{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-2006.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":250,"pages":["Bayerisches Staatsministerium des Innern G S U N S S Z F A T E R H U T V SC CH R I E B 00 6 2","VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHT 20 B AY E R N 06 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Vorwort 3 Wie die gescheiterten Anschl\u00e4ge mit Kofferbomben auf zwei Regionalz\u00fcge Ende Juli 2006 auf eindringliche Weise deutlich gemacht haben, stellt der islamistische Terrorismus die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit Deutschlands dar. Trotz polizeilicher und milit\u00e4rischer Erfolge bei der Bek\u00e4mpfung terroristischer Netzwerke konnte die Bedrohung der westlichen Welt nicht nachhaltig einged\u00e4mmt werden. Insbesondere das Ph\u00e4nomen des \"home-grown\"-Terrorismus bedarf deshalb einer aufmerksamen Beobachtung. Au\u00dferhalb terroristischer Anschl\u00e4ge birgt der islamische Extremismus erhebliche Gefahren f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung: Islamistische Gruppen, die von Intoleranz gegen Andersgl\u00e4ubige gepr\u00e4gt sind und einen Absolutheitsanspruch f\u00fcr die eigene Auslegung des Islam vertreten, wenden sich massiv gegen eine echte Integration ausl\u00e4ndischer Mitb\u00fcrger. Bildungsund Betreuungsangebote verschaffen islamistischen Organisationen M\u00f6glichkeiten, unter dem Mantel der \"islamischen\" Bildung mit ihren extremistischen Haltungen pr\u00e4gend auf in Deutschland lebende Kinder und Jugendliche einzuwirken. Rechtsextremisten sind weiterhin bestrebt, insbesondere auch soziale Themen propagandistisch zu nutzen. Mit der Strategie, in Wahlk\u00e4mpfen durch Sch\u00fcren von \u00c4ngsten vor Arbeitslosigkeit, Fremdbestimmung oder \u00dcberfremdung W\u00e4hlerstimmen zu erringen, konnte die NPD teilweise Wahlerfolge erringen. Trotz des R\u00fcckgangs der extremistisch motivierten Gewalttaten liegen die Zahlen noch immer auf einem hohen Niveau. Besonders bedenklich sind die vielen Gewalttaten gegen Polizeibeamte, die zum Schutz von Veranstaltungen eingesetzt waren. Der gewaltbereite Linksextremismus richtet sich seit l\u00e4ngerem gegen den G8-Gipfel im Juni 2007 und droht, das Ansehen Deutschlands in der Welt\u00f6ffentlichkeit zu besch\u00e4digen. Das Internet wird mittlerweile umfassend als Propaganda-, Kommunikationsund Steuerungsmedium ersten Ranges genutzt, das insbesondere auch Jugendliche anspricht. Dies gilt gerade f\u00fcr den Bereich des islamischen Extremismus. Neben ideologischer Beeinflussung wird im Internet f\u00fcr den bewaffneten Kampf geworben. Zudem werden f\u00fcr die Kriegf\u00fchrung und die Durchf\u00fchrung von Anschl\u00e4gen erforderliche Informationen zur Verf\u00fcgung gestellt. Aufgabe des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz ist es insbesondere, zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestands und der Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder sowie zum Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t Informationen zu sammeln und die Sicherheitsbeh\u00f6rden dadurch in die Lage zu versetzen, rechtzeitig die notwendigen sicherheitsrechtlichen Entscheidungen zu veranlassen. Aufgabe des Landesamts und des Bayerischen Staatsministeriums des Innern ist es ferner, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber solche extremistischen und sicherheitsgef\u00e4hrdenden Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten zu informieren. Diese Informationspflicht folgt aus dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der wehrhaften Demokratie und ist in Art. 15 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes verankert. Nur der informierte und \u00fcber extremistische Bestrebungen aufgekl\u00e4rte B\u00fcrger ist in der Lage, Entwicklungen in Politik und Gesellschaft sowie die dazu getroffenen staatlichen Ma\u00dfnahmen und Entscheidungen richtig zu beurteilen. Dieser Bericht soll hierzu beitragen. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, insbesondere des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und der bayerischen Polizei, gilt unser besonderer Dank. Durch ihren Einsatz haben sie auch im Jahr 2006 die Sicherheit der B\u00fcrger in Bayern gew\u00e4hrleistet und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland geleistet. M\u00fcnchen, im M\u00e4rz 2007 Dr. G\u00fcnther Beckstein Georg Schmid Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Gesetzliche Grundlagen ................................................ 12 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes ............................... 12 3. Informationsbeschaffung ............................................. 13 4. Kontrolle ...................................................................... 14 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes ............... 15 6. Infound Beratungstelefone ......................................... 16 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2006 1. Ausl\u00e4nderextremismus .................................................. 17 2. Rechtsextremismus ....................................................... 19 3. Linksextremismus .......................................................... 22 4. Scientology-Organisation .............................................. 23 5. Grafische Darstellungen ................................................ 25 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines ................................................................ 27 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus .......................... 27 1.2 Entwicklung in Bayern ................................................. 27 1.3 Gewalttaten ................................................................ 29 1.4 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen ................. 30 2. Islamischer Extremismus (= Islamismus) ........................ 33 2.1 Integrationsfeindlichkeit des Islamismus ....................... 33 2.2 Rolle des Internets ....................................................... 34 2.3 Islamistische Bildungsund Jugendarbeit ..................... 36 2.4 Protestaktionen ........................................................... 37 2.4.1 Proteste gegen die Ver\u00f6ffentlichung von Mohammed-Karikaturen .............................................. 37 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Inhaltsverzeichnis 5 2.4.2 Proteste gegen den Vortrag von Papst Benedikt XVI. in Regensburg ............................................................. 38 2.4.3 Reaktionen auf den milit\u00e4rischen Konflikt im Libanon ... 39 3. Islamistische Gruppierungen ........................................ 39 3.1 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen ................................................................ 39 3.1.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ....... 42 3.1.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) ................. 44 3.1.3 Islamische Heilsfront (FIS) ............................................ 45 3.1.4 En Nahda .................................................................... 46 3.2 Hizb ut-Tahrir .............................................................. 47 3.3 Ansar al-Islam ............................................................. 49 3.4 Tablighi Jamaat (TJ) .................................................... 51 3.5 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) ................................. 53 3.6 Hizb Allah (Partei Gottes) ............................................ 55 3.7 Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) ................................... 56 3.8 Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) ................... 56 3.9 T\u00fcrkische islamistische Gruppierungen ......................... 57 3.9.1 Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ................................................ 57 3.9.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) .................................. 64 4. Islamistischer Terrorismus ............................................. 65 4.1 \u00dcberblick .................................................................... 65 4.2 Das Terrornetzwerk um al-Qaida ................................. 66 4.3 Terroranschl\u00e4ge und Anschlagsplanungen .................... 69 4.3.1 Deutschland ............................................................... 69 4.3.2 Europa ....................................................................... 70 4.3.3 Irak ............................................................................. 70 4.3.4 Afghanistan ................................................................ 70 4.3.5 Weitere Anschl\u00e4ge ....................................................... 71 4.4 Ausblick ...................................................................... 71 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen ......... 72 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ............................ 72 5.1.1 Allgemeines ................................................................ 73 5.1.2 Aktivit\u00e4ten und Exekutivma\u00dfnahmen ........................... 76 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) ............................... 78 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) .................................................................... 80 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","6 Inhaltsverzeichnis 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) .. 82 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) .............................................. 83 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI)/Volksmudjahidin Iran (MEK) ................................................................... 84 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ........................................................ 87 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines ................................................................ 92 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus ............................... 92 1.2 Entwicklung der Organisationen .................................. 93 1.3 Nutzung des Internets ................................................ 95 2. Parteien, Organisationen und Verlage .......................... 96 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ........ 96 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort ................................... 96 2.1.2 Organisation ............................................................... 100 2.1.3 Teilnahme an Wahlen .................................................. 101 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen .................................................. 102 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten .................................................... 104 2.1.5.1 Parteitage ................................................................... 104 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen ........................ 105 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) .................................... 108 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) ......................................... 110 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort .................................. 110 2.2.2 Organisation ............................................................... 114 2.2.3 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD ........................................... 114 2.3 Sonstige Organisationen .............................................. 115 2.4 Rechtsextremistische B\u00fcndnisbestrebungen im Raum M\u00fcnchen ....................................................... 116 2.4.1 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen .................. 116 2.4.2 B\u00fcrgerinitiative \"Pro M\u00fcnchen e.V.\"............................... 117 2.5 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) .. 117 2.6 Nation Europa Verlag GmbH ....................................... 120 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Inhaltsverzeichnis 7 3. Neonazismus ............................................................... 121 3.1 Allgemeines ................................................................ 121 3.2 Neonazi-Kameradschaften ............................................ 122 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen ............................................. 122 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) .................... 123 3.2.3 Kameradschaft Asgard-Ratisbona ................................ 124 3.2.4 Kameradschaft Main-Spessart ...................................... 124 3.2.5 Anti-Antifa N\u00fcrnberg .................................................. 124 3.2.6 Kameradschaftsbund Hochfranken .............................. 125 3.2.7 Kameradschaft Augsburg ............................................ 125 3.3 Aktivit\u00e4ten zum 19. Todestag von Rudolf He\u00df .............. 125 4. Rechtsextremistische Skinheads ................................... 127 4.1 \u00dcberblick .................................................................... 127 4.2 Politische Ausrichtung ................................................. 127 4.3 Strukturen .................................................................. 228 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche .................................. 129 4.5 Skinhead-Musik ........................................................... 130 4.6 Skinhead-Magazine ..................................................... 133 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten ..................... 133 5.1 Gewalttaten ................................................................ 133 5.2 Sonstige Straftaten ...................................................... 136 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen .......... 138 7. Revisionismus .............................................................. 139 7.1 Ziele ............................................................................ 139 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne ... 140 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus ... 143 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ........................................................ 144 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines ................................................................. 146 1.1 Merkmale des Linksextremismus .................................. 146 1.2 Entwicklung der Organisationen .................................. 147 1.3 Nutzung des Internets ................................................. 147 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","8 Inhaltsverzeichnis 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 149 2.1 Die Linkspartei.PDS ...................................................... 149 2.1.1 Ideologische Ausrichtung ............................................. 150 2.1.2 Organisation ................................................................ 156 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften .... 156 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) ................................... 157 2.1.3.2 Marxistisches Forum (MF) ............................................. 159 2.1.4 Jugendverband ['solid] ................................................. 159 2.1.5 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern und ihre Organisationseinheiten ................................................ 161 2.1.6 Teilnahme an Wahlen .................................................. 163 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus ............................ 163 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten ............. 164 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ........................ 165 2.2.1 Ideologische Ausrichtung ............................................ 165 2.2.2 Organisation ................................................................ 167 2.2.3 Internationale Verbindungen ....................................... 168 2.2.4 Umfeld der DKP ........................................................... 168 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ........... 168 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ............... 170 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) .... 171 2.4 Linksruck-Netzwerk (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) 173 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus ........... 174 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten ............................................... 176 3. Gewaltorientierte Linksextremisten .............................. 177 3.1 Autonome Gruppen .................................................... 177 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen .............. 177 3.1.2 Strukturen und Publikationen ....................................... 178 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen .............................. 180 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion .... 181 3.1.3.2 Antifaschismus ............................................................ 182 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste ....................................... 184 3.1.3.4 Antiimperialismus ........................................................ 186 3.1.3.5 Sozialabbau ................................................................. 187 3.1.3.6 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung ............ 188 3.2 Antideutsche Strukturen .............................................. 188 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Inhaltsverzeichnis 9 3.3 Linksextremistisch motivierte Straftaten ........................ 190 3.3.1 Gewalttaten ................................................................ 190 3.3.2 Sonstige Straftaten ...................................................... 191 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse .................. 193 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO ................................................. 195 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten ............................................. 196 2.1 Schriften der SO .......................................................... 197 2.2 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft .............. 198 2.2.1 Lenkung der Regierung durch die SO ........................... 198 2.2.2 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems ......... 199 2.2.3 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik ....................................................... 199 2.3 Aktivit\u00e4ten der SO ....................................................... 199 2.3.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staates ...................... 199 2.3.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung ....... 200 2.3.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern .............. 200 2.3.4 Aktivit\u00e4ten im Ausland ................................................. 201 2.4 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten ...................... 202 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO ............. 203 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO .......................... 203 3.2 Organisation der SO in Deutschland ............................. 203 3.2.1 \"Church\"-Sektor .......................................................... 203 3.2.2 WISE-Sektor ................................................................. 206 3.2.3 ABLE-Sektor ................................................................ 206 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO ................ 207 3.2.4.1 Applied Scholastics ...................................................... 207 3.2.4.2 NARCONON ................................................................ 208 3.2.4.3 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ....................................... 209 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) ..................................... 209 4. Mitglieder der SO ........................................................ 211 5. Veranstaltungen und sonstige Aktivit\u00e4ten der SO .......... 211 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","10 Inhaltsverzeichnis 6. Verwaltungsgerichtsverfahren ...................................... 212 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet ................................................................... 214 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage .............................................................. 215 2. Wirtschaftsspionage ..................................................... 216 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik ......... 217 4. Proliferation ................................................................. 218 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz ........................................................ 219 6. Ausblick ....................................................................... 221 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage .............................................................. 222 2. EU-Osterweiterung ...................................................... 222 3. Beobachtungsschwerpunkte ......................................... 223 3.1 Osteurop\u00e4ische OK-Gruppierungen .............................. 224 3.2 OK-Gruppierungen in den Balkanstaaten und der T\u00fcrkei 225 3.3 Italienische Mafia ......................................................... 227 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t .............................. 228 3.4.1 Schleusungsdelikte ....................................................... 229 3.4.2 Bet\u00e4ubungsmittelhandel .............................................. 229 3.5 Korruption ................................................................... 230 3.6 Kriminalit\u00e4t im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben .......................................................... 230 3.7 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern ......................................... 230 Anhang Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) .......................... 233 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) ................... 243 Sachwortregister ....................................................................... 245 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertWehrhafte gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann gegen Demokratie Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, z.B. durch ein Parteioder Vereinsverbot. Dies setzt voraus, dass er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, rechtzeitig erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der Freiheitliche freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstedemokratische hen, die unter Ausschluss jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine Grundordnung rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","12 Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen Rechtliche Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzlich Grundlagen genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 2006 insgesamt 446 Stellen f\u00fcr Beamte und Tarifbesch\u00e4ftigte im \u00f6ffentlichen Dienst ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 2006 betrug 25 Millionen Euro. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes BeobachtungsNach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt f\u00fcr auftrag Verfassungsschutz im Wesentlichen den Auftrag der Beobachtung von - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, - Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs. 2 des Grundgesetzes), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), gerichtet sind und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen aus Gr\u00fcnden des Geheimschutzes und des Sabotageschutzes mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Das Landesamt ist fernerhin beteiligt bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Mitarbeitern in Flugh\u00e4fen und Kernkraftwerken Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Verfassungsschutz in Bayern 13 nach dem Luftsicherheitsgesetz bzw. Atomgesetz sowie bei einb\u00fcrgerungsund ausl\u00e4nderrechtlichen Entscheidungen. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dazu m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die Mitglieder und Unterst\u00fctzer erfasst werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichAbgrenzung zu tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die BundesBND und MAD republik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Einen Teil der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln geh\u00f6ren im WesentNachrichtenlichen: dienstliche Mittel - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von BrieBriefund fen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen rechtsTelefonkontrolle staatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses \"Artikel 10-Gesetz\" (G10) genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","14 Verfassungsschutz in Bayern sicher, dass in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die seit Beginn des Jahres 2003 eingef\u00fchrten Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie f\u00fcr die Verwendung des so genannten IMSI-Catchers zur Feststellung unbekannter Mobiltelefonnummern. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 3.M\u00e4rz 2004 zu entsprechenden Ma\u00dfnahmen nach der Strafprozessordnung erfordert in Teilbereichen auch eine Anpassung der bisherigen Rechtslage. Keine polizeiDem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. Polizeilichen Befugnisse beh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen (wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw.) durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer informationellen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung nicht entgegen. Im Gegenteil sind diese unabdingbare Voraussetzungen f\u00fcr eine effiziente Arbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Vielf\u00e4ltige Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielf\u00e4lKontrollen tigen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, das Parlamentarische Kontrollgremium, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs - deren Zahl im Jahr 2006 wie schon in der Vergangenheit im unteren zweistelligen Bereich lag -, die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie des Einsatzes des so genannten IMSI-Catchers. Die Verwaltungskontrolle obliegt dem Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Verfassungsschutz in Bayern 15 Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Bayerischen Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen. 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann auf Dauer nicht ohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, dass Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. Aufkl\u00e4rungsarbeit Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes kl\u00e4rt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Fachvortr\u00e4gen \u00fcber aktuelle extremistische Entwicklungen auf; im Jahr 2006 lagen hierbei die Schwerpunkte bei den Themen \"Rechtsextremismus\" und \"Islamismus\". Der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Publikationen zu den Aufgabenfeldern des Verfassungsschutzes erm\u00f6glichen es jedem B\u00fcrger, sich selbst ein Urteil \u00fcber die Gefahren zu bilden, die unserem Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","16 Verfassungsschutz in Bayern Rechtsstaat durch verfassungsfeindliche Kr\u00e4fte drohen. Das Informationsmaterial wird kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt und kann beim Bayerischen Staatsministerium des Innern - Sachgebiet ID6 -, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen (Telefax: 0 89 / 2 19 21 28 42) angefordert werden. Die meisten Materialien, insbesondere der j\u00e4hrliche VerfasInternetsungsschutzbericht und auch Informationen zur Scientology-OrganisaAngebote tion, sind zus\u00e4tzlich im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz Das Internet-Angebot des Bayerischen Staatsministeriums des Innern wird durch die unter der Adresse http://www.verfassungsschutz.bayern.de erreichbare Homepage des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erg\u00e4nzt. 6. Infound Beratungstelefone Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist telefonisch rund um die Uhr unter der Nummer 0 89 / 31 20 10 erreichbar. Kontakttelefone Speziell f\u00fcr Hinweise zur Bek\u00e4mpfung des internationalen Terrorismus ist dort unter der Nummer 0 89 / 31 20 14 80 ein Kontakttelefon eingerichtet. Im Rahmen der von Bund und L\u00e4ndern erarbeiteten Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten besteht ein Beratungsund Hinweistelefon. Das Telefon, das ebenso der Aufkl\u00e4rung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten in Bayern dienen soll, ist f\u00fcr B\u00fcrger und aussteigewillige Extremisten - nicht nur Rechtsextremisten - unter der Nummer 0 18 02 00 07 86 zu erreichen. F\u00fcr Opfer und Aussteiger der Scientology-Organisation (SO) sowie f\u00fcr Angeh\u00f6rige von SO-Mitgliedern unterh\u00e4lt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ein \"vertrauliches Telefon\". Das Amt nimmt Informationen und Hinweise unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96 entgegen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Entwicklung des politischen Extremismus 17 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2006 1. Ausl\u00e4nderextremismus Der islamische Extremismus (Islamismus), insbesondere die Terrornetzwerke, stellt weiterhin die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Inneren Sicherheit dar. Diese Gefahr ist gerade auch f\u00fcr Deutschland durch die fehlgeschlageFehlgeschlagene nen Sprengstoffanschl\u00e4ge auf zwei Regionalz\u00fcge mit Ziel Hamm und Anschl\u00e4ge Koblenz am 31. Juli nochmals sehr deutlich geworden. In England verin Deutschland hinderte die Polizei im August Anschl\u00e4ge von islamistischen Terroristen mit Fl\u00fcssigsprengstoff auf mehrere Flugzeuge, nachdem im Juli 2005 Selbstmordattentate auf den \u00f6ffentlichen Nahverkehr in London 56 Tote und mehrere Hundert Verletzte gefordert hatten. Terroristische Bedrohungen gehen sowohl von grenz\u00fcberschreitenden Strukturen des Terrornetzwerkes al-Qaida als auch von regional operierenden Zellen aus, die in der Lage sind, Anschl\u00e4ge weitgehend ohne zentrale Vorbereitung und Steuerung durchzuf\u00fchren. Das Ph\u00e4nomen des \"home grown\"-Ter\"home grown\"rorismus, das insbesondere in Gro\u00dfbritannien mit den Anschl\u00e4gen vom Terrorismus Juli 2005 zutage trat, wird k\u00fcnftig eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen auch f\u00fcr die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sein. Die b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Auseinandersetzungen im Irak haben nach wie vor Auswirkungen auf die Bedrohungslage in Deutschland; deshalb unterliegen die R\u00fcckkehrer aus dem Irak unver\u00e4ndert der besonderen Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als Organisation Islamische der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung in Europa ist in Deutschland die mitgliederGemeinschaft st\u00e4rkste islamistische Organisation. Sie bietet Islamisten eine politische Milli G\u00f6r\u00fcs und religi\u00f6se Heimat und h\u00e4lt Kontakt zu der t\u00fcrkischen Regierungspartei AKP. Sie versucht, die Verbindungen zur t\u00fcrkisch-islamistischen Saadet Partisi (SP) in der \u00d6ffentlichkeit herunterzuspielen, ohne dabei einen Bruch mit dem F\u00fchrer der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung und Vorsitzenden der SP, Prof. Dr. Necmettin Erbakan, zu provozieren. Die IGMG-F\u00fchrungsspitze in Deutschland will mit dieser Politik die islamistischen Anh\u00e4nger der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung halten und gleichzeitig den Anschein einer gem\u00e4\u00dfigten, weltoffenen und auf dem Boden der freiVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","18 Entwicklung des politischen Extremismus heitlichen demokratischen Grundordnung stehenden Organisation erwecken. Sie ist nach wie vor um ein rechtlich unangreifbares Erscheinungsbild bem\u00fcht. Deshalb unternahm sie in den letzten Jahren verst\u00e4rkt rechtliche Schritte gegen Ver\u00f6ffentlichungen in Verfassungsschutzberichten oder anderen Publikationen. In Bayern wurde im Mai ein seit dem Jahr 2002 andauernder Rechtsstreit in erster Instanz beendet. Das Bayerische Verwaltungsgericht M\u00fcnchen hat der Klage der IGMG gegen den Freistaat Bayern auf Unterlassung verschiedener Aussagen im Verfassungsschutzbericht des Jahres 2001 zum Teil stattgegeben. Gegen das Urteil wurden Rechtsmittel eingelegt. Unabh\u00e4ngig von diesem juristischen Teilerfolg der IGMG existiert \u00fcber sie weiterhin eine Vielzahl von Erkenntnissen, die belegen, dass die IGMG eine extremistische Organisation ist. Tablighi Jamaat Im Mai fand in der Al-Nur-Moschee in Berlin das Jahrestreffen der Tablighi Jamaat (TJ) statt, an dem sich rund 700 Anh\u00e4nger aus Deutschland, darunter etwa 50 aus Bayern, beteiligten. Ziel der TJ ist die Islamisierung der Gesellschaft, um dadurch die Etablierung eines islamischen Staates zu erreichen, was bei diesem Jahrestreffen erneut deutlich wurde. Der gesamte Veranstaltungsablauf war gekennzeichnet durch den absoluten F\u00fchrungsanspruch der pakistanischen und indischen Scheichs (Welt-Shura). Sie \u00e4u\u00dferten ihren Unmut dar\u00fcber, dass Deutschland in den Missionierungserfolgen weit hinter anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur\u00fcckliege. Die Anh\u00e4nger wurden deshalb aufgefordert, ihre Missionierungsanstrengungen zu intensivieren; hierzu solle auch auf deutsche Entscheidungstr\u00e4ger wie B\u00fcrgermeister und Parlamentsabgeordnete zugegangen werden. \"Multi-KulturDer Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) best\u00e4tigte mit Urteil Haus Ulm e.V.\" vom 24. Januar 2007 das Vereinsverbot des \"Multi-Kultur-Hauses Ulm e.V.\" (MKH) nachdem er bereits im September 2006 einen Eilantrag des MKH gegen das Verbot abgelehnt hatte. Das MKH war ein vorwiegend in Bayern t\u00e4tiger und in Baden-W\u00fcrttemberg vereinsrechtlich eingetragener Verein. Da vom MKH Bestrebungen ausgingen, die sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richteten, wurde der Verein am 28. Dezember 2005 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern verboten. Die Schlie\u00dfung des MKH verunsicherte die \u00f6rtliche islamistische Szene nachhaltig und lie\u00df bislang unterschwellige Spannungen unter der Anh\u00e4ngerschaft des MKH zu Tage treten. Die fr\u00fcheren Besucher des MKH verteilen sich nun auf die umliegenden vorwiegend t\u00fcrkischen Moscheen. Einzelne ehemalige Mitglieder versuchen schwerpunktVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Entwicklung des politischen Extremismus 19 m\u00e4\u00dfig in Ulm/Baden-W\u00fcrttemberg neue Vereine zu gr\u00fcnden. Ehemalige MKH-Anh\u00e4nger sollen sich bem\u00fchen, unter Zuhilfenahme von Personen des \"Islamischen Informationszentrums Ulm e.V.\" (I.I.Z.-Ulm) eine Ersatzstruktur f\u00fcr das verbotene MKH zu schaffen. Bisher erfolgte keine vereinsrechtliche Neueintragung; die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Konsequentes beh\u00f6rdliches Vorgehen machte innerhalb der gesamten AG BIRGiT islamistischen Szene Eindruck. Die im Oktober 2004 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe BIRGiT (Beschleunigte Identifizierung und R\u00fcckf\u00fchrung von Gef\u00e4hrdern aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus und Extremismus), die sich aus Spezialisten der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, des Verfassungsschutzes, der Polizei und anderer Beh\u00f6rden zusammensetzt, hat bis Ende 2006 gegen islamistische Gef\u00e4hrder und Hassprediger 65 Ausweisungsbescheide veranlasst. In 40 F\u00e4llen ist der Aufenthalt mittlerweile beendet und die Wiedereinreise untersagt. Der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) hielt in Deutschland an seinem Gewaltverzicht fest. In der T\u00fcrkei fanden indessen massive K\u00e4mpfe gegen t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte statt. Ungeachtet dessen hat der KONGRA GEL zum 1. Oktober erneut einen einseitigen Waffenstillstand ausgerufen. Die terroristische Organisation \"Freiheitsfalken KurdisAnschl\u00e4ge der tans\" (TAK) setzte ihre Anschl\u00e4ge in der T\u00fcrkei gegen wirtschaftliche und \"Freiheitsfalken touristische Ziele mit zahlreichen Toten und Verletzten fort. Die FreiKurdistans\" (TAK) heitsfalken sind nach eigenen Angaben aus den HPG, den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" des KONGRA GEL, hervorgegangen. In Deutschland ist der KONGRA GEL auch weiterhin in der Lage, f\u00fcr Gro\u00dfveranstaltungen mehrere zehntausend Anh\u00e4nger zu mobilisieren. 2. Rechtsextremismus Der parteipolitische Rechtsextremismus fand bei Wahlen - wie schon im Vorjahr - wenig Zustimmung. Eine Ausnahme bildete die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), die im Fr\u00fchjahr bei den LandSingul\u00e4rer Wahltagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz noch scheiterte, erfolg der NPD aber im Herbst in Mecklenburg-Vorpommern den Einzug in das dortige Landesparlament schaffte. W\u00e4hrend die Mitgliederzahlen der NPD leicht gestiegen sind, hatten die Deutsche Volksunion (DVU) und die Partei \"Die Republikaner\" (REP) in Bayern wie im \u00fcbrigen Bundesgebiet Mitgliederverluste zu verzeichnen. Rechtsextremisten setzten ihre Agitation gegen eine Reform des Sozialsystems fort. Auch bei Wahlk\u00e4mpfen griffen sie aktuelle politische TheVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","20 Entwicklung des politischen Extremismus men auf und versuchten, durch Verkn\u00fcpfung nationalistischer, fremdenfeindlicher, antisemitischer und sozialdemagogischer Thesen die in der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Sorgen und Verunsicherungen f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu instrumentalisieren. Schwerpunkte Die Nahost-Problematik wurde von ihnen im Sinn ihres rassistisch motirechtsextremisvierten Antisemitismus kommentiert. Dar\u00fcber hinaus dienten ihnen die tischer Agitation Osterweiterung der Europ\u00e4ischen Union (EU) sowie die Beitrittsverhandlungen der T\u00fcrkei zur EU zur Sch\u00fcrung von \u00c4ngsten vor sozialen Ver\u00e4nderungen und zunehmender Kriminalit\u00e4t. Schwerpunkte rechtsextremistischer Agitation waren ferner Propagandaaktionen zum 60. Jahrestag der N\u00fcrnberger Prozesse. Rechtsextremisten sprachen in diesem Zusammenhang von \"Schandurteilen\", denn das Ziel der \"Siegerjustiz\" sei \"nicht Recht, sondern Rache\" gewesen. Auch die Auseinandersetzungen um die in einer d\u00e4nischen Zeitung Mohammedver\u00f6ffentlichten Mohammed-Karikaturen boten deutschen RechtsKarikaturen extremisten Ansatzpunkte zur Propaganda, machten aber auch das Spannungsverh\u00e4ltnis von Rechtsextremismus und Islamismus deutlich: Einerseits lehnen Rechtsextremisten Ausl\u00e4nder, insbesondere solche aus anderen Kulturen, in Deutschland ab. Andererseits wird die Agitation des Islamismus gegen westliche Werte zustimmend zur Kenntnis genommen. Desgleichen griff das rechtsextremistische Spektrum die revisionistischen und antisemitischen \u00c4u\u00dferungen des iranischen Staatspr\u00e4sidenten Ahmadinedschad auf, um so die eigenen Positionen zu st\u00e4rken. Die NPD war auch 2006 der Motor f\u00fcr die anhaltenden Versuche zur Einigung des rechtsextremistischen Lagers. Der von den Parteivorsitzen\"Deutschland-Pakt\" den der NPD und DVU in einem so genannten Deutschland-Pakt im von NPD und DVU Januar 2005 vereinbarte Verzicht auf konkurrierende Kandidaturen bei Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009 wurde nach dem Wahlerfolg der NPD in Mecklenburg-Vorpommern bekr\u00e4ftigt. Die weitere Zusammenarbeit mit der DVU und den neonazistisch orientierten Kr\u00e4ften in der von der NPD dominierten \"Volksfront von rechts\" ist allerdings durch eine aktuelle Finanzkrise erheblich gef\u00e4hrdet. Die DVU ist zwar weiterhin die finanzst\u00e4rkste rechtsextremistische Partei, aber nach wie vor zu einer sachorientierten politischen Arbeit nicht f\u00e4hig. Das wenig ausgepr\u00e4gte Parteileben ist nicht demokratisch organisiert und vom bedingungslosen Machtanspruch des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey dominiert. Obwohl die Vorsitzenden von NPD und DVU st\u00e4ndig betonen, dass sich beide Parteien in den Grundzielen einig seien, bestehen in den b\u00fcndnispolitischen Positionen nach wie vor DiffeVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Entwicklung des politischen Extremismus 21 renzen, insbesondere in der Frage einer Zusammenarbeit mit Neonazis. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt scheiterte die DVU trotz des mit der NPD geschlossenen \"Deutschland-Pakts\". Die Situation der REP ist seit Jahren durch interne AuseinandersetzunBest\u00e4tigung des gen \u00fcber den von der Parteif\u00fchrung offiziell vertretenen AbgrenzungsAbgrenzungskurses kurs gegen\u00fcber anderen Organisationen des rechtsextremistischen der REP-Spitze Spektrums gekennzeichnet. Auf dem Bundesparteitag am 9. und 10. Dezember setzte sich bei der Vorstandswahl der Parteivorsitzende Dr. Rolf Schlierer klar gegen seinen Mitbewerber Bj\u00f6rn Clemens durch, der sich im Vorfeld des Parteitags f\u00fcr ein Ende der \"Abgrenzungspolitik\" ausgesprochen hatte. Damit hat m\u00f6glicherweise eine grundlegende Weichenstellung f\u00fcr die k\u00fcnftige Entwicklung der Partei stattgefunden. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigte am 29. Juni das Verbot der neonazistischen Fr\u00e4nkischen Aktionsfront (F.A.F.) durch das Bayerische Staatsministerium des Innern. Die F.A.F. war bis zu ihrem Verbot im Januar 2004 eine der bedeutendsten Neonazi-Gruppierungen in Bayern und hatte aufgrund ihrer umfangreichen Aktivit\u00e4ten einen \u00fcberregionalen Bekanntheitsgrad in der rechtsextremistischen Szene erlangt. Neonazis und rechtsextremistische Skinheads verst\u00e4rkten erneut ihre intensive Zusammenarbeit. Dabei dominieren die neonazistischen Positionen gegen\u00fcber den eher diffusen rechtsextremistischen Orientierungen von Skinheads. Die Zahl neonazistisch orientierter Personen stieg auf 350; die Zahl der dem Spektrum rechtsextremistischer Skinheads zuzurechnenden Personen sank dagegen auf rund 750. Somit gibt es in Bayern weiterhin rund 1.100 gewaltbereite Rechtsextremisten. Die Zahl Gewaltbereite der Skinhead-Konzerte ist stark angestiegen. W\u00e4hrend die Gewalttaten Rechtsextremisten vom hohen Niveau des Vorjahres wieder zur\u00fcckgegangen sind, hat die Anzahl sonstiger Straftaten, insbesondere der Propagandadelikte, in Bayern zugenommen. Der von der Neonazi-Szene als wichtiges \u00f6ffentlichkeitswirksames Ereignis konzipierte \"Rudolf-He\u00df-Gedenkmarsch\" in Wunsiedel wurde erneut verboten. Die dagegen eingelegten Rechtsbehelfe blieben im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht erfolglos. Das im Februar 2001 vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtete Hinweistelefon (0 18 02 00 07 86) wurde seither Hinweistelefon von etwa 350 Personen genutzt. Meist handelte es sich bei den Anrufern um B\u00fcrger, die Hinweise auf rechtsextremistische Bestrebungen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","22 Entwicklung des politischen Extremismus gaben. In einigen F\u00e4llen bekundeten Rechtsextremisten ihren Willen zum Ausstieg. Dar\u00fcber hinaus hat das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz insgesamt \u00fcber 100 Personen angesprochen, von denen etwa die H\u00e4lfte inzwischen aus der rechtsextremistischen Szene ausgestiegen ist und etwa ein Dutzend als potenzielle Aussteiger bezeichnet werden k\u00f6nnen. 3. Linksextremismus Der gewaltbereite Linksextremismus stellt nach wie vor eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar und verdient auch in Bayern Beachtung. Das linksextremistische Gewaltpotenzial wird zu 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem autonomen und anarchistischen Spektrum gestellt. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern ist von 107 Delikten im Jahr 2005 auf 71 deutlich gesunken. Opfer waren \u00fcberwiegend (44 F\u00e4lle) Polizeibeamte, die zum Schutz von Veranstaltungen (z.B. der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz und von rechtsextremistischen Aufz\u00fcgen) eingesetzt waren. Auch bei den sonstigen Straftaten in Bayern war eine Reduzierung auf 69 (2005: 181) zu verzeichnen. Beim Thema \"Antiimperialismus\", insbesondere bei den Aktionen gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz, zeigt sich, dass die eigentlichen Angriffsziele der Autonomen der demokratische Staat und seine Repr\u00e4sentanten sind. Die Thematik \"Anti-Globalisierung\" mit Schwerpunkte Aktionen gegen den G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm/Mecklenburg-VorAnti-Globalisierung pommern stellt ebenfalls ein wichtiges Agitationsund Aktionsfeld der und Antifaschismus Autonomen dar. Dar\u00fcber hinaus bleibt ein Schwerpunkt autonomen Handelns der \"Antifaschismus\", d.h. der \"Kampf\" gegen tats\u00e4chliche und vermeintliche Rechtsextremisten; in diesem Zusammenhang wurden auch mit 50 Gewalttaten die meisten Gewaltdelikte ver\u00fcbt. Im Rahmen des Fusionsprozesses von Linkspartei.PDS und der nicht extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) stellten beide Parteien am 23. Februar als Diskussionsgrundlage f\u00fcr ein gemeinsames Programm erste \"Programmatische Eckpunktepapier Eckpunkte auf dem Weg zu einer neuen Linkspartei in Deutschland\" von Linkspartei.PDS vor. Am 20. September wurde ein \u00fcberarbeiteter zweiter Entwurf des und WASG Eckpunktepapiers ver\u00f6ffentlicht. Dieses Papier bildete die Basis f\u00fcr den Gr\u00fcndungsentwurf der \"Programmatischen Eckpunkte\", der von den Parteivorst\u00e4nden der Linkspartei.PDS und der WASG am 22. Oktober beschlossen wurde. Der Gr\u00fcndungsentwurf gibt in weiten Teilen Zielvorstellungen der Linkspartei.PDS wieder. So soll am Ziel der System\u00fcberwindung festgehalten werden, indem eine Gesellschaft gefordert Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Entwicklung des politischen Extremismus 23 wird, die \u00fcber den Kapitalismus hinausweist und die ihn in einem transformatorischen Prozess \u00fcberwindet. Der Name der neuen Partei soll \"DIE LINKE.\" sein. Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 10. Parteitags der Linkspartei.PDS am 26. November stimmten die Delegierten der Umwandlung der Partei von einem nicht rechtsf\u00e4higen in Umwandlung der einen rechtsf\u00e4higen Verein durch \u00c4nderung des Statuts zu, da das Linkspartei.PDS Parteiengesetz eine Fusion nicht vorsieht. Beide Parteien wollen den Parteineubildungsprozess bis zum 30. Juni 2007 abschlie\u00dfen. Erfolge konnte die Linkspartei.PDS bei den Landtagswahlen in den neuen Teilnahme an Bundesl\u00e4ndern verzeichnen. Die Partei behielt ihren Status als zweitWahlen st\u00e4rkste Fraktion in Sachsen-Anhalt bzw. als drittst\u00e4rkste Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern. Bei den Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz kandidierte die Linkspartei.PDS nicht eigenst\u00e4ndig, sondern war mit einigen Kandidaten auf den Listen der WASG angetreten. Die WASG scheiterte gleichwohl in beiden L\u00e4ndern an der 5 %-H\u00fcrde. In Berlin musste die Linkspartei.PDS bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus starke Verluste hinnehmen, blieb aber dennoch weiterhin an der Landesregierung beteiligt. 4. Scientology-Organisation Die Scientology-Organisation (SO) verfolgt weiterhin das Ziel, eine weltweite scientologische Gesellschaft nach eigenen, die Grundprinzipien Missachtung der der freiheitlichen demokratischen Grundordnung wie Gewaltenteilung, Grundprinzipien Rechtsstaatsprinzip und Demokratieprinzip missachtenden Regeln zu unserer Verfassung schaffen und zu regieren. Ihr h\u00f6chstes Ziel, die Weltherrschaft, steht im krassen Widerspruch zu ihren st\u00e4ndigen Beteuerungen, der Menschheit die v\u00f6llige Freiheit zu bringen, weil die Verwirklichung ihres Herrschaftsprinzips tats\u00e4chlich zu einer massiven Beeintr\u00e4chtigung der Menschenrechte f\u00fchren w\u00fcrde. F\u00fcr den einzelnen Menschen und seine Probleme hat die SO trotz anders lautender \u00f6ffentlicher Bekundungen kein Interesse. Kritische Personen zu \"Unterdr\u00fcckern\" zu erkl\u00e4ren oder Menschen zu \"potenziellen Schwierigkeitsquellen\" zu degradieren, offenbart die ideologische Menschenverachtung der scientologischen Lehre. Sie sieht sich als Inhaberin der absoluten Wahrheit mit dem Recht, sich die Welt anzueignen. Ihr einziges Ziel, an dem sich all ihre Aktivit\u00e4ten orientieren, ist die Expansion der Organisation. Bis dieses Ziel erreicht ist, steht die SO im Grunde mit allen Menschen, Gesellschaftsgruppen und Staaten, die sie ablehnen, in st\u00e4ndigem Konflikt. Vor diesem Hintergrund diffamierte sie auch 2006 in ihrer Propaganda die staatlichen Aufkl\u00e4rungsund Abwehrma\u00dfnahmen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","24 Entwicklung des politischen Extremismus Dabei versucht die SO weiterhin, die Beobachtung durch den Verfassungsschutz mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich gleichzuPropagandasetzen. Sie veranstaltet Info-St\u00e4nde, Ausstellungen und andere propaaktionen und gandistische Aktionen, um die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber ihre verfassungsExpansionsfeindlichen Absichten zu t\u00e4uschen und um neue Mitglieder zu werben. bestrebungen Ein Schwerpunkt der Expansionsstrategie der SO ist seit langem ihr Bestreben, in ihrem angeblichen Kampf gegen die Bildungsmisere und den Analphabetismus die Studiertechnologie Hubbards in der Gesellschaft zu etablieren. Dieses Bem\u00fchen, beispielsweise \u00fcber Nachhilfegruppen zun\u00e4chst unerkannt die Lehren Hubbards zu verbreiten, um letztendlich neue Mitglieder zu rekrutieren, hat sie zwar fortgesetzt, war jedoch weiterhin wenig erfolgreich. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Entwicklung des politischen Extremismus 25 5. Grafische Darstellungen Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten Rechtsextremisten der MitgliederLinksextremisten zahlen extremisScientology-Organisation Deutschland tischer OrganiMitglieder sationen in 80.000 Deutschland 60.000 58.200 57.400 48.400 38.600 40.000 34.100 30.700* 20.000 9.500 5.500** 0 1997 98 99 2000 01 02 03 04 05 06 * Die Kurve beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der Linkspartei.PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die Linkspartei.PDS hatte im Jahr 2006 insgesamt 60.300 Mitglieder, davon 1.000 in der KPF. ** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr das Vorjahr gesch\u00e4tzt. Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten Rechtsextremisten der MitgliederLinksextremisten zahlen extremisScientology-Organisation Deutschland tischer OrganiMitglieder sationen in 12.000 Bayern 10.050 10.000 9.190 8.000 7.900 6.000 5.550 3.920 4.000 3.410 2.600* 2.000 3.000 0 1997 98 99 2000 01 02 03 04 05 06 * Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr das Vorjahr gesch\u00e4tzt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","26 Entwicklung des politischen Extremismus Entwicklung extremistisch 2004 2005 2006 motivierter 1100 1.047 Gewalttaten in 1000 958 Deutschland 896 900 862 (Zahlen ohne terroristische 776 Straftaten) 800 700 600 521 500 400 300 200 95 100 61 47 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Entwicklung extremistisch 2004 2005 2006 120 motivierter 107 Gewalttaten in Bayern 100 (terroristische Straftaten 80 77 vgl. Fu\u00dfnoten) 71 60 47 42 40 27 20 113) 1) 2) 3 3 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten motivierte motivierte ausl\u00e4ndischer Gewalttaten Gewalttaten Extremisten 1) zus\u00e4tzlich f\u00fcnf terroristische Straftaten 3) zus\u00e4tzlich drei terroristische Straftaten 2) zus\u00e4tzlich vier terroristische Straftaten Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 27 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus Ausl\u00e4ndergruppen und ausl\u00e4ndische Einzelpersonen werden als extreEinstufung als mistisch bewertet und vom Verfassungsschutz beobachtet, wenn sich extremistisch ihre politischen Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand Bayerns bzw. des Bundes richten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die sich auch in Deutschland die Errichtung eines islamischen Gottesstaats nach dem Beispiel des Iran zum Ziel gesetzt haben und damit wesentliche Grunds\u00e4tze unserer freiheitlichen Verfassung beseitigen wollen. Der gesetzlichen Beobachtung unterliegen ferner Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind bzw. Gruppierungen von Ausl\u00e4ndern, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in ihrem Heimatland anstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 1.2 Entwicklung in Bayern LinksExtreme Islamische Gesamtzahl Mitgliederst\u00e4rke extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4nderKurden 1.800 (1.800) - (-) 50 (60) 1.850 (1.860) organisationen T\u00fcrken 280 (280) 1.250 (1.500) 4.900 (4.900) 6.430 (6.680) in Bayern Sonstige* 330 (280) 50 (150) 530 (540) 910 (970) Gesamtzahl 2.410 (2.360) 1.300 (1.650) 5.480 (5.500) 9.190 (9.510) (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahrs) * Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a. Die Gesamtzahl der Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4ndervereinigungen in Bayern verringerte sich erneut geringf\u00fcgig von 9.510 im Jahr 2005 Leicht gesunkene auf 9.190. Der R\u00fcckgang geht im Wesentlichen auf Austritte bei der Mitgliederzahl t\u00fcrkisch-nationalistischen Vereinigung AD\u00dcTDF (\"Graue W\u00f6lfe\") zuVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","28 Ausl\u00e4nderextremismus r\u00fcck. Wie in den Vorjahren stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) etwa 90 % aller ausl\u00e4ndischen Extremisten in Bayern. \u00dcber die H\u00e4lfte aller ausl\u00e4ndischen Extremisten ist dem Islamismus zuzurechnen. Ausl\u00e4ndische Extremisten in Deutschland 30.600 35.000 32.150 30.000 Islamische Extremisten 25.000 17.850 20.000 15.000 Linksextremisten 16.870 10.000 8.900 5.000 Extreme Nationalisten 8.380 0 2002 2003 2004 2005 2006 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern 5.500 7.000 5.480 6.000 Islamische Extremisten 5.000 4.000 2.800 3.000 Linksextremisten 2.070 2.410 2.000 1.000 Extreme Nationalisten 1.300 0 2002 2003 2004 2005 2006 Eine isolierte Betrachtung der Mitgliederzahlen der Organisationen verdeutlicht die Bedrohungslage nicht ausreichend. Insbesondere im Bereich des Terrorismus treten im Inland fast ausschlie\u00dflich organisationsunabh\u00e4ngige Einzelpersonen oder Anh\u00e4nger von Splittergruppen ausl\u00e4ndischer Organisationen mit Verbindungen zum islamistischen TerGewaltpotenzial rorismus auf. Ihre Gesamtzahl kann nur gesch\u00e4tzt werden. In Bayern in Bayern werden etwa 50 Personen Verbindungen zu terroristisch orientierten Netzwerken zugeschrieben. Zu ber\u00fccksichtigen ist jedoch, dass eine Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 29 weit gr\u00f6\u00dfere Zahl islamischer Extremisten - rund 500 Personen - Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele bef\u00fcrwortet, dabei aber vorrangig auf ihre jeweiligen Heimatl\u00e4nder und nicht auf Deutschland abzielt. 1.3 Gewalttaten In Deutschland betrug die Zahl der Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" (ohne Terrorismusdelikte) 95 gegen\u00fcber 47 im Jahr 2005. Auch in Bayern stieg die Zahl der ausl\u00e4ndischen Extremisten zuzurechnenden Gewaltdelikte von drei im Jahr 2005 auf elf deutlich an. Haupturs\u00e4chlich f\u00fcr diese Entwicklung waren f\u00fcnf Gewaltdelikte, die der KONGRA GEL-Anh\u00e4ngerschaft zuzurechnen sind (2005: 0). Neben diesen Gewaltdelikten ist die Zahl der Terrorismusdelikte von vier im Jahr 2005 auf drei im Jahr 2006 gesunken. In zwei F\u00e4llen wird wegen Anschlagsvorbereitungen ermittelt. In dem weiteren Fall steht ein t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger im Verdacht, Mitglied in der terroristischen Vereinigung DHKP-C zu sein. Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Am 18. Februar p\u00f6belten in Landshut vier unbekannte Ausl\u00e4nder drei Rechtsextremisten an und beschimpften sie als Nazis. Einer der Ausl\u00e4nder schlug einem 23-J\u00e4hrigen mit der Faust ins Gesicht. Am M\u00fcnchner Marienplatz beleidigten am 28. Februar etwa acht unbekannte T\u00e4ter ausl\u00e4ndischer Herkunft zwei alkoholisierte deutsche Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren mit den Worten \"Schei\u00df Deutsche\" und \"Schei\u00df Nazis\". Sie schlugen mit den F\u00e4usten auf sie ein und traten einen der Gesch\u00e4digten mit F\u00fc\u00dfen, als dieser bereits am Boden lag. Am 19. M\u00e4rz beleidigte in M\u00fcnchen ein 18-j\u00e4hriger alkoholisierter Albaner zwei Kontrolleure der S-Bahnwache mit Aussagen wie \"Schlitzauge, deine Mutter ist eine Hure!\" und \"Ihr Drecksdeutschen, ihr geh\u00f6rt mit den Schlitzaugen und Juden vergast!\" Bei einem anschlie\u00dfenden Handgemenge wurde ein Kontrolleur am Arm verletzt. Am 16. September wurde ein 42-j\u00e4hriger Deutscher, der mit seinem Fahrrad in Elsenfeld, Landkreis Miltenberg, unterwegs war, von mehreren bislang unbekannten Personen vom Fahrrad gesto\u00dfen und am Boden liegend getreten. Einer der T\u00e4ter forderte den Gesch\u00e4digten auf, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","30 Ausl\u00e4nderextremismus dem Papst einen sch\u00f6nen Gru\u00df auszurichten, wenn er ihn sehe. Am 12. September hatte Papst Benedikt XVI. einen Vortrag in Regensburg gehalten, der von Muslimen weltweit kritisiert worden war (vgl. auch Nummer 2.4.2 dieses Abschnitts). 1.4 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen Urteil im Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen verurteilte am 12. Januar den Iraker Lokman-Prozess Lokman Amin Mohammed wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Er hatte als f\u00fchrendes Mitglied der Ansar al-Islam im s\u00fcddeutschen Raum u.a. Spendengelder gesammelt, gewerbsm\u00e4\u00dfige Einschleusungen von Irakern nach Deutschland erm\u00f6glicht und die Einreise von \"Djihad-K\u00e4mpfern\" in den Irak organisiert. Damit kam es zur bundesweit ersten Verurteilung wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung, eines in Folge des 11. September 2001 neu geschaffenen Straftatbestands. Wegen Anstiftung zum Mord an \"Ungl\u00e4ubigen\" und Aufruf zu Terroranschl\u00e4gen wurde am 7. Februar der muslimische Prediger Abu Hamza al-Masri von einem Londoner Gericht zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dem ehemaligen Prediger der Londoner Moschee am Finsbury Park wurde u.a. vorgeworfen, die terroristische Gruppierung al-Qaida unterst\u00fctzt zu haben. Zudem war Abu Hamza im Besitz eines elfb\u00e4ndigen Werks mit dem Titel \"Enzyklop\u00e4die des afghanischen Djihad\", das bei der Vorbereitung oder Ver\u00fcbung eines Terrorakts helfen soll. Am 10. M\u00e4rz verurteilte ein Amsterdamer Gericht mehrere junge Muslime wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der so genannten Hofstad-Gruppe, zu Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren. Als Anf\u00fchrer der Hofstad-Gruppe galt Mohammed Bouyeri, der bereits im Juli 2005 wegen der Ermordung des Regisseurs Theo van Gogh im November 2004 zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Anklagen wegen Mehr als zwei Jahre nach den Bombenanschl\u00e4gen auf Madrider VorAnschl\u00e4gen in ortz\u00fcge am 11. M\u00e4rz 2004 mit 191 Todesopfern wurden 29 Personen Madrid u.a. wegen Mordes angeklagt. Die Angeklagten geh\u00f6rten einer lokalen islamistischen Terrorzelle an, die von der al-Qaida-Ideologie zur Tat motiviert worden war. Hinter den Anschl\u00e4gen von Madrid steht laut Anklage die Ende der 90er Jahre von Afghanistan-Veteranen gegr\u00fcndete islamistische Organisation \"Islamische Gruppe Marokkanischer K\u00e4mpfer\" (GICM). Der Prozess wird voraussichtlich im Fr\u00fchjahr 2007 beginnen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 31 Im bisher einzigen Prozess in den USA, der mit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 befasst war, wurde der marokkanischst\u00e4mmige Franzose Zacharias Moussaoui am 4. Mai zu lebenslanger Haft verurteilt. Hauptvorwurf der Anklage war, dass er die Anschl\u00e4ge trotz seines Wissens nicht verhindert habe. Moussaoui bezeichnete sich bereits im Vorfeld des Verfahrens als \"stolzes Mitglied der al-Qaida\" und sagte aus, er h\u00e4tte in einer zweiten Anschlagswelle ein Flugzeug ins Wei\u00dfe Haus steuern sollen. Nachdem der Generalbundesanwalt am 1. Dezember 2005 vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf Anklage erhoben hatte, begann am 9. Mai der Prozess gegen drei Personen wegen Mitgliedschaft bzw. Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung al-Qaida. Al-Qaida Der Hauptbeschuldigte aus Mainz soll von F\u00fchrungskadern den Auftrag erhalten haben, neue Mitglieder f\u00fcr Selbstmordanschl\u00e4ge in Europa zu rekrutieren sowie Geldmittel und sonstige logistische Unterst\u00fctzung zu beschaffen. Dazu konnte er die beiden Mitangeklagten gewinnen. Es sollten u.a. durch einen vorget\u00e4uschten t\u00f6dlichen Verkehrsunfall hohe Summen aus Lebensversicherungen eingenommen werden. Am 20. Juni begann vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen die HauptAnsar al-Islam - verhandlung gegen zwei Iraker. Den M\u00e4nnern aus M\u00fcnchen und N\u00fcrnProzess in berg wird vorgeworfen, die irakische Terrorgruppe Ansar al-Islam von M\u00fcnchen Deutschland aus logistisch und finanziell unterst\u00fctzt zu haben. Der Prozess dauert an. Ebenfalls am 20. Juni begann vor dem Oberlandesgericht Stuttgart der Prozess in Prozess gegen mutma\u00dfliche Mitglieder der Terrorgruppe Ansar al-Islam Stuttgart wegen eines Attentatversuchs auf den ehemaligen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Ijad Allawi im Dezember 2004. Gegen die drei Iraker aus Augsburg, Berlin und Stuttgart war am 10. November 2005 Anklage erhoben worden. Als Zeuge der Bundesanwaltschaft sagte auch der wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung vom Oberlandesgericht M\u00fcnchen im Januar verurteilte Kurde Lokman Amin Mohammed aus. Gegen einen der Angeklagten mit Wohnsitz in Bayern wurde ein Ausweisungsbescheid erlassen. Ein im Juni 2005 untergetauchter, Anfang 2006 in Gro\u00dfbritannien entdeckter Islamist wurde im Juni von den britischen Beh\u00f6rden auf der Grundlage europ\u00e4ischer R\u00fccknahme\u00fcbereinkommen an die Bundesrepublik Deutschland \u00fcberstellt. Aufgrund bestehender Haftbefehle wurde er unmittelbar nach der Einreise inhaftiert. Gegen den Islamisten, der nachweislich Kontakte zu islamistischen Terrornetzwerken Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","32 Ausl\u00e4nderextremismus unterhalten hatte, bestand seit 2003 eine Ausweisungsverf\u00fcgung wegen Gef\u00e4hrdung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Da Abschiebungshindernisse vorlagen, war er verpflichtet worden, seinen Aufenthalt in einer niederbayerischen Gemeinschaftsunterkunft zu nehmen. Im Juni 2005 war er von einer station\u00e4ren klinischen Behandlung nicht mehr zur\u00fcckgekehrt. Am 10. Oktober wurde bei Osnabr\u00fcck ein 36-j\u00e4hriger Iraker wegen Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung festgenommen. Er soll Audiound Videobotschaften der al-Qaida-FunktioVerbreitungen n\u00e4re al-Zarqawi, al-Zawahiri und Bin Ladin im Internet verbreitet haben. im Internet Mit dem Verfahren wird erstmalig in Deutschland die Verbreitung von Audiound Videobotschaften von al-Qaida im Internet als strafrechtlich relevante Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung verfolgt. Der Iraker lebte bis 2002 in Regensburg, die Ermittlungen gehen auch auf umfangreiche Mitteilungen bayerischer Sicherheitsbeh\u00f6rden zur\u00fcck. Urteil im Der Bundesgerichtshof (BGH) sprach am 16. November den Marokkaner Hamburger Mounir al-Motassadeq rechtskr\u00e4ftig der Mitgliedschaft in einer terrorisTerrorprozess tischen Vereinigung und der Beihilfe zum 246-fachen Mord schuldig. Das Urteil umfasst die Morde an den Insassen der am 11. September 2001 entf\u00fchrten vier Flugzeuge. Das Oberlandesgericht Hamburg setzte am 8. Januar 2007 das Strafma\u00df auf 15 Jahre fest. Die Verteidigung k\u00fcndigte an, sie werde Rechtsmittel einlegen. In erster Instanz war al-Motassadeq bereits im Februar 2003 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 F\u00e4llen verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte jedoch im M\u00e4rz 2005 das Urteil aufgehoben. Im August 2005 war al-Motassadeq dann wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft verurteilt, vom Vorwurf der Beihilfe zu den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 dagegen freigesprochen worden. Auch gegen dieses Urteil hatten Anklage und Verteidigung Rechtsmittel eingelegt. DurchsuchungsNeben den Ermittlungsund Gerichtsverfahren gab es im Jahr 2006 ma\u00dfnahmen auch zahlreiche, teilweise bundesweite Durchsuchungsma\u00dfnahmen. Diese richteten sich insbesondere gegen Anh\u00e4nger der terroristischen Vereinigung Ansar al-Islam (vgl. auch Nummer 3.3 dieses Abschnitts) sowie gegen Anh\u00e4nger der seit 1998 vereinsrechtlich verbotenen t\u00fcrkischen Extremistengruppe DHKP-C (vgl. auch Nummer 5.2 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 33 2. Islamischer Extremismus (= Islamismus) 2.1 Integrationsfeindlichkeit des Islamismus Der Islam als Religion und seine Aus\u00fcbung werden nicht vom VerfasGesetzlicher sungsschutz beobachtet. Der Beobachtung unterliegen jedoch islamisBeobachtungstische Gruppierungen und Einzelpersonen, die die unter Nummer 1.1 dieauftrag ses Abschnitts dargelegten Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus erf\u00fcllen. Die im Bundesgebiet aktiven islamistischen Gruppierungen wollen die in ihren Heimatl\u00e4ndern bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnungen durch ein auf dem Koran und der Scharia (islamisches Rechtssystem) basierendes islamisches Gesellschaftssystem ersetzen. \u00dcberwiegend streben sie sogar die Errichtung eines anti-laizistischen Gottesstaats auf der ganzen Welt an. Sie gehen davon aus, dass durch die Scharia eine alle Lebensbereiche umfassende islamische Gesellschaftsordnung vorgegeben sei, die es \u00fcberall zu verwirklichen gelte. Nach ihrer \u00dcberzeugung entsprechen die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Islamismus wegen ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs als einziges gesellschaftliches System in allen Aspekten vollst\u00e4ndig der menschlichen Natur. Die Trennung von Staat und Religion (Laizismus) in westlichen Staaten wird daher nicht nur als \"un-islamisch\" abgelehnt, sondern teilweise auch aktiv bek\u00e4mpft. Der Islamismus ist gepr\u00e4gt von Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen, teilweise sogar gegen friedliche, moderate Muslime. Aufgrund seines Absolutheitsanspruchs fordert er einen aktiven Kampf gegen alle \"Ungl\u00e4ubige\" und f\u00fcr die weltweite Islamisierung, falls n\u00f6tig durch Unterwerfung aller Nichtmuslime. Westliche Demokratieund Gesellschaftsvorstellungen werden abgelehnt, sofern sie nicht im Einklang mit der von den Islamisten vorgenommenen Auslegung des Korans und der Scharia stehen. Dies bedeutet die \u00c4chtung des demo\u00c4chtung kratischen Prinzips der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der Chancengleichheit der demokratischer Parteien. Ferner gibt es keine Gewaltenteilung, keine demokratische Prinzipien Legislative, keine Kontrolle der obersten Staatsgewalt. Auch die Menschenrechte nach westlichem Verst\u00e4ndnis werden nur anerkannt, sofern sie nicht im Widerspruch zur Scharia stehen. Islamistische Gruppen wenden sich infolgedessen massiv gegen eine Ablehnung von echte Integration. Sie versuchen, vor allem junge Menschen zu beeinIntegration flussen und sie zu einer Ablehnung unserer demokratischen Ordnung und unserer freiheitlichen Gesellschaft zu bewegen. Dazu dienen die privaten Koranschulen extremistischer Organisationen wie auch die Pflicht f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen, Kopft\u00fccher zu tragen, was zur bewussten Abgrenzung von westlichen Lebensgewohnheiten beitr\u00e4gt (vgl. auch Nummer 2.3 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","34 Ausl\u00e4nderextremismus Haltung zur Die Haltung zur Gewalt ist differenziert zu sehen. Gewalt wird meist Gewalt nicht grunds\u00e4tzlich abgelehnt, sondern eher von taktischen \u00dcberlegungen abh\u00e4ngig gemacht. Nach Ansicht islamistischer Theoretiker schlie\u00dft der \"Djihad\" (w\u00f6rtlich: Innerer Kampf, Anstrengung; auch bekannt als \"Heiliger Krieg\") als Instrument zur Verwirklichung der islamischen Gesellschaftsordnung alle zum Sieg verhelfenden Mittel ein. So bef\u00fcrwortet eine Vielzahl der islamistischen Gruppierungen aus dem arabischen Raum Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Die im Bundesgebiet mitgliederst\u00e4rkste islamistische Gruppierung, die t\u00fcrkische Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG), setzt dagegen vordergr\u00fcndig auf politische Aktivit\u00e4ten zur Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Ordnungen in der T\u00fcrkei und in Deutschland (vgl. auch Nummer 3.9.1 dieses Abschnitts). 2.2 Rolle des Internets Sowohl nicht gewaltbereite Islamisten als auch islamistische Terroristen Propaganda, nutzen das Internet in professioneller Weise als wesentliches PropaKommunikation, ganda-, Kommunikationsund Steuerungsmedium. Inzwischen sorgen Steuerung mehrere tausend einschl\u00e4gige Terrorseiten f\u00fcr eine weltweite Verbreitung der Djihad-Ideologie. Internet-Auftritte von islamischen Extremisten und von islamistischen Organisationen mit zahlreichen und eindeutigen Verweisen bzw. Links auf Internet-Angebote mit terroristischen Inhalten zeigen deutlich, wie leicht, flie\u00dfend und damit gef\u00e4hrlich \u00fcber das offene Medium des World Wide Web der \u00dcbergang vom Islamisten zum gewaltbereiten islamistischen Terroristen ist. Die Vorteile des Internets werden auch vom nicht gewaltbereiten Spektrum des Islamismus umfassend genutzt, da die spontane Bildung interaktiver und ideologisch gleich gesinnter Internet-Gemeinden kein gro\u00dfes Fachwissen erfordert und ein schnelles Agieren sowie eine gro\u00dfe Gro\u00dfe Reichweite Reichweite im Web erm\u00f6glicht. Hier werden Meinungen ausgetauscht, Verlautbarungen und einschl\u00e4gige Schriften verbreitet, Audiound Video-Botschaften eingestellt oder neu verlinkt und somit einem breiten Publikum von Sympathisanten zur Verf\u00fcgung gestellt. Neben der zunehmenden Verwendung von neuen Techniken, wie z.B. Podcasting, Weblogs, PalTalk und Chat, sorgt eine neue Generation von islamistischen IT-Fachleuten f\u00fcr professionell aufbereitete und getarnte Internet-Auftritte. So sind islamistische Internet-Angebote, insbesondere im Bereich des Djihadismus, \u00e4u\u00dferst dynamisch. Die Homepages \u00e4ndern h\u00e4ufig ihr Erscheinungsbild und sind teilweise nur \u00fcber einen kurzen Zeitraum abrufbar. Ein Gro\u00dfteil der Internet-Seiten ist in araVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 35 bischer Sprache abgefasst, teilweise werden englisch-, franz\u00f6sischund auch deutschsprachige Fassungen pr\u00e4sentiert. Einige Internet-Angebote bieten ihre Seiten auch als so genannte Weblogs an, die es erlauben, eigene Beitr\u00e4ge einzubringen und so interaktive Netzgemeinden zu bilden. In einer Vielzahl von meist abgeschlossenen bzw. passwortgesch\u00fctzten Diskussionsforen bilden sich abgeschottete Gruppen ideologisch Gleichgesinnter, in denen neben einer weitgehend unbemerkten Kommunikation auch eine religi\u00f6se bzw. ideologische Schulung und damit einhergehend die Radikalisierung von Sympathisanten stattRadikalisierung findet. Islamisten sehen im Internet zudem eine hervorragende M\u00f6gund Rekrutierung lichkeit, gerade junge Menschen anzusprechen und zu rekrutieren. Durch eine oftmals heroische Darstellung und durch die Verherrlichung des M\u00e4rtyrertums soll der bewaffnete Kampf als etwas Heldenhaftes und Erstrebenswertes vermittelt werden. In Online-Magazinen werden Ausbildungsinhalte zu Themen wie Waffenkunde, Bombenbau, \u00dcberlebenstraining, konspirative Kommunikation und Guerilla-Kampftechniken vermittelt. Diese theoretischen und taktischen Anleitungen werden durch Videos erg\u00e4nzt, die nicht nur darlegen, wie beispielsweise Bomben gebaut werden, sondern auch wie dieses Wissen praktisch umgesetzt wird, indem \"live\" gefilmte Anschl\u00e4ge gezeigt werden. Dieses \"Fachwissen\" kann weltweit abgerufen werden. Damit sollen die durch den internationalen Antiterror-Kampf erschwerten Rahmenbedingungen, wie die Zerst\u00f6rung der Ausbildungslager in Afghanistan, zumindest teilweise ausgeglichen werden. Es sind somit \"virtuelle Ausbildungslager\" entstanden, die gewaltbereiten Isla\"Virtuelle misten den Vorteil bieten, sich terroristisches Grundwissen anzueignen, Ausbildungslager\" ohne sich der Gefahr auszusetzen, durch Aufenthalte in Ausbildungslagern erkannt zu werden. Das Internet erm\u00f6glicht folglich auch die weltweite Verbreitung von multimedial aufbereiteter Propaganda und damit die Rekrutierung neuer K\u00e4mpfer. Ein weiteres, nicht zu untersch\u00e4tzendes Ziel des gro\u00df angelegten Internet-Einsatzes ist die psychologische Kriegsf\u00fchrung. Zum einen soll der Psychologische Welt durch die \u00fcberwiegend qualitativ hochwertige Darstellung vor Kriegsf\u00fchrung allem der Videos (u.a. fremdsprachliche Untertitelung, pr\u00e4zise Dokumentation von Attentaten, hohe Bildund Tonqualit\u00e4t) ein Gef\u00fchl der St\u00e4rke und uneingeschr\u00e4nkten Aktionsf\u00e4higkeit der Hersteller vermittelt werden; zum anderen soll der als schwach und dekadent eingesch\u00e4tzte Westen durch die Verbreitung von martialischen Drohungen und von Videos, in denen die Enthauptung von Geiseln in allen Details wiedergegeben wird, in Angst und Schrecken versetzt werden. Die Videobotschaften von weltweit gesuchten F\u00fchrungspersonen von al-Qaida solVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","36 Ausl\u00e4nderextremismus len die Anh\u00e4nger nicht nur zu neuen Taten anspornen, sondern den Akteuren gleichzeitig den Nimbus von Heldenmut und Unbesiegbarkeit verleihen. 2.3 Islamistische Bildungsund Jugendarbeit Eine Vielzahl islamischer Einrichtungen in Deutschland wendet sich mit Bildungsund Betreuungsangeboten an Kinder, Jugendliche und Heranwachsende. Die Angebote sind nur teilweise extremistischer Natur. Eine Gefahr liegt jedoch darin, dass vor allem islamistische Organisationen dieser Arbeit hohe Bedeutung beimessen, um der Jugend eine moralische Orientierung zu geben, die ihrer Ansicht nach in der westlichen Gesellschaft nicht gew\u00e4hrleistet ist. Zudem ist die Jugendarbeit wesentlicher Baustein zum Erhalt und zur Fortentwicklung der eigenen Organisation. Eine besondere Rolle bei der Bildungsarbeit islamistischer OrganisatioKorankurse nen nimmt die religi\u00f6se Fortbildung und somit der Koranunterricht ein. In nahezu allen Moscheevereinen werden Korankurse angeboten. Der Unterricht findet nach Geschlechtern getrennt in der Regel am Wochenende statt. Zus\u00e4tzlich bieten die Vereine w\u00e4hrend der Ferien besondere Kurse im Inund Ausland an. Parallel zu den Korankursen werden gelegentlich auch Arabischkurse angeboten, die das inhaltliche Verst\u00e4ndnis des Korans erm\u00f6glichen sollen. Dabei schaffen sich extremistische Organisationen M\u00f6glichkeiten, in die als religi\u00f6se \"islamische\" Bildung pr\u00e4sentierten Angebote islamistische, auf politische Inhalte ausgelegte Positionen einflie\u00dfen zu lassen und pr\u00e4gend auf Kinder und Jugendliche einzuwirken. Bildungsarbeit von Als Anbieter von Korankursen treten im Bereich der islamistischen OrgaIGMG und IGD nisationen insbesondere die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) sowie die mitgliederst\u00e4rkste Organisation von Anh\u00e4ngern der sunnitisch-extremistischen Muslimbruderschaft (MB), die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD), auf (vgl. auch Nummern 3.1 und 3.9.1 dieses Abschnitts). Die IGMG versucht, mit einem breiten Angebot in der Jugendund Bildungsarbeit bis hin zu \u00dcberlegungen, eigene Kinderg\u00e4rten einzurichten, und der Veranstaltung von Sommerkorankursen, junge T\u00fcrken in Deutschland an die Organisation und an ihre islamistische Ideologie zu binden. Durch diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche aus dem \"Sumpf der westlichen Lebensweise\" herausgehalten und nach \"islamischen\" Wertma\u00dfst\u00e4ben erzogen werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 37 Auch die IGD bem\u00fchte sich in den letzten Jahren verst\u00e4rkt um Attraktivit\u00e4t f\u00fcr die in Deutschland aufgewachsenen Muslime arabischer Herkunft. Diese sollen u. a. \u00fcber den Ausund Aufbau von Bildungseinrichtungen in Islamischen Zentren der IGD erreicht werden. Neben der herk\u00f6mmlichen Bildungsund Jugendarbeit haben islamis\"Pop-Islamismus\" tische Jugendorganisationen aber auch die Sogund Identifikationswirkung von Musik auf muslimische Jugendliche entdeckt. So demonstriert ein Teil der in Deutschland geborenen oder aufgewachsenen jungen Muslime vor allem durch Rap-Musik ein neues \"islamisches Bewusstsein\". Inhalt und Form der Musik sind ebenso wie die Darstellung gewollt politisch und gesellschaftlich provokant gehalten. Themen sind beispielsweise die \"ungerechtfertigt negative\" Darstellung des Islam in den deutschen Medien, die \"Kopftuchdebatte\" oder der \"Krieg gegen den Terror\". Zum Teil bieten islamistische Jugendorganisationen diesen deutschsprachigen Bands gezielt eine Plattform f\u00fcr Auftritte. Die Texte rufen dabei zu einem Bekenntnis f\u00fcr eine \"islamische Identit\u00e4t\" auf. Die \"Gesellschaftskritik\", die wesentlicher Bestandteil der Rap-Musik ist, wird dabei religi\u00f6s-politisch untermauert. Zur wichtigen Identifikationsfigur junger Muslime weltweit hat sich der \"Fernsehprediger\" \u00e4gyptische \"Fernsehprediger\" Amr Khaled entwickelt. Durch seine regelm\u00e4\u00dfigen Auftritte im saudi-arabischen Satellitensender \"Iqra\" genie\u00dft er hohe Popularit\u00e4t bei seinem \u00fcberwiegend jugendlichen Zielpublikum. In der \u00f6ffentlichen Wahrnehmung gilt Khaled als \"unpolitischer\", aber der \u00e4gyptischen Muslimbruderschaft nahestehender Vertreter des Islam, der sich vor allem allt\u00e4glicher Probleme junger Muslime annimmt. Die Popularit\u00e4t Khaleds machen sich auch extremistische Organisationen wie die IGD zu Nutze, indem sie ihn als Publikumsmagnet zu ihren Veranstaltungen einladen. 2.4 Protestaktionen 2.4.1 Proteste gegen die Ver\u00f6ffentlichung von Mohammed-Karikaturen Die d\u00e4nische Tageszeitung \"Jyllands-Posten\" ver\u00f6ffentlichte im September 2005 unter der Bezeichnung \"Das Gesicht Mohammeds\" eine Serie von zw\u00f6lf Karikaturen des Propheten Mohammed, wenngleich eine bildhafte Darstellung des Propheten bei Muslimen nicht statthaft ist. In den Zeichnungen wurde der Religionsstifter u. a. mit Turban in Form einer Bombe mit brennender Lunte dargestellt. Im Oktober 2005 erstatteten daraufhin elf Vertreter d\u00e4nischer islamischer Organisationen Strafanzeige wegen Blasphemie. Gleichwohl kam es erst nach einer Reise Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","38 Ausl\u00e4nderextremismus d\u00e4nischer Imame durch einige islamische Staaten Ende 2005 sowie durch die Abbildung der Karikaturen in anderen Medien, so auch in der deutschen Zeitung \"Die Welt\" am 1. Februar, bis zum Fr\u00fchjahr zu weltweiten Protesten emp\u00f6rter Muslime. Bei ihrer Kampagne in den islamischen Staaten hatten die d\u00e4nischen Imame allerdings ein Dossier pr\u00e4sentiert, das zus\u00e4tzlich drei besonders provozierende Karikaturen enthielt, die von \"Jyllands-Posten\" weder in Auftrag gegeben noch ver\u00f6ffentlicht worden waren. Der weltweite Protest, an dem sich auch Islamisten beteiligten, reichte von Gro\u00dfdemonstrationen \u00fcber den Boykott d\u00e4nischer Produkte bis hin zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen, die zahlreiche Menschenleben kosteten. So wurden in mehreren Staaten die d\u00e4nischen Botschaften gest\u00fcrmt bzw. in Brand gesetzt. Auch Deutschland war u. a. durch Gewaltt\u00e4tige die \u00dcbergriffe von Demonstranten auf die Au\u00dfenstelle der deutschen \u00dcbergriffe Vertretung in Ramallah und Aktionen w\u00fctender Studenten vor der im Ausland Deutschen Botschaft in Teheran direkt von den Ereignissen betroffen. Nach Zeitungsberichten wurden ferner in Peschawar/Pakistan mehrere Puppen gehenkt, von denen eine den deutschen Vize-Bundeskanzler darstellen sollte. In Bayern gab es keine gewaltt\u00e4tigen Aktionen von Islamisten. Zwar wurde die Ver\u00f6ffentlichung der Karikaturen auch hier in mehreren Moscheen verurteilt, zugleich aber Gewalt als Form des Protests abgelehnt. Die gewaltsamen \u00dcbergriffe in verschiedenen arabischen Staaten wurden \u00fcberwiegend als \u00dcberreaktionen bewertet, wenngleich teilweise auch ein gewisses Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr herrschte. 2.4.2 Proteste gegen den Vortrag von Papst Benedikt XVI. in Regensburg Gegen eine theologische Vorlesung am 12. September an der Universit\u00e4t Regensburg, in der Papst Benedikt XVI. eine islam-kritische Aussage eines ostr\u00f6mischen Kaisers zitierte, kam es im Ausland von muslimischer und insbesondere von islamistischer Seite zu heftigen Reaktionen. Gewaltt\u00e4tige Es gab zahlreiche - teils gewaltt\u00e4tige - Protestdemonstrationen, u.a. Protestaktionen wurden in Somalia eine Nonne und ihr Leibw\u00e4chter get\u00f6tet. Der Leiter im Ausland der islamistischen Muslimbruderschaft, Mohammed Mahdi Akef, sprach von einer Bedrohung des Weltfriedens durch den Papst. Er forderte alle muslimischen Staaten zum Abbruch ihrer Beziehungen mit dem Vatikan auf, sollte der Papst seine \u00c4u\u00dferungen nicht zur\u00fccknehmen. In einer Erkl\u00e4rung der irakisch-kurdischen Terrororganisation \"Ansar al-Sunna\" wurde der Papst als \"Vertreter des Teufels\" bezeichnet und die \"ZerVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 39 tr\u00fcmmerung der Mauern Roms\" prophezeit. Am 30. September \u00e4u\u00dferte der Bin Ladin-Stellvertreter Dr. Ayman al-Zawahiri in einer von al-Djazira ausgestrahlten Videobotschaft, dass der Papst ein Betr\u00fcger sei, der das Wesen Gottes und seines Propheten verunglimpft habe. Er verglich Papst Benedikt XVI. mit Papst Urban II., der zu den historischen Kreuzz\u00fcgen aufgerufen hatte. In Bayern fielen die Reaktionen der islamistischen Szene gem\u00e4\u00dfigt aus, es war ein Bestreben der islamistischen Organisationen erkennbar, die vorhandene Emp\u00f6rung nicht weiter zu sch\u00fcren. Vielfach wurde jedoch eine Entschuldigung des Papstes gefordert. Nachdem der Papst sein Bedauern \u00fcber m\u00f6gliche Missverst\u00e4ndnisse ausgedr\u00fcckt hatte, beruhigte sich die Lage. 2.4.3 Reaktionen auf den milit\u00e4rischen Konflikt im Libanon Nachdem am 12. Juli der milit\u00e4rische Arm der Hizb Allah zwei israelische Soldaten entf\u00fchrt hatte, um von Israel die Freilassung mehrerer Gefangener zu erzwingen, griff Israel Ziele im Libanon an; die Hizb Allah wiederum feuerte tausende Raketen auf Israel ab (vgl. auch Nummer 3.6 dieses Abschnitts). In Deutschland lebende Anh\u00e4nger der Hizb Allah reagierten auf diese milit\u00e4rischen Ereignisse mit Mahnwachen, Protestkundgebungen und \u00f6ffentlichen Aufz\u00fcgen. In Berlin, Hamburg und M\u00fcnster wurden dabei sowohl Embleme der Hizb Allah gezeigt als auch anti-israelische und anti-amerikanische Parolen skandiert. Bei nahezu allen Aktionen war der einseitig und pauschal gegen Israel und die USA gerichtete Charakter erkennbar. In Bayern stie\u00dfen die Kriegshandlungen im Nahen Osten sowohl bei Schiiten libanesischer Herkunft als auch bei anderen Muslimen auf gro\u00dfes Interesse. In M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg fanden im August - teils mit Beteiligung von deutschen Linksextremisten - mehrere Veranstaltungen statt; zu Gewalttaten kam es dabei nicht. 3. Islamistische Gruppierungen 3.1 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen Deutschland Bayern Mitglieder: 1.250 200 Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Publikation: \"Risalat ul-Ikhwan\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","40 Ausl\u00e4nderextremismus Die von Hassan al-Banna in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunnitisch-extremistische MB ist eine multinationale Organisation, bei der eine Unterteilung in nationale Sektionen erkennbar ist. Die von der MB angestrebte Staatsform weist deutliche Z\u00fcge eines diktatorischen bzw. totalit\u00e4ren Herrschaftssystems auf, das die Selbstbestimmung des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiert. Die Grundideologie der MB ist auf die Errichtung islamischer GottesEmblem staaten ausgerichtet. Dieses Fernziel eint alle Str\u00f6mungen innerhalb der der MB MB. Ein Gro\u00dfteil der ideologischen Grunds\u00e4tze der MB ist somit unvereinbar mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland veranSunnitisch-extrekerten Prinzipien der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der mistische Ideologie Menschenw\u00fcrde basierenden politischen Ordnung. Die Ideologie der MB ist in der gesamten muslimischen Welt verbreitet und hat zur Herausbildung zahlreicher militanter islamistischer Organisationen gef\u00fchrt (vgl. auch das Schaubild auf der Seite 41 dieses Berichts). In ihrem Ursprungsland \u00c4gypten ist die MB verboten; sie wird jedoch inzwischen geduldet. Sie verdankt ihren Einfluss vor allem ihrem sozialen Engagement. Anfang 2004 \u00fcbernahm Mohamed Mahdi Akef die F\u00fchrung des \u00e4gyptischen Zweigs der MB. Akef hatte Mitte der 80er Jahre das der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) zugeh\u00f6rige Islamische Zentrum M\u00fcnchen (IZM) geleitet. Er war in seiner Jugend mit dem MB-Gr\u00fcnder Hassan al-Banna befreundet. Sp\u00e4ter wurde er wegen eines geplanten Anschlags auf den \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten zum Tode verurteilt und schlie\u00dflich nach 20 Jahren Gef\u00e4ngnis begnadigt. Schon von Deutschland aus baute er seinen Einfluss auf den internationalen Zweig der MB aus. In seiner Person zeigt sich die personelle und ideologische Kontinuit\u00e4t der MB. In einem offenen Brief, der im August im Internet ver\u00f6ffentlicht wurde, sprach sich Akef f\u00fcr den bewaffneten Kampf gegen Israel aus. Anlass waren die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen der Hizb Allah und der israelischen Armee im Libanon: \"Dann kam diese nicht ausgewogene Schlacht, die gezeigt hat, dass das Besiegen dieser Armee m\u00f6glich ist, nicht nur durch Armeen, sondern mit K\u00e4mpfern, die an Allah glauben und nach dem Martyrium streben. (...) Aus diesem Grunde rufen wir dazu auf, alle jungen Menschen, die den Djihad w\u00fcnschen, in allen islamischen und arabischen L\u00e4ndern zu trainieren, damit sie als die Speerspitzen der Armeen und an deren Seite in der Schlacht der Befreiung und der W\u00fcrde k\u00e4mpfen werden.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 41 Regionale Str\u00f6mungen der Muslimbruderschaft Algerien Syrien \u00c4gypten Pal\u00e4stina Tunesien Islamische Islamische Al-Gamaa HAMAS En Nahda Heilsfront (FIS) Avantgarden / al-Islamiya (GI) Islamisches Bewaffnete Zentrum (IZ) Djihad Islami (JI) Islamische in Aachen Islamischer Bund Gruppe (GIA) Pal\u00e4stina (IBP) F\u00f6deration der Al-Aqsa e.V. Islamischen Organisation in Europa (FIOE) Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Ausl\u00e4ndische Organisationen mit Einzelmitgliedern in Deutschland Organisationen mit Sitz in Deutschland / Europa In einem Interview mit dem Hizb Allah-eigenen libanesischen Fernsehsender \"al-Manar\" \u00e4u\u00dferte Akef am 2. August, er bedauere es, dass man derzeit nur materielle Hilfe und ideelle Unterst\u00fctzung leisten k\u00f6nne, aber der Tag werde kommen, an dem man wie ein Mann mit den Libanesen zusammenstehen und gegen den zionistischen Feind k\u00e4mpfen werde. Nach Auskunft Akefs ist die MB besonders stolz auf ihre \"Verwandtschaft\" mit der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung HAMAS des inzwischen get\u00f6teten Scheichs Yassin. Auch der Tunesier Rachid Ghannouchi, F\u00fchrer der En Nahda, der Algerier Abassi Madani, Vorsitzender der FIS, und der T\u00fcrke Prof. Dr. Necmettin Erbakan, F\u00fchrer der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, wurden immer als Br\u00fcder angesehen. Diese Aussage Akefs ist deshalb bemerkenswert, weil sie nicht nur die N\u00e4he zu den anderen Zweigen der MB in Tunesien und Algerien betont, sondern auch eine ideologische Verbindung zum t\u00fcrkischen Islamismus erkennen l\u00e4sst. Offiziell haben sich die meisten Zweige der MB von der Gewalt abgeHaltung zur wandt. Aussagen Mahdi Akefs und Selbstmordattentate der pal\u00e4stinenGewalt sischen Sektion der MB \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) zeigen indes, dass die MB Gewalt weiterhin als legitimes politisches Mittel betrachtet. Als Dachverband MB-naher Organisationen in Europa fungiert die \"F\u00f6deration der Islamischen Organisationen in Europa\" (FIOE) mit Sitz Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","42 Ausl\u00e4nderextremismus in Leicester/Gro\u00dfbritannien. Sie wurde 1989 im Rahmen einer Resolution begr\u00fcndet, die anl\u00e4sslich einer Generalversammlung von Repr\u00e4sentanten der wichtigsten Islamischen Zentren, Gesellschaften und VerMB in Europa einigungen in Europa verabschiedet wurde. Eine weitere einflussreiche und eng mit der MB verflochtene Organisation ist der \"Europ\u00e4ische Fatwa-Rat\" (ECFR) mit Sitz in Dublin/Irland. Dessen Vorsitzender Yusuf al-Qaradawi ist als Sympathisant der MB bekannt. Die MB tritt in Deutschland nicht offen in Erscheinung. Personell ist sie mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) verflochten, die als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB gilt. Anh\u00e4nger des syrischen Zweigs der MB gr\u00fcndeten Anfang der 80er Jahre die \"Islamischen Avantgarden\" mit organisatorischem Schwerpunkt im \"Islamischen Zentrum\" in Aachen. 3.1.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 120 Gr\u00fcndung: 1960 in Deutschland Sitz: M\u00fcnchen Pr\u00e4sident: Ibrahim Farouk el-Zayat Publikation: \"al-Islam\" (nur noch als Internet-Ausgabe) Einfluss der MB Die IGD gilt als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB. Sie auf die IGD hat ihren Sitz im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen und ist Mitglied in der FIOE, dem europ\u00e4ischen Dachverband der MB (vgl. auch Nummer 3.1 dieses Abschnitts). Die IGD versucht durch politisches Engagement in Deutschland, die Verwirklichung ihrer Ideologie zu erreichen. Ihr Ziel ist dabei nicht die Integration, sondern die Ver\u00e4nderung der Gesellschaft den eigenen Vorstellungen entsprechend. Diese Vorstellungen sind von den ideologischen Grunds\u00e4tzen der MB gepr\u00e4gt, wobei die Anh\u00e4nger der IGD bem\u00fcht sind, dies in Logo der IGD \u00f6ffentlichen Verlautbarungen nicht zum Ausdruck zu bringen. Seit dem 14. Februar 2002 ist Ibrahim Farouk el-Zayat Pr\u00e4sident der IGD. Dieser wurde in der Zeitschrift \"islam-online.net\" vom 19. M\u00e4rz 2004 als Vertreter der MB in Deutschland bezeichnet, was die enge Beziehung zwischen MB und IGD verdeutlicht. Dass die IGD um das Gedankengut der MB bem\u00fcht ist, zeigt sich auch am diesj\u00e4hrigen Auftritt des fr\u00fcheren sudanesischen Ministers f\u00fcr religi\u00f6se Angelegenheiten Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 43 und Repr\u00e4sentanten der MB, Esam al-Bashir, als Gast-Imam im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen (IZM). Dieser Besuch wurde vom Pr\u00e4sidenten der IGD, Ibrahim el-Zayat, begleitet. Um die langfristigen Ziele besser durchsetzen zu k\u00f6nnen, wurde unter \"Imam-Rat\" Beteiligung der IGD ein \"Imam-Rat\" in Deutschland eingerichtet. Dieser unterh\u00e4lt Kontakte zu dem der MB nahe stehenden \"Europ\u00e4ischen Fatwa-Rat\" (vgl. auch Nummer 3.1 dieses Abschnitts). Aufgabe des deutschen \"Imam-Rats\" ist es, die Vereinbarkeit der deutschen Rechtsordnung mit Koran und Sunna zu pr\u00fcfen. Der IGD sind mehrere Islamische Zentren (IZ) in Deutschland nachgeordnet. In Bayern sind dies das IZM und das Islamische Zentrum N\u00fcrnberg (IZN). Dar\u00fcber hinaus verf\u00fcgt die IGD \u00fcber ein weit verzweigtes Netz an Kooperationspartnern in verschieden St\u00e4dten Deutschlands. Daneben ist eine Reihe weiterer - nominell aber eigenst\u00e4ndiger - Vereine der IGD zuzurechnen. Das um die IGD bestehende Netzwerk ist wenig transparent; seit der \u00c4nderung der diesj\u00e4hrigen Umgestaltung des Internet-Auftritts ist ein Einblick in den Vereinsstruktur organisatorischen Aufbau der IGD f\u00fcr Au\u00dfenstehende kaum mehr m\u00f6glich, was vor allem mit den Bem\u00fchungen der IGD um Verselbst\u00e4ndigung der ihr nachgeordneten Islamischen Zentren zusammenh\u00e4ngt. Damit entstehen Vereinsstrukturen, die nur schwer kontrollierbar sind. Dar\u00fcber hinaus erm\u00f6glichen die rein formalen Umstrukturierungsma\u00dfnahmen, die tats\u00e4chliche Anbindung an die IGD nach au\u00dfen hin zu verschleiern. Ferner best\u00fcnde dann f\u00fcr die der IGD bisher nachgeordneten Zentren die M\u00f6glichkeit, selbst\u00e4ndig die steuerrechtliche Gemeinn\u00fctzigkeit zu beantragen, die die IGD 1999 verloren hat. So hat sich inzwischen der \"F\u00f6rderverein des Islamischen Zentrums N\u00fcrnberg e.V.\" in \"Islamische Gemeinde in N\u00fcrnberg e.V.\" umbenannt. Auch die Islamische Gemeinde Erlangen e.V. (IGE), die von der IGD noch bis vor kurzem als Kooperationspartner gef\u00fchrt wurde, ist bem\u00fcht, ihre Unabh\u00e4ngigkeit von der IGD zu demonstrieren. F\u00fcr beide Organisationen gilt jedoch, dass ein dauerhafter Bruch mit der IGD gegenw\u00e4rtig nicht erkennbar ist. Ein wesentliches Bet\u00e4tigungsfeld der IGD ist die \"Erziehung und BilBildungsarbeit dung\" junger Menschen, um auf diesem Weg die Gesellschaft ihren ideologischen Zielen entsprechend zu reformieren. So bem\u00fchte sich die IGD in den letzten Jahren gezielt um die in Deutschland aufgewachsenen Muslime arabischer Herkunft. Diese sollen u.a. \u00fcber den Ausund Aufbau von Bildungseinrichtungen in Islamischen Zentren der IGD erreicht werden. Zu diesem Zweck betrieb die IGD u.a. die \"Deutsch-Islamische Schule\" in M\u00fcnchen, der ein Kindergarten angegliedert war. Die Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","44 Ausl\u00e4nderextremismus Schlie\u00dfung der Regierung von Oberbayern hat Anfang August 2005 entschieden, \"Deutsch-Islamikeine Genehmigung f\u00fcr den Weiterbetrieb der \"Deutsch-Islamischen schen Schule\" Schule\" zu erteilen, da die Verfassungstreue des Schultr\u00e4gers nicht mehr gew\u00e4hrleistet war; gleichzeitig wurde die staatliche Schulf\u00f6rderung eingestellt. Daraufhin wurde die Schule geschlossen, auch der angegliederte Kindergarten stellte seinen Betrieb ein. Die Islamischen Zentren M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg veranstalten regelm\u00e4\u00dfig Wochenend-Korankurse f\u00fcr Kinder und Jugendliche. 3.1.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 250 Einzelpersonen Seit der Gr\u00fcndung Israels im Jahr 1948 engagierten sich Anh\u00e4nger der Muslimbruderschaft (MB) im Kampf f\u00fcr die Zur\u00fcckgewinnung ganz Pal\u00e4stinas und die Etablierung einer \"islamischen Herrschaft\". Nach der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel im Jahr 1967 begann der pal\u00e4stinensische Zweig der MB in den besetzten Gebieten eine soziale Infrastruktur aufzubauen, was ihm rasche Popularit\u00e4t bei der Bev\u00f6lkerung einbrachte. Am bewaffneten Kampf beteiligte er sich zun\u00e4chst nicht. Erst als Reaktion auf den Ausbruch des ersten Pal\u00e4stinenseraufstands (Intifada) im Dezember 1987 wurde Anfang 1988 die HAMAS gegr\u00fcndet und der bewaffnete Kampf gegen Israel aufgenommen. Die HAMAS will Israel zerst\u00f6ren und auf dem gesamten Gebiet Pal\u00e4stinas einen islamistischen Staat errichten. Sie lehnt den israelisch-pal\u00e4stinensischen Friedensprozess und das Existenzrecht Israels ab und ist f\u00fcr eine Vielzahl terroristischer Aktionen verantwortlich, darunter zahlreiche Selbstmordattentate. Im Juni 2002 wurde deshalb der milit\u00e4rische Arm der HAMAS in die EU-Liste terroristischer Organisationen aufgenommen. Anfang September 2003 beschlossen die EU-Au\u00dfenminister, auch die Gesamtorganisation als terroristisch einzustufen. Wahlsieg Die Wahlen zur Pal\u00e4stinensischen Nationalversammlung am 25. Januar endeten mit einem Sieg der HAMAS. In Folge des Wahlsieges versch\u00e4rften sich vor allem die Spannungen zwischen der HAMAS und der zuvor regierenden Fatah-Partei. Dabei f\u00fchrten die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen phasenweise zu Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 45 b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Zust\u00e4nden. Mitverantwortlich war, dass es der HAMAS-Regierung entgegen ihrem Wahlversprechen nicht gelang, die wirtschaftliche Lage der Bev\u00f6lkerung zu verbessern. Die konsequente Weigerung der HAMAS, Israel anzuerkennen, f\u00fchrte zu einer erheblichen Reduzierung ausl\u00e4ndischer Finanzhilfen und somit zu erheblichen Versorgungsengp\u00e4ssen. Die zunehmende Unzufriedenheit der Bev\u00f6lkerung sowie die internationale \u00c4chtung der HAMAS-Regierung l\u00f6sten eine Regierungskrise aus. Vermittlungsbem\u00fchungen des pal\u00e4stinensischen Pr\u00e4sidenten Abbas scheiterten vor allem an der kompromisslosen Haltung der HAMAS. Parallel zu den innerpal\u00e4stinensischen Auseinandersetzungen versch\u00e4rfte sich mit dem Wahlsieg der HAMAS der Konflikt mit Israel drastisch. Bis Anfang Juni hielt sich die HAMAS weitestgehend an die im Februar 2005 ausgehandelte Waffenruhe. Die Angriffe gegen Israel wurden bis dahin \u00fcberwiegend von militanten Kr\u00e4ften der Fatah und des Pal\u00e4stinensischen Islamischen Jihads (PIJ) ver\u00fcbt. Als bei einem israelischen Angriff acht Zivilisten starben, k\u00fcndigte die HAMAS die Waffenruhe Aufk\u00fcndigung auf. Die Entf\u00fchrung eines israelischen Soldaten im Juni sowie der der Waffenruhe Raketenbeschuss israelischer Grenzorte f\u00fchrten zu einer Milit\u00e4roperation Israels im Gaza-Streifen und im Westjordanland, die den gefangenen Soldaten befreien und den Beschuss der israelischen Grenzorte unterbinden sollte. Dabei wurden rund 60 HAMAS-Mitglieder festgenommen, darunter eine Vielzahl von Regierungsangeh\u00f6rigen sowie Minister der pal\u00e4stinensischen Selbstverwaltung. In Bayern gibt es nur einzelne Anh\u00e4nger der HAMAS. Die aktuellen Entwicklungen in Pal\u00e4stina wurden diskutiert, l\u00f6sten aber kaum nennenswerte Aktivit\u00e4ten aus. Veranstaltungen aus Anlass der israelischen Offensive verliefen ohne St\u00f6rungen. 3.1.3 Islamische Heilsfront (FIS) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 30 Gr\u00fcndung: 1989 in Algerien Die FIS ist der algerische Zweig der international t\u00e4tigen Muslimbruderschaft (MB). Aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Niedergangs und des Ansehensverlusts der algerischen Regierung gewann die FIS im Dezember 1991 die Parlamentswahlen in Algerien. Als sie anschlie\u00dfend 1992 verboten wurde, gingen zahlreiche FIS-Funktion\u00e4re ins Ausland. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","46 Ausl\u00e4nderextremismus Bis zum Sommer 2002 f\u00fchrte der in Deutschland lebende Rabah Kebir die \"Exekutivinstanz der FIS im Ausland\". Am 4. August 2002 veranstaltete die Organisation erstmals seit zehn Jahren einen Kongress. Bei Interne dieser Veranstaltung wurde Kebir, der dem Treffen ferngeblieben war, Differenzen von dem in Genf ans\u00e4ssigen Physiker Dr. Mourad Dhina entmachtet. Dem abgew\u00e4hlten Vorsitzenden wurde seine eigenm\u00e4chtige Dialogbereitschaft gegen\u00fcber der algerischen Regierung zur Last gelegt. Dr. Dhina, der zum radikalen Fl\u00fcgel gerechnet werden muss, lehnt den vom bewaffneten Arm der FIS mit der algerischen Regierung vereinbarten Waffenstillstand ab. Im September 2005 wurde in Algerien die von Pr\u00e4sident Bouteflika Flagge der FIS vorgelegte \"Charta f\u00fcr Frieden und nationale Auss\u00f6hnung\" in einer Volksabstimmung mit gro\u00dfer Mehrheit angenommen. Sie umfasst auch Teilamnestieeine Teilamnestie f\u00fcr ehemalige bewaffnete islamistische Straft\u00e4ter, regelung sofern sie nicht an Morden, Vergewaltigungen oder Bombenanschl\u00e4gen beteiligt waren. F\u00fcr eine dauerhafte nationale Auss\u00f6hnung fordert Bouteflika jedoch ein Verbot politischer Bet\u00e4tigung f\u00fcr ehemalige Akteure der FIS. Im Zuge dieser Auss\u00f6hnungspolitik kehrte Rabah Kebir am 17. September in die Heimat zur\u00fcck. Er k\u00fcndigte an, dass er 2007 als unabh\u00e4ngiger Kandidat zur Parlamentswahl antreten werde. \u00dcber den k\u00fcnftigen Kurs der FIS in Algerien gibt es in der - in mehrere Fraktionen gespaltenen - FIS nach wie vor keine Einigkeit. Die Anh\u00e4nger sowohl des gem\u00e4\u00dfigten als auch des radikalen Fl\u00fcgels fielen in Bayern nicht durch Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf. 3.1.4 En Nahda Deutschland Bayern Mitglieder: 60 Wirkungsbereich: Oppositionsbewegung in Tunesien (seit 1991 in Tunesien verboten) F\u00fchrung: Rachid Ghannouchi / Gro\u00dfbritannien Die En Nahda (Wiedergeburt) ist der tunesische Zweig der Muslimbruderschaft (MB). Nach der Ideologie der MB ist es das Ziel der En Nahda, in Tunesien einen Staat islamistischer Pr\u00e4gung aufzubauen. Nach wie vor ist die En Nahda die wichtigste Oppositionsbewegung Tunesiens. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 47 Seit 1991 wird die in Tunesien verbotene Organisation von Rachid Ghannouchi geleitet, der in seinem Heimatland zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Ghannouchi lebt in Gro\u00dfbritannien und gibt sich nach au\u00dfen als gem\u00e4\u00dfigter, demokratischer Politiker. Gegen\u00fcber seinen Anh\u00e4ngern \u00e4u\u00dfert er sich Emblem jedoch militant und beteuert u.a., er wolle die amerikanischen Eroberer der En Nahda und die mit ihnen verb\u00fcndeten arabischen Regierungen verjagen. Die En Nahda veranstaltete vom 14. bis zum 17. April in der Schweiz ihren Europakongress. An dieser Veranstaltung nahmen etwa 400 MitEuropakongress glieder und Sympathisanten teil; aus Bayern beteiligten sich an dem Treffen rund 60 Personen, darunter auch Frauen und Kinder. Im Juni feierte die En Nahda in Deutschland (Bonn) und Frankreich (Paris) den 25. Jahrestag der Bekanntmachung ihrer Gr\u00fcndung. In Bonn waren u.a. der Pr\u00e4sident des Politb\u00fcros der Bewegung sowie Mitglieder des weltweiten Shura-Rats zugegen. Nach eigener Darstellung im Internet nahmen \"eine gro\u00dfe Anzahl von S\u00f6hnen und Anh\u00e4ngern der En Nahda an der Feier teil\". Die Veranstaltungen belegen eindeutig, dass die En Nahda in Europa und auch in Deutschland aktiv ist. Die Feier in Bonn wurde auf den Internet-Seiten der En Nahda erstmals offen dokumentiert. Die auf diesen Seiten verwendeten Begriffe wie \"Pr\u00e4sident des Politb\u00fcros der Bewegung\" und \"Mitglieder des Shura-Rats\" zeigen deutlich, dass es sich um eine Organisation mit fester Struktur handelt. Bei den in Bayern lebenden En Nahda-Anh\u00e4ngern sind keine festen Strukturen erkennbar. Allerdings engagieren sich viele von ihnen sowohl im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen der Islamischen Gemeinschaft Deutschland e. V. (IGD) als auch in einigen tunesischen Vereinen. 3.2 Hizb ut-Tahrir Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 150 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1953 in Pal\u00e4stina Europazentrale: Gro\u00dfbritannien Publizistische Sprachrohre: \"explizit\"; \"al-Khilafah\"; \"al-Waie\" Politisches Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland seit 15. Januar 2003 Die \"Partei der islamischen Befreiung\" - Hizb ut-Tahrir - wurde von dem Weltweite Religionsgelehrten Taqi Din an-Nabhani, einem Mitglied der MuslimVerbreitung Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","48 Ausl\u00e4nderextremismus bruderschaft (MB), gegr\u00fcndet. Sie hat sich weltweit verbreitet; ab 1995 gewann sie in Zentralasien, insbesondere in den ehemaligen Sowjetrepubliken, zahlreiche Mitglieder. Anh\u00e4nger der Hizb ut-Tahrir versuchten von Beginn an, milit\u00e4rische Institutionen und Einrichtungen in arabischen L\u00e4ndern zu unterwandern und Mitglieder aus den Reihen des Milit\u00e4rs zu rekrutieren. In den Jahren 1968 und 1969 scheiterten Putschversuche in Amman/Jordanien und in Bagdad/Irak. Ebenso schlugen Bestrebungen zur Macht\u00fcbernahme 1974 in Kairo/\u00c4gypten und 1976 in Damaskus/Syrien fehl. Inzwischen ist die Hizb ut-Tahrir in der gesamten arabischen Welt und Zentralasien verboten. Das Ziel der Hizb ut-Tahrir ist die Errichtung eines \"rechtgeleiteten\" weltumspannenden Kalifats, das die L\u00e4nder und V\u00f6lker der Muslime in einem einzigen Staat eint und die Botschaft des Islam in die gesamte Welt tr\u00e4gt. Weitere erkl\u00e4rte Ziele sind die WiederSignet der Hizb ut-Tahrir einf\u00fchrung der Scharia als Strukturprinzip der islamischen Ordnung, die Ausl\u00f6schung des Staates Israel und die Befreiung der muslimischen Welt von westlichen Einfl\u00fcssen. Unausweichlich sei dabei ein \"Kampf der Kulturen\", insbesondere zwischen Islam und Christentum. Ein Dialog zwischen den Kulturen, gepr\u00e4gt vom Prinzip der Gleichheit und Toleranz, sei mit dem Islam unvereinbar. Der Kampf sei sowohl auf ideologischer, wirtschaftlicher und politischer als auch auf milit\u00e4rischer Ebene zu f\u00fchren. Der milit\u00e4rische Kampf gegen die Ungl\u00e4ubigen sei im Sinn eines \"aktiven Djihads\" f\u00fcr jeden Muslim verpflichtend. Struktur und Die Gliederung der Hizb ut-Tahrir in Europa orientiert sich an den Grenzen Aktivit\u00e4ten in der Nationalstaaten. Innerhalb der einzelnen Regionen operiert die Hizb Deutschland ut-Tahrir in voneinander unabh\u00e4ngigen Gruppen, \u00fcberwiegend in Universit\u00e4tsst\u00e4dten. Die Hizb ut-Tahrir verbreitete in Deutschland Flugbl\u00e4tter und Brosch\u00fcren in Deutsch, Arabisch, T\u00fcrkisch sowie in Urdu. Ihre Anh\u00e4nger verteilten die Publikationen insbesondere an Universit\u00e4ten sowie im Umfeld von Moscheen und islamischen Zentren. Die Hizb ut-Tahrir betrieb eine deutschsprachige Homepage und gab von 1993 bis zum Bet\u00e4tigungsverbot 2003 die deutschsprachige Zeitschrift \"explizit\" heraus. Bet\u00e4tigungsverbot Das Bundesministerium des Innern hatte am 15. Januar 2003 die Bet\u00e4tigung der Hizb ut-Tahrir verboten, da sich die Gruppierung gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtete und Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange bef\u00fcrwortete. Das Bet\u00e4tigungsverbot wurde am 25. Januar letztinstanzlich durch das Bundesverwaltungsgericht best\u00e4tigt. In Bayern waren nur wenige Anh\u00e4nger von Hizb ut-Tahrir ans\u00e4ssig. Bekannt wurden Gruppen in Erlangen und M\u00fcnchen. Inzwischen verVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 49 lie\u00dfen einige Aktivisten aufgrund der restriktiven Handhabung des Ausl\u00e4nderrechts Bayern und verlegten ihren Wohnsitz in andere Bundesl\u00e4nder oder ins Ausland. 3.3 Ansar al-Islam Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 100 60 Anf\u00fchrer: bis Mitte 2002 Mullah Krekar ab Mitte 2002 Abu Adullah al-Shafi Gr\u00fcndung: September 2001 im Nordirak Die Ansar al-Islam (\"Unterst\u00fctzer des Islam\") vereinigte urspr\u00fcnglich Islamistische islamistische Kurden aus dem Nordirak mit dem Ziel, dort einen islamiKurdenorganisaschen Staat Kurdistan nach dem Beispiel der Taliban-Herrschaft in tion aus dem Afghanistan zu errichten. Die Ansar al-Islam wurde im September 2001 Nordirak gegr\u00fcndet und nannte sich anfangs Djund al-Islam. Im Dezember 2001 \u00fcbernahm der Iraker Najm al-Deen Faraj Ahmed Mahmoud, genannt Mullah Krekar, die F\u00fchrung der Djund al-Islam und \u00e4nderte den Namen der Gruppierung in Ansar al-Islam; inzwischen bezeichnet sie sich auch als Jaish Ansar al-Sunna. Krekar scheint innerhalb der Ansar al-Islam keine F\u00fchrungsrolle mehr zu spielen, d\u00fcrfte aber weiterhin als spirituelle Leitfigur wirken. Als Nachfolger Krekars gilt sein fr\u00fcherer Stellvertreter Abu Adullah al-Shafi. Inzwischen ist die Ansar al Islam durch ihr Zusammenwirken mit der in die al-Qaida eingegliederten irakischen Terrorgruppe um al-Zarqawi bzw. um dessen Nachfolger al-Muhadjer Bestandteil des internationalen islamistischen Terrornetzwerks. Sie hat sich deshalb auch f\u00fcr Islamisten anderer Volkszugeh\u00f6rigkeiten ge\u00f6ffnet. Ihre langfristige Strategie setzt auf den weltweiten \"Djihad\". Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida Verbindungen bestanden schon fr\u00fcher. So hielten sich f\u00fchrende Mitglieder der Ansar zur al-Qaida al-Islam in den 90er Jahren in Afghanistan auf. Dort wurden sie in Trainingslagern milit\u00e4risch ausgebildet und kamen mit dem Terrornetzwerk al-Qaida in Ber\u00fchrung. Der Kontakt blieb auch nach der R\u00fcckkehr aus Afghanistan bestehen. Nach der US-Intervention in Afghanistan nahm die Ansar al-Islam K\u00e4mpfer von Bin Ladin auf und unterst\u00fctzte sie. Zu dem Usama Bin Ladin-Vertrauten al-Zarqawi bestanden besonders gute Kontakte. Die Bindungen und pers\u00f6nlichen Verflechtungen zwischen al-Qaida um Bin Ladin, der al-Qaida im Irak und Ansar al-Islam sind vor allem durch den gemeinsamen bewaffneten Kampf gegen die westlichen Truppen im Irak enger und intensiver geworden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","50 Ausl\u00e4nderextremismus Die Gruppierung mit urspr\u00fcnglich rund 600 bewaffneten K\u00e4mpfern konnte ab etwa 2001 ein Taliban-\u00e4hnliches Regime in einem kleinen Teil des irakischen Kurdengebiets errichten. Zu Beginn des Irak-Kriegs 2003 wurde dieses Gebiet von den USA aus der Luft angegriffen und dann von kurdischen Truppen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) eingenommen. Viele K\u00e4mpfer der Ansar al-Islam entkamen in den nahe gelegenen Iran, kehrten nach Kriegsende jedoch allm\u00e4hlich wieder in den Irak zur\u00fcck und reorganisierten sich. Die Ansar al-Islam ist f\u00fcr eine Vielzahl von Terroranschl\u00e4gen im Irak mit Hunderten von Toten und Verletzten verantwortlich. Nach einer Entscheidung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vom 24. Februar 2003 wurde die Ansar al-Islam deshalb als terroristische Vereinigung eingestuft. Logistik in Europa In Europa gibt es Anh\u00e4nger in Skandinavien, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland und in den Niederlanden. In Bayern sind in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Augsburg Anh\u00e4nger bekannt, die die Organisation u.a. durch Beschaffung von Geld und Ausr\u00fcstung unterst\u00fctzen. Seit Kriegsende reisten auch mehrere Mitglieder aus Bayern in den Irak; ein Teil von ihnen ist zwischenzeitlich wieder nach Bayern zur\u00fcckgekehrt. Exekutivma\u00dfBislang wurden 34 Personen, die der Ansar al-Islam zugeh\u00f6ren, aus nahmen und Bayern ausgewiesen; 25 von ihnen haben zwischenzeitlich Deutschland Gerichtsverfahren verlassen. Weitere Ausweisungen gegen Ansar al-Islam-Anh\u00e4nger sind in Vorbereitung. Am 10. November 2005 wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gegen drei mutma\u00dfliche Mitglieder der Ansar al-Islam aus Augsburg, Berlin und Stuttgart Anklage wegen eines Attentatversuchs auf den ehemaligen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Ijad Allawi im Dezember 2004 erhoben; das Urteil steht noch aus (vgl. auch Nummer 1.4 dieses Abschnitts). Bundesweit zum ersten Mal wurde am 12. Januar ein f\u00fchrendes Mitglied der Ansar al-Islam wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung verurteilt. Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen verurteilte den Iraker Lokman Amin Mohammed zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren (vgl. auch Nummer 1.4 dieses Abschnitts). Am 20. Juni begann vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen die Hauptverhandlung gegen zwei Iraker aus M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, denen vorgeworfen wir, die Ansar al-Islam von Deutschland aus logistisch und finanziell unterst\u00fctzt zu haben (vgl. auch Nummer 1.4 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 51 Gegen mehrere Anh\u00e4nger der Ansar al-Islam sind weitere Ermittlungsverfahren anh\u00e4ngig. Auch Durchsuchungsma\u00dfnahmen wurden durchgef\u00fchrt, beispielsweise am 10. Mai in M\u00fcnchen, Augsburg und in Wilhelmshaven/Niedersachsen gegen eine Schleuserorganisation, die mit der Ansar al-Islam in Verbindung steht. Dabei wurden ein Iraker und ein Syrer festgenommen. 3.4 Tablighi Jamaat (TJ) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 400 150 Gr\u00fcndung: 1927 bei Delhi (Indien) Europazentrale: Dewsbury/Gro\u00dfbritannien Die TJ wurde von dem Religionsgelehrten Mawlana Muhammad Ilyas als pietistische Missionierungsbewegung gegr\u00fcndet. Seit ihren Urspr\u00fcngen ist sie eng mit der Islamischen Hochschule von Deoband/Indien verbunden. Die Gemeinschaft vertritt eine streng orthodoxe Form des Islam indischer Pr\u00e4gung. Ziel der TJ ist die Islamisierung der Gesellschaft, um dadurch die Etablierung eines islamischen Staates zu erreichen. Sie hat den Charakter einer internationalen islamischen Massenbewegung, deren Anh\u00e4nger Internationale sich nicht einer festen Gruppierung zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, sondern sich als islamische konsequente Muslime mit missionarischem Auftrag ansehen. Ihre AnMassenbewegung h\u00e4nger vertreten eine w\u00f6rtliche Auslegung des Korans und der Sunna, die Ausgrenzung der Frau und eine Abgrenzungspolitik gegen\u00fcber Nicht-Muslimen. Diese Bestrebungen wirken in nicht-muslimischen Gesellschaften zwangsl\u00e4ufig desintegrierend, so dass eine dauerhafte und ernsthafte Hinwendung zu westlichen Gesellschaftsordnungen, Wertvorstellungen und Integrationsmodellen nicht m\u00f6glich ist. Das Tragen von traditioneller Gebetskleidung und die bis in Details verbindlichen Verhaltensregeln im Alltag sollen die absolute Hinwendung zum Propheten Mohammed ausdr\u00fccken. Charakteristisch f\u00fcr die Anh\u00e4nger der TJ ist eine missionarische Reise\"Missionierungst\u00e4tigkeit, bei der sie Moscheen in ganz Europa aufsuchen. Die Missioreisen\" nierung dient der Rekrutierung neuer Mitglieder. Zur Ausbildung der Anh\u00e4nger geh\u00f6rt eine vier Monate dauernde Schulung, die vornehmlich in Koranschulen in Pakistan absolviert wird. Die wenigsten Missionare verf\u00fcgen \u00fcber eine theologische Ausbildung. Zur Missionierung nutzen ihre Anh\u00e4nger auch Moscheen, die keinen unmittelbaren Bezug zu TJ haben. Dazu dienen Veranstaltungen, bei denen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","52 Ausl\u00e4nderextremismus die Anh\u00e4nger \u00fcber Tage oder Wochen hinweg beten, den Koran studieren und indoktriniert werden. Auch f\u00fcr Kinder und Jugendliche werden Koranschulungen durchgef\u00fchrt. Direkte Aufrufe zum \"Djihad\" werden dabei vermieden, jedoch wird der ideologische N\u00e4hrboden f\u00fcr den gewaltbereiten Extremismus bereitet. Durch die gemeinsame ideologische Basis mit militanten Gruppierungen besteht die Gefahr, dass die weltweiten Strukturen der Bewegung von terroristischen Netzwerken genutzt werden. Von Einzelpersonen, die die Schulung der TJ durchlaufen haben, ist bekannt, dass sie sich terroristischen Gruppierungen angeschlossen haben. DeutschlandVom 5. bis 7. Mai fand in der Al-Nur-Moschee in Berlin das Jahrestreftreffen fen der TJ statt, an dem sich rund 700 TJ-Anh\u00e4nger aus Deutschland, darunter etwa 50 aus Bayern, beteiligten. Organisiert wurde die Versammlung von den bisherigen Deutschland-Emiren, die trotz ihrer Entmachtung durch den TJ-Welt-Shura-Rat Ende 2005 informell ihre F\u00fchrungsfunktion innerhalb Deutschlands weiterhin wahrnehmen. Der gesamte Veranstaltungsablauf war allerdings gekennzeichnet durch F\u00fchrungsanspruch den absoluten F\u00fchrungsanspruch der pakistanischen und indischen der Welt-Shura Scheichs (Welt-Shura). Die Scheichs der Welt-Shura \u00e4u\u00dferten ihren Unmut dar\u00fcber, dass Deutschland in den Missionierungserfolgen weit hinter anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern zur\u00fcckliege. Sie forderten die Anh\u00e4nger deshalb auf, ihre Missionierungsanstrengungen zu intensivieren. Gleichzeitig k\u00fcndigten sie an, durch regelm\u00e4\u00dfige Besuche die Fortschritte zu \u00fcberwachen. Au\u00dferdem legte die Welt-Shura fest, dass die Deutschlandtreffen (Maschwara) nicht mehr wie bisher viertelj\u00e4hrlich, sondern alle zwei Monate stattfinden sollen. Anl\u00e4sslich der Maschwara tragen die St\u00e4dtegruppen die geleistete Missionst\u00e4tigkeit und etwaige Erfolge vor. Die Verk\u00fcrzung dieses Intervalls dient somit der strafferen Kontrolle der Missionsarbeit durch die Welt-Shura. Tenor der Predigten war, dass Allah die Menschen nur zu dem Zweck geschaffen habe, ihm zu dienen. Man habe nicht nach seinen eigenen W\u00fcnschen zu leben, sondern sich allein an Allah auszurichten. Die einzig wirkliche Lebensaufgabe eines jeden Muslim und insbesondere der TJ-Anh\u00e4nger sei es, Allah zu dienen und andere zum Islam zu rufen. Dazu m\u00fcsse die Missionst\u00e4tigkeit verst\u00e4rkt werden: \"Das Ziel f\u00fcr die Menschen ist, dass alle Diener von Allah werden sollen. F\u00fcr die Umma (Gemeinschaft der Muslime) ist es ein gro\u00dfes Ziel, dass alle Menschen Allah dienen.\" \"Alle Menschen brauchen wir, auch die Nicht-Gl\u00e4ubigen, alle. Wir sind nicht in dieses Land (Deutschland) gekommen um zu essen und zu trinken, sondern damit wir uns um sie (die Nicht-Gl\u00e4ubigen) sorgen und ihnen den Iman (Glauben) bringen.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 53 \"Die, die nicht an Allah glauben und somit nach ihren W\u00fcnschen leben, sind wie Tiere und sie erziehen auch so ihre Kinder.\" \"Wir sollen auch B\u00fcrgermeister und Mitglieder des Parlaments aufsuchen. Aber besonders darauf achten, dass man nicht zu den Essenszeiten st\u00f6rt. F\u00fcr diese Menschen ist Dunja (Welt) wichtig, deshalb soll man nicht gleich sagen, dass sie keinen Wert hat. Man soll ihnen eine Alternative zur Dunja anbieten.\" \"Dein ganzes Leben ist dem Glauben unterzuordnen, d.h. Du machst nur das, was Allah gesagt hat. Der Iman (Glauben) wird solange nicht komplett sein, solange die Dunja (Welt) nicht dem Iman unterstellt ist\". In den Predigten wurde deutlich, dass die TJ in Deutschland nicht nur vom Glauben abgefallene Muslime zur Zielgruppe hat, sondern auch Andersgl\u00e4ubige. Dabei will die TJ auch deutsche Entscheidungstr\u00e4ger wie B\u00fcrgermeister und Parlamentsabgeordnete ansprechen. Bei der diesj\u00e4hrigen Jahresversammlung wurde erneut offensichtlich, dass Ziel der TJ die Islamisierung der Gesellschaft ist, um dadurch die Etablierung eines islamischen Staates zu erreichen. Die Verfassungsfeindlichkeit der TJ war bereits Gegenstand mehrerer GerichtsGerichtsentscheidungen. Das Verwaltungsgericht (VG) Ansbach stellte entscheidungen in zwei Beschl\u00fcssen vom 9. und 18. Mai fest, dass die TJ den Terrorismus unterst\u00fctzt. Au\u00dferdem gef\u00e4hrde die TJ die freiheitliche demokratische Grundordnung und die Sicherheit des Bundes. Bereits am 24. November 2005 hatte das VG Bayreuth festgestellt, dass der Verdacht der Unterst\u00fctzung des Terrorismus durch die TJ sachlich begr\u00fcndet sei. \u00c4hnlich hatte auch das VG Hannover am 2. M\u00e4rz geurteilt. Gegen die Beschl\u00fcsse des VG Ansbach und das Urteil des VG Hannover wurden Rechtsmittel eingelegt. Die Organisation betreibt in Bayern zwei Moscheen in M\u00fcnchen und Pappenheim. In mehreren Moscheen konnte die TJ an Einfluss gewinnen. Aufenthaltsrechtliche Ma\u00dfnahmen bayerischer Beh\u00f6rden und die verst\u00e4rkte Medienberichterstattung f\u00fchrten zu einer Verunsicherung der deutschen TJ-Anh\u00e4nger. 3.5 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) Bayern Anh\u00e4nger: 40 fr\u00fcherer Vorsitzender: Ramez Aly Gr\u00fcndung: 21.06.1996 fr\u00fcherer Sitz: Neu-Ulm Publizistisches Sprachrohr: \"Denk mal Islamisch\" (DmiZ) Seit 28. Dezember 2005 verboten Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","54 Ausl\u00e4nderextremismus Vereinsverbot Am 28. Dezember 2005 wurde das MKH vom Bayerischen Staatsministerium des Innern verboten, das Vereinsverm\u00f6gen beschlagnahmt und ein zugeh\u00f6riges Grundst\u00fcck eingezogen. Nachdem der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) im September 2006 einen Eilantrag des MKH gegen das Verbot abgelehnt hatte, best\u00e4tigte er mit Urteil vom 24. Januar 2007 das Vereinsverbot. Das Gericht kam in seiner Entscheidung zu dem Ergebnis, dass sich die T\u00e4tigkeit des Vereins gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richte. Das MKH war ein vorwiegend in Bayern t\u00e4tiger und in Baden-W\u00fcrttemberg vereinsrechtlich eingetragener Verein. Die Szene im Umfeld des MKH war bereits seit l\u00e4ngerer Zeit im Blickfeld der bayerischen und baden-w\u00fcrttembergischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, die mehrere Durchsuchungen durchf\u00fchrten. Im Februar und im Juni 2005 wurden Hassprediger des MKH von Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg nach \u00c4gypten abgeschoben. \u00d6ffentliche \u00c4u\u00dferungen von Funktion\u00e4ren und Freitagsgebete sowie bei den Durchsuchungen aufgefundene Lehrb\u00fccher und Medien waren gepr\u00e4gt von einer massiven, gebetsm\u00fchlenartigen Hetze gegen die parlamentarische Demokratie, gegen Andersgl\u00e4ubige, Juden und den Staat Israel. Der \"Djihad\" wurde durchwegs als Pflicht jedes Muslim propagiert. Reaktionen auf Die Schlie\u00dfung des MKH verunsicherte die \u00f6rtliche islamistische Szene die Schlie\u00dfung nachhaltig und lie\u00df bislang unterschwellige Spannungen unter der Andes MKH h\u00e4ngerschaft des MKH zu Tage treten. Die fr\u00fcheren Besucher des MKH verteilen sich nun auf die umliegenden vorwiegend t\u00fcrkischen Moscheen. Einzelne ehemalige Mitglieder versuchen, schwerpunktm\u00e4\u00dfig in Ulm/Baden-W\u00fcrttemberg neue Vereine zu gr\u00fcnden. Ehemalige MKH-Anh\u00e4nger sollen sich bem\u00fchen, unter Zuhilfenahme von Personen des \"Islamischen Informationszentrums Ulm e.V.\" (I.I.Z.-Ulm) eine Ersatzstruktur f\u00fcr das verbotene MKH zu schaffen. Bisher erfolgte keine vereinsrechtliche Neueintragung; die weitere Entwicklung bleibt abzuwarten. Vereinszeitschrift Die Vereinszeitschrift des I.I.Z.-Ulm \"Denk mal islamisch\" (DmiZ) wird jetzt in \u00c4gypten verfasst. Beitr\u00e4ge gelangen von dort per Datentransfer nach Deutschland. Die Redaktion wurde komplett ausgewechselt; die redaktionelle Verantwortung liegt nun bei deutschen Konvertiten. Mit diesem Wechsel ging eine Versch\u00e4rfung des Inhalts einher. Die erste in \u00c4gypten erstellte Ausgabe mit dem Titel \"Beckstein - Der Barbar aus Bayern\" erschien im Februar und thematisierte insbesondere die Schlie\u00dfung des MKH. Das MKH-Verbot wurde darin als \"\u00dcberfall auf ein Gotteshaus\" bezeichnet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 55 3.6 Hizb Allah (Partei Gottes) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Publikation: \"al-Intiqad\" (Die Kritik) Fernsehsender: \"al-Manar\" (Der Leuchtturm) Die Hizb Allah (auch: Hisbollah/Hizbollah) ist eine auf Initiative des Irans gegr\u00fcndete schiitische Partei, die seit 1992 im libanesischen Parlament vertreten ist. Sie wird vom Iran finanziell, materiell und ideologisch unterst\u00fctzt. Das langfristige Ziel der Hizb Allah ist die Zerst\u00f6rung des Staates Israel und die \"Herrschaft des Islam\" \u00fcber Jerusalem. Die Hizb Allah ist einerseits eine politische Partei, die vor allem aufgrund ihres sozialen Engagements auf die Unterst\u00fctzung der \u00e4rmeren Ablehnung der Bev\u00f6lkerungsschichten z\u00e4hlen kann. Andererseits verf\u00fcgt sie aber nach Entwaffnung wie vor \u00fcber milit\u00e4rische Einheiten, die insbesondere im S\u00fcden des Landes unabh\u00e4ngig von der libanesischen Staatsgewalt agieren. Eine Entwaffnung dieser Miliz gem\u00e4\u00df der UN-Resolution 1559 gelang bisher nicht und wird vom politischen Fl\u00fcgel vehement abgelehnt. In einer am 22. Januar im libanesischen Fernsehen ausgestrahlten Rede betonte der Generalsekret\u00e4r der Hizb Allah, Scheich Hassan Nasrallah, dass der \"Islamische Widerstand\" seine Waffen niemals und unter keinen Umst\u00e4nden abgeben werde. Die Waffen seien ihnen \"heilig\". Er drohte, gegen jeden, der eine Entwaffnung w\u00fcnsche, mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln bis zum letzten Blutstropfen vorzugehen. Signet der Der bewaffnete Kampf gegen Israel zur Verteidigung des Libanon Hizb Allah m\u00fcsse fortgef\u00fchrt werden. Am 12. Juli eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der Hizb Allah. \"Juli-Krieg\" Ein \u00dcberfall auf eine israelische Milit\u00e4rpatrouille im Grenzgebiet zu Israel und die Entf\u00fchrung zweier Soldaten im Libanon waren Anlass f\u00fcr massive kriegerische Auseinandersetzungen. Erst die Verabschiedung der UN-Resolution 1701 f\u00fchrte am 14. August zu einem Waffenstillstand. Deutschland ist seit Mitte Oktober mit Marineeinheiten an der internationalen Friedensmission im Libanon beteiligt. In Deutschland lebende Anh\u00e4nger der Hizb Allah reagierten auf die K\u00e4mpfe im Libanon mit Mahnwachen, Protestkundgebungen und \u00f6ffentlichen Aufz\u00fcgen. In Berlin, Hamburg und M\u00fcnster wurden dabei Embleme der Hizb Allah sowie Bilder des Generalsekret\u00e4rs Nasrallah gezeigt, anti-israelische und anti-amerikanische Parolen skandiert und Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","56 Ausl\u00e4nderextremismus Bilder von libanesischen Opfern des Krieges mitgef\u00fchrt. Auch bei Hizb Allah-Anh\u00e4ngern in Bayern stie\u00dfen die Ereignisse auf gro\u00dfes Interesse. Im August fanden deshalb mehrere Veranstaltungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, teilweise unter Beteiligung deutscher Linkesextremisten, statt. Die Veranstaltungen verliefen st\u00f6rungsfrei. 3.7 Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 250 Einzelpersonen Anf\u00fchrer: Gulbuddin Hekmatyar Gr\u00fcndung: 1973 in Afghanistan Kampf f\u00fcr ein Die HIA ist eine Gruppierung \u00fcberzeugter Islamisten, die im Zusamislamistisches menwirken mit verbliebenen Talibanund al-Qaida-K\u00e4mpfern die von Afghanistan der westlichen Allianz gest\u00fctzte afghanische Regierung bek\u00e4mpft. Sie will in Afghanistan einen islamischen Staat errichten und die Scharia einf\u00fchren. Mitte Dezember wurde eine Videobotschaft von Hekmatyar verbreitet, der 1996 f\u00fcr kurze Zeit Regierungschef Afghanistans war. Die fremden Truppen w\u00fcrden in K\u00fcrze gewaltsam vertrieben: \"Ich bin \u00fcberzeugt, dass das Schicksal der Sowjetunion auch auf die Amerikaner wartet.\" Die HIA k\u00e4mpft im Osten Afghanistans, wo vor allem US-Truppen stationiert sind. 3.8 Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) Anh\u00e4nger/Besucher: bis zu 300 - vorwiegend iranischer, irakischer und libanesischer Nationalit\u00e4t Vorsitzender: Mahmoud Khalilzadeh Gr\u00fcndung: 1994 in M\u00fcnchen Sitz: M\u00fcnchen Eigent\u00fcmer: Islamisches Zentrum Hamburg (IZH) seit Oktober 2003 Bis heute ist die Bewahrung der einst vom iranischen Revolutionsf\u00fchrer Ajatollah Khomeini propagierten Idee der \"Islamischen Revolution\" im Iran sowie deren internationale Verbreitung wesentlicher Bestandteil der iranischen Politik. Der Iran unterst\u00fctzt daher eine Vielzahl islamiVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 57 scher und islamistischer Bewegungen und Organisationen vor allem im Nahen und Mittleren Osten. Der \"Export der Revolution\" in diese L\u00e4nder, die zu lernen h\u00e4tten, \"mit der Hilfe Gottes zur Revolution zu Iranischer \"Revolugelangen\", ist in der iranischen Verfassung vorgeschrieben. tionsexport\" Auch islamische Zentren und Moscheen in Deutschland dienen im Sinn dieses \"Revolutionsexports\" als Foren f\u00fcr Versuche der Einflussnahme durch den Iran. Eines dieser Zentren ist die Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB). Die IVB ist dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) unmittelbar nachgeordnet. Das IZH gilt europaweit als hochrangige Verbindungsstelle der Islamischen Republik Iran. Die IVB war Tr\u00e4gerin der schiitisch-iranischen Moschee in M\u00fcnchen. Moscheeschlie\u00dfung Dort trafen sich auch Anh\u00e4nger islamistischer Organisationen wie der libanesischen Hizb Allah. Im M\u00e4rz wurde diese Moschee auf Veranlassung des IZH aufgrund finanzieller Probleme geschlossen. Es bleibt abzuwarten, ob die Vereinsaktivit\u00e4ten an einem anderen Ort fortgef\u00fchrt werden. In Ermangelung einer eigenen schiitischen Gebetsst\u00e4tte besuchen die Gl\u00e4ubigen derzeit verschiedene sunnitische Moscheen in der M\u00fcnchner Innenstadt. 3.9 T\u00fcrkische islamistische Gruppierungen 3.9.1 Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung \"F\u00fchrer\" der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung: Prof. Dr. Necmettin Erbakan Vorsitzender des europ\u00e4ischen Zweigs (IGMG): Osman D\u00f6ring, genannt Yavuz Celik Karahan Entstehung der Bewegung (T\u00fcrkei): ca. 1970 Entwicklung in Europa: Gr\u00fcndung 1985 in K\u00f6ln als \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT); 1995 Aufteilung in die beiden unabh\u00e4ngigen juristischen Personen \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) und \"Europ\u00e4ische Moscheebauund Unterst\u00fctzungsgemeinschaft\" (EMUG) Deutschland Bayern Mitglieder: 26.000 4.800 Sitz der IGMG: Kerpen Sprachrohr der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung: \"Milli Gazete\" (Nationale Zeitung) Publikation der IGMG: \"Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","58 Ausl\u00e4nderextremismus Die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern des langj\u00e4hrigen t\u00fcrkischen Politikers Prof. Dr. Necmettin Erbakan, der von 1996 bis 1997 Ministerpr\u00e4sident in der T\u00fcrkei war. Sie will seit Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahre - trotz gegenteiliger \u00c4u\u00dferungen - die laizistische Staatsordnung in der T\u00fcrkei durch eine islamische Staatsund Gesellschaftsordnung mit dem Koran als Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex des gesellschaftlichen Zusammenlebens abl\u00f6sen. Ihr Fernziel ist die weltweite Islamisierung unter F\u00fchrung der T\u00fcrkei. Prof. Dr. Erbakan hat seine politischen Ideen u.a. in der Schrift \"Milli G\u00f6r\u00fcs\" (Nationale Sicht) von 1975 ver\u00f6ffentlicht. Die Ideologie und die Ziele der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung werden durch unterschiedliche Organisationsformen bzw. Kommunikationsmittel verbreitet: - die Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) in der T\u00fcrkei, - die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als Repr\u00e4sentantin im Ausland, - die \"Milli Gazete\" als publizistisches Sprachrohr, - das Internet als modernes Kommunikationsmittel. Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) in der T\u00fcrkei In der T\u00fcrkei sind die Anh\u00e4nger der islamistischen Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung seit 2001 in der Saadet-Partisi (SP - Gl\u00fcckseligkeitspartei) organisiert, nachdem die islamistischen Vorg\u00e4nger-Parteien Refah Partisi (RP - Wohlfahrtspartei) und Fazilet Partisi (FP - Tugendpartei) wegen \"anti-laizistischer Aktivit\u00e4ten\" verboten worden waren. Trotz eines gegen Prof. Dr. Erbakan erlassenen Politikverbots, das ihm die Aus\u00fcbung einer Parteifunktion verwehrt, gilt er weiterhin als \"F\u00fchrer\" mit weit reichendem Einfluss auf Partei und Bewegung. Offizieller VorVerh\u00e4ltnis zu sitzender der SP ist Recai Kutan. Auch die derzeitige Regierungspartei t\u00fcrkischen Parteien AKP (Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei) ging aus der 2001 vom t\u00fcrkischen Verfassungsgericht verbotenen FP hervor, sie nimmt f\u00fcr sich aber - anders als die SP - eine Abkehr vom Islamismus in Anspruch. Bei der t\u00fcrkischen Parlamentswahl im Jahr 2002 erhielt die SP nur 2,5 % der Stimmen, w\u00e4hrend die AKP mit 35,0 % der W\u00e4hlerstimmen die Mehrheit der Abgeordnetenmandate errang und seither die Regierung in der T\u00fcrkei stellt. Bei diesen Wahlen zeigte sich die Verbundenheit zwischen Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, SP und IGMG. So unterst\u00fctzte die IGMG den Wahlkampf der SP. Die Anh\u00e4nger der IGMG reagierten auf die Regierungs\u00fcbernahme der AKP zwiesp\u00e4ltig. Viele Mitglieder begr\u00fc\u00dfVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 59 ten den Sieg der AKP, w\u00e4hrend sich manche Funktion\u00e4re von der Wahlniederlage der SP schockiert zeigten. Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als Repr\u00e4sentantin im Ausland Die IGMG bildet die Auslandsorganisation der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Organisation Der Sitz der IGMG-Zentrale befindet sich in Kerpen/Nordrhein-Westfalen. Der Zentrale sind mehr als 30 \"Gebiete\" nachgeordnet, davon etwa die H\u00e4lfte allein in Deutschland. Weitere \"Gebiete\" befinden sich in europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, aber auch in Kanada und Australien. Unterhalb der \"Gebietsebene\" sind die \"Ortsvereine\" angesiedelt, die sich direkt oder indirekt der IGMG zurechnen lassen. Auch hier zeigt sich, dass sich die Bestrebungen der IGMG vor allem auf Deutschland konzentrieren. So befinden sich von den insgesamt rund 700 \"Ortsvereinen\" etwa 500 in Deutschland. In Bayern sind etwa 70 \"Ortsvereine\" aktiv, mit regionalen Schwerpunkten in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Das Bem\u00fchen der IGMG um gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fchrte bei mehreren \"Ortsvereinen\" zur Annahme von neutralen Bezeichnungen. Solche Vereine geben sich Satzungen, die formal keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die IGMG mehr zulassen. Die IGMG-F\u00fchrung unter Leitung des im Dezember 2002 gew\u00e4hlten VorVerh\u00e4ltnis zur AKP sitzenden Karahan ist seit der Niederlage der SP bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen 2002 und der Regierungsbildung durch die AKP bem\u00fcht, sich gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Regierung als wichtige Organisation zur Wahrung t\u00fcrkischer Interessen in Deutschland darzustellen. So bot im Dezember 2002 der IGMG-Generalsekret\u00e4r Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc dem damaligen t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Abdullah G\u00fcl und dem AKP-Gr\u00fcnder Recep Tayyip Erdogan Unterst\u00fctzung an. Die IGMG sei eine wichtige Br\u00fccke zwischen der T\u00fcrkei und Europa. Der Weg zur EU f\u00fchre \u00fcber Milli G\u00f6r\u00fcs. Die t\u00fcrkische Regierung griff dieses Angebot auf und strich die IGMG von einer Liste von staatsfeindlichen Organisationen. In der Folgezeit verst\u00e4rkten sich die Beziehungen zwischen der IGMG und Repr\u00e4sentanten der AKP sowie regierungsnahen Einrichtungen und Organisationen. Die IGMG-Spitze nutzte im Mai einen Deutschlandbesuch Erdogans f\u00fcr ein gemeinsames Treffen. Die IGMG versucht in Deutschland, den Eindruck einer blo\u00dfen Religionsgemeinschaft und einer verfassungstreuen Organisation zu erwecken, die sich ausschlie\u00dflich um die religi\u00f6sen und sozialen Emblem Bed\u00fcrfnisse der t\u00fcrkischen Muslime in Deutschland k\u00fcmmert. Seit Jahder IGMG ren bem\u00fcht sie sich um ein rechtlich unangreifbares Erscheinungsbild. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","60 Ausl\u00e4nderextremismus Die Beziehungen zur SP und der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Leitfigur Prof. Dr. Erbakan werden nur gelegentlich sichtbar, so etwa bei der diesj\u00e4hrigen Gedenkfeier anl\u00e4sslich des Jahrestags der Eroberung Istanbuls. Der IGMG-Funktion\u00e4r Hasan Damar bekannte sich dabei zur ideologischen F\u00fchrungsrolle Prof. Dr. Erbakans: \"Um Milli G\u00f6r\u00fcs wieder an die Macht zu bringen, m\u00fcssen wir von Europa und (m\u00fcsst) ihr von der T\u00fcrkei aus mit aller Kraft arbeiten. Denn die Rettung der islamischen Welt, die heute vielleicht die dunkelsten Tage ihrer Geschichte erlebt, ist nur durch die T\u00fcrkei m\u00f6glich. Wir als in Europa befindliche Auswanderer unterstehen dem Befehl unseres Hocas Erbakan.\" (Milli Gazete vom 29. Mai) \"Tag der Br\u00fcderAuch beim \"Tag der Br\u00fcderlichkeit und der Solidarit\u00e4t\" am 4. Juni in lichkeit\" der belgischen Stadt Hasselt, den nach Angaben des Veranstalters \u00fcber 25.000 Personen aus allen IGMG-Bezirken Europas sowie Vertreter der SP besuchten, wurde der Zusammenhalt zwischen Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, SP und IGMG deutlich. So sprach per Live-Schaltung Prof. Dr. Necmettin Erbakan zu seinen Anh\u00e4ngern. Der IGMG-Generalvorsitzende Karahan wies bei derselben Veranstaltung auf die Dauerhaftigkeit der muslimischen Pr\u00e4senz in Europa hin: \"Die Muslime sind nun in Europa sesshaft, der Islam ist in Europa sesshaft. Auch Europa ist nun, wie andere Teile der Welt auch, das Mutterland des Islam.\" Es gelte, sich in Europa zu etablieren, ohne dabei die eigene Identit\u00e4t zu verlieren. Der Generalsekret\u00e4r, Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc, beklagte das Verhalten der Mehrheitsgesellschaft gegen\u00fcber Muslimen: \"Die Diskussionen um die Vollmitgliedschaft der T\u00fcrkei, die Kopftuchverbote in verschiedenen Staaten und Bundesl\u00e4ndern, Gewissenspr\u00fcfungen, verdachtsunabh\u00e4ngige Kontrollen vor Moscheen und zuletzt die Verunglimpfung unseres Propheten im Namen der Pressefreiheit zeigen jedem vern\u00fcnftigen Menschen, dass hier eine Religion, eine ganze Zivilisation, eine Lebensweise verurteilt, zur Zielscheibe gemacht und als das Andere etabliert wird. (...) Unsere Gemeinschaft und ihre Mitglieder sehen sich einer Hexenjagd ausgesetzt, ...\" DurchsuchungsBei Durchsuchungen der IGMG-Zentrale S\u00fcdbayern in M\u00fcnchen wuraktionen den im September 2004 und im April 2005 Computer sowie zahlreiche B\u00fccher, Videokassetten und CDs beschlagnahmt. Darunter befanden sich Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Prof. Dr. Necmettin Erbakan, die islamistischen Parteien der T\u00fcrkei und die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. In den beschlagnahmten B\u00fcchern wird die Feindschaft gegen Juden, Freimaurer und Christen sowie die Ablehnung des Westens und der Demokratie sichtbar. Weitere beschlagnahmte Publikationen betonen die Bedeutung des \"Djihads\" und die Allgemeing\u00fcltigkeit des Islam. Das MedienVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 61 angebot der IGMG-S\u00fcdbayern belegt, dass die F\u00fchrung des Verbands der Ideologie Prof. Dr. Erbakans und dessen SP treu ergeben ist. Neben einem umfangreichen Buchsortiment wurden auch VideokassetMedienangebot ten zur Verbreitung vorr\u00e4tig gehalten. Beispielhaft ist hier der auf Kinder IGMG der zugeschnittene Zeichentrickfilm \"K\u00fcc\u00fck M\u00fccahid\" (Der kleine Glaubensk\u00e4mpfer) zu nennen, der Kindern den (bewaffneten) Guerillakampf gegen \"Besatzer\" vermittelt. Auch ein Propagandavideo der pal\u00e4stinensischen Widerstandsbewegung HAMAS wurde sichergestellt. Insgesamt zeigt die zwischenzeitlich abgeschlossene Auswertung des beschlagnahmten Materials, dass sich die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung im Kampf gegen eine schon lange geplante, bis heute andauernde j\u00fcdische Weltverschw\u00f6rung sieht. Dass sich daran bis heute nichts ge\u00e4ndert hat, wurde auch am diesj\u00e4hrigen Europatreffen der IGMG deutlich. Dort wurde am Verkaufsstand des IGMG-B\u00fccherclubs u.a. auch das antisemitische Propaganda-Video \"Zehras blaue Augen\" verkauft. Das Antisemitismus Video zeigt, wie einem pal\u00e4stinensischen jungen M\u00e4dchen die Augen herausgeschnitten werden, um diese einem blinden j\u00fcdischen Jungen einzusetzen. Der Vater des Jungen, ein israelischer Offizier, sagt in dem Film: \"Augen und Herzen eines pal\u00e4stinensischen Arabers oder eines Christen sind wie die Fr\u00fcchte aus unseren eigenen G\u00e4rten. Wir nutzen die Fr\u00fcchte unseres Gartens so, wie wir es wollen.\" Der Film endet damit, dass ein Verwandter des M\u00e4dchens ein Selbstmordattentat auf den j\u00fcdischen Offizier ver\u00fcbt. Auf den Verkauf des Videos angesprochen gab der IGMG-Generalsekret\u00e4r \u00dcc\u00fcnc\u00fc in einem Interview zu erkennen, dass er sich nicht in der Lage sehe, die Verbreitung islamistischer Propaganda zu unterbinden, da sein Einfluss offensichtlich begrenzt sei. \u00dcc\u00fcnc\u00fc entwertete dadurch seine bisherigen Distanzierungsbem\u00fchungen von Antisemitismus und Extremismus. Mit einem breiten Angebot in der Jugendund Sozialarbeit versucht die Kinderund IGMG, junge T\u00fcrken in Deutschland an die Organisation zu binden. So Jugendarbeit f\u00fchrte die IGMG wie bisher Sommerkorankurse durch. Diese so genannten Sommerschulen sind eingebettet in ein von der IGMG-Zentrale verabschiedetes Bildungsprogramm. Dazu geh\u00f6rt auch Islamunterricht ab dem Kindergarten bis zur 8. Klasse. Bei einer Veranstaltung am 25. Juli 2004 in Neu-Ulm zum Thema \"Situation muslimischer Kinder im deutschen Bildungssystem\" warb die IGMG f\u00fcr eigene muslimische Kinderg\u00e4rten. Durch diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche aus dem \"Sumpf der westlichen Lebensweise\" herausgehalten und nach \"islamischen\" Wertma\u00dfst\u00e4ben erzogen werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","62 Ausl\u00e4nderextremismus Das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen gab am 22. Mai der Klage der IGMG gegen den Freistaat Bayern auf Unterlassung verschiedener Aussagen im Verfassungsschutzbericht Bayern des Jahres 2001 zum Teil statt. Nach Ansicht des Gerichts konnten weder der Beklagte den Nachweis f\u00fchren, dass die im Verfassungsschutzbericht wiedergegebenen \u00c4u\u00dferungen aus drei damaligen IGMG-Veranstaltungen tats\u00e4chlich erfolgten noch die Kl\u00e4gerin nachweisen, dass dies nicht der Fall war. Daher wertete das Gericht die genannten Zitate aus prozessualen Gr\u00fcnden als einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die Rechte der IGMG. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Der Freistaat Bayern hat dagegen Rechtsmittel eingelegt. \"Milli Gazete\" als publizistisches Sprachrohr Die t\u00fcrkischsprachige Zeitschrift \"Milli Gazete\" ist eine formal eigenst\u00e4ndige Publikation, die jedoch inhaltlich den Lesern die Ideologie von Milli G\u00f6r\u00fcs vermittelt; das Blatt verf\u00fcgt auch \u00fcber eine Homepage im Internet. Die Tageszeitung erscheint in einer T\u00fcrkeisowie in einer Europabzw. Deutschlandausgabe. Die Herausgeber weisen in der Europaausgabe seit Juni 2005 im Impressum darauf hin, dass es sich bei \"Milli Gazete\" um eine unabh\u00e4ngige Publikation handle, die Gewalt und Terror ablehne und sich zu Demokratie und Menschenrechten bekenne. Diese Haltung spiegelt sich jedoch nicht in der Berichterstattung wider. Wie die folgenden Zitate zeigen, verbreitet die \"Milli Gazete\" Verschw\u00f6rungstheorien und propagiert antijudaistische Aussagen: \"Zionismus bedeutet die Absicht und politische Auffassung der Juden, die Weltherrschaft der Juden zu gew\u00e4hrleisten und das israelische Reich zu gr\u00fcnden.\" \"Die zionistische Gemeinschaft, deren Besonderheiten im Koran erw\u00e4hnt wurden, will, dass auf der Welt Blut, Tr\u00e4nen, Abscheu und Hass Platz nehmen. Um diese Bosheiten zu verhindern, sollte die Menschheit nichts unterlassen, was in ihrer Macht steht.\" (Internet-Ausgabe der Milli Gazete vom 10. November) Sprachrohrfunktion Die IGMG bestreitet immer wieder, dass die \"Milli Gazete\" ihr publizistisches Sprachrohr sei. Vereinzelt distanziert sich die IGMG auch von Artikeln der Zeitung. Gleichzeitig f\u00fchren IGMG und \"Milli Gazete\" jedoch gemeinsame Veranstaltungen durch, auf denen f\u00fcr das Blatt geworben wird. Die N\u00e4he von IGMG und Milli Gazete zeigt sich zudem am Gesamtbild der Berichterstattung. Die \"Milli Gazete\" berichtet in einem Umfang \u00fcber die IGMG, wie er weder in der IGMG-eigenen Zeitschrift \"Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive\" noch auf der eigenen Homepage der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 63 IGMG erreicht wird. Sogar Kinder der IGMG-Mitglieder werden bereits in Lehrb\u00fcchern auf die \"Milli Gazete\" hingewiesen. Das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen entschied am 22. Mai, dass Artikel aus der Zeitschrift Milli Gazete im Verfassungsschutzbericht nicht mehr im Abschnitt \u00fcber die IGMG erw\u00e4hnt werden d\u00fcrften. Die Milli Gazete sei zwar m\u00f6glicherweise das Sprachrohr der IGMG. Nach Auffassung des Gerichts f\u00fchre dies jedoch nicht dazu, dass s\u00e4mtliche Artikel der Milli Gazete der IGMG zuzurechnen seien. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Der Freistaat Bayern hat gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. Internet als modernes Kommunikationsmittel Seit acht Jahren ist die IGMG im Internet durch eine deutschsprachige Internet-Seite vertreten, die laufend aktualisiert wird. Der Verzicht auf extremistisches Gedankengut auf dieser Homepage entspricht der Zielsetzung, sich als blo\u00dfe Religionsgemeinschaft und als verfassungstreue Organisation darzustellen. Anders verh\u00e4lt es sich auf der Internet-Seite www.milligorusforum.com, Internet-Forum die seit Dezember 2005 Inhalte der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung verbreitet. Diese von der IGMG unabh\u00e4ngige Internet-Seite zeigt exemplarisch das extremistische Potenzial der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. Sie enth\u00e4lt ein t\u00fcrkischsprachiges Forum f\u00fcr registrierte Mitglieder. Bei den Nutzern handelt es sich \u00fcberwiegend um m\u00e4nnliche Jugendliche, die sich zum Teil extremistisch \u00e4u\u00dfern. Beispielsweise propagierte ein Teilnehmer unwidersprochen die Djihad-Lehre des Mentors von Usama Bin Ladin, Abdullah Azzam: \"Die Imame der vier Rechtsschulen sind sich dar\u00fcber einig, dass der Zweck des Djihad darin liegt, auf dem Weg Allahs Krieg zu f\u00fchren. Dinge wie 'Djihad mit dem Bleistift' oder 'Djihad mit der Sprache' sind im Sinne der Scharia kein Djihad. Nach der Scharia bedeutet Djihad: Krieg f\u00fchren. Als unser Herr Prophet - Allahs Segen m\u00f6ge \u00fcber ihm sein - gefragt wurde, was 'auf dem Weg Allahs Djihad f\u00fchren' entsprechen k\u00f6nnte, gab er folgende Antwort: 'Daf\u00fcr reicht eure Kraft nicht aus!' Wenn Djihad mit Bleistift oder Sprache zu f\u00fchren gewesen w\u00e4re, h\u00e4tte ihre Kraft bestimmt daf\u00fcr ausgereicht.\" Es wird auf weitere Internet-Seiten der Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung sowie auf Propagandaseiten \u00fcber das weltweite Leid der Muslime verwiesen. Auf 32 Seiten wird ein in Tschetschenien gefallener \"M\u00e4rtyrer Bilal\" mit Bildern und Ausspr\u00fcchen wie \"Allahuekber, Allah m\u00f6ge dein Glaubensbekenntnis anerkennen und uns dasselbe erm\u00f6glichen!\" gefeiert. Teilnehmer des Forums sehen den Islam in einem weltweiten AbwehrVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","64 Ausl\u00e4nderextremismus kampf gegen die Ungl\u00e4ubigen. Die L\u00f6sung f\u00fcr diese Probleme biete die Milli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, insbesondere ihr F\u00fchrer Prof. Dr. Erbakan: \"Mein Hoca, wir brauchen Dich ... Wir brauchen diesen Verstand, diese Auffassung, diese Stimme, diesen Atem ... Deine Stimme zu h\u00f6ren verleiht uns Vertrauen und den Ungl\u00e4ubigen Furcht ... Mein Hoca, wir brauchen Dich ... Wir flehen Dich an, verlass uns nicht ... Oh Gott! Milli G\u00f6r\u00fcs und unser Hoca sind bem\u00fcht, Deinen Glauben \u00fcber die Welt herrschen zu lassen ... Oh Gott! Lass unseren Hoca den Triumph von Milli G\u00f6r\u00fcs erleben ... Sein Bestreben ist die Gl\u00fcckseligkeit von 6 Milliarden Menschen ... Lass auch unseren Hoca die Tage, an denen wir unser Ziel erreichen, erleben ... Amen ...\" Das Bayerische Staatsministerium des Innern hatte erstmals in den Verfassungsschutzinformationen f\u00fcr das 1. Halbjahr 2006 unter der Rubrik IGMG \u00fcber die Internet-Seite www.milligorus-forum.com berichtet. Die IGMG wandte sich gegen diese Darstellung und ersuchte den Freistaat Bayern um Unterlassung und Richtigstellung. Da der Freistaat Bayern dieser Aufforderung nicht nachkam, ist diesbez\u00fcglich ein Rechtsstreit beim Verwaltungsgericht M\u00fcnchen anh\u00e4ngig. 3.9.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 800 60 fr\u00fcherer Vorsitzender: Metin Kaplan Gr\u00fcndung: 1984 Sitz: K\u00f6ln In Deutschland seit 12. Dezember 2001 verboten Der \"Kalifatsstaat\" (Hilafet Devleti) war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte, streng hierarchisch gegliederte Organisation. Das Endziel dieses \"Staates ohne Staatsgebiet\" war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Als erste Stufe auf dem Weg zu diesem Ziel erstrebte der \"Kalifatsstaat\" den gewaltsamen Sturz des laizistischen Regierungssystems in der T\u00fcrkei. Er lehnte Demokratie und jede Trennung von Politik und Religion strikt ab. Damit richtete er sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung sowie den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und gef\u00e4hrdete die Innere Sicherheit in Deutschland. Das Emblem des Bundesministerium des Innern verbot deshalb am 12. Dezember 2001 Kalifatsstaats die Vereinigung \"Kalifatsstaat\" mit 17 ihrer Teilorganisationen, darunter alle vier bayerischen Verb\u00e4nde. Am 19. September 2002 wurden Vereinsverbot weitere 16 Teilorganisationen des \"Kalifatsstaats\" vom BundesministeVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 65 rium des Innern verboten. Das Bundesverwaltungsgericht best\u00e4tigte am 27. November 2002 die Verbote. Ungeachtet der Verbotsverf\u00fcgungen versuchten ehemalige Mitglieder des \"Kalifatsstaats\", sowohl organisatorische Zusammenh\u00e4nge aufrecht zu erhalten als auch die Lehren des \"Kalifen\" weiterhin zu verbreiten. Die nach dem Verbot durchgef\u00fchrten umfangreichen Exekutivma\u00dfnahmen gegen Anh\u00e4nger des \"Kalifatsstaats\" sowie die Abschiebung des fr\u00fcheren \"Kalifen\" Metin Kaplan haben den organisatorischen Zusammenhalt in Bayern nachhaltig geschw\u00e4cht. 4. Islamistischer Terrorismus 4.1 \u00dcberblick Der Islamismus - insbesondere die Terrornetzwerke - gef\u00e4hrdet die Bedrohung durch Innere Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands Terrornetzwerke st\u00e4rker als jede andere extremistische Bestrebung. Trotz der Festnahme oder des Todes einiger hochrangiger al-Qaida-Funktion\u00e4re - wie etwa der Tod des F\u00fchrers von al-Qaida im Irak, Abu Musab al-Zarqawi, der am 7. Juni bei einem Angriff von US-Truppen ums Leben kam - sind die islamistischen Terrornetzwerke unver\u00e4ndert handlungsf\u00e4hig. Die Aktivit\u00e4ten Terrorverd\u00e4chtiger werden weiterhin intensiv beobachtet. Wesensmerkmal des islamistischen Terrorismus sind nicht strukturelle und organisatorische Verbindungen zum al-Qaida-Netzwerk, sondern die gemeinsame Ideologie des Djihadismus. Die Djihadismus-Ideologie wird demnach auch von regionalen Kleingruppen, so genannten \"home \"home grown\"grown\"-Netzwerken, gepflegt, die sich unter Umst\u00e4nden aus scheinNetzwerke bar l\u00e4ngst integrierten Personen zusammensetzen (vgl. auch Nummer 4.4 dieses Abschnitts). Ein typisches Beispiel hierf\u00fcr ist die Londoner Gruppe, die im Sommer 2005 die Anschl\u00e4ge auf das Londoner Verkehrsnetz ver\u00fcbte. Die gescheiterten Anschl\u00e4ge vom 31. Juli mit Kofferbomben auf zwei AnschlagsRegionalz\u00fcge zeigen sehr deutlich, dass Deutschland nicht nur eine Rolle planungen in als R\u00fcckzugsund Ruheraum spielt, sondern konkretes Anschlagsziel Deutschland f\u00fcr islamistische Terroristen ist. Bereits in der Vergangenheit gab es Anschlagsplanungen in Deutschland, z.B. die geplante Ermordung des damaligen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten w\u00e4hrend eines Staatsbesuchs in Deutschland Ende 2004, denen durch rechtzeitige Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden begegnet werden konnte. Dar\u00fcber hinaus betrachten Terrororganisationen Deutschland als logistische Basis zur finanziellen Unterst\u00fctzung ihrer Aktivit\u00e4ten in ihren Heimatl\u00e4ndern. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","66 Ausl\u00e4nderextremismus Separatistische und In ausl\u00e4ndischen Regionen mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung nationalistische st\u00fctzen sich separatistische und nationalistische Bestrebungen vielfach Bestrebungen auf ein zweites ideologisches Standbein, n\u00e4mlich die Verbreitung des Islam und die Errichtung islamischer Gottesstaaten. Dadurch erhalten diese Bestrebungen auch einen islamistischen Charakter und finden damit weltweit Unterst\u00fctzung durch islamistische Extremisten und Terroristen. Diese Vermengung von Islamismus, Separatismus und Nationalismus ist bei Anschl\u00e4gen in Tschetschenien, in S\u00fcdostasien und - mit Einschr\u00e4nkungen - auch in Pal\u00e4stina festzustellen. 4.2 Das Terrornetzwerk um al-Qaida Internationales Das Netzwerk arabischer Mudjahidin besteht aus teils unabh\u00e4ngig vonNetzwerk einander operierenden Organisationen und Zellen, in denen bei gemeinsamer Zielrichtung unterschiedliche Organisationsformen und Vorgehensweisen festzustellen sind. Seine Akteure handeln mit islamistischem Sendungsbewusstsein und nutzen ihre vielfach in Afghanistan gesammelten Erfahrungen. Zwischen diesen Organisationen kann es auch sich \u00fcberschneidende Abh\u00e4ngigkeitsund Weisungsstr\u00e4nge geben. Eine besondere F\u00fchrungsrolle innerhalb dieses Netzwerks unabh\u00e4ngiger Organisationen nimmt die Organisation al-Qaida ein. Das Schaubild auf der Seite 67 dieses Berichts versucht, dieses Netzwerk vereinfacht darzustellen. Weltweit sind etwa 10.000 ausgebildete und kriegserfahrene Afghanistan-K\u00e4mpfer in ihre Heimatoder Zufluchtsl\u00e4nder zur\u00fcckgekehrt, wo Lokale Terrorsie sich teilweise lokalen islamistischen Gruppen angeschlossen haben. gruppen Sie genie\u00dfen dort hohes Ansehen und k\u00f6nnen als Multiplikatoren fungieren. Diese lokalen terroristischen Gruppierungen (dargestellt im rechten Bereich des Schaubilds) streben in ihren jeweiligen Heimatl\u00e4ndern durch bewaffneten Kampf die Beseitigung der dortigen - aus Sicht der T\u00e4ter westlich-dekadenten - Gesellschaftsordnung und die Errichtung eines islamistischen Gottesstaats an. Die Ideologie von al-Qaida ist Djihad-Ideologie vom \"Djihadismus\" gepr\u00e4gt. Ihr Weltbild teilt die Menschheit in Muslime und Ungl\u00e4ubige. Pflicht der Muslime sei es, die Ungl\u00e4ubigen, wenn sie sich ihnen nicht anschlie\u00dfen, im bewaffneten Kampf zu besiegen. Zu den Ungl\u00e4ubigen z\u00e4hlen insbesondere Christen und Juden. Auch die Regierungen zahlreicher islamischer Staaten sind wegen ihrer Weigerung, die USA und Israel zu bek\u00e4mpfen und eine \"muslimische\" Ordnung einzuf\u00fchren, in den Augen von al-Qaida blo\u00dfe Marionetten der USA. Zwar ist die Errichtung eines \"islamischen Staates\" das gemeinsame Ziel, doch \u00fcber dessen konkrete Ausgestaltung gibt es nur selten Einigkeit. Feindbild ist der \"dekadente Westen\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 67 Netzwerkstruktur des internationalen islamistischen Terrorismus AL-QAIDA als ideologische Basis sog. non-alignednational bzw. Mudjahidin regional ausgerichunabh\u00e4ngige oder lose tete Gruppen vernetzte Attent\u00e4terz.B. Zellen tschetschenische z.B. Mudjahidin Al-Tauhid Ansar al-Islam \"Madrid-Attent\u00e4ter\" Terroranschl\u00e4ge Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb (ehemals GSPC) USA ... 11.09.2001 Madrid London 11.03.2004 07.07.2005 Anschlagsziele sind dabei auch Staaten, die mit dem Westen kooperieren (vor allem Saudi-Arabien) oder Staaten, die als zu westlich gelten (z.B. die T\u00fcrkei). H\u00e4ufig ist die Ideologie das einzige Bindeglied dieser weltweit autark operierenden Gruppierungen und Zellen. Al-Qaida ist Al-Qaida als deren \"ideologische\" Basis. Dieser Umstand erleichtert auch personelle \"ideologische\" Verflechtungen. Attent\u00e4ter-Zellen im Sinn von al-Qaida bed\u00fcrfen gr\u00f6\u00dfBasis tenteils nicht des zentralen Kommandos und bekommen nachtr\u00e4glich den \"Segen\" f\u00fcr ihre oft langfristig geplanten Anschl\u00e4ge (etwa \u00fcber Audiooder Videobotschaften, die \u00fcber das Internet oder \u00fcber arabische Sender verbreitet werden). Die Legitimation f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten liefern islamistische Ideologen, h\u00e4ufig selbst ernannte Prediger, deren pers\u00f6nliche Autorit\u00e4t weder durch ihren Tod noch durch ihr Wirken aus dem Untergrund, wie z.B. bei Usama Bin Ladin, beeintr\u00e4chtigt wird. Kampfpl\u00e4tze, auf denen Mudjahidin ihr Kriegswissen erproben k\u00f6nnen, sind haupts\u00e4chlich der Irak und Afghanistan, jedoch auch Tschetschenien und Kaschmir. Der Pal\u00e4stina-Konflikt mit seiner gro\u00dfen medialen Pr\u00e4senz dient haupts\u00e4chlich der Agitation und Mobilisierung. Die Zerschlagung der afghanischen Zentrale und die Verhaftung oder T\u00f6tung zahlreicher Mitglieder aus der alten F\u00fchrungsriege haben zwar den Kern von al-Qaida vor\u00fcbergehend geschw\u00e4cht, das flexible Netzwerk jedoch nicht besiegt. Vielmehr erkl\u00e4rte zum Beispiel im September die \"Groupe Salafiste pour la Predication et le Combat\" (GSPC, \"Salafiyya-Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf\") via Internet offiziell ihren Beitritt zu al-Qaida. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","68 Ausl\u00e4nderextremismus GSPC Die algerische Terrororganisation GSPC entstand 1997 als Abspaltung der \"Groupes Islamiques Armes\" (GIA, \"Islamische Bewaffnete Gruppen\"). Sie setzt sich aus einer Vielzahl von Kleingruppen auch au\u00dferhalb Algeriens zusammen und finanziert sich vor allem durch kriminelle Aktivit\u00e4ten. Die GSPC konzentrierte sich zun\u00e4chst auf den Kampf gegen die algerische Staatsmacht. Die Bek\u00e4mpfung durch algerische Sicherheitskr\u00e4fte f\u00fchrte zu einer Schw\u00e4chung der Organisation. Daraufhin n\u00e4herte sich die GSPC ab Herbst 2003 der internationalen Djihad-Ideologie von al-Qaida an. Dies ging aus mehreren Kommuniques, die auch im Internet publiziert wurden, hervor. Ermittlungen westlicher Sicherheitsbeh\u00f6rden weisen auf die Existenz mehrerer Unterst\u00fctzerzellen von GSPC-Anh\u00e4ngern in Europa hin, u. a. in Italien, Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Eine Exilstruktur der GSPC in Deutschland ist bisher nicht erkennbar. Mit einer Internet-Erkl\u00e4rung vom 24. Januar 2007 hat die GSPC in Folge ihres Anschlusses an al-Qaida ihre Umbenennung in \"Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb\" bekanntgegeben. Nutzung des Zur Rekrutierung und Propaganda bedient sich das Netzwerk arabischer Internets Mudjahidin, allen voran al-Qaida, \u00fcberwiegend des Internets (vgl. auch Nummer 2.2 dieses Abschnitts). So wurden auch im Jahr 2006 \u00fcber Audiound Videobotschaften, die gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber das Internet verbreitet wurden, Terroranschl\u00e4ge und der \"Heilige Krieg\" gegen den Westen propagiert und gerechtfertigt. W\u00e4hrend sich Usama Bin Ladin im Jahr Botschaften und 2005 nicht zu Wort gemeldet hatte, trat er 2006 mit mehreren BotschafDrohungen ten an die \u00d6ffentlichkeit. Daneben \u00e4u\u00dferten sich vielfach auch andere F\u00fchrungspersonen der al-Qaida wie z.B. Bin Ladins Stellvertreter Dr. Ayman al-Zawahiri, der im Juni get\u00f6tet Abu Musab al-Zarqawi, dessen Nachfolger Abu Hamsa al-Muhadjer, aber auch ein zum Islam konvertierter US-Amerikaner, der von al-Zawahiri pr\u00e4sentiert wurde. Spezielle Themen der Verlautbarungen waren z.B. der Streit um die Mohammed-Karikaturen, der Irak-Krieg, die im Zusammenhang mit den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 stehende Verurteilung des Terroristen Zacarias Moussaoui zu lebenslanger Haft, der Tod al-Zarqawis und seine Nachfolge, der Libanon-Konflikt sowie der Vortrag Papst Benedikts XVI. in Regensburg. Beispielsweise strahlte der Fernsehsender al-Djazira am 23. Juni eine Videobotschaft von al-Zawahiri aus, die ihn vor einem Foto al-Zarqawis zeigte. Er drohte den USA mit gewaltsamer Rache f\u00fcr den Tod von al-Zarqawi: \"Niemand von uns wird get\u00f6tet, ohne ger\u00e4cht zu werden.\" Er wandte sich auch direkt an den US-Pr\u00e4sidenten und erkl\u00e4rte, dass dessen Versuch, von Sicherheit zu tr\u00e4umen, vergeblich sei. Auch Usama Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 69 Bin Ladin w\u00fcrdigte in einer am 30. Juni im Internet ver\u00f6ffentlichten Audiobotschaft die Rolle und die Leistungen al-Zarqawis und stellte ihn als einen der besten Feldkommandeure der al-Qaida dar. Gleichzeitig machte er deutlich, dass al-Zarqawi der F\u00fchrung der Organisation al-Qaida untergeordnet war und betonte damit die F\u00fchrungsrolle seiner Organisation im weltweiten \"Djihad\". 4.3 Terroranschl\u00e4ge und Anschlagsplanungen Nach der Zuspitzung der Gefahr durch den islamistischen Terrorismus insbesondere durch die Anschl\u00e4ge in den USA im September 2001 ist Deutschland Ende Juli 2006 durch das Scheitern von Kofferbombenattentaten auf zwei Regionalz\u00fcge knapp einem terroristischen Anschlag entgangen. Diese Ereignisse haben sehr deutlich gemacht, dass Deutschland konkretes Anschlagsziel f\u00fcr islamistische Terroristen ist. Auch in anderen Teilen Europas sowie auf der ganzen Welt setzten Anh\u00e4nger des islamistischen Terrors ihre Gewaltakte fort. 4.3.1 Deutschland Am 31. Juli versuchten zwei Libanesen im Alter von 20 und 21 Jahren, Fehlgeschlagene zeitlich aufeinander abgestimmte Sprengstoffanschl\u00e4ge auf RegionalKofferbombenz\u00fcge von Aachen nach Hamm sowie von M\u00f6nchengladbach nach Koblenz anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben. Die beiden Beschuldigten, die die Z\u00fcge im K\u00f6lner Hauptbahnhof bestiegen, f\u00fchrten so genannte Koffertrolleys mit sich, die zeitgesteuerte Sprengund Brandvorrichtungen enthielten. Die T\u00e4ter deponierten die Koffer und verlie\u00dfen nach kurzer Fahrstrecke unbemerkt die Z\u00fcge. Nur ein handwerklicher Fehler verhinderte die Explosionen; die Bombenbauanleitungen sollen aus dem Internet bezogen worden sein. Der Generalbundesanwalt leitete daraufhin ein Verfahren wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes mit gemeingef\u00e4hrlichen Mitteln und versuchten Herbeif\u00fchrens einer Sprengstoffexplosion ein. Nach einer umfangreichen \u00d6ffentlichkeitsfahndung gelang es den Sicherheitsbeh\u00f6rden, den ersten Tatverd\u00e4chtigen zu identifizieren und am 19. August in Kiel festzunehmen. Neben DNA-Spuren trug die Auswertung von Videoaufzeichnungen der \u00dcberwachungskameras im Hauptbahnhof K\u00f6ln zum Erfolg bei. Der Festgenommene hatte sich in Kiel auf ein Studium der Mechatronik vorbereitet und wohnte in einem Studentenwohnheim. Noch am Tattag verlie\u00df er Deutschland, kehrte jedoch zur\u00fcck. Der zweite Tatverd\u00e4chtige stellte sich am 24. August der Polizei in Tripoli/Libanon und wurde verhaftet. Die Bundesanwaltschaft bem\u00fcht sich um seine Auslieferung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","70 Ausl\u00e4nderextremismus Am 25. August wurde des Weiteren in einem Studentenwohnheim in Konstanz ein 23-j\u00e4hriger Syrer festgenommen. Ein Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und anderer Delikte wurde am 14. September aufgehoben, die Ermittlungen werden jedoch fortgef\u00fchrt. 4.3.2 Europa Geplante In der Nacht zum 10. August nahm die britische Polizei \u00fcber 20 PersoAnschl\u00e4ge auf nen fest; neben zwei britischen Konvertiten waren diese \u00fcberwiegend Flugzeuge pakistanischer Abstammung. Hintergrund der polizeilichen Ma\u00dfnahme war die Planung von Anschl\u00e4gen auf mehrere Verkehrsflugzeuge, die auf dem Flug von London in die USA mit Fl\u00fcssigsprengstoff zum Absturz gebracht werden sollten. Die Gerichtsverhandlungen werden voraussichtlich im Jahr 2007 beginnen. 4.3.3 Irak Trotz intensiver Bem\u00fchungen der US-Armee und irakischer Sicherheitskr\u00e4fte, gegen aufst\u00e4ndische Truppen milit\u00e4risch vorzugehen und damit den Terror einzud\u00e4mmen, eskaliert die Gewalt im Irak zunehmend. Im Fokus der Anschl\u00e4ge stehen weiter vor allem die Koalitionstruppen und die irakischen Sicherheitskr\u00e4fte. Zunehmend geraten auch irakische Regierungsmitglieder bzw. Personen, die die Regierung unterst\u00fctzen, ins Visier der Terroristen. Besonders viele Opfer fordern Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten. Ziel der Konfrontationen ist es, das Land weiter zu destabilisieren. Weiterhin werden Ausl\u00e4nder, aber auch Iraker entf\u00fchrt. Dabei f\u00e4llt es schwer, terroristische und allgemein-kriminelle T\u00e4ter zu unterscheiden. Deutsche Geiseln Am 24. Januar wurden nordwestlich von Bagdad zwei deutsche Techniker entf\u00fchrt. Die Geiselnehmer forderten die Freilassung weiblicher Gefangener aus irakischen Gef\u00e4ngnissen, die Abberufung des deutschen Botschafters aus dem Irak sowie das Ende der Kooperation mit der irakischen Regierung. Die beiden Entf\u00fchrungsopfer kamen am 2. Mai wieder frei. 4.3.4 Afghanistan Auch in Afghanistan versch\u00e4rfte sich die Sicherheitslage. Hauptangriffsziele der wieder erstarkten Taliban waren - vor allem im S\u00fcden von Afghanistan - Angeh\u00f6rige und Einrichtungen der ISAF-Einheiten. Dabei Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 71 wurden sowohl ISAF-Soldaten als auch afghanische Helfer und Zivilisten get\u00f6tet bzw. verletzt. Auch die deutschen ISAF-Kr\u00e4fte waren Ziel mehrerer Anschl\u00e4ge. So ISAF-Einheiten wurde ein Soldat bei einem Sprengstoffanschlag am 22. Februar in als Angriffsziel Kunduz verletzt, vier weitere beim Beschuss eines Nachtlagers der Bundeswehr am 6. April. Am 13. Juni wurden in Faizabad ein Soldat schwer und ein weiterer leicht verletzt. Am 28. Juni griffen erneut Terroristen eine Patrouille der Bundeswehr in Kunduz an, wobei drei Soldaten Verletzungen erlitten. Am 14. Oktober wurden in der N\u00e4he von Kunduz drei deutsche Patrouillenfahrzeuge beschossen. Dabei wurde ein deutscher Soldat verletzt. Weitere Anschl\u00e4ge gegen deutsche Truppen forderten Tote und Verletzte unter der Zivilbev\u00f6lkerung oder verursachten Sachsch\u00e4den. Am 7. Oktober wurden im Norden Afghanistans zwei deutsche Journalisten ermordet. Der Tathintergrund ist bislang unbekannt. 4.3.5 Weitere Anschl\u00e4ge Am Abend des 24. April detonierten im \u00e4gyptischen Badeort Dahab vor zwei Restaurants und auf einem Markt fast zeitgleich drei ferngez\u00fcndete Bomben. Dabei wurden 23 Menschen get\u00f6tet - darunter auch ein zehnj\u00e4hriger deutscher Junge - und \u00fcber 60 weitere verletzt. Bei den meisten Opfern handelte es sich um \u00c4gypter. Am 11. Juli explodierten in Mumbai/Indien w\u00e4hrend des abendlichen Explosionen in Berufsverkehrs fast gleichzeitig sieben Sprengs\u00e4tze in f\u00fcnf vollbesetzten Mumbai/Indien Vorortz\u00fcgen. Etwa 200 Menschen wurden dabei get\u00f6tet und \u00fcber 700 verletzt, unter den Opfern befanden sich keine westlichen Ausl\u00e4nder. Bisher gibt es keine Bekennerschreiben, die indische Regierung rechnet die Anschl\u00e4ge jedoch islamistischen Terrorgruppen zu. Am 12. September wurde in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Anschlag auf die US-amerikanische Botschaft ver\u00fcbt. Die T\u00e4ter z\u00fcndeten vor dem Geb\u00e4ude eine Autobombe und er\u00f6ffneten das Feuer. Bei dem Anschlag kamen vier Angreifer und ein Angeh\u00f6riger einer Antiterroreinheit ums Leben, 14 weitere Personen wurden verletzt. Die syrische Regierung geht von einem islamistischen Hintergrund aus. 4.4 Ausblick Wie die gescheiterten Kofferbombenanschl\u00e4ge auf Regionalz\u00fcge am 31. Juli sowie mehrere rechtzeitig von den Sicherheitsbeh\u00f6rden in DeutschVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","72 Ausl\u00e4nderextremismus Deutschland als land aufgedeckte Anschlagspl\u00e4ne zeigen, ist Deutschland nicht nur Anschlagsziel R\u00fcckzugsund Ruheraum, sondern konkretes Anschlagsziel f\u00fcr islamistische Terroristen. Dabei gehen die Gefahren einerseits von Personen aus, die sich nur kurzzeitig, etwa f\u00fcr Studienzwecke, in europ\u00e4ischen Staaten aufhalten. Anderseits ist zu beobachten, dass sich auch Personen, die in Europa geboren, aufgewachsen und scheinbar integriert sind, radikalisieren und zu terroristischen Kleingruppen zusammen\"home grown\"schlie\u00dfen. Das Ph\u00e4nomen des \"home grown\"-Terrorismus, das insbeTerrorismus sondere in Gro\u00dfbritannien mit den Anschl\u00e4gen vom Juli 2005 in Erscheinung trat, wird auch k\u00fcnftig eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden sein. Damit besteht die besondere Gef\u00e4hrlichkeit des Terrornetzwerks al-Qaida \"Globalisierter st\u00e4rker noch als bisher in seiner Eigenschaft als Inbegriff des \"globaDjihad\" lisierten Djihad\" f\u00fcr kampfbereite Islamisten. Auf die Entwicklungen im internationalen Terrorismus haben die deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden insbesondere mit einer Intensivierung der Zusammenarbeit reagiert, so etwa mit der Errichtung des Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrums von Polizei und Nachrichtendiensten in Berlin und der Schaffung einer gemeinsamen Antiterrordatei von Polizei und Verfassungsschutz. 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 11.500 1.800 Vorsitzender: Z\u00fcbeyir Aydar Kurd. Volksf\u00fchrer: Abdullah \u00d6calan Leitung: F\u00fchrungsfunktion\u00e4re der \"Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa\"(CDK) (in Abh\u00e4ngigkeit vom Vorsitzenden des KONGRA GEL, dem kurdischen Volksf\u00fchrer Abdullah \u00d6calan und dem Exekutivkomitee des KONGRA GEL) Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) In Deutschland seit 26. November 1993 verboten Der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) ist identisch mit der mehrfach umbenannten, in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei KurdisVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 73 tans (PKK). Die PKK hatte sich im April 2002 in Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) umbenannt. Weder bei dieser Umbenennung noch bei der Namens\u00e4nderung am 15. November 2003 in KONGRA GEL erfolgten wesentliche Ver\u00e4nderungen in Organisation, Struktur und Ideologie. Das gegen die PKK erlassene vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot aus dem Jahr 1993 erstreckt sich deshalb auch auf den KONGRA GEL. Der Rat der Europ\u00e4ischen Union hat am 2. April 2004 EU-Terrorliste den KONGRA GEL und seine Vorg\u00e4ngerorganisation KADEK - wie bereits 2002 die PKK - als Terrororganisation eingestuft. Der Bundesgerichtshof stellte am 21. Oktober 2004 fest, dass die F\u00fchrungsspitze des KONGRA Kriminelle GEL auch weiterhin als kriminelle Vereinigung einzustufen ist. Vereinigung 5.1.1 Allgemeines Der KONGRA GEL ist eine gut organisierte, straff gef\u00fchrte, urspr\u00fcnglich marxistisch-leninistisch gepr\u00e4gte Kaderorganisation, deren Ziele aus einer Mischung von sozialistischem und nationalistischem Gedankengut bestehen. Im Mittelpunkt stand \u00fcber zwei Jahrzehnte der aktive \"revolution\u00e4re Kampf\" f\u00fcr ein freies und unabh\u00e4ngiges Kurdistan. Nach der Festnahme des damaligen PKK-F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan im Jahr 1999 kam es zu einer taktisch bedingten M\u00e4\u00dfigung. Die Organisation verzichtete auf ihr urspr\u00fcngliches Ziel, durch bewaffneten Kampf einen eigenen kurdischen Staat durchzusetzen. Nach Aufk\u00fcndigung des \"Friedenskurses\" durch den KONGRA GEL zum 1. Juni 2004 haben die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) - den Guerillaeinheiten des KONGRA GEL - und t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften jedoch wieder zugenommen. Der KONGRA GEL beansprucht im Kampf der Kurden die F\u00fchrungsrolle, Anspruch auf was wiederholt zu teilweise milit\u00e4risch gef\u00fchrten AuseinandersetzunF\u00fchrungsrolle im gen mit konkurrierenden Organisationen f\u00fchrte. Der KONGRA GEL verKampf der Kurden steht sich auch als die alleinige Vertretung der in Deutschland lebenden rund 500.000 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, obwohl sich nur etwa 10 % dieser Volksgruppe zum KONGRA GEL bekennen. Abdullah \u00d6calan wurde in der Satzung des KONGRA GEL als kurdischer Volksf\u00fchrer bezeichnet. Vorsitzender des KONGRA GEL ist der ehemalige F\u00fchrungsfunktion\u00e4r des KONGRA GEL-dominierten \"Kurdischen Nationalkongresses\" (KNK) Z\u00fcbeyir Aydar. Die hauptamtlichen Kader des KONGRA GEL leben \u00e4u\u00dferst konspirativ Konspirative an h\u00e4ufig wechselnden Orten. Die KONGRA GEL-Anh\u00e4ngerschaft ist in Bet\u00e4tigung zahlreichen, der \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM) angegliederten \u00f6rtlichen Vereinen organisiert. Diese Vereine, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","74 Ausl\u00e4nderextremismus die sich nach au\u00dfen als reine Kulturvereine darstellen, haben die Aufgabe, Ziele und Politik des KONGRA GEL unter den Anh\u00e4ngern zu verbreiten und zu f\u00f6rdern. Dar\u00fcber hinaus bedient sich der KONGRA GEL zahlreicher vom Bet\u00e4tigungsverbot nicht erfasster Nebenorganisationen (\"Y-Gruppen\"), die verschiedene Zielgruppen innerhalb der kurdischen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den KONGRA GEL gewinnen sollen. Finanzierung Der KONGRA GEL finanziert sich aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf von Publikationen und den Einnahmen aus Veranstaltungen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil der Einnahmen erbringt die jeweils von September bis Januar durchgef\u00fchrte Spendenkampagne. Es gibt Hinweise, dass der KONGRA GEL auch vom Rauschgifthandel profitiert, indem er beispielsweise kurdische Drogenh\u00e4ndler absch\u00f6pft. Der KONGRA GEL bem\u00fcht sich weiterhin, \u00fcber den \"Internationalen Kurdischen Arbeitgeberverband\" (KARSAZ) das Wirtschaftspotenzial der in Europa lebenden Kurden zu kontrollieren. KARSAZ unterh\u00e4lt Niederlassungen in Frankfurt am Main und in Berlin. PropagandaEin wichtiges Propagandamedium ist der KONGRA GEL-nahe Fernsehmedien sender ROJ TV, der vom KONGRA GEL als Plattform zur Darstellung seiner politischen Ziele genutzt wird. Die Beitr\u00e4ge gleichen in wesentlichen Punkten der Berichterstattung seines Vorg\u00e4ngers MEDYA-TV. Als weiteres Agitationsinstrument dient dem KONGRA GEL die t\u00fcrkischsprachige Tageszeitung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (\"Neue Freie Politik\"), in der f\u00fchrende KONGRA GEL-Funktion\u00e4re regelm\u00e4\u00dfig Stellungnahmen publizieren. Die Zeitschrift wird allerdings nicht unmittelbar vom KONGRA GEL bzw. einer seiner Teiloder Nebenorganisationen herausgegeben. Sie versucht, als Nachfolgepublikation der \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" im Sinn des KONGRA GEL Einfluss auf die Politik im Mittleren Osten und besonders in den kurdischen Siedlungsgebieten zu nehmen. Die \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" hatte nach dem Verbot des Verlags, der die Zeitung in Deutschland herausgab, im September 2005 ihr Erscheinen eingestellt. Der KONGRA GEL ist indessen weiterhin mit einer eigenen Homepage im Internet pr\u00e4sent, deren Inhalte in deutscher, englischer, kurdischer und t\u00fcrkischer Sprache abgerufen werden k\u00f6nnen. Auch die \"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" des KONGRA GEL unterhalten eine eigene Internet-Seite in t\u00fcrkischer und kurdischer Sprache mit aktuellen Informationen \u00fcber die HPG. \"Neue PKK\" Im April 2005 wurde die Gr\u00fcndung der \"neuen PKK\" verk\u00fcndet, die sich als politische und vor allem ideologische Avantgarde betrachtet und sich durch eine besondere N\u00e4he zu Abdullah \u00d6calan auszeichnet. Laut Satzung ist sie eine Teilorganisation des KONGRA GEL, ihre tatVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 75 s\u00e4chlichen Aufgaben und Ziele sind jedoch nach wie vor unklar. Die \"neue PKK\" lehnt nach eigenen Angaben Gewalt grunds\u00e4tzlich ab, beh\u00e4lt sich aber weiterhin das Recht auf \"legitime Selbstverteidigung\" vor. Gegenw\u00e4rtig gibt es keine Anhaltspunkte f\u00fcr einen Strategiewechsel. In Bayern wurden bisher keine Aktivit\u00e4ten der \"neuen PKK\" festgestellt. Die \"Freiheitsfalken Kurdistans\" (TAK) wurden erstmals im Juli 2004 \"Freiheitsfalken bekannt. Sie sind nach eigenen Angaben aus den \"VolksverteidigungsKurdistans\" (TAK) kr\u00e4ften\" (HPG) des KONGRA GEL hervorgegangen. In einer Erkl\u00e4rung vom 14. April 2006 stellten die TAK fest, dass sie sich von dem KONGRA GEL getrennt h\u00e4tten, da ihnen sowohl der KONGRA GEL als auch die \"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" (HPG) als zu schwach erschienen seien. Seither ver\u00fcbten die TAK eine Serie von Sprengstoffanschl\u00e4gen Anschl\u00e4ge auf vor allem gegen touristische Ziele in der T\u00fcrkei. Dabei wurden mehrere touristische Ziele Personen get\u00f6tet und zahlreiche verletzt. Die TAK warnten wiederholt vor Reisen in die t\u00fcrkischen Tourismuszentren und drohten mit weiteren Anschl\u00e4gen. Auf ihrer Internet-Seite ver\u00f6ffentlichten die TAK eine Anleitung zur Herstellung von Sprengs\u00e4tzen f\u00fcr Selbstmordattent\u00e4ter. Dar\u00fcber hinaus waren Ziele f\u00fcr Bombenanschl\u00e4ge und Sabotageakte in der T\u00fcrkei aufgelistet. Strukturen bzw. Aktivit\u00e4ten der TAK in Bayern konnten bislang nicht festgestellt werden. Faysal Dunlayici alias Kani Yilmaz, Gr\u00fcndungsmitglied und ehemals hochrangiger PKK-Funktion\u00e4r, der sich 2004 von der Organisation abgewandt und zusammen mit Osman \u00d6calan, dem Bruder des PKK-Gr\u00fcnders Abdullah \u00d6calan, und weiteren Dissidenten die \"Patriotisch-Demokratische Partei Kurdistans\" (PWD) gegr\u00fcndet hatte, kam im Februar im Irak unter bisher ungekl\u00e4rten Umst\u00e4nden ums Leben. Dunlayici hatte 1993 in Deutschland politisches Asyl erhalten. 1998 war er u. a. wegen schwerer Brandstiftung zu einer mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Im April fand die Vollversammlung des KONGRA GEL - trotz Angriffen t\u00fcrkischer und iranischer Streitkr\u00e4fte - im Irak statt. Dabei soll der Ausbau des Konzepts des \"Demokratischen Konf\u00f6deralismus\" beschlossen worden sein. Das Konzept von Abdullah \u00d6calan wird auch mit dem Begriff \"Union der kurdischen Gemeinschaften\" (Koma Komalen Kur\"Koma Komalen distan - KKK) umschrieben. Gemeint ist mit dem KKK ein f\u00f6deraler VerKurdistan\" (KKK) bund der kurdischen Siedlungsgebiete in der T\u00fcrkei, Syrien, Iran und Irak unter Achtung der bestehenden staatlichen Grenzen. Kurdischen Medienberichten zufolge tritt die im Jahr 2005 umbenannte KONGRA GEL-Jugendorganisation KOMALEN-CIWAN seit ihrem 3. KonVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","76 Ausl\u00e4nderextremismus gress im Februar auch in Europa unter dieser Bezeichnung auf. Aus der JugendJugendorganisation rekrutiert sich ein Teil der Guerilla des KONGRA organisation GEL. Nicht selten wurden dabei in der Vergangenheit Jugendliche gegen den Willen ihrer Eltern zwangsverpflichtet und in Ausbildungslagern im benachbarten Ausland geschult, bevor sie zum Kampfeinsatz in die T\u00fcrkei geschleust wurden. Aus einer weiteren Jugendorganisation des KONGRA Gel, der \"Demokratischen Jugend\" (Demokratik Genclik - DEM-GENC) sollen die k\u00fcnftigen KOMALEN-CIWAN-Funktion\u00e4re gewonnen werden. In Bayern wurden bislang keine Aktivit\u00e4ten der DEM-GENC festgestellt. Die von der KOMALEN-CIWAN herausgegebene Monatszeitschrift \"\u00d6ZG\u00dcR GENCLIK\" (\"Freie Jugend\") stellte im Mai ihr Erscheinen ein. Die erste Ausgabe der Nachfolgepublikation \"CIWANEN AZAD\" (\"Freie Jugendliche\") wurde im Juni festgestellt. Die Zeitschrift enth\u00e4lt Artikel in t\u00fcrkischer, kurdischer, franz\u00f6sischer und deutscher Sprache. F\u00fcr den 1. Oktober verk\u00fcndete der KONGRA GEL - nach Aufforderung durch Abdullah \u00d6calan - erneut einen einseitigen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen. Dieser Waffenstillstand ist zwar nicht befristet, doch soll seine Dauer - laut dem Vorsitzenden des KONGRA GEL-Exekutivrats Murat Karayilan - von \"entsprechenden Schritten\" der t\u00fcrkischen Regierung abh\u00e4ngen. Das \"Recht auf legitime Selbstverteidigung\" werde im Fall eines auf Vernichtung abzielenden Angriffs auf die HPG jedoch auch w\u00e4hrend des Waffenstillstands weiterhin wahrgenommen. Darunter versteht der KONGRA GEL auch Vergeltungsanschl\u00e4ge nach Operationen t\u00fcrkischer Truppen im KurdenWaffenstillstand gebiet. 5.1.2 Aktivit\u00e4ten und Exekutivma\u00dfnahmen Trotz des PKK-Verbots im Jahr 1993 f\u00fchrten KONGRA GEL-Anh\u00e4nger erneut eine Reihe von Veranstaltungen mit teilweise mehreren zehntausend Teilnehmern durch, zu denen auch hunderte Personen aus Bayern anreisten. Mehrfach kam es zu Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz. Nachdem Anfang des Jahres gegen Abdullah \u00d6calan eine Disziplinarstrafe in Form einer 20-t\u00e4gigen Einzelhaft verh\u00e4ngt worden war, kam es bundesweit zu mehreren Demonstrationen. Mobilisiert wurde hierzu auch von der Jugendorganisation KOMALEN-CIWAN. In Bayern fanden zwar keine Kundgebungen statt, allerdings setzten Unbekannte am 25. Januar auf einer Stra\u00dfe in Aschaffenburg Autoreifen in Brand. Am Tatort wurde ein Tuch mit der Aufschrift \"Ohne \u00d6calan kein Frieden\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 77 aufgefunden. Nach einer \u00e4hnlichen Straftat in Darmstadt wurden Personen festgenommen, die auch der Tat in Aschaffenburg verd\u00e4chtig sind (vgl. auch Nummer 1.3 dieses Abschnitts). Anl\u00e4sslich des siebten Jahrestags der Festnahme Abdullah \u00d6calans am 15. Februar f\u00fchrten Anh\u00e4nger des KONGRA GEL am 11. Februar in Stra\u00dfburg eine Gro\u00dfdemonstration unter dem Motto \"\u00d6calan ist unser Gro\u00dfdemonspolitischer Wille\" durch. Unter den rund 12.000 Teilnehmern befanden tration in sich etwa 200 Personen aus Bayern. In Bayern wurde zu dem Thema ein Stra\u00dfburg Info-Stand in der M\u00fcnchener Innenstadt betrieben. An der Feier zum kurdischen Neujahrsfest Newroz am 18. M\u00e4rz in Frankfurt am Main nahmen insgesamt etwa 15.000 Menschen teil, darunter etwa 450 aus Bayern. Es wurden Fahnen verbotener Organisationen sichergestellt und mehrere Strafverfahren eingeleitet. Neben einem Aufzug des Vereins \"Medya Volkshaus e.V.\" am 20. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg fand am selben Tag in M\u00fcnchen eine von einem deutschen Linksextremisten angemeldete Newroz-Veranstaltung statt. Auch in Deutschland reagierten Anh\u00e4nger des KONGRA GEL auf die \"Fr\u00fchjahrsoffensive\" des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs und die massiven Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskr\u00e4ften in den kurdischen Siedlungsgebieten der T\u00fcrkei. Ende M\u00e4rz und Anfang April kam es zu mehreren Protestm\u00e4rschen, verbunden mit Sachbesch\u00e4digungen. In Bayern fanden Demonstrationen in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen statt, wobei es insbesondere in M\u00fcnchen zu Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte und zu zahlreichen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz kam. An einer Gro\u00dfdemonstration des Kurdischen Nationalkongresses (KNK) beteiligten sich am 15. April in Br\u00fcssel rund 5.000 Personen. Am 22. April fand im B\u00fcrgersaal M\u00fcnchen-F\u00fcrstenried ein \"Kurdisches Kulturfestival\" statt, zu dem der \"Deutsch-Kurdische Freundschaftsverein M\u00fcnchen e.V.\" eingeladen hatte. Im Verlauf der Veranstaltung kam es zu Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz. Es wurden insbesondere verbotene Parolen skandiert. Ein Verd\u00e4chtiger wurde vorl\u00e4ufig festgenommen. Am 18. Mai endete eine bereits 2005 eingeleitete UnterschriftenkamUnterschriftenpagne unter dem Motto \"Ich akzeptiere Abdullah \u00d6calan als meinen kampagne f\u00fcr politischen Willen\" mit einer von etwa 3.000 Teilnehmern besuchten \u00d6calan Gro\u00dfdemonstration in Stra\u00dfburg, die von der \"Konf\u00f6deration kurdischer Vereine in Europa\" (KON-KURD) organisiert wurde. Bei KON-KURD handelt es sich um eine Nebenorganisation des KONGRA GEL. Im Rahmen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","78 Ausl\u00e4nderextremismus der Aktion sollen \u00fcber 3,2 Millionen Unterschriften gesammelt und an Vertreter des Europarats \u00fcbergeben worden sein. Als Reaktion auf die Festnahmen von zwei hochrangigen KONGRA GEL-Funktion\u00e4ren am 8. und 9. August in Nordrhein-Westfalen kam es in mehreren deutschen St\u00e4dten zu demonstrativen Aktionen. In Stuttgart beteiligten sich KONGRA GEL-Anh\u00e4nger aus Bayern an einem Hungerstreik und einer Demonstration. In N\u00fcrnberg veranstaltete der Verein \"Medya Volkshaus e.V.\" einen Info-Stand. Zu Aktivit\u00e4ten von KONGRA GEL-Anh\u00e4ngern gab es erneut sowohl zahlreiche Exekutivma\u00dfnahmen seitens der Sicherheitsbeh\u00f6rden als auch Gerichtsverfahren u.a. wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen bzw. terroristischen Vereinigung. 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Deutschland Bayern Mitglieder: 800 120 Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) mit ihren Untergliederungen DKHP (Partei) und DHKC (Milit\u00e4rischer Arm) * T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) mit ihren Untergliederungen THKP (Partei) und THKC (milit\u00e4rischer Arm) Die Devrimci Sol ist in Deutschland seit 1983 verboten, ihre beiden Spaltergruppen seit 1998. Revolution\u00e4re Die 1978 gegr\u00fcndete und 1983 in Deutschland verbotene revolutioZielsetzung n\u00e4r-marxistische Devrimci Sol versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus ausgerichtete Volksbewegung. Sie z\u00e4hlt zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates zielen und in der T\u00fcrkei terroristisch aktiv sind. Seit 1993 ist die Devrimci Sol in den \"Karatas-Fl\u00fcgel\", aus dem die 1994 in Syrien gegr\u00fcndete Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hervorging, und den \"Yagan-Fl\u00fcgel\", aus dem sich die T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) entwickelte, gespalten. Das Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte am 13. August 1998 gegen die DHKP-C ein Vereinsverbot und gegen die THKP-C Devrimci Sol, die in Deutschland nicht organisatorisch verankert war, ein Bet\u00e4tigungsverbot. Beide Verbote gegen die Ersatzorganisationen der Devrimci Sol sind bestandsVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 79 kr\u00e4ftig. Mit Beschluss vom 2. Mai 2002 setzte die Europ\u00e4ische Union die DHKP-C auf die EU-Terrorliste. \u00d6rtliche Schwerpunkte der DHKP-C mit insgesamt rund 110 Anh\u00e4ngern Anh\u00e4nger in in Bayern bestehen in Aschaffenburg, M\u00fcnchen, Augsburg, RegensBayern burg und N\u00fcrnberg; f\u00fcr die THKP-C Devrimci Sol sind in Bayern nur einzelne Mitglieder aktiv. Die Agitation und der Kampf gegen den \"Imperialismus\", gegen die NATO, die USA sowie die t\u00fcrkische Staatsund Gesellschaftsordnung sind zentrale Elemente der Ideologie der t\u00fcrkischen linksextremistischen Gruppierungen. Einige von ihnen, wie die DHKP-C und die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP), sehen ihr Heimatland T\u00fcrkei als Kampfgebiet an, in dem auch Terroranschl\u00e4ge zur Durchsetzung politischer Ziele als legitimes Mittel betrachtet werden. F\u00fcr Deutschland und Europa hat die DHKP-C seit 1999 einen Gewaltverzicht erkl\u00e4rt. Auf dem Gebiet der T\u00fcrkei bef\u00fcrwortet die Organisation jedoch ausdr\u00fccklich terroristische Aktivit\u00e4ten. Wie im Vorjahr entwickeltem Anh\u00e4nger der DHKP-C in Deutschland Aktivit\u00e4ten wie Proteste im Zusammenhang mit Hungerstreiks gegen die \"Isolationshaft\" in t\u00fcrkischen Haftanstalten. Dabei trug insbesondere das \"Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen Gefangenen und deren Familien in der T\u00fcrkei\" (TAYAD) in thematischer \u00dcbereinstimmung mit der DHKP-C die Aktionen in Deutschland gegen die Isolationshaft. Auch der Streit um die Mohammed-Karikaturen wurde von der Organisation in einem Internet-Beitrag f\u00fcr die eigene antiimperialistische Propaganda instrumentalisiert. Am 15. Februar verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf einen eheGerichtsverfahren maligen F\u00fchrungsfunktion\u00e4r der DHKP-C wegen Mitgliedschaft in einer und Exekutivterroristischen Vereinigung, r\u00e4uberischer Erpressung und gef\u00e4hrlicher ma\u00dfnahmen K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Mitte der 90er Jahre t\u00fcrkische Gesch\u00e4ftsleute teilweise mit Gewalt zur Zahlung von Spendengeldern erpresst hatte. Im Juli 1997 hatte er zusammen mit weiteren Tatbeteiligten zwei Anh\u00e4nger einer konkurrierenden Fraktion in einem Hamburger Lokal zusammengeschlagen und durch Kniesch\u00fcsse schwer verletzt. Er war im Juni 2004 in Rotterdam/Niederlande festgenommen und im Juni 2005 nach Deutschland ausgeliefert worden. Das Strafgericht Br\u00fcgge/Belgien verurteilte am 28. Februar mehrere Funktion\u00e4re bzw. Mitglieder der DHKP-C u.a. wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Waffendelikten und Urkundenf\u00e4lschung zu Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","80 Ausl\u00e4nderextremismus Freiheitsstrafen zwischen vier und sieben Jahren. Der Leiter der DHKP-C, Dursun Karatas, gegen den in Abwesenheit verhandelt wurde, erhielt eine Haftstrafe von f\u00fcnf, der Sprecher der Organisation von sechs Jahren. Das Gericht stufte zudem die DHKP-C als Terrororganisation ein. Im Juli wurde ein weiterer Funktion\u00e4r der DHKP-C vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Dem 35-j\u00e4hrigen T\u00fcrken wird die Planung von Anschl\u00e4gen auf Gesch\u00e4fte in Deutschland mit Molotowcocktails vorgeworfen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilte am 2. November einen Funktion\u00e4r der DHKP-C zu einer zweij\u00e4hrigen Freiheitsstrafe auf Bew\u00e4hrung wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Er hatte zwischen Ende der 90er Jahre als Gebietsverantwortlicher an Treffen hochrangiger DHKP-C-Funktion\u00e4re teilgenommen, bei denen Brandanschl\u00e4ge gegen t\u00fcrkische Einrichtungen in Deutschland, gewaltsame Spendeneintreibungen sowie T\u00f6tungen vermeintlicher Parteifeinde geplant worden waren. Am 28. November fand in Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und NordDurchsuchungsrhein-Westfalen eine Durchsuchungsund Festnahmeaktion bei Mitund Festnahmegliedern der DHKP-C wegen Unterst\u00fctzung einer verbotenen Vereiniaktion gung statt. Dabei wurde auch ein hochrangiger vorbestrafter Funktion\u00e4r f\u00fcr S\u00fcddeutschland festgenommen. 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.800 120 Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Maoistische Kommunistische Partei (MKP), ehemals Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) * Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Die Entwicklung der TKP/ML ist seit dem Ende der 70er Jahre durch eine Vielzahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. Im Jahr 1994 spaltete sich das Ostanatolische Gebietskomitee (DABK) vom so genannten Partizan-F\u00fcgel der TKP/ML ab. Dies f\u00fchrte zur Bildung von zwei neuen unabh\u00e4ngig voneinander existierenden Organisationen, die sich beide als Nachfolgeorganisation der urspr\u00fcnglichen TKP/ML sehen. W\u00e4hrend der Partizan-F\u00fcgel nach wie vor die Bezeichnung TKP/ML verVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 81 wendet, hat sich das DABK im Jahr 2002 in Maoistische Kommunistische Partei (MKP) umbenannt. Beide Organisationen vertreten die Ideologie des Marxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt um die Ideen Mao Tse-tungs, bef\u00fcrworten den bewaffneten Kampf als Grundform ihres Handelns und propagieren den bewaffneten B\u00fcrgerkrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer Volksregierung. Mit der \"T\u00fcrkischen Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee\" (TIKKO) auf Seiten der TKP/ML und der \"Volksbefreiungsarmee\" (HKO) auf Seiten der MKP unterhalten beide Gruppierungen in der T\u00fcrkei bewaffnete Guerillagruppen. In Deutschland organisierten sich die Anh\u00e4nger der TKP/ML (Partizan-Fl\u00fcOrganisation gel) in der 1976 gegr\u00fcndeten \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in in Deutschland Deutschland e.V.\" (ATIF) und der Ende 1986 gebildeten \"Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa\" (ATIK). Beide Vereinigungen pr\u00e4sentieren sich als Massenorganisationen und tarnen ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend. Die Anh\u00e4nger der MKP sind seit Sommer 1997 in den beiden Basisorganisationen \"F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Deutschland\" (ADHF) bzw. \"Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa\" (ADHK) organisiert. In einer Internet-Ver\u00f6ffentlichung bezeichnete die ATIK die neu konziAktivit\u00e4ten pierten Befragungen von Einb\u00fcrgerungsbewerbern in Baden-W\u00fcrttemberg als \"institutionell-rassistische Politik\". Der Fragenkatalog diene dazu, die Gesinnung von Muslimen \"auszuschn\u00fcffeln\" und zeige ein \"rassistisches und faschistoides\" Gedankengut. Zum 1. Mai nahmen t\u00fcrkische Linksextremisten wie in den Vorjahren an Kundgebungen deutscher Organisationen teil. Die ATIK erkl\u00e4rte im Internet unter der \u00dcberschrift \"Am 1. Mai Sind Wir Laut Stark Und Militant Dabei\": \"Es ist heute der wichtigste Tag um den gemeinsamen Kampf zu erh\u00f6hen und die Zukunft zu gewinnen. Denn es ist heute der Rote 1. Mai! Deshalb sagen wir Laut und Stark am 1. Mai: Alle Besatzungsm\u00e4chte raus aus dem Irak und Pal\u00e4stina! Kampf dem Rassismus und Faschismus \u00dcberall!\" Die der ATIK angeschlossene \"Neue demokratische Jugend\" (YDG) veranstaltete am 14. Oktober in Frankfurt am Main ihr 16. Jugend-, Kulturund Kunstfestival mit \u00fcber 900 Teilnehmern. Anl\u00e4sslich des 33. Todestags von Ibrahim Kaypakkaya, Gr\u00fcnder der TKP/ML, kamen am 20. Mai etwa 5.000 Personen in Wetzlar/Hessen zu einer Gedenkfeier der TKP/ML zusammen. Die MKP gedachte Kaypakkayas in einer Versammlung mit mehr als 1.000 Personen am 28. Mai in Hamburg. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","82 Ausl\u00e4nderextremismus Am 17. Juni fand in K\u00f6ln eine Veranstaltung der MKP zum Gedenken an 17 im Jahr 2005 in der T\u00fcrkei get\u00f6tete Genossen statt. Daran beteiligten sich etwa 800 Personen aus ganz Deutschland und aus Westeuropa. Sie skandierten Parolen wie \"Es lebe der Volkskrieg!\" und \"Tod dem Faschismus in aller Welt!\" Die Teilnehmerzahl blieb hinter den Erwartungen der Veranstalter zur\u00fcck. 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 40 Gr\u00fcndung: 1994 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Yeniden Atilim\" (Neuer Vorsto\u00df) Die in der T\u00fcrkei verbotene terroristische MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschluss zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erstrebt sie die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Ihre Basisorganisation ist die \"F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\" (AGIF) mit Sitz in K\u00f6ln. Mitglieder der MLKP waren auch im Jahr 2006 wieder an der Rosa-Luxemburg-Gedenk-Veranstaltung im Januar in Berlin und an Protesten gegen die M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik im Februar in M\u00fcnchen beteiligt. Unter der \u00dcberschrift \"Am 1. Mai auf die Stra\u00dfen - Gegen Besatzung, Sozialabbau und Anti-Terror-Gesetze\" ver\u00f6ffentlichte die MLKP im Internet einen Aufruf zum 1. Mai. Es handle sich nicht um einen gew\u00f6hnlichen Feiertag, sondern um einen \"Tag f\u00fcr die k\u00e4mpferischen Forderungen der Arbeiterklasse, f\u00fcr die internationale Solidarit\u00e4t und des Kampfes gegen die Bourgeoisie. (...) Arbeiter, Werkt\u00e4tige, lasst uns den ersten Mai ... mit unseren Transparenten, unserem revolution\u00e4ren Motto, als das Fest der Arbeit feiern. Kommt zu den 1. Mai-Demonstrationen, um unsere Stimmen zu vermehren und unsere Kr\u00e4fte zu vereinigen\". Das Internationale B\u00fcro der MLKP verurteilte im Internet \"die zionistische Aggression und Barbarei\" Israels gegen Pal\u00e4stinenser und Libanesen sowie die Rolle der USA: \"Die Angriffe auf Pal\u00e4stina und ... auf den Libanon sind die Verwirklichung eines imperialistisch-zionistischen Planes. (...) Es ist unrealistisch, dass die Zionisten ohne Wissen und Einverst\u00e4ndnis der USA an mehreren Fronten Angriffe durchf\u00fchren ... Aus diesem Grund sind die Probleme, denen Israel gegenVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 83 \u00fcbersteht, auch die des US-Imperialismus. (...) Die Botschaften Israels und der USA und ihre milit\u00e4rischen und zivilen Einrichtungen sind jene Orte, an denen wir die Aggression verurteilen und protestieren k\u00f6nnen. Um den US-Imperialismus aus dem Mittleren Osten und Israel aus Pal\u00e4stina zu vertreiben, m\u00fcssen wir unsere militanten Solidarit\u00e4tsaktionen mit dem Widerstand im Libanon und dem Irak verst\u00e4rkt durchf\u00fchren.\" Bei Durchsuchungen in sieben t\u00fcrkischen Provinzen wurden am 8. und 9. September 23 Mitglieder der MLKP festgenommen. Dabei wurden zahlreiche Waffen und Handgranaten sowie 250 Kilogramm Sprengstoff und Chemikalien beschlagnahmt. Die MLKP soll in der T\u00fcrkei bereits 76 Bombenanschl\u00e4ge mit insgesamt drei Todesopfern ver\u00fcbt Anschl\u00e4ge in haben. Den Festgenommenen wird zur Last gelegt, zum Gr\u00fcndungstag der T\u00fcrkei der MLKP am 10. September neue Anschl\u00e4ge geplant zu haben. Als Reaktion auf diese Festnahmen trafen sich am 10. September etwa 50 Personen zu einer Protestveranstaltung in Stuttgart. 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.500 1.250 Vorsitzender: Cemal Cetin Gr\u00fcndung: 1978 Sitz: Frankfurt am Main Publikation: \"T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni\" Die nationalistische AD\u00dcTDF vertritt eine extreme Variante des t\u00fcrkischen Nationalismus, die in der T\u00fcrkei seit l\u00e4ngerer Zeit durch die \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP) propagiert wird. Die F\u00fchrung der Organisation verehrt nach wie vor offen Alparslan T\u00fcrkes, den 1997 verstorbenen langj\u00e4hrigen MHP-Vorsitzenden. In Bayern reduzierte sich die Anzahl der dem Verband zuzurechnenden \"Graue W\u00f6lfe\" Vereine von 30 auf 25. Die Anh\u00e4nger der AD\u00dcTDF werden h\u00e4ufig auch als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet. Ihr Erkennungszeichen ist ein mit f\u00fcnf Fingern stilisierter Wolfskopf. Das Ziel der AD\u00dcTDF war bisher, die gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Einrichtung in Westeuropa zu werden. Sie war deshalb auch ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der MHP, die eine Gro\u00dft\u00fcrkei nach osmanischem Vorbild propagierte. Dieses Streben der AD\u00dcTDF nach Dominanz stand einer echten Integration der T\u00fcrken wie auch der Muslime in die deutsche Gesellschaft entgegen. T\u00fcrkischen Jugendlichen wurde die \u00dcberlegenVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","84 Ausl\u00e4nderextremismus heit der T\u00fcrken suggeriert, so dass viele von ihnen ein Gruppenbewusstsein entwickelten, das sich gegen die deutsche Gesellschaft richtete. Zwar riet der Verband den Mitgliedern, die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit anzunehmen, Motiv hierf\u00fcr waren aber nur die damit verbundenen gr\u00f6\u00dferen Einflussm\u00f6glichkeiten. Mutterpartei MHP Seit einiger Zeit bem\u00fcht sich die Parteif\u00fchrung der MHP unter Devlet Bahceli, der Partei ein konservatives und europafreundliches Erscheinungsbild zu geben. Dies findet jedoch nicht die ungeteilte Zustimmung aller Mitglieder, weshalb sich ein Teil der \"wahren Idealisten\" zur\u00fcckzieht. Dies spiegelt sich auch in den r\u00fcckl\u00e4ufigen Mitgliederzahlen wider. Die AD\u00dcTDF stellt sich in Deutschland als gesetzestreu dar und lehnt bereits seit einigen Jahren Gewalt ab. Dennoch gibt es weiterhin Anhaltspunkte f\u00fcr nationalistische und rassistische Einstellungen. Festzustellen sind auch Aktivit\u00e4ten der AD\u00dcTDF und ihrer Mutterpartei gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, vor allem gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker. Vereinzelt finden sich auch islamistische Ans\u00e4tze. 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) / Volksmudjahidin Iran (MEK) Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 200 Gr\u00fcndung: 1981 in Paris (in Deutschland vertreten seit 1994) Sitz: Berlin Deutschlandvertreterin: Dr. Bolourchi Massoumeh Volksmudjahidin Iran (MEK) Gr\u00fcndung: 1965 im Iran Leitung: Massoud Radjavi Publikation: \"Mojahed\" (Glaubensk\u00e4mpfer) Der NWRI ist ein Zusammenschluss iranischer Oppositionsgruppen und Exilparlament Einzelpersonen. Im August 1993 bildete der NWRI ein Exilparlament und rief die Generalsekret\u00e4rin der MEK, Maryam Radjavi, zur \"k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidentin des Irans\" aus. Zu den Aufgaben der im westlichen Ausland t\u00e4tigen MEK-Organisationen geh\u00f6ren umfangreiche Propaganda-Aktivit\u00e4ten und Ma\u00dfnahmen zur Geldbeschaffung. Der NWRI und die MEK wollen das iranische Regime st\u00fcrzen und halten daf\u00fcr den bewaffneten Kampf f\u00fcr notwendig. Der NWRI ist der weltVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 85 weit politisch agierende Arm der MEK. Die MEK galten bis zur Besetzung des Iraks durch amerikanische und britische Truppen als st\u00e4rkste und militanteste Oppositionsgruppe, die vom Irak aus im Iran operierte. Militante iranische Zu diesem Zweck unterhielten die MEK in der Vergangenheit ihren Oppositionsgruppe bewaffneten Arm \"National Liberation Army\" (NLA) im Irak, der f\u00fcr zahlreiche terroristische Anschl\u00e4ge im Iran verantwortlich war. Der Oberbefehlshaber dieser \"Nationalen Befreiungsarmee\" ist Massoud Radjavi, der Ehemann von Maryam Radjavi. Nach dem Sturz des irakischen Regimes im April 2003 schloss die NLA einen Waffenstillstand mit den US-Streitkr\u00e4ften; die rund 4000 Mitglieder wurden im Lager \"Ashraf\" im Irak unter US-Aufsicht gestellt und entwaffnet. Mittlerweile haben diese MEK-Angeh\u00f6rigen den Status \"gesch\u00fctzter Personen\" nach der Vierten Genfer Konvention zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten erhalten. Die MEK, nicht jedoch der NWRI, wurden am 2. Mai 2002 in die Liste Aufnahme der der als terroristisch eingestuften Organisationen der Europ\u00e4ischen Union MEK in die aufgenommen. Am 12. Dezember erkl\u00e4rte ein Gericht der Europ\u00e4ischen EU-Terrorliste Union den EU-Ratsbeschluss, die MEK auf die Liste terroristischer Organisationen zu setzen, aus formellen Gr\u00fcnden f\u00fcr nichtig. Das Gericht befasste sich dabei allerdings nicht mit der Frage, ob die MEK eine Terrororganisation sind. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. In Deutschland ist keine Abgrenzung zwischen den MEK und dem NWRI zu erkennen. Die Volksmudjahidin sind innerhalb der iranischen Exilopposition seit Jahren isoliert, da sie f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, die \"einzige demokratische Alternative\" zum iranischen Regime zu sein. Tats\u00e4chlich ist die Organisation jedoch von innerparteilicher Demokratie weit entfernt. Darauf deuten die streng hierarchisch ausgerichtete Kaderstruktur und der sektenartige F\u00fchrerkult um das Ehepaar Massoud und Maryam Radjavi hin. Seit der Entwaffnung der NLA und der Internierung der MEK-Angeh\u00f6rigen im Lager Ashraf im Irak hatten die MEK keine M\u00f6glichkeit mehr, Terroranschl\u00e4ge durchzuf\u00fchren. Eine ausdr\u00fcckliche Abkehr von Gewalt durch NWRI oder MEK ist jedoch bislang nicht erfolgt. Die MEK-Anh\u00e4nger versuchen, mit \u00f6ffentlichen Aktionen wie Konzerten \u00d6ffentlichkeitsund Informationsveranstaltungen Aufmerksamkeit zu erwecken und f\u00fcr arbeit ihre Ziele zu werben. Dazu nutzen sie Themen wie \"Menschenrechtsverletzungen im Iran\", \"Protest gegen das iranische Atomwaffenprogramm\", \"Protest gegen den iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadinedschad\" und fordern die Streichung der Volksmudjahidin aus der EU-Terrorliste. Derartige Veranstaltungen fanden in Berlin, Wien, M\u00fcnchen und Genf statt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","86 Ausl\u00e4nderextremismus Seit der Wahl des Pr\u00e4sidenten Mahmud Ahmadinedschad r\u00fcckte bei den Demonstrationen des NWRI neben den Menschenrechtsverletzungen verst\u00e4rkt das Atomprogramm des iranischen Regimes in den Vordergrund. Der NWRI fordert die Einschaltung des UN-Sicherheitsrats und den Beschluss von Sanktionen, wobei die bisherige Politik des Westens f\u00fcr die aktuelle politische Lage verantwortlich gemacht wird. Weiterhin fordert der NWRI die Streichung der MEK aus den USund EU-Terrorlisten. Am 1. Juli fand hierzu eine Gro\u00dfkundgebung in Paris unter dem Motto \"Zeit f\u00fcr die Wende mit Maryam Radjavi\" statt. Dabei betonte Maryam Radjavi erneut die Wichtigkeit der Widerstandsk\u00e4mpfer in dem Lager Ashraf. Nachdem der irakische Premierminister al-Maliki eine Aufl\u00f6sung des Lagers gefordert hatte, demonstrierten Anh\u00e4nger der MEK von August bis Oktober t\u00e4glich vor dem Geb\u00e4ude der Vereinten Nationen in Genf. Im Fall einer Aufl\u00f6sung des Lagers bef\u00fcrchtet die Organisation eine Schw\u00e4chung ihrer Position im Kampf gegen die iranischen Machthaber. Verst\u00e4rkte Seit Mitte des Jahres ist eine verst\u00e4rkte Spendensammelt\u00e4tigkeit von SpendenAnh\u00e4ngern des NWRI und in seinem Umfeld agierender Vereine zu versammlungen zeichnen. Aktivisten des NWRI f\u00fchren im Namen der Vereine \"Hilfswerk f\u00fcr Menschenrechte im Iran e.V.\" (HMI) aus Dortmund, des \"Menschenrechtszentrums f\u00fcr ExiliranerInnen e.V.\" (MEI) mit Sitz in D\u00fcsseldorf sowie des Aachener \"Menschenrechtsvereins f\u00fcr Migranten e.V.\" bundesweit Stra\u00dfensammlungen durch. Die Schwerpunkte der Sammlungsaktivit\u00e4ten liegen in Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. Aber auch in Bayern sind vereinzelt Haussammlungen f\u00fcr angeblich humanit\u00e4re Zwecke zu verzeichnen. MEK und NWRI versuchen nach wie vor, Politiker f\u00fcr ihre Ziele sowie f\u00fcr die Teilnahme an Veranstaltungen zu gewinnen, um sich in der \u00d6ffentlichkeit als freiheitsliebende und \"demokratische\" Exilbewegung darzustellen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 87 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Afghanische, arabische und maghrebinische Gruppen Al-Qaida sunnitisch-extremistisch Muslimbruderschaft (MB) Risalat ul-Ikhwan sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Al-Islam sunnitisch-extremistisch - nur als Internet-Ausgabe - Al-Gamaa al-Islamiya (GI) sunnitisch-extremistisch Djihad Islami (JI) sunnitisch-extremistisch Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) Al-Aqsa e.V. (in Deutschland rechtskr\u00e4ftig verboten seit 03.12.2004) sunnitisch-extremistisch Islamische Heilsfront (FIS) sunnitisch-extremistisch Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) sunnitisch-extremistisch En Nahda sunnitisch-extremistisch Hizb ut-Tahrir Al-Khilafah (Das Kalifat) (in Deutschland seit 15.01.2003 verboten) - unregelm\u00e4\u00dfig - schiitisch-extremistisch Al-Waie Explizit - viertelj\u00e4hrlich - Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) sunnitisch-extremistisch Ansar al-Islam sunnitisch-extremistisch Tablighi Jamaat (TJ) sunnitisch-extremistisch Al-Tauhid sunnitisch-extremistisch Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","88 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Intiqad (Die Kritik) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) marxistisch-leninistisch Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) marxistisch-leninistisch Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando - (PFLP-GC) marxistisch-leninistisch Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) (Partei des islamischen Rufs /der islamischen Mission) schiitisch-extremistisch Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) schiitisch-extremistisch 2. Iranische Gruppen Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) islamisch-extremistisch Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) islamisch-extremistisch Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) API-Brief marxistisch - monatlich - International - monatlich - Volksmudjahidin Iran (MEK) Mojahed (Glaubensk\u00e4mpfer) islamisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Sitz: Berlin islamisch-extremistisch 3. Kurdische Gruppen Volkskongress Kurdistans Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) (KONGRA GEL) - monatlich - vormals: Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistan Report Kurdistans (KADEK) - zweimonatlich - davor: Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) marxistisch-leninistisch (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Teilorganisationen des KONGRA GEL: Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) vormals: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 89 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa (CDK) vormals: Kurdische Demokratische Volksunion (YDK) davor: Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdischer Nationalkongress (KNK) Nebenorganisationen des KONGRA GEL: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (seit 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. vormals: HUNERKOM Verband der stolzen Frauen (Koma Jinen Bilind - KJB) umfasst: Freiheitspartei der Frauen Kurdistans (PAJK) Newaya Jin (Freie Frauen) vormals: Partei der Freien Frauen (PJA) - monatlich - davor: Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) vormals: Jina Serbilind (Die stolze Frau) Freie Frauenverb\u00e4nde (YJA) Frauenguerilla (YJA-STAR) Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Vereinigung der demokratischen Jugendlichen Kurdistans CIWANEN AZAD (Freie Jugendliche) (KOMALEN-CIWAN) bisher: \u00d6ZG\u00dcR GENCLIK (Freie Jugend) vormals: Bewegung der freien Jugend Kurdistans (TECAK) vormals: Sterka Ciwan (Stern der Jugend) davor: Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) - zweimonatlich - Demokratische Jugend (DEM-GENC) Verband der StudentInnen aus Kurdistan (YXK) Ronahi (Licht) - dreimonatlich - Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","90 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Demokratische Aleviten-F\u00f6deration (FEDA) Semah vormals: F\u00f6deration der Demokratischen Aleviten (DAV) vormals: Z\u00fclfikar davor: Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-LeniIsci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu nisten (TKP/ML) (Arbeiter-Bauern-Befreiung) - zweimonatlich - Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Devrim Yolunda Isci K\u00f6yl\u00fc (Arbeiter und Bauern auf dem Weg der Revolution) - vierzehnt\u00e4gig - Maoistische Kommunistische Partei (MKP) Devrimci Demokrasi vormals: DABK (Ostanatolisches Gebietskomitee) (Revolution\u00e4re Demokratie) T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation des Partizan-Fl\u00fcgels (TKP/ML) Volksbefreiungsarmee (HKO), milit\u00e4rischer Arm der MKP Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg (Partizan-Fl\u00fcgel) F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) (DABK-Fl\u00fcgel) Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) (Partizan-Fl\u00fcgel) - unregelm\u00e4\u00dfig - Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa (ADHK) (DABK-Fl\u00fcgel) Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Bolsevik Partizan (BP-KK/T) (Bolschewistischer Partisan) (Abspaltung von der TKP/ML) - monatlich - Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Ausl\u00e4nderextremismus 91 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) in Deutschland seit 09.02.1983 verboten; 1993 in zwei Fraktionen (Karatasbzw. Yagan-Fl\u00fcgel) zerfallen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) Ekmek ve Adalet aus dem Karatas-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (Brot und Gerechtigkeit) (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) - w\u00f6chentlich - Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Marsch) - w\u00f6chentlich - T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) aus dem Yagan-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Yeniden Atilim (Neuer Vorsto\u00df) - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Einheiten der Armen und Unterdr\u00fccker (FESK) - milit\u00e4rischer Arm der MLKP - Basisorganisation der MLKP: Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa (AvEG-Kon) F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei AGIF B\u00fclteni in Deutschland e.V. (AGIF) - zweimonatlich - 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - Sitz: Frankfurt am Main 4.3 Islamische Extremisten Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung Publizistisches Sprachrohr: Milli Gazete Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) Verbandszeitschrift: Sitz: Kerpen Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) Publizistisches Sprachrohr: vormals: Verband der islamischen Vereine und Barika-I Hakikat (Aufleuchten der Gemeinden e.V. (ICCB) mit Sitz in K\u00f6ln Wahrheit) (in Deutschland seit 12.12.2001 verboten) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","92 Rechtsextremismus 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus Ablehnung der Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie auf. Grundlagen der Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in Deutschland Demokratie sind im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und stattdessen - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschluss des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem Kollektivismus - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die zu einer Aush\u00f6hlung der Grundrechte f\u00fchrt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), Nationalismus - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung missachtender Nationalismus, Rassismus - die offene oder verdeckte Wiederbelebung rassistischer Thesen, u.a. des Antisemitismus, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, Relativierung des - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltNS-Unrechts herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reichs zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Verunglimpfung Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Verunder Demokratie glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. Ziel dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Vertreter als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 93 Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Strategie des Kampfs gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Seit einigen Jahren treten in der Propaganda von Rechtsextremisten soSozialpolitische zialund wirtschaftspolitische Themen in den Vordergrund. Durch VerThemen kn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus den Sorgen der Bev\u00f6lkerung um ihre soziale Sicherheit und gesellschaftliche Positionierung Kapital schlagen zu k\u00f6nnen. Teile des rechtsextremistischen Spektrums propagieren einen von dezidiert antikapitalistischen Elementen gepr\u00e4gten \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in sozialistisch orientierte W\u00e4hlerschichten einzudringen. Rechtsextremisten betonen seit einiger Zeit Gemeinsamkeiten mit anderen politischen Str\u00f6mungen. Sie traten beispielsweise als Teil der Protestbewegungen gegen die US-amerikanische Intervention im Irak und gegen die Sozialreformen auf. In der globalen Auseinandersetzung mit dem Islamismus positionierten sie sich eindeutig antiwestlich und verAntiwestliche suchten, den Konflikt zwischen der internationalen Staatengemeinschaft Feindbilder und dem Iran f\u00fcr ihre Ziele zu nutzen. Sie leugneten die Gefahren eines iranischen Atomprogramms und griffen stattdessen die USA, Israel und die Bundesregierung an. \u00dcbereinstimmungen zwischen Rechtsextremisten und Islamisten bestehen in einem antizionistisch-antisemitischen und antiwestlich-antiamerikanischen Feindbild. Rechtsextremisten wie auch islamische Extremisten sehen in den USA gemeinsam den Feind, der aus imperialistisch-kapitalistischem Interesse die Widerstandskraft der V\u00f6lker und Kulturen zu zerst\u00f6ren suche. Nutznie\u00dfer - wenn nicht gar Betreiber dieses Prozesses - seien die Juden. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern Rechtsextremisund deren jeweilige Mitgliederst\u00e4rke sind aus der \u00dcbersicht auf der tische Parteien Seite 94 dieses Berichts zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. Die Wahlerfolge in Sachsen im Herbst 2004 und in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst 2006 brachten der NPD bundesweit einen m\u00e4\u00dfigen Aufw\u00e4rtstrend; auch in Bayern stieg die Zahl der Mitglieder leicht an (vgl. auch Nummer 2.1 dieses Abschnitts). Numerisch st\u00e4rkste rechtsextremistische Partei im Bundesgebiet ist wie bisher die DVU, allerdings Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","94 Rechtsextremismus Zahl und 2004 2005 2006 Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremisAnzahl der Organisationen 40 40 40 tischer OrganiMitgliederst\u00e4rken sationen in Die Republikaner (REP) 2.800 2.300 2.200 Bayern NPD mit JN und NHB 900 900 950 Deutsche Volksunion (DVU)* 1.200 1.100 1.000 Neonazistische Organisationen 160 160 190 Sonstige Organisationen 420 420 300 5.480 4.880 4.640 Neonazistische Einzelaktivisten 140 140 160 Rechtsextremistische Skinheads 800 800 750 Rechtsextremisten insgesamt 6.420 5.820 5.550 * Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins. mit abnehmender Tendenz, da sie den durch \u00dcberalterung bedingten Mitgliederschwund nicht aufhalten kann (vgl. auch Nummer 2.2 dieses Abschnitts). Die REP hatten bundesweit deutliche Mitgliederverluste zu verzeichnen, blieben aber in Bayern die mitgliederst\u00e4rkste Partei des rechtsextremisAnhaltspunkte f\u00fcr tischen Spektrums. Teile der REP, vor allem unterhalb der Ebene des rechtsextremisParteivorstands, verfolgen nach wie vor rechtsextremistische Ziele. Hintische Bestrebungen weise auf eine gegen die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsin Teilen der REP verbot gerichtete Zielsetzung finden sich insbesondere in einigen fremdenfeindlich gepr\u00e4gten Aussagen, in denen in Deutschland lebende Ausl\u00e4nder pauschal f\u00fcr gesellschaftliche Kontroversen und Probleme verantwortlich gemacht und dabei undifferenziert als bedrohender Faktor f\u00fcr die deutsche Bev\u00f6lkerung dargestellt werden. Bei den Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg (2,5 %), Rheinland-Pfalz (1,7 %), Sachsen-Anhalt (0,5 %) und bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin (0,9 %) waren die REP als \"Protestpartei\" erneut erfolglos. Best\u00e4tigung des Der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer setzte sich auf dem BundesAbgrenzungskurses parteitag am 8./9. Dezember in H\u00f6chstadt a.d. Aisch, Landkreis Erlanauf dem Bundesgen-H\u00f6chstadt, in einer Richtungswahl gegen seinen Konkurrenten um parteitag das Amt des Parteivorsitzenden Bj\u00f6rn Clemens mit 135 zu 71 Stimmen durch. Dieser war zuvor nachdr\u00fccklich f\u00fcr ein Ende der \"Abgrenzungspolitik\" eingetreten. Damit best\u00e4tigten die Delegierten den offiziellen Abgrenzungskurs der Parteispitze gegen\u00fcber rechtsextremistischen Organisationen, insbesondere gegen\u00fcber dem \"Volksfront\"-Kurs der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 95 NPD. Der Abgrenzungskurs von Dr. Schlierer wird in Bayern vom dortigen Landesvorsitzenden unterst\u00fctzt, der auf dem Landesparteitag am 25. November in Kissing mit rund 95 % der Stimmen in seinem Amt best\u00e4tigt wurde. Ferner verabschiedeten die Delegierten - bei lediglich drei Enthaltungen - eine Resolution, in der sie Absprachen bzw. die Zusammenarbeit mit verfassungsfeindlichen Parteien ablehnten. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg best\u00e4tigte am 6. April Erfolgreiche Klage das Urteil des Verwaltungsgerichts Berlin vom 31. August 1998, mit dem gegen das Land die Aufnahme der REP in den Verfassungsschutzbericht 1997 des LanBerlin des Berlin als rechtswidrig festgestellt wurde, weil das Gesamtbild der Partei auf der Grundlage der Beh\u00f6rdenerkenntnisse nicht die Feststellung erm\u00f6glicht habe, sie verfolge verfassungsfeindliche Bestrebungen. Die kaum noch aktive \"Deutsche Partei - Die Freiheitlichen\" (DP) nahm Deutsche Partei - wegen mangelnder Erfolgsaussichten an den Landtagswahlen im Jahr Die Freiheitlichen 2006 nicht teil. Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 1993 hatte die DP mit (DP) anderen kleinen \"konservativ und national\" ausgerichteten Parteien versucht, eine gemeinsame politische Einheit zu bilden. In diesem Zusammenhang bot sie sich seit 2001 entt\u00e4uschten Mitgliedern von Parteien aus dem \"rechten Lager\" als Alternative an, u.a. ehemaligen REP-Funktion\u00e4ren. Ihre Sammlungsbem\u00fchungen blieben jedoch auch im Berichtszeitraum weitgehend erfolglos. 1.3 Nutzung des Internets Seit mehreren Jahren nutzen Rechtsextremisten moderne KommunikaBedeutendes tionstechniken. Dabei kommt dem Internet bei der Verbreitung rechtsKommunikationsextremistischen Gedankenguts und der Koordinierung von Aktivit\u00e4ten mittel der rechtsextremistischen Szene eine weiterhin steigende Bedeutung zu. Der Zugriff auf das Internet bietet Rechtsextremisten eine geeignete Plattform zur Information und Kommunikation. Dar\u00fcber hinaus stellt dieser Verbund ein wichtiges Instrument zur Mobilisierung der Szene dar. Die Zahl der von Deutschen betriebenen Homepages mit rechtsextremisKonstante Zahl tischen Inhalten blieb in den vergangenen vier Jahren mit durchschnittlich rechtsextremis1.000 konstant. Zunehmend werden die neuen technischen M\u00f6glichkeitischer deutscher ten der \"Web 2.0-Generation\", etwa in Form von \"Weblogs\", genutzt. Homepages Die Internet-Angebote rechtsextremistischer Parteien, beispielsweise der NPD, nehmen zum Teil zu aktuellen tagespolitischen Fragen Stellung und befinden sich auf hohem technischem Niveau. Eine Vielzahl rechtsextremistischer Skinhead-Bands stellt auf ihren Homepages neben Fotos von Auftritten und Konzertberichten auch die Lieder zur VerVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","96 Rechtsextremismus f\u00fcgung. Im Online-Versandhandel entsprechender Anbieter findet sich eine umfangreiche Auswahl an szene-typischer Kleidung, Musik-CDs und anderen Szene-Artikeln. Diskussionsforen Eine gro\u00dfe Bedeutung kommt in diesem Bereich ferner den Diskussionsforen zu. Die Relevanz dieses Internet-Dienstes f\u00fcr die Nutzer besteht in der permanenten, ortsunabh\u00e4ngigen und kaum zu kontrollierenden M\u00f6glichkeit zur Information, Kommunikation und Vernetzung mit anderen Szene-Anh\u00e4ngern. Deutsche Rechtsextremisten werben f\u00fcr ihre verfassungsfeindlichen Ziele mit immer anspruchsvollerer Technik. So binden sie aufwendige Grafiken ein und bieten Skinhead-Musik \u00fcber Tondateien an. Homepage-Betreiber aus dem Bereich des Rechtsextremismus weichen zum Teil auf ausl\u00e4ndische Speicherplatzanbieter aus, die sich Appellen staatlicher und privater Einrichtungen sowie einer Selbstkontrolle verschlie\u00dfen. Darunter befinden sich etliche Provider, die der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6ren. 2. Parteien, Organisationen und Verlage 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.000 900 Vorsitzender: Udo Voigt Ralf Ollert Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Publikation: \"Deutsche Stimme\" (DS) 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort Neonazistische und nationalrevolution\u00e4re Thesen sind fester Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD und haben deren Erscheinungsbild nachhaltig ver\u00e4ndert. Die NPD hat sich mittlerweile zu einem Sammelbecken Sammelbecken gewaltbereiter Skinheads und Neonazis entwickelt. Die von Neonazis und Parteif\u00fchrung intensivierte die Zusammenarbeit mit den \"Freien NatioSkinheads nalisten\". Das von der Partei vertretene Staatsund Menschenbild steht in krassem Gegensatz zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. F\u00fcr die NPD resultiert die W\u00fcrde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums, sondern sie ist von biologisch-genetischer Teilhabe an der \"Volksgemeinschaft\" abh\u00e4ngig. Mit ihrer Forderung nach Schaffung einer \"Volksgemeinschaft\" verwendet die NPD einen zentralen Begriff des Nationalsozialismus, der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 97 darunter insbesondere eine Schicksalsgemeinschaft verstand, in der die V\u00f6lkischer Interessen des Einzelnen bedingungslos der Gemeinschaft der VolksKollektivismus genossen untergeordnet wurden und das Wohl der so definierten \"Volksgemeinschaft\" allen anderen Interessen vorging: \"Volksherrschaft setzt die Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat dabei \u00fcber den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die Gesamtverantwortung wahrzunehmen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 3) \"Die Globalisierung mu\u00df gestoppt werden! An ihre Stelle mu\u00df eine raumorientierte Volkswirtschaft treten, die Arbeitspl\u00e4tze, soziale Sicherheit und eine gesunde Natur gew\u00e4hrleistet. (...) Der menschenverachtenden Globalisierung setzen wir das Konzept einer am Menschen, am Volk und seinem Lebensraum orientierten nationalen Volkswirtschaft, dem Freihandel eine Re-Nationalisierung der Betriebe und Entflechtung des raumfremden Spekulationsund Einflu\u00dfkapitals entgegen.\" (Deutsche Stimme, Mai 2006, Seite 2) Eine mit der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip des GrundRassismus und gesetzes unvereinbare, rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte FremNationalismus denfeindlichkeit ist elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom \"lebensrichtigen Menschenbild\", das sich insbesondere gegen \"Fremdbestimmung\" und \"\u00dcberfremdung\" wendet: \"Im Zusammenspiel von Gro\u00dfkapital, Regierung und Gewerkschaften wurden Millionen von Ausl\u00e4ndern wie Sklaven der Neuzeit nach Deutschland geholt. Diese Politik wird durch eine menschenund v\u00f6lkerverachtende Integration fortgesetzt. Ausl\u00e4nder und Deutsche werden gleicherma\u00dfen ihrer Heimat entfremdet und entwurzelt, ihnen droht der Verlust ihrer Identit\u00e4t, ... In zahlreichen St\u00e4dten bilden sich Ausl\u00e4nderghettos, in denen die deutsche Restbev\u00f6lkerung zur Minderheit im eigenen Land wird. (...) Ein grundlegender politischer Wandel mu\u00df die menschenfeindliche Integrationspolitik beenden sowie die deutsche Volkssubstanz erhalten.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 8) Als kontr\u00e4r zu ihren v\u00f6lkischen Idealen betrachtet die NPD das Gesellschaftsmodell sowohl des Islam als auch der USA: \"Als gr\u00f6\u00dftes Integrationshindernis gilt derweil der Islam, weshalb man vielen orientalischen Landbesetzern bis zum Tag ihrer R\u00fcckf\u00fchrung nur viel Koranfestigkeit w\u00fcnschen kann. (...) Bei Islamismus und Amerikanismus handelt es sich mithin um zwei v\u00f6lkerverachtende Universalismen, um zwei Fundamentalismen mit konkurrierenden Heilsbotschaften. Dem Identit\u00e4tsund Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker stehen beide Parteien aufgrund ihrer Weltherrschaftsanspr\u00fcche feindlich gegen\u00fcber.\" (Deutsche Stimme, April 2006, Seite 19) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","98 Rechtsextremismus \"Die imperialistische Politik der USA will alle V\u00f6lker unterwerfen, die nicht nach ihrer Pfeife tanzen. (...) Wir wissen, da\u00df Mord, Verschleppung und Folter auch den Namen der USA tragen und wollen den Iran und weitere V\u00f6lker vor solch einem Schicksal bewahren. Wir solidarisieren uns mit allen noch nicht 'befreiten' und damit wirklich souver\u00e4nen V\u00f6lker der Welt und fordern diese auf, sich sich dem US-Imperialismus zu widersetzen.\" (Deutsche Stimme, Juni 2006, Seite 2; Anmerkung: Fehler wurden \u00fcbernommen) Revisionismus F\u00fcr die NPD geh\u00f6rt Revisionismus nach wie vor zum Bestandteil ihrer Ideologie. Sie fordert \"Ein Ende der einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Wir Deutschen sind kein Volk von Verbrechern. (...) Kein Ersatz der Freiheit von Forschung und Lehre durch ein staatlich verordnetes, von politischer Justiz \u00fcberwachtes Geschichtsbild zu Lasten Deutschlands.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 11) Allerdings argumentiert sie zur\u00fcckhaltender als bisher. So hie\u00df es in dem Artikel \"In der Schweigespirale gefangen - Gesinnungsdiktatur anstelle von Meinungsfreiheit\": \"Doch die Sieger des Zweiten Weltkrieges hatten nicht nur mit den N\u00fcrnberger Prozessen ein Exempel statuiert, sie installierten dar\u00fcber hinaus auch eine Vielzahl von \u00c4mtern und Aufsichtsbeh\u00f6rden im Land, die bis heute \u00fcber das von den Siegern verordnete Geschichtsbild wachen. Ein kritisches Wort \u00fcber den Staat Israel oder ein gutes Wort \u00fcber einen Soldaten des Zweiten Weltkrieges - und der Betreffende wird noch heute politisch isoliert, moralisch degradiert und seiner beruflichen Existenz beraubt.\" (Deutsche Stimme, Oktober 2006, Seite 20) Antisemitismus Bei der Verbreitung antisemitischer Propaganda nutzt die NPD aktuelle politische Ereignisse, um Ressentiments gegen Juden zu f\u00f6rdern. Im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt hie\u00df es unter der \u00dcberschrift \"Der Bomber\": \"Denn das zionistische Israel dokumentiert mit seinen Angriffen auf libanesische Zivilisten, was in der westlichen Presse immer so vage mit Rassismus betitelt wird. Israel ist unter seinem Ministerpr\u00e4sidenten Olmert das einzige Land, das im Schutze historischer Halbwahrheiten Menschenrechtsverletzungen begehen kann. (...) Der Libanon wird nur ein Etappenziel f\u00fcr die machthungrige zionistische Elite sein, die ihren wahnhaften Auserw\u00e4hltheitstraum auf Kosten des Lebens von Kindern und Frauen tr\u00e4umt.\" (Deutsche Stimme, September 2006, Seite 2) Diffamierung Das politische System in Deutschland wurde h\u00e4ufig als \"Regime\" diffademokratischer miert; seine Repr\u00e4sentanten seien Betr\u00fcger und Versager: Institutionen \"Nur eine nicht korrumpierbare nationale Oppositionspartei k\u00f6nnte im Bundestag Licht in die dunklen Machenschaften der Kriegspolitiker der Etablierten Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 99 bringen. Jetzt wird wieder einmal deutlich, warum die NPD von den herrschenden Kollaborateuren so massiv bek\u00e4mpft wird.\" (Deutsche Stimme, Februar 2006, Seite 2) \"Das Parteiensystem ist am Ende, und der Staat pfeift aus dem letzten Loch.\" (Deutsche Stimme, M\u00e4rz 2006, Seite 2) Unter der \u00dcberschrift \"Die Republik der Strolche\" polemisierte die Partei gegen zwei Urteile des Bundessozialgerichts und des Landgerichts D\u00fcsseldorf (Mannesmann-Prozess), die \"einer massiven Vertrauenserosion gegen\u00fcber den Institutionen des pseudodemokratischen Staates Vorschub leisten und zu seiner sozialethischen Delegitimation beitragen. (...) Die geheuchelte Emp\u00f6rung der etablierten Politiker-Mischpoke, die durch ihre Neoliberalisierungspolitik und Dauer-Kriecherei vor den Kapitalherren solche obsz\u00f6nen Gesellschaftsverh\u00e4ltnisse erst geschaffen hat, lie\u00df nicht lange auf sich warten. (...) Diese Ungerechtigkeits-Republik ist moralisch l\u00e4ngst am Ende ...\" (Pressemitteilung vom 1. Dezember 2006) Diese diffamierende Polemik zeigt deutlich, dass die NPD die Prinzipien Wesensverwandtdes Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz schaft mit der ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen GrundNS-Terminologie ordnung ablehnt. Dar\u00fcber hinaus offenbart die Diktion der NPD, insbesondere der h\u00e4ufige Gebrauch der Begriffe \"System\", \"System-Parteien\" oder \"Systempolitiker\", die bereits von der NSDAP zur Diffamierung der Weimarer Republik instrumentalisiert wurden, eine Wesensverwandtschaft mit der Ideologie der NSDAP. NPD und JN betrachten die Wertordnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in der bestehenden Form als \"\u00fcberholt und handlungsunf\u00e4hig\" und wollen sie deshalb beseitigen. Um dem Ziel der politischen Machtergreifung n\u00e4her zu kommen, hat die Partei zur Verfolgung ihrer verfassungsfeindlichen Bestrebungen 1997 ein auf drei \"Drei-S\u00e4ulen\"strategische S\u00e4ulen\" gest\u00fctztes Konzept entwickelt, n\u00e4mlich Konzept\" - Programmatik: Kampf um die K\u00f6pfe, - Massenmobilisierung: Kampf um die Stra\u00dfe, - Wahlteilnahme: Kampf um die Parlamente. Mit dem im Herbst 2004 noch als vierte S\u00e4ule eingef\u00fcgten \"Kampf um Neue vierte S\u00e4ule den organisierten Willen\" erstrebt die NPD eine B\u00fcndelung aller nationalen Kr\u00e4fte, ohne dabei programmatische Inhalte zu definieren. Im Grunde handelt es sich um eine Aktionseinheit von NPD und Teilen des rechtsextremistischen Lagers. Die NPD bezieht hierin auch die DVU mit ein. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","100 Rechtsextremismus Zunehmende Seit Mitte der 90er Jahre hat die NPD ihre Agitation zur \"sozialen Frage\" Konzentration auf kontinuierlich erweitert. Sie erkl\u00e4rte dieses Thema zum Drehund soziale Themen Angelpunkt nationaler Politik. Mit einer Orientierung hin zum \"Nationalen Sozialismus\", einer Verkn\u00fcpfung von \"Nation\" und \"Sozialismus\", wirbt die NPD vor allem in den neuen Bundesl\u00e4ndern um Anh\u00e4nger. Insbesondere in Wahlk\u00e4mpfen sch\u00fcrt die NPD \u00c4ngste vor Arbeitslosigkeit, Fremdbestimmung oder \u00dcberfremdung. Damit soll eine Krisenstimmung geschaffen werden, die den Angriff gegen den sozialen Rechtsstaat und die freiheitliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland rechtfertigen soll. Aggressiver Im Rahmen ihres aggressiven Bestrebens, \u00fcber den au\u00dferparlamentaAktionismus im rischen Kampf politische Macht in Deutschland zu erringen, veranstal\"Kampf um die tete die NPD seit dem Amtsantritt des Bundesvorsitzenden Voigt im Jahr Stra\u00dfe\" 1996 bundesweit rund 790 Demonstrationen und \u00f6ffentliche Aktionen mit teilweise bis zu 5.000 Teilnehmern. Die Partei versteht sich als Anf\u00fchrerin einer breiten sozialen Protestbewegung, die in \u00f6ffentlichen Aufm\u00e4rschen auf der Stra\u00dfe gemeinsam mit Neonazis und Skinheads ihre auf die \u00dcberwindung des \"Systems\" gerichteten Ziele verfolgt. Sie bietet der Neonazi-Szene ein \"legales\" organisatorisches Dach und ist somit mitverantwortlich f\u00fcr ein geistiges Klima, das den Boden f\u00fcr \u00dcbergriffe von Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder und andere Minderheiten bereitet. 2.1.2 Organisation Anstieg der Die Partei mit Sitz in Berlin z\u00e4hlt bundesweit ann\u00e4hernd 7.000 (2005: Mitgliederzahl 6.000) Mitglieder. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Bundesvorsitzender ist seit M\u00e4rz 1996 Udo Voigt; seine Stellvertreter sind Holger Apfel, Peter Marx und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Redaktion und Anzeigenabteilung des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" (DS) befinden sich in Riesa/Sachsen. Dem aus 19 Personen bestehenden Bundesvorstand geh\u00f6ren mehrere ehemalige Aktivisten verbotener neonazistischer Gruppierungen an. Dar\u00fcber hinaus betrachtet die NPD Skinheads als nat\u00fcrliche B\u00fcndnispartner. Landesverband Dem Landesverband Bayern mit derzeitiger Adresse in Bamberg geh\u00f6ren Bayern rund 900 (2005: 850) Mitglieder an, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der Neonaziund Skinhead-Szene. Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 35 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber rund ein Drittel nicht aktiv ist. Der Landesverband wird von Ralf Ollert geleitet. Seine Stellvertreter sind Uwe Meenen (Vorsitzender des NPD-Bezirksverbands Unterfranken), Roland Wuttke (Vorsitzender des NPD-Bezirksverbands Oberbayern) und Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 101 Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, ein ehemaliger Aktivist des 1993 verbotenen neonazistischen Nationalen Blocks (NB). Nach wie vor sind im bayerischen Landesvorstand neben Anh\u00e4ngern der orthodoxen Linie der NPD auch Funktion\u00e4re mit einer \u00fcberwiegend neonazistisch ausgerichteten Ideologie vertreten; ebenso bestehen Verbindungen zur Skinhead-Szene. Die NPD verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber das umfassendste Angebot aller rechtsextremistischen Parteien im Internet. Ihre Homepage enth\u00e4lt mehrere Diskussionsforen sowie ein eigenes Textarchiv mit Schlagwortsuchmodus, \u00fcber den alle bislang von Nutzung des der NPD ver\u00f6ffentlichten Texte abrufbar sind. Einige NPD-LandesverInternets b\u00e4nde verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internet-Seiten. \u00dcber eine Linkliste sind Angebote von Untergliederungen der NPD und ihrer Jugendorganisation zug\u00e4nglich. Die NPD und ihre Jugendorganisation unterhalten Verbindungen zu Auslandskontakte gleich gesinnten Personen und Organisationen im westeurop\u00e4ischen Ausland, insbesondere nach Spanien, \u00d6sterreich und Italien. Allerdings ist die NPD ihrem Ziel der Bildung einer nationalistischen nordeurop\u00e4ischen Allianz nicht n\u00e4her gekommen. 2.1.3 Teilnahme an Wahlen Gem\u00e4\u00df der mit der DVU getroffenen Wahlabsprache kandidierte die Landtagswahl in NPD am 26. M\u00e4rz bei den Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg und Baden-W\u00fcrttemRheinland-Pfalz. Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte sie in berg Baden-W\u00fcrttemberg mit 29.219 Zweitstimmen einen Stimmenanteil von 0,7 %. Damit konnte sie ihr Ergebnis gegen\u00fcber der Landtagswahl 2001 (7.649 Stimmen = 0,2 %) zwar verbessern, verfehlte jedoch ihr Minimalziel, mit einem Zweitstimmenanteil von mindestens 1 % einen Anspruch auf Teilhabe an der staatlichen Teilfinanzierung der Parteien zu erwerben. Im Vergleich zur Bundestagswahl am 18. September 2005 (66.644 Stimmen = 1,1 %) verlor die NPD in Baden-W\u00fcrttemberg mehr als die H\u00e4lfte ihrer Stimmen. In Rheinland-Pfalz erhielt die NPD 21.056 Zweitstimmen (1,2 %). Sie Rheinland-Pfalz konnte damit ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl 2001 (0,5 %) verbessern. Im Vergleich zur Bundestagswahl 2005 (31.012 Stimmen = 1,3 %) musste sie dagegen Stimmenverluste hinnehmen. Auf der Landesliste der NPD kandidierten auch drei Neonazis sowie eine Vertreterin der DVU. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","102 Rechtsextremismus Berlin Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin am 17. September erreichte die NPD 35.229 Zweitstimmen (2,6 %). Gegen\u00fcber der letzten Abgeordnetenhauswahl im Oktober 2001 (0,9 %) konnte sie 20.119 Stimmen hinzugewinnen. Bei den Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen in Berlin errang die NPD in vier der f\u00fcnf Bezirke, in denen sie zur Wahl angetreten war, insgesamt elf Mandate. Der Bundesvorsitzende Udo Voigt wurde in die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-K\u00f6penick gew\u00e4hlt. Eine f\u00fcr die NPD kandidierende DVU-Aktivistin erhielt ein Mandat in der Bezirksverordnetenversammlung Lichtenberg. Wahlerfolg in Am selben Tag beteiligte sich die NPD als einzige rechtsextremistische MecklenburgPartei an der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei erreichte Vorpommern sie mit 59.845 (2002: 7.718) Zweitstimmen einen Stimmenanteil von 7,3 % (2002: 0,8 %) und dementsprechend sechs Landtagsmandate. Neben dem NPD-Landesvorsitzenden Stefan K\u00f6ster zogen auch Neonazis in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ein. Im Wahlkampf hatte die NPD an zahlreichen Info-St\u00e4nden Wahlzeitungen, Flugschriften sowie ihre \"Schulhof-CD\" verteilt. Der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt erkl\u00e4rte in einer \u00fcber das Internet verbreiteten \"Videobotschaft\", der zwischen NPD und DVU geschlossene \"Deutschland-Pakt\" habe sich ebenso bew\u00e4hrt wie die Unterst\u00fctzung durch \"freie Kameraden\". Der \"Kampf um Deutschland\" gehe weiter. 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen Die NPD bem\u00fcht sich schon seit l\u00e4ngerer Zeit um Absprachen mit anderen rechtsextremistischen Parteien, um ihre Chancen bei Wahlen \"Volksfront von zu steigern. Mit dem aktuellen Konzept einer \"Volksfront von rechts\" rechts\" verfolgt die Partei B\u00fcndnisbestrebungen in zwei unterschiedliche Richtungen: Zum einen intensiviert sie ihre b\u00fcndnispolitische Orientierung zur Neonazi-Szene. Zum anderen wird die Kooperation mit den \"derzeitigen nationalen Parteien in der BRD\" angestrebt, da aufgrund der Zersplitterung dieser Parteien keine in der Lage sei, \"wirksamen politischen Einfluss und gestalterische Macht zu entfalten\". Ziel der B\u00fcndnispolitik ist die \"Konzentration aller nationalen Kr\u00e4fte\" bzw. die Einheit des \"nationalen Lagers\". Der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt und der DVU-Bundesvorsitzende \"Deutschland-Pakt\" Dr. Gerhard Frey vereinbarten am 15. Januar 2005 in einem \"Deutschland-Pakt\" ihre weitere Zusammenarbeit f\u00fcr die Europa-, Bundestagsund Landtagswahlen bis 2009. So kandidierte bei der Bundestagswahl 2005 absprachegem\u00e4\u00df nur die NPD. Desgleichen beteiligte sich Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 103 die NPD als \"einzige nationale Kraft\" an den Landtagswahlen 2006 in Baden-W\u00fcrttemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Im Gegenzug trat die DVU im September 2006 bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt an. Schon bei den Landtagswahlen 2004 in Brandenburg und Sachsen hatte der Verzicht auf Konkurrenzkandidaturen zu den Erfolgen von DVU bzw. NPD beigetragen. Seit Jahresbeginn 2004 ist eine verst\u00e4rkte Ann\u00e4herung zwischen der NPD und den \"Freien Nationalisten\" erkennbar. So propagierte der f\u00fchrende Neonazi Thomas Wulff im Mai 2004 in einem im NPD-Parteiorgan ver\u00f6ffentlichten Beitrag die Schaffung einer \"Volksfront von rechts\". Dem NPD-Bundesvorstand geh\u00f6ren inzwischen bekannte Neonazis wie J\u00fcrgen Rieger, Ann\u00e4herung an Sascha Ro\u00dfm\u00fcller und Thomas Wulff an. Allerdings erf\u00e4hrt die von der die Neonazi-Szene NPD propagierte \"Volksfront\" bei den \"Freien Nationalisten\" nicht nur Zustimmung. Bei diesen ist die Zusammenarbeit vielfach rein taktisch motiviert und oft von Eigeninteressen gepr\u00e4gt. Die NPD nutzt die Anziehungskraft der Skinheads gezielt f\u00fcr ihre Wahlkampfveranstaltungen und Rekrutierungsma\u00dfnahmen. Sie hat sehr fr\u00fch den hohen Stellenwert der rechtsextremistischen Skinhead-Musik erKontakte zu kannt und ist bestrebt, bei eigenen Skinhead-Konzerten jugendliche Skinheads Besucher f\u00fcr NPD-Aktivit\u00e4ten zu mobilisieren und letztlich f\u00fcr die Ziele der Partei zu gewinnen. Daher bieten die NPD bzw. deren Aktivisten, die wie beispielsweise Norman Bordin enge Verbindungen zur Skinhead-Szene besitzen, rechtsextremistischen Skinhead-Bands ein Forum f\u00fcr Auftritte bei Parteiveranstaltungen. Obwohl sich einzelne Skinheads bzw. kleinere Skinhead-Gruppierungen eher unpolitisch geben, sich von der NPD distanzieren und eine Politisierung durch Schulungsund Vortragsveranstaltungen kategorisch ablehnen, halten andere Gruppierungen nach wie vor engen Kontakt zu NPD-Verb\u00e4nden. Die Parteimitgliedschaft f\u00fchrender Neonazis erleichtert der NPD die Personelle Mobilisierung und Integration von Skinheads im Gro\u00dfraum M\u00fcnchen Verflechtungen und N\u00fcrnberg. Die hohe Pr\u00e4senz von rechtsextremistischen Skinheads in den mittelfr\u00e4nkischen NPD-Strukturen hat weiter zugenommen. Dort rekrutiert sich inzwischen ein Gro\u00dfteil der Vorstandsmitglieder aus der \u00f6rtlichen Neonaziund Skinhead-Szene. Auch Angeh\u00f6rige der Skinhead-Szene aus dem Gro\u00dfraum W\u00fcrzburg suchen die N\u00e4he zur NPD und nehmen bayernweit an NPD-Veranstaltungen teil. Rechtsextremistische Liedermacher treten mitunter bei Skinhead-Treffen, Rechtsextremish\u00e4ufiger aber bei Veranstaltungen rechtsextremistischer Parteien wie der tische Liedermacher Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","104 Rechtsextremismus NPD auf. Dabei steht die Verherrlichung der ihnen vorschwebenden \"deutschen Ideale\" im Vordergrund: Kameradschaft, Frau als Mutter in der Familie, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarit\u00e4t, Treue und Ordnungssinn. Dar\u00fcber hinaus werden in den Liedern auch die angeblich positiven Seiten des NS-Regimes betont. Zwei bekannte Liedermacher in der bayerischen Szene sind Michael und Annett M\u00fcller. Beide treten bundesweit bei Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene auf. 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten 2.1.5.1 Parteitage Landesparteitag Der NPD-Landesverband Bayern veranstaltete am 21. Mai in Gremsdorf, in Gremsdorf Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, unter dem Leitspruch \"Landesentwicklung statt Entwicklungsland\" den 40. ordentlichen Landesparteitag mit rund 150 Teilnehmern, darunter etwa 100 Delegierten. Bei den anstehenden Neuwahlen konnte sich der seit dem Jahr 2000 amtierende Landesvorsitzende Ralf Ollert mit 52 zu 49 Stimmen nur knapp durchsetzen. Seine Stellvertreter sind der unterfr\u00e4nkische Bezirksvorsitzende Uwe Meenen, der oberbayerische Bezirksvorsitzende Roland Wuttke und der Beisitzer im NPD-Bundesvorstand Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Neonazis im Mit Ro\u00dfm\u00fcller und den Beisitzern Norman Bordin, Matthias Fischer und Landesvorstand Martin Paulus geh\u00f6ren dem bayerischen Landesvorstand Funktion\u00e4re mit einer \u00fcberwiegend neonazistischen Ideologie an; ferner bestehen Verbindungen zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene. Ro\u00dfm\u00fcller ist ein ehemaliger Aktivist des 1993 verbotenen neonazistischen Nationalen Blocks (NB); Bordin war der informelle F\u00fchrer der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen. Bei Fischer und Paulus handelt es sich um ehemals f\u00fchrende Aktivisten der 2004 verbotenen Fr\u00e4nkischen Aktionsfront (F.A.F.). Ollert wurde bei seiner Kandidatur mehrheitlich von Anh\u00e4ngern der orthodoxen Linie der NPD unterst\u00fctzt, w\u00e4hrend sich sein Herausforderer Meenen eher auf den j\u00fcngeren und aktionistischeren Teil der bayerischen NPD st\u00fctzte. Bundesparteitag Unter dem Motto \"Aus der Mitte des Volkes\" hielt die NPD am 11. und in Berlin 12. November ihren Bundesparteitag erstmals in Berlin ab. Daran beteiligten sich rund 550 Rechtsextremisten, darunter 232 Delegierte und der DVU-Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey. Nach Gru\u00dfbotschaften befreundeter Organisationen aus Italien, Portugal und Rum\u00e4nien hob der Bundesvorsitzende Udo Voigt hervor, dass der Parteitag in der \"Reichshauptstadt\" Berlin stattfinde. In seinem Rechenschaftsbericht bekannte er sich zum \"Deutschland-Pakt\" mit der DVU sowie zur ZuVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 105 sammenarbeit mit den freien Kr\u00e4ften in der \"deutschen Volksfront\". Bei der Neuwahl des Parteivorstands wurde Voigt ohne Gegenkandidaten mit \u00fcber 95 % der Stimmen in seinem Amt best\u00e4tigt. Ebenfalls wiedergew\u00e4hlt wurden die beiden stellvertretenden Parteivorsitzenden Holger Apfel und Peter Marx. Zum dritten Stellvertreter Voigts bestimmten die Delegierten den bisherigen Beisitzer und stellvertretenden bayerischen Landesvorsitzenden Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Dem Bundesvorstand geh\u00f6ren ferner die f\u00fchrenden Neonazis Thomas Wulff, J\u00fcrgen Rieger und Torsten Heise an. 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen Am 1. M\u00e4rz veranstaltete der NPD-Bezirksverband Niederbayern in RetPolitischer tenbach, Landkreis Deggendorf, das allj\u00e4hrliche Aschermittwochstreffen Aschermittwoch mit rund 180 Teilnehmern. Als Redner traten der Landesvorsitzende Ralf Ollert, sein Stellvertreter Sascha Ro\u00dfm\u00fcller sowie der Bundesvorsitzende der rechtsextremistischen \"Deutschen Partei - Die Freiheitlichen\" (DP) Ulrich P\u00e4tzold auf. Ollert betonte, dass sich die NPD gegen Globalisierung und \"Multi-Kulti\"-Gesellschaft wende und statt dessen auf eine \"raumorientierte Volkswirtschaft und Volksgemeinschaft\" setze. Ein \"De facto-Einwanderungsland Deutschland\" werde von der Partei abgelehnt. Vielmehr sei als Ziel einer \"volksverantwortlichen\" Politik die \"R\u00fcckf\u00fchrung der Ausl\u00e4nder\" in ihre Heimatl\u00e4nder zu f\u00f6rdern. Auch die CSU habe mit ihrer Politik die \u00fcber f\u00fcnf Millionen Arbeitslosen in Deutschland zu verantworten. Daher sei es das Ziel der NPD, als \"Opposition zum herrschenden Parteienkartell\" im Jahr 2008 in den bayerischen Landtag einzuziehen. In Bayern fanden keine eigenen Veranstaltungen von Rechtsextremisten Kundgebung zum zum 1. Mai statt. Bundesweit organisierte die rechtsextremistische Szene 1. Mai in Rostock mehrere dezentrale Kundgebungen. Die gr\u00f6\u00dfte mit rund 1.300 Teilnehmern fand in Rostock unter dem Motto \"Arbeit f\u00fcr Deutsche\" statt. Der Bundesvorsitzende Udo Voigt forderte in seiner Rede \"Arbeit f\u00fcr Deutsche\" und - anstelle des von allen Bundestagsparteien mitgetragenen Zuwanderungsgesetzes - ein Gesetz zur \"Ausl\u00e4nderheimf\u00fchrung\". Die Globalisierung m\u00fcsse gestoppt werden. An der Veranstaltung nahmen auch Rechtsextremisten aus Spanien, Griechenland, \u00d6sterreich und den USA teil. Ende M\u00e4rz wollte der NPD-Funktion\u00e4r Uwe Meenen f\u00fcr einen Kaufpreis Versuchter von knapp 1,2 Millionen Euro in Cham einen leer stehenden Geb\u00e4udeImmobilienerwerb komplex erwerben. Zu dem Kaufobjekt geh\u00f6rte eine von Januar bis in Cham Mitte April 2006 von zwei Rechtsextremisten gemietete ehemalige Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","106 Rechtsextremismus Diskothek, die damals in \"Sturm 23\" umbenannt worden war. Dort hatten u.a. als \"Geburtstagspartys\" getarnte Skinhead-Konzerte stattgefunden; dagegen konnten angemeldete Skinhead-Konzerte von der Stadt bzw. dem Landratsamt Cham erfolgreich verboten werden. Die NPD erwog, das Grundst\u00fcck als Veranstaltungsund Schulungszentrum zu nutzen und meldete f\u00fcr den 17. Juni in Cham einen so genannten Bayerntag an. Das Vorhaben scheiterte, da die Stadt Cham ihr Vorkaufsrecht aus\u00fcbte. Meenen hatte bereits vor etwa einem Jahr in der Oberpfalz versucht, eine Tennishalle in Grafenw\u00f6hr zu erwerben. Auch hier hatte er mit dem Verk\u00e4ufer einen hohen Kaufpreis vereinbart und den notariellen Vertrag in einer Presseerkl\u00e4rung der Partei werbewirksam bekannt gemacht. Als die NPD eine \"national befreite Zone Grafenw\u00f6hr\" propagierte, machte die Stadt Grafenw\u00f6hr ihr Vorkaufsrecht geltend. \"WM-Planer\" Die Titelseite eines von der NPD anl\u00e4sslich der FIFA-Weltmeisterschaft verbreiteten \"WM-Planers\" zeigte den Oberk\u00f6rper eines Spielers im wei\u00dfen Trikot der deutschen Nationalmannschaft sowie Teile der Spielernummer 25. Die Abbildung war mit dem Slogan \"Wei\u00df - Nicht nur eine Trikot-Farbe! - F\u00fcr eine echte NATIONAL-Mannschaft!\" versehen. Ein farbiger Bundesligaspieler war in der Nationalmannschaft aktuell Tr\u00e4ger des Trikots mit der Nummer 25. Damit hat die Partei zumindest unterschwellig einem Sportler allein wegen seiner Hautfarbe die Bef\u00e4higung abgesprochen, in der deutschen Nationalmannschaft zu spielen, und Ressentiments gegen farbige Mitb\u00fcrger gesch\u00fcrt. Am 6. April durchsuchte die Polizei die NPD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle in Berlin und stellte 30.000 Exemplare des \"WM-Planers\" sicher. Die Titelseite eines daraufhin von der NPD auf ihrer Internet-Seite ange\"Spielplan '06\" botenen neuen \"Spielplans '06\" zeigte zu der Frage \"Nationalelf 2010?\" eine stilisierte Darstellung der deutschen Nationalmannschaft, bei der nur ein Spieler eine wei\u00dfe Hautfarbe hatte. Im Text wurde die mutma\u00dfliche Zusammensetzung der k\u00fcnftigen Nationalmannschaft kritisiert und ihr indirekt eine unw\u00fcrdige Vertretung der deutschen Nation unterstellt. Am 8. Juni durchsuchte die Polizei erneut die NPD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle und stellte 3.000 Exemplare des neu aufgelegten \"Spielplans '06\" sicher. Werbekampagne Auf einer gemeinsamen Veranstaltung des NPD-Bezirksverbands Mittelfranken und des JN-Landesverbands Bayern am 3. Juni in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, stellte der NPD-Bezirksvorsitzende Matthias Fischer die neue Werbekampagne \"Rebellion im KlassenzimVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 107 mer - Franken rockt!\" vor. Diese Initiative sei die Antwort auf \"antinationale Zust\u00e4nde\" an fr\u00e4nkischen Schulen. Damit solle in der Region der Grundstein gelegt werden, an fr\u00e4nkischen Schulen gezielter f\u00fcr das \"nationale Deutschland\" zu werben und \"den herrschenden \"Zust\u00e4nden in der BRD eine deutliche Absage zu erteilen\". Zweck der Kampagne sei es auch, \"nationalen Jugendlichen\" an fr\u00e4nkischen Schulen den R\u00fccken zu st\u00e4rken, insbesondere mittels deutlicher Hinweise auf \"antideutsche Bestrebungen\" linker Lehrer und linksextremistischer Mitsch\u00fcler. Dazu lie\u00df die NPD seit Juli neben sonstigem Werbematerial zahlreiche Exemplare einer \"Schulhof-CD\" mit dem Titel \"Rebellion im Klassenzimmer - gegen Umerziehung und Multikulti\" vor mehreren Schulen verteilen. Au\u00dferdem wurde diese CD auf der Internet-Seite des NPD-Bezirksverbands Mittelfranken zum Herunterladen bereitgestellt. Anders als die im Jahr 2004 im Rahmen des neonazistischen \"Projekts Schulhof\" produzierten Tontr\u00e4ger enth\u00e4lt die \"Schulhof-CD\" der NPD zwar rechtsextremistische, aber keine strafrechtsrelevanten Texte. Der zur NPD geh\u00f6rende \"Deutsche Stimme\"-Verlag f\u00fchrte vom 9. bis \"4. Freiheitlicher 11. Juni in Bayreuth unter dem Motto \"Von N\u00fcrnberg bis Bagdad: V\u00f6lKongress\" kerrecht statt Siegerwillk\u00fcr\" seinen \"4. Freiheitlichen Kongress\" durch. Mit rund 180 (2005: 300) Teilnehmern fand die Veranstaltung deutlich weniger Zuspruch als im Vorjahr. Der stellvertretende NPD-Bundesvorsitzende und Chefredakteur der \"Deutschen Stimme\" Holger Apfel behauptete, die wahren Terroristen des 21. Jahrhunderts s\u00e4\u00dfen nicht in Bagdad oder Teheran, sondern in Washington und New York; dort liefen die F\u00e4den der kapitalistischen V\u00f6lkerunterdr\u00fcckung und Globalisierung zusammen. Als weitere Referenten traten am Er\u00f6ffnungstag u.a. der Parteivorsitzende Udo Voigt sowie der DVU-Funktion\u00e4r Ingmar Knop auf. Am 17. Juni veranstaltete der NPD-Landesverband Bayern in Regensburg den ersten \"Bayerntag\". Zu dem Sommerfest erschienen rund 600 Besucher. Im musikalischen Teil traten zwei Skinhead-Bands \"Bayerntag\" und ein rechtsextremistischer Liedermacher auf. Zahlreiche Szene-Angeh\u00f6rige trugen aufgrund der hei\u00dfen Witterung keine Oberbekleidung. Wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen nahm die Polizei 28 Personen vorl\u00e4ufig fest, bei denen entsprechende T\u00e4towierungen sichtbar waren. Gegen den \"Bayerntag\" der NPD protestierten in Regensburg bis zu 600 Personen, darunter auch Angeh\u00f6rige des regionalen linksextremistischen Spektrums. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","108 Rechtsextremismus Pressefest in Am 5. August fand in Dresden das Pressefest des NPD-eigenen \"DeutDresden sche Stimme\"-Verlags statt. An der Veranstaltung nahmen rund 7.000 Personen teil; darunter etwa 200 Szene-Angeh\u00f6rige aus Bayern. Hauptattraktion der Veranstaltung war das u.a. von rechtsextremistischen Liedermachern und zwei Skinhead-Bands gestaltete Musikprogramm. Am 14. Oktober demonstrierten rechtsextremistische Gruppierungen in N\u00fcrnberg unter dem Leitspruch \"Recht statt Rache - Revision der N\u00fcrnberger Prozesse\". An dem auch von der NPD unterst\u00fctzten Aufzug nahmen etwa 200 Personen teil. \"Heldengedenken\" Unter dem Motto \"Ehre unseren tapferen Soldaten beider Weltkriege\" in Gr\u00e4fenberg f\u00fchrte die NPD am 12. November in Gr\u00e4fenberg, Landkreis Forchheim, ihre seit 1999 j\u00e4hrlich stattfindende Versammlung anl\u00e4sslich des so genannten Heldengedenkens durch. An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 130 (2005: 150) Rechtsextremisten aus der Umgebung. Am 2. Dezember veranstaltete die NPD in Augsburg eine Demonstration zum Thema \"Null Toleranz - gegen kriminelle Tendenzen bei Polizei und Justiz\". Daran beteiligten sich etwa 180 Personen aus dem rechtsextremistischen Spektrum. Als Redner traten u.a. der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Roland Wuttke sowie der bayerische JN-Landesvorsitzende Norman Bordin auf. Anlass der Kundgebung war ein Polizeieinsatz gegen Rechtsextremisten am 4. November am Oberhauser Bahnhof in Augsburg. 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 50 Vorsitzender: Stefan Rochow Norman Bordin Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: Riesa/Sachsen Mit den JN verf\u00fcgt die NPD als einzige rechtsextremistische Partei \u00fcber Ideologische eine Jugendorganisation. Die JN bekennen sich in Ideologie und ZielAusrichtung setzung zum Programm ihrer Mutterpartei. In ihrem beim Bundeskonan der NPD gress 2002 als \"Perspektive f\u00fcr ein besseres Deutschland\" verabschiedeten \"Manifest der nationalistischen Jugend\" stellen sie das als grundlegendes Prinzip der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geltende Mehrparteiensystem insofern in Frage, als sie eine \"konstruktive parlamentarische Mitarbeit\" erst nach der \"eigentlichen Entscheidung\" dulden wollen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 109 Angesichts der fortdauernden Dominanz der Mutterpartei und ihrer intensivierten b\u00fcndnispolitischen Orientierung zur Neonazi-Szene sind die JN bem\u00fcht, ihre Eigenst\u00e4ndigkeit sowie ihre Bedeutung als Nahtstelle Bedeutungsverlust zwischen der NPD und den neonazistischen Organisationen zur\u00fcckzugewinnen. Zwar blieb ihre Mitgliederzahl konstant. Ihrem Anspruch, die \"Speerspitze des nationalen Widerstands\" zu bilden, gen\u00fcgen die JN aber seit l\u00e4ngerem nicht mehr. Die Dominanz der Mutterpartei zeigte sich beispielhaft an der Abl\u00f6sung Neuer Landesdes am 4. Februar in Neu-Ulm gew\u00e4hlten Landesvorstands. Dort hatten vorsitzender die Delegierten den JN-Bundesorganisationsleiter Mike Nwaiser zum neuen Landesvorsitzenden berufen und zwei bekannte Aktivisten der neonazistischen \"Autonomen Nationalisten M\u00fcnchen\" (ANM) zu Beisitzern bestellt. Bereits am 30. April wurde dieses Ergebnis auf einem au\u00dferordentlichen Landeskongress in M\u00fcnchen revidiert, wo die Delegierten den stellvertretenden Vorsitzenden des NPD-Bezirksverbands Oberbayern Norman Bordin zum neuen JN-Landesvorsitzenden w\u00e4hlten. Offiziell wurde die Neuwahl in einer Pressemitteilung damit begr\u00fcndet, dass zum Kongress am 4. Februar nicht alle Mitglieder geladen worden seien. Tats\u00e4chlich wurde die Abl\u00f6sung des Vorstands vor allem durch einzelne Funktion\u00e4re der NPD initiiert, die einen Ansehensverlust infolge der Wahl der ANM-Aktivisten bef\u00fcrchteten. Anschlie\u00dfend bem\u00fchte sich der neue Landesvorstand um einen Ausbau der schwachen Verbandsstrukturen. So fand am 3. Juni unter dem Motto \"Jugend voran!\" in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, eine Organisatorischer Saalveranstaltung mit rund 90 Teilnehmern statt. Im Mittelpunkt des Aufbau Treffens stand die Gr\u00fcndung der drei neuen JN-St\u00fctzpunkte N\u00fcrnberg, N\u00fcrnberger Land und F\u00fcrth. Als Redner traten u.a. der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Landesverbands Bayern Uwe Meenen, der Vorsitzende des JN-Landesverbands Bayern Norman Bordin sowie die NPD-Funktion\u00e4re und ehemaligen Aktivisten der verbotenen F.A.F. Matthias Fischer und Martin Paulus auf. Aktivisten der neuen JN-St\u00fctzpunkte betonten ihre Bereitschaft, zum Gelingen der von Fischer vorgestellten \"Schulhof-Kampagne\" (vgl. auch Nummer 2.1.5.2 dieses Abschnitts) beizutragen. Auf dem JN-Bundeskongress am 1. April in Bernburg/Sachsen-Anhalt Bundeskongress wurde die \u00c4nderung des JN-Statuts und der Finanzordnung beschlossen. So soll u.a. die Mitgliedschaft mit Vollendung des 35. Lebensjahres (bisher: 30. Lebensjahr) enden. Grund f\u00fcr die Heraufsetzung des Austrittsalters d\u00fcrfte das Ziel sein, die Mitglieder l\u00e4nger an die JN zu binden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","110 Rechtsextremismus 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) Deutschland Bayern Mitglieder: 8.500 1.000 Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey Bruno Wetzel Gr\u00fcndung: 1987 Sitz: M\u00fcnchen Publizistisches Sprachrohr: \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Extremistische In ihrem Programm bekennt sich die DVU formal zur freiheitlichen Grundhaltung demokratischen Grundordnung, doch will sie einige f\u00fcr alle Menschen g\u00fcltige Grundrechte, beispielsweise den Schutz der Familie, zu B\u00fcrgerrechten reduzieren, die ausschlie\u00dflich Deutschen zustehen sollen. Die rechtsextremistische Grundeinstellung der Partei wird in \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie im Inhalt der im Verlag des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey erscheinenden National-Zeitung deutlich. Rassismus und Die rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Propaganda der Partei richNationalismus tet sich insbesondere gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und die Europ\u00e4ische Union (EU). \"H\u00e4tte man auf die Rechten geh\u00f6rt, die den Stopp des Massenzustroms Fremder und Allzufremder schon gefordert haben, als die Lage noch lange nicht so verfahren war wie nun der Fall, w\u00e4re diesem Land viel an schlimmen Multikulti-Zust\u00e4nden erspart geblieben. (...) Gerade beim Zustrom Fremder gilt: Wer f\u00fcr alle offen ist, kann nicht ganz dicht sein.\" (NZ vom 7. April, Seite 12) \"Seit mehr als einem Drittel Jahrhundert pl\u00e4rren uns herrschende Gesellschaftspolitiker, Rote und Gr\u00fcne, Schwarze und Gelbe, die Ohren voll mit ihren Integrationsspr\u00fcchen. Hunderte Milliarden sind f\u00fcr die verschiedensten Modelle schon verpulvert worden. Jetzt kommen uns Etablierte wieder mit ihren 'Weisheiten'. Alles ausgelatschte Trampelpfade, Irrund Holzwege!\" (NZ vom 7. April, Seite 12) \"Tats\u00e4chlich hat es nie zuvor eine solche Abzocke des deutschen Volkes durch die Obrigkeit gegeben wie gegenw\u00e4rtig. Geld kommt genug ein in die \u00f6ffentlichen Kassen. Es wird an falscher Statt zum Fenster hinausgeworfen. Das S\u00fcndenregister ist lang: Vom Durchf\u00fcttern schr\u00e4ger Zuzugsv\u00f6gel aus aller Herren L\u00e4nder bis zum M\u00e4sten der Br\u00fcsseler EU-Bonzokratie aus unserer Kasse, ...\" (NZ vom 16. Juni, Seite 6) Zur EU-Osterweiterung entwarf die DVU folgendes Horror-Szenario: \"Die EU-Osterweiterung wird zudem bald schon eine gigantische Welle von Armutsfl\u00fcchtlingen, darunter viele Zigeuner, nach Mitteleuropa schwemmen, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 111 die - vor allem nach der Aufnahme von Rum\u00e4nien und Bulgarien - die SozialFremdensysteme der Bundesrepublik Deutschland und der Republik \u00d6sterreich zerreifeindlichkeit \u00dfen d\u00fcrften.\" (NZ vom 22. September, Seite 2) \"Sind Rum\u00e4nien und Bulgarien Mitglieder der EU, droht der Export von Korruption und Kriminalit\u00e4t im grenzenlosen Europa. (...) Man braucht wenig Phantasie dazu, um sich die Folgen f\u00fcr die Sicherheitslage in Deutschland vorstellen zu k\u00f6nnen.\" (NZ vom 6. Oktober, Seite 7) Ausl\u00e4nder werden h\u00e4ufig pauschal als Kriminelle oder Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge diffamiert, die eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit darstellten: \"Die Bundesrepublik Deutschland ist innerhalb der EU das Hauptziel legaler und illegaler Einwanderer aus aller Welt. (...) Sie finden sich als Stra\u00dfenverk\u00e4ufer raubkopierter CDs und DVDs, im Rotlichtmilieu oder als Drogenh\u00e4ndler wieder, wenn sie nicht gleich in die Schwerkriminalit\u00e4t abgleiten.\" (NZ vom 9. Juni, Seite 5) Die DVU vermeidet offenen Antisemitismus, wobei sich ihre antisemitiLatenter sche und antiisraelische Grundhaltung vielfach hinter massiver Kritik an Antisemitismus der Politik des Staates Israel verbirgt. \"Wie man Israel, das am laufenden Band das V\u00f6lkerrecht bricht und ein unmenschliches Besatzungsregime aus\u00fcbt, immer noch als 'einzigen demokratischen Rechtsstaat im Nahen Osten' bezeichnen kann, ist schwer begreiflich. Und w\u00e4hrend der Hamas der Vorwurf gemacht wird, sie wolle den Staat Israel vernichten, l\u00e4sst Israel einen pal\u00e4stinensischen Staat erst gar nicht zu.\" (NZ vom 3. Februar, Seite 5) \"Heute kanzelt Merkel als Regierungschefin der absteigenden Mittelmacht Bundesrepublik alles ab, was sich israelischem Hegemoniestreben nicht unterwirft. (...) Die Bundeskanzlerin hatte sich als Lehrmeister der Staatenwelt auf der M\u00fcnchner 'Sicherheitskonferenz' total mit Israels Interessen identifiziert, ohne dass die Lebensinteressen und der Nutzen des deutschen Volkes irgendeine Rolle spielen k\u00f6nnten. (...) Merkel hat keinerlei Interesse an einer verteidigungsf\u00e4higen Bundesrepublik Deutschland, jedoch gr\u00f6\u00dftes Interesse an der Allmacht eines atomar bewaffneten Israels.\" (NZ vom 24. Februar, Seiten 3/4) In der Agitation gegen j\u00fcdische Einrichtungen klingen mitunter auch revisionistische Tendenzen an: \"Der Zentralrat der Juden w\u00fcnscht sich hierzulande nat\u00fcrlich nur die erste Gruppe von Deutschen, 'die Devoten', welche Probleme mit sich und der eigenen Nation haben. (...) Um nicht vollends das Erpressungsmonopol aus der Hand zu geben und in die Vergangenheitsbew\u00e4ltigungs-Defensive zu geraten, will sich der Zentralrat der Juden nun noch mehr auf jene st\u00fcrzen, die Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","112 Rechtsextremismus sich gegen verordnetes Denken nicht wehren k\u00f6nnen: die Kinder und Jugendlichen in den Schulen.\" (NZ vom 7 Juli, Seite 2) Revisionismus Wie bisher z\u00e4hlt die Kritik an der \"extrem einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" zu den Schwerpunkten der Programmatik: \"Merkel und Geistesverwandte aber lassen die deutsch-polnische Geschichte im September 1939 beginnen. Sie sehen die Alleinschuld f\u00fcr alles Negative auf deutscher Seite und konstruieren \u00fcberdies eine Kollektivverantwortung, also Erbs\u00fcnde, die auch alle kommenden Generationen unseres Volkes umfassen und entrechten soll.\" (NZ vom 17. M\u00e4rz, Seite 13) \"Wer glaubt, die rund 6.000 Mahnmale unterschiedlichster Gr\u00f6\u00dfenordnungen in Deutschland zum Gedenken an die NS-Judenverfolgung - bis hin zum monstr\u00f6sen Holocaust-Mahnmal in Berlin - w\u00fcrden deutsche Schuld und S\u00fchne ausreichend dokumentieren, sieht sich nahezu t\u00e4glich im Irrtum. Landauf, landab werden immer neue Stellen ausfindig gemacht, an denen man deutscher Untaten gedenken will. (...) Erstaunlich: Trotz leerer Kassen hat die \u00f6ffentliche Hand stets ausreichend Geld zur Verf\u00fcgung, wenn es um die Anprangerung von deutschem Unrecht aus l\u00e4ngst vergangener Zeit geht. F\u00fcr deutsche Opfer fremden Unrechts aber braucht Deutschland offenbar keine Erinnerungsst\u00e4tten.\" (NZ vom 10. M\u00e4rz, Seite 6) Relativierung der Die Verbrechen der Nationalsozialisten werden zwar nicht ausdr\u00fccklich NS-Verbrechen geleugnet, doch wird versucht, diese durch wiederholte Hinweise auf Verbrechen anderer V\u00f6lker zu relativieren. Hierzu bemerkte die NZ unter der \u00dcberschrift \"Wieder US-Massaker aufgeflogen - US-Blutspur\": \"\u00dcberhaupt ist der Umgang mit der eigenen Vergangenheit in den USA merkw\u00fcrdig: W\u00e4hrend man mit Museen, Denkm\u00e4lern, Bibliotheken usw. ausgerechnet deutsche Schuld beschw\u00f6rt und eine Holocaust-Gedenkst\u00e4tte nach der anderen einweiht, sucht man vergebens nach einem Mahnmal zu Ehren der vielen Millionen ausgerotteten Indianer oder aber auch nach einem Denkmal, das in irgendeiner Weise die barbarische Negersklaverei aufbereiten w\u00fcrde. Undenkbar sind in den USA auch Mahnmale zur Erinnerung an die Opfer von mehr als 200 Eins\u00e4tzen kriegerischer US-Truppen (davon nur f\u00fcnf mit Kriegserkl\u00e4rung).\" (NZ vom 9. Juni, Seite 7) Die DVU nahm das Bekenntnis eines Schriftstellers, Ende des Zweiten Weltkriegs Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein, zum Anlass einer revisionistisch gepr\u00e4gten Kampagne mit dem Ziel einer \"Entd\u00e4monisierung\" dieser Truppe. So hie\u00df es unter der \u00dcberschrift \"Waffen-SS: Endlich Gerechtigkeit?\": \"Dem Leid des Krieges folgten f\u00fcr Waffen-SS-M\u00e4nner nicht selten Torturen in alliierten Konzentrationslagern. (...) Dabei hatten Frontk\u00e4mpfer nun wahrhafVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 113 tig nichts mit dem furchtbaren und grausamen Terror in den KZ zu tun. Schon w\u00e4hrend des Krieges wurden zahlreiche Angeh\u00f6rige der Waffen-SS nach ihrer Gefangennahme ermordet; nach Kriegsende waren Misshandlungen und willk\u00fcrliche Erschie\u00dfungen allt\u00e4glich. Im Zivilleben waren Waffen-SS-M\u00e4nner nach 1945 Diffamierungen und Benachteiligungen ausgesetzt, obwohl sie beim Aufbau der Bundesrepublik Faszinierendes leisteten.\" (NZ vom 25. August, Seite 4) Nach wie vor ist die Partei bestrebt, rechtsextremistisch motivierte Verharmlosung Gewalt zu relativieren. Unter der \u00dcberschrift \"Alltag in Deutschland\" rechtsextremiswar in der NZ zu lesen: tischer Gewalt \"Das Fernsehen pr\u00e4sentiert am laufenden Bande zumeist erfundene Schandtaten so genannter Rechter. Dadurch werden systematisch Nachahmungst\u00e4ter gez\u00fcchtet, die mit ihren Rechtsbr\u00fcchen einer antideutschen Meinungsindustrie Material f\u00fcr eine hasserf\u00fcllte Berichterstattung liefern. Jede Schandtat, ob erfunden oder echt, dient der Entrechtung des deutschen Volkes.\" (NZ vom 28. April, Seite 4) \"Das Zusammenspiel zwischen Agenten, die derlei Straftaten entweder auftragsgem\u00e4\u00df inszenieren oder sch\u00fcren, zwischen Polit-Bonzen, die eigene Machenschaften verdr\u00e4ngen und l\u00e4stige Polit-Konkurrenz von rechts vom Hals haben m\u00f6chten, zwischen Irren und Psychopathen, die tats\u00e4chlich solche Schurkentaten ver\u00fcben, zwischen Nachahmungst\u00e4tern, die zweifelsfrei durch \u00fcberm\u00e4chtige Sensationsberichterstattung gez\u00fcchtet wurden und einer vor nichts zur\u00fcckschreckenden Meinungsindustrie, die Deutschenhass als Antriebsfeder hat, funktioniert nahezu perfekt.\" (NZ vom 5. Mai, Seite 1/2) H\u00e4ufig werden demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten Diffamierung diffamiert. Auf diese Weise soll das Vertrauen in diese Institutionen und demokratischer den von ihnen getragenen Rechtsstaat untergraben werden. Die WortInstitutionen wahl macht deutlich, dass es sich dabei nicht um Kritik an einzelnen Entscheidungen oder Entscheidungstr\u00e4gern handelt, sondern am System der parlamentarisch-repr\u00e4sentativen Demokratie: \"W\u00e4hrend Millionen Rentner in die Armut getrieben werden und Millionen Deutsche im arbeitsf\u00e4higen Alter auf der Stra\u00dfe stehen, stopfen sich die Politiker ungeniert die Taschen voll.\" (NZ vom 17. M\u00e4rz, Seite 1) \"Herrschende aber setzen skrupellos weiter auf Sozialabbau. F\u00fcr sich selbst hingegen haben sie ein Polit-Schlaraffenland geschaffen. Di\u00e4ten und Fabel-Verg\u00fcnstigungen vers\u00fc\u00dfen das Leben bundesdeutscher Politiker. Nie war die Kluft zwischen den Luxusgeh\u00e4ltern der Politiker und der Altersversorgung der Bev\u00f6lkerung gr\u00f6\u00dfer. Der Einfallsreichtum von Polit-Bonzen ist atemberaubend, wenn es darum geht, die eigenen B\u00fcrger zu schr\u00f6pfen. (...) Was Herrschende in diesem Lande veranstalten, hat nichts, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","114 Rechtsextremismus aber auch gar nichts mehr damit zu tun, Schaden vom deutschen Volk zu wenden und seinen Nutzen zu mehren.\" (NZ vom 2. Juni, Seite 1) \"Es ist hoch an der Zeit, dass endlich auch das etablierte Parteienkartell, das Deutschland ins Elend f\u00fchrt, ausgewechselt wird.\" (NZ vom 30. Juni, Seite 1) 2.2.2 Organisation R\u00fcckl\u00e4ufige Die Mitgliederzahl der DVU liegt bundesweit bei 8.500 (2005: 9.000). Mitgliederzahl In Bayern verlor die Partei etwa 100 Mitglieder, so dass der derzeitige Mitgliederstand 1.000 Personen betr\u00e4gt. Seit 1994 hat die Partei damit 11.500 Mitglieder verloren. Die DVU hat keine Jugendorganisation und betreibt keine Jugendarbeit. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung treten. Auf Bezirks-, Kreisund Ortsebene ist die DVU organisatorisch ebenfalls kaum vertreten. Der bedingungslose Machtanspruch des Vorsitzenden Dr. Gerhard Frey l\u00e4sst den Unterorganisationen keinen Handlungsspielraum. Im Verlag des Parteivorsitzenden erscheint die \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) als Werbetr\u00e4ger und publizistisches Sprachrohr der DVU. Nach wie vor ist die DVU bei ihrem Vorsitzenden verschuldet. Die Personalunion von Vorsitzendem und Kreditgeber verleiht Dr. Frey eine ungew\u00f6hnliche Machtf\u00fclle. 2.2.3 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD Die Vorsitzenden von DVU und NPD, Dr. Gerhard Frey und Udo Voigt, hatten nach den Wahlerfolgen in Brandenburg und Sachsen im Jahr 2004 beschlossen, dass beide Parteien auch bei der folgenden Bundestagswahl und der Europawahl 2009 kooperieren werden. K\u00fcnftig solle m\u00f6glichst nur eine \"nationale Liste\" aufgestellt werden. Am 15. Januar \"Deutschland-Pakt\" 2005 schrieben die Parteivorsitzenden in einer als \"Deutschland-Pakt\" bezeichneten Vereinbarung ihre weitere Zusammenarbeit f\u00fcr die Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009 fort. Dementsprechend verzichtete die DVU im Jahr 2006 zugunsten der NPD auf die Teilnahme an den Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Absprachegem\u00e4\u00df kandidierten wie bisher bei Wahlen Angeh\u00f6rige der NPD bzw. DVU auf Listen der jeweils anderen Partei. Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 26. M\u00e4rz hoffte die DVU, durch Agitation gegen soziale Reformen und eine gezielte WerbeVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 115 kampagne um junge W\u00e4hler an den Erfolg von 1998 ankn\u00fcpfen zu k\u00f6nLandtagswahl in nen. Auf ihrer Liste kandidierten auch drei NPD-Mitglieder. Nach dem Sachsen-Anhalt amtlichen Endergebnis erreichte sie mit 26.905 Zweitstimmen einen Stimmenanteil von 3,0 % (1998: 12.9 %). Damit hat sie ihr Wahlziel deutlich verfehlt. An der Landtagswahl 2002 hatte sich die Partei wegen des desolaten Zustands ihrer damaligen Landtagsfraktion nicht mehr beteiligt. Ihr Wahlkampf war besonders bei jungen W\u00e4hlern erfolgreich. So erhielt die DVU bei den unter 30-j\u00e4hrigen Wahlberechtigten 8 % der Stimmen. Der Spitzenkandidat Ingmar Knop hatte nach eigenen Angaben 250.000 \"Jungw\u00e4hlerbriefe\" mit DVU-Werbematerial verschickt. Weiterhin wurden im Vorfeld CD's mit dem Titel \"Stolz und Frei\" an Schulen verteilt. Auf ihrer Internet-Seite \u00e4u\u00dferte sich die DVU entt\u00e4uscht \u00fcber ihr Abschneiden. Unter der \u00dcberschrift \"Das rechte Potenzial parkt (noch) in der Stimmenthaltung\" trat sie f\u00fcr eine Abschaffung der 5 %-Klausel ein und betonte die Notwendigkeit, bei k\u00fcnftigen Wahlen auf die \"Fehlkalkulation\" hinzuweisen, man k\u00f6nne mit Enthaltung \"dem 'Schnauze voll'-Gef\u00fchl gegen die Etablierten Luft machen\". Ferner erkl\u00e4rte sie, an dem \"Deutschland-Pakt\" mit der NPD festhalten zu wollen, und rief die \"ehrbaren Aktivisten der Republikaner\" auf, den \"Kurs des rechten Gegeneinanders endlich zu stoppen\". 2.3 Sonstige Organisationen Neben der Partei \"Die Republikaner\" (REP) gibt es teils regional, teils bundesweit t\u00e4tige sonstige rechtsextremistische Organisationen, die vielfach nur publizistisch aktiv sind. Etwaige Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich im Allgemeinen auf interne Veranstaltungen, die kaum Au\u00dfenwirkung entfalten. Zu nennen sind hier insbesondere die Gruppierungen - Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) - Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) - Deutsches Kolleg (DK) - Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee - Freundeskreis Ulrich von Hutten - Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP). Weitere rechtsextremistische Organisationen sind unter Nummer 9 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","116 Rechtsextremismus 2.4 Rechtsextremistische B\u00fcndnisbestrebungen im Raum M\u00fcnchen 2.4.1 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen Bayern Anh\u00e4nger: 15 Leiter: Roland Wuttke Gr\u00fcndung: 2004 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: \"M\u00fcnchen Direkt\" Ende 2003 hatte sich die rechtsextremistische Vereinigung \"Demokratie Direkt M\u00fcnchen e.V.\" selbst aufgel\u00f6st. Umbenannter Ihr ehemaliger Leiter Roland Wuttke setzte seine Aktivit\u00e4ten unter der Zusammenschluss Bezeichnung \"Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen\" fort. Im Jahr von Rechts2004 organisierte er mit seiner umbenannten Gruppierung im Raum extremisten M\u00fcnchen zahlreiche Mahnwachen, Informationsst\u00e4nde und Demonstrationen. Hierbei arbeitete er sowohl mit Aktivisten der Kameradschaft M\u00fcnchen als auch mit der NPD zusammen. Seit seiner Wahl zum Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands M\u00fcnchen im Februar 2005 und seiner anschlie\u00dfenden Wahl zum Vorsitzenden des NPD-Bezirksverbands Oberbayern im April konzentriert sich Wuttke vorwiegend auf die Parteiarbeit; so betreut er die Internet-Pr\u00e4senz des NPD-Bezirksverbands Oberbayern. Im Berichtszeitraum waren keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen des \"Freundeskreises Demokratie Direkt M\u00fcnchen\" zu verzeichnen. FremdenWuttke publiziert regelm\u00e4\u00dfig auf der Internet-Seite des \"Freundeskreises feindlichkeit Demokratie Direkt M\u00fcnchen\". In einem Beitrag \",Integration' bis zum B\u00fcrgerkrieg\" agitierte er dort pauschal gegen Ausl\u00e4nder in Deutschland: \"Die wachsenden islamischen Ghettos in den St\u00e4dten sind Br\u00fcckenk\u00f6pfe einer Landnahme. Das Regime versucht diesen vors\u00e4tzlich herbeigef\u00fchrten und geduldeten Angriff auf die Subtanz des deutschen Volkes herunterzuspielen und zu verharmlosen. Es will von Hochverrat, Eidund Verfassungsbruch der Handelnden ablenken. (...) Die politische Klasse h\u00e4lt am Konzept der 'Integration' Integrationsunwilliger fest, koste es was es wolle. Sie mu\u00df dies tun, um ihre ideologischen Fehler nicht eingestehen zu m\u00fcssen. Materialistisch durch und durch, h\u00e4lt sie das Geld f\u00fcr das Bindemittel, mit dem sich alles regeln lie\u00dfe. Der B\u00fcrgerkrieg scheint unvermeidbar. Er wird wohl notwendig um \u00fcberkommene Denkmuster \u00fcber Bord zu werfen.\" (Anmerkung: Fehler wurde \u00fcbernommen) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 117 2.4.2 B\u00fcrgerinitiative \"Pro M\u00fcnchen e.V.\" Bayern Anh\u00e4nger: 20 Sprecher: Stefan Werner Gr\u00fcndung: Januar 2006 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: \"B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch & sozial\" Die B\u00fcrgerinitiative \"Pro M\u00fcnchen e.V.\" wurde Mitte Januar in M\u00fcnchen Rechtsextremistigegr\u00fcndet. An der Gr\u00fcndungsversammlung nahmen Personen aus dem sche Wahlplattform Umfeld der NPD, DP, DVU und REP teil. Als Sprecher der Vereinigung fungieren Funktion\u00e4re der DP und der NPD. Die Gruppierung bezeichnet sich als \"national-patriotisch-freiheitliches B\u00fcndnis\" und will bei der Kommunalwahl 2008 in M\u00fcnchen antreten. Den Ansto\u00df zu dieser Sammlungsbewegung gab offenbar der Erfolg des von der NPD dominierten \"Nationalen B\u00fcndnisses Dresden e.V.\" (NBD), das bei der s\u00e4chsischen Kommunalwahl am 13. Juni 2004 mit einem Stimmenanteil von 4,0 % drei Stadtratssitze errungen hatte. In der \u00d6ffentlichkeit trat die Gruppierung erstmals auf dem \"8. M\u00fcnchNeujahrstreffen ner Neujahrstreffen\" am 22. Januar auf. Unter der Leitung der DP versammelten sich in einer M\u00fcnchener Gastst\u00e4tte rund 120 Vertreter rechtsextremistischer Organisationen, um die Perspektiven eines \"gemeinsamen politischen Kampfs\" zu er\u00f6rtern. An der Veranstaltung beteiligten sich Funktion\u00e4re und Mitglieder der NPD, DVU und DP sowie Angeh\u00f6rige der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen. Ein Funktion\u00e4r der NPD referierte \u00fcber die T\u00e4tigkeit der NPD in Sachsen. F\u00fcr die neue B\u00fcrgerinitiative \"Pro M\u00fcnchen e.V.\" warb der NPD-Funktion\u00e4r Roland Wuttke. 2.5 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) Der 1958 gegr\u00fcndete, von Dr. Gerhard Frey geleitete DSZ-Verlag in Bedeutendstes M\u00fcnchen ist weiterhin das bedeutendste rechtsextremistische Proparechtsextremisgandainstrument in Deutschland. Die w\u00f6chentliche Auflage der im Vertisches Propagandalag erscheinenden \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) instrument betr\u00e4gt rund 38.000 Exemplare. Als publizistisches Sprachrohr der DVU vertritt die NZ deren nationalistische, rassistische und revisionistische Grundhaltung. Die Beitr\u00e4ge sind gepr\u00e4gt von Vereinfachung, Schematisierung und dem Aufbau von FreundFeind-Bildern. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","118 Rechtsextremismus Nationalismus Unter der \u00dcberschrift \"Invasion aus Afrika\" wurde das Szenario eines und Fremden\"massenhaften Fl\u00fcchtlingszustroms\" entworfen: feindlichkeit \"Nach wie vor dringen Massen afrikanischer Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge in den EU-Raum ein. (...) Als harmloseste Variante verdingen sich illegale Einwanderer als Schwarzarbeiter beispielsweise auf Baustellen oder in der Gastronomie, was aber gleichwohl angesichts des Massenheeres deutscher Arbeitsloser sowie der hinterzogenen Steuern und Sozialabgaben gro\u00dfen volkswirtschaftlichen Schaden anrichtet. Werden solche Schwarzarbeiter krank, gehen sie nicht selten mit der Versicherungskarte eines krankenversicherten Bekannten zum Arzt. Noch verheerender aber wirken sich die kriminellen Aktivit\u00e4ten aus, mit denen viele illegale Einwanderer ihre Schulden bei den Schleuserbanden abarbeiten.\" (NZ vom 26. Mai, Seite 1) In einem Beitrag \"Wie Deutschland kaputtgespart wird\" hie\u00df es: \"Wo der Staat wirklich sinnvoll sparen k\u00f6nnte - dar\u00fcber macht sich die Bundesregierung keine Gedanken: An den weit \u00fcberh\u00f6hten Zahlungen Deutschlands an die EU, die sich ab 2007 weiter massiv erh\u00f6hen werden, an den Milliardenaufwendungen f\u00fcr deutsche Milit\u00e4reins\u00e4tze in entfernten Weltgegenden, wo wir nichts zu suchen haben, oder an den immensen Aufwendungen f\u00fcr Hunderttausende Scheinasylanten oder die Integrationsund Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen f\u00fcr Millionen armer und arbeitsloser Ausl\u00e4nder, die gro\u00dfteils nicht zu integrieren sind. Lieber spart man bei den Deutschen!\" (NZ vom 10. M\u00e4rz, Seite 5) Nationalistische und fremdenfeindliche Bestrebungen kamen auch in einem Beitrag \"Gipfel der Heuchelei - Zur Debatte \u00fcber Integration und Gewalt an deutschen Schulen\" zum Ausdruck: \"F\u00fcr kurdische Gro\u00dffamilien ist die deutsche Sozialhilfe kein Trauma, sondern h\u00e4ufig ein Traumziel. Mehr und mehr fragt sich inzwischen aber der deutsche Steuerzahler, wieso er verpflichtet sein soll, den Verbleib von integrationsunwilligen und integrationsunf\u00e4higen Ausl\u00e4ndern zu finanzieren, die sein Land und ihn selbst zum Dank nicht selten auch noch verachten. (...) Der Multikulturalismus hat die Fundamente der staatlichen Institution (Schulen, Verwaltungen, Rechtspflege) untergraben, Haushaltsund Sozialkassen ruiniert sowie viele Deutsche zu Fremdlingen im eignen Land werden lassen.\" (NZ vom 21. April, Seiten 9/10) Antisemitismus Eine antisemitische Grundhaltung wurde in mehreren Artikeln deutlich: \"Kanzlerin Merkel schmolz bei ihrem Nahostbesuch Anfang der Woche vor Israels amtierendem Ministerpr\u00e4sidenten Ehud Olmert geradezu dahin. (...) Frau Merkel betonte, aus der Singularit\u00e4t des Holocausts folge eine immerw\u00e4hrende Einzigartigkeit der deutsch-israelischen Beziehungen, stellte ewige Bu\u00dfe und S\u00fchne der Deutschen wegen der NS-Untaten vor \u00fcber 60 Jahren in Aussicht, ...\" (NZ vom 3. Februar, Seite 1) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 119 \"W\u00e4hrend in Deutschland \u00fcberall die Sozialleistungen f\u00fcr Arme zusammengestrichen werden und das Geld allerorten f\u00fcr das N\u00f6tigste fehlt, scheinen immer noch Unsummen vorhanden zu sein, wenn es um die Unterst\u00fctzung der Kriegspolitik Israels geht.\" (NZ vom 7. April, Seite 2) \"J\u00fcdische Lobbyisten in Deutschland sind sehr erfindungsreich, wenn es darum geht, Geldquellen zu erschlie\u00dfen. Dabei bitten sie nicht nur die \u00f6ffentliche Hand, also den Bund, die L\u00e4nder und Kommunen zur Kasse, sondern auch deutsche Unternehmen. Alle diese Institutionen, so argumentieren sie, m\u00fcssten sich zu einer aus der deutschen Vergangenheit resultierenden Verantwortung, insbesondere im Hinblick auf die NS-Judenverfolgung, bekennen. Dabei wird weniger Wert auf verbale Bekenntnisse gelegt, sondern man will vor allem eines sehen: Geld, meist sehr viel Geld.\" (NZ vom 20. Oktober 2006, Seite 5) In einem Kommentar \"Die Kardinalfehler der Altparteien\" wurde die Revisionismus Thematik der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung aufgegriffen: \"Gro\u00dfe Energie stecken Etablierte weiterhin in antideutsche Bew\u00e4ltigungspolitik. Auf deutschem Boden befinden sich Abertausende Bu\u00dfund S\u00fchnest\u00e4tten, die mit Unsummen deutscher Steuergelder gehegt und gepflegt werden. Jetzt soll in M\u00fcnchen ein aufwendiges NS-Dokumentationszentrum entstehen.\" (NZ vom 29. September, Seite 1) \"In Berlin gibt es bereits rund 600 Mahnmale, Gedenkst\u00e4tten, Forschungsund Dokumentationszentren, die dem NS-Unrecht gewidmet sind. (...) Unabh\u00e4ngig davon stellt sich jedoch die Frage, ob es gerechtfertigt ist, dass \u00fcber sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zu den bereits vorhandenen zahlreichen deutschen Schuldmalen immer neue hinzukommen, die heutige und kommende deutsche Generationen in eine Kollektivhaftung nehmen sollen, w\u00e4hrend eine solche Anprangerung eigener Untaten in keinem anderen Staat der Welt \u00fcblich ist.\" (NZ vom 3. Februar, Seite 2) Wie in den Vorjahren wurden demokratische Institutionen und ihre Diffamierung Repr\u00e4sentanten h\u00e4ufig diffamiert: demokratischer Institutionen \"Unser Volk hat Kriege und Katastrophen \u00fcberlebt. An Dekadenz, Werteverfall und Gleichg\u00fcltigkeit, vorgelebt von Massenmedien und Polit-Bonzen, droht es nun zu zerbrechen. (...) Die Schuldigen sitzen an den einflussreichsten Positionen dieser Gesellschaft. Seit vielen Jahrzehnten. Und sie werden nach Lage der Dinge verbrannte Erde hinterlassen, wenn sie mit uns fertig sind.\" (NZ vom 6. Oktober, Seite 2) \"Geht man davon aus, dass jede Stimme f\u00fcr Rechte eine Ohrfeige f\u00fcr Etablierte ist, dann haben sich Polit-Versager diese Abreibung aber auch wirklich verdient. (... ) Denn was Merkel, M\u00fcntefering und Gernegr\u00f6\u00dfen in dieser Republik anVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","120 Rechtsextremismus richten, geht auf keine Kuhhaut mehr. (...) Die Deutschen waren sich selten so einig: Polit-Bonzen verprassen unser Geld, w\u00e4hrend das Volk immer weiter geschr\u00f6pft wird. (...) Polit-Obere versagen nicht nur auf allen Lebensbereichen deutscher Interessen, sie leben zudem eine geradezu unertr\u00e4gliche Arroganz vor, die den W\u00e4hler nachdr\u00fccklich provoziert. (...) Wie Hohn klingen etablierte Schw\u00fcre, die eigene Kraft 'dem Wohle des deutschen Volkes' zu widmen. (...) Sie verplempern unser Geld, kassieren ab, drehen hinter den Kulissen krumme Dinger und schrecken selbst vor Kriegen am Rockzipfel US-Amerikas nicht zur\u00fcck.\" (NZ vom 29. September, Seite 1) Typisches Kennzeichen der NZ ist ihr st\u00e4ndig betonter Wahrheitsanspruch, mit dem sie alle anderen Informationen und Meinungen indirekt als falsch bezeichnet: \"Informieren Sie sich Woche f\u00fcr Woche \u00fcber die wahren Hintergr\u00fcnde des politischen und historischen Geschehens aus der NATIONAL-ZEITUNG. NATIONAL-ZEITUNG-Leser wissen die Wahrheit.\" (NZ vom 21. April, Seite 10) 2.6 Nation Europa Verlag GmbH Bedeutendes Der Nation Europa Verlag in Coburg wurde 1953 gegr\u00fcndet. Ein Jahr rechtsextremissp\u00e4ter konstituierte sich der mit den politischen Interessen des Verlags tisches Theorieeng verbundene Verein Nation-Europa-Freunde e.V., dem derzeit etwa organ 200 Mitglieder angeh\u00f6ren. Herausgeber der im Verlag erscheinenden Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" sind die Rechtsextremisten Peter Dehoust und Harald Neubauer. Die Zeitschrift bietet Rechtsextremisten eine publizistische Plattform. Mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren geh\u00f6rt sie zu den wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorganen. Revisionismus und \"Nation & Europa\" (NE) verbreitet Beitr\u00e4ge, die in einer Gesamtschau Rassismus eine revisionistische, rassistische und antisemitische Grundhaltung erkennen lassen. \"Es stimmt schlicht und einfach nicht, da\u00df die Wirtschaftswunderjahre eine ,b\u00fcrgerliche' \u00c4ra gewesen w\u00e4ren. Richtig ist vielmehr, da\u00df das Wirtschaftswunder und infolgedessen Millionen von Deutschen ein bescheidener Wohlstand gelang, weil W\u00e4hrungsreform und Wiederaufbau auf die Dynamik einer zutiefst egalit\u00e4ren Gesellschaft bauen konnten, f\u00fcr die das Dritte Reich die Voraussetzungen geschaffen hatte.\" (NE vom Mai 2006, Seite 47) \"Vom Erfolg einstiger Zivilisierungsbem\u00fchungen europ\u00e4ischer M\u00e4chte zeugen heute das Commonwealth und die frankophone Welt (unbeschadet der Frage, was gewonnen sein soll, wenn Farbigen abendl\u00e4ndische Idiome und Umgangsformen anerzogen werden). (...) So Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 121 banal es ist: Kolonialm\u00e4chte wie Frankreich oder England traten ihren au\u00dfereurop\u00e4ischen Untertanen im selbstverst\u00e4ndlichen Bewu\u00dftsein ihrer kulturellen \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber. Vergleichbare Selbstgewi\u00dfheit im Angesicht Hunderttausender t\u00fcrkischer, nordoder schwarzafrikanischer Immigranten sucht man bei den europ\u00e4ischen Zuwanderungsgesellschaften unserer Tage vergebens.\" (NE vom Juni 2006, Seite 9) 3. Neonazismus 3.1 Allgemeines Der Neonazismus umfasst alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren bzw. totalit\u00e4ren Staates gerichtet sind. Schwerpunktthemen waren wie in den AgitationsVorjahren die angebliche staatliche Verfolgung des \"nationalen Lagers\", schwerpunkte die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik der Bundesregierung sowie rassistische und antisemitische Agitation. Seit 2004 werden vermehrt sozialpolitische Themen, insbesondere die Folgen von \"Hartz IV\", diskutiert. Die Gewinner der seit den Verboten neonazistischer Organisationen einsetzenden Ideologieund Strategiedebatte des \"nationalen Lagers\" Ideologische sind die NPD und die JN bzw. deren aus der neonazistischen Szene Durchdringung stammende F\u00fchrungskader. Deren neonazistische und nationalrevoluder NPD tion\u00e4re Gedankenelemente sind inzwischen integraler Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD geworden und haben das Erscheinungsbild der Partei nachhaltig ver\u00e4ndert. Die Verzahnung des rechtsextremistischen Spektrums zwischen der Schulterschluss NPD, neonazistischen Kameradschaften und politisch agierenden rechtsdes rechtsextremistischen Skinhead-Szenen kommt immer deutlicher zum Ausextremistischen druck. Grund f\u00fcr diese Entwicklung ist nach Ansicht der Initiatoren der Spektrums ungeheure staatliche Druck auf alle \"Nationalen\", dem man nur mit Geschlossenheit begegnen k\u00f6nne, um weitere Verbote von Parteien und Organisationen zu verhindern. Einzelne Neonazis, die sich als \"autonome Nationalisten\" bezeichnen, fordern militantere Aktionsformen. Dabei lehnen sie sich stark an linksextremistische Aktionsmuster an und teilen mit nationalrevolution\u00e4ren Zirkeln die strikte Ablehnung des Parlamentarismus. Den Kameradschaften geh\u00f6ren nicht mehr ausschlie\u00dflich Neonazis an. Vermehrt werden auch rechtsextremistische Skinheads eingebunden, die aufgrund ihrer politischen Aktivit\u00e4ten den Bereich der losen Szenen verlassen haben. So wurden in den vergangenen Jahren zunehmend Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","122 Rechtsextremismus \u00d6rtliche \"Misch-Szenen\" aus Neonazis und rechtsextremistischen Skinheads fest\"Misch-Szenen\" gestellt. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die Kameradschaft Asgard-Ratisbona in Regensburg und der Kameradschaftsbund Hochfranken. F\u00fchrende \"freie Nationalisten\" engagieren sich in der NPD. So treten seit Jahren vermehrt Neonazis in die Partei ein. Teilweise erreichten sie leitende Positionen, wie z.B. Norman Bordin, der seit 2004 NPD-Mitglied und seit 2006 Vorsitzender der JN in Bayern ist. Neonazistisches Das Potenzial des neonazistischen Lagers in Bayern erh\u00f6hte sich aufPotenzial grund der zunehmenden Politisierung der Skinheads auf rund 350 Personen (2005: 300); davon bet\u00e4tigen sich etwa 190 (2005: 160) in neonazistischen Organisationen. Dem Spektrum rechtsextremistisch orientierter Skinheads geh\u00f6ren rund 750 Personen (2005: 800) an. Damit z\u00e4hlt das gewaltbejahende rechtsextremistische Potenzial in Bayern unver\u00e4ndert etwa 1.100 Personen. 3.2 Neonazi-Kameradschaften Strukturlose Nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen seit Zusammen1992 entwickelten f\u00fchrende Neonazis das Konzept strukturloser schl\u00fcsse Zusammenschl\u00fcsse. Dadurch sollten staatliche Gegenma\u00dfnahmen erschwert werden. Bei diesen Kameradschaften gibt es weder eine formelle Mitgliedschaft noch Vorstandspositionen. Anf\u00fchrer ist meist ein aktiver Rechtsextremist, der es versteht, seinen Gefolgsleuten die den ideologischen Zusammenhalt st\u00e4rkenden \"Feindbilder\" zu vermitteln. In Bayern sind folgende neonazistische Kameradschaften erw\u00e4hnenswert: 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen Die seit Fr\u00fchsommer 2004 unter der Bezeichnung \"Kameradschaft Zusammenschluss M\u00fcnchen\" aktive Gruppe z\u00e4hlt rund 20 Anh\u00e4nger. Diese rekrutierten von Neonazis sich zum Teil aus Mitgliedern der im Herbst 2003 durch Exekutivma\u00dfnahmen zerschlagenen \"Kameradschaft S\u00fcd-Aktionsb\u00fcro S\u00fcd\" (AS). Ihr Leiter war der Neonazi Norman Bordin, der Ende 2001 das AS gegr\u00fcndet hatte, bis M\u00e4rz 2004 eine Freiheitsstrafe verb\u00fc\u00dfte und danach wieder die F\u00fchrung der verbliebenen Mitglieder des AS \u00fcbernahm. Die Gruppierung organisierte zahlreiche Demonstrationen, Mahnwachen und Info-St\u00e4nde; auch beteiligte sie sich an Veranstaltungen anderer rechtsextremistischer Organisationen. So nahmen Angeh\u00f6rige der Kameradschaft M\u00fcnchen am 22. Januar an dem \"8. politischen Neujahrstreffen\" in M\u00fcnchen teil, auf dem das Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 123 Mitte Januar entstandene Wahlb\u00fcndnis \"Pro M\u00fcnchen\" vorgestellt wurde. Die Veranstaltung diente dem Zweck, Rechtsextremisten aus unterschiedlichen Lagern zu sammeln und eine gemeinsame Plattform f\u00fcr Landtagsund Kommunalwahlen zu schaffen. Das \u00fcberregionale Engagement der Kameradschaft M\u00fcnchen zeigt sich an intensiven Kontakten zu anderen bayerischen Neonazi-Gruppen. Die Verbindungen zur NPD wurden seit dem Parteieintritt von Norman Bordin im Herbst 2004 weiter intensiviert. Im Jahr 2006 haben die \u00f6ffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen der Gruppierung abgenommen, da sich Bordin aufgrund seiner Funktion als bayerischer JN-Vorsitzender vermehrt f\u00fcr parteipolitische Belange engagiert. 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) Die Autonomen Nationalisten M\u00fcnchen (ANM), die sich auch \"Munich Spaltergruppe der Allstars\" nannten, wurden im Sommer 2005 von Dissidenten der KameKameradschaft radschaft M\u00fcnchen gegr\u00fcndet. Ursache der Abspaltung war vor allem M\u00fcnchen ein Machtkonflikt zwischen Bordin und seinem Stellvertreter Hayo Klettenhofer. Bordins angeblich zu wenig gewaltorientierter Kurs war innerhalb der Kameradschaft M\u00fcnchen nach mehreren \u00dcbergriffen linksextremistischer Aktivisten zunehmend umstritten. Erstmals traten die ANM unter F\u00fchrung von Klettenhofer am 2. Juni 2005 in Bayern \u00f6ffentlich auf. Die einheitlich schwarz gekleideten elf Aktivisten trugen zur Tarnung Sonnenbrillen und schwarze Baseballm\u00fctzen. Am 14. Januar beteiligten sich in M\u00fcnchen etwa 150 Rechtsextremisten Vielf\u00e4ltige an einer von einem ANM-Aktivisten angemeldeten Versammlung unter Kontakte dem Motto \"Beckstein auf die Pelle r\u00fccken - Polizeiwillk\u00fcr stoppen!\". An der Kundgebung nahmen Angeh\u00f6rige der ANM, der rechtsextremistischen Gruppierung \"Asgard Ratisbona\" aus Regensburg, der Kameradschaft Stuttgart und der rechtsextremistischen Skinhead-Szene aus dem Raum Bodensee teil. Die Demonstranten zeigten Transparente mit der Aufschrift \"Aufbau - Angriff - Revolution\". Als Redner traten u.a. der informelle F\u00fchrer der ANM Hayo Klettenhofer sowie die bundesweit aktiven Neonazis Christian Worch und Hartmut Wostupatsch auf. W\u00e4hrend des Aufzugs skandierte Klettenhofer auf einem Lautsprecherwagen die Parole \"Deutschland - Bullenstaat - Wir haben dich zum Kotzen satt!\". Aufgrund dessen wurde er wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole rechtskr\u00e4ftig verurteilt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","124 Rechtsextremismus 3.2.3 Kameradschaft Asgard-Ratisbona In Regensburg besteht seit Herbst 2004 die von einem NPD-Aktivisten gegr\u00fcndete und geleitete Kameradschaft Asgard-Ratisbona. Die Gruppierung, die sich \u00fcberwiegend aus Skinheads und Neonazis der rechtsextremistischen Szenen in Abensberg, Kelheim und Regensburg rekruUmfangreiche tiert, z\u00e4hlt etwa 20 Personen. Sie trat in Regensburg und der n\u00e4heren Aktivit\u00e4ten Umgebung mit Informationsst\u00e4nden, Flugblattaktionen und Mahnwachen in Erscheinung. So forderte sie am 22. April bei einer Versammlung in Regensburg \"Null Toleranz gegen linke Gewalt\". W\u00e4hrend der Veranstaltung zeigten die Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift \"Zerschlagt den roten Terror! - Eine andere Jugend! Eine revolution\u00e4re Idee! Eine neue Zukunft!\". Des Weiteren beteiligte sich die Kameradschaft an \u00f6ffentlichen Versammlungen der NPD in Regensburg sowie an sonstigen rechtsextremistischen Veranstaltungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 3.2.4 Kameradschaft Main-Spessart Die im Gro\u00dfraum W\u00fcrzburg im Jahr 2005 gegr\u00fcndete Kameradschaft Main-Spessart besteht aus 10 bis 15 Mitgliedern. Die Gruppierung trat erstmals im Oktober 2006 mit einer Verteilaktion \u00f6ffentlichkeitswirksam auf. Dabei wurden im Bereich eines Schulzentrums in Lohr am Main etwa 40 Aufkleber verbreitet, auf denen u.a. Horst Wessel in SA-Uniform mit dem Spruch \"Frei, sozial und national!\" abgebildet war. Ein weiteres Motiv zeigte ein - entsprechend der NS-Propaganda - arisch aussehendes Paar mit dem Text: \"K\u00e4mpfe mit uns! Deine Heimat Deine Zukunft\". Derartige Aufkleber wurden am 15. Oktober auch in einer Gastst\u00e4tte in Aschaffenburg festgestellt. 3.2.5 Anti-Antifa N\u00fcrnberg Die Anti-Antifa N\u00fcrnberg ist nach eigenen Angaben ein Zusammenschluss von Personen, der sich die Aufkl\u00e4rung von \"politischen Gegnern\" zum Ziel gesetzt hat. Sie betreibt eine Internet-Plattform, die \u00fcber linksextremistische - vor allem autonome - Aktivit\u00e4ten im Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg informiert. Mit einer Flugblattaktion am 23. Juni in F\u00fcrth forderte die Gruppierung \"Werdet aktiv gegen Linksextremisten in F\u00fcrth!\". Die Schriften enthielten die Namen, Adressen und Bilder von politischen Gegnern. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 125 3.2.6 Kameradschaftsbund Hochfranken Der Anfang 2006 von Anh\u00e4ngern der Kameradschaften Wunsiedel und OrganisationsHof gegr\u00fcndete Kameradschaftsbund Hochfranken geh\u00f6rt zu den \u00fcbergreifender aktivsten Neonazi-Gruppierungen in Nordbayern. Er z\u00e4hlt etwa 25 MitZusammenschluss glieder und versteht sich als ein loser parteiund organisations\u00fcbergreifender Zusammenschluss von \"Nationalisten und Patrioten\" aus dem gesamten ostoberfr\u00e4nkischen Raum. Viele Anh\u00e4nger des Kameradschaftsbunds sind gleichzeitig NPD-Mitglieder. Die Gruppierung betreibt eine eigene Internet-Seite. Ihr regelm\u00e4\u00dfig erscheinender Rundbrief \"Wunsiedler Feldpost\" berichtet \u00fcber Aktivit\u00e4ten der regionalen Neonazi-Szene und thematisiert die Ideologie des Nationalsozialismus. Das von ihr herausgegebene Fanzine \"Wunsiedler Widerstand - Ausgabe Nummer 1 -\" befasst sich sowohl mit skinhead-typischen Inhalten - wie der Vorstellung von Musikgruppen und Konzertberichten - als auch mit politischen Themen. Die Gruppierung organisierte mehrere Skinhead-Konzerte in Wunsiedel (vgl. auch Nummer 4.5 dieses Abschnitts). Bei diesen traten Mitglieder des Kameradschaftsbunds als Ordnerpersonal auf und trugen T-Shirts mit dem Aufdruck \"Ordner\" und \"KB Hochfranken\". Daneben f\u00fchrte die Gruppierung auch politische Veranstaltungen durch, so etwa den \"1. Nationalen Frankentag\". Weiter fanden auch interne Schulungsveranstaltungen f\u00fcr Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene statt. 3.2.7 Kameradschaft Augsburg Die seit 2004 bekannte Kameradschaft Augsburg z\u00e4hlt etwa 15 Personen. Anl\u00e4sslich einer Gedenkveranstaltung der \"Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten\" (VVN-BdA) am 1. November in Augsburg kam es zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung zwischen Personen des rechtsund linksextremistischen Spektrums. Dabei wurden sechs Rechtsextremisten, darunter auch Angeh\u00f6rige der Kameradschaft Augsburg, festgenommen. Die Gruppierung unterh\u00e4lt enge Kontakte zum \"Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Opposition e.V.\" und zur Kameradschaft M\u00fcnchen. 3.3 Aktivit\u00e4ten zum 19. Todestag von Rudolf He\u00df Anl\u00e4sslich des 19. Todestags von Hitlers ehemaligem Stellvertreter Rudolf He\u00df meldete der Neonazi und Rechtsanwalt J\u00fcrgen Rieger f\u00fcr den Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","126 Rechtsextremismus Erneutes 19. August eine zentrale Gedenkveranstaltung in Wunsiedel an. Das VersammlungsLandratsamt Wunsiedel erlie\u00df einen Verbotsbescheid, der sich insverbot besondere auf die am 1. April 2005 in Kraft getretene Vorschrift des SS 130 Abs. 4 StGB st\u00fctzte. Danach macht sich derjenige strafbar, der in einer Versammlung den \u00f6ffentlichen Frieden in einer die W\u00fcrde der Opfer verletzenden Weise dadurch st\u00f6rt, dass er die nationalsozialistische Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt. Bereits im Vorjahr hatte die Versammlungsbeh\u00f6rde die zentrale He\u00df-Kundgebung verboten. Die dagegen eingelegten Rechtsbehelfe blieben im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Bayreuth, dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof und dem Bundesverfassungsgericht erfolglos. Aufgrund des aktuellen Stands des derzeit beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof anh\u00e4ngigen Hauptsacheverfahrens geht das Bundesverfassungsgericht von einer Kl\u00e4rung der strittigen Rechtsfragen bis zur He\u00df-Gedenkveranstaltung im Jahr 2007 aus. ErsatzTrotz des Verbots der zentralen He\u00df-Gedenkveranstaltung kam es wieveranstaltungen derum zu Ersatzkundgebungen des rechtsextremistischen Spektrums. An den zehn Veranstaltungen, die bundesweit im Zeitraum um den Todestag von Rudolf He\u00df stattfanden, beteiligten sich insgesamt rund 1.200 Rechtsextremisten. Schwerpunkte des Demonstrationsgeschehens waren Jena/Th\u00fcringen mit 480 und Berlin mit 250 Teilnehmern. Mahnwache in In M\u00fcnchen veranstaltete der bayerische JN-Vorsitzende und Neonazi M\u00fcnchen Norman Bordin am 17. August eine Mahnwache unter dem Motto \"Rudolf He\u00df - M\u00e4rtyrer des Friedens\". Daran beteiligten sich etwa 70 Rechtsextremisten. Die Demonstranten zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Rudolf He\u00df - von den Besatzern ermordet\". Eine ebenfalls von Norman Bordin angemeldete Demonstration am 19. August in M\u00fcnchen sollte urspr\u00fcnglich am 1. Juli stattfinden. Trotz des zeitlichen Bezugs zum Tod von Rudolf He\u00df behielten die Veranstalter das urspr\u00fcngliche Motto \"Nur ein Esel glaubt noch an den Sozialstaat BRD - R\u00fcckf\u00fchrung statt Integration\" bei. An der Versammlung beteiligten sich etwa 120 Angeh\u00f6rige des rechtsextremistischen Spektrums. In Wunsiedel versuchten Rechtsextremisten ungeachtet des Verbots, am 19. August eine Gedenkversammlung mit dem \"Szene-Anwalt\" Horst Mahler durchzuf\u00fchren. Die Polizei verhinderte das Vorhaben und nahm die rechtsextremistischen Aktivisten in Gewahrsam. Des Weiteren stellte die Polizei Propagandamittel mit Bezug zu Rudolf He\u00df fest, so ein einschl\u00e4giges Transparent an einer Autobahnbr\u00fccke der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 127 A 8 in der N\u00e4he von Augsburg. In M\u00fcnchen nahm die Polizei sechs Personen aus dem Umfeld der neonazistischen \"Autonomen Nationalisten M\u00fcnchen\" (ANM) fest, die etwa 200 He\u00df-Aufkleber in verschiedenen Stadtteilen angebracht hatten. Weitere Aktionen wurden u.a. in F\u00fcrth, N\u00fcrnberg, Augsburg und W\u00fcrzburg durchgef\u00fchrt. 4. Rechtsextremistische Skinheads 4.1 \u00dcberblick Die Skinhead-Bewegung entstand Ende der 60er Jahre in Gro\u00dfbritannien und trat erstmals Ende der 70er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland in Erscheinung. Sie war urspr\u00fcnglich eine jugendliche SubJugendliche kultur, die durch ihr Auftreten eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerSubkultur lichen Gesellschaft signalisierte. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kleidung oder Haarschnitt lassen heute keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf eine Zuordnung zur Skinhead-Szene mehr zu, da mittlerweile auch viele unpolitische Jugendliche ein entsprechendes Aussehen zeigen. Die Beachtung, die rechtsextremistischen Skinheads in der \u00d6ffentlichkeit und in den Medien zuteil wird, ist auf ihre brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die sich gegen Ausl\u00e4nder, Asylbewerber und soziale Randgruppen, aber auch gegen \"Linke\" richten. 4.2 Politische Ausrichtung Die politischen Ansichten der Skinhead-Subkultur reichen von den so genannten Redskins (linksextremistisch beeinflusste Skinheads) \u00fcber die so genannten SHARPs (Skinheads against racial prejudice - Skinheads gegen rassistische Vorurteile) und die Oi-Skinheads (\"unpolitische Skinheads\") bis hin zur Mehrheit der rechtsextremistischen Skinheads einschlie\u00dflich der so genannten White Power-Skinheads. Die entsprechende politische \u00dcberzeugung bildet sich je nach Einzelfall nicht selten erst nach Beitritt in die Szene st\u00e4rker aus. Skinheads sind deshalb zun\u00e4chst zu einer rational bestimmten politischen Meinungsbildung kaum f\u00e4hig und an einer fundierten politischen Auseinandersetzung nicht interessiert. In ihren Kreisen hat sich eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische WeltWeltanschauung anschauung herausgebildet. Sie ist von rassistisch motivierter Fremdenund Politikverfeindlichkeit sowie \u00fcbersteigertem Nationalbewusstsein gepr\u00e4gt und st\u00e4ndnis kn\u00fcpft insofern an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus an. Diese Einstellung spiegelt sich in meist spontanen Gewalttaten wider. Opfer sind nach wie vor Ausl\u00e4nder, aber auch Personen aus sozialen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","128 Rechtsextremismus Randgruppen sowie \"Linke\", also alle zu ihren Feindbildern z\u00e4hlenden Menschen. Skinheads dienen rechtsextremistischen Organisationen als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Fr\u00fchere Vorbehalte der Skinheads gegen\u00fcber diesen Organisationen haben stark Unterst\u00fctzung abgenommen. Aktionen der NPD und JN werden von Skinheads massiv von NPD und JN unterst\u00fctzt; ein Gro\u00dfteil der Besucher von NPD-Gro\u00dfkundgebungen geh\u00f6rt der Skinhead-Szene an. Enge Kontakte bestehen nach wie vor, insbesondere in den R\u00e4umen N\u00fcrnberg, Ingolstadt und Hof, zwischen den dortigen Skinhead-Szenen und den JN bzw. der NPD. Versuche von Neonazis, Skinheads f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige ernsthafte politische T\u00e4tigkeit zu gewinnen, waren dagegen bislang wenig erfolgreich, da diese einer intensiven ideologischen Schulung kaum zug\u00e4nglich sind. Inzwischen ist jedoch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Skinheads und Neonazis feststellbar. 4.3 Strukturen Die Skinhead-Szene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen. Diese informellen F\u00fchrer wandern sp\u00e4ter zum Teil in andere rechtsextremistische Gruppierungen ab. Strukturelle In Bayern ist die Zahl der Skinheads mit rechtsextremistischem Hinter\u00c4nderungen grund im Vergleich zum Vorjahr von 800 auf 750 leicht zur\u00fcckgegangen. Dabei hat sich die Tendenz fortgesetzt, dass sich Skinhead-Gruppierungen oder Einzelaktivisten auch Neonazi-Gruppierungen anschlie\u00dfen. Daraus resultierende \"Misch-Szenen\" entstanden vor allem in Nordbayern. Gr\u00f6\u00dfere neue Skinhead-Szenen hingegen wurden in Bayern nicht bekannt. Dagegen bildeten sich kleinere Skinhead-Szenen im Gro\u00dfraum Regensburg. Schwerpunkte im Skinhead-Spektrum stellen in Bayern nach wie vor die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg dar; dort sowie im Raum Regensburg lagen 2006 auch die Schwerpunkte der Gewalttaten. Skinheads sind sehr mobil und k\u00f6nnen aufgrund ihrer engen Vernetzungen in k\u00fcrzester Zeit gemeinsam Aktionen bzw. Veranstaltungen planen und durchf\u00fchren. Nach wie vor besteht seitens des Staates ein intensiver \u00dcberwachungsdruck auf die Skinhead-Szene. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 129 Rechtsextremistische Skinhead-Szenen in Bayern 2006 Raum Raum Coburg Coburg Aschaffenburg Raum ca. 20 Bayreuth/Hof ca. 40 ca. 25 Aschaffenburg Raum Bayreuth W\u00fcrzburg Bamberg ca. 20 Raum W\u00fcrzburg/ Raum Lohr am Main Erlangen Raum Amberg/ Schwandorf/Weiden ca. 35 ca. 25 N\u00fcrnberg ca. 40 Gro\u00dfraum Ansbach N\u00fcrnberg Raum ca. 50 Cham/Roding Raum Ansbach/ ca. 20 Schwabach ca. 15 Regensburg Angeh\u00f6rige der Raum Skinhead-Szenen Ingolstadt Raum Regensburg ca. 30 ca. 30 Ingolstadt Raum Augsburg/ Raum Passau Friedberg/Aichach Landshut Landshut Raum Passau/ ca. 10 ca. 10 Deggendorf/ Neu-Ulm Straubing Augsburg Raum Raum Neu-Ulm/ Erding ca. 30 Dillingen ca. 40 ca. 25 Raum Landsberg/ F\u00fcrstenfeldbruck M\u00fcnchen Raum Krumbach/ ca. 20 Gro\u00dfraum Raum Memmingen M\u00fcnchen Traunstein ca. 30 ca. 120 ca. 20 Gro\u00dfraum Rosenheim Oberallg\u00e4u/ Raum Unterallg\u00e4u Raum Weilheim Rosenheim ca. 40 (Oberland) ca. 15 ca. 40 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche Die Anziehungskraft der Skinhead-Szene, insbesondere auf m\u00e4nnliche Jugendliche, h\u00e4lt an. Die Beweggr\u00fcnde, die junge Menschen in diese M\u00f6gliche Subkultur treiben, sind vielf\u00e4ltig: jugendliche Protesthaltung, ProvokaEinstiegsmotive tion und Tabubruch, sowie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung mit den h\u00e4ufigen Folgen einer Entwurzelung und einer zunehmenden Entfremdung vom Elternhaus, Perspektivlosigkeit in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen und einem begonnenen oder bef\u00fcrchteten Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","130 Rechtsextremismus sozialen Abstieg. Hinzu kommt das durch die Szene vermittelte Gemeinschaftserlebnis und das daraus folgende Gef\u00fchl eigener St\u00e4rke und Anerkennung in einer sozialen Gruppe. Den Jugendlichen werden einfache Erkl\u00e4rungen und einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme angeboten. Skinheads entstammen zu einem erheblichen Teil, aber nicht ausschlie\u00dflich, den unteren sozialen Schichten. Die meisten Skinheads finAltersstruktur den sich in der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren, \u00e4ltere Szene-Angeh\u00f6rige sind die Ausnahme. Die so genannten Jungglatzen sind erst 12 bis 13 Jahre alt. Auch M\u00e4dchen, die Renees, geh\u00f6ren dieser Subkultur an, sind jedoch zahlenm\u00e4\u00dfig in der Minderheit. Ihr Anteil betr\u00e4gt je nach Szene bis zu 20 %. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene rekrutiert sich vor allem aus Jugendlichen, die sich f\u00fcr Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik interessieren. Dabei kommen zun\u00e4chst eher unpolitische Jugendliche \u00fcber Konzerte oder das gemeinsame Musikh\u00f6ren mit der Skinhead-Szene in Kontakt. Daneben finden manche Jugendliche Gefallen an dem in der Skinhead-Szene \u00fcblichen exzessiven Lebensgenuss einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums unter dem Motto \"Fun & Froide\". 4.5 Skinhead-Musik Skinhead-Musik vermittelt die subkulturellen Botschaften der Skinhead-Szene. In den Liedern werden Eigenverst\u00e4ndnis und Abgrenzung der Szene gegen\u00fcber der Gesellschaft beschrieben, Kritik am Establishment formuliert und andere politische Themen aufgegriffen. Rechtsextremistische Skinhead-Bands verbreiten in ihren Liedtexten neonazisAufrufe zum Hass tische Ideologiefragmente und rufen zum Hass gegen Skinhead-Feindgegen Feindbilder bilder wie Ausl\u00e4nder, \"Linke\" und Juden auf. In Bayern sind derzeit sieben Musikgruppen aktiv, die teilweise bei Konzerten im Inund Ausland auftreten. Es handelt sich hierbei um die Gruppen - BURNING HATE (Raum Oberfranken) - TERRORMACHINE 88 (Amberg) - NOISE OF HATE (Amberg) - BRAUNE BR\u00dcDER (Hof) - FELDHERREN (M\u00fcnchen) - FAUSTRECHT (Mindelheim) - DAMAGE INCORPORATED (Aschaffenburg). Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 131 Im Jahr 2006 wurden von der mittlerweile nicht mehr bestehenden Band AUFMARSCH aus Ingolstadt die CD \"Masterrace\" (\"Herrenrasse\"), von FAUSTRECHT die CD \"Ein Blick zur\u00fcck im Zorn\" und von der Band BRAUNE BR\u00dcDER die CD \"Land ohne Freiheit\" ver\u00f6ffentlicht. Skinhead-Musik wird von zehn rechtsextremistischen Tontr\u00e4gervertrieben angeboten. Die Zahl der Skinhead-Konzerte in Bayern stieg gegen\u00fcber dem Vorjahr Zunahme der um neun auf 26 Konzerte an. Die Teilnehmerzahlen lagen zwischen 20 Skinhead-Konzerte und 300 Personen. Die meisten Konzerte fanden in Cham und in Wunsiedel statt. Urs\u00e4chlich f\u00fcr den Anstieg der Musikveranstaltungen im Jahr 2006 ist zum einen, dass in der von Rechtsextremisten betriebenen Gastst\u00e4tte \"Lokalbahn\" in Wunsiedel verst\u00e4rkt Skinhead-Konzerte veranstaltet wurden. Nach einem Umbau wird diese Gastst\u00e4tte jedoch nicht mehr als Konzertraum genutzt. Des Weiteren zeichnet sich der Trend ab, dass Veranstalter vermehrt auf Konzerte mit geringeren Teilnehmerzahlen setzen. Auch Parteiveranstaltungen wurden als Gelegenheit genutzt, Skinhead-Konzerte durchzuf\u00fchren. Die Organisation der Konzerte erfolgt teilweise konspirativ. Sie werden von den Veranstaltern als private Tanzabende bzw. Plattenpartys oder als Geburtstagsfeiern ausgegeben, um ein Einschreiten der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu erschweren. Die Teilnehmer werden durch pers\u00f6nlich ausgeh\u00e4ndigte oder per Post zugestellte Einladungskarten informiert oder vor Beginn des Konzertes ohne n\u00e4here Angaben zum eigentlichen Veranstaltungsort in eine bestimmte Region gelotst. Erst unmittelbar vor Beginn wird die konkrete \u00d6rtlichkeit z.B. per SMS bekannt gegeben. Neben der \u00fcblichen Skinhead-Musik ist Black Metal eine weitere Musikrichtung, in der - wenn auch nur in kleinen Bereichen - rechtsextremisBlack Metal tisches Gedankengut an Bedeutung gewinnt und die innerhalb der Skinhead-Szene immer mehr Akzeptanz findet. Bei Black Metal handelt sich um eine aggressivere Variante des Heavy Metal. Inhaltlich setzt sich Black Metal mit antichristlichen bzw. satanistischen Themen auseinander. Ferner werden Krieg, Hass, Vernichtung und Tod besungen. Musikalisch wird Black Metal schneller und h\u00e4rter gespielt als Skinhead-Musik. Teilweise ist der Text akustisch nicht mehr zu verstehen, die Texte k\u00f6nnen aus den CD-Booklets entnommen werden. Einen Kultstatus innerhalb der Black Metal-Szene genie\u00dft die Th\u00fcringer Band ABSURD. Der S\u00e4nger dieser Band, Hendrik M\u00f6bus, beging am 29. April 1993 einen satanistisch motivierten Mord an einem 15-j\u00e4hrigen Mitsch\u00fcler. 1994 wurde er zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Durch den Einfluss der NS-Ideologie hat Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","132 Rechtsextremismus sich als kleiner Teil des Black Metal die Stilrichtung NS Black Metal (NSBM) etabliert; diese ist dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen. Skinhead-Konzerte Beispiele f\u00fcr im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrte Skinhead-Konzerte sind folgende Veranstaltungen: Anl\u00e4sslich ihres zweij\u00e4hrigen Bestehens veranstaltete die Skinhead-Kameradschaft \"Kameradschaft Altm\u00fchltal\" am 28. Januar in M\u00fchlhausen, Landkreis Neumarkt i.d. Opf., ein Konzert mit den Gruppen BRAUNE BR\u00dcDER und TERRORMACHINE 88. Zu der Veranstaltung im Nebengeb\u00e4ude einer Gastst\u00e4tte kamen etwa 130 Personen. Zur Musikrichtung NS Black Metal fand am 4. M\u00e4rz in einer Gastst\u00e4tte in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, ein Konzert u.a. mit der Band ABSURD statt. Zu dem von einem NPD-Funktion\u00e4r angemeldeten Konzert erschienen rund 200 Besucher, davon etwa die H\u00e4lfte aus dem rechtsextremistischen Spektrum. Als am 29. April im \"Allacher Bunker\" in M\u00fcnchen die Skinhead-Band JAGDSTAFFEL aus Baden-W\u00fcrttemberg mit ihrem Auftritt beginnen wollte, f\u00fchrte die Polizei eine Razzia durch. Dabei wurden etwa 100 zum Verkauf angebotene CDs sichergestellt. Auf einer Tafel waren ein Reichsadler und das Wort \"Endsieg\" aufgemalt, wobei das \"s\" als Sigrune dargestellt war. Die Polizei untersagte die Fortsetzung des Konzerts. Am 13. Mai traten in einer Diskothek in M\u00fchlhausen, Landkreis Neumarkt i.d. Opf., vor etwa 200 Besuchern die Skinhead-Bands BRAUNE BR\u00dcDER, FELDHERREN und HAUPTKAMPFLINIE aus Kassel/Hessen auf. Bei Vorkontrollen \u00fcberpr\u00fcfte die Polizei \u00fcber 150 Personen. Hierbei wurden mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet, u.a. wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Waffengesetz, rechtsextremistischer Propagandadelikte und Volksverhetzung. Ferner wurden diverse Gegenst\u00e4nde wie z.B. ein Butterflymesser, ein Baseballschl\u00e4ger, ein Totschl\u00e4ger und ein Stahlhelm mit der Abbildung von SS-Runen und einem Hakenkreuz sichergestellt. Die Neonazi-Kameradschaft \"Weisse W\u00f6lfe\" aus Cham hatte f\u00fcr den 3. Juni eine Party mit Live-Musik geplant, bei der vor 150 Besuchern u.a. die Skinhead-Band FELDHERREN auftreten sollte. Die Stadt Cham erlie\u00df eine Verbotsverf\u00fcgung; die Polizei stellte sodann am 3. Juni auf einem Wiesengrundst\u00fcck in Viechtach, Landkreis Regen, eine Ersatzveranstaltung fest, als die Gruppe FELDHERREN gerade einen \"Sound-Check\" durchf\u00fchrte. Die Polizei untersagte die Fortf\u00fchrung der Veranstaltung und l\u00f6ste das Treffen auf. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 133 Auf dem \"Bayerntag\" der NPD am 17. Juni in Regensburg (vgl. auch Nummer 2.1.5.2 dieses Abschnitts) traten vor rund 600 Besuchern u.a. die Skinhead-Bands NOISE OF HATE und FELDHERREN auf. Der Neonazi und bayerische JN-Vorsitzende Norman Bordin feierte am 19. August seinen Geburtstag mit einem Skinhead-Konzert in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt. In einer Gastst\u00e4tte spielten vor etwa 230 Personen u.a. die Skinhead-Bands ACT OF VIOLENCE aus Baden-W\u00fcrttemberg und FELDHERREN. Am 14. Oktober fand wiederum in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, in einer Gastst\u00e4tte ein Skinhead-Konzert statt, das etwa 150 Rechtsextremisten besuchten. Darunter befand sich auch der stellvertretende NPD-Landesvorsitzende Uwe Meenen. Zu der Veranstaltung hatte der Neonazi und NPD-Funktion\u00e4r Matthias Fischer - angeblich aus einem famili\u00e4ren Anlass - eingeladen. Tats\u00e4chlich nutzten zahlreiche rechtsextremistische Teilnehmer, die am selben Tag an einer rechtsextremistischen Demonstration in N\u00fcrnberg teilgenommen hatten, das Konzertangebot u.a. mit der Band NOISE OF HATE. 4.6 Skinhead-Magazine Die Fan-Magazine der Skinhead-Szene, auch \"Fanzines\" oder \"Zines\" genannt, besch\u00e4ftigen sich mit den Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Skinhead-Bands und enthalten ausf\u00fchrliche Rezensionen sowie Bestelladressen f\u00fcr Tontr\u00e4ger, andere Fanzines und diverse Szene-Artikel, wie z.B. T-Shirts, Buttons oder Aufkleber. Die Fanzines werden auch im Internet ver\u00f6ffentlicht. Im Jahr 2006 ver\u00f6ffentlichte der Kameradschaftsbund Hochfranken erstmals den Rundbrief \"Wunsiedler Feldpost\" und das Fanzine \"Wunsiedler Widerstand\". W\u00e4hrend die \"Wunsiedler Feldpost\" zun\u00e4chst monatlich, sp\u00e4ter unregelm\u00e4\u00dfig erschien, gibt es vom \"Wunsiedler Widerstand\" bisher nur eine Ausgabe. 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 5.1 Gewalttaten Bundesweit waren von insgesamt 2.004 (2005: 1.901) extremistischen Bundesweiter Gewalttaten 1.047 (2005: 958) rechtsextremistisch motiviert; die rechtsAnstieg der extremistischen Gewaltdelikte haben damit bundesweit zugenommen. Gewaltdelikte In Bayern ist dagegen die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten von 77 im Jahr 2005 auf 47 zur\u00fcckgegangen, was in etwa Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","134 Rechtsextremismus R\u00fcckgang der dem Niveau der Jahre 2003 und 2004 entspricht. Von den 47 GewaltGewaltdelikte delikten waren 27 (2005: 23) fremdenfeindlich und 18 (2005: 49) allgein Bayern mein neonazistisch motiviert. Zwei (2005: f\u00fcnf) Gewalttaten lag eine antisemitische Motivation zugrunde: In dem einen Fall erhielt eine Firma einen anonymen Erpresserbrief, in dem anderen Fall zogen drei Angeh\u00f6rige der rechtsextremistischen Szene im Alter von 18 bis 22 Jahren nach erheblichem Alkoholkonsum auf einer Party einen 19-j\u00e4hrigen Deutschen im Schlaf aus, hielten ihn gewaltsam fest und bemalten seinen K\u00f6rper mit Hakenkreuzen, SS-Runen und beleidigenden Ausdr\u00fccken. Von den 18 allgemein neonazistisch motivierten Gewalttaten wurden zw\u00f6lf F\u00e4lle gegen politische Gegner registriert; im Vorjahr war diese Zahl mit 35 Gewaltdelikten sehr hoch gewesen. Hintergrund der zahlreichen Gewalttaten im Vorjahr waren Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten bei Demonstrationen wie auch anl\u00e4sslich des Bundestagswahlkampfs 2005; im Jahr 2006 wurden dagegen weniger politische Veranstaltungen durchgef\u00fchrt. Gewaltpotenzial Die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten waren \u00fcberwiegend der der Skinheads \u00e4u\u00dferst gewaltbereiten Skinhead-Szene zuzurechnen. Von 72 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen geh\u00f6rten 50 der Skinhead-Szene an. 42 Tatverd\u00e4chtige waren zur Tatzeit j\u00fcnger als 21 Jahre. Der Anteil der erstmals in Erscheinung getretenen Gewaltt\u00e4ter lag bei 59 % (43 Tatverd\u00e4chtige). Die Gewalttaten wurden gr\u00f6\u00dftenteils nicht von Einzelt\u00e4tern begangen, vielmehr entstand der Tatentschluss vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol und Musik mit rechtsextremistischen Texten. R\u00e4umliche Schwerpunkte waren die Gro\u00dfstadtregionen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. Rechtsextremistisch motivierte Gewaltt\u00e4ter sind \u00fcberwiegend nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert. Eine \u00fcberregionale Steuerung durch rechtsextremistische Organisationen konnte in keinem Fall festgestellt werden. Das typische Ablaufmuster f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalt ist gleich geblieben: Nach gezielten anf\u00e4nglichen Provokationen der Angreifer kommt es bei geringstem Anlass zu T\u00e4tlichkeiten und massiver Gewaltanwendung gegen die Opfer. Einzelf\u00e4lle Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Vier Skinheads im Alter von 15 bis 19 Jahren beleidigten am 4. April in Cham einen 36-j\u00e4hrigen irakischen Staatangeh\u00f6rigen mit den Worten \"Arschloch\" und \"Schei\u00df Kanake\". Auf der Flucht wurde der Iraker von den Beschuldigten zusammengeschlagen und dabei erheblich verletzt. Die T\u00e4ter waren zur Tatzeit leicht alkoholisiert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 135 Ein 21-j\u00e4hriger Skinhead schlug am 10. Juni in Markt M\u00f6nchberg, Landkreis Miltenberg, einen ebenfalls 21-J\u00e4hrigen zusammen und trat dem am Boden Liegenden mehrfach mit seinen Springerstiefeln ins Gesicht, gegen den Hinterkopf und in den Bauch. Nach der Tat bezeichnete der Skinhead sein Opfer als Verr\u00e4ter. In der Vergangenheit war der Gesch\u00e4digte wiederholt mit der Gruppe des T\u00e4ters unterwegs, er hatte sich aber wegen dessen brutalen Verhaltens von der Gruppe abgesondert. Ihm wurde im Fall einer Anzeigeerstattung gedroht, ihn endg\u00fcltig \"fertig\" zu machen. Am 20. August traten ein 20und ein 23-j\u00e4hriger Skinhead mit Wohnsitz in \u00d6sterreich nach einer Kneipentour in Lindau am Bodensee auf einen am Boden schlafenden 19-j\u00e4hrigen Punker ein. Das Opfer erlitt so schwere Verletzungen insbesondere am Kopf, dass es voraussichtlich dauerhafte gesundheitliche Sch\u00e4den haben und daher auf pflegerische Hilfe angewiesen sein wird. Nachdem sich zwei Rechtsextremisten an einer Tankstelle Spiritus und Grillanz\u00fcnder besorgt hatten, setzten sie damit am 26. August das Vereinsheim der Landjugend in Volkach, Landkreis Kitzingen, in Brand. Dabei entstand an der Holzfassade ein Sachschaden in H\u00f6he von 5.000 Euro. Die beiden T\u00e4ter reagierten damit auf Aufkleber mit der Aufschrift \"Keine Toleranz f\u00fcr Nazis!\", die sie an Briefk\u00e4sten, Laternenmasten und Zigarettenautomaten vorgefunden hatten. Sie wollten sich mit der Brandsetzung an Personen aus der Punker-Szene r\u00e4chen, denen sie die Verantwortung f\u00fcr die Aufkleber-Aktion zuschrieben. Am 15. September wurde ein 19-j\u00e4hriger Deutsch-Amerikaner mit dunkler Hautfarbe von drei bisher unbekannten T\u00e4tern im Alter von etwa 25 bis 30 Jahren in Kirchenlamitz, Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge, festgehalten. Der Angegriffene, der seinen wenige Wochen alten Sohn im Kinderwagen dabei hatte, konnte sich zun\u00e4chst losrei\u00dfen, wobei seine Kleidung zerriss. Er forderte die Unbekannten auf, ihn in Ruhe zu lassen, worauf er beschimpft und ihm angedroht wurde, dass man sich mit ihm pr\u00fcgeln und mit dem Kind Pingpong spielen wolle. Bei der anschlie\u00dfenden t\u00e4tlichen Auseinandersetzung bekam der Angegriffene einen Schlag in die Nierengegend, er konnte sich jedoch erfolgreich verteidigen, so dass die Angreifer schlie\u00dflich von ihm ablie\u00dfen. In einem M\u00fcnchner U-Bahnhof kam es am 6. November zu einer Auseinandersetzung zwischen einem 28-j\u00e4hrigen Deutschen und einem 22-j\u00e4hrigen Schwarzafrikaner, bei der u.a. die Worte \"Nigger\" und \"Nazi\" gefallen sein sollen. Daraufhin schlug der 28-J\u00e4hrige dem Schwarzafrikaner mehrfach mit der Faust ins Gesicht, so dass sich das Opfer Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","136 Rechtsextremismus starke Schwellungen am Auge und einen Nasenbeinbruch zuzog. Der Tatverd\u00e4chtige f\u00fchrte einen MP3-Player mit sich, auf dem u.a. die \"Schulhof-CD\" der NPD gespeichert war. Mehrere Rechtsextremisten beleidigten am 6. Dezember in Furth im Wald, Landkreis Cham, einen 19-j\u00e4hrigen Punker und schlugen ihn. Motiv der Tat d\u00fcrfte gewesen sein, dass das Opfer wiederholt als Gegendemonstrant bei rechtsextremistischen Demonstrationen auftrat. 5.2 Sonstige Straftaten Anstieg der Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen neonaStraftaten zistischen, antisemitischen und rassistischen Straftaten betr\u00e4gt 1.866 (2005: 1.540), darunter 254 (2005: 176) fremdenfeindlich motivierte Delikte. Dabei handelte es sich vielfach um Sachbesch\u00e4digung, N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung (insgesamt 470 Delikte) und insbesondere um das Verbreiten von Propagandamitteln bzw. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (insgesamt 1.396 Delikte). So wurden Hakenkreuze auf W\u00e4nde und Fahrzeuge gespr\u00fcht bzw. geritzt, Parolen wie \"Heil Hitler\" und \"Sieg Heil\" gerufen und zahlreiche antisemitische Pamphlete mit strafbaren Texten verbreitet. Des \u00d6fteren verwendeten Neonazis auf dem Display ihres Mobiltelefons NS-Symbole als Standard-Einstellung. Wie auch im Jahr 2005 bedienten sich Rechtsextremisten wiederholt des Short-Message-Systems (SMS) der Mobilfunkbetreiber, um neonazistische Agitation an andere Handy-Besitzer zu \u00fcbermitteln. Dabei wurden auch Grafiken, Filme und Lieder zu Propagandazwecken versandt. Durch rechtsextremistisch motivierte Ausschreitungen und Schmierereien entstanden Sachsch\u00e4den von rund 281.000 Euro (2005: etwa 257.000 Euro). Einzelf\u00e4lle Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Straftaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Unbekannte T\u00e4ter bespr\u00fchten Mitte Januar ein Anwesen in Taufkirchen, Landkreis Erding, mit einem Hakenkreuz und den Worten \"T\u00f6tet alle Juden\". In Herzogenaurach, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, wurden in der Nacht zum 5. Februar mehrere Anwesen mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie \"White Power\", \"Heil Hitler\" und \"T\u00fcrken raus\" bespr\u00fcht. Unbekannte T\u00e4ter beschmierten Mitte Februar eine Kirche in Garching, Landkreis M\u00fcnchen, mit einem Hakenkreuz und den Worten \"Sieg Heil\" und \"Juden ins KZ\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 137 Im Zusammenhang mit den \"Mohammed-Karikaturen\" ging einer Moschee in Bamberg im Februar ein Schreiben mit folgendem Text zu: \"Lasst auf der Stelle unsere d\u00e4nischen Freunde in Ruhe, sonst sch\u00e4chten wir Euch, ihr Scheiss-Muslime ihr unreinen Teufel\". Das Doppel-S war dabei in Form einer Doppel-Sigrune geschrieben. Ein 16-j\u00e4hriger Sch\u00fcler verbreitete am 3. M\u00e4rz mit seinem Mobiltelefon folgende ihm per SMS zugegangene Nachricht: \"Mit dieser SMS t\u00f6ten Sie einen T\u00fcrken. Versenden Sie diese SMS an alle Leute, die Sie kennen, f\u00fcr die Aktion Sauberes Deutschland!\" Unbekannte T\u00e4ter brachten Anfang April an der israelischen Synagoge in Amberg die Schmierschrift \"Juden raus, gez. Hitler\" an. Am 26. Mai wurde in einer Kirche in Schweinfurt eine auf einem Lesepult aufgeschlagene Bibel mit zwei Hakenkreuzen sowie den Parolen \"Heil Hitler\" und \"Juden ins KZ\" beschmiert. Bei der \u00dcbertragung des WM-Er\u00f6ffnungsspiels auf einer Gro\u00dfbildleinwand in Miesbach am 9. Juni trug ein Zuschauer ein teilweise abgedecktes T-Shirt mit dem Aufdruck \"CONSDAPLE\", wobei nur die Buchstaben \"NSDAP\" erkennbar waren. In einer Wohnung in M\u00fcnchen stellte die Polizei am 9. Juni zahlreiche NS-Devotionalien und Tontr\u00e4ger mit rechtsextremistischen Inhalten sicher. Der Wohnungsinhaber und elf G\u00e4ste hatten auf dem Balkon den Sieg der deutschen Mannschaft im WM-Er\u00f6ffnungsspiel mit einer \u00fcber die Br\u00fcstung geh\u00e4ngten Hakenkreuzfahne und \"Sieg-Heil\"-Rufen gefeiert. In der Nacht zum 11. Juni nahm die Polizei in Feldkirchen, Landkreis M\u00fcnchen, vier Personen fest, die den Hitlergru\u00df gezeigt und dabei die Parole \"Deutschland den Deutschen, Ausl\u00e4nder raus\" skandiert hatten. Unbekannte T\u00e4ter beschmierten in der Nacht zum 14. Juli in einem Parkhaus in Poing, Landkreis Ebersberg, T\u00fcren und W\u00e4nde mit Hakenkreuzen und den Worten \"Alle Juden, Bimbos, Kanaken und Kaffer nach Dachau\". In N\u00fcrnberg wurde ein Sudanese in der Nacht zum 22. Juli auf dem Heimweg angerempelt und mit den Worten \"Schei\u00df Neger, geh zur\u00fcck in dein Land\" beleidigt; anschlie\u00dfend zeigte der T\u00e4ter den Hitlergru\u00df und warf einen Stein, der den Angegriffenen nur knapp verfehlte. Unbekannte T\u00e4ter bespr\u00fchten Mitte Oktober in Bach a.d. Donau, Landkreis Regensburg, einen Container mit der Parole \"Die Juden sind unser Ungl\u00fcck\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","138 Rechtsextremismus Drei jugendliche Auszubildende gossen am 18. Oktober eine brennbare Fl\u00fcssigkeit in Form von Hakenkreuzen auf den Parkplatz einer Schule in Innernzell, Landkreis Freyung-Grafenau, und entz\u00fcndeten diese. Es entstanden Brandspuren mit einer Gr\u00f6\u00dfe von zwei bis vier Metern und ein Sachschaden von etwa 1.000 Euro. Am Abend des 25. November zogen f\u00fcnf Jugendliche durch Neu-Ulm und riefen Parolen wie \"Deutschland den Deutschen\", \"T\u00fcrken raus\" und \"Auschwitz soll wieder er\u00f6ffnet werden\". 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen Waffenrechtliche Das Landgericht Augsburg verurteilte Ende Februar zwei Mitglieder des Verst\u00f6\u00dfe Europ\u00e4ischen Darstellungsvereins f\u00fcr Lebendige Geschichte (EDLG) wegen des Besitzes und Handels mit Kriegswaffen zu jeweils drei Jahren Haft; das Verfahren gegen den dritten Angeklagten wurde eingestellt. Bereits am 26. Januar hatte das Amtsgericht Herford/Nordrhein-Westfalen gegen den ehemaligen EDLG-Leiter und ein weiteres EDLG-Mitglied Bew\u00e4hrungsstrafen wegen Versto\u00dfes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz verh\u00e4ngt. Anlass der Strafverfahren waren umfangreiche Waffenund Munitionsfunde im November 2004 und April 2005. Die Aktivit\u00e4ten des EDLG sind nach den damaligen Exekutivma\u00dfnahmen weitgehend zur\u00fcckgegangen. Waffen-SS Die Mitglieder des 1995 in Nordrhein-Westfalen gegr\u00fcndeten EDLG als Vorbild stellten mit m\u00f6glichst originalgetreuen Uniformen und Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nden historische Schlachten nach. Da es in Deutschland strafbar ist, Uniformen mit SS-Emblemen in der \u00d6ffentlichkeit zu tragen, f\u00fchrten sie ihre \"Darstellungs\u00fcbungen\" \u00fcberwiegend im Ausland durch. Von den rund 100 Vereinsangeh\u00f6rigen sind etwa 20 bis 30 Personen einer \"rechtsextremistischen Plattform\" zuzurechnen, die neonazistisches Gedankengut vertritt und versucht, dieses auch zu verbreiten. Durchsuchungen im Am 7. M\u00e4rz durchsuchte die Polizei in Bayern und in anderen BundesZusammenhang mit l\u00e4ndern \u00fcber 120 Objekte von 80 Rechtsextremisten. Die Beschuldigten \"Blood & Honour\" stehen im Verdacht, die im September 2000 verbotene Vereinigung \"Blood & Honour\" fortgef\u00fchrt oder Nachfolgestrukturen unterst\u00fctzt zu haben. Bei den Durchsuchungsma\u00dfnahmen beschlagnahmte die Polizei in Bayern u.a. auch eine Handgranate und mehrere Waffen; ferner wurden zahlreiche Gegenst\u00e4nde mit \"Blood & Honour\"-Bezug sichergestellt. Der Bundesminister des Innern hatte die deutsche \"Division\" der international agierenden Skinhead-Organisation \"Blood & Honour\" im Jahr 2000 verboten, da sie sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 139 sowie den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtete. Nachdem ma\u00dfgebliche ehemalige Aktivisten von \"Blood & Honour\" nach dem Verbot insbesondere in Nordund Ostdeutschland nahezu erfolglos versucht hatten, die origin\u00e4ren Strukturen der verbotenen Vereinigung aufrechtzuerhalten, hatten sich seit dem Jahr 2003 vor allem in S\u00fcdwestdeutschland neben weiterhin bestehenden auch neue so genannte Sektionen gebildet. Diese waren im fr\u00fcheren Hauptbet\u00e4tigungsfeld, der Organisation von rechtsextremistischen Skinhead-Konzerten, aktiv. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte im Oktober einen 19-j\u00e4hrigen Neonazi aus M\u00fcnchen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bew\u00e4hrung und 200 Stunden Sozialarbeit. Der Angeklagte hatte im Dezember 2005 w\u00e4hrend einer Demonstration in M\u00fcnchen den Einsatzleiter der Polizei t\u00e4tlich angegriffen und verletzt. Die Polizei durchsuchte Ende November/Anfang Dezember im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Verst\u00f6\u00dfen u.a gegen das Waffengesetz \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe gegen 20 Objekte im Raum Oberbayern und nahm \u00fcber zehn Personen fest. das Waffengesetz Bei den \u00fcberwiegend aus dem rechtsextremistischen Spektrum stammenden Beschuldigten wurden \u00fcber 100 Kurzund Langwaffen, darunter auch Maschinengewehre und Maschinenpistolen, eine Stabhandgranate sowie mehrere hundert Schuss Munition sichergestellt. Au\u00dferdem wurde in den Objekten eine Vielzahl von NS-Devotionalien wie z.B. Hakenkreuzfahnen, Hitler-B\u00fcsten und SS-Uniformen gefunden. Nach den bisher vorliegenden Erkenntnissen haben die Tatverd\u00e4chtigen keine extremistischen Straftaten geplant, vielmehr sind die Waffen als \"Statussymbole\" der rechtsextremistischen Szene zu betrachten. Das Landgericht Ingolstadt verurteilte am 29. November vier Personen wegen versuchten Mordes in 24 F\u00e4llen und versuchter schwerer Brandstiftung zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Die Verurteilten hatten im Juli 1999 einen Brandanschlag gegen eine Asylunterkunft in Neuburg a.d. Donau ver\u00fcbt, indem sie drei Molotowcocktails gegen die Unterkunft warfen. Von den im Mai 2006 festgenommenen T\u00e4tern hatten einige zum Tatzeitpunkt der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6rt und den Brandanschlag aus fremdenfeindlichen Motiven ver\u00fcbt. 7. Revisionismus 7.1 Ziele Der Revisionismus, der die Geschichtsschreibung \u00fcber die Zeit des Dritten Reichs \u00e4ndern will, ist zu einem Bindeglied zwischen den unterVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","140 Rechtsextremismus Versuch einer schiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. Seinen Rehabilitierung Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer wisdes Nationalsenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die mittelbare Rechtsozialismus fertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch einseitige, relativierende oder verharmlosende Darstellung des NS-Regimes. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation stehen die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust) sowie die Behauptung, Deutschland trage keine Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Auf diese Weise soll das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propagandistisch untergraben werden, um die Deutschen von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Revisionismus war von Anfang an eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den historischen Nachweis f\u00fchren wollten, dass es entgegen der Feststellung seri\u00f6ser Forscher und Zeitzeugen keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Hervorzuheben ist hierbei das 1989 ver\u00f6ffent\"Leuchter-Bericht\" lichte \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach es in Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Dieselbe These verbreitete der Diplomchemiker Germar Scheerer, \"Rudolf-Gutgeb. Rudolf, ein ehemaliges REP-Mitglied, in seinem 1994 ver\u00f6ffentlichachten\" ten, 2001 in Zweitauflage erschienenen und inzwischen indizierten \"Gutachten \u00fcber die Bildung und Nachweisbarkeit von Zyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz\". Er hatte sich im Fr\u00fchjahr 1996 nach einer Verurteilung (u.a. wegen Volksverhetzung) ins Ausland abgesetzt. Aufgrund eines internationalen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Mannheim wurde er am 15. November 2005 von den USA an die deutschen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcberstellt. Seit dem 14. November 2006 muss er sich vor dem Landgericht Mannheim wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im Internet und durch Verbreitung von Schriften den nationalsozialistischen V\u00f6lkermord an den Juden systematisch geleugnet bzw. verharmlost sowie durch antisemitische Hetze zum Hass gegen die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung aufgestachelt zu haben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 141 Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international David Irving agierende britische Schriftsteller David Irving, der 1993 wegen Leugnung des Holocausts verurteilt und aus Deutschland ausgewiesen wurde. Gegen ihn bestehen Einreiseverbote in Australien, Deutschland, Kanada, \u00d6sterreich und S\u00fcdafrika. Zuletzt residierte Irving haupts\u00e4chlich in Key West/Florida. Am 11. November 2005 wurde er in der SteierInhaftierung in mark/\u00d6sterreich festgenommen. Das Landgericht Wien verurteilte ihn \u00d6sterreich am 20. Februar wegen Versto\u00dfes gegen das NS-Verbotsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bew\u00e4hrung. In der Berufungsverhandlung best\u00e4tigten die Richter das Strafma\u00df, setzten jedoch zwei Drittel der Strafe zur Bew\u00e4hrung aus. Am 20. Dezember wurde Irving aus \u00f6sterreichischer Haft entlassen und einen Tag sp\u00e4ter nach Gro\u00dfbritannien ausgewiesen. Das \u00f6sterreichische Innenministerium erwirkte gegen ihn ein lebenslanges Aufenthaltsverbot. Ein weiterer Protagonist des Revisionismus ist der deutsche Staatsangeh\u00f6rige Ernst C.F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcbersiedelte. Dort verErnst Z\u00fcndel fasste und versandte er zahlreiche Publikationen, darunter den \"Germania\"-Rundbrief, der neonazistische und antisemitische Thesen enthielt und \u00fcber das Internet abrufbar war. Im Internet erschien ferner der Beitrag \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\", der - so Z\u00fcndel - monatlich von mehr als 1,2 Millionen Interessenten eingesehen wurde. Dort waren u.a. B\u00fccher, die in Deutschland der Beschlagnahme unterliegen bzw. von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Medien indiziert wurden, mit vollem Text eingestellt, darunter \"Der Holocaust auf dem Pr\u00fcfstand\" von J\u00fcrgen Graf und \"Starben wirklich sechs Millionen?\" von Richard Harwood. Aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichts in Ottawa schoben die Abschiebung und kanadischen Beh\u00f6rden Z\u00fcndel am 1. M\u00e4rz 2005 nach Deutschland ab. Strafverfahren Seit dem 8. November 2005 muss er sich vor dem Landgericht Mannheim wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verantworten. Er soll von Kanada und den USA aus \u00fcber Rundbriefe und seine Internet-Homepage \u00f6ffentlich den Holocaust geleugnet haben. Z\u00fcndels Wahlverteidigerin, die sich in einem Antrag auf Einstellung des Verfahrens selbst in volksverhetzender Weise ge\u00e4u\u00dfert hatte, wurde am 31. M\u00e4rz wegen Verdachts der versuchten Strafvereitelung vom Prozess ausgeschlossen. Am 15. Februar 2007 wurde Z\u00fcndel zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verurteilt. Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete, in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige Vrij Historisch Organisation Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) ist eine der bedeutenOnderzoek (V.H.O.) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","142 Rechtsextremismus den Lieferantinnen von revisionistischem Propagandamaterial. Sie verf\u00fcgt \u00fcber weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen, in Deutschland teilweise beschlagnahmten oder indizierten revisionistischen Ver\u00f6ffentlichungen an. Seit Anfang 1997 gibt die V.H.O. die revisionistische Zeitschrift \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG) heraus. Der Mitbegr\u00fcnder der V.H.O. Siegfried Verbeke, der zusammen mit seinem Bruder Herbert die V.H.O. betreibt, wurde am 1. November 2005 aufgrund eines Haftbefehls an die deutschen Beh\u00f6rden \u00fcberstellt und in der Justizvollzugsanstalt Heidelberg inhaftiert. Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhob gegen ihn am 30. M\u00e4rz Anklage wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Er soll im Internet und durch Verbreitung von Schriften den nationalsozialistischen Massenmord an Juden systematisch geleugnet bzw. verharmlost haben. Revisionistische Der Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Vereinigung Verfolgten (VRBHV) wurde am 9. November 2003 auf Initiative von Horst Mahler, eines f\u00fchrenden Aktivisten des rechtsextremistischen Intellektuellenzirkels \"Deutsches Kolleg\", gegr\u00fcndet. Der Sitz des VRBHV befindet sich in Vlotho/Nordrhein-Westfalen. In der Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung hei\u00dft es: \"Es war der Beginn der gro\u00dfen L\u00fcge, die endg\u00fcltig zu Fall zu bringen Anliegen unseres Vereins sein wird: Der Auschwitz-L\u00fcge.\" Dem Verein haben sich zahlreiche Revisionisten angeschlossen. Seit Anfang 2004 existieren die beiden Internet-Seiten \"Aufstand f\u00fcr die Wahrheit\" und \"Reichsb\u00fcrgerbrief\". Auf letzterer Seite ruft Mahler zum Volksaufstand gegen die von einer Fremdmacht ausge\u00fcbte, \"talmudisch\" getarnte Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft in Deutschland auf, die jegliche Politik zum Wohle des deutschen Volkes und zur Wahrung seiner W\u00fcrde verhindere. Mahler verlegte im November seinen Wohnsitz nach Bayern. Er verb\u00fc\u00dft derzeit in der Justizvollzugsanstalt Bernau eine vom Landgericht Berlin am 12. Januar 2005 verh\u00e4ngte Freiheitsstrafe von neun Monaten wegen Volksverhetzung. RevisionismusDas dem iranischen Au\u00dfenministerium angeschlossene \"Institute for konferenz in Political and International Studies\" (IPIS) richtete am 11. und 12. DeTeheran zember in Teheran eine \"Konferenz\" unter dem Motto \"Review of the Holocaust: Global Vision\" aus, an der nach dortigen Angaben 67 \"Wissenschaftler\" aus 30 L\u00e4ndern teilgenommen haben sollen. Zu den Mitwirkenden z\u00e4hlten demnach neben Revisionisten aus D\u00e4nemark, Frankreich und den USA der \u00f6sterreichische Rechtsanwalt Dr. Herbert Schaller, der Schweizer Bernhard Schaub und der deutschst\u00e4mmige Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 143 Leiter des rechtsextremistischen \"Adelaide Institute\" Fredrick T\u00f6ben aus Australien. Der inhaftierte Holocaustleugner Horst Mahler lie\u00df auf der Konferenz einen offenen Brief an den iranischen Staatspr\u00e4sidenten Ahmadinedschad verteilen, in dem er u.a. das \"Holocaust-Dogma\" als \"die gr\u00f6\u00dfte L\u00fcge der Weltgeschichte\" bezeichnete. Er dankte dem iranischen Staatspr\u00e4sidenten, der \"der Wahrheit die Tore weit ge\u00f6ffnet\" habe; deshalb w\u00fcrden die V\u00f6lker seiner \"ewig gedenken als des Erl\u00f6sers von der J\u00fcdischen Knechtschaft\". 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der amerikanische Neonazi und Propagandaleiter der NSDAP-AusNeonazistische landsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Gary Rex Lauck tritt nach Propaganda wie vor durch die Verbreitung von neonazistischem Gedankengut in Erscheinung. \u00dcber die Homepage der NSDAP-AO k\u00f6nnen Hakenkreuzaufkleber, Fahnen und Abzeichen des Dritten Reichs, Filme und B\u00fccher aus der NS-Zeit (z.B. \"Der ewige Jude\", \"Mein Kampf\") sowie CDs mit Marschmusik und Hitler-Reden bestellt werden. Das Angebot enth\u00e4lt ferner Computerspiele wie \"KZ-Rattenjagd\" und \"Anti-T\u00fcrken-Test\" zum kostenlosen Herunterladen. Auch die Internet-Seite der Anti-Antifa-N\u00fcrnberg (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts), auf der Personen der vermeintlich linksextremistischen Szene namentlich genannt sind, wurde auf einem von Lauck betriebenen Server in Atlanta/USA bereitgestellt. F\u00fcr deutsche Rechtsextremisten ist Lauck nach wie vor kaum von Bedeutung; sie stehen ihm reserviert gegen\u00fcber, da er den kommerziellen Aspekt offenbar immer st\u00e4rker in den Vordergrund r\u00fcckt. Weiteres rechtsextremistisches Propagandamaterial aus dem Ausland gelangt \u00fcberwiegend \u00fcber das Internet nach Deutschland. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","144 Rechtsextremismus 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2006 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Die Republikaner (REP) 2.200 6.000 Zeit f\u00fcr Protest! 26.11.1983, Berlin zweimonatlich, 10.000 Nationaldemokratische Partei 900 7.000 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 20.000 28.11.1964, Stuttgart (nach Eigenangaben) Junge Nationaldemokraten (JN) 50 300 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Funktion\u00e4rs1967, N\u00fcrnberg gruppe Deutsche Volksunion (DVU) 1.000 8.500 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. (siehe DVU) einschlie\u00dflich Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) 70 500 Deutschland-Post 1993, Bad Soden (gesch\u00e4tzt) unregelm\u00e4\u00dfig 2. Neonazistische Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse Anti-Antifa N\u00fcrnberg 10 2006, N\u00fcrnberg Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische 75 600 Nachrichten der HNG Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) monatlich, 600 02.07.1979, Frankfurt am Main Kameradschaft M\u00fcnchen 20 2004, M\u00fcnchen Kameradschaft Augsburg 15 2004, Augsburg Kameradschaft Main-Spessart 10 2006, W\u00fcrzburg Kameradschaft Asgard-Ratisbona 15 2004, Regensburg Kameradschaftsbund Hochfranken 25 Wunsiedler Feldpost 2006, Hof/Wunsiedel Kameradschaft Weisse W\u00f6lfe 25 2002, Roding Autonome Nationalisten M\u00fcnchen 20 2005, M\u00fcnchen NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation NS Kampfruf (NSDAP-AO) unregelm\u00e4\u00dfig 1972, Lincoln/USA Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Rechtsextremismus 145 Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2006 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 3. Sonstige Organisationen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 60 500 (Inoffizielles Organ: siehe 03.10.1991, Berlin Nation Europa Verlag GmbH) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 450 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 200 September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rs1994, Berlin / W\u00fcrzburg gruppe Deutschland-Bewegung /Friedenskomitee 40 100 Pressespiegel mit \"Frieden 1990, Starnberg 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung\" Europ\u00e4ischer Darstellungsverein f\u00fcr 100 Lebendige Geschichte (EDLG), 1995 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Einzel2001, N\u00fcrnberg personen Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen 15 M\u00fcnchen Direkt 2004 Aktivitas der Burschenschaft Danubia 15 Danubenzeitung 1848, M\u00fcnchen unregelm\u00e4\u00dfig Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Funktion\u00e4rsNeues Schwaben Opposition e.V. gruppe unregelm\u00e4\u00dfig 2001, Augsburg B\u00fcrgerinitiative \"Pro M\u00fcnchen e.V.\" 20 B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcn2006, M\u00fcnchen chen - patriotisch & sozial 4. Skinheads 750 10.400 5. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH National-Zeitung/Deutsche (DSZ-Verlag), M\u00fcnchen Wochen-Zeitung (NZ), w\u00f6chentlich, 38.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 18.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Stegen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","146 Linksextremismus 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Ideologisches Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern Spektrum des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassischen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im Wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen, die sie als kapitalistisch, rassistisch und imperialistisch ansehen. An deren Stelle solle eine sozialistisch-kommunistische Diktatur oder die Anarchie, eine Gesellschaft frei von jeglicher Herrschaft, treten. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. Innerhalb des linksextremistischen SpekAntideutsche trums hat die Bedeutung der so genannten Antideutschen zugenommen. Sie verbinden ein extremes Antifaschismusverst\u00e4ndnis mit einer klaren pro-israelischen und pro-amerikanischen Haltung und stehen damit im Gegensatz zu Linksextremisten nach traditionellem Verst\u00e4ndnis; gemeinsam ist allen jedoch das Thema Antifaschismus. Aktionsformen Die Aktionsformen der Linksextremisten sind breit gestreut. Sie umfasder Linksextresen \u00f6ffentliche Veranstaltungen, offene Agitation mittels Zeitungen, misten Flugbl\u00e4ttern, elektronischen Kommunikationsmitteln, ferner Versuche der Einflussnahme in \"b\u00fcrgerlichen\" Institutionen bis hin zur Beteiligung an Wahlen. Dar\u00fcber hinaus gibt es Linksextremisten, die politische Gewalt als ein legitimes und geeignetes Mittel sehen, ihre extremistischen Vorstellungen durchzusetzen. In ihrer Propaganda stellen sich Linksextremisten als Vertreter einer hohen Moral, als K\u00e4mpfer gegen Unterdr\u00fcckung und Verfechter von Frieden und sozialer Gerechtigkeit dar. Ihre politische Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Sie missachten demokratische Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staates. Sie setzen sich \u00fcber Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 147 das Recht der Menschen auf Freiheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren Interessen entgegensteht. Einige der linksextremistischen Gruppierungen bekennen offen, dass ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. Teilweise ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen einAgitationsthemen gebunden, die f\u00fcr sich betrachtet nicht extremistisch sind. Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den notwendigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jeder Art politischen Extremismus zu durchbrechen. F\u00fcr ihre Agitation und Mobilit\u00e4t bei Demonstrationen oder anderen Aktionen nutzen Linksextremisten auch die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten wie Handy und Internet. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren Neonazismus/Faschismus, Globalisierung, Imperialismus, Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematik, Arbeitslosigkeit und Sozialversorgung. Daneben unterst\u00fctzen Linksextremisten weiterhin sozialrevolution\u00e4re Bewegungen im Ausland. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Gesamtzahl der Mitglieder linksextremistischer und linksextremistisch Anstieg der beeinflusster Parteien und Gruppierungen in Bayern erh\u00f6hte sich. Die Zahl Mitgliederzahlen der Linkspartei.PDS-Mitglieder stieg von rund 500 auf 600. Die Mitgliederzahl der DKP nahm dagegen sowohl bundesals auch bayernweit ab. Auch die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen stieg an. Die Autonomen werden von anderen linksextremistischen Organisationen als B\u00fcndnispartner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der auf der Seite 148 dieses Berichts abgedruckten \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind jeweils nur bei einer Organisation erfasst. 1.3 Nutzung des Internets Schon seit Ende der 80er Jahre nutzen Linksextremisten elektronische Kommunikationsmedien - zun\u00e4chst Mailboxen, inzwischen verst\u00e4rkt Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","148 Linksextremismus Zahl und 2004 2005 2006 Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 38 38 38 linksextremistischer OrganiMarxisten-Leninisten und sationen in andere revolution\u00e4re Marxisten Bayern Die Linkspartei.PDS 700 500 600 DKP 600 500 400 Marxistische Gruppe (MG) 700 700 700 weitere Kernorganisationen 250 240 240 Nebenorganisationen 80 100 120 beeinflusste Organisationen 840 850 850 Autonome, Anarchisten und Sozialrevolution\u00e4re 400 400 500 Linksextremisten insgesamt 3.570 3.290 3.410 das Internet -, um sich selbst darzustellen und die eigenen Parolen, ihre verfassungsfeindlichen Zielsetzungen und Ideen zu verbreiten, ihre Verbesserung der Kommunikation zu verbessern sowie den Organisationsprozess und die Kommunikation Vernetzung in der linken Szene voranzubringen. Die sich aus der technischen Entwicklung ergebenden neuen Verfahren und neuen Informationssysteme werden von Linksextremisten schnell auf die Verwendbarkeit f\u00fcr eigene Zwecke erprobt. Die linksextremistische Szene beteiligt sich auch an demokratischen Kommunikationsstrukuren, beispielweise Diskussionsforen zu gesellschaftspolitischen Themen (wie Bildungsund Sozialabbau; Fremdenfeindlichkeit) im Internet, um ihre Ideologie zu verbreiten und politischen Einfluss zu gewinnen. Sowohl linksextremistische Parteien und Organisationen als auch AutoEigene Internetnome verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internet-Angebote. Auf ihren Websites Angebote sind die Informationen weltweit abrufbar. Neben professionell strukturierten Selbstdarstellungen - auch mit Bild-, Tonund Videobeitr\u00e4gen - werden in Internet-Portalen Pressemitteilungen, Berichte und Kommentare zu aktuellen Themen, Veranstaltungshinweise, Plakate und Flugbl\u00e4tter sowie umfangreiche Linklisten und Kontaktadressen zur E-Mail-Kommunikation zur Verf\u00fcgung gestellt. Die autonome Szene sieht in den flexiblen M\u00f6glichkeiten der Verschl\u00fcsselungstechnik ein geeignetes Instrument gegen staatliche Kontrolle. Zum Teil werden auch \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter aktuelle Termine, Nachrichten, Diskussionsbeitr\u00e4ge und Publikationen mit teilweise strafbarem Inhalt verbreitet. Neben der Verbreitung extremistischen Gedankenguts und der Nutzung von Kommunikationsm\u00f6glichkeiten stellt das Internet f\u00fcr LinksextremisVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 149 ten auch eine geeignete Plattform f\u00fcr gezielte elektronische Angriffe Elektronische auf den politischen Gegner dar. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem Angriffe Internet-Auftritte der rechtsextremistischen Szene. Im Rahmen der so genannten Antifa-Arbeit sind Linksextremisten in rechtsextremistische Homepages elektronisch eingedrungen und haben die dort abgelegten Daten zerst\u00f6rt, verf\u00e4lscht oder auch ver\u00f6ffentlicht. Der bevorstehende G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern ist f\u00fcr Linksextremisten Anlass, so genannte KampagnenKampagnenseiten seiten einzurichten, die neben Berichten \u00fcber die aktuelle Entwicklung, Kommentaren und Presseartikeln auch Demonstrationsaufrufe und Hinweise zu Vorbereitungstreffen enthalten. Diese Internet-Angebote sind zumeist \u00fcberregional ausgerichtet und werden als \"Weblog\" betrieben. Es handelt sich dabei um interaktive Internet-Seiten, die eine aktive Mitarbeit des einzelnen Nutzers erm\u00f6glichen. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik an den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderungen nach \"Fundamentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Dabei gelingt es nur begrenzt, die unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die Linkspartei.PDS, die nach dem Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des Versuch der \"demokratischen Sozialismus\" zu beschreiten vorgibt, versucht, LinksB\u00fcndelung extreextremisten aller Richtungen zu integrieren. mistischer Kr\u00e4fte 2.1 Die Linkspartei.PDS Deutschland Bayern Mitglieder: 60.300 600 Vorsitzende(r): Prof. Dr. Lothar Bisky Eva Bulling-Schr\u00f6ter; Josef Obermeier Umbenennung der SED: 16./17.12.1989 Gr\u00fcndung: 11.09.1990 Sitz: Berlin M\u00fcnchen Publikationen: \"DISPUT\"; \"TITEL\" \"Die Linke.PDS-Pressedienst; \"UTOPIE-kreativ\"; \"Mitteilungen der KPF\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","150 Linksextremismus Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschloss auf ihrem Sonderparteitag am 16./17. Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Umbenannte SED Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Tagung des Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24./25. Februar 1990 best\u00e4tigte diese Namens\u00e4nderung. Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags am 17. Juli 2005 in Berlin wurde beschlossen, sich in \"Die Erneute Linkspartei.PDS\" umzubenennen. Den Landesverb\u00e4nden wurde es gleichUmbenennung zeitig freigestellt, die Zusatzbezeichnung \"PDS\" zu f\u00fchren. Im Parteistatut wurde als Kurzbezeichnung \"Die Linke\" ebenfalls mit dem Zusatz \"PDS\" festgelegt. Seit Ende Mai 2005 ist die Linkspartei.PDS bestrebt, mit der nicht extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) zu fusionieren. 2.1.1 Ideologische Ausrichtung Str\u00f6mungspartei Die Linkspartei.PDS versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialislinker Kr\u00e4fte tische Gruppen und Personen, die die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland kritisieren und ablehnen. Das auf der 2. Tagung des 8. Parteitags der Linkspartei.PDS am 25. und 26. Oktober 2003 in Chemnitz beschlossene - mittlerweile dritte - Parteiprogramm stellt fest, die Linkspartei.PDS sei ein Zusammenschluss unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmten, dass die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden werden m\u00fcsse. Im Programm hei\u00dft es dazu weiter: \"In ihr (Anmerkung: in der Linkspartei.PDS) haben sowohl Menschen einen Platz, die der kapitalistischen Gesellschaft Widerstand entgegensetzen und die die gegebenen Verh\u00e4ltnisse fundamental ablehnen, als auch jene, die ihren Widerstand damit verbinden, die gegebenen Verh\u00e4ltnisse positiv zu ver\u00e4ndern und schrittweise zu \u00fcberwinden.\" Gegen Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit ihm verKapitalismus bundenen politischen Systems der Freiheit und der Demokratie im Sinn unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zielen der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fcssten. Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und die \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 151 der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Das programmatische Ziel der Linkspartei.PDS ist nach wie vor eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung. Die Linkspartei.PDS vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der Bekenntnis zu revolution\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen Marx und Engels revolution\u00e4ren und \"volks-demokratischen\" Bewegungen verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die Linkspartei.PDS verwendet Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, dass diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere Interpretation politischer Begriffe ist deren bewusste Umwidmung im Umwidmung Lehrgeb\u00e4ude des Marxismus-Leninismus, in dessen Denkschule die von Begriffen Mehrheit der Mitglieder der Linkspartei.PDS erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe eine Doppeldeutigkeit. Das 2003 in Chemnitz verabschiedete Parteiprogramm verfolgt weiterhin dieselbe ideologische Zielsetzung - eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung - und h\u00e4lt am \"Manifest der Kommunistischen Partei\", der Lehre von Marx und Engels, sowie an Rosa Luxemburg fest. Obwohl im Programm auf die Erw\u00e4hnung der bolschewistischen Oktoberrevolution von 1917 verzichtet wird, stellt sich die Linkspartei.PDS weiterhin ausdr\u00fccklich in die Tradition der revolution\u00e4ren kommunistischen Arbeiterbewegung und wendet sich \"aus historischer Erfahrung\" entschieden gegen jegliche Form von \"Antikommunismus\". Sie ist auch vom gescheiterten Sozialismusversuch der fr\u00fcheren DDR nach wie vor \u00fcberzeugt. Der Unrechtsgehalt des SED-Regimes wird relativiert; es wird betont, dass der \"Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung\" f\u00fcr den Osten keiner \"Entschuldigung\" bed\u00fcrfe und die \"antifaschistisch-demokratischen Ver\u00e4nderungen im Osten Deutschlands und das sp\u00e4tere Bestreben, eine \u00dcberwindung sozialistische Gesellschaft zu gestalten\" in \"berechtigtem Gegensatz der bestehenden zur Weiterf\u00fchrung des Kapitalismus in Westdeutschland\" gestanden Gesellschaftsh\u00e4tten. Im Bestreben um das gesellschaftliche Endziel k\u00e4mpft die Linksordnung Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","152 Linksextremismus partei.PDS f\u00fcr die \u00dcberwindung der als \"Kapitalismus\" diffamierten bestehenden Gesellschaftsordnung. Das Programm f\u00fchrt dazu aus: \"Die Politik der PDS soll dazu beitragen, die Vorherrschaft der Kapitalverwertungsinteressen abzuschw\u00e4chen, schlie\u00dflich zu \u00fcberwinden und die ihr zu Grunde liegenden Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnisse zu ver\u00e4ndern. (...) Ein selbstbestimmtes Leben, eine von Entfremdung befreite Arbeitswelt und eine gerechte Verteilung des Reichtums bed\u00fcrfen alternativer Gesellschaftsstrukturen, die von der Verwirklichung gemeinschaftlicher Interessen gepr\u00e4gt sind und die Dominanz privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden haben.\" Antikapitalistische Die strikt antikapitalistische Grundausrichtung bleibt die Grundidee der Ausrichtung Linkspartei.PDS. So wird bereits in der Pr\u00e4ambel betont: \"Wir wollen, dass diese gesellschaftlichen Strukturen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und schlie\u00dflich \u00fcberwunden werden, damit die Menschheit einen Ausweg aus dieser zerst\u00f6rerischen Entwicklungslogik findet. In diesem Sinne sind wir konsequent antikapitalistisch.\" Angestrebtes Seit dem 30. Mai 2005 strebt die Linkspartei.PDS einen Zusammenschluss B\u00fcndnis mit der mit der nicht extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die WASG Wahlalternative\" (WASG) an. In Sondierungsgespr\u00e4chen hatten beide Parteien am 10. Juni 2005 vereinbart, innerhalb der n\u00e4chsten zwei Jahre ein neues Projekt der Linken in Deutschland auf den Weg zu bringen. Aus taktischen Erw\u00e4gungen benannte sich die PDS dazu anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags am 17. Juli 2005 in \"Die Linkspartei.PDS\" (Kurzbezeichnung: \"Die Linke\" ebenfalls mit dem Zusatz \"PDS\") um. Nach der erfolgreichen Teilnahme des eigens gebildeten Wahlb\u00fcndnisses aus Linkspartei.PDS und WASG an der Bundestagswahl am 18. September 2005 unterzeichneten der Parteivorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar Bisky und der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstand der WASG Klaus Ernst am 6. Dezember 2005 ein \"Kooperationsabkommen\", das \"die freie Vereinigung der gesellschaftlichen Linken in der ersten wirklich gesamtdeutschen Partei\" bis zum 30. Juni 2007 vorsieht. Diesem \"Kooperationsabkommen mit der WASG\" stimmten die Delegierten der Linkspartei.PDS mehrheitlich auf ihrem Parteitag am 10. und 11. Dezember 2005 zu. Am 23. Februar 2006 stellten beide Parteien als Diskussionsgrundlage Gemeinsames f\u00fcr ein gemeinsames Programm erste \"Programmatische Eckpunkte auf Eckpunktepapier dem Weg zu einer neuen Linkspartei in Deutschland\" vor. In dem Papier wird ausgef\u00fchrt, dass die strategische Kernaufgabe der Linken in der \"Ver\u00e4nderung gesellschaftlicher und politischer Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse\" bestehe, um in einem l\u00e4ngeren Prozess eine \"Umgestaltung der Gesellschaft\" durchsetzen zu k\u00f6nnen. \"Um das zu erreichen, wollen wir eine Ver\u00e4nderung der Machtund Verteilungsverh\u00e4ltnisse in der Wirtschaft und der Gesellschaft.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 153 Das Eckpunktepapier enth\u00e4lt Formulierungen und strategische Vorstellungen, die die Linkspartei.PDS bereits im Leitantrag des Parteivorstands auf dem Potsdamer Parteitag im Oktober 2004 festgelegt und im \"Kooperationsabkommen\" wiederholt hatte. Dazu geh\u00f6rt auch die inhaltliche Wiedergabe des Prinzips des \"strategischen Dreiecks\", das sich aus Prinzip des \"strateparlamentarischer Opposition und au\u00dferparlamentarischem Widerstand gischen Dreiecks\" sowie der vision\u00e4ren Entwicklung einer zuk\u00fcnftigen Gesellschaft zusammensetzt. Das Festhalten an der Lehre von Marx und die Versuche, fundamentale Positionen des geltenden Programms der Linkspartei.PDS in das gemeinsame Papier zu integrieren, macht das Bestreben der Linkspartei.PDS deutlich, ihre Ideologie nach wie vor aufrecht zu erhalten und f\u00fcr den B\u00fcndnispartner WASG verbindlich festzuschreiben. Am 29. und 30. April f\u00fchrte die Linkspartei.PDS ihre 1. Tagung des 10. Parteitags in Halle/Sachsen-Anhalt durch. Die Delegierten best\u00e4tigten bei der turnusgem\u00e4\u00dfen Neuwahl des 20-k\u00f6pfigen Parteivorstands Neuwahl des mit 88,5 % der abgegebenen Stimmen Prof. Dr. Lothar Bisky als VorsitParteivorstands zenden. Sahra Wagenknecht, Linkspartei.PDS-Europaabgeordnete und Mitglied des Bundeskoordinierungsrats der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS (KPF), fand zum wiederholten Male mit einer Zustimmung von 60,9 % der Delegiertenstimmen ihre Best\u00e4tigung als Vorstandsmitglied in der Parteif\u00fchrung. In seiner Rede forderte der wiedergew\u00e4hlte Parteivorsitzende \"eine tief greifende Ver\u00e4nderung der herrschenden Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse\". Im Zusammenhang mit der Menschenrechtsdiskussion um Kuba verlangte er eine Beendigung der Embargopolitik gegen den mittelamerikanischen Staat und sprach sich zugleich f\u00fcr eine intensivere Zusammenarbeit mit der sozialistischen F\u00fchrung in Kuba aus. Mit gro\u00dfer Mehrheit beschlossen die Delegierten die Aufgaben und Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte f\u00fcr das Jahr 2006. So stehe der ParteibildungsArbeitsschwerprozess mit der WASG im Vordergrund und m\u00fcsse vorangebracht werpunkte den. Dar\u00fcber hinaus solle der parlamentarische Einfluss der Linkspartei.PDS gest\u00e4rkt werden. Eine besondere Rolle spiele dabei die \"Auseinandersetzung mit rechten und rechtsextremen Kr\u00e4ften\". Eine weitere Aufgabe sei das Engagement in \"sozialen Bewegungen, in der Friedensund Antifa-Arbeit\" sowie in \"der globalisierungskritischen Bewegung\". In dem Beschluss hei\u00dft es dazu weiter: \"Ein Schwerpunkt dabei ist die Vorbereitung des G8-Gipfels 2007 in Heiligendamm, den wir gemeinsam mit den globalisierungskritischen und anderen Bewegungen nutzen wollen, um unseren Forderungen f\u00fcr Frieden und globale Gerechtigkeit Nachdruck zu verleihen.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","154 Linksextremismus In Berlin stellten am 2. Juni die Linkspartei.PDS und die WASG einen gemeinsamen \"Aufruf zur Gr\u00fcndung einer neuen Linken\" vor. Der Gr\u00fcndungsaufruf, der die Programmdiskussion in beiden Parteien intensivieren soll, bezieht klassische Zielvorstellungen aus dem Programm der Linkspartei.PDS ein. So enth\u00e4lt er ein ausdr\u00fcckliches Bekenntnis zum demokratischen Sozialismus; der Kapitalismus sei nicht das Ende der Geschichte. Auch am Ziel der System\u00fcberwindung wird festgehalten, indem gefordert wird, die \"Barbarei der kapitalistischen Gesellschaft zu \u00fcberwinden\". Schl\u00fcsselbereiche der Wirtschaft und der Daseinsvorsorge m\u00fcssten in \u00f6ffentliche Eigentumsformen \u00fcberf\u00fchrt werden. Au\u00dferdem werde die neue Partei Forderungen der au\u00dferparlamentarischen Bewegungen aufgreifen und deren Mitwirkung am politischen Entscheidungsprozess unterst\u00fctzen. Das Prinzip des \"strategischen Dreiecks\" wird - im Wortlaut leicht ver\u00e4ndert - als \"strategische Einheit\" bezeichnet. \"Protest, Mitgestaltung und Alternativen, die \u00fcber den Kapitalismus hinausweisen, bilden in der Arbeit der Linken eine strategische Einheit.\" Am 20. September legte eine von den Parteivorst\u00e4nden der Linkspartei.PDS und der WASG eingesetzte parit\u00e4tische Programmgruppe \u00dcberarbeitetes einen \u00fcberarbeiteten Entwurf der \"Programmatischen Eckpunkte\" vor, Eckpunktepapier der auf den im Februar vorgelegten Positionen basiert. Hinsichtlich des Ziels der \u00dcberwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung wird ausgef\u00fchrt: \"Wir setzen uns angesichts der Entfesselung und Deregulierung im gegenw\u00e4rtigen Kapitalismus f\u00fcr einen neuen Anlauf gesellschaftlicher Transformation ein, der \u00fcber den Kapitalismus hinausweist und ihn \u00fcberwindet. (...) Die neue Linke legt programmatische Grundz\u00fcge einer umfassenden gesellschaftlichen Umgestaltung vor, um die Vorherrschaft der Kapitalverwertung \u00fcber Wirtschaft und Gesellschaft zu beenden und den Herausforderungen der Gegenwart mit einem alternativen Entwicklungsweg zu begegnen. (...) Notwendig ist die \u00dcberwindung aller Eigentumsund Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, 'in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein ver\u00e4chtliches Wesen ist' (Karl Marx).\" Die Parteivorst\u00e4nde der Linkspartei.PDS und der WASG verabschiedeten Gr\u00fcndungsam 22. Oktober in Erfurt die Entw\u00fcrfe der Gr\u00fcndungsdokumente f\u00fcr dokumente f\u00fcr eine neue gesamtdeutsche linke Partei. Dazu z\u00e4hlen die \"Programmaneue Partei tischen Eckpunkte\", die Bundessatzung und die Bundesfinanzordnung. Der Name der neuen Partei soll \"DIE LINKE.\" sein. Der Vorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar Bisky erkl\u00e4rte, die neue Linke werde das Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 155 Ziel des demokratischen Sozialismus nicht aus den Augen verlieren. Der Gr\u00fcndungsentwurf der \"Programmatischen Eckpunkte\" stimmt in den wesentlichen Kernaussagen mit dem \u00fcberarbeiteten Eckpunktepapier vom September \u00fcberein. So enth\u00e4lt auch er \u00fcberwiegend Positionen, die die Linkspartei.PDS seit Jahren in ihren programmatischen Papieren vertritt. Dazu geh\u00f6rt insbesondere das Festhalten am Ziel der SystemFesthalten am \u00fcberwindung, indem eine Gesellschaft gefordert wird, die \"\u00fcber den Ziel der SystemKapitalismus hinausweist und die ihn in einem transformatorischen Pro\u00fcberwindung zess \u00fcberwindet\". Die anzustrebende Gesellschaft wird wieder - wie bereits im Programm der PDS von 2003 - mit dem verk\u00fcrzten Zitat aus dem \"Kommunistischen Manifest\" (1848) von Karl Marx und Friedrich Engels beschrieben als \"eine Gesellschaft, in der die freie Entwicklung einer und eines jeden die Bedingung der freien Entwicklung aller\" ist. Die beiden Vorentw\u00fcrfe wiesen diese Formulierung nicht auf. Enthalten ist auch die Aussage, dass die neue Partei \"plural\" sein solle. Hiermit wird auf das bisher von der \"Linkspartei.PDS\" vertretene Prinzip des \"Pluralismus\" verwiesen, d.h. das Recht, innerhalb der Partei Zusammenschl\u00fcsse oder Plattformen zu bilden. Dies berechtigt die neue Partei, auch offen extremistische Zusammenschl\u00fcsse zu bilden. Der Gesamtverlauf der Fusionsbestrebungen und die Formulierungen in den Entw\u00fcrfen der Gr\u00fcndungsdokumente machen deutlich, dass der Zusammenschluss beider Parteien ma\u00dfgeblich durch die Linkspartei.PDS Dominierende bestimmt oder sogar dominiert wird. Nach Beratungen innerhalb beider Linkspartei.PDS Parteien soll auf parallel stattfindenden Parteitagen am 24. und 25. M\u00e4rz 2007 \u00fcber die bis dahin vorliegenden Leitantr\u00e4ge entschieden werden. Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 10. Parteitags der Linkspartei.PDS am 26. November in Berlin stimmten 84,7 % der gew\u00e4hlten Delegierten der Umwandlung der Partei von einem nicht rechtsf\u00e4higen Umwandlung in in einen rechtsf\u00e4higen Verein durch \u00c4nderung des Statuts zu. Einen rechtsf\u00e4higen gleichlautenden Beschluss hatte die WASG eine Woche zuvor auf ihrem Verein Bundesparteitag gefasst. Ein von der Linkspartei.PDS in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zu Fragen einer Parteifusion war zu dem Ergebnis gekommen, dass sich beide Parteien zun\u00e4chst in eingetragene und damit rechtsf\u00e4hige Vereine umwandeln sollten und dann der kleinere Verein dem gr\u00f6\u00dferen beitritt. Die aufnehmende Partei m\u00fcsse nicht aufgel\u00f6st werden und behalte alle ihr zustehenden Rechtsanspr\u00fcche und deren verfestigte Vorstufen. Die Umwandlung bedeute weder den Verlust des Parteistatus noch eine Einschr\u00e4nkung des politischen Handlungsspielraums. Am 10. Dezember beschlossen die Vorst\u00e4nde von Linkspartei.PDS und WASG auf einer gemeinsamen Sitzung die Entw\u00fcrfe der Gr\u00fcndungsVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","156 Linksextremismus dokumente f\u00fcr die Partei \"DIE LINKE.\", n\u00e4mlich die \"Programmatischen Eckpunkte\", die Bundessatzung, die Bundesfinanzordnung und die Schiedsordnung. Auf Dr\u00e4ngen vieler Mitglieder der Linkspartei.PDS fand nun der Begriff des \"demokratischen Sozialismus\" deutlicher formuliert Eingang in den Entwurf der \"Programmatischen Eckpunkte\". 2.1.2 Organisation Die Linkspartei.PDS ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, deren Gebiete mit den L\u00e4ndern identisch sind, mit Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen. Die Partei verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber rund 60.300 Mitglieder (2005: 61.500). Damit verzeichnet die Linkspartei.PDS im Vergleich zum Vorjahr erneut einen Mitgliederr\u00fcckgang. \u00dcber 70 % der ParBundesweit teimitglieder sind 60 Jahre und \u00e4lter; nur etwa 3 % sind j\u00fcnger als r\u00fcckl\u00e4ufige 30 Jahre. Nach Angaben der Parteif\u00fchrung stammen 70 bis 80 % der Mitgliederzahl Mitglieder aus der ehemaligen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR, darunter auch Mitarbeiter des ehemaligen Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit. Nutzung des Seit Jahren nutzt die Linkspartei.PDS die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten Internets im Internet. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie die Linkspartei.PDS-Delegation in der Konf\u00f6deralen Fraktion der Vereinten Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke (GUE/NGL) im Europ\u00e4ischen Parlament, die Linkspartei.PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag, Linkspartei.PDS-Fraktionen in den Bundesl\u00e4ndern, der Bundesvorstand, Landesund Kreisverb\u00e4nde sowie Einzelpersonen sind neben einer so genannten Startseite der Linkspartei.PDS mit eigenen Homepages vertreten. Auch in Bayern nehmen Kreisverb\u00e4nde und Basisorganisationen das Internet in Anspruch. Der Linkspartei.PDS-nahe Jugendverband ['solid] nutzt bundesund landesweit ebenfalls das moderne Kommunikationsmedium. 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften sowie \u00e4hnliche innerparteiliche Zusammenschl\u00fcsse sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der Linkspartei.PDS. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Partei, k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben und k\u00f6nnen ihre politischen Ziele in der Partei offen vertreten. Sie sind integrale BeVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 157 standteile der Linkspartei.PDS. Die Partei muss sich deshalb die T\u00e4tigkeit Integrale der Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften wie auch das Bestandteile der Wirken der sonstigen innerparteilichen Zusammenschl\u00fcsse sowie die Linkspartei.PDS \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, w\u00e4hrend Arbeitsund Interessengemeinschaften themenbezogen auf wichtigen Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete KPF der Linkspartei.PDS - ihr sind etwa 1.000 Mitglieder zuzurechnen - ist eine marxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der Linkspartei.PDS ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus bekennt. Sie strebt die Fortsetzung marxistischer und Bekenntnis zum leninistischer Politik, also die Diktatur des Proletariats, an. In ihren Marxismus-LeniGr\u00fcndungsthesen betonte sie: nismus \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem Wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfasst von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Tse-tung weiterentwickelt worden ist, die Grundlage f\u00fcr die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue klassenlose Gesellschaft. Die KPF strebt eine enge Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Parteien und Organisationen an und sucht die Beteiligung an au\u00dferparlamentarischen Initiativen, insbesondere in dem von ihr in kommunistischer Ideologie verstandenen Antifaschismus. Am 19. M\u00e4rz veranstaltete die KPF in Berlin die 5. Tagung ihrer 5. Tagung der 12. Bundeskonferenz, in deren Mittelpunkt die Festlegung der \"n\u00e4ch12. Bundessten Aufgaben der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS\" konferenz stand. Im dazu ergangenen Beschluss hei\u00dft es: \"Im Rahmen der Diskussion \u00fcber die programmatischen Eckpunkte einer zuk\u00fcnftigen Linkspartei formulieren wir gemeinsam mit Genossinnen und Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","158 Linksextremismus Genossen des Marxistischen Forums und des Geraer Dialogs unverzichtbare Positionen zu den Schwerpunkten: sozialistisches Ziel und Umgang mit dem Sozialismus des vergangenen Jahrhunderts, friedenspolitische Grunds\u00e4tze, Verh\u00e4ltnis von Opposition und Regierungsbeteiligung.\" Verankerung in der Weiter unterstreicht die KPF in demselben Beschluss ihre feste VerankeLinkspartei.PDS rung in der Linkspartei.PDS. Hintergrund ist die Bef\u00fcrchtung der KPF, in der k\u00fcnftigen Partei in ihrer Position geschw\u00e4cht oder sogar ausgegrenzt zu werden. \"Wir analysieren besonders aufmerksam die strukturellen Entwicklungen im Rahmen des Fusionsprozesses und die sich in diesem Zusammenhang abzeichnenden statutarischen Konsequenzen. Wir werden, wie schon in den vergangenen Jahren, keinem Druck nachgeben, der darauf gerichtet ist, die marxistisch orientierten Gliederungen in der PDS in welcher Form auch immer einzuschr\u00e4nken. Wir beteiligen uns mit anderen an der Verteidigung und Ausweitung der demokratischen Mitgliederrechte in unserer Partei. Vielmehr intensivieren wir unsere Zusammenarbeit mit dem Marxistischen Forum, dem Geraer Dialog und anderen marxistisch orientierten Kr\u00e4ften innerhalb und au\u00dferhalb der Partei, insbesondere mit der DKP.\" In einem anderen Beschluss wird bekr\u00e4ftigt, gegen die von der Linkspartei.PDS und der WASG vorgestellten \"Programmatischen Eckpunkte\" Einw\u00e4nde in Form eines eigenen \"Diskussionspapiers zur Debatte \u00fcber die Programmatischen Eckpunkte\" geltend und gleichzeitig zur Richtschnur in der begonnenen Programmdebatte zu machen. Beanstandet wird darin, das Sozialismusbild der \"Eckpunkte\" sei verschwommen, die Kritik am bestehenden Kapitalismus besch\u00f6nigend und das pazifistische Profil der Partei untergraben. Eine Regierungsbeteiligung der Linkspartei.PDS auf Bundesebene sei nach wie vor abzulehnen, da auf diesem Wege der neoliberalen Offensive Vorschub geleistet w\u00fcrde. 13. BundesAuf der 1. Tagung der 13. Bundeskonferenz der KPF am 1. Oktober in konferenz Berlin beschlossen die Delegierten ihre k\u00fcnftigen Aufgabenschwerpunkte im Hinblick auf den n\u00e4chsten Bundesparteitag der Linkspartei.PDS im M\u00e4rz 2007. Im Mittelpunkt der aktiven Arbeit stehen danach das Statut der neuen Linkspartei, die Mitwirkung in der Programmdiskussion sowie der verst\u00e4rkte Kampf gegen Antikommunismus. Die Solidarit\u00e4t mit dem sozialistischen Kuba soll vertieft und die aktive Arbeit in antifaschistischen B\u00fcndnissen fortgef\u00fchrt werden. In Bayern ist die KPF nicht aktiv. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 159 2.1.3.2 Marxistisches Forum (MF) Am 6. Juni 1995 konstituierte sich in Berlin das orthodox-kommunistisch ausgerichtete MF. Es will die soziale, \u00f6konomische und politische Situation mit den Mitteln des Marxismus analysieren, die marxistische Theorie weiterentwickeln und zur theoretischen Fundierung Weiterentwickder Politik der Linkspartei.PDS beitragen. Dazu geh\u00f6re neben der lung der marxismarxistischen Aufarbeitung der Geschichte der DDR und des Soziatischen Theorie lismus auch die Untersuchung der Dialektik von systemimmanenten und system\u00fcberwindenden Reformen. Au\u00dferdem solle auf die notwendige Verst\u00e4rkung des antimilitaristischen Kampfs aufmerksam gemacht werden. Dem Zusammenschluss innerhalb der Linkspartei.PDS geh\u00f6ren rund 60 Personen an, darunter Parteimitglieder sowie Personen des Staatsapparats, des Kulturund Wirtschaftsbereichs der ehemaligen DDR. Das Forum \u00fcbt Einfluss in der Partei u.a. \u00fcber die Mitgliedschaft in verschiedenen Parteigremien aus. 2.1.4 Jugendverband ['solid] Am 19. Juni 1999 wurde in Hannover der Jugendverband ['solid] - die sozialistische Jugend gegr\u00fcndet. Der Name steht f\u00fcr \"sozialistisch, links und demokratisch\". Ziel des Jugendverbands ist es nach der im \"Die Linke.PDS-Pressedienst\" Nummer 25 vom 25. Juni 1999 abgedruckten Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung, in organisierter Form der \"rechten Hegemonie in Gr\u00fcndungsder Gesellschaft\" entgegenzutreten. Man wolle keine \"Kampfreserve\" erkl\u00e4rung der Linkspartei.PDS werden, sondern strebe \"eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auch mit den regionalen und lokalen Jugendstrukturen in und bei der PDS\" an; ['solid] sei nicht die Jugendorganisation der Linkspartei.PDS. Anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 8. Parteitags vom 12. bis 13. Oktober 2002 in Gera erkl\u00e4rte der Parteivorstand der Linkspartei.PDS in seinem T\u00e4tigkeitsbericht: \"Der Parteivorstand erkannte per Beschluss ['solid] als den PDS-nahen bundesweiten Jugendverband an und unterst\u00fctzte ihn materiell und ideell.\" Organ der Jugendorganisation ist \"Die Ware\"; das Magazin erscheint viertelj\u00e4hrlich. Dem Jugendverband ['solid] geh\u00f6ren in 14 Landesverb\u00e4nden zwischenzeitlich etwa 1.500 Mitglieder (davon rund 100 in Bayern) an. Er verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber einen Landesverband mit OrtsOrganisationsgruppen in M\u00fcnchen, Passau, Regensburg, N\u00fcrnberg, Bayreuth, Ingolstrukturen stadt, Aschaffenburg, Coburg, Wei\u00dfenburg, W\u00fcrzburg und Bamberg. In Erlangen wurde eine Ortsgruppe und in Cham eine Regionalgruppe Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","160 Linksextremismus neu gegr\u00fcndet. Als Organ der bayerischen Jugendorganisation erscheint der Landesmitgliederrundbrief \"['ROTFRONT!]\". BundesdelegierAuf der 7. Bundesdelegiertenkonferenz des Jugendverbands ['solid] vom tenkonferenz 12. bis 14. Mai in Potsdam w\u00e4hlten die Delegierten einen neuen Bundessprecherrat, dem sowohl ein Vertreter der marxistisch-leninistisch beeinflussten Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS (KPF) als auch erstmals ein Mitglied der nicht extremistischen Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) angeh\u00f6ren. Der Vorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar Bisky sicherte als Gastredner dem Verband die Unterst\u00fctzung seiner Partei zu. Neben den Wahlen diskutierten die rund 100 Delegierten \u00fcber die weiteren inhaltlichen Schwerpunkte und Aktionen des Jugendverbands im kommenden Jahr. Im Leitantrag \"Mitmachen, die Linke stark machen, den Kapitalismus kaputtmachen!\" bekr\u00e4ftigte der Jugendverband seinen Gestaltungsanspruch im Parteineubildungsprozess. Die neue Linke m\u00fcsse mit einem popul\u00e4ren Antikapitalismus einer gesellschaftlichen Gegenbewegung zum Neoliberalismus den Boden ebnen. Das gewachsene Konzept des parteinahen Jugendverbands soll pr\u00e4zisiert, weiterentwickelt und mit Hilfe von Kampagnen und Projekten f\u00fcr \"weitere junge Engagierte\" ge\u00f6ffnet werden. Hinsichtlich des Verh\u00e4ltnisses von ['solid] zur Linkspartei.PDS wird betont, dass ['solid] ein \"Netzwerkverband\" sowie eine \"nur\" parteinahe Jugendorganisation sei. Ein hoher Freiheitsgrad gegen\u00fcber der Partei und das Recht auf Selbstorganisation seien Ausdruck eines innoCharakter der vativen linken Organisationsverst\u00e4ndnisses. Zum Charakter der k\u00fcnfk\u00fcnftigen tigen Aktivit\u00e4ten des Verbands, u. a. im Zusammenhang mit der \"selbstAktivit\u00e4ten ernannten Weltregierung G8\", hei\u00dft es: \"Unser Agieren sollte vermehrt im offenen zivilen Ungehorsam ufern. Revoltieren gegen menschenverachtende Verh\u00e4ltnisse und die Aneignung dessen, was uns allein zusteht, sind, ob symbolisch oder praktisch, Ziele eines solchen Aktionismus. Ob nun das Blockieren von Veranstaltungen, das St\u00f6ren von \u00f6ffentlichen Zelebrierungen von Nationalismus und Militarismus oder das Auftauchen mit unseren Botschaften an Orten, wo mensch dies nicht w\u00fcnscht - vieles ist m\u00f6glich und unserer Kreativit\u00e4t sind nur wenige Grenzen gesetzt. Das \u00dcberschreiten von Grenzen sorgt nicht nur f\u00fcr eine st\u00e4rkere \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit, sie ist vor allem Ausdruck unseres Willens, dieses System ... zu \u00fcberwinden.\" Neuformierung In einem am 15. August ver\u00f6ffentlichten Thesenpapier zur \"Neuformierung einer pluralen Jugendorganisation der Linken\" sprach sich ['solid] erneut f\u00fcr einen \"Netzwerkund Beteiligungsverband\" aus, der den Gruppen vor Ort eine hohe Autonomie lasse und einen \"breiten Einstiegskorridor in die Neue Linke\" biete. Die \"politische Eigenverantwortlichkeit des Verbands\" d\u00fcrfe von der Partei nicht in Frage gestellt Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 161 werden; gleichzeitig m\u00fcsse aber die \"Interaktion zwischen Partei und Jugendverband strukturell gesichert sein\". Am 9. Dezember rief der Vorstand der Linkspartei.PDS alle Mitglieder unter 35 Jahren dazu auf, sich an Landesversammlungen zu beteiligen, damit ein neuer gemeinsamer Jugendverband der Partei \"DIE LINKE\" im Mai 2007 gegr\u00fcndet werden kann. Ebenfalls am 9. Dezember fand in Cham die LandesmitgliederversammLandesmitgliederlung von ['solid] Bayern statt. Bei den rund 25 Teilnehmern standen der versammlung Status und die zuk\u00fcnftige Form von ['solid] in der neuen Partei genauso zur Debatte wie die Aktionen in den Ortsgruppen oder die des Landesverbands. Die Mitglieder waren \u00fcberzeugt, dass eine Fusion mit der WASG-Jugendorganisation ein \"\u00fcberaus produktives und gutes Ergebnis\" nach sich ziehen werde. Agitationsthema von ['solid] Bayern war - wie auch im Vorjahr - die BilAgitationsdungsund Besch\u00e4ftigungspolitik in Bund und L\u00e4ndern. So riefen Aktischwerpunkte visten der neuen Ortsgruppe Erlangen unter dem Motto \"Es reicht! Kapitalismus abschaffen! Perspektiven schaffen!\" zu einer Demonstration am 7. Oktober gegen \"die Ausbildungsplatzmisere, Studiengeb\u00fchren, B\u00fcchergeld und Bildungsklau\" auf. Der Antifaschismus stellte das zweite Hauptagitationsund Aktionsthema des Landesverbands dar. In N\u00fcrnberg beteiligte sich ['solid] am 14. Oktober an einer Demonstration unter dem Leitspruch \"We can do it!\" gegen einen gleichzeitig stattfindenden Aufmarsch von Neonazis. ['solid]-Aktivisten aus Bund und Land hatten zuvor zur Gegendemonstration aufgerufen. 2.1.5 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern und ihre Organisationseinheiten Die in Bayern seit dem 11. September 1990 bestehende Linkspartei.PDS Organisation setzt sich aus dem Landesverband, 21 Kreisverb\u00e4nden und 28 Basisin Bayern organisationen zusammen. Neu errichtet - zum Teil auch durch Umstrukturierung bestehender Basisorganisationen - wurden die Kreisverb\u00e4nde Bayerwald, Cham, Coburg, Erlangen-H\u00f6chstadt, Freising, Oberland, Rosenheim, Schweinfurt und Traunstein. Beim Kreisverband M\u00fcnchen bildete sich ein \"Arbeitskreis Trennung Kirche und Staat\". Der Sitz des Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. F\u00fcr einige \u00f6rtliche Strukturen bestehen Kontaktund Anlaufadressen. In Bayern erh\u00f6hte sich die Zahl der Linkspartei.PDS-Mitglieder von rund 500 auf etwa 600 beitragspflichtige Personen. Dies ist sowohl auf die Erfolge Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","162 Linksextremismus bei der Bundestagswahl 2005 als auch auf die M\u00f6glichkeit von Doppelmitgliedschaften in der Linkspartei.PDS und der WASG zur\u00fcckzuf\u00fchren. Politischer In Passau, Ingolstadt und Freising hielt die Linkspartei.PDS Bayern am Aschermittwoch 1. M\u00e4rz die traditionellen Aschermittwochstreffen ab. In Passau sprachen der Vorsitzende der Linkspartei.PDS-Bundestagsfraktion Dr. Gregor Gysi sowie sein Fraktionskollege und Bundesvorsitzender der nicht extremistischen WASG Klaus Ernst zu den rund 500 Besuchern. In Freising traten die Bundestagsabgeordnete der bayerischen Linkspartei.PDS Kornelia M\u00f6ller sowie des Sprechers des Landesverbands Bayern der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und Mitglied der Linkspartei.PDS Dr. Guido Hoyer vor ann\u00e4hernd 25 Zuh\u00f6rern als Redner auf. In Ingolstadt referierte die Linkspartei.PDS-Bundestagsabgeordnete Dr. Gesine L\u00f6tzsch vor etwa 50 Personen. Der Landesverband berief insgesamt drei Landesparteitage ein. Auf dem Parteitag am 28. und 29. Januar in Regensburg w\u00e4hlten die Delegierten einen neuen Landesvorstand. Dabei wurde die Linkspartei.PDS-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter als Landessprecherin erneut best\u00e4tigt. Josef Obermeier \u00fcbernahm das Amt des nicht mehr zur Wahl angetretenen Landessprechers Reinhold R\u00fcckert. Die stellvertretende Linkspartei.PDS-Bundesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Katja Kipping berichtete \u00fcber das 100-Tage-Programm der Linkspartei.PDS-Bundestagsfraktion und den Stand des Fusionsprozesses mit der WASG. Die Versammlung bekr\u00e4ftigte den Wunsch und die Notwendigkeit zum Zusammengehen der Linken in Bayern. Nach Ansicht der Landessprecherin m\u00fcsse im laufenden Fusionsprozess auch ein klares bayerisches Profil erkennbar sein. Der Landesparteitag am 1. Juli in Bamberg unter dem Motto \"Von Arbeit Landesparteitag muss man leben k\u00f6nnen - darum Mindestlohn jetzt!\" stand im Zeichen in Bamberg der von der Bundespartei gestarteten Kampagne zur Einf\u00fchrung eines gesetzlichen Mindestlohns. Die Landessprecherin und Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter konnte zu diesem Themenkomplex als Gastredner den stellvertretenden Landesbezirksvorsitzenden der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gastst\u00e4tten (NGG) begr\u00fc\u00dfen. Im Hinblick auf den Parteineubildungsprozess fassten die Delegierten den Beschluss, der Landesvorstand habe an den Bundesvorstand zu appellieren, dass Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 163 die \"basisdemokratischen Strukturen\" der Linkspartei.PDS in Bayern - bestehend aus Landesverband, Kreisverb\u00e4nden, Basisorganisationen, Arbeitsgemeinschaften, Interessensgruppen und Plattformen - auch in der \"Nachfolgepartei\" fortzuf\u00fchren seien. Dies m\u00fcsse auch in einem neuen Statut der beiden Parteien so ber\u00fccksichtigt werden. Auf diese Weise k\u00f6nne die neue Partei auf das bisherige Organisationsger\u00fcst der Linkspartei.PDS zur\u00fcckgreifen und eine \"lebendige, basisdemokratische Entwicklung\" garantieren. Auf der Landesmitgliederversammlung am 4. November in Augsburg Landesmitgliederdiskutierten etwa 50 Mitglieder den Entwurf der Gr\u00fcndungsdokumente versammlung in von Linkspartei.PDS und WASG. Sie erkl\u00e4rten, die Parteienfusion auf Augsburg Landesebene mit dem Aufbau einer bayerischen Landesund Kreisstruktur der neuen Partei zu unterst\u00fctzen. Au\u00dferdem solle bis zur Parteigr\u00fcndung im Juni 2007 ein kommissarischer Parteivorstand einberufen werden, der die Parteibildung in Bayern unmittelbar nach der bundesweiten Neugr\u00fcndung umsetzen soll. 2.1.6 Teilnahme an Wahlen Die Linkspartei.PDS wurde bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Landtagswahlen 26. M\u00e4rz mit einem Zweitstimmenanteil von 24,1 % erneut zweitst\u00e4rkste politische Kraft im Land und erzielte gegen\u00fcber 2002 einen Zuwachs von 3,7 Prozentpunkten. Bei den zeitgleich durchgef\u00fchrten Landtagswahlen in Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz kandidierte die Linkspartei.PDS nicht eigenst\u00e4ndig, sondern trat mit einigen Kandidaten auf den Listen der WASG an. Die WASG scheiterte gleichwohl in beiden L\u00e4ndern an der 5 %-H\u00fcrde. In Mecklenburg-Vorpommern erzielte die Linkspartei.PDS bei der Landtagswahl am 17. September einen Zweitstimmenanteil von 16,8 % und behielt damit ihren Status als drittst\u00e4rkste Fraktion. Bei der ebenfalls am 17. September abgehaltenen Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin fiel sie jedoch auf einen Zweitstimmenanteil von 13,4 % gegen\u00fcber 22,6 % im Jahr 2001 zur\u00fcck. 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus Im Rahmen der so genannten internationalen Solidarit\u00e4t unterh\u00e4lt die Linkspartei.PDS vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen Linksextremisten. Das Parteiprogramm der Linkspartei.PDS nennt dies \"InternationaInternationalismus lismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","164 Linksextremismus Mit der kubanischen Revolution f\u00fchlt sich die Linkspartei.PDS solidarisch eng verbunden, was nicht zuletzt auch in Aufrufen zu Spendenaktionen f\u00fcr das kommunistische Kuba zum Ausdruck kommt. Die Partei Auslandskontakte unterh\u00e4lt zudem ausgepr\u00e4gte Kontakte zu Funktion\u00e4ren im sozialistisch regierten Venezuela. Eine seit jeher ideologisch motivierte internationalistische Solidarit\u00e4t gibt es auch f\u00fcr ausl\u00e4ndische \"Befreiungsbewegungen\", so f\u00fcr die kolumbianische Guerillaorganisation FARC-EP, die Aufnahme in die EU-Liste der terroristischen Vereinigungen gefunden hat. Am 16. August reisten Linkspartei.PDS-Mitglieder des Kreisverbands Augsburg und des Bezirks Schwaben nach Bregenz, um Mitglieder der Kommunistischen Partei \u00d6sterreichs (KP\u00d6) bei ihrer Unterschriftensammlung f\u00fcr die Zulassung der KP\u00d6 an den Nationalratswahlen im September zu unterst\u00fctzen. Zum 71. Pressefest der kommunistischen Zeitschrift \"L'Humanite\" vom 15. bis 17. September in La Courneuve bei Paris reiste auch eine bayerische Linkspartei.PDS-Delegation an. 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten Die Linkspartei.PDS pflegt Kontakte zu fast allen anderen inl\u00e4ndischen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Veranstaltung Am 15. Januar legte der Vorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar in Berlin Bisky gemeinsam mit den beiden Vorsitzenden der Linkspartei.PDS-Bundestagsfraktion Oskar Lafontaine und Dr. Gregor Gysi aus Anlass des 87. Jahrestags der Ermordung der Gr\u00fcnder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, traditionell Kr\u00e4nze am Denkmal der ermordeten Kommunisten in Berlin-Friedrichsfelde nieder. Rund 20.000 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS und revolution\u00e4r-marxistischer Organisationen, beteiligten sich an dem Gedenkmarsch. Unter den Teilnehmern befanden sich au\u00dferdem der ehemalige Staatsratsvorsitzende der DDR und Parteichef der SED Egon Krenz, der Ehrenvorsitzende der Linkspartei.PDS und letzte DDR-Ministerpr\u00e4sident Dr. Hans Modrow sowie der Vorstand der Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) mit ihrem Vorsitzenden Fausto Bertinotti. Aktivit\u00e4ten Anl\u00e4sslich eines Aufzugs von Rechtsextremisten am 1. April in Cham in Bayern beteiligten sich rund 350 Personen des linksextremistischen bzw. linksextremistisch beeinflussten Spektrums an einer Gegendemonstration. Darunter befanden sich Aktivisten der autonomen und antifaschistischen Szene in Regensburg, der Ortsgruppe Regensburg von ['solid], Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 165 der VVN-BdA und der Linkspartei.PDS. Die Landessprecherin der Linkspartei.PDS Landesverband Bayern und Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter sprach zu den Gegendemonstranten. In Augsburg beteiligten sich am 1. Mai bis zu 1.000 Anh\u00e4nger der Linkspartei.PDS, der VVN-BdA, der MLPD und der KPD an Demonstrationen. Ein Aufmarsch von Rechtsextremisten am 14. Oktober in N\u00fcrnberg f\u00fchrte zu einer Gegendemonstration unter dem Motto \"We can do it!\", an der sich Aktivisten der Linkspartei.PDS und von ['solid] beteiligten. Von insgesamt rund 5.000 Gegendemonstranten waren nahezu 800 Teilnehmer dem linksextremistischen Spektrum - darunter etwa 400 Personen der gewaltbereiten autonomen Szene - zuzurechnen. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 4.200 400 Vorsitzender: Heinz Stehr Gr\u00fcndung: 26.09.1968 Sitz: Essen N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen Publikationen: \"Unsere Zeit\" (UZ); \"Rundbrief\" \"Marxistische Bl\u00e4tter\" 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die bis zur Wende von der SED der DDR ideologisch und materiell abh\u00e4ngige DKP best\u00e4tigte ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung und ihre unver\u00e4nderte ideoloUnver\u00e4nderte gische Ausrichtung im neuen Parteiprogramm, das auf der 2. Tagung ideologische des 17. Parteitags am 8. April in Duisburg-Rheinhausen beschlossen Ausrichtung wurde und das seit 1978 geltende Programm abl\u00f6st. Innerparteiliche Konflikte hatten seit 1993 eine Neufassung verhindert. Die DKP versteht sich weiterhin als Partei, die in der Arbeiterklasse jene Bekenntnis zu revolution\u00e4re Kraft sieht, die im B\u00fcndnis mit anderen Teilen der Bev\u00f6lSozialismus und kerung die Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse \"revolution\u00e4r\" ver\u00e4nKlassenkampf dern und den \"Sozialismus\" durchsetzen kann. In der Pr\u00e4ambel des neuen Parteiprogramms hei\u00dft es dazu: \"Die DKP als revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse ist hervorgegangen aus dem Kampf der deutschen Arbeiterbewegung gegen kapitalistische Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung, gegen Militarismus und Krieg. Sie steht in der Tradition der revolution\u00e4ren deutschen Sozialdemokratie und der KommunistiVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","166 Linksextremismus schen Partei Deutschlands. (...) Fundament und politischer Kompass der Politik der DKP sind die von Marx, Engels und Lenin begr\u00fcndeten und von anderen Marxistinnen und Marxisten weitergef\u00fchrten Erkenntnisse des wissenschaftlichen Sozialismus, der materialistischen Dialektik, des historischen Materialismus und der Politischen \u00d6konomie. Die DKP wendet diese Lehren des Marxismus auf die Bedingungen des Klassenkampfes in unserer Zeit an und tr\u00e4gt zu ihrer Weiterentwicklung bei. (...) Ziel der DKP ist der Sozialismus/Kommunismus. Unter der Voraussetzung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und der gesamtgesellschaftlichen Planung der Produktion kann in einem l\u00e4ngeren historischen Prozess eine Ordnung menschlichen Zusammenlebens entstehen, 'worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung f\u00fcr die freie Entwicklung aller ist'.(K. Marx / F. Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, 1848) F\u00fcr dieses Ziel die Arbeiterklasse und die Mehrheit der anderen Werkt\u00e4tigen zu gewinnen - darum geht es der DKP.\" Idealisiertes Bild Ferner wird ein idealisiertes Bild des \"realen Sozialismus\" gezeichnet des \"realen Soziaund dessen diktatorischer Charakter einschlie\u00dflich der systemimmanenlismus\" ten Verbrechen ausgeblendet: \"Das Ziel der Deutschen Kommunistischen Partei, der Sozialismus, ist die grundlegende Alternative zum Kapitalismus. (...) Der \u00dcbergang zum Kommunismus wird in einem langen geschichtlichen Prozess durch den Aufbau des Sozialismus vorbereitet. Die sozialistische Gesellschaftsordnung setzt die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Sie gr\u00fcndet sich auf das gesellschaftliche Eigentum an allen wichtigen Produktionsmitteln, an den Finanzinstituten und Naturressourcen. Sie erm\u00f6glicht damit die planvolle Nutzung und Mehrung des gesellschaftlichen Reichtums zum Wohle der Allgemeinheit ...\" \"Sie (Anmerkung: die Oktoberrevolution 1917 in Russland) gab der Menschheit das Signal zum Aufbruch in eine neue Epoche. Unter ung\u00fcnstigsten Ausgangsbedingungen wurden in der Sowjetunion und sp\u00e4ter in weiteren sozialistischen Staaten gro\u00dfartige Leistungen vollbracht. (...) Die Deutsche Demokratische Republik hat unter F\u00fchrung der SED der Macht des deutschen Imperialismus Grenzen gesetzt.\" Arbeiterklasse als Die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft im Kampf gegen die entscheidende Kraft Macht des Kapitals und zur Erk\u00e4mpfung des Sozialismus. Das Zusammengehen der Klasse mit ganzer Kraft zu unterst\u00fctzen, das Einigende in den Vordergrund zu r\u00fccken, gemeinsame Aktionen zu f\u00f6rdern und zur Entwicklung des Klassenbewusstseins beizutragen bezeichnet die DKP als ihren Grundsatz und ihre Aufgabe. Als Akteure f\u00fcr den sozialistischen Aufbau sieht die DKP aber nicht mehr ausschlie\u00dflich die kommunistische Partei und die Arbeiterklasse, Neue \"soziale sondern die \"gro\u00dfe Vielfalt neuer sozialer Akteure\" und jedes potenAkteure\" zielle Opfer des \"Neoliberalismus\". Zu diesen Kr\u00e4ften z\u00e4hlt die DKP soziale Protestbewegungen, Gewerkschaften, \"Abgeordnete linker ParVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 167 teien und Wahlb\u00fcndnisse\" sowie \"antifaschistische Organisationen und B\u00fcndnisse\". Gleichwohl ist sie bestrebt, in wichtigen VorfeldorganisaEinfluss in Vortionen, wie der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der feldorganisationen Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), ihren ma\u00dfgeblichen Einfluss nicht aufzugeben. Die Agitation der DKP richtete sich vorrangig auf die Themenbereiche Antifaschismus, Anti-Globalisierung, Antimilitarismus sowie \"Demokratieund Sozialabbau\". Aus Anlass des 50. Jahrestags des Parteiverbots der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) durch das Bundesverfassungsgericht f\u00fchrte die DKP am 19. August in Berlin eine Veranstaltung unter dem Motto \"50 Jahre KPD-Verbot - Kommunisten-Verfolgung beenden! Das KPD-Verbot aufheben!\" durch. Die Veranstaltung war Teil einer neu aufgelegten Kampagne, die bereits vor Jahren dazu benutzt wurde, um die Aufhebung des KPD-Verbots und eine Entsch\u00e4digung der vermeintlichen Opfer des \"Kalten Krieges\" voranzutreiben. In Bayern fanden aus diesem Anlass DKP-Veranstaltungen am 6. September in Hassfurt und am 30. September in N\u00fcrnberg statt. 2.2.2 Organisation Die DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie ist in 18 Bezirksorganisationen - 13 in den westlichen Bundesl\u00e4ndern sowie eine in Berlin und vier in ostdeutschen L\u00e4ndern - gegliedert, die Organisationsweiter in 87 Kreisund 280 Grundorganisationen sowie 14 Betriebsstrukturen gruppen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder ist bei fortschreitender \u00dcberalterung auf 4.200 zur\u00fcckgegangen. Dem sich aus 40 Mitgliedern zusammensetzenden Parteivorstand geh\u00f6ren neben dem DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr und den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Dr. Nina Hager und Rolf Priemer auch vier Funktion\u00e4re aus Bayern an. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdbayern), zw\u00f6lf Kreisverb\u00e4nde, eine Betriebsgruppe sowie ein \"BetriebsR\u00fcckgang der aktiv\". Die Mitgliederzahl in Bayern verringerte sich weiter auf rund Mitgliederzahl in 400. Die DKP wird \u00fcberwiegend von Altkommunisten repr\u00e4sentiert. Bayern Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","168 Linksextremismus 2.2.3 Internationale Verbindungen Auf der Grundlage des kommunistischen Internationalismus unterh\u00e4lt Kontakte zu die DKP eine Vielzahl von Kontakten zu kommunistischen Parteien und ausl\u00e4ndischen Bewegungen, insbesondere in Kuba, Venezuela und der Tschechischen kommunistischen Republik. Seit Jahren pflegt die DKP Nordbayern enge Verbindungen Parteien zur Kommunistischen Partei B\u00f6hmens und M\u00e4hrens (KSCM) und zu deren am 12. Oktober vom Innenministerium der Tschechischen Republik verbotenen Jugendorganisation KSM. Seit Januar 2005 ist die DKP in der Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) Mitglied mit Beobachterstatus. 2.2.4 Umfeld der DKP 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.000 700 Vorsitzende: Prof. Dr. Heinrich Fink; Werner Pfennig Gr\u00fcndung: 15.-17.03.1947 Sitz: Berlin (Bundesgesch\u00e4ftsstelle) Publikation: \"antifa\" Die VVN-BdA bleibt die bundesweit gr\u00f6\u00dfte Organisation im linksextremistischen Spektrum des Antifaschismus. Als gleichberechtigte Vorsitzende der VVN-BdA fungieren Prof. Dr. Heinrich Fink aus Berlin und Werner Pfennig aus Stuttgart. Seit August 2003 erscheint die Zeitschrift \"antifa\" in zweimonatigem Rhythmus. In einem in der Tageszeitung \"junge Welt\" (jW) vom 14. Januar ver\u00f6ffentlichten Interview best\u00e4tigte der ehemalige SED-Funktion\u00e4r Prof. Dr. Heinrich Fink, der zu DDR-Zeiten Ordinarius an der theologischen Fakult\u00e4t der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin war, ausdr\u00fccklich die extremistische Ausrichtung seiner Vereinigung. Auf die Zwischenbemerkung des Befragers, seinem Verband werde des \u00d6fteren vorgeworfen, im Kampf gegen den Neofaschismus zu sehr auf den Staat zu vertrauen, antwortete der Bundesvorsitzende der VVN-BdA: \"Den Vorwurf, wir seien in welcher Art und Weise auch immer staatstragend, m\u00f6chte ich deutlich zur\u00fcckweisen. Das Gegenteil ist der Fall.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 169 Als Grund f\u00fcr die Abstinenz der VVN-BdA von militanten Formen des antifaschistischen Kampfs nannte er in dem Gespr\u00e4ch das Alter der Mitglieder der VVN-BdA, wobei das Gros der Mitglieder eben nicht aus Verbindungen zu Jugendlichen bestehe. Den autonomen Antifaschisten versicherte er autonomen Antischlie\u00dflich, \"auf ihrer Seite zu stehen und jederzeit zu einer Zusamfaschisten menarbeit mit ihnen bereit zu sein\". Im Landesverband Bayern der VVN-BdA ist auf Landeswie auf Kreisebene der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, ma\u00dfgeblich. Die Landesvereinigung unterst\u00fctzte auch weiterhin aus dem linksextremistischen Spektrum initiierte Aktionen. Schwerpunkte der Agitation der VVN-BdA Bayern waren der als Neofaschismus bezeichnete Rechtsextremismus, Antisemitismus, Rassismus und Sozialabbau. In Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, beteiligten sich Linksextremisten an Protesten gegen die traditionelle, allj\u00e4hrlich stattfindende so genannte Brendten-Feier des \"Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.\". Die Gegendemonstrationen fanden vom 26. bis 28. Mai unter dem Motto \"Endlich Schluss mit dem Gebirgsj\u00e4gertreffen in Mittenwald\" statt. Hauptinitiatoren dieser Veranstaltungen waren der \"Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege\", hinter dem ma\u00dfgeblich die VVN-BdA steht, und die VVN-BdA selbst. Sowohl die AuftaktveranProtestveranstalstaltungen am 26. Mai in Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen tungen in Bayern mit bis zu 50 Teilnehmern als auch die zentrale Demonstration am 27. Mai in und um Mittenwald, an der sich nahezu 300 Personen des linksextremistischen Spektrums beteiligten, verliefen weitgehend st\u00f6rungsfrei. Bei den Protestveranstaltungen wurden Transparente mit Aufschriften wie \"Kein Ja und Amen zu Kriegsverbrechen\", \"Mittenwald: Die Welt zu Gast bei Kriegsverbrechern\", \"Kein Kriegseinsatz der Bundeswehr\" sowie Fahnen der linksextremistischen DKP, der VVN-BdA und der Antifaschisten gezeigt. Am 28. Mai versuchten Demonstrationsteilnehmer, den Gedenkplatz auf dem \"Hohen Brendten\" zu erreichen, um den dort stattfindenden Gedenkgottesdienst des \"Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.\" zu st\u00f6ren. Die Polizei erteilte 147 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum Platzverweise und nahm drei Personen fest. Der Landesverband Bayern der VVN-BdA veranstaltete am 8. und 9. Juli seine 30. Ordentliche Landesdelegiertenkonferenz in Ingolstadt. Die LandesdelegiertenDelegierten forderten eine Wiederaufnahme des NPD-Verbotsverfahkonferenz rens und beschlossen einstimmig eine Erkl\u00e4rung, in der die Notwendigkeit \"antifaschistischer B\u00fcndnisse\" betont wird. Die Konferenz berief Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","170 Linksextremismus au\u00dferdem vier Landessprecher, darunter das Linkspartei.PDS-Mitglied im Stadtrat Freising, Dr. Guido Hoyer. 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 100 Vorsitzender: Kollektiver Bundesvorstand mit 29 Personen Gr\u00fcndung: 04./05.05.1968 Sitz: Essen Publikationen: \"POSITION\" \"KONTRA!\" Die mit der DKP eng verbundene SDAJ versteht sich als eigenst\u00e4ndige Organisation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Studentinnen und Studenten, Auszubildenden und jungen Arbeitenden, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Die SDAJ k\u00e4mpft nach eigener Darstellung f\u00fcr eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus, f\u00fcr eine Welt, in der die Menschen und nicht die Konzerne das Sagen haben. Als ihre Alternative, f\u00fcr die sie sich im Kampf einsetzt, benennt die SDAJ den Sozialismus. Dieser k\u00f6nne nur durch einen Bruch mit dem kapitalistischen System erreicht werden, nicht allein durch Verbesserung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse. Deshalb sei sie eine antikapitalistische und revolution\u00e4re Organisation. AgitationsSchwerpunkte der Agitation der SDAJ sind die Forderung nach Verschwerpunkte besserung der Bildungsund Arbeitspolitik f\u00fcr die Jugend, die Bek\u00e4mpfung des \"Faschismus\" sowie der Widerstand gegen den Militarismus in der Bundesrepublik Deutschland und der Europ\u00e4ischen Union. Die Jugendorganisation greift \u00f6ffentlichkeitswirksame Themen auf und nutzt diese gezielt f\u00fcr die eigene Propaganda. So beteiligte sich die SDAJ im Februar an Aktionen gegen die 42. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik. Anl\u00e4sslich der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft f\u00fchrte die SDAJ als Verantwortliche eines Aktionsb\u00fcndnisses im Juni einen Aufzug mit Kundgebung in M\u00fcnchen durch, woran etwa 250 Personen - darunter rund 100 Linksextremisten aus dem Umfeld der SDAJ und der autonomen Szene - teilnahmen. W\u00e4hrend des Papstbesuchs in Bayern im September griff die SDAJ die Eskalation im Nah-Ost-Konflikt f\u00fcr ihre eigene Agitation auf. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 171 Die kommunistische Jugendorganisation unterh\u00e4lt Kontakte zu linksextremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen und unterst\u00fctzt zusammen mit anderen kommunistischen Jugendverb\u00e4nden aus Europa und Nordamerika Solidarit\u00e4tsprojekte vor allem auf Kuba. Enge Kontakte pflegt die SDAJ Bayern zur Kommunistischen Partei B\u00f6hmens und M\u00e4hrens (KSCM) in der Tschechischen Republik und zu deren Jugendverband KSM, der am 12. Oktober durch das Innenministerium der Tschechischen Republik verboten wurde. Noch im Juni nahm eine gemeinsame Delegation von DKP und der SDAJ an einem traditionellen Treffen der KSCM in Domazlice teil; im Juli veranstaltete die SDAJ Bayern ihr j\u00e4hrliches Seminar ebenfalls in der Tschechischen Republik. Die SDAJ-Bayern ist Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Jugendzeitung \"KONTRA!\". In M\u00fcnchen verzeichnete die SDAJ einen Mitgliederzuwachs. 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 2.300 100 Vorsitzender: Stefan Engel Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg Publikationen: \"Rote Fahne\" (Zentralorgan); \"REVOLUTION\u00c4RER WEG\" (Theorieorgan); \"REBELL\" (Jugendmagazin); \"Galileo - streitbare Wissenschaft\" (Zeitung der MLPD-Hochschulgruppen) Die MLPD wurde 1982 in Bochum gegr\u00fcndet; sie ging durch Umbenennung aus dem im August 1972 gegr\u00fcndeten Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervor. In der Pr\u00e4ambel des Statuts der MLPD wird festgestellt, dass sich die Partei als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland\" versteht. Ihr grundlegendes Ziel sei \"der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des MonopolExtremistische kapitals und die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau Grundhaltung des Sozialismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\". Weiter wird in der Pr\u00e4ambel betont: \"Die MLPD ist eine Partei neuen Typs. Sie ist im Kampf gegen den Verrat am Sozialismus und die Verf\u00e4lschung des Marxismus-Leninismus durch den Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","172 Linksextremismus modernen Revisionismus entstanden und arbeitet auf der Grundlage der proletarischen Denkweise. (...) Die Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung und ihre lebendige Anwendung auf die konkreten Verh\u00e4ltnisse der fortschreitenden gesellschaftlichen Wirklichkeit bilden die entscheidende Grundlage f\u00fcr einen Aufschwung des Kampfs f\u00fcr den Sozialismus.\" Maoistisch-stalinisDie maoistisch-stalinistisch ausgerichtete MLPD sieht sich selbst als \"Teil tische Ausrichtung der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung, Erbe der revolution\u00e4ren Tradition der KPD, der deutschen Arbeiterklasse und ihrer gro\u00dfen F\u00fchrer Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Th\u00e4lmann\". OrganisationsDie zentralistisch gef\u00fchrte MLPD ist in Betriebszellen, Ortsund Kreisstrukturen gruppen, Bezirke und vereinzelt in Landesverb\u00e4nde gegliedert. Ihre Zentrale und ihren Aktionsschwerpunkt hat sie in Nordrhein-Westfalen. Stefan Engel ist seit der Parteigr\u00fcndung im Jahre 1982 Vorsitzender; er gilt als unumstrittener Vordenker und Idol. Laut eigener Aussage ist die Partei zusammen mit ihrem Jugendverband \"REBELL\" in \u00fcber 450 Orten in allen Bundesl\u00e4ndern Deutschlands vertreten. Die Mehrzahl der Parteimitglieder seien Arbeiter und einfache Angestellte. 80 % der Mitglieder seien in Gewerkschaften organisiert; der Frauenanteil liege bei etwa 38 %. Die MLPD habe Beziehungen zu 470 Parteien und OrganiAuslandskontakte sationen der \"internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung\" in 78 L\u00e4ndern. Am 1. M\u00e4rz rief das Zentralkomitee der MLPD zur Unterst\u00fctzung der terroristisch agierenden Kommunistischen Partei der Philippinen (CPP) und ihres bewaffneten Arms, der Neuen Volksarmee (NPA), auf. Die Partei ist finanziell unabh\u00e4ngig; sie finanziert sich eigenen Angaben zufolge ausschlie\u00dflich durch freiwillige Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4ge. Die Gro\u00dfspende einer Privatperson an die MLPD in einer Gesamth\u00f6he von 2,5 Millionen Euro in den Jahren 2005 und 2006 rief in den Medien ein enormes Echo hervor. Neben der Frauenund Familienarbeit legt die MLPD besonderes AugenNachwuchsmerk auf die Rekrutierung von Nachwuchskadern im Kinderund Juorganisationen gendbereich. Hierzu bedient sie sich der Jugendorganisation \"REBELL\" und deren Kinderorganisation \"ROTF\u00dcCHSE\", die mit altersgerechten Freizeitangeboten locken. Sommercamps mit Freizeitund Bildungsangeboten vermitteln mit jugendnah konzipierten Schulungen eine \"proletarische Denkweise\". Im linksextremistischen Spektrum ist die \"sektenhaft f\u00fchrerzentrierte und autorit\u00e4r beherrschte\" MLPD isoliert. Trotz massiver Bem\u00fchungen, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 173 auf aktuelle politische Entwicklungen mit Kampagnen gegen den Krieg und gegen Sozialabbau ad\u00e4quat zu reagieren, erf\u00e4hrt sie kaum gesellschaftlichen Zuspruch. Erkl\u00e4rte Hauptgegner sind die als revisionistisch bezeichnete DKP und die Linkspartei.PDS. Bei der am 26. M\u00e4rz in Sachsen-Anhalt durchgef\u00fchrten Landtagswahl bekam die MLPD landesweit 4.060 Zweitstimmen, was einem Anteil von 0,4 % entspricht. Seit August 2004 versucht die Partei, steuernden Einfluss auf die Montagsdemonstrationen gegen den Sozialabbau und \"Hartz IV\" zu nehmen. Parteiintern wurden die Gliederungen aufgefordert, so genannte \u00fcberparteiliche B\u00fcndnisse zu initiieren und dort die Meinungsf\u00fchrerschaft zu \u00fcbernehmen. Aus strategischen \u00dcberlegungen leugnete die MLPD \u00f6ffentlich den Versuch der Instrumentalisierung der Montagsdemonstranten. Das allgemeine Interesse an regionalen Demonstrationen gegen \"Hartz IV\", die auch in R\u00fcckgang der Bayern teilweise von der MLPD initiiert und gesteuert wurden, ging Montagsweiter zur\u00fcck. Die MLPD-Strategie, \u00f6rtliche Initiativen zu gr\u00fcnden bzw. demonstrationen diese zu vereinnahmen, hat sich nicht bew\u00e4hrt. 2.4 Linksruck-Netzwerk (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) Deutschland Bayern Mitglieder: 400 10 Gr\u00fcndung: 1993 Sitz: Berlin Publikation: \"Linksruck\" Die bundesweit als Linksruck-Netzwerk auftretende trotzkistische Gruppierung SAG bezeichnet sich in ihren auch im Internet ver\u00f6ffentlichten \"Politischen Grunds\u00e4tzen\" selbst als \"Str\u00f6mung der revolution\u00e4ren Sozialisten\". Die Abschaffung des Kapitalismus und die Einf\u00fchrung einer R\u00e4tedemokratie sieht das Netzwerk als Voraussetzung f\u00fcr eine \"endg\u00fcltige Beseitigung jeder Unterdr\u00fcckung\". Der freien Marktwirtschaft, die sich als unf\u00e4hig erwiesen habe, stellt das Netzwerk in seinen Leits\u00e4tzen eine auf die Bed\u00fcrfnisse der Menschen abgestimmte \"demokratische Planung der Wirtschaft\" entgegen. In seiner Publikation Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","174 Linksextremismus Ideologische \"Linksruck - Zeitung f\u00fcr internationalen Sozialismus\" betont das NetzAusrichtung werk unter der Rubrik \"Linksruck - Wer wir sind\": \"Wir glauben, dass der Kapitalismus nicht verbessert werden kann, sondern durch eine sozialistische Revolution gest\u00fcrzt werden muss. (...) Linksruck will alle Menschen zusammenbringen, die denken, dass die Welt grunds\u00e4tzlich ver\u00e4ndert werden muss.\" Organe des Bundesweite Organe des Netzwerks sind die j\u00e4hrlich stattfindende MitNetzwerks gliederversammlung, die dort gew\u00e4hlte Bundesleitung sowie die in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durchgef\u00fchrte Delegiertenkonferenz \"Organisationsrat\". Stadtgruppen w\u00e4hlen auf ihren Mitgliederversammlungen die jeweiligen Gruppenleiter. Das Netzwerk organisierte die \"Rosa-Luxemburg-Tage 2006\" als bundesweite Konferenz unter dem Motto \"Marx is muss - F\u00fcr die neue Linke\", die vom 25. bis 28. Mai in Berlin stattfand. Der Schwerpunkt des in Bayern nur wenige Personen umfassenden Linksruck-Netzwerks befindet sich in M\u00fcnchen. Die Gruppierung betrieb dort einige Informationsst\u00e4nde zur Darstellung Aktivit\u00e4ten ihrer Politik. Weitere Themenschwerpunkte waren der Sozialabbau bzw. in Bayern der Kampf gegen \"Hartz IV\". 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus Im M\u00e4rz 2003 gr\u00fcndete sich als Nachfolgeorganisation des M\u00fcnchner B\u00fcndnisses gegen Rassismus das linksextremistisch beeinflusste B\u00fcndnis Umbenennung M\u00fcnchen gegen Krieg. Am 14. Juni 2005 benannte sich dieses B\u00fcndnis in M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus um. Darin sind sowohl demokratische als auch linksextremistische Gruppierungen wie die LinksB\u00fcndnisbeteiligte partei.PDS, die DKP, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Revolution\u00e4r Sozialistische Bund (RSB) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) vertreten. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger oder Unterst\u00fctzer einer Vielzahl von Aktivit\u00e4ten wie Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und Informationsveranstaltungen, insbesondere zum Thema \"Krieg\". Mit weiteren Gruppierungen, beispielsweise dem M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis, schloss sich bereits die Vorg\u00e4ngerorganisation zum Aktionsb\u00fcndnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz zusammen. Dieses Aktionsb\u00fcndnis, das vom M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus dominiert wird, mobilisierte gegen die 42. Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik, an der vom 3. bis 5. Februar in M\u00fcnchen hochrangige RegieVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 175 rungsund Milit\u00e4rvertreter sowie R\u00fcstungsexperten - \u00fcberwiegend aus den NATO-Staaten - teilnahmen. An den Protestaktionen gegen diese Proteste gegen Konferenz beteiligten sich neben Demonstranten aus dem demokradie 42. M\u00fcnchner tischen Spektrum auch zahlreiche Linksextremisten. Die Zahl der GegenKonferenz f\u00fcr demonstranten blieb hinter den Erwartungen der im Aktionsb\u00fcndnis Sicherheitspolitik gegen die NATO-Sicherheitskonferenz vereinten Gruppierungen zur\u00fcck; damit setzte sich der Trend r\u00fcckl\u00e4ufiger Teilnehmerzahlen der vergangenen Jahre fort. Am 3. Februar nahmen 500 Personen an einer Veranstaltung des Aktionsb\u00fcndnisses teil. Die \u00fcberwiegend jugendlichen Teilnehmer interessierten sich insbesondere f\u00fcr das musikalische Programm. W\u00e4hrend der Veranstaltung weigerte sich der linksextremistische Versammlungsleiter und ma\u00dfgebliche Aktivist des Aktionsb\u00fcndnisses Claus Schreer, Plakate mit der Aufschrift \"Rumsfeld Massenm\u00f6rder\" zu entfernen. Am 4. Februar beteiligten sich etwa 50 Linksextremisten aus dem autonomen Spektrum an einer \"Warm up-Demo\". H\u00f6hepunkt der Proteste war am selben Tag ein Aufzug unter dem Motto \"Antifaschistische, antirassistische und antimilitaristische Proteste gegen die NATO-Kriegskonferenz, die sog. Sicherheitskonferenz\" mit rund 1.700 Demonstranten, die sich fast ausschlie\u00dflich aus dem linksextremistischen Spektrum rekrutierten und unter denen sich etwa 500 GewaltAktionseinheit mit bereite befanden. Im Verlauf der Veranstaltung wurde umfangreiches gewaltbereiten linksextremistisches Propagandamaterial verteilt. Der Linksextremist Autonomen Claus Schreer skandierte im Demonstrationsgeschehen die Parole \"Rumsfeld Massenm\u00f6rder\" und zeigte ein Plakat mit entsprechender Aufschrift. Beim Versuch, Plakate mit der Aufschrift \"Rumsfeld Massenm\u00f6rder\" sicherzustellen, erlitten drei Polizisten leichte Verletzungen. Ein 16-j\u00e4hriger Kundgebungsteilnehmer, der eine Holzstange auf einen Polizisten warf, wurde festgenommen. Als Reaktion auf den Polizeieinsatz meldeten zwei Linksextremisten, darunter Claus Schreer, einen \"Aufzug gegen Polizeiwillk\u00fcr\" f\u00fcr den 5. Februar an, an dem sich etwa 60 Personen beteiligten. Claus Schreer zeigte erneut ein Plakat mit der Aufschrift \"Rumsfeld Massenm\u00f6rder\". Im Laufe der Protesttage erfolgten insgesamt 95 freiheitsentziehende bzw. freiheitsbeschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen - darunter 44 Festnahmen - Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","176 Linksextremismus durch die Polizei. Hintergrund waren \u00fcberwiegend Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz, aber auch Beleidigungen und Widerstandshandlungen. Im Juli und August forderte das M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus mit Unterst\u00fctzung der DKP, der SDAJ und libanesischer bzw. pal\u00e4stinensischer Gruppen in Deutschland ein Ende der \"Aggression Israels\" und verharmloste die islamistische Hizb Allah (Partei Gottes). 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Die teils bundesweit, teils regional t\u00e4tigen sonstigen linksextremistischen Parteien, Organisationen und B\u00fcndnisse entfalteten in Bayern kaum Marxistische Au\u00dfenwirkung. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Marxistische Gruppe (MG), Gruppe die trotz ihres bislang nicht widerrufenen Aufl\u00f6sungsbeschlusses vom Mai 1991 bundesweit mit rund 10.000 Anh\u00e4ngern fortbesteht. Sie verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber etwa 4.200 Anh\u00e4nger, von denen nahezu 700 aktiv sind. \u00d6ffentlich trat die MG nur bei regelm\u00e4\u00dfigen \"GEGENSTANDPUNKT\"-Diskussionsveranstaltungen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Regensburg in Erscheinung; die Bezeichnung dieser Veranstaltungen geht auf die seit 1992 von f\u00fchrenden MG-Funktion\u00e4ren herausgegebene Zeitschrift \"GEGENSTANDPUNKT\" zur\u00fcck. Die an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t in Erlangen aktive Sozialistische Gruppe ist ebenfalls der MG zuzurechnen. AB Der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) beteiligte sich in Bayern vor allem an Demonstrationen und Diskussionsveranstaltungen anderer Organisationen. Am 5. September arrangierte der AB in M\u00fcnchen eine Vortragsveranstaltung \u00fcber die Aktion \"Das Begr\u00e4bnis oder die HIMMLISCHEN VIER\" in Berlin. Hierbei handelt sich um eine zeitgeschichtliche Vorf\u00fchrung gegen den Krieg, die Bertold Brechts \"Legende vom toten Soldaten\" aufgreift und sich gleichzeitig gegen die Kampagne \"Du bist Deutschland\" wendet. Au\u00dferdem f\u00fchrte der AB eine Mahnwache zum 26. Jahrestag des \"faschistischen Oktoberfestanschlags\" durch. FAU-IAA Die \"Freie Arbeiterinnenund Arbeiter Union - Internationale Assoziation\" (FAU-IAA) ist eine bundesweit aktive linksextremistische Gruppierung mit etwa 250 Anh\u00e4ngern, die anarchistische Ziele verfolgt und die Bundesrepublik Deutschland als Staat \"zerschlagen\" will. Sie versteht sich selbst als anarchistische Organisation mit gewerkschaftlichem Anspruch und strebt als sozialrevolution\u00e4re Bewegung eine \"herrschaftsVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 177 freie, auf Selbstverwaltung gegr\u00fcndete Gesellschaft\" an. Dabei setzen die Anh\u00e4nger der FAU-IAA auf Formen der \"direkten Aktion\" (z.B. Besetzungen, Boykotts, Streiks und Sabotage). In Bayern gibt es Ortsgruppen in M\u00fcnchen und Dachau. Weitere linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen, die dem Bereich \"Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten\" zuzurechnen sind, werden in Nummer 4 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. 3. Gewaltorientierte Linksextremisten 3.1 Autonome Gruppen Deutschland Bayern Angeh\u00f6rige: 5.500 500 erstmaliges Auftreten: Ende der 70er Jahre Struktur: meist themenbezogene Gruppen, die \u00fcberwiegend lokalen Charakter aufweisen Publikationen: Szene-Bl\u00e4tter wie \"INTERIM\" (Berlin); auf regionaler Ebene u. a. \"barricada\" (N\u00fcrnberg) 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen Gewaltbereite Autonome stellen nach wie vor eine Bedrohung f\u00fcr die Innere Sicherheit in Deutschland dar. Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept, sie folgen vielmehr anarchistischen und anarcho-kommunistischen Vorstellungen. Die einzelnen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Einig sind sich die Autonomen in ihrem Ziel der gewaltsamen Zerschlagung des Staates und seiner Einrichtungen sowie der Errichtung einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\". Anstreben einer Um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen, nutzen sie aktuelle politische Fragen \"herrschaftsfreien f\u00fcr ihre Zwecke. Durch geschickte Agitation versuchen sie, auch demoGesellschaft\" kratische Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren. Das provozierende Auftreten der Autonomen in der \u00d6ffentlichkeit, ihre staatsfeindliche Haltung, die Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte, aber auch das Bejahen von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Forderungen und Ziele kommen der Protesthaltung mancher junger Menschen entgegen, vor allem, wenn diese mit Problemen im Elternhaus, in der Schule oder der Ausbildung konfrontiert sind. Die Autonomen unterscheiden sich soziologisch kaum von anderen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie sind in der Regel Sch\u00fcler, Studenten oder Auszubildende. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","178 Linksextremismus Autonome machen den Ablauf ihrer Aktionen prim\u00e4r von der Einsch\u00e4tzung der Durchsetzbarkeit und ihrem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis gegen\u00fcber der Polizei abh\u00e4ngig. Rechtsextremistischen Versammlungen begegnen sie nach wie vor mit einer hohen Aggressivit\u00e4t und Gewaltbereitschaft. Autonome f\u00fchren dabei meist keine eigenen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen durch, sondern mischen sich stattdessen unter die Teilnehmer ande\"Schwarze Bl\u00f6cke\" rer Gegenveranstaltungen. Die Formierung von so genannten Schwarzen Bl\u00f6cken bei Demonstrationen als Symbol f\u00fcr militanten Antifaschismus ist nur noch vereinzelt festzustellen. Die zeitweilige Differenzierung zwischen \"Gewalt gegen Personen\" und \"Gewalt gegen Sachen\" wird zunehmend aufgegeben. K\u00f6rperverletzungsdelikte von Linksextremisten gegen \"Rechte\" oder vermeintlich Unverminderte \"Rechte\" machen deutlich, dass Autonome Gewaltanwendung gegen Gewaltbereitschaft politische Gegner als legitimes Mittel ansehen. Wie in den Vorjahren waren Autonome f\u00fcr die meisten der linksextremistisch motivierten Gewalttaten verantwortlich. Besorgnis erregend ist nach wie vor eine Strategiedebatte um terroristische Gewalt vor allem in Kreisen Berliner Autonomer. In Bayern sind linksextremistische Strukturen mit terroristischer Zielsetzung derzeit nicht feststellbar. 3.1.2 Strukturen und Publikationen Insgesamt ist die Zahl der Angeh\u00f6rigen der autonomen Strukturen in Bayern von 400 auf 500 angestiegen. Im Jahr 2006 traten in Bayern Autonome besonders die autonomen Gruppierungen \"Organisierte Autonomie\" Gruppierungen (N\u00fcrnberg), \"radikale Linke\" (N\u00fcrnberg), \"Autonome Jugend Antifa\" (N\u00fcrnberg), \"Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen\" \"Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen\", \"Contra Real\" (Augsburg) und \"Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen\" (Sulzbach-Rosenberg) in Erscheinung. \u00d6rtliche \u00d6rtliche Schwerpunkte der Autonomen in Bayern sind nach wie vor die Schwerpunkte Gro\u00dfr\u00e4ume N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth und M\u00fcnchen. Die Zahl der Autonomen in N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth ist mit etwa 150 und in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen mit etwa 120 Anh\u00e4ngern konstant geblieben. Die autonome Szene in N\u00fcrnberg formiert sich um das \"Stadtteilzentrum Schwarze Katze\" und die Anlaufstelle \"DESI\". F\u00fcr M\u00fcnchner Autonome spielen der autonome \"Info-Laden\" in der Breisacher Stra\u00dfe und das \"Cafe Marat\" im ehemaligen \"Tr\u00f6pferlbad\" in der Thalkirchner Stra\u00dfe eine wesentliche Rolle. Daneben sind in Kleinst\u00e4dten einige autonome Kleinstgruppen entstanden. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die namentlich aufgef\u00fchrten autonomen Gruppierungen einschlie\u00dflich Kleinund Kleinstgruppen ist in nebenstehender Karte enthalten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 179 Autonome in Bayern 2006 Coburg* (Schwerpunkte) Schweinfurt* Aschaffenburg* Bayreuth* W\u00fcrzburg* N\u00fcrnberg/ Erlangen/ F\u00fcrth Sulzbach-Rosenberg ca. 40 ca. 150 - Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen - Organisierte Autonomie - Radikale Linke - Autonome Jugend Antifa Ansbach* Regensburg ca. 20 Straubing* Ingolstadt* Passau Landshut* ca. 20 Augsburg Neu-Ulm* Freising* Dorfen* M\u00fchldorf* ca. 30 M\u00fcnchen Contra Real Alt\u00f6tting* Waldkraiburg* ca. 120 - Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen - Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen Rosenheim* *) Angeh\u00f6rige der autonome Personenautonome autonomen Szenen zusammenh\u00e4nge Kleinstgruppen (nicht abschlie\u00dfend) F\u00fcr den lokalen, \u00fcberregionalen und internationalen InformationsausInternationale tausch verwenden Autonome Szene-Publikationen, Info-L\u00e4den, SzeVernetzung ne-Lokale sowie verdeckte informelle Strukturen wie Telefonketten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","180 Linksextremismus Info-L\u00e4den dienen dem autonomen Spektrum nicht nur als zentrale Informations-, Kommunikationsund Anlaufstellen, sondern tragen auch zur Verbreitung und Koordinierung autonomer Aktivit\u00e4ten bei und haben wesentlichen Einfluss auf die Mobilisierungsf\u00e4higkeit der Szene. In Bayern bestehen Info-L\u00e4den u.a. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Landshut. Trotz der steigenden Attraktivit\u00e4t der modernen elektronischen Medien Publikationen haben die klassischen Publikationen nach wie vor gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr die autonome Szene. Im Bundesgebiet gibt es \u00fcber 50 dieser Szene-Publikationen, in denen Diskussionspapiere, Aufrufe zu Veranstaltungen, Selbstbezichtigungsschreiben und andere Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht werden. Bundesweite Bedeutung haben dabei nur wenige Schriften, darunter insbesondere die in Berlin erscheinende \"INTERIM\". Die Mehrzahl der Publikationen hat einen vorrangig regionalen Verbreitungskreis, so auch die in Bayern herausgegebenen Druckwerke, z.B. \"barricada - zeitung f\u00fcr autonome politik und kultur\" (N\u00fcrnberg). Die Publikationen werden oft konspirativ hergestellt und verbreitet. Sie enthalten teilweise unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu Gewalttaten, u.a. gegen Rechtsextremisten und deren Einrichtungen. Im Juli erschien die erste Ausgabe der neuen Publikation \"F\u00fcrther Antifa-Zeitung\" (FAZ), die von der linksextremistischen Gruppe \"Antifaschistische Linke F\u00fcrth\" (ALF) herausgegeben wird. Neben allgemeinen politischen Themen widmen sich die Verfasser darin auch der Aufkl\u00e4rung \u00fcber \"Nazistrukturen in F\u00fcrth\". Die ALF ver\u00f6ffentlichte im November die zweite Ausgabe dieser Zeitung. 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen F\u00fcr die Autonomen in Bayern ist \"Antifaschismus\" nach wie vor ein vorrangiges Agitationsund Aktionsfeld. Zus\u00e4tzlich besch\u00e4ftigen sie sich mit den Themenfeldern \"Anti-Globalisierung\" und \"Antiimperialismus\". Agitationsfelder In diesem Zusammenhang r\u00fcckt zunehmend die Agitation gegen den G8-Gipfel, der vom 6. bis 8. Juni 2007 in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern stattfindet, in den Vordergrund. Im Zuge der Diskussionen um einen Abbau sozialer Leistungen und entsprechender Gesetzesvorhaben werden auch die Themen \"Arbeitslosigkeit\" und \"Sozialversorgung\" bzw. \"Sozialabbau\" behandelt. Auch die \"Antirepression\" wurde in der autonomen Szene wieder st\u00e4rker thematisiert. Dagegen spielten andere Themenfelder wie die Asyl-, Ausl\u00e4nderund Fl\u00fcchtlingspolitik (\"Antirassismus\") und die Kernenergie (\"Anti-Atomkraft\") eine Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 181 eher untergeordnete Rolle. Die Debatte \u00fcber eine Neuorientierung der autonomen Szene in Deutschland wurde fortgef\u00fchrt. 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion In der gewaltbereiten linksextremistischen Szene dauert die \"Militanzdebatte\" an. Seit Jahren diskutieren unterschiedliche autonome Gruppierungen mit dem Ziel, die bisher im autonomen Spektrum weitgehend vorherrschende Trennung zwischen der akzeptierten \"Gewalt gegen Sachen\" und der au\u00dferhalb der antifaschistisch orientierten Gruppen eher abgelehnten \"Gewalt gegen Personen\" zu \u00fcberwinden. Hauptdiskussionsforum ist das autonome Szene-Blatt \"INTERIM\" aus Berlin. \"Verantwortliche des Herrschaftssystems\" wie Polizisten, Politiker, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und f\u00fchrende Repr\u00e4sentanten von Wirtschaftsund Finanzunternehmen sollen wieder Ziel von Angriffen werden. Die theoretische Diskussion wird auch von Gewalttaten zumeist in Form von Brandanschl\u00e4gen begleitet, durch die teilweise Sachsch\u00e4den in sechsstelliger H\u00f6he entstanden sind. Diese - schwerpunktm\u00e4\u00dfig weiterhin im Berliner Raum begangenen - Straftaten richteten sich meist gegen staatliche Geb\u00e4ude und Fahrzeuge sowie solche von Gro\u00dfunternehmen. In der Berliner Szene-Publikation \"INTERIM\" erschienen wieder einige Diskussionspapiere autonomer Gruppen, aus denen eine \u00fcberwiegend positive Reaktion auf die bis dahin publizierten Papiere und die begangenen Anschl\u00e4ge deutlich wurde. Teilweise fordern die Autoren die \u00dcberwindung der bisherigen \"autonomen Kleingruppenmilitanz\" und den langfristigen Aufbau einer \"neuen militanten Organisierung\" in Deutschland als organisatorischen Rahmen f\u00fcr gewaltbereite Gruppen; ein entsprechendes Organisationsgeflecht autonomer Gruppen soll eigenst\u00e4ndig militante Aktionen durchf\u00fchren. Entscheidend f\u00fcr Anschl\u00e4ge soll dabei die Vermittelbarkeit der Aktionen sein. Die in Berlin aktive und ma\u00dfgeblich an dieser Diskussion beteiligte \"militante gruppe (mg)\" \u00fcbernahm militante gruppe in Selbstbezichtigungsschreiben die Verantwortung f\u00fcr acht Anschl\u00e4ge, (mg) bei denen jeweils Sch\u00e4den bis zu 100.000 Euro entstanden. Die Anschl\u00e4ge waren u.a. gegen das Polizeipr\u00e4sidium Berlin-Tempelhof sowie gegen zwei Dienstfahrzeuge der Berliner Polizei gerichtet. In ihren Selbstbezichtigungsschreiben begr\u00fcndet die \"militante gruppe (mg)\" die Anschl\u00e4ge meist mit ihrer Ablehnung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. So diffamiert sie einerseits staatliches Handeln als \"staatliche \u00dcberwachung und Repression\", andererseits begr\u00fcndet sie ihr Handeln mit ihrem \"Kampf f\u00fcr den Kommunismus\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","182 Linksextremismus 3.1.3.2 Antifaschismus Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern standen wie in den vergangenen Jahren Proteste und Aktionen gegen rechtsextremistische Veranstaltungen, aber auch gezielte Angriffe gegen einzelne tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten. Von den 71 in Hauptmotiv der Bayern ver\u00fcbten linksextremistisch motivierten Gewalttaten entfallen Gewalttaten 50 auf diesen Bereich. Grunds\u00e4tzlich propagieren Autonome Gewaltanwendung vor allem in ihrem Kampf gegen rechtsextremistische Personen und Strukturen. Neben Veranstaltungen und Aktionen gegen rechtsextremistische Kundgebungen und Demonstrationen setzen Autonome verst\u00e4rkt auf \"Antifa-Recherche\" ereignisunabh\u00e4ngige \"Antifa-Recherche\". Dabei sp\u00e4hen sie ihre politischen Gegner gezielt aus und ver\u00f6ffentlichen deren \"Steckbriefe\" in ihren Publikationen, auf Flugbl\u00e4ttern und im Internet. Diese Informationen k\u00f6nnen der autonomen Szene zur Vorbereitung von militanten Aktionen dienen. In der linksextremistischen, in Hamburg erscheinenden Publikation \"Zeck\", Nummer 132 vom Mai/Juni, formulieren Autonome dies so: \"Au\u00dferdem kann es so oder so nicht schaden die Schweine zu kennen, nicht zuletzt um direkt aktiv gegen sie vorgehen zu k\u00f6nnen.\" Gerade im Rahmen des Antifaschismus betreiben Autonome eine nach B\u00fcndnispolitik wie vor rege B\u00fcndnispolitik. Neben kontinuierlich arbeitenden \"Aktionsb\u00fcndnissen\", die zumeist auf lokaler bzw. regionaler Ebene \u00fcberwiegend mit linksextremistischen Gruppierungen und Parteien wie in N\u00fcrnberg kooperieren, gibt es auch anlassbezogene B\u00fcndnisse, in denen h\u00e4ufig auch demokratische Gruppen und Institutionen mitarbeiten. Diese anlassbezogenen B\u00fcndnisse dienen prim\u00e4r der Vorbereitung und Koordinierung von Demonstrationen, Versammlungen, Mahnwachen, Informationsst\u00e4nden und anderen Veranstaltungen gegen rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten. Der autonomen antifaschistischen Szene gelingt es jedoch weiterhin nur schwer, derartige B\u00fcndnisveranstaltungen zu dominieren. Aktionen Autonome beteiligten sich in Bayern u.a. an folgenden gegen den in Bayern Rechtsextremismus gerichteten Aktivit\u00e4ten: M\u00fcnchen Am 14. Januar fanden in M\u00fcnchen mehrere linksextremistische Veranstaltungen gegen eine Demonstration von etwa 150 Rechtsextremisten statt. Unter den Teilnehmern der Gegenveranstaltungen waren auch 150 bis 200 Autonome, deren Ziel es war, nicht nur gegen den rechtsextremistischen Aufmarsch zu protestieren, sondern ihn auch zu st\u00f6ren und m\u00f6glichst zu verhindern. Mehrfach versuchten sie, die Polizeiabsperrungen zu \u00fcberwinden, um die Rechtsextremisten anzugreifen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 183 Rechtsextremisten und Polizeibeamte wurden mit Eisbrocken, Schneeb\u00e4llen und Flaschen beworfen. Die Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten hielten auch noch nach Abschluss der neonazistischen Kundgebung an. Insgesamt nahm die Polizei 58 Personen, davon 43 Gegendemonstranten, vorl\u00e4ufig fest. Bereits am Vortag des \"Antifa-Aktionstags\" waren etwa 60 Personen - \u00fcberwiegend aus dem linksextremistischen Spektrum - in einem M\u00fcnchner Stadtteil in einem Demonstrationszug an Wohnungen von verschiedenen Rechtsextremisten vorbeigezogen, die die rechtsextremistische Demonstration am 14. Januar organisiert hatten. Auch in diesem Jahr fanden als Protest gegen den f\u00fcr den 19. August Wunsiedel in Wunsiedel geplanten rechtsextremistischen \"He\u00df-Gedenkmarsch\" \"antifaschistisch\" motivierte Aktivit\u00e4ten von Linksextremisten in Bayern statt. Antifa-Gruppen hatten zun\u00e4chst mehrere Veranstaltungen geplant, wie z.B. einen \"Antifaschistischer Aktionstag\" am 19. August in Wunsiedel. Da der \"He\u00df-Gedenkmarsch\" jedoch verboten wurde, kam es zur Absage dieses Aktionstags und zu einer Reduzierung anderer antifaschistischer Aktionen, an denen sich einzelne Linksextremisten beteiligten. In M\u00fcnchen protestierten an diesem Tag etwa 600 Personen, darunter auch Linksextremisten, gegen einen Aufzug von etwa 130 Rechtsextremisten, der von ihnen als eine \"He\u00df-Ersatzveranstaltung\" angesehen wurde. Die Proteste der Gegendemonstranten verliefen teilweise gewaltt\u00e4tig. In N\u00fcrnberg fanden am 14. Oktober anl\u00e4sslich einer rechtsextremistischen Demonstration mehrere Gegenveranstaltungen statt, an denen N\u00fcrnberg sich insgesamt 5.000 Personen \u00fcberwiegend aus Bayern beteiligten. Von diesen waren bis zu 800 dem linksextremistischen Spektrum zuzurechnen, davon wiederum etwa 400 der gewaltbereiten autonomen Szene. Auf Flugbl\u00e4ttern und im Internet traten die linksextremistischen Gruppierungen \"Organisierte Autonomie\" N\u00fcrnberg (OA) und \"Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg\" (AABN) als Veranstalter auf, die sowohl vom demokratischen als auch vom linksextremistischen Spektrum, wie z.B. von der DKP N\u00fcrnberg, der SDAJ Bayern, von ['solid] N\u00fcrnberg und von der autonomen \"Antifaschistischen Linken F\u00fcrth\" (ALF) unterst\u00fctzt wurden. Die Gegendemonstranten versuchten, Absperrgitter zu \u00fcberwinden, um die rechtsextremistische Veranstaltung zu st\u00f6ren. Au\u00dferdem bewarfen sie Einsatzkr\u00e4fte der Polizei, die ein direktes Aufeinandertreffen von linksund rechtsextremistischen Demonstranten verhindern konnten, mit Flaschen, Steinen und Tomaten. Insgesamt f\u00fchrte die Polizei 32 freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","184 Linksextremismus durch, davon 24 im Spektrum der Gegendemonstranten. Die \"Organisierte Autonomie\" N\u00fcrnberg wertete in einer im Internet eingestellten Nachbetrachtung die Aktionen als Erfolg: \"Insgesamt ist der Verlauf des Tages als klarer antifaschistischer Erfolg zu werten. Zwar konnte die Auftaktkundgebung der Nazis nicht verhindert werden, aber trotz eines massiven Polizeiaufgebotes von bis zu 5000 PolizistInnen ... gelang es, den Demonstrationszug der Nazis zu stoppen. (...) In ihren eigenen Foren berichten sie von antifaschistischen Angriffen. In Zukunft werden antifaschistische Kr\u00e4fte 7auf diesen Erfolg aufbauen k\u00f6nnen und damit den Aktionsradius faschistischer Gruppen weiter einschr\u00e4nken.\" 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste Globalisierung ist zwar in Kreisen gewaltbereiter Linksextremisten noch immer ein Thema, die Beteiligung deutscher Autonomer an Aktionen im Ausland war jedoch wieder deutlich geringer als in den Vorjahren. Besuch des St\u00e4rkere Aufmerksamkeit erhielt jedoch der Besuch des US-Pr\u00e4sidenten US-Pr\u00e4sidenten Bush im Juli in Stralsund/Mecklenburg-Vorpommern. Unter den etwa 1.000 Personen, die sich an der zentralen Protestdemonstration beteiligten, waren etwa 100 bis 150 Autonome. Im Rahmen von Protestaktionen wurde ein Polizeifahrzeug in Brand gesetzt; das Feuer griff auf zwei weitere Fahrzeuge \u00fcber, die nahezu vollst\u00e4ndig ausbrannten. Insgesamt entstand dadurch ein Sachschaden von etwa 100.000 Euro. W\u00e4hrend das G8-Gipfeltreffen im Juli in St. Petersburg in der linksextremistischen autonomen Szene nur vereinzelt als Aktionsthema gesehen wurde, haben autonome Gruppierungen bereits im Jahr 2005 mit den Planungen f\u00fcr eine m\u00f6glichst breite Mobilisierungskampagne gegen den vom 6. bis 8. Juni 2007 in Heiligendamm/Mecklenburg-VorG8-Gipfeltreffen pommern stattfindenden G8-Gipfel begonnen. Zu diesem Zweck schlosim Juni 2007 in sen sich Linksextremisten zu verschiedenen B\u00fcndnissen zusammen. Das Heiligendamm B\u00fcndnis \"Interventionistische Linke\" (IL) ist beispielsweise gesellschaftlich breiter ausgerichtet und soll damit auch Personen und Organisationen aus dem demokratischen Spektrum ansprechen. Es gibt aber auch Zusammenschl\u00fcsse, die nur auf die linksextremistische, autonome Szene abzielen, so die zwei Vernetzungen \"Dissent!\" und das \"Anti-G8-B\u00fcndnis f\u00fcr eine revolution\u00e4re Perspektive\". Die beteiligten linksextremistischen Gruppen erhoffen sich einen neuen gro\u00dfen Mobilisierungsschub f\u00fcr die Anti-Globalisierungsbewegung. Im M\u00e4rz fand in Rostock die \"1. Aktionskonferenz gegen den G8-Gipfel 2007\" statt, zu der etwa 300 Aktivisten aus dem gesamten Bundesgebiet zusammenkamen, um Mobilisierungen f\u00fcr Protestaktionen zu diskutieren, zu koordinieren Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 185 und zu planen. An der \"2. Aktionskonferenz\", die im November ebenfalls in Rostock stattfand und international ausgerichtet war, nahmen erneut etwa 300 Globalisierungsgegner teil, darunter nach Angaben der Veranstalter auch Aktivisten aus Griechenland, Polen, den Niederlanden und Gro\u00dfbritannien. In einer gemeinsamen Abschlusserkl\u00e4rung verst\u00e4ndigten sich die Teilnehmer auf einen \"Fahrplan f\u00fcr die Protestwoche gegen den G8-Gipfel\", wonach Gro\u00dfdemonstrationen, verschiedene Aktionstage und ein Alternativgipfel geplant sind. Au\u00dferdem sollen am Tag der Anreise der G8-Delegationsteilnehmer wie auch an den Folgetagen Blockadeaktionen durchgef\u00fchrt werden. Der internationalen Mobilisierung diente auch ein Sommercamp unter der Bezeichnung \"Camp Inski\", das im August in Steinhagen/Mecklenburg-Vorpommern durchgef\u00fchrt wurde. Unter den bis zu 700 Teilnehmern befanden sich nach Angaben der Veranstalter globalisierungskritische Aktivisten aus mehreren europ\u00e4ischen Staaten, Australien und den USA. Mit einer \"Infotour\" reisten G 8-Gegner zus\u00e4tzlich monatelang durch verschiedene St\u00e4dte in Deutschland sowie durch St\u00e4dte im europ\u00e4ischen Ausland, um dort jeweils dezentrale Informationsund Mobilisierungsveranstaltungen durchzuf\u00fchren. In Bayern fanden im Juli Informationsveranstaltungen u.a. in N\u00fcrnberg, W\u00fcrzburg, M\u00fcnchen und Rosenheim statt. An diesen Veranstaltungen beteiligten sich durchschnittlich etwa 30, \u00fcberwiegend j\u00fcngere Personen, meist aus der linksextremistischen Szene. Die Mobilisierungskampagne gegen den G 8-Gipfel 2007 beschr\u00e4nkte sich in Teilen des linksextremistischen Spektrums nicht nur auf Informationsund Mobilisierungsveranstaltungen oder publizistische Aktivit\u00e4ten, vielmehr kam es seit Juli 2005 zu einer Reihe von Anschl\u00e4gen auf Fahrzeuge und Geb\u00e4ude von Firmen oder staatlichen Stellen, die in Selbstbezichtigungsschreiben mit dem G 8-Gipfel 2007 begr\u00fcndet wurden. Durch diese Brandanschl\u00e4ge entstanden erhebliche Sachsch\u00e4den, im Einzelfall sogar in Millionenh\u00f6he. Im Jahr 2006 wurden beispielsweise im M\u00e4rz in Schleswig-Holstein f\u00fcnf Spezialfahrzeuge einer Gleisund Schienenbaufirma in Brand gesetzt. Die Fahrzeuge, die nahezu vollst\u00e4ndig ausbrannten, Brandanschl\u00e4ge waren teilweise mit gro\u00dfen Gasflaschen beladen, so dass es auch zu mehreren Explosionen kam. Es entstand ein Gesamtschaden von etwa 250.000 Euro. In der Nacht zum 28. August besch\u00e4digten unbekannte T\u00e4ter das Wohnhaus des Ministerpr\u00e4sidenten von Mecklenburg-Vorpommern in Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","186 Linksextremismus der N\u00e4he von Schwerin. Die T\u00e4ter warfen mit schwarzer Fl\u00fcssigkeit gef\u00fcllte Gl\u00e4ser sowie Steine gegen das Geb\u00e4ude, so dass Sachsch\u00e4den entstanden. Am 29. August gingen bei insgesamt drei Tageszeitungen in Berlin, Hamburg und Rostock gleichlautende Taterkl\u00e4rungen ein. Bereits in der \u00dcberschrift \"F\u00fcr globale Bewegungsfreiheit - Lager abschaffen - G8 Gipfel in Heiligendamm angreifen!\" stellten die Verfasser ihre Tat auch in einen inhaltlichen Zusammenhang mit dem G 8-Gipfel 2007. In einem Positionspapier, das in der \"INTERIM\", Nummer 639 vom 20. Juli, abgedruckt war, forderte die in Berlin ans\u00e4ssige \"militante gruppe (mg)\", dass die Brandanschl\u00e4ge mit Bezug zum G8-Gipfel 2007 kein punktuelles und unkoordiniertes \"Aufflackern einer militanten Praxis\" sein d\u00fcrften, sondern dass sie vielmehr als \"\u00dcbungsfeld\" f\u00fcr einen umfassenden \"revolution\u00e4ren Aufbauprozess\" anzusehen seien. Die grunds\u00e4tzliche Zielsetzung bestehe darin, \"die militante Option in den Anti-G8-Mobilisierungen als integralen Bestandteil einzubringen und zu verankern. Dazu m\u00fcssen die Diskussionen und Auseinandersetzungen, die als Folge der f\u00fcnfj\u00e4hrigen Militanzdebatte entwickelt wurden/werden (einschlie\u00dflich der Fragen um die potentielle Aufnahme einer bewaffneten Propaganda in der organisatorischen Form einer Militanz oder Guerilla) im Anti-G8-Mobilisierungsprozess ihren praktischen Niederschlag finden. Die Pr\u00e4senz angewandter Militanz als Ausdruck der Bandbreite der zur Verf\u00fcgung stehenden Aktionsmittel revolution\u00e4rer Politik ist unser praktischer Ausgangspunkt.\" Weiterer In der Nacht zum 26. Dezember ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter in Hamburg Brandanschlag einen Brandanschlag auf ein Fahrzeug der Familie des Staatssekret\u00e4rs im Bundesministerium der Finanzen, das vor deren Wohnhaus abgestellt war. Das Fahrzeug brannte vollst\u00e4ndig aus. Die T\u00e4ter warfen au\u00dferdem zwei Farbgl\u00e4ser gegen das Haus. Die Taterkl\u00e4rung einer Anti-G 8-Gruppe stand unter der \u00dcberschrift \"Nur noch 23 Wochen bis zum Gipfel - Jetzt zuschlagen\". Am 28. Dezember bekannten sich militante Linksextremisten in einer an mehrere Tageszeitungen und Agenturen gesteuerten Pressemitteilung zu einem in der Nacht zuvor ver\u00fcbten Anschlag mit Farbbeuteln auf das als Tagungsort vorgesehene Hotel in Heiligendamm und betonten, dass \"bis zum Gipfel keine Ruhe herrschen\" werde. Es entstand ein Sachschaden in H\u00f6he von etwa 1.900 Euro. 3.1.3.4 Antiimperialismus Obwohl das Themenfeld \"Antiimperialismus\" im Vergleich zu den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, hielten auch dieses Jahr Teile der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 187 autonomen Szene unvermindert an den Protestaktionen gegen die allj\u00e4hrliche M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik fest (vgl. auch Nummer 2.5 dieses Abschnitts). 3.1.3.5 Sozialabbau Noch immer sehen Linksextremisten bei Personen, die von den sozialpolitischen Reformen \"Agenda 2010\" betroffen sind, ein neues Mobilisierungsund Rekrutierungspotenzial und sind bestrebt, die Proteste gegen den Sozialabbau verst\u00e4rkt agitatorisch und aktionistisch f\u00fcr ihre Ziele zu nutzen. Bei der diesj\u00e4hrigen \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demons1. Mai in tration\" in N\u00fcrnberg traten somit wieder mehr antikapitalistische und N\u00fcrnberg sozialrevolution\u00e4re Forderungen in den Vordergrund. Entsprechend lautete das Motto \"Streiken - Besetzen - Enteignen! Kapitalismus abschaffen! F\u00fcr die soziale Revolution!\". An dieser Demonstration, die \u00fcberwiegend vom regionalen linksextremistischen Spektrum initiiert wurde, beteiligten sich etwa 1.000 Personen. Den \"antikapitalistischen Block\", der die Demonstration anf\u00fchrte, stellten etwa 150 Angeh\u00f6rige der autonomen Szene, militante Aktionen blieben aber aus. Nachdem sich in den vergangenen Jahren Linksextremisten in M\u00fcnchen an der DGB-Demonstration als eigenst\u00e4ndiger Block angeh\u00e4ngt hatten, f\u00fchrten Autonome im Jahr 2006 eine eigene \"Revolution\u00e4re 1. Mai-De1. Mai in monstration\" unter dem Motto \"Soziale Rechte erk\u00e4mpfen - Gegen M\u00fcnchen Lohnraub und Sozialkahlschlag - Gegen Faschismus und staatliche Repression\" in der Landeshauptstadt durch. Es beteiligten sich etwa 200 Personen, von denen der \u00fcberwiegende Teil dem regionalen autonomen Spektrum zuzurechnen war. Im Rahmen eines bundesweiten Aktionstags gegen Sozialabbau veranstalteten Gewerkschaften am 21. Oktober in f\u00fcnf deutschen St\u00e4dten Protestdemonstrationen. Teile des linksextremistischen autonomen Spektrums zeigten sich im Vorfeld an diesen Ereignissen interessiert und mobilisierten innerhalb der eigenen Szene f\u00fcr eine Beteiligung an teils eigenst\u00e4ndigen \"antikapitalistischen Bl\u00f6cken\". Insgesamt nahmen rund 150.000 Menschen an den Protestdemonstrationen teil. In M\u00fcnchen beteiligten sich \u00fcber einhundert Linksextremisten, von denen sich etwa 60 Autonome zu einem eigenst\u00e4ndigen \"antikapitalistischen Block\" zusammenschlossen. Nach Veranstaltungsende f\u00fchrten rund 60 Personen, gr\u00f6\u00dftenteils aus dem \"antikapitalistischen Block\", eine nicht angemeldete Spontandemonstration durch, wobei mehrere Demonstranten eine Polizeibeamtin durch Fu\u00dftritte verletzten. Bei den Aktionen in Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","188 Linksextremismus anderen St\u00e4dten kam es teilweise zu verbalen und k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen bis hin zu schweren \u00dcbergriffen wie dem Werfen von Molotowcocktails und anderen Brands\u00e4tzen. In Stuttgart wurde gegen eine Polizeibeamtin ein brennendes \"Bengalisches Feuer\" geschleudert. 3.1.3.6 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung Auch 2006 beteiligten sich Linksextremisten am Protest gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, der im Wesentlichen von nicht extremistischen B\u00fcrgerund Umweltschutzinitiativen getragen wird. Dabei versuchten die Linksextremisten, dem Protest eine staatsfeindliche Ausrichtung zu geben. In Bayern blieb die linksextremistische Einflussnahme auf die Anti-Atom-Bewegung gering. Castor-Transport Gegen den Castor-Transport im November demonstrierten mehrere tausend Atomkraftgegner, darunter auch etwa 150 Linksextremisten. Vereinzelt kam es zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit der Polizei, wobei u. a. Polizeibeamte durch Steinw\u00fcrfe verletzt und Einsatzfahrzeuge besch\u00e4digt wurden. Daneben wurde auch eine Funkanlage der Polizei besch\u00e4digt sowie Hakenkrallenanschl\u00e4ge auf Bahnstrecken ver\u00fcbt. 3.2 Antideutsche Strukturen Innerhalb des bundesweiten linksextremistischen Spektrums hat die Bedeutung der so genannten Antideutschen zugenommen. Diese facettenreiche und vergleichsweise junge Str\u00f6mung verbindet ein Extremes extremes Antifaschismusverst\u00e4ndnis mit einer klaren pro-israelischen Antifaschismusund pro-amerikanischen Haltung. Ddurch die Mischung aus dogmativerst\u00e4ndnis schen, kommunistischen Theoretikern und zumeist jungen autonomen Aktivisten entstand dabei eine sehr dynamische, eigenst\u00e4ndige linksextremistische Szene, die um Vernetzung bem\u00fcht ist. Nach ersten szene-internen Denkans\u00e4tzen trat die antideutsche Str\u00f6mung ab Beginn der 90er Jahre vereinzelt, zuletzt aber mit steigender Bedeutung innerhalb der linksextremistischen Szene auf. Nach marxistisch-kommunistischer Ansicht f\u00fchrt Kapitalismus zu Faschismus. Kommunistische Kleingruppen entwickelten damals die Vorstellung, dass von einer besonderen Aggressivit\u00e4t eines spezifisch deutschen Faschismus auszugehen sei. Dies werde durch die deutsche Vergangenheit, insbesondere durch einen auf Vernichtung ausgerichteten Antisemitismus, belegt. Der Beitritt der f\u00fcnf neuen Bundesl\u00e4nder wurde daher als Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 189 Gefahr der Entstehung eines \"Vierten Reiches\" angesehen. Der im \"Dritten Reich\" begangene Holocaust bewirkte nach linksextremistischer antideutscher Denkweise u.a., dass bis zur weltweiten \u00dcberwindung des Antisemitismus Israel als einziger Staat eine \"Existenzberechtigung\" habe. Damit wird neben dem \u00fcberh\u00f6hten \"Antifaschismus\" eine kompromisslose pro-israelische Haltung eingenommen, die auch das au\u00dfenpolitische Auftreten der USA zum Wohle Israels umfasst. Die Golfkriege und insbesondere die von Pal\u00e4stinensern im Jahr 2000 aufgenommene al-Aksa-Intifada lie\u00dfen die Israel-Solidarit\u00e4t zum zentralen Israel-Solidarit\u00e4t Thema der antideutschen Str\u00f6mung werden. Die linksextremistische Str\u00f6mung der Antideutschen steht somit im deutlichen Gegensatz zu Linksextremisten nach traditionellem Verst\u00e4ndnis. Gemeinsame Aktivit\u00e4ten von \"traditionellen\" Linksextremisten und Anh\u00e4ngern der antideutschen Str\u00f6mung scheinen nur anlassbezogen beim gemeinsamen Thema Antifaschismus m\u00f6glich. Die traditionell linksextremistische Ansicht, wonach Israel als kapitalistische und imperialistische Besatzungsmacht zum Nachteil des pal\u00e4stinensischen Volkes handelt, wird von der antideutschen Str\u00f6mung als antizionistisch und antisemitisch verurteilt. Mit der zunehmenden Bedeutung der antideutschen Str\u00f6mung innerhalb des linksextremistischen Spektrums verst\u00e4rkt sich dieser Konflikt. Der Streit um damit verbundene fundamentale linksextremistische Prinzipien hat auch innerhalb der autonomen Szene zu einer inhaltlichen, organisatorischen und aktionistischen Spaltung in pro-israelische und pro-pal\u00e4stinensische Strukturen gef\u00fchrt. Das antideutsche Politikverst\u00e4ndnis zieht zum einen Linksextremisten aus dem revolution\u00e4r-marxistischen Spektrum an, die sich an der Lehre von Karl Marx orientieren und Wert auf ideologische Ausbildung, z.B. in Form von Seminaren und Vortragsveranstaltungen, legen. Zum anderen f\u00fchlen sich auch Teile der gewaltbereiten autonomen Szene mit zunehmender Tendenz vom extremen Antifaschismusverst\u00e4ndnis der antideutschen Str\u00f6mung und der Israel-solidarischen Haltung angesprochen. Vor allem handlungsorientierte junge autonome Antifa-Gruppen werden unter dem Minimalkonsens der Solidarit\u00e4t mit Israel im Rahmen ihrer \"Antifaschismusarbeit\" in der \u00d6ffentlichkeit aktiv. Sie zeigen ihren Protest gegen die als faschistisch diffamierte Bundesrepublik Deutschland, gegen Rechtsextremisten sowie gegen jede Form von Kritik am Staat Israel bei Demonstrationen und Kundgebungen, beispielsweise bei der Veranstaltung der linksextremistischen Gruppierung \"Solidarit\u00e4t International\" zum Thema Nahostkonflikt am 12. August in N\u00fcrnberg. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","190 Linksextremismus 3.3 Linksextremistisch motivierte Straftaten 3.3.1 Gewalttaten Angeh\u00f6rige der autonomen Szene halten Gewaltanwendung zur \u00dcberwindung des kapitalistischen Systems f\u00fcr legitim. Sie rechtfertigen Gewalt als angeblich erforderliches Mittel gegen die \"strukturelle Gewalt\" eines \"Systems von Zwang, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\". So wird in dem von Autonomen herausgegebenen Buch \"Autonome in Bewegung\" zum Thema Gewalt ausgef\u00fchrt: \"Militanz ist in unseren Augen notwendiger Bestandteil linksradikaler Politik, sowohl im allgemeinen Sinn der konsequenten, k\u00e4mpferischen Haltung an sich, als auch im engeren Sinn von politischer Gewalt. Dass dies ein h\u00f6heres Ma\u00df an Verantwortung erfordert als das Bilden von Lichterketten ist selbstverst\u00e4ndlich. Doch wer auf die Option der Militanz verzichtet, beraubt sich selbst der notwendigen Mittel gegen ein System der Herrschaft, dem allein mit den besseren Argumenten nicht beizukommen ist.\" (aus: A.G. Grauwacke: \"Autonome in Bewegung\", Berlin, Hamburg, G\u00f6ttingen, o.J., S. 380/381) Im Vergleich zum Jahr 2005 mit 896 Gewalttaten weisen die linksextremistisch motivierten Gewaltdelikte 2006 mit 862 Gewalttaten im R\u00fcckgang der Bundesgebiet eine r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung auf. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich Gewalttaten in Bayern. Dort ist ein R\u00fcckgang von 107 im Jahr 2005 auf 71 Gewaltdelikte festzustellen. Insbesondere im Bereich des \"Antifaschismus\" sind die Gewalttaten im Vergleich zum Vorjahr in Bayern r\u00fcckl\u00e4ufig (2005: 82 Gewalttaten, 2006: 50). Der R\u00fcckgang resultiert jedoch nicht aus einer gesunkenen Gewaltbereitschaft der Autonomen, sondern vielmehr aus einer geringeren Anzahl von rechtsextremistischen Veranstaltungen in Bayern, die in der Regel den Anlass f\u00fcr linksextremistische Gewalttaten gegen Rechtsextremisten sowie gegen die bei solchen Ereignissen eingesetzten Polizeibeamten darstellen. Von den 71 Gewalttaten richteten sich 44 gegen Polizisten. Der Vergleich mit den 47 rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern zeigt, dass die linksextremistisch motivierten Gewaltdelikte wie im Vorjahr den gr\u00f6\u00dften Teil der politisch motivierten Gewalttaten ausmachen. Einzelf\u00e4lle Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Am 8. Januar schlugen drei T\u00e4ter einen Angeh\u00f6rigen der \u00f6rtlichen rechtsextremistischen Szene in Murnau am Staffelsee vor der Eingangst\u00fcr seines Hauses brutal zusammen und versetzten ihm Fu\u00dftritte an den Kopf. Bei den Protestaktionen gegen eine rechtsextremistische Kundgebung am 14. Januar in M\u00fcnchen wurden insgesamt 25 der 71 linksextremisVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 191 tisch motivierten Gewaltdelikte begangen. Ein Teilnehmer an diesen Protesten schleuderte beispielsweise eine Bierflasche in Richtung der eingesetzten Polizisten. Des Weiteren wurden auch teils handballgro\u00dfe Eisbrocken als Wurfgeschosse verwendet. Im Rahmen der Proteste gegen die 42. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr SicherGewalttaten heitspolitik Anfang Februar ereigneten sich neun der linksextremistisch im Rahmen der motivierten Gewaltdelikte. So wurden eingesetzte Polizeibeamte mit Sicherheitsdiversen Gegenst\u00e4nden beworfen. Au\u00dferdem kam es zu K\u00f6rperverletkonferenz zungsdelikten im Rahmen von Widerstandshandlungen. Beispielsweise schlug eine Demonstrantin mit einer Holzlatte, an der ein Plakat befestigt war, gezielt auf den Kopf eines Polizeibeamten ein; dieser konnte ausweichen und wurde an der Schulter getroffen. Ein unbekannter T\u00e4ter, der die Festnahme einer weiteren Person wegen K\u00f6rperverletzung verhindern wollte, versuchte, mit einer Faust auf Polizisten einzuschlagen. In der Faust hielt er einen Schl\u00fcssel so, dass die Spitze des Schl\u00fcssels au\u00dferhalb der geballten Hand lag. Ein Teilnehmer eines am 19. August in M\u00fcnchen veranstalteten rechtsextremistischen Aufzugs wurde von einer Glasflasche, die ein Linksextremist geworfen hatte, im Gesicht getroffen. Au\u00dferdem attackierte ein weiterer Linksextremist einen Polizeibeamten mit einer Fahnenstange; dieser konnte den Angriff jedoch abwehren. Bis zu acht Personen des Antifa-Spektrums griffen am 2. September einen Info-Stand der NPD in Straubing an. Es kam zu einer Schl\u00e4gerei, bei der ein Rechtsextremist mit einer Fahnenstange geschlagen und der Infotisch besch\u00e4digt wurde. Es wurden Ermittlungsverfahren u.a. wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung eingeleitet. Bei Protesten gegen eine NPD-Demonstration am 14. Oktober in N\u00fcrnberg bewarfen Gegendemonstranten eingesetzte Polizisten wiederholt mit Glasflaschen und anderen Wurfgegenst\u00e4nden. 3.3.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen linksextremistisch motivierten Straftaten betr\u00e4gt 69 und ist damit gegen\u00fcber dem Jahr 2005 (181) deutlich zur\u00fcckgegangen. Dabei handelte es sich vor allem um Sachbesch\u00e4digungen, aber auch um Delikte wie Beleidigung oder Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole. Beispielsweise skandierten Angeh\u00f6rige des \"internationalistischen Blocks\" bei einer Protestdemonstration gegen die 42. M\u00fcnchner KonfeVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","192 Linksextremismus renz f\u00fcr Sicherheitspolitik wiederholt die Parole \"BRD - Bullenstaat - Wir haben dich zum Kotzen satt\". Es wurden Ermittlungen wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole eingeleitet. W\u00e4hrend der diesj\u00e4hrigen \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" in N\u00fcrnberg warf ein unbekannter T\u00e4ter eine Bierflasche gegen ein Polizeifahrzeug, wodurch eine Scheibe besch\u00e4digt wurde. In der Nacht auf den 14. Mai wurde im Zusammenhang mit den Protesten gegen die so genannte Brendten-Feier der Gebirgsj\u00e4ger in Garmisch-Partenkirchen eine Kriegerged\u00e4chtniskapelle verw\u00fcstet (vgl. auch Nummer 2.2.4.1 dieses Abschnitts). Es entstand ein Sachschaden von etwa 50.000 Euro. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Linksextremismus 193 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2006 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 400 4.200 Unsere Zeit (UZ) 18 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 6.300 in Kreisund Grundorganisationen sowie Betriebsgruppen, Marxistische Bl\u00e4tter zweimonatlich, 2.500 26.09.1968, Essen Rundbrief monatlich Die Linkspartei.PDS 60.300 Neues Deutschland (ND) (neuer Name beschlossen auf au\u00dferordent- - parteinahe Zeitung - lichem PDS-Parteitag am 17.07.2005) werkt\u00e4glich, 53.600 16 Landesverb\u00e4nde mit KreisverDISPUT b\u00e4nden und Basisorganisationen, monatlich, 11.000 Berlin Die Linke.PDS-Pressedienst w\u00f6chentlich, 2.200 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS monatlich, 1.000 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern 600 TITEL (Informationsforum mit 21 Kreisverb\u00e4nden und der Linkspartei.PDS Bayern) 28 Basisorganisationen, unregelm\u00e4\u00dfig, 500 11.09.1990, M\u00fcnchen Arbeiterbund f\u00fcr den Wieder100 130 Kommunistische aufbau der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 100 2.300 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 7.500 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte, REVOLUTION\u00c4RER WEG 17./18.06.1982, Gelsenkirchen unregelm\u00e4\u00dfig Linksruck-Netzwerk 10 400 Linksruck (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) monatlich 1993, Berlin Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","194 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2006 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen (Aktive) Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 100 300 POSITION Arbeiterjugend (SDAJ) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen, KONTRA! 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisationen der MLPD: Jugendverband REBELL 20 150 REBELL - Beilage zur Roten Fahne - MLPD-Hochschulgruppen Galileo - streitbare Wissenschaft 1.3 Beeinflusste Organisationen: DKP-beeinflusst: Vereinigung der Verfolgten des 700 6.000 antifa Naziregimes - Bund der Antifaschiszweimonatlich, 9.000 tinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen, 15.-17.03.1947, Berlin 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa rund zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 500 5.500 erscheinende Szene-Bl\u00e4tter wie z.B. radikal, INTERIM; auf regionaler Ebene u.a. barricada 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflusst M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg 30 und Rassismus M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 195 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) International Deutschland Bayern Mitglieder: 125.000 bis 150.000* 5.000 bis 6.000 etwa 2.600 Vorsitzender: David Miscavige Helmuth Bl\u00f6baum Gerhard B\u00f6hm Gr\u00fcndung: Los Angeles 1952 M\u00fcnchen 1972 N\u00fcrnberg 1982 (Church of Scientology (Scientology Kirche (Scientology Kirche International - CSI -) Deutschland e.V.) Bayern e.V.) Sitz: Los Angeles, USA M\u00fcnchen M\u00fcnchen/N\u00fcrnberg (in Deutschland unselbst\u00e4ndige Teilorganisationen) Publikationen: \"Freiheit\"; \"Impact\"; \"Ursprung\"; \"Source\" u.a. * gesch\u00e4tzte bzw. hochgerechnete Zahlenangaben, die auf Mitgliederbzw. Aussteigerinformationen basieren 1. Zur Geschichte der SO Im Jahr 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard (1911 bis 1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die Dianetik moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit\" und stellte darin seine \"Technologie\" zur \"Heilung psychosomatischer Krankheiten und geistiger St\u00f6rungen\" vor. In den folgenden Jahren wurden so genannte Dianetik-Zentren eingerichtet und schlie\u00dflich die SO gegr\u00fcndet und aufgebaut. 1952 gr\u00fcndete Hubbard die \"Hubbard Association of Scientologists International\" (HASI), die noch nicht den Anspruch erhob, eine Kirche oder angewandte religi\u00f6se Philosophie zu sein. Hubbard erkannte jedoch bald die wirtschaftlichen und steuerlichen Vorteile einer Umwandlung seiner Organisation in eine Kirche. Deshalb erkl\u00e4rte er sein von ihm erdachtes Verfahren der Psychomanipulation, das er zusammen mit einer totalit\u00e4ren Organisationslehre und -technik in Form eines Kommandosystems (\"Admintech\") entwickelt hatte, zur Religion und gr\u00fcndete 1954 die erste \"Kirche\". Die Leiter der \u00f6rtlichen Niederlassungen in den USA nennen sich seitdem \"Geistliche\", tragen kirchliche Kleidung und f\u00fcgen ihrem Namen den Titel \"Reverend\" hinzu. Im Jahr 1957 wurde die SO in den USA als gemeinn\u00fctzige Organisation (charitable organisation) anerkannt und somit von der Steuer befreit. Nachdem die oberste amerikanische Steuerbeh\u00f6rde IRS (Internal Revenue Service) fragw\u00fcrdige pers\u00f6nliche Bereicherungstatbest\u00e4nde bei Hubbard und vielen seiner Funktion\u00e4re aufgedeckt hatte, widerrief sie Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","196 Scientology-Organisation 1967 die Steuerbefreiung aller SO-Einrichtungen. In der Begr\u00fcndung hierzu hie\u00df es: \"Die F\u00fchrungskr\u00e4fte von Scientology profitieren vom Status einer 'gemeinn\u00fctzigen Kirche'. (...) Die Aktivit\u00e4ten von Scientology sind kommerziell. (...) Die Scientology-Kirche dient den privaten Interessen des Gr\u00fcnders L. Ron Hubbard.\" Die SO wehrte sich gegen diese Entscheidung und wurde 1993 nach einem Vergleich mit der IRS wieder als gemeinn\u00fctzig anerkannt. Nach einem Bericht der \"The New York Times\" setzte die SO dabei \"schmutEinsch\u00fcchterungszige Methoden der Einsch\u00fcchterung und Erpressung\" ein. Mitarbeiter und Erpressungsder IRS wurden bis in die Privatsph\u00e4re hinein ausspioniert und zum Teil methoden wegen erfundener Behauptungen mit \u00fcber 2.000 Prozessen \u00fcberzogen. Die Anleitung f\u00fcr dieses Vorgehen ist in einem Richtlinienbrief Hubbards vom 15. August 1960 \u00fcber die Einrichtung eines \"Department of Government Affairs\" enthalten, der Methoden beschreibt, mit denen Regierungen gef\u00fcgig gemacht werden sollen. Dar\u00fcber hinaus liegt die SO seit Jahrzehnten im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Vorw\u00fcrfe lauten z.B. auf Betrug und Wucher gegen\u00fcber Kunden, Bedrohung und N\u00f6tigung von Kritikern, auf Verschw\u00f6rung gegen die Regierung, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. In diesem Zusammenhang kam es auch in den USA zu zahlreichen Verfahren und Verurteilungen von Funktion\u00e4ren der SO. Mitte der 80er Jahre, nach dem Tode Hubbards und intrigenreichen Machtk\u00e4mpfen innerhalb der Organisation, \u00fcbernahm David Miscavige die F\u00fchrung der SO. 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten Nach Feststellung der Konferenz der Innenminister von Bund und L\u00e4nAnhaltspunkte dern (IMK) vom 5./6. Juni 1997 liegen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr verf\u00fcr Verfassungsfassungsfeindliche Bestrebungen der SO vor. Die SO wehrt sich gegen die feindlichkeit Beobachtung durch den Verfassungsschutz seit Jahren mit polemischer, herabsetzender Kritik in der \u00d6ffentlichkeit und mit dem Hinweis auf ihre angebliche Religionseigenschaft. Diese betont die SO jedoch nur dann, wenn das mit Vorteilen verbunden ist. Im Gegensatz dazu verzichtet sie beispielsweise in der arabischen Welt auf eine religi\u00f6se Darstellung. So hei\u00dft es im Impressum des Grundlagenwerks der SO \"Dianetik, der Leitfaden f\u00fcr den menschlichen Verstand\", Ausgabe 2003: \"Dieses Buch ist Teil der Werke von L. Ron Hubbard, der die Dianetik, eine Technologie zur Befreiung des geistigen Wesens, und Scientology, eine angewandte religi\u00f6se Philosophie, entwickelte.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 197 In der zeitgleich vertriebenen, arabischen Ausgabe des Werks hei\u00dft es im Impressum: \"Dieses Buch ist Teil der Werke von L. Ron Hubbard, der die Dianetik, die moderne Wissenschaft von der geistigen Gesundheit, entwickelt hat.\" Daneben werden die \"Scientology Kirchen\" - wie sie in der deutschen Ausgabe genannt werden - in der arabischen Ausgabe lediglich als weltweite \"Dianetics Center\" bezeichnet. Die Ideologie der SO st\u00fctzt sich ausschlie\u00dflich auf die Schriften von L. Ron Hubbard, die nach eigenen Aussagen unver\u00e4nderliche G\u00fcltigkeit besitzen. Vor allem seine programmatischen \u00c4u\u00dferungen werden in den so genannten policy letters (Richtlinienbriefen) den Mitgliedern und Mitarbeitern als verbindliche Orientierung vorgegeben. Der ideologische \u00dcberbau der SO beruht auf drei S\u00e4ulen: der Dianetik, Die \"drei S\u00e4ulen\" der Lehre Scientology und der scientologischen Ethik. Dianetik richtet der SO sich vordergr\u00fcndig an den Einzelmenschen, dogmatisiert aber tats\u00e4chlich gesellschaftliche und politische Grunds\u00e4tze und Forderungen. In der Lehre Scientology, die sich an das \"Geistwesen\" des Menschen, den so genannten Thetan, mit seinen verschiedenen Stufen der Befreiung richtet, prophezeit Hubbard, er kehre auf die Erde nicht als religi\u00f6ser, sondern als politischer F\u00fchrer des Universums zur\u00fcck. Die scientologische Ethik beschreibt die Disziplinierungstechnologie f\u00fcr Mitglieder, Mitarbeiter und die gesamte Gesellschaft. 2.1 Schriften der SO Die Analyse zahlreicher Schriften der SO zeigt den generellen Anspruch auf absolute G\u00fcltigkeit der scientologischen Ideologie. Den Mitgliedern wird suggeriert, dass die SO das Universalinstrument sei, mit dem alle politischen und gesellschaftlichen Probleme gel\u00f6st werden k\u00f6nnten. Das Wertesystem der SO erhebt daher nicht nur den Anspruch auf die Richtigkeit seiner Inhalte, sondern erkl\u00e4rt diese f\u00fcr absolut, nicht mehr hinterfragbar und f\u00fcr universell g\u00fcltig. Dar\u00fcber hinaus erfasst die SO den Menschen in all seinen pers\u00f6nlichen, zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen Lebensbereichen, sobald er in das Kontrollsystem der Organisation eingebunden ist. Die SO propagiert nicht nur Ver\u00e4nderung der eine verfassungsfeindliche Wertordnung, sondern will sie als verbindGesellschaft mit lichen Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat und Gesellschaft etablieren. Sie gibt SO-Techniken sich dabei als eine totalit\u00e4re Zwangslehre zu erkennen. Die SO in Deutschland bekennt sich auch in ihren aktuellen Ver\u00f6ffentlichungen ausdr\u00fccklich zu ihrem Gr\u00fcnder und seiner unver\u00e4nderbaren Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","198 Scientology-Organisation politischen Programmatik. Verschiedene Aussagen der SO deuten sogar darauf hin, dass sie ihre Ziele k\u00e4mpferisch-aggressiv verwirklichen will. Von Mitgliedern erwartet sie einer Werbebrosch\u00fcre der \"International Association of Scientologists\" (IAS) zufolge, dass sie \"die Zerschlagung von Gruppen unterst\u00fctzen, die den Zweck verfolgen, die Anwendung der Scientology-Technologie zu verhindern\". Eine \u00c4nderung der Ideologie ist nicht erkennbar; vielmehr werden weiter Schriften in diesem Sinn ver\u00f6ffentlicht. Auch h\u00e4lt die SO strikt an den internen Richtlinien und den grunds\u00e4tzlich zeitlich unbegrenzt g\u00fcltigen \"policy letters\" fest. 2.2 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft Politische Schon in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hatte Hubbard auf Zielsetzung die politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre und Technik hingewiesen. Mit der Entwicklung seiner totalit\u00e4ren \"Admintech\", die in elf B\u00e4nden niedergelegt ist, hat Hubbard ein sozialtechnisches Instrumentarium geschaffen, um Gruppen gef\u00fcgig zu machen. Es soll eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden. Eine neue \"wahre Demokratie\" soll an die Stelle der bisherigen Demokratien treten, die Scientologen als Produkt einer \"aberrierten\", d.h. von der Vernunft abweichenden, geisteskranken Gesellschaft ansehen. Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, dass zun\u00e4chst 10 bis 15 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den so genannten Nichtaberrierten, den \"Clears\", besteht, wobei die \"Unf\u00e4higen\" oder \"Unwilligen\" nach Hubbard \"abseits der Gesellschaft in Quarant\u00e4ne\" geschafft werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll die \"Admintech\" weltweit zur Organisation aller gesellschaftlichen Gruppen und der Regierungen eingesetzt werden. 2.2.1 Lenkung der Regierung durch die SO Projekt Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt Weltregierung \"International City\" vor und erhob darin den Anspruch, weltweit die Regierungen zu beherrschen. Dazu dient auch die Hubbard-Anweisung vom 13. M\u00e4rz 1961. Danach soll ein \"Department f\u00fcr Beh\u00f6rdenangelegenheiten\" u.a. \"st\u00e4ndigen Druck auf Regierungen aus\u00fcben, um Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen\". Beh\u00f6rden und unVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 199 abh\u00e4ngige Gerichte werden von der SO als \"Gefahr\" gesehen, der man begegnet, indem \"immer ausreichend Drohungen gegen sie gesucht oder erfunden werden\". 2.2.2 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems Die SO lehnt die bestehenden Rechtsordnungen ab. Der Kreis der Rechtstr\u00e4ger wird auf die \"Ehrlichen\" beschr\u00e4nkt, also nur auf diejenigen, die sich der SO verschrieben haben. Im bereits 1959 erschienenen \"Handbuch des Rechts\" \u00e4u\u00dfert sich \"Handbuch des L. Ron Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechtssystems. Rechts\" Danach wird es im scientologischen Gesellschaftssystem keine Menschenund Grundrechte mehr geben, wie sie im Grundgesetz definiert sind. Im scientologischen Rechtssystem sind auch keine unabh\u00e4ngigen Gerichte vorgesehen. Vielmehr erforscht ein nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts) Sachverhalte und ergreift Ma\u00dfnahmen. 2.2.3 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik In einem Grundlagenwerk fordert Hubbard \"totale Disziplin\". Um die Totale Macht zu behalten - so offenbar der Gedanke von Hubbard in seinem Disziplinierung Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\" - m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, der Anh\u00e4nger skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterlistig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten werde man die Macht verlieren. Die im \"Handbuch des Rechts\" empfohlenen Operationen zur \"Abwehr\" von \"Unterdr\u00fcckern\" lassen erkennen, dass die SO gewillt ist, die im Grundgesetz konkretisierten Grundrechte abzuschaffen oder deren Schutzbereich verfassungswidrig einzuschr\u00e4nken und dadurch eine totale Kontrolle des Einzelnen durch die SO zu erreichen. 2.3 Aktivit\u00e4ten der SO 2.3.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staates Alle Aktivit\u00e4ten der SO sind auf die Expansion der Organisation ausgelegt. In diesem Zusammenhang sind auch Ma\u00dfnahmen gegen Kritiker zu sehen. Kritiker sind alle Personen und Institutionen, die den Zielen der SO nicht zustimmen und ihrer Verwirklichung entgegenstehen. F\u00fcr deren \"Handhabung\" gibt es detaillierte Anweisungen, wie zu verfahren ist. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","200 Scientology-Organisation Verunglimpfung Aus diesem Grund verunglimpft, beschimpft und verleumdet die SO von Politikern entsprechend dem immer noch g\u00fcltigen HCO-Richtlinienbrief vom 11. Mai 1971 seit mehreren Jahren Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland. Dar\u00fcber hinaus verunglimpft die SO die jetzige deutsche Verfassungsordnung, indem sie diese mit der des nationalsozialistischen Deutschlands gleichsetzt. 2.3.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung Durch effiziente Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung, der \"Technologie\", werden die Mitarbeiter, aber auch die einfachen aktiven Mitglieder in manipulativer Weise unter st\u00e4ndigen Verhaltenszwang gesetzt, damit sie nach dem internen Sprachgebrauch des Managements Mensch als wie \"Maschinen\" neue Kunden werben und zu Anh\u00e4ngern des Systems Maschine machen. Der Leistungsdruck des Systems auf die Mitarbeiter und Mitglieder ist dabei so stark, dass sie sich dem technokratischen Regelwerk der \"Admintech\" und den Befehlen der Funktionstr\u00e4ger in der Regel ohne Widerspruch f\u00fcgen, selbst wenn sie unter Umst\u00e4nden sogar Normen und Dienstpflichten verletzen. 2.3.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern Personen, die Kritik \u00fcben, sollen mit schikan\u00f6sen bis diffamierenden Attacken als \"Feinde\" bek\u00e4mpft werden. Ziel ist es dabei, die Gegner der SO, die als \"unterdr\u00fcckerische Personen\" bezeichnet werden, mundtot zu machen, um die Expansion des Systems nicht von ihnen gef\u00e4hrden zu lassen. Kritiker werden wegen ihrer Gegnerschaft zur SO diffamiert, \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt, angezeigt und verklagt, bisweilen bedroht, Psychofolterbel\u00e4stigt und zur Zerm\u00fcrbung auch psychisch gequ\u00e4lt. In einer nach wie methoden vor g\u00fcltigen F\u00fchrungsanweisung Hubbards zum Umgang mit \"Unterdr\u00fcckern\" von 1966 hei\u00dft es dazu: \"Leute, die Scientology angreifen sind Verbrecher.\" \"Wenn man Scientology angreift, wird man auf Verbrechen hin untersucht.\" \"Man ist sicher, wenn man Scientology nicht angreift, auch wenn man nicht auf ihrer Seite ist.\" In den USA scheuen sich daher manche Medien, offen gegen die SO Stellung zu nehmen. Auch in Deutschland spionierte die SO ihre Kritiker durch verdeckt arbeitende Mitarbeiter und Privatdetektive bis in ihre Intimsph\u00e4re aus, um sie mit ehrenr\u00fchrigen Behauptungen in der \u00d6ffentlichkeit blo\u00dfzustellen (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 201 2.3.4 Aktivit\u00e4ten im Ausland Zwar bezeichnet die SO Deutschland immer wieder als wichtigstes Expansionsgebiet in Europa, doch sind ihre Verbreitungsbem\u00fchungen auch in vielen anderen europ\u00e4ischen Staaten nicht unerheblich. Zahlreiche Verfahren gegen Scientologen in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien zeigen, dass die SO Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsordnungen dieser L\u00e4nder in Kauf nimmt. Zudem werden - wie in Deutschland - in den genannten Staaten, insbesondere in Frankreich, Kampagnen gegen die angebliche religi\u00f6se Diffamierung der SO durchgef\u00fchrt. In Belgien laufen gegen die SO seit Oktober 1999 Strafermittlungen Belgien wegen Betrugs und anderer Straftaten. Im Fr\u00fchjahr 2003 wurden daraufhin neun Angeh\u00f6rige der SO wegen verschiedener Delikte wie Betrug, Verletzung der Privatsph\u00e4re, illegale Aus\u00fcbung des Apothekerund Arztberufs sowie Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Im Zusammenhang mit den scientologischen Aktivit\u00e4ten in Belgien wurde im September 2005 von einigen Abgeordneten der Belgischen Abgeordnetenkammer ein \"Gesetzesvorschlag zur Ver\u00e4nderung des Strafgesetzes zur Strafbarkeit der mentalen Destabilisierung von Personen und des Missbrauchs der Situation der Schw\u00e4chen von Personen\" eingereicht. \u00dcber den Gesetzesvorschlag wurde noch nicht entschieden. Am Aufbau neuer Organisationsstrukturen im Ausland beteiligten sich auch deutsche Scientologen. Besonders bei der Expansion der SO in OstOsteuropa europa spielt die M\u00fcnchener Niederlassung der SO, die so genannte Org M\u00fcnchen, seit Jahren eine bedeutende Rolle. In Kursen der Org M\u00fcnchen werden zahlreiche Osteurop\u00e4er ausgebildet. Einer Pressemeldung aus dem Internet zufolge soll das oberste Gericht in Russland das Urteil des obersten Gerichts der Republik Baschkirien vom 9. Februar 2004 best\u00e4tigt haben, das das Verbot der \"Scientology-Kirche\" f\u00fcr seinen Zust\u00e4ndigkeitsbereich f\u00fcr rechtm\u00e4\u00dfig angesehen habe, weil die Organisation unberechtigt erzieherische und medizinische T\u00e4tigkeiten aus\u00fcbe, die das Denken und die Psyche der Auszubildenden negativ beeinflussten und die \u00f6ffentliche Gesundheit bedrohten. Dem Gericht zufolge sei die SO dort seit 1994 aktiv. Im September 2003 er\u00f6ffnete die SO unter gro\u00dfem Medienaufwand in Br\u00fcssel/Belgien ein \"Menschenrechtsb\u00fcro\", das mit Mitteln der \"Internationalen Vereinigung von Scientologen\" (IAS) finanziert wurde. Die SO will damit an einem wichtigen und einflussreichen Politikund Verwaltungszentrum Pr\u00e4senz zeigen und Lobbyarbeit leisten. Zu diesem Versand von Zweck verschickte die SO auch im Jahr 2006 Informationsbrosch\u00fcren Informations\"Scientology - Antworten und L\u00f6sungen\" zu den verschiedensten Thebrosch\u00fcren Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","202 Scientology-Organisation men an f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten Europas. Mit jeder der in acht Sprachen verfassten Brosch\u00fcren will die Organisation 56.000 Pers\u00f6nlichkeiten in ganz Europa als Multiplikatoren erreichen. Insgesamt sollen nach eigenen Angaben bereits \u00fcber 700.000 Brosch\u00fcren verteilt worden sein. In Bayern sind bereits zahlreiche Kommunen, Schulen und Sicherheitsbeh\u00f6rden als Adressaten bekannt. W\u00e4hrend der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin sollen laut einer Pressemitteilung der SO hunderte so genannter Volunteer Ministers (ehrenamtliche Geistliche der SO), darunter auch eine Gruppe Scientologen aus Deutschland, aktiv gewesen sein. Angeblich seien vor und w\u00e4hrend der Er\u00f6ffnungsfeierlichkeiten zehntausende Brosch\u00fcren zum Thema Menschenrechte und die SO-Brosch\u00fcre \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" an Zuschauer und G\u00e4ste verteilt worden. Allerdings neigt die SO bei Presseverlautbarungen zu ihren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen zu \u00dcbertreibungen. \"1. Europ\u00e4ischer Am 8. April fand in Br\u00fcssel der \"1. Europ\u00e4ische Expansionsgipfel\" der Expansionsgipfel\" SO statt. Die belgische Zeitung \"Le Soir\" berichtete \u00fcber die Veranstaltung, an der mehrere Hundert Menschen teilnahmen. So habe ein Redner Institutionen der Europ\u00e4ischen Union (EU) indirekt mit Nazis verglichen und die EU als \"Viertes Reich\" bezeichnet. Au\u00dferdem h\u00e4tten SO-Funktion\u00e4re gesagt, dass sich die SO im Krieg befinde und man sich bem\u00fchen m\u00fcsse, in Belgien die Kontrolle zu \u00fcbernehmen. Dem Zeitungsbericht zufolge sei geplant, die europ\u00e4ische Zentrale der SO in Br\u00fcssel zu errichten. Zu diesem Zweck soll die SO schon umfangreichen Immobilienbesitz in der N\u00e4he politischer Institutionen der EU und des belgischen Staates erworben haben. 2.4 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten Gutachten Nach einem Gutachten des Instituts f\u00fcr Therapieforschung (IFT) aus dem Jahr 2002 kommt die SO mit der objektiven Wertordnung der Verfassung in vielfacher Hinsicht in Konflikt, weil sie nicht nur ein internes Normensystem habe, das die Organisationsinteressen ausnahmslos \u00fcber die Belange des Einzelnen stelle, sondern auch Feindbilder in Form von willk\u00fcrlich erkl\u00e4rten \"Unterdr\u00fcckern\" aufgebaut habe. Die interne Organisation sowie die Methoden der \u00dcberwachung und Instrumentalisierung, die gegen Mitglieder und Mitarbeiter angewendet werden, versto\u00dfen dem Gutachten zufolge gegen die Menschenw\u00fcrde, das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht und gegen die Meinungsfreiheit. Dar\u00fcber hinaus werde von der Organisation das herrschende Gesellschaftssystem, vor allem das Sozialstaatsprinzip, massiv kritisiert und negiert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 203 Die SO biete nicht nur Einzelpersonen ihre Dienstleistungen an, sondern Ziel: Abschaffung ziele \u00fcber die Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung des Menschen auf die Errichder freiheitlichen tung einer scientologischen Gesellschaftsund Staatsordnung, die im demokratischen Widerspruch zu zentralen Prinzipien unserer Rechtsordnung stehe. Grundordnung Das Gutachten best\u00e4tigt die bisherige Bewertung der SO durch die bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Auch das Verwaltungsgericht K\u00f6ln hat 2004 im Rechtsstreit zwischen dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und der SO best\u00e4tigt, dass diese verfassungsfeindliche Ziele verfolge, die darauf gerichtet sind, die Grundrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde, zu beseitigen. Das Gutachten ist unter der ISBN 3-936142-40-8 beim Pabst Science Publishers Verlag unter dem Titel \"Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology\" erschienen. 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO Die Einrichtungen der SO in Deutschland erscheinen zwar nach au\u00dfen als rechtlich selbst\u00e4ndig, sind jedoch der strikten Befehlsund Disziplinargewalt des Internationalen Managements in den USA unterworfen und daher unselbst\u00e4ndige Teile. Das Religious Technology Center (RTC) unter David Miscavige hat die Befehlszentrale oberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internatioder SO nale Management der SO angesiedelt. Dieses hat die Aufgabe, f\u00fcr jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Derartige Sektoren sind u.a. die Bereiche \"Church\", WISE, ABLE und OSA. Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watchdog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll. 3.2 Organisation der SO in Deutschland 3.2.1 \"Church\"-Sektor Derzeit existieren im Bundesgebiet zehn \"Kirchen\" (Orgs) und \"Celebrity Centres\" (CC), und zwar jeweils eine Org und ein CC in M\u00fcnchen, Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","204 Scientology-Organisation Organisationen der SO in Bayern Hof Aschaffenburg W\u00fcrzburg KVPM - Schl\u00fcsselfeld N\u00fcrnberg Scientology Mission N\u00fcrnberg Regensburg Scientology Mission Ingolstadt Augsburg Passau Augsburg Scientology Mission M\u00fcnchen M\u00fcnchen Celebrity Center M\u00fcnchen Lindau WISE Scientology Scientology KVPM - Starnberg Kirche Kirche Bundesleitung Deutschland e.V. Bayern e.V. Department of Department of KVPM Special Affairs Special Affairs M\u00fcnchen GER MUC D\u00fcsseldorf und Hamburg sowie jeweils eine Org in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover. Au\u00dferdem gibt es in Deutschland insgesamt 14 \"Missionen\", davon neun in Baden-W\u00fcrttemberg, je eine in Bremen und Hessen sowie drei in Bayern, n\u00e4mlich in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Augsburg. Daneben sind noch einige so genannte Feldauditorengruppen aktiv. Die genannten Einrichtungen der SO sind in Deutschland \u00fcberwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD). Diese Vereine sind jedoch Scheinselbst\u00e4nnur scheinbar selbst\u00e4ndig; sie haben im weltweiten, aus den USA gedige Teilorganisteuerten System kaum eigenst\u00e4ndige Funktionen. Faktisch werden die sationen SO-Einrichtungen nicht durch die jeweiligen Vereinsvorst\u00e4nde geleitet, sondern durch die Executive Directors und die sonstigen Funktionsinhaber Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Verfassungsschutzbericht Bayern 2006 Compilations Unit; Translations Unit; Cine Org Audio Division (Tapes, Music); Systems Manufacturing Division Projection Systems, Cassette Decks)] Scientology-Organisation 205","206 Scientology-Organisation in den USA \u00fcber die jeweiligen Verbindungsstellen. Dies ist in den Lizenzvertr\u00e4gen \u00fcber die Nutzung der Dianetikund SO-Warenzeichen zwischen der Konzernspitze in den USA und den \u00f6rtlichen \"Kirchen\", \"Missionen\" usw. in aller Welt geregelt. So wurden in den vergangenen Jahren beispielsweise Mitglieder der Eliteorganisation Sea-Org aus den USA und dem Kontinentalen Verbindungsb\u00fcro in Kopenhagen in deutsche Einrichtungen der SO abgeordnet, um dort Befehle zu erteilen und f\u00fcr die richtige \"Handhabung\" der scientologischen Technologie zu sorgen. 3.2.2 WISE-Sektor Das 1979 von der SO gegr\u00fcndete World Institute of Scientology Enterprises (WISE) besteht aus Gesch\u00e4ftsleuten oder Unternehmen aus allen Bereichen der Wirtschaft. Zweck von WISE ist es, Geld f\u00fcr die SO zu beschaffen und durch die Verbreitung der auf L. Ron Hubbard beruhenden \"Technologie\" Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Damit kommt WISE auch eine f\u00fchrende politische Bedeutung zu. Schwerpunkte in Deutschland und Bayern sind die Immobilienbranche sowie die Unternehmens-, F\u00fchrungsund Personalberatung. WISE-Logo Dar\u00fcber hinaus ist die IT-Branche aufgrund ihrer globalen Vernetzung und ihrer technischen M\u00f6glichkeiten ins Blickfeld von Scientologen geraten, da sie den Zugang in sensibelste Unternehmensbereiche er\u00f6ffnen kann. In besonderem Ma\u00dfe bem\u00fcht sich die SO seit einiger Zeit, in Osteuropa (Russland, Ungarn) zu expandieren. Kontinentale WISE-B\u00fcros finden sich f\u00fcr Europa in Kopenhagen, Mailand, Budapest und Moskau. \u00dcber so genannte Hubbard Colleges of Administration wird versucht, Hubbards Verwaltungstechnologie als vorgeblich erfolgreiches westliches Know-how in Unternehmen und in der Verwaltung zu etablieren. 3.2.3 ABLE-Sektor Umwandlungen Die Association for better Living and Education (ABLE) versucht, f\u00fcr die in sozialen SO den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen und scientoBereichen logische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu realisieren. Zu den dem ABLE-Bereich zuzuordnenden Organisationen geh\u00f6ren vor allem * das \"Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen\" (ZIEL), * \"Applied Scholastics\" (Ausbildungsprogramm; u.a. Englisch-Fernkurse), Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 207 * \"NARCONON\", ein angebliches Drogenrehabilitationsprogramm, * \"CRIMINON\", angeblich ein Programm zur Rehabilitation von Strafgefangenen. Mit diesen Organisationen versucht die SO, sich als humanit\u00e4re, karitative und sozial verantwortliche Organisation darzustellen. Die Wahl von Ausbildung, Gefangenenund Drogenrehabilitation als weitere Schwerpunkte l\u00e4sst den Schluss zu, dass die gerade bei diesen Personengruppen gegebene M\u00f6glichkeit der leichteren Einflussnahme benutzt wird, um diese f\u00fcr die SO zu werben. 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO 3.2.4.1 Applied Scholastics Einer der Schwerpunkte der Expansionsstrategie der SO ist ihr Bestreben, in ihrem angeblichen Kampf gegen die Bildungsmisere und den Analphabetismus die Studiertechnologie Hubbards in der Gesellschaft zu etablieren. Die derzeitigen Bildungsund Schulsysteme werden von der SO als unf\u00e4hig deklariert, den Sch\u00fclern \"wahre Fertigkeiten und geistige F\u00e4higkeiten\" beizubringen. In diesem Zusammenhang hei\u00dft es bereits im Klappentext aus dem Jahr 1992 zum \"Grundlegenden Studierleitfaden\" von Hubbard: \"Erlangen Sie die Fertigkeiten, die Ihnen das Schulsystem niemals beibrachte - und beginnen Sie wirklich anzuwenden, was Sie lernen!\" Anl\u00e4sslich der Feier zum 10. Jahrestag der International Association of Scientologists (IAS) Ende 2003 forderte der Vorsitzende des Religious Technology Center (RTC) David Miscavige in seiner Rede: \"Die Studiertechnologie muss \u00fcberall sein. (...) So schaffen wir die Mittel, um die Tech in jede Schule einzuf\u00fchren und das Problem auf globaler Ebene zu l\u00f6sen.\" Mit der Studiertechnologie, die beispielsweise \u00fcber Nachhilfegruppen Studiertechnologie verbreitet werden soll, will die SO zun\u00e4chst unerkannt die Lehren Hubals Rekrutierungsbards verbreiten, um letztendlich neue Mitglieder zu rekrutieren. Somittel wohl das Werbematerial der von Scientologen gef\u00fchrten Lernstudios als auch deren Namen enthalten dabei keine Hinweise auf die Organisation. So tragen die Anbieter neutrale Namen wie zum Beispiel Lernstudio, Lerncenter oder Tutoring. Erfahrungsberichte von Eltern und Sch\u00fclern zeigen, dass die Nachhilfelehrer nicht nur den Lehrstoff behandelten, sondern dass sie W\u00f6rter und Begriffe nach der Hubbard-Studiertechnologie definierten und durch Knetmasse darstellen lie\u00dfen, wobei anfangs jeder Hinweis auf die SO vermieden wird. In Bayern Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","208 Scientology-Organisation wurden allerdings schon F\u00e4lle bekannt, bei denen Sch\u00fclern bereits nach wenigen Stunden Nachhilfe die SO-Werbebrosch\u00fcre \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" \u00fcbergeben wurde, in der zwar Hubbard als Verfasser genannt wird, ansonsten aber auch jeder Hinweis auf die SO fehlt. Der weltweite Aufruf an Scientologen, zuletzt bei der Neujahrsveranstaltung 2006 der Church of Scientology International (CSI) in Los Angeles, im Umfeld ihrer \"Kirchen\" und \"Missionen\" zahlreiche Sch\u00fclernachhilfegruppen zu gr\u00fcnden, war bisher allerdings wenig erfolgSO-Nachhilfereich. In Bayern wurden bislang zehn solcher Nachhilfeeinrichtungen einrichtungen bekannt. In diesem Zusammenhang warnte das Bayerische Staatsministerium f\u00fcr Unterricht und Kultus in Lehrerrundbriefen und Elternzeitschriften wiederholt vor diesen Aktivit\u00e4ten der SO. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sich besorgte Eltern auf der Internet-Seite http://www.appliedscholastics.org auf dem dortigen Global-Locator-Germany \u00fcber SO-Nachhilfeanbieter informieren. Diese Liste von Anbietern ist allerdings nicht vollst\u00e4ndig. 3.2.4.2 NARCONON Im Jahr 2003 gr\u00fcndeten Mitglieder der SO einen neuen Verein \"NARCONON Bayern e.V.\" mit Sitz in M\u00fcnchen. Dieser Verein versuchte, im Landkreis Cham ein NARCONON-Rehabilitationszentrum zu errichten. Proteste aus der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung verhinderten das Vorhaben. Stattdessen mietete der Verein Ende 2004 ein ehemaliges Alpengasthaus im \u00f6sterreichischen Ellmau, um dort ein Drogenrehabilitationszentrum, \"Europas gr\u00f6\u00dftes\" NARCONON-Center, zu er\u00f6ffnen. Mittlerweile kam es aber auch dort zu Protesten in der \u00d6ffentLogo von NARCONON lichkeit gegen diese Einrichtung. \u00d6rtliche Politiker verteilten Postwurfsendungen, in denen auf die Gefahren der SO-Ideologie hingewiesen wird. Es bleibt abzuwarten, ob sich diese SO-Einrichtung in Tirol auf Dauer etablieren kann. Zur Gr\u00fcndung einer NARCONON-Einrichtung empfiehlt die SO Folgendes: \"Jeder, der daran interessiert ist, als Pionier ein NARCONON-Zentrum auf der Grundlage der Technologie L. Ron Hubbards zu er\u00f6ffnen, sollte als erstes mit dem n\u00e4chstgelegenen NARCONON-Zentrum oder mit einem Repr\u00e4sentanten von NARCONON International Kontakt aufnehmen, der ihm dabei helfen wird. NARCONON International wird anschlie\u00dfend mit Rat, Anleitung und Materialien zur Verf\u00fcgung stehen, die f\u00fcr einen Start ben\u00f6tigt werden.\" (Auszug aus \"Was ist Scientology?\", Seite 514) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 209 Die Teilnehmer an einem \"NARCONON-Entzug\" durchlaufen u.a. eine \"Trainings-Routine\", was in den \"Kirchen\" zum Vorbereitungsprogramm der Ausbildung zum Auditor geh\u00f6rt. Teil des Kurses ist ferner ein \"Reinigungsprogramm\", das in den \"Kirchen\" vor Beginn des Auditings zu absolvieren ist. Der deutsche NARCONON-Verein in Itzehoe hat sich offenbar aufgel\u00f6st; es wurden keine \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten in Deutschland mehr bekannt. Der ehemalige dortige Vorsitzende hat sich jetzt dem \"NARCONON Bayern e.V.\" angeschlossen. 1995 verurteilte das Amtsgericht Miesbach einen Verantwortlichen von NARCONON wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Heilpraktikergesetz. Damals Verst\u00f6\u00dfe gegen wurde festgestellt, dass weder der angeklagte Vorsitzende des Vereins das Heilpraktiker\"NARCONON-Schliersee\" noch die Betreuer zur Aus\u00fcbung eines Heilgesetz berufs bef\u00e4higt oder berechtigt waren. 3.2.4.3 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) Die KVPM ist eine mit der SO verbundene Organisation und im Bereich \"Sozialreformen\" t\u00e4tig. Sie wurde 1972 von Mitgliedern der SO gegr\u00fcndet. Als ihr Ziel bezeichnet sie, Missbr\u00e4uche und Menschenrechtsverletzungen der Psychiatrie zu untersuchen und aufzu-decken. Nach internen, nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmten Publikationen soll sie jedoch dazu beitragen, eine neue Zivilisation, eine scientologische Gesellschaft zu schaffen. Angesiedelt ist die KVPM im Office of Special Affairs (OSA) der SO. KVPM-Logo 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) OSA ist die Nachfolgeorganisation einer bereits in den 60er Jahren unter dem Namen Guardian Office (GO) aufgebauten Abteilung, die nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis auch Nachrichtendienstund SpionagefunkGeheimdienst tionen hatte. Zahlreiche Grundlagenpapiere f\u00fcr das GO, z.B. f\u00fcr nachder SO richtendienstliche Schulung, wurden f\u00fcr den neuen Dienst als OSA-Network Orders \u00fcbernommen. Im Gegensatz zur rigiden und direkten Vorgehensweise des GO, die in der Vergangenheit international zu einem Ansehensverlust der SO gef\u00fchrt hatte, operiert das OSA heute erkennbar vorsichtiger, ohne seine Ziele im Wesentlichen ge\u00e4ndert zu haben. Die f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndige OSA-Einheit ist das Department of SpeDeutsche OSAcial Affairs (DSA) mit Sitz in M\u00fcnchen. Nach au\u00dfen tritt das DSA unter Zentrale (DSA) Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","210 Scientology-Organisation der Bezeichnung \"Scientology Kirche Deutschland, Beichstra\u00dfe 12, 80802 M\u00fcnchen\" auf; der inoffizielle Sitz befindet sich in M\u00fcnchen in der Nordendstra\u00dfe 3. Dem DSA-Deutschland nachgeordnet sind die lokalen DSA-B\u00fcros in Berlin, D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, M\u00fcnchen und Ulm, angesiedelt bei den dortigen \"Scientology Kirchen\" oder den \"Celebrity Centres\". Die SO selbst stellt ihre OSA-Einrichtung f\u00fcr Deutschland mit Sitz in M\u00fcnchen als B\u00fcro f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten oder als Presseund Rechtsamt dar. Teile des OSA sind das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr MenschenCCHR rechte und die Citizens Commission on Human Rights (CCHR). Da die CCHR weisungsgebend f\u00fcr die Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie KVPM gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ist, kann dieses \u00f6ffentlichkeitswirksame Aush\u00e4ngeschild zur Bek\u00e4mpfung der Psychiatrie ebenfalls dem Bereich OSA zugerechnet werden. Auch die im August 2001 gegr\u00fcndete ATV \"Aktion Transparente Verwaltung M\u00fcnchen\" (ATV), betrieben von einem DSA-Unterabteilungsleiter, ist dem OSA zuzurechnen. Die ATV unterh\u00e4lt eine eigene Homepage; ein Hinweis auf die SO ist dort nicht erkennbar. Das Engagement im Bereich angeblicher Menschenrechtsverletzungen gegen Scientologen durch feindliche Staaten und ihre Beh\u00f6rden ist wesentlicher Bestandteil der Expansionsbem\u00fchungen, ebenso der von Hubbard betriebene Kampf gegen die Psychiater als \"Quelle allen \u00dcbels in der Welt\". Gem\u00e4\u00df der Hubbard-Anweisung (HCO-PL) vom 13. M\u00e4rz 1961 soll in den OSA-Akten die jeweilige Ausgangslage f\u00fcr Ma\u00dfnahmen von OSA bzw. DSA gegen \"Feinde\", d.h. der SO kritisch begegnende Personen, gesammelt werden. Der HCO-PL beschreibt als Ziel der Abteilung: \" ... Beh\u00f6rden und ihnen entgegen gesetzte Denkmodelle oder Gesellschaften in einen Zustand v\u00f6lliger \u00dcbereinstimmung mit den Zielen der SO zu bringen. (...) Dies geschieht durch die hochrangige F\u00e4higkeit zur Steuerung und - falls sie nicht gegeben ist - durch die weiter unten angesiedelte F\u00e4higkeit zur \u00dcberw\u00e4ltigung.\" Arbeitsweise Das DSA-Deutschland setzt diese Anweisung um, sammelt Informatiodes DSA nen \u00fcber Kritiker, Politiker, Beh\u00f6rdenangeh\u00f6rige und andere Gegner, wertet sie aus und verwendet sie f\u00fcr eigene operative Ma\u00dfnahmen. Durch Recherchen unter Falschnamen und andere Ma\u00dfnahmen verschafft sich das DSA-Deutschland interne Unterlagen deutscher Einrichtungen. Seine Au\u00dfendienstmitarbeiter observieren als \"Feinde\" bezeichnete Gegner der SO und beziehen, um R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre Organisation zu verhindern, Privatdetektive in ihre Arbeit ein. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 211 Das DSA arbeitet abgeschottet gegen\u00fcber anderen SO-Strukturen. Die Informationen an \u00fcbergeordnete Einrichtungen werden verschl\u00fcsselt oder durch konspirativen Botenverkehr \u00fcbermittelt. 4. Mitglieder der SO Die SO hat in Deutschland zwischen 5.000 und 6.000 Mitglieder, wobei Mitgliederzahlen die Organisation selbst eine deutlich h\u00f6here Zahl angibt. Fr\u00fcher behauptete die SO, dass die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) \u00fcber 30.000 Mitglieder habe; im Rechtsstreit der SO gegen das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (vgl. auch Nummer 6 dieses Abschnitts) gab der Pr\u00e4sident der SKD im Jahr 2004 an, die SKD habe etwa 12.000 Mitglieder. Der Mitgliederstand in Bayern ist mit etwa 2.600 konstant geblieben. Als Mitglieder werden solche Personen verstanden, die ihre Mitgliedschaft in einem SO-Verein oder einer sonstigen SO-Gliederung, z.B. im WISEoder ABLE-Bereich, schriftlich erkl\u00e4rt haben oder durch die Belegung von Kursen in einem SO-Verein verdeutlichen. 5. Veranstaltungen und sonstige Aktivit\u00e4ten der SO Schwerpunkt der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der SO in Bayern waren Informationsst\u00e4nde vor allem in M\u00fcnchen, vereinzelt auch in Info-St\u00e4nde N\u00fcrnberg und Augsburg. Wie schon 2005 hat die SO wesentlich mehr \u00f6ffentliche Veranstaltungen abgehalten als in den Jahren zuvor. Die etwa 350 \u00f6ffentlichen Veranstaltungen in Bayern waren gr\u00f6\u00dftenteils als Informationsst\u00e4nde in Form von Versammlungen organisiert. Als Veranstalter traten meist die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) und die \"Scientology Kirche Bayern e.V.\" (SKB) auf. Die SKD und die SKB warben wie in den Vorjahren mit den Themen Themen\"F\u00fcr den Frieden auf der Welt - Dianetik f\u00fchrt zum Frieden\" bzw. \"F\u00fcr schwerpunkte den Frieden auf der Welt - die ehrenamtlichen Scientology-Geistlichen sagen, man kann immer etwas tun\". Bei den Veranstaltungen wurden regelm\u00e4\u00dfig SO-Brosch\u00fcren zu den Themen \"Die Wahrheit \u00fcber den Joint\", \"Was sind Menschenrechte\", \"Der Weg zum Gl\u00fccklichsein\" sowie andere Werbeartikel der SO verteilt, um angebliche Missst\u00e4nde in der Gesellschaft anzuprangern und damit Interessenten und gegebenenfalls neue Mitglieder zu werben. Am 3. Juni wurde in M\u00fcnchen eine \u00f6ffentliche Kundgebung unter dem Motto \"Jugend f\u00fcr Menschenrechte\" abgehalten, bei der neben der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","212 Scientology-Organisation Vizepr\u00e4sidentin der SKD auch jugendliche Scientologen auftraten, die die von den Vereinten Nationen proklamierte Erkl\u00e4rung der Menschenrechte vortrugen. Untermalt wurde die Veranstaltung von Musik und Tanzdarbietungen. Entgegen einer Ank\u00fcndigung von \u00fcber hundert Teilnehmern nahmen nur etwa 30 Besucher an der Veranstaltung teil. W\u00e4hrend der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft in Deutschland verst\u00e4rkte die SO ihre Veranstaltungsaktivit\u00e4ten erheblich. Sie trat dabei jedoch nicht in der N\u00e4he von Fu\u00dfballstadien oder Fan-Festen auf. In Bayern wurden w\u00e4hrend dieser Zeit 106 \u00f6ffentliche Informationsveranstaltungen durchgef\u00fchrt, die meisten davon in M\u00fcnchen. Bei diesen Veranstaltungen wurden regelm\u00e4\u00dfig SO-Brosch\u00fcren in mehreren Sprachen ausgelegt, um auch ausl\u00e4ndische Besucher anzusprechen. Dar\u00fcber hinaus wurde die bundesweite Informationskampagne \u00fcber die Volunteer so genannten Ehrenamtlichen Geistlichen (Volunteer Ministers) der SO Ministers fortgesetzt. Bei einigen Veranstaltungen wurden Listen ausgelegt, in die sich Betroffene oder interessierte B\u00fcrger eintragen konnten. Diesen wird dann, wie die SO selbst im Internet berichtete, Informationsmaterial zugesandt, um sie f\u00fcr die SO zu gewinnen. Diese Aktionen dienen nur vordergr\u00fcndig dazu, \u00fcber die SO zu informieren. Tats\u00e4chlich sollen die Besucher f\u00fcr die Organisation geworben werden. Die Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit war jedoch gering. Au\u00dferdem f\u00fchrte die SO zahlreiche Postwurfaktionen durch, wobei Flugbl\u00e4tter und die Publikation \"Freiheit\" in gro\u00dfer Anzahl verteilt wurden. Mehrere Stra\u00dfenwerber wurden nach der nicht erlaubten Verteilung von Werbematerialien auf \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen wegen Versto\u00dfes gegen das Bayerische Stra\u00dfenund Wegegesetz angezeigt. Wie in den Jahren zuvor verteilten Scientologen die Brosch\u00fcre \"Die Fakten \u00fcber den Joint! Sag NEIN zu Drogen\" an Polizeidienststellen. Die SO sandte diese Publikation auch an Schulen und Beh\u00f6rden. Mit der Propagierung von scientologischen L\u00f6sungsans\u00e4tzen in der Drogenproblematik sollen betroffene Personen veranlasst werden, kostenpflichtige Angebote der SO (B\u00fccher, Kurse, so genannte Reinigungsrundowns usw.) anzunehmen. 6. Verwaltungsgerichtsverfahren Beobachtung der Mit Urteil vom 11. November 2004 hatte das Verwaltungsgericht K\u00f6ln SO durch das BfV die Klage der SO auf Unterlassung der Beobachtung durch das Bundesrechtens amt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) in vollem Umfang zur\u00fcckgewiesen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Scientology-Organisation 213 (Az. 20 K 1882/03), wogegen die SO am 2. Mai 2005 Berufung eingelegt hat. Das Gericht f\u00fchrte zur Begr\u00fcndung aus, es sei zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass die Beobachtung der \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) und der \"Scientology Kirche Berlin e.V.\" (SKB) durch das BfV sowohl mit offenen als auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln rechtm\u00e4\u00dfig sei, weil deutliche tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorl\u00e4gen, dass die Kl\u00e4ger verfassungsfeindliche Ziele verfolgten. Das Urteil stellte auch klar, dass die SO ihre verfassungsfeindlichen Ziele nicht nur theoretisch verfolgt, sondern auch praktisch umsetzt, wenn es ausf\u00fchrt, dass \"tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass die von den Kl\u00e4gern verfolgten Verhaltensweisen zielund zweckgerichtet darauf gerichtet sind, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen\". Der Hinweis des Gerichts, dass \"K\u00e4mpfer f\u00fcr Scientology\" geworben werden sollen und dass die Kl\u00e4ger letztendlich das \"Konzept verfolgen, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung zu untergraben\", deutet in Richtung auf eine Bet\u00e4tigungsweise, die als aggressiv-k\u00e4mpferisch bezeichnet wird. In seiner Klageerwiderung vom 15. August 2003 hat der Prozessbevollm\u00e4chtigte des BfV eine ausf\u00fchrliche Darstellung der vorliegenden tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsfeindliche und teilweise sogar aggressiv-k\u00e4mpferische Bestrebungen der SO gegen die freiheitliche Aggressiv-k\u00e4mpdemokratische Grundordnung und dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Straftaten wie ferische Ans\u00e4tze Betrug und N\u00f6tigung gegeben: \"Scientology sieht sich in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Rest der Welt, und hieraus wird erkl\u00e4rlich, weshalb dieser Kampf nach Auffassung von Scientology ohne R\u00fccksicht, ohne Grenzen und mit allen Mitteln gef\u00fchrt werden mu\u00df und gef\u00fchrt werden darf.\" \"Es ist offensichtlich, dass eine Gruppierung mit diesem Verst\u00e4ndnis, sollte sie je bestimmenden oder gar beherrschenden Einflu\u00df in einem Staat erringen, eine Schreckensund Terrorherrschaft errichten w\u00fcrde, die auf die Unterdr\u00fcckung, wenn nicht gar vollst\u00e4ndige Vernichtung aller ihrer Gegner gerichtet w\u00e4re.\" \"Scientology ist stets, \u00fcberall und jederzeit, bem\u00fcht, alles in Erfahrung zu bringen, was sich in irgendeiner Weise gegen seine Kritiker verwenden lie\u00dfe. Dies wird eingesetzt, um Kritiker mit der Drohung der Ver\u00f6ffentlichung einzusch\u00fcchtern. Dabei handelt es sich um systematische strafbare N\u00f6tigung im Sinn des SS 240 StGB, weil die zur \u00f6ffentlichen Diskreditierung der Kritiker eingesetzten Informationen nichts mit der Kritik an Scientology zu tun haben.\" Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) entschied am 2. No\"CCM-Entscheivember 2005, dass der Verein \"Celebrity Center Scientology Kirche dung\" M\u00fcnchen e.V.\" (CCM) weiterhin als \"eingetragener Verein\" t\u00e4tig sein Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","214 Scientology-Organisation darf (Az.: 4 B 99.2582). Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen hatte mit Bescheid vom 13. November 1995 dem eingetragenen Verein die Rechtsf\u00e4higkeit entzogen, weil er entgegen seiner Satzung keine ideellen Ziele verfolge. Das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen hatte die Klage des Vereins gegen den Entzug der Rechtsf\u00e4higkeit mit Urteil vom 2. Juni 1999 abgewiesen. Das Urteil hat unmittelbar nur Geltung f\u00fcr das CCM und nicht f\u00fcr andere SO-Vereine. Unber\u00fchrt bleibt von dieser Entscheidung auch die Bewertung eines SO-Vereins als Gewerbebetrieb, da die Begriffe \"wirtschaftlicher Gesch\u00e4ftsbetrieb\" im Sinn des Vereinsrechts und \"Gewerbe\" im Sinn des Gewerberechts nach Ansicht des BayVGH wegen unterschiedlicher Schutzzwecke nicht identisch sind. 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt ein \"vertrauliches Telefon\" unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96. Opfer, Aussteiger und Angeh\u00f6rige von SO-Mitgliedern k\u00f6nnen dort Hinweise \u00fcber die SO geben. F\u00fcr Beratungen stehen die anerkannten Beratungsstellen zur Verf\u00fcgung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern informiert im Internet \u00fcber die Ma\u00dfnahmen der Bayerischen Staatsregierung, \u00fcber Pressemitteilungen und Gerichtsentscheidungen unter folgender Adresse: http://www.innenministerium.bayern.de/scientology Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Spionageabwehr 215 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Die Notwendigkeit f\u00fcr die internationale Staatengemeinschaft, die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen bei Krisenl\u00e4ndern und terroristischen Organisationen (Proliferation) zu verhindern, sowie die BeobProliferation achtung der Wirtschaftsspionage stehen - neben den nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten vor allem Chinas und der GUS-Staaten - weiter im Mittelpunkt des Auftrags der Spionageabwehr im Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Die anhaltenden Bem\u00fchungen von hoch technisierten deutschen - insbesondere auch mittelst\u00e4ndischen - Unternehmen, sich auf den Wirtschaftsm\u00e4rkten in Russland und Fernost zu etablieren, sind f\u00fcr den Schutz von Know-how nicht ohne Gefahren. Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste zur Erlangung von Spezialwissen belegen das nach wie vor bestehende Interesse an deutschen Produkten. Die Volksrepublik (VR) China versucht mit Nachdruck, den technoloZielobjekte der gischen Abstand zu den f\u00fchrenden Industriestaaten zu verringern. China VR China beabsichtigt langfristig, mit einer Innovationsoffensive Spitzentechnologien selbst herzustellen, d.h. der Staat f\u00f6rdert die eigene Hochtechnologie und beschr\u00e4nkt gleichzeitig die Einfuhr von Technik ausl\u00e4ndischer Investoren. Mit offensivem Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel werden vor allem Informationen zu den Bereichen Milit\u00e4r, Wirtschaft und Forschung gesammelt. Dar\u00fcber hinaus versucht die VR China weiterhin, oppositionelle Gruppierungen im Ausland zu beobachten und zu unterwandern. Vor allem die in China verbotene buddhistisch-taoistische Falun-Gong-Bewegung sowie die in Deutschland lebenden organisierten Angeh\u00f6rigen der uigurischen Minderheit, aber auch Anh\u00e4nger der taiwanesischen Souver\u00e4nit\u00e4t stehen im Blickfeld der chinesischen Nachrichtendienste. Die hohe Zahl der in russischen diplomatischen Vertretungen in DeutschAktivit\u00e4ten land besch\u00e4ftigten nachrichtendienstlichen Mitarbeiter l\u00e4sst einen R\u00fcckrussischer Nachschluss auf das Aufkl\u00e4rungsinteresse des russischen Auslandsaufkl\u00e4richtendienste rungsdienstes SWR bzw. des milit\u00e4rischen Dienstes GRU in Deutschland zu. W\u00e4hrend sich der SWR in erster Linie um Informationen zu poliVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","216 Spionageabwehr tischen und wirtschaftlichen Bereichen und Zielobjekten bem\u00fcht, ist der GRU prim\u00e4r an klassischen Milit\u00e4robjekten und -technologien interessiert. Weiter betreiben Angeh\u00f6rige des russischen Inlandsnachrichtendienstes FSB in Deutschland Aufkl\u00e4rung. Zentrale Themen sind dabei die Erweiterung von NATO und EU, die Haltung Deutschlands zu Tschetschenien, die Handelsbeziehungen zu Russland sowie der angestrebte schnellere Zugang zu westlichem Know-how f\u00fcr die Modernisierung der Wirtschaft Russlands. Nach wie vor werden Agentenoperationen aus getarnten St\u00fctzpunkten in diplomatischen Vertretungen, so genannten Legalresidenturen, gef\u00fchrt. So kontaktierte ein Angeh\u00f6riger des russischen Auslandsaufkl\u00e4rungsdienstes SWR, der als russischer Diplomat in Deutschland t\u00e4tig war, einen leitenden Angestellten einer deutschen Firma. Bei Treffen in Lokalen \u00fcbernahm der Diplomat stets die Kosten und \u00fcberbrachte auch Geschenke. So entwickelte sich eine pers\u00f6nliche Beziehung. Im Rahmen dieser Treffen sch\u00f6pfte der SWR-Angeh\u00f6rige Informationen aus dem beruflichen Umfeld des Angestellten ab. Regimekritiker Die Nachrichtendienste der L\u00e4nder Syrien, Libyen und Iran legen den im Visier Schwerpunkt ihrer Auslandsaktivit\u00e4ten im Westen auf die Aufkl\u00e4rung und Infiltration regimekritischer Organisationen und Personen. Vor dem Hintergrund terroristischer Anschl\u00e4ge im Irak sind auch nachrichtendienstliche Bestrebungen der im Nordirak ans\u00e4ssigen kurdischen Parteien zu beobachten, die in Deutschland agierenden Strukturen des internationalen islamistischen Terrorismus aufzukl\u00e4ren. 2. Wirtschaftsspionage Die Wirtschaftsspionage gewinnt vor dem Hintergrund zunehmender Globalisierung und steigenden Wettbewerbs an Bedeutung. Nicht nur Gro\u00dfunternehmen, sondern auch kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen Know-how im verf\u00fcgen vielfach \u00fcber technisches Know-how, das f\u00fcr die NachrichtenBlickfeld der dienste anderer L\u00e4nder von Interesse ist. In Russland, China und vielen Nachrichtendienste anderen Staaten sind deren Nachrichtendienste gesetzlich verpflichtet, die Wirtschaft ihres Landes zu unterst\u00fctzen. Die Verlagerung von Entwicklungsund Produktionsst\u00e4tten in diese Staaten birgt auch unter diesem Gesichtspunkt erhebliche Gefahren f\u00fcr die deutschen Wirtschaftsunternehmen in sich. Besonders in China bestehen speziell f\u00fcr Investoren der ausl\u00e4ndischen Wirtschaft Vorschriften, die darauf abzielen, an das Know-how der Firma zu gelangen. So ist f\u00fcr Produkte bzw. Branchen, die f\u00fcr die chinesische Wirtschaft besonders wichtig sind, ein Joint Venture mit einem chinesischen Gesch\u00e4ftspartner gesetzlich vorgeschrieben. Durch das so gewonnene Know-how kann das Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Spionageabwehr 217 Produkt von anderen chinesischen Firmen wesentlich preisg\u00fcnstiger nachgebaut werden. Auch durch den Kauf deutscher Firmen gelangen fremde Staaten an westliche Technologie. Wirtschaftsspionage hat unterschiedliche Zielrichtungen. Diese sind auf den jeweiligen technologischen Stand der handelnden Staaten ausgerichtet. Bei technisch weniger entwickelten Staaten konzentriert sich die Wirtschaftsspionage auf die Beschaffung von technischem Know-how und Informationen \u00fcber die Produktion. Dagegen richtet sich bei hoch entwickelten Staaten der Fokus besonders auf Unternehmens-, Marktund Wettbewerbsstrategien des Unternehmens. Die strategische Wirtschaftsaufkl\u00e4rung stellt heute zunehmend den Kern des Informationsinteresses fremder Nachrichtendienste dar. Folgender Beispielsfall der Wirtschaftsspionage verdeutlicht die Vorgehensweise ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste: Ein Asiate bem\u00fchte sich in kurzen Zeitabst\u00e4nden bei zwei Technologiefirmen um Anstellung. Seine verf\u00e4lschten Bewerbungsunterlagen entsprachen exakt dem Anforderungsprofil des jeweiligen Unternehmens. Nachdem seine zweite Bewerbung erfolgreich war, kam es zu Auff\u00e4lligkeiten am Arbeitsplatz. Bei den daraufhin eingeleiteten Ermittlungen wurde festgestellt, dass sich die bei beiden Firmen vorgelegten Lebensl\u00e4ufe des Asiaten deutlich unterschieden. Die Gesamtumst\u00e4nde lie\u00dfen darauf schlie\u00dfen, dass ein ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienst - mit genauen Kenntnissen des entsprechenden Personalbedarfs der Firmen - einen Bewerber f\u00fcr eigene Zwecke platzieren wollte. Die Firma trennte sich daraufhin von dem Mitarbeiter. 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik Parallel zur wachsenden Bedeutung der Informationstechnik (IT) f\u00fcr die Abh\u00f6ranf\u00e4lligkeit \u00f6ffentliche Verwaltung und die Wirtschaft hat sich auch die Technik zur der TelekommuAusforschung von Kommunikationswegen rasch weiterentwickelt. Benikation sonders risikoreich ist die zunehmend eingesetzte Wireless-Technik, die zwar f\u00fcr den Anwender den Komfort erh\u00f6ht, aber das unerw\u00fcnschte Abh\u00f6ren und Erfassen von Mitteilungen jedweder Art erleichtert. Ver\u00f6ffentlichte Tests haben gezeigt, dass sich technisch Versierte problemlos in Verbindungen einloggen k\u00f6nnen, ohne dass die Betroffenen hiervon Kenntnis erlangen. Die modernen Kommunikationstechniken haben die Bandbreite der Angriffsmethoden deutlich erweitert. So birgt die Bluetooth-Funktion in Handys und Notebooks kritische Sicherheitsl\u00fccken in sich. Um einen Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","218 Spionageabwehr erfolgreichen Angriff zu starten und Daten auszulesen, gen\u00fcgt bereits ein anderes Mobiltelefon mit entsprechender Software. Prinzipiell lassen sich so auch E-Mails, Fotos und PIN-Codes aussp\u00e4hen, sofern sie z.B. auf dem Handy hinterlegt sind. Der Einsatz von Bluetooth in sicherheitsempfindlichen Bereichen sollte deshalb unterbleiben oder die Funktion nur aktiviert werden, wenn sie erforderlich ist. Schwachstellen Vor dem \"Abh\u00f6ren\" der Kommunikationsverbindungen sind weder Teleder Informationsfon, SMS, E-Mail noch Fax sicher. Insbesondere k\u00f6nnen Handys und Laptechnik tops durch Manipulationen zu \"Wanzen\" umfunktioniert werden, um damit alle Gespr\u00e4che in einem Raum zu belauschen. Auch das Aussp\u00e4hen geheimer Informationen \u00fcber gef\u00e4lschte E-Mails und Internet-Seiten, das so genannte Phishing und Pharming, stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Ebenso birgt der Trend, \u00fcber IP-Netzwerke (Voice-over-IP) zu telefonieren, das Risiko, \u00fcberwacht zu werden. Technische M\u00f6glichkeiten, Schwachstellen der IT zu beseitigen oder zu minimieren, sind zwar vorhanden, werden allerdings durch die st\u00e4ndig wachsende Komplexit\u00e4t der Software erschwert. Zudem erh\u00f6hen an die Informationsnetze drahtlos angebundene mobile Ger\u00e4te das Sicherheitsrisiko erheblich. Im Zeitalter internationaler Kommunikation ist eine r\u00e4umliche N\u00e4he zum Spionageziel nicht mehr erforderlich; Hacking kann mit geringem Aufwand von jedem Ort der Welt betrieben werden. Dabei erleichtern mangelnder Systemschutz und fahrl\u00e4ssiger Umgang mit Passw\u00f6rtern dem Angreifer die Arbeit. Bei aller Notwendigkeit, die moderne KomAbsicherung von munikationstechnik zu nutzen, kommt es entscheidend darauf an, die Speicherung und wesentlichen Kernbereiche der geheim zu haltenden Informationen \u00dcbertragungsdurch weitgehend sichere Speicherm\u00f6glichkeiten und \u00dcbertragungswegen wege zu sch\u00fctzen. In j\u00fcngster Zeit wurden auch in Deutschland elektronische Angriffe aus China auf Computernetze festgestellt. Die Angriffe erfolgen durch E-Mails, die einen \"Trojaner\" enthalten. Durch diesen k\u00f6nnen Daten auf dem Computer des Empf\u00e4ngers \"gelesen\" werden. 4. Proliferation Unter Proliferation versteht man die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bzw. der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte einschlie\u00dflich der dazu erforderlichen Kenntnisse sowie von entsprechenden Waffentr\u00e4gersystemen. Auch im Jahr 2006 wurden Beschaffungsaktivit\u00e4ten verschiedener Krisenl\u00e4nder festgestellt, um in den Besitz proliferationsrelevanter Technologie zu gelangen. Der SchwerVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Spionageabwehr 219 punkt lag hier im Bereich der atomaren R\u00fcstung der Staaten Iran, PakisProliferation durch tan und Nordkorea. Krisenl\u00e4nder Als problematisch stellt sich auch die verst\u00e4rkt festgestellte Weitergabe von Schl\u00fcsseltechnologien zwischen proliferationsrelevanten Staaten dar. Diese so genannte Horizontale Proliferation ist f\u00fcr die westlichen Nachrichtendienste besonders schwer aufzukl\u00e4ren und zu verhindern. In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wurden verschiedene proliferationsrelevante Schl\u00fcsseltechnologien definiert, die f\u00fcr die Durchf\u00fchrung eines Waffenprogramms unabdingbar sind, und die in Bayern ans\u00e4ssigen Hersteller festgestellt. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrte bei diesen bayerischen Firmen Sensibilisierungsgespr\u00e4che durch. Die Kooperationsbereitschaft der betroffenen Firmen war durchweg positiv und f\u00fchrte zu Hinweisen auf mehrere proliferationsrelevante Sachverhalte. Eine weitere M\u00f6glichkeit, an proliferationsrelevante Technologien zu gelangen, stellt die Entsendung von Gastwissenschaftlern dar. In einer vom Ausw\u00e4rtigen Amt und deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden initiierten \"Arbeitsgemeinschaft Gastwissenschaftler\" werden Deutschlandaufenthalte von Wissenschaftlern aus bestimmten Staaten auf eine m\u00f6gliche Proliferationsgefahr hin gepr\u00fcft und im Bedarfsfall auch die aufnehmende Universit\u00e4t in Deutschland zu einem Sensibilisierungsgespr\u00e4ch kontaktiert. Im Berichtszeitraum wurden wieder verschiedene Verst\u00f6\u00dfe gegen das Verst\u00f6\u00dfe gegen Verbot der Ausfuhr bestimmter Technologien bekannt. Ein Beispiel hierdas Ausfuhrverbot f\u00fcr ist: In Zusammenarbeit mit anderen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden beobachtete das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ein umfangreiches iranisches Beschaffungsnetz. Dieser Personenkreis versuchte, ausfuhrgenehmigungspflichtige Steuerungstechnik f\u00fcr den Einsatz in Waffensystemen illegal in Deutschland und den USA einzukaufen und in den Iran zu bringen. Die Nachforschungen f\u00fchrten zu einem Ermittlungsverfahren der zust\u00e4ndigen Zollbeh\u00f6rden und zur Festnahme der Verd\u00e4chtigen. 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz Das Sensibilisierungsprogramm des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz soll pr\u00e4ventiv zur Verhinderung der Wirtschaftsspionage beitragen. Auch mittelst\u00e4ndische Unternehmen werden dabei f\u00fcr Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","220 Spionageabwehr Gefahren sensibilisiert und ein Sicherheitsbewusstsein f\u00fcr notwendige Schutzma\u00dfnahmen gegen die Aussp\u00e4hung von Firmengeheimnissen Sensibilisierung geweckt. Die angesprochenen Firmenverantwortlichen werden so in die der FirmenLage versetzt, die Schwachstellen im Know-how-Schutz selbst zu erkenverantwortlichen nen und Sicherheitskonzepte zu entwickeln. Erneut gab es positive Reaktionen bei den beratenen Unternehmen. Firmen, die als Lieferanten sensibler G\u00fcter mit Einsatzm\u00f6glichkeiten bei ABC-Waffensystemen infrage kommen (Proliferation), haben eine besondere Verantwortung, dies zu verhindern. Diese Firmen k\u00f6nnen sich im Verdachtsfall vertrauensvoll an das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenden. Der Verfassungsschutz ist keine Strafverfolgungsbeh\u00f6rde und unterliegt somit nicht dem Strafverfolgungszwang. Er kann auch die Interessenlage der Personen und Firmen ber\u00fccksichtigen, die ihm Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. Die Verb\u00e4nde und Organisationen, wie der Bayerische Verband f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) oder die Industrieund Handelskammern, die es sich zur AufZusammenarbeit gabe gemacht haben, vorrangig auch mittelst\u00e4ndische Betriebe gegender Wirtschaft mit \u00fcber diesen Gefahren der Spionage zu sensibilisieren, arbeiten sehr eng dem Verfassungsmit dem Verfassungsschutz zusammen. Dabei geht es neben der schutz gemeinsamen Erstellung von Informationsbrosch\u00fcren um gemeinsame Informationsveranstaltungen und vor allem um den Erkenntnisaustausch unter dem Motto: Informationen aus der Wirtschaft f\u00fcr die Wirtschaft. Alle Ma\u00dfnahmen dienen dem Ziel, die F\u00fchrung mittelst\u00e4ndischer Unternehmen auf die Risiken durch Wirtschaftsund Konkurrenzspionage aufmerksam zu machen, ihnen das notwendige Problembewusstsein zu vermitteln und Ans\u00e4tze bzw. Ansprechpartner zur L\u00f6sung der Probleme aufzuzeigen. Faltblatt f\u00fcr die In einem Faltblatt f\u00fcr die Wirtschaft hat das Landesamt f\u00fcr VerfassungsWirtschaft schutz au\u00dferdem auf die Gefahren der Proliferation hingewiesen und eine eigens eingerichtete Telefonnummer (089/31201500) genannt, unter der die Firmen Kontakt zum Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz aufnehmen k\u00f6nnen. Der Text ist auch im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.verfassungsschutz.bayern.de Einen \u00dcberblick \u00fcber die besonders gef\u00e4hrdeten Bereiche, Ursache und Motive der Spionage sowie die Hauptauftraggeber gibt die neue Neue Brosch\u00fcre gemeinsame Brosch\u00fcre \"Wirtschaftsspionage in Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern\" der Landes\u00e4mter f\u00fcr Verfassungsschutz von Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg. Die Brosch\u00fcre ist ebenfalls im Internet unter der vorgenannten Adresse abrufbar. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Spionageabwehr 221 6. Ausblick Obwohl die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden mit einer Vielzahl von ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten gegen den Terrorismus zusammenarbeiten, geht die Aussp\u00e4hung politischer, wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Geheimnisse durch diese Nachrichtendienste unvermindert weiter. Eine besondere Wachsamkeit gilt der Verhinderung der Proliferation. Die Beobachtung der stark zunehmenden Aktivit\u00e4ten chinesischer Nachrichtendienste hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen westlichen Staaten hohe Priorit\u00e4t. Um die wirtschaftliche Stabilit\u00e4t, die auch Garant f\u00fcr die politische StaSpionageabwehr bilit\u00e4t ist, zu erhalten, bleibt es f\u00fcr unsere Gesellschaft unabdingbar, zur Standortinternational wettbewerbsf\u00e4hig zu sein. Gerade deshalb d\u00fcrfen notwensicherung dige Schutzma\u00dfnahmen nicht au\u00dfer Acht gelassen werden. Vorhandene Know-how-Vorteile in Forschung und Produktion m\u00fcssen gesichert und Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste unterbunden werden. Staat, Wirtschaft und Forschung sind aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und des steten Fortschritts der Kommunikationstechnik verst\u00e4rkt der Gefahr der Aussp\u00e4hung ausgesetzt. Sie sind schutzbed\u00fcrftiger geworden. Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, dies bewusst zu machen und vor diesen Gefahren zu sch\u00fctzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","222 Organisierte Kriminalit\u00e4t 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage OK-Beobachtung Die durch die \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes im in Bayern Jahr 1994 erm\u00f6glichte, langfristig angelegte Beobachtung krimineller seit 1994 Strukturen und Personen im Vorfeld konkreter Straftaten durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellt eine wichtige Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit beim Vorgehen gegen die Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) dar. Die Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz muss auf eine breite Basis in Zusammenarbeit mit dem Bund und den L\u00e4ndern gestellt werden. Neben Bayern bestehen auch in den L\u00e4ndern Hessen, Saarland und Th\u00fcringen die gesetzlichen Grundlagen f\u00fcr diese Aufgabe des Verfassungsschutzes. In der Brosch\u00fcre \"10 Jahre Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz\" wird umfassend \u00fcber die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes in diesem Bereich berichtet. Die Brosch\u00fcre ist abrufbar unter folgenden Internet-Adressen: http://www.innenministerium.bayern.de/service/publikationen http://www.verfassungsschutz.bayern.de 2. EU-Osterweiterung Mit der Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die Europ\u00e4ische Union haben sich durch die Verschiebung der EU-Au\u00dfengrenzen in Richtung Osten neue Ausgangslagen ergeben. Damit haben europaweit agierende Kriminelle neue Marktund Machtchancen und k\u00f6nnen ihre bereits Europaweite bestehenden Netzwerke weiter ausbauen. Somit bedarf es auch einer Zusammenarbeit engen Zusammenarbeit der europ\u00e4ischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Beitrittsl\u00e4nder haben fr\u00fchzeitig der wachsenden Bedrohung durch die OK Rechnung getragen und die Beobachtung und Bek\u00e4mpfung der OK ihren jeweiligen Nachrichtendiensten \u00fcbertragen. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt gute Kontakte zu den NachVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Organisierte Kriminalit\u00e4t 223 richtendiensten der angrenzenden L\u00e4nder. Der Beitritt Rum\u00e4niens und Bulgariens am 1. Januar 2007 stellt eine weitere Herausforderung im Kampf gegen die OK dar. 3. Beobachtungsschwerpunkte Die Erkenntnisse im Bereich der OK werden vorwiegend durch den EinErkenntnismittel satz geheimer Mitarbeiter, aus der Anwendung anderer nachrichtendes Verfassungsdienstlicher Mittel sowie aus der Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen schutzes Nachrichtendiensten, die in Europa fast ausnahmslos mit der Bek\u00e4mpfung der OK beauftragt sind, gewonnen. Weitere Informationen ergeben sich aus der Zusammenarbeit mit den polizeilichen Dienststellen zur Bek\u00e4mpfung der OK und erschlie\u00dfen sich aus der Analyse von offen zug\u00e4nglichem Material sowie aus dem Berichtsaufkommen anderer Aufgabenbereiche, insbesondere aus der Spionageabwehr und der Beobachtung ausl\u00e4ndischer extremistischer Organisationen. Die Ergebnisse der Strukturermittlungen m\u00fcnden oft in polizeiliche Ermittlungen. Die Schwerpunkte der Bearbeitung liegen weiterhin auf der BeobachAufkl\u00e4rungstung der OK aus der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS), aus schwerpunkte Asien und aus S\u00fcdosteuropa. Neu hinzugekommen ist die Beobachtung der OK aus Polen und Italien. Die Beobachtung von Rockergruppierungen wie etwa der \"Hells Angels\" oder der \"Bandidos\" mit den Deliktsschwerpunkten im Rotlichtmilieu sowie Drogenund Waffenhandel wurde in Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit fortgesetzt. Neben deutschen Staatsangeh\u00f6rigen stellen T\u00e4ter aus der GUS und Asien sowie aus s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern den gr\u00f6\u00dften Teil des zu beobachtenden Personenkreises dar. Auff\u00e4llig waren sie vor allem in den Deliktsbereichen der Prostitution und Zuh\u00e4lterei, dem Waffenund internationalen Drogenhandel, bei Menschenhandel und Schleusungen, bei F\u00e4lschungsdelikten sowie beim illegalen Handel mit Medikamenten bzw. Surrogaten und der im Zusammenhang mit diesen Straftaten stehenden Geldw\u00e4sche. Erkenntnisse aus der OK-Beobachtung werden aber auch zur Bek\u00e4mpfung des internationalen islamischen Extremismus und des islamistischen Terrorismus genutzt. Insbesondere in den Deliktsbereichen Schleusung und Geldw\u00e4sche gibt es Anhaltspunkte f\u00fcr Verflechtungen, die zur illegalen Einreise islamischer Extremisten und zur Finanzierung ihrer Aktivit\u00e4ten aufgrund der teilweise gleichen Ethnie der T\u00e4ter genutzt werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","224 Organisierte Kriminalit\u00e4t 3.1 Osteurop\u00e4ische OK-Gruppierungen Bei der Beobachtung der russischen OK gelang es, einzelne Personen zu identifizieren, die in Bayern als Kontaktpersonen von russischen Kriminellen genutzt werden. Sie verf\u00fcgen nicht nur \u00fcber Verbindungen ins kriminelle Milieu, sondern unterhalten auch gute Kontakte zu Lobbyisten in Deutschland. Ihre zentrale Funktion besteht darin, Gesch\u00e4fte zu vermitteln und Kontakte zu Vertretern aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik herzustellen und zu pflegen. Durch die Beobachtung einer dieser Kontaktpersonen wurde beispielsweise ein Treffen zwischen Angeh\u00f6rigen einer russischen OK-Gruppierung, russischen Gesch\u00e4ftsleuten und russischen Politikern dokumentiert. Hintergrund des Treffens in einer exklusiven Wohngegend in Bayern waren geplante Geldw\u00e4scheaktivit\u00e4ten im benachbarten Ausland. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren wurde eingeleitet. Russische Nach wie vor werden auch die kriminellen Aktivit\u00e4ten von jungen rusAussiedler sischen Aussiedlern beobachtet. Der Schwerpunkt ihrer Straftaten liegt vorwiegend im Bereich der Rauschgiftund Gewaltkriminalit\u00e4t. Bei den Ermittlungen fielen Erkenntnisse \u00fcber eine Familie an, die ihren Lebensunterhalt mit dem \"Dealen\" von Heroin und Cannabisprodukten aller Art verdient. Die Verteilung an Zwischenh\u00e4ndler fand in S\u00fcdbayern statt. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz gab die gewonnenen Erkenntnisse an die zust\u00e4ndigen Polizeibeh\u00f6rden zur Strafverfolgung ab. Eine ebenfalls in S\u00fcdbayern operierende Gruppierung handelte mit geschmuggelten Zigaretten und Rauschgift. Sowohl die Zigaretten als auch das Rauschgift wurden in Osteuropa beschafft. Diese Gruppe soll auch osteurop\u00e4ischen Frauen die Einreise nach Bayern erm\u00f6glicht haben, um sie anschlie\u00dfend der Prostitution zuzuf\u00fchren. Nach wie vor dienen bestimmte Diskotheken als Treffpunkt der jungen russischen Aussiedler, in denen sie \"unter sich sind\". An Wochenenden finden manchmal so genannte Russendiskos statt, bei denen auch Rauschgift konsumiert wird. Dabei wird auf eine konsequente Abschottung geachtet. Begangene Straftaten werden nicht angezeigt und die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeh\u00f6rden in der Regel abgelehnt. Polnische Bereits vor dem offiziellen Beitritt Polens in die Europ\u00e4ische Union nahGruppierungen men polnische Straft\u00e4ter in der deutschen Kriminalstatistik unter den osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern eine f\u00fchrende Position ein. Die Schwerpunkte ihrer Straftaten lagen dabei im Bereich der Eigentumskriminalit\u00e4t, insVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Organisierte Kriminalit\u00e4t 225 besondere der Verschiebung gestohlener Kraftfahrzeuge ins Ausland. Diese Entwicklung wurde durch Strukturermittlungen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz auch f\u00fcr Bayern best\u00e4tigt. Dabei war zu beobachten, dass polnische Banden gezielt zur Tatbegehung nach Deutschland einreisen und das Land sofort nach der Tat wieder verlassen, was auf einen hohen Organisationsgrad und auf eine arbeitsteilige Vorgehensweise innerhalb der Gruppierungen schlie\u00dfen l\u00e4sst. Ermittlungen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrDrogenhandel ten zu der Erkenntnis, dass sich kriminelle polnische Gruppierungen zunehmend auch auf dem Gebiet der Produktion, der Einfuhr und des Handels mit Drogen bet\u00e4tigen. Dabei nehmen Amphetamine und \u00e4hnliche Bet\u00e4ubungsmittel einen wichtigen Stellenwert ein. Die Lieferwege f\u00fcr die illegale Einfuhr dieser Bet\u00e4ubungsmittel f\u00fchren meist \u00fcber die Tschechische Republik oder direkt aus Polen nach Deutschland. Ein Gro\u00dfteil dieser Drogen wird in polnischen Laboren hergestellt. Neben der g\u00e4ngigen Tablettenform - Ecstasy - ist eine zunehmende Spezialisierung auf die Produktion und den Vertrieb von hochwirksamen Amphetaminen in fl\u00fcssiger Form festzustellen. Die Drogen werden dabei u.a. getarnt als original verschlossene Wodkaflaschen oder Frostschutzmittel geschmuggelt. 3.2 OK-Gruppierungen in den Balkanstaaten und der T\u00fcrkei Kriminelle Gruppierungen aus Bosnien, Mazedonien, Serbien, dem Kosovo und Albanien sind h\u00e4ufig delikts\u00fcbergreifend aktiv. Die SchwerSchwerpunkte der punkte ihrer Aktivit\u00e4ten liegen im internationalen Drogenhandel, bei Aktivit\u00e4ten Eigentumsund F\u00e4lschungsdelikten sowie im illegalen Gl\u00fccksspiel bzw. bei Wettgesch\u00e4ften. Nach wie vor ist die illegale Besch\u00e4ftigung besonders im Geb\u00e4udereinigungsund Baugewerbe sowie in Gastst\u00e4tten weit verbreitet. Die daraus resultierenden Gewinne aus Steuerund Abgabenhinterziehungen sind erheblich und werden auf vielf\u00e4ltige Art und Weise gewaschen. Die kriminellen Gruppierungen aus dem ehemaligen Jugoslawien sind Gruppierungen aus in ihren Strukturen oftmals in sich abgeschlossen; Personen anderer dem ehemaligen Nationalit\u00e4ten werden in der Regel nicht akzeptiert. Die einschl\u00e4gige Jugoslawien Szene trifft sich bevorzugt in Gastst\u00e4tten, die von Landsleuten gef\u00fchrt werden. Dort f\u00fchlt sie sich hinreichend sicher und ungest\u00f6rt, um Straftaten verschiedenster Art zu verabreden. Zur Vorbereitung der Straftaten werden im kriminellen Milieu gef\u00e4lschte P\u00e4sse und geeignete Handys, aber auch Pkws angeboten, die keinen R\u00fcckschluss auf den Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","226 Organisierte Kriminalit\u00e4t eigentlichen Nutzer zulassen. Die kriminellen Gruppierungen gehen professionell vor und nutzen dabei den neuesten Stand der Technik. \"Arbeitsweise\" Neue Begehungsweisen f\u00fcr Verbrechen werden untereinander regelm\u00e4\u00dfig weitergegeben. Allerdings schlie\u00dfen die gegenseitige Unterst\u00fctzung und die Weitergabe von Tipps nicht aus, dass sich die kriminellen Personen gegenseitig betr\u00fcgen. Besonders wichtig f\u00fcr die kriminelle Szene sind die sozialen und regionalen Verbindungen aus den bzw. in die Heimatl\u00e4nder, die sowohl als R\u00fcckzugsgebiet als auch als St\u00fctzpunkt organisierter Banden dienen k\u00f6nnen. Von dort aus wird agiert, wobei man bei Bedarf Personen einsetzt, die wiederum in Bayern eng in der Szene verwurzelt sind. Ein kroatischer Staatsangeh\u00f6riger f\u00fchrte in Zusammenarbeit mit einem in Augsburg lebenden bosnischst\u00e4mmigen Mittelsmann aus den USA 10.000 St\u00fcck gef\u00e4lschte Viagra-Tabletten per Post illegal nach Deutschland ein. Die Tabletten wurden in Indien hergestellt und \u00fcber das Internet in Las Vegas/USA bestellt. Zur Verschleierung wurden sie von dort an den bosnischen Mittelsmann in Deutschland gesandt. Die Tabletten wurden anschlie\u00dfend in einer Gastst\u00e4tte zu einem St\u00fcckpreis von zwei bis sechs Euro verkauft bzw. zun\u00e4chst als Proben angeboten. Der Einkaufspreis lag bei sieben Cent. Durch die Weitergabe von Informationen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz an das Bayerische Landeskriminalamt konnten 95 % der Einfuhrmenge durch die Polizei sichergestellt werden. Alle Beteiligten wurden festgenommen und zwischenzeitlich durch das Augsburger Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von jeweils einem Jahr auf Bew\u00e4hrung und zu einer Geldstrafe von 5.000 bzw. 3.000 Euro verurteilt. Ein Gutachten ergab, dass von den F\u00e4lschungen eine erhebliche Gesundheitsgef\u00e4hrdung f\u00fcr die Konsumenten ausging. Kriminelle Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtet auch weit\u00fcrkische terhin kriminelle t\u00fcrkische Strukturen. Zu den Schwerpunkten geh\u00f6ren Strukturen hier neben Rauschgiftund Gl\u00fcckspieldelikten auch die Bereiche Schutzgeldund Inkasso-Eintreibungen. Bei der Beobachtung von t\u00fcrkischst\u00e4mmigen T\u00e4tern zeigte sich wiederholt, dass bei den Rauschgiftdelikten der Handel mit Kokain bzw. Heroin zu den dominierenden Straftaten geh\u00f6rt. Dabei wird der Drogenhandel direkt aus der T\u00fcrkei gesteuert. In Deutschland sitzen ein oder mehrere \"Statthalter\" der kriminellen Vereinigung, die den Verkauf der Drogen sowie den R\u00fcckfluss der Gelder in die T\u00fcrkei organisieren. Bei der arbeitsteiligen Tatausf\u00fchrung agieren fast ausschlie\u00dflich t\u00fcrkischst\u00e4mmige Landsleute. Bei dem Schmuggel gr\u00f6\u00dferer Mengen an Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Organisierte Kriminalit\u00e4t 227 Drogen kommt dem Lkw-Verkehr international t\u00e4tiger Transportunternehmen eine zentrale Bedeutung zu. Die illegale Ware wird in Deutschland zu verschiedenen Anlaufstellen im gesamten Bundesgebiet verbracht. Die jeweiligen \"Statthalter\" verf\u00fcgen \u00fcber Kontakte innerhalb Deutschlands und ins benachbarte Ausland, insbesondere in die Niederlande und nach Italien. Ortsans\u00e4ssige Dealer beziehen das Rauschgift nicht zwangsl\u00e4ufig vom Statthalter vor Ort, sondern auch aus anderen deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten. Innerhalb des t\u00fcrkischen Straft\u00e4terspektrums wurde erneut eine hohe Zahl von gewaltsamen Eintreibungen von Geldforderungen, so genannte Inkasso-Delikte beobachtet. Dabei \u00fcbertragen Gl\u00e4ubiger kriminellen t\u00fcrInkasso-Delikte kischen Organisationen die Aufgabe der Geldeintreibung. Hintergrund daf\u00fcr ist beispielsweise, dass die Forderungen aus illegalen Gesch\u00e4ften resultieren und daher nicht vor einem Gericht eingeklagt werden k\u00f6nnen oder sich Personen mit nicht gedeckten \"Wechselschecks\" an diese Gruppen wenden. Im t\u00fcrkischen Alltag ist es \u00fcblich, gr\u00f6\u00dfere Zahlungen mit Wechselschecks abzuwickeln. Jedoch sind solche Schecks nicht durch die Banken abgedeckt, so dass man sich bei Nichteinl\u00f6sung der Schecks direkt an den Schuldner wenden muss. In einigen F\u00e4llen beauftragen Gl\u00e4ubiger dabei kriminelle Gruppen zur Eintreibung des Geldes, da weder die unmittelbare Kontaktaufnahme mit dem Schuldner noch der Rechtsweg als erfolgversprechend betrachtet werden. So erhalten die Gl\u00e4ubiger wenigstens einen Teil ihrer Forderung erf\u00fcllt, da die Eintreiber selbst, je nach Fall (z.B. Gef\u00e4hrlichkeit, H\u00f6he des Geldbetrags) bis zur H\u00e4lfte des Forderungsbetrags f\u00fcr ihre \"Dienste\" verlangen. Dabei kassieren sie sowohl bei dem Gl\u00e4ubiger als auch bei dem Schuldner. Verweigert ein Gesch\u00e4ftsmann die Zahlung, wird er mittels Anwendung oder Androhung von Gewalt - auch gegen seine Familie in der Heimat - gef\u00fcgig gemacht. Dabei wird in Kreisen von t\u00fcrkischen kriminellen Gruppen die gesamte Familie f\u00fcr die Schulden eines Familienangeh\u00f6rigen zur Rechenschaft gezogen. Aus Angst vor weiteren Repressalien verzichten die Gesch\u00e4digten in der Regel auf die Erstattung einer Anzeige. 3.3 Italienische Mafia In Italien sind vor allem vier einflussreiche kriminelle Organisationen bekannt, die der italienischen Mafia zugerechnet werden. Es handelt sich hierbei um die sizilianische Mafia, die Camorra in Kampanien, die 'Ndrangheta in Kalabrien und die Sacra Corona Unita in Apulien. Alle vier Organisationen weisen Beziehungen nach Deutschland und Bayern Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","228 Organisierte Kriminalit\u00e4t Deutschland als auf. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass Deutschland entweder R\u00fcckzugsund als R\u00fcckzugsraum f\u00fcr fl\u00fcchtige Straft\u00e4ter oder f\u00fcr Investitionen bzw. Investitionsraum Geldw\u00e4sche genutzt wird und die Gelder \u00fcberwiegend in die Gastronomiebranche, z.B. in Form von Er\u00f6ffnungen oder \u00dcbernahmen von Gastst\u00e4tten, oder in das Baugewerbe flie\u00dfen. Der spektakul\u00e4rste Fall in Bayern endete zun\u00e4chst 1998 mit der Festnahme von Giorgio Basile am Bahnhof in Kempten. Basile war eine F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit des Carelli-Clans, der der kalabrischen 'Ndrangheta zugerechnet wird. Basile trat sp\u00e4ter als Kronzeuge der italienischen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden auf und sagte umfassend \u00fcber seinen Clan und die Mafia in Italien aus. Dabei gab er an, dass er auch Kontakte zu italienischen Landsleuten in N\u00fcrnberg unterhielt, die dort einen St\u00fctzpunkt des Carelli-Clans bildeten. \u00d6rtliche Strafverfolgungsbeh\u00f6rden hatten bereits seit 1993 in N\u00fcrnberg Ermittlungen gegen verschiedene kriminelle italienische Staatsangeh\u00f6rige wegen m\u00f6glicher Verbindungen zur italienischen Mafiaorganisation 'Ndrangheta durchgef\u00fchrt. Diese Strukturen wurden 1999 endg\u00fcltig zerschlagen, wobei es zur Festnahme und sp\u00e4teren Verurteilung von mehreren Personen kam. Im Jahr 2005 ver\u00f6ffentlichte Basile seine Biografie mit dem Titel \"Das Engelsgesicht - Die Geschichte eines Mafia-Killers aus Deutschland\", in der er neben umfangreichen Hintergrundinformationen zur italienischen Mafia erneut die Beziehungen des Carelli-Clans nach N\u00fcrnberg darWiederaufnahme stellte. Daraufhin wurden wieder Ermittlungen verschiedener Strafvervon Strukturfolgungsbeh\u00f6rden durchgef\u00fchrt, die vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr ermittlungen in Verfassungsschutz begleitend unterst\u00fctzt wurden. Ziel war es festzuBayern stellen, ob es in N\u00fcrnberg zu einer Reorganisation fr\u00fcherer Mafia-Strukturen gekommen ist. Die bisherigen Ermittlungen erbrachten daf\u00fcr noch keine Hinweise. Auch weitere Verdachtsmomente, dass in Bayern italienische Staatsangeh\u00f6rige mit Verbindungen zu italienischen Mafiaorganisationen leben, konnten bislang nicht erh\u00e4rtet werden. Dennoch geht der Verfassungsschutz davon aus, dass die Mafia \u00fcber Jahre hinweg in Bayern Strukturen aufgebaut hat und sich ihre Angeh\u00f6rigen zwischenzeitlich auch gesellschaftlich etablieren konnten. 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t Bei der Beobachtung der OK aus dem s\u00fcdostasiatischen Raum wurde festgestellt, dass sich F\u00fchrungspersonen im Bereich der vietnamesischen OK in den neuen Bundesl\u00e4ndern und den ehemaligen OstblockVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Organisierte Kriminalit\u00e4t 229 staaten aufhalten. Die in den neuen Bundesl\u00e4ndern bestehenden Strukturen der OK wurden von den in Bayern ans\u00e4ssigen vietnamesischen Kriminellen f\u00fcr die Begehung von Straftaten, insbesondere den Rauschgifthandel, intensiv genutzt. Die Beobachtung der OK aus dem Bereich der Chinesen erbrachte \u00fcberwiegend Hinweise auf den Deliktsbereich der Schleusungskriminalit\u00e4t. Dabei wurde Bayern bzw. Deutschland von den bereits in anderen europ\u00e4ischen Staaten illegal lebenden Chinesen meist nur als Transitland in Richtung Griechenland, Italien oder Spanien benutzt. England wurde aufgrund verst\u00e4rkter Grenzkontrollen wegen Terrordrohungen nicht mehr als Hauptzielland gew\u00e4hlt. 3.4.1 Schleusungsdelikte Durch den zunehmenden Globalisierungsprozess gewinnen die Wanderungsund Fl\u00fcchtlingsbewegungen eine neue Qualit\u00e4t. Die Einschr\u00e4nkung der legalen Zuwanderungsm\u00f6glichkeiten, u.a. durch Zuwanderungsquoten in verschiedenen EU-L\u00e4ndern, f\u00fchrte dazu, dass vermehrt der Versuch unternommen wird, auf illegalen Wegen unter Zuhilfenahme von kriminellen Schleusungsorganisationen nach Europa zu gelangen. Diese bieten derzeit so genannte Garantieschleusungen an. Durch BeGarantiezahlung von 10.000 bis 15.000 Dollar seitens des Schleusungswilligen schleusungen oder dessen Verwandten an die Schleusungsorganisation garantiert diese eine Schleusung bis in das Zielland, auch wenn hierzu mehrere Versuche unternommen werden m\u00fcssen. Dieses Risiko wird von der Schleusungsorganisation getragen. Zu beobachten ist, dass die Legalisierung des illegalen Aufenthalts von Ausl\u00e4ndern in verschiedenen europ\u00e4ischen Staaten zur Zunahme von Schleusungen in diese L\u00e4nder f\u00fchrte. So konnten in Bayern Hinweise auf Schleusungen nach Griechenland gewonnen werden. Die dortigen Beh\u00f6rden wurden informiert. 3.4.2 Bet\u00e4ubungsmittelhandel Im Bereich der vietnamesischen OK war zu beobachten, dass der RauschVietnamesische gifthandel weiterhin intensiv betrieben wird. In diesem Zusammenhang OK konnten vietnamesische Schl\u00fcsselpersonen in bayerischen Gro\u00dfst\u00e4dten lokalisiert werden. Sie bedienten sich f\u00fcr den Drogenhandel der bestehenden Lieferwege und Verbindungen in die neuen Bundesl\u00e4nder und erschlossen sich neue Lieferwege zum Beispiel nach Berlin. Erkenntnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz trugen zur Sicherstellung einer gr\u00f6\u00dferen Menge Heroins durch die Polizei bei. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","230 Organisierte Kriminalit\u00e4t 3.5 Korruption Eines der Wesensmerkmale der OK ist die Einflussnahme auf die \u00f6ffentliche Verwaltung. Mit Hilfe von korrupten \u00f6ffentlichen Bediensteten wollen sich die Kriminellen finanzielle Vorteile sowie Verg\u00fcnstigungen sichern und das Entdeckungsrisiko minimieren. Korruption f\u00fchrt sowohl f\u00fcr den Staat als auch f\u00fcr Wirtschaft und Gesellschaft zu hohen materiellen Sch\u00e4den. Aber auch immaterielle Sch\u00e4den - wie der Vertrauensverlust der B\u00fcrger in den Staat - sind die Folge. Ein System illegaler Einflussnahme auf die \u00f6ffentliche Verwaltung konnte z.B. im Bereich der Sozialverwaltung aufgedeckt werden. Hinweise auf einen korrupten Beamten eines Sozialreferats in einer bayerischen Gro\u00dfstadt f\u00fchrten zu einer Durchsuchung und mehreren Festnahmen. 3.6 Kriminalit\u00e4t im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben Kriminalit\u00e4t in Zusammenhang mit dem Wirtschaftsleben verursacht hohe materielle Sch\u00e4den und greift die sozialen und volkswirtschaftlichen Strukturen des Staates an. Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rahmenbedingungen der Wirtschaft st\u00f6ren erheblich das Vertrauen der Bev\u00f6lkerung in die Funktionsf\u00e4higkeit von Staat und Wirtschaft. Der effektiven Bek\u00e4mpfung dieses Kriminalit\u00e4tsbereichs kommt daher besondere Bedeutung zu. Sie ist wesentlich davon abh\u00e4ngig, dass Wirtschaftskriminalit\u00e4t in ihren vielf\u00e4ltigen Erscheinungsformen fr\u00fchzeitig erkannt wird. Soweit Merkmale der OK verwirklicht wurden, besch\u00e4ftigte sich das Bayerische Landesamt mit dem Ph\u00e4nomen und unterst\u00fctzte damit die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden. Dabei handelte es sich insInsolvenzstraftaten besondere um Insolvenzstraftaten und Delikte im Anlageund Finanzund Anlagedelikte bereich, die nachfolgend beispielhaft dargestellt sind: So genannte Firmenbestatter \u00fcbernehmen insolvente Betriebe und entziehen sie durch Namens\u00e4nderung, Sitzverlegung (teilweise ins Ausland) und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerwechsel dem Zugriff der Gl\u00e4ubiger. Da die private Investition in Kapitalmarktprodukte, z.B. aus Gr\u00fcnden der privaten Altersvorsorge, zuk\u00fcnftig noch an Bedeutung zunehmen wird, muss mit einem steigenden Angebot unseri\u00f6ser Anlageprodukte gerechnet werden. 3.7 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtet das Ph\u00e4nomen der gewaltbereiten und kriminellen Rocker im Rahmen der AufVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Organisierte Kriminalit\u00e4t 231 kl\u00e4rung der OK seit mehreren Jahren. Dabei k\u00f6nnen bei einigen Rockergruppen verschiedene Indikatoren f\u00fcr OK nachgewiesen werden. So beTypische stehen ein interner Ehrenkodex und ein hierarchischer innerer Aufbau. Indikatoren Expansionsstreben und Gebietsanspr\u00fcche werden arbeitsteilig und planm\u00e4\u00dfig gewaltsam durchgesetzt. Au\u00dferdem lassen sich Machtund Gewinnstreben sowie die arbeitsteilige Begehung spezifischer Delikte wie illegaler Waffenhandel, Bet\u00e4ubungsmittelkriminalit\u00e4t, Menschenhandel, K\u00f6rperverletzungsdelikte und Schutzgelderpressungen belegen. Weltweit gibt es zahlreiche Motorradclubs, von denen aber nur ein kleiner Prozentsatz systematisch Straftaten begeht und grunds\u00e4tzlich die Normen und Werte unserer Gesellschaft ablehnt. Deren Mitglieder nennen sich \"One-Percenters\" und tragen als spezielles \"Patch\" (Abzei\"One-Percenters\" chen) ein 1 %-Zeichen in einer Raute als Erkennungszeichen auf ihren Jacken. Als Beispiele f\u00fcr derartige Gruppen mit internationaler Ausrichtung und hoher krimineller Energie k\u00f6nnen der Hells Angels MC (Motorcycle Club), der Outlaws MC, der Trust MC, der Gremium MC und der Bandidos MC gesehen werden. Diesen Rockergruppen werden bayernweit etwa 50 St\u00fctzpunkte, die so genannten Chapter oder Charter, zugerechnet. Sie sind zudem in einem weltweiten Geflecht von international agierenden Rockergruppen eingebunden. Bei den kriminellen Rockergruppen handelt es sich um nach innen und au\u00dfen geschlossene Gemeinschaften, die sich eigene Normen (\"Ehrenkodex\") geben und diese notfalls auch mit Gewalt durchsetzen. Dabei werden die gesellschaftlich geltenden Normen grunds\u00e4tzlich abgelehnt. Man betrachtet sich als au\u00dferhalb der g\u00fcltigen Rechtsordnung stehend (\"Outlaws\"). Die Aufnahme in eine Rockergruppe erfolgt \u00fcber feststehende Regeln und Auswahlkriterien. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer Gruppe kommt durch das Tragen von Jacken mit speziellen Farben und Symbolen zum Ausdruck. Clubinteressen werden oft mit Gewalt durchgesetzt. Im Ausland gab es Gewaltbereitschaft bei Auseinandersetzungen verschiedener Rockerbanden bzw. bei Konflikten innerhalb der Gruppen sogar Tote. So wurden in Ontario/Kanada die Leichen von acht Angeh\u00f6rigen des Bandidos MC aufgefunden. Die T\u00e4ter werden in den Reihen der eigenen Rockergruppe vermutet. In den Niederlanden t\u00f6teten Angeh\u00f6rige des Hells Angels MC drei Personen aus den eigenen Reihen wegen Streitigkeiten im Zusammenhang mit Rauschgifthandel. Gewaltt\u00e4tigkeiten zwischen rivalisierenden Rockergruppen sind auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. In verschiedenen Bundesl\u00e4ndern kam es zu mehreren gewaltt\u00e4tigen \u00dcbergriffen, zum Teil mit Schwerverletzten. So wurden in Th\u00fcringen im Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","232 Organisierte Kriminalit\u00e4t Mai Angeh\u00f6rige des Road Eagle MC von Angeh\u00f6rigen des Gremium MC \u00fcberfallen. Unter den T\u00e4tern waren auch Rocker aus Bayern. Bemerkenswert war auch ein \u00dcberfall auf mehrere Angeh\u00f6rige des Bandidos MC im M\u00e4rz in der N\u00e4he von Bremen. Die Opfer waren gefesselt und fast zu Tode gepr\u00fcgelt worden. In M\u00fcnchen wurden im Januar zw\u00f6lf Angeh\u00f6rige des Bandidos MC wegen Bildung einer \"bewaffneten Gruppe\" (SS 127 StGB) und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu Freiheitsstrafen von mehreren Monaten auf Bew\u00e4hrung verurteilt. Sie hatten mehrere Besucher einer Stammkneipe des Bandidos MC verletzt. Die Polizei fand bei Durchsuchungen im Kreis der Beschuldigten mehrere Waffen. Bemerkenswert an dem Fall war, dass die Gesch\u00e4digten kein Interesse an der Aufkl\u00e4rung zeigten und zun\u00e4chst gemachte Aussagen sp\u00e4ter widerriefen. Das Gericht verurteilte die Angeklagten dennoch. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Der dargestellte Fall zeigt deutlich, dass im Rockermilieu eine Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden grunds\u00e4tzlich abgelehnt wird. Wird das Gebot des Schweigens dennoch gebrochen, ist mit drastischen Sanktionen zu rechnen. ExpansionsIn letzter Zeit war eine Expansion der gro\u00dfen Rockerclubs sowohl im bestrebungen Ausland als auch in Deutschland festzustellen. Regionale Gruppen wurden teilweise komplett \u00fcbernommen. Die \u00dcbernahme (\"Patch-Over\") des Bats MC durch den Trust MC zum Jahresanfang und der \u00dcbertritt mehrerer, auch bayerischer Chapter des Stones MC zum Gremium MC im Mai lassen eine rigorose Expansionspolitik der \"1 %er-Clubs\" erkennen. Es spricht einiges daf\u00fcr, dass Rockerclubs versuchen werden, einerseits in Bayern weiter zu expandieren und andererseits auch in den neuen Bundesl\u00e4ndern, insbesondere im Rotlichtmilieu, in der T\u00fcrsteher-Szene und im Rauschgifthandel, Fu\u00df zu fassen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 233 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I) Ge\u00e4ndert durch SS 2 des Gesetzes zur Anpassung des Bayerischen Landesrechts an Art. 13 des Grundgesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl S. 383), Art. 4 Abs. 1 des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40) und SS 1 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969) I. Abschnitt erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, Organisation und Aufgaben durch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder des Verfassungsschutzes unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnArt. 1 licher Strukturen oder Organisation des Verfassungsschutzes, Verh\u00e4ltnis zur Polizei - unter Anwendung von Gewalt oder durch entsprechende Drohung oder (1) 1 Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des - unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein LandesMedien oder Wirtschaft. amt f\u00fcr Verfassungsschutz. 2 Es dient auch dem Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (2) 1 Freiheitliche demokratische Grundordnung nachgeordnete Beh\u00f6rde. 2 Das Landesamt und Dienstnach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschluss stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtswerden. 3Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit nicht zu. darstellt. 2 Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im Art. 2 Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem Zust\u00e4ndigkeit vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfiggesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2 Dazu gekeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, h\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Veralle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsfassungsschutzes. m\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lanoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Gesetzes t\u00e4tig werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","234 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Art. 3 haltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Aufgaben Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Aufgabe, 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetverteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt zes, die gegen die freiheitliche demokratische sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes mitzuwirken. f\u00fcr eine fremde Macht, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des GrundgesetAufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen zes, die durch Anwendung von Gewalt oder 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rvon Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffenttige Belange der Bundesrepublik Deutschland lichen Dienst bewerben, gef\u00e4hrden, 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcr4. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetgerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des zes, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndiVerdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gung (Art. 9 Abs. 2 Grundgesetz), insbesondere - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. (Art. 26 Abs. 1 Grundgesetz), gerichtet sind, 5. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten II. Abschnitt Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes Allgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen ausArt. 4 gehen. 2 Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe Allgemeine Befugnisse Informationen, insbesondere sachund personenbezogene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber sol(1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu auszuwerten. 3 Die notwendige Koordinierung mit den erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenanderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen beh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministeriums Gruppierung oder Person erheben und in Akten und des Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministerium Dateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie der Justiz geregelt. 4 \u00dcber diese Richtlinien wird das aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachParlamentarische Kontrollgremium gem\u00e4\u00df Art. 3 Abs. 3 folgend besondere Bestimmungen gelten. 2Das LandesSatz 1 des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle amt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Daten auch f\u00fcr die Vorgangsverwaltung nutzen und verArt. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigarbeiten. 3Ist zum Zweck der Datenerhebung die \u00dcberkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamittlung personenbezogener Daten erforderlich, so darf mentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) vom ein entsprechendes Ersuchen des Landesamts f\u00fcr Ver10. Februar 2000 (GVBl S. 40) unterrichtet. fassungsschutz nur diejenigen personenbezogenen Daten enthalten, die f\u00fcr die Erteilung der Auskunft uner(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die l\u00e4sslich sind. 4Schutzw\u00fcrdige Interessen des BetroffeAufgabe, nen d\u00fcrfen nur in unvermeidbarem Umfang beeintr\u00e4chtigt werden. 1. nach Ma\u00dfgabe des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von (2) 1 Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr VerfasPersonen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimsungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 235 Nrn. 1 und 2 sind im Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fc(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perfungsgesetz vom 27. Dezember 1996 (GVBl S. 509, sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung BayRS 12-3-I)), zuletzt ge\u00e4ndert durch SS 6 des Gesetzes nachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn vom 24. April 2001 (GVBl S. 140), in der jeweils gel1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder tenden Fassung geregelt, soweit sie nicht in besonderen T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf Gesetzen geregelt sind; Art. 6 Abs. 1 Satz 4 bleibt undiese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge ber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf, gewonnen werden k\u00f6nnen oder soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 Nr. 2 nur mitwirken 2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur Auskunft erteilen, Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts wenn die betroffene Person der Durchf\u00fchrung der f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; werden der Ehegatte oder oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. die Person, mit der die betroffene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher Gemeinschaft lebt, in die (3) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwen\u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, so ist auch deren Zustimdung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben wermung erforderlich. den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene (3) 1 Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiePerson weniger beeintr\u00e4chtigt. 2 Die Anwendung nachdene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr richtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofVerh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverfene Gruppierung oder Person voraussichtlich am halts stehen. 3 Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 2 Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, Zweck erreicht ist oder sich ergibt, dass er nicht oder wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar nicht auf diese Weise erreicht werden kann. au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. (4) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem Art. 5 Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Erhebung personenbezogener Daten Art. 6 a 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf persoEinsatz besonderer technischer Mittel nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung im Schutzbereich des Art. 13 Grundgesetz seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 2 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 (1) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel zur Nr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persoInformationsgewinnung im Schutzbereich des Art. 13 nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nachdes Grundgesetzes ist als nachrichtendienstliches Mitermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von tel im Sinn des Art. 6 Abs. 1 unter besonderer Ber\u00fcckInformationen erforderlich ist, die bei den Verfassungssichtigung des Grundsatzes der Verhaltnism\u00e4\u00dfigkeit schutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. nach Art. 6 Abs. 3 nur zul\u00e4ssig, wenn Art. 6 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach SS 1 Abs. 1 und SS 3 Abs. 1 des Gesetzes zur Beschr\u00e4n(1) 1 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem kung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses Gesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch vom 26. Juni 2001 (BGBl I S. 1254) in der jeweils nachrichtendienstliche Mittel anwenden. 2 Sie dienen geltenden Fassung vorliegen, oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicher2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorlieheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner gen, dass jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 Mitarbeiter. 3Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfSatz 1 Nrn. 1, 3 oder 4 durch die Planung oder Benahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter gehung von Straftaten nach SSSS 129, 129 a, 129 b, 130 und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, dass das oder 131 des Strafgesetzbuchs (StGB) in der jeweils Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen ergeltenden Fassung verfolgt, oder hebt. 4 Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungs3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteschutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarhen, dass jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nung von Mitarbeitern anwenden. nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 durch die Planung Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","236 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) oder Begehung von Straftaten nach SS 100 a der StrafBetroffenen nach Absatz 5 oder f\u00fcr eine gerichtliche prozessordnung (StPO) in der Fassung der BekanntNachpr\u00fcfung der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme nach machung vom 7. April 1987 (BGBl I S. 1074, 1319), Absatz 1 von Bedeutung sein k\u00f6nnen. 7In diesem Fall zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 3 des Gesetzes vom sind die Daten zu sperren und d\u00fcrfen nur zu diesen 22. August 2002 (BGBl I S. 3390), SSSS 261, 263 bis Zwecken verwendet werden. 265, 265 b, 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SSSS 92 a, 92 b des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) vom (4) Die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an 9. Juli 1990 (BGBl I S. 1353), zuletzt ge\u00e4ndert durch andere \u00f6ffentliche Stellen gem\u00e4\u00df Art. 14 Abs. 1 bis 3 ist Art. 11 des Gesetzes vom 9. Januar 2002 (BGBl I nur zul\u00e4ssig zur Abwehr von erheblichen Gefahren f\u00fcr S. 361), in der jeweils geltenden Fassung verfolgt die \u00f6ffentliche Sicherheit, insbesondere zum Schutz der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit von Personen und zur Verund die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise folgung von in Absatz 1 oder in SS 138 StGB genannten aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2Der verStraftaten. deckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen rich(5) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz teilt dem ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen Betroffenen Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 Satz 1 nach ist, dass sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von ihrer Einstellung, fr\u00fchestens jedoch dann mit, wenn eine ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder Gef\u00e4hrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen weitergeben, oder dass der Verd\u00e4chtige sich in ihrer werden kann. 2Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn das Wohnung aufh\u00e4lt. nach Absatz 7 zust\u00e4ndige Gericht festgestellt hat, dass (2) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel nach 1. die Voraussetzung auch nach f\u00fcnf Jahren nach BeenAbsatz 1 bedarf einer richterlichen Anordnung. 2Bei digung der Ma\u00dfnahme noch nicht eingetreten ist, Gefahr im Verzug kann der Pr\u00e4sident des Landesamts 2. sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Verfassungsschutz oder dessen Vertreter die Anordauch in Zukunft nicht eintreten wird und nung treffen; eine richterliche Entscheidung ist unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngs3. die Voraussetzungen f\u00fcr eine L\u00f6schung sowohl bei tens drei Monate zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um jeder erhebenden Stelle als auch beim Empf\u00e4nger der weils nicht mehr als drei weitere Monate sind auf AnDaten vorliegen. trag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der Anordnung fortbestehen. 4Liegen die Voraussetzungen nicht (6) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer mehr vor oder ist der verdeckte Einsatz technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes Mittel nicht mehr erforderlich, so ist die Ma\u00dfnahme unausschlie\u00dflich zum Schutz der f\u00fcr den Verfassungsverz\u00fcglich zu beenden. schutz in diesem Bereich t\u00e4tigen Personen bedarf der Anordnung des Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfas(3) 1 Ein Bediensteter des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder eines von ihm bestellten Beauftragsungsschutz mit Bef\u00e4higung zum Richteramt beauften. 2Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangsichtigt den Vollzug der Anordnung. 2Die nach Absatz 1 ten Erkenntnisse ist nur zul\u00e4ssig, wenn zuvor die erhobenen Daten d\u00fcrfen nur zur Erforschung und VerRechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme richterlich festgestellt folgung von dort genannten Bestrebungen und T\u00e4tigist; bei Gefahr im Verzug ist die richterliche Entscheikeiten, sowie f\u00fcr Daten\u00fcbermittlungen nach Absatz 4 dung unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Soweit Erkenntnisse verwendet werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsverwertet werden, gelten f\u00fcr die Datenverarbeitung, die schutz pr\u00fcft unverz\u00fcglich und sodann in Abst\u00e4nden von L\u00f6schung der Daten und die Mitteilung des Betroffenen sechs Monaten, ob die durch Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 die Abs\u00e4tze 3 bis 5 entsprechend. 4Im \u00dcbrigen sind sie erhobenen personenbezogenen Daten allein oder zuunverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. sammen mit bereits vorliegenden Daten f\u00fcr die Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebun(7) 1Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den gen oder T\u00e4tigkeiten erforderlich sind. 4Soweit diese Abs\u00e4tzen 2, 5 und 6 ist das Amtsgericht am Sitz des Daten daf\u00fcr nicht erforderlich sind und nicht f\u00fcr eine Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. 2F\u00fcr das Verfahren \u00dcbermittlung an andere Stellen ben\u00f6tigt werden, sind gelten die Vorschriften des Gesetzes \u00fcber die Angelesie unverz\u00fcglich unter Aufsicht eines Bediensteten, der genheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit - FGG - die Bef\u00e4higung zum Richteramt hat, zu l\u00f6schen. 5Die (BGBl III 315-1), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 26 des L\u00f6schung ist zu protokollieren. 6Die L\u00f6schung unterGesetzes vom 23. Juli 2002 (BGBl I S. 2850), entsprebleibt, soweit die Daten f\u00fcr eine Mitteilung an den chend. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 237 (8) 1Die Staatsregierung unterrichtet den Landtag (2) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im j\u00e4hrlich \u00fcber die in Absatz 1, und soweit richterlich Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 \u00fcberpr\u00fcfungsbed\u00fcrftig, nach Absatz 6 angeordneten Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten BestreMa\u00dfnahmen. 2Ein vom Landtag ausgew\u00e4hltes Gremium bungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf \u00fcbt auf der Grundlage dieses Berichts die parlamentariausgerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt wersche Kontrolle aus. den, sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 Abs. 1 Nr. 5 Ausk\u00fcnfte entsprechend SS 8 Abs. 5 bis 8 Art. 6 b BVerfSchG einholen. 2Absatz 1 gilt entsprechend. Datenerhebung bei Kreditinstituten, Fluggesellschaften, sowie Post-, Telekommuni(3) 1Das Staatsministerium des Innern unterrichtet im kationsund Teledienstgesellschaften Abstand von h\u00f6chstens sechs Monaten das Parlamentarisowie Einsatz des IMSI-Catchers sche Kontrollgremium nach dem Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetz \u00fcber die Durchf\u00fchrung der (1) 1Ausk\u00fcnfte nach SS 8 Abs. 5 bis 8 des Gesetzes Abs\u00e4tze 1 und 2; dabei ist insbesondere ein \u00dcberblick \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis und Kosten der im Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und des BunBerichtszeitraum durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen nach den desamts f\u00fcr Verfassungsschutz (BundesverfassungsAbs\u00e4tzen 1 und 2 zu geben. 2Das Gremium erstattet dem schutzgesetz - BVerfSchG) vom 20. Dezember 1990 Bayerischen Landtag j\u00e4hrlich einen Bericht \u00fcber die (BGBl I S. 2954), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 9 des Durchf\u00fchrung sowie Art, Umfang und Anordnungsgr\u00fcnde Gesetzes vom 16. August 2002 (BGBl I S. 3202), in der der Ma\u00dfnahmen nach den Abs\u00e4tzen 1 und 2; dabei sind jeweils geltenden Fassung d\u00fcrfen nur auf Antrag eingedie Grunds\u00e4tze des Art. 2 Abs. 1 PKGG zu beachten. holt werden. 2Der Antrag ist durch den Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder seinen Vertreter (4) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im schriftlich zu stellen und zu begr\u00fcnden. 3\u00dcber den Antrag Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 entscheidet das Staatsministerium des Innern. 4Es unterAbs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten Bestrerichtet monatlich die nach Art. 2 des Gesetzes zur Ausbungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) gerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt werden, vom 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 1 zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 2 des Gesetzes vom Satz 1 Nrn. 2 bis 5 unter den Voraussetzungen des SS 3 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), gebildete Kommission Abs. 1 des Artikel 10-Gesetzes auch technische Mittel \u00fcber die beschiedenen Antr\u00e4ge vor deren Vollzug. 5Bei zur Ermittlung des Standorts eines aktiv geschalteten Gefahr im Verzug kann das Staatsministerium des Innern Mobilfunkendger\u00e4ts und zur Ermittlung der Ger\u00e4teund den Vollzug der Entscheidung auch bereits vor der UnKartennummern einsetzen. 2Die Ma\u00dfnahme ist nur zuterrichtung der Kommission anordnen. 6Die Kommission l\u00e4ssig, wenn ohne die Ermittlung die Erreichung des pr\u00fcft von Amts wegen oder auf Grund von Beschwerden Zwecks der \u00dcberwachungsma\u00dfnahme aussichtslos oder die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Einholung von wesentlich erschwert w\u00e4re. 3Personenbezogene Daten Ausk\u00fcnften. 7 SS 15 Abs. 5 des Artikel l0-Gesetzes vom eines Dritten d\u00fcrfen anl\u00e4sslich solcher Ma\u00dfnahmen nur 26. Juni 200l (BGBl I S. 1254), zuletzt ge\u00e4ndert durch erhoben werden, wenn dies aus technischen Gr\u00fcnden Art. 5 Abs. 1 des Gesetzes vom 22. August 2002 (BGBl I zur Erreichung des Zwecks nach Satz 1 unvermeidbar S. 3390), ist mit der Ma\u00dfgabe entsprechend anzuwenist. 4\u00dcber den Datenabgleich zur Ermittlung der gesuchden, dass die Kontrollbefugnis der Kommission sich auf ten Ger\u00e4teund Kartennummer hinaus d\u00fcrfen sie nur die gesamte Erhebung, Verarbeitung und Nutzung der zur Verh\u00fctung und Verfolgung von Straftaten im Sinn nach SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erlangten personenbedes SS 138 StGB verwendet werden. 5Nach Beendigung zogenen Daten erstreckt. 8Entscheidungen \u00fcber Ausk\u00fcnfder Ma\u00dfnahme sind sie unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. te, die die Kommission f\u00fcr unzul\u00e4ssig oder nicht not- 6 Abs\u00e4tze 1 und 3 gelten entsprechend. wendig erkl\u00e4rt, hat das Staatsministerium des Innern unverz\u00fcglich aufzuheben. 9F\u00fcr die Verarbeitung der nach (5) Das Staatsministerium des Innern erstattet dem SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erhobenen Daten ist SS 4 des Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundes j\u00e4hrArtikel l0-Gesetzes entsprechend anzuwenden. 10Das lich einen Bericht nach SS 8 Abs. 11 BVerfSchG \u00fcber die Auskunftsersuchen und die \u00fcbermittelten Daten d\u00fcrfen Durchf\u00fchrung des Absatzes 1; dabei ist insbesondere dem Betroffenen oder Dritten vom Auskunftsgeber nicht ein \u00dcberblick \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis mitgeteilt werden. 11SS12 Abs. 1 und 3 des Artikel 10-Geund Kosten der im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrten setzes finden entsprechende Anwendung. Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 zu geben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","238 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Art. 7 Art. 8 Speicherung und Ver\u00e4nderung Berichtigung und L\u00f6schen von Daten personenbezogener Daten (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz persoberichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die nenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nzu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu dern, wenn vermerken. 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von Bestrel\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig bungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erforderwar oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzlich ist oder lich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; 3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Akten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. sind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2 Ob die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung 2 In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personennach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbeibezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, tung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder 3 Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. 3Das Recht der Grund zu der Annahme besteht, dass durch sie schutzNutzung und Verabeitung personenbezogener Daten w\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chnach Art. 4 Abs. 1 Satz 2 zur Vorgangsverwaltung tigt w\u00fcrden. 4 In diesem Fall sind die Daten zu sperren; bleibt unber\u00fchrt. sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. (2) 1Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcr(3) 1 F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften fen nicht in Dateien gespeichert werden. 2 Personenbedes Bayerischen Archivgesetzes. 2 Die Anbietungszogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person nach pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 Vollendung des 14. und vor Vollendung des 16. LebensAbs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung. jahres sind zwei Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 9 Art. 3 Abs. 1 angefallen sind. 3 Personenbezogene Daten Errichtungsanordnung \u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des 16. und vor Vollendung des 18. Lebensjahres sind zwei (1) 1 F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierJahre nach dem Verhalten auf die Erforderlichkeit der ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet Speicherung in Dateien zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens werden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in f\u00fcnf Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, einer Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: angefallen sind \u00fcber ein Verhalten nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit. 4 F\u00fcr Akten, die zu einer minderj\u00e4hrigen 1. Bezeichnung der Datei, Person gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fc2. Zweck der Datei, fungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. 3. betroffener Personenkreis, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 4. Art der zu speichernden Daten, Dauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu 5. Eingabeberechtigung, einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df 6. Zugangsberechtigung, festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach diesem Gesetz erforderlich ist. 7. regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, 8. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei9. Protokollierung des Abrufs. chert, muss erkennbar sein, wer die Bewertung vorgenommen hat und wo die Informationen gespeichert 2 Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des sind, die der Bewertung zugrunde liegen. Innern ist die Errichtungsanordnung dem LandesbeaufVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 239 tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. 4. die Information oder die Tatsache der Speicherung 3 Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des nach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen Verfahrens. nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehal(2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des ten werden muss. Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung personenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df (4) 1 Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf beschr\u00e4nkt ist. keiner Begr\u00fcndung. 2 Wird die Auskunftserteilung abgelehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage f\u00fcr (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweisen, angemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weidass er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenterf\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. bezogener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz wenden kann. 3 Dem Landesbeauftragten Art. 10 f\u00fcr den Datenschutz ist auf sein Verlangen Auskunft zu Geltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes erteilen, soweit nicht das Staatsministerium des Innern im Einzelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten AufBundes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. 4 Mitteilungaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fingen des Landesbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen den die Art. l0 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Kenntnisstand des LandesBayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. amts f\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, sofern dieses nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Art. 11 Auskunftserteilung III. Abschnitt (1) Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim 1 \u00dcbermittlungsregelungen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten gespeicherten Informationen besteht nicht. 2 Hat Art. 12 eine Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft Informations\u00fcbermittlung \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entan das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz scheidet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach ohne Ersuchen pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegeh(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regisren. ter, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fc\u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen fung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer des Freistaats Bayern haben von sich aus dem LandesPerson Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, amt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer hat diese Person abweichend von Absatz 1 einen Aufgaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcberAnspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts mitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestef\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung hen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufdieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. gaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines (3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst. b oder c des 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach Grundgesetzes erforderlich sein kann. Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche \u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unZug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforverz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fclschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitslung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu lich sind. 2 Ergibt die Pr\u00fcfung, dass sie nicht erforderbef\u00fcrchten ist, lich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernich3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden ten. 3 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung Nachteile bereiten w\u00fcrde oder der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","240 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) vertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall Art. 14 d\u00fcrfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung wendet werden. durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perArt. 13 sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, Informations\u00fcbermittlung wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Gesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle auf Ersuchen die Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen (1) 1 Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt; Stellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittauf dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Auflung aktenkundig zu machen. 2 Gleiches gilt, wenn der gaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcbermitEmpf\u00e4nger die personenbezogenen Daten zur Erf\u00fcllung teln, soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Lananderer ihm zugewiesener Aufgaben ben\u00f6tigt, sofern er desamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz dabei auch zum Schutz der freiheitlichen demokratischen erforderlich ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Grundordnung beizutragen oder Gesichtspunkte der darf Ersuchen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Infor\u00f6ffentlichen Sicherheit oder ausw\u00e4rtige Belange zu mation auf andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufw\u00fcrdigen hat. 3 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten wand oder nur durch eine die betroffene Gruppierung Daten, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, oder Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermitwerden kann. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz telt wurden, es sei denn, dass das Landesamt f\u00fcr Verfashat Ersuchen zu begr\u00fcnden, es sei denn, dass eine Besungsschutz einer anderen Verwendung f\u00fcr Zwecke gr\u00fcndung dem Schutz der betroffenen Gruppierung nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt hat. 4 Satz 1 gilt oder Person zuwiderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahauch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten inme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. 4 Es hat die Ersuchen aktenkundig nerhalb des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. zu machen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrvon Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen te Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 zwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber einsehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der nach diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige Bundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndi\u00dcbermittlung von Informationen aus den Akten oder schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961 den Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, eiS. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln; das Lannen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6ndesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung lichkeitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen aktenkundig zu machen. 2 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinw\u00fcrde. 2 \u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dazuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem teien hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcberNachweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die eingemittelt wurden. sehene Datei hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu (3) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf persichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb ihrer Erstellung folgt, zu vernichten. des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcber(3) 1 H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Stelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die EinsichtAufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung nahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erfordem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht derlich ist; das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat dieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so die \u00dcbermittlung aktenkundig zu machen. 2 Die \u00dcberentscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtsmittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der Bunbeh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. desrepublik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person entgegenstehen. (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. 3 Sie ist aktenkundig zu machen. 4 Der Empf\u00e4nger ist Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 241 darauf hinzuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur 1. erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie der Informationen und ihrer Erhebung das schutzihm \u00fcbermittelt wurden. w\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder (4) 1Personenbezogene Daten d\u00fcrfen au\u00dfer in den 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. F\u00e4llen des Art. 4 Abs. 1 Satz 3 an andere Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nur \u00fcbermittelt werden, wenn dies (2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informationszum Schutz vor den in Art. 3 Abs. 1 Satz 1 bezeichne\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unten Bestrebungen, Gefahren und T\u00e4tigkeiten erforderber\u00fchrt. lich ist. 2Die \u00dcbermittlung nach Satz 1 bedarf der vorherigen Zustimmung des Staatsministeriums des Innern; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung IV. Abschnitt aktenkundig zu machen. 4Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcberParlamentarische Kontrolle mittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 5Das Landesamt f\u00fcr VerfasArt. 18 sungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweisen. Parlamentarisches Kontrollgremium Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung (5) 1 \u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtlichen hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr VerfasVorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2 Das Landesamt f\u00fcr sungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen des GesetVerfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzbeh\u00f6rzes zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregieden auch dadurch unterrichten, dass es diesen den Abruf rung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6glicht, bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landessoweit deren gesetzliche Aufgaben identisch sind. amts f\u00fcr Verfassungsschutz - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom 10. Februar 2000 (GVBl Art. 15 S. 40, BayRS 12-4-I) in der jeweils geltenden Fassung. Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit 1 Das Staatsministerium des Innern und das LandesArt. 19 und 20 (aufgehoben) amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. l. 2 Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezogene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesse V. Abschnitt der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzSchlussvorschriften w\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahrung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. Art. 21 Erf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben Art. 16 Nachberichtspflicht Zur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetzes nach Art. 73 Nr. l0 Buchst. b und c des GrundErweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer gesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsdie Befugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entsprechenschutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unverden Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. z\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der Art. 22 betroffenen Person erforderlich ist. Einschr\u00e4nkung von Grundrechten Art. 17 Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht \u00dcbermittlungsverbote der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des Grundgesetzes und Art. l06 Abs. 3 der Verfassung und (1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das das Grundrecht des Brief-, Postund FernmeldegeheimLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und nisses nach Art. 10 des Grundgesetzes und Art. 112 der 14 hat zu unterbleiben, wenn Verfassung eingeschr\u00e4nkt werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","242 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Art. 23 Art. 24 \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung In-Kraft-Treten des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz 1 Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* Das Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 2 Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVBl 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts S. 522, BayRS 12-2-I) wird wie folgt ge\u00e4ndert: f\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-I), 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen Datenschutz\"6 Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, gesetzes (BayRS 204-1-I). die der Zustimmung der Parlamentarischen Kontrollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes bedarf.\" 2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr Sicherheitsfragen zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags\" durch * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der die Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission urspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBl S. 323). f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ersetzt. ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) 243 Gesetz zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) Vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40, BayRS 12-4-I) Ge\u00e4ndert durch SS 4 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969), SS 1 Nr. 6 des Dritten Gesetzes zur Aufhebung von Rechtsvorschriften vom 7. August 2003 (GVBl S. 497) und SS 2 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Polizeiaufgabengesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2005 (GVBl S. 641) Art. 1 (3) 1 Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder seiParlamentarisches Kontrollgremium ner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Parlamentarischen Kontrollgremium; Absatz 4 bleibt (1) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt die unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein parlamentarische Kontrolle gem\u00e4\u00df Art. 13 Abs. 6 Satz 3 neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das Gleiche gilt, wenn ein des Grundgesetzes zum Vollzug der Ma\u00dfnahmen nach Mitglied aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes nach Ma\u00dfgabe ausscheidet. 3Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr der Art. 48 a des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gerichtsdie stellvertretenden Mitglieder. verfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (AGGVG), Art. 34 Abs. 9 des Polizeiaufgaben(4) Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt seine gesetzes (PAG) und Art. 6 a Abs. 8 des Bayerischen T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des LandVerfassungsschutzgesetzes (BayVSG) in der Fassung tags hinaus solange aus, bis der nachfolgende Landtag ein der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, neues Parlamentarisches Kontrollgremium gew\u00e4hlt hat. BayRS 12-1-I), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 1 des Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), aus. Art. 2 2 Dem Parlamentarischen Kontrollgremium obliegt ferGeheimhaltung ner die Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz; die (1) 1 Die Beratungen des Parlamentarischen KontrollRechte des Landtags und seiner Aussch\u00fcsse bleiben ungremiums sind geheim. 2Die Mitglieder und stellvertreber\u00fchrt. tenden Mitglieder sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigkeit im (2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt geworden aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder des Parlamentarisind. 3Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausscheischen Kontrollgremiums werden zu Beginn jeder neuen den aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium. Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte gew\u00e4hlt. 3In gleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein stellvertreten(2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium tritt des Mitglied gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen der mindestens einmal im Jahr zusammen. 2Jedes Mitglied Mehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. kann die Einberufung des Parlamentarischen KontrollVerfassungsschutzbericht Bayern 2006","244 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) gremiums verlangen. 3Das Parlamentarische KontrollArt. 4 gremium gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 4Ferner ob\u00c4nderung von Gesetzen liegt ihm die Wahl seiner bzw. seines Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden. (1) Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I), ge\u00e4ndert Art. 3 durch SS 2 des Gesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums S. 383), wird wie folgt ge\u00e4ndert: und Berichtspflichten der Staatsregierung 1. Art. 18 erh\u00e4lt folgende Fassung: (1) Das Staatsministerium der Justiz erstattet dem \"Art. 18 Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Parlamentarisches Kontrollgremium nach Art. 48 a AGGVG. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregie(2) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem rung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Verfassungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen nach Art. 34 Abs. 9 PAG und Art. 6 a Abs. 8 BayVSG. des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle der 2 Die Berichterstattung nach diesen Vorschriften kann Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach gesondert erfolgen. Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (3) 1 Das Staatsministerium des Innern unterrichtet - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom das Parlamentarische Kontrollgremium ferner regel10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I).\" m\u00e4\u00dfig umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge 2. Art. l9 und 20 werden aufgehoben. von besonderer Bedeutung. 2Dar\u00fcber hinaus berichtet es zu einem konkreten Thema aus dem Aufgabenbereich (2) In Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, sofern das ParGesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) vom lamentarische Kontrollgremium dies verlangt. 3Zeit, Art 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), und Umfang der Unterrichtung des Parlamentarischen ge\u00e4ndert durch Art. 23 des Gesetzes vom 24. August Kontrollgremiums werden unter Beachtung des not1990 (GVBl S. 323), werden die Worte \"die Parlamenwendigen Schutzes des Nachrichtenzugangs durch die tarische Kontrollkommission f\u00fcr Angelegenheiten des politische Verantwortung der Staatsregierung bestimmt. Verfassungsschutzes\" durch die Worte \"das Parlamentarische Kontrollgremium\" ersetzt. (4) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem Parlamentarischen Kontrollgremium ferner Bericht Art. 5 nach Ma\u00dfgabe des Art. 3 des Gesetzes \u00fcber die AufIn-Kraft-Treten, \u00dcbergangsvorschrift gaben der G 10-Kommission im Bayerischen Landtag und zur Ausf\u00fchrung des Artikel 10-Gesetzes (G 10) (1) Dieses Gesetz tritt am 1. April 2000 in Kraft.* und nach Ma\u00dfgabe des Art. 6 b Abs. 3 und 4 BayVSG. 2 Art. 2 AGG 10 bleibt unber\u00fchrt. (2) (aufgehoben). * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung. Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Sachwortregister 245 Sachwortregister ABLE 206 Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei (BP-KK/T) 90 ABSURD 131 Adelaide Institute 143 BRAUNE BR\u00dcDER 130 Admintech 198 B\u00fcndnis M\u00fcnchen gegen Krieg 174 AD\u00dcTDF 83 B\u00fcrgerbewegung Pro M\u00fcnchen - patriotisch & sozial 145 Aktion Transparente Verwaltung M\u00fcnchen (ATV) 210 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 145 Al-Aqsa e.V. 87 BURNING HATE 130 Al-Gamaa al-Islamiya (GI) 87 Burschenschaft Danubia 145 Al-Qaida 66 Al-Tauhid 87 Celebrity Centres (CC) 203 Ansar al-Islam 49 Church of Scientology International (CSI) 195 Anti-Antifa N\u00fcrnberg 124 \"Church\"-Sektor 203 Antideutsche 188 Citizens Commission on Human Rights (CCHR) 210 antifa 194 CIWANEN AZAD (Freie Jugendliche) 76 Antifaschismus 182 Clears 198 Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen 178 Continental Liaison Office (CLO) 205 Antifaschistische Linke F\u00fcrth 180 Contra Real 178 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg 194 CRIMINON 207 Anti-Globalisierung 184 Antiimperialismus 186 DAMAGE INCORPORATED 130 Antikernkraftbewegung 188 Das Freie Forum 145 Applied Scholastics 207 Dawa 88 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 176 Demokratie Direkt M\u00fcnchen e.V. 116 Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) 88 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) 88 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t 228 Demokratische Jugend AUFMARSCH 131 (Demokratik Genclik - DEM-GENC) 76 Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Department of Special Affairs (DSA) 209 Opposition e.V. 145 Deutsche Geschichte 145 Autonome 177 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 165 Autonome Jugend Antifa 178 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 145 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) 123 Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) 144 Deutsche Stimme (DS) 144 barricada - zeitung f\u00fcr autonome politik und kultur 180 Deutsche Volksunion (DVU) 110 Bet\u00e4ubungsmittelhandel 229 Deutsche Volksunion e.V. 144 Black Metal 131 Deutsches B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte 210 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","246 Sachwortregister Deutsches Kolleg (DK) 145 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen 116 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 145 Freundeskreis Ulrich von Hutten 145 \"Deutschland-Pakt\" 102 Frieden 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung 145 Deutschland-Post 144 Friedenskomitee 145 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) 78 FSB (Inlandsnachrichtendienst der GUS) 216 Dianetik nach L. Ron Hubbard 195 F\u00fcrther Antifa-Zeitung (FAZ) 180 Die Republikaner (REP) 94 Die Linke.PDS-Pressedienst 193 Galileo - streitbare Wissenschaft 171 Die Linkspartei.PDS 149 GEGENSTANDPUNKT 176 Die Ware 159 Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei (AKP) 59 DISPUT 193 \"Germania\"-Rundbrief 141 Djihad 34 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 145 Djihad Islami (JI) 41 Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) 58 Djihadismus 66 GRU (Milit\u00e4rischer Nachrichtendienst Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH der GUS) 216 (DSZ-Verlag) 117 GUS-Mafia 223 En Nahda 46 HAMAS 44 Europ\u00e4ischer Darstellungsverein f\u00fcr Lebendige Geschichte (EDLG) 138 Hezb-i Islami (HIA) 56 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) 64 Fanzine 133 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. FAUSTRECHT 130 (HNG) 144 FELDHERREN 130 Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) 88 FIS 45 Hizb Allah (Partei Gottes) 55 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Hizb ut-Tahrir 47 Deutschland e.V. (ATIF) 81 \"home grown\"-Terrorismus 72 F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 82 Huttenbriefe 145 F\u00f6deration der Islamischen Organisationen in Europa (FIOE) 41 Impact 195 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Info-L\u00e4den der Autonomen 179 Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) 83 Institute for Political and International F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Studies (IPIS) 142 Deutschland (ADHF) 81 INTERIM 180 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) 73 International Association of Scientologists (IAS) 201 Fr\u00e4nkische Aktionsfront (F.A.F.) 21 International City 198 Freie Arbeiterinnenund Arbeiter Union - Internationale Assoziation (FAU-IAA) 176 Internationaler Kurdischer Arbeitgeberverband (KARSAZ) 74 Freie Nationalisten 96 Islamische Bewaffnete Gruppen (GIA) 68 Freiheit 195 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) 75 (IGD) 42 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Sachwortregister 247 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. KONGRA GEL (Volkskongress Kurdistans) 72 (IGMG) 57 KONTRA! 171 Islamische Heilsfront (FIS) 45 Koordination der kurdischen demokratischen Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) 56 Gesellschaft in Europa (CDK) 72 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) 44 Korruption 230 Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) 87 Kurdischer Nationalkongress (KNK) 73 Islamischer Widerstand 55 Islamisches Zentrum M\u00fcnchen (IZM) 42 Leuchter-Bericht 140 Islamisch-Irakische Gemeinschaft Linksruck 193 Deutschland e.V. (IIGD) 88 Linksruck-Netzwerk 173 Italienische Mafia 227 Maoistische Kommunistische Partei (MKP) 80 Jaish Ansar al-Sunna 49 Marxistische Bl\u00e4tter 193 Jugendverband REBELL 172 Marxistische Gruppe (MG) 176 Jugendverband ['solid] 159 Marxistisches Forum (MF) 159 Junge Nationaldemokraten (JN) 108 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 82 Kalifatsstaat 64 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Kameradschaft Asgard Ratisbona 124 (MLPD) 171 Kameradschaft Augsburg 125 Mensch und Ma\u00df 145 Kameradschaf Main-Spessart 124 militante gruppe (mg) 181 Kameradschaft M\u00fcnchen 122 Militanzdebatte 181 Kameradschaftsbund Hochfranken 125 Milli Gazete 62 Kameradschaft S\u00fcd - Aktionsb\u00fcro S\u00fcdMilli-G\u00f6r\u00fcs-Bewegung 57 deutschland (AS) 122 Mitteilungen der Kommunistischen Kameradschaft Weisse W\u00f6lfe 144 Plattform der Linkspartei.PDS 193 Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE 172 Mudjahidin 66 Koma Komalen Kurdistan (KKK) 75 M\u00fcnchen Direkt 145 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) 209 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus 174 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 193 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 174 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 167 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) 53 Kommunistische Plattform (KPF) 157 Muslimbruderschaft (MB) 39 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 171 Konf\u00f6derale Fraktion der Vereinten Nachrichten der HNG 144 Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke NARCONON 208 (GUE/NGL) 156 Nationaldemokratische Partei Deutschlands Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei (NPD) 96 in Europa (ATIK) 81 Nationaldemokratischer Hochschulbund Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte (NHB) 144 in Europa (ADHK) 81 Nationaler Block (NB) 101 Konf\u00f6deration kurdischer Vereine in Europa (KON-KURD) 77 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 84 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","248 Sachwortregister Nationales B\u00fcndnis Dresden (NBD) 117 Religious Technology Center (RTC) 203 National Liberation Army (NLA) 85 Renees 130 National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung Revisionismus 139 (NZ) 117 REVOLUTION\u00c4RER WEG 193 Nation-Europa-Freunde e.V. 120 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front Nation Europa Verlag GmbH 120 (DHKP-C) 78 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 120 Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) 174 Neonazi-Kameradschaften 122 Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen 178 Neue PKK 74 Rockerkriminalit\u00e4t 230 Neues Deutschland 193 ROJ TV 74 Neues Schwaben 145 Rote Fahne 193 Newroz 77 ['ROTFRONT!] 160 NOIS OF HATE 130 ROTF\u00dcCHSE 172 NS Black Metal (NSBM) 132 Rudolf-Gutachten 140 NS Kampfruf 144 Rudolf-He\u00df-Aktionen 125 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 143 Salafiyya-Gruppe f\u00fcr Predigt und Kampf (GSPC) 67 Office of Special Affairs (OSA) 209 Scharia 33 Oi-Skinheads 127 Schleusungsdelikte 229 Org 203 Schulhof-CD 107 Organisation al-Qaida im islamischen Maghreb 68 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 145 Organisierte Autonomie 178 Schwarzer Block 178 Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) 222 Scientology Kirche Bayern e.V. (SKB) 195 Osteurop\u00e4ische Organisierte Kriminalit\u00e4t 224 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) 195 Scientology-Organisation (SO) 195 Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) 164 Serxwebun 72 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 83 SHARPs 127 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 150 Skinheads 127 Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) 80 ['solid] 159 PKK (Arbeiterpartei Kurdistans; nunmehr Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen KONGRA GEL) 72 Gefangenen und deren Familien in der T\u00fcrkei (TAYAD) 79 policy letters 197 Source 195 POSITION 194 Sozialabbau 187 Projekt Schulhof 107 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 173 Proliferation 218 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Pro M\u00fcnchen e.V. 117 (SDAJ) 170 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands radikale Linke 178 (SED) 150 REBELL 172 Sozialistische Gruppe 176 Redskins 127 SWR (Auslandsnachrichtendienst der GUS) 215 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Sachwortregister 249 Tablighi Jamaat 51 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 145 TERRORMACHINE 88 130 Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung (VffG) 145 TITEL - Informationsforum der Linkspartei.PDS Bayern 193 Volksbefreiungsarmee (HKO) 81 T\u00fcrkische Arbeiterund BauernbefreiungsVolksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas armee (TIKKO) 81 - Generalkommando - (PFLP-GC) 88 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/MarxisVolksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 88 ten-Leninisten (TKP/ML) 80 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL); T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front ehemals Freiheitsund Demokratiekongress (THKP-C Devrimci Sol) 78 Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 72 Tugendpartei (FP) 58 Volksmudjahidin Iran-Organisation (MEK) 84 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) 73 Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) 88 Volunteer Ministers 212 Unsere Zeit (UZ) 193 Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 141 Ursprung 195 UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer Watchdog Committee (WDC) 203 Alternativen 193 White Power-Skinheads 127 Wirtschaftskriminalit\u00e4t 230 Verband der islamischen Vereine und Wirtschaftsspionage 216 Gemeinden e.V. (ICCB) 91 WISE 206 Verband der stolzen Frauen Wunsiedler Feldpost 144 (KJB; umfasst PAJK, YJA und YJA-STAR) 89 Wunsiedler Widerstand 125 Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten (VRBHV) 142 Yeniden Atilim 82 Vereinigung der demokratischen Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika 74 Jugendlichen Kurdistans (KOMALEN-CIWAN) 75 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives und Antifaschisten (VVN-BdA) 168 Lernen (ZIEL) 206 Verlag Hohe Warte - Franz von BebenZine 133 burg KG 145 Zusammen Aktiv K\u00e4mpfen 178 Verfassungsschutzbericht Bayern 2006","Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Druck: Joh. Walch GmbH & Co. KG, Augsburg Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier Hinweis: Der Verfassungsschutzbericht Bayern 2006 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz http://www.verfassungsschutz.bayern.de Verfassungsschutzbericht Bayern 2006"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2006","year":2006}
