{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-be-1994.pdf","jurisdiction":"Berlin","num_pages":336,"pages":["Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz BERLIN Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, Auf dem Grat 2, D-14195 Berlin VerfassungsschutzBericht Berlin 1994","tet, on","Vorwort 3 Vorwort Mit dem Verfassungsschutzbericht 1994 legt das Berliner Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erneut eine umfassende Jahresbilanz seiner Arbeit vor. Es liegt in der Natur der Sache, da\u00df Nachrichtendienste viele ihrer Erkenntnisse nicht ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen. Gleichwohl ist diese Information der \u00d6ffentlichkeit \u00fcber verfassungsfeindliche und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen mit ihren aus vielen Einzelinformationen erstellten Lagebildern und Gesamteinsch\u00e4tzungen eine unerl\u00e4\u00dfliche Voraussetzung f\u00fcr eine breite politische Auseinandersetzung mit den Gegnern der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Die Beobachtung extremistischer Bestrebungen - egal welcher Richtung - ist und bleibt die wesentliche Aufgabe des Verfassungsschutzes. Der Linksextremismus, insbesondere 1 200 Autonome und die im zweiten Halbjahr wieder aktiv gewordene Gruppierung \"KLASSE GEGEN KLASSE\", bildeten auch 1994 ein brisantes Gef\u00e4hrdungsmoment f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins. Die langj\u00e4hrige Pr\u00fcfung der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) auf verfassungsfeindliche Bestrebungen wurde auch 1994 fortgesetzt. Sie konnte inzwischen abgeschlossen werden mit dem Ergebnis, da\u00df nicht die PDS, wohl aber drei Organisationen in der PDS wegen ihrer othodox-kommunistischen Ziele und ihrer Akzeptanz von Gewalt vom Berliner Verfassungsschutz beobachtet werden, n\u00e4mlich die \"Kommunistische Plattform (KPF)\", die Arbeitsgemeinschaft \"Junge Genossinnen in und bei der PDS\" sowie die Arbeitsgemeinschaft \"Autonome Gruppen in und bei der PDS\". Im Rechtsextremismus haben Vereinsverbote und Strafverfolgung deutliche Spuren innerhalb der Neonazi-Szene hinterlassen. Sorge bereitet in diesem Zusammenhang allerdings die erkennbare Entwicklung zu konspirativem Verhalten. Die Gesamtzahl der erkannten Rechtsextremisten ist 1994 zur\u00fcckgegangen. Die Situation der \"Republikaner\" war 1994 na-","Vorwort 4 hezu ausschlie\u00dflich durch innerparteiliche Auseinandersetzungen gekennzeichnet. * Bei der Beoachtung gewaltorientierter, terroristischer und staatsterroristischer Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern traten auch 1994 pal\u00e4stinensische und islamisch-extremistische Organisationen besonders in Erscheinung. Auff\u00e4llig waren dabei die trotz des Verbotes von 1993 zu beobachtenden verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten der \"Kurdischen Arbeiterpartei\" (PKK). Im Bereich der Spionageabwehr hat i , sich nach dem Ende des \"Kalten Krieges\" ein deutlicher Wandel vollzogen. Ziel der Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste sind zunehmend Wirtschaft und Wissenschaft. Der Abwehr dieser Gefahren und der Sensibilisierung der gef\u00e4hrdeten Einrichtungen und Unternehmen kommt in Berlin als k\u00fcnftigem Regierungssitz sowie Wissenschaftsund Wirtschaftszentrum immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zu. Insgesamt ist die Zahl der extremistischen Gewalttaten weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig; sie liegt aber immer noch deutlich \u00fcber den Zahlen der achtziger Jahre. Der eingeschlagene Weg einer konsequenten Bek\u00e4mpfung dieser Gefahrenpotentiale mit politischen, administrativen und strafrechtlichen Mitteln mu\u00df weitergegangen werden. Aus alledem wird deutlich: Auch eine stabile Demokratie kann auf den aktiven Schutz ihrer Ordnung nicht verzichten. Immer w\u00e4chst der Irrglaube nach, Staat und Gesellschaft mit den Mitteln von Gewalt und Terror oder durch die Beseitigung ihrer rechtsstaatlichen und pluralistischen Grunds\u00e4tze zum Besseren ver\u00e4ndern zu sollen und zu k\u00f6nnen. Nur durch das aktive Eintreten aller demokratischen Kr\u00e4fte und der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger f\u00fcr diese Ordnung kann den Gefahren wirksam begegnet werden. Berlin, im Juli 1995 Eberhard Diepgen Regierender B\u00fcrgermeister","Inhaltsverzeichnis 5 Inhaltsverzeichnis 1 Allgemeines .13 1.1 Rechtsgrundlagen 15 1.2 Aufbau und Organisation 16 1.3 Haushalt und Personal 17 1.4 Auskunftserteilung und Akteneinsicht 18 1.5 Datenschutzkontrolle 18 1.6 Datenund Aktenbereinigung .18 1.7 Parlamentarische Kontrolle .19 1.8 \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung) 19 2 Politischer Extremismus..... 23 2.1 Linksextremismus 25 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 25 2.1.1.1 Vorbemerkung / \u00dcberblick 25 2.1.1.2 Autonome 30 2.1.1.2.1 Grundlagen / Ziele / Strukturen 30 2.1.1.2.2 Gewalttaten der autonomen Szene 34 2.1.1.2.3 Themenfelder 39 2.1.1.2.4 Arbeitsgemeinschaft \"Junge Genossinnen in und bei der PDS\" 54 2.1.1.2.5 Arbeitsgemeinschaft \"Autonome Gruppen in und bei der PDS\" 54","Inhaltsverzeichnis 6 2.1.1.2.6 Ausblick 54 2.1.1.3 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) 56 2.1.1.3.1 RAF-Umfeld |j. 59 2.1.1.4 \"Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) 61 2.1.1.5 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) .63 2.1.1.6 Ausblick [j 64 2.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 65 2.1.2.1 Vorbemerkung 65 2.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) 67 2.1.2.3 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) 68 2.1.2.4 \"Kommunistische Plattform\" (KPF) 69 2.1.2.5 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD - Sitz Berlin) [j 69 2.1.2.6 \"Marxistische Gruppe\" (MG) 70 2.1.2.7 \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) 71 2.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) .71 2.1.2.9 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) 72 2.1.2.10 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ). 72 2.1.2.11 \"Spartakist - Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) 73 2.1.2.12 Ausblick 74 2.1.3 Sonderthema: Terroristische Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" 74 2.2 Rechtsextremismus 83 2.2.1 Vorbemerkung 83 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) 88 2.2.2.1 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) .92","Inhaltsverzeichnis 7 2.2.2.2 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) 93 2.2.2.3 \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) 94 2.2.2.4 \"Deutsche Nationalisten\" (DN) 95 2.2.2.5 Haftbefehl gegen Berliner Neonazis 96 2.2.2.6 \"Anti-Antifa\" 98 2.2.3 Militante Skinhead-Szene in Berlin 100 2.2.4 Rechtsextremistische Gewalttaten 104 2.2.4.1 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund 106 2.2.5 \"Nationalfreiheitliche\" / \"Nationaldemokraten\" 109 2.2.5.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) .110 2.2.5.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) 111 2.2.5.3 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) .112 2.2.5.4 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH) / \"Die Nationalen e. V.\" 112 2.2.5.5 \"Die Republikaner\" (REP) 113 2.2.6 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 116 2.2.6.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" 116 2.2.6.2 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V \" (WJ) .....117 2.2.7 Bewertung / Ausblick 119 2.2.8 Sonderthema: \"Informationelle Vernetzung\" .120 2.3 Ausl\u00e4nderextremismus 125 2.3.1 Einleitung 125 2.3.2 Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Kurden 130 2.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) 130","Inhaltsverzeichnis 8 2.3.3 Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von T\u00fcrken 137 2.3.3.1 Linksextremistische T\u00fcrken-Organisationen 137 2.3.3.1.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei / MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L) | 138 2.3.3.1.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) ji 1.39 2.3.3.1.3 \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) .139 2.3.3.1.4 \"Antifasist Genclik\"..: ji 141 2.3.3.2 Extrem-nationalistische T\u00fcrken-Organisationen 141 2.3.3.2.1 \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) und \"Partei der Gro\u00dfen Einheit\" (BBP) 141 2.3.3.2.2 \"Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V.\" (BUD) und \"T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) |j...., 142 2.3.3.3 Islamisch-extremistische T\u00fcrken-Organisationen 143 2.3.3.3.1 \"Wohlstandspartei\" (RP)..jj 143 2.3.3.3.2 \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e. V.\" (AMGT) 1.43 2.3.3.3.3 \"Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e. V. K\u00f6lrV(ICCB) 144 2.3.3.4 Ausblick 145 2.3.4 \"Muslimbruderschaft\" (MB) 146 2.3.5 Islamisch-extremistische Araber-Organisationen 147 2.3.5.1 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) 147 2.3.6 Sonstige Pal\u00e4stinenser-/Araber-Organisationen in Berlin (einschl. \"Ablehnungsfront\") 150 2.3.6.1 \"Al Fatah\" 151 2.3.6.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) 152 2.3.6.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) 152","Inhaltsverzeichnis 9 2.3.6.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - General Command\" (PFLP-GC) 152 2.3.6.5 \"ABU-NIDAL-Organisation\" (ANO) 153 2.3.6.6 \"Hizb Allah\" .153 2.3.7 Staatsterroristische Bestrebungen 155 2.3.7.1 \"Union Islamischer Studenten in Europa\" (U.I.S.A.) 155 2.3.7.2 Politisch-religi\u00f6se Beeinflussungsversuche des Iran in der Bundesrepublik Deutschland 156 2.3.7.3 Gegner der iranischen Regierung - die iranische Opposition 157 2.3.7.3.1 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) und ihre Nebenorganisation \"Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e. V.\"(IMSV) .157 2.3.8 Volksgruppen des ehemaligen Jugoslawien 159 3 Spionageabwehr 163 3.1 Allgemeiner \u00dcberblick 165 3.2 Tr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten .166 3.2.1 Nachrichtendienste der Gemeinschaft Unabh\u00e4niger Staaten (GUS) 166 3.2.1.1 Die russischen Nachrichtendienste 167 3.2.1.2 Ziele und Methoden der russischen Auslandsaufkl\u00e4rung in Deutschland 168 3.2.1.3 \u00dcbernahme von IM des ehemaligen MfS 170 3.2.2 Osteurop\u00e4ische Nachrichtendienste ..170 3.2.3 Nachrichtendienste der Krisenl\u00e4nder. 171","Inhaltsverzeichnis 10 3.2.3.1 Die iranischen Nachrichtendienste 172 3.2.3.1.1 Zust\u00e4ndigkeiten der Nachrichtendienste .172 3.2.3.1.2 Arbeitsschwerpunkte und -methoden .173 3.2.3.1.3 Residenturen in Deutschland 173 3.2.4 Sonstige Nachrichtendienste 174 3.3 Pr\u00e4ventive Spionageabwehr 175 3.3.1 Geheimschutz in der Verwaltung 175 3.3.2 Geheimschutz in der Wirtschaft 176 3.3.3 Materieller Geheimschutz 177 3.3.4 B\u00fcrgerberatung .177 3.4 Fr\u00fchere, fortwirkende unbekannte MfS-Strukturen und -T\u00e4tigkeiten.... .178 4 Anhang I: Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen in alphabetischer Reihenfolge .181 4.1 Linksextremismus .183 4.2 Rechtsextremismus .193 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus 201 5 Anhang II: Chronologie.. 209 5.1 Linksextremismus 211 5.2 Rechtsextremismus 239 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 271","Inhaltsverzeichnis 11 6 Anhang III: Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 25. M\u00e4rz 1995 293 7 Abk\u00fcrzungsverzeichnis Personen-und Organisationsregister.. 317 7.1 Abk\u00fcrzungsverzeichnis 319 7.2 Personenund Organisationsregister .327","","","","1 - Allgemeines - 15 1.1 Rechtsgrundlagen Die Aufgaben und Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz Berlin (LfV) sind durch das Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) vom 26. Januar 1993 (GVBI. S. 23) neu geregelt. Im Berichtszeitraum wurden das LfVG und das Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz durch Gesetz vom 22. November 1994 (GVBI. S. 462) ge\u00e4ndert. Wesentlicher Inhalt ist eine neue differenzierte Zust\u00e4ndigkeitsregelung f\u00fcr die Aufsicht \u00fcber das LfV und die Benennung der obersten Landesbeh\u00f6rde in G 10-Angelegenheiten. Im Jahre 1994 wurden weitere gesetzesauslegende und verfahrensregelnde Verwaltungsvorschriften erlassen, unter anderem die f\u00fcr den beh\u00f6rdlichen Datenschutzbeauftragten. Er ist in Anwendung seiner Fachkunde weisungsfrei und hat die Arbeit im Amt auf Einhaltung der datenschutzrechtlichen Vorschriften zu kontrollieren. Die Aufgabenstellung des LfV blieb 1994 unver\u00e4ndert. Das LfV sammelt insbesondere Informationen \u00fcber Bestrebungen, die darauf abzielen, die freiheitliche demokratische Grundordnung ganz oder teilweise zu beseitigen. Diese Bestrebungen werden als extremistisch oder - was gleichbedeutend ist - als verfassungsfeindlich bezeichnet. Der fr\u00fcher bisweilen gebrauchte Begriff \"radikal\" wird nicht mehr verwendet, da eine nach allgemeinem Sprachgebrauch \"radikale\", d. h. an die Wurzel einer Fragestellung gehende Zielsetzung nicht unbedingt im o. g. Sinn verfassungsfeindlich sein mu\u00df. Der Begriff der \"Verfassungsfeindlichkeit\" ist von dem der \"Verfassungswidrigkeit\" zu unterscheiden. Letzterer bezeichnet eine Voraussetzung f\u00fcr das Verbot einer politischen Partei nach Art. 21 Abs. 2 Satz 1 des Grundgesetzes. Auf die Verfassungswidrigkeit einer Partei l\u00e4\u00dft sich deshalb erst berufen, wenn diese vom Bundesverfassungsgericht festgestellt worden ist. Das sog. Parteienprivileg steht der Beobachtungst\u00e4tigkeit durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde nicht hinderlich entgegen. Das LfV mu\u00df t\u00e4tig werden, wenn im Einzelfall tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht politisch motivierter, zielund zweckgerichteter Verhaltensweisen von Organisationen, also auch von Parteien, sowie von Personenzusammenschl\u00fcssen ohne feste hierarchische Organisati-","1 - Allgemeines - 16 onsstrukturen oder von Einzelpersonen gegen die im Gesetz genannten Schutzg\u00fcter (= Bestrebungen) vorliegen. Zur Rechtfertigung der - auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln - durchgef\u00fchrten Beobachtung gen\u00fcgjj nicht die blo\u00dfe Annahme, da\u00df Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorliegen k\u00f6nnten. Tats\u00e4chliche Anhaltspunkte sind Umst\u00e4nde, die bei vern\u00fcnftiger Betrachtung auf solche Bestrebungen hindeuten und deshalb weitere Kl\u00e4rung erforderlich erscheinen lassen. Sie ergeben sich nicht nur aus programmatischen Aussagen der Organisation selbst, sondern auch aus Handlungen von Personen, die eine Organisation in ihrer Bestrebung nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzen (SS 6 Abs. 1 S. 2 LfVG). Nach der Rechtsprechung hat sich eine Partei das Verhalten ihrer Anh\u00e4nger zurechnen zu lassen, weil ihre Absichten sich im Verhalten ihrer Anh\u00e4nger spiegeln und sie durch ihr Wirken dieses Verhalten der Anh\u00e4nger bestimmt und die Verantwortung daf\u00fcr tr\u00e4gt (so schon das Bundesverfassungsgericht im sog. SRP-Urteil). 1.2 Aufbau und Organisation Entsprechend dem f\u00f6derativen Aufbau der Bundesrepublik Deutschland haben bekanntlich der Bund und jedes Bundesland eine eigene Verfassungsschutzbeh\u00f6rde. Das LfV wird von dem Direktor des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz geleitet. Das Amt gliedert sich in drei Abteilungen: Amtsleiter Extremismus/ Spionageabwehr/ Zentrale Aufgaben Terrorismus Geheimschutz","1 - Allgemeines17 Das LfV war bis zum 1. Dezember 1994 der Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres unterstellt. Seit dem 2. Dezember 1994 werden die Aufgaben der Aufsichtsbeh\u00f6rde von dem Regierenden B\u00fcrgermeister von Berlin - Senatskanzlei - wahrgenommen (Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 25. M\u00e4rz 1995; GVBI. S. 254; vgl. Anhang III). Ihm obliegt die Aufsicht \u00fcber die Rechtund Zweckm\u00e4\u00dfigkeit der Aufgabenerf\u00fcllung (Fachaufsicht). Er \u00fcbt auch die Dienstaufsicht \u00fcber das LfV Berlin aus, die sich auf Aufbau, innere Ordnung, allgemeine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Personalangelegenheiten erstreckt. Die Aufsichtsbeh\u00f6rde ist zugleich oberste Landesbeh\u00f6rde nach SS 5 Abs. 1 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz (G 10). 1.3 Haushalt und Personal Die Einnahmen und Ausgaben und der Stellenplan des LfV sind im Haushaltsplan des Landes Berlin unter Kapitel 0512 (ab 1995: 0312) \u00f6ffentlich ausgewiesen. Das Gesamtvolumen des LfV-Haushalts betrug im Berichtszeitraum 20 228 300 DM. F\u00fcr konsumtive Ausgaben und Investitionen standen im Berichtszeitraum insgesamt rund 2 310 TDM zur Verf\u00fcgung, davon 359 TDM f\u00fcr die technische Erweiterung der G 10-Stelle und Ger\u00e4te der Informationsund Kommunikationstechnik. Zum Ende des Jahres 1994 standen dem LfV 242 Stellen zur Verf\u00fcgung. Der 1990 eingeleitete Stellenabbau und die Neuorganisation des LfV auf der Grundlage des Gutachtens der sog. Boeden-Kommission waren damit abgeschlossen. Durch den Doppelhaushalt 1995/1996 sind aufgrund der Aufgabenentwicklung dem LfV zus\u00e4tzlich 11 Stellen bewilligt worden, so da\u00df von 1995 an insgesamt 253 Stellen zur Aufgabenerf\u00fcllung zur Verf\u00fcgung stehen.","1 - Allgemeines - 18 1.4 Auskunftserteilung und Akteneinsicht Die Verpflichtung des LfV zur Erteilung von Ausk\u00fcnften und zur Gew\u00e4hrung von Akteneinsicht ergibt sich aus den SSSS 31, 32 LfVG. Im Berichtszeitraum beantragten 68 Petenten Auskunft bzw. Akteneinsicht \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Informationen. Gegen\u00fcber 1993 (211 Antr\u00e4ge) ist ein starker R\u00fcckgang zu verzeichnen. Die Bearbeitung der Antr\u00e4ge konnte z\u00fcgig durchgef\u00fchrt werden. 1.5 Datenschutzkontrolle Jedermann kann sich nach SS 27 Satz 1 des Berliner Datenschutzgesetzes (BlnDSG) an den Datenschutzbeauftragten wenden, wenn er der Ansicht ist, da\u00df bei der Verarbeitung personenbezogener Daten durch Beh\u00f6rden gegen Vorschriften des BlnDSG oder gegen andere Datenschutzvorschriften versto\u00dfen worden ist oder ein solcher Versto\u00df bevorsteht. In diesem wie auch in jenen F\u00e4llen, in denen das LfV Auskunftsbegehrende aus Geheimhaltungsgr\u00fcnden nicht oder nicht umfassend bescheidet und sie deshalb nach SS 31 Abs. 4 LfVG an den Berliner Datenschutzbeauftragten (DSB) verweist, \u00fcbt der DSB die Kontrolle \"vor Ort\" aus. Im Berichtszeitraum wurden eine Reihe von Einzelvorg\u00e4ngen \u00fcberpr\u00fcft und mit Vorschl\u00e4gen und Empfehlungen abgeschlossen. 1.6 Daten-und Aktenbereinigung Die im Verfassungsschutzbericht 1993 angek\u00fcndigte Datenund Aktenbereinigung konnte 1994 in wesentlichen Teilen weitgehend abgeschlossen werden. Auf der Grundlage des Archivgesetzes des Landes Berlin vom 29. November 1993 (GVBI. S. 576) \u00fcbernahm das Landesarchiv ausgesonderte, archivw\u00fcrdige Akten. Nichtarchivw\u00fcrdige Altakten wurden zur Vernichtung freigegeben und vernichtet. Entsprechende Fundstellen im Nachrichtendienstlichen Informationssystem (NADIS) sind gel\u00f6scht.","1 - Allgemeines - 19 1.7 Parlamentarische Kontrolle In Angelegenheiten des Verfassungsschutzes unterliegt der Senat von Berlin der Kontrolle durch den Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin. Dessen Aufgaben und Befugnisse sind in den SSSS 33 - 35 LfVG geregelt. Im Berichtszeitraum nahm der Ausschu\u00df in neun Sitzungen seine Kontrollbefugnis wahr. Bei angeordneten Beschr\u00e4nkungen des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses unterrichtet die oberste Landesbeh\u00f6rde (jetzt: Der Regierende B\u00fcrgermeister -Senatskanzlei-) die G 10-Kommission des Landes Berlin. Diese entscheidet \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit angeordneter Beschr\u00e4nkungsma\u00dfnahmen. Die G 10-Kommission ber\u00e4t in geheimen Sitzungen. 1.8 \u00d6ffentlichkeitsarbeit (Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung) Obwohl der Verfassungsschutz ein geheimer Nachrichtendienst ist, nimmt die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der Beh\u00f6rde seit einigen Jahren mehr Raum ein als zuvor. Hierbei stehen die j\u00e4hrlichen Verfassungsschutzberichte und seit 1994 Informationsbrosch\u00fcren \u00fcber extremistische Bestrebungen in Berlin im Vordergrund. Sie sollen in erster Linie als Hintergrundmaterial zur geistig-politischen Auseinandersetzung dienen und der interessierten \u00d6ffentlichkeit einen \u00dcberblick \u00fcber die verschiedenen extremistischen Gruppierungen verschaffen. Die Information der \u00d6ffentlichkeit durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden, der sog. \"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\", stellt einen wichtigen Beitrag zur geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus dar. Zwar war die Legitimation der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zur \u00d6ffentlichkeitsarbeit in der Vergangenheit nicht unumstritten, jedoch hatte das Bundesverfassungsgericht schon in einer Entscheidung vom 29. Oktober 1975 sehr deutlich festgestellt, da\u00df es legitim sei, vor Pr\u00fcfung administrativer Ma\u00dfnahmen wie Parteioder Vereinsverboten, eine mit Argumenten gef\u00fchrte politische Diskussion zu su-","1 - Allgemeines - 20 chen, um es gar nicht erst zu Verboten kommen zu lassen. Durch die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit dem Extremismus erf\u00fcllten die Verfassungsorgane der Bundesrepublik - und in ihrem Auftrag auch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden - ihre Aufgabe, die \"freiheitliche demokratische Grundordnung zu wahren und zu verteidigen\" (BVerfGE 40, 287 [292]). Der SS 26 LfVG berechtigt und verpflichtet das LfV nunmehr ausdr\u00fccklich zur Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit. Damit ist der sog. \"Verfassungsschutz durch Aufkl\u00e4rung\" gesetzlich verankert worden. Das Informationsmaterial kann nicht den gesamten Erkenntnisstand der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde \u00fcber die verschiedenen verfassungsfeindlichen Bestrebungen darstellen, weil es auch Informationen gibt, die aus guten Gr\u00fcnden nicht auf dem offenen Markt verbreitet werden d\u00fcrfen, da sie u. a. durch Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel gewonnen wurden. Derartige Informationen werden jedoch selbstverst\u00e4ndlich den Mitgliedern des Verfassungsschutzausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses in geheimer Sitzung mitgeteilt. In der Reihe Durchblicke sind bisher folgende Brosch\u00fcren erschienen: * Durchblicke, 1. Jg. 1994, Nr. 1, \"Rechtsextremismus in Berlin\" (Restexemplare) * Durchblicke, 1. Jg. 1994, Nr. 2, \"Die Intellektualisierung der Neuen Rechten - Die Junge Freiheit\" (vergriffen) * Durchblicke, 1. Jg. 1994, Nr. 3, \"Die internationale Revisionismuskampagne\" * Durchblicke, 1. Jg. 1994, Nr. 4, \"Ausl\u00e4nderextremismus in Berlin\" Die o. g. Brosch\u00fcren, * ein Faltblatt \"Verfassungsschutz in Berlin\",","1 - Allgemeines - 21 * allgemeines Informationsmaterial \u00fcber den Verfassungsschutz sowie * das Computerspiel \"Dunkle Schatten\" k\u00f6nnen beim LfV kostenlos unter der unten aufgef\u00fchrten Adresse bestellt werden. Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit trugen Mitarbeiter des Amtes auch regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber Aufgabenstellung und Schwerpunkte der Arbeit verschiedensten Gruppierungen aus den Bereichen des \u00f6ffentlichen Dienstes (wie z. B. Referendare, Polizeibeamte, Inspektorenanw\u00e4rter), Verb\u00e4nden und Kirchen, Parteien und Schulen vor. Schlie\u00dflich beteiligte sich das LfV Berlin auch im Jahr 1994 an der bundesweiten Aufkl\u00e4rungskampagne unter dem Leitmotto: \"FAIRST\u00c4NDNIS Menschenw\u00fcrde achten - Gegen Fremdenha\u00df\". Der Referent f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit stand auch im vergangenen Jahr wieder vielen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern als Ansprechpartner in Einzelfragen zur Verf\u00fcgung. Abschlie\u00dfend die Adresse, unter der Materialien bestellt werden k\u00f6nnen: Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz - \u00d6ffentlichkeitsarbeit - Auf dem Grat 2 14195 Berlin. Als Kontakttelefon dient der Anschlu\u00df (030) 8309 380.","1 - Allgemeines - 22 Kontrolle (\u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Berlin Parlamentarische Kontrolle Allgemeine Kontrolle Besondere Kontrolle G 10-Kontrolle Debatten im AbgeordneAusschu\u00df f\u00fcr Verfas- G 10-Kommission: tenhaus, sungsschutz: Aktuelle Stunden, 3 Mitglieder, vom AbgeKleine und Gro\u00dfe Anfra10 Mitglieder, aus jeder ordnetenhaus von Berlin gen; Fraktion des Abgeordneauf Vorschlag der Fraktenhauses von Berlin tionen gew\u00e4hlt; ggf. Untersuchungsausmindestens 1 Mitglied, schu\u00df; Vollzug der Anordnung nahezu unbeschr\u00e4nkte i.d.R. nicht vor ZustimBehandlung von PetitioKontrolle. mung durch G 10-Komnen im Petitionsausschu\u00df. mission. 4 4 $ Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz tf 4 tf Verwaltungskontrolle \u00d6ffentlichkeitskontrolle Gerichtliche Kontrolle Dienstund Fachaufsicht B\u00fcrger Klagen gegen Ma\u00dfnahdes Regierenden B\u00fcrger(Eingaben, Anfragen, men des Verfassungsmeisters - Senatskanzlei -; Auskunfts recht), schutzes vor den Verwaltungsgerichten. Landesbeauftragter f\u00fcr Medien den Datenschutz; (Berichte, Anfragen). Landesrechnungshof.","2 - Politischer Extremismus - 23 2 Politischer Extremismus","ER TR u wi","2 - Politischer Extremismus - 25 2.1 Linksextremismus 2.1.1 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential 2.1.1.1 Vorbemerkung / \u00dcberblick Die Aktivit\u00e4ten gewaltt\u00e4tiger Linksextremisten bildeten auch 1994 ein brisantes Gef\u00e4hrdungsmoment f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins. Schwerpunkt des LfV bei der Beobachtung linksextremistischer Bestrebungen war deshalb die Aufkl\u00e4rung desjenigen Potentials, das Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung bef\u00fcrwortet. Die bedeutendste linksextremistische Gef\u00e4hrdung geht in Berlin nach wie vor von den diffus anarchistisch/kommunistisch orientierten Autonomen aus. \u00c4hnlich wie in den Vorjahren waren sie im letzten Beobachtungszeitraum weit \u00fcberwiegend f\u00fcr die Gewalttaten mit linksextremistischem Hintergrund verantwortlich. Den Autonomen ist eine militante Kampagnenpolitik eigen, die immer nur kurzfristig mobilisieren kann. Eine solche \"Methodik\" entspricht ihren politischen und aktionistischen Grundeinstellungen. Haupts\u00e4chlich widmeten sich die Berliner Autonomen 1994 dem sog. antifaschistischen Kampf, in dessen Mittelpunkt die Kampagne zur Unterst\u00fctzung der Inhaftierten und Gesuchten im Fall des 1992 ermordeten Funktion\u00e4rs der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH), Gerhard KAINDL, stand. Weitere \"Reizthemen\" f\u00fcr die Szene waren die \"Umstrukturierung\" Berlins als Hauptstadt und Regierungssitz sowie die Bebauung des Potsdamer Platzes. Erw\u00e4hnenswert ist die Suche von Teilen des gewaltbereiten linksextremistischen Potentials nach neuen Organisationsformen zur Durchsetzung ihrer \"Revolution\u00e4ren Politik\". Die Diskussion um die neue Politik der RAF-Kommandoebene, die Zerrissenheit der Szene einerseits und Versuche andererseits, regionale und \u00fcberregionale Vernetzungen zu schaffen, kennzeichnen einen Proze\u00df des Umdenkens und der Besinnung auf Gemeinsamkeiten, an dessen Ende die von der RAF proklamierte \"Gegenmacht von unten\" stehen k\u00f6nnte.","2 - Politischer Extremismus - 26 Auch die Berliner Autonomen beklagen ihre zunehmende Handlungsunf\u00e4higkeit und suchen nach Auswegen aus dem Dilemma. Ein Teil unterst\u00fctzte daher vehement die Vorbereitungen f\u00fcr einen \"Autonomie-Kongre\u00df\" im Fr\u00fchjahr 1995, von dem sich die Bef\u00fcrworter eine Neubestimmung des politischen Standortes und Impulse f\u00fcr zuk\u00fcnftiges Handeln versprechen. Eine gef\u00e4hrliche Entwicklung zeichnete sich ab durch die Hinwendung vieler Autonomer zu Kleinstgruppen mit militanten Aktionsformen. Die terroristische Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) setzte ihre Anschlagsaktivit\u00e4ten im Berichtszeitraum fort. Die \"Rote Armee Fraktion\" (RAF), die bedeutendste Terrororganisation in der Bundesrepublik Deutschland, ist als Gesamtgef\u00fcge infolge der von der RAF-Kommandoebene 1992 verk\u00fcndeten Aussetzung des \"bewaffneten Kampfes\" bei gleichzeitigem Verzicht ihrer Avantgarde-Rolle nach wie vor gespalten. Der Bruch zwischen der RAF-Kommandoebene auf der einen Seite und der Mehrzahl der Inhaftierten aus der RAF andererseits hat sich 1994 vertieft. Die Ereignisse des Jahres 1994 haben deutlich gemacht, da\u00df beide \"RAF-Fraktionen\" weiterhin bestrebt sind, ihre jeweilige Anh\u00e4ngerschaft zu mehren und zu mobilisieren. Anschlagsaktivit\u00e4ten gingen 1994 von der RAF-Kommandoebene nicht aus. Das Umfeld der RAF reagierte auf diese Spaltung mit erheblicher Verunsicherung und Orientierungsschwierigkeiten. Die aus dem Spektrum der Gegner der neuen Politik der1 RAF-Kommandoebene hervorgegangene \"Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) trat auch 1994 mit terroristischen Anschl\u00e4gen in Erscheinung, wiederum jedoch nicht in Berlin. Im Juli und November 1994 verbreitete sie Positionspapiere, in denen auch f\u00fcr die Zukunft militante/bewaffnete Aktionen angek\u00fcndigt werden. Aktionen von Gruppen aus dem Zusammenhang der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) waren in Berlin erneut nicht zu verzeichnen.","2 - Politischer Extremismus - 27 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential, Anarchisten sowie Marxisten-Leninisten und andere Gruppen in Berlin Autonome: 1 200 RAF-Umfeld: 50 \" Anarchisten: 100 MarxistenLeninisten: 200 < / & sonstige revolution\u00e4r-marxistische und trotzkistische Gruppen: 700 Linksextremistisch motiviertes Gewaltpotential (1250 Personen)= Autonome RAF-Umfeld Marxisten-Leninisten und andere Gruppen (900 Personen)\" Revolution\u00e4r-marxistische Gruppen } fr\u00fcher: \"Dogmatische Neue Linke\" Trotzkistische Parteien und Gruppen } fr\u00fcher: \"Dogmatische Neue Linke\" Marxisten-Leninisten > } fr\u00fcher: orthodoxe Kommunisten","2 - Politischer Extremismus - 28 Mitgliederentwicklung bei linksextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen in Berlin 1984 bis 1994 Sonstige LinksextreMarxistenGesamtzahl revolution\u00e4rmistisches Leninisten marxistische Gewaltund trotzpotential kistische Gruppen 1984 600 - 6400 7000 1985 450 150 6400 7000 1986 350 200 6500 7050 1987 350 500 6500 7350 1988 300 500 6200 7000 1989 300 500 4000 4800 1990 450 700 500 1650 1991 650 1000 400 2050 1992 700 1250 100 2050 1993 700 1250 200 2150 1994 700 1250 200 2150","2 - Politischer Extremismus * 29 Mitgliederentwicklung bei linksextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen in Berlin 1984 bis 1994 8000 Sonstige revoiuion\u00e4r marxistische und trotzkistische Gruppen --*--Linksextremistisches Gewaltpotential 7000 - Marxisten-Leninisten --K--Gesamtzahl 6000 5000 4000 3000 2000 1000 -1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1984 1986 1988 1990 1992 1994","iiMiiifTTnnri * !-*im iirrii i|i in r ----mmmmmmm^mimi\u00df**^* 2 - Politischer Extremismus - 30 2.1.1.2 Autonome 2.1.1.2.1 Grundlagen / Ziele / Strukturen Das gewaltbereite linksextremistische Potential besteht ganz \u00fcberwiegend aus den anarchistisch oder anarcho-kommunistisch orientierten Autonomen. Der Zulauf zu autonomen Personenzusammenh\u00e4ngen hielt 1994 an. Abg\u00e4nge durch \"R\u00fcckzug ins Privatleben\" blieben f\u00fcr die personelle St\u00e4rke der autonomen Szene letztendlich ohne Bedeutung, da kontinuierlich j\u00fcngere Aktivisten hinzustie\u00dfen. So stellte Berlin auch 1994 mit etwa 1 200 Autonomen die Hochburg der bundesweit etwa 5 000 Personen umfassenden Bewegung in Deutschland dar. Nach wie vor zeichnet die autonome Szene f\u00fcr den gr\u00f6\u00dften Teil der Gewalttaten mit linksextremistischem Hintergrund verantwortlich. Ein einheitliches ideologisches Konzept fehlt den Autonomen. Sie folgen verschwommenen anarchistischen, bisweilen auch kommunistischen Vorstellungen. Ihre Forderungen zielen zumeist nicht auf Ver\u00e4nderungen zum Nutzen irgendeines Kollektivs oder der Gesellschaft insgesamt, sondern auf die eigene ungehemmte Entfaltung; selbstbestimmtes Leben beschreiben Autonome u. a. als Freiheit von Lohnarbeit, von sozialen Zw\u00e4ngen und R\u00fccksichtnahmen. Einig sind sich die Autonomen in ihrem Ha\u00df auf Staat und Gesellschaft und in der Bereitschaft, f\u00fcr politische Ziele Gewalt anzuwenden. Obwohl sich die bereits f\u00fcr das Jahr 1993 festgestellte Aufsplitterung und Zerstrittenheit der Szene auch 1994 fortgesetzt hat, ist sie nicht in Aufl\u00f6sung begriffen. Allerdings sind autonome Aktivit\u00e4ten zunehmend bestimmt von individuellen und gruppenspezifischen Interessen. Unter den Berliner Autonomen zeichnen sich bisher folgende Richtungen ab: * Autonome, f\u00fcr die militantes Vorgehen im Mittelpunkt ihres Interesses steht;","2 - Politischer Extremismus - 31 Autonome, vorwiegend \"Alt-Autonome\", die durch Vermittlung politischer Inhalte versuchen, die autonome Szene wieder zum gemeinsamen Handeln zu bewegen; * Autonome, die sich mit kommunistischem Gedankengut besch\u00e4ftigen und versuchen, ihr Handeln ideologisch zu begr\u00fcnden; * Autonome, die - \u00fcber die Vernetzung separat arbeitender Zusammenh\u00e4nge hinaus - verbindliche Organisationsstrukturen anstreben. Diese Differenzen in der autonomen Szene haben zur Folge, da\u00df die Anh\u00e4nger der verschiedenen Str\u00f6mungen teilweise nicht mehr miteinander kommunizieren, teilweise sogar gegeneinander argumentieren. Aktionen gewaltbereiter Kleinstgruppen bildeten 1994 den Schwerpunkt autonomer Umtriebe in Berlin. \"Kleinstgruppentaktik\" gilt unter Autonomen zunehmend u. a. deshalb als probates Kampfmittel, weil erfahrungsgem\u00e4\u00df kaum T\u00e4ter gefa\u00dft werden und somit nur selten \"repressive\" staatliche Ma\u00dfnahmen, gemeint sind strafrechtliche Konsequenzen, greifen k\u00f6nnen. Hingegen verschwand 1994 die f\u00fcr die Szene in den vergangenen Jahren kennzeichnend gewesene sog. Stra\u00dfenmilitanz fast vollst\u00e4ndig. Die Ursachen sind vielschichtig. Wichtigster Grund f\u00fcr das Ausbleiben gewaltt\u00e4tiger Ausschreitungen ist die erhebliche Verunsicherung potentieller Gewaltt\u00e4ter angesichts massiver Polizeipr\u00e4senz und eines erh\u00f6hten Festnahmerisikos. Aus ihren f\u00fcr sie nachteiligen Erfahrungen mit den Ordnungsh\u00fctern haben Autonome Lehren gezogen: Man vermeidet nach M\u00f6glichkeit jegliche direkte Konfrontation mit der Polizei. Bezeichnend f\u00fcr dieses taktisch begr\u00fcndete eher defensive Verhalten waren besonders die Aktivit\u00e4ten anl\u00e4\u00dflich des 1. Mai. Die Berliner autonome Szene verzichtete aufgrund der \"schlechten Erfahrungen mit der Polizei\" aus dem Vorjahr auf eine zentrale \"revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\". Statt dessen wurde auf dem Oranienplatz (Berlin-Kreuzberg) ein \"internationalistisches\" Stra\u00dfenfest veranstaltet, an dem sich etwa 3 000 Personen \"friedlich\" beteiligten. Die","2 - Politischer Extremismus - 32 _ schon zur \"Tradition\" gewordenen Stra\u00dfenschlachten in den Abt\"~~Nachtstunden blieben 1994 aus. Mit immensem propagandistischen Aufwand vorbereitete demonstrativ Aktionen gegen den \"Gro\u00dfen Zapfenstreich\" der Bundeswehr zur Verabschiedung der drei Westalliierten am 8. September auf dem Pariser Platz (Berlin-Mitte) nahm die Szene mit weitaus geringerem Interesse an als von den Initiatoren erwartet. Aktionen, soweit sie nicht entgegen den Planungen ohnehin ausblieben, verliefen unkoordiniert und konnten seitens der Polizei im Keim erstickt werden. Unter diesen Eindr\u00fccken zeigten sich viele Aktivisten \u00e4u\u00dferst frustriert. Im Nachhinein herrschte die Meinung vor, da\u00df heutzutage \u00f6ffentlichkeitswirksame \"Gro\u00df-Aktionen\" keinen Sinn und Zweck mehr h\u00e4tten. Gleichwohl hat die von Autonomen ausgehende Gewalt nichts an Gef\u00e4hrlichkeit eingeb\u00fc\u00dft. Tr\u00e4ger der exzessiven Militanz ist, anders als fr\u00fcher, nicht mehr in erster Linie der sog. Stra\u00dfenmob. Vielmehr handelt es sich bei den heutigen Protagonisten autonomer Gewalt, Angeh\u00f6rige klandestin agierender Kleinstgruppen, um diejenigen Teile der Szene, die bisher \u00f6ffentliche Aktionen dazu nutzten, Gewalt als Mittel zur \"Selbstverwirklichung\" oder Abreaktion ihrer Wut auf gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse, denen man sich kategorisch verweigert, anzuwenden. Bei diesen gezielten gewaltt\u00e4tigen Angriffen gehen Autonome zumeist planvoller und umsichtiger vor als Rechtsextremisten. Anschl\u00e4ge werden langfristig geplant und sorgf\u00e4ltig durchgef\u00fchrt. Deshalb bieten sich der Polizei nur selten Anhaltspunkte, die zur Ergreifung der T\u00e4ter f\u00fchren. Nach wie vor rechtfertigen Autonome zumeist in Selbstbezichtigungen die Wahl ihrer Anschlagsziele. Einen besonderen Bekanntheitsgrad unter den autonomen Zusammenschl\u00fcssen in der Bundeshauptstadt erlangte eine Gruppierung, die seit 1992 ihre Taterkl\u00e4rungen mit dem Slogan \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) unterzeichnet. Hierbei handelt es sich um unbekannte autonome Gewaltt\u00e4ter mit revolution\u00e4r-marxistischer Ausrichtung. Insgesamt werden diesem Personenzusammenhang inzwischen 33 Brand-, f\u00fcnf Sprengstoff-, drei versuchte Brandanschl\u00e4ge, f\u00fcnf sonstige Straftaten sowie 41 Bedrohungen zugerechnet.","2 - Politischer Extremismus - 33 Auch 1994 wurden unter dem Schlagwort \"KLASSE GEGEN KLASSE\" zahlreiche Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt (vgl. a. 2.1.3 Sonderthema: Terroristische Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\"). Eine weitere Ursache f\u00fcr die Aufsplitterung und Zerstrittenheit des autonomen Potentials ist der seit rund zwei Jahren festzustellende Generationswechsel innerhalb der Szene. Die in den 80er Jahren als Aktivisten hervorgetretenen Autonomen werden heute von der nachgewachsenen jungen Generation, die zum gro\u00dfen Teil aus dem Ostteil der Stadtinsbesondere aus Friedrichshain und Prenzlauer Berg - kommt, als sog. Alt-Autonome heruntergespielt. Diese haben sich \u00fcberwiegend deshalb aus der Szene zur\u00fcckgezogen. Einige wenige \"Alt-Autonome\" versuchen, \u00fcber die noch bestehenden szeneeigenen Kommunikationswege Einflu\u00df auf die neue Generation zu gewinnen. Das vergangene Jahr hat aber deutlich gemacht, da\u00df dies nur in geringem Umfang gelungen ist. Obwohl Autonome von der Grundtendenz her den Aufbau einer (eigenen) Organisation ablehnen und die Mehrheit der Autonomen sich als \"organisationsfeindlich\" bezeichnet, halten Teile des autonomen Potentials einen gewissen Grad von Organisierung f\u00fcr unverzichtbar. Solche Kreise arbeiten u. a. in zahlreichen \"Antifa-Gruppen\", \"Anti-Umstrukturierungs-Initiativen\" und anarchistisch inspirierten Personenzusammenschl\u00fcssen mit. Seit etwa zwei bis drei Jahren sind allerdings innerhalb der in Bewegung geratenen autonomen Szene Bestrebungen zu registrieren, die es zuvor mit einem derartig hohen Ma\u00df an Ernsthaftigkeit, Verbindlichkeit und Kontinuit\u00e4t nicht gegeben hatte und die insofern eine \"neue Qualit\u00e4t\" darstellen. Organisationszusammenh\u00e4nge haben sich gebildet, die der beklagten Orientierungsund Perspektiviosigkeit entgegenwirken sollen und eine Diskussion um die \"Neukonstituierung der revolution\u00e4ren Linken\" vorantreiben wollen. Die bisher bestehenden Strukturen innerhalb der Szene (z. B. \"Infotelefone\", \"Infol\u00e4den\", \"Vollversammlungen\" und \"Telefonketten\") haben nicht ausgereicht, diesen Diskussionsproze\u00df in Gang zu bringen. Auch das computergest\u00fctzte Informationssystem \"SpinnenNetz\", dessen Info-Netzwerk politischer Gruppen und Infol\u00e4den 1994 \u00fcber das gesamte Bundesgebiet ausgebaut wurde, konnte die Unf\u00e4higkeit der Szene, \u00fcber einzelne Kampagnen hinaus kontinuierlich nachhaltige politische Arbeit zu leisten, nicht \u00fcberwinden.","2 - Politischer Extremismus - 34 2.1.1.2.2 Gewalttaten der autonomen Szene Gewalt gegen Sachen, aber auch gegen Personen, ist f\u00fcr viele Autonome selbstverst\u00e4ndlich - Militanz geradezu ein Kriterium autonomer Politik. R\u00fcde Sprache und mehr oder weniger klare Aufforderungen zur Gewalt bilden markante Merkmale der Rhetorik, die Autonome bei der Verbreitung ihrer verabsolutierten Standpunkte verwenden. Schwer verst\u00e4ndliche, bis zum letzten auf m\u00f6gliche Gegenargumente durchgefeilte und abgestimmte theoretische Abhandlungen, wie sie etwa in Ver\u00f6ffentlichungen maoistischer Organisationen seit den 70er Jahren \u00fcblich sind, fehlen bei den Autonomen. Das klare Bekenntnis zur Gewalt, im Berichtszeitraum v. a. in brutalsten Auseinandersetzungen mit Rechtsextremisten t\u00e4tlich umgesetzt, \"l\u00e4hmt\" den Teil der linksextremistischen Szene, der eher eine intellektuelle Konfrontation z. B. mit den \"Faschos\" favorisiert. Gewalt als Mittel zur kurzfristigen Verwirklichung f\u00fcr gut und erstrebenswert gehaltener Ziele verdr\u00e4ngt die geistige Kontroverse und sch\u00e4digt so auch die politische Kultur. Auch im Berichtszeitraum 1994 pr\u00e4gte die Militanz autonomer Gruppen das Lagebild des Linksextremismus. Themenbereiche wie \"Umstrukturierung\" Berlins im Rahmen der Hauptstadtfunktion, die Bebauung des Potsdamer Platzes, ebenso der \"Antifaschismus\" vor dem Hintergrund ausl\u00e4nderfeindlicher \u00dcbergriffe waren die Impulse f\u00fcr die Aus\u00fcbung linksextremistischer Gewalt. Die Anzahl militanter Aktionen Autonomer - insbesondere Sachbesch\u00e4digungen und Brandanschl\u00e4ge - ist im Jahr 1994 gegen\u00fcber 1993 um ca. 7 5 % zur\u00fcckgegangen. Insgesamt konnten 1994 46 Gewalttaten gegen Personen/Sachen registriert werden; im Jahr 1993 waren es 182. Die Statistiken des LfV Berlin enthalten hier bekanntgewordene Aktivit\u00e4ten mit erkennbarer Militanz, bei denen ein linksextremistischer Hintergrund vorliegt bzw. zu vermuten ist. Zudem werden beim LfV gewaltsame demonstrative Aktionen, in deren Verlauf es zu einer H\u00e4ufung einzelner strafbarer Handlungen kommt, jeweils nur als ein Vorkommnis gez\u00e4hlt. Die Zahlen des Verfassungsschutzes weichen daher zwangsl\u00e4ufig von Statistiken des Landeskriminalamtes (LKA) ab, in denen alle Straftaten","2 - Politischer Extremismus - 35 mit einem tats\u00e4chlichen bzw. vermuteten politischen Hintergrund zusammengefa\u00dft werden. Dennoch zeigt das polizeiliche Zahlenmaterial einen \u00e4hnlichen Trend. So registrierte das LKA f\u00fcr das Jahr 1994 insgesamt 1 772 linksextremistische Straftaten. Im Vergleich zu 1993, als noch 3 349 Delikte gez\u00e4hlt wurden, bedeutet dies einen R\u00fcckgang von fast 50 %. Eine gleicherma\u00dfen einfache wie beweiskr\u00e4ftige Erkl\u00e4rung gibt es f\u00fcr die stark r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung von Gewalthandlungen nicht. Von einem Ursachenb\u00fcndel ist auszugehen: * Die Stra\u00dfenmilitanz der 80er Jahre ist in Berlin nahezu verschwunden. Heute bilden gewaltt\u00e4tige Aktionen autonomer Kleingruppen den Schwerpunkt der autonomen Szene Berlins. Es liegt in der Natur der Sache, da\u00df sich diese Aktionsform - obwohl sie weit gr\u00f6\u00dfere Sch\u00e4den verursacht - weniger dramatisch in den Statistiken auswirkt. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang wiederum auf den Personenzusammenhang \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK), der allein 1994 f\u00fcr 12 Anschl\u00e4ge mit hohen Sachsch\u00e4den verantwortlich zeichnete. * Im Jahr 1993 gab es - neben den f\u00fcr die Szene j\u00e4hrlich wiederkehrenden \"Reizthemen\" wie rechtsextremistische HE\u00df-Gedenkveranstaltungen oder staatliche Feiern zum 3. Oktober - zus\u00e4tzlich Ereignisse, die eine starke Mobilisierung innerhalb der autonomen Szene erm\u00f6glichten. Zu nennen ist hier f\u00fcr Berlin insbesondere die Kampagne gegen die Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2000 in Berlin. Allein im Rahmen dieser Kampagne wurden vom LfV Berlin 85 linksextremistische Gewalttaten registriert. Im Jahr 1994 boten sich solche von der Szene als au\u00dfergew\u00f6hnlich zu interpretierende Themen nicht in dieser Dichte. * Ein wesentlicher Teil linksextremistischer Gewalt richtet sich gegen sog. Faschos, insbesondere als Reaktion auf von Rechtsextremisten ver\u00fcbte Gewalttaten. Nach den ausl\u00e4nderfeindlichen Anschl\u00e4gen in M\u00f6lln, Rostock, Hoyerswerda und Solingen kam es nicht nur zu einem Anstieg rechtsextremistischer Nachfolgetaten, sondern","2 - Politischer Extremismus - 36 jeweils auch zu einer Steigerung antifaschistischer Militanz. Straftaten von Linksextremisten korrespondieren insofern mit denjenigen von Rechtsextremisten. Die aktuelle Entwicklung hinsichtlich der Anzahl und der Schwere rechtsextremistischer Gewalttaten (ein Anschlag mit t\u00f6dlichem Ausgang konnte 1994 nicht registriert werden) d\u00fcrfte daher auch zum R\u00fcckgang linksextremistischer Gewalt beigetragen haben. Dies bedeutet allerdings nicht, da\u00df Linksextremisten ihren \"antifaschistischen Kampf\" nunmehr als Aktionsfeld minderer Bedeutung begreifen w\u00fcrden. * Nach den Ereignissen Ende Juni 1993 in Bad Kleinen bewirkte insbesondere die Tatsache, da\u00df mit Klaus STEINMETZ ein V-Mann des Verfassungsschutzes nahe an der RAF-Kommandoebene Fu\u00df fassen konnte, eine Art Paralyse, nicht nur bei Personen des engeren RAF-Unterst\u00fctzerbereiches. F\u00fcr Berlin kommt hinzu, da\u00df zu Beginn des Jahres 1994 verdeckte Ermittler der Polizei in Berliner autonomen Kreisen von Szeneangeh\u00f6rigen aufgesp\u00fcrt werden konnten. Bis heute besch\u00e4ftigen sich Autonome damit, bisherige Erfahrungen in ihrem \"Kampf gegen das System\" aufzuarbeiten. Aus dieser Situation resultieren Orientierungslosigkeit und eine noch anhaltende Suche nach neuen Inhalten und Formen des \"Widerstandes\".","2 - Politischer Extremismus - 37 Linksextremistisch motivierte Gewalttaten in Berlin 1992 1993 1 ~ Gesamtzahl der Gewalttaten j 79 182 ^ T\u00f6tungsdelikte, einschl. versuchter T\u00f6tungen 1* - - K\u00f6rperverletzungen 20 19 2 Sprengstoffanschl\u00e4ge - 5 2 Brandanschl\u00e4ge 22 49 27 Sachbesch\u00e4digungen 36 109 15 Zielrichtung Umstrukturierung 30 36 29 Antifa 38 44 7 Olympia 4 85 0 Sonstige 7 17 10 Hierbei handelt es sich um das T\u00f6tungsdelikt gegen den Funktion\u00e4r der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\", Gerhard KAINDL, am 4. April 1992.","2 - Politischer Extremismus - 38 Linksextremistisch motivierte Gewalttaten in Berlin 1994 Januar 5 Februar 1 M\u00e4rz 7 April 3 Mai 4 Juni - Juli 6 August 2 September 5 Oktober 3 November 5 Dezember 5 Gesamt 46","2 - Politischer Extremismus - 39 2.1.1.2.3 Themenfelder Die Aktionsund Agitationsschwerpunkte der Berliner autonomen Szene stellten sich 1994 wie folgt dar: Linksextremistisch motivierte Gewalttaten und \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten Autonomer in Berlin 1992 bis 1994 1992 1993 1994 Gewalttaten 78 182 46 Gewaltt\u00e4tige Aktionen/ 21 19 24 Demonstrationen Friedliche Aktionen/ 26 47 20 Demonstrationen Umstrukturierung Berlins Berliner Autonome f\u00fchren seit der Wiedervereinigung der Stadt und insbesondere nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages f\u00fcr Berlin als Hauptstadt und Regierungssitz eine Kampagne gegen die \"Umstrukturierung\". Argumentativ im Mittelpunkt steht die Einsch\u00e4tzung, zusammen mit anderen \"\u00e4rmeren Kiezbewohnern\" aus den innerst\u00e4dtischen Bereichen gedr\u00e4ngt zu werden, eine Folge eintretender Mietsteigerungen f\u00fcr Wohnungen und Gewerber\u00e4ume aufgrund verst\u00e4rkter Baut\u00e4tigkeit und sog. Luxusmodernisierungen. Aus autonomer Sicht treffen diese Bef\u00fcrchtungen v. a. auf die Bezirke Kreuzberg und Fried-","2 - Politischer Extremismus - 40 richshain zu, die nach der Vereinigung Berlins aus vormaliger \"Randlage\" wieder zu Innenstadtbezirken geworden sind. Ihre fundamentale Gegnerschaft zu einer solchen, von ihnen als menschenund lebensfeindlich gebrandmarkten Stadtund Bev\u00f6lkerungspolitik nahmen Autonome zum Anla\u00df f\u00fcr zahlreiche Gewalttaten. Insbesondere Brandanschl\u00e4ge und Sachbesch\u00e4digungen richteten sich vorwiegend gegen Betriebe, die man mit der \"Umstrukturierung\" in Zusammenhang brachte, so sich ansiedelnde \"kapitalkr\u00e4ftige Gro\u00dfunternehmen\" sowie - als \"Schicki-MickiL\u00e4den\" diffamierte - Lokale und Ladengesch\u00e4fte. Ein weiterer Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr Aktionen zum Thema \"Umstrukturierung\" war die \u00d6ffnung der Oberbaumbr\u00fccke im Bezirk Kreuzberg f\u00fcr den Personenindividualverkehr am 9. November. Seit der R\u00e4umung der von etwa 100 Personen vier Tage lang besetzten Oberbaumbr\u00fccke am 8. Juli 1992 kam es wiederholt zu gewaltsamen Aktionen. Unter dem Slogan \"Oberbaumbr\u00fccke bleibt Stadtringl\u00fccke\" ver\u00fcbten autonome Kleinstgruppen v. a. Brandanschl\u00e4ge auf Baufahrzeuge und -gerate einer an dem Bauvorhaben beteiligten Firma. Protestaktionen in den Mittagsund Abendstunden des 9. November verliefen unfriedlich. Der offizielle Festakt am Mittag wurde durch Knallk\u00f6rperund Farbbeutelw\u00fcrfe sowie Pfiffe erheblich gest\u00f6rt, nachdem es Gegnern der Wiederer\u00f6ffnung gelungen war, sich auch mit vermutlich gef\u00e4lschten Eintrittskarten unter die G\u00e4ste zu mischen. Insgesamt sollen sich etwa 800 Personen an den Protestaktionen auf und im weiteren Umfeld der Oberbaumbr\u00fccke beteiligt haben. Auch am Abend, nach einem angemeldeten Aufzug, an dem etwa 2 000 Personen teilgenommen hatten, eskalierten die Proteste. Etwa 350 bis 400 Gewaltt\u00e4ter entz\u00fcndeten pyrotechnische Gegenst\u00e4nde, warfen mit Flaschen, Steinen und Farbbeuteln und errichteten Hindernisse auf der Fahrbahn. Die Polizei nahm f\u00fcnf Personen vorl\u00e4ufig fest. * Die autonome Szenepublikation \"INTERIM\" berichtete in ihrer Ausgabe vom 17. November in gro\u00dfer Aufmachung \u00fcber die \"erfolgreich\" verlaufenen Protestaktionen. In dem Artikel werden weitere Aktionen gegen den geplanten Stadtring angek\u00fcndigt. Ein im \"Thomas-Wei\u00dfbecker-Haus\" in Berlin-Kreuzberg angesiedelter Zusammenschlu\u00df mit der Bezeichnung \"Der Umzug platzt\" (dup) rief","2 - Politischer Extremismus - 41 Anfang des Berichtsjahres zur Teilnahme an \"Aktionen gegen soziale Vertreibung, \u00f6kologischen Kahlschlag, die Vernichtung von Arbeitspl\u00e4tzen und Sozialabbau\" auf. In der \"INTERIM\" vom 17. Februar bezeichnet sich dup als eine Gruppe, \"die dem Umbau der Stadt zur Regierungsund Dienstleistungsmetropole nicht tatenlos zuschauen\" will. Ihr Anliegen sei, \"den Widerstand \u00f6ffentlich zu machen, zu verbreitern, zu vernetzen\". Am 9. und 16. Juli fanden im Mehringhof Veranstaltungen der Gruppe dup und des \"Anti-Olympia-Komitees\" (AOK) \"Gegen Hauptstadtwahn, Umstrukturierung und Sozialabbau\" statt, an denen sich jeweils bis zu 200 Personen beteiligten. Durchg\u00e4ngig wurde auf beiden Veranstaltungen die Auffassung bekr\u00e4ftigt, die politisch Verantwortlichen versuchten auf Biegen und Brechen, die Hauptstadt Berlin zu einem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Mittelpunkt auszubauen. Ohne R\u00fccksicht auf die Lebensqualit\u00e4t der ortsans\u00e4ssigen Menschen n\u00e4hmen die Verantwortlichen die Folgen - Kiezaufl\u00f6sung, Umweltzerst\u00f6rung und nicht mehr zu bezahlende Mieten - in Kauf. Sprecher riefen dazu auf, betroffenen Bev\u00f6lkerungskreisen st\u00e4rker die \u00dcbereinstimmung ihrer Interessen mit den Anliegen der aktiven \"Umstrukturierungsgegner\" zu verdeutlichen, um so den Mobilisierungsgrad zu erh\u00f6hen.","2 - Politischer Extremismus * 42 Umstrukturierung 35 - 30\" 25 - 4 20\" 36 1530 29 10 * 5- < R . m 1992 1993 1994 1992 1993 1994 1992 1993 1994 Gewalttaten Gewaltt\u00e4tige Friedliche Aktionen/ Aktionen/ Demonstrationen Demonstrationen","2 - Politischer Extremismus - 43 Olympia 8070 - 60\" 50\" 85 40\" 30\" 20\" 1018 R R . . 1992 1993 1994 1992 1993 1994 1992 1993 1994 Gewalttaten Gewaltt\u00e4tige Friedliche Aktionen/ Aktionen/ Demontrationen Demonstrationen","2 - Politischer Extremismus - 44 \"Antifaschismus\" Autonome \"Antifaschisten\" nutzen den \"antifaschistischen Kampf\" seit Jahren als mobilisierungstr\u00e4chtiges Vehikel zur Legitimierung autonomer Positionen \u00fcber die eigenen Reihen hinaus. Dabei instrumentalisieren sie den antifaschistischen Konsens, wie er innerhalb eines breiten politischen Spektrums der Bundesrepublik vorherrscht, als Chance f\u00fcr eigene Absichten. Autonome Taktik erschlie\u00dft so M\u00f6glichkeiten, die eher losen Szenestrukturen zu festigen, die Militanzbereitschaft und -f\u00e4higkeit - bspw, \u00fcber praktizierte \"antifaschistische Selbsthilfe\" - zu f\u00f6rdern und die Basis f\u00fcr militante Aktionen durch \u00dcberwindung grunds\u00e4tzlicher Vorbehalte, etwa seitens der sog. Alternativbewegung, zu verbreitern. Gleichzeitig dient der \"antifaschistische Kampf\" als ideologische \"Br\u00fccke\" zu einem erweiterten Faschismusbegriff, der anderen \"Linken\" das theoretische und mentale \"R\u00fcstzeug\" liefern soll f\u00fcr eine fundamentale, aktiv k\u00e4mpferische Gegnerschaft zur verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung. Es gelte, so die autonome Agitation, Verst\u00e4ndnis zu erzielen f\u00fcr \"system\u00fcberwindende\" Aktionen und K\u00e4mpfe gegen die \"faschistischen\" Strukturen der Staatsmacht mit ihren Unterdr\u00fcckungsmechanismen. Ziel bei Rekrutierung und Mobilisierung sind v. a. j\u00fcngere Menschen, die sich spontan \"in Militanz gegen rechts einreihen\" lassen. Wie sehr in den letzten Jahren das Themenfeld \"Antifaschismus\" f\u00fcr die autonome Szene an Bedeutung gewonnen hat, belegen die vielf\u00e4ltigen Szenepublikationen. Sie dokumentieren und rechtfertigen \"aktuelle Militanz\", inspirieren \u00fcber ein hochstilisiertes, \"idealisiertes\" Gewaltverst\u00e4ndnis zu gesteigerter Gewaltbereitschaft. Die Diskussion innerhalb der autonomen Szene Deutschlands \u00fcber Gewalt als probates Mittel im \"Antifaschismuskampf' wurde im Berichtszeitraum intensiver denn je fortgef\u00fchrt. Urspr\u00fcnglich ausgel\u00f6st durch die T\u00f6tung des Funktion\u00e4rs der rechtsextremistischen \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH), Gerhard KAINDL, am 4. April 1992 in einem Restaurant in Berlin-Kreuzberg, spitzten sich die Gespr\u00e4che nach den Festnahmen mutma\u00dflicher T\u00e4ter Ende 1993 auf die Frage zu, ob bei der Durchf\u00fchrung \"antifaschistischer Aktionen\" letztlich die T\u00f6tung von \"Faschos\" einkalkuliert werden m\u00fc\u00dfte;","2 - Politischer Extremismus - 45 Niederschlag fand diese Entwicklung auch in Szenepublikationen, deren einschl\u00e4gige Beitr\u00e4ge zunehmend eine verbale Radikalisierung deutlich werden lie\u00dfen. Ein offensives Eintreten f\u00fcr das bewu\u00dfte Inkaufnehmen der T\u00f6tung von \"Faschos\" bei \"Angriffsaktionen\" war der Tenor solcher Beitr\u00e4ge. In Flugbl\u00e4ttern, aber v. a. in der Berliner autonomen Szeneschrift \"INTERIM\" wurde festgestellt, da\u00df antifaschistische Arbeit viele Aspekte habe, neben \u00d6ffentlichkeitsarbeit und der Unterst\u00fctzung von Fl\u00fcchtlingen auch die Verhinderung von \"Faschistentreffen\" und das Angreifen \"faschistischer Infrastruktur\". W\u00f6rtlich hie\u00df es: \"Der Angriff auf die Nazikader im Chinarestaurant im April 1992 geh\u00f6rt dazu. Wir werden nicht zulassen, da\u00df eine Handlungsform gegen eine andere ausgespielt wird. (...) Diese Aktion h\u00e4tte in jeder anderen Stadt genauso passieren k\u00f6nnen. (...) Es wundert uns heute, da\u00df es in den vielen bisherigen Auseinandersetzungen mit Faschistinnen nicht schon fr\u00fcher Tote unter ihnen gegeben hat.\" Weiter sinnierten die unbekannten Schreiber in \"INTERIM\": \"Auch wenn es in der autonomen Antifa bisher Konsens ist, faschistische Kader nicht zu t\u00f6ten, so w\u00fcrden es doch nicht wenige sein, die ... sich dar\u00fcber riesig freuen w\u00fcrden und dies auch politisch voll in Ordnung finden w\u00fcrden. Und seien wir doch mal ehrlich. Nach der T\u00f6tung von Kaindl dachten doch viele - na und? Hat's mal einen von denen erwischt. Vielen war es auch einfach gleichg\u00fcltig bis schei\u00df egal. Die schei\u00df-egal-Haltung und Gleichg\u00fcltigkeit ist auf jeden Fall kritisierensw\u00fcrdig, denn schlie\u00dflich l\u00e4\u00dft sich politischer Widerstand nicht auf Gleichg\u00fcltigkeit aufbauen. Strategien, Konzepte, Planungen, Genauigkeit k\u00f6nnen manchmal schon recht hilfreich sein. Es zeigt aber zumindest, da\u00df es f\u00fcr die T\u00f6tung eine gewisse Akzeptanz auch in der Szene gibt.\" Auf die Festnahmen im Fall KAINDL reagierte das gewaltbereite linksextremistische Spektrum mit einer bundesweit gef\u00fchrten Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr die Inhaftierten und fl\u00fcchtigen weiteren Verd\u00e4chtigten. Eine wichtige Rolle bei der \u00fcberregionalen Organisierung dieser Kampagne,","2 - Politischer Extremismus - 46 die w\u00e4hrend des gesamten Berichtszeitraumes andauerte, nahm die Berliner Gruppe \"F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung\" (F.e.l.S.) ein. In Berlin brachten autonome \"Antifas\" und andere Linksextremisten bei mehreren Demonstrationen ihre Solidarit\u00e4t mit den \"Verhafteten und Gesuchten im Fall KAINDL\" zum Ausdruck: * Am 17. Dezember 1993 fand unter dem Motto \"Gegen Naziterror und Bullenwillk\u00fcr! Helft den verfolgten und gesuchten Antifas! L\u00fckkenlose Aufkl\u00e4rung der Zusammenarbeit von BullenA/erfassungsschutz und Nazis im Fall 'Kaindl'!\" eine Solidarit\u00e4tsdemonstration statt. Etwa 1 000 Personen, darunter Autonome und Angeh\u00f6rige verschiedener Antifa-Gruppen, nahmen an dem Aufzug, der aufgrund des massiven Polizeieinsatzes ohne Ausschreitungen verlief, teil. * F\u00fcr den 20. April rief eine Anfang 1994 gegr\u00fcndete \"Bundesweite Migrantinnen-Initiative 'Antifasist Genclik'-Komitee\" zu einer bundesweiten Demonstration in Berlin auf, mit der man seine \"Unterst\u00fctzung der Verhafteten und Gesuchten im Fall KAINDL\" kundtun wollte. Gew\u00e4hlt hatten die Initiatoren den Termin 20. April aus Anla\u00df des Geburtstages von Adolf HITLER, ein Tag, an dem seit vielen Jahren linksextremistische \"Antifaschisten\" gegen m\u00f6gliche \"Faschoaktionen\" Front machen. An dem Aufzug beteiligten sich etwa 2 300 Personen, unter ihnen eine gro\u00dfe Anzahl Autonomer sowie Angeh\u00f6rige verschiedener linksextremistischer Gruppen. Rund 350 t\u00fcrkische Kinder und Jugendliche griffen am Breitscheidplatz (Abschlu\u00dfkundgebung) die Polizei mit Flaschen und Steinen an. Die Ausschreitungen konnten von der Polizei schnell unterbunden werden. * Ein weiterer H\u00f6hepunkt der Kampagne war eine Demonstration \"Gegen die Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstandes und der Selbstverteidigung von Immigrantinnen\" am 21. Mai in Berlin. An dem Aufzug, zu dem bundesweit mobilisiert worden war, beteiligten sich zwischen 2 000 und 2 500 Personen. Ein Gro\u00dfteil der Demonstranten war dem gewaltbereiten linksextremistischen Spektrum zuzurechnen. Im Verlauf der Demonstration kam es zu","2 - Politischer Extremismus - 47 kleineren Sachbesch\u00e4digungen sowie zu vereinzelten Steinw\u00fcrfen gegen Polizeibeamte; die Polizei nahm acht Personen fest. * Anl\u00e4\u00dflich des Beginns des Prozesses gegen die Tatverd\u00e4chtigen am 20. September f\u00fchrten verschiedene Unterst\u00fctzergruppen \"Solidarit\u00e4tstage\" (16. bis 24. September) und proze\u00dfbegleitende Aktionen durch. H\u00f6hepunkte dieser \"Solidarit\u00e4tstage\" waren eine sog. Kiezdemonstration am 19. September in Berlin-Kreuzberg mit ca. 1 200 Teilnehmern sowie eine Kundgebung am 20. September vor dem Landgericht Berlin (Berlin-Tiergarten) mit ca. 350 Teilnehmern. Zum 19. September war dar\u00fcber hinaus zu einem \"Internationalen Aktionstag\" aufgerufen worden. Den Aufruf hierzu hatte man in deutscher, englischer und franz\u00f6sischer Sprache an Gruppen und Einzelpersonen in 16 L\u00e4nder versandt. Vor deutschen Vertretungen im Ausland fanden Protestaktionen statt. So kam es an der deutschen Botschaft in Paris zu einer Demonstration mit ca. 50 Teilnehmern. Das Goethe-Institut in Lyon wurde kurzzeitig von etwa 30 Personen besetzt; w\u00e4hrend der Aktion h\u00e4ngten die Eindringlinge ein Transparent mit der Losung \"Freiheit f\u00fcr die in Deutschland eingesperrten Antifaschisten\" aus dem Fenster. Am 15. November endete nach 13 Verhandlungstagen der Proze\u00df gegen sieben mutma\u00dflich Beteiligte des Anschlages, denen die Anklage gemeinschaftlichen Mord an KAINDL und gemeinschaftliche sechsfache schwere K\u00f6rperverletzung an Begleitern des Deutsche Liga-Funktion\u00e4rs vorgeworfen hatte. Das Gericht verurteilte drei Angeklagte zu dreij\u00e4hrigen Haftstrafen wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge und Beteiligung an einer Schl\u00e4gerei. Zwei Personen erhielten wegen Beihilfe eine Jugendstrafe \u00fcber zwei Jahre bzw. ein Jahr und drei Monate Freiheitsentzug, ausgesetzt zur Bew\u00e4hrung. Zwei wurden freigesprochen. Zwei Haftbefehle gegen im Fall KAINDL gesuchte Personen wurden aufgehoben, zwei weitere Haftbefehle gegen Ende 1994 noch fl\u00fcchtige Personen blieben bestehen. Die Szene kommentierte die Urteile dahingehend, da\u00df die Kampagne erfolgreich den Mordvorwurf gegen die Angeklagten verhindert h\u00e4tte.","2 - Politischer Extremismus - 48 In der Kampagne wurden drei wesentliche Aussagen getroffen, die auch ein Bindeglied f\u00fcr das gesamte gewaltbereite linksextremistische Spektrum darstellten: * Gewalt gegen Rechtsextremisten (einschl. Totschlag/Mord) ist als \"Gegenwehr\" legitimes Mittel. * Der Staat (\"Repressionsapparat\") sch\u00fctzt die Aktivit\u00e4ten der Rechtsextremisten und ist deshalb ebenfalls zu bek\u00e4mpfen. * Die inhaftierten \"Antifaschisten\" sind \"Politische Gefangene\" und werden damit den inhaftierten RAF-Terroristen gleichgesetzt (\"Solidarit\u00e4tsbr\u00fccke\"). Neben der \"Kaindl-Kampagne\" pr\u00e4gten 1994 auch folgende Veranstaltungen und Aktionen die Antifaschismuskampagne in Berlin: * Brandanschlag auf einen Pkw eines f\u00fchrenden Neonazis am 17. April, * Veranstaltungen, Brandanschl\u00e4ge und Sachbesch\u00e4digungen im Zusammenhang mit dem geplanten und letztendlich abgesagten Fu\u00dfball\u00e4nderspiel Deutschland/England am 20. April, * Aktivit\u00e4ten am 20. April gegen Aktionen von Rechtsextremisten anl\u00e4\u00dflich des Todestages des ehemaligen HITLER-Stellvertreters Rudolf HE\u00df, * \"Antifa-Demonstration\" am 9. November in Tiergarten mit ca. 400 Teilnehmern und * sog. Kiez-Radeln gegen Nazi-Presse am 26. November in Kreuzberg und Wedding. Ebenso wie 1993 bem\u00fchten sich autonome Aktivisten im letzten Beobachtungszeitraum, mehr oder weniger lose Antifa-Zusammenh\u00e4nge zu organisieren. Ziel ist die verbesserte Informationsweitergabe innerhalb der autonomen Antifa-Szene zur wirksamen Mobilisierung und f\u00fcr ein","2 - Politischer Extremismus - 49 einheitliches, z. T. bundesweit gesteuertes Handeln. Am weitesten fortgeschritten ist die Organisierung bei der Ende Juli 1992 in Wuppertal ins Leben gerufenen \"Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation\" (AA/BO). Au\u00dfer der gewaltorientierten G\u00f6ttinger \"Autonomen Antifa (M)\" und der Berliner Gruppe \"F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung\" (F.e.l.S.), den K\u00f6pfen dieses Organisationszusammenschlusses, geh\u00f6ren der AA/BO inzwischen weit \u00fcber zehn andere Organisationen aus dem gesamten Bundesgebiet an, darunter mehrere aus der deutschen Hauptstadt. Zudem sind in der AA/BO Gruppen mit sog. Beobachterstatus vertreten. Die AA/BO zeichnet sich durch eine - fr\u00fcher in der autonomen Szene nicht feststellbare - Kontinuit\u00e4t in der politischen Arbeit und eine beachtliche Verbindlichkeit von Gremienentscheidungen und Vereinbarungen aus. So finden regelm\u00e4\u00dfige bundesweite Treffen statt, zu denen Delegierte entsandt werden; auch der strukturelle Aufbau der AA/BO entspricht nicht mehr origin\u00e4r \"autonomen\" Prinzipien. Die Struktur der Organisation basiert auf den lokalen Gruppierungen, deren Delegierte in der Bundesorganisation \"praxisorientierte\" und \"kooperationsf\u00e4hige\" Analysen und Grundlagen erarbeiten sollen. Aus diesem dezentralen Organisationskonzept resultiert, da\u00df sich unter dem Dach der AA/BO Gruppen mit unterschiedlichen ideologischen Schwerpunkten und unterschiedlicher politischer Praxis sammeln: von aktionistischer Militanz bis hin zu basispolitischer \u00dcberzeugungsarbeit. Die Zusammenf\u00fchrung eines solchen breiten Spektrums dient dem langfristigen Ziel, m\u00f6glichst viele Gruppierungen im \"gemeinsamen\" Kampf gegen das \"imperialistische System\" zu organisieren. Alle \"Teilbereichsk\u00e4mpfe\" sollen verbunden werden, um perspektivisch eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, f\u00fcr einen \"Kampf, in dem jeweils unterschiedliche \"Hebel\" angesetzt werden sollen. Angesichts der bisherigen Zersplitterung der autonomen Kr\u00e4fte soll dieses langfristige Ziel zun\u00e4chst \u00fcber den \"Zwischenschritt\" AA/BO, also konzentriert auf das Antifa-Spektrum, angegangen werden.","2 - Politischer Extremismus - 50 Antifa 4035 * 30 25\" 44 2037 15 ' 22 1016 16 5- 9 8 8 7 1992 1993 1994 1992 1993 1994 1992 1993 1994 Gewalttaten Gewaltsame Friedliche Aktionen/ Aktionen/ Demonstrationen Demonstrationen","2 - Politischer Extremismus - 51 Sonstige herausragende Aktivit\u00e4ten * Tag der Deutschen Einheit, 3. Oktober An den militanten Aktionen anl\u00e4\u00dflich der Feierlichkeiten in Bremen beteiligten sich bis zu 1 000 Personen, darunter nur wenige Berliner Autonome. Am selben Tag fand in Berlin eine Demonstration unter dem Motto \"In den Pal\u00e4sten wird gefeiert - Raus aus den H\u00fctten!\" vom fr\u00fcheren Checkpoint Charlie in Kreuzberg zur Neuen Wache in Mitte statt, zu der rund 30 Organisationen, B\u00fcndnisse und Gruppen aufgerufen hatten. Etwa 1 500 Personen nahmen daran teil. * Bundestagswahl, 16. Oktober Trotz der generell resignativen Stimmung in der Szene gelang es Aktivisten anl\u00e4\u00dflich der Bundestagswahl, autonome Mitstreiter zeitweise aus ihrer Lethargie zu befreien und zu Aktionen zu mobilisieren. So wurden im Berliner Stadtgebiet Plakate einer \"Antifa Berlin\" u. a. auf Werbetr\u00e4ger von Parteien geklebt, in denen die Initiatoren dazu aufriefen, die \"faschistische, rassistische, sexistische Wahlwerbung zu zensieren, abzurei\u00dfen, zu \u00fcberkleben und wegzumachen!\" Am 8. Oktober taten ca. 2 000 Personen ihre fundamentale Ablehnung des parlamentarischen Systems im Rahmen einer \"Breiten B\u00fcndnis-Demo\" in Berlin kund. Zu dem Aufzug war mit Flugschriften unter dem Motto \"Keine Faschistinnen und Rassistinnen in die Parlamente - Wahlen \u00e4ndern nix - organisiert Euch selbst!\" mobilisiert worden. Vermutlich Angeh\u00f6rige autonomer Antifa-Gruppen gingen vereinzelt gegen Plakate und Werbest\u00e4nde der Partei \"Die Republikaner\" (REP) vor. Am Wahltag selber blieben, soweit bekanntgeworden, Aktivit\u00e4ten linksextremistisch motivierter Gewaltt\u00e4ter aus.","2 - Politischer Extremismus - 52 * EU-Gipfel, 9./10. Dezember in Essen Seit Herbst 1993 bem\u00fchten sich Linksextremisten unterschiedlicher Richtungen eine Kampagne gegen das \"Gipfeltreffen\" der Europ\u00e4ischen Union (EU) am 9. und 10. Dezember in Essen in Gang zu setzen. Vorbild war dabei die Kampagne gegen den M\u00fcnchener Weltwirtschaftsgipfel 1992 (Demonstration, Gegenkongre\u00df, \"Aktionstage\"). Die Resonanz der Berliner Szene war eher m\u00e4\u00dfig. Am 5. und 6. November fand unter dem Leitwort \"Widersetzen wir uns diesem Europa\" im Mehringhof ein \"Anti-EU-Seminar\" statt, an dem etwa 40 Personen teilnahmen. Es kam hier auch zu keiner nennenswerten Mobilisierung f\u00fcr die in Essen geplante Gegendemonstration. Trotz Verbots demonstrierten am 10. Dezember dort zahlreiche Autonome. Die Polizei nahm etliche Personen fest.","2 - Politischer Extremismus - 53 Sonstige 1614' 121017 8- 6J 12 10 4- -- 7 7 7 6 6 5 2 - 1992 1993 1994 1992 1993 1994 1992 1993 1994 Gewalttaten Gewaltt\u00e4tige Friedliche Aktionen/ Aktionen/ Demonstrationen Demonstrationen","2 - Politischer Extremismus - 54 2.1.1.2.4 Arbeitsgemeinschaft \"Junge Genossinnen in und bei der PDS\" Auf dem Sonderparteitag der SED im Dezember 1989 wurden Antr\u00e4ge junger Delegierter zu verschiedenen Fragen abgelehnt bzw. nicht behandelt. Anfang Januar 1990 trafen sich deshalb rund 20 Parteitagsdelegierte, um alternative Wirkungsformen in der SED-PDS zu suchen. Bei dieser Gelegenheit wurde die Arbeitsgemeinschaft \"Junge Genossinnen in und bei der PDS\" ins Leben gerufen. Die Arbeitsgemeinschaft zeigt gegen\u00fcber gewaltbereiten Autonomen und Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes keinerlei Ber\u00fchrungsvorbehalte. \u00d6ffentliche \u00c4u\u00dferungen mehrerer f\u00fchrender Funktion\u00e4re erwecken vielmehr den Eindruck, da\u00df die Arbeitsgemeinschaft militante Aktionsformen bef\u00fcrwortet und diese lediglich nach taktischen Erw\u00e4gungen \u00f6ffentlich beurteilt. 2.1.1.2.5 Arbeitsgemeinschaft \"Autonome Gruppen in und bei der PDS\" Mit einer Mitte September 1994 in Umlauf gebrachten Flugschrift \"Widerstand\", Nr. 1/94, stellten sich erstmals \"Autonome Gruppen in und bei der PDS\" vor. Die Herausgeber bezeichnen sich als Jugendliche, vorwiegend aus dem autonomen Spektrum, die in und bei der PDS mitarbeiten wollen. Z. T. seien sie bereits Mitglieder der Partei. Als Kontaktadresse der \"Autonomen Gruppen in und bei der PDS\" dient die Gesch\u00e4ftsstelle der PDS in Alt-Marzahn 64 (Berlin-Marzahn). 2.1.1.2.6 Ausblick Auch in Zukunft werden sich politische Reizthemen und damit auch Aktionsfelder ergeben, die entsprechende Mobilisierungen und damit den Fortbestand eines hohen linksextremistischen Militanzniveaus erwarten lassen. Die Kampagne \"Regierungsumzug und Umstrukturierung\" wird weiterhin f\u00fcr die autonome Szene Berlins einen Schwerpunkt ihrer Agitation und Aktionen bilden. Im Mittelpunkt der Kampagne d\u00fcrfte 1995 die Bebauung","2 - Politischer Extremismus - 55 des Potsdamer Platzes stehen; mit entsprechenden Aktionen autonomer Aktivisten ist zu rechnen. Ob es den Autonomen gelingen wird, ihre Zerfaserung in eher individuell oder gruppenegoistisch agierende Zusammenh\u00e4nge und die ebenfalls einem einheitlichen Handeln entgegenstehende \"ideologische\" Desintegration zu \u00fcberwinden, h\u00e4ngt von einem - aus Sicht vieler Autonomer l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lligen - Selbstfindungsproze\u00df der Szene ab. Verlauf und Ergebnisse sind in der jetzigen Phase noch nicht abzusch\u00e4tzen. Fraglich ist, ob der f\u00fcr Ostern 1995 in Berlin geplante \"Autonomie Kongress\" die angestrebte Standortbestimmung der \"Autonomen Bewegung\" in Deutschland wird leisten k\u00f6nnen.* Trotz dieser \"internen Mi\u00dfst\u00e4nde\" haben die Autonomen als schwer kalkulierbare Bedrohung f\u00fcr die innere Sicherheit der deutschen Hauptstadt nicht entscheidend an Gef\u00e4hrlichkeit eingeb\u00fc\u00dft. Diese Feststellung bleibt unber\u00fchrt von der Beobachtung, da\u00df das autonome Potential mit seinen bisherigen Konturen in Bewegung geraten ist. Die fr\u00fchere definitorische Abgrenzung - auf der einen Seite die spontaneistischen militanten Autonomen, auf der anderen Seite die an den strategischen Anschlagszielen der RAF orientierte \"Antiimperialistische Szene\" - hat an Trennsch\u00e4rfe verloren. In der \"radikalen Linkqn\" ist eine Bewegung in Gang gekommen, die weg von der kurzatmigen, spontihaften Anarcho-Militanz zu mehr Koordination, zu mehr Analyse und Argumentation, zu verbindlicheren Strukturen und gr\u00f6\u00dferer Gruppendisziplin will. Eine Renaissance undogmatischer linksextremistischer Gruppierungen zeichnet sich ab. So sind seit etwa zwei bis drei Jahren innerhalb der Szene Bestrebungen zu registrieren, die es zuvor mit einem solch hohen Ma\u00df an Ernsthaftigkeit, Verbindlichkeit und Kontinuit\u00e4t nicht gegeben hatte und die insofern eine \"neue Qualit\u00e4t\" darstellen. Organisationszusammenh\u00e4nge haben Der \"Autonomie-Kongre\u00df 1995\" fand vom 14. bis 17. April 1995 in der Technischen Universit\u00e4t Berlin statt. Daran beteiligten sich mehr als 2 000 Autonome aus dem gesamten Bundesgebiet. Das Ziel der Organisatoren, eine Konsolidierungsphase der autonomen Bewegung einzuleiten, konnte nicht erreicht werden. Ober eine blo\u00dfe \"Bestandsaufnahme\" kam der Kongre\u00df nicht hinaus.","2 - Politischer Extremismus - 56 sich in der Szene gebildet, die eine Diskussion um die \"Neukonstituierung der revolution\u00e4ren Linken\" vorantreiben wollen. Dar\u00fcber hinaus gibt es Ans\u00e4tze zur Erschaffung eines bundesweiten \"legalen Daches\" f\u00fcr das Zusammenwirken legaler und illegaler Gruppen. Am weitesten fortgeschritten sind diese Bem\u00fchungen im Spektrum der militanten autonomen Antifa-Bewegung. Wesentliches Ergebnis ist die Ende Juli 1992 in Wuppertal ins Leben gerufene \"Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation\" (AA/BO). Perspektivisch d\u00fcrfte die AA/BO zunehmende Bedeutung erlangen. Der Organisationsansatz findet im Bereich der extremistischen Linken wachsendes Interesse; in dieser Antifa-Struktur vorhandene militante Tendenzen d\u00fcrften noch zunehmen. 2.1.1.3 \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Die RAF befindet sich seit 1992 in einem \"politischen Neuorientierungsproze\u00df\", dessen Ausgang noch offen ist. In mehreren seit April 1992 ver\u00f6ffentlichten Erkl\u00e4rungen propagiert die Kommandoebene (\"Illegale\") der RAF den Aufbau einer \"(sozialen) Gegenmacht von unten\" und versucht dabei, die \"weitgehend gesellschaftlich isolierte (...) radikale Linke\" auf ihre Ziele einzuschw\u00f6ren. Von staatlicher Seite wird gefordert, einen \"politischen Raum aufzumachen\". Als eigene Vorleistung f\u00fcr diese politische L\u00f6sung wurde die R\u00fccknahme der Eskalation verk\u00fcndet - zugleich aber die Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes f\u00fcr den Fall angedroht, da\u00df seitens des Staates \"weiter auf Krieg gegen unten\" gesetzt werde. Ein \"wesentlicher Bestandteil\" des Prozesses \"von Diskussionen und Aufbau einer Gegenmacht von unten (ist der) Kampf f\u00fcr die Freiheit der politischen Gefangenen\". Die hohe Wertigkeit dieses Themenkomplexes verdeutlichte die RAFKommandoebene mit ihrem Sprengstoffanschlag auf den noch nicht bezogenen Neubau der Justizvollzugsanstalt Darmstadt-Weiterstadt am 27. M\u00e4rz 1993. Diese \"neue Politik\" ist umstritten.","2 - Politischer Extremismus - 57 Die teilweise \u00f6ffentlich ausgetragenen Auseinandersetzungen zwischen den Bef\u00fcrwortern einerseits und den Verfechtern der uneingeschr\u00e4nkten Fortsetzung des bewaffneten Kampfes (\"hardliner\") andererseits, f\u00fchrten Ende 1993 zum \"Bruch\" innerhalb des RAF-Gef\u00fcges. Auch 1994 blieb die RAF als Gesamtgef\u00fcge gespalten. Ihre Situation sowie die ihres Umfeldes und in Folge des gesamten linksterroristischen Gef\u00e4hrdungspotentials in der Bundesrepublik Deutschland ist anhaltend gekennzeichnet durch ein in dieser Form bisher nicht gekanntes Ma\u00df an partikularistischer, eigendynamischer und somit in starkem Ma\u00dfe unkontrollierbarer Bewegung. Die \"Einheit der RAF\" gibt es schon seit l\u00e4ngerer Zeit nicht mehr. Ob der endg\u00fcltige Bruch zwischen den \"Illegalen\" und den sog. hardlinern bzw. ihrer jeweiligen Anh\u00e4ngerschaft Realit\u00e4t wird, h\u00e4ngt von den Beteiligten ab. Gesten der Vers\u00f6hnlichkeit gehen bis dato ausschlie\u00dflich von den \"Illegalen\" aus. Am 6. M\u00e4rz 1994 meldete sich die RAF-Kommandoebene erneut zu Wort. In einer 18seitigen Erkl\u00e4rung, die der Redaktion der Tageszeitung \"Junge Welt\" in Berlin zugestellt worden war, bestreitet die RAF u. a., da\u00df der V-Mann Klaus STEINMETZ, der bei der Festnahmeaktion GRAMS/HOGEFELD in Bad Kleinen am 27. Juni 1993 beteiligt war, Mitglied der RAF und damit in die Kommandoebene der Organisation eingebunden gewesen sei. Gleichfalls in Abrede gestellt wird seine Beteiligung am Anschlag auf den Neubau der JVA Weiterstadt. Die Verfasser erkl\u00e4ren ferner, an der Deeskalation festhalten zu wollen, bezeichnen die Spaltung des RAF-Gef\u00fcges als Folge jahrelanger, nicht aufgekl\u00e4rter Widerspr\u00fcche und gestehen ein, von ihrem Ziel, dem Aufbau einer \"Gegenmacht von unten\", weit entfernt zu sein; dies gelte ihrer Meinung nach auch f\u00fcr die Freilassungskampagne zugunsten der Inhaftierten der RAF. Am 18. M\u00e4rz wurden auf Anordnung der Bundesanwaltschaft die Redaktionsr\u00e4ume der \"Jungen Welt\" in Berlin durchsucht, da der Verlag sich weigerte, das Original der RAF-Erkl\u00e4rung den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden zu \u00fcbergeben.","2 - Politischer Extremismus - 58 Der RAF-Kommandoebene und ihren Anh\u00e4ngern stehen die \"hardliner\"Gefangenen und ihre Gefolgschaft gegen\u00fcber. Dies sind Teile des RAFUmfeldes, (revitalisierte) Halblegale (\"K\u00e4mpfende Einheiten\") sowie \"antiimperialistische Widerstandsgruppen\". Die Ereignisse des Jahres 1994 verdeutlichen, da\u00df die Bef\u00fcrworter der neuen \"RAF-Politik\" einerseits und die sog. hardliner-Fraktion andererseits bestrebt sind, ihre jeweilige Anh\u00e4ngerschaft zu mehren und zu mobilisieren. Dar\u00fcber hinaus kann jedoch manche Formulierung der Kommandoebene (auch in ihrer Erkl\u00e4rung vom 6. M\u00e4rz 1994) als fortgesetztes Bem\u00fchen um \"Vers\u00f6hnung\" im Richtungsstreit interpretiert werden. Unabh\u00e4ngig davon versucht dieser Personenkreis weiterhin, seiner \"neuen Politik\" bei der \"radikalen Linken\" Geltung zu verschaffen und eine \"emanzipatorische Bewegung\" zu initiieren. Am 15. November 1994 wurde vor dem Oberlandesgericht Frankfurt/Main das Hauptverfahren gegen Birgit HOGEFELD er\u00f6ffnet, die am 27. Juni 1993 in Bad Kleinen festgenommen worden war. Aus diesem Anla\u00df gab die Angeklagte eine \"Proze\u00dferkl\u00e4rung\" ab. Unter der Voraussetzung, da\u00df diese Stellungnahme mit der Kommandoebene abgestimmt ist, besitzt diese Erkl\u00e4rung nach hiesiger Einsch\u00e4tzung eine neue Qualit\u00e4t. Sowohl die Wortwahl bei der Darstellung gewisser Einzelaspekte als auch der \"aggressive Geist\" der Erkl\u00e4rung als Ganzes lassen die Interpretation zu, die (zeitweilige) \"R\u00fccknahme der Eskalation\" werde nunmehr als hinf\u00e4llig erachtet. Zu den Strukturen der RAF ist zu bemerken, da\u00df alle wesentlichen Entscheidungen von der seit Jahren auf etwa 15 bis 20 Personen gesch\u00e4tzten Kommandoebene der RAF gemeinsam getroffen werden. In Berlin sind in der Vergangenheit keine Angeh\u00f6rigen der Kommandoebene festgestellt worden - wie \u00fcberhaupt bisher Berlin von Anschl\u00e4gen dieser Gruppe verschont blieb.","2 - Politischer Extremismus - 59 2.1.1.3.1 RAF-Umfeld Dem Umfeld der RAF werden von den Sicherheitsbeh\u00f6rden diejenigen, in der Szene als \"Antilmps\" bezeichneten, Personen zugerechnet, die sich vollinhaltlich mit den Zielen der RAF identifizieren und sie politischpropagandistisch unterst\u00fctzen. Dieser Personenkreis umfa\u00dft in Berlin etwa 50 Personen. Einige davon m\u00fcssen dem engeren RAF-Umfeld zugerechnet werden, da sie im Verdacht stehen, die RAF durch praktische Hilfeleistung zu unterst\u00fctzen. Die Arbeit der Berliner RAF-Anh\u00e4nger (Umfeld) ist beherrscht von den Diskussionen \u00fcber die Auseinandersetzung innerhalb des RAF-Gef\u00fcges. Sie sind derzeit bem\u00fcht, neue Unterst\u00fctzungsgruppen zu bilden bzw. bestehende Gruppen auszubauen. In diesem Zusammenhang greift das Berliner RAF-Umfeld auch wieder aktuelle Themen des \u00fcbrigen linksextremistischen Spektrums, insbesondere der Autonomen, auf und unterst\u00fctzt diese Themen. Besonders auff\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang, da\u00df die Verhaftungen im \"Mordfall Kaindl\" auch ein wichtiges Thema f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen des Berliner RAFUmfeldes darstellten. Unabh\u00e4ngig von dem Richtungsstreit rief das RAF-Umfeld bundesweit im Rahmen der Freilassungskampagne f\u00fcr Irmgard M\u00d6LLER zu einem \u00fcberregionalen \"Aktionstag\" f\u00fcr den 8. Juli 1994 auf. An diesem Tag im Jahre 1972 wurde Irmgard M\u00d6LLER festgenommen und war seitdem inhaftiert. Ihrem 1992 gestellten Antrag auf vorzeitige Haftentlassung wurde mit Wirkung vom 1. Dezember 1994 entsprochen (Aussetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe zur Bew\u00e4hrung). * In Berlin wurden anl\u00e4\u00dflich dieses \"Aktionstages\" von Angeh\u00f6rigen des hiesigen RAF-Umfeldes zwei Plakate auf der Br\u00fccke \u00fcber die Adalbertstra\u00dfe am Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg) befestigt. Die Aktion wurde als Erfolg gewertet. Dar\u00fcber hinaus fand am 9. September 1994 ein \"unsichtbares Theater\" am Alexanderplatz in Berlin-Mitte im Rahmen der \"Aktionskette 'Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen'\" (\"Stafette\") statt, an dem sich ca. 50 Personen beteiligten. Ziel dieser am 13. Mai 1994 in Mainz begonnenen Mobilisierungsma\u00dfnahme ist es, \"in den n\u00e4chsten Monaten regelm\u00e4\u00dfig","2 - Politischer Extremismus - 60 am zweiten Freitag im Monat in die St\u00e4dte (zu) gehen, in denen die Verantwortlichen f\u00fcr die Situation der Gefangenen sind.\" Die \"Aktionskette\" soll - wenn auch in teilweise ver\u00e4nderter Form - im Jahre 1995 fortgesetzt werden. Am 27. Juli 1994 traten die 12 \"hardliner\"-lnhaftierten in einen befristeten Hungerstreik. Diesem schlo\u00df sich am 28. Juli 1994 auch Birgit HOGEFELD an und setzte damit augenscheinlich ihre \"Vermittlungsbem\u00fchungen\" fort. Auch hierbei stand die angestrebte Freilassung von Irmgard M\u00d6LLER im Mittelpunkt. Es wurden \"alle\" aufgefordert, \"daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, da\u00df sie jetzt freikommt\". Am 3. August 1994 beendeten alle Beteiligten den Hungerstreik. In Berlin kam es zu folgenden begleitenden Aktivit\u00e4ten des Umfeldes: 27. Juli Zeitweilige Besetzung des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg; ca. 15 Teilnehmer 29. Juli \"Hungerstreik-W\" im Mehringhof 31. Juli W\u00e4hrend der SAT 1-Sendung \"Talk im Turm\" entrollten zwei Personen f\u00fcr ca. 30 Sekunden ein Transparent mit der Aufschrift \"Freiheit f\u00fcr Irmgard M\u00d6LLER\". Ordnungspersonal verwies die St\u00f6rer des Saales. 2. August Aufzug mit anschlie\u00dfender Kundgebung; ca. 300 Teilnehmer Am 18. Oktober 1994 fand in Berlin erneut eine Demonstration f\u00fcr die Freilassung von Irmgard M\u00d6LLER statt, an der sich \u00fcber 250 Personen - \u00fcberwiegend Autonome und Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes - beteiligten.","2 - Politischer Extremismus - 61 2.1.1.4 \"Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) Die AIZ -vormals \"Antiimperialistische Widerstandszelle Nadia SHEHADAH\" (AIW) - ist Teil des Bedrohungskomplexes \"antiimperialistische Widerstandsgruppen\" und als solcher ein bereits \"etablierter\", \"praktizierender\" Personenzusammenhang. Seit 1992 hat diese Gruppe \u00fcberregional zahlreiche objektbezogene Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Das Selbstund Politikverst\u00e4ndnis der AIZ wird besonders in ihren umfangreichen Positionspapieren vom 13. Dezember 1993, 8. Juli 1994 sowie von Anfang November 1994 deutlich. Hierbei wurde die Erkl\u00e4rung aus Dezember 1993 ausdr\u00fccklich \"als Beitrag f\u00fcr die aktuelle Diskussion\" bezeichnet. Ihre Aktionen der letzten drei Jahre will die Gruppe als \"Teil einer Politik der militanten Orientierung\" verstanden wissen. Hierbei sei es f\u00fcr sie wichtig, \"da\u00df vom Konzept Stadtguerilla (1971) und vom FrontPapier (1982) der Roten Armee Fraktion das, und nur das, \u00fcbernommen wird, was jetzt in den 90ern Gebrauchswert hat. Das Festhalten dagegen an \u00fcberholten Vorstellungen und Konzepten ist nicht unsere Sache. Unsere Politik zielt ab auf einen Entwicklungsproze\u00df antiimperialistischer Praxis, die getragen wird von unterschiedlichsten militanten/bewaffneten Zusammenh\u00e4ngen (...) das politisch Verbindende derer, die hier wirklich was wollen, sollte eine Strategie antiimperialistischer Politik sein, die sich im Kampfproze\u00df Schritt f\u00fcr Schritt herauskristallisiert und die in ausf\u00fchrlicher \u00f6ffentlicher Diskussion formuliert wird.\" Bez\u00fcglich der RAF-Konzeptpunkte \"Gegenmacht von unten\" und \"soziale Aneignungsprozesse\" stellen die Verfasser fest: \"Wir haben in den letzten zw\u00f6lf Monaten diese beiden Begriffe wiederholt aufgegriffen. Weil sie Gebrauchswert f\u00fcr die Neubestimmung antiimperialistischer Politik von militanten bewaffneten Zusammenh\u00e4ngen in der BRD haben k\u00f6nnen.\" Die Wertigkeit der von der AIZ ausgehenden potentiellen Bedrohung auch im Hinblick auf personenbezogene Anschl\u00e4ge wird drastisch veran-","2 - Politischer Extremismus - 62 schaulicht durch Formulierungen wie \"gezielte Angriffe auf einzelne Funktionstr\u00e4ger aus Politik und Wirtschaft (seien unverzichtbar), wenn der antiimperialistische Kampf in der BRD ein relevanter werden soll.\" Konkretisiert wird diese Aussage in dem j\u00fcngsten Positionspapier: \"Unsere Politik wird dahin gehend orientiert sein, dort militant/bewaffnet anzugreifen, wo die BRD-Eliten ihre Arbeitspl\u00e4tze bzw. ihre Wohnsitze haben.\" Im Jahre 1994 erkl\u00e4rte sich die Gruppe verantwortlich f\u00fcr zwei Sprengstoffanschl\u00e4ge (einer davon versucht): * Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Kreisgesch\u00e4ftsstelle der CDU in D\u00fcsseldorf in der Nacht zum 5. Juni 1994, * versuchter Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude des Landesverbandes der F.D.P. in Bremen am Wochenende 24725. September 1994. In Berlin war die AIZ erkennbar bisher nicht aktiv. Jedoch k\u00f6nnte die Stadt ihrer k\u00fcnftigen funktionalen Konzentration wegen (Hauptstadt, Sitz des Bundestages und der Bundesregierung sowie \"Metropole\" schlechthin) einer erh\u00f6hten Anschlagsgef\u00e4hrdung - auch durch diesen Personenzusammenschlu\u00df bzw. m\u00f6gliche Nachahmer - ausgesetzt sein. In den Aktivit\u00e4ten der AIZ kann weiterhin ein Ansatz f\u00fcr eine Vernetzung der \"Widerstandskomponenten\" gesehen werden. Jedoch scheint die Gruppe mit dem Fortschritt ihrer Bem\u00fchungen um \"einen militanten antiimperialistischen Aufbruch des Widerstandes in der BRD\" unzufrieden. Sie strebt als Folge dieser Feststellung offensichtlich eine Zielgruppenerweiterung an.","2 - Politischer Extremismus - 63 2.1.1.5 \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) Die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) stellen einen eigenst\u00e4ndigen und unabh\u00e4ngigen Bestandteil im Bereich des deutschen linksextremistisch motivierten Terrorismus dar. Dem \"bewaffneten Kampf\", wie ihn die RAF aus der Illegalit\u00e4t f\u00fchrt, sprechen die RZ in aller Regel jegliche \"Effizienz\" ab. Anders als die Kommandoebene der RAF agieren die Kleingruppen der RZ nicht aus dem Untergrund, sondern verlassen ihren normalen Lebensrhythmus nur zur Durchf\u00fchrung von Aktionen (\"Feierabendterrorismus\"). Die Aufkl\u00e4rung von Aktionen der RZ stellt die Sicherheitsbeh\u00f6rden vor erhebliche Probleme, weil die den RZ eigene Strategie des \"Feierabendterrorismus\", die organisatorische Struktur selbst\u00e4ndig operierender Zellen mit jeweils nur wenigen Mitgliedern und die thematische Breite der RZ (Aktionen gegen eine Vielzahl von Sachobjekten mit angeblicher Symbolfunktion erscheint vielen Sympathisanten plausibel) eine Eingrenzung des m\u00f6glichen T\u00e4terbereichs au\u00dferordentlich erschwert. Daraus erkl\u00e4rt sich auch, da\u00df die Aktivit\u00e4ten der RZ offensichtlich weit mehr positive Resonanz als die der RAF im allgemeinen und unter Autonomen im besonderen finden. Mehr als die terroristischen Aktivit\u00e4ten der RZ ist ihre Vorbildfunktion f\u00fcr \u00e4hnliche Aktionen anderer zur Gewaltaus\u00fcbung bereiter Gruppen und Personen zu f\u00fcrchten. Insbesondere militante Autonome orientieren sich - offenbar h\u00e4ufig - am Handlungsmuster der RZ. Denjenigen, die einen Zusammenschlu\u00df nach dem Muster der RZ bilden wollen, bietet der \"Feierabendterrorismus\" der RZ g\u00fcnstigere Bedingungen als die Ideologie der RAF, die ein Abtauchen in die Illegalit\u00e4t beinhaltet. Obwohl in Berlin seit drei Jahren kein der RZ zuzurechnender Anschlag mehr zu verzeichnen war, wird weiterhin davon ausgegangen, da\u00df es hier intakte \"Revolution\u00e4re Zellen\" und ein gro\u00dfes Potential zur Bildung von sog. Resonanz-RZ gibt, die aus aktuellem Anla\u00df jederzeit aktiv werden k\u00f6nnen.","2 - Politischer Extremismus - Im Dezember 1993 trat nach \u00fcber f\u00fcnf Jahren die Frauengruppe in den RZ - die \"Rote Zora\" - mit einer 38seitigen Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Milli's Tanz auf dem Eis\" wieder in Erscheinung. Darin wird ein Einblick in den noch laufenden Kl\u00e4rungsproze\u00df gegeben, ohne die Sichtweise aller \"Roten Zoras\" zu repr\u00e4sentieren. Da es in der Vergangenheit kaum personelle Kontinuit\u00e4t gegeben habe, sei eine Auseinandersetzung mit \"FrauenLesben\", die eine revolution\u00e4r-feministische Perspektive auf den unterschiedlichsten Ebenen umzusetzen in der Lage seien, erw\u00fcnscht. Wie es weiter darin hei\u00dft, sei illegale militante Organisierung notwendig, um den Kampf in unvers\u00f6hnlicher Gegnerinnenschaft zu diesem patriarchalen System zu bestehen; militante Politik m\u00fcsse sich auch in der Praxis ausdr\u00fccken. Im Juni 1994 dokumentierte die \"Rote Zora\" ihr \"Wieder da sein\" mit einem Anschlag gegen eine westdeutsche Lebensmittelfirma, die Asylbewerberunterk\u00fcnften Lebensmittel liefert. 2.1.1.6 Ausblick Auch 1994 blieb die RAF als Gesamtgef\u00fcge gespalten. Ob dieser Bruch dauerhaft wird, h\u00e4ngt von den Beteiligten ab. Bei unver\u00e4nderten Rahmenbedingungen d\u00fcrften die Kontrahenten weiterhin bestrebt sein, ihre jeweilige Anh\u00e4ngerschaft zu mehren und zu mobilisieren. Dies bedeutet f\u00fcr die RAF-Kommandoebene, da\u00df sie nach wie vor versuchen wird, ihrer \"neuen Politik\" bei der \"radikalen Linken\" Geltung zu verschaffen und eine \"emanzipatorische Bewegung\" zu initiieren. Dieses Vorhaben k\u00f6nnte beg\u00fcnstigt werden durch verst\u00e4rkt festzustellende Organisierungs-A/ernetzungsbem\u00fchungen innerhalb des linksextremistischen/-terroristischen Gef\u00e4hrdungspotentials. Die RAF-Kommandoebene d\u00fcrfte - allen Theoriediskussionen zum Trotze - sehr wohl weiterhin in der Lage sein, \"milit\u00e4rische Schl\u00e4ge\" auszuteilen. Vorrangig erscheint diese Gefahr bez\u00fcglich der Interventionsfelder \"Soziales\" (\"Das 'Soziale' ist der Kern der Revolution\"), \"Gro\u00dfdeutschland\" (\"Bestie Deutschland\") und \"Ausmerzverh\u00e4ltnis\". Eine zumindest konzeptionell einende Linie verfolgt auch die AIZ.","2 - Politischer Extremismus - 65 Inwieweit diese (im Ansatz) \"Konkurrenz\" zur RAF, diebis dato sp\u00e4rliche - Resonanz auf ihre Anschl\u00e4ge und Positionspapiere zu verst\u00e4rken vermag, ist derzeit nicht zu beurteilen. Es ist jedenfalls davon auszugehen, da\u00df diese Gruppe in ihren Anschlagsbem\u00fchungen nicht nachlassen wird - im Gegenteil: Sie wird wohl danach trachten, diese quantitativ und \"qualitativ\" zu steigern. Ob es - \u00fcber die grunds\u00e4tzliche Akzeptanz der zentralen RAFKonzeptpunkte \"Gegenmacht von unten\" und \"soziale Aneignungsprozesse\" - zu einer gewissen (tendenziellen) Ann\u00e4herung zwischen AIZ und RAF(-Kommandoebene) kommen kann, bleibt abzuwarten. Bez\u00fcglich letzterer ist ungewi\u00df, ob in der \"Proze\u00dferkl\u00e4rung\" der Birgit HOGEFELD tats\u00e4chlich ein Richtungsschwenk und somit eine Gef\u00e4hrdungserh\u00f6hung zu sehen ist. 2.1.2 Marxistisch-leninistische und sonstige revolution\u00e4r-marxistische Gruppen 2.1.2.1 Vorbemerkung Neben den gewaltorientierten linksextremistisch motivierten Gruppen und einer Reihe relativ unbedeutender Zirkel und Zusammenschl\u00fcsse (etwa 100 Angeh\u00f6rige), die eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" anstreben, versuchen auch andere linksextremistische Organisationen, Parteien und Zusammenschl\u00fcsse, die freiheitliche demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland auf revolution\u00e4rem Weg zu beseitigen. Dazu z\u00e4hlen marxistisch-leninistische B\u00fcnde und Parteien inklusive traditionell kommunistische Organisationen sowie trotzkistische Vereinigungen. Den einerseits aus der kommunistischen Weltbewegung unter ideologischer Hegemonie der ehemaligen KPdSU entstandenen Parteien und Gruppen und den andererseits in der Studentenbewegung der 60er Jahre wurzelnden Organisationen ist gemeinsam, da\u00df sie den Klassenkampf und die proletarische Revolution propagieren sowie eine kommunistische","2 - Politischer Extremismus - 66 Diktatur errichten wollen. Dabei sind sie z. T. auch bereit, Gewalt zur Durchsetzung dieses politischen Ziels anzuwenden, sobald die Situation dies ihrer Meinung nach zul\u00e4\u00dft. Die traditionellen \"orthodoxen\" Kommunisten und ihre auch in Berlin (ca. 150 Mitglieder) aktiven Parteien \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) - Sitz Berlin - versuchen, nach dem Zusammenbruch der \"sozialistischen Staatengemeinschaft\" in Osteuropa einen zweiten Anlauf des Sozialismus zu rechtfertigen. Sie wehren sich dabei am entschiedensten gegen die Ablehnung der Sowjetunion stalinistischer Pr\u00e4gung und behaupten weiterhin, es h\u00e4tte ohne die Anwendung stalinistischer Methoden weder eine Gro\u00dfmacht UdSSR mit starker Industrie noch den sowjetischen Sieg im zweiten Weltkrieg gegeben. F\u00fcr sie und eine Vielzahl der fr\u00fcher im allgemeinen Sprachgebrauch als \"K-Gruppen\" bezeichneten Organisationen spielt die positive Auseinandersetzung mit dem \"Stalinismus\" eine wesentliche Rolle, allerdings wird der Begriff auf die verschiedensten Arten ausgelegt. Die in Berlin (ca. 500 Angeh\u00f6rige) vertretenen marxistisch-leninistischen B\u00fcnde und Parteien wie \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB), \"Gruppe K\", verbliebene Splittergruppen der 1968 gegr\u00fcndeten \"Kommunistischen Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/M-L), die alle (derzeit drei mit Sitz in Berlin, Gelsenkirchen und Stuttgart) den Namen \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) f\u00fcr sich beanspruchen, \"Rote Hilfe e. V.\" (RH) und \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP), sind \u00fcberwiegend bundesweit aktiv, insbesondere durch die regelm\u00e4\u00dfige Herausgabe von Publikationen. Die trotzkistischen Organisationen hingegen lehnen den \"Stalinismus\" grunds\u00e4tzlich ab und f\u00fchlen sich durch den \"Untergang der sozialistischen Diktaturen\" in ihrer Haltung best\u00e4tigt. In Berlin waren 1994 insgesamt acht, zusammen \u00fcber etwa 200 Mitglieder verf\u00fcgende, trotzkistische Parteien und Gruppen aktiv, die sich als deutsche Sektionen internationaler Dachverb\u00e4nde verstehen:","2 - Politischer Extremismus - 67 Der \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA), die \"Gruppe Avanti\" (l\u00f6ste sich im Oktober 1994 auf), die \"Gruppe Spartakus\" (GS) (l\u00f6ste sich im Oktober 1994 auf) und die \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) mit ihrer Tarnorganisation \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) traten bei Gro\u00dfveranstaltungen lediglich mit Flugschriftenaktionen in Erscheinung. Bei eigenen Veranstaltungen blieben sie \u00fcberwiegend isoliert, da sie verschiedenen - auch untereinander verfeindeten - Dachverb\u00e4nden des internationalen Trotzkismus angeh\u00f6ren. Angesichts seiner Zersplitterung und seiner geringen Anh\u00e4ngerzahl - bundesweit etwa 1 500 Personen in \u00fcber einem Dutzend Parteien - stellt der organisierte deutsche Trotzkismus z. Z. keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung dar. Wegen der Vielzahl der marxistisch-leninistischen und sonstigen revolution\u00e4r-marxistischen Zusammenschl\u00fcsse wird nachfolgend nur eine Auswahl der in Berlin aktivsten Parteien/Gruppen n\u00e4her dargestellt (in alphabetischer Reihenfolge). 2.1.2.2 \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der BWK, 1980 aus einer Spaltung des damaligen \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" (KBW) hervorgegangen, propagiert weiterhin die \"proletarische Revolution\". Wegen der geringen Mitgliederzahl (bundesweit nicht mehr als 300, in Berlin unter 20 Personen) beschr\u00e4nkt sich der BWK jedoch seit Jahren \u00fcberwiegend auf publizistische Aktivit\u00e4ten. Einige Landesverb\u00e4nde des BWK haben ihre Eigenst\u00e4ndigkeit aufgegeben und arbeiten als \"Arbeitsgemeinschaft\" in der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) mit. Schon seit der 11. ordentlichen BWK-Bundesdelegiertenkonferenz im M\u00e4rz 1991 sieht sich die Organisation verpflichtet, in Berlin nur nach Abstimmung mit der PDS t\u00e4tig zu werden. Unter Hinweis darauf, da\u00df kommunistische Politik heute im B\u00fcndnis von Organisationen, Vereinigungen etc. betrieben werden mu\u00df, versuchte der BWK auch 1994 im Westteil Berlins, zusammen mit seiner B\u00fcndnisorganisation \"Volksfront gegen","2 - Politischer Extremismus 68 Reaktion, Faschismus und Krieg\" (VOLKSFRONT) und der PDS \u00fcber monatliche Diskussionsveranstaltungen eine breite \u00d6ffentlichkeit zu erreichen. Bem\u00fchungen des BWK, bei gleichzeitiger Anlehnung an die PDS seine Strukturen zu erhalten, dienen offensichtlich auch dem Zweck, die Kontrolle \u00fcber die Verlagsuntemehmen \"Gesellschaften f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH\" (GNN) beizubehalten. In letzter Zeit werden jedoch zunehmend Verflechtungen der GNN-Verlage mit der PDS deutlich. In Berlin unterh\u00e4lt der GNN-Verlag seit September 1994 eine B\u00fcrogemeinschaft mit der PDS-Basisorganisation Kreuzberg, Dieffenbachstra\u00dfe 33 (Berlin-Kreuzberg). 2.1.2.3 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Trotz des Fortbestehens des 1956 vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochenen Verbots der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) wurde am 25. September 1968 die Neukonstituierung einer legalen kommunistischen Partei, der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) verk\u00fcndet. Der lange Jahre DDR-getreuen DKP, die nach eigenen Angaben bis in die 80er Jahre 50 000 Mitglieder hatte, geh\u00f6ren heute noch rund 5 000, in Berlin \u00fcber 100 Personen an. Der Aufbau einer Parteiorganisation in Berlin - die DKP hatte bis dahin aufgrund der fr\u00fcheren \u00f6stlichen Drei-Staaten-Theorie Berlin (West) ausgespart - begann 1990 auf Initiative von ehemaligen Mitgliedern der \"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands\" (SED) bzw. ihrer Nachfolgeorganisation \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) und der \"Sozialistischen Einheitspartei Westberlins\" (SEW) bzw. ihrer Nachfolgeorganisation \"Sozialistische Initiative\" (Sl). Am 20. November 1991 wurde die DKP Bezirksorganisation (BO) \"Berlin-Brandenburg\" gegr\u00fcndet, die bereits im Juni 1993 aufgrund interner Auseinandersetzungen vom DKP-Parteivorstand formal wieder aufgel\u00f6st wurde. Derzeit besteht die DKP in Berlin und Brandenburg aus der BO \"BerlinOst\" mit der Grundorganisation \"Berlin-Hellersdorf\" und der BO \"BerlinWest\" (\"Berlin-Brandenburg\") mit den Kreisorganisationen \"Berlin-Nord\",","2 - Politischer Extremismus - 69 \"Berlin-S\u00fcd\" und \"Oder-Spree\" sowie den Grundorganisationen \"Reichsbahn\" und \"Gesundheitsgruppe\". In Berlin nutzt die DKP Einrichtungen der PDS f\u00fcr ihre Veranstaltungen. Im Vorfeld der Wahlen zum Deutschen Bundestag am 16. Oktober 1994 unterst\u00fctzte die DKP in einigen Berliner Bezirken die PDS durch Beteiligung an deren Informationsst\u00e4nden. Mitglieder der DKP unterhielten 1994 enge Verbindungen zu Angeh\u00f6rigen der \"Kommunistischen Plattform\" der PDS und der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD - Sitz Berlin) und veranstalteten im wesentlichen parteiinterne Treffen, ohne gr\u00f6\u00dfere Wirkung in der \u00d6ffentlichkeit zu erzielen. 2.1.2.4 \"Kommunistische Plattform\" (KPF) Die \"Kommunistische Plattform\" (KPF) wurde am 30. Dezember 1989 von Kommunisten innerhalb der umbenannten SED, der damaligen SEDPDS (seit 16./17. Dezember 1989) und sp\u00e4teren PDS (seit 24725. Februar 1990), als eigenst\u00e4ndiger Zusammenschlu\u00df gegr\u00fcndet. Gesicherte Erkenntnisse \u00fcber die Zahl der Mitglieder der KPF liegen nicht vor. Angaben verschiedener f\u00fchrender PDS/KPF-Funktion\u00e4re zufolge werden der KPF der PDS etwa 5 000 Mitglieder zugerechnet. Charakteristikum der KPF ist ihr unbedingtes Festhalten am MarxismusLeninismus. Sie arbeitet gezielt darauf hin, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen und an ihrer Stelle im Wege \"revolution\u00e4rer Transformationen\" eine klassenlose kommunistische Gesellschaft zu errichten. 2.1.2.5 \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD - Sitz Berlin) Die am 31. Januar 1990 hoch in der damaligen DDR gegr\u00fcndete KPD will an das Jahr 1946 ankn\u00fcpfen, in dem aus dem Zusammenschlu\u00df von KPD und SPD in der damaligen Ostzone die SED entstanden ist. Mit der","2 - Politischer Extremismus - 70 Begr\u00fcndung \"wir verstehen uns wieder als selbst\u00e4ndige KPD\" will sie die ehemaligen SED-Mitglieder, \"die treu zu ihren kommunistischen Idealen stehen\" in der KPD vereinen, da dje SED-Nachfolgeorganisation PDS \"keine politische Kampfheimat f\u00fcr Kommunisten mehr ist und auch nicht mehr sein wird.\" Die KPD, die auf die \"Revolution des Volkes und die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaft\" hinwirken will, und der bundesweit ca. 200, in Berlin ca. 40 Mitglieder angeh\u00f6ren, bem\u00fcht sich um den Aufbau einer einheitlichen kommunistischen Partei. In Berlin kandidierte die Partei bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag am 16. Oktober 1994 im Wahlkreisverband Lichtenberg/Friedrichshain ohne nennenswerten Erfolg. 2.1.2.6 \"Marxistische Gruppe\" (MG) Nachdem die MG im Mai 1991 unter Hinweis auf den staatlichen \"Verfolgungswahn\" ihren Beschlu\u00df zur Selbstaufl\u00f6sung bekanntgegeben hatte, stellte sie vor\u00fcbergehend alle \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten ein, wahrte aber intern weiterhin ihren Zusammenhalt. Seit M\u00e4rz 1992 vertreibt die MG, der wie bereits zum Zeitpunkt ihrer Aufl\u00f6sung bundesweit etwa 10 000 Mitglieder zugerechnet werden (in Berlin mit einer Funktion\u00e4rsgruppe vertreten), die \"Politische Vierteljahresschrift GEGENSTANDPUNKT\". Auch 1994 setzte sie ungeachtet ihrer \"Aufl\u00f6sung\" mit \"GEGENSTANDPUNKTe-Diskussisonsgruppen\" u. a. in Berlin ihre politische Arbeit fort. Als revolution\u00e4r-marxistischer Zusammenschlu\u00df propagiert die MG bei partieller Anlehnung an die ideologischen Klassiker des Linksextremismus und unter Berufung auf eigene Erkenntnismethoden zur Analyse der Wirklichkeit die gewaltsame Zerschlagung der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung im Sinne des Grundgesetzes zugunsten einer kommunistischen Gesellschaftsform. Ihre Arbeitsweise zeugt von Eigenschaften eines sektiererischen Geheimbundes.","2 - Politischer Extremismus - 71 2.1.2.7 \"Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 gegr\u00fcndete MLPD ist bundesweit mit etwa 2 000 Mitgliedern (in Berlin \u00fcber 100) eine der gr\u00f6\u00dferen Organisationen innerhalb der revolution\u00e4r-marxistischen Bewegung. Sie fordert weiterhin den \"Aufbau des echten Sozialismus\" und beruft sich dabei auf die Lehren von MARX, ENGELS, LENIN, STALIN und insbesondere Mao ZEDONG. Auch 1994 gelang es der MLPD nicht, sich aus ihrer politischen Isolation zu l\u00f6sen. Versuche, f\u00fcr die 1994 durchgef\u00fchrten Wahlen B\u00fcndnisse u. a. mit der PDS einzugehen, scheiterten; die PDS lehnt die MLPD als \"sektiererische Organisation\" ab. Mit Aktionsgruppen der Kampagne \"Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Millionen\" sowie der Bildung von Initiativgruppen zum Aufbau der MLPD bzw. einer breiten Wahlhelferbewegung (\"W\u00e4hlerinitiativen\") versuchte die MLPD neue Organisationsformen f\u00fcr eine \"neue Opposition\" zu bilden. Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag am 16. Oktober 1994 kandidierte die MLPD in Berlin mit einer \"offenen Liste\" und errang 320 Erstund 518 Zweitstimmen. Die MLPD verf\u00fcgt seit Ende 1993 in Berlin mit dem \"Treff Neuer Weg\" \u00fcber einen eigenen Veranstaltungsort. Der \"Treff\" in Neuk\u00f6lln, Reuterstra\u00dfe 15, soll \"Anziehungspunkt f\u00fcr die Werkt\u00e4tigen und Anlaufstelle f\u00fcr die MLPD\" sein. Auch der Jugendverband \"REBELL\" ist im Raum Berlin-Brandenburg mit seinen Ortsgruppen Berlin-Neuk\u00f6lln und -Treptow sowie Potsdam 1994 offensiv in Erscheinung getreten. 2.1.2.8 \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Aktivit\u00e4ten der seit 1991 als \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) auftretenden Anh\u00e4nger der peruanischen Terrororganisation \"Sendero Luminoso\" (Leuchtender Pfad), wurden 1994 kaum registriert. Die RK, die bundesweit \u00fcber ca. 100 Anh\u00e4nger verf\u00fcgen, ordnen sich dem von der \"Kommunistischen Partei Perus\" (PCP) gef\u00fchrten internationalen Dachverband \"Revolution\u00e4r/ Internationalist Movement\" (RIM,","2 - Politischer Extremismus - 72 Sitz: London) unter, der sich ideologisch an MARX, ENGELS, LENIN und Mao ZEDONG orientiert und dabei insbesondere Maos Konzept des \"Revolution\u00e4ren Volkskrieges\" herausstellt. Hatten die RK, die den bewaffneten Kampf gegen Staat und Gesellschaft auch in Deutschland fordern, Anfang 1993 noch massiv mit Flugschriftenaktionen f\u00fcr ihre Ziele, u. a. \"Revolution hier und \u00fcberall auf der Welt\" und die Freilassung des seit September 1992 inhaftierten und zu lebenslanger Haft verurteilten PCP-Anf\u00fchrers Abimael GUZMAN geworben, kam es 1994 nur noch zu vereinzelten Teilnahmen an Kundgebungen bzw. zu sporadischen Flugblattaktionen. Auch f\u00fchrten sie am 1. Mai eine \"revolution\u00e4re Mai-Demonstration\" durch. 2.1.2.9 \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die SAG, deutsche Sektion der trotzkistischen \"Internationalen Sozialisten\" (IS), erstrebt \u00fcber Betriebsund Gewerkschaftsarbeit den Aufbau einer revolution\u00e4ren kommunistischen Partei. Sie konnte sich 1994 bundesweit auf ca. 250, in Berlin ca. 40 Mitglieder, st\u00fctzen. Wie ihre britische Schwesterorganisation, die \"Socialist Workers Party\" (SWP), die eine \"Anti-Nazi-League\" unterh\u00e4lt, sieht die SAG ihren Schwerpunkt im \"antifaschistischen Kampf. 1994 gelang es ihr, in Berlin ein \"Anti-Nazi-B\u00fcndnis-Berlin\" zu bilden, das angeblich von einem \"breiten Spektrum\" getragen wurde. Neben anderen waren die PDS und die der autonomen Szene zuzurechnenden \"Edelwei\u00df-Piraten\" beteiligt. Das \"B\u00fcndnis\" kam jedoch \u00fcber gelegentliche Demonstrationen nicht hinaus. 2.1.2.10 \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Die bereits am 4.15. Mai 1968 gegr\u00fcndete SDAJ, mit zeitweise \u00fcber 15 000 Mitgliedern in den alten Bundesl\u00e4ndern, bildete erst Anfang 1991 einen Landesverband \"Berlin/Brandenburg\". Der Landesverband verf\u00fcgt \u00fcber etwa 30 Mitglieder, die teilweise auch in der DKP organisiert sind.","2 - Politischer Extremismus - 73 Die SDAJ ist Mitglied des \"Weltbundes der demokratischen Jugend\" (WBDJ), einer internationalen Vereinigung von Jugendorganisationen \"demokratisch-antiimperialistischen Charakters\". Der WBDJ wurde 1945 als KPdSU-gesteuerte Frontorganisation gegr\u00fcndet, sein Sitz ist Budapest. Die SDAJ, eine traditionelle B\u00fcndnisorganisation der DKP, beruft sich auf die wissenschaftliche Weltanschauung von MARX, ENGELS und LENIN. Um ihre \"sozialistische Zielsetzung\" zu erreichen, h\u00e4lt die SDAJ die Existenz einer kommunistischen Partei oder zumindest kommunistischer Strukturen f\u00fcr notwendig. Aus ihrem Selbstverst\u00e4ndnis als revolution\u00e4re sozialistische Arbeiterjugendorganisation heraus bef\u00fcrwortet die SDAJ auch weiterhin gewaltsame Formen des politischen Kampfes. Die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Autonomen und zur Akzeptanz militanter Aktionsformen - insbesondere im Aktionsfeld \"Antifaschismus\" - hat zugenommen und wurde 1994 z. T. auch in die Praxis umgesetzt. U. a. beteiligte sich die SDAJ an einer von den autonomen \"Edelwei\u00df-Piraten\" in Berlin initiierten Kampagne \"Stoppt Nazi-Zeitungen\". 2.1.2.11 \"Spartakist - Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) Bei der SpAD, deutsche Sektion der trotzkistischen \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), die bundesweit \u00fcber ca. 120, in Berlin ca. 100 Mitglieder verf\u00fcgt, stagniert die Anh\u00e4ngerschaft. Die SpAD verteidigt weiterhin den \"realen Sozialismus\" - einschl. stalinistischer Erscheinungen - und isoliert sich damit selbst gegen\u00fcber anderen marxistisch-leninistischen und trotzkistischen Organisationen. Ihre in Berlin regelm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrten Veranstaltungen fanden im Jahre 1994 kaum noch Zuspruch. Mit ihrer Tarnorganisation \"Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung\" (KfsV) engagiert sich die SpAD weiterhin f\u00fcr \"verfolgte\" Repr\u00e4sentanten des ehemaligen SED-Regimes, v. a. in Form von Protestkundgebungen.","2 - Politischer Extremismus - 74 2.1.2.12 Ausblick Die Situation aller marxistisch-leninistischen und sonstigen revolution\u00e4rmarxistischen Zusammenschl\u00fcsse blieb auch 1994 \u00fcberwiegend - von einigen Ausnahmen abgesehen - von Stagnation gepr\u00e4gt. Die Organisationen agierten weitestgehend unabh\u00e4ngig voneinander. Die Gr\u00fcndung einer einheitlichen kommunistischen Partei, lange Zeit diskutiert, spielt keine Rolle mehr. Die Bem\u00fchungen der traditionelle! Marxisten-Leninisten, Stalinisten, Maoisten und Trotzkisten, Einflu\u00df auf Aktivit\u00e4ten zu aktuellen Anl\u00e4ssen zu nehmen, f\u00fchrten 1994 trotz ihrer relativ gro\u00dfen Anh\u00e4ngerschaft - zumindest in Berlin - ebenfalls nicht zum Erfolg und machten ihre Isolation innerhalb des linksextremistischen Lagers deutlich. V. a. die Autonomen, mit ca. 1 200 Personen das gr\u00f6\u00dfte linksextremistische Potential in Berlin, lehnen eine Zusammenarbeit mit diesen \"stalinistischen Politsekten\" nach wie vor ab, weil durch sie \"autonome Diskussionen\" verhindert w\u00fcrden. Wegen des Dogmatismus der marxistisch-leninistischen und sonstigen revolution\u00e4r-marxistischen Gruppierungen ist es auch nicht absehbar, ob diese in absehbarer Zeit gr\u00f6\u00dferen Zulauf zu verzeichnen haben. Trotz ihres erheblichen publizistischen Aufwands d\u00fcrften sie auch weiterhin keinen ernstzunehmenden Einflu\u00df auf die politische Landschaft in Berlin und anderen Teilen Deutschlands nehmen. 2.1.3 Sonderthema: Terroristische Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" Vorbemerkung Seit der Wiedervereinigung der Stadt und nach der Entscheidung des Deutschen Bundestages f\u00fcr Berlin als Hauptstadt und Regierungssitz f\u00fchren autonome Personenzusammenh\u00e4nge eine gewaltt\u00e4tige Kampagne gegen die mit dem \"Hauptstadtbeschlu\u00df\" verbundenen zahlreichen \"Umstrukturierungsma\u00dfnahmen\" in der Stadt durch.","2 - Politischer Extremismus - 75 Die von verschiedenen autonomen Gruppen initiierten gewaltt\u00e4tigen Aktionen richten sich insbesondere gegen bauliche Gro\u00dfprojekte und sog. Luxusmodernisierungen. Hintergrund ist die Bef\u00fcrchtung, durch die daraus folgenden Mietsteigerungen f\u00fcr Wohnungen und Gewerber\u00e4ume aus ihren Kiezen, insbesondere in Kreuzberg und Friedrichshain, im Innenstadtbereich verdr\u00e4ngt zu werden. Diese Bezirke sind nach der Wiedervereinigung Berlins aus vormaliger \"Randlage\" wieder zu Innenstadtbezirken geworden und stehen somit im besonderen Interesse des von ihnen angefeindeten \"Kapitals\". Ziele ihrer Aktionen, insbesondere Brandanschl\u00e4ge und Sachbesch\u00e4digungen waren v. a. Firmen, die sie mit der Umstrukturierung in Zusammenhang brachten, sich in ihrem Kiez ansiedelnde kapitalkr\u00e4ftige Gro\u00dfunternehmen sowie Lokale mit gehobenem gastronomischen Niveau, die sie als \"Schicki-Micki-L\u00e4den\" diffamierten. Eine der vielen autonomen Gruppen, die sich mit dem Thema Umstrukturierung besch\u00e4ftigen, ist eine Gruppierung, die ihre Taterkl\u00e4rungen mit dem Slogan \"KLASSE GEGEN KLASSE\" unterzeichnet. Selbstverst\u00e4ndnis / Ziele / Aktivit\u00e4ten Bei der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" handelt es sich um einen Personenoder Gruppenzusammenschlu\u00df, der sich seit Mitte 1992 dem \"Stadtteilkampf vorwiegend in dem Berliner Bezirk Kreuzberg gegen die Umstrukturierung verschrieben hat. Aber auch au\u00dferhalb Kreuzbergs, z. B. in Neuk\u00f6lln und Zehlendorf, sind Anschl\u00e4ge von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" zu verzeichnen. Die Angeh\u00f6rigen von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" rekrutieren sich aller Wahrscheinlichkeit aus der Berliner autonomen Szene, wollen sich jedoch von dieser abgrenzen, indem sie in ihren Ver\u00f6ffentlichungen marxistisch-leninistisches Vokabular benutzen und sich so einen revolution\u00e4rmarxistischen Anstrich geben.","2 - Politischer.Extremismus - 76 Da dieser Personenzusammenhang seinen \"Stadtteilkampf' mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf das Eigentum anderer Menschen, bei denen teilweise auch Gefahr f\u00fcr Leib und Leben besteht, insbesondere durch schwerste Straftaten (Brands\u00e4tze, Herbeif\u00fchren einer Explosion durch Sprengstoff), wie sie in SS 129a Absatz 1 des Strafgesetzbuches genannt sind, f\u00fchrt, wird die Gruppierung von den Sicherheitsbeh\u00f6rden als terroristische Vereinigung eingestuft. Ziel der Aktionen von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" ist einerseits die sog. neue Mittelschicht, die - teilweise aus linken Strukturen (wie ehemalige Hausbesetzer) gewachsen - sich in ihren Augen in den Kiezen von Kreuzberg und Neuk\u00f6lln breit gemacht habe (als Besitzer von \"SchickiMicki-L\u00e4den\" und Bewohner von Dachgescho\u00dfwohnungen) und zum stabilisierenden Faktor der Umstrukturierung geworden sei und andererseits von ihnen f\u00fcr Umstrukturierungsma\u00dfnahmen und Spekulationsgesch\u00e4fte verantwortlich gemachte Personen (Bezirkspolitiker, Architekten, Immobilienmakler). \"KLASSE GEGEN KLASSE\" findet deshalb bei denjenigen Berliner autonomen Zusammenh\u00e4ngen keine uneingeschr\u00e4nkte Zustimmung, die sich z. B. in Kreuzberg etabliert haben. In Beitr\u00e4gen in der autonomen Szenepublikation \"INTERIM\" wurde \"KLASSE GEGEN KLASSE\" in der Vergangenheit z. T. heftig kritisiert. Seit Mitte 1992 wurden insgesamt 33 Brandanschl\u00e4ge, f\u00fcnf Sprengstoffanschl\u00e4ge, drei versuchte Brandanschl\u00e4ge, f\u00fcnf sonstige Straftaten sowie 41 Bedrohungen (N\u00f6tigung/Beleidigung) ver\u00fcbt, die von den Sicherheitsbeh\u00f6rden der Gruppierung \"KLASSE GEGEN KLASSE\" zugeordnet werden. Betroffen davon war insbesondere das Eigentum von Bezirkspolitikern aus Kreuzberg und Neuk\u00f6lln, von in Kreuzberg t\u00e4tigen Architekten sowie ein sog. Schicki-Micki-Restaurant, ein Spezialit\u00e4tengesch\u00e4ft sowie eine Autofirma in Kreuzberg. Dar\u00fcber hinaus versandte die Gruppe im Juni und Juli 1993 Drohschreiben an Dachgescho\u00dfbewohner und Gesch\u00e4ftsinhaber in Kreuzberg, in denen die Betroffenen u. a. als \"Nutznie\u00dfer der Umstrukturierungsma\u00dfnahmen\" diffamiert und in \u00e4u\u00dferst aggressivem Sprachstil aufgefordert wurden, den Bezirk zu verlassen.","2 - Politischer Extremismus - 77 Im Herbst 1993 erreichten die Anschlagsaktivit\u00e4ten der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" ihren bisherigen qualitativen H\u00f6hepunkt. So wurde am 18. Oktober 1993 eine Handgranate osteurop\u00e4ischer Herkunft durch die Schaufensterscheibe des Lokals \"Auerbach\" in Berlin-Kreuzberg geworfen. Durch die Explosion entstand ein Sachschaden von etwa 100 000 DM. Am 21. Oktober 1993 brachte \"KLASSE GEGEN KLASSE\" an einem Gitter vor der Schaufensterscheibe des Spezialit\u00e4tengesch\u00e4ftes \"Alimentari & Vini\" einen Sprengsatz in Form einer Taschenlampe mit einem externen Z\u00fcnder an. Durch die Explosion wurde die Schaufensterscheibe zerst\u00f6rt. Am 19. November 1993 brachten Angeh\u00f6rige von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" auf den Terrassen von zwei Einfamilienh\u00e4usern im Bezirk Zehlendorf selbstgebaute Sprengs\u00e4tze zur Explosion. Es entstand hoher Sachschaden. Beide H\u00e4user werden von Personen bewohnt, die in verantwortlicher Position unmittelbar mit Bauma\u00dfnahmen in Kreuzberg zu tun haben. Etwa zur gleichen Zeit setzten linksextremistische Gewaltt\u00e4ter in unmittelbarer N\u00e4he der Tatorte in Zehlendorf Personenkraftwagen der Luxusklasse in Brand. Die Besitzer dieser Personenkraftwagen sind teilweise ebenfalls in Bauma\u00dfnahmen in Kreuzberg involviert. Von November 1993 bis Mai 1994 konnten keine Anschlagsaktivit\u00e4ten von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" verzeichnet werden. Dies ist insbesondere auf den hohen Fahndungsdruck der Berliner Polizei zur\u00fcckzuf\u00fchren, die insbesondere in den Bezirken Kreuzberg und Neuk\u00f6lln durch hohe Pr\u00e4senz und andere Sicherheitsma\u00dfnahmen die Aktionen von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" eind\u00e4mmen konnte. Anfang M\u00e4rz 1994 gingen dem Bezirksb\u00fcrgermeister von Berlin-Kreuzberg (Original), den Tageszeitungen \"Neues Deutschland\" und \"Berliner Zeitung\" sowie dem Leiter des Stadtplanungsamtes Berlin-Kreuzberg (Kopien) eine zw\u00f6lfseitige Schrift der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" mit dem Titel \"2 JAHRE Klasse gegen Klasse\" zu. Die Schrift enth\u00e4lt in Form eines Interviews Stellungnahmen zum theoretischen Hintergrund der Gruppe, zu ihrem Verh\u00e4ltnis der \"linken\" Szene","2 - Politischer Extremismus - 78 gegen\u00fcber sowie zu ihren bisherigen Gewalttaten und der damit erzielten Wirkung. Als Anhang der Brosch\u00fcre ist auf f\u00fcnf Seiten mit Zeichnung eine detaillierte Anleitung zum Bau eines Brandsatzes beigef\u00fcgt. In der Brosch\u00fcre bezeichnen sich die Angeh\u00f6rigen von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" als \"Proletarierinnen\", die \"die zugespitzte kapitalistische Krise am eigenen Leibe erfahren\" h\u00e4tten. Zu ihrer Klasse z\u00e4hlen sie diejenigen, denen \"nach den Gesetzen der kapitalistischen Unordnung keine gesellschaftliche Macht zukommt, die andererseits aber die kapitalistische Krise ausbaden m\u00fcssen\". Sie lehnen insbesondere die Angeh\u00f6rigen der Mittelund Oberschicht ab, die sie als \"Hauptnutznie\u00dfer und organisatorische wie ideologische St\u00fctze und Tr\u00e4ger dieses Schei\u00dfSystems\" bezeichnen. Zu diesem Personenkreis z\u00e4hlen sie auch \"Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen oder Gewerkschaftsfunktion\u00e4rinnen\". Als Ziel ihrer Aktionen definiert \"KLASSE GEGEN KLASSE\" zum einen den direkten Angriff auf die f\u00fcr die \"Umstrukturierung\" Verantwortlichen sowie hiervon Profitierende und zum anderen den Versuch, Sympathisanten, insbesondere Jugendliche, zu weiteren Sachbesch\u00e4digungen zu mobilisieren und so die durch \"KLASSE GEGEN KLASSE\" in Gang gebrachte Verunsicherung weiter zu sch\u00fcren. Die Gruppe grenzt sich in der Brosch\u00fcre bewu\u00dft von der \u00fcbrigen \"linken\" Szene ab. Diese h\u00e4lt sie f\u00fcr \"mittelschichtdominiert\". Viele dieser \"Linken\" h\u00e4tten die M\u00f6glichkeit, \"nach ein paar wilden 'autonomen'Jahren wieder in ihre Klasse zur\u00fcckzukehren oder sich als sogenannte Alternativszene in die gem\u00fctliche Nische zur\u00fcckzuziehen\". In der Bewertung ihrer bisherigen Aktionen kommt die Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" in der Brosch\u00fcre zu folgendem Ergebnis: \"Zwei Jahre KGK haben dazu gef\u00fchrt, da\u00df die Vertreibungspl\u00e4ne f\u00fcr unsere Klasse in Kreuzberg zwar nicht gestoppt sind, sich aber das Umstrukturierungsklima zum Nachteil der Spekulantinnen und ihrer Handlangerinnen deutlich verschlechtert hat. Es ist zwar noch kein Gro\u00dfprojekt von uns blockiert worden, aber beispielsweise sind die G\u00e4stezahlen von Nobelrestaurants deutlich zur\u00fcckgegangen, Dachgescho\u00dfund andere Luxuswohnungen sind in","2 - Politischer Extremismus - 79 Kreuzberg derzeit besonders schwer zu vermieten. Der ehemalige 'In'-Bezirk Kreuzberg ist zum Angst-Bezirk f\u00fcr das gehobenere Mittelund Oberschichtpack geworden.\" Zu ihren Zukunftspl\u00e4nen f\u00fchrt \"KLASSE GEGEN KLASSE\" folgendes in der Schrift aus: \"Wir werden unserer bisherigen politischen Ausrichtung treu bleiben. Das bedeutet v. a., da\u00df wir f\u00fcr die Herrschenden und ihre Handlangerinnen weiterhin unkalkulierbar bleiben. Auf der anderen Seite die Berechenbarkeit f\u00fcr unsere Klasse, da\u00df wir unsere gemeinsamen Interessen entschlossen angehen. Wir wollen Schlu\u00df machen mit der Selbstunterdr\u00fcckung, dem Sklavenbewu\u00dftsein und dem jeder gegen jeden unter uns. Unseren Unmut, unsere Wut und unserem Ha\u00df in die einzige richtige Richtung lenken: Gegen die herrschende Klasse und ihre Helfershelfer!\" Nach gut einem halben Jahr Anschlagspause wurden ab Mitte 1994 bis zum Jahresende elf Brandanschl\u00e4ge sowie ein Sprengstoffanschlag ver\u00fcbt, zu denen sich \"KLASSE GEGEN KLASSE\" in Taterkl\u00e4rungen, die zum einen an die Betroffenen selbst gerichtet waren und zum anderen an die Presse gingen bzw. in dem klandestin herausgegebenen autonomen Szeneblatt \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlicht wurden, bekannte. In diesen Tatbekennungen erweckte die Gruppe den Eindruck, da\u00df es inzwischen mehrere, z. T. evtl. sogar unabh\u00e4ngig voneinander operierende Gruppen g\u00e4be, die jedoch unter der F\u00fchrung von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" st\u00fcnden, so da\u00df die von der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" in der Brosch\u00fcre aufgestellten Thesen auf fruchtbaren Boden gefallen seien. Ausblick Die unter dem Begriff \"KLASSE GEGEN KLASSE\" firmierenden linksextremistischen Gewaltt\u00e4ter haben ihre Anschlagsaktivit\u00e4ten Mitte 1994 wieder aufgenommen. Sie konnten sich somit auf den hohen Fahndungsdruck der Polizei einstellen. Sie haben vermutlich einen Weg gefunden, weitgehend risikolos ihre Anschlagst\u00e4tigkeit weiterzuf\u00fchren und - ohne ihr Ziel, die sog. Mittelschicht aus den Augen zu verlieren - durch","2 - Politischer Extremismus - 80 die Wahl der Anschlagsziele, der Tatmittel und -ausf\u00fchrung sowie den Inhalt der Tatbekennungen in gr\u00f6\u00dferem Umfang als bisher R\u00fcckhalt in der autonomen Szene und bei den durch die von ihnen bek\u00e4mpften Umstrukturierungsma\u00dfnahmen Betroffenen, den sog. Marginalisierten, zu finden. Die \"Umstrukturierung\" Berlins nimmt auch 1995 innerhalb der Berliner autonomen Szene einen Agitationsschwerpunkt ein. Auch die unter dem Begriff \"KLASSE GEGEN KLASSE\" handelnden Personen bzw. Gruppen werden ihre Anschlagsaktivit\u00e4ten im neuen Jahr fortsetzen. Ziele d\u00fcrften weiterhin Kraftfahrzeuge der Luxusklasse sowie Eigentum von Personen sein, denen leitende Funktionen bei sog. Umstrukturierungsma\u00dfnahmen und Spekulationsgesch\u00e4ften zugeschrieben werden. Mit direkten Angriffen auf Personen (K\u00f6rperverletzungen, Totschlag, Mord) ist jedoch aufgrund der bisherigen Tatausf\u00fchrungen und eigener Bekundungen nicht zu rechnen. Die Aufkl\u00e4rung der Anschlagsaktivit\u00e4ten von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" stellt die Sicherheitsbeh\u00f6rden trotz umfassender Fahndungsma\u00dfnahmen vor erhebliche Probleme. Urs\u00e4chlich hierf\u00fcr ist die von den terroristischen \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) \u00fcbernommene Strategie des \"Feierabendterrorismus\". Anders als die terroristische \"Rote Armee Fraktion\" agieren die Angeh\u00f6rigen von \"KLASSE GEGEN KLASSE\" - wie die Kleingruppen der RZ - nicht aus dem Untergrund, sondern verlassen ihren normalen Lebensrhythmus nur zur Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen. Die organisatorische Struktur selbst\u00e4ndig operierender Zellen mit jeweils nur wenigen Mitgliedern und die thematische Breite (Aktionen gegen eine Vielzahl von Sachobjekten mit Symbolfunktion) erschwert eine Eingrenzung des m\u00f6glichen T\u00e4terbereichs au\u00dferordentlich.","2 - Politischer Extremismus - 81 Straftaten, zu denen sich die Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" bekannt hat bzw. die von den Sicherheitsbeh\u00f6rden der Gruppe zugeordnet werden in den Jahren 1992 -1994 1992 1993 1994 Gesamtzahl der Straftaten 21 51 15 Brandanschl\u00e4ge 16 6 11 versuchte Brandanschl\u00e4ge 2 0 1 Sprengstoffanschl\u00e4ge 0 4 1 sonstige Straftaten 3 1 1 Bedrohungen 0 40 1 (N\u00f6tigungen/Beleidigungen)","","2 - Politischer Extremismus - 83 2.2 Rechtsextremismus 2.2.1 Vorbemerkung Die unter dem Sammelbegriff Rechtsextremismus zusammengefa\u00dften verfassungsfeindlichen Bestrebungen zeichnen sich im Gegensatz zu linksextremistischen, auf Marxismus-Leninismus) oder anderen Gedankengeb\u00e4uden basierenden Str\u00f6mungen nicht durch ein geschlossenes theoretisches Bezugssystem aus. Gemeinsam ist Rechtsextremisten eine nationalistische, antirationalistische, antiindividualistische, die demokratische Grund\u00fcberzeugung von der fundamentalen Gleichheit aller Menschen negierende Haltung und die daraus erwachsende Ablehnung des auf dem Prinzip gleicher politischer Rechte beruhenden demokratischen Verfassungsstaates. Im Rahmen dieser gemeinsamen Grundhaltung lassen sich schlagwortartig wesentliche Elemente rechtsextremistischer \"Weltanschauung\" benennen, die in verschiedener Gewichtung und unterschiedlicher Auspr\u00e4gung festzustellen sind. Dazu z\u00e4hlen: * in erster Linie ein \u00fcbersteigerter, oft aggressiver Nationalismus, verbunden mit Feindschaft gegen Ausl\u00e4nder, Minderheiten, fremde V\u00f6lker und Staaten, * Antisemitismus und Rassismus, verbunden mit der Propagierung biologistischer, sozialdarwinistischer Ideen, * v\u00f6lkischer Kollektivismus, d. h. \u00dcberbewertung der aufgrund ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit definierten \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Rechte und Interessen des Einzelnen,","IM IM * | ~ -- \" - -- * -- -tJ ^^mw*** 2 - Politischer Extremismus - 84 * \u00dcberbetonung milit\u00e4rischer bzw. soldatischer Werte und hierarchischer Prinzipien (\"F\u00fchrer\" und \"Gefolgschaft\"), verbunden mit der Propagierung einer entsprechenden autorit\u00e4ren bzw. diktatorischen staatlichen und sozialen Ordnung wie der \u00dcberbetonung der Notwendigkeit eines nach innen und au\u00dfen starken Staates (Etatismus), * Verharmlosung oder Leugnung der Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft (\"Revisionismus\").","2 - Politischer Extremismus - 85 Gesamtpotential in rechtsextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen in Berlin: 2 800 Personen Mitglieder nationalfreiheitlicher/ nationaldemokratischer Organisationen: 1950** Neonazis: 200 Neonazis ges.: 310 Neonazistische Skinheads: 110\" Skinheads ges.: 500 Rechtsextremistische Skinheads: 390 Neonazistisches Umfeld: 150 \"Neonazistische Skinheads\" geh\u00f6ren gleichzeitig den Bereichen \"Neonazis\" und \"Skinheads\" an. Die Gesamtzahl der Neonazis belauft sich somit auf 310, die der \"Skinheads\" auf 500 Personen. Einschlie\u00dflich der Partei \"Die Republikaner\" (REP).","2 - Politischer Extremismus - 86 Mitgliederentwicklung bei rechtsextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen in Berlin 1984 bis 1994* Neonazis ab 1990 einschl. Mitglieder Gesamtzahl ** neonazist. Umfeld, ab 1991 nationalfreiheitlicher/ zus\u00e4tzl. inkl. militante nationaldemokrat. Rechtsextremisten Organisationen ** (insbes. Skinheads) 1984 65 620 685 1985 70 630 700 1986 65 680 745 1987 80 730 810 1988 85 900 985 1989 105 950 1055 1990 250 950 1200 1991 500 1000 1500 1992 600 1000 1600 1993 750 2650\" 3400** 1994 850 1950** 2800** * bis 1990 nur der Westteil Berlins ** seit 1993 einschlie\u00dflich der Partei \"Die Republikaner\" (REP)","2 - Politischer Extremismus - 87 Mitgliederentwicklung bei rechtsextremistischen Organisationen und Personenzusammenschl\u00fcssen in Berlin 1984 bis 1994* 3500 -Neonazis ab 1990 einschl. neonaz. Umfeld ab 1991 zus\u00e4tzl. inkl. militante Rechtsextremisten (insb. Skinheads) 3000 -Mitglieder nationalfreiheitl./nationaldem. Organisationen ** 2500 -*--Gesamtzahl\" 2000 1500 1000 --i 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1984 1986 1988 1990 1992 1994 bis 1990 nur der Westteil Berlins seit 1993 einschlie\u00dflich der Partei \"Die Republikaner\" (REP)","2 - Politischer Extremismus - 88 2.2.2 Neuer Nationalsozialismus (Neonazismus) Neonazis bekennen sich offen zum historischen Vorbild des Nationalsozialismus bzw. zu dessen von den Gebr\u00fcdern STRASSER und Ernst R\u00d6HM repr\u00e4sentierten sog. sozialbzw. nationalrevolution\u00e4ren Fl\u00fcgel. Im Jahre 1994 gab es bundesweit 3 740 Neonazis. 1 150 davon waren unorganisiert. Die Zahl der militanten Rechtsextremisten, insbesondere rechtsextremistische Skinheads, lag bei rund 5 400 Personen. Einem deutlichen Anstieg der Neonazis gegen\u00fcber dem Vorjahr (1993: 2 450) stand ein geringer R\u00fcckgang der militanten Rechtsextremisten (1993: 5 600) gegen\u00fcber. Die Organisationsverbote der vergangenen Jahre - zuletzt das Verbot der \"Wiking-Jugend e. V.\" (WJ) vom 10. November 1994 - f\u00fchrten innerhalb der bundesweiten Neonazi-Szene zu neuen Strukturformen. Nicht mehr die fest umrissene, \u00fcberregional organisierte und vereinsrechtlich greifbare Gruppierung war unter den Neonazis gefragt, sondern die an Aktionen und Sachthemen orientierten \"autonomen\" Zusammenschl\u00fcsse setzten sich durch. Bundesweit existierten im Jahre 1994 33 neonazistische Personenzusammenschl\u00fcsse (1993: 27). Die Aktionsf\u00e4higkeit der Neonazis ist durch Verbotsund Exekutivma\u00dfnahmen bundesweit - und damit auch in Berlin - erheblich eingeschr\u00e4nkt worden. Die Anzahl der erkannten Berliner Neonazis und militanten Rechtsextremisten einschl. Skinheads nahm dennoch weiter zu. Im Jahre 1994 waren 310 Neonazis mit Berliner Aufenthalt erfa\u00dft (1993: 280). Das neonazistische Umfeld (Kontaktpersonen, Veranstaltungsbesucher etc.), das Anfang 1994 etwa 130 Personen umfa\u00dfte, erh\u00f6hte sich ebenfalls etwas und lag am Jahresende bei 150. Die Zahl der rechtsextremistischen Skinheads stieg auf etwa 500 an (1993: 420). Das namentlich erkannte neonazistische Potential einschl. der Militanten liegt in Berlin gegenw\u00e4rtig bei etwa 850 (1993: 750) Personen (darunter 310 Militante). Die gegen\u00fcber dem Vorjahr h\u00f6heren Zahlen der namentlich abgekl\u00e4rten Personen sind in erster Linie auf die Aufkl\u00e4rungserfolge der Berliner Sicherheitsbeh\u00f6rden zur\u00fcckzuf\u00fchren.","2 - Politischer Extremismus - 89 Verbotene Organisationen, wie die \"Deutsche Alternative (DA), \"Nationalistische Front\" (NF), \"Nationale Offensive\" (NO) und \"WikingJugend e. V.\" (WJ) haben in Berlin keine dauerhaften Nachfolgeaktivit\u00e4ten entwickelt. Lediglich der f\u00fchrende Berliner Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM versuchte, mit einem losen Zusammenschlu\u00df Berliner \"Kameraden\" politischen Halt zu geben. Seit seiner Inhaftierung (13. August 1994) droht dieses Gr\u00fcppchen zu zerfallen. Die \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) ist nach Durchsuchungsma\u00dfnahmen am 20. Januar 1994 in mehreren Bundesl\u00e4ndern in Berlin nicht mehr aktiv geworden. Neonazistische Kleinstgruppen wie \"Asgard-Bund e. V./Wotans Volk\", \"V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin\" (VFK), \"Freundeskreis Revolution\u00e4rer Volkssozialisten\" (FRVS), \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" und \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI), die sich noch in den Vorjahren politisch bet\u00e4tigt hatten, traten 1994 nicht mehr bzw. nur in geringem Ma\u00dfe in Erscheinung. Seit Juli 1994 existiert in Berlin eine Gliederung der im Jahre 1993 in Rheinland-Pfalz gegr\u00fcndeten neonazistischen Organisation \"Deutsche Nationalisten\" (DN), die zun\u00e4chst noch keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten in Berlin entwickelt hatte. Bei einem ersten gr\u00f6\u00dferen Treffen der Gruppierung anl\u00e4\u00dflich des 2. Jahrestages des Verbots der \"Deutschen Alternative\" (DA) am 10. Dezember 1994 in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen \u00fcberpr\u00fcfte die Polizei 37 Teilnehmer. Sie stellte Waffen und Propagandamaterial sicher und leitete Ermittlungsverfahren u. a. wegen Versto\u00dfes gegen das Vereins-, Waffenund Versammlungsgesetz ein. Einzige aktive neonazistische Organisation in Berlin blieb mit etwa 50 Anh\u00e4ngern der Landesverband Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). Trotz Mitgliederr\u00fcckgang zum Jahresende wollte er seine politischen Aktivit\u00e4ten 1995 intensivieren. Die FAP, gegen die die Bundesregierung am 15. September 1993 einen Verbotsantrag gestellt hatte, beabsichtigte sogar, die Bundesgesch\u00e4ftsstelle der Partei nach Berlin zu verlegen. (Am 22. Februar 1995 hat der Bundesminister des Innern die FAP verboten.)","2 - Politischer Extremismus - 90 Erkanntes neonazistisches Gesamtpotential einschlie\u00dflich rechtsextremistischer Skinheads in Berlin: 850 Personen Skinheads ges.: Neonazistische Neonazis ges.: 500 Skinheads: 110* 310 Neonazis: 200 Rechtsextremist Skinheads: 390 Neonazistisches Umfeld: 150 \"Neonazistische Skinheads\" geh\u00f6ren gleichzeitig den Gruppierungen \"Neonazis\" und \"Skinheads\" an. Die Gesamtzahl der Neonazis bel\u00e4uft sich somit auf 310, die der \"Skinheads\" auf 500 Personen.","2 - Politischer Extremismus - 91 Neonazi-Gruppen in Berlin \"Asgard-Bund e. V. \"/\"Wotans Volk\" 20 \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) FG* \"Deutsche Nationalisten\" (DN) 15 \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) FG* \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) 50 \"Freundeskreis Revolution\u00e4rer Volkssozialisten\" (FRVS) FG* \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und de25 ren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - AuslandsFG* und Aufbauorganis\u00e4tion\" (NSDAP-AO) \"Neonazikreis um Curt M\u00fcller\" FG*/** \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" FG* \"V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin\" (VFK) FG* unorganisierte Neonazis 150*** Gesamtzahl der organisierten Neonazis 160 Gesamtzahl der aktiven Neonazis 310 FG Funktion\u00e4rsgruppe Kleinstgruppe mit unter 10 Angeh\u00f6rigen ** zum gro\u00dfen Teil Doppel-MitgliedschafV-Anh\u00e4ngerschaft einschlie\u00dflich Anhanger der verbotenen NF, DA und NO","2 - Politischer Extremismus - 92 2.2.2.1 \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Der in Tradition der historischen \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei\" (NSDAP) stehenden FAP geh\u00f6ren bundesweit etwa 430 Mitglieder an. Der Berliner Landesverband verf\u00fcgt \u00fcber bis zu 50 Anh\u00e4nger, die sich regelm\u00e4\u00dfig zu \"Kameradschaftsabenden\" treffen und das \"Informationsblatt der FAP f\u00fcr Mitteldeutschland - Aufbruch\" vertreiben. Arbeitsschwerpunkte des Landesverbandes Berlin der FAP bildeten in den ersten Monaten des Jahres 1994 die Sammlung von Unterschriften f\u00fcr eine geplante, sp\u00e4ter abgesagte bundesweite Beteiligung an den Europawahlen, die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung des \"Ordentlichen Parteitages der FAP\" am 9. April auf der Insel Lindwerder in BerlinZehlendorf und ein Aufzug der Partei mit \u00fcberregionaler Beteiligung am 1. Mai in Berlin-Treptow, der letztlich wegen zahlreicher Gegenaktionen scheiterte. Ferner f\u00fchrte die FAP eine Propagandaaktion anl\u00e4\u00dflich der Parade zum \"Tag der Alliierten\" am 18. Juni in Berlin durch. Anh\u00e4nger dieser neonazistischen Partei - insbesondere des Berliner Landesverbandes - klebten FAP-Plakate in den Ortsteilen Tegel und Altglienicke mit der Parole \"Berlin dankt den Alliierten f\u00fcr Mord, Vergewaltigung und Umerziehung, wir nicht! Besatzer raus unentgeltlich und sofort\". Als Urheberhinweis war die Adresse der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\", Landesverband Berlin, angegeben. In Berlin-Spandau verhinderte die Polizei am 13. August eine spontane Aktion von 12 FAP-Anh\u00e4ngern, die versucht hatten, in der N\u00e4he des ehemaligen Kriegsverbrechergef\u00e4ngnisses, in dem HE\u00df bis zu seinem Selbstmord einsa\u00df, einen Kranz niederzulegen. Aufgrund richterlicher Durchsuchungsbeschl\u00fcsse wurden am 16. August von der Polizei in Berlin die Wohnungen von 15 Personen der rechtsextremistischen Szene, unter ihnen der Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der FAP, Lars BURMEISTER, durchsucht und diverses Propagandamaterial der NSDAP-AO, die Druckschrift \"Natur Schutz=Denkzettel\" sowie Uniformteile sichergestellt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz wurde eingeleitet.","2 - Politischer Extremismus - 93 Am 4. September verteilten Mitglieder und Anh\u00e4nger der FAP Propagandamaterial vor der S\u00f6mmeringhalle in Berlin-Charlottenburg. Die Aktion fand aus Anla\u00df des dortigen Vertriebenentreffens (\"Tag der Heimat\") statt. Offensichtlich aus Angst vor Angriffen einer ca. 40k\u00f6pfigen Demonstrantengruppe brachen die FAP-Anh\u00e4nger nach kurzer Zeit ihre Verteilaktion ab und entfernten sich unter Polizeischutz. In den Nachmittagsstunden des 4. September fanden aufgrund richterlicher Beschl\u00fcsse des Amtsgerichts Tiergarten Wohnungsund Fahrzeugdurchsuchungen bei zwei Berliner Anh\u00e4ngern der neonazistischen FAP statt. Die Polizei konnte umfangreiches Propagandamaterial der \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) - (Aufkleber und \"NS-KAMPFRUF\"), Ausgaben der neonazistischen Druckschrift \"Natur Schutz=Denkzettel\", Musikkassetten mit rechtsextremistischen Liedertexten sowie Preisund Bestellisten f\u00fcr rechtsextremistische Literatur sicherstellen. Auf dem \"4. ordentlichen Landesparteitag\" des Landesverbandes Berlin der FAP, der am 1. Oktober 1994 in Berlin-Wei\u00dfensee stattfand, wurde der bisherige Berliner FAP-Landesvorsitzende Lars BURMEISTER von den Delegierten wiedergew\u00e4hlt. Im Dezember 1994 k\u00fcndigte die FAP in Form einer Pressemitteilung an, ihre Bundesgesch\u00e4ftsstelle von Halstenbek (Schleswig-Holstein) nach Berlin zu verlegen. 2.2.2.2 \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) Die HNG ist ein im Jahre 1979 gegr\u00fcndeter Verein zur Unterst\u00fctzung \"nationaler politischer Gefangener\" mit Sitz in Frankfurt/M. und etwa 340 Mitgliedern, darunter 25 in Berlin. Eine feste HNG-Gliederung besteht in Berlin jedoch nicht. Berliner Mitglieder der HNG erhielten im Februar 1994 neben dem Vereinsblatt \"Nachrichten der HNG\" zus\u00e4tzlich eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Freiheit\". Herausgeber der 40seitigen Schrift ist ein bisher noch nicht in","2 - Politischer Extremismus - 94 Erscheinung getretener \"Verein Schwedische Gardine & Redaktion Mitteldeutsche Gefangenenstimme\". Mit der \"neuen Gefangenenzeitung\" will der Verein \"Kontakte zwischen Gefangenen und der Au\u00dfenwelt\" schaffen. Als Kontaktadresse ist ein Postfach in Erfurt angegeben. Im September erschien die 163. Ausgabe der \"HNG-Nachrichten\". In der vorangestellten \"Gefangenenliste\" wurden \u00fcber 100 Namen inhaftierter \"Kameraden\" aus dem Bundesgebiet und dem Ausland (\u00d6sterreich) aufgef\u00fchrt. Nach Angaben der \"HNG-Nachrichten\" sa\u00dfen zu dieser Zeit zehn Neonazis in Berlin ein. Im November 1994 erschien turnusgem\u00e4\u00df die 166. Ausgabe der \"HNGNachrichten\". Auch dieses 20seitige Blatt enth\u00e4lt wie immer eine sog. Gefangenenliste, in der nunmehr auch die zuletzt in Berlin inhaftierten Neonazis erw\u00e4hnt werden. In einem Beitrag mit dem Titel \"Eine Antwort an den Verfassungsschutz\", der von dem FAP-Bundesvorsitzenden BUSSE verfa\u00dft worden sein soll, wird behauptet, die HNG stehe nicht unter dem Einflu\u00df der FAP. Die HNG - so der Verfasser des Artikels - sei eine \"\u00fcberparteiliche Institution\" und eine \"karitative Einrichtung f\u00fcr alle inhaftierten politischen Gefangenen\". 2.2.2.3 \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) Die NSDAP-AO ist ein seit 1976 aktiver Personenkreis unabh\u00e4ngig voneinander agierender Neonazis, die umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial von der Auslandszentrale in Lincoln/Nebraska (USA) erhalten und verbreiten. Leiter der \"Auslandszentrale\" ist der US-B\u00fcrger Gary Rex LAUCK, der die Publikation \"NS-Kampfruf herausgibt. In Berlin wurden im Jahre 1994 zahlreiche Aufkleber der NSDAP-AO, die an W\u00e4nden von Mietsh\u00e4usern und an einem Ausl\u00e4nderwohnheim angebracht worden waren, festgestellt. Derartige Propagandaaktionen hatten in den vergangenen Jahren wiederholt stattgefunden. Die Anh\u00e4nger der Berliner NSDAP-AO-Zellen arbeiten konspirativ. Bei Wohnungsdurchsuchungen konnte die Polizei Propagandamaterial von Anh\u00e4ngern dieser Gruppe sicherstellen.","2 - Politischer Extremismus - 95 Am 26. April 1994 fand eine polizeiliche Wohnungsdurchsuchung bei Berliner Neonazis statt. Aufgrund von Beschl\u00fcssen des Bundesgerichtshofes in einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gr\u00fcndung bzw. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurden in Berlin 17 Objekte von 12 Tatverd\u00e4chtigen durchsucht. In vier F\u00e4llen waren die Durchsuchungen erfolgreich. Gefunden wurden u. a. ein Nebelwurfk\u00f6rper, ein Schlagring und ein Messer. Die Tatverd\u00e4chtigen, von denen die meisten der nicht mehr existenten \"Nationalen Alternative Berlin\" (NA Berlin) zuzurechnen waren, geh\u00f6ren vermutlich einer Zelle der NSDAPAO an und werden verd\u00e4chtigt, u. a. drei Brandanschl\u00e4ge in Berlin gegen Treffpunkte der \"Antifa\" ver\u00fcbt zu haben. Im August 1994 wurde die 108. Ausgabe des \"NS-Kampfruf\" (Juli/August) bekannt. Das NSDAP-AO-Blatt enth\u00e4lt neben Berichten \u00fcber neonazistische Aktivit\u00e4ten im Inund Ausland wiederum Aufforderungen zum und Handlungsanleitungen f\u00fcr den gewaltsamen politischen Kampf. In jeder Ausgabe findet man Hinweise auf den Bezug von Hakenkreuzaufklebern, die nach Empfang verbreitet werden sollen. Der Berliner Neonazi Marcus B. wurde u. a. wegen Verbreitung derartigen Propagandamaterials Anfang September 1994 zu einer Strafe von einem Jahr und neun Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Das Urteil ist inzwischen rechtskr\u00e4ftig. Am 19. Oktober 1994 stellte ein t\u00fcrkischer Taxifahrer an der von ihm genutzten Taxe vier zerstochene Reifen fest. An der Seitenscheibe der Beifahrert\u00fcr befand sich ein handtellergro\u00dfer Aufkleber der NSDAP-AO mit Hakenkreuz und der Aufschrift \"Rotfront verrecke!\". 2.2.2.4 \"Deutsche Nationalisten\" (DN) Die DN gr\u00fcndete sich im Juli 1993 in Mainz-Gonsenheim. Gr\u00fcnder und Bundesvorsitzender ist der ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes Rheinland-Pfalz der am 10. Dezember 1992 verbotenen \"Deutschen Alternative\" (DA), Michael PETRI. Sitz der DN ist Mainz. Neben dem im April 1994 gegr\u00fcndeten Landesverband Berlin (ca. 15 Mitglieder) bestehen Landesverb\u00e4nde in Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Th\u00fcringen. Als Kontaktadresse wurde ein Postfach in Berlin angegeben.","2 - Politischer Extremismus - 96 Anh\u00e4nger der DN aus Berlin beteiligten sich am 5. November 1994 an einem Treffen des rechtsextremistischen Berliner Vereins \"Die Nationalen e. V.\" im Bundesland Brandenburg. Durch Verf\u00fcgung des Polizeipr\u00e4sidenten in Cottbus vom 4. November 1994 wurde diese Veranstaltung jedoch verboten. Zur Umgehung des Verbots verlegte der Verein das Treffen in eine Gastst\u00e4tte nach G\u00f6hlen (Kreis Frankfurt/Oder). Die Verbotsverf\u00fcgung wurde daraufhin auf den Amtsbereich des Polizeipr\u00e4sidenten von Frankfurt/Oder erweitert und die Versammlung endg\u00fcltig von der Polizei aufgel\u00f6st. Die Polizei konnte die Personalien von 40 Personen feststellen. Gefunden wurden eine Schreckschu\u00dfpistole, Messer und Baseballschl\u00e4ger, eine Reichskriegsflagge und diverse Aufkleber der DN. Der Landesverband Berlin der DN f\u00fchrte am 10. Dezember 1994 seine erste Propagandaveranstaltung in Hohensch\u00f6nhausen durch. Auf dieser Veranstaltung, zu der auch \"andere Parteien und Organisationen\" eingeladen worden waren, sollten die Themen \"Nationale und internationale Lage des rechten Lagers\" sowie \"Bessere Zusammenarbeit von Parteien und Organisationen\" besprochen werden. Die Veranstaltung d\u00fcrfte im Zusammenhang mit dem 2. Jahrestag des Verbotes der \"Deutschen Alternative\" (DA) gestanden haben. Aus diesem Grund \u00fcberpr\u00fcfte und durchsuchte die Polizei 37 Personen, die an der Zusammenkunft teilnahmen. Unter den Teilnehmern waren der Bundesvorsitzende Michael PETRI aus Rheinland-Pfalz und der stellvertretende Bundesvorsitzende und Vorsitzende des Landesverbandes Berlin der DN. Die Polizei stellte Hiebund Stichwaffen sowie Propagandamaterial sicher. Sie leitete zahlreiche Ermittlungsverfahren wegen Versto\u00dfes gegen das Vereins-, Bundeswaffenund Versammlungsgesetz sowie wegen des Verdachts der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Unter den \u00fcberpr\u00fcften Personen befanden sich 14 bekannte Neonazis, darunter f\u00fcnf Anh\u00e4nger der DN und sechs Anh\u00e4nger der FAP. 2.2.2.5 Haftbefehle gegen Berliner Neonazis Die Inhaftierung Berliner Aktivisten wirkte sich auf die neonazistische Szene aus, und f\u00fchrte zu einem R\u00fcckgang ihrer Aktivit\u00e4ten.","2 - Politischer Extremismus - 97 Am 13. August 1994 wurden der Berliner Neonazi Arnulf-Winfried PRIEM und weitere Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene in BerlinWedding festgenommen. Die Polizeima\u00dfnahme richtete sich gegen insgesamt 26 Personen, die sich im Wohnhaus des PRIEM aufgehalten und verbarrikadiert hatten, um erwartete Angriffe politischer Gegner abwehren zu k\u00f6nnen. Nachdem ein Neonazi vom Dach aus mit einer Zwille auf Mitarbeiter eines dort filmenden TV-Teams geschossen hatte und eine Person dadurch verletzt worden war, griff die Polizei ein. Zur Verh\u00fctung weiterer Straftaten und zur Aufkl\u00e4rung dieser gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung wurden 26 Personen festgenommen. Bei der Durchsuchung des Geb\u00e4udes wurden u. a. zwei Zwillen, diverse Stahlkugeln und zwei Molotowcocktails sichergestellt. Der Zwillenschu\u00df konnte mittels Filmaufnahmen einem bestimmten Neonazi zugeordnet werden. Er wurde wegen gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung festgenommen, erhielt aber zun\u00e4chst Haftverschonung. PRIEM wurde wegen des Verdachts der Bildung eines bewaffneten Haufens und wiederholter Verst\u00f6\u00dfe gegen das Waffengesetz in Haft genommen. Am 4. September 1994 durchsuchte die Polizei die Wohnung eines Berliner Neonazis. Es wurden u. a. 540 Aufkleber der NSDAP-AO, 41 Ausgaben des \"NS-Denkzettel\", 160 Blatt mit rechtsextremistischen Liedertexten und etwa 200 Preisund Bestellisten f\u00fcr rechtsextremistische Literatur, Videosowie Musikkassetten gefunden. Gegen ihn erging Haftbefehl. Bei einem Fu\u00dfballspiel der \"Wiking-Jugend e. V.\" in Berlin-Wei\u00dfensee am 15. Oktober 1994 durchsuchte die Polizei einen Pkw. Sie fand dabei neben politischem Propagandamaterial einen Rucksack mit Bauanleitungen f\u00fcr Bomben. Bei der anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchung des bereits am 13. August festgenommenen Neonazi Oliver W. wurde man erneut f\u00fcndig. Zu Tage kamen weiteres Propagandamaterial, zwei Bodenrauchk\u00f6rper und zwei Reibz\u00fcnder, gef\u00fcllt mit explosionsgef\u00e4hrlichem Stoff bzw. Schwarzpulver, sowie Material zur Herstellung von Zeitz\u00fcndern. Gegen Oliver W. erging am 17. Oktober 1994 Haftbefehl wegen Fluchtund Wiederholungsgefahr.","2 - Politischer Extremismus - 98 2.2.2.6 \"Anti-Antifa\" Als Versuch, das \"Nationale Lager\" zumindest in der Abwehr des \"antifaschistischen Kampfes\" militanter Linksextremisten zu einigen, ist die im Sommer 1992 gestartete \"Anti-Antifa-Kampagne\" zu werten. Sie ist die organisations\u00fcbergreifende Klammer im Neonazismus und findet zunehmend auch eine \u00fcber ihn hinausreichende Akzeptanz und positive Resonanz im Bereich des \u00fcbrigen Rechtsextremismus. \u00dcber 150 Personen engagieren sich mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t in der Anti-Antifa-Arbeit. Die Schwerpunkte liegen in den alten Bundesl\u00e4ndern (Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Hessen, Bremen, Niedersachsen, Bayern und Rheinland-Pfalz) in Ans\u00e4tzen auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Die Aktivit\u00e4ten der Anti-Antifa richten sich gegen den politischen Gegner und gegen Personen aus Politik, Gesellschaft und Staat. Alle, die nicht dem \"Nationalen Lager\" angeh\u00f6ren oder offensiv gegen den Rechtsextremismus agieren, sind potentielle Angriffsziele. Hatte die Anti-Antifa anfangs ihre Bedrohungslisten noch mit dem Zusatz versehen, sie stellten keine Aufforderung zur Gewalt dar, so hat sich die Diktion inzwischen erheblich versch\u00e4rft. Die Rede ist von \"Konsequenzen\" f\u00fcr den Gegner, von \"Bestrafen\" und einer \"professionellen Vorbereitung\" von Aktionen. Entsprechend der bei Antifa-Gruppen seit Jahren \u00fcblichen Praxis, Namen, Adressen und Fotos \"prominenter Faschos\" zu ver\u00f6ffentlichen, tragen auch Neonazis systematisch Informationen \u00fcber erkannte Gegner zusammen, um auf \"antifaschistische\" Aktionen reagieren zu k\u00f6nnen. Eine neue Qualit\u00e4t erhielt diese \"Anti-Antifa-Arbeit\" im November 1993 mit der Ver\u00f6ffentlichung von Objekten und Namen politischer Gegner in einer \"nationalistischen Widerstandszeitschrift\" mit dem Titel \"Der Einblick\". F\u00fcr Berlin wurden 25 Vereinigungen, Treffpunkte und Verlage sowie vier Personen mit Wohnanschriften genannt. Die Schrift will dazu beitragen, die eher spontanen Aktionen militanter Rechtsextremisten durch organisierte und konzentrierte Angriffe auf politische Gegner zu ersetzen. Eine weitere Ausgabe ist bislang nicht erschienen.","2 - Politischer Extremismus - 99 Begrenzt auf Berlin erschien im November 1993 erstmals die \"Doppelnummer 5 und 6\" einer neonazistischen Schrift mit dem Titel \"Natur Schutz=Denkzettel\" (NS-Denkzettel), die neben massiver antisemitischer Hetze und Beitr\u00e4gen neonazistischer Gruppen \u00e4hnliche Forderungen zur Sammlung von Informationen wie \"Der Einblick\" enth\u00e4lt. Die \"Doppelausgabe 8/9\" dieser Publikation, die im Sommer 1994 verbreitet wurde, \u00fcbernahm unter der \u00dcberschrift \"PRAKTISCHER WIDERSTAND\" einen Artikel aus dem linksextremistischen Spektrum, in dem praktische Anleitungen zum \"Widerstand\" - bis hin zum Bau von Sprengs\u00e4tzen - propagiert wurden. Seit der Inhaftierung des Neonazis Marcus B. im September 1994, der verd\u00e4chtigt ist, f\u00fcr den \"NS-Denkzettel\" verantwortlich zu sein, sind keine neuen Ausgaben mehr festgestellt worden. Die von den Initiatoren der Anti-Antifa beabsichtigte organisatorische Verflechtung und die Zusammenarbeit von Personen aus unterschiedlichen rechtsextremistischen Vereinigungen ist weiter vorangeschritten. Die Anti-Antifa ist Teil einer Strategie des rechtsextremistischen Lagers gegen staatliche Repressionen. Sie soll trotz der Verbotsma\u00dfnahmen gegen Organisationen und geplante bzw. angemeldete Veranstaltungen \u00d6ffentlichkeitswirkung garantieren. Sie reiht sich ein in die Intensivierung der Auslandskontakte und Nutzung modernster Kommunikationsmittel. Diese Gegenstrategie dient dazu, den staatlichen Zugriff auf den Nachrichtenaustausch zu erschweren, nutzt die Freir\u00e4ume in unseren Nachbarstaaten zur Herstellung von Anti-Antifa-Publikationen und festigt die organisations\u00fcbergreifende Zusammenarbeit. Bisher waren die Rechtsextremisten den militanten linksextremistischen \"Antifaschisten\" personell, materiell und konzeptionell unterlegen. Mit der Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00fcbernehmen sie die Arbeitsmethodik des politischen Gegners und wenden diese zunehmend f\u00fcr die eigenen Aktivit\u00e4ten an. Innerhalb der Neonazi-Szene zeichnet sich bereits eine ver\u00e4nderte Einstellung gegen\u00fcber dem politischen Gegner ab. War man dem \"linken\" Spektrum bislang v. a. zahlenm\u00e4\u00dfig unterlegen und befand sich daher st\u00e4ndig in der Defensive, f\u00fchlt man sich nunmehr durch die T\u00e4tigkeit der Anti-Antifa in der Lage, in die Offensive zu gehen. In diesem Zusammenhang tr\u00e4gt das Fehlen einer Organisationsund F\u00fchrungsstruktur, die es den einzelnen Aktivisten und Gruppen erlaubt, Ma\u00dfnahmen nach eigenem Ermessen durchzuf\u00fchren, zur Unberechenbarkeit und damit zur","2 - Politischer Extremismus - 100 Gef\u00e4hrlichkeit der Anti-Antifa bei. Erw\u00e4hnenswert ist auch, da\u00df interne Differenzen einzelner Gruppen oder Personen dabei zunehmend zugunsten einer gemeinsamen Aktionsplanung zur\u00fcckgestellt werden. Angestrebt werden aktionsbezogene, organisationsunabh\u00e4ngige bzw. \u00fcbergreifende Zusammenh\u00e4nge, wodurch die Bildung neuer verbotsbedrohter Organisationen \u00fcberfl\u00fcssig w\u00fcrde. Zusammenfassend l\u00e4\u00dft sich die \"Anti-Antifa\" als der ausschlaggebende Part einer tiefgreifenden Umorientierung des rechtsextremistischen Lagers bezeichnen. 2.2.3 Militante Skinhead-Szene in Berlin Der Trend bei Skinheads, ihr Aussehen z. B. durch l\u00e4ngere Haare und neutrale Bekleidung zu variieren, um so ihre \"Szene\"-Zugeh\u00f6rigkeit zu verschleiern, hat sich im Jahre 1994 fortgesetzt. Ihr fr\u00fcheres Erscheinungsbild - kahlbzw. kurzgeschorene K\u00f6pfe, sog. Bomberjacken und Springerstiefel -, ist f\u00fcr die meisten seit geraumer Zeit nicht mehr typisch. Grund hierf\u00fcr d\u00fcrften u. a. die staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen (Durchsuchungsund Beschlagnahmeaktionen, Verbote von Konzerten) sein. Ein weiterer Grund f\u00fcr die \u00c4nderung ihrer Verhaltensweise ist die Angst vor militanten \"Antifaschisten\" und ausl\u00e4ndischen, insbesondere t\u00fcrkischen Jugendlichen. Seit 1991 sind etwa 500 Skinheads namentlich bekanntgeworden, \u00fcber die tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Hinweise auf rechtsextremistische Bestrebungen vorliegen. Bei ihnen liegt eine ausgepr\u00e4gte oder zumindest latente Gewaltbereitschaft vor, die sich insbesondere gegen Ausl\u00e4nder, vermeintlich linksorientierte Personen, Homosexuelle und sonstige in ihrer Vorstellungswelt Andersartige richtet. Etwa 230 Skinheads sind bereits gewaltt\u00e4tig aufgefallen. Allein im Jahre 1994 sind ca. 130 Skinheads bei Straftaten mit nachgewiesener oder mutma\u00dflicher rechtsextremistischer Motivation registriert worden.","2 - Politischer Extremismus - 101 Neonazis und Skinheads pflegen untereinander Kontakte. Etwa 110 der ca. 500 namentlich registrierten rechtsextremistischen Berliner Skinheads geh\u00f6ren oder geh\u00f6rten gleichzeitig der Berliner Neonazi-Szene an. Hinweise f\u00fcr Kontakte zu Neonazis sind z. B. die Teilnahme von Skinheads an Neonazi-Treffen und -Plakatklebeaktionen, das Auftauchen von Neonazis und deren Propagandamaterial bei Konzerten von Skinbands und in den einschl\u00e4gig bekannten \"Szenetrefforten\". Eine st\u00e4ndige, v. a. organisationsgebundene politische Arbeit hat dagegen f\u00fcr Skinheads nur einen geringen Stellenwert. In den meisten F\u00e4llen werden sie von den hierarchischen Strukturen der rechtsextremistischen Gruppierungen abgeschreckt. Jedoch wirkten sich die einschl\u00e4gige Propaganda neonazistischer Organisationen sowie die rassistischen aufpeitschenden Liedtexte, die von sog. Skinbands dargeboten werden, auf die orientierungslosen, gewaltbereiten und f\u00fcr rechtsextremistische Beeinflussung besonders empf\u00e4nglichen Skinheads aus. Die Berliner Skinhead-Szene stellt eine eigenst\u00e4ndige, nach au\u00dfen abgeschottete, \u00fcberwiegend rechtsextremistisch motivierte Subkultur dar, die teilweise mit dem organisierten Neonazismus verbunden ist und mit ihrer au\u00dferordentlichen Gewaltbereitschaft (ca. 45 % der Skins) das militante Potential des Neonazismus verst\u00e4rkt. Organisationsstrukturen innerhalb der Skinhead-Szene sind nicht erkennbar. Vielmehr kommt es in der Szene zu losen Personenzusammenschl\u00fcssen, die einer starken Fluktuation unterliegen und sehr kurzlebig sind. Aus diesem Grund werden Gewaltaktionen in den meisten F\u00e4llen nicht konkret vorbereitet und nach abgesprochenen Pl\u00e4nen durchgef\u00fchrt, sondern laufen, vielfach nach \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Alkoholgenu\u00df und aufputschender Skinmusik, spontan ab. Hierbei gehen Skinheads \u00e4u\u00dferst brutal vor. Die T\u00e4ter setzen hemmungslos Baseballschl\u00e4ger, Messer, Schlagringe, Eisenrohre o. \u00e4. ein oder mi\u00dfhandeln ihre Opfer mit Stiefeltritten und Faustschl\u00e4gen bis zur Bewu\u00dftlosigkeit. Einige rechtsextremistische Gewalttaten des Jahres 1994 wurden eindeutig von Skinheads begangen, in weiteren F\u00e4llen liegen Hinweise auf Skinheads als T\u00e4ter vor. Zu ber\u00fccksichtigen ist, da\u00df eine Unterscheidung von rechtsextremistischen Skins und anderen rechtsextremistischen Straft\u00e4tern h\u00e4ufig nicht m\u00f6glich ist.","2 - Politischer Extremismus - 102 Die Altersstruktur der hier bekannten rechtsextremistischen Skinheads ist folgender Tabelle zu entnehmen: 1994 unter 18 Jahre 21 18-21 Jahre 194 22-25 198 26 -35 Jahre 84 \u00e4lter als 35 Jahre 2 499 Personen m . nr(darunter 49 Frauen) Die 18 bis bis 25j\u00e4hrigen Skinheads bilden mit ca. 8 0 % weiterhin die Hauptgruppe. Eines der wichtigsten Kommunikationsmittel f\u00fcr die Auspr\u00e4gung und Verbreitung offen rassistischen und neonazistischen Gedankengutes in der Skinhead-Szene sind die Skinhead-Musik (\"Oi-Musik\") und Skinhead-Magazine \"Fanzines\". Die Texte der Skin-Musik sind \u00fcberwiegend von militantem, gewaltverherrlichendem, \u00e4u\u00dferst menschenverachtendem Rassismus gepr\u00e4gt, der h\u00e4ufig offen zur Gewalt gegen alles Fremde und sonstige \"Feinde der wei\u00dfen Rasse\" aufruft. Da die Organisatoren der Skin-Konzerte Exekutivma\u00dfnahmen f\u00fcrchten, werden immer mehr Veranstaltungen ins Ausland verlegt. Aus konspirativen Gr\u00fcnden werden den Teilnehmern die Konzertorte nicht mitgeteilt, sondern lediglich die Treffpunkte, von denen es zum eigentlichen Veranstaltungsort weitergeht. Ein Hauptveranstaltungsort in der Bundesrepublik Deutschland ist Chemnitz (Sachsen). In Berlin fanden 1994 keine Skinkonzerte statt. Die letzten Konzerte wurden am 9. Juli in R\u00fcdersdorf (Brandenburg) und am 12. November in Buchen bei Hamburg durchgef\u00fchrt. Die Skin-Bands verbreiten ihre Musik jedoch","2 - Politischer Extremismus - 103 nicht nur bei \"Live-Konzerten\". Ihre Musik wird auch \u00fcber Tontr\u00e4ger (u. a. \"Demo-Tapes\") bekannt gemacht und ist zumeist \u00fcber SpezialVertriebe erh\u00e4ltlich. Bei Skin-Konzerten werden Fanzines zum Selbstkostenpreis vertrieben. Im Zeitschriftenhandel sind sie nicht erh\u00e4ltlich. Sie erscheinen unregelm\u00e4\u00dfig und mit einer Auflage von bis zu 300 St\u00fcck. Herausgeber sind einzelne Szene-Mitglieder, die z. T. in rechtsextremistischen Kreisen agieren oder als Teilnehmer an rechtsextremistischen Gewaltoder sonstigen Aktionen auff\u00e4llig wurden. Die Fanzines enthalten rechtsextremistisches Gedankengut (z. B. Berichte und Fotodokumentationen \u00fcber politische Demonstrationen von Rechtsextremisten, Konzerten o. \u00e4.). H\u00e4ufig finden verbotene Kennzeichen nationalsozialistischer Organisationen Verwendung. Ein Fanzine, das in Berlin herausgegeben wurde, nannte sich \"Proi\u00dfens Gloria\". Die letzte Ausgabe war im September/Oktober 1992 erschienen. Seitdem wurde - soweit bekannt - kein Exemplar mehr vertrieben. Der Grund hierf\u00fcr ist vermutlich eine bei dem Herausgeber durchgef\u00fchrte Wohnungsdurchsuchung. Das einzige z. Z. in Berlin existierende Fanzine nennt sich \"Wehrt Euch\". Die letzte Ausgabe ist vermutlich im August 1994 erschienen. Verfasser sind sog. \"Hammer-Skins\" der Sektion Berlin. In einem Beitrag der Verfasser \u00fcber \"Hammer-Skins aus Brandenburg\" findet sich zum Selbstverst\u00e4ndnis der \"Sektion Berlin\" der \"Hammerskins\" folgende Aussage: \"Denn aus dem Zusatz 'Hammer' leitet sich der nationalsozialistische Anspruch ab. Soll hei\u00dfen, zu der Rasse zu geh\u00f6ren, die durch die Arbeit der Hand und des Kopfes gro\u00df geworden ist und nicht durch die Macht des Geldes und das Ausbeuten der Arbeitskraft. Nicht nur durch die Gnade oder den Zufall wei\u00dfe Hautfarbe zu besitzen und nichtj\u00fcdisch zu sein, sondern sich auch bewu\u00dft zu sein, wo der eigene Platz ist.\"","2 - Politischer Extremismus - 104 2.2.4 Rechtsextremistische Gewalttaten Die Gewalttaten mit erwiesenem oder zu vermutendem rechtsextremistischen Hintergrund gingen bundesweit - auch in Berlin - deutlich zur\u00fcck. Damit setzte sich der im Jahre 1993 begonnene R\u00fcckgang der Zahl der Gewalttaten kontinuierlich fort. Bundesweit wurden 1994 1 489 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation registriert (1993: 2 232). Dies ist gegen\u00fcber 1993 ein R\u00fcckgang um ca. 33 %. Die Gewalttaten forderten 1994 keine Todesopfer (1993: 8). Die Zahl der T\u00f6tungsversuche belief sich auf 10. Die fremdenfeindlichen Gewalttaten reduzierten sich von 1 609 im Jahre 1993 auf 860 Vorf\u00e4lle (R\u00fcckgang um ca. 47 %) im vergangenen Jahr. Deutlich nach unten entwickelten sich auch die Gewalttaten gegen politische Gegner (von 157 auf 95> Die Zahl der antisemitischen Vorf\u00e4lle betrug 1994 41 (1993: 72). Berlin nahm auch 1994 in der bundesweiten Statistik der rechtsextremistischen Gewalttaten einen hinteren (den 14.) Platz ein. Die Polizei erfa\u00dfte im Jahre 1994 25 Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund, 24 K\u00f6rperverletzungen und einen Brandanschlag. 22 Gewalttaten hatten einen fremdenfeindlichen Hintergrund, eine Tat war antisemitisch motiviert. Beispiele rechtsextremistischer Gewalttaten 9. Juni Messerangriff auf einen Ghanaer in BerlinHohensch\u00f6nhausen. Drei Personen, 17 bis 21 Jahre alt, umkreisten den Afrikaner und bedrohten ihn mit Messern. Bei der Festnahme der T\u00e4ter durch die Polizei leistete einer von ihnen Widerstand. Die Wohnungen aller Festgenommener wurden durchsucht. Einer der T\u00e4ter war zum Zeitpunkt der Tat Polizeisch\u00fcler. 12. August Landfriedensbruch und schwerer Raub durch eine Skinhead-Gruppe in Berlin-Buckow.","2 - Politischer Extremismus - 105 Mehrere Skinheads p\u00f6belten eine Gruppe Jugendlicher an, unter denen sich ein Farbiger befand. Unter lautstarken Beleidigungen wie \"Schei\u00dfnigger\" u. \u00e4. wurden die Jugendlichen verfolgt, bedroht und mit Flaschen beworfen. Den Gejagten gelang es, sich auf einer Baustelle zu verstecken. Zeitgleich raubten vier der Skinheads unter Schl\u00e4gen einem Passanten das Fahrrad. Nachdem die Skinheads abgezogen waren, konnten die Jugendlichen die herbeigerufene Polizei unterrichten, da\u00df sich die Skinheads auf einer Party bef\u00e4nden. Zwei weibliche Skinheads wurden dort festgenommen. 3. Oktober Bedrohung und K\u00f6rperverletzung in einem Bus der Linie 149 (Heerstra\u00dfe - U-Bahnhof Zoo). Ein der Polizei bekannter Roheitst\u00e4ter mit rechtsextremistischer Gesinnung zeichnete vor den Augen zweier Afrikaner das Zeichen des Ku-KluxKlan (KKK) in die beschlagene Frontscheibe des Oberdecks. Dabei bedrohte er die Guineer mit einer Gaspistole. Diesen gelang es, den T\u00e4ter zu entwaffnen und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. W\u00e4hrend des Handgemenges l\u00f6ste sich ein Schu\u00df und verletzte einen Afrikaner. 4. November Sachbesch\u00e4digung, Volksverhetzung und versuchte gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung an zwei Farbigen in Berlin-Friedrichshain. Die Opfer wurden von zwei Personen verbal als \"Schei\u00df-Neger\" beschimpft, und fl\u00fcchteten daraufhin in ein Wohnhaus. Im Durchgang zum Hinterhaus kam es zu Auseinandersetzungen. Dabei zerst\u00f6rten die T\u00e4ter mehrere Glasscheiben mittels k\u00f6rperlicher Gewalt und Steinw\u00fcrfen. Die Farbigen wurden nicht verletzt. Die T\u00e4ter konnten ermittelt werden.","2 - Politischer Extremismus - 106 27. November Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung und Beleidigung eines Farbigen aus Zaire auf dem S-Bahnhof Marzahn. Drei unbekannte Jugendliche beleidigten zun\u00e4chst verbal einen Farbigen aus Zaire mit den Worten: \"Schei\u00df-Schwarze\", \"Schei\u00df-Nigger\" und \"Ausl\u00e4nder raus\". Danach wurde er mit einem Schlagring ins Gesicht geschlagen. Ein T\u00e4ter bedrohte ihn mit einem Messer. Das Opfer versuchte, dem T\u00e4ter das Messer wegzunehmen und verletzte sich dabei. Anschlie\u00dfend gelang es ihm zu fl\u00fcchten. 2.2.4.1 Gesetzesverletzungen mit rechtsextremistischem Hintergrund Die Gesamtzahl aller im Jahre 1994 in Berlin bekanntgewordenen Straftaten (einschl. Gewalttaten) mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation betr\u00e4gt \u00fcber 795 (Gesamtvorjahr \u00fcber 650). Dies bedeutet einen Anstieg von ca. 22 %. Die gro\u00dfe Mehrzahl davon sind Farbschmierund Klebeaktionen (Propagandadelikte). 159 (ca. 20 %) der Vorf\u00e4lle weisen einen fremdenfeindlichen Charakter auf. 86 F\u00e4lle (ca. 11 %) sind antisemitisch. 36 Straftaten richteten sich gegen vermeintlich politische Gegner (4 %). In 190 F\u00e4llen konnten insgesamt 396 T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtige festgestellt werden.","2 - Politischer Extremismus - 107 Altersstruktur der T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtige Alter Anzahl unter 18 76 18 bis 25 235 26 bis 35 62 36 bis 45 12 \u00fcber 45 11 Gesamtzahl 396","2 - Politischer Extremismus 108 Altersstruktur der T\u00e4ter bzw. Tatverd\u00e4chtige - Gesamtzahl: 396 - 235 76 62 12 11 0 - I I hl , unter 18 18 bis 25 26 bis 35 36 bis 45 \u00fcber 45","2 - Politischer Extremismus - 109 Bekanntgewordene Vorf\u00e4lle mit rechtsextremistischem Bezug in Berlin 1991 -1994 1991 1992 1993 1994 Gesamt 389 475 650 795 darunter: 139 \u00fcber 180 212 \u00fcber 159 fremdenfeindlich darunter: 40 63 75 86 antisemitisch darunter: 57 92 75 25* Gewalttaten Vorlaufige Zahl der Polizei. Bei weiteren Gewalttaten mit zun\u00e4chst scheinbar rechtsextremistischem Hintergrund ergaben die polizeilichen Ermittlungen, da\u00df es sich um Verdeckungstaten, Beschaffungskriminalit\u00e4t oder pers\u00f6nliche Streitigkeiten mit gewalttatigem Ausgang handelte. Ein politischer (rechtsextremistischer) Hintergrund ist in diesen Fallen nicht anzunehmen. 2.2.5 \"Nationalfreiheitliche\" / \"Nationaldemokraten\" Im Unterschied zu Neonazis orientieren sich die sich selbst als \"nationalfreiheitlich\" bzw. \"nationaldemokratisch\" bezeichnenden Organisationen der \"Alten Rechten\" st\u00e4rker an v\u00f6lkisch-kollektivistischen, etatistischen, nicht unbedingt nationalsozialistischen Vorstellungen. Gewaltt\u00e4tige Aktionen gehen von ihnen nicht aus. Rechtsextremistische Parteien in der Bundesrepublik Deutschland und in Berlin befanden sich 1994 deutlich im politischen Abwind. W\u00e4hrend die NPD und die DVU Schwierigkeiten hatten, an allen Wahlen teilzunehmen, konnten \"Die Republikaner\" als einzige wahlrelevante Kraft des rechtsextremistischen Spektrums weder bei den Europaund Landtagswahlen am 12. Juni noch bei der Bundestagswahl am 16. Oktober an","2 - Politischer Extremismus - 110 fr\u00fchere Erfolge ankn\u00fcpfen. Diese r\u00fcckl\u00e4ufige Tendenz l\u00e4\u00dft sich auch an der Mitgliederentwicklung der Parteien des organisierten Rechtsextremismus ablesen. Die Mitgliederzahlen der DVU gingen von 26 000 im Jahre 1993 auf nunmehr 20 000 zur\u00fcck. \u00dcber die gleiche Anzahl von Mitgliedern verf\u00fcgt die Partei \"Die Republikaner\" (1993: 23 000). Die NPD hatte 1994 4 500 Mitglieder (1993: 5 000). In Berlin weisen diese Organisationen zusammen mit der inaktiven \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH) und dem Verein \"Die Nationalen e. V.\" nominell ca. 1 950 Mitglieder auf, doch ist nur ein geringer Teil der Mitglieder tats\u00e4chlich aktiv. Die Berliner Verb\u00e4nde der NPD und der DVU verharren nach wie vor in relativer Bedeutungslosigkeit. Nennenswerte politische Akzente wurden von ihnen nicht gesetzt. Auch der Landesverband Berlin der REP sp\u00fcrte die Auswirkung der politischen Auseinandersetzungen mit dem Rechtsextremismus. Interne Querelen, mangelndes Engagement von Funktion\u00e4ren und politischen Mandatstr\u00e4gern f\u00fchrten zu einem Mitgliederr\u00fcckgang auf etwa 1 000 Personen. Politische Richtungsk\u00e4mpfe und Auseinandersetzungen um die F\u00fchrung der REP auf Bundesebene kennzeichneten den Zustand der Gesamtpartei im Jahre 1994. Mit der Wahl von Dr. Rolf SCHLIERER zum neuen Bundesvorsitzenden - Franz SCH\u00d6NHUBER trat nicht mehr an - auf dem REP-Bundesparteitag am 17/18. Dezember in Sindelfingen (Baden-W\u00fcrttemberg) gl\u00e4tteten sich die Wogen in der Bundespartei zun\u00e4chst. 2.2.5.1 \"Deutsche Volksunion\" (DVU) Die \"Deutsche Volksunion\" (DVU) wurde am 5. M\u00e4rz 1987 in M\u00fcnchen von dem Verleger Dr. Gerhard FREY unter Einbeziehung des bereits seit 1971 bestehenden \"\u00fcberparteilichen\" Vereins \"Deutsche Volksunion e. V.\" (DVU e. V ) als Wahlpartei gegr\u00fcndet. Der Berliner Landesverband der DVU war auch 1994 weiterhin bestrebt, seine organisatorische Basis mit der Gr\u00fcndung von Kreisverb\u00e4nden, u. a. in den Bezirken Reinickendorf und Neuk\u00f6lln zu erweitern. Trotz dieser Bem\u00fchungen konnte eine Steigerung der politischen Aktivit\u00e4ten nicht erreicht werden. Mit Ausnahme einer Flugblattverteilaktion im Januar ist die Berliner DVU \u00f6ffentlichkeitswirksam nicht in Erscheinung getreten. Auch l\u00e4\u00dft die hohe Zahl von","2 - Politischer Extremismus - 111 knapp 700 (nominellen) Mitgliedern - die tats\u00e4chliche Zahl d\u00fcrfte erheblich niedriger liegen - allein im Landesverband Berlin keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Umfang der Parteiaktivit\u00e4ten zu. Von den Mitgliedern wird in der Regel au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge und dem Abonnement FREY'scher Zeitungen keine weitere Aktivit\u00e4t erwartet, so da\u00df die DVU im wesentlichen eine Institution zur finanziellen und ideellen Unterst\u00fctzung der Interessen ihres Mentors ist. 2.2.5.2 \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die 1964 von Funktion\u00e4ren der \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) und anderer rechtsextremistischer Parteien gegr\u00fcndete NPD konnte ihren Mitgliederbestand von bundesweit etwa 5 000 Personen Ende 1993 nicht stabilisieren und verf\u00fcgte zum Jahresende 1994 nur noch \u00fcber 4 500 Mitglieder. Auch der trotz wiederholter Ank\u00fcndigungen insbesondere von Berliner Funktion\u00e4ren erhobene Anspruch, die personelle und organisatorische Basis erheblich zu erweitem, wurde nicht realisiert. Der Mitgliederbestand von kaum 100 Personen stagniert weiterhin. Es handelt sich um einen Kader \u00fcberzeugter Parteimitglieder nahezu ohne Fluktuation. Der NPD-Landesverband Berlin-Brandenburg bzw. der hiesige Stadtverband organisierten 1994 elf Veranstaltungen. \"H\u00f6hepunkte\" waren dabei die von etwa 100 Personen besuchte traditionelle \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" im Januar 1994 und der 4. ordentliche Landesparteitag im Juni 1994, an dem ca. 25 Personen teilnahmen. Der NPD-Landesvorsitzende Thilo KABUS beklagte in seinem Rechenschaftsbericht die Schwierigkeiten seiner Partei bei der Suche nach geeigneten Veranstaltungsr\u00e4umen. Zur Situation im Land Brandenburg erkl\u00e4rte er, es sei zwar gelungen, einige NPD-St\u00fctzpunkte zu gr\u00fcnden. Da die Mitglieder jedoch \u00fcber das gesamte Bundesland verstreut seien, k\u00f6nne ein geordnetes Parteileben nicht stattfinden. Anl\u00e4\u00dflich der Europawahl am 12. Juni erhielt die NPD in Berlin 2 253 abgegebene g\u00fcltige Stimmen (= 0,2 %). Dieses Ergebnis best\u00e4tigte erneut die Bedeutungslosigkeit der Partei. Die NPD trat zu den Bundestagswahlen 1994 nicht an.","2 - Politischer Extremismus - 112 2.2.5.3 \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) Der etwa 10 Personen umfassende Landesverband Berlin-Brandenburg der JN entwickelte im Jahr 1994 keine Aktivit\u00e4ten. Die Herausgabe der bisher in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erschienenen Jugendzeitschrift \"Denkzettel\" wurde eingestellt. Die Jungen Nationaldemokraten w\u00e4hlten auf ihrem Bundeskongre\u00df am 3. September in A\u00dflar (Hessen) einen neuen Bundesvorstand. Der bisherige Stellvertreter, Holger APFEL (Niedersachsen), ist neuer Bundesvorsitzender. Der ehemalige Vorsitzende Andreas STORR (Berlin) hat das Amt des Stellvertreters \u00fcbernommen. 2.2.5.4 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH) / \"Die Nationalen e. V.\" Seit dem Parteiausschlu\u00df seines ehemaligen Vorsitzenden Frank SCHWERDT im November 1993 hat der Landesverband BerlinBrandenburg der DLVH keine eigenen politischen Aktivit\u00e4ten mehr entwickelt. Die politische Arbeit konzentrierte sich voll auf den ebenfalls von SCHWERDT geleiteten rechtsextremistischen Verein \"Die Nationalen e. V.\". Der im September 1991 gegr\u00fcndete Berliner Verein versuchte weiterhin, sich als Sammelbecken f\u00fcr Nationalisten anzubieten, enge Kontakte zu den Anh\u00e4ngern der verbotenen Neonazi-Organisationen zu kn\u00fcpfen und diese f\u00fcr eine Mitarbeit zu gewinnen. \"Die Nationalen e. V.\" haben 1994 ihre politische Arbeit auf das Land Brandenburg konzentriert und organisierten dort Mitgliederversammlungen, gemeinsame Treffen mit FAP-Angeh\u00f6rigen und Plakataktionen. Sie sollen jetzt etwa 100 Mitglieder haben. Der Verein k\u00fcndigte im Oktober im \"Thule-Netz\" (rechtsextremistisches Mailbox-System) eine verst\u00e4rkte Nutzung dieses Kommunikationssystems an. So sollen Artikel aus seinem Publikationsorgan \"BerlinBrandenburger\" eingespielt werden. Informationen k\u00f6nnten bei einem \"Kommando F\" \u00fcber die Mailbox oder die Zeitung \"Berlin-Brandenburger\" angefordert werden. Im \"Berlin-Brandenburger\" vom Juli/August 1994 hatte sich ein \"Kommando F\" als Zusammenschlu\u00df \"mitteldeutscher\" Jugendlicher vorgestellt. Gemeinsam sei ihnen - obwohl sie unterschiedli-","2 - Politischer Extremismus 113 chen nationalen Jugend-Szenen angeh\u00f6rten - der revolution\u00e4re Aspekt innerhalb ihres Kampfes. Am 3. Dezember 1994 demonstrierten \"Die Nationalen e. V.\" in Wei\u00dfwasser (Sachsen) unter dem Motto \"Argumente statt Verbote - Meinungsfreiheit auch f\u00fcr Nationale\". Es beteiligten sich etwa 70 Personen, darunter einige Angeh\u00f6rige des FAP-Landesverbandes Berlin. 2.2.5.5 \"Die Republikaner\" (REP)* Die wesentlichen \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten der Berliner REP beschr\u00e4nkten sich im Jahr 1994 auf die Durchf\u00fchrung von Landesparteitagen am 7. Mai und 10. Dezember, auf Informationsveranstaltungen sowie die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Verteilung von Wahlbrosch\u00fcren im Juni bzw. Oktober 1994. Daneben f\u00fchrten die Berliner REP im Februar 1994 eine gemeinsame Info-Veranstaltung der Kreisverb\u00e4nde Wilmersdorf, Sch\u00f6neberg, Steglitz und Zehlendorf im Rathaus Wilmersdorf zum Thema \"Emigrationsbewegung und Bev\u00f6lkerungsexplosion in der Welt von heute und ihre Auswirkungen auf Ru\u00dfland und Deutschland\" durch. Vor den Bundestagswahlen am 16. Oktober ist eine Brosch\u00fcre der Berliner REP unter dem Titel \"Zur Sache\" erschienen. In der Schrift werden in ungewohnt offener Form die in Deutschland lebenden Ausl\u00e4nder angegriffen. Im Mittelpunkt des Parteitages am 10. Dezember standen der Rechenschaftsbericht des Landesvorsitzenden Dr. M\u00dcLLER sowie die Neuwahl Nachbericht gem. SS 30 LfVG: Im Zusammenhang mit den im Verfassungsschutzbericht 1993 auf Seite 55 erw\u00e4hnten eingeleiteten Strafverfahren gegen vier Fraktionsmitglieder der Partei \"Die Republikaner\" wandte sich einer der Betroffenen an das LfV Berlin, da er sich zu Unrecht mit Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in Verbindung gebracht sah. Tats\u00e4chlich wurde das Verfahren wegen Volksverhetzung gegen drei der vier Betroffenen nicht wegen ausl\u00e4nderfeindlicher \u00c4u\u00dferungen, sondern aufgrund der Diskriminierung von Homosexuellen in einem Schreiben an den Senator f\u00fcr Gesundheit eingeleitet. Zwischenzeitlich hat das Amtsgericht Tiergarten zwei der drei Angeklagten in diesem Verfahren wegen gemeinschaftlicher Volksverhetzung verurteilt, wogegen sie Berufung eingelegt haben. Das Verfahren gegen den dritten Mitangeklagten ist abgetrennt worden, da dieser verstorben seih soll.","2 - Politischer Extremismus - 114 des Landesvorstandes. In seinem Bericht ging Dr. M\u00dcLLER auf den Beitrag im Jahresbericht 1993 \u00fcber die REP des Berliner Verfassungsschutzes ein und bezeichnete ihn als harmlos. Damit k\u00f6nne die Partei leben. Den aktuellen Mitgliederbestand der Berliner REP bezifferte er mit 1 015 Personen. Einer schlechten Mitgliederentwicklung in den westlichen Bezirken st\u00fcnden positive Zahlen in den \u00f6stlichen Bezirken Berlins gegen\u00fcber. Hochburgen der Berliner REP seien Reinickendorf, Wedding, Marzahn und Hellersdorf. Bei den Wahlen zum Landesvorstand wurde der bisherige Landesvorsitzende Dr. M\u00dcLLER wiedergew\u00e4hlt. In seinem Schlu\u00dfwort beschwor Dr. M\u00dcLLER die Einheit der Partei auf ihrem sozialpatriotischen Weg und sagte den REP bei den kommenden Berliner Wahlen ein Ergebnis zwischen 5 % und 7 % voraus. Den politischen Abw\u00e4rtstrend der REP offenbarten erneut die Bundestagswahlen. Die REP waren als einzige Partei des \"rechten Spektrums\" in Berlin angetreten und kandidierte in allen 13 Wahlbezirken der Stadt. Sie blieb weit unter der 5 %-Marke und erreichte nur 36 645 der abgegebenen g\u00fcltigen Zweitstimmen (1,9 %). Bundesweit entfielen auf die REP ebenfalls 1,9 % (875 175 Zweitstimmen). Am 22. September hat der Landesverband Berlin der REP wegen seiner Einstufung als rechtsextremistische Partei im Verfassungsschutzbericht 1993 gegen das Land Berlin Klage erhoben und Antrag auf Erla\u00df einer einstweiligen Anordnung gem. SS 23 VwGO gestellt. Die 26. Kammer des VG Berlin beschlo\u00df am 12. Oktober, den Antrag auf Erla\u00df einer einstweiligen Anordnung zur\u00fcckzuweisen. In der Begr\u00fcndung hei\u00dft es u. a.: \"... Die Einsch\u00e4tzung des Antragsgegners, die T\u00e4tigkeit der Partei 'Die Republikaner' sei jedenfalls teilweise eine T\u00e4tigkeit im Sinne der SSSS 5 Abs. 2 Nr. 1, 6 LfVG ist nicht zu beanstanden. Der Antragsgegner hat die Antragstellerin nicht ohne Differenzierung mit den \u00fcbrigen aufgef\u00fchrten rechtsextremistischen Gruppierungen gleichgesetzt. Gliederung und Text des Verfassungsschutzberichtes 1993 machen vielmehr deutlich, da\u00df auch der Antragsgegner trotz der grunds\u00e4tzlichen Einsch\u00e4tzung der Antragstellerin als rechtsextrem diese nicht mit den \u00fcbrigen in diesem Kapitel des","2 - Politischer Extremismus - 115 Verfassungsschutzberichtes genannten Gruppierungen gleichsetzt.\" Die Verhandlung in der Hauptsache steht noch aus. Die Situation der Gesamtpartei war 1994 durch ihren innerparteilichen Machtkampf gekennzeichnet, ausgel\u00f6st durch ein Treffen der Parteivorsitzenden der REP und der \"Deutschen Volksunion\" (DVU), Franz SCH\u00d6NHUBER und Dr. Gerhard FREY, am 20./21. August. Der Meinungsaustausch sollte dazu dienen, die seit Jahren andauernden Differenzen auszur\u00e4umen und \"der linken Volksfront eine rechte Abwehrkraft entgegenzusetzen\". Die Zusammenkunft hat die REP in eine Zerrei\u00dfprobe gest\u00fcrzt und positive wie auch negative Reaktionen in den Landesverb\u00e4nden ausgel\u00f6st. Als Reaktion auf den Ann\u00e4herungskurs Franz SCH\u00d6NHUBERS an die DVU hat der Bundesvorstand der REP auf einer Sitzung am 1. Oktober SCH\u00d6NHUBER per Beschlu\u00df seines Amtes enthoben. In einer Presseerkl\u00e4rung des REP-Bundesvorstandes hei\u00dft es u. a., SCH\u00d6NHUBER repr\u00e4sentiere mit seiner Position nicht mehr die Partei und solle seinen politischen Weg au\u00dferhalb der Partei fortsetzen. Auf Antrag von SCH\u00d6NHUBER verf\u00fcgte die 27. Zivilkammer des Landgerichts Berlin in einer Verhandlung am 13. Oktober, da\u00df der Beschlu\u00df des Bundesvorstandes der REP vom 1. Oktober auf Amtsenthebung des Parteivorsitzenden vorerst unwirksam sei. Das Gericht erkl\u00e4rte, nicht der Bundesvorstand, sondern nur eine Mitgliederversammlung h\u00e4tte SCH\u00d6NHUBER absetzen k\u00f6nnen. Au\u00dferdem sei der Vorstandsbeschlu\u00df vom 1. Oktober unwirksam, da in der Einladung zu dieser Sitzung die Absetzung SCH\u00d6NHUBERS nicht ausdr\u00fccklich aufgef\u00fchrt gewesen sei. Pressemeldungen vom 6. Dezember zufolge hat das bayerische Landesschiedsgericht SCH\u00d6NHUBER wegen parteisch\u00e4digenden Verhaltens erneut seines Amtes als Bundesvorsitzender enthoben. Diese Entscheidung sei am 4. Dezember gefallen. Danach soll das Bundesschiedsgericht der Partei SCH\u00d6NHUBER wieder als Parteivorsitzenden eingesetzt haben. Die F\u00fchrungsk\u00e4mpfe um Personen und politische Richtungen wurden auf dem Bundesparteitag am 17./18. Dezember in Sindelfingen (Baden-W\u00fcrttemberg) entschieden.* Der bisherige REPBundesvorsitzende Franz SCH\u00d6NHUBER teilte in seinem Rechen-","2 - Politischer Extremismus - 116 Schaftsbericht den Verzicht auf eine erneute Kandidatur mit. Einen Vorschlag f\u00fcr seine Nachfolge machte er nicht. Weiterhin versuchte er, sein Treffen mit dem DVU-Bundesvorsitzenden, Dr. Gerhard FREY, am 21/22. August zu rechtfertigen. Er wolle die Kontaktaufnahme als eine Art \"Waffenstillstand\", nicht aber als organisatorischen Zusammenschlu\u00df verstanden sehen. Bei der Wahl des neuen Bundesvorsitzenden setzte sich der bisherige stellvertretende Bundesvorsitzende und SCH\u00d6NHUBER-Widersacher, Dr. Rolf SCHLIERER, gegen zwei Mitbewerber, die dem SCH\u00d6NHUBER-Lager zuzurechnenden Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt und Bayern, Dr. Rudolf KRAUSE und Wolfgang H\u00dcTTL, durch. Der bisherige gesch\u00e4ftsf\u00fchrende stellvertretende Bundesvorsitzende und neben SCHLIERER exponierteste Widersacher SCH\u00d6NHUBERS, Alexander HAUSMANN, erhielt keinen der f\u00fcnf Stellvertreterposten. Der Parteitag hat keine Klarheit \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Kurs der REP - \"Abgrenzung von rechtsextremistischen Parteien und Hinwendung zur b\u00fcrgerlichen Mitte\" oder \"rechte Abwehrfront zusammen mit rechtsextremistischen Parteien\" - gebracht. Aus Gr\u00fcnden der innerparteilichen Harmonie wurde dieses zentrale Thema nicht diskutiert. 2.2.6 Sonstige rechtsextremistische Organisationen 2.2.6.1 \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" Die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\", der etwa 30 Mitglieder angeh\u00f6ren, setzte auch 1994 ihre gruppenund partei\u00fcbergreifenden Aktivit\u00e4ten fort und ist nach wie vor integrierendes Element innerhalb der rechtsextremistischen Szene Berlins. Der Verein organisierte 1994 dreizehn Veranstaltungen mit durchschnittlich etwa 80 Teilnehmern. Die zu den Vortragsveranstaltungen eingeladenen prominenten Referenten der rechtsextremistischen Szene behandelten u. a. Themen wie \"Die Reichsgr\u00fcndung im Urteil von Marx und Engels\" und \"Weltpolitik und Deutschlands Zukunft\". Die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" hattewie bereits in den letzten vier Jahrenf\u00fcr den Volkstrauertag am 13. November eine \"Heldengedenkfeier\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe (Brandenburg)","2 - Politischer Extremismus - 117 angemeldet, zu der von den Veranstaltern \u00fcber 1 000 Teilnehmer erwartet wurden. Im Falle eines Verbotes empfahl die \"Kulturgemeinschaft\" die Teilnahme an den offiziellen Veranstaltungen der Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge. Au\u00dferdem schlug der ehemalige Bundesvorsitzende der zwischenzeitlich verbotenen \"Wiking-Jugend e. V.\", Wolfram NAHRATH (gleichzeitig F\u00fchrer des WJ-Gaues Berlin/Preu\u00dfen) vor, im Falle eines Verbots in Kleinstgruppen mehrere Friedh\u00f6fe zu besuchen und dort ggf. Kr\u00e4nze niederzulegen. Diese Aktionen sollten zur Dokumentation fotografiert werden. Die \"Heldengedenkfeier\" wurde von den Beh\u00f6rden in Brandenburg verboten. Diese Verbotsverf\u00fcgung galt auch f\u00fcr jegliche Ersatzveranstaltung. Dank eines gr\u00f6\u00dferen Polizeiaufgebots blieb es im Raum BerlinBrandenburg weitgehend ruhig. Lediglich in F\u00fcrstenwalde wurden 22 Rechtsextremisten vorl\u00e4ufig festgenommen, als sie auf dem dortigen Soldatenfriedhof eine \"Heldengedenkfeier\" durchf\u00fchren wollten. Im Berliner Bezirk Reinickendorf legte eine Gruppe von etwa 15 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der \"Wiking-Jugend e. V.\" auf einem Soldatenfriedhof einen Kranz nieder. Die herbeigerufene Polizei stellte teilweise die Personalien fest und leitete gegen f\u00fcnf Personen ein Verfahren wegen des Verdachts des Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein. Im \u00fcbrigen Bundesgebiet waren keine \u00f6ffentlichen Versammlungen zu verzeichnen gewesen. 2.2.6.2 \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete, in der Tradition der ehemaligen \"Hitler-Jugend\" (HJ) stehende und nach dem F\u00fchrerprinzip organisierte \"Wiking-Jugend e.V.\" (WJ) wurde am 10. November vom Bundesminister des Innern gem. Art. 9 GG i. V. m. SS 3 Abs. 2 Vereinsgesetz verboten. Die entsprechende Verbotsund Aufl\u00f6sungsverf\u00fcgung ist dem WJ-\"Bundesf\u00fchrer\" in Berlin, Wolfram NAHRATH, und seiner Stellvertreterin, der \"Bundesm\u00e4delf\u00fchrerin\" Susan GESTRICH, in Baden-W\u00fcrttemberg am selben Tage \u00fcbergeben worden. Unmittelbar danach wurden in Berlin und in neun weiteren Bundesl\u00e4ndern Wohnungsdurchsuchungen durchgef\u00fchrt,","2 - Politischer Extremismus - 118 bei denen zahlreiches neonazistisches bzw. rechtsextremistisches Propagandamaterial sichergestellt wurde. Bei den Durchsuchungen fand die Polizei milit\u00e4r\u00e4hnliche Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde, wie Zelte, Tarnanz\u00fcge, Koppelschl\u00f6sser und Stahlhelme. Dar\u00fcber hinaus wurde auch das Vereinsverm\u00f6gen beschlagnahmt. Grundlage f\u00fcr das Verbot war u. a. die Feststellung einer Wesensverwandtschaft der WJ mit dem Nationalsozialismus. Der WJ geh\u00f6rten bundesweit etwa 400 Mitglieder an. Sie war die gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Jugendorganisation in der Bundesrepublik Deutschland. Der Gau Berlin der WJ hatte etwa 15 Anh\u00e4nger. Die Berliner WJ-Formation trat bis zum Verbot nur mit wenigen, gemeinsam mit der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" organisierten Veranstaltungen in Erscheinung. Berliner WJ-Anh\u00e4nger nahmen an dem traditionellen WJ-Pfingstlager in Hetendorf (Niedersachsen) im Mai teil. Unter dem Motto \"Jugend will deutsche Zukunft\" war bundesweit zu diesem Treffen eingeladen worden. In Berlin veranstaltete die WJ am 15. Oktober ein Fu\u00dfballturnier, zu dem sich ca. 60 Personen einfanden. Am Rande der Veranstaltung fielen vier Personen der Polizei auf. Bei der Durchsuchung ihres Kraftfahrzeuges stellte die Polizei neonazistisches Propagandamaterial und eine Anleitung zum Bau von Sprengvorrichtungen fest. Bei den anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen konnte u. a. rechtsextremistisches Propagandamaterial sichergestellt werden. Bei einem der hier bereits bekannten Neonazis (Oliver W.) wurden in der Wohnung neben umfangreichem Propagandamaterial mehrere Rohrk\u00f6rper mit Schwarzpulver und unbekannten Beimischungen sowie ein unbekannter Sprengstoff aufgefunden. Neben den Sprengmitteln konnten auch andere Gegenst\u00e4nde festgestellt werden/die zum Bau von Rohrbomben und Zeitz\u00fcndern geeignet sind. Es erging Haftbefehl (s. o.). Im Oktober fand die Polizei bei vier jugendlichen Rechtsextremisten, die in einem Gemeinschaftshaus in Berlin-Buckow NS-Lieder und -Parolen gegr\u00f6lt hatten, Propagandamaterial der WJ sowie der verbotenen NF. Bei anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen stellte die Polizei weiteres Propagandamaterial der WJ sowie Sturmhauben und Tarnm\u00fctzen, einen Totschl\u00e4ger, Nebelwurfk\u00f6rper und eine \u00dcbungshandgranate sicher.","2 - Politischer Extremismus - 119 2.2.7 Bewertung / Ausblick Die Verbotsma\u00dfnahmen der vergangenen Monate sowie die Festnahmen und Wohnungsdurchsuchungen bei Berliner Neonazis in der j\u00fcngsten Zeit haben deutliche Spuren innerhalb der Neonazi-Szene hinterlassen. Die Strukturen der verbotenen Vereinigungen wurden zerschlagen. Beschlagnahmema\u00dfnahmen und die Einziehung der Verm\u00f6gen trafen die wirtschaftliche Basis der Vereinigungen. Mitgliedsbeitr\u00e4ge konnten nicht mehr erhoben werden. Versammlungen standen fortan unter der Strafandrohung des SS 20 Vereinsgesetz. Das bedeutet, die verbotenen Organisationen verloren ihre Anh\u00e4ngerschaft und die M\u00f6glichkeit, weiterhin Propaganda zu betreiben oder neue Interessenten zu gewinnen. Die Sorge vor weiteren Verboten und Exekutivma\u00dfnahmen hat die Szene sp\u00fcrbar verunsichert und zu einem R\u00fcckgang spektakul\u00e4rer Aktivit\u00e4ten gef\u00fchrt. Die j\u00fcngste Verurteilung des f\u00fchrenden Neonazis und Koordinators der neonazistischen Szene der Bundesrepublik Deutschland, Christian WORCH, zu zwei Jahren Haft ohne Bew\u00e4hrung wegen Fortf\u00fchrung der 1983 verbotenen \"Aktionsfront Nationaler Sozialisten\" (ANS) k\u00f6nnte nach Rechtskraft des Urteils zu einer weiteren nachhaltigen Schw\u00e4chung der Szene f\u00fchren. Andererseits sind beim \"harten Kern\" der Neonazi-Szene \u00dcberlegungen fortgeschritten, organisationsunabh\u00e4ngige \"autonome\" Strukturen zu bilden, die mittels informationeller Vernetzung (Mailboxen; Infound Funktelefone u. \u00e4.) miteinander verbunden sind. Folge des erheblichen Drucks staatlicher Stellen auf die Neonazi-Szene k\u00f6nnten konspirative Verhaltensma\u00dfnahmen bis hin zur Untergrundt\u00e4tigkeit von Neonazis sein. Das Feststellen von Handlungsanleitungen zum bewaffneten Kampf (Bau von Brandbomben und Sprengvorrichtungen) bei Neonazis, die vereinzelte Anwendung von Brandflaschen bei rechtsextremistischen Gewalttaten sowie die Sammlung von Personendaten \u00fcber mi\u00dfliebige Personen im Rahmen der Anti-Antifa-Arbeit sind deutliche Indizien daf\u00fcr, da\u00df einige Personen der Neonazi-Szene sich mit rechtsterroristischen \u00dcberlegungen befassen. Es besteht die Gefahr, da\u00df militante Rechtsextremisten ihre politische Zukunft in terroristischer Gewalt suchen k\u00f6nnten.","2 - Politischer Extremismus - 120 F\u00fcr einen rechtsextremistischen Terrorismus in Berlin gibt es bisher keine tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte. Unter Neonazis und militanten Skinheads ist jedoch weiterhin ein besonderes Interesse an Waffen und waffen\u00e4hnlichen Gegenst\u00e4nden, wie Gasund Schreckschu\u00dfwaffen, Luftgewehren, Schlagringen, ButterflyMessern, Eisenstangen, Baseballschl\u00e4gern und Kn\u00fcppeln feststellbar. Scharfe Schu\u00dfwaffen fanden bisher keine Verwendung. Das schlechte Abschneiden rechtsextremistischer Parteien an Wahlen k\u00f6nnte angesichts der 1995 anstehenden Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin zu einer B\u00fcndelung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten mit dem Ziel der Bildung von Wahlb\u00fcndnissen bzw. W\u00e4hlergemeinschaften f\u00fchren. Dabei ist eine partielle Zusammenarbeit mit Neonazis m\u00f6glich. 2.2.8 Sonderthema: \"Informationelle Vernetzung\" Im Jahre 1992 wurde zum ersten Mal erkennbar, da\u00df sich im Nahtbereich von Neonazigruppen und rechtsextremistischen SkinheadZusammenschl\u00fcssen eine Verflechtung herauszubilden begann. Solche Ans\u00e4tze, die auch zu einigen Ermittlungsverfahren wegen Bildung von kriminellen und terroristischen Vereinigungen (SSSS 129 und 129a StGB) f\u00fchrten, hatten wegen der darin liegenden Gefahr der Potenzierung des aggressiv-k\u00e4mpferischen Gewaltpotentials staatliche Ma\u00dfnahmen gegen den Rechtsextremismus, insbesondere die Verbote von acht rechtsextremistischen Vereinigungen durch die Innenminister des Bundes und einiger L\u00e4nder, zur Folge. Dar\u00fcber hinaus liefen Verbotsantr\u00e4ge der Bundesregierung nach Art. 21 Abs. 2 GG gegen die \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) und die Hamburger \"Nationale Liste\". Die zahlreichen staatlichen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus - neben den erw\u00e4hnten Verboten rechtsextremistischer Vereinigungen wurden etliche Versammlungen verboten, es fanden Ermittlungsverfahren mit Hausdurchsuchungen, Razzien und Festnahmen statt - haben ihre Wirkung nicht verfehlt und zur Verunsicherung und Beeintr\u00e4chtigung der rechtsextremistischen Szene beigetragen.","2 - Politischer Extremismus - 121 So konnten in diesem Jahre gr\u00f6\u00dfere Aufm\u00e4rsche von Rechtsextremisten in Deutschland anl\u00e4\u00dflich des \"Gedenkens an Rudolf HE\u00df\" am 14. August und des \"Heldengedenkens\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe am 13. November verhindert werden. Rechtsextremisten wichen daher am 14. August nach Luxemburg aus. Die dortige Polizei verhinderte jedoch gr\u00f6\u00dfere Demonstrationen und ging gegen die anwesenden Rechtsextremisten (darunter keine Berliner) vor. Andererseits konnten die staatlichen Repressionsma\u00dfnahmen trotz ihrer gravierenden Auswirkungen auf die organisierten Neonazis deren Aktivit\u00e4ten nicht v\u00f6llig unterbinden. Das aktive neonazistische Potential blieb erhalten und ist weiterhin bem\u00fcht, staatlichen Ma\u00dfnahmen weniger Angriffsfl\u00e4chen zu bieten. Als Konsequenz aus dieser Lage setzt die neonazistische Szene ihre Bem\u00fchungen fort, neue taktische Konzepte zu entwickeln und neue Aktionsformen zu finden. Allgemein ist in der neonazistischen Szene die Tendenz erkennbar, im Interesse eines gemeinsamen Zieles die oft gegens\u00e4tzlichen oder konkurrierenden Gruppeninteressen zu \u00fcberwinden oder Differenzen zumindest zur\u00fcckzustellen. In einer \"Bewegung\" nach Vorbild der Nationalsozialisten sollen organisatorisch ungebundene Aktivisten zusammenwirken, um dem Staat die M\u00f6glichkeit zu nehmen, mit Vereinsverboten Strukturen zu zerschlagen. Eine organisatorische \"Vernetzung\" wird nicht angestrebt. Die fehlenden organisatorischen Strukturen sollen jedoch durch eine \"informationelle Vernetzung\" unter Einsatz moderner technischer Mittel und der M\u00f6glichkeit einer zentralen Steuerung durch den Kreis der F\u00fchrungspersonen ersetzt werden. Nachdem Linksextremisten seit Jahren neue Kommunikationstechniken intensiv nutzen, haben nun zunehmend auch Rechtsextremisten erkannt, da\u00df der professionelle Einsatz moderner Medien neue M\u00f6glichkeiten der Information bietet. In letzter Zeit haben sich Rechtsextremisten vermehrt solcher Kommunikationsmittel (Einsatz von Faxger\u00e4ten, Datex-J [fr\u00fcher Btx], Mobiltelefonen, Funkger\u00e4ten und Infotelefonen) bedient, um eine organisati-","2 - Politischer Extremismus - 122 ons\u00fcbergreifende Zusammenarbeit sicherzustellen (\"informationelle Vernetzung\"). Konventionelle organisatorische Verflechtungen werden ersetzt durch \"informelle Gruppen\", Zusammenschl\u00fcsse von Rechtsextremisten ohne formale Mitgliedschaft, gegr\u00fcndet und angeleitet von regional anerkannten F\u00fchrungsfiguren, die untereinander - vergleichbar den Autonomen von links - ma\u00dfgeblich durch kommunikative Medien zusammenwirken. Bundesweit existieren mehrere \"Nationale Info-Telefone\". In Berlin ist seit dem 6. Juni 1994 ein solcher Anschlu\u00df geschaltet. Der Sprecher des \"Nationalen Info-Telefons Berlin\" weist zu Beginn jeder Ansage darauf hin, der Anschlu\u00df sei nicht \u00f6ffentlich und ein Mitschneiden des Textes untersagt. Zum Abschlu\u00df wird mitgeteilt, von den Teilnehmern des Info-Telefons k\u00f6nnten Neuigkeiten in Verbindung mit der Angabe der eigenen Telefonnummer \u00fcbermittelt werden. Das \"Nationale Info-Telefon Berlin\" verbreitet Informationen \u00fcber Aktionen sowie Ereignisse, die im Zusammenhang mit Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Szene stehen. Wiederholt meldete das \"Nationale InfoTelefon Berlin\" z. B. die geplante, sp\u00e4ter untersagte Veranstaltung am 13. November (Heldengedenkfeier) vor dem Soldatenfriedhof in Halbe. Die Beh\u00f6rden werden wegen ihres Vorgehens gegen \"national gesinnte B\u00fcrger\" kritisiert, stets stellt man Vergleiche mit den \"geduldeten\" Aktionen des politischen Gegners, den \"Linken\", an. Den Rechtsextremisten gelang es, solche Ansagedienste zu einem wichtigen Medium, insbesondere der Anti-Antifa-Szene, im Rahmen der seit geraumer Zeit betriebenen informationellen Vernetzung zu entwikkeln. Das \"Nationale Info-Telefon Berlin\" beendete das Jahr 1994 mit einer Sonderansage vom 31. Dezember. Darin hei\u00dft es u. a.: \"Mit dem Jahr 1994 geht ein besonderes Kampfjahr f\u00fcr die nationale Szene zu Ende. Herausragendes Ereignis ist die Strafversch\u00e4rfung gegen volkstreue Meinungs\u00e4u\u00dferungen. Mit dem Gesinnungsstraftatbestand Volksverhetzung ist die Meinungsund Wissenschaftsfreiheit entscheidend einge-","2 - Politischer Extremismus - 123 engt worden. Da die Gew\u00e4hrleistung dieser Grundrechte grundlegend f\u00fcr die Demokratie ist, wurde hiermit die Demokratie bedroht. Im Namen der Freiheit wurde eine geistige Unfreiheit geschaffen. Die wirklichen Demokraten im Sinne germanischer Volksherrschaft sind heute die nationalen Kr\u00e4fte. Die st\u00e4ndigen Verbote nationaler Vereine und Versammlungen haben es aber endlich erm\u00f6glicht, die verschiedenen nationalen Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln und zu einem geschlossenen Vorgehen zu motivieren. Dar\u00fcber hinaus haben die staatlichen Ma\u00dfnahmen die notwendige geistige Radikalisierung der nationalen Szene bewirkt. Auch die letzten Zweifler in der Szene haben nunmehr geistig mit dem herrschenden System restlos abgeschlossen. Das Jahr 1995 wird die nationale Szene weiter voranbringen. Die Gewi\u00dfheit, die Wahrheit und die Biologie weltanschaulich hinter sich zu wissen, m\u00f6ge der nationalen Arbeit einen gro\u00dfen Schub geben. Die geringe Zeit bis zum Machtwechsel mu\u00df jetzt zum Aufbau einer k\u00fcnftigen F\u00fchrungselite benutzt werden.\" Im Dezember 1994 ist ein weiteres Info-Telefon in Berlin, n\u00e4mlich ein Anschlu\u00df der REP-Fraktion der B W Charlottenburg, unter der Bezeichnung \"Republikanisches Informationstelefon\" bekanntgeworden. Bundesweit existieren dar\u00fcber hinaus zahlreiche Mailboxen der Rechtsextremisten; in Berlin besteht bisher keine derartige Einrichtung. Die \u00fcber die \"Nationalen Info-Telefone\" und Mailboxen abrufbaren Informationen sind ausschlie\u00dflich solche, die aus Sicht der Rechtsextremisten nicht geheimhaltungsbed\u00fcrftig sind. Informationen, die den Sicherheitsbeh\u00f6rden oder den politischen Gegnern verborgen bleiben sollen, werden aus konkreten Anl\u00e4ssen bei pers\u00f6nlichen Begegnungen ausgetauscht oder \u00fcber kurzfristig eingerichtete Info-Telefone nur an dort bekannte Anrufer weitergegeben. Plattformen, pers\u00f6nliche Kontakte aufzubauen oder zu verbessern, bieten - neben Einzelverabredungen - v. a. Gruppen, die organisations\u00fcbergreifend t\u00e4tig sind. Dazu z\u00e4hlt der Kreis um das Ehepaar Curt und Ursula","2 - Politischer Extremismus - 124 M\u00dcLLER in Mainz-Gonsenheim. Auf dem Grundst\u00fcck der Eheleute finden sporadisch Veranstaltungen (z. B. HITLERs Geburtstag) statt. Ferner ist die \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) zu nennen. Der von Ursula M\u00dcLLER geleitete Verein stellt eine zentrale Kontaktstelle f\u00fcr Neonazis dar. Die Mitglieder neonazistischer Organisationen sind vielfach auch Angeh\u00f6rige der HNG. Eine vergleichbare Funktion \u00fcbt die \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" aus, die mit ihren Vortragsveranstaltungen Rechtsextremisten aller Schattierungen vereint und ihnen Gelegenheit zu Vortr\u00e4gen bietet.","2 - Politischer Extremismus - 125 2.3 Ausl\u00e4nderextremismus 2.3.1 Einleitung Zu den gesetzlichen Aufgaben des LfV Berlin geh\u00f6rt u. a. die Beobachtung von \"Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden\" (SS 5 Abs. 2 Nr. 3 LfVG). Diese Formulierung, die sich gleichlautend in den Verfassungsschutzgesetzen des Bundes (SS 3 Abs. 1 Nr. 3 BVerfschG) und aller L\u00e4nder findet, zielt auf Bestrebungen militanter ausl\u00e4ndischer Gruppen oder Einzelpersonen, die nicht gegen die Grundlagen unserer Verfassungsordnung, sondern gegen die politischen Verh\u00e4ltnisse ihres Heimatstaates oder anderer Staaten gerichtet sind. Den eindeutigen Aufgabenschwerpunkt bildet die Beobachtung gewaltorientierter, terroristischer und staatsterroristischer Bestrebungen. Dazu z\u00e4hlen auch bestimmte geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten fremder M\u00e4chte, die zum Ziel haben, Terroranschl\u00e4ge vorzubereiten bzw. durchzuf\u00fchren oder Oppositionelle und Regimegegner auszuforschen oder zu bedrohen bzw. einzusch\u00fcchtern, in Einzelf\u00e4llen sogar zu liquidieren. Tr\u00e4ger terroristischer Gewalttaten im Bereich des \"Ausl\u00e4nderextremismus\" waren in der Vergangenheit u. a. pal\u00e4stinensische und islamischextremistische Terrororganisationen und Gruppen, die sich die Vernichtung des Staates Israel zum Ziel gesetzt haben und eine L\u00f6sung des Pal\u00e4stina-Problems auf dem Verhandlungswege strikt ablehnen. Zu erw\u00e4hnen ist in diesem Bereich auch die \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), die gerade in j\u00fcngster Zeit in der Bundesrepublik Deutschland und in anderen westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern zahlreiche Gewaltaktionen gegen t\u00fcrkische Konsulate und Einrichtungen, u. a. Brandanschl\u00e4ge und Besetzungen mit Geiselnahmen, durchgef\u00fchrt und damit eindeutig die Schwelle zum Terrorismus \u00fcberschritten hat.","2 - Politischer Extremismus - 126 Den h\u00f6chsten Anteil von den 419 202 melderechtlich erfa\u00dften Ausl\u00e4ndern in Berlin stellten wie in den Vorjahren die 138 959 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen (Stand: 31. Dezember 1994). Fernerwaren in Berlin etwa 73 000 Angeh\u00f6rige der V\u00f6lker des ehemaligen Jugoslawiens sowie etwa 13 000 B\u00fcrger verschiedener arabischer Staaten melderechtlich erfa\u00dft. Der Anteil der Ausl\u00e4nder, die extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen zuzurechnen sind, betrug 1994 mit etwa 3 640 Personen ca. 0,9 %. Diese im Vergleich zum Vorjahr gestiegene Zahl erkl\u00e4rt sich zum einen aus einem leichten realen Zuwachs des extremistischen Potentials unter den in Berlin lebenden Ausl\u00e4ndern, zum anderen aus der Korrektur vorhandener Zahlen infolge genauerer Informationen. Die folgende Darstellung konzentriert sich auf diejenigen Bestrebungen, von denen gegenw\u00e4rtig die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland ausgeht. Dies sind im einzelnen: Islamisch-extremistische Araber- / Pal\u00e4stinenser Organisationen sowie andere gewaltorientierte pal\u00e4stinensische Gruppen, die gewaltorientierte \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), staatsterroristische und nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten des Iran sowie sonstige sicherheitsgef\u00e4hrdende und extremistische Bestrebungen von Iranern, gewaltorientierte linksextremistische t\u00fcrkische Gruppen und Organisationen.","2 - Politischer Extremismus * 127 Extremistische Ausl\u00e4ndergruppen in Berlin Islamischextremistische T\u00fcrkenorganisationen: 1700(47%) Islamischextremistische Rechtsextremistische Araber/Pal\u00e4stinenser: T\u00fcrken: 600 (16%) 330 (9%) Li n ks extrem i sti sc he T\u00fcrken: 290 (8%) Linksextremistische Araber/Pal\u00e4stinenser: 160 (4%) Regimetreue Iraner: 25(1%)","2 - Politischer Extremismus - 128 Extremistische Ausl\u00e4ndergruppen in Berlin - Gesamtzahl: 3 640 Personen - Ideologische Nationalit\u00e4t Ausrichtung Linksextremistische Araber/Pal\u00e4stinenser Islamisch-extremistische 330 Araber/Pal\u00e4stinenser Regimetreue Iraner ) Oppositionelle Iraner Islamisch-extremistische T\u00fcrkenorganisationen Rechtsextremistische T\u00fcrken Linksextremistische T\u00fcrken Kurden (PKK) 500 1000","2 - Politischer Extremismus - 129 Verteilung nach ideologischer Ausrichtung: islamisch-extremistische 2 090 Personen (57,4 %) Organisationen I linksextremistische Orga950 Personen (26,1 %) nisationen rechtsextremistische Or600 Personen (16,5 %) ganisationen Verteilung nach Nationalit\u00e4ten: I t\u00fcrkische Organisationen 2 590 Personen (71,2%) Araber-/Pal\u00e4stinenser490 Personen (13,5%) Org. Kurden (PKK) 500 Personen (13,7%) Iraner 60 Personen ( 1,6%)","2 - Politischer Extremismus - 130 2.3.2 Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Kurden Die Zahl der in Berlin lebenden Kurden wird auf 35 000 bis 50 000 Personen gesch\u00e4tzt, rund 90 % von ihnen sind t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige. W\u00e4hrend sich die meisten in der Bundesrepublik Deutschland aktiven Kurden-Organisationen -hier sind v. a. die beiden der \"Kurdistan-Front Irak\" (KFI) angeh\u00f6renden Parteien \"Demokratische Partei Kurdistans-Irak\" (DPK-Irak) und \"Patriotische Union Kurdistans\" (PUK) sowie \"KOMKAR-Verband der Vereine aus Kurdistan\" (KOMKAR) zu nennen - fast ausschlie\u00dflich auf propagandistische Aktionen beschr\u00e4nken, ging die in der T\u00fcrkei terroristisch operierende \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) auf deutschem Boden in der Vergangenheit und bis zu ihrem Verbot am 26. November 1993 wiederholt gewaltsam gegen t\u00fcrkische Einrichtungen vor und ver\u00fcbte zahlreiche Straftaten. Die auch nach dem Verbot ungebrochene Gewaltbereitschaft der PKK stellt nicht nur eine erhebliche Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik dar, sondern belastet auch in besonders starkem Ma\u00dfe das Verh\u00e4ltnis zwischen den hier lebenden Kurden und T\u00fcrken. 2.3.2.1 \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Entstehung Die am 27. November 1978 offiziell gegr\u00fcndete \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) wird von einem Zentralkomitee (ZK), dessen Beschl\u00fcsse f\u00fcr alle Parteiuntergliederungen verbindlich sind, geleitet. Als deren Generalsekret\u00e4r und unumschr\u00e4nkter F\u00fchrer amtiert seit ihrer Gr\u00fcndung Abdullah \u00d6CALAN. Die PKK stellt eine straff organisierte und konspirativ arbeitende Organisation dar, die sich fast ausschlie\u00dflich aus t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit rekrutiert.","2 - Politischer Extremismus - 131 Die PKK verf\u00fcgt \u00fcber zwei internationale Teilorganisationen: Die \"Volksbefreiungsarmee Kurdistans\" (ARGK) und die \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK). W\u00e4hrend die ARGK als milit\u00e4rischer Arm den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei f\u00fchrt, ist die ERNK auf internationaler Ebene f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeitsarbeit der PKK zust\u00e4ndig. Die PKK ist als Partei \"offiziell\" nicht in Europa t\u00e4tig. Ihre Aktivit\u00e4ten gehen von ihrer internationalen Teilorganisation ERNK aus. Das Europa-ZK der ERNK befindet sich in Br\u00fcssel, die Aktivit\u00e4ten in der Bundesrepublik Deutschland werden von der ERNK-Zentrale in K\u00f6ln gesteuert. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Zahl der Mitglieder und Anh\u00e4nger der PKK auf etwa 7 500, in Berlin auf ca. 500 gesch\u00e4tzt. Ende Dezember 1993 wurde in Berlin-Kreuzberg ein neues kurdisches Kommunikationszentrum er\u00f6ffnet, in dessen R\u00e4umen der einige Tage vor dem PKK-Verbot gegr\u00fcndete Verein \"Deutsch-Kurdisches Kultur Zentrum (NAWCAKURD) in Berlin e. V.\" sowie verschiedene PKK-Nebenorganisationen und sonstige PKK-nahe Organisationen ihren Sitz haben. Der Verein NAWCAKURD ist als Berliner Mitgliedsverein der am 27. M\u00e4rz 1994 gegr\u00fcndeten \"F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland\" (YEK-KOM) anzusehen, der bundesweit mehrere kurdische Vereinigungen angeh\u00f6ren. Am 26. November 1993 hat der Bundesminister des Innern die T\u00e4tigkeit der PKK in der Bundesrepublik Deutschland untersagt und ihre Teilorganisationen, u. a. ERNK und FEYKA-Kurdistan, sowie deren Mitgliedsorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland verboten. Das Verbot der PKK f\u00fchrte zu Solidarit\u00e4tsbekundungen verschiedener kurdischer Organisationen, die sich bisher von der PKK distanziert hatten. Zahlreiche deutsche Sympathisanten setzen sich f\u00fcr die Aufhebung des Verbots ein. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung des Bundesminister des Innern haben die vom Verbot betroffenen Organisationen Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht erhoben.","2 - Politischer Extremismus - 132 Das in Berlin vom PKK-Verbot betroffene \"Kurdische Kulturzentrum BOTAN in Berlin e. V.\" hatte am 23. Dezember 1993 Klage beim Bundesverwaltungsgericht in Berlin-Charlottenburg gegen den Verbotsbescheid vom 26. November 1993 erhoben. Am 19. Juli 1994 hob das Gericht die vom Bundesinnenministerium ausgesprochenen Verbote gegen 21 kurdische Regionalvereinigungen (darunter auch das Kurdische Kulturzentrum BOTAN) bis zur endg\u00fcltigen Entscheidung auf. Aktivit\u00e4ten der PKK nach dem Verbot Trotz ihres Verbotes sind die PKK und ihre Nebenorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland unvermindert aktiv. Nachfolgend sind einige herausragende Beispiele von Aktivit\u00e4ten der Berliner Mitglieder und Sympathisanten der PKK aufgef\u00fchrt, wobei im Verlauf des Jahres 1994 immer deutlicher wurde, da\u00df sich die PKK f\u00fcr die Durchf\u00fchrung ihrer Veranstaltungen verst\u00e4rkt bem\u00fcht, unverd\u00e4chtige Gremien oder Institutionen als Anmelder und vorgebliche Tr\u00e4ger in Erscheinung treten zu lassen. Am 20. Februar 1994 f\u00fchrte die ERNK im Audimax der TU Berlin eine \"Volksversammlung\" durch. Bei den bis zu 600 Teilnehmern handelte es sich fast ausschlie\u00dflich um Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK. Wie bei weiteren vergleichbaren Veranstaltungen waren auf der B\u00fchne u. a. ein gro\u00dfformatiges Bild des PKK-Generalsekret\u00e4rs Abdullah \u00d6CALAN und eine Fahne der ERNK angebracht. Breiten Raum in der Veranstaltung nahm ein etwa zweist\u00fcndiger Videofilm mit einer Rede von Abdullah \u00d6CALAN ein, der von den Anwesenden mit gro\u00dfem Beifall bedacht wurde. Auch diese Form der Pr\u00e4sentation von Verbundenheitsbekundungen zur PKK geh\u00f6rt zu den immer wiederkehrenden Ritualen der von der ERNK veranstalteten \"Volksversammlungen\". In der aufgezeichneten Rede warf \u00d6CALAN der Bundesrepublik Deutschland vor, die t\u00fcrkische Regierung zu unterst\u00fctzen; durch das PKK-Verbot habe sie eine feindliche Haltung gegen\u00fcber den Kurden eingenommen und stehe damit auf der \"falschen Seite\". Diesen Schritt werde sie eines Tages bereuen. Bei der PKK han-","2 - Politischer Extremismus - 133 dele es sich nicht um eine \"terroristische Organisation\", sondern um eine \"Befreiungsbewegung\", deren Ziel es sei, ihr Land zu befreien und nicht Menschen zu t\u00f6ten. Am 19. M\u00e4rz 1994 kam es zu einer spontanen Protestkundgebung mit mehr als 800 Personen - nach Angaben des Veranstalters waren es etwa 2 000 - vor dem Haupteingang der Technischen Universit\u00e4t Berlin gegen die Untersagung einer f\u00fcr diesen Tag im Audimax der TU anl\u00e4\u00dflich des kurdischen NEWROZ-(Neujahrs-)Festes geplanten Veranstaltung der ERNK. Die Protestkundgebung nahm einen gewaltsamen Verlauf, als die Kleidung eines Kurden unter nicht gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden in Brand geriet. Zwei weitere Kurden wurden bei dem Versuch, die Flammen zu ersticken, ebenfalls verletzt. Kurdische Jugendliche versuchten diese Situation auszunutzen, um eine Fahne der ERNK \u00fcber dem Foyer des TU-Geb\u00e4udes anzubringen. Als diese Aktion durch die Polizei verhindert wurde, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei, in deren Verlauf 31 Polizeibeamte verletzt wurden. Sieben Gewaltt\u00e4ter wurden wegen schweren Landfriedensbruchs vor\u00fcbergehend festgenommen, gegen f\u00fcnf von ihnen wurde Haftbefehl erlassen. Auch im \u00fcbrigen Bundesgebiet kam es wegen des Verbots geplanter Veranstaltungen anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Newroz-Festes z. T. zu schweren Ausschreitungen, bei denen bundesweit \u00fcber 90 Polizeibeamte verletzt wurden. \u00dcber 500 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet und zahlreiche Haftbefehle erlassen. Am 22. M\u00e4rz 1994 blockierten etwa 200 Kurden zeitweise die Autobahn in H\u00f6he des ehemaligen Grenzkontrollpunktes Dreilinden. Die Demonstranten setzten Autoreifen in Brand und organisierten eine Sitzblockade auf der Fahrbahn. 101 Demonstranten (M\u00e4nner, Frauen und Kinder) wurden vorl\u00e4ufig festbzw. in Gewahrsam genommen, gegen etwa 50 Personen Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am 25. Juni 1994 fand in Frankfurt am Main eine Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"F\u00fcr eine demokratische und politische","2 - Politischer Extremismus - 134 L\u00f6sung in Kurdistan\" statt. Presseberichten zufolge bewegte sich die Teilnehmerzahl zwischen 50 000 und 100 000 Personen. Aus Berlin waren \u00fcber 2 000 Mitglieder und Sympathisanten der verbotenen PKK einschl. ihrer Familienangeh\u00f6rigen in gemieteten Bussen und privaten Pkw zur Teilnahme angereist. Der tragische Tod des 16j\u00e4hrigen Kurden Halim DENER im Juni 1994 wurde von der PKK propagandistisch f\u00fcr ihre Agitation gegen die Bundesrepublik Deutschland als \"Kriegsfeind Nr. 2\" genutzt. DENER war in den Nachtstunden des 30. Juni 1994 von einer Zivilstreife der Polizei in Hannover zusammen mit etwa f\u00fcnf Personen beim Plakatieren f\u00fcr die vom PKK-Verbot betroffene ERNK beobachtet worden. Bei dem Versuch seiner Festnahme hatte sich aus einer Dienstwaffe aus bisher noch nicht bekannter Ursache ein t\u00f6dlicher Schu\u00df gel\u00f6st. Bundesweit kam es in der Folge zu \"Racheaktionen\" gegen Polizeieinrichtungen. In Berlin gab es in den Bezirken Kreuzberg und Wedding mehrere Steinw\u00fcrfe gegen Funkstreifenwagen der Polizei. Am 4. Juli 1994 demonstrierten aus Anla\u00df des Todes Halim DENERs nach Angaben der Polizei etwa 450, nach Angaben des Veranstalters, einer der Berliner autonomen Szene zuzurechnenden Gruppe, bis zu 2 000 Personen. Der als Trauermarsch bezeichnete Demonstrationszug setzte sich \u00fcberwiegend aus Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK, zahlreichen Anh\u00e4ngern des deutschen linksextremistischen Spektrums und einigen Anh\u00e4ngern der linksextremistischen \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie deutschen Autonomen zusammen. Auf der Abschlu\u00dfkundgebung wurde behauptet, der junge Kurde sei von dem Polizeibeamten gezielt von hinten erschossen worden. Die Bundesregierung wurde f\u00fcr diese Eskalation verantwortlich gemacht. Am 9. Juli 1994 fand in Hannover ein zentraler Trauermarsch aus Anla\u00df des Todes von Halim DENER statt. Nach Angaben der Polizei nahmen mehr als 16 000 Personen teil; aus Berlin waren etwa 1 500 Mitglieder und Sympathisanten der PKK angereist. Die Demonstrationsteilnehmer forderten auf Transparenten und in Sprechch\u00f6ren u. a. die Aufhebung des PKK-Verbots.","2 - Politischer Extremismus - 135 Am 24. September 1994 beteiligten sich etwa 1 300 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK am \"Halim DENER - 3. Internationales Kurdistan-Festival\" in der niederl\u00e4ndischen Stadt Landgraaf. An der von der ERNK initiierten Gro\u00dfveranstaltung sollen nach Angaben des Veranstalters \u00fcber 100 000 Personen teilgenommen haben. Als realistisch wird die Zahl von etwa 50 000 PKK-Mitgliedern und Sympathisanten angesehen. Urspr\u00fcnglich war als Veranstaltungsort des Kurdistan-Festivals das Niedersachsen-Stadion in Hannover vorgesehen. Als Anmelder trat der Kreisverband Hannover der PDS/Linke Liste auf. Die Polizei verbot die Durchf\u00fchrung der Veranstaltung, da nach ihrer Einsch\u00e4tzung die PKK hinter dieser Veranstaltung stand und mit strafbaren Handlungen zu rechnen war. Die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen der PKK mit der t\u00fcrkischen Staatsmacht spiegelten sich in einer Vielzahl von Veranstaltungen der Berliner Gliederung der PKK wider, wobei Demonstrationen h\u00e4ufig auch zu Auseindersetzungen mit der Polizei f\u00fchrten: Am 14. August 1994 beteiligten sich etwa 1000 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK an einer Kulturveranstaltung aus Anla\u00df des 10. Jahrestages des Beginns des bewaffneten Kampfes der PKK in Kurdistan (15. August 1984), die in einem mit zahlreichen Fahnen von PKK und ERNK geschm\u00fcckten Festsaal in Berlin-Wedding stattfand. Einige anwesende kurdische Jugendliche meldeten sich spontan f\u00fcr den Kampfeinsatz in Kurdistan. Am 22. Oktober 1994 nahmen an der Demonstration eines \"Solidarit\u00e4tskomitees Dersim\" gegen \"die Massaker des t\u00fcrkischen Staates in Dersim\" etwa 1 000 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK teil. In mehreren St\u00e4dten der Bundesrepublik Deutschland fanden am gleichen Tage \u00e4hnliche Demonstrationen statt, die von sog. Solidarit\u00e4tskomitees Dersim initiiert wurden, Vor Beginn der Veranstaltung kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizeibeamten, als diese Fahnen und Embleme der ERNK beschlagnahmten. Einige De-","2 - Politischer Extremismus - 136 monstrationsteilnehmer bespritzten zwei Polizeibeamte mit Benzin und versuchten, sie anzuz\u00fcnden. Im Verlauf des Aufzuges wurde ein Polizeibeamter in Zivil von Demonstrationsteilnehmern erkannt. Einige Demonstranten schlugen ihn nieder und wollten ihm seine Dienstwaffe entwenden. Dieses konnte durch das Eingreifen weiterer Polizeikr\u00e4fte verhindert werden. Zwei Tatverd\u00e4chtige wurden festgenommen. Am 26. Oktober 1994 wurde in London der Europa-Sprecher der ERNK, Kani YILMAZ, von der britischen Polizei festgenommen. YILMAZ sollte auf Einladung eines britischen Parlamentariers auf einer Veranstaltung der Labour Party sprechen. Die Bundesanwaltschaft hat am 31. Oktober 1994 Haftbefehl gegen Kani YILMAZ wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung erlassen und ein Auslieferungsersuchen an die britische Justiz \u00fcbersandt. Als Reaktionen auf die Festnahme von YILMAZ beteiligten sich etwa 40 bis 50 Anh\u00e4nger der PKK am 15. November 1994 an einer unangemeldeten Protestkundgebung vor der Au\u00dfenstelle der britischen Botschaft in Berlin-Mitte. Drei Demonstranten durften das Botschaftsgeb\u00e4ude betreten und eine Resolution \u00fcbergeben. Im Zusammenhang mit dem \"1. Jahrestag\" des PKK-Verbots in der Bundesrepublik Deutschland kam es am 26. November 1994 bundesweit zu Protestkundgebungen und Stra\u00dfenblockaden, die z. T. gewaltsam verliefen. Bei den Auseinandersetzungen wurden einige Personen verletzt und zahlreiche Demonstranten vor\u00fcbergehend festgenommen. Auseinandersetzungen zwischen Kurden und T\u00fcrken Seit Juni 1994 sind in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 15 Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen (Gebetsh\u00e4user, Vereinslokale, Restaurants, Reiseb\u00fcros u. a.) ver\u00fcbt worden. Bisher konnte bundesweit keiner dieser Anschl\u00e4ge aufgekl\u00e4rt werden, die Vermutungen \u00fcber die T\u00e4ter erstrecken sich von kriminellem Hintergrund (z. B. Drogenhandel","2 - Politischer Extremismus - 137 oder Schutzgelderpressung) \u00fcber fremdenfeindliche Motive bis hin zu Auseinandersetzungen zwischen Kurden und T\u00fcrken. In Berlin kam es ab Anfang Juli in mehreren F\u00e4llen zu versuchten bzw. vollendeten Brandstiftungen. Der schwerste Anschlag betraf das Vereinslokal des Fu\u00dfballclubs \"T\u00fcrk El Spor e. V.\" in Kreuzberg, bei dem sechs t\u00fcrkische Lokalg\u00e4ste verletzt wurden, davon drei schwer. Dar\u00fcber hinaus ist seit Fr\u00fchjahr 1994 in Berlin eine Steigerung der Gewaltbereitschaft zwischen t\u00fcrkischen und kurdischen Jugendlichen zu beobachten. Als Ursache werden die Spannungen zwischen beiden Bev\u00f6lkerungsgruppen in der T\u00fcrkei angesehen, die hier beispielsweise ihren Ausdruck in der Zerst\u00f6rung von PKK-Plakaten durch t\u00fcrkische Jugendliche fanden. 2.3.3 Sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von T\u00fcrken Von den \u00fcber 1,9 Millionen t\u00fcrkischen Staatsb\u00fcrgern in der Bundesrepublik Deutschland geh\u00f6rten 1994 sch\u00e4tzungsweise 24 000 im Bundesgebiet aktiven extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften T\u00fcrkenOrganisationen an. Dieses Zahlenverh\u00e4ltnis spiegelt sich auch in etwa in Berlin wider. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren in Berlin am 31. Dezember 1994 138 959 t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige gemeldet. Davon werden etwa 2 600 Personen den extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften t\u00fcrkischen Organisationen zugerechnet. 2.3.3.1 Linksextremistische T\u00fcrken-Organisationen \u00dcberblick Bei den linksextremistischen T\u00fcrken-Organisationen sind die gewaltorientierten Organisationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken * \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L),","2 - Politischer Extremismus - 138 * \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP), * \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke), * \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg), * \"Antifasist Genclik\", f\u00fcr die Sicherheit Berlins von besonderer Bedeutung. Diesen Organisationen bzw. Gruppen werden bundesweit etwa 4 300 und in Berlin etwa 290 Personen (aktiver Kern) zugerechnet. 2.3.3.1.1 \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei / MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L) Die 1972 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete TKP/M-L bekennt sich zum Marxismus-Leninismus nach dem inzwischen historischen Vorbild der kommunistischen \"Partei der Arbeit Albaniens\" (PAA). In der Bundesrepublik Deutschland ist die TKP/M-L seit 1974 aktiv. Hauptziel der TKP/M-L ist die proletarische Revolution, die sie durch den bewaffneten Kampf gegen den \"Imperialismus\" erringen will. Die Entwicklung der TKP/M-L ist seit Ende der 70er Jahre durch eine kaum \u00fcberschaubare Zahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. Streitigkeiten innerhalb der Partei, die zur Bildung von Fraktionen f\u00fchrten, haben jedoch kein Nachlassen der militanten Strategie der Partei in der T\u00fcrkei oder in Europa bewirkt. In der Bundesrepublik Deutschland sind Anh\u00e4nger aller Fraktionen der TKP/M-L aktiv. Die Fraktion TKP/M-L Partizan ist zahlenm\u00e4\u00dfig am st\u00e4rksten und als die \"eigentliche\" TKP/M-L anzusehen. In Berlin sind die Anh\u00e4nger der TKP/M-L Partizan in dem im Dezember 1973 gegr\u00fcndeten \"Verein der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Berlin e. V.\" (TID) mit Sitz im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg organisiert. Der TID ist Mitgliedsverein der \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e. V.\" (ATIF) und verf\u00fcgt sch\u00e4tzungsweise \u00fcber 50 Mitglieder.","2 - Politischer Extremismus - 139 Zur St\u00e4rkung der finanziellen Basis der Partei f\u00fchrt die TKP/M-L allj\u00e4hrlich Spendenkampagnen durch. Im Rahmen dieser Aktionen werden die Parteimitglieder und Sympathisanten aufgefordert, f\u00fcr die Partei mindestens einen Monatslohn oder den entsprechenden Gegenwert an Sachmitteln zu spenden. Die Partei bedient sich beim Eintreiben von Spendengeldern auch krimineller Methoden. 2.3.3.1.2 \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) Die 1990 gegr\u00fcndete und in der T\u00fcrkei verbotene TDKP versteht sich als Avantgarde der organisierten Arbeiter t\u00fcrkischer und kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit. Ihr Ziel ist, nach Realisierung der \"national-demokratischen Volksrevolution\" durch einen bewaffneten Volksaufstand eine marxistisch-leninistische Staatsordnung zu errichten. Die bundesweit etwa 800 Anh\u00e4nger der TDKP sind in der \"F\u00f6deration der Demokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (DIDF) organisiert; der Berliner DIDF-Mitgliedsverein \"Jugendund Kulturgemeinschaft Berlin e. V.\" (JKGB) verf\u00fcgt sch\u00e4tzungsweise \u00fcber 60 Mitglieder. Am 16. Dezember 1994 f\u00fchrte die DIDF im Haus der Kulturen der Welt in Berlin-Tiergarten eine Informationsveranstaltung zur \"Situation in der T\u00fcrkei\" durch, an der sich etwa 200 Personen beteiligten. Im Mittelpunkt stand die Schilderung von Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei und der dort wachsende Einflu\u00df der islamistischen \"Wohlstands-Partei\", 2.3.3.1.3 \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) Die seit M\u00e4rz 1993 auch in Deutschland gewaltsam ausgetragenen Machtk\u00e4mpfe zwischen dem \"KARATAS\"und dem \"YAGAN\"-Fl\u00fcgel der in der Bundesrepublik seit 1983 verbotenen \"Devrimci Sol\" setzten sich auch im Jahr 1994 fort.","2 - Politischer Extremismus - 140 Am 9. September 1994 nahm die franz\u00f6sische Polizei Dursun KARATAS bei einer Grenzkontrolle an einem franz\u00f6sisch-italienischen Grenz\u00fcbergang vorl\u00e4ufig fest. Gegen ihn und seine Begleiter wurde Haftbefehl erlassen und ein Ermittlungsvefahren wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung eingeleitet. Der Generalbundesanwalt hatte bereits im Mai 1993 ein Ermittlungsverfahren gegen KARATAS u. a. wegen des Verdachts, als Anf\u00fchrer der \"Devrimci Sol\" Todesurteile gegen abtr\u00fcnnige Mitglieder ausgesprochen und T\u00f6tungsbefehle erteilt zu haben, eingeleitet. Die Anh\u00e4ngerschaft KARATAS' reagierte auf seine Verhaftung bislang unerwartet verhalten. In Deutschland fanden bisher drei Demonstrationen seiner Anh\u00e4nger vor franz\u00f6sischen diplomatischen Vertretungen in Bonn und D\u00fcsseldorf statt. Im Oktober 1994 gr\u00fcndete der \"KARATAS-Fl\u00fcgel\" der \"Devrimci Sol\" die \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front\" (DHKP/-C), die k\u00fcnftig die Tradition des revolution\u00e4ren Kampfes der \"Devrimci Sol\" fortsetzen soll. In Berlin wurde die Parteigr\u00fcndung anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung der \"Devrimci Sol\" am 23. Oktober 1994 in einem Festsaal im Bezirk Kreuzberg mit \u00fcber 200 Teilnehmern bekanntgegeben. Unter den Anwesenden befanden sich etwa 30 ausw\u00e4rtige G\u00e4ste sowie einige Deutsche. Am 15. Dezember 1994 besetzten etwa 30 Anh\u00e4nger der DHKP/-C vor\u00fcbergehend das Berliner B\u00fcro der franz\u00f6sischen Nachrichtenagentur AFP. Die Besetzer gaben eine Erkl\u00e4rung ab, in der sie die Freilassung des Parteif\u00fchrers Dursun KARATAS forderten. Es mu\u00df damit gerechnet werden, da\u00df es trotz der Festnahme von KARATAS zu weiteren gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen den konkurrierenden Fl\u00fcgeln der \"Devrimci Sol\" kommen wird. Einzelne Anh\u00e4nger beider Fraktionen traten bisher auch bewaffnet in Erscheinung. Gezielte Anschl\u00e4ge gegen Einzelpersonen k\u00f6nnen nicht ausgeschlossen werden.","2 - Politischer Extremismus - 141 2.3.3.1.4 \"Antifasist Genclik\" Bei der 1989 gegr\u00fcndeten \"Antifasist Genclik\" (\"Antifaschistische Jugend\") handelt es sich um eine Gruppe von \u00fcberwiegend jungen T\u00fcrken sowie einigen Deutschen aus dem \"Antifa-Bereich\". Erkl\u00e4rtes Hauptziel der sog. Migrantlnnen-Gruppe ist die Bek\u00e4mpfung des \"Faschismus in der BRD nicht nur auf der friedlichen legalen Ebene, sondern auch mit Gewalt\". Durch die bei der Gruppe latent vorhandene Gewaltbereitschaft reagieren deren Angeh\u00f6rige spontan aggressiv. Diese Unberechenbarkeit wird zuweilen selbst von deutschen Autonomen scharf kritisiert und abgelehnt. \"Antifasist Genclik\" ist, insbesondere nachdem sie in der \u00d6ffentlichkeit mit der T\u00f6tung des Vorstandsmitgliedes der \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\", Gerhard KAINDL, am 4. April 1992 in Verbindung gebracht wurde, nur noch gemeinsam mit anderen Gruppen durch Flugbl\u00e4tter, v. a. gegen das Ermittlungsverfahren im Mordfall KAINDL, \u00f6ffentlich in Erscheinung getreten. Der am 20. September 1994 vor dem Landgericht Berlin er\u00f6ffnete Proze\u00df gegen sieben Tatverd\u00e4chtige endete am 15. November 1994 mit der Verurteilung von drei Angeklagten wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu Haftstrafen von jeweils drei Jahren. Bei zwei j\u00fcngeren Angeklagten wurde der Vollzug k\u00fcrzerer Jugendstrafen zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt. Zwei weitere Angeklagte wurden freigesprochen; einen von ihnen hielt das Gericht wegen ihm attestierter Schizophrenie f\u00fcr schuldunf\u00e4hig. Der urspr\u00fcnglich erhobene Tatvorwurf des gemeinschaftlich begangenen Mordes wurde nach dem Ergebnis der Beweiserhebung nicht mehr aufrecht erhalten. 2.3.3.2 Extrem-nationalistische T\u00fcrken-Organisationen 2.3.3.2.1 \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) und \"Partei der Gro\u00dfen Einheit\" (BBP) Die von Alparslan T\u00dcRKES gef\u00fchrte \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) war bis zu ihrer Spaltung Anfang 1993 das Sammelbecken","2 - Politischer Extremismus - 142 der extrem-nationalistischen Kr\u00e4fte in der T\u00fcrkei. Die ehemaligen innerparteilichen Gegner T\u00dcRKES' formierten sich unter der F\u00fchrung von Muhsin YAZICIOGLU zur ebenfalls extrem-nationalistisch einzusch\u00e4tzenden \"Partei der Gro\u00dfen Einheit\" (BBP). Beide Parteien sind nationalistisch, antikommunistisch und antisemitisch orientiert. Zu ihren Zielen geh\u00f6rt der Aufbau einer \"Gro\u00df-T\u00fcrkei\" und die \"Beherrschung der Welt durch die t\u00fcrkisch-islamische Zivilisation\". W\u00e4hrend die MHP jedoch eher s\u00e4kular eingestellt ist, finden sich bei der BBP auch verst\u00e4rkt religi\u00f6se Tendenzen. 2.3.3.2.2 \"Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V.\" (BUD) und \"T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) Bis zur Spaltung der MHP in der T\u00fcrkei war der in Berlin an den Zielen dieser Partei orientierte \"Gro\u00dfe Ideale Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V.\" (BUD) das wesentlichste Sammelbecken der hier lebenden extrem-nationalistischen T\u00fcrken. Zeitgleich zur Spaltung der MHP in der T\u00fcrkei kam es auch in Berlin zu einer Spaltung der Anh\u00e4ngerschaft des BUD. Die hiesigen Anh\u00e4nger T\u00dcRKES' gr\u00fcndeten die \"T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB). Der BUD vertritt seitdem die Ziele der von der MHP abgespaltenen \"Partei der Gro\u00dfen Einheit\" (BBP). Gemeinsam verf\u00fcgen die beiden Berliner \"Idealistenvereine\" \u00fcber etwa 600 Mitglieder. F\u00fcr Gro\u00dfveranstaltungen konnte in der Vergangenheit jedoch ein Mehrfaches des Anh\u00e4ngerpotentials mobilisiert werden. Zwischen den Angeh\u00f6rigen des BUD und des T\u00dcB kam es am 25. September 1994 zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen vor und im Vereinssitz des BUD in Berlin-Wedding. Anla\u00df der T\u00e4tlichkeiten war der Anspruch beider Vereine, die R\u00e4umlichkeiten des BUD f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten zu nutzen. Am 3. September 1994 gab der BUD anl\u00e4\u00dflich einer Pressekonferenz die Gr\u00fcndung einer neuen F\u00f6deration mit dem Namen \"Avrupa Nizam'i","2 - Politischer Extremismus - 143 Alem Federasyonu\" (ANF) (sinngem\u00e4\u00df: \"F\u00f6deration f\u00fcr eine allgemeing\u00fcltige, gottgef\u00e4llige Ordnung in Europa\") mit dem vorl\u00e4ufigen Sitz in den Vereinsr\u00e4umen des BUD bekannt. Die ANF orientiert sich an der t\u00fcrkischen BBP. 2.3.3.3 Islamisch-extremistische T\u00fcrken-Organisationen 2.3.3.3.1 \"Wohlstandspartei\" (RP) Die Mehrzahl der islamisch-extremistischen T\u00fcrken orientiert sich heute an der t\u00fcrkischen \"Wohlstandspartei\" (RP) unter der F\u00fchrung von Necmettin ERBAKAN. Die RP ist seit 1984 Nachfolgepartei der 1973 von ERBAKAN gegr\u00fcndeten \"Nationalen Heilspartei\" (MSP). Die seit 1987 offiziell unter ERBAKANs Vorsitz stehende RP ist eine nationalistisch ausgerichtete islamisch-fundamentalistische Partei, deren Hauptziel die Errichtung einer islamischen Staatsordnung in der T\u00fcrkei ist. 2.3.3.3.2 \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e. V.\" (AMGT) Die das Gedankengut der MSP/RP vertretenden islamistischen t\u00fcrkischen Gruppen gingen am 20. Mai 1985 in der \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e. V.\" - Avrupa Milli G\u00f6r\u00fcs Teskilatlari - (AMGT) auf. Aufgabe und Ziel der AMGT ist die Unterst\u00fctzung der RP bei dem Bestreben, in der T\u00fcrkei auf parlamentarischem Wege eine t\u00fcrkischislamische Republik zu errichten. Am 13. November und 23. Dezember 1994 organisierte die Berliner Gliederung der AMGT im \"Haus am K\u00f6llnischen Park\" bzw. im Audimax der Technischen Universit\u00e4t Berlin Gro\u00dfveranstaltungen mit 1 200 bzw. 4 000 Teilnehmern. Die Anwesenden wurden aufgefordert, den Islam nicht nur auf religi\u00f6ser, sondern auch auf weltlicher Ebene zu verbreiten. Durch eine verst\u00e4rkte Einb\u00fcrgerung von Muslimen k\u00f6nnten sich die M\u00f6glichkeiten ergeben, den Islam auch in den westlichen Staaten zu verbreiten. Hierbei ruhten die Hoffnungen des Verbandes besonders auf der Jugend.","2 - Politischer Extremismus - 144 2.3.3.3.3 \"Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e. V. K\u00f6ln\" (ICCB) Die Anh\u00e4nger des iran-orientierten Fl\u00fcgels der t\u00fcrkischen Islamisten schl\u00f6ssen sich 1984 unter der Leitung von Cemaleddin KAPLAN* (genannt \"der t\u00fcrkische KHOMEINI\") in K\u00f6ln zum \"Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e. V. K\u00f6ln\" (\"Islami Cemiyet ve Cemaatler Birligi\" - ICCB) zusammen. Vorrangiges Ziel des ICCB ist die Beseitigung des gegenw\u00e4rtigen, kemalistisch gepr\u00e4gten und s\u00e4kular ausgerichteten Staatssystems in der T\u00fcrkei. Das zu schaffende Staatssystem soll sich am Vorbild des Iran orientieren. Der ICCB lehnt - im Gegensatz zur AMGT - die Schaffung eines islamischen Staatsgef\u00fcges auf parlamentarischem Wege ab, ebenso jegliche Zusammenarbeit mit der \"Wohlstandspartei\" ERBAKANS oder der AMGT. F\u00fcr KAPLAN und seine Anh\u00e4nger ist die Demokratie \"eine Ordnung des Unglaubens\", eine dem Wesen des Islam fremde und \"von Juden erdachte Intrige\", die nur Uneinigkeit und Zersplitterung herbeif\u00fchre. Weitergehend zielt der Verband darauf ab, den Islam nicht nur in der T\u00fcrkei, sondern weltweit als Staatssystem mit dem Ziel einer Weltherrschaft, zumindest der Errichtung eines islamischen Gro\u00dfreiches durchzusetzen. Zur Durchsetzung seiner politischen Ziele fordert der Verband zum Jihad, dem Heiligen Krieg auf. In Berlin bezeichnen sich das \"Muslimen Treffund Kulturzentrum e. V.\" mit Sitz in Berlin-Tiergarten und die \"Mehmet Akif Moschee e. V.\" mit Sitz in Berlin-Wedding \u00f6ffentlich als Berliner Repr\u00e4sentanz des ICCB. Nach Angaben eines Angeh\u00f6rigen der Mehmet Akif Moschee umfa\u00dft die Anh\u00e4ngerschaft des ICCB in Berlin \"500 Familien\". Cemaleddin KAPLAN starb Mitte Mai 1995 in K\u00f6ln.","2 - Politischer Extremismus - 145 2.3.3.4 Ausblick Eine Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit geht derzeit haupts\u00e4chlich von den gewaltorientierten linksextremistischen T\u00fcrken-Organisationen in Berlin aus. Die Richtungsk\u00e4mpfe innerhalb der TKP/M-L in der T\u00fcrkei haben ihren Niederschlag auch in den organisatorischen Ver\u00e4stelungen der Partei in der Bundesrepublik Deutschland gefunden. Eine Separierung der vorhandenen \u00f6rtlichen Einflu\u00dfsph\u00e4ren der Partei ist festzustellen. Dies birgt f\u00fcr die Zukunft die Gefahr gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen den vorhandenen Str\u00f6mungen. Keine \u00c4nderung hat sich an dem Bestreben der einzelnen Fraktionen der TKP/M-L ergeben, die Finanzierung der Partei auch mit kriminellen Mitteln, so z. B. der Spendengelderpressung, sicherzustellen. Ein Versuch der Spendengelderpressung von Angeh\u00f6rigen des TKP/M-L-Fl\u00fcgels \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" (DABK) in einer Gastst\u00e4tte in Germersheim endete im Dezember 1994 mit dem Tod von drei der vier bewaffneten Erpresser bei einem Schu\u00dfwechsel mit einem t\u00fcrkischen Gast und der Polizei. In Berlin gab es 1994 keine derartigen Vorf\u00e4lle. Die in Berlin festzustellenden sicherheitsgef\u00e4hrdenden Aktivit\u00e4ten der \"Devrimci Sol\" bzw. der DHKP/-C zeigen deutlich, da\u00df die hiesige Anh\u00e4ngerschaft nach wie vor handlungsf\u00e4hig und gewaltbereit ist. In Abh\u00e4ngigkeit von der weiteren Entwicklung um den inhaftierten Dursun KARATAS ist mit weiteren gewaltorientierten Aktionen in Berlin zu rechnen. Bei den extrem-nationalistischen T\u00fcrken-Vereinigungen, die sich \u00fcber Jahre hinweg entsprechend den Anweisungen ihrer F\u00fchrung gesetzestreu verhalten hatten, war in j\u00fcngster Zeit -wohl auch als Folge der Spaltung und der damit verbundenen internen Zwistigkeiten - eine Zunahme der Gewaltbereitschaft festzustellen. Die islamisch-extremistischen T\u00fcrken-Organisationen in Berlin k\u00f6nnen insbesondere wegen ihrer Kontakte zu anderen islamisch-extremistischen bzw. terroristischen Araberoder Pal\u00e4stinenserorganisationen wie","2 - Politischer Extremismus - 146 der \"Muslimbruderschaft\" und der HAMAS ebenfalls ein Sicherheitsrisiko darstellen, obgleich sie bisher im Hinblick auf die innere Sicherheit Berlins nicht mit nennenswerten Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. 2.3.4 \"Muslimbruderschaft\" (MB) Die 1928 von Hassan AL BANNA (1906 bis 1949) in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunnitisch-extremistische \"Muslimbruderschaft\" (Al Ikhwan Al Muslimun) ist die \u00e4lteste und bis heute wichtigste militant-islamische Gruppierung. In Deutschland haben sich die Muslimbr\u00fcder u. a. in Aachen, K\u00f6ln und M\u00fcnchen organisatorische und spirituelle Zentren geschaffen. Am 374. September 1994 fand in Basel/Schweiz die \"3. Konferenz f\u00fcr die Einheit des Islams in Europa\" mit etwa 1 500 Teilnehmern aus \u00c4gypten, Iran, Kuwait, Libyen, Pakistan, Saudi Arabien und der T\u00fcrkei statt. Hauptthema der Konferenz war die Gr\u00fcndung eines \"Islamischen Parlaments\" mit Sitz in Bonn. Zweck dieser Einrichtung solle die Unterst\u00fctzung der Muslime in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern bei der Erlangung ihrer Rechte sein. Der Westen betrachte den Islam als terroristische Religion, nationalistische Tendenzen in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern behinderten die Muslime in der Aus\u00fcbung ihrer Kultur. Diese Probleme k\u00f6nnten nur durch ein \"Islamisches Parlament\" gel\u00f6st werden. Derzeit existieren im Bundesgebiet zwei Hauptgruppen der \"Muslimbruderschaft\" mit insgesamt etwa 500 Mitgliedern, die in verschiedenen regionalen islamischen Zentren aktiv sind. Die gr\u00f6\u00dfere und bedeutendere dieser Gruppen ist die 1980 gegr\u00fcndete \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V.\" (IGD), die unter starkem Einflu\u00df des \u00e4gyptischen Zweiges der Muslimbruderschaft stehen soll. Ihr Hauptsitz ist das \"Islamische Zentrum in M\u00fcnchen\" (IZM). Die zweite wesentliche Gruppe, die \"Islamischen Avantgarden\", wurde Anfang der 80er Jahre von dem aus Syrien ins deutsche Exil geflohenen Leiter des \"Islamischen Zentrum in Aachen\" (IZA) ins Leben gerufen. Grund f\u00fcr diese organisatorische Trennung waren interne Konflikte innerhalb des syrischen Zweiges der Muslimbruderschaft. Der Aktionsradius der \"Avantgarden\" ist auf Westeuropa beschr\u00e4nkt.","2 - Politischer Extremismus - 147 Die Berliner Regionalvertretung der \"Muslimbruderschaft\" In Berlin existiert seit l\u00e4ngerer Zeit eine Regionalvertretung der \"Muslimbruderschaft\", deren Strukturen sich kaum ver\u00e4ndert haben. Die Berliner Muslimbr\u00fcder sind in unterschiedlichen Vereinen und Moscheen organisiert. Als Berliner Kontaktadresse der \"Muslimbruderschaft\" fungiert die \"Islamische F\u00f6deration in Berlin\", ein Dachverband in Berlin ans\u00e4ssiger islamischer Vereinigungen und Moscheen. Eine Moschee in Berlin-Sch\u00f6neberg wird jeweils sonntags gleicherma\u00dfen von Muslimbr\u00fcdern und HAMAS-Anh\u00e4ngern zum Gebet aufgesucht und ist ein Zentrum politischer Agitation f\u00fcr die militanten Ziele der HAMAS und der Gegner des Gaza-Jericho-Abkommens. Ausblick Die Muslimbr\u00fcder sind heute Synonym f\u00fcr eine weitreichende Entwicklung im arabischen Raum, deren Auswirkungen auf Europa durch ihre vielf\u00e4ltigen Vernetzungen erst in Ans\u00e4tzen einsch\u00e4tzbar sind. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die bev\u00f6lkerungspolitischen Probleme in den Ursprungsl\u00e4ndern und unter Teilen der in Europa lebenden Muslime nehmen zu, als Zuflucht und Alternative bleibt h\u00e4ufig nur der Glaube und damit die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr die Parolen religi\u00f6ser Fanatiker. Das damit verbundene Konfliktpotential bedroht langfristig auch die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und Berlins. 2.3.5 Islamisch-extremistische Araber-Organisationen 2.3.5.1 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) Seit Beginn der \"Intifada\" ist die HAMAS durch zahlreiche Gewalttaten in Erscheinung getreten. Der Aktionsrahmen reicht von Entf\u00fchrungen, Bombenanschl\u00e4gen, Morden bis hin zu Sabotageaktionen gegen Israel.","2 - Politischer Extremismus - 148 Den milit\u00e4rischen Arm der HAMAS bilden die Kommandos der \"Ezz AlDin Al-Kassem-Brigade\". Au\u00dferhalb der von Israel besetzten Gebiete ist die HAMAS bisher nicht mit Gewalttaten in Erscheinung getreten. Bemerkenswert ist aber, da\u00df die Organisation in den letzten Jahren in Europa, u. a. in Deutschland, erfolgreich Anstrengungen zum Aufbau von Strukturen unternommen hat. * In Deutschland versteht sich der von Vertretern der \"Muslimbruderschaft\" 1982 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete \"Islamische Bund Pal\u00e4stina\" (IBP) als Vertreter der islamischen Widerstandsbewegung HAMAS. ' Seit einiger Zeit schlagen die Redner bei Veranstaltungen der HAMAS in Deutschland zunehmend radikalere T\u00f6ne an. Sie schlie\u00dfen eine Ausweitung der Gewaltaktionen auf Deutschland nicht mehr aus. Die HAMAS in Berlin Die HAMAS ist auch in Berlin unter der Bezeichnung \"Islamischer Bund Pal\u00e4stina\" aktiv. An der Technischen Universit\u00e4t Berlin stellt die HAMAS mittlerweile die st\u00e4rkste Studentengruppe unter den Pal\u00e4stinensern, deren Anh\u00e4nger sich zum sog. Freitagsgebet in der \"TU-Ersatzmoschee\" zusammenfinden - inzwischen eine der zentralen Anlaufstellen der Berliner HAMAS-Anh\u00e4ngerschaft. Dar\u00fcber hinaus werden weitere Moscheen in Berlin als Trefforte dieses Personenkreises f\u00fcr Gebetstreffen und politische Schulungen genutzt. Die Berliner HAMAS-Anh\u00e4ngerschaft hat in relativ kurzer Zeit eine gut funktionierende konspirative Struktur aufgebaut. Die vorliegenden Informationen lassen den Schlu\u00df zu, da\u00df die HAMAS-Aktivit\u00e4ten in Deutschland in den letzten Jahren in \u00dcbereinstimmung mit der \"Muslimbruderschaft\" erfolgten und die Aktivit\u00e4ten beider Organisationenzumindest in Deutschland - eng miteinander verkn\u00fcpft waren.","2 - Politischer Extremismus - 149 \u00d6ffentliches Auftreten der HAMAS in Berlin Als Reaktion auf das Massaker in der Ibrahim-Moschee in Hebron am 25. Februar 1994 f\u00fchrte die HAMAS gemeinsam mit t\u00fcrkischen Fundamentalisten am 27. Februar 1994 in Berlin eine Demonstration mit \u00fcber 2 000 Teilnehmern durch. Am 18. Dezember 1994 fand in der Alten Mensa der TU-Berlin eine weitere Veranstaltung der HAMAS statt. Unter den 500 bis 700 Teilnehmern befanden sich auch einige Vertreter der \"Hizb Allah\". Im Versammlungraum waren neben einem Bild der AL-AQSA-Moschee Transparente mit folgende Parolen angebracht: \"Wir geben unser Leben f\u00fcr Dich\" (Unter dem Bild des religi\u00f6sen F\u00fchrers der HAMAS, Ahmed YASSIN) \"Kampf bis zum Tod\" \"Tod dem Verr\u00e4ter ARAFAT\" Als Hauptredner ergriff ein HAMAS-Funktion\u00e4r das Wort. Seine Rede wurde mit frenetischen Zurufen, wie \"Allah ist gro\u00df\" oder \"Tod den Juden\" begleitet. Zu Beginn seiner Rede erinnerte er daran, da\u00df alle K\u00e4mpfer ihre Kraft aus dem Glauben an einen Sieg der islamischen Sache sch\u00f6pften. Mit Steinen und Messern habe man begonnen, jetzt spr\u00e4chen richtige Waffen. Die Intifada m\u00fcsse unter allen Umst\u00e4nden fortgesetzt werden, auch wenn \"ARAFAT und seine Bande\" versuchten, die Intifada zu schw\u00e4chen. ARAFAT habe das Massaker am pal\u00e4stinensischen Volk geplant. Er wolle eine Spaltung des pal\u00e4stinensischen Volkes. Die HAMAS werde diesem Kampf nicht ausweichen. Die HAMAS sei \u00fcberall und jederzeit in der Lage, den Kampf zu f\u00fchren. Ausblick Trotz der verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kurzen Aufbauphase ist die HAMAS in Berlin bereits in der Lage, kurzfristig f\u00fcr ihre Ziele neben ihrer eigenen Anh\u00e4ngerschaft auch eine gro\u00dfe Zahl von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern anderer islamisch-extremistischer Organisationen zu mobilisieren.","2 - Politischer Extremismus - 150 Mittlerweile genie\u00dft die HAMAS in Berlin auch bei den \"traditionellen\" Pal\u00e4stinenserorganisationen besonderen Respekt. W\u00e4hrend noch vor etwa einem Jahr die Aktivit\u00e4ten der HAMAS ohne gr\u00f6\u00dferes Interesse verfolgt wurden, mu\u00dften s\u00e4mtliche in Berlin ans\u00e4ssigen Pal\u00e4stinenserorganisationen den hohen Stellenwert, den die HAMAS mittlerweile in Berlin hat, anerkennen, auch wenn deren religi\u00f6se und politische Anschauungen von ihnen nicht geteilt werden. Insbesondere die hohe Teilnehmerzahl bei der Demonstration am 27. Februar 1994 hat diesen Organisationen vor Augen gef\u00fchrt, wie sich die Sympathien zwischenzeitlich verschoben haben. 2.3.6 Sonstige Pal\u00e4stinenser-/Araber-Organisationen in Berlin (einschl. \"Ablehnungsfront\") \u00dcberblick In Berlin leben derzeit 13 000 Angeh\u00f6rige arabischer Staaten sowie einige Tausend - z. T. illegal aufh\u00e4ltliche - Pal\u00e4stinenser. Im Vergleich zu diesen Zahlen ist das extremistische Kernpotential unter den Arabern einschl. der Pal\u00e4stinenser verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gering und bei einer gewissen Fluktuation mit sch\u00e4tzungsweise unter 500 Personen in den letzten Jahren ann\u00e4hernd gleichgeblieben. Aufgrund des Gaza-Jericho-Abkommens zeichnet sich in Berlin eine Spaltung der Pal\u00e4stinenser ab. Der vorwiegend unter den \"FATAH\"Anh\u00e4ngern zu beobachtenden Friedensbereitschaft steht eine wachsende Radikalisierung bzw. Gewaltbereitschaft derjenigen Organisationen gegen\u00fcber, die dem erzielten Kompromi\u00df ablehnend gegen\u00fcberstehen (sog. Ablehnungsfront). Hierzu z\u00e4hlen u. a. die folgenden Organisationen: * \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP), * \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando\" (PFLP-GC), *","2 - Politischer Extremismus - 151 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) - radikaler HAWATMEH-Fl\u00fcgel, \"ABU-NIDAL-Organisation\" (ANO), \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS), \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PIJ), \"Hizb Allah\". 2.3.6.1 \"Al Fatah\" Die 1959 gegr\u00fcndete FATAH unter F\u00fchrung von Yassir ARAFAT ist die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Mitgliedsorganisation der \"Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation\" (PLO). Von ihrem erkl\u00e4rten Ziel, der Befreiung Pal\u00e4stinas durch Zerst\u00f6rung des Staates Israel und der Errichtung eines unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staates, hat die FATAH aufgrund der erzielten Ergebnisse bei den Nahost-Friedensverhandlungen Abstand genommen. Die Berliner Gliederung der FATAH verh\u00e4lt sich mit ihren etwa 100 Mitgliedern seit l\u00e4ngerem weitgehend inaktiv. Zwar versuchten f\u00fchrende Funktion\u00e4re der FATAH insbesondere nach dem Zustandekommen des Abkommens f\u00fcr den erzielten Kompromi\u00df zu werben, doch ist dieser Aktionismus wohl auch von der Furcht gepr\u00e4gt, da\u00df die Mitglieder der Berliner FATAH-Gliederung zu den pal\u00e4stinensischen islamischen Organisationen abwandern k\u00f6nnten, zumal die an den Berliner Hochschulen aktiven pal\u00e4stinensischen islamischen Organisationen starken Zulauf verzeichnen. Dennoch wird von diesem Personenkreis v. a. bei einem positiven Verlauf der politischen Entwicklung im Nahen Osten kaum noch eine Gefahr ausgehen.","2 - Politischer Extremismus - 152 2.3.6.2 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) Die 1967 gegr\u00fcndete PFLP unter Leitung von Dr. George HABBASH (Sitz: Damaskus), die in der Vergangenheit mit deutschen terroristischen Gruppen zusammengearbeitet hat und deren Berliner Gruppe etwa 25 Pal\u00e4stinenser angeh\u00f6ren, lehnt s\u00e4mtliche Verhandlungen mit der israelischen Regierung konsequent ab. F\u00fchrende Funktion\u00e4re der Organisation bekr\u00e4ftigten auch 1994 diese Haltung, wobei die 1993 festgestellte Ann\u00e4herung an die HAMAS in Berlin \u00fcber das Anfangsstadium nicht hinausgegangen ist. Trotz massiver Drohungen gegen das Friedensabkommen konnten bisher keine Gewalttaten der PFLP zugeordnet werden. 2.3.6.3 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) Die DFLP ist in Israel und den von Israel besetzten Gebieten durch zahlreiche Terrorakte in Erscheinung getreten. In der Bundesrepublik Deutschland sind Terrorakte von der DFLP bisher nicht durchgef\u00fchrt worden. Die 1969 gegr\u00fcndete Organisation unter Leitung von Nayef HAWATMEH ist seit etwa 1991 in einen eher gem\u00e4\u00dfigten und einen radikalen Fl\u00fcgel gespalten. W\u00e4hrend der gem\u00e4\u00dfigte Fl\u00fcgel um Yassir Abd RABBO die mit Israel erzielte Kompromi\u00dfl\u00f6sung unterst\u00fctzt, lehnt der radikale Fl\u00fcgel um HAWATMEH diese ab. Die in Berlin mit etwa 30 Mitgliedern (bundesweit ca. 150) bestehende Gliederung der DFLP ist 1994 nicht nennenswert in Erscheinung getreten. Eine von diesem Personenkreis ausgehende Sicherheitsbedrohung ist derzeit als gering einzusch\u00e4tzen. 2.3.6.4 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - General Command\" (PFLP-GC) Die 1968 gegr\u00fcndete PFLP-GC unter Leitung von Ahmed JIBRIL mit Sitz in Damaskus z\u00e4hlt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororgani-","; 2 - Politischer Extremismus - 153 sationen. Sie zeichnete f\u00fcr zahlreiche Terrorakte in Israel und den von Israel besetzten Gebieten sowie in Westeuropa verantwortlich. Die PFLP-GC geh\u00f6rt zu den entschiedensten Gegnern von Friedensverhandlungen mit Israel. Ahmed JIBRIL hat inzwischen mit der T\u00f6tung ARAFATS gedroht. * Im Bundesgebiet und in Berlin verf\u00fcgt die PFLP-GC nur \u00fcber Einzelmitglieder. 2.3.6.5 \"ABU-NIDAL-Organisation\" (ANO) Die 1974 als Abspaltung von der FATAH hervorgegangene ANO unter F\u00fchrung von Hassan Sabri AL BANNA alias ,Abu NIDAL\" - die sich selbst als \"FATAH-Revolutionsrat\" bezeichnet - hat ihre Hauptst\u00fctzpunkte in Libyen und Libanon. Die ANO geh\u00f6rt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Seit ihrem Bestehen hat sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte, u. a. in Westeuropa, verantwortlich gezeichnet. Die Anh\u00e4nger der ANO geh\u00f6ren zu den entschiedensten Gegnern von Friedensverhandlungen mit Israel und lehnen jeglichen Kompromi\u00df mit Israel ab. Die ANO trat in der Vergangenheit mehrfach mit Anschl\u00e4gen gegen f\u00fchrende PLO-Funktion\u00e4re in Erscheinung. In der Vergangenheit verf\u00fcgte sie in Berlin \u00fcber keine Organisationsstrukturen. In den letzten Jahren sind nur Einzelmitglieder bekanntgeworden. Allerdings hat die ANO in j\u00fcngster Zeit versucht, in Deutschland neue Strukturen aufzubauen. 2.3.6.6 \"Hizb Allah\" Die \"Hizb Allah\" ist in den letzten Jahren durch eine Reihe von Sprengstoffanschl\u00e4gen und Entf\u00fchrungsaktionen in Erscheinung getreten. Die 1982 unter ma\u00dfgeblicher Mithilfe von iranischen Geistlichen und Revolutionsw\u00e4chtern im Libanon entstandene Organisation strebt die Errichtung einer islamischen Republik nach iranischem Muster im Libanon an. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den Staat Israel bis zu seiner vollst\u00e4ndigen Eliminierung zu bek\u00e4mpfen. Dar\u00fcber hinaus richtete sie ihre terroristi-","2 - Politischer Extremismus - 154 sehen Angriffe auch gegen solche L\u00e4nder, die von der \"Hizb Allah\" als \"iran-feindlich\" eingestuft werden. Die \"Hizb Allah\" bedient sich bei Terroraktionen im Ausland vorwiegend im Liteanon ausgew\u00e4hlter Terrorkommandos, die mit falschen P\u00e4ssen ausgestattet \u00fcber verschiedene Reiserouten zum jeweiligen Zielort gelangen. Am 18. Juli 1994 wurde auf das argentinisch-israelische Hilfswerk \"AMIA\" in Buenos Aires ein Bombenanschlag ver\u00fcbt, bei dem das siebenst\u00f6ckige Geb\u00e4ude v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde; der Anschlag forderte 96 Todesopfer und 230 Schwerverletzte. Obwohl sich eine unbekannte \"Islamische Gruppe\" in Flugbl\u00e4ttern zu dem Anschlag bekannte, ist nach Ansicht verschiedener Nachrichtendienste der Anschlag der \"Hizb Allah\" zuzuschreiben, da modus operandi und Tatmotiv zahlreiche Parallelen zu dem der \"Hizb Allah\" zugeordneten Bombenanschlag gegen die israelische Botschaft am 17. M\u00e4rz 1992 in Buenos Aires aufzeigten. Die Beobachtungen der letzten Jahre haben ergeben, da\u00df die \"Hizb Allah\" in Berlin mittlerweile wieder ein gut funktionierendes Informationsnetz aufgebaut hat. Religi\u00f6ser und politischer Mittelpunkt ist eine Moschee in Berlin-Wedding. Die Moschee steht mit ihren ann\u00e4hernd 400 Mitgliedern unter der Kontrolle von \"Hizb Allah\"-Aktivisten und wird vom Iran finanziell unterst\u00fctzt. Da die \"Hizb Allah\" in Deutschland \u00fcber keine festgef\u00fcgte Organisationsstruktur verf\u00fcgt, verl\u00e4uft der Informationsflu\u00df gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber Einzelpersonen, die als \"Kuriere\" die pers\u00f6nliche Verbindung zu \"Hizb Allah\"-Funktion\u00e4ren in Beirut unterhalten. In Berlin konnten bisher zahlreiche \"Hizb AllahT-Anh\u00e4nger namhaft gemacht werden. Viele halten sich illegal in Berlin auf. Zuk\u00fcnftig ist - zumindest punktuell - eine Zusammenarbeit mit verschiedenen islamisch-extremistischen Organisationen in Deutschland zu erwarten.","2 - Politischer Extremismus - 155 2.3.7 Staatsterroristische Bestrebungen Tr\u00e4ger staatsterroristischer Bestrebungen in der Bundesrepublik Deutschland waren in der Vergangenheit nach Erkenntnissen deutscher Sicherheitsbeh\u00f6rden die Nachrichtendienste des Irak, Libyens, Syriens und des Iran. Seit Schlie\u00dfung der Berliner Au\u00dfenstellen der Botschaften der drei Staaten Irak, Libyen und Syrien und dem Abzug des gesamten Personals, einschl. der nachrichtendienstlichen Mitarbeiter dieser Au\u00dfenstellen im Jahre 1992, wurden keine staatsterroristischen Aktivit\u00e4ten der Nachrichtendienste dieser L\u00e4nder in Berlin bekannt. Als sicher gilt jedoch, da\u00df diese Nachrichtendienste ihre Ausforschungsbem\u00fchungen gegen oppositionelle Gruppierungen und Einzelpersonen im Ausland weiterhin fortsetzen. Seit Anfang der 90er Jahre ist verst\u00e4rkt eine enge Verzahnung nachrichtendienstlicher und staatsterroristischer Aktivit\u00e4ten seitens der Nachrichtendienste nahund mittel\u00f6stlicher Staaten zu beobachten. Hierzu geh\u00f6ren im Fall des Iran auch Versuche, auf nach europ\u00e4ischem Verst\u00e4ndnis religi\u00f6se Einrichtungen anderer Nationalit\u00e4ten Einflu\u00df im Sinne eines Exports der iranisch-fundamentalistischen (islamistischen) Revolution zu nehmen.* 2.3.7.1 \"Union Islamischer Studenten in Europa\" (U.I.S.A.) Bei den au\u00dferhalb des Iran lebenden Anh\u00e4ngern der gegenw\u00e4rtigen Regierung der Islamischen Republik Iran handelt es sich mehrheitlich um vom Iran gef\u00f6rderte Studenten, die unter dem Dachverband \"Union Islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) in regionalen Vereinen organisiert sind. Zu den Aktivit\u00e4ten der iranischen Nachrichtendienste in Berlin vgl. Abschnitt 3, Spionageabwehr.","2 - Politischer Extremismus - 156 Zu den Hauptaufgaben der U.I.S.A. geh\u00f6ren die politisch-religi\u00f6se Schulung und Beeinflussung von Studenten sowie die Verbreitung islamischen Gedankenguts im Sinne des iranischen Regimes. Die iranischen Nachrichtendienste rekrutieren auch aus den Reihen der U.I.S.A. Teile ihrer personellen Basis f\u00fcr die Planung und Durchf\u00fchrung propagandistischer und nachrichtendienstlicher Aktivit\u00e4ten sowie f\u00fcr die Aussp\u00e4hung von iranischen Dissidenten und Oppositionellen. In der Bundesrepublik Deutschland ist die U.I.S.A. Dachorganisation von etwa 30 Mitgliedsvereinen, mit denen sie hier als Sprachrohr des Iran agiert. Der heutige innere F\u00fchrungskreis der U.I.S.A. in Deutschland arbeitet eng mit den hiesigen diplomatischen Vertretungen des Iran zusammen. Dar\u00fcber hinaus pflegen U.I.S.A.-Vereinigungen enge Kontakte zu anderen islamisch-extremistischen Organisationen, insbesondere zur \"Hizb Allah\". 2.3.7.2 Politisch-religi\u00f6se Beeinflussungsversuche des Iran in der Bundesrepublik Deutschland Seit der Macht\u00fcbernahme durch die Anh\u00e4nger des Ayatollah KHOMEINI bedroht der Iran mit seiner eigenen Interpretation des Islam andere Staaten und versucht, in einer Art \"Kulturexport\" seine Auffassung vom Islam weltweit, insbesondere aber in den arabischen L\u00e4ndern, zu verbreiten. So unterst\u00fctzt das iranische Regime finanziell eine Vielzahl islamisch-extremistischer Oppositionsgruppen in anderen, auch nichtarabischen L\u00e4ndern. Beispielhaft f\u00fcr eine derartige Einflu\u00dfnahme ist die aktive Rolle des Iran bei der Gr\u00fcndung der terroristischen \"Hizb Allah\" im Libanon. Der Iran bem\u00fcht sich, auch in der Bundesrepublik Deutschland seinen Einflu\u00df auf die hier lebenden nichtiranischen Muslime kontinuierlich auszubauen. Ma\u00dfgeblichen Anteil daran hat die im Iran ans\u00e4ssige \"Islamische Propaganda-Organisation\" (IPO). Die IPO wird zumindest teilweise von der Iranischen Regierung und durch Zusch\u00fcsse religi\u00f6ser","2 - Politischer Extremismus - 157 Gruppen finanziert. Die Vertretungen der IPO im Ausland arbeiten in Koordination mit der jeweils zust\u00e4ndigen iranischen Botschaft. Die religi\u00f6s-ideologische Beeinflussung dieser Zielgruppen wird in teilweise verdeckter Weise von staatlichen iranischen Stellen, z. B. durch finanzielle Beteiligungen an kulturellen Programmen, gef\u00f6rdert. Derartige Aktivit\u00e4ten konnten auch in Berlin festgestellt werden. 2.3.7.3 Gegner der iranischen Regierung - die iranische Opposition Die Opposition gegen die Herrschaft der Mullahs im Iran ist zersplittert und - soweit nicht vernichtet oder mundtot gemacht - weitgehend ins Exil vertrieben. Bezogen auf Deutschland und Berlin haben die meisten bedeutenderen iranischen Oppositionsgruppen in den letzten beiden Jahren an Einflu\u00df und Mitgliedern verloren. Eine gr\u00f6\u00dfere F\u00fchrungsrolle f\u00fcr die Opposition versucht die \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) mit dem \"Nationalen Widerstandsrat Iran\" (NWRI) von Frankreich aus aufzubauen. 2.3.7.3.1 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOi) und ihre Nebenorganisation \"Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (IMSV) Die 1965 von Studenten in Teheran gegr\u00fcndete \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) versteht sich als islamisch-fundamentalistische Organisation mit marxistischer Pr\u00e4gung, wobei Vertreter der PMOI in letzter Zeit die marxistische Pr\u00e4gung bestreiten. Nach dem Sturz des Schah-Regimes unterst\u00fctzten die Volksmojahedin die Ende M\u00e4rz 1979 proklamierte Islamische Republik Iran. Wenig sp\u00e4ter begann die Mullah-Diktatur jedoch alle Kr\u00e4fte zu bek\u00e4mpfen, die ihrer Meinung nach Gegner der nun herrschenden Ordnung in Iran waren, u. a. auch die PMOI.","2 - Politischer Extremismus - 158 Im Sommer 1981 gr\u00fcndeten u.a. .der gefl\u00fcchtete Generalsekret\u00e4r der PMOI, Masoud RADJAVI, und der abgesetzte iranische Staatspr\u00e4sident BANI-SADR im Pariser Exil den \"Nationalen Widerstandsrat Iran (NWRI), um Aktionen gegen das Mullah-Regime zu koordinieren. Der NWRI wurde 1985 f\u00fcr die Ziele der PMOI instrumentalisiert: seit August 1993 wurde der NWRI ma\u00dfgeblich durch die PMOI zum \"Exilparlament im Widerstand\" aufgewertet. Seine Aktivit\u00e4ten zielen in Deutschland auf die Einbindung von Mitgliedern anderer, zur Bedeutungslosigkeit herabgesunkener iranischer Oppositionsgruppen ab. Die Ziele der PMOI werden in Deutschland von der \"Iranischen Moslemischen Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (IMSV) vertreten. In Berlin besteht seit etwa Mitte 1983 eine regionale Gliederung der IMSV. Die IMSV dient in erster Linie der materiellen und finanziellen Unterst\u00fctzung des Befreiungskampfes der PMOI im Iran. Ferner ist sie f\u00fcr die Rekrutierung von PMOI-K\u00e4mpfem in Europa f\u00fcr den Einsatz vom Irak aus gegen den Iran zust\u00e4ndig. PMOI bzw. IMSV verf\u00fcgt in Deutschland \u00fcber zahlreiche St\u00fctzpunkte, die insbesondere in der n\u00e4heren Umgebung von iranischen Vertretungen (u. a. Konsulate, Islamische Zentren, B\u00fcros der Iran Air) zur Aussp\u00e4hung errichtet wurden. Mitglieder der PMOI/IMSV sind bereits durch Gewalthandlungen, u. a. gegen die regimetreuen U.I.S.A.-Anh\u00e4nger, in Deutschland in Erscheinung getreten. Die IMSV ist in Berlin \u00f6ffentlich mit B\u00fcchertischen, dem Vertrieb von Videokassetten, Flugschriften, Propagandamaterial, u. a. der Zeitung \"Mojahed\", sowie mit Spendensammlungen unter dem Deckmantel humanit\u00e4rer Zielsetzungen zur Finanz erung ihrer Organisation in Erscheinung getreten. Organisationsinterne Jahrestage oder Vergeltungsschl\u00e4ge des Irans gegen PMOI-Vertreter und der Luftwaffe des Iran gegen NLA-Stellungen im Irak werden in Berlin als Demonstrationsanl\u00e4sse benutzt, um die iranische Regierung als staatsterroristisch und menschenrechtsverletzend zu demaskieren. Mit gro\u00dfem Interesse verfolgt die IMSV zudem den","2 - Politischer Extremismus - 159 \"Mykonos-Proze\u00df\" in Berlin, zu dem der in enger Beziehung zur PMOI stehende \"Verein Iranischer Demokratischer Akademiker e. V. - Bundesrepublik Deutschland\" (VIDA) im Mai 1994 eine Dokumentation ver\u00f6ffentlicht hat. 2.3.8 Volksgruppen des ehemaligen Jugoslawien In der Bundesrepublik Deutschland leben gegenw\u00e4rtig nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zwischen 900 000 und 1,24 Millionen Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Zahl der Anh\u00e4nger extremistischer Emigrantenorganisationen ist jedoch \u00e4u\u00dferst gering. In Berlin sind etwa 73 000 Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien registriert (Stand: 31. Dezember 1994). Das Konfliktpotential in Berlin Im Gegensatz zu fr\u00fcher gibt es aufgrund der gegenw\u00e4rtigen Situation im ehemaligen Jugoslawien und wegen der unmenschlichen Massaker aller Kriegsparteien zwischen Kroaten und Serben in Berlin kaum noch pers\u00f6nliche Kontakte. So sollen selbst feste freundschaftliche Bindungen und verwandtschaftliche Beziehungen zwischen Personen beider Volksgruppen abgebrochen worden sein; man gehe sich einfach \"aus dem Wege\". Die dadurch entstandenen Spannungen haben jedoch bisher zu keinen strafrechtlich relevanten Auseinandersetzungen gef\u00fchrt. Wie im Kriegsgebiet entstanden indes in Berlin im wesentlichen zwei Interessengruppen: Kroaten, Slowenen, Kosovo-Albaner und Bosniaken auf der einen, Serben auf der anderen Seite. Die hier bekannten ehemals gesamtjugoslawischen Vereine Berlins, sofern nicht schon damals auf eine einzelne Nationalit\u00e4t ausgerichtet, zerfielen - parallel zu Vereinsneugr\u00fcndungen - mit nunmehr ethnischen Schwerpunkten. Die Kroaten schl\u00f6ssen sich z. B. in der \"Kroatischen Demokratischen Union e. V.\", Kroaten und Slowenen im \"Deutsch-Kroatisch-Slowenischen Verein zu Berlin-Brandenburg e.V.\" zusammen. Im Juni 1994","2 - Politischer Extremismus - 160 wurde in Berlin ein Bosnisches Zentrum gegr\u00fcndet, das die Interessen der muslimischen Bosniaken vertritt. Ebenfalls im Juni 1994 kam es zur Gr\u00fcndung der \"Serbischen Gemeinde Berlin\" als Dachverband zur Vertretung der Interessen der Serben. Die organisierten Serben in Berlin sind teilweise beeinflu\u00dft durch die \"Radikale Serbische Partei\" (auch \"Seselj-Partei\" genannt) des rechtsextremistischen Serbenf\u00fchrers Vojislav SESELJ. Dieser war gleichzeitig Leiter einer paramilit\u00e4rischen Gruppe, deren Mitglieder sich \"Die Tschetniks\" nannten. Daneben sind Einfl\u00fcsse von Anh\u00e4ngern des kriminellen serbischen Milizenf\u00fchrers Zeljko RAZNJATOVIC erkennbar, der als \"Befehlshaber ARKAN\" der sog. \"ARKAN-Tiger\" aufgetreten ist. Ebenso ist die durch ihre Grausamkeiten bekanntgewordene Miliz von \"Captain DRAGAN\" alias Dragan VASILJKOVIC als m\u00f6glicher Einflu\u00dffaktor zu nennen. Sowohl die Bosniaken als auch die Serben in Berlin wenden sich mit eigenen Fernsehsendungen im \"Offenen Kanal Berlin\" an die deutsche \u00d6ffentlichkeit und an ihre Landsleute. Bisher beschr\u00e4nkten sich die F\u00fchrungskader und Aktivisten aller Vereine auf Mitgliederwerbung, Aufgaben mit humanit\u00e4ren und kulturellen Schwerpunkten, Hilfsaktionen, Demonstrationen und Fernsehsendungen. Festzustellen ist eine Versch\u00e4rfung von Ton und Inhalt der Redebeitr\u00e4ge auf den Demonstrationen und in den genannten Fernsehsendungen. Die erw\u00e4hnten kroatischen, bosnischen und serbischen Organisationen, die teilweise auch Slowenen, Kosovo-Albaner, Mazedonier und andere Minderheiten Ex-Jugoslawiens einbinden, bilden Potentiale, zwischen denen sich die aufgestauten Spannungen ggf. auch gewaltorientiert entladen k\u00f6nnten. Sicherheitsgef\u00e4hrdende Aktivit\u00e4ten waren bisher von serbisch, kroatisch, bosnisch, slowenisch und kosovo-albanisch beeinflu\u00dften Gruppierungen in Berlin nicht festzustellen, wenngleich sich die organisatorischen Zu-","2 - Politischer Extremismus - 161 sammenschl\u00fcsse - wie oben geschildert - zu zwei gegeneinander agierenden Aktionsbl\u00f6cken verfestigen. Die gegenw\u00e4rtigen b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Verh\u00e4ltnisse im ehem. Jugoslawien lassen bef\u00fcrchten, da\u00df der Funke zur Gewaltt\u00e4tigkeit auch auf in der Bundesrepublik Deutschland lebende Angeh\u00f6rige dieser Volksgruppen \u00fcberspringen k\u00f6nnte.","","3 - Spionageabwehr - 163 Spionageabwehr","w\"xDvh,rRv:.u;tw'Br=sTieLE","3 - Spionageabwehr - 165 3.1 Allgemeiner \u00dcberblick Seit dem Beginn der politischen Umw\u00e4lzungen in Europa und der Vereinigung Deutschlands hat sich die Auffassung verbreitet, das Ende des \"Kalten Krieges\" sei gleichbedeutend mit der Beendigung jedweder Spionaget\u00e4tigkeit. Die Wirklichkeit zeigt jedoch, da\u00df Deutschland nach Erkenntnissen der Spionageabwehr aufgrund seiner geopolitischen Lage, seiner Wirtschaftskraft, seines wissenschaftlich-technischen Entwicklungsstandes und nicht zuletzt wegen seiner durch die Vereinigung gewachsenen internationalen Bedeutung unver\u00e4ndert ein bevorzugtes Ausforschungsziel fremder Nachrichtendienste ist. Dies gilt durch den bevorstehenden Umzug von Regierung und Parlament sowie dem damit verbundenen weiteren Ausbau zur Wirtschaftsund Wissenschaftsmetropole in besonderer Weise auch f\u00fcr die Hauptstadt Berlin. Die in Deutschland t\u00e4tigen fremden Nachrichtendienste unterscheiden sich voneinander in ihren Aufgabenschwerpunkten, Mitteln und Methoden. Eine Tendenz mu\u00df jedoch als allgemeing\u00fcltig festgestellt werden: Vor dem Hintergrund eines st\u00e4ndig h\u00e4rter werdenden internationalen Wettbewerbs r\u00fcckt die Wirtschaftsspionage zunehmend in den Mittelpunkt. Hierbei sind die Grenzen zwischen staatlich gelenkter Wirtschaftsaufkl\u00e4rung und von inund ausl\u00e4ndischen Konkurrenzunternehmen veranla\u00dfter Industriespionage flie\u00dfend. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft steht unter diesem Aspekt nicht nur bei den \"klassischen Nachrichtengegnern\" wie Ru\u00dfland hoch im Kurs. Auch den sog. Krisenl\u00e4ndern des Nahen, Mittleren und Fernen Ostens bietet sie hervorragende Ansatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr einen (illegalen) G\u00fcterund Technologietransfer. Diese L\u00e4nder ben\u00f6tigen spezielle Hochtechnologien und Produkte f\u00fcr nationale R\u00fcstungsprogramme, insbesondere f\u00fcr die Herstellung und Verbreitung von atomaren, biologischen und chemischen Massenvernichtungsmitteln (ABC-Waffen).","3 - Spionageabwehr - 166 Sie bedienen sich hierf\u00fcr sowohl ihrer zivilen und milit\u00e4rischen Auslandsnachrichtendienste als auch speziell und zu diesen Zwecken eingerichteter und mit nachrichtendienstlichen Mitteln arbeitender Beschaffungsorganisationen. Zu den Aufgaben der Spionageabwehr geh\u00f6rt somit zum einen die Sensibilisierung der Wirtschaft in bezug auf diese Problemkreise, zum anderen mu\u00df sie in Zusammenarbeit mit anderen Beh\u00f6rden einen Beitrag zur Verhinderung von illegalem Technologietransfer (sog. sensitive Exporte) leisten. Dies ist nicht immer leicht. Zwar sind die gesetzlichen Bestimmungen streng, doch kann ihre Einhaltung mitunter nicht ausreichend kontrolliert werden. Viele G\u00fcter sind sowohl zivil als auch milit\u00e4risch nutzbar und k\u00f6nnen deshalb z. T. legal ausgef\u00fchrt werden, wenn die angegebene Verwendung nicht auf eine milit\u00e4rische Nutzung deutet. Dar\u00fcber hinaus bieten unterschiedliche Exportbestimmungen der einzelnen EU-L\u00e4nder weitere Ausweichm\u00f6glichkeiten. So werden z. B. in Deutschland Hochtechnologieprodukte erworben, legal in ein anderes europ\u00e4isches Land \u00fcberf\u00fchrt, in dem es f\u00fcr diese G\u00fcter keine Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen gibt und von dort in die betreffenden Abnehmerl\u00e4nder exportiert. Auch f\u00fcnf Jahre nach der Wiedervereinigung mu\u00df sich der Verfassungsschutz in Berlin mit dem Erbe der ehemaligen DDR-Nachrichtendienste befassen. Auf der Grundlage des Verfassungsschutzgesetzes liegt hier die Zielrichtung nicht mehr in der Aufarbeitung von Agentennetzen, sondern in der Beobachtung fr\u00fcherer, fortwirkender unbekannter Strukturen und T\u00e4tigkeiten dieser Dienste. 3.2 Tr\u00e4ger der Spionageaktivit\u00e4ten 3.2.1 Nachrichtendienste der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS) Der \u00fcberwiegende Teil der Nachfolgerepubliken der ehemaligen Sowjetunion sieht in der Existenz von Nachrichtendiensten einen notwendigen Bestandteil der nationalen Souver\u00e4nit\u00e4t. Mittlerweile verf\u00fcgen die mei-","3 - Spionageabwehr - 167 sten von ihnen \u00fcber eigenst\u00e4ndige Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste, die in der Regel auf vorgefundenen Strukturen unter Nutzung auch personeller Ressourcen aus fr\u00fcherer (KGB-)Zeit aufgebaut wurden. Die westlichen Industrienationen sehen sich nunmehr einer gr\u00f6\u00dferen Zahl von Aufkl\u00e4rungsdiensten gegen\u00fcber als je zuvor. Die gegen Deutschland gerichteten nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten aus der GUS gehen jedoch auch in Berlin nach wie vor in erster Linie von Ru\u00dfland aus. 3.2.1.1 Die russischen Nachrichtendienste Die innenpolitische Situation in Ru\u00dfland hat sich noch nicht konsolidiert. Das hat auch Auswirkungen auf den Bereich der Nachrichtendienste. Ihre fortw\u00e4hrende Umorganisation und Dezentralisierung seit Beginn der Perestroika mag nach au\u00dfen hin den Anschein einer Abkehr vom alten Sicherheitssystem des allm\u00e4chtigen KGB erwecken. In bezug auf Aufgabenzuweisung und Arbeitsmethoden, insbesondere aber durch die \u00dcbernahme gro\u00dfer Teile des KGB-Personals, mu\u00df von einer deutlichen Kontinuit\u00e4t gesprochen werden. Z. Z. gibt es sieben eigenst\u00e4ndige Nachrichtenund Sicherheitsdienste, von denen vier mit der Informationsbeschaffung im Ausland beauftragt sind: * Der \"Russische zivile Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst\" (SWR) unter Leitung des Diplom-\u00d6konomen Jewgenij PRIMAKOW ist in allen klassischen Spionagefeldern (Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik) sowie im Bereich der \u00d6kologie aktiv. PRIMAKOW ist inzwischen der einzige Leiter eines russischen Nachrichtendienstes, der noch vor Aufl\u00f6sung der UdSSR in sein Amt gelangt ist. Diese Kontinuit\u00e4t l\u00e4\u00dft sich mit Einschr\u00e4nkungen auch auf den \u00fcbrigen Personalk\u00f6rper sowie die Strukturen des SWR \u00fcbertragen. * Der \"Russische milit\u00e4rische Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst\" (GRU) unter Leitung von General Fedor LADYGIN besch\u00e4ftigt sich mit milit\u00e4rischer, milit\u00e4rtechnischer und milit\u00e4r\u00f6konomischer Aufkl\u00e4rung.","3 - Spionageabwehr - 168 Neben den klassischen Aufgabenfeldern konnten in j\u00fcngster Zeit verst\u00e4rkte Aktivit\u00e4ten der GRU in zivilen Aufkl\u00e4rungsbereichen festgestellt werden. Sie setzt sich damit in Konkurrenz zum SWR. * Die \"F\u00f6derale Agentur f\u00fcr Regierungsverbindung und Information\" (FAPSI) ist aus verschiedenen Abh\u00f6rund Kommunikationsabteilungen des KGB hervorgegangen und u. a. f\u00fcr Fernmeldeund elektronische Aufkl\u00e4rung zust\u00e4ndig. Das schlie\u00dft sowohl die aktive Erfassung und Entschl\u00fcsselung ausl\u00e4ndischen Fernmeldeverkehrs sowie das Eindringen in sicherheitsempfindliche Bereiche ausl\u00e4ndischer Objekte ein als auch die Aufgabe, im Abwehrbereich f\u00fcr die Sicherheit der Kommunikationsverbindungen des russischen Pr\u00e4sidenten, der Regierung, der Armee und nicht zuletzt der Sicherheitsdienste zu sorgen. * Der \"F\u00f6derale Dienst f\u00fcr Sicherheit\" (FSB) ist in erster Linie ein ziviler Inlandsnachrichtendienst, der z. T. aber auch Auslandsaufkl\u00e4rung betreibt. 3.2.1.2 Ziele und Methoden der russischen Auslandsaufkl\u00e4rung in Deutschland Deutschland ist f\u00fcr die russischen Nachrichtendienste eines der wichtigsten Ziell\u00e4nder in Westeuropa. In erster Linie geht es ihnen nach wie vor um Ausforschung politischer und milit\u00e4rischer Planungen und Projekte, doch hat auch hier in den letzten Jahren die Wirtschaftsspionage in ihrer gesamten Bandbreite an Bedeutung zugenommen. Die Antriebskraft d\u00fcrfte hierbei in dem Bem\u00fchen liegen, \u00f6konomisch und technisch mit den modernen Industrienationen gleichzuziehen. So sind die Ausforschungsbem\u00fchungen nicht nur auf den Kreislauf eines Wirtschaftsgutes von Forschung und Entwicklung \u00fcber Herstellung bis zu Vermarktung in bestimmten Schl\u00fcsselindustrien (z. B. Mikroelektronik, Computertechnologie, Metallurgie) gerichtet, um ohne Kostenaufwand Anschlu\u00df an westliche Technologien zu gewinnen. Ebenso interessieren Analysen und Prognosen von internationalen Organisationen wie OECD und IWF, von Banken und Wirt-","3 - Spionageabwehr - 169 schaftsverb\u00e4nden \u00fcber k\u00fcnftige wissenschaftlich-technische Entwicklungen, Energieund Rohstoffressourcen sowie \u00fcber Perspektiven wirtschaftlicher Kooperation. Die Informationsbeschaffung erfolgt zu einem gro\u00dfen Teil \u00fcber Legale Residenturen, d. h. getarnte St\u00fctzpunkte in amtlichen oder halbamtlichen Auslandsvertretungen. In Berlin wird die Russische F\u00f6deration u. a. durch eine Au\u00dfenstelle der Botschaft sowie eine Dependance der Handelsvertretung repr\u00e4sentiert. Das Personal an diesen Legalen Residenturen ist trotz anderslautender Ank\u00fcndigungen in allen wichtigen Bereichen nicht weiter reduziert worden. Diese Tatsache mu\u00df als Hinweis gewertet werden, da\u00df Ru\u00dfland der Informationsgewinnung aus getarnten St\u00fctzpunkten heraus nach wie vor gro\u00dfe Bedeutung beimi\u00dft und hierbei auf einen Kernbestand erfahrener Nachrichtenoffiziere nicht verzichten will. Es h\u00e4ufen sich Hinweise, da\u00df in einem stark zunehmenden Ma\u00df auch eigene Handelsunternehmen und Firmenbeteiiigungen genutzt werden, um sich in das westliche Wirtschaftsgeschehen einschalten und auf Wirtschaftsabl\u00e4ufe Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen. In diesem Bereich trifft man sowohl auf Konkurrenzspionage als auch auf nachrichtendienstlich gesteuerte Ausforschungsbem\u00fchungen. F\u00fcr alle Bereiche, in denen russische Nachrichtendienste in Deutschland aktiv sind, gilt: Zur Vermeidung au\u00dfenpolitischer Verwicklungen wird derzeit weitgehend auf aggressive Formen der Nachrichtenbeschaffung verzichtet. Die hier t\u00e4tigen Nachrichtenoffiziere widmen sich statt dessen verst\u00e4rkt der Kontaktpflege zu allen Gesellschaftsbereichen, vor allem jedoch zu Repr\u00e4sentanten aus Politik und Wirtschaft, um ihre Gespr\u00e4chspartner - in der Regel ohne deren Wissen - \"abzusch\u00f6pfen\". Sie profitieren dabei von dem positiv gewandelten Verh\u00e4ltnis zwischen Ru\u00dfland und Deutschland, das zu wesentlich mehr Offenheit und Entgegenkommen seitens deutscher Gespr\u00e4chspartner gef\u00fchrt hat.","3 - Spionageabwehr - 170 3.2.1.3 \u00dcbernahme von IM des ehemaligen MfS Ehemalige F\u00fchrungsoffiziere des MfS haben bisher die Frage stets verneint, ob im Zuge der Aufl\u00f6sung des Ministeriums das damalige sowjetische KGB Inoffizielle Mitarbeiter (IM) \u00fcbernommen hat. Im vergangenen Jahr gab es in Berlin einen Fall, der das Gegenteil belegt. Zwei Mitarbeiter der ehemaligen \"Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung\" (HVA) des MfS, ein Major und sein ehemaliger Vorgesetzter, wurden Ende 1993 wegen gemeinschaftlicher geheimdienstlicher T\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland in der Zeit von Mitte April 1990 bis Anfang April 1992 angeklagt. Das Berliner Kammergericht sah es als erwiesen an, da\u00df die beiden Beschuldigten ehemalige Quellen des MfS nicht abgeschaltet, sondern f\u00fcr das KGB reaktiviert haben, und verurteilte sie Anfang 1995 zu je einem Jahr und zehn Monaten Haft auf Bew\u00e4hrung. Durch die Enttarnung des HVA-Agentennetzes ist die Gefahr der Reaktivierung fr\u00fcherer IM des MfS durch russische Geheimdienste weitgehend gebannt. Dennoch verf\u00fcgen die Nachfolgedienste des KGB \u00fcber eine F\u00fclle von Informationen aus mehreren Bereichen des MfS, die f\u00fcr eine gezielte Neuwerbung von Agenten genutzt werden k\u00f6nnte. 3.2.2 Osteurop\u00e4ische Nachrichtendienste Die Demokratisierungsprozesse in den mittelund s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, die einst zu den Satellitenstaaten der Sowjetunion geh\u00f6rten, haben auch Auswirkungen auf die Arbeit ihrer Nachrichtendienste. Der au\u00dfenpolitische Kurs der Reformstaaten Ungarn, Tschechische Republik, Slowakei und Polen ist grunds\u00e4tzlich auf eine Integration in die westeurop\u00e4ische Staatengemeinschaft ausgerichtet. Alle diese Staaten unterhalten zwar weiterhin Nachrichtendienste, die auch Informationsbeschaffung im Ausland betreiben. Jedoch geschieht dies im einzelnen mit der gebotenen politischen Zur\u00fcckhaltung und weitgehend unter Verzicht auf nachrichtendienstliche Operationen in Ziell\u00e4ndern.","3 - Spionageabwehr - 171 Ungarn und die Tschechische Republik haben inzwischen offiziell erkl\u00e4rt, k\u00fcnftig auf jegliche Spionaget\u00e4tigkeit gegen Deutschland zu verzichten. Eine \u00e4hnliche Tendenz ist auch in der polnischen Politik zu erkennen, obwohl die polnische Auslandsaufkl\u00e4rung in Deutschland noch immer mit stark besetzten Legalen Residenturen in den amtlichen Vertretungen ihres Landes pr\u00e4sent ist. Auch von rum\u00e4nischer Seite ist unl\u00e4ngst erkl\u00e4rt worden, k\u00fcnftig keine Agenten mehr gegen deutsche Interessen einzusetzen. Ein Spionagefall in Baden-W\u00fcrttemberg belegt allerdings das Gegenteil. 3.2.3 Nachrichtendienste der Krisenl\u00e4nder Zu den sog. Krisenl\u00e4ndern, die seit einigen Jahren die besondere Aufmerksamkeit der Spionageabwehr erfordern, geh\u00f6ren die vom Islam gepr\u00e4gten Staaten Iran, Libyen, Irak, Syrien und Pakistan sowie das kommunistische Nordkorea. Die Nachrichtendienste dieser Staaten unterhalten in Deutschland neben Legalen Residenturen zahlreiche St\u00fctzpunkte in offiziellen und halboffiziellen Einrichtungen ihrer Heimatl\u00e4nder, z. B. in B\u00fcros von Fluggesellschaften, Nachrichtenagenturen oder Firmen. Die dort t\u00e4tigen Nachrichtenoffiziere beobachten vor allem hier lebende Dissidenten und Regimegegner ihrer Heimatstaaten. Sie beschaffen aber auch konspirativ politische, wirtschaftliche und milit\u00e4rische Informationen und betreiben somit klassische Spionage. Einen weiteren Schwerpunkt ihrer T\u00e4tigkeit bildet der f\u00fcr die jeweiligen nationalen R\u00fcstungsprogramme erforderliche (illegale) Technologieund G\u00fctertransfer. Hierbei handelt sich um Waren, die aufgrund ihrer milit\u00e4rischen Verwendbarkeit Exportbeschr\u00e4nkungen unterliegen und z. B. nicht in sog. Krisengebiete ausgef\u00fchrt werden d\u00fcrfen. Im vergangenen Jahr wurden in Berlin vor allem Aktivit\u00e4ten nordkoreanischer und iranischer Nachrichtendienste festgestellt.","3 - Spionageabwehr - 172 F\u00fcr das kommunistische Nordkorea gelten nach wie vor besonders strikte Exportbeschr\u00e4nkungen aus Deutschland. Dabei geht es nicht nur um den m\u00f6glichen Aufbau eigener ABC-Waffenprogramme, sondern auch um Massenvernichtungsmittel oder Produkte zu deren Herstellung, die Nordkorea an andere Krisenl\u00e4nder liefern k\u00f6nnte. 3.2.3.1 , Die iranischen Nachrichtendienste Der Schwerpunkt der in Berlin t\u00e4tigen iranischen Nachrichtendienste liegt in der Ausforschung, \u00dcberwachung (bis hin zur Ausschaltung) und Beeinflussung hier lebender Regimegegner. Der BAKHTIAR-Mord und das \"Mykonos\"-Attentat zeigen, da\u00df in diesem Bereich die Grenzen zwischen nachrichtendienstlicher Aussp\u00e4hung und staatsterroristischen Aktionen flie\u00dfend sind. Die Aktivit\u00e4ten der iranischen Nachrichtendienste stellen somit f\u00fcr die innere Sicherheit Berlins weiterhin eine besondere Gefahr dar. In diesem Kapitel werden deshalb die einzelnen Dienste mit ihren Zust\u00e4ndigkeiten und Arbeitsschwerpunkten beschrieben. 3.2.3.1.1 Zust\u00e4ndigkeiten der Nachrichtendienste Nach der iranischen Revolution im Jahre 1979 wurden im Iran mehrere Nachrichtendienste mit unterschiedlicher Zielsetzung gebildet. Von wesentlicher Bedeutung sind: * Das \"Ministerium f\u00fcr Information und Sicherheit\" (MOIS). Zum Aufgabenbereich des MOIS geh\u00f6ren u. a. Gew\u00e4hrleistung der inneren Sicherheit, Spionageabwehr und Auslandsaufkl\u00e4rung. * Der ND-Apparat der \"Revolution\u00e4ren Garden\" (GHODS-Streitkr\u00e4fte). Die GHODS-Streitkr\u00e4fte sind u. a. zust\u00e4ndig f\u00fcr die innere Sicherheit im zivilen und milit\u00e4rischen Bereich und die milit\u00e4rische Aufstandsbek\u00e4mpfung.","3 - Spionageabwehr - 173 * Der milit\u00e4rische Nachrichtendienst \"J 2\" besch\u00e4ftigt sich mit milit\u00e4rtechnischer Forschung und dem Einkauf von Waffen und Ersatzteilen. 3.2.3.1.2 Arbeitsschwerpunkte und -methoden Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte der iranischen Nachrichtendienste werden vom Nationalen Sicherheitsrat des Iran bestimmt. Die Dienste haben den innenpolitischen Auftrag, die Herrschaft der Mullahs durch Unterbindung jeglicher oppositioneller Str\u00f6mungen und Strukturen zu sichern. Im Bereich der Auslandsaufkl\u00e4rung entfaltet der Iran in den unterschiedlichsten Bereichen nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten. Bisher konnten folgende Schwerpunkte festgestellt werden: * Beobachtung und Ausforschung der iranischen Opposition; * Beschaffung von technologischen Kenntnissen (legaler und illegaler Technologietransfer); * Propagierung der im Iran praktizierten schiitisch-islamischen Herrschaftsund Gesellschaftsform (Revolutionsexport); * Politische Aufkl\u00e4rung (Erstellung von Meinungsbildern, Beobachtung von iranbezogenen Ver\u00f6ffentlichungen u. a.). 3.2.3.1.3 Residenturen in Deutschland In Deutschland unterhalten die drei genannten iranischen Nachrichtendienste sowohl Legale als auch Illegale Residenturen. Die Mitarbeiter sind vorwiegend in getarnten Funktionen an offiziellen iranischen Vertretungen wie der Botschaft in Bonn und den Generalkonsulaten in Hamburg, M\u00fcnchen, Frankfurt/Main und Berlin vertreten.","3 - Spionageabwehr - 174 In Ver\u00f6ffentlichungen iranischer Regimegegner und in Presseberichten wurde in der Vergangenheit mehrfach darauf hingewiesen, da\u00df die Bonner Residentur auch in terroristische Aktivit\u00e4ten verwickelt sein soll, so z. B. in der vom \"Verein Iranischer Demokratischer Akademiker e. V. - Bundesrepublik Deutschland\" (VIDA) herausgegebenen Dokumentation \"Der Mykonos-Proze\u00df\", die sich mit den Hintergr\u00fcnden des Anschlages auf iranische Oppositionelle im Berliner Lokal \"Mykonos\" besch\u00e4ftigt. In der Tat verfolgt die derzeitige iranische Regierung Dissidenten und Oppositionelle in aller Welt; sie bedroht und \"bestraft\" sie sogar mit dem Tode. F\u00fcr die Aussp\u00e4hung von Dissidenten und Oppositionellen setzt der Iran nachrichtendienstliche Mitarbeiter ein, die z. T. mit regimetreuen Anh\u00e4ngern, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, zusammenarbeiten. * 3.2.4 Sonstige Nachrichtendienste Die Spionageabwehr - insbesondere in Berlin - befa\u00dft sich nicht nur mit den beschriebenen Schwerpunktbereichen. Sie sieht es als ihre Aufgabe an, in einer Art \"Rundum-Blick\" jedweder unerlaubter T\u00e4tigkeit fremder Nachrichtendienste zu begegnen. Dies f\u00fchrte im vergangenen Jahr zur Enttarnung einer mutma\u00dflichen kubanischen Agentin. Die seinerzeit beim Personalamt f\u00fcr Zivilangestellte der US-Armee in Berlin t\u00e4tige Berlinerin soll dem kubanischen Geheimdienst DGI Berichte mit Informationen \u00fcber Mitarbeiter aus ihrem dienstlichen Umfeld geliefert haben. Ihren Angaben zufolge hat sie f\u00fcr ihre nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit keine Entlohnung erhalten, sondern aus Idealismus und \u00dcberzeugung gehandelt. In K\u00fcrze ist mit der Er\u00f6ffnung der Hauptverhandlung vor dem Berliner Kammergericht zu rechnen.","3 - Spionageabwehr - 3.3 Pr\u00e4ventive Spionageabwehr Zu den besonders wichtigen vorbeugenden Ma\u00dfnahmen der Spionageabwehr geh\u00f6ren der personelle und materielle Geheimschutz in Beh\u00f6rden des Landes Berlin, aber auch in schutzbed\u00fcrftigen Wirtschaftsunternehmen. Das LfV Berlin wirkt hierbei beratend und unterst\u00fctzend mit. 3.3.1 Geheimschutz in der Verwaltung Der personelle Geheimschutz hat die Aufgabe, durch \u00dcberpr\u00fcfungen von Personen, denen eine sicherheitsempfindliche T\u00e4tigkeit \u00fcbertragen werden soll, etwa vorhandene Sicherheitsrisiken zu erkennen. Festgestellt werden soll, ob sie zuverl\u00e4ssig und verfassungstreu sind und ob \"Schwachstellen\" bestehen, die sie erpre\u00dfbar machen f\u00fcr einen Geheimnisverrat. Probleme ergeben sich - mehr als vier Jahre nach der Wiedervereinigung - bei der Bewertung einer fr\u00fcheren SED-Mitgliedschaft im Hinblick auf die \"Risiko-Definition\" im vorgenannten Sinne. Der Umstand einer fr\u00fcheren Mitgliedschaft f\u00fcr sich allein bedingt noch nicht zwingend das Erkennen eines Sicherheitsrisikos. Es mu\u00df vielmehr im Einzelfall genau gepr\u00fcft werden, ob sich \u00fcber die blo\u00dfe Mitgliedschaft hinaus Umst\u00e4nde ergeben haben, die im einzelnen oder in ihrer Gesamtheit Zweifel begr\u00fcnden, da\u00df sich der \u00dcberpr\u00fcfte nicht zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekennt bzw. durch Werbungsversuche fremder Nachrichtendienste gef\u00e4hrdet erscheint. Im Jahr 1994 sind vom LfV Berlin im Rahmen seiner Mitwirkungsaufgaben nach SS 5 Abs. 3 Nr. 1 und 2 des Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) ann\u00e4hernd 1 300 Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen durchgef\u00fchrt worden.","3 - Spionageabwehr - 176 3.3.2 Geheimschutz in der Wirtschaft Deutschland als Hochtechnologieland bleibt auch nach Beendigung des \"Kalten Krieges\" f\u00fcr fremde Nachrichtendienste von besonderem Interesse. Wirtschaftsspionage nimmt an Bedeutung zu, insbesondere bei solchen Staaten, die einen wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Nachholbedarf haben. Daher wird in Zukunft auch der Schutz des Wirtschaftsstandortes Berlin eine immer st\u00e4rkere Rolle spielen. Mit Hilfe des Geheimschutzes sollen alle sicherheitsempfindlichen Auftr\u00e4ge von Bundesoder Landesbeh\u00f6rden, die an nicht \u00f6ffentliche Stellen (Wirtschaft) vergeben werden, vor Aussp\u00e4hung durch fremde Nachrichtendienste gesch\u00fctzt werden. Um diesen diffizilen und sensiblen Bereich zwischen den zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen und ma\u00dfgebenden Unternehmen zu er\u00f6rtern und um einen laufenden Informationsaustausch zu gew\u00e4hrleisten, wurde Ende 1993 ein Arbeitskreis \"Geheimschutz in der Wirtschaft\" gebildet, der aus Vertretern der Industrieund Handelskammer (IHK) Berlin, der Wirtschaft, der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft und Technologie, der Senatsverwaltung f\u00fcr Inneres bzw. (ab Ende 1994) des Regierenden B\u00fcrgermeisters von Berlin/Senatskanzlei und dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz besteht. Daneben existiert seit Fr\u00fchjahr 1994 bei der IHK Berlin auch ein Gespr\u00e4chskreis der betrieblichen Sicherheitsbevollm\u00e4chtigten zum Geheimschutz in Berlin und Brandenburg, der seinerseits wieder dem \"Arbeitskreis f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft\" (ASW) angeh\u00f6rt. Auch hier wirken Vertreter der Senatsverwaltung f\u00fcr Wirtschaft und Technologie, der Senatskanzlei und des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz im Rahmen ihrer Zust\u00e4ndigkeiten beratend mit. Durch diese bewu\u00dfte Verzahnung wird sichergestellt, da\u00df neben der geheimschutzbetreuten Wirtschaft auch nicht geheimschutzbetreute Bereiche in den Informationsund Entscheidungsproze\u00df einbezogen werden. Die Umzugsaktivit\u00e4ten der Bundesregierung nach Berlin werden die praktische Bedeutung des Geheimschutzes in der Wirtschaft weiter steigern. Bei Aufund Ausbau des Regierungssitzes, seiner Infrastruktur und","3 - Spionageabwehr - 177 Logistik sind eine Vielzahl von Auftragsvergaben in sicherheitsrelevanten Bereichen zu erwarten. Dies haben Industrie und Handwerk in Berlin und im Umland erkannt und Bef\u00fcrchtungen ge\u00e4u\u00dfert, wegen fehlender \"Erm\u00e4chtigung\" bei der Vergabe von Auftr\u00e4gen unber\u00fccksichtigt zu bleiben. Festzustellen bleibt jedoch, da\u00df Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen \"auf Halde\" nicht zul\u00e4ssig sind. Insofern sollten interessierte Firmen und Betriebe sich unbedingt schon jetzt durch Beteiligung an Ausschreibungen von sicherheitsempfindlichen Auftr\u00e4gen in ganz Deutschland dem Aufnahmeverfahren in den Geheimschutz stellen. Bis Ende 1994 sind 22 Firmen in die Geheimschutzbetreuung des Landes Berlin aufgenommen worden. r 3.3.3 Materieller Geheimschutz Die Mitwirkung des LfV Berlin auf dem Gebiet des materiellen Geheimschutzes ist weiterhin durch die einigungsbedingten Ver\u00e4nderungen in der Berliner Beh\u00f6rdenlandschaft gepr\u00e4gt. Zahlreiche Gespr\u00e4che mit den betroffenen Geheimschutzbeauftragten m\u00fcndeten in Empfehlungen f\u00fcr technische und nichttechnische Ma\u00dfnahmen zur Sicherheit von Verschlu\u00dfsachen. Hier ist insbesondere die \u00dcbernahme verschiedener Verschlu\u00dfsachenbest\u00e4nde durch das Landesarchiv zu erw\u00e4hnen. 3.3.4 B\u00fcrgerberatung Die Spionageabwehr hat in der Erf\u00fcllung ihrer pr\u00e4ventiven Aufgaben nicht nur das Ziel, die Anwerbung von B\u00fcrgern durch fremde Geheimdienste zu erschweren, sie will auch bereits nachrichtendienstlich verstrickten Personen helfen. Strafbar macht sich nach dem Strafgesetzbuch nicht nur derjenige, der f\u00fcr den Geheimdienst einer fremden Macht eine geheimdienstliche T\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland aus\u00fcbt, sondern auch","3 - Spionageabwehr - 178 derjenige, der sich zu einer solchen T\u00e4tigkeit bereit erkl\u00e4rt. Dabei reicht schon eine m\u00fcndliche Erkl\u00e4rung - z. B. gegen\u00fcber einem Angeh\u00f6rigen eines fremden Geheimdienstes - aus. Die Strafbarkeit entf\u00e4llt nicht, wenn der T\u00e4ter - entgegen seiner Erkl\u00e4rung - keine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit entfaltet. Das Strafrecht enth\u00e4lt jedoch Bestimmungen, nach der das Gericht die Strafe mildern oder g\u00e4nzlich von einer Bestrafung absehen kann, wenn ein Betroffener sich freiwillig gegen\u00fcber einer Beh\u00f6rde offenbart. Jedem von einem Anbahnungsversuch fremder Geheimdienste betroffenen B\u00fcrger ist deshalb zu raten, sich vertrauensvoll an die zust\u00e4ndige Spionageabwehrbeh\u00f6rde zu wenden. Das LfV Berlin steht jederzeit - auch in Zweifelsf\u00e4llen - f\u00fcr ein vertrauliches Gespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung. Ratsuchende werden gebeten, sich an die Beratungsstelle des LfV Berlin zu wenden, die unter der Telefonnummer 867 42 16 zu erreichen ist. 3.4 Fr\u00fchere, fortwirkende unbekannte MfS-Strukturen und -T\u00e4tigkeiten Den beiden aufgel\u00f6sten DDR-Geheimdiensten \"Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit\" (MfS) und \"Verwaltung Aufkl\u00e4rung\" (beim Ministerium f\u00fcr Nationale Verteidigung) geh\u00f6rten mehr als 100 000 hauptamtliche Mitarbeiter an, von denen ca. 35 000 Personen ihren Wohnsitz in Berlin haben. Nach Einsch\u00e4tzung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden bildet dieser Personenkreis ein Potential, das zumindest in Teilen hinsichtlich m\u00f6glicher extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen nicht kalkulierbar ist.","3 - Spionageabwehr - 179 Diese Auffassung gr\u00fcndet auf verschiedene Faktoren, zu denen z. B. minimale Lebensgrundlagen und berufliche Perspektiviosigkeit, aber auch Angst vor evtl. drohender Strafverfolgung geh\u00f6ren. Ber\u00fccksichtigen mu\u00df man dar\u00fcber hinaus, da\u00df vor allem fr\u00fchere hauptamtliche Mitarbeiter als besonders erprobte und parteiergebene Kommunisten galten. Sie beherrschen Konspiration und Desinformation und verf\u00fcgen \u00fcber fr\u00fcher (unrechtm\u00e4\u00dfig) erlangtes Wissen, mit dem sie eine Vielzahl von B\u00fcrgern, insbesondere Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, kompromittieren oder gef\u00fcgig machen k\u00f6nnten. Es ist daher nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df fr\u00fchere Kader versuchen werden, die f\u00fcr sie unertr\u00e4gliche Situation mit \"illegalen\" Mitteln zu \u00e4ndern. Mit dem Anfang 1993 in Kraft getretenen und im M\u00e4rz 1995 novellierten Landesverfassungsschutzgesetz (siehe Anhang III) hat Berlin dieser abstrakten Gef\u00e4hrdungslage Rechnung getragen. Dem LfV wurde die Aufgabe zugewiesen, Informationen \u00fcber fr\u00fchere, fortwirkende unbekannte Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der ehemaligen DDR zu sammeln und auszuwerten (SS 5 Abs. 2 Nr. 4 LfVG) Die Beobachtung des LfV Berlin konzentriert sich gegenw\u00e4rtig auf formelle und informelle (konspirative) Zusammenschl\u00fcsse von ehemaligen hauptamtlichen MfS-Angeh\u00f6rigen, um zun\u00e4chst festzustellen, ob es sich hierbei um fr\u00fchere, fortwirkende MfS-Strukturen im o. a. Sinne handelt. Das LfV pr\u00fcft, ob von diesen Strukturen Bestrebungen ausgehen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben. Ferner pr\u00fcft das LfV, ob von fr\u00fcheren, fortwirkenden MfS-Strukturen sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht ausge\u00fcbt werden. Die Aufgabenwahrnehmung geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der neuen Bundesl\u00e4nder, denen - mit Aus-","li 3 - Spionageabwehr - 180 n\u00e4hme von Brandenburg - diese spezielle Aufgabe ebenfalls gesetzlich zugewiesen ist.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 181 4 Anhang! Kurzdarstellungen wichtiger extremistischer Organisationen in alphabetischer Reihenfolge","","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 183 4.1 Linksextremismus \"Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD\" (AB) Der stalinistisch ausgerichtete AB, 1973 durch Zusammenschlu\u00df \"Sozialistischer Betriebsgruppen\" mit \"Arbeiter-Basis-Gruppen\" in Bayern entstanden, hat sich \u00fcber Linienk\u00e4mpfe faktisch in zwei gleich gro\u00dfe Fraktionen gespalten. Bundesweit verf\u00fcgt der AB \u00fcber etwa 200 Anh\u00e4nger, in Berlin besteht eine Splittergruppe. Publikation: \"KAZ - Kommunistische Arbeiterzeitung\", mtl., Aufl.: 1 500. \"Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) Diese terroristische Kleingruppe - vormals \"Antiimperialistische Widerstandszelle Nadia SHEHADAH\" (AIW) - hat seit 1992 \u00fcberregional zahlreiche Anschl\u00e4ge gegen Sachen ver\u00fcbt. Das Selbstund Politikverst\u00e4ndnis der AIZ wird in umfangreichen Positionspapieren deutlich. Ihre Aktionen der letzten drei Jahre will sie als \"Teil einer Politik der militanten Orientierung\" verstanden wissen. Im Gegensatz zur RAF-Kommandoebene fordert diese Gruppe eine uneingeschr\u00e4nkte Fortsetzung des bewaffneten Kampfes. \"Anti-Olympia-Komitee\" (AOK) Beim \"Anti-Olympia-Komitee\" (AOK) handelt es sich um eine von Autonomen dominierte Gruppe, die in den Jahren 1992 und 1993 am Beispiel Amsterdamer \"Nolympics\" die Bewerbung Berlins um die Austragung der Olympischen Spiele im Jahr 2000 durch eine Imagesch\u00e4digung der Stadt behindern wollte, Hierzu wurden u. a. Brosch\u00fcren mit dem Titel \"Volxsport statt Olympia\" sowie Schm\u00e4hschriften herausgegeben und teilweise an IOC-Mitglieder versandt. Mit diversen Versammlungen wurde das Thema \"N'Olympia\" in der autonomen Szene verankert. Im Rahmen der \"Anti-Olympia-Kampagne\" wurden u. a. eine Vielzahl von Brandanschl\u00e4gen und Sachbesch\u00e4digungen, insbesondere an Fahrzeugen und Einrichtungen von Olympia-Sponsoren, begangen.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 184 Autonome Lose strukturierte Zusammenschl\u00fcsse - teilweise auch Einzelpersonen ohne Gruppenzusammenhang - mit diffusen anarchistischen, nihilistischen, bisweilen auch revolution\u00e4r-marxistischen Zielen. Sie bef\u00fcrworten und praktizieren militante Aktionen, wie \u00f6ffentliche gewaltt\u00e4tige Protestaktionen, aber auch Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, im Kampf gegen \"das System\". Die Zahl der Autonomen wird bundesweit auf mehr als 5 000 Personen gesch\u00e4tzt, auf Berlin entfallen davon etwa 1 200. Publikation: \"radikal\", \"INTERIM\". \"Bund Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) Der 1971 gegr\u00fcndete BSA, dem bundesweit unter 100 Mitglieder angeh\u00f6ren, sieht im Kampf gegen \"Stalinismus und Kapitalismus\" die zentrale Achse seines Programms. Er geh\u00f6rt dem internationalen trotzkistischen Zusammenschlu\u00df \"Internationales Komitee der Vierten Internationale\" (IKVI) als deutsche Sektion an. Publikation: \"neue ARBEITERPRESSE\", wo., Aufl.: 1 300. \"Bund Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) Der 1980 als Abspaltung des \"Kommunistischen Bundes Westdeutschland\" (KBW) gegr\u00fcndete BWK strebt die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" an. Der BWK verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 300 Mitglieder; in Berlin sind unter 20 Personen im BWK organisiert. Publikation: \"Politische Berichte\", 14tgl., Aufl.: 1 200. \"Der Umzug platzt\" (dup) Eine zu Beginn des Jahres 1994 entstandene autonome Kleingruppe, die im \"Thomas-Wei\u00dfbecker-Haus\" in Berlin-Kreuzberg ihre Treffen abh\u00e4lt, dup will \"dem Umbau der Stadt zur Regierungsund Dienstleistungsmetropole nicht tatenlos zuschauen\". Ziel der Gruppe ist es, den \"Widerstand \u00f6ffentlich zu machen, zu verbreitern, zu vernetzen\".","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen 185 \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) Die DKP wurde 1968 von fr\u00fcheren Funktion\u00e4ren der 1956 durch das Bundesverfassungsgericht verbotenen \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" gegr\u00fcndet. Sie hatte jahrelang bedingungslos die Linie der \"Kommunistischen Partei der Sowjetunion\" (KPdSU) \u00fcbernommen und die Identit\u00e4t ihrer politischen Zielsetzung mit der \"Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands\" (SED) betont. Erst im November 1991 gr\u00fcndete die DKP eine Bezirksorganisation (BO) \"BerlinBrandenburg\". Diese BO wurde auf Beschlu\u00df des DKP-Parteivorstandes vom 26. Juni 1993 in die Bezirke \"Berlin-Ost\", \"Berlin-West\" und in Brandenburg mit dem \"Oder-Spree-Kreis\" neu gegliedert. Die DKP hat derzeit etwa 5 000 Mitglieder in den alten Bundesl\u00e4ndern, von denen mehr als 100 in den Berliner Bezirken organisiert sind. Publikationen: \"Unsere Zeit (UZ) - Zeitung der DKP\", 14tgl., Aufl.: etwa 14 000. \"Kommunistische Korrespondenz\"-Zeitung der DKP Berlin-Brandenburg, 5- bis 6mal j\u00e4hrl. \"F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung\" (F.e.l.S.) Personenzusammenschlu\u00df, der nach eigenen Angaben im Oktober/November 1991 aus \"Teilen der linksradikalen Bewegung\" in Berlin hervorgegangen ist. Als Ziel definiert die Gruppe, insbesondere die autonome Szene aus ihrer \"Kampagnenheinzerei\", ihrem \"Subjektivismus\", ihrer \"Ghettomentalit\u00e4t\" und ihrer allgemeinen Kritik an verbindlichen Organisationsformen zu f\u00fchren und zusammen mit anderen Gruppierungen der \"Revolution\u00e4ren Linken\" die \"unterschiedlichsten Unterdr\u00fcckungsarten\" zu bek\u00e4mpfen. Die Gruppe - etwa 20 Personen stark - ist Mitglied des bundesweiten Organisationszusammenschlusses \"Antifaschistische Aktion / Bundesweite Organisation\" (AA/BO). Der AA/BO, die von F.e.l.S. als wichtigster Organisationsansatz in der undogmatischen Linken in der BRD angesehen wird, geh\u00f6ren zahlreiche autonome und \"antiimperialistische\" Gruppierungen aus der gesamten Bundesrepublik an.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 186 \"Gruppe Avanti\" Die \"Gruppe Avanti\" ist im September 1992 aus einem Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern der internationalen trotzkistischen Bewegung \"IV. Internationale (Vereinigtes Sekretariat)\" (VS) entstanden. Ihr geh\u00f6ren ehemalige Mitglieder der VSP sowie die Angeh\u00f6rigen der \"Gruppe Revolution\u00e4re Sozialistinnen\" (GRS) an. Die GRS hat mit dem Zusammenschlu\u00df ihren Namen aufgegeben; ihre Mitglieder bezeichnen sich jetzt als Mitglieder der Vierten Internationale. Ziel der Gruppe war die \"Herstellung verbindlicher Strukturen der Vierten Internationale sowie die Rekonstruktion einer Sektion in Gesamtdeutschland\". Die Gruppe hat sich im Oktober 1994 aufgel\u00f6st. \"Gruppe K\" Die aus einer Minderheitsfraktion des im April 1991 aufgel\u00f6sten \"Kommunistischen Bundes\" (KB) hervorgegangene Gruppe mit etwa 80 Mitgliedern wurde am 7. Juli 1991 in Dortmund formell gegr\u00fcndet. Sie h\u00e4lt ideologisch am Ziel des Kommunismus fest. Ein Hauptzweck der Organisation liegt nach eigenem Bekunden in den Bereichen der Analyse sowie der Theorieund Strategieentwicklung. Publikation: \"Bahamas\", alle 2 bis 3 Monate, Aufl.: 1 000. \"Gruppe Spartakus\" Diese Splittergruppe wurde 1983 als \"Gruppe IV. Internationale\" von Personen gegr\u00fcndet, die aus der damaligen \"Trotzkistischen Liga Deutschlands\" (TLD) ausgeschlossen worden waren. Seit August 1990 war diese Gruppe deutsche Sektion der internationalen trotzkistischen Bewegung \"Bolschewistische Tendenz\" (BT) mit Kontaktadressen in Berlin und Hamburg. Die Gruppe hat sich im Oktober 1994 aufgel\u00f6st. \"Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation\" (ISA) Die 1979 gegr\u00fcndete ISA, deutsche Sektion der \"IV. Internationale (Internationales Zentrum f\u00fcr ihren Wiederaufbau)\" - IZ -, ging aus einer Gruppe um die trotzkistische","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 187 Zeitschrift \"Internationale Arbeiterkorrespondenz\" (IAK) hervor und umfa\u00dft etwa 250 Mitglieder, davon etwa 20 in Berlin. Publikation: \"Sozialistische Arbeiterzeitung\" (SAZ), dt. Beilage der mtl. Zeitschrift \"Internationale Trib\u00fcne - La Verite\", die vom Generalrat der \"IV. Internationale (IZ)\" herausgegeben wird. \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) 1968 als \"Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten\" (KPD/M-L) gegr\u00fcndet, 1980 in KPD umbenannt. 1986 Fusion der Mehrheitsfraktion mit der trotzkistischen \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) zur \"Vereinigten Sozialistischen Partei\" (VSP). Verblieben sind Splittergruppen, von denen jede f\u00fcr sich den bisherigen Parteinamen beansprucht und die insgesamt etwa 80, in Berlin etwa 30, Mitglieder umfassen. Publikation: \"Roter Morgen\", 14tgl., Aufl.: 700. \"Roter Blitz\", unreg., Aufl.: jeweils 200 bis 300. \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD - Sitz Berlin) Am 31. Januar 1990 in Ost-Berlin f\u00fcr das Gebiet der ehemaligen DDR (wieder-) gegr\u00fcndete \"orthodox-kommunistische\" Kernorganisation mit gesamtdeutschem Anspruch. Ihr geh\u00f6ren ca. 200 Mitglieder, in Berlin ca. 40 an. Publikation: \"Die Rote Fahne - Monatszeitschrift der Kommunistischen Partei Deutschlands\" \"Marxistische Gruppe\" (MG) Die Anfang der 70er Jahre aus \"Roten Zellen\" hervorgegangene MG hat sich am 20. Mai 1991 formell selbst \"aufgel\u00f6st\". Intern wahrte sie jedoch ihren Zusammenhalt. Der MG werden bundesweit wie bereits zum Zeitpunkt ihrer Aufl\u00f6sung etwa 10 000 Mitglieder zugerechnet.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 188 Publikation: \"GEGENSTANDPUNKT Politische Vierteljahreszeitschrift\", Aufl.: \u00fcber 6 000. \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) Die 1982 in Bochum gegr\u00fcndete, aus dem \"Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands\" (KABD) hervorgegangene MLPD bekennt sich zur Theorie des MarxismusLeninismus in seiner Interpretation durch Mao ZEDONG. In der MLPD sind bundesweit 2 000 Mitglieder organisiert, in Berlin geh\u00f6ren ihr \u00fcber 100 Personen an. Publikation: \"Rote Fahne\", wo., Aufl.: 7 500. Nebenorganisation: \"REBELL\"-Jugendverband der MLPD. \"Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD)\" (RK) Ein nach stalinistischem Prinzip organisierter Zusammenschlu\u00df von deutschen Anh\u00e4ngern der \"Revolutionary Internationalist Movement\" (RIM). Diesem 1984 entstandenen Dachverband (Sitz: London) geh\u00f6ren derzeit 19 revolution\u00e4re Parteien und Zusammenschl\u00fcsse aus verschiedenen L\u00e4ndern an. Als deutsche Gruppierung der RIM verf\u00fcgen die RK - mit regionalem Schwerpunkt in Berlin - \u00fcber etwa 150 Anh\u00e4nger. Publikation: \"Aufstand - Zeitung der Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\", unreg. \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) Kleingruppen ohne erkennbare Struktur, die mit z. T. schweren Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen, Sabotageakten und \"Bestrafungsaktionen\", wie Kniesch\u00fcssen, ein auf Breitenwirkung angelegtes -teilweise \"sozialrevolution\u00e4res\" Konzeptverfolgen. Die RZ kn\u00fcpfen hierbei in der Regel in aktuelle gesellschaftliche Probleme an. \"Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund\" (RSB) Der RSB wurde im Oktober 1994 von Angeh\u00f6rigen der trotzkistischen Gruppierungen \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP), \"Spartakus-Gruppe\", \"Gruppe Avanti\"","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 189 und \"INPREKORR-Str\u00f6mung\" als \"deutsche Sektion der IV. Internationale\" gegr\u00fcndet. Der RSB strebt den \"Aufbau einer sozialistischen, proletarischen, feministischen, \u00f6kologischen Organisation auf Massenbasis\" an. Ziel der Organisation ist der \"revolution\u00e4re Bruch mit dem Kapitalismus und (der) Aufbau einer demokratischen, sozialistischen Gesellschaft (sowie die) Orientierung auf die politische und soziale Revolution anstelle der Illusion der M\u00f6glichkeit grundlegenden Wandels durch Reformen. Als Berliner Kontaktadresse des RSB wird Friedrichstra\u00dfe 165 in Berlin-Mitte (\"Haus der Demokratie\"), angegeben. Publikation: \"Avanti - die internationale -\". \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) Terrorgruppe, die sich in einem \"bewaffneten antiimperialistischen Kampf sah und \u00fcber milit\u00e4rische Offensiven eine \"einheitliche antiimperialistische Front in Westeuropa\" als Zwischenetappe zu einer kommunistischen Gesellschaft anstrebte (\"Frontkonzept\"). Im Jahre 1992 beendete die \"RAFKommandoebene\" (illegaler Kern aus etwa 15 Personen bestehend - Kommandobereich) in entsprechenden Erkl\u00e4rungen \"offiziell\" dieses \"Frontkonzept\". Nunmehr strebt sie an, \u00fcber \"soziale Aneignungsprozesse\" und den Aufbau einer (sozialen) \"Gegenmacht von unten\" zu einem \"neuen internationalen Kampf f\u00fcr die Umw\u00e4lzung\" zu gelangen. Vor diesem Hintergrund erkl\u00e4rte sie eine zeitweilige \"R\u00fccknahme der Eskalation\" (\"Erkl\u00e4rung\" vom 10. April 1992). Die Dauer dieser \"Kampfpause\" h\u00e4nge jedoch vom Verhalten des Staates bez\u00fcglich einiger zentraler Anliegen des Kommandobereiches ab. Diese \"neue Politik\" der \"RAF-Kommandoebene\" wird von einem Teil der inhaftierten RAFMitglieder (,,hardliner\"-Gefangene) abgelehnt. Dar\u00fcber kam es zur Spaltung. Das bundesweite RAF-Umfeld - bedingt durch die Spaltung derzeit nicht quantifizierbar - unterst\u00fctzt die RAF propagandistisch und \u00fcbt als Sprachrohr der RAF eine wichtige Vermittlerrolle aus. \"Rote Hilfe e. V.\" (RH) 1975 gegr\u00fcndete Rechtsund Hafthilfeorganisation der \"Neuen Linken\", die ma\u00dfgeblich von Mitgliedern/ehemaligen Mitgliedern mehrerer K-Gruppen getragen wird und bundesweit \u00fcber 700, in Berlin \u00fcber etwa 100 Mitglieder verf\u00fcgt.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 190 Publikation: \"Die Rote Hilfe\", vj., Aufl.: 1 800. In Berlin: \"Rote Hilfe Info\", mtl. \"Sozialistische Arbeitergruppe\" (SAG) Die 1969/70 aus dem Frankfurter SDS hervorgegangene SAG ist die deutsche Sektion der internationalen Str\u00f6mung \"Internationale Sozialisten\" (IS), die ihren Ursprung in Gro\u00dfbritannien hat. Die etwa 250 Mitglieder sind in mehreren Ortsgruppen u. a. in Berlin mit ca. 40 Mitgliedern organisiert. Die SAG erstrebt \u00fcber Betriebsund Gewerkschaftsarbeit den Aufbau einer revolution\u00e4ren kommunistischen Partei. Publikation: \"Klassenkampf (Juli/August 1994 eingestellt). \"Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend\" (SDAJ) Die am 4./5. Mai 1968 in Essen gegr\u00fcndete SDAJ wird von der DKP als \"Kaderreserve\" angesehen. Sie ist seit Anfang 1991 auch in Berlin mit dem Landesverband \"Berlin-Brandenburg\" vertreten. Die SDAJ hat ca. 400 Mitglieder; der \"SDAJ Berlin-Brandenburg\" geh\u00f6ren unter 30 Mitglieder an. Publikation: \"position - Magazin der SDAJ\" zweimonatl., Aufl.: 600. \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) Der im Januar 1990 in Berlin gegr\u00fcndeten SpAD, deutsche Sektion der \"Internationalen Kommunistischen Liga (Vierte Internationalisten)\" (IKL), geh\u00f6ren etwa 120 Mitglieder an. Vorl\u00e4uferorganisationen waren die 1974 gegr\u00fcndete \"Trotzkistische Liga Deutschlands\" (TLD) sowie die 1989 auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gegr\u00fcndeten \"Spartakist-Gruppen\". Publikation: \"Spartakist\", mtl., Aufl.: 1 000.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 191 \"Vereinigte Sozialistische Partei\" (VSP) Die 1986 aus einer Fusion der \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) und der \"Gruppe Internationale Marxisten\" (GIM) hervorgegangene VSP umfa\u00dft bundesweit unter 300 Mitglieder, die in zahlreichen Ortsgruppen u. a. in Berlin organisiert sind. Publikation: \"SoZ - Sozialistische Zeitung\", 14tgl., Aufl.: 2 000. \"Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie\" (VAA) 1989 mit dem Ziel, Gewerkschaftler, Sozialdemokraten und Jugendliche zur Mitarbeit zu gewinnen, von der ISA gebildete Tarnorganisation. Publikation: \"Freie Trib\u00fcne f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik\" (Januar 1994 eingestellt). \"Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg\" (Volksfront) 1979 von der damaligen KPD/ML gegr\u00fcndete \"antifaschistische\" B\u00fcndnisorganisation mit einem hohen Anteil von Mitgliedern des BWK und der VSP; in den F\u00fchrungsgremien dominieren inzwischen Mitglieder des BWK. Die Volksfront hat derzeit 200 Mitglieder, von denen unter 20 im \"Landesverband Westberlin\" organisiert sind. Publikation: \"Antifaschistische Nachrichten\", 14tgl., Aufl.: 600. In Berlin: \"frontblatt\", mtl., Aufl.: 300.","","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 193 4.2 Rechtsextremismus \"Asgard-Bund e. V.\" / \"Wotans Volk\" Der Verein will sich als Gemeinschaft verstehen, die eine heidnisch-germanische Weltanschauung propagiert. Zum \"Asgard-Bund e. V.\" geh\u00f6rt die Gruppe \"Wotans Volk\". Beide Gruppen mit insgesamt ca. 20 Mitgliedern beschr\u00e4nkten sich im Jahr 1994 auf die Herausgabe von Schulungsbl\u00e4ttern mit den Titeln \"Hauptschulungsamt Wotans Volk\" und \"Der Wotansspeer\". \u00dcber eine Kontaktadresse werden handtellergro\u00dfe Aufkleber mit den Parolen \"ANTIFAtzke in der Zwangsjacke\" und \"Deutsche Renees braucht das Land!\" in Umlauf gebracht. Publikation: \"Nordisch=Germanischer Jahrweiser\". \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" Die im M\u00e4rz 1983 von einem Kreis oppositioneller Berliner NPD-Mitglieder unter der Bezeichnung \"Deutsche Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V\" gegr\u00fcndete Vereinigung umfa\u00dfte 1994 etwa 30 Mitglieder. Seit etwa 1988 hat der Zusammenschlu\u00df zunehmend zentrale Veranstaltungen f\u00fcr das gesamte rechtsextremistische Spektrum Berlins durchgef\u00fchrt. Die \"Gemeinschaft\" versucht mit ihren Aktivit\u00e4ten (vornehmlich Vortragsveranstaltungen, \"Reichsgr\u00fcndungsfeiern\" und \"Heldengedenktage\"), die verschiedenen Str\u00f6mungen innerhalb der rechtsextremistischen Szene Gesamtberlins und seines Umlandes zu erreichen. \"Deutsche Jugendinitiative Berlin\" (DJI) Die DJI, ein loser Zusammenschlu\u00df einzelner Neonazis, trat im Jahr 1994 -wie bereits 1992 und 1993 - lediglich als Veranstalter eines Konzerts mit dem in rechtsextremistischen Kreisen bekannten Liedermacher Frank RENNICKE auf. Die Veranstaltung fand im \"Kulturhaus\" in R\u00fcdersdorf (Brandenburg) statt. Es beteiligten sich etwa 500 bis 700 Personen, darunter zahlreiche Neonazis und Skinheads. In den Medien wurde die Zusammenkunft als gro\u00dfes rechtsextremistisches Spektakel erw\u00e4hnt.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 194 \"Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH) Am 3. Oktober 1991 von ehemaligen Angeh\u00f6rigen der NPD und der Partei \"Die Republikaner\" offiziell gegr\u00fcndete, aus dem \"F\u00f6rderverein Vereinigte Rechte\" hervorgegangene Partei, der bundesweit etwa 900 Mitglieder angeh\u00f6ren. Die bei der Gr\u00fcndung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der DLVH am 8. Februar 1992 angegebene Mitgliederzahl von 140 erscheint aufgrund der Inaktivit\u00e4t der Partei weit \u00fcberh\u00f6ht. Nach hiesiger Sch\u00e4tzung geh\u00f6ren der DLVH in Berlin/Brandenburg etwa 40 Personen an. \"Deutsche Nationalisten\" (DN) Die DN wurden am 21. Juli 1993 in Mainz gegr\u00fcndet. Bundesvorsitzender ist Michael PETRI, ehemaliger Funktion\u00e4r der verbotenen neonazistischen \"Deutschen Alternative\" (DA). Die DN propagieren den Austritt aus NATO und Europ\u00e4ischer Gemeinschaft, fordern einen \"deutschen Nationalstaat in den v\u00f6lkerrechtlich g\u00fcltigen Grenzen\" und lehnen eine multikulturelle Gesellschaft in Deutschland ab. Neben Landesverb\u00e4nden der DN in einigen Bundesl\u00e4ndern existiert seit dem 2. Quartal 1994 in Berlin ein DN-Landesverband mit ca. 15 Mitgliedern. \"Deutsche Volksunion e. V.\" (DVU e. V) einschl. ihrer Aktionsgemeinschaften: * \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON), * \"Aktion deutsches Radio und Fernsehen\" (ARF), * \"Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur\" (DSVK), * \"Ehrenbund Rudel\" (ER), * \"Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung\" (I. f. A.), * \"Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie\" (VOGA). 1971 von dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard FREY als \"\u00fcberparteiliches\" Sammelbecken der \"Verfassungstreuen Rechten\" gegr\u00fcndete Kernorganisation der \"National-Freiheitlichen\". Seit Gr\u00fcndung des Berliner Landesverbandes der DVU sind f\u00fcr die DVU e. V. keine Aktivit\u00e4ten mehr zu verzeichnen; die Mitglieder des Vereins sind automatisch Mitglieder der Partei.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 195 Publikation: \"Deutsche National-Zeitung\", Aufl.: 42 000, \"Deutsche Wochen-Zeitung\" / \"Deutscher Anzeiger\", Aufl.: 25 000. \"Deutsche Volksunion\" (DVU) Die 1987 auf Initiative des M\u00fcnchener Verlegers Dr. Gerhard FREY als Partei gegr\u00fcndete DVU-Liste D wurde 1991 per Satzungs\u00e4nderung in DVU umbenannt. Die DVU verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber etwa 20 000 Mitglieder. Der 1988 gegr\u00fcndete Berliner Landesverband umfa\u00dft knapp 700 Mitglieder. \"Die Nationalen e. V.\" \"Die Nationalen e.V.\" wurden im September 1991 von Angeh\u00f6rigen der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), der \"Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat\" (DLVH), der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) und ehemaligen Mitgliedern der Partei \"Die Republikaner\" (REP) unter dem Namen \"Freiheitliche W\u00e4hlergemeinschaft 'Wir sind das Volk'\" als Zweckgemeinschaft f\u00fcr die Teilnahme an den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai 1992 gegr\u00fcndet. In Berlin sind dem Verein etwa 80 Personen zuzurechnen. Neben der Herausgabe der zweimonatlich erscheinenden Publikation \"BerlinBrandenburger\", die auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern verbreitet wird, konzentrierten sich die Aktivit\u00e4ten des Vereins 1994 haupts\u00e4chlich auf das Land Brandenburg. Publikation: \"Berlin-Brandenburger\". \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" (JF) ist die seit Sp\u00e4tsommer 1993 bekannteste aktuelle Bezeichnung f\u00fcr das bereits umbenannte neonazistische \"F\u00f6rderwerk Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ), das im Juli 1992 gleichzeitig mit der \"Sozialrevolution\u00e4ren Arbeiterfront\" \u00fcberwiegend von ehemaligen Brandenburger und einigen Berliner Aktivisten der verbotenen \"Nationalistischen Front\" nach vorheriger Abspaltung gegr\u00fcndet worden war. Nach den Durchsuchungsma\u00dfnahmen in mehreren Bundesl\u00e4ndern am 20. Januar, die sich gegen f\u00fchrende Angeh\u00f6rige der JF richteten, wurden keine Aktivit\u00e4ten unter dem Namen \"Direkte Aktion/Mitteldeutschland\" in Berlin festgestellt. In der Zeitung","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 196 des Vereins \"Die Nationalen e. V\", der Publikation \"Berlin-Brandenburger\" vom April/Mai 1994 erkl\u00e4rte die Gruppe: \"Mit Wirkung vom 20. Januar 1994 haben wir unseren Verein, die Symbolik und die kameradschafts\u00fcbergreifende Organisationsstruktur aufgel\u00f6st. Die St\u00fctzpunkte werden in die vollst\u00e4ndige Autonomie entlassen. Ein Auftreten unter dem Namen FMJ/JF ist zu unterlassen. F\u00fcr Aktionen sind eigene Wortsch\u00f6pfungen zu finden. St\u00e4ndig wechselnde Bezeichnungen sind angebracht\". Die Schrift \"Angriff, die bereits zu Zeiten der FMJ verbreitet worden war, wird weiterhin angeboten. Als Redaktionsanschrift ist ein Postfach in Berlin angegeben. Nach Angaben der Redaktion erscheint der \"Angriff\" kostenlos. Er ist in allen \"mitteldeutschen L\u00e4ndern\" und in Niedersachsen in Szene-L\u00e4den erh\u00e4ltlich. Publikation: \"Angriff'. \"Die Republikaner\" (REP) Der 1983 gegr\u00fcndeten Partei \"Die Republikaner\" geh\u00f6rten 1994 bundesweit etwa 20 000 Mitglieder an. Der REP-Landesverband Berlin umfa\u00dfte zum Jahresende etwa 1 000 Mitglieder. Nach den Wahlen zu den Berliner Bezirksverordnetenversammlungen (BW) am 24. Mai 1992 zogen die REP in zwanzig Bezirksparlamente ein. Im November 1993 l\u00f6ste sich die Fraktion der REP im Berliner Bezirk Mitte auf. Publikation: \"Die Republikaner - Nachrichten und Meinungen - Aus Berlin f\u00fcr Berlin\". \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) Die nationalsozialistischem Gedankengut verhaftete FAP wurde seit 1984 systematisch von Aktivisten der 1983 verbotenen \"Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationale Aktivisten\" (ANS/NA) unterwandert. Der Partei geh\u00f6ren bundesweit etwa 430 Mitglieder (1992: 220, 1993: 430) an. Der am 20. Oktober 1990 gegr\u00fcndete Landesverband Berlin der FAP ist mit etwa 50 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern die gr\u00f6\u00dfte aktive neonazistische Organisation Berlins. Nennenswerte Aktivit\u00e4ten entfaltete der Berliner FAP-Landesverband nur vor den Wahlen zum Europaparlament (12. Juni 1994). Die FAP nahm an diesen Wahlen jedoch nicht teil. Ende des Jahres 1994 gab die FAP mittels einer Presseerkl\u00e4rung bekannt, ihre Bundesgesch\u00e4ftsstelle von Halstenbek (Schleswig-Holstein) nach Berlin zu verlegen.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 197 Publikation: \"Aufbruch - Informationsblatt der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei f\u00fcr Mitteldeutschland\". \"Freundeskreis Revolution\u00e4rer Volkssozialisten\" (FRVS) Der FRVS, gegr\u00fcndet im April 1993, strebt u. a. die \"Schaffung der Volksgemeinschaft als bewu\u00dfte und gewollte Solidargemeinschaft freier und gleichberechtigter Volksgenossen innerhalb eines souver\u00e4nen Nationalstaates\" an. In ihrer Propagandaschrift \"Stadtrebell werden milit\u00e4rische Gegenst\u00e4nde wie Stahlhelme, Feldflaschen, Stiefel, Kochgeschirr usw. angeboten. Im Jahr 1994 verbreitete der FRVS im Berliner Stadtgebiet Propagandamaterial mit den Parolen \"Ruhm und Ehre f\u00fcr Rudolf He\u00df\" und \"Wir fordern: Deutschland den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus\" sowie \"Argumente statt Verbote\" Publikation: \"Stadtrebell - Kampfblatt des Freundeskreises Revolution\u00e4rer Volkssozialisten\". \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) Die 1979 gegr\u00fcndete HNG in Mainz ist Sammelbecken und Solidargemeinschaft sowie zentrale Kontaktstelle f\u00fcr Neonazis aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Die Organisation unterst\u00fctzt inhaftierte Neonazis. Sie ist eine der mitgliederst\u00e4rksten Neonazizusammenschl\u00fcsse. Neben ihrem satzungsgem\u00e4\u00dfen Ziel, \"nationale politische Gefangene\" zu betreuen, ist die HNG bestrebt, aus der Haft entlassene Gesinnungsgenossen wieder in die neonazistische Szene zur\u00fcckzuf\u00fchren. In Berlin ohne Gliederung, ca. 25 Einzelmitglieder. Publikation: \"Nachrichten der HNG\". \"Nationaldemokratische Partei Deutschlands\" (NPD) Die 1964 aus der rechtsextremistischen \"Deutschen Reichspartei\" (DRP) hervorgegangene NPD umfa\u00dfte 1994 bundesweit etwa 4 500 Mitglieder. Dem Landesverband Berlin-Brandenburg der NPD geh\u00f6rten zum Jahresende 1994 knapp 100 Personen an. Zu den \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), der NPD-Jugendorganisation, z\u00e4hlten im Bundesgebiet etwa 150 Mitglieder, in Berlin ca. 10 Personen.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 198 Publikation: \"Deutsche Stimme\". \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) Seit 1976 aktive Gruppe mit zahlreichen, unabh\u00e4ngig voneinander arbeitenden und meist aus Einzelpersonen bestehenden St\u00fctzpunkten in der Bundesrepublik Deutschland. Als \"Endziel\" bezeichnet die NSDAP-AO \"die Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Reich und die Errichtung einer neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der ganzen arischen Welt\". Die Berliner Anh\u00e4nger dieser Gruppe beziehen neonazistisches Propagandamaterial von der \"Auslandszentrale\" der NSDAP-AO in Lincoln/Nebraska (USA). Publikation: \"NS-Kampfruf\" (aus USA). \"Neonazikreis um Curt M\u00dcLLER\" Seit 1974 bekannter Aktionszirkel mit Sitz in Mainz-Gonsenheim. Leiter des Kreises sind die Eheleute Curt und Ursula M\u00dcLLER. Seit Jahren beschr\u00e4nken sich die Aktivit\u00e4ten im wesentlichen auf die Durchf\u00fchrung von Sonnwendund HITLERGeburtstagsfeiern. Berliner Neonazis nehmen an derartigen Veranstaltungen teil. \"Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft\" Neonazistisch orientierte Funktion\u00e4rsgruppe, die sich in ihrer ideologischen Ausrichtung an Organisationen wie \"Wotans Volk\" und \"Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei\" (FAP) anlehnt. Zu den Parolen dieser Gruppe z\u00e4hlen \"Wir sind stolz, Arier zu sein\", \"Odin statt 'Jesus'!\" und \"Rassenmischung ist V\u00f6lkermord!\" \"V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin\" (VFK) Die Anh\u00e4nger des Freundeskreises, gegr\u00fcndet 1989, streben \"v\u00f6lkische wie sozialistische Ideale\" an. Es handelt sich um eine Funktion\u00e4rsgruppe.","4 - Anhang I: Kurzdarstellungen - 199 \"Wiking-Jugend -volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete, in der Tradition der ehemaligen \"Hitler-Jugend\" (HJ) stehende und nach dem F\u00fchrerprinzip organisierte \"Wiking-Jugend e. V.\" (WJ) ist am 10. November 1994 vom Bundesminister des Innern gem. Art. 9 GG i. V. m. SS 3 Abs. 2 Vereinsgesetz verboten worden. Grundlage f\u00fcr das Verbot war u. a. die Feststellung einer Wesensverwandtschaft der WJ mit dem Nationalsozialismus. Ihr geh\u00f6rten bundesweit etwa 400 Mitglieder an Sie war die gr\u00f6\u00dfte rechtsextremistische Jugendorganisation in der Bundesrepublik Deutschland. Der Gau Berlin der WJ hatte etwa 15 Anh\u00e4nger. Die Berliner WJ-Formation trat bis zum Verbot nur mit wenigen, gemeinsam mit der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" organisierten Veranstaltungen in Erscheinung.","","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 201 4.3 Ausl\u00e4nderextremismus \"Abu-Nidal-Organisation\" (ANO) Die 1972 von Hassan Sabri AL BANNA alias \"Abu NIDAL\" gegr\u00fcndete ANO, die ihre Hauptst\u00fctzpunkte in Libyen und Irak besitzt, geh\u00f6rt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Seit ihrer Gr\u00fcndung hat sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte, u. a. in Westeuropa, verantwortlich gezeichnet. Sie verf\u00fcgt im Bundesgebiet wie in Berlin nur \u00fcber Einzelmitglieder. \"AL FATAH\" Ende der 50er Jahre gegr\u00fcndete, zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste PLO-Mitgliedsorganisation unter F\u00fchrung von Yassir ARAFAT. Die FATAH hat ihren Hauptst\u00fctzpunkt in Tunis/ Tunesien. In der Vergangenheit war sie f\u00fcr zahlreiche Terrorakte verantwortlich (z. B. 1972 Anschlag auf die israelische Olympia-Mannschaft in M\u00fcnchen). Von ihrem erkl\u00e4rten Ziel, der Befreiung Pal\u00e4stinas durch Zerst\u00f6rung des Staates Israel und der Errichtung eines unabh\u00e4ngigen pal\u00e4stinensischen Staates, hat die FATAH aufgrund der erzielten Ergebnisse bei den Nahost-Friedensverhandlungen Abstand genommen. In Berlin besteht eine Gliederung der FATAH mit etwa 100 Mitgliedern (bundesweit ca. 400), die zum gro\u00dfen Teil die mit Israel erzielte Kompromi\u00dfl\u00f6sung unterst\u00fctzt. \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) Die am 27. November 1978 in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndete PKK unter Leitung von Abdullah \u00d6CALAN mit Sitz in Damaskus erstrebt die Schaffung eines unabh\u00e4ngigen Kurdistans auch unter Einsatz terroristischer Mittel. Seit 1979 ist die PKK in der Bundesrepublik Deutschland aktiv und durch zahlreiche, z. T. gewaltsame Aktionen in Erscheinuhg getreten. Dem Berliner Gebietskomitee der PKK geh\u00f6ren etwa 500 Mitglieder und Anh\u00e4nger an (bundesweit 7 500). Der Bundesminister des Innern hat am 26. November 1993 die PKK und einige ihrer Teilund Nebenorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland verboten. Von dem Verbot waren insgesamt 35 Institutionen betroffen. Am 19. Juli 1994 hob das Bundesverwaltungsgericht aufgrund einer Klage die Verbote gegen 21 kurdische Regionalvereinigungen (darunter auch das \"Kurdische Kulturzentrums BOTAN in Berlin e. V.\") bis zu einer endg\u00fcltigen Entscheidung auf.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 202 \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP) Die DFLP ist in Israel und den von Israel besetzten Gebieten durch zahlreiche Terrorakte in Erscheinung getreten. In der Bundesrepublik Deutschland sind Terrorakte von der DFLP bisher nicht durchgef\u00fchrt worden. Die 1969 gegr\u00fcndete Organisation unter Leitung von Nayef HAWATMEH ist seit etwa 1991 in einen eher gem\u00e4\u00dfigten und einen radikalen Fl\u00fcgel gespalten. W\u00e4hrend der gem\u00e4\u00dfigte Fl\u00fcgel um Yassir Abd RABBO die mit Israel erzielte Kompromi\u00dfl\u00f6sung unterst\u00fctzt, lehnt der radikale Fl\u00fcgel um HAWATMEH diese ab. In Berlin besteht eine Gliederung der DFLP mit etwa 30 Mitgliedern (bundesweit ca. 200), die mit wenigen Ausnahmen dem radikalen Fl\u00fcgel angeh\u00f6ren. \"Demokratische Partei Kurdistans-Irak\" (DPK-Irak) Die DPK-Irak strebt die Bildung eines f\u00f6derativ-demokratischen Teilstaates Kurdistan in einem Bundesstaat Irak auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus an. In der Bundesrepublik Deutschland ist die Partei bisher durch Gewalthandlungen nicht in Erscheinung getreten. Ihre Interessen werden in Deutschland von der \"Vereinigung der kurdischen Studenten in Europa e. V.\" (KSSE) vertreten. Die KSSE unterh\u00e4lt sog. Ortsgruppen mit etwa 250 Mitgliedern bundesweit, davon etwa 30 in Berlin. \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) Die Gruppe ging im Mai/Juni 1978 aus der \"T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/-front\" (THKP/-C) als konspirativ arbeitender Zusammenschlu\u00df hervor. Sie strebt in der T\u00fcrkei eine kommunistische Gesellschaftsordnung durch einen bewaffneten Volkskrieg an. Trotz des Verbots vom 9. Februar 1983 durch den Bundesminister des Innern sind Anh\u00e4nger der Organisation nach wie vor in Deutschland aktiv. Anfang 1993 spaltete sich die Organisation in zwei verfeindete Fraktionen, den \"KARATAS\"und den \"YAGAN\"-Fl\u00fcgel. Die Machtk\u00e4mpfe zwischen den beiden Fraktionen werden europaweit gewaltsam ausgetragen und haben bereits mehrere Todesopfer gefordert. Die KARATAS-Gruppe formierte sich Anfang Oktober 1994 zur \"Revolution\u00e4ren Volksbefreiungspartei/-front\"(DHKP-C). In Berlin verf\u00fcgen beide Fraktionen \u00fcber etwa 50 Mitglieder und Anh\u00e4nger (bundesweit ca. 800).","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 203 \"Hizb Allah\" (Partei Gottes) Die 1982 im Libanon gebildete, vom Iran stark beeinflu\u00dfte \"Hizb Allah\", die sich in den letzten Jahren zur st\u00e4rksten Kraft unter den pro-iranischen Schiiten-Organisationen entwickelte, hat sich die Schaffung einer Islamischen Republik Libanon zum Ziel gesetzt. Sie ist f\u00fcr zahlreiche Terrorakte verantwortlich. In Berlin verf\u00fcgt die \"Hizb Allah\" \u00fcber etwa 50 Mitglieder (bundesweit ca. 600). \"Hizb Al Tahrir Al-Islami\" (Islamische Befreiungspartei) Die \"Hizb Al Tahrir Al-Islami\" entstand 1952/1953 in Ostjerusalem/Jordanien und tritt f\u00fcr die Schaffung eines weltweiten islamisch-extremistisch orientierten Herrschaftsund Gesellschaftssystems durch gewaltsamen Kampf ein. Die Islamische Befreiungspartei ist in allen arabischen L\u00e4ndern verboten. Ihre Operationsbasis liegt vermutlich im Libanon. Die Bewegung operiert in vielen L\u00e4ndern im Untergrund. In Berlin sind bisher Einzelmitglieder bekannt geworden. \"Islamische Heilsfront\" (FIS) Die FIS wurde 1989 in Algerien gegr\u00fcndet und war anfangs ein Sammelbecken der islamischen Opposition, in dem sich ein islamisch-extremistisch orientierter Fl\u00fcgel unter ihren heutigen F\u00fchrern Abassi MADANI und Ali BENHADSCH durchsetzen konnte. Bei den Parlamentswahlen in Algerien 1991 gewann die FIS mit gro\u00dfer Mehrheit den ersten Wahlgang. Vor dem zweiten Wahlgang im Januar 1992 putschte die Armee, die FIS wurde im April 1992 verboten. Ihre F\u00fchrer MADANI und BENHADSCH wurden zu langj\u00e4hriger Haft verurteilt. Nach ihrem Verbot zerfiel die FIS in zahlreiche Fraktionen und rivalisierende Untergrundgruppen. Als milit\u00e4rischer Arm der FIS wurde die AIS (\"Armee Islamique du Salut\") bekannt. Von den \u00fcbrigen in Algerien t\u00e4tigen bewaffneten islamistischen Untergrundgruppen ist besonders die GIA (Bewaffnete Islamische Gruppierung) zu nennen, die den Sturz der Regierung durch einen bedingungslosen bewaffneten Kampf erreichen will und f\u00fcr die Mehrzahl der Morde an Ausl\u00e4ndern in Algerien verantwortlich ist.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 204 \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) Bei der 1987 gegr\u00fcndeten HAMAS handelt es sich um den pal\u00e4stinensischen Zweig der 1928 in \u00c4gypten gegr\u00fcndeten \"Muslimbruderschaft\". Die HAMAS tritt f\u00fcr den Jihad (Heiligen Krieg) gegen Israel und die Errichtung eines islamischen Staates in Israel und den von Israel besetzten Gebieten ein. Bisher operierte sie terroristisch ausschlie\u00dflich in den von Israel besetzten Gebieten, wo sie auch ihre Hauptst\u00fctzpunkte hat. In Berlin verf\u00fcgt sie \u00fcber etwa 70 Mitglieder, wobei der Sympathisantenkreis weitaus gr\u00f6\u00dfer sein d\u00fcrfte. \"KOMKAR - Verband der Vereine aus Kurdistan\" (KOMKAR) Der KOMKAR ist eine Nebenorganisation der \"Sozialistischen Partei Kurdistans\" (PSK), die bis Ende 1992 den Namen \"Sozialistische Partei T\u00fcrkisch-Kurdistans\" (TKSP) f\u00fchrte. Die PSK ist eine marxistisch-leninistische Partei mit nationalistischer Tendenz und bekennt sich zu einer \"national-demokratischen Revolution des kurdischen Volkes\". In der Bundesrepublik Deutschland ist die Partei bisher durch Gewalthandlungen nicht in Erscheinung getreten. Der KOMKAR ist Dachorganisation von derzeit 16 Mitgliedsvereinen mit etwa 400 Mitgliedern bundesweit. Berliner Mitgliedsverein des KOMKAR ist der \"Kulturund Hilfsverein Kurdistan e. V\". \"Kurdistan-Front Irak\" (KFI) Bei der KFI handelt es sich um den Dachverband von acht irakisch-kurdischen Organisationen, die sich 1988 in Damaskus zusammengeschlossen haben. Ziel ist die Gr\u00fcndung eines f\u00f6derativ-demokratischen Teilstaates Kurdistan in einem Bundesstaat Irak. In der Bundesrepublik Deutschland geh\u00f6ren die DPK-Irak, die KSSE und die PUK der KFI an. \"Muslimbruderschaft\" (MB) Die 1928 in \u00c4gypten gegr\u00fcndete \"Muslimbruderschaft\" ist ein Zusammenschlu\u00df radikaler sunnitischer Muslime, der haupts\u00e4chlich in \u00c4gypten und Syrien mit Gewalt die dortigen Regime st\u00fcrzen will. In Berlin leben etwa 50 Mitglieder der MB (bundesweit ca. 940).","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 205 \"Organisation der Volksmojahedin Iran\" (PMOI) Bei der 1965 gegr\u00fcndeten PMOI handelt es sich um eine islamisch-fundamentalistische Organisation mit marxistischer Pr\u00e4gung. Ihre Hauptst\u00fctzpunkte befinden sich in Bagdad und Paris. Mit ihrem bewaffneten Arm, der \"Nationalen Befreiungsarmee Iran\" (NLA), bek\u00e4mpft die PMOI vom Irak aus das derzeitige Regime im Iran und bedient sich dabei auch terroristischer Mittel. \u00dcber den von ihr beherrschten, zum \"Exilparlament im Widerstand\" aufgewerteten und angeblich \u00fcberparteilichen \"Nationalen Widerstandsrat Iran\" (NWRI) tr\u00e4gt sie ihre Kritik an der iranischen Regierung weltweit in die \u00d6ffentlichkeit. Bundesweit soll die PMOI \u00fcber etwa 850 Mitglieder verf\u00fcgen, davon ca. 25 in Berlin. \"Pal\u00e4stinensische Volkskampffront\" (PPSF) Die 1967 gegr\u00fcndete PPSF unter Leitung von Dr. Samir GHOUSHA mit Sitz in Damaskus lehnt eine politische L\u00f6sung der \"Pal\u00e4stina-Frage\" ab und fordert die Fortsetzung des bewaffneten Kampfes bis zur v\u00f6lligen Vernichtung Israels. In der Bundesrepublik Deutschland hat die PPSF bisher keine Terrorakte ver\u00fcbt. In Berlin gibt es wie im \u00fcbrigen Bundesgebiet nur Einzelmitglieder der PPSF. \"Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad\" (PIJ) Die Urspr\u00fcnge des PIJ gehen auf verschiedene fundamentalistische Bewegungen zur\u00fcck, die zumeist unter dem Einflu\u00df der sunnitisch-extremistischen Muslimbruderschaft standen. Der PIJ wurde etwa Ende der 70er Jahre gegr\u00fcndet. In den 80er Jahren und Anfang 1990 kristallisierten sich insbesondere vor dem Hintergrund pers\u00f6nlicher Auseinandersetzungen, ideologischer Meinungsverschiedenheiten und Verbindungen zu verschiedenen L\u00e4ndern und Organisationen sechs Fraktionen der Bewegung heraus. Ziel aller Fraktionen des PIJ ist die Errichtung eines islamischen Staates Pal\u00e4stina und die Vernichtung des Staates Israel. Dieses Ziel ist nach Auffassung des PIJ nur unter Einsatz von Gewalt zu erreichen. Die Bewegung \u00fcbernahm bereits Verantwortung f\u00fcr zahlreiche in Israel und den besetzten Gebieten sowie au\u00dferhalb Israels begangene Anschl\u00e4ge. Der PIJ hat angek\u00fcndigt, auch au\u00dferhalb des Nahen Ostens gegen israelische Ziele vorzugehen. In Berlin sind bislang nur Einzelmitglieder bekanntgeworden.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 206 \"Partei der Gro\u00dfen Einheit\" (BBP) Die BBP hat sich Anfang 1993 von der MHP abgespalten. Der Spaltung lag haupts\u00e4chlich Kritik am F\u00fchrungsverhalten von Alparslan T\u00dcRKES zugrunde. Beide Parteien sind nationalistisch und antizionistisch orientiert, unterscheiden sich jedoch in ihrer Einstellung zum Laizismus. Bei der BBP \u00fcberwiegt derzeit die religi\u00f6se Komponente. Die Berliner Anh\u00e4nger der BBP sind in der Vereinigung \"Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V.\" (BUD) organisiert. Die BBP-orientierten Vereine in der Bundesrepublik Deutschland gr\u00fcndeten Anfang September 1994 den Dachverband \"Avrupa Nizam'i Alem Federasyonu\" (ANF). Ihren vorl\u00e4ufigen Sitz hat die ANF in den Vereinsr\u00e4umen des BUD. \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) Die 1957 gegr\u00fcndete und durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei 1980 verbotene MHP wurde Anfang 1993 nach Aufl\u00f6sung ihrer Nachfolgepartei, \"Partei der Nationalistischen Arbeit\" (MCP), erneut ins Leben gerufen. Die von Alparslan T\u00dcRKES gef\u00fchrte MHP ist eine laizistische, nationalistische Partei mit antikommunistischer und antizionistischer Haltung. Die Berliner Anh\u00e4nger der MHP sind in der \"T\u00fcrkischen Idealistengemeinschaft\" (T\u00dcB) organisiert. Die T\u00dcB ist Mitglied der \"F\u00f6deration der t\u00fcrkisch-demokratischen Idealistenvereine in Europa e. V.\" (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Griesheim bei Frankfurt am Main. \"Patriotische Union Kurdistans\" (PUK) Die als \"Sozialrevolution\u00e4r\" zu bezeichnende PUK f\u00fchrt seit 1976 einen bewaffneten Kampf gegen das irakische Regime und war in den Jahren 1981 bis 1982 f\u00fcr Entf\u00fchrungen von Deutschen im Irak verantwortlich. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Zahl ihrer Mitglieder auf 400 gesch\u00e4tzt, in Berlin gibt es Einzelmitglieder. Die in der Bundesrepublik Deutschland aktiven PUK-Mitglieder zeigten bisher keine Militanz. \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) Die 1980 gegr\u00fcndete marxistisch-leninistische TDKP, die den gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei propagiert, verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber etwa 60 Anh\u00e4nger (bundesweit ca.","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 207 840). Gewaltaktionen sind von ihren Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern in der Bundesrepublik Deutschland bereits ausgegangen. \"T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) Die 1972 gegr\u00fcndete TKP/M-L ist in mehrere Fraktionen gespalten. In Berlin sind die Fraktionen \"Maoistische Parteizentrale\" und \"Partizan\" als Gewaltpotential von Bedeutung. W\u00e4hrend die etwa 30 Personen starke Fraktion der \"Maoisten\" \u00fcber keine festen Strukturen verf\u00fcgt, sind die ca. 50 Angeh\u00f6rigen der \"Partizan\" im \"Verein der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Berlin e. V.\" (TID) organisiert. Bundesweit verf\u00fcgt die TKP/M-L \u00fcber ungef\u00e4hr 1 700 Mitglieder. Etwa Anfang September 1994 schlo\u00df sich in der T\u00fcrkei die Fraktion \"TKP/M-L Hareketi\" (Bewegung) mit der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Arbeiterbewegung\" (TKIH) zur \"Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei - Gr\u00fcndung\" (MLKP-K) zusammen. Diese Gruppierung ist auch in Berlin aktiv. \"Union islamischer Studentenvereine in Europa\" (U.I.S.A.) Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran wurde die Anfang der 60er Jahre gegr\u00fcndete U.I.S.A. durch die islamisch-fundamentalistischen Kr\u00e4fte zu einer regimetreuen Organisation umgestaltet. Mitglieder der bundesweit ca. 350, in Berlin ca. 25 Personen umfassenden U.I.S.A. sind in der Bundesrepublik Deutschland in der Vergangenheit durch Gewalttaten in Erscheinung getreten. \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP) Die 1967 gegr\u00fcndete PFLP unter Leitung von Dr. George HABBASH mit Sitz in Damaskus will ihr politisches Ziel, die Schaffung eines panarabischen Staates, mit den Mitteln des Guerilla-Krieges, insbesondere durch organisierten Terror, erreichen. In der Vergangenheit hat die PFLP zahlreiche Terroranschl\u00e4ge gegen Israel und mi\u00dfliebige europ\u00e4ische Staaten ver\u00fcbt. Die PFLP verf\u00fcgt in Berlin \u00fcber eine Gliederung mit etwa 25 Mitgliedern (bundesweit ca. 180).","4 -Anhang I: Kurzdarstellungen - 208 \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando\" (PFLP-GC) Die 1968 gegr\u00fcndete PFLP-GC unter Leitung von Ahmed JIBRIL mit Sitz in Damaskus z\u00e4hlt zu den aggressivsten pal\u00e4stinensischen Terrororganisationen. Sie zeichnete f\u00fcr zahlreiche Terrorakte in Israel und den von Israel besetzten Gebieten sowie in Westeuropa verantwortlich. 1986 und 1988 gelang es deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden, Anschlagsvorbereitungen von PFLP-GC-Angeh\u00f6rigen in der Bundesrepublik Deutschland aufzudecken. Im Bundesgebiet und in Berlin verf\u00fcgt die PFLP-GC nur \u00fcber Einzelmitglieder. \"Wohlstandspartei\" (RP) Nachfolgeorganisation der 1972 gegr\u00fcndeten und durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei 1980 verbotenen \"Nationalen Heilspartei\" (MSP). Die RP ist eine nationalistische, islamisch-fundamentalistische Partei, die sich gegen den Laizismus wendet. Bundesweit verf\u00fcgt die von dem MSP-Gr\u00fcnder Necmettin ERBAKAN gef\u00fchrte RP \u00fcber ca. 20 000, in Berlin \u00fcber etwa 1 500 Anh\u00e4nger, die in der \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e. V.\" (AMGT) organisiert sind.","5 - Anhang II: Chronologie - 209 5 Anhang II Chronologie","","5 - Anhang II: Chronologie - 211 5.1 Linksextremismus Januar \"Die Rote Fahne\" der-im Januar 1990 in Ostberlin (wieder-)gegr\u00fcndeten - \"Kommunistischen Partei Deutschlands\" (KPD) erscheint erstmals. Nach eigenen Angaben setzt die Partei mit der Herausgabe ihres Blattes die \"guten Traditionen des Zentralorgans\" der KPD fort. 1. Januar Brandanschlag Autonomer auf eine Filiale der Berliner Volksbank in Berlin-Steglitz. Es entstand Sachschaden. Unter der \u00dcberschrift \"autonomer auftakt '94\" bekennen sich \"einige autonome\" in dem Szene-Blatt \"INTERIM\", Nr. 268, vom 7. Januar, zu der Tat. 1. Januar Auseinandersetzungen zwischen Autonomen und der Polizei in Berlin-Kreuzberg. Anl\u00e4\u00dflich des Jahreswechsels kam es zu Ausschreitungen von etwa 70 Personen, darunter Angeh\u00f6rige des autonomen Spektrums. Nachdem Gewaltt\u00e4ter die Kreuzung Oranien-/Adalbertstra\u00dfe bzw. die Oranienstra\u00dfe blockiert und mit Steinen geworfen hatten, r\u00e4umte die Polizei unter Schlagstockeinsatz die Fahrbahn. 4. Januar \"\u00d6ffentliche\" Veranstaltung der \"Sozialistischen Arbeitergruppe\" (SAG) zum Thema \"Superwahljahr 1994: Kohl kann gestoppt werden!\". An der Veranstaltung in einem Cafe in Berlin-Neuk\u00f6lln nahmen \u00fcber 20 Personen teil. Eine SAG-Referentin \u00e4u\u00dferte u. a., da\u00df es wichtig sei, die Arbeiter \"im Osten\" zu mobilisieren. Gerade die Arbeiter und Rentner im Ostteil Deutschlands h\u00e4tten unter der Politik KOHLs besonders zu leiden und m\u00fc\u00dften \"aufgehetzt\" werden.","5 -Anhang II: Chronologie - 212 7. Januar Gemeinsame Veranstaltung der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) und der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ) im Geb\u00e4ude der PDS-Zeitung \"Neues Deutschland\" in Berlin-Friedrichshain unter dem Motto \" - 75 Jahre nach Gr\u00fcndung der KPD - 75 Jahre nach den Morden an Luxemburg und Liebknecht - 'Mit Marx und Lenin zu Rosa und Karl!'\". Vor etwa 250 Besuchern redete neben einem Vertreter einer B\u00fcrgerinitiative und einem Angeh\u00f6rigen der \"Kommunistischen Plattform\" (KPF) der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS), Heinz STEHR, Sprecher der DKP. STEHR griff die Politik der PDS an, warf ihr vor, \"Substantielles\" aufzugeben. 8. Januar Podiumsdiskussion der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ) mit dem Thema \"Ans\u00e4tze f\u00fcr Antifa-Strategien\". Zu der Veranstaltung im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg waren trotz einer umfangreichen Flugblattaktion nur etwa 30 Personen erschienen. Besonders entt\u00e4uscht zeigte sich die SDAJ \u00fcber die \u00e4u\u00dferst geringe Beteiligung autonomer \"Antifas\", obwohl diese ausdr\u00fccklich zur Diskussion aufgefordert worden waren. 9. Januar Beteiligung marxistisch-leninistischer und sonstiger revolution\u00e4r-marxistischer Parteien und Gruppen an einem Gedenkmarsch anl\u00e4\u00dflich des 75. Jahrestages der Ermordung von Rosa LUXEMBURG und Karl LIEBKNECHT (15. Januar 1919). Aufgerufen hatten u. a. die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP) und die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD). Die Wegstrecke f\u00fchrte vom Platz der Vereinten Nationen (Berlin-Friedrichshain) zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Berlin-Lichtenberg). An dem Aufzug nahmen etwa 5 000 Personen teil. 11. Januar Diskussionsveranstaltung der \"Sozialistischen Arbeitergruppe\" (SAG) zum Thema \"Sozialismus oder Barbarei!\".","5 - Anhang II: Chronologie - 213 Anla\u00df f\u00fcr die Veranstaltung in einem Cafe in Berlin-Neuk\u00f6lln war der 75. Jahrestag der Ermordung Rosa LUXEMBURGS. Auf der Tagesordnung stand die Frage \"Warum haben viele ihrer Ideen und Lehren nichts an Aktualit\u00e4t verloren?\". 12. Januar Gemeinsame Diskussionsveranstaltung des \"Bundes Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) und der \"PDS Sch\u00f6neberg\" in R\u00e4umlichkeiten der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) in Berlin-Sch\u00f6neberg. Thema war \"Der Weg der PDS - Sozialistische Alternative oder Regionalpartei\". 12. Januar Brandanschlag auf einen Pkw Porsche in Berlin-Kreuzberg im Rahmen der Kampagne Autonomer gegen die \"Umstrukturierung\" Berlins. Bei der Redaktion der Tageszeitung \"Berliner Morgenpost\" ging zu dem Brandanschlag ein Bekennerschreiben ein. Auch das autonome Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 270, vom 20. Januar, druckte die Bekennung ab. 14. Januar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Er\u00f6rtert wurde die Frage \"Warum nimmt der BSA an der Europawahl teil?\" 14. Januar Entwendung einer B\u00fcste Friedrich EBERTs durch autonome Kreise. Die Aktion auf dem Gel\u00e4nde der Friedrich-Ebert-Sportanlage in Berlin-Tempelhof stand im Zusammenhang mit dem 75. Jahrestag der Ermordung Rosa LUXEMBURGS und Karl LIEBKNECHTS. In einer dem Berliner B\u00fcro der Nachrichtenagentur dpa zugesandten Tatbekennung, die auch in dem autonomen SzeneBlatt \"INTERIM\", Nr. 270, vom 20. Januar, ver\u00f6ffentlicht wurde, bezeichnen \"Autonome Gruppen\" ihr Vorgehen als \"Rache-","5 - Anhang II: Chronologie - 214 aktion\" an den \"obersten Konterrevolution\u00e4r\" Friedrich EBERT. Die B\u00fcste sei von ihnen im Landwehrkanal versenkt worden. 19. Januar Veranstaltung der Ortsgruppe Berlin-Neuk\u00f6lln der \"MarxistischLeninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) unter dem Motto \"Wir stellen unsere Ziele im Bundestagswahlkampf 1994 vor\". Im MLPD-'Treff Neuer Weg\" in Berlin-Neuk\u00f6lln stellte sich eine Direktkandidatin der \"MLPD/Offene Liste Berlin\" der Diskussion. 20. Januar Protestkundgebung der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) und deren Tarnorganisation \"Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung\" (KfsV) anl\u00e4\u00dflich einer Arbeitsgerichtsverhandlung vor dem Arbeitsgericht Berlin in Tiergarten. Etwa 50 Personen nahmen teil. SpAD und KfsV hatten mit Flugschriften zur Solidarit\u00e4t mit einem angeblich wegen fr\u00fcherer IM-T\u00e4tigkeit gek\u00fcndigten Professor aufgerufen. 21. Januar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Thema war \"Der Fall Ludwig Niethammer\". 21. Januar Protestkundgebung von Anh\u00e4ngern der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK) und der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) vor dem Landgericht Berlin in Tiergarten. Aufgerufen worden war mit dem Tenor \"ES WAR DOCH MORD! Gerechtigkeit F\u00fcr Mete Eksi! Der Faschistische M\u00f6rder von Mete Mu\u00df Ins Gef\u00e4ngnis! ...\" . Anla\u00df war der Proze\u00df um den Tod eines 19j\u00e4hrigen T\u00fcrken. 22. Januar Veranstaltung der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) unter der Losung \"Weg mit dem Verbot der PKK! Von Diyarbakir bis Duisburg: Kurdische Befreiung und Klassenkampf. Die Teilnehmer versammelten sich in einem Cafe in Berlin-Kreuzberg.","5 - Anhang II: Chronologie - 215 25. Januar Diskussionsveranstaltung des Blattes \"GEGENSTANDPUNKTPolitische Vierteljahreszeitschrift\" der \"Marxistischen Gruppe\" (MG) im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. An der Veranstaltung zum Thema \"Krise '94: Zuviel Kapital - weniger Arbeit - mehr Armut. Die neue VW-Formel: Besch\u00e4ftigung durch Lohnverzicht\" nahmen etwa 60 Personen teil. 26. Januar \"GEGENSTANDPUNKTe\"-Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Somalia: Die T\u00fccken des neuen Weltordnens und deutsche Leiden am humanit\u00e4ren Militarismus\". An der Veranstaltung im Mehringhof nahmen etwa 50 Personen teil. 28. Januar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Thema lautete: \"75 Jahre seit der Ermordung Rosa Luxemburgs\". 29. Januar Beteiligung Autonomer an einer Demonstration der \"Antifaschistischen Initiative Friedrichshain\". Etwa 300 Personen, darunter Autonome und Angeh\u00f6rige von Antifa-Gruppen, nahmen in Berlin-Friedrichshain an einer Demonstration gegen Rechtsextremisten teil, die unter dem Motto \"Antifaschistischer Kiez-Spaziergang\" stand. Am Rande des Aufzuges kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, als Teilnehmer mit Steinen warfen und Polizeibeamte t\u00e4tlich angriffen. Vier Personen wurden von der Polizei vorl\u00e4ufig festgenommen. 29/30. Januar 12. Bundeskongre\u00df der \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" (SDAJ) in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen). An dem als Bundesmitgliederversammlung durchgef\u00fchrten Kongre\u00df nahmen etwa 100 SDAJ-Angeh\u00f6rige aus dem gesamten Bundesgebiet teil, u. a. Funktion\u00e4re aus der Region Berlin-Brandenburg. 31. Januar Brandanschl\u00e4ge \"Autonome(r) Gruppen\" auf zwei Pkw Porsche in Berlin-Zehlendorf.","5 - Anhang II: Chronologie - 216 In einem Bekennerschreiben wenden sich \"Autonome Gruppen\" u. a. gegen die \"Profitsucht\" der Gesch\u00e4digten und werfen ihnen vor, als \"Kriegsgewinnler\" Fl\u00fcchtlinge \"zusammengefercht\" und daf\u00fcr vom Sozialamt \"kassiert\" zu haben. Weiter hei\u00dft es, die Gesch\u00e4digten \"verdienen jedoch nicht nur an Fl\u00fcchtlingen, sondern sind auch fett im Gesch\u00e4ft der Umstrukturierung Kreuzbergs mit drin\". 4. Februar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Diskutiert wurde \"Die Rechtswendung der Gewerkschaften\". 8. Februar Veranstaltung der \"Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) in dem \"Club\"-Geb\u00e4ude einer karitativen Organisation in Berlin-Friedrichshain. Die Losung lautete: \"F\u00fcr eine k\u00e4mpferische Volksopposition. Wie bereiten wir uns auf die kommende Bundestagswahl vor?\". 11. Februar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Thema der Diskussion war \"Der Nationalismus der Eurolinken\". 12. Februar \"Solidarit\u00e4tsveranstaltung\" f\u00fcr f\u00fcnf inhaftierte mutma\u00dfliche Verantwortliche der T\u00f6tung des Deutsche Liga-Funktion\u00e4rs Gerhard KAINDL. Etwa 250 Autonome, Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes und Vertreter revolution\u00e4r-marxistischer Gruppen versammelten sich im Lokal \"KIM\" im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. 16. Februar Gemeinsame Diskussionsveranstaltung des \"Bundes Westdeutscher Kommunisten\" (BWK) und der \"PDS Sch\u00f6neberg\". Die Veranstaltung unter der Fragestellung \"Hat linke Jugendpolitik eine Chance?\" fand in R\u00e4umlichkeiten der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) in Berlin-Sch\u00f6neberg statt.","5 - Anhang II: Chronologie - 217 17. Februar \"Spartakisf-Diskussionskreis der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) zum Thema \"Staat und Revolution\". Die Veranstaltung fand im \"Linkstreff' in Berlin-Wedding statt. 18. Februar \"neue ARBEITERPRESSE\"-Treff des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Die Diskussion stand unter der Losung \"Nein zum imperialisti- - sehen Eingreifen im Balkan\". 18. Februar Veranstaltung der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) im \"Treff Neuer Weg\" in Berlin-Neuk\u00f6lln. Zum Thema \"Der einj\u00e4hrige Arbeitskampf der Kali-Kumpel in Bischofferode\" wurde ein Videofilm gezeigt. 24. Februar Veranstaltung der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) im \"Treff Neuer Weg\" in Berlin-Neuk\u00f6lln. Ein Politologe referierte unter der Fragestellung \"Was ist los im Baltikum?\" \u00fcber die Geschichte, Hintergr\u00fcnde und aktuelle Lage in den baltischen L\u00e4ndern. 6. M\u00e4rz Ver\u00f6ffentlichung einer RAF-Erkl\u00e4rung. In einer 18seitigen Erkl\u00e4rung an die Redaktion der Tageszeitung \"Junge Welt\" bestreitet die RAF, da\u00df der V-Mann Klaus STEINMETZ Mitglied der RAF und damit in die Kommandoebene der Gruppe eingebunden gewesen sei. Bestritten wird auch seine Beteiligung am Anschlag auf den Neubau der JVA Weiterstadt. 6/7. M\u00e4rz Ver\u00f6ffentlichung einer Erkl\u00e4rung der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK). Dem Bezirksb\u00fcrgermeister von Berlin-Kreuzberg und dem Leiter des Stadtplanungsamtes desselben Bezirks sowie zwei Tageszeitungen wurden eine Erkl\u00e4rung mit dem Titel \"2 Jahre Klasse gegen Klasse\" \u00fcbersandt. Die Erkl\u00e4rung in Form eines Selbstinterviews enth\u00e4lt einen zw\u00f6lfseitigen Textteil, in dem KGK Stellung nimmt zu ihrem theoretischen Hintergrund, ihrem Verh\u00e4ltnis zu anderen links-","5 - Anhang II: Chronologie - 218 extremistischen Gruppierungen sowie ihren bisherigen Gewalttaten und der damit erzielten Wirkung. Als Anhang ist auf f\u00fcnf Seiten mit Zeichnungen eine detaillierte Anleitung zum Bau eines Brandsatzes beigef\u00fcgt. 8. M\u00e4rz Spr\u00fchaktion in Berlin-Kreuzberg, ausgef\u00fchrt vermutlich von Angeh\u00f6rigen der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\". Die T\u00e4ter spr\u00fchten einen f\u00fcnfzackigen Stern und die Buchstaben \"KGK\" auf die rechte Fahrzeugseite des Lkw einer Kreuzberger Weinhandlung. 12. M\u00e4rz Demonstration gegen das Fu\u00dfball\u00e4nderspiel Deutschland/ England am 20. April im Olympiastadion Berlin. An dem Aufzug unter dem Motto \"(kein) Fu\u00dfball\u00e4nderspiel\", der vom Berliner Rathaus zum Breitscheidplatz f\u00fchrte, beteiligten sich bis zu 250 Teilnehmer, darunter Angeh\u00f6rige der autonomen Szene. 14. M\u00e4rz Veranstaltung der \"W\u00e4hlerinitiative Treptow/K\u00f6penick\" unter der Losung \"Solidarit\u00e4t mit dem Kampf f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und Geh\u00e4lter! F\u00fcr ein Sofortprogramm 'Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Millionen'\". Auf der Versammlung in der Volkshochschule K\u00f6penick sprach ein Bundestagskandidat der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD). 18. M\u00e4rz Protestdemonstration gegen das Urteil im \"Mete-Eksi-Proze\u00df\" vom Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg) zum Breitscheidplatz (Berlin-Charlottenburg). An dem Aufzug gegen das nach ihrer Meinung zu milde Urteil im Proze\u00df um die T\u00f6tung eines jungen T\u00fcrken beteiligten sich bis zu 200 Personen. Angef\u00fchrt wurde der Zug von Angeh\u00f6rigen der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK), die auch die Lautsprecheranlage stellte. 19./20. M\u00e4rz Beschlu\u00df des Parteivorstandes der \"Deutschen Kommunistischen Partei\" (DKP) zu den Europawahlen.","5 - Anhang II: Chronologie - 219 Auf seiner Tagung in Essen beschlo\u00df das Gremium, die Kandidatur der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) zu unterst\u00fctzen. 21. M\u00e4rz Anschlag \"Autonome(r) Gruppen\" auf die Gesch\u00e4ftsstelle des Berliner Fu\u00dfballverbandes in Berlin-Wilmersdorf. Unbekannte T\u00e4ter schlugen die Scheiben des Eingangsbereiches sowie ein Fenster des Aufenthaltsraumes ein und verspr\u00fchten Butters\u00e4ure. Au\u00dferdem wurden Farbeier auf das Geb\u00e4ude geworfen und der Schriftzug \"kein L\u00e4nderspiel am 20.4. gegen DSB und Nazis\" an die Wand gemalt. In einer in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 279 vom 24. M\u00e4rz, abgedruckten Bekennung begr\u00fcnden die T\u00e4ter den Anschlag u. a. mit ihrer Gegnerschaft zum Fu\u00dfball\u00e4nderspiel Deutschland-England am 20. April (\"F\u00fchrergeburtstag\"). 23 M\u00e4rz Zerst\u00f6rung der Fensterscheiben eines Waschsalons durch eine autonome Frauengruppe in Berlin-Kreuzberg. In dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 280, vom 31. M\u00e4rz, verweisen \"FGR (Frauen gegen Repressionsorgane)\" auf den von ihnen abgelehnten Einsatz eines privaten Sicherheitsdienstes zur Bewachung des Gesch\u00e4ftes. 25. M\u00e4rz Diskussionsveranstaltung der Publikation \"GEGENSTANDPUNKT - Politische Vierteljahreszeitschrift\" der \"Marxistischen Gruppe\" (MG) im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. An der Veranstaltung zum Thema \"Ende der Apartheid in S\u00fcdafrika\" nahmen etwa 50 Personen teil. 25. M\u00e4rz Veranstaltung des \"Bundes Sozialistischer Arbeiter\" (BSA) in einem Seniorenclub in Berlin-Prenzlauer Berg. Thema war die Kandidatur des BSA und seiner britischen Schwesterorganisation, der \"International Communist Party\" (ICP), bei den Wahlen zum Europaparlament. 6. April Brandanschlag autonomer Kreise auf zwei Motorr\u00e4der eines privaten Wachschutzunternehmens in Berlin-Kreuzberg.","5 - Anhang II: Chronologie - 220 Aus einer Gruppe von etwa f\u00fcnf Jugendlichen wurde ein Brandsatz gegen die Fahrzeuge geschleudert; es entstand Totalschaden. Ein Bekennerschreiben sandten die T\u00e4ter an die Tageszeitung \"Berliner Morgenpost\" Das autonome Szeneblatt \"INTERIM\" ver\u00f6ffentlichte es in der Ausgabe Nr. 282, vom 14. April. Ihre Aktion, begr\u00fcnden die Schreiber, sei gegen Pr\u00e4senz und T\u00e4tigkeit der \"paramilit\u00e4rische(n) Privatbullentruppe\" im Kiez gerichtet gewesen. 9. April Demonstration des B\u00fcndnisses \"Kein L\u00e4nderspiel am 20. April 1994\". Die Route f\u00fchrte vom Berliner Rathaus zum Senefelder Platz (Prenzlauer Berg). Nach Absage des Fu\u00dfballspiels Deutschland-England fand der Aufzug unter dem ge\u00e4nderten Motto \"Kein Naziaufmarsch in Berlin\" statt. Die Teilnehmerschaft, bis zu 600 Personen, setzte sich \u00fcberwiegend aus Angeh\u00f6rigen des autonomen Spektrums zusammen. 9. April Protestaktionen im Umfeld des Bundesparteitages der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Zehlendorf. Ca. 40, dem autonomen Spektrum zuzuordnende Personen sammelten sich in der N\u00e4he der F\u00e4hrverbindung nach Lindwerder. Auf der Insel hielt die FAP ihren Bundesparteitag ab. Durch das Eingreifen der Polizei konnte eine Auseinandersetzung zwischen \"Linken\" und \"Rechten\" verhindert werden. Es kam jedoch zu Sachbesch\u00e4digungen an den Privatfahrzeugen von Teilnehmern des Parteitages. 17. April Brandanschlag militant-linksextremistischer Kreise auf das Kraftfahrzeug des Berliner Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM. An dem Auto entstand Totalschaden. In einer Erkl\u00e4rung, die die T\u00e4ter der Nachrichtenagentur ADN und der Tageszeitung \"Der Tagesspiegel\" zukommen lie\u00dfen, bekennt sich eine \"Antifaschistische Kolonne Hannie Schaft\" zu der Aktion.","5 - Anhang II: Chronologie - 221 20. April Demonstration \"gegen Faschismus und Rassismus\" vom Mehringdamm (Berlin-Kreuzberg) zum Breitscheidplatz. Es beteiligten sich ca. 2 300 Personen, unter ihnen Angeh\u00f6rige des RAF-Umfeldes, Autonome, Anh\u00e4nger der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK) und anderer linksextremistischer Gruppen. W\u00e4hrend des Aufzuges und danach kam es wiederholt zu \u00dcbergriffen gegen die Polizei; mehrere Demonstranten wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. 28. April Anschlag autonomer Kreise auf einen Golfplatz in Motzen (Brandenburg). Die T\u00e4ter verw\u00fcsteten Anlagen des \"Berliner Golfund Country Clubs\". Zu der Aktion bekannte sich eine Gruppierung \"Autonomes Kommando Bernhard Langer\" (vgl. 14. September). 1. Mai Linksextremistische Aktivit\u00e4ten zum 1. Mai. In den Vormittagsstunden versammelten sich etwa 400 Autonome in Berlin Treptow, um eine von der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) angemeldete 1. Mai-Demonstration zu verhindern. Rund 30 FAP-Anh\u00e4nger, die sich zu der Demonstration eingefunden hatten, zogen sich angesichts der starken Pr\u00e4senz Autonomer in die Wohnung des Berliner FAPLandesvorsitzenden in Prenzlauer Berg zur\u00fcck. Am fr\u00fchen Abend f\u00fchrten etwa 50 FAP-Anh\u00e4nger von dort einen Spontanaufzug durch, der zu Gegenreaktionen der autonomen Szene f\u00fchrte. Bis zu 500 Personen rotteten sich im Nahbereich der Wohnung, bewaffneten sich mit Steinen und versuchten die Aktivit\u00e4ten der FAP-Anh\u00e4nger zu unterbinden. Durch massiven Polizeieinsatz konnten Ausschreitungen verhindert werden. In den Mittagsstunden f\u00fchrten zwischen 100 und 200 Anh\u00e4nger bzw. Sympathisanten der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten (BRD)\" (RK) einen nicht genehmigten Aufzug vom Oranienplatz (Berlin-Kreuzberg) zum Brandenburger Tor durch. Im Verlauf des Aufzuges wurden einige Demonstranten vorl\u00e4ufig festgenommen. 5. Mai Versuchter Butters\u00e4ureanschlag einer \"Antiimperialistische(n) Gruppe\" auf die SPD-Landesgesch\u00e4ftsstelle in Berlin-Wedding.","5 - Anhang II: Chronologie - 222 In der N\u00e4he des Tatortes wurden drei gleichlautende Taterkl\u00e4rungen gefunden. Darin wird auf in Deutschland lebende Kurden und deren angeblich drohende Abschiebung in die T\u00fcrkei Bezug genommen; die SPD wird \"als Teil rassistischer Herrschaftssicherung\" diffamiert. 8. Mai Butters\u00e4ureanschlag auf ein Hotel in Berlin-Prenzlauer Berg. Etwa zum gleichen Zeitpunkt wurden in der Herberge Flugbl\u00e4tter verteilt, in denen Unbekannte die Behauptung aufstellen, die Gelder f\u00fcr den Bau des Hotels seien durch das Elend von Fl\u00fcchtlingen und Obdachlosen erwirtschaftet worden. 21. Mai Demonstration \"Gegen die Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstandes und der Selbstverteidigung von Immigran- * tlnnen\". Es beteiligten sich bis zu 2 500 Personen. Ein Gro\u00dfteil der Aufzugsteilnehmer geh\u00f6rte dem linksextremistischen Spektrum an. Im Verlauf der Demonstration kam es zu kleineren Sachbesch\u00e4digungen sowie zu vereinzelten Steinw\u00fcrfen gegen Polizeibeamte. Acht Personen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. 22. Mai Kundgebung vor der JVA Pl\u00f6tzensee \"Gegen die Kriminalisierung des antifaschistischen Widerstandes und der Selbstverteidigung von Immigrantinnen\". Die Kundgebung in Berlin-Tiergarten war als Erg\u00e4nzung zu der Demonstration vom 21. Mai gedacht. An der Kundgebung nahmen ca. 200 Personen teil, darunter \u00fcberwiegend Autonome. Es kam zu einer Freiheitsentziehung wegen angelegter Schutzbekleidung und zu 10 Sicherstellungen nach dem ASOG. 28. Mai Demonstration unter dem Motto \"Nie wieder Solingen\". An dem Aufzug eines \"Anti-Nazi-B\u00fcndnisses Berlin\", in dem Linksextremisten mitarbeiten, vom Hermannplatz (BerlinNeuk\u00f6lln) zum Alexanderplatz beteiligten sich bis zu 350 Personen. Anmelder war ein Funktion\u00e4r der \"Sozialistischen Arbeitergruppe\" (SAG).","5 -Anhang II: Chronologie - 223 29/30. Mai Brandanschl\u00e4ge der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) auf neun hochwertige Kraftfahrzeuge an sechs Tatorten in Berlin-Kreuzberg, -Neuk\u00f6lln und -Sch\u00f6neberg. Durch \u00fcbergreifende Flammen wurden drei weitere Fahrzeuge, die in unmittelbarer N\u00e4he der Zielobjekte standen, ebenfalls erheblich besch\u00e4digt. Eine Taterkl\u00e4rung von KGK zu den Anschl\u00e4gen wurde in der \"INTERIM\", Nr. 299, vom 15. September, ver\u00f6ffentlicht. 4. Juni Gedenkfeier marxistisch-leninistischer und sonstiger revolution\u00e4r-marxistischer Parteien und Gruppen aus Anla\u00df des Todes Erich HONECKERs. Zu der Veranstaltung auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde (Berlin-Lichtenberg), an der etwa 350 Personen teilnahmen, hatte die \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD) - Sitz Berlin - aufgerufen. 10. Juni Demonstration unter dem Motto \"Die besetzten H\u00e4user Marchstra\u00dfe/Einsteinufer bleiben\". Der Aufzug, an dem sich bis zu 250 Personen beteiligten, f\u00fchrte vom U-Bahnhof Spichemstra\u00dfe (Berlin-Wilmersdorf) in den Bereich Marchstra\u00dfe/Einsteinufer (Berlin-Charlottenburg). Bei den Demonstranten handelte es sich \u00fcberwiegend um dem autonomen Spektrum zuzurechnende Personen. 17. Juni Informationsveranstaltung zu den Vorg\u00e4ngen in Bad Kleinen um die RAF-Terroristen HOGEFELD und GRAMS. Hierzu hatten sich im Audimax der Technischen Universit\u00e4t Berlin bis zu 350 Personen versammelt. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes sowie Autonome. Die Rechtsanw\u00e4lte der inhaftierten Birgit HOGEFELD bzw. der Eltern des zu Tode gekommenen Wolfgang GRAMS stellten die Festnahmeaktion aus ihrer Sicht dar.","5 - Anhang II: Chronologie - 224 3. Juli Gewaltt\u00e4tige Demonstration in Berlin-Friedrichshain Anl\u00e4\u00dflich einer Spontandemonstration in der Frankfurter Allee kam es zu zahlreichen Sachbesch\u00e4digungen, dabei wurden Schaufensterund Fensterscheiben mit Steinen eingeworfen. In der schriftlichen Taterkl\u00e4rung einer \"Schwarze(n) Horde Friedrichshain\", die in der autonomen Szeneschrift \"INTERIM\", Nr. 294, vom 14. Juli, ver\u00f6ffentlicht wurde, hei\u00dft es dazu: \"Unsere Wut und Trauer ueber den Bullenmord an dem 16-jaehrigen kurdischen Jungen in Hannover ist riesengro\u00df. Er wurde abgeknallt, weil das Leben eines Kurden dem BRDStaat nichts zaehlt.\" Und weiter: \"Der groe\u00dfte Terrorist ist der BRD-Staat, NVA-Panzer in der Tuerkei, Abschiebungen, der Mord in Hannover - Die Kurdistan-Politik der BRD ist Mordpolitik.\" 5. Juli Brandanschlag autonomer Kreise auf Pkw BMW mit Wiener Kennzeichen in Berlin-Kreuzberg. Es entstand Totalschaden. In der autonomen Szeneschrift \"INTERIM\"; Nr. 294, vom 14. Juli, rechtfertigen die Verantwortlichen die Aktion als Ausdruck ihres Protestes gegen den \"Wirbel um die Fu\u00dfballweltmeisterschaft\". 5. Juli Brandanschlag auf Pkw Daimler Benz in Berlin-Friedrichshain. An dem Fahrzeug entstand Totalschaden. Durch den Brand wurde ein daneben geparkter Pkw VW-Golf ebenfalls erheblich besch\u00e4digt. 6. Juli Veranstaltung des Blattes \"GEGENSTANDPUNKT - Politische Vierteljahreszeitschrift\" der \"Marxistischen Gruppe\" (MG) im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg. Etwa 35 Personen nahmen teil. Thema war \"Korea - ein atomarer Fall von Weltordnung\". 7.-12. Juli Anschl\u00e4ge autonomer Antifaschisten auf das Eigentum \"faschistischer Rechtsanw\u00e4lte\". In einer Taterkl\u00e4rung, die am 12. Juli bei der Tageszeitung \"DER TAGESSPIEGEL\" einging und auch in der autonomen Szeneschrift \"INTERIM\", Nr. 294, vom 14. Juli, ver\u00f6ffentlicht","5 - Anhang II: Chronologie - 225 wurde, bekennen sich \"Autonome Gruppen 'Emil Wendland'\" zu verschiedenen Anschl\u00e4gen auf Praxisr\u00e4ume und Privatgrundst\u00fccke dreier Rechtsanw\u00e4lte. Diesen wird die Verteidigung von Rechtsextremisten, notarielle Dienste f\u00fcr rechtsextremistische Organisationen bzw. ihre Funktion als \"Drahtzieher im braunen Netz Berlins\" vorgehalten. 8. Juli Brandanschlag vermutlich autonomer Kreise auf Pkw Daimler Benz in Berlin-Neuk\u00f6lln. Das Fahrzeug wurde erheblich besch\u00e4digt. 8. Juli Solidarit\u00e4tsaktion f\u00fcr fr\u00fchere RAF-Terroristin in Berlin-Kreuzberg. Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes befestigten anl\u00e4\u00dflich des 22. Jahrestages der Inhaftierung Irmgard M\u00d6LLERs zwei Plakate an einer Br\u00fccke der Adalbertstra\u00dfe am Kottbusser Tor. Ein Plakat trug das Portrait M\u00d6LLERs sowie den Slogan \"22 Jahre Vernichtungshaft - Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen\". 9. Juli Veranstaltung Autonomer zum Thema \"Berlin-Metropole des Widerstands oder der Bonzen - Bullen - Beamten?\". Aufgerufen hatten u. a. das \"Anti-Olympia-Komitee\" (AOK) und die Gruppierung \"Der Umzug platzt\" (dup). In der Szene-Kneipe \"KIM\" im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg versammelten sich ca. 200 Personen. 16. Juli Veranstaltung zum Thema \"Berlin - Metropole des Widerstands oder der Bonzen - Bullen - Beamten?\". Ca. 200 Personen kamen in der Szene-Kneipe \"KIM\" im Mehringhof in Berlin-Kreuzberg zusammen. Inhaltlicher Schwerpunkt waren die Unruhen in Frankreich w\u00e4hrend der 80er Jahre und im M\u00e4rz 1994. 22723. Juli Farbeierw\u00fcrfe auf die Fassade eines Restaurants in BerlinKreuzberg. Eine Taterkl\u00e4rung der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) wurde dem Restaurant zugesandt.","5 - Anhang II: Chronologie - 226 2. August Demonstration zum Thema \"Freiheit f\u00fcr Irmgard M\u00f6ller\". An der von Angeh\u00f6rigen des Berliner RAF-Umfeldes initiierten Demonstration\" unter dem Motto \"Solidarit\u00e4t mit dem Hungerstreik\" vom Alexanderplatz zum Rosehthaler Platz (BerlinPrenzlauer Berg), beteiligten sich bis zu 200 Personen, darunter Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes, der \"Koten Hilfe\" (RH), der \"Partei des Demokratische Sozialismus\" (PDS) sowie Autonome. 10. August Anschl\u00e4ge Autonomer auf Lkw und Baufirma. Ein Brandanschlag richtete sich gegen den Lkw einer Installationsfirma in Berlin-Friedrichshain. Vermutlich die gleichen T\u00e4ter schlugen in Berlin-Reinickendorf die Fensterscheiben einer Baufirma ein und versch\u00fctteten Butters\u00e4ure. In einer Taterkl\u00e4rung, ver\u00f6ffentlicht im autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 198, vom 8. September, bekennt sich eine Gruppe \"ASS (Autonomer Sicherheitsdienst Solidaritad [sic!]) Sektion Freundlnnen/Unterst\u00fctzerlnnen der Palli\" zu den Taten. Wie die Schreiber erkl\u00e4ren, seien die Aktionen eine Antwort auf die versuchte R\u00e4umung eines besetzten Hauses in der Palisadenstra\u00dfe (Berlin-Friedrichshain) am 6. Juni. Der gesch\u00e4digte Lkw-Besitzer, Eigent\u00fcmer des Hauses, solle damit gezwungen werden, \u00fcber die von ihm veranla\u00dfte R\u00e4umungsaktion nachzudenken. 12. August Fehlgeschlagener Anschlag vermutlicher Autonomer auf Pkw Jaguar in Berlin-Sch\u00f6neberg. Aus nicht bekannter Ursache z\u00fcndete der Brandsatz nicht. 13. August \"Anti-He\u00df-Demonstration\" von der Sch\u00f6nhauser Allee (BerlinPrenzlauer Berg) zum Brunnenplatz (Berlin-Wedding). An dem Aufzug unter dem Motto \"AKTION '94 - DIE FASCHISTENSTRUKTUREN AUFDECKEN UND ANGREIFEN\" beteiligten sich ca. 500 Personen, \u00fcberwiegend Autonome, u. a. aus G\u00f6ttingen. Auch Anh\u00e4nger der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) und Trotzkisten nahmen teil.","5 - Anhang II: Chronologie - 227 26. August Brandanschlag Autonomer auf Pkw Daimler Benz Cabrio in Berlin-Kreuzberg. Es entstand Totalschaden. Zu dem Anschlag ver\u00f6ffentlichte das autonome Szene-Blatt \"INTERIM\", Nr. 298, vom 8. September, die Taterkl\u00e4rung eines \"Wagensportclubs Autonomer Feierabend, Gruppe technische Erneuerung\". U. a. hei\u00dft es darin, man habe unter Einsatz der von \"Klasse gegen Klasse\" ver\u00f6ffentlichten Zeitverz\u00f6gerungstechnik eine \"100 000 DM teure 'Bonzenschleuder' in ein qualmendes Wrack verwandelt\". Die Selbstbezichtigung endet u. a. mit der Parole: \"Gegen die Hauptstadt\". 1. September \"REBELL'-Demonstration aus Anla\u00df des Antikriegstages. Der Aufzug des Jugendverbandes der \"Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) unter dem Motto \"Keine deutschen Truppen ins Ausland\" f\u00fchrte vom Rathaus Neuk\u00f6lln zum Mariannenplatz (Berlin-Kreuzberg). Es beteiligten sich bis zu 70 Personen. 8. September St\u00f6rversuche gegen den \"Gro\u00dfen Zapfenstreich\" der Bundeswehr zur Verabschiedung der Alliierten aus Berlin. Maximal 400 Personen versammelten sich in der n\u00e4heren Umgebung des Veranstaltungsortes am Pariser Platz, um gegen die Zeremonie zu demonstrieren. Unter den Demonstranten befanden sich zahlreiche Autonome und Angeh\u00f6rige des RAFUmfeldes. Versuche, zum Veranstaltungsort vorzudringen, wurden durch massiven Polizeieinsatz verhindert. Mehr als 70 Personen nahmen die Ordnungsh\u00fcter vorl\u00e4ufig fest. 9. September Kundgebung zum Thema \"Aktionskette Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen\". An der von Angeh\u00f6rigen des Berliner RAF-Umfeldes initiierten Protestaktion auf dem Alexanderplatz beteiligten sich bis zu 100 Personen. Im Mittelpunkt stand die Forderung nach der \"Freilassung von Irmgard M\u00f6ller\". 10. September Sprengstoffanschlag der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) auf das Haus eines Immobilienmaklers in BerlinZehlendorf.","5 - Anhang II: Chronologie - 228 Unbekannte T\u00e4ter brachten am Wintergarten des Geb\u00e4udes einen Sprengsatz zur Explosion. Dabei wurden zwei Sicherheitsglasfenster sowie die Fenstereinfassungen zerst\u00f6rt. In der autonomen Szenezeitschrift \"INTERIM\", Nr. 299, vom 15. September, bekennt sich KGK zu der Tat. In der Tatbekennung wird auf angebliche \"Spekulationsgesch\u00e4fte bzw. Vermieterpraktiken des Gesch\u00e4digten in Berlin-Neuk\u00f6lln verwiesen. Am 12. September erhielten zwei durch KGK fr\u00fcher gesch\u00e4digte Personen und ein Redakteur der taz gleichlautende Tatbekennungen. 11. September \"Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus\". Zahlreiche Parteien, Gruppierungen und Vereinigungen, darunter die \"Deutsche Kommunistische Partei\" (DKP), die \"Kommunistische Partei Deutschlands\" (KPD), die \"Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands\" (MLPD) und die \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) sowie autonome Antifa-Gruppen f\u00fchrten im Lustgarten (Berlin-Mitte) unter dem Motto \"Keine Nazis in die Parlamente!\" den \"5. Tag der Erinnerung, Mahnung und Begegnung\" durch. Aufgerufen dazu hatte ein \"Vorbereitungskreis 11. September 1994\". An Info-St\u00e4nden wurden Zeitungen, Flugbl\u00e4tter und sonstiges Informationsmaterial angeboten, auf B\u00fchnen fanden u. a. Diskussionsrunden und politisches Kabarett statt. 14. September Anschlag autonomer Kreise auf einen Golfplatz in Motzen (Brandenburg). Die T\u00e4ter zerw\u00fchlten die Rasenfl\u00e4chen des \"Berliner Golfund Country Clubs\". Zus\u00e4tzlich verunreinigten sie das Gel\u00e4nde mit \u00d6l. In einer an die Nachrichtenagentur dpa gerichteten Taterkl\u00e4rung bekennt sich eine Gruppierung \"Volkssport Bernhard Langer - Autonome -\" zu dem Anschlag. U. a. hei\u00dft es darin: \"Nicht nur in der neuen Hauptstadt, sondern auch in ihrem Freizeitparks m\u00fcssen wir ihnen das Leben schwer machen, wenn Berlin nicht die Stadt der Reichen, Spekulanten und der Regierungsmafia werden soll.\"","5 - Anhang II: Chronologie - 229 Das Anschlagsziel, die Tatausf\u00fchrung und die fast gleichlautende Gruppenbezeichnung lassen auf denselben T\u00e4terkreis schlie\u00dfen, der bereits am 28. April am Vereinsgel\u00e4nde \u00e4hnliche Sch\u00e4den angerichtet hatte. 16. September Auftaktveranstaltung zu den \"Solidarit\u00e4tstagen\" f\u00fcr die Inhaftierten im \"Fall KAINDL\". Zu der Veranstaltung in einem Raum der Technischen Universit\u00e4t Berlin (Berlin-Charlottenburg) waren ca. 500 Teilnehmer erschienen. Bei den Anwesenden handelte es sich \u00fcberwiegend um Personen, die dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen sind, darunter f\u00fchrende Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes und der autonomen Szene. Auf dem Podium sa\u00df u. a. eine Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes sowie ein Verteidiger der Inhaftierten. W\u00e4hrend der Veranstaltung wurden ein Film \u00fcber den \"Fall KAINDL\" gezeigt und themenbezogene Vortr\u00e4ge gehalten. Die Abschlu\u00dfrede hielt die RAF-Anh\u00e4ngerin. 19. September \"Internationaler Aktionstag\" zur Unterst\u00fctzung der Inhaftierten im \"KAINDL-Proze\u00df\" mit Protestaktionen vor deutschen Einrichtungen, Botschaften, Konsulaten, Handelskammern oder Konzernen au\u00dferhalb der Bundesrepublik. Hierzu war ein Aufruf in deutscher, englischer und franz\u00f6sischer Sprache an Gruppen und Einzelpersonen in 16 L\u00e4nder versandt worden. Vor der deutschen Botschaft in Paris demonstrierten ca. 50 Personen. Etwa 30 Personen besetzten kurzzeitig das Goethe-Institut in Lyon. Friedliche Aktionen gab es in Genf und Barcelona; bei Aktionen in Z\u00fcrich und Tarragona kam es zu Farbschmierereien. 19. September \"Kiezdemonstration\" in Berlin-Kreuzberg anl\u00e4\u00dflich des bevorstehenden \"KAINDL-Prozesses\". Der Aufzug f\u00fchrte mit ca. 1 200 Teilnehmern von der Oranien-/ Adalbertstra\u00dfe zum Schlesischen Tor. \u00dcberwiegend setzte sich die Teilnehmerschaft aus Autonomen zusammen. Ferner waren Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes sowie ca. 150 T\u00fcrken,","5 - Anhang II: Chronologie - 230 darunter Angeh\u00f6rige der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L), beteiligt. Anh\u00e4nger der \"Revolution\u00e4ren Kommunisten BRD\" (RK) versuchten, die Polizei u. a. durch Pfiffe zu provozieren. Im Vorfeld der Demonstration kam es zu zwei vorl\u00e4ufigen Festnahmen wegen Waffenbesitzes; dabei wurden ein Schreckschu\u00dfrevolver und ein Wurfstern festgestellt. 20. September Protestaktionen anl\u00e4\u00dflich des ersten Proze\u00dftages im sog. KAINDL-Proze\u00df in Berlin-Tiergarten. An einer Kundgebung mit anschlie\u00dfender Demonstration, die vom Landgericht zur Turmstra\u00dfe (Kaufhaus Hertie) f\u00fchrte, beteiligten sich bis zu 300 Personen, \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rige der autonomen Szene. 20. September Informationsund Diskussionsveranstaltung \"zum Auftakt des KAINDL-Prozesses gegen 7 t\u00fcrkische, kurdische und deutsche Antifaschistinnen mit Internationalen Proze\u00dfbeobachterinnen\". Veranstaltungsort war die Humboldt-Universit\u00e4t Berlin (BerlinMitte). Es beteiligten sich ca. 400 Personen, darunter Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes sowie zahlreiche Autonome. \u00dcbereinstimmend wurde in allen Redebeitr\u00e4gen festgestellt, da\u00df es sich um einen \"politischen Proze\u00df\" gegen Personen handele, die sich lediglich antifaschistisch und antirassistisch engagiert h\u00e4tten. 23. September Brandanschlag der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) auf den Pkw Audi 100 einer Projektierungsgesellschaft des ehemaligen Regierenden B\u00fcrgermeisters von Berlin, Walter MOMPER, in Berlin-Kreuzberg. Der Wagen brannte v\u00f6llig aus. Eine Taterkl\u00e4rung von KGK zu dem Anschlag wurde in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\"; Nr. 301, vom 29. September, ver\u00f6ffentlicht. 29. September Brandanschlag vermutlicher Autonomer auf Pkw Daimler Benz 600 in Berlin-Friedrichshain. Der Pkw brannte im vorderen Bereich v\u00f6llig aus.","5 -Anhang II: Chronologie231 3. Oktober Demonstration gegen die \"Vereinigung Deutschlands\" und gegen die Feierlichkeiten anl\u00e4\u00dflich des 50. Geburtstages von Weltbank und Internationalem W\u00e4hrungsfonds (IWF) vom 4. bis 6. Oktober in Madrid/Spanien. Der Aufzug mit ca. 1 500 Teilnehmern f\u00fchrte von der Friedrichstra\u00dfe am fr\u00fcheren \"Checkpoint-Charlie\" (Berlin-Kreuzberg) zur Humboldt-Universit\u00e4t (Berlin-Mitte). Zum \u00fcberwiegenden Teil waren die Teilnehmer den Autonomen zuzurechnen, dar\u00fcber hinaus beteiligten sich Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes und Anh\u00e4nger der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD) an der Demonstration. Zu Zwischenf\u00e4llen kam es auf der Stra\u00dfe Unter den Linden (Berlin-Mitte), als Demonstrationsteilnehmer versuchten, Wahlplakate der Partei \"Die Republikaner\" (REP) von Laternenmasten zu entfernen. Dabei wurden einige Personen vorl\u00e4ufig festgenommen. Im Anschlu\u00df an die Kundgebung fanden sich ca. 150 Autonome auf dem Alexanderplatz (Berlin-Mitte) ein. Bei der Versammlung wurden dort aufgestellte Wahlplakate verschiedener Parteien zerst\u00f6rt. Die Polizei l\u00f6ste die Zusammenkunft auf, dabei kam es wiederum zu einigen vorl\u00e4ufigen Festnahmen. 8. Oktober Demonstration gegen \"Rassismus und Faschismus\" unter dem Motto: \"Keine Faschistinnen und Rassistinnen in die Parlamente - Wahlen \u00e4ndern nix (sic!) - Organisiert Euch selbst!\". Ca. 2 000 Personen marschierten vom Hermannplatz (BerlinNeuk\u00f6lln) zum Gendarmenmarkt (Berlin-Mitte) Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Autonome, Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes und Anh\u00e4nger der \"Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands\" (MLPD). 16. Oktober Veranstaltung im \"Haus der Demokratie\" in Berlin-Mitte zur Freilassungskampagne f\u00fcr die ehemalige RAF-Terroristin Irmgard M\u00d6LLER bzw. zum Proze\u00df gegen die \"inhaftierten Antifaschisten im Fall Kaindl\". Es beteiligten sich etwa 40 Personen, \u00fcberwiegend autonome \"Antifas\" sowie einige Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes.","5 -Anhang II: Chronologie - 232 Die Teilnehmer diskutierten u. a. den bisherigen Verlauf beider \"Solidarit\u00e4tskampagnen\". Man rief au\u00dferdem dazu auf, zahlreich zu den Proze\u00dfterminen zu erscheinen und sich den Aktivit\u00e4ten am 18. Oktober anzuschlie\u00dfen. 17. Oktober Brandanschlag vermutlicher Autonomer auf Pkw Daimler Benz Cabrio in Berlin-Neuk\u00f6lln. Es entstand Totalschaden. 18. Oktober Demonstration im Rahmen der Kampagne f\u00fcr die ehemalige RAF-Terroristin Irmgard M\u00d6LLER. An dem Aufzug, der vom Adenauerplatz (Berlin-Wilmersdorf) zum Breitscheidplatz f\u00fchrte, nahmen maximal 270 Personen teil, darunter Angeh\u00f6rige des Berliner RAF-Umfeldes sowie der autonomen Antifa-Szene. Auf der Abschlu\u00dfkundgebung wurde erneut die sofortige und bedingungslose Freilassung der Inhaftierten gefordert und auf den 17. Jahrestag der kollektiven Selbstt\u00f6tung der \"RAFInhaftierten\" Andreas BAADER, Gudrun ENSSLIN und Jan Carl RASPE in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim hingewiesen. Nach Abschlu\u00df der Demonstration versammelten sich vor der Untersuchungsund Haftanstalt Moabit (BerlinTiergarten) im Rahmen der \"Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr die inhaftierten Antifaschisten im Fall Kaindl\" ca. 70 Personen zu einer Kundgebung unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr die Antifas\". 21./28. Oktober Brandanschl\u00e4ge der Gruppe \"KLASSE GEGEN KLASSE\" (KGK) in Berlin-Kreuzberg. Am 21. Oktober verursachte ein Anschlag auf einen Pkw erheblichen Sachschaden. Ein weiterer Brandanschlag am 28. Oktober auf einen Pkw unweit der \"Polizei-Kaserne\", scheiterte. Am 7. November ging bei der Redaktion der \"Berliner Zeitung\" ein Selbstbezichtigungsschreiben von KGK ein, in dem sich die Gruppe zu den Brandanschl\u00e4gen bekennt. Im ersten Fall wird die gesch\u00e4digte Person als Verr\u00e4terin bezeichnet, da sie gegen\u00fcber den \"Bullen\" Angaben \u00fcber \"KGK\" gemacht und somit Observationen, Durchsuchungen etc. ausgel\u00f6st habe.","5 -Anhang II: Chronologie - 233 Den zweiten Gesch\u00e4digten greifen die unbekannten Verfasser wegen seiner Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeit um den Ausbau und Verkauf von Dachgescho\u00dfwohnungen an. 7. November Brandanschlag auf einen Pkw Audi 80 quattro in BerlinKreuzberg. Es entstand geringer Sachschaden. 7. November Brandanschlag vermutlicher Autonomer auf einen Bagger in Berlin-Kreuzberg. Das F\u00fchrerhaus der auf einer Baustelle abgestellten Maschine wurde besch\u00e4digt. 8. November Brandanschlag vermutlicher Autonomer auf einen Pkw Mercedes in Berlin-Sch\u00f6neberg. Durch den Brand wurde ein Schaden von ca. 185 000 DM verursacht. 8. November Beginn einer Veranstaltungsreihe der \"Brosch\u00fcrengruppe\" im Audimax der Technischen Universit\u00e4t Berlin zum Thema \"Heute noch f\u00fcr die Revolution k\u00e4mpfen?\". An der Veranstaltung nahmen ca. 130 Personen teil. 9. November Versuchte Brandanschl\u00e4ge anl\u00e4\u00dflich des 20. Todestages des RAF-Terroristen Holger MEINS. An einem Kfz-Stellplatz im Bereich des Polizei-Abschnitts 25 in Berlin-Wilmersdorf entdeckten Polizeiangeh\u00f6rige eine Sprengund Brandvorrichtung, die offensichtlich zur Zerst\u00f6rung eines Funkstreifenwagens deponiert worden war. Am selben Tage wurde vor dem Hauptportal des Amtsgerichts Lichtenberg an der Holzt\u00fcr stehend ein brennender Autoreifen festgestellt, den eine Funkstreifenwagenbesatzung l\u00f6schte. Zu dem Anschlag auf den Funkstreifenwagen ging am 10. November bei der Nachrichtenagentur dpa und der Redaktion der \"Berliner Zeitung\" ein Selbstbezichtigungsschreiben ein. Unter der \u00dcberschrift \"Holger, der Kampf geht weiter\" wird zum 20. Todestag des am 9. November 1974 im Gef\u00e4ngnis Wittlich an den Folgen eines Hungerstreiks verstorbenen RAFMitgliedes Holger MEINS Stellung genommen.","5 - Anhang II: Chronologie - 234 Gleichzeitig mit dieser Selbstbezichtigung erhielten die \"Berliner Zeitung\" und die dpa sowie zus\u00e4tzlich auch \"Der Tagesspiegel\" ein weiteres Bekennerschreiben. Unter der \u00dcberschrift \"Gegen das Vergessen - Aktion zum 20. Jahrestag der Ermordung von Holger Meins\" geht es in diesem Schreiben um die versuchte Brandstiftung in Berlin-Lichtenberg. 9. November Protestaktionen in den Mittagsund Abendstunden anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnung der Oberbaumbr\u00fccke (Berlin-Kreuzberg und -Friedrichshain). Der offizielle Festakt am Mittag wurde durch Knallk\u00f6rperund Farbbeutelw\u00fcrfe sowie Pfiffe erheblich gest\u00f6rt, nachdem es Demonstranten gelungen war, sich mit vermutlich gef\u00e4lschten Einladungskarten unter die G\u00e4ste zu mischen. Insgesamt beteiligten sich etwa 800 Personen an den Protestaktionen; die Polizei nahm 18 mutma\u00dflich Beteiligte vorl\u00e4ufig fest. Abends kam es nach einem angemeldeten Aufzug, an dem etwa 2 000 Personen teilgenommen hatten, zu gewaltt\u00e4tigen Aktionen. Etwa 350 bis 400 Randalierer entz\u00fcndeten pyrotechnische Gegenst\u00e4nde, warfen mit Flaschen, Steinen und Farbbeuteln und errichteten Hindernisse auf der Fahrbahn. Die Polizei nahm f\u00fcnf Personen vorl\u00e4ufig fest. 9. November Demonstration der \"Antifaschistischen Initiative Moabit\" (AIM) anl\u00e4\u00dflich des 56. Jahrestages der Pogromnacht (\"Reichskristallnacht\") unter dem Motto \"WIR VERGESSEN NICHT. WIR VERGEBEN NICHT\". An dem Aufzug, der in der Turmstra\u00dfe begann und auf der Putlitzbr\u00fccke (Berlin-Moabit) endete, beteiligten sich bis zu ca. 600 Personen, darunter etwa 200 Autonome. Vor der Untersuchungsund Aufnahmehaftanstalt Moabit wurde eine Zwischenkundgebung mit Gr\u00fc\u00dfen an die Gefangenen abgehalten. An der Abschlu\u00dfkundgebung nahmen noch ca. 150 Personen teil.","5 - Anhang II: Chronologie - 235 16. November Veranstaltung der \"Brosch\u00fcrengruppe\" im Versammlungsraum des Mehringhofs in Berlin-Kreuzberg zum Thema \"Welche Lehren ziehen wir aus der Geschichte der RAF?\". An der Veranstaltung nahmen ca. 100 Personen teil, darunter Angeh\u00f6rige des RAF-Umfeldes und Autonome. 26. November Fahrradaufzug zum Thema \"Kiezradeln gegen Nazi-Presse\" durch die Bezirke Kreuzberg und Neuk\u00f6lln auf Initiative des \"Antifa-Cafe-Wedding\". F\u00fcr die Demonstration war in dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 309, vom 24. November, geworben worden. Es beteiligten sich ca. 30 Personen. 2. Dezember Brandanschlag auf Sattelzugmaschine der Firma ALBA in Berlin-Neuk\u00f6lln. Die Zugmaschine wurde im Bereich des Motors und des F\u00fchrerhauses stark besch\u00e4digt. 3. Dezember Schulungsveranstaltung der \"Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands\" (SpAD) zum Thema \"F\u00fcr den Kommunismus von Lenin und Trotzki\". Im \"Linkstreff\" in Berlin-Wedding waren etwa 15 Teilnehmer erschienen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Schulungsreihe \"Staat und Revolution\" statt. 9. Dezember Brandanschl\u00e4ge autonomer Gewaltt\u00e4ter auf zwei Kraftfahrzeuge. In den fr\u00fchen Morgenstunden wurde ein Pkw in BerlinWilmersdorf in Brand gesetzt. Der gesch\u00e4digte Fahrzeugbesitzer ist Eigent\u00fcmer eines Mietshauses in Berlin-Kreuzberg, wo dessen Schwiegervater einen Elektrohandel und eine Hausverwaltung betreibt. Ein zu diesem Gesch\u00e4ft geh\u00f6riger VW-Bus wurde in der gleichen Nacht ebenfalls angez\u00fcndet. Am 10. Dezember ging bei der Tageszeitung \"Berliner Morgenpost\" eine mit \"Autonome Gruppen\" gezeichnete Tatbekennung zu beiden Brandanschl\u00e4gen ein, die in der autonomen Szenezeitschrift \"INTERIM\", Nr. 312, vom 15. Dezember, mit dem Zusatz \"Volkssport wegen Abendrot\" abgedruckt wurde. In der","5 - Anhang II: Chronologie - 236 Bekennung wird den Gesch\u00e4digten Spekulantentum im Zusammenhang mit der Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen vorgeworfen. Zudem drohe der \"Kiezkneipe Abendrot\", die sich ebenfalls in dem Mietshaus befindet, die Zwangsr\u00e4umung. 10. Dezember Beteiligung Berliner Autonomer an bundesweiter \"Antifaschistischer Demonstration\" in Zittau (Sachsen). Aus Berlin reisten autonome \"Antifas\" mit zwei Bussen und privaten Pkw an. Zu dem Aufzug hatten die Antifa-G\u00f6rlitz und -Dresden mobilisiert. Anla\u00df war der Tod eines der Antifa nahestehenden Jugendlichen durch einen jungen Mann, der sich selbst als Nationalist bezeichnet. Zur Teilnahme an der Demonstration, an der sich insgesamt etwa 300 Personen beteiligten, hatte auch die dem autonomen Spektrum zuzurechnende Berliner Gruppe \"F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung\" (F.e.l.S.) aufgerufen. 10. Dezember Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen aus der autonomen und der \"rechten\" Szene auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin-Marzahn. Zu den Handgreiflichkeiten kam es w\u00e4hrend eines sog. antifaschistischen Weihnachtsmarktbummels. Nachmittags zogen ca. 120 Autonome vom S-Bahnhof Marzahn in Richtung Weihnachtsmarkt an der Marzahner Promenade. Die Demonstranten f\u00fchrten Plakate u.a. mit der Aufschrift \"Jugend gegen Rassismus in Europa\" mit sich und verteilten Flugbl\u00e4tter. Nach dem Erreichen des Weihnachtsmarktes wurde von den Demonstrationsteilnehmern Jagd auf vermutete \"Rechte\" gemacht. Aus dem Gleisbett einer Stra\u00dfenbahn bewaffneten sich ca. 50 Personen mit Steinen, mit denen sie dann auf Polizeikr\u00e4fte warfen. Von 21 Personen wurden die Personalien festgestellt, 12 \"Rechte\" wurden in Verbringungsgewahrsam genommen. 14. Dezember Raub\u00fcberfall Autonomer auf Bekleidungsgesch\u00e4ft in BerlinKreuzberg. Ca. 10 m\u00e4nnliche T\u00e4ter mit aufgesetzten Sturmhauben betraten den Verkaufsraum des Bekleidungsgesch\u00e4ftes. Sie verteil-","5 - Anhang II: Chronologie - 237 ten sich im Gesch\u00e4ft und begannen das Ausr\u00e4umen de* Regale mit den Worten \"Dies ist eine Umverteilungsaktion\". Insgesamt wurden Bekleidungsgegenst\u00e4nde im Gesamtwert von ca. 15 000 DM aus dem Gesch\u00e4ft geraubt. In dem autonomen Szeneblatt \"INTERIM\", Nr. 313, vom 22. Dezember, erkl\u00e4ren die unbekannten T\u00e4ter zu ihrem Vorgehen u. a.: \"'... haben wir ... den Klamottenladen ... ein wenig enteignet und uns mit allerlei warme Kleidung mitgenommen (sic!). Wir k\u00f6nnen es uns nicht leisten, all diese Kleider (Jacken f\u00fcr z.B. 700-800 DM) legal zu erwerben. Aber es geht ja auch anders!!!\" 31. Dezember \"Silvester-Knast-Demonstration\" unter dem Motto \"F\u00fcr eine herrschaftsfreie Gesellschaft\". Der Aufzug begann in der Marchstra\u00dfe (Berlin-Charlottenburg) und f\u00fchrte zur Untersuchungshaftanstalt Moabit bzw. zur Justizvollzugsanstalt f\u00fcr Frauen, ebenfalls in Moabit. F\u00fcr die Demonstration war u. a. auf der R\u00fcckseite der autonomen Szenezeitschrift \"INTERIM\", Nr. 313, vom 22. Dezember, geworben worden. Der Zug begann mit ca. 100 Personen. Wie vorgesehen, teilte er sich hinter der Gotzkowskybr\u00fccke. Von dort liefen etwa 80 Personen in Richtung Untersuchungshaftanstalt Moabit und 30 Personen in Richtung Justizvollzugsanstalt f\u00fcr Frauen. An beiden Endpunkten der Demonstration hielt man Kundgebungen ab.","La","5 -Anhang II: Chronologie - 239 5.2 Rechtsextremismus 3 Januar Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung eines s\u00fcdafrikanischen Asylbewerbers in Berlin-Lichtenberg. Der Mann wurde von mehreren unbekannt gebliebenen Personen in volksverhetzender Weise beschimpft, mit F\u00fc\u00dfen getreten und mit Pflastersteinen beworfen. 3. Januar Eingang eines Drohschreibens einer Gruppe mit der Bezeichnung \"W.A.W. Wei\u00dfenseer Arischer Widerstand\" bei der Bezirksgesch\u00e4ftsstelle Wei\u00dfensee der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS). In dem Schreiben werden neben \"ASYLANTEN\" die PDS und deren Mitglieder massiv bedroht. W\u00f6rtlich hei\u00dft es u. a.: \"IN DEUTSCHLAND GIBT ES EINE NEUE PEST - LINKE LISTE PDS: ALLE WISSEN WAS FR\u00dcHER WAR - GYSI WAR DER NOTAR. SCHLAGT SIE TOT. SCHLAGT SIE TOT. SCHLAGT DIE KOMMUNISTEN TOT !!!!!\" 7. Januar Erneuter Eingang eines Drohbriefes gegen die \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) in der Parteigesch\u00e4ftsstelle Berlin-Wei\u00dfensee. Der Brief ist unterzeichnet mit \"W.A.W.\". 7. Januar Jahreshauptversammlung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 15 Personen in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Charlottenburg. 7. Januar Gewalt von Skinheads gegen\u00fcber einem Farbigen aus vermutlich rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in BerlinPrenzlauer Berg. Einige Skinheads riefen \"Jetzt kommt ein Neger!\" und forderten ihr Opfer auf, in einen von ihnen gebildeten Halbkreis zu treten. Bei der Aktion trat einer der T\u00e4ter mit seinem schwarzen Stiefel in den Unterleib des Opfers, das fliehen konnte.","5 - Anhang II: Chronologie - 240 15. Januar Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung zweier Passanten durch eine der Skinhead-Szene zuzuordnende Gruppe in Berlin-Tempelhof. Mitglieder der Gruppe spr\u00fchten, nachdem sie laut \"Heil Hitler\" gerufen hatten, einem Opfer Tr\u00e4nengas ins Gesicht. Das andere Opfer wurde mit Schl\u00e4gen ins Gesicht attackiert, zu Boden geworfen und mit F\u00fc\u00dfen getreten. Eine zur Hilfe eilende Person wurde ebenfalls mit Tr\u00e4nengas bespr\u00fcht. Anschlie\u00dfend fl\u00fcchteten die mit Bomberjacken bekleideten T\u00e4ter. 16. Januar Zusammenkunft von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in BerlinHohensch\u00f6nhausen. Auf der Veranstaltung wurden handtellergro\u00dfe FAP-Aufkleber mit der Parole \"Schluss mit der wachsenden \u00dcberfremdung! - Deutschland ist kein Einwanderungsland!\" verteilt. 18. Januar Mitgliederversammlung des Kreisverbandes Neuk\u00f6lln der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) mit etwa 15 Personen in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Neuk\u00f6lln. 18. Januar \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" mit etwa 75 Teilnehmern, darunter Angeh\u00f6rige neonazistischer Organisationen und Mitglieder der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD). 19. Januar Spontane Klebeaktion von Anh\u00e4ngern der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in BerlinMarzahn. Die T\u00e4ter klebten Handzettel mit der Aufschrift \"Verzicht ist Verrat\". 20. Januar Polizeiliche Wohnungsdurchsuchungen bei drei Berliner Anh\u00e4ngern der neonazistischen Gruppe \"Direkte Aktion / Mitteldeutschland\" (JF). In allen F\u00e4llen konnte die Polizei Schulungsund Propagandamaterial der am 27. November 1992 verbotenen neonazistischen \"Nationalistischen Front\" (NF) sowie Informations-","5 -Anhang II: Chronologie - 241 Schriften und Aufkleber des am 22. Juni 1993 angeblich selbst aufgel\u00f6sten \"F\u00f6rderwerkes Mitteldeutsche Jugend\" (FMJ) beschlagnahmen. 22. Januar \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Wedding mit etwa 70 Teilnehmern. 22. Januar Flugblattaktion der Kreisverb\u00e4nde Neuk\u00f6lln und Steglitz der \"Deutschen Volksunion\" (DVU). DVU-Mitglieder steckten mehrere hundert Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Die DVU im Bundeswie Europaparlament\" in Hausbriefk\u00e4sten. 22. Januar Verteilaktion des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Potsdam. FAP-Angeh\u00f6rige verteilten vor einer Kaufhalle die Berliner FAPPublikation \"Aufbruch\". Einige Exemplare wurden von der Polizei sichergestellt. Bei einer Person wurde ein Koppelschlo\u00df mit Hakenkreuz festgestellt. 23. Januar Zusammenkunft von etwa 50 Neonazis in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. 24. Januar Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung eines Italieners in Berlin-Pankow. Das Opfer wurde von vier unbekannten Personen beschimpft und mit F\u00e4usten geschlagen. 25. Januar Durchsuchungsaktion der Polizei bei drei Berliner Neonazis. Die Polizei stellte einen Personalcomputer mit Disketten sowie ein leeres Pistolenmagazin sicher. Bei einem der Neonazis wurde umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial beschlagnahmt. Auch wurden Flugbl\u00e4tter bzw. Disketten \u00fcber \"Ku-Klux-Klan\" und \"Anti-Antifa\" sowie Propagandamaterial der verbotenen \"Nationalistischen Front\" (NF) gefunden.","5 - Anhang II: Chronologie - 242 25. Januar Mitgliederversammlung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Steglitz, an der etwa 15 Personen teilnahmen. 29. Januar Au\u00dferordentliche Mitgliederversammlung des Vereins \"Die Nationalen e. V.\" - Landesverband Berlin-Brandenburg in einem Jugendclub in Elsterwerda (Brandenburg) mit etwa 30 Personen. 30. Januar Wahlkampfaktion des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in BerlinHohensch\u00f6nhausen. Anh\u00e4nger der FAP sammelten in Wohnh\u00e4usern in der n\u00e4heren Umgebung der Landsberger Allee Unterschriften f\u00fcr die FAPTeilnahme an den Europawahlen. Januar Bekanntwerden des Info-Blattes \"Bericht zur Lage\" (Nr. 4) vom Januar. Die in neonazistischen Kreisen verbreitete Schrift wird von dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der verbotenen \"Nationalistischen Front\" (NF), Meinolf SCH\u00d6NBORN, herausgegeben. 2. Februar Erneuter Eingang eines Drohschreibens einer Gruppe mit der Bezeichnung W.A.W. (\"Wei\u00dfenseer Arischer Widerstand\") in der Bezirksgesch\u00e4ftsstelle Wei\u00dfensee der \"Partei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS). In dem Schreiben hei\u00dft es u. a. \"Der Tag beginnt, der Sturm bricht los, nun schlagen wir Euch endlich tot\". 8. Februar Gemeinsame Informationsveranstaltung der Berliner Kreisverb\u00e4nde Wilmersdorf, Sch\u00f6neberg, Steglitz und Zehlendorf der Partei \"Die Republikaner\" mit ca. 60 Teilnehmern. 1 Dekade Februar Verbreitung einer weiteren Ausgabe der neonazistischen Schrift \"Natur Schutz=Denkzettel\", Nr. 7. Das Heft enth\u00e4lt -wie auch die vorangegangene Doppelausgabe vom November 1993 - massive antisemitische Hetze in Wort","5 - Anhang II: Chronologie - 243 und Bild. Die Schrift ruft zur Gewaltanwendung auf und gibt Anleitungen zum Bau von Autobomben. 13. Februar Versuchte Brandstiftung an einem D\u00f6ner-Imbi\u00df in BerlinPankow. Zwei Personen konnten festgenommen werden. 13. Februar Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen mit etwa 65 Teilnehmern, darunter Neonazis aus F\u00fcrstenwalde (Brandenburg). 13. Februar K\u00f6rperverletzung mit fremdenfeindlichen und antisemitischen \u00c4u\u00dferungen in Berlin-Prenzlauer Berg. Ein t\u00fcrkischer Taxifahrer wurde nach verbaler Auseinandersetzung von einem 34j\u00e4hrigen Mann mit der Faust ins Gesicht und mehrfach zu Boden geschlagen. Dabei verletzte er sich. W\u00e4hrend der Tathandlung beschimpfte der T\u00e4ter sein Opfer mit den Worten: \"Du Judensau! Die sind alle zu vergasen. Ich bin Deutscher, die Ausl\u00e4nder haben hier nichts zu suchen!\". Die Polizei stellte vor Ort die Personalien des T\u00e4ters fest. 16. Februar Polizeiliche Wohnungsdurchsuchungen bei 13 mutma\u00dflichen Berliner Neonazis wegen des Verdachts der Fortf\u00fchrung der verbotenen Organisationen \"Nationale Offensive\" (NO) und \"Nationalistische Front\" (NF). Bei 11 Beschuldigten f\u00fchrten die Ma\u00dfnahmen zum Auffinden von rechtsextremistischem Propagandamaterial der NO und NF. 16. Februar Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau. Vor etwa 80 Besuchern sprach der stellvertretende Vorsitzende der neonazistischen \"Nationalen Liste\" in Hamburg, Christian WORCH, zum Thema \"Ein Wort bewirkt mehr als 1 000 Sch\u00fcsse!\".","5 -Anhang II: Chronologie - 244 23. Februar Teilnahme zahlreicher Berliner Neonazis und Rechtsextremisten an einer gemeinsamen Vortragsveranstaltung des Vereins \"HOFFMANN-VON-FALLERSLEBEN-Bildungswerk e. V.\" und der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V\". An dem Treffen in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau beteiligten sich etwa 80 Personen. An einem bereitgestellten B\u00fcchertisch wurde diverses rechtsextremistisches Informationsund Propagandamaterial verteilt und teilweise verkauft. Dazu geh\u00f6rten die Zeitung \"BerlinBrandenburger\", Publikation des Landesverbandes BerlinBrandenburg der \"Nationalen e. V.\", das FAP-Informationsblatt f\u00fcr Mitteldeutschland \"Aufbruch\", die \"Remer-Depesche\" sowie die neonazistische Propagandaschrift \"Angriff. 26. Februar Propagandaaktion des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Bernau (Brandenburg). Mitglieder und Anh\u00e4nger der FAP verteilten im Zentrum Bernaus das FAP-Informationsblatt \"Aufbruch\". Nach Beendigung der Aktion wurden die Aktivit\u00e4ten in Berlin-Buch fortgesetzt. Februar Bekanntwerden der Januar/Februar-Ausgabe des neonazistischen Info-Blattes \"Rechtskampf - Die Stimme des juristischen Widerstandes\". 3. M\u00e4rz Propagandaaktion von Anh\u00e4ngern der neonazistischen Gruppe \"Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) in Berlin-Mitte. Die T\u00e4ter klebten an die W\u00e4nde des dort befindlichen Ausl\u00e4nderwohnheimes handtellergro\u00dfe Aufkleber mit schwarzem Hakenkreuz und der Parole \"Ausl\u00e4nder raus!\". 4. M\u00e4rz Einbruch und Hakenkreuzschmierereien in einer Kita in BerlinPrenzlauer Berg. 6. M\u00e4rz Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung unter \"Sieg-Heil!\"und \"Heil HitIer!\"-Rufen in einem BVG-Bus in Berlin-Mitte.","5 -Anhang II: Chronologie - 245 Einer BVG-Benutzerin wurde in einem Bus ein Bein gestellt (vermutlich von Skinheads), worauf sie st\u00fcrzte. Ein ihr zu Hilfe kommender Mann wurde mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten attackiert. Die T\u00e4ter konnten unerkannt entkommen. 6. M\u00e4rz Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung gegen\u00fcber zwei Farbigen aus vermutlich rassistisch motivierter Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in einem S-Bahn-Zug in Berlin-Prenzlauer Berg. Den Gesch\u00e4digten wurden die Worte \"Neger raus\" aus einer Gruppe von ca. sechs Personen zugerufen. Einer erhielt einen Schlag ins Gesicht. Das Opfer fragte nach dem Grund des Schlages und wurde daraufhin in die Rippe getreten. Drei T\u00e4ter konnten festgenommen werden. 6. M\u00e4rz K\u00f6rperverletzung nach Beleidigung durch Skinheads in BerlinHohensch\u00f6nhausen. F\u00fcnf Skinheads beleidigten in einer Stra\u00dfenbahn einen angolanischen Asylbewerber mit den Worten \"Neger, Neger, du schwarze Socke, verschwinde aus Deutschland, du Asylant\". Als der Beleidigte den Fahrer der Stra\u00dfenbahn um Hilfe bat, schlugen die T\u00e4ter das Opfer mit einem harten Gegenstand mehrfach auf den rechten Unterarm. Die Tatverd\u00e4chtigen wurden von der Polizei festgenommen. 11. M\u00e4rz Gr\u00fcndungsveranstaltung des Bezirksverbandes Berlin-Wedding der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) in einer Gastst\u00e4tte in BerlinWedding. 11. M\u00e4rz Sog. Forum des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 25 Teilnehmern in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Wilhelmshagen. 12. M\u00e4rz Teilnahme Berliner Neonazis an einer Interessentenveranstaltung des Vereins \"Die Nationalen e. V.\" in Lauchhammer (Brandenburg). Es beteiligten sich etwa 30 Personen. Vor der Veranstaltung fand eine Verteilaktion durch Angeh\u00f6rige des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheit-","5 - Anhang II: Chronologie - 246 liehen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in der Innenstadt von Cottbus (Brandenburg) statt. 18. M\u00e4rz Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau, an der etwa 110 Personen teilnahmen. Der \u00f6sterreichische Rechtsextremist Herbert SCHWEIGER referierte zum Thema \"Weltpolitik und Deutschlands Zukunft\". 19./20. M\u00e4rz Schulungsseminar der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" zum Thema \"Evolution des Wissens - Revolution der Politik\". Die zweit\u00e4gige Veranstaltung unter Leitung des \u00f6sterreichischen Rechtsextremisten SCHWEIGER fand in einer Gastst\u00e4tte in Bernau (Brandenburg) statt. Sie wurde von ca. 40 Personen, darunter zahlreichen Neonazis, besucht. 22. M\u00e4rz Polizeiliche Wohnungsdurchsuchung im Rahmen eines Verfahrens der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht Berlin gegen die Verfasser von drei Drohschreiben mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Textpassagen, die im Januar und Februar bei der PDS-Gesch\u00e4ftsstelle in Berlin-Wei\u00dfensee eingegangen waren. Bei den mutma\u00dflichen T\u00e4tern handelt es sich um eine 17j\u00e4hrige Jugendliche sowie um einen 20j\u00e4hrigen Mann. Bei der Durchsuchung wurden rechtsextremistisches Propagandamaterial sowie ein PC sichergestellt. 27. M\u00e4rz Kameradschaftsabend der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) unter Beteiligung zahlreicher Neonazis aus anderen Zusammenschl\u00fcssen. An der Zusammenkunft in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen beteiligten sich ca. 80 Personen, darunter Sympathisanten aus Brandenburg. 28. M\u00e4rz Anbringen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen im B\u00fcro des Direktors einer Grundschule in BerlinKreuzberg.","5 - Anhang II: Chronologie - 247 Die T\u00e4ter beschmierten w\u00e4hrend des Einbruchs die W\u00e4nde mit nationalsozialistischen Spr\u00fcchen und Hakenkreuzen Das B\u00fcro wurde verw\u00fcstet. 2. April Osterfeuer auf einem Grundst\u00fcck zwischen den Ortschaften J\u00e4nickendorf und Kolzenburg (Brandenburg). Unter den etwa 50 Teilnehmern, die vereinzelt Tarnanz\u00fcge der ehemaligen NVA trugen, befanden sich Neonazis. Einige Teilnehmer kamen aus Berlin. In der N\u00e4he des Feuers befand sich ein Pfahl mit einem schwarzen Tuch (ca. 1 x 1,5 m) ohne Zeichen oder Schriftz\u00fcge. Die Polizei war vor Ort. 3. April K\u00f6rperverletzung und Raub in Berlin-Pankow. Drei T\u00e4ter, vermutlich Skinheads, beschimpften zwei m\u00e4nnliche Personen mit den Worten \"Linke Zecken\", griffen ihre Opfer t\u00e4tlich an und raubten ein Pal\u00e4stinensertuch. Die Gesch\u00e4digten wurden in einem Krankenhaus ambulant behandelt. Die T\u00e4ter konnten unerkannt entkommen. 9. April Sachbesch\u00e4digung und Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Unbekannte T\u00e4ter riefen vor einem Wohnheim ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer in Berlin-Kaulsdorf die Parole \"Ausl\u00e4nder raus!\" sowie \"Heil Hitler!\". Anschlie\u00dfend stie\u00dfen sie mit einer Holzbohle mehrere Fensterscheiben ein. 9. April \"Ordentlicher Parteitag 1994\" der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). An der Veranstaltung auf der Havelinsel Lindwerder in BerlinZehlendorf beteiligten sich etwa 270 Personen. Aus dem Ausland war eine aus etwa 15 Personen bestehende Delegation der \"D\u00e4nischen Nationalsozialistischen Bewegung\" (DNSB) angereist. Zur Er\u00f6ffnung des Parteitages wurden FAP-Fahnen und die Standarten der einzelnen Landesverb\u00e4nde unter Trommelwirbel und Fanfarenkl\u00e4ngen hereingetragen. Der Berliner Landesvorsitzende Lars BURMEISTER er\u00f6ffnete den Parteitag und erteilte sogleich dem Parteivorsitzenden BUSSE das Wort. Die","5 -Anhang II: Chronologie - 248 ca. 100 stimmberechtigten FAP-Mitglieder w\u00e4hlten erneut BUSSE zum Vorsitzenden. Stellvertretender Vorsitzender wurde wieder Siegfried BORCHARDT aus Nordrhein-Westfalen. Abschlie\u00dfend \u00fcberreichte BUSSE vor den Teilnehmern des Parteitages mehreren Personen ihre Parteiausweise und erkl\u00e4rte sie zu Vollmitgliedern der FAP. In der N\u00e4he des Tagungsortes gingen Demonstranten gegen Fahrzeuge von Parteitagsteilnehmem vor. 17. April Brandanschlag militant-linksextremistischer Kreise auf das Kraftfahrzeug des Berliner Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM in Berlin-Wedding. Am Auto entstand Totalschaden. 17. April Kameradschaftsabend des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) mit etwa 60 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern in einem Restaurant in Berlin-Friedrichshain. Unter den Teilnehmern befand sich der FAPBundesvorsitzende Friedhelm BUSSE. 19. April Versuchte Brandstiftung an der \"Villa Freundschaft\" in BerlinWedding. Anl\u00e4\u00dflich eines Polizeieinsatzes wurde beobachtet, wie eine Person vor der Eingangst\u00fcr der \"Villa Freundschaft\" (SJD - Die Falken - Wedding -) eine Fl\u00fcssigkeit versch\u00fcttete. Der T\u00e4ter wurde festgenommen. Die Fl\u00fcssigkeit, die nach Diesel roch, wurde beseitigt. Es entstand nur geringer Sachschaden. 20. April Sachbesch\u00e4digung an dem Kfz eines T\u00fcrken in BerlinKreuzberg. Unbekannte kratzten auf die Kofferraumhaube des Pkw ein seitenverkehrtes Hakenkreuz und zerstachen alle vier Reifen. 20. April Verbreitung verfassungswidriger Kennzeichen aus Anla\u00df des 105. Geburtstages von Adolf HITLER. In den Berliner Bezirken Pankow, Spandau und Tempelhof wurden die Gru\u00dfformel \"Sieg Heil\" sowie Hakenkreuze an","5 - Anhang II: Chronologie - 249 W\u00e4nden von Schulen und Mietsh\u00e4usern festgestellt. Auch ein Verteilerkasten der Bewag wurde beschmiert. Einige der T\u00e4ter sollen nach Angaben von Zeugen zwischen 15 und 17 Jahre alt gewesen sein. 21. April R\u00e4uberische Erpressung durch Skinheads auf dem S-Bahnhof Springpfuhl (Berlin-Marzahn). Ein Jugendlicher wurde von mehreren Skinheads angesprochen und u. a. zur Herausgabe seines Geldes aufgefordert. Anschlie\u00dfend wurde dem Opfer mit der Faust ins Gesicht geschlagen. 22. April Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung in Berlin-Marzahn. , Ein vietnamesischer Staatsb\u00fcrger wurde von drei Personen, vermutlich Skinheads, mit Baseballschl\u00e4gern und einem Holzbrett mit N\u00e4geln mehrmals attackiert. Das Opfer erlitt eine Platzwunde am Kopf. 26. April Befestigung eines Transparentes an einer Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke der Bundesautobahn 114 in Berlin-Pankow mit der Aufschrift \"Rudolf He\u00df - Friedensflieger f\u00fcr Deutschland\". 26. April Feststellung von Aufklebern der \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) an W\u00e4nden von Hausfluren einiger Wohnh\u00e4user in Berlin-Prenzlauer Berg. Das Propagandamaterial war mit schwarzen Hakenkreuzen und den Parolen \"Rotfront verrecke!\", \"Wir sind wieder da!\" und \"Die Juden sind unser Ungl\u00fcck!\" versehen. 26. April Polizeiliche Wohnungsdurchsuchungen bei Berliner Neonazis. Aufgrund von Beschl\u00fcssen des Bundesgerichtshofes in einem Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gr\u00fcndung bzw. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurden in Berlin 17 Objekte von 12 Tatverd\u00e4chtigen von der Polizei durchsucht. In vier F\u00e4llen waren die Durchsuchungen erfolgreich. Gefunden wurden u. a. ein Nebelwurfk\u00f6rper, ein Schlagring und ein Messer. Die mutma\u00dflichen T\u00e4ter werden verd\u00e4ch-","5 - Anhang II: Chronologie - 250 tigt, u. a. drei Brandanschl\u00e4ge in Berlin gegen Treffpunkte der \"Antifa\" ver\u00fcbt zu haben. 29. April Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Charlottenburg mit etwa 35 Personen. Ein Mitglied des Bundesvorstandes der NPD sprach zum Thema \"Die politische Rechte 1994\". 27.-29. April Propagandaaktionen von Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in verschiedenen Berliner Bezirken. I Einige T\u00e4ter konnten in Berlin-Wei\u00dfensee von der Polizei gestellt werden Bei der anschlie\u00dfenden Durchsuchung fand die Polizei bei einem FAP-Angeh\u00f6rigen etwa 80 Flugbl\u00e4tter mit einem Aufruf zur Teilnahme an einer Demonstration der FAP am 1. Mai, ein Druckerzeugnis mit einem Keltenkreuz und ein Koppelschlo\u00df mit Hakenkreuz. Auch in Charlottenburg wurden Plakate mit den Parolen: \"FAP - 1. Mai gegen Drogenkriminalit\u00e4t und Gewalt\" und \"FAP - r\u00e4dikal-sozialistisch-national\" verklebt. 1. Mai Aktivit\u00e4ten der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) aus Anla\u00df des Feiertages \"Tag der Arbeit\". Die aus mehreren Bundesl\u00e4ndern angereisten FAP-Angeh\u00f6rigen versuchten, ihren Aufzug wie angemeldet in Berlin-Treptow durchzuf\u00fchren. Es fanden sich jedoch nur 30 bis 40 Personen ein. Eine Gruppe von Angeh\u00f6rigen der FAP, die sich in einer Wohnung in unmittelbarer N\u00e4he der Demonstrationsroute versammelt hatte, konnte diese aufgrund der Bedrohung durch Gegendemonstranten nicht verlassen. Ein FAP-Aufzug formierte sich daher nicht. Entlang der geplanten Wegstrecke befanden sich vor\u00fcbergehend mehrere hundert Gegendemonstranten. Am Nachmittag des 1. Mai f\u00fchrten etwa 80 FAP-Anh\u00e4nger im Bezirk Prenzlauer Berg doch noch eine kurze Spontanaktion * durch. Die Spitze des Aufzuges wurde mit FAP-Standarten, Trommelwirbel und Fanfarenkl\u00e4ngen angef\u00fchrt. Nach wenigen hundert Metern wurde der Aufzug ohne Kundgebung beendet.","5 - Anhang II: Chronologie - 251 Ein Teil der FAP-Anh\u00e4nger wurde von starken Polizeikr\u00e4ften umringt; es kam zu Festnahmen. 4. Mai Auffinden mehrerer kleiner Aufkleber mit dem Portr\u00e4t Rudolf HE\u00df' und der Parole \"Rudolf He\u00df ein deutscher Held\" in einem S-Bahnwagen im Bahnbetriebswerk Friedrichsfelde. Lt. Impressum zeichnet Ernst Z\u00dcNDEL verantwortlich. 7. Mai Handgreiflichkeiten zwischen etwa 15 Skinheads und ehemaligen jugoslawischen Staatsangeh\u00f6rigen in einem Wohnhaus f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge in Berlin-Wei\u00dfensee. Die Skinheads brachen eine Wohnungst\u00fcr auf, zerst\u00f6rten die K\u00fccheneinrichtung und ein Fenster des Treppenhauses. Bei der Personalienfeststellung durch Polizeibeamte wurde bei einem der T\u00e4ter ein Mutterschaftskreuz mit Hakenkreuzsymbol gefunden. 7. Mai Landesparteitag der Partei \"Die Republikaner\" (REP) in BerlinCharlottenburg. Polizeiangaben zufolge nahmen an der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Veranstaltung etwa 90 Personen teil. Nach Pressemeldungen wurde der Berliner Landesvorsitzende Dr. Werner M\u00dcLLER zum Spitzenkandidaten f\u00fcr die Bundestagswahl 1994 gew\u00e4hlt. 8. Mai Flugblattverteilaktion des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg. Die Aktion stand im Zusammenhang mit der Spontandemonstration der FAP am I . M a i in Berlin-Prenzlauer Berg. Etwa 30 FAP-Mitglieder und -Anh\u00e4nger verteilten Flugbl\u00e4tter mit der Aufschrift \"FAP marschierte gegen Drogenfreigabe und Gewalt auf Berliner Stra\u00dfen!\". 1. Dekade Mai Bekanntwerden einer Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Neue Position - Den Widerstand aufbauen!\".","5 - Anhang II: Chronologie - 252 Die 28seitige Schrift wird in der Berliner Neonazi-Szene verbreitet. Herausgeber ist ein \"Freundeskreis 'Samstags frei - f\u00fcr die Polizei'\". 11. Mai Teilnahme von Anh\u00e4ngern der \"Wiking-Jugend e. V.\" und der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" an einem \"Gesangs-Sp\u00e4tschoppen\" des \"Kameradenkreises Nationale Linke\" (NL). Zu dieser Veranstaltung in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau hatten ferner das \"HOFFMANN-VON-FALLERSLEBENBildungswerk e. V.\" und ein \"Junge-Freiheit-Leserkreis\" eingeladen. Unter den etwa 50 Anwesenden befanden sich auch einige Neonazis. 17. Mai Feststellung neonazistischer Symbole in Berlin-Lichtenberg. Unbekannte T\u00e4ter beschmierten die Giebelseite eines Hauses und den dazugeh\u00f6rigen M\u00fcllcontainerabstellplatz mit den Parolen \"Arbeit f\u00fcr alle, sonst gibt's Krawalle\" sowie \"Arbeit + Wohnraum\". Die Schriftz\u00fcge waren mit zwei Hakenkreuzen umrahmt. 20. - 24. Mai \"40. Tage volkstreuer Jugend\" der \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) in Hetendorf (Niedersachsen). Unter dem Motto \"Jugend will deutsche Zukunft\" war bundesweit zu diesem Treffen eingeladen worden. 21. Mai \u00dcberfall auf einen syrischen Staatsangeh\u00f6rigen in einem S-Bahnzug zwischen den Stationen Wuhletal und Biesdorf (Berlin-Marzahn). Neun Personen, vermutlich Skinheads, raubten unter Gewaltanwendung ihrem Opfer Bargeld. Die T\u00e4ter konnten entkom2. Dekade Mai Mitglieder der neonazistischen Gruppe \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG) erhalten neben dem Vereinsblatt \"Nachrichten der HNG\" zus\u00e4tzlich eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Freiheit\".","5 -Anhang II: Chronologie253 Herausgeber der 40seitigen Schrift ist ein bisher noch nicht in Erscheinung getretener \"Verein Schwedische Gardine & Redaktion Mitteldeutsche Gefangenenstimme\". Mit der \"neuen Gefangenenzeitung\" will der Verein \"Kontakte zwischen Gefangenen und der Au\u00dfenwelt\" schaffen. 2. Dekade Mai Bekanntwerden der Zeitung \"Berlin-Brandenburger\" vom April/ Mai, Publikation des Vereins \"Die Nationalen e. V.\". Dem Blatt sind u. a. Beitr\u00e4ge \u00fcber die rechtsextremistische Szene, wie \"Medienhetze gegen die Republikaner\", \"FAP best\u00e4tigt Bundesvorstand in Berlin\" und \"Hetze und Terror gegen Nationale\", zu entnehmen. 21. Mai Treffen von etwa 40 Neonazis in einer Gastst\u00e4tte in BerlinBuchholz. Unter den Teilnehmern befanden sich Mitglieder und Sympathisanten des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). W\u00e4hrend der Veranstaltung gr\u00f6lten die Anwesenden Parolen wie \"Sieg Heil!\" und l\u00e4rmten mit Trommeln und Trompeten. 26 Personen wurden wegen Ruhest\u00f6rung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen festgenommen. 22. Mai K\u00f6rperverletzung an mehreren G\u00e4sten und Sachbesch\u00e4digung in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Pankow. In der Gastst\u00e4tte wurden von drei namentlich bekannten Personen Parolen wie \"Sieg Heil!\" und \"Es lebe die NSDAP!\" gerufen. Anschlie\u00dfend kam es zwischen den Beschuldigten und einigen G\u00e4sten zu einer Schl\u00e4gerei, wobei mehrere Personen verletzt wurden. 24. Mai Teilnahme von Angeh\u00f6rigen der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" an einer Veranstaltung des Vereins \"HOFFMANN-VON-FALLERSLEBEN-Bildungswerk e. V.\". An der Zusammenkunft in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau beteiligten sich etwa 35 Personen. W\u00e4hrend der Versammlung wurde rechtsextremistisches Propagandamaterial zum Kauf angeboten.","5 - Anhang II: Chronologie - 254 27. Mai Einbruchsdiebstahl und Schmierereien im Bezirksamt Prenzlauer Berg von Berlin. In R\u00e4umen des Bezirksamtes wurden ein Hakenkreuz, SS-Runen, sowie die Worte \"Sieg Heil\" und \"Linke raus\" entdeckt. Tatverd\u00e4chtige sind nicht bekannt. Diverse Elektroger\u00e4te wurden gestohlen. 31. Mai Sachbesch\u00e4digung an einem Konsulatsgeb\u00e4ude in BerlinPankow. Vermutlich durch einen Steinwurf wurde durch unbekannte T\u00e4ter die Scheibe eines Fensters des Konsulats Guinea-Bissau besch\u00e4digt. 3. Juni Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung an einem Staatsb\u00fcrger aus Bangladesch in einem S-Bahnzug in Berlin-K\u00f6penick. Das Opfer wurde von f\u00fcnf unbekannten T\u00e4tern angegriffen. 3. Juni \"4. ordentlicher Landesparteitag\" des NPD-Landesverbandes Berlin-Brandenburg in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Wedding. Im Verlauf des Parteitages w\u00e4hlten die stimmberechtigten Veranstaltungsteilnehmer die Kandidaten zur Bundestagswahl 1994 f\u00fcr das Land Berlin. 4. Juni Teilnahme Berliner Neonazis an einem FAP-Treffen in Northeim (Niedersachsen). An der Zusammenkunft beteiligten sich etwa 150 Neonazis unter F\u00fchrung des FAP-Bundesvorsitzenden Friedhelm BUSSE. Die Veranstaltung fand auf dem Gel\u00e4nde des Wohnsitzes des am 2. Juni inhaftierten FAP-Funktion\u00e4rs Thorsten HEISE statt. Die Teilnehmer verbarrikadierten HEISES Wohnhaus aus Anla\u00df einer Demonstration politischer Gegner. 4. Juni Propagandaaktion einiger Berliner Anh\u00e4nger der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Frankfurt/Oder. Angeh\u00f6rige dieser Partei verteilten das von der Berliner FAP herausgegebene Informationsblatt \"f\u00fcr Mitteldeutschland\", \"Aufbruch\".","5 - Anhang II: Chronologie - 255 6. Juni Installation eines Telefon-Ansagedienstes in Berlin mit Informationen \u00fcber und f\u00fcr die rechtsextremistische Szene. 8. Juni Neonazis beschie\u00dfen Plakatkleber mit Luftgewehr. Drei Neonazis beobachteten zwei Personen beim n\u00e4chtlichen Plakatieren in Berlin-Prenzlauer Berg. Einer der Plakatierer wurde niedergeschlagen, der andere mit einem Luftgewehr beschossen und im Bereich der linken Schl\u00e4fe getroffen. Anschlie\u00dfend trafen sie auf zwei weitere Plakatierer und beschossen diese wiederum mit dem Luftgewehr. Die Opfer wurden bis zu ihrem Fahrzeug verfolgt. Die Polizei konnte die T\u00e4ter festnehmen. 9. Juni Messerangriff auf einen Ghanaer in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Drei Personen umkreisten den Afrikaner und bedrohten ihn mit Messern. Bei der Festnahme der T\u00e4ter durch die Polizei leistete einer Widerstand. Bei allen erfolgten Wohnungsdurchsuchungen. Einer der T\u00e4ter war zum Zeitpunkt der Tat Polizeisch\u00fcler. 9. Juni Vortragsveranstaltung der rechtsextremistischen \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in BerlinFriedenau. Unter den etwa 100 Teilnehmern befanden sich auch Neonazis. Mittelpunkt der Veranstaltung war ein Vortrag zum Thema \"Alfred Rosenberg - Der Ideologe des Nationalsozialismus\". 12. Juni Feststellung nazistischer Symbole im Stadtbild am Tag der Wahlen zum Europaparlament. Gegen\u00fcber einem Wahllokal in Berlin-Marzahn wurden - von der Stra\u00dfe erkennbar - an einem Fenster eines Wohngeb\u00e4udes ein mit wei\u00dfer Farbe aufgespr\u00fchtes Hakenkreuz und SS-Runen entdeckt. Auf einem Parkplatz in Berlin-Wei\u00dfensee stellte eine Funkwagenstreife der Polizei auf drei dort befindlichen Kraftfahrzeugen eingekratzte Hakenkreuze fest. 16. -18. Juni Propagandaaktionen des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Tegel sowie in Berlin-Altglienicke.","5 - Anhang II: Chronologie - 256 Anh\u00e4nger der FAP verklebten Plakate ihrer Partei mit folgendem Text: \"Berlin dankt den Alliierten f\u00fcr Mord, Vergewaltigung und Umerziehung, wir nicht! Besatzer raus unentgeltlich und sofort\". I 18. Juni Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung in Berlin-Marzahn. Drei der Skinhead-Szene zuzuordnende Personen rissen eine vietnamesische Staatsangeh\u00f6rige zu Boden und traten auf sie ein. W\u00e4hrend die T\u00e4ter ihr Opfer schlugen, riefen sie mehrmals laut und deutlich \"Heil Hitler!\" und \"Sieg Heil!\". Das Opfer konnte fliehen. Die Polizei nahm die T\u00e4ter vorl\u00e4ufig fest. 18.Juni Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung durch Skinhead in BerlinNikolassee. Ein 26j\u00e4hriger Skinhead in Begleitung 13 weiterer Skinheads schlug zwei Frauen ins Gesicht und trat eines der Opfer in die Beine. Eine weitere Passantin wurde vom T\u00e4ter am Arm gegriffen und umgesto\u00dfen. Der Angreifer drohte mit Totschlag. Vor Eintreffen der Polizei konnte der T\u00e4ter fl\u00fcchten. Einen Tag sp\u00e4ter wurde er in der N\u00e4he des Tatortes erkannt und festgenommen. 20. Juni Einbruch und Hakenkreuzschmierereien in einer Kindertagesst\u00e4tte in Berlin-Marzahn. Bei dem Einbruch in die Kita schmierten unbekannte T\u00e4ter ein Hakenkreuz auf den Fu\u00dfboden. 22. Juni Verurteilung des Berliner Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM durch die 73. Strafkammer des Landgerichts Berlin wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsund Waffengesetz zu einer Geldstrafe von 1 800 DM. Gegenstand der Gerichtsverhandlung war die am 1. Mai 1992 bei PRIEM gefundene Gaspistole ME 38 P mit Magazin und neun Patronen. Die Polizei hatte an diesem Tag die Gegenst\u00e4nde w\u00e4hrend einer polizeilichen Vorkontrolle beschlagnahmt. PRIEM und drei Begleiter waren auf dem Weg zu einer","5 - Anhang II: Chronologie - 257 Veranstaltung der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Prenzlauer Berg gewesen. 22. Juni K\u00f6rperverletzung und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Vor dem Geb\u00e4ude einer Realschule in Berlin-Treptow wurde eine Sch\u00fclerin von sieben Jugendlichen geschlagen und ihr Gesicht mit einem Hakenkreuz bemalt. 28. Juni K\u00f6rperverletzung und Beleidigung eines Staatsb\u00fcrgers aus Kambodscha auf dem U-Bahnhof Frankfurter Allee (BerlinFriedrichshain). Auf dem Bahnhof bestieg der Beschuldigte den U-Bahnwagen, beschimpfte den Gesch\u00e4digten mit \"Du bl\u00f6der Ausl\u00e4nder\" und schlug ihm die Faust ins Gesicht. 30. Juni Sog. Forum des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), in einer Gastst\u00e4tte in BerlinPrenzlauer Berg mit etwa 30 Personen. Juni Bekanntwerden von Aufklebern der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) zum Thema \"Europaunion\". Das Propagandamaterial ist mit dem Text \"EU - ohne Grenzen? Massenarbeitslosigkeit Umweltzerst\u00f6rung Bauernsterben Wohnungsnot \u00dcberfremdung ohne u n s ! ! \" versehen. 1. Juli Feststellung von Plakaten der neonazistischen Gruppe \"Freundeskreis Revolution\u00e4rer Volkssozialisten\" (FRVS) in BerlinWei\u00dfensee und -Pankow. An einer Stra\u00dfenlaterne und einer Treppe fand die Polizei Propagandamaterial des FRVS mit den Parolen \"Ruhm und Ehre f\u00fcr Rudolf He\u00df\" und \"Wir fordern: Deutschland den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus\". 2. Juli Vors\u00e4tzliche Besch\u00e4digung eines Wohnheims f\u00fcr Asylbewerber in Berlin-Marienfelde.","5 - Anhang II: Chronologie - 258 Einige Personen beschimpften drei vor dem Wohnheim stehende Ausl\u00e4nder mit den Worten \"Schei\u00df Asylanten!\", \"Schei\u00df Ausl\u00e4nder!\". Anschlie\u00dfend entnahmen sie aus dem Kofferraum ihres Pkw Getr\u00e4nkeb\u00fcchsen und bewarfen damit ihre Opfer. Ein Gesch\u00e4digter wurde verfolgt, konnte sich aber in dem Wohnheim in Sicherheit bringen. Die T\u00e4ter zerst\u00f6rten daraufhin mit einem Beil mehrere Fensterscheiben des Wohnheims und fl\u00fcchteten mit ihrem Pkw. 7. Juli Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau. Vor etwa 80 Besuchern referierte der hessische Rechtsextremist Wolfgang JUCHEM zum Thema \"Die Deutsche Frage nach der kleindeutschen Vereinigung\". 8. Juli K\u00f6rperverletzung und Beleidigung eines Jugoslawen zwischen den U-Bahnstationen Krumme Lanke und Onkel-Toms-H\u00fctte. Im U-Bahnabteil wurde der Jugoslawe von zwei namhaft gemachten Personen mit dem Fu\u00df ins Gesicht getreten. Dabei sollen die Worte: \"Schei\u00df Ausl\u00e4nder, in der U-Bahn habt ihr keine Rechte\" gefallen sein. 9. Juli Teilnahme zahlreicher Neonazis und Skinheads an einem Gesangsvortrag mit dem \"nationalen\" Liedermacher Frank RENNICKE. An der Veranstaltung, die in R\u00fcdersdorf (Brandenburg) stattfand, beteiligten sich etwa 500 Personen. Die Teilnehmer kamen aus Berlin und Brandenburg, einzelne aus MecklenburgVorpommern. Unter den Besuchern befanden sich Skinheads, Anh\u00e4nger Berliner Neonazigruppen, Angeh\u00f6rige der \"WikingJugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung e. V.\" (WJ) und Hooligans. Vor Beginn des Konzerts sprach der Bundesf\u00fchrer der WJ, Wolfram NAHRATH. Am Rande der Veranstaltung fanden Info-Tische, ausgelegt mit rechtsextremistischem Material, reges Interesse der Besucher. Einige der Konzertbesucher traten in uniform\u00e4hnlicher Bekleidung (schwarze Hosen, wei\u00dfe Hemden) auf. Ausschreitungen wurden nicht bekannt.","5 - Anhang II: Chronologie - 259 12. Juli K\u00f6rperverletzung und Beleidigung eines Polen in der S-Bahn Linie 1. Zwischen den Bahnh\u00f6fen Wollankstra\u00dfe und Bornholmer Stra-, \u00dfe sprach ein unbekannt gebliebener Skinhead einen 18j\u00e4hrigen Polen mit beleidigenden Worten an und stach ihm anschlie\u00dfend mit einem Messer in den linken Oberarm. Die 3 em tiefe Stichwunde mu\u00dfte \u00e4rztlich versorgt werden. 19. Juli Schwerer Landfriedensbruch in Berlin-Friedrichshain. Ca. 20 polnische und deutsche Rechtsradikale griffen mit Eisenstangen und Flaschen bewaffnet f\u00fcnf polnische Staatsb\u00fcrger an und verletzten sie, so da\u00df zwei station\u00e4r behandelt werden mu\u00dften. Die T\u00e4ter konnten unerkannt entkommen. 20/21. Juli Propagandaaktionen anl\u00e4\u00dflich des 20. Juli. Unbekannte brachten an den Gel\u00e4ndern von zwei Br\u00fccken in Berlin-Zehlendorf, 1,5 m x 4 m gro\u00dfe Transparente mit der Parole \"20. Juli Verr\u00e4ter kommen und gehen das Reich bleibt bestehen\" an. Beide Br\u00fccken f\u00fchren \u00fcber die Bundesautobahn A115. 23. Juli Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) mit etwa 25 Personen in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Charlottenburg. Im Mittelpunkt stand ein Referat des ehemaligen Bundesvorsitzenden der \"Jungen Nationaldemokraten\" (JN), Hermann LEHMANN, zum Thema \"Multikulturelle Gesellschaft\". Juli Verkauf von Musikkassetten mit rechtsextremistischen, fremdenfeindlichen und antisemitischen Texten in einschl\u00e4gigen Berliner Szene-Treffs. Neonazis verbreiteten Kassetten mit dem Titel \"WAWKampfkapelle - Lieder zum Mitsingen\". Auf dem Titelbild der Kassette sind ein Greifvogel mit Gitarre, eine Maschinenpistole und vermummte Gestalten mit Pistolen, \u00c4xten und Messern dargestellt. Die St\u00fccke werden von den Interpreten in aggressiver Gesangsform und mit monotonem Gitarrenrhythmus vorgetragen. Zu manchen Liedern wird \"Sieg Heil!\" gegr\u00f6lt.","HMAMM H.II.I..I \" M \u00dc l i i M 5 - Anhang II: Chronologie - 12. August Skinhead-Attacke gegen Jugendliche in Berlin-Buckow. Mehrere Skinheads p\u00f6belten eine Gruppe Jugendlicher an, in der sich ein Farbiger befand. Unter lautstarken Beleidigungen, wie \"Schei\u00dfnigger\" u. \u00e4., wurden die Jugendlichen verfolgt, bedroht und mit Flaschen beworfen. Den Gejagten gelang es, sich auf einer Baustelle zu verstecken. Zeitgleich raubten vier Skinheads unter Schl\u00e4gen einem Passanten sein Fahrrad. Nachdem die Skinheads abgezogen waren, konnten die Opfer die Polizei unterrichten. 13. August Festnahme des Berliner Neonazis Arnulf-Winfried PRIEM und weiterer Angeh\u00f6riger der rechtsextremistischen Szene. Die Polizeima\u00dfnahme richtete sich gegen 26 Personen, die sich im Wohnhaus des PRIEM aufhielten und aus deren Mitte mit einer Schleuder auf einen vor dem Haus befindlichen Journalisten geschossen worden war. In der Wohnung wurden diverse Gegenst\u00e4nde, die als Waffen h\u00e4tten Verwendung finden k\u00f6nnen, sichergestellt. PRIEM wurde wegen des Verdachts der Bildung eines bewaffneten Haufens und wiederholter Verst\u00f6\u00dfe gegen das Waffengesetz in Untersuchungshaft genommen. 16. August Wohnungsdurchsuchungen bei Personen der rechtsextremisti- . sehen Szene in Berlin. Aufgrund richterlicher Beschl\u00fcsse durchsuchte die Polizei die Wohnungen von 15 der rechtsextremistischen Szene zuzuordnenden Personen. In 11 Wohnungen wurden u. a. Propagandamaterial der verbotenen \"Nationalistischen Front\" (NF), der \"Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO), die Druckschrift \"Natur Schutz=Denkzettel\" sowie Uniformteile sichergestellt. 31. August Diskussionsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" zum Thema \"Freimaurerei - gef\u00e4hrlich oder harmlos?\". Die Veranstaltung, die von etwa 100 Teilnehmern besucht wurde, fand in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau statt.","5 - Anhang II: Chronologie - 261 2. September Einbruch und Hakenkreuzschmierereien in einer Kindertagesst\u00e4tte in Berlin-Marzahn. Unbekannte T\u00e4ter schmierten ein Hakenkreuz an die Wand. Es entstand gr\u00f6\u00dferer Sachschaden. 4. September Flugblattaktion von Mitgliedern und Anh\u00e4ngern rechtsextremistischer Parteien aus Anla\u00df der Veranstaltung \"Tag der Heimat\" vor der S\u00f6mmering-Sporthalle (Berlin-Charlottenburg). FAP-Aktivisten verteilten Propagandamaterial ihrer Partei, so das Flugblatt \"Meinungsfreiheit gilt nicht f\u00fcr Deutsche\". Etwa zehn Anh\u00e4nger der Partei \"Die Republikaner\" (REP) boten Passanten und Veranstaltungsteilnehmer die Publikationen \"Zur Sache\" und \"Deutsche Arbeiter-Zeitung\" an. 4. September Polizeiliche Durchsuchungen wegen des Verdachts des Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen. In den Nachmittagsstunden fanden aufgrund richterlicher Beschl\u00fcsse des Amtsgerichts Tiergarten Wohnungsund Fahrzeugdurchsuchungen bei zwei Berliner. Anh\u00e4ngern der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) statt. Die Polizei konnte umfangreiches Propagandamaterial der \"Nationalsozialistischen Deutschen - Arbeiterpartei Auslandsund Aufbauorganisation\" (NSDAP-AO) (Aufkleber und \"NSKAMPFRUF\"), Ausgaben der neonazistischen Druckschrift \"Natur Schutz=Denkzettel\", Musikkassetten der \"WAWKampfkapelle\" mit Liedertexten sowie Preisund Bestellisten f\u00fcr rechtsextremistische Literatur sicherstellen. 9. September Brandanschlag auf eine Oberschule in Berlin-Treptow. Unbekannte warfen zwei Molotowcocktails gegen die Schule. Eine der Flaschen durchschlug die Fensterscheibe eines Klassenzimmers und setzte Mobiliar in Brand. Der zweite Brandsatz besch\u00e4digte ein Fensterbrett. Beide Brands\u00e4tze erloschen selbst\u00e4ndig. Ferner wurden an die Front im Bereich der Eingangst\u00fcr antisemitische Parolen wie \"Jud verrecke\", \"Juden raus\", \"Anne die Sau\" und \"Jude verpi\u00df dich\" geschmiert.","5 - Anhang II: Chronologie - 262 13. September Verurteilung zweier Angeh\u00f6riger der Bezirksverordnetenversammlung (BW) Friedrichshain wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 4 500 bzw. 3 600 DM. Nach Feststellungen des Amtsgerichts Tiergarten hatten die beiden Bezirksverordneten, Mitglieder der Partei \"Die Republikaner\" (REP), am 19. November 1992 ein an den Senator f\u00fcr Gesundheit gerichtetes Schreiben verfa\u00dft, in dem sie u. a. um Stellenstreichungen in der Lesbenund Schwulenberatung baten. Hierbei benutzten sie ein von der Lesbenund Schwulenberatung entwickeltes Protestschreiben und verkehrten es durch Streichungen und Zus\u00e4tze in das volksverhetzende Gegenteil der urspr\u00fcnglichen Aussage. 21. September K\u00f6rperverletzung eines T\u00fcrken in Berlin-Wedding. In einem Lokal wurde ein T\u00fcrke mit den Worten \"Bei Adolf h\u00e4tte es das nicht gegeben, Kanaken m\u00fc\u00dfte man alle vergasen\" beleidigt und anschlie\u00dfend mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der T\u00e4ter wurde gefa\u00dft. 24. September K\u00f6rperverletzung und Sachbesch\u00e4digung zweier Wahlhelfer in Berlin-Marzahn. Beim Anbringen von Wahlplakaten wurden zwei Wahlhelfer von Jugendlichen gest\u00f6rt. Die vermutlich der rechtsextremen Szene angeh\u00f6renden Jugendlichen schlugen einem ins Gesicht und zerrissen die Wahlplakate. Sie konnten unerkannt entkommen. I.Oktober \"4. ordentlicher Landesparteitag\" des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) in Berlin-Wei\u00dfensee. Das \"Nationale Info-Telefon\" (NIT) Rheinland berichtete \u00fcber den Verlauf des Parteitages, der bisherige Berliner Landesvorsitzende sei wiedergew\u00e4hlt worden. Die Polizei habe den Veranstaltungsort observiert. 5. Oktober Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau.","5 -Anhang II: Chronologie - 263 Das Treffen wurde von etwa 65 Personen besucht. Ein Neonazi, Funktion\u00e4r aus Hamburg, referierte zum Thema \"Die Entwicklung der politischen Verfolgung in Deutschland\". 1. Dekade Oktober Verbreitung einer weiteren Ausgabe der Zeitung des rechtsextremistischen Vereins \"Die Nationalen e. V.\", \"BerlinBrandenburger\", Ausgabe September/Oktober. Das achtseitige Blatt besch\u00e4ftigt sich u. a. mit Beitr\u00e4gen wie \"Die PDS profitiert vom Versagen der Altparteien\", \"Der Abgang des Demagogen SCH\u00d6NHUBER\", und \"Deutschland ist auf dem Weg zum Polizeistaat\". Eine Anzeige weist auf das \"Sozialrevolution\u00e4re Jugendblatt aus Mitteldeutschland\", den \"Angriff\" hin, der \u00fcber ein Postfach in Berlin zu beziehen sei. 13. Oktober Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau mit etwa 50 Besuchern. Mittelpunkt der Veranstaltung war ein Vortrag zum Thema \"\u00dcberfremdung und andere Unw\u00f6rter\". 13. Oktober Verhandlung vor der 27. Zivilkammer des Landgerichts Berlin wegen eines Antrages des Bundesvorsitzenden der Partei \"Die Republikaner\" (REP), Franz SCH\u00d6NHUBER, auf Erla\u00df einer einstweiligen Verf\u00fcgung. Das Berliner Landgericht erlie\u00df eine einstweilige Verf\u00fcgung, nach der der Beschlu\u00df des Bundesvorstandes der REP vom 1. Oktober auf Amtsenthebung des Parteivorsitzenden vorerst unwirksam ist. Das Gericht erkl\u00e4rte, nicht der Bundesvorstand, sondern nur eine Mitgliederversammlung h\u00e4tte SCH\u00d6NHUBER . absetzen k\u00f6nnen. 15. Oktober Fu\u00dfballtumier der rechtsextremistischen \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) in Berlin-Wei\u00dfensee. Zu dem Turnier hatten sich 60 Personen eingefunden. Am Rande der Veranstaltung durchsuchte die Polizei das Kraftfahrzeug vier verd\u00e4chtiger Personen. Dabei stellten die Beamten neonazistisches Propagandamaterial und eine Anleitung zum","5 - Anhang II: Chronologie - 264 Bau von Sprengvorrichtungen fest. Im Zuge sp\u00e4terer Wohnungsdurchsuchungen konnte weiteres rechtsextremistisches Propagandamaterial sichergestellt werden. In der Wohnung eines Neonazis wurden mehrere Rohrk\u00f6rper mit Schwarzpulver und unbekannten Beimischungen sowie Sprengstoff aufgefunden. Au\u00dfer den Sprengmitteln konnten auch andere Gegenst\u00e4nde festgestellt werden, die zum Bau von Rohrbomben und Zeitz\u00fcndern geeignet sind. Es erging Haftbefehl. 15. Oktober Vortragsveranstaltung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Reinickendorf. Es beteiligten sich etwa 65 Personen. Im Mittelpunkt des Treffens stand ein Referat zum Thema: \"Wie unbefangen kann ein deutscher Richter noch sein?\" 16. Oktober Bundestagswahl. \"Die Republikaner\" (REP) traten als einzige Partei des \"rechten Spektrums\" in Berlin zu den Bundestagswahlen an und kandidierten in den 13 Wahlbezirken der Stadt. Nach dem amtlichen Endergebnis blieb die Partei weit unter der 5 %-Marke und erreichte 36 645 der abgegebenen g\u00fcltigen Zweitstimmen = 1,9 % (Europawahl am 12. Juni: 3,3 %; Abgeordnetenhauswahl 1990: 3,1 %). Bundesweit entfielen auf die REP ebenfalls 1,9 % (875 175 Zweitstimmen). 19. Oktober Ein t\u00fcrkischer Taxifahrer stellte in Berlin-Neuk\u00f6lln an der von ihm genutzten Taxe vier zerstochene Reifen fest. An der Seitenscheibe der Beifahrert\u00fcr befand sich ein handtellergro\u00dfer Aufkleber der NSDAP-AO mit Hakenkreuz und der Aufschrift \"Rotfront verrecke\". 24. Oktober Mitgliederversammlung des Kreisverbandes Neuk\u00f6lln der \"Deutschen Volksunion\" (DVU) in einer Gastst\u00e4tte in BerlinNeuk\u00f6lln. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stand die Neuwahl des Kreisvorstandes.","5 -Anhang II: Chronologie - 265 26. Oktober Treffen von vier jugendlichen Rechtsextremisten in einem Gemeinschaftshaus eines Wohnblocks in Berlin-Buckow. Die Anwesenden gr\u00f6lten NS-Lieder und -Parolen. Eine alarmierte Zivilstreife stellte die Personalien fest. Die Polizei konnte rechtsextremistisches Propagandamaterial der \"Wiking Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) und der verbotenen \"Nationalistischen Front\" (NF) feststellen. Bei den anschlie\u00dfenden Wohnungsdurchsuchungen am 27. Oktober fand die Polizei umfangreiches Propagandamaterial der WJ, Plakate mit Hakenkreuzabbildungen, ein SSLiederbuch, ein \"Handbuch der Judenfrage\" sowie Sturmhauben und Tarnm\u00fctzen, einen Totschl\u00e4ger, Nebelwurfk\u00f6rper aus Armeebest\u00e4nden und eine \u00dcbungshandgranate. Oktober Der Kreisverband Ost des Landesverbandes Berlin der neonazistischen \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) verbreitete handtellergro\u00dfe Aufkleber mit den Parolen \"Deutsches Volk: Sei stark, Sei stolz, Sei Feind Deinen Freunden\" und \"Doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft? Niemals\". Oktober Bekanntwerden der neuesten Ausgabe der neonazistischen Publikation \"Angriff - Mitteldeutsche Jugendzeitschrift\". Das 28seitige Heft mit der laufenden Nr. 6 enth\u00e4lt u. a. Kontaktadressen sozialrevolution\u00e4rer Gruppierungen und einen Hinweis auf neue Aufkleber mit der Parole \"Die Grenze verl\u00e4uft nicht zwischen Links und Rechts, sondern zwischen oben und unten!\". 4. November Angriff auf zwei Farbige in Berlin-Friedrichshain. Die Opfer wurden von zwei Personen als \"Schei\u00df-Neger\" beschimpft und fl\u00fcchteten daraufhin in ein Wohnhaus. Im Durchgang zum Hinterhaus kam es zu Auseinandersetzungen. Dabei zerst\u00f6rten die T\u00e4ter mehrere Glasscheiben mittels k\u00f6rperlicher Gewalt und Steinw\u00fcrfen. Die Farbigen wurden nicht verletzt. Die T\u00e4ter konnten ermittelt werden. 5. November Verbotene Veranstaltung des rechtsextremistischen Berliner Vereins \"Die Nationalen e.V.\".","5 -Anhang II: Chronologie266 \"Die Nationalen e. V.\" hatten durch Plakataktionen in Guben (Brandenburg) eine Veranstaltung an einem nicht genannten Ort angek\u00fcndigt. Durch Verf\u00fcgung des Polizeipr\u00e4sidenten in Cottbus vom 4. November wurde diese Veranstaltung jedoch verboten. Zur Umgehung des Verbots verlegte der Verein das Treffen in eine Gastst\u00e4tte nach G\u00f6hlen (Brandenburg). Die Verbotsverf\u00fcgung wurde daraufhin auf den Amtsbereich des Polizeipr\u00e4sidenten von Frankfurt/Oder erweitert. Im Zuge der Aufl\u00f6sung der Versammlung in G\u00f6hlen stellte die Polizei 40 Personen fest, darunter Angeh\u00f6rige der \"Nationalen\" und Mitglieder des Landesverbandes Berlin der neonazistischen Organisation \"Deutsche Nationalisten\" (DN). Gefunden wurden u. a. eine Schreckschu\u00dfpistole, Messer und Baseballschl\u00e4ger, eine Reichskriegsflagge sowie diverse Aufkleber der DN. 5. November Angriff auf einen Ausl\u00e4nder in Berlin-Charlottenburg. Der in einem Imbi\u00df arbeitende Libanese wurde mit F\u00fc\u00dfen in den Unterleib getreten und als \"Schei\u00df-Ausl\u00e4nder\" beschimpft, als er einen 100-DM-Schein nicht wechseln konnte. Die Polizei stellte wegen des Verdachts der gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung die Personalien des T\u00e4ters fest. Es handelte sich um einen Berlin-Besucher aus K\u00f6ln. 7. November Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau. Das Treffen wurde von etwa 110 Personen besucht. Der Vorsitzende der neonazistischen spanischen Organisation \"Circulo Espanol de Amigos de Europa\" (CEDADE) referierte zum Thema \"Der Staatsmann und die Geschichte\". Der CEDADE (dt.: \"Spanischer Kreis von Freunden Europas\") wurde 1965 gegr\u00fcndet. Die Organisation hat ihren Sitz in Barcelona und verf\u00fcgt \u00fcber Ortsgruppen in Spanien, Frankreich und Lateinamerika. Ziel von CEDADE ist die Einf\u00fchrung des Nationalsozialismus. Er beruft sich in seinen Aussagen auf HITLER und sieht sich als Teil der europ\u00e4ischen Kr\u00e4fte, die eine \"neue Ordnung neben Kapitalismus und Kommunismus\" anstreben. Er ist gegen die NATO und f\u00fcr ein nationalistisches Europa.","5 - Anhang II: Chronologie - 267 10. November Verbot der rechtsextremistischen Vereinigung \"Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e. V.\" (WJ) durch das Bundesministerium des Innern. Das Vereinsverbot wurde in zehn Bundesl\u00e4ndern mittels Hausdurchsuchungen und Beschlagnahme des Vereinsverm\u00f6gens vollstreckt. In Berlin durchsuchte die Polizei die Wohnung des WJ-Bundesf\u00fchrers und F\u00fchrers des \"Gaus Berlin\". Dabei konnte die Polizei umfangreiches Propagandamaterial der WJ sicherstellen. Bei den bundesweiten Durchsuchungen wurden weder Waffen noch Sprengstoff, wohl aber milit\u00e4r\u00e4hnliche Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde wie Zelte, Tarnanz\u00fcge, Koppelschl\u00f6sser und Stahlhelme, gefunden. Grundlage f\u00fcr das Verbot war u. a. die Feststellung einer Wesensverwandtschaft der WJ mit dem Nationalsozialismus. 13. November Verbot einer geplanten \"Heldengedenkfeier\" der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" durch die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde des Landes Brandenburg. Die Verbotsverf\u00fcgung galt auch f\u00fcr Ersatzveranstaltungen. Der Verein hatte - wie bereits in den letzten vier Jahren - f\u00fcr den Volkstrauertag eine \"Heldengedenkfeier\" auf dem Soldatenfriedhof in Halbe angemeldet, zu der er etwa 1 000 Teilnehmer erwartete. Als Redner war der Vorsitzende der niederl\u00e4ndischen \"Viking Jeugd - Nederland\" (VJ) vorgesehen. Im Falle eines Verbots der Veranstaltung hatte die \"Kulturgemeinschaft\" die Teilnahme an den offiziellen Veranstaltungen der Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge empfohlen. Dank eines gr\u00f6\u00dferen Polizeiaufgebots blieb es im Raum Berlin-Brandenburg weitgehend ruhig. Im Berliner Bezirk Reinickendorf legte eine Gruppe von etwa 15 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der verbotenen \"Wiking-Jugend e. V.\" auf einem Soldatenfriedhof einen Kranz nieder. Die herbeigerufene Polizei stellte teilweise die Personalien fest und leitete gegen f\u00fcnf Personen ein Verfahren wegen des Verdachts des Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein. 27. November Gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung und Beleidigung eines Farbigen aus Zaire auf dem S-Bahnhof Marzahn.","5 - Anhang II: Chronologie - 268 Drei unbekannte Jugendliche beleidigten einen Farbigen aus Zaire mit den Worten: \"Schei\u00df Schwarze, Schei\u00df Nigger\" und \"Ausl\u00e4nder raus\". Danach schlugen sie ihm mit einem Schlagring ins Gesicht. Ein T\u00e4ter bedrohte ihn mit einem Messer. Das Opfer versuchte, dem T\u00e4ter das Messer wegzunehmen und verletzte sich dabei. 28. November Vortragsveranstaltung der \"Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen e. V.\" in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Friedenau, an der etwa 50 Personen teilnahmen. Mittelpunkt der Veranstaltung war ein Referat des stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbandes Berlin-Brandenburg der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) zum Thema \"Die Geschichte der politischen Rechten in Deutschland seit 1945\". November Erscheinen des Vereinsblattes \"Nachrichten der HNG\", Nr. 166, November, 1994, Publikation der neonazistischen \"Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V.\" (HNG). Das 20seitige Blatt enth\u00e4lt wie immer eine sog. Gefangenenliste, in der u. a. die zuletzt inhaftierten Berliner Neonazis genannt werden. Anfang Dezember Verbreitung des Flugblattes einer \"Initiative zur Verhinderung der Verjudung des deutschen Volkes\". Die Verfasser des Flugblattes wenden sich dagegen, da\u00df in Deutschland \"Darstellungen aller denkund undenkbaren Perversit\u00e4ten\" erh\u00e4ltlich seien, w\u00e4hrend das Buch \"Mein Kampf\" verboten bleibe. Ferner kritisieren sie die Beeinflussung der Bev\u00f6lkerung durch Massenmedien und ein verbreitetes Streben nach Wohlstand, das sie mit der j\u00fcdischen Talmudlehre vergleichen. 2. Dezember Mitgliederversammlung des Stadtverbandes Berlin der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Wedding.","5 -Anhang II: Chronologie269 3. Dezember Demonstration des rechtsextremistischen Berliner Vereins \"Die Nationalen e. V.\" in Wei\u00dfwasser (Sachsen). An der ohne Zwischenf\u00e4lle verlaufenen Veranstaltung, die unter dem Motto \"Argumente statt Verbote - Meinungsfreiheit auch f\u00fcr Nationale\" stand, beteiligten sich etwa 70 Personen, darunter einige Angeh\u00f6rige des Landesverbandes Berlin der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP). 4. Dezember Pressemitteilung der \"Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei\" (FAP) \u00fcber die Verlegung ihrer Bundesgesch\u00e4ftsstelle nach Berlin. In einer bei einer Pinneberger Tageszeitung eingegangenen Erkl\u00e4rung k\u00fcndigt die FAP u. a. die Verlegung ihrer Bundesgesch\u00e4ftsstelle von Halstenbek (Schleswig-Holstein) nach Berlin zum 31. Dezember 1994 an. 10. Dezember Parteitag des Landesverbandes Berlin der \"Republikaner\" (REP) im Rathaus Sch\u00f6neberg. Die st\u00f6rungsfrei verlaufene Veranstaltung wurde von etwa 110 Personen besucht. Im Mittelpunkt des Parteitages stand die Neuwahl des Landesvorstandes. 10. Dezember Zusammenkunft von Anh\u00e4ngern des Landesverbandes Berlin der neonazistischen Organisation \"Deutsche Nationalisten\" (DN) in einer Gastst\u00e4tte in Berlin-Hohensch\u00f6nhausen. Der Berliner DN-Landesverband hatte f\u00fcr dieses Treffen auch \"andere Parteien und Organisationen\" eingeladen. Der Einladung folgten etwa 40 Personen. W\u00e4hrend des Treffens sollte die \"Lage des rechten Lagers\" und eine bessere \"Zusammenarbeit von Parteien und Organisationen\" behandelt werden. Die Polizei war vor Ort und \u00fcberpr\u00fcfte die Personalien der Teilnehmer. Mehrere Strafverfahren wegen Versto\u00dfes gegen das Vereins-, Versammlungsund Waffengesetz wurden eingeleitet. Dezember Schmierereien von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wie Hakenkreuze, SSund SA-Zeichen sowie NSDAPund \"Sieg Heil\"-Parolen in mehreren Bezirken Berlins.","5 - Anhang II: Chronologie - 270 31 Dezember Bilanz des \"Nationalen Info-Telefons Berlin\" f\u00fcr das Jahr 1994. In einem Jahresr\u00fcckblick bezeichnete der Sprecher die Versch\u00e4rfung des Straftatbestandes der Volksverhetzung und das Strafverfahren gegen den Vorsitzenden der \"Nationaldemokratischen Partei Deutschlands\" (NPD), DECKERT, als herausragende Ereignisse des Jahres 1994. Durch die Strafversch\u00e4rfung werde die Meinungsfreiheit und die Freiheit der Wissenschaft entscheidend eingegrenzt, das Verfahren gegen DECKERT zeige auf eine Aufl\u00f6sung des Rechtsstaates. Verbote von Versammlungen und von rechtsextremistischen Organisationen h\u00e4tten 1994 zu einem geschlossenen Vorgehen und einer \"geistigen Radikalisierung\" der \"nationalen Szene\" gef\u00fchrt. F\u00fcr die Zukunft k\u00fcndigte der Ansagetext eine \"professionelle und fundierte Arbeit\" dieser Kr\u00e4fte an. Der \"Machtwechsel\" m\u00fcsse in der geringen Zeit bis dahin jetzt durch den Aufbau einer k\u00fcnftigen \"F\u00fchrungselite\" vorbereitet werden.","5 - Anhang II: Chronologie - 271 5.3 Ausl\u00e4nderextremismus 7. Januar Festveranstaltung der Berliner Gliederung der \"FATAH\" aus Anla\u00df des 29. Jahrestages der Gr\u00fcndung der Organisation mit etwa 300 Teilnehmern in der Alten Mensa der TU Berlin. 29. Januar Veranstaltung eines kurdischen \"Demokratischen Arbeitgebervereins Berlin\" im Audimax der TU Berlin zum Thema \"Geschichte der kurdischen Aleviten und der Aufstand von Seyit RIZA\" mit ca. 2 500 Teilnehmern. Der Teilnehmerkreis setzte sich fast ausschlie\u00dflich aus Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) zusammen. 3. Februar Festveranstaltung der Berliner Gliederung der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP) aus Anla\u00df der Wiederkehr des Gr\u00fcndungstages der Partei in Berlin-Neuk\u00f6lln mit etwa 50 Mitgliedern und Sympathisanten. 5. Februar Demonstration gegen den \"Holocaust in Bosnien\", zu der mehrere bosnische Vereine in Berlin aufgerufen hatten. Etwa 2 000 Personen bewegten sich vom Adenauerplatz (Berlin-Charlottenburg) \u00fcber den Kurf\u00fcrstendamm und die Tauentzienstra\u00dfe zur Abschlu\u00dfkundgebung mit ca. 4 000 Teilnehmern auf dem Wittenbergplatz (Berlin-Sch\u00f6neberg). 20. Februar \"Volksversammlung\" der verbotenen \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK), einer internationalen Teilorganisation der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), im Audimax der TU Berlin. Bei den bis zu 600 Teilnehmern handelte es sich fast ausschlie\u00dflich um Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK. Auf der B\u00fchne waren u. a. ein Bild des PKK-Generalsekret\u00e4rs Abdullah \u00d6CALAN und eine Fahne der ERNK angebracht.","5 -Anhang II: Chronologie - 272 27. Februar Protestkundgebung aus Anla\u00df des Attentates in der IbrahimMoschee in Hebron/Israel auf dem Breitscheidplatz (BerlinCharlottenburg). Unter den etwa 100 Teilnehmern befanden sich Angeh\u00f6rige verschiedener Pal\u00e4stinenser-Organisationen der sog. Ablehnungsfront, \"Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (DFLP), \"Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas\" (PFLP), \"Arabische Befreiungsfront\" (ALF) sowie einzelne Angeh\u00f6rige der FATAH. 27. Februar Demonstration der \"Islamischen Widerstandsbewegung\" (HAMAS) aus Anla\u00df des Attentates in der Ibrahim-Moschee in Hebron/Israel vom Hermannplatz (Berlin-Neuk\u00f6lln) zum Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg). Unter den bis zu 2 000 Teilnehmern befanden sich neben Angeh\u00f6rigen arabischer/pal\u00e4stinensischer Organisationen auch ein hoher Anteil von Anh\u00e4ngern islamisch-extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen. 4. M\u00e4rz \u00d6ffentliche Vorstellung der im Januar gegr\u00fcndeten \"Kurdischen Gemeinde zu Berlin\" im Rahmen einer Pressekonferenz in R\u00e4umlichkeiten des Preu\u00dfischen Landtages (Berlin-Mitte). Unter den ca. 80 Teilnehmern befanden sich einige Mitglieder und Anh\u00e4nger der Berliner Gliederung der PKK sowie etwa 20 Deutsche. 4. M\u00e4rz Informationsveranstaltung zum Thema \"Touristenboykott f\u00fcr Reisen in die T\u00fcrkei\" im \"KATO\" (U-Bahnhof Schlesisches Tor - Berlin-Kreuzberg). An der vom \"AStA TU / Kurdistan AG TU\" initiierten Veranstaltung beteiligten sich ungef\u00e4hr 50 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK sowie etwa 50 Deutsche. 5. M\u00e4rz Protestaktion anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnung der Internationalen Tourismus-B\u00f6rse (ITB) vor dem Haupteingang des Messegel\u00e4ndes (Berlin-Charlottenburg) von bis zu 30 Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK.","5 -Anhang II: Chronologie - 273 Dieser haupts\u00e4chlich aus kurdischen Jugendlichen bestehende Personenkreis verteilte Propagandaund Informationsmaterial, um damit zu einem Boykott f\u00fcr Reisen in die T\u00fcrkei aufzurufen. 6. M\u00e4rz NEWROZ-(Neujahrs-)Fest der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR - Verband der Vereine aus Kurdistan\" in R\u00e4umlichkeiten der Hochschule der K\u00fcnste, Hardenbergstra\u00dfe 33 (Berlin-Charlottenburg). Unter den \u00fcber 800 Anwesenden befanden sich auch etwa 200 Mitglieder und Sympathisanten sowie deren Familienangeh\u00f6rige der Berliner Gliederung der PKK. 12. M\u00e4rz Demonstration aus Anla\u00df des \"Massakers\" in der IbrahimMoschee in Hebron/Israel vom Olivaer Platz (BerlinWilmersdorf) zum Wittenbergplatz (Berlin-Sch\u00f6neberg). Unter den ca. 800 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Angeh\u00f6rige extremistischer Pal\u00e4stinenser-Organisationen der sog. Ablehnungsfront. Ein Redner beklagte u. a. die Inaktivit\u00e4t der Pal\u00e4stinenser in Berlin und appellierte an alle Anwesenden, weiter f\u00fcr den Staat Pal\u00e4stina zu k\u00e4mpfen. 19. M\u00e4rz Demonstration vom Hermannplatz (Berlin-Neuk\u00f6lln) zum Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg) zum Thema \"Verhaftung der Abgeordneten der Demokratischen Partei (DEP) in der T\u00fcrkei\" mit bis zu 150 Teilnehmern. Mit einem Flugblatt hatten zahlreiche linksextremistische t\u00fcrkische Organisationen, darunter verschiedene Fraktionen der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und die \"Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP), zur Teilnahme an dieser Demonstration aufgerufen 19. M\u00e4rz Spontane Protestkundgebung von mehr als 800 Personen - nach Angaben des Veranstalters etwa 2 000 - vor dem Haupteingang der Technischen Universit\u00e4t Berlin, Stra\u00dfe des 17. Juni (Berlin-Charlottenburg), gegen die Untersagung einer f\u00fcr diesen Tag im Audimax der TU Berlin anl\u00e4\u00dflich des NEWROZ-(Neujahrs-)Festes geplanten Veranstaltung der vom","5 - Anhang II: Chronologie - 274 PKK-Verbot betroffenen \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK). Die Protestkundgebung nahm einen gewaltsamen Verlauf, als die Kleidung eines Kurden unter nicht gekl\u00e4rten Umst\u00e4nden in Brand geriet. Bei den folgenden Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei wurden 31 Polizeibeamte verletzt. Sieben Gewaltt\u00e4ter wurden wegen schweren Landfriedensbruchs vor\u00fcbergehend festgenommen; gegen f\u00fcnf von ihnen wurde Haftbefehl erlassen. Anschlie\u00dfend begaben sich die Demonstranten zu einer bereits angemeldeten Demonstration zum Breitscheidplatz (BerlinCharlottenburg) W\u00e4hrend des Marsches zum Breitscheidplatz skandierten die Demonstrationsteilnehmer Parolen der PKK. Auch in anderen St\u00e4dten der Bundesrepublik Deutschland kam es wegen des Verbots geplanter Veranstaltungen anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Newroz-Festes z. T. zu schweren Ausschreitungen, bei denen bundesweit \u00fcber 90 Polizeibeamte verletzt wurden. In diesem Zusammenhang wurden \u00fcber 500 Ermittlungsverfahren eingeleitet und zahlreiche Haftbefehle erlassen. 21. M\u00e4rz Fackelzug von \u00fcber 1 000 Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) sowie ihren Familienangeh\u00f6rigen. Der Fackelzug f\u00fchrte vom Richardplatz (Berlin-Neuk\u00f6lln) zum Mariannenplatz (Berlin-Kreuzberg) und richtete sich gegen die Untersagung des f\u00fcr den 19. M\u00e4rz im Audimax der TU Berlin geplanten Newroz-Festes. 22. M\u00e4rz Zeitweise Blockade der Bundesautobahn (BAB 115) in H\u00f6he des ehemaligen Grenzkontrollpunktes Dreilinden durch etwa 200 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK. Die Demonstranten setzten Autoreifen in Brand und organisierten eine Sitzblockade auf der Fahrbahn. Wegen des Verdachts der N\u00f6tigung und des gef\u00e4hrlichen Eingriffs in den Stra\u00dfenverkehr wurden 101 Demonstranten vorl\u00e4ufig festbzw. in Gewahrsam genommen. Gegen 50 Personen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet.","5 - Anhang II: Chronologie - 275 Zeitgleich kam es bundesweit zu \u00e4hnlichen Aktionen von PKKAnh\u00e4ngern, bei denen sich einzelne Kurden mit Benzin \u00fcberg\u00f6ssen und anz\u00fcndeten. Diese Protestaktionen, an denen sich bundesweit \u00fcber 1 000 Kurden beteiligten, richteten sich gegen das Verbot einiger Veranstaltungen der PKK bzw. ihrer Nebenorganisationen aus Anla\u00df des Newroz-Festes. 9. April Diskussionsveranstaltung im Audimax der Technischen Universit\u00e4t Berlin (Berlin-Charlottenburg) zum Thema \"Situation in der T\u00fcrkei\". Unter den etwa 700 Teilnehmern befanden sich etwa je zur H\u00e4lfte Anh\u00e4nger und Sympathisanten zahlreicher linksextremistischer t\u00fcrkischer Organisationen, u. a. verschiedener Fraktionen der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) sowie der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK). Die Vertreter der Organisationen stellten fest, da\u00df ihr gemeinsames Ziel der Sturz der derzeitigen t\u00fcrkischen Regierung sei. Zu diesem Zweck werde auch der Versuch unternommen, mit der PKK zusammenzuarbeiten. 15. April Demonstration \"gegen die beabsichtigte Abschiebung von jugoslawischen Staatsb\u00fcrgern\" vom Fehrbelliner Platz (BerlinWilmersdorf) zum Breitscheidplatz (Berlin-Charlottenburg). An der von einigen Deutschen organisierten Demonstration beteiligten sich etwa 700 Personen, \u00fcberwiegend KosovoAlbaner und Roma aus der Region Vojvodina. 22. April Festveranstaltung aus Anla\u00df der Gr\u00fcndung des \"Kurdischen Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Forschung\" auf dem Hof des neuen kurdischen Kommunikationszentrums in BerlinKreuzberg. Unter den ca. 500 Kurden befanden sich zahlreiche f\u00fchrende Mitglieder der Berliner Gliederung der PKK. Nach Redebeitr\u00e4gen wurden Parolen der PKK skandiert. Am Ende der Feierlichkeiten wurde eine Gru\u00dfadresse des PKKGeneralsekret\u00e4rs Abdullah \u00d6CALAN verlesen, die von den Anwesenden mit gro\u00dfer Begeisterung aufgenommen wurde.","5 - Anhang II: Chronologie - 276 22. April Gedenkveranstaltung der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR - Verband der Vereine aus Kurdistan\" f\u00fcr den legend\u00e4ren irakischen Kurdenf\u00fchrer Mulla Mustafa BARZANI in der FU Berlin mit etwa 200 Teilnehmern. Die Anwesenden \u00e4u\u00dferten ihre Unzufriedenheit \u00fcber das Fernbleiben von Vertretern anderer kurdischer Organisationen an dieser Festveranstaltung. 23. April Politisches Seminar des \"Kurdischen Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Forschung\" im Audimax der Humboldt-Universit\u00e4t (BerlinMitte) mit etwa 300 kurdischen Teilnehmern. Die Redebeitr\u00e4ge befa\u00dften sich u. a. mit den Waffenlieferungen der Bundesregierung an die T\u00fcrkei und dem Verbot der kurdischen Organisationen in Deutschland. 24. April Festveranstaltung des \"Kurdischen Instituts f\u00fcr Wissenschaft und Forschung\" in einem Saal in Berlin-Neuk\u00f6lln mit \u00fcber 1 000 kurdischen Teilnehmern. Auf der B\u00fchne war eine Fahne der verbotenen \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) und ein Bild des Generalsekret\u00e4rs der PKK angebracht. Zwischen den einzelnen Vortr\u00e4gen und Folkloredarbietungen riefen die Anwesenden Parolen der PKK. 24. April Demonstration von Berliner bosnischen Muslimen und Kroaten aus Protest gegen \"die fehlende Unterst\u00fctzung der Welt f\u00fcr Bosnien\" mit ca. 1 500 Teilnehmern. 27. April Informationsveranstaltung studentischer Gremien \u00fcber die derzeitige Situation in \"T\u00fcrkisch-Kurdistan\" im Audimax der Humboldt-Universit\u00e4t (Berlin-Mitte). Unter den \u00fcber 200 Anwesenden befanden sich zahlreiche Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK. 1. Mai Am Rande der offiziellen 1. Mai-Demonstration der Gewerkschaften kam es im Lustgarten (Berlin-Mitte) zu einer zun\u00e4chst verbalen Auseinandersetzung zwischen Polizeibeamten und einer Gruppe von etwa 50 kurdischen Kundgebungsteilneh-","5 -Anhang II: Chronologie - 277 mern, als die Polizei sie aufforderte, u. a. eine Fahne der verbotenen PKK-Teilorganisation \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) einzurollen. Die Demonstranten kamen der Aufforderung der Polizei nicht nach; es kam zu einem Handgemenge, in dessen Verlauf f\u00fcnf Polizeibeamte leicht verletzt wurden. Gegen einige Demonstranten wurde deshalb Strafanzeige erstattet. 6. Mai Veranstaltung der extrem-nationalistischen \"F\u00f6deration der t\u00fcrkisch-demokratischen Idealistenvereine in Europa e. V.\" (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt/Main in einem Festsaal in Berlin-Neuk\u00f6lln mit etwa 1 500 Teilnehmern, darunter \u00fcber 300 Angeh\u00f6rige der Berliner Mitgliedsvereinigung \"T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB). Ein Redner warf der t\u00fcrkischen Regierung Tatenlosigkeit und Lethargie bei der Bek\u00e4mpfung der PKK vor. 7. Mai Informationsveranstaltung studentischer Gremien zum Thema \"Aktuelle Lage in Kurdistan\" in der \"Rostlaube\" der Freien Universit\u00e4t Berlin (Berlin-Zehlendorf). Bei den \u00fcber 300 Teilnehmern handelte es sich fast ausschlie\u00dflich um Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK. 18.-22. Mai \"Volksschulung\" im Rahmen einer Vortragsreihe in den R\u00e4umen des kurdischen Kommunikationszentrums in BerlinKreuzberg. Die von PKK-Funktion\u00e4ren moderierte Vortragsreihe wurde t\u00e4glich von bis zu 200 Personen, bei denen es sich \u00fcberwiegend um kurdische Jugendliche handelte, besucht. Die Schulung umri\u00df thematisch die Entstehung und Geschichte der PKK und ihrer Kampfbzw. Propagandaorganisationen. 23. Mai Kulturveranstaltung der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) unter dem Motto \"Gegen Rassismus, Chauvinismus und Nationalismus in der T\u00fcrkei f\u00fcr t\u00fcrkisch-kurdische Br\u00fcderschaft\" in der Alten Mensa der TU Berlin (Berlin-Charlottenburg) mit \u00fcber 300 Teilnehmern.","5 -Anhang II: Chronologie - 278 Die Berliner Gliederung der PKK-Nebenorganisation \"Verein Patriotischer K\u00fcnstler Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (HUNERKOM) gestaltete \u00fcberwiegend den Folkloreteil. 28/29. Mai Sachbesch\u00e4digung zum Nachteil des Vereins \"DeutschKurdisch Kultur Zentrum (NAWCAKURD) in Berlin e. V.\" in Berlin-Kreuzberg. Unbekannte T\u00e4ter zerst\u00f6rten zwei gro\u00dfe Schilder, die auf diesen Verein und weitere in dem Geb\u00e4ude befindliche kurdische Vereinigungen hinwiesen. Angeh\u00f6rige des Vereins vermuteten dahinter eine Aktion \"faschistischer\" T\u00fcrken. Gegen diese wurden ungezielte Drohungen ausgesto\u00dfen. 29. Mai Protestaktion von etwa 15 bis 20 jugendlichen Sympathisanten der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) im Nikolaiviertel (BerlinMitte). W\u00e4hrend einer Wahlveranstaltung der F.D.P. anl\u00e4\u00dflich der Europawahlen am 12. Juni, an der u. a. Bundesau\u00dfenminister Dr. KINKEL teilnahm, zeigten die Demonstranten Transparente u. a. mit den Parolen \"Keine Waffenlieferung in die T\u00fcrkei\", \"Tquristenboykott f\u00fcr Reisen in die T\u00fcrkei\" und \"Gestern Juden, heute Kurden\". 4. Juni Protestaktion von \u00fcber 30 Mitgliedern und Sympathisanten der linksextremistischen \"Patriotischen Union Kurdistans\" (PUK) vor dem Generalkonsulat der Islamischen Republik Iran in BerlinPrenzlauer Berg. Die Proteste richteten sich gegen die angebliche massive milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung der \"Demokratischen Partei KurdistansIrak\" (DPK-Irak) durch den Iran im kriegerischen Konflikt zwischen den Anh\u00e4ngern der beiden Organisationen im Irak. 4. Juni Demonstration von Anh\u00e4ngern des deutschen linksextremistischen Spektrums unter dem Motto \"Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen Volk\" vom Fehrbelliner Platz (Berlin-Wilmersdorf) zum Breitscheidplatz (Berlin-Charlottenburg).","5 - Anhang II: Chronologie - 279 Unter den etwa 150 Teilnehmern befanden sich neben deutschen Autonomen auch bis zu 30 Anh\u00e4nger der linksextremistischen \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L). Auf der Abschlu\u00dfkundgebung forderten die Sprecher die Bundesregierung auf, keine Waffen mehr in die T\u00fcrkei zu liefern, da diese gegen das kurdische Volk eingesetzt w\u00fcrden. 11. Juni Konferenz zum Thema \"Umweltschutz im Iran\", veranstaltet von der Berliner Gliederung der islamisch-extremistischen \"Iranischen Moslemischen Studentenvereinigung Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (IMSV) im Mathematikgeb\u00e4ude der Technischen Universit\u00e4t (Berlin-Charlottenburg) mit etwa 100 Teilnehmern, darunter 50 IMSV-Sympathisanten. 12. Juni \"Volksversammlung\" in den R\u00e4umen des \"Deutsch-Kurdisch Kultur Zentrum (NAWCAKURD) in Berlin e.V.\" in BerlinKreuzberg. Bei den ca. 400 anwesenden Personen handelte es sich um Mitglieder und Sympathisanten des Vereins und weiterer unter dieser Anschrift ans\u00e4ssiger kurdischer Vereinigungen sowie zahlreiche G\u00e4ste, darunter Frauen und Kinder. Ein f\u00fchrender PKK-Funktion\u00e4r bezeichnete die Bundesregierung wegen der Ausbildung von t\u00fcrkischen Soldaten und der zahlreichen Waffenlieferungen an die T\u00fcrkei als \"Kriegspartei\". 16./17. Juni Plakataktion von etwa 40 jugendlichen Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK in den Bezirken Wedding und Reinickendorf. Mit den Plakaten wurde zur Teilnahme an einer Gro\u00dfdemonstration am 25. Juni in Frankfurt am Main aufgerufen. Im Verlauf dieser Plakataktionen kam es zu einer Schl\u00e4gerei mit jugendlichen T\u00fcrken, die versuchten, die Plakate abzurei\u00dfen. Die Polizei nahm in diesem Zusammenhang etwa 20 Personen vorl\u00e4ufig fest. 19. Juni Kulturveranstaltung der Berliner Zweigstelle der PKK-Nebenorganisation \"Union der revolution\u00e4r-patriotischen Jugend Kur-","5 - Anhang II: Chronologie - 280 distans\" (YCK) in einem Saal in Berlin-Wedding mit \u00fcber 1 000 Teilnehmern. Ein Berliner PKK-Funktion\u00e4r rief die Jugendlichen auf, in die Heimat zur\u00fcckzukehren, um den bewaffneten Kampf der PKK in Kurdistan zu unterst\u00fctzen. Der Redebeitrag wurde durch PKK-Parolen und Hochrufe auf \u00d6CALAN beendet. 25. Juni Mahnwache der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR-Verband der Vereine aus Kurdistan\" auf dem Markt in der Spandauer Altstadt. An der Aktion nahmen etwa 10 Personen teil. Passanten wurden auf die derzeitige Situation in der T\u00fcrkei hingewiesen und zum Tourismusboykott aufgefordert. 30. Juni Weitere Mahnwache der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR-Verband der Vereine aus Kurdistan\" auf dem Leopoldplatz in Wedding mit wiederum 10 Aktivisten zum gleichen Thema. 3. Juli Auseinandersetzung zwischen Mitgliedern der Jugendgruppe der extrem-nationalistischen \"T\u00fcrkischen Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) und kurdischen Jugendlichen, vermutlich Anh\u00e4ngern der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) am Kottbusser Tor (Berlin-Kreuzberg). Bei der Auseinandersetzung wurden von beiden Seiten Schlagwerkzeuge eingesetzt. Die Kontrahenten konnten von alarmierten Polizeikr\u00e4ften nur unter Schlagstockeinsatz getrenntwerden. 4. Juli Trauermarsch, initiiert von der der Berliner autonomen Szene zuzurechnenden Gruppe \"Antirassistische Initiative\", aus Anla\u00df des Todes des 16j\u00e4hrigen Kurden Halim DENER in Hannover. An dem Aufzug, der vom Breitscheidplatz zum Bayerischen Platz (Berlin-Sch\u00f6neberg) f\u00fchrte, beteiligten sich 450, nach Angaben des Veranstalters bis zu 2 000 Personen. Unter den Teilnehmern befanden sich neben Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK auch zahlreiche Anh\u00e4nger des deutschen linksextremistischen Spektrums, deut-","5 - Anhang II: Chronologie - 281 sehe Autonome sowie einige Anh\u00e4nger der linksextremistischen \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / MarxistenLeninisten\" (TKP/M-L). Nach Abschlu\u00df der Kundgebung kam es vor einem Eingang des U-Bahnhofs Bayerischer Platz zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen Polizeibeamten und deutschen Autonomen, die Steine und Dosen auf die Polizisten geworfen hatten. 9. Juli Zentraler Trauermarsch von PKK-Anh\u00e4ngern und Sympathisanten in Hannover aus Anla\u00df des Todes von Halim DENER. Nach Angaben der Polizei nahmen daran mehr als 16 000 Personen teil; der Veranstalter nannte eine Zahl von \u00fcber 70 000. Aus Berlin waren etwa 1 500 Mitglieder und Sympathisanten der PKK in gemieteten Bussen und privaten Pkw angereist. Die Teilnehmer forderten u. a. die Aufhebung des PKKVerbots. Neben Bildern des PKK-Generalsekret\u00e4rs Abdullah \u00d6CALAN wurden zahlreiche Fahnen und Symbole der verbotenen PKK und ERNK mitgef\u00fchrt. 9./10. Juli Konferenz zum Thema \"Das Kurdenproblem und die islamische L\u00f6sung\" in einem Saal in Berlin-Kreuzberg. Die von Berliner PKK-Sympathisanten initiierte Veranstaltung wurde t\u00e4glich von bis zu 400 Personen besucht. W\u00e4hrend der Veranstaltung ergriffen u. a. Vertreter der verbotenen ERNK das Wort. In Redebeitr\u00e4gen wurde die Auffassung vertreten, die Kurdenpolitik sei mit der islamischen Frage eng verkn\u00fcpft. Eine Gru\u00dfadresse des Generalsekret\u00e4rs der PKK, Abdullah \u00d6CALAN, wurde per Tonband den Anwesenden vorgespielt. Im allgemeinen zeigte man sich entt\u00e4uscht dar\u00fcber, da\u00df trotz Einladung Vertreter islamisch-extremistischer Gruppen nicht zu der Veranstaltung erschienen waren. 14. Juli Veranstaltung zum \"Tag der M\u00e4rtyrer\" in R\u00e4umlichkeiten des kurdischen Kommunikationszentrums in Berlin-Kreuzberg mit etwa 100 Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK unter Leitung eines Berliner PKK-Funktion\u00e4rs.","5 - Anhang II: Chronologie - 282 22/23. Juli Brandanschl\u00e4ge auf das Vereinslokal des Fu\u00dfballclubs \"T\u00dcRK EL SPOR e. V.\" in Berlin-Kreuzberg und einen t\u00fcrkischen Imbi\u00df in Berlin-Wedding. In Kreuzberg wurden durch das Feuer sechs t\u00fcrkische Lokalg\u00e4ste verletzt, davon drei schwer. Bei dem Anschlag im Wedding entstand lediglich geringer Sachschaden am Mobiliar. In Kreisen extrem-nationalistischer T\u00fcrken wurden PKKAnh\u00e4nger beschuldigt, diese Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt zu haben. 27. Juli Polizeiliche Durchsuchung des kurdischen Kommunikationszentrums in Berlin-Kreuzberg. Anla\u00df der Aktion war der Verdacht auf Schutzgelderpressung f\u00fcr die PKK. Bei der Durchsuchung wurden diverse Unterlagen und Propagandamaterial der ERNK sichergestellt. Eine Person, die im Verdacht steht, an den Brandanschl\u00e4gen kurdischer Jugendlicher auf t\u00fcrkische Einrichtungen in Berlin am 4. November 1993 beteiligt gewesen zu sein, wurde festgenommen. 28. Juli Pressekonferenz im kurdischen Kommunikationszentrum in Berlin-Kreuzberg aus Anla\u00df der polizeilichen Durchsuchungsaktion am Vortage. Vertreter der im Hause ans\u00e4ssigen kurdischen Vereinigungen \u00e4u\u00dferten ihren Unmut dar\u00fcber, da\u00df das gesamte Geb\u00e4ude durchsucht worden sei. Sie warfen der Polizei vor, sie habe mit dieser Aktion beabsichtigt, die Kurden \"einzusch\u00fcchtern\" und sich nur einen \u00dcberblick \u00fcber die neuen R\u00e4umlichkeiten verschaffen zu wollen. 31. Juli \"Picknick\" von etwa 300 Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK, darunter auch Familienangeh\u00f6rige, auf einer Gr\u00fcnfl\u00e4che neben dem Haus der Kulturen der Welt (Berlin-Tiergarten). Ein f\u00fchrender Funktion\u00e4r des Berliner Gebietskomitees der PKK schilderte die aktuelle Situation in \"T\u00fcrkisch-Kurdistan\". W\u00e4hrend seiner Rede wurden von den Teilnehmern wiederholt PKK-bezogene Parolen gerufen.","5 -Anhang II: Chronologie283 14. August \"Kulturveranstaltung\" der Berliner Gliederung der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) in einem Festsaal in BerlinWedding aus Anla\u00df des 10. Jahrestages des Beginns des bewaffneten Kampfes der PKK (15. August 1984) in Kurdistan. An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 1 000 Personen, fast ausschlie\u00dflich Mitglieder und Sympathisanten der Berliner PKK-Gliederung. Im Verlauf der Veranstaltung meldeten sich einige kurdische Jugendliche spontan f\u00fcr den Einsatz zum Kampf in Kurdistan. 19. August Messerstecherei in einem t\u00fcrkischen Lokal in Berlin-Kreuzberg zwischen dem Inhaber und einem Angestellten des Lokals sowie vier Kurden. Die vier Kurden wollten die von der verbotenen PKK herausgegebene Zeitschrift \"BERXWEDAN\" und weitere kurdische Publikationen im Lokal zum Kauf anbieten. Als der t\u00fcrkische Wirt dies untersagte, kam es zu der t\u00e4tlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Wirt niedergestochen wurde. 1. September Protestkundgebung der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR-Verbandes der Vereine aus Kurdistan\" gegen die Kurdenpolitik der T\u00fcrkei vor dem Generalkonsulat der T\u00fcrkei in Berlin-Wilmersdorf mit \u00fcber 30 Teilnehmern. 9. September Veranstaltung der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) aus Anla\u00df des 10. Todestages des im Pariser Exil verstorbenen t\u00fcrkischen Schauspielers und Regisseurs Yilmaz G\u00dcNEY im Audimax der TU Berlin. Unter den etwa 1 400 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Mitglieder und Anh\u00e4nger verschiedener linksextremistischer T\u00fcrken-Organisationen. Am Rande der Veranstaltung kam es kurzfristig zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung zwischen den Anh\u00e4ngern der verfeindeten Fl\u00fcgel der verbotenen gewaltorientierten linksextremistischen t\u00fcrkischen Organisation \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke).","5 -Anhang II: Chronologie284 24. September \"Halim DENER - 3. Internationales Kurdistan-Festival\", initiiert von der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK), in der niederl\u00e4ndischen Stadt Landgraaf. An der Gro\u00dfveranstaltung nahmen etwa 50 000 Mitglieder und Sympathisanten der PKK, nach Angaben des Veranstalters \u00fcber 100 000 Personen, teil. Aus Berlin waren ca. 1 300 Personen in gemieteten Bussen und privaten Pkw angereist. 25. September Kulturveranstaltung der extrem-nationalistischen \"T\u00fcrkischen Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) in einem Festsaal in Berlin-Neuk\u00f6lln mit etwa 1 400 Teilnehmern. Als Ehrengast nahm ein aus der T\u00fcrkei angereister Abgeordneter der \"Partei der Nationalistischen Bewegung\" (MHP) an der Veranstaltung teil. 25. September T\u00e4tliche Auseinandersetzungen zwischen Angeh\u00f6rigen der extrem-nationalistischen T\u00fcrkenvereine \"Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V.\" (BUD) und der \"T\u00fcrkischen Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) vor und im Vereinssitz des BUD in Berlin-Wedding. Anla\u00df der T\u00e4tlichkeiten war der Anspruch beider Vereine, die R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten zu nutzen. Anh\u00e4nger der T\u00dcB erschienen an diesem Tage zusammen mit einem Rechtsanwalt und Polizeibeamten vor dem Vereinssitz des BUD, um die rechtliche Situation kl\u00e4ren zu lassen. j 7. Oktober \"Wahlveranstaltung\" der Berliner Gliederung des linksextremistischen \"KOMKAR - Verband der Vereine aus Kurdistan\" unter dem Motto \"Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder\" am Maybachufer/Kottbusser Br\u00fccke (Berlin-Kreuzberg). Die etwa 15 Teilnehmer verteilten an ausl\u00e4ndische Passanten \"Stimmzettel f\u00fcr die symbolische Wahl zum Bundestag in Berlin\". 9. Oktober \"Volksversammlung\" der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) in einem Saal in Berlin-Kreuzberg mit bis zu 400 Teilnehmern.","5 - Anhang II: Chronologie - 285 Ein f\u00fchrender Funktion\u00e4r der Berliner Gliederung der PKK behauptete, die T\u00fcrkei sei sowohl wirtschaftlich als auch politisch und milit\u00e4risch am Ende und stehe unter internationalem Druck, so da\u00df sie gezwungen sei, in absehbarer Zeit Verhandlungen mit der PKK aufzunehmen. Weitere Redner vertraten die Meinung, die Kurden in Europa f\u00fchrten ein angenehmes Leben und m\u00fc\u00dften von ihrem \"Reichtum\" etwas abgeben. In diesem Zusammenhang wurde verlangt, da\u00df Gesch\u00e4ftsleute mindestens 5 000 DM und Arbeiter einen Monatslohn spenden m\u00fc\u00dften. 21. Oktober Demonstration von mehreren linksextremistischen t\u00fcrkischen Organisationen gegen \"die Massaker des t\u00fcrkischen Staates in Dersim\" (kurdische Bezeichnung f\u00fcr die Provinz Tunceli) vom Hermannplatz (Berlin-Neuk\u00f6lln) zum Kottbusser Tor (BerlinKreuzberg). Unter den nahezu 500 Teilnehmern befanden sich u. a. zahlreiche Mitglieder und Sympathisanten der \"T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei / Marxisten-Leninisten\" (TKP/M-L) und der \"Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei\" (TDKP). In Redebeitr\u00e4gen und auf Flugbl\u00e4ttern wurde das t\u00fcrkische Milit\u00e4r beschuldigt, sich staatsterroristischer Methoden zu bedienen. Die deutsche Regierung mache sich an diesem \"Gemetzel\" mitschuldig, indem sie Waffen an die T\u00fcrkei liefere. 22. Oktober Demonstration eines \"Solidarit\u00e4tskomitees Dersim\" gegen \"die Massaker des t\u00fcrkischen Staates in Dersim\" vom Wittenbergplatz (Berlin-Sch\u00f6neberg) zum Olivaer Platz (BerlinCharlottenburg). Daran nahmen etwa 1 000 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) teil. Vor Beginn der Veranstaltung kam es zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizeibeamten, als diese Fahnen und Embleme der vom PKK-Verbot betroffenen internationalen Teilorganisation \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) beschlagnahmten. Einige Demonstrations-","5 - Anhang II: Chronologie - 286 teilnehmer bespritzten zwei Polizisten mit Benzin und versuchten sie anzuz\u00fcnden. Im Verlauf des Aufzuges wurde ein Polizeibeamter in Zivil von Demonstrationsteilnehmem erkannt. Einige Demonstranten schlugen ihn nieder und versuchten, ihm seine Dienstwaffe zu entwenden. Dieses konnte durch das Eingreifen weiterer Polizeikr\u00e4fte verhindert werden. 23. Oktober Informationsveranstaltung der Berliner Gliederung der PKK in einem Festsaal in Berlin-Tiergarten zum Thema \"Massaker in Dersim\" mit etwa 400 Teilnehmern. Die Veranstaltung wurde von einem f\u00fchrenden Funktion\u00e4r der Berliner Gliederung der PKK geleitet Als Gastredner trat ein hochrangiger Vertreter der verbotenen \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) auf, der \"die Massaker\" der t\u00fcrkischen Armee an der dortigen Bev\u00f6lkerung verurteilte. 23. Oktober Veranstaltung des sog. KARATAS-Fl\u00fcgels der t\u00fcrkischen Organisation \"Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) in einem Festsaal in Berlin-Kreuzberg mit \u00fcber 200 Teilnehmern. Anla\u00df der Veranstaltung war die Bekanntgabe der Gr\u00fcndung einer Partei unter dem Namen \"Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front\" (DHKP-C), die den \"revolution\u00e4ren Kampf\" der in der Bundesrepublik Deutschland am 9. Februar 1983 verbotenen \"Devrimci Sol\" k\u00fcnftig fortsetzen soll. 30. Oktober Treffen von etwa 150 Mitgliedern und Sympathisanten der Berliner Gliederung der PKK im kurdischen Kommunikationszentrum in Berlin-Kreuzberg. Ein Thema war die Festnahme des Europa-Sprechers der ERNK, Kani YILMAZ, am 26. Oktober in London. Das Handeln der britischen Beh\u00f6rden sei nur auf das Einwirken der t\u00fcrkischen Regierung zur\u00fcckzuf\u00fchren. 5. November Besuch des Generalsekret\u00e4rs der extrem-nationalistischen \"F\u00f6deration der t\u00fcrkisch-demokratischen Idealistenvereine in Europa e. V.\" (AD\u00dcTDF) beim Berliner Mitgliedsverein \"Turki-","5 - Anhang II: Chronologie - 287 sehe Idealistengemeinschaft in Berlin\" (T\u00dcB) in BerlinKreuzberg mit etwa 50 Teilnehmern. Der aus Frankfurt am Main angereiste Generalsekret\u00e4r der AD\u00dcTDF \u00fcbte Kritik an der F\u00fchrung des Berliner Vereins und beklagte mangelnde Spendenbereitschaft der Mitglieder. 6. November Festveranstaltung der Berliner Zweigstelle der PKK-Nebenorganisation \"Union der revolution\u00e4r-patriotischen Jugend aus Kurdistan\" (YCK) in der Alten Mensa der TU Berlin aus Anla\u00df des 7. Jahrestages der Gr\u00fcndung der YCK, an der bis zu 800 Personen teilnahmen. Einen breiten Raum nahm die Rede eines f\u00fchrenden Funktion\u00e4rs der Berliner Gliederung der PKK ein. Er gab an, die Zahl der \"Freiheitsk\u00e4mpfer\" in Kurdistan w\u00fcrde sich im n\u00e4chsten Jahr auf 50 000 erh\u00f6hen und hob in diesem Zusammenhang die Bedeutung der kurdischen Jugend f\u00fcr den \"Befreiungskampf\" in \"T\u00fcrkisch-Kurdistan\" besonders hervor. 13. November Veranstaltung der Berliner Gliederung der islamisch-extremistischen T\u00fcrken-Organisation \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e. V.\" (AMGT) in Berlin-Mitte mit etwa 1 200 Teilnehmern. In seinem Redebeitrag forderte der europ\u00e4ische Jugendsekret\u00e4r der AMGT die Anwesenden auf, den Islam nicht nur auf religi\u00f6ser, sondern auch auf weltlicher Ebene zu verbreiten. Durch eine verst\u00e4rkte Einb\u00fcrgerung von Muslimen w\u00fcrden sich Einflu\u00dfm\u00f6glichkeiten ergeben, den Islam auch in den westlichen Staaten zu verbreiten. Dabei setze man besonders auf die Jugend. 15. November Unangemeldete Protestkundgebung von \u00fcber 40 Kurden vor der Au\u00dfenstelle der britischen Botschaft in Berlin-Mitte. Der Protest richtete sich gegen die Festnahme des EuropaSprechers der internationalen PKK-Teilorganisation \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK), Kani YILMAZ, am 26. Oktober in London und den Antrag des Generalbundesanwalts auf Auslieferung an die Bundesrepublik Deutschland.","5 - Anhang II: Chronologie - 288 Drei Demonstranten durften das Botschaftsgeb\u00e4ude betreten und eine Resolution \u00fcbergeben. Die etwa halbst\u00fcndige Aktion verlief ohne Zwischenf\u00e4lle. 25. November Solidarit\u00e4tsveranstaltung linksextremistischer t\u00fcrkischer Organisationen, darunter der \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg) in der Alten Mensa der TU Berlin f\u00fcr die \"inhaftierten Antifaschisten\". Daran nahmen bis zu 400 Personen, darunter etwa 40 Deutsche, teil. Ein Vertreter des \"Devrimci Yol\" rief die t\u00fcrkischen Jugendlichen auf, sich politisch zu engagieren, um dem Protest gegen die deutsche Politik Ausdruck zu verleihen. In diesem Zusammenhang erw\u00e4hnte er u. a. die Waffenlieferungen der Bundesrepublik Deutschland an die T\u00fcrkei. Dagegen gelte es zu protestieren, um den kurdischen \"Befreiungskampf zumindest solidarisch zu unterst\u00fctzen. 26. November Aktionen zum 1. Jahrestag des Verbots der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) in Deutschland. In den Bezirken Spandau und Wedding wurden je eine Bombenattrappe zusammen mit Schriftmaterial aufgefunden. Das bei den Attrappen aufgefundene Schriftmaterial bezog sich auf das PKK-Verbot in der Bundesrepublik Deutschland. In den Bezirken Sch\u00f6neberg und Kreuzberg wurden auf Fahrbahnen Autoreifen in Brand gesetzt. F\u00fcr diese Aktionen liegen keine T\u00e4terhinweise vor, ein PKK-Bezug ist jedoch nicht auszuschlie\u00dfen. 27. November Festveranstaltung aus Anla\u00df des 16. Jahrestages der Gr\u00fcndung der PKK in der Alten Mensa der TU Berlin. An der von f\u00fchrenden Mitgliedern der Berliner Gliederung der PKK geleiteten Veranstaltung nahmen bis zu 1 500 Personen teil. Ein PKK-Aktivist bezeichnete das PKK-Verbot als eine ganz normale Sache, da das kurdische Volk seit Jahrhunderten unterdr\u00fcckt werde; trotz des Verbots der PKK in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich sei es der Organisation","5 - Anhang II: Chronologie - 289 gelungen, den Kampf in Europa zu verst\u00e4rken. Alle Kurden wurden aufgerufen, die PKK finanziell zu unterst\u00fctzen. 3. Dezember Informationsveranstaltung der Berliner Gliederung der linksextremistischen t\u00fcrkischen Organisation \"Devrimci Yol\" (Revolution\u00e4rer Weg) im Mathematik-Geb\u00e4ude der TU Berlin zum Thema \"Menschenrechte in der T\u00fcrkei\". An der Veranstaltung nahmen etwa 150 Personen, darunter etwa 50 Mitglieder und Sympathisanten der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) und etwa 30 Deutsche teil. Die Redebeitr\u00e4ge befa\u00dften sich mit der Situation der Menschenrechte und der Gewerkschaften in der T\u00fcrkei. 11. Dezember \"Volksversammlung\" in den R\u00e4umen des \"Deutsch-Kurdisch Kultur Zentrum (NAWCAKURD) in Berlin e.V.\" in BerlinKreuzberg mit etwa 300 Teilnehmern. Die Veranstaltung wurde von einem f\u00fchrenden Funktion\u00e4r der Berliner Gliederung der PKK geleitet. Im Zusammenhang mit der derzeit laufenden Spendenkampagne f\u00fcr die ARGK erkl\u00e4rte er, da\u00df sich die Spendenbereitschaft der hier lebenden Kurden positiv ver\u00e4ndert habe. W\u00e4hrend man in den Vorjahren Spender mehrfach in ihren Wohnungen aufsuchen mu\u00dfte, seien diesmal zahlreiche Spender freiwillig zu NAWCAKURD gekommen, um entsprechende Geldbetr\u00e4ge zu \u00fcbergeben. 15. Dezember Protestaktion von vermutlichen Anh\u00e4ngern der linksextremistischen \"Revolution\u00e4ren Volksbefreiungspartei/-front\" (DHKP-C) in Berlin-Kreuzberg. Etwa sechs unbekannt gebliebene Personen setzten auf der Fahrbahnmitte vier Autoreifen mittels eines Molotowcocktails in Brand. Auf Transparenten forderten sie die Freilassung des in Frankreich inhaftierten F\u00fchrers der Organisation, Dursun KARATAS. 15. Dezember Vor\u00fcbergehende Besetzung des Berliner B\u00fcros der franz\u00f6sischen Nachrichtenagentur AFP in Berlin-Mitte durch etwa 30","5 - Anhang II: Chronologie - 290 Anh\u00e4nger der \"Revolution\u00e4ren Volksbefreiungspartei/-front\" (DHKP-C). Die Besetzer gaben eine Erkl\u00e4rung ab, in der sie die Freilassung des Parteif\u00fchrers Dursun KARATAS forderten. Die Besetzung endete ohne Zwischenf\u00e4lle; die Presseagentur verzichtete auf einen Strafantrag. 16. Dezember Informationsveranstaltung der linksextremistischen \"F\u00f6deration der demokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e. V.\" (DIDF) im \"Haus der Kulturen der Welt\" in Berlin-Tiergarten zum Thema \"die Situation in der T\u00fcrkei\". Daran nahmen etwa 200 Personen teil. Eine aus der T\u00fcrkei angereiste Rechtsanw\u00e4ltin prangerte die Vorgehensweise der t\u00fcrkischen Sicherheitsbeh\u00f6rden an. \"Antifaschisten\" und \"Demokraten\" w\u00fcrden auf offener Stra\u00dfe verhaftet, Nachfragen von Rechtsanw\u00e4lten nach den Inhaftierten blieben meistens unbeantwortet. Von den Inhaftierten fehle in vielen F\u00e4llen f\u00fcr immer jedes Lebenszeichen. Diese Umst\u00e4nde deuteten darauf hin, da\u00df \"Konterguerillas\" mit Nachrichtendiensten und Sicherheitsbeh\u00f6rden zusammenarbeiten. 17. Dezember Veranstaltung der Berliner Gliederung der verbotenen \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) im Audimax der TU Berlin aus Anla\u00df des 16. Jahrestages der Gr\u00fcndung der Partei (27. November 1978) statt. An der Veranstaltung nahmen bis zu 1 200 Berliner Mitglieder und Sympathisanten der Partei teil, darunter auch einige Deutsche. In seiner etwa einst\u00fcndigen Rede gab der Gebietsleiter Nord der in der Bundesrepublik Deutschland vom PKK-Verbot betroffenen \"Nationalen Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) einen historischen \u00dcberblick \u00fcber die Entstehung der PKK. Dem t\u00fcrkischen Staat warf er Massenmorde und Massaker am kurdischen Volk vor. Auf die Friedensangebote der PKK habe die t\u00fcrkische Regierung mit neuen Gewalttaten reagiert. Als Beispiel nannte er die j\u00fcngsten Bombenanschl\u00e4ge auf die B\u00fcros der PKK-nahen Tageszeitung \"\u00d6zg\u00fcr Ulke\" in Ankara und Istanbul, f\u00fcr die er den t\u00fcrkischen Staat verantwortlich machte.","5 -Anhang II: Chronologie - 291 Mit dem PKK-Verbot habe die Bundesregierung der t\u00fcrkischen Regierung einen besonderen Dienst erwiesen. Die PKK werde sich jedoch nicht von ihrem Weg abbringen lassen, Veranstaltung der Berliner Gliederung der terroristischen Pal\u00e4stinenserorganisation HAMAS in der Alten Mensa der TU Berlin, Unter den etwa 500 bis 700 Teilnehmern befanden sich auch einige Vertreter der \"Hizb Allah\". Als einziger Redner ergriff ein aus London angereister HAMASFunktion\u00e4r das Wort. Einleitend erkl\u00e4rte er, alle K\u00e4mpfer sch\u00f6pften aus dem Glauben an einen Sieg der islamischen Sache ihre Kraft. Mit Steinen und Messern habe der Widerstand begonnen, jetzt spr\u00e4chen richtige Waffen. Die Intifada m\u00fcsse unter allen Umst\u00e4nden fortgesetzt werden, auch wenn \"ARAFAT und seine Bande\" versuchten, sie zu schw\u00e4chen. ARAFAT wolle eine Spaltung des pal\u00e4stinensischen Volkes. Gro\u00dfveranstaltung der Berliner Gliederung der islamischextremistischen T\u00fcrken-Organisation \"Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e. V.\" (AMGT) im Audimax der TU Berlin zum Thema \"Istanbul; gestern, heute und morgen\" mit etwa 4 000 Teilnehmern. Der als Ehrengast der Veranstaltung angereiste B\u00fcrgermeister von Istanbul, Recep Tayyip ERDOGAN, behauptete in seiner Rede, ihm als Vertreter der \"Wohlstandspartei\" (RP) sei es zu verdanken, da\u00df sich die Verh\u00e4ltnisse in Istanbul gebessert h\u00e4tten. Dieser Erfolg sei einzig und allein auf die Umsetzung der gottgef\u00e4lligen Politik der RP zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ferner kritisierte er die \"willk\u00fcrliche\" Berichterstattung \u00fcber die RP sowie \u00fcber seine Person in den t\u00fcrkischen Medien. Jahresabschlu\u00dfveranstaltung der Berliner Gliederung der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) in den Vereinsr\u00e4umen des \"Deutsch-Kurdisch Kulturzentrum NAWCAKURD in Berlin e. V.\" in Berlin-Kreuzberg. Etwa 300 Personen, Mitglieder und Sympathisanten mit ihren Familienangeh\u00f6rigen, nahmen daran teil.","5 - Anhang II: Chronologie - Ein f\u00fchrender Funktion\u00e4r der Berliner Gliederung der ^~~^ hauptete in seiner Rede, da\u00df die T\u00fcrkei Staatsterrorismus treibe. Auf mehrmalige Friedensangebote der PKK habe s. stets mit milit\u00e4rischen Aktionen geantwortet. Das Jahr 1995 werde f\u00fcr das kurdische Volk entscheidend sein. Es werde das Jahr des Sieges und der Befreiung. Neben Gru\u00dfadressen verschiedener PKK-Nebenorganisationen wurde eine Botschaft des PKK-Generalsekret\u00e4rs Abdullah \u00d6CALAN verlesen.","6 - Anhang III: LfVG - 293 6 Anhang III Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vom 25. M\u00e4rz 1995","","Gesetzund Verordnungsblatt BERLIN Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin Herausgeber: Senatsverwaltung f\u00fcr Justiz 51. Jahrgang Nr. 20 Berlin, den 25. April 1995 A 3227 A Inhalt 25. 3.1995 Bekanntmachung der Neufassung des Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) Gesetz Bekanntmachung der Neufassung des Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) Aufgrund des Artikels III des Gesetzes zur \u00c4nderung des Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz vom 22. November 1994 (GVBI. S. 462) wird nachstehend der Wortlaut des Gesetzes \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) vom 26. Januar 1993 (GVBI. S. 33) in der vom 2. Dezember 1994 an geltenden Fassung bekanntgemacht. Berlin, den 25. M\u00e4rz 1995 Der Regierende B\u00fcrgermeister Eberhard Diepgen","6 -Anhang III: LfVG - 296 Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (LfVG) in der Fassung vom 25. M\u00e4rz 1995 ERSTER ABSCHNITT Aufgaben und Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz SS1 Zweck des Verfassungsschutzes Der Verfassungsschutz dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder. SS2 Organisation (1) Die Aufgaben des Verfassungsschutzes werden ausschlie\u00dflich vom Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wahrgenommen. Es wird als obere Landesbeh\u00f6rde gef\u00fchrt. (2) Aufsichtsbeh\u00f6rde ist der Regierende B\u00fcrgermeister von Berlin -Senatskanzlei-. (3) Der Regierende B\u00fcrgermeister wird in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes in der Regel durch den Chef der Senatskanzlei vertreten. (4) Auf Vorschlag des Regierenden B\u00fcrgermeisters kann der Senat mit Zustimmung des Abgeordnetenhauses die Aufsicht auf eine andere Senatsverwaltung \u00fcbertragen. (5) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. SS3 Dienstkr\u00e4fte Die Dienstkr\u00e4fte des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz haben neben den allgemeinen Beamtenpflichten die sich aus dem Wesen des Verfassungsschutzes und ihrer dienstlichen Stellung ergebenden besonderen Pfichten. Sie haben sich jederzeit f\u00fcr den Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes und der Verfassung von Berlin einzusetzen. Die Funktion des Amtsleiters soll nur einer Person \u00fcbertragen werden, die die Bef\u00e4higung zum Richteramt besitzt.","6 -Anhang III: LfVG297 SS4 Zusammenarbeit (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist verpflichtet, mit Bund und L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes zusammenzuarbeiten. Die Zusammenarbeit besteht insbesondere in gegenseitiger Unterst\u00fctzung und Information sowie in der Unterhaltung gemeinsamer Einrichtungen (wie z. B. das nachrichtendienstliche Informationssystem des Bundes und der L\u00e4nder (NADIS) und die Schule f\u00fcr Verfassungsschutz). (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen, das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nur im Benehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. SS5 Aufgaben des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Aufgabe, den Senat von Berlin und andere zust\u00e4ndige staatliche Stellen \u00fcber Gefahren f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder zu unterrichten. Dadurch soll diesen Stellen insbesondere erm\u00f6glicht werden, rechtzeitig die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Abwehr dieser Gefahren zu ergreifen. (2) Zur Erf\u00fcllung dieser Aufgaben sammelt und wertet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen, insbesondere sachund personenbezogene Daten, Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen aus \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Landes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes f\u00fcr eine fremde Macht, 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, 4. fr\u00fchere, fortwirkende unbekannte Strukturen und T\u00e4tigkeiten der Aufkl\u00e4rungsund Abwehrdienste der ehemaligen DDR im Geltungsbereich dieses Gesetzes. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen \u00f6ffentlichen Stellen mit 1. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen,","6 -Anhang III: LfVG298 2. bei der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder werden sollen, 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte, 4. bei sonstigen \u00dcberpr\u00fcfungen, soweit dies im Einzelfall zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen Sicherheit erforderlich ist. N\u00e4heres wird in einer durch die Aufsichtsbeh\u00f6rde zu erlassenden Verwaltungsvorschrift bestimmt. Die Mitwirkung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung nach Absatz 3 Nr. 1 und 2 setzt im Einzelfall voraus, da\u00df die zu \u00fcberpr\u00fcfende Person zugestimmt hat. In die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung d\u00fcrfen mit ihrer Zustimmung der Ehegatte, Verlobte oder die Person, die mit der betroffenen Person in ehe\u00e4hnlicher Gemeinschaft lebt, miteinbezogen werden. SS6 Begriffsbestimmungen (1) Bestrebungen im Sinne des SS 5 Abs. 2 Nr. 1 und 3 sind politisch motivierte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen oder Bet\u00e4tigungen von Organisationen, Personenzusammenschl\u00fcssen ohne feste hierarchische Organisationsstrukturen (unorganisierte Gruppen) oder Einzelpersonen gegen die in SS 5 Abs. 2 bezeichneten Schutzg\u00fcter. F\u00fcr eine Organisation oder einen Personenzusammenschlu\u00df ohne feste hierarchische Organisationsstruktur (unorganisierte Gruppe) handelt, wer sie in ihren Bestrebungen nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt. Verhaltensweisen von Einzelpersonen, die nicht in einer oder f\u00fcr eine Organisation oder in einem oder f\u00fcr einen Personenzusammenschlu\u00df ohne feste hierarchische Organisationsstruktur (unorganisierte Gruppe) handeln, sind Bestrebungen im Sinne dieses Gesetzes, wenn sie auf Anwendung von Gewalt gerichtet sind oder auf Grund ihrer Wirkungsweise geeignet sind, ein Schutzgut dieses Gesetzes erheblich zu besch\u00e4digen. (2) Bestrebungen im Sinne dieses Gesetzes, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtet sind, sind solche, die auf die Beseitigung oder Au\u00dferkraftsetzung wesentlicher Verfassungsgrunds\u00e4tze abzielen. Hierzu geh\u00f6ren: 1. das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung auszu\u00fcben und die Volksvertretung in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl zu w\u00e4hlen,","6 -Anhang III: LfVG - 299 2. die Bindung der Gesetzgebung an die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und die Bindung der vollziehenden Gewalt und der Rechtssprechung an Gesetz und Recht, 3. das Recht auf Bildung und Aus\u00fcbung einer parlamentarischen Opposition, 4. die Abl\u00f6sbarkeit der Regierung und ihre Verantwortlichkeit gegen\u00fcber der Volksvertretung, 5. die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, 6. der Ausschlu\u00df jeder Gewaltund W\u00fclk\u00fcrherrschaft und 7. die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte. (3) Im Sinne dieses Gesetzes sind 1, Bestrebungen gegen den Bestand des Bundes oder eines Landes solche, die darauf gerichtet sind, die Freiheit des Bundes oder eines Landes von fremder Herrschaft aufz'uheben, ihre staatliche Einheit zu beseitigen oder ein zu ihm geh\u00f6rendes Gebiet abzutrennen, 2. Bestrebungen gegen die Sicherheit des Bundes oder eines Landes solche, die darauf gerichtet sind, den Bund, die L\u00e4nder oder deren Einrichtungen in ihrer Funktionsf\u00e4higkeit erheblich zu beeintr\u00e4chtigen. (4) Ausw\u00e4rtige Belange im Sinne des SS 5 Abs. 2 Nr. 3 werden nur gef\u00e4hrdet, wenn innerhalb des Geltungsbereichs des Grundgesetzes Gewalt ausge\u00fcbt oder durch Handlungen vorbereitet wird und diese sich gegen die politische Ordnung oder Einrichtungen anderer Staaten richten. SS7 Voraussetzung und Rahmen f\u00fcr die T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt, darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben nach SS 5 Abs. 2 nur t\u00e4tig werden, wenn im Einzelfall tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht der dort genannten Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten vorliegen. (2) Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nur die dazu erforderlichen Ma\u00dfnahmen ergreifen; dies gilt insbesondere f\u00fcr die Erhebung und Verarbeitung personenbezogener Informationen. Von mehreren m\u00f6glichen und geeigneten Ma\u00dfnahmen hat es diejenige auszuw\u00e4hlen, die den einzelnen, insbesondere in seinen Grundrechten, und die Allgemeinheit voraussichtlich am wenigsten beeintr\u00e4chtigt. Eine Ma\u00dfnahme hat zu unterbleiben, wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. Sie ist nur solange zul\u00e4ssig, bis ihr Zweck erreicht ist oder sich zeigt, da\u00df er nicht erreicht werden kann.","6 -Anhang III: LfVG - 300 (3) Soweit in diesem Gesetz besondere Eingriffsbefugnisse das Vorliegen gewaltt\u00e4tiger Bestrebungen oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen voraussetzen, ist Gewalt die Anwendung k\u00f6rperlichen Zwanges gegen Personen oder eine nicht unerhebliche Einwirkung auf Sachen. SS8 Befugnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf die zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten erheben, verarbeiten und nutzen, soweit die Bestimmungen dieses Gesetzes dies zulassen. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf nach Ma\u00dfgabe dieses Gesetzes Methoden und Gegenst\u00e4nde einschlie\u00dflich technischer Mittel zur heimlichen Informationsbeschaffung, wie insbesondere den Einsatz von Vertrauensleuten und Gew\u00e4hrspersonen, Observationen, Bildund Tonaufzeichnungen, Tarnpapiere und Tarnkennzeichen anwenden. Diese sind in einer von der Aufsichtsbeh\u00f6rde zu erlassenden Verwaltungsvorschrift zu benennen, die auch die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr die Anordnung solcher Informationsbeschaffung regelt. Die Verwaltungsvorschrift ist dem Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin zur Kenntnis zu geben. Die Beh\u00f6rden des Landes sind verpflichtet, dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz technische Hilfe f\u00fcr Tarnungsma\u00dfnahmen zu leisten. (3) Polizeiliche Befugnisse stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu; es darf die Polizei auch nicht im Wege der Amtshilfe um Ma\u00dfnahmen ersuchen, zu denen es selbst nicht befugt ist. (4) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist an die allgemeinen Rechtsvorschriften gebunden (Artikel 20 des Grundgesetzes). SS9 Besondere Formen der Datenerhebung (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten mit den Mitteln gem\u00e4\u00df SS 8 Abs. 2 erheben, wenn 1. sich ihr Einsatz gegen Organisationen, Personenzusammenschl\u00fcsse ohne feste hierarchische Organisationsstrukturen (unorganisierte Gruppen), in ihnen oder einzeln t\u00e4tige Personen richtet, bei denen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht der Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 bestehen, 2. auf diese Weise Erkenntnisse \u00fcber gewaltt\u00e4tige Bestrebungen oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten gewonnen werden k\u00f6nnen, 3. auf diese Weise die zur Erforschung von Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 erforderlichen Quellen erschlossen werden k\u00f6nnen oder","6 -Anhang III: LtVG - 301 4. dies zum Schutz der Dienstkr\u00e4fte, Einrichtungen, Gegenst\u00e4nde und Quellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. (2) Das in einer Wohnung nicht \u00f6ffentlich gesprochene Wort darf mit technischen Mitteln ausschlie\u00dflich bei der Wahrnehmung der Aufgaben auf dem Gebiet der Spionageabwehr und des gewaltbereiten politischen Extremismus heimlich mitgeh\u00f6rt oder aufgezeichnet werden. Eine solche Ma\u00dfnahme ist nur zul\u00e4ssig, wenn sie im Einzelfall zur Abwehr einer gemeinen Gefahr oder einer Lebensgefahr f\u00fcr einzelne Personen unerl\u00e4\u00dflich ist, ein konkreter Verdacht in bezug auf eine Gef\u00e4hrdung der vorstehenden Rechtsg\u00fcter besteht und der Einsatz anderer Methoden und Mittel zur heimlichen Informationsbeschaffung keine Aussicht auf Erfolg bietet. Satz 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr einen verdeckten Einsatz technischer Mittel zur Anfertigung von Bildaufnahmen und Bildaufzeichnungen in Wohnungen. (3) Die Erhebung nach Absatz 1 und 2 ist unzul\u00e4ssig, wenn die Erforschung des Sachverhalts auf andere, die betroffene Person weniger beeintr\u00e4chtigende Weise m\u00f6glich ist; eine geringere Beeintr\u00e4chtigung ist in der Regel anzunehmen, wenn die Informationen aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen oder durch eine Auskunft nach SS 27 gewonnen werden k\u00f6nnen. Die Anwendung eines Mittels gem\u00e4\u00df SS 8 Abs. 2 soll erkennbar im Verh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverhalts stehen. Die Ma\u00dfnahme ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr Zweck erreicht ist oder sich Anhaltspunkte daf\u00fcr ergeben, da\u00df er nicht oder nicht auf diese Weise erreicht werden kann. Daten, die f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der zu speichernden Informationen nicht erforderlich sind, sind unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. Die L\u00f6schung kann unterbleiben, wenn die Informationen von anderen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand getrennt werden k\u00f6nnen; in diesem Fall d\u00fcrfen die Daten nicht verwertet werden. (4) Ein Eingriff, der in seiner Art und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses gleichkommt, bedarf der Zustimmung des Regierenden B\u00fcrgermeisters, im Falle des SS 2 Abs. 4 des betreffenden Mitglieds des Senats, das im Verhinderungsfall durch den zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4r vertreten wird. (5) Bei Erhebungen nach Absatz 1, die in ihrer Art und Schwere einer Beschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses gleichkommen, insbesondere durch Abh\u00f6ren und Aufzeichnen des nicht \u00f6ffentlich gesprochenen Wortes mit dem verdeckten Einsatz technischer Mittel, sowie nach Absatz 2 ist der Eingriff nach seiner Beendigung der betroffenen Person mitzuteilen, sobald eine Gef\u00e4hrdung des Zwecks des Eingriffs ausgeschlossen werden kann. Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn sich auch nach f\u00fcnf Jahren noch nicht abschlie\u00dfend beurteilen l\u00e4\u00dft, ob","6 -Anhang III: LfVG - 302 diese Voraussetzung vorliegt. Die durch Ma\u00dfnahmen im Sinne des Satzes 1 erhobenen Informationen d\u00fcrfen nur nach Ma\u00dfgabe des Artikels 1 SS 7 Abs. 3 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz vom 13. August 1968 (BGBl. I S. 949), zuletzt ge\u00e4ndert durch Artikel 13 des Gesetzes vom 28. Oktober 1994 (BGBl. I S. 997), verwendet werden. Die auf Grund der Erhebungen nach Absatz 1 gespeicherten Informationen sind nach Ma\u00dfgabe des SS 14 Abs. 2 zu l\u00f6schen. SS10 Registereinsicht durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Aufkl\u00e4rung - von sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht oder - von Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, oder - von Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, von \u00f6ffentlichen Stellen gef\u00fchrte Register, z. B. Melderegister, Personalausweisregister, Pa\u00dfregister; F\u00fchrerscheinkarteien, Waffenscheinkarteien, einsehen. (2) Eine solche Einsichtnahme ist nur zul\u00e4ssig, wenn 1. die Aufkl\u00e4rung auf andere Weise nicht m\u00f6glich erscheint, insbesondere durch eine \u00dcbermittlung der Daten durch die registerf\u00fchrende Stelle der Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrdet w\u00fcrde, und 2. die betroffene Person durch eine anderweitige Aufkl\u00e4rung unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrde, und 3. eine besondere gesetzliche Geheimhaltungsvorschrift oder ein Berufsgeheimnis der Einsichtnahme nicht entgegensteht. (3) Die Anordnung f\u00fcr die Ma\u00dfnahme nach Absatz 1 trifft der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz, im Falle der Verhinderung der Vertreter. (4) Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse d\u00fcrfen nur zu den in Absatz 1 genannten Zwecken verwendet werden. Gespeicherte Informationen sind zu l\u00f6schen und Unterlagen zu vernichten, sobald sie f\u00fcr diese Zwecke nicht mehr ben\u00f6tigt werden. (5) \u00dcber die Einsichtnahme ist ein gesonderter Nachweis zu f\u00fchren, aus dem ihr Zweck, die in Anspruch genommene Stelle, die Namen der Betroffenen, deren Daten","6 -Anhang III: LfVG - 303 f\u00fcr eine weitere Verwendung erforderlich sind, sowie der Zeitpunkt der Einsichtnahme hervorgehen. Diese Aufzeichnungen sind gesondert aufzubewahren, durch technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen zu sichern und, soweit sie f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz nach SS 5 Abs. 2 nicht mehr ben\u00f6tigt werden, am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr der Erstellung folgt, zu vernichten. ZWEITER ABSCHNITT Datenverarbeitung SS11 Speicherung, Ver\u00e4nderung und Nutzung personenbezogener Informationen (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben rechtm\u00e4\u00dfig erhobene personenbezogene Informationen speichern, ver\u00e4ndern und nutzen, wenn 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 vorliegen oder 2. dies f\u00fcr die Erforschung oder Bewertung von gewaltt\u00e4tigen Bestrebungen oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 erforderlich ist oder 3. dies zur Schaffung oder Erhaltung nachrichtendienstlicher Zug\u00e4nge \u00fcber Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 erforderlich ist oder 4. es auf Ersuchen der zust\u00e4ndigen Stelle nach SS 5 Abs. 3 t\u00e4tig wird. (2) Zur Aufgabenerf\u00fcllung nach SS 5 Abs. 3 d\u00fcrfen in automatisierten Dateien nur personenbezogene Informationen \u00fcber die Personen gespeichert werden, die der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung unterliegen oder in die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung einbezogen werden. (3) In Dateien gespeicherte Informationen m\u00fcssen durch Aktenr\u00fcckhalt belegbar sein. (4) In Dateien ist die Speicherung von Informationen aus der Intimsph\u00e4re der betroffenen Person unzul\u00e4ssig. SS12 Speicherung, Ver\u00e4nderung und Nutzung personenbezogener Informationen von Minderj\u00e4hrigen Die Speicherung personenbezogener Informationen \u00fcber Minderj\u00e4hrige, die das 14. Lebensjahr nicht vollendet haben, ist unzul\u00e4ssig.","6 -Anhang III: LfVG - 304 SS13 Speicherungsdauer (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Speicherungsdauer auf das f\u00fcr seine Aufgabenerf\u00fcllung erforderliche Ma\u00df zubeschr\u00e4nken. Die in Dateien gespeicherten Informationen sind bei der Einzelfallbearbeitung, sp\u00e4testens aber f\u00fcnf Jahre nach Speicherung der letzten Information, auf ihre Erforderlichkeit zu \u00fcberpr\u00fcfen. Sofern die Informationen Bestrebungen nach SS 5 Abs. 2 Nr. 1 oder 3 betreffen, sind sie sp\u00e4testens zehn Jahre nach der zuletzt gespeicherten relevanten Information zu l\u00f6schen. (2) Sind Informationen \u00fcber Minderj\u00e4hrige in Dateien oder in Akten, die zu ihrer Person gef\u00fchrt werden, gespeichert, ist nach zwei Jahren die Erforderlichkeit der Speicherung zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens nach f\u00fcnf Jahren die L\u00f6schung vorzunehmen, es sei denn, da\u00df nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit weitere Erkenntnisse nach SS 5 Abs. 2 angefallen sind, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben im Sinne dieses Gesetzes eine Fortdauer der Speicherung rechtfertigen. SS14 Berichtigung, L\u00f6schung und Sperrung personenbezogener Informationen in Dateien (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien gespeicherten personenbezogenen Informationen zu berichtigen, wenn sie unrichtig sind; sie sind zu erg\u00e4nzen, wenn sie unvollst\u00e4ndig sind und dadurch schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt sein k\u00f6nnen. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien gespeicherten pers\u00f6nenbezogenen Informationen zu l\u00f6schen, wenn ihre Speicherung irrt\u00fcmlich erfolgt war, unzul\u00e4ssig war oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung nicht mehr erforderlich ist und schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person nicht beeintr\u00e4chtigt werden. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien gespeicherten personenbezogenen Informationen zu sperren, wenn die L\u00f6schung unterbleibt, weil Grund zu der Annahme besteht, da\u00df durch die L\u00f6schung schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden; gesperrte Informationen sind entsprechend zu kennzeichnen und d\u00fcrfen nur mit Einwilligung der betroffenen Person verwendet werden. (4) In Dateien gel\u00f6schte Informationen sind gesperrt. Unterlagen sind zu vernichten, wenn sie zur Erf\u00fcllung der Aufgaben nach SS 5 nicht oder nicht mehr erforderlich sind, es sei denn, da\u00df ihre Aufbewahrung zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der betroffenen Person notwendig ist. Die Vernichtung unterbleibt, wenn die Unterla-","6 -Anhang III: LfVG305 gen von anderen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand getrennt werden k\u00f6nnen. (5) Personenbezogene Informationen, die ausschlie\u00dflich zu Zwecken der Datenschutzkontrolle, der Datensicherung oder zur Sicherstellung eines ordnungsgem\u00e4\u00dfen Betriebes einer Datenverarbeitungsanlage gespeichert werden, d\u00fcrfen nur f\u00fcr diese Zwecke und zur Verfolgung der in der jeweiligen Fassung des Berliner Datenschutzgesetzes als Straftaten bezeichneten Handlungen verwendet werden. SS15 Berichtigung und Sperrung personenbezogener Informationen in Akten (1) Stellt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fest, da\u00df in Akten gespeicherte personenbezogene Informationen unrichtig sind, oder wird ihre Richtigkeit von dem Betroffenen bestritten, so ist dies in der Akte zu vermerken oder auf sonstige Weise festzuhalten. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat personenbezogene Informationen in Akten zu sperren, wenn es im Einzelfall feststellt, da\u00df ohne die Sperrung schutzw\u00fcrdige Interessen von Betroffenen beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden und die Daten f\u00fcr seine Aufgabenerf\u00fcllung nicht mehr erforderlich sind. Gesperrte Informationen sind mit einem entsprechenden Vermerk zu versehen; sie d\u00fcrfen nicht mehr genutzt oder \u00fcbermittelt werden. Eine Aufhebung der Sperrung ist m\u00f6glich, wenn ihre Voraussetzungen nachtr\u00e4glich entfallen. SS16 Dateianordnungen (1) F\u00fcr jede automatisierte Datei beim Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sind in einer D\u00e4teianordnung, die der Zustimmung der Aufsichtsbeh\u00f6rde bedarf, im Benehmen mit dem Berliner Datenschutzbeauftragten festzulegen: 1. Bezeichnung der Datei, 2. Zweck der Datei, 3. Inhalt, Umfang, Voraussetzungen der Speicherungen, \u00dcbermittlung und Nutzung (betroffener Personenkreis, Arten der Daten), 4. Eingabeberechtigung, 5. Zugangsberechtigung, 6. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, 7. Protokollierung, 8. Datenverarbeitungsger\u00e4te und Betriebssystem, 9. Inhalt und Umfang von Textzus\u00e4tzen, die der Erschlie\u00dfung von Akten dienen.","6 -Anhang III: LfVG - 306 (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in angemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weiterf\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. SS17 Gemeinsame Dateien Bundesgesetzliche Vorschriften \u00fcber die Datenverarbeitung in gemeinsamen Dateien der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder bleiben unber\u00fchrt. DRITTER ABSCHNITT Informations\u00fcbermittlung SS18 Grunds\u00e4tze bei der Informations\u00fcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Die \u00dcbermittlung von personenbezogenen Informationen ist aktenkundig zu machen. In der entsprechenden Datei ist die Informations\u00fcbermittlung zu vermerken. Vor der Informations\u00fcbermittlung ist der Akteninhalt im Hinblick auf den \u00dcbermittlungszweck zu w\u00fcrdigen und der Informations\u00fcbermittlung zugrunde zu legen. Erkennbar unvollst\u00e4ndige Informationen sind vor der \u00dcbermittlung im Rahmen der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit durch Einholung zus\u00e4tzlicher Ausk\u00fcnfte zu vervollst\u00e4ndigen. SS19 Informations\u00fcbermittlung zwischen den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Kenntnis zur Erf\u00fcllung der Aufgaben der empfangenden Stellen erforderlich ist. SS20 Informations\u00fcbermittlung an den Bundesnachrichtendienst und den Milit\u00e4rischen Abschirmdienst Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcbermittelt dem Bundesnachrichtendienst und dem Milit\u00e4rischen Abschirmdienst die ihm bekanntgewordenen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, da\u00df die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgaben der empfangenden Stellen erforderlich ist. Handelt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auf Ersuchen,","6 -Anhang III: LfVG - 307 so ist es zur \u00dcbermittlung nur verpflichtet und berechtigt, wenn sich die Voraussetzungen aus den Angaben der ersuchenden Beh\u00f6rde ergeben. SS21 Informations\u00fcbermittlung an Strafverfolgungsbeh\u00f6rden in Angelegenheiten des Staatsund Verfassungsschutzes Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00fcbermittelt den Staatsanwaltschaften und, vorbehaltlich der staatsanwaltlichen Sachleitungsbefugnis, den Polizeibeh\u00f6rden des Landes die ihm bekanntgewordenen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, da\u00df die \u00dcbermittlung zur Verhinderung oder Verfolgung von Straftaten, die im Zusammenhang mit Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 stehen, erforderlich ist. SS22 \u00dcbermittlung von Informationen an den \u00f6ffentlichen Bereich (1) Die im Rahmen der gesetzlichen Aufgabenerf\u00fcllung gewonnenen, nicht personenbezogenen Erkenntnisse des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz k\u00f6nnen an andere Beh\u00f6rden und Stellen, insbesondere an die Polizei und die Staatsanwaltschaft, \u00fcbermittelt werden, wenn sie f\u00fcr die Aufgabenerf\u00fcllung der empfangenden Stellen erforderlich sein k\u00f6nnen. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Informationen an inl\u00e4ndische Beh\u00f6rden und juristische Personen des \u00f6ffentlichen Rechts \u00fcbermitteln, wenn dies zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlich ist oder der Empf\u00e4nger die Informationen zum Schutz vor Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2 ben\u00f6tigt oder nach SS 5 Abs. 3 t\u00e4tig wird. (3) Die empfangende Stelle von Informationen nach Absatz 2 ist darauf hinzuweisen, da\u00df sie die \u00fcbermittelten personenbezogenen Informationen nur zu dem Zweck verwenden darf, zu dessen Erf\u00fcllung sie ihr \u00fcbermittelt wurden. SS23 \u00dcbermittlung von Informationen an Personen und Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs Personenbezogene Informationen d\u00fcrfen an Personen oder Stellen au\u00dferhalb des \u00f6ffentlichen Bereichs nicht \u00fcbermittelt werden, es sei denn, da\u00df dies zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes oder der Sicherheit des Bundes oder eines Landes erforderNch ist und der Regierende B\u00fcrgermeister, im Fall des SS 2 Abs. 4 das betreffende Mitglied des Senats, das im Verhinderungsfall durch den zust\u00e4ndigen Staatssekret\u00e4r vertreten wird, im Einzelfall seine Zustimmung erteilt hat. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrt \u00fcber die Auskunft nach Satz 1","6 -Anhang III: LfVG - 308 einen Nachweis, aus dem der Zweck der \u00dcbermittlung, die Aktenfundstelle und der Empf\u00e4nger hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr seiner Erstellung folgt, zu vernichten. Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten personenbezogenen Informationen nur f\u00fcr den Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. Der Empf\u00e4nger ist auf die Verwendungsbeschr\u00e4nkung und darauf hinzuweisen, da\u00df das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sich vorbeh\u00e4lt, um Auskunft \u00fcber die vorgenommene Verwendung der Informationen zu bitten. SS24 \u00dcbermittlung von Informationen an die Stationierungstreitkr\u00e4fte Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Informationen an Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte \u00fcbermitteln, soweit die Bundesrepublik Deutschland dazu im Rahmen von Artikel 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen zwischen den Parteien des Nordatlantikpaktes \u00fcber die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der Bundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndischen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl. 1961 II S. 1183) verpflichtet ist. Die \u00dcbermittlung ist aktenkundig zu machen. Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, da\u00df die \u00fcbermittelten Informationen nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. SS25 \u00dcbermittlung von Informationen an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb des Geitungsbereichs des Grundgesetzes Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene Informationen an ausl\u00e4ndische \u00f6ffentliche Stellen sowie an \u00fcberoder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben oder zur Wahrung erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erforderlich ist. Die \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person entgegenstehen. Die \u00dcbermittlung ist nur im Einvernehmen mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zul\u00e4ssig. Sie ist aktenkundig zu machen. Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, da\u00df die \u00fcbermittelten personenbezogenen Informationen nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden, und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz sich vorbeh\u00e4lt, um Auskunft \u00fcber die vorgenommene Verwendung der Informationen zu bitten.","6 -Anhang III: LfVG - 309 SS26 Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit Die Aufsichtsbeh\u00f6rde und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit mindestens einmal j\u00e4hrlich \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach SS 5 Abs. 2. Dabei ist die \u00dcbermittlung von personenbezogenen Informationen nur zul\u00e4ssig, wenn die Bekanntgabe f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Zusammenhanges oder der Darstellung von Organisationen oder unorganisierten Gruppierungen erforderlich ist und die Interessen der Allgemeinheit an sachgem\u00e4\u00dfen Informationen das schutzw\u00fcrdige Interesse des Betroffenen \u00fcberwiegen. SS27 \u00dcbermittlung von Informationen an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) Die Beh\u00f6rden des Landes und die sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts \u00fcbermitteln von sich aus dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bekanntgewordenen Informationen, insbesondere personenbezogene Daten, \u00fcber Bestrebungen nach SS 5 Abs. 2, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt werden, und \u00fcber geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten. Die Staatsanwaltschaften und, vorbehaltlich der staatsanwaltlichen Sachleitungsbefugnis, die Polizei \u00fcbermitteln dar\u00fcber hinaus auch andere im Rahmen ihrer Aufgabenerf\u00fcllung bekanntgewordene Informationen \u00fcber Bestrebungen im Sinne des SS 5 Abs. 2. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann von jeder der in Absatz 1 genannten \u00f6ffentlichen Stellen verlangen, da\u00df sie ihm die zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcbermittelt, wenn die Informationen nicht aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen oder nur mit unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigem Aufwand oder nur durch eine den Betroffenen st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme erhoben werden k\u00f6nnen. Es d\u00fcrfen nur die Informationen \u00fcbermittelt werden, die bei der ersuchten Beh\u00f6rde bereits bekannt sind. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz braucht Ersuchen nicht zu begr\u00fcnden, soweit dies dem Schutz der betroffenen Person dient oder eine Begr\u00fcndung den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. (4) Die \u00dcbermittlung personenbezogener Informationen, die auf Grund einer Ma\u00dfnahme nach SS100a der Strafproze\u00dfordnung bekanntgeworden sind, ist nur zul\u00e4ssig, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, da\u00df jemand eine der in SS 2 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz genannten Straftaten plant, begeht oder begangen hat. Auf die dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Satz 1 \u00fcbermittelten Informationen findet der Absatz 3, auf die dazugeh\u00f6renden Unterlagen findet","6 -Anhang III: LfVG - 310 der Absatz 4 des SS 7 des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz entsprechende Anwendung. (5) Vorschriften zur Informations\u00fcbermittlung an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach anderen Gesetzen bleiben unber\u00fchrt. (6) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unverz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie zur Erf\u00fcllung seiner in SS 5 genannten Aufgaben erforderlich sind. Ergibt die Pr\u00fcfung, da\u00df sie nicht erforderlich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernichten. Die Vernichtung unterbleibt, wenn die Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall sind die Informationen gesperrt und entsprechend zu kennzeichnen. (7) Soweit andere gesetzliche Vorschriften nicht besondere Regelungen \u00fcber die Dokumentation treffen, haben das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und die \u00fcbermittelnde Stelle die Informations\u00fcbermittlung aktenkundig zu machen. SS28 \u00dcbermittlungsverbote Die \u00dcbermittlung von Informationen nach den Vorschriften dieses Abschnitts unterbleibt, wenn 1. eine Pr\u00fcfung durch die \u00fcbermittelnde Stelle ergibt, da\u00df die Informationen zu l\u00f6schen oder f\u00fcr die empfangende Stelle nicht mehr bedeutsam sind, 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern, 3. f\u00fcr die \u00fcbermittelnde Stelle erkennbar ist, da\u00df unter Ber\u00fccksichtigung der Art der Informationen und ihrer Erhebung die schutzw\u00fcrdigen Interessen der betroffenen Personen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegen oder 4. besondere gesetzliche \u00dcbermittlungsregelungen entgegenstehen; die Verpflichtung zur Wahrung gesetzlicher Geheimhaltungspflichten oder von Berufsoder besonderen Amtsgeheimnissen, die nicht auf gesetzlichen Vorschriften beruhen, bleibt unber\u00fchrt. SS29 Minderj\u00e4hrigenschutz (1) Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcber das Verhalten Minderj\u00e4hriger d\u00fcrfen nach den Vorschriften dieses Gesetzes \u00fcbermittelt werden, solange die Voraussetzungen der Speicherung nach SS 13 Abs. 2 erf\u00fcllt sind.","6 -Anhang III: LfVG311 (2) Informationen einschlie\u00dflich personenbezogener Daten \u00fcber das Verhalten Minderj\u00e4hriger vor Vollendung des 16. Lebensjahres d\u00fcrfen nach den Vorschriften dieses Gesetzes nicht an ausl\u00e4ndische oder \u00fcberoder zwischenstaatliche Stellen \u00fcbermittelt werden. SS30 Nachberichtspflicht Erweisen sich Informationen nach ihrer \u00dcbermittlung nach den Vorschriften dieses Gesetzes als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, so hat die \u00fcbermittelnde Stelle ihre Informationen unverz\u00fcglich gegen\u00fcber der empfangenden Stelle zu erg\u00e4nzen oder zu berichtigen, wenn dies zu einer anderen Bewertung der Informationen f\u00fchren k\u00f6nnte oder zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der betroffenen Person erforderlich ist. Die Erg\u00e4nzung oder Berichtigung ist aktenkundig zu machen und in den entsprechenden Dateien zu vermerken. VIERTER ABSCHNITT Auskunftserteilung SS31 Auskunft an den Betroffenen (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erteilt einer nat\u00fcrlichen Person \u00fcber die zu ihr gespeicherten Informationen auf Antrag unentgeltlich Auskunft, soweit die Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft darlegt. Die Auskunftsverpflichtung erstreckt sich nicht auf Informationen, die nicht der alleinigen Verf\u00fcgungsberechtigung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz unterliegen, sowie auf die Herkunft der Informationen und die Empf\u00e4nger von \u00dcbermittlungen. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf den Antrag ablehnen, wenn das \u00f6ffentliche Interesse an der Geheimhaltung seiner T\u00e4tigkeit oder ein \u00fcberwiegendes Geheimhaltungsinteresse Dritter gegen\u00fcber dem Interesse der antragstellenden Person an der Auskunftserteilung \u00fcberwiegt. In einem solchen Fall hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zu pr\u00fcfen, ob und inwieweit eine Teilauskunft m\u00f6glich ist. Ein Geheimhaltungsinteresse liegt vor, wenn 1. eine Gef\u00e4hrdung der Aufgabenerf\u00fcllung durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, 2. durch die Auskunftserteilung Quellen gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitsweisen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zu bef\u00fcrchten ist, /","6 -Anhang III: LfVG - 312 3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes Nachteile bereiten w\u00fcrde oder 4. die Informationen oder die Tatsache der Speicherung nach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen Dritter, geheimgehalten werden m\u00fcssen. Die Entscheidung nach Satz 1 und 2 trifft der Leiter des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz oder ein von ihm besonders beauftragter Mitarbeiter. (3) Die Ablehnung einer Auskunft ist zumindest insoweit zu begr\u00fcnden, da\u00df eine verwaltungsgerichtliche Nachpr\u00fcfung der Verweigerungsgr\u00fcnde gew\u00e4hrleistet wird, ohne dabei den Zweck der Auskunftsverweigerung zu gef\u00e4hrden. Die Gr\u00fcnde der Ablehnung sind in jedem Fall aktenkundig zu machen. (4) Wird die Auskunftserteilung ganz oder teilweise abgelehnt, ist die betroffene Person darauf hinzuweisen, da\u00df sie sich an den Berliner Datenschutzbeauftragten wenden kann. Dem Berliner Datenschutzbeauftragten ist auf sein Verlangen Auskunft zu erteilen, soweit nicht der Regierende B\u00fcrgermeister, im Fall des SS 2 Abs. 4 das betreffende Mitglied des Senats, im Einzelfall feststellt, da\u00df dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. Mitteilungen des Berliner Datenschutzbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Erkenntnisstand des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, soweit es nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Der Kontrolle durch den Berliner Datenschutzbeauftragten unterliegen nicht personenbezogene Informationen, die der Kontrolle durch die Kommission nach SS 2 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Artikel 10 Grundgesetz vom 16. Juli 1991 (GVBl. S. 172) unterliegen, es sei denn, die Kommission ersucht den Berliner Datenschutzbeauftragten, die Einhaltung der Vorschriften \u00fcber den Datenschutz bei bestimmten Vorg\u00e4ngen oder in bestimmten Bereichen zu kontrollieren und ausschlie\u00dflich ihr dar\u00fcber zu berichten. SS32 Akteneinsicht (1) Sind personenbezogene Daten in Akten gespeichert, so kann dem Betroffenen auf Antrag Akteneinsicht gew\u00e4hrt werden, soweit Geheimhaltungsinteressen oder schutzw\u00fcrdige Belange Dritter nicht entgegenstehen. SS 31 gilt entsprechend. (2) Die Einsichtnahme in Akten oder Aktenteile ist insbesondere dann zu versagen, wenn die Daten des Betroffenen mit Daten Dritter oder geheimhaltungsbed\u00fcrftigen sonstigen Informationen derart verbunden sind, da\u00df ihre Trennung auch durch Vervielf\u00e4ltigung und Unkenntlichmachung nicht oder nur mit unverh\u00e4lt-","6 -Anhang III: LtVG313 nism\u00e4\u00dfig gro\u00dfem Aufwand m\u00f6glich ist. In diesem Fall ist dem Betroffenen zusammenfassende Auskunft \u00fcber den Akteninhalt zu erteilen. F\u00dcNFTER ABSCHNITT Parlamentarische Kontrolle SS33 Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz (1) In Angelegenheiten des Verfassungsschutzes unterliegt der Senat von Berlin der Kontrolle durch den Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz des Abgeordnetenhauses von Berlin. Die Rechte des Abgeordnetenhauses und seiner anderen Aussch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. (2) Der Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz besteht in der Regel aus h\u00f6chstens zehn Mitgliedern. Die Fraktionen w\u00e4hlen die auf sie entfallenden Mitglieder und machen sie dem Pr\u00e4sidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin namhaft. Die Fraktionen werden nach ihrer Mitgliederzahl beteiligt, wobei jede Fraktion mindestens durch ein Mitglied vertreten sein mu\u00df. Eine Erh\u00f6hung der im Satz 1 bestimmten Mitgliederzahl ist nur zul\u00e4ssig, soweit sie zur Beteiligung aller Fraktionen notwendig ist. (3) Scheidet ein Mitglied aus dem Abgeordnetenhaus oder seiner Fraktion aus, so verliert es die Mitgliedschaft im Ausschu\u00df f\u00fcr Verfassungsschutz. F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein neues Mitglied zu benennen, das gleiche gilt, wenn ein Mitglied aus dem Ausschu\u00df ausscheidet. SS34 Geheimhaltung Die \u00d6ffentlichkeit wird durch einen Beschlu\u00df des Ausschusses ausgeschlossen, wenn das \u00f6ffentliche Interesse oder berechtigte Interessen eines einzelnen dies gebieten. Sofern die \u00d6ffentlichkeit ausgeschlossen ist, sind die Mitglieder des Ausschusses zur Verschwiegenheit \u00fcber Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen dabei bekanntgeworden sind. Das gleiche gilt auch f\u00fcr die Zeit nach dem Ausscheiden' aus dem Ausschu\u00df. Die Verpflichtung zur Verschwiegenheit kann von dem Ausschu\u00df aufgehoben werden, soweit nicht berechtigte Interessen eines einzelnen entgegenstehen oder der Senat widerspricht; in diesem Fall legt der Senat dem Ausschu\u00df seine Gr\u00fcnde dar.","6 -Anhang III: LfVG314 SS35 Aufgaben und Befugnisse des Ausschusses (1) Der Senat hat den Ausschu\u00df umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung zu unterrichten; er berichtet auch \u00fcber den Erla\u00df von Verwaltungsvorschriften. Der Ausschu\u00df hat Anspruch auf Unterrichtung. (2) Der Ausschu\u00df hat auf Antrag mindestens eines seiner Mitglieder das Recht ' auf Erteilung von Ausk\u00fcnften, Einsicht in Akten und andere Unterlagen, Zugang zu Einrichtungen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rde sowie auf Anh\u00f6rung von deren Dienstkr\u00e4ften. Die Befugnisse des Ausschusses nach Satz 1 erstrecken sich nur auf Gegenst\u00e4nde, die der alleinigen Verf\u00fcgungsberechtigung des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz unterliegen. (3) Der Senat kann die Unterrichtung \u00fcber einzelne Vorg\u00e4nge verweigern und bestimmten Kontrollbegehren widersprechen, wenn dies erforderlich ist, um vom Bund oder einem deutschen Land Nachteile abzuwenden; er hat dies vor dem Ausschu\u00df zu begr\u00fcnden. (4) Das Abgeordnetenhaus kann den Ausschu\u00df f\u00fcr einen bestimmten Untersuchungsgegenstand als Untersuchungsausschu\u00df (Artikel 33 der Verfassung von Berlin) einsetzen. SS 3 des Gesetzes \u00fcber die Untersuchungsaussch\u00fcsse des Abgeordnetenhauses von Berlin vom 22. Juni 1970 (GVBI. S. 925), zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 24. Juni 1991 (GVBI. S. 154), findet keine Anwendung. (5) F\u00fcr den Ausschu\u00df gelten im \u00fcbrigen die Bestimmungen der Gesch\u00e4ftsordnung des Abgeordnetenhauses von Berlin. SECHSTER ABSCHNITT Schlu\u00dfvorschriften SS36 Einschr\u00e4nkung von Grundrechten Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung nach Artikel 13 des Grundgesetzes eingeschr\u00e4nkt werden. SS37 Anwendbarkeit des Berliner Datenschutzgesetzes i Bei der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach SS 5 durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz finden die SSSS 10 bis 17 und 19 Abs. 2 bis 4 des Berliner Datenschutzgesetzes in der Fassung vom 17. Dezember 1990 (GVBI. 1991 S. 16, 54), zuletzt ge\u00e4ndert durch Gesetz vom 22. Oktober 1992 (GVBI. S. 314), keine Anwendung.","6 -Anhang III: LtVG315 SS38 Inkrafttreten, Au\u00dferkrafttreten (1) Dieses Gesetz tritt am-Tage nach der Verk\u00fcndung im Gesetzund Verordnungsblatt f\u00fcr Berlin in Kraft. (2) Gleichzeitig tritt das Gesetz \u00fcber das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung vom 31. Juli 1989 (GVBI. S. 1545) au\u00dfer Kraft.","","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 317 Abk\u00fcrzungsverzeichnis Personenund Organisationsregister","","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 319 7.1 Abk\u00fcrzungsverzeichnis AA/BO Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation AB Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD AIW Antiimperialistische Widerstandszelle Nadia SHEHADAH AMGT Vereinigung der Neuen Weltsicht in Europa e. V. ANF F\u00f6deration f\u00fcr eine allgemeing\u00fcltige, gottgef\u00e4llige Ordnung in Europa ANO Abu-Nidal-Organisation ANS Aktionsfront Nationale Sozialisten AOK Anti-Olympia-Komitee ARGK Volksbefreiungsarmee Kurdistans ASW Arbeitskreis f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e. V. B BBP Partei der Gro\u00dfen Einheit BSA Bund Sozialistischer Arbeiter BUD Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein Berlin e. V. BWK Bund Westdeutscher Kommunisten DA Deutsche Alternative","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 320 DABK Ostanatolisches Gebietskomitee DFLP Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas DHKP/-C Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front DIDF F\u00f6deration der Demokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in Bundesrepublik Deutschland e. V. DJI Deutsche Jugendinitiative Berlin DKP Deutsche Kommunistische Partei DLVH Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat DN Deutsche Nationalisten DPK-Irak Demokratische Partei Kurdistans-Irak DRP Deutsche Reichspartei dup Der Umzug platzt DVU Deutsche Volksunion DVU e. V. Deutsche Volksunion e. V. ERNK Nationale Befreiungsfront Kurdistans FAP Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei FAPSI F\u00f6derale Agentur f\u00fcr Regierungsverbindung und Information F.e.l.S. F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung FEYKAF\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturver Kurdistan einigungen aus der Bundesrepublik Deutschland e. V. FRVS Freundeskreis Revolution\u00e4rer Volkssozialisten","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 321 FSB F\u00f6deraler Dienst f\u00fcr Sicherheit GNN Gesellschaften f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH GRU Russischer milit\u00e4rischer Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst GS Gruppe Spartakus H HAMAS Islamische Widerstandsbewegung HJ Hitler-Jugend HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. V. HVA Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung IBP Islamischer Bund Pal\u00e4stina ICCB Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e. V. K\u00f6ln IGD Islamische Gemeinschaft in Deutschland e. V. IKL Internationale Kommunistische Liga (Vierte Internationalisten) IMSV Iranische Moslemische Studentenvereinigung Bundesrepublik Deutschland e. V. IPO Islamische Propaganda-Organisation IS Internationale Sozialisten ISA Internationale Sozialistische Arbeiterorganisation","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 322 JF Direkte Aktion/Mitteldeutschland JKGB Jugendund Kulturgemeinschaft Berlin e. V. JN Junge Nationaldemokraten K KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland KFI Kurdistan-Front Irak KfsV Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung KGB Komitee f\u00fcr Staatssicherheit KGK KLASSE GEGEN KLASSE KKK Ku-Klux-Klan KOMKAR KOMKAR-Verband der Vereine aus Kurdistan KPD Kommunistische Partei Deutschlands KPD/M-L Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten-Leninisten KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion KPF Kommunistische Plattform M MB Moslembruderschaft MfS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit MG Marxistische Gruppe MHP Partei der Nationalistischen Bewegung","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 323 MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands MOIS . Ministerium f\u00fcr Information und Sicherheit MSP Nationale Heilspartei NA Berlin Nationale Alternative Berlin NF Nationalistische Front NO Nationale Offensive NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NSDAP-AO Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - Auslandsund Aufbauorganisation NWRI Nationaler Widerstandsrat Iran p I PAA Partei der Arbeit Albaniens PCP Kommunistische Partei Perus PDS Partei des Demokratischen Sozialismus PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas PFLP-GC Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando PIJ Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad PKK Arbeiterpartei Kurdistans PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation PMOI Organisation derVolksmojahedin Iran","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 324 PUK Patriotische Union Kurdistan RAF Rote Armee Fraktion REP Die Republikaner RH Rote Hilfe e. V. RIM Revolution\u00e4r/ Internationalist Movement RK Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD) RP Wohlstandspartei RZ Revolution\u00e4re Zellen SAG Sozialistische Arbeitergruppe SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands SEW Sozialistische Einheitspartei Westberlins Sl Sozialistische Initiative SpAD Spartakist-Arbeiterpartei Deutschlands SWP Socialist Workers Party SWR Russischer ziviler Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst TDKP Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 325 TID Verein der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Berlin e. V. TKP/M-L T\u00fcrkische Kommunistische Partei / Marxisten-Leninisten T\u00dcB T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Berlin U.I.S.A. Union Islamischer Studentenvereine in Europa VAA Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik und Demokratie VFK V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin VIDA Verein Iranischer Demokratischer Akademiker e. V. - Bundesrepublik Deutschland VSP Vereinigte Sozialistische Partei WBDJ Weltbund der demokratischen Jugend WJ Wiking-Jugend, volkstreue nordl\u00e4ndische Jugendbewegung Deutschland e V. YEK-KOM F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Deutschland *","","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 327 7.2 Personenund Organisationsregister Antiimperialistische Zelle 26; 61 Anti-Nazi-B\u00fcndnis-Berlin 72 Anti-Nazi-League 72 AA/BO 49; 56 Siehe Antifaschistische Anti-Olympia-Komitee 41 Aktion/Bundesweite Organisation AOK 41 Siehe Anti-Olympia-Komitee AB 66 Siehe Arbeiterbund f\u00fcr den APFEL, Holger 112 Wiederaufbau der KPD ARAFAT, Yassir 149; 151; 153 ABU-NIDAL-Organisation 151; 153 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau AG Autonome Gruppen in und bei der der KPD 66 PDS 54 Arbeiterpartei Kurdistans 125; 126; AG Junge Genossinnen in und bei der 130 PDS 54 Arbeitskreis f\u00fcr Sicherheit in der WirtAIW 61 Siehe Antiimperialistische schaft 176 Widerstandszelle Nadia SHEHADAH ARGK 131 Siehe VolksbefreiungsarAIZ 26; 61; 62; 64; 65 Siehe Antiimmee Kurdistans perialistische Zelle ARKAN-Tiger 160 Aktionsfront Nationale Sozialisten 119 Asgard-Bund e. V./Wotans Volk 89; AL BANNA, Hassan Sabri 146; 153 91 AMGT 143; 144 Siehe Vereinigung ASW 176 Siehe Arbeitskreis f\u00fcr Sider neuen Weltsicht in Europa e. V. cherheit in der Wirtschaft ANF 143 Siehe F\u00f6deration f\u00fcr eine ATIF 138 Siehe F\u00f6deration der Arallgemeing\u00fcltige, gottgef\u00e4llige Ordbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland nung in Europa e.V. ANO 151; 153 Siehe ABU-NIDALAutonome 25; 26; 27; 30; 31; 32; 33; Organisation 34; 35; 36; 39; 40; 44; 46; 48; 49; ANS 119 Siehe Aktionsfront Natio51; 52; 54; 55; 56; 59; 60; 63; 72; nale Sozialisten 73; 74; 75; 76; 79; 80; 122; 134; 141 Antifa Berlin 51 Autonome Antifa (M) 49 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Autonome Gruppen in und bei der Organisation 49; 56 PDS 54 Antifaschistische Jugend 141 Antifasist Genclik 138; 141 Antifasist Genclik-Komitee 46 Antiimperialistische Widerstandszelle BBP 142; 143 Siehe Partei der GroNadia SHEHADAH 61 \u00dfen Einheit","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 328 Berlin-Brandenburger 112 Deutsche Volksunion 110,115 Berliner Kulturgemeinschaft Preu\u00dfen Deutsche Volksunion e.V. 110 e.V. 116; 117; 118; 124 Deutsch-Kroatisch-Slowenischer VerBSA 67 Siehe Bund Sozialistischer ein zu Berlin-Brandenburg e. V. 159 Arbeiter Deutsch-Kurdisches Kultur Zentrum BUD 142; 143 Siehe Gro\u00dfer Idealer (NAWCAKURD) in Berlin e. V. 131 Kreis - T\u00fcrkischer Kulturverein e. V. Devrimci Sol 138; 139; 140; 145 Bund Sozialistischer Arbeiter 67 DevrimciYol 138 Bund Westdeutscher Kommunisten DFLP 151; 152 Siehe Demokratische 67 Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas BURMEISTER, Lars 92; 93 DHKP/-C 140; 145 Siehe RevolutioBUSSE, Friedhelm 94 n\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front BWK 67; 68 Siehe Bund WestdeutDIDF 139 Siehe F\u00f6deration der Descher Kommunisten mokratischen Arbeitervereine aus der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e. V. Die Nationalen e. V. 96; 110; 112; 113 DA 89; 91; 95; 96 Siehe Deutsche Die Republikaner 51; 85; 86; 87; 109; Alternative 110; 113 DABK 145 Siehe Ostanatolisches Die Tschetniks 160 Gebietskomitee Direkte Aktion/Mitteldeutschland 89; Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung 91 Pal\u00e4stinas 151; 152 DJI 89; 91 Siehe Deutsche JugendiDemokratische Partei Kurdistans-Irak nitiative Berlin 130 DKP 66; 68; 69; 72; 73 Siehe DeutDENER, Halim 134; 135 sche Kommunistische Partei Denkzettel 112 DLVH 25; 44; 110; 112 Siehe DeutDer Einblick 98; 99 sche Liga f\u00fcr Volk und Heimat Der Umzug platzt 41 DN 89; 91; 95; 96 Siehe Deutsche Deutsche Alternative 89; 95; 96 Nationalisten Deutsche Jugendinitiative Berlin 89; DPK-Irak 130 Siehe Demokratische 91 Partei Kurdistans-Irak Deutsche Kommunistische Partei 66; DRP 111 Siehe Deutsche 68 Reichspartei Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat dup 41 Siehe Der Umzug platzt 25; 37; 44; 47; 110; 112; 141 DVU 109; 110; 111; 115; 116 Siehe Deutsche Nationalisten 89; 91; 95 Deutsche Volksunion Deutsche Reichspartei 111","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 329 DVU e.V. 110 Siehe Deutsche F\u00f6deration Kurdischer Vereine in Volksunion e. V. Deutschland 131 Freiheit 93 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei 89; 91; 92; 120 Edelwei\u00df-Piraten 72; 73 Freundeskreis Revolution\u00e4rer VolksENGELS, Friedrich 71; 72; 73 sozialisten 89; 91 ERBAKAN, Necmettin 143; 144 FREY, Gerhard 110; 111; 115; 116 ERNK 131; 132; 133; 134; 135; 136 FRVS 89; 91 Siehe Freundeskreis Siehe Nationale Befreiungsfront Revolution\u00e4rer Volkssozialisten Kurdistans FSB 168 Siehe F\u00f6deraler Dienst f\u00fcr Ezz Al-Din Al-Kassem-Brigade 148 Sicherheit F\u00fcr eine linke Str\u00f6mung 46; 49 F.e.l.S. 46; 49 Siehe F\u00fcr eine linke I deg \" Str\u00f6mung Gesellschaften f\u00fcr NachrichtenerfasFAP 89; 91; 92; 93; 94; 96; 112; 113; sung und Nachrichtenverbreitung 120 Siehe Freiheitliche Deutsche mbH 68 Arbeiterpartei GESTRICH, Susan 117 FAPSI 168 Siehe F\u00f6derale Agentur GHODS-Streitkr\u00e4fte 172 f\u00fcr Regierungsverbindung und InGNN 68 Siehe Gesellschaften f\u00fcr formation Nachrichtenerfassung und NachFATAH 150; 151; 153 richtenverbreitung mbH FATAH-Revolutionsrat 153 GRAMS, Andreas 57 FEYKA-Kurdistan 131 Gro\u00dfer Idealer Kreis - T\u00fcrkischer KulF\u00f6derale Agentur f\u00fcr Regierungsverturverein Berlin e. V. 142 bindung und Information 168 GRU 167; 168 Siehe Russischer miF\u00f6deraler Dienst f\u00fcr Sicherheit 168 lit\u00e4rischer Auslandsaufkl\u00e4rungsF\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei dienst in Deutschland e. V. 138 Gruppe Avanti 67 F\u00f6deration der Demokratischen ArGruppe Spartakus 67 beitervereine aus der T\u00fcrkei in der Gruppe K 66 Bundesrepublik Deutschland e. V. GS 67 Siehe Gruppe Spartakus 139 GUZMAN, Abimael 72 F\u00f6deration f\u00fcr eine allgemeing\u00fcltige, gottgef\u00e4llige Ordnung in Europa 143","I 7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 330 H IKL 73 Siehe Internationale Kommunistische Liga (Vierte InternationaliHABBASH, George 152 sten) HAMAS 146; 147; 148; 149; 150; 151; IMSV 157; 158 Siehe Iranische Mos152 Siehe Islamische Widerstandslemische Studenten-Vereinigung bewegung Bundesrepublik Deutschland e. V. Hammer-Skins 103 Informationsblatt der FAP f\u00fcr MittelHauptverwaltung Aufkl\u00e4rung 170 deutschland - Aufbruch 92 HAUSMANN, Alexander 116 Infotelefon 33 HAWATMEH, Nayef 152 INTERIM 40; 41; 45; 76; 79 HAWATMEH-Fl\u00fcgel 151 Internationale Kommunistische Liga HE\u00df, Rudolf 35; 48; 92; 121 (Vierte Internationalisten) 73 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politiInternationale Sozialisten 72 sche Gefangene und deren Angeh\u00f6Internationale Sozialistische Arbeiterrige e. V. 91; 93; 124 organisation 67 HITLER, Adolf 46; 48; 124 IPO 156; 157 Siehe Islamische ProHitler-Jugend 117 paganda-Organisation Hizb Allah 149; 151; 153; 154; 156 Iranische Moslemische StudentenHJ 117 Siehe Hitler-Jugend Vereinigung Bundesrepublik HNG 91; 93; 94; 124 Siehe HilfsorDeutschland e. V 157; 158 ganisation f\u00fcr nationale politische IS 72 Siehe Internationale Sozialisten Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e. ISA 67 Siehe Internationale SozialiV. stische Arbeiterorganisation HNG-Nachrichten 94 Islamische Avantgarden 146 HOGEFELD, Birgit 57; 58; 60; 65 Islamische F\u00f6deration in Berlin 147 H\u00dcTTL, Wolfgang 116 Islamische Gemeinschaft in DeutschHVA 170 Siehe Hauptverwaltung land e. V. 146 Aufkl\u00e4rung Islamische Gruppe 154 Islamische Propaganda-Organisation I 156 Islamische Widerstandsbewegung IBP 148 Siehe Islamischer Bund Pa147; 151 l\u00e4stina Islamischer Bund Pal\u00e4stina 148 ICCB 144 Siehe Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e. V. K\u00f6ln IGD 146 Siehe Islamische Gemein- J 2 173 schaft in Deutschland e. V.","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 331 JF 89; 91 Siehe Direkte AktiKommunistische Partei Deutschlands on/Mitteldeutschland 66; 68; 69 JIBRIL, Ahmed 152; 153 Kommunistische Partei DeutschJKGB 139 Siehe Jugendund Kulturlands/Marxisten-Leninisten 66 gemeinschaft Berlin e. V. Kommunistische Partei Perus 71 JN 112 Siehe Junge NationaldemoKommunistische Plattform 69 kraten Kommunistischer Bund WestdeutschJugendund Kulturgemeinschaft Berlin land 67 e.V. 139 KPD 66; 68; 69; 70 Siehe KommuniJunge Nationaldemokraten 112 stische Partei Deutschlands Junge Welt 57 KPD/M-L 66 Siehe Kommunistische Partei Deutschlands/Marxisten- I K I Leninisten KPdSU 65; 73 KABUS, Thilo 111 KPF 69 Siehe Kommunistische KAINDL, Gerhard 25; 37; 44; 45; 46; Plattform 47; 48; 59; 141 KRAUSE, Rudolf 116 KAPLAN, Cemaleddin 144 Kroatische Demokratische Union e. V. KARATAS, Dursun 140; 145 159 KARATAS-Fl\u00fcgel 139; 140 Ku-Klux-Klan 105 KBW 67 Siehe Kommunistischer Kurdisches Kulturzentrum BOTAN in Bund Westdeutschland Berlin e.V. 132 KFI 130 Siehe Kurdistan-Front Irak Kurdistan-Front Irak 130 KfsV 73 Siehe Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung KGB 167; 168; 170 KGK 26; 32; 35; 78 Siehe KLASSE LADYGIN, Fedor 167 GEGEN KLASSE LAUCK, Gary Rex 94 K-Gruppen 66 LENIN, Wladimir I. 71; 72; 73 KHOMEINI 156 KKK 105 Siehe Ku-Klux-Klan M KLASSE GEGEN KLASSE 26; 32; 33; 35; 74; 75; 76; 77; 78; 79; 80; 81 MaoZEDONG 71; 72 Komitee f\u00fcr soziale Verteidigung 73 MARX, Karl 71; 72; 73 KOMKAR 130 Siehe KOMKARMarxistische Gruppe 70 Verband der Vereine aus Kurdistan Marxistisch-Leninistische Partei KOMKAR-Verband der Vereine aus Deutschlands 71 Kurdistan 130 MB 146 Siehe Muslimbruderschaft","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 332 Mehmet Akif Moschee e. V. 144 Nationaler Widerstandsrat Iran 157; MfS 170; 178; 179 Siehe Ministerium 158 f\u00fcr Staatssicherheit Nationales Info-Telefon Berlin 122 MG 70 Siehe Marxistische Gruppe Nationalistische Front 89 MHP 141; 142 Siehe Partei der NaNationalsozialistische Deutsche Artionalistischen Bewegung beiterpartei 92 Milli's Tanz auf dem Eis 64 Nationalsozialistische Deutsche ArMinisterium f\u00fcr Information und Sibeiterpartei - Auslandsund Aufbaucherheit 172 organisation 91; 93 Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit 178 Nationalsozialistische Deutsche ArMLPD 71 Siehe Marxistischbeiterpartei - Auslandsund Aufbauleninistische Partei Deutschlands organisation 94 MOIS 172 Siehe Ministerium f\u00fcr InNatur Schutz=Denkzettel 92; 93; 99 formation und Sicherheit NAWCAKURD 131 Mojahed 158 Neonazikreis um Curt M\u00fcller 91 M\u00d6LLER, Irmgard 59; 60 Neues Deutschland 77 - MSP 143 Siehe Nationale Heilspartei NF 89; 91; 118 Siehe Nationalistische M\u00dcLLER, Curt und Ursula 124 Front M\u00dcLLER, Ursula 124 NIDAL, Abu 153 M\u00dcLLER, Werner 113; 114 NO 89; 91 Siehe Nationale Offensive Muslimbruderschaft 146; 147; 148 NPD 109; 110; 111 Siehe NationalMuslimen Treffund Kulturzentrum demokratische Partei Deutschlands e.V. 144 NSDAP 92 Siehe Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ll N l| NSDAP-AO 91; 92; 93; 94; 95; 97 Siehe Nationalsozialistische DeutNA Berlin 95 Siehe Nationale Altersche Arbeiterpartei - Auslandsund native Berlin Aufbauorganisation Nachrichten der HNG 93 NS-Denkzettel 97; 99 NAHRATH, Wolfram 117 NS-KAMPFRUF 93; 94; 95 Nationaldemokratische Partei NWRI 157; 158 Siehe Nationaler WiDeutschlands 111 derstandsrat Iran Nationale Alternative Berlin 95 Nationale Befreiungsfront Kurdistans 131 ' deg ~\" Nationale Heilspartei 143 \u00d6CALAN, Abdullah 130; 132 Nationale Liste 120 Organisation der Volksmojahedin Iran Nationale Offensive 89 157","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 333 Ostanatolisches Gebietskomitee 145 PUK 130 Siehe Patriotische Union Kurdistans p 1 PAA 138 Siehe Partei der Arbeit Albaniens RABBO, Yassir Abd 152 Pal\u00e4stinensische BefreiungsorganisaRadikale Serbische Partei 160 tion 151 RADJAVI, Masoud 158 Pal\u00e4stinensischer Islamischer Jihad RAF 25; 26; 27; 36; 48; 54; 55; 56; 57; 151 58; 59; 60; 61; 63; 64; 65 Siehe Partei der Arbeit Albaniens 138 Rote Armee Fraktion Partei der Gro\u00dfen Einheit 142 RAZNJATOVIC, Zeljko 160 Partei der Nationalistischen Bewegung REBELL 71 141 REP 51; 85; 86; 87; 110; 113; 114; Patriotische Union Kurdistans 130 115; 116; 123 Siehe Die RepublikaPCP 71; 72 Siehe Kommunistische ner Partei Perus Republikanisches Informationstelefon PETRI, Michael 95; 96 123 PFLP 150; 152 Siehe Volksfront f\u00fcr Revolution\u00e4re Garden 172 die Befreiung Pal\u00e4stinas Revolution\u00e4re Kommunisten (BRD) 71 PFLP-GC 150; 152; 153 Siehe Revolution\u00e4re Kommunistische Partei Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stider T\u00fcrkei 138; 139 nas - Generalkommando Revolution\u00e4re Linke 138; 139 PIJ 151 Siehe Pal\u00e4stinensischer IsRevolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/lamischer Jihad front 140 PKK 125; 126; 130; 131; 132; 134; Revolution\u00e4re Zellen 26; 63; 80 135; 136; 137 Siehe Arbeiterpartei Revolution\u00e4rer Weg 138 Kurdistans * Revolutionary Internationalist MovePLO 151; 153 Siehe Pal\u00e4stinensiment 71 sche Befreiungsorganisation RH 66 Siehe Rote Hilfe e. V. PMOI 157; 158; 159 Siehe OrganisaRIM 71 Siehe Revolutionary Internation der Volksmojahedin Iran tionalist Movement Politische Vierteljahresschrift RK 71; 72 Siehe Revolution\u00e4re GEGENSTANDPUNKT 70 Kommunisten (BRD) PRIEM, Arnulf-Winfried 89; 97 R\u00d6HM, Ernst 88 PRIMAKOW, Jewgenij 167 Rote Armee Fraktion 26; 56; 80 Proi\u00dfens Gloria 103 Rote Hilfe e. V. 66 RoteZora 64","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 334 RP 143 Siehe Wohlstandspartei SpAD 73 Siehe Spartakist - ArbeiterRussischer milit\u00e4rischer Auslandsaufpartei Deutschlands kl\u00e4rungsdienst 167 Spartakist - Arbeiterpartei DeutschRussischer ziviler Auslandsaufkl\u00e4lands 73 rungsdienst 167 SpinnenNetz 33 RZ 26; 63; 64; 80 Siehe Revolution\u00e4STALIN, JosifW. 71 re Zellen STEINMETZ, Klaus 36; 57 STORR, Andreas 112 STRASSER, Gregor und Otto 88 SWP 72 Siehe Socialist Workers SAG 72 Siehe Sozialistische ArbeiParty tergruppe SWR 167; 168 Siehe Russischer ziSCHLIERER, Rolf 110; 116 viler Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst SCH\u00d6NHUBER, Franz 110; 115; 116 SCHWERDT, Frank 112 SDAJ 72; 73 Siehe Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend TDKP 138; 139 Siehe Revolution\u00e4re SED 54; 68; 69; 70; 73; 175 Siehe Kommunistische Partei der T\u00fcrkei Sozialistische Einheitspartei Thule-Netz 112 Deutschlands TID 138 Siehe Verein der Arbeiter Sendero Luminoso 71 aus der T\u00fcrkei in Berlin e. V. SESELJ, Vojislav 160 TKP/M-L 134; 137; 138; 139; 145 Seselj-Partei 160 Siehe T\u00fcrkische Kommunistische SEW 68 Siehe Sozialistische EinPartei / Marxisten-Leninisten heitspartei Westberlins TKP/M-L Partizan 138 Sl 68 Siehe Sozialistische Initiative T\u00dcB 142 Siehe T\u00fcrkische IdealistenSkinhead 85; 88; 90; 100; 101; 102; gemeinschaft in Berlin 104; 105; 120 * T\u00dcRKES, Alparslan 141; 142 t T\u00fcrkische Idealistengemeinschaft in Socialist Workers Party 72 Berlin 142 Sozialistische Arbeitergruppe 72 T\u00fcrkische Kommunistische ParSozialistische Deutsche Arbeiterjugend tei/Marxisten-Leninisten 134; 137; 72 138 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 68 Sozialistische Einheitspartei Westberlins 68 U.I.S.A. 155; 156; 158 Siehe Union Sozialistische Initiative 68 Islamischer Studenten in Europa","7 - Abk\u00fcrzungsverzeichnis, Personenund Organisationsregister - 335 Union Islamischer Studenten in EuroVolksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas pa 155 150; 152 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas -Generalkommando 150; 152 Volksfront gegen Reaktion, FaschisVAA 67 Siehe Vereinigung der Armus und Krieg 68 beitskreise f\u00fcr Arbeitnehmerpolitik VSP 66 Siehe Vereinigte Sozialistiund Demokratie sche Partei Vandalen - Ariogermanische Kampfgemeinschaft 89; 91 W VASILJKOVIC, Dragan 160 Verband der Islamischen Vereine und WBDJ 73 Siehe Weltbund der demoGemeinden e. V. K\u00f6ln 144 kratischen Jugend Verein der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Wehrt Euch 103 Berlin e.V. 138 Weltbund der demokratischen Jugend Verein Iranischer Demokratischer 73 Akademiker e. V. - Bundesrepublik Widerstand 54 Deutschland 159; 174 Wiking-Jugend e. V. 88; 89; 97; 117 Verein Schwedische Gardine & ReWJ 88; 89; 117; 118 Siehe Wikingdaktion Mitteldeutsche GefangenenJugend e. V. stimme 94 Wohlstandspartei 143; 144 Vereinigte Sozialistische Partei 66 Wohlstands-Partei 139 Vereinigung der Arbeitskreise f\u00fcr ArWORCH, Christian 119 beitnehmerpolitik und Demokratie 67 Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e. V. 143 YAGAN-Fl\u00fcgel 139 Verwaltung Aufkl\u00e4rung 178 YASSIN, Ahmed 149 VFK 89; 91 Siehe V\u00f6lkischer FreunYAZICIOGLU, Muhsin 142 deskreis Berlin YEK-KOM 131 Siehe F\u00f6deration VIDA 159; 174 Siehe Verein IraniKurdischer Vereine in Deutschland scher Demokratischer Akademiker YILMAZ, Kani 136 e. V. - Bundesrepublik Deutschland V\u00f6lkischer Freundeskreis Berlin 89; 91 Zur Sache 113 Volksbefreiungsarmee Kurdistans 131 2 JAHRE Klasse gegen Klasse 77 VOLKSFRONT 68",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1994","year":1994}
