{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-2007.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":252,"pages":["Bayerisches Staatsministerium des Innern G S U N S S Z F A T E R H U T V SC CH R I E B 00 7 2","VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHT 20 B AY E R N 07 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Vorwort 3 D er islamische Extremismus und insbesondere seine Terrornetzwerke stellen nach wie vor die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Inneren Sicherheit in Deutschland und in Bayern dar. Nach den fehlgeschlagenen Sprengstoffanschl\u00e4gen auf zwei Regionalz\u00fcge im Sommer 2006 haben die im Jahr 2007 aufgedeckten Anschlagsplanungen von Aktivisten der \"Islamischen Jihad Union\" wieder sehr deutlich gemacht, dass islamistische Terroristen auch Ziele in Deutschland angreifen. Es ist ein Verdienst der Sicherheitsbeh\u00f6rden, dass im vergangenen Jahr Schlimmeres verh\u00fctet werden konnte. Niemand vermag aber eine Garantie daf\u00fcr abzugeben, dass Deutschland vor solchen Terroranschl\u00e4gen verschont bleiben wird. Dabei m\u00fcssen wir davon ausgehen, dass islamistische Gruppen und Einrichtungen, die von Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen gepr\u00e4gt sind, wie auch Bildungsund Betreuungsangebote islamistischer Organisationen einen N\u00e4hrboden f\u00fcr m\u00f6gliche Terrorakte schaffen. Rechtsextremistische Parteien und Gruppierungen sind nach wie vor bestrebt, mit sozialen Themen und durch Sch\u00fcren von \u00c4ngsten vor Arbeitslosigkeit, Fremdbestimmung oder \u00dcberfremdung, W\u00e4hlerstimmen zu erringen. Gerade die NPD konnte damit Erfolge erzielen. Skinheads und Neonazis verst\u00e4rkten weiter ihre intensive Zusammenarbeit. Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten hat zugenommen. Derartigen Umtrieben entgegenzutreten, ist eine Aufgabe, bei der auch weiterhin alle demokratischen Kr\u00e4fte der Gesellschaft gefordert sind. Der Beitritt der WASG zur Linkspartei.PDS hat an der linksextremistischen Ausrichtung der umbenannten Partei \"DIE LINKE.\" nichts ge\u00e4ndert. Es gibt daher keinen Grund, ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz einzustellen. Der Widerstand im linksextremistischen Spektrum gegen die bestehende staatliche Ordnung zeigt sich auch in den linksextremistisch motivierten Gewalttaten, die sich zunehmend gegen Polizeibeamte richten. Aufgabe des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz ist es insbesondere, zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestands und der Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder sowie zum Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t Informationen zu sammeln und die Sicherheitsbeh\u00f6rden dadurch in die Lage zu versetzen, rechtzeitig die notwendigen sicherheitsrechtlichen Entscheidungen zu veranlassen. Aufgabe des Landesamts und des Bayerischen Staatsministeriums des Innern ist es ferner, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber solche extremistischen und sicherheitsgef\u00e4hrdenden Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten zu informieren. Diese Informationspflicht folgt aus dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der wehrhaften Demokratie und ist in Art. 15 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes verankert. Nur der informierte und \u00fcber extremistische Bestrebungen aufgekl\u00e4rte B\u00fcrger ist in der Lage, Entwicklungen in Politik und Gesellschaft sowie die dazu getroffenen staatlichen Ma\u00dfnahmen und Entscheidungen richtig zu beurteilen. Dieser Bericht soll hierzu beitragen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, insbesondere des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und der bayerischen Polizei, gilt unser besonderer Dank. Durch ihren Einsatz haben sie auch im Jahr 2007 die Sicherheit der B\u00fcrger in Bayern gew\u00e4hrleistet und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland geleistet. M\u00fcnchen, im M\u00e4rz 2008 Joachim Herrmann J\u00fcrgen W. Heike Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Gesetzliche Grundlagen ................................................ 12 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes ............................... 12 3. Informationsbeschaffung ............................................... 13 4. Kontrolle ...................................................................... 14 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes ............... 15 6. Infound Beratungstelefone ......................................... 17 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2007 1. Ausl\u00e4nderextremismus .................................................. 18 2. Rechtsextremismus ....................................................... 19 3. Linksextremismus .......................................................... 21 4. Scientology-Organisation .............................................. 23 5. Grafische Darstellungen ................................................ 24 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines ................................................................. 26 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus ........................... 26 1.2 Entwicklung in Bayern .................................................. 26 1.3 Gewalttaten ................................................................. 28 1.4 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen ................. 28 2. Islamischer Extremismus (= Islamismus) ......................... 31 2.1 Ideologische Grundlagen des Islamismus ...................... 31 2.2 Rolle des Internets ....................................................... 33 2.3 Islamistische Bildungsund Jugendarbeit ...................... 36 3. Islamistische Gruppierungen ......................................... 40 3.1 Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung .................................................. 40 3.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) .................................. 47 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Inhaltsverzeichnis 5 3.3 Hizb ut-Tahrir ............................................................... 48 3.4 Tablighi Jamaat (TJ) .................................................... 50 3.5 Hizb Allah (Partei Gottes) ............................................. 52 3.6 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen ................................................................. 53 3.6.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ....... 55 3.6.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) .................. 57 3.6.3 Islamische Heilsfront (FIS) ............................................. 59 3.6.4 En Nahda .................................................................... 59 3.7 Islamistische Szene Neu-Ulm/Ulm - Verbotenes Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH), .............................. 60 4. Islamistischer Terrorismus ............................................. 62 4.1 \u00dcberblick ..................................................................... 62 4.2 T\u00e4tertypen des Djihad .................................................. 63 4.3 Das Terrornetzwerk um al-Qaida .................................. 64 4.3.1 Internationales Netzwerk und lokale Terrorgruppen ...... 64 4.3.2 Ansar al-Islam/Ansar al-Sunna (AAI/AAS) ...................... 66 4.3.3 Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb ............ 66 4.3.4 Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) ............................. 67 4.4 Botschaften und Drohungen ........................................ 67 4.5 Terroranschl\u00e4ge und Anschlagsplanungen .................... 69 4.5.1 Deutschland ................................................................ 69 4.5.2 Europa ......................................................................... 70 4.5.3 Irak ............................................................................. 70 4.5.4 Afghanistan ................................................................. 70 4.5.5 Weitere Anschl\u00e4ge ....................................................... 71 4.6 Ausblick ...................................................................... 71 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen ......... 72 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ............................ 72 5.1.1 Allgemeines ................................................................ 72 5.1.2 Aktivit\u00e4ten und Exekutivma\u00dfnahmen ........................... 76 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) ................................ 78 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) ...................................................................... 81 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) .. 82 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","6 Inhaltsverzeichnis 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF) ...................................... 84 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI)/Volksmudjahidin Iran (MEK) .................................................................... 85 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ........................................................ 88 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines ................................................................ 93 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus ................................. 93 1.2 Entwicklung der Organisationen .................................. 94 1.3 Nutzung des Internets .................................................. 95 2. Parteien, Organisationen und Verlage ........................... 96 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ......... 96 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort .................................... 96 2.1.2 Organisation ................................................................ 101 2.1.3 Teilnahme an Wahlen ................................................... 101 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen ................................................... 103 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten ..................................................... 104 2.1.5.1 Parteitage .................................................................... 104 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen ......................... 105 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) .................................... 106 2.1.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp .................................... 109 2.1.7.1 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" N\u00fcrnberg ................. 109 2.1.7.2 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" M\u00fcnchen ................ 110 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) ......................................... 111 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort ................................... 111 2.2.2 Organisation ................................................................ 114 2.2.3 Parteitage .................................................................... 115 2.2.4 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD ............................................ 115 2.3 Sonstige Organisationen ......................................... 116 2.4 B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch und sozial e.V. .................................................................... 117 2.5 Nation Europa Verlag GmbH ........................................ 118 3. Neonazismus ............................................................... 119 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Inhaltsverzeichnis 7 3.1 Allgemeines ................................................................ 119 3.2 Neonazi-Kameradschaften ............................................ 121 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen .............................................. 121 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) .................... 122 3.2.3 Sozialrevolution\u00e4re Aktion Regensburg ......................... 122 3.2.4 Kameradschaft Main-Spessart ...................................... 123 3.2.5 Anti-Antifa N\u00fcrnberg ................................................... 123 3.2.6 Kameradschaftsbund Hochfranken ............................... 123 3.2.7 Kameradschaft Augsburg ............................................. 124 3.3 Aktivit\u00e4ten zum 20. Todestag von Rudolf He\u00df .............. 125 4. Rechtsextremistische Skinheads .................................... 127 4.1 \u00dcberblick ..................................................................... 127 4.2 Politische Ausrichtung .................................................. 127 4.3 Strukturen ................................................................... 128 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche .................................. 128 4.5 Skinhead-Musik ........................................................... 130 4.6 Skinhead-Magazine ..................................................... 133 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten ..................... 133 5.1 Gewalttaten ................................................................ 133 5.2 Sonstige Straftaten ...................................................... 136 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen .......... 139 7. Revisionismus .............................................................. 140 7.1 Ziele ............................................................................ 140 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne ... 141 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus ... 143 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ........................................................ 145 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines ................................................................. 147 1.1 Merkmale des Linksextremismus .................................. 147 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................... 148 1.3 Nutzung des Internets .................................................. 149 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 151 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","8 Inhaltsverzeichnis 2.1 DIE LINKE., vormals Die Linkspartei.PDS ....................... 150 2.1.1 Ideologische Ausrichtung ............................................. 151 2.1.2 Entstehung der Partei DIE LINKE. durch den Beitritt der WASG .......................................................................... 154 2.1.3 Organisation ................................................................ 157 2.1.4 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften ..... 157 2.1.5 Jugendverband Linksjugend ['solid], vormals ['solid] ..... 160 2.1.6 Die Linke. Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband (DIE LINKE.SDS) ............................................... 161 2.1.7 DIE LINKE. Bayern, vormals Linkspartei.PDS Landesverband Bayern ............................................................ 162 2.1.8 Teilnahme an Wahlen .................................................. 166 2.1.9 Kommunistischer Internationalismus ............................ 167 2.1.10 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten ............. 167 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ........................ 169 2.2.1 Ideologische Ausrichtung ............................................. 169 2.2.2 Organisation ................................................................ 170 2.2.3 Internationale Verbindungen ........................................ 171 2.2.4 Umfeld der DKP ........................................................... 171 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ........... 171 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) .............. 173 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) .... 175 2.4 marx21, vormals Linksruck-Netzwerk ............................ 176 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus ............ 178 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten ................................................ 179 3. Gewaltorientierte Linksextremisten ............................... 180 3.1 Autonome Gruppen ..................................................... 180 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen ............... 180 3.1.2 Strukturen und Publikationen ....................................... 181 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen ............................... 183 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion .... 184 3.1.3.2 Antifaschismus ............................................................ 186 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste ........................................ 189 3.1.3.4 Antiimperialismus ........................................................ 192 3.1.3.5 Sozialabbau ................................................................ 193 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Inhaltsverzeichnis 9 3.2 Antideutsche Strukturen .............................................. 194 3.3 Linksextremistisch motivierte Straftaten ........................ 196 3.3.1 Gewalttaten ................................................................ 196 3.3.2 Sonstige Straftaten ...................................................... 198 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse .................. 199 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO ................................................. 201 2. Ideologie und Ziele der SO ........................................... 202 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO ............. 204 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO .......................... 204 3.2 Organisation der SO in Deutschland ............................ 206 3.2.1 \"Church\"-Sektor ......................................................... 206 3.2.2 WISE-Sektor ................................................................. 206 3.2.3 ABLE-Sektor ................................................................ 207 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO ................. 207 3.2.4.1 Applied Scholastics ...................................................... 207 3.2.4.2 NARCONON ................................................................ 209 3.2.4.3 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ....................................... 209 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) ...................................... 209 4. Mitglieder der SO ......................................................... 211 5. Veranstaltungen und Aktivit\u00e4ten der SO ....................... 211 6. Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten ...................... 214 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet .................................................................. 215 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage .............................................................. 216 2. Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage ...................... 217 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik ......... 218 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","10 Inhaltsverzeichnis 4. Proliferation ................................................................. 220 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz ........................................................ 221 6. Ausblick ....................................................................... 222 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage .............................................................. 223 2. Ost-Erweiterung .......................................................... 223 3. Methodik und Beobachtungsschwerpunkte .................. 224 3.1 Italienische Mafia ......................................................... 225 3.2 Beobachtung der OK aus der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten ................................................. 227 3.3 OK-Gruppierungen in den Balkanstaaten und der T\u00fcrkei 229 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t .............................. 232 3.5 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern ......................................... 233 Anhang Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) ....................... 236 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) ................ 246 Sachwortregister .................................................................... 248 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertWehrhafte gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann gegen Demokratie Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, z.B. durch ein Parteioder Vereinsverbot. Dies setzt voraus, dass er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, rechtzeitig erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der Freiheitliche freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstedemokratische hen, die unter Ausschluss jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine Grundordnung rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","12 Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen Rechtliche Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzlich Grundlagen genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 2007 insgesamt 437 Stellen f\u00fcr Beamte und Tarifbesch\u00e4ftigte im \u00f6ffentlichen Dienst ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 2007 betrug 24,2 Millionen Euro. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes BeobachtungsNach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt f\u00fcr auftrag Verfassungsschutz im Wesentlichen den Auftrag der Beobachtung von - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, - Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs. 2 des Grundgesetzes), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), gerichtet sind und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen aus Gr\u00fcnden des Geheimschutzes und des Sabotageschutzes mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Das Landesamt ist fernerhin beteiligt bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Mitarbeitern in Flugh\u00e4fen und KernkraftwerVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Verfassungsschutz in Bayern 13 ken nach dem Luftsicherheitsgesetz bzw. Atomgesetz sowie bei einb\u00fcrgerungsund ausl\u00e4nderrechtlichen Entscheidungen. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dazu m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die Mitglieder und Unterst\u00fctzer erfasst werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichAbgrenzung zu tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die BundesBND und MAD republik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Einen Teil der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachNachrichtenrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln geh\u00f6ren im Wesentlichen: dienstliche Mittel - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von BrieBriefund fen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen rechtsTelefonkontrolle staatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses \"Artikel 10-Gesetz\" (G10) genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","14 Verfassungsschutz in Bayern sicher, dass in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die seit Beginn des Jahres 2003 eingef\u00fchrten Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie f\u00fcr die Verwendung des so genannten IMSI-Catchers zur Feststellung unbekannter Mobiltelefonnummern. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 3. M\u00e4rz 2004 zu entsprechenden Ma\u00dfnahmen nach der Strafprozessordnung erfordert in Teilbereichen auch eine Anpassung der bisherigen Rechtslage. Keine polizeiDem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. Polizeilichen Befugnisse beh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen (wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw.) durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer informationellen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung nicht entgegen. Im Gegenteil sind diese unabdingbare Voraussetzungen f\u00fcr eine effiziente Arbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Vielf\u00e4ltige Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielf\u00e4ltiKontrollen gen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, das Parlamentarische Kontrollgremium, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs - deren Zahl im Jahr 2007 wie schon in der Vergangenheit im unteren zweistelligen Bereich lag -, die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie des EinsatVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Verfassungsschutz in Bayern 15 zes des so genannten IMSI-Catchers. Die Verwaltungskontrolle obliegt dem Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Bayerischen Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen. 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann auf Dauer nicht ohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, dass Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. Aufkl\u00e4rungsarbeit Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes kl\u00e4rt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz im Rahmen von zielgruppenorientierten Fachvortr\u00e4gen und durch die Teilnahme an Diskussionsveranstaltungen \u00fcber aktuelle extremistische Entwicklungen auf; im Jahr 2007 lagen hierbei die Schwerpunkte bei den Themen \"RechtsVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","16 Verfassungsschutz in Bayern Fachvortr\u00e4ge extremismus\" und \"Islamismus\". Die Fachvortr\u00e4ge dienen vor allem der Sensibilisierung von Multiplikatoren und werden haupts\u00e4chlich von Schulen und Universit\u00e4ten, Bildungsakademien, Kommunen, Tr\u00e4gern politischer Bildung und Jugendarbeit, demokratischen B\u00fcrgerinitiativen und politischen Parteien und Stiftungen nachgefragt. Von Medienvertretern war ein verst\u00e4rktes Interesse an Hintergrundgespr\u00e4chen zu aktuellen Entwicklungen im Bereich \"Islamismus\" zu verzeichnen. Im Bereich \"Rechtsextremismus\" arbeitete das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus und mit der Projektstelle gegen Rechtsextremismus - Bayerisches B\u00fcndnis f\u00fcr Toleranz, Demokratie und Menschenw\u00fcrde sch\u00fctzen - zusammen. Das Landesamt beteiligte sich auch an Ausbildungsund Fortbildungsma\u00dfnahmen anderer Beh\u00f6rden; Hauptbedarfstr\u00e4ger ist hier die Bayerische Polizei. Der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Publikationen zu den Aufgabenfeldern des Verfassungsschutzes erm\u00f6glichen es jedem B\u00fcrger, Neue Brosch\u00fcre sich selbst ein Urteil \u00fcber die Gefahren zu bilden, die unserem Rechtsstaat durch verfassungsfeindliche Kr\u00e4fte drohen. Die neu herausgegebene Brosch\u00fcre \"Hellh\u00f6rig bei braunen T\u00f6nen\" informiert \u00fcber rechtsextremistische Jugend-Szenen in Bayern. Das in gedruckter Form vorhandene Informationsmaterial wird kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt und kann beim Bayerischen Staatsministerium des Innern - Sachgebiet ID6 -, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Verfassungsschutz in Bayern 17 (Telefax: 0 89 / 2 19 21 28 42) angefordert oder direkt unter der InterInternetnet-Adresse Angebote http://www.innenministerium.bayern.de/service/publikationen/ (> Thema \"Verfassungsschutz\") \"online\" bestellt werden. Zus\u00e4tzlich sind die Materialien, insbesondere der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht, die Brosch\u00fcre \"Hellh\u00f6rig bei braunen T\u00f6nen\" und auch Informationen zur Scientology-Organisation (SO), im Internet unter folgender Adresse abrufbar und k\u00f6nnen als PDF-Datei heruntergeladen werden: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz Das Internet-Angebot des Bayerischen Staatsministeriums des Innern wird durch die unter der Adresse http://www.verfassungsschutz.bayern.de erreichbare Homepage des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erg\u00e4nzt. 6. Infound Beratungstelefone Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist telefonisch rund um die Uhr unter der Nummer 0 89 / 31 20 10 erreichbar. Speziell f\u00fcr Hinweise zur Bek\u00e4mpfung des internationalen Terrorismus Kontakttelefone ist dort unter der Nummer 0 89 / 31 20 14 80 ein Kontakttelefon eingerichtet. Im Rahmen der von Bund und L\u00e4ndern erarbeiteten Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten besteht ein Beratungsund Hinweistelefon. Das Telefon, das ebenso der Aufkl\u00e4rung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten in Bayern dienen soll, ist f\u00fcr B\u00fcrger und aussteigewillige Extremisten - nicht nur Rechtsextremisten - unter der Nummer 0 18 02 00 07 86 zu erreichen. F\u00fcr Opfer und Aussteiger der Scientology-Organisation (SO) sowie f\u00fcr Angeh\u00f6rige von SO-Mitgliedern unterh\u00e4lt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ein \"vertrauliches Telefon\". Das Amt nimmt Informationen und Hinweise unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96 entgegen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","18 Entwicklung des politischen Extremismus 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2007 1. Ausl\u00e4nderextremismus Der islamische Extremismus (Islamismus), insbesondere die Terrornetzwerke, stellt weiterhin die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Inneren Sicherheit dar. Verhinderte Nach den fehlgeschlagenen Sprengstoffanschl\u00e4gen auf zwei RegionalAnschl\u00e4ge z\u00fcge im Sommer 2006 haben die Anschlagsplanungen von Aktivisten in Deutschland der \"Islamischen Jihad Union\" (IJU) und deren Festnahme am 4. September in Nordrhein-Westfalen wieder sehr deutlich gemacht, dass islamistische Terroristen auch Ziele in Deutschland angreifen. Zum anderen haben die Ereignisse die erh\u00f6hte Gef\u00e4hrlichkeit des Terrornetzwerks al-Qaida in seiner Eigenschaft als Inbegriff des \"globalisierten Djihad\" f\u00fcr kampfbereite Islamisten best\u00e4tigt. In diesem Zusammenhang steht \"home grown\"auch das Ph\u00e4nomen des \"home grown\"-Terrorismus verst\u00e4rkt im BlickTerrorismus feld der deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Islamische Die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG), der europ\u00e4ische Gemeinschaft Arm der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, ist die mitgliederst\u00e4rkste islamistische Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. Organisation in Deutschland. Im Zuge der diesj\u00e4hrigen t\u00fcrkischen Parlamentswahlen unterst\u00fctzte die IGMG massiv den Wahlkampf der t\u00fcrkischen Saadet Partisi (SP) und dokumentierte damit ihre politische Ausrichtung an der t\u00fcrkischen Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Mitte April fanden Veranstaltungen der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung mit den IGMG-Gebietsvorsitzenden Deutschlands in der T\u00fcrkei statt. Daneben besch\u00e4ftigt sich die IGMG aber weiterhin mit einer ihrer Schwerpunktaufgaben der Jugendund Bildungsarbeit. Zum \"Tag der Studenten\", den die Jugendund Studentenorganisation der IGMG am 31. M\u00e4rz in Hagen/Nordrhein-Westfalen veranstaltete, kamen etwa 1.700 muslimische Studierende aus ganz Europa. Dies belegt, dass die IGMG auch f\u00fcr angehende Akademiker interessant ist. Tablighi Jamaat Die islamistische Tablighi Jamaat setzte im Berichtsjahr ihre Missionierungsaktivit\u00e4ten und ihre weltweiten Veranstaltungen fort. In der Zeit vom 24. bis 28. Februar traf sich die Spitze der europ\u00e4ischen TJ in der Weltzentrale in Indien zu einer intern Maschwara genannten VeranstalVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Entwicklung des politischen Extremismus 19 tung. W\u00e4hrend des Treffens wurde vom TJ-F\u00fchrungsgremium (Schura) beschlossen, Deutschland zur Koordinierung der Missionierungsaktivit\u00e4ten in elf Kreise einzuteilen. Am Deutschlandtreffen der TJ, das vom 20. bis 22. April in Berlin stattfand, nahmen zwischen 300 und 450 Personen teil. Die wichtigsten Redner waren Korangelehrte aus Pakistan, Indien und Frankreich. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigte mit Urteil vom 24. Januar das Vereinsverbot des \"Multi-Kultur-Hauses Ulm e.V.\" (MKH). Das \"Multi-KulturMKH war ein vorwiegend in Bayern t\u00e4tiger und in Baden-W\u00fcrttemberg Haus Ulm e.V.\" vereinsrechtlich eingetragener Verein. Da vom MKH Bestrebungen ausgingen, die sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richteten, wurde der Verein am 28. Dezember 2005 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern verboten. Die Schlie\u00dfung des MKH verunsicherte und schw\u00e4chte die \u00f6rtliche Szene nachhaltig. Vereinzelte Bem\u00fchungen, wieder islamistische Strukturen zu gr\u00fcnden, scheiterten letztendlich, meist an fehlenden Finanzmitteln oder an pers\u00f6nlichen Differenzen. Erschwerend kam hinzu, dass charismatische F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten Deutschland verlassen bzw. sich aus Angst vor strafprozessualer Verfolgung vom MKH distanziert haben. Dennoch sind weiterhin Islamisten in der Region aktiv, die teilweise rege Verbindungen zu terrorverd\u00e4chtigen Personen und Strukturen im Inund Ausland, besonders in \u00c4gypten, unterhalten. Vor dem Hintergrund anhaltender heftiger Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischer Armee und kurdischer Guerilla im Grenzgebiet zwischen der T\u00fcrkei und dem Irak hat der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) die Entscheidung des t\u00fcrkischen Parlaments f\u00fcr grenzKONGRA GEL \u00fcberschreitende Milit\u00e4rschl\u00e4ge scharf kritisiert und seine Anh\u00e4nger in und au\u00dferhalb der T\u00fcrkei zu Reaktionen aufgefordert. Deutschlandund europaweit fanden zahlreiche demonstrative Veranstaltungen statt, in deren Verlauf bzw. an deren Rand es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen T\u00fcrken und Kurden kam. Auch wenn in der Gesamtschau der Eindruck entsteht, dass die Anh\u00e4nger des KONGRA GEL im Jahr 2007 sehr aktiv waren, kann man nicht von einem Wiedererstarken der PKK bzw. des KONGRA GEL ausgehen. Die in j\u00fcngster Vergangenheit erfolgten Durchsuchungsund Festnahmeaktionen d\u00fcrften die Organisation nicht unerheblich verunsichert, mitunter auch geschw\u00e4cht haben. 2. Rechtsextremismus Wie im Vorjahr machten sich Rechtsextremisten Ziele anderer nicht-extremistischer Str\u00f6mungen zu eigen und waren bestrebt, vermehrt Pr\u00e4senz Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","20 Entwicklung des politischen Extremismus zu zeigen. So wandten sie sich gegen die US-amerikanische Intervention im Irak und gegen Sozialreformen. Mit planm\u00e4\u00dfigen Werbeaktionen, beispielsweise der kostenlosen Verteilung von CDs in der N\u00e4he von Schulen, versuchten sie, junge Menschen ideologisch zu beeinflussen \"Nationaler und f\u00fcr den \"Nationalen Widerstand\" zu rekrutieren. Ein SchwerpunktWiderstand\" thema war der G8-Gipfel in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern, den Rechtsextremisten zum Anlass nahmen, sich als Teil einer globalisierungsfeindlichen und antikapitalistischen Protestbewegung dazustellen. Das damit erreichte Medienecho wurde als denkw\u00fcrdiger Erfolg angesehen. Auch der \"Tag der Arbeit\" bot der rechtsextremistischen Szene Gelegenheit f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Auftritte. Ferner griffen Rechtsextremisten die alliierten Bombenangriffe auf deutsche St\u00e4dte im Zweiten Weltkrieg propagandistisch auf, um damit die Einigkeit des rechtsextremistischen Lagers zur Schau zu tragen. Erneut best\u00e4tigte sich, dass in Deutschland die Chancen des organisierten Rechtsextremismus bei Wahlen letztlich von bestimmten Konstellationen abh\u00e4ngen, die nicht st\u00e4ndig gegeben sind. Die NPD war auch 2007 der Motor f\u00fcr die anhaltenden Versuche zur Einigung des rechtsextremistischen Lagers. Der von den Parteivorsitzenden der NPD und DVU in einem so genannten Deutschland-Pakt im Januar 2005 vereinbarte Verzicht auf konkurrierende Kandidaturen bei Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009 wurde nach dem Wahlerfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2006 bekr\u00e4ftigt. Die NPD und ihre Jugendorganisation \"Junge Nationaldemokraten\" (JN) setzten ihren aktionistischen Kurs fort und waren \"Kampf um die bestrebt, im \"Kampf um die Stra\u00dfe\" Pr\u00e4senz zu zeigen. Ihr Ziel ist es, sich Stra\u00dfe\" nach den Erfolgen in Ostdeutschland auch im Westen parlamentarisch zu verankern und die insbesondere bei m\u00e4nnlichen Jungw\u00e4hlern erzielten Zustimmungswerte auch au\u00dferhalb von Wahlk\u00e4mpfen zu festigen. Als \"soziale und nationale Volksbewegung\" pr\u00e4sentiert sich die NPD als Alternative zu den \"Altparteien\", die mit ihrem \"Internationalismus und der zerst\u00f6rerischen Globalisierung gegen die Interessen des eigenen Volks handeln\". Mit oft aggressiven und bewusst drastischen Tiraden setzen Parteifunktion\u00e4re auf Skandaleffekte, um die Aufmerksamkeit der Medien auf sich zu lenken. Die DVU ist zwar weiterhin die finanzst\u00e4rkste rechtsextremistische Partei, aber nach wie vor zu einer sachorientierten politischen Arbeit nicht f\u00e4hig. Das wenig ausgepr\u00e4gte Parteileben ist nicht demokratisch organisiert und vom bedingungslosen Machtanspruch des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey dominiert. Obwohl die Vorsitzenden von NPD und DVU st\u00e4ndig betonen, dass sich beide Parteien in den Grundzielen einig Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Entwicklung des politischen Extremismus 21 seien, bestehen in den b\u00fcndnispolitischen Positionen nach wie vor Differenzen, insbesondere in der Frage einer Zusammenarbeit mit Neonazis. Bei der Wahl zur Bremischen B\u00fcrgerschaft am 13. Mai konnte die DVU gegen\u00fcber 2003 leichte Stimmengewinne erzielen und erneut einen Sitz im Landesparlament erringen. Neonazis und rechtsextremistische Skinheads verst\u00e4rkten erneut ihre intensive Zusammenarbeit. Dabei dominieren die neonazistischen Positionen gegen\u00fcber den eher diffusen rechtsextremistischen Orientierungen von Skinheads. Die Zahl neonazistisch orientierter Personen stieg auf 400; die Zahl der dem Spektrum rechtsextremistischer Skinheads zuzurechnenden Personen sank dagegen erneut auf nunmehr rund 700. Somit gibt es in Bayern weiterhin rund 1.100 gewaltbereite Rechtsextremisten. Die Zahl der Skinhead-Konzerte verringerte sich mit R\u00fcckgang der neun im Vergleich zu 26 Konzerten im Vergleichszeitraum 2006 deutSkinhead-Konzerte lich. Die Zahl der von Neonazis und Skinheads ver\u00fcbten brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten stieg auf 82 an. Dagegen hat die Zahl sonstiger Straftaten, insbesondere der Propagandadelikte, in Bayern abgenommen. Der von der Neonazi-Szene als wichtiges \u00f6ffentlichkeitswirksames Ereignis konzipierte \"Rudolf-He\u00df-Gedenkmarsch\" in Wunsiedel wurde erneut verboten. Die dagegen eingelegten Rechtsbehelfe blieben vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht erfolglos. Das im Februar 2001 vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtete Hinweistelefon (0 18 02 00 07 86) wurde seither von Hinweistelefon etwa 400 Personen genutzt. Meist handelte es sich bei den Anrufern um B\u00fcrger, die Hinweise auf rechtsextremistische Bestrebungen gaben. In einigen F\u00e4llen bekundeten Rechtsextremisten ihren Willen zum Ausstieg. Dar\u00fcber hinaus hat das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz insgesamt \u00fcber 110 Personen angesprochen, von denen etwa die H\u00e4lfte inzwischen aus der rechtsextremistischen Szene ausgestiegen ist und etwa ein Dutzend als potenzielle Aussteiger bezeichnet werden k\u00f6nnen. 3. Linksextremismus Der gewaltbereite Linksextremismus stellt nach wie vor eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar und verdient auch in Bayern Beachtung. Das linksextremistische Gewaltpotenzial wird zu 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem autonomen und anarchistischen Spektrum gestellt. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern ist von 71 Delikten im Jahr 2006 auf 76 gestiegen. Opfer waren \u00fcberVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","22 Entwicklung des politischen Extremismus wiegend (49 F\u00e4lle) Polizeibeamte, die zum Schutz von Veranstaltungen (z.B. der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz und von rechtsextremistischen Aufz\u00fcgen) eingesetzt waren. Bei den sonstigen Straftaten in Bayern war eine erhebliche Steigerung auf 95 (2006: 69) zu verzeichnen. Die allj\u00e4hrlichen Aktionen gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz zeigen, dass die eigentlichen Angriffsziele der Autonomen der demokratische Staat und seine Repr\u00e4sentanten sind. Eines der wichtigsten Agitationsund Aktionsfelder der Autonomen stellte im Jahr 2007 die Schwerpunkte Thematik \"Anti-Globalisierung\" im Zusammenhang mit den Protesten Anti-Globalisierung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern dar. und Antifaschismus Dar\u00fcber hinaus bleibt ein Schwerpunkt autonomen Handelns der \"Antifaschismus\", d.h. der \"Kampf\" gegen tats\u00e4chliche und vermeintliche Rechtsextremisten; in diesem Zusammenhang wurden auch wieder mit 60 Gewalttaten die meisten Gewaltdelikte ver\u00fcbt. Im Rahmen des Fusionsprozesses von Linkspartei.PDS und der nicht-extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) verabschiedeten die Delegierten von Linkspartei.PDS Bundesparteitage und WASG auf zwei getrennt durchgef\u00fchrten Bundesparteitagen am von Linkspartei.PDS 24. und 25. M\u00e4rz in Dortmund die Gr\u00fcndungspapiere f\u00fcr die neue Parund WASG tei DIE LINKE.. Sie beinhalten die \"Programmatischen Eckpunkte\", die Bundessatzung sowie die Bundesfinanzund Bundesschiedsordnung. Die Verschmelzung beider Parteien wurde auf dem gemeinsamen \"Gr\u00fcndungsparteitag\" am 16. Juni in Berlin vollzogen. Rechtlich handelt es sich dabei um einen Beitritt der WASG zur Linkspartei.PDS; die Umbenennung Namensgebung \"DIE LINKE.\" ist als blo\u00dfe Umbenennung der bisherider Linkspartei.PDS gen Linkspartei.PDS. einzustufen. Der Linkspartei.PDS war es gelungen, nahezu vollst\u00e4ndig ihren letzten Parteivorstand in den ersten Bundesvorstand der Partei DIE LINKE. zu integrieren. Sie sicherte sich wichtige Partei\u00e4mter: Es wurden Prof. Dr. Lothar Bisky als Parteivorsitzender, Katja Kipping und Katina Schubert als stellvertretende Vorsitzende, Dr. Dietmar Bartsch als Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer sowie Dr. Karl Holluba als Bundesschatzmeister best\u00e4tigt. Au\u00dferdem konnte sich die Linkspartei.PDS mit ihren eigenen strategisch-ideologischen Programminhalten gegen\u00fcber dem Fusionspartner WASG durchsetzen. So repr\u00e4sentiert die Vorstellung des \"demokratischen Sozialismus\" noch immer das zentrale und elementare Leitbild der Partei DIE LINKE.. Ein neues Parteiprogramm steht noch aus. Teilnahme an Bei der Wahl zur Bremischen B\u00fcrgerschaft am 13. Mai gelang es der LinksWahlen partei.PDS erstmals, in ein westdeutsches Landesparlament einzuziehen. Mit einem Stimmenanteil von 8,44 % stellt sie sieben Abgeordnete. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Entwicklung des politischen Extremismus 23 Bereits im Mai wurde aus dem Linkspartei.PDS-nahen Jugendverband ['solid] und der Jugendorganisation der WASG der neue, bundesweite Verband \"Linksjugend ['solid]\" gegr\u00fcndet, der sich als offizielle, gleichwohl aber unabh\u00e4ngige Jugendorganisation der Partei DIE LINKE. bezeichnet. In Bayern wurde am 15. September aus den Landesverb\u00e4nden von Gr\u00fcndung des Linkspartei.PDS und WASG der Landesverband Bayern der Partei DIE Landesverbands LINKE. gegr\u00fcndet. Bayern 4. Scientology-Organisation Die Scientology-Organisation (SO) verfolgt weiterhin das Ziel, eine weltweite scientologische Gesellschaft nach eigenen, die Grundprinzipien Missachtung der der freiheitlichen demokratischen Grundordnung wie Gewaltenteilung, Grundprinzipien Rechtsstaatsprinzip und Demokratieprinzip missachtenden Regeln zu unserer Verfassung schaffen und zu regieren. Ihr h\u00f6chstes Ziel, die Weltherrschaft, steht im krassen Widerspruch zu ihren st\u00e4ndigen Beteuerungen, der Menschheit die v\u00f6llige Freiheit zu bringen, weil die Verwirklichung ihres Herrschaftsprinzips tats\u00e4chlich zu einer massiven Beeintr\u00e4chtigung der Menschenrechte f\u00fchren w\u00fcrde. F\u00fcr den einzelnen Menschen und seine Probleme hat die SO trotz anders lautender \u00f6ffentlicher Bekundungen kein Interesse. Kritische Personen zu \"Unterdr\u00fcckern\" zu erkl\u00e4ren oder Menschen zu \"potenziellen Schwierigkeitsquellen\" zu degradieren, offenbart die ideologische Menschenverachtung der scientologischen Lehre. Sie sieht sich als Inhaberin der absoluten Wahrheit mit dem Recht, sich die Welt anzueignen. Ihr einziges Ziel, an dem sich all ihre Aktivit\u00e4ten orientieren, ist die Expansion der Organisation. Bis dieses Ziel erreicht ist, steht die SO im Grunde mit allen Menschen, Gesellschaftsgruppen und Staaten, die sie ablehnen, in st\u00e4ndigem Konflikt. Vor diesem Hintergrund diffamierte sie auch 2007 in ihrer Propaganda die staatlichen Aufkl\u00e4rungsund Abwehrma\u00dfnahmen. Die SO veranstaltet Info-St\u00e4nde, Ausstellungen und andere propaganPropagandadistische Aktionen, um die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber ihre verfassungsfeindaktionen und lichen Absichten zu t\u00e4uschen und um neue Mitglieder zu werben. Ein ExpansionsSchwerpunkt der Expansionsstrategie der SO ist seit langem ihr Bestrebestrebungen ben, in ihrem angeblichen Kampf gegen die Bildungsmisere und den Analphabetismus die Studiertechnologie Hubbards in der Gesellschaft zu etablieren. Dieses Bem\u00fchen, beispielsweise \u00fcber Nachhilfegruppen zun\u00e4chst unerkannt die Lehren Hubbards zu verbreiten, um letztendlich neue Mitglieder zu rekrutieren, hat sie zwar fortgesetzt, war jedoch weiterhin wenig erfolgreich. Insbesondere verbreitet die SO vermehrt Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","24 Entwicklung des politischen Extremismus unter bewusster falscher Tatsachendarstellung die Behauptung, dass sie weltweit von mehreren staatlichen Institutionen als Religionsgemeinschaft anerkannt worden sei. 5. Grafische Darstellungen Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten der MitgliederRechtsextremisten Linksextremisten zahlen extremisMitglieder Scientology-Organisation Deutschland tischer Organi80.000 sationen in Deutschland 60.000 59.100 58.420 53.600 40.000 33.000* 34.700 30.800** 20.000 5.500 5.500 0 1998 99 2000 01 02 03 04 05 06 07 * Zur Partei \"Die Republikaner\" (REP) liegen keine hinreichend gewichtigen Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mehr vor, so dass ihre Mitglieder insgesamt nicht mehr dem Rechtsextremismus zugeordnet werden k\u00f6nnen (Grafik ab 2007 ohne REP). ** Die Kurve beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der Partei DIE LINKE. nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. DIE LINKE. hatte im Jahr 2007 insgesamt 69.200 Mitglieder, davon 1.000 in der KPF. Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten der MitgliederRechtsextremisten Linksextremisten zahlen extremisScientology-Organisation Deutschland Mitglieder tischer Organi12.000 sationen in 10.580 Bayern 10.000 9.160 8.000 8.200 6.000 5.140 3.910 4.000 3.320* 2.600 2.000 2.750 0 1998 99 2000 01 02 03 04 05 06 07 * Zur Partei \"Die Republikaner\" (REP) liegen keine hinreichend gewichtigen Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mehr vor, so dass ihre Mitglieder insgesamt nicht mehr dem Rechtsextremismus zugeordnet werden k\u00f6nnen (Grafik ab 2007 ohne REP). Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Entwicklung des politischen Extremismus 25 Entwicklung 2005 2006 2007 extremistisch motivierter 1.100 1.047 980 Gewalttaten in 1.000 958 Deutschland 896 900 862 (Zahlen ohne 833 terroristische 800 Straftaten) 700 600 500 400 300 200 95 108 100 47 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten motivierte motivierte ausl\u00e4ndischer Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Entwicklung 2005 2006 2007 extremistisch 120 107 motivierter Gewalttaten in 100 Bayern 82 77 (terroristische 80 76 Straftaten 71 vgl. Fu\u00dfnoten) 60 47 40 20 112) 3 1) 63) 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten motivierte motivierte ausl\u00e4ndischer Gewalttaten Gewalttaten Extremisten 1) zus\u00e4tzlich vier terroristische Straftaten 3) zus\u00e4tzlich acht terroristische Straftaten 2) zus\u00e4tzlich drei terroristische Straftaten Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","26 Ausl\u00e4nderextremismus 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus Einstufung als Ausl\u00e4ndergruppen und ausl\u00e4ndische Einzelpersonen werden als extreextremistisch mistisch bewertet und vom Verfassungsschutz beobachtet, wenn sich ihre politischen Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand Bayerns bzw. des Bundes richten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die sich auch in Deutschland die Errichtung eines islamischen Gottesstaats nach dem Beispiel des Iran zum Ziel gesetzt haben und damit wesentliche Grunds\u00e4tze unserer freiheitlichen Verfassung beseitigen wollen. Der Beobachtung unterliegen ferner Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind bzw. Gruppierungen von Ausl\u00e4ndern, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in ihrem Heimatland anstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 1.2 Entwicklung in Bayern Mitgliederst\u00e4rke LinksExtreme Islamische Gesamtzahl extremistischer extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder Ausl\u00e4nderorganisationen Kurden 1.800 (1.800) - (-) 50 (50) 1.850 (1.850) in Bayern T\u00fcrken 280 (280) 1.250 (1.250) 4.900 (4.900) 6.430 (6.430) Sonstige* 310 (330) 50 (50) 520 (530) 880 (910) Gesamtzahl 2.390 (2.410) 1.300 (1.300) 5.470 (5.480) 9.160 (9.190) (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahrs) * Iraker, Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a. Die Gesamtzahl der Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4ndervereinigungen in Bayern blieb mit 9.160 gegen\u00fcber 9.190 im Vorjahr ann\u00e4hernd gleich. Wie in den Vorjahren stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) etwa 90 % aller ausVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 27 Ausl\u00e4ndische Extremisten 30.950 in Deutschland 33.170 35.000 30.000 Islamische Extremisten 25.000 17.470 20.000 15.000 Linksextremisten 16.870 10.000 8.880 5.000 Extreme Nationalisten 8.380 0 2003 2004 2005 2006 2007 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern 7.000 5.530 6.000 5.470 Islamische Extremisten 5.000 4.000 2.640 3.000 Linksextremisten 2.390 2.000 2.070 1.000 Extreme Nationalisten 1.300 0 2003 2004 2005 2006 2007 l\u00e4ndischen Extremisten in Bayern. \u00dcber die H\u00e4lfte aller ausl\u00e4ndischen Extremisten ist dem Islamismus zuzurechnen. Eine isolierte Betrachtung der Mitgliederzahlen der Organisationen verdeutlicht die Bedrohungslage nicht ausreichend. Insbesondere im Bereich des Terrorismus treten im Inland fast ausschlie\u00dflich organisationsunabh\u00e4ngige Einzelpersonen oder Anh\u00e4nger von Splittergruppen ausl\u00e4ndischer Organisationen mit Verbindungen zum islamistischen Terrorismus auf. Ihre Gesamtzahl kann nur gesch\u00e4tzt werden. In Bayern werGewaltpotenzial den etwa 50 Personen Verbindungen zu terroristisch orientierten Netzin Bayern werken zugeschrieben. Zu ber\u00fccksichtigen ist jedoch, dass eine weit gr\u00f6\u00dfere Zahl islamischer Extremisten - rund 500 Personen - Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele bef\u00fcrwortet, dabei aber vorrangig auf ihre jeweiligen Heimatl\u00e4nder und nicht auf Deutschland abzielt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","28 Ausl\u00e4nderextremismus 1.3 Gewalttaten In Deutschland betrug die Zahl der Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" (ohne Terrorismusdelikte) 108 gegen\u00fcber 95 im Jahr 2006. In Bayern ging die Zahl der ausl\u00e4ndischen Extremisten zuzurechnenden Gewaltdelikte von elf im Jahr 2006 auf sechs deutlich zur\u00fcck. Bei den Gewaltdelikten handelt es sich beispielsweise um \u00dcbergriffe auf Rechtsextremisten, denen gegenseitige Auseinandersetzungen vorausgegangen waren. Im Gegensatz zu den Gewaltdelikten ist die Zahl der Terrorismusdelikte von drei im Jahr 2006 auf acht im Jahr 2007 gestiegen. Dabei wird u.a. wegen der Verbreitung djihadistischer Inhalte im Internet sowie wegen des Verdachts der Unterst\u00fctzung terroristischer Vereinigungen wie der Ansar al-Islam/Ansar al-Sunna und der DHKP-C ermittelt. 1.4 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen Nachdem der Bundesgerichtshof am 16. November 2006 den Marokkaner Mounir al-Motassadeq rechtskr\u00e4ftig der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und der Beihilfe zum 246-fachen Mord schuldig gesprochen hatte, setzte das Oberlandesgericht Hamburg am 8. Januar das Strafma\u00df wegen Beihilfe zum Mord an den Insassen der 11. September 2001 am 11. September 2001 in den USA entf\u00fchrten vier Flugzeuge auf 15 Jahre fest. PKK Wegen R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in der terroristischen Vereinigung PKK (vgl. auch Nummer 5.1.2 dieses Abschnitts) verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main am 16. Januar einen t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Abstammung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Der Verurteilte war in den 90er Jahren mitverantwortlich f\u00fcr mehrere Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Generalkonsulate, Restaurants, Banken und Reiseb\u00fcros im gesamten Bundesgebiet. Dabei waren ein Mensch get\u00f6tet und zahlreiche weitere verletzt worden. Am 8. April wurden in einer Wohnung in Hagen/Nordrhein-Westfalen DHKP-C zwei mutma\u00dfliche F\u00fchrungsmitglieder der DHKP-C (vgl. auch Nummer 5.2 dieses Abschnitts) festgenommen. Ihnen wird u.a. vorgeworfen, im Auftrag der DHKP-C Kommunikationsmittel, milit\u00e4rische Ausr\u00fcstung, Waffen und Munition besorgt und f\u00fcr den bewaffneten Kampf gegen den t\u00fcrkischen Staat in die T\u00fcrkei geschmuggelt zu haben. Gegen beide erging Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Gruppierung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 29 In London wurden am 11. Juli vier Angeklagte wegen versuchter Anschl\u00e4ge nach dem Vorbild der Londoner U-Bahn-Attentate vom 7. Juli Londoner 2005 zu lebenslanger Haft verurteilt. Die Angeklagten waren schuldig U-Bahn-Attentate gesprochen worden, am 21. Juli 2005, zwei Wochen nach den Anvom 7. Juli 2005 schl\u00e4gen mit \u00fcber 50 Toten und hunderten Verletzten, eine weitere Attentatsserie auf U-Bahn-Z\u00fcge und einen Bus geplant zu haben. Da die Sprengs\u00e4tze nicht explodierten, waren keine Opfer zu beklagen. Wegen logistischer und finanzieller Unterst\u00fctzung der irakischen Terrorgruppe Ansar al-Islam bzw. Ansar al-Sunna (AAI/AAS) - vgl. auch Ansar al-Islam Nummer 4.3.2 dieses Abschnitts - verurteilte das Oberlandesgericht M\u00fcnchen am 25. Juni einen Iraker zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Im August wurde der Iraker aus der Haft entlassen, da er bereits im Juni 2005 verhaftet worden war und zwei Drittel seiner Strafe verb\u00fc\u00dft hatte. Es wurden aufenthaltsbeschr\u00e4nkende Verf\u00fcgungen gegen ihn erlassen. Ebenfalls wegen finanzieller Unterst\u00fctzung der AAI/AAS verurteilte das Oberlandesgericht M\u00fcnchen am 9. Juli einen irakischen Staatsangeh\u00f6rigen zu einer Freiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten. Das Gericht f\u00fchrte zu dem vergleichsweise hohen Strafma\u00df an, dass ein K\u00e4mpfer im Irak bereits mit 20 bis 25 Euro einen Monat finanziert werden k\u00f6nne. Der Prozess dauerte mehr als ein Jahr. Am 4. September wurden nach monatelangen Ermittlungen von Sicherheitsbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder drei terrorverd\u00e4chtige Islamisten in Medebach-Oberschlehdorn/Nordrhein-Westfalen festgenommen. Festnahme von Die Aktivisten der \"Islamischen Jihad Union\" (IJU), einer usbekischen Aktivisten der Organisation mit al-Qaida-Bez\u00fcgen, hatten sich gro\u00dfe Mengen WasserIslamischen Jihad stoffperoxid, Z\u00fcnder und weiteres Material zum Bau von Sprengs\u00e4tzen Union (IJU) beschafft. Ihre Ausbildung hatten sie vor allem in Ausbildungslagern der IJU in Pakistan erhalten. Kontakte bestanden auch in die islamistische Szene im Raum Ulm/Neu-Ulm (vgl. auch Nummer 4.5.1 dieses Abschnitts). In Wien wurde am 12. September der mutma\u00dfliche Verantwortliche des deutschsprachigen Internet-Auftritts der \"Global Islamic Media Front\" Global Islamic (GIMF) festgenommen, was die GIMF allerdings nicht erkennbar Media Front (GIMF) schw\u00e4chte. Sowohl vor als auch nach dieser Festnahme erschienen auf der Homepage der GIMF Videobotschaften, in denen \u00d6sterreich und Deutschland mit Terroranschl\u00e4gen bedroht wurden (vgl. auch Nummer 2.2 dieses Abschnitts). Das Oberlandesgericht Celle er\u00f6ffnete am 26. September den Prozess gegen einen Iraker wegen Werbung f\u00fcr das Terror-Netzwerk al-Qaida. Al-Qaida Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","30 Ausl\u00e4nderextremismus Ihm wird vorgeworfen, Audiound Videobotschaften von terroristischen R\u00e4delsf\u00fchrern wie al-Zarqawi, al-Zawahiri und Bin Ladin im Internet verbreitet und damit Terroranschl\u00e4ge verherrlicht und gerechtfertigt zu haben. Der Iraker, der am 10. Oktober 2006 bei Osnabr\u00fcck festgenommen worden war, hatte bis 2002 in Regensburg gelebt und war als Anh\u00e4nger der AAI/AAS bekannt. Ebenfalls am 26. September verurteilte das Amtsgericht M\u00fcnchen einen \u00e4gyptischen Kaufmann wegen Volksverhetzung zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe auf Bew\u00e4hrung. Dem Kaufmann wird vorgeworfen, CDs vertrieben zu haben, in denen Kinder zum \"Schlachten der Juden\" und zum M\u00e4rtyrertod aufgefordert wurden. Als besonders verwerflich erIndoktrinierung achtete das Gericht, dass mit den Inhalten der CDs gezielt Kinder von Kindern indoktriniert werden sollten. Die Bildund Tontr\u00e4ger waren am 14. April 2005 bei einer Durchsuchung von mehr als 30 Objekten inund au\u00dferhalb Deutschlands sichergestellt worden. Terroranschl\u00e4ge Nach mehr als achtmonatiger Dauer wurden am 31. Oktober in Madrid in Madrid vom die Urteile im Prozess um die 191 Toten und \u00fcber 1.500 Verletzten der 11. M\u00e4rz 2004 Terroranschl\u00e4ge auf Madrider Pendlerz\u00fcge vom 11. M\u00e4rz 2004 gesprochen. Ein Viertel der fast 30 Angeklagten wurde freigesprochen, so auch der mutma\u00dfliche Drahtzieher der Attentate. Unterschiedliche \u00dcbersetzungen eines abgeh\u00f6rten Telefonats, in welchem er sich 2004 laut Anklage ger\u00fchmt hatte, die Tat in Madrid geplant zu haben, boten f\u00fcr das Gericht keine ausreichende Grundlange, ihn als Beteiligten der Anschl\u00e4ge zu verurteilen. Nur drei der Beschuldigten wurden wegen Mordes zur H\u00f6chststrafe verurteilt. Bei 18 weiteren Angeklagten entschied das Gericht zwar auf hohe Gef\u00e4ngnisstrafen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, blieb aber weit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen setzte im Oktober die Reststrafe von \"Lokman-Prozess\" drei Jahren und zehn Monaten Haft des Irakers Lokman Amin Mohammed zur Bew\u00e4hrung aus. Lokman, der am 12. Januar 2006 in M\u00fcnchen wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen Terrorvereinigung zu sieben Jahren Haft verurteilt worden war, sa\u00df bereits seit Dezember 2003 in Haft. Der irakische Kurde machte im Verlauf seines Verfahrens umfangreiche Angaben und sagte auch in anderen Terrorprozessen aus. Am 5. November wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart Anklage DHKP-C gegen f\u00fcnf hochrangige Funktion\u00e4re der DHKP-C (vgl. auch Nummer 5.2 dieses Abschnitts) wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung erhoben, u.a. auch gegen den Gebietsverantwortlichen f\u00fcr S\u00fcddeutschland. Neben der Rekrutierung neuer MitglieVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 31 der und deren ideologischer Schulung hatten sie den Auftrag, Waffen, Munition, Handys und Ausweispapiere f\u00fcr die k\u00e4mpfenden Einheiten in der T\u00fcrkei zu beschaffen. Das D\u00fcsseldorfer Oberlandesgericht verurteilte am 5. Dezember zwei Pal\u00e4stinenser und einen Syrer wegen der Mitgliedschaft und der Unterst\u00fctzung der al-Qaida zu sechs, sieben und dreieinhalb Jahren Haft. Es Al-Qaida war das erste Verfahren der Bundesanwaltschaft, das sich auf Erkenntnisse aus einem so genannten gro\u00dfen Lauschangriff st\u00fctzte. Zwischen August 2004 und der Festnahme im Januar 2005 waren Gespr\u00e4che in der Wohnung des Hauptangeklagten abgeh\u00f6rt worden. Die drei M\u00e4nner hatten versucht, durch den Abschluss von Risiko-Lebensversicherungen und den geplanten fingierten Unfalltod eines der Angeklagten Versicherungsleistungen von mehr als vier Millionen Euro zu kassieren. Das Geld sollte teilweise der Terrororganisation al-Qaida zugef\u00fchrt werden. Die Verteidigung k\u00fcndigte Revision an, da ihrer Ansicht nach die Ergebnisse der akustischen Wohnraum\u00fcberwachung nicht gerichtsverwertbar seien. Der angeklagte Syrer wurde nach dem Urteilsspruch freigelassen, da er bereits mehr als zwei Drittel seiner Strafe in Untersuchungshaft verb\u00fc\u00dft hatte. Am 18. Dezember begann vor dem D\u00fcsseldorfer Oberlandesgericht der Prozessbeginn Prozess gegen einen der beiden so genannten Kofferbomber wegen gegen \"Kofferversuchten vielfachen Mordes. Er hatte zusammen mit einem weiteren bomber\" Libanesen versucht, am 31. Juli 2006 zeitlich aufeinander abgestimmte Sprengstoffanschl\u00e4ge auf zwei Regionalz\u00fcge zu ver\u00fcben; nur ein handwerklicher Fehler hatte die Explosionen verhindert. Der zweite Libanese wurde gleichfalls am 18. Dezember im Libanon zu zw\u00f6lf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Den in Deutschland angeklagten Libanesen verurteilte ein libanesisches Gericht in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. 2. Islamischer Extremismus (= Islamismus) 2.1 Ideologische Grundlagen des Islamismus Der Islam als Religion und seine Aus\u00fcbung werden nicht vom VerfasGesetzlicher sungsschutz beobachtet. Der Beobachtung unterliegen jedoch islamisBeobachtungstische Gruppierungen und Einzelpersonen, die die unter Nummer 1.1 dieauftrag ses Abschnitts dargelegten Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus erf\u00fcllen. Eine Differenzierung zwischen Islam und Islamismus kann gleichwohl nicht absolut sein, da sich der Islamismus direkt aus dem Islam ableitet. Die im Bundesgebiet aktiven islamistischen Gruppierungen wollen die in ihren Heimatl\u00e4ndern bestehenden Staatsund GesellschaftsordnunVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","32 Ausl\u00e4nderextremismus gen durch ein auf dem Koran und der Scharia (islamisches Rechtssystem) basierendes islamisches Gesellschaftssystem ersetzen. \u00dcberwiegend streben sie sogar die Errichtung eines anti-laizistischen Gottesstaats auf der ganzen Welt an. Sie gehen davon aus, dass durch die Scharia eine alle Lebensbereiche umfassende islamische Gesellschaftsordnung vorgegeben sei, die es \u00fcberall zu verwirklichen gelte. Nach ihrer \u00dcberzeugung entsprechen die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Islamismus wegen ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs als einziges gesellschaftliches System in allen Aspekten vollst\u00e4ndig der menschlichen Natur. Die Trennung von Staat und Religion (Laizismus) in westlichen Staaten wird daher nicht nur als \"un-islamisch\" abgelehnt, sondern teilweise auch aktiv bek\u00e4mpft. Der Islamismus ist gepr\u00e4gt von Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen, teilweise sogar gegen friedliche, moderate Muslime. AbsolutheitsAufgrund seines Absolutheitsanspruchs fordert er einen aktiven Kampf anspruch gegen alle \"Ungl\u00e4ubigen\" und f\u00fcr die weltweite Islamisierung, falls n\u00f6tig durch Unterwerfung aller Nichtmuslime. Westliche Demokratieund Gesellschaftsvorstellungen werden abgelehnt, sofern sie nicht im Einklang mit der von den Islamisten vorgenommenen Auslegung des Korans und der Scharia stehen. Dies bedeutet die \u00c4chtung des demokratischen Prinzips der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der Chancengleichheit der Parteien. Ferner gibt es keine Gewaltenteilung, keine demokratische Legislative, keine Kontrolle der obersten Staatsgewalt. Auch die Menschenrechte nach westlichem Verst\u00e4ndnis werden nur anerkannt, sofern sie nicht im Widerspruch zur Scharia stehen. Die Gleichheit der Menschen wird verneint, nur Muslime genie\u00dfen volle Rechte. Ablehnung von Islamistische Gruppen wenden sich infolgedessen massiv gegen eine Integration echte Integration. Sie versuchen, vor allem junge Menschen zu beeinflussen und sie zu einer Ablehnung unserer demokratischen Ordnung und unserer freiheitlichen Gesellschaft zu bewegen. Dazu dienen die privaten Koranschulen extremistischer Organisationen wie auch die Pflicht f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen, Kopft\u00fccher zu tragen, was zur bewussten Abgrenzung von westlichen Lebensgewohnheiten beitr\u00e4gt (vgl. auch Nummer 2.3 dieses Abschnitts). Islamistische Terrorgruppen stehen weit mehr im \u00f6ffentlichen Interesse als nicht-gewaltbereite islamistische Gruppen. Dennoch sind auch diese eine Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung, da sie - trotz anderslautender Bekenntnisse - eine wirkliche Integration ablehnen und damit zur Bildung von Parallelgesellschaften entscheidend beitragen. Haltung zur Die Haltung zur Gewalt ist differenziert zu sehen. Gewalt wird nicht von Gewalt allen Organisationen grunds\u00e4tzlich abgelehnt, sondern eher von taktischen \u00dcberlegungen abh\u00e4ngig gemacht. Nach Ansicht mancher islaVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 33 mistischer Theoretiker schlie\u00dft der \"Djihad\" (w\u00f6rtlich: Innerer Kampf, Anstrengung; auch bekannt als \"Heiliger Krieg\") als Instrument zur Verwirklichung der islamischen Gesellschaftsordnung alle zum Sieg verhelfenden Mittel ein. So bef\u00fcrwortet ein Teil der islamistischen Gruppierungen vor allem aus dem arabischen Raum Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Die im Bundesgebiet mitgliederst\u00e4rkste islamistische Gruppierung, die t\u00fcrkische Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG), setzt dagegen auf politische Aktivit\u00e4ten zur Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Ordnungen in der T\u00fcrkei und in Deutschland (vgl. auch Nummer 3.1 dieses Abschnitts). 2.2 Rolle des Internets Sowohl nicht gewaltbereite Islamisten als auch islamistische Terroristen nutzen das Internet in professioneller Weise als wesentliches PropaganPropaganda, da-, Kommunikationsund Steuerungsmedium. Inzwischen sorgen Kommunikation, mehrere tausend einschl\u00e4gige Terrorseiten f\u00fcr eine Verbreitung der Steuerung Djihad-Ideologie. Internet-Auftritte von islamischen Extremisten und von islamistischen Organisationen mit zahlreichen und eindeutigen Verweisen bzw. Links auf Internet-Angebote mit terroristischen Inhalten zeigen deutlich, wie leicht, flie\u00dfend und damit gef\u00e4hrlich \u00fcber das offene Medium des World Wide Web der \u00dcbergang vom Islamisten zum islamistischen Terroristen ist. Ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die zentrale Bedeutung des Internets ist die j\u00fcngere Entwicklung al-Qaidas. Mit Hilfe des Internets hat sich al-Qaida immer weiter weg von einer Organisation bewegt und den Charakter einer weltweiten Bewegung angenommen. Die Grenze zwischen al-Qaida-Sympathisanten, die mit Propaganda, Know-how sowie ideologischer Schulung im Netz auftreten, und den Aktivisten des Terrors verschwimmt zunehmend. In jedem Land der Welt k\u00f6nnen sich Sympathisanten mit Hilfe des zur Verf\u00fcgung gestellten Lehrmaterials, wie etwa der \"Enzyklop\u00e4die des Djihad\", ausbilden, um im Namen al-Qaidas am Kampf teilzunehmen. Das Internet gew\u00e4hrleistet die Existenz, \u00dcberlebensf\u00e4higkeit und Weiterentwicklung al-Qaidas. Islamisten und islamistische Terroristen finden im Internet ideale Bedingungen, da die spontane Bildung interaktiver und ideologisch gleich gesinnter Internet-Gemeinden kein gro\u00dfes Fachwissen erfordert und ein schnelles Agieren sowie eine gro\u00dfe Reichweite im Web erm\u00f6glicht. Gro\u00dfe Reichweite Hier werden Meinungen ausgetauscht, Verlautbarungen und einschl\u00e4gige Schriften verbreitet, Audiound Videobotschaften eingestellt oder neu verlinkt und somit einem breiten Publikum von Sympathisanten zur Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","34 Ausl\u00e4nderextremismus Verf\u00fcgung gestellt. Neben der zunehmenden Verwendung von neuen Techniken, wie z.B. Podcasting, Weblogs, PalTalk und Chat, sorgt eine neue Generation von islamistischen IT-Fachleuten f\u00fcr professionell aufbereitete und getarnte Internet-Auftritte. So sind islamistische Internet-Angebote, insbesondere im Bereich des Djihadismus, besonders dynamisch. Die Homepages \u00e4ndern h\u00e4ufig ihr Erscheinungsbild und sind teilweise nur \u00fcber einen kurzen Zeitraum abrufbar. Ein Gro\u00dfteil der Internet-Seiten ist in arabischer Sprache abgefasst, teilweise werden englisch-, franz\u00f6sischund auch deutschsprachige Fassungen pr\u00e4sentiert. Einige Internet-Angebote gehen mit so genannten Weblogs einher, die es erlauben, eigene Beitr\u00e4ge einzubringen und so interaktive Netzgemeinden zu bilden. In den meist passwortgesch\u00fctzten Diskussionsforen bilden sich abgeschottete Gruppen ideologisch Gleichgesinnter, Radikalisierung in denen religi\u00f6se Schulung ebenso stattfindet wie Radikalisierung und und Rekrutierung Rekrutierung f\u00fcr terroristische Aktivit\u00e4ten. W\u00e4hrend bisher die Vermittlung einschl\u00e4gigen Fachwissens zu den Themen Waffenkunde, Bombenbau, konspirative Kommunikation und Guerillakampf vorwiegend \u00fcber den Austausch von selbst erstellten Handb\u00fcchern und Anleitungen im Internet erfolgte, konnte 2007 erstmals eine Art Online-Universit\u00e4t festgestellt werden. Das zugangsbeschr\u00e4nkte militant-islamistische Internet-Forum \"al-Ekhlaas\" (\"die Wahrhaftigkeit\") bot einen Elektrotechnik-Kurs f\u00fcr Djihadisten an. Der Unterricht erfolgt \u00fcber foreninterne Privatpost zwischen Lehrer und Sch\u00fclern sowie \u00fcber zum Download bereitgestellte Powerpoint-Pr\u00e4sentationen. Die terroristische Ausbildung mittels \"Fernstudium\" stellt eine neue Entwicklung dar, die zunehmend als Erg\u00e4nzung oder auch Ersatz f\u00fcr die immer mehr unter Druck geratenden Ausbildungslager in Afghanistan und Pakistan dient. \"home grown\"Das Internet leistet so gerade auch dem \"home grown\"-Terrorismus Terrorismus wesentlichen Vorschub. Zentrale Schritte von der Radikalisierung bis hin zur Selbstrekrutierung, von der ideologischen Schulung bis zur Planung von Anschl\u00e4gen, k\u00f6nnen mittels des im Internet zur Verf\u00fcgung gestellten Materials vollzogen werden. Es ist zu erwarten, dass die mit Hilfe des Internets geschulten und operativ unabh\u00e4ngigen Einzelpersonen oder Gruppen im Bereich des islamistischen Terrorismus zunehmen werden, zumal al-Qaida als eine handlungslegitimierende und -leitende Ideologie zu verstehen ist, die jeder als \"Markenzeichen\" in Anspruch nehmen kann. Internet-Ver\u00f6ffentlichungen wie die auf der Seite der \"Global Islamic Media Front\" (GIMF) erschienene Anleitung \"39 M\u00f6glichkeiten den Djihad zu unterst\u00fctzen\" geben konkrete Anleitung von der geistigen Vorbereitung \u00fcber die logistische Unterst\u00fctzung der MudVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 35 jahidin bis hin zum eigenen \"M\u00e4rtyrer-Tod\". Al-Qaida versucht verst\u00e4rkt, die Muslime in westlichen L\u00e4ndern, insbesondere re-islamisierte junge M\u00e4nner der zweiten und dritten Einwanderergeneration sowie Konvertiten durch ihre Internet-Verlautbarungen zu erreichen. Obwohl kein direkter Zusammenhang zwischen den Anschl\u00e4gen von London und Glasgow am 29. bzw. 30. Juni zu Internet-Verlautbarungen aus dem islamistischen Bereich hergestellt werden kann, tragen solche Ver\u00f6ffentlichungen zur Radikalisierung von T\u00e4tern bei. So wurden am 28. Juni in einem Internet-Forum Beitr\u00e4ge eingestellt, welche die beabsichtigte Erhebung Salman Rushdies in den Ritterstand zum Thema hatten. Der Schriftsteller war 1989 wegen seiner Schrift \"Die satanischen Verse\" von Ayatollah Khomeini in einer Fatwa zum Tode verurteilt worden. In den Internet-Beitr\u00e4gen fielen \u00c4u\u00dferungen wie \"Anschl\u00e4ge in London sind zu erwarten\" und \"M\u00f6chte Gro\u00dfbritannien Anschl\u00e4ge heraufbeschw\u00f6ren?\". Mittels videodokumentierter Anschl\u00e4ge vor allem im Irak, Videoverlautbarungen und Drohungen wollen Terrorgruppen St\u00e4rke und uneingeschr\u00e4nkte Aktionsbereitschaft vermitteln. Eine besondere Rolle in Deutschland spielen hierbei die Seiten der \"Global Islamic Media Front\" Global Islamic (GIMF). Die GIMF wendet sich nicht prim\u00e4r an die Bev\u00f6lkerung im araMedia Front (GIMF) bischen Raum, sondern hat die weltweite Verbreitung ihrer Propaganda zum Ziel. Seit Mai 2006 gibt es auch eine deutschsprachige GIMF-Homepage. Hier werden regelm\u00e4\u00dfig deutsche \u00dcbersetzungen von Verlautbarungen, Tatbekennungen und sonstigen Informationen von Mudjahidin-Gruppen im Irak und in Afghanistan eingestellt. Anfang M\u00e4rz erschien eine sechsmin\u00fctige Videobotschaft mit islamistisch-terroristischer Ausrichtung. Darin wird Deutschland und \u00d6sterreich mit Terroranschl\u00e4gen gedroht, falls beide Staaten ihre Soldaten nicht aus Afghanistan abziehen w\u00fcrden. Der mutma\u00dfliche Verantwortliche der deutschsprachigen GIMF wurde am 12. September in Wien festgenommen, was die GIMF auf ihrer Homepage am 17. September kommentierte: \"An die Kuffar, die uns versuchen zu bek\u00e4mpfen, sagen wir folgendes: Ihr k\u00f6nnt machen, was ihr wollt, macht so viele Festnahmen, wie ihr wollt, ..., ihr werdet euer Ziel nie erreichen, wir werden immer weiter machen, bis wir den Sieg erlangen oder das M\u00e4rtyrertum.\" Die Festnahme ihrer mutma\u00dflichen F\u00fchrungsspitze f\u00fchrte nicht zu einer erkennbaren Schw\u00e4chung; die GIMF ist unver\u00e4ndert aktiv. Ende November erschien ein zweites Drohvideo gegen Deutschland und \u00d6sterreich. Drohvideo In dem viermin\u00fctigen Videobeitrag werden beiden L\u00e4ndern erneut Vergeltungsaktionen angedroht, falls sie ihre Soldaten nicht aus AfghanisVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","36 Ausl\u00e4nderextremismus tan abziehen w\u00fcrden. Au\u00dferdem werden weitere Aktionen der Taliban gegen deutsche Bundeswehrsoldaten in Afghanistan angek\u00fcndigt. Auf den Seiten des militant-islamistischen Internet-Forums \"al-Ekhlaas\" nehmen seit August 2007 die Deutschlandbez\u00fcge zu. Beherrschendes Thema ist das deutsche Engagement in Afghanistan und der Aufruf zur Gewalt gegen die Soldaten der ISAF wie auch gegen deren Herkunftsl\u00e4nder. So wurde Ende August die Ansicht vertreten, dass nur \"Blut die Soldaten zum Heimgehen bringen\" k\u00f6nne. Konspirative Ein wesentliches Element terroristischer Aktivit\u00e4ten ist die konspirative Kommunikation Kommunikation. Das djihadistische Onlinemagazin \"al-Mujahid al-Tiqani\" (\"der technische Mudjahid\"), das sich mit technischen Fragen im Zusammenhang mit der Rechnernutzung befasst, stellte in einem ausf\u00fchrlichen Artikel neben den am h\u00e4ufigsten verwendeten Methoden der elektronischen Verschl\u00fcsselung auch die Steganographie vor. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, bei dem verschl\u00fcsselte Informationen in den Farbschichten von Bilddokumenten verborgen \u00fcbermittelt werden. Seit M\u00e4rz 2007 wird im Internet eine Hackingsoftware unter dem Titel \"Elektronischer \"al-Jihad al-Elektruni\" (\"der elektronische Djihad\") angeboten. Die SoftDjihad\" ware dient der Generierung von so genannten \"Denial of Services\"-Attacken. Bei einem derartigen Angriff wird der Zielcomputer bzw. ein Server mit einer so hohen Anzahl von Anfragen beschickt, dass er die Anfrageflut nicht mehr bew\u00e4ltigen kann und vom Netz genommen werden muss. Der Betreiber der Internet-Seite, auf der die Software angeboten wird, benennt auch Ziele, vorwiegend Internet-Seiten mit aus seiner Sicht antiislamischem Inhalt, und ruft zum \"elektronischen Krieg\" gegen diese Seiten auf. In der Praxis des \"elektronischen Djihad\" \u00fcberwiegen anlassbezogene Angriffe gegen Internet-Seiten, wie z.B. gegen die d\u00e4nische Zeitung Jyllands-Posten wegen der Mohammed-Karikaturen oder gegen die marrokkanische Fluggesellschaft Royal Air Maroc, weil sie ihren Mitarbeiterinnen das Tragen des Kopftuchs verbot und Gebete w\u00e4hrend der Arbeitszeit untersagte. Generell nimmt die Bedeu\"Cyber Djihad\" tung des \"Cyber Djihad\" in islamistischen Kreisen zu, da man auf diesem Feld mit relativ geringen Mitteln und fast ohne pers\u00f6nliches Risiko in hoch technisierten Gesellschaften gro\u00dfen Schaden anrichten kann. 2.3 Islamistische Bildungsund Jugendarbeit Die Bildungsund Jugendarbeit ist ein wesentlicher Baustein zum Erhalt und zur Fortentwicklung jeder Organisation. So wendet sich eine VielVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 37 zahl islamischer Einrichtungen in Deutschland mit altersund zielgruppenorientierten Bildungsund Betreuungsangeboten an Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Die Angebote sind nur teilweise extremistischer Natur. Eine Gefahr liegt jedoch darin, dass vor allem islamistische Organisationen dieser Arbeit hohe Bedeutung beimessen. Sie wollen der Jugend eine moralische Orientierung geben, die ihrer Ansicht nach in der westlichen Gesellschaft nicht gew\u00e4hrleistet ist. Eine besondere Rolle bei der Bildungsarbeit islamistischer Organisationen nimmt die religi\u00f6se Fortbildung und somit der Koranunterricht ein. In nahezu allen Moscheevereinen werden Korankurse angeboten. Der Korankurse Unterricht findet nach Geschlechtern getrennt in der Regel am Wochenende statt. Zus\u00e4tzlich bieten die Vereine w\u00e4hrend der Ferien besondere Kurse im Inund Ausland an. Parallel zu den Korankursen werden gelegentlich auch Arabischkurse angeboten, die die Rezitation und das inhaltliche Verst\u00e4ndnis des Korans erm\u00f6glichen sollen. Dabei schaffen sich extremistische Organisationen M\u00f6glichkeiten, in die als religi\u00f6se \"islamische\" Bildung pr\u00e4sentierten Angebote islamistische, auf politische Inhalte ausgelegte Positionen einflie\u00dfen zu lassen und pr\u00e4gend auf Kinder und Jugendliche einzuwirken. Kennzeichnend f\u00fcr eine islamistische, also auf politische Inhalte ausMerkmale gelegte Bildungsarbeit, sind vor allem: islamistischer Bildungsarbeit - die Deutung des Islams als ordnungspolitisches System, - die Ausschlie\u00dflichkeit, mit der die spezielle religi\u00f6se Lesart der Organisation vertreten wird, - der abwertende Umgang mit Andersgl\u00e4ubigen und andersdenkenden Muslimen, - der Standpunkt gegen\u00fcber demokratischen Freiheitsrechten sowie - die Wahl der Mittel, mit denen eine islamische Ordnung erreicht werden soll. Als Anbieter von Korankursen treten im Bereich der islamistischen OrgaBildungsarbeit von nisationen insbesondere die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. IGMG und IGD (IGMG) sowie die mitgliederst\u00e4rkste Organisation von Anh\u00e4ngern der sunnitisch-extremistischen Muslimbruderschaft (MB), die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD), auf. Die IGMG versucht, mit einem breiten Angebot in der Jugendund Bildungsarbeit wie etwa der Veranstaltung von Sommerkorankursen, junge Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","38 Ausl\u00e4nderextremismus T\u00fcrken in Deutschland an die Organisation und an ihre islamistische Ideologie zu binden. Durch diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche aus dem \"Sumpf der westlichen Lebensweise\" herausgehalten und nach \"islamischen\" Wertma\u00dfst\u00e4ben erzogen werden. Neben den traditionellen Schulungen in Wochenendund Sommerkorankursen f\u00fcr Kinder setzt die IGMG aber inzwischen auch gezielt auf attraktive Veranstaltungen f\u00fcr Jugendliche und Studenten (vgl. auch Nummer 3.1 dieses Abschnitts). Die IGD bem\u00fchte sich in den letzten Jahren verst\u00e4rkt um Attraktivit\u00e4t f\u00fcr die in Deutschland aufgewachsenen Muslime arabischer Herkunft. Diese sollen u. a. \u00fcber den Ausund Aufbau von Bildungseinrichtungen in Islamischen Zentren der IGD erreicht werden (vgl. auch Nummer 3.6.1 dieses Abschnitts). Neben der herk\u00f6mmlichen Bildungsund Jugendarbeit haben islamistische Jugendorganisationen aber auch die Sogund Identifikationswirkung von Musik auf muslimische Jugendliche entdeckt. So demonstriert ein Teil der in Deutschland geborenen oder aufgewachsenen jun\"Pop-Islamismus\" gen Muslime vor allem durch Rap-Musik ein neues \"islamisches Bewusstsein\". Inhalt und Form der Musik sind ebenso wie die Darstellung gewollt politisch und gesellschaftlich provokant gehalten. Themen sind beispielsweise die \"ungerechtfertigt negative\" Darstellung des Islam in den deutschen Medien, die \"Kopftuchdebatte\" oder der \"Krieg gegen den Terror\". Die Texte rufen dabei zu einem Bekenntnis f\u00fcr eine \"islamische Identit\u00e4t\" auf. Die \"Gesellschaftskritik\", die wesentlicher Bestandteil der Rap-Musik ist, wird dabei religi\u00f6s-politisch untermauert. Zum Teil bieten islamistische Jugendorganisationen diesen deutschsprachigen Bands gezielt eine Plattform f\u00fcr Auftritte. Auch auf der 29. Jahreskonferenz der IGD, die am 17. November in Leverkusen stattfand, durfte dieses Symbol einer jungen selbstbewussten Identit\u00e4t (\"Wir sind Deutschland\") als Publikumsmagnet nicht fehlen. Ein weiteres wichtiges Idol junger Muslime weltweit ist der \u00e4gyptische \"Fernsehprediger\" \"Fernsehprediger\" Amr Khaled. Durch seine regelm\u00e4\u00dfigen Auftritte im saudi-arabischen Satellitensender \"Iqra\" genie\u00dft er hohe Popularit\u00e4t bei seinem \u00fcberwiegend jugendlichen Zielpublikum. In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung gilt Khaled als \"unpolitischer\", aber der \u00e4gyptischen Muslimbruderschaft nahestehender Prediger, der sich vor allem allt\u00e4glicher Probleme junger Muslime annimmt. Die Popularit\u00e4t Khaleds machen sich auch extremistische Organisationen zu Nutze, indem sie ihn zu ihren Veranstaltungen einladen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 39 Neben dem Engagement im Jugendbereich spielt aber auch die ErErwachsenenwachsenenbildung eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle bei der Verbreibildung tung islamistischer Ideologie. In diesem Zusammenhang ist u.a. auf vielf\u00e4ltige Ausbildungsangebote f\u00fcr Multiplikatoren (Lehrer, Dozenten) hinzuweisen. Beispielhaft daf\u00fcr steht das Anfang 2001 in Frankfurt am Main gegr\u00fcndete Islamologische Institut, das mittlerweile seinen Hauptsitz nach Wien verlegt hat. Es steht dem Gedankengut der Muslimbruderschaft (vgl. auch Nummer 3.6 dieses Abschnitts) nahe und geht von einem islamistischen Weltbild aus, das mit einem s\u00e4kularen Staat unvereinbar ist. Der Leiter des Instituts propagiert diese Haltung auch in einem von ihm verfassten Lehrbuch, das im Unterricht eingesetzt wird. Darin wird Religion als \"islamische Lebensweise, die alle Bereiche und Ebenen der Lebensgestaltung, n\u00e4mlich die religi\u00f6se, kulturelle, politische, wirtschaftliche, soziale, wissenschaftliche (...) umfasst\" definiert. Ein eindeutiges Bekenntnis zu Menschenrechten und Grundgesetz ist somit fragw\u00fcrdig. Kurse des Instituts, meist Wochenendseminare, finden an mehreren Orten statt, u.a. auch in M\u00fcnchen. Die Absolventen sollen daf\u00fcr qualifiziert werden, in \u00f6ffentlichen Schulen sowie in islamischen Gemeinden und Moscheen in deutscher Sprache islamischen Religionsunterricht zu erteilen. Das Islamologische Institut profitiert davon, dass im deutschsprachigen Raum ein Mangel an akademisch ausgebildeten Religionslehrern herrscht. Es versucht, durch seine Schulungsangebote diese L\u00fccke auszuf\u00fcllen und junge Multiplikatoren ideologisch und fachlich auszubilden. Auch das Internet spielt bei der Vermittlung islamistischer Lehrinhalte Bildung via eine wachsende Rolle. So ist eine gro\u00dfe Anzahl einschl\u00e4giger InterInternet net-Seiten zu verzeichnen, die zum Teil miteinander verlinkt sind und Schulungen in Form von Audiooder VideoDateien zum Herunterladen anbieten (vgl. auch Nummer 2.2 dieses Abschnitts). Teilweise werden auch Islamseminare live via Internet \u00fcbertragen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich in Deutschland zwischenzeitlich ein umfangreiches und weit verzweigtes privatautonomes islamistisches Bildungsund Schulsystem entwickelt hat. Die Gefahren dieser Entwicklung sind erheblich; Bildungsund Sozialarbeit islamistischer Tr\u00e4ger kann von einer gem\u00e4\u00dfigt religi\u00f6sen zu einer islamistischen Geisteshaltung f\u00fchren und somit erheblich zur Radikalisierung von Muslimen in Deutschland beitragen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","40 Ausl\u00e4nderextremismus 3. Islamistische Gruppierungen 3.1 Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung \"F\u00fchrer\" der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung: Prof. Dr. Necmettin Erbakan Vorsitzender des europ\u00e4ischen Zweigs (IGMG): Osman D\u00f6ring, genannt Yavuz Celik Karahan Entstehung der Bewegung (T\u00fcrkei): ca. 1970 Entwicklung in Europa: Gr\u00fcndung 1985 in K\u00f6ln als \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT); 1995 Aufteilung in die beiden unabh\u00e4ngigen juristischen Personen \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) und \"Europ\u00e4ische Moscheebauund Unterst\u00fctzungsgemeinschaft\" (EMUG) Deutschland Bayern Mitglieder: 26.000 4.800 Sitz der IGMG: Kerpen Sprachrohr der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung: \"Milli Gazete\" (Nationale Zeitung) Publikation der IGMG: \"IGMG Perspektive\" Die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern des langj\u00e4hrigen t\u00fcrkischen Politikers Prof. Dr. Necmettin Erbakan, der von 1996 bis 1997 Ministerpr\u00e4sident in der T\u00fcrkei war. Sie will seit Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre - trotz gegenteiliger \u00c4u\u00dferungen - die laizistische Staatsordnung in der T\u00fcrkei durch eine islamische Staatsund Gesellschaftsordnung mit dem Koran als Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex des gesellschaftlichen Zusammenlebens abl\u00f6sen. Ihr Fernziel ist die weltweite Islamisierung unter F\u00fchrung der T\u00fcrkei. Prof. Dr. Erbakan hat seine politischen Ideen u.a. in der Schrift \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (Nationale Sicht) von 1975 ver\u00f6ffentlicht. Ideologie Die Ideologie und die Ziele der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung werden durch unterschiedliche Organisationen bzw. Kommunikationsmittel verbreitet: - die Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) in der T\u00fcrkei, - die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als Repr\u00e4sentantin im Ausland, - die \"Milli Gazete\" als publizistisches Sprachrohr, - das Internet und Fernsehen als Kommunikationsmittel. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 41 Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) in der T\u00fcrkei In der T\u00fcrkei sind die Anh\u00e4nger der islamistischen Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung seit 2001 in der Saadet-Partisi (SP - Gl\u00fcckseligkeitspartei) organisiert, nachdem die islamistischen Vorg\u00e4nger-Parteien Refah Partisi (RP - Wohlfahrtspartei) und Fazilet Partisi (FP - Tugendpartei) wegen \"anti-laizistischer Aktivit\u00e4ten\" verboten worden waren. Trotz eines gegen Prof. Dr. Erbakan erlassenen Politikverbots, das ihm die Aus\u00fcbung einer Parteifunktion verwehrt, gilt er weiterhin als \"F\u00fchrer\" mit weit reichendem Einfluss auf Partei und Bewegung. Offizieller Vorsitzender der SP ist Recai Kutan. Auch die derzeitige Regierungspartei AKP (Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei) ging aus der 2001 vom t\u00fcrkischen Verfassungsgericht verbotenen FP hervor, sie nimmt f\u00fcr sich aber - anders als die SP - eine Abkehr vom Islamismus in Anspruch. Bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen im Jahr 2007 erhielt die SP 2,3 % der Stimmen (2002: 2,5 %), w\u00e4hrend die AKP mit 46,5 % der Stimmen (2002: 35,0 %) die Mehrheit der Abgeordnetenmandate errang und die seit 2002 von ihr gef\u00fchrte Regierung in der T\u00fcrkei fortsetzte. Die IGMG unterst\u00fctzte auch 2007 massiv den Wahlkampf der SP und dokumenParlamentswahlen tierte damit ihre politische Ausrichtung an der t\u00fcrkischen Milli-G\u00f62007 r\u00fcs-Bewegung. Zur Vorbereitung der Wahlen fanden Mitte April Veranstaltungen der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung mit den IGMG-Gebietsvorsitzenden in der T\u00fcrkei statt: Am 12. und 13. April traf Prof. Dr. Erbakan die IGMG-Gebietsvorsitzenden aus Europa in einem Hotel in Ankara zu Einzelgespr\u00e4chen. Bei einer Gemeinschaftsveranstaltung sprach auch Dr. Arif Ersoy. Dr. Ersoy gilt als Architekt des Konzepts der \"gerechten Ordnung\", einer zentralen ideologischen S\u00e4ule der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Unter dem Titel \"Wir werden die Saadet-Fahne ganz nach oben ziehen\" berichtete die Europaausgabe der \"Milli Gazete\" am 16. April \u00fcber die monatliche Provinzratssitzung der SP in Istanbul. Neben dem Istanbuler Parteivorsitzenden, Osman Yumakogullari, nahmen an der Sitzung auch IGMG-Funktion\u00e4re teil. Nach einem Bericht der Milli Gazete vom 15. Juni warnte Prof. Dr. Wahlkampf Necmettin Erbakan in einer Rede vor Kandidaten der SP vor der Katastrophe, die drohe, falls nicht die SP an die Macht komme. Er kritisierte die t\u00fcrkische Regierung, die sich dem Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF) ergeben habe. Die imperialistischen Kr\u00e4fte h\u00e4tten im Jahre 1990 erneut einen Kreuzzug begonnen. Nachdem die USA nach dem Zusammenbruch Russlands die einzige Weltmacht seien, habe der \"rasVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","42 Ausl\u00e4nderextremismus sistische Imperialismus\" gesagt: \"Lasst uns den 20. Kreuzzug beginnen!\" Prof. Dr. Erbakan erw\u00e4hnte ferner die Besetzung Afghanistans und des Iraks durch die USA und k\u00fcndigte den Beginn des \"Nationalen Befreiungskampfs\" (Milli Kurtulus Harekati) an: \"Der historische Punkt, an dem wir uns befinden, ist ein wichtiger Punkt. Und die Wahlen am 22. Juli 2007 werden aus diesem Grund genauso wichtig sein wie die Schlacht von Canakkale (Anmerkung: Dardanellen 1915), sogar noch wichtiger. Zur Befreiung Istanbuls, der islamischen Welt und der Menschheit starten wir den Nationalen Befreiungskampf.\" Weiter f\u00fchrte Prof. Dr. Erbakan aus, dass die SP die einzige der 16 zugelassenen Parteien sei, die die T\u00fcrkei aus der wirtschaftlichen, politischen und moralischen Krise herausholen k\u00f6nne. Alle Parteien au\u00dfer der SP h\u00e4tten die \"ehrenhafteste Nation der Geschichte\" und dieses \"Land, dem Gott (Allah) die gr\u00f6\u00dften Gaben geschenkt hat\", versklavt und ausgebeutet. Er rief dazu auf, der Partei die Stimme zu geben, die f\u00fcr eine gerechte Ordnung eintrete. \"Der Sieg geh\u00f6rt denen, die daran glauben, und der Sieg ist nahe. Gesegnet sei euer Djihad.\" Auch unabh\u00e4ngig von den diesj\u00e4hrigen Parlamentswahlen zeigte sich die Verh\u00e4ltnis zur N\u00e4he des europ\u00e4ischen und des t\u00fcrkischen Zweigs der Milli-G\u00f6r\u00fcs-BeIGMG wegung. An zahlreichen IGMG-Veranstaltungen beteiligten sich Funktion\u00e4re der SP. Aber auch IGMG-Funktion\u00e4re besuchten SP-Vertreter in der T\u00fcrkei. Im M\u00e4rz trafen sich die Gr\u00fcndungsmitglieder der Milli G\u00f6r\u00fcs in Europa in Rotterdam/Niederlande zum \"Tag der Vertragstreue\". Neben dem Vorsitzenden der SP in Istanbul, Osman Yumakogullari, der zeitweise Generalvorsitzender der Milli G\u00f6r\u00fcs in Europa war, nahmen der gegenw\u00e4rtige IGMG-Generalvorsitzende Yavuz Celik Karahan und der damalige IGMG-Funktion\u00e4r Hasan Damar an der Veranstaltung teil. Im April besuchte die Vorsitzende der IGMG-Frauenorganisation, Zehra Dizman, mit Mitgliedern ihres F\u00fchrungsrats Prof. Dr. Necmettin Erbakan in der T\u00fcrkei. Anschlie\u00dfend traf sich die Delegation mit der Vorsitzenden der Frauenorganisation der SP. Am 21. April wurde eine neue IGMG-Moschee in M\u00fchldorf am Inn er\u00f6ffnet. Die Einweihungsfeier besuchten etwa 300 Personen. Neben hochrangigen Funktion\u00e4ren der IGMG, wie etwa dem s\u00fcdbayerischen Gebietsvorsitzenden Abdussamed Temel, waren auch der stellvertretende Vorsitzende der SP und ehemalige t\u00fcrkische Justizminister Sevket Kazan anwesend. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 43 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als Repr\u00e4sentantin im Ausland Die IGMG bildet die Auslandsorganisation der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Organisation Der Sitz der IGMG-Zentrale befindet sich in Kerpen/Nordrhein-Westfalen. Der Zentrale sind mehr als 30 \"Gebiete\" nachgeordnet, davon etwa die H\u00e4lfte allein in Deutschland. Weitere \"Gebiete\" befinden sich in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, aber auch in Kanada und Australien. Unterhalb der \"Gebietsebene\" sind die \"Ortsvereine\" angesiedelt, die sich direkt oder indirekt der IGMG zurechnen lassen. Auch hier zeigt sich, dass sich die Bestrebungen der IGMG vor allem auf Deutschland konzentrieren. So befinden sich von den insgesamt rund 700 \"Ortsvereinen\" etwa 500 in Deutschland. In Bayern sind etwa 70 \"Ortsvereine\" aktiv, mit regionalen Schwerpunkten in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Das Bem\u00fchen der IGMG um gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fchrte bei mehreren \"Ortsvereinen\" zur Annahme von neutralen Bezeichnungen. Solche Vereine geben sich Satzungen, die formal keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die IGMG mehr zulassen. Beziehungen zur IGMG lassen sich aber aufgrund von internen Mitgliedslisten oder durch bekannt gewordene pers\u00f6nliche Mitgliedschaften f\u00fchrender Funktion\u00e4re herstellen. So hat sich der Verfassungsschutz im Berichtsjahr mit der Islamischen Gemeinde Penzberg e.V. befasst. Dieser 1994 gegr\u00fcndete Verein erschien noch f\u00fcr den Zeitraum Emblem 2003/2004 auf Mitgliedslisten der IGMG, die bei einer polizeilichen der IGMG Durchsuchung der M\u00fcnchner IGMG-Moschee aufgefunden wurden. Inzwischen hat der Vereinsvorsitzende Schreiben vorgelegt, mit denen er um Streichung des Vereins aus dem IGMG-Register bittet und seine pers\u00f6nliche Mitgliedschaft ab M\u00e4rz 2006 k\u00fcndigte. Die IGMG-F\u00fchrung unter Leitung des im Dezember 2002 gew\u00e4hlten Vorsitzenden Karahan ist seit der Niederlage der SP bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen 2002 und der Regierungsbildung durch die AKP Verh\u00e4ltnis zur AKP bem\u00fcht, sich gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Regierung als wichtige Organisation zur Wahrung t\u00fcrkischer Interessen in Deutschland darzustellen. So bot im Dezember 2002 der IGMG-Generalsekret\u00e4r Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc dem damaligen t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Abdullah G\u00fcl und dem AKP-Gr\u00fcnder Recep Tayyip Erdogan Unterst\u00fctzung an. Die IGMG sei eine wichtige Br\u00fccke zwischen der T\u00fcrkei und Europa. Der Weg zur EU f\u00fchre \u00fcber Milli G\u00f6r\u00fcs. Die t\u00fcrkische Regierung griff dieses Angebot auf und strich die IGMG von einer Liste von staatsfeindlichen Organisationen. In der Folgezeit verst\u00e4rkten sich die Beziehungen zwischen der IGMG und Repr\u00e4sentanten der AKP sowie regierungsnahen Einrichtungen und Organisationen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","44 Ausl\u00e4nderextremismus Die IGMG versucht in Deutschland, den Eindruck einer blo\u00dfen Religionsgemeinschaft und einer verfassungstreuen Organisation zu erwecken, die sich ausschlie\u00dflich um die religi\u00f6sen und sozialen Bed\u00fcrfnisse der t\u00fcrkischen Muslime in Deutschland k\u00fcmmert. Neben ihren engen Verbindungen zur SP spricht dagegen jedoch auch, dass die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung regelm\u00e4\u00dfig den Jahrestag der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, Ende Mai mit Prunk begeht. Im Berichtsjahr fand die Feier in Ankara statt. Der \"Milli-G\u00f6r\u00fcs-F\u00fchrer\" Prof. Dr. Erbakan wurde als \"M\u00fccahid (Glaubensk\u00e4mpfer) Erbakan\" gefeiert. Die Eroberungsfeier endet stets mit der symbolischen \u00dcbergabe des Schwerts Sultans Mehmets II., der seinerzeit Konstantinopel eroberte, an Prof. Dr. Erbakan. DurchsuchungsDurchsuchungen in den Jahren 2004 und 2005 in der IGMG-Zentrale aktionen S\u00fcdbayern in M\u00fcnchen ergaben, dass die F\u00fchrung des Verbands der Ideologie Prof Dr. Erbakans und dessen SP treu ergeben ist. Es wurden Ver\u00f6ffentlichungen von Prof. Dr. Erbakan sichergestellt. In anderen dort beschlagnahmten B\u00fcchern wird die Feindschaft gegen Juden, Freimaurer und Christen sowie die Ablehnung des Westens und der Demokratie sichtbar. Weitere beschlagnahmte Publikationen betonen die Bedeutung des \"Djihad\" und die Allgemeing\u00fcltigkeit des Islam. Neben einem umfangreichen Buchsortiment wurden auch Videokassetten zur Verbreitung vorr\u00e4tig gehalten. Beispielhaft ist hier der auf Kinder zugeschnittene Zeichentrickfilm \"K\u00fcc\u00fck M\u00fccahid\" (Der kleine Glaubensk\u00e4mpfer) zu nennen, der Kindern den (bewaffneten) Guerillakampf gegen \"Besatzer\" vermittelt. Auch ein Propagandavideo der pal\u00e4stinensischen Widerstandsbewegung HAMAS wurde sichergestellt. Insgesamt zeigt die Auswertung des beschlagnahmten Materials, dass sich die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung im Kampf gegen eine schon lange geplante, bis heute andauernde j\u00fcdische Weltverschw\u00f6rung sieht. Dies wurde auch am Europatreffen der IGMG im Jahr 2006 deutlich. Dort wurde am Verkaufsstand des IGMG-B\u00fccherclubs u.a. das antisemitische Propaganda-Video \"Zehras blaue Augen\" verkauft. Presseberichten zufolge bezweifeln nach Einsch\u00e4tzung des IGMG-Generalsekret\u00e4rs Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc viele Imame, dass der Holocaust stattgefunden hat. Jugendund Mit einem breiten Angebot in der Jugendund Sozialarbeit versucht die Sozialarbeit IGMG, junge Muslime in Deutschland an die Organisation zu binden. So f\u00fchrte die IGMG wie bisher Sommerkorankurse durch. Nach einem Artikel der Milli Gazete vom 21. August hat die IGMG wieder \"Tausende Kinder und Jugendliche\" im Rahmen ihres Bildungsprogramms zuVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 45 sammengebracht. Der Vorsitzende der Abteilung Bildung und Erziehung der IGMG, Mehmet Gedik, teilte in einem Interview mit, man habe Religionsunterricht erteilt, \"um die Glaubensund Identit\u00e4tsstruktur der Kinder ausreifen zu lassen\". Unterrichtsthemen waren der Koran und die Kunst der Koranrezitation. Neben dem Religionsunterricht wurde T\u00fcrkischunterricht angeboten sowie Kurse, die das soziale Zusammenleben und die Menschrechte betreffen. Wie in den vergangenen Jahren wurden Kurse mit und ohne \u00dcbernachtung in zehn europ\u00e4ischen Staaten angeboten. Diese so genannten Sommerschulen sind eingebettet in ein von der IGMG-Zentrale verabschiedetes Bildungsprogramm. Dazu geh\u00f6rt auch Islamunterricht ab dem Kindergarten bis zur 8. Klasse. Durch diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche aus dem \"Sumpf der westlichen Lebensweise\" herausgehalten und nach \"islamischen\" Wertma\u00dfst\u00e4ben erzogen werden. Neben den traditionellen Schulungen in Wochenendund SommerkoranVeranstaltungen kursen f\u00fcr Kinder setzt die IGMG aber inzwischen auch gezielt auf die f\u00fcr Jugendliche Durchf\u00fchrung von attraktiven Veranstaltungen f\u00fcr Jugendliche und und Studenten Studenten. Dass ihr dies gelingt, zeigt sich beispielhaft an einer Veranstaltung des IGMG-Gebietes S\u00fcdbayern am 21. Januar im Stadttheater Ingolstadt, an der etwa 1.200 Personen teilnahmen. Der Abend wurde mit Vorlesungen, Gedichten, Musik und am\u00fcsanten Einlagen, teilweise in deutscher Sprache, gestaltet. Bei den Besuchern handelte es sich zum Gro\u00dfteil um junge Leute zwischen 15 und 25 Jahren, die aus dem gesamten s\u00fcdbayerischen Raum angereist waren. Die Jugendund Studentenorganisation der IGMG veranstaltete am 31. M\u00e4rz in der Stadthalle Hagen/Nordrhein-Westfalen einen \"Tag der Studenten\"zu dem etwa 1.700 muslimische Studierende aus ganz Europa kamen. Dies belegt, dass die IGMG auch f\u00fcr angehende Akademiker interessant ist. Die Mobilisierung f\u00fcr diese Veranstaltung erfolgte \u00fcber eine eigens f\u00fcr den \"Tag der Studenten\" eingerichtete t\u00fcrkischsprachige Internet-Seite. Die IGMG ist zudem bem\u00fcht, die Infrastruktur f\u00fcr ihre Bildungsarbeit auszubauen. Deutlich wird dies am Beispiel der am 21. April neu er\u00f6ffneten Moschee in M\u00fchldorf am Inn. An den Moscheeneubau schloss Moscheeneubau in sich eine internats\u00e4hnliche Einrichtung f\u00fcr Kinder und Jugendliche an. M\u00fchldorf am Inn Wegen baurechtlicher M\u00e4ngel wurde der Betrieb des Internats allerdings untersagt. Bisher waren N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen in Bayern regioVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","46 Ausl\u00e4nderextremismus nale Schwerpunkte der IGMG. Mit dem Moscheeneubau in M\u00fchldorf kann der Verband das Gebiet zwischen Regensburg, Ingolstadt und Landshut besser betreuen (zur Jugendund Bildungsarbeit islamistischer Organisationen im Allgemeinen vgl. auch Nummer 2.3 dieses Abschnitts). Kommunikationsplattformen der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung \"Milli Gazete\" als publizistisches Sprachrohr Die t\u00fcrkischsprachige Zeitschrift \"Milli Gazete\" ist eine formal eigenst\u00e4ndige Publikation, die jedoch inhaltlich den Lesern die Ideologie von Milli G\u00f6r\u00fcs vermittelt; das Blatt verf\u00fcgt auch \u00fcber eine Homepage im Internet. Die Tageszeitung erscheint in einer T\u00fcrkeisowie in einer Europabzw. Deutschlandausgabe. In der Europaausgabe der \"Milli Gazete\" nimmt die Berichterstattung \u00fcber die IGMG, die SP wie \u00fcberhaupt das Thema \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" breiten Raum ein. Regelm\u00e4\u00dfig und umf\u00e4nglich wird darin auch \u00fcber lokale, regionale und bundesweite Veranstaltungen der IGMG berichtet. Des Weiteren werden dort auch Annoncen der IGMG ver\u00f6ffentlicht. Auch die Gl\u00fcckwunschund Kondolenzanzeigen machen deutlich, dass die KommunikationsMilli Gazete eine wichtige Kommunikationsplattform f\u00fcr die IGMG plattform der IGMG und die gesamte Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ist. Weder die Homepage der IGMG noch die verbandseigene Zeitschrift \"IGMG Perspektive\" oder andere IGMG-Publikationen bieten eine derartige F\u00fclle von Informationen \u00fcber die verschiedenen IGMG-Veranstaltungen. Die Europaausgabe der \"Milli Gazete\" stellt damit die Hauptinformationsquelle \u00fcber das Vereinsleben der IGMG dar. Ferner wird innerhalb der IGMG und auch auf ihren Veranstaltungen f\u00fcr das Abonnement der \"Milli Gazete\" geworben. Die IGMG nutzt und f\u00f6rdert damit ein Medium, das entschieden f\u00fcr politische Inhalte auf der ideologischen Linie Prof. Dr. Necmettin Erbakans und der SP eintritt und wiederholt Verschw\u00f6rungstheorien aufgreift sowie anti-semitische und anti-israelische Aussagen trifft. Internet und Fernsehen als Kommunikationsmittel Seit Jahren ist die IGMG im Internet unter www.igmg.de durch eine deutschsprachige Internet-Seite vertreten, die laufend aktualisiert wird. Der Verzicht auf extremistisches Gedankengut auf dieser Homepage entspricht der Zielsetzung, sich als blo\u00dfe Religionsgemeinschaft und als verfassungstreue Organisation darzustellen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 47 Anders verh\u00e4lt es sich auf der Internet-Seite www.milligorusforum.com, Internet-Forum die seit Dezember 2005 Inhalte der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung verbreitet. Diese von der IGMG unabh\u00e4ngige Internet-Seite zeigt exemplarisch das extremistische Potenzial der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Sie enth\u00e4lt ein t\u00fcrkischsprachiges Forum f\u00fcr registrierte Mitglieder. Bei den Nutzern handelt es sich \u00fcberwiegend um m\u00e4nnliche Jugendliche, die sich zum Teil extremistisch \u00e4u\u00dfern. Im Milli-G\u00f6r\u00fcs-Forum wird immer wieder mit drastischen Bildern get\u00f6teter Kinder auf die gewaltsamen Auseinandersetzungen in Pal\u00e4stina hingewiesen und als Probleml\u00f6sung der terroristische Widerstand propagiert. Dar\u00fcber hinaus wird mit Bildern in Tschetschenien gefallenen M\u00e4rtyrern gedacht. Teilnehmer des Forums sehen den Islam in einem weltweiten Abwehrkampf gegen die Ungl\u00e4ubigen. Die L\u00f6sung f\u00fcr diese Probleme biete die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, insbesondere ihr F\u00fchrer Prof. Dr. Erbakan. Mit dem t\u00fcrkischen Fernsehsender \"TV 5\" verf\u00fcgt die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Be\"TV 5\" wegung \u00fcber eine weitere Medienplattform. Die Bedeutung des Senders ist derjenigen der \"Milli Gazete\" im Printmedienbereich vergleichbar. Im Rahmen der \"TV 5-Europa-Tage\" fand am 13. Januar auch in N\u00fcrnberg eine Veranstaltung statt, die vom IGMG-Regionalverband Nordbayern organisiert und beworben worden. Am Rande der Veranstaltung wurden auch Abonnentenwerbung f\u00fcr die \"Milli Gazete\" betrieben und Anteilsscheine des Fernsehsenders \"TV 5\" zum Verkauf angeboten. 3.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 800 60 fr\u00fcherer Vorsitzender: Metin Kaplan Gr\u00fcndung: 1984 Sitz: K\u00f6ln Publizistisches Sprachrohr: \"Barika-I Hakikat\" (Aufleuchten der Wahrheit) - erscheint derzeit nicht - In Deutschland seit 12. Dezember 2001 verboten Der \"Kalifatsstaat\" (Hilafet Devleti) war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte, streng hierarchisch gegliederte Organisation. Das Endziel dieses \"Staates ohne Staatsgebiet\" war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Als erste Stufe auf dem Weg zu diesem Ziel erstrebte der \"Kalifatsstaat\" den gewaltsamen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","48 Ausl\u00e4nderextremismus Sturz des laizistischen Regierungssystems in der T\u00fcrkei. Er lehnte Demokratie und jede Trennung von Politik und Religion strikt ab. Damit richtete er sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung sowie den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und gef\u00e4hrdete die Innere Sicherheit in Deutschland. Das Bundesministerium des Innern verbot deshalb am 12. Dezember 2001 die Vereinigung \"Kalifatsstaat\" mit 17 ihrer Teilorganisationen, darunter alle vier bayerischen Verb\u00e4nde. Am 19. September 2002 wurden weitere 16 Teilorganisationen des \"Kalifatsstaats\" vom Bundesministerium des Innern verboten. Das Bundesverwaltungsgericht best\u00e4tigte am 27. November 2002 die Verbote. Emblem des Der als \"Kalif von K\u00f6ln\" bekannt gewordene Islamistenf\u00fchrer und fr\u00fcKalifatsstaats here Vorsitzende des \"Kalifatsstaats\" Metin Kaplan, der wegen Mordaufrufs eine vierj\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe in Deutschland verb\u00fc\u00dft hatte, wurde 2004 in die T\u00fcrkei abgeschoben. NachfolgeAuch nach dem Verbot des \"Kalifatsstaats\" waren weiterhin Aktivit\u00e4aktivit\u00e4ten ten aus den Reihen der Anh\u00e4nger festgestellt worden, die in Folge zu verschiedenen Ermittlungsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen gef\u00fchrt hatten. Das Verbotsverfahren und die staatlichen Exekutivma\u00dfnahmen haben die Organisationsstruktur zwar geschw\u00e4cht, gleichwohl sind die Anh\u00e4nger weiterhin in Deutschland pr\u00e4sent, wobei die Aktivit\u00e4ten der Anh\u00e4nger in Bayern nahezu zum Erliegen gekommen sind. Allerdings wird das Gedankengut des \"Kalifatsstaats\" weiterhin verbreitet. So ist die offizielle Internet-Seite des \"Kalifatsstaats\", die \u00fcber einen Server in den Niederlanden betrieben wird, abrufbar. Neben Schriften und B\u00fcchern Kaplans, Videound Audiodokumenten sind hier auch Ausgaben der deutschsprachigen Publikation \"Der Islam als Alternative\" (DIA) im Volltext eingestellt. 3.3 Hizb ut-Tahrir Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 150 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1953 in Pal\u00e4stina Europazentrale: Gro\u00dfbritannien Publizistische Sprachrohre: \"explizit\"; \"al-Khilafah\"; \"al-Waie\" Politisches Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland seit 15. Januar 2003 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 49 Die \"Partei der islamischen Befreiung\" - Hizb ut-Tahrir - wurde von dem Religionsgelehrten Taqi Din an-Nabhani, einem Mitglied der Muslimbruderschaft (MB), gegr\u00fcndet. Sie hat sich weltweit verbreitet; ab 1995 Weltweite gewann sie in Zentralasien, insbesondere in den ehemaligen SowjetVerbreitung republiken, zahlreiche Mitglieder. Anh\u00e4nger der Hizb ut-Tahrir versuchten von Beginn an, milit\u00e4rische Institutionen und Einrichtungen in arabischen L\u00e4ndern zu unterwandern und Mitglieder aus den Reihen des Milit\u00e4rs zu rekrutieren. In den Jahren 1968 und 1969 scheiterten Putschversuche in Amman/Jordanien und in Bagdad/Irak. Ebenso schlugen Bestrebungen zur Macht\u00fcbernahme 1974 in Kairo/\u00c4gypten und 1976 in Damaskus/Syrien fehl. Inzwischen ist die Hizb ut-Tahrir in der gesamten arabischen Welt und Zentralasien verboten. Das Ziel der Hizb ut-Tahrir ist die Errichtung eines \"rechtgeleiteten\" weltumspannenden Kalifats, das die L\u00e4nder und V\u00f6lker der Muslime in einem einzigen Staat eint und die Botschaft des Islam in die gesamte Welt tr\u00e4gt. Weitere erkl\u00e4rte Ziele sind die Wiedereinf\u00fchrung der Scharia als Strukturprinzip der islamischen Ordnung, die Ausl\u00f6schung des Staates Israel und die Befreiung der muslimischen Welt von westlichen Einfl\u00fcssen. Unausweichlich sei dabei ein \"Kampf der Kulturen\", insbesondere zwischen Islam und Christentum. Ein Dialog zwischen den Kulturen, gepr\u00e4gt vom Prinzip der Gleichheit und Toleranz, sei mit dem Islam unvereinbar. Der Kampf sei sowohl auf ideologischer, wirtschaftlicher und politischer als auch auf milit\u00e4rischer Signet der Hizb ut-Tahrir Ebene zu f\u00fchren. Der milit\u00e4rische Kampf gegen die Ungl\u00e4ubigen sei im Sinn eines \"aktiven Djihads\" f\u00fcr jeden Muslim verpflichtend. Die Gliederung der Hizb ut-Tahrir in Europa orientiert sich an den Grenzen der Nationalstaaten. Innerhalb der einzelnen Regionen operiert die Hizb ut-Tahrir in voneinander unabh\u00e4ngigen Gruppen, \u00fcberwiegend in Universit\u00e4tsst\u00e4dten. Das Bundesministerium des Innern verbot am Bet\u00e4tigungsverbot 15. Januar 2003 die Bet\u00e4tigung der Hizb ut-Tahrir, da sich die Gruppierung gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtete und Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange bef\u00fcrwortete. Das Verbot wurde 2006 vom Bundesverwaltungsgericht best\u00e4tigt. Trotz des Verbots ist davon auszugehen, dass die Organisation ihre Aktivit\u00e4ten in bekannt konspirativer Weise fortsetzen wird. \u00d6ffentlich wahrzunehmen ist die Organisation durch Verbreitung von Propaganda im Internet. Hierzu bedient sie sich in erster Linie im europ\u00e4ischen Ausland befindlicher Server. \u00d6ffentliche Auftritte von F\u00fchrungsfunktion\u00e4Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","50 Ausl\u00e4nderextremismus ren der Hizb ut-Tahrir waren in der j\u00fcngeren Vergangenheit in Deutschland jedoch nicht mehr festzustellen. In Bayern waren nur wenige Anh\u00e4nger von Hizb ut-Tahrir ans\u00e4ssig. Bekannt wurden Gruppen in Erlangen und M\u00fcnchen. Einige Aktivisten verlie\u00dfen aufgrund der restriktiven Handhabung des Ausl\u00e4nderrechts Bayern. 3.4 Tablighi Jamaat (TJ) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 400 150 Gr\u00fcndung: 1927 bei Delhi (Indien) Europazentrale: Dewsbury/Gro\u00dfbritannien Die TJ wurde von dem Religionsgelehrten Mawlana Muhammad Ilyas als pietistische Missionierungsbewegung gegr\u00fcndet. Seit ihren Urspr\u00fcngen ist sie eng mit der Islamischen Hochschule von Deoband/Indien verbunden. Die Gemeinschaft vertritt eine archaische Form des Islam indischer Pr\u00e4gung. Ziel der TJ ist die Islamisierung der Gesellschaft, um dadurch die Etablierung eines islamischen Staates zu erreichen. Sie hat den Charakter Internationale einer internationalen islamischen Massenbewegung, deren Anh\u00e4nger islamische sich nicht einer festen Gruppierung zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, sondern sich als Massenbewegung konsequente Muslime mit missionarischem Auftrag ansehen. Ihre Anh\u00e4nger vertreten eine w\u00f6rtliche Auslegung des Korans und der Sunna, die Ausgrenzung der Frau und eine Abgrenzungspolitik gegen\u00fcber Nicht-Muslimen. Diese Bestrebungen wirken in nicht-muslimischen Gesellschaften zwangsl\u00e4ufig desintegrierend, so dass eine dauerhafte und ernsthafte Hinwendung zu westlichen Gesellschaftsordnungen, Wertvorstellungen und Integrationsmodellen nicht m\u00f6glich ist. Das Tragen von traditioneller Gebetskleidung und die bis in Details verbindlichen Verhaltensregeln im Alltag sollen die absolute Hinwendung zum Propheten Mohammed ausdr\u00fccken. Charakteristisch f\u00fcr die Anh\u00e4nger der TJ ist eine missionarische Reise\"Missionierungst\u00e4tigkeit, bei der sie Moscheen in ganz Europa aufsuchen. Die Missioreisen\" nierung dient der Rekrutierung neuer Mitglieder. Zur Ausbildung der Anh\u00e4nger geh\u00f6rt eine vier Monate dauernde Schulung (Jamaat), die vornehmlich in Koranschulen in Pakistan absolviert wird. Die wenigsten Missionare verf\u00fcgen \u00fcber eine theologische Ausbildung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 51 Zur Missionierung nutzen ihre Anh\u00e4nger auch Moscheen, die keinen unmittelbaren Bezug zu TJ haben. Dazu dienen Veranstaltungen, bei denen die Anh\u00e4nger \u00fcber Tage oder Wochen hinweg beten, den Koran studieren und indoktriniert werden. Direkte Aufrufe zum \"Djihad\" werden dabei vermieden, jedoch wird der ideologische N\u00e4hrboden f\u00fcr den gewaltbereiten Extremismus bereitet. F\u00fcr Kinder und Jugendliche werden auch Koranschulungen durchgef\u00fchrt. Durch die gemeinsame ideologische Basis mit militanten Gruppierungen besteht die Gefahr, dass die weltweiten Strukturen der Bewegung von terroristischen Netzwerken genutzt werden. Von Einzelpersonen, die die Schulung der TJ durchlaufen haben, ist bekannt, dass sie sich terroristischen Gruppierungen angeschlossen haben. Vor diesem Hintergrund haben auch bereits mehrere Gerichte festgestellt, dass konkrete Anhaltspunkte daf\u00fcr bestehen, dass die TJ den Internationalen Terrorismus unterst\u00fctzt. In der Zeit vom 24. bis 28. Februar traf sich die Spitze der europ\u00e4ischen TJ in der Weltzentrale in Neu-Delhi/Indien zu einer intern Maschwara genannten Veranstaltung. W\u00e4hrend des Treffens wurde vom TJ-F\u00fchrungsgremium (Schura) beschlossen, Deutschland zur Koordinierung der Missionierungsaktivit\u00e4ten in elf Kreise einzuteilen. Die TJ in Deutschland war bis November 2005 von einem vierk\u00f6pfigen Gremium geleitet worden. Wegen Richtungsstreitigkeiten innerhalb dieser F\u00fchrungsgruppe hatte die die TJ-F\u00fchrung die Deutschland-Schura Neustrukturierung w\u00e4hrend des Welttreffens im November 2005 in Raiwind/Pakistan aufder TJ in Deutschgel\u00f6st. Veranstaltungen und Missionierungsreisen wurden danach zenland tral von Indien aus koordiniert. Den deutschen TJ-Funktion\u00e4ren blieb nur eine regionale Verantwortung. Die Neustrukturierung zielt darauf ab, die Verantwortung f\u00fcr Deutschland wieder den lokalen TJ-Funktion\u00e4ren zu \u00fcbergeben, ohne jedoch eine zentrale F\u00fchrungsperson zu etablieren. Das diesj\u00e4hrige Deutschlandtreffen der TJ fand vom 20. bis 22. April in Deutschlandder Al-Nur-Moschee in Berlin statt. An den einzelnen Tagen nahmen treffen zwischen 300 und 450 Personen teil, etwa 20 davon aus Bayern. Hauptredner waren Korangelehrte aus Raiwind/Pakistan, Neu-Delhi/Indien sowie aus Paris/Frankreich. Dr. Sanaar Ullah aus Neu-Delhi forderte die deutschen Muslime auf, sich wie die Getreuen des Propheten Mohammed zu verhalten. Jeder Gedanke der Muslime solle der TJ gewidmet sein. Die TJ in Deutschland m\u00fcsse \"noch st\u00e4rker\" gemacht werden. Im Anschluss an diese Rede wurde an die Gebietsverantwortlichen ein Formblatt verteilt, mit dessen Hilfe die deutschen Gebiete dreimal j\u00e4hrlich die TJ-Zentrale detailliert \u00fcber die geleisteten Aktivit\u00e4ten informieren sollen. Die Zentrale ist auch \u00fcber die Maschwaras zu verst\u00e4ndigen, Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","52 Ausl\u00e4nderextremismus die alle zwei Monate abgehalten werden sollen. Zum Jahresende ist ein Abschlussbericht zu erstellen. Danach hatten die Vertreter der einzelnen Gebiete in Deutschland ihren Bericht \u00fcber durchgef\u00fchrte Missionierungsaktivit\u00e4ten abzugeben. \u00dcberregionales Vom 26. bis zum 28. Oktober fand in der Umma-Moschee in Hannover Treffen in ein \u00fcberregionales Treffen der Gebietsverantwortlichen der TJ statt. InsHannover gesamt nahmen knapp 100 Personen aus Deutschland teil, davon einige aus Bayern, zudem Personen aus \u00d6sterreich, Frankreich, und Gro\u00dfbritannien. Die Verantwortlichen der elf TJ-Kreise in Deutschland berichteten \u00fcber die geleisteten Missionierungsaktivit\u00e4ten. Die Organisation betreibt in Bayern zwei Moscheen in M\u00fcnchen und Pappenheim. In mehreren Moscheen konnte die TJ an Einfluss gewinnen. Aufenthaltsrechtliche Ma\u00dfnahmen bayerischer Beh\u00f6rden und die verst\u00e4rkte Medienberichterstattung f\u00fchrten zu einer Verunsicherung der deutschen TJ-Anh\u00e4nger. 3.5 Hizb Allah (Partei Gottes) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Publikation: \"al-Intiqad\" (Die Kritik) Fernsehsender: \"al-Manar\" (Der Leuchtturm) Die Hizb Allah (auch: Hisbollah/Hizbollah) ist eine auf Initiative des Irans gegr\u00fcndete schiitische Partei, die seit 1992 im libanesischen Parlament vertreten ist. Sie wird vom Iran finanziell, materiell und ideologisch unterst\u00fctzt. Das langfristige Ziel der Hizb Allah ist die Zerst\u00f6rung des Staates Israel und die \"Herrschaft des Islam\" \u00fcber Jerusalem. Die Hizb Allah ist einerseits eine politische Partei, die vor allem aufgrund ihres sozialen Engagements auf die Unterst\u00fctzung der \u00e4rmeren Bev\u00f6lkerungsschichten z\u00e4hlen kann. Andererseits verf\u00fcgt sie aber nach wie vor \u00fcber milit\u00e4rische Einheiten, die insbesondere im S\u00fcden des LanAblehnung der des unabh\u00e4ngig von der libanesischen Staatsgewalt agieren. Eine EntEntwaffnung waffnung dieser Miliz gem\u00e4\u00df der UN-Resolution 1559 gelang bisher nicht und wird vom politischen Fl\u00fcgel vehement abgelehnt. Am 14. August beging die Hizb Allah den ersten Jahrestag ihres \"Sieges\" gegen Israel in der milit\u00e4rischen Auseinandersetzung vom Sommer 2006. Der Generalsekret\u00e4r der Hizb Allah, Scheich Hassan Nasrallah, warnte Israel Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 53 vor einem erneuten Angriff auf den S\u00fcdlibanon und drohte f\u00fcr diesen Fall mit einer \"gro\u00dfen \u00dcberraschung\". Dar\u00fcber hinaus betonte er, dass der \"Islamische Widerstand\" seine Waffen niemals und unter keinen Umst\u00e4nden abgeben werde. Die Waffen und der \"Islamische Widerstand\" seien \"heilig\". Der bewaffnete Kampf gegen Israel zur Verteidigung des Libanon m\u00fcsse fortgef\u00fchrt werden. Bereits im Vorfeld dieser Rede hatten f\u00fchrende Hizb Allah-Vertreter auf die seit dem Konflikt 2006 qualitativ wie quantitiv wesentlich verbesserte Bewaffnung der Hizb Allah hingewiesen. Signet der Hizb Allah Von Ende Mai bis Anfang Juni besuchten hochrangige Angeh\u00f6rige der Hizb Allah, darunter auch zwei Abgeordnete der Hizb Allah-Fraktion der libanesischen Nationalversammlung, mehrere St\u00e4dte in Deutschland sowie im benachbarten Ausland. Anlass der Besuche waren die Feierlichkeiten zum Jahrestag des Abzugs Israels aus dem S\u00fcdlibanon im Jahre 2000 (so genannte Siegesfeiern) und die durch hier lebende \"Siegesfeiern\" Libanesen organisierten Informationsveranstaltungen zur Lage in Nahost. Eine dieser Veranstaltungen fand am 5. Juni in M\u00fcnchen im Eine-WeltHaus statt. Sie wurde vom Verein \"Freunde des Libanon e.V.\" veranstaltet und von rund 70 Personen, vorwiegend Libanesen und Pal\u00e4stinensern, besucht. Zu den Anwesenden sprach der Abgeordnete Hassan Hobballah, der die israelische \"Besatzungspolitik\" im Libanon und in Pal\u00e4stina sowie die politische Intervention der USA kritisierte, denen er vorwarf, ausschlie\u00dflich israelische Interessen zu vertreten. Dar\u00fcber hinaus betonte er das Recht der Libanesen und Pal\u00e4stinenser auf Widerstand gegen Israel. Hobballah lobte ausdr\u00fccklich das M\u00fcnchner Integrationsprogramm und forderte die Libanesen in der Diaspora auf, die im jeweiligen Staat g\u00fcltigen Gesetze zu respektieren und einzuhalten. 3.6 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen Deutschland Bayern Mitglieder: 1.250 200 Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Publikation: \"Risalat ul-Ikhwan\" Die von Hassan al-Banna in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunnitisch-exSunnitisch-extretremistische MB ist eine multinationale Organisation, bei der eine mistische Ideologie Unterteilung in nationale Sektionen erkennbar ist. Das von der MB angestrebte Herrschaftssystem weist deutliche Z\u00fcge eines totalit\u00e4ren HerrVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","54 Ausl\u00e4nderextremismus schaftssystems auf, das die Selbstbestimmung des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiert. Die Grundideologie der MB ist auf die Errichtung islamischer Gottesstaaten ausgerichtet. Dieses Fernziel eint alle Str\u00f6mungen innerhalb der MB. Ein Gro\u00dfteil der ideologischen Grunds\u00e4tze der MB ist somit unvereinbar mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerten Prinzipien der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der Menschenw\u00fcrde basierenden politischen Ordnung. Die Ideologie der MB ist in der gesamten muslimischen Welt verbreitet und Emblem hat zur Herausbildung zahlreicher militanter islamistischer Organisatioder MB nen gef\u00fchrt (vgl. nachfolgendes Schaubild). Regionale Str\u00f6mungen der Muslimbruderschaft Algerien Syrien \u00c4gypten Pal\u00e4stina Tunesien Islamische Islamische Al-Gamaa HAMAS En Nahda Heilsfront (FIS) Avantgarden / al-Islamiya (GI) Islamisches Bewaffnete Zentrum (IZ) Djihad Islami (JI) Islamische in Aachen Islamischer Bund Gruppe (GIA) Pal\u00e4stina (IBP) F\u00f6deration der Al-Aqsa e.V. Islamischen Organisation in Europa (FIOE) Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Ausl\u00e4ndische Organisationen mit Einzelmitgliedern in Deutschland Organisationen mit Sitz in Deutschland / Europa In ihrem Ursprungsland \u00c4gypten ist die MB verboten; sie wird jedoch inzwischen geduldet. Sie verdankt ihren Einfluss vor allem ihrem sozialen MB-ProgrammEngagement. Eine aktuelle Programmschrift pr\u00e4zisiert die Parole der MB schrift \"Der Islam ist die L\u00f6sung\". Sie enth\u00e4lt beispielsweise die Forderung, dem Parlament ein religi\u00f6ses Gremium zur Seite zu stellen. Ferner sollen Christen und Frauen von den h\u00f6chsten politischen \u00c4mtern ausgeschlossen sein. 2004 trat Mohamed Mahdi Akef die Nachfolge des verstorbenen F\u00fchrers des \u00e4gyptischen Zweigs der MB, Ma'moun al-Hudeibi an. Akef hatte Mitte der 80er Jahre das der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) zugeh\u00f6rige Islamische Zentrum M\u00fcnchen (IZM) geleitet. Er Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 55 war in seiner Jugend mit dem MB-Gr\u00fcnder Hassan al-Banna befreundet. Sp\u00e4ter wurde er wegen eines geplanten Anschlags auf den \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten zum Tode verurteilt und schlie\u00dflich nach 20 Jahren Gef\u00e4ngnis begnadigt. Schon von Deutschland aus baute er seinen Einfluss auf den internationalen Zweig der MB aus. In seiner Person zeigt sich die personelle und ideologische Kontinuit\u00e4t der MB. Offiziell haben sich die meisten Zweige der MB von der Gewalt abgeHaltung zur wandt. Aber Aussagen Mahdi Akefs und Selbstmordattentate der Gewalt pal\u00e4stinensischen Sektion der MB \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) zeigen indes, dass die MB Gewalt weiterhin als legitimes politisches Mittel betrachtet. Als Dachverband MB-naher Organisationen in Europa fungiert die \"F\u00f6deration der Islamischen Organisationen in Europa\" (FIOE) mit Sitz in Leicester/Gro\u00dfbritannien. Sie wurde 1989 im Rahmen einer Resolution begr\u00fcndet, die anl\u00e4sslich einer Generalversammlung von Repr\u00e4sentanten der wichtigsten Islamischen Zentren, Gesellschaften und Vereinigungen in Europa verabschiedet wurde. Eine weitere einflussreiche MB in Europa und eng mit der MB verflochtene Organisation ist der \"Europ\u00e4ische Fatwa-Rat\" (ECFR) mit Sitz in Dublin/Irland. Dessen Vorsitzender Yusuf al-Qaradawi ist als Sympathisant der MB bekannt. Die MB tritt in Deutschland nicht offen in Erscheinung. Personell ist sie mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) verflochten, die als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB gilt. Anh\u00e4nger des syrischen Zweigs der MB gr\u00fcndeten Anfang der 80er Jahre die \"Islamischen Avantgarden\" mit organisatorischem Schwerpunkt im \"Islamischen Zentrum\" in Aachen. 3.6.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 120 Gr\u00fcndung: 1960 in Deutschland Sitz: M\u00fcnchen Pr\u00e4sident: Ibrahim Farouk el-Zayat Publikation: \"al-Islam\" (nur noch als Internet-Ausgabe) Die IGD gilt als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB. Sie Einfluss der MB hat ihren Sitz im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen (IZM) und ist Mitglied auf die IGD in der FIOE, dem europ\u00e4ischen Dachverband MB-naher Verb\u00e4nde (vgl. auch Nummer 3.6 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","56 Ausl\u00e4nderextremismus Die IGD versucht durch politisches Engagement in Deutschland, die Verwirklichung ihrer Ideologie zu erreichen. Ihr Ziel ist dabei nicht die Integration, sondern die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft den eigenen Vorstellungen entsprechend. Diese Vorstellungen sind von den ideologischen Grunds\u00e4tzen der MB gepr\u00e4gt, wobei die Anh\u00e4nger der IGD beLogo der IGD m\u00fcht sind, dies in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen nicht zum Ausdruck zu bringen. Seit 2002 ist Ibrahim Farouk el-Zayat Pr\u00e4sident der IGD. Gegen ihn und f\u00fchrende Mitglieder der MB hat das \u00e4gyptische Milit\u00e4rgericht im Februar ein Verfahren wegen \"terroristischer Methoden und Geldw\u00e4sche\" er\u00f6ffnet. Dar\u00fcber hinaus \u00e4u\u00dferte sich der oberste F\u00fchrer des \u00e4gyptischen Zweigs der MB, Mohamed Mahdi Akef, in einem im Februar 2007 ver\u00f6ffentlichten Interview wie folgt \u00fcber el-Zayat: \"Er ist tats\u00e4chlich / gilt als (Anmerkung: unterschiedliche \u00dcbersetzungen) der Chef der Muslimbr\u00fcder in Deutschland. Er lebt in Deutschland und z\u00e4hlt zu den besten jungen Leuten in Deutschland, wenn es um Bildung, Wissen und Charaktereigenschaften geht.\" El-Zayat allerdings bestreitet generell - auch mit juristischen Mitteln - seine Mitgliedschaft in der MB. Um die langfristigen Ziele besser durchsetzen zu k\u00f6nnen, wurde unter \"Imam-Rat\" Beteiligung der IGD ein \"Imam-Rat\" in Deutschland eingerichtet. Dieser unterh\u00e4lt Kontakte zu dem der MB nahe stehenden \"Europ\u00e4ischen Fatwa-Rat\" (vgl. auch Nummer 3.6 dieses Abschnitts). Aufgabe des deutschen \"Imam-Rats\" ist es, die Vereinbarkeit der deutschen Rechtsordnung mit Koran und Sunna zu pr\u00fcfen. Der IGD sind mehrere nominell eigenst\u00e4ndige Islamische Zentren (IZ) in Deutschland nachgeordnet. In Bayern sind dies die Islamischen Zentren in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt die IGD \u00fcber ein weit verzweigtes Netz an Koordinationspartnern in verschiedenen St\u00e4dten Deutschlands. Das um die IGD bestehende Netzwerk ist wenig transparent, was vor allem mit den Bem\u00fchungen der IGD um Verselbst\u00e4ndigung der ihr nachgeordneten Islamischen Zentren zusammenh\u00e4ngt. Damit ent\u00c4nderung der stehen Vereinsstrukturen, die nur schwer kontrollierbar sind. Dar\u00fcber Vereinsstruktur hinaus erm\u00f6glichen die Umstrukturierungsma\u00dfnahmen, die tats\u00e4chliche Anbindung an die IGD nach au\u00dfen hin zu verschleiern. Ferner besteht damit f\u00fcr die der IGD bisher nachgeordneten Zentren die M\u00f6gVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 57 lichkeit, selbst\u00e4ndig die Gemeinn\u00fctzigkeit zu beantragen, die die IGD 1999 verloren hat. Als j\u00fcngstes Beispiel kann hier die Neugr\u00fcndung des Vereins \"IslamiIZM sches Zentrum M\u00fcnchen e.V.\" (IZM) angef\u00fchrt werden. Das IZM existiert zwar seit 1973, war jedoch bisher nur Teil der IGD und kein eingetragener Verein. Es ist vorgesehen, dass dem Verein nur deutsche Staatsangeh\u00f6rige beitreten k\u00f6nnen. Der Verein soll offenbar nicht als Ausl\u00e4nderverein agieren und den hierf\u00fcr geltenden vereinsrechtlichen Sonderregelungen unterworfen sein. Erster Vorsitzender des neu gegr\u00fcndeten Vereins ist der deutsche Konvertit Ahmad von Denffer, der langj\u00e4hriger Funktion\u00e4r der IGD und des bisherigen IZM war. Dass sich an der ideologischen Ausrichtung des IZM nichts ver\u00e4ndert hat, zeigt sich daran, dass am 16. November nach einer Freitagspredigt im IZM Schriften des MB-Ideologen Sayyid Qutb verteilt wurden. Ein wesentliches Bet\u00e4tigungsfeld der IGD ist die \"Erziehung und BilBildungsarbeit dung\" junger Menschen, um auf diesem Weg die Gesellschaft ihren ideologischen Zielen entsprechend zu reformieren. So bem\u00fchte sich die IGD in den letzten Jahren gezielt um die in Deutschland aufgewachsenen Muslime arabischer Herkunft. Diese sollen u.a. \u00fcber den Ausund Aufbau von Bildungseinrichtungen in Islamischen Zentren der IGD erreicht werden. Zu diesem Zweck betrieb die IGD u.a. die \"Deutsch-Islamische Schule\" in M\u00fcnchen, der ein Kindergarten angegliedert war. Die Regierung von Oberbayern hat Anfang August 2005 entschieden, keine Genehmigung f\u00fcr den Weiterbetrieb der \"Deutsch-Islamischen Schule\" zu erteilen, da die Verfassungstreue des Schultr\u00e4gers nicht mehr gew\u00e4hrleistet war; gleichzeitig wurde die staatliche Schulf\u00f6rderung eingestellt. Daraufhin wurde die Schule geschlossen, auch der angegliederte Kindergarten stellte seinen Betrieb ein. Damit wurde der IGD eine wichtige Plattform zur Verbreitung ihrer Ideologie genommen. Allerdings veranstalten die Islamischen Zentren M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg auch weiterhin regelm\u00e4\u00dfig Wochenend-Korankurse f\u00fcr Kinder und Jugendliche. 3.6.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 250 Einzelpersonen Seit der Gr\u00fcndung Israels im Jahr 1948 engagierten sich Anh\u00e4nger der Muslimbruderschaft (MB) im Kampf f\u00fcr die Zur\u00fcckgewinnung ganz Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","58 Ausl\u00e4nderextremismus Pal\u00e4stinas und die Etablierung einer \"islamischen Herrschaft\". Nach der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel im Jahr 1967 begann der pal\u00e4stinensische Zweig der MB in den besetzten Gebieten eine soziale Infrastruktur aufzubauen, was ihm rasche Popularit\u00e4t bei der Bev\u00f6lkerung einbrachte. Am bewaffneten Kampf beteiligte er sich zun\u00e4chst nicht. Erst als Reaktion auf den Ausbruch des ersten Pal\u00e4stinenseraufstands (Intifada) im Dezember 1987 wurde Anfang 1988 die HAMAS gegr\u00fcndet und der bewaffnete Kampf gegen Israel aufgenommen. Die HAMAS will Israel zerst\u00f6ren und auf dem gesamten Gebiet Pal\u00e4stinas einen \"islamischen\" Staat errichten. Sie lehnt den israelisch-pal\u00e4stinensischen Friedensprozess und das Existenzrecht Israels ab und ist f\u00fcr eine Vielzahl terroristischer Aktionen verantwortlich, darunter zahlreiche Selbstmord-attentate. Im Juni 2002 wurde deshalb der milit\u00e4rische Arm der HAMAS in die EU-Liste terroristischer Organisationen aufgenommen. 2003 beschlossen die EU-Au\u00dfenminister, auch die Gesamtorganisation als terroristisch einzustufen. Nach den f\u00fcr die HAMAS erfolgreichen Wahlen zur Pal\u00e4stinensischen Nationalversammlung vom 25. Januar 2006 versch\u00e4rften sich die SpanB\u00fcrgerkriegsnungen zwischen Teilen der HAMAS und der vorherigen Regierungs\u00e4hnliche Zust\u00e4nde partei Fatah bis hin zu b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden. Angesichts der Krise verh\u00e4ngte Pr\u00e4sident Mahmud Abbas am 16. Juni den Ausnahmezustand \u00fcber alle Autonomiegebiete, entlie\u00df die Einheitsregierung und veranlasste f\u00fcr das Westjordanland die Bildung eines Notstandskabinetts unter F\u00fchrung des unabh\u00e4ngigen Politikers Salam Fayyad. Faktisch bedeutet dies eine Zweiteilung Pal\u00e4stinas. Zur L\u00f6sung des Konflikts zwischen Israel und Pal\u00e4stina fand Ende November eine Nahost-Konferenz in den USA statt, an der sich auch Vertreter der arabischen Staaten beteiligten. Ziel dieses Gipfeltreffens war die Wiederaufnahme von Friedensgespr\u00e4chen. Bereits im Vorfeld der Konferenz lehnte die HAMAS es jedoch ab, Ergebnisse dieser VerhandFriedensgespr\u00e4che lungen zu akzeptieren. Die Friedensgespr\u00e4che begannen im Dezember. Aus Anlass ihres 20-j\u00e4hrigen Gr\u00fcndungsjubil\u00e4ums betonte die HAMAS am 15. Dezember, sie werde den gewaltsamen Kampf gegen Israel nicht einstellen. In Bayern gibt es nur einzelne Anh\u00e4nger der HAMAS. Die aktuellen Entwicklungen in Pal\u00e4stina wurden teilweise kontrovers diskutiert, l\u00f6sten aber keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten aus. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 59 3.6.3 Islamische Heilsfront (FIS) Deutschland Bayern Mitglieder: 30 Gr\u00fcndung: 1989 in Algerien Die FIS ist der algerische Zweig der international t\u00e4tigen Muslimbruderschaft (MB). Aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Niedergangs und des Ansehensverlusts der algerischen Regierung gewann die FIS im Dezember 1991 die Parlamentswahlen in Algerien. Als sie anschlie\u00dfend 1992 verboten wurde, gingen zahlreiche FIS-Funktion\u00e4re ins Ausland. Die Organisation wird derzeit von dem in Genf ans\u00e4ssigen Physiker Dr. Mourad Dhina gef\u00fchrt. Flagge der FIS Dr. Dhina, der zum radikalen Fl\u00fcgel gerechnet werden muss, lehnt den vom bewaffneten Arm der FIS mit der algerischen Regierung vereinbarten Waffenstillstand ab. Im September 2005 wurde in Algerien die von Pr\u00e4sident Bouteflika vorgelegte \"Charta f\u00fcr Frieden und nationale Auss\u00f6hnung\" in einer Volksabstimmung mit gro\u00dfer Mehrheit angenommen. Sie umfasst auch eine Teilamnestie f\u00fcr ehemalige bewaffnete islamistische Straft\u00e4ter, sofern Teilamnestiesie nicht an Morden, Vergewaltigungen oder Bombenanschl\u00e4gen beteiregelung ligt waren. F\u00fcr eine dauerhafte nationale Auss\u00f6hnung fordert Bouteflika jedoch ein Verbot politischer Bet\u00e4tigung f\u00fcr ehemalige Akteure der FIS. \u00dcber den k\u00fcnftigen Kurs der FIS in Algerien gibt es in der - in mehrere Fraktionen gespaltenen - FIS nach wie vor keine Einigkeit. Die in Deutschland aktiven FIS-Anh\u00e4nger sind in eine informelle, durch pers\u00f6nliche Verbindungen und Kontakte gekennzeichnete Struktur eingebunden, die \u00fcber die Grenzen Deutschlands hinausreicht. In Deutschland gibt es allerdings nach wie vor keine vereins\u00e4hnliche Struktur der FIS. Hiesige FIS-Anh\u00e4nger bet\u00e4tigen sich vielmehr regional in verschiedenen Moscheen und \"Islamischen Zentren\", die teilweise der MB zuzurechnen sind. Offene Agitation f\u00fcr die Ziele der FIS ist derzeit in Deutschland nicht feststellbar. 3.6.4 En Nahda Deutschland Bayern Mitglieder: 85 Wirkungsbereich: Oppositionsbewegung in Tunesien (seit 1991 in Tunesien verboten) F\u00fchrung: Rachid Ghannouchi/Gro\u00dfbritannien Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","60 Ausl\u00e4nderextremismus Die En Nahda (Wiedergeburt) ist der tunesische Zweig der Muslimbruderschaft (MB). Nach der Ideologie der MB ist es das Ziel der En Nahda, in Tunesien einen Staat islamistischer Pr\u00e4gung aufzubauen. Nach wie vor ist die En Nahda die wichtigste Oppositionsbewegung Tunesiens. Seit 1991 wird die in Tunesien verbotene Organisation von Rachid Ghannouchi geleitet, der in seinem Heimatland zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Ghannouchi lebt in Gro\u00dfbritannien und gibt sich nach au\u00dfen als gem\u00e4\u00dfigter, demokratischer Politiker. Gegen\u00fcber seinen Anh\u00e4ngern Emblem \u00e4u\u00dfert er sich jedoch militant und beteuert u.a., er wolle die amerikader En Nahda nischen Eroberer und die mit ihnen verb\u00fcndeten arabischen Regierungen verjagen. Europakongress Am 11. Juni fand in London der 8. Kongress der En Nahda statt. Rachid Ghannouchi wurde auf diesem Kongress wieder gew\u00e4hlt, obwohl er sich im Vorfeld f\u00fcr ein Rotationsprinzip in der F\u00fchrungsspitze ausgesprochen hatte. Er hatte erst im Oktober 2006 erkl\u00e4rt, es habe sich an seinen Standpunkten seit 1981 nahezu nichts ver\u00e4ndert. \"Die Demokratie im islamischen Rahmen, von dem wir sprechen, erlaubt nichts, was religi\u00f6s verboten ist, und verbietet nichts, was religi\u00f6s erlaubt ist.\" Ghannouchis Wiederwahl und seine Aussagen lassen darauf schlie\u00dfen, dass die En Nahda an ihrer islamistischen Zielsetzung und ideologischen Ausrichtung festhalten wird. Bei den in Bayern lebenden En Nahda-Anh\u00e4ngern sind keine festen Strukturen erkennbar. Allerdings engagieren sich viele von ihnen sowohl im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen der Islamischen Gemeinschaft Deutschland e. V. (vgl. auch Nummer 3.6.1 dieses Abschnitts) als auch in einigen tunesischen Vereinen. 3.7 Islamistische Szene Neu-Ulm/Ulm - Verbotenes Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) Bayern Anh\u00e4nger: 40 fr\u00fcherer Vorsitzender: Ramez Aly Gr\u00fcndung: 21.06.1996 fr\u00fcherer Sitz: Neu-Ulm Publizistisches Sprachrohr: \"Denk mal Islamisch\" (DmiZ) Seit 28. Dezember 2005 verboten Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 61 Der Raum Neu-Ulm/Ulm entwickelte sich in der Vergangenheit zunehmend zur Anlaufstelle islamischer Extremisten. Vor allem im \"Multi-Kultur-Haus Ulm e.V.\" (MKH) wie auch im \"Islamischen Informationszentrum Ulm e.V.\"(I.I.Z) wurden Personen radikalisiert und f\u00fcr den kriegerischen Djihad rekrutiert. Am 28. Dezember 2005 wurde deshalb das Vereinsverbot MKH vom Bayerischen Staatsministerium des Innern verboten, das Vereinsverm\u00f6gen beschlagnahmt und ein zugeh\u00f6riges Grundst\u00fcck eingezogen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) best\u00e4tigte am 24. Januar das Verbot des MKH. Das Gericht kam in seiner Entscheidung zu dem Ergebnis, dass sich die T\u00e4tigkeit des Vereins gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtete. Das Gericht stellte u.a. fest, dass der Verein f\u00fcr seine Besucher und Mitglieder eine F\u00fclle von Publikationen bereit gehalten habe, die massive Hetzparolen gegen die Demokratie, den Rechtsstaat und die Menschenw\u00fcrde von \"Ungl\u00e4ubigen\" enthielten. Das Gericht lie\u00df gegen das Urteil keine Revision zu. Das Verbot ist damit bestandskr\u00e4ftig. Im November entschied der BayVGH zudem, dass auch die Einziehung des Grundst\u00fccks mit Vereinsgeb\u00e4ude rechtm\u00e4\u00dfig war. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Zum MKH geh\u00f6rten eine Moschee, ein Lebensmittelladen, eine umfangreiche Bibliothek, Unterk\u00fcnfte sowie mehrere Unterrichtsund Gebetsr\u00e4ume, in denen Koranunterricht f\u00fcr Kinder und Erwachsene abgehalten wurde. Im MKH wurde nicht nur verfassungsfeindliches Gedankengut verbreitet und im Sinn einer islamischen Weltordnung radikalisiert, sondern auch f\u00fcr den bewaffneten Djihad geworben. In B\u00fcchern, Werbung f\u00fcr den Tonund Bildtr\u00e4gern wurde offen zur T\u00f6tung von Juden sowie zur Bebewaffneten k\u00e4mpfung von Christen und \"sonstigen\" Ungl\u00e4ubigen aufgerufen. Djihad Kennzeichnend f\u00fcr den personellen Kernbereich des MKH war eine feindliche, aggressive Haltung zur Demokratie, zum j\u00fcdischen Volk und letztendlich zur gesamten westlichen Hemisph\u00e4re. In diesem Zusammenhang spielte der informelle F\u00fchrer des MKH, der im Dezember 2004 ausgewiesene Dr. Yehia Yousif, eine Schl\u00fcsselrolle. Seit 2001 engagierte er sich verst\u00e4rkt im MKH, war dort regelm\u00e4\u00dfig als Imam und Koranlehrer t\u00e4tig und unterrichtete in dieser Eigenschaft junge Muslime und deutsche Konvertiten. Er forderte dabei auch offen zur Beteiligung am bewaffneten Djihad auf. \u00dcberdies waren kontinuierlich Verbindungen der islamistischen Szene aus dem Raum Neu-Ulm/Ulm zum internationalen islamistischen Terrorismus zu verzeichnen. J\u00fcngstes Beispiel hierf\u00fcr sind die fr\u00fcheren Bez\u00fcge Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","62 Ausl\u00e4nderextremismus der im September im Sauerland festgenommen Anh\u00e4nger der \"Islamischen Jihad Union\" (vgl. auch Nummer 4.5.1 dieses Abschnitts) zum MKH. NachfolgeDie Schlie\u00dfung des MKH verunsicherte und schw\u00e4chte die \u00f6rtliche Szene aktivit\u00e4ten nachhaltig. Vereinzelte Bem\u00fchungen, wieder islamistische Strukturen zu gr\u00fcnden, scheiterten letztendlich, meist an fehlenden Finanzmitteln oder an pers\u00f6nlichen Differenzen. Erschwerend kam hinzu, dass charismatische F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten Deutschland verlassen bzw. sich aus Angst vor strafprozessualer Verfolgung vom MKH distanziert haben. Dennoch sind weiterhin Islamisten in der Region aktiv, die teilweise rege Verbindungen zu terrorverd\u00e4chtigen Personen und Strukturen im Inund Ausland, besonders in \u00c4gypten, unterhalten. So wurde die bis Anfang 2006 herausgegebene Vereinszeitschrift des I.I.Z.-Ulm zuletzt in \u00c4gypten verfasst. 4. Islamistischer Terrorismus 4.1 \u00dcberblick Bedrohung durch Der Islamismus - insbesondere die Terrornetzwerke - gef\u00e4hrdet die Terrornetzwerke Innere Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands st\u00e4rker als jede andere extremistische Bestrebung. Trotz internationaler polizeilicher und milit\u00e4rischer Ma\u00dfnahmen sind die islamistischen Terrornetzwerke unver\u00e4ndert handlungsf\u00e4hig. Die Aktivit\u00e4ten Terrorverd\u00e4chtiger werden weiterhin intensiv beobachtet. Vehinderte Nach den bereits am 31. Juli 2006 gescheiterten Anschl\u00e4gen mit KofferAnschl\u00e4ge in bomben auf zwei Regionalz\u00fcge haben die Anschlagsplanungen von Deutschland Aktivisten der \"Islamischen Jihad Union\" (IJU) und deren Festnahme am 4. September in Nordrhein-Westfalen erneut sehr deutlich gemacht, dass islamistische Terroristen auch Ziele in Deutschland angreifen. Dar\u00fcber hinaus betrachten Terrororganisationen Deutschland als logistische Basis zur finanziellen Unterst\u00fctzung ihrer Aktivit\u00e4ten in ihren Heimatl\u00e4ndern. In ausl\u00e4ndischen Regionen mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung Separatistische und st\u00fctzen sich separatistische und nationalistische Bestrebungen vielfach nationalistische auf ein zweites ideologisches Standbein, n\u00e4mlich die Verbreitung des Bestrebungen Islam und die Errichtung islamischer Gottesstaaten. Dadurch erhalten diese Bestrebungen auch einen islamistischen Charakter und finden damit weltweit Unterst\u00fctzung durch islamistische Extremisten und Terroristen. Diese Vermengung von Islamismus, Separatismus und NationaVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 63 lismus ist bei Anschl\u00e4gen in Tschetschenien, in S\u00fcdostasien und - mit Einschr\u00e4nkungen - auch in Pal\u00e4stina festzustellen. 4.2 T\u00e4tertypen des Djihad Wesensmerkmal des islamistischen Terrorismus ist die gemeinsame Ideologie des Djihadismus (vgl. auch Nummer 4.3.1 dieses Abschnitts). Dagegen sind strukturelle und organisatorische Verbindungen zum al-Qaida-Netzwerk nicht unbedingt zwingend, wie die unterschiedlichen Hintergr\u00fcnde von Anschl\u00e4gen, Gruppierungen und T\u00e4tern zeigen. Als eindeutige al-Qaida-Terroristen gelten die T\u00e4ter der Anschl\u00e4ge Al-Qaidavom 11. September 2001 in den USA: Sie waren von al-Qaida ausgeTerroristen w\u00e4hlt und ausgebildet, reisten mit einem genauen Auftrag von al-Qaida - einer damals klar strukturierten Organisation - in das Zielland USA ein und ver\u00fcbten dort die Anschl\u00e4ge. Besondere Aufmerksamkeit verdient dabei die Tatsache, dass einige der Terroristen im Zielland eine Flugschulung absolvierten, die zur Ausf\u00fchrung der Tat notwendig war. Manche von ihnen hatten sich bis zum Anschlag v\u00f6llig unauff\u00e4llig verhalten und wurden als \"Schl\u00e4fer\" bezeichnet. Der Ausdruck bezeich\"Schl\u00e4fer\" nete urspr\u00fcnglich einen so genannten Perspektivagenten, etwa einen Studenten, der von einem \u00f6stlichen Nachrichtendienst angeworben wurde, jedoch erst aktiviert wurde, wenn er eine f\u00fcr den Dienst interessante berufliche T\u00e4tigkeit aus\u00fcbte. Netzwerke des so genannten \"home grown\"-Terrorismus setzen sich \"home grown\"dagegen aus scheinbar l\u00e4ngst in die Gesellschaft integrierten Personen Terrorismus zusammen. Ein typisches Beispiel hierf\u00fcr ist die Londoner Gruppe, die im Sommer 2005 die Anschl\u00e4ge auf das Londoner Verkehrsnetz ver\u00fcbte. Auch die im September in Nordrhein-Westfalen festgenommenen Aktivisten der \"Islamischen Jihad Union\" (IJU) geh\u00f6ren zu den \"home grown\"-Terroristen. Sie hatten eine Ausbildung in einem Lager der IJU in Pakistan erhalten (vgl. auch Nummer 4.5.1 dieses Abschnitts). Allerdings treffen diese beiden Typisierungen nicht auf alle Terroristen zu. Die beiden \"Kofferbomber\" etwa, deren Anschl\u00e4ge auf zwei Regionalz\u00fcge im Sommer 2006 scheiterten, kamen zu Studienzwecken nach Deutschland. Der eine war von seiner Familie mit islamistischem Gedankengut vertraut gemacht worden, auch der andere vertrat islamistische Positionen. Sie waren nicht integriert, radikalisierten sich unter dem Einfluss ihrer sozialen Situation bzw. durch Einfl\u00fcsse von au\u00dfen, insbesondere durch den weltweiten Protest gegen die im September 2005 ver\u00f6ffentlichten Mohammed-Karikaturen, und entschlosVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","64 Ausl\u00e4nderextremismus sen sich zu Anschl\u00e4gen. Technische Anleitungen f\u00fcr den Bombenbau bezogen sie aus dem Internet. 4.3 Das Terrornetzwerk um al-Qaida 4.3.1 Internationales Netzwerk und lokale Terrorgruppen Das Netzwerk arabischer Mudjahidin besteht aus teils unabh\u00e4ngig voneinander operierenden Organisationen und Zellen, in denen bei gemeinsamer Zielrichtung unterschiedliche Organisationsformen und Vorgehensweisen festzustellen sind. Seine Akteure handeln mit islamistischem Sendungsbewusstsein und nutzen ihre vielfach in Afghanistan gesammelten Erfahrungen. Zwischen diesen Organisationen kann es auch sich \u00fcberschneidende Abh\u00e4ngigkeitsund Weisungsstr\u00e4nge F\u00fchrungsrolle geben. Eine besondere F\u00fchrungsrolle innerhalb dieses Netzwerks unabder al-Qaida h\u00e4ngiger Organisationen nimmt die al-Qaida ein. Das nachfolgende Schaubild versucht, dieses Netzwerk vereinfacht darzustellen. Netzwerkstruktur des internationalen islamistischen Terrorismus AL-QAIDA als ideologische Basis sog. non-alignednational bzw. Mudjahidin regional ausgerichunabh\u00e4ngige oder lose tete Gruppen vernetzte Attent\u00e4terz.B. Zellen tschetschenische z.B. Mudjahidin Al-Tauhid AAI/AAS \"Madrid-Attent\u00e4ter\" Organisation al-Qaida Terroranschl\u00e4ge im islamischen Maghreb Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) USA ... 11.09.2001 Madrid London 11.03.2004 07.07.2005 Weltweit sind etwa 10.000 ausgebildete und kriegserfahrene Afghanistan-K\u00e4mpfer in ihre Heimatoder Zufluchtsl\u00e4nder zur\u00fcckgekehrt, wo Lokale Terrorsie sich teilweise lokalen islamistischen Gruppen angeschlossen haben. gruppen Sie genie\u00dfen dort hohes Ansehen und k\u00f6nnen als Multiplikatoren fungieren. Diese lokalen terroristischen Gruppierungen (dargestellt im rechten Bereich des Schaubilds) streben in ihren jeweiligen Heimatl\u00e4ndern durch bewaffneten Kampf die Beseitigung der dortigen - aus Sicht Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 65 der T\u00e4ter westlich-dekadenten - Gesellschaftsordnung und die Errichtung eines islamistischen Gottesstaats an. Die Ideologie von al-Qaida ist vom \"Djihadismus\" gepr\u00e4gt. Ihr Weltbild teilt die Menschheit in MusDjihad-Ideologie lime und Ungl\u00e4ubige. Pflicht der Muslime sei es, die Ungl\u00e4ubigen, wenn sie sich ihnen nicht anschlie\u00dfen, im bewaffneten Kampf zu besiegen. Zu den Ungl\u00e4ubigen z\u00e4hlen insbesondere Christen und Juden. Auch die Regierungen zahlreicher islamischer Staaten sind wegen ihrer Weigerung, die USA und Israel zu bek\u00e4mpfen und eine \"muslimische\" Ordnung einzuf\u00fchren, in den Augen von al-Qaida blo\u00dfe Marionetten der USA. Zwar ist die Errichtung eines \"islamischen Staates\" das gemeinsame Ziel, doch \u00fcber dessen konkrete Ausgestaltung gibt es nur selten Einigkeit. Feindbild ist der \"dekadente Westen\". Anschlagsziele sind dabei auch Staaten, die mit dem Westen kooperieren (vor allem Saudi-Arabien) oder Staaten, die als zu westlich gelten (z.B. die T\u00fcrkei). H\u00e4ufig ist die Ideologie das einzige Bindeglied dieser weltweit autark operierenden Gruppierungen und Zellen. Al-Qaida ist Al-Qaida als deren \"ideologische\" Basis. Dieser Umstand erleichtert auch personelle \"ideologische\" Verflechtungen. Attent\u00e4ter-Zellen im Sinn von al-Qaida bed\u00fcrfen gr\u00f6\u00dfBasis tenteils nicht des zentralen Kommandos und bekommen nachtr\u00e4glich den \"Segen\" f\u00fcr ihre oft langfristig geplanten Anschl\u00e4ge (etwa \u00fcber Audiooder Videobotschaften, die \u00fcber das Internet oder \u00fcber arabische Sender verbreitet werden). Die Legitimation f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten liefern islamistische Ideologen, h\u00e4ufig selbst ernannte Prediger, deren pers\u00f6nliche Autorit\u00e4t weder durch ihren Tod noch durch ihr Wirken aus dem Untergrund, wie z.B. bei Usama Bin Ladin, beeintr\u00e4chtigt wird. Kampfpl\u00e4tze, auf denen Mudjahidin ihr Kriegswissen erproben k\u00f6nnen, sind haupts\u00e4chlich der Irak und Afghanistan, jedoch auch Tschetschenien und Kaschmir. Der Pal\u00e4stina-Konflikt mit seiner gro\u00dfen medialen Pr\u00e4senz dient haupts\u00e4chlich der Agitation und Mobilisierung. Die Zerschlagung der afghanischen Zentrale und die Verhaftung oder T\u00f6tung zahlreicher Mitglieder aus der alten F\u00fchrungsriege haben zwar den Kern von al-Qaida vor\u00fcbergehend geschw\u00e4cht, das flexible Netzwerk jedoch nicht besiegt. Einerseits gibt es eine Vielzahl kleinerer Organisationen, die mit al-Qaida teilweise eher lose verbunden sind und nur bei besonderen Ereignissen \u00f6ffentliches Interesse erfahren. Dies gilt etwa f\u00fcr die \"Islamische Jihad Union\" (IJU), die die am 4. September in Nordrhein-Westfalen festgenommen Aktivisten ausbildete und mit Terrorauftr\u00e4gen nach Deutschland schickte (vgl. auch Nummer 4.5.1 dieses Abschnitts). Daneben gibt es auch gro\u00dfe schlagkr\u00e4ftige Organisationen, die eng in das al-Qaida-Netzwerk eingebunden sind. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","66 Ausl\u00e4nderextremismus 4.3.2 Ansar al-Islam/Ansar al-Sunna (AAI/AAS) Unter den Mudjahidin, die sich in den 90er Jahren in Afghanistan aufhielten und in Trainingslagern milit\u00e4risch ausgebildet wurden, befanden sich auch kurdische Islamisten, die 2001 an der Gr\u00fcndung der Ansar al-Islam (AAI, \"Unterst\u00fctzer des Islam\") - zeitweise auch Ansar al-Sunna (AAS, \"Unterst\u00fctzer der Sunna\") - beteiligt waren. Sie kn\u00fcpften Kontakte zu al-Qaida, die auch nach der R\u00fcckkehr aus Afghanistan bestehen blieben. Der AAI/AAS gelang es, 2001 ein Taliban-\u00e4hnliches Islamistische Regime in einem kleinen Teil des irakischen Kurdengebiets zu errichten. KurdenorganisaDer Iraker Mullah Krekar, \u00fcbernahm die F\u00fchrung. Krekar scheint keine tion aus dem F\u00fchrungsrolle mehr zu spielen, d\u00fcrfte aber weiterhin als spirituelle LeitNordirak figur wirken. Als Nachfolger Krekars gilt sein fr\u00fcherer Stellvertreter Abu Adullah al-Shafi. Nach der US-Intervention in Afghanistan nahm die AAI/AAS K\u00e4mpfer von Usama Bin Ladin auf und unterst\u00fctzte sie. Inzwischen ist die AAI/AAS durch ihr Zusammenwirken mit der al-Qaida im Irak Bestandteil des internationalen Terrornetzwerks. Sie ist f\u00fcr eine Vielzahl von TerTerroranschl\u00e4ge roranschl\u00e4gen im Irak mit Hunderten von Toten und Verletzten verantim Irak wortlich. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen stufte sie deshalb am 24. Februar 2003 als terroristische Vereinigung ein. In Europa gibt es Anh\u00e4nger in Skandinavien, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und in den Niederlanden. In Bayern sind u.a. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Augsburg etwa 45 Anh\u00e4nger bekannt, die die Organisation durch Beschaffung von Geld unterst\u00fctzen; deutschlandweit umfasst die Gruppierung etwa 100 Anh\u00e4nger. Seit Kriegsende reisten auch mehrere Mitglieder aus Bayern in den Irak; ein Teil von ihnen ist zwischenzeitlich wieder nach Bayern zur\u00fcckgekehrt. InsgeStarker R\u00fcckgang samt sind die Aktivit\u00e4ten der AAI/AAS-Anh\u00e4nger in Bayern stark zur\u00fcckder Aktivit\u00e4ten gegangen, da die Szene durch zahlreiche Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsin Bayern beh\u00f6rden in den letzten Jahren erheblich geschw\u00e4cht worden ist. So verurteilte das Oberlandesgericht M\u00fcnchen im Juli 2007 zwei AAI-Anh\u00e4nger u.a. wegen Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Gruppierung AAI zu Haftstrafen von f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten beziehungsweise drei Jahren und drei Monaten (vgl. auch Nummer 1.4 dieses Abschnitts). 4.3.3 Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb Die \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC, \"Salafiyya-Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf\"), die im September 2006 der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 67 al-Qaida beigetreten war, benannte sich am 24. Januar in \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\" um. Die ausdr\u00fcckliche Erw\u00e4hnung des Maghreb-Bereichs signalisiert den Anspruch auf alleinige Vertretung der al-Qaida in der Region Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen. Zudem verbindet die \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\" mit der Namens\u00e4nderung die Erwartung, K\u00e4mpfer und Unterst\u00fctzer anderer maghrebinischer Gruppierungen zu rekrutieren. In Algerien haben Attentate gegen Regierungseinrichtungen und SicherZunahme von heitspersonal seit dem Anschluss der fr\u00fcheren GSPC an die al-Qaida Attentaten in deutlich zugenommen. Einen der schwersten Anschl\u00e4ge ver\u00fcbte die Algerien Gruppierung am 11. April in der algerischen Hauptstadt Algier (vgl. auch Nummer 4.5.5 dieses Abschnitts). Die \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\" hat sich bisher nicht zu terroristischen Aktivit\u00e4ten au\u00dferhalb Algeriens bekannt. Ein Organisationsaufbau in Deutschland ist nicht erkennbar. 4.3.4 Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) Am 3. November gab Bin Ladin-Stellvertreter Dr. Ayman al-Zawahiri auf einer islamistischen Website den Anschluss der in Libyen k\u00e4mpfenden islamistischen \"Groupe Islamique Combattant Libyen\" (GICL) - besser bekannt unter ihrer englischen Bezeichnung \"Libyan Islamic Fighting Anschluss an das Group\" (LIFG) - an das al-Qaida-Netzwerk bekannt. Im zweiten Teil der al-Qaida-Netzwerk Tonbandaufnahme best\u00e4tigte Abu Laith al-Libi, LIFG-Emir und hochrangiges al-Qaida-Mitglied, den Beitritt zur al-Qaida und die Anerkennung Usama Bin Ladins als obersten F\u00fchrer. Der offizielle Anschluss der LIFG an die al-Qaida-Organisation war aufgrund der engen personellen wie ideologischen Verflechtung erwartet worden, eine Umbenennung der Organisation folgte bisher nicht. Die LIFG wurde Anfang der neunziger Jahre gegr\u00fcndet. Die Mehrzahl der auf einige Hundert gesch\u00e4tzten Mitglieder rekrutiert sich aus ehemaligen Afghanistank\u00e4mpfern. Auch libysche Regimegegner schlossen sich der LIFG an. Ziel der LIFG ist die Amtsenthebung des libyschen Staatspr\u00e4sidenten Muammar Gaddafi, verbunden mit der gleichzeitigen Aufl\u00f6sung des weltlichen Regimes und der Errichtung einer islamisch gepr\u00e4gten Staatsherrschaft. Eine nicht unerhebliche Anzahl von Mitgliedern soll sich in Europa aufhalten, eine Exilstruktur der LIFG in Deutschland ist nicht erkennbar. 4.4 Botschaften und Drohungen In zahlreichen Erkl\u00e4rungen des Terrornetzwerks al-Qaida und seiner Repr\u00e4sentanten wurden wie in der Vergangenheit Terroranschl\u00e4ge und Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","68 Ausl\u00e4nderextremismus der \"Heilige Krieg gegen den Westen\" propagiert und gerechtfertigt. Auch Deutschland war Gegenstand mehrer Drohvideos. W\u00e4hrend der Stellvertreter Usama Bin Ladins, Dr. Ayman al-Zawahiri, w\u00e4hrend des ganzen Jahres \u00fcber Internet-Auftritte pr\u00e4sent war, trat Usama Bin Ladin Usama Bin Ladin erst in der zweiten Jahresh\u00e4lfte an die \u00d6ffentlichkeit. Mit \u00c4u\u00dferungen zu aktuellen Themen wollte er unter Beweis stellen, dass er noch am Leben ist. Er rief mehrfach zum bewaffneten Djihad und zur Einheit aller K\u00e4mpfer auf. Beispielsweise wandte er sich auch in einer Ende November zun\u00e4chst vom arabischen Fernsehsender al-Djazira ausgestrahlten und in verschiedenen Internet-Foren eingestellten Videobotschaft direkt an die Europ\u00e4er und forderte den Abzug der Truppen aus Afghanistan. Die Erkl\u00e4rung war mit englischen und deutschen Untertiteln versehen. Dies k\u00f6nnte darin begr\u00fcndet sein, dass Deutschland ein gro\u00dfes Truppenkontingent der ISAF stellt. In der Botschaft wird Deutschland nicht explizit erw\u00e4hnt. Es wurde weder eine direkte Drohung gegen Europa noch eine konkrete Ank\u00fcndigung von Anschl\u00e4gen ausgesprochen. Ferner \u00fcbernahm Bin Ladin nochmals ausdr\u00fccklich die Verantwortung f\u00fcr die Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 in den USA. Drohung der Am 10. M\u00e4rz verbreitete die deutschsprachige \"Global Islamic Media GIMF gegen Front\" (GIMF) auf ihrer Homepage eine Videobotschaft, die direkt an Deutschland die Regierungen Deutschlands und \u00d6sterreichs gerichtet war. Beide L\u00e4nder wurden aufgefordert, zum eigenen Schutz ihre Soldaten vor allem aus Afghanistan abzuziehen. Ein privater Fernsehsender sendete am 6. November im Zusammenhang mit einem Bericht \u00fcber die GIMF ein Interview mit einem Repr\u00e4sentanten der deutschsprachigen GIMF. Dieser bef\u00fcrwortete in dem Interview u.a. eine Beteiligung am Djihad und an Anschl\u00e4gen gegen deutsche Soldaten in Afghanistan und Deutschland. Am 19. Juni berichtete der US-Fernsehsenders ABC von einem Video, demzufolge die Taliban mit Selbstmordanschl\u00e4gen in den Herkunftsl\u00e4ndern der in Afghanistan stationierten westlichen Truppen drohen. Genannt wurden die USA, Kanada, Gro\u00dfbritannien und Deutschland. Erneute Drohung Mitte November stellte die GIMF erneut ein Video ins Internet, in dem Deutschland und \u00d6sterreich wiederum aufgefordert wurden, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, da sie ansonsten um die Sicherheit in ihren L\u00e4nder f\u00fcrchten m\u00fcssten. Au\u00dferdem wurde die Freilassung der am 12. September in \u00d6sterreich festgenommenen mutma\u00dflichen GIMF-Mitglieder gefordert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 69 4.5 Terroranschl\u00e4ge und Anschlagsplanungen Im Jahr 2007 zeigten insbesondere die vereitelten Anschlagspl\u00e4ne der \"Islamischen Jihad Union\" (IJU), dass Deutschland wie andere Teile der westlichen Welt vom Terror konkret bedroht ist. Weltweit setzten Anh\u00e4nger des islamistischen Terrors ihre Gewaltakte fort. 4.5.1 Deutschland Am 4. September wurden nach umfangreichen nachrichtendienstlichen Festnahme von Vorermittlungen in einer gemeinsamen Polizeiaktion des BundeskrimiIJU-Aktivisten nalamts, der Bundespolizei und der L\u00e4nderpolizeien drei Aktivisten einer Zelle der islamischen terroristischen Vereinigung \"Islamische Jihad Union\" (IJU) in Medebach-Oberschlehdorn/Nordrhein-Westfalen festgenommen. Bei der IJU handelt es sich um eine usbekische Organisation, die im Usbekische M\u00e4rz 2002 von ehemaligen Mitgliedern der \"Islamischen Bewegung Organisation mit Usbekistan\" (IBU) gegr\u00fcndet worden ist. Die IJU gilt als unabh\u00e4ngige Verbindungen zur Gruppierung, jedoch mit engen Verbindungen zur al-Qaida. Die Grupal-Qaida pierung verfolgte zun\u00e4chst regionale Ziele, hat jedoch ihre Aktivit\u00e4ten auf den weltweiten Djihad erweitert. Die IJU hat ihre Handlungsf\u00e4higkeit mit Bomben-Anschl\u00e4gen gegen die amerikanische und israelische Botschaft in Taschkent/Usbekistan vom 30. Juli 2004 und weiteren Anschl\u00e4gen gegen den usbekischen Staat unter Beweis gestellt. Die in Deutschland Festgenommen hatten sich im frei zug\u00e4nglichen Handel eine gro\u00dfe Menge Wasserstoffperoxid, weiteres Material zur Herstellung von Sprengstoff und milit\u00e4rische Z\u00fcnder beschafft. Das vorhandene Material h\u00e4tte ausgereicht, um Sprengs\u00e4tze zu konstruieren, die eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Sprengwirkung entfaltet h\u00e4tten als die bei den Anschl\u00e4gen in Madrid und London eingesetzten Sprengs\u00e4tze. Kenntnisse zum Bau von Sprengvorrichtungen hatten die mutma\u00dflichen Attent\u00e4ter insbesondere in den Ausbildungslagern der IJU in Pakistan erhalten. Polizeiliche Ermittlungen ergaben, dass die T\u00e4ter bevorzugt amerikanische Einrichtungen oder auch Flugh\u00e4fen als m\u00f6gliche Ziele im Visier hatten. Ein T\u00e4ter hatte zusammen mit zwei mutma\u00dflichen Helfern in der Sylvesternacht 2006/2007 eine amerikanische Kaserne im hessischen Hanau-Lamboy ausgesp\u00e4ht. Bei den Ermittlungen wurde deutlich, dass die T\u00e4ter ernsthaft bem\u00fcht waren, mehrere vermutlich simultane AnPlanung von schl\u00e4ge in Deutschland zu ver\u00fcben und dabei m\u00f6glichst hohen Personensimultanen und Sachschaden anzurichten. Ein regionaler Schwerpunkt der ErmittAnschl\u00e4gen lungen war neben dem Saarland und Hessen der Raum Ulm/Neu-Ulm. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","70 Ausl\u00e4nderextremismus 4.5.2 Europa Gescheiterte AutoEnde Juni scheiterten in Gro\u00dfbritannien drei Autobombenanschl\u00e4ge. bombenanschl\u00e4ge Am 29. Juni konnten Spezialisten der Londoner Polizei in zwei Fahrzeuin Gro\u00dfbritannien gen funktionst\u00fcchtige Sprengs\u00e4tze entsch\u00e4rfen. Am 30. Juni versuchten zwei Personen, mit einem Gel\u00e4ndewagen in den Eingangsbereich der Abfertigungshalle des Flughafens Glasgow einzufahren. Das Fahrzeug ging in Flammen auf. Beide Fahrzeuginsassen wurden festgenommen, einer von ihnen starb Wochen sp\u00e4ter an seinen Brandverletzungen. 4.5.3 Irak Trotz internationaler Bem\u00fchungen gilt der Irak weiterhin als der Staat Hohes mit dem h\u00f6chsten Anschlagsrisiko. Obwohl zunehmend die Zivilbev\u00f6lAnschlagsrisiko kerung in Mitleidenschaft gezogen wird, sind irakische Sicherheitskr\u00e4fte und Regierungsmitglieder besonders gef\u00e4hrdet. So wurde am 12. April in Bagdads streng bewachtem Regierungsviertel, der \"Gr\u00fcnen Zone\", ein Anschlag in der Parlamentscafeteria ver\u00fcbt, bei dem acht Menschen starben. Auch f\u00fcr westliche Kr\u00e4fte - unabh\u00e4ngig von ihrem Auftrag und ihrer staatlichen Anbindung - gilt ein hohes Anschlagsund Entf\u00fchrungsrisiko. So wurden am 6. Februar in Bagdad eine deutsche Frau und ihr Verschleppung 20-j\u00e4hriger Sohn verschleppt. W\u00e4hrend die Mutter, die mit einem irakivon Deutschen schen Arzt verheiratet ist, am 10. Juli freigelassen wurde, befindet sich ihr Sohn noch immer in der Gewalt der Entf\u00fchrer. 4.5.4 Afghanistan Versch\u00e4rfung der Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich - insbesondere in der s\u00fcdSicherheitslage lichen Region des Landes - weiterhin verschlechtert. Die Zahl der Anschl\u00e4ge, die sich vor allem gegen Kr\u00e4fte und Einrichtungen der ISAF-Einheiten richten, ist deutlich gestiegen. Auch deutsche Kr\u00e4fte und Einrichtungen waren Ziel mehrerer Anschl\u00e4ge. So wurde am 8. M\u00e4rz in einer nordafghanischen Provinz ein deutscher Entwicklungshelfer der Welthungerhilfe erschossen. Anschlag auf Am 19. Mai wurden im Kunduz bei einem Selbstmordattentat auf eine deutsche Soldaten Patrouille drei deutsche Bundeswehrsoldaten get\u00f6tet und mehrere Solund Polizisten daten zum Teil schwer verletzt. Auch afghanische Zivilisten kamen bei dem Anschlag ums Leben. Am selben Tag bekannten sich die Taliban zu dem Anschlag. Am 15. August kamen bei einem Bombenattentat in der N\u00e4he von Kabul drei deutsche Polizeibeamte ums Leben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 71 Am 18. Juli wurden zwei deutsche Bauingenieure zusammen mit f\u00fcnf Entf\u00fchrung afghanischen Kollegen von den Taliban entf\u00fchrt. Einer der beiden entdeutscher f\u00fchrten Deutschen wurde am 21. Juli erschossen aufgefunden. Am 10. OkIngenieure tober kam der zweite Deutsche aus der Geiselhaft frei. 4.5.5 Weitere Anschl\u00e4ge Am 11. April wurden bei zwei Anschl\u00e4gen in der algerischen HauptAlgier stadt Algier, u.a. vor dem Regierungsgeb\u00e4ude des Ministerpr\u00e4sidenten, \u00fcber 30 Menschen get\u00f6tet und mehr als 100 verletzt. Zu den Anschl\u00e4gen bekannte sich die \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\". Am 2. Juli wurde in der jemenitischen Stadt Marib ein SelbstmordAnschlag auf anschlag auf eine spanische Touristengruppe ver\u00fcbt. Der T\u00e4ter brachte Touristen im einen mit Gasflaschen gef\u00fcllten Pick-up neben dem Autokonvoi der Jemen Touristengruppe zur Explosion. Bei dem Anschlag kamen sieben spanische Touristen sowie zwei jemenitische Fahrer ums Leben. Sechs weitere Personen wurden verletzt. Die jemenitische Regierung rechnet den Anschlag Personen mit einem al-Qaida-Hintergrund zu. Am 21. September ver\u00fcbte die \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\" nahe der algerischen Stadt Lakhdaria einen SelbstmordAlgerien anschlag auf einen Mitarbeiter-Konvoi einer franz\u00f6sischen Baufirma. Zwei Franzosen, ein Italiener sowie sechs Algerier wurden dabei zum Teil schwer verletzt. Erst zwei Tage vor dem Anschlag hatte der Stellvertreter Usama Bin Ladins, Dr. Ayman al-Zawahiri, dazu aufgerufen, die Maghreb-Staaten von Franzosen und Spaniern zu befreien. 4.6 Ausblick Vor allem die Festnahme islamistischer Terroristen in Nordrhein-Westfalen am 4. September hat erneut zwei Aspekte verdeutlicht. Zum einen ist Deutschland konkretes Anschlagsziel islamistischer Terroristen; Deutschland als zum anderen besteht die besondere Gef\u00e4hrlichkeit des Terrornetzwerks Anschlagsziel al-Qaida noch st\u00e4rker als bisher in seiner Eigenschaft als Inbegriff des \"globalisierten Djihad\" f\u00fcr kampfbereite Islamisten. Diese Ideologie des \"Djihadismus\" wird von lokalen Gruppierungen als Rechtfertigung f\u00fcr eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig geplante Terrorakte herangezogen. Moderne Medien - vor allem das Internet - werden intensiv f\u00fcr Propagandaund Informationsaustausch genutzt. Auf die Entwicklungen im internationalen Terrorismus haben die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden vor allem mit einer Intensivierung der ZuVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","72 Ausl\u00e4nderextremismus Gemeinsames sammenarbeit reagiert, so etwa mit der Errichtung des Gemeinsamen TerrorismusTerrorismusabwehrzentrums von Polizei und Nachrichtendiensten in abwehrzentrum Berlin und der Schaffung einer gemeinsamen Antiterrordatei von Polizei und Verfassungsschutz. Islamistische Terrornetzwerke werden auch k\u00fcnftig die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Inneren Sicherheit darstellen. 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 11.500 1.800 Vorsitzender: Z\u00fcbeyir Aydar Kurd. Volksf\u00fchrer: Abdullah \u00d6calan Leitung: F\u00fchrungsfunktion\u00e4re der \"Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa\"(CDK) (in Abh\u00e4ngigkeit vom Vorsitzenden des KONGRA GEL, dem kurdischen Volksf\u00fchrer Abdullah \u00d6calan und dem Exekutivkomitee des KONGRA GEL) Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) In Deutschland seit 26. November 1993 verboten Der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) ist identisch mit der mehrfach umbenannten, in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die PKK hatte sich im April 2002 in Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) umbenannt. Weder bei dieser Umbenennung noch bei der Namens\u00e4nderung am 15. November 2003 in KONGRA GEL gab es wesentliche Ver\u00e4nderungen in Organisation, Struktur und Ideologie. Das gegen die PKK erlassene vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot aus dem Jahr 1993 erstreckt sich deshalb auch auf den KONGRA GEL. Der Rat der Europ\u00e4ischen Union hat am 2. April 2004 EU-Terrorliste den KONGRA GEL und seine Vorg\u00e4ngerorganisation KADEK - wie bereits fr\u00fcher die PKK - als Terrororganisation eingestuft. Der Bundesgerichtshof stellte am 21. Oktober 2004 fest, dass die F\u00fchrungsspitze des KONGRA GEL auch weiterhin als kriminelle Vereinigung einzustufen ist. 5.1.1 Allgemeines Der KONGRA GEL ist eine gut organisierte, straff gef\u00fchrte, urspr\u00fcnglich marxistisch-leninistisch gepr\u00e4gte Kaderorganisation, deren Ziele aus Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 73 einer Mischung von sozialistischem und nationalistischem Gedankengut bestehen. Im Mittelpunkt stand \u00fcber zwei Jahrzehnte der aktive \"revolution\u00e4re Kampf\" f\u00fcr ein freies und unabh\u00e4ngiges Kurdistan. Nach der Festnahme des damaligen PKK-F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan im Jahr 1999 kam es zu einer taktisch bedingten M\u00e4\u00dfigung. Die Organisation verzichtete auf ihr urspr\u00fcngliches Ziel, durch bewaffneten Kampf einen eigenen kurdischen Staat durchzusetzen. Nach Aufk\u00fcndigung des \"Friedenskurses\" durch den KONGRA GEL zum 1. Juni 2004 haben die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) - den Guerillaeinheiten des KONGRA GEL - und t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften wieder zugenommen. Im Oktober 2007 hat sich der Konflikt zwischen dem KONGRA GEL und der t\u00fcrkischen Regierung versch\u00e4rft, nachdem bei Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen der t\u00fcrkischen Armee und den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) im Grenzgebiet zum Irak vermehrt t\u00fcrkische Soldaten ums Leben gekommen waren. Der KONGRA GEL beansprucht im Kampf der Kurden die F\u00fchrungsrolle, Anspruch auf was seit den 90er Jahren wiederholt zu teilweise milit\u00e4risch gef\u00fchrten F\u00fchrungsrolle im Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Organisationen f\u00fchrte. Der Kampf der Kurden KONGRA GEL versteht sich auch als die alleinige Vertretung der in Deutschland lebenden rund 500.000 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, obwohl sich nur etwa 10 % dieser Volksgruppe zum KONGRA GEL bekennen. Abdullah \u00d6calan wurde in der Satzung des KONGRA GEL erstmals als kurdischer Volksf\u00fchrer bezeichnet. Vorsitzender des KONGRA GEL ist der ehemalige F\u00fchrungsfunktion\u00e4r des KONGRA GEL-dominierten \"Kurdischen Nationalkongresses\" (KNK), Z\u00fcbeyir Aydar. Die hauptamtlichen Kader des KONGRA GEL leben \u00e4u\u00dferst konspirativ Konspirative an h\u00e4ufig wechselnden Orten. Die KONGRA GEL-Anh\u00e4ngerschaft ist in Bet\u00e4tigung zahlreichen, der \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM) angegliederten \u00f6rtlichen Vereinen organisiert. Diese Vereine, die sich nach au\u00dfen als reine Kulturvereine darstellen, haben die Aufgabe, Ziele und Politik des KONGRA GEL unter den Anh\u00e4ngern zu verbreiten und zu f\u00f6rdern. Dar\u00fcber hinaus bedient sich der KONGRA GEL zahlreicher vom Bet\u00e4tigungsverbot nicht erfasster Nebenorganisationen (\"Y-Gruppen\"), die verschiedene Zielgruppen innerhalb der kurdischen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den KONGRA GEL gewinnen sollen. Der KONGRA GEL finanziert sich aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf Finanzierung von Publikationen und den Einnahmen aus Veranstaltungen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil der Einnahmen erbringt die jeweils von September bis Januar Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","74 Ausl\u00e4nderextremismus durchgef\u00fchrte Spendenkampagne. Es gibt Hinweise, dass der KONGRA GEL auch vom Rauschgifthandel profitiert, indem er beispielsweise kurdische Drogenh\u00e4ndler absch\u00f6pft. Der KONGRA GEL bem\u00fcht sich weiterhin, \u00fcber den \"Internationalen Kurdischen Arbeitgeberverband\" (KARSAZ) das Wirtschaftspotenzial der in Europa lebenden Kurden zu kontrollieren. KARSAZ unterh\u00e4lt Niederlassungen in Frankfurt am Main und in Berlin. PropagandaEin wichtiges Propagandamedium ist der KONGRA GEL-nahe Fernsehmedien sender ROJ TV, der vom KONGRA GEL als Plattform zur Darstellung seiner politischen Ziele genutzt wird. Die Beitr\u00e4ge gleichen in wesentlichen Punkten der Berichterstattung seines Vorg\u00e4ngers MEDYA-TV. Als weiteres Agitationsinstrument dient dem KONGRA GEL die t\u00fcrkischsprachige Tageszeitung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (\"Neue Freie Politik\"), in der f\u00fchrende KONGRA GEL-Funktion\u00e4re regelm\u00e4\u00dfig Stellungnahmen publizieren. Die Zeitschrift wird allerdings nicht unmittelbar vom KONGRA GEL bzw. einer seiner Teiloder Nebenorganisationen herausgegeben. Sie versucht, als Nachfolgepublikation der \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" im Sinn des KONGRA GEL Einfluss auf die Politik im Mittleren Osten und besonders in den kurdischen Siedlungsgebieten zu nehmen. Der KONGRA GEL ist mit einer eigenen Homepage im Internet pr\u00e4sent, deren Inhalte in deutscher, englischer, kurdischer und t\u00fcrkischer Sprache abgerufen werden k\u00f6nnen. Auch die \"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" des KONGRA GEL unterhalten eine eigene Internet-Seite in t\u00fcrkischer und kurdischer Sprache mit aktuellen Informationen \u00fcber die HPG. \"Neue PKK\" Im April 2005 wurde die Gr\u00fcndung der \"neuen PKK\" verk\u00fcndet, die sich als politische und vor allem ideologische Avantgarde betrachtet und sich durch eine besondere N\u00e4he zu Abdullah \u00d6calan auszeichnet. Laut Satzung ist sie eine Teilorganisation des KONGRA GEL, ihre tats\u00e4chlichen Aufgaben und Ziele sind jedoch nach wie vor unklar. Die \"neue PKK\" lehnt nach eigenen Angaben Gewalt grunds\u00e4tzlich ab, beh\u00e4lt sich aber weiterhin das Recht auf \"legitime Selbstverteidigung\" vor. Gegenw\u00e4rtig gibt es keine Anhaltspunkte f\u00fcr einen Strategiewechsel. In Bayern wurden bisher keine Aktivit\u00e4ten der \"neuen PKK\" festgestellt. Aus der Jugendorganisation KOMALEN-CIWAN, die die Zeitschrift \"CIWANEN AZAD\" (\"Freie Jugendliche\") herausgibt, rekrutiert sich ein Teil der Guerilla des KONGRA GEL. Dabei wurden in der Vergangenheit Jugendliche auch gegen den Willen ihrer Eltern zwangsverpflichtet und in Ausbildungslagern im benachbarten Ausland geschult, bevor sie zum Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 75 Kampfeinsatz in die T\u00fcrkei geschleust wurden. Aus einer weiteren JugendJugendorganisation des KONGRA GEL, der \"Demokratischen Jugend\" organisation (Demokratik Genclik - DEM-GENC) sollen die k\u00fcnftigen KOMALENCIWAN-Funktion\u00e4re gewonnen werden. In Bayern wurden bislang keine Aktivit\u00e4ten der DEM-GENC festgestellt. Die \"Freiheitsfalken Kurdistans\" (\"Teyrebazen Azadiya Kurdistan\" - TAK) Freiheitsfalken wurden erstmals im Juli 2004 bekannt. Sie sind nach eigenen Angaben Kurdistans (TAK) aus den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) des KONGRA GEL hervorgegangen. In einer Erkl\u00e4rung vom 14. April 2006 stellten die TAK fest, dass sie sich vom KONGRA GEL getrennt haben, da ihnen sowohl der KONGRA GEL als auch die\"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" (HPG) als zu schwach erschienen seien. Die TAK begannen 2006 eine Serie von Sprengstoffanschl\u00e4gen vor Anschl\u00e4ge auf allem gegen touristische Ziele in der T\u00fcrkei und setzten diese im Jahr touristische Ziele 2007 fort. Dabei wurden mehrere Personen get\u00f6tet und zahlreiche verletzt. Die TAK warnten wiederholt vor Reisen in die t\u00fcrkischen Tourismuszentren und drohten mit weiteren Anschl\u00e4gen. Auf ihrer Internet-Seite ver\u00f6ffentlichten die TAK 2006 eine Anleitung zur Herstellung von Sprengs\u00e4tzen f\u00fcr Selbstmordattent\u00e4ter. Dar\u00fcber hinaus sind Ziele f\u00fcr Bombenanschl\u00e4ge und Sabotageakte in der T\u00fcrkei aufgelistet. Im Zusammenhang mit Exekutivma\u00dfnahmen franz\u00f6sischer und belgischer Sicherheitsbeh\u00f6rden im Februar 2007 drohten die TAK erstmals explizit mit Anschl\u00e4gen gegen europ\u00e4ische Touristen in der T\u00fcrkei. Strukturen bzw. Aktivit\u00e4ten der TAK in Bayern konnten bislang nicht festgestellt werden. Im Mai fand die 5. Vollversammlung des KONGRA GEL im Nordirak statt. Dabei wurde die Umbenennung des Konzepts von Abdullah \u00d6calan \"Koma Komalen Kurdistan\" (KKK - \"Union der kurdischen GemeinKoma Civaken schaften\") in \"Koma Civaken Kurdistan\" (KCK - \"Gemeinschaft der Kurdistan (KCK) R\u00e4te Kurdistans\") beschlossen. Zum Vorsitzenden des 30-k\u00f6pfigen KCK-Exekutivrats wurde der F\u00fchrungsfunktion\u00e4r Murat Karayilan gew\u00e4hlt. Im Mittelpunkt der KCK steht das Prinzip des Demokratischen Konf\u00f6deralismus. Gemeint ist damit ein f\u00f6deraler Verbund der kurdischen Siedlungsgebiete in der T\u00fcrkei, Syrien, im Iran und Irak unter Achtung der bestehenden staatlichen Grenzen. Dieses Konzept, welches eine neue gesellschaftliche Ordnung innerhalb aller kurdischen Siedlungsgebiete vorsieht, ist mangels Akzeptanz durch die betroffenen Staaten von einer Umsetzung weit entfernt. Zum Abschluss des Kongresses wurde Z\u00fcbeyir Aydar von den Delegierten als Vorsitzender des KONGRA GEL wiedergew\u00e4hlt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","76 Ausl\u00e4nderextremismus Im Grenzgebiet zwischen der T\u00fcrkei und dem Irak kam es Ende Oktober zu erneuten heftigen Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischem MiliK\u00e4mpfe der t\u00e4r und PKK-Rebellen, bei der PKK-Guerillas mehrere t\u00fcrkische Soldaten PKK-Rebellen t\u00f6teten, verwundeten oder als Geiseln nahmen. Das t\u00fcrkische Parlament erteilte der Regierung daraufhin am 17. Oktober die Erlaubnis f\u00fcr grenz\u00fcberschreitende Milit\u00e4rschl\u00e4ge gegen die vom KONGRA GEL bzw. der von der PKK unterhaltenen Guerillaeinheiten, die sich zum Teil im Nordirak aufhalten. Der KONGRA GEL hat diese Entscheidung scharf kritisiert und seine Anh\u00e4nger in und au\u00dferhalb der T\u00fcrkei zu Reaktionen aufgefordert. Die KONGRA GEL-Jugendorganisation KOMALEN-CIWAN hat in einer Erkl\u00e4rung vom 25. Oktober die kurdischen Jugendlichen aufgerufen, sich der Guerilla anzuschlie\u00dfen und \u00fcberall, wo Kurden leben, die \"legitime Selbstverteidigung\" auszu\u00fcben. Die T\u00fcrkei zog Truppen an der Grenze zum Irak zusammen. Am 16. Dezember griff die t\u00fcrkische Luftwaffe Stellungen der Guerilla im Nordirak an. 5.1.2 Aktivit\u00e4ten und Exekutivma\u00dfnahmen Trotz des in Deutschland seit 1993 geltenden vereinsrechtlichen Bet\u00e4tigungsverbots gibt es weiterhin Aktivit\u00e4ten von KONGRA GEL-Anh\u00e4ngern. Ein Nachweis, dass deren Bet\u00e4tigung der Organisation zuzurechnen ist, l\u00e4sst sich jedoch oft nur schwer f\u00fchren. Offen wahrnehmbar sind Aktivit\u00e4ten der kurdischst\u00e4mmigen Bev\u00f6lkerung insbesondere in der Kulturund Brauchtumspflege, z.B. dem allj\u00e4hrlichen kurdischen Neujahrsfest Newroz, und bei der Wahrnehmung ihrer Rechte als kulturelle Minderheit. Sympathie f\u00fcr die PKK und ihre Nachfolgeorganisationen kann den Kurden zu einem gewissen Teil unterstellt werden. Eine Handhabe f\u00fcr beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahmen bietet sich aber nur, wenn eine konkrete Unterst\u00fctzung der PKK nachweisbar ist, d.h. wenn beispielsweise verbotene Symbole zum Einsatz kommen, relevante Unterst\u00fctzung etwa durch Spendengelder nachgewiesen werden kann oder klare organisatorische Strukturen aufgedeckt werden k\u00f6nnen. Auf die Aufdeckung solcher Aktivit\u00e4ten ist auch das Augenmerk der Sicherheitsbeh\u00f6rden gerichtet. Auch wenn in der Gesamtschau der Eindruck entsteht, dass die Anh\u00e4nger des KONGRA GEL im Jahr 2007 sehr aktiv waren, kann man nicht von einem Wiedererstarken der PKK bzw. des KONGRA GEL ausgehen. Eine erhebliche Zunahme der Anh\u00e4ngerschaft bzw. der demonstrativen Aktionen der Organisation konnte weder f\u00fcr Bayern noch f\u00fcr Deutschland festgestellt werden. Die in j\u00fcngster Vergangenheit erfolgten Durchsuchungsund Festnahmeaktionen d\u00fcrften Verunsicherung die Organisation nicht unerheblich verunsichert, mitunter auch geder Organisation schw\u00e4cht haben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 77 Anl\u00e4sslich von Durchsuchungen in mehreren s\u00fcddeutschen Bundesl\u00e4nDurchsuchungen dern am 10. Januar und der Verhaftung eines F\u00fchrungsfunktion\u00e4rs und Reaktionen demonstrierten Anh\u00e4nger des KONGRA GEL am 20. Januar in mehreren deutschen St\u00e4dten gegen die \"Kriminalisierung der Kurden in Deutschland\". In diesem Zusammenhang rief die CDK, der politische Arm des KONGRA GEL, alle in Europa lebenden Kurden zu einem nicht n\u00e4her erl\u00e4uterten Boykott deutscher Waren und Produkte auf. Aus Anlass des 8. Jahrestags der Festnahme Abdullah \u00d6calans am 15. Februar 1999 in Nairobi/Kenia demonstrierten Anh\u00e4nger des KONGRA GEL am 10. Februar in Stra\u00dfburg unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6CALAN - Eine demokratische L\u00f6sung f\u00fcr die Kurdenfrage\". Unter den 12.000 Teilnehmern befanden sich auch etwa 180 Personen aus Bayern. Im Zusammenhang mit diesem Jahrestag und den Exekutivma\u00dfnahmen am 10. Januar in Deutschland sowie am 5. Februar in Frankreich gegen Funktion\u00e4re und Einrichtungen des KONGRA GEL kam es europaweit zu Gewaltt\u00e4tige gewaltt\u00e4tigen Protestaktionen kurdischer Jugendlicher. In Deutschland Protestaktionen wurde eine Serie von Brandanschl\u00e4gen ver\u00fcbt, die der KONGRA GEL-Jugendorganisation KOMALEN-CIWAN zuzurechnen ist. Bayern war davon nicht betroffen. Im Rahmen der europaweiten, teilweise gewaltt\u00e4tigen Protestaktionen gegen eine angebliche Vergiftung \u00d6calans f\u00fchrten Anh\u00e4nger des KONGRA GEL am 3. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg eine Demonstration mit 250 Teilnehmern durch. Aus demselben Anlass traten KONGRA GEL-Anh\u00e4nger in Stra\u00dfburg vom 11. April bis zum 19. Mai in einen Hungerstreik. Eingeleitet wurde die Protestaktion durch eine Kundgebung vor dem Geb\u00e4ude des Europarats, an der etwa 200 Personen teilnahmen. Ebenfalls in diesem Zusammenhang kamen am 12. Mai rund 15.000 KONGRA GEL-Anh\u00e4nger aus ganz Europa zu einer Gro\u00dfdemonstration Gro\u00dfdemonstration in Stra\u00dfburg zusammen. in Stra\u00dfburg An einer Feier zum kurdischen Neujahrsfest Newroz am 17. M\u00e4rz in Berlin nahmen insgesamt rund 16.000 Personen teil, darunter etwa 300 aus Bayern. Neben einem Aufzug des Vereins \"Medya Volkshaus e.V.\" Newroz-Feiern am 20. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg, an dem etwa 160 Personen teilnahmen, fand am 25. M\u00e4rz eine als Newroz-Feier vom Verein \"Deutsch-Kurdischer Freundschaftsverein M\u00fcnchen e.V.\" angemeldete Veranstaltung im Musikpalast in M\u00fcnchen statt, an der sich etwa 650 Personen beteiligten. Im Verlauf dieser Veranstaltung wurden drei Personen wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz festgenommen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","78 Ausl\u00e4nderextremismus Durchsuchungen Am 18. April fanden im Raum Ingolstadt, N\u00fcrnberg und Regensburg in Bayern polizeiliche Durchsuchungen von Wohnungen, B\u00fcros und Vereinsr\u00e4umen von mutma\u00dflichen KONGRA GEL-Anh\u00e4ngern statt. Anh\u00e4nger und Sympathisanten des KONGRA GEL reagierten mit Protesten auf die Exekutivma\u00dfnahmen. Festnahme in Am 25. April wurde ein 45-j\u00e4hriger T\u00fcrke kurdischer Herkunft in M\u00fcnM\u00fcnchen chen festgenommen. Er soll seit mehreren Jahren f\u00fcr den KONGRA GEL aktiv gewesen sein, u.a. auch als Verantwortlicher f\u00fcr das Gebiet M\u00fcnchen/S\u00fcdbayern. Am 23. Oktober wurde er vom Landgericht M\u00fcnchen zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bew\u00e4hrung verurteilt. Unter dem Motto \"Der kurdische Befreiungskampf l\u00e4sst sich nicht verbieten\" fand am 7. Juli in M\u00fcnchen eine Protestkundgebung mit etwa Zusammenarbeit 75 Teilnehmern statt. Anmelder der Versammlung, die von einem deutmit deutschen schen Linksextremisten geleitet wurde, war ebenfalls ein deutscher Linksextremisten Linksextremist, der von einer Durchsuchungsaktion am 5. Juli betroffen war. Hintergrund dieser l\u00e4nder\u00fcbergreifenden Durchsuchungsaktion unter Leitung des Polizeipr\u00e4sidiums M\u00fcnchen war ein Ermittlungsverfahren gegen \u00fcber 20 mutma\u00dfliche Anh\u00e4nger des KONGRA GEL wegen Verdachts von Verst\u00f6\u00dfen gegen das vereinsrechtliche Verbot. Vor dem Hintergrund anhaltender Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischer Armee und kurdischer Guerilla mit zahlreichen Toten und Verletzten fanden deutschlandund europaweit zahlreiche demonstrative Veranstaltungen statt, in deren Verlauf bzw. an deren Rand es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen T\u00fcrken und Kurden kam. In Bayern fanden pro-kurdische Kundgebungen statt, u.a. am 3. November in M\u00fcnchen sowie am 10. und 17. November in N\u00fcrnberg, an denen sich jeweils mehrere hundert Personen beteiligten. Vereinzelt kam es zu Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz. 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Deutschland Bayern Mitglieder: 650 100 Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) mit ihren Untergliederungen DKHP (Partei) und DHKC (Milit\u00e4rischer Arm) * T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) mit ihren Untergliederungen THKP (Partei) und THKC (milit\u00e4rischer Arm) Die Devrimci Sol ist in Deutschland seit 1983 verboten, ihre beiden Spaltergruppen seit 1998. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 79 Die von Dursun Karatas und Bedri Yagan im Jahr 1978 gegr\u00fcndete und 1983 in Deutschland verbotene revolution\u00e4r-marxistische Devrimci Sol versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus ausgerichtete Volksbewegung. Sie z\u00e4hlt zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Revolution\u00e4re Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates zielen und in der T\u00fcrkei terrorisZielsetzung tisch aktiv sind. Seit 1993 ist die Devrimci Sol in den \"Karatas-Fl\u00fcgel\", aus dem die 1994 in Syrien gegr\u00fcndete Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hervorging, und den \"Yagan-Fl\u00fcgel\", aus dem sich die T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) entwickelte, gespalten. Das Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte am 13. August 1998 gegen die DHKP-C ein Vereinsverbot und gegen die THKP-C Devrimci Sol, die in Deutschland nicht organisatorisch verankert ist, ein Bet\u00e4tigungsverbot. Mit Beschluss vom 2. Mai 2002 setzte die Europ\u00e4ische Union die DHKP-C auf die EU-Terrorliste. EU-Terrorliste \u00d6rtliche Schwerpunkte der DHKP-C mit insgesamt rund 90 bis 100 Anh\u00e4ngern in Bayern bestehen in Aschaffenburg, Augsburg, M\u00fcnchen, Anh\u00e4nger in N\u00fcrnberg, Neu-Ulm/Ulm und Regensburg; f\u00fcr die THKP-C Devrimci Sol Bayern sind in Bayern nur einzelne Mitglieder aktiv. Die Zahl der Anh\u00e4nger ist in Deutschland von 800 auf 650 Personen zur\u00fcckgegangen; ein Grund hierf\u00fcr kann in den Exekutivma\u00dfnahmen aus dem Jahr 2006 gesehen werden. Diese werden auch als urs\u00e4chlich f\u00fcr einen R\u00fcckgang der Demonstrationsteilnehmer gesehen. Die Agitation und der Kampf gegen den \"Imperialismus\", gegen die NATO, die USA sowie die t\u00fcrkische Staatsund Gesellschaftsordnung sind zentrale Elemente der Ideologie der t\u00fcrkischen linksextremistischen Gruppierungen. Einige von ihnen, wie die DHKP-C und die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP), sehen ihr Heimatland T\u00fcrkei als Kampfgebiet an, in dem auch Terroranschl\u00e4ge zur Durchsetzung politischer Ziele als legitimes Mittel betrachtet werden. F\u00fcr Deutschland und Europa hat die DHKP-C seit 1999 einen Gewaltverzicht erkl\u00e4rt. Auf dem Gebiet der T\u00fcrkei jedoch bef\u00fcrwortet die Organisation ausdr\u00fccklich terroristische Aktivit\u00e4ten. So bekennt sich die DHKP-C in einer Internet-Erkl\u00e4rung zum Gedenken an ihre Gr\u00fcndung 1994 zum bewaffneten Kampf: \"Das, was wir unter bewaffnetem Kampf verstehen, ist kein Kampf, der sich nur auf die Perspektive des Widerstands beschr\u00e4nkt, sondern ist ein bewaffneter Kampf, der auf die Macht zielt. In unserem Land ist es nicht m\u00f6glich, auf parlamentarischem Wege zum Sozialismus zu gelangen. (...) Die Revolution kann nur mit einem Volkskrieg ... zum Sieg gelangen. (...) Der Weg zur Revolution der T\u00fcrkei ist der Weg unserer Partei.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","80 Ausl\u00e4nderextremismus Der Bau neuer Gef\u00e4ngnisse mit Einzelzellen in der T\u00fcrkei war f\u00fcr inhaftierte Angeh\u00f6rige t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen der Anlass, im Jahr 2000 in einen Hungerstreik zu treten. Insbesondere das \"Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen Gefangenen und deren FamiTAYAD lien in der T\u00fcrkei\" (TAYAD) trug dabei - in thematischer \u00dcbereinstimmung mit der DHKP-C - die Aktionen in Deutschland gegen die \"Isolationshaft\". Seit Mai 2002 war die DHKP-C die einzige Organisation, die an diesem \"Todesfasten\" festhielt. Nach einer Reform des t\u00fcrkischen Strafvollzugs endete am 22. Januar mit dem letzten Hungerstreik eines DHKP-C-Aktivisten in der T\u00fcrkei der langj\u00e4hrige Widerstand, dessen angeblicher Erfolg in den deutschen Ortsvereinen gefeiert wurde. Am selben Tag ver\u00f6ffentlichte die DHKP-C Europa ein Flugblatt zum Ende der Hungerstreiks: \"Wir haben den 'Gro\u00dfen Widerstand' der 7 Jahre andauerte, bei dem 122 Menschen gefallen sind, mit einem konkreten Sieg gefeiert. Es wurde ein politischer Sieg erreicht, indem die Versuche der Oligarchie, uns zur Kapitulation zu bringen, zur\u00fcckgeschlagen wurden.\" Bei den 122 \"gefallenen Menschen\" handelt es sich nicht ausschlie\u00dflich um Personen, die an den Folgen des Hungerstreiks gestorben sind. Etwa 40 Personen verstarben nach gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften, andere infolge von Selbstverbrennungen. ExekutivWegen des Verdachts der Unterst\u00fctzung einer verbotenen Vereinigung ma\u00dfnahmen waren bereits am 28. November 2006 bei einer bundesweiten Aktion u.a. in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg dutzende R\u00e4umlichkeiten von DHKP-C-Mitgliedern durchsucht worden. Es wurden mehrere Funktion\u00e4re und Aktivisten festgenommen. Im Rahmen dieses Ermittlungsverfahrens durchsuchte die Polizei am 19. M\u00e4rz eine Druckerei in Baden-W\u00fcrttemberg und stellte u.a. zahlreiche Computer sicher. Am 21. M\u00e4rz wurde ein 33-j\u00e4hriger Funktion\u00e4r vor dieser Druckerei festgenommen, als er mehrere Druckexemplare der Zeitschrift \"Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs\" (Marsch), einer der DHKP-C zuzurechnenden Propaganda-Publikation, abholen wollte. Die DHKP-C Anh\u00e4ngerschaft zeigte sich durch diese Exekutivma\u00dfnahmen sichtlich geschw\u00e4cht und agiert seitdem betont vorsichtig. In der T\u00fcrkei bewies die DHKP-C ihre Schlagkraft, indem sie auf die t\u00fcrSprengstoffkischen Parlamentswahlen vom 22. Juli mit einer Serie von zehn Sprenganschl\u00e4ge stoffanschl\u00e4gen auf Wahlb\u00fcros der Parteien CHP und der MHP reagierte. in der T\u00fcrkei Sie bekannte sich auch zu einem Bombenanschlag der \"Bewaffneten Propagandaeinheit\" der DHKP-C im Juli gegen Verwaltungsbeh\u00f6rden in Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 81 der T\u00fcrkei, der zum Jahrestag eines \"Massakers\" an zehn DHKP-C - Mitgliedern durchgef\u00fchrt wurde. 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.500 120 Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Maoistische Kommunistische Partei (MKP), ehemals Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) * Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Die Entwicklung der TKP/ML ist seit dem Ende der 70er Jahre durch eine Vielzahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. Im Jahr 1994 spaltete sich das Ostanatolische Gebietskomitee (DABK) vom so genannten Partizan-F\u00fcgel der TKP/ML ab. Dies f\u00fchrte zur Bildung von zwei neuen unabh\u00e4ngig voneinander existierenden Organisationen, die sich beide als Nachfolgeorganisation der urspr\u00fcnglichen TKP/ML sehen. W\u00e4hrend der Partizan-F\u00fcgel nach wie vor die Bezeichnung TKP/ML verwendet, hat sich das DABK im Jahr 2002 in Maoistische Kommunistische Partei (MKP) umbenannt. Aktivit\u00e4ten der MKP sind nur vereinzelt feststellbar. Beide Organisationen vertreten die Ideologie des Marxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt um die Ideen Mao Tse-tungs, bef\u00fcrworten den bewaffneten Kampf als Grundform ihres Handelns und propagieren den bewaffneten B\u00fcrgerkrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer Volksregierung. Mit der \"T\u00fcrkischen Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee\" (TIKKO) auf Seiten der TKP/ML und der \"Volksbefreiungsarmee\" (HKO) auf Seiten der MKP unterhalten beide Gruppierungen in der T\u00fcrkei bewaffnete Guerillagruppen. In Deutschland organisierten sich die Anh\u00e4nger der TKP/ML (Partizan-Fl\u00fcOrganisation gel) in der 1976 gegr\u00fcndeten \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland in Deutschland e.V.\" (ATIF) und der Ende 1986 gebildeten \"Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa\" (ATIK). Beide Vereinigungen pr\u00e4sentieren sich als Massenorganisationen und tarnen ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend. Die Anh\u00e4nger der MKP sind seit Sommer 1997 in den beiden Basisorganisationen \"F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","82 Ausl\u00e4nderextremismus Rechte in Deutschland\" (ADHF) bzw. \"Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa\" (ADHK) organisiert. Wenige Anh\u00e4nger beider Fl\u00fcgel der TKP/ML beteiligten sich auch im Juni an Protestkundgebungen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern. Im Vorfeld des G8-Gipfels agitierte die ATIK auf ihrer Homepage: \"Erheben wir den Protest gegen den G8-Gipfel; das Zentrum der Ausbeutung, Pl\u00fcnderung und Aggression!\" Im April gab das Politb\u00fcro des Zentralkomitees der TKP/ML anl\u00e4sslich eines Jubil\u00e4ums ein Flugblatt heraus: \"Wir feiern den 35. Geburtstag unserer Partei mit unserer 8. Konferenz! Vertraut auf die Basis, r\u00fcstet euch zum Krieg, mit der Partei werden wir siegen! Es leben der Marxismus, der Leninismus und der Maoismus! Es leben unsere Partei TKP/ML und die unter ihrer F\u00fchrung stehenden Organisationen TIKKO und TMLGB! Es lebe der Internationalismus des Proletariats! Nieder mit dem Imperialismus, dem Faschismus und jeder Form von Reaktion! Es lebe die demokratische Volksrevolution! Es lebe der Volkskrieg!\" Anl\u00e4sslich des 34. Todestags von Ibrahim Kaypakkaya, Gr\u00fcnder der TKP/ML, kamen am 19. Mai in Ludwigshafen rund 3.000 Anh\u00e4nger aus Deutschland, Schweiz, \u00d6sterreich und Frankreich zu einer Gedenkfeier zusammen. Die Teilnehmerzahl blieb weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zur\u00fcck. DurchsuchungsAm 5. Dezember fanden in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Schlesaktion wig-Holstein 13 Durchsuchungen bei Mitgliedern der TKP/ML statt. Ziel der Ma\u00dfnahmen war es, Beweismaterial \u00fcber personelle und organisatorische Struktur der terroristischen Vereinigung und deren Aktivit\u00e4ten zu gewinnen. 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 40 Gr\u00fcndung: 1994 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Atilim\" (Angriff) Die in der T\u00fcrkei verbotene terroristische MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschluss zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erstrebt sie die gewaltsame Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 83 Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Ihre Basisorganisation ist die \"F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\" (AGIF) mit Sitz in K\u00f6ln. Die \u00f6rtlichen AGIF-Vereine in Deutschland sind zust\u00e4ndig f\u00fcr die politische Basisarbeit und bilden zusammen die AGIF. Europ\u00e4ischer Dachverband ist die \"Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa\" (AvEG-Kon). Anl\u00e4sslich der M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik machte die AGIF mit einem Flugblatt im Januar ihre Haltung zur NATO deutlich: \"Gener\u00e4le, Kriegsminister, milit\u00e4rische Berater und Vertreter von R\u00fcstungsfirmen werden in M\u00fcnchen zusammenkommen und \u00fcber neue milit\u00e4rische Ziele beraten. Wir wollen nicht, dass eine handvoll profitgieriger Kapitalisten \u00fcber die Zukunft der Welt entscheidet. Seit dem 11. September f\u00fchren die NATO und ihre B\u00fcndnispartner Krieg in unz\u00e4hligen L\u00e4ndern.\" Die MLKP-Publikation \"Atilim\" berichtete \u00fcber die Teilnahme an einer Gegendemonstration am 1. Mai in N\u00fcrnberg: \"Der Versuch der NPD in N\u00fcrnberg, eine Protestaktion zum 1. Mai in N\u00fcrnberg durchzuf\u00fchren, wurde von den Antifaschisten der MLKP verhindert. Bei den Zusammenst\u00f6\u00dfen wurden f\u00fcnf Polizisten verletzt und 44 Personen in Polizeihaft genommen.\" Mitglieder der MLKP beteiligten sich auch im Juni an Protesten gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern. Im September 2006 hatte die t\u00fcrkische Polizei eine gro\u00dfangelegte Operation gegen die MLKP durchgef\u00fchrt und zahlreiche Personen festgenommen. Die MLKP in der T\u00fcrkei wurde dadurch hart getroffen und zeigte sich weitgehend \"kopflos\". Nach dem Prozessauftakt vom 13. April gegen 23 inhaftierten Aktivisten kam es zu Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen MLKP-Sympathisanten und der Polizei, bei denen mehrere Personen schwer verletzt wurden. Per E-Mail bekannten sich Militante der MLKP zu einem Bombenanschlag auf ein B\u00fcro der \"Partei der nationalistischen Bewegung\" (MHP) in einem Istanbuler Stadtteil, den sie am 16. April aus Protest gegen die \"faschistische Polizeigewalt\" w\u00e4hrend Kundgebungen am 13. April ver\u00fcbt hatten. Die \"Bewaffneten Einheiten der Armen und Unterdr\u00fcckten\" (FESK) bekannten sich am 24. November auf der Homepage zu zw\u00f6lf SprengstoffSprengstoffanschl\u00e4gen, die im September und Oktober in der T\u00fcrkei anschl\u00e4ge ver\u00fcbt worden waren. in der T\u00fcrkei Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","84 Ausl\u00e4nderextremismus 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (AD\u00dcTDF) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.500 1.250 Vorsitzender: Sent\u00fcrk Dogruyol Gr\u00fcndung: 1978 Sitz: Frankfurt am Main Publikation: \"T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni\" Die nationalistische AD\u00dcTDF vertritt eine extreme Variante des t\u00fcrkischen Nationalismus, die in der T\u00fcrkei seit l\u00e4ngerer Zeit durch die \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP) vertreten wird. Die F\u00fchrung der Organisation verehrt nach wie vor offen Alparslan T\u00fcrkes, den 1997 verstorbenen langj\u00e4hrigen MHP-Vorsitzenden. Die AD\u00dcTF ist Teil der mittlerweile weltweit organisierten und \u00fcber das Internet vernetzten \"\u00dclk\u00fcc\u00fc(Idealisten-) Bewegung\". Symbol der Bewegung ist ein mit f\u00fcnf Fingern stilisierter Wolfskopf, weshalb die \"Graue W\u00f6lfe\" Anh\u00e4nger der Bewegung auch als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet werden. In Bayern gibt es etwa 25 Vereine, die der AD\u00dcTDF zuzurechnen sind. Ziel der AD\u00dcTDF ist, die gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Einrichtung in Westeuropa zu werden. Sie ist deshalb auch ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der MHP, die eine Gro\u00dft\u00fcrkei nach osmanischem Vorbild propagiert. Dieses Streben der AD\u00dcTDF nach Dominanz steht einer echten Integration der T\u00fcrken wie auch der Muslime in die deutsche Gesellschaft entgegen. T\u00fcrkischen Jugendlichen wird die \u00dcberlegenheit der T\u00fcrken suggeriert, so dass viele von ihnen ein Gruppenbewusstsein entwickeln, das sich gegen die deutsche Gesellschaft richtet. Zwar riet der Verband den Mitgliedern, die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit anzunehmen, Motiv hierf\u00fcr waren aber nur die damit verbundenen gr\u00f6\u00dferen Einflussm\u00f6glichkeiten. Mutterpartei MHP Seit einiger Zeit bem\u00fcht sich die Parteif\u00fchrung der MHP unter Devlet Bahceli, der Partei ein konservatives und europafreundliches Erscheinungsbild zu geben. Dies fand jedoch nicht die ungeteilte Zustimmung aller Mitglieder, weshalb sich ein Teil der \"wahren Idealisten\" zur\u00fcckgezogen hat. Im Jahr 2006 war deshalb eine r\u00fcckl\u00e4ufige Mitgliederentwicklung verzeichnen, die sich 2007 aber nicht fortsetzte. Am 19. Mai f\u00fchrte die AD\u00dcTDF ihren 25. Jahreskongress in Oberhausen/Nordrhein-Westfalen durch, der von rund 10.000 Anh\u00e4ngern aus ganz Europa besucht wurde. Als Redner trat u.a. der MHP-Vorsitzende Devlet Bahceli auf. Sein Redebeitrag war nationalistisch gepr\u00e4gt. Er wies Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 85 darauf hin, dass die t\u00fcrkische Nation wie eine gro\u00dfe, in der ganzen Welt verstreute, Familie sei; dadurch sei man in der Lage, der Welt die St\u00e4rke der t\u00fcrkischen Nation zu verdeutlichen. Neben politischer Propaganda wurden auf dem Jahreskongress aber auch vereinsrechtliche Entscheidungen getroffen. So wurde Sent\u00fcrk Dogruyol zum neuen Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt und der Name der Organisation ge\u00e4ndert. Anstelle von \"F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokra\u00c4nderung des tischen Idealistenvereine in Europa\" lautet der Vereinsname nun \"F\u00f6deVereinsnamens ration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland\". Vertreter von zehn F\u00f6derationen aus europ\u00e4ischen Staaten gr\u00fcndeten am 29. Oktober in Frankfurt am Main die \u00fcbergeordnete \"Konf\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenverb\u00e4nde in Europa\", die von Cemal Cetin, dem bisherigen Vorsitzenden der deutschen F\u00f6deration, geleitet wird. Die AD\u00dcTDF stellt sich in Deutschland als gesetzestreu dar und lehnt bereits seit einigen Jahren Gewalt ab. Dennoch ist weiterhin eine Nationalistische nationalistische Einstellung festzustellen. Festzustellen sind auch AktiAusrichtung vit\u00e4ten der AD\u00dcTDF und ihrer Mutterpartei gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, vor allem gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker. Aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe verf\u00fcgt die AD\u00dcTDF \u00fcber ein betr\u00e4chtliches Mobilisierungspotenzial. Im Zusammenhang mit den Spannungen an der t\u00fcrkisch-irakischen Grenze nahmen AD\u00dcTDF-Anh\u00e4nger an pro-t\u00fcrkischen Demonstrationen teil. Die Organisation hatte ihre Anh\u00e4nger in Deutschland allerdings nicht zur Teilnahme aufgefordert. M\u00f6gliche Teilnehmer aus ihren Reihen hatte sie um Disziplin und Gewaltverzicht gebeten. 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI)/Volksmudjahidin Iran (MEK) Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 200 Gr\u00fcndung: 1981 in Paris (in Deutschland vertreten seit 1994) Sitz: Berlin Deutschlandvertreterin: Dr. Bolourchi Massoumeh Volksmudjahidin Iran (MEK) Gr\u00fcndung: 1965 im Iran Leitung: Massoud Radjavi Publikation: \"Mojahed\" (Glaubensk\u00e4mpfer) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","86 Ausl\u00e4nderextremismus Iranische OpposiDie \"Volksmudjahidin Iran-Organisation\" (MEK) ist die bedeutendste tionsgruppe und fr\u00fcher auch militanteste iranische Oppositionsgruppe. Ziel der MEK ist der Sturz des iranischen Regimes. Mit ihrem ehemals milit\u00e4rischen Arm \"Nationale Befreiungsarmee\" (NLA) war sie f\u00fcr zahlreiche, ausschlie\u00dflich im Iran ver\u00fcbte Anschl\u00e4ge verantwortlich. Nach dem Sturz des irakischen Regimes im Jahr 2003 schloss die NLA einen Waffenstillstand mit den US-Streitkr\u00e4ften. Die im Irak verbliebenen K\u00e4mpfer der NLA wurden im Lager \"Ashraf\" unter US-Aufsicht gestellt und entwaffnet. Aufnahme der Die MEK wurden 2002 in die Liste der als terroristisch eingestuften MEK in die Organisationen der Europ\u00e4ischen Union aufgenommen. Diesen EU-RatsEU-Terrorliste beschluss erkl\u00e4rte der Europ\u00e4ische Gerichtshof am 12. Dezember 2006 aus formalen Gr\u00fcnden f\u00fcr nichtig. In Folge dieser Entscheidung hat der EU-Ministerrat beschlossen, die MEK erneut zu listen und begr\u00fcndete diese Entscheidung mit fr\u00fcheren terroristischen Aktionen der MEK bis zum Jahr 2001. Dagegen hat die Organisation ihrerseits rechtliche Schritte angek\u00fcndigt. Als politisches Sprachrohr der MEK mit einem Bet\u00e4tigungsfeld haupts\u00e4chlich in Europa und Nordamerika fungiert der NWRI. Der NWRI wurde 1981 in Paris als Exilorganisation der MEK gegr\u00fcndet. 1993 bildete der NWRI ein Exilparlament und rief die Generalsekret\u00e4rin der MEK, Maryam Radjavi, zur \"k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidentin des Iran\" aus. Zu den Aufgaben des NWRI geh\u00f6ren umfangreiche Propaganda-AktiDer goldene vit\u00e4ten und Ma\u00dfnahmen zur Finanzierung. L\u00f6we, Symbol des NWRI Seit 1994 ist der NWRI auch in Deutschland vertreten. Im Umfeld des NWRI existieren zahlreiche Vereine, die eine ideologische Anbindung an den NWRI aufweisen und durch \u00f6ffentlichkeitswirksame propagandistische Aktivit\u00e4ten sowie durch Spendensammlungen wahrnehmbar sind. Der NWRI ist bestrebt, sich als demokratische iranische Oppositionsbewegung darzustellen und politische Bedeutung zu erlangen. Hierzu Lobbyarbeit setzt die Organisation auf lobbyistische Aktivit\u00e4ten, durch die sie die \u00f6ffentliche Meinung sowie gesellschaftliche und politische Entscheidungstr\u00e4ger zu beeinflussen versucht. Dass diese Bem\u00fchungen nicht erfolglos bleiben, zeigt sich beispielhaft am Auftritt von Maryam Radjavi vor Angeh\u00f6rigen des Europaparlaments in Stra\u00dfburg im April 2006. Um seine Anliegen in der \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln, setzte der NWRI wie bereits in den Vorjahren auch auf die Durchf\u00fchrung von Demonstrationen, Kunst-, Musikund Kulturevents sowie auf Informationsund Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 87 Propagandaveranstaltungen. Themenschwerpunkte der Veranstaltungen waren die Kritik an der Atompolitik des Iran, die Frage der Menschenrechte im Iran, Vollzug der Todesstrafe sowie die seit Jahren vorgebrachte Forderung nach Streichung der MEK aus der EU-Terrorliste. Entsprechende Veranstaltungen fanden u.a. in Br\u00fcssel, Paris, K\u00f6ln, Berlin und M\u00fcnchen statt. Um die zum Teil mit gro\u00dfem Aufwand durchgef\u00fchrten Aktionen zu finanzieren, z\u00e4hlte auch weiterhin die Beschaffung von Finanzmitteln zu einem wichtigen Bet\u00e4tigungsfeld des NWRI. Durch Sammelvereine Spendenwurden im gesamten Bundesgebiet Spendensammlungen angeblich f\u00fcr sammlungen humanit\u00e4re Zwecke durchgef\u00fchrt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","88 Ausl\u00e4nderextremismus 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Afghanische, arabische und maghrebinische Gruppen Terrornetzwerk um al-Qaida sunnitisch-extremistisch Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb sunnitisch-extremistisch Libyan Islamic Fighting Group (LIFG) sunnitisch-extremistisch Muslimbruderschaft (MB) Risalat ul-Ikhwan sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Al-Islam sunnitisch-extremistisch - nur als Internet-Ausgabe - Fatah al-Islam sunnitisch-extremistisch Al-Gamaa al-Islamiya (GI) sunnitisch-extremistisch Djihad Islami (JI) sunnitisch-extremistisch Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) sunnitisch-extremistisch Islamische Heilsfront (FIS) sunnitisch-extremistisch Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) sunnitisch-extremistisch En Nahda sunnitisch-extremistisch Hizb ut-Tahrir Al-Khilafah (Das Kalifat) (in Deutschland seit 15.01.2003 verboten) - unregelm\u00e4\u00dfig - schiitisch-extremistisch Al-Waie Explizit - viertelj\u00e4hrlich - Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) sunnitisch-extremistisch Ansar al-Islam sunnitisch-extremistisch Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 89 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Tablighi Jamaat (TJ) sunnitisch-extremistisch Al-Tauhid sunnitisch-extremistisch Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Intiqad (Die Kritik) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) marxistisch-leninistisch Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) marxistisch-leninistisch Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando - (PFLP-GC) marxistisch-leninistisch Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) (Partei des islamischen Rufs /der islamischen Mission) schiitisch-extremistisch Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) schiitisch-extremistisch 2. Iranische Gruppen Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) islamisch-extremistisch Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) API-Brief marxistisch - monatlich - Volksmudjahidin Iran (MEK) Mojahed (Glaubensk\u00e4mpfer) islamisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Sitz: Berlin islamisch-extremistisch 3. Kurdische Gruppen Volkskongress Kurdistans Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) (KONGRA GEL) - monatlich - vormals: Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistan Report Kurdistans (KADEK) - zweimonatlich - davor: Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) marxistisch-leninistisch (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","90 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Teilorganisationen des KONGRA GEL: Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) vormals: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa (CDK) vormals: Kurdische Demokratische Volksunion (YDK) davor: Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdischer Nationalkongress (KNK) Nebenorganisationen des KONGRA GEL: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (seit 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. vormals: HUNERKOM Verband der stolzen Frauen (Koma Jinen Bilind - KJB) umfasst: Freiheitspartei der Frauen Kurdistans (PAJK) Newaya Jin (Freie Frauen) vormals: Partei der Freien Frauen (PJA) - monatlich - davor: Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) vormals: Jina Serbilind (Die stolze Frau) Freie Frauenverb\u00e4nde (YJA) Frauenguerilla (YJA-STAR) Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Vereinigung der demokratischen Jugendlichen Kurdistans CIWANEN AZAD (Freie Jugendliche) (KOMALEN-CIWAN) bisher: \u00d6ZG\u00dcR GENCLIK (Freie Jugend) vormals: Bewegung der freien Jugend Kurdistans (TECAK) vormals: Sterka Ciwan (Stern der Jugend) davor: Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) - zweimonatlich - Demokratische Jugend (DEM-GENC) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Ausl\u00e4nderextremismus 91 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Verband der StudentInnen aus Kurdistan (YXK) Ronahi (Licht) - dreimonatlich - Demokratische Aleviten-F\u00f6deration (FEDA) Semah vormals: F\u00f6deration der Demokratischen Aleviten (DAV) vormals: Z\u00fclfikar davor: Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-LeniIsci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu nisten (TKP/ML) (Arbeiter-Bauern-Befreiung) - zweimonatlich - Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Devrim Yolunda Isci K\u00f6yl\u00fc (Arbeiter und Bauern auf dem Weg der Revolution) - vierzehnt\u00e4gig - Maoistische Kommunistische Partei (MKP) Devrimci Demokrasi vormals: DABK (Ostanatolisches Gebietskomitee) (Revolution\u00e4re Demokratie) T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation des Partizan-Fl\u00fcgels (TKP/ML) Volksbefreiungsarmee (HKO), milit\u00e4rischer Arm der MKP Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg (Partizan-Fl\u00fcgel) F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) (DABK-Fl\u00fcgel) Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) (Partizan-Fl\u00fcgel) - unregelm\u00e4\u00dfig - Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa (ADHK) (DABK-Fl\u00fcgel) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","92 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Bolsevik Partizan (BP-KK/T) (Bolschewistischer Partisan) (Abspaltung von der TKP/ML) - monatlich - Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) in Deutschland seit 09.02.1983 verboten; 1993 in zwei Fraktionen (Karatasbzw. Yagan-Fl\u00fcgel) zerfallen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) Ekmek ve Adalet aus dem Karatas-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (Brot und Gerechtigkeit) (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) - w\u00f6chentlich - Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Marsch) - w\u00f6chentlich - T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) aus dem Yagan-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Atilim (Angriff) bisher: Yeniden Atilim (Neuer Vorsto\u00df) - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Einheiten der Armen und Unterdr\u00fcckten (FESK) - milit\u00e4rischer Arm der MLKP - Basisorganisation der MLKP: Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa (AvEG-Kon) F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei AGIF B\u00fclteni in Deutschland e.V. (AGIF) - zweimonatlich - 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - Sitz: Frankfurt am Main 4.3 Islamische Extremisten Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Publizistisches Sprachrohr: Milli Gazete Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) Verbandszeitschrift: Sitz: Kerpen IGMG Perspektive Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) vormals: Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) mit Sitz in K\u00f6ln (in Deutschland seit 12.12.2001 verboten) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 93 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie auf. Ablehnung der Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in Deutschland Grundlagen der sind im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie die Grundlagen Demokratie der Demokratie ablehnen und stattdessen - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschluss des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"VolksgemeinKollektivismus schaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die zu einer Aush\u00f6hlung der Grundrechte f\u00fchrt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung missachtender NationaNationalismus lismus, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung rassistischer Thesen, u.a. Rassismus des Antisemitismus, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltRelativierung des herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des NS-Unrechts Dritten Reichs zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige VerunVerunglimpfung glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. Ziel der Demokratie dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Vertreter als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","94 Rechtsextremismus Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Strategie des Kampfs gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Sozialpolitische Seit einigen Jahren treten in der Propaganda von Rechtsextremisten soThemen zialund wirtschaftspolitische Themen in den Vordergrund. Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus den Sorgen der Bev\u00f6lkerung um ihre soziale Sicherheit und gesellschaftliche Positionierung Kapital schlagen zu k\u00f6nnen. Teile des rechtsextremistischen Spektrums propagieren einen von dezidiert antikapitalistischen Elementen gepr\u00e4gten \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in sozialistisch orientierte W\u00e4hlerschichten einzudringen. Rechtsextremisten betonen seit einiger Zeit Gemeinsamkeiten mit anderen politischen Str\u00f6mungen. Sie traten beispielsweise als Teil der Protestbewegungen gegen die US-amerikanische Intervention im Irak und gegen die Sozialreformen auf. In der globalen Auseinandersetzung mit Antiwestliche dem Islamismus positionierten sie sich eindeutig antiwestlich und verFeindbilder suchten, den Konflikt zwischen der internationalen Staatengemeinschaft und dem Iran f\u00fcr ihre Ziele zu nutzen. Sie leugneten die Gefahren eines iranischen Atomprogramms und griffen stattdessen die USA, Israel und die Bundesregierung an. \u00dcbereinstimmungen zwischen Rechtsextremisten und Islamisten bestehen in einem antizionistisch-antisemitischen und antiwestlich-antiamerikanischen Feindbild. Rechtsextremisten wie auch islamische Extremisten sehen in den USA gemeinsam den Feind, der aus imperialistisch-kapitalistischem Interesse die Widerstandskraft der V\u00f6lker und Kulturen zu zerst\u00f6ren suche. Nutznie\u00dfer - wenn nicht gar Betreiber dieses Prozesses - seien die Juden. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern und deren jeweilige Mitgliederst\u00e4rke sind aus der \u00dcbersicht auf der Seite 95 dieses Berichts zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. Mitgliederanstieg Die NPD hatte bundesweit einen leichten Mitgliederanstieg zu verbei der NPD zeichnen; auch in Bayern erh\u00f6hte sich die Zahl der Mitglieder leicht (vgl. Hinweis: Zur Partei \"Die Republikaner\" (REP) liegen keine hinreichend gewichtigen Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung mehr vor, so dass ihre Mitglieder insgesamt nicht mehr dem Rechtsextremismus zugeordnet werden k\u00f6nnen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 95 Zahl und 2005 2006 2007 Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 40 40 45 rechtsextremisMitgliederst\u00e4rken tischer Organisationen in NPD mit JN und NHB* 900 950 1.020 Deutsche Volksunion (DVU)** 1.100 1.000 900 Bayern neonazistische Organisationen 160 190 250 sonstige Organisationen 420 300 300 2.580 2.440 2.470 neonazistische Einzelaktivisten 140 160 150 rechtsextremistische Skinheads 800 750 700 Rechtsextremisten insgesamt 3.520 3.350 3.320 * Nationaldemokratischer Hochschulbund ** Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins. auch Nummer 2.1 dieses Abschnitts). Die DVU verlor in Bayern erneut Mitgliederschwund Mitglieder, da sie den durch \u00dcberalterung bedingten Mitgliederschwund bei der DVU nicht aufhalten kann (vgl. auch Nummer 2.2 dieses Abschnitts). Die durch interne Richtungsk\u00e4mpfe kaum noch aktive \"Deutsche Partei - Die Freiheitlichen\" (DP) w\u00e4hlte auf ihrem Parteitag im Juni einen neuen Bundesvorstand. Der abgew\u00e4hlte Bundesvorsitzende und bayerische Landesvorsitzende Ulrich P\u00e4tzold hat im November seinen Parteiaustritt erkl\u00e4rt, nachdem rechtliche Schritte gegen den Parteitag nicht erfolgreich waren. 1.3 Nutzung des Internets Dem Internet kommt bei der Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts und der Koordinierung von Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Szene eine weiterhin steigende Bedeutung zu. Der Zugriff Weiterhin steigende auf das Internet bietet Rechtsextremisten eine geeignete Plattform zur Bedeutung Information und Kommunikation sowie zur Mobilisierung der Szene. Zunehmend werden die neuen technischen M\u00f6glichkeiten der \"Web 2.0-Generation\", etwa in Form von \"Weblogs\", genutzt. Die Zahl der von Deutschen betriebenen Homepages mit rechtsextremistischen Inhalten blieb in den vergangenen f\u00fcnf Jahren mit durchschnittlich 1.000 konstant. Homepage-Betreiber aus dem Bereich des Rechtsextremismus weichen zum Teil auf ausl\u00e4ndische Speicherplatzanbieter aus, die sich Appellen staatlicher und privater Einrichtungen sowie einer Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","96 Rechtsextremismus Selbstkontrolle verschlie\u00dfen. Darunter befinden sich etliche Provider, die der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6ren. Die Internet-Angebote rechtsextremistischer Parteien, beispielsweise der NPD, nehmen zum Teil zu aktuellen tagespolitischen Fragen Stellung und befinden sich auf hohem technischem Niveau. Eine Vielzahl rechtsextremistischer Skinhead-Bands stellt auf ihren Homepages neben Fotos von Auftritten und Konzertberichten auch die Lieder zur Verf\u00fcgung, Skinhead-Musik wird auch \u00fcber Tondateien angeboten. Im Online-Versandhandel entsprechender Anbieter findet sich eine umfangreiche Auswahl an szene-typischer Kleidung, Musik-CDs und anderen Szene-Artikeln. Diskussionsforen Eine gro\u00dfe Bedeutung kommt in diesem Bereich ferner den Diskussionsforen zu. Die Relevanz dieses Internet-Dienstes f\u00fcr die Nutzer besteht in der permanenten, ortsunabh\u00e4ngigen und kaum zu kontrollierenden M\u00f6glichkeit zur Information, Kommunikation und Vernetzung mit anderen Szene-Anh\u00e4ngern. Das Internet wird auch zur Vorstellung neugegr\u00fcndeter Kameradschaften und ihrer programmatischen Ziele genutzt. Eine \"Kameradschaft Miltenberg\" ver\u00f6ffentlichte im Juli auf ihrer Internet-Seite ein Dokument, das als Sprachrohr der Kameradschaft unter der Bezeichnung \"Mainbogen\" verbreitet wird. Darin werden Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland verunglimpft. 2. Parteien, Organisationen und Verlage 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.200 950 Vorsitzender: Udo Voigt Ralf Ollert Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Publikation: \"Deutsche Stimme\" (DS) 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort Neonazistische und nationalrevolution\u00e4re Thesen sind fester Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD und haben deren Erscheinungsbild nachhaltig ver\u00e4ndert. Die NPD hat sich mittlerweile zu einem Sammelbecken Sammelbecken gewaltbereiter Skinheads und Neonazis entwickelt. Die von Neonazis und Parteif\u00fchrung intensivierte die Zusammenarbeit mit den \"Freien NatioSkinheads nalisten\". Das von der Partei vertretene Staatsund Menschenbild steht Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 97 in krassem Gegensatz zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. F\u00fcr die NPD resultiert die W\u00fcrde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums, sondern sie ist von biologisch-genetischer Teilhabe an der \"Volksgemeinschaft\" abh\u00e4ngig. Mit ihrer Forderung nach Schaffung einer \"Volksgemeinschaft\" verwendet die NPD einen zentralen Begriff des Nationalsozialismus, der darunter insbesondere eine Schicksalsgemeinschaft verstand, in der die Interessen des Einzelnen bedingungslos der Gemeinschaft der VolksV\u00f6lkischer genossen untergeordnet wurden und das Wohl der so definierten \"VolksKollektivismus gemeinschaft\" allen anderen Interessen vorging: \"Volksherrschaft setzt die Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat dabei \u00fcber den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die Gesamtverantwortung wahrzunehmen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 3) Unter der \u00dcberschrift \"Frei Sozial und national - \u00dcber die Wiederkehr des Sozialismus\" \u00e4u\u00dferte sich die \"Deutsche Stimme\" zur \"Raumorientierten Volkswirtschaft\": \"Raumorientierte Volkswirtschaft ist ein 'Projekt', das auf eine 'grundlegende Umgestaltung der Gesellschaft' angelegt ist, wie Marxisten es ausdr\u00fccken w\u00fcrden.\" (Deutsche Stimme, M\u00e4rz, Seite 20) Eine mit der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip des Grundgesetzes unvereinbare, rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Fremdenfeindlichkeit ist elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom \"lebensrichtigen Menschenbild\", das sich insbesondere gegen Rassismus und \"Fremdbestimmung\" und \"\u00dcberfremdung\" wendet: Nationalismus \"Im Zusammenspiel von Gro\u00dfkapital, Regierung und Gewerkschaften wurden Millionen von Ausl\u00e4ndern wie Sklaven der Neuzeit nach Deutschland geholt. Diese Politik wird durch eine menschenund v\u00f6lkerverachtende Integration fortgesetzt. Ausl\u00e4nder und Deutsche werden gleicherma\u00dfen ihrer Heimat entfremdet und entwurzelt, ihnen droht der Verlust ihrer Identit\u00e4t, ... In zahlreichen St\u00e4dten bilden sich Ausl\u00e4nderghettos, in denen die deutsche Restbev\u00f6lkerung zur Minderheit im eigenen Land wird. (...) Ein grundlegender politischer Wandel mu\u00df die menschenfeindliche Integrationspolitik beenden sowie die deutsche Volkssubstanz erhalten.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 8) Als kontr\u00e4r zu ihren v\u00f6lkischen Idealen betrachtet die NPD das Gesellschaftsmodell der USA: \"Wenn es nach dem Willen der Systempolitik ginge, dann kommt Antiamerikanismus gleich nach Antisemitismus und gleicht etwa dem, was man in Kaisers Zeiten noch unter Majest\u00e4tsbeleidigung verstand. (...) Richtiger wird es schon, Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","98 Rechtsextremismus wenn man den Antiamerikanismus als Ausdruck der Kritik an einer 'westlichen Wertegemeinschaft' versteht, deren 'Verdienste' im Laufe der Jahrhunderte von der Vernichtung der Indianer \u00fcber die Massenverschleppung von Schwarzen bis zum Bombenterror der vierziger, f\u00fcnfziger und sechziger Jahre und, und, und reicht. Es geht um die sklavische Anbiederung an die Eliten eines Landes, die f\u00fcr Not und Tod und Elend sorgen.\" (Deutsche Stimme, Februar, Seite 2) In einer Sonderausgabe des Publikationsorgans des NPD-Kreisverbandes Regensburg, \"Regensburger Stimme\", schrieb Udo Voigt unter der \u00dcberschrift \"Wie auf der 'Titanic'\": \"Globalisierung und US-Kriege sind untrennbar miteinander verbunden. (...) Den V\u00f6lkern wird alles versprochen, wenn sie nur ihre Grenzen f\u00fcr ausl\u00e4ndisches Kapital, fremde Menschen und internationale Investoren \u00f6ffnen. (...) Auf die Globalisierung gibt es nur eine Antwort: Die V\u00f6lker m\u00fcssen lernen, da\u00df Gemeinnutz vor Eigennutz geht. Das Wohl des eigenen Volkes und die Zukunft seiner Menschen m\u00fcssen vorrangiges Ziel unserer Politik sein.\" (Regensburger Stimme, Juni, Seite 1) Revisionismus F\u00fcr die NPD geh\u00f6rt Revisionismus nach wie vor zum Bestandteil ihrer Ideologie. Sie fordert: \"Ein Ende der einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Wir Deutschen sind kein Volk von Verbrechern. (...) Kein Ersatz der Freiheit von Forschung und Lehre durch ein staatlich verordnetes, von politischer Justiz \u00fcberwachtes Geschichtsbild zu Lasten Deutschlands.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 11) In Zusammenhang mit dem so genannten Z\u00fcndel-Prozess (vgl. auch Nummer 7.2 dieses Abschnitts) zitierte die \"Deutsche Stimme\" den Neonazi und NPD-Funktion\u00e4r J\u00fcrgen Rieger so: \"Da wir mittelalterliche Zust\u00e4nde haben, und unsere Justiz von dem Inquisitionsproze\u00df des Mittelalters hinsichtlich Holocaust-Prozessen nicht weit entfernt ist, lehne ich aber diese Verteidigungs-Einschr\u00e4nkungen ab. (...) Argumente der Revisionisten m\u00fcssen unter den Tisch gekehrt werden, damit das Dogma bestehen bleibt. (...) Durch die Schulerziehung wird den Kindern in einer sensiblen Pr\u00e4gungsphase eingeh\u00e4mmert, da\u00df die Deutschen ein Verbrechervolk sind; um sich reinzuwaschen, wird dann in vorauseilendem Gehorsam jeder, der irgendwie Kritik der Juden hervorruft, mit infernalischem Ha\u00df verfolgt. Die Richter f\u00fchlten sich genauso gut bei ihrem Urteil wie die Richter in den Hexenprozessen des Mittelalters, die angeblich zum Blocksberg fliegende Frauen lebendig verbrannten, um dem Satan das Handwerk zu legen.\" (Deutsche Stimme, April, Seite 8) Zu den deutsch-polnischen Beziehungen schrieb der Parteivorsitzende Udo Voigt: \"Nun, ich denke, da\u00df die polnische F\u00fchrung sehr wohl das V\u00f6lkerrecht kennt und wei\u00df, welches Unrecht sie uns Deutschen mit Vertreibung und Landraub Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 99 angetan hat. Dar\u00fcberhinaus d\u00fcrfte sie wissen, da\u00df Vertr\u00e4ge und Erkl\u00e4rungen einer nichtsouver\u00e4nen BRD-Regierung v\u00f6lkerrechtlich genauso gesetzwidrig sind wie die Vertreibung der Bev\u00f6lkerung und die Annexion eines Drittels des Gebietes des Deutschen Reiches nach 1945. Schlie\u00dflich kann die BRD nicht auf Gebiete verzichten, die ihr nie geh\u00f6rt haben. (...) Ein Blick in die Grundb\u00fccher im deutschen Osten weist immer noch die deutschen Alteigent\u00fcmer als rechtm\u00e4\u00dfige Besitzer aus, und uns liegen nicht nur die damaligen polnischen Vertreibungsbefehle, sondern auch die Zeugenaussagen von Millionen vertriebener und gefolterter Deutscher vor. Daf\u00fcr darf es kein Vergeben und kein Vergessen geben! Dies ist kein Revisionismus, sondern das wird die klare Sachpolitik eines freien Deutschlands sein.\" (Deutsche Stimme, August, Seite 2) Bei der Verbreitung antisemitischer Propaganda nutzt die NPD aktuelle Antisemitismus politische Ereignisse, um Ressentiments gegen Juden zu f\u00f6rdern. Im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt hie\u00df es: \"Wir alle wissen genau, da\u00df die Isralis sich als Volk unter V\u00f6lkern verstehen - auserw\u00e4hlt, um Ausgleich zu schaffen. Wenn n\u00f6tig und man sie nicht verstehen will, sind auch schon mal Splitterbomben als Argumentationshilfe drin.\" (Deutsche Stimme, April, Seite 2) Das politische System in Deutschland wurde h\u00e4ufig als \"Regime\" diffaDiffamierung miert; seine Repr\u00e4sentanten seien Betr\u00fcger und Versager: demokratischer \"Die Alarmglocken der Systempolitiker m\u00fcssen also mehr als deutlich l\u00e4uten. Institutionen Was bleibt Ihnen noch, um weitere Erfolge nationaler Kr\u00e4fte zu verhindern? Nun, sie k\u00f6nnten ihre Politik umstellen und sich dem deutschen Volke gegen\u00fcber verantwortungsvoller verhalten. Dies scheidet f\u00fcr sie wohl aus zwei Gr\u00fcnden aus, zum einen sind die pers\u00f6nlichen finanziellen Zuwendungen aus diesen Reihen l\u00e4ngst eine fest einkalkulierte Gr\u00f6\u00dfe geworden und zum anderen glauben sie nicht an das deutsche Volk.\" (Deutsche Stimme, Januar, Seite 2) \"Die F\u00e4den dieser Umerziehung und Gleichschaltung f\u00fchren in die Machtzentren von Br\u00fcssel und Washington und von dort zu den herrschenden Kreisen von Freimaurern, Bilderbergern, Zionisten und anderen. Ihnen sind die regierenden Politiker in Europa h\u00fcndisch ergeben und betreiben schamlos Verrat an ihren V\u00f6lkern.\" (Deutsche Stimme, September, Seite 18) Diese diffamierende Polemik zeigt deutlich, dass die NPD die Prinzipien des WesensverwandtMehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres schaft mit der formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung NS-Terminologie ablehnt. Dar\u00fcber hinaus offenbart die Diktion der NPD, insbesondere der h\u00e4ufige Gebrauch der Begriffe \"System\", \"System-Parteien\" oder \"Systempolitiker\", die bereits von der NSDAP zur Diffamierung der Weimarer Republik instrumentalisiert wurden, eine Wesensverwandtschaft mit der Ideologie der NSDAP. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","100 Rechtsextremismus NPD und Junge Nationaldemokraten (JN) betrachten die Wertordnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in der bestehenden Form als \"\u00fcberholt und handlungsunf\u00e4hig\" und wollen sie deshalb beseitigen. Um dem Ziel der politischen Machtergreifung n\u00e4her zu kommen, hat die Partei zur Verfolgung ihrer verfassungsfeindlichen Bestre\"Drei-S\u00e4ulenbungen 1997 ein auf drei \"strategische S\u00e4ulen\" gest\u00fctztes Konzept Konzept\" entwickelt, n\u00e4mlich - Programmatik: Kampf um die K\u00f6pfe, - Massenmobilisierung: Kampf um die Stra\u00dfe, - Wahlteilnahme: Kampf um die Parlamente. Erg\u00e4nzung um Mit dem im Herbst 2004 noch als vierte S\u00e4ule eingef\u00fcgten \"Kampf um vierte S\u00e4ule den organisierten Willen\" erstrebt die NPD eine B\u00fcndelung aller nationalen Kr\u00e4fte, ohne dabei programmatische Inhalte zu definieren. Im Grunde handelt es sich um eine Aktionseinheit von NPD und Teilen des rechtsextremistischen Lagers. Die NPD bezieht hierin auch die DVU mit ein. Zunehmende Seit Mitte der 90er Jahre hat die NPD ihre Agitation zur \"sozialen Frage\" Konzentration auf kontinuierlich erweitert. Sie erkl\u00e4rte dieses Thema zum Drehund Angelsoziale Themen punkt nationaler Politik. Mit einer Orientierung hin zum \"Nationalen Sozialismus\", einer Verkn\u00fcpfung von \"Nation\" und \"Sozialismus\", wirbt die NPD vor allem in den neuen Bundesl\u00e4ndern um Anh\u00e4nger. Sie tritt nach au\u00dfen als \"soziale Protestpartei\" auf und sch\u00fcrt so \u00c4ngste der Bev\u00f6lkerung vor sozialen Reformen, Arbeitslosigkeit und einer \"multikulturellen Gesellschaft\". Damit soll eine Krisenstimmung geschaffen werden, die den Angriff gegen den sozialen Rechtsstaat und die freiheitliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland rechtfertigen soll. Aggressiver Im Rahmen ihres aggressiven Bestrebens, \u00fcber den au\u00dferparlamentaAktionismus im rischen Kampf politische Macht in Deutschland zu erringen, veranstal\"Kampf um die tete die NPD seit dem Amtsantritt des Bundesvorsitzenden Voigt im Jahr Stra\u00dfe\" 1996 bundesweit rund 850 Demonstrationen und \u00f6ffentliche Aktionen mit teilweise bis zu 5.000 Teilnehmern. Die Partei versteht sich als Anf\u00fchrerin einer breiten sozialen Protestbewegung, die in \u00f6ffentlichen Aufm\u00e4rschen auf der Stra\u00dfe gemeinsam mit Neonazis und Skinheads ihre auf die \u00dcberwindung des \"Systems\" gerichteten Ziele verfolgt. Sie bietet der Neonazi-Szene ein \"legales\" organisatorisches Dach und ist somit mitverantwortlich f\u00fcr ein geistiges Klima, das den Boden f\u00fcr \u00dcbergriffe von Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder und andere Minderheiten bereitet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 101 2.1.2 Organisation Die Partei mit Sitz in Berlin z\u00e4hlt bundesweit ann\u00e4hernd 7.200 (2006: Leichter Anstieg 7.000) Mitglieder. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, die wiederum der Mitgliederzahl in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Bundesvorsitzender ist seit M\u00e4rz 1996 Udo Voigt; seine Stellvertreter sind Holger Apfel, Peter Marx und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Redaktion und Anzeigenabteilung des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" (DS) befinden sich in Riesa/Sachsen. Dem aus 19 Personen bestehenden Bundesvorstand geh\u00f6ren mehrere ehemalige Aktivisten verbotener neonazistischer Gruppierungen an. Dar\u00fcber hinaus betrachtet die NPD Skinheads als nat\u00fcrliche B\u00fcndnispartner. Dem Landesverband Bayern mit derzeitiger Adresse in Bamberg geh\u00f6ren rund 950 (2006: 900) Mitglieder an, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der Neonaziund Skinhead-Szene. Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 35 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber rund ein Drittel nicht aktiv ist. Der Landesverband wird von Ralf Ollert geleitet. Seine Stellvertreter sind Uwe Meenen (VorsitLandesverband zender des NPD-Bezirksverbands Unterfranken), Roland Wuttke (VorsitBayern zender des NPD-Bezirksverbands Oberbayern) und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, ein ehemaliger Aktivist des 1993 verbotenen neonazistischen Nationalen Blocks (NB). Nach wie vor sind im bayerischen Landesvorstand neben Anh\u00e4ngern der orthodoxen Linie der NPD auch Funktion\u00e4re mit einer \u00fcberwiegend neonazistisch ausgerichteten Ideologie vertreten; ebenso bestehen Verbindungen zur Skinhead-Szene. Die NPD verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber das umfassendste Angebot aller Nutzung des rechtsextremistischen Parteien im Internet. Ihre Homepage enth\u00e4lt Internets mehrere Diskussionsforen sowie ein eigenes Textarchiv mit Schlagwortsuchmodus, \u00fcber den alle bislang von der NPD ver\u00f6ffentlichten Texte abrufbar sind. Die NPD-Landesverb\u00e4nde verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internet-Seiten. \u00dcber eine Linkliste sind Angebote von Untergliederungen der NPD und ihrer Jugendorganisation JN zug\u00e4nglich. NPD und JN unterhalten Verbindungen zu gleich gesinnten Personen und Auslandskontakte Organisationen im westeurop\u00e4ischen Ausland, insbesondere nach Spanien, \u00d6sterreich und Italien. Allerdings ist die NPD ihrem Ziel der Bildung einer nationalistischen nordeurop\u00e4ischen Allianz nicht n\u00e4her gekommen. 2.1.3 Teilnahme an Wahlen Nach Wahlerfolgen in Sachsen (2004) und in Mecklenburg-Vorpommern (2006) will die NPD bei den Kommunalund Landtagswahlen in Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","102 Rechtsextremismus Bayern im Jahr 2008 antreten. Im Rahmen des mit der DVU im Jahr 2004 geschlossenen \"Deutschland-Pakts\" wird die DVU hier nicht antreten. F\u00fcr die NPD sind die Wahlen in Bayern von \"gesamtdeutscher Bedeutung\". Sie hofft als \"bestimmende Gruppierung der nationalen Opposition mit gesamtdeutschen Anspruch\" aus diesen hervorzugehen. So hei\u00dft es in dem Artikel \"Herausragende Heimatverbundenheit - Bayern-Wahlen 2008: Voraussetzungen f\u00fcr NPD-Triumph gegeben\": \"Geht die NPD das Thema \u00dcberfremdung und Identit\u00e4tsverlust zielstrebig an, wird der erste gewaltige Erfolg seit 1968 im Westen f\u00fcr die volkstreue Partei nicht ausbleiben.\" (Deutsche Stimme, Mai, Seite 19) Auf dem 41. ordentlichen Landesparteitag der NPD am 23. September in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, stellte die Partei das \"Bayerische Landtagswahlprogramm 2008/Bayernprogramm 2008\" Wahlprogramm vor. Das Wahlprogramm unter dem Motto \"Heimat statt Globalisierung\" f\u00fcr Bayern benennt zentrale Themengebiete der NPD sowie deren kommunalund landespolitische Forderungen. In der Einleitung hei\u00dft es: \"Jedes Parteioder Wahlprogramm unterliegt dem Gesetz der Zeit. Inhalt und Forderungen stehen im Bezug zu den gegenw\u00e4rtigen Rahmenbedingungen und im Spannungsverh\u00e4ltnis zu realpolitischen Kompetenzen, die zu \u00e4ndern zwar selbst Programm sein kann, deren Wirkung aber in Rechnung gestellt werden mu\u00df. Dieser Einsicht folgt auch der Ansatz des vorliegenden Programms, indem sich die Handlungsans\u00e4tze f\u00fcr die spezielle bayerische Landespolitik vor allem auf das innerhalb des f\u00f6deralistischen BRD-Systems und seiner EU-Einbindung realpolitisch Machbare beziehen. (...) Dies bedeutet nicht, da\u00df der Anspruch auf einen grundlegenden gesamtdeutschen Paradigmenwechsel aufgegeben werden soll, sondern es liegt einzig darin begr\u00fcndet, da\u00df bei der Beschreibung der anvisierten politischen Arbeit im Freistaat auf leere Versprechungen und sachfremde Ank\u00fcndigungsrhetorik verzichtet werden soll.\" Ebenso versucht die NPD bereits seit geraumer Zeit, sich mit aktuellen politischen Themen zu profilieren. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere die Alterssicherung, die Globalisierung, \"Gen-Food\", \u00dcberfremdung, Hartz IV, Zeitarbeit sowie \u00f6rtlich relevante Themengebiete, die von \u00f6ffentlichem Interesse sind, wie z.B. der geplante Ausbau einer dritten Startbahn des Flughafens M\u00fcnchen. In M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg wird die Partei nicht unter ihrem Parteinamen NPD, sondern jeweils als \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" kandidieren. In N\u00fcrnberg ist sie bereits mit dem NPD-Landesvorsitzenden Ralf Ollert seit der Kommunalwahl 2002 im N\u00fcrnberger Stadtrat vertreten (vgl. auch Nummer 2.1.7 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 103 Im NPD-Landesverband Bayern fanden parteiinterne Veranstaltungen zur Vorbereitung der Wahlen 2008, insbesondere zur Aufstellung von Kandidaten statt. Die dabei gew\u00e4hlten Kandidaten werden zum Teil \u00fcber die jeweiligen Internet-Auftritte der einzelnen Kreisverb\u00e4nde pr\u00e4sentiert. 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen Die NPD bem\u00fcht sich seit l\u00e4ngerer Zeit erfolgreich um Absprachen mit anderen rechtsextremistischen Parteien, um ihre Chancen bei Wahlen zu steigern. Mit dem Konzept einer \"Volksfront von rechts\" verfolgt die \"Volksfront von Partei B\u00fcndnisbestrebungen in zwei unterschiedliche Richtungen: Zum rechts\" einen intensiviert sie ihre b\u00fcndnispolitische Orientierung zur Neonazi-Szene; zum anderen strebt sie eine Kooperation mit den \"derzeitigen nationalen Parteien in der BRD\" an, da aufgrund der Zersplitterung dieser Parteien keine in der Lage sei, \"wirksamen politischen Einfluss und gestalterische Macht zu entfalten\". Ziel der B\u00fcndnispolitik ist die \"Konzentration aller nationalen Kr\u00e4fte\" bzw. die Einheit des \"nationalen Lagers\". Der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt und der DVU-Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey vereinbarten am 15. Januar 2005 in einem \"Deutschland-Pakt\" ihre weitere Zusammenarbeit f\u00fcr die Europa-, \"Deutschland-Pakt\" Bundestagsund Landtagswahlen bis 2009. Schon bei vergangenen Wahlen hatte der Verzicht auf Konkurrenzkandidaturen zu Erfolgen von DVU bzw. NPD beigetragen. Seit 2004 ist eine verst\u00e4rkte Ann\u00e4herung zwischen der NPD und den Ann\u00e4herung an \"Freien Nationalisten\" erkennbar. Dem NPD-Bundesvorstand geh\u00f6ren die Neonazi-Szene inzwischen bekannte Neonazis wie J\u00fcrgen Rieger, Sascha Ro\u00dfm\u00fcller und Thomas Wulff an. Allerdings erf\u00e4hrt die von der NPD propagierte \"Volksfront\" bei den \"Freien Nationalisten\" nicht nur Zustimmung. Bei diesen ist die Zusammenarbeit vielfach rein taktisch motiviert und oft von Eigeninteressen gepr\u00e4gt. Die NPD nutzt die Anziehungskraft der Skinheads gezielt f\u00fcr ihre WahlKontakte zu kampfveranstaltungen und Rekrutierungsma\u00dfnahmen. Sie hat sehr Skinheads fr\u00fch den hohen Stellenwert der rechtsextremistischen Skinhead-Musik erkannt und ist bestrebt, bei eigenen Skinhead-Konzerten jugendliche Besucher f\u00fcr NPD-Aktivit\u00e4ten zu mobilisieren und letztlich f\u00fcr die Ziele der Partei zu gewinnen. Daher bieten die NPD bzw. deren Aktivisten, die wie beispielsweise Norman Bordin enge Verbindungen zur Skinhead-Szene besitzen, rechtsextremistischen Skinhead-Bands ein Forum f\u00fcr Auftritte bei Parteiveranstaltungen. Obwohl sich einzelne Skinheads bzw. kleinere Skinhead-Gruppierungen eher unpolitisch geben, sich Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","104 Rechtsextremismus von der NPD distanzieren und eine Politisierung durch Schulungsund Vortragsveranstaltungen kategorisch ablehnen, halten andere Gruppierungen nach wie vor engen Kontakt zu NPD-Verb\u00e4nden. Personelle Die Parteimitgliedschaft f\u00fchrender Neonazis erleichtert der NPD die Verflechtungen Mobilisierung und Integration von Skinheads im Gro\u00dfraum M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, sowie in Oberfranken. Die hohe Pr\u00e4senz von rechtsextremistischen Skinheads in den mittelfr\u00e4nkischen NPD-Strukturen hat weiter zugenommen. Dort rekrutiert sich inzwischen ein Gro\u00dfteil der Vorstandsmitglieder aus der \u00f6rtlichen Neonaziund Skinhead-Szene. Auch Angeh\u00f6rige der Skinhead-Szene im Raum Unterfranken suchen die N\u00e4he zur NPD und nehmen bayernweit an NPD-Veranstaltungen teil. RechtsextremisRechtsextremistische Liedermacher treten mitunter bei Skinhead-Treftische Liedermacher fen, h\u00e4ufiger aber bei Veranstaltungen rechtsextremistischer Parteien wie der NPD auf. Dabei steht die Verherrlichung der ihnen vorschwebenden \"deutschen Ideale\" im Vordergrund: Kameradschaft, Frau als Mutter in der Familie, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarit\u00e4t, Treue und Ordnungssinn. Dar\u00fcber hinaus werden in den Liedern auch die angeblich positiven Seiten des NS-Regimes betont. Zwei bekannte Liedermacher in der bayerischen Szene sind Michael und Annett M\u00fcller. Beide treten bundesweit bei Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene auf. 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten 2.1.5.1 Parteitage Landesparteitag Am 23. September fand in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, in Gremsdorf der bayerische Landesparteitag der NPD statt, an dem sich etwa 130 Mitglieder und Sympathisanten der NPD beteiligten. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Vorstellung des 25-seitigen Wahlprogramms f\u00fcr die Landtagswahl 2008, das unter dem Motto \"Heimat statt Globalisierung!\" steht. Alle Parteimitglieder sind bis zum Fr\u00fchjahr 2008 aufgerufen, \u00c4nderungen oder Erg\u00e4nzungen einzubringen, um das Programm zu einer \"Agenda f\u00fcr ein besseres Bayern\" zu machen. Laut Pressemitteilung des NPD-Landesverbandes zu dem Parteitag verwies der Landesvorsitzende Ralf Ollert auf die \"gute Mitgliederentwicklung\" der NPD, die sich in der Neugr\u00fcndung von Kreisverb\u00e4nden niedergeschlagen habe. Er forderte zudem den politischen Gegner auf, \"sich endlich der politisch-inhaltlichen Auseinandersetzung mit der NPD zu stellen\". Als weiterer Redner trat der stellvertretende BundesvorsitVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 105 zende und Mitglied des bayerischen Landesvorstands Sascha Ro\u00dfm\u00fcller auf, der in seinem Referat die Eckpunkte des Landeswahlprogramms vorstellte, das auch Forderungen nach getrennten Schulklassen f\u00fcr Deutsche und Ausl\u00e4nder und den \"Abzug aller Besatzungstruppen aus Bayern\" enth\u00e4lt. Ein Gastreferat hielt der Chef des parlamentarischen Beraterstabs der NPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag und \"designierte Spitzenkandidat\" der \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" M\u00fcnchen Karl Richter. Er k\u00fcndigte an, den \"etablierten Versagerparteien\" im Wahlkampf nichts schuldig zu bleiben: Die politische Entwicklung treibe auf die nationale Opposition zu. Die NPD hatte ihren f\u00fcr den 27./28. Oktober in Oldenburg/Niedersachsen geplanten Bundesparteitag auf Anfang des Jahres 2008 verschoben, da ihr die Weser-Ems-Halle versagt blieb. Klagen der NPD, wonach die Betreibergesellschaft zur Vermietung der Halle an die NPD verpflichtet sei, wiesen das Verwaltungsgericht Oldenburg und das Oberverwaltungsgericht L\u00fcneburg zur\u00fcck. 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen Die NPD f\u00fchrte ihre traditionelle Aschermittwochsveranstaltung am Politischer 21. Februar in Hengersberg, Landkreis Deggendorf, durch. Im VeranstalAschermittwoch tungslokal hingen Plakate mit Aufschriften wie \"Einwanderung stoppen - Widerstand jetzt\" und \"Stoppt die Kriegstreiber - Keinen Cent f\u00fcr US-Amerika\". Vor etwa 200 Angeh\u00f6rigen des rechtsextremistischen Spektrums referierten u.a. der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt, der bayerische NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert und sein Stellvertreter Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Die Zusage f\u00fcr das urspr\u00fcnglich vorgesehene Veranstaltungslokal hatten dessen Betreiber auf Intervention \u00f6rtlicher Vereine und Verb\u00e4nde zur\u00fcckgenommen. Wegen der am 2. Juni in Schwerin geplanten Gro\u00dfdemonstration gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm verzichtete die NPD auf eine zentrale 1. Mai-Veranstaltung. An den sechs von der NPD organisierten MaikundMaikundgebungen gebungen beteiligten sich insgesamt rund 2.700 Personen. Die gr\u00f6\u00dfte Veranstaltung mit etwa 1.300 Teilnehmen fand in Erfurt statt. Rund 200 Personen nahmen in N\u00fcrnberg an der Demonstration des bayerischen NPD-Landesverbands unter dem Motto \"Statt Globalisierung - Ausbildungsund Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr uns Deutsche in Deutschland!\" teil. Neben dem bayerischen NPD-Landesvorsitzenden Ralf Ollert referierten Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, stellvertretender NPD-Bundesvorsitzender, sowie Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","106 Rechtsextremismus R\u00fcdiger Schrembs, ehemaliges Mitglied im NPD-Landesvorstand Bayern. In einem Rundschreiben der Partei \"Heraus zum 1. Mai!\" hatte Ollert zur Beteiligung an der Veranstaltung aufgerufen: \"Wir m\u00fcssen diese zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4fte als Verr\u00e4ter des deutschen Volks entlarven und der Globalisierung unsere Alternative des sozialen Nationalstaates mit einer raumorientierten Volkswirtschaft entgegen stellen.\" Proteste gegen Eine von der NPD f\u00fcr den 2. Juni in Schwerin angemeldete ProtestG8-Gipfel kundgebung gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm unter dem Motto \"Es gibt keine gerechte Globalisierung\" konnte auf Grund eines gerichtlich best\u00e4tigten Versammlungsverbots nicht durchgef\u00fchrt werden. Eine weitere Protestveranstaltung der NPD wurde ebenfalls verboten. Da sich das von der NPD mit Eilantrag angerufene Bundesverfassungsgericht nicht mehr vor der beabsichtigten Veranstaltung mit der Sache befasste, rief die NPD ihre Anh\u00e4ngerschaft zu \"dezentralen, spontanen Demonstrationen\" auf. Daraufhin kam es am 2. Juni in mehren Bundesl\u00e4ndern zu Protestkundgebungen. Im Vorfeld des G8-Gipfels in Heiligendamm fanden auch in Bayern von April bis Juni so genannte \"Aktionstage\" gegen Globalisierung statt. Hierzu wurden Info-St\u00e4nde in Forchheim und Augsburg betrieben sowie am 9. Juni eine Kundgebung in Regensburg unter dem Motto \"Nein zu Kapitalismus und Imperialismus - Ausbeuter und Kriegstreiber stoppen!\" durchgef\u00fchrt. Am 16. Juni fand in Schmidgaden, Landkreis Schwandorf, der diesj\u00e4h\"Bayerntag\" rige Bayerntag der NPD statt. Vor rund 500 Besuchern traten der damalige JN-Bundesvorsitzende Stefan Rochow, der bayerische NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert sowie die stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Holger Apfel und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller als Redner auf. Der musikalische Teil der Veranstaltung wurde u.a. von der Skinhead-Band WEISSER R\u00dcCKSCHLAG, der schwedischen Rockgruppe FEROX sowie den rechtsextremistischen Liedermachern Annett M\u00fcller und Frank Rennicke gestaltet. 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) Deutschland Bayern Mitglieder: 400 70 Vorsitzender: Michael Sch\u00e4fer Norman Bordin Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: Bernburg/Sachsen-Anhalt Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 107 Mit den JN verf\u00fcgt die NPD als einzige rechtsextremistische Partei \u00fcber Ideologische eine Jugendorganisation. Die JN bekennen sich in Ideologie und ZielAusrichtung setzung zum Programm ihrer Mutterpartei. In ihrem beim Bundeskonan der NPD gress 2002 als \"Perspektive f\u00fcr ein besseres Deutschland\" verabschiedeten \"Manifest der nationalistischen Jugend\" stellen sie das als grundlegendes Prinzip der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geltende Mehrparteiensystem insofern in Frage, als sie eine \"konstruktive parlamentarische Mitarbeit\" erst nach der \"eigentlichen Entscheidung\" dulden wollen. Nachdem die strukturschwachen JN in der zweiten H\u00e4lfte der 90er Jahre ihre fr\u00fchere Bedeutung weitgehend verloren hatten, sind sie nunmehr bestrebt, ihren Anspruch als \"sozialrevolution\u00e4rer Fl\u00fcgel innerhalb der NPD\" zu bekr\u00e4ftigen und wieder mehr eigenst\u00e4ndiges Profil zu gewinnen. Mit der Mitgliederzeitschrift \"Der Aktivist. Zentralorgan der Jungen Nationaldemokraten\", die der JN-Bundesvorstand bis 1999 - zuletzt nur noch mit einer Ausgabe j\u00e4hrlich - herausgegeben hatte, m\u00f6chte die JN k\u00fcnftig den Entwicklungsprozess von einer inaktiven und kleinen Jugendorganisation hin zu einer sozialrevolution\u00e4ren, volkstreuen Jugendbewegung widerspiegeln. Neben Leitartikeln, Schulungstexten und Aktionsberichten will sich die Schrift verst\u00e4rkt kulturellen Themen widmen. Der fr\u00fchere JN-Bundesvorsitzende Rochow erkl\u00e4rte in einem Leitartikel, die JN seien nicht das stumme und kritiklose Anh\u00e4ngsel der NPD. Als Vertreter des nationalrevolution\u00e4ren Fl\u00fcgels innerhalb der Partei sei es f\u00fcr die JN wichtig, ihre politischen Eigenes Vorstellungen auch mittels eines eigenen Publikationsorgans propagiePublikationsorgan ren zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus kritisierte Rochow \"Entwicklungen und Tendenzen\" in der Mutterpartei. So bestehe im \"Kampf um die Parlamente\" die Gefahr der schrittweisen Anpassung und Verb\u00fcrgerlichung. Deutschland brauche dringend eine fundamentale politische Wende. Gleichwohl sei die NPD der parlamentarische Arm der deutschen Volksbewegung und die einzige Alternative zur heutigen Politik gegen die Interessen des Volkes. Auf dem 37. Bundeskongress der JN am 6. Oktober in Hausneindorf/Sachsen-Anhalt, kritisierte der scheidende Bundesvorsitzende Stefan Rochow in seinem Rechenschaftsbericht vor rund 120 Teilnehmern die Mutterpartei NPD. In der Partei gebe es Leute, die an einem Erstarken der JN keinerlei Interesse h\u00e4tten. Rochow betonte, dass die Aktivisten der JN keine \"Jubelperser\" und \"Flugblattverteiler\" Bundeskongress Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","108 Rechtsextremismus f\u00fcr die NPD seien, vielmehr \"ihr Profil nun deutlich sch\u00e4rfen\" m\u00fcssten. Vor diesem Hintergrund sprach er sich f\u00fcr Michael Sch\u00e4fer als Wunschkandidaten im Amt des Bundesvorsitzenden aus. Dieser habe in seiner Vorstellung ein \u00fcberzeugendes Konzept \"Hin zu altem Geist und neuer St\u00e4rke\" dargelegt sowie Ma\u00dfnahmen zur Verbesserung der Gesamtorganisation empfohlen. Bei der anschlie\u00dfenden Wahl sei Sch\u00e4fer - laut Homepage der JN Sachsen-Anhalt - von den Delegierten mit \u00fcberw\u00e4ltiNeuer Bundesgender Mehrheit zum Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt worden. Zudem vorsitzender habe man zwei Stellvertreter, Philipp Valenta und den bayerischen JN-Landesvorsitzenden Norman Bordin, sowie sechs weitere Beisitzer in den Bundesvorstand berufen. Der neue JN-Bundesvorsitzende Michael Sch\u00e4fer hatte sich in einem in der Dezemberausgabe der \"Deutschen Stimme\" ver\u00f6ffentlichten Interview zum k\u00fcnftigen politischen Kurs seiner Organisation ge\u00e4u\u00dfert. Die JN solle in den n\u00e4chsten Jahren zu \"einer modernen und schlagkr\u00e4ftigen nationalistischen Jugendorganisation\" gemacht werden. In Bezug auf die Mutterpartei wolle man kein blo\u00dfes \"Anh\u00e4ngsel\" f\u00fcr Jugendfragen sein, sondern den Kurs der Partei aktiv mitbestimmen. Auf die Frage, wie das Verh\u00e4ltnis der JN zu den \"Freien Kr\u00e4ften\" ausgestaltet werden soll, \u00e4u\u00dferte Sch\u00e4fer, jeder der sich an die Spielregeln halte, d\u00fcrfe auch mitarbeiten. So sehe er die JN in der Funktion eines Bindeglieds \"zwischen der Mutterpartei und den radikaleren Kr\u00e4ften in Gewaltverzicht Deutschland\". Voraussetzung sei allerdings der klare Verzicht auf Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Unter dem Motto \"EU abschalten! Europas Jugend gegen Ausbeutung und Multikulti\" f\u00fchrte der JN-Landesverband Bayern am 5. Mai in \"Europatag\" Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, einen so genannten \"Europain Gremsdorf tag\" durch. An der von der Mutterpartei und \"Freien Kr\u00e4ften\" unterst\u00fctzten Veranstaltung beteiligten sich rund 100 Rechtsextremisten. Leiter des Treffens war der JN-Landesvorsitzende Norman Bordin. Als ausl\u00e4ndische Referenten waren Andreas Thierry (\u00d6sterreich) und Zoltan Illes (Ungarn) erschienen. Der Neonazi Thomas Wulff, der dem Parteivorstand der NPD als Beisitzer angeh\u00f6rt, forderte in seiner Rede die JN dazu auf, \"radikaler als die NPD zu sein\". Hinsichtlich des Verh\u00e4ltnisses der JN zur Mutterpartei einerseits und den \"freien Kameradschaften\" andererseits propagierte er den Gedanken einer geschlossenen Volksfront. JN-Demo in Der JN-Landesverband Bayern veranstaltete am 26. April in Gr\u00e4fenberg, Gr\u00e4fenberg Landkreis Forchheim, eine Versammlung unter dem Motto \"Denkm\u00e4ler sind f\u00fcr alle da - Widerstand jetzt!\". Leiter der Veranstaltung war der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 109 NPD/JN-Funktion\u00e4r und ehemalige Aktivist der verbotenen Neonazigruppe \"Fr\u00e4nkische Aktionsfront\" (F.A.F.) Michael Paulus. An dem Aufzug zum gesperrten Kriegerdenkmal auf dem Michelsberg beteiligten sich \u00fcber 60 Rechtsextremisten. Der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Uwe Meenen erkl\u00e4rte in seiner Rede, dass NPD und JN ihre Aktionen in Gr\u00e4fenberg solange fortsetzen w\u00fcrden, bis wieder \"Normalit\u00e4t in der Gemeinde\" einkehre. Urspr\u00fcnglich hatte Michael Paulus die Demonstration f\u00fcr den 20. April angemeldet. Das Landratsamt Forchheim verbot daraufhin die Veranstaltung und verschob sie auf den 27. April. Die Versammlungsbeh\u00f6rde begr\u00fcndete die zeitliche Verlegung insbesondere mit der Provokationswirkung, die von einer rechtsextremistischen Versammlung am \"F\u00fchrergeburtstag\" ausgehe. Ein gegen diesen Bescheid eingelegter Widerspruch wurde vom Verwaltungsgericht Bayreuth am 20. April ohne m\u00fcndliche Verhandlung zur\u00fcckgewiesen. Die JN verzichteten daraufhin auf weitere Rechtsmittel, reagierten aber mit der erneuten Anmeldung ihrer Versammlung f\u00fcr den 26. April. Die Gemeinde Gr\u00e4fenberg, insbesondere das dortige Kriegerdenkmal auf dem Michelsberg, ist seit 1999 Ziel rechtsextremistischer Demonstrationen. J\u00e4hrlich im November fanden dort revisionistisch ausgerichtete \"Heldengedenken\" statt, an denen sich durchschnittlich etwa 100 Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene (NPD bzw. JN, Neonazis und rechtsextremistische Skinheads) beteiligten. Ende 2006 nahm die rechtsextremistische Szene um Matthias Fischer die seit Jahren bestehende Sperrung des Kriegerdenkmals f\u00fcr Versammlungen zum Anlass, nunmehr regelm\u00e4\u00dfig Versammlungen unter dem Motto \"Denkm\u00e4ler sind f\u00fcr alle da!\" in Gr\u00e4fenberg anzuk\u00fcndigen. Seit Dezember 2006 werden solche Aufz\u00fcge mit unterschiedlicher Beteiligung durchgef\u00fchrt. 2.1.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 2.1.7.1 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" N\u00fcrnberg Die \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" N\u00fcrnberg (BIA-N\u00fcrnberg) wurde im Juli 2001 zum Wahlantritt bei den Kommunalwahlen 2002 gegr\u00fcndet. Bei dieser Wahl erreichte ihr Vorsitzender Ralf Ollert als Spitzenkandidat mit einem Stimmenanteil von 2,3 % einen Sitz im N\u00fcrnberger Stadtrat. Die Gruppierung veranstaltet seit Sommer 2007 wieder verst\u00e4rkt Info-St\u00e4nde; es ist davon auszugehen, dass die Aktivit\u00e4ten im Wahljahr 2008 weiter zunehmen werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","110 Rechtsextremismus 2.1.7.2 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" M\u00fcnchen Die \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" M\u00fcnchen (BIA-M\u00fcnchen) wurde im September wegen Differenzen zwischen der Organisation \"Pro M\u00fcnchen\" (vgl. auch Nummer 2.4 dieses Abschnitts) und der NPD gegr\u00fcndet. Die Gr\u00fcndungsmitglieder w\u00e4hlten aus ihrer Mitte den M\u00fcnchner Publizisten und Chef des Parlamentarischen Beratungsdienstes der NPD-Landtagsfraktion in Sachsen Karl Richter zum Vorsitzenden, der sich gleichzeitig als Spitzenkandidat und OB-Kandidat der Liste zur Verf\u00fcgung stellte. Richter formulierte f\u00fcr den Wahlkampf in M\u00fcnchen: \"Wir sind nicht ausl\u00e4nderfeindlich, sondern inl\u00e4nderfreundlich. Deshalb m\u00f6chte ich in M\u00fcnchen weder eine Gro\u00dfmoschee noch nichtdeutsche Parallelgesellschaften. M\u00fcnchen soll auch in Zukunft lebensund liebenswert bleiben.\" Die BIA-M\u00fcnchen stellt neben der Forderung einer konsequenten Ausweisung hier illegal lebender und krimineller Ausl\u00e4nder den Bau einer geplanten Gro\u00dfmoschee im Stadtteil Sendling in den Mittelpunkt ihrer Agitation. Unterst\u00fctzung Die BIA-M\u00fcnchen wird im Wahlkampf von der NPD unterst\u00fctzt. Die durch die NPD \"Deutsche Stimme\" berichtet in Ihrer Ausgabe vom September \u00fcber die \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\": \"Der NPD-Parteivorstand entschied erst unl\u00e4ngst in M\u00fcnchen auf einen eigenen Wahlantritt zu verzichten und statt dessen die BiA mit Nachdruck zu unterst\u00fctzen. (...) Bleibt nur die 'B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp'. Sie ist seit 2004 bereits im N\u00fcrnberger Stadtrat vertreten und will nun erstmals auch in der bayerischen Landeshauptstadt mit einem klaren Programm den Sprung ins Rathaus schaffen. Au\u00dfer einem unmi\u00dfverst\u00e4ndlichen 'Nein' zu den rot-gr\u00fcnen Moscheepl\u00e4nen will sich die BiA auch f\u00fcr eine konsequente Ausweisung illegaler und krimineller Ausl\u00e4nder f\u00fcr 'mehr Schutz und bessere Bildungschancen f\u00fcr einheimische M\u00fcnchner Kinder' und f\u00fcr den Vorrang einheimischer Leistungsberechtigter bei der Vergabe von Sozialwohnungen starkmachen. (...) Die Zeit ist \u00fcberreif daf\u00fcr, da\u00df den Etablierten auch im M\u00fcnchner Rathaus endlich eine kr\u00e4ftige Brise von rechts ins Gesicht weht. (...) Es w\u00e4re ein Fanal, wenn ausgerechnet im rot-rosa-gr\u00fcnen M\u00fcnchner Stadtrat im M\u00e4rz 2008 der Einbruch gel\u00e4nge.\" (Deutsche Stimme, September, Seite 12) Die Unterst\u00fctzung der NPD wurde auch durch einen Info-Stand des NPD-Bezirksverbands Oberbayern am 20. Oktober in M\u00fcnchen deutlich. Auf dem Karlsplatz wurde \"Die echte M\u00fcnchner Schulhof-CD\" mit dem Titel \"Der Schrecken aller linken Lehrer!\" verteilt, welche von der NPD zusammengestellt worden ist; die CD ist strafrechtlich nicht relevant. Im \"Inlay\" wendet sich Karl Richter direkt an die \"M\u00fcnchner Mitsch\u00fclerinnen und Mitsch\u00fcler!\" und meint: \"Fremde sind das Salz in der Suppe... aber wer will schon eine versalzene Suppe?\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 111 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Deutschland Bayern Mitglieder: 8.000 900 Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey Bruno Wetzel Gr\u00fcndung: 1987 Sitz: M\u00fcnchen Publizistisches Sprachrohr: \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) In ihrem Programm bekennt sich die DVU formal zur freiheitlichen Extremistische demokratischen Grundordnung, doch will sie einige f\u00fcr alle Menschen Grundhaltung g\u00fcltige Grundrechte - beispielsweise den Schutz der Familie - zu B\u00fcrgerrechten reduzieren, die ausschlie\u00dflich Deutschen zustehen sollen. Die rechtsextremistische Grundeinstellung der Partei wird in \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie im Inhalt der im Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard NZ im DSZ-Verlag Frey erscheinenden \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) deutlich. Die w\u00f6chentliche Auflage der NZ betr\u00e4gt rund 35.000 Exemplare. Als publizistisches Sprachrohr der DVU vertritt die NZ deren nationalistische, rassistische und revisionistische Grundhaltung. Die Beitr\u00e4ge sind gepr\u00e4gt von Vereinfachung, Schematisierung und dem Aufbau von Freund-Feind-Bildern. Die rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Propaganda der Partei richRassismus und tet sich insbesondere gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung Nationalismus und die Europ\u00e4ische Union (EU). In einem Artikel der NZ war zu lesen: \"Es wird nichts gegen die Abwanderung deutscher Spitzenkr\u00e4fte unternommen und auch nicht energisch mehr Geburtenwachstum gefordert und gef\u00f6rdert, was dringend n\u00f6tig w\u00e4re. Stattdessen sollen wiederum Ausl\u00e4nder herangezogen werden. Das deutsche Volk, sein Schicksal und sein Nutzen, dessen F\u00f6rderung die einzige Aufgabe der Politiker ist, wird verraten und verkauft.\" (NZ vom 13. Juli, Seite 5) Ausl\u00e4nder werden h\u00e4ufig pauschal als Kriminelle oder WirtschaftsFremdenfl\u00fcchtlinge diffamiert, die eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit darstelfeindlichkeit len w\u00fcrden: \"Nach einem Bericht der Vereinten Nationen leben bis zu 200.000 Sinti und Roma in der Bundesrepublik Deutschland. (...) Unicef forderte von DeutschVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","112 Rechtsextremismus land eine 'gro\u00dfz\u00fcgigere Aufenthaltsregelung' f\u00fcr Roma-Familien, die als Fl\u00fcchtlinge k\u00e4men. (...) Diese Forderungen erscheinen angesichts der stark \u00fcberlasteten deutschen Sozialkassen und der Tatsache, dass Millionen Deutsche, insbesondere Arbeitslose und Rentner in Not und Armut leben m\u00fcssen, geradezu dreist. Au\u00dferdem ist zu fragen, ob es im deutschen Interesse sein kann, mit noch h\u00f6heren Leistungen f\u00fcr zuwandernde Zigeuner einen Massenzuzug von Menschen zu provozieren, die nach der Beschreibung der gleichen Unicef alles andere als eine Bereicherung f\u00fcr Deutschland w\u00e4ren, von denen aber nicht wenige die Kriminalit\u00e4tsrate hierzulande in die H\u00f6he treiben w\u00fcrden.\" (NZ vom 16. M\u00e4rz, Seite 7) Unter der \u00dcberschrift \"Mitten in Berlin: T\u00fcrken jagen Kurden - Wie Deutschland fremde Konflikte importiert\" wird folgendes Szenario beschrieben: \"Der Konflikt zwischen T\u00fcrken und Kurden droht auf Deutschland \u00fcberzugreifen. (...) Die 'Segnungen' der 'multikulturellen Gesellschaft' als Folge der von den Bundestagsparteien zu verantwortenden Masseneinwanderung sind den Deutschen durch den Import jener Konflikte, welche die Immigranten in ihren Heimatl\u00e4ndern austragen, erneut drastisch vor Augen gef\u00fchrt worden. (...) Auch das Beispiel der Kurden zeigt erneut, dass jedes Volk nur im eigenen Nationalstaat seine Identit\u00e4t und sein Gl\u00fcck finden kann, w\u00e4hrend Vielv\u00f6lkerstaaten m\u00f6rderische Konflikte in sich bergen.\" (NZ vom 16. November, Seite 7) DVU vermeidet offenen Antisemitismus, wobei sich ihre antisemitische und antiisraelische Grundhaltung vielfach hinter massiver Kritik an der Politik des Staates Israel verbirgt: Latenter \"So trostlos wie hier im Gaza-Streifen sieht es in den meisten Lagern aus, in Antisemitismus denen die bei der Staatsgr\u00fcndung von Israel und danach aus dem j\u00fcdischen Kernland vertriebenen Pal\u00e4stinenser mit ihren Nachkommen bis heute zu hausen verurteilt sind. H\u00e4ufig bombardiert und zerst\u00f6rt die israelische Armee mit dem Argument der Terror-Bek\u00e4mpfung auch noch die armseligen Behausungen. Das Weltgewissen aber ist gegen\u00fcber diesem zum Himmel schreienden Unrecht merkw\u00fcrdig schweigsam.\" (NZ vom 17. August, Seite 6) In der Agitation gegen j\u00fcdische Einrichtungen klingen mitunter auch revisionistische Tendenzen an: \"Worum es bei der 'Holocaust-Industrie' geht, erl\u00e4uterte der New Yorker Politologe Prof. Dr. Norman Finkelstein: 'Ein ideologisches Konstrukt, das urspr\u00fcnglich den Interessen der j\u00fcdischen Elite in Amerika diente, ist jetzt zu einem Instrument der Bereicherung verkommen, zum Wiedergutmachungsschwindel. Anfang der neunziger Jahre entdeckten Organisationen wie die Jewish Claims Conference eine M\u00f6glichkeit europ\u00e4ische Regierungen abzuzocken, und jetzt laufen sie Amok. Sie betreiben Erpressung ... Bestimmte Individuen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 113 und Organisationen haben den guten Willen der Deutschen f\u00fcr ihre eigenen \u00fcblen Zwecke ausgebeutet ... Der Holocaust ist eine ideologische Keule, mit der Deutschland in Schach gehalten wird.'\" (NZ vom 11. Mai, Seite 3) Wie bisher z\u00e4hlt die Kritik an der \"extrem einseitigen Revisionismus Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" zu den Schwerpunkten der Programmatik: \"Dem heutigen Zeitgeist gem\u00e4\u00df l\u00e4sst Horst K\u00f6hler keine Gelegenheit aus, um 'Kollektivverantwortung' wie eine Erbs\u00fcnde des deutschen Volkes zu zelebrieren.\" (NZ vom 22. Juni, Seite 3) \"Wir erleben heute, und zwar in wachsendem Ausma\u00df, eine sich \u00fcberschlagende Hetze gegen das deutsche Volk, das kollektiv f\u00fcr NS-Verbrechen verantwortlich gemacht wird. (...) Heute bei uns Herrschende aber pflastern Deutschland mit immer mehr oft gigantischen Mahnmalen deutscher Schuld und S\u00fchne zu, w\u00e4hrend unsere Gefallenen und all die Opfer von Menschheitsverbrechen der Sieger u.a. beim Luftterror oder der Vertreibung und in den Lagern der Alliierten keinerlei W\u00fcrdigung erfahren.\" (NZ vom 14. Dezember, Seite 4) Die Verbrechen der Nationalsozialisten werden zwar nicht ausdr\u00fccklich geleugnet, doch wird versucht, diese durch wiederholte Hinweise auf Verbrechen anderer V\u00f6lker zu relativieren: \"Allj\u00e4hrlich zum 8. Mai marschieren sie auf, um die deutsche Niederlage zu feiern und deutsche Schuld zu beschw\u00f6ren, die vielen Organisationen ehemaliger KZ-Insassen (...) Die Massenmedien erinnern bei diesen Gelegenheiten, und nicht nur bei diesen, geradezu mit Wonne an deutsche Untaten aus der fernen Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs, w\u00e4hrend sie die Millionen unschuldigen deutschen Opfer des Bombenterrors, der Vertreibung und der Siegerwillk\u00fcr schamhaft verschweigen oder gar ihr Schicksal als selbst verschuldet verh\u00f6hnen.\" (NZ vom 18. Mai, Seite 4) Nach wie vor ist die Partei bestrebt, rechtsextremistisch motivierte Gewalt Verharmlosung zu relativieren. Unter der \u00dcberschrift \"M\u00fcgeln, Potsdam, Sebnitz ... - Die rechtsextremisschlimmsten F\u00e4lle erfundenen 'rechten Terrors'\" war in der NZ zu lesen: tischer Gewalt \"Wie schon in vielen anderen F\u00e4llen wurde vermeintliche 'Fremdenfeindlichkeit' in Deutschland pomp\u00f6s inszeniert. (...) Umgekehrt interessiert es antideutsche Massenmedien nicht im Geringsten, wenn Deutsche Opfer einer gerade in Gro\u00dfst\u00e4dten mittlerweile allt\u00e4glichen Ausl\u00e4ndergewalt werden. (...) Dr. Mehnert, der sich seit Jahren eingehend mit dem Missbrauch der Medienmacht besch\u00e4ftigt, hat bis in die achtziger Jahre hinein in der DDR gelebt. In der kommunistischen SED-Diktatur waren Gleichschaltung und Agitprop Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","114 Rechtsextremismus offenkundig. Dass aber auch in der Bundesrepublik, raffinierter zwar und verdeckter als in der DDR, Hetze und Verdrehung von Tatsachen in Medien keine Seltenheit sind, wurde ihm im Westen bald klar.\" (NZ vom 31. August, Seite 4) Diffamierung H\u00e4ufig werden demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten demokratischer diffamiert. Auf diese Weise soll das Vertrauen in diese Institutionen und Institutionen den von ihnen getragenen Rechtsstaat untergraben werden. Die Wortwahl macht deutlich, dass es sich dabei nicht um Kritik an einzelnen Entscheidungen oder Entscheidungstr\u00e4gern handelt, sondern am System der parlamentarisch-repr\u00e4sentativen Demokratie: \"Und Politiker, die gelegentlich von 'Werten' faseln, sind geradezu besch\u00e4mend unglaubw\u00fcrdig, so lange sie tatenlos zusehen, wie diese Gesellschaft an die Wand f\u00e4hrt und es sich bis dahin noch gem\u00fctlich machen im fett gepolsterten Di\u00e4tensessel, der satte Pfr\u00fcnde bis ans Lebensende sichert. Hier geht es nicht um Wiederwahl und Redezeit bei 'Christiansen', hier geht es um die Zukunft unseres Volkes!\" (NZ vom 8. Juni, Seite 7) \"Wohin man also auch schaut: auf alle Politikfeldern betrachtet die Kanzlerin Deutschland als ihre ganz private Beute. Hohle Versprechungen und hei\u00dfe Luft sollen \u00fcber die geistige Leere der kommunistischen Oberfunktion\u00e4rin hinwegt\u00e4uschen.\" (NZ vom 30. M\u00e4rz, Seite 2) \"Am Ende werden wom\u00f6glich sogar die Bundesregierung und der Bundestag privatisiert - schlechter als jetzt k\u00f6nnte allerdings auch dann deutsche Politik kaum gemacht werden!\" (NZ vom 8. Juni, Seite 5) 2.2.2 Organisation R\u00fcckl\u00e4ufige Die Mitgliederzahl der DVU liegt bundesweit bei 7.000 (2006: 8.500). Mitgliederzahl In Bayern verlor die Partei etwa 100 Mitglieder, so dass der derzeitige Mitgliederstand 900 Personen betr\u00e4gt. Seit 1994 hat die Partei damit 13.000 Mitglieder verloren. Die DVU hat keine Jugendorganisation und betreibt auch keine Jugendarbeit. Sie verf\u00fcgt in fast allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung treten. Auf Bezirks-, Kreisund Ortsebene ist die DVU organisatorisch ebenfalls kaum vertreten. Der bedingungslose Machtanspruch des Vorsitzenden Dr. Gerhard Frey l\u00e4sst den Unterorganisationen keinen Handlungsspielraum. Im Verlag des Parteivorsitzenden erscheint die \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) als Werbetr\u00e4ger und publizistisches Sprachrohr der DVU. Nach wie vor ist Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 115 die DVU bei ihrem Vorsitzenden verschuldet. Die Personalunion von Vorsitzendem und Kreditgeber verleiht Dr. Frey eine ungew\u00f6hnliche Machtf\u00fclle. 2.2.3 Parteitage Die DVU f\u00fchrte am 20. Januar in M\u00fcnchen sowohl ihren Bundesals Bundesund auch ihren bayerischen Landesparteitag durch. An der Veranstaltung Landesparteitag nahmen etwa 160 Anh\u00e4nger des rechtsextremistischen Spektrums teil, in M\u00fcnchen darunter zahlreiche NPD-Mitglieder. Der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey referierte zum Thema \"Deutschland wird wieder auferstehen\". Anschlie\u00dfend bekr\u00e4ftigte der NPD-Vorsitzende Udo Voigt in seiner Rede die Einhaltung des Wahlabkommens zwischen DVU und NPD. Bei den Vorstandswahlen wurden der DVU-Vorsitzende Dr. Frey sowie seine Stellvertreter Siegfried Tittmann (vgl. auch Nummer 2.2.4 dieses Abschnitts) und Bruno Wetzel in ihren Funktionen best\u00e4tigt, desgleichen die Beisitzer Liane Hesselbarth, Hans-Otto Weidenbach und Dietmar T\u00f6nhardt, welcher jedoch am 2. August seinen Austritt aus der Partei erkl\u00e4rt hat. Die Witwe des ehemaligen DVU-Pressesprechers Frigga Dr\u00f6se, der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende Dr. Thomas Mehnert sowie die Landesvorsitzenden von Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen Ingmar Knop und Max Branghofer wurden neu in den Parteivorstand berufen. Auf dem bayerischen Landesparteitag wurden der Landesvorsitzende Dr. Bruno Wetzel, seine Stellvertreter Dr. Thomas Mehnert, Robert Gerigk, Walter Baur und Michaela Schmidinger sowie die Beisitzer Gerhard Burghard, Reiner Degner, Karsten Kriwat und Irmgard Mihai wiedergew\u00e4hlt. Als neue Beisitzer geh\u00f6ren dem Parteivorstand Merlind Dr\u00f6se, Rainer Goldmann und Peter Knott an. 2.2.4 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD Die Vorsitzenden von DVU und NPD, Dr. Gerhard Frey und Udo Voigt, hatten nach den Wahlerfolgen in Brandenburg und Sachsen im Jahr 2004 beschlossen, dass beide Parteien auch bei der folgenden Bundestagswahl und der Europawahl 2009 kooperieren werden und dass k\u00fcnftig m\u00f6glichst nur eine \"nationale Liste\" aufgestellt werden solle. Am 15. Januar 2005 schrieben die Parteivorsitzenden in einer als \"Deutschland-Pakt\" bezeichneten Vereinbarung ihre weitere Zu\"Deutschland-Pakt\" sammenarbeit f\u00fcr die Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009 fort. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","116 Rechtsextremismus Wahl zur Bei der B\u00fcrgerschaftswahl am 13. Mai in Bremen erhielt die DVU lanBremischen desweit 2,7 % (2003: 2,3 %) der Stimmen. In den getrennt gez\u00e4hlten B\u00fcrgerschaft Wahlbereichen Bremen und Bremerhaven erzielte sie 2,2 % (2003: 1,4 %) bzw. 5,4 % (2003: 7,1 %). Aufgrund einer Besonderheit des Bremer Wahlrechts, das f\u00fcr den Einzug in das Parlament die \u00dcberwindung der 5 %-Sperrklausel in nur einem Landesteil fordert, erhielt die DVU wieder einen Sitz in der B\u00fcrgerschaft. Ungeachtet des \"Deutschland-Pakts\" mit der NPD hatte die Partei Vertretern der NPD diesmal keine Listenpl\u00e4tze einger\u00e4umt. Die DVU hatte einen kostenintensiven Wahlkampf mit Parolen wie \"Kriminelle Ausl\u00e4nder raus!\", \"Arbeit statt Zuwanderung\", oder \"Geld f\u00fcr Deutsche statt Bundeswehr im Ausland\" gef\u00fchrt. Nach eigenen AnWahlkampf-CD gaben lie\u00df sie seit der zweiten M\u00e4rzwoche eine CD mit dem Titel \"Stolz und frei\" in einer Auflage von 150.000 Exemplaren an Schulen und auf \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen verteilen und in Hausbriefk\u00e4sten einwerfen. Die CD enth\u00e4lt alle drei Strophen des Deutschlandliedes, das DVU-Lied \"Stolz und frei sind wir geboren\" sowie weitere acht Musikst\u00fccke, die zum deutschen Liedgut z\u00e4hlen bzw. der Klassik zuzurechnen sind. Entsprechend richtet sich die Auswahl der Musikst\u00fccke eher an \u00e4ltere W\u00e4hler. Schon bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 26. M\u00e4rz 2006 hatte die DVU - unter dem selben Titel - eine Art \"Schulhof-CD\" im Internet angek\u00fcndigt, die aber u.a. mit St\u00fccken der rechtsextremistischen Liedermacher Annett und Michael M\u00fcller eindeutig Neuund Jungw\u00e4hler ansprechen sollte. Siegfried Tittmann, stellvertretender DVU-Bundesvorsitzender und stellvertretender DVU-Landesvorsitzender in Bremen, hat am 17. Juli aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden die Partei verlassen, da er - so seine Aussage gegen\u00fcber der Presse - die politische Entwicklung in der Partei nicht mehr mittragen k\u00f6nne. Seine Mandate als Bremerhavener Stadtverordneter und als Abgeordneter in der Bremischen B\u00fcrgerschaft will er allerdings bis 2011 behalten. Hintergrund von Tittmanns Schritt d\u00fcrfte die parteiinterne Kritik wegen des f\u00fcr die DVU entt\u00e4uschenden Ergebnisses von nur 2,7 % bei den B\u00fcrgerschaftswahlen vom 13. Mai sein. So hat es im Nachgang hierzu im Bremer DVU-Landesverband \u00dcberlegungen gegeben, \"beim n\u00e4chsten Mal mit einem neuen Gesicht und neuen Ideen auf(zu)warten\". 2.3 Sonstige Organisationen Weitere teils regional, teils bundesweit t\u00e4tige sonstige rechtsextremistische Organisationen sind vielfach nur publizistisch aktiv. Etwaige Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 117 Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich im Allgemeinen auf interne Veranstaltungen, die kaum Au\u00dfenwirkung entfalten. Zu nennen sind hier insbesondere die Gruppierungen - Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) - Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) - Deutsches Kolleg (DK) - Freundeskreis Ulrich von Hutten - Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP). Weitere rechtsextremistische Organisationen sind unter Nummer 9 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. 2.4 B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch und sozial e.V. Bayern Anh\u00e4nger: 20 Sprecher: Stefan Werner, R\u00fcdiger Schrembs Gr\u00fcndung: 2006 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: \"B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch & sozial\" Die \"B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch und sozial e.V.\" (Pro RechtsextremistiM\u00fcnchen) wurde Mitte Januar 2006 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndet. An der sche Wahlplattform Gr\u00fcndungsversammlung nahmen Personen aus dem Umfeld der NPD, DP, DVU und REP teil. Die Gruppierung bezeichnet sich als \"patriotisch-soziales B\u00fcndnis\" und will bei der Kommunalwahl 2008 in M\u00fcnchen antreten. In der \u00d6ffentlichkeit trat die Gruppierung erstmals auf dem \"8. M\u00fcnchner Neujahrstreffen\" am 22. Januar 2006 auf. Unter der Leitung der DP versammelten sich in einer M\u00fcnchener Gastst\u00e4tte rund 120 Vertreter rechtsextremistischer Organisationen, um die Perspektiven eines \"gemeinsamen politischen Kampfs\" zu er\u00f6rtern. An der Veranstaltung beteiligten sich Funktion\u00e4re und Mitglieder der NPD, DVU und DP sowie Angeh\u00f6rige der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen. Das \"9. Politische Neujahrstreffen\" veranstaltete Pro M\u00fcnchen zusammen Neujahrstreffen mit der DP am 28. Januar in F\u00fcrstenfeldbruck. Vor etwa 130 geladenen Teilnehmern aus unterschiedlichen rechtsextremistischen Lagern, die vorwiegend aus M\u00fcnchen und Oberbayern stammten, forderte der VorVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","118 Rechtsextremismus sitzende der NPD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern Udo Past\u00f6rs ein verst\u00e4rktes Engagement der Jugend mit den Worten: \"Im Mittelpunkt steht die Tat ... Unsere Vision ist das Reich.\" Der bayerische NPD-Landesvorsitzende Ralf Ollert und R\u00fcdiger Schrembs, einer der zwei Sprecher von Pro M\u00fcnchen, riefen die Zuh\u00f6rer auf, bei der Landtagswahl und den Kommunalwahlen in Bayern im Jahr 2008 der \"nationalen Alternative\" ihre Stimme zu geben. In der Folge kam es zum Zerw\u00fcrfnis zwischen den NPD-Anh\u00e4ngern und Schrembs. Nach der Gr\u00fcndung der NPD-Tarnorganisation \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" (vgl. auch Nummer 2.1.7.2 dieses Abschnitts) im September distanzierte sich Pro M\u00fcnchen von der NPD. Pro M\u00fcnchen dementiert auf seiner Homepage, dass die NPD ma\u00dfgeblichen Einfluss bei \"Pro M\u00fcnchen\" aus\u00fcbte. Deshalb sei die NPD mit dem B\u00fcndnis unzufrieden. Gegen\u00fcber dem M\u00fcnchner Neonazi Norman Bordin distanzierte sich Pro M\u00fcnchen mit den Worten: \"Wir nehmen als klarer Verfechter von \"Recht und Ordnung\" Menschen wie Bordin nicht nur nicht auf, sondern wir distanzieren uns ausdr\u00fccklich von diesen.\" Pro M\u00fcnchen macht in M\u00fcnchen lebende Ausl\u00e4nder und Randgruppen pauschal f\u00fcr st\u00e4dtische Probleme verantwortlich. Die B\u00fcrgerbewegung Programm zur fordert in ihrem Programm zur Stadtratswahl (Fassung Juni 2007) die Stadtratswahl Ausweisung mehrfach straff\u00e4llig gewordener Ausl\u00e4nder, die Beendigung 2008 der weiteren Zuwanderung in die Sozialsysteme und Bevorzugung von Randgruppen bei der Vergabe st\u00e4dtischer Mittel, die Ablehnung demonstrativer Moscheebauten in Konkurrenz zu christlichen Kirchen und die Verbesserung der Lebenssituation von alteingesessenen M\u00fcnchnern in zunehmend \u00fcberfremdeten Stadtteilen. 2.5 Nation Europa Verlag GmbH Der Nation Europa Verlag in Coburg wurde 1953 gegr\u00fcndet. Ein Jahr sp\u00e4ter konstituierte sich der mit den politischen Interessen des Verlags eng verbundene Verein Nation-Europa-Freunde e.V. Herausgeber der im Verlag erscheinenden Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" sind die Rechtsextremisten Peter Dehoust und Harald Neubauer. Die Zeitschrift bietet Rechtsextremisten eine publizistische Plattform. Mit einer Auflage von etwa 18.000 Exemplaren geh\u00f6rt sie zu den wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorganen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 119 \"Nation & Europa\" (NE) verbreitet Beitr\u00e4ge, die in einer Gesamtschau Revisionismus, eine revisionistische, rassistische und antisemitische Grundhaltung erRassismus, kennen lassen. Antisemitismus \"Politisch sind die Deutschen in eine Babylonische Gefangenschaft geraten. Sie werden fremdbestimmt. Allerdings darf nicht jeder die Dinge beim Namen nennen. Wer es wagt, der Bundesrepublik den demokratischen Charakter abzusprechen, sollte schon sehr hoch im Establishment angesiedelt sein, um nicht wegen 'Verunglimpfung des Staates' vor dem Kadi zu landen. (...) Zur Rettung der Demokratie wird immer nur dann geblasen, wenn sich 'rechts' etwas regt. Alles andere wird ignoriert.\" (NE vom Februar, Seite 4) \"Wer massenhaft Moslems ins Land l\u00e4\u00dft, b\u00fcrgert auch deren Glauben ein. Alles andere widerspr\u00e4che den Gesetzen der Logik. Schon Amerikas Ureinwohnern ist es nicht gelungen, die Zuwanderer aus aller Welt zu indianisieren. Sobald die Mehrheit wechselt, \u00e4ndern sich auch die kulturellen und geistigen Grundlagen des Gemeinwesens. Starke Minderheiten reichen aus, das Bestehende erodieren zu lassen. (...) Jahrzehntelang hat man den Deutschen einzureden versucht, Einwanderung bedeute in erster Linie kulturelle Bereicherung, ein erfreuliches Mehr an Vielfalt. Nach dieser krausen Logik m\u00fc\u00dfte eigentlich auch unserem Rechtssystem ein wenig Scharia gut tun.\" (NE vom Mai, Seite 6) \"Es ist haneb\u00fcchen, die Zuwanderung nach Europa eind\u00e4mmen zu wollen, Millionen von Zuwanderungswilligen in Afrika und Asien aber gleichzeitig zu signalisieren: Jeder, der es erst einmal nach Europa geschafft hat, kann auch bleiben. (...) Die Festschreibung der deutschen Sprache im Grundgesetz - so l\u00f6blich die Forderung auch ist - wird nichts daran \u00e4ndern, da\u00df sich die ethnischen Gewichte in unserem Land weiter unaufhaltsam verschieben - so lange, bis die Frage nach unserer sprachlichen Identit\u00e4t eine rein akademische geworden ist. Dann aber ist es zu sp\u00e4t. (...) Nur wenn das deutsche Volk \u00fcberlebt, hat auch seine Sprache eine Zukunft.\" (NE vom Mai, Seite 52) \"Alle Beteiligten wissen freilich, da\u00df hierzulande einer j\u00fcdischen Einrichtung nicht einfach der Geldhahn zugedreht wird. Geiz w\u00fcrde in einem solchen Fall nicht als geil, sondern als 'antisemitisch' gelten. Der Steuerzahler wird's schon richten, zumal das Museum im n\u00e4chsten Jahr den 60. Jahrestag der Gr\u00fcndung Israels mit einer glanzvollen Sonderschau feiern soll.\" (NE vom September, Seite 58) 3. Neonazismus 3.1 Allgemeines Der Neonazismus umfasst alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","120 Rechtsextremismus Agitationsbzw. totalit\u00e4ren Staates gerichtet sind. Schwerpunktthemen waren wie schwerpunkte in den Vorjahren die angebliche staatliche Verfolgung des \"nationalen Lagers\", die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik der Bundesregierung sowie rassistische und antisemitische Agitation. Seit 2004 werden vermehrt sozialpolitische Themen, insbesondere die Folgen von \"Hartz IV\", diskutiert. Die Gewinner der seit den Verboten neonazistischer Organisationen Ideologische einsetzenden Ideologieund Strategiedebatte des \"nationalen Lagers\" Durchdringung sind die NPD und die JN bzw. deren aus der neonazistischen Szene der NPD stammende F\u00fchrungskader. Deren neonazistische und nationalrevolution\u00e4re Gedankenelemente sind inzwischen integraler Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD geworden und haben das Erscheinungsbild der Partei nachhaltig ver\u00e4ndert. Schulterschluss Die Verzahnung des rechtsextremistischen Spektrums zwischen der des rechtsNPD, neonazistischen Kameradschaften und politisch agierenden rechtsextremistischen extremistischen Skinhead-Szenen hat sich verfestigt. Grund f\u00fcr diese Spektrums Entwicklung ist nach Ansicht der Initiatoren der ungeheure staatliche Druck auf alle \"Nationalen\", dem man nur mit Geschlossenheit begegnen k\u00f6nne, um weitere Verbote von Parteien und Organisationen zu verhindern. Einzelne Neonazis, die sich als \"autonome Nationalisten\" bezeichnen, fordern militantere Aktionsformen. Dabei lehnen sie sich stark an linksextremistische Aktionsmuster an und teilen mit nationalrevolution\u00e4ren Zirkeln die strikte Ablehnung des Parlamentarismus. Den Kameradschaften geh\u00f6ren nicht ausschlie\u00dflich Neonazis an. Auch rechtsextremistische Skinheads, die aufgrund ihrer politischen Aktivit\u00e4ten den Bereich der losen Szenen verlassen haben sind in starkem Ma\u00dfe eingebunden. So wurden in den vergangenen Jahren zunehmend \u00d6rtliche \"Misch-Szenen\" aus Neonazis und rechtsextremistischen Skinheads \"Misch-Szenen\" festgestellt. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die \"Sozialrevolution\u00e4re Aktion Regensburg\" und der Kameradschaftsbund Hochfranken. Kameradschaften gehen in den letzten Jahren vermehrt mit ihrer politischen Arbeit an die \u00d6ffentlichkeit. Hierbei versuchen sie vor allem Jugendliche f\u00fcr ihre Interessen zu gewinnen, indem sie auch Aktionen im vorpolitischen Raum organisieren. Als Kommunikationsmedium werden hierzu sowohl das Internet, Rundbriefe als auch Fanzines (vgl. auch Nummer 4.6 dieses Abschnitts) genutzt. Vor allem durch die Organisa\"Schulhof-CDs\" tion von Skinhead-Konzerten oder die Herausgabe von \"Schulhof-CDs\" sollen Jugendliche mittels Musik an die Szene herangef\u00fchrt werden. Die Musikveranstaltungen werden zum Teil auch in Zusammenarbeit mit der NPD organisiert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 121 F\u00fchrende \"freie Nationalisten\" engagieren sich in der NPD. So treten seit Jahren vermehrt Neonazis in die Partei ein. Teilweise erreichten sie leitende Positionen, wie z.B. Norman Bordin, der seit 2004 NPD-Mitglied und seit 2006 Vorsitzender der JN in Bayern ist. Das Potenzial des neonazistischen Lagers in Bayern erh\u00f6hte sich aufNeonazistisches grund der zunehmenden Politisierung der Skinheads auf rund 400 PerPotenzial sonen (2006: 350); davon bet\u00e4tigen sich etwa 250 (2006: 190) in neonazistischen Organisationen. Dem Spektrum rechtsextremistisch orientierter Skinheads geh\u00f6ren rund 700 Personen (2006: 750) an. Damit z\u00e4hlt das gewaltbejahende rechtsextremistische Potenzial in Bayern insgesamt weiterhin etwa 1.100 Personen. 3.2 Neonazi-Kameradschaften Nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen seit 1992 entwickelten f\u00fchrende Neonazis das Konzept strukturloser ZusamStrukturlose menschl\u00fcsse. Dadurch sollten staatliche Gegenma\u00dfnahmen erschwert Zusammenwerden. Bei diesen Kameradschaften gibt es weder eine formelle Mitschl\u00fcsse gliedschaft noch Vorstandspositionen. Anf\u00fchrer ist meist ein aktiver Rechtsextremist, der es versteht, seinen Gefolgsleuten die den ideologischen Zusammenhalt st\u00e4rkenden \"Feindbilder\" zu vermitteln. In Bayern sind folgende neonazistische Kameradschaften erw\u00e4hnenswert: 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen Die seit Fr\u00fchsommer 2004 unter der Bezeichnung \"Kameradschaft M\u00fcnchen\" aktive Gruppe z\u00e4hlt rund 20 Anh\u00e4nger. Diese rekrutierten Zusammenschluss sich zum Teil aus Mitgliedern der im Herbst 2003 durch Exekutivma\u00dfvon Neonazis nahmen zerschlagenen \"Kameradschaft S\u00fcd - Aktionsb\u00fcro S\u00fcd\" (AS). Ihr Leiter war urspr\u00fcnglich der Neonazi Norman Bordin, der Ende 2001 das AS gegr\u00fcndet hatte, bis M\u00e4rz 2004 eine Freiheitsstrafe verb\u00fc\u00dfte und danach wieder die F\u00fchrung der verbliebenen Mitglieder des AS \u00fcbernahm. Im Jahr 2007 veranstalte die Gruppe keine eigenen \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen, da Bordin aufgrund seiner Funktion als bayerischer JN-Vorsitzender seine parteipolitischen Ambitionen in den Vordergrund stellt. Angeh\u00f6rige der Kameradschaft nehmen nunmehr verst\u00e4rkt an Veranstaltungen von NPD und JN teil. Das \u00fcberregionale Engagement der Kameradschaft M\u00fcnchen zeigt sich an intensiven Kontakten zu anderen bayerischen Neonazi-Gruppen. Die Verbindungen zur NPD wurden seit dem Parteieintritt von Norman Bordin im Herbst 2004 weiter intensiviert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","122 Rechtsextremismus 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) Spaltergruppe der Die Autonomen Nationalisten M\u00fcnchen (ANM), die sich auch \"Munich Kameradschaft Allstars\" nannten, wurden im Sommer 2005 von Dissidenten der KameM\u00fcnchen radschaft M\u00fcnchen gegr\u00fcndet. Ursache der Abspaltung war vor allem ein Machtkonflikt zwischen Bordin und seinem Stellvertreter Hayo Klettenhofer. Bordins angeblich zu wenig gewaltorientierter Kurs war innerhalb der Kameradschaft M\u00fcnchen nach mehreren \u00dcbergriffen linksextremistischer Aktivisten zunehmend umstritten. Erstmals traten die ANM unter F\u00fchrung von Klettenhofer am 2. Juni 2005 in Bayern \u00f6ffentlich auf. Die einheitlich schwarz gekleideten elf Aktivisten trugen zur Tarnung Sonnenbrillen und schwarze Baseballm\u00fctzen. Am 3. Mai fand in M\u00fcnchen am Odeonsplatz vor der Feldherrnhalle der bundesweit in mehreren St\u00e4dten zeitgleich stattfindende \"Israel-Tag\" des Vereins \"I like Israel e.V.\" statt. W\u00e4hrend der Pro-Israeli-Veranstaltung versuchte Klettenhofer mit einer Gruppe von mehreren ANM-Aktivisten das Treffen durch rechtsextreme Parolen zu st\u00f6ren; einige Rechtsextremisten zeigten den Hitlergru\u00df. Die Polizei unterband die Aktion der Rechtsextremisten und leitete gegen zw\u00f6lf Personen strafrechtliche Ermittlungen ein. 3.2.3 Sozialrevolution\u00e4re Aktion Regensburg In Regensburg bestand seit Herbst 2004 die von einem NPD-Aktivisten gegr\u00fcndete und geleitete Kameradschaft Asgard-Ratisbona. Die Gruppierung, die sich \u00fcberwiegend aus Skinheads und Neonazis der rechtsextremistischen Szenen in Abensberg, Kelheim und Regensburg rekrutierte, z\u00e4hlte etwa 20 Personen. Sie trat in Regensburg und der n\u00e4heren Umgebung mit Informationsst\u00e4nden, Flugblattaktionen und Mahnwachen in Erscheinung. Nach einer Phase der Umstrukturierung nennt sich die Gruppierung seit dem Berichtsjahr \"Sozialrevolution\u00e4re Aktion Weniger Regensburg\". Die Anh\u00e4ngerschaft, die weiterhin rechtsextremistisch Anh\u00e4nger aktiv ist, hat sich verringert. Angeh\u00f6rige der \"Sozialrevolution\u00e4ren Aktion Regensburg\" und Aktivisten aus dem Umfeld der \"Autonomen Nationalisten\" wollten sich am 3. M\u00e4rz an einer Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Regensburg anschlie\u00dfen. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen mit Teilnehmern des Aufzugs. Durch die Polizei erfolgten Personalienfeststellungen und drei Strafanzeigen gegen die beteiligten Rechtsextremisten u. a. wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 123 3.2.4 Kameradschaft Main-Spessart Die im Gro\u00dfraum W\u00fcrzburg im Jahr 2005 gegr\u00fcndete Kameradschaft Main-Spessart besteht aus 10 bis 15 Mitgliedern. Die Gruppierung trat erstmals im Oktober 2006 mit einer Verteilaktion \u00f6ffentlichkeitswirksam auf. Dabei wurden im Bereich eines Schulzentrums in Lohr a. Main etwa 40 Aufkleber verbreitet, auf denen u.a. Horst Wessel in SA-Uniform mit dem Spruch \"Frei, sozial und national!\" abgebildet war. Im November 2006 ver\u00f6ffentlichte die Kameradschaft im Internet eine Selbstdarstellung mit ihren Zielen. Darin fordert sie den Kampf \"f\u00fcr ein freies, selbstbestimmtes neues Deutschland. Als junge Deutsche wehren wir uns gegen die volkszerst\u00f6rende Multi-Kulti Gesellschaft, gegen die immer noch fortw\u00e4hrende Besatzung unserer Heimat durch fremde M\u00e4chte und gegen die nationale identit\u00e4tsvernichtende Globalisierung des kapitalistisch-neoliberalen Systems.\" Im Jahr 2007 erfolgte eine Ann\u00e4herung der Kameradschaft an die NPD. Ann\u00e4herung Kameradschaftsangeh\u00f6rige nahmen in der Folge vermehrt an Kundan die NPD gebungen und Demonstrationen der NPD/JN teil. 3.2.5 Anti-Antifa N\u00fcrnberg Die Anti-Antifa N\u00fcrnberg ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Personen, der sich die Aufkl\u00e4rung von \"politischen Gegnern\" zum Ziel gesetzt hat. Sie betreibt eine Internet-Plattform, die \u00fcber linksextremistische - vor allem autonome - Aktivit\u00e4ten im Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg informiert. Auf dieser Internet-Seite wurden beispielsweise im November unter dem Motto \"Den Feind erkennen - den Feind benennen\" die Biographien vermeintlicher Aktivisten der linksextremistischen \"Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend\" ver\u00f6ffentlicht. Auch Anti-Antifa-Aktionen werden thematisiert. So haben am 15. Mai unbekannte T\u00e4ter auf zwei Eingangst\u00fcren der Wohnung eines vermeintlichen politischen Gegners in F\u00fcrth das Emblem der Anti-Antifa N\u00fcrnberg \"Good Night left side\" mit Hilfe einer Farbschablone aufgespr\u00fcht. Die Aktion wurde unter das Motto \"Beherzte Anti-Antifa-Offensive in Mittelund Oberfranken!\" gestellt. 3.2.6 Kameradschaftsbund Hochfranken Der Anfang 2006 von Anh\u00e4ngern der Kameradschaften Wunsiedel und Hof gegr\u00fcndete Kameradschaftsbund Hochfranken (KBH) geh\u00f6rt zu Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","124 Rechtsextremismus Organisationsden aktivsten Neonazi-Gruppierungen in Nordbayern. Er z\u00e4hlt etwa 25 \u00fcbergreifender Mitglieder und versteht sich als ein loser parteiund organisations\u00fcberZusammenschluss greifender Zusammenschluss von \"Nationalisten und Patrioten\" aus dem gesamten ostoberfr\u00e4nkischen Raum. Viele Anh\u00e4nger des Kameradschaftsbunds sind gleichzeitig NPD-Mitglieder. Die Gruppierung betreibt eine eigene Internet-Seite. Am 11. Juni wurden in Wunsiedel vor der Hauptund Realschule sowie am Busbahnhof mehrere Hundert \"Schulhof-CDs\" an Kinder und Jugendliche verteilt. Die Aktion wurde von dem Kameradschaftsbund Hochfranken durchgef\u00fchrt, der diesen Tontr\u00e4ger mit dem Titel \"60 Minuten Musik gegen 60 Jahre Umerziehung\" auch zusammengestellt hat. Bei den auf der CD enthaltenen Liedern verschiedener rechtsextremistischer Musikgruppen aus dem Inund Ausland handelt es sich um Aufnahmen, die bereits auf anderen CDs ver\u00f6ffentlicht wurden. Das Cover wirbt ausdr\u00fccklich f\u00fcr den KBH und verweist hierzu auch auf dessen Internet-Seite. Eine \u00e4hnliche Verteilaktion hatte am 4. Juni in Pirna/Sachsen stattgefunden. Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Verdachts der Volksverhetzung stellte die Polizei am 22. Juni bei Durchsuchungen im Raum Hof, Chemnitz und Pirna knapp 600 CDs, 50 Cover sowie einen Karton mit Flyern sicher. Im Fr\u00fchjahr wurde die \"Bundesgesch\u00e4ftsstelle\" der neonazistischen Kleingruppe Kampfbund \"Kampfbund Deutscher Sozialisten\" (KDS) beim Kameradschaftsbund Deutscher Hochfranken angesiedelt. Der KDS, der 1999 gegr\u00fcndet wurde, sieht Sozialisten (KDS) sich als parteiund organisationsunabh\u00e4ngiger Zusammenschluss auf der Basis des Bekenntnisses zu \"Volk und Heimat\". Der Kameradschaftsbund Hochfranken begr\u00fcndet auf seiner Internet-Seite die Einbindung der \"KDS-Bundesgesch\u00e4ftsstelle\" mit dem Ziel der \"Vernetzung mit Kameradengruppen, die sich ebenso als Teil des sozialrevolution\u00e4ren Befreiungsnationalismus verstehen (...) entscheidend (f\u00fcr diesen Schritt) war die \u00dcbereinstimmung mit der Zielsetzung des KDS, im Rahmen der QUERFRONTSTRATEGIE revolution\u00e4re antikapitalistische Kr\u00e4fte von Links und Rechts zusammen zu f\u00fchren\". 3.2.7 Kameradschaft Augsburg Die seit 2004 aktive Kameradschaft Augsburg orientierte sich zuletzt am Konzept der \"Autonomen Nationalisten\". Dementsprechend traten die Angeh\u00f6rigen in der \u00d6ffentlichkeit schwarz gekleidet auf. Die etwa Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 125 15-k\u00f6pfige Gruppierung unterh\u00e4lt enge Kontakte zum \"Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Opposition e.V.\", zu M\u00fcnchner Neonazikreisen und zu Rechtsextremisten aus Friedrichshafen. Am 3. November nahm die Kameradschaft Augsburg an einer Demonstration mit dem Motto \"Sicherheit JA - \u00dcberwachung NEIN, Meinungsfreiheit erhalten, Grundrechte st\u00e4rken\" in der Augsburger Innenstadt teil. Insgesamt waren etwa 120 Rechtsextremisten anwesend, die weitgehend den \"Autonomen Nationalisten\" zugerechnet werden konnten. An der Veranstaltung beteiligte sich auch der NPD-Funktion\u00e4r Roland Wuttke aus M\u00fcnchen. 3.3 Aktivit\u00e4ten zum 20. Todestag von Rudolf He\u00df Anl\u00e4sslich des 20. Todestags von Hitlers ehemaligem Stellvertreter Rudolf He\u00df meldete der Neonazi und Rechtsanwalt J\u00fcrgen Rieger f\u00fcr den 18. August eine zentrale Gedenkveranstaltung in Wunsiedel an. Das Landratsamt Wunsiedel erlie\u00df einen Verbotsbescheid, der sich insErneutes besondere auf die am 1. April 2005 in Kraft getretene Vorschrift des SS 130 VersammlungsAbs. 4 StGB st\u00fctzte. Danach macht sich derjenige strafbar, der in einer verbot Versammlung den \u00f6ffentlichen Frieden in einer die W\u00fcrde der Opfer verletzenden Weise dadurch st\u00f6rt, dass er die nationalsozialistische Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt. Bereits in den Vorjahren hatte die Versammlungsbeh\u00f6rde die zentrale He\u00df-Kundgebung verboten. Die dagegen eingelegten Rechtsbehelfe blieben vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht erfolglos. Nachdem das Bundesverfassungsgericht am 13. August erneut das Verbot einer zentralen Rudolf He\u00df-Gedenkveranstaltung im oberfr\u00e4nkischen Wunsiedel best\u00e4tigt hatte, f\u00fchrten Vertreter der NPD und der neonazistischen Szene Veranstaltungen an anderen Orten durch. So veranstaltete die rechtsextremistische Szene am 17., 18. und 19. August dezentrale Veranstaltungen in Bayern und anderen Bundesl\u00e4ndern. Zur Umgehung eines Verbots von \"Ersatzveranstaltungen\" w\u00e4hlten die Veranstalter in Bayern mit einer Ausnahme Demonstrationsmottos, die keinen direkten Bezug zu dem 1987 verstorbenen und in Wunsiedel beerdigten Rudolf He\u00df aufwiesen. Insgesamt beteiligten sich - wie im Vorjahr - bundesweit etwa 1.200 Personen an den Aktionen; Schwerpunkte waren Kundgebungen in Jena/Th\u00fcringen sowie in Gr\u00e4fenberg, Landkreis Forchheim, und Friedrichshafen/Baden-W\u00fcrttemberg. In Gr\u00e4fenberg beteiligten sich am 18. August etwa 260 RechtsextreDemonstration misten an einer Demonstration mit Aufzug und Kundgebung unter in Gr\u00e4fenberg dem Motto \"Denkm\u00e4ler sind f\u00fcr alle da!\". Die Veranstaltung hatte der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","126 Rechtsextremismus NPD-Kreisvorsitzende und ehemalige Aktivist der verbotenen neonazistischen Fr\u00e4nkischen Aktionsfront (F.A.F.) Lutz Passon angemeldet. Als Hauptredner trat der Landesvorsitzende der NPD in Mecklenburg-Vorpommern und Abgeordnete des dortigen Landtags Udo Past\u00f6rs auf. Dieser sprach u.a. von einem \"g\u00f6ttlichen Auftrag der NPD\". Ferner referierte der NPD-Funktion\u00e4r und ehemalige \"F\u00fchrer\" der verbotenen neonazistischen Fr\u00e4nkischen Aktionsfront (F.A.F.) Matthias Fischer, der dabei auch die Fortsetzung der \"Demonstrationswelle\" in Gr\u00e4fenberg und eine bundesweite Mobilisierung ank\u00fcndigte. Ein Verbot dieser Veranstaltung durch das Landratsamt Forchheim war vom Verwaltungsgericht Bayreuth aufgehoben worden; der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte zudem die Beschwerde des Landratsamts gegen die Verwaltungsgerichtsentscheidung zur\u00fcckgewiesen. Versammlung In M\u00fcnchen fand bereits am 17. August eine Versammlung unter dem in M\u00fcnchen Motto \"Meinungsfreiheit - 365 Tage im Jahr. Maulkorbparagraphen abschaffen\" statt. An der Veranstaltung, die von dem stellvertretenden Landesvorsitzenden der JN Thomas Wittke angemeldet worden war, nahmen etwa 100 Personen aus der rechtsextremistischen Szene teil. Redebeitr\u00e4ge lieferten die Neonazis und NPD-Funktion\u00e4re J\u00fcrgen Rieger und Thomas Wulff, sowie der oberbayerische NPD-Bezirksvorsitzende Roland Wuttke. Die Polizei leitete strafrechtliche Ermittlungen ein, weil einzelne Versammlungsteilnehmer gegen die Auflage des Kreisverwaltungsreferats der Landeshauptstadt M\u00fcnchen verstie\u00dfen, keine Bez\u00fcge zur Person von Rudolf He\u00df herzustellen. Ebenfalls f\u00fcr den 17. August hatte der Neonazi und JN-Landesvorsitzende Norman Bordin in M\u00fcnchen eine \u00f6ffentliche Versammlung angemeldet, die er in der Szene als \"einzige in der BRD zugelassene Mahnwache zum Gedenken an Rudolf He\u00df\" anpries. Die Landeshauptstadt VersammlungsM\u00fcnchen erlie\u00df am 16. August ein Verbot mit der Begr\u00fcndung, dass es verbot in M\u00fcnchen sich bei der beabsichtigten Veranstaltung um einen Ersatz f\u00fcr die verbotene Demonstration in Wunsiedel handle. Dagegen legte Bordin Rechtsmittel ein; hatte damit aber weder vor dem Verwaltungsgericht M\u00fcnchen noch vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Erfolg. Neben den \u00f6ffentlichen Versammlungen wurde auch mittels Propagandaaktionen versucht, Rudolf He\u00df als Repr\u00e4sentanten des NS-Regimes zu ehren. So nahm die Polizei in Bayern am 15. August sechs Personen im Alter von 16 bis 36 Jahren fest, die gerade dabei waren, im Stadtgebiet Augsburg Plakate mit Bezug zum 20. Todestag von Rudolf He\u00df anzubringen. Einige der Festgenommen geh\u00f6ren der NPD/JN bzw. der DVU in Augsburg an. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 127 4. Rechtsextremistische Skinheads 4.1 \u00dcberblick Die Skinhead-Bewegung entstand Ende der 60er Jahre in Gro\u00dfbritannien und trat erstmals Ende der 70er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung. Sie war urspr\u00fcnglich eine jugendliche SubJugendliche kultur, die durch ihr Auftreten eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerSubkultur lichen Gesellschaft signalisierte. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kleidung oder Haarschnitt lassen heute keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf eine Zuordnung zur Skinhead-Szene mehr zu, da mittlerweile auch viele unpolitische Jugendliche ein entsprechendes Aussehen zeigen. Die Beachtung, die rechtsextremistischen Skinheads in der \u00d6ffentlichkeit und in den Medien zuteil wird, ist auf ihre brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die sich gegen Ausl\u00e4nder, Asylbewerber und soziale Randgruppen, aber auch gegen \"Linke\" richten. 4.2 Politische Ausrichtung Die politischen Ansichten der Skinhead-Subkultur reichen von den so genannten Redskins (linksextremistisch beeinflusste Skinheads) \u00fcber die Redskins so genannten SHARPs (Skinheads against racial prejudice - Skinheads SHARPs gegen rassistische Vorurteile) und die Oi-Skinheads (\"unpolitische SkinOi-Skinheads heads\") bis hin zur Mehrheit der rechtsextremistischen Skinheads einschlie\u00dflich der so genannten White Power-Skinheads. Die entsprechende White Powerpolitische \u00dcberzeugung bildet sich je nach Einzelfall nicht selten erst Skinheads nach Beitritt in die Szene st\u00e4rker aus. Skinheads sind deshalb zun\u00e4chst zu einer rational bestimmten politischen Meinungsbildung kaum f\u00e4hig und an einer fundierten politischen Auseinandersetzung nicht interessiert. In ihren Kreisen hat sich eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische Weltanschauung herWeltanschauung ausgebildet. Sie ist von rassistisch motivierter Fremdenfeindlichkeit sowie \u00fcbersteigertem Nationalbewusstsein gepr\u00e4gt und kn\u00fcpft insofern an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus an. Diese Einstellung spiegelt sich in meist spontanen Gewalttaten wider. Opfer sind nach wie vor Ausl\u00e4nder, aber auch Personen aus sozialen Randgruppen sowie \"Linke\", also alle zu ihren Feindbildern z\u00e4hlenden Menschen. Skinheads dienen rechtsextremistischen Organisationen als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Fr\u00fchere Vorbehalte der Skinheads gegen\u00fcber diesen Organisationen haben stark abUnterst\u00fctzung genommen. Aktionen der NPD und JN werden von Skinheads massiv von Aktionen unterst\u00fctzt; ein Gro\u00dfteil der Besucher von NPD-Gro\u00dfkundgebungen der NPD und JN Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","128 Rechtsextremismus geh\u00f6rt der Skinhead-Szene an. Enge Kontakte bestehen nach wie vor - insbesondere in den R\u00e4umen N\u00fcrnberg, Ingolstadt und Hof - zwischen den dortigen Skinhead-Szenen und den JN bzw. der NPD. Versuche von Neonazis, Skinheads f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige ernsthafte politische T\u00e4tigkeit zu gewinnen, waren dagegen bislang wenig erfolgreich, da diese einer intensiven ideologischen Schulung kaum zug\u00e4nglich sind. Inzwischen ist jedoch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Skinheads und Neonazis feststellbar. 4.3 Strukturen Die Skinhead-Szene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen. Diese informellen F\u00fchrer wandern sp\u00e4ter zum Teil in andere rechtsextremistische Gruppierungen ab. R\u00fcckgang der In Bayern ist die Zahl der Skinheads mit rechtsextremistischem Hintergrund Zahl der im Vergleich zum Vorjahr von 750 auf 700 erneut leicht zur\u00fcckgeganSkinheads gen. Dabei hat sich die Tendenz fortgesetzt, dass sich Skinhead-Gruppierungen oder Einzelaktivisten auch Neonazi-Gruppierungen anschlie\"Misch-Szenen\" \u00dfen. Daraus resultierende \"Misch-Szenen\" entstanden vor allem in Nordbayern. Gr\u00f6\u00dfere neue Skinhead-Szenen hingegen wurden in Bayern nicht bekannt. Schwerpunkte im Skinhead-Spektrum stellen in Bayern nach wie vor die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg dar; dort lagen 2007 auch die Schwerpunkte der Gewalttaten. Skinheads sind sehr mobil und k\u00f6nnen aufgrund ihrer engen Vernetzungen in k\u00fcrzester Zeit gemeinsam Aktionen bzw. Veranstaltungen planen und durchf\u00fchren. Nach wie vor besteht seitens des Staates ein intensiver \u00dcberwachungsdruck auf die Skinhead-Szene. 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche Die Anziehungskraft der Skinhead-Szene, insbesondere auf m\u00e4nnliche M\u00f6gliche Jugendliche, h\u00e4lt an. Die Beweggr\u00fcnde, die junge Menschen in diese Einstiegsmotive Subkultur treiben, sind vielf\u00e4ltig: jugendliche Protesthaltung, Provokation und Tabubruch, sowie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung mit den h\u00e4ufigen Folgen einer Entwurzelung und einer zunehmenden Entfremdung vom Elternhaus, Perspektivlosigkeit in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen und einem begonnenen oder bef\u00fcrchteten Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 129 Rechtsextremistische Skinhead-Szenen in Bayern 2007 Raum Raum Coburg Coburg Aschaffenburg Raum ca. 15 Bayreuth/Hof ca.25 ca. 25 Aschaffenburg Raum Bayreuth W\u00fcrzburg Bamberg ca. 15 Raum W\u00fcrzburg/ Raum Lohr am Main Erlangen Raum Amberg/ Schwandorf/Weiden ca. 35 ca. 25 N\u00fcrnberg ca. 35 Gro\u00dfraum Ansbach N\u00fcrnberg Raum ca. 50 Cham/Roding Raum Ansbach/ ca. 20 Schwabach ca. 25 Raum Regensburg Angeh\u00f6rige der Ingolstadt Skinhead-Szenen Raum ca. 30 Regensburg Ingolstadt ca. 30 Raum Passau Dillingen Raum Augsburg/ Raum Friedberg/Aichach Landshut Landshut Raum Passau/ ca. 15 Deggendorf/ ca. 25 ca. 10 Neu-Ulm Straubing Augsburg Raum Raum Erding ca. 25 Neu-Ulm ca. 35 ca. 10 Raum Landsberg/ F\u00fcrstenfeldbruck M\u00fcnchen Raum Krumbach/ ca. 15 Gro\u00dfraum Raum Memmingen M\u00fcnchen Traunstein ca. 25 ca. 110 ca. 15 Gro\u00dfraum Rosenheim Oberallg\u00e4u/ Raum Unterallg\u00e4u Raum Weilheim Rosenheim ca. 35 Geretsried ca. 15 ca. 35 sozialen Abstieg. Hinzu kommt das durch die Szene vermittelte Gemeinschaftserlebnis und das daraus folgende Gef\u00fchl eigener St\u00e4rke und Anerkennung in einer sozialen Gruppe. Den Jugendlichen werden einfache Erkl\u00e4rungen und einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme angeboten. Skinheads entstammen zu einem erheblichen Teil, aber nicht ausschlie\u00dflich, den unteren sozialen Schichten. Die meisten Skinheads finden sich in der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren, \u00e4ltere Szene-AngeAltersstruktur Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","130 Rechtsextremismus h\u00f6rige sind die Ausnahme. Die so genannten Jungglatzen sind erst 12 Renees bis 13 Jahre alt. Auch M\u00e4dchen, die Renees, geh\u00f6ren dieser Subkultur an, sind jedoch zahlenm\u00e4\u00dfig in der Minderheit. Ihr Anteil betr\u00e4gt je nach Szene bis zu 20 %. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene rekrutiert sich vor allem aus Jugendlichen, die sich f\u00fcr Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik interessieren. Dabei kommen zun\u00e4chst eher unpolitische Jugendliche \u00fcber Konzerte oder das gemeinsame Musikh\u00f6ren mit der Skinhead-Szene in Kontakt. Daneben finden manche Jugendliche Gefallen an dem in der Skinhead-Szene \u00fcblichen exzessiven Lebensgenuss einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums unter dem Motto \"Fun & Froide\". 4.5 Skinhead-Musik Skinhead-Musik vermittelt die subkulturellen Botschaften der Skinhead-Szene. In den Liedern werden Eigenverst\u00e4ndnis und Abgrenzung der Szene gegen\u00fcber der Gesellschaft beschrieben, Kritik am Establishment formuliert und andere politische Themen aufgegriffen. Rechtsextremistische Skinhead-Bands verbreiten in ihren Liedtexten neonazistische Ideologiefragmente und rufen zum Hass gegen Skinhead-Feindbilder wie Ausl\u00e4nder, \"Linke\" und Juden auf. In Bayern sind derzeit elf Musikgruppen aktiv, die teilweise bei Konzerten im Inund Ausland auftreten. Es handelt sich hierbei um die Gruppen Bayerische - BLOODY MINDS (Immenstadt) Skinhead-Bands - BURNING HATE (Raum Oberfranken) - NOISE OF HATE (Amberg) - BRAUNE BR\u00dcDER (Hof) - FELDHERREN (M\u00fcnchen) - STIEFELJUNGS (M\u00fcnchen) - FAUSTRECHT (Mindelheim) - PRIDE'N PAIN (Babenhausen, Landkreis Unterallg\u00e4u) - SOKO 18 (Franken) - DAMAGE INCORPORATED (Aschaffenburg) - WEISSER R\u00dcCKSCHLAG (Unterneukirchen, Landkreis Alt\u00f6tting). Skinhead-Musik wird von elf rechtsextremistischen Tontr\u00e4gervertrieben in Bayern angeboten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 131 Die Zahl der begonnenen und tats\u00e4chlich durchgef\u00fchrten Skinhead-KonDeutlicher zerte in Bayern verringerte sich deutlich gegen\u00fcber dem Vorjahr von 26 R\u00fcckgang der auf neun Konzerte. Die Teilnehmerzahlen lagen zwischen 20 und 200 Konzerte Personen. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den starken R\u00fcckgang der Musikveranstaltungen im Jahr 2007 ist zum einen die Schlie\u00dfung der von Rechtsextremisten betriebenen Gastst\u00e4tte \"Lokalbahn\" in Wunsiedel, die im Jahr 2006 h\u00e4ufig als Veranstaltungsort gew\u00e4hlt worden war; zum anderen \u00fcben die Sicherheitsbeh\u00f6rden einen intensiven \u00dcberwachungsdruck aus, wodurch sich f\u00fcr die Veranstalter die Vorbereitung und die tats\u00e4chliche Durchf\u00fchrung der Skinhead-Konzerte immer schwieriger gestaltet. Einige Veranstaltungen konnten beispielsweise durch ein Zusammenwirken Verhinderung von von Sicherheitsbeh\u00f6rden und Saalvermietern verhindert werden. Die Veranstaltungen Organisation der Konzerte erfolgt immer konspirativer. Sie werden von den Veranstaltern als private Tanzabende bzw. Plattenpartys oder als Geburtstagsfeiern ausgegeben, um ein Einschreiten der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu erschweren. Die Teilnehmer werden durch pers\u00f6nlich ausgeh\u00e4ndigte oder per Post zugestellte Einladungskarten informiert oder vor Beginn des Konzertes ohne n\u00e4here Angaben zum eigentlichen Veranstaltungsort in eine bestimmte Region gelotst. Erst unmittelbar vor Beginn wird die konkrete \u00d6rtlichkeit z.B. per SMS bekannt gegeben. Rechtsextremisten nutzen die verbindenden Elemente zu anderen Subkulturen, z.B. der Gothic-Szene, um deren Anh\u00e4nger f\u00fcr die NS-Ideologie zu gewinnen oder um rechtsextremistische Tendenzen in diese Subkulturen zu tragen. Insbesondere Teile der Black Metal-Szene weisen eine historisch gewachsene Verbindung zum Rechtsextremismus auf. Gemeinsamkeiten bestehen in der Ablehnung des Christentums (Stichwort \"Odin statt Jesus\"), in der Berufung auf die nordische G\u00f6ttermythologie mit ihrer Runen-Symbolik sowie einem elit\u00e4ren Sozial-Darwinismus. Allerdings ist die Black Metal-Szene weitgehend unpolitisch. Daher hat sich f\u00fcr den rechtsextremistischen Teil dieser Szene der Begriff NS Black Metal NS Black Metal eingeb\u00fcrgert. Gemeinsame Schnittmenge der NS Black Metal-Szene mit der rechtsextremistischen Szene sind dabei wiederum die Glorifizierung des Heldentums oder die Auferstehung eines germanischen Reiches. Beide Merkmale entsprechen dem Weltbild der Nationalsozialisten. Einige Vertreter des NS Black Metal sehen Adolf Hitler als die Wiedergeburt des Satans, der als Antichrist verehrt wird. Neben reiner Skinhead-Musik werden in der rechtsextremistischen Szene daher auch Konzerte mit NS Black Metal-Musik veranstaltet. Die Texte enthalten Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","132 Rechtsextremismus kaum eindeutige extremistische Aussagen. Politische Botschaften werden vielmehr unverst\u00e4ndlich gegr\u00f6lt oder verschleiert und nur f\u00fcr Insider verst\u00e4ndlich dargeboten. Schwerpunkt der NS Black Metal-Szene in Bayern ist der Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg. Eine Kultband der Black Metal-Szene ist die Band ABSURD aus Th\u00fcringen. Der S\u00e4nger dieser Band, Henrik M\u00f6bus, beging am 29. April 1993 eine satanistisch motivierten Mord an einem 15-j\u00e4hrigen Mitsch\u00fcler. ABSURD trat beispielsweise am 9. Juni neben den franz\u00f6sischen Bands BLESSED IN SIN und FINIS GLORIA DEI bei einem NS Black Metal-Konzert mit 250 Teilnehmern in einer Gastst\u00e4tte in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, auf. Beispiele f\u00fcr im Berichtszeitraum geplante oder tats\u00e4chlich durchSkinhead-Konzerte gef\u00fchrte Skinhead-Konzerte sind folgende Veranstaltungen: Am 31. M\u00e4rz fand in Niederlamitz, Landkreis Wunsiedel, ein als Geburtstagsfeier ausgegebenes Skinhead-Konzert u.a. mit der Band PROPAGANDA aus Baden-W\u00fcrttemberg statt, das etwa 130 Rechtsextremisten besuchten. Da die Saalanmietung unter falschen Angaben bei der Gemeinde erfolgte, wurde der m\u00fcndliche Mietvertrag vom Zweiten B\u00fcrgermeister aufgel\u00f6st. Die Teilnehmer verlie\u00dfen unter Anwesenheit starker Polizeikr\u00e4fte den Veranstaltungssaal. Ein ebenfalls als Geburtstagsfeier veranstaltetes Skinhead-Konzert fand am 14. April in einer ehemaligen Diskothek im Markt Jettingen-Scheppach, Landkreis G\u00fcnzburg, statt. Vor etwa 150 Teilnehmern trat u.a. die Skinhead-Band FELDHERREN auf. Zu der geschlossenen Veranstaltung waren schriftliche Einladungen verteilt worden, die beim Einlass vorgezeigt werden mussten. Vor 200 Besuchern traten am 26. Mai in Amberg die Skinhead-Bands NOISE OF HATE, FELDHERREN und SPREEGESCHWADER aus Berlin bei einer angeblichen Geburtstagsfeier auf. Der gro\u00dfe Zuspruch der Szene resultierte u.a. aus einem f\u00fcr denselben Abend geplanten, aber nicht durchgef\u00fchrten Skinhead-Konzert in Bayreuth. Dort war der Vermieter der Veranstaltungs\u00f6rtlichkeit nach Aufkl\u00e4rung durch die Polizei vom Mietvertrag zur\u00fcckgetreten, so dass den bereits anwesenden Konzertbesuchern Platzverweise erteilt worden waren. Daraufhin reisten Teilnehmer von Bayreuth nach Amberg an. Aufgrund der \u00dcberf\u00fcllung des Lokals wurde sowohl den Mitgliedern der Skinheadband CHERUSKER aus Osnabr\u00fcck als auch weiteren Interessenten der Zutritt zum Veranstaltungslokal von den Veranstaltern verwehrt. Da das Konzert nicht wie erforderlich angemeldet worden war, wurde gegen die Verantwortlichen Anzeige erstattet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 133 Ein f\u00fcr den 7. Juli geplantes Skinhead-Konzert im Ortsteil Druisheim hat das Ordnungsamt der Gemeinde Mertingen, Landkreis Donau-Ries, verboten. Die Veranstaltung war als private Geburtstagsfeier angemeldet worden. Urspr\u00fcnglich sollte die britische Skinhead-Band AVALON vor etwa 100 geladenen G\u00e4sten auftreten. Da jedoch im Vorfeld der Veranstaltung bekannt wurde, dass auch die Schweizer Skinhead-Band INDIZIERT sowie die M\u00fcnchner Skinhead-Band FELDHERREN auftreten sollten, lagen tats\u00e4chlich Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, dass die vom Ordnungsamt getroffenen Auflagen nicht erf\u00fcllt und die Veranstaltung einen \u00f6ffentlichen Charakter erhalten w\u00fcrde. Das Ordnungsamt widerrief die Genehmigung und die Polizei sperrte die \u00d6rtlichkeit vor Veranstaltungsbeginn ab. Daraufhin trafen sich etwa 200 Personen, die gr\u00f6\u00dftenteils der rechtsextremistischen Skinhead-Szene zugeordnet werden konnten, in einer Gastst\u00e4tte in Neus\u00e4\u00df, Landkreis Augsburg. In einem Landgasthof in Halsbach, Landkreis Alt\u00f6tting, wurde am 1. September ein Skinhead-Konzert veranstaltet, das im Vorfeld als \"Nordmanns Musikantenstadel\" angek\u00fcndigt worden war. Hinter der Bezeichnung \"Nordmann\" steht der NPD-Funktion\u00e4r und Neonazi Norman Bordin, der mit 150 G\u00e4sten, die eine pers\u00f6nliche Einladungskarte vorzeigen mussten, seinen Geburtstag feierte. Es spielten u.a. die Skinhead-Bands FELDHERREN, SPREEGESCHWADER aus Berlin und BURNING HATE. Die Polizei f\u00fchrte intensive Kontrollen im Umfeld der Veranstaltung durch. 4.6 Skinhead-Magazine Die Fan-Magazine der Skinhead-Szene, auch \"Fanzines\" oder \"Zines\" \"Fanzines\"/\"Zines\" genannt, besch\u00e4ftigen sich mit den Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Skinhead-Bands und enthalten ausf\u00fchrliche Rezensionen sowie Bestelladressen f\u00fcr Tontr\u00e4ger, andere Fanzines und diverse Szene-Artikel, wie z.B. T-Shirts, Buttons oder Aufkleber. Die Fanzines werden auch im Internet ver\u00f6ffentlicht. Zuletzt erschienen die Fanzines \"Wunsiedler Feldpost\" und \"Wunsiedler Widerstand\" in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Durch die Ver\u00f6ffentlichungen im Internet verlieren Fanzines immer mehr an Bedeutung. 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 5.1 Gewalttaten Bundesweit waren von insgesamt 1.921 (2006: 2.004) extremistischen Gewalttaten 980 (2006: 1.047) rechtsextremistisch motiviert. In Bayern Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","134 Rechtsextremismus Anstieg der ist die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten von 47 im Gewaltdelikte Jahr 2006 auf 82 gestiegen. Von den 82 Gewaltdelikten waren 43 in Bayern (2006: 27) fremdenfeindlich und 38 (2006: 18) allgemein neonazistisch motiviert. Einer (2006: zwei) Gewalttat lag eine antisemitische Motivation zugrunde. Von den 38 allgemein neonazistisch motivierten Gewalttaten wurden 20 F\u00e4lle gegen politische Gegner registriert (2006: zw\u00f6lf). Gewaltpotenzial Die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten waren \u00fcberwiegend der Skinheads der \u00e4u\u00dferst gewaltbereiten Skinhead-Szene zuzurechnen. Von 158 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen geh\u00f6rten 114 der Skinhead-Szene an. 101 Tatverd\u00e4chtige waren zur Tatzeit j\u00fcnger als 21 Jahre. Der Anteil der erstmals in Erscheinung getretenen Gewaltt\u00e4ter lag bei 49 % (78 Tatverd\u00e4chtige). Die Gewalttaten wurden gr\u00f6\u00dftenteils nicht von Einzelt\u00e4tern begangen, vielmehr entstand der Tatentschluss vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol und Musik mit rechtsextremistischen Texten. R\u00e4umliche Schwerpunkte waren die Gro\u00dfstadtregionen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. Rechtsextremistisch motivierte Gewaltt\u00e4ter sind \u00fcberwiegend nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert. Eine \u00fcberregionale Steuerung durch rechtsextremistische Organisationen konnte in keinem Fall festgestellt werden. Das typische Ablaufmuster f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalt ist gleich geblieben: Nach gezielten anf\u00e4nglichen Provokationen der Angreifer kommt es bei geringstem Anlass zu T\u00e4tlichkeiten und massiver Gewaltanwendung gegen die Opfer. Einzelf\u00e4lle Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Am 30. Januar stand ein 34-j\u00e4hriger \u00e4thiopischer Staatsangeh\u00f6riger auf einer Rolltreppe am U-Bahnhof Hohenzollernplatz in M\u00fcnchen auf der linken Seite. Als er von einer Frau angesprochen wurde, die an ihm vorbei gehen wollte, erkl\u00e4rte er, dass er nicht ausweichen k\u00f6nne, da sich zu viele Personen auf der Rolltreppe bef\u00e4nden. Daraufhin wurde er von einem 44-j\u00e4hrigen deutschen Arzt von hinten an den Haaren gezogen und mit Ellenbogenst\u00f6\u00dfen ins Gesicht sowie in den Bauch attackiert. Als der \u00c4thiopier den T\u00e4ter aufforderte, auf die Polizei zu warten, \u00e4u\u00dferte dieser \"Neger haben keine Rechte\". Ein 15-j\u00e4hriger Skinhead beleidigte am 20. Februar in einem Warenhaus in Cham einen schwer gehbehinderten polnischen Sch\u00fcler mit dem Wort \"Kr\u00fcppel\" und versetzte ihm einen Schlag auf den R\u00fccken. Daraufhin st\u00fcrzte der Angegriffene gegen ein Warenregal. Derselbe T\u00e4ter bel\u00e4stigte den Sch\u00fcler am 19. M\u00e4rz in Weiding, Landkreis Cham, an Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 135 einer Bushaltestelle erneut, indem er auf den Aufn\u00e4her an seiner Bomberjacke mit der Aufschrift \"Ich bin stolz ein Deutscher zu sein\" zeigte. Danach bespuckte er den Sch\u00fcler ein paar Mal und schlug ihn auf den Hinterkopf. Au\u00dferdem beleidigte der Skinhead sein Opfer mit den Ausdr\u00fccken \"Kr\u00fcppel\" und \"Pollack\". Das Jugendsch\u00f6ffengericht beim Amtsgericht Cham verurteilte den Skinhead mit Entscheidung vom 20. Juni zu einem Dauerarrest von vier Wochen und 60 Stunden gemeinn\u00fctziger Arbeit. Am 2. M\u00e4rz verweigerte ein Mitarbeiter der Herzogs\u00e4gm\u00fchle in Peiting, Landkreis Weilheim-Schongau, einem alkoholisierten 24-j\u00e4hrigen Mann in Begleitung seiner Mutter die Unterkunft in der Einrichtung. Der Abgewiesene trat daraufhin mit seinen Stiefeln auf den Mitarbeiter ein und beschimpfte ihn dabei aufgrund des Familiennamens als \"Drecksjude\". Drei unbekannte Jugendliche, die vermutlich der Skinhead-Szene angeh\u00f6ren, unterhielten sich am 10. M\u00e4rz in einem Bus in Oberasbach, Landkreis F\u00fcrth, \u00fcber die Verteilung von so genannten Schulhof-CDs der NPD. Zwei 16-j\u00e4hrige Sch\u00fcler, die mit dem R\u00fccken zu der Skinhead-Gruppe im Bus sa\u00dfen, \u00e4u\u00dferten diesen gegen\u00fcber, dass sie gegen Nazis und gegen das Verteilen von rechtsradikalem Material seien. Daraufhin wurden die beiden Sch\u00fcler von einem Skinhead mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Nach einer \"Hitler-Geburtstagsfeier\" in der Nacht vom 20. auf den 21. April in Passau gerieten zwei Personengruppen mit rechtsbzw. linksextremistischer Gesinnung in Streit, in dessen Verlauf ein 17-j\u00e4hriger Skinhead einen ebenfalls 17-J\u00e4hrigen zu Boden schlug und diesen n\u00f6tigte, auf den Ausruf \"Sieg\" mit \"Heil\" zu antworten. Ein weiterer Skinhead stiftete seinen Kameraden mehrmals dazu an, auf seinen Gegner weiterhin einzuschlagen. Der Angegriffene wurde bei der Auseinandersetzung mehrmals mit Stiefeln getreten und so heftig gegen die Eingangst\u00fcre eines Fotogesch\u00e4fts gesto\u00dfen, dass die T\u00fcre besch\u00e4digt wurde. Die tatverd\u00e4chtigen Skinheads waren zur Tatzeit alkoholisiert. Am 31. Juli fuhren zwei 39 und 44 Jahre alte M\u00fcnchner sowie eine etwa 40-j\u00e4hrige Frau nachts in der S-Bahn, zeigten den Hitlergru\u00df und riefen abwechselnd \"Sieg\" - \"Heil\". Als ein weiterer Fahrgast nachfragte, was das solle, versetzte ihm der 39-J\u00e4hrige gezielt Faustschl\u00e4ge ins Gesicht. Ein 24-j\u00e4hriger NPD-Funktion\u00e4r hielt sich am 11. August im Jugendzentrum Dorfen, Landkreis Erding, in Begleitung eines weiteren RechtsVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","136 Rechtsextremismus extremisten auf, obwohl dort Rechtsextremisten ein generelles Hausverbot haben. Als der Vorsitzende des Jugendzentrums den NPD-Funktion\u00e4r bemerkte, forderte er ihn zum sofortigen Verlassen des Jugendzentrums auf. Da dieser nicht reagierte, versuchte der Vorsitzende, den NPD-Funktion\u00e4r aus dem Geb\u00e4ude zu dr\u00e4ngen. Daraufhin holte der alkoholisierte NPD-Funktion\u00e4r eine Dose Reizgas hervor und spr\u00fchte ihm damit ins Gesicht. Nach einem Streit unter Kameraden der rechtsextremistischen Szene wurde ein 39-j\u00e4hriger Neonazi am 2. September nachts in M\u00fcnchen mit einem Pkw vors\u00e4tzlich angefahren. Zwei der Rechtsextremisten im Auto im Alter von 19, 27 und 31 Jahren waren alkoholisiert. Am 8. September bel\u00e4stigten drei Skinheads im Alter von 28, 30 und 31 Jahren in M\u00fcnchen auf einer Rolltreppe am Isartorplatz ein vermutlich t\u00fcrkisches M\u00e4dchen und beleidigten es mit Ausdr\u00fccken wie \"T\u00fcrkenschlampe - nimm dein Kopftuch und geh zur\u00fcck - Drecksschlampe - Hure\". Danach kam es zu einem Gerangel zwischen den Skinheads und dem M\u00e4dchen, wobei es im weiteren Verlauf durch einen Fu\u00dftritt am Oberk\u00f6rper getroffen wurde. Ein Passant, der die streitenden Beteiligten trennen wollte, wurde hierbei ebenfalls von einem Skinhead geschlagen. Drei alkoholisierte Skinheads im Alter von 20 bis 22 Jahren griffen am 16. September in W\u00fcrzburg vor dem \"Punkerhaus\" zwei 21 bzw. 29 Jahre alte Punker mit Baseballschl\u00e4gern an und schlugen auf sie ein. Die Skinheads beschimpften die Angegriffenen au\u00dferdem mit Ausdr\u00fccken wie \"Schei\u00df Zecken - Schei\u00df Punker - wir machen euch jetzt kaputt\". Im Rahmen der polizeilichen Fahndung konnten die T\u00e4ter in Tatortn\u00e4he festgenommen werden. Zwei unbekannte T\u00e4ter verteilten am 22. Oktober in M\u00fcnchen die so genannte \"Schulhof-CD\" der NPD. Als ein 19-j\u00e4hriger luxemburgischer Sch\u00fcler die Annahme der CD ablehnte, wurde er von einem der T\u00e4ter angegriffen und gegen eine Wand gesto\u00dfen; dabei erlitt der Sch\u00fcler eine Platzwunde an der Stirn. 5.2 Sonstige Straftaten Leichter R\u00fcckgang Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen neoder Straftaten nazistischen, antisemitischen und rassistischen Straftaten betr\u00e4gt 1.771 (2006: 1.866), darunter 230 (2006: 254) fremdenfeindlich motivierte Delikte. Dabei handelte es sich vielfach um Sachbesch\u00e4digung, N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung und insbesondere um das Verbreiten von Propagandamitteln bzw. Verwenden von Kennzeichen verfasVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 137 sungswidriger Organisationen (insgesamt 1.300 Delikte). So wurden Hakenkreuze auf W\u00e4nde und Fahrzeuge gespr\u00fcht bzw. geritzt, Parolen wie \"Heil Hitler\" und \"Sieg Heil\" gerufen und zahlreiche antisemitische Pamphlete mit strafbaren Texten verbreitet. Des \u00d6fteren verwendeten Neonazis auf dem Display ihres Mobiltelefons NS-Symbole als Standard-Einstellung. Wie auch im Jahr 2006 bedienten sich Rechtsextremisten wiederholt des Short-Message-Systems (SMS) der Mobilfunkbetreiber, um neonazistische Agitation an andere Handy-Besitzer zu \u00fcbermitteln. Dabei wurden auch Grafiken, Filme und Lieder zu Propagandazwecken versandt. Durch rechtsextremistisch motivierte Ausschreitungen und Schmierereien entstanden Sachsch\u00e4den von rund 316.000 Euro (2006: etwa 281.000 Euro). Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Straftaten sind folgende Einzelf\u00e4lle Vorf\u00e4lle: Am 1. Januar versandte ein 25-j\u00e4hriger Skinhead aus M\u00fcnnerstadt, Landkreis Bad Kissingen, eine SMS mit dem Text \"Mit dem \u00d6ffnen dieser SMS haben Sie einen T\u00fcrken get\u00f6tet. Schicken Sie sie bitte weiter, um die Aktion 'Saubere Welt' zu unterst\u00fctzen! Vielen Dank.\" Der Israelitischen Kultusgemeinde M\u00fcnchen ging am 15. Januar ein Schreiben mit einem Kopfbild Adolf Hitlers und dem Hoheitszeichen der NSDAP zu. Das anonyme Pamphlet endete mit den Worten \"Wir k\u00e4mpfen weiter gegen die Verjudung Deutschlands und Europas!\" Am 23. Januar beleidigten zwei Skinheads in Neumarkt i.d.OPf. vier Ausl\u00e4nder mit den Worten \"Schei\u00df Kanaken, Ausl\u00e4nder geht in euer Land zur\u00fcck, Kanaken, dies ist unser Land\". Dabei zeigten sie den Hitlergru\u00df und riefen \"Heil Hitler\" und \"Sieg Heil\". Im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung bedrohte ein T\u00e4ter die Ausl\u00e4nder mit einem Messer. Im j\u00fcdischen Friedhof in Bad Neustadt a.d.Saale, Landkreis Rh\u00f6n-Grabfeld, wurden Mitte Februar mehrere Grabsteine mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Davidsternen bespr\u00fcht. Zwei Neonazis im Alter von 17 und 18 Jahren warfen Mitte Februar auf dem j\u00fcdischen Friedhof in Diespeck, Landkreis Neustadt a.d.Aisch-Bad Windsheim, 63 Grabsteine um, von denen ein Gro\u00dfteil zerbrach. Ferner versuchten sie, in die dortige Leichenhalle einzudringen. An dem in den Friedhof integrierten j\u00fcdischen Kriegerdenkmal wurden elf Gedenksteine umgeworfen. Der Sachschaden betrug rund 25.000 Euro. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","138 Rechtsextremismus Im Zusammenhang mit dieser Friedhofsch\u00e4ndung in Diespeck wurde aufgekl\u00e4rt, dass die beiden T\u00e4ter mit zwei weiteren Tatverd\u00e4chtigen an einem Brandanschlag auf ein Mehrfamilienhaus in Bad Windsheim am 2. Oktober 2006 beteiligt waren. Das Mehrfamilienhaus mit zw\u00f6lf Wohnungen und damals 47 wohnhaft gemeldeten Personen wird \u00fcberwiegend von Ausl\u00e4ndern und russischst\u00e4mmigen \u00dcbersiedlern bewohnt. Damals warfen zun\u00e4chst unbekannte T\u00e4ter vier mit einer brennbaren Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte und mit Lunten versehene Flaschen gegen das Wohnhaus. Einer dieser Molotowcocktails wurde brennend auf die Betonstufe vor die Eingangst\u00fcre geworfen. Weitere Flaschen flogen brennend gegen eine Hauswand. Die Brands\u00e4tze erloschen von selbst; an der Fassade des Hauses entstand geringer Sachschaden. Verletzt wurde niemand. Unbekannte T\u00e4ter verbreiteten am 20. April (\"F\u00fchrergeburtstag\") in Miltenberg zahlreiche Bilder von Adolf Hitler in Parteiuniform mit Hakenkreuzarmbinde. Am selben Tag wurden in Garmisch-Partenkirchen rund ein Dutzend geparkte Pkws mit Hakenkreuzen beschmiert. Der Sachschaden betrug mehrere tausend Euro. Zwei alkoholisierte Deutsche skandierten ebenfalls am 20. April im M\u00fcnchener Ostbahnhof mehrmals die Parole \"SS, SA, Germania\". Dabei rempelten sie ausl\u00e4ndisch aussehende Passanten an und beschimpften einen Farbigen als \"Schei\u00df-Nigger\". Am Abend des 1. Mai zogen rund 25 Rechtsextremisten durch die F\u00fcrther Innenstadt. Sie f\u00fchrten schwarz-wei\u00df-rote Fahnen und ein Transparent mit der Aufschrift \"JN\" mit. Ferner skandierten sie Parolen wie \"Hier marschiert der nationale Widerstand\" und \"Deutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus\". Polizeibeamte, die versuchten, den nicht angemeldeten Aufzug aufzuhalten, wurden von den Teilnehmern \u00fcberrannt. Rund zw\u00f6lf schwarz gekleidete Neonazis st\u00f6rten am 3. Mai vor der Feldherrnhalle in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum \"Israel-Tag\". Sie skandierten die Parole \"Juden raus - aus Pal\u00e4stina!\". Ein T\u00e4ter trug eine iranische Fahne und zeigte den Hitlergru\u00df. Die Polizei nahm neun Beteiligte vor\u00fcbergehend fest, wobei einer der Neonazis \"Judenschweine, verpisst euch doch!\" rief. Unbekannte T\u00e4ter bespr\u00fchten Anfang Juni eine Schule in Kempten mit einem Hakenkreuz und der Parole \"Ruhm und Ehre der Waffen-SS\". Ein 19-j\u00e4hriger rief am 27. Juli in Landshut mehrmals lautstark in der \u00d6ffentlichkeit \"Sieg Heil\" und zeigte den \"Hitlergru\u00df\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 139 Am 7. August wurden von einem 17-j\u00e4hrigen in Langenzenn, Landkreis F\u00fcrth, zwei Wandfl\u00e4chen von Einkaufsm\u00e4rkten mit den Parolen \"Deutsches Reich statt BRD\" bespr\u00fcht. Die Buchstaben \"S\" waren als Sigrunen dargestellt. In Stegaurach, Landkreis Bamberg, befestigte ein 53-j\u00e4hriger am 15. September \u00f6ffentlich sichtbar an der Balkont\u00fcre eines Mehrfamilienhauses eine Hakenkreuzfahne. Bei einer Hausdurchsuchung stellte die Polizei fest, dass auch die Wohnung des Beschuldigten mit zahlreichen Plakaten und Abzeichen aus der NS-Zeit dekoriert war. Bei einer 22-j\u00e4hrigen Frau wurde am 7. November am Bahnhof in Weiden i.d. OPf. festgestellt, dass sie auf ihrem Rucksack ein 10 x 10 cm gro\u00dfes Hakenkreuz mit schwarzer Farbe aufgemalt hatte. Au\u00dferdem waren auf ihrem Handy mehrere Bilder mit Hakenkreuzen und Sigrunen gespeichert. 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen Das Landgericht Mannheim verurteilte am 15. Februar den als \"Holo\"Holocaustcaust-Leugner\" bekannt gewordenen deutschen Rechtsextremisten Ernst Leugner\" Z\u00fcndel C.F. Z\u00fcndel wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Pl\u00e4doyer bereits die im Gesetz vorgesehene H\u00f6chststrafe gefordert; die Verteidiger von Z\u00fcndel, darunter der Hamburger Rechtsextremist und Beisitzer im NPD-Bundesvorstand J\u00fcrgen Rieger, hatten auf Freispruch pl\u00e4diert. Das Landgericht Mannheim verh\u00e4ngte am 15. M\u00e4rz gegen den deutschen Revisionisten Germar Scheerer wegen Volksverhetzung, BeleidiRevisionist gung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener eine GesamtScheerer freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten und verf\u00fcgte die Einziehung des vom Angeklagten verfassten Werks \"Vorlesungen \u00fcber den Holocaust\". Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte am 25. Juni einen 26-j\u00e4hrigen Rechtsextremisten aus Gr\u00f6benzell, Landkreis F\u00fcrstenfeldbruck, zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Das Gericht hatte gegen ihn bereits am 13. M\u00e4rz eine Bew\u00e4hrungsstrafe u.a. wegen rechtsextremistischer Propagandadelikte verh\u00e4ngt. Noch am selben Tag war Propagandader Angeklagte in den Abendstunden durch Zeigen des Hitlergru\u00dfes und delikte \"Sieg Heil\"-Rufen erneut straff\u00e4llig geworden. Ein Ermittlungsrichter hatte daraufhin am 14. M\u00e4rz Haftbefehl wegen Fluchtgefahr erlassen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","140 Rechtsextremismus \"HolocaustVon November 2006 bis August 2007 verb\u00fc\u00dfte der \"Holocaust-Leugner\" Leugner\" Mahler Horst Mahler eine vom Landgericht Berlin am 12. Januar 2005 verh\u00e4ngte Freiheitsstrafe von neun Monaten wegen Volksverhetzung. Da er im November 2006 seinen Wohnsitz nach Bayern verlegt hatte, war er von der Justizvollzugsanstalt Cottbus/Brandenburg in die Justizvollzugsanstalt Bernau verlegt worden. Unmittelbar vor seinem Haftantritt noch in der Justizvollzugsanstalt Cottbus hatte Mahler bei der Verabschiedung von seinen Anh\u00e4ngern \"Heil Hitler\" gerufen und den Hitlergru\u00df gezeigt. Wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wurde er deshalb vom Amtsgericht Cottbus am 23. November zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilt. Gegen das Urteil wurden Rechtsmittel eingelegt. Gegen Mahler sind zahlreiche weitere einschl\u00e4gige Ermittlungsverfahren u.a. wegen Holocaust-Leugnung anh\u00e4ngig. W\u00e4hrend eines Interviews mit dem Publizisten Michel Friedman im Oktober provozierte Horst Mahler erneut ein Strafverfahren, das mittlerweile von der Staatsanwaltschaft Landshut eingeleitet worden ist. Er begr\u00fc\u00dfte seinen Interviewer mit den Worten \"Heil Hitler, Herr Friedman\", leugnete im Verlauf des Gespr\u00e4chs wiederholt den Holocaust und bezeichnete Hitler als \"Erl\u00f6ser des deutschen Volks\". Zu den N\u00fcrnberger Rassegesetzen sagte Mahler: \"Sie waren Recht, denn sie waren der Wille des Deutschen Reichs\". Mischehen von Deutschen und T\u00fcrken bezeichnete Mahler als \"Gef\u00e4hrdung des deutschen Volks\". 7. Revisionismus 7.1 Ziele Versuch einer Der Revisionismus, der die Geschichtsschreibung \u00fcber die Zeit des DritRehabilitierung ten Reichs \u00e4ndern will, ist zu einem Bindeglied zwischen den unterdes Nationalschiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. Seinen sozialismus Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die mittelbare Rechtfertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch einseitige, relativierende oder verharmlosende Darstellung des NS-Regimes. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation stehen die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust) sowie die Behauptung, Deutschland trage keine Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Auf diese Weise soll das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propaVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 141 gandistisch untergraben werden, um die Deutschen von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Revisionismus war von Anfang an eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den historischen Nachweis f\u00fchren wollten, dass es entgegen der Feststellung seri\u00f6ser Forscher und Zeitzeugen keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Hervorzuheben ist hierbei das 1989 ver\u00f6ffentlichte \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach es in Auschwitz \"Leuchter-Bericht\" und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Dieselbe These verbreitete der Diplomchemiker Germar Scheerer, geb. Rudolf, ein ehemaliges REP-Mitglied, in seinem 1994 ver\u00f6ffentlichten, 2001 in Zweitauflage erschienenen und inzwischen indizierten \"Gut\"Rudolf-Gutachten\" achten \u00fcber die Bildung und Nachweisbarkeit von Zyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz\". Er hatte sich im Fr\u00fchjahr 1996 nach einer Verurteilung (u.a. wegen Volksverhetzung) ins Ausland abgesetzt. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Mannheim wurde er am 15. November 2005 von den USA an die deutschen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcberstellt. Das Landgericht Mannheim hat den Holocaust-Leugner am 15. M\u00e4rz wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das von Scheerer verfasste Werk \"Vorlesungen \u00fcber den Holocaust\" unterliegt der Einziehung. Ihm wird vorgeworfen, im Internet und durch Verbreitung von Schriften den nationalsozialistischen V\u00f6lkermord an den Juden systematisch geleugnet bzw. verharmlost sowie durch antisemitische Hetze zum Hass gegen die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung aufgestachelt zu haben. Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international agierende britische Schriftsteller David Irving, der 1993 wegen LeugDavid Irving nung des Holocausts verurteilt und aus Deutschland ausgewiesen wurde. Gegen ihn bestehen Einreiseverbote in Australien, Deutschland, Kanada, \u00d6sterreich und S\u00fcdafrika. Zuletzt residierte Irving haupts\u00e4chlich in Key West/Florida. Am 11. November 2005 wurde er in der Steiermark/\u00d6sterreich festgenommen. Das Landgericht Wien verurteilte ihn am 20. Februar 2006 wegen Versto\u00dfes gegen das NS-Verbotsgesetz zu einer FreiVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","142 Rechtsextremismus heitsstrafe von drei Jahren ohne Bew\u00e4hrung. In der Berufungsverhandlung best\u00e4tigten die Richter das Strafma\u00df, setzten jedoch zwei Drittel der Strafe zur Bew\u00e4hrung aus. Am 20. Dezember 2006 wurde Irving aus \u00f6sterreichischer Haft entlassen und einen Tag sp\u00e4ter nach Gro\u00dfbritannien ausgewiesen. Das \u00f6sterreichische Innenministerium erwirkte gegen ihn ein lebenslanges Aufenthaltsverbot. Ein weiterer Protagonist des Revisionismus ist der deutsche StaatsangeErnst Z\u00fcndel h\u00f6rige Ernst C.F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcbersiedelte. Dort verfasste und versandte er zahlreiche Publikationen, darunter den \"Germania\"-Rundbrief, der neonazistische und antisemitische Thesen enthielt und \u00fcber das Internet abrufbar war. Im Internet erschien ferner der Beitrag \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\", der - so Z\u00fcndel - monatlich von mehr als 1,2 Millionen Interessenten eingesehen wurde. Dort waren u.a. B\u00fccher, die in Deutschland der Beschlagnahme unterliegen bzw. von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien indiziert wurden, mit vollem Text eingestellt, darunter \"Der Holocaust auf dem Pr\u00fcfstand\" von J\u00fcrgen Graf und \"Starben wirklich sechs Millionen?\" von Richard Harwood. Strafverfahren Aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichts in Ottawa schoben die kanadischen Beh\u00f6rden Z\u00fcndel am 1. M\u00e4rz 2005 nach Deutschland ab. Seit dem 8. November 2005 musste er sich vor dem Landgericht Mannheim wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verantworten. Er soll von Kanada und den USA aus \u00fcber Rundbriefe und seine Internet-Homepage \u00f6ffentlich den Holocaust geleugnet haben. Z\u00fcndels Wahlverteidigerin, die sich in einem Antrag auf Einstellung des Verfahrens selbst in volksverhetzender Weise ge\u00e4u\u00dfert hatte, wurde am 31. M\u00e4rz 2006 wegen Verdachts der versuchten Strafvereitelung vom Prozess ausgeschlossen. Am 15. Februar wurde Z\u00fcndel zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt. Das Urteil ist rechtm\u00e4\u00dfig, nachdem der Bundesgerichtshof die Revision von Z\u00fcndel verworfen hat. Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete, in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige Vrij Historisch Organisation Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) ist eine der bedeutenOnderzoek (V.H.O.) den Lieferantinnen von revisionistischem Propagandamaterial. Sie verf\u00fcgt \u00fcber weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen, in Deutschland teilweise beschlagnahmten oder indizierten revisionistischen Ver\u00f6ffentlichungen an. Seit Anfang 1997 gibt die V.H.O. die revisionistische Zeitschrift \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG) heraus. Der Mitbegr\u00fcnder der V.H.O. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 143 Siegfried Verbeke, der zusammen mit seinem Bruder Herbert die V.H.O. betreibt, wurde am 1. November 2005 aufgrund eines Haftbefehls an die deutschen Beh\u00f6rden \u00fcberstellt und in der Justizvollzugsanstalt Heidelberg inhaftiert. Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhob gegen ihn am 30. M\u00e4rz 2006 Anklage wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Er soll im Internet und durch Verbreitung von Schriften den nationalsozialistischen Massenmord an Juden systematisch geleugnet bzw. verharmlost haben. Der \"Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten\" (VRBHV) wurde am 9. November 2003 auf Initiative VRBHV von Horst Mahler gegr\u00fcndet. Der Sitz des VRBHV befindet sich in Vlotho/Nordrhein-Westfalen. In der Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung hei\u00dft es: \"Es war der Beginn der gro\u00dfen L\u00fcge, die endg\u00fcltig zu Fall zu bringen Anliegen unseres Vereins sein wird: Der Auschwitz-L\u00fcge.\" Dem Verein haben sich zahlreiche Revisionisten angeschlossen. Seit Anfang 2004 existieren die beiden Internet-Seiten \"Aufstand f\u00fcr die Wahrheit\" und \"Reichsb\u00fcrgerbrief\". Auf letzterer Seite ruft Mahler Aufruf zum zum Volksaufstand gegen die von einer Fremdmacht ausge\u00fcbte, \"talVolksaufstand mudisch\" getarnte Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft in Deutschland auf, die jegliche Politik zum Wohle des deutschen Volks und zur Wahrung seiner W\u00fcrde verhindere. 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Deutsche Rechtsextremisten unterhalten Verbindungen zu Gesinnungsgenossen im europ\u00e4ischen Ausland, um dort ihre rechtsextremistischen Auslandskontakte Ideologien zu verbreiten. Sie beteiligen sich an Veranstaltungen mit internationalem Charakter, die von Rechtsextremisten aus verschiedenen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern als Forum genutzt werden. Eine Delegation der NPD sowie der \"Freien Nationalisten\" hat an der diesj\u00e4hrigen Gedenkveranstaltung vom 16. bis 18. November u.a. zu Ehren des 1975 verstorbenen spanischen Diktators Francisco Franco teilgenommen. Insgesamt beteiligten sich daran rund 1.300 Personen, \u00fcberwiegend Rechtsextremisten aus Spanien, aber auch Vertreter aus Frankreich, Italien, Ungarn, Rum\u00e4nien und Deutschland. Am 27. Oktober traten anl\u00e4sslich des \"Ian Stuart Donaldson Memorial Festival\" in Flandern/Belgien verschiedene international aktive Skinhead-Bands auf. Darunter auch die bayerische Skinhead-Band FAUSTRECHT. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","144 Rechtsextremismus Aber auch ausl\u00e4ndischen Rechtsextremisten reisen nach Deutschland, um hier an gemeinsamen Aktionen, Demonstrationen oder Skinhead-Konzerten teilzunehmen. Deutsche rechtsextremistische Gruppierungen weichen zum Teil mit ihren Internet-Auftritten auf ausl\u00e4ndische Speicherplatzanbieter aus, die sich Appellen staatlicher und privater Einrichtungen, solche Pl\u00e4tze den Rechtsextremisten nicht zur Verf\u00fcgung zu stellen, sowie einer Internet als Selbstkontrolle verschlie\u00dfen. Das Internet dient den Rechtsextremisten Plattform als Plattform, um auf internationaler Ebene Kontakte zu pflegen, Informationen auszutauschen und den Nationalsozialismus zu verherrlichen. Der amerikanische Neonazi und Propagandaleiter der NSDAP-AuslandsNSDAP-AO und Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Gary Rex Lauck tritt nach wie vor durch die Verbreitung von neonazistischem Gedankengut in Erscheinung. \u00dcber die Homepage der NSDAP-AO k\u00f6nnen Hakenkreuzaufkleber, Fahnen und Abzeichen des Dritten Reichs, Filme und B\u00fccher aus der NS-Zeit (z.B. \"Der ewige Jude\", \"Mein Kampf\") sowie CDs mit Marschmusik und Hitler-Reden bestellt werden. Das Angebot enth\u00e4lt ferner Computerspiele wie \"KZ-Rattenjagd\" und \"Anti-T\u00fcrken-Test\" zum kostenlosen Herunterladen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Rechtsextremismus 145 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2007 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Nationaldemokratische Partei 950 7.200 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 35.000 28.11.1964, Stuttgart (nach Eigenangaben) Junge Nationaldemokraten (JN) 70 400 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Funktion\u00e4rs1967, N\u00fcrnberg gruppe Deutsche Volksunion (DVU) 900 7.000 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. (siehe DVU) einschlie\u00dflich Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen 2. Neonazistische Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse Anti-Antifa N\u00fcrnberg 10 2006, N\u00fcrnberg Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische 75 600 Nachrichten der HNG Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) monatlich, 600 02.07.1979, Frankfurt am Main Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) 10 1989, Berlin Kameradschaft Augsburg 15 2004, Augsburg Kameradschaft M\u00fcnchen 20 2004, M\u00fcnchen Kameradschaft Main-Spessart 10 2006, W\u00fcrzburg Sozialrevolution\u00e4re Aktion Regensburg 10 2006, Regensburg Kameradschaftsbund Hochfranken 25 2006, Hof/Wunsiedel Autonome Nationalisten M\u00fcnchen 20 2005, M\u00fcnchen 3. Sonstige Organisationen Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 500 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","146 Rechtsextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2007 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 100 September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rs1994, Berlin / W\u00fcrzburg gruppe \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" 15 (BIA-M\u00fcnchen) 2007, M\u00fcnchen \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" Einzel(BIA-N\u00fcrnberg) personen 2001, N\u00fcrnberg Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Funktion\u00e4rsNeues Schwaben Opposition e.V. gruppe unregelm\u00e4\u00dfig 2001, Augsburg B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch 20 B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnund sozial e.V. chen - patriotisch und sozial 2006, M\u00fcnchen 4. Skinheads 700 10.000 5. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH National-Zeitung/Deutsche (DSZ-Verlag), M\u00fcnchen Wochen-Zeitung (NZ), w\u00f6chentlich, 35.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 18.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Stegen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 147 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern Ideologisches des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassiSpektrum schen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im Wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen, die sie als kapitalistisch, rassistisch und imperialistisch ansehen. An deren Stelle solle eine sozialistisch-kommunistische Diktatur oder die Anarchie, eine Gesellschaft frei von jeglicher Herrschaft, treten. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. Innerhalb des linksextremistischen Spektrums hat die Bedeutung der so genannten Antideutschen zugenommen. Sie verbinAntideutsche den ein extremes Antifaschismusverst\u00e4ndnis mit einer klaren pro-israelischen und pro-amerikanischen Haltung und stehen damit im Gegensatz zu Linksextremisten nach traditionellem Verst\u00e4ndnis; gemeinsam ist allen jedoch das Thema Antifaschismus. Die Aktionsformen der Linksextremisten sind breit gestreut. Sie umfasAktionsformen sen \u00f6ffentliche Veranstaltungen, offene Agitation mittels Zeitungen, der LinksextreFlugbl\u00e4ttern, elektronischen Kommunikationsmitteln, ferner Versuche misten der Einflussnahme in \"b\u00fcrgerlichen\" Institutionen bis hin zur Beteiligung an Wahlen. Dar\u00fcber hinaus gibt es Linksextremisten, die politische Gewalt als ein legitimes und geeignetes Mittel sehen, ihre extremistischen Vorstellungen durchzusetzen. In ihrer Propaganda stellen sich Linksextremisten als Vertreter einer hohen Moral, als K\u00e4mpfer gegen Unterdr\u00fcckung und Verfechter von Frieden und sozialer Gerechtigkeit dar. Ihre politische Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Sie missachten demokratische Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staates. Sie setzen sich \u00fcber Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","148 Linksextremismus das Recht der Menschen auf Freiheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren Interessen entgegensteht. Einige der linksextremistischen Gruppierungen bekennen offen, dass ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. Teilweise ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Agitationsthemen Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen eingebunden, die f\u00fcr sich betrachtet nicht extremistisch sind. Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den notwendigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jeder Art politischen Extremismus zu durchbrechen. F\u00fcr ihre Agitation und Mobilit\u00e4t bei Demonstrationen oder anderen Aktionen nutzen Linksextremisten auch die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten wie Handy und Internet. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren Neonazismus/Faschismus, Globalisierung, Imperialismus, Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematik, Arbeitslosigkeit und Sozialversorgung. Daneben unterst\u00fctzen Linksextremisten weiterhin sozialrevolution\u00e4re Bewegungen im Ausland. 1.2 Entwicklung der Organisationen Anstieg der Die Gesamtzahl der Mitglieder linksextremistischer und linksextremisMitgliederzahlen tisch beeinflusster Parteien und Gruppierungen in Bayern erh\u00f6hte sich. Zahl und 2005 2006 2007 Mitgliederst\u00e4rke linksextremisAnzahl der Organisationen 38 38 40 tischer OrganiMarxisten-Leninisten und sationen in andere revolution\u00e4re Marxisten Bayern Die Linkspartei.PDS, jetzt: DIE LINKE. 500 600 2.200 DKP 500 400 400 Marxistische Gruppe (MG) 700 700 700 sonstige Organisationen 340 360 380 beeinflusste Organisationen 850 850 860 Autonome, Anarchisten und Sozialrevolution\u00e4re 400 500 600 Linksextremisten insgesamt 3.290 3.410 5.140 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 149 Die Zahl der Mitglieder der vormaligen Linkspartei.PDS stieg von rund 600 auf etwa 2.200. Die Zunahme beruht weitgehend auf dem Beitritt Beitritt der WASG der nicht-extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die zur Linkspartei.PDS Wahlalternative\" (WASG) zur Linkspartei.PDS. Die Mitgliederzahl der DKP verharrte auf dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen stieg auf rund 600 an. Die Autonomen werden von anderen linksextremistischen Organisationen als B\u00fcndnispartner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der auf der Seite 148 dieses Berichts abgedruckten \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind jeweils nur bei einer Organisation erfasst. 1.3 Nutzung des Internets Seit Ende der 80er Jahre nutzen Linksextremisten elektronische Kommunikationsmedien - zun\u00e4chst Mailboxen, inzwischen verst\u00e4rkt das Internet -, um sich selbst darzustellen und die eigenen Parolen, ihre verfassungsfeindlichen Zielsetzungen und Ideen zu verbreiten, ihre KomVerbesserung der munikation zu verbessern sowie den Organisationsprozess und die VerKommunikation netzung in der linken Szene voranzubringen. Die sich aus der technischen Entwicklung ergebenden neuen Verfahren und neuen Informationssysteme werden von Linksextremisten schnell auf die Verwendbarkeit f\u00fcr eigene Zwecke erprobt. Die linksextremistische Szene beteiligt sich auch an demokratischen Kommunikationsstrukturen, beispielsweise Diskussionsforen zu gesellschaftspolitischen Themen (wie Bildungsund Sozialabbau; Fremdenfeindlichkeit) im Internet, um ihre Ideologie zu verbreiten und politischen Einfluss zu gewinnen. Sowohl linksextremistische Parteien und Organisationen als auch Autonome verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internet-Angebote. Auf ihren Websites Eigene Internetsind die Informationen weltweit abrufbar. Neben professionell struktuAngebote rierten Selbstdarstellungen - auch mit Bild-, Tonund Videobeitr\u00e4gen - werden in Internet-Portalen Pressemitteilungen, Berichte und Kommentare zu aktuellen Themen, Veranstaltungshinweise, Plakate und Flugbl\u00e4tter sowie umfangreiche Linklisten und Kontaktadressen zur E-MailKommunikation zur Verf\u00fcgung gestellt. Die autonome Szene sieht in den flexiblen M\u00f6glichkeiten der Verschl\u00fcsselungstechnik ein geeignetes Instrument gegen staatliche Kontrolle. Zum Teil werden auch \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter aktuelle Termine, Nachrichten, Diskussionsbeitr\u00e4ge und Publikationen mit teilweise strafbarem Inhalt verbreitet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","150 Linksextremismus Neben der Verbreitung extremistischen Gedankenguts und der Nutzung von Kommunikationsm\u00f6glichkeiten stellt das Internet f\u00fcr LinksextremisElektronische ten auch eine geeignete Plattform f\u00fcr gezielte elektronische Angriffe Angriffe auf den politischen Gegner dar. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Internet-Auftritte der rechtsextremistischen Szene. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik an den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderungen nach \"Fundamentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Dabei gelingt es nur begrenzt, die unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die Linkspartei.PDS, die nach dem Versuch der Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des B\u00fcndelung extre\"demokratischen Sozialismus\" zu beschreiten vorgibt, versucht, Linksmistischer Kr\u00e4fte extremisten aller Richtungen auch in der umbenannten Partei DIE LINKE. zu integrieren. 2.1 DIE LINKE., vormals Die Linkspartei.PDS Deutschland Bayern Mitglieder: 69.200 2.200 Vorsitzende(r): Prof. Dr. Lothar Bisky; Eva Bulling-Schr\u00f6ter; Oskar Lafontaine Harald Weinberg Umbenennung der SED: 16./17.12.1989 Umbenennung der Linkspartei.PDS: 16.06.2007 Gr\u00fcndung: 11.09.1990 Sitz: Berlin M\u00fcnchen Publikationen: \"DISPUT\"; \"TITEL\" \"UTOPIE-kreativ\"; \"Mitteilungen der KPF\" Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschloss auf ihrem Sonderparteitag am 16./17. Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, Hinweis: Im diesj\u00e4hrigen Verfassungsschutzbericht findet der neue Parteiname DIE LINKE. auch dann Verwendung, wenn er sich auf \u00e4ltere, nicht abgeschlossene Sachverhalte bezieht, die noch in die Gegenwart reichen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 151 sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Tagung des Umbenannte SED Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24./25. Februar 1990 best\u00e4tigte diese Namens\u00e4nderung. Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags am 17. Juli 2005 in Berlin wurde beschlossen, sich in \"Die Linkspartei.PDS\" umzubenennen. Den Landesverb\u00e4nden wurde es gleichzeitig Erneute freigestellt, die Zusatzbezeichnung \"PDS\" zu f\u00fchren. Im Parteistatut Umbenennungen wurde als Kurzbezeichnung \"Die Linke\" ebenfalls mit dem Zusatz \"PDS\" festgelegt. Am 16. Juni 2007 trat die nicht-extremistische Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) der Linkspartei.PDS bei. Beide Parteien bildeten zusammen die Partei DIE LINKE.; sie haben aber noch kein neues verbindliches Parteiprogramm beschlossen. 2.1.1 Ideologische Ausrichtung Die seit dem 30. Mai 2005 gef\u00fchrten Beitrittsverhandlungen zwischen Linkspartei.PDS und der nicht-extremistischen Partei WASG endeten am 16. Juni 2007 mit der Gr\u00fcndung der Partei DIE LINKE. in Berlin. Die WASG trat der Linkspartei.PDS nach den Bestimmungen des Umwandlungsgesetzes bei. Bereits am 24. und 25. M\u00e4rz hatten in Dortmund die Delegierten beider Parteien auf parallel durchgef\u00fchrten Bundesparteitagen die Gr\u00fcndungsdokumente f\u00fcr die neue Partei verabschiedet. Neben einer Bundessatzung, einer Schiedsordnung sowie einer Bundesfinanzordnung wurden auch \"Programmatische Eckpunkte\" angenommen. Darin spiegeln sich wesentliche Zielund Leitvorstellungen der Linkspartei.PDS wider. Das Eckpunktepapier enth\u00e4lt Formulierungen Eckpunktepapier und strategische Vorstellungen, die die Linkspartei.PDS bereits im Leitantrag des Parteivorstands auf dem Potsdamer Parteitag im Oktober 2004 festgelegt und im \"Kooperationsabkommen\" vom Dezember 2005 wiederholt hatte. Dazu geh\u00f6rt auch die inhaltliche Wiedergabe des Prinzips des \"strategischen Dreiecks\", das sich zusammensetzt aus Prinzip des \"strateparlamentarischer Opposition und au\u00dferparlamentarischem Widergischen Dreiecks\" stand sowie \"\u00fcber den Kapitalismus hinaus weisende Alternativen\". Die Partei proklamierte eine langfristige Handlungsmaxime, die - ganz im Sinn ihrer Programmatik - im Ergebnis auf eine sozialistische Gesellschaftsund Wirtschaftsordnung abzielt. Im Beschluss der 1. Tagung des 9. Parteitags am 30. und 31. Oktober 2004 in Potsdam hie\u00df es dazu: \"F\u00fcr sozialistische Politik nach unserem Verst\u00e4ndnis bilden Widerstand und Protest, der Anspruch auf Mitund Umgestaltung sowie \u00fcber den Kapitalismus Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","152 Linksextremismus hinaus weisende Alternativen ein unaufl\u00f6sbares strategisches Dreieck. Es ist unsere \u00dcberzeugung, dass die Gesellschaft ver\u00e4ndert werden muss und ver\u00e4ndert werden kann - und zwar zum Besseren f\u00fcr die Menschen.\" Die Verwendung marxistischer Kernbegriffe l\u00e4sst erkennen, dass die Partei eine ideologische N\u00e4he zum Marxismus-Leninismus sucht. So wird in den \"Programmatischen Eckpunkten\" mehrfach Bezug auf die \"Klasse\" bzw. den \"Klassenkampf\" genommen. Von weit aus gr\u00f6\u00dferer, Bekenntnis zum zentraler und elementarer Bedeutung ist jedoch das Bekenntnis zum \"demokratischen \"demokratischen Sozialismus\", wie es bereits im in Chemnitz beschlosSozialismus\" senen Parteiprogramm der Linkspartei.PDS vom Oktober 2003 verankert wurde. Diese Gesinnungshaltung ist unersch\u00fctterlicher Bestandteil sowie oberster Wesensgehalt der Partei; sie hat auch im programmatischen Gr\u00fcndungsdokument ihren Niederschlag gefunden: \"Die Linkspartei.PDS bringt in \u00dcbereinstimmung damit ihr historisches Verst\u00e4ndnis des demokratischen Sozialismus als Ziel, Weg und Wertesystem und als Einheit von Freiheitsund sozialen Grundrechten ein - niedergelegt in ihrem Chemnitzer Parteiprogramm. (...) Die Ideen des demokratischen Sozialismus stellen zentrale Leitvorstellungen f\u00fcr die Entwicklung der politischen Ziele der Linken dar. (...) Ziel des demokratischen Sozialismus, der den Kapitalismus in einem transformatorischen Prozess \u00fcberwinden will, ist eine Gesellschaft, in der die Freiheit des anderen nicht die Grenze, sondern die Bedingung der eigenen Freiheit ist. (...) Wir stellen uns bewusst in die Traditionen der Aufkl\u00e4rung und des demokratischen Sozialismus, der gro\u00dfen Emanzipationsbewegungen der Arbeiterinnen und Arbeiter.\" Mit dem Zusammenschluss von WASG und Linkspartei.PDS zur Partei DIE LINKE. gelang es der Linkspartei.PDS zugleich, wesentliche ideologische und programmatische Inhalte beizubehalten. Die \"Programmatischen Eckpunkte\" stellen den Vorl\u00e4ufer eines Programms der Partei DIE LINKE. dar. Str\u00f6mungspartei Die Partei DIE LINKE. versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialinker Kr\u00e4fte listische Gruppen und Personen, die die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland kritisieren und ablehnen. Das im Oktober 2003 in Chemnitz verabschiedete - dritte und gegenChemnitzer w\u00e4rtig noch nicht widerrufene - Parteiprogramm stellt fest, dass die Parteiprogramm Linkspartei.PDS ein Zusammenschluss unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte sei, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmten, dass die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden werden m\u00fcsse. Im Programm hei\u00dft es dazu weiter: \"In ihr (Anmerkung: in der Linkspartei.PDS) haben sowohl Menschen einen Platz, die der kapitalistischen Gesellschaft Widerstand entgegensetzen und die die gegebenen Verh\u00e4ltnisse fundamental ablehnen, als auch jene, die ihren Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 153 Widerstand damit verbinden, die gegebenen Verh\u00e4ltnisse positiv zu ver\u00e4ndern und schrittweise zu \u00fcberwinden.\" Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit ihm verGegen bundenen politischen Systems der Freiheit und der Demokratie im Sinn Kapitalismus unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zielen der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fcssten. Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und die \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Das programmatische Ziel der Partei ist nach wie vor eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung. Die Partei vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der revolutioBekenntnis zu n\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen revolutioMarx und Engels n\u00e4ren und \"volks-demokratischen\" Bewegungen verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die Partei verwendete Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, dass diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere Interpretation politischer Begriffe ist deren bewusste Umwidmung im Lehrgeb\u00e4ude Umwidmung des Marxismus-Leninismus, in dessen Denkschule die Mehrheit der Parvon Begriffen teimitglieder erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe eine Doppeldeutigkeit. Das gegenw\u00e4rtig g\u00fcltige Chemnitzer Grundsatzprogramm verfolgt weiterhin dieselbe ideologische Zielsetzung - eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung - und h\u00e4lt am \"Manifest der Kommunistischen Partei\", der Lehre von Marx und Engels, sowie an Rosa Luxemburg fest. Obwohl im Programm auf die Erw\u00e4hnung der bolschewistischen Oktoberrevolution von 1917 verzichtet wird, stellt sich die Partei in die Tradition der revolution\u00e4ren kommunistischen Arbeiterbewegung und wendet sich \"aus historischer Erfahrung\" entschieden gegen jegliche Form von \"Antikommunismus\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","154 Linksextremismus Sie ist auch vom gescheiterten Sozialismusversuch der fr\u00fcheren DDR \u00fcberzeugt. Der Unrechtsgehalt des SED-Regimes wird relativiert; es wird betont, dass der \"Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung\" f\u00fcr den Osten keiner \"Entschuldigung\" bed\u00fcrfe und die \"antifaschistisch-demokratischen Ver\u00e4nderungen im Osten Deutschlands und das sp\u00e4tere Bestreben, eine sozialistische Gesellschaft zu gestalten\" in \u00dcberwindung \"berechtigtem Gegensatz zur Weiterf\u00fchrung des Kapitalismus in Westder bestehenden deutschland\" gestanden h\u00e4tten. Im Bestreben um das gesellschaftliche GesellschaftsEndziel k\u00e4mpft die Partei f\u00fcr die \u00dcberwindung der als \"Kapitalismus\" ordnung diffamierten bestehenden Gesellschaftsordnung. 2.1.2 Entstehung der Partei DIE LINKE. durch den Beitritt der WASG Auf der 2. Tagung des 10. Bundesparteitags der Linkspartei.PDS am 24. und 25. M\u00e4rz in Dortmund beschlossen die Delegierten, mit der nicht-extremistischen WASG zu fusionieren. Obwohl beide Parteien von einer Fusion bzw. Vereinigung sprachen, handelte es sich tats\u00e4chlich um einen Beitritt der WASG zur Linkspartei.PDS, der nach den rechtlichen Voraussetzungen des Umwandlungsgesetzes vollzogen wurde. Mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit verabschiedeten die Parteitagsdelegierten die \"Programmatischen Eckpunkte\", die Satzung sowie die Finanzund Schiedsordnung der neuen, linken Partei. Mit 96,9 % der Stimmen nahmen sie den \"Verschmelzungsvertrag\" an. Der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky verteidigte in seiner Er\u00f6ffnungsrede das Ziel des Sozialismus: \"Wir gehen als demokratische Sozialistinnen und demokratische Sozialisten in Sozialismus die neue Partei. Das ist das Fazit unserer Geschichte. Das ist der Kern unserer als Ziel Identit\u00e4t.\" Er bekr\u00e4ftigte, dass die Debatte \u00fcber sozialistische Ideen weiter gef\u00fchrt werden m\u00fcsse. Es best\u00fcnde jetzt die Gelegenheit, eine neue demokratisch-sozialistische Tradition zu begr\u00fcnden. Die allseitige Herrschaft des Kapitals \u00fcber die Arbeit, das Patriarchat und rassistische Unterdr\u00fcckung hielt er nicht f\u00fcr die endg\u00fcltige Antwort der Geschichte. Mit Blick auf das Superwahljahr 2009 brachte er seinen Wunsch zum Ausdruck, dass die neue Linke endlich die westdeutschen Landtage erobere. Der Vorsitzende der Linkspartei.PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag, Dr. Gregor Gysi, betonte in seiner Rede, man werde ein neues poliVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 155 tisches Angebot in Deutschland organisieren und um eine demokratisch-sozialistische Gesellschaft k\u00e4mpfen. Auf dem parallel dazu ebenfalls in Dortmund durchgef\u00fchrten Bundesparteitag der WASG stimmten 87,7 % der Delegierten sowohl dem \"Verschmelzungsvertrag\" als auch den \"Programmatischen Eckpunkten\" und den weiteren Gr\u00fcndungsdokumenten gleichfalls zu. \u00dcber den auf beiden Parteitagen verabschiedeten \"Verschmelzungsvertrag\" - somit \u00fcber das Zusammengehen beider Parteien - hatten die Mitglieder beider Parteien in der Zeit vom 30. M\u00e4rz bis 18. Mai in getrennt durchgef\u00fchrten Urabstimmungen zu befinden. Von 57.829 bundesweit an der Urabstimmung teilnehmenden Mitgliedern der Linkspartei.PDS stimmten 46.041 einer Fusion zu (1.484 waren dagegen), Urabstimmungen was einem Zustimmungsanteil von 96,9 % entspricht. Von den 11.375 \u00fcber Zusammenstimmberechtigten Mitgliedern der WASG gaben bundesweit lediglich gehen 5.512 ihr Votum ab. Dabei pl\u00e4dierten 83,9 % der Abstimmenden f\u00fcr den Zusammenschluss beider Parteien. In Bayern nahmen seitens der Linkspartei.PDS 391 Mitglieder an der Urabstimmung teil, von denen sich 354 f\u00fcr die Fusion aussprachen, was einem Zustimmungsanteil von 90,5 % entspricht. 57,8 % der bayerischen Mitglieder der Linkspartei.PDS beteiligten sich an der Abstimmung. Von den stimmberechtigten Mitgliedern der WASG in Bayern votierten \u00fcber 80 % f\u00fcr eine Vereinigung; die Beteiligung an der Abstimmung lag hier bei 55,2 %. Die 3. Tagung des 10. Parteitags der Linkspartei.PDS wurde am 15. Juni, Letzte Tagung der dem Tag vor dem \"Gr\u00fcndungsparteitag\" der Partei DIE LINKE., in BerLinkspartei.PDS lin durchgef\u00fchrt. Die Delegierten befassten sich mit den Ergebnissen der Urabstimmung in Linkspartei.PDS sowie WASG und w\u00e4hlten die Kandidatinnen und Kandidaten der Linkspartei.PDS f\u00fcr die Gremien (Parteivorstand, Bundesschiedskommission und Bundesfinanzrevisionskommission) der Partei DIE LINKE.. Der Vorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar Bisky k\u00fcndigte in seiner Parteitagsrede sehr offen an, die Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung der heutigen Bundesrepublik Deutschland \u00fcberwinden zu wollen: \"Ja, wir diskutieren auch und immer noch die Ver\u00e4nderung der Eigentumsund Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, und auch das unterscheidet eine neue Partei links von der Sozialdemokratie in Deutschland von anderen. Kurz gesagt: Wir stellen die Systemfrage! F\u00fcr alle von den geheimen Diensten noch einmal zum Mitschreiben: Die, die aus der PDS kommen, aus der Ex-SED, und auch die neue Partei DIE LINKE. - wir stellen die Systemfrage.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","156 Linksextremismus Notwendigkeit Im Schlusswort unterstrich der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im eines \"SystemDeutschen Bundestag, Dr. Gregor Gysi, die Notwendigkeit eines wechsels\" \"Systemwechsels\": \"Wir haben gesagt, aber der Kapitalismus kann nicht die letzte Antwort der Geschichte sein. Wir bleiben Sozialistinnen und Sozialisten, weil wir in die Zukunft schauen. Und wenn wir heute nur die \u00d6kologie nehmen: Eine Wirtschaft, die nur Wachstum kennt, kann sie nicht beherrschen, und deshalb brauchen wir insofern einen Systemwechsel, da hat Lothar recht.\" Am 16. Juni fand in Berlin der \"Gr\u00fcndungsparteitag\" der Partei DIE LINKE. statt, nachdem beide Parteien am Vortag Bundesparteitage durchgef\u00fchrt hatten, auf denen sie u.a. ihre Kandidaten f\u00fcr die Wahlen der neuen Gremien der Partei nominiert hatten. Die insgesamt 796 Delegierten sprachen sich bei nur einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen f\u00fcr die Verschmelzung beider Parteien aus. Bei der Wahl zum aus Wahl des ersten 44 Mitgliedern bestehenden ersten Parteivorstand, der parit\u00e4tisch je zur Parteivorstands H\u00e4lfte aus den Reihen bzw. dem Umfeld der fr\u00fcheren Parteien besetzt werden durfte, brachte die Linkspartei.PDS nahezu geschlossen ihren letzten Parteivorstand ein und sicherte sich wichtige Partei\u00e4mter. So wurden Prof. Dr. Lothar Bisky als Parteivorsitzender, Katja Kipping und Katina Schubert als stellvertretende Vorsitzende, Dr. Dietmar Bartsch als Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer sowie Dr. Karl Holluba als Bundesschatzmeister best\u00e4tigt. Von den 22 Mitgliedern der Linkspartei.PDS im Vorstand der Partei DIE LINKE. geh\u00f6rten 19 bereits dem bisherigen - 20 Mitglieder umfassenden - Parteivorstand der Linkspartei.PDS an. Christine Buchholz, Janine Wissler (beide vom bisherigen \"Linksruck-Netzwerk\"; seit September umbenannt in Netzwerk \"marx21\") und Thies Gleiss (\"internationale sozialistische linke\", isl) vervollst\u00e4ndigen als Angeh\u00f6rige trotzkistischer Gruppierungen den Anteil der Linkspartei.PDS. Der Vorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky pl\u00e4dierte in seiner Rede f\u00fcr die Suche nach politiSuche nach neuen politischen Alternativen und forderte dazu auf, die schen Alternativen Kapitalismuskritik f\u00fcr gemeinsame Politik zu nutzen: \"Eine neue Linke steht f\u00fcr friedliche Proteste, f\u00fcr die demokratische Durchsetzung ihrer Alternativen. (...) Alternativen sind n\u00f6tig und m\u00f6glich! (...) Dazu geh\u00f6ren plausible und mitrei\u00dfende Alternativen, die \u00fcber den shareholder-value-Kapitalismus hinausweisen.\" Der gleichberechtigte Parteivorsitzende Oskar Lafontaine unterstrich in seiner Rede, dass die Linke in der Tradition der deutschen Arbeiterbewegung stehe und sich dem Erbe derer verpflichtet f\u00fchle, die als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in der DDR eingesperrt gewesen seien wie den Kommunistinnen und Kommunisten, die in der Bundesrepublik Deutschland eingesperrt und verfolgt worden seien. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 157 Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht seien Leitfiguren der Arbeiterbewegung gewesen. Das repr\u00e4sentative System in Deutschland und die Demokratie seien in der Krise. Wenn er von demokratischer Erneuerung spreche, dann meine er aber auch, dass Demokratie die Aufgabe der Machtkontrolle Machtkontrolle im Auge haben m\u00fcsse. Fehlleistungen vergangener als Aufgabe Systeme w\u00fcrden darauf beruhen, dass man zu wenig Machtkontrolle in die politischen Systeme eingebaut h\u00e4tte. DIE LINKE. sei die einzige Partei, die die Systemfrage aufwerfe. Weiter forderte er eine St\u00e4rkung der direkten Demokratie und verteidigte die Idee des Sozialismus: \"Wir wollen mitwirken am Aufbau des Sozialismus des 21. Jahrhunderts und unterst\u00fctzen die Sozialismus-Versuche in S\u00fcdamerika. (...) Wir laden all diejenigen ein, die am Aufbau des demokratischen Sozialismus mitwirken wollen. Jawohl, es hei\u00dft nicht Freiheit statt Sozialismus, es hei\u00dft Freiheit und Sozialismus, besser noch: Freiheit durch Sozialismus! Das ist die Formel, hinter der wir uns versammeln!\" Der Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE. im Deutschen Bundestag Dr. Gregor Gysi betonte in der Er\u00f6ffnungsrede des Parteitags, die Einheit der Linken geh\u00f6re zwingend zur Einheit der Deutschen. Mit der Fusion werde die Einheit Deutschlands organisatorisch vollendet. Der Zusammenschluss von Linkspartei.PDS und WASG sei das einzige Beispiel einer wirklichen Vereinigung und nicht eines Beitritts oder eines Anschlusses. Das Grundprinzip seiner Partei verteidigend, hob er hervor, dass der demokratische Sozialismus grundgesetzgem\u00e4\u00dfer als jede Form von Kapitalismus sei! 2.1.3 Organisation DIE LINKE. ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in Landes-, Kreisund Ortsverb\u00e4nde. Bundesweit verf\u00fcgt sie \u00fcber rund 69.200 Mitglieder (2006: 60.300). Der Anstieg Anstieg der der Mitgliederzahl ist in erster Linie auf die Fusion mit der WASG und Mitgliederzahl den damit verbundenen Beitritt der \u00fcberwiegenden Zahl der Mitglieder der WASG zur Partei DIE LINKE. zur\u00fcckzuf\u00fchren. Zahlreiche Mitglieder der Partei DIE LINKE. waren fr\u00fcher Mitglieder der ehemaligen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR, darunter auch Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS). 2.1.4 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften sowie \u00e4hnliche innerparteiliche Zusammenschl\u00fcsse sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der Partei. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","158 Linksextremismus Partei, k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben und k\u00f6nnen ihre poliIntegrale Bestandtischen Ziele in der Partei offen vertreten. Sie sind integrale Bestandteile der Partei teile der Partei. Die Partei DIE LINKE. muss sich deshalb die T\u00e4tigkeit der Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften wie auch das Wirken der sonstigen innerparteilichen Zusammenschl\u00fcsse sowie die \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, w\u00e4hrend Arbeitsund Interessengemeinschaften themenbezogen auf wichtigen Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. Wichtige Zusammenschl\u00fcsse sind das 1995 in Berlin gegr\u00fcndete, orthoMarxistisches dox-kommunistisch ausgerichtete Marxistische Forum (MF) sowie das Forum (MF) bislang als unabh\u00e4ngige Organisation agierende \"Linksruck-Netzwerk\", das sich unter Umbenennung in Netzwerk \"marx21\" seit September als eigenes Netzwerk in der Partei definiert. Von den zahlreichen weiteren innerparteilichen Gruppierungen hebt Kommunistische sich insbesondere die Kommunistische Plattform (KPF) der Partei DIE Plattform (KPF) LINKE. ab. Mitglied des Bundeskoordinierungsrats der KPF und Spitzenfunktion\u00e4rin des Zusammenschlusses ist die Europaabgeordnete Sahra Wagenknecht, die anl\u00e4sslich des \"Gr\u00fcndungsparteitags\" mit einer Zustimmung von 75,2 % der Delegiertenstimmen ihre Best\u00e4tigung als Vorstandsmitglied in der Parteif\u00fchrung fand. Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete KPF der Partei DIE LINKE. - ihr sind etwa 1.000 Mitglieder zuzurechnen - ist eine marxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der Partei DIE LINKE. ist die KPF die GrupBekenntnis zum pierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus bekennt. Sie Marxismus-Lenistrebt die Fortsetzung marxistischer und leninistischer Politik, also die nismus Diktatur des Proletariats, an. In ihren Gr\u00fcndungsthesen betonte sie: \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem Wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfasst von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Tse-tung weiterentwickelt worden ist, die Grundlage f\u00fcr die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose Gesellschaft. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 159 Die KPF strebt eine enge Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Parteien und Organisationen an und sucht die Beteiligung an au\u00dferparlamentarischen Initiativen, insbesondere in dem von ihr in kommunistischer Ideologie verstandenen Antifaschismus. Am 14. April veranstaltete die KPF in Berlin die 2. Tagung der 13. BundesTagungen der konferenz. Neben einer friedenspolitischen Diskussion, Fragen zum 13. BundesUmgang mit der eigenen Geschichte und einer Debatte \u00fcber die Zugekonferenz h\u00f6rigkeit der KPF zur Partei DIE LINKE. beschlossen die Delegierten die \"Schwerpunktaufgaben der KPF in den n\u00e4chsten Monaten\". In dem Beschluss wurde u.a. bestimmt, sich an der Weiterf\u00fchrung des Verschmelzungsprozesses von Linkspartei.PDS und WASG zur neuen Linken als sozialistischer Partei aktiv zu beteiligen. Der Kampf um \"unverzichtbare Positionen\" - wie beispielsweise das sozialistische Ziel, \"Unverzichtbare der Umgang mit bisherigen Erfahrungen des Sozialismus sowie weitere Positionen\" \u00dcberlegungen zum Sozialismusbild - im neuen Programm der Partei DIE LINKE. sei von besonderer Bedeutung. An der politisch-organisatorischen Festigung der KPF m\u00fcsse weiter gearbeitet werden. Die Zusammenarbeit mit marxistisch orientierten Kr\u00e4ften innerhalb und au\u00dferhalb der Partei sei zu intensivieren, die Solidarit\u00e4t mit dem sozialistischen Kuba zu vertiefen. Au\u00dferdem soll die aktive Arbeit auch mit antifaschistischen B\u00fcndnissen weitergef\u00fchrt werden. Auf der 3. Tagung der 13. Bundeskonferenz der KPF am 10. November in Berlin stellten die Delegierten in dem Beschluss \"Wir bleiben, was wir waren und sind: In der Partei DIE LINKE. organisierte Kommunistinnen und Kommunisten\" ihren Status als Kommunistinnen und Kommunisten in der Partei DIE LINKE. heraus und erkl\u00e4rten, in der anstehenden Programmdebatte der Partei zentrale Sozialismuspositionen verteidigen zu wollen. Man werde sich sowohl f\u00fcr eine vorurteilsfreie Analyse des Sozialismus im 20. Jahrhundert als auch f\u00fcr eine notwendige Debatte \u00fcber den Sozialismus einsetzen und dabei die eigene Position unterstreichen, dass \"dieser historisch legitim war und ist\". Das Ziel sei \"der Sozialismus, in dem die unerl\u00e4ssliche Demokratie ihre Basis in Eigentumsverh\u00e4ltnissen hat, die gew\u00e4hrleisten, dass die Profitmaximierung nicht mehr das Ma\u00df aller Dinge ist\". Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt der eigenen politischen Arbeit sei die antifaschistische B\u00fcndnisarbeit. An der Seite der VVN-BdA und anderer Antifaschistische antifaschistischer Kr\u00e4fte werde man aktiv \"f\u00fcr ein Verbot der NPD B\u00fcndnisarbeit mitsamt ihren Gliederungen, Nebenund Nachfolgeorganisationen\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","160 Linksextremismus wirken. So wie die KPF Nationalismus strikt ablehne, sei ihr der \"Internationalismus ein hohes Gut\". Seit Dezember ist in Bayern ein landesweiter Zusammenschluss der KPF bekannt. 2.1.5 Jugendverband Linksjugend ['solid], vormals ['solid] Am 19. Juni 1999 wurde in Hannover der Jugendverband ['solid] - die sozialistische Jugend gegr\u00fcndet. Der Name steht f\u00fcr \"sozialistisch, links und demokratisch\". Anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 8. Parteitags vom 12. bis 13. Oktober 2002 in Gera erkl\u00e4rte der Parteivorstand der Linkspartei.PDS in seinem T\u00e4tigkeitsbericht: \"Der Parteivorstand erkannte per Beschluss ['solid] als den PDS-nahen bundesweiten Jugendverband an und unterst\u00fctzte ihn materiell und ideell.\" In Vorwegnahme auf die aus der Fusion von Linkspartei.PDS und der nicht-extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) entstehende Partei DIE LINKE. fand ein \"Neuformierungskongress\" im Rahmen der vom 18. bis 20. Mai in Berlin durchgef\u00fchrten 9. Bundesdelegiertenkonferenz des Jugendverbands ['solid] Gr\u00fcndung eines statt, wobei am letzten Tagungstag die Gr\u00fcndung von \"Linksjugend neuen Jugend['solid]\" als bundesweiter parteinaher Jugendverband vollzogen wurde; verbands der neue Verband trat somit die Rechtsnachfolge von ['solid] an. Die Konferenzteilnehmer beschlossen mit einer knapp erreichten Zweidrittelmehrheit eine neue Satzung und w\u00e4hlten einen neuen BundessprecherInnenrat (Vorstand). Unter den 14 Angeh\u00f6rigen (darunter vier aus Bayern) dieses h\u00f6chsten Organs des Jugendverbands zwischen den Bundesdelegiertenkonferenzen befinden sich \u00fcberwiegend bisherige Funktion\u00e4re und Mitglieder von ['solid] und der Linkspartei.PDS, so auch der fr\u00fchere ['solid]-Bundessprecher Victor Perli. Sitz der Bundesgesch\u00e4ftsstelle des Verbands ist die Zentrale der Partei DIE LINKE. in Berlin. Eigenen Angaben zufolge definiert sich die Organisation als ein sozialistischer, antifaschistischer, basisdemokratischer und feministischer Jugendverband. Er greife in die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse ein und sei Plattform f\u00fcr kapitalismuskritische, selbstbestimmte und rebellische Politik. Als Teil emanzipatorischer Bewegungen suche er die Kooperation mit anderen B\u00fcndnispartnerInnen. Der Jugendverband strebe eine enge Zusammenarbeit mit gleichgesinnten politischen JugendstrukAufgaben und turen auf internationaler und insbesondere auf europ\u00e4ischer Ebene an. ArbeitsschwerIm Mittelpunkt der T\u00e4tigkeit des Jugendverbands w\u00fcrden politische punkte Bildung, der Eintritt in eine politische und kulturelle Offensive und die Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 161 politische Aktion stehen. Als parteinaher Jugendverband sei die Linksjugend ['solid] die Jugendorganisation der Partei DIE LINKE. und wirke als Interessenvertretung linker Jugendlicher in die Partei. DIE LINKE.SDS (vgl. auch Nummer 2.1.6 dieses Abschnitts) ist Bestandteil des neuen Jugendverbands. In einem bislang nicht verabschiedeten Entwurf f\u00fcr eine \"ProgrammaEntwurf einer tische Erkl\u00e4rung\" vom 20. April unter dem Titel \"F\u00fcr einen starken lin\"Programmatischen ken Jugendverband!\" wird ausgef\u00fchrt, dass die \u00dcberwindung kapitalisErkl\u00e4rung\" tischer Produktionsund Herrschaftsverh\u00e4ltnisse notwendig sei, um das Ziel, eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, zu erreichen. Die Kapitalismuskritik nehme die undemokratischen Produktionsund Verteilungsmechanismen in den Blick. Weiter wird erkl\u00e4rt: \"Wir nennen es Sozialismus oder Kommunismus, andere nennen es Anarchismus oder schlicht eine bessere Welt - nenne es wie du willst: wof\u00fcr wir k\u00e4mpfen, ist eine freiheitliche Gesellschaft jenseits von Kapitalismus. (...) Linke Organisierung ist f\u00fcr uns kein Hobby oder eine jugendliche Phase, sondern notwendiger Widerstand gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse.\" Der Verband sei Teil des politischen Blocks der LINKEN - der Bewegung f\u00fcr Demokratie und Sozialismus. Harte Kritik gegen\u00fcber der Linkspartei sei genauso selbstverst\u00e4ndlich wie eine solidarische Zusammenarbeit. Man arbeite f\u00fcr eine vernetzte, breite Linke, die die Kraft besitze, die Gesellschaft tats\u00e4chlich zu ver\u00e4ndern. Der Jugendverband ['solid] verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber einen Landesverband mit zahlreichen Ortsgruppen. Am 1. Juli l\u00f6ste sich die Ortsgruppe Erlangen auf. In M\u00fcnchen gr\u00fcndete sich am 28. Juli die Ortsgruppe M\u00fcnchen der Linksjugend ['solid]. Die Zahl der Mitglieder im Landesverband Bayern der Linksjugend ['solid] bel\u00e4uft sich auf rund 600 Personen. 2.1.6 Die Linke. Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband (DIE LINKE.SDS) Vom 4. bis 6. Mai gr\u00fcndeten in Frankfurt am Main rund 100 Personen, Gr\u00fcndungsdarunter Vertreter von 34 Hochschulgruppen, den neuen Hochschulkonferenz verband \"Die Linke. Sozialistisch-demokratischer Studierendenverband\" (DIE LINKE.SDS). Im Rahmen dieser Gr\u00fcndungskonferenz wurden ein 12-k\u00f6pfiger Vorstand gew\u00e4hlt sowie ein Programm und eine Satzung verabschiedet. In der Pr\u00e4ambel der Satzung bekennt sich der neue Hochschulverband \"zu den Grunds\u00e4tzen der Partei DIE LINKE.\" und des Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","162 Linksextremismus Jugendverbands \"Linksjugend ['solid]\" (vgl. auch Nummer 2.1.5 dieses Abschnitts). Zugleich betrachtet er sich als eine Arbeitsgemeinschaft Verabschiedetes dieses Jugendverbands. Im verabschiedeten Programm - als \"SelbstProgramm verst\u00e4ndnis des Studierendenverbands DIE LINKE.SDS\" bezeichnet - hei\u00dft es: \"Als Hochschulverband streiten wir f\u00fcr Sozialismus, ... Wir k\u00e4mpfen gegen den marktradikalen und antidemokratischen Umbau der Gesellschaft, gegen Sozialabbau, gegen Ausgrenzung und Diskriminierung aller Art, gegen Krieg und Umweltzerst\u00f6rung. Diese Ziele sind nur durch eine grundlegende Ver\u00e4nderung der Gesellschaft zu realisieren. Der Kapitalismus ist f\u00fcr uns nicht das Ende der Geschichte. Wir stehen f\u00fcr die \u00dcberwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und stellen ihr unsere handlungsbestimmende Perspektive einer sozialistischen Gesellschaft entgegen.\" F\u00fcr die Einf\u00fchrung des allgemeinpolitischen Mandats werde man k\u00e4mpfen. Dazu geh\u00f6rten auch die Verankerung kritischer Wissenschaft und Freir\u00e4ume f\u00fcr Diskussionen \u00fcber kritische, linke und marxistische Theorie an der Hochschule. Andere linke Hochschulgruppen und GewerkZusammenarbeit schaften seien \"wichtige Akteure\", mit denen zusammengearbeitet mit \"wichtigen werden soll. Auch mit antifaschistischen Gruppen sehe man sich verAkteuren\" bunden. Die organisatorische und politische Verbundenheit zur \"Linksjugend ['solid]\" dr\u00fccke sich sowohl in einer engen Zusammenarbeit als auch in einer gegenseitigen Unterst\u00fctzung aus. Ungeachtet des positiven Bezugs zur neuen Partei DIE LINKE. werde man jedoch auf der eigenen politischen und organisatorischen Autonomie beharren, eigene politische Positionen gegen\u00fcber der Partei offensiv vertreten, intellektuelle Freir\u00e4ume bewahren und bildungspolitische Forderungen in die Partei einbringen. Sollte sich der Studierendenverband aufl\u00f6sen, w\u00fcrde das Verm\u00f6gen satzungsgem\u00e4\u00df an die Partei DIE LINKE. gehen. Der Sitz des Verbands ist Berlin. Als Organ des Linke.Hochschulgruppennetzwerks erscheint Hochschulzeitung die Zeitung \"DIE LINKE. Campus\". In Bayern ist der Studierendenverband bislang in den St\u00e4dten Augsburg, Bamberg, Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg organisiert. 2.1.7 DIE LINKE. Bayern, vormals Linkspartei.PDS Landesverband Bayern Organisation Die in Bayern seit dem 11. September 1990 bestehende Linkspartei.PDS in Bayern setzte sich aus dem Landesverband, zahlreichen Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen zusammen. Die Fusion von Linkspartei.PDS und WASG auf Bundesebene (vgl. auch Nummer 2.1.2 dieses Abschnitts) Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 163 war Anlass, im Rahmen eines Landesparteitags am 15. September in Zirndorf den Landesverband Bayern der Partei DIE LINKE. zu gr\u00fcnden. Neben dem Landesverband existiert eine Reihe von Kreisund Ortsverb\u00e4nden. Der Sitz des Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. F\u00fcr einige \u00f6rtliche Strukturen bestehen Kontaktund Anlaufadressen. In Bayern erh\u00f6hte sich die Zahl der Parteimitglieder von etwa 600 auf Anstieg der rund 2.200 beitragspflichtige Personen. Dies ist in erster Linie auf die Mitgliederzahl Fusion der Landesverb\u00e4nde von Linkspartei.PDS und WASG zur\u00fcckzuf\u00fchren. Vor dem Hintergrund des bevorstehenden Zusammenschlusses von Linkspartei.PDS und WASG im Bundesgebiet trafen sich am 21. Januar in Hof die Landesvorst\u00e4nde von Linkspartei.PDS und WASG aus Bayern und Sachsen zu einem bayerisch-s\u00e4chsischen Programmkonvent. Die Bayerischstellvertretende Bundesvorsitzende der Linkspartei.PDS und Bundess\u00e4chsischer tagsabgeordnete Katja Kipping f\u00fchrte dabei aus, dass erkl\u00e4rtes Ziel der Programmkonvent neuen Linken weiterhin der \"demokratische Sozialismus\" sei. Der bestehende Kapitalismus k\u00f6nne nicht Wesensmerkmal eines historischen Endzustands sein. Die Landesvorsitzende der Linkspartei.PDS Sachsen, Dr. Cornelia Ernst, charakterisierte den Sozialismus als Vision und Wertesystem. Dies gelte es, in Ost wie West zu vermitteln. Die bayerische Landessprecherin und Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter brachte zum Ausdruck, dass engagierte Aufkl\u00e4rungsarbeit \u00fcber Antifaschismus nach wie vor zu den zentralen Politikfeldern der Linken geh\u00f6re. Die Linkspartei.PDS Bayern hielt am 21. Februar in Passau ihr traditionelles Aschermittwochstreffen ab. Vor rund 250 Teilnehmern kritisierte der Vorsitzende der Linkspartei.PDS-Bundestagsfraktion Dr. Gregor Gysi den fortschreitenden Sozialabbau in der Gesellschaft, attackierte insbesondere die Gesundheitsreform und bewertete deren Verlauf als eine \"Katastrophe\" und als \"Akt der Entsolidarisierung\". Als weitere Beispiele f\u00fcr den Sozialabbau nannte er das neu eingef\u00fchrte Elterngeld und die Regelungen zum Arbeitslosengeld. Seiner Meinung nach sei Ziel des Elterngeldes, \"dass die Armen weniger Kinder kriegen und die Reicheren mehr Kinder\". Die Pl\u00e4ne der Bundesfamilienministerin, mehr Kinderkrippen einzurichten, verglich er mit den Regelungen in der fr\u00fcheren DDR. Dort seien diese Konzepte bereits verwirklicht gewesen. Deutschland habe es vers\u00e4umt, die positiven Entwicklungen aus dem Osten zu \u00fcbernehmen. Er hoffe, die Linke sei weiter und wisse, dass der Hauptunterschied nicht der zwischen Ost und West, sondern zwischen Arm und Reich und oben und unten ist. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","164 Linksextremismus Ferner forderte er die Einf\u00fchrung eines Mindestlohns, die Heranziehung s\u00e4mtlicher Einkommen f\u00fcr die gesetzliche Rente und den Stopp von Privatisierungen. Mit dem Argument, die Linkspartei.PDS m\u00fcsse \u00f6ffentlich wahrgenommen werden, rief Dr. Gysi die Genossinnen und Genossen zur Geschlossenheit auf. In Bezug auf die bevorstehende Fusion der Linkspartei.PDS mit der WASG zeigte er sich zuversichtlich, am 16. Juni in Deutschland eine Partei, die 'DIE LINKE.' hei\u00dft, zu haben.\" Die Vereinigung sehe er zugleich als eine Chance f\u00fcr die Linkspartei.PDS in Bayern, bei den Wahlen im kommenden Jahr in den Bayerischen Landtag einzuziehen. Landesparteitage Der Landesverband berief insgesamt vier Landesparteitage ein. Der Landesparteitag am 3. Februar in Regensburg stand ganz im Zeichen der Parteienfusion von Linkspartei.PDS und WASG sowie der Wahlk\u00e4mpfe f\u00fcr das Jahr 2008. Das bereits auf dem Landesparteitag am 4. November 2006 in Augsburg vorgelegte \"Kooperationsabkommen WASG Bayern - Linkspartei.PDS Bayern\", das den Verlauf der Fusionsbem\u00fchungen von Linkspartei.PDS und WASG auf Landesebene skizziert, wurde nach einem Bericht \u00fcber den Stand der Parteineubildung verabschiedet. Beide Seiten erkl\u00e4rten in dem Abkommen, auf Grundlage der von beiden Parteivorst\u00e4nden vorgelegten \"Programmatischen Eckpunkte\" und den Entw\u00fcrfen der Satzung und Finanzordnung, zum Aufbau einer bayerischen Landesund Kreisstruktur der neuen Partei beitragen zu wollen. Der Beisitzer im Landesverband und Sprecher des Linkspartei.PDS Kreisverbands Freising, Dr. Guido Hoyer, f\u00fchrte hinsichtlich der bevorstehenden bayerischen Kommunalwahlen im M\u00e4rz 2008 aus, dass es an der Zeit sei, auch vor dem Hintergund des Zusammengehens mit der WASG, \u00fcber strukturelle Ma\u00dfnahmen der Wahlkampfvorbereitungen nachzudenken. Auf dem Landesparteitag am 19. Mai in N\u00fcrnberg w\u00e4hlten die Delegierten f\u00fcr die \u00dcbergangszeit bis zum Gr\u00fcndungsparteitag am 15. SepKommissarischer tember einen sechsk\u00f6pfigen kommissarischen Landesvorstand. Die Landesvorstand Landessprecherin und Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter unterstrich in ihrem Rechenschaftsbericht Gemeinsamkeiten mit der WASG. Medienberichten vom 17. September zufolge sollen im Landesverband Umgang mit Bayern seit Jahren Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Umgang mit Parteispenden Parteispenden und der Ausstellung von Spendenquittungen vorgekommen sein. Ein Einzelaktivist des Landesverbands, zugleich Mitglied in einer landesweiten kommunistischen Splittergruppierung, habe \u00fcber ein Konto bei der Postbank verf\u00fcgt, auf das schon seit Jahren offiziell Parteispenden Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 165 geflossen sein sollen. Trotz gegenteiliger rechtlicher Bestimmungen soll aber Mitgliedern des Parteivorstands bzw. einem Bevollm\u00e4chtigten der Zugriff auf dieses Konto verwehrt gewesen sein. Dies sorgte f\u00fcr kontroverse und heftige Diskussionen, nicht nur in der F\u00fchrungsspitze der Partei. Dabei stand zu keiner Zeit die Arbeit dieser kommunistischen Splittergruppe grunds\u00e4tzlich zur Diskussion, deren langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit von der Parteif\u00fchrung nicht nur geduldet, sondern auch von Einzelrepr\u00e4sentanten der Partei, wie der langj\u00e4hrigen M\u00fcnchner Stadtr\u00e4tin Brigitte Wolf, aktiv gef\u00f6rdert wurde. Die alte sowie neue Landeschefin der Partei und Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter verwies auf Anfragen auf die Zust\u00e4ndigkeit anderer daf\u00fcr verantwortlicher Funktion\u00e4re und Gremien, mithin auf den Landesschatzmeister und die Finanzrevisionskommission. Jene monierten jedoch, dass in dieser Angelegenheit wiederholt die Parteif\u00fchrung informiert worden sei, jedoch ohne Ergebnis. Aus Protest gegen die Spendenpraxis trat der LandesschatzR\u00fccktritt meister Karsten Nissen Mitte des Jahres von seinem Amt zur\u00fcck. In der des LandesFolge r\u00e4umte die Landessprecherin ein, von den Vorg\u00e4ngen doch schatzmeisters Kenntnis gehabt zu haben, betonte allerdings, dass das Konto \"immer als Parteikonto erfasst, bilanziert und gepr\u00fcft worden sei\". Ob die Vorw\u00fcrfe berechtigt sind, pr\u00fcft die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen. Auch die Bundestagsverwaltung, zust\u00e4ndig f\u00fcr die Kontrolle und \u00dcberwachung der Parteispenden, verlangt von der Bundesparteizentrale in Berlin Aufkl\u00e4rung. Auf dem Gr\u00fcndungsparteitag am 15. September in Zirndorf wurde die Gr\u00fcndungsVereinigung von Linkspartei.PDS und WASG zur Partei DIE LINKE. Lanparteitag desverband Bayern vollzogen. Die Delegierten w\u00e4hlten einen neuen, in Zirndorf gemeinsamen 20-k\u00f6pfigen Landesvorstand, der die bisherigen kommissarischen, eigenst\u00e4ndigen Landesvorst\u00e4nde abl\u00f6ste. Als gleichberechtigte Landessprecher wurden die Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter und Harald Weinberg gew\u00e4hlt. Dem aus sechs Mitgliedern Neuwahl des bestehenden gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Landesvorstand geh\u00f6rt auch die langLandesvorstands j\u00e4hrige Aktivistin der trotzkistischen Gruppierung \"Linksruck-Netzwerk\" (seit September umbenannt in Netzwerk \"marx21\") Nicole Gohlke an. Der von einigen Delegierten deutlich bekundete Unmut \u00fcber den Umgang der bayerischen Parteif\u00fchrung mit der in Presseberichten so bezeichneten Spendenaff\u00e4re der Linkspartei.PDS in Bayern fand wenig Beachtung. Die kommenden Kommunal-, Kreisund Landtagswahlen stellten die Delegierten als n\u00e4chste Herausforderungen f\u00fcr die Partei heraus. Dazu f\u00fchrte die wiedergew\u00e4hlte Vorsitzende aus: \"Wir werden diese Wahlen nutzen, um gegen die etablierten Parteien in die Offensive zu gehen und die konservative Dominanz zu brechen.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","166 Linksextremismus Fortsetzung des Auf der Fortsetzung des Gr\u00fcndungsparteitags (aufgrund der fortGr\u00fcndungsgeschrittenen Zeit war der Zirndorfer Parteitag abgebrochen worden) parteitags am 16. Dezember in Straubing wurden insbesondere die \"Eckpunkte f\u00fcr in Straubing die Kommunalund Landtagswahlen in Bayern 2008\" verabschiedet. In einer Gru\u00dfansprache des Bundesvorsitzenden der Partei DIE LINKE., Oskar Lafontaine, wurden die Parteitagsteilnehmer auf den beginnenden Kommunalwahlkampf eingestimmt. Ein den Delegierten mit den Tagungsunterlagen zugegangener Antrag auf Abwahl der bayerischen Landessprecherin wurde noch vor dem Parteitag zur\u00fcckgezogen. 2.1.8 Teilnahme an Wahlen Wahl zur Bei der Wahl zur Bremischen B\u00fcrgerschaft am 13. Mai errang die LinksBremischen partei.PDS einen Stimmenanteil von 8,44 % (2003: 1,67 %). Damit B\u00fcrgerschaft wurde sie viertst\u00e4rkste Kraft und zog mit sieben Abgeordneten in die Bremische B\u00fcrgerschaft ein. Die Partei trat als \"DIE LINKE.\" zur Wahl an. Sie schaffte mit dem Ergebnis den seit der Wende - bislang erfolglos - angestrebten Einzug in ein westdeutsches Parlament. Die Partei DIE LINKE. beabsichtigte, sich bei den bayerischen Kommunalwahlen im M\u00e4rz 2008 in mehreren Kommunen zu verankern. So wollte sie insbesondere in den St\u00e4dten Augsburg, Erlangen, F\u00fcrth, Ingolstadt, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg in die Rath\u00e4user einziehen. F\u00fcr M\u00fcnchen hatte sie sich einen Stimmenanteil von 6 % als Ziel gesetzt, in N\u00fcrnberg von 4 % bis 5 %. Im Zuge der AufListen f\u00fcr die stellung der Listen hatte die Partei DIE LINKE. sowohl der Deutschen Kommunalwahlen Kommunistischen Partei (DKP) als auch der Sozialistischen Deutschen in Bayern Arbeiterjugend (SDAJ) in verschiedenen St\u00e4dten und Gemeinden Listenpl\u00e4tze einger\u00e4umt. Nach Angaben der DKP und Auswertung der eingereichten Listen befanden sich in Bayern insgesamt 44 Kandidatinnen und Kandidaten der DKP und SDAJ auf Listen der Partei DIE LINKE. bzw. den \"linken Listen\". Auf der Liste in M\u00fcnchen waren neben Angeh\u00f6rigen der Partei DIE LINKE. auch Kandidatinnen und Kandidaten der ehemaligen nicht-extremistischen WASG sowie eine Reihe von Aktivisten verschiedener linksextremistischer Organisationen. Der auch aus autonomen Bez\u00fcgen bekannte, derzeitige Sprecher der Linksjugend ['solid] Bayern, Stefan Weidinger, kandidierte auf Platz vier. Mit Claus Schreer, einem ma\u00dfgeblichen Organisator der j\u00e4hrlichen Proteste gegen die M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik, und Sonja Schmid konnte die DKP zwei langj\u00e4hrige Parteiaktivisten auf den Pl\u00e4tzen acht und neun der Stadtratsliste unterbringen; ein weiterer DKP-Funktion\u00e4r nahm den Platz 40 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 167 ein. Neben zahlreichen Altfunktion\u00e4ren der Partei \"DIE LINKE.\" konnte die trotzkistisch-sektiererische Vereinigung Sozialistische Alternative Voran (SAV) drei eigene Kandidatinnen und Kandidaten durchsetzen. Die Partei DIE LINKE. hoffte, einzelne autonome Akteure f\u00fcr eigene Zwecke mit dem Ziel einer sp\u00e4teren Einbindung in die Partei oder zumindest als W\u00e4hlerklientel zu gewinnen. 2.1.9 Kommunistischer Internationalismus Im Rahmen der so genannten internationalen Solidarit\u00e4t unterh\u00e4lt die Partei DIE LINKE. vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen Linksextremisten. Das in Chemnitz im Oktober 2003 verabschiedete und gegenw\u00e4rtig noch g\u00fcltige Parteiprogramm nennt dies \"InternatioInternationalismus nalismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Mit der kubanischen Revolution f\u00fchlt sich die Partei solidarisch eng verAuslandskontakte bunden, was nicht zuletzt auch in Aufrufen zu Spendenaktionen f\u00fcr das kommunistische Kuba zum Ausdruck kommt. Am Gr\u00fcndungsparteitag der Partei DIE LINKE. am 16. Juni in Berlin nahmen Vertreter von 73 - zum Teil sozialistischen und kommunistischen - Parteien und politischen Organisationen aus 50 L\u00e4ndern teil. F\u00fcr den 12. Oktober lud die bayerische Bundestagsabgeordnete der Partei DIE LINKE., Kornelia M\u00f6ller, den Funktion\u00e4r der Kommunistischen Partei \u00d6sterreichs (KP\u00d6), Ernst Kaltenegger, zu einer Vortragsund Diskussionsveranstaltung nach M\u00fcnchen ein. Seit dem 25. November ist der Vorsitzende der Partei DIE LINKE. Prof. Dr. Lothar Bisky auch neuer Vorsitzender der Partei der Europ\u00e4ischen Vorsitzender der Linken, einem Zusammenschluss von rund 30 Mitgliedsund BeobachPartei der Europ\u00e4terparteien kommunistischen Zuschnitts oder Ursprungs. ischen Linken 2.1.10 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten Die Partei pflegt Kontakte zu vielen anderen inl\u00e4ndischen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Wiederholt traten als Anmelder oder Veranstaltungsleiter von autonomen Aufz\u00fcgen auch Aktivisten der Partei DIE LINKE. in Erscheinung. Am 14. Januar legten aus Anlass des 88. Jahrestags der Ermordung der Veranstaltung Gr\u00fcnder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemin Berlin Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","168 Linksextremismus burg und Karl Liebknecht, Funktion\u00e4re der Linkspartei.PDS traditionell Kr\u00e4nze am Denkmal der ermordeten Kommunisten in Berlin-Friedrichsfelde nieder. Unter den rund 7.000 Teilnehmern des Gedenkmarsches befanden sich auch Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS und revolution\u00e4r-marxistischer Organisationen. Zu den Veranstaltungen hatten insbesondere auch Angeh\u00f6rige der Antifaschistischen Aktion, der Antifaschistischen Linken, der VVN-BdA, der SDAJ, der KPD, der DKP und des Linkspartei.PDS-nahen Jugendverbands ['solid] aufgerufen. An der Tags zuvor XII. Internationale durchgef\u00fchrten XII. Internationalen Rosa-Luxemburg-Konferenz nahm Rosa-Luxemburgauch der M\u00fcnchner DKP-Funktion\u00e4r Leo Mayer teil. Er f\u00fchrte aus, SoziaKonferenz lismus sei nicht nur Wertesystem, sondern eine neue Gesellschaftsformation mit anderen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnissen. Der Marxismus m\u00fcsse wieder an Attraktivit\u00e4t und in der Linken an Einfluss gewinnen sowie \u00fcber soziale Bewegungen in die gesamte Gesellschaft kolportiert werden. Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Kein Raum f\u00fcr Nazis\" nahmen am 20. Januar in in Bayern M\u00fcnchen etwa 180 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS und der Antifa Jugend M\u00fcnchen (AJM), an einer antifaschistischen Demonstration teil. Die Protestveranstaltung war von Aktivisten der Linkspartei.PDS angemeldet und geleitet worden. Anl\u00e4sslich eines Neujahrtreffens der Deutschen Partei - Die Freiheitlichen (DP) am 28. Januar in F\u00fcrstenfeldbruck veranstalteten Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS eine antifaschistische Gegendemonstration, an der sich rund 300 Aktivisten beteiligten. Dabei schwenkten Angeh\u00f6rige der DKP und der AJM Fahnen. Im Zusammenhang mit der 43. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik beteiligten sich mehrere Tausend Personen an Gegendemonstrationen am 9. und 10. Februar auf dem Marienplatz. Dabei konnten Aktivisten der Linkspartei.PDS, der DKP, der MLPD, der SAV, der SDAJ, der VVN-BdA, der FAU, der Gruppe Anarchisten/R\u00e4tekommunisten M\u00fcnchen, des RSB und von ['solid] festgestellt werden. An einer antifaschistischen Protestaktion gegen eine Mahnwache der NPD am 13. Februar auf dem M\u00fcnchner Marienplatz nahmen neben etwa 30 Angeh\u00f6rigen der lokalen Antifa-Szene auch Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS teil. Am 7. April f\u00fchrte die Antifaschistische Aktion Straubing eine Demonstration gegen Rechtsextremismus in Geiselh\u00f6ring durch. Unter den rund 180 Teilnehmern befanden sich auch Angeh\u00f6rige der autonomen und anarchistischen Szene. Die Protestveranstaltung wurde von einem Funktion\u00e4r der Linkspartei.PDS geleitet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 169 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 4.200 400 Vorsitzender: Heinz Stehr Gr\u00fcndung: 26.09.1968 Sitz: Essen N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen Publikationen: \"Unsere Zeit\" (UZ); \"Rundbrief\" \"Marxistische Bl\u00e4tter\" 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die bis zur Wende von der SED der DDR ideologisch und materiell abh\u00e4ngige DKP hat durch das Parteiprogramm vom April 2006 ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung und ihre unver\u00e4nderte ideologische Ausrichtung best\u00e4tigt. Die DKP verUnver\u00e4nderte steht sich weiterhin als revolution\u00e4re Partei, die in der Arbeiterklasse ideologische jene Kraft sieht, die im B\u00fcndnis mit anderen Teilen der Bev\u00f6lkerung die Ausrichtung Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse \"revolution\u00e4r\" ver\u00e4ndern und den \"Sozialismus\" durchsetzen kann. In der Pr\u00e4ambel des neuen Parteiprogramms hei\u00dft es dazu: \"Die DKP als revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse ist hervorgegangen aus dem Kampf der deutschen Arbeiterbewegung gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung, gegen Militarismus und Krieg. Sie steht in der Tradition der revolution\u00e4ren deutschen Sozialdemokratie und der Kommunistischen Partei Deutschlands. (...) Fundament und politischer Kompass der Bekenntnis zu Politik der DKP sind die von Marx, Engels und Lenin begr\u00fcndeten und von Sozialismus und anderen Marxistinnen und Marxisten weitergef\u00fchrten Erkenntnisse des wisKlassenkampf senschaftlichen Sozialismus, der materialistischen Dialektik, des historischen Materialismus und der Politischen \u00d6konomie. Die DKP wendet diese Lehren des Marxismus auf die Bedingungen des Klassenkampfes in unserer Zeit an und tr\u00e4gt zu ihrer Weiterentwicklung bei. (...) Ziel der DKP ist der Sozialismus/Kommunismus.\" Die Agitation der DKP richtete sich vorrangig auf die Themenbereiche Antimilitarismus, Sozialabbau, eigene B\u00fcndnispolitik und Konsolidierung der Partei. Die DKP engagierte sich bei Aktionen gegen die 43. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik, bei den Osterm\u00e4rschen und bei weiteren Aktivit\u00e4ten gegen Krieg, Bundeswehreins\u00e4tze und Militarisierung der EU, wie beim Antikriegstag am 1. September auf dem Marienplatz in M\u00fcnchen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","170 Linksextremismus In ihrer B\u00fcndnispolitik sieht sich die DKP als Teil der sozialen Bewegung und f\u00f6rdert deshalb die aktive Mitarbeit ihrer Genossen in verschiedenen B\u00fcndnissen, Organisationen und Initiativen, wie beispielsweise dem M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus. Die DKP ist dar\u00fcber Einfluss in Vorfeldhinaus bestrebt, in wichtigen Vorfeldorganisationen, wie der Vereiniorganisationen gung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), ma\u00dfgeblichen Einfluss auszu\u00fcben. Im Hinblick auf die bayerischen Kommunalwahlen im M\u00e4rz 2008 setzte sich die DKP daf\u00fcr ein, die linken Kr\u00e4fte zu b\u00fcndeln. Auch die Zusammenarbeit mit der Partei DIE LINKE. suchte sie dabei. Auf der Stadtratsliste der Partei DIE LINKE. in M\u00fcnchen befand sich der DKP-Aktivist und f\u00fchrende Repr\u00e4sentant beim M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus, Claus Schreer auf Platz 8. In Nordbayern kandidierten im Rahmen von \"B\u00fcndniskandidaturen\" nach Eigenangaben 39 Genossinnen und Genossen in neun St\u00e4dten und drei Landkreisen; dar\u00fcber hinaus wurden f\u00fcnf weitere Kandidaturen in anderen Teilen Bayerns bekannt. Neben dem j\u00e4hrlich stattfindenden Fest der Solidarit\u00e4t am 22. September auf dem Rotkreuzplatz in M\u00fcnchen war eine von der DKP Kreisorganisation M\u00fcnchen am 9. November durchgef\u00fchrte Kulturveranstaltung anl\u00e4sslich des 90. Jahrestags der Oktoberrevolution die herausragende Veranstaltung der DKP. Gut 300 Personen besuchten diese Veranstaltung im Kulturhaus M\u00fcnchen-Milbertshofen. 2.2.2 Organisation Die DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie ist Organisationsin Bezirksorganisationen gegliedert, die weiter in Kreisund Grundstrukturen organisationen oder auch Betriebsgruppen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder betr\u00e4gt bei fortschreitender \u00dcberalterung rund 4.200. Dem aus 40 Mitgliedern bestehenden Parteivorstand geh\u00f6ren neben dem DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr und den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Dr. Nina Hager und Rolf Priemer unver\u00e4ndert auch vier Funktion\u00e4re aus Bayern an. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdbayern), zw\u00f6lf Kreisverb\u00e4nde, eine Betriebsgruppe Stagnierende sowie ein \"Betriebsaktiv\". Die Mitgliederzahl in Bayern stagniert derzeit Mitgliederzahl bei rund 400. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 171 2.2.3 Internationale Verbindungen Auf der Grundlage des kommunistischen Internationalismus unterh\u00e4lt Kontakte zu die DKP eine Vielzahl von Kontakten zu kommunistischen Parteien und ausl\u00e4ndischen Bewegungen. Auf der 12. Tagung des Parteivorstands am 8. und 9. Sepkommunistischen tember in Essen wurde ein Antrag an den am 23. und 24. Februar 2008 Parteien in M\u00f6rfelden-Walldorf geplanten 18. Parteitag gestellt, in dem die DKP zu ihrer internationalen T\u00e4tigkeit Stellung nimmt. So soll die regelm\u00e4\u00dfig stattfindende Zusammenarbeit mit der Neuen Kommunistischen Partei der Niederlande (NCPN) und mit der kommunistischen Partei Luxemburgs fortgesetzt werden. Angestrebt wird die Schaffung eines Netzwerks zwischen den kommunistischen und ArbeiSchaffung eines terparteien Europas. Der seit Januar 2005 bestehende Beobachterstatus Netzwerks der DKP in der Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) soll genutzt werden, um an den Initiativen dieser Partei mitzuarbeiten und \u00dcberlegungen zu Initiativen bzw. Aktivit\u00e4ten einzubringen. Im Hinblick auf die Solidarit\u00e4t mit Kuba unterh\u00e4lt der Parteivorstand eine eigene Arbeitsgruppe. Weiter entwickelt werden soll auch die Solidarit\u00e4t und Zusammenarbeit mit Venezuela, Bolivien und der KP Chinas. Die DKP bleibe der Solidarit\u00e4t mit dem sozialistischen Vietnam verpflichtet und bem\u00fche sich, ihre Kontakte zu kommunistischen Parteien des afrikanischen Kontinents zu verst\u00e4rken. Wichtigster Bezugspunkt hierf\u00fcr sei die S\u00fcdafrikanische Kommunistische Partei (SACP). Die brisante Situation im Nahen Osten erfordere die Solidarit\u00e4t der DKP mit der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung im Kampf um das Recht, einen eigenen Staat zu gr\u00fcnden. Die DKP Nordbayern pflegt seit Jahren eine enge Verbindung zur Kommunistischen Partei B\u00f6hmens und M\u00e4hrens (KSCM). 2.2.4 Umfeld der DKP 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.000 700 Vorsitzende: Prof. Dr. Heinrich Fink; Werner Pfennig Gr\u00fcndung: 15.-17.03.1947 Sitz: Berlin (Bundesgesch\u00e4ftsstelle) Publikation: \"antifa\" Die VVN-BdA, die bundesweit gr\u00f6\u00dfte Organisation im Spektrum des 60-j\u00e4hriges Antifaschismus, feierte im Januar ihr 60-j\u00e4hriges Bestehen. Mit seiner Bestehen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","172 Linksextremismus Erkl\u00e4rung zum 60. Jahrestag der Gr\u00fcndung der gesamtdeutschen VVN-BdA wandte sich der Bundesausschuss der VVN-BdA an die \u00d6ffentlichkeit, um \u00fcber Wurzeln und Visionen der politischen Arbeit der Vereinigung zu informieren. Als gleichberechtigte Vorsitzende der VVN-BdA fungieren Prof. Dr. Heinrich Fink aus Berlin und Werner Pfennig aus Stuttgart. Die Verbandszeitschrift \"antifa\" erscheint in zweimonatigem Rhythmus. Die VVN-BdA versteht unter Antifaschismus nicht nur den Kampf gegen Rechtsextremismus; sie agiert auch gegen den demokratischen Staat und dessen Institutionen, denen unterstellt wird, rechtsextremistische Bestrebungen zu sch\u00fctzen und zu f\u00f6rdern. Daneben versucht die VVN-BdA unter dem Vorwand \"Kampf gegen Rechtsextremismus\", Einfluss auf b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte zu nehmen und letztendlich Demokraten f\u00fcr ihre antidemokratischen Ziele zu vereinnahmen. In einem in der Wochendausgabe der Tageszeitung \"junge Welt\" (jW) vom 16./17. Dezember 2006 ver\u00f6ffentlichten Interview lieferte der ehemalige SED-Funktion\u00e4r Prof. Dr. Heinrich Fink einen Beweis f\u00fcr die Verfassungsfeindstaatsund verfassungsfeindliche Grundposition seines Verbands in der liche Grundposition Er\u00f6rterung um das Gedenken an die Opfer des Stalinismus. Prof. Fink gestand zwar ein, dass es Verbrechen unter Stalin gegeben habe, die Aufarbeitung dieser Taten sei aber \"Sache der Kommunisten und anderer fortschrittlicher Kr\u00e4fte, die im \u00dcbrigen auch am meisten von der Verfolgung in der Stalin-\u00c4ra betroffen waren\". Auch der Ort, an dem der Gedenkstein aufgestellt wurde - in unmittelbarer N\u00e4he der Gedenkst\u00e4tte der Sozialisten auf dem Friedhof in Berlin-Friedrichsfelde - sei \"eine Verunglimpfung des Wirkens hochrangiger Vertreter der kommunistischen Bewegung\". Nach seiner Ansicht d\u00fcrfe man nicht vergessen, welch \"dubioser Personenkreis sich heutzutage unter dem Oberbegriff 'Opfer des Stalinismus'\" versammeln w\u00fcrde. Stattdessen schlage er der \"Opfervereinigung\" vor, \"einen Gedenkstein f\u00fcr die im deutschen Faschismus und in seinem Rechtsnachfolgerstaat verfolgten Kommunisten\" zu errichten. Im Landesverband Bayern der VVN-BdA ist auf Landeswie auf Kreisebene der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, ma\u00dfgeblich. Die Landesvereinigung unterst\u00fctzte auch weiterhin aus Agitationsdem linksextremistischen Spektrum initiierte Aktionen. Schwerpunkte schwerpunkte der Agitation der VVN-BdA Bayern waren der als Neofaschismus beVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 173 zeichnete Rechtsextremismus - hier insbesondere unter Beteiligung der SDAJ und der Partei DIE LINKE. die bundesweite Kampagne und Unterschriftensammlung \"nonpd\" zur Durchf\u00fchrung eines erneuten NPD-Verbotsverfahrens - sowie weitere Themen wie Antisemitismus, Rassismus und Sozialabbau. In Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, beteiligten sich Linksextremisten an Protesten gegen die traditionelle, allj\u00e4hrlich stattfindende so genannte Brendten-Feier des \"Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.\". Die GegendemonstraProtestveranstaltionen fanden vom 25. bis 27. Mai unter dem Motto \"Berg frei! Nie tungen in Bayern wieder Faschismus, nie wieder Horrido!\" statt. Hauptinitiatoren dieser Veranstaltungen waren der \"Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege\", hinter dem ma\u00dfgeblich die VVN-BdA steht, und die VVN-BdA selbst. An den Veranstaltungen beteiligten sich mit maximal 250 Teilnehmern wiederum weniger Personen als im Jahr zuvor. Die Polizei nahm neun Personen in Gewahrsam, erteilte 37 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum Platzverweise und nahm f\u00fcnf Personen fest. In der Zeit vom 30. August bis 2. September fand in K\u00f6nigsdorf, Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen, ein vom VVN-BdA Kreisverband Landshut organisiertes bayernweites antifaschistisches Jugendcamp statt, an Antifaschistisches dem bis zu 100 Personen teilnahmen. Unterst\u00fctzt wurde die VeranstalJugendcamp tung von linksextremistischen, linksextremistisch beeinflussten und autonomen Gruppierungen. Ziel des viert\u00e4gigen Jugendcamps war, \"Jugendliche der verschiedenen antifaschistischen Spektren einen Treffpunkt zu geben, Kontakte zu kn\u00fcpfen und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter f\u00fcr ein antifaschistisches Engagement zu gewinnen\". Die Veranstaltung verlief st\u00f6rungsfrei. 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 110 Vorsitzender: Kollektiver Bundesvorstand mit 29 Personen Gr\u00fcndung: 04./05.05.1968 Sitz: Essen Publikationen: \"POSITION\" \"KONTRA!\" Die mit der DKP eng verbundene SDAJ bezeichnet sich in ihrer Selbstdarstellung als \"bundesweite Organisation von Jugendlichen, die sich Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","174 Linksextremismus Ideologischer mit den Zust\u00e4nden in Schulen, Betrieben, in dieser Repubklik und der Gleichklang mit 'Neuen Weltordnung' nicht abfinden\" und f\u00fcr eine andere Gesellschaft der DKP k\u00e4mpfen will. Dazu hei\u00dft es: \"F\u00fcr uns ist diese Gesellschaft der Sozialismus, in dem die Grundlagen daf\u00fcr gelegt werden, dass jeder Mensch nach seinen Bed\u00fcrfnissen und F\u00e4higkeiten selbstbestimmt leben kann. Dabei erliegen wir nicht der Illusion, dass wir diese alternative Gesellschaft durch Verbesserungen allein erreichen k\u00f6nnen, sondern nur durch einen Bruch mit diesem kapitalistischen System. Deshalb verstehen wir uns als antikapitalistische und revolution\u00e4re Jugendorganisation.\" ArbeitsschwerSchwerpunkte der Agitation der SDAJ sind die Forderung nach Verbespunkte serung der Bildungsund Arbeitspolitik f\u00fcr die Jugend, die Bek\u00e4mpfung des \"Faschismus\" sowie der Widerstand gegen den Militarismus in der Bundesrepublik Deutschland und der Europ\u00e4ischen Union. Bundeskongress Auf dem 18. Bundeskongress am 17. und 18. M\u00e4rz in Hannover wurde in Hannover ein neuer Bundesvorstand, bestehend aus 29 Personen, gew\u00e4hlt. Die Delegierten verabschiedeten mit gro\u00dfer Mehrheit ein Aktionsprogramm unter dem Titel \"Zeit sich zu wehren!\" und beschlossen eine \"Kampagne gegen Zukunftskiller\" f\u00fcr Bildung und Ausbildung. In Schulen und Betrieben soll es den \"Zukunftskillern an den Kragen gehen\"; mit Aktionen und Schwarzb\u00fcchern sollen die \"Jugendfeinde\" aufgedeckt werden. Beschlossen wurde au\u00dferdem eine Solidarit\u00e4ts-Kampagne mit Venezuela und die Beteiligung an der Gro\u00dfdemonstration und am DGB-Jugend-Camp gegen den G8-Gipfel im Juni in Heiligendamm. Der wiedergew\u00e4hlte Bundesvorsitzende Michael Gr\u00fc\u00df aus Berlin sah in den Beschl\u00fcssen des Bundeskongresses \"eine Weichenstellung\" f\u00fcr die weitere Arbeit des Jugendverbands. \"Allein zu sagen, dass es eines revolution\u00e4ren Bruchs bedarf, koste nicht viel\", so der Bundesvorsitzende. Entscheidend sei, der arbeitenden und lernenden Jugend eine Antwort darauf zu geben, wie man handelt und was konkret zu tun ist, um den Imperialismus zu bek\u00e4mpfen und zu \u00fcberwinden. Das Jugendaktionsprogramm stelle sich dieser Aufgabe. Die SDAJ beteiligte sich an der ma\u00dfgeblich von der VVN-BdA betriebenen \"nonpd-Kampagne\" f\u00fcr ein NPD-Verbotsverfahren und an weiteren Veranstaltungen wie dem Konzert \"Antifa reloaded\" am 17. Februar in Dachau, an dem rund 400 Jugendliche teilnahmen, und dem am 4. M\u00e4rz ebenfalls in Dachau durchgef\u00fchrten \"Antifa-Day\". Um den \"Kampf gegen den Faschismus\" zu verst\u00e4rken, hat die SDAJ bundesweit eine \"Rote Schulhof-CD\" produziert. Die Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 175 Kampagne startete in Bayern am 18. September in N\u00fcrnberg, wo vor mehreren Schulen etwa 680 CDs verteilt wurden. Die SDAJ-Bayern ist Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Jugendzeitung \"KONTRA!\" mit einer Auflage von inzwischen 6.000 Jugendzeitung Exemplaren. In Bayern verzeichnete die SDAJ einen weiteren Mitglie\"KONTRA!\" derzuwachs. 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 2.300 100 Vorsitzender: Stefan Engel Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg Publikationen: \"Rote Fahne\" (Zentralorgan); \"REVOLUTION\u00c4RER WEG\" (Theorieorgan); \"REBELL\" (Jugendmagazin); \"Galileo - streitbare Wissenschaft\" (Zeitung der MLPD-Hochschulgruppen) Die MLPD wurde am 20. Juni 1982 in Bochum gegr\u00fcndet; sie ging durch Umbenennung aus dem im August 1972 gegr\u00fcndeten Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervor. In der Pr\u00e4ambel des Statuts der MLPD wird festgestellt, dass sich die Partei als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland\" versteht. Ihr grundlegendes Ziel sei \"der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des Extremistische Monopolkapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr Grundhaltung den Aufbau des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\". Weiter wird in der Pr\u00e4ambel betont: \"Die MLPD ist eine Partei neuen Typs. Sie ist im Kampf gegen den Verrat am Sozialismus und die Verf\u00e4lschung des Marxismus-Leninismus durch den modernen Revisionismus entstanden und arbeitet auf der Grundlage der proletarischen Denkweise. (...) Die Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung und ihre lebendige Anwendung auf die konkreten Verh\u00e4ltnisse der fortschreitenden gesellschaftlichen Wirklichkeit bilden die entscheidende Grundlage f\u00fcr einen Aufschwung des Kampfs f\u00fcr den Sozialismus.\" Die maoistisch-stalinistisch ausgerichtete MLPD sieht sich selbst als \"Teil Maoistisch-stalinisder internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung, tische Ausrichtung Erbe der revolution\u00e4ren Tradition der KPD, der deutschen Arbeiterklasse und ihrer gro\u00dfen F\u00fchrer Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Th\u00e4lmann\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","176 Linksextremismus OrganisationsDie zentralistisch gef\u00fchrte MLPD ist in Betriebs-, Ortsund Kreisgrupstrukturen pen, Bezirke und vereinzelt in Landesverb\u00e4nde gegliedert. Ihre Zentrale und ihren Aktionsschwerpunkt hat sie in Nordrhein-Westfalen. Stefan Engel ist seit der Parteigr\u00fcndung im Jahre 1982 Vorsitzender; er gilt als unumstrittener Vordenker und Idol. Laut eigener Aussage ist die Partei zusammen mit ihrem Jugendverband \"REBELL\" in \u00fcber 450 Orten in allen Bundesl\u00e4ndern Deutschlands vertreten. Die Mehrzahl der Parteimitglieder seien Arbeiter und einfache Angestellte. Die MLPD ist finanziell unabh\u00e4ngig; sie finanziert sich eigenen Angaben zufolge ausschlie\u00dflich durch freiwillige Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge. Neben der Frauenund Familienarbeit legt die MLPD besonderes Augenmerk auf die Rekrutierung von Nachwuchskadern im Kinderund Jugendbereich. Hierzu bedient sie sich der Jugendorganisation \"REBELL\" und deren Kinderorganisation \"ROTF\u00dcCHSE\", die mit altersgerechten Freizeitangeboten locken. Sommercamps mit Freizeitund Bildungsangeboten vermitteln mit jugendnah konzipierten Schulungen eine \"proletarische Denkweise\". Aus Anlass ihres 25-j\u00e4hrigen Bestehens f\u00fchrte die Partei bundesweit Jubil\u00e4umsveranstaltungen unter dem Motto \"25 Jahre MLPD\" durch. Nach eigenen Angaben nahmen insgesamt 2.600 Personen an vier gro\u00dfen Veranstaltungen teil. Im linksextremistischen Spektrum ist die \"sektenhaft f\u00fchrerzentrierte und autorit\u00e4r beherrschte\" MLPD isoliert. Trotz massiver Bem\u00fchungen, auf aktuelle politische Entwicklungen mit Kampagnen gegen den Krieg und gegen Sozialabbau ad\u00e4quat zu reagieren, erf\u00e4hrt sie kaum gesellschaftlichen Zuspruch. Die Strategie der Partei, \u00f6rtliche Initiativen zu gr\u00fcnden bzw. diese zu vereinnahmen, erweist sich als weitgehend erR\u00fcckgang der folglos. Das allgemeine Interesse an den \"Montagsdemonstrationen\" Montagsgegen den Sozialabbau und \"Hartz IV\", die auch in Bayern teilweise demonstrationen von der MLPD initiiert und gesteuert werden, ging weiter zur\u00fcck. 2.4 marx21, vormals Linksruck-Netzwerk Deutschland Bayern Mitglieder: 400 10 Gr\u00fcndung: 1993 Umbenennung: 2007 Sitz: Berlin Publikation: \"marx21\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 177 Die bislang bundesweit als Linksruck-Netzwerk auftretende trotzkistische Gruppierung verstand sich selbst als \"Str\u00f6mung der revolution\u00e4ren Ideologische Sozialisten\". Die Abschaffung des Kapitalismus und die Einf\u00fchrung Ausrichtung einer R\u00e4tedemokratie sah das Netzwerk als Voraussetzung f\u00fcr eine \"endg\u00fcltige Beseitigung jeder Unterdr\u00fcckung\". Die Linksruck-Delegiertenkonferenz am 1. September in Frankfurt am Main hat die Aufl\u00f6sung des Linksruck-Netzwerks als selbst\u00e4ndige, Aufl\u00f6sung des separate Organisation beschlossen. Als Begr\u00fcndung wurde angegeben, Linksruckdass das Eingreifen in das \u00f6ffentliche politische Geschehen als eigenNetzwerks st\u00e4ndige Organisation in dem Ma\u00dfe unbedeutender wurde, wie der erfolgreiche Aufbau der neuen Linken voranschritt. Dazu wird weiter ausgef\u00fchrt: \"Linksruck hat von Beginn an die Bildung einer neuen vereinigten Linken als politische Sammlungsbewegung gegen den Neoliberalismus unterst\u00fctzt. (...) In den letzten Jahren war Linksruck eine integrale Kraft im Neuformierungsprozess der Linken, der schlie\u00dflich mit der Vereinigung von WASG und Linkspartei zu DIE LINKE. erfolgreich vollzogen wurde.\" Als ehemalige Organisation, die seit ihrer Gr\u00fcndung einen bewegungsorientierten Zusammenschluss von Aktivisten repr\u00e4sentierte und die sich auf die marxistische Tradition des Sozialismus von unten berief, rief Linksruck alle seine Mitglieder und Sympathisanten gleichzeitig dazu auf, den Aufbau der Partei DIE LINKE. mit ihren marxistischen Positionen zu f\u00f6rdern und die Str\u00f6mung Sozialistische Linke zu unterst\u00fctzen, die sich f\u00fcr eine Klassenorientierung und eine Anbindung der Partei an die Gewerkschaftsbewegung einsetze. Noch am selben Tag und Ort fand im Rahmen einer Versammlung von rund 100 Personen aus elf Bundesl\u00e4ndern die Neugr\u00fcndung des Netzwerks als \"marx21 - Netzwerk f\u00fcr internationalen Sozialismus\" statt. In den von der marx21-Gr\u00fcndungsversammlung Neugr\u00fcndung am 1. September beschlossenen \"Politischen Leits\u00e4tzen\" wird ausgedes Netzwerks f\u00fchrt, dass das Netzwerk sich als Teil der neuen Linken und der globalisierungskritischen Bewegung verstehe, die angetreten seien, die Macht der Konzerne zu brechen. Der Schwerpunkt des in Bayern nur wenige Personen umfassenden Linksruck-Netzwerks befindet sich in M\u00fcnchen. Mit der langj\u00e4hrigen Repr\u00e4sentantin Nicole Gohlke ist das Netzwerk nun im Landesvorstand Verankerungen der Partei DIE LINKE. Bayern vertreten; einen weiteren bayerischen Verin den Vorst\u00e4nden treter konnte das bisherige Netzwerk im Bundesvorstand der Linkslinker Kr\u00e4fte jugend ['solid] platzieren. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","178 Linksextremismus 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus In dem seit Juni 2005 in dieser Form bestehenden linksextremistisch beeinflussten B\u00fcndnis sind sowohl demokratische als auch linksextremisB\u00fcndnisbeteiligte tische Parteien und Gruppierungen wie DIE LINKE., die DKP, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Revolution\u00e4r Sozialistische Bund (RSB), die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) und Autonome vertreten. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger oder Unterst\u00fctzer einer Vielzahl von Aktivit\u00e4ten wie Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und Informationsveranstaltungen, insbesondere zum Thema \"Krieg\". Das Aktionsb\u00fcndnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz, das vom M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus dominiert wird, mobilisierte auch im Berichtsjahr wieder gegen die Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik, die vom 9. bis 11. Februar in M\u00fcnchen stattfand. An diesem speziell f\u00fcr Aktionen gegen die M\u00fcnchner Konferenzen f\u00fcr Sicherheitspolitik gegr\u00fcndeten B\u00fcndnis sind die bereits beim M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus vertretenen Parteien und Gruppierungen beteiligt. Begonnen hatten die Proteste am 6. Februar mit einer satirischen \"Jubeldemo\", organisiert von der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) und veranstaltet vom M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus, an der sich bis zu 100 Personen beteiligten. Am 9. Februar nahmen bis zu 300 Personen an einer Auftaktveranstaltung teil. Am selben Tag fand au\u00dferdem ein weitgehend von der autonomen Szene organisierter Fahrradaufzug von anf\u00e4nglich etwa 70 bis sp\u00e4ter 200 Personen statt. H\u00f6hepunkt der Proteste war am 10. Februar eine Gro\u00dfkundgebung mit rund 3.000 Personen. Unter die gr\u00f6\u00dftenteils friedlichen Teilnehmer mischten sich etwa 500 zum Teil vermummte gewaltbereite Linksextremisten sowie Angeh\u00f6rige der DKP, der Partei DIE LINKE, der SDAJ, der MLPD sowie der Freien Arbeiterinnenund Arbeiter Union (FAU). Neben dem \"internationalistischen Block\" mit nahezu 400 gewaltbereiten Personen bildeten sich an anderen Stellen des Zugs durch die Innenstadt mehrere Kleingruppen, die insgesamt etwa 100 Autonome umfassten. Die Polizei stellte mehrere Seitentransparente wegen des Versto\u00dfes gegen Demonstrationsauflagen sicher. Dabei kam es zu Flaschenw\u00fcrfen, Rangeleien von Demonstranten mit Einsatzkr\u00e4ften sowie zu vereinzelten \u00dcbergriffen mittels St\u00f6cken. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 179 Die Gr\u00fcnde f\u00fcr den h\u00f6heren Zulauf gegen\u00fcber der Gro\u00dfdemonstration im Vorjahr mit rund 1.700 Demonstranten sind ma\u00dfgeblich in fr\u00fchzeitigen Mobilisierungskampagnen gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm zu sehen, die gleichzeitig zu Protesten gegen die 43. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik aufriefen. 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Die teils bundesweit, teils regional t\u00e4tigen sonstigen linksextremistischen Parteien, Organisationen und B\u00fcndnisse entfalteten in Bayern kaum Au\u00dfenwirkung. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Marxistische Gruppe Marxistische (MG), die trotz ihres bislang nicht widerrufenen Aufl\u00f6sungsbeschlusses Gruppe (MG) vom Mai 1991 bundesweit mit rund 10.000 Anh\u00e4ngern fortbesteht. Sie verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber etwa 4.200 Anh\u00e4nger, von denen nahezu 700 aktiv sind. \u00d6ffentlich trat die MG nur bei regelm\u00e4\u00dfigen \"GEGENSTANDPUNKT\"-Diskussionsveranstaltungen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Regensburg in Erscheinung; die Bezeichnung dieser Veranstaltungen geht auf die seit 1992 von f\u00fchrenden MG-Funktion\u00e4ren herausgegebene Zeitschrift \"GEGENSTANDPUNKT\" zur\u00fcck. Die an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t in Erlangen aktive Sozialistische Gruppe ist ebenfalls der MG zuzurechnen. Der 1973 gegr\u00fcndete Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD AB (AB) beteiligte sich in Bayern \u00fcberwiegend an Demonstrationen und Veranstaltungen anderer Organisationen. Der AB zeigte, wie in den Jahren zuvor, nur geringe Aktivit\u00e4ten. So nahm der AB an einer \"Mahnund Schutzwache\" zum 27. Jahrestag des \"faschistischen Oktoberfestattentats\" am 26. September in M\u00fcnchen teil. Au\u00dferdem f\u00fchrte der AB zum 90. Jahrestag der Oktoberrevolution am 10. November in M\u00fcnchen eine Vortragsveranstaltung durch. Die \"Freie Arbeiterinnenund Arbeiter Union - Internationale Assoziation\" (FAU-IAA) ist eine bundesweit aktive linksextremistische Gruppierung mit etwa 250 Anh\u00e4ngern, die anarchistische Ziele verfolgt und die Bundesrepublik Deutschland als Staat \"zerschlagen\" will. Sie versteht sich selbst als anarchistische Organisation mit gewerkschaftlichem Anspruch und strebt als sozialrevolution\u00e4re Bewegung eine \"herrschaftsfreie, auf SelbstverwalFAU-IAA tung gegr\u00fcndete Gesellschaft\" an. Dabei setzen die Anh\u00e4nger der FAU-IAA auf Formen der \"direkten Aktion\" (z.B. Besetzungen, Boykotts, Streiks und Sabotage). In Bayern gibt es Ortsgruppen in M\u00fcnchen und Dachau. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","180 Linksextremismus Weitere linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen, die dem Bereich \"Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten\" zuzurechnen sind, werden in Nummer 4 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. 3. Gewaltorientierte Linksextremisten 3.1 Autonome Gruppen Deutschland Bayern Angeh\u00f6rige: 5.800 600 erstmaliges Auftreten: Ende der 70er Jahre Struktur: meist themenbezogene Gruppen, die \u00fcberwiegend lokalen Charakter aufweisen Publikationen: Szene-Bl\u00e4tter wie \"INTERIM\" (Berlin); auf regionaler Ebene u. a. \"barricada\" (N\u00fcrnberg) 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen Gewaltbereite Autonome stellen nach wie vor eine Bedrohung f\u00fcr die Innere Sicherheit in Deutschland dar. Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept, sie folgen vielmehr anarchistischen und anarcho-kommunistischen Vorstellungen. Die einzelnen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Einig sind sich die Autonomen in ihrem Ziel der gewaltsamen Zerschlagung des Staates und seiner EinAnstreben einer richtungen sowie der Errichtung einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\". \"herrschaftsfreien Um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen, nutzen sie aktuelle politische Fragen Gesellschaft\" f\u00fcr ihre Zwecke. Durch geschickte Agitation versuchen sie, auch demokratische Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren. Das provozierende Auftreten der Autonomen in der \u00d6ffentlichkeit, ihre staatsfeindliche Haltung, die Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte, aber auch das Bejahen von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Forderungen und Ziele kommen der Protesthaltung mancher junger Menschen entgegen, vor allem, wenn diese mit Problemen im Elternhaus, in der Schule oder der Ausbildung konfrontiert sind. Die Autonomen unterscheiden sich soziologisch kaum von anderen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie sind in der Regel Sch\u00fcler, Studenten oder Auszubildende. Autonome machen den Ablauf ihrer Aktionen prim\u00e4r von der Einsch\u00e4tzung der Durchsetzbarkeit und ihrem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis gegen\u00fcber der Polizei abh\u00e4ngig. Rechtsextremistischen Versammlungen begegnen sie nach wie vor mit einer hohen Aggressivit\u00e4t und Gewaltbereitschaft. Autonome f\u00fchren dabei oft keine eigenen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 181 durch, sondern mischen sich stattdessen unter die Teilnehmer anderer Gegenveranstaltungen. Die Formierung von so genannten Schwarzen \"Schwarze Bl\u00f6cke\" Bl\u00f6cken bei Demonstrationen als Symbol militanten Politikverst\u00e4ndnisses ist wieder vermehrt feststellbar. Die Differenzierung zwischen \"Gewalt gegen Personen\" und \"Gewalt gegen Sachen\" wird teilweise in Frage gestellt. K\u00f6rperverletzungsdelikte von Linksextremisten gegen \"Rechte\" oder vermeintliche \"Rechte\" machen deutlich, dass Autonome Gewaltanwendung gegen politische Unverminderte Gegner als legitimes Mittel ansehen. Wie in den Vorjahren waren AutoGewaltbereitschaft nome f\u00fcr die meisten der linksextremistisch motivierten Gewalttaten verantwortlich. Besorgnis erregend ist nach wie vor eine Strategiedebatte um terroristische Gewalt vor allem in Kreisen Berliner Autonomer. In Bayern sind linksextremistische Strukturen mit terroristischer Zielsetzung derzeit nicht feststellbar. 3.1.2 Strukturen und Publikationen Insgesamt ist die Zahl der Angeh\u00f6rigen der autonomen Strukturen in Bayern von 500 auf 600 nochmals angestiegen. Im Jahr 2007 traten in Bayern besonders die autonomen Gruppierungen \"Organisierte AutoAutonome nomie\" (N\u00fcrnberg), \"radikale Linke\" (N\u00fcrnberg), \"Autonome Jugend Gruppierungen Antifa\" (N\u00fcrnberg), \"Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen\", \"Antifa NT\" (M\u00fcnchen), \"Contra Real\" (Augsburg) und \"Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen\" (Sulzbach-Rosenberg) in Erscheinung. \u00d6rtliche Schwerpunkte der Autonomen in Bayern sind nach wie vor die \u00d6rtliche Gro\u00dfr\u00e4ume N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth und M\u00fcnchen. Gegen\u00fcber dem Schwerpunkte Vorjahr ist die Zahl der Autonomen in N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth von 150 auf etwa 170 und in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen von 120 auf etwa 140 Anh\u00e4nger angestiegen. Die autonome Szene in N\u00fcrnberg formiert sich um das \"Stadtteilzentrum Schwarze Katze\" und die Anlaufstelle \"DESI\". F\u00fcr M\u00fcnchner Autonome spielen der autonome \"Info-Laden\" in der Breisacher Stra\u00dfe und das \"Cafe Marat\" im ehemaligen \"Tr\u00f6pferlbad\" in der Thalkirchner Stra\u00dfe eine wesentliche Rolle. Einen \u00dcberblick \u00fcber in Erscheinung getretene autonome Gruppierungen - einschlie\u00dflich Kleinund Kleinstgruppen - vermittelt die auf der Seite 182 dieses Berichts abgedruckte Karte. F\u00fcr den lokalen, \u00fcberregionalen und internationalen InformationsausInformationstausch verwenden Autonome Szene-Publikationen, Info-L\u00e4den, Szene-Loaustausch kale sowie verdeckte informelle Strukturen wie Telefonketten. Info-L\u00e4den dienen dem autonomen Spektrum nicht nur als zentrale Informations-, Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","182 Linksextremismus Autonome in Bayern 2007 Coburg* (Schwerpunkte) Schweinfurt* Aschaffenburg* Main-Spessart-Gebiet* Bayreuth* W\u00fcrzburg* N\u00fcrnberg/ Erlangen/ F\u00fcrth Sulzbach-Rosenberg ca. 170 ca. 40 - Organisierte Autonomie - radikale Linke - Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen - Autonome Jugend Antifa - Antifa Umland Erlangen Ansbach* Regensburg ca. 20 Straubing* Ingolstadt* Passau Landshut* ca. 20 Augsburg Freising* Neu-Ulm* Dorfen* M\u00fchldorf* ca. 30 M\u00fcnchen Alt\u00f6tting* Contra Real Waldkraiburg* ca. 140 - Antifa NT - Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen Rosenheim* *) Angeh\u00f6rige der autonome Personenautonome autonomen Szenen zusammenh\u00e4nge Kleinstgruppen (nicht abschlie\u00dfend) Kommunikationsund Anlaufstellen, sondern tragen auch zur Verbreitung und Koordinierung autonomer Aktivit\u00e4ten bei und haben wesentlichen Einfluss auf die Mobilisierungsf\u00e4higkeit der Szene. In Bayern Info-L\u00e4den bestehen Info-L\u00e4den u.a. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, W\u00fcrzburg, Augsburg und Landshut. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 183 Trotz der steigenden Attraktivit\u00e4t der modernen elektronischen Medien haben die klassischen Publikationen nach wie vor gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr Publikationen die autonome Szene. Im Bundesgebiet gibt es etwa 40 dieser Szene-Publikationen, in denen Diskussionspapiere, Aufrufe zu Veranstaltungen, Selbstbezichtigungsschreiben und andere Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht werden. Bundesweite Bedeutung haben dabei nur wenige Schriften, vor allem die in Berlin erscheinende \"INTERIM\". Sie agiert insbesondere als \"Knotenpunkt f\u00fcr die B\u00fcndelung des Widerstands\" im Hinblick auf k\u00fcnftige Ereignisse, wie beispielsweise zu den Themenfeldern Antikapitalismus oder Antirassismus. Die \"INTERIM\"-Redaktion ruft u.a. dazu auf, Kampagnenvorschl\u00e4ge \"f\u00fcr die n\u00e4chsten Tage, Monate, Jahre\" einzusenden. Die Mehrzahl der Publikationen hat einen vorrangig regionalen Verbreitungskreis, so auch die in Bayern herausgegebenen Druckwerke, z.B. \"barricada - zeitung f\u00fcr autonome politik und kultur\" (N\u00fcrnberg). Die Publikationen werden oft konspirativ hergestellt und verbreitet. Sie enthalten teilweise unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu Gewalttaten u.a. gegen Rechtsextremisten und deren Einrichtungen. Die Aufkl\u00e4rung \u00fcber Nazistrukturen im Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth wurde in der \"barricada - zeitung f\u00fcr autonome Politik und kultur\" fortgesetzt. 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen F\u00fcr die Autonomen in Bayern ist \"Antifaschismus\" nach wie vor ein vorrangiges Agitationsund Aktionsfeld. Zus\u00e4tzlich besch\u00e4ftigen sich Autonome mit den Themenbereichen \"Anti-Globalisierung\" und \"Antiimperialismus\". In diesem Zusammenhang standen die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Proteste gegen den G8-Gipfel, der vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern stattfand, an erster Stelle. Im Zuge der Diskussionen um den Abbau sozialer Leistungen wurden auch die Themen \"Arbeitslosigkeit\" und \"Sozialversorgung\" bzw. \"Sozialabbau\" behandelt. Auch die \"Antirepression\" wurde in der autonomen Szene insbesondere vor dem Hintergrund der Ausschreitungen w\u00e4hrend des G8-Gipfels und der damit verbundenen Festnahmen erneut st\u00e4rker thematisiert. Dagegen spielten andere Themenfelder wie die Asyl-, Ausl\u00e4nderund Fl\u00fcchtlingspolitik (\"Antirassismus\") und die Kernenergie (\"Anti-Atomkraft\") eine eher untergeordnete Rolle. Die Debatte \u00fcber eine Neuorientierung der autonomen Szene in Deutschland wurde fortgef\u00fchrt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","184 Linksextremismus Jugendzentrum Anl\u00e4sslich der am 1. M\u00e4rz in Kopenhagen/D\u00e4nemark erfolgten R\u00e4umung UNGDOMSHUSET und Schlie\u00dfung des Jugendzentrums \"UNGDOMSHUSET\" kam es im in D\u00e4nemark Rahmen der internationalen Solidarit\u00e4t in zahlreichen deutschen St\u00e4dten zu Demonstrationen der linksextremistischen Szene. Auch in Bayern solidarisierte sich die linksextremistische Szene, indem sie am 5. M\u00e4rz vor der Lorenzkirche in N\u00fcrnberg eine Spontandemonstration durchf\u00fchrte. An der nicht angemeldeten Versammlung beteiligten sich etwa 50 - zum Teil vermummte und schwarz gekleidete - Personen. Aus dem Demonstrationszug heraus wurden Feuerwerksk\u00f6rper - teilweise gezielt auf Einsatzkr\u00e4fte der Polizei - abgeschossen und Farbbeutel geworfen. Der Demonstrationszug konnte im unmittelbaren Umfeld des d\u00e4nischen Konsulats gestoppt werden; dabei wurden zwei Polizeibeamte verletzt. Es wurden 46 Personen aus dem \u00fcberwiegend regionalen linksextremistischen Spektrum festgenommen. Gegen sie wurden wegen gef\u00e4hrlicher und einfacher K\u00f6rperverletzung sowie Sachbesch\u00e4digung und Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz Ermittlungsverfahren eingeleitet. 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion In der gewaltbereiten linksextremistischen Szene dauert die \"Militanzdebatte\" an. Seit Jahren diskutieren unterschiedliche autonome Gruppierungen mit dem Ziel, die bisher im autonomen Spektrum weitgehend vorherrschende Trennung zwischen der akzeptierten \"Gewalt gegen Sachen\" und der au\u00dferhalb der antifaschistisch orientierten Gruppen eher abgelehnten \"Gewalt gegen Personen\" zu \u00fcberwinden. Hauptdiskussionsforum ist das autonome Szene-Blatt \"INTERIM\" aus Berlin. Darin wird \"eine militante Kampagne gegen Bundeswehreinrichtungen, Zulieferbetriebe, Denkfabriken, gegen Verantwortliche in Politik, Milit\u00e4r und Wirtschaft\" vorgeschlagen. Unbekannte Autoren ver\u00f6ffentlichten zudem ein Positionspapier mit dem Titel \"This is a Love Song\", mit dem sie thematisch an ein Anfang der 90er Jahre erschienenes Schreiben einer unbekannten Gruppe anzukn\u00fcpfen versuchen, das damals die wichtigsten Grundgedanken f\u00fcr eine militante Politik der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) zusammenfasste. Sie formulieren mit Verweis auf die damalige RZ ihre Absicht, \"dass wir heute bedacht an die militante und bewaffnete Widerstandserfahrung als ein gewichtiges Faustpfand zuk\u00fcnftiger K\u00e4mpfe ankn\u00fcpfen wollen.\" Sie regen eine von ihren Vorstellungen gepr\u00e4gte Militanzdebatte an, die in der \"INTERIM\" als \"unkontrollierte, keiner Zensur durch die Repressionsorgane unterliegenden Zeitung\" gef\u00fchrt werden soll. Militante Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 185 h\u00e4tten schlie\u00dflich gegen\u00fcber den Gewaltfreien \"eine Option mehr zur Verf\u00fcgung\". Entscheidend f\u00fcr Anschl\u00e4ge sei die Vermittelbarkeit der Aktionen mit einer deutlichen Abgrenzung zum Terrorismus, insbesondere zum fundamentalistischen Terrorismus. Die theoretische Diskussion wurde auch von Gewalttaten zumeist in Form von Brandanschl\u00e4gen begleitet. Diese schwerpunktm\u00e4\u00dfig weiterhin im Berliner Raum ver\u00fcbten Straftaten richteten sich meist gegen staatliche Geb\u00e4ude und Fahrzeuge sowie solche von Gro\u00dfunternehmen. Ma\u00dfgeblich beteiligt sich an dieser Diskussion auch die in Berlin aktive \"militante gruppe\" (mg), die mit der Versendung von Drohbriefen im militante gruppe Jahr 2001 erstmals in Erscheinung trat. Diesen gegen Repr\u00e4sentanten (mg) aus Politik und Wirtschaft gerichteten Drohbriefen waren damals scharfe Gewehrpatronen beigef\u00fcgt. In der Folgezeit ver\u00fcbte und bekannte sich die \"militante gruppe\" (mg) zu insgesamt 20 Brandanschl\u00e4gen vorwiegend gegen staatliche Geb\u00e4ude und Fahrzeuge im Raum Berlin und Brandenburg. In ihren Selbstbezichtigungsschreiben wurden die Anschl\u00e4ge mit der Ablehnung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung begr\u00fcndet. Eingeleitete Ermittlungsverfahren der Bundesanwaltschaft und die deshalb gegen die linksextremistische Szene am 9. Mai durchgef\u00fchrten Exekutivma\u00dfnahmen des Bundeskriminalamts veranlassten die \"militante gruppe\" (mg), einen Brandanschlag in Zusammenhang mit dem bevorstehenden G8-Gipfel zu setzen. In der Ausgabe Nr. 663 der \"INTERIM\" vom 9. November wurde in einem Artikel zur Solidarit\u00e4t mit den Festgenommenen aufgerufen. In den darin enthaltenen Abschnitten \"F\u00fcr eine revolution\u00e4re Organisierung\" und \"F\u00fcr den Kommunismus\" hei\u00dft es: \"Militante Aktionen sind legitim und notwendig. Sie allein sind jedoch noch nicht revolution\u00e4r und systemsprengend. (...) Wer aber die gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse grundlegend ver\u00e4ndern m\u00f6chte, muss auch offen sein f\u00fcr Gedanken \u00fcber bewaffnete K\u00e4mpfe, deren Vorbereitung schon in vorrevolution\u00e4ren Epochen zur Praxis werden muss, damit es nicht einmal zu sp\u00e4t daf\u00fcr sein wird. (...) Anarchist/innen und Kommunist/innen stehen f\u00fcr eine antagonistische Politik und die Unvers\u00f6hnlichkeit mit den herrschenden Verh\u00e4ltnissen. Ein Schritt um letztere zu \u00fcberwinden ist es, alle Verh\u00e4ltnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver\u00e4chtliches Wesen ist.\" Zu den im Rahmen des Ermittlungsverfahrens der Bundesanwaltschaft durchgef\u00fchrten Exekutivma\u00dfnahmen entschied der Bundesgerichtshof, dass es sich bei der \"militanten gruppe\" (mg) nicht um eine terroristische Vereinigung im Sinn des SS 129a StGB handle, sondern um eine Kriminelle kriminelle Vereinigung nach SS 129 StGB. Vereinigung Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","186 Linksextremismus Die militanten Aktionen, die vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm schwerpunktm\u00e4\u00dfig im norddeutschen Raum stattgefunden haben, wurden in der Ausgabe Nr. 662 der \"INTERIM\" vom 26. Oktober als \"Eckpfeiler der Gegenmobilisierung\" bezeichnet. Auch zu einer Wahrnehmung der Protestinitiativen insgesamt h\u00e4tten diese entscheidend beigetragen. Die gewaltt\u00e4tigen Aktionen w\u00e4hrend des G8-Gipfels wurden szene-intern \u00fcberwiegend als legitim und auch als Erfolg betrachtet. Die der Partei DIE LINKE. nahestehende Publikation \"junge Welt\" (jW) ver\u00f6ffentlichte in der Ausgabe vom 4. Juni hinsichtlich der von Autonomen anl\u00e4sslich des G8-Gipfels begangenen brutalen Gewaltt\u00e4tigkeiten folgendes Res\u00fcmee: \"Wir sind der Polizei nicht wehrlos ausgeliefert! Es ist m\u00f6glich, auch diese Robocop-Einheiten der Polizei in Schach zu halten, stellenweise sogar in die Flucht zu schlagen. (...) Die \u00fcblichen Formulierungen, wonach sich einige Gewaltt\u00e4ter unter die friedlichen Demonstranten gemischt h\u00e4tten, wie es auch diesmal wieder von einigen B\u00fcndnisorganisationen hie\u00df, ignorieren die Tatsache, dass diese Militanten ein legitimer Bestandteil der Bewegung sind, solange Kampfeinheiten der Polizei Bestandteil des Staates sind.\" 3.1.3.2 Antifaschismus Neben den Gegenaktionen zum G8-Gipfel blieb auch der Antifaschismus ein wichtiges Dauerthema f\u00fcr gewaltbereite Linksextremisten. Der Antifaschismus der Autonomen beinhaltet, wie bei anderen Linksextremisten, jedoch nicht allein den Kampf gegen Rechtsextremismus, sondern auch gegen den demokratischen Staat. F\u00fcr ihre \u00dcbergriffe auf Rechtsextremisten nutzen gewaltbereite Linksextremisten noch immer \u00fcberwiegend Kundgebungen gegen rechtsextremistische Auftritte - oft auch des b\u00fcrgerlichen Spektrums - als Forum f\u00fcr Gewalttaten. Anl\u00e4sslich rechtsextremistischer Veranstaltungen ist nach wie vor eine hohe Gewaltbereitschaft bis hin zu gezielten Angriffen gegen einzelne tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten festzustellen. Von den 76 in Bayern Hauptmotiv der ver\u00fcbten linksextremistisch motivierten Gewalttaten entfallen 60 auf Gewalttaten diesen Bereich. Neben Veranstaltungen und Aktionen gegen rechtsextremistische Kundgebungen und Demonstrationen setzen Autonome verst\u00e4rkt auf \"Antifa-Recherche\" eine ereignisunabh\u00e4ngige \"Antifa-Recherche\". Dabei sp\u00e4hen sie ihre politischen Gegner gezielt aus und ver\u00f6ffentlichen deren \"Steckbriefe\" in ihren Publikationen, auf Flugbl\u00e4ttern und im Internet. Diese Informationen k\u00f6nnen der autonomen Szene zur Vorbereitung von militanten Aktionen dienen. In einem Flugblatt, das in der unmittelbaren NachVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 187 barschaft eines mittelfr\u00e4nkischen Rechtsextremisten verteilt wurde, formulieren die Verfasser dies beispielsweise so: \"Daher ist es wichtig sich dem rechten Treiben selbstbewusst in die Quere zu stellen. (...) Also werdet aktiv gegen Neonazis und den ihrem Denken zugrunde liegenden Ideologien.\" Gerade im Rahmen des Antifaschismus betreiben Autonome eine nach wie vor rege B\u00fcndnispolitik. Neben kontinuierlich arbeitenden \"AktionsB\u00fcndnispolitik b\u00fcndnissen\", die zumeist auf lokaler bzw. regionaler Ebene \u00fcberwiegend mit linksextremistischen Gruppierungen und Parteien wie in N\u00fcrnberg kooperieren, gibt es auch anlassbezogene B\u00fcndnisse, in denen h\u00e4ufig auch demokratische Gruppen und Institutionen mitarbeiten. Diese anlassbezogenen B\u00fcndnisse dienen prim\u00e4r der Vorbereitung und Koordinierung von Demonstrationen, Versammlungen, Mahnwachen, Informationsst\u00e4nden und anderen Veranstaltungen gegen rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten. Der autonomen antifaschistischen Szene gelingt es jedoch weiterhin nur schwer, derartige B\u00fcndnisveranstaltungen zu dominieren. Die seit ihrem erstmaligen Auftreten Ende 2006 von einem B\u00fcndnis \u00fcberwiegend linksextremistischer bayerischer Gruppierungen getragene Kampagne \"Nazis unplugged\" trat hingegen durch signifikante Kampagne Aktivit\u00e4ten in Erscheinung. Auf einem Flyer stellt sich die Kampagne \"Nazis unplugged\" u.a. selbst dar: \",Nazis unplugged - Rechten Strukturen den Saft abdrehen' ist eine Kampagne von antifaschistischen Gruppen, die sich offensiv gegen die sich weiter verbreitende und personell st\u00e4rker werdende Naziszene in Bayern wendet. Der Schwerpunkt liegt auf der Zur\u00fcckdr\u00e4ngung und Bek\u00e4mpfung neonazistischer Infrastruktur. Darunter verstehen wir zum einen R\u00fcckzugsorte - wie Wohnprojekte, Kneipen und andere private Treffpunkte - nat\u00fcrlich aber auch die Orte des rechten Lifestyles, in denen versucht wird, neue Anh\u00e4ngerInnen zu gewinnen, also: L\u00e4den, die neonazistische Kleidung und Musik vertreiben, (Internet) Vers\u00e4nde und politische Veranstaltungsorte.\" Auch Autonome der Kampagne \"Nazis unplugged\" veranstalteten oder beteiligten sich in Bayern u.a. an folgenden gegen den RechtsextreAktionen mismus gerichteten Aktivit\u00e4ten: in Bayern Am 20. Januar fand in M\u00fcnchen eine von Linksextremisten angemeldete und von der Kampagne \"Nazis unplugged\" unter dem Motto \"Wenn die Antifa dreimal klingelt ...\" beworbene Demonstration statt. Der Aufzug f\u00fchrte dabei an von Rechtsextremisten bewohnten bzw. genutzten Orten der M\u00fcnchener Innenstadt vorbei. Von den bis zu 180 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","188 Linksextremismus Demonstrationsteilnehmern wurde der Sprechchor \"Nazis morden, der Staat schiebt ab - das ist das gleiche Rassistenpack\" skandiert. Am 24. Februar beteiligten sich in Augsburg bis zu 1.500 Personen an einer Demonstration gegen einen Aufzug des rechtsextremistischen \"Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Opposition e.V.\". Zu der Gegenkundgebung hatte eine Vielzahl unterschiedlicher Personen und Gruppen aus dem b\u00fcrgerlichen, dem Parteien-, aber auch dem autonomen Antifa-Spektrum aufgerufen. Im Laufe des rechtsextremistischen Aufzugs schlossen sich mehrmals Gegendemonstranten zu gr\u00f6\u00dferen Einheiten zusammen und blockierten die Wegstrecke z.B. durch Sitzblockaden auf Stra\u00dfenbahnschienen. Etwa 50 Linksextremisten versuchten, die polizeiliche Absperrung zu durchbrechen, um den rechtsextremistischen Aufzug anzugreifen. Insgesamt wurden 14 Personen festgenommen, davon elf aus dem linksund drei aus dem rechtsextremistischen Spektrum. Ebenfalls in Augsburg versammelten sich am 31. M\u00e4rz etwa 20 schwarz gekleidete und \u00fcberwiegend vermummte Linksextremisten vor der Zufahrt einer Gastst\u00e4tte, in der die rechtsextremistische DVU eine Vortragsveranstaltung abhalten wollte. Die Autonomen versuchten, die ankommenden Teilnehmer an der Zufahrt zu hindern, indem sie mit Fu\u00dftritten und Faustschl\u00e4gen die Fahrzeuge der Rechtsextremisten attackierten. Dabei wurde auch die Windschutzscheibe eines v\u00f6llig unbeteiligten Autofahrers zerst\u00f6rt. Die Polizei nahm 21 Aktivisten fest. Gegen sie wird wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, der N\u00f6tigung und Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz ermittelt. Einem Aufruf der Kampagne \"Nazis unplugged\", sich einem Sonderverkaufstag des in Geiselh\u00f6ring, Landkreis Straubing-Bogen, ans\u00e4ssigen Wikingerversandes am 7. April entgegenzustellen, folgten bis zu 180 Personen. Unter dem Motto \"Wikingerversand dichtmachen! - Nazis beim Shoppen stoppen!\" beteiligten sie sich an einer Demonstration. In N\u00fcrnberg war am 1. Mai ein Aufzug der rechtsextremistischen Szene mit 200 Teilnehmern Anlass f\u00fcr mehrere Gegenkundgebungen mit bis zu 5.000 Teilnehmern, darunter auch Linksextremisten. An einer von der \"Initiative Neue ArbeiterInnenbewegung\" veranstalteten Demonstration nahmen etwa 2.000 Personen teil, darunter 500 in einem \"Schwarzen Block\". Gewaltt\u00e4tige Versuche, die Absperrung zur rechtsextremistischen Versammlung zu durchbrechen, konnte durch starke Polizeipr\u00e4senz verhindert werden. Demonstranten warfen au\u00dferdem mit Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 189 Flaschen und Steinen. Ein Ziel war dabei auch der damalige Bayerische Staatsminister des Innern w\u00e4hrend seiner Rede auf der Kundgebung der Stadt N\u00fcrnberg. Insgesamt kam es seitens der Polizei zu 44 freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen. Ebenfalls im Namen der Kampagne \"Nazis unplugged\" und unter dem Motto \"4 gewinnt!\" fand am 30. Juni eine so genannte \"Outingaktion\" in vier St\u00e4dten Unterfrankens statt. Durch eine Flugblattaktion versuchte man die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die in ihrer Nachbarschaft lebenden Rechtsextremisten aufzukl\u00e4ren. In einer Internet-Ver\u00f6ffentlichung hei\u00dft es dazu: \"Unter dem Motto \"4 gewinnt!\" rissen die Gruppen die FaschistInnen durch vier Outing-Aktionen aus ihrer Anonymit\u00e4t und machten dadurch auf die gefestigten Neonazi-Strukturen in Unterfranken aufmerksam. Dabei wurde durch Postwurfsendungen auf die Neonazi-Nachbarschaft aufmerksam gemacht.\" Wie in den Vorjahren wurde die f\u00fcr den 18. August geplante rechtsextremistische zentrale He\u00df-Gedenkveranstaltung in Wunsiedel verboten; trotzdem fanden \"antifaschistisch\" motivierte Protestaktivit\u00e4ten von Linksextremisten in geringerem Umfang statt. Auch der \"Antifaschistische Aktionstag\" in Wunsiedel wurde abgesagt. In M\u00fcnchen protestierten an diesem Tag etwa 500 Personen, darunter auch Linksextremisten, gegen einen Aufzug von etwa 100 Rechtsextremisten, der von diesen als \"He\u00df-Ersatzveranstaltung\" angesehen wurde. Die Proteste der Gegendemonstranten verliefen teilweise gewaltt\u00e4tig. 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste Das Aktionsfeld Anti-Globalisierung bildete aufgrund des G8-Gipfels, G8-Gipfel der vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm, Mecklenburg-Vorpommern, stattfand, das bundesweite Schwerpunktthema der Autonomen. Nachdem autonome Gruppierungen bereits im Jahr 2005 mit Planungen f\u00fcr eine m\u00f6glichst breite Mobilisierungskampagne begonnen hatten, wurden die Aktivit\u00e4ten bis zum Beginn des G8-Gipfels in betr\u00e4chtlichem Umfang fortgesetzt. Die Mobilisierungskampagne gegen den G8-Gipfel beschr\u00e4nkte sich in Teilen des linksextremistischen Spektrums nicht nur auf Informationsund Mobilisierungsveranstaltungen oder publizistische Aktivit\u00e4ten; vielmehr erfolgten seit Juli 2005 eine Reihe von Zahlreiche Anschl\u00e4gen auf Fahrzeuge und Geb\u00e4ude von Firmen oder staatlichen Anschl\u00e4ge Stellen, die in Selbstbezichtigungsschreiben mit dem G8-Gipfel begr\u00fcndet wurden. Durch diese Brandanschl\u00e4ge entstanden erhebliche Sachsch\u00e4den, im Einzelfall sogar in Millionenh\u00f6he. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","190 Linksextremismus Auch in Bayern gab es Mobilisierungsaktivit\u00e4ten und Aktionen im Zusammenhang mit dem G8-Gipfel. Anfang des Jahres startete die M\u00fcnchner linksextremistische Szene eine Mobilisierungsaktion f\u00fcr Gegenveranstaltungen zum G8-Gipfel. Mit Blick auf die 43. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik vom 9. bis 11. Februar forderten linksextremistische Gruppierungen in einem Flugblatt \"SIKO & G8 angreifen\": \"Von M\u00fcnchen nach Heiligendamm - NATO-Kriegskonferenz und G8 angreifen! G8 blockieren und versenken!\" Im Internet sowie auf Flugbl\u00e4ttern und in Brosch\u00fcren wurde zur Blockade des Milit\u00e4rflughafens Rostock-Laage am 5. Juni aufgerufen mit dem Ziel, die Anreise der G8-Gipfelteilnehmer zu blockieren. Nachdem das Amtsgericht M\u00fcnchen wegen des Verdachts der \u00f6ffentlichen Aufforderung zu StrafDurchsuchungen taten Exekutivma\u00dfnahmen angeordnet hatte, durchsuchte die Polizei in M\u00fcnchen am 17. Januar verschiedene Objekte in M\u00fcnchen, die vorwiegend der globalisierungskritischen Szene zugerechnet werden. Es wurden mehrere Computer, Flugbl\u00e4tter und Brosch\u00fcren sowie Druckvorlagen mit strafbarem Inhalt beschlagnahmt. Die linksextremistische Szene veranstaltete daraufhin am 19. Januar in M\u00fcnchen eine Demonstration gegen \"staatliche Repression\", an der sich etwa 120 Personen, vorwiegend aus dem linksextremistischen bzw. autonomen Bereich, beteiligten. Die Veranstaltung diente auch der Mobilisierung f\u00fcr weitere Protestveranstaltungen gegen die 43. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik. Im Rahmen eines Aktionstags veranstaltete das \"Sozialforum N\u00fcrnberg\" unter dem Motto \"Gegen den G8-Gipfel - Auf nach HeiligenDemonstration damm\" am 26. Mai in N\u00fcrnberg eine Demonstration. An der Verin N\u00fcrnberg anstaltung beteiligten sich etwa 500 Personen, darunter etwa 60 Angeh\u00f6rige des autonomen Spektrums. In der N\u00e4he eines schweizerischen Pharma-Konzerns gab es eine Zwischenkundgebung. Die Deutschlandzentrale der Firma war am 10. Mai Ziel eines Farbbeutelanschlags und von Besch\u00e4digungen durch Klebeaktionen gewesen. Eine \"Autonome Gruppe Alles f\u00fcr Alle\" hatte sich in einem Schreiben zu der von unbekannten T\u00e4tern ver\u00fcbten Aktion bekannt. Auch bei der Schlusskundgebung skandierten die Demonstrationsteilnehmer wiederholt Parolen gegen den Pharma-Konzern. Au\u00dferdem propagierten die Kundgebungsredner Blockadeaktionen w\u00e4hrend des G8-Gipfels in Heiligendamm. Die Mobilisierung zu der Protestveranstaltung erfolgte \u00fcber Szene-Seiten im Internet sowie durch die Verteilung von Flugbl\u00e4ttern in der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 191 Region, f\u00fcr die sich das \"Lokale Anti-G8-B\u00fcndnis N\u00fcrnberg/F\u00fcrth/Erlangen\" sowie die \"Organisierte Autonomie N\u00fcrnberg\" (OA) verantwortlich zeigten. Als Unterst\u00fctzer traten die linksextremistischen Gruppierungen \"Antifaschistische Linke F\u00fcrth\" (ALF), \"Autonome Jugend Antifa\" (AJA), \"Pension Ost\" und die \"radikale Linke\" (rL) auf. Auch unmittelbar vor und w\u00e4hrend des G8-Gipfels gab es in der weiteren Umgebung des Veranstaltungsorts eine Vielzahl von Protestveranstaltungen, die langfristig von Linksextremisten sowie nicht-extremistischen globalisierungskritischen Gegnern geplant waren. Am 28. Mai beteiligten sich in Hamburg etwa 4.000 Personen an einer Demonstration gegen das \"Asia-Europe Meeting\" (ASEM). Zu der Demonstration hatte ein ma\u00dfgeblich von Hamburger Autonomen bestimmtes \"Bundesweites B\u00fcndnis gegen EU und G8-Gipfel\" aufgerufen. Mehr als die H\u00e4lfte der Demonstrationsteilnehmer war dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen; ein \"Schwarzer Block\" an der Spitze des Aufzugs umfasste etwa 500 Personen. Aus diesem Personenkreis wurden Polizeibeamte mit Flaschen und Farbbeuteln beworfen sowie mit Signalmunition beschossen. Auch nach Aufl\u00f6sung der Demonstration durch den Veranstalter kam es zu massiven Angriffen auf die Polizei. Es bildeten sich militante St\u00f6rergruppen, die im Innenstadtgebiet in Kleingruppentaktik gegen die Polizei vorgingen, Stra\u00dfen blockierten und brennende Barrikaden errichteten. Eine Person verspr\u00fchte eine gas\u00e4hnliche Substanz, wodurch 175 Polizeibeamte Augen-, Hautund Schleimhautverletzungen erlitten. Insgesamt wurden 179 Polizeibeamte verletzt. Die Polizei nahm 34 Personen vorl\u00e4ufig fest und 86 in Gewahrsam. In Stellungnahmen im Internet werteten mutma\u00dfliche Linksextremisten die zum \"Warmlaufen f\u00fcr den G8-Gipfel\" hochstilisierte Demonstration gegen das ASEM-Treffen als einen \"Punktsieg f\u00fcr die Aktivisten\". Zu massiven Ausschreitungen und einer bislang nicht gekannten BrutaMassive lit\u00e4t gegen\u00fcber Polizeibeamten kam es w\u00e4hrend einer \"Internationalen Ausschreitungen Gro\u00dfdemonstration\" am 2. Juni in Rostock. Unter dem Motto \"Eine andere Welt ist m\u00f6glich\" nahmen etwa 30.000 Demonstranten teil. Nach noch friedlich verlaufenen Auftaktkundgebungen bewegten sich zun\u00e4chst zwei Demonstrationsz\u00fcge durch die Rostocker Innenstadt zum Ort der gemeinsamen Abschlusskundgebung am Stadthafen. Aus einem der beiden Demonstrationsz\u00fcge kam es w\u00e4hrend des Zugverlaufs seitens eines 2.000 Personen starken \"Schwarzen Blocks\" zu ersten St\u00f6rungen. Die Lage eskalierte, als am Stadthafen ein besetztes Polizeifahrzeug massiv angegriffen und schwer besch\u00e4digt wurde. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","192 Linksextremismus Dabei konnten sich die Polizeibeamten zwar dem Angriff entziehen, sie wurden jedoch erheblich verletzt. Parkende Fahrzeuge von Anwohnern wurden umgest\u00fcrzt und teilweise in Brand gesetzt, Polizeibeamte wurden mit Pflastersteinen, Flaschen und Molotowcocktails beworfen. Es wurden mehr als 400 Polizeibeamte und \u00fcber 500 Demonstranten verletzt. Auch im weiteren Verlauf des G8-Gipfels kam es zu zahlreichen Flaschenund Steinw\u00fcrfen auf Polizeibeamte, Blockadeaktionen und Aktionisten Angriffen auf Absperreinrichtungen. Auch Globalisierungskritiker aus aus Bayern ganz Bayern waren zu den Kundgebungen angereist, darunter rund 500 - \u00fcberwiegend gewaltbereite - Linksextremisten. Die Angeh\u00f6rigen des gewaltbereiten Spektrums kamen mehrheitlich aus N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Im Nachgang zu den gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen reagierte die linksextremistische Szene mit verschiedenen Verlautbarungen. Beispielsweise wurde festgestellt, dass die Aktionsform der Autonomen, die einen nicht unwesentlichen Teil der globalisierungskritischen Bewegung ausmachen w\u00fcrden, legitim sei. Tausende Demonstranten h\u00e4tten sich nicht mehr damit abgefunden, nur zu reagieren oder sich zu verteidigen, stattdessen habe man selbst die Initiative ergriffen und mit vollem Bewusstsein angegriffen. Bei den Angriffen auf die Polizei habe es Aufruf zur sich n\u00e4mlich um zielgerichtete Aktionen gehandelt. In Internet-Beitr\u00e4T\u00f6tung von gen wurde auch zur T\u00f6tung von Polizeikr\u00e4ften und ihrer Familien aufPolizeibeamten gerufen. Im Laufe der \"Aktionswoche\" vor und w\u00e4hrend des G8-Gipfels wurden insgesamt 1.185 Personen in Gewahrsam bzw. vorl\u00e4ufig festgenommen, darunter 43 aus Bayern sowie 274 Aktivisten ausl\u00e4ndischer Herkunft. 3.1.3.4 Antiimperialismus Obwohl das Themenfeld \"Antiimperialismus\" im Vergleich zu den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, hielten wieder Teile der autonomen Szene unvermindert an den Protestaktionen gegen die allj\u00e4hrliche M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik fest (vgl. auch Nummer 2.5 dieses Abschnitts). Im Zusammenhang mit dem 30. Jahrestag der Selbstmorde der AngeRote Armee h\u00f6rigen der ehemaligen RAF (Rote Armee Fraktion) Andreas Baader, Fraktion (RAF) Gudrun Ensslin und Jan Carl Raspe sowie der Haftentlassungen von Brigitte Mohnhaupt und Eva Haule gab es eine verst\u00e4rkte Diskussion \u00fcber die Anschl\u00e4ge der RAF. Dabei wurde vor allem die Frage nach der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 193 Reue f\u00fcr die Taten und die Diskussion \u00fcber die weitere Aufkl\u00e4rung von Straftaten thematisiert. Die Ablehnung des Gnadengesuchs des inhafGnadengesuch tierten RAF-Terroristen Christian Klar fand besondere Aufmerksamkeit Christian Klar und wurde thematisch auch bei Demonstrationen aufgegriffen. Ma\u00dfgeblicher Anlass f\u00fcr die Diskussion war ein auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin verlesenes Gru\u00dfwort von Christian Klar. Darin hie\u00df es: \"... wie sieht das in Europa aus? Von hier aus rollt weiter dieses imperiale B\u00fcndnis, das sich erm\u00e4chtigt, jedes Land der Erde, das sich seiner Zurichtung f\u00fcr die aktuelle Neuverteilung der Profite widersetzt, aus dem Himmel herab zu z\u00fcchtigen und seine ganze gesellschaftliche Daseinsform in einen Tr\u00fcmmerhaufen zu verwandeln. Die propagandistische Vorarbeit leisten dabei Regierungen und gro\u00dfe professionelle PR-Agenturen, die Ideologien verbreiten, mit denen alles verherrlicht wird, was den Menschen darauf reduziert, benutzt zu werden. (...) Sonst wird es nicht m\u00f6glich sein, die Niederlage der Pl\u00e4ne des Kapitals zu vollenden und die T\u00fcr f\u00fcr eine andere Zukunft aufzumachen ...\" In einem Interview mit den ehemaligen RAF-Angeh\u00f6rigen Helmut Pohl und Rolf Clemens Wagner, das unter der \u00dcberschrift \"Wir wollen den revolution\u00e4ren Prozess weitertreiben\" in der Beilage der der Partei DIE LINKE. nahestehenden Publikation \"junge Welt\" (jW) vom 17. Oktober ver\u00f6ffentlicht wurde, \u00e4u\u00dferten sich diese insbesondere zur Entf\u00fchrung des damaligen Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Dr. Hanns Martin Schleyer und bekannten sich gleichzeitig weiterhin zum Kampf gegen das kapitalistische System. Wagner betonte, dass manche Entscheidungen der RAF - darunter die Entf\u00fchrung Dr. Schleyers - auch aus heutiger Sicht noch richtig seien. Allerdings h\u00e4tten es damals die RAF-Angeh\u00f6rigen \"au\u00dferhalb der Kn\u00e4ste\" vers\u00e4umt, anhand Dr. Schleyers Person und Werdegang \"Analyse und Politik\" der RAF zu vermitteln. Hingegen \u00e4u\u00dferte der fr\u00fchere RAF-Angeh\u00f6rige Peter-J\u00fcrgen Boock bei einem Fernsehinterview sein Bedauern \u00fcber das Geschehene. 3.1.3.5 Sozialabbau Noch immer sehen Linksextremisten bei Personen, die von den sozialpolitischen Reformen der \"Agenda 2010\" betroffen sind, ein Mobilisierungsund Rekrutierungspotenzial und sind bestrebt, die Proteste gegen den Sozialabbau verst\u00e4rkt agitatorisch und aktionistisch f\u00fcr ihre Ziele zu nutzen. Die diesj\u00e4hrige \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" in N\u00fcrnberg stand unter dem Motto \"1. Mai - Kein Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","194 Linksextremismus Maikundgebungen Naziaufmarsch\" und damit im Kontext zu einer am selben Tag stattfindenden Veranstaltung der NPD. An dem Aufzug beteiligten sich bis zu 2.000 Protestteilnehmer, unter denen Linksextremisten einen aus bis zu 500 Personen umfassenden antikapitalistischen \"Schwarzen Block\" bildeten. Die \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" wurde so zeitgerecht beendet, dass sich die Teilnehmer an die Proteste gegen die NPD anschlie\u00dfen konnten (vgl. auch Nummer 3.1.3.2 dieses Abschnitts). Auch in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen f\u00fchrten Autonome eine eigene \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" durch. Unter dem Motto \"Gegen Lohnraub und Sozialkahlschlag, Kapitalismus abschaffen, gegen Rassismus, Patriarchat und Faschismus; gegen polizeiliche Repression\" beteiligten sich etwa 180 Personen, von denen der \u00fcberwiegende Teil dem regionalen autonomen Spektrum zuzurechnen war. 3.2 Antideutsche Strukturen Innerhalb des bundesweiten linksextremistischen Spektrums hat die Bedeutung der so genannten Antideutschen zugenommen. Das besondere und verbindende Element des facettenreichen und vergleichsweise Extremes noch jungen Ph\u00e4nomens ist ein extremes Antifaschismusverst\u00e4ndnis, Antifaschismusdas von einer klaren pro-israelischen und pro-amerikanischen Haltung verst\u00e4ndnis gepr\u00e4gt ist. Die linksextremistische Str\u00f6mung der Antideutschen steht somit im deutlichen Gegensatz zu Linksextremisten nach traditionellem Verst\u00e4ndnis. Nach ersten szene-internen Denkans\u00e4tzen trat die antideutsche Str\u00f6mung ab Beginn der 90er Jahre vereinzelt, zuletzt aber mit steigender Bedeutung innerhalb der linksextremistischen Szene auf. Kommunistische Kleingruppen entwickelten damals die Vorstellung, dass von einer besonderen Aggressivit\u00e4t eines spezifisch deutschen Faschismus auszugehen sei. Damit werde der nach marxistisch-kommunistischer Anschauung grunds\u00e4tzlich aus dem Kapitalismus resultierende Faschismus hin zu einem spezifisch deutschen verst\u00e4rkt. Dies werde durch die deutsche Vergangenheit, insbesondere durch den auf Vernichtung ausgerichteten Antisemitismus belegt. Der Beitritt der f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4nder wurde daher als Gefahr der Entstehung eines \"Vierten Reiches\" angesehen. Der im \"Dritten Reich\" begangene Holocaust bewirkte nach linksextremistischer antideutscher Denkweise u.a., dass bis zur weltweiten \u00dcberwindung des Antisemitismus Israel als einziger Staat eine \"Existenzberechtigung\" habe. Damit wird neben dem \u00fcberh\u00f6hten \"Antifaschismus\" eine kompromisslose pro-israelische Haltung einVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 195 genommen, die auch das au\u00dfenpolitische Auftreten der USA zum Wohle Israels umfasst. Die Golfkriege und insbesondere die von Pal\u00e4stinensern im Jahr 2000 aufgenommene al-Aksa-Intifada lie\u00dfen die Israel-SolidaIsrael-Solidarit\u00e4t rit\u00e4t zum zentralen Thema der antideutschen Str\u00f6mung werden. Die herk\u00f6mmlich linksextremistische Ansicht, wonach Israel als kapitalistische und imperialistische Besatzungsmacht zum Nachteil des pal\u00e4stinensischen Volks handelt, wird von der antideutschen Str\u00f6mung als antizionistisch und antisemitisch verurteilt. Mit der zunehmenden Bedeutung der antideutschen Str\u00f6mung innerhalb des linksextremistischen Spektrums verst\u00e4rkt sich dieser Konflikt. Der Streit um damit verbundene fundamentale linksextremistische Prinzipien hat auch innerhalb der autonomen Szene zu einer inhaltlichen, organisatorischen und aktionistischen Spaltung in pro-israelische und pro-pal\u00e4stinensische Strukturen gef\u00fchrt. Gemeinsame Aktivit\u00e4ten zwischen \"traditionellen\" Linksextremisten und Anh\u00e4ngern der antideutschen Str\u00f6mung scheinen deshalb nur dann m\u00f6glich, wenn sie gegen den gemeinsamen \"Feind\", die Rechtsextremisten, gerichtet sind. Das antideutsche Politikverst\u00e4ndnis zieht zum einen Linksextremisten aus dem revolution\u00e4r-marxistischen Spektrum an, die sich an der Lehre von Karl Marx orientieren und Wert auf ideologische Ausbildung, z.B. in Form von Seminaren und Vortragsveranstaltungen, legen; zum anderen f\u00fchlen sich auch Teile der gewaltbereiten autonomen Szene mit zunehmender Tendenz vom extremen Antifaschismusverst\u00e4ndnis der antideutschen Str\u00f6mung und der Israel-solidarischen Haltung angesprochen. Vor allem handlungsorientierte junge autonome Antifa-Gruppen werden unter dem Minimalkonsens der Solidarit\u00e4t mit Israel im Rahmen ihrer \"Antifaschismusarbeit\" in der \u00d6ffentlichkeit aktiv. Sie zeigen ihren Protest gegen die als faschistisch diffamierte Bundesrepublik Deutschland, gegen Rechtsextremisten sowie gegen jede Form von Kritik am Staat Israel bei Demonstrationen und Kundgebungen, beispielsweise bei einem nicht angemeldeten Protest, der gegen die zentrale Gedenkfeier der Stadt Augsburg zum Volkstrauertag am 18. November Demonstration gerichtet war. Die etwa 30 Demonstranten skandierten Parolen wie in Augsburg \"Nie wieder Deutschland\" und f\u00fchrten eine israelische Nationalflagge sowie eine Fahne der Antifa mit sich. Die Mischung aus dogmatisch kommunistischen Theoretikern und zumeist jungen autonomen Aktivisten macht die antideutsche Erscheinungsform zu einer sehr dynamischen und um Vernetzung bem\u00fchten eigenst\u00e4ndigen linksextremistischen Szene. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","196 Linksextremismus 3.3 Linksextremistisch motivierte Straftaten 3.3.1 Gewalttaten Anwendung Angeh\u00f6rige der autonomen Szene halten Gewaltanwendung zur \u00dcbervon Gewalt windung des kapitalistischen Systems f\u00fcr legitim. Sie rechtfertigen Gewalt als angeblich erforderliches Mittel gegen die \"strukturelle Gewalt\" eines \"Systems von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\". So wird in dem von Autonomen herausgegebenen Buch \"Autonome in Bewegung\" zum Thema Gewalt ausgef\u00fchrt: \"Militanz ist in unseren Augen notwendiger Bestandteil linksradikaler Politik, sowohl im allgemeinen Sinn der konsequenten, k\u00e4mpferischen Haltung an sich, als auch im engeren Sinn von politischer Gewalt. Dass dies ein h\u00f6heres Ma\u00df an Verantwortung erfordert als das Bilden von Lichterketten ist selbstverst\u00e4ndlich. Doch wer auf die Option der Militanz verzichtet, beraubt sich selbst der notwendigen Mittel gegen ein System der Herrschaft, dem allein mit den besseren Argumenten nicht beizukommen ist.\" (aus: A.G. Grauwacke: \"Autonome in Bewegung\", Berlin, Hamburg, G\u00f6ttingen, o.J., Seiten 380/381) Die Anwendung von Gewalt wird von den Autonomen aber auch als legitimes Mittel zur \"Bek\u00e4mpfung\" von Rechtsextremisten als politischem Gegner erachtet. Die in der Vergangenheit an \"Rechten\" begangenen K\u00f6rperverletzungsdelikte machen deutlich, dass Autonome diesen jedes Recht auf politische Bet\u00e4tigung absprechen. Im Vergleich zum Jahr 2006 mit 862 Gewalttaten gab es im Bundesgebiet im Jahr 2007 insgesamt 833 Gewalttaten. Den aktionistischen H\u00f6hepunkt f\u00fcr die gewaltbereite linksextremistische Szene Deutschlands stellten die langfristig vorbereiteten Proteste gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm dar. Auch eine Vielzahl bayerischer Autonomer war nach Mecklenburg-Vorpommern gereist, um sich den Protesten anzuschlie\u00dfen. Anl\u00e4sslich der \u00fcber den gesamten Tagungszeitraum durchgef\u00fchrten Gegenveranstaltungen kam es mehrfach zu gewaltsamen Aktionen von Autonomen, zum Teil unter internationaler Beteiligung. Die Ereignisse haben das enorme Gewaltpotenzial der linksextremistischen autonomen Szene verdeutlicht (vgl. auch Nummer 3.1.3.3 dieses Abschnitts). Leichter Anstieg In Bayern ist eine Steigerung von 71 im Jahr 2006 begangenen Gewaltin Bayern delikten auf nunmehr 76 Gewaltdelikte festzustellen. Dabei hat sich vor allem im Bereich des \"Antifaschismus\" die Zahl der Gewalttaten von 50 auf 60 erh\u00f6ht. Diese Taten richteten sich wie in der Vergangenheit jedoch meist nicht unmittelbar gegen den politischen Gegner. Vielmehr ist die Polizei als staatliches \"Repressionsorgan\" vermehrt das Ziel linksVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 197 extremistisch aggressiven Verhaltens. Betroffen hiervon sind insbesonGewalt gegen dere die zur Gew\u00e4hrleistung des grundgesetzlich gesch\u00fctzten VersammPolizeibeamte lungsrechts eingesetzten Polizeibeamten, die durch ihre Pr\u00e4senz \u00dcbergriffe verhindern sollen. Linksextremistische Gewaltt\u00e4ter sprechen insoweit auch Polizeibeamten das Grundrecht auf Unversehrtheit der Person ab. Von den 76 Gewalttaten richteten sich allein 49 gegen Polizisten (2006: 44). Ein Vergleich mit den 82 rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern zeigt, dass die linksextremistisch motivierten Gewaltdelikte entgegen den Vorjahren nicht mehr den gr\u00f6\u00dften Teil der politisch motivierten Gewalttaten ausmachen. Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folEinzelf\u00e4lle gende Vorf\u00e4lle: Anl\u00e4sslich einer Protestveranstaltung gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz warf ein Demonstrant am 10. Februar gezielt eine Flasche gegen einen Polizeibeamten. Bei seiner Festnahme leistete er Widerstand und biss einen Polizeibeamten in die Hand. Vor Beginn einer Veranstaltung der rechtsextremistischen DVU am 31. M\u00e4rz sammelten sich 21 schwarz gekleidete und zum Teil vermummte Personen vor der Zufahrt zum Parkplatz des Veranstaltungsorts und versuchten, Teilnehmer der DVU-Veranstaltung am Zutritt zu hindern. Sie traktierten die Fahrzeuge mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten und beleidigten die Insassen. Dabei wurde auch die Frontscheibe eines Pkw zertr\u00fcmmert. Bei einer Gegenveranstaltung zu einer NPD-Demonstration am 1. Mai in N\u00fcrnberg trat eine Teilnehmerin von hinten an einen in einer Polizeikette stehenden Polizeibeamten heran, packte ihn am Helm und verdreht ihm schmerzhaft den Hals. Anschlie\u00dfend riss sie den Helm heftig nach hinten, so dass der Beamte zu Fall kam und sich am Knie verletzte. Als ein Polizeibeamter am 20. Juli eine Frau, die an einer Gegendemonstration zu einem Marsch der rechtsextremistischen JN teilnahm, daran hindern wollte, eine Absperrung zu \u00fcberwinden, schlug sie den Beamten mit einer Fahnenstange auf den Kopf. Am Abend des 2. Oktober wurden vier Berufssch\u00fcler in Kulmbach von ein paar jungen M\u00e4nnern angesprochen. Einer der Berufssch\u00fcler trug Springerstiefel und hatte sehr kurz geschorenen Haare, weshalb er gefragt wurde, ob er ein Nazi sei. Als er und seine Begleiter dies verneinten begann einer der anderen jungen M\u00e4nner nach einer verbalen Auseinandersetzung mit der Faust auf den Gefragten einzuschlagen. Nachdem der Angegriffene zu Boden gegangen war, schlugen und traten Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","198 Linksextremismus mehrere Personen auf ihn ein. Der gesch\u00e4digte Berufssch\u00fcler erlitt einen Nasenbeinbruch sowie erhebliche Sch\u00fcrfwunden und Prellungen am ganzen K\u00f6rper. 3.3.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen linksextremistisch motivierten Straftaten betrug 95 und hat damit gegen\u00fcber dem Jahr 2006 (69) erheblich zugenommen. Dabei handelte es sich vor allem um Sachbesch\u00e4digungen, aber auch um Delikte wie Beleidigung oder Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole. Beispielsweise wurde in einem Internet-Artikel das Zustandekommen einer Verurteilung wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole ver\u00f6ffentlicht. Der Autor ist nach eigener Darstellung selbst Betroffener und wegen seiner \u00c4u\u00dferung \"BRD - Bullenstaat - Wir haben dich zum Kotzen satt\" verurteilt worden. In dem Textbeitrag wird zu dieser Aussage Stellung genommen und dabei auf die erneute Feststellung Wert gelegt, dass es sich bei der Bundesrepublik Deutschland als ein \"Bullenstaat gerierendes Gebilde\" handele, so dass diese Bezeichnung gerechtfertigt sei. Es wurden erneut Ermittlungen eingeleitet. Auf einer L\u00e4nge von zehn Metern beschmierten bislang unbekannte T\u00e4ter die Au\u00dfenfassade des Bundesamts f\u00fcr Migration und Fl\u00fcchtlinge in N\u00fcrnberg mit der Parole (Fehler \u00fcbernommen) \"Solidarit\u00e4t muss praktisch werden, Feuer + Flamme den Abschibebeh\u00f6rden, Antirar!\". In der Innenstadt M\u00fcnchens wurden vermutlich durch denselben T\u00e4ter an unterschiedlichen Tatorten mit Spr\u00fchfarbe u.a. die Parolen \"Freiheit f\u00fcr Christian Klar\", \"Weg mit dem SS 129!\" und \"Freiheit statt Sch\u00e4uble\" angebracht. Es entstand ein Sachschaden von etwa 1.500 Euro. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Linksextremismus 199 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2007 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 400 4.200 Unsere Zeit (UZ) 18 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 6.000 in Kreisund Grundorganisationen sowie Betriebsgruppen, Marxistische Bl\u00e4tter 26.09.1968, Essen zweimonatlich, 2.500 Rundbrief monatlich DIE LINKE., vormals Die Linkspartei.PDS 69.200 Neues Deutschland (ND) (neuer Name beschlossen auf dem - parteinahe Zeitung - Parteitag am 16.06.2007) werkt\u00e4glich, 53.600 16 Landesverb\u00e4nde mit Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen, DISPUT Berlin monatlich, 11.000 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Partei DIE LINKE. monatlich, 1.500 DIE LINKE Bayern 2.200 TITEL (Informationsforum mit 35 Kreisverb\u00e4nden der Linkspartei.PDS Bayern) 11.09.1990, M\u00fcnchen unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Arbeiterbund f\u00fcr den Wieder100 150 Kommunistische aufbau der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 100 2.300 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 7.500 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte, REVOLUTION\u00c4RER WEG 17./18.06.1982, Gelsenkirchen unregelm\u00e4\u00dfig marx21, vormals Linksuck-Netzwerk 10 400 marx21, (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) f\u00fcnfmal im Jahr 1993, Berlin Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","200 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2007 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen (Aktive) Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 110 300 POSITION Arbeiterjugend (SDAJ) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen, KONTRA! 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisationen der MLPD: Jugendverband REBELL 20 150 REBELL - Beilage zur Roten Fahne - MLPD-Hochschulgruppen Galileo - streitbare Wissenschaft 1.3 Beeinflusste Organisationen: DKP-beeinflusst: Vereinigung der Verfolgten des 700 6.000 antifa Naziregimes - Bund der Antifaschiszweimonatlich, 9.000 tinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen, 15.-17.03.1947, Berlin 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa rund zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 600 5.800 erscheinende Szene-Bl\u00e4tter wie: radikal, INTERIM; auf regionaler Ebene u.a. barricada 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflusst M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg 30 und Rassismus M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 201 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) International Deutschland Bayern Mitglieder: 125.000 bis 150.000* 5.000 bis 6.000 etwa 2.600 Vorsitzender: David Miscavige Helmuth Bl\u00f6baum Gerhard B\u00f6hm Gr\u00fcndung: Los Angeles 1952 M\u00fcnchen 1972 N\u00fcrnberg 1982 (Church of Scientology (Scientology Kirche (Scientology Kirche International - CSI -) Deutschland e.V.) Bayern e.V.) Sitz: Los Angeles, USA M\u00fcnchen M\u00fcnchen/N\u00fcrnberg (in Deutschland unselbst\u00e4ndige Teilorganisationen) Publikationen: \"Freiheit\"; \"Impact\"; \"Ursprung\"; \"Source\" u.a. * gesch\u00e4tzte bzw. hochgerechnete Zahlenangaben, die auf Mitgliederbzw. Aussteigerinformationen basieren 1. Zur Geschichte der SO Im Jahr 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard (1911 bis 1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die Dianetik moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit\" und stellte darin seine \"Technologie\" zur \"Heilung psychosomatischer Krankheiten und geistiger St\u00f6rungen\" vor. In den folgenden Jahren wurden so genannte Dianetik-Zentren eingerichtet und schlie\u00dflich die SO gegr\u00fcndet und aufgebaut. 1952 gr\u00fcndete Hubbard die Hubbard Association of Scientologists International (HASI), die noch nicht den Anspruch erhob, eine Kirche oder angewandte religi\u00f6se Philosophie zu sein. Hubbard erkannte jedoch bald die wirtschaftlichen und steuerlichen Vorteile einer Umwandlung seiner Organisation in eine Kirche. Deshalb erkl\u00e4rte er sein von ihm erdachtes Verfahren der Psychomanipulation, das er zusamPsychomen mit einer totalit\u00e4ren Organisationslehre und -technik in Form eines manipulation Kommandosystems (\"Admintech\") entwickelt hatte, zur Religion und gr\u00fcndete 1954 die erste \"Kirche\". Mitte der 80er Jahre, nach dem Tode Hubbards und intrigenreichen Machtk\u00e4mpfen innerhalb der Organisation, \u00fcbernahm David Miscavige die F\u00fchrung der SO. Die SO liegt seit Jahrzehnten im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Vorw\u00fcrfe lauten z.B. auf Betrug und Wucher gegen\u00fcber Kunden, Bedrohung und N\u00f6tigung von Kritikern, auf Verschw\u00f6rung gegen die Regierung, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. In diesem Zusammenhang kam es weltweit zu zahlreichen Verfahren und Verurteilungen von Funktion\u00e4ren der SO. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","202 Scientology-Organisation 2. Ideologie und Ziele der SO Die \"drei S\u00e4ulen\" Der ideologische \u00dcberbau der SO beruht auf drei S\u00e4ulen: der Dianetik, der SO der Lehre Scientology und der scientologischen Ethik. Dianetik richtet sich vordergr\u00fcndig an den Einzelmenschen, dogmatisiert aber tats\u00e4chlich gesellschaftliche sowie politische Grunds\u00e4tze und Forderungen. In der Lehre Scientology, die sich an das \"Geistwesen\" des Menschen, den \"Thetan\" so genannten Thetan, mit seinen verschiedenen Stufen der Befreiung richtet, prophezeit Hubbard, er kehre auf die Erde nicht als religi\u00f6ser, sondern als politischer F\u00fchrer des Universums zur\u00fcck. Die scientologische Ethik beschreibt die Disziplinierungstechnologie f\u00fcr Mitglieder, Mitarbeiter und die gesamte Gesellschaft. Die Ideologie der SO st\u00fctzt sich ausschlie\u00dflich auf die Schriften von L. Ron Hubbard. Vor allem seine programmatischen \u00c4u\u00dferungen werpolicy letters den in den so genannten Richtlinienbriefen (\"policy letters\") den Mitgliedern und Mitarbeitern als verbindliche Orientierung vorgegeben. Die Analyse zahlreicher Schriften der SO zeigt den generellen Anspruch auf absolute G\u00fcltigkeit der scientologischen Ideologie. Den Mitgliedern wird suggeriert, dass die SO das Universalinstrument sei, mit dem alle politischen und gesellschaftlichen Probleme gel\u00f6st werden k\u00f6nnten. Dar\u00fcber hinaus erfasst die SO den Menschen in all seinen pers\u00f6nlichen, zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen Lebensbereichen, sobald er in das Kontrollsystem der Organisation eingebunden ist. Die SO propagiert nicht nur eine verfassungsfeindliche Wertordnung, sondern will sie als verbindlichen Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat Totalit\u00e4re und Gesellschaft etablieren. Sie gibt sich dabei als eine totalit\u00e4re ZwangsZwangslehre lehre zu erkennen. Schon in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hatte Hubbard auf die politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre und Technik hin\"Admintech\" gewiesen. Mit der Entwicklung seiner totalit\u00e4ren \"Admintech\" hat Hubbard ein sozialtechnisches Instrumentarium geschaffen, um Gruppen gef\u00fcgig zu machen. Durch effiziente Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung, der \"Technologie\", werden die Mitarbeiter, aber auch die einfachen aktiven Mitglieder, in manipulativer Weise unter st\u00e4ndigen Verhaltenszwang gesetzt, damit sie nach dem internen Sprachgebrauch des Managements wie \"Maschinen\" neue Kunden werben und zu Anh\u00e4ngern des Systems machen. Der Leistungsdruck des Systems auf die Mitarbeiter und Mitglieder ist dabei so stark, dass sie sich dem technokratischen Regelwerk der \"Admintech\" und den Befehlen der Funktionstr\u00e4ger in der Regel ohne Widerspruch f\u00fcgen, selbst wenn sie unter Umst\u00e4nden sogar Normen und Dienstpflichten verletzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 203 Ziel der SO ist eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien Ver\u00e4nderung der funktionierende Welt. Eine neue \"wahre Demokratie\" soll an die Stelle Gesellschaft mit der bisherigen Demokratien treten, die Scientologen als Produkt einer SO-Techniken \"aberrierten\", d.h. von der Vernunft abweichenden, geisteskranken Gesellschaft ansehen. Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, dass zun\u00e4chst 10 bis 15 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den so genannten Nichtaberrierten, den \"Clears\", besteht, wobei die \"Unf\u00e4higen\" oder \"Unwilligen\" \"Clears\" nach Hubbard \"abseits der Gesellschaft in Quarant\u00e4ne\" geschafft werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll die \"Admintech\" weltweit zur Organisation aller gesellschaftlichen Gruppen und der Regierungen eingesetzt werden. Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt \"International City\" vor und erhob darin den Anspruch, weltweit die Weltherrschaft Regierungen zu beherrschen. Dazu dient auch die Hubbard-Anweisung vom 13. M\u00e4rz 1961. Danach soll ein \"Department f\u00fcr Beh\u00f6rdenangelegenheiten\" u.a. \"st\u00e4ndigen Druck auf Regierungen aus\u00fcben, um Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen\". Beh\u00f6rden und unabh\u00e4ngige Gerichte werden von der SO als \"Gefahr\" gesehen, der man begegnet, indem \"immer ausreichend Drohungen gegen sie gesucht oder erfunden werden\". Die SO lehnt die bestehenden Rechtsordnungen ab. Der Kreis der RechtsAblehnung tr\u00e4ger wird auf die \"Ehrlichen\" beschr\u00e4nkt, also nur auf diejenigen, bestehender die sich der SO verschrieben haben. Im bereits 1959 erschienenen Rechtsordnungen \"Handbuch des Rechts\" \u00e4u\u00dfert sich L. Ron Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechtssystems. Danach wird es im scientologischen Scientologisches Gesellschaftssystem keine Menschenund Grundrechte mehr geben, Rechtssystem wie sie im Grundgesetz definiert sind. Im scientologischen Rechtssystem sind auch keine unabh\u00e4ngigen Gerichte vorgesehen. Vielmehr erforscht ein nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts) Sachverhalte und ergreift Ma\u00dfnahmen. In einem Grundlagenwerk fordert Hubbard \"totale Disziplin\". Um die Macht zu behalten - so offenbar der Gedanke von Hubbard in seinem Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\" - m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterAbwehr von listig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten \"Feinden\" werde man die Macht verlieren. Die im \"Handbuch des Rechts\" empfohlenen Operationen zur \"Abwehr\" von \"Unterdr\u00fcckern\" lassen erkenVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","204 Scientology-Organisation nen, dass die SO gewillt ist, die im Grundgesetz konkretisierten Grundrechte abzuschaffen oder deren Schutzbereich verfassungswidrig einzuschr\u00e4nken und dadurch eine totale Kontrolle des Einzelnen durch die SO zu erreichen. Verschiedene Aussagen der SO deuten darauf hin, Aggressiv-k\u00e4mpdass sie ihre Ziele aggressiv-k\u00e4mpferisch verwirklichen will. Alle Aktiferisches Verhalten vit\u00e4ten der SO sind auf die Expansion der Organisation ausgelegt. In diesem Zusammenhang sind auch Ma\u00dfnahmen gegen Kritiker zu sehen. Kritiker sind alle Personen und Institutionen, die den Zielen der SO nicht zustimmen und ihrer Verwirklichung entgegenstehen. F\u00fcr deren \"Handhabung\" gibt es detaillierte Anweisungen, wie zu verfahVerunglimpfung ren ist. Aus diesem Grund verunglimpft, beschimpft und verleumdet die von Politikern SO entsprechend dem immer noch g\u00fcltigen HCO-Richtlinienbrief vom 11. Mai 1971 seit mehreren Jahren Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland. Dar\u00fcber hinaus verunglimpft die SO die jetzige deutsche Verfassungsordnung, indem sie diese mit der des nationalsozialistischen Deutschlands gleichsetzt. Personen, die Kritik \u00fcben, sollen mit schikan\u00f6sen bis diffamierenden Attacken als \"Feinde\" bek\u00e4mpft werden. Ziel \"Unterdr\u00fcckerische ist es dabei, die Gegner der SO, die als \"unterdr\u00fcckerische Personen\" Personen\" bezeichnet werden, mundtot zu machen, um die Expansion des Systems nicht von ihnen gef\u00e4hrden zu lassen. Kritiker werden wegen ihrer Gegnerschaft zur SO diffamiert, \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt, angezeigt und verklagt, bisweilen bedroht, bel\u00e4stigt und zur Zerm\u00fcrbung auch psychisch gequ\u00e4lt. In einer nach wie vor g\u00fcltigen F\u00fchrungsanweisung Hubbards zum Umgang mit \"Unterdr\u00fcckern\" von 1966 hei\u00dft es dazu: \"Leute, die Scientology angreifen sind Verbrecher.\" \"Wenn man Scientology angreift, wird man auf Verbrechen hin untersucht.\" \"Man ist sicher, wenn man Scientology nicht angreift, auch wenn man nicht auf ihrer Seite ist.\" In den USA scheuen sich daher manche Medien, offen gegen die SO Stellung zu nehmen. Auch in Deutschland spionierte die SO ihre Kritiker durch verdeckt arbeitende Mitarbeiter und Privatdetektive bis in ihre Intimsph\u00e4re aus, um sie mit ehrenr\u00fchrigen Behauptungen in der \u00d6ffentlichkeit blo\u00dfzustellen. 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO Die Einrichtungen der SO in Deutschland erscheinen zwar nach au\u00dfen als rechtlich selbst\u00e4ndig, sind jedoch der strikten Befehlsund Disziplinargewalt des Internationalen Managements in den USA unterworfen Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 205 Organisationen der SO Hof in Bayern Aschaffenburg W\u00fcrzburg KVPM - Schl\u00fcsselfeld N\u00fcrnberg Scientology Mission N\u00fcrnberg Regensburg Scientology Mission Ingolstadt Augsburg Passau Augsburg Scientology Mission M\u00fcnchen M\u00fcnchen Celebrity Center M\u00fcnchen Lindau WISE Scientology Scientology KVPM - Starnberg Kirche Kirche Bundesleitung Deutschland e.V. Bayern e.V. Department of Department of KVPM Special Affairs Special Affairs M\u00fcnchen GER MUC und daher unselbst\u00e4ndige Teile. Die SO in Deutschland bekennt sich auch in ihren aktuellen Ver\u00f6ffentlichungen ausdr\u00fccklich zu ihrem Gr\u00fcnder und seiner unver\u00e4nderbaren politischen Programmatik. Das Religious Technology Center (RTC) unter David Miscavige hat die RTC: Befehlsoberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internatiozentrale der SO nale Management der SO angesiedelt. Dieses hat die Aufgabe, f\u00fcr jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Derartige Sektoren sind u.a. die Bereiche \"Church\", WISE, ABLE und OSA. Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","206 Scientology-Organisation WDC Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watchdog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll. 3.2 Organisation der SO in Deutschland 3.2.1 \"Church\"-Sektor \"Orgs\" und Derzeit existieren im Bundesgebiet zehn \"Kirchen\" (Orgs) und \"Cele\"Celebrity Centres\" brity Centres\" (CC), und zwar jeweils eine Org und ein CC in M\u00fcnchen, D\u00fcsseldorf und Hamburg sowie jeweils eine Org in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover. Au\u00dferdem gibt es in Deutschland insgesamt 14 \"Missionen\", davon neun in Baden-W\u00fcrttemberg, je eine in Bremen und Hessen sowie drei in Bayern, n\u00e4mlich in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Augsburg. Daneben sind noch einige so genannte Feldauditorengruppen aktiv. Die genannten Einrichtungen der SO sind in Deutschland \u00fcberwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert die Scientology Kirche \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD). Diese Vereine sind jedoch Deutschland e.V. nur scheinbar selbst\u00e4ndig; sie haben im weltweiten, aus den USA ge(SKD) steuerten System kaum eigenst\u00e4ndige Funktionen. Faktisch werden die SO-Einrichtungen nicht durch die jeweiligen Vereinsvorst\u00e4nde geleitet, sondern durch die Executive Directors und die sonstigen Funktionsinhaber in den USA \u00fcber die jeweiligen Verbindungsstellen. Dies ist in den Lizenzvertr\u00e4gen \u00fcber die Nutzung der Dianetikund SO-Warenzeichen zwischen der Konzernspitze in den USA und den \u00f6rtlichen \"Kirchen\", \"Missionen\" usw. in aller Welt geregelt. So wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise Mitglieder der Eliteorganisation Sea-Org Sea-Org aus den USA und dem Kontinentalen Verbindungsb\u00fcro in Kopenhagen in deutsche Einrichtungen der SO abgeordnet, um dort Befehle zu erteilen und f\u00fcr die richtige \"Handhabung\" der scientologischen Technologie zu sorgen. 3.2.2 WISE-Sektor Das 1979 von der SO gegr\u00fcndete World Institute of Scientology Enterprises (WISE) besteht aus Gesch\u00e4ftsleuten oder Unternehmen aus allen Geldbeschaffung Bereichen der Wirtschaft. Zweck von WISE ist es, Geld f\u00fcr die SO zu beschaffen und durch die Verbreitung der auf L. Ron Hubbard beruhenden \"Technologie\" Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Damit kommt WISE auch eine f\u00fchrende politische Bedeutung zu. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 207 Schwerpunkte in Deutschland und Bayern sind die Immobilienbranche sowie die Unternehmens-, F\u00fchrungsund Personalberatung. Dar\u00fcber hinaus ist die IT-Branche aufgrund ihrer globalen Vernetzung und ihrer technischen M\u00f6glichkeiten ins Blickfeld von Scientologen geraten, da sie den Zugang in sensibelste Unternehmensbereiche er\u00f6ffnen kann. In besonderem Ma\u00dfe bem\u00fcht sich die SO weiterhin, in Osteuropa (Russland, Ungarn) zu expandieren. Kontinentale WISE-B\u00fcros finden sich f\u00fcr Europa in Kopenhagen, Mailand, Budapest und Moskau. \u00dcber so genannte Hubbard Colleges of Administration wird WISE-Logo versucht, Hubbards Verwaltungstechnologie als vorgeblich erfolgreiches westliches Know-how in Unternehmen und in der Verwaltung zu etablieren. 3.2.3 ABLE-Sektor Die Association for better Living and Education (ABLE) versucht, f\u00fcr die SO den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen und scientologische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu realisieren. Zu den dem ABLE-Bereich zuzuordnenden Organisationen geh\u00f6ren vor allem * das Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen (ZIEL), * Applied Scholastics (Ausbildungsprogramm; u.a. Englisch-Fernkurse), * NARCONON, ein angebliches Drogenrehabilitationsprogramm, * CRIMINON, angeblich ein Programm zur Rehabilitation von Strafgefangenen. Mit diesen Organisationen versucht die SO, sich als humanit\u00e4re, karitative und sozial verantwortliche Organisation darzustellen. Die Wahl von Ausbildung, Gefangenenund Drogenrehabilitation als weitere Schwerpunkte l\u00e4sst den Schluss zu, dass die gerade bei diesen Personengruppen gegebene M\u00f6glichkeit der leichteren Einflussnahme benutzt wird, Ausnutzen von um diese f\u00fcr die SO zu werben. Beeinflussbarkeit 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO 3.2.4.1 Applied Scholastics Einer der Schwerpunkte der Expansionsstrategie der SO ist ihr Bestreben, in ihrem angeblichen Kampf gegen die Bildungsmisere und den Analphabetismus die Studiertechnologie Hubbards in der Gesellschaft Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","208 Scientology-Organisation zu etablieren. Die derzeitigen Bildungsund Schulsysteme werden von der SO als unf\u00e4hig deklariert, den Sch\u00fclern \"wahre Fertigkeiten und geistige F\u00e4higkeiten\" beizubringen. In diesem Zusammenhang hei\u00dft es bereits im Klappentext aus dem Jahr 1992 zum \"Grundlegenden Studierleitfaden\" von Hubbard: \"Erlangen Sie die Fertigkeiten, die Ihnen das Schulsystem niemals beibrachte - und beginnen Sie wirklich anzuwenden, was Sie lernen!\" Anl\u00e4sslich der Feier zum 10. Jahrestag der International Association of Scientologists (IAS) Ende 2003 forderte der Vorsitzende des Religious Technology Center (RTC) David Miscavige in seiner Rede: \"Die Studiertechnologie muss \u00fcberall sein. (...) So schaffen wir die Mittel, um die Tech in jede Schule einzuf\u00fchren und das Problem auf globaler Ebene zu l\u00f6sen.\" Studiertechnologie Mit der Studiertechnologie, die beispielsweise \u00fcber Nachhilfegruppen als Rekrutierungsverbreitet werden soll, will die SO zun\u00e4chst unerkannt die Lehren Hubmittel bards verbreiten, um letztendlich neue Mitglieder zu rekrutieren. Sowohl das Werbematerial der von Scientologen gef\u00fchrten Lernstudios als auch deren Namen enthalten dabei keine Hinweise auf die Organisation. So tragen die Anbieter neutrale Namen wie zum Beispiel Lernstudio, Lerncenter oder Tutoring. Beispielsweise hat sich in M\u00fcnchen seit einigen Jahren eine Kindertagesst\u00e4tte mit Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung etabliert, deren F\u00fchrung und Belegschaft aus langj\u00e4hrigen und teilweise hoch ausgebildeten Scientologen besteht. Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen hat entsprechende Ma\u00dfnahmen eingeleitet. Erfahrungsberichte von Eltern und Sch\u00fclern zeigen, dass die Nachhilfelehrer nicht nur den Lehrstoff behandelten, sondern dass sie W\u00f6rter und Begriffe nach der Hubbard-Studiertechnologie definierten und durch Knetmasse darstellen lie\u00dfen, wobei anfangs jeder Hinweis auf die SO vermieden wird. In Bayern wurden allerdings schon F\u00e4lle bekannt, bei denen Sch\u00fclern bereits nach wenigen Stunden Nachhilfe die SO-Werbebrosch\u00fcre \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" \u00fcbergeben wurde, in der zwar Hubbard als Verfasser genannt wird, ansonsten aber jeder Hinweis auf die SO fehlt. Der weltweite Aufruf an Scientologen - zuletzt bei der Neujahrsveranstaltung 2006 der Church of Scientology International (CSI) in Los Angeles -, im Umfeld ihrer \"Kirchen\" und \"Missionen\" zahlreiche Sch\u00fclerSO-Nachhilfenachhilfegruppen zu gr\u00fcnden, war bisher wenig erfolgreich. In Bayern einrichtungen wurden bislang 13 solcher Nachhilfeeinrichtungen bekannt. In diesem Zusammenhang warnte das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus in Lehrerrundbriefen und Elternzeitschriften auch 2007 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 209 wiederholt vor diesen Aktivit\u00e4ten der SO. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sich besorgte Eltern auf der Internet-Seite http://www.appliedscholastics.org auf dem dortigen Global-Locator-Germany \u00fcber SO-Nachhilfeanbieter informieren. Diese Liste von Anbietern ist allerdings nicht vollst\u00e4ndig. 3.2.4.2 NARCONON Bei NARCONON handelt es sich um ein angebliches Drogenentzugsprojekt der SO. Die Teilnehmer an einem \"NARCONON-Entzug\" durchlaufen u.a. eine \"Trainings-Routine\", was in den \"Kirchen\" zum Vorbereitungsprogramm der Ausbildung zum Auditor geh\u00f6rt. Teil des Kurses ist ferner ein \"Reinigungsprogramm\", das in den \"Kirchen\" vor Beginn des Auditings zu absolvieren ist. Bereits 1995 verurteilte das Amtsgericht Miesbach einen Verantwortlichen von NARCONON wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Heilpraktikergesetz. Damals wurde festgestellt, dass weder der AnLogo von NARCONON geklagte noch die Betreuer zur Aus\u00fcbung eines Heilberufs bef\u00e4higt oder berechtigt waren. 3.2.4.3 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) Die 1972 von Mitgliedern der SO gegr\u00fcndete KVPM ist eine mit der SO verbundene Organisation und im Bereich \"Sozialreformen\" t\u00e4tig. Als ihr Ziel bezeichnet sie, Missbr\u00e4uche und Menschenrechtsverletzungen der Psychiatrie zu untersuchen und aufzudecken. Nach internen, nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmten Publikationen soll die KVPM jedoch dazu beitragen, eine neue Zivilisation, eine scientologische Gesellschaft zu schaffen. Angesiedelt ist die KVPM im Office of Special Affairs (OSA) der SO. KVPM-Logo 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) OSA ist die Nachfolgeorganisation einer bereits in den 60er Jahren unter dem Namen Guardian Office (GO) aufgebauten Abteilung, die nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis auch Nachrichtendienstund SpionagefunkGeheimdienst tionen hatte. Zahlreiche Grundlagenpapiere f\u00fcr das GO, z.B. f\u00fcr nachder SO richtendienstliche Schulung, wurden f\u00fcr den neuen Dienst als OSA-Network Orders \u00fcbernommen. Im Gegensatz zur rigiden und direkten Vorgehensweise des GO, die in der Vergangenheit international zu Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","210 Scientology-Organisation einem Ansehensverlust der SO gef\u00fchrt hatte, operiert das OSA heute erkennbar vorsichtiger, ohne seine Ziele im Wesentlichen ge\u00e4ndert zu haben. Deutsche OSADie f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndige OSA-Einheit ist das Department of Zentrale (DSA) Special Affairs (DSA) mit Sitz in M\u00fcnchen. Nach au\u00dfen tritt das DSA in M\u00fcnchen unter der Bezeichnung \"Scientology Kirche Deutschland, Beichstra\u00dfe 12, 80802 M\u00fcnchen\" auf; der inoffizielle Sitz befindet sich in M\u00fcnchen in der Nordendstra\u00dfe 3. Dem DSA-Deutschland nachgeordnet sind die lokalen DSA-B\u00fcros in Berlin, D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, M\u00fcnchen und Ulm, angesiedelt bei den dortigen \"Scientology Kirchen\" oder den \"Celebrity Centres\". Die SO selbst stellt ihre OSA-Einrichtung f\u00fcr Deutschland mit Sitz in M\u00fcnchen als B\u00fcro f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten oder als Presseund Rechtsamt dar. Teile des OSA sind das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr MenschenCCHR rechte und die Citizens Commission on Human Rights (CCHR). Da die CCHR weisungsgebend f\u00fcr die Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie KVPM gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ist, kann dieses \u00f6ffentlichkeitswirksame Aush\u00e4ngeschild zur Bek\u00e4mpfung der Psychiatrie ebenfalls dem Bereich OSA zugerechnet werden. Auch die im August 2001 gegr\u00fcnATV dete Aktion Transparente Verwaltung M\u00fcnchen (ATV), betrieben von einem DSA-Unterabteilungsleiter, ist dem OSA zuzurechnen. Die ATV unterh\u00e4lt eine eigene Homepage; ein Hinweis auf die SO ist dort nicht erkennbar. Gem\u00e4\u00df der Hubbard-Anweisung (HCO-PL) vom 13. M\u00e4rz 1961 soll in den OSA-Akten die jeweilige Ausgangslage f\u00fcr Ma\u00dfnahmen von OSA bzw. DSA gegen \"Feinde\", d.h. der SO kritisch begegnende Personen, gesammelt werden. Der HCO-PL beschreibt als Ziel der Abteilung: \"... Beh\u00f6rden und ihnen entgegen gesetzte Denkmodelle oder Gesellschaften in einen Zustand v\u00f6lliger \u00dcbereinstimmung mit den Zielen der SO zu bringen. (...) Dies geschieht durch die hochrangige F\u00e4higkeit zur Steuerung und - falls sie nicht gegeben ist - durch die weiter unten angesiedelte F\u00e4higkeit zur \u00dcberw\u00e4ltigung.\" Das DSA-Deutschland setzt diese Anweisung um, sammelt Informationen \u00fcber Kritiker, Politiker, Beh\u00f6rdenangeh\u00f6rige und andere Gegner, wertet sie aus und verwendet sie f\u00fcr eigene operative Ma\u00dfnahmen. Durch Recherchen unter Falschnamen und andere Ma\u00dfnahmen verschafft sich das DSA-Deutschland interne Unterlagen deutscher Einrichtungen. Seine Au\u00dfendienstmitarbeiter observieren als \"Feinde\" bezeichnete Gegner der SO und beziehen, um R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre Organisation zu verhindern, Privatdetektive in ihre Arbeit ein. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 211 Das DSA arbeitet abgeschottet gegen\u00fcber anderen SO-Strukturen. Die Informationen an \u00fcbergeordnete Einrichtungen werden verschl\u00fcsselt oder durch konspirativen Botenverkehr \u00fcbermittelt. 4. Mitglieder der SO Die SO hat in Deutschland zwischen 5.000 und 6.000 Mitglieder, woMitgliederzahlen bei die Organisation selbst eine deutlich h\u00f6here Zahl angibt. Fr\u00fcher behauptete die SO, dass die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) \u00fcber 30.000 Mitglieder habe; im Rechtsstreit der SO gegen das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz gab der Pr\u00e4sident der SKD im Jahr 2004 an, die SKD habe etwa 12.000 Mitglieder. Der Mitgliederstand in Bayern ist mit etwa 2.600 konstant geblieben. Als Mitglieder werden solche Personen verstanden, die ihre Mitgliedschaft in einem SO-Verein oder einer sonstigen SO-Gliederung, z.B. im WISEoder ABLE-Bereich, schriftlich erkl\u00e4rt haben oder durch die Belegung von Kursen in einem SO-Verein verdeutlichen. 5. Veranstaltungen und Aktivit\u00e4ten der SO Die Aktivit\u00e4ten der SO waren wie in den Vorjahren im Wesentlichen gepr\u00e4gt von der Agitation gegen die Beobachtung der SO durch den Agitation gegen Verfassungsschutz und ihre Erw\u00e4hnung in den VerfassungsschutzVerfassungsschutz berichten. Insbesondere berief sich die SO in einer \u00d6ffentlichkeitskampagne auf die angebliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft durch den Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte. Zwar wird Deutschland von der SO immer wieder als wichtigstes Expansionsgebiet in Europa bezeichnet, doch sind ihre Verbreitungsbem\u00fchungen auch in vielen anderen europ\u00e4ischen Staaten nicht unerheblich. Zahlreiche Verfahren gegen Scientologen in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien zeigen, dass die SO Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsordnungen dieser L\u00e4nder in Kauf nimmt. Zudem werden - wie in Deutschland - in den genannten Staaten, insbesondere in Frankreich, Kampagnen gegen die angebliche religi\u00f6se Diffamierung der SO durchgef\u00fchrt. Am Aufbau neuer Organisationsstrukturen im Ausland beteiligen sich auch deutsche Scientologen. Besonders bei der Expansion der SO in Expansion in Osteuropa spielt die M\u00fcnchner Niederlassung der SO, die Org M\u00fcnOsteuropa chen, seit Jahren eine bedeutende Rolle. In Kursen der Org M\u00fcnchen werden zahlreiche Osteurop\u00e4er ausgebildet. Schwerpunkt der derzeitigen Expansionsbem\u00fchungen der SO ist u.a. \"Ideale Org\"die weltweite Schaffung so genannter \"Idealer Orgs\". Dies gab der VorKampagne Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","212 Scientology-Organisation sitzende des Religious Technology Center (RTC), David Miscavige, der h\u00f6chsten Autorit\u00e4t der SO, anl\u00e4sslich seiner Neujahresansprache in Los Angeles bekannt. Durch die\"Idealen Orgs\", die in der N\u00e4he der nationalen Regierungen errichtet werden sollen, soll politischer Einfluss genommen und die \"Globale Beseitigung psychiatrischer Missst\u00e4nde\" erreicht werden. Auch in Deutschland wurden solche Expansionsbem\u00fchungen der SO bekannt. Die SO sieht die Kampagne als wichtigen Schritt, um eine \"neue Zivilisation\" nach ihren - verfassungsfeindlichen - Vorstellungen zu schaffen und verst\u00e4rkt politischen Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. Deshalb wurde Erste deutsche am 13. Januar in Berlin-Charlottenburg die erste deutsche \"Ideale Org\" \"Ideale Org\" er\u00f6ffnet. An der Er\u00f6ffnungsfeier nahmen etwa 1.500 Personen teil, darin Berlin unter auch bekannte K\u00fcnstler. Dar\u00fcber hinaus nahmen Delegationen aus fast allen europ\u00e4ischen Staaten sowie aus den USA, der T\u00fcrkei und Israel teil, wo die SO mit Orgs vertreten ist. Die Vizepr\u00e4sidentin der SKD, Sabine Weber, sprach ein Gru\u00dfwort und rief dazu auf, den Kampf gegen die \"Unterdr\u00fcckerstaaten\" nicht aufzugeben. Die europ\u00e4ischen Staaten, insbesondere Deutschland, werden von der SO als Unterdr\u00fcckerstaaten abgelehnt. Einer europ\u00e4ischen Verfassung k\u00f6nnte man eventuell zustimmen, wenn sich die SO unter ihr entfalten k\u00f6nnte. F\u00fcr die SO ist es offenbar wichtig, in Berlin als Bundeshauptstadt eine neue gro\u00dfe Org zu haben und somit ein sichtbares Zeichen der Expansion gesetzt zu haben. Eine Hamburger Teilorganisation verk\u00fcndete bereits im November 2006, die Berliner Niederlassung sei eine Repr\u00e4sentanz, die daf\u00fcr verantwortlich ist, \"die n\u00f6tigen Zufahrtsstra\u00dfen in das deutsche Parlament zu bauen, um unsere L\u00f6sungen tats\u00e4chlich eingearbeitet zu bekommen in die gesamte deutsche Gesellschaft\". Die SO hat sich mittlerweile von diesem Papier ausdr\u00fccklich distanziert. Auch andere deutsche Orgs wie M\u00fcnchen, Stuttgart und Hannover sollen nach diesem Konzept expandieren und im scientologischen Sinn auf die Gesellschaft und die Regierungen einwirken. Bisher installierte die SO \"Ideale Orgs\" au\u00dferdem in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten Br\u00fcssel, London und Madrid. Seit Anfang des Jahres verschickt die \"New Era Publications International, Kopenhagen\", der Buchverlag der SO, Werbebrosch\u00fcren und die DVD \"Eine Einf\u00fchrung in die Scientology\" an \u00f6ffentliche Bibliotheken und Schulen. Dabei wird angeboten, kostenlos weitere Publikationen \u00fcber die SO erhalten zu k\u00f6nnen, wenn ein beigef\u00fcgter Fragenkatalog ausgef\u00fcllt New Era an New Era zur\u00fcckgesandt w\u00fcrde. Zweck dieser Aktion ist offensichtlich das Bem\u00fchen, in kommunalen und in Schulbibliotheken pr\u00e4sent zu sein. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 213 Am 5. April verurteilte der Europ\u00e4ische Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte (EGMR) Russland dar\u00fcber zu entscheiden, ob die \"Church of Scientology Moscow\" in das russische Religionsregister einzutragen ist Russisches (Az. 1814/02). Die SO behauptete dagegen, der EGMR habe sie mit binReligionsregister dender Wirkung f\u00fcr alle Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention als Religionsgemeinschaft anerkannt. Tats\u00e4chlich entschied der EGMR aber nicht die grunds\u00e4tzliche Frage, ob es sich bei der SO um eine Religionsgemeinschaft im Sinn des Art. 9 der Europ\u00e4ischen Menschrechtskommission handelt. Er stellte nur fest, dass russische Beh\u00f6rden gegen Treu und Glauben versto\u00dfen hatten, als sie \u00fcber Antr\u00e4ge auf Registrierung nicht entschieden oder sie mit sachfremden Gr\u00fcnden abgelehnt hatten. Die Entscheidung hat f\u00fcr Deutschland und andere europ\u00e4ische L\u00e4nder keine Auswirkungen. Am 19. Mai fand in der Stadthalle in Erding eine interne Veranstaltung Veranstaltung zum \"57. Jahrestag der Dianetik\" mit etwa 350 Teilnehmern statt. Bei in Erding dieser Veranstaltung wurde ein Film des Internationalen Managements zur Weltexpansion der SO vorgef\u00fchrt. Der Film handelte von Personen und Organisationen, die sich \u00fcber die ganze Welt verteilt f\u00fcr die SO besonders verdient gemacht haben sollen. Dem schloss sich die Ehrung f\u00fcr besondere Verdienste von Mitgliedern und Mitarbeitern der Org M\u00fcnchen an. In diesem Zusammenhang wurde auch um neue Mitarbeiter und um Spenden f\u00fcr die zu schaffende \"Ideale Org M\u00fcnchen\" geworben. Ein weiteres Thema war dabei auch, dass die Org M\u00fcnchen ein neues, gr\u00f6\u00dferes Geb\u00e4ude in M\u00fcnchen suche, um den Vorgaben einer \"Idealen Org\" zu gen\u00fcgen, da die derzeitige Betriebsst\u00e4tte in der Beichstra\u00dfe in M\u00fcnchen dazu nicht ausreiche. Anl\u00e4sslich eines internationalen Kongresses der Psychiatrie zum Thema ADHS-Syndrom vom 2. bis 6. Juni in W\u00fcrzburg veranstaltete die KVPM Demonstration mehrere Mahnwachen und eine Demonstration. An den Mahnwachen in W\u00fcrzburg beteiligten sich jeweils drei bis f\u00fcnf Personen. An der Demonstration am 4. Juni nahmen etwa einhundert Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Mit einem Transparent \"Psychiatrie: Tod statt Hilfe\" zogen die Demonstranten - darunter auch viele Kinder - zum Congress-Centrum. Dabei skandierten sie permanent \"Psychiatrie, Scharlatanerie\". Kundgebungsteilnehmer verteilten in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone Flugbl\u00e4tter der KVPM und Brosch\u00fcren der Citizen Comission of Human Rights (CCHR), der Dachorganisation der KVPM. Derartige \u00f6ffentliche Protest-Veranstaltungen fanden auch vom 4. bis 8. Juni in Dresden statt, wo ebenfalls ein Psychiatriekongress abgehalten wurde. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","214 Scientology-Organisation Schwerpunkt der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der SO in Bayern Informationswaren Informationsst\u00e4nde vor allem in M\u00fcnchen, vereinzelt auch in st\u00e4nde N\u00fcrnberg und Augsburg. Wie schon 2006 hat die SO wesentlich mehr \u00f6ffentliche Veranstaltungen abgehalten als in den Jahren zuvor. Die etwa 400 \u00f6ffentlichen Veranstaltungen in Bayern waren gr\u00f6\u00dftenteils als Informationsst\u00e4nde organisiert. Als Veranstalter traten meist die \"ScienScientology Kirche tology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) und die \"Scientology Kirche BayBayern e.V. (SKB) ern e.V.\" (SKB) auf. Die SKD und die SKB warben wie in den Vorjahren mit den Themen \"F\u00fcr den Frieden auf der Welt - Dianetik f\u00fchrt zum Frieden\" bzw. \"F\u00fcr den Frieden auf der Welt - die ehrenamtlichen Scientology-Geistlichen sagen, man kann immer etwas tun\". Bei den Veranstaltungen wurden SO-Brosch\u00fcren regelm\u00e4\u00dfig SO-Brosch\u00fcren zu den Themen \"Die Wahrheit \u00fcber den Joint\", \"Was sind Menschenrechte\", \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" sowie andere Werbeartikel der SO verteilt, um angebliche Missst\u00e4nde in der Gesellschaft anzuprangern und damit Interessenten und gegebenenfalls neue Mitglieder zu werben. Au\u00dferdem f\u00fchrte die SO zahlreiche Postwurfaktionen durch. Die Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit war bei allen Veranstaltungen gering. Die SO-Einrichtung \"The Way to Happiness Foundation International\" aus Glendale/USA verschickt seit Herbst 2007 die SO-Werbebrosch\u00fcre \"Der Weg zum \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" an zahlreiche Beh\u00f6rden, Unternehmen Gl\u00fccklichsein\" und Banken. Darin werden Themen wie Drogen und Jugendkriminalit\u00e4t behandelt. Dass es sich um eine SO-Publikation handelt, ist nicht sofort erkennbar; lediglich in einem kleingedruckten Absatz wird auf den Autor L. Ron Hubbard verwiesen. Die Titelseite der Brosch\u00fcre ist mit dem Logo und der Anschrift des Adressaten versehen, so dass der Eindruck entsteht, es seien Brosch\u00fcren der jeweiligen Institutionen. 6. Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten Nach Feststellung der Konferenz der Innenminister von Bund und L\u00e4nAnhaltspunkte dern (IMK) vom 5./6. Juni 1997 liegen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr f\u00fcr Verfassungsverfassungsfeindliche Bestrebungen der SO vor. Auf ihrer Konferenz am feindlichkeit 6./7. Dezember 2007 best\u00e4tigte die IMK, dass die SO unver\u00e4ndert verfassungsfeindliche Ziele verfolge. Die SO wehrt sich gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz seit Jahren mit polemischer, herabsetzender Kritik in der \u00d6ffentlichkeit und mit dem Hinweis auf ihre angebliche Religionseigenschaft. Diese betont die SO jedoch nur dann, wenn das mit Vorteilen verbunden ist. Im Gegensatz dazu verzichtet sie beispielsweise in der arabischen Welt auf eine religi\u00f6se Darstellung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Scientology-Organisation 215 Nach einem Gutachten des Instituts f\u00fcr Therapieforschung (IFT) aus IFT-Gutachten dem Jahr 2002 kommt die SO mit der objektiven Wertordnung der Verfassung in vielfacher Hinsicht in Konflikt, weil sie nicht nur ein internes Normensystem habe, das die Organisationsinteressen ausnahmslos \u00fcber die Belange des Einzelnen stelle, sondern auch Feindbilder in Form von willk\u00fcrlich erkl\u00e4rten \"Unterdr\u00fcckern\" aufgebaut habe. Die interne Organisation sowie die Methoden der \u00dcberwachung und Instrumentalisierung, die gegen Mitglieder und Mitarbeiter angewendet werden, versto\u00dfen dem Gutachten zufolge gegen die Menschenw\u00fcrde, das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht und gegen die Meinungsfreiheit. Dar\u00fcber hinaus werde von der Organisation das herrschende Gesellschaftssystem, vor allem das Sozialstaatsprinzip, massiv kritisiert und negiert. Die SO biete nicht nur Einzelpersonen ihre Dienstleistungen an, sondern ziele \u00fcber die Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung des Menschen auf die Errichtung einer scientologischen Gesellschaftsund Staatsordnung, die im Widerspruch zu zentralen Prinzipien unserer Rechtsordnung stehe. Das Gutachten best\u00e4tigt die bisherige Bewertung der SO durch die Best\u00e4tigung der bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Auch das Verwaltungsgericht K\u00f6ln Bewertung durch hat 2004 im Rechtsstreit zwischen dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsdas VG K\u00f6ln schutz und der SO best\u00e4tigt, dass diese verfassungsfeindliche Ziele verfolge, die darauf gerichtet sind, die Grundrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde, zu beseitigen. Das Gutachten ist unter der ISBN 3-936142-40-8 beim Pabst Science Publishers Verlag unter dem Titel \"Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology\" erschienen. 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt ein \"vertrauliches Telefon\" unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96. Opfer, Aussteiger und Angeh\u00f6rige von SO-Mitgliedern k\u00f6nnen dort Hinweise \u00fcber die SO geben. F\u00fcr Beratungen stehen die anerkannten Beratungsstellen zur Verf\u00fcgung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern informiert im Internet \u00fcber die Ma\u00dfnahmen der Bayerischen Staatsregierung, \u00fcber Pressemitteilungen und Gerichtsentscheidungen unter folgender Adresse: http://www.innenministerium.bayern.de/scientology Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","216 Spionageabwehr 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Die Notwendigkeit f\u00fcr die internationale Staatengemeinschaft, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bei Krisenl\u00e4ndern und Proliferation terroristischen Organisationen (Proliferation) zu verhindern, sowie die Beobachtung der Wirtschaftsspionage stehen - neben der Abwehr von Spionageaktivit\u00e4ten vor allem durch Nachrichtendienste Chinas und der GUS-Staaten - weiter im Mittelpunkt des Auftrags der Spionageabwehr im Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Das anhaltende Interesse von hoch technisierten deutschen - insbesondere auch mittelst\u00e4ndischen - Unternehmen, sich auf den Wirtschaftsm\u00e4rkten in Russland und Fernost zu etablieren, ist f\u00fcr den Schutz von Know-how nicht ohne Gefahren. Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste zur Erlangung von Spezialwissen belegen das nach wie vor bestehende Interesse an deutschen Produkten. Zielobjekte der Die Volksrepublik (VR) China verfolgt weiterhin mit Nachdruck das Ziel, VR China den technologischen Abstand zu den f\u00fchrenden Industriestaaten zu verringern. Durch die staatlich gelenkte Innovationsoffensive ist es gelungen, in Einzelbereichen Spitzentechnologien selbst herzustellen. Mit offensivem Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel werden vor allem Informationen zu den Bereichen Milit\u00e4r, Wirtschaft und Forschung gesammelt. Dar\u00fcber hinaus versucht die VR China weiterhin, oppositionelle Gruppierungen im Ausland zu beobachten und zu unterwandern. Vor allem die in Deutschland lebenden organisierten Angeh\u00f6rigen der uigurischen Minderheit, aber auch die in China verbotene buddhistisch-taoistische Falun-Gong-Bewegung sowie die Anh\u00e4nger der taiwanesischen Souver\u00e4nit\u00e4t stehen im Blickfeld der chinesischen Nachrichtendienste. Aktivit\u00e4ten Die hohe Zahl der in russischen diplomatischen Vertretungen in Deutschrussischer Nachland besch\u00e4ftigten nachrichtendienstlichen Mitarbeiter l\u00e4sst einen richtendienste R\u00fcckschluss auf das Aufkl\u00e4rungsinteresse des russischen Auslandsaufkl\u00e4rungsdienstes SWR bzw. des milit\u00e4rischen Dienstes GRU in Deutschland zu. W\u00e4hrend sich der SWR in erster Linie um Informationen zu politischen und wirtschaftlichen Bereichen und Zielobjekten bem\u00fcht, ist der GRU prim\u00e4r an klassischen Milit\u00e4robjekten und -technologien interVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Spionageabwehr 217 essiert. Weiter betreiben Angeh\u00f6rige des russischen Inlandsnachrichtendienstes FSB in Deutschland Aufkl\u00e4rung. Zentrale Themen sind dabei die Erweiterung von NATO und EU, die Handelsbeziehungen zu Russland sowie der angestrebte schnellere Zugang zu westlichem Know-how f\u00fcr die Modernisierung der Wirtschaft und der R\u00fcstung Russlands. Ein Fall, der dies belegt, konnte vor kurzem abgeschlossen werden: Durch einen Hinweis wurde bekannt, dass ein \u00f6sterreichischer Heeresangeh\u00f6riger Kontakt zu mehreren Mitarbeitern eines bayerischen R\u00fcstungskonzerns hatte und von diesen Informationen erhielt, die er an einen vermeintlichen GRU-Angeh\u00f6rigen weitergab. Durch Recherchen des zust\u00e4ndigen Partnerdienstes und des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz gelang es, zwei Techniker dieses Konzerns zu identifizieren. Einer von ihnen war gest\u00e4ndig; dadurch konnten der russische F\u00fchrungsoffizier und der Heeresangeh\u00f6rige festgenommen werden. Der Mitarbeiter gab zu, f\u00fcr seine Lieferungen einen f\u00fcnfstelligen Eurobetrag erhalten zu haben. Ihn erwartet - ebenso wie den \u00f6sterreichischen Soldaten - ein Gerichtsverfahren. Die Nachrichtendienste der L\u00e4nder Syrien, Libyen, Algerien und Iran Regimekritiker legen hingegen den Schwerpunkt ihrer Auslandsaktivit\u00e4ten im Westen im Visier auf die Aufkl\u00e4rung und Infiltration regimekritischer Organisationen und Personen. So wurde gegen einen Syrer und einen Algerier aufgrund derartiger Spionageaktivit\u00e4ten von der Generalbundesanwaltschaft Anklage erhoben. 2. Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage Die Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage gewinnt vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung und steigenden Wettbewerbs an Bedeutung. Nicht nur Gro\u00dfunternehmen, sondern auch kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen sowie Hochschulen verf\u00fcgen vielfach \u00fcber technisches Know-how, das f\u00fcr die Nachrichtendienste anderer L\u00e4nder von Know-how im Interesse ist. In Russland, China und vielen anderen Staaten sind deren Blickfeld der Nachrichtendienste gesetzlich verpflichtet, die Wirtschaft ihres Landes Nachrichtendienste zu unterst\u00fctzen. So \u00e4u\u00dferte der russische Pr\u00e4sident Wladimir Putin am 19. Oktober: Der Nachrichtendienst (SWR) muss seine Anstrengungen verst\u00e4rken, um die russische Wirtschaft und die Interessen russischer Unternehmen im Ausland aktiver zu unterst\u00fctzen.\" Die Verlagerung von Entwicklungsund Produktionsst\u00e4tten in diese Staaten sowie Kooperationen im Hochschulbereich bergen ein erh\u00f6htes Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","218 Spionageabwehr Gefahrenpotenzial f\u00fcr Aussp\u00e4h-Aktivit\u00e4ten in sich. Besonders in China bestehen speziell f\u00fcr Investoren der ausl\u00e4ndischen Wirtschaft Vorschriften, die darauf abzielen, an das Know-how der Firma zu gelangen. So ist f\u00fcr bestimmte Schl\u00fcsseltechnologien, die f\u00fcr die chinesische Wirtschaft besonders wichtig sind, ein Joint Venture mit einem chinesischen Gesch\u00e4ftspartner gesetzlich vorgeschrieben. Das dadurch gewonnene Know-how kann anderen chinesischen Firmen zum preisg\u00fcnstigen Nachbau zur Verf\u00fcgung gestellt werden. Auch durch den Kauf deutscher Firmen gelangen fremde Staaten an westliche Technologie. Zielrichtungen Wirtschaftsspionage hat unterschiedliche Zielrichtungen. Diese sind auf der Wirtschaftsden jeweiligen technologischen Stand der handelnden Staaten ausgespionage richtet. Bei technisch weniger entwickelten Staaten konzentriert sich die Wirtschaftsspionage auf die Beschaffung von technischem Know-how und Informationen \u00fcber die Produktion. Dagegen richtet sich bei hoch entwickelten Staaten der Fokus neben dem Produkt besonders auf Marktund Wettbewerbsstrategien des Unternehmens. Die strategische Wirtschaftsaufkl\u00e4rung stellt heute zunehmend den Kern des Informationsinteresses fremder Nachrichtendienste dar. Folgender Beispielsfall der Wirtschaftsspionage soll dies verdeutlichen: Ein innovatives mittelst\u00e4ndisches Unternehmen stellte eine chinesische Mitarbeiterin mit dem Ziel ein, die Gesch\u00e4ftsleitung bei der Abwicklung der Chinagesch\u00e4fte zu unterst\u00fctzen. Trotz einer schriftlichen Anweisung, dass Firmendaten nur f\u00fcr betriebliche Zwecke genutzt werden d\u00fcrfen, hat die Mitarbeiterin jede f\u00fcr sie zug\u00e4ngliche Information per E-Mail an Adressaten versandt, die der Firma unbekannt sind. Da es sich bei den \u00fcbermittelten Informationen auch um sch\u00fctzenswerte Konstruktionsdaten aktueller Entwicklungsvorhaben und Preiskalkulationen handelt, ist von gezielter Wirtschaftsspionage auszugehen. Aufgrund unzureichender betrieblicher Zugriffsregelungen hatte die Mitarbeiterin Zugang auf nahezu alle Firmendaten. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an. 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik Abh\u00f6ranf\u00e4lligkeit Parallel zur wachsenden Bedeutung der Informationstechnik (IT) f\u00fcr die der Telekommu\u00f6ffentliche Verwaltung und die Wirtschaft hat sich auch die Technik zur nikation Ausforschung von Kommunikation rasch weiterentwickelt. Vor dem \"Abh\u00f6ren\" der Kommunikationsverbindungen sind weder Telefon, SMS, E-Mail noch Fax sicher. Besonders risikoreich ist die zunehmend eingesetzte Wireless-Technik, die zwar f\u00fcr den Anwender den Komfort erh\u00f6ht, aber das unerw\u00fcnschte Abh\u00f6ren und Erfassen von Mitteilungen jedweder Art erleichtert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Spionageabwehr 219 Ebenso birgt die Bluetooth-Funktion in Handys und Notebooks kritische Sicherheitsl\u00fccken in sich, weil sich damit Daten, E-Mails, Fotos und PIN-Codes aussp\u00e4hen lassen, sofern sie z.B. auf einem Handy hinterlegt sind. Der Einsatz von Bluetooth in sicherheitsempfindlichen Bereichen sollte deshalb unterbleiben und die Funktion generell nur aktiviert werden, wenn sie erforderlich ist. Im Zeitalter internationaler Kommunikation ist eine r\u00e4umliche N\u00e4he Schwachstellen zum Spionageobjekt nicht mehr erforderlich. Hacking kann mit gerinder Informationsgem Aufwand von jedem Ort der Welt betrieben werden. Beispielstechnik weise k\u00f6nnen Handys und Laptops durch Manipulationen zu \"Wanzen\" umfunktioniert werden, um damit alle Gespr\u00e4che in einem Raum zu belauschen. Auch das Aussp\u00e4hen geheimer Informationen \u00fcber gef\u00e4lschte E-Mails und Internet-Seiten, das so genannte Phishing und Pharming, stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Dabei erleichtern mangelnder Systemschutz und fahrl\u00e4ssiger Umgang mit Passw\u00f6rtern dem Angreifer die Arbeit. Bei aller Notwendigkeit, die moderne Kommunikationsund Informationstechnik zu nutzen, kommt es entscheidend darauf an, die wesentlichen Kernbereiche der geheim zu haltenden Informationen durch weitgehend sichere Speicherm\u00f6glichkeiten und \u00dcbertragungswege zu sch\u00fctzen. Technische M\u00f6glichkeiten, Schwachstellen der IT zu beseitigen oder zu minimieren, sind zwar vorhanden, werden allerdings durch die st\u00e4ndig wachsende Komplexit\u00e4t der Software erschwert. Zudem erh\u00f6hen an die Informationsnetze drahtlos angebundene mobile Ger\u00e4te das Sicherheitsrisiko erheblich. China hat im Jahr 2007 die elektronische Spionage durch TrojanerTrojanerattacken attacken gegen diverse Bundesbeh\u00f6rden und Wirtschaftsunternehmen durch die verst\u00e4rkt. Betroffen sind nicht nur Gro\u00dfkonzerne, sondern insbesondere VR China auch innovative kleine und mittelst\u00e4ndische Unternehmen. Gerade bei diesen Firmen fehlen oft die Mittel f\u00fcr geeignete IT-Schutzma\u00dfnahmen oder das entsprechende Gefahrenbewusstsein. Hinweise, dass auch bayerische Beh\u00f6rden betroffen sind, liegen derzeit nicht vor. Die Angriffe werden \u00fcberwiegend \u00fcber vorher recherchierte personenbezogene E-Mail-Adressen initiiert. Die Schadsoftware (Trojaner) befindet sich dann im Dateianhang, die sich nach \u00d6ffnen des Dokuments unbemerkt installiert. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz weist aufgrund dieser Bedrohungssituation in Gespr\u00e4chen bei Firmen und Verb\u00e4nden verst\u00e4rkt auf bestehende Gefahren und den hohen Stellenwert der IT-Sicherheit hin. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","220 Spionageabwehr 4. Proliferation Unter Proliferation versteht man die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bzw. der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte einschlie\u00dflich der dazu erforderlichen Kenntnisse sowie von entsprechenden Waffentr\u00e4gersystemen. Auch im Jahr 2007 wurden BeschaffungsProliferation durch aktivit\u00e4ten verschiedener Krisenl\u00e4nder festgestellt, um in den Besitz prolifeKrisenl\u00e4nder rationsrelevanter Technologie zu gelangen. Der Schwerpunkt lag hier im Bereich der atomaren R\u00fcstung der Staaten Iran, Pakistan und Nordkorea. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wurden verschiedene proliferationsrelevante Schl\u00fcsseltechnologien definiert, die f\u00fcr die Durchf\u00fchrung eines Waffenprogramms unabdingbar sind, und die in Bayern ans\u00e4ssigen Hersteller festgestellt. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrte bei diesen bayerischen Firmen Sensibilisierungsgespr\u00e4che durch. Die Kooperationsbereitschaft der betroffenen Firmen war durchweg positiv und f\u00fchrte zu Hinweisen auf mehrere proliferationsrelevante Sachverhalte. Eine weitere M\u00f6glichkeit, an proliferationsrelevante Technologien zu gelangen, stellt die Entsendung von Gastwissenschaftlern dar. In einer vom Ausw\u00e4rtigen Amt und deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden initiierten \"Arbeitsgemeinschaft Gastwissenschaftler\" werden Deutschlandaufenthalte von Wissenschaftlern aus bestimmten Staaten auf eine m\u00f6gliche Proliferationsgefahr hin gepr\u00fcft und im Bedarfsfall auch die aufnehmende Universit\u00e4t in Deutschland zu einem Sensibilisierungsgespr\u00e4ch kontaktiert. Erneut wurden im Berichtszeitraum vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe gegen Verfassungsschutz Verst\u00f6\u00dfe gegen bestehende Ausfuhrverbote festdas Ausfuhrverbot gestellt und Beschaffungsversuche proliferationsrelevanter L\u00e4nder in Bayern unterbunden. Folgender Beispielfall kann dies verdeutlichen: Bereits im August 2006 erhielt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz von einer oberbayerischen Firma Informationen \u00fcber einen iranischen Beschaffungsversuch, bei dem erstmalig iranische Botschaftsmitarbeiter als Eink\u00e4ufer von Hochtechnologie f\u00fcr das Urananreicherungsprogramm des Iran auftraten. Aufgrund der langj\u00e4hrigen Zusammenarbeit des Verfassungsschutzes mit der betroffenen Firma konnte das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz weitergehende Erkenntnisse gewinnen und unterrichtete daraufhin den Generalbundesanwalt umfassend \u00fcber die Aktivit\u00e4ten insbesondere eines am Generalkonsulat in Frankfurt am Main t\u00e4tigen Diplomaten. Die weitergehenden Ermittlungen des Generalbundesanwalts best\u00e4tigten den Verdacht, dass der beVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Spionageabwehr 221 troffene Konsularbeamte in staatlich gesteuerte Beschaffungsversuche verstrickt und somit nachrichtendienstlich aktiv war. Die Bundesregierung forderte daraufhin den Iranischen Botschafter in Berlin auf, die Ausreise des verd\u00e4chtigen Diplomaten bis zum 25. Juli 2007 zu veranlassen. 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz Das Sensibilisierungsprogramm des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz soll pr\u00e4ventiv zur Verhinderung der Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage beitragen. Hierbei wird allen in Bayern ans\u00e4ssigen Unternehmen ein breites Spektrum an Informationsund Beratungsm\u00f6glichkeiten angeboten. Dies reicht von der Bereitstellung von Informationsmaterial, \u00fcber die Entsendung von Experten zu Fachvortr\u00e4gen bis zu pers\u00f6nlichen Beratungsgespr\u00e4chen. Ansprechpartner stehen auch bei Fachmessen, wie der \"Systems\", zur Verf\u00fcgung. Insbesondere innovative mittelst\u00e4ndische Unternehmen werden dabei f\u00fcr Gefahren sensibilisiert und ein Sicherheitsbewusstsein f\u00fcr notwendige Schutzma\u00dfnahmen gegen die Aussp\u00e4hung von Firmengeheimnissen geweckt. Die angesprochenen Firmenverantwortlichen werden so in die Lage verSensibilisierung setzt, die Schwachstellen im Know-how-Schutz selbst zu erkennen und der FirmenSicherheitskonzepte zu entwickeln. Auch im Berichtsjahr gab es wieder verantwortlichen positive Reaktionen bei den beratenen Unternehmen. Dar\u00fcber hinaus wird im Bereich der Hochschulen auf die Gefahren der Wissenschaftsspionage hingewiesen und Empfehlungen bei der Erarbeitung oder Analyse von IT-Schutzkonzepten gegeben. Firmen, die als Lieferanten sensibler G\u00fcter mit Einsatzm\u00f6glichkeiten bei ABC-Waffensystemen infrage kommen (Proliferation), haben eine besondere Verantwortung, dies zu verhindern. Diese Firmen k\u00f6nnen sich im Verdachtsfall vertrauensvoll an das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenden. Der Verfassungsschutz ist keine Strafverfolgungsbeh\u00f6rde und unterliegt somit nicht dem Strafverfolgungszwang. Er kann auch die Interessenlage der Personen und Firmen ber\u00fccksichtigen, die ihm Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. Die Verb\u00e4nde und Zusammenarbeit Organisationen, wie der Bayerische Verband f\u00fcr Sicherheit in der Wirtder Wirtschaft mit schaft (BVSW) oder die Industrieund Handelskammern, die es sich zur dem VerfassungsAufgabe gemacht haben, vorrangig auch mittelst\u00e4ndische Betriebe schutz gegen\u00fcber diesen Gefahren der Spionage zu sensibilisieren, arbeiten sehr eng mit dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zusammen. Dabei geht es um gemeinsame Informationsveranstaltungen f\u00fcr mittelst\u00e4ndische Firmen und vor allem um den Erkenntnisaustausch unter dem Motto: Informationen aus der Wirtschaft f\u00fcr die Wirtschaft. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","222 Spionageabwehr Alle Ma\u00dfnahmen dienen dem Ziel, die F\u00fchrung mittelst\u00e4ndischer Unternehmen auf die Risiken durch Wirtschaftsund Konkurrenzspionage aufmerksam zu machen, ihnen das notwendige Problembewusstsein zu vermitteln und Ans\u00e4tze bzw. Ansprechpartner zur L\u00f6sung der Probleme aufzuzeigen. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz will durch sein Beratungsangebot Firmen f\u00fcr eine vertrauensvolle Sicherheitspartnerschaft gewinnen. Faltblatt f\u00fcr die In einem Faltblatt f\u00fcr die Wirtschaft wird au\u00dferdem auf die Gefahren Wirtschaft der Proliferation und eine eigens eingerichtete Telefonnummer (0 89/31 20 15 00) hingewiesen, unter der die Firmen Kontakt zum Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz aufnehmen k\u00f6nnen. Der Text ist auch im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.verfassungsschutz.bayern.de Einen \u00dcberblick \u00fcber die besonders gef\u00e4hrdeten Bereiche, Ursachen und Motive der Spionage sowie die Hauptauftraggeber gibt die gemeinsame Brosch\u00fcre \"Wirtschaftsspionage in Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern\" der Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz von Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg. Die Brosch\u00fcre ist ebenfalls im Internet unter der vorgenannten Adresse abrufbar. 6. Ausblick Obwohl die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden mit einer Vielzahl von ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten gegen den Terrorismus zusammenarbeiten, geht die Aussp\u00e4hung politischer, wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Geheimnisse durch diese Nachrichtendienste unvermindert weiter. Eine besondere Wachsamkeit gilt der Verhinderung der Proliferation. Die Beobachtung der anhaltenden Aktivit\u00e4ten chinesischer Nachrichtendienste hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen westlichen Staaten hohe Priorit\u00e4t. Spionageabwehr Um die wirtschaftliche Stabilit\u00e4t, die auch Garant f\u00fcr die politische Stazur Standortbilit\u00e4t ist, zu erhalten, bleibt es f\u00fcr unsere Gesellschaft unabdingbar, sicherung international wettbewerbsf\u00e4hig zu sein. Gerade deshalb d\u00fcrfen notwendige Schutzma\u00dfnahmen nicht au\u00dfer Acht gelassen werden. Vorhandene Know-how-Vorteile in Forschung und Produktion m\u00fcssen gesichert und Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste unterbunden werden. Staat, Wirtschaft und Forschung sind aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und des steten Fortschritts der Kommunikationstechnik verst\u00e4rkt der Gefahr der Aussp\u00e4hung ausgesetzt. Sie sind schutzbed\u00fcrftiger geworden. Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, dies bewusst zu machen und vor diesen Gefahren zu sch\u00fctzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 223 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage Die Pr\u00e4senz der Organisierten Kriminalit\u00e4t (OK) im Jahr 2007 wurde durch den von der italienischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta in Auftrag gegebenen Mord an sechs Italienern in Duisburg im August deutlich. Der Fall zeigt, dass das Einflussgebiet der OK nicht an Landesgrenzen endet. Um effektiv gegen diese Bedrohung vorzugehen, wurde OK-Beobachtung bereits im Jahr 1994 das Bayerische Verfassungsschutzgesetz erweitert in Bayern und dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die Befugnis seit 1994 \u00fcbertragen, kriminelle Strukturen und Personen im Vorfeld konkreter Straftaten langfristig zu beobachten. Dies stellt eine wichtige Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit bei der Bek\u00e4mpfung der OK dar. Die Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz muss auf eine breite Basis in Zusammenarbeit mit dem Bund und den L\u00e4ndern gestellt werden. Neben Bayern bestehen auch in den L\u00e4ndern Hessen, Saarland und Th\u00fcringen die gesetzlichen Grundlagen f\u00fcr diese Aufgabe des Verfassungsschutzes. Auch im Ausland wird auf die wachsende Bedrohung der OK reagiert. So wurde z.B. in Gro\u00dfbritannien die \"SOCA\", Serious Organized Crime Agency, neu gegr\u00fcndet, mit der das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz eine gute Zusammenarbeit unterh\u00e4lt. In der Brosch\u00fcre \"10 Jahre Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz\" wird umfassend \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes in diesem Bereich berichtet. Die Brosch\u00fcre ist abrufbar unter folgenden Internet-Adressen: http://www.innenministerium.bayern.de/service/publikationen http://www.verfassungsschutz.bayern.de 2. Ost-Erweiterung Der Wegfall der Grenzkontrollen zum 21. Dezember 2007 - an den Flugh\u00e4fen ab M\u00e4rz 2008 - aufgrund des Schengener Abkommens zu Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","224 Organisierte Kriminalit\u00e4t den L\u00e4ndern Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn wird auch neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die OK ergeben. Es ist absehbar, dass europaweit agierende kriminelle Strukturen alle neuen Marktund Machtchancen und die neue Reisefreiheit nutzen werden, um ihre bereits bestehenden Netzwerke weiter auszubauen. Zur Bew\u00e4ltigung dieses Problems bedarf es einer Europaweite engen Zusammenarbeit der europ\u00e4ischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. ErfreuZusammenarbeit lich ist die gute Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Nachrichtendienst \"BIS\". Seit 1. Januar 2007 sind die L\u00e4nder Rum\u00e4nien und Bulgarien Mitglieder der Europ\u00e4ischen Union. Die OK ist dort insbesondere in den Bereichen von Auftragsmorden und Korruption vertreten. Die neuen Mitgliedsl\u00e4nder haben fr\u00fchzeitig der wachsenden Bedrohung durch die OK Rechnung getragen und die Beobachtung und Bek\u00e4mpfung der OK auch ihren jeweiligen Nachrichtendiensten \u00fcbertragen. 3. Methodik und Beobachtungsschwerpunkte Erkenntnismittel Die Erkenntnisse zur OK werden vorwiegend durch den Einsatz geheimer des VerfassungsMitarbeiter, aus der Anwendung anderer nachrichtendienstlicher Mittel schutzes sowie aus der Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten, die in Europa fast ausnahmslos mit der Bek\u00e4mpfung der OK beauftragt sind, gewonnen. Weitere Informationen ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit den polizeilichen Dienststellen zur Bek\u00e4mpfung der OK und erschlie\u00dfen sich aus der Analyse von offen zug\u00e4nglichem Material sowie aus dem Berichtsaufkommen anderer Aufgabenbereiche des Verfassungsschutzes, insbesondere aus der Spionageabwehr und der Beobachtung ausl\u00e4ndischer extremistischer Organisationen. Die Ergebnisse der Strukturermittlungen des Verfassungsschutzes m\u00fcnden oft in polizeiliche Ermittlungen. Aufkl\u00e4rungsDie Schwerpunkte der Bearbeitung liegen weiterhin auf der Beobachschwerpunkte tung der OK aus der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS), aus Asien und aus S\u00fcdosteuropa, sowie der italienischen Mafia. Die Beobachtung von Rockergruppierungen wie etwa der \"Hells Angels\" oder der \"Bandidos\" mit den Deliktsschwerpunkten im Rotlichtmilieu sowie beim Drogenund Waffenhandel wurde in Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit fortgesetzt. Neben deutschen Staatsangeh\u00f6rigen stellen T\u00e4ter aus der GUS und Asien sowie aus s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern den gr\u00f6\u00dften Teil des zu beobachtenden Personenkreises dar. Auff\u00e4llig waren sie vor allem in Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 225 den Deliktsbereichen der Prostitution und Zuh\u00e4lterei, des Waffenund internationalen Drogenhandels, bei Menschenhandel und Schleusungen, bei F\u00e4lschungsdelikten sowie beim illegalen Handel mit Medikamenten bzw. Surrogaten und der im Zusammenhang mit diesen Straftaten stehenden Geldw\u00e4sche. Erkenntnisse aus der OK-Beobachtung werden aber auch zur Bek\u00e4mpfung des internationalen islamischen Extremismus und des islamistischen Terrorismus genutzt. Insbesondere in den Deliktsbereichen Schleusung und Geldw\u00e4sche gibt es Anhaltspunkte f\u00fcr Verflechtungen, die zur illegalen Einreise islamischer Extremisten und zur Finanzierung ihrer Aktivit\u00e4ten aufgrund der teilweise gleichen Ethnie der T\u00e4ter genutzt werden. 3.1 Italienische Mafia In Italien sind vor allem vier einflussreiche kriminelle Organisationen bekannt, die der italienischen Mafia zugerechnet werden. Es handelt sich um die sizilianische Cosa Nostra, die Camorra in Kampanien, die 'Ndrangheta in Kalabrien und die Sacra Corona Unita in Apulien. L\u00e4ngst sind die Organisationen nicht mehr nur im italienischsprachigen Raum aktiv. Vielmehr breitet sich die Mafia in ganz Westund Osteuropa bis Ausbreitung der nach Asien und Nordamerika hin aus. Die Ermittler der italienischen italienischen Mafia Anti-Mafia-Einheit konnten allein im Jahr 2007 neun der 30 meistgesuchten M\u00e4nner Italiens festnehmen. Dem Netzwerk der Cosa Nostra wurde bereits im April 2006 ein schwerer Schlag versetzt. Bernardo Provenzano, der \"Boss der Bosse\", wurde in seinem Versteck bei Corleone von Sondereinheiten der Justiz festgenommen. Er gilt als Drahtzieher des internationalen Drogenhandels und der Geldw\u00e4sche. Im Oktober gelang es italienischen Ermittlern, erneut vier Mafia-Bosse Ermittlungserfolge aufzusp\u00fcren und zu inhaftieren. Darunter war Salvatore Lo Piccolo, der als Nachfolger Provenzanos gilt und sich seit \u00fcber 20 Jahren auf der Flucht befand. Der Aktionsradius der Camorra geht weit \u00fcber die Landesgrenzen Italiens hinaus. Im Oktober konnten in Hamburg sowie in den Niederlanden ebenfalls ranghohe Mitglieder der Camorra aus Neapel festgenommen werden. Dass sich auch in Deutschland Mitglieder der Mafia aufhalten, haben die Aufsehen erregenden Morde im August in Duisburg deutlich geVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","226 Organisierte Kriminalit\u00e4t Morde in macht. Vor der Pizzeria \"Da Bruno\" wurden sechs Italiener auf offener Duisburg Stra\u00dfe erschossen aufgefunden. Die Polizei fand am Tatort eindeutige Beweise f\u00fcr eine so genannte Mitgliedertaufe, wie sie bei der kalabrischen 'Ndrangheta \u00fcblich ist. Deren Mitglieder sind fest an gemeinsame Normen und Sitten aus dem Herkunftsgebiet und an Rituale der Mafia-Organisation gebunden. Mitgliedertaufen werden nur in einem besonders ausgewiesenen Gebiet (\"Locale\") und nur von auserw\u00e4hlten Personen h\u00f6heren Rangs vollzogen. Zu den Hintergr\u00fcnden der Tat k\u00f6nnen die italienischen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden bisher nur Mutma\u00dfungen anstellen. Ein Grund f\u00fcr die Auseinandersetzung liegt m\u00f6glicherweise in Rivalit\u00e4ten zweier Familienclans. Neben Erpressung und Waffenhandel hat sich die 'Ndrangheta auf den Drogenhandel spezialisiert. Italienische sowie deutsche Experten sind davon \u00fcberzeugt, dass die Organisation Deutschland als Ruheraum f\u00fcr italienische Straft\u00e4ter nutzt. Die illegal erlangten Gelder werden in Immobilien, Gastst\u00e4tten und maroden Firmen angelegt. Hauptziel dieser Investitionen ist vermutlich Geldw\u00e4sche. Auch in Bayern sind Spuren der italienischen Mafia zu finden: Durch Ermittlungen hat der Verfassungsschutz Hinweise auf m\u00f6gliche Strukturen kriminelle Strukturen in verschiedenen bayerischen St\u00e4dten erhalten. Es in Bayern sind Verbindungen, die einerseits \u00fcber etliche Jahre hinweg aufgebaut und gepflegt wurden und die andererseits in k\u00fcrzester Zeit eine Vielzahl von Personen eines Familienclans nach Bayern gezogen haben. Die Hintergrundinformationen, die der ehemalige hochrangige Mafia-Angeh\u00f6rige Giorgio Basile nach seiner Verhaftung 1998 in Kempten als Kronzeuge der italienischen Justiz preisgegeben hat, f\u00fchrten zu vermehrten Festnahmen von Mitgliedern der 'Ndrangheta in Italien und Bayern. Seine 2005 erschienene Biographie \"Das Engelsgesicht\" beschreibt u. a. einen St\u00fctzpunkt des Carelli-Clans in N\u00fcrnberg. Um k\u00fcnftig die italienische Mafia wirksam bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen, strebt man eine enge Kooperation aller deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden mit ihren italienischen Partnern an. Auch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz intensiviert die Zusammenarbeit mit seinem italienischen Partnerdienst, um Erfolg versprechende neue Ans\u00e4tze zur Verbrechensbek\u00e4mpfung herauszuarbeiten und wirksam gegen neue Strukturen vorgehen zu k\u00f6nnen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 227 Treue bis in den Tod Die sieben Prinzipien der 'Ndrangheta 1. Umila Demut gegen\u00fcber anderen Ehrenwerten und der Bev\u00f6lkerung 2. Fedelta Treue, deren Bruch mit dem Leben bezahlt wird 3. Politica Geheimsprache zwischen Ehrenwerten, deren oberstes Gebot die absolute Wahrheit ist 4. Falsa Politca Sprache der Mafiosi gegen\u00fcber Polizisten und Verr\u00e4tern, die nie die Wahrheit erfahren d\u00fcrfen 5. La Carta verlangt, dass alle Ereignisse von Bedeutung niedergeschrieben werden 6. Il Lapis verpflichtet den Boss, die geheime Mafia-Chronik zu f\u00fchren 7. Il Coltello die Interessen der Mafia stehen an erster Stelle und m\u00fcssen bis zum Tode besch\u00fctzt werden 3.2 Beobachtung der OK aus der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten Die Beobachtung der Aktivit\u00e4ten der russischen OK ist nach wie vor ein Schwerpunkt im Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Die bew\u00e4hrten Arbeitsweisen der offenen und verdeckten Beschaffung wurden in den vergangenen Jahren um eine noch intensivere Zusammenarbeit mit der Polizei erg\u00e4nzt. Die enge Kooperation zwischen allen bayerischen Dienststellen zur BeNetzwerke in k\u00e4mpfung der OK und den bayerischen Justizvollzugsanstalten erm\u00f6gHaftanstalten lichte einen tiefen Einblick, wie russischsprachige Gefangene die Haftzeit nutzen, hierarchische und nach au\u00dfen abgeschottete kriminelle Strukturen zu etablieren. Es ist den Beh\u00f6rden gelungen, organisierte Rituale und f\u00fchrende K\u00f6pfe zu identifizieren. Ausschlaggebend waren polizeiliche Erkenntnisse \u00fcber das Verhalten eines hochrangigen Gefangenen, der bis 2006 wegen eines T\u00f6tungsdelikts inhaftiert war. Der H\u00e4ftling beanspruchte f\u00fcr sich eine Vormachtstellung. Er f\u00fchrte sowohl \"Sprechstunden\" beim Hofgang als auch Regeln und Moralvorstellungen der \"Diebe im Gesetz\", die bislang nur aus russischen Haftlagern bekannt waren, ein. Als \"Diebe im Gesetz\" werden Mitglieder der h\u00f6chsten Hierarchiestufe in der russischen OK bezeichnet. Auch russlanddeutVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","228 Organisierte Kriminalit\u00e4t sche Mith\u00e4ftlinge akzeptierten diese Regeln. Sie zahlten in kriminelle Kassen zur gegenseitigen Unterst\u00fctzung, so genannte Abschtschjaks, ein und organisierten aus den Justizvollzugsanstalten heraus Straftaten. Innerhalb, aber auch au\u00dferhalb der Gef\u00e4ngnisse wurden funktionierende Rauschgiftund Versorgungsgeflechte sowie Strukturen im Schutzgelderpressungsbereich aufgebaut. Der oben angesprochene R\u00e4delsf\u00fchrer unter den Gefangenen wurde nach Verb\u00fc\u00dfung der H\u00e4lfte seiner Haftzeit ins Ausland abgeschoben und lebt dort seitdem in Freiheit. Die enge Zusammenarbeit mit der Polizei bew\u00e4hrte sich bereits in mehreren ph\u00e4nomenbezogenen Ermittlungsverfahren. Die Gruppierungen sind streng hierarchisch organisiert und zeichnen sich durch ein enormes Gewaltpotenzial aus. Viele russischsprachige Straft\u00e4ter, die w\u00e4hrend der Haftzeit in eine derartige Struktur eingebunden waren, nutzten die Netzwerke und waren auch nach ihrer Entlassung wieder kriminell aktiv. Russische Wie bereits in den Jahren zuvor bilden vor allem Aussiedler der j\u00fcngeAussiedler ren Generation aus den ehemaligen GUS-Staaten einen weiteren Schwerpunkt der OK-Beobachtung in Bayern. Hier fallen im Rahmen von Strukturermittlungen des Verfassungsschutzes immer wieder Erkenntnisse \u00fcber Straftaten an, die aus kriminellen Gruppierungen heraus begangen werden. Die Erkenntnisse werden zeitnah an die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden zur Strafverfolgung abgegeben. Vorrangig versucht der Verfassungsschutz jedoch, die typischen OK-Indikatoren, wie die Anwendung von Gewalt und Drohungen oder die Verwendung gewerblicher bzw. gesch\u00e4fts\u00e4hnlicher Strukturen, zu erkennen. In Nordbayern gelang es, durch Strukturermittlungen eine kriminelle Drogenhandel Gruppierung von Rauschgifth\u00e4ndlern aufzukl\u00e4ren. Der Chef der Bande konnte identifiziert werden. Dieser setzte sich zwischenzeitlich ins Ausland ab. Sein Gesch\u00e4ftspartner h\u00e4lt sich weiterhin in Bayern auf und f\u00fchrt die kriminellen Aktivit\u00e4ten weiter. So genannte \"Soldaten\" verkaufen die Drogen und m\u00fcssen, auch unter Gewaltandrohung, Teile ihrer Ertr\u00e4ge abliefern. Die Erkenntnisse wurden an die \u00f6rtlich zust\u00e4ndige Polizeidienststelle \u00fcbermittelt, die ein Ermittlungsverfahren einleitete. Auch im ostbayerischen Raum wurden kriminelle Strukturen erkannt. Mitglieder verkauften illegal Drogen, insbesondere Cannabisprodukte und Heroin, an j\u00fcngere Aussiedler weiter. Die Bet\u00e4ubungsmittel stammen aus verschiedenen Gro\u00dfst\u00e4dten und dem Ausland. Die Verteilung findet in Diskotheken, in Wohnungen oder an Verteilerstellen im Freien statt. Diese Erkenntnisse wurden an die Polizei weitergegeben, deren Ermittlungen zu mehreren Festnahmen f\u00fchrten. Die Beobachtung dieser Strukturen wird beibehalten, um m\u00f6gliche Nachfolger zu ermitteln. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 229 Eine \u00fcberregional agierende ukrainische Bande beging \u00fcber einen l\u00e4nUkrainische geren Zeitraum organisiert Diebst\u00e4hle und Einbr\u00fcche in Gesch\u00e4fte, Einbrecherbande B\u00fcros, Tankstellen sowie aus Kraftfahrzeugen. Das Diebesgut wurde gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber Hehler in die Ukraine geschafft. Auffallend war die straffe hierarchische Organisation. Die Gruppierung wurde aus der Ukraine heraus geleitet und erhielt von dort ihre Befehle. Die Bandenmitglieder, die f\u00fcr die Ausf\u00fchrung der Einbr\u00fcche zust\u00e4ndig waren, hielten sich illegal in der Bundesrepublik Deutschland auf und reisten ausschlie\u00dflich zur Begehung ihrer Straftaten ein. Die Tatorte lagen sowohl in Bayern als auch in Baden-W\u00fcrttemberg. Den Hauptt\u00e4tern gelang es, sich in Deutschland ein Netz von Helfern aufzubauen. Die inl\u00e4ndischen Helfer versorgten die T\u00e4ter mit der notwendigen Logistik f\u00fcr ihre Einbr\u00fcche. Sie organisierten die Schleusungen der Bandenmitglieder nach Deutschland, boten durch ihre Wohnungen Unterschlupf und statteten die Einbrecher mit Fahrzeugen und Mobiltelefonen aus. Erkenntnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz wurden an die Polizei zur Strafverfolgung abgegeben. In einer Ermittlungsgruppe konnte die s\u00fcddeutsche Zelle umfassend aufgekl\u00e4rt werden. Der Polizei gelang es, 17 Tatverd\u00e4chtige zu ermitteln. Sechs der M\u00e4nner wurden inzwischen rechtskr\u00e4ftig zu Strafen zwischen vier Jahren und f\u00fcnf Monaten bis zu sechs Jahren und f\u00fcnf Monaten verurteilt. Die Tatbeute betrug mindestens 250.000 Euro. 3.3 OK-Gruppierungen in den Balkanstaaten und der T\u00fcrkei Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen nach wie vor kriminelle Gruppierungen aus Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Serbien, Montenegro und dem Kosovo. Die Schwerpunkte der Aktivit\u00e4ten liegen im Schwerpunkte internationalen Drogenhandel, bei Zigarettenschmuggel, Wirtschaftsder Aktivit\u00e4ten delikten (im Zusammenhang mit illegalen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen), Eigentumsdelikten wie z.B. Hehlerei, sowie im illegalen Gl\u00fcckspiel bzw. bei Wettgesch\u00e4ften. Die Gruppierungen unterst\u00fctzen sich bei der Vorbereitung von Straftaten logistisch. Sie schotten sich gegen\u00fcber anderen Nationalit\u00e4ten strikt ab und treffen sich beispielsweise bevorzugt in Gastst\u00e4tten, die von Landsleuten gef\u00fchrt werden. Die kriminelle Szene vertraut in der Regel nur Personen, die bereits aus der Heimat einschl\u00e4gig bekannt sind. Die Heimatl\u00e4nder sind sowohl R\u00fcckzugsgebiet als auch St\u00fctzpunkt organisierter Banden, wobei es h\u00e4ufig Verflechtungen mit der lokalen Politik und der Verwaltung gibt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","230 Organisierte Kriminalit\u00e4t Zur Vorbereitung von diversen Straftaten beschaffen sich kriminelle \"MehrfachGruppierungen aus dem ehemaligen Jugoslawien komplett neue Idenidentit\u00e4ten\" tit\u00e4ten, oft durch entsprechende Verbindungen zu den dortigen Beh\u00f6rden. So reiste ein serbischer Staatsangeh\u00f6riger mit einem echten serbischen Pass, ausgestellt auf Falschpersonalien nach Bayern ein. Au\u00dferdem verf\u00fcgte er \u00fcber gef\u00e4lschte F\u00fchrerscheine. Dieser Serbe war zuvor, nach Verb\u00fc\u00dfung einer langj\u00e4hrigen Haftstrafe wegen Rauschgifthandels, aus einem anderen europ\u00e4ischen Land in seine Heimat abgeschoben worden. In diesem Zusammenhang konnte festgestellt werden, dass viele Personen mit verschiedenen Namensschreibweisen bei Beh\u00f6rden gef\u00fchrt werden. In vielen F\u00e4llen existieren mehrere Identit\u00e4ten zu einer Person, auch um den Mehrfachbezug von Sozialleistungen in Deutschland zu erm\u00f6glichen. Dies trifft in hohem Ma\u00dfe auf Kosovo-Albaner aus dem ehemaligen Jugoslawien zu, die neben Dokumenten mit Personalien in der regionalen Schreibweise auch meist \u00fcber P\u00e4sse und Personalausweise der fr\u00fcheren jugoslawischen Amtssprache (serbokroatisch) verf\u00fcgen. Daneben sind oftmals \u00dcbertragungsfehler aus dem kyrillischen Alphabet zu beobachten. Nach wie vor begehen Personen aus dem westlichen Balkan gewerbsm\u00e4\u00dfig Delikte im Zusammenhang mit illegalen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen, haupts\u00e4chlich im Baugewerbe. In der Region N\u00fcrnberg betrieb ein bosnischer Staatsangeh\u00f6riger ein Bauunternehmen mit Arbeitern auf mehreren Baustellen ohne Anmeldung und Genehmigung und verursachte so einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden. Auf Hinweis des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz wurde eine Razzia durchgef\u00fchrt. Das umfangreiche Verfahren gegen den Verantwortlichen dauert an. Serieneinbr\u00fcche Einen weiteren Schwerpunkt der kriminellen Aktivit\u00e4ten stellen Serieneinbr\u00fcche in Wohnh\u00e4user dar. So wurden in Nordbayern durch eine serbische T\u00e4tergruppierung nachweisbar 40 Einbr\u00fcche begangen. Die T\u00e4ter konnten nach intensiven polizeilichen Ma\u00dfnahmen, die das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz durch eigene Informationen erg\u00e4nzen konnte, festgenommen werden. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtet nach wie vor Organisierte Kriminalit\u00e4t t\u00fcrkischer bzw. t\u00fcrkischst\u00e4mmiger Gruppierungen. Neben den bevorzugten Deliktsbereichen - Rauschgifthandel, Inkassogesch\u00e4fte und Gl\u00fccksspiel - konnten etliche Verdachtsmomente erh\u00e4rtet werden, nach denen inkriminierte Gelder in den deutschen Wirtschaftskreislauf eingebracht werden, um die kriminell erwirtschafteten Gewinne zu legalisieren. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 231 In einem Fall gr\u00fcndete ein bisher arbeitsloser T\u00fcrke eine Dienstleistungsfirma zur Geldw\u00e4sche. Die daf\u00fcr notwendigen Gelder stammten Geldw\u00e4sche aus OK-Kreisen in der T\u00fcrkei. Danach wurden in Bayern \u00e4hnliche Betriebe auf seine Familienmitglieder angemeldet und finanziell ausgestattet. Tats\u00e4chlich werden diese Unternehmen von ihm selbst oder engen Vertrauten gef\u00fchrt. Ermittlungen hinsichtlich des Verdachts der Geldw\u00e4sche f\u00fchrten zu Unternehmen, deren Kontobewegungen keinen gesch\u00e4ftlichen Zweck erkennen lie\u00dfen. Buchhalterisch wurden die Gewerbe so unauff\u00e4llig gef\u00fchrt, dass sie kaum Gefahr liefen, in das Raster einer steuerlichen Betriebspr\u00fcfung zu geraten. Diese Unternehmen d\u00fcrften lediglich den Zweck erf\u00fcllen, als \"saubere\" deutsche Firmen mit entsprechendem Briefkopf agieren zu k\u00f6nnen. In diesem Zusammenhang spielt ebenso die Alimentation angeblich besch\u00e4ftigter Familienangeh\u00f6riger eine Rolle. Ein nach wie vor aktuelles Ph\u00e4nomen ist gewaltsame Eintreibung von Inkasso-Delikte Geldforderungen durch kriminelle t\u00fcrkische Organisationen. Es konnte festgestellt werden, dass Hinterm\u00e4nner der kriminellen Inkassounternehmen ihren Sitz in der Regel in der T\u00fcrkei haben und nur sporadisch nach Bayern reisen. Auff\u00e4llig erscheint, dass h\u00e4ufig Beziehungen zu t\u00fcrkischen politischen Extremisten bestehen. Die Inkassoproblematik wird insbesondere durch die Gesch\u00e4ftspraktik verst\u00e4rkt, B\u00fcrgschaften mit oftmals nicht gedeckten Wechselschecks abzusichern. Dieser Unsitte versucht man in der T\u00fcrkei, mit versch\u00e4rfter strafrechtlicher Verfolgung der Scheckaussteller zu begegnen. Auch die t\u00fcrkische Rauschgift-Szene wird vielfach von Gruppierungen aus der T\u00fcrkei gesteuert. Speziell die F\u00e4lschung von Arzneimitteln Gef\u00e4lschte nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Nach Sch\u00e4tzungen der WHO sind Arzneimittel in Entwicklungsl\u00e4ndern 10 bis 30 % der Arzneimittel Plagiate. In den Industriestaaten mit staatlich gesteuertem Arzneimittelverkehr stellt sich die Lage weniger drastisch dar. Dennoch fallen regelm\u00e4\u00dfig Erkenntnisse aus dem Bereich gef\u00e4lschter Lifestyle-Arzneimittel (z.B. Potenzund Schlankheitsmittel) und Anabolika an. Diese Produkte finden ihren Absatz vor allem auf dem Schwarzmarkt. Auf dem Gebiet des klassischen Bet\u00e4ubungsmittelhandels konnten Informationen \u00fcber den illegalen Handel mit Captagon gewonnen werden. Captagon ist ein im Sinn des Bet\u00e4ubungsmittelrechts verschreibungsf\u00e4higes Medikament, das aus Belgien importiert und zur Behandlung von Narkolepsie und Hyperaktivit\u00e4t eingesetzt wird. Es handelt sich um ein Amphetaminderivat (\u00e4hnlich Amphetaminen bzw. Ecstasy), das kurzzeitig leistungsund konzentrationsstimulierend wirkt; mit seiVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","232 Organisierte Kriminalit\u00e4t ner Hilfe k\u00f6nnen Ersch\u00f6pfungszust\u00e4nde oder M\u00fcdigkeit \u00fcberbr\u00fcckt werden. In h\u00f6heren Dosen erzeugt es ein ausgesprochenes Wohlgef\u00fchl und euphorische Zust\u00e4nde. Captagon wird u.a. auch von t\u00fcrkischen Drogenkartellen produziert und gehandelt. Hinweise zur illegalen Produktion und zum Handel mit Ecstasy durch t\u00fcrkische T\u00e4ter konnten an die Polizeibeh\u00f6rden weitergegeben werden. Diese stellten in der Folge eine Menge sicher, die zur Herstellung von 140.000 Pillen gereicht h\u00e4tte. 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t Bei der Beobachtung der OK aus dem asiatischen Raum wurde festgestellt, dass sich die in Bayern ans\u00e4ssigen T\u00e4tergruppierungen weiterhin Abschottung stark nach au\u00dfen abschotten. Vietnamesische T\u00e4ter sind vorrangig im Bereich des Rauschgifthandels, des Zigarettenschmuggels und bei Schleusungen aktiv, w\u00e4hrend chinesische T\u00e4ter in erster Linie mit gef\u00e4lschten Medikamenten sowie mit sonstigen Plagiaten handeln. In Bayern betreiben Vietnamesen Handel mit Bet\u00e4ubungsmitteln, insbesondere mit Heroin. Dazu dienen die in den neuen Bundesl\u00e4ndern vorhandenen Strukturen der Vietnamesen nach wie vor als Aktionsgrundlage f\u00fcr Bayern. Vorhandene Lieferwege aus den Regionen Leipzig und Dresden werden weiterhin genutzt. Die Verteilung des Rauschgifts erfolgt u.a. \u00fcber asiatische Lokale, wobei der Verkauf der Bet\u00e4ubungsmittel fast ausschlie\u00dflich auf die eigene Ethnie begrenzt ist. Des Weiteren dominieren Vietnamesen unter den asiatischen T\u00e4terZigarettengruppierungen den Schmuggel von unversteuerten und gef\u00e4lschten schmuggel Zigaretten. Die Produktionsst\u00e4tten der Zigaretten liegen in osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern. Den Transport f\u00fchren zumeist tschechische Fahrer durch. In Bayern werden die Zigaretten anschlie\u00dfend \u00fcber asiatische Lokale und Lebensmittelgesch\u00e4fte an die Verbraucher weiterverkauft. Dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wurden regelm\u00e4\u00dfige Transporte von jeweils etwa 3,5 Millionen Zigaretten nach Bayern allein durch eine Gruppierung bekannt. Dieser Gruppierung konnten bislang 30 Transporte zugeordnet werden. Die Erkenntnisse wurden an die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weitergegeben. Nach umfangreichen Ermittlungen konnten in Zusammenarbeit mit dem Zoll mehrere T\u00e4ter festgenommen werden. Im Bereich der Schleusungen ist weiterhin eine Tendenz zur Vernetzung bestehender vietnamesischer und chinesischer T\u00e4terstrukturen zu erkennen. Aus den Ost-Europ\u00e4ischen L\u00e4ndern werden vorwiegend PersoVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 233 nen asiatischer Herkunft in die westlichen EU-Staaten geschleust. F\u00fcr die Verteilung der geschleusten Personen innerhalb Europas sind gr\u00f6\u00dfSchleusungen tenteils Vietnamesen mit Aufenthalt in Tschechien zust\u00e4ndig. Als Drehkreuz innerhalb Deutschlands f\u00fcr die Weiterverteilung in Westeuropa gilt aufgrund seiner geographischen Lage und logistischen Gegebenheiten Berlin. So dienen die zahlreich vorhandenen Vietnamesenm\u00e4rkte und konspirativen Wohnungen innerhalb der Metropole oftmals als Anlaufstelle und vor\u00fcbergehende Unterbringungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr die geschleusten Personen. Durch Erkenntnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz konnten mehrere Strafverfahren initiiert werden. Eine Schleusergruppe in Berlin wurde zerschlagen; mehrere tatverd\u00e4chtige Personen wurden festgenommen. Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz innerhalb der chinesischen Gemeinschaft f\u00fchrten zu der Erkenntnis, dass chinesische T\u00e4ter angeblich pflanzliche Potenzmittel zum GesundheitsKauf anbieten. Ein toxikologisches Gutachten belegte, dass die angegef\u00e4hrdende botenen Kapseln keine pflanzlichen Wirkstoffe, sondern Sildenafil (WirkPotenzmittel stoff von Potenzmitteln wie z.B. Viagra) enthielten. Die Dosis Sildenafil in diesen angeblich pflanzlichen Kapseln \u00fcbertrifft die Menge des in handels\u00fcblichen Potenzmittel-Tabletten enthaltenen Wirkstoffs deutlich. Durch die Einnahme dieser Mittel kann es daher zu erheblichen Gesundheitsgef\u00e4hrdungen kommen. Die Polizei wurde \u00fcber den Sachverhalt informiert. 3.5 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtet die Rocker\"One-Percenters\" kriminalit\u00e4t als ein sehr spezielles Ph\u00e4nomen der OK kontinuierlich gemeinsam mit den Polizeibeh\u00f6rden. Im Fokus stehen insbesondere die Tr\u00e4ger des so genannten \"1%-Zeichens\". Unter dem Begriff \"1-Prozenter\" versteht man Biker (Motorradfahrer), die sich selbst als Outlaws (Gesetzlose) sehen und das bestehende Rechtssystem ablehnen. Beispiele sind der Hells Angels MC (Motorcycle Club), der Bandidos MC, der Outlaws MC und der Gremium MC. Bei diesen Gruppierungen bestehen ein hierarchischer innerer Aufbau, ein interner Ehrenund Schweigekodex, Expansionsbestrebungen und der Wille zur Durchsetzung von Gebietsanspr\u00fcchen. Zur Wahrung der Interessen und aus der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","234 Organisierte Kriminalit\u00e4t Vormachtstellung der Gruppe heraus werden spezifische Delikte, wie illegaler Waffenhandel, Bet\u00e4ubungsmittelkriminalit\u00e4t, Menschenhandel, Schutzgelderpressungen und K\u00f6rperverletzungsdelikte begangen. Die einzelnen Clubs verf\u00fcgen teilweise \u00fcber weltweite Kontakte und Verflechtungen mit international agierenden T\u00e4tern und sind bei der Durchsetzung ihrer Clubinteressen absolut gewaltbereit. Gewaltbereitschaft Dies belegt auch der Fall eines get\u00f6teten Harley-Davidson-H\u00e4ndlers im Raum M\u00fcnster im Fr\u00fchsommer. Er war Mitglied des Hells Angels MC, einer der ber\u00fcchtigtsten Rockerbanden weltweit. Inzwischen sind zwei Mitglieder der verfeindeten Rockergruppe Bandidos MC vor dem Landgericht M\u00fcnster wegen Mordes angeklagt. Streit und Rivalit\u00e4t zwischen den beiden Organisationen bestehen schon seit langem und eskalieren immer wieder. Im Jahr 2007 forderten sie bereits mehrere Verletzte und einen Toten in Deutschland. Hintergrund f\u00fcr die Gewalttaten ist das Abstecken von Revieren f\u00fcr kriminelle Aktivit\u00e4ten wie Rauschgifthandel, illegale Prostitution, Waffenhandel und auch Schutzgelderpressung. Strafprozess Am 12. November begann vor dem Landgericht in M\u00fcnster ein Prozess in M\u00fcnster gegen vier Mitglieder des MC Bandidos wegen schweren Raubes und illegalen Waffenbesitzes. Das Verfahren findet unter strengsten Sicherheitsma\u00dfnahmen statt. Die Anklageschrift st\u00fctzt sich auf die Aussage eines ehemaligen Mitglieds der Gruppierung, das den eisernen Schweigekodex gebrochen hat. Die Angeklagten hatten ihr ehemaliges Mitglied mit Waffen bedroht und ihm Motorrad, Rockerkleidung und alles, was auf die Zugeh\u00f6rigkeit zu dieser Gruppierung hinweisen k\u00f6nnte, weggenommen. Nachdem auch seine Familie bedroht wurde, machte er umfangreiche Angaben bei der Polizei. Bei einer anschlie\u00dfenden Durchsuchung wurde ein umfangreiches Waffenarsenal bei einem der Angeklagten gefunden. Dass bei einzelnen Rockergruppen Bez\u00fcge in das Rotlichtmilieu bestehen, zeigt der Fall einer im s\u00fcddeutschen Raum festgenommen F\u00fchrungsperson. Diese ist Kopf einer kriminellen Vereinigung und hat sich einer Rockergruppe angeschlossen, um ihre Vormachtstellung im Rotlichtmilieu zu untermauern und auszubauen. Die Staatsanwaltschaft f\u00fchrt Ermittlungen wegen Verdachts des versuchten Mordes, der versuchten schweren Brandstiftung, des Menschenhandels und des Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz durch. Auch in Bayern sind die bereits erw\u00e4hnten \"1-Prozenter\"-Gruppierungen etabliert. Im Jahr 2007 wurde das Clubhaus des Hells Angels MC-Charter Munich nach Allershausen verlegt. Dort fanden bereits Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Organisierte Kriminalit\u00e4t 235 mehrere Veranstaltungen (Partys, Treffen) mit einigen hundert Personen statt, die jedoch alle ohne besondere Vorkommnisse verliefen. Trotz der N\u00e4he dieses neuen Hells Angels Charters zu den Bandidos Charters in M\u00fcnchen und Ingolstadt fanden bislang noch keine gewaltsamen \u00dcberAktivit\u00e4ten griffe statt. Auch andere Events in Bayern (Motorradmessen, Sommerin Bayern feste, Tattoo Shows), die von verschiedenen Gruppierungen organisiert und besucht wurden, verliefen weitgehend st\u00f6rungsfrei. In N\u00fcrnberg und Umgebung sind alle gro\u00dfen Rockerorganisationen mit Chartern vertreten. Auch dort gab es bisher noch keine relevanten Vorf\u00e4lle. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass \"Gebietserweiterungen\" unter diesen Gruppierungen zuk\u00fcnftig nicht mehr geduldet werden. Auch bei anderen Motorradclubs in Bayern kommt es zu \"freundlichen und feindlichen\" \u00dcbernahmen durch Rivalen aus der \"1-Prozenter\"-Szene. Allerdings gibt es noch keine Hinweise auf gewaltt\u00e4tige Zusammenst\u00f6\u00dfe zwischen den einzelnen Rockerbanden, wie sie in anderen Bundesl\u00e4ndern festgestellt wurden. Durch die rechtzeitige und intensive Aufkl\u00e4rung und Zusammenarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden konnten solche Szenarien bisher verhindert werden. Zum Rechtsextremismus sind bislang keine festen Verbindungen festzustellen. Jedoch gibt es durchaus \"\u00dcberschneidungen im Weltbild\", die Rockergruppen auch f\u00fcr Rechtsextremisten interessant machen. Zur Zeit bestehen lediglich vereinzelte Kontakte zwischen Personen aus dem Rockermilieu und der rechtsextremistischen Szene. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","236 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I) Ge\u00e4ndert durch SS 2 des Gesetzes zur Anpassung des Bayerischen Landesrechts an Art. 13 des Grundgesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl S. 383), Art. 4 Abs. 1 des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40) und SS 1 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969) I. Abschnitt erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, Organisation und Aufgaben durch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder des Verfassungsschutzes unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnArt. 1 licher Strukturen oder Organisation des Verfassungsschutzes, Verh\u00e4ltnis zur Polizei - unter Anwendung von Gewalt oder durch entsprechende Drohung oder (1) 1 Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des - unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein LandesMedien oder Wirtschaft. amt f\u00fcr Verfassungsschutz. 2 Es dient auch dem Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (2) 1 Freiheitliche demokratische Grundordnung nachgeordnete Beh\u00f6rde. 2 Das Landesamt und Dienstnach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschluss stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtswerden. 3Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit nicht zu. darstellt. 2 Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im Art. 2 Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem Zust\u00e4ndigkeit vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfiggesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2 Dazu gekeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, h\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Veralle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsfassungsschutzes. m\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lanoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Gesetzes t\u00e4tig werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 237 Art. 3 haltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Aufgaben Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Aufgabe, 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetverteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt zes, die gegen die freiheitliche demokratische sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes mitzuwirken. f\u00fcr eine fremde Macht, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des GrundgesetAufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen zes, die durch Anwendung von Gewalt oder 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rvon Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffenttige Belange der Bundesrepublik Deutschland lichen Dienst bewerben, gef\u00e4hrden, 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcr4. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetgerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des zes, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndiVerdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gung (Art. 9 Abs. 2 Grundgesetz), insbesondere - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. (Art. 26 Abs. 1 Grundgesetz), gerichtet sind, 5. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten II. Abschnitt Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes Allgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen ausArt. 4 gehen. 2 Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe Allgemeine Befugnisse Informationen, insbesondere sachund personenbezogene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber sol(1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu auszuwerten. 3 Die notwendige Koordinierung mit den erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenanderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen beh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministeriums Gruppierung oder Person erheben und in Akten und des Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministerium Dateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie der Justiz geregelt. 4 \u00dcber diese Richtlinien wird das aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachParlamentarische Kontrollgremium gem\u00e4\u00df Art. 3 Abs. 3 folgend besondere Bestimmungen gelten. 2Das LandesSatz 1 des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle amt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Daten auch f\u00fcr die Vorgangsverwaltung nutzen und verArt. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigarbeiten. 3Ist zum Zweck der Datenerhebung die \u00dcberkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamittlung personenbezogener Daten erforderlich, so darf mentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) vom ein entsprechendes Ersuchen des Landesamts f\u00fcr Ver10. Februar 2000 (GVBl S. 40) unterrichtet. fassungsschutz nur diejenigen personenbezogenen Daten enthalten, die f\u00fcr die Erteilung der Auskunft uner(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die l\u00e4sslich sind. 4Schutzw\u00fcrdige Interessen des BetroffeAufgabe, nen d\u00fcrfen nur in unvermeidbarem Umfang beeintr\u00e4chtigt werden. 1. nach Ma\u00dfgabe des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von (2) 1 Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr VerfasPersonen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimsungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","238 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Nrn. 1 und 2 sind im Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fc(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perfungsgesetz vom 27. Dezember 1996 (GVBl S. 509, sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung BayRS 12-3-I)), zuletzt ge\u00e4ndert durch SS 6 des Gesetzes nachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn vom 24. April 2001 (GVBl S. 140), in der jeweils gel1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder tenden Fassung geregelt, soweit sie nicht in besonderen T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf Gesetzen geregelt sind; Art. 6 diese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge Abs. 1 Satz 4 bleibt unber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr Vergewonnen werden k\u00f6nnen oder fassungsschutz darf, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, Nr. 2 nur mitwirken und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts Auskunft erteilen, wenn die betroffene Person der f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende Durchf\u00fchrung der \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; weroder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. den der Ehegatte oder die Person, mit der die betroffene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher Ge(3) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwenmeinschaft lebt, in die \u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, so dung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben werist auch deren Zustimmung erforderlich. den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene (3) 1 Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiePerson weniger beeintr\u00e4chtigt. 2 Die Anwendung nachdene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr richtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofVerh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverfene Gruppierung oder Person voraussichtlich am halts stehen. 3 Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 2 Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, Zweck erreicht ist oder sich ergibt, dass er nicht oder wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar nicht auf diese Weise erreicht werden kann. au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. (4) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem Art. 5 Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Erhebung personenbezogener Daten Art. 6 a 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf persoEinsatz besonderer technischer Mittel nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung im Schutzbereich des Art. 13 Grundgesetz seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 2 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 (1) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel zur Nr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persoInformationsgewinnung im Schutzbereich des Art. 13 nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nachdes Grundgesetzes ist als nachrichtendienstliches Mitermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von tel im Sinn des Art. 6 Abs. 1 unter besonderer Ber\u00fcckInformationen erforderlich ist, die bei den Verfassungssichtigung des Grundsatzes der Verhaltnism\u00e4\u00dfigkeit schutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. nach Art. 6 Abs. 3 nur zul\u00e4ssig, wenn Art. 6 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach SS 1 Abs. 1 und SS 3 Abs. 1 des Gesetzes zur Beschr\u00e4n(1) 1 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem kung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses Gesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch vom 26. Juni 2001 (BGBl I S. 1254) in der jeweils nachrichtendienstliche Mittel anwenden. 2 Sie dienen geltenden Fassung vorliegen, oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicher2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorlieheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner gen, dass jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 Mitarbeiter. 3Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfSatz 1 Nrn. 1, 3 oder 4 durch die Planung oder Benahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter gehung von Straftaten nach SSSS 129, 129 a, 129 b, 130 und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, dass das oder 131 des Strafgesetzbuchs (StGB) in der jeweils Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen ergeltenden Fassung verfolgt, oder hebt. 4 Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungs3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteschutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarhen, dass jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nung von Mitarbeitern anwenden. nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 durch die Planung Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 239 oder Begehung von Straftaten nach SS 100 a der StrafBetroffenen nach Absatz 5 oder f\u00fcr eine gerichtliche prozessordnung (StPO) in der Fassung der BekanntNachpr\u00fcfung der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme nach machung vom 7. April 1987 (BGBl I S. 1074, 1319), Absatz 1 von Bedeutung sein k\u00f6nnen. 7In diesem Fall zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 3 des Gesetzes vom sind die Daten zu sperren und d\u00fcrfen nur zu diesen 22. August 2002 (BGBl I S. 3390), SSSS 261, 263 bis Zwecken verwendet werden. 265, 265 b, 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SSSS 92 a, 92 b des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) vom (4) Die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an 9. Juli 1990 (BGBl I S. 1353), zuletzt ge\u00e4ndert durch andere \u00f6ffentliche Stellen gem\u00e4\u00df Art. 14 Abs. 1 bis 3 ist Art. 11 des Gesetzes vom 9. Januar 2002 (BGBl I nur zul\u00e4ssig zur Abwehr von erheblichen Gefahren f\u00fcr S. 361), in der jeweils geltenden Fassung verfolgt die \u00f6ffentliche Sicherheit, insbesondere zum Schutz der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit von Personen und zur Verund die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise folgung von in Absatz 1 oder in SS 138 StGB genannten aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2Der verStraftaten. deckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen rich(5) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz teilt dem ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen Betroffenen Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 Satz 1 nach ist, dass sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von ihrer Einstellung, fr\u00fchestens jedoch dann mit, wenn eine ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder Gef\u00e4hrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen weitergeben, oder dass der Verd\u00e4chtige sich in ihrer werden kann. 2Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn das Wohnung aufh\u00e4lt. nach Absatz 7 zust\u00e4ndige Gericht festgestellt hat, dass (2) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel nach 1. die Voraussetzung auch nach f\u00fcnf Jahren nach BeenAbsatz 1 bedarf einer richterlichen Anordnung. 2Bei digung der Ma\u00dfnahme noch nicht eingetreten ist, Gefahr im Verzug kann der Pr\u00e4sident des Landesamts 2. sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Verfassungsschutz oder dessen Vertreter die Anordauch in Zukunft nicht eintreten wird und nung treffen; eine richterliche Entscheidung ist unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngs3. die Voraussetzungen f\u00fcr eine L\u00f6schung sowohl bei tens drei Monate zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um jeder erhebenden Stelle als auch beim Empf\u00e4nger der weils nicht mehr als drei weitere Monate sind auf AnDaten vorliegen. trag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der Anordnung fortbestehen. 4Liegen die Voraussetzungen nicht (6) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer mehr vor oder ist der verdeckte Einsatz technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes Mittel nicht mehr erforderlich, so ist die Ma\u00dfnahme unausschlie\u00dflich zum Schutz der f\u00fcr den Verfassungsverz\u00fcglich zu beenden. schutz in diesem Bereich t\u00e4tigen Personen bedarf der Anordnung des Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfas(3) 1 Ein Bediensteter des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder eines von ihm bestellten Beauftragsungsschutz mit Bef\u00e4higung zum Richteramt beauften. 2Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangsichtigt den Vollzug der Anordnung. 2Die nach Absatz 1 ten Erkenntnisse ist nur zul\u00e4ssig, wenn zuvor die erhobenen Daten d\u00fcrfen nur zur Erforschung und VerRechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme richterlich festgestellt folgung von dort genannten Bestrebungen und T\u00e4tigist; bei Gefahr im Verzug ist die richterliche Entscheikeiten, sowie f\u00fcr Daten\u00fcbermittlungen nach Absatz 4 dung unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Soweit Erkenntnisse verwendet werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsverwertet werden, gelten f\u00fcr die Datenverarbeitung, die schutz pr\u00fcft unverz\u00fcglich und sodann in Abst\u00e4nden von L\u00f6schung der Daten und die Mitteilung des Betroffenen sechs Monaten, ob die durch Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 die Abs\u00e4tze 3 bis 5 entsprechend. 4Im \u00dcbrigen sind sie erhobenen personenbezogenen Daten allein oder zuunverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. sammen mit bereits vorliegenden Daten f\u00fcr die Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebun(7) 1Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den gen oder T\u00e4tigkeiten erforderlich sind. 4Soweit diese Abs\u00e4tzen 2, 5 und 6 ist das Amtsgericht am Sitz des Daten daf\u00fcr nicht erforderlich sind und nicht f\u00fcr eine Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. 2F\u00fcr das Verfahren \u00dcbermittlung an andere Stellen ben\u00f6tigt werden, sind gelten die Vorschriften des Gesetzes \u00fcber die Angelesie unverz\u00fcglich unter Aufsicht eines Bediensteten, der genheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit - FGG - die Bef\u00e4higung zum Richteramt hat, zu l\u00f6schen. 5Die (BGBl III 315-1), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 26 des L\u00f6schung ist zu protokollieren. 6Die L\u00f6schung unterGesetzes vom 23. Juli 2002 (BGBl I S. 2850), entsprebleibt, soweit die Daten f\u00fcr eine Mitteilung an den chend. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","240 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) (8) 1Die Staatsregierung unterrichtet den Landtag (2) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im j\u00e4hrlich \u00fcber die in Absatz 1, und soweit richterlich Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 \u00fcberpr\u00fcfungsbed\u00fcrftig, nach Absatz 6 angeordneten Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten BestreMa\u00dfnahmen. 2Ein vom Landtag ausgew\u00e4hltes Gremium bungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf \u00fcbt auf der Grundlage dieses Berichts die parlamentariausgerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt wersche Kontrolle aus. den, sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 Abs. 1 Nr. 5 Ausk\u00fcnfte entsprechend SS 8 Abs. 5 bis 8 Art. 6 b BVerfSchG einholen. 2Absatz 1 gilt entsprechend. Datenerhebung bei Kreditinstituten, Fluggesellschaften, sowie Post-, Telekommuni(3) 1Das Staatsministerium des Innern unterrichtet im kationsund Teledienstgesellschaften Abstand von h\u00f6chstens sechs Monaten das Parlamentarisowie Einsatz des IMSI-Catchers sche Kontrollgremium nach dem Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetz \u00fcber die Durchf\u00fchrung der (1) 1Ausk\u00fcnfte nach SS 8 Abs. 5 bis 8 des Gesetzes Abs\u00e4tze 1 und 2; dabei ist insbesondere ein \u00dcberblick \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis und Kosten der im Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und des BunBerichtszeitraum durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen nach den desamts f\u00fcr Verfassungsschutz (BundesverfassungsAbs\u00e4tzen 1 und 2 zu geben. 2Das Gremium erstattet dem schutzgesetz - BVerfSchG) vom 20. Dezember 1990 Bayerischen Landtag j\u00e4hrlich einen Bericht \u00fcber die (BGBl I S. 2954), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 9 des Durchf\u00fchrung sowie Art, Umfang und Anordnungsgr\u00fcnde Gesetzes vom 16. August 2002 (BGBl I S. 3202), in der der Ma\u00dfnahmen nach den Abs\u00e4tzen 1 und 2; dabei sind jeweils geltenden Fassung d\u00fcrfen nur auf Antrag eingedie Grunds\u00e4tze des Art. 2 Abs. 1 PKGG zu beachten. holt werden. 2Der Antrag ist durch den Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder seinen Vertreter (4) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im schriftlich zu stellen und zu begr\u00fcnden. 3\u00dcber den Antrag Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 entscheidet das Staatsministerium des Innern. 4Es unterAbs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten Bestrerichtet monatlich die nach Art. 2 des Gesetzes zur Ausbungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) gerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt werden, vom 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 1 zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 2 des Gesetzes vom Satz 1 Nrn. 2 bis 5 unter den Voraussetzungen des SS 3 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), gebildete Kommission Abs. 1 des Artikel 10-Gesetzes auch technische Mittel \u00fcber die beschiedenen Antr\u00e4ge vor deren Vollzug. 5Bei zur Ermittlung des Standorts eines aktiv geschalteten Gefahr im Verzug kann das Staatsministerium des Innern Mobilfunkendger\u00e4ts und zur Ermittlung der Ger\u00e4teund den Vollzug der Entscheidung auch bereits vor der UnKartennummern einsetzen. 2Die Ma\u00dfnahme ist nur zuterrichtung der Kommission anordnen. 6Die Kommission l\u00e4ssig, wenn ohne die Ermittlung die Erreichung des pr\u00fcft von Amts wegen oder auf Grund von Beschwerden Zwecks der \u00dcberwachungsma\u00dfnahme aussichtslos oder die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Einholung von wesentlich erschwert w\u00e4re. 3Personenbezogene Daten Ausk\u00fcnften. 7 SS 15 Abs. 5 des Artikel l0-Gesetzes vom eines Dritten d\u00fcrfen anl\u00e4sslich solcher Ma\u00dfnahmen nur 26. Juni 200l (BGBl I S. 1254), zuletzt ge\u00e4ndert durch erhoben werden, wenn dies aus technischen Gr\u00fcnden Art. 5 Abs. 1 des Gesetzes vom 22. August 2002 (BGBl I zur Erreichung des Zwecks nach Satz 1 unvermeidbar S. 3390), ist mit der Ma\u00dfgabe entsprechend anzuwenist. 4\u00dcber den Datenabgleich zur Ermittlung der gesuchden, dass die Kontrollbefugnis der Kommission sich auf ten Ger\u00e4teund Kartennummer hinaus d\u00fcrfen sie nur die gesamte Erhebung, Verarbeitung und Nutzung der zur Verh\u00fctung und Verfolgung von Straftaten im Sinn nach SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erlangten personenbedes SS 138 StGB verwendet werden. 5Nach Beendigung zogenen Daten erstreckt. 8Entscheidungen \u00fcber Ausk\u00fcnfder Ma\u00dfnahme sind sie unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. te, die die Kommission f\u00fcr unzul\u00e4ssig oder nicht not- 6 Abs\u00e4tze 1 und 3 gelten entsprechend. wendig erkl\u00e4rt, hat das Staatsministerium des Innern unverz\u00fcglich aufzuheben. 9F\u00fcr die Verarbeitung der nach (5) Das Staatsministerium des Innern erstattet dem SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erhobenen Daten ist SS 4 des Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundes j\u00e4hrArtikel l0-Gesetzes entsprechend anzuwenden. 10Das lich einen Bericht nach SS 8 Abs. 11 BVerfSchG \u00fcber die Auskunftsersuchen und die \u00fcbermittelten Daten d\u00fcrfen Durchf\u00fchrung des Absatzes 1; dabei ist insbesondere dem Betroffenen oder Dritten vom Auskunftsgeber nicht ein \u00dcberblick \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis mitgeteilt werden. 11SS12 Abs. 1 und 3 des Artikel 10-Geund Kosten der im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrten setzes finden entsprechende Anwendung. Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 zu geben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 241 Art. 7 Art. 8 Speicherung und Ver\u00e4nderung Berichtigung und L\u00f6schen von Daten personenbezogener Daten (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz persoberichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die nenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nzu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu dern, wenn vermerken. 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von Bestrel\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig bungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erforderwar oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzlich ist oder lich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; 3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Akten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. sind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2 Ob die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung 2 In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personennach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbeibezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, tung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder 3 Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. 3Das Recht der Grund zu der Annahme besteht, dass durch sie schutzNutzung und Verabeitung personenbezogener Daten w\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chnach Art. 4 Abs. 1 Satz 2 zur Vorgangsverwaltung bleibt tigt w\u00fcrden. 4 In diesem Fall sind die Daten zu sperren; unber\u00fchrt. sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. (2) 1Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcr(3) 1 F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften fen nicht in Dateien gespeichert werden. 2 Personenbedes Bayerischen Archivgesetzes. 2 Die Anbietungszogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person nach pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 Vollendung des 14. und vor Vollendung des 16. LebensAbs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung. jahres sind zwei Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 9 Art. 3 Abs. 1 angefallen sind. 3 Personenbezogene Daten Errichtungsanordnung \u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des 16. und vor Vollendung des 18. Lebensjahres sind zwei (1) 1 F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierJahre nach dem Verhalten auf die Erforderlichkeit der ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet Speicherung in Dateien zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens werden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in f\u00fcnf Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, einer Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: angefallen sind \u00fcber ein Verhalten nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit. 4 F\u00fcr Akten, die zu einer minderj\u00e4hrigen 1. Bezeichnung der Datei, Person gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fc2. Zweck der Datei, fungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. 3. betroffener Personenkreis, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 4. Art der zu speichernden Daten, Dauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu 5. Eingabeberechtigung, einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df 6. Zugangsberechtigung, festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach diesem Gesetz erforderlich ist. 7. regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, 8. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei9. Protokollierung des Abrufs. chert, muss erkennbar sein, wer die Bewertung vorgenommen hat und wo die Informationen gespeichert 2 Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des sind, die der Bewertung zugrunde liegen. Innern ist die Errichtungsanordnung dem LandesbeaufVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","242 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. 4. die Information oder die Tatsache der Speicherung 3 Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des nach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen Verfahrens. nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehal(2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des ten werden muss. Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung personenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df (4) 1 Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf beschr\u00e4nkt ist. keiner Begr\u00fcndung. 2 Wird die Auskunftserteilung abgelehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage f\u00fcr (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweisen, angemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weidass er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenterf\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. bezogener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz wenden kann. 3 Dem Landesbeauftragten Art. 10 f\u00fcr den Datenschutz ist auf sein Verlangen Auskunft zu Geltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes erteilen, soweit nicht das Staatsministerium des Innern im Einzelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten AufBundes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. 4 Mitteilungaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fingen des Landesbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen den die Art. l0 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Kenntnisstand des LandesBayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. amts f\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, sofern dieses nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Art. 11 Auskunftserteilung III. Abschnitt (1) Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim 1 \u00dcbermittlungsregelungen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten gespeicherten Informationen besteht nicht. 2 Hat Art. 12 eine Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft Informations\u00fcbermittlung \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entan das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz scheidet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach ohne Ersuchen pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegeh(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regisren. ter, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fc\u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen fung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer des Freistaats Bayern haben von sich aus dem LandesPerson Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, amt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer hat diese Person abweichend von Absatz 1 einen Aufgaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcberAnspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts mitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestef\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung hen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufdieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. gaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines (3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst. b oder c des 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach Grundgesetzes erforderlich sein kann. Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche \u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unZug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforverz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fclschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitslung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu lich sind. 2 Ergibt die Pr\u00fcfung, dass sie nicht erforderbef\u00fcrchten ist, lich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernich3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden ten. 3 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung Nachteile bereiten w\u00fcrde oder der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 243 vertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall Art. 14 d\u00fcrfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung wendet werden. durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perArt. 13 sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, Informations\u00fcbermittlung wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Gesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle auf Ersuchen die Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen (1) 1 Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt; Stellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittauf dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Auflung aktenkundig zu machen. 2 Gleiches gilt, wenn der gaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcbermitEmpf\u00e4nger die personenbezogenen Daten zur Erf\u00fcllung teln, soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Lananderer ihm zugewiesener Aufgaben ben\u00f6tigt, sofern er desamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz dabei auch zum Schutz der freiheitlichen demokratischen erforderlich ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Grundordnung beizutragen oder Gesichtspunkte der darf Ersuchen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Infor\u00f6ffentlichen Sicherheit oder ausw\u00e4rtige Belange zu mation auf andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufw\u00fcrdigen hat. 3 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten wand oder nur durch eine die betroffene Gruppierung Daten, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, oder Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermitwerden kann. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz telt wurden, es sei denn, dass das Landesamt f\u00fcr Verfashat Ersuchen zu begr\u00fcnden, es sei denn, dass eine Besungsschutz einer anderen Verwendung f\u00fcr Zwecke gr\u00fcndung dem Schutz der betroffenen Gruppierung nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt hat. 4 Satz 1 gilt oder Person zuwiderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahauch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten inme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. 4 Es hat die Ersuchen aktenkundig nerhalb des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. zu machen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrte von Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 einzwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber sehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige \u00dcberBundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndimittlung von Informationen aus den Akten oder den schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961 Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, einen S. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln; das Lan\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6nlichdesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung keitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen w\u00fcraktenkundig zu machen. 2 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinde. 2 \u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dateien zuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen NachZweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcberweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die eingesehene mittelt wurden. Datei hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern (3) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perund am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb Erstellung folgt, zu vernichten. des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcber(3) 1 H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Stelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die EinsichtAufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung nahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erfordem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht derlich ist; das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat dieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so die \u00dcbermittlung aktenkundig zu machen. 2 Die \u00dcberentscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtsmittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der Bunbeh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. desrepublik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person entgegenstehen. (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. 3 Sie ist aktenkundig zu machen. 4 Der Empf\u00e4nger ist Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","244 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) darauf hinzuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur 1. erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie der Informationen und ihrer Erhebung das schutzihm \u00fcbermittelt wurden. w\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder (4) 1Personenbezogene Daten d\u00fcrfen au\u00dfer in den 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. F\u00e4llen des Art. 4 Abs. 1 Satz 3 an andere Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nur \u00fcbermittelt werden, wenn dies (2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informationszum Schutz vor den in Art. 3 Abs. 1 Satz 1 bezeichne\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unten Bestrebungen, Gefahren und T\u00e4tigkeiten erforderber\u00fchrt. lich ist. 2Die \u00dcbermittlung nach Satz 1 bedarf der vorherigen Zustimmung des Staatsministeriums des Innern; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung IV. Abschnitt aktenkundig zu machen. 4Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcberParlamentarische Kontrolle mittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 5Das Landesamt f\u00fcr VerfasArt. 18 sungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweisen. Parlamentarisches Kontrollgremium Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung (5) 1 \u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtlichen hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr VerfasVorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2 Das Landesamt f\u00fcr sungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen des GesetVerfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzbeh\u00f6rzes zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregieden auch dadurch unterrichten, dass es diesen den Abruf rung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6glicht, bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landessoweit deren gesetzliche Aufgaben identisch sind. amts f\u00fcr Verfassungsschutz - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom 10. Februar 2000 (GVBl Art. 15 S. 40, BayRS 12-4-I) in der jeweils geltenden Fassung. Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit 1 Das Staatsministerium des Innern und das LandesArt. 19 und 20 (aufgehoben) amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. l. 2 Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezogene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesse V. Abschnitt der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzSchlussvorschriften w\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahrung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. Art. 21 Erf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben Art. 16 Nachberichtspflicht Zur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetzes nach Art. 73 Nr. l0 Buchst. b und c des GrundErweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer gesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsdie Befugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entsprechenschutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unverden Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. z\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der Art. 22 betroffenen Person erforderlich ist. Einschr\u00e4nkung von Grundrechten Art. 17 Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht \u00dcbermittlungsverbote der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des Grundgesetzes und Art. l06 Abs. 3 der Verfassung und (1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das das Grundrecht des Brief-, Postund FernmeldegeheimLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und nisses nach Art. 10 des Grundgesetzes und Art. 112 der 14 hat zu unterbleiben, wenn Verfassung eingeschr\u00e4nkt werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 245 Art. 23 Art. 24 \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung In-Kraft-Treten des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz 1 Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* Das Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 2 Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVBl 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts S. 522, BayRS 12-2-I) wird wie folgt ge\u00e4ndert: f\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-I), 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen Datenschutz\"6 Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, gesetzes (BayRS 204-1-I). die der Zustimmung der Parlamentarischen Kontrollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes bedarf.\" 2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr Sicherheitsfragen zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags\" durch * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der die Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission urspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBl S. 323). f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ersetzt. ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","246 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) Gesetz zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) Vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40, BayRS 12-4-I) Ge\u00e4ndert durch SS 4 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969), SS 1 Nr. 6 des Dritten Gesetzes zur Aufhebung von Rechtsvorschriften vom 7. August 2003 (GVBl S. 497) und SS 2 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Polizeiaufgabengesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2005 (GVBl S. 641) Art. 1 (3) 1 Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder seiParlamentarisches Kontrollgremium ner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Parlamentarischen Kontrollgremium; Absatz 4 bleibt (1) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt die unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein parlamentarische Kontrolle gem\u00e4\u00df Art. 13 Abs. 6 Satz 3 neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das Gleiche gilt, wenn ein des Grundgesetzes zum Vollzug der Ma\u00dfnahmen nach Mitglied aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes nach Ma\u00dfgabe ausscheidet. 3Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr der Art. 48 a des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gerichtsdie stellvertretenden Mitglieder. verfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (AGGVG), Art. 34 Abs. 9 des Polizeiaufgaben(4) Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt seine gesetzes (PAG) und Art. 6 a Abs. 8 des Bayerischen T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des LandVerfassungsschutzgesetzes (BayVSG) in der Fassung tags hinaus solange aus, bis der nachfolgende Landtag ein der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, neues Parlamentarisches Kontrollgremium gew\u00e4hlt hat. BayRS 12-1-I), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 1 des Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), aus. Art. 2 2 Dem Parlamentarischen Kontrollgremium obliegt ferGeheimhaltung ner die Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz; die (1) 1 Die Beratungen des Parlamentarischen KontrollRechte des Landtags und seiner Aussch\u00fcsse bleiben ungremiums sind geheim. 2Die Mitglieder und stellvertreber\u00fchrt. tenden Mitglieder sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigkeit im (2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt geworden aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder des Parlamentarisind. 3Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausscheischen Kontrollgremiums werden zu Beginn jeder neuen den aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium. Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte gew\u00e4hlt. 3In gleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein stellvertreten(2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium tritt des Mitglied gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen der mindestens einmal im Jahr zusammen. 2Jedes Mitglied Mehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. kann die Einberufung des Parlamentarischen KontrollVerfassungsschutzbericht Bayern 2007","Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) 247 gremiums verlangen. 3Das Parlamentarische KontrollArt. 4 gremium gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 4Ferner ob\u00c4nderung von Gesetzen liegt ihm die Wahl seiner bzw. seines Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden. (1) Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I), ge\u00e4ndert Art. 3 durch SS 2 des Gesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums S. 383), wird wie folgt ge\u00e4ndert: und Berichtspflichten der Staatsregierung 1. Art. 18 erh\u00e4lt folgende Fassung: (1) Das Staatsministerium der Justiz erstattet dem \"Art. 18 Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Parlamentarisches Kontrollgremium nach Art. 48 a AGGVG. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregie(2) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem rung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Verfassungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen nach Art. 34 Abs. 9 PAG und Art. 6 a Abs. 8 BayVSG. des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle der 2 Die Berichterstattung nach diesen Vorschriften kann Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach gesondert erfolgen. Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (3) 1 Das Staatsministerium des Innern unterrichtet - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom das Parlamentarische Kontrollgremium ferner regel10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I).\" m\u00e4\u00dfig umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge 2. Art. l9 und 20 werden aufgehoben. von besonderer Bedeutung. 2Dar\u00fcber hinaus berichtet es zu einem konkreten Thema aus dem Aufgabenbereich (2) In Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, sofern das ParGesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) vom lamentarische Kontrollgremium dies verlangt. 3Zeit, Art 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), und Umfang der Unterrichtung des Parlamentarischen ge\u00e4ndert durch Art. 23 des Gesetzes vom 24. August Kontrollgremiums werden unter Beachtung des not1990 (GVBl S. 323), werden die Worte \"die Parlamenwendigen Schutzes des Nachrichtenzugangs durch die tarische Kontrollkommission f\u00fcr Angelegenheiten des politische Verantwortung der Staatsregierung bestimmt. Verfassungsschutzes\" durch die Worte \"das Parlamentarische Kontrollgremium\" ersetzt. (4) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem Parlamentarischen Kontrollgremium ferner Bericht Art. 5 nach Ma\u00dfgabe des Art. 3 des Gesetzes \u00fcber die AufIn-Kraft-Treten, \u00dcbergangsvorschrift gaben der G 10-Kommission im Bayerischen Landtag und zur Ausf\u00fchrung des Artikel 10-Gesetzes (G 10) (1) Dieses Gesetz tritt am 1. April 2000 in Kraft.* und nach Ma\u00dfgabe des Art. 6 b Abs. 3 und 4 BayVSG. 2 Art. 2 AGG 10 bleibt unber\u00fchrt. (2) (aufgehoben). * Diiese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung. Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","248 Sachwortregister Sachwortregister ABLE 207 BLOODY MINDS 130 ABSURD 132 Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Admintech 202 (BP-KK/T) 92 AD\u00dcTDF 84 BRAUNE BR\u00dcDER 130 Aktion Transparente Verwaltung B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch M\u00fcnchen (ATV) 210 und sozial e.V. 117 Al-Aqsa e.V. 54 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 109 Al-Ekhlaas 34 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" N\u00fcrnberg 109 Al-Gamaa al-Islamiya (GI) 54 \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" M\u00fcnchen 110 Al-Jihad al-Elektruni 36 BURNING HATE 130 Al-Mujahid al-Tiqani 36 Al-Qaida 64 Celebrity Centres (CC) 206 Al-Tauhid 64 Church of Scientology International (CSI) 201 Ansar al-Islam 66 \"Church\"-Sektor 206 Anti-Antifa N\u00fcrnberg 123 Citizens Commission on Human Rights (CCHR) 210 Antideutsche 194 CIWANEN AZAD (Freie Jugendliche) 74 Antifa NT 181 Clears 203 Antifaschismus 186 Contra Real 181 Antifaschistische Linke F\u00fcrth 191 CRIMINON 207 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg 200 Cyber Djihad 36 Anti-Globalisierung 189 Antiimperialismus 192 DAMAGE INCORPORATED 130 Applied Scholastics 207 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau Pal\u00e4stinas (DFLP) 89 der KPD (AB) 179 Demokratische Jugend Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) 89 (Demokratik Genclik - DEM-GENC) 90 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t 232 Department of Special Affairs (DSA) 210 Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 169 Opposition e.V. 146 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 117 Autonome 180 Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) 117 Autonome Jugend Antifa 181 Deutsche Stimme (DS) 101 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) 122 Deutsche Volksunion (DVU) 111 Deutsches B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte 210 barricada - zeitung f\u00fcr autonome politik und kultur 183 Deutsches Kolleg (DK) 117 Bewaffnete Einheiten der Armen \"Deutschland-Pakt\" 103 und Unterdr\u00fcckten (FESK) 83 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) 78 Black Metal 131 Dianetik nach L. Ron Hubbard 201 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Sachwortregister 249 Die Republikaner (REP) 94 \"Germania\"-Rundbrief 142 DIE LINKE. 150 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 117 DIE LINKE. Bayern 162 Global Islamic Media Front (GIMF) 35 DIE LINKE. Campus 162 Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) 41 Die Linke. Sozialistischer-demokratischer GRU (Milit\u00e4rischer Nachrichtendienst Studierendenverband (DIE LINKE.SDS) 161 der GUS) 216 Die Linkspartei.PDS 151 GUS-Mafia 227 DISPUT 199 Djihad 33 HAMAS 57 Djihad Islami (JI) 54 Hezb-i Islami (HIA) 88 Djihadismus 65 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) 47 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische (DSZ-Verlag) 111 Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 145 Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) 89 En Nahda 59 Hizb Allah (Partei Gottes) 52 Hizb ut-Tahrir 48 Fanzines 133 \"home grown\"-Terrorismus 63 FAUSTRECHT 130 Huttenbriefe 145 FELDHERREN 130 FIS 59 Impact 201 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 81 Info-L\u00e4den der Autonomen 181 F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der INTERIM 183 T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 83 International Association of Scientologists F\u00f6deration der Islamischen Organisationen (IAS) 208 in Europa (FIOE) 55 International City 203 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen internationale sozialistische linke (isl) 156 Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) 84 Internationaler Kurdischer ArbeitgeberF\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in verband (KARSAZ) 74 Deutschland (ADHF) 81 Islamische Bewaffnete Gruppen (GIA) 54 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) 73 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) 55 Freie Arbeiterinnenund Arbeiter Union - Internationale Assoziation (FAU-IAA) 179 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) 40 Freie Nationalisten 121 Islamische Heilsfront (FIS) 59 Freiheit 201 Islamische Jihad Union 29 Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) 75 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) 57 Freundeskreis Ulrich von Hutten 117 Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) 54 FSB (Inlandsnachrichtendienst der GUS) 217 Islamischer Widerstand 53 Islamisches Zentrum M\u00fcnchen (IZM) 55 Galileo - streitbare Wissenschaft 175 Islamisch-Irakische Gemeinschaft GEGENSTANDPUNKT 179 Deutschland e.V. (IIGD) 89 Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei (AKP) 41 Italienische Mafia 225 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","250 Sachwortregister Jugendverband Linksjugend ['solid] 160 Maoistische Kommunistische Partei (MKP) 81 Jugendverband REBELL 176 marx21 176 Jugendverband ['solid] 160 Marxistische Bl\u00e4tter 199 Junge Nationaldemokraten (JN) 106 Marxistische Gruppe (MG) 179 Marxistisches Forum (MF) 158 Kalifatsstaat 47 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 82 Kameradschaft Asgard Ratisbona 122 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Kameradschaft Augsburg 124 (MLPD) 175 Kameradschaft Main-Spessart 123 Mensch und Ma\u00df 146 Kameradschaft M\u00fcnchen 121 militante gruppe (mg) 185 Kameradschaftsbund Hochfranken 123 Militanzdebatte 184 Kameradschaft S\u00fcd - Aktionsb\u00fcro S\u00fcdMilli Gazete 46 deutschland (AS) 121 Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung 40 Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS) 124 Mitteilungen der Kommunistischen Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE 176 Plattform der Partei DIE LINKE. 199 Koma Civaken Kurdistan (KCK) 75 Mudjahidin 64 Koma Komalen Kurdistan (KKK) 75 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie Rassismus 178 gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) 209 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) 60 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 199 Muslimbruderschaft (MB) 53 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 158 Kommunistische Partei \u00d6sterreichs (KP\u00d6) 167 NARCONON 209 Kommunistische Plattform (KPF) 158 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 96 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 175 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 145 Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) 81 Nationaler Block (NB) 101 Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 85 in Europa (AvEG-Kon) 83 National Liberation Army (NLA) 86 Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung in Europa (ADHK) 82 (NZ) 111 KONGRA GEL (Volkskongress Kurdistans) 72 Nation-Europa-Freunde e.V. 118 KONTRA! 175 Nation Europa Verlag GmbH 118 Konvertiten 35 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 118 Koordination der kurdischen demokratischen Nazis unplugged 187 Gesellschaft in Europa (CDK) 72 Neue PKK 74 Kurdischer Nationalkongress (KNK) 73 Neues Schwaben 146 Newroz 76 Leuchter-Bericht 141 NOISE OF HATE 130 Libyan Islamic Fighting Group 67 NS Black Metal 131 Linkspartei.PDS Landesverband Bayern 162 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation Linksruck-Netzwerk 176 (NSDAP-AO) 144 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","Sachwortregister 251 Office of Special Affairs (OSA) 209 Schulhof-CD 120 Oi-Skinheads 127 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. Org 206 (SDV) 146 Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb 66 Schwarzer Block 191 Organisierte Autonomie 181 Scientology Kirche Bayern e.V. (SKB) 214 Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) 223 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) 206 Scientology-Organisation (SO) 201 Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) 167 Sea Org 206 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 84 SHARPs 127 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 151 Serxwebun 72 Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) 81 Skinheads 127 PKK (Arbeiterpartei Kurdistans; nunmehr SOKO 18 130 KONGRA GEL) 72 ['solid] 160 policy letters 202 Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen POSITION 200 Gefangenen und deren Familien in der PRIDE'N PAIN 130 T\u00fcrkei (TAYAD) 80 Proliferation 220 Source 201 Pro M\u00fcnchen 117 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 199 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 173 radikale Linke 181 REBELL 176 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) 150 Redskins 127 Sozialistische Gruppe 179 Religious Technology Center (RTC) 205 Sozialrevolution\u00e4re Aktion Regensburg 122 Renees 130 STIEFELJUNGS 130 Revisionismus 140 SWR (Auslandsnachrichtendienst der GUS) 216 REVOLUTION\u00c4RER WEG 199 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) 78 Tablighi Jamaat 50 Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) 178 Terrornetzwerk 64 Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen 181 Thetan 202 Rockerkriminalit\u00e4t 233 TITEL - Informationsforum der LinksROJ TV 74 partei.PDS Bayern 199 Rote Armee Fraktion 192 T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) 81 Rote Fahne 199 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/MarxisRote Schulhof-CD 174 ten-Leninisten (TKP/ML) 81 ROTF\u00dcCHSE 176 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front Rudolf-Gutachten 141 (THKP-C Devrimci Sol) 78 Rudolf He\u00df 125 Tugendpartei (FP) 41 Salafiyya-Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf Union islamischer Studentenvereine in (GSPC) 66 Europa (U.I.S.A.) 89 Scharia 32 Unsere Zeit (UZ) 199 Verfassungsschutzbericht Bayern 2007","252 Sachwortregister Ursprung 201 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL); UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Alternativen 199 Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 72 Volksmudjahidin Iran-Organisation (MEK) 85 Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) 92 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) 73 Verband der stolzen Frauen Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 142 (KJB; umfasst PAJK, YJA und YJA-STAR) 90 Verein zur Rehabilitierung der wegen Watchdog Committee (WDC) 206 Bestreitens des Holocausts Verfolgten (VRBHV) 143 WEISSER R\u00dcCKSCHLAG 130 Vereinigung der demokratischen White Power-Skinheads 127 Jugendlichen Kurdistans (KOMALEN-CIWAN) 74 Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage 217 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen WISE 206 und Antifaschisten (VVN-BdA) 171 Wunsiedler Feldpost 133 Verlag Hohe Warte - Franz von BebenWunsiedler Widerstand 133 burg KG 146 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 146 Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika 74 Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung (VffG) 142 Volksbefreiungsarmee (HKO) 81 Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen (ZIEL) 207 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando - (PFLP-GC) 89 Zine 133 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 89 Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen 181 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Druck: Medienhaus MINTZEL-M\u00dcNCH, Hof/Saale Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier Hinweis: Der Verfassungsschutzbericht Bayern 2007 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz http://www.verfassungsschutz.bayern.de Verfassungsschutzbericht Bayern 2007"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2007","year":2007}
