Berichten und einer gleichzeitigen Maximierung wertiger Informationen einher. Um dennoch ideologische Hintergr\u00fcnde, Strukturdaten, Aktivit\u00e4ten und Publikationen zu den wichtigsten Beobachtungsobjekten des Verfassungsschutzes darzustellen, befinden sich im Anhang (ab Seite 166) entsprechende Einzel\u00fcbersichten. Die Zahlenangaben zum Mitgliederpotenzial der im Bericht Personenpotenzial genannten Personenzusammenschl\u00fcsse beziehen sich auf die Bundesrepublik Deutschland und sind z.T. gesch\u00e4tzt und gerundet. Im \u00dcbrigen ist darauf hinzuweisen, dass den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden nicht zu allen Mitgliedern dieser Personenzusammenschl\u00fcsse individuelle Erkenntnisse vorliegen. 19","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE In den Zitaten sind eventuelle orthografische und grammatikalische Fehler der Originaltexte nicht korrigiert. Die Entwicklung im Bereich des extremistischen Personenpotenzials hat gezeigt, dass die bisherige Beschreibung mit dem Begriff \"gewaltbereit\" zu eng ist. Bisher wurden nur die (potenziellen) Gewaltt\u00e4ter erfasst. Um die Ph\u00e4nomenbereiche umfassend abzubilden, ist es jedoch erforderlich, auch Personen zu erfassen, die andere zu extremistischen Gewalttaten anstiften oder Beihilfe leisten. Beginnend mit dem Berichtszeitraum 2014 wird daher die Zahl des gewaltorientierten Personenpotenzials angegeben. Der Oberbegriff \"gewaltorientiert\" umfasst dabei folgende Kategorien: # Gewaltt\u00e4tig ist eine Person oder eine Gruppe, wenn konkrete Hinweise vorliegen, dass sie bereits extremistisch motivierte Gewalttaten gegen Personen oder Sachen ausge\u00fcbt hat oder dass sie mit Vorbereitungshandlungen begonnen hat, um solche Gewalttaten zu begehen. # Gewaltbereit ist eine Person oder eine Gruppe, die f\u00fcr sich selbst gewaltt\u00e4tiges Handeln zur Durchsetzung politischer Ziele als legitimes Mittel ansehen. # Gewaltunterst\u00fctzend ist eine Person oder Gruppe, wenn von ihr Aktivit\u00e4ten ausgehen, die der Vorbereitung von extremistischen Gewalttaten dienen, sie selbst aber nicht die Bereitschaft zum Ausdruck bringt oder erkennen l\u00e4sst, eine entsprechende Gewalttat als T\u00e4ter aus\u00fcben zu wollen. # Gewaltbef\u00fcrwortend ist eine Person oder eine Gruppe, wenn eine Gewalt bef\u00fcrwortende \u00c4u\u00dferung einen Appellcharakter gegen\u00fcber einem tats\u00e4chlich oder potenziell gewaltbereiten Adressatenkreis aufweist und mit der erkennbaren oder mutma\u00dflichen Absicht erfolgt, andere zur Gewaltanwendung zu animieren. www.verfassungsDas BfV informiert im Rahmen seiner \u00d6ffentlichkeitsarbeit mit schutz.de einem umfangreichen Internetangebot sowie weiteren Publikationen \u00fcber aktuelle Entwicklungen in den einzelnen Arbeitsfeldern. 20","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE Das Interesse an den drei Wanderausstellungen1 des BfV war auch Ausstellungen 2014 unvermindert gro\u00df. Insgesamt besuchten ann\u00e4hernd 70.000 Personen die 20-mal pr\u00e4sentierten Ausstellungen. Ebenfalls positiv entwickelte sich die Abonnentenzahl des viertelNewsletter j\u00e4hrlich angebotenen Newsletters. Er enth\u00e4lt neben Beitr\u00e4gen zu wichtigen Ereignissen in den einzelnen Bereichen des Extremismus ph\u00e4nomen\u00fcbergreifende Artikel sowie Interviews der Amtsleitung und Hinweise auf neue BfV-Publikationen. In allen Fragen des Verfassungsschutzes steht das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Ansprechpartner Merianstr. 100 50765 K\u00f6ln Telefon: 0221/792-0 oder 03018-792-0 Telefax: 0221/792-2915 oder 03018-10-792-2915 E-Mail: poststelle@bfv.bund.de als Ansprechpartner jederzeit zur Verf\u00fcgung. Zu einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen hat der Verfassungsschutz Telefone eingerichtet, \u00fcber die eine Kontaktaufnahme jederzeit m\u00f6glich ist: # F\u00fcr Hinweise auf Planungen und Tatvorbereitungen im Zusammenhang mit dem islamistischen Terrorismus hat das BfV ein vertrauliches Hinweistelefon eingerichtet: Telefon: 0221-792-3366 oder 03018-792-0 E-Mail: HiT@bfv.bund.de # F\u00fcr Ausstiegswillige aus dem Rechtsextremismus existiert ein Aussteigerprogramm mit dem Experten des Verfassungsschutzes Ausstiegswillige beraten und betreuen: Telefon: 0221-792-62 oder 03018-792-0 E-Mail: aussteiger@bfv.bund.de 1 \"Die braune Falle - Eine rechtsextremistische 'Karriere'\" \"Es betrifft Dich! Demokratie sch\u00fctzen - Gegen Extremismus in Deutschland\" \"Die missbrauchte Religion - Islamisten in Deutschland\" 21","VERFASSUNGSSCHUTZ ALS WICHTIGER AKTEUR IM SYSTEM DER WEHRHAFTEN DEMOKRATIE # Ebenso gibt es f\u00fcr Linksextremisten ein spezielles Aussteigerprogramm, das Hilfesuchenden eine Vielzahl an unterst\u00fctzenden Ma\u00dfnahmen anbietet: Telefon: 0221-792-6600 oder 03018-792-0 E-Mail: aussteiger@bfv.bund.de 22","Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) I. Definitionssystem PMK Als \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" werden alle Straftaten bezeichnet und erfasst, die einen oder mehrere Straftatbest\u00e4nde der sogenannten klassischen Staatsschutzdelikte erf\u00fcllen, selbst wenn im Einzelfall eine politische Motivation nicht festgestellt werden kann. Als solche klassischen Staatsschutzdelikte gelten die folgenden Straftatbest\u00e4nde: SSSS 80-83, 84-91, 94-100a, 102-104a, 105-108e, 109-109h, 129a, 129b, 234a oder 241a des Strafgesetzbuches (StGB). Auch Straftaten, die in der Allgemeinkriminalit\u00e4t begangen werden k\u00f6nnen (wie z.B. T\u00f6tungsund K\u00f6rperverletzungsdelikte, Brandstiftungen, Widerstandsdelikte, Sachbesch\u00e4digungen), fallen unter \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\", wenn in W\u00fcrdigung der gesamten Umst\u00e4nde der Tat und/oder der Einstellung des T\u00e4ters Anhaltspunkte f\u00fcr eine politische Motivation gegeben sind, weil sie # den demokratischen Willensbildungsprozess beeinflussen sollen, der Erreichung oder Verhinderung politischer Ziele dienen oder sich gegen die Realisierung politischer Entscheidungen richten, # sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung bzw. eines ihrer Wesensmerkmale, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes richten oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, # durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, # sich gegen eine Person wegen ihrer politischen Einstellung, Nationalit\u00e4t, Volkszugeh\u00f6rigkeit, Rasse, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung, Herkunft oder aufgrund ihres \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes, ihrer Behinderung, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres gesellschaftlichen Status richten (sogenannte Hasskriminalit\u00e4t); dazu z\u00e4hlen auch Taten, die nicht unmittelbar gegen eine Person, sondern im oben genannten Zusammenhang gegen eine Institution oder Sache ver\u00fcbt werden. 23","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Die im Verfassungsschutzbericht genannten Zahlen zu den politisch motivierten Straftaten basieren auf Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA). II. Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t (PMK) 1. Gesamtstraftatenaufkommen Das Straftatenaufkommen hat sich in den einzelnen Ph\u00e4nomenbereichen der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t im Jahr 2014 wie folgt entwickelt: Straftaten 2013 2014 PMK-rechts 17.042 17.020 - 0,13% PMK-links 8.673 8.113 - 6,5% PMK-Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t 874 2.549 + 191,6% PMK-sonstige 5.056 5.018 - 0,75% gesamt 31.645 32.700 + 3,3% Die Zahl der politisch motivierten Straftaten ist im Jahr 2014 erneut gestiegen. Insgesamt wurden 32.700 Straftaten ver\u00fcbt; eine Steigerung gegen\u00fcber dem Vorjahr um 3,3%. Politisch rechts motivierte Straftaten machten auf gleichbleibend hohem Niveau wie im Vorjahr den gr\u00f6\u00dften Anteil aus. Im Bereich der politisch links motivierten Kriminalit\u00e4t hingegen war ein leichter R\u00fcckgang der Straftaten zu verzeichnen. Im Bereich der politisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t kam es zu einem drastischen Zuwachs von Straftaten. Hauptdeliktsfelder Propagandadelikte (12.543) bildeten wie im Vorjahr den gr\u00f6\u00dften Anteil an Straftaten (38,4%). 11.071 waren allein dem Bereich PMK-rechts zuzurechnen (88,3%). 24","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Eine Betrachtung des gesamten Straftatenaufkommens \u00fcber die zur\u00fcckliegenden zehn Jahre im Bereich der politisch motivierten Kriminalit\u00e4t zeigt f\u00fcr die verschiedenen Ph\u00e4nomenbereiche folgende Entwicklung: 35.000 30.000 25.000 20.000 15.000 10.000 5.000 0 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 PMK-gesamt 26.401 29.050 28.538 31.801 33.917 27.180 30.216 27.440 31.645 32.700 PMK-R 15.914 18.142 17.607 20.422 19.468 16.375 16.873 17.616 17.042 17.020 PMK-L 4.898 5.363 5.866 6.724 9.375 6.898 8.687 6.191 8.673 8.113 PM-AK 771 691 902 1.484 966 917 1.010 868 874 2.549 PMK-Sonstige 4.818 4.854 4.163 3.171 4.108 2.990 3.646 2.765 5.056 5.018 2. Gewalttaten Der Anstieg der politisch motivierten Gewalttaten von 2.848 auf 3.368 Delikte gegen\u00fcber dem Vorjahr entspricht einem besorgniserregenden Zuwachs von 18,3%. Mit 67,8% machten K\u00f6rperverletzungsdelikte (2.285) weiterhin den gr\u00f6\u00dften Anteil der Gewaltdelikte aus. 25","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T III. Politisch motivierte Straftaten mit extremistischem Hintergrund 1. Gesamt\u00fcberblick Von den insgesamt erfassten 32.700 politisch motivierten Straftaten wiesen 23.909 (73,1%) einen extremistischen Hintergrund auf, d.h. es gab Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass sie darauf abzielten, bestimmte Verfassungsgrunds\u00e4tze zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen, die f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung pr\u00e4gend sind. Die Entwicklung der politisch motivierten Straftaten mit extremistischem Hintergrund stellt sich bezogen auf die einzelnen Ph\u00e4nomenbereiche sehr unterschiedlich dar: Extremistische Straftaten 2013 2014 PMK-rechts 16.557 16.559 + 0,01% PMK-links 4.491 4.424 - 1,5% PMK-Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t 544 2.014 + 270,2% PMK-sonstige 537 912 + 69,8% gesamt 22.129 23.909 + 8,0% W\u00e4hrend die Zahlen im Bereich der linksund rechtsextremistisch motivierten Straftaten ann\u00e4hernd gleich blieben, kam es im Bereich extremistisch motivierter Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t zu einem erheblichen Zuwachs. Ein Grund f\u00fcr den Anstieg ist die Vielzahl der in Deutschland im Zuge der Proteste gegen den Vormarsch der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) in Syrien und im Nordirak zwischen Islamisten und Kurden/Jesiden begangenen Straftaten.2 2 Vgl. Berichtsteil Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus), Kap. II. 26","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T 2. Gewalttaten Die Anzahl extremistischer Gewalttaten ist im Jahr 2014 um 13,1% Extremistische auf 2.305 gestiegen. Dies liegt an den Steigerungsraten im Bereich Gewalttaten Rechtsextremismus (von 801 auf 990) und Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t (von 76 auf 259). Die am h\u00e4ufigsten verwirklichten Gewalttaten sind mit 1.750 Delikten K\u00f6rperverletzungen. Im Jahr 2014 wurden sieben versuchte linksmotivierte T\u00f6tungsdelikte mit extremistischem Hintergrund ver\u00fcbt (2013: drei). Im Bereich der rechtsextremistisch motivierten Kriminalit\u00e4t war ein versuchtes T\u00f6tungsdelikt zu verzeichnen (2013: vier). Der Anstieg der versuchten T\u00f6tungsdelikte im Bereich der extremistisch motivierten Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t von null auf sechs folgt dem Gesamttrend in diesem Bereich. Extremistische Gewalttaten 2013 2014 PMK-rechts 801 990 + 23,6% PMK-links 1.110 995 - 10,4% PMK-Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t 76 259 + 240,8% PMK-sonstige 51 61 + 19,6% gesamt 2.038 2.305 + 13,1% 27","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Zielrichtungen der Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ist mit Gewalttaten 990 im Vergleich zum Vorjahr angestiegen (2013: 801). Dieser Anstieg ist im Wesentlichen auf die von den Polizeibeh\u00f6rden vorgenommene Einbeziehung von Straftaten bei den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen w\u00e4hrend einer Kundgebung einer Initiative von Hooligans gegen Salafisten am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln zur\u00fcckzuf\u00fchren (176 Delikte). Fremdenfeindliche Gewalttaten bildeten erneut den gr\u00f6\u00dften Anteil der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten und erreichten mit 512 den h\u00f6chsten Stand seit der Einf\u00fchrung des geltenden Definitionssystems im Jahr 2001 (374). Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - rechts\" * Gesamt Fremdenfeindliche Gewalttaten Gewalttaten gegen Linksextremisten oder vermeintliche Linksextremisten Gewalttaten gegen sonstige politische Gegner Antisemitische Gewalttaten 1.100 1.000 990 900 800 801 700 600 512 500 473 400 300 200 146 139 100 52 45 60 31 0 01.01.-31.12.2013 01.01.-31.12.2014 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. Es sind nur die wichtigsten Zielrichtungen ber\u00fccksichtigt. Da die erfassten Sachverhalte im Rahmen einer mehrdimensionalen Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet werden, k\u00f6nnen Gewalttaten unter mehreren Zielrichtungen subsumiert sein. 28","POLITISCH MOTIVIERTE KRIMINALIT\u00c4T Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten ist mit 995 r\u00fcckl\u00e4ufig (2013: 1.110). W\u00e4hrend die Zahl der Gewalttaten gegen Polizei und Sicherheitsbeh\u00f6rden ann\u00e4hernd gleich geblieben ist, sank die Zahl der Gewalttaten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten. Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t - links\" * Gesamt Gewalttaten gegen die Polizei/Sicherheitsbeh\u00f6rden Gewalttaten gegen Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten Kampagne gegen Umstrukturierung 1.200 1.110 1.000 995 800 632 623 600 566 400 367 200 151 60 0 01.01.-31.12.2013 01.01.-31.12.2014 * Die Zahlen basieren auf Angaben des BKA. Es sind nur die wichtigsten Zielrichtungen ber\u00fccksichtigt. Da die erfassten Sachverhalte im Rahmen einer mehrdimensionalen Betrachtung unter verschiedenen Gesichtspunkten bewertet werden, k\u00f6nnen Gewalttaten unter mehreren Zielrichtungen subsumiert sein. 29","30","Rechtsextremismus 31","Rechtsextremismus I. \u00dcberblick Im Rechtsextremismus herrscht die Auffassung vor, die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Ethnie, Nation oder Rasse entscheide \u00fcber den Wert eines Menschen. In der ethnisch-rassistisch definierten \"Volksgemeinschaft\" werden zentrale Werte der freiheitlichen demokratischen Grundordnung missachtet. Hauptaspekte rechtsextremistischer Agitation sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus sowie eine grunds\u00e4tzliche Demokratiefeindschaft. 1. Entwicklungstendenzen Gewalt und Militanz Militanz und Gewaltniveau bleiben im Rechtsextremismus unver\u00e4ndert hoch. Dies zeigt die hohe Zahl der Gewalttaten ebenso wie die Tatsache, dass mittlerweile jeder zweite Rechtsextremist als gewaltorientiert einzusch\u00e4tzen ist. Strategische Gewalt wird teilweise als Notwehrma\u00dfnahme definiert. So sehen Rechtsextremisten Deutschland von einem \"Volkstod\" bedroht, der von einer selbsternannten \"Elite\" verhindert werden muss - entsprechend drastisch ist die Diktion im Zusammenhang mit einer drohenden \"\u00dcberfremdung\". Diese Art von Rhetorik kann von Einzelt\u00e4tern und Kleinstgruppen als Rechtfertigung zum Handeln genutzt werden: \"Taten statt Worte\" ist dies vom terroristischen \"Nationalsozialistischen Untergrund\" (NSU) genannt worden. Im Internet sind jedenfalls Gewaltphantasien gegen Fremde zuhauf zu finden. Die insbesondere im letzten Quartal des Jahres 2014 angestiegene Zahl der Straftaten gegen Asylunterk\u00fcnfte zeigt, dass die Gewalt gegen Fremde zunimmt. Rechtsextremistische Gewalt richtet sich jedoch nicht nur gegen Fremde. Im erweiterten Fokus stehen alle politischen und ideologischen Gegner. Hierzu werden all diejenigen gez\u00e4hlt, die einem nationalistischen und v\u00f6lkischen Denken entgegenstehen. Gerade auch die verbalen Ausf\u00e4lle und in Einzelf\u00e4llen auch t\u00e4tlichen Angriffe auf Journalisten belegen die Reichweite. 32","RECHTSEXTREMISMUS Rechtsextremisten ist es in letzter Zeit nicht mehr gelungen, das Anschlussf\u00e4higkeit hohe Ma\u00df an Mobilisierung zu Demonstrationen und Musikveranstaltungen zu erreichen. Um dieser eigenen Mobilisierungsschw\u00e4che entgegenzuwirken, versuchen Rechtsextremisten, den Unmut von Teilen der Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Asylpolitik zu sch\u00fcren und sich so zunutze zu machen. Rechtsextremistische Parteien und hier insbesondere die \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) versuchen gezielt, b\u00fcrgerliche Demonstrationen f\u00fcr sich zu vereinnahmen. Es ist zudem eine Situation, in der sie sich als \"Vollstrecker\" eines angeblichen Volkswillens gerieren. Die NPD beendete auf dem Parteitag im November 2014 das NPD weiter Interregnum des Udo Past\u00f6rs als Parteivorsitzender und steht in der Krise aktuell noch schlechter da als vor einem Jahr: Weitgehend desastr\u00f6se Wahlergebnisse, das Ausscheiden aus dem Landtag in Sachsen und eine zerstrittene, strategisch nicht einheitlich handelnde Parteif\u00fchrung. Der neue Vorsitzende Frank Franz wird jedenfalls - obgleich er an den verfassungsfeindlichen Grundpositionen der Partei festh\u00e4lt - von der neonazistischen Str\u00f6mung in der Partei \u00fcberaus skeptisch eingestuft. Dennoch sollte man die Partei, die 2014 ihr 50-j\u00e4hriges Bestehen feierte, nicht vorschnell abschreiben. Wie bereits in der Vergangenheit beobachtet, bleiben auch zuk\u00fcnftig Wendungen m\u00f6glich, die die NPD f\u00fcr sich nutzen kann. Zudem bleibt sie in einzelnen Regionen stark verankert, wo sie auch als \"normale\" Partei wahrgenommen wird und \u00fcber eine nicht unbetr\u00e4chtliche kommunalpolitische Verankerung verf\u00fcgt. Vor dem Hintergrund einer verst\u00e4rkten fremdenfeindlichen und Wechselwirkung islamfeindlichen Hetze auf der einen und einer rasant wachsenden Zahl an Salafisten auf der anderen Seite m\u00fcssen Auseinandersetzungen der beiden Lager in Betracht gezogen werden. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Demonstrationen und ein direktes Aufeinandertreffen, aber auch im Sinne klandestin vorbereiteter Gewalt. 2. Personenpotenzial Das rechtsextremistische Personenpotenzial betrug Ende 2014 insgesamt 21.000 Personen und war damit - wie bereits in den Vorjahren - leicht r\u00fcckl\u00e4ufig (2013: 21.700). 33","RECHTSEXTREMISMUS Rechtsextremismuspotenzial1 2012 2013 2014 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten 7.500 7.400 7.200 Neonazis 6.000 5.800 5.600 in Parteien 7.150 7.000 6.850 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 6.000 5.500 5.200 \"DIE RECHTE\" 150 500 500 \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") 1.000 1.000 950 \"Der III. Weg\" (Neuaufnahme 2014) - - 200 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 2.500 2.500 2.500 Summe 23.150 22.700 22.150 nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 22.150 21.700 21.000 davon gewaltbereite Rechtsextremisten 9.600 9.600 - davon gewaltorientierte Rechtsextremisten2 - - 10.500 1 Die Zahlen sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Bis 2013 wurde bei der Darstellung des Personenpotenzials ausschlie\u00dflich die Anzahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten ausgewiesen. Ab 2014 wird nunmehr die Anzahl gewaltorientierter Rechtsextremisten angegeben, in der die Zahl der gewaltbereiten Rechtsextremisten als Teilmenge enthalten ist (vgl. Berichtsteil Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie, Kap. III). 34","RECHTSEXTREMISMUS II. Gewalt und Militanz Die hohe Zahl gewaltorientierter Rechtsextremisten, die von ihnen begangenen Gewalttaten und die Waffenaffinit\u00e4t in der Szene zeigen die Gefahr, die von diesem Spektrum ausgeht. Der Neonazismus ist eine Gewaltideologie, die Krieg und Gewalt verherrlicht. So setzt das neonazistische Spektrum auf Methoden der politischen Auseinandersetzung, die sich deutlich an Mustern aus der sogenannten NS-Kampfzeit (1919-1933) orientieren, einschlie\u00dflich der politischen Stra\u00dfengewalt von rechtsund linksextremistischen Kr\u00e4ften in der Weimarer Republik. Auch f\u00fcr die subkulturelle rechtsextremistische Szene ist Gewalt ein Wesensmerkmal. Sie beginnt im Rechtsextremismus mit Ausgrenzung und Ver\u00e4chtlichmachung von Minderheiten und endet in manifester Gewalt. 1. Strategische Gewalt Auch wenn die Anwendung von Gewalt durch Rechtsextremisten in der Regel spontan und situationsbezogen erfolgt, so wird sie doch in der Summe zu einer strategischen Gewalt. Sie dient der Einsch\u00fcchterung der \"Hassobjekte\" und kann als \"Kommunikationskonzept\" verstanden werden. Die Gewalt gegen einige soll alle treffen; ethnisch Fremde und politische Gegner sollen in Angst und Schrecken versetzt werden, mit dem Ziel, dass sie die Region oder das Land verlassen beziehungsweise die Vorherrschaft der Rechtsextremisten nicht infrage stellen. Auch wenn es in der rechtsextremistischen Publizistik nicht mehr vorrangig propagiert wird, bleibt das Ziel der Errichtung von \"national befreiten Zonen\" doch pr\u00e4sent. 1.1 Rechtsextremistische Straftaten mit fremdenfeindlicher Motivation bzw. gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte Die Zahl fremdenfeindlicher Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund ist in den letzten Jahren wieder angestiegen und erreichte mit 512 Gewalttaten im Jahr 2014 den h\u00f6chsten Stand seit der Einf\u00fchrung des geltenden Definitionssystems \"Politisch motivierte Kriminalit\u00e4t\" im Jahr 2001 (374). \u00dcber 50 Prozent aller begangenen rechtsextremistischen Gewalttaten sind fremdenfeindlich motiviert. Personensch\u00e4den, beispielsweise bei 35","RECHTSEXTREMISMUS Anschl\u00e4gen auf Asylbewerberunterk\u00fcnfte, werden dabei teilweise billigend in Kauf genommen oder gar vors\u00e4tzlich geplant. Die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten gegen Asylbewerberunterk\u00fcnfte - \u00fcberwiegend Sachbesch\u00e4digungen und Propagandadelikte - hat sich mit 170 gegen\u00fcber dem Vorjahr mehr als verdreifacht (2013: 55). Fremdenfeindlichkeit \u00dcbereinstimmendes Ziel im Rechtsextremismus ist die ethnisch homogene \"Volksgemeinschaft\". Eines der traditionellen Ideologieelemente, das nahezu alle Rechtsextremisten eint, ist daher die Fremdenfeindlichkeit und der Kampf gegen die ethnische und kulturelle \"\u00dcberfremdung\". Mit dieser \"Verteidigungssituation\" der einheimischen Bev\u00f6lkerung wird Gewaltanwendung legitimiert. So verglich der Landesleiter Deutschland der \"Europ\u00e4ischen Aktion\" (EA) Rigolf Hennig die Situation mit derjenigen in S\u00fcdtirol in den 1960er-Jahren. Erst die Sprengungen von Strommasten, an denen er nach eigenen Angaben selbst beteiligt war, h\u00e4tten die \"\u00dcberfremdung\" gestoppt. Flugbl\u00e4tter und Appelle seien zuvor erfolglos geblieben. Es habe sich solange nichts ger\u00fchrt, bis die ersten Masten \"geflogen\" seien: \"Es hat funktioniert\". Die heutige Situation in Deutschland sei \"dramatischer wie noch nie\". Hennig fordert, dass die \"Masseneinwanderung\" ebenso wie seinerzeit in S\u00fcdtirol gestoppt werden m\u00fcsse - \"und wir werden es auch hier eines Tages schaffen.\"3 Auch von anderer Seite wird mit Verweis auf den Terrorismus des NSU zum Untergrundkampf gegen Asylbewerber aufgerufen: \"Es m\u00fcsste eigentlich mehr Untergrund-K\u00e4mpfer geben. Die Asylanten m\u00fcssten in st\u00e4ndiger Angst leben. Es m\u00fcssten immer wieder Anschl\u00e4ge passieren. Ich denke einige w\u00fcrden es sich dann \u00fcberlegen ob sie hier her kommen! Ich denke wir sollten froh sein das es solche Menschen gibt die ihr Leben daf\u00fcr hingaben einen solchen Kampf zu f\u00fchren. Nicht nur schreiben und reden. Taten folgen lassen!\" (Internetplattform \"Nationale Revolution\", 9. Juni 2014) 3 YouTube-Interview (10. Mai 2014). 36","RECHTSEXTREMISMUS Zudem werden in Internet-Postings massive Gewaltphantasien Gewaltphantasien gegen Fremde formuliert: \"Warum mu\u00df ich nach dem Lesen dieser Nachricht dauernd an Heckler & Koch denken? Um den Negern ein heimatliches Gef\u00fchl zu vermitteln, sollte indes ein Autoreifen mit etwas Holz darin gen\u00fcgen ...\" \"Ich habe gar kein Interesse daran, da\u00df sich diese Neger ergeben. Signalwirkung ist alles. Deshalb keine halben Sachen, sondern das Geb\u00e4ude schlicht und ergreifend ohne Vorwarnung einebnen ...\" (Internetplattform \"Altermedia Deutschland\", 19. September 2014) Es sind Phantasien, die von gewaltorientierten Rechtsextremisten, K\u00f6rperverletzungen zumindest in kleinerer Dimension, auch in die Tat umgesetzt werden. Die gr\u00f6\u00dfte Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten sind K\u00f6rperverletzungen. # In Merseburg (Sachsen-Anhalt) griffen mehrere Rechtsextremisten am 20. Februar 2014 einen somalischen Studenten mit den Worten \"Schwarzer Mann, was machst du hier?\" an und rissen ihn zu Boden. Erst als Zeugen hinzukamen, lie\u00dfen die T\u00e4ter von ihrem Opfer ab. Das Amtsgericht Merseburg verurteilte am 6. November 2014 einen T\u00e4ter zu drei Wochen Jugendarrest sowie zur Ableistung von 40 gemeinn\u00fctzigen Arbeitsstunden wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung. Mitunter wurden bei Anschl\u00e4gen auf Asylunterk\u00fcnfte BrandvorBrandanschl\u00e4ge auf richtungen eingesetzt: Asylunterk\u00fcnfte # In Berlin versuchten am 29. April 2014 zwei Personen mittels Brandbeschleuniger die Notausgangst\u00fcr einer Gemeinschaftsunterkunft f\u00fcr Asylsuchende in Brand zu setzen. W\u00e4hrend der Tat hob einer der T\u00e4ter seinen rechten Arm zum Hitlergru\u00df. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten verurteilte die Beiden zu einer viermonatigen Bew\u00e4hrungsstrafe beziehungsweise zu einem zweiw\u00f6chigen Jugendarrest. Rechtsextremisten hei\u00dfen Straftaten gegen Asylunterk\u00fcnfte Zustimmung gut, wie beispielsweise die Brandstiftung an drei leerstehenden in der Szene 37","RECHTSEXTREMISMUS Geb\u00e4uden in Vorra (Bayern) am 11. Dezember 2014, die als Unterk\u00fcnfte f\u00fcr circa 80 Asylbewerber vorgesehen waren. Zuvor hatte es in der Region Bayern umfangreiche Anti-Asyl-Flugblattverteilungen der rechtsextremistischen Partei \"Der III. Weg\" gegeben, ohne dass die betroffene Asylunterkunft konkret thematisiert worden w\u00e4re. Die Partei brachte ihre Einstellung zu den Brandstiftungen in einer Ver\u00f6ffentlichung zum Ausdruck. Unter der \u00dcberschrift \"Mittelfranken: Drei Asyl-Kaschemmen durch Gro\u00dfbrand verhindert\" hie\u00df es: \"Eine drohende Asyl-\u00dcberflutung scheint (...) durch ein n\u00e4chtliches Gro\u00dffeuer nun gestoppt worden zu sein. So sollen (...) dort diverse Brandherde gleich drei leerstehende R\u00e4umlichkeiten vernichtet haben, die von volksfeindlichen \u00dcberfremdungsprotagonisten als k\u00fcnftige Asylanten-Behausungen angedacht waren. (...) Mit den perfiden Asylund \u00dcberfremdungspl\u00e4nen ist dank dem Feuerchen in ihrer Ortschaft erst einmal Schlu\u00df.\" (Homepage \"Der III. Weg\", 13. Dezember 2014) 1.2 Angriffsziel: Linksextremisten und andere politische Gegner \"Kampf um die Einen weiteren Schwerpunkt rechtsextremistischer Gewalt bilden Stra\u00dfe\" Angriffe auf Linksextremisten und andere politische Gegner. In ihrer Weltsicht handelt es sich hierbei um Personen, die anders als Fremde nicht per se aufgrund ihrer Ethnie, sondern wegen ihrer politischen Einstellung in den Fokus geraten. Sie gelten als \"Volksfeinde\", die sich einer ethnisch homogenen und politisch einheitlich handelnden \"Volksgemeinschaft\" entgegenstellen. Entsprechend martialisch ist die Diktion, mit der Gewalttaten ideologisch vorbereitet, gerechtfertigt und durchgef\u00fchrt werden. # Am 1. Februar 2014 griffen im Hamburger Hauptbahnhof vier Rechtsextremisten unvermittelt eine Gruppe von Personen an, die von ihnen als Angeh\u00f6rige der \"linken Szene\" identifiziert wurden. Aus einem zun\u00e4chst verbalen Streit entwickelte sich eine k\u00f6rperliche Auseinandersetzung. Die T\u00e4ter attackierten sowohl die einschreitenden Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes als auch sp\u00e4ter hinzukommende Polizeibeamte verbal und mit Schl\u00e4gen und Tritten. Erst durch Hinzuziehen 38","RECHTSEXTREMISMUS weiterer Einsatzkr\u00e4fte konnten die T\u00e4ter festgenommen werden, die ein Tierabwehrspray und ein Einhandmesser mit sich f\u00fchrten. Unter den zum Teil als gewaltbereit bekannten Rechtsextremisten waren auch Mitglieder der neonazistischen Gruppierung \"Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew\", die bundesweit aktiv ist. In den Kontext der Gewalt gegen politische Gegner geh\u00f6ren auch Presse als Angriffsziel die Angriffe auf die Presse, die als \"Feindpresse\" angesehen wird. So seien die ma\u00dfgeblichen Medien in Deutschland nicht mehr als \"Lokalredaktionen der CIA-Pressestelle\"4. # Mehrfach hat es rechtsextremistische Angriffe auf Geb\u00e4ude der Lausitzer Rundschau in L\u00fcbbenau und Spremberg (beide Brandenburg) durch Schmierereien (Hakenkreuz, \"Juden, kill them\", \"Wir kriegen euch alle\") gegeben, zum Beispiel am 5. September 2014. Das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut in einer demokraDemonstrationen tischen Gesellschaft. Es soll Raum bieten f\u00fcr die Artikulation unterschiedlicher Interessen und Meinungen. Tendenziell anders verh\u00e4lt es sich, wenn Demonstrationen nicht als Meinungsbekundungen verstanden werden, sondern als \"Kampf um die Stra\u00dfe\", so wie rechtsextremistische Parteien und Neonazis es tun - angelehnt an einen Begriff aus der \"NS-Kampfzeit\". Auch hier geht es Rechtsextremisten um einen hegemonialen Anspruch, der letztlich die Rechte anderer negiert. Der Machtanspruch im \u00f6ffentlichen Raum korrespondiert mit dem Gemeinschaftsgef\u00fchl der Teilnehmer. 4 Homepage \"Sache des Volkes\" (18. August 2014). 39","RECHTSEXTREMISMUS Sinkende Gleichwohl sehen nicht wenige Rechtsextremisten den \"Kampf Mobilisierungsum die Stra\u00dfe\" als vorerst gescheitert an. Blockaden von Gegenf\u00e4higkeit demonstranten, Versammlungsverbote oder geringe Teilnehmerzahlen f\u00fchren innerhalb des rechtsextremistischen Spektrums zu Unmut und Resignation. 2014 setzte sich der r\u00fcckl\u00e4ufige Trend im rechtsextremistischen Demonstrationsgeschehen - auch im Hinblick auf die Teilnehmerzahlen - weiter fort (2014: 225 Veranstaltungen; 2013: 241). Anzahl rechtsextremistischer Kundgebungen Neonazis NPD/JN \"DIE RECHTE\" \"pro NRW\" \"Der III. Weg\" 140 123 120 100 95 85 80 60 56 40 31 30 21 20 20 8 0 2013 2014 40","RECHTSEXTREMISMUS Nicht zuletzt angesichts zahlreicher mobilisierungsschwacher oder mit erheblichen beh\u00f6rdlichen Auflagen versehener Veranstaltungen wird die Durchf\u00fchrung unangemeldeter spontaner Aktionen diskutiert. Ebenso gibt es immer wieder Versuche, provokative Aktionsformen umzusetzen, wie zum Beispiel am 30. September 2014 in Leipzig (Sachsen), als die Jugendorganisation der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) ein Stra\u00dfentheater mit einer nach dem Vorbild der Terrororganisation \"Islamischer Staat\" (IS) inszenierten Hinrichtung auff\u00fchrte. 2. Radikalisierungsund Rekrutierungsfaktoren: Musik und Internet Neben Faktoren, die allgemein extremistische Haltungen in den unterschiedlichen Ph\u00e4nomenbereichen bef\u00f6rdern k\u00f6nnen, wie beispielsweise das soziale Umfeld und gruppendynamische Prozesse, ist im Rechtsextremismus ganz spezifisch die Musikszene ein bedeutendes Medium f\u00fcr Radikalisierung wie Rekrutierung. Gerade in der Fr\u00fchphase der Radikalisierung stehen f\u00fcr viele Musikevents Jugendliche und Heranwachsende Erlebnisfaktor und Event-Charakter von Musikveranstaltungen im Vordergrund und weniger die Ideologie. In zahlreichen Liedtexten von Musikgruppen des subkulturell gepr\u00e4gten Spektrums werden offen oder auch unterschwellig rechtsextremistische Feindbilder und Ideologiefragmente transportiert, entsprechende Denkmuster geformt und verfestigt sowie ein Identit\u00e4tsgef\u00fchl beschworen. In Liedtexten wird Gewalt nicht nur gerechtfertigt, sondern es wird mehr oder minder offen zur Gewalt aufgerufen. Das Weltbild von Angeh\u00f6rigen rechtsextremistischer Subkulturen ist nicht in sich geschlossen, sondern wird von einzelnen rechtsextremistischen Einstellungen und Argumentationsmustern gepr\u00e4gt, wie zum Beispiel von Rassismus, Antisemitismus und der Akzeptanz von Gewalt gegen Minderheiten. Allerdings gelingt es der rechtsextremistischen Szene derzeit weniger, bew\u00e4hrte Erlebnisangebote f\u00fcr Anh\u00e4nger und Interessenten anzubieten. So ist neben der Zahl rechtsextremistischer Kundgebungen auch im Bereich der Musikveranstaltungen insgesamt ein R\u00fcckgang festzustellen. W\u00e4hrend es 2014 161 41","RECHTSEXTREMISMUS Musikveranstaltungen gab, wurden im Jahr 2005, auf dem H\u00f6hepunkt des rechtsextremistischen Musikgeschehens, 292 Musikveranstaltungen durchgef\u00fchrt. Anzahl rechtsextremistischer Musikveranstaltungen Konzerte Liederabende Sonstige Musikveranstaltungen 90 80 78 70 60 55 55 51 50 47 46 40 30 20 10 0 2013 2014 Internet Auch das Internet tr\u00e4gt zur Radikalisierung bei - nirgendwo sonst kann in so hoher Zahl offen fremdenfeindliche, antisemitische und islamfeindliche Hetze gefunden werden. Die Kommunikation auf rechtsextremistischen Internetpr\u00e4senzen, wie zum Beispiel \"Altermedia Deutschland\", ist zum Teil stark von Militanz und strafbaren \u00c4u\u00dferungen gepr\u00e4gt, wenngleich nicht hinter allen Gewalt\u00e4u\u00dferungen konkrete Planungen f\u00fcr die Begehung von Straftaten stehen. Viele Internetnutzer f\u00fchlen sich durch die weitgehende Anonymit\u00e4t beziehungsweise geschlossene Gespr\u00e4chskreise gesch\u00fctzt oder m\u00f6chten durch exzessive Gewaltbef\u00fcrwortung besonders \"interessant\" wirken. 42","RECHTSEXTREMISMUS W\u00e4hrend Rechtsextremisten fr\u00fcher vornehmlich eigene Internetseiten zur Verbreitung rechtsextremistischen Gedankengutes nutzten, spielen soziale Netzwerke mittlerweile eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Rechtsextremisten melden sich in Foren, bei Kurznachrichtendiensten oder Videoplattformen an, um miteinander zu kommunizieren, vor allem aber, um innerhalb der Internet-Community ihre Ideologie zu verbreiten. Mehr noch als bei ausgewiesen rechtsextremistischen Homepages besteht hier die Gefahr, dass Jugendliche und Heranwachsende unvermittelt und unvorbereitet rechtsextremistischen Inhalten ausgesetzt werden. Videoportale sind insbesondere bei Jugendlichen und Heranwachsenden beliebt. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass Rechtsextremisten hier besondere Aktivit\u00e4ten entfalten. Zwar gelingt es den Providern immer wieder, rechtsextremistische Videos ausfindig zu machen und zu entfernen. Videos neonazistischer Kameradschaften, Aufnahmen rechtsextremistischer Demonstrationen und Musikclips von Skinheadbands werden jedoch fortlaufend neu ins Netz gestellt. 3. Gefahrenpotenzial durch Waffenbesitz Im Ergebnis einer im Jahr 2014 vorgenommenen \u00dcberpr\u00fcfung ist festzustellen, dass legaler Schusswaffenbesitz bei Rechtsextremisten im Vergleich zur Gesamtbev\u00f6lkerung nicht \u00fcberrepr\u00e4sentiert ist. Allerdings k\u00f6nnen sich Rechtsextremisten auch auf illegalen Wegen Waffen beschaffen. Gleichwohl mindern die erfolgten Verfahren zum Entzug von Entzug waffenWaffen das Gef\u00e4hrdungspotenzial, das von diesen Personen ausrechtlicher geht. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden haben Erkenntnisse zu Erlaubnisse rechtsextremistischen Aktivit\u00e4ten von Waffenerlaubnisinhabern an die zust\u00e4ndigen Waffenbeh\u00f6rden \u00fcbermittelt. In einigen F\u00e4llen wurde die beh\u00f6rdliche Erlaubnis widerrufen und die Waffenbesitzkarte eingezogen. Weitere Verfahren zur Entziehung waffenrechtlicher Erlaubnisse sind noch anh\u00e4ngig. 43","RECHTSEXTREMISMUS Das Verwaltungsgericht Bremen best\u00e4tigte mit Urteil vom 8. August 20145 unter anderem die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit eines Waffenverbots gegen ein NPD-Mitglied. Die aktive Mitgliedschaft in einer verfassungsfeindlichen Organisation qualifiziere den Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Bremen-Stadt als waffenrechtlich unzuverl\u00e4ssig. Schie\u00df\u00fcbungen Auch im Jahr 2014 konnten Schie\u00df\u00fcbungen deutscher Rechtsextremisten im Ausland festgestellt werden. Rechtsextremisten k\u00f6nnen so nicht nur den Umgang mit Waffen erlernen, sondern m\u00f6glicherweise auch die f\u00fcr den Erwerb von Waffen notwendigen Kontakte kn\u00fcpfen und sich international vernetzen. Schie\u00df\u00fcbungen deutscher Rechtsextremisten k\u00f6nnen dazu beitragen, die F\u00e4higkeiten der Szene f\u00fcr militante Aktionen zu erweitern. Das BfV beobachtet derartige Aktivit\u00e4ten im Rahmen einer engen Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Eine weitere M\u00f6glichkeit zur Vernetzung von Rechtsextremisten ist der Bereich der allgemeinen Kriminalit\u00e4t. Hier k\u00f6nnen pers\u00f6nliche Kontakte gekn\u00fcpft werden und Netzwerke entstehen, die f\u00fcr die rechtsextremistische Szene, zum Beispiel f\u00fcr die Beschaffung von Waffen, nutzbar gemacht werden k\u00f6nnen. Verurteilung Ein Beispiel hierf\u00fcr ist der \u00f6sterreichische neonazistische Verein deutscher \"Objekt 21\", von dem neben rechtsextremistischen Aktivit\u00e4ten Rechtsextremisten auch Straftaten im Bereich der Organisierten Kriminalit\u00e4t ausginin \u00d6sterreich gen, wie zum Beispiel Gewaltund Drogendelikte, Brandstiftungen und Waffenhandel. Zwei Rechtsextremisten aus Th\u00fcringen wurden im Fr\u00fchjahr 2014 von einem \u00f6sterreichischen Gericht unter anderem aufgrund ihrer Mitgliedschaft in dieser kriminellen Vereinigung zu Haftstrafen von drei Jahren beziehungsweise drei Jahren und neuneinhalb Monaten verurteilt. 4. Hinweise auf Gef\u00e4hrdungssachverhalte Im Jahr 2014 wurden dem BfV einzelne Sachverhalte bekannt, bei denen Anhaltspunkte f\u00fcr ein erh\u00f6htes Gef\u00e4hrdungsmoment - m\u00f6glicherweise als Vorstufe zu rechtsterroristischen 5 VG Bremen, Urteil vom 08.08.2014 - 2 K 1002/13. 44","RECHTSEXTREMISMUS Aktivit\u00e4ten - vorlagen. Hierzu geh\u00f6ren zum Beispiel Hinweise auf illegale Waffenbeschaffungen oder \u00dcberlegungen, gezielt Gewalttaten gegen Angeh\u00f6rige rechtsextremistischer Feindbilder zu begehen. Zum Gro\u00dfteil haben sich die Verdachtsmomente nicht erh\u00e4rtet. Aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden verfolgten die Verd\u00e4chtigen ihre (\u00fcberwiegend unkonkreten) Planungen nicht weiter. Einige dieser Gef\u00e4hrdungssachverhalte bed\u00fcrfen dagegen noch einer weiteren Aufkl\u00e4rung, die in enger Zusammenarbeit mit der Polizei erfolgt. 5. Staatliche Ma\u00dfnahmen Zahlreiche staatliche Ma\u00dfnahmen setzten die rechtsextremistische Szene im Jahr 2014 unter Druck, unter anderem folgende Verbotsma\u00dfnahmen der L\u00e4nder: # \"Nationale Sozialisten Chemnitz\" (NSC) (28. M\u00e4rz 2014) # \"Freies Netz S\u00fcd\" (FNS) (23. Juli 2014) # \"Autonome Nationalisten G\u00f6ppingen\" (AN G\u00f6ppingen) (18. Dezember 2014) und Durchsuchungen/Strafverfahren: # Am 4. Juni 2014 fanden in mehreren Bundesl\u00e4ndern Durchsuchungsma\u00dfnahmen bei insgesamt 35 Personen statt, die im Zusammenhang mit einem Verfahren gegen mutma\u00dfliche Betreiber und Mitglieder des seinerzeit bundesweit bedeutendsten rechtsextremistischen Internetforums \"ThiaziForum\" standen. Das Landgericht Rostock (MecklenburgVorpommern) er\u00f6ffnete am 28. November 2014 das Verfahren gegen die ersten vier Beschuldigten unter anderem wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung. # Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung gem\u00e4\u00df SS 129 StGB gegen Angeh\u00f6rige der AN G\u00f6ppingen. Am 26. Februar 2014 fanden Durchsuchungsma\u00dfnahmen bei 18 Personen statt. Das Landgericht Stuttgart er\u00f6ffnete am 15. Januar 2015 das Hauptverfahren gegen vier R\u00e4delsf\u00fchrer. 45","RECHTSEXTREMISMUS 6. Gef\u00e4hrdungspotenzial Trotz staatlicher Ma\u00dfnahmen und weitgehender politisch-gesellschaftlicher Isolation der gewaltorientierten Rechtsextremisten bleibt das Gef\u00e4hrdungsniveau weiter hoch. Dies gilt f\u00fcr die \"Alltagsgewalt\" gegen Fremde und politisch Andersdenkende. Es gilt aber ebenso f\u00fcr die Gefahr einer Eskalation der Asylproteste und den Aufbau klandestiner Strukturen. Schlie\u00dflich ist die zugrundeliegende Ideologie darauf fixiert, ein Volk m\u00fcsse kurz vor dem Untergang gerettet werden - ein Szenario, das ein militantes, r\u00fccksichtsloses Handeln geradezu herausfordert. Rassismus und Entmenschlichung der Fremden und der Ausschluss der politischen Gegner, die allesamt zu Agenten fremder M\u00e4chte und Verr\u00e4tern erkl\u00e4rt werden, liefern die ideologische Rechtfertigung f\u00fcr eine hemmungslose Gewalt. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden beobachten die Entwicklungen sehr genau, von Radikalisierungsprozessen \u00fcber den Aufbau organisatorischer Strukturen bis hin zur Ert\u00fcchtigung an Waffen. Die Selbstradikalisierung einzelner Personen oder Kleinstgruppen bildet dabei ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Risikopotenzial. III. Parteistrukturen im Rechtsextremismus 1. Anhaltende Krise der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) Die Krise der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) hielt auch 2014 an: personell, strategisch und wahlpolitisch. Udo Past\u00f6rs als Nachfolger Holger Apfels im Parteivorsitz unterlag eine Woche nach seinem Amtsbeginn Udo Voigt im Kampf um die Spitzenkandidatur f\u00fcr das Europaparlament. Der am 10. Januar 2014 vom Parteivorstand einstimmig zum Parteivorsitzenden bestimmte Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag Udo Past\u00f6rs trat in der Folge kaum noch in Erscheinung, weder mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Auftritten noch mit strategischen oder programmatischen Zielvorgaben. 46","RECHTSEXTREMISMUS Die Partei erreichte 2014 kaum eines ihrer Wahlziele: Statt der Wahlergebnisse erhofften zwei oder drei Delegierten schaffte es nur der Spitzenkandidat Voigt in das Europ\u00e4ische Parlament. In Sachsen fehlten 824 Stimmen f\u00fcr den erneuten Einzug der Partei in das Landesparlament; mit 4,95% der Zweitstimmen (absolut: 81.051) b\u00fc\u00dfte die NPD am 31. August 2014 in Relation zur Landtagswahl 2009 (5,6%; absolut: 100.834) ein F\u00fcnftel ihrer damaligen W\u00e4hler ein. In Brandenburg und Th\u00fcringen verfehlte die NPD am 14. September 2014 mit 2,2% (absolut: 21.605) beziehungsweise 3,6% (absolut: 34.049) jeweils deutlich den Einzug in den Landtag. Nicht ganz so desastr\u00f6s endeten die Kommunalwahlen, bei denen es der Partei gelang, die Anzahl ihrer kommunalen Mandate bundesweit von rund 330 auf knapp 360 Sitze auszubauen. Nach den Wahlniederlagen brachen die parteiinternen Debatten mit einer bemerkenswerten pers\u00f6nlichen Sch\u00e4rfe aus (\"Charakterlumpen\", \"Galerie der Erb\u00e4rmlichkeiten\", \"Speichellecker\" oder \"Metastasengeflecht\")6. In ihnen spiegelte sich auch das Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen den Anh\u00e4ngern eines \"gegenwartsbezogenen Nationalismus\" und einer kompromisslosen Fundamentalopposition. Schlie\u00dflich w\u00e4hlten die Delegierten auf dem 35. ordentliNeuer Parteichen Bundesparteitag am 1./2. November 2014 in Weinheim vorsitzender (Baden-W\u00fcrttemberg) Frank Franz zum neuen Parteivorsitzenden. Der bisherige Pressesprecher setzte sich mit 63,7% der g\u00fcltigen Delegiertenstimmen gegen zwei Mitbewerber durch. Bei der Wahl von Franz handelt es sich lediglich um eine Verlegenheitsl\u00f6sung. Franz spricht von einem \"aufgekl\u00e4rten Nationalismus\"7, ein Begriff, den er \u00e4hnlich substanzlos gebraucht wie vor ihm Apfel die \"seri\u00f6se Radikalit\u00e4t\". Eine wesentliche \u00c4nderung von Ideologie und Politik der Partei ist von ihm vorderhand nicht zu erwarten. Ihm fehlt daf\u00fcr die Machtbasis, da im Parteivorstand weiterhin Neonazis vertreten sind. Ihm fehlt aber auch der Wille. Noch im Vorfeld des Bundesparteitags hatte Franz in einem Grundsatzbeitrag das unverhandelbare v\u00f6lkische Prinzip der NPD betont. Ebenso sei der \"Vier-S\u00e4ulen-Strategie\" (\"Kampf um die 6 Facebook-Seite Karl Richter (23. Oktober 2014). 7 Homepage NPD (3. November 2014). 47","RECHTSEXTREMISMUS K\u00f6pfe\", \"Kampf um die Stra\u00dfe\", \"Kampf um die Parlamente\" und \"Kampf um den organisierten Willen\") weiterhin Priorit\u00e4t beizumessen.8 Ihren Agitationsschwerpunkt setzte die Partei bei den 2014 durchgef\u00fchrten Wahlk\u00e4mpfen, wie auch \u00fcber das gesamte Jahr hinweg, auf die Asylund Fl\u00fcchtlingsthematik. Im Mittelpunkt der Parteikundgebungen standen \"\u00dcberfremdung\", \"Asylmissbrauch\" und \"Zuwanderung\". Gef\u00e4hrdungsDie NPD bleibt trotz aller Misserfolge und Querelen die st\u00e4rkste potenzial und wirkungsm\u00e4chtigste rechtsextremistische Partei. Nach wie vor ist ihre kommunalpolitische Verankerung in einigen Regionen im Osten Deutschlands nicht zu untersch\u00e4tzen. Die hochfliegenden Pl\u00e4ne fr\u00fcherer Jahre haben sich derweil verfl\u00fcchtigt. Aktuell verf\u00fcgt sie nur noch \u00fcber die Landtagsfraktion in Mecklenburg-Vorpommern. Der Verlust der Fraktion in Sachsen bedeutet einen schweren Imageschaden, vor allem aber einen immensen Verlust an finanziellen Ressourcen und an M\u00f6glichkeiten, Parteimitglieder zu professionalisieren und zu alimentieren. Die NPD ist als Sammlungsbewegung unterschiedlicher Str\u00f6mungen im Rechtsextremismus gegr\u00fcndet worden. Innerparteiliche Querelen sind insofern nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich. Trotzdem muss die Sch\u00e4rfe der Auseinandersetzungen \u00fcberraschen. Eind\u00e4mmen kann sie der neue Parteivorsitzende nur mit wahlpolitischen oder aktionistischen Erfolgen - und dies vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen, ungel\u00f6ster strategischer Fragen, finanzieller Probleme und des anh\u00e4ngigen Verbotsverfahrens. 2. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") Die \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") setzte 2014 ihren fremdenfeindlichen Kurs fort. Dies wurde insbesondere anl\u00e4sslich des Europawahlkampfs deutlich. In ihrem Wahlprogramm \"F\u00fcr ein Europa der Vaterl\u00e4nder. Europapolitische Thesen der B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" bezeichnete sich die Partei als \"dezidiert islamund zuwanderungskritisch\". Die dort enthaltenen 8 \"Deutsche Stimme\" Nr. 11/2014, November 2014, S. 12. 48","RECHTSEXTREMISMUS Ansichten (\"NEIN zum EU-Beitritt der T\u00fcrkei\") und Forderungen (z.B. nach einer \"konsequenten Abschiebepraxis\") m\u00fcnden regelm\u00e4\u00dfig in einer pauschalen Verunglimpfung des Islam (\"mittelalterliche Politreligion\"), von Asylbewerbern (\"Asylbetr\u00fcger\"), Sinti und Roma sowie der Europ\u00e4ischen Union (\"Br\u00fcsseler EU-Diktatur\").9 Im Zuge der Europawahl erhoffte sich \"pro NRW\" durch den Wegfall der Sperrklausel nicht nur den Einzug ins Europaparlament; mit einem bundesweiten Wahlantritt sollte auch der eigene Wirkungskreis ausgedehnt werden. Mit einem erzielten Stimmenanteil von nur 0,2% (absolut: 52.649 Stimmen) verfehlte die Partei beide Ziele allerdings deutlich. Bei den zeitgleich erfolgten Kommunalwahlen musste \"pro NRW\" ebenfalls eine Niederlage hinnehmen (0,5%; absolut: 36.082 Stimmen). 3. Instrumentalisierung von Parteistrukturen durch \"DIE RECHTE\" und \"Der III. Weg\" Ein wichtiges sicherheitspolitisches Instrument gegen rechtsextremistische Organisationen sind Vereinsverbote. Mit ihnen konnten in den vergangenen Jahrzehnten wirkungsvoll Strukturen zerschlagen werden. Um weitere Verbote zu erschweren, ist die neonazistische Szene bei der Parteiform als Organisierungsmodell f\u00fcndig geworden. Mit den Organisationen \"DIE RECHTE\" und \"Der III. Weg\" gibt es derzeit zwei relativ junge rechtsextremistische Parteien, die zunehmend von Neonazis als Plattform f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten genutzt werden. Angesichts ihrer relativen Verbotsfestigkeit nach Artikel 21 Absatz 2 des Grundgesetzes und ihrer Aktionsm\u00f6glichkeiten sind Parteistrukturen f\u00fcr Neonazis und andere parteiungebundene Rechtsextremisten attraktiv. Demonstrationen oder Kundgebungen k\u00f6nnen als Parteiveranstaltungen deklariert und nur unter engen Voraussetzungen verboten werden. Einen zus\u00e4tzlichen Anreiz stellen m\u00f6gliche Anspr\u00fcche auf staatliche Finanzmittel dar, wie die staatliche Teilfinanzierung oder Sitzungsund Fraktionsgelder. 9 Homepage \"pro NRW\" (6. Mai 2014). 49","RECHTSEXTREMISMUS 3.1 \"DIE RECHTE\" In der Partei \"DIE RECHTE\" konnte der neonazistische Landesverband Nordrhein-Westfalen seinen Einfluss auf die Gesamtpartei festigen. Seit der Neuwahl des Bundesvorstands auf dem ordentlichen Parteitag am 5. Juli 2014 in Hamm (NordrheinWestfalen) verf\u00fcgt der mitgliederst\u00e4rkste Landesverband - ihm geh\u00f6ren mehr als die H\u00e4lfte aller Mitglieder bundesweit an - mit dem stellvertretenden Vorsitzenden und zwei Beisitzern \u00fcber erheblichen Einfluss an der Spitze der Partei. Daran d\u00fcrfte auch die Tatsache wenig \u00e4ndern, dass der Bundesvorstand mehrheitlich mit Personen besetzt ist, die keinen neonazistischen Vorlauf haben. Schlie\u00dflich ist der Landesverband Nordrhein-Westfalen der einzige mit nennenswerten Aktivit\u00e4ten. Dies wurde auch bei den Kommunalwahlen in NordrheinWestfalen im Mai 2014 deutlich, bei denen \"DIE RECHTE\" zwar landesweit ein kaum wahrnehmbares Zweitstimmenergebnis erzielte (0,0%; absolut: 2.755), in ihren Hochburgen Dortmund und Hamm jedoch jeweils ein Mandat im Stadtrat erringen konnte. Am 1. Mai 2014 gelang der Partei zudem ein relativer Mobilisierungserfolg mit einer 500 Teilnehmer starken Kundgebung in Dortmund, ganz \u00fcberwiegend aus dem neonazistischen Spektrum. Verbindungen zur W\u00e4hrend der Parteiaufbau stagniert - der Aufl\u00f6sung des LanHooligan-Szene desverbands Hessen steht eine Neugr\u00fcndung in Sachsen-Anhalt und \"Stadtschutz\"gegen\u00fcber - sind zwei strategische Momente beachtenswert, die Projekte vom Landesverband Nordrhein-Westfalen ausgehen: # Einmal die expressive Werbung in der Fu\u00dfballfanund HooliganSzene beim Kommunalwahlkampf, mit den Parolen \"Pyrotechnik legalisieren\" und dem Wahlplakat in den Vereinsfarben von Borussia Dortmund \"Von der S\u00fcdtrib\u00fcne in den Stadtrat!\" f\u00fcr ihren Spitzenkandidaten. # Zum anderen die \"Stadtschutz\"-Projekte: So sind einige Parteimitglieder ab August 2014 durch Dortmunder Stadtteile gezogen, um angeblich \"praktische Hilfe f\u00fcr die Opfer von Ghettoisierung und Kriminalit\u00e4tsexplosion\" bis hin zu \"Personenund Objektschutz nach individuellen 50","RECHTSEXTREMISMUS Gefahrenprognosen, z.B. im Umfeld von Asylantenheimen oder f\u00fcr potentiell gef\u00e4hrdete B\u00fcrger\" zu bieten.10 Auch Parteimitglieder aus Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) initiierten eine \"Stadtschutz\"-Arbeitsgruppe, angeblich in Reaktion auf die salafistische Propagandaaktion \"Shariah Police\"11. Sie gaben vor, in bestimmten Stadtteilen gezielt nach einer \"Streife\" der Salafisten zu suchen oder \"Pr\u00e4senz\" gegen \"linkskriminelle Hausbesetzer\" zu zeigen.12 Aktivisten des \"Stadtschutzes Wuppertal\" verteilten zudem Pfefferspray in \"multikriminellen\" Stadtvierteln an deutsche Frauen, da diese in Vierteln mit hohem Migrantenanteil nicht mehr sicher seien.13 Diese Initiativen sind der Versuch, gewaltorientiertes Potenzial zu erschlie\u00dfen und mit provokativen Aktionen sowohl die Polizei als auch den politischen Gegner herauszufordern und ein Bedrohungspotenzial aufzubauen. Dies richtet sich gegen Islamisten und Migranten allgemein sowie gegen \"Linke\" und Linksextremisten. 3.2 \"Der III. Weg\" Der signifikante Einfluss von Neonazis innerhalb der Partei \"Der III. Weg\" l\u00e4sst sich unter anderem an zahlreichen F\u00fchrungsaktivisten festmachen, die zuvor dem am 23. Juli 2014 vom bayerischen Innenminister verbotenen Kameradschaftsnetzwerk \"Freies Netz S\u00fcd\" (FNS) angeh\u00f6rt hatten. Bereits vor dem (erwarteten) Verbot hatten sie mit dem Aufbau von Parteistrukturen begonnen und den \"III. Weg\" zur derzeit pr\u00e4genden neonazistischen Partei in Bayern gemacht. Die Kleinstpartei ist hier mit sechs sogenannten St\u00fctzpunkten am st\u00e4rksten vertreten, weitere befinden sich in Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen. Ideologisch bezeichnet sich die Partei, die in ihrem \"Zehn-PunkteProgramm\" einen \"Deutschen Sozialismus\" fordert, als \"nationalrevolution\u00e4r\". Damit d\u00fcrfte nicht die ideengeschichtlich in Gegnerschaft zum Nationalsozialismus stehende Richtung gemeint 10 Internetplattform \"DortmundEcho\" (17. August 2014). 11 Vgl. Berichtsteil Islamismus/islamistischer Terrorismus, Kap. III. 12 Homepage \"DIE RECHTE - Kreisverband Wuppertal\" (5. September 2014). 13 Homepage \"DIE RECHTE - Kreisverband Wuppertal\" (16. Oktober 2014). 51","RECHTSEXTREMISMUS sein. Vielmehr ist es eine Reverenz an den \"linken\" Fl\u00fcgel im historischen Nationalsozialismus. Das v\u00f6lkisch-biologistische Menschenund Gesellschaftsbild, das der Programmatik der im Herbst 2013 von ehemaligen NPD-Funktion\u00e4ren sowie von einigen Neonazis gegr\u00fcndeten Partei zugrunde liegt, ist mit dem individuellen Menschenrechtsverst\u00e4ndnis des Grundgesetzes nicht vereinbar. Die fundamental ablehnende Haltung gegen\u00fcber dem demokratischen Rechtsstaat kommt auch in der politischen Agitation deutlich zum Ausdruck, insbesondere bei der Instrumentalisierung des Themas Asyl, dem agitatorischen Schwerpunkt der Partei. In einigen Orten, beispielsweise in Deggendorf (Bayern) oder Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz), veranstaltete die Partei regelm\u00e4\u00dfig Propagandaaktionen mit einer aggressiven Rhetorik gegen Asylbewerberheime. Im Jahr 2014 war eine einzige wahlpolitische Aktivit\u00e4t zu registrieren: Im Rahmen der Kommunalwahlen in Rheinland-Pfalz trat die Partei lediglich am Wohnort ihres Bundesvorsitzenden in Bad D\u00fcrkheim an, erreichte jedoch nur 0,5% (absolut: 301). 3.3 Gef\u00e4hrdungspotenzial Perspektivisch dienen beide Kleinstparteien als Auffangbecken f\u00fcr Neonazis, die von Vereinsverboten betroffen sind. Ihre Reichweite ist bislang begrenzt und beschr\u00e4nkt sich auf wenige Regionen. Wenngleich ein strukturierter Parteiaufbau-Prozess auch 2014 nicht zu erkennen war, k\u00f6nnen Neonazis hier regional unter dem Deckmantel des Parteienprivilegs agieren. Dies k\u00f6nnte durchaus eine Signalwirkung f\u00fcr andere Neonazis haben und entsprechende Organisierungsversuche vorantreiben. Beide Parteien sind, trotz gelegentlicher Teilnahme an Wahlen, nicht ansatzweise auf eine Mitarbeit in einem parlamentarischen System orientiert. Ihre Ziele sind stattdessen die Erschlie\u00dfung finanzieller Mittel, die Nutzung einer verbotssicheren Struktur zur Fortsetzung neonazistischer Aktivit\u00e4ten und vor allem die F\u00f6rderung einer Atmosph\u00e4re der Angst und Einsch\u00fcchterung durch aggressives und provokatives Auftreten. 52","RECHTSEXTREMISMUS IV. Internationale Krisen und ihr Aufgreifen durch die rechtsextremistische Szene Obgleich einzelne Kernaussagen des Rechtsextremismus in Meinungsumfragen auf zum Teil hohe Zustimmungsquoten sto\u00dfen, bleibt die gesellschaftliche Ablehnung und politische Isolation offensichtlich. Aus diesem Grund versuchen Rechtsextremisten, in gesellschaftlich diskutierten Themenfeldern zu agitieren, ohne ihre ideologische Grundhaltung in jedem Fall offenzulegen. Sie greifen internationale Krisen auf, die sich in Wechselwirkung auch auf die innere Sicherheit Deutschlands auswirken und entsprechend in der Bev\u00f6lkerung diskutiert werden. Aktuell sind dies insbesondere die mit dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien und dem Erstarken des \"Islamischen Staates\" (IS) einhergehende ansteigende Zahl an Asylbewerbern und die Gefahr islamistischterroristischer Anschl\u00e4ge. Ihre grunds\u00e4tzlich antisemitische und antiamerikanische/antiwestliche Ausrichtung versuchen sie mit der Agitation zu den Konflikten Israel/HAMAS und Russland/ Ukraine zu popularisieren. 1. Asyldebatte und Fremdenfeindlichkeit Vor dem Hintergrund massiv ansteigender Asylbewerberund Fl\u00fcchtlingszahlen setzten Rechtsextremisten ihre intensive fremdenfeindliche Agitation weiter fort. Die Anti-Asyl-Agitation war im Jahr 2014 ein Schwerpunkt der gesamten rechtsextremistischen Szene. Nahezu jede dritte Demonstration des rechtsextremistischen Spektrums richtete sich gegen (geplante) Asylbewerberunterk\u00fcnfte oder fand in r\u00e4umlicher N\u00e4he zu Asylbewerberunterk\u00fcnften statt. Anti-Asyl-Demonstrationen konzentrierten sich auf einzelne Regionen, mehrheitlich in Ostund Mitteldeutschland. In Westund S\u00fcddeutschland gab es hingegen umfangreiche Flugblattaktionen. An folgenden Orten waren besonders intensive rechtsextremistiEinflussnahme sche Einflussnahmeversuche festzustellen: vor Ort # In Schneeberg (Sachsen) - dort hatte es 2013 Demonstrationen mit bis zu 1.800 Teilnehmern gegeben, vorwiegend Personen 53","RECHTSEXTREMISMUS ohne extremistischen Hintergrund - wurde die Agitation auch 2014 fortgesetzt: Am 25. Januar und am 29. November 2014 fanden Folgedemonstrationen statt, an denen allerdings nur noch 200 beziehungsweise 600 Personen teilnahmen, vorwiegend NPD-Angeh\u00f6rige und Neonazis. # In Bautzen (Sachsen) fanden von M\u00e4rz 2014 an insgesamt sieben Demonstrationen gegen die Unterbringung von Asylbewerbern mit jeweils zwischen 30 und 580 Teilnehmern, vorwiegend Rechtsextremisten, statt. F\u00fcnf Kundgebungen waren von der NPD, zwei von Neonazis organisiert worden. # In verschiedenen Berliner Stadtbezirken gab es seit Ende Oktober 2014 zahlreiche Proteste von Rechtsextremisten und Anwohnern gegen geplante Unterk\u00fcnfte f\u00fcr Asylbewerber. Parallel dazu kam es zu Sachbesch\u00e4digungen an den Baustellen der Containerd\u00f6rfer. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Demonstranten stammt aus dem unmittelbaren Wohnumfeld. Rechtsextremisten sind in einem vergleichsweise geringen Anteil vertreten. In einzelnen F\u00e4llen gab es jedoch auch Demonstrationen mit \u00fcberwiegend rechtsextremistischer Beteiligung. Einige Demonstrationen wurden auch von Rechtsextremisten angemeldet und organisiert beziehungsweise gepr\u00e4gt. Rechtsextremistische Parteien versuchten im Zuge diverser Wahlk\u00e4mpfe, mit fremdenfeindlichen Aktivit\u00e4ten Ressentiments zu sch\u00fcren und neue Anh\u00e4nger zu gewinnen. Mitunter wurden entsprechende Kundgebungen in unmittelbarer N\u00e4he zu geplanten oder bereits existierenden Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften durchgef\u00fchrt. \"B\u00fcrgerbewegung # Die \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") produzierte pro NRW\" einen TV-Wahlwerbespot, in dem Migranten, insbesondere Asylbewerber, Muslime sowie Sinti und Roma, durch die Bildund Tonfolgen suggestiv mit M\u00fcll und Unrat assoziiert und zudem pauschal als Straft\u00e4ter dargestellt wurden. Aufgrund der fremdenfeindlichen und volksverhetzenden Aussagen - die grunds\u00e4tzlich dazu geeignet sind, die Gewaltbereitschaft gegen\u00fcber einem Teil der Bev\u00f6lkerung zu f\u00f6rdern und die Gewaltschwelle herabzusetzen - wurde der Wahlwerbespot durch die ARD nicht ausgestrahlt, was gerichtlich best\u00e4tigt wurde.14 14 Vgl. VG Berlin, Beschluss vom 28.04.2014 - 2 L 59.14. 54","RECHTSEXTREMISMUS # Die Landesverb\u00e4nde der NPD in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen f\u00fchrten im Vorfeld der Europawahl Kundgebungstouren durch (\"Ausl\u00e4nder kosten Millionen - Recht auf Asyl abschaffen - Auswanderung stoppen - Deutsche Familien f\u00f6rdern\" bzw. \"Heimat sch\u00fctzen - Asylmissbrauch stoppen\"). Wahlpolitisch blieb die Konzentration auf dieses Thema weitgehend erfolglos. Lediglich vereinzelt gelang es rechtsextremistischen Parteien, in St\u00e4dten, in denen dauerhaft und mit einem hohen Ressourceneinsatz gegen Asyleinrichtungen agitiert worden war, \u00fcberdurchschnittliche Ergebnisse zu erzielen, so zum Beispiel in der s\u00e4chsischen Stadt Schneeberg, wo die NPD mit einem Stimmenanteil von 10% (absolut: 596; 2009: 6,9%; absolut: 454) ihr Landesergebnis weit \u00fcbertreffen konnte. Nicht zu \u00fcbersehen ist allerdings, dass Rechtsextremisten bem\u00fcht sind, in der Asyldebatte eine gewisse Anschlussf\u00e4higkeit zu erringen. Bei Anwohnerdemonstrationen sind sie vielfach beteiligt, oftmals auch ohne Proteste gegen ihre Mitwirkung. Sie gerieren sich als diejenigen, die die \u00c4ngste der Bev\u00f6lkerung aufnehmen und versuchen, die Proteste in Richtung einer grunds\u00e4tzlichen Kritik an der politischen Ordnung zu lenken. 2. Islamfeindlichkeit: Hooligan-Demonstrationen und \"Rettung des Abendlandes\" Islamfeindliche \u00c4u\u00dferungen sind nach wie vor fester Bestandteil rechtsextremistischer Agitation. Rechtsextremisten versuchen, \u00c4ngste und Ressentiments in der Bev\u00f6lkerung zu sch\u00fcren und Vorurteile gegen\u00fcber Muslimen und dem Islam zu verbreiten. Rechtsextremisten nehmen - auch mangels eigener Mobilisierungserfolge - aktuelle Entwicklungen au\u00dferhalb ihres Spektrums auf und erhoffen sich Anschlussf\u00e4higkeit und einen Ausweg aus ihrer weitgehenden gesellschaftlichen Isolation. An zwei Demonstrationen einer Initiative von Hooligans gegen Hooligans und ProSalafisten nahmen jeweils auch mehrere Hundert Rechtsextteste gegen Salafisten remisten teil: Am 26. Oktober 2014 in K\u00f6ln (4.800 Teilnehmer; Motto: \"Gemeinsam gegen Salafisten\") und am 15. November 2014 in Hannover (3.200 Teilnehmer; Motto: \"Europa gegen den Terror des Islamismus\"). Bei der Veranstaltung in K\u00f6ln - Anmelder 55","RECHTSEXTREMISMUS war der stellvertretende Parteivorsitzende von \"pro NRW\", der urspr\u00fcnglich auch f\u00fcr die Versammlungsleitung vorgesehen war, nach Intervention des Parteivorstands zog er sich jedoch zur\u00fcck - kam es zu massiven gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen, \u00fcberwiegend gegen Polizeibeamte. Zudem waren bei dieser Veranstaltung von den teilnehmenden Rechtsextremisten Slogans zu h\u00f6ren wie \"Deutschland den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus\", \"Hier marschiert der nationale Widerstand\" und \"frei, sozial und national\". Demonstrationen Ebenso nahmen Rechtsextremisten an einzelnen der seit Herbst gegen eine 2014 in mehreren deutschen St\u00e4dten durchgef\u00fchrten Kundge\"Islamisierung des bungen gegen eine \"Islamisierung des Abendlandes\" teil, wennAbendlandes\" gleich bei der Mehrzahl der Veranstaltungen ein steuernder Einfluss bislang nicht erkennbar ist. Allerdings gibt es bundesweit einzelne Demonstrationen, die von Rechtsextremisten stark beeinflusst oder gar dominiert werden. Vor diesem Hintergrund muss vermehrt mit Straftaten von Rechtsextremisten mit islamfeindlicher Motivation gerechnet werden. Hierbei kommen insbesondere Moscheen als Anschlagsziel in Betracht, die als markantes Symbol einer propagierten \u00dcberfremdung (\"Landnahme\") wahrgenommen werden. Gef\u00e4hrdungsZwar beteiligten sich an den \u00f6ffentlichen Kundgebungen der potenzial Hooligan-Szene auch bekannte rechtsextremistische Hooligans und eine Reihe Neonazis aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands. Bislang kann jedoch weder von einem steuernden Einfluss durch Rechtsextremisten noch von einem ausdr\u00fccklichen Zusammenschluss von Rechtsextremisten und Hooligans ausgegangen werden. Gleichwohl deuteten Rechtsextremisten die Veranstaltung in K\u00f6ln als Best\u00e4tigung ihrer Position. Vor allem Landesund Kreisverb\u00e4nde der Partei \"DIE RECHTE\" - durch ihre Personalstruktur mit dem Hooliganspektrum verbunden - bewerten die Demonstrationen durchweg positiv; ebenso die NPD, die von einem Erfolg sprach und die gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen in K\u00f6ln auf das \"repressive Verhalten der Polizei\" zur\u00fcckf\u00fchrte.15 Der 15 Homepage NPD (29. Oktober 2014). 56","RECHTSEXTREMISMUS NPD-Landesverband Hamburg sah sogar das Potenzial f\u00fcr eine \"echte Massenbewegung aller Deutschen\"16. Durch den Verfassungsschutz wird aufmerksam verfolgt, ob es Rechtsextremisten gelingt, Veranstaltungen dieser Art f\u00fcr ihre eigenen Zwecke zu instrumentalisieren. Der formal \u00fcberparteiliche Anspruch der Hooligan-Initiative richtet sich zwar gegen eine explizite Vereinnahmung durch politische Organisationen, aber nicht gegen rechtsextremistische Positionen. Nachdem ein Parteifunktion\u00e4r eine Erkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht hatte, nach der die NPD sich mit allen Initiativen solidarisierte, \"die den Protest gegen die Folgen der \u00dcberfremdung lautstark artikulieren\"17, war klar, dass dies auch f\u00fcr die Anti-Islamisierungsproteste gelten w\u00fcrde. Aus taktischen Gr\u00fcnden aber hielt sich die Partei weitestgehend zur\u00fcck. Nach euphorischen Reaktionen auf anf\u00e4ngliche Mobilisierungserfolge setzte Ern\u00fcchterung ein. Die ambitionierten Pl\u00e4ne der NPD im Zusammenhang mit der Anti-Islamisierungsinitiative haben sich innerhalb kurzer Zeit als nicht realisierbar erwiesen. Die Gefahr einer Konfrontation von Hooligans und Extremisten ist dort besonders gro\u00df, wo Kundgebungen politischer Gegner direkt gest\u00f6rt werden k\u00f6nnen. Allerdings hat die Salafistenszene - im Unterschied zur linksextremistischen Szene - bislang kaum auf die Provokationen reagiert. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnten sich - beeinflusst durch die massive antiislamistische Agitation - rechtsextremistische Einzelt\u00e4ter und Kleinstgruppen aufgerufen f\u00fchlen, auch mit Gewalt gegen Islamisten beziehungsweise vermeintliche Islamisten vorzugehen. 3. Gazakrieg und Antisemitismus Rechtsextremisten f\u00fchren seit Jahren Debatten \u00fcber ihr Verh\u00e4ltnis zu Islam und Islamismus. Innenpolitisch unmissverst\u00e4ndlich als Bedrohung empfunden, wird der Islamismus international von einigen - auf der Grundlage von Antisemitismus und 16 Homepage NPD Hamburg (27. Oktober 2014). 17 Homepage NPD Lausitz (29. Oktober 2014). 57","RECHTSEXTREMISMUS Ablehnung westlicher Werte - eher als Partner verstanden; so auch die Darstellung neonazistischer Kr\u00e4fte, die sich f\u00fcr eine Beteiligung von Rechtsextremisten an pro-pal\u00e4stinensischen Demonstrationen anl\u00e4sslich des Gazakrieges 2014 aussprachen. Neonazis verteidigten ihre Teilnahme an einer Demonstration in Dortmund (Nordrhein-Westfalen). Es sei immer problematisch, \"innenund au\u00dfenpolitische Fragen zu vermischen\". Eine Unterst\u00fctzung des Protestes gegen den \"Weltbrandstifter Israel\" sei berechtigt, \u00fcber die Form k\u00f6nne diskutiert werden.18 Schlie\u00dflich sei der Islam \"in globaler Hinsicht kein Gegner, sondern durchaus ein wichtiger B\u00fcndnispartner\".19 Daneben gab es indes auch Neonazis, die auf rassistischen Maximen beharrten: \"Da k\u00f6nnen sie die Judenheit noch so sehr hassen, so lange die Mohammedaner hier sind, sind sie mein Feind.\" (Internetplattform \"Altermedia Deutschland\", 19. Juli 2014) Die Pal\u00e4stina-Solidarit\u00e4t wird als Teil eines umfassenden, als \"antiimperialistisch\" bem\u00e4ntelten Kampfes definiert: \"Die Ursache f\u00fcr anhaltende Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me aus dem Nahen Osten liegt unter anderem in der Apartheidspolitik des israelischen Staates (...) willige Unterst\u00fctzer (...) sch\u00fctzen jedes Kriegsverbrechen und sichern das Existenzrecht eines Konstruktes, welches nach 1948 auf dem Boden der Pal\u00e4stinenser geschaffen wurde (...). Der Protest gegen die Kriegspolitik Israels ist deshalb untrennbar mit dem Widerstand gegen den westlichen Imperialismus verbunden (...).\" (Internetplattform \"DortmundEcho\", 20. Juli 2014) F\u00fcr Befreiungsnationalisten sei \"anti-imperialistische Solidarit\u00e4t eine Ehrensache\", hei\u00dft es an anderer Stelle.20 Zudem wird - mit der antisemitischen Stereotype j\u00fcdischer Weltherrschaft (\"die geistige Zentrale westlicher Politik in Tel Aviv\") - auf die Gemeinsamkeiten zwischen dem Freiheitskampf in Pal\u00e4stina und in der Bundesrepublik hingewiesen: 18 Internetplattform \"Altermedia Deutschland\" (12. Juli 2014). 19 Internetplattform \"logr.org\" (15. Juli 2014). 20 Internetplattform \"Altermedia Deutschland\" (21. Juli 2014). 58","RECHTSEXTREMISMUS \"Wenn es heute im Widerstand gegen diesen gemeinsamen Feind eine Zusammenarbeit gibt, ist das nicht nur konsequent, sondern ausdr\u00fccklich zu begr\u00fc\u00dfen, \u00fcberall. (...) Dabei ist es f\u00fcr mich ganz gleich, wer dort mit mir demonstriert (...) Wer zwischen Innenund Au\u00dfenpolitik unterscheidet, wird merken, dass es kein Widerspruch ist, die Islamisierung unserer Heimat abzulehnen (...), aber gleichzeitig den Islam als Religion im arabischen (!) Kulturraum zu respektieren.\" (Internetplattform \"logr.org\", 21. Juli 2014) Die Partei \"Der III. Weg\" d\u00e4monisierte den Staat Israel als \"kindermordendes Raubstaatgeschw\u00fcr\", das einen \"v\u00f6lkermordenden zionistischen Vernichtungsfeldzug gegen das pal\u00e4stinensische Volk\" begehe.21 Die rechtsextremistische Agitation zielt auf die D\u00e4monisierung des j\u00fcdischen Staates Israel und die Negierung seines Existenzund Selbstverteidigungsrechts. Rechtsextremisten sagen Israel und meinen die Juden allgemein, die Bezeichnung \"Zionist\" dient ihnen als Synonym f\u00fcr \"Jude\". Trotz des gemeinsamen Feindbildes ist eine dauerhafte und strukturierte Zusammenarbeit mit Islamisten f\u00fcr Rassisten und Anh\u00e4nger einer identit\u00e4ren \"Volksgemeinschaft\" nicht vorstellbar. 4. Konflikt Russland-Ukraine und \"Montagsdemonstrationen\" F\u00fcr viele deutsche, aber auch europ\u00e4ische Rechtsextremisten nimmt Russland als strategischer Partner eines angestrebten antiwestlichen B\u00fcndnisses und einer Gegenmacht zu den USA eine herausragende Rolle ein. Dies erkl\u00e4rt die mehrheitlich pro-russischen Stellungnahmen in der rechtsextremistischen Szene. Die Staatsf\u00fchrung in der Ukraine wird als Spielball westlicher Regierungen und Institutionen angesehen - zum Teil mit deutlich antisemitischem Anklang. So erkl\u00e4rte der NPD-Parteivorstand, einziger Profiteur der Eskalationsund Sanktionspolitik seien die USA. Deutschland solle sich \"nicht als willf\u00e4hriger Kriegsgehilfe au\u00dfereurop\u00e4ischer M\u00e4chte\" verstehen.22 21 Homepage \"Der III. Weg\" (30. Juli 2014). 22 Homepage NPD (30. November 2014). 59","RECHTSEXTREMISMUS In den vergangenen Jahren bauten insbesondere die NPD und ihre Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Kontakte zu rechtsextremistischen Gruppierungen in der Ukraine auf. Im Zuge der Entwicklung pro-russischer Positionen wandelte sich die Wertsch\u00e4tzung der NPD gegen\u00fcber der ukrainischen Partei \"Swoboda\" (\"Freiheit\") in eine deutliche Ablehnung. Auch bezeichnete der damalige stellvertretende Parteivorsitzende Karl Richter die ukrainische Staatsf\u00fchrung abwertend als \"illegale[s] Putschregime\"23 und als EUbeziehungsweise NATO-h\u00f6rig. Rechtsextremisten versuchen, die regelm\u00e4\u00dfig in verschiedenen deutschen St\u00e4dten durchgef\u00fchrten sogenannten Montagsdemonstrationen und Friedensmahnwachen f\u00fcr sich zu nutzen. Diese Veranstaltungen bieten mit ihren antiwestlichen, antisemitischen und verschw\u00f6rungstheoretischen Elementen Anschlussm\u00f6glichkeiten zu offen rechtsextremistischen Positionen. Das Feindbild ist eindeutig: Die \"Schuldigen\" f\u00fcr Gewalt und Krieg seien die westlichen Demokratien, f\u00fcr Hunger und Elend das \"internationale Finanzkapital\" unter F\u00fchrung der zionistischen US-Notenbank. Dies wird von der NPD zustimmend kommentiert: \"Die Hauptforderungen zielen auf einen Stopp der NATO-Kriegsvorbereitungen in Osteuropa, auf ein Ende der menschenfeindlichen Finanzpolitik der amerikanischen Gro\u00dfbanken, auf eine faire Medien-Berichterstattung und auf ein freies und souver\u00e4nes Deutschland ab.\" (Homepage NPD Sachsen-Anhalt, 22. April 2014) Gef\u00e4hrdungspotenzial Die russische Regierung erscheint Rechtsextremisten als Garant daf\u00fcr, den Einfluss von USA, NATO und EU zu schw\u00e4chen. Dadurch erhoffen sie sich, breitere Gestaltungsm\u00f6glichkeiten zu erringen und mittelund langfristig das vorherrschende Gesellschaftsund Staatsbild infrage stellen zu k\u00f6nnen. Rechtsextremistische Versuche, mit entsprechenden Kampagnen auf die \u00f6ffentliche Meinungsbildung Einfluss zu nehmen oder nichtextremistische Initiativen zu instrumentalisieren, bilden einen Beobachtungsgegenstand des Verfassungsschutzes. Zudem arbeitet der Verfassungsschutz intensiv daran, Erkenntnisse zu 23 Homepage NPD (6. Mai 2014). 60","RECHTSEXTREMISMUS Rechtsextremisten zu gewinnen, die sich im Ukraine-Konflikt an Kampfhandlungen beteiligen k\u00f6nnten. Dies ist eine Voraussetzung, um das Sicherheitsrisiko zu bewerten, das von solchen K\u00e4mpfern ausgeht. 61","62","Linksextremismus 63","Linksextremismus I. \u00dcberblick Linksextremisten richten ihr politisches Handeln an revolution\u00e4r-marxistischen oder anarchistischen Vorstellungen aus. Sie wollen die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung und damit unsere freiheitliche Demokratie abschaffen und durch ein sozialistisches beziehungsweise kommunistisches System oder eine herrschaftsfreie, anarchistische Gesellschaft ersetzen. Die theoretischen Leitfiguren sind - in unterschiedlichem Ausma\u00df und divergierender Interpretation - in erster Linie Marx, Engels und Lenin. Gewalt, verstanden als \"revolution\u00e4re Gewalt\" der \"Unterdr\u00fcckten gegen die Herrschenden\", gilt grunds\u00e4tzlich als legitim. Unterschiede in der ideologischen Herleitung, Zielsetzung und Herangehensweise, insbesondere in der Anwendung konkreter Gewalt, stehen einem einheitlichen Vorgehen der verschiedenen Gruppierungen entgegen. 1. Entwicklungstendenzen Nach wie vor sind Linksextremisten bestrebt, gesellschaftliche Konflikte im Sinne ihrer revolution\u00e4ren Ziele zu instrumentalisieren. Sie intervenieren in unterschiedlichen gesellschaftlichen Aktionsfeldern und versuchen dort radikale Positionen zu popularisieren. Ideologische Grundlage bleibt die Ablehnung des \"kapitalistischen Systems\", das f\u00fcr soziales Elend und Kriege, f\u00fcr Rassismus, \u00f6kologische Katastrophen und Wohnraumzerst\u00f6rung verantwortlich gemacht wird. Im linksextremistischen Diskurs ist der Kapitalismus dabei mehr als eine reine Wirtschaftsform: Er ist die Basis \"b\u00fcrgerlicher Herrschaft\". Mit seiner \u00dcberwindung geht die Errichtung einer neuen gesellschaftlichen und politischen Ordnung einher - verbunden mit der Abschaffung der parlamentarischen Demokratie. Nicht wenige Protagonisten der linksextremistischen Szene sehen allerdings nicht nur das \"kapitalistische System\", sondern auch den Linksextremismus selbst in der Krise: Es sei bisher nicht gelungen, die Ver\u00e4nderungen in der Weltlage und in gesellschaftlichen Strukturen f\u00fcr sich politisch nutzbar zu machen. Auch von 64","LINKSEXTREMISMUS der europ\u00e4ischen Finanzund Wirtschaftskrise haben die deutschen Linksextremisten nicht profitieren k\u00f6nnen. Die mangelnde gesellschaftliche Relevanz und Verankerung eigeNeuformierung im ner Positionen hat im gewaltorientierten Linksextremismus zu gewaltorientierten einer Strategiediskussion gef\u00fchrt, in deren Folge ein Prozess der Spektrum Neuformierung stattfindet. Neben den \"klassischen\" Autonomen, die an ihren inhaltlichen und strategischen Pr\u00e4missen festhalten (soziale und individuelle Autonomie, Gewalt als Mittel subjektiver Befreiung), treten seit Jahren Postautonome in Erscheinung, die eine Zusammenarbeit mit ideologisch unterschiedlichen Gruppen suchen (B\u00fcndnispolitik). Die Zahl der gewaltorientierten Linksextremisten ist mit 7.600 Weiterhin hohes unver\u00e4ndert hoch. Die Bef\u00fcrwortung von Gewalt ist im LinksexGewaltpotenzial tremismus eher eine strategische als eine ideologische Frage. Niveau und Akzeptanz der Gewalt sind in den letzten Jahren angestiegen, insbesondere gegen\u00fcber politischen Gegnern (vor allem Rechtsextremisten) und der Polizei. Hier schrecken die Gewaltt\u00e4ter auch nicht vor schweren k\u00f6rperlichen Attacken zur\u00fcck. Linksextremistische Militanz gegen Rechtsextremisten zeigt sich Wechselwirkungen in Blockaden von Demonstrationen, in gef\u00e4hrlichen Eingriffen in den Stra\u00dfenund Bahnverkehr, aber auch im \"Outing\" (Ver\u00f6ffentlichung von Namen und Daten von Rechtsextremisten) und in direkten k\u00f6rperlichen Angriffen. Rechtsextremisten suchen ihrerseits den unmittelbaren Konflikt mit Linksextremisten. Hierdurch entsteht eine Dynamik, in der sich die extremistischen Antipoden gegenseitig zu immer neuen Gewalttaten anstacheln. Linksextremisten engagieren sich in gesellschaftlichen KonAktionsfelder fliktfeldern und versuchen dort, im Sinne ihrer grunds\u00e4tzlichen Systemkritik zu intervenieren. Durch den Anschluss an gesellschaftliche Protestbewegungen sollen zum einen B\u00fcndnispartner gewonnen, zum anderen die Protestbewegungen selbst radikalisiert werden. F\u00fcr Linksextremisten bedeutet \"Antifaschismus\" mehr als der \"Antifaschismus\" Protest gegen Rechtsextremismus. Sie verstehen darunter den \"Kampf\" gegen das \"kapitalistische System\", in dessen \u00f6konomischer, gesellschaftlicher und politischer Verfassung sie die 65","LINKSEXTREMISMUS eigentliche Ursache des \"Faschismus\" sehen. Linksextremistischer \"Antifaschismus\" versteht sich insofern als der \"Kampf ums Ganze\". Einige \"Antifa\"-Gruppen haben sich allerdings inzwischen aufgel\u00f6st. Sie sehen die begriffliche Orientierung auf den \"Antifaschismus\" als zu kurz gegriffen und strategisch gescheitert. Nur ein umfassender \"antikapitalistischer\" Ansatz biete die M\u00f6glichkeit, dem eigenen revolution\u00e4ren Anspruch auf grundlegende Umw\u00e4lzung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse zu gen\u00fcgen. \"Antirassismus\" Ankn\u00fcpfend an Fl\u00fcchtlingsdramen und steigende Asylbewerberzahlen, stand das Jahr 2014 f\u00fcr viele Linksextremisten ganz im Zeichen des \"Antirassismus\". Vielfach werden dabei Fl\u00fcchtlingsschicksale instrumentalisiert, um Staat und Gesellschaft unter Generalverdacht zu stellen und als rassistisch zu diffamieren. Linksextremisten erkennen \"in dem neuen Bewegungszyklus von K\u00e4mpfen, von Refugees (...) ein gro\u00dfes Potenzial\", das es zu nutzen gelte. \"In der gegenseitigen und solidarischen Bezugnahme von K\u00e4mpfen um Migration und Antifaschismus liegen Verbindungslinien, die unbedingt aufgenommen werden sollten\", so die postautonome Gruppe \"AVANTI - Projekt undogmatische Linke\" (AVANTI).24 \"Antirepression\" \"Staatliche Repression\" dient nach linksextremistischer Argumentation der Unterdr\u00fcckung revolution\u00e4rer Prozesse und der Herrschaftssicherung. Militante Agitation richtet sich deshalb bevorzugt gegen Polizeikr\u00e4fte als die Repr\u00e4sentanten des \"Repressionsapparats\" und die vermeintlich politisch instrumentalisierte Justiz. In den Fokus geraten zudem auch Unternehmen, deren Mitarbeiter zum Beispiel als Wachschutz oder Fahrkartenkontrolleure t\u00e4tig sind und die daher als \"Handlanger\" des \"Repressionsapparats\" bezeichnet werden. \"Antigentrifizierung\" Mit dem Thema Gentrifizierung versuchen Linksextremisten, ihr eigenes Interesse - den Erhalt von \"Freir\u00e4umen\" (z.B. besetzte H\u00e4user oder kollektive Wohnprojekte, insbesondere in bestimmten \"Szenevierteln\", etwa in Berlin und Hamburg) - in einen gesellschaftspolitisch relevanten Diskurs einzubetten. Der \"Kampf um die Stadt\" soll dar\u00fcber hinaus auch im Ganzen ein 24 Homepage \"Antifaschistisches Infoblatt\" (30. Dezember 2014). 66","LINKSEXTREMISMUS \"unkontrolliertes und herrschaftsfreies Leben\" erm\u00f6glichen und eine \"der Profitlogik entzogene\" Stadt hervorbringen, die Ausgangspunkt f\u00fcr eine andere Gesellschaft ist. \"Antikapitalismus\" ist eine Grundpr\u00e4misse des Linksextremismus. \"Antikapitalismus\" Dennoch ist es Linksextremisten selbst in der Finanzund Wirtschaftskrise nicht gelungen, die \"soziale Frage\" f\u00fcr sich gewinnbringend in den Fokus des \u00f6ffentlichen Diskurses zu r\u00fccken und sich an die Spitze einer breiter angelegten gesellschaftlichen Kapitalismuskritik zu setzen. Linksextremisten sehen sich in kapitalismuskritischen B\u00fcndnissen jedoch als diejenigen, die der einzelfallbezogenen Kritik ein theoretisches Fundament verleihen und die zudem in der Lage sind, \"militant\" zu agieren. Ab Herbst 2014 mobilisierten sie zum Protest gegen die Er\u00f6ffnungsfeierlichkeiten des Neubaus der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main (Hessen) am 18. M\u00e4rz 2015: Die Krise werde zum \"permanenten Ausnahmezustand\" und sei auch eine \"Krise der b\u00fcrgerlichen Demokratie\", so die \"Interventionistische Linke\" (IL).25 F\u00fcr Linksextremisten gibt es einen zwangsl\u00e4ufigen Zusammen\"Antimilitarismus\" hang zwischen Kapitalismus und Krieg: Krieg sei immer ein Kampf um Ressourcen und Absatzm\u00e4rkte. So richtet sich etwa die 2011 von Linksextremisten initiierte Kampagne \"Krieg beginnt hier. War starts here. Kampagne gegen die kriegerische Normalit\u00e4t\" sowohl gegen die Bundeswehr als auch gegen logistisch unterst\u00fctzende privatwirtschaftliche Unternehmen und damit gegen eine \"Militarisierung der Gesellschaft\". Im Konflikt der Ukraine und des Westens mit Russland positionieren sich viele Linksextremisten, insbesondere orthodoxe Kommunisten und Antiimperialisten, auf der Seite des russischen Pr\u00e4sidenten Putin: Kriegstreiber sei der imperialistische Westen. Teile der deutschen linksextremistischen Szene f\u00fchlten sich im Solidarit\u00e4t im Kampf vergangenen Jahr den Kurden im Nordirak und Nordsyrien vergegen den IS bunden; deren Kampf gegen den \"Islamischen Staat\" (IS) in der nordsyrischen Stadt Kobane besa\u00df eine hohe emotionalisierende Wirkung. Die Solidarit\u00e4t von Linksextremisten galt insbesondere den dort operierenden Einheiten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" 25 Homepage IL (30. Dezember 2014). 67","LINKSEXTREMISMUS (PKK). Dies \u00e4u\u00dferte sich etwa in von deutschen Linksextremisten organisierten Spendenkampagnen f\u00fcr die syrische PKK-Zweigorganisation \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD) und deren milit\u00e4rische Gruppen. Auch sind einzelne F\u00e4lle bekannt, in denen sich deutsche Aktivisten der dortigen PKK-Guerilla angeschlossen haben. Zuletzt kam am 7. M\u00e4rz 2015 eine deutsche Staatsangeh\u00f6rige bei Kampfhandlungen mit dem IS ums Leben, die vor ihrer Ausreise der gewaltorientierten linksextremistischen Szene im Ruhrgebiet angeh\u00f6rte. 2. Entwicklung des Personenpotenzials Das linksextremistische Personenpotenzial betrug Ende 2014 nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften insgesamt 27.200 Personen und blieb damit nahezu auf dem Niveau des letzten Jahres (2013: 27.700). Eine leichte Abnahme war - wie in den Vorjahren - im Spektrum der marxistisch-leninistischen und anderen legalistischen linksextremistischen Zusammenschl\u00fcsse zu verzeichnen, deren Potenzial auf 21.100 Personen absank (2013: 21.600), w\u00e4hrend die Zahl der Autonomen und Anarchisten gleich blieb. Das Personenpotenzial der gewaltorientierten Linksextremisten wird ab dem Berichtszeitraum 2014 erstmals ausgewiesen (bis 2013: gewaltbereit) und umfasste Ende 2014 7.600 Personen, darunter 6.100 Autonome. 68","LINKSEXTREMISMUS Linksextremismuspotenzial1 2012 2013 2014 Autonome 6.400 6.100 6.100 Anarchisten 700 800 800 Marxisten-Leninisten und andere Linksextremisten 22.600 21.600 21.100 Summe 29.700 28.500 28.000 nach Abzug von Mehrfachmitgliedschaften 29.400 27.700 27.200 davon gewaltbereite Linksextremisten 7.100 6.900 - davon gewaltorientierte Linksextremisten - - 7.6002 1 Die Zahlen sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Bis 2013 wurde bei der Darstellung des Personenpotenzials ausschlie\u00dflich die Anzahl der gewaltbereiten Linksextremisten ausgewiesen. Ab 2014 wird nunmehr die Anzahl gewaltorientierter Linksextremisten angegeben, in der die Zahl der gewaltbereiten Linksextremisten als Teilmenge enthalten ist (vgl. Berichtsteil Verfassungsschutz als wichtiger Akteur im System der wehrhaften Demokratie, Kap. III). 69","LINKSEXTREMISMUS II. Gewalt und Militanz Der Einsatz revolution\u00e4rer Gewalt bei der Umw\u00e4lzung der Staatsund Gesellschaftsordnung wird von Linksextremisten als \"ultima ratio\" grunds\u00e4tzlich bef\u00fcrwortet, wenn die \"Herrschenden\" und ihr Staatsapparat sich radikalen Ver\u00e4nderungsprozessen widersetzen. Diskussionen gibt es lediglich \u00fcber den Einsatz von Gewalt und Militanz in nichtrevolution\u00e4ren Zeiten. Dabei spielt auch die Frage der \"Vermittelbarkeit\" eine Rolle. Weiter bestehen unterschiedliche Auffassungen hinsichtlich der Anwendung von Gewalt gegen Personen und Gewalt gegen Sachen sowie zwischen dem Einsatz konfrontativer Gewalt (\"Massenmilitanz\") und klandestinen Anschl\u00e4gen durch Kleinstgruppen. W\u00e4hrend die Zahl linksextremistischer Gewalttaten von Jahr zu Jahr schwankt, hat die Intensit\u00e4t der Gewalt in den letzten Jahren zugenommen. Insbesondere ist festzustellen, dass die Hemmschwelle, Polizeibeamte zu verletzen, seit Jahren sinkt. Nicht nur schwere K\u00f6rperverletzungen, sondern auch der Tod von Menschen werden billigend in Kauf genommen. So wurden im Jahr 2014 sieben versuchte T\u00f6tungsdelikte registriert, davon sechs gegen Polizeibeamte. In der gewaltorientierten Szene werden solche Angriffe auf Polizisten sowie auf tats\u00e4chliche (oder vermeintliche) Rechtsextremisten, die meist im Umfeld von Demonstrationen stattfinden, weitestgehend akzeptiert. 1. Konfrontative Gewalt Konfrontative Gewalt soll die bedingungslose Grenzziehung zwischen Linksextremisten und dem \"System\" kennzeichnen. Sie soll dar\u00fcber hinaus medial wirksam sein. Eine entsprechende Stimmung der Teilnehmer wird insbesondere durch gewaltf\u00f6rdernde Musik und Videoclips im Internet gesch\u00fcrt. \"Massenmilitanz\" Die sogenannte Massenmilitanz der autonomen Szene - Stra\u00dfenals bedeutsamste krawalle, die im Zusammenhang mit Demonstrationen oder Erscheinung Gro\u00dfveranstaltungen initiiert werden - braucht in der Regel ein Umfeld, aus dem heraus die Gewaltt\u00e4ter agieren k\u00f6nnen. So bilden sie bei Demonstrationen flexible Kleingruppen oder 70","LINKSEXTREMISMUS \"Schwarze Bl\u00f6cke\" mit vermummten Aktivisten in einheitlicher \"Kampfausr\u00fcstung\". Durch ihr provokatives Auftreten werden die konfrontative Stellung gegen\u00fcber der Polizei und der Wille zur Eskalation deutlich gemacht, auch indem die Stimmung bei den anderen Teilnehmern aufgeheizt wird. Ein wichtiges Ziel aktionsorientierter Linksextremisten ist die Verhinderung rechtsextremistischer Aufm\u00e4rsche, auch mittels Konfrontation mit dem extremistischen Gegner: Neben dem Einsatz von \"Massenmilitanz\" werden auch Blockaden errichtet oder Sabotageaktionen auf Anreisewegen durchgef\u00fchrt. Im Jahr 2014 kam es im Vergleich zum Vorjahr tendenziell zu R\u00fcckgang der weniger \"massenmilitanten\" Ausschreitungen. \"Massenmilitanz\" im Jahr 2014 So blieben beispielsweise bei der \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" in Berlin im Jahr 2014 - trotz der hohen Teilnehmerzahl von bis zu 19.000 Personen (2013: 10.000) - Gewalthandlungen weitgehend aus. Schon in der Mobilisierung hatte sich ein Trend weg von der Eskalation und hin zu eher politisch-ideologischen Schwerpunkten gezeigt. Im Gegensatz dazu wurden im Verlauf der \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" in Hamburg mit 2.200 Teilnehmern Polizeibeamte mit Flaschen, Steinen und Feuerwerksk\u00f6rpern beworfen. 20 Polizisten wurden dabei verletzt. Nach Aufl\u00f6sung der Demonstration warfen zwei Personen in Glasflaschen befindliche Brands\u00e4tze auf einen zivilen Funkstreifenwagen, der mit zwei Polizeibeamten besetzt war. Ein Brandsatz durchschlug die Heckscheibe, z\u00fcndete aber nicht. Auch bei weiteren Demonstrationen wurden im Jahr 2014 Gewalt bei Gewalttaten ver\u00fcbt: Demonstrationen # Nach einer zun\u00e4chst friedlich verlaufenen Versammlung im Zusammenhang mit einer \"Langen Nacht der Rigaer Stra\u00dfe\" am 14. Juni 2014 in Berlin blockierten etwa 300 Personen die Stra\u00dfe und griffen Polizisten an. Die Lage beruhigte sich erst in den Morgenstunden des folgenden Tages. Am Abend des 15. Juni 2014 wurde die Stra\u00dfe erneut blockiert. Polizisten, die die Barrikaden entfernten, wurden angegriffen. Insgesamt 27 Polizeibeamte erlitten Verletzungen. 71","LINKSEXTREMISMUS # Im Mittelpunkt der Veranstaltungsreihe \"Squattingdays\" (\"Hausbesetzertage\") in Hamburg fand zum Aktionstag am 30. August 2014 eine friedliche Demonstration mit rund 1.300 Teilnehmern statt. Im Anschluss bildeten sich Kleingruppen, die Polizeikr\u00e4fte angriffen. Bereits im Vorfeld besetzten am Abend des 27. August 2014 mehrere Personen ein leerstehendes Haus im Bezirk Altona und verbarrikadierten sich. Bei der nachfolgenden R\u00e4umung leisteten sie heftigen Widerstand, indem sie unter anderem aus einer oberen Etage Feuerwerksk\u00f6rper, ein Waschbecken und eine Nachtspeicherheizung auf die Polizisten warfen; 13 Beamte wurden verletzt. Gegen mehrere an den Ausschreitungen beteiligte Personen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen versuchten Totschlags eingeleitet. # Im Rahmen eines \"Blockupy-Festivals\" demonstrierten am 22. November 2014 rund 2.000 Personen vor dem EZB-Neubau in Frankfurt am Main. Im Anschluss versuchten mehrere Demonstranten, auf das Gel\u00e4nde vorzudringen. Dabei wurden Polizeikr\u00e4fte t\u00e4tlich angegriffen und die Fassade des Geb\u00e4udes besch\u00e4digt. 2. Personenund objektbezogene Gewalt Neben der konfrontativen Stra\u00dfengewalt ver\u00fcben gewaltorientierte Linksextremisten auch schwere gezielte Anschl\u00e4ge. Diese Gewalttaten sind planvoll konzipiert und sollen eine Signalwirkung entfalten. Neben der medialen Resonanz zielen sie darauf ab, die angegriffenen Einrichtungen oder Unternehmen zu einer Ver\u00e4nderung ihres Verhaltens zu n\u00f6tigen. Anschl\u00e4ge sollen zu finanziellen Einbu\u00dfen f\u00fchren und praktisch st\u00f6ren. Die Aktionen werden in Selbstbezichtigungsschreiben, die h\u00e4ufig auf Internetplattformen ver\u00f6ffentlicht werden, ideologisch begr\u00fcndet und gerechtfertigt. Zum Schutz vor Strafverfolgung verwenden die T\u00e4ter wechselnde Aktionsbezeichnungen oder verzichten g\u00e4nzlich auf Namen (\"no-name-Militanz\"): # Nur wenige Gruppierungen operieren unter einem gleichbleibenden \"Label\", um die Kontinuit\u00e4t ihres \"Kampfes\" zu dokumentieren. Ein Beispiel ist die in Berlin agierende \"Gruppo Informale\", die im Zeitraum vom 9. Mai bis 29. Juli 2014 insgesamt 13 Brandanschl\u00e4ge und Sachbesch\u00e4digungen ver\u00fcbte, 72","LINKSEXTREMISMUS unter anderem gegen Fahrzeuge von Polizei, Sicherheitsunternehmen und Deutscher Bahn sowie gegen Bankfilialen und \u00f6ffentliche Verwaltungsgeb\u00e4ude. Nach ihrem letzten Anschlag am 29. Juli 2014 ist \"Gruppo Informale\" nicht mehr in Erscheinung getreten. # Im Rahmen eines \"antimilitaristischen Camps\" vom 17. bis 25. August 2014 gegen das Gefechts\u00fcbungszentrum (G\u00dcZ) der Bundeswehr in der Altmark bei Magdeburg (SachsenAnhalt) kam es immer wieder zu Straftaten, wie beispielsweise dem \"Schottern\"26 von Gleisanlagen, Sachbesch\u00e4digungen an Sicherungsk\u00e4sten sowie Farbschmierereien an Geb\u00e4uden und Schildern. Schlie\u00dflich wurde auf dem G\u00dcZ-Gel\u00e4nde ein Bagger einer privaten Firma in Brand gesetzt und weitere Fahrzeuge besch\u00e4digt sowie mit Schriftz\u00fcgen (\"Stop. No war\") beschmiert. Der dabei entstandene Sachschaden bel\u00e4uft sich auf rund 450.000 Euro. # \"Autonome Gruppen\" bezichtigten sich in einem im Internet publizierten Schreiben, in der Nacht auf den 8. November 2014 an mehreren Orten im norddeutschen Raum durch Brandanschl\u00e4ge auf Kabelsch\u00e4chte \"das Streckennetz der Deutschen Bahn sabotiert\" zu haben. Hierdurch wurde auch der Funkverkehr der Bahn erheblich beeintr\u00e4chtigt. Mit ihrer Tat erinnern sie an einen franz\u00f6sischen Umweltaktivisten, der am Morgen des 7. November 2004 bei einer Ankettaktion im lothringischen Avricourt (Frankreich) von einem Castor-Zug \u00fcberrollt und dabei t\u00f6dlich verletzt wurde. Ziel von Anschl\u00e4gen sind auch Polizeiliegenschaften: # So wurden auf die Polizeidienststelle im Leipziger Stadtteil Connewitz (Sachsen) seit ihrer Er\u00f6ffnung im Februar 2014 bereits 16 Angriffe ver\u00fcbt. Der schwerste fand am 7. Januar 2015 statt, als rund 50 Personen die Wache mit Pflastersteinen, Farbbeuteln und Feuerwerksk\u00f6rpern angriffen und versuchten, \u00fcber eine T\u00fcr ins Geb\u00e4ude einzubrechen. In einem Bekennerschreiben hei\u00dft es: \"Bulle dein Duldungsstatus ist aufgehoben\"27. 26 Unterh\u00f6hlen beziehungsweise das Entfernen des Unterbaus von Bahnschwellen mit dem Ziel, dass diese nicht mehr befahren werden k\u00f6nnen. 27 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (14. Januar 2015). 73","LINKSEXTREMISMUS Linksextremistische \"Antifaschisten\" scheuen ebenso keine direkten k\u00f6rperlichen Angriffe gegen politische Gegner, insbesondere Rechtsextremisten oder vermeintliche Rechtsextremisten: # Im Nachgang einer Demonstration einer Initiative von Hooligans gegen Salafisten am 15. November 2014 in Hannover (Niedersachsen) sollen vier Demonstranten auf dem Weg zu ihrem Auto von 30 bis 40 schwarz bekleideten und mit Masken vermummten, mutma\u00dflich gewaltt\u00e4tigen Linksextremisten als Nazis beschimpft, angegriffen und zum Teil schwer verletzt worden sein. Einer der Angegriffenen habe lebensbedrohliche Verletzungen erlitten. Ein gegen die unbekannten T\u00e4ter eingeleitetes Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. # Am 10. April 2014 sollen in Rostock (MecklenburgVorpommern) mutma\u00dfliche Angeh\u00f6rige der gewaltorientierten linksextremistischen Szene einen Rechtsextremisten \u00fcberfallen und ihn mit Tritten und Schl\u00e4gen maltr\u00e4tiert haben. Das Ermittlungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Linksextremistisch motivierte Gewalt richtet sich h\u00e4ufig auch gegen Vertreter von Politik und gegen Verwaltungen, die mit Asylpolitik und -angelegenheiten befasst sind, wie etwa die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden. Aber auch B\u00fcros demokratischer Parteien und Journalisten werden Ziel von Angriffen. Der Aktionsschwerpunkt im Berichtsjahr 2014 lag in Berlin: # Am 8. April 2014 r\u00e4umten Fl\u00fcchtlinge auf dem Berliner Oranienplatz ihr seit 2012 bestehendes Camp. Im Nachgang kam es zu einer Vielzahl von Sachbesch\u00e4digungen, so unter anderem am Geb\u00e4ude der SPD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle und einer Filiale der Berliner Sparkasse. Wenngleich hierzu keine Taterkl\u00e4rungen ver\u00f6ffentlicht wurden, lassen sich die Taten aufgrund des zeitlichen und r\u00e4umlichen Kontexts als Resonanzaktionen von Angeh\u00f6rigen der linksextremistischen Szene einordnen. # Der Zusammenschluss \"AG Pressefreiheit\" \u00fcbernahm in einer Taterkl\u00e4rung vom 19. M\u00e4rz 2014 die Verantwortung f\u00fcr eine Brandstiftung in der Nacht zum 17. M\u00e4rz 2014 am Fahrzeug eines Berliner Journalisten. In der Taterkl\u00e4rung begr\u00fcnden die T\u00e4ter ihren Anschlag unter anderem mit der vermeintlich verunglimpfenden Berichterstattung des Journalisten \u00fcber die 74","LINKSEXTREMISMUS Asylbewerber im Fl\u00fcchtlingscamp auf dem Berliner Oranienplatz.28 III. Gewaltorientierter Linkextremismus zwischen Kontinuit\u00e4t und Kurskorrektur: Tendenzen zur strategisch-strukturellen Neuformierung 1. Ausgangslage linksextremistischer Strategiedebatte \"Antifa in der Krise?\" - so lautete der Titel eines von Linksextremisten organisierten Kongresses im April 2014 in Berlin. Die Doppeldeutigkeit dieses Titels, der sowohl im Sinne einer \"Krise des kapitalistischen Systems\" als auch als \"Krise der Antifa selbst\" verstanden werden kann, war dabei wohl durchaus gewollt. Linksextremisten haben aus der Finanzund Wirtschaftskrise der letzten Jahre in Europa keinen politischen Nutzen ziehen k\u00f6nnen. Selbstkritisch r\u00e4umen sie ein, dass es trotz der wachsenden Kritik am kapitalistischen Wirtschaftsmodell und einer Renaissance des Interesses an den Werken von Marx nicht zu einem Bedeutungsgewinn linksextremistischer Positionen gekommen sei. Sogar in den Teilbereichsk\u00e4mpfen sind Linksextremisten h\u00e4ufig marginalisiert. So besteht selbst auf ihren \"ureigenen\" Aktionsfeldern, vom \"Antifaschismus\" bis hin zum \"Antirassismus\", ein breiter parteien\u00fcbergreifender und gesellschaftlicher Konsens. Daher bleiben Versuche von Linksextremisten, gesellschaftliche Proteste zu dominieren oder zu radikalisieren, des \u00d6fteren wirkungslos. Diese Krise f\u00fchrt jedoch weder zu einer grunds\u00e4tzlichen Neuausrichtung noch zu einer \u00dcberpr\u00fcfung der Pr\u00e4missen des politischen Handelns im Linksextremismus. Stattdessen kommt es lediglich zu strategischen Modifizierungen und zu einer tendenziellen Neugewichtung ideologischer Grundlagen. Die extremistische Zielsetzung, eine herrschaftsfreie beziehungsweise sozialistische oder kommunistische Gesellschaft sowie die Abschaffung des b\u00fcrgerlichen Herrschaftsapparats, bleibt unangetastet. 28 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (23. M\u00e4rz 2014). 75","LINKSEXTREMISMUS Linksextremisten versuchen durch einen Neuformierungsprozess Wirkungsmacht zur\u00fcckzuerlangen: Der Aufbau bundesweiter Strukturen mit Hilfe von Internetplattformen und sozialen Netzwerken soll die Zersplitterung der Szene \u00fcberwinden. Dieser Prozess hat im Jahr 2014 eine besondere Dynamik entwickelt. 2. Autonome und Postautonome Strukturdebatte Autonome bilden mit 6.100 (2013: 6.100) Angeh\u00f6rigen die weitaus gr\u00f6\u00dfte Gruppe des gewaltorientierten Linksextremismus. Die Frage der Organisierung ist - \u00e4hnlich wie die Aspekte Gewalt und Militanz - ein immer wiederkehrendes Thema bei Autonomen. Grunds\u00e4tzlich organisationsund hierarchiefeindlich pr\u00e4ferieren sie eher strukturlose, informelle Formen der Zusammenarbeit. Seit Jahren wird indes dar\u00fcber diskutiert, ob nicht eine Organisierung sowohl die politische Verantwortlichkeit als auch die Durchschlagskraft bef\u00f6rdern k\u00f6nnte. Diese Debatte wird insbesondere von Personen gef\u00fchrt, die sich mittlerweile eher als Postautonome definieren. Sie sprechen sich f\u00fcr die Beibehaltung militanter Konzepte aus, wenngleich sie um Vermittelbarkeit bem\u00fcht sind (\"Keine Militanz um der Militanz willen\") und eine Politik \u00fcber die eigene Szene hinaus verlangen. Zudem fordern sie \u00fcberregionale Organisierung und Zusammenarbeit mit anderen Str\u00f6mungen im Linksextremismus und themenbezogen auch dar\u00fcber hinaus. Im Jahr 2014 beschleunigte sich ein seit Jahren zu beobachtender Trend zu postautonomer Organisierung: # Im September 2014 l\u00f6ste sich die \"Antifaschistische Linke Berlin\" (ALB) auf. Sie galt jahrelang als eine der mitgliederst\u00e4rksten und mobilisierungsf\u00e4higsten autonomen Gruppen in Berlin. Ein Teil der Mitglieder schloss sich dem bundesweiten postautonomen Netzwerk \"Interventionistische Linke\" (IL) an. # Die \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB), die seit 2007 zu den aktivsten Gruppen im gewaltorientierten linksextremistischen Spektrum in Berlin geh\u00f6rt hatte, schloss sich im Oktober 2014 dem bundesweiten, trotzkistisch gepr\u00e4gten Netzwerk \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) an. 76","LINKSEXTREMISMUS # Im Dezember 2014 formierte sich die \"radikale linke berlin\". Die im Aufbau befindliche Gruppe soll Personen aus unterschiedlichen Str\u00f6mungen (Marxisten-Leninisten; Autonome, \"Antifa\" und Anarchisten) zusammenfassen.29 Diese Beispiele verdeutlichen, dass die traditionelle Ablehnung von Gro\u00dforganisationen im autonomen Spektrum schwindet. Allerdings ist auch eine gegenteilige Entwicklung zu verzeichnen. Als alternative Reaktion auf das Scheitern der \"Massenmilitanz\" bei Gro\u00dfereignissen entstehen autonome Kleinstgruppen, die auch weiterhin verst\u00e4rkt klandestine Gewaltaktionen ver\u00fcben d\u00fcrften. 2.1 \"Klassische\" Autonome Wenngleich \"klassische\" Autonome weder ideologisch noch straDefinition tegisch homogen sind und handeln, haben sie doch einheitliche Pr\u00e4missen: individuelle und soziale Autonomie (Kampf gegen die Lohnarbeit), Ablehnung der \"Stellvertreterpolitik\" (Antiparlamentarismus), Staatsfeindlichkeit, Antiautoritarismus, Organisationsfeindlichkeit sowie ein hoher Grad an Gewaltorientierung. Politisches Ziel ist die \u00dcberwindung der Staatsund Gesellschaftsordnung in Richtung einer herrschaftsfreien libert\u00e4ren Ordnung. F\u00fcr Autonome ist Gewalt sowohl ein \"Mittel subjektiver Befreiung\" als auch ein unverzichtbares Element im Kampf gegen ein angebliches System von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung. Der gewaltorientierte Linksextremismus in Deutschland ist Urbanes Ph\u00e4nomen vor allem ein urbanes Ph\u00e4nomen. Rund ein Viertel der gewaltorientierten Linksextremisten lebt in den Stadtstaaten Hamburg und Berlin. Weitere regionale Zentren sind Gro\u00dfst\u00e4dte wie Bremen, Frankfurt am Main (Hessen), Leipzig (Sachsen), die Region K\u00f6ln/Bonn (Nordrhein-Westfalen), das Ruhrgebiet (NordrheinWestfalen) und kleinere Universit\u00e4tsst\u00e4dte wie Freiburg (Baden-W\u00fcrttemberg) oder G\u00f6ttingen (Niedersachsen). Dort nutzen Autonome selbsterkl\u00e4rte \"Freir\u00e4ume\" - besetzte H\u00e4user oder selbstverwaltete Zentren - als R\u00fcckzugsgebiete und 29 Homepage \"radikale linke berlin\" (30. Dezember 2014). 77","LINKSEXTREMISMUS logistische Basen zur Vorbereitung politischer Aktionen und zur \"Zirkulation von Ideen, Vorschl\u00e4gen und Praxen zur unvers\u00f6hnlichen Bek\u00e4mpfung des Bestehenden\"30. 2.2 Postautonome und \"Interventionistische Linke\" (IL) Vom Netzwerk zur Die IL, formell 2005 gegr\u00fcndet und seit ihrer ma\u00dfgeblichen BeteiOrganisation ligung an den Aktionen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm (Mecklenburg-Vorpommern) im Jahr 2007 und den Blockadeaktionen gegen die j\u00e4hrlich im Februar stattfindenden rechtsextremistischen Aufm\u00e4rsche in Dresden (Sachsen) in der Szene hoch angesehen, legte im Oktober 2014 ein \"Zwischenstandspapier\" als Ergebnis einer mehrj\u00e4hrigen Diskussion der \u00fcber 20 in dem Netzwerk organisierten, vorwiegend postautonomen Gruppen vor. Das mit der Parole \"Wir sind die Steineschmei\u00dfer und die Abwiegler in einem\" auftretende Netzwerk befindet sich in einem Transformationsprozess hin zu einer Organisation und wendet sich \"an alle, die sich mit Lust und Ernsthaftigkeit auf einen kollektiven, organisierenden und radikalen Prozess einlassen wollen, mit dem Ziel die Marginalisierung und Machtlosigkeit der Linken zu \u00fcberwinden.\" Die Organisation will den \"Schritt zu einer \u00fcberregionalen, lokal verankerten Organisation\" vorbereiten, um als \"radikale Linke in den gesellschaftlichen K\u00e4mpfen pr\u00e4sent zu sein\".31 AVANTI und Teile der Vor Ver\u00f6ffentlichung des \"Zwischenstandspapiers\" hatten sich \"Antifaschistischen bereits zwei wichtige Organisationen im gewaltorientierten Linken Berlin\" Linksextremismus aufgel\u00f6st beziehungsweise der IL angeschlossen. schlie\u00dfen sich an Die Gruppe AVANTI, die bereits zuvor Teil des Netzwerks IL war, definiert sich nunmehr als IL-Gruppe. Die \"Antifaschistische Linke Berlin\" (ALB) gab in ihrer Aufl\u00f6sungserkl\u00e4rung bekannt, einige ihrer Mitglieder w\u00fcrden sich der IL anschlie\u00dfen, andere hingegen nicht, da die IL \"nicht radikal und antagonistisch genug\" sei. \"ZwischenstandsDie IL bekr\u00e4ftigt in dem \"Zwischenstandspapier\" noch einmal ihre papier\" bekr\u00e4ftigt Zielsetzung: Zielsetzung \"Wir wollen eine radikale Linke, die auf den Bruch mit dem nationalen und dem globalen Kapitalismus, mit der Macht 30 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (4. Dezember 2014). 31 Homepage IL (30. Dezember 2014). 78","LINKSEXTREMISMUS des b\u00fcrgerlichen Staates und allen Formen von Unterdr\u00fcckung, Entrechtung und Diskriminierung orientiert.\" (Homepage IL, 30. Dezember 2014) Der Weg hin zu einer befreiten Gesellschaft erfordere die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln und der Kapitalverwertung sowie \"die \u00dcberwindung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates als Garant dieser Eigentumsordnung.\" Zudem setzt die IL auf die \"radikalisierende Wirkung von WiderOffensiver st\u00e4ndigkeit und Selbsterm\u00e4chtigung durch kollektiv organisierte Widerstand ungehorsame Massenaktionen\".32 \"Wir wollen mit m\u00f6glichst vielen Menschen Aktionen machen, die radikalisieren und ermutigen. Dazu ist es notwendig, f\u00fcr widerst\u00e4ndige und grenz\u00fcberschreitende Aktionen Legitimit\u00e4t nach au\u00dfen und Transparenz nach innen herzustellen. (...) Gleichzeitig vertreten wir politisch und praktisch die Legitimit\u00e4t und die Notwendigkeit von Gegenwehr und offensivem Widerstand.\" (Homepage IL, 30. Dezember 2014) Die IL ist im Gegensatz zu fr\u00fcheren autonomen Positionen b\u00fcndnisf\u00e4hig. Sie pl\u00e4diert sowohl f\u00fcr strategische B\u00fcndnisse (mit anderen radikalen Linken) zur \u00dcberwindung des \"Systems\" als auch f\u00fcr Aktionsb\u00fcndnisse (bis ins b\u00fcrgerliche Spektrum hinein) in einzelnen Agitationsfeldern wie etwa gegen Aufm\u00e4rsche von Rechtsextremisten. Gleichzeitig h\u00e4lt die Organisation am linksextremistischen Narrativ der revolution\u00e4ren Gewalt fest, wenn sie - etwas verklausuliert - auf m\u00f6glicherweise sp\u00e4ter notwendig werdende Kampfformen Bezug nimmt. Die \u00dcberwindung des Kapitalismus sei letztlich eine Machtfrage und die Gegenseite werde ihre Macht mit allen Mitteln verteidigen: \"Zugespitzte gesellschaftliche Bedingungen werden daher auch ver\u00e4nderte Aktionsund Kampfformen ben\u00f6tigen.\" (Homepage IL, 30. Dezember 2014) 32 Homepage IL (30. Dezember 2014). 79","LINKSEXTREMISMUS 3. Marxisten, Leninisten, Antiimperialisten Neben Autonomen und Postautonomen versuchen auch Marxisten, Leninisten und Antiimperialisten aus dem Bereich des gewaltorientierten Linksextremismus B\u00fcndnisse aufzubauen. Internationalistisch ausgerichtete antiimperialistische Gruppierungen wenden sich vor allem gegen die \"imperialen Projekte\" NATO und EU sowie die Politik der USA und Deutschlands (\"Der Hauptfeind steht im eigenen Land\"). Im Zusammenhang mit dem Vormarsch des islamistisch-terroristischen \"Islamischen Staates\" (IS) r\u00fcckte die lange Zeit kaum noch vernehmbare Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung der in Deutschland als terroristische Vereinigung verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK)33 erneut in den Vordergrund, unter anderem mit Demonstrationen und der Forderung nach Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbotes, vor allem aber mit der Spendenkampagne \"Solidarit\u00e4t mit Rojava - Waffen f\u00fcr die YPG/YPJ\". Aktuell existieren zwei Zusammenh\u00e4nge mit einem bundesweiten Anspruch: \"[3A]*Revolution\u00e4res # Der marxistisch-leninistisch orientierte Zusammenschluss B\u00fcndnis\" \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" - die drei A stehen f\u00fcr \"Antifaschismus\", \"Antikapitalismus\" und \"Antimilitarismus\" - verf\u00fcgte Ende 2014 \u00fcber f\u00fcnf Mitgliedsorganisationen und damit weniger als bei seiner Gr\u00fcndung Anfang 2010. Er bekennt sich in seiner Selbstdarstellung ausdr\u00fccklich zum Kommunismus und zur \"internationalen Solidarit\u00e4t mit den fortschrittlichen und revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften in aller Welt\". Die im B\u00fcndnis vertretenen Organisationen - darunter auch Gruppen aus dem Spektrum des s\u00e4kularen Ausl\u00e4nderextremismus - st\u00fcnden f\u00fcr eine \"klassenk\u00e4mpferische und revolution\u00e4re Theorie und Praxis\" auf der \"Basis eines proletarischen Klassenstandpunkts\". Ziel sei es, \"eine l\u00e4ngerfristige Zusammenarbeit zu organisieren\".34 Das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\" hatte bereits im Jahr 2014 mit der Mobilisierung gegen den G7-Gipfel im Juni 2015 in Elmau (Bayern) begonnen. Das B\u00fcndnis rief zum \"Sturm auf 33 Vgl. Berichtsteil Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus), Kap. II. 34 Homepage \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" (4. November 2014). 80","LINKSEXTREMISMUS den Gipfel!\" auf. In \"Anlehnung an die erfolgreichen Proteste gegen den G8 Gipfel 2007 in Heiligendamm\" sollten \"Massenproteste in Deutschland und im europ\u00e4ischen Ausland\" organisiert werden. # Die eher trotzkistisch gepr\u00e4gte \"Neue antikapitalistische Orga\"Neue antikapitalisnisation\" (NaO) konnte 2014 mit dem Beitritt der aktionistitische Organisation\" schen \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB) (NaO) eine gewisse Aufmerksamkeit erzielen. Die ARAB (Credo: \"Unsere Art des Widerstands lassen wir uns nicht vom b\u00fcrgerlichen Gesetzbuch diktieren.\") kommt aus der \"Tradition einer militanten und autonomen Linken\"35. Mittlerweile aber h\u00e4lt sie die autonome Organisationsfeindlichkeit f\u00fcr nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Es sei wichtig, dass sich militante und nicht-militante Aktionsformen gegenseitig erg\u00e4nzen. Inhaltlich setzt die NaO im Gegensatz zu postautonomen Zusammenschl\u00fcssen \"st\u00e4rker auf eine Erneuerung des Marxismus und der Arbeiterbewegung\"36. In dem Manifest der NaO hei\u00dft es, die Organisation wolle einen Beitrag leisten, die \"Zersplitterung der antikapitalistischen und revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte in Deutschland zu \u00fcberwinden.\" Die Welt befinde sich am \"Beginn einer neuen \u00c4ra im Kampf um eine Neuaufteilung\". In Europa, das im \"Zentrum der Krise in den imperialistischen Staaten\" stehe, werde ein \"unbarmherziger Krieg gegen die Armen und Lohnabh\u00e4ngigen ausgefochten.\" Zugleich wolle der \"deutsche Imperialismus\" die EU zu einem \"imperialen Block unter seiner F\u00fchrung\" ausbauen.37 Unmissverst\u00e4ndlich betont die NaO die Erforderlichkeit der revolution\u00e4ren Umw\u00e4lzung: \"Die b\u00fcrgerliche Herrschaft wird nicht durch Parlamentsmehrheiten, sondern durch Massenmobilisierung und revolution\u00e4re Umw\u00e4lzung abgeschafft. (...) Unser Verh\u00e4ltnis zu Wahlen, Parlamenten und b\u00fcrgerlicher Demokratie ist ein taktisches.\" (Homepage NaO, 30. Dezember 2014) Der b\u00fcrgerliche Staat m\u00fcsse durch ein \"System der R\u00e4tedemokratie\" ersetzt werden. 35 Internetplattform \"linksunten.indymedia\" (30. Dezember 2014). 36 So ein Aktivist der ARAB, Homepage taz (16. Oktober 2014). 37 Homepage NaO (30. Dezember 2014). 81","LINKSEXTREMISMUS Parteien nicht Die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Mareingebunden xistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) spielen bei den Vernetzungsbem\u00fchungen keine Rolle, da sie den gewaltorientierten Gruppen als zu wenig aktivistisch gelten. Der linke DKP-Fl\u00fcgel, der 2013 die F\u00fchrung der Partei \u00fcbernommen hat und einen klar marxistisch-leninistischen Kurs steuert, galt zwar einigen Akteuren eine Zeit lang als m\u00f6glicher B\u00fcndnispartner, mittlerweile aber konzentriert sich die Partei ganz eindeutig auf eine St\u00e4rkung der eigenen Strukturen. Dies schlie\u00dft eine Beteiligung der DKP-nahen \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ) und auch der MLPD in einzelnen Aktionsfeldern nicht aus. Vor allem die SDAJ beteiligte sich an Aktionskonferenzen im Zusammenhang mit den Protesten gegen den G7-Gipfel in Elmau am 7./8. Juni 2015. 4. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die Debatte um eine Neustrukturierung im gewaltorientierten Spektrum hat 2014 eine deutliche Dynamik entwickelt und zeitigt mit dem Organisierungsmodell der IL und anderen Zusammenschl\u00fcssen erste Erfolge. Dabei darf jedoch nicht \u00fcbersehen werden, dass es sich - vorl\u00e4ufig jedenfalls - um eine blo\u00dfe Umgruppierung handelt. Obgleich immer wieder eine Kooperation innerhalb der \"radikalen Linken\" propagiert wird und von der Notwendigkeit einer \"Zusammenarbeit von post-trotzkistischen, post-autonomen, post-maoistischen und post-stalinistischen Gruppen\" gesprochen wird,38 bleiben die Spaltungslinien, insbesondere zwischen Postautonomen und Antiimperialisten, un\u00fcbersehbar. Die B\u00fcndelungsbem\u00fchungen bei Marxisten-Leninisten/Antiimperialisten sind vor dem Hintergrund weiter bestehender ideologischer Differenzen, mangelnder personeller St\u00e4rke und programmatischer Schw\u00e4chen nicht sehr weit vorangekommen. Bislang handelt es sich eher um Ank\u00fcndigungen als um die tats\u00e4chliche \u00dcberwindung eines Zirkelwesens in Richtung einer bundesweiten Organisation (\"Zentralismus\"). Mit der postautonomen Organisierung wird der Versuch unternommen, verschiedene Aktionsformen zu verkn\u00fcpfen - nicht 38 Homepage Lower Class Magazine (15. Oktober 2014). 82","LINKSEXTREMISMUS zuletzt um eine Bewegungsst\u00e4rke zu erreichen, aus der heraus \u00fcberhaupt erst (massen-)militant agiert werden kann. Dabei darf nicht verkannt werden, dass mit der \u00d6ffnung der Postautonomen hin zu Kr\u00e4ften au\u00dferhalb der eigenen Szene mitnichten eine Abkehr von Militanz und Gewalt intendiert ist. Auch wenn der Gewalt als einem \"inhaltsleeren Ritual\" eine Absage erteilt wird, wird der \"offensive Widerstand\" weiter propagiert. In diesem Organisierungsprozess bleiben zun\u00e4chst die \"klassischen\" Autonomen au\u00dfen vor. Diese werden jedoch m\u00f6glicherweise ihre klandestinen gewaltt\u00e4tigen Aktivit\u00e4ten verst\u00e4rken, um im Prozess der Neustrukturierung ihrem eigenen Konzept Nachdruck zu verleihen. Ein f\u00fcr 2015 von der IL angek\u00fcndigter Strategiekongress wird zeigen, wie sich der Organisierungsprozess entwickelt und in welcher Weise nicht eingebundene Gruppen darauf reagieren werden. Der \"Antifakongress\" 2014 d\u00fcrfte die Organisatoren nicht sonderlich optimistisch stimmen, da von ihm keine wesentlichen Impulse ausgegangen sind. Dies scheint auch eine Folge der nach wie vor defizit\u00e4ren Theoriearbeit in der Szene zu sein. Die Aussage der IL, das \"Zwischenstandspapier\" sei das Ergebnis einer mehrj\u00e4hrigen Arbeit, spricht \u00fcberdies, ebenso wie einzelne Formulierungen, nicht f\u00fcr ein \u00fcberzeugendes Einvernehmen unter den beteiligten Gruppen. Die IL hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie mit ihrem Konzept der Akzeptanz unterschiedlicher Protestformen \u00fcber die eigene Szene hinaus (\"massenwirksam\") agieren kann. Mit der Organisierung k\u00f6nnte sie diese Voraussetzungen weiter verbessern. Sie k\u00f6nnte jedoch auch als \"weichgesp\u00fclte\" Variante von autonomen Stra\u00dfenk\u00e4mpfern aktionistisch und von Marxisten-Leninisten ideologisch herausgefordert werden. Noch bestehen jedenfalls tiefe Spaltungslinien im gewaltorientierten Linksextremismus. Dies spricht jedoch nicht dagegen, dass sich die einzelnen Gruppen in ihrer Gegnerschaft zur Verfassungsordnung zu gemeinsamen militanten Aktivit\u00e4ten verb\u00fcnden k\u00f6nnen - wie zum Beispiel gegen die Er\u00f6ffnungsfeier des EZB-Geb\u00e4udes und den G7-Gipfel im Jahr 2015. 83","84","Islamismus/ islamistischer Terrorismus 85","Islamismus/islamistischer Terrorismus I. \u00dcberblick Der Islamismus in Deutschland ist kein einheitliches Ph\u00e4nomen. Allen Auspr\u00e4gungen gemeinsam ist der Missbrauch der Religion f\u00fcr politische Ziele. Islamistische Ideologie geht von einer g\u00f6ttlichen Ordnung aus, der sich Gesellschaft und Staat unterzuordnen haben. Dieses \"Islam\"-Verst\u00e4ndnis steht im Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung und verletzt im Besonderen die Grunds\u00e4tze der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, der Trennung von Staat und Religion und der allgemeinen Gleichberechtigung. Die verschiedenen Auspr\u00e4gungen des Islamismus unterscheiden sich sowohl in ihrem Anspruch (regional oder global) als auch in ihren Mitteln (legalistisch, gewaltorientiert oder terroristisch). Legalistische Str\u00f6mungen wie die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung versuchen, \u00fcber politische und gesellschaftliche Einflussnahme eine nach ihrer Interpretation islamkonforme Ordnung durchzusetzen. Die Anh\u00e4nger islamistisch-terroristischer Gruppierungen wie HAMAS39 und \"Hizb Allah\", deren Ziel die Vernichtung des j\u00fcdischen Staates Israel ist, sind auf ihre Herkunftsregionen fokussiert und wenden schwerpunktm\u00e4\u00dfig dort terroristische Gewalt an. Jihadistische Gruppierungen, wie zum Beispiel der \"Islamische Staat\" (IS) und \"al-Qaida\", sehen in ihrem Kampf f\u00fcr einen \"Gottesstaat\" in terroristischer Gewalt ein unabdingbares Mittel gegen \"Ungl\u00e4ubige\" und sogenannte korrupte Regime. Ihre terroristische Agenda ist global und bedroht die internationale Staatengemeinschaft. Eine besonders extreme Str\u00f6mung innerhalb des Islamismus ist der Salafismus, deren Anh\u00e4nger vorgeben, sich an Normen und Werten der islamischen Fr\u00fchzeit zu orientieren. 1. Entwicklungstendenzen Europa liegt nach wie vor im Zielspektrum des islamistischen Terrorismus. Die anhaltend hohe Gef\u00e4hrdungslage dokumentieren insbesondere der Anschlag auf das J\u00fcdische Museum in Br\u00fcssel 39 \"Harakat al-Muqawama al-Islamiya\" - \"Islamische Widerstandsbewegung\". 86","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS (Belgien) im Mai 2014 und die Anschl\u00e4ge in Paris (Frankreich) und Kopenhagen (D\u00e4nemark) im Januar beziehungsweise Februar 2015. Am 7. Januar 2015 drangen zwei bewaffnete franz\u00f6sische StaatsAnschl\u00e4ge in angeh\u00f6rige in die Redaktionsr\u00e4ume des Satiremagazins \"Charlie Frankreich und Hebdo\" in Paris ein und t\u00f6teten dabei zw\u00f6lf Personen, darunter D\u00e4nemark zwei Polizisten. Zeugen berichteten sp\u00e4ter, dass die Attent\u00e4ter nach der Tat unter anderem \"Wir haben den Propheten ger\u00e4cht\" gerufen h\u00e4tten. Am Nachmittag des 9. Januar 2015 wurden die Attent\u00e4ter im Rahmen eines polizeilichen Zugriffs get\u00f6tet. Einer der M\u00e4nner soll in einem Ausbildungslager der \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) trainiert haben. In einem am 14. Januar 2015 ver\u00f6ffentlichten Video \u00fcbernahm AQAH die Verantwortung f\u00fcr den Anschlag. Die Organisation habe das Ziel ausgesucht, den Plan entwickelt und die Operation finanziert. Am 8. Januar 2015 er\u00f6ffnete ein weiterer franz\u00f6sischer Attent\u00e4ter das Feuer auf Polizisten, die zu einem Unfall im Pariser Vorort Montrouge gerufen worden waren. Eine Polizistin erlag sp\u00e4ter ihren Verletzungen. Am folgenden Tag \u00fcberfiel die gleiche Person einen j\u00fcdischen Supermarkt und erschoss vier Geiseln. Noch am selben Tag st\u00fcrmte die Polizei das Gesch\u00e4ft; dabei kam der Attent\u00e4ter ums Leben. In einem sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichten Video bekannte sich der Attent\u00e4ter zum IS. In Kopenhagen gab am 14. Februar 2015 ein Attent\u00e4ter zahlreiche Sch\u00fcsse auf ein Kulturzentrum ab, in dem zu diesem Zeitpunkt eine Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit\" stattfand. Ein d\u00e4nischer Filmregisseur starb bei dem Anschlag, drei Polizeibeamte wurden verletzt. In der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 2015 erschoss derselbe Attent\u00e4ter vor einer Synagoge, in der zu diesem Zeitpunkt eine j\u00fcdische Feier mit 80 Personen stattfand, einen Wachmann. Zwei Polizeibeamte wurden verletzt. Einige Stunden sp\u00e4ter konnte der T\u00e4ter von der Polizei gestellt werden. Es kam zu einem Schusswechsel, bei dem der Terrorist get\u00f6tet wurde. Der Attent\u00e4ter hatte wenige Stunden vor seinen Taten auf Facebook einen Treueeid auf den IS-Anf\u00fchrer Abu Bakr al-Baghdadi gepostet. Die milit\u00e4rischen Erfolge des IS und die Ausrufung des \"Kalifats\" IS: Neue Dimension am 29. Juni 2014 durch al-Baghdadi haben in der Konsequenz zu terroristischer einer neuen Dimension terroristischer Bedrohung gef\u00fchrt. Bedrohung 87","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Bereits seit einigen Jahren sind \"failed states\" ein Refugium f\u00fcr terroristische Gruppen. Der sogenannte Islamische Staat versucht indes, den Eindruck eines \"normalen\" Staatswesens zu erwecken, das auch \u00fcber eine Art funktionierende Verwaltung verf\u00fcgt. Mit der Expansion tritt er \u00fcber das Stadium einer territorial eingehegten Terrororganisation hinaus. Die Proklamation des \"Kalifats\" und die milit\u00e4rischen Erfolge sorgen f\u00fcr eine euphorische Stimmung bei Jihadisten auch in Europa, unbeschadet der Gr\u00e4uel und Schrecken, die von den jihadistischen Milizen verbreitet werden. Die Folge ist eine st\u00e4ndig ansteigende Reisewelle zur Unterst\u00fctzung des IS. Sollte sich der IS auf l\u00e4ngere Sicht in einem gr\u00f6\u00dferen Gebiet etablieren k\u00f6nnen, w\u00fcrde der transnationale Jihad - mehr noch als seinerzeit in Afghanistan - erneut \u00fcber ein R\u00fcckzugsund Ausbildungsgebiet f\u00fcr seine K\u00e4mpfer verf\u00fcgen: \u00dcber ein logistisches Zentrum, das in der Lage w\u00e4re, komplexe Attentate zu koordinieren. Der IS verfolgt eine globale Agenda. Dies wurde entsprechend deutlich nach Beginn der Luftangriffe der USA und ihrer Verb\u00fcndeten zur Verteidigung der ethnischen und religi\u00f6sen Minderheiten, die der IS dazu nutzte, zu Anschl\u00e4gen auch im Westen aufzurufen. Mit den Erfolgen des IS hat sich auch das Machtgef\u00fcge im Jihadismus ver\u00e4ndert. Die Sympathien der internationalen Jihadistenszene scheinen nunmehr verst\u00e4rkt bei dem IS zu liegen. Bislang hat sich \"al-Qaida\" noch nicht zu der neuen Situation ge\u00e4u\u00dfert. Es steht zu bef\u00fcrchten, dass sie versucht, ihren Reputationsverlust mit neuen spektakul\u00e4ren Terrorangriffen wettzumachen. Weiterhin hohe Nach wie vor ist von einer hohen Komplexit\u00e4t islamistisch-terroKomplexit\u00e4t jihadistiristischer Strukturen auszugehen. Der globalisierte und zugleich scher Strukturen individualisierte Jihadismus tritt in unterschiedlichen Ausformungen auf - von regionalen Gruppen, die mit den Terrororganisationen IS oder \"al-Qaida\" assoziiert sind, \u00fcber diverse Netzwerke mit einer Anbindung bis hin zu Einzelt\u00e4tern oder Kleinstgruppen, die oftmals durch Internetver\u00f6ffentlichungen radikalisiert werden. Deren autonome, organisationsunabh\u00e4ngige Tatvorbereitungen erschweren es den Sicherheitsbeh\u00f6rden, in einem fr\u00fchen Stadium Abwehrma\u00dfnahmen einzuleiten. Der Modus Operandi des \"individuellen Jihad\" wird von \"al-Qaida\" und IS gleicherma\u00dfen 88","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS propagiert: Als eine Form des Kampfes, in der mit vergleichsweise geringen Mitteln ein gro\u00dfes Ausma\u00df an Schrecken erzeugt werden kann. Jihadisten nutzen die modernen Kommunikationstechnologien, Soziale Medien: um ihre Ideologie zu verbreiten, vor allem aber auch, um \u00fcber Wichtigster ihre terroristischen Aktionen zu berichten. Nachdem sie bereits Multiplikator in fr\u00fcheren Jahren eine bemerkenswerte Professionalit\u00e4t an den Tag gelegt hatten, ist es dem IS gelungen, diese noch einmal zu steigern - insbesondere hinsichtlich der Nutzung der sozialen Medien. Aus den Kampfgebieten heraus stehen die Jihadisten mit ihren \"Glaubensbr\u00fcdern\" und \"Glaubensschwestern\" in Europa und global in Verbindung - eben nicht nur in Videobotschaften, sondern auch \u00fcber Social-Media-Accounts mit der M\u00f6glichkeit zum Dialog. Bis Anfang 2015 lagen Erkenntnisse zu mehr als 600 deutschen Reisebewegungen Islamisten beziehungsweise Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind, um sich an Kampfhandlungen zu beteiligen oder aber islamistische Gruppen in anderer Weise zu unterst\u00fctzen. Der IS hat sich inzwischen zur wichtigsten Anlaufstation f\u00fcr Jihadwillige aus Deutschland entwickelt. Kampfwillige Jihadisten erhalten dort die M\u00f6glichkeit, in Ausbildungslagern unterschiedlichste Terrortechniken zu erlernen und praktisch zu erproben. Bei diesem Personenspektrum sind zunehmend Anzeichen f\u00fcr Verrohung, Brutalisierung und Gew\u00f6hnung an Gewalt zu beobachten. Mehrere Jihadisten aus Deutschland haben im Irak und in Syrien Selbstmordanschl\u00e4ge ver\u00fcbt, mutma\u00dflich im Auftrag des IS. Etwa ein Drittel der ausgereisten Personen ist zwischenzeitlich - zumindest zeitweise - nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer liegen keine Informationen \u00fcber eine m\u00f6gliche Beteiligung an Kampfhandlungen vor. Personen, die ein terroristisches Ausbildungslager absolviert beziehungsweise aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen haben, stellen bei ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. 89","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Salafismus: Auch im Jahr 2014 bleibt der Salafismus mit 7.000 Anh\u00e4ngern Weiter ansteigendes (gegen\u00fcber 5.500 im Jahr zuvor) die dynamischste islamistiPotenzial sche Bewegung in Deutschland. Die Szene stellt ein wesentliches Rekrutierungsfeld f\u00fcr den Jihad dar. Basis hierf\u00fcr ist eine Ideologie, die vorgibt, sich ausschlie\u00dflich an den Prinzipien des Koran, dem Vorbild des Propheten Muhammad und den ersten drei Generationen der Muslime zu orientieren sowie die Gewaltaffinit\u00e4t. Fast ausnahmslos alle Personen mit Deutschlandbezug, die sich dem Jihad angeschlossen haben, standen zuvor mit salafistischen Strukturen in Kontakt. Auch 2014 versuchten Salafisten mit Veranstaltungen und Provokationen Aufmerksamkeit zu erregen, zum Beispiel mit der \"LIES!\"-Kampagne und der \"Shariah Police\". Antisemitismus: Antisemitismus ist ein integraler Bestandteil islamistischer IdeoKonstitutiver logie. Insbesondere der verhasste Staat Israel wird mit klassischen Bestandteil des judenfeindlichen Stereotypen verbunden: Von der j\u00fcdischen Islamismus Finanzkraft bis hin zur j\u00fcdischen Weltverschw\u00f6rung. Bei den Demonstrationen gegen den Gazakrieg im Sommer 2014 - vielfach waren es eher HAMAS-Unterst\u00fctzungsveranstaltungen als Friedensdemonstrationen - wurde ein offener Antisemitismus deutlich. Die teilweise aggressiv gegen Juden oder Israel gerichteten Parolen bei Veranstaltungen und im Internet, vor allem aber die \u00dcbergriffe auf Juden und israelsolidarische Demonstranten und der Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) belegen das unverminderte Aggressionspotenzial. Mit dem Anschlag im J\u00fcdischen Museum in Br\u00fcssel - ver\u00fcbt von einem Syrien-R\u00fcckkehrer - und dem Anschlag auf einen j\u00fcdischen Supermarkt in Paris wird die anhaltend hohe Gef\u00e4hrdung f\u00fcr Juden und j\u00fcdische Einrichtungen durch Jihadisten deutlich. In Reaktion auf den IS-Terror gegen ethnische und religi\u00f6se Minderheiten in Syrien und im Irak ist es 2014 auch in Deutschland zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Jesiden beziehungsweise Kurden gekommen: Im August und Oktober 2014 in Herford (Nordrhein-Westfalen), Celle (Niedersachsen) und Hamburg. 90","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Nach wie vor geht eine erhebliche Gef\u00e4hrdung der inneren K\u00e4mpfe im Nahen Sicherheit von den Wechselwirkungen zwischen den extremisOsten finden Widertischen Antipoden aus: Jihadistische Anschl\u00e4ge bieten rechtshall auf deutschen extremistischen Gruppen wohlfeile Begr\u00fcndungsmuster f\u00fcr Stra\u00dfen ihre antiislamische Agitation bis hin zur eigenen Gewaltt\u00e4tigkeit. Umgekehrt nutzen Salafisten dies zur Rechtfertigung ihrer Gewalt. 2. Organisationen und Personenpotenzial Ende 2014 gab es 25 (2013: 30) bundesweit aktive islamistische Organisationen. Das islamistische Personenpotenzial in Deutschland ist gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht angestiegen und betr\u00e4gt 43.890 Personen (2013: 43.190). Der Anstieg beruht insbesondere auf dem Zuwachs bei den Mitgliedern/Anh\u00e4ngern salafistischer Bestrebungen in Deutschland. 91","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Islamismuspotenzial1 Organisationen2 2012 2013 2014 Kern-\"al-Qaida\" \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) keine gesicherkeine gesicherkeine gesicher\"al-Shabab\" ten Zahlen ten Zahlen ten Zahlen \"Islamischer Staat\" (IS) noch nicht noch nicht keine gesicheraufgef\u00fchrt aufgef\u00fchrt ten Zahlen \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) noch nicht noch nicht keine gesicheraufgef\u00fchrt aufgef\u00fchrt ten Zahlen Salafistische Bestrebungen 4.500 5.500 7.000 \"Hizb Allah\" 950 950 950 \"Harakat al-Muqawama al-Islamiya\" (HAMAS) 300 300 300 \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 500 250 220 \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) 350 350 360 \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 300 300 300 \"Muslimbruderschaft\" (MB)/\"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) 1.300 1.300 1.000 \"Tablighi Jama'at\" (TJ) 700 700 700 \"Islamisches Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) keine gesicherkeine gesicherkeine gesicherten Zahlen ten Zahlen ten Zahlen \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung und zugeordnete Vereinigungen (IGMG) 31.000 (IGMG) 31.000 31.0003 Sonstige4 2.650 2.540 2.060 Summe 42.550 43.190 43.890 1 Die Zahlenangaben beziehen sich auf Deutschland und sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Die Reihenfolge der Auflistung ist geordnet von terroristischen Organisationen bis zu Organisationen, die auf Gewalt verzichten. 3 Die Zahlenangabe zur \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung enth\u00e4lt die Mitglieder der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG). Aufgrund des anhaltenden Ver\u00e4nderungsprozesses in der IGMG k\u00f6nnen derzeit keine verl\u00e4sslichen Zahlenangaben zum aktuellen Personenpotenzial ausgewiesen werden. Daher wurden die Zahlenangaben aus dem VSB 2013 \u00fcbernommen. Nicht alle Mitglieder/Anh\u00e4nger der IGMG verfolgen oder unterst\u00fctzen jedoch islamistische Ziele. Zu den \u00fcbrigen Teilobjekten der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung liegen noch keine verl\u00e4sslichen Zahlen vor. 4 Weitere Organisationen, deren Mitgliederund Anh\u00e4ngerzahlen im Islamismuspotenzial zu ber\u00fccksichtigen sind. 92","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS II. Internationale Konflikte und ihre Bedeutung f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland Die Sicherheitslage in Deutschland wird - insbesondere hinsichtlich des transnationalen islamistischen Terrorismus - in hohem Ma\u00dfe von internationalen Entwicklungen bestimmt. Im Jahr 2014 wirkten sich vor allem zwei Ereignisse in diesem Zusammenhang auf die Sicherheitslage in Deutschland aus: # Die Ausrufung des \"Kalifats\" durch den IS und dessen erfolgreicher milit\u00e4rischer Vormarsch l\u00f6sten bei Jihadisten eine euphorische Stimmung aus, begleitet von einer sich massiv beschleunigenden Reisewelle in die Kampfgebiete. Sp\u00e4testens mit der Proklamation wurden indes auch Friktionen zwischen IS und \"al-Qaida\" \u00fcber Hegemonie und F\u00fchrung im globalen Jihad deutlich sichtbar. # In den Reaktionen auf den \"Gazakrieg\" zwischen Israel und der islamistisch-terroristischen HAMAS wurde auf deutschen Stra\u00dfen offener Antisemitismus deutlich. 1. K\u00e4mpfe in Syrien und im Irak - ein Magnet f\u00fcr Jihadisten 1.1 Politische Ausgangslage In dem nunmehr seit mehreren Jahren andauernden B\u00fcrgerkrieg in Syrien und der instabilen Lage im Irak ist es den jihadistischen Gruppen gelungen, ihre Positionen zu festigen und auszubauen. Dies gilt im Besonderen f\u00fcr den IS, der nach erheblichen Gel\u00e4ndegewinnen am 29. Juni 2014 das \"Kalifat\" ausgerufen hat. Die Ende 2003 als \"al-Qaida im Irak\" (AQI) gegr\u00fcndete sunnitisch-terroristische Organisation - sie ver\u00e4nderte ihre Bezeichnung \u00fcber \"Islamischer Staat Irak\" und \"Islamischer Staat Irak und Gro\u00dfsyrien\" (ISIG) mit der Ausrufung des \"Kalifats\" in den heute g\u00fcltigen Namen - etabliert in ihrem Herrschaftsgebiet, zu dem Teile Syriens wie auch des Iraks geh\u00f6ren, ein Schreckensregime gegen alle Andersdenkenden bis hin zu \"ethnischen S\u00e4uberungen\" gegen Christen und Jesiden ebenso wie gegen nichtkonforme Muslime. 93","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Mit der Ausrufung des \"Kalifats\" machte der IS seinen F\u00fchrungsanspruch im globalen Jihad unmissverst\u00e4ndlich deutlich und setzte sich - zumindest vorerst - gegen den regionalen \"al-Qaida\"Ableger in Syrien \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) durch. Diese Entwicklung hatte sich bereits 2013 angedeutet, als die Organisation sich einer Anordnung der \"al-Qaida\"-F\u00fchrung offen widersetzt hatte. Als \"Kalif\" erhebt der IS-Anf\u00fchrer Anspruch darauf, geistliches und weltliches Oberhaupt aller Muslime zu sein. Dies schlie\u00dft auch die \"al-Qaida\"-Organisationen mit ein, deren F\u00fchrer Aiman al-Zawahiri den Anspruch des IS zur\u00fcckweist. Inzwischen haben sich einige jihadistische Gruppen von \"al-Qaida\" abgewandt und bekennen sich zum IS - beispielsweise durch Loyalit\u00e4tserkl\u00e4rungen, die Teile der pakistanischen \"Taleban\" und der Jihadisten im Kaukasus sowie Kommandeure der \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) gegen\u00fcber dem \"Kalifen\" abgegeben haben. Bewaffnete Auseinandersetzungen finden nicht mehr nur zwischen islamistischen Gruppierungen und dem syrischen Regime statt, der IS k\u00e4mpft in Syrien auch gegen andere islamistische und jihadistische Gruppierungen, darunter die JaN. Der IS versucht sich als \"normaler\" islamischer Staat darzustellen, der die Verwaltungsaufgaben im Sinne der Bev\u00f6lkerung regelt, als ein \"Kalifat\", das Muslime in aller Welt verteidigen soll: Ein Staat, der \u00fcber ein Staatsgebiet, eine Staatsmacht und ein Staatsvolk verf\u00fcgt. Feinde des \"Staates\", egal welcher religi\u00f6sen oder ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit, werden unerbittlich und brutal bek\u00e4mpft. Immer wieder wird auch das expansionistische Ziel dieses \"Staates\" verdeutlicht: Die Ausbreitung des Jihad weltweit. Als Reaktion auf die Machtausdehnung des IS und dessen massenhafte Mordund Gr\u00e4ueltaten hat sich eine Allianz gebildet - ihr geh\u00f6ren auch arabische Staaten an -, die unter F\u00fchrung der USA f\u00fcr dessen Eind\u00e4mmung und den Schutz der bedrohten Minderheiten k\u00e4mpft. Seit den US-gef\u00fchrten Luftangriffen ruft der IS auch zu Anschl\u00e4gen im Westen auf. 94","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 1.2 Auswirkungen auf die europ\u00e4ische Jihadistenszene Der B\u00fcrgerkrieg in Syrien hat seit seinem Beginn ein betr\u00e4chtliches Radikalisierungspotenzial entwickelt. 2014 \u00fcbten insbesondere die Erfolge des IS eine m\u00e4chtige Sogwirkung auf Jihadisten aus. 1.2.1 Jihadistische/islamistische Propaganda Propagandistisch agiert der IS wie ein modernes, globales Unternehmen und ist insbesondere in sozialen Netzwerken geradezu omnipr\u00e4sent. Neben Medienstellen f\u00fcr die Produktion und Verbreitung araProfessionelle bischsprachiger Propaganda (Videound Audiobotschaften, FotoIS-Propaganda reihen, Texte) verf\u00fcgt der IS mit dem \"al-Hayat Media Center\" \u00fcber eine international ausgerichtete Medienstelle, die Propaganda in vielen unterschiedlichen Sprachen verbreitet, darunter auch in Deutsch. Diese Medienstelle produziert beispielsweise das grafisch hochwertige, englischsprachige Onlinemagazin \"DABIQ\", das sich an die \"Mujahidin\" weltweit und damit auch an ein westliches Publikum wendet. Die Ausgaben von \"DABIQ\" werden sukzessive auch ins Franz\u00f6sische und Deutsche \u00fcbersetzt. \"DABIQ\" stellt die angeblichen milit\u00e4rischen und zivilen Erfolge des IS dar, erl\u00e4utert sein Handeln, dokumentiert die vermeintliche Etablierung und Ausbreitung des IS und unterf\u00fcttert sie ideologisch. Dadurch wird der Eindruck eines \"normalen\" Staatsgef\u00fcges erweckt. Wenngleich der IS seine milit\u00e4rischen Erfolge und sein Handeln islamisch-religi\u00f6s zu rechtfertigen versucht, verzichtet er doch propagandistisch weitgehend auf ausf\u00fchrliche und theologisch fundierte Predigten und Erkl\u00e4rungen. Vielmehr stellt er sich als schlagkr\u00e4ftige Organisation dar, der es gelingt, in die Tat umzusetzen, was jihadistische Ideologen seit Jahren predigen: Die Etablierung eines (weltweiten) \"Kalifats\" mit der Scharia als einziger Rechtsgrundlage. Dazu geh\u00f6rt nach Lesart des IS auch der bedingungslose Kampf gegen \"Ungl\u00e4ubige\". Damit sind alle Menschen gemeint, die sich gegen den IS stellen, unabh\u00e4ngig davon, ob sie Muslime sind oder nicht. Gerade dieser handlungsorientierte Ansatz spricht vor allem junge Menschen an, deren Ziel 95","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS es ist, Teil einer \"Revolution\" zu sein - auch ein Grund daf\u00fcr, dass 2014 die meisten deutschen Jihadisten vom IS angezogen wurden. Rezeption bei Deutsche IS-Unterst\u00fctzer bewundern den kompromisslosen und deutschen Jihadisten \u00e4u\u00dferst radikalen Kampf f\u00fcr die Errichtung eines \"islamischen Staatswesens\". Die Ausrufung des \"Kalifats\" erscheint ihnen als ein Meilenstein zur Verwirklichung der jihadistischen Utopie. Nur im IS sei ein islamisch korrektes, ein freies und ehrenvolles Leben m\u00f6glich; er sei die Heimat aller Muslime. Mit Stolz verweisen sie auf \"staatliche Strukturen\" wie Scharia-Gerichte und SchariaPolizei sowie den Aufbau einer Infrastruktur (Krankenh\u00e4user, Altenheime, M\u00fcllabfuhr und Stra\u00dfenreinigung). Soziale Netzwerke: Deutsche Jihadisten ver\u00f6ffentlichen ihre Propaganda mehrheitWichtigster lich \u00fcber soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter. Multiplikator Die etablierten arabischsprachigen jihadistischen Internetforen spielen mittlerweile nur noch eine untergeordnete Rolle. Durch die Internetnutzung werden Informationen rasant verbreitet und der Jihad \"in Echtzeit\" dokumentiert, ohne den regulierenden Einfluss von Administratoren wie in Internetforen. Damit einher geht auch die vermehrte Nutzung von Instant-Messenger-Diensten. Beispielsweise er\u00f6ffnen deutsche Jihadisten Gruppen auf WhatsApp, die als Radikalisierungsplattformen und virtuelle Treffpunkte der Szene dienen. Insbesondere die j\u00fcngere Generation der Jihad-Sympathisanten bevorzugt App-basierte Kommunikationsdienste. Rekrutierung Die Propaganda zielt zumeist darauf ab, radikalisierte Muslime neuer K\u00e4mpfer zur Ausreise in die Kampfgebiete zu motivieren. Das Leben in den Jihadgebieten in Syrien und im Irak wird als Wiederbelebung der islamischen Fr\u00fchzeit dargestellt. Es wird suggeriert, dort sei ein Leben nach Ma\u00dfgabe der Scharia und dem Vorbild des Propheten Muhammad und seiner Gef\u00e4hrten m\u00f6glich. Zudem gebe es abseits der Front sichere Orte f\u00fcr Familien mit Kindern - insgesamt ein romantisches Bild des Jihad und der Versuch, Frauen zu \u00fcberzeugen, sich ihren k\u00e4mpfenden Ehem\u00e4nnern anzuschlie\u00dfen oder alleine auszureisen, um vor Ort einen K\u00e4mpfer zu heiraten. Gezielt werden dar\u00fcber hinaus Fachkr\u00e4fte wie \u00c4rzte und Handwerker dazu aufgerufen, sich am Aufbau des \"Islamischen Staates\" zu beteiligen. Des Weiteren wird um Unterst\u00fctzung mittels Geldund Sachspenden geworben. 96","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Vor allem aber bem\u00fcht die Propaganda den Mythos des M\u00e4rtyrers: Den Tod im Kampf als erstrebenswertes Ziel. Zunehmend werden Gewaltszenen aus der Perspektive des T\u00e4ters gezeigt. Szenen, die bei dem \"normalen\" Betrachter Entsetzen und Emp\u00f6rung ausl\u00f6sen, werden von Jihad-Sympathisanten ohne jegliche Empathie f\u00fcr die Opfer kommentiert: Gewalt wird als rechtm\u00e4\u00dfig bezeichnet, die Opfer werden verh\u00f6hnt. Spendensammlungen islamistischer Gruppierungen dienen auch R\u00fcckgang islamisder Propaganda. Sie finden im gesamten islamistischen Spektrum tischer BenefizverDeutschlands statt. Im Vergleich zum Vorjahr ist jedoch die Zahl anstaltungen der Benefizveranstaltungen ebenso r\u00fcckl\u00e4ufig wie diejenige der festgestellten Syrien-Konvois. Zwar werden von salafistischen Organisationen immer noch in Konvois Nahrungsmittel und Kleidung nach Syrien verbracht, die Abst\u00e4nde zwischen den einzelnen Konvois sind jedoch gr\u00f6\u00dfer geworden. Im Rahmen von Spendensammlungen und Konvois f\u00fcr Syrien kooperieren Akteure aus dem gesamten salafistischen Spektrum: Zwischen dem Transport (auch) humanit\u00e4rer Hilfsg\u00fcter und der gezielten Unterst\u00fctzung jihadistischer Gruppierungen ist daher oft nicht zu unterscheiden. Beispielsweise enthalten die Konvois Hilfsg\u00fcter wie Kleidung, Medikamente und Fahrzeuge (zum Beispiel Krankenund Gel\u00e4ndefahrzeuge), aber auch G\u00fcter, die f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke genutzt werden k\u00f6nnen (zum Beispiel Tarnkleidung und Nachtsichtger\u00e4te). 1.2.2 Reisebewegungen Mit Stand Januar 2015 lagen Erkenntnisse zu mehr als 600 deutschen Islamisten beziehungsweise Islamisten aus Deutschland vor, die in Richtung Syrien oder Irak ausgereist sind, um sich an den Kampfhandlungen des IS oder in sonstiger Weise am Kampf gegen das Assad-Regime zu beteiligen. Der Anstieg der islamistisch beziehungsweise jihadistisch motivierten Reisebewegungen aus Deutschland nach Syrien und in den Irak h\u00e4lt an. Kampfwillige Jihadisten erhalten in Syrien und im Nordirak die M\u00f6glichkeit, in Ausbildungslagern unterschiedlichste Terrortechniken zu erlernen und anschlie\u00dfend praktisch zu erproben. Bei diesem Personenspektrum sind zunehmend 97","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Entwicklung der Ausreisezahlen 700 600 600 550 550 550 500 450 400 400 320 320 320 320 320 300 290 270 200 100 0 Jan 14 Feb 14 Mrz 14 Apr 14 Mai 14 Jun 14 Jul 14 Aug 14 Sep 14 Okt 14 Nov 14 Dez 14 Jan 15 Anzeichen f\u00fcr Verrohung, Brutalisierung und Gew\u00f6hnung an Gewalt zu beobachten. Mindestens neun Jihadisten aus Deutschland haben im Irak und in Syrien Selbstmordanschl\u00e4ge ver\u00fcbt, mutma\u00dflich im Auftrag des IS. Die Anziehungskraft der Krisenregion f\u00fcr potenzielle Jihadwillige, auch aus Deutschland, hat sich durch die Erfolge des IS noch einmal deutlich verst\u00e4rkt. Der IS hat sich inzwischen zur wichtigsten Anlaufstation f\u00fcr Jihadwillige aus Deutschland entwickelt. Hierzu hat auch der Angriff der IS-Terrormilizen auf die heftig umk\u00e4mpfte, vor allem von s\u00e4kular orientierten Kurden verteidigte Stadt Kobane an der syrisch-t\u00fcrkischen Grenze beigetragen. Die f\u00fcr beide Seiten symbolhafte Bedeutung dieses Kampfes zeitigt inzwischen eine Art Wechselwirkung bei den Ausreisewilligen: Zum einen sind im Westen lebende Islamisten weiter bestrebt, den IS durch die eigene, jihadistisch motivierte Ausreise zu unterst\u00fctzen, zum anderen reisen im Westen lebende 98","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS PKK-Anh\u00e4nger ebenfalls in die Krisenregion um sich aufseiten der Kurden an den K\u00e4mpfen zu beteiligen. Bei den Ausgereisten handelt es sich \u00fcberwiegend um in Deutschland geborene m\u00e4nnliche Muslime mit Migrationshintergrund. Circa 10% der Ausgereisten sind Konvertiten. Auch der Anteil der ausgereisten Frauen liegt bei circa 10%. Es sind sogar F\u00e4lle bekannt, bei denen Minderj\u00e4hrige zur Teilnahme am Jihad ausgereist sind. Etwa ein Drittel der ausgereisten Personen ist zwischenzeitlich R\u00fcckkehrer - zumindest zeitweise - nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt. Zu der Mehrzahl dieser R\u00fcckkehrer liegen keine Informationen \u00fcber eine m\u00f6gliche Beteiligung an Kampfhandlungen vor. Personen, die ein terroristisches Ausbildungslager absolviert beziehungsweise aktiv an Kampfhandlungen in Syrien/ im Irak teilgenommen haben, stellen bei ihrer R\u00fcckkehr nach Deutschland ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Ihre F\u00e4higkeit, sich unauff\u00e4llig in westlichen Staaten zu bewegen, pr\u00e4destiniert die R\u00fcckkehrer aus Sicht jihadistischer Gruppierungen daf\u00fcr, Anschl\u00e4ge in ihren jeweiligen Heimatl\u00e4ndern zu planen und durchzuf\u00fchren. Innerhalb ihrer Szene genie\u00dfen Personen, die sich in Syrien oder im Irak aufgehalten haben und von dort nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt sind, oftmals einen \"Heldenstatus\", der wiederum andere Szeneangeh\u00f6rige zur Nachahmung und zu einer eigenen Beteiligung am Jihad animieren kann. Die reale Bedrohung, die von jihadistischen Syrien-R\u00fcckkehrern Anschlag in Br\u00fcssel: ausgeht, verdeutlicht der Schusswaffenanschlag im J\u00fcdischen Die Tat eines Museum in Br\u00fcssel am 24. Mai 2014 mit vier Todesopfern. Es franz\u00f6sischen handelt sich dabei um den ersten Terroranschlag eines jihadisR\u00fcckkehrers tischen Syrien-R\u00fcckkehrers in Europa. Als mutma\u00dflicher T\u00e4ter konnte am 30. Mai 2014 in Marseille (Frankreich) ein 29-j\u00e4hriger franz\u00f6sischer Staatsangeh\u00f6riger festgenommen werden, der sich vermutlich von Anfang Januar 2013 bis zum Februar 2014 in Syrien aufgehalten hat. Der Anschlag verdeutlicht \u00fcberdies, dass die Gef\u00e4hrdung, die von Syrien-R\u00fcckkehrern ausgeht, nicht nur auf das jeweilige Heimatland beschr\u00e4nkt ist: Es bleibt ein gesamteurop\u00e4isches Problem. 99","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS 1.2.3 Gegenma\u00dfnahmen Staatliche Gegenma\u00dfnahmen zielen allgemein auf jihadistische Strukturen und Propaganda sowie konkret auf Tatvorbereitung und -beteiligung Einzelner (durch Reisebeschr\u00e4nkungen und Strafverfahren). Das Ineinandergreifen verschiedener beh\u00f6rdlicher Instrumente, die Zusammenarbeit mit anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden sowie staatlichen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen im Rahmen der Pr\u00e4vention sowie nicht zuletzt eine effiziente Strafverfolgung stellen geeignete Mittel dar, um die Bedrohung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland einzud\u00e4mmen. Reisebeschr\u00e4nkungen Die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden versuchen intensiv, Planungen zur Ausreise und zur Beteiligung an Kampfhandlungen m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig zu erkennen und unter Aussch\u00f6pfung s\u00e4mtlicher rechtlicher M\u00f6glichkeiten zu verhindern, durch # Ausreiseuntersagung, # Entzug des Reisepasses, # Beschr\u00e4nkung der G\u00fcltigkeit des Personalausweises auf Deutschland, # Ausschreibungen in Fahndungsdateien. Sofern die Ausreise einer Person nicht verhindert werden kann, richtet sich der Fokus der Sicherheitsbeh\u00f6rden jedenfalls darauf, R\u00fcckreisen m\u00f6glichst fr\u00fchzeitig zu erkennen. Einer engen Abstimmung auf nationaler und internationaler Ebene kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Bet\u00e4tigungsverbot Am 12. September 2014 hat der Bundesminister des Innern ein f\u00fcr IS Bet\u00e4tigungsverbot f\u00fcr die Terrororganisation IS in Deutschland erlassen. Es umfasst insbesondere die Verwendung von Kennzeichen des IS sowie der Logos der mit dem IS assoziierten Medienstellen. Die Verf\u00fcgung ist seit Oktober 2014 unanfechtbar. Strafverfahren wegen Obgleich derzeit keine Strukturen des IS in Deutschland bekannt IS-Unterst\u00fctzung sind, wurden im Jahr 2014 eine Reihe von Strafverfahren gegen Anh\u00e4nger oder Unterst\u00fctzer des IS durchgef\u00fchrt. Beispielsweise erhob der Generalbundesanwalt am 17. September 2014 vor dem Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf 100","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS (Nordrhein-Westfalen) Anklage gegen eine Person mit deutscher und polnischer Staatsangeh\u00f6rigkeit, eine deutsche Staatsangeh\u00f6rige und einen deutschen Staatsangeh\u00f6rigen wegen Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung schwerer staatsgef\u00e4hrdender Gewalttaten. Der weiblichen Beschuldigten mit deutscher und polnischer Staatsangeh\u00f6rigkeit wird vorgeworfen, Kameras nebst Zubeh\u00f6r f\u00fcr die Propagandaarbeit sowie mehrmals Bargeld an den IS weitergeleitet zu haben. In zwei F\u00e4llen soll sie dabei gemeinsam mit den beiden anderen Angeschuldigten gehandelt haben. Das Bundesministerium der Justiz hat am 15. Juli 2013 eine StrafverfolgungsStrafverfolgungserm\u00e4chtigung gem\u00e4\u00df SS 129b Absatz 1, Satz 3 erm\u00e4chtigung Strafgesetzbuch (StGB) in Bezug auf Mitglieder oder Unterst\u00fctzer gegen JaN der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung JaN erteilt, wenn sie deutsche Staatsangeh\u00f6rige sind, sich in Deutschland aufhalten oder hier t\u00e4tig werden. Obgleich derzeit keine festen Strukturen der JaN in Deutschland bekannt sind, kam es im Jahr 2014 zu einer Reihe von Strafverfahren gegen Anh\u00e4nger oder Unterst\u00fctzer der JaN. Beispielsweise wurde am 15. Oktober 2014 ein deutscher StaatsStrafverfahren wegen angeh\u00f6riger wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der JaN JaN-Mitgliedschaft in Frankfurt am Main festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, im Juli 2013 von seinem Wohnort R\u00fcsselsheim (Hessen) nach Syrien gereist zu sein, wo er sich sp\u00e4testens im September 2013 der JaN angeschlossen haben soll. Nach absolvierter Kampfausbildung soll er an den t\u00e4glichen Lagebesprechungen der \u00f6rtlichen JaN-Mitglieder teilgenommen und Wachdienste an Sicherheitsposten der Organisation versehen haben. Ende Juni 2014 soll der Beschuldigte Syrien verlassen haben und nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt sein. 1.3 Wechselwirkungen Der IS-Terror und die Gewalttaten der IS-Milizen in den eroberten Gebieten spiegeln sich auch in Deutschland in einem stark emotionalisierenden Demonstrationsgeschehen wider. Bemerkenswert ist insbesondere die Vielzahl unterschiedlicher ethnischer, religi\u00f6ser und ideologischer Gruppierungen, die sich daran 101","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS beteiligen. So nehmen beispielsweise auf Seiten der IS-Gegner sowohl Linksextremisten als auch Angeh\u00f6rige der gewaltorientierten Fu\u00dfballszene teil. Die K\u00e4mpfe zwischen kurdischen Milizen und dem IS in Syrien und dem Irak waren Anlass f\u00fcr zahlreiche, von Kurden organisierte Solidarit\u00e4tskundgebungen. Diese Demonstrationen m\u00fcndeten seit Anfang August 2014 in gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern und Sympathisanten beider Gruppierungen: Jesiden und Anh\u00e4nger der PKK auf der einen, Salafisten (unter Beteiligung islamistischer Tschetschenen) auf der anderen Seite. Vor dem Hintergrund der Offensive des IS gegen die \u00fcberwiegend von Kurden bewohnte Stadt Kobane spitzten sich diese Auseinandersetzungen zu. Am 6. und 7. Oktober 2014 wurden bei gewaltt\u00e4tigen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Jesiden und tschetschenischen Salafisten in Celle insgesamt zw\u00f6lf Personen verletzt. Nach einer von Kurden angemeldeten Demonstration am 7. Oktober 2014 in der Hamburger Innenstadt kam es in der Nacht im Hamburger Stadtteil St. Georg zu gewaltt\u00e4tigen und bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen unter anderem auch PKK-Anh\u00e4ngern und Salafisten sowie deren jeweiligen Sympathisanten. Dabei wurden mindestens 13 Personen teils schwer verletzt. 1.4 Gef\u00e4hrdungspotenzial Die Gef\u00e4hrdungslage im Zusammenhang mit dem islamistischen Terrorismus bleibt unver\u00e4ndert hoch. Mit dem B\u00fcrgerkrieg in Syrien und dem Vormarsch des IS hat sich der Fokus deutscher Jihadisten ganz eindeutig von der Region Afghanistan/Pakistan auf die Kampfzone im Nahen Osten verschoben. Jihadistisch motivierte Ausreisen nach Syrien und in den Irak nehmen zu, da mit dem IS ein vermeintlich wahrer und m\u00e4chtiger islamischer Staat ausgerufen wurde, dessen Verteidigung, Festigung und Vergr\u00f6\u00dferung als Pflicht aller \"wahren Muslime\" propagiert wird. Auf der anderen Seite hat sich der seit Fr\u00fchjahr 2013 bestehende Konflikt zwischen JaN und IS im Jahre 2014 weiter versch\u00e4rft und spaltet auch die jihadistische Gemeinschaft. Auch in Deutschland 102","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS kommt es innerhalb des jihadaffinen Spektrums zu Friktionen zwischen ISund JaN-Sympathisanten. Seit Beginn der Luftangriffe der USA und ihrer Verb\u00fcndeten am 23. September 2014 auf den IS in Syrien r\u00fcckt der Westen zunehmend in das Visier der Terroristen. Sowohl JaN als auch IS haben dazu aufgerufen, Anschl\u00e4ge im Westen wie auch gegen westliche Einrichtungen und Staatsb\u00fcrger im Ausland zu begehen. In der am 12. Oktober 2014 erschienenen vierten Ausgabe von \"DABIQ\" wird erstmals auch Deutschland namentlich als Ziel solcher Anschl\u00e4ge genannt. Zielgerichtet rufen zudem deutsche IS-K\u00e4mpfer zu Gewalttaten in Deutschland auf. Dies entspricht auch dem seit mehreren Jahren propagierten Konzept des \"individuellen Jihads\" - einer Kampfform, die dem einzelnen Jihadisten vollkommene Handlungsfreiheit in der Wahl seiner Mittel und Angriffsziele l\u00e4sst. Eine entsprechende Tatvorbereitung ist durch die Sicherheitsbeh\u00f6rden kaum zu erkennen. Die Gefahr potenziert sich mit den Syrien-R\u00fcckreisenden, von denen nicht wenige - radikalisiert und moralisch enthemmt - \u00fcber Erfahrungen im Umgang mit Waffen und Sprengstoff verf\u00fcgen. Allein die hohe Zahl entsprechender deutscher Jihadisten ist bereits besorgniserregend, umso mehr gilt dies im europ\u00e4ischen Ma\u00dfstab. 2. Gazakrieg: Offener Antisemitismus bei pro-pal\u00e4stinensischen Demonstrationen Mit der Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der terroristischen HAMAS im Juli 2014 wurde vor dem Hintergrund des Leidens der Zivilbev\u00f6lkerung in zahlreichen Aufrufen und Demonstrationen ein Ende der Gewalt gefordert. Auch Extremisten nahmen an den entsprechenden Kundgebungen teil. Der HAMAS gelang es, \u00fcber die eigene Organisation und deren Umfeld eine hohe Zahl von Personen zu mobilisieren. Insgesamt erreichten die Teilnehmerzahlen der Demonstrationen nicht das Ausma\u00df der Proteste anl\u00e4sslich der letzten israelischen Bodenoffensive gegen die HAMAS im Jahr 2008. Beispielsweise nahmen an der gr\u00f6\u00dften Demonstration im Jahr 2014 circa 5.000 Personen teil, 2008/2009 hingegen circa 10.000 Personen. 103","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Auffallend war die gro\u00dfe Zahl vorwiegend migrantischer Jugendlicher, die sich in hasserf\u00fcllter Art und Weise offen antisemitisch \u00e4u\u00dferte. Zudem zeigte sich eine Tendenz der Solidarisierung islamistischer Gruppierungen \u00fcber ideologische und konfessionelle Grenzen hinweg. Die Demonstrationen wurden in der Hauptsache von Islamisten getragen, daneben nahmen extremistische Pal\u00e4stinenser und T\u00fcrken, in weit geringerer Zahl auch deutsche Linksextremisten und Rechtsextremisten teil, vor allem aber auch eine gro\u00dfe Zahl an Personen, die keinen erkennbaren extremistischen Hintergrund haben. Vielfach wiederholten sich Argumentationsmuster, die seit Jahren den Nahost-Konflikt begleiten, vom Libanon-Krieg \u00fcber die verschiedenen milit\u00e4rischen Konfrontationen um Gaza bis hin zur sogenannten Gaza-Hilfsflotte. Immer wieder wird der Konflikt zur Belebung antisemitischer Ressentiments genutzt. Antisemitische Hetze In teils hochemotionalisierten Veranstaltungen, bei denen es sich oftmals weniger um Friedensdemonstrationen als eher um HAMAS-Unterst\u00fctzungsaktionen handelte, kam es immer wieder zu offen antisemitischer Hetze und Sprechch\u00f6ren, wie beispielsweise \"Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und k\u00e4mpf allein!\", \"Nazim\u00f6rder Israel!\", \"Tod den Juden!\", \"Juden raus!\", \"Stoppt den Judenterror!\" oder \"Hamas, Hamas, Juden ins Gas!\". Am 18. Juli 2014 rief ein aus D\u00e4nemark stammender salafistischer Prediger in der Berliner \"al-Nur-Moschee\" zur Vernichtung der \"zionistischen Juden\" auf: \"Oh Allah, rechne mit den zionistischen Juden ab, sie k\u00f6nnen nichts gegen Dich tun. Z\u00e4hle sie, t\u00f6te sie alle und lass niemanden von ihnen \u00fcbrig.\" (Videoportal YouTube, 21. Juli 2014) Gegen den Prediger wurde ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung nach SS 130 StGB eingeleitet. Am 6. M\u00e4rz 2015 erlie\u00df das Landgericht Berlin einen entsprechenden Strafbefehl. Darin wurde gegen den Prediger eine Geldstrafe von 120 Tagess\u00e4tzen zu je 80 Euro festgesetzt. Der Strafbefehl ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig, da der Prediger dagegen Einspruch eingelegt hat. 104","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Vereinzelt kam es auch zu Gewaltt\u00e4tigkeiten gegen\u00fcber Polizei Antisemitische und Gegendemonstranten sowie gegen\u00fcber unbeteiligten PasGewalt santen. Nachfolgend drei Beispiele f\u00fcr antisemitische Gewalt: # Bei einem Angriff von etwa 200 Personen auf eine Demonstration gegen Antisemitismus am 18. Juli 2014 in Essen (Nordrhein-Westfalen) wurden Gegenst\u00e4nde und Pyrotechnik auf Polizisten und Demonstrationsteilnehmer geworfen. Die Demonstrationsteilnehmer wurden dabei Opfer verbaler und zum Teil auch k\u00f6rperlicher Attacken. # In Berlin wurde am 24. Juli 2014 ein vermutlich aufgrund seiner Kleidung als Jude identifizierter Mann angegriffen und verletzt. # Am 29. Juli 2014 wurde in Wuppertal ein versuchter Brandanschlag auf die Synagoge ver\u00fcbt. Gegen drei tatverd\u00e4chtige Pal\u00e4stinenser wurde am 14. Januar 2015 der Prozess er\u00f6ffnet. Am 5. Februar 2015 verurteilte das Amtsgericht Wuppertal zwei pal\u00e4stinensischst\u00e4mmige Personen wegen versuchter schwerer Brandstiftung zu einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe auf Bew\u00e4hrung. Ein weiterer Tatbeteiligter wurde nach Jugendstrafrecht zu einer Bew\u00e4hrungsstrafe ohne konkretes Strafma\u00df verurteilt. Die HAMAS und ihre Anh\u00e4nger treten in Deutschland grundRolle der HAMAS s\u00e4tzlich nicht offen erkennbar auf, um nicht in das Blickfeld der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu geraten. Auch bei den Demonstrationen zum Gazakonflikt im Jahr 2014 organisierte die HAMAS eine Reihe von Demonstrationen, ohne dass dies nach au\u00dfen hin ohne Weiteres erkennbar gewesen w\u00e4re. Die HAMAS hat sich in ihrer Charta und in ihrem tats\u00e4chlichen Tun von Beginn an der Vernichtung des Staates Israel verschrieben, aus taktischen Gr\u00fcnden verh\u00e4lt sie sich aber je nach Adressatenkreis unterschiedlich. Im Nahen Osten \u00e4u\u00dfert sie sich offen antisemitisch und verbreitet entsprechende Propaganda, zum Beispiel \u00fcber ihren Fernsehsender \"al-Aqsa TV\", ebenso in Deutschland unter Pal\u00e4stinensern und unter ihren Anh\u00e4ngern. Gegen\u00fcber der westlichen \u00d6ffentlichkeit treten HAMAS-Verantwortliche hingegen eher gem\u00e4\u00dfigt auf und werben - auch in westlichen Medien - um Akzeptanz. 105","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Die Demonstrationen der HAMAS in Deutschland richteten sich auch an die deutsche \u00d6ffentlichkeit. Dies d\u00fcrfte einer der Gr\u00fcnde daf\u00fcr sein, dass nach der massiven kritischen Presseberichterstattung \u00fcber offen antisemitische \u00c4u\u00dferungen und Gewalttaten im Verlauf der Demonstrationswelle ein R\u00fcckgang erkennbar wurde: Die HAMAS hat in Deutschland grunds\u00e4tzlich kein Interesse an einer gewaltt\u00e4tigen Eskalation, um Deutschland als Ruheund R\u00fcckzugsraum nicht zu gef\u00e4hrden. Gef\u00e4hrdungsDie gro\u00dfe Zahl an Veranstaltungen belegt erneut die Mobilisiepotenzial rungskraft antisemitischer Feindbilder, auch wenn diese unter dem Deckmantel antiisraelischer oder antizionistischer Agitation pr\u00e4sentiert werden. Mehr noch: Die Feindbilder f\u00fchren zu einer Solidarisierung islamistischer Gruppierungen \u00fcber ideologische und konfessionelle Grenzen hinweg. Die Manifestationen unterscheiden sich gegen\u00fcber der Vergangenheit vor allem durch einen offenen Antisemitismus, der g\u00e4nzlich auf die semantische Camouflage einer \"nur\" antizionistischen Orientierung verzichtet. Die teilweise aggressiv gegen Juden und den Staat Israel gerichteten Parolen bei Veranstaltungen und im Internet, das ritualisierte Verbrennen von israelischen und US-amerikanischen Flaggen, vor allem aber die \u00dcbergriffe auf Juden und israelsolidarische Demonstranten sowie der Anschlag auf die Synagoge in Wuppertal belegen das anhaltend hohe Aggressionspotenzial. III. Salafistische Szene in Deutschland wird immer st\u00e4rker Salafistische Gruppierungen verzeichnen mit rund 7.000 Personen in Deutschland weiterhin signifikant steigende Anh\u00e4ngerzahlen (2013: 5.500; 2012: 4.500). Extremistische Salafismus ist weit mehr als eine r\u00fcckw\u00e4rtsgewandte Ideologie. Gegenkultur Es ist eine extremistische Gegenkultur mit einem alternativen Lebensstil mit markanten Alleinstellungsmerkmalen (Kleidung und Sprache) und eine eingeschworene Gemeinschaft mit intensivem Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl: Ein perfektes Mittel, um sich 106","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS maximal von seinem Umfeld abzugrenzen und f\u00fcr alle diejenigen anziehend, die sich von der Mehrheitsgesellschaft marginalisiert f\u00fchlen. Gerade ungefestigte Personen, die auf der Suche nach einem Lebenssinn, nach Orientierung und Sicherheit sind, werden durch das salafistische Regelwerk angezogen, das das t\u00e4gliche Leben bis in die Details hinein bestimmt. Der Einzelne wird zum Teil einer Elite, zum Vork\u00e4mpfer des \"wahren Islam\", ausgezeichnet durch seine moralische \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber einer Welt des Verdorbenen. Diese subkulturellen Elemente machen im Wesentlichen die Ideologie Anziehungskraft einer Ideologie aus, die der Verfassungsschutz als eine vom Wahhabismus gepr\u00e4gte, besonders strenge und radikale Str\u00f6mung innerhalb des Islamismus definiert. Salafisten sehen sich als Verfechter eines urspr\u00fcnglichen, unverf\u00e4lschten Islam. Sie geben vor, ihre religi\u00f6se Praxis und Lebensf\u00fchrung ausschlie\u00dflich an den Prinzipien des Koran, dem Vorbild des Propheten Muhammad und den ersten drei muslimischen Generationen, den sogenannten rechtschaffenen Altvorderen (arab. al-salaf al-salih), auszurichten. In letzter Konsequenz versuchen Salafisten, in Deutschland einen \"Gottesstaat\" nach den Regeln der Scharia (in ihrer Interpretation) zu errichten, in dem die freiheitliche demokratische Grundordnung keine Geltung mehr haben soll. In dieser Forderung - ebenso wie in den Autorit\u00e4ten und VordenPolitischer und kern - sind sich die beiden Str\u00f6mungen des Salafismus einig; den jihadistischer jihadistischen Salafismus unterscheidet vom politischen lediglich Salafismus das offene Bekenntnis zur Gewalt, dem auf der anderen Seite eine lediglich ambivalente Einstellung gegen\u00fcbersteht. Auswertungen von Radikalisierungsverl\u00e4ufen zeigen indes, dass die Grenzen zwischen politischem und jihadistischem Salafismus flie\u00dfend sind. Auch 2014 versuchten Salafisten mit Veranstaltungen und Provokation Provokationen Aufmerksamkeit zu erregen, zum Beispiel mit als Mittel der der Fortf\u00fchrung der \"LIES!\"-Kampagne und mit der \"Shariah Propaganda Police\". Im August und September 2014 patrouillierten Salafisten in \"Shariah Police\" Warnwesten mit der Aufschrift \"Shariah Police\" durch die Innenstadt von Wuppertal und verteilten Flugbl\u00e4tter mit der Aufschrift 107","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS \"Shariah Controlled Zone\" - eine Agitationsmethode, die seit 2010 aus England bekannt ist. Jugendliche wurden vor Spielhallen und Diskotheken aufgefordert, sich islamischen Gesetzen entsprechend zu verhalten (nicht zu rauchen und kein Gl\u00fccksspiel zu betreiben), t\u00fcrkischst\u00e4mmige Gesch\u00e4ftsinhaber, keinen Alkohol zu verkaufen. Nach anhaltender \u00f6ffentlicher Kritik erkl\u00e4rten die Verantwortlichen, ihre Absicht sei es nicht, ordnungsrechtliche Aufgaben wahrzunehmen, Ziel der Aktion sei es lediglich, Aufmerksamkeit zu erregen. Das nordrhein-westf\u00e4lische Innenministerium untersagte Anfang September 2014 das Tragen der Warnwesten. Kampagne \"LIES!\" Die salafistische Vereinigung \"Die Wahre Religion\" (DWR) setzte ihre im Herbst 2011 begonnene Koranverteilungskampagne \"LIES!\" mit unverminderter Intensit\u00e4t fort: Deutschlandweit werden an Infost\u00e4nden beziehungsweise durch gezielte Ansprache in Fu\u00dfg\u00e4ngerzonen Korane verteilt. Angaben von DWR zufolge wurden bis Dezember 2014 \u00fcber 1,7 Millionen Exemplare des inzwischen in mehreren Sprachen aufgelegten \"LIES!\"-Korans gedruckt und fast vollst\u00e4ndig verteilt, \u00fcberwiegend in Deutschland. Die Kampagne finanziert sich haupts\u00e4chlich durch Spenden. An Muslime werden Koranexemplare gegen einen geringen Geldbetrag verkauft. \"Deutschland-Tour\" Unter dem Namen \"Deutschland-Tour\" f\u00fchrte 2014 ein bekannter deutscher Prediger eine Vortragsreihe in insgesamt zehn St\u00e4dten durch, unter anderem in Berlin, Bremen, Dortmund (Nordrhein-Westfalen), M\u00f6nchengladbach (Nordrhein-Westfalen) und N\u00fcrnberg (Bayern). Gef\u00e4hrdungsDie vielf\u00e4ltigen Propagandaaktivit\u00e4ten der Salafisten, die sie verpotenzial harmlosend als \"Missionierung\" oder \"Einladung zum Islam\" (arab. da'wa) bezeichnen - in Wahrheit ist es eine systematische Indoktrinierung und oftmals auch der Anfang einer noch weitergehenden Radikalisierung -, sind \"erfolgreich\": Der Salafismus bleibt nach wie vor die am st\u00e4rksten wachsende islamistische Str\u00f6mung in Deutschland. Mit einer umfassenden propagandistischen Arbeit in den sozialen Netzwerken, provokativen Stra\u00dfenaktionen (Open-Air-Kundgebungen in Innenst\u00e4dten und \"Street Dawa\") und dem Einsatz 108","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS salafistischer Prediger aus dem Ausland, die sich oftmals radikaler \u00e4u\u00dfern als ihre deutschen Pendants, werden immer neue Anh\u00e4nger rekrutiert. Sie geraten in eine Szene, die gepr\u00e4gt ist von einer \"Wagenburgmentalit\u00e4t\": Gegen\u00fcber einer als \"ungl\u00e4ubig\" diffamierten Umwelt, zu der nicht nur Christen, Juden und Atheisten z\u00e4hlen, sondern auch nicht-salafistische Muslime. Damit soll jeglicher Einfluss von au\u00dfen unterbunden werden; Kontakt mit Nicht-Salafisten gilt lediglich dann als legitim, wenn er der Verbreitung der eigenen Ideologie dient. Die Szene stellt ein wesentliches Rekrutierungsfeld f\u00fcr den Jihad dar. Fast ausnahmslos alle Personen mit Deutschlandbezug, die sich dem Jihad angeschlossen haben, standen zuvor mit salafistischen Strukturen in Kontakt. Sowohl bei der \"LIES!\"-Kampagne als auch in der \"Syrien-Solidarit\u00e4t\" wird zudem erkennbar, wie wenig trennscharf die Unterscheidung zwischen einem politischen und einem jihadistischen Salafismus in der Realit\u00e4t ist: Es liegen Hinweise auf Personen vor, die zun\u00e4chst an den Koranverteilaktionen teilgenommen hatten, um sich danach an den K\u00e4mpfen in Syrien zu beteiligen. Zumindest in diesen F\u00e4llen ist der Zusammenhang zwischen salafistischer Propaganda und Jihad-Ausreisen nach Syrien evident. Das Gef\u00e4hrdungspotenzial durch salafistische Gewalt bleibt unver\u00e4ndert hoch - durch terroristische Gewalt ebenso wie durch Stra\u00dfenmilitanz. Dies zeigen die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Salafisten und Jesiden beziehungsweise Kurden im August und Oktober 2014 in Herford, Celle und Hamburg. Sie sind in Kontinuit\u00e4t zur Stra\u00dfenmilitanz vom Mai 2012 in Solingen und Bonn (beide Nordrhein-Westfalen) zu sehen. Zudem war es ein Salafist, der am 2. M\u00e4rz 2011 am Flughafen Frankfurt am Main den bislang einzigen vollendeten islamistischen Anschlag mit zwei get\u00f6teten US-Soldaten ver\u00fcbt hat. Salafistische Gewalt k\u00f6nnte eine zus\u00e4tzliche Dynamik aufgrund von Wechselwirkungen mit verfeindeten extremistischen Gruppen bekommen. Ebenso muss aufgrund des antisemitischen Weltbildes von einer erh\u00f6hten Gef\u00e4hrdung j\u00fcdischer Einrichtungen ausgegangen werden. 109","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS IV. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"Sowohl in der T\u00fcrkei als auch in Deutschland besteht die \"Milli Bewegung G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung aus mehreren Komponenten, die von einer gemeinsamen ideologisch-religi\u00f6sen Ausrichtung und der ideellen Bindung an Erbakan zusammengehalten werden. Obgleich alle Vereinigungen selbstst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig voneinander agieren, ist die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie - wenn auch in unterschiedlich starker Auspr\u00e4gung - das verbindende Element. Ideologische Wurzeln Die von dem t\u00fcrkischen Politiker Necmettin Erbakan (1926-2011) gepr\u00e4gten Schl\u00fcsselbegriffe seines politischen Denkens sind \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (\"Nationale Sicht\") und \"Adil D\u00fczen\" (\"Gerechte Ordnung\"). \"Gerecht\" sind f\u00fcr Erbakan die Ordnungen, die auf \"g\u00f6ttlicher Offenbarung\" gegr\u00fcndet, \"nichtig\" jene, die von Menschen entworfen wurden. Gegenw\u00e4rtig dominiere mit der westlichen Zivilisation eine \"nichtige\", eine auf Gewalt, Unrecht und Ausbeutung der Schwachen basierende Ordnung. Dieses \"nichtige\" System m\u00fcsse durch eine \"gerechte Ordnung\" ersetzt werden, die sich ausschlie\u00dflich an islamischen Grunds\u00e4tzen ausrichte, anstatt an von Menschen geschaffenen und damit \"willk\u00fcrlichen Regeln\". Als zentrale Ziele propagierte Erbakan in Anlehnung an das Osmanische Reich die Schaffung einer \"neuen gro\u00dfen T\u00fcrkei\", die \u00dcberwindung des Laizismus sowie - letztlich mit globalem Anspruch - die Errichtung einer islamischen Gesellschaftsordnung. Konsequenz dieser Sichtweise ist die Ablehnung westlicher Demokratien. Zu den Feindbildern der Bewegung geh\u00f6ren Kapitalismus, Imperialismus, Zionismus und Rassismus, die als Ursache der derzeit herrschenden \"ungerechten Weltordnung\" gesehen werden. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"Der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in Deutschland zuzuordnen sind Bewegung in unter anderen: Deutschland # \"Ismail Aga Cemaati\" (IAC), # \"Deutschlandvertretung der ,Saadet Partisi'40 (SP)\", # \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\", 40 Die Anh\u00e4nger der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei sind politisch in der \"Saadet Partisi\" (SP - \"Partei der Gl\u00fcckseligkeit\") organisiert. 110","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS # \"Milli Gazete\", t\u00fcrkische Tageszeitung und Sprachrohr der Bewegung, sowie # \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG). Die IAC ist Teil der weitverzweigten mystischen Bruderschaft der IAC Naqshbandiya. Die IAC gilt allgemein als einer der radikaleren Zweige der Bruderschaft. Spirituelles Oberhaupt ist der in der T\u00fcrkei lebende Scheich Mahmud Ustaosmanoglu, der seine spirituelle Pr\u00e4gung durch denselben Scheich erhalten hat wie Erbakan. Ustaosmanoglu forderte seine Anh\u00e4nger in der Vergangenheit immer wieder zur Unterst\u00fctzung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie und zur Wahl der entsprechenden Partei auf - aktuell der SP. In Deutschland und Europa wird die IAC durch den Prediger Nusret Cayir gepr\u00e4gt. Seiner Auffassung zufolge gebe es niemanden au\u00dfer der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\", der die T\u00fcrkei retten k\u00f6nne. Die SP, seit dem Jahr 2001 die politische Vertretung der \"Milli \"DeutschlandG\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei, hat im Jahr 2013 damit begonvertretung der SP\" nen, auch au\u00dferhalb der T\u00fcrkei Strukturen aufzubauen. Erkl\u00e4rtes Ziel der Auslandsvertretungen ist zum einen die Verbreitung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie und zum anderen die Unterst\u00fctzung der Mutterpartei, zum Beispiel bei den Parlamentswahlen in der T\u00fcrkei im Juni 2015. W\u00e4hrend sich die \"Deutschlandvertretung der SP\" bereits am 30. September 2013 in M\u00fcnchen (Bayern) vereinsrechtlich angemeldet hatte, fand die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung erst am 27. Dezember 2013 in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) statt. Nach Streitigkeiten \u00fcber den richtigen Umgang mit dem poli\"Erbakan-Stiftung\" tischen Erbe Necmettin Erbakans gr\u00fcndeten im Juni 2013 in der T\u00fcrkei Kinder Necmettin Erbakans und eine Vielzahl von SP-Funktion\u00e4ren sowie anderer langj\u00e4hriger Wegbegleiter Erbakans die \"Erbakan-Stiftung\". Der Sohn Necmettin Erbakans, Fatih Erbakan, Vorsitzender der Stiftung und Funktion\u00e4r der SP, macht seither deutlich, Ziel der Stiftung sei eine Wiederbelebung der Ideen seines Vaters, worauf die gesamte \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung wieder st\u00e4rker verpflichtet werden solle. 111","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Am 24. November 2013 fand in Solingen unter Teilnahme von Fatih Erbakan die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung der \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" statt. IAC, \"Deutschlandvertretung der SP\" und \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" waren im Jahr 2014 \u00fcberwiegend mit dem Aufund Ausbau eigener Strukturen befasst und f\u00fchrten lediglich vereinzelt interne Versammlungen beziehungsweise im Falle der IAC auch Predigtveranstaltungen durch. Aktivit\u00e4ten mit gr\u00f6\u00dferer Au\u00dfenwirkung wurden nicht bekannt. \"Milli Gazete\" Als Sprachrohr der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung bildet die formal unabh\u00e4ngige t\u00fcrkische Tageszeitung \"Milli Gazete\" ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Komponenten der Bewegung und tr\u00e4gt zudem zur Verfestigung der ideologischen Positionen bei. Repr\u00e4sentanten der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung aus unterschiedlichen Bereichen stellen regelm\u00e4\u00dfig die Bedeutung der Publikation heraus. In Deutschland ist die Europa-Ausgabe der \"Milli Gazete\" erh\u00e4ltlich (seit Mai 2011 lediglich im Abonnement). IGMG Auch die IGMG ist der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnen. Vorliegende Anhaltspunkte belegen die auch weiterhin bestehenden Verbindungen zu Teilbereichen der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung. Gleichwohl ist deutschlandweit - allerdings in unterschiedlicher Intensit\u00e4t -, insbesondere seit dem Tod von Necmettin Erbakan, ein schw\u00e4cher werdender Extremismusbezug der IGMG festzustellen. Dementsprechend vertreten nicht alle Mitglieder der IGMG eine extremistische Zielsetzung. Dies korrespondiert mit den anhaltenden Bem\u00fchungen des IGMG-Vorsitzenden Kemal Erg\u00fcn, die Organisation aus der Einflussnahme der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei loszul\u00f6sen und der IGMG ein eigenst\u00e4ndiges Profil zu geben. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten liegt mittlerweile eindeutig im religi\u00f6sen Bereich, zum Beispiel auf dem Ausbau entsprechender Bildungseinrichtungen. Andererseits gibt es an den R\u00e4ndern der Organisation auch weiterhin Anh\u00e4nger, die sich mit den ideologischen Konzepten Necmettin Erbakans identifizieren sowie einzelne IGMG-Regionalverb\u00e4nde, die sich dem Erbe Erbakans mehr verpflichtet sehen als andere. 112","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Der Kurs der Losl\u00f6sung der IGMG-Zentrale wird von den \u00fcbrigen der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in Deutschland zuzuordnenden Organisationen einhellig kritisiert. Gleichwohl forderte bislang keine dieser Organisationen einen Ausschluss der IGMG als Gesamtorganisation aus der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung. Vielmehr skizzierte ein Kolumnist der \"Milli Gazete\" im Zusammenhang mit der Gr\u00fcndung der \"Deutschlandvertretung der SP\" sowie einer weiteren Veranstaltung der \"Deutschlandvertretung der SP\" in Montabaur (Rheinland-Pfalz) im Januar 2014 eine m\u00f6gliche k\u00fcnftige Arbeitsteilung: W\u00e4hrend die \"Deutschlandvertretung der SP\" ihren Aufgabenschwerpunkt in der politischen Bildungsarbeit und der Gewinnung von W\u00e4hlern sieht, soll die IGMG, \"eine der wichtigen Organisationen der Milli G\u00f6r\u00fcs\", schwerpunktm\u00e4\u00dfig f\u00fcr die religi\u00f6sen und weltanschaulichen Dienstleistungen sowie Aufgaben im nichtpolitischen Bildungsbereich zust\u00e4ndig sein.41 Die Verbreitung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie erlebt in Deutschland Gef\u00e4hrdungsmit der Etablierung weiterer, der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzupotenzial ordnender Vereinigungen eine Diversifizierung. W\u00e4hrend sich die IGMG mittlerweile \u00fcberwiegend als rein religi\u00f6ser Dienstleister versteht, sind die neuen Vereinigungen insgesamt wesentlich konservativer ausgerichtet und bekennen sich relativ offen zur \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie in ihrer Gesamtheit. Insbesondere die \"Deutschlandvertretung der SP\" und die \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" greifen f\u00fcr den Aufbau ihrer Strukturen und die Besetzung von Funktionen auch auf ehemalige oder mit dem aktuellen Kurs der IGMG unzufriedene IGMG-Funktion\u00e4re und -Mitglieder zur\u00fcck. Eine zahlenm\u00e4\u00dfig bedeutende Abwanderung von Mitgliedern aus der IGMG in andere, der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnende Vereinigungen ist gleichwohl nicht erkennbar. Da die IGMG im Gegensatz zu den \u00fcbrigen Vereinigungen \u00fcber ein umfangreiches Netz an Moscheen und Bildungseinrichtungen verf\u00fcgt, d\u00fcrfte sie diejenige Organisation bleiben, die trotz sonstiger Divergenzen ma\u00dfgeblich die religi\u00f6se Betreuung der in Deutschland lebenden Anh\u00e4nger der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung wahrnimmt. 41 \"Milli Gazete\", 16. Januar 2014, S. 14. 113","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS V. Staatliche Ma\u00dfnahmen Vereinsrechtliche Vereinsverbote sind ein geeignetes Mittel, um die organiMa\u00dfnahmen satorischen und finanziellen M\u00f6glichkeiten von Islamisten zu beschr\u00e4nken. Wenngleich sich dadurch Gesinnungen nicht \u00e4ndern, werden doch Strukturen und Kommunikationswege nachhaltig gest\u00f6rt. # Am 8. April 2014 wurde der Spendensammelverein \"Waisenkinderprojekt Libanon e.V.\" (WKP) vom Bundesminister des Innern verboten. Der Verein erhielt vorwiegend Spenden durch sogenannte Patenschaftsvertr\u00e4ge, die l\u00e4ngerfristig einen festen monatlichen Betrag zur Unterst\u00fctzung von Waisenkindern im Libanon vorsahen. Dar\u00fcber hinaus wurden Spendensammeldosen, beispielsweise in Moscheevereinen, aufgestellt. Die in Deutschland vom WKP gesammelten Gelder wurden an die \"Shahid-Stiftung\" (\"M\u00e4rtyrer-Stiftung\") mit Sitz im Libanon transferiert. Die \"Shahid-Stiftung\" ist eine \"Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation des Islamischen Widerstands\" und betreut Waisenkinder sowie Hinterbliebene von \"Hizb Allah\"-K\u00e4mpfern, die unter anderem bei Kampfhandlungen gegen die israelischen Streitkr\u00e4fte get\u00f6tet wurden. Sie ist als sozial t\u00e4tige Organisation integraler Bestandteil der \"Hizb Allah\" und flankiert durch ihre Rolle als Hinterbliebenenversorgung die gegen Israel gerichteten gewaltsamen Aktivit\u00e4ten der \"Hizb Allah\". Das Selbstverst\u00e4ndnis, Teil der \"Hizb Allah\" zu sein und an deren Gesamtziel mitzuwirken, bestimmt die Aktivit\u00e4ten der \"Shahid-Stiftung\" ma\u00dfgeblich. Das Verbot des WKP ist bislang nicht rechtskr\u00e4ftig, da der Verein Rechtsmittel eingelegt hat. Mit Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts (BVerwG) vom 8. Juli 2014 wurde im einstweiligen Rechtsschutzverfahren die aufschiebende Wirkung der Klage des WKP gegen das Vereinsverbot unter Auflagen wiederhergestellt. Demnach darf der Verein bis zur Entscheidung im Hauptsacheverfahren weiter t\u00e4tig sein, allerdings der im Libanon ans\u00e4ssigen \"Shahid-Stiftung\" \"keine Gelder oder Sachg\u00fcter \u00fcberlassen und in keiner Weise mit dieser Stiftung zusammenarbeiten\". Das BVerwG hat in der Beschlussbegr\u00fcndung deutlich gemacht, dass der Ausgang des Klageverfahrens weiterhin offen ist. Der Verein hat sich inzwischen umbenannt und hei\u00dft seit dem 16. Oktober 2014 \"Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V.\". 114","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS # Mit Urteil vom 14. Mai 2014 wies das BVerwG die Klagen des salafistischen Vereins \"DawaFFM\" und seiner Teilorganisation \"Internationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V.\" gegen das vom Bundesminister des Innern am 25. Februar 2013 verf\u00fcgte Verbot ab. Die Vereine hatten die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung, insbesondere das Demokratieund Rechtsstaatsprinzip, ebenso abgelehnt wie die Glaubensund Gewissensfreiheit und sich zudem gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet. Neben den bereits genannten vereinsrechtlichen Ma\u00dfnahmen42 Strafverfahren sind folgende Verfahren im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus besonders hervorzuheben: # Am 23. Januar 2014 verurteilte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main einen deutschen Staatsangeh\u00f6rigen t\u00fcrkischer Abstammung wegen Mitgliedschaft in zwei ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigungen, davon in einem Fall in Tateinheit mit versuchter Anstiftung zum schweren Raub und mit St\u00f6rung des \u00f6ffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren. Nach Feststellung des Gerichts reiste der Angeklagte im April 2010 in das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, wo er sich der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung \"al-Qaida\" anschloss, f\u00fcr die er unter anderem K\u00e4mpfer rekrutieren und Geld beschaffen wollte. Im November 2010 rief der Angeklagte beim Bundeskriminalamt an und spiegelte der Wahrheit zuwider vor, es st\u00fcnden in Deutschland und Pakistan terroristische Anschl\u00e4ge von \"al-Qaida\" bevor. Einer der beiden angeblich in Deutschland geplanten Anschl\u00e4ge werde auf den Reichstag erfolgen. Das Bundeskriminalamt nahm die Hinweise ernst, weshalb der Bundesminister des Innern im November 2010 vor Terroranschl\u00e4gen warnte und die Sicherheitsvorkehrungen an Bahnh\u00f6fen und \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden verst\u00e4rkt wurden. Im Februar 2011 reiste der Angeklagte nach Somalia, wo er sich der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung \"al-Shabab\" anschloss. F\u00fcr diese war er als Kontaktmann f\u00fcr Personen aktiv, die zur Unterst\u00fctzung der Organisation nach Somalia einreisen wollten. Im Mai 2012 verlie\u00df der Angeklagte Somalia 42 Vgl. Kap. II, Ziffer 1.2.3. 115","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS und reiste nach Tansania, wo er am 10. Juni 2012 festgenommen und am 18. Juni 2012 nach Deutschland abgeschoben wurde. Seitdem befindet er sich in Haft. # Am 12. M\u00e4rz 2014 erhob der Generalbundesanwalt vor dem OLG D\u00fcsseldorf Anklage gegen drei deutsche und einen albanischen Staatsangeh\u00f6rigen wegen der Bildung einer terroristischen Vereinigung, der Verabredung zum Mord und des Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz. Den Angeschuldigten wird zur Last gelegt, sp\u00e4testens im Dezember 2012 eine islamistische Gruppierung mit dem Ziel gegr\u00fcndet zu haben, Schusswaffenund Sprengstoffattentate auf f\u00fchrende Mitglieder der rechtsextremistischen \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") zu ver\u00fcben. Laut Anklage h\u00e4tten sie darin \u00fcbereingestimmt, dass der islamkritische Landtagswahlkampf von \"pro NRW\" im April und Mai 2012 eine gewaltsame Reaktion erfordere. F\u00fcr den 13. M\u00e4rz 2013 sollen sie einen Mordanschlag auf den Vorsitzenden von \"pro NRW\" geplant haben. Die Angeschuldigten wurden in der Nacht vom 12. auf den 13. M\u00e4rz 2013 an verschiedenen Orten in Nordrhein-Westfalen festgenommen. Einer der deutschen Staatsangeh\u00f6rigen ist zudem wegen versuchten Mordes und versuchten Herbeif\u00fchrens einer Sprengstoffexplosion angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, den versuchten Sprengstoffanschlag auf den Bonner Hauptbahnhof am 10. Dezember 2012 ver\u00fcbt zu haben. Laut Anklage soll er an diesem Tag eine selbstgebaute Rohrbombe in einer Sporttasche auf einem Bahnsteig des Bahnhofes abgestellt haben. Die Explosion des Sprengsatzes h\u00e4tte durch einen zeitgesteuerten Z\u00fcndmechanismus ausgel\u00f6st werden und m\u00f6glichst viele Menschen t\u00f6ten sollen. Das Vorhaben des Angeschuldigten sei jedoch aufgrund eines Konstruktionsfehlers oder einer instabilen Z\u00fcndvorrichtung fehlgeschlagen. Die Hauptverhandlung begann am 8. September 2014. # Am 13. November 2014 verurteilte das OLG D\u00fcsseldorf einen marokkanischen Staatsangeh\u00f6rigen, eine Person mit deutscher und marokkanischer Staatsangeh\u00f6rigkeit sowie eine Person mit deutscher und iranischer Staatsangeh\u00f6rigkeit wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung \"al-Qaida\" zu Freiheitsstrafen von neun Jahren, sieben Jahren sowie f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten. Ein deutscher Staatsangeh\u00f6riger wurde wegen Unterst\u00fctzung von \"al-Qaida\" und Betruges zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. 116","ISLAMISMUS/ISLAMISTISCHER TERRORISMUS Nach Feststellung des Gerichts hielt sich der marokkanische Angeklagte Anfang des Jahres 2010 in einem Ausbildungslager von \"al-Qaida\" im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf, wo er unter anderem die Herstellung von Sprengstoffen und Z\u00fcndvorrichtungen erlernte. Mit dem Auftrag der \"al-Qaida\"F\u00fchrung, in Deutschland Terroranschl\u00e4ge zu ver\u00fcben, sei er nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt und habe dort die Mitangeklagten f\u00fcr ein Anschlagvorhaben rekrutiert. Drei der Angeklagten waren am 29. April 2011 festgenommen worden, der vierte Angeklagte am 8. Dezember 2011. 117","118","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) 119","Sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern (ohne Islamismus) I. \u00dcberblick Im nichtislamistischen Ausl\u00e4nderextremismus finden sich Ideologieelemente aus dem Rechtsund Linksextremismus, einige Organisationen verfolgen auch separatistische Bestrebungen. Insoweit handelt es sich nicht um ein einheitliches tendenziell b\u00fcndnisf\u00e4higes Spektrum, sondern um disparate Teile, die nur fallund anlassbezogen untereinander oder mit deutschen extremistischen Gruppierungen kooperieren. Politik, Strategie und Aktionen der nichtislamistischen extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen in Deutschland werden ganz entscheidend von den Entwicklungen und Ereignissen in den jeweiligen Herkunftsl\u00e4ndern (und den dortigen zentralen Organisationseinheiten) bestimmt. Entsprechend zielen sie - oftmals auch durch den Einsatz von Gewalt und Terror - auf eine radikale Ver\u00e4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sie auch in der Bundesrepublik Deutschland die innere Sicherheit gef\u00e4hrden und versto\u00dfen zudem zum Teil gegen das Prinzip der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Deutschland gilt den meisten als sicherer R\u00fcckzugsraum. Von hier aus k\u00f6nnen sie die Heimatorganisationen propagandistisch, vor allem aber auch materiell und finanziell unterst\u00fctzen. 1. Entwicklungstendenzen Agitation und Militanzniveau der ausl\u00e4nderextremistischen Organisationen sind weit \u00fcberwiegend von der politischen Entwicklung in den Heimatl\u00e4ndern abh\u00e4ngig. Dies macht es schwierig, Prognosen \u00fcber Tendenzen und Relevanz der einzelnen Gruppierungen f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland zu treffen. Im Besonderen gilt dies f\u00fcr Organisationen, in denen Richtungsk\u00e4mpfe stattfinden (wie z.B. bei den tamilischen Oppositionellen) oder auch f\u00fcr Gruppen, die, ideologisch auf dem gleichen Fundament basierend, um die Hegemonie ringen (wie z.B. die t\u00fcrkischen Organisationen, die Gewalt propagieren und einsetzen: \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C), 120","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) und die \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML)). Die in Deutschland lebenden Anh\u00e4nger sind in der Regel die Empf\u00e4nger politisch-strategischer Richtlinien und - je nach individueller Disposition - bereit, diese konsequent in die Tat umzusetzen. \u00dcber das Kalenderjahr hinaus bleiben insbesondere die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" PKK (wegen der Aufrechterhaltung einer terroristischen Option), die DHKP-C (wegen ihres offenen Bekenntnisses zum bewaffneten Kampf) und die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung (wegen ihrer militanten Ablehnung des Gleichheitsgrundsatzes) von herausgehobener Bedeutung f\u00fcr die innere Sicherheit in Deutschland. Die Kurden geh\u00f6ren zu den Leidtragenden des B\u00fcrgerkriegs in PKK: bewaffneter Syrien und der instabilen Lage im Irak, politisch k\u00f6nnte hingegen und politischer gerade die PKK von dieser Lage profitieren. Kampf Sp\u00e4testens mit dem Vormarsch des \"Islamischen Staates\" (IS) nimmt die Welt in hohem Ma\u00dfe Anteil an dem Schicksal der Kurden. Die Gr\u00fcndung der \"Demokratischen Autonomie\" in \"Rojava\" (\"Westkurdistan\") ist ein eminent wichtiger Schritt hin zu der PKK-Vorstellung einer \"demokratischen Konf\u00f6deration\" autonomer Einheiten \u00fcber nationale Grenzen hinweg. Die Stadt Kobane43 ist zu einem Synonym f\u00fcr den Verteidigungswillen der Kurden und anderer von dem IS bedrohter Minderheiten geworden. Dies sichert der PKK Sympathie und Zustimmung: Sie wird als Verteidigerin von Leib und Leben der Kurden wahrgenommen (wobei oft \u00fcbersehen wird, dass neben ihr eben auch andere kurdische Milizen an den K\u00e4mpfen beteiligt sind). In den Hintergrund ger\u00e4t dabei ihr Festhalten am bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei, ihre in Europa zumindest indifferente Haltung zu Militanz und Gewalt, insbesondere auch die anhaltende Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla sowie die intransparenten Entscheidungsstrukturen und die fehlende demokratische Organisierung. Die PKK nutzt den Reputationsgewinn, um noch vehementer als in der Vergangenheit die Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots zu 43 Kurdische Bezeichnung; arabisch: Ain al-Arab. 121","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) fordern. Sie erf\u00e4hrt zudem Unterst\u00fctzung aus dem linksextremistischen Spektrum. DHKP-C: Wenngleich die von ihr im Jahr 2014 ver\u00fcbten Gewalttaten in der t\u00fcrkischer Staat und T\u00fcrkei nicht das Niveau der Vorjahre erreicht haben, propagiert die \"US-Imperialismus\" DHKP-C weiter die Notwendigkeit terroristischer Gewalt. Im Zentbleiben Hauptfeinde rum der \"bewaffneten Propaganda\" der marxistisch-leninistischen Organisation stehen der t\u00fcrkische Staat und der \"US-Imperialismus\". In Deutschland ist die DHKP-C auch \u00fcber ihre Tarnorganisation \"Anatolische F\u00f6deration\" t\u00e4tig, insbesondere in der Gefangenenbetreuung und im Politikfeld \"Antirassismus\". Die DHKP-C betrachtet Deutschland zwar als Ruheraum, zeigt jedoch mit ihren Todeskult-Veranstaltungen zum Gedenken an die sogenannten M\u00e4rtyrer, dass die Organisationseinheiten auch hier die Linie der Gesamtpartei einschlie\u00dflich der terroristischen Option mittragen. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung: Die nationalistische und rassistische \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Ideologie, die auf organisatorischer einer \u00dcberh\u00f6hung der T\u00fcrkei und des T\u00fcrkentums bei gleichzeiKern und strukturlose tiger Abwertung anderer Ethnien basiert, wird in Deutschland Formen im Wesentlichen durch den Dachverband \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" und die meist unorganisierten jugendlichen Anh\u00e4nger vertreten. In einer Art Doppelstrategie versuchen die organisierten Aktivisten, auf kommunaler Ebene in Gremien und politischen Parteien (offenbar nicht v\u00f6llig erfolglos) Einfluss zu gewinnen, w\u00e4hrend die weitgehend \u00fcber das Internet vernetzten Jugendlichen ihren Rassismus offensiv propagieren und nicht nur verbalradikal zur Gewalt auffordern, sondern gelegentlich auch Gewalttaten gegen\u00fcber anderen ethnischen Gruppen ver\u00fcben. Wechselwirkungen Die oftmals kriegerischen Auseinandersetzungen in ihren Herzwischen den kunftsl\u00e4ndern f\u00fchren bei etlichen Migranten zu einer nachvollExtremismen ziehbar hohen Emotionalisierung. Extremisten versuchen dies f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen und instrumentalisieren Kundgebungen. Sie sch\u00fcren eine aggressive Stimmung, die sich oftmals in Militanz und Gewalt gegen rivalisierende Gruppen oder gegen die Polizei entl\u00e4dt, in diesem Jahr insbesondere zwischen Kurden und Salafisten beziehungsweise Tschetschenen wegen des IS-Vormarsches im Irak und in Syrien. 122","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Eine permanente Gefahr f\u00fcr die innere Sicherheit stellt das Aufeinandertreffen rivalisierender extremistischer Gruppen bei Demonstrationen oder Kundgebungen dar. 2. Organisationen und Personenpotenzial Das Mitgliederund Anh\u00e4ngerpotenzial nichtislamistischer sicherheitsgef\u00e4hrdender beziehungsweise extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen ist gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht angestiegen und betr\u00e4gt 29.330 Personen. Der gr\u00f6\u00dfte Anteil (17.550 Personen) entfiel auf linksextremistische Ausl\u00e4ndergruppierungen, 10.000 Personen geh\u00f6rten nationalistischen Ausl\u00e4ndergruppierungen an, 1.780 Personen waren separatistischen Ausl\u00e4ndergruppierungen zuzurechnen. Mitgliederpotenzial extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen1, 2 (ohne Islamismus) 2012 2013 2014 Linksextremisten 17.970 16.970 17.550 davon: \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 13.000 13.000 14.000 \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) 650 650 650 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) 1.300 1.300 1.300 \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) 600 600 600 \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) (siehe (siehe 1.000 Separatisten) Separatisten) Sonstige 1.420 1.420 1.000 Separatisten3 1.790 1.780 davon: \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) 1.000 1.000 extremistische Sikhs 790 780 extreme Nationalisten 10.840 10.050 10.000 Summe 28.810 28.810 29.330 1 Die Zahlenangaben beziehen sich auf Deutschland und sind zum Teil gesch\u00e4tzt und gerundet. 2 Hier werden auch Mitglieder/Sympathisanten der mit Verbot belegten Gruppen gez\u00e4hlt. 3 Neue systematische Darstellung des Personenpotenzials ab 2013. 123","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) II. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 1. Politische Ausgangslage Die Aktivit\u00e4ten der etwa 14.000 Anh\u00e4nger (2013: 13.000) der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK)44 in Deutschland wurden 2014 ganz wesentlich von zwei Ereignissen bestimmt: # den stagnierenden Friedensverhandlungen zwischen PKK und t\u00fcrkischer Regierung und # dem weltweit beachteten Kampf der Kurden in Syrien und im Irak gegen den islamistisch-terroristischen \"Islamischen Staat\" (IS). Die PKK, deren zentrale Forderung die erweiterte kulturelle und politische Eigenst\u00e4ndigkeit f\u00fcr die kurdische Minderheit in der T\u00fcrkei und den angrenzenden kurdischen Siedlungsgebieten ist, konnte dabei weit \u00fcber ihre engere Mitgliederund Anh\u00e4ngerschaft hinaus Personen mobilisieren. Insbesondere ist es ihr gelungen, ihre Reputation erheblich zu erh\u00f6hen und mit dem Kampf der Kurden gegen den IS, den sie propagandistisch zu einem Kampf der PKK gegen Jihadisten umformulierte, sowohl den eigenen Absolutheitsanspruch als auch die eigene terroristische Option in den Hintergrund zu dr\u00e4ngen. In Europa versucht sie dies zu nutzen, indem sie ihre Streichung von der Liste terroristischer Organisationen des Rates der Europ\u00e4ischen Union und in Deutschland eine Aufhebung des seit 1993 bestehenden Bet\u00e4tigungsverbots fordert. Stagnierende FrieDie in der T\u00fcrkei kurzzeitig immer wieder aufflammenden milit\u00e4densverhandlungen rischen Auseinandersetzungen zwischen der PKK-Guerilla \"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" (HPG)45 und der t\u00fcrkischen Armee verdeutlichen den fragilen Zustand der Ende 2012 aufgenommenen Friedensbem\u00fchungen. Nach wie vor sind die Verhandlungen zwischen dem t\u00fcrkischen Staat und der PKK von hohem gegenseitigen Misstrauen gepr\u00e4gt. Mit den Angriffen des IS auf die Kurden im Irak und der zumindest indifferenten Haltung der t\u00fcrkischen Regierung verschlechterten sich die Voraussetzungen f\u00fcr ein Ende 44 \"Partiya Karkeren Kurdistan\". 45 \"Hezen Parastina Gel\". 124","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) des Konflikts in der T\u00fcrkei weiter. Die PKK wirft der Regierung vor, trotz eines drohenden Massakers des IS an der kurdischen Bev\u00f6lkerung in der unmittelbar an die T\u00fcrkei angrenzenden syrischen Stadt Kobane jegliche Hilfsma\u00dfnahmen f\u00fcr die Kurden und insbesondere die Durchreise kurdischer K\u00e4mpfer zu verhindern. Seit Ende September 2014 verschlechterten sich die Beziehungen massiv: Der Exekutivrat der \"Vereinigten Gemeinschaften Kurdistans\" (KCK)46 warf der Regierung schlie\u00dflich vor, sie unterst\u00fctze den IS bei seinem Vormarsch in den Kurdengebieten. Aufgrund der hochemotionalen Situation kam es in der T\u00fcrkei zu teils gewaltt\u00e4tigen kurdischen Demonstrationen mit Toten. Im Verlauf des B\u00fcrgerkriegs in Syrien ist es den Kurden gelungen, Kurdische Autonomie in Teilen der eigenen Siedlungsgebiete eine autonome Verwaltung in \"Rojava\" und zu etablieren: Im Januar 2014 wurde in \"Rojava\" unter FederVerteidigungskampf f\u00fchrung der \"Partei der Demokratischen Union\" (PYD)47 eine gegen den IS \"Demokratische Autonomie\" ausgerufen - ein eminent wichtiger Schritt auf dem Weg zu dem von der PKK angestrebten, nationale Grenzen \u00fcberspannenden Kurdistan. Bei der 2003 gegr\u00fcndeten PYD handelt es sich um eine Zweigorganisation der PKK, die in ihrer Satzung ausdr\u00fccklich den PKK-F\u00fchrer Abdullah \u00d6calan als Anf\u00fchrer s\u00e4mtlicher Kurden anerkennt. Analog zur Mutterorganisation verf\u00fcgt sie mit den \"Volksverteidigungseinheiten\" (YPG)48 \u00fcber einen milit\u00e4rischen Arm. 2. Rekrutierung f\u00fcr die Guerilla Die Lage in Syrien und im Irak erleichterte der PKK ihre Rekrutierungsaktivit\u00e4ten f\u00fcr die Guerilla. In Deutschland konnten intensive Bem\u00fchungen unter zumeist kurdischst\u00e4mmigen Jugendlichen festgestellt werden: Sowohl durch den Medienapparat der PKK (Zeitschriften, Fernsehsender etc.) als auch im Internet wurden Jugendliche offen und gezielt f\u00fcr eine Teilnahme am bewaffneten Kampf geworben. Die Anzahl der aus Deutschland in die Kampfgebiete ausgereisten Rekruten stieg im 46 Die PKK tritt seit 2005 auch unter der Bezeichnung \"Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan\" (Koma Komalen Kurdistan - KKK) auf, die 2007 in \"Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans\" (Koma Civaken Kurdistan - KCK) ge\u00e4ndert wurde. 47 \"Partiya Yekitiya Demokrat\". 48 \"Yekineyen Parastina Gel\". 125","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Berichtszeitraum tendenziell deutlich an und lag im mittleren zweistelligen Bereich. Die PKK erkl\u00e4rte die Verteidigung Kobanes und die Fortf\u00fchrung der \"Rojava-Revolution\" zur \"Ehrenaufgabe f\u00fcr alle in Europa lebenden kurdischen Jugendlichen\". Sie forderte diese dazu auf, sich f\u00fcr mindestens sechs Monate den bewaffneten Einheiten in Syrien beziehungsweise im Irak anzuschlie\u00dfen: \"Wir rufen jeden in Europa lebenden, kurdischen Jugendlichen auf, seiner Heimatund Ehrenverpflichtung nachzukommen und 'Rojava' zu besch\u00fctzen!\" (Homepage \"Komalen Ciwan\", 20. Juli 2014) Nach wie vor pr\u00fcfen PKK-Kader rekrutierte Jugendliche im Vorfeld eines potenziellen Einsatzes auf ihre Tauglichkeit. Ein Teil dieser Personen reist tats\u00e4chlich in den Nordirak aus und wird dort mutma\u00dflich auch milit\u00e4risch ausgebildet und im Kampf eingesetzt. In Videobotschaften rufen Jugendliche, die sich bereits in den Kampfgebieten aufhalten, ihre Altersgenossen auf, ihnen nachzufolgen. Ein in Deutschland rekrutierter 20-j\u00e4hriger Jugendlicher behauptete aus einem Guerillalager in Syrien, er sei einem entsprechenden Aufruf gefolgt und der \"Selbstverwaltung in Rojava beigetreten, um die demokratischen Werte hier zu sch\u00fctzen\": \"Ebenso rufe ich alle Jugendlichen in Deutschland und in Europa auf beizutreten und nach Rojava zu kommen, um die Selbstverwaltung und die Demokratie zu sch\u00fctzen.\" (Videoportal YouTube, 1. Oktober 2014) Die PKK nutzt weiterhin Gro\u00dfveranstaltungen, um f\u00fcr die Guerilla zu werben. Das \"17. Mazlum Dogan Jugend-, Kulturund Sportfestival\" (5. Juli 2014, Sarcelles, nahe Paris, Frankreich) war beispielsweise zwei aus Europa stammenden PKK-Aktivisten gewidmet, die bei Kampfhandlungen - h\u00f6chstwahrscheinlich im Nordirak - ums Leben gekommen sind. Vor \"Hunderten Jugendlichen\", davon ein nicht geringer Teil aus Deutschland,49 w\u00fcrdigte ein Funktion\u00e4r 49 \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\", 7. Juli 2014, S. 12. 126","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) der europ\u00e4ischen PKK-Jugenddachorganisation \"Ciwanen Azad\", die f\u00fcr die Veranstaltung verantwortlich zeichnete, den Tod der beiden Aktivisten im \"Befreiungskampf\": \"Die kurdische Jugend hat einen hohen Preis entrichtet; aber auf dem Weg zur Freiheit ist die Vorreitermission der Jugend immer von Bedeutung gewesen!\" (\"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\", 7. Juli 2014, S. 12) 3. Eskalation auf Deutschlands Stra\u00dfen Mit der Versch\u00e4rfung der Situation in den Kampfgebieten \u00e4nderte sich auch das Aktionsverhalten der jugendlichen PKK-Anh\u00e4nger. Anh\u00e4nger der PKK haben den Vormarsch der islamistischen Terrororganisation IS im Nordirak und in Syrien - insbesondere auf die nordsyrische Stadt Kobane - seit Sommer 2014 zum Anlass f\u00fcr zahlreiche Protestaktionen genommen. W\u00e4hrend ein Gro\u00dfteil der Veranstaltungen friedlich verlief, kam es sowohl Anfang August als auch Anfang Oktober im Rahmen von mehreren Veranstaltungen zu Sachbesch\u00e4digungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen sowohl mit der Polizei als auch mit Islamisten, die sogar zu schweren K\u00f6rperverletzungsdelikten und versuchten T\u00f6tungsdelikten f\u00fchrten. In Hamburg kam es am 8. Oktober 2014 beispielsweise im Anschluss an eine friedlich verlaufene Kundgebung von Kurden zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen 100 Kundgebungsteilnehmern und Islamisten. Die Polizei nahm etliche Personen in Gewahrsam und beschlagnahmte diverse Hiebund Stichwaffen sowie eine Schusswaffe. Am 10. Oktober 2014 konnte ein erneutes Aufeinandertreffen der verfeindeten Gruppen im Nachgang zum Freitagsgebet nur durch massiven Polizeieinsatz verhindert werden. Anh\u00e4nger der Jugendorganisation \"Komalen Ciwan\" f\u00fchrten eine Vielzahl kurzzeitiger und friedlich verlaufener Besetzungen durch: von Fernsehsendern, Parteib\u00fcros, Flughafengeb\u00e4uden, Bahnh\u00f6fen oder Stra\u00dfenblockaden. Die gro\u00dfe Zahl der Aktionen und ihre zeitliche Konzentration lassen vermuten, dass sie 127","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) zumindest nicht gegen den Willen der Jugendorganisation durchgef\u00fchrt worden sind. Zudem kommt es immer wieder auch bei zuf\u00e4lligen Aufeinandertreffen von PKK-Jugendlichen und nationalistischen T\u00fcrken zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. 4. Zentrale PKK-Veranstaltungen mit hohen Teilnehmerzahlen Wie in den Vorjahren f\u00fchrte die PKK auch 2014 zentral gesteuerte Propagandaaktionen in Deutschland und dem benachbarten Ausland durch. Neben den milit\u00e4rischen Konflikten im Grenzgebiet der T\u00fcrkei zum Nordirak/Syrien stand dabei die Haftsituation \u00d6calans im Mittelpunkt. Der PKK gelingt es weiterhin, in hohem Ma\u00dfe zu (meist friedlichen) Demonstrationen und Gro\u00dfveranstaltungen, Hungerstreiks und Mahnwachen, Unterschriftenkampagnen und Podiumsdiskussionen zu mobilisieren. Nachfolgend einige herausragende Beispiele: # 15. Februar 2014, Stra\u00dfburg (Frankreich), Gro\u00dfdemonstration zum 15. Jahrestag der Festnahme \u00d6calans (wie im Vorjahr etwa 10.000 Teilnehmer, darunter ein Gro\u00dfteil aus Deutschland) # 22. M\u00e4rz 2014, D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen), zentrale Gro\u00dfkundgebung zum traditionellen kurdischen Neujahrsfest \"Newroz\" unter dem Motto \"Freiheit in Kurdistan - Demokratie in der T\u00fcrkei\" (ca. 10.000 Teilnehmer, im Vorjahr rund 9.000) # 14. Juni 2014, Dortmund (Nordrhein-Westfalen), \"10. ZilanFrauenfestival\", benannt nach einer Selbstmordattent\u00e4terin der PKK (etwa 2.500 Teilnehmer, im Vorjahr etwa 4.000) # 13. September 2014, D\u00fcsseldorf, \"22. Internationales Kurdisches Kulturfestival\" unter dem Doppel-Motto \"Die Rojava-Revolution ist dem freien Kurden eine Ehre\" und \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Status f\u00fcr Kurdistan\" (rund 30.000 Teilnehmer aus ganz Europa, im Vorjahr ca. 24.500). 128","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5. Hierarchische Organisationsstruktur und finanzielle Situation der PKK in Europa Die PKK hat im letzten Jahrzehnt in Europa mehrere Namens\u00e4nderungen vorgenommen, nicht zuletzt auch, um einen demokratischen L\u00e4uterungsprozess zu suggerieren sowie dem Makel einer Terrororganisation entgegenzuwirken und sich legale Bet\u00e4tigungsfelder zu schaffen. Gleichwohl bleiben die Entscheidungsstrukturen durchweg hierarchisch und streng von oben nach unten gegliedert. Im Zuge der 2013 eingeleiteten Neustrukturierung der PKK in Europa hatte sich der europ\u00e4ische Dachverband PKK-naher Vereine \"Konf\u00f6deration der kurdischen Vereine in Europa\" (KON-KURD) in \"Kongress der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" (KCD-E) umbenannt. Die KCD-E bildet nunmehr die PKK-Europaf\u00fchrung, in die auch die \"Koordination der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in Europa\" (CDK) als politischer Arm der PKK integriert ist. Von hier aus gehen die Anweisungen an die nationalen Untergliederungen: Deutschland ist in vier Bereiche eingeteilt, die ihrerseits aus insgesamt 30 Gebieten bestehen. F\u00fcr die Umsetzung von Vorgaben bedient sich die PKK \u00fcberwiegend \u00f6rtlicher kurdischer Vereine, die in einem Dachverband zusammengefasst sind und den Anh\u00e4ngern der Organisation als Treffpunkte und Anlaufstellen dienen. Vor dem Hintergrund der Neustrukturierung der PKK in Europa benannten sich im Verlauf des Jahres 2014 auch die PKK-nahen Vereine in Deutschland um. Den Anfang machte der Dachverband \"F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM)50, der seit Juni 2014 unter dem Namen \"Demokratisches Gesellschaftszentrum der KurdInnen in Deutschland\" (NAV-DEM)51 auftritt, ihm folgten Umbenennungen der - nach Angaben des Verbandes - insgesamt 46 \u00f6rtlichen Vereine. Die prek\u00e4re Situation der Kurden im Irak und in Syrien wirkte sich stimulierend auf die Spendensammlungen der PKK in 50 \"Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya\". 51 \"Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye\". 129","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Deutschland aus. Die im September 2014 gestartete Jahresspendenkampagne steht ganz im Zeichen der Verteidigung Kobanes, f\u00fcr die die PKK Anerkennung weit \u00fcber die eigene Anh\u00e4ngerschaft hinaus erf\u00e4hrt. Dadurch kann auch ein bislang f\u00fcr die Organisation nicht erreichbarer Personenkreis veranlasst werden, Gelder f\u00fcr die PKK zu spenden. Die letztj\u00e4hrige Spendenkampagne - begonnen im September 2013 und Anfang des Jahres 2014 abgeschlossen - erbrachte in Deutschland etwa 10 Millionen Euro und konnte im Vergleich zu den Vorjahren ein weiteres Mal gesteigert werden. Der Gesamtspendenerl\u00f6s in Europa betrug etwa 25 Millionen Euro. Die Einnahmen werden f\u00fcr den Unterhalt der Organisation und ihres umfangreichen Propagandaapparates in Europa genutzt, dienen zum Teil aber auch der Unterst\u00fctzung in den Kampfgebieten. Die finanziellen Aktivit\u00e4ten der PKK in Deutschland und Europa werden von der Kadereinheit \"Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro\" (EMB)52 gesteuert und kontrolliert. 6. Strafverfahren gegen Funktion\u00e4re der PKK Am 6. M\u00e4rz 2015 verurteilte das Oberlandesgericht (OLG) D\u00fcsseldorf einen ehemaligen Leiter des EMB wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Zudem soll er sich als ehemaliger Leiter des Bereichs \"Mitte\" in Deutschland bet\u00e4tigt haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig, da der Beschuldigte Revision eingelegt hat. Das BfV unterst\u00fctzt mit seinen Erkenntnissen entsprechende Verfahren der Justizund Strafverfolgungsbeh\u00f6rden. Am 27. Februar 2014 verurteilte der Staatsschutzsenat des OLG Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) einen F\u00fchrungsfunktion\u00e4r der PKK-Jugendorganisation \"Komalen Ciwan\" wegen Mitgliedschaft in der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung PKK zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Der 52 \"Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu\". 130","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Co-Vorsitzende des NAV-DEM, Y\u00fcksel Koc, bezeichnete das Urteil als \"Justizskandal\". Der deutsche Staat grenze die Kurden weiterhin aus und verletze geltendes Recht. Man k\u00f6nne derartige Urteile nicht akzeptieren und man k\u00f6nne auch die deutsche Demokratie nicht akzeptieren.53 7. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die PKK ist nach wie vor die schlagkr\u00e4ftigste ausl\u00e4nderextremistische Organisation in Deutschland. Sie ist in der Lage, Personen weit \u00fcber den engen Kreis der Anh\u00e4ngerschaft hinaus zu mobilisieren. Ihre Kaderstrukturen erm\u00f6glichen zudem eine z\u00fcgige Umsetzung neuer strategischer und taktischer Vorgaben, auch hin zu einer m\u00f6glichen Neubelebung militanter Aktionsformen. Wenngleich in Europa weiterhin friedliche Veranstaltungen im Vordergrund stehen, bleibt die Gewalt eine Option der PKK-Ideologie. Dies wird nicht zuletzt durch die Guerilla-Rekrutierungen deutlich. III. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) Die marxistisch-leninistische \"Revolution\u00e4re VolksbefreiungsGewaltsamer partei-Front\" (DHKP-C)54 - sie besteht aus einem politischen und Umsturz und Avanteinem milit\u00e4rischen Arm - propagiert weiterhin die Notwendiggardeanspruch keit eines revolution\u00e4ren, gewaltsamen Umsturzes in der T\u00fcrkei und ihren absoluten F\u00fchrungsanspruch: \"Wir haben den Krieg zu einem untrennbaren Bestandteil unseres Lebens gemacht. (...) Am Ursprung all dessen steht unser Anspruch auf F\u00fchrung. (...) Der Anspruch auf F\u00fchrung bedeutet Krieg, Verbreitung von Waffen. Er bedeutet, dass man sich mit Waffen, St\u00f6cken, Steinschleudern, Benzin, Seilen, Raketen, mit was auch immer bewaffnet. (...) F\u00fcr das Volk gibt es au\u00dfer der Revolution keinen Weg zur Befreiung.\" (Homepage DHKP-C, 31. Dezember 2013) 53 \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\", 1. M\u00e4rz 2014, S. 1 und 3. 54 \"Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi\". 131","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) \"M\u00e4rtyrergedenken\" Die DHKP-C f\u00fchrt auch in Deutschland allj\u00e4hrlich Veranstaltungen zum \"M\u00e4rtyrergedenken\" f\u00fcr die bei terroristischen Aktionen ums Leben gekommenen Mitglieder durch: Am 19. April 2014 versammelten sich 200 Anh\u00e4nger in Dortmund (NordrheinWestfalen) aus diesem Anlass und zum 20. Jahrestag der Organisationsgr\u00fcndung. In Redebeitr\u00e4gen wurden die \"M\u00e4rtyrer\" und die \"Widerstandsaktionen\" des Jahres 2013 gew\u00fcrdigt, zu denen auch ein Selbstmordattent\u00e4ter geh\u00f6rte, der jahrelang in Deutschland gelebt und im Februar 2013 einen Sprengstoffanschlag auf die US-amerikanische Botschaft in Ankara (T\u00fcrkei) ver\u00fcbt hatte. \"Anatolische Neben diesen Veranstaltungen konzentriert sich die DHKP-C, die F\u00f6deration\" in Deutschland seit 1998 einem Organisationsverbot unterliegt und von der Europ\u00e4ischen Union seit 2002 als terroristische Organisation gelistet ist, im Bundesgebiet auf propagandistische Aktivit\u00e4ten, insbesondere \u00fcber ihre Tarnorganisation \"Anatolische F\u00f6deration\"55. Schwerpunktthemen sind \"Antirassismus\" und Gefangenenbetreuung: # 18. bis 27. M\u00e4rz 2014, bundesweit friedlich verlaufener \"Langer Marsch\" f\u00fcr die Freiheit der \"politischen Gefangenen\", bei dem die Abschaffung der SSSS 129a und 129b StGB56 gefordert wurde. Lediglich bei einer Kundgebung am 27. M\u00e4rz 2014 in Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Polizei nahm 16 Teilnehmer vorl\u00e4ufig fest. # 28. Juni 2014 Oberhausen (Nordrhein-Westfalen), von DHKP-C-Mitgliedern organisiertes Konzert unter dem Motto \"Eine Stimme, ein Herz gegen Rassismus\" mit einer der Organisation nahestehenden Musikgruppe (7.000 Besucher). Im Verlauf der Veranstaltung wurden auch Gru\u00dfbotschaften von in Deutschland inhaftierten DHKP-C-Mitgliedern verlesen. # Thematisierung des Prozesses gegen Mitglieder und Unterst\u00fctzer des \"Nationalsozialistischen Untergrunds\" mit massiven Vorw\u00fcrfen gegen den deutschen Staat, bei der Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus unt\u00e4tig zu bleiben. 55 \"Anadolu Federasyonu\". 56 Die SSSS 129a und 129b StGB betreffen die Strafbarkeit terroristischer bzw. krimineller Vereinigungen im Inund Ausland. 132","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Am 2. September 2014 er\u00f6ffnete der sechste Strafsenat des OLG Strafverfahren Stuttgart ein Strafverfahren gegen vier hochrangige Parteikader der DHKP-C. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Die Angeklagten sollen sich auch in Deutschland f\u00fcr die DHKP-C bet\u00e4tigt haben. Das BfV unterst\u00fctzt mit seinen Erkenntnissen entsprechende Verfahren der Justizund Strafverfolgungsbeh\u00f6rden. Bei der DHKP-C handelt es sich um eine abgeschottete, konspiGef\u00e4hrdungsrative Organisation, die offen Gewalt propagiert. Ebenso kompotenzial promisslos vertritt sie auch gegen\u00fcber konkurrierenden revolution\u00e4ren Gruppen ihren Avantgardeanspruch. Ausschlie\u00dflich der bewaffnete Kampf unter F\u00fchrung der DHKP-C gilt als Erfolg versprechend. Andere Gruppierungen - wie zum Beispiel die PKK, die Verhandlungen mit der t\u00fcrkischen Regierung f\u00fchrt - werden bezichtigt, sich mit \"Imperialisten und den kollaborierenden Regierungen zu arrangieren\": \"Nur Organisationen, die \u00fcber das marxistisch-leninistische Verst\u00e4ndnis des bewaffneten Kampfes verf\u00fcgen, k\u00f6nnen die Volksbefreiungskriege anleiten. (...) F\u00fcr die V\u00f6lker ist der einzige Weg zur Befreiung der bewaffnete Kampf!\" (Homepage DHKP-C, 30. M\u00e4rz 2014) Die DHKP-C bekannte sich auch im Jahr 2014 weiter offen zu terroristischer Gewalt: \"Durch unser Selbstmordattentat auf die amerikanische Botschaft in Ankara, durch unsere Anschl\u00e4ge auf die Generalzentrale der AKP und das Justizministerium und durch den Beschuss der Polizeidirektion im Herzen von Ankara mit Granatwerfern waren Amerika, das die gesamte Welt br\u00fcskiert, und die AKP, die die V\u00f6lker der T\u00fcrkei terrorisiert, komplett \u00fcberfordert. (...) Der einzige Weg, den faschistischen Terror zu hintertreiben, besteht im bewaffneten Widerstand des Volkes. Unsere Aufgabe besteht darin, den bewaffneten Krieg des Volkes zu verst\u00e4rken.\" (Homepage DHKP-C, 30. M\u00e4rz 2014) Die Serie von schweren Terroranschl\u00e4gen, die von DHKP-C-Mitgliedern 2012 und 2013 in der T\u00fcrkei ver\u00fcbt wurde, hat sich im Fr\u00fchjahr 2015 fortgesetzt, nachdem es im Verlauf des Jahres 2014 133","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) bereits zu militanten Angriffen auf Einrichtungen der Regierungspartei AKP sowie auf Geb\u00e4ude und Angeh\u00f6rige der Polizei gekommen war. Zu beobachten war ferner eine Zunahme der Militanz in den Reihen der DHKP-C-Jugendorganisation \"Devrimci Genclik\"57. Hauptangriffsziel der DHKP-C bleibt - neben dem t\u00fcrkischen Staat - der \"US-Imperialismus\", der \"Hauptfeind der Weltbev\u00f6lkerung und der Terrorstaat Nummer 1\": Unterst\u00fctzt uns dabei, den Hauptfeind Amerika aus unserer Heimat zu vertreiben, daf\u00fcr zu sorgen, dass er Geschichte wird. (...) Haltet euch fern von Amerikanern und amerikanischen Einrichtungen! (...) Berichtet uns \u00fcber alle Amerikaner, die ihr seht und kennt!\" (Homepage DHKP-C, 6. April 2014) Das offene Bekenntnis zu terroristischer Gewalt und der unverhohlene Avantgardeanspruch begrenzen die B\u00fcndnisf\u00e4higkeit der DHKP-C sowohl gegen\u00fcber t\u00fcrkischen und kurdischen als auch deutschen Linksextremisten. Dem steht ein ausschlie\u00dflich gegen\u00fcber den USA definierter \"Antiimperialismus\" gegen\u00fcber, der auch von einer starken Str\u00f6mung im deutschen Linksextremismus geteilt wird. Gerade das 2013 von einem DHKP-C-Kader, der fr\u00fcher in Deutschland wohnhaft gewesen war, ver\u00fcbte Selbstmordattentat in Ankara zeigt die Gef\u00e4hrdung, die selbst von einzelnen DHKP-C-Aktivisten ausgehen kann. Gleichwohl dienen Deutschland und Europa aktuell weiterhin als R\u00fcckzugsraum und nicht als vorrangiger Ort militanter Aktionen. 57 \"Revolution\u00e4re Jugend\". 134","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) IV. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung Die Ideologie der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung (\"Idealisten\"-BeweRassismus und gung) - eine nationalistische und rassistische \u00dcberh\u00f6hung der Nationalismus T\u00fcrkei und des T\u00fcrkentums bei gleichzeitiger Abwertung anderer Ethnien - wird in Deutschland weiterhin von der \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF)58 vertreten, einem Dachverband, dem rund 7.000 Mitglieder in circa 160 lokalen Vereinen angeschlossen sind, die als Tr\u00e4ger und Multiplikatoren der Ideologie fungieren. W\u00e4hrend die AD\u00dcTDF um eine gesetzeskonforme Au\u00dfendarstellung bem\u00fcht ist, wird im unorganisierten Teil der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung - ihm sind etwa 3.000 Personen zuzurechnen, zumeist Jugendliche - die rassistische Einstellung unverhohlen propagiert. Die ideologische Bandbreite reicht von neuheidnischen Elementen \u00fcber einen nationalistischen Kemalismus bis in den Randbereich des Islamismus. Ziel der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist ein ethnisch homogener Staat \"Turan\"59 unter F\u00fchrung der T\u00fcrken. Kurden, Armenier, Griechen, Juden und andere ethnische Minderheiten in der T\u00fcrkei werden zu Hauptfeindbildern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung. Vor dem Hintergrund des \"Grauen Wolfs\" (\"Bozkurt\") als Symbol der Bewegung und dem \"Wolfsgru\u00df\" als Erkennungszeichen (der rechte Arm wird ausgestreckt, Daumen und Finger formen den Kopf eines Wolfs), werden ihre Anh\u00e4nger umgangssprachlich als \"Graue W\u00f6lfe\" (\"Bozkurtlar\") bezeichnet. Das Gef\u00e4hrdungspotenzial der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist mehrdiGef\u00e4hrdungsmensional: auf der normativen Ebene der Werteordnung ebenso potenzial wie im Bereich der inneren Sicherheit durch die konflikttr\u00e4chtige Eskalation mit politischen Gegnern. Die gezielte Herabsetzung anderer Ethnien verst\u00f6\u00dft nicht nur fundamental gegen das Prinzip der Menschenw\u00fcrde, sie hemmt zudem den Integrationsprozess in die deutsche Gesellschaft. Dabei ist zu beachten, dass die unterschiedlichen Teile der Bewegung in einer Art Doppelstrategie vorgehen: 58 \"Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu\". 59 \"Turan\" ist ein fiktives Reich, das vom Balkan bis Zentralasien reicht und in dem alle Turkv\u00f6lker ohne territoriale Anspr\u00fcche vereint sind. 135","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Organisierte Zum einen die organisierte \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung, in der die Mit\"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung glieder ausdr\u00fccklich aufgefordert werden, ihre demokratischen Rechte in Deutschland wahrzunehmen und sich politisch und gesellschaftlich zu bet\u00e4tigen, um Einfluss auszu\u00fcben. Dass es der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung gelungen ist, auf kommunaler Ebene in politischen Gremien und Parteien Fu\u00df zu fassen, darf insoweit nicht als Anerkennung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verstanden werden, sondern als gezielte politische Einflussnahme im Sinne einer nationalistischen Ideologie. Dem widerspricht auch nicht, dass die gr\u00f6\u00dfte Demonstration der AD\u00dcTDF unter dem Motto \"Deutschland ist unsere Zukunft\" durchgef\u00fchrt wurde (3. Mai 2014 in D\u00fcsseldorf). Unorganisierte Auf der anderen Seite gibt es die jugendlichen Anh\u00e4nger der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung, die zwar nur selten in einem der Vereine organisiert sind, aber durchaus \u00fcber entsprechende Verbindungen verf\u00fcgen. Sie sind haupts\u00e4chlich \u00fcber das Internet vernetzt. In einschl\u00e4gigen Foren und Internetgruppen bekennen sie sich offen zum Rassismus: \"Wir sind Rassisten. Hat da jemand ein Problem mit?\" (Facebook-Seite \"Freie T\u00fcrkische Armee\", 28. Juli 2014) \"Die t\u00fcrkische Rasse ist allen anderen Rassen \u00fcberlegen.\" (Facebook-Seite \"G\u00f6kt\u00fcrk Otagi Duisburg\", 13. Juni 2014) Im Fokus ihrer Agitation stehen vor allem Kurden, die pauschal als PKK-Anh\u00e4nger bezeichnet und verbal attackiert und diffamiert werden: \"Kein Wasser f\u00fcr Kurden\". Dazu folgender Kommentar: \"Wenn es nach mir geht, gebt ihnen auch kein Sauerstoff, diesen v****** Kreaturen.\" (Facebook-Seite \"Freie T\u00fcrkische Armee\", 28. Juli 2014) 136","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Dies reicht bis zu Vernichtungsdrohungen: \"Einfach ausrotten cCc60\". (Facebook-Seite \"Bozkurt Germany\", 1. August 2014) \u00c4hnlich ist die Agitation gegen Juden von einem eliminatorischen Antisemitismus gepr\u00e4gt: \"Sind diese Juden Menschen oder was? Der Allerh\u00f6chste hat ohnehin die frohe Botschaft verk\u00fcndet, dass sie vernichtet w\u00fcrden. Hoffentlich geschieht das bald.\" (Facebook-Seite \"Bozkurt Germany\", 1. August 2014) Die rassistische Ideologie bildet die Basis f\u00fcr Konfrontationen zwischen jugendlichen \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Anh\u00e4ngern und kurdischen Jugendlichen, oftmals ausgel\u00f6st durch das Zeigen des \"Wolfsgru\u00dfes\". So f\u00fchrten beispielsweise Provokationen t\u00fcrkischer Nationalisten am Rande einer prokurdischen Demonstration in M\u00fcnchen (Bayern) am 18. Oktober 2014 zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit Kurden. Letztlich f\u00f6rdert die \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Ideologie das Entstehen einer nationalistischen und rassistischen Jugendbewegung. Konflikte in der T\u00fcrkei, insbesondere im Zusammenhang mit der Kurdenpolitik, finden ihre Fortsetzung in Deutschland. Mit den jugendlichen Anh\u00e4ngern der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist das Potenzial f\u00fcr gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen vorhanden. 60 Die drei \"cCc\" stehen f\u00fcr die drei Halbmonde, die in der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung die drei Kontinente Asien, Europa und Afrika symbolisieren, auf denen das Osmanische Reich geherrscht hat. Sie sind sowohl Teil der osmanischen Kriegsflagge als auch das Symbol der nationalistischen t\u00fcrkischen Partei MHP und Erkennungszeichen der Anh\u00e4nger der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung. 137","138","Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten 139","Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten I. \u00dcberblick und Entwicklungstendenzen Staaten versuchen, ihre Interessen auch durch die illegale, geheime Beschaffung von Informationen durchzusetzen. Sie sind bem\u00fcht, sich durch die unberechtigte Informationsbeschaffung Vorteile zu verschaffen: in politischen, milit\u00e4rischen (insbesondere strategischen) und vermehrt auch in wirtschaftlichen und technologischen Zusammenh\u00e4ngen. Die Folgen f\u00fcr unser Land reichen von einer geschw\u00e4chten Verhandlungsposition \u00fcber hohe materielle Kosten und volkswirtschaftliche Sch\u00e4den bis hin zu einem m\u00f6glichen partiellen Verlust nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t. Deutschland als Fremde Nachrichtendienste betreiben nach wie vor mit hohem Spionageziel organisatorischem und finanziellem Aufwand Spionage gegen Deutschland. Das Interesse gilt Deutschland als weltpolitischem Akteur, als NATOund EU-Mitglied und schlie\u00dflich auch seiner Wirtschaftskraft und seinen innovativen Unternehmen. Ein weiteres Ausforschungsziel der Dienste sind systemoppositionelle Gruppen aus ihren Heimatl\u00e4ndern. Hauptakteure Nach wie vor sind die Russische F\u00f6deration, die Volksrepublik China und die Islamische Republik Iran die Hauptakteure der gegen Deutschland gerichteten Spionageaktivit\u00e4ten. Ziele Die politische Agenda ihrer Regierungen bestimmt die Schwerpunkte der Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten der Dienste. # Die russische Spionage ist aktuell wesentlich gepr\u00e4gt von dem Konflikt des Westens mit Russland in Bezug auf die Ukraine. Russland geht es in erster Linie darum, fr\u00fchzeitig Informationen \u00fcber die inhaltliche Positionierung von Bundesregierung sowie politischen Parteien und Institutionen f\u00fcr den Umgang mit der Krise und einer k\u00fcnftigen Russlandpolitik in Erfahrung zu bringen. Nicht zuletzt versuchen russische Dienste auch, \u00fcber ihre Kontakte ihre Sicht der Dinge in die \u00d6ffentlichkeit zu tragen und Einfluss auszu\u00fcben. # Die chinesischen Dienste unterst\u00fctzen umfassend den von der chinesischen F\u00fchrung vorgegebenen Kurs territorialer 140","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Integrit\u00e4t und Schutz der Hegemonie der Kommunistischen Partei, des Aufbaus weltpolitischer und milit\u00e4rischer Machtpositionen sowie der volkswirtschaftlichen Modernisierung. Entsprechend gelten die Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen im Ausland der separatistischen/demokratischen Systemopposition, den politischen Entscheidungsprozessen und dem technologischen Wissen. # Der Iran sieht sich als Regionalmacht mit F\u00fchrungsanspruch. Es ist dem Regime bislang nicht gelungen, den Vorwurf zu entkr\u00e4ften, eine atomare Bewaffnung anzustreben. Ungeachtet offizieller Beteuerungen setzen iranische Stellen ihre illegalen proliferationsrelevanten Beschaffungsaktivit\u00e4ten auf hohem Niveau fort. Die F\u00fchrung hat zudem ein erhebliches Interesse an Informationen \u00fcber die deutsche Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Des Weiteren gilt das Prinzip der rigiden Bek\u00e4mpfung Oppositioneller f\u00fcr die Dienste auch \u00fcber die Landesgrenzen hinaus. Mit den modernen Informationsund KommunikationstechnoMethodik logien hat sich auch die Methodik der Spionage erweitert. Im Zeitalter der Digitalisierung gewinnt die technische Informationsbeschaffung stetig an Bedeutung. \"Elektronische Angriffe\" k\u00f6nnen zudem neben der Spionage auch zur Sabotage genutzt werden: eine Gefahr, die insbesondere f\u00fcr Kritische Infrastrukturen gilt. Die zunehmende Wirkungskraft digitaler Spionage geht indes nicht mit einem Bedeutungsverlust menschlicher Quellen einher. Die potenziellen Opfer von Spionageaktivit\u00e4ten m\u00fcssen ihre Schutzg\u00fcter daher weiterhin nicht nur vor Aussp\u00e4hungsversuchen von au\u00dfen, sondern auch gegen\u00fcber eigenen Mitarbeitern sch\u00fctzen (\"Innent\u00e4ter\"), die f\u00fcr diese Zwecke angeworben oder erpresst werden. 141","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN II. Bedrohung durch \"Elektronische Angriffe\" 1. Gef\u00e4hrdungsdimension Mit den modernen Informationsund Kommunikationstechnologien hat sich auch der Modus Operandi fremder Nachrichtendienste ver\u00e4ndert. Informationen, die fr\u00fcher nur durch Agenten auf konventionelle Weise zu erlangen waren, k\u00f6nnen heute auf digitalem Wege in deutlich gr\u00f6\u00dferem Umfang und mit einem erheblich geringeren Entdeckungsrisiko beschafft werden. Mit der Nutzung des CyberRaums f\u00fcr Spionage hat sich die Intensit\u00e4t der Spionage um ein Vielfaches gesteigert. Unter \"Elektronischen Angriffen\"61 sind gezielt durchgef\u00fchrte Ma\u00dfnahmen mit oder gegen IT-Infrastrukturen zu verstehen: das Aussp\u00e4hen, Kopieren oder Ver\u00e4ndern von Daten, die \u00dcbernahme fremder elektronischer Identit\u00e4ten, der Missbrauch oder die Sabotage fremder IT-Infrastrukturen sowie die \u00dcbernahme von computergesteuerten netzgebundenen Produktionsund Steuereinrichtungen. Die Angriffe k\u00f6nnen sowohl von au\u00dfen \u00fcber Computernetzwerke erfolgen, wie zum Beispiel \u00fcber das Internet, als auch durch einen direkten, nicht netzgebundenen Zugriff auf einen Rechner, zum Beispiel mithilfe manipulierter Hardwarekomponenten wie Speichermedien. Hat ein Angreifer erst einmal Zugriff auf ein IT-System, kann er ungehindert eine Vielzahl von Aktionen durchf\u00fchren, darunter auch solche gegen dessen Integrit\u00e4t und Verf\u00fcgbarkeit. Gefahren entstehen indes bei allen Arten der Datenkommunikation. Es ist davon auszugehen, dass fremde Nachrichtendienste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um den Kommunikationsund Internetverkehr zu erfassen. \"Elektronische Angriffe\" k\u00f6nnen nicht nur jahrelang unbemerkt bleiben und Informationen illegal abflie\u00dfen; es ist zudem m\u00f6glich, die Schadsoftware erst zu einem bestimmten sp\u00e4teren Zeitpunkt zu aktivieren. Sollte nicht nur der Abfluss von 61 Vgl. Anhang Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten: Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste. 142","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Informationen, sondern die Manipulation von Daten und die (Zer-)St\u00f6rung der Funktionalit\u00e4t, ggf. verbunden mit der gezielten Herbeif\u00fchrung eines gr\u00f6\u00dferen Schadensfalles, also Sabotage das Ziel sein, k\u00f6nnte ein entsprechender Angriff zu einer lautlos tickenden Zeitbombe werden. Diese Gefahr besteht besonders bei Kritischen Infrastrukturen, d.h. bei Einrichtungen, auf die wir elementar angewiesen sind, zum Beispiel im Bereich der Energieund Wasserversorgung. Bei der Bek\u00e4mpfung der Gefahren durch \"Elektronische Angriffe\" Zusammenarbeit arbeiten national und international zahlreiche Beh\u00f6rden zusamim Cyber-Abwehrmen. Zur besseren Koordinierung dieser Zusammenarbeit wurde zentrum in Deutschland im April 2011 ein Nationales Cyber-Abwehrzentrum (Cyber-AZ) gegr\u00fcndet. Die mitwirkenden Beh\u00f6rden, darunter auch das BfV, arbeiten dort unter Federf\u00fchrung des Bundesamtes f\u00fcr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sowie unter Beibehaltung ihrer Zust\u00e4ndigkeiten und Aufgaben vertrauensvoll und gewinnbringend zusammen. Ziel des Cyber-AZ ist die Optimierung der operativen Zusammenarbeit staatlicher Stellen sowie die bessere Koordinierung von Schutzund Abwehrma\u00dfnahmen gegen potenzielle IT-Vorf\u00e4lle. Gerade bei \"Elektronischen Angriffen\", deren Bearbeitung die Zust\u00e4ndigkeit mehrerer Beh\u00f6rden ber\u00fchren kann, zeigt sich insbesondere im t\u00e4glichen Austausch die immense Bedeutung einer engen Zusammenarbeit. 2. Erkannte Angreifer: China und Russland Die erkannten Angreifer stammen \u00fcberwiegend aus China und Russland, wenngleich auch Nachrichtendienste anderer Staaten \u00fcber die erforderlichen Ressourcen und F\u00e4higkeiten zu \"Elektronischen Angriffen\" verf\u00fcgen. Nachhaltigkeit und Zielauswahl der Angriffe tragen deutliche Angriffsziele Anzeichen einer strategischen Aufkl\u00e4rung. Ziele in Politik und in Politik und Verwaltung sind haupts\u00e4chlich Verwaltung # das Ausw\u00e4rtige Amt und seine diplomatischen Auslandsvertretungen, # das Bundesministerium der Finanzen sowie # das Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie. 143","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN BfV ordnet Im Fr\u00fchjahr 2014 ist es dem BfV zum Beispiel gelungen, eine Angriffsoperation Cyberspionageoperation mit mutma\u00dflich nachrichtendienstchinesischem lichem Hintergrund einem chinesischen Angreifer zuzuordnen. Angreifer zu Ziele waren neben den oben genannten Ministerien unter anderem # das Bundeskanzleramt sowie # die Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht. Mit den Angriffen sollten Informationen \u00fcber die politische Haltung Deutschlands zu Fragen der Finanz-, Wirtschaftsund Sicherheitspolitik erlangt werden: Informationen, die zu einem Erkenntnisvorsprung Chinas zulasten der Bundesrepublik Deutschland f\u00fchren sollten. Die Angriffswellen im Januar und Februar 2014 standen in einem zeitlichen Zusammenhang mit Vorbereitungskonferenzen zum G20-Gipfeltreffen am 15./16. November 2014 in Brisbane (Australien). Durchgef\u00fchrt wurden die Angriffe durch gezielte Versendung von schadhaften E-Mails (sog. Spear-Phishing)62 mit einer vorget\u00e4uschten Absenderadresse an personenbezogene sowie funktionsbezogene E-Mail-Postf\u00e4cher. Gipfeltreffen werden auch in Zukunft im Fokus der Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen chinesischer Nachrichtendienste stehen, wie beispielsweise der G7-Gipfel in Deutschland am 7./8. Juni 2015 in Schloss Elmau (Bayern). Angriffe auf Zu den prim\u00e4ren chinesischen Angriffszielen z\u00e4hlt die Deutsche deutsche Botschaft in der Hauptstadt Peking: Im Mai 2014 wurde ein Botschaften Angriff mit Schad-E-Mails auf Botschaftsmitarbeiter durchgef\u00fchrt, darunter auch Angeh\u00f6rige des Milit\u00e4rattachestabes. Wie bereits im Vorjahr stand auch die Deutsche Botschaft in NeuDelhi (Indien) weiter im Fokus chinesischer Angreifer. Angriffe auf Im chinesischen Aufkl\u00e4rungsinteresse stehen zudem weiterhin WirtschaftsWirtschaftsunternehmen, insbesondere aus dem Automobilunternehmen sektor sowie den Bereichen R\u00fcstung, Luftund Raumfahrt 62 Spear-Phishing ist eine Spezialform des Phishing-Angriffs, bei dem nicht breitfl\u00e4chig, sondern nur ein kleiner Empf\u00e4ngerkreis (h\u00e4ufig F\u00fchrungskr\u00e4fte oder Wissenstr\u00e4ger auf Leitungsebene) attackiert wird. Voraussetzung f\u00fcr einen erfolgreichen Angriff ist eine gute Vorbereitung und die Einbettung des Angriffs in einen f\u00fcr das Opfer glaubw\u00fcrdigen Kontext. 144","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN (u.a. Satellitentechnik), Maschinenund Anlagenbau sowie die Chemieund Pharmaindustrie. Nachdem das BfV im Jahr 2014 von einem gro\u00dfen Unternehmen detailliert \u00fcber einen \"Elektronischen Angriff\" informiert worden war, ist es gelungen, die Angriffsinfrastrukturen aufzukl\u00e4ren und weitere Informationen zu gewinnen. Dieses Wissen wurde Unternehmen der gleichen Branche zu Pr\u00e4ventionszwecken zur Verf\u00fcgung gestellt. Diese wurden so in die Lage versetzt, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu optimieren und die eigenen Computersysteme und Netzwerke zu \u00fcberpr\u00fcfen. Auch russische Nachrichtendienste nutzen \"Elektronische Angriffsoperation Angriffe\" zur Informationsbeschaffung: Anfang 2014 berichteten aus Russland mehrere IT-Sicherheitsunternehmen von einer im Internet erkannten Spionageschadsoftware. Die sehr komplexe und qualitativ hochwertige Software namens Uroburos (auch Snake bzw. Turla genannt) eignet sich f\u00fcr Spionageoperationen mit internationaler Zielauswahl. Sie ist darauf ausgelegt, in gro\u00dfen Netzwerken von Beh\u00f6rden, Firmen und Forschungseinrichtungen zu agieren. Dabei erfolgt die Infektion \u00fcber sogenannte Watering-HoleAttacken63. Aufgrund der Komplexit\u00e4t und Funktionsweise der eingesetzten Schadsoftware, des Modus Operandi sowie des erkennbaren Aufkl\u00e4rungsinteresses geht das BfV von einer russischen nachrichtendienstlichen Angriffsoperation aus - eine Einsch\u00e4tzung, die andere (auch ausl\u00e4ndische) Nachrichtendienste und IT-Sicherheitsunternehmen teilen. Die Schadsoftware ist schwer zu detektieren, arbeitet autonom und verbreitet sich selbstst\u00e4ndig in den infizierten Netzen. Angegriffen werden so auch Rechner, die nicht direkt mit dem Internet verbunden sind. Bei den Uroburos-Angriffswellen handelt es sich um eine bedeutende, \u00fcber lange Zeit gezielt durchgef\u00fchrte Cyberspionageoperation von internationalem Ausma\u00df. Zu den betroffenen deutschen Zielen dieser fortdauernden Angriffsoperation z\u00e4hlen unter 63 Hierbei identifiziert der Angreifer Webpr\u00e4senzen, die f\u00fcr das Opfer potenziell interessant sind und leitet es auf den infizierten Webserver um. Hier\u00fcber erfolgt die Installation der Schadsoftware bei dem Opfer des \"Elektronischen Angriffs\". Die ausgew\u00e4hlten Opfer sind auf einer sogenannten white-list gespeichert. 145","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN anderem Botschaften und Hochschulen sowie Forschungsinstitute und Wirtschaftsunternehmen. III. Nachrichtenund Sicherheitsdienste der Russischen F\u00f6deration Die wichtige Rolle der Nachrichtendienste in der Sicherheitsarchitektur Russlands wurde im Jahr 2014 deutlicher denn je. Sie dienen der Staatsf\u00fchrung zur Durchsetzung der Regierungspolitik, zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit und nicht zuletzt zur Informationsbeschaffung im Ausland. Im Anschluss an die russische Annexion der Halbinsel Krim im Fr\u00fchjahr 2014 wurde die eminent politische Zielrichtung der Nachrichtendienste besonders deutlich. 1. Zielbereiche und Schwerpunkte der Informationsbeschaffung Politik, Wirtschaft, Mit der Annexion der Krim und der russischen Intervention in die Milit\u00e4r, Wissenschaft K\u00e4mpfe in der Ostukraine \u00e4nderten sich die Beziehungen des und Technik Westens zu Russland in erheblichem Ausma\u00df. In einer offenbar von der russischen F\u00fchrung (und den Nachrichtendiensten!) nicht prognostizierten Einheitlichkeit antworteten die NATOund EU-Mitgliedstaaten auf die Aggression Russlands. Fokussierung auf Die russischen Nachrichtendienste, die sich traditionell f\u00fcr die Ukraine-Krise Themenbereiche Politik und Milit\u00e4r sowie Wirtschaft, Wissenschaft und Technik interessieren und diese Orientierung auch 2014 beibehielten, fokussierten ihre Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen daraufhin sehr deutlich auf die Ukraine-Krise. W\u00e4hrend die in Deutschland eingesetzten Offiziere der Legalresidenturen64 sich unmittelbar nach der russischen Intervention auf der Krim zun\u00e4chst zur\u00fcckhaltend verhielten und eine Kontaktaufnahme zu ihren Quellen vermieden, nahmen sie ab April 2014 ihre Aktivit\u00e4ten in bekannter Intensit\u00e4t wieder auf, nunmehr 64 Vgl. Anhang Spionage und sonstige nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten: Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste. 146","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN allerdings mit dem alles bestimmenden Thema \"Ukraine-Konflikt\" beziehungsweise \"Krise zwischen Russland und dem Westen\". Hatten sich russische Spionageaktivit\u00e4ten noch bis Anfang 2014 oftmals auf die allgemeine westliche Rezeption russischer Politik konzentriert, \u00e4nderte sich diese Strategie. Sehr konkret stellten die Nachrichtendienste nunmehr Fragen im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise, um politische Entscheidungen vorzubereiten: # Welche Schritte Russlands sind f\u00fcr die Bundesregierung v\u00f6llig inakzeptabel (\u00dcberschreiten einer \"roten Linie\")? # Mit welchen Sanktionen muss Russland rechnen und wie k\u00f6nnen diese umgangen werden? # Wird die Europ\u00e4ische Union einheitlich handeln? # Gibt es Interessenunterschiede zwischen der deutschen Regierung und der Wirtschaft? # Wie ist der Stand neuer technischer Entwicklungen auf dem Energiesektor (z.B. \"Fracking\")? ND-F\u00fchrungsoffiziere nutzten ihre Kontakte zudem, um politiVersuche politischer schen Einfluss auszu\u00fcben. 2014 wurde auch dieser AufgabenbeEinflussnahme reich eines Nachrichtendienstes sehr gezielt auf den UkraineKonflikt konzentriert: F\u00fchrungsoffiziere versuchten zun\u00e4chst, ihre Quellen im Hinblick auf die russische Politik zu beruhigen und die Schuld f\u00fcr die weitere Versch\u00e4rfung der Krise in Richtung Westen und Ukraine zu verlagern. Im Verlauf des Jahres gingen sie einen Schritt weiter und waren bestrebt, einzelne Gespr\u00e4chspartner als Medium zur Weiterverbreitung russlandfreundlicher Darstellungen einzusetzen. 2. Methodik der Informationsgewinnung Russische Spionageaktivit\u00e4ten gehen in erster Linie von MitarbeiAktivit\u00e4ten aus tern an den Legalresidenturen aus. Verglichen mit anderen L\u00e4nLegalresidenturen dern in Europa verf\u00fcgen diese St\u00fctzpunkte in Deutschland \u00fcber einen besonders hohen Personalbestand. Der Aktionsradius dieser russischen Legalresidenturoffiziere beschr\u00e4nkt sich indes nicht auf das Bundesgebiet. Nach Erkenntnissen des BfV f\u00fchrte beispielsweise ein am Russischen Generalkonsulat in Bonn (Nordrhein-Westfalen) als Diplomat 147","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN akkreditierter Nachrichtendienstoffizier einen Agenten aus dem benachbarten Ausland. Nach Einleitung eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwalts (GBA) musste der F\u00fchrungsoffizier Deutschland im September 2014 verlassen. Offene und verdeckte Die Nachrichtendienste gewinnen ihre Informationen sowohl aus Informationsoffenen, allgemein zug\u00e4nglichen Quellen (z.B. Internet, Industriebeschaffung messen, Tagungen) als auch aus konspirativen, geheimdienstlichen Verbindungen. In beiden F\u00e4llen nutzen sie die Kontakte, die von den Mitarbeitern der Legalresidenturen aufgebaut worden sind. Abgesch\u00f6pfte deutsche Kontaktpersonen wissen im Regelfall nicht, dass es sich bei den \"Diplomaten\" oder \"Journalisten\" in Wahrheit um Angeh\u00f6rige eines Nachrichtendienstes handelt. Entsprechend sorglos verhalten sie sich ihnen gegen\u00fcber. \"IllegalenRussische Nachrichtendienste setzen bei Aktivit\u00e4ten, die aus der operationen\" Zentrale gef\u00fchrt werden, unver\u00e4ndert auf \"Illegalenoperationen\" - ungeachtet der hohen finanziellen Kosten und des immensen Aufwands. Gef\u00e4hrdung in In Russland selbst richten die Nachrichtendienste ihren Blick vorRussland nehmlich auf Personen, die sich beruflich oder privat f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit dort aufhalten. Sofern die gewonnenen Informationen die Zielpersonen kompromittieren k\u00f6nnen, scheuen die Dienste nicht vor aggressiven Anwerbungsversuchen zur\u00fcck. 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die russischen Nachrichtendienste haben auch im Jahr 2014 mit hoher Personalst\u00e4rke und Intensit\u00e4t Aktivit\u00e4ten gegen deutsche Interessen entfaltet. Die Versuche, politische Entscheidungen nicht nur zu antizipieren, sondern Einfluss auf Politik und \u00d6ffentlichkeit zu nehmen, zeigen die anhaltend gro\u00dfe Bedeutung, die Deutschland f\u00fcr die russischen Dienste hat. Auf absehbare Zeit ist mit einem Nachlassen der Spionageaktivit\u00e4ten Russlands nicht zu rechnen. Vielmehr muss im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise eine Intensivierung in Betracht gezogen werden, zumindest aber eine weiterhin variabel und flexibel auf aktuelle Tagesgeschehnisse reagierende russische Vorgehensweise. 148","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Dies darf indes nicht den Blick darauf verstellen, dass das Erkenntnisinteresse der russischen Nachrichtendienste \u00fcber die gegenw\u00e4rtige Krise hinaus wesentlich breiter ist: politisch und milit\u00e4risch ebenso wie wirtschaftlich und technologisch. IV. Nachrichtendienste der Volksrepublik China Die Nachrichtendienste spielen im autorit\u00e4ren und repressiven politischen System Chinas eine bedeutende Rolle. Mit ihren umfangreichen Befugnissen dienen sie dem Machterhalt der Kommunistischen Partei. 1. Schwerpunkte der Informationsbeschaffung Das Aufkl\u00e4rungsinteresse wird geleitet von den Zielen Chinas: sowohl Schutz der territorialen Integrit\u00e4t und des politischen Systems als auch die angestrebte weltpolitische Bedeutung der Volksrepublik: politisch, milit\u00e4risch und \u00f6konomisch. Schwerpunkt der Ausforschungst\u00e4tigkeit chinesischer NachrichBek\u00e4mpfung der tendienste in Deutschland sind weiterhin die als \"F\u00fcnf Gifte\" dif\"F\u00fcnf Gifte\" famierten regimekritischen und separatistischen Bestrebungen: die nach Unabh\u00e4ngigkeit strebenden ethnischen Minderheiten der Uiguren und Tibeter, Falun Gong, die Demokratiebewegung sowie die Bef\u00fcrworter der Eigenstaatlichkeit Taiwans. Zudem stehen deutsche Interessen im Fokus der Nachrichtendienste: # Politik (Au\u00dfen-, Sicherheitsund Wirtschaftspolitik, beispielsweise die Positionierung der Bundesrepublik innerhalb von NATO und Europ\u00e4ischer Union) # Milit\u00e4r (Struktur, Bewaffnung und Ausbildung der Bundeswehr; Waffentechnik) # Wirtschaft, Wissenschaft und Technik: Die Nachrichtendienste sind in das ehrgeizige und langfristig angelegte Programm zur Modernisierung der chinesischen Wirtschaft eingebunden. Konkret haben sie den Auftrag, sensible Informationen aus der 149","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Wirtschaft und aktuelle Forschungsergebnisse, insbesondere aus dem Bereich der innovativen Technologien, zu beschaffen. 2. Methodik der Informationsgewinnung Zur Informationsbeschaffung nutzen chinesische Nachrichtendienste die Legalresidenturen. Dar\u00fcber hinaus werden Aktivit\u00e4ten - in Deutschland selbst oder gegen deutsche Interessen in China - zentral gesteuert. Aktivit\u00e4ten aus Die Nachrichtendienstmitarbeiter an den Legalresidenturen Legalresidenturen unterhalten eine Vielzahl von Kontakten zu Gespr\u00e4chspartnern, die \u00fcber interessante Zug\u00e4nge oder Informationen aus Politik, Milit\u00e4r, Wissenschaft oder Wirtschaft verf\u00fcgen. Durch eine langfristig angelegte, geduldige \"Kultivierung\" versuchen sie eine pers\u00f6nliche Beziehung aufzubauen, in der die Kontaktpersonen dazu verleitet werden, dem vorgeblichen Freund auch vertrauliche Informationen preiszugeben und zum Informanten oder gar Agenten f\u00fcr einen chinesischen Dienst zu werden. Die chinesischen Nachrichtendienste agieren gegen\u00fcber westlichen Zielpersonen anfangs \u00e4u\u00dferst vorsichtig und geduldig. Gegen\u00fcber ihren Landsleuten treten sie hingegen fordernder und aggressiver auf. Agenten werden zudem in Kreisen der in Deutschland lebenden chinesischen Regimegegner angeworben, wobei auch Druck ausge\u00fcbt wird. \u00dcberhaupt ist die Vorgehensweise hier deutlich rigider: # Beispielsweise kontaktierten Anfang Februar 2014 Angeh\u00f6rige der Chinesischen Botschaft den deutschen Veranstalter der Falun Gong-Tanzgala \"Shen Yun Performing Arts\" und forderten ihn unmissverst\u00e4ndlich auf, die vier angek\u00fcndigten Veranstaltungen abzusagen. # Demonstrationen und Mahnwachen aus dem Spektrum der \"F\u00fcnf Gifte\" werden von den Diensten beobachtet. So fotografierte beispielsweise Anfang Juni 2014 ein Botschaftsmitarbeiter einen Teilnehmer einer Mahnwache vor der Chinesischen Botschaft in Berlin zum 25-j\u00e4hrigen Gedenken an das Tiananmen-Massaker von 1989 recht offen. Ziel solcher Ma\u00dfnahmen 150","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN d\u00fcrfte die Identifizierung und Einsch\u00fcchterung der Teilnehmer sein, um zum Beispiel Einreiseverbote nach China gegen sie auszusprechen. Die Nachrichtendienste nutzen dar\u00fcber hinaus das WissenspoWirtschafts-, tenzial der in Deutschland lebenden chinesischen WissenschaftWissenschaftsund ler, indem sie sich einen \u00dcberblick \u00fcber die Arbeitsbereiche verTechnikspionage schaffen und anschlie\u00dfend versuchen, ausgew\u00e4hlte Personen f\u00fcr eine Zusammenarbeit zu gewinnen (\"Non-Professionals\"). Vor dem Hintergrund der engen Verflechtung von Staat und Wirtschaft in China ist es im Einzelfall kaum m\u00f6glich, zwischen staatlich betriebener Wirtschaftsspionage und Aussp\u00e4hung durch konkurrierende Unternehmen zu unterscheiden. Die Nachrichtendienste agieren nicht nur aus den LegalresidenReisende turen heraus. Aussp\u00e4hungsaktivit\u00e4ten erfolgen auch durch NachNachrichtenrichtendienstoffiziere, die aus China - unter anderem aus den dienstoffiziere Dienstzentralen in Peking - anreisen, um in Deutschland und Europa Agenten zu werben oder zu treffen. Die umfassend praktizierten \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen in China, Gef\u00e4hrdung in China die neben der einheimischen Bev\u00f6lkerung den dort lebenden Ausl\u00e4ndern, Gesch\u00e4ftsreisenden und selbst Touristen gelten, bieten konkrete Ansatzpunkte f\u00fcr nachrichtendienstliche Operationen, insbesondere f\u00fcr die Wirtschaftsund Technologiespionage. 3. Gef\u00e4hrdungspotenzial Die weltpolitische Situation und die politischen wie wirtschaftlichen Ambitionen Chinas lassen einen R\u00fcckgang der Spionageaktivit\u00e4ten als nahezu ausgeschlossen erscheinen. Nach wie vor setzt das Regime auf eine umfassende Kontrolle der eigenen Bev\u00f6lkerung: Wirtschaftliche Liberalisierung geht nicht mit einer demokratischen \u00d6ffnung einher. Ebenso wenig l\u00e4sst die strategische Konkurrenz mit den USA und Japan Hoffnungen auf eine nachhaltige Entspannung zu. \u00d6konomisch ist China im Begriff, sich von der \"verl\u00e4ngerten Werkbank\" der Welt zu einem Land mit technologisch hochwertigen Produktionstechniken fortzuentwickeln - ein Ziel, das mithilfe illegaler Wissensund Technologietransfers durchaus schneller und kosteng\u00fcnstiger verfolgt werden kann. 151","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Obgleich die chinesischen Nachrichtendienste sich in Deutschland auf die Bek\u00e4mpfung der Exilopposition konzentrieren, sind in den letzten Jahren wesentliche Akzentverschiebungen deutlich geworden: Nachdem die Dienste im Zielspektrum der klassischen Spionage (Politik und Milit\u00e4r, Wirtschaft und Technologie) in der Vergangenheit fast ausschlie\u00dflich chinesischst\u00e4mmige Personen als Agenten rekrutiert haben, versuchen sie mittlerweile auch, Personen aus westlichen L\u00e4ndern als Informanten oder Agenten zu werben. Hinzu kommen die Reiseaktivit\u00e4ten von Nachrichtendienstoffizieren aus China, die in Deutschland und den angrenzenden L\u00e4ndern agieren. Im Bereich der Wirtschaftsspionage gibt es Hinweise auf kombinierte Strategien, bei denen sowohl menschliche Quellen als auch \"Elektronische Angriffe\" gezielt zum Einsatz kommen. V. Nachrichtendienste der Islamischen Republik Iran Die Aussp\u00e4hung und Bek\u00e4mpfung oppositioneller Bewegungen im Inund Ausland stellt nach wie vor einen Schwerpunkt der Arbeit des iranischen Nachrichtendienstapparates dar. Dar\u00fcber hinaus beschaffen die Dienste im westlichen Ausland Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Zielbereiche Hauptakteur der gegen Deutschland gerichteten Aktivit\u00e4ten ist des MOIS weiterhin das Ministry of Information and Security (MOIS). In seinem Fokus stehen insbesondere die \"Volksmodjahedin Iran-Organisation\" (MEK) und ihr politischer Arm, der \"Nationale Widerstandsrat Iran\" (NWRI). Daneben belegen nachrichtendienstliche Aufkl\u00e4rungsaktivit\u00e4ten gegen deutsche Einrichtungen im Inund Ausland das anhaltende Interesse an deutschen Zielobjekten, vor allem in den Bereichen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik. Methodik Die Steuerung nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten zur Informationsbeschaffung erfolgt in erster Linie durch das Hauptquartier des MOIS in Teheran (Iran). Zur Anbahnung nutzt der Dienst insbesondere beruflich oder famili\u00e4r bedingte Reisen seiner Zielpersonen in den Iran. Dort ist es ihnen kaum m\u00f6glich, sich dem Zugriff des MOIS zu entziehen - eine ideale Voraussetzung f\u00fcr nachrichtendienstliche Ansprachen. 152","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Daneben erf\u00fcllt auch die Legalresidentur des MOIS an der Iranischen Botschaft in Berlin eine wichtige Funktion bei der nachrichtendienstlichen Aussp\u00e4hung. Zu deren Aufgaben z\u00e4hlt die Unterst\u00fctzung und Durchf\u00fchrung nachrichtendienstlicher Operationen, die von der MOIS-Zentrale ausgehen, haupts\u00e4chlich gegen Ziele in Deutschland, vereinzelt aber auch gegen Personen oder Einrichtungen im europ\u00e4ischen Ausland. Die Mitarbeiter der iranischen konsularischen Vertretungen in Deutschland sind verpflichtet, die Legalresidentur des MOIS zu unterst\u00fctzen. Die iranischen Nachrichtendienste sind ein zentrales Instrument Gef\u00e4hrdungsder politischen F\u00fchrung zur Sicherung ihres Herrschaftsanpotenzial spruches. Demzufolge wird die iranische Opposition weiter im Blickpunkt des MOIS stehen. Der Iran versteht sich als Regionalmacht mit einem Gestaltungswillen \u00fcber die eigenen Grenzen hinaus, einschlie\u00dflich einer ausgepr\u00e4gt antiwestlichen und antizionistischen Sto\u00dfrichtung. Gleichzeitig gibt es deutliche Hinweise auf einen teils dramatischen Einbruch der Wirtschaftsleistung aufgrund der Sanktionen wegen des Atomprogramms. In dieser Situation w\u00e4chst das Interesse des Regimes sowohl an (Insider-)Informationen \u00fcber die k\u00fcnftige Politik des Westens - beispielsweise der deutschen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik - als auch an illegalen Transferwegen, um Sanktionen m\u00f6glicherweise umgehen zu k\u00f6nnen. VI. Nachrichtendienste sonstiger Staaten Die Aufkl\u00e4rungsund Abwehraktivit\u00e4ten der Spionageabwehr richten sich gegen alle illegalen nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten ohne Festlegung auf einen ausgew\u00e4hlten oder eingegrenzten Kreis von Staaten. Im Bereich dieser sogenannten 360deg-Bearbeitung wurden im Jahr 2014 die Weichen f\u00fcr eine Neuausrichtung der Spionageabwehr gestellt, die darauf abzielt, mittels Ressourcenverst\u00e4rkung und fortentwickelter Methodik zuk\u00fcnftig eine umf\u00e4ngliche Bearbeitung illegaler nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten sonstiger Staaten zu gew\u00e4hrleisten. Die Umsetzung dieser Neuausrichtung wird im Jahr 2015 fortgesetzt. Dabei schlie\u00dft die 153","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN 360deg-Bearbeitung ausdr\u00fccklich auch die Untersuchung m\u00f6glicher nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten westlicher Dienste mit ein. Anschuldigungen Im Jahr 2014 berichteten die Medien weiterhin \u00fcber die von Edward Snowdens Edward Snowden gegen den US-Nachrichtendienst National Security Agency (NSA) und andere westliche Dienste erhobenen Vorw\u00fcrfe. Im Raum steht der Verdacht, dass die NSA nicht nur in der Lage ist, weltweit an Kommunikationsdaten insbesondere aus dem Internet zu gelangen, sondern dies in gro\u00dfem Stil auch gegen Deutschland praktiziere. Das BfV geht gem\u00e4\u00df seinem gesetzlichen Auftrag jedem Anfangsverdacht von Spionage nach. Die im Sommer 2013 eingerichtete Sonderauswertung setzte vor diesem Hintergrund im Jahr 2014 ihre Arbeit zur Aufkl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe Snowdens fort. Ein Ausleiten von Daten im Inland an deutschen Internetknotenpunkten oder bei deutschen Telekommunikationsdienstleistern konnte bislang nicht nachgewiesen werden. Aufgrund der Architektur des Internets kann das Routing innerdeutscher Kommunikation auch \u00fcber fremdes Hoheitsgebiet nicht ausgeschlossen werden. Eine Ausleitung von Daten im Ausland ist seitens deutscher Sicherheitsbeh\u00f6rden nicht detektierbar. Fall von F\u00fcr Aufmerksamkeit sorgte im Juli 2014 die Verhaftung eines MitUS-amerikanischer arbeiters des Bundesnachrichtendienstes (BND) im Rahmen eines Spionage beim BND Ermittlungsverfahrens des GBA wegen des Verdachts geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit. Er wird beschuldigt, geheime Informationen an einen ausl\u00e4ndischen Dienst, m\u00f6glicherweise die CIA, weitergegeben zu haben und sich zudem einem russischen Dienst als Quelle angeboten zu haben. Der Verd\u00e4chtige befindet sich in Untersuchungshaft. 154","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN VII. Proliferation Die Weiterverbreitung von atomaren, biologischen oder chemischen Massenvernichtungswaffen beziehungsweise der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte sowie entsprechender Waffentr\u00e4gersysteme (z.B. Raketen und Drohnen) einschlie\u00dflich des daf\u00fcr erforderlichen Know-hows wird als Proliferation bezeichnet. Massenvernichtungswaffenprogramme stellen eine ernsthafte Bedrohung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit dar. Sie k\u00f6nnen zudem zu einer erheblichen Destabilisierung in den betroffenen Regionen beitragen. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass proliferationsrelevante Staaten Massenvernichtungswaffen im Fall eines bewaffneten Konflikts einsetzen oder deren Einsatz zur Durchsetzung politischer Ziele androhen. Dies birgt die Gefahr eines milit\u00e4rischen Wettr\u00fcstens in den betroffenen Regionen. Trotz eines teilweise erheblichen technologischen Fortschritts bleiben diese Staaten bei der Forschung und Herstellung dieser Waffen und Tr\u00e4gersysteme auf den Weltmarkt angewiesen. Unter anderem versuchen sie auch in Deutschland, entsprechende Produkte zu beschaffen - unter Umgehung von Genehmigungspflichten und Ausfuhrverboten. Die bestehenden strengen deutschen und europ\u00e4ischen Exportkontrollbestimmungen zur Verhinderung entsprechender Wareneink\u00e4ufe haben zu einer Ver\u00e4nderung des Einkaufsund Beschaffungsverhaltens proliferationsrelevanter Staaten gef\u00fchrt. Die direkte Beschaffung solcher Waren bildet nunmehr eher die Ausnahme. Zur Umgehung eines Ausfuhrverbots durch die Genehmigungsbeh\u00f6rden beschaffen sie die Produkte stattdessen \u00fcber Drittl\u00e4nder (sog. Umgehungsausfuhren), schalten Tarnfirmen ein oder machen bei \"dual use\"-G\u00fctern - Produkte, die sowohl f\u00fcr zivile als auch f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke verwendet werden k\u00f6nnen - falsche Angaben \u00fcber den Verwendungszweck. F\u00fcr Studenten und Wissenschaftler proliferationsrelevanter L\u00e4nder kommen zudem deutsche Universit\u00e4ten, Fachhochschulen, wissenschaftliche Institute und Forschungsgesellschaften sowie 155","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Forschungsabteilungen in der Industrie als m\u00f6gliche Quellen zur Beschaffung von Wissen in Betracht. 1. Islamische Republik Iran Die Dimension des iranischen Nuklearprogramms - friedlich oder milit\u00e4risch - ist nach wie vor ungekl\u00e4rt. Die im November 2013 vereinbarten Verhandlungen zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und dem Iran \u00fcber eine dauerhafte L\u00f6sung dauern weiter an, nachdem urspr\u00fcnglich vorgesehene Fristen bereits zweimal verl\u00e4ngert worden sind (aktuell bis zum 30. Juni 2015). Nachdem die vom BfV festgestellten illegalen iranischen Beschaffungsversuche in Deutschland in den letzten Jahren best\u00e4ndig angestiegen sind, befinden sie sich auf einem auch im internationalen Vergleich quantitativ hohen Niveau. Dies gilt vor allem f\u00fcr G\u00fcter, die im Bereich Nukleartechnik eingesetzt werden k\u00f6nnen. Im Jahr 2014 stellte das BfV eine steigende Zahl iranischer Beschaffungsversuche im Bereich des von dem Staat betriebenen ambitionierten Tr\u00e4gertechnologieprogramms fest, das auch dem Einsatz von Kernwaffen dienen k\u00f6nnte. Die Verhinderung einer atomaren Bewaffnung des Iran ist ein gemeinsames Anliegen der internationalen Staatengemeinschaft. Neben den in diesem Zusammenhang gef\u00fchrten Verhandlungen ist es unabdingbar, illegale proliferationsrelevante Beschaffungsaktivit\u00e4ten zu verhindern - eine Aufgabe, die eine internationale und nationale Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden erfordert. Vor dem Hintergrund der weiterhin ungekl\u00e4rten Gesamtsituation sind auch in Zukunft intensive Beschaffungsbem\u00fchungen (insbesondere \u00fcber verdeckte Strukturen) des Iran in Deutschland zu erwarten. 2. Weitere Staaten mit Beschaffungsaktivit\u00e4ten Zu den Staaten, die in Deutschland Beschaffungsaktivit\u00e4ten f\u00fcr sensitive G\u00fcter entwickeln, z\u00e4hlen auch die beiden Atomm\u00e4chte Demokratische Volksrepublik Korea (Nordkorea) und Islamische Republik Pakistan sowie - aufgrund des B\u00fcrgerkriegs - in 156","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN erheblich reduziertem Umfang auch die Arabische Republik Syrien. Nordkorea verf\u00fcgt \u00fcber ein weit fortgeschrittenes AtomwaffenNordkorea programm und ist zu eigenst\u00e4ndigen Entwicklungen beim Bau von Reaktoren in der Lage. Ungeachtet internationaler Sanktionen wird dieses Programm unver\u00e4ndert fortgesetzt. Daneben verfolgt das Land weiterhin ein umfangreiches Tr\u00e4gertechnologieprogramm. Zudem exportiert Nordkorea bereits heute Raketen und bietet anderen proliferationsrelevanten Staaten Unterst\u00fctzung beim Aufbau eines eigenen Raketenentwicklungsprogramms an. Der Ausbau bestehender Raketenstartanlagen soll die Voraussetzung f\u00fcr den Start von Raketen mit gr\u00f6\u00dferer Reichweite und Nutzlast schaffen. Im Juli 2014 testete Nordkorea zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von etwa 500 km. Trotz einer Resolution des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen65 als Reaktion auf den letzten Nukleartest im Februar 2013 sind weiterhin anhaltende nordkoreanische Beschaffungsbem\u00fchungen um westliche Technologie zu beobachten, unter anderem in Deutschland. Pakistan verf\u00fcgt \u00fcber ein umfangreiches milit\u00e4risches, gegen Pakistan den \"Erzfeind\" Indien gerichtetes Nuklearund Tr\u00e4gertechnologieprogramm. Es baut sein Kernwaffenpotenzial sukzessive aus. F\u00fcr die Weiterentwicklung seines Massenvernichtungswaffenprogramms sowie zur Instandhaltung der vorhandenen Nuklearanlagen (milit\u00e4rische und/oder zivile Nutzung) und Tr\u00e4gersysteme versucht Pakistan, unter anderem in Deutschland hochwertige neue Produkte und Technologien zu beschaffen. Dazu z\u00e4hlt auch der Erwerb von technischem Know-how durch Entsendung von pakistanischen Studenten und Wissenschaftlern nach Deutschland. 65 VN-Resolution 2094 vom 07.03.2013, abrufbar auf der Homepage der Vereinten Nationen. 157","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN VIII. Wirtschaftsschutz Ausgangssituation Die deutsche Wirtschaft ist eine der wissensintensivsten weltweit; ihre Erfolgsfaktoren sind Ideenreichtum, technische Innovation sowie zukunftsweisende Forschung und Entwicklung. Vor diesem Hintergrund ist Wirtschaftsspionage gegen deutsche Unternehmen ein seit Jahren bekanntes Ph\u00e4nomen. Nach den Ver\u00f6ffentlichungen zu mutma\u00dflichen Spionageaktivit\u00e4ten durch westliche Dienste ist in Medien und Industrie der Eindruck entstanden, das Ausma\u00df der Wirtschaftsspionage in Deutschland sei erheblich gestiegen. Dies deckt sich indes nicht mit der Erkenntnislage des BfV - auch das Meldeaufkommen aus der Wirtschaft liefert hierf\u00fcr bislang keinerlei Belege. Die Sachverhalte, in die das BfV einbezogen wurde, standen weiterhin nahezu ausschlie\u00dflich in Bezug zur Volksrepublik China oder zur Russischen F\u00f6deration. Die Bundesregierung misst dem Wirtschaftsschutz und seinem Ziel, deutsches Know-how als Wettbewerbsvorteil zu sichern, hohe Bedeutung bei. Wirtschaftsschutz braucht das gemeinsame Handeln von Staat, Verb\u00e4nden und Unternehmen. Ein Meilenstein dieser Kooperation ist die vom Bundesminister des Innern und den Pr\u00e4sidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrieund Handelskammertages (DIHK) im August 2013 unterzeichnete Erkl\u00e4rung \"Wirtschaftsschutz in Deutschland 2015 - Vertrauen, Information, Pr\u00e4vention\" zur \"Nationalen Strategie f\u00fcr den Wirtschaftsschutz\". Ihre Umsetzung wird mit Nachdruck vorangetrieben: Inzwischen sind verschiedene Expertengruppen mit der Ausarbeitung konkreter Handlungsempfehlungen zur St\u00e4rkung des nationalen Wirtschaftsschutzes befasst. Pr\u00e4vention durch Mit dem seit Jahren laufenden Sensibilisierungsprogramm \"Pr\u00e4Information vention durch Information\" strebt das BfV eine zielgenaue Aufkl\u00e4rung der Unternehmen zur Sicherung ihres Know-hows an - durch eine breit gestreute Vortragst\u00e4tigkeit in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung sowie Brosch\u00fcren, Flyer, Newsletter und Informationsm\u00f6glichkeiten auf der Homepage des BfV (Rubrik \"Wirtschaftsschutz\"). 158","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Erg\u00e4nzt wird das Informationsund Beratungsangebot des BfV durch bilaterale themenund risikobezogene Informationsund Sensibilisierungsgespr\u00e4che, Informationsst\u00e4nde des BfV (z.B. bei den Messen CeBIT und SECURITY), die j\u00e4hrliche BfV/ASW66Sicherheitstagung und vor allem die Beratung und Unterst\u00fctzung beim Verdacht auf Wirtschaftsspionage unter Zusicherung der Vertraulichkeit. Das BfV wird seine Informationsund Beratungst\u00e4tigkeit weiter intensivieren - zielgerichtet auf kleine und mittelst\u00e4ndische, zum Teil hochinnovative Unternehmen. Im Zeitalter der Globalisierung erfordert ein effektiver Wirtschaftsschutz auf nationaler Ebene eine st\u00e4rkere Sensibilisierung der Unternehmen f\u00fcr die Bedrohungslage. Ebenso unerl\u00e4sslich ist eine intensive Kooperation von Staat und Wirtschaft sowie auf internationaler Ebene ein enger und vertrauensvoller Informationsaustausch der westlichen Dienste \u00fcber Konzepte zum Schutz der Wirtschaft. IX. Festnahmen und Verurteilungen Im Jahr 2014 leitete der Generalbundesanwalt insgesamt 14 neue Ermittlungsverfahren im Bereich Spionage ein. Die Anzahl der Verfahren liegt damit leicht unter dem Niveau des Vorjahres (17 Verfahren). Davon wurden zw\u00f6lf Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit (SS 99 StGB) gef\u00fchrt. Im selben Zeitraum wurden vier Haftbefehle vollstreckt. Zwei Personen wurden wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit rechtskr\u00e4ftig verurteilt. 66 Allianz f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft e.V. - ASW Bundesverband. 159","160","\"Scientology-Organisation\" (SO) 161","\"Scientology-Organisation\" (SO) Aktivit\u00e4ten und Anziehungskraft der SO sind weiter r\u00fcckl\u00e4ufig. Die 1954 in den USA gegr\u00fcndete und seit 1970 auch in Deutschland aktive Organisation umfasst aktuell 3.000 bis 4.000 Mitglieder (2013: 4.000). Die seit 2004 anhaltenden Versuche, ihre deutschen Dependancen zu vergr\u00f6\u00dfern und verst\u00e4rkt politisch zu wirken, blieben auch 2014 erfolglos: Weiterhin haben lediglich die beiden Niederlassungen in Berlin und Hamburg den Status einer \"Idealen Org\"67. Ideologie Die SO h\u00e4lt an ihrer ideologischen Grundorientierung und Strategie sowie den bekannten Agitationsschwerpunkten fest. Nach wie vor sind die Schriften des Organisationsgr\u00fcnders L. Ron Hubbard (1911-1986) richtungweisend. In ihnen wird deutlich, dass in einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen wesentliche Grundund Menschenrechte, wie beispielsweise die Menschenw\u00fcrde und das Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit, ebenso wenig gew\u00e4hrleistet sind wie das Recht auf Gleichbehandlung. Kampagnen Auch 2014 behielt die SO ihre Strategie bei, Werbeaktivit\u00e4ten nicht unter ihrem Namen, sondern \u00fcber Kampagnen ihrer Teilund Nebenorganisationen durchzuf\u00fchren, die ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur \"Scientology Kirche\" vielfach nicht direkt offenlegen, wie etwa die Initiative \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\", deren Internetauftritt keine unmittelbaren R\u00fcckschl\u00fcsse auf die SO zul\u00e4sst. Die SO-Nebenorganisation \"Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben\", die in der \u00d6ffentlichkeit auch als \"Verein f\u00fcr Drogenaufkl\u00e4rung\" beziehungsweise \"Verein f\u00fcr Drogenpr\u00e4vention\" auftritt, f\u00fchrte vom 22. bis 29. Juni 2014 eine Werbetour durch sieben St\u00e4dte in Ostdeutschland durch. 67 Unter einer \"Idealen Org\" versteht die SO eine besonders gro\u00dfe und repr\u00e4sentative Niederlassung in f\u00fcr sie politisch und wirtschaftlich bedeutenden St\u00e4dten. 162","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) Einen Schwerpunkt bildete auch im Jahr 2014 die aggressive Agitation gegen wissenschaftliche Psychiatrie und Psychotherapie, deren Behandlungsmethoden von der SO als sch\u00e4dlich f\u00fcr den Patienten sowie als Mittel zur Unterdr\u00fcckung gewertet werden.68 Demgegen\u00fcber k\u00f6nnten nur durch die SO-Methoden (z.B. \"Dianetik\") \"negative Auswirkungen\" auf die Seele geheilt werden. Ebenso k\u00f6nne ausschlie\u00dflich die SO beurteilen, was vom propagierten Ideal abweiche beziehungsweise wer als \"Aberrierter\" (d.h. als \"krankhaft\") einzustufen sei. In diesem Zusammenhang zeigte die der SO zuzurechnende \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM) - wie bereits in den Jahren zuvor in anderen Gro\u00dfst\u00e4dten - im Fr\u00fchjahr 2014 in M\u00fcnchen (Bayern) die Ausstellung \"Psychiatrie: Tod statt Hilfe\", begleitet von einer \"Demonstration gegen Zwangspsychiatrie\" am 1. M\u00e4rz 2014. 68 Homepage SO (4. M\u00e4rz 2014). 163","164","Anhang 165","RECHTSEXTREMISMUS 1. \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Udo Past\u00f6rs (bis November 2014) Frank Franz (seit November 2014) Mitglieder/Anh\u00e4nger 5.200 (2013: 5.500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Deutsche Stimme\" (Zeitung, monatlich, Auflage: 25.000) Teil-/Nebenorganisationen: 16 Landesverb\u00e4nde zzgl. Kreisund Regionalverb\u00e4nde \"Junge Nationaldemokraten\" (JN; Jugendorganisation) \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) Die NPD ist die bedeutendste und mitgliederst\u00e4rkste rechtsextremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland. Ideologisches Kernelement der NPD ist die Vorstellung einer ethnisch homogenen \"Volksgemeinschaft\". Das \"Volksgemeinschafts\"-Dogma bestimmt die grunds\u00e4tzliche Fremdenfeindlichkeit der Partei. Die fremdenfeindliche Agitation der Partei belegt Ausl\u00e4nder, Muslime und Asylbewerber pauschal mit Negativeigenschaften und diffamiert diese als Bedrohung f\u00fcr die einheimische Bev\u00f6lkerung. Auch der Antisemitismus ist ein fester Bestandteil der NPD-Agitation. Mit geschichtsrevisionistischen \u00c4u\u00dferungen unterstreicht die NPD ihre grunds\u00e4tzlich bejahende Haltung gegen\u00fcber dem NS-Regime und ihre Bem\u00fchungen, die Zeit des Nationalsozialismus fundamental umzudeuten beziehungsweise Teilbereiche als vorbildlich darzustellen. 166","RECHTSEXTREMISMUS Die sogenannte Vier-S\u00e4ulen-Strategie - \"Kampf um die K\u00f6pfe\", \"Kampf um die Stra\u00dfe\", \"Kampf um die Parlamente\" und \"Kampf um den organisierten Willen\" - verdeutlicht seit Jahren die Intention der NPD, den demokratischen Verfassungsstaat systematisch und umfassend zu bek\u00e4mpfen. 1.1 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: L\u00fcbtheen (Mecklenburg-Vorpommern) Leitung/Vorsitz: Andy Knape (bis Dezember 2014) Sebastian Richter (seit Dezember 2014) Mitglieder/Anh\u00e4nger 350 (2013: 380) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Der Aktivist\" (Zeitschrift, 2014 lediglich eine Ausgabe) Mit den JN verf\u00fcgt die NPD \u00fcber eine Jugendorganisation, die laut Satzung \"integraler Bestandteil\" der Gesamtpartei ist. Ziel der JN ist die Verbreitung nationalistischer und v\u00f6lkischer Positionen. Die JN sind bestrebt, eigene Akzente und Agitationsschwerpunkte zu setzen sowie entsprechende Kampagnen und \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen mit der Zielgruppe Jugendliche/Erstw\u00e4hler zu initiieren. W\u00e4hrend die Mutterpartei sich unter anderem als parlamentarischer Arm der \"nationalen Opposition\" versteht, sehen die JN ihren T\u00e4tigkeitsschwerpunkt im \"vorpolitischen Raum\". 167","RECHTSEXTREMISMUS 1.2 \"Ring Nationaler Frauen\" (RNF) Gr\u00fcndung: 2006 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Sigrid Sch\u00fc\u00dfler (bis M\u00e4rz 2014) Ricarda Riefling (seit M\u00e4rz 2014) Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2013: 100) in Deutschland: Der RNF sieht sich als \"Sprachrohr und Ansprechpartner f\u00fcr nationale Frauen\" und propagiert frauenund familienpolitische Themen im Sinne der NPD. Vertreterinnen des RNF unterst\u00fctzen die NPD im Rahmen von Wahlk\u00e4mpfen, nehmen an Demonstrationen der Mutterpartei teil oder organisieren Infost\u00e4nde auf Veranstaltungen. 1.3 \"Kommunalpolitische Vereinigung der NPD\" (KPV) Gr\u00fcndung: 2003 Sitz: Dresden (Sachsen) Leitung/Vorsitz: Hartmut Krien Die in der Satzung der NPD verankerte KPV versteht sich als bundesweite Interessenvertretung f\u00fcr kommunale Mandatstr\u00e4ger der Partei. Die KPV zielt darauf ab, die kommunalpolitischen Aktivit\u00e4ten der NPD zu professionalisieren. In Schulungen f\u00fcr Mandatstr\u00e4ger werden Vernetzung und Erfahrungsaustausch gef\u00f6rdert. 168","RECHTSEXTREMISMUS 1.4 \"Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH\" (DS Verlag) Gr\u00fcndung: 1976 Sitz: Riesa (Sachsen) Leitung/Vorsitz: Peter Schreiber Publikationen/Medien: u.a. \"Deutsche Stimme\" (Zeitung, monatlich, Auflage: 25.000) Der DS Verlag dient der NPD als Vertrieb f\u00fcr eigene Publikationen, Medien, Devotionalien etc. Als bedeutendste Schrift verlegt der DS Verlag das Parteiorgan \"Deutsche Stimme\". Als Sprachrohr der Partei berichtet sie unter anderem \u00fcber NPD-Aktionen, publiziert Stellungnahmen der Parteif\u00fchrung oder liefert NPD-ideologisch ausgerichtete Reportagen. 169","RECHTSEXTREMISMUS 2. \"DIE RECHTE\" Gr\u00fcndung: 2012 Sitz: Parchim (Mecklenburg-Vorpommern) Leitung/Vorsitz: Christian Worch Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2013: 500) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: acht Landesverb\u00e4nde (BB, BE, BW, NI, NW, RP, SN und ST) sowie Landesgruppe Bremen und 21 Kreisverb\u00e4nde Die ideologischen Schwerpunkte der Partei bilden Neonationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Zahlreiche Kundgebungen und Internetverlautbarungen richten sich gegen \"staatliche Repression\" und Zuwanderung. Bei ihren Propagandaaktionen setzen die Parteimitglieder mitunter verst\u00e4rkt auf Provokation des politischen Gegners und der Polizei. \"DIE RECHTE\" lehnt den Parlamentarismus grunds\u00e4tzlich ab und betrachtet die Organisationsform einer politischen Partei lediglich als Mittel zum Zweck f\u00fcr ihren Kampf gegen das \"System\". Einige Unterorganisationen der Partei haben sich zu Auffangbecken f\u00fcr Neonazis entwickelt und Funktionen verbotener Neonazigruppierungen \u00fcbernommen. 170","RECHTSEXTREMISMUS 3. \"Der III. Weg\" Gr\u00fcndung: 2013 Sitz: Bad D\u00fcrkheim (Rheinland-Pfalz) Leitung/Vorsitz: Klaus Armstroff Mitglieder/Anh\u00e4nger 200 in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: zehn Regionalverb\u00e4nde (\"St\u00fctzpunkte\"), davon sechs in Bayern Die ideologischen Aussagen der Partei sind gepr\u00e4gt vom historischen Nationalsozialismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. In ihrem \"Zehn-Punkte-Programm\" propagiert die Partei \"Der III. Weg\" unter anderem die Schaffung eines \"Deutschen Sozialismus\" sowie die Entwicklung und Erhaltung der \"biologischen Substanz des Volkes\". Die fundamental ablehnende Haltung der Partei gegen\u00fcber dem demokratischen Rechtsstaat kommt in ihrer politischen Agitation deutlich zum Ausdruck, insbesondere bei der mit einer aggressiven Rhetorik vorgetragenen Instrumentalisierung der Themen Asyl und Zuwanderung. 171","RECHTSEXTREMISMUS 4. \"B\u00fcrgerbewegung pro NRW\" (\"pro NRW\") Gr\u00fcndung: 2007 Sitz: D\u00fcsseldorf (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Markus Beisicht Mitglieder/Anh\u00e4nger 950 (2013: 1.000) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: acht Bezirksund 53 Kreisverb\u00e4nde Islamfeindlichkeit und Fremdenfeindlichkeit (insbesondere gegen Asylbewerber) bilden die ideologischen Schwerpunkte von \"pro NRW\". So werden zum Beispiel Aktionen gegen \"Armutszuwanderung\", \"\u00dcberfremdung\" oder eine vermeintliche Islamisierung Deutschlands und Europas durchgef\u00fchrt. \"Pro NRW\" versucht, unter anderem mit Kampagnen gegen Moscheebauten \u00c4ngste gegen\u00fcber dem Islam zu sch\u00fcren und Vorurteile gegen\u00fcber Muslimen zu verbreiten beziehungsweise zu verst\u00e4rken. Dar\u00fcber hinaus sollen beispielsweise mit Kundgebungen vor Asylbewerberheimen \u00dcberfremdungs\u00e4ngste geweckt und fremdenfeindliche Ressentiments gesch\u00fcrt werden. Die Partei verf\u00fcgt weiterhin \u00fcber internationale Kontakte zu ausl\u00e4ndischen fremdenfeindlichen Gruppierungen. 172","RECHTSEXTREMISMUS 5. \"Europ\u00e4ische Aktion\" (EA) Gr\u00fcndung: 2010 Leitung/Vorsitz: Rigolf Hennig (Landesleiter Deutschland) Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2013: 100) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Europa ruft!\" (Zeitschrift, unregelm\u00e4\u00dfig) Die EA zeichnet sich durch eine besonders ausgepr\u00e4gte antisemitische und revisionistische Agitation aus. Ein vorrangiges Ziel sieht die Organisation in der \"Wiederherstellung der freien Rede\", d.h. die \"Revision\" zeitgeschichtlicher Offenkundigkeiten, vor allem des Holocaust. Die international ausgerichtete EA fordert unter anderem die Herstellung homogener Volksgemeinschaften in Europa und die Ausweisung \"rassisch Fremder\" (notfalls mit Gewalt). Besondere Bedeutung erreicht die EA dadurch, dass unter ihrem organisatorischen und ideologischen Dach Rechtsextremisten mit unterschiedlichen Ausrichtungen zusammenarbeiten. In die F\u00fchrungsstruktur der EA sind namhafte Rechtsextremisten eingebunden, die \u00fcber weitreichende Verbindungen in alle Spektren des deutschen und ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus verf\u00fcgen, insbesondere in die Neonazi-Szene. 173","RECHTSEXTREMISMUS 6. \"Hammerskins Deutschland\" Gr\u00fcndung: Anfang der 1990er-Jahre Sitz: internationale Vereinigung; Ableger existieren neben Deutschland auch in Australien, Frankreich, Italien, Kanada, Luxemburg, Neuseeland, Portugal, Schweden, Schweiz, Spanien, Ungarn und den USA Leitung/Vorsitz: bundesweit mehrere gleichberechtigte Regionalgruppen (\"Chapter\") Mitglieder/Anh\u00e4nger 130 (2013: 130) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisationen: \"Crew 38\"69-Gruppierungen: Zusammenschluss von Unterst\u00fctzern (Supporter) und Anw\u00e4rtern (Prospect of the Nation) f\u00fcr die \"Hammerskin Nation\" Bei den \"Hammerskins\" handelt es sich um ein internationales Skinhead-Netzwerk, das in mehreren L\u00e4ndern \u00fcber Ableger verf\u00fcgt. \"Hammerskins\" betrachten sich selbst als die Elite der Skinhead-Bewegung. Ihre Ideologie ist von Rassismus und Neonationalsozialismus gepr\u00e4gt. Ziele sind die Erhaltung der \"Reinheit der wei\u00dfen Rasse\" sowie die Vereinigung aller rechtsextremistischen wei\u00dfen Skinheads in einer weltweiten \"Hammerskin Nation\". Es werden interne Koordinierungstreffen und rechtsextremistische Konzerte im Inund Ausland durchgef\u00fchrt. 69 Die Zahl 38 steht f\u00fcr die Buchstaben C und H und verweist auf das Logo der \"Hammerskins\", die \"Crossed Hammers\". 174","LINKSEXTREMISMUS 1. \"Interventionistische Linke\" (IL) Gr\u00fcndung: Ende 2005 (bis August 2014) Mitglieder/Anh\u00e4nger in 500 bis 600 Deutschland: Publikationen/Medien: verschiedene, aktionsabh\u00e4ngig und unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Publikationen (seit September 2014) Die \"Interventionistische Linke\" (IL) wurde 2005 als bundesweites Netzwerk mit dem Ziel einer verbindlichen \"Organisierung\" autonomer Gruppierungen und Aktivisten gegr\u00fcndet. Mit der Ver\u00f6ffentlichung des \"Zwischenstandspapiers\" im Oktober 2014, in dem die IL unter anderem die Gr\u00fcndung von Ortsgruppen bekannt gab, wurde die Phase des Netzwerks faktisch beendet. K\u00fcnftig sollen nicht mehr verschiedene lokale Personenzusammenschl\u00fcsse in der IL vertreten sein, die nur unter dem Dach IL agieren, sondern auch das lokale Handeln dieser Gruppierungen soll als Handeln der IL wahrgenommen werden. Gleichwohl wurde die IL bislang noch nicht offiziell als Organisation gegr\u00fcndet; dies wird f\u00fcr Mitte 2015 angestrebt. Die IL fungiert als Scharnier zu nichtgewaltorientierten Linksextremisten und in einzelnen F\u00e4llen auch zu nichtextremistischen Gruppen und Initiativen. Die Einstellung zur Gewalt ist taktisch gepr\u00e4gt, sie wird nicht grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Die IL bem\u00fcht sich um eine kampagnenorientierte Zusammenf\u00fchrung linksextremistischer Akteure unterschiedlicher ideologischer Pr\u00e4gung zugunsten einer erh\u00f6hten Handlungsf\u00e4higkeit. Teile der sich im September 2014 aufgel\u00f6sten \"Antifaschistischen Linken Berlin\" schlossen sich der IL an. Ebenfalls im September 2014 integrierten sich die Ortsgruppen von AVANTI in die IL. Sie bet\u00e4tigt sich in nahezu allen linksextremistischen Aktionsfeldern. Da die IL aber auf die \u00dcberwindung des \"Kapitalismus\" mittels eines revolution\u00e4ren Umsturzes abzielt, bildet der \"Antikapitalismus\" einen ideologischen Schwerpunkt. 175","LINKSEXTREMISMUS 2. \"AVANTI - Projekt undogmatische Linke\" (AVANTI) Gr\u00fcndung: 1989 Sitz: Ortsgruppen in Norderstedt, Kiel, L\u00fcbeck (alle Schleswig-Holstein), Hamburg, Bremen, Hannover (Niedersachsen) und Berlin Mitglieder/Anh\u00e4nger 130 in Deutschland: Publikationen/Medien: verschiedene, aktionsabh\u00e4ngige Publikationen Das Netzwerk AVANTI bem\u00fcht sich um eine Zusammenf\u00fchrung von Teilen der gewaltorientierten linksextremistischen Szene. Seit September 2014 sind die AVANTI-Ortsgruppen in die \"Interventionistische Linke\" integriert. Durch eine verst\u00e4rkte Vernetzung soll eine \"gesellschaftliche Gegenmacht\" zur \"b\u00fcrgerlichen Demokratie\" aufgebaut werden, um letztlich die Voraussetzung f\u00fcr einen revolution\u00e4ren Umbruch zur Errichtung einer \"R\u00e4tedemokratie\" zu schaffen. Das Verh\u00e4ltnis von AVANTI zur Gewalt ist taktisch gepr\u00e4gt; diese wird unter bestimmten Umst\u00e4nden als legitimes Mittel gesehen. AVANTI bet\u00e4tigt sich in nahezu allen linksextremistischen Aktionsfeldern: \"Antikapitalismus\", \"Antirassismus\", \"Antigentrifizierung\" und \"Antifaschismus\". 176","LINKSEXTREMISMUS 3. \"[3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis\" Gr\u00fcndung: 2010 Publikationen/Medien: unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriften: 2014: \"Der G7-Gipfel 2015 in Deutschland - Die Spitze des Eisbergs\" Mitgliedsgruppen u.a.: \"Antikapitalistische Aktion Bonn\" (AKAB) \"Rote Aktion K\u00f6ln\" (RAK) \"Rote Antifa [NRW]\" Das \"[3A]*Revolution\u00e4re B\u00fcndnis\" - ein Zusammenschluss linksextremistischer Organisationen - orientiert sich grundlegend am Marxismus-Leninismus und zielt somit auf die Zerschlagung des \"kapitalistischen Staates\" in einer \"sozialistischen Revolution\" sowie den Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. Es bem\u00fcht sich um eine bundesweite Vernetzung gewaltorientierter linksextremistischer Gruppierungen; darunter auch solche aus dem Spektrum des s\u00e4kularen Ausl\u00e4nderextremismus. Das B\u00fcndnis bekennt sich ausdr\u00fccklich zum Kommunismus und zur \"internationalen Solidarit\u00e4t mit den fortschrittlichen und revolution\u00e4ren Kr\u00e4ften in aller Welt\". Gewalt wird hierbei als eine wesentliche Handlungsoption gesehen. Das B\u00fcndnis beteiligt sich an diversen \u00fcberregional bedeutsamen Veranstaltungen und mobilisiert zu diesen, wie zum Beispiel zu den j\u00e4hrlichen \"Liebknecht-Luxemburg-Demonstrationen\" in Berlin und den \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstrationen\". Die haupts\u00e4chlichen Aktionsfelder spiegeln sich auch im Namen (\"[3A]\") wider: \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\"; hinzu kommt \"Antirepression\". 177","LINKSEXTREMISMUS 4. \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) Gr\u00fcndung: 2013 Sitz: Ortsgruppen in Berlin, Bremen, Kassel (Hessen), K\u00f6ln (NordrheinWestfalen), Potsdam (Brandenburg) und Stuttgart (Baden-W\u00fcrttemberg) Die ganz \u00fcberwiegend trotzkistisch gepr\u00e4gte \"Neue antikapitalistische Organisation\" (NaO) trat unter diesem Namen erstmals Mitte Dezember 2013 mit der Herausgabe des \"Manifests f\u00fcr eine Neue antikapitalistische Organisation\" \u00f6ffentlich in Erscheinung. Inhaltlich setzt die NaO im Gegensatz zu postautonomen Strukturen st\u00e4rker auf eine Erneuerung des Marxismus und der Arbeiterbewegung. Die NaO betont die Erforderlichkeit der revolution\u00e4ren Umw\u00e4lzung und will den b\u00fcrgerlichen Staat durch ein \"System der R\u00e4tedemokratie\" ersetzen. Im Oktober 2014 trat die 2007 in Berlin gegr\u00fcndete aktionsorientierte \"Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin\" (ARAB) der NaO bei. Die ARAB war bis zur Fusion mit der NaO eine der aktivsten Gruppen im gewaltorientierten Spektrum Berlins und in nahezu allen linksextremistischen Aktionsfeldern aktiv. Im Oktober 2014 initiierte die NaO gemeinsam mit der ARAB die Spendenkampagne \"Solidarit\u00e4t mit Rojava - Waffen f\u00fcr die YPG/YPJ\" (\"Volksverteidigungseinheiten\"/ \"Frauenverteidigungseinheiten\" der PYD, dem syrischer Ableger der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK)) und mobilisiert seither regelm\u00e4\u00dfig zu Veranstaltungen von kurdischen Organisationen. 178","LINKSEXTREMISMUS 5. \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Gr\u00fcndung: 1968 Sitz: Essen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Patrik K\u00f6bele Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 (2013: 3.500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"unsere zeit\" (Zeitung, w\u00f6chentlich) \"Marxistische Bl\u00e4tter\" (Theoriemagazin, zweimonatlich) Jugendorganisation: \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Das zentrale Ziel der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) ist der \"grundlegende Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnissen\" sowie die Errichtung einer sozialistischen/kommunistischen Gesellschaft. Sie bekennt sich zur Ideologie von Marx, Engels und Lenin als Richtschnur ihres politischen Handelns. Die DKP versteht sich als politische Nachfolgerin der 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) und betont, dass sie \"stets eng verbunden mit der SED\" war. Bei Wahlen erzielt sie - sofern sie antritt - keine Erfolge. Die DKP bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\". 179","LINKSEXTREMISMUS 5.1 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Gr\u00fcndung: 1968 Sitz: Essen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Paul Rodermund Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2013: 500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Position\" (Magazin der SDAJ, zweimonatlich) Der marxistisch-leninistisch orientierte Jugendverband \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) ist formal unabh\u00e4ngig, betrachtet sich aber als Nachwuchsorganisation der DKP. Wie auch diese verfolgt die SDAJ das Ziel, eine sozialistische/kommunistische Gesellschaft zu errichten. Zus\u00e4tzlich zu den Aktionsfeldern, in denen sich auch die DKP bet\u00e4tigt, liegt der Fokus der SDAJ - aufgrund ihrer Eigenschaft als Jugendorganisation - auch auf der Schulund Jugendpolitik. Die SDAJ richtet traditionell im Zweijahresrhythmus stattfindende sogenannte Pfingstcamps aus. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltungen stehen politische Diskussionen; diverse Musikveranstaltungen, Workshops und \"sportliche\" Wettk\u00e4mpfe bilden das Rahmenprogramm. 180","LINKSEXTREMISMUS 6. \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Stefan Engel Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.800 (2013: 1.900) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Rote Fahne\" (Zeitung, w\u00f6chentlich) \"Revolution\u00e4rer Weg\" (Theoretisches Organ, unregelm\u00e4\u00dfig) Jugendorganisation: \"REBELL\" Die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) ist streng maoistisch-stalinistisch ausgerichtet und strebt die Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft an. Hierzu bed\u00fcrfe es eines \"revolution\u00e4ren Sturzes der Diktatur des Monopolkapitals und der Errichtung der Diktatur des Proletariats, um den Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\" aufzubauen. Die MLPD ist in der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert und sieht unter anderem in Parteien wie DKP und DIE LINKE \"Haupttr\u00e4ger des modernen Revisionismus in Deutschland\". Sie ist dogmatisch gepr\u00e4gt und ihre Eigenschaft als Kaderpartei zeigt sich nicht zuletzt in ihrem seit der Gr\u00fcndung amtierenden Vorsitzenden. Bei der Europawahl und den Landtagswahlen im Jahr 2014 erzielte die MLPD keine Erfolge. Lediglich bei Kommunalwahlen gelang es ihr 2014 vereinzelt Mandate zu erlangen. Haupts\u00e4chlich bet\u00e4tigt sie sich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antiimperialismus\". 181","LINKSEXTREMISMUS 6.1 \"REBELL\" Gr\u00fcndung: 1992 Sitz: Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Lisa G\u00e4rtner Mitglieder/Anh\u00e4nger 100 (2013: 100) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"REBELL-Magazin\" (Zeitschrift, zweimonatlich) Wie die MLPD ist auch ihr Jugendverband \"REBELL\" maoistisch-stalinistisch ausgerichtet und zielt auf die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft ab. Neben den Aktionsfeldern \"Sozialismus\" und \"Internationalismus\" bet\u00e4tigt sich \"REBELL\" auch in den Bereichen der Umweltpolitik sowie der Jugendarbeit an Schulen, Hochschulen und im Arbeitsund Ausbildungsbereich. Im Jahr 2014 organisierte REBELL ein \"Rebellisches Musikfestival\" welches vom 6. bis 8. Juni in Truckenthal (Th\u00fcringen) stattfand. 182","LINKSEXTREMISMUS 7. \"Rote Hilfe e.V.\" (RH) - Gefangenenhilfsorganisation Gr\u00fcndung: 1975 Sitz: G\u00f6ttingen (Niedersachsen) Bundesgesch\u00e4ftsstelle Mitglieder/Anh\u00e4nger 6.500 (2013: 6.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"DIE ROTE HILFE\" (Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich und als Onlinemagazin) Die \"Rote Hilfe\" (RH) definiert sich laut ihrer Satzung als eine \"parteiunabh\u00e4ngige str\u00f6mungs\u00fcbergreifende linke Schutzund Solidarit\u00e4tsorganisation\". Sie leistet Strafund Gewaltt\u00e4tern aus dem linksextremistischen Spektrum politische und finanzielle Unterst\u00fctzung; beispielsweise bei anfallenden Anwaltsund Prozesskosten sowie bei Geldstrafen und Geldbu\u00dfen. Dar\u00fcber hinaus organisiert die RH Informationsund Diskussionsveranstaltungen zu den Themenfeldern \"Rechtshilfe\" und \"staatliche Repression\". In ihren Publikationen fordert sie dazu auf, die Zusammenarbeit mit Sicherheitsund Strafverfolgungsbeh\u00f6rden hinsichtlich der Aufkl\u00e4rung von Straftaten zu verweigern. 183","LINKSEXTREMISMUS 8. \"GegenStandpunkt\" (GSP) Gr\u00fcndung: 1992 Sitz: M\u00fcnchen (Bayern) lokale Strukturen in 24 deutschen St\u00e4dten und drei St\u00e4dten im Ausland Leitung/Vorsitz: Zentralredaktion des Verlags Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.500 (2013: 4.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"GegenStandpunkt\" - Politische Vierteljahreszeitschrift\" Die sektenartig organisierte Gruppe \"GegenStandpunkt\" (GSP) vertritt eine modifizierte Marxismus-Konzeption. Sie lehnt die parlamentarische Demokratie als \"perfekte Form b\u00fcrgerlicher Herrschaft\" ab und zielt auf die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft durch eine revolution\u00e4re \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen Staatsund Gesellschaftsordnung ab. Aufgrund ihres elit\u00e4ren Marxismus-Verst\u00e4ndnisses ist die Gruppierung in der linksextremistischen Szene weitgehend isoliert. So findet beispielsweise keine Kampagnenarbeit mit anderen linksextremistischen Zusammenschl\u00fcssen statt. GSP betreibt eine Mitgliedergewinnung vorrangig an Hochschulen und widmet sich in erster Linie der Theorieentwicklung sowie der Ver\u00f6ffentlichung von Texten im Internet. Au\u00dferdem organisiert GSP interne und \u00f6ffentliche Vortragsund Diskussionsveranstaltungen zur Theorie-Schulung der Anh\u00e4nger sowie zur Verbreitung der spezifischen Ideologie. 184","LINKSEXTREMISMUS 9. \"Sozialistische Alternative\" (SAV), deutsche Sektion des internationalen Dachverbandes \"Committee for a Worker's International\" (CWI) mit Sitz in London Gr\u00fcndung: 1994 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Bundesleitung Mitglieder/Anh\u00e4nger 350 (2013: 400) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Solidarit\u00e4t\" mit Jugendbeilage \"megafon\" (Zeitung, monatlich) \"sozialismus.info\" (Theoriemagazin, viertelj\u00e4hrlich) Die trotzkistische \"Sozialistische Alternative\" (SAV) verfolgt das Ziel der Schaffung einer kommunistischen Gesellschaft. Sie versteht sich als \"revolution\u00e4re, sozialistische Organisation in der Tradition von Marx, Engels, Lenin, Trotzki, Luxemburg und Liebknecht\". Die SAV bedient sich der Strategie des Entrismus. So agieren ihre Mitglieder vorwiegend im offen extremistischen Zusammenschluss \"Antikapitalistische Linke\" der Partei DIE LINKE, um Einfluss auf die Partei nehmen zu k\u00f6nnen. Sie beteiligt sich an bundesweiten Protestaktionen und Kampagnen und bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antimilitarismus\" und \"Antiglobalisierung\". Von zentraler Bedeutung sind die j\u00e4hrlich von der SAV ausgerichteten \"Sozialismustage\". 185","LINKSEXTREMISMUS 10. \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) Gr\u00fcndung: Dezember 1989 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Bundessprecherrat (vier Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.174 (2013: 1.200) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Mitteilungen der Kommunistischen Plattform\" (Zeitschrift, monatlich) Teil-/Nebenorganisationen: 13 Landesverb\u00e4nde Die \"Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE\" (KPF) ist der mitgliederst\u00e4rkste offen extremistische Zusammenschluss in der Partei DIE LINKE. Ziel der KPF ist die \u00dcberwindung des Kapitalismus als Gesellschaftsordnung und der Aufbau einer kommunistischen Gesellschaft. In der Partei DIE LINKE ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus sowie zu marxistisch-leninistischen Traditionen bekennt. Sie verteidigt die historische Legitimit\u00e4t der DDR und setzt sich f\u00fcr eine Bewahrung der antikapitalistischen Grundhaltung der Partei DIE LINKE ein. Die KPF bet\u00e4tigt sich haupts\u00e4chlich in den Aktionsfeldern \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antirassismus\". 186","LINKSEXTREMISMUS 11. \"Sozialistische Linke\" (SL) Gr\u00fcndung: August 2006 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: BundessprecherInnenrat (zw\u00f6lf Personen) Mitglieder/Anh\u00e4nger 826 (2013: 823) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"realistisch und radikal\" (Debattenmagazin, j\u00e4hrlich) Der offen extremistische Zusammenschluss \"Sozialistische Linke\" (SL) in der Partei DIE LINKE kn\u00fcpft an \"linkssozialistische und reformkommunistische Traditionen\" an und vertritt neomarxistische Positionen. Ziel ist die \u00dcberwindung des Kapitalismus. Die DDR war f\u00fcr die SL \"ein legitimer Versuch, auf deutschem Boden eine Alternative zum Kapitalismus aufzubauen\". Aktionsfelder der SL sind gewerkschaftliche Themen, Umwelt und politische Bildungsarbeit im Sinne ihrer Ideologie. Des Weiteren richtet sie j\u00e4hrlich die \"Sommerakademie\" aus - eine \u00f6ffentliche Veranstaltung, bei der die \"Grundlagen linker Politik im und gegen den Kapitalismus\" besprochen werden. 187","LINKSEXTREMISMUS 12. \"Arbeitsgemeinschaft Cuba Si\" (Cuba Si) Gr\u00fcndung: 1991 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Koordinierungsrat Mitglieder/Anh\u00e4nger 536 (2013: 550) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Cuba Si revista\" (Zeitschrift, halbj\u00e4hrlich) Der als Arbeitsgemeinschaft beim Parteivorstand der Partei DIE LINKE organisierte, offen extremistische Zusammenschluss Cuba Si tritt f\u00fcr eine uneingeschr\u00e4nkte politische und materielle Solidarit\u00e4t mit dem kubanischen Regime ein. Eine kritische Auseinandersetzung mit Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfen der kubanischen Regierung findet in der Regel nicht statt. Cuba Si unterh\u00e4lt Kontakte zu zahlreichen kubanischen Organisationen und Einrichtungen, unter anderem zur \"Kommunistischen Partei Kubas\" sowie zum \"Kommunistischen Jugendverband Kubas\". Der Ideologie des sozialistischen Internationalismus folgend f\u00fchrt Cuba Si Solidarit\u00e4tsaktionen - wie zum Beispiel die Spendenkampagne \"Kuba muss \u00fcberleben\" - zugunsten des sozialistischen Staates durch. 188","LINKSEXTREMISMUS 13. \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) Gr\u00fcndung: 2006 Leitung/Vorsitz: BundessprecherInnenrat (sechs Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger 592 (2013: 500) in Deutschland: Die seit 2012 als Bundesarbeitsgemeinschaft in der Partei DIE LINKE organisierte \"Antikapitalistische Linke\" (AKL) - gegr\u00fcndet wurde sie als loses Netzwerk innerhalb der Partei - fordert einen \"grunds\u00e4tzlichen Systemwechsel\" sowie die \u00dcberwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung durch einen \"Bruch mit den kapitalistischen Eigentumsstrukturen\". Wesentliche Aktionsfelder sind \"Antikapitalismus\" und \"Antimilitarismus\". Auch Mitglieder der trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative\" (SAV) agieren in der AKL. 189","LINKSEXTREMISMUS 14. \"Marxistisches Forum\" (MF) Gr\u00fcndung: 1995 Sitz: Berlin Mitglieder/Anh\u00e4nger 400 (2013: 370) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Marxistisches Forum\" (Zeitschrift, unregelm\u00e4\u00dfig) Dem orthodox-kommunistisch ausgerichteten \"Marxistischen Forum\" (MF) fehlen f\u00fcr eine Anerkennung als bundesweiter Zusammenschluss in der Partei DIE LINKE nach wie vor die satzungsgem\u00e4\u00dfen Voraussetzungen. Gleichwohl tr\u00e4gt es zur Profilierung der Politik der Partei bei. Es bezieht sich positiv auf Marx, Engels und Lenin und sieht den Sozialismus als Vorstufe zum angestrebten Kommunismus an. Das MF zeichnet ein besonders positives Bild der SED-Diktatur und glorifiziert den \"strukturellen Antifaschismus\" in der DDR. 190","LINKSEXTREMISMUS 15. \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) Gr\u00fcndung: 2003 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: Sprecherrat (zwei Mitglieder) Koordinierungsrat (drei Mitglieder) Mitglieder/Anh\u00e4nger < 250 (2013: 177) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Bulletin\" (Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich) Der bundesweite Zusammenschluss \"Geraer/Sozialistischer Dialog\" (GSoD) in der Partei DIE LINKE setzt sich f\u00fcr eine St\u00e4rkung und Verbreitung der marxistisch-sozialistischen Positionen in der Partei ein und fordert einen grundlegenden Richtungswechsel gesellschaftlicher Entwicklung hin zum Sozialismus. Er bezeichnet sich selbst als einen \"nicht unwesentlichen Teil der marxistisch-kommunistisch-sozialistischen Str\u00f6mungen und Plattformen\" innerhalb der Partei. Die Hauptaktionsfelder des GSoD sind \"Antifaschismus\", \"Antimilitarismus\" und \"Antikapitalismus\". 191","LINKSEXTREMISMUS 16. \"marx21\" Gr\u00fcndung: September 2007 Sitz: Berlin Leitung/Vorsitz: marx21 - Koordinierungskreis (17 Personen) Mitglieder/Anh\u00e4nger 400 (2013: 400) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"marx21\" (F\u00fcnf Ausgaben pro Jahr) \"Theorie21\" (Theoriemagazin, halbj\u00e4hrlich) Das trotzkistische Netzwerk \"marx21\" ist kein vom Parteivorstand der Partei DIE LINKE anerkannter Zusammenschluss innerhalb der Partei. Gleichwohl versucht das Netzwerk im Wege des Entrismus Einfluss auf die Partei zu gewinnen. Weiterhin agitiert \"marx21\" im offen extremistischen Zusammenschluss \"Sozialistische Linke\" (SL) der Partei DIE LINKE. Ziel ist die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung. Unverzichtbare Voraussetzungen hierf\u00fcr sind f\u00fcr \"marx21\" die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparats\" und die Errichtung einer \"Diktatur des Proletariats\". Das Netzwerk nimmt an Protestaktionen und Kampagnen teil und veranstaltet eigene Konferenzen und Versammlungen, insbesondere den j\u00e4hrlich in Berlin stattfindenden Kongress \"MARX IS MUSS\". 192","LINKSEXTREMISMUS 17. \"junge Welt\" (jW) Gr\u00fcndung: 1947 Sitz: Berlin Verlag: \"8. Mai GmbH\" geh\u00f6rt zur \"Linke Presse Verlags-, F\u00f6rderungsund Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G.\" (LPG) Chefredakteur: Arnold Sch\u00f6lzel Erscheinungsweise: t\u00e4glich Die kommunistisch ausgerichtete Tageszeitung \"junge Welt\" (jW) tritt f\u00fcr die Errichtung einer sozialistischen/kommunistischen Gesellschaft ein. Sie ist das bedeutendste und auflagenst\u00e4rkste Printmedium im Linksextremismus. Einzelne Redaktionsmitglieder und ein nicht unerheblicher Teil der Stammund Gastautoren sind dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen. Die jW bekennt sich nicht ausdr\u00fccklich zur Gewaltfreiheit. Vielmehr bietet sie immer wieder Personen, die politisch motivierte Straftaten guthei\u00dfen, eine \u00f6ffentliche Plattform. Die finanzielle Lage der jW ist weiterhin angespannt. 193","ISLAMISMUS 1. Kern-\"al-Qaida\" Gr\u00fcndung: Mitte der 1980er-Jahre Leitung: Aiman al-Zawahiri Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Resurgence\" (Onlinemagazin) \"as-Sahab\" (Medienstelle) Die von Usama Bin Ladin gegr\u00fcndete \"al-Qaida\" strebt ein islamistisches Regime zumindest in den mehrheitlich von Muslimen bewohnten L\u00e4ndern und darauf aufbauend eine globale Ausdehnung an. Ihr Kampf gilt dem \"\u00e4u\u00dferen Feind\" (dem westlichen Einfluss, insbesondere den USA und Israel) und dem \"inneren Feind\" (den sogenannten unislamischen Regierungen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika). Ziel von \"al-Qaida\" sind weiterhin medienwirksame Anschl\u00e4ge. Zudem werden Einzelt\u00e4ter oder Kleinstgruppen dazu aufgerufen, Anschl\u00e4ge ohne Absprache und formale Anbindung an die Organisation durchzuf\u00fchren. Strukturen der \"al-Qaida\" in Deutschland sind nicht bekannt. 194","ISLAMISMUS 2. \"Islamischer Staat\" (IS) Gr\u00fcndung: Ende 2003 als \"al-Qaida im Irak\", seit Mitte 2014 \"Islamischer Staat\" Leitung: Abu Bakr al-Baghdadi Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"DABIQ\" (Onlinemagazin) \"ISLAMIC STATE NEWS\" (Onlinemagazin) \"ISLAMIC STATE REPORT\" (Onlinemagazin) \"al-Hayat Media Center\" (Medienstelle) Bet\u00e4tigungsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 12. September 2014 Der \"Islamische Staat\" (IS) ist die aktivste terroristische Gruppierung im Irak sowie in weiten Teilen Syriens. Im Verlauf des Jahres 2013 nahm er eine zentrale Rolle im syrischen B\u00fcrgerkrieg ein und eroberte seit Anfang 2014 auch Gebiete im Nordirak. Propagandistisch agiert der IS wie ein modernes, globales Unternehmen und ist in sozialen Netzwerken weitr\u00e4umig pr\u00e4sent. Die IS-Propaganda zielt darauf ab, den \"Islamischen Staat\" als das einzig wahre, islamische Staatswesen darzustellen, dem sich Muslime in aller Welt anschlie\u00dfen sollen, um ihn zu verteidigen. Seit den US-gef\u00fchrten Luftangriffen gegen den IS im Jahr 2014 ruft die Terrororganisation auch zu Anschl\u00e4gen im Westen auf. Strukturen des IS in Deutschland sind nicht bekannt. 195","ISLAMISMUS 3. \"Al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM) Gr\u00fcndung: Ende der 1990er-Jahre in Algerien als \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC) Leitung: Abdalmalik Droukdal alias Abu Mus'ab Abdalwadud Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Der Beitritt der \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC) zu \"al-Qaida\" wurde im September 2006 offiziell bekannt gegeben; im Januar 2007 erfolgte die Umbenennung in \"al-Qaida im islamischen Maghreb\" (AQM). Die AQM ist die derzeit gr\u00f6\u00dfte und aktivste islamistisch-terroristische Organisation im Maghreb (im Sinne der AQM umfasst der Maghreb die Staaten Tunesien, Algerien, Marokko, Libyen, Mauretanien, Mali und Niger), wo sie die Errichtung eines islamistischen Staates anstrebt. Die terroristischen Aktivit\u00e4ten der AQM (unter anderem Anschl\u00e4ge durch Selbstmordattent\u00e4ter) konzentrieren sich insbesondere auf Algerien und Mali. Strukturen der AQM in Deutschland sind nicht bekannt. 196","ISLAMISMUS 4. \"Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) Gr\u00fcndung: Januar 2009 Leitung/Vorsitz: Nasir Abdalkarim Abdallah al-Wuhaishi alias Abu Basir Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Anmerkung: Verschiedene jihadisPublikationen/Medien: \"INSPIRE\" (Onlinemagazin) tische Organisationen \"PALESTINE\" (Onlinemagazin) benutzen h\u00e4ufig das\"Sada al-Malahem\" (Onlinemagazin) selbe Logo; vgl. Logo IS. \"al-Malahem Media\" (Medienstelle) Im Januar 2009 schlossen sich \"al-Qaida im Jemen\" (AQJ) und \"al-Qaida\"-Kr\u00e4fte aus Saudi-Arabien zu \"al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel\" (AQAH) zusammen, wodurch die bis dahin ausschlie\u00dflich im Jemen aktive AQJ ihren terroristischen Aktionsradius auf Saudi-Arabien erweiterte. Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf der Arabischen Halbinsel. Seit ihrer Gr\u00fcndung hat AQAH ihre operative Handlungsf\u00e4higkeit durch Anschl\u00e4ge, unter anderem auf den internationalen Luftverkehr sowie staatliche Institutionen und Einrichtungen, insbesondere in Jemen und Saudi-Arabien, unter Beweis gestellt. Strukturen beziehungsweise Unterst\u00fctzer der AQAH in Deutschland sind nicht bekannt. 197","ISLAMISMUS 5. \"Al-Shabab\" Gr\u00fcndung: 2006 in Somalia Leitung: bis September 2014: Mokhtar Abdel Rahman alias Abu Zubair alias Ahmed Abdi Godane ab September 2014: Ahmad Umar alias Abu Ubaidah Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Kataib\" (Medienstelle) Die Gruppierung \"al-Shabab\" hat sich im Jahr 2006 von der \"Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe\" (UIG) abgespalten und sich im Wesentlichen aus deren jungen, radikalen K\u00e4mpfern formiert. Im Februar 2012 wurde \"al-Shabab\" durch Kern-\"al-Qaida\" offiziell als regionaler Arm des \"al-Qaida\"-Netzwerks anerkannt. Ziel von \"al-Shabab\" ist die Errichtung eines islamistischen Staates in \"Gro\u00df-Somalia\" unter Einbeziehung der \u00e4thiopischen Region Ogaden sowie Teilen Kenias und Dschibutis. Zur Durchsetzung ihres Ziels wurden eine Vielzahl von Selbstmordattentaten und Anschl\u00e4gen auf Regierungsvertreter und diplomatische Einrichtungen - vor allem in der Hauptstadt Mogadischu - durchgef\u00fchrt. Organisationsstrukturen von \"al-Shabab\" in Deutschland sind nicht bekannt. 198","ISLAMISMUS 6. \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) Gr\u00fcndung: Ende 2011 Leitung: Abu Muhammad al-Julani Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"AZBIRU\" (Onlinemagazin) Als eine Regionalorganisation von \"al-Qaida\" strebt \"Jabhat al-Nusra\" (JaN) die Errichtung eines islamistisch gepr\u00e4gten Staatswesens in \"Gro\u00df-Syrien\" an. Die regionalen Schwerpunkte der Gruppierung liegen im westlichen Teil Syriens, von Aleppo im Norden des Landes bis nach Daraa an der Grenze zu Jordanien im S\u00fcden. Im Umgang mit der Bev\u00f6lkerung und der Implementierung der (jeweils eigenen) Interpretation der Scharia in den \"befreiten\" Gebieten in Syrien gilt JaN als \"moderater\" als der \"Islamische Staat\" (IS), zu dem sie in scharfer Konkurrenz steht. Im Jahr 2014 kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen beiden Organisationen. Strukturen von JaN in Deutschland sind nicht bekannt. 199","ISLAMISMUS 7. \"Hizb Allah\"70 Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Sitz: Beirut (Libanon) Leitung: Generalsekret\u00e4r Hassan Nasrallah, Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 950 (2013: 950) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Ahd - al-Intiqad\" (Auswahl) (Zeitschrift, w\u00f6chentlich) \"al-Manar\" (TV-Sender) Bet\u00e4tigungsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"al-Manar\": Bundesministers des Innern vom 29. Oktober 2008 Vereinsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"Waisenkinderprojekt Bundesministers des Innern Libanon e.V.\" (WKP)71: vom 2. April 2014 Die mit Unterst\u00fctzung des Irans gegr\u00fcndete schiitisch-islamistische Organisation \"Hizb Allah\" bestreitet das Existenzrecht Israels. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist der mit terroristischen Mitteln gef\u00fchrte und als \"legitimer Widerstand\" bezeichnete Kampf gegen Israel als \"unrechtm\u00e4\u00dfigen Besatzer pal\u00e4stinensischen Bodens\". Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die \"Hizb Allah\" auch au\u00dferhalb des Nahen Ostens weiterhin terroristische Aktionen gegen Israel plant. In Deutschland pflegen die Anh\u00e4nger der \"Hizb Allah\" den organisatorischen und ideologischen Zusammenhalt, unter anderem in \u00f6rtlichen Moscheevereinen, die sich in erster Linie durch Spendengelder finanzieren. 70 Arabisch f\u00fcr \"Partei Gottes\". 71 Vgl. Berichtsteil Islamismus/islamistischer Terrorismus, Kap. V. 200","ISLAMISMUS 8. HAMAS72 Gr\u00fcndung: Ende 1987 Sitz: Pal\u00e4stinensische Autonomiegebiete, Gazastreifen Leitung: Khalid Mash'al Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2013: 300) in Deutschland: Ziel der HAMAS ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf dem gesamten Gebiet \"Pal\u00e4stinas\" - auch durch bewaffneten Kampf. Unter \"Pal\u00e4stina\" versteht die HAMAS das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan, somit auch das Territorium des Staates Israel. Westliche Staaten wie Deutschland werden von der HAMAS als R\u00fcckzugsraum betrachtet, in dem die Organisation sich darauf konzentriert, Spendengelder zu sammeln, neue Anh\u00e4nger zu rekrutieren und ihre Propaganda zu verbreiten. 72 Abk\u00fcrzung f\u00fcr \"Harakat al-Muqawama al-Islamiya\" - \"Islamische Widerstandsbewegung\". Das arabische Wort HAMAS bedeutet \u00fcbersetzt \"Begeisterung, Eifer\". 201","ISLAMISMUS 9. \"Nordkaukasische Separatistenbewegung\" (NKSB) 9.1 \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) Gr\u00fcndung: Anfang der 1990er-Jahre im Kaukasus Leitung: Ahmed Zakaev Mitglieder/Anh\u00e4nger 40 (2013: 50) in Deutschland: Nach dem Zerfall der Sowjetunion f\u00fchrte die \"Tschetschenische Republik Itschkeria\" (CRI) einen Guerillakrieg gegen die Russische F\u00f6deration mit dem Ziel der Errichtung eines islamistischen Regimes. 2007 proklamierte der damalige CRI-Pr\u00e4sident Dokku Umarov das islamistisch ausgerichtete \"Kaukasische Emirat\" (KE), das mit terroristischen Mitteln f\u00fcr einen islamistischen Staat auf dem Gebiet des gesamten Nordkaukasus k\u00e4mpft. Dieser Strategiewechsel f\u00fchrte zur Spaltung. Die CRI entwickelte sich zu einer legalistischen Bewegung und beschr\u00e4nkt sich auf die politische Durchsetzung ihres Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebens f\u00fcr Tschetschenien. 202","ISLAMISMUS 9.2 \"Kaukasisches Emirat\" (KE) Gr\u00fcndung: 2007 (durch Abspaltung von der CRI; vgl. Ziffer 9.1) Leitung: aktuell ohne F\u00fchrung73 (Stand: Mai 2015) Mitglieder/Anh\u00e4nger 180 (2013: 200) in Deutschland: Ziel des \"Kaukasischen Emirates\" (KE) ist die Errichtung eines islamistischen Staates auf dem Gebiet des gesamten Nordkaukasus. Dabei setzt das KE auch terroristische Mittel ein. Deutschland dient den Anh\u00e4ngern des KE prim\u00e4r als R\u00fcckzugsraum zur finanziellen und logistischen Unterst\u00fctzung der Organisation im Nordkaukasus. 73 Der zuletzt amtierende Emir Aliaskhab Kebekov alias Abu Muhammad al-Dagestani wurde im April 2015 bei einem Antiterroreinsatz russischer Sicherheitskr\u00e4fte get\u00f6tet. \u00dcber einen m\u00f6glichen Nachfolger ist bislang nichts bekannt. 203","ISLAMISMUS 10. \"T\u00fcrkische Hizbullah\" (TH) Gr\u00fcndung: 1979 in Batman (T\u00fcrkei) Leitung: Edip G\u00fcm\u00fcs (F\u00fchrer), Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 360 (2013: 350) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"Yeni M\u00fcjde\" \"INZAR\" \"Dogru Haber\" \"Kelhaamed\" \"Kendi Dilinden Hizbullah\" Onlinemagazine: \"Hurseda\" \"Susaningulleri\" \"Huseynisevda\" Hauptziel der sunnitischen, kurdisch dominierten \"T\u00fcrkischen Hizbullah\" (TH) ist die Abschaffung des laizistischen Staatssystems in der T\u00fcrkei, die Errichtung eines islamistischen Staates und dessen kontinuierliche, letztlich globale Ausweitung. Zur Durchsetzung ihrer Ziele h\u00e4lt die TH die Anwendung von Gewalt f\u00fcr gerechtfertigt. Die Organisation nutzt Deutschland als R\u00fcckzugsraum zur Gewinnung neuer Mitglieder, Spendensammlungen und Organisation religi\u00f6ser und kultureller Veranstaltungen. 204","ISLAMISMUS 11. \"Hizb ut-Tahrir\"74 (HuT) Gr\u00fcndung: 1953 in Jerusalem (Israel) Leitung: Ata Abu al-Rashta alias Abu Yasin Mitglieder/Anh\u00e4nger 300 (2013: 300) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"al-Khilafa\" \"Hilafet\" \"K\u00f6kl\u00fc Degisim\" \"al-Waie\" \"Expliciet\" Bet\u00e4tigungsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 10. Januar 2003 Ziel der panislamisch ausgerichteten \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) ist die Vereinigung der Gemeinschaft aller Muslime (Umma) in einem weltweiten Kalifat mit islamischer Rechtsordnung (Scharia). Aus Sicht der HuT haben \"unterdr\u00fcckte\" Muslime das Recht auf \"Selbstverteidigung\" mit allen Mitteln. Als Konsequenz werden Gewalttaten anderer islamistischer Gruppierungen oftmals gebilligt. Die HuT kann in Deutschland wegen des Bet\u00e4tigungsverbots keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten entfalten, setzt jedoch ihre Agitation, Spendensammlungen und die Rekrutierung neuer Mitglieder im Untergrund fort. 74 Arabisch f\u00fcr \"Partei der Befreiung\". 205","ISLAMISMUS 12. \"Muslimbruderschaft\"75 (MB) Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Leitung: Muhammad Badi Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.00076 (2013: 1.300) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Risalat al-Ikhwan\" (Zeitung/Zeitschrift) Die \"Muslimbruderschaft\" (MB) gilt als \u00e4lteste und einflussreichste sunnitische islamistische Bewegung. Sie ist eigenen Angaben zufolge in mehr als 70 \u00fcberwiegend muslimischen L\u00e4ndern in unterschiedlicher Auspr\u00e4gung vertreten. Zahlreiche islamistische Organisationen, zum Beispiel die pal\u00e4stinensische HAMAS, sind aus der MB hervorgegangen. Ziel der MB ist die Errichtung eines \"b\u00fcrgerlichen Staates mit islamischen Werten\". Seit den 1970er-Jahren formuliert die MB den Verzicht von Gewalt zur Umsetzung ihrer Ziele. Ausgenommen davon sei jedoch der Widerstand gegen \"Besatzer\", worunter die MB vor allem Israel versteht. Im Jahr 2013 wurde die MB in \u00c4gypten verboten und als Terrororganisation eingestuft. 75 Arabisch \"Gama'at al-Ikhwan al-Muslimin\". 76 Einschlie\u00dflich 300 Mitglieder der \"Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD; vgl. Ziffer 12.1). 206","ISLAMISMUS 12.1 \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) Gr\u00fcndung: 1958 Sitz: K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Samir Falah Mitglieder in Deutschland: 300 (2013: 300) Jugendorganisation: \"Muslimische Jugend in Deutschland e.V.\" (MJD; formal unabh\u00e4ngige Jugendorganisation, die enge Verbindungen zur IGD unterh\u00e4lt) Die \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V.\" (IGD) ist die wichtigste und zentrale Organisation von Anh\u00e4ngern der MB in Deutschland. Ziel der IGD ist es, sich in Deutschland als anerkannter Ansprechpartner zum Thema Islam zu etablieren. Sie verfolgt daher eine an der MB-Ideologie ausgerichtete Strategie der Einflussnahme im politischen und gesellschaftlichen Bereich. Eigenen Angaben zufolge koordiniert die IGD ihre Aktivit\u00e4ten mit mehr als 50 Moscheegemeinden. Bei \u00f6ffentlichen Auftritten werden Bekenntnisse zur MB und verfassungsfeindliche \u00c4u\u00dferungen vermieden. Gleichwohl sind die Aktivit\u00e4ten der IGD-Zentren aufgrund der ideologischen Ausrichtung an der MB geeignet, eine ablehnende Haltung gegen\u00fcber westlichen Werten zu verst\u00e4rken und Demokratiedistanz zu f\u00f6rdern. 207","ISLAMISMUS 13. \"Tablighi Jama'at\"77 (TJ) Gr\u00fcndung: 1926 in Indien Leitung: F\u00fchrungszirkel (Schura), Vorsitzender: Maulana Ibrahim Saad Mitglieder/Anh\u00e4nger 700 (2013: 700) in Deutschland: Die transnationale Massenbewegung mit weltweit etwa 12 Millionen Anh\u00e4ngern wird von einem F\u00fchrungszirkel (Schura) sowie den drei religi\u00f6sen Zentren in Dhaka (Bangladesch), Neu-Delhi (Indien) und Raiwind (Pakistan) geleitet. Die TJ orientiert sich eng an dem Islamverst\u00e4ndnis der islamischen Fr\u00fchzeit. Langfristiges Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Regimes. Die Ablehnung s\u00e4kularer Prinzipien und die Abgrenzung gegen\u00fcber Nichtmuslimen k\u00f6nnen die Bildung abgeschotteter Parallelgesellschaften zur Folge haben und individuelle Radikalisierungsprozesse beg\u00fcnstigen. Die Aktivit\u00e4ten der TJ in Deutschland werden \u00fcber informelle Kontakte in einem hierarchisch aufgebauten Netzwerk herausragender Akteure koordiniert. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der Werbung neuer Anh\u00e4nger, der Missionierung und der Durchf\u00fchrung ideologischer Schulungen. 77 Urdu f\u00fcr \"Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Mission\". 208","ISLAMISMUS 14. Einfluss regimetreuer Iraner auf in Deutschland lebende Schiiten durch das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH) Gr\u00fcndung: 1962 Sitz: Hamburg Leitung/Vorsitz: Reza Ramezani Mitglieder/Anh\u00e4nger keine gesicherten Zahlen in Deutschland: Publikationen/Medien: \"al-Fadschr\" (Zeitung/Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich) \"SALAM! Zeitschrift f\u00fcr junge Muslime\" (viertelj\u00e4hrlich) In Deutschland existieren eine Reihe islamischer Zentren und Organisationen regimetreuer Iraner, mit deren Hilfe das iranische Regime versucht, Einfluss auf hier lebende Schiiten unterschiedlicher Nationalit\u00e4t zu nehmen. Das gr\u00f6\u00dfte und einflussreichste Zentrum ist das \"Islamische Zentrum Hamburg e.V.\" (IZH), das Tr\u00e4ger der \"Imam Ali Moschee\" ist. Der Leiter des IZH gilt als Vertreter des \"Revolutionsf\u00fchrers\" der Islamischen Republik Iran - derzeit Ayatollah Seyyed Ali Khamenei - in Mitteleuropa. Die Aktivit\u00e4ten des IZH sind darauf ausgerichtet, die islamische Lehre schiitisch-iranischer Pr\u00e4gung auf unterschiedlichste Art und Weise in Deutschland und Europa zu verbreiten. Hierf\u00fcr organisiert das IZH unter anderem regelm\u00e4\u00dfige Gebetsund Vortragsveranstaltungen, religi\u00f6se Feierlichkeiten sowie Sprachunterricht und andere Lehrveranstaltungen. 209","ISLAMISMUS 15. \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung Die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung besteht aus mehreren Bestrebungen, die von einer gemeinsamen ideologisch-religi\u00f6sen Ausrichtung und der ideellen Bindung an den t\u00fcrkischen Politiker Necmettin Erbakan (1926-2011) zusammengehalten werden. Obgleich alle Vereinigungen selbstst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig voneinander agieren, ist die \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie - wenn auch in unterschiedlich starker Auspr\u00e4gung - das verbindende Element. Die von Erbakan gepr\u00e4gten Schl\u00fcsselbegriffe seines politischen Denkens sind \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (\"Nationale Sicht\") und \"Adil D\u00fczen\" (\"Gerechte Ordnung\"). \"Gerecht\" sind f\u00fcr Erbakan die Ordnungen, die auf \"g\u00f6ttlicher Offenbarung\" gegr\u00fcndet, \"nichtig\" jene, die von Menschen entworfen wurden. Gegenw\u00e4rtig dominiere mit der westlichen Zivilisation eine \"nichtige\", eine auf Gewalt, Unrecht und Ausbeutung der Schwachen basierende Ordnung. Dieses \"nichtige\" System m\u00fcsse durch eine \"gerechte Ordnung\" ersetzt werden, die sich ausschlie\u00dflich an islamischen Grunds\u00e4tzen ausrichte, anstatt an von Menschen geschaffenen und damit \"willk\u00fcrlichen Regeln\". Alle Muslime sollen an der Verwirklichung der \"Gerechten Ordnung\" mitwirken. Hierzu m\u00fcssen sie eine bestimmte Haltung einnehmen, einen bestimmten Blick (\"G\u00f6r\u00fcs\") auf die Welt gewinnen, n\u00e4mlich einen nationalen/religi\u00f6sen (\"Milli\") Blick, einen \"Milli G\u00f6r\u00fcs\". 210","ISLAMISMUS 15.1 Der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung zuzuordnende Vereinigungen \"Ismail Aga Cemaati\" (IAC) Die \"Ismail Aga Cemaati\" (IAC) ist der weitverzweigten mystischen Bruderschaft der Naqshbandiya zuzuordnen. Die IAC gilt allgemein als einer der radikaleren Zweige der Bruderschaft. Spirituelles Oberhaupt ist der in der T\u00fcrkei lebende Scheich Mahmud Ustaosmanoglu, der seine Anh\u00e4nger in der Vergangenheit immer wieder zur Unterst\u00fctzung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie aufgefordert hat. In Deutschland und Europa wird die IAC durch den Prediger Nusret Cayir gepr\u00e4gt. Seiner Auffassung zufolge gebe es niemanden au\u00dfer der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\", der die T\u00fcrkei retten k\u00f6nne. \"Deutschlandvertretung der 'Saadet Partisi' (SP)\" Die \"Saadet Partisi\" (SP), seit dem Jahr 2001 die politische Vertretung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei, hat im Jahr 2013 damit begonnen, auch au\u00dferhalb der T\u00fcrkei Strukturen aufzubauen. Erkl\u00e4rtes Ziel der Auslandsvertretungen ist zum einen die Verbreitung der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Ideologie und zum anderen die Unterst\u00fctzung der Mutterpartei, zum Beispiel bei den Parlamentswahlen in der T\u00fcrkei im Juni 2015. W\u00e4hrend sich die \"Deutschlandvertretung der SP\" bereits am 30. September 2013 in M\u00fcnchen (Bayern) vereinsrechtlich angemeldet hatte, fand die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung erst am 27. Dezember 2013 in K\u00f6ln (Nordrhein-Westfalen) statt. \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" Die \"Erbakan-Stiftung\" wurde im Juni 2013 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Fatih Erbakan, der Sohn Necmettin Erbakans und Vorsitzender der Stiftung, erkl\u00e4rte, dass die Stiftung das Ziel habe, eine Wiederbelebung der Ideen Necmettin Erbakans herbeizuf\u00fchren und die gesamte \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung wieder st\u00e4rker hierauf zu verpflichten. Am 24. November 2013 fand in Solingen (Nordrhein-Westfalen) unter Teilnahme von Fatih Erbakan die offizielle Gr\u00fcndungsveranstaltung der \"Europavertretung der Erbakan-Stiftung\" statt. 211","ISLAMISMUS \"Milli Gazete\" Als Sprachrohr der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung bildet die formal unabh\u00e4ngige t\u00fcrkische Tageszeitung \"Milli Gazete\" ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Komponenten der Bewegung und tr\u00e4gt zur Verfestigung der ideologischen Positionen bei. In Deutschland ist die Europa-Ausgabe der \"Milli Gazete\" erh\u00e4ltlich (seit Mai 2011 lediglich im Abonnement). \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) Vorliegende Anhaltspunkte belegen die auch weiterhin bestehenden Verbindungen der \"Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG), die im Jahr 1985 in K\u00f6ln als \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) gegr\u00fcndet wurde, zu Teilbereichen der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung. Gleichwohl ist deutschlandweit - allerdings in unterschiedlicher Intensit\u00e4t - ein schw\u00e4cher werdender Extremismusbezug der IGMG festzustellen. Dies korrespondiert mit den anhaltenden Bem\u00fchungen des IGMG-Vorsitzenden Kemal Erg\u00fcn, die Organisation aus der Einflussnahme der \"Milli G\u00f6r\u00fcs\"-Bewegung in der T\u00fcrkei loszul\u00f6sen und der IGMG ein eigenst\u00e4ndiges Profil zu geben. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten liegt inzwischen eindeutig im religi\u00f6sen Bereich, zum Beispiel auf dem Ausbau entsprechender Bildungseinrichtungen. Ferner ver\u00f6ffentlicht die IGMG unter anderem die Zeitschriften \"Perspektif\" (monatlich oder zweimonatlich) und \"Camia\" (zweiw\u00f6chentlich). 212","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 1. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Abdullah \u00d6calan Mitglieder/Anh\u00e4nger 14.000 (2013: 13.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Serxwebun\" (Zeitung, monatlich) \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Zeitung, t\u00e4glich) \"Sterk TV\" (TV-Sender) Bet\u00e4tigungsverbot in Verbotsverf\u00fcgung des Deutschland: Bundesministers des Innern vom 22. November 1993. Das Verbot bezieht sich auch auf alle sp\u00e4teren Umbenennungen: - \"Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans\" (Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane - KADEK) - \"Volkskongress Kurdistans\" (Kongra Gele Kurdistan - KONGRA GEL) - \"Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan\" (Koma Komalen Kurdistan - KKK) - \"Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans\" (Koma Civaken Kurdistan - KCK). Jugendorganisationen: \"Ciwanen Azad\" \"Komalen Ciwan\" 213","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) Die im Jahre 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK ist die mitgliederst\u00e4rkste und bedeutendste Kurdenorganisation. Zentrale Forderung der PKK ist die Anerkennung der kurdischen Identit\u00e4t sowie unter Aufrechterhaltung nationaler Grenzen eine politische und kulturelle Autonomie der Kurden in ihren Siedlungsgebieten, vor allem in der T\u00fcrkei, verst\u00e4rkt auch in Syrien. Neben diesen essenziellen Forderungen konzentrieren sich die politischen Forderungen der PKK auf die Freilassung ihres seit 1999 inhaftierten F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan beziehungsweise auf die Verbesserung seiner Haftbedingungen. Ein wesentlicher Schwerpunkt der PKK-Aktivit\u00e4ten in Deutschland ist die logistische und finanzielle Unterst\u00fctzung der Gesamtorganisation. Diesem Zweck dienen Spendenkampagnen und Gro\u00dfveranstaltungen, die auch dazu genutzt werden, um weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr die Parteiarbeit und f\u00fcr den aktiven Guerillakampf zu gewinnen. Die Anh\u00e4nger der PKK in Deutschland fordern die Aufhebung des im Jahre 1993 gegen die Organisation verf\u00fcgten Bet\u00e4tigungsverbots. 1.1 \"Ciwanen Azad\" Gr\u00fcndung: November 2013 Publikationen/Medien: \"Sterka Ciwan\" (Zeitschrift, monatlich) Bei \"Ciwanen Azad\" handelt es sich um den europ\u00e4ischen Dachverband PKK-naher Jugendorganisationen, wie etwa der \"Komalen Ciwan\" (vgl. Ziff. 1.2). Er orientiert sich an den Zielen der PKK. Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten bildet die Mobilisierung zu sowie die Durchf\u00fchrung von Kundgebungen und Demonstrationen mit thematischem Bezug zur PKK beziehungsweise zur Lage in den kurdischen Siedlungsgebieten. 214","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 1.2 \"Komalen Ciwan\" Gr\u00fcndung: 2005 Publikationen/Medien: \"Sterka Ciwan\" (Zeitschrift, monatlich) Bei den \"Komalen Ciwan\" handelt es sich um eine Jugendorganisation der PKK. Sie agiert unter dem Dach der \"Ciwanen Azad\" (vgl. Ziff. 1.1) und veranstaltet in diesem Kontext Demonstrationen und Kundgebungen. Dar\u00fcber hinaus ist \"Komalen Ciwan\" verantwortlich f\u00fcr anlassbezogene \"Hit-and-Run\"-Aktionen - beispielsweise Brandanschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen - sowie f\u00fcr die Rekrutierung von Personen f\u00fcr den bewaffneten Kampf der PKK (Aufrufe, Camps). 215","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 2. \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front\" (DHKP-C) Gr\u00fcndung: 30. M\u00e4rz 1994 in Damaskus (Syrien) Leitung/Vorsitz: Gruppe von F\u00fchrungskadern Mitglieder/Anh\u00e4nger 650 (2013: 650) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs\" (w\u00f6chentlich) \"Devrimci Sol\" (unregelm\u00e4\u00dfig) \"Tavir\" (monatlich/zweimonatlich) \"Bizim Genclik\" (unregelm\u00e4\u00dfig) Organisationsverbot: Verbotsverf\u00fcgung des Bundesministers des Innern vom 6. August 1998 Bet\u00e4tigungsverbot gegen Verbotsverf\u00fcgung des \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs\": Bundesministers des Innern vom 6. Mai 2015 Tarnorganisation: \"Anatolische F\u00f6deration\" Die marxistisch-leninistische DHKP-C ist aus der 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndeten Organisation \"Devrimci Sol\", einer politisch-milit\u00e4rischen Organisation, hervorgegangen. Der ideologische Leitgedanke der DHKP-C ist die Errichtung eines sozialistischen Gesellschaftssystems durch gewaltsame Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele ver\u00fcbt die DHKP-C Terroranschl\u00e4ge in der T\u00fcrkei. Angriffsziele sind vorrangig Einrichtungen des t\u00fcrkischen Staates. In Deutschland leisten Anh\u00e4nger der DHKP-C als sogenannte R\u00fcckfront logistische, finanzielle und propagandistische Unterst\u00fctzung. 216","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 2.1 \"Anatolische F\u00f6deration\" Gr\u00fcndung: 28. Februar 2004 (Umbenennung) Hervorgegangen aus dem \"Verband anatolischer Volkskulturvereine e.V.\" Sitz: Wuppertal (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Halit Uzuncelebi Als Tarnorganisation der DHKP-C entfaltet die \"Anatolische F\u00f6deration\" in Deutschland propagandistische Aktivit\u00e4ten im Sinne der DHKP-C. In diesem Zusammenhang veranstaltet sie Demonstrationen. Schwerpunkte der Kampagnenarbeit sind die Themen \"Antirassismus\" und Gefangenenbetreuung. 217","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 3. \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/ML) Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.300 (2013: 1.300) in Deutschland: Die Organisation gr\u00fcndete sich 1972 in der T\u00fcrkei und ist seit 1994 in die beiden Fl\u00fcgel \"Partizan\" und \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) gespalten. Beide Fraktionen sind fest in dem ideologischen Fundament des Marxismus-Leninismus verankert, folgen dabei aber einer maoistischen Linie. Gemeinsames Ziel ist die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates und die Errichtung eines kommunistischen Regimes. Guerillaeinheiten beider Fraktionen ver\u00fcben in der T\u00fcrkei terroristische Anschl\u00e4ge. Anh\u00e4nger beider Fl\u00fcgel greifen die propagierten Themen in Deutschland auf und unterst\u00fctzen bei der Veranstaltung von Demonstrationen und Kundgebungen. 218","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 3.1 \"Partizan\"-Fl\u00fcgel Sitz: T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 800 (2013: 800) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"\u00d6zg\u00fcr Gelecek\" (Zeitung/Zeitschrift, 14-t\u00e4gig) 3.2 \"Maoistische Kommunistische Partei\" (MKP) (bis September 2002 \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" - DABK) Sitz: T\u00fcrkei Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 500 (2013: 500) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"Halk Icin Devrimci Demokrasi\" (Zeitung/Zeitschrift, 14-t\u00e4gig) 219","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 4. \"Marxistische Leninistische Kommunistische Partei\" (MLKP) Gr\u00fcndung: 1994 in der T\u00fcrkei [Zusammenschluss der \"TKP/ ML-Hareketi\" (Bewegung) und der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Arbeiterbewegung\" (TKIH)] Leitung/Vorsitz: Funktion\u00e4rsgruppe Mitglieder/Anh\u00e4nger 600 (2013: 600) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: \"Atilim\" (w\u00f6chentlich), \"Internationales Bulletin\" (monatlich), \"Partinin Sesi\" (zweimonatlich) Die MLKP bekennt sich ideologisch zum revolution\u00e4ren Marxismus-Leninismus. Sie strebt in der T\u00fcrkei die gewaltsame Zerschlagung der staatlichen Ordnung der T\u00fcrkei und die Errichtung eines kommunistischen Gesellschaftssystems an. Nach eigenen Angaben versteht sich die MLKP als politische Vorhut des Proletariats der t\u00fcrkischen und kurdischen Nation sowie der nationalen Minderheiten. Mit Kampagnen und Demonstrationen f\u00fcr die M\u00e4rtyrer im Kampf f\u00fcr die Revolution und den Sozialismus reagieren die Anh\u00e4nger der Organisation in Deutschland auf politische/gesellschaftliche Ereignisse in der T\u00fcrkei. 220","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5. \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung Mitglieder/Anh\u00e4nger 10.000 (2013: 10.000) in Deutschland: Teil-/Nebenorganisation: \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) Jugendbewegung: \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung Bei der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung handelt es sich um eine rechtsextremistische Bewegung aus der T\u00fcrkei. Der Ideologie der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung liegt ein \u00fcbersteigerter Nationalismus bei gleichzeitiger Abwertung anderer Ethnien zugrunde. Kennzeichen der Ideologie ist eine ausgepr\u00e4gte, oft auch gewaltbereite rassistische Feindbildorientierung gegen\u00fcber ethnischen Minderheiten in der T\u00fcrkei, insbesondere gegen Kurden, Armenier, Griechen und Juden. Ziel der Bewegung ist ein ethnisch homogener Staat \"Turan\" unter F\u00fchrung der T\u00fcrken. 221","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5.1 \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.\" (AD\u00dcTDF) Gr\u00fcndung: 1978 in Frankfurt am Main (Hessen) Sitz: Frankfurt am Main Leitung/Vorsitz: Sent\u00fcrk Dogruyol Mitglieder/Anh\u00e4nger 7.000 (2013: 7.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: \"B\u00fclten\" (Zeitung/Zeitschrift, viertelj\u00e4hrlich) Innerhalb der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung ist der nationalistische Dachverband AD\u00dcTDF die gr\u00f6\u00dfte Gruppierung au\u00dferhalb der T\u00fcrkei. Sie ist die Auslandsvertretung der t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (\"Milliyetci Hareket Partisi\", MHP), die als \"Urorganisation\" der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung gilt. Die streng hierarchisch aufgebaute AD\u00dcTDF ist in 13 Gebiete eingeteilt, der circa 160 Vereine angeh\u00f6ren. Um die Ideen der \"Nationalistischen Bewegung\" zu verbreiten, organisieren die AD\u00dcTDF und ihre Mitgliedsvereine zahlreiche Veranstaltungen. In ihrem \u00f6ffentlichen Auftreten sind sie zwar scheinbar um die Integration ihrer Mitglieder in die deutsche Gesellschaft bem\u00fcht; tats\u00e4chlich jedoch f\u00f6rdern sie als Tr\u00e4ger der t\u00fcrkisch-nationalistischen Ideologie die Bildung einer Parallelgesellschaft. 222","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 5.2 \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugendbewegung Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 (2013: 3.000) in Deutschland: Neben den straff organisierten Verbandsstrukturen hat sich in der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Bewegung in Deutschland und im europ\u00e4ischen Ausland eine Jugendbewegung etabliert, die \u00fcber das Internet eine gewaltorientierte, rassistische Ideologie verbreitet, der ein aggressiver Nationalismus zugrunde liegt. Die Aktivit\u00e4ten der \"\u00dclk\u00fcc\u00fc\"-Jugend im virtuellen Raum erstrecken sich von sozialen Netzwerken \u00fcber Videoportale und Internetforen bis hin zu einschl\u00e4giger Musik. Im Fokus ihrer Agitation stehen vor allem Kurden, die pauschal als PKK-Anh\u00e4nger bezeichnet und verbal attackiert und diffamiert werden. 223","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 6. \"Liberation Tigers of Tamil Eelam\" (LTTE) Gr\u00fcndung: 1972 in Sri Lanka Leitung/Vorsitz: seit 2009 unbekannt Mitglieder/Anh\u00e4nger 1.000 (2013: 1.000) in Deutschland: Tamilen bilden im Inselstaat Sri Lanka die gr\u00f6\u00dfte Minderheit. Um ihrer Teilhabe auf Macht Ausdruck zu verleihen, f\u00fchrten die LTTE seit den 1980er Jahren einen gewaltorientierten Kampf zur Errichtung eines von Sri Lanka unabh\u00e4ngigen Staates im Nordosten des Inselstaates. Im Mai 2009 wurden die LTTE-Kampfeinheiten milit\u00e4risch zerschlagen. Die LTTE-Strukturen innerhalb der weltweiten tamilischen Diaspora sind jedoch \u00fcberwiegend intakt geblieben und arbeiten auch nach der milit\u00e4rischen Niederlage weiter an einem Wiederaufbau der LTTE in Sri Lanka. Einnahmen aus kulturellen Veranstaltungen der LTTE in Deutschland dienen der finanziellen Unterst\u00fctzung der Organisation. In Demonstrationen soll auf die Lage der tamilischen Bev\u00f6lkerung aufmerksam gemacht werden. 224","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 7. Gruppierungen des extremistischen Sikh-Spektrums 7.1 \"Babbar Khalsa International\" (BKI) Gr\u00fcndung: 1978 in Indien Sitz: D\u00fcren (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Vereinsvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 200 (2013: 200) in Deutschland: Die \"Babbar Khalsa\" (BK) geh\u00f6rt zum Spektrum der separatistisch-terroristischen Organisationen aus der Religionsgemeinschaft der Sikhs, deren Ziel die Gr\u00fcndung eines eigenen, von Indien unabh\u00e4ngigen Staates \"Khalistan\" auf dem Gebiet des indischen Bundesstaates Punjab ist. Die Organisation operiert in Indien auch mit terroristischen Mitteln und versucht, die politische Lage im Punjab mit gezielten Anschl\u00e4gen zu destabilisieren. Die in der Diaspora bestehenden Gruppierungen der BK agieren unter dem Namen \"Babbar Khalsa International\" (BKI). Die BKI in Deutschland unterst\u00fctzt propagandistisch die Separationsbestrebungen in Indien, zudem sammelt sie Spendengelder f\u00fcr inhaftierte Gesinnungsgenossen und deren Angeh\u00f6rige. Im Kampf f\u00fcr \"Khalistan\" gefallene Sikh-Aktivisten werden in deutschen \"Sikh-Tempeln\" verehrt. 225","SICHERHEITSGEF\u00c4HRDENDE UND EXTREMISTISCHE BESTREBUNGEN VON AUSL\u00c4NDERN (OHNE ISLAMISMUS) 7.2 \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) Gr\u00fcndung: 2008 in Deutschland Sitz: D\u00fcren (Nordrhein-Westfalen) Leitung/Vorsitz: Vereinsvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 30 (2013: 30) in Deutschland: Von der \"Babbar Khalsa International\" (BKI) hat sich im Jahr 2008 eine Gruppierung abgespalten, die unter der Bezeichnung \"Babbar Khalsa Germany\" (BKG) firmiert. Auch sie unterst\u00fctzt propagandistisch mit Protestveranstaltungen die Separationsbestrebungen der Sikhs in Indien. 7.3 \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) Gr\u00fcndung: 1984 in Gro\u00dfbritannien Leitung/Vorsitz: Gespalten in zwei Fraktionen: \"Sikh Federation Germany\" (SFG) und \"Sikh Federation International Germany\" (SFIG) mit jeweils eigenem Bundesvorstand Mitglieder/Anh\u00e4nger 550 (2013: 550) in Deutschland: Die aus der \"International Sikh Youth Federation\" (ISYF) hervorgegangenen, in Deutschland aktiven Sikh Gruppierungen \"Sikh Federation Germany\" (SFG) und \"Sikh Federation International Germany\" (SFIG) unterst\u00fctzen mit regelm\u00e4\u00dfigen Protestveranstaltungen die Forderungen der Sikhs nach einem unabh\u00e4ngigen Staat \"Khalistan\" und kritisieren die Regierungspolitik Indiens in Bezug auf die Rechte der Sikhs. 226","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN Methodische Vorgehensweisen ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste Spionage gegen Deutschland wird sowohl mit menschlichen Quellen als auch technikgest\u00fctzt durchgef\u00fchrt. Der Einsatz menschlicher Quellen kann dabei sowohl offen als auch konspirativ erfolgen. 1. Spionage mit menschlichen Quellen Gegen Deutschland gerichtete nachrichtendienstliche Arbeit finNutzung von det oftmals aus sogenannten Legalresidenturen heraus statt, die Legalresidenturen in den offiziellen oder halboffiziellen Vertretungen ausl\u00e4ndischer Staaten in Deutschland untergebracht sind. Die Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen arbeiten abgetarnt in Botschaften oder Generalkonsulaten, in Presseagenturen oder bei Fluggesellschaften. Sie verf\u00fcgen dort meist \u00fcber einen Diplomatenstatus, der sie vor Strafverfolgung sch\u00fctzt und im Fall ihrer Enttarnung nur noch die M\u00f6glichkeit der Ausweisung aus Deutschland zul\u00e4sst. In der Regel handelt es sich bei den Funktionen oder T\u00e4tigkeiten, die von den so abgetarnten Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen wahrgenommen werden, um solche, die ein Informationsbed\u00fcrfnis und eine gewisse \"Kontaktfreudigkeit\" nachvollziehbar erscheinen lassen. Denkbar ist hier etwa die T\u00e4tigkeit im Bereich Handelsund Wirtschaftsangelegenheiten eines Konsulats, die ein vordringliches Interesse f\u00fcr Produkte und Marktstrategien plausibel erscheinen l\u00e4sst. Gleicherma\u00dfen plausibel ist beispielsweise die Abtarnung als Journalist, wenn es etwa um die Kontaktanbahnung zu Parteien und politischen Institutionen sowie zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen geht. Die Nachrichtendienste gewinnen ihre Informationen sowohl aus Offene und verdeckte offenen, allgemein zug\u00e4nglichen Quellen (z.B. Internet, IndusInformationstriemessen, Tagungen) als auch aus konspirativen, geheimdienstbeschaffung lichen Verbindungen. Abgesch\u00f6pfte deutsche Kontaktpersonen wissen nicht, dass es sich bei ihren Gespr\u00e4chspartnern in Wahrheit um Angeh\u00f6rige eines Nachrichtendienstes handelt und verhalten sich entsprechend arglos. Die Legalresidenturoffiziere nutzen die unter Legende aufgebauten Kontakte, um ihre Gespr\u00e4chspartner auszuforschen und 227","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN vorhandene Informationen zu erg\u00e4nzen oder zu verdichten. Zielpersonen f\u00fcr den Aufbau eines Informantennetzes werden perspektivisch ausgew\u00e4hlt: Entscheidend sind deren aktuelle und langfristige Zugangsm\u00f6glichkeiten. Mit geschickter Gespr\u00e4chsf\u00fchrung gelingt es, sensible Informationen zu erlangen oder auch Hinweise auf weitere potenzielle Quellen zu gewinnen. Zielpersonen derartiger Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen sind unter anderem Beh\u00f6rdenvertreter, Bundeswehrangeh\u00f6rige, Wissenschaftler und Mitarbeiter von Wirtschaftsunternehmen. Operationen aus den Nachrichtendienstliche Operationen gegen deutsche InteresDienstzentralen sen werden auch unmittelbar aus den jeweiligen Zentralen der Dienste in den Heimatl\u00e4ndern initiiert und gesteuert und nehmen gezielt deutsche B\u00fcrger ins Visier, die sich f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit im jeweiligen Land aufhalten oder regelm\u00e4\u00dfig dorthin reisen (z.B. Angeh\u00f6rige diplomatischer Vertretungen und Beh\u00f6rdenvertreter, Firmenrepr\u00e4sentanten, Studenten). Die Dienste nutzen hierzu die breite Palette der \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten in ihrem Land, von den Grenzkontrollen \u00fcber die Beobachtung von Auslandsvertretungen bis hin zu den Kontrollm\u00f6glichkeiten im wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Bereich. Die Nachrichtendienste nutzen ihren \"Heimvorteil\", indem sie gezielt nach kompromittierenden Ansatzm\u00f6glichkeiten suchen, um die Zielpersonen zu einer Mitarbeit zu dr\u00e4ngen. In anderen F\u00e4llen versuchen die Nachrichtendienstoffiziere, ihre Zielperson f\u00fcr sich einzunehmen und sie auf freundschaftlicher Basis zu werben. Reisende Im Rahmen ihrer operativen Aktivit\u00e4ten unternehmen NachrichF\u00fchrungsoffiziere und tendienstoffiziere aus der Dienstzentrale vereinzelt ErkundungsQuellen und Treffreisen in andere L\u00e4nder. Auch Treffen zwischen den F\u00fchrungsoffizieren und ihren deutschen Quellen finden zuweilen im Ausland statt. Dabei nutzen die Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen die Reisefreiheit innerhalb des Schengenraums, treffen ihre Agenten aber bei sogenannten Drittlandtreffs auch in L\u00e4ndern au\u00dferhalb Europas, in denen sie sich vor einer Entdeckung sicher f\u00fchlen. \"Illegale\" Einen enormen infrastrukturellen Aufwand erfordert der Einsatz von Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen, die mit einer falschen Identit\u00e4t und langfristigen Perspektive im Ausland eingesetzt werden. Diese \"Illegalen\" sind wegen ihrer professionellen Arbeit und sorgf\u00e4ltigen Abdeckung nur schwer durch die Spionageabwehr 228","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN zu enttarnen. Seit 2006 wurden in Mitgliedsstaaten der EU und NATO mindestens 15 \"Illegale\" enttarnt, die von russischen Diensten eingesetzt worden sind. 2. Spionage mit technischen Mitteln Angesichts der zunehmenden Bedeutung der technischen Informationsbeschaffung im digitalen Zeitalter er\u00f6ffnen sich auch f\u00fcr die Spionage neue M\u00f6glichkeiten und Wege - und f\u00fcr die Spionageabwehr neue Herausforderungen. Informationen, die fr\u00fcher nur durch Agenten zu erlangen waren, k\u00f6nnen heutzutage verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig leicht und ohne gr\u00f6\u00dfere Risiken auf technischem Weg beschafft werden. Es ist davon auszugehen, dass fremde Nachrichtendienste erhebliche Anstrengungen unternehmen, um Kommunikationsverbindungen abzuh\u00f6ren, insbesondere auch den \u00fcber Server oder Internetknoten im Ausland gef\u00fchrten deutschen Kommunikationsund Internetverkehr. F\u00fcr Fernmeldeaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen in Deutschland stellen Fernmeldeaufkl\u00e4die Botschaftsgeb\u00e4ude im Zentrum Berlins sowie andere verrungsma\u00dfnahmen gleichbare diplomatische Vertretungen wegen ihrer g\u00fcnstigen Lage und ihrer Exterritorialit\u00e4t besonders geeignete Standorte dar. Insbesondere im Bereich des Regierungsviertels in Berlin besteht ein konkretes Abh\u00f6rrisiko f\u00fcr alle \u00fcber Funk gef\u00fchrten Kommunikationsverbindungen (z.B. Gespr\u00e4che mit Mobiltelefonen, WLANund Bluetooth-Verbindungen). Gleicherma\u00dfen gef\u00e4hrdet sind auch Daten, die auf in Funknetzwerken betriebenen Laptops oder Tablet-PCs vorgehalten werden. \"Elektronische Angriffe\" haben sich in den letzten Jahren als \"Elektronische wichtige Methode fremder Nachrichtendienste etabliert. Hierbei Angriffe\" handelt es sich um gezielte aktive Ma\u00dfnahmen mit und gegen IT-Infrastrukturen. Das Ziel kann Spionage sein, also das Ausforschen sensibler Informationen, von Wissen und Strategien. Sie 229","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN k\u00f6nnen aber auch auf Sabotage ausgerichtet sein, beispielsweise auf das Lahmlegen Kritischer Infrastrukturen78. Zu \"Elektronischen Angriffen\" z\u00e4hlen das Aussp\u00e4hen, Kopieren oder Ver\u00e4ndern von Daten, die \u00dcbernahme einer fremden elektronischen Identit\u00e4t, der Missbrauch oder die Sabotage fremder IT-Infrastrukturen sowie die \u00dcbernahme von computergesteuerten netzgebundenen Produktionsund Steuereinrichtungen. Die Angriffe k\u00f6nnen von au\u00dfen \u00fcber Computernetzwerke wie das Internet oder durch einen direkten, nicht netzgebundenen Zugriff auf einen Rechner erfolgen, etwa \u00fcber manipulierte Hardwarekomponenten wie Speichermedien (z.B. USB-Sticks). \"Elektronische Angriffe\" sind ein effizientes Mittel zur Informationsbeschaffung. Von den betroffenen Stellen sind solche Angriffe nur schwer aufzukl\u00e4ren. Insbesondere die Anonymit\u00e4t des Internets erschwert eine Identifizierung und Verfolgung der T\u00e4ter. Oft ist aber aufgrund bestimmter Merkmale und Indizien zumindest eine regionale Zuordnung der Urheber m\u00f6glich. Staat und Wirtschaft Seit 2005 werden in Deutschland auf breiter Basis durchgef\u00fchrte, im Fokus zielgerichtete \"Elektronische Angriffe\" gegen Bundesbeh\u00f6rden, Politik und Wirtschaftsunternehmen festgestellt. Solche Attacken h\u00e4ufen sich regelm\u00e4\u00dfig im Zusammenhang mit bedeutenden wirtschaftsund finanzpolitischen Treffen. So werden bereits seit Jahren Angriffe im Zusammenhang mit den G20-Gipfeltreffen festgestellt, von denen unter anderem Bundesministerien und der Bankensektor betroffen sind. In geschickt gestalteten E-Mails an hochrangige Entscheidungstr\u00e4ger und deren unmittelbare Mitarbeiter wird eine Kommunikation der Sherpa-Gruppe vorget\u00e4uscht, der Chefunterh\u00e4ndler der beteiligten Regierungen. Auf diese Weise sollen die Empf\u00e4nger dazu verleitet werden, den Schadanhang zu \u00f6ffnen und so eine Infektion der Systeme auszul\u00f6sen. Fremde Nachrichtendienste sind in hohem Ma\u00dfe an Informationen interessiert, die bei staatlichen Stellen abgesch\u00f6pft werden 78 Kritische Infrastrukturen sind Organisationen und Einrichtungen von besonderer Bedeutung f\u00fcr das Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeintr\u00e4chtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengp\u00e4sse, erhebliche St\u00f6rungen der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten k\u00f6nnten. Dies gilt z.B. f\u00fcr Energieoder Telekommunikationsunternehmen. 230","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN k\u00f6nnen. Die anhaltenden \"Elektronischen Angriffe\" mit mutma\u00dflich nachrichtendienstlichem Hintergrund gegen Bundesbeh\u00f6rden verdeutlichen den hohen Stellenwert dieser Methodik. Von besonderem Interesse f\u00fcr die Angreifer sind dabei vor allem die Bereiche Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, Finanzen sowie Milit\u00e4r und R\u00fcstung. Die Dauer einzelner Angriffsoperationen und die globale Ausrichtung bei der Auswahl von Themen und Opfern weisen deutlich auf strategische staatliche Ausforschungsaktivit\u00e4ten hin. Es liegt auf der Hand, dass elektronische Spionageangriffe nicht nur im Bereich der Beh\u00f6rden, sondern auch im Bereich der Wirtschaft und Forschung ein probates Tatmittel darstellen. So haben manche Nachrichtendienste den gesetzlichen beziehungsweise staatlichen Auftrag, die eigenen Volkswirtschaften mit Informationen zu unterst\u00fctzen, die auf nachrichtendienstlichem Weg beschafft wurden. Damit tragen die Dienste nicht unerheblich zu staatlicher Planerf\u00fcllung und Wirtschaftswachstum bei. Erfolgreiche Spionageangriffe - sei es mit herk\u00f6mmlichen Hoher volkswirtMethoden der Informationsgewinnung oder mit \"Elektronischen schaftlicher Schaden Angriffen\" - k\u00f6nnen immense volkswirtschaftliche Sch\u00e4den verursachen, insbesondere wenn aus Forschungseinrichtungen und privaten Unternehmen geistiges Eigentum abflie\u00dft. \"Elektronische Angriffe\" aller T\u00e4tergruppen zusammengenommen f\u00fchren in der deutschen Wirtschaft bereits jetzt pro Jahr zu einem auf mehrere Milliarden Euro gesch\u00e4tzten finanziellen Schaden. Gerade in Kleinund mittelst\u00e4ndischen Unternehmen finden die Angreifer h\u00e4ufig leicht verwundbare Standard-IT-Komponenten vor; zudem sorgt der zunehmende Einsatz mobiler Endger\u00e4te (Smartphones, Tablet-PCs) mit Zugang zum Firmennetz f\u00fcr neue Einfallstore. Hauptbetroffene Ziele in der Wirtschaft sind Unternehmen aus den Bereichen R\u00fcstung, Luftund Raumfahrt (insbesondere die Satellitensparte), die Automobilindustrie sowie Forschungsinstitute. Da die Angreifer die eingesetzten Schadprogramme permanent weiterentwickeln, steigt die Effektivit\u00e4t derartiger Angriffe - selbst aktuelle Virenschutzprogramme k\u00f6nnen die eingesetzte Schadsoftware nicht erkennen. Da die Methoden 231","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN zunehmend ausgekl\u00fcgelter werden, ist die Dunkelziffer nicht erkannter \"Elektronischer Angriffe\" als hoch einzusch\u00e4tzen. Die Urheber \"Elektronischer Angriffe\" sind oft nicht zweifelsfrei zu identifizieren. Soweit es Hinweise auf eine Steuerung durch fremde Nachrichtendienste gibt, f\u00e4llt die Bearbeitung schwerpunktm\u00e4\u00dfig in die Zust\u00e4ndigkeit der Spionageabwehr. 3. Strukturen und Aufgaben russischer Nachrichtendienste SWR Ziviler Auslandsnachrichtendienst (Slushba Wneschnej Raswedki) Leitung: General Michail Fradkow Mitarbeiterzahl: mehr als 13.000 Der zivile Auslandsnachrichtendienst SWR ist f\u00fcr Spionage in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologie zust\u00e4ndig. Zu seinen Aufgaben z\u00e4hlen ferner die Ausforschung von Zielen und Arbeitsmethoden westlicher Nachrichtenund Sicherheitsdienste sowie die elektronische Fernmeldeaufkl\u00e4rung. Der Dienst wirkt zudem an der Bek\u00e4mpfung von Proliferation und Terrorismus mit. GRU Milit\u00e4rischer Auslandsnachrichten(Glawnoje Raswedywatelnoje dienst Uprawlenije) Leitung: Generalleutnant Igor Sergun Mitarbeiterzahl: ca. 12.000 Schwerpunkt des milit\u00e4rischen Auslandsnachrichtendienstes ist die Beschaffung von Informationen in den Bereichen Milit\u00e4r und Sicherheitspolitik. Zu den Zielobjekten z\u00e4hlen die Bundeswehr, die NATO und andere westliche Verteidigungsstrukturen sowie milit\u00e4risch nutzbare Technologien. 232","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN FSB Inlandsnachrichtendienst (Federalnaja Slushba Besopasnosti) Leitung: General Aleksandr Bortnikow Mitarbeiterzahl: ca. 350.000, davon mehr als 200.000 im Grenzschutzdienst Zu den Kernaufgaben des Inlandsnachrichtendienstes FSB geh\u00f6ren die Spionageabwehr, die Beobachtung des \"politischen Extremismus\" sowie die Bek\u00e4mpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalit\u00e4t (OK). Zudem z\u00e4hlen der Schutz der russischen Industrie vor Wirtschaftsspionage und OK sowie ausl\u00e4ndischer Investoren vor Wirtschaftskriminalit\u00e4t sowie die Sicherung der Staatsgrenzen zu seinen Aufgaben. In Einzelf\u00e4llen betreibt der Inlandsnachrichtendienst Gegenspionage auch im Ausland. 4. Strukturen und Aufgaben chinesischer Nachrichtendienste MSS Ziviler Inund AuslandsnachrichMinistry of State Security tendienst Leitung: Minister Geng Huichang Das MSS ist sowohl mit Abwehrals auch mit Spionageaktivit\u00e4ten betraut. Innerhalb Chinas ist es f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung von Gefahren f\u00fcr die \u00f6ffentliche Ordnung zust\u00e4ndig und in diesem Bereich auch mit Polizeibefugnissen ausgestattet. Bei der Auslandsspionage nimmt das MSS eine zentrale Rolle unter den chinesischen Diensten ein. In Deutschland bem\u00fcht es sich nachhaltig um Informationen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft und sp\u00e4ht aktive oppositionelle chinesische Gruppierungen aus. 233","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN 2PLA79 Milit\u00e4rischer Inund Military Intelligence Auslandsnachrichtendienst Department 2. Hauptverwaltung des Generalstabs der Volksbefreiungsarmee Leitung: Generalmajor Chen Youyi Der milit\u00e4rische Inund Auslandsnachrichtendienst 2PLA geh\u00f6rt zur Volksbefreiungsarmee und ist weltweit offensiv t\u00e4tig. Er entsendet Milit\u00e4rattaches und unterh\u00e4lt Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4ften. Der Dienst ist f\u00fcr die Beschaffung von Informationen zust\u00e4ndig, die die \u00e4u\u00dfere Sicherheit der Volksrepublik betreffen. Hierzu geh\u00f6ren u.a. Struktur, St\u00e4rke und Ausr\u00fcstung fremder Streitkr\u00e4fte. Spionageziele sind aber auch Politik, Wissenschaft und Technik anderer Staaten. Auch die Bek\u00e4mpfung regimekritischer Bestrebungen innerhalb und au\u00dferhalb Chinas geh\u00f6rt zu den Aufgaben des Dienstes. 3PLA Milit\u00e4rischer technischer Dienst 3. Hauptverwaltung des Generalstabs der VBA Leitung/Vorsitz: Generalmajor Meng Xuezheng Die 3. Hauptverwaltung des Generalstabs der Volksbefreiungsarmee 3PLA ist zust\u00e4ndig f\u00fcr technische Spionage, weltweite Fernmeldeaufkl\u00e4rung und Cyberspionage. Dar\u00fcber hinaus ist der Nachrichtendienst f\u00fcr Telekommunikations\u00fcberwachung und IT-Sicherheit im Milit\u00e4rbereich zust\u00e4ndig. 79 PLA = People's Liberation Army (Volksbefreiungsarmee). 234","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN MPS Polizeiministerium Ministry of Public Security Ministerium f\u00fcr \u00f6ffentliche Sicherheit Leitung/Vorsitz: Minister Guo Shengkun Das chinesische Polizeiministerium MPS ist f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung zust\u00e4ndig. Hierzu unterstehen ihm z.B. die Ordnungsund Kriminalpolizei. Ferner verf\u00fcgt das MPS \u00fcber nachrichtendienstliche Spezialeinheiten mit einem \u00e4hnlichen Aufgabenspektrum wie das MSS. So sammelt das MPS sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb Chinas Informationen \u00fcber solche Bev\u00f6lkerungsgruppen, die aus Sicht der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) als staatsgef\u00e4hrdend eingestuft werden. \u00dcberdies kontrolliert und zensiert das MPS die Medien und den Internetverkehr. B\u00fcro 610 Institution der KPCh Leitung/Vorsitz: Vizeminister Liu Jinguo Das B\u00fcro 610, das dem Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) untersteht, ist sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb Chinas aktiv. Hauptaufgabe dieses Nachrichtendienstes ist die Beobachtung und Verfolgung der regimekritischen Meditationsbewegung Falun Gong. Obwohl der Dienst ein Parteiorgan ist, arbeiten ihm die Verwaltungs-, Justizund Polizeibeh\u00f6rden des Staates zu. 235","SPIONAGE UND SONSTIGE NACHRICHTENDIENSTLICHE AKTIVIT\u00c4TEN 5. Strukturen und Aufgaben iranischer Nachrichtendienste MOIS Ziviler Inund Auslands(Ministry of Information nachrichtendienst and Security)80 Leitung/Vorsitz: Minister Mahmud Alawi Der zivile Nachrichtendienst MOIS wurde 1984 als Nachfolger verschiedener unter dem revolution\u00e4ren Regime im Iran entstandener Nachrichtendienstorganisationen gegr\u00fcndet. MOIS ist wegen seiner Organisationsgr\u00f6\u00dfe und Bedeutung f\u00fcr den Machterhalt des Regimes eines der m\u00e4chtigsten Ministerien der iranischen Regierung. In seiner Funktion als Informationsminister hat der Leiter des MOIS einen Sitz im iranischen Kabinett. Schwerpunktaufgabe ist die Aussp\u00e4hung und Bek\u00e4mpfung oppositioneller Bewegungen im Inund Ausland. Dar\u00fcber hinaus werden im westlichen Ausland Informationen aus den Bereichen Au\u00dfenund Sicherheitspolitik, Wirtschaft und Wissenschaft beschafft. RGID Milit\u00e4rischer Inund (Revolutionary Guards Auslandsnachrichtendienst Intelligence Department)81 Der Nachrichtendienst der iranischen Revolutionsgarden RGID ist sowohl f\u00fcr Spionage im Ausland als auch f\u00fcr Abwehraufgaben im Inland zust\u00e4ndig. 80 In Farsi: Vezarat e Ettela'at Va Amniat e Kehsvar - VEVAK. 81 In Farsi: Sepah Pasdaran. 236","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) \"Scientology-Organisation\" (SO) Gr\u00fcndung: 1954 in den USA 1970 erste Niederlassung in Deutschland Sitz: Los Angeles (USA) (\"Church of Scientology International\", CSI), M\u00fcnchen (Bayern) (\"Scientology Kirche Deutschland e.V.\", SKD) Leitung/Vorsitz: USA: David Miscavige Deutschland: Helmuth Bl\u00f6baum Mitglieder/Anh\u00e4nger 3.000 - 4.000 (2013: 4.000) in Deutschland: Publikationen/Medien: Zeitungen/Zeitschriften: (Auswahl) \"Impact\", \"International Scientology News\", \"The Auditor\", \"Source\", \"Freewinds\" Teil-/Nebenorganisationen: neun \"Kirchen\" in Deutschland, (Auswahl) darunter zwei \"Celebrity Centres\", \"Office of Special Affairs\" (OSA), \"International Association of Scientologists\" (IAS), \"World Institute of Scientology Enterprises\" (WISE), \"Association for Better Living & Education\" (ABLE), \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM), \"Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben\" 237","\"SCIENTOLOGY-ORGANISATION\" (SO) Nach wie vor sind die Schriften des Organisationsgr\u00fcnders L. Ron Hubbard (1911-1986) richtungweisend. In ihnen wird deutlich, dass in einer Gesellschaft nach scientologischen Vorstellungen wesentliche Grundund Menschenrechte, wie beispielsweise die Menschenw\u00fcrde und das Recht auf freie Entfaltung der Pers\u00f6nlichkeit ebenso wenig gew\u00e4hrleistet sind wie das Recht auf Gleichbehandlung. 238","VERBOTSMASSNAHMEN \u00dcbersicht \u00fcber Verbotsma\u00dfnahmen des BMI gegen extremistische Bestrebungen im Zeitraum Januar 1990 bis Dezember 2014 (Soweit nicht anders gekennzeichnet, sind die Verbote unanfechtbar) Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Nationalistische Front\" (NF) 26.11.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Deutsche Alternative\" (DA) 08.12.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Nationale Offensive\" (NO) 21.12.1992 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Arbeiterpartei Kurdistans\" 22.11.1993 Strafgesetzwidrigkeit, AE (PKK)/ \"Nationale BefreiGef\u00e4hrdung der inneren Sicherungsfront Kurdistans\" heit und \u00f6ffentlichen Ordnung (ERNK) und Teilorganisationen, sowie au\u00dfenpolitischer Belange \"F\u00f6rderation der patriotiDeutschlands schen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V.\" (FEYKA-Kurdistan), \"Kurdistan-Komitee e.V.\" \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) 10.11.1994 Vereinszweck gegen die verfassungsRE m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Kurdistan Informations20.02.1995 Ersatzorganisation des rechtskr\u00e4ftig AE b\u00fcro\" (KIB) alias verbotenen \"Kurdistan Komitee e.V.\" \"Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland\" RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 239","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Freiheitliche Deutsche 22.02.1995 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Arbeiterpartei\" (FAP) m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet \"Revolution\u00e4re 06.08.1998 Strafgesetzwidrigkeit und Gef\u00e4hrAE Volksbefreiungspartei-Front\" dung der inneren Sicherheit (DHKP-C) Ersatzorganisation der am 9. Februar 1983 rechtskr\u00e4ftig verbotenen \"Revolution\u00e4ren Linke\" (Devrimci Sol) \"T\u00fcrkische Volksbefreiungs06.08.1998 Strafgesetzwidrigkeit und Gef\u00e4hrAE partei/-Front\" (THKP/-C) dung der inneren Sicherheit \"Blood & Honour\" (B&H) mit 12.09.2000 Vereinszweck gegen die verfassungsRE \"White Youth\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Kalifatsstaat\" 08.12.2001 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT und 35 Teilorganisationen 14.12.2001 m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet 13.05.2002 16.09.2002 Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Propagierung von Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele \"al-Aqsa e.V.\" 31.07.2002 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (finanzielle Unterst\u00fctzung der HAMAS und ihrer sogenannten Sozialvereine) RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 240","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Hizb ut-Tahrir\" (HuT) 10.01.2003 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung Bef\u00fcrwortung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange \"Yeni Akit GmbH\" 22.02.2005 Leugnung und Verharmlosung des ISiT Verlegerin der Holocaust in volksverhetzender Europa-Ausgabe der t\u00fcrWeise kischsprachigen Tageszeitung \"Anadoluda Vakit\" Verbreitung antisemitischer/ antiwestlicher Propaganda \"Bremer Hilfswerk e.V.\"82 SelbstaufISiT l\u00f6sung mit Wirkung vom 18.01.2005; L\u00f6schung im Vereinsregister am 29.06.2005 \"YATIM-Kinderhilfe e.V.\" 30.08.2005 Nachfolgeorganisation des rechtsISiT kr\u00e4ftig verbotenen \"al-Aqsa e.V.\" \"Collegium 18.04.2008 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Humanum\" (CH) m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet mit \"Bauernhilfe e. V.\" Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze 82 Das BMI hatte am 3. Dezember 2004 ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren mit dem Ziel eines Verbots gegen das \"Bremer Hilfswerk e.V.\" eingeleitet. Der Verein ist dem Verbot durch Selbstaufl\u00f6sung zuvorgekommen. RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 241","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Verein zur Rehabilitierung 18.04.2008 Vereinszweck gegen die verfassungsRE der wegen Bestreitens des m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Holocaust Verfolgten\" (VRBHV) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze \"Mesopotamia Broadcast 13.06.2008 Versto\u00df gegen den Gedanken der AE A/S\" V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Roj TV A/S\" \"VIKO Fernseh 13.06.2008 Teilorganisation von Produktion GmbH\" \"Roj TV A/S\" \"al-Manar TV\" 29.10.2008 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Heimattreue Deutsche 09.03.2009 Vereinszweck gegen die verfassungsRE Jugend - Bund zum Schutz m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet f\u00fcr Umwelt, Mitwelt und Heimat e.V.\" (HDJ) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze Ideologische Indoktrinierung von Kindern und Jugendlichen mit nationalsozialistischem Gedankengut \"Internationale Humanit\u00e4re 23.06.2010 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT Hilfsorganisation e.V.\" (IHH) V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Hilfsorganisation f\u00fcr natio30.08.2011 Vereinszweck gegen die verfassungsRE nale politische Gefangene m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet und deren Angeh\u00f6rige e.V.\" (HNG) Zuwiderlaufen gegen Strafgesetze RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 242","VERBOTSMASSNAHMEN Organisation Datum der Verbotsgr\u00fcnde Ph\u00e4noVerbotsmenverf\u00fcgung bereich \"Millatu Ibrahim\" 29.05.2012 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Dawa FFM\" einschlie\u00dflich 25.02.2013 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT der Teilorganisation \"Interm\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet nationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V.\" Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"an-Nussrah\" 25.02.2013 Teilorganisation des rechtskr\u00e4ftig ISiT verbotenen Vereins \"Millatu Ibrahim\" \"DawaTeam 25.02.2013 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT Islamische Audios\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung \"Waisenkinderprojekt 02.04.2014 Versto\u00df gegen den Gedanken der ISiT Libanon e.V.\" (WKP)83 V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Umbenennung in \"Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V.\" am 16.10.2014) \"Islamischer Staat\" (IS) alias 12.09.2014 Vereinszweck gegen die verfassungsISiT \"Islamischer Staat im Irak\" m\u00e4\u00dfige Ordnung gerichtet alias \"Islamischer Staat Irak und Gro\u00dfsyrien\" Versto\u00df gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung 83 Das Verbot ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. RE = Rechtsextremismus LE = Linksextremismus AE = Ausl\u00e4nderextremismus ISiT = Islamismus/islamistischer Terrorismus 243","REGISTER Register al-Qaida (Die Basis) ........... 86 ff., 92 ff., 115 ff., 194 ff. A al-Qaida im Irak (AQI) ............................. 93, 195 Abdel Rahman, Mokhtar (alias Abu Zubair al-Qaida im islamischen Maghreb alias Ahmed Abdi Godane) ........................... 198 (AQM) ....................................................... 92, 94, 196 Adil D\u00fczen (Gerechte Ordnung) .......110, 210 al-Qaida im Jemen (AQJ) ............................... 197 Ain al-Arab (arabische Bezeichnung; al-Rashta, Ata Abu (alias Abu Yasin) ......... 205 kurdisch: Kobane) .....................67, 98, 102, 121, al-Shabab ..............................................92, 115, 198 125 ff., 130 Altermedia Deutschland Aktionsfelder ........ 64 f., 75, 82, 175 ff., 185 ff., (Internetportal) .......................................37, 42, 58 189 al-Waie (Publikation) .........................................205 al-Ahd - al-Intiqad (Publikation) .............. 200 al-Wuhaishi, Nasir Abdalkarim Abdallah al-Aqsa TV ............................................................ 105 (alias Abu Basir) .................................................. 197 al-Baghdadi, Abu Bakr ............................. 87, 195 al-Zawahiri, Aiman ................................... 94, 194 al-Fadschr (Publikation) ................................ 209 Anadolu Federasyonu al-Hayat Media Center (Medienstelle) ......95, (Anatolische F\u00f6deration) .........122, 132, 216 f. 195 Anarchisten ................................................. 68 f., 77 al-Julani, Abu Muhammad ........................... 199 Anatolische F\u00f6deration al-Kataib (Medienstelle) ................................. 198 (Anadolu Federasyonu) ............122, 132, 216 f. al-Khilafa (Publikation) ................................. 205 Antifaschismus .........65 f., 80, 176 f., 179, 181, 186, 190 f. al-Malahem Media (Medienstelle) ............ 197 Antifaschistische Linke Berlin (ALB) ...76, 78 al-Manar TV (Fernsehsender) .............200, 242 Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Berlin (ARAB) ....................................... 76, 81, 178 Dernekleri Federasyonu (AD\u00dcTDF - F\u00f6deration der T\u00fcrkischAntifaschistisches Infoblatt Demokratischen Idealistenvereine (Publikation) ..........................................................66 in Deutschland e.V.) ........................ 135 f., 221 f. Antigentrifizierung ................................... 66, 176 al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel Antiimperialisten ..................................67, 80, 82 (AQAH) ..................................................... 87, 92, 197 244","REGISTER Antikapitalismus 67, 80, 175 ff., 179, 189, 191 AZBIRU (Onlinemagazin) ............................. 199 Antikapitalistische Aktion Bonn (AKAB) .................................................................... 177 B Antikapitalistische Linke (AKL) ......... 185, 189 Babbar Khalsa (BK) ........................................... 225 Antimilitarismus ....... 67, 177, 179, 181, 185 f., Babbar Khalsa Germany (BKG) .................. 226 189, 191 Babbar Khalsa International (BKI) ........225 f. Antimilitaristisches Camp ..............................73 Badi, Muhammad ............................................. 206 Antirassismus ...66, 75, 122, 132, 176, 186, 217 Beisicht, Markus ................................................ 172 Antirepression ............................................. 66, 177 Benefizveranstaltungen ...................................97 Antisemitismus ...........32, 41, 57, 90, 137, 166, Bin Ladin, Usama .............................................. 194 170 f. Bizim Genclik (Publikation) ........................ 216 Apfel, Holger ...................................................... 46 f. Bl\u00f6baum, Helmuth .......................................... 237 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK - Partiya Karkeren Kurdistan) ...... 67 f., Blockupy ..................................................................72 121, 123 ff., 133, 178, 213 ff., 239 Bozkurtlar (Graue W\u00f6lfe) .............................. 135 Arbeitsgemeinschaft Cuba Si (Cuba Si) ....188 Bulletin (Publikation) ............................191, 220 Armstroff, Klaus ................................................ 171 B\u00fclten (Publikation) ........................................ 222 Assad-Regime ........................................................97 Bundesbeauftragte f\u00fcr den Datenschutz as-Sahab ................................................................ 194 und die Informationsfreiheit .........................18 Association for Better Living & Education B\u00fcrgerbewegung pro NRW (ABLE) ..................................................................... 237 (pro NRW) ............34, 40, 48 f., 54, 56, 116, 172 Atilim (Publikation) ......................................... 220 B\u00fcro 610 ................................................................ 235 Ausbildungslager .................. 87, 89, 97, 99, 117 C Autonome .................... 65, 68 f., 73, 76 f., 80, 83 Camia (Publikation) ......................................... 212 Autonome Nationalisten G\u00f6ppingen (AN G\u00f6ppingen) ...................................................45 Cayir, Nusret ..............................................111, 211 AVANTI - Projekt undogmatische Linke Celebrity Centres .............................................. 237 .....................................................................66, 78, 175 f. 245","REGISTER Church of Scientology International, Devrimci Halk KurtuluS Partisi-Cephesi (CSI) ......................................................................... 237 (DHKP-C - Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front) .................................... 120 ff., 131 ff. Ciwanen Azad (Freie Jugend) Tevgera Ciwanen Azad a Kurdistane (Bewegung der Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, freien Jugend Kurdistans) ...............127, 213 ff. Personenzusammenschluss) ..............216, 240 Committee for a Worker's International Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke, (CWI) ....................................................................... 185 Publikation) ......................................................... 216 Crew 38-Gruppierungen ............................... 174 Dianetik ................................................................. 163 Cuba Si revista (Publikation) ....................... 188 DIE RECHTE ......................34, 40, 49 ff., 56, 170 Cyberattacken .......................................................16 DIE ROTE HILFE (Publikation) .................. 183 Die Wahre Religion D (DWR, Internetplattform) ............................. 108 DABIQ (Onlinemagazin) ...............95, 103, 195 Dogru Haber (Publikation) ........................... 204 DawaFFM ............................................................... 115 Dogruyol, Sent\u00fcrk ............................................ 222 Demokratische Autonomie ................121, 125 DortmundEcho (Internetportal) ...........51, 58 Demokratisches Gesellschaftszentrum Droukdal, Abdalmalik der KurdInnen in Deutschland (alias Abu Mus'ab Abdalwadud) ................. 196 (NAV-DEM - Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye) ......................129, 131 E Der Aktivist (Publikation) ............................. 167 Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu Der III. Weg ................ 34, 38, 40, 49, 51, 59, 171 (EMB - Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro) .... 130 Deutsche Kommunistische Partei Elektronische Angriffe .............17, 141 ff., 145, (DKP) ........................................................... 82, 179 ff. 152, 229 ff. Deutsche Stimme (Publikation) ...48, 166, 169 Engel, Stefan ....................................................... 181 Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH Entrismus ....................................................185, 192 (DS Verlag) ...................................................166, 169 Erbakan, Fatih ....................................... 111 f., 211 Deutschland-Tour ............................................ 108 Erbakan, Necmettin ......................110 ff., 210 f. Deutschlandvertretung der ,Saadet Partisi' (SP) ............................ 110 ff., 211 Erbakan-Stiftung ............................... 110 ff., 211 246","REGISTER Erg\u00fcn, Kemal .............................................112, 212 G Europ\u00e4ische Aktion (EA) ........................ 36, 173 G7-Gipfel ...................................80, 82 f., 144, 177 Europa ruft (Publikation) .............................. 173 Gama'at al-Ikhwan al-Muslimin ............... 206 Europavertretung der G\u00e4rtner, Lisa ........................................................ 182 Erbakan-Stiftung ........................110, 112 f., 211 GegenStandpunkt ............................................ 184 Expliciet (Publikation) .................................... 205 GegenStandpunkt (Publikation) ............... 184 F Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan (KKK - Koma Komalen Kurdistan), Falah, Samir ......................................................... 207 siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ..............................................................125, 213 Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V. .............114, 243 Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung Fernmeldeaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen ....... 229 und Mission (TJ) ......................................... 92, 208 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Geraer/Sozialistischer Dialog (GSoD) ..... 191 Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF - Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc Gerechte Ordnung (Adil D\u00fczen) .......110, 210 T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu) .. 135 f., 221 f. Gerechtigkeitsund Entwicklungspartei F\u00f6deration Kurdischer Vereine in (AKP - Adalet ve Kalkinma Partisi) .......133 f. Deutschland e.V. (YEK-KOM - Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya) ....... 129 Geschichtsrevisionismus .................................32 Franz, Frank ........................................... 33, 47, 166 GETZ ..........................................................................16 Freewinds (Publikation) ................................ 237 Gewaltorientiert .......................... 19 f., 34, 69, 75 Freies Netz S\u00fcd (FNS) ..................................45, 51 Gewalt und Militanz .....................32, 35, 70, 76 Freiheitsund Demokratiekongress Graue W\u00f6lfe (Bozkurtlar) .............................. 135 Kurdistans (KADEK - Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane) ............................. 213 Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat (GSPC - Salafistische Gruppe f\u00fcr Freir\u00e4ume .........................................................66, 77 Predigt und Kampf) ......................................... 196 Fr\u00fchwarnsystem ............................................. 4, 15 GRU (russischer milit\u00e4rischer Auslandsnachrichtendienst) ....................... 232 FSB (russischer Inlandsnachrichtendienst) ........................... 233 GTAZ ..........................................................................16 F\u00fcnf Gifte ..........................................................149 f. G\u00fcm\u00fcs, Edip ........................................................ 204 247","REGISTER H Individueller Jihad .................................... 88, 103 Halk Icin Devrimci Demokrasi Informationsgewinnung .... 16, 147, 150, 231 (Revolution\u00e4re Demokratie f\u00fcr das Volk, Infost\u00e4nde ...................................................108, 168 Publikation) ......................................................... 219 INSPIRE (Onlinemagazin) ............................ 197 Hammerskins ..................................................... 174 International Association of Scientologists Harakat al-Muqawama al-Islamiya (IAS) ......................................................................... 237 (HAMAS - Islamische Widerstandsbewegung) ..... 53, 86, 90, 92 f., 103 ff., 201, 206, 240 Internationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V. ...................................115, 243 Hennig, Rigolf ............................................. 36, 173 Internationales Bulletin (Publikation) ... 220 Hezen Parastina Gel (HPG - Volksverteidigungskr\u00e4fte) ............ 124 Internationales Kurdisches Kulturfestival ...................................................... 128 Hilafet (Publikation) ........................................ 205 International Scientology News Hit-and-Run-Aktionen .................................. 215 (Publikation) ....................................................... 237 Hizb Allah (Partei Gottes) .......86, 92, 114, 200 International Sikh Youth Federation Hizb ut-Tahrir (ISYF) ....................................................................... 226 (HuT - Partei der Befreiung) ........92, 205, 241 Interventionistische Linke Hubbard, L. Ron ........................................162, 238 (IL) ..................................... 67, 76, 78 f., 82 f., 175 f. Hurseda (Onlinemagazin) ............................. 204 INZAR (Publikation) ........................................ 204 Huseynisevda (Onlinemagazin) ................. 204 Islamfeindlichkeit ..................................... 55, 172 ISLAMIC STATE NEWS I (Onlinemagazin) ................................................ 195 Ideale Org ............................................................. 162 ISLAMIC STATE REPORT (Onlinemagazin) ................................................ 195 Idealisten-Bewegung (\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung) ........121 f., 135 ff., 221 ff. Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ..........................92, 206 f. Illegale .................................................................228 f. Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. Illegalenoperation ............................................ 148 (IGMG) .............................................. 92, 111 ff., 212 Imam Ali Moschee ........................................... 209 Islamische Rechtsordnung (Scharia) ....................................95 f., 107, 199, 205 Impact (Publikation) ....................................... 237 248","REGISTER Islamischer Staat Irak ........................................93 K Islamischer Staat Irak und Gro\u00dfsyrien Kalifat .............................................. 87 f., 93 ff., 205 (ISIG) ................................................................ 93, 243 Kaukasisches Emirat (KE) ..........................202 f. Islamischer Staat (IS) ........ 86 ff., 92 ff., 100 ff., 124, 195, 199, 243 Kebekov, Aliaskhab (alias Abu Muhammad al-Dagestani) ...... 203 Islamisches Zentrum Hamburg e.V. (IZH) ................................................................. 92, 209 Kelhaamed (Publikation) .............................. 204 Islamische Widerstandsbewegung Kendi Dilinden Hizbullah (Publikation) ...204 (Harakat al-Muqawama al-Islamiya - HAMAS) .................53, 86, 90, 92 f., 103 ff., 201, Kern-al-Qaida ....................................92, 194, 198 206, 240 Khalistan ............................................................225 f. Islamische Zentren .......................................... 209 Khamenei, Ayatollah Seyyed Islamistischer Terrorismus .......... 21, 85 f., 93, Ali Khamenei ...................................................... 209 102, 115, 240 ff. Klandestine Gewalt ........................33, 70, 77, 83 Ismail Aga Cemaati (IAC) ............... 110 ff., 211 Knape, Andy ........................................................ 167 Kobane (kurdische Bezeichnung; arabisch: J Ain al-Arab) ......... 67, 98, 102, 121, 125 ff., 130 Jabhat al-Nusra (JaN) .......... 92, 94, 101 ff., 199 K\u00f6bele, Patrik ..................................................... 179 Jihad ..............................88, 90, 93 f., 96 f., 99, 109 Koc, Y\u00fcksel ........................................................... 131 Jihadgebiete ............................................................96 K\u00f6kl\u00fc Degisim (Publikation) ....................... 205 Jihadisten/jihadistisch ............ 86, 88 ff., 93 ff., Koma Civaken Kurdistan 102 f., 124 (KCK - Vereinigte Gemeinschaften jihadistische Gruppierungen, regionale ...94 Kurdistans), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................125, 213 jihadistische Internetforen .............................96 Koma Komalen Kurdistan Jugend f\u00fcr Menschenrechte (KKK - Gemeinschaft der Kommunen in (Youth for Human Rights) ............................ 162 Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ......................................125, 213 Junge Nationaldemokraten (JN) ..........................................................40, 60, 166 f. Komalen Ciwan ....................... 126 f., 130, 213 ff. junge Welt (jW, Tageszeitung) ..................... 193 249","REGISTER Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der L Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ..........................................................163, 237 Langer Marsch ................................................... 132 Kommunalpolitische Vereinigung der NPD Legalresidenturen .......146 ff., 150 f., 153, 227 (KPV) ..............................................................166, 168 Liberation Tigers of Tamil Eelam Kommunismus ........................ 80, 177, 186, 190 (LTTE) ............................................................123, 224 Kommunistische Partei Chinas (KPCh) ...235 LIES! ............................................................ 90, 107 ff. Kommunistische Plattform der Partei Linke Presse Verlags-, F\u00f6rderungsDIE LINKE (KPF) ............................................... 186 und Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G. .................................................... 193 Konf\u00f6deration der kurdischen Vereine in Europa (KON-KURD) ...................................... 129 linksunten.indymedia (Internetplattform) ........................73, 75, 78, 81 Konfrontative Gewalt ........................................70 Lower Class Magazine (Homepage) ............82 Kongra Gele Kurdistan (KONGRA GEL - Volkskongress Kurdistans), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans M (PKK) ....................................................................... 213 Maoistische Kommunistische Partei Kongress der kurdisch-demokratischen (MKP - Maoist Kom\u00fcnist Partisi) ...........218 f. Gesellschaft in Europa (KCD-E ) ................ 129 M\u00e4rtyrergedenken ........................................... 132 Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane M\u00e4rtyrer-Stiftung (Shahid-Stiftung) ....... 114 (KADEK - Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans) ............................................... 213 marx21 ................................................................... 192 Kontaktpersonen ........................... 148, 150, 227 MARX IS MUSS .................................................. 192 Konvertiten ............................................................99 Marxisten ....................................... 69, 77, 80, 82 f. Koordination der kurdisch-demokratischen Marxistische Bl\u00e4tter (Publikation) ............ 179 Gesellschaft in Europa (CDK) ...................... 129 Marxistische Leninistische Kommunistische Krieg beginnt hier. War starts here. .............67 Partei (MLKP) ................................... 121, 123, 220 Krien, Hartmut .................................................. 168 Marxistisches Forum (MF) ............................ 190 Kurdistan ..............................124 f., 128, 213, 239 Marxistisches Forum (Publikation) .......... 190 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) ...........................82, 181 f. 250","REGISTER Mash'al, Khalid ................................................... 201 N Massenmilitanz ......................................... 70 f., 77 NADIS (Nachrichtendienstliches Informationssystem) .........................................14 Mazlum Dogan Jugend-, Kulturund Sportfestival ........................................................ 126 Nasrallah, Hassan ............................................. 200 Militanz .....32, 35, 42, 65, 70, 72, 76, 83, 121 f., Nationaldemokratische Partei Deutschlands 134 (NPD) .................33 f., 41, 46 ff., 54 ff., 60, 166 f. Military Intelligence Department ............ 234 Nationale Revolution (Internetportal) ......36 Milli Gazete (Publikation) .............. 111 ff., 212 Nationale Sicht (Milli G\u00f6r\u00fcs) ..............110, 210 Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ...86, 92, 110 ff., 210 ff. Nationale Sozialisten Chemnitz (NSC) ......45 Milli G\u00f6r\u00fcs (Nationale Sicht) ..............110, 210 National Security Agency (NSA) ................ 154 Milliyetci Hareket Partisi (MHP - Partei der Nationalsozialismus .......51 f., 166, 170 f., 174 Nationalistischen Bewegung) ............137, 222 Nationalsozialistischer Untergrund Ministry of Information and Security (NSU) ...................................................................32, 36 (MOIS, iranischer ziviler Inund Auslandsnachrichtendienst) .......... 152 f., 236 Navenda Civaka Demokratik ya Kurden li Almanyaye (NAV-DEM - Demokratisches Ministry of Public Security (MPS, Gesellschaftszentrum der KurdInnen in chinesisches Polizeiministerium) ............. 235 Deutschland) ..............................................129, 131 Ministry of State Security Neonazis ... 34, 39 f., 47, 49, 51 f., 54, 56, 58, 170 (MSS, chinesischer ziviler Inund Auslandsnachrichtendienst) ..............233, 235 Neue antikapitalistische Organisation (NaO) ......................................................... 76, 81, 178 Miscavige, David ............................................... 237 Newroz .................................................................. 128 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform (Publikation) .................................. 186 Newsletter ..................................................... 21, 158 Montagsdemonstrationen .......................... 59 f. no-name-Militanz ...............................................72 Mujahidin ................................................................95 Non-Professionals ............................................ 151 Muslimbruderschaft (MB) ..................92, 206 f. Nordkaukasische Separatistenbewegung (NKSB) ............................................................. 92, 202 Muslimische Jugend in Deutschland e.V. (MJD) ....................................................................... 207 251","REGISTER O Perspektif (Publikation) ................................. 212 Objekt 21 ..................................................................44 Position (Publikation) ..................................... 180 \u00d6calan, Abdullah .........................125, 128, 213 f. Postautonome .........................65 f., 76, 78, 80 ff. Offensiver Widerstand ...............................79, 83 Proliferation ...............................................155, 232 Office of Special Affairs (OSA) .................... 237 Propaganda ................ 95 ff., 100, 105, 107, 109, 122, 195, 201, 241 Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK ) .................................................................. 219 Prophet Muhammad ........................ 90, 96, 107 Outing .......................................................................65 R P radikale linke berlin (Homepage) .................77 PALESTINE (Onlinemagazin) ..................... 197 Radikalisierungs-, Rekrutierungsfaktoren, rechtsextremistische ..........................................41 Parlamentarisches Kontrollgremium ........18 Ramezani, Reza .................................................. 209 Partei der Befreiung (Hizb ut-Tahrir - HuT) ....................92, 205, 241 realistisch und radikal (Publikation) ....... 187 Partei der Demokratischen Union (PYD - REBELL (Jugendverband) ..........................181 f. Partiya Yekitiya Demokrat) ..........68, 125, 178 REBELL (Publikation) ..................................... 182 Partei der Gl\u00fcckseligkeit (Saadet Partisi - SP) ........................... 110 ff., 211 Rechtsextremistische Musik .....................41 ff. Partei der Nationalistischen Bewegung Resurgence (Onlinemagazin) ...................... 194 (MHP - Milliyetci Hareket Partisi) ...137, 222 Revolution\u00e4re Gewalt ..........................64, 70, 79 Partinin Sesi (Publikation) ........................... 220 Revolution\u00e4rer 1. Mai .............................. 71, 177 Partiya Karkeren Kurdistan Revolution\u00e4rer Weg (Publikation) ............ 181 (PKK - Arbeiterpartei Kurdistans) ... 67 f., 80, 99, 102, 121, 123 ff., 133, 136, 178, 213 ff., 223, Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front 239 (DHKP-C - Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi) ...... 120 ff., 131 ff., 216 f., 240 Partiya Yekitiya Demokrat (PYD - Partei der Demokratischen Union) ................68, 125, 178 Revolutionary Guards Intelligence Department (RGID, Nachrichtendienst Partizan-Fl\u00fcgel ...............................................218 f. der iranischen Revolutionsgarde) ............. 236 Past\u00f6rs, Udo ........................................... 33, 46, 166 252","REGISTER Richter, Karl ....................................................47, 60 SALAM! Zeitschrift f\u00fcr junge Muslime (Publikation) ....................................................... 209 Richter, Sebastian ............................................. 167 Schadsoftware ................................. 142, 145, 231 Riefling, Ricarda ................................................ 168 Scharia (islamische Rechtsordnung) ..... 95 f., Ring Nationaler Frauen (RNF) ...........166, 168 107, 199, 205 Risalat al-Ikhwan (Publikation) ................. 206 Schiiten/schiitisch ..................................200, 209 Rodermund, Paul .............................................. 180 Sch\u00f6lzel, Arnold ................................................ 193 Rojava-Revolution ..................................126, 128 Schreiber, Peter .................................................. 169 Rojava (Westkurdistan) .....80, 121, 125 f., 178 Sch\u00fc\u00dfler, Sigrid ................................................. 168 Rote Aktion K\u00f6ln (RAK) ................................. 177 Schwarze Bl\u00f6cke ..................................................71 Rote Antifa [NRW] ............................................ 177 Scientology Kirche ........................................... 162 Rote Fahne (Publikation) .............................. 181 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) ....................................................................... 237 Rote Hilfe e.V. (RH) ........................................... 183 Scientology-Organisation (SO) ... 161 ff., 237 S Serxwebun (Publikation) .............................. 213 Saadet Partisi Shahid-Stiftung (M\u00e4rtyrer-Stiftung) ....... 114 (SP - Partei der Gl\u00fcckseligkeit) ... 110 ff., 211 Shariah Police ....................................... 51, 90, 107 Saad, Maulana Ibrahim .................................. 208 Sikh Federation Germany (SFG) ................ 226 Sache des Volkes (Homepage) ........................39 Sikh Federation International Germany Sada al-Malahem (Onlinemagazin) .......... 197 (SFIG) ...................................................................... 226 Sag NEIN zu Drogen - Solidarit\u00e4t (Publikation) ................................ 185 Sag JA zum Leben ....................................162, 237 Source (Publikation) ........................................ 237 Salafisten/salafistisch ............28, 33, 51, 55, 74, 90 ff., 97, 102, 104, 107 ff., 115, 122 Sozialismus ............... 51, 171, 181 f., 190 f., 220 Salafistische Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf sozialismus.info (Publikation) .................... 185 (Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat - GSPC) ................................................ 196 Sozialistische Alternative (SAV) ........185, 189 salafistische Prediger ..............................104, 109 253","REGISTER Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend TKP/ML-Hareketi (Bewegung) ................... 220 (SDAJ) ............................................................82, 179 f. Tschetschenische Republik Itschkeria Sozialistische Linke (SL) ........................187, 192 (CRI) ......................................................................202 f. Squattingdays ........................................................72 Turan .............................................................135, 221 Sterka Ciwan (Publikation) .......................214 f. T\u00fcrkische Hizbullah (TH) ...................... 92, 204 Sterk TV (Fernsehsender) .............................. 213 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Marxisten-Leninisten Stra\u00dfenkrawalle ...................................................70 (TKP/ML - T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/ Marksist Leninist) .......................... 121, 123, 218 Strukturdebatte ....................................................76 T\u00fcrkische Nationalisten ................................ 137 Subkulturell gepr\u00e4gte Rechtsextremisten .........................................................................................34 T\u00fcrkischen Kommunistischen Arbeiterbewegung (TKIH - T\u00fcrk Sunnitisch ............................................93, 204, 206 Kom\u00fcnist Isci Hareketi) ................................. 220 Susaningulleri (Onlinemagazin) ................ 204 U Swoboda (Freiheit) ..............................................60 \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Idealisten-Bewegung) SWR (russischer ziviler .....................................................121 f., 135 ff., 221 ff. Auslandsnachrichtendienst) ....................... 232 Umar, Ahmad (alias Abu Ubaidah) ........... 198 T Umarov, Dokku ................................................. 202 Tablighi Jama'at (TJ - Gemeinschaft der Umma .................................................................... 205 Verk\u00fcndigung und Mission) ................ 92, 208 Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe (UIG) ... 198 Taleban .....................................................................94 unsere zeit (Publikation) ............................... 179 Tavir (Publikation) ............................................ 216 Urbanes Ph\u00e4nomen ............................................77 Terrorismus, rechtsextremistischer ............36 Ustaosmanoglu, Mahmud ...................111, 211 Terroristische Ausbildungslager ............89, 99 Uzuncelebi, Halit .............................................. 217 The Auditor (Publikation) ............................. 237 Theorie21 (Publikation) ................................. 192 V Thiazi-Forum (Internetplattform) ...............45 Verband anatolischer Volkskulturvereine e.V. .................................. 217 254","REGISTER Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans Wirtschaftsschutz ..........................................158 f. (KCK - Koma Civaken Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans Wirtschaftsspionage .............151 f., 158 f., 233 (PKK) ..............................................................125, 213 Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro Vereinigung der neuen Weltsicht (EMB - Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu) ........ 130 in Europa e.V. (AMGT) .................................... 212 Wolfsgru\u00df ............................................................. 135 Verein zur Drogenpr\u00e4vention Worch, Christian ............................................... 170 (Verein f\u00fcr Drogenaufkl\u00e4rung) .................. 162 World Institute of Scientology Enterprises Verlag 8. Mai GmbH ........................................ 193 (WISE) ..................................................................... 237 VEVAK (Iranischer ziviler Inund Auslandsnachrichtendienst) ....................... 236 Y Vier-S\u00e4ulen-Strategie .............................. 47, 167 Yekineyen Parastina Gel (YPG - Volksverteidigungseinheiten) .....80, 125, 178 Voigt, Udo ............................................................ 46 f. Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya Volkskongress Kurdistans (YEK-KOM - F\u00f6deration Kurdischer (KONGRA GEL - Kongra Gele Kurdistan), Vereine in Deutschland e.V.) ........................ 129 siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ....................................................................... 213 Yeni M\u00fcjde (Publikation) .............................. 204 Volksmodjahedin Iran-Organisation Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika (MEK) ...................................................................... 152 (Y\u00d6P - Tageszeitung) .................126 f., 131, 213 Volksverteidigungseinheiten (YPG - Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Publikation) ....................................... 216 Yekineyen Parastina Gel) ..............80, 125, 178 Volksverteidigungskr\u00e4fte Z (HPG - Hezen Parastina Gel) ....................... 124 Zakaev, Ahmed .................................................. 202 W Zilan-Frauenfestival ........................................ 128 Waisenkinderprojekt Libanon e.V. Zwischenstandspapier ..................... 78, 83, 175 (WKP) .................................................. 114, 200, 243 Wechselwirkungen ......... 65, 91, 101, 109, 122 2PLA (chinesischer milit\u00e4rischer InWeisse W\u00f6lfe Terrorcrew (WWT) .................39 und Auslandsnachrichtendienst) .............. 234 Westkurdistan (Rojava) ...121, 125 f., 128, 178 3PLA (chinesischer milit\u00e4rischer technischer Nachrichtendienst) ................ 234 255","REGISTERANHANG Registeranhang zum Verfassungsschutzbericht 2014 In diesem Registeranhang sind die im vorliegenden Verfassungsschutzbericht genannten Gruppierungen aufgef\u00fchrt, bei denen die vorliegenden tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte in ihrer Gesamtschau zu der Bewertung gef\u00fchrt haben, dass die Gruppierung verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, es sich mithin um eine extremistische Gruppierung handelt. Gruppierungen Seitenzahl A al-Aqsa e.V. 240 al-Aqsa TV 105 al-Manar TV 200, 242 Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu 135 f., 221 f. (AD\u00dcTDF - F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.) al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAH) 87, 92, 197 al-Qaida (Die Basis) 86, 88, 92 ff., 115 ff., 194 al-Qaida im Irak (AQI) 93, 195 al-Qaida im islamischen Maghreb (AQM) 92, 94, 196 al-Qaida im Jemen (AQJ) 197 al-Shabab 92, 115, 198 Anadolu Federasyonu (Anatolische F\u00f6deration) 122, 132, 216 f. Anatolische F\u00f6deration (Anadolu Federasyonu) 122, 132, 216 f. an-Nussrah 243 Antifaschistische Linke Berlin (ALB) 76, 78 Antifaschistische Revolution\u00e4re Aktion Berlin (ARAB) 76, 81, 178 Antikapitalistische Aktion Bonn (AKAB) 177 Antikapitalistische Linke (AKL) 185, 189 f. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK - Partiya Karkeren Kurdistan) 67 f., 80, 99, 102, 121, alias KADEK, alias KONGRA GEL, alias KKK, alias KCK 123 ff., 133, 136, 178, 213 ff., 223, 239 Arbeitsgemeinschaft Cuba Si (Cuba Si) 188 Association for Better Living & Education (ABLE) 237 Autonome Nationalisten G\u00f6ppingen (AN G\u00f6ppingen) 45 AVANTI - Projekt undogmatische Linke 66, 78, 175 f. B Babbar Khalsa Germany (BKG) 226 Babbar Khalsa International (BKI) 225 f. 256","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Bauernhilfe e.V. 241 Blood & Honour (B&H) 240 Bremer Hilfswerk e.V. 241 B\u00fcrgerbewegung pro NRW (pro NRW) 34, 40, 48 f., 54, 56, 116, 172 C Church of Scientology International (CSI) 237 Ciwanen Azad (Freie Jugend) (Tevgera Ciwanen Azad a 127, 213 ff. Kurdistane - Bewegung der freien Jugend Kurdistans) Collegium Humanum (CH) 241 D DawaFFM 115, 243 Dawa Team Islamische Audios (auch Islamische Audios) 243 Der III. Weg 34, 38, 40, 49, 51, 59, 171 Deutsche Alternative (DA) 239 Deutsche Stimme Verlagsgesellschaft mbH (DS Verlag) 166, 169 Deutschlandvertretung der ,Saadet Partisi' (SP) 110 ff., 211 Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi 120 ff., 131 ff., 216 f., 240 (DHKP-C - Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front) Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) 216, 240 DIE RECHTE 34, 40, 49 ff., 56, 170 Die Wahre Religion (DWR, Internetplattform) 108 E Ekonomi ve Maliye B\u00fcrosu (EMB - Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro) 130 Erbakan-Stiftung 111, 211 Europ\u00e4ische Aktion (EA) 36, 173 Europavertretung der Erbakan-Stiftung 110, 112 f., 211 F Farben f\u00fcr Waisenkinder e.V. 114, 243 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in 135 f., 221 f. Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF - Almanya Demokratik \u00dclk\u00fcc\u00fc T\u00fcrk Dernekleri Federasyonu) F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland e.V. 129 (YEK-KOM - Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya) 257","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen 239 aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) Freies Netz S\u00fcd (FNS) 45, 51 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 240 Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans 213 (KADEK - Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane) G GegenStandpunkt 184 Gemeinschaft der Jugend (Komalen Ciwan) 126 f., 130, 213 ff. Gemeinschaft der Kommunen in Kurdistan (KKK - Koma 125, 213 Komalen Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Mission 92, 208 (Tablighi Jama'at - TJ) Geraer/Sozialistischer Dialog (GSoD) 191 H Harakat al-Muqawama al-Islamiya 53, 86, 90, 92 f., 103 ff., (HAMAS - Islamische Widerstandsbewegung) 201, 206, 240 Heimattreue Deutsche Jugend - Bund zum Schutz f\u00fcr Umwelt, 242 Mitwelt und Heimat e.V. (HDJ) Hezen Parastina Gel (HPG - Volksverteidigungskr\u00e4fte) 124 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren 242 Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Hizb Allah (Partei Gottes) 86, 92, 114, 200 Hizb ut-Tahrir (HuT - Partei der Befreiung) 92, 205, 241 I Idealisten-Bewegung (\u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung) 121 f., 135 ff., 221 ff. International Association of Scientologists (IAS) 237 Internationaler Jugendverein - Dar al Schabab e.V. 115, 243 International Sikh Youth Federation (ISYF) 226 Internationale Humanit\u00e4re Hilfsorganisation e.V. (IHH) 242 Interventionistische Linke (IL) 67, 76, 78 f., 82 f., 175 f. Islamische Audios (auch DawaTeam Islamische Audios) 243 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) 92, 206 f. Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) 92, 111 ff., 212 Islamischer Staat (IS) 26, 41, 86 ff., 92, 100 ff., 195, 199, 243 258","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Islamischer Staat Irak 93, 243 Islamischer Staat Irak und Gro\u00dfsyrien (ISIG) 93, 243 Islamische Widerstandsbewegung 53, 86, 90, 92 f., 103 ff., (Harakat al-Muqawama al-Islamiya - HAMAS) 201, 206, 240 Islamisches Zentrum Hamburg e.V. (IZH) 92, 209 Ismail Aga Cemaati (IAC) 110 ff., 211 J Jabhat al-Nusra (JaN) 92, 94, 101 ff., 199 Jugend f\u00fcr Menschenrechte (Youth for Human Rights) 162 Junge Nationaldemokraten (JN) 40, 60, 166 f. K Kalifatsstaat 240 Kaukasisches Emirat (KE), siehe auch NKSB 202 f. Koma Civaken Kurdistan (KCK - Vereinigte Gemeinschaften 125, 213 Kurdistans), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Koma Komalen Kurdistan (KKK - Gemeinschaft der Kommunen 125, 213 in Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Komalen Ciwan (Gemeinschaft der Jugend) 126 f., 130, 213 ff. Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen 163, 237 Menschenrechte e.V. (KVPM) Kommunalpolitische Vereinigung der NPD (KPV) 166, 168 Kommunistische Plattform der Partei DIE LINKE (KPF) 186 KONGRA GEL (Kongra Gele Kurdistan - Volkskongress 213 Kurdistans), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Kongreya Azadi u Demokrasiya Kurdistane 213 (KADEK - Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans) Koordination der kurdisch-demokratischen Gesellschaft in 129 Europa (CDK - Koordinasyona Civita Demokratik a Kurd) Kurdistan-Informationsb\u00fcro (KIB) 239 Kurdistan-Komitee e.V. 239 L Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) 123, 224 Linke Presse Verlags-, F\u00f6rderungsund 193 Beteiligungsgenossenschaft junge Welt e.G. 259","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl M Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti 121, 123, 220 (MLKP - Marxistische Leninistische Kommunistische Partei) M\u00e4rtyrer-Stiftung (Shahid-Stiftung) 114 marx21 192 Marxistische Leninistische Kommunistische Partei 121, 123, 220 (MLKP - Marksist Leninist Kom\u00fcnist Parti) Marxistisches Forum (MF) 190 Mesopotamia Broadcast A/S 242 Millatu Ibrahim 243 Muslimbruderschaft (MB) 92, 206 f. Muslimische Jugend in Deutschland e.V. (MJD) 207 N Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 33 f., 40 f., 44, 46 ff., 52, 54 ff., 59 f., 166 ff. Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) 239 Nationale Offensive (NO) 239 Nationale Sozialisten Chemnitz (NSC) 45 Nationalistische Front (NF) 239 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) 32, 36 Neue antikapitalistische Organisation (NaO) 76, 81, 178 Nordkaukasische Separatistenbewegung (NKSB) 92, 202 O Office of Special Affairs (OSA) 237 P Partei der Demokratischen Union 68, 125, 178 (PYD - Partiya Yekitiya Demokrat) Partiya Karkeren Kurdistan 67 f., 80, 99, 102, 121, (PKK - Arbeiterpartei Kurdistans) 123 ff., 133, 136, 178, 213 ff., 223, 239 Partiya Yekitiya Demokrat 68, 125, 178 (PYD - Partei der Demokratischen Union) R REBELL 181 f. Revolution\u00e4re Linke (Devrimci Sol) 216, 240 260","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front 120 ff., 131 ff., 216 f., 240 (DHKP-C - Devrimci Halk Kurtulus Partisi-Cephesi) Ring Nationaler Frauen (RNF) 166, 168 Rote Aktion K\u00f6ln (RAK) 177 Rote Antifa [NRW] 177 Roj TV A/S 242 Rote Hilfe e.V. (RH) 183 S Sag NEIN zu Drogen - Sag JA zum Leben 162, 237 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) 237 Scientology-Organisation (SO) 161 ff., 237 Shahid-Stiftung (M\u00e4rtyrer-Stiftung) 114 Sozialistische Alternative (SAV) 185, 189 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 82, 179 f. Sozialistische Linke (SL) 187, 192 T Tablighi Jama'at 92, 208 (TJ - Gemeinschaft der Verk\u00fcndigung und Mission) Taleban 94 Tschetschenische Republik Itschkeria (CRI), siehe auch NKSB 202 f. T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist (TKP/ML - T\u00fcrkische 121, 123, 218 Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten) T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ 121, 123, 218 ML - T\u00fcrk Kom\u00fcnist Partisi/Marksist Leninist) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP/-C) 240 U \u00dclk\u00fcc\u00fc-Bewegung (Idealisten-Bewegung) 121 f., 135, ff., 221 ff. Union islamischer Gerichtsh\u00f6fe (UIG) 198 V Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust 242 Verfolgten (VRBHV) Vereinigte Gemeinschaften Kurdistans (KCK - Koma Civaken 125, 213 Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Verlag 8. Mai GmbH 193 VIKO Fernseh Produktion GmbH 242 261","REGISTERANHANG Gruppierungen Seitenzahl Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL - Kongra Gele 213 Kurdistan), siehe auch Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Volksverteidigungseinheiten (YPG - Yekineyen Parastina Gel) 80, 125, 178 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG - Hezen Parastina Gel) 124 W Waisenkinderprojekt Libanon e.V. (WKP) 114, 200, 243 Weisse W\u00f6lfe Terrorcrew (WWT) 39 White Youth 240 Wiking-Jugend e.V. (WJ) 239 Wirtschaftsund Finanzb\u00fcro (EMB - Ekonomi ve Maliye 130 B\u00fcrosu) World Institute of Scientology Enterprises (WISE) 237 Y YATIM-Kinderhilfe e.V. 241 Yekitiya Komalen Kurd Li Elmanya (YEK-KOM - F\u00f6deration 129 Kurdischer Vereine in Deutschland e.V.) Yeni Akit GmbH 241 [3A]*Revolution\u00e4res B\u00fcndnis 80, 177 262","263","Bildnachweis S. 36 http://nationale-revolution.net S. 38 http://www.der-dritte-weg.info S. 41 Screenshot https://www.youtube.com S. 48 https://werbemittel.npd.de/contents/de/d1.html S. 48 http://pro-nrw.net S. 50 http://www.widerstand.info S. 50 http://www.dortmundecho.org S. 52 http://www.der-dritte-weg.info S. 53 https://www.facebook.com/pages/NPD-Erzgebirge S. 55 https://npd-sachsen.de/wahlen/landtagswahl-2014/unsere-plakate/ S. 56 https://www.facebook.com/npd.de S. 58 http://www.widerstand.info S. 59 http://www.der-dritte-weg.info S. 66 http://noexcuses.noblogs.org S. 66 http://rwsf.blogsport.de S. 66 http://aole.blogsport.de S. 67 http://antifa-nt.de S. 67 https://linksunten.indymedia.org S. 71 http://arab.blogsport.de S. 72 http://squattingdays.noblogs.org S. 72 http://blockupy.org S. 73 http://www.warstartsherecamp.org S. 74 dpa S. 75 http://interventionistische-linke.org S. 77 https://www.facebook.com S. 81 http://nao-prozess.de S. 87 www.twitter.com/AQAH (14.01.2015) S. 87 dpa S. 88 www.twitter.com/al_hayat_en S. 95 http://jihadology.net/2014/01/23/musings-of-an-iraqi-brasenostril-on-jihadcomprehensive-reference-guide-to-sunni-militant-groups-in-iraq/ (23.01.2014) 264","BILDNACHWEIS S. 103 https://shamikh1.info/vb/showthread.php?t=227565 (12.10.2014) S. 108 https://www.facebook.Shariah-Polizei-Germany (04.09.2014) S. 126 https://www.facebook.com S. 128 http://yekkom.com S. 128 https://www.facebook.com S. 132 http://www.halkinsesi.tv S. 132 https://www.facebook.com S. 135 dpa S. 142 BfV S. 142 dpa S. 142 dpa S. 148 dpa S. 149 dpa S. 155 dpa S. 159 BfV S. 162 http://www.sag-nein-zu-drogen.de S. 163 http://www.kvpm.de/startseite/ 265","266","Impressum Herausgeber: Bundesministerium des Innern Alt-Moabit 140 10557 Berlin Redaktion: Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Druck: Werbedruck GmbH Horst Schreckhase, Spangenberg Der Verfassungsschutzbericht 2014 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar, unter: www.bmi.bund.de www.verfassungsschutz.de ISSN: 0177-0357 Diese Brosch\u00fcre ist Teil der \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung. Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum Verkauf bestimmt. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlwerbern und Wahlhelfern w\u00e4hrend eines Wahlkampfes zum Zwecke der Wahlwerbung verwandt werden. Artikelnummer: BMI15011"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2014","year":2014}
