{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-2005.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":260,"pages":["Bayerisches Staatsministerium des Innern G S U N S S Z F A T E R H U T V SC CH R I E B 00 5 2","VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHT 20 B AY E R N 05 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Vorwort 3 Der Islamismus, insbesondere die Terrornetzwerke, gef\u00e4hrdet die Innere Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands st\u00e4rker als jede andere extremistische Bestrebung. Trotz der Festnahme oder des Todes einiger hochrangiger al-Qaida-Funktion\u00e4re sind die islamistischen Terrornetzwerke unver\u00e4ndert handlungsf\u00e4hig. Die Sprengstoffanschl\u00e4ge von London im Juli 2005 haben gezeigt, dass sich auch lange im Lande lebende Muslime radikalisieren und schwerste Straftaten begehen k\u00f6nnen. Neben aus dem Ausland agierenden T\u00e4tergruppen stehen auch islamistische Strukturen, die sich im Inland entwickeln, im Visier der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Durch diese Gewalt bedrohen Islamisten unsere freiheitliche Ordnung. Sie versuchen gezielt und systematisch, geistig-politischen Einfluss auf islamische Gemeinden in Deutschland und Europa zu nehmen. Die im Oktober 2004 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe BIRGiT, die sich aus Spezialisten der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, des Verfassungsschutzes, der Polizei und anderer Beh\u00f6rden zusammensetzt, hat ihre Erfolge fortgesetzt und zahlreiche Ausweisungsbescheide gegen islamistische Gef\u00e4hrder und Hassprediger veranlasst. 27 Extremisten wurden in ihr Heimatland abgeschoben oder haben Deutschland unter dem Druck der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und der ausl\u00e4nderrechtlichen Ma\u00dfnahmen bereits verlassen. Am 28. Dezember 2005 hat das Bayerische Staatsministerium des Innern das \"Multi-Kultur-Haus Ulm e.V.\" (MKH) verboten. Dort hatte sich ein Zentrum radikaler Islamisten von \u00fcberregionaler Bedeutung etabliert. Die Aktivit\u00e4ten Terrorverd\u00e4chtiger werden weiterhin intensiv beobachtet. Rechtsextremisten sind weiterhin bestrebt, aktuelle politische Themen propagandistisch zu nutzen. Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus den Sorgen der Bev\u00f6lkerung um die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Finanzierung der Renten und die Folgen der Sozialreformen Kapital schlagen zu k\u00f6nnen. Teile des rechtsextremistischen Spektrums propagieren einen von dezidiert antikapitalistischen Elementen gepr\u00e4gten \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in sozialistisch orientierte W\u00e4hlerschichten einzudringen. Mit Sorge betrachten wir einen deutlichen Anstieg der Gewalttaten mit rechtsextremistischer und linksextremistischer Motivation. Der gewaltbereite Linksextremismus stellt nach wie vor eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar und verdient auch in Bayern Beachtung. Aufgabe des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz ist es insbesondere, zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestands und der Sicherheit des Bundes und der L\u00e4nder sowie zum Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t Informationen zu sammeln und die Sicherheitsbeh\u00f6rden dadurch in die Lage zu versetzen, die notwendigen sicherheitsrechtlichen Entscheidungen zu veranlassen. Aufgabe des Landesamts und des Bayerischen Staatsministeriums des Innern ist es aber auch, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber solche extremistischen und sicherheitsgef\u00e4hrdenden Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten zu informieren. Diese Informationspflicht folgt aus dem verfassungsrechtlichen Grundsatz der wehrhaften Demokratie und ist in Art. 15 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes verankert. Nur der informierte und \u00fcber extremistische Bestrebungen aufgekl\u00e4rte B\u00fcrger ist in der Lage, Entwicklungen in Politik und Gesellschaft sowie die dazu getroffenen staatlichen Ma\u00dfnahmen und Entscheidungen richtig zu beurteilen. Dazu dient auch dieser Bericht. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden, insbesondere des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und der bayerischen Polizei, gilt unser besonderer Dank. Durch ihren Einsatz haben sie auch im Jahr 2005 die Sicherheit der B\u00fcrger in Bayern gew\u00e4hrleistet und einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in Deutschland geleistet. M\u00fcnchen, im April 2006 Dr. G\u00fcnther Beckstein Georg Schmid Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Gesetzliche Grundlagen ................................................ 12 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes ............................... 12 3. Informationsbeschaffung .............................................. 13 4. Kontrolle ...................................................................... 14 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes ............... 15 6. Infound Beratungstelefone ......................................... 16 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2005 1. Ausl\u00e4nderextremismus .................................................. 17 2. Rechtsextremismus ....................................................... 19 3. Linksextremismus .......................................................... 22 4. Scientology-Organisation .............................................. 23 5. Grafische Darstellungen ................................................ 24 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines ................................................................ 26 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus .......................... 26 1.2 Entwicklung in Bayern ................................................. 26 1.3 Integrationsfeindlichkeit des Islamismus ....................... 28 1.4 Gewalttaten ................................................................ 29 2. Islamistischer Terrorismus ............................................. 30 2.1 \u00dcberblick ..................................................................... 30 2.2 Islamistisch motivierte Terroranschl\u00e4ge ......................... 31 2.3 Terrorismus im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg ........ 33 2.4 Erkl\u00e4rungen des al-Qaida-Netzwerks............................... 34 2.5 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen ................. 36 2.6 Ausblick ...................................................................... 39 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Inhaltsverzeichnis 5 3. Islamistische Gruppierungen ........................................ 40 3.1 Die internationale islamische Front - Al-Qaida ............... 40 3.2 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen ................................................................ 42 3.2.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ....... 44 3.2.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS)/ Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) und Al-Aqsa e.V. ........................... 46 3.2.3 Islamische Heilsfront (FIS) ............................................. 48 3.2.4 En Nahda .................................................................... 49 3.3 Hizb ut-Tahrir ............................................................... 50 3.4 Ansar al-Islam .............................................................. 52 3.5 Tablighi Jamaat (TJ) ...................................................... 54 3.6 Al-Tauhid ..................................................................... 55 3.7 Hizb Allah (Partei Gottes) ............................................. 56 3.8 Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa), Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) .......................... 57 3.9 Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) .................................... 58 3.10 Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) ................... 59 3.11 T\u00fcrkische islamistische Gruppierungen ......................... 60 3.11.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) .......... 60 3.11.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) .................................. 64 4. Verbote sonstiger islamistischer Organisationen ............ 66 4.1 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) ............................... 66 4.2 Verlagsgesellschaft Yeni Akit GmbH ............................. 68 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen .......... 69 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ............................ 69 5.1.1 Allgemeines ................................................................. 69 5.1.2 Aktivit\u00e4ten ................................................................... 72 5.1.3 Exekutivma\u00dfnahmen und Gerichtsverfahren ................. 74 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) ................................ 75 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) ..................................................................... 78 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) .. 80 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) .............................................. 80 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","6 Inhaltsverzeichnis 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI)/Volksmudjahidin Iran (MEK) ................................................................... 81 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ........................................................ 84 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines .................................................................. 89 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus ................................. 89 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................... 90 2. Parteien, Organisationen und Verlage ........................... 91 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ......... 91 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort .................................... 91 2.1.2 Organisation ................................................................. 96 2.1.3 Teilnahme an Wahlen .................................................... 97 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen ................................................... 99 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten ...................................................... 101 2.1.5.1 Landesparteitag ............................................................ 101 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen ......................... 101 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) ..................................... 105 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) .......................................... 107 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort ................................... 107 2.2.2 Organisation ................................................................ 112 2.2.3 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD ............................................ 112 2.2.4 Bundesparteitag .......................................................... 113 2.2.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten ..................................................... 114 2.3 Die Republikaner (REP) ................................................ 115 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort ................................... 115 2.3.2 Aush\u00f6hlung des offiziellen Abgrenzungskurses ............ 118 2.3.3 Organisation ................................................................ 119 2.3.4 Teilnahme an Wahlen ................................................... 119 2.3.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten ..................................................... 120 2.4 Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) ....................... 121 2.4.1 Ideologisch-politischer Standort ................................... 121 2.4.2 Kontakte zu anderen Rechtsextremisten ....................... 123 2.4.3 Organisation ................................................................ 123 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Inhaltsverzeichnis 7 2.4.4 Landesparteitag ........................................................... 124 2.5 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee ..................... 124 2.6 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen .................. 125 2.7 Rechtsextremistische Bestrebungen im Europ\u00e4ischen Darstellungsverein f\u00fcr Lebendige Geschichte (EDLG) .... 126 2.8 Sonstige Organisationen .............................................. 127 2.9 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) .. 128 2.10 Nation Europa Verlag GmbH ....................................... 130 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus .................... 131 3.1 Allgemeines ................................................................ 131 3.2 Neonazi-Kameradschaften ........................................... 133 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen ............................................. 133 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) .................... 134 3.2.3 Kameradschaft Asgard-Ratisbona ................................. 134 3.2.4 Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe ........................................ 135 3.2.5 Kameradschaft Aschaffenburg ..................................... 135 3.2.6 Bund Frankenland - Staatsb\u00fcrgerliche Runde ............... 135 3.2.7 Kameradschaft Augsburg ............................................. 136 3.3 Informationelle Vernetzung ......................................... 136 3.4 Aktivit\u00e4ten zum 18. Todestag von Rudolf He\u00df .............. 138 3.5 Projekt Schulhof .......................................................... 139 4. Rechtsextremistische Skinheads .................................... 140 4.1 \u00dcberblick ..................................................................... 140 4.2 Politische Ausrichtung .................................................. 140 4.3 Strukturen ................................................................... 141 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche .................................. 142 4.5 Skinhead-Musik ............................................................ 144 4.6 Skinhead-Magazine ...................................................... 147 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten ..................... 147 5.1 Gewalttaten ................................................................ 147 5.2 Sonstige Straftaten ...................................................... 151 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen .......... 154 7. Revisionismus .............................................................. 156 7.1 Ziele ............................................................................ 156 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne ... 157 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus ... 159 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ......................................................... 161 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","8 Inhaltsverzeichnis 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines .................................................................. 163 1.1 Merkmale des Linksextremismus ................................... 163 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................... 164 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 165 2.1 Die Linkspartei.PDS ...................................................... 165 2.1.1 Ideologische Ausrichtung ............................................. 166 2.1.2 Organisation ................................................................ 171 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften ..... 172 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) ................................... 172 2.1.3.2 Marxistisches Forum (MF) ............................................. 174 2.1.4 Jugendverband ['solid] ................................................. 174 2.1.5 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern und ihre Organisationseinheiten ................................................. 176 2.1.6 Teilnahme an Wahlen .................................................. 177 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus ............................ 178 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten ............. 179 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ......................... 180 2.2.1 Ideologische Ausrichtung ............................................. 180 2.2.2 Organisation ................................................................. 181 2.2.3 Teilnahme an Wahlen ................................................... 181 2.2.4 Internationale Verbindungen ........................................ 182 2.2.5 Umfeld der DKP ........................................................... 183 2.2.5.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ............ 183 2.2.5.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) .............. 185 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) ..... 187 2.4 Linksruck-Netzwerk (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) 189 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus ............ 190 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten ............................................... 192 3. Gewaltorientierte Linksextremisten ............................... 192 3.1 Autonome Gruppen ..................................................... 192 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen .............. 193 3.1.2 Strukturen, informationelle Vernetzung und Publikationen 194 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen ............................. 196 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion ... 196 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Inhaltsverzeichnis 9 3.1.3.2 Antifaschismus ............................................................ 198 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste ......................................... 200 3.1.3.4 Antiimperialismus ........................................................ 201 3.1.3.5 Sozialabbau ................................................................. 202 3.1.3.6 Weitere Aktionen ......................................................... 202 3.1.3.7 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung ............. 203 3.2 Linksextremistisch motivierte Straftaten ....................... 204 3.2.1 Gewalttaten ................................................................ 204 3.2.2 Sonstige Straftaten ................................................... 205 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse .................. 207 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO ................................................. 209 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten ............................................ 210 2.1 Schriften der SO .......................................................... 211 2.2 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft................ 211 2.2.1 Lenkung der Regierung durch Scientology ................ 212 2.2.2 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems .......... 212 2.2.3 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik ........................................................ 213 2.3 Aktivit\u00e4ten der SO ....................................................... 213 2.3.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staates ..................... 213 2.3.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung ........ 213 2.3.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern .............. 214 2.3.4 Scientology Zeitschrift \"free MIND magazin\" ................ 214 2.3.5 Aktivit\u00e4ten im Ausland ................................................. 215 2.4 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten ...................... 216 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO ............ 216 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO .......................... 216 3.2 Organisation der SO in Deutschland ............................ 218 3.2.1 \"Church\"-Sektor .......................................................... 218 3.2.2 WISE-Sektor ................................................................. 218 3.2.3 ABLE-Sektor ................................................................. 220 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO ................. 220 3.2.4.1 NARCONON ................................................................ 220 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","10 Inhaltsverzeichnis 3.2.4.2 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ....................................... 221 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) ..................................... 221 4. Mitglieder der SO ........................................................ 223 5. Veranstaltungen und sonstige Aktivit\u00e4ten der SO ......... 223 6. Verwaltungsgerichtsverfahren ...................................... 225 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet .................................................................. 227 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage .............................................................. 228 2. Wirtschaftsspionage ..................................................... 229 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik ......... 230 4. Proliferation ................................................................. 231 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz ........................................................ 233 6. Ausblick ....................................................................... 234 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage .............................................................. 235 2. EU-Osterweiterung ....................................................... 235 3. Beobachtungsschwerpunkte ........................................ 236 3.1 GUS-Mafia ................................................................... 236 3.2 S\u00fcdosteuropa-Mafia ..................................................... 238 3.3 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern ......................................... 240 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t .............................. 241 3.4.1 Schleusungsdelikte ...................................................... 241 3.4.2 Bet\u00e4ubungsmittelhandel .............................................. 242 3.4.3 Prostitution .................................................................. 242 Anhang Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) ....................... 244 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) ................ 254 Sachwortregister .................................................................... 256 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertWehrhafte gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann gegen Demokratie Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, z.B. durch ein Parteioder Vereinsverbot. Dies setzt voraus, dass er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, rechtzeitig erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der Freiheitliche freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstedemokratische hen, die unter Ausschluss jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine Grundordnung rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","12 Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen Rechtliche Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzlich Grundlagen genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 2005 insgesamt 447 Stellen f\u00fcr Beamte, Angestellte und Arbeiter ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 2005 betrug 24,4 Millionen Euro. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes BeobachtungsNach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt f\u00fcr auftrag Verfassungsschutz im Wesentlichen den Auftrag der Beobachtung von - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, - Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung (Art. 9 Abs. 2 des Grundgesetzes), insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker (Art. 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), gerichtet sind und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen aus Gr\u00fcnden des Geheimschutzes und des Sabotageschutzes mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Das Landesamt ist fernerhin beteiligt bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Mitarbeitern in Flugh\u00e4fen und Kernkraftwerken Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Verfassungsschutz in Bayern 13 nach dem Luftverkehrsgesetz bzw. Atomgesetz sowie bei einb\u00fcrgerungsund ausl\u00e4nderrechtlichen Entscheidungen. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dazu m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die Mitglieder und Unterst\u00fctzer erfasst werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichAbgrenzung zu tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die BundesBND und MAD republik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Einen Teil der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln geh\u00f6ren im WesentNachrichtenlichen: dienstliche Mittel - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von BrieBriefund fen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen rechtsTelefonkontrolle staatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des BriefPostund Fernmeldegeheimnisses \"Artikel 10-Gesetz\" (G 10) genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","14 Verfassungsschutz in Bayern sicher, dass in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die seit Beginn des Jahres 2003 eingef\u00fchrten Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie f\u00fcr die Verwendung des so genannten IMSI-Catchers zur Feststellung unbekannter Mobiltelefonnummern. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art.13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom 3. M\u00e4rz 2004 zu entsprechenden Ma\u00dfnahmen nach der Strafprozessordnung erfordert in Teilbereichen auch eine Anpassung der bisherigen Rechtslage. Keine polizeiDem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. Polizeilichen Befugnisse beh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen (wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw.) durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer informationellen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung nicht entgegen. Im Gegenteil sind diese unabdingbare Voraussetzungen f\u00fcr eine effiziente Arbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Vielf\u00e4ltige Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielf\u00e4lKontrollen tigen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, das Parlamentarische Kontrollgremium, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G 10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs - deren Zahl im Jahr 2005 wie schon in der Vergangenheit im unteren zweistelligen Bereich lag -, die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Auskunftsverpflichtungen von Postund Telekommunikationsdienstleistern, Fluggesellschaften und Kreditinstituten sowie des Einsatzes des so genannten IMSI-Catchers. Die Verwaltungskontrolle Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Verfassungsschutz in Bayern 15 obliegt dem Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Bayerischen Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen. 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann auf Dauer nicht ohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, dass Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten Aufkl\u00e4rungsund Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. t\u00e4tigkeit Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes kl\u00e4rt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Fachvortr\u00e4gen \u00fcber aktuelle extremistische Entwicklungen auf; im Jahr 2005 lagen hierbei die Schwerpunkte bei den Themen \"Rechtsextremismus\" und \"Islamismus\". Der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Publikationen zu den Aufgabenfeldern des Verfassungsschutzes erm\u00f6glichen es jedem Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","16 Verfassungsschutz in Bayern B\u00fcrger, sich selbst ein Urteil \u00fcber die Gefahren zu bilden, die unserem Rechtsstaat durch verfassungsfeindliche Kr\u00e4fte drohen. Das Informationsmaterial wird kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt und kann beim Bayerischen Staatsministerium des Innern - Sachgebiet I D 6 -, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen (Telefax: 0 89 / 2 19 21 28 42) angefordert werden. Die meisten Materialien, insbesondere der j\u00e4hrliche VerfasInternetsungsschutzbericht und auch Informationen zur Scientology-OrganisaAngebote tion, sind zus\u00e4tzlich im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz Das Internet-Angebot des Bayerischen Staatsministeriums des Innern wird durch die unter der Adresse http://www.verfassungsschutz.bayern.de erreichbare Homepage des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erg\u00e4nzt. 6. Infound Beratungstelefone Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist telefonisch rund um die Uhr unter der Nummer 0 89 / 31 20 10 erreichbar. Kontakttelefone Speziell f\u00fcr Hinweise zur Bek\u00e4mpfung des internationalen Terrorismus ist dort unter der Nummer 0 89 / 31 20 14 80 ein Kontakttelefon eingerichtet. Im Rahmen der von Bund und L\u00e4ndern erarbeiteten Aussteigerprogramme f\u00fcr Rechtsextremisten besteht ein Beratungsund Hinweistelefon. Das Telefon, das ebenso der Aufkl\u00e4rung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten in Bayern dienen soll, ist f\u00fcr B\u00fcrger und aussteigewillige Extremisten - nicht nur Rechtsextremisten - unter der Nummer 0 18 02 00 07 86 zu erreichen. F\u00fcr Opfer und Aussteiger der Scientology-Organisation (SO) sowie f\u00fcr Angeh\u00f6rige von SO-Mitgliedern unterh\u00e4lt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ein \"vertrauliches Telefon\". Das Amt nimmt Informationen und Hinweise unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96 entgegen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Entwicklung des politischen Extremismus 17 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2005 1. Ausl\u00e4nderextremismus Der islamische Extremismus (Islamismus), insbesondere die TerrornetzBedrohung durch werke, stellt weiterhin die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung der Inneren Sicherheit dar. islamistische Die Sprengstoffanschl\u00e4ge am 7. und 21. Juli in London mit 56 Toten Netzwerke und etwa 780 Verletzten zeigen nach den Anschl\u00e4gen von Madrid im M\u00e4rz 2004 erneut, dass grenz\u00fcberschreitende Strukturen des Terrornetzwerks al-Qaida weiterhin funktionsf\u00e4hig sind und dass regional operierende Zellen in der Lage sind, Anschl\u00e4ge weitgehend auch ohne eine zentrale Vorbereitung und Steuerung durchzuf\u00fchren. Auch Deutschland und Bayern sind als Aktionsraum islamistisch-terroGef\u00e4hrdungslage ristischer Netzwerke inzwischen nicht nur R\u00fcckzugsund Ruhegebiete, sondern sie werden auch als Vorbereitungsraum und potenzielles Anschlagsziel betrachtet. Dies zeigt nicht nur der Prozess gegen den Iraker Lokman Amin Mohammed vor dem Oberlandesgericht M\u00fcnchen wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung, sondern vor allem auch der Prozess gegen Mitglieder einer deutschen Zelle der Gruppe al-Tauhid vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf. In diesem Verfahren wurden die Angeklagten am 26. Oktober zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie Sprengstoffanschl\u00e4ge auf j\u00fcdische Einrichtungen in Berlin und D\u00fcsseldorf vorbereitet hatten. Insbesondere die anhaltend angespannte Sicherheitslage im Irak hat Auswirkungen auf die Bedrohungslage f\u00fcr Deutschland. So sind seit Beendigung des Irak-Kriegs einige Muslime aus Deutschland in den Irak gereist, manche von ihnen, um dort an Kampfhandlungen teilzunehmen. R\u00fcckkehrer aus dem Irak unterliegen der besonderen Aufmerksamkeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) als mitgliederIslamische st\u00e4rkste islamistische Organisation in Deutschland bietet Islamisten eine Gemeinschaft politische und religi\u00f6se Heimat und ist gleichzeitig bem\u00fcht, ihre KonMilli G\u00f6r\u00fcs takte zu der t\u00fcrkischen Regierungspartei AKP zu verbessern. Sie versucht, die Verbindungen zur t\u00fcrkisch-islamistischen Saadet Partisi (SP) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","18 Entwicklung des politischen Extremismus in der \u00d6ffentlichkeit herunterzuspielen, ohne dabei aber einen Bruch mit dem F\u00fchrer der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung und Vorsitzenden der SP Prof. Necmettin Erbakan zu provozieren. Die IGMG-F\u00fchrungsspitze in Deutschland will mit dieser Politik die islamistischen Anh\u00e4nger der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung halten und gleichzeitig den Anschein einer gem\u00e4\u00dfigten, weltoffenen und auf dem Boden der freiheitlichen demokratischen Grundordnung stehenden Organisation erwecken. Mit einem breiten Jugendund Angebot in der Jugendund Sozialarbeit bis hin zu eigenen Kinderg\u00e4rSozialarbeit ten und der Veranstaltung von Sommerkorankursen versucht die IGMG, junge T\u00fcrken in Deutschland an die Organisation und an ihre islamistische Ideologie zu binden. Als Teil dieses Gesamtbildungskonzepts f\u00fchrte die IGMG wie bereits in den Vorjahren Sommerkorankurse durch. Seit dem Verbot der Vereinigung \"Kalifatsstaat\" im Jahr 2001 haben umfangreiche Exekutivma\u00dfnahmen ebenso wie die Abschiebung des fr\u00fcheren \"Kalifen\" Metin Kaplan im Jahr 2004 und seine Verurteilung in der T\u00fcrkei zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Anh\u00e4nger gef\u00fchrt. Am 23. November wurden eine Moschee und 25 Wohnungen von Anh\u00e4ngern des \"Kalifatsstaats\" durchsucht. Gegen die Betroffenen besteht der Verdacht der strafbaren Fortf\u00fchrung von Vereinsaktivit\u00e4ten. In den Regionen Ingolstadt und Schwabach waren 22 Wohnungen und eine Moschee betroffen. Dort konnte umfangreiches Material sichergestellt werden, so u.a. Literatur des \"Kalifatsstaats\", PCs, Flugbl\u00e4tter, Fahnen und Videos. Der organisatorische Zusammenhalt und die Aktivit\u00e4ten in Bayern sind stark zur\u00fcckgegangen. Tablighi Jamaat Die Tablighi Jamaat (TJ), eine 1927 in Indien als Missionierungsbewegung gegr\u00fcndete Gemeinschaft, vertritt eine radikalisierte Form des strenggl\u00e4ubigen Islam. Durch die gemeinsame ideologische Basis mit militanten Gruppierungen besteht die Gefahr, dass die weltweiten Strukturen der Bewegung von terroristischen Netzwerken genutzt werden. Von Einzelpersonen, die die Schulung der TJ durchlaufen haben, ist bekannt, dass sie sich terroristischen Gruppierungen angeschlossen haben. Ein Gremium von vier Personen leitet die TJ in Deutschland. In Bayern betreibt sie zwei Moscheen in M\u00fcnchen und Pappenheim. In weiteren Moscheen konnte die TJ an Einfluss gewinnen. Beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahmen und die Berichterstattung in den Medien f\u00fchrten zu einer Verunsicherung der deutschen Sektion. Die bayerischen Beh\u00f6rden haben drei Aktivisten der TJ wegen Unterst\u00fctzung der TJ und Gef\u00e4hrdung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ausgewiesen. Konsequentes beh\u00f6rdliches Vorgehen machte bei der islamistischen Szene Eindruck. Die im Oktober 2004 ins Leben gerufene Arbeitsgruppe Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Entwicklung des politischen Extremismus 19 BIRGiT (Beschleunigte Identifizierung und R\u00fcckf\u00fchrung von Gef\u00e4hrdern AG BIRGiT aus dem Bereich des islamistischen Terrorismus und Extremismus), die sich aus Spezialisten der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rden, des Verfassungsschutzes, der Polizei und anderer Beh\u00f6rden zusammensetzt, hat bis Ende 2005 gegen islamistische Gef\u00e4hrder und Hassprediger 47 Ausweisungsbescheide veranlasst. 27 Extremisten wurden in ihr Heimatland abgeschoben oder haben Deutschland unter dem Druck der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden und der ausl\u00e4nderrechtlichen Ma\u00dfnahmen bereits verlassen. Am 28. Dezember hat das Bayerische Staatsministerium des Innern das Verbot des MKH \"Multi-Kultur-Haus Ulm e.V.\" (MKH) verboten. Dort hatte sich ein Zentrum radikaler Islamisten von \u00fcberregionaler Bedeutung etabliert. Dem Verbot ging ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren voraus, in dessen Rahmen bereits am 23. September die R\u00e4ume des MKH durchsucht wurden. Dabei wurden umfangreiche Sammlungen islamistischer Schriften mit Aufrufen zum \"Djihad\" sowie zur Ermordung von Juden und Christen gefunden. Der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Gewaltverzicht Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans des KONGRA GEL (PKK), h\u00e4lt zwar in Deutschland bisher an seinem Gewaltverzicht fest, in Deutschland die massiven K\u00e4mpfe der HPG-Guerillaeinheiten gegen t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte dauern jedoch unvermindert an. Der KONGRA GEL ist auch weiterhin in der Lage, f\u00fcr Gro\u00dfveranstaltungen mehrere zehntausend Anh\u00e4nger zu mobilisieren. 2. Rechtsextremismus Die rechtsextremistischen Parteien konnten weder bei Landtagswahlen noch bei der Bundestagswahl 2005 an die zum Teil beachtlichen Erfolge des Vorjahrs ankn\u00fcpfen. Dennoch lagen ihre Ergebnisse zum Teil erheblich \u00fcber den vor 2004 bei Wahlen erreichten Stimmenanteilen. Die Mitgliederzahlen blieben weitgehend konstant. Interne Differenzen bestehen trotz erfolgreicher B\u00fcndnisbem\u00fchungen fort. Rechtsextremisten waren weiterhin bestrebt, aktuelle politische Themen Schwerpunkte propagandistisch zu nutzen. Insbesondere setzten sie ihre Agitation rechtsextremisgegen eine Reform des Sozialsystems fort. Auch bei Wahlk\u00e4mpfen vertischer Agitation suchten sie durch Verkn\u00fcpfung nationalistischer, fremdenfeindlicher, antisemitischer und sozialdemagogischer Thesen, die in der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Sorgen und Verunsicherungen f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu instrumentalisieren. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","20 Entwicklung des politischen Extremismus FremdenfeindDie Anschl\u00e4ge vom 7. und 21. Juli in London veranlassten Rechtsextreliche Propaganda misten - wie schon nach den Anschl\u00e4gen vom 11. M\u00e4rz 2004 in Madrid - zu sowohl fremdenfeindlicher als auch \"antiimperialistischer\" Propaganda, die sich gegen die USA und die deutsche Westorientierung richtete. Die von jugendlichen Migranten in den franz\u00f6sischen Vorst\u00e4dten initiierten Krawalle nutzten deutsche Rechtsextremisten ebenfalls f\u00fcr ihre fremdenfeindliche Agitation. Rassistische und Die Nahost-Problematik wurde von ihnen im Sinn ihres rassistisch motirevisionistische vierten Antisemitismus kommentiert. Dar\u00fcber hinaus dienten ihnen die Agitation Osterweiterung der Europ\u00e4ischen Union (EU) sowie der Beginn der Beitrittsverhandlungen der T\u00fcrkei zur EU zur Sch\u00fcrung von \u00c4ngsten vor sozialen Ver\u00e4nderungen und zunehmender Kriminalit\u00e4t. Schwerpunkte rechtsextremistischer Agitation waren ferner Propagandaaktionen zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und Kundgebungen zum Gedenken an die Opfer alliierter Luftangriffe auf deutsche St\u00e4dte. Dabei versuchten Rechtsextremisten, die NS-Verbrechen zu relativieren und die Niederlage des nationalsozialistischen Deutschlands als \"nationale Katastrophe\" darzustellen. Wahlabsprache Nachdem es der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) zwischen NPD gelungen war, im Herbst 2004 in den S\u00e4chsischen Landtag einzuziehen, und DVU vereinbarten die Parteivorsitzenden der NPD und der Deutschen Volksunion (DVU) in einem so genannten \"Deutschland-Pakt\" im Januar den Verzicht auf konkurrierende Kandidaturen bei Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009. Die Deutsche Volksunion (DVU) ist zwar die finanzst\u00e4rkste rechtsextremistische Partei, aber nach wie vor zu einer sachorientierten politischen Arbeit nicht f\u00e4hig. Das wenig ausgepr\u00e4gte Parteileben ist nicht demokratisch organisiert und vom bedingungslosen Machtanspruch des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey dominiert. Obwohl die Vorsitzenden von NPD und DVU st\u00e4ndig betonen, dass sich beide Parteien in den Grundzielen einig seien, bestehen in den b\u00fcndnispolitischen Positionen nach wie vor Differenzen, insbesondere in der Frage einer Zusammenarbeit mit Neonazis. Auch nach dem Scheitern der NPD sowohl bei der Bundestagswahl als auch bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wurden Differenzen innerhalb der von der NPD propagierten \"Volksfront von rechts\" deutlich. Die Situation der Partei \"Die Republikaner\" (REP) ist seit Jahren durch interne Auseinandersetzungen \u00fcber den von der Parteif\u00fchrung offiziell vertretenen Abgrenzungskurs gegen\u00fcber anderen Organisationen des rechtsextremistischen Spektrums gekennzeichnet. Mehrere Funktion\u00e4re Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Entwicklung des politischen Extremismus 21 der REP traten deswegen zur NPD \u00fcber und unterst\u00fctzen die B\u00fcndnispolitik von NPD und DVU. Anhaltende Wahlniederlagen f\u00fchrten zu kontinuierlichen Mitgliederverlusten. Die seit 1993 bestehende \"Deutsche Partei - Die Freiheitlichen\" (DP), die bislang bei Wahlen nur marginale Ergebnisse erzielte, hat sich zu einem Sammelbecken f\u00fcr Rechtsextremisten entwickelt. Sie m\u00f6chte das \"nationale\" Lager einigen und engagiert sich in B\u00fcndnissen, vor allem auf kommunaler Ebene. Die DP nahm im Jahr 2005 angesichts der Misserfolge des Vorjahrs weder an der Bundestagswahl noch an einer Landtagswahl teil. Mitglieder der Partei kandidierten lediglich bei der Bundestagswahl f\u00fcr die NPD. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte am 4. Mai Martin Verurteilung von Wiese und drei weitere Angeh\u00f6rige des \"inneren F\u00fchrungszirkels\" der Martin Wiese ehemaligen Kameradschaft S\u00fcd-Aktionsb\u00fcro S\u00fcddeutschland (AS) und Mitgliedern wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu mehrj\u00e4hrides AS gen Freiheitsstrafen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Gruppe, die sich illegal Waffen und Sprengstoff beschafft hatte, zeitweise plante, einen Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des j\u00fcdischen Gemeindezentrums am 9. November 2003 in M\u00fcnchen zu begehen. Bereits am 5. April hatte das Gericht f\u00fcnf weitere Gruppenmitglieder verurteilt. Neonazis und rechtsextremistische Skinheads haben ihre Zusammenarbeit intensiviert. Dabei dominieren die dezidiert neonazistischen Positionen gegen\u00fcber den eher diffusen rechtsextremistischen Orientierungen von Skinheads. Die Zahl neonazistisch orientierter Personen blieb mit 300 ebenso konstant wie die Zahl der dem Spektrum rechtsextremistischer Skinheads zuzurechnenden rund 800 Personen. Somit gibt es Gewaltbereite derzeit in Bayern rund 1.100 gewaltbereite Rechtsextremisten. Rechtsextremisten Der von der der deutschen Neonazi-Szene als herausragendes \u00f6ffentlichkeitswirksames Ereignis konzipierte \"Rudolf-He\u00df-Gedenkmarsch\" in Wunsiedel konnte aufgrund einer ge\u00e4nderten Rechtslage verboten werden. Das koordinierte beh\u00f6rdliche Vorgehen gegen das neonazistische \"Projekt Schulhof\" zeigte, dass die Pl\u00e4ne von Rechtsextremisten erfolgreich durchkreuzt werden k\u00f6nnen, auch wenn die Verfassungsfeinde neue Strategien anwenden. Die Zahl der Skinhead-Konzerte erh\u00f6hte sich leicht auf 17 Veranstaltungen (2004: 15). Dagegen stieg die Zahl der von Neonazis und SkinStarke Zunahme heads ver\u00fcbten brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten mit der Gewalttaten Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","22 Entwicklung des politischen Extremismus 77 (2004: 42) stark an. Demgegen\u00fcber hat die Anzahl sonstiger Straftaten, insbesondere der Propagandadelikte, in Bayern nur geringf\u00fcgig zugenommen. Das im Februar 2001 vom Bayerischen Landesamt f\u00fcr VerfassungsHinweistelefon schutz eingerichtete Hinweistelefon (0 18 02 00 07 86) wurde seither von etwa 300 Personen genutzt. Meist handelte es sich bei den Anrufern um B\u00fcrger, die Hinweise auf rechtsextremistische Bestrebungen gaben. In einigen F\u00e4llen bekundeten Rechtsextremisten ihren Willen zum Ausstieg. Dar\u00fcber hinaus hat das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz insgesamt etwa 100 Personen angesprochen, von denen 40 inzwischen ausgestiegen sind und zehn als potenzielle Aussteiger bezeichnet werden k\u00f6nnen. 3. Linksextremismus Der gewaltbereite Linksextremismus stellt nach wie vor ebenfalls eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar und verdient auch in Bayern Beachtung. Das linksextremistische Gewaltpotenzial wird zu 80% von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem autonomen und anarchistischen Starker Anstieg Spektrum gestellt. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewaltder Gewalttaten taten in Bayern stieg von 27 im Jahr 2004 auf 107 erheblich an. Opfer waren \u00fcberwiegend Polizeibeamte, die zum Schutz von Veranstaltungen (z.B. der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz und von rechtsextremistischen Aufz\u00fcgen) eingesetzt waren. Auch bei den sonstigen Straftaten in Bayern war eine deutliche Zunahme auf 181 (2004: 132) zu verzeichnen. Dass die eigentlichen Angriffsziele der Autonomen der demokratische Staat und seine Repr\u00e4sentanten sind, zeigt sich insbesondere bei den Aktionen gegen die Sicherheitskonferenz. Die Thematik \"Anti-Globalisierung\" stellt ebenfalls ein wichtiges Aktionsfeld der Autonomen dar. Auch nach dem Ende des Irak-Kriegs ist der \"Antiimperialismus\" f\u00fcr die autonome Szene von Bedeutung. Infolge der Diskussionen um die K\u00fcrzung von sozialen Leistungen und entsprechender Gesetzesvorhaben wird auch das Thema \"Sozialabbau\" von Angeh\u00f6rigen dieses Spektrums aufgegriffen. Zur Vorbereitung der Bundestagswahl und zur Erleichterung der Kooperation mit der Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" (WASG) wurde auf einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Bundesparteitags der PDS am 17. Juli in Berlin beschlossen, die \"ParUmbenennung tei des Demokratischen Sozialismus\" (PDS) in \"Die Linkspartei.PDS\" der PDS umzubenennen. Am 6. Dezember unterzeichneten die Vorsitzenden beider Parteien ein \"Kooperationsabkommen\", das \"die freie VereiniVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Entwicklung des politischen Extremismus 23 gung der gesellschaftlichen Linken in der ersten wirklich gesamtdeutschen Partei\" bis zum 30. Juni 2007 vorsieht. Bei der Bundestagswahl am 18. September erreichte die Linkspartei.PDS, die gemeinsam mit der WASG in einem Wahlb\u00fcndnis angetreten war, bundesweit einen Stimmenanteil von 8,7 % der Zweitstimmen und zog in Wahlerfolg der Fraktionsst\u00e4rke mit 54 statt bisher zwei Abgeordneten in den 16. DeutLinkspartei.PDS schen Bundestag ein. Bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen verfehlte die Partei allerdings deutlich den von ihr angestrebten Einzug in westdeutsche L\u00e4nderparlamente. Die Linkspartei.PDS ist derzeit in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern an L\u00e4nderregierungen beteiligt. 4. Scientology-Organisation Die Scientology-Organisation (SO) verfolgt weiterhin das Ziel, eine weltweite scientologische Gesellschaft nach eigenen, die Grundprinzipien Missachtung der der freiheitlichen demokratischen Grundordnung wie Gewaltenteilung, Grundprinzipien Rechtsstaatsprinzip und Demokratieprinzip missachtenden Regeln zu unserer Verfassung schaffen und zu regieren. Ihr h\u00f6chstes Ziel, die Weltherrschaft, steht im krassen Widerspruch zu ihren st\u00e4ndigen Beteuerungen, der Menschheit die v\u00f6llige Freiheit zu bringen, weil die Verwirklichung ihres Herrschaftsprinzips tats\u00e4chlich zu einer massiven Beeintr\u00e4chtigung der Menschenrechte f\u00fchren w\u00fcrde. Bis dieses Ziel erreicht ist, steht die SO im Grunde mit allen Menschen, Gesellschaftsgruppen und Staaten, die sie ablehnen, in st\u00e4ndigem Konflikt. Vor diesem Hintergrund diffamierte sie auch 2005 in ihrer Propaganda die staatlichen Aufkl\u00e4rungsund Abwehrma\u00dfnahmen. Dabei versucht die SO weiterhin, die Beobachtung durch den VerfasPropagandasungsschutz mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich gleichaktionen der SO zusetzen. Sie veranstaltet Info-St\u00e4nde, Ausstellungen und andere propagandistische Aktionen, um die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber ihre verfassungsfeindlichen Absichten zu t\u00e4uschen und um neue Mitglieder zu werben. Ein Schwerpunkt der Expansionsstrategie der SO ist ihr Bestreben, in ihrem \"Kampf gegen die Bildungsmisere und den Analphabetismus\" - beispielsweise \u00fcber Nachhilfegruppen - die Studiertechnologie Hubbards zun\u00e4chst unerkannt zu verbreiten. Letztendlich sollen dadurch neue Mitglieder gewonnen werden. Diese Bem\u00fchungen waren bisher jedoch wenig erfolgreich. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","24 Entwicklung des politischen Extremismus 5. Grafische Darstellungen Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten der MitgliederRechtsextremisten zahlen extremisLinksextremisten tischer OrganiScientology-Organisation Deutschland sationen in Mitglieder Deutschland 80.000 60.000 57.300 57.420 40.000 45.300 39.000 35.200 30.600* 20.000 10.000 5.500** 0 1996 97 98 99 2000 01 02 03 04 05 * Die Kurve beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der Linkspartei.PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die Linkspartei.PDS hatte im Jahr 2005 insgesamt 61.500 Mitglieder, davon 1.000 in der KPF. ** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt. Entwicklung Ausl\u00e4ndische Extremisten der MitgliederRechtsextremisten zahlen extremisLinksextremisten tischer OrganiScientology-Organisation Deutschland sationen in Mitglieder Bayern 12.000 9.700 10.000 9.510 8.000 7.335 6.000 5.820 4.000 3.950 3.290 3.000 2.600* 2.000 0 1996 97 98 99 2000 01 02 03 04 05 * Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Entwicklung des politischen Extremismus 25 Entwicklung 2003 2004 2005 extremistisch motivierter 1000 958 Gewalttaten in 896 900 Deutschland 800 759 776 (Zahlen ohne terroristische Straftaten) 700 600 521 483 500 400 300 200 88 100 61 47 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Entwicklung 2003 2004 2005 extremistisch 120 motivierter 107 Gewalttaten in 100 Bayern (terroristische Straftaten 80 77 vgl. Fu\u00dfnoten) 60 451) 42 40 27 20 16 12) 33) 34) 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten motivierte motivierte ausl\u00e4ndischer Gewalttaten Gewalttaten Extremisten 1) zus\u00e4tzlich zwei terroristische Straftaten 3) zus\u00e4tzlich f\u00fcnf terroristische Straftaten 2) zus\u00e4tzlich eine terroristische Straftat 4) zus\u00e4tzlich vier terroristische Straftaten Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","26 Ausl\u00e4nderextremismus 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus Einstufung als Ausl\u00e4ndergruppen und ausl\u00e4ndische Einzelpersonen werden als extreextremistisch mistisch bewertet, wenn sie sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die sich auch in Deutschland die Errichtung eines islamischen Gottesstaats nach dem Beispiel des Iran zum Ziel gesetzt haben und damit wesentliche Grunds\u00e4tze unserer freiheitlichen Verfassung beseitigen wollen. Der gesetzlichen Beobachtung unterliegen ferner Bestrebungen, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sind bzw. Gruppierungen von Ausl\u00e4ndern, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse in ihrem Heimatland anstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 1.2 Entwicklung in Bayern Mitgliederst\u00e4rke LinksExtreme Islamische Gesamtzahl extremistischer extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder Ausl\u00e4nderorganisationen Kurden 1.800 (1.960) - - 60 (50) 1.860 (2.010) in Bayern T\u00fcrken 280 (280) 1.500 (1.500) 4.900 (4.930) 6.680 (6.710) Sonstige* 280 (270) 150 (160) 540 (440) 970 (870) Gesamtzahl 2.360 (2.510) 1.650 (1.660) 5.500 (5.420) 9.510 (9.590) (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahrs) * Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a. Die Gesamtzahl der Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4ndervereinigungen Leicht gesunkene in Bayern verringerte sich geringf\u00fcgig von 9.590 im Jahr 2004 auf Mitgliederzahl 9.510. Wie in den Vorjahren stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) etwa 90 % aller ausl\u00e4ndischen Extremisten in Bayern. Die Steigerung im Bereich der \"sonsVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 27 tigen islamischen Extremisten\" ist gro\u00dfteils auf ein besseres Informationsaufkommen zur\u00fcckzuf\u00fchren. \u00dcber die H\u00e4lfte aller ausl\u00e4ndischen Extremisten ist dem Islamismus zuzurechnen. Ausl\u00e4ndische Extremisten 31.950 in Deutschland 35.000 32.100 30.000 Islamische Extremisten 25.000 18.250 20.000 Linksextremisten 16.890 15.000 10.000 8.950 5.000 Extreme Nationalisten 8.430 0 2001 2002 2003 2004 2005 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern 5.550 7.000 5.500 6.000 Islamische Extremisten 5.000 4.000 2.700 3.000 Linksextremisten 2.195 2.360 2.000 1.000 Extreme Nationalisten 1.650 0 2001 2002 2003 2004 2005 Eine isolierte Betrachtung der Mitgliederzahlen der Organisationen verdeutlicht die Bedrohungslage nicht ausreichend. Insbesondere im Bereich des Terrorismus treten im Inland fast ausschlie\u00dflich organisationsunabh\u00e4ngige Einzelpersonen oder Anh\u00e4nger von Splittergruppen ausl\u00e4ndischer Organisationen mit Verbindungen zum islamistischen Terrorismus auf. Ihre Gesamtzahl kann nur gesch\u00e4tzt werden. In Bayern werden Gewaltpotenzial etwa 50 Personen Verbindungen zu terroristisch orientierten Netzwerken in Bayern zugeschrieben. Zu ber\u00fccksichtigen ist jedoch, dass eine weit gr\u00f6\u00dfere Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","28 Ausl\u00e4nderextremismus Zahl islamischer Extremisten - rund 500 Personen - Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele bef\u00fcrwortet, dabei aber vorrangig auf ihre jeweiligen Heimatl\u00e4nder und nicht auf Deutschland abzielt. 1.3 Integrationsfeindlichkeit des Islamismus Der Islam als Religion und seine Aus\u00fcbung werden nicht vom VerfasGesetzlicher sungsschutz beobachtet. Der Beobachtung unterliegen jedoch islamisBeobachtungstische Gruppierungen und Einzelpersonen, deren politische Bestrebungen auftrag sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand Bayerns bzw. des Bundes richten, sowie Bestrebungen, die durch Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden und damit oder durch entsprechende Propaganda auch das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker beeintr\u00e4chtigen. Diese Differenzierung kann gleichwohl nicht absolut sein, da sich der Islamismus direkt aus dem Islam ableitet. Die im Bundesgebiet aktiven islamistischen Gruppierungen wollen die in ihren Heimatl\u00e4ndern bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnungen durch ein auf dem Koran und der Scharia (islamisches Rechtssystem) basierendes islamisches Gesellschaftssystem ersetzen. \u00dcberwiegend streben sie sogar die Errichtung eines anti-laizistischen Gottesstaats auf der ganzen Welt an. Sie gehen davon aus, dass durch die Scharia eine alle Lebensbereiche umfassende islamische Gesellschaftsordnung vorgegeben sei, die es \u00fcberall zu verwirklichen gelte. Nach ihrer \u00dcberzeugung entsprechen die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Islamismus wegen ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs als einziges gesellschaftliches System in allen Aspekten vollst\u00e4ndig der menschlichen Natur. Die Trennung von Staat und Religion (Laizismus) in westlichen Staaten wird daher nicht nur als \"un-islamisch\" abgelehnt, sondern teilweise auch aktiv bek\u00e4mpft. Der Islamismus ist gepr\u00e4gt von Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen, teilweise sogar gegen friedliche, moderate Muslime. Aufgrund seines Absolutheitsanspruchs fordert er einen aktiven Kampf gegen alle \"Ungl\u00e4ubigen\" und f\u00fcr die weltweite Islamisierung, falls n\u00f6tig durch Unterwerfung aller Nichtmuslime. Westliche Demokratieund Gesellschaftsvorstellungen werden abgelehnt, sofern sie nicht im Einklang mit der von den Islamisten vorgenommenen Aus\u00c4chtung legung des Korans und der Scharia stehen. Dies bedeutet die \u00c4chtung des demokratischer demokratischen Prinzips der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der ChancengleichPrinzipien heit der Parteien. Ferner gibt es keine Gewaltenteilung, keine demokratische Legislative, keine Kontrolle der obersten Staatsgewalt. Auch die Menschenrechte nach westlichem Verst\u00e4ndnis werden nur anerVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 29 kannt, sofern sie nicht im Widerspruch zur Scharia stehen. Die Gleichheit der Menschen wird verneint, nur Muslime genie\u00dfen volle Rechte. Die Scharia liefert zudem die Legitimation f\u00fcr unmenschliche Strafen. Islamistische Gruppen wenden sich infolgedessen massiv gegen eine Ablehnung von echte Integration. Sie versuchen, vor allem junge Menschen zu beeinIntegration flussen und sie zu einer Ablehnung unserer demokratischen Ordnung und unserer freiheitlichen Gesellschaft zu bewegen. Dazu dienen die privaten Koranschulen extremistischer Organisationen wie auch die Pflicht f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen, Kopft\u00fccher zu tragen, was zur bewussten Abgrenzung von westlichen Lebensgewohnheiten beitr\u00e4gt. Die Haltung zur Gewalt ist differenziert zu sehen. Gewalt wird nicht Haltung zur grunds\u00e4tzlich abgelehnt, sondern eher von taktischen \u00dcberlegungen Gewalt abh\u00e4ngig gemacht. Nach Ansicht islamistischer Theoretiker schlie\u00dft der \"Djihad\" (w\u00f6rtlich: Innerer Kampf, Anstrengung; auch bekannt als \"Heiliger Krieg\") als Instrument zur Verwirklichung der islamischen Gesellschaftsordnung alle zum Sieg verhelfenden Mittel ein. So bef\u00fcrwortet die Mehrzahl der islamistischen Gruppierungen aus dem arabischen Raum Gewalt zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Die im Bundesgebiet mitgliederst\u00e4rkste islamistische Gruppierung, die t\u00fcrkische Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG), setzt dagegen vordergr\u00fcndig auf politische Aktivit\u00e4ten zur Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Ordnungen in der T\u00fcrkei und in Deutschland. 1.4 Gewalttaten In Deutschland betrug die Zahl der Gewalttaten mit extremistischem Hintergrund aus dem Bereich \"politisch motivierte Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t\" (ohne Terrorismusdelikte) 47 gegen\u00fcber 61 im Jahr 2004. In Bayern ist die Zahl der ausl\u00e4ndischen Extremisten zuzurechnenden Gewaltdelikte mit drei konstant geblieben. Es handelt sich dabei um ein Gewaltdelikt im Rahmen der 41. M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz am 12. Februar. Au\u00dferdem schlugen am 29. Juli in Aschaffenburg drei unbekannte T\u00e4ter einen 20-j\u00e4hrigen US-Soldaten nach Verlassen einer Diskothek offenbar grundlos nieder. Ein weiterer unbekannter T\u00e4ter stie\u00df am 1. Oktober in Ha\u00dffurt, Landkreis Ha\u00dfberge, eine 22-j\u00e4hrige Deutsche, die der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen ist, gegen eine Stra\u00dfenlaterne. Neben diesen Gewaltdelikten ist die Zahl der Terrorismusdelikte von f\u00fcnf im Jahr 2004 auf vier im Jahr 2005 gesunken. Diese vier Delikte beziehen sich auf die Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung Ansar al-Islam durch Werbung f\u00fcr die Ziele der Vereinigung und durch die Sammlung von Geldspenden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","30 Ausl\u00e4nderextremismus 2. Islamistischer Terrorismus 2.1 \u00dcberblick Bedrohung durch Der Islamismus - insbesondere die Terrornetzwerke - gef\u00e4hrdet die Innere Terrornetzwerke Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands st\u00e4rker als jede andere extremistische Bestrebung. Trotz der Festnahme oder des Todes einiger hochrangiger al-Qaida-Funktion\u00e4re sind die islamistischen Terrornetzwerke unver\u00e4ndert handlungsf\u00e4hig. Die Aktivit\u00e4ten Terrorverd\u00e4chtiger werden weiterhin intensiv beobachtet. Anschl\u00e4ge Die Sprengstoffanschl\u00e4ge am 7. und am 21. Juli in London mit 56 Toten und etwa 780 Verletzten machen die erhebliche Bedrohung Europas deutlich. Britische, israelische und US-amerikanische Einrichtungen sind auch in Deutschland prim\u00e4r gef\u00e4hrdet. Ebenso k\u00f6nnen \u00f6ffentlichkeitswirksame und symboltr\u00e4chtige Anschl\u00e4ge auf andere Einrichtungen in Deutschland nicht ausgeschlossen werden. Wie der Anschlag auf deutsche Soldaten der internationalen Friedenstruppe ISAF in Afghanistan im November zeigt, ist auch deutsche Pr\u00e4senz im Ausland bedroht. Ebenso weisen die Anschl\u00e4ge am 23. Juli in Sharm el-Scheich/\u00c4gypten und am 1. Oktober auf Bali auf die Gef\u00e4hrdung beliebter Urlaubsorte hin. Exekutivma\u00dfnahmen und Gerichtsverfahren in Deutschland verdeutlichen \u00fcberdies, dass Bayern und Deutschland inzwischen nicht nur R\u00fcckzugsund Ruheraum terroristischer Gewaltt\u00e4ter sind, sondern auch als Vorbereitungsraum und potenzielles Anschlagsziel betrachtet werden. Separatistische und In Regionen mit \u00fcberwiegend muslimischer Bev\u00f6lkerung st\u00fctzen sich nationalistische separatistische und nationalistische Bestrebungen vielfach auf ein zweiBestrebungen tes ideologisches Standbein, n\u00e4mlich die Verbreitung des Islam und die Errichtung islamischer Gottesstaaten. Dadurch erhalten diese Bestrebungen auch einen islamistischen Charakter und finden damit weltweit Unterst\u00fctzung durch islamistische Fundamentalisten und Terroristen. Diese Vermengung von Islamismus, Separatismus und Nationalismus ist bei Anschl\u00e4gen in Tschetschenien, in S\u00fcdostasien und - mit Einschr\u00e4nkungen - auch in Pal\u00e4stina festzustellen. Drohungen \u00dcber den arabischen Sender al-Djazira und \u00fcber das Internet k\u00fcndigten F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten der al-Qaida wie der Jordanier Abu Musab al-Zarqawi, den Usama Bin Ladin als \"obersten Befehlshaber der Organisation al-Qaida im Irak\" bezeichnet hatte, mehrfach an, dass der \"Heilige Krieg\" fortgesetzt werde, bis alle \"Feinde Gottes\" den Irak verlassen h\u00e4tten. Der al-Qaida-Angeh\u00f6rige Scheich Musab al-Suri stellte ausdr\u00fccklich fest, dass auch Deutschland wegen seiner Truppen in AfghaVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 31 nistan bedroht sei. Usama Bin Ladin selbst hat sich im Jahr 2005 nicht zu Wort gemeldet. 2.2 Islamistisch motivierte Terroranschl\u00e4ge Im Jahr 2005 setzten Anh\u00e4nger des islamistischen Terrors ihre Gewaltakte weltweit fort: In Kairo st\u00fcrzte sich am 30. April in der N\u00e4he des \u00c4gyptischen Museums Attentate in Kairo ein \u00e4gyptischer Selbstmordattent\u00e4ter von einer Nilbr\u00fccke auf eine Gruppe ausl\u00e4ndischer Touristen und z\u00fcndete einen Sprengsatz. Kurz darauf beschossen die Schwester und die Verlobte des T\u00e4ters einen Touristenbus. Alle drei Attent\u00e4ter kamen ums Leben. Insgesamt wurden mindestens elf Menschen verletzt. Am Morgen des 7. Juli ereigneten sich in London innerhalb einer Stunde Anschl\u00e4ge vier Bombenexplosionen, drei davon in U-Bahn-Z\u00fcgen und eine in einem in London Bus. Dabei kamen insgesamt 56 Menschen ums Leben, etwa 780 wurden verletzt. Unter den Verletzten befanden sich auch f\u00fcnf Deutsche. Wenige Stunden sp\u00e4ter wurde im Internet ein Schreiben ver\u00f6ffentlicht, in dem sich eine \"Geheime Djihad-Basis al-Qaida in Europa\" zu den Anschl\u00e4gen bekannte. Die Bekenner bezeichneten darin die Anschl\u00e4ge als Racheakt gegen die britische Regierung wegen des Milit\u00e4reinsatzes im Irak und in Afghanistan. Drei der vier Selbstmordattent\u00e4ter waren Briten pakistanischer Herkunft, einer ein Brite jamaikanischer Abstammung. Zumindest ein Teil von ihnen hatte in Pakistan Koranschulen besucht. Alle hatten seit Geburt oder seit fr\u00fcher Kindheit in Gro\u00dfbritannien gelebt, ohne dass eine islamistische Orientierung aufgefallen w\u00e4re. Am 21. Juli kam es in London erneut zu Anschl\u00e4gen. Wieder waren drei Erneute Anschl\u00e4ge U-Bahn-Stationen und ein Bus betroffen. Dabei detonierten die Z\u00fcnder, in London nicht aber die eigentlichen Sprengs\u00e4tze, so dass keine Personen zu Schaden kamen. Die T\u00e4ter stammten aus mehreren afrikanischen L\u00e4ndern und hatten in Gro\u00dfbritannien gelebt, einer von ihnen ist britischer Staatsb\u00fcrger. Die britischen Sicherheitsbeh\u00f6rden nahmen sowohl die T\u00e4ter als auch zahlreiche mutma\u00dfliche Unterst\u00fctzer der Attent\u00e4ter und weitere Terrorverd\u00e4chtige fest. Einer der Attent\u00e4ter gestand, an einer U-Bahn-Station einen Rucksack mit Sprengstoff abgelegt zu haben, bestritt jedoch jegliche Verbindung zu al-Qaida und zu den Attent\u00e4tern vom 7. Juli. In der Nacht vom 22. auf den 23. Juli explodierten im \u00e4gyptischen Anschl\u00e4ge in Badeort Sharm el-Scheich mindestens drei Sprengs\u00e4tze. Eine Bombe Sharm el-Scheich wurde mit einem Pkw unmittelbar in die Lobby eines Hotels gefahren Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","32 Ausl\u00e4nderextremismus und dort gez\u00fcndet. Die weiteren Bomben detonierten auf einem Basar und vor einem Musiklokal. Bei den Anschl\u00e4gen sollen nach offiziellen Angaben 64 - Pressemeldungen zufolge 89 - Personen ums Leben gekommen sein, etwa 200 wurden verletzt. Unter den Toten waren auch mindestens acht ausl\u00e4ndische Staatsangeh\u00f6rige. Am 23. Juli wurde im Internet eine Erkl\u00e4rung der \"Brigaden des M\u00e4rtyrers Abdallah Assam - Organisation al-Qaida in den Sharm-Staaten und in \u00c4gypten\" ver\u00f6ffentlicht. Darin hie\u00df es, die Anschl\u00e4ge seien die \"Vergeltung f\u00fcr die Verbrechen gegen die Muslime im Irak, in Afghanistan, Pal\u00e4stina und Tschetschenien\". Dieselbe Gruppe hatte bereits die Verantwortung f\u00fcr die Anschl\u00e4ge im \u00e4gyptischen Taba am 7. Oktober 2004 \u00fcbernommen. SelbstmordAm Abend des 1. Oktober sprengten sich in einem Urlaubsort auf der attentate auf Bali indonesischen Insel Bali drei Selbstmordattent\u00e4ter in verschiedenen Restaurants nahezu zeitgleich in die Luft; eines der Restaurants wurde von einer Deutschen betrieben. Insgesamt kamen bei den Anschl\u00e4gen 25 Menschen ums Leben, \u00fcber 100 Personen wurden verletzt, darunter auch deutsche Staatsb\u00fcrger. Zu den Anschl\u00e4gen gibt es bisher keine Bekennerschreiben, Ziele und Tathergang weisen jedoch auf die Jemaah Islamiyah (JI) hin. Die JI steht in Verbindung zur al-Qaida und war bereits f\u00fcr mehrere Anschl\u00e4ge, u.a. im Oktober 2002 auf Bali mit 202 Toten verantwortlich. Vor dem Hintergrund des weit verbreiteten islamistischen Milieus in Indonesien ist allerdings auch die Urheberschaft einer bisher unbekannten \u00f6rtlichen Terrorgruppe m\u00f6glich. Anschl\u00e4ge Am 29. Oktober detonierten in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi in Neu-Delhi innerhalb von 20 Minuten drei Sprengs\u00e4tze, zwei davon auf belebten M\u00e4rkten, der dritte in einem Bus. Dabei wurden mindestens 59 Menschen get\u00f6tet und 210 verletzt. Zu der Anschlagsserie bekannte sich die muslimische Extremistengruppe Islami Inqalabi Mahaz (Islamische Revolutionsfront). Ihr werden Kontakte zu der in Kaschmir operierenden islamistischen Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba (Soldaten der Reinen) nachgesagt. Ein Sprecher der Islami Inqalabi Mahaz \u00e4u\u00dferte gegen\u00fcber Medien, dass es zu weiteren Anschl\u00e4gen kommen werde, sollte Indien seine Soldaten nicht aus Kaschmir abziehen. Explosionen Am Abend des 9. November ereigneten sich in der jordanischen Hauptin Amman stadt Amman fast gleichzeitig drei Explosionen in Hotels, die in einem Gesch\u00e4ftsviertel liegen und vornehmlich von G\u00e4sten aus westlichen Staaten sowie aus Israel besucht werden. Es wurden \u00fcber 60 Personen get\u00f6tet und etwa 200 verletzt; die Todesopfer stammen \u00fcberwiegend aus Jordanien. Am 10. November bekannte sich die \"Organisation al-Qaida f\u00fcr den Djihad im Zweistromland\" zu den Anschl\u00e4gen. Wenige Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 33 Tage danach protestierten Zehntausende Jordanier gegen die Anschl\u00e4ge. Auf diese Proteste reagierte Abu Musab al-Zarqawi am 18. November mit einer Erkl\u00e4rung im Internet. Demnach sei es nicht beabsichtigt gewesen, mit dem Anschlag \"unschuldige Opfer\" zu treffen. Er k\u00fcndigte weitere Anschl\u00e4ge auf Milit\u00e4reinrichtungen und Tourismusgebiete Jordaniens an und drohte zudem mit der Ermordung des jordanischen K\u00f6nigs. Ein Selbstmordattent\u00e4ter ver\u00fcbte am 14. November in Kabul mit einer Anschlag auf Autobombe einen Anschlag auf eine deutsche ISAF-Patrouille. Dabei deutsche kam u.a. ein deutscher Soldat ums Leben, zwei weitere wurden verletzt. ISAF-Patrouille Der neue Sprecher der Taliban, Qari Yousif Ahmadi, bekannte sich am selben Tag in einer Pressemitteilung gegen\u00fcber der Deutschen Presse Agentur in Kabul zu dem Anschlag. 2.3 Terrorismus im Zusammenhang mit dem Irak-Krieg Im Irak haben die Selbstmordanschl\u00e4ge deutlich zugenommen. Hintergrund waren u.a. die Parlamentswahl am 30. Januar, das Verfassungsreferendum, die fortdauernde Pr\u00e4senz US-amerikanischer Truppen und der Aufbau irakischer Sicherheitskr\u00e4fte. Vor allem die Gruppierung des Jordaniers Abu Musab al-Zarqawi \"Organisation al-Qaida f\u00fcr den Djihad im Zweistromland\", die auch als \"al-Tauhid al-Djihad\" auftritt, hatte einen \"gnadenlosen Krieg\" gegen die Durchf\u00fchrung der Wahlen als zentrales Element der Demokratie angek\u00fcndigt. Die Anschl\u00e4ge richteten sich \u00fcberwiegend gegen Bewerber bei den irakischen Sicherheitskr\u00e4ften. Die genaue Zahl der Opfer ist nicht bekannt. Ferner wurden mehrere Ausl\u00e4nder w\u00e4hrend ihres Aufenthalts im Irak Entf\u00fchrung und entf\u00fchrt. Die Geiselnehmer forderten meist den R\u00fcckzug von TruppenErmordung von kontingenten aus dem Irak. Sofern sich keine oder unbekannte OrganiAusl\u00e4ndern sationen zu den Entf\u00fchrungen bekannten, wurden die Geiseln gr\u00f6\u00dftenteils nach Wochen oder Monaten freigelassen. So wurde ein Iraker, der in Deutschland Asyl beantragt hatte, nach wenigen Tagen freigelassen. In diesem Fall hatten die Geiselnehmer die Freilassung aller in Deutschland in Haft befindlichen Muslime gefordert. Bei Entf\u00fchrungen durch die islamistische Terrororganisation des Abu Musab al-Zarqawi oder durch Terrorgruppen wie die Ansar al-Sunna, die mit der Ansar al-Islam weitgehend identisch ist, wurden dagegen die Geiseln meistens get\u00f6tet. Am 9. November trat mit einer 38-j\u00e4hrigen Belgierin erstmals eine EuroEurop\u00e4ische p\u00e4erin als Selbstmordattent\u00e4terin in Erscheinung. Nach ihrer Heirat mit Selbstmordeinem Belgier marokkanischer Herkunft war sie unter dem Einfluss attent\u00e4terin Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","34 Ausl\u00e4nderextremismus ihres Ehemanns zu einer radikalen Muslimin geworden. Er hatte sich einer Terrorzelle angeschlossen, die europ\u00e4ische Muslime f\u00fcr das Terrornetzwerk al-Zarqawis anwarb. Bei einer gemeinsamen Reise in den Irak sprengte sich die 38-J\u00e4hrige in der N\u00e4he einer US-Patrouille mit einem Sprengstoffg\u00fcrtel in die Luft. Ihr Mann wurde am selben Tag von US-Soldaten erschossen, bevor er ebenfalls einen Sprengstoffg\u00fcrtel z\u00fcnden konnte. 2.4 Erkl\u00e4rungen des al-Qaida-Netzwerks In Erkl\u00e4rungen des Terrornetzwerks und seiner Repr\u00e4sentanten wurden erneut Terroranschl\u00e4ge, Selbstmordattentate und der \"Heilige Krieg gegen den Westen\" propagiert und gerechtfertigt. Auf einer islamistischen Internet-Seite wurde am 22. Januar eine Erkl\u00e4rung des al-Qaida-Angeh\u00f6rigen Scheich Abu Musab al-Suri ver\u00f6ffentlicht, die er bereits im Dezember 2004 abgegeben haben soll. Er forderte die europ\u00e4ischen Staaten u.a. auf, dem Beispiel Spaniens zu folgen und sich aus der \"amerikanisch-zionistischen Allianz gegen die Muslime\" Deutsches zur\u00fcckzuziehen. Zugleich warnte er, dass allein schon das deutsche Engagement Engagement in Afghanistan und das franz\u00f6sische Kopftuchverbot eine in Afghanistan Feindschaft dieser Staaten gegen\u00fcber den Muslimen begr\u00fcndeten, ungeachtet deren Position zur Pal\u00e4stinenserund Irak-Frage. Au\u00dferdem bedauerte al-Suri, dass am 11. September 2001 keine Massenvernichtungswaffen zum Einsatz gekommen waren, schlie\u00dflich habe Washington bei der kolonialen Unterjochung der Welt solche ebenfalls eingesetzt. Er ermutigte alle Muslime und \"Gegner der Cowboys\", weiter nach schmutzigen Bomben bzw. Massenvernichtungswaffen zu streben und die USA mit diesen legitimen Waffen zu vernichten. In einer am 23. Januar im Internet ver\u00f6ffentlichten Tonbandaufzeichnung stellte sich der Sprecher als Abu Musab al-Zarqawi vor und k\u00fcndigte einen \"gnadenlosen Krieg\" gegen die Durchf\u00fchrung demokratiWahlen im Irak scher Wahlen im Irak an. Er bezeichnete die Demokratie als b\u00f6sartiges Herrschaftssystem, weil es die Gott zustehende Macht dem Volk \u00fcbertrage. Er forderte die sunnitischen Muslime im Irak auf, sich gegen die Wahlen am 30. Januar zu stellen, denn diese seien eine Verschw\u00f6rung der USA und der schiitischen Muslime im Irak, um das Land unter die Kontrolle der Schiiten zu bringen. Der Sprecher f\u00fchrte dazu auch sieben auf Koranzitate gest\u00fctzte Thesen gegen die Demokratie an. Am 17. Februar erkl\u00e4rte die \"Organisation al-Qaida f\u00fcr den Djihad im Zweistromland\" des Abu Musab al-Zarqawi im Internet, ihr \"Heiliger Krieg\" werde nicht eher enden, als die Feinde Gottes den Irak verlassen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 35 h\u00e4tten und ein muslimischer Staat errichtet sei. Die Gruppe warf den \"Medien der Kreuzfahrer\" vor, ein negatives Bild der \"heiligen Krieger\" zu zeichnen: \"Die Medien der Kreuzfahrer geben vor, dass wir Massaker begehen. Wir sagen ihnen: Ja, ... je mehr Blut von Ungl\u00e4ubigen flie\u00dft, desto mehr n\u00e4hern wir uns Gott.\" Eine Gruppierung, die sich \"Tanzim al-Tajdid al-Islami\" (Islamische Erneuerungsbewegung) nennt, ver\u00f6ffentlichte am 18. M\u00e4rz in einem als al-Qaida-Sprachrohr bekannten Internet-Forum eine Warnung an die F\u00fchrer der Vereinten Arabischen Emirate. Darin wurde u.a. die Ausbildung Unterst\u00fctzung der USA im Irak angeprangert, aber auch die Zusamirakischer menarbeit mit Deutschland bei der Ausbildung irakischer Polizeikr\u00e4fte Polizisten verurteilt. in Deutschland Am 18. Mai erschien auf mehreren islamistischen Internet-Seiten eine al-Zarqawi zugeschriebene Audiobotschaft, in der die Kampfmethoden seiner Organisation gerechtfertigt und erneut die Schiiten scharf angegriffen wurden. Der Sprecher erkl\u00e4rte au\u00dferdem, dass dem Tod des Tod des Papstes Papstes eine \u00fcbertriebene Aufmerksamkeit geschenkt werde. Ausf\u00fchrlich wurde der Einsatz von Autobomben gerechtfertigt. Der Tod unbeteiligter Muslime m\u00fcsse bedauerlicherweise in Kauf genommen werden, da er einem h\u00f6heren Zweck, n\u00e4mlich dem \"Djihad gegen die Ungl\u00e4ubigen\", diene. Das gelte auch f\u00fcr Selbstmordattentate, die angesichts der scharfen Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad das probate Kampfmittel seien. Diese Praxis werde von zahlreichen muslimischen Gelehrten ausdr\u00fccklich gebilligt. Der arabische Fernsehsender al-Djazira ver\u00f6ffentlichte am 17. Juni Ausz\u00fcge einer Videobotschaft von Dr. Ayman al-Zawahiri. Darin lehnte Dr. al-Zawahiri friedliche Reformkonzepte ab und erkl\u00e4rte, dass Ver\u00e4nderungen in der islamischen Welt nicht mit friedlichen Mitteln herbeigef\u00fchrt werden k\u00f6nnten. Er betonte die \"Notwendigkeit des bewaffneten Djihads\" f\u00fcr einen Wandel und forderte die Araber zum Kampf gegen die mit den USA kooperierenden Regierungen im Nahen Osten auf, wobei er ausdr\u00fccklich Pakistan, Saudi-Arabien und \u00c4gypten erw\u00e4hnte. Weiter f\u00fchrte er aus, dass das \"Reformkonzept al-Qaidas\" auf \"Reformkonzept drei Hauptpunkten beruhe: al-Qaidas\" - Einf\u00fchrung der Scharia als einzige Quelle der Rechtsprechung - Befreiung der islamischen Gebiete von Besatzungstruppen - Freiheit der islamischen Umma (muslimische Weltgemeinde), ihre Angelegenheiten selbst zu regeln. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","36 Ausl\u00e4nderextremismus Schlie\u00dflich ermahnte er die Mudjahidin in Pal\u00e4stina, ihren \"Heiligen Krieg\" gegen Israel nicht aufzugeben. Am 1. September ver\u00f6ffentlichte der arabische Fernsehsender al-Djazira wiederum Ausz\u00fcge aus einer Videobotschaft von Dr. Ayman al-Zawahiri Erkl\u00e4rung eines sowie eine Erkl\u00e4rung von Mohammed Sidique Khan, einem der SelbstAttent\u00e4ters mordattent\u00e4ter vom 7. Juli in London. Beide waren auf dem Video nicht von London gemeinsam zu sehen. Dr. al-Zawahiri erkl\u00e4rte in seiner Videobotschaft, die Anschl\u00e4ge in London seien eine Reaktion auf die Politik des britischen Premierministers Tony Blair gewesen. Mohammed Sidique Khan, britischer Staatsangeh\u00f6riger pakistanischer Herkunft, f\u00fchrte in seiner Erkl\u00e4rung aus, Usama Bin Ladin, Dr. Ayman al-Zawahiri und Abu Musab al-Zarqawi h\u00e4tten ihn \"inspiriert\". Er sei \u00fcberzeugt, nach dem Anschlag ins Paradies zu kommen. Erkl\u00e4rung Dr. Ayman al-Zawahiri \u00fcbernahm in einer Videobotschaft, die der araal-Zawahiris bische Fernsehsender al-Djazira am 19. September ausstrahlte, auszu London dr\u00fccklich die Verantwortung f\u00fcr die Anschl\u00e4ge vom 7. Juli in London. Dabei bleibt unklar, in welchem Umfang Dr. al-Zawahiri bzw. die al-Qaida tats\u00e4chlich in die Planung und Organisation des Anschlags eingebunden waren: \"Der Angriff auf London ist einer der Anschl\u00e4ge, die die al-Qaida gegen die zionistische, britische Arroganz der Briten auszuf\u00fchren die Ehre hatte, gegen die mehr als hundertj\u00e4hrige Aggression der kreuzfahrerischen Briten gegen die Moslems.\" Zum Jahrestag der Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 in den USA erschien auf einer Internet-Seite, die bereits mehrmals als Forum f\u00fcr die Terrororganisation des Abu Musab al-Zarqawi diente, eine schriftliche Erkl\u00e4rung, in der mit Anschl\u00e4gen nach dem Muster der Attentate in London gedroht wurde, ohne dabei ein Land namentlich zu nennen. Unterzeichnet war die Botschaft mit \"Organisation der al-Qaida in Nordeuropa\", die bisher nicht in Erscheinung getreten ist. 2.5 Gerichtsverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigte am 9. Mai die Ausweisungsverf\u00fcgung der Stadt Regensburg gegen einen Tunesier wegen Gef\u00e4hrdung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung und der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland. Dem Tunesier konnten Kontakte zu islamistischen Terrornetzwerken nachgewiesen werden. Da Abschiebungshindernisse vorlagen, wurde er verpflichtet, seinen Aufenthalt in einer Gemeinschaftsunterkunft zu nehmen. Im Juni kehrte er Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 37 von einer station\u00e4ren klinischen Behandlung nicht mehr zur\u00fcck. Er wurde zur Festnahme ausgeschrieben und im Januar 2006 in London festgenommen. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe sprach im Prozess um die UnterBest\u00e4tigung des st\u00fctzung der Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 in den USA den Freispruchs im Marokkaner Abdelghani Mzoudi am 9. Juni frei. Er best\u00e4tigte damit den Hamburger Freispruch des Oberlandesgerichts Hamburg vom 5. Februar 2004 und Terrorprozess verwarf die Revision des Generalbundesanwalts. Am 21. Juni kehrte Mzoudi nach Marokko zur\u00fcck, nachdem ihm die Hamburger Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde eine zweiw\u00f6chige Frist zur Ausreise gesetzt hatte. Am 18. Juli erkl\u00e4rte das Bundesverfassungsgericht das deutsche Gesetz zum Europ\u00e4ischen Haftbefehl f\u00fcr nichtig. Daraufhin wurde der 1990 in Deutschland eingeb\u00fcrgerte Syrer Mamoun Darkazanli noch am selben Tag aus der Auslieferungshaft entlassen. Der seit Oktober 2004 Inhaftierte soll laut spanischem Haftbefehl seit 1997 in Spanien, Deutschland und Gro\u00dfbritannien als Schl\u00fcsselfigur das al-Qaida-Netzwerk logistisch und finanziell unterst\u00fctzt haben. Aufgrund einer Verfassungsbeschwerde von Darkazanli hatte das Bundesverfassungsgericht seine Auslieferung nach Spanien im November 2004 jedoch gestoppt. Am 26. Juli verurteilte ein Amsterdamer Gericht den niederl\u00e4ndischen Verurteilung Islamisten marokkanischer Herkunft Mohammed Bouyeri wegen Mordes M\u00f6rders von des an dem niederl\u00e4ndischen Autor und Filmemacher Theo van Gogh Theo van Gogh im November 2004 zu lebenslanger Haft. Nach Ansicht des Gerichts habe die religi\u00f6se Motivation des M\u00f6rders eine terroristische Absicht nicht ausgeschlossen. Bouyeri habe bewusst versucht, die Niederl\u00e4nder einzusch\u00fcchtern, indem er den Anschlag w\u00e4hrend des Berufsverkehrs auf einer belebten Stra\u00dfe ver\u00fcbte. Das Oberlandesgericht Hamburg verurteilte am 19. August den Marokkaner Mounir al-Motassadeq wegen Mitgliedschaft in einer terrorisUrteil und tischen Vereinigung zu sieben Jahren Haft. Vom Vorwurf der Beihilfe zu Freispruch im den Anschl\u00e4gen vom 11. September 2001 in den USA wurde er allerHamburger dings freigesprochen. In erster Instanz war der Marokkaner im Februar Terrorprozess 2003 zun\u00e4chst zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Jahren wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mehr als 3.000 F\u00e4llen verurteilt worden. Das Gericht sah es damals als erwiesen an, dass al-Motassadeq von Anfang an Mitglied der islamistischen Zelle in Hamburg gewesen war, die im Sinn von al-Qaida die Terroranschl\u00e4ge in New York und Washington geplant und ausgef\u00fchrt hatte. Der Bundesgerichtshof hatte jedoch am 4. M\u00e4rz das Urteil wegen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","38 Ausl\u00e4nderextremismus M\u00e4ngeln in der Beweisw\u00fcrdigung aufgehoben. Gegen das Urteil vom 19. August legten sowohl Bundesanwaltschaft als auch Verteidigung Revision ein, \u00fcber die erst im Jahr 2006 entschieden werden wird. Gr\u00f6\u00dfter euroDer bisher gr\u00f6\u00dfte Prozess gegen Terroristen in Europa fand von April bis p\u00e4ischer September in Madrid statt. Den 24 Angeklagten wurde vorgeworfen, Terror-Prozess als Angeh\u00f6rige einer spanischen Zelle der al-Qaida an den Anschl\u00e4gen in Madrid vom 11. September 2001 in den USA beteiligt gewesen zu sein; au\u00dferdem h\u00e4tten einige Angeklagte Kontakte zu den Attent\u00e4tern der Anschl\u00e4ge vom 11. M\u00e4rz 2004 in Madrid gehabt. Der syrische Hauptangeklagte wurde wegen terroristischen Mordes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu 27 Jahren Haft verurteilt. Die anderen Angeklagten wurden zu Strafen zwischen sechs und elf Jahren verurteilt; au\u00dferdem gab es sechs Freispr\u00fcche. Da den Beschuldigten meist keine direkte Beteiligung nachgewiesen werden konnte, blieben die Urteile weit unter den Forderungen der Anklage. Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 26. Oktober drei Pal\u00e4stinenser wegen Mitgliedschaft in einer deutschen Zelle der islaUrteile im mistischen al-Tauhid-Bewegung zu Freiheitsstrafen zwischen sechs und al-Tauhid-Veracht Jahren, ein Algerier wurde als Unterst\u00fctzer der Gruppe mit f\u00fcnf fahren Jahren Freiheitsstrafe belegt. Das Gericht best\u00e4tigte damit die Existenz der terroristischen Vereinigung al-Tauhid. Es sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten auf Anweisung des international gesuchten Terroristen Abu Musab al-Zarqawi in Deutschland Anschl\u00e4ge gegen j\u00fcdische Einrichtungen vorbereitet hatten. Das Verfahren st\u00fctzte sich vor allem auf die Aussagen eines Kronzeugen, eines Jordaniers pal\u00e4stinensischer Herkunft, der bereits in einem abgetrennten Verfahren im November 2003 wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden war. Am 10. November wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gegen Ansar al-Islam mutma\u00dfliche Mitglieder der Terrorgruppe Ansar al-Islam Anklage wegen eines gescheiterten Attentatversuchs auf den ehemaligen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Ijad Allawi im Dezember 2004 erhoben. Angeklagt sind drei Iraker aus Augsburg, Berlin und Stuttgart. Der Generalbundesanwalt erhob am 1. Dezember vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf Anklage gegen drei Personen wegen Mitgliedschaft bzw. Unterst\u00fctzung der ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung Al-Qaida al-Qaida. Der Hauptbeschuldigte aus Mainz soll von F\u00fchrungskadern den Auftrag erhalten haben, neue Mitglieder f\u00fcr Selbstmordanschl\u00e4ge in Europa zu rekrutieren sowie Geldmittel und sonstige logistische Unterst\u00fctzung zu beschaffen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 39 Das Oberlandesgericht M\u00fcnchen verurteilte am 12. Januar 2006 den Iraker Lokman Amin Mohammed wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4nUrteil im dischen terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Lokman-Prozess Jahren. Er hatte als f\u00fchrendes Mitglied der Ansar al-Islam im s\u00fcddeutschen Raum u.a. Spendengelder gesammelt, gewerbsm\u00e4\u00dfige Einschleusungen von Irakern nach Deutschland erm\u00f6glicht und die Einreise von \"Djihad-K\u00e4mpfern\" in den Irak organisiert. Damit kam es zur ersten Verurteilung nach dem in Folge des 11. September 2001 neu geschaffenen Straftatbestand. Neben den Gerichtsverfahren gab es eine Reihe von DurchsuchungsDurchsuchungsma\u00dfnahmen, deren Schwerpunkt teilweise in Bayern lag. Dabei wurden ma\u00dfnahmen zahlreiche Personen festgenommen und Beweismaterial sichergestellt. Hintergrund dieser Exekutivma\u00dfnahmen waren z.B. der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung zur Unterst\u00fctzung islamistischer Gruppierungen wie Ansar al-Islam und al-Tauhid. Durchsuchungsma\u00dfnahmen in Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg f\u00fchrten zum Verbot des \"Multi-Kultur-Hauses Ulm e.V.\" (MKH) am 28. Dezember (vgl. auch Nummer 4.1 dieses Abschnitts). 2.6 Ausblick Wie bereits die Anschl\u00e4ge in Madrid im M\u00e4rz 2004 haben nunmehr auch die Sprengstoffanschl\u00e4ge in London im Juli 2005 deutlich gemacht, dass Europa endg\u00fcltig ins Visier islamistischer Terroristen Europa im Visier ger\u00fcckt ist. Auffallend ist dabei, dass ein gro\u00dfer Teil der Attent\u00e4ter von Terroristen in Europa geboren und aufgewachsen ist. Dar\u00fcber hinaus zeigen zahlreiche Exekutivma\u00dfnahmen und Gerichtsverfahren, dass auch in Deutschland grunds\u00e4tzlich mit Anschl\u00e4gen gerechnet werden muss. Konkrete Hinweise auf geplante Anschl\u00e4ge liegen jedoch nicht vor; die islamistischen Netzwerke m\u00fcssen aber weiterhin intensiv beobachtet werden. Auf die Erfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden reagierten die Terrornetzwerke mit dem Aufbau neuer Strukturen. So besteht die besondere Gef\u00e4hrlichkeit des Terrornetzwerks al-Qaida nicht mehr allein in der F\u00e4higkeit zur Planung und Koordinierung von Anschl\u00e4gen in der ganzen Welt, sondern auch in seiner Eigenschaft als Inbegriff des \"globalisierten Djihads\" \"Globalisierter f\u00fcr kampfbereite Islamisten. Diese Ideologie des \"Djihadismus\" wird Djihad\" gleichfalls von lokalen Gruppierungen als Rechtfertigung f\u00fcr eigenst\u00e4ndig und unabh\u00e4ngig geplante Terrorakte herangezogen. Moderne Medien - vor allem das Internet - werden intensiv f\u00fcr Propaganda und Informationsaustausch genutzt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","40 Ausl\u00e4nderextremismus 3. Islamistische Gruppierungen 3.1 Die internationale islamische Front - Al-Qaida Internationales Das Netzwerk arabischer Mudjahidin besteht aus unabh\u00e4ngig voneinNetzwerk ander operierenden Organisationen und Zellen, in denen bei gemeinsamer Zielrichtung unterschiedliche Organisationsformen und Vorgehensweisen festzustellen sind. Seine Akteure handeln mit islamistischem Sendungsbewusstsein und nutzen ihre vielfach in Afghanistan gesammelten Erfahrungen. Zwischen diesen Organisationen kann es auch sich \u00fcberschneidende Abh\u00e4ngigkeitsund Weisungsstr\u00e4nge geben. Eine besondere F\u00fchrungsrolle innerhalb dieses Netzwerks unabh\u00e4ngiger Organisationen nimmt die Organisation al-Qaida ein. Das nachfolgende Schaubild versucht, dieses Netzwerk vereinfacht darzustellen. Netzwerkstruktur internationaler Terrorgruppen Internationale islamische Front des Usama Bin Ladin AL-QAIDA als ideologische Basis sog. non-alignedmit den national bzw. Mudjahidin Gr\u00fcndungsorganisationen: regional ausgerichunabh\u00e4ngige oder lose - Djihad Islami (\u00c4gypten) tete Gruppen vernetzte Attent\u00e4ter- - Al-Gamaa al-Islamiya (\u00c4gypten) z.B. - Harakat ul-Ansar (Kaschmir) Zellen Abu Sayaff - Jihad Islami (Bangladesch) z.B. Jemaah Islamiya Al-Tauhid tschetschenische Varese-Gruppe Terroranschl\u00e4ge Mudjahidin \"Madrid-Attent\u00e4ter\" Ansar al-Islam Salafiyya-Gruppe Anschl\u00e4ge: Anschlag: Nairobi und (GSPC) USS Cole / Jemen 12.10.2000 Daressalam 07.08.1998 Anschl\u00e4ge: Bombenanschl\u00e4ge: Madrid Anschl\u00e4ge: London 11.03.2004 USA 07. und 21.07.2005 11.09.2001 Anschlag: Anschlag: Casablanca / Marokko Istanbul / T\u00fcrkei 12.05.2003 15.11.2003 Weltweit sind etwa 10.000 ausgebildete und kampferfahrene Afghanistan-K\u00e4mpfer in ihre Heimatoder Zufluchtsl\u00e4nder zur\u00fcckgekehrt, wo Lokale Terrorsie sich teilweise lokalen islamistischen Gruppen angeschlossen haben. gruppen Sie genie\u00dfen dort hohes Ansehen und k\u00f6nnen als Multiplikatoren fungieren. Diese lokalen terroristischen Gruppierungen (dargestellt im rechten Bereich des vorstehenden Schaubilds) streben in ihren jeweiligen Heimatl\u00e4ndern durch bewaffneten Kampf die Beseitigung der dortigen, Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 41 aus Sicht der T\u00e4ter westlich-dekadenten Gesellschaftsordnung und die Errichtung eines islamistischen Gottesstaats an. Die Ideologie von al-Qaida ist vom \"Djihadismus\" gepr\u00e4gt. Ihr Weltbild Djihad-Ideologie teilt die Menschheit in Muslime und Ungl\u00e4ubige. Pflicht der Muslime sei es, die Ungl\u00e4ubigen, so sie sich ihnen nicht anschlie\u00dfen, im bewaffneten Kampf zu besiegen. Zu den Ungl\u00e4ubigen z\u00e4hlen insbesondere Christen und Juden. Auch die Regierungen zahlreicher islamischer Staaten sind wegen ihrer Weigerung, die USA und Israel zu bek\u00e4mpfen und eine \"muslimische\" Ordnung einzuf\u00fchren, in den Augen von al-Qaida blo\u00dfe Marionetten der USA. Zwar ist die Errichtung eines \"islamischen Staates\" das gemeinsame Ziel, doch \u00fcber dessen konkrete Ausgestaltung gibt es nur selten Einigkeit. Feindbild ist der \"dekadente Westen\". Anschlagsziele sind dabei auch Staaten, die mit dem Westen kooperieren (vor allem Saudi-Arabien, Kuwait) oder Staaten, die als zu westlich gelten (T\u00fcrkei). H\u00e4ufig ist die Ideologie das einzige Bindeglied dieser weltweit autark operierenden Gruppierungen und Zellen. Al-Qaida ist deren \"ideologische\" Basis. Dieser Umstand erleichtert auch personelle Verflechtungen. Attent\u00e4ter-Zellen im Sinn von al-Qaida bed\u00fcrfen gr\u00f6\u00dftenteils nicht des zentralen Kommandos und bekommen nachtr\u00e4glich den \"Segen\" f\u00fcr die Anschl\u00e4ge (etwa \u00fcber arabische Sender verk\u00fcndete Audiooder Videobotschaften). Die Legitimation f\u00fcr ihre Aktivit\u00e4ten liefern islamistische Ideologen, h\u00e4ufig selbst ernannte Prediger, deren pers\u00f6nliche Autorit\u00e4t weder durch ihren Tod noch durch ihr Wirken aus dem Untergrund (Usama Bin Ladin) beeintr\u00e4chtigt wird. Anschl\u00e4ge werden langfristig geplant und oft \u00fcber mehrere Jahre hinweg vorbereitet. Zur Rekrutierung und Propaganda bedient sich das Netzwerk arabischer Nutzung des Mudjahidin, allen voran al-Qaida, des Internets. So werden \u00fcber das Internets Internet verdeckte Aufforderungen zu Anschl\u00e4gen versandt, Bekennerbotschaften ins Netz gestellt und potenzielle Attent\u00e4ter angeworben und ideologisch geschult. \u00dcber das Internet verbreitete Geiselvideos dienen zur Einsch\u00fcchterung der \u00d6ffentlichkeit. Kampfpl\u00e4tze, auf denen Mudjahidin ihr Kriegswissen erproben k\u00f6nnen, sind haupts\u00e4chlich der Irak, Tschetschenien, Kaschmir und nach wie vor Afghanistan. Der Pal\u00e4stina-Konflikt mit seiner gro\u00dfen medialen Pr\u00e4senz dient haupts\u00e4chlich der Agitation und Mobilisierung. Die Verhaftung zahlreicher Mitglieder aus der alten F\u00fchrungsriege und die Zerschlagung der afghanischen Zentrale haben den Kern von al-Qaida vor\u00fcbergehend geschw\u00e4cht, das flexible Netzwerk jedoch nicht besiegt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","42 Ausl\u00e4nderextremismus Auch Deutschland ist Aktionsraum islamistisch-terroristischer Netzwerke. Dass Deutschland inzwischen nicht nur R\u00fcckzugsund Ruheraum ist, sondern auch als Vorbereitungsraum und potenzielles Anschlagsziel betrachtet wird, zeigt nicht zuletzt der Prozess gegen Mitglieder einer deutschen Zelle der Gruppe al-Tauhid vor dem D\u00fcsseldorfer Oberlandesgericht. Die Angeklagten wurden am 26. Oktober zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt, weil sie Sprengstoffanschl\u00e4ge auf j\u00fcdische Einrichtungen in Berlin und D\u00fcsseldorf geplant hatten. 3.2 Die Muslimbruderschaft (MB) und ihre regionalen Str\u00f6mungen Deutschland Bayern Mitglieder: 1.250 200 Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Publikation: \"Risalat ul-Ikhwan\" Sunnitisch-extreDie von Hassan al-Banna in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunnitisch-extremistische Ideologie mistische MB ist eine multinationale Organisation, bei der eine Unterteilung in nationale Sektionen erkennbar ist. Das von der MB angestrebte Herrschaftssystem weist deutliche Z\u00fcge eines diktatorischen bzw. totalit\u00e4ren Herrschaftssystems auf, das die Selbstbestimmung des Volkes sowie die Prinzipien der Freiheit und Gleichheit der Menschen nicht garantiert. Die Grundideologie der MB ist auf die Errichtung islamischer Gottesstaaten ausgerichtet. Dieses Fernziel eint alle Str\u00f6mungen innerhalb der MB. Ein Gro\u00dfteil der ideologischen Grunds\u00e4tze der MB ist somit unvereinbar mit den im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankerten Prinzipien Emblem der Demokratie, des Rechtsstaats und einer auf der Menschenw\u00fcrde der MB basierenden politischen Ordnung. Die Ideologie der MB ist in der gesamten muslimischen Welt verbreitet und hat zur Herausbildung zahlreicher militanter islamistischer Organisationen gef\u00fchrt (vgl. auch das Schaubild auf der Seite 43 dieses Berichts). In ihrem Ursprungsland \u00c4gypten ist die MB verboten; sie wird jedoch inzwischen geduldet. Sie verdankt ihren Einfluss vor allem ihrem sozialen Engagement. Anfang 2004 trat Mohamed Mahdi Akef die Nachfolge des verstorbenen F\u00fchrers des \u00e4gyptischen Zweigs der MB, Ma'moun al-Hudeibi, an. Akef hatte Mitte der 80er Jahre das der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) zugeh\u00f6rige Islamische Zentrum M\u00fcnchen (IZM) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 43 Regionale Str\u00f6mungen der Muslimbruderschaft Algerien Syrien \u00c4gypten Pal\u00e4stina Tunesien Islamische Islamische Al-Gamaa HAMAS En Nahda Heilsfront (FIS) Avantgarden / al-Islamiya (GI) Islamisches Bewaffnete Zentrum (IZ) Djihad Islami (JI) Islamische in Aachen Islamischer Bund Gruppe (GIA) Pal\u00e4stina (IBP) F\u00f6deration der Al-Aqsa e.V. Islamischen Organisation in Europa (FIOE) Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Ausl\u00e4ndische Organisationen mit Einzelmitgliedern in Deutschland Organisationen mit Sitz in Deutschland / Europa geleitet. Er war in seiner Jugend mit dem MB-Gr\u00fcnder Hassan al-Banna befreundet. Sp\u00e4ter wurde er wegen eines geplanten Anschlags auf den \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten zum Tode verurteilt und schlie\u00dflich nach 20 Jahren Gef\u00e4ngnis begnadigt. Schon von Deutschland aus baute er seinen Einfluss auf den internationalen Zweig der MB aus. In seiner Person zeigt sich die personelle und ideologische Kontinuit\u00e4t der MB. In einem Interview mit der franz\u00f6sischen Zeitschrift \"Le Figaro\" vom 24. M\u00e4rz 2004 \u00e4u\u00dferte Akef: \"Die USA haben aufgrund ihrer Intervention im Irak Hass geerntet. (...) Wir haben auch Demonstrationen gegen den zionistischen Feind organisiert, der Pal\u00e4stina besetzt.\" Dar\u00fcber hinaus sprach er denjenigen sein Lob aus, \"die ihre OperatioAkzeptanz von nen bis in die Herzen zionistischer St\u00e4dte\" tragen. Damit bekennt sich Gewalt die MB unmissverst\u00e4ndlich zu Selbstmordattentaten gegen israelische Zivilisten. Nach Auskunft Akefs ist die MB besonders stolz auf ihre \"Verwandtschaft\" mit der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung HAMAS des inzwischen get\u00f6teten Scheichs Yassin. Auch der Tunesier Rachid Ghannouchi, F\u00fchrer der En Nahda, der Algerier Abassi Madani, Vorsitzender der FIS, und der T\u00fcrke Prof. Necmettin Erbakan, F\u00fchrer der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, wurden immer als Br\u00fcder angesehen. Diese Aussage Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","44 Ausl\u00e4nderextremismus Akefs ist deshalb bemerkenswert, weil sie nicht nur die N\u00e4he zu den anderen Zweigen der MB in Tunesien und Algerien betont, sondern auch eine ideologische Verbindung zum t\u00fcrkischen Islamismus erkennen l\u00e4sst. Offiziell haben sich die meisten Zweige der MB von der Gewalt abgewandt. Aber nicht nur die \u00c4u\u00dferung Mahdi Akefs, sondern auch die Selbstmordattentate der pal\u00e4stinensischen Sektion der MB \"Islamische Widerstandsbewegung\" (HAMAS) zeigen, dass die MB Gewalt weiterhin als legitimes politisches Mittel betrachtet. Wahlergebnis Bei den \u00e4gyptischen Parlamentswahlen im Dezember konnte die MB die in \u00c4gypten Zahl ihrer Abgeordneten ann\u00e4hernd verf\u00fcnffachen. Obwohl ihre Kandidaten formal als Unabh\u00e4ngige antreten mussten und im Vorfeld der Wahl vielfach verhaftet wurden, stellt die MB 88 von insgesamt 454 Abgeordneten. Die MB tritt in Deutschland nicht offen in Erscheinung. Personell ist sie mit der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) verflochten, die als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB gilt. Anh\u00e4nger des syrischen Zweigs der MB gr\u00fcndeten Anfang der 80er Jahre die \"Islamischen Avantgarden\" mit organisatorischem Schwerpunkt im \"Islamischen Zentrum\" in Aachen. 3.2.1 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 120 Gr\u00fcndung: 1960 in Deutschland Sitz: M\u00fcnchen Pr\u00e4sident: Ibrahim Farouk el-Zayat Publikation: \"al-Islam\" (nur noch als Internet-Ausgabe) Einfluss der MB Der IGD, die als deutsche Zentrale des \u00e4gyptischen Zweigs der MB gilt, auf die IGD sind mehrere Islamische Zentren (IZ) in Deutschland nachgeordnet. In Bayern sind dies das Islamische Zentrum M\u00fcnchen (IZM) und das Islamische Zentrum N\u00fcrnberg (IZN). In ihrem Internet-Auftritt weist die IGD auf ihre Koordination mit weiteren Zentren hin, darunter in Bayern mit der Islamischen Gemeinde Erlangen. Die IGD hat ihren Sitz im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen und ist Mitglied in der 1989 gegr\u00fcndeten \"F\u00f6deration der Islamischen Organisationen in Europa\" (FIOE). Die FIOE wurde im Rahmen einer Resolution begr\u00fcndet, die anLogo der IGD l\u00e4sslich einer Generalversammlung von Repr\u00e4sentanten der wichtigsten Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 45 Islamischen Zentren, Gesellschaften und Vereinigungen in Europa verabschiedet wurde. Seit dem 14. Februar 2002 ist Ibrahim Farouk el-Zayat Pr\u00e4sident der IGD. Dieser wird in der Zeitschrift \"islam-online.net\" vom 19. M\u00e4rz 2004 als Vertreter der MB in Deutschland bezeichnet, was die enge Beziehung zwischen MB und IGD verdeutlicht. Die Anh\u00e4nger der IGD sind bem\u00fcht, sich in der \u00d6ffentlichkeit als eine gegen\u00fcber der deutschen Rechtsordnung loyale muslimische Interessenvertretung darzustellen. Vorbehalte gegen\u00fcber den westlichen Demokratien, auch gegen\u00fcber der Staatsund Gesellschaftsordnung in Deutschland, kommen in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen nur selten zum Ausdruck. Neben dem Pr\u00e4sidenten der IGD stehen aber auch viele Mitglieder und Funktion\u00e4re der IGD und der Islamischen Zentren der MB und deren Zielsetzung nahe. Deshalb sind aus den Islamischen Zentren wie in den Vorjahren Verlautbarungen und Aufrufe zu vernehmen, die mit der offiziellen gem\u00e4\u00dfigten Linie der IGD nicht \u00fcbereinstimmen. Ein Imam eines der Islamischen Zentren der IGD in N\u00fcrnberg, der zum \"Djihad gegen Ungl\u00e4ubige\" aufgerufen hatte, wurde deshalb aus Deutschland ausgewiesen und hat zwischenzeitlich Deutschland verlassen. Um die langfristigen Ziele besser durchsetzen zu k\u00f6nnen, wurde unter \"Imam-Rat\" Beteiligung der IGD ein \"Imam-Rat\" in Deutschland eingerichtet. Dieser unterh\u00e4lt Kontakte zu dem der MB nahe stehenden \"Europ\u00e4ischen Fatwa-Rat\" mit Sitz in Dublin. Dessen Vorsitzender Yusuf al-Qaradawi ist als Sympathisant der MB bekannt. Aufgabe des deutschen \"Imam-Rats\" ist es, die Vereinbarkeit der deutschen Rechtsordnung mit Koran und Sunna zu pr\u00fcfen. Die IGD setzte ihre Bem\u00fchungen um eine Verselbst\u00e4ndigung der ihr nachgeordneten Islamischen Zentren fort. Damit versucht sie, Vereinsstrukturen zu schaffen, deren Kontrolle durch die erh\u00f6hte Anzahl von \u00f6rtlich zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden erschwert wird. Ferner best\u00fcnde dann f\u00fcr die der IGD bisher nachgeordneten Zentren die M\u00f6glichkeit, selbst\u00e4n\u00c4nderung der dig die Gemeinn\u00fctzigkeit zu beantragen, welche die IGD 1999 verloren Vereinsstruktur hat. So hat sich inzwischen der \"F\u00f6rderverein des Islamischen Zentrums N\u00fcrnberg e.V.\" in \"Islamische Gemeinde in N\u00fcrnberg e.V.\" umbenannt. Die IGD ist zudem bestrebt, nicht mehr als Ausl\u00e4nderverein eingestuft zu werden und behauptet deshalb f\u00e4lschlich, dass die Mehrheit der IGD-Mitglieder bereits eingeb\u00fcrgert sei. Des Weiteren will die IGD als Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","46 Ausl\u00e4nderextremismus Religionsgemeinschaft anerkannt werden. In einem Rechtsstreit der IGD gegen die Landeshauptstadt M\u00fcnchen hat das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen am 19. Oktober 2004 in einer Eilentscheidung best\u00e4tigt, dass es sich bei der IGD um einen Ausl\u00e4nderverein, nicht aber um eine Religionsgemeinschaft handelt. Gegen diesen Beschluss hat die IGD Rechtsmittel eingelegt. Bildungsarbeit Ein wesentliches Bet\u00e4tigungsfeld der IGD ist die \"Erziehung und Bildung\" junger Menschen, um auf diesem Weg die Gesellschaft ihren ideologischen Zielen entsprechend zu reformieren. Zu diesem Zweck betrieb die IGD u.a. die \"Deutsch-Islamische Schule\" in M\u00fcnchen, der ein Kindergarten angegliedert war. Die Schule wurde 1981 gegr\u00fcndet, 1982 als private Grundschule der Jahrgangsstufen 1 bis 4 staatlich anerkannt und entsprechend staatlich gef\u00f6rdert. Als die IGD 1999 die Gemeinn\u00fctzigkeit und somit die Voraussetzung staatlicher F\u00f6rderung verlor, war der Fortbestand der Schule gef\u00e4hrdet. Deshalb wurde am 23. Februar 2003 ein neuer Tr\u00e4gerverein, das \"Deutsch-Islamische Bildungswerk e.V.\" (DIBW), gegr\u00fcndet, der die Tr\u00e4gerschaft der \"Deutsch-Islamischen Schule\" ab dem Schuljahr 2003/2004 \u00fcbernahm. Da sich zwischenzeitlich die Erkenntnisse \u00fcber Verbindungen des DIBW zum islamischen Extremismus verdichtet hatten, konnte die Verfassungstreue des Schultr\u00e4gers als Voraussetzung f\u00fcr eine Genehmigung des Schlie\u00dfung der Weiterbetriebs der Schule nicht mehr als gegeben angesehen wer\"Deutsch-Islamiden. Insbesondere aufgrund personeller und organisatorischer Verflechschen Schule\" tungen zwischen DIBW und IGD sowie Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten bei der Vereinsgr\u00fcndung des neuen Tr\u00e4gers musste davon ausgegangen werden, dass die IGD nach wie vor Einfluss auf die Bildungsarbeit des DIBW nehmen wird. Die Regierung von Oberbayern hat deshalb Anfang August entschieden, keine Genehmigung f\u00fcr den Weiterbetrieb der \"Deutsch-Islamischen Schule\" f\u00fcr das Schuljahr 2005/2006 zu erteilen; gleichzeitig wurde die staatliche Schulf\u00f6rderung eingestellt. Daraufhin musste die Schule geschlossen werden. Auch der angegliederte Kindergarten stellte seinen Betrieb ein. 3.2.2 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) / Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) und Al-Aqsa e.V. Deutschland Bayern Mitglieder IBP: 250 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1981 in Deutschland Al-Aqsa e.V. ist in Deutschland seit 5. August 2002 verboten. Das Verbot wurde am 3. Dezember 2004 rechtskr\u00e4ftig. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 47 Seit der Gr\u00fcndung Israels im Jahr 1948 engagierten sich Anh\u00e4nger der Muslimbruderschaft (MB) im Kampf f\u00fcr die Zur\u00fcckgewinnung ganz Pal\u00e4stinas und die Etablierung einer \"islamischen Herrschaft\". Nach der Besetzung des Westjordanlandes und des Gazastreifens durch Israel im Jahr 1967 begann der pal\u00e4stinensische Zweig der MB in den besetzten Gebieten eine soziale Infrastruktur aufzubauen, was ihm rasche Popularit\u00e4t bei der Bev\u00f6lkerung einbrachte. Am bewaffneten Kampf beteiligte er sich zun\u00e4chst nicht. Erst als Reaktion auf den Ausbruch des ersten Pal\u00e4stinenseraufstands (Intifada) im Dezember 1987 wurde Anfang 1988 die HAMAS gegr\u00fcndet und der bewaffnete Kampf gegen Israel aufgenommen. Die HAMAS will Israel zerst\u00f6ren und auf dem gesamten Gebiet Pal\u00e4stinas einen islamistisch gepr\u00e4gten Staat errichten. Sie lehnt den israelisch-pal\u00e4stinensischen Friedensprozess ab und ist f\u00fcr eine Vielzahl terroristischer Aktionen verantwortlich, darunter zahlreiche Selbstmordattentate. Im Juni 2002 wurde deshalb der milit\u00e4rische Arm der HAMAS, die so genannte \"Izz ad-Din al-Qassam-Brigaden\" in die EU-Liste terroristischer Aufnahme in die Organisationen aufgenommen. Anfang September 2003 beschlossen EU-Terrorliste die EU-Au\u00dfenminister, auch die Gesamtorganisation als terroristisch einzustufen. Nach dem Tod des Pal\u00e4stinenserf\u00fchrers Yassir Arafat im November 2004 und der Wahl seines als gem\u00e4\u00dfigt geltenden Nachfolgers Mahmoud Abbas im Januar 2005 wurde der Friedensprozess zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern wieder aufgenommen. Im Februar stimmten mehrere pal\u00e4stinensische Widerstandsbewegungen einem bis zum Jahresende befristeten Waffenstillstand zu. Durch das Wiederaufflammen gewaltt\u00e4tiger Auseinandersetzungen zwischen den pal\u00e4stinensischen Widerstandsbewegungen, insbesondere der HAMAS, und israelischen Sicherheitskr\u00e4ften Mitte September geriet der Fortgang des Friedensprozesses erneut ins Stocken. Im Januar 2006 erzielte die HAMAS bei den pal\u00e4sWahlsieg tinensischen Parlamentswahlen einen \u00fcberraschenden Sieg; sie stellt nunmehr die Mehrheitsfraktion im Parlament. Zwar scheint die HAMAS im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft zu einer Verl\u00e4ngerung der Waffenruhe mit Israel bereit, allerdings weist die HAMAS Forderungen nach einer Entwaffnung und der Anerkennung des Existenzrechts Israels nach wie vor zur\u00fcck. In Deutschland wird die Politik der HAMAS seit Beginn der Intifada im Jahr 1987 durch den Islamischen Bund Pal\u00e4stina (IBP) vertreten. Der IBP wurde 1981 innerhalb des Islamischen Zentrums M\u00fcnchen gegr\u00fcndet, Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","48 Ausl\u00e4nderextremismus um die Interessen religi\u00f6s orientierter Pal\u00e4stinenser in Deutschland zu repr\u00e4sentieren. WohlfahrtsUnter dem Deckmantel der Humanit\u00e4t unterst\u00fctzte der in Aachen organisationen ans\u00e4ssige Ausl\u00e4nderverein al-Aqsa e.V. die gewaltt\u00e4tige HAMAS-Orgaals Unterst\u00fctzer nisation durch Spendensammlungen. \u00dcber Hilfseinrichtungen der HAMAS der HAMAS wurden diese Gelder auch an Familienangeh\u00f6rige von Selbstmordattent\u00e4tern weitergeleitet, wodurch der al-Aqsa e.V. zur Gewalt im Pal\u00e4stina-Konflikt beitrug. Der Verein wurde deshalb am 5. August 2002 verboten; das Verbot ist seit dem 3. Dezember 2004 rechtskr\u00e4ftig. Ferner wurde am 30. August 2005 durch das Bundesministerium des Innern der Verein Yatim Kinderhilfe e.V. mit Sitz in Essen als Nachfolgeorganisation des al-Aqsa e.V. verboten. Gleichzeitig wurde gegen die Islamische Wohlfahrtsorganisation e.V. (IWO) mit Sitz in Herne ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet. Beiden Vereinen werden Spendensammlungen f\u00fcr die HAMAS vorgeworfen. Verbindungen nach Bayern sind nicht bekannt. In Bayern gibt es nur einzelne Anh\u00e4nger der HAMAS. Die aktuelle Entwicklung wird bei den in Bayern lebenden Pal\u00e4stinensern im Rahmen politischer Gespr\u00e4che diskutiert, l\u00f6st aber keine nennenswerten Reaktionen aus. 3.2.3 Islamische Heilsfront (FIS) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 45 Gr\u00fcndung: 1989 in Algerien Publikation: \"al-Ribat\" (Das Band) Die FIS ist der algerische Zweig der international t\u00e4tigen Muslimbruderschaft (MB). Aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Niedergangs und des Ansehensverlusts der algerischen Regierung gewann die FIS im Dezember 1991 die Parlamentswahlen in Algerien. Als sie anschlie\u00dfend 1992 verboten wurde, gingen zahlreiche FIS-Funktion\u00e4re ins Ausland. Bis zum Sommer 2002 f\u00fchrte der in Deutschland lebende Rabah Kebir die \"Exekutivinstanz der FIS im Ausland\". Am 4. August 2002 veranstaltete die Organisation erstmals seit zehn Jahren einen Kongress. Bei dieser Veranstaltung wurde Kebir, der Flagge der FIS dem Treffen ferngeblieben war, von dem in Genf ans\u00e4ssigen Physiker Dr. Mourad Dhina entmachtet. Dem abgew\u00e4hlten Vorsitzenden wurde seine eigenm\u00e4chtige Dialogbereitschaft gegen\u00fcber der algerischen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 49 Regierung zur Last gelegt. Dr. Dhina, der zum radikalen Fl\u00fcgel gerechnet werden muss, lehnt den vom bewaffneten Arm der FIS mit der algerischen Regierung vereinbarten Waffenstillstand ab. Die FIS in DeutschInterne land ist hinsichtlich dieser Frage gespalten. Beide Fl\u00fcgel f\u00fchrten VerDifferenzen s\u00f6hnungsgespr\u00e4che durch, um zu einer gemeinsamen Linie zu gelangen und die Position der FIS-Mitglieder aus Deutschland im Gesamtverband zu st\u00e4rken. Im Juni 2003 wurden der Vorsitzende des algerischen Zweigs der FIS, Abassi Madani, und sein Stellvertreter Ali Benhadj nach zw\u00f6lfj\u00e4hriger Haft aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen. Die Freilassung war allerdings an eine Reihe von Bedingungen gekn\u00fcpft. So d\u00fcrfen sie in Zukunft weder Versammlungen abhalten noch sich in einer Partei engagieren oder an Wahlen und Demonstrationen teilnehmen. Am 29. September wurde in Algerien die von Pr\u00e4sident Bouteflika vorgelegte \"Charta f\u00fcr Frieden und nationale Auss\u00f6hnung\" in einer Volksabstimmung mit gro\u00dfer Mehrheit angenommen. Sie umfasst auch eine Teilamnestie f\u00fcr ehemalige bewaffnete islamistische Straft\u00e4ter, sofern Teilamnestiesie nicht an Morden, Vergewaltigungen oder Bombenanschl\u00e4gen beteiregelung ligt waren. F\u00fcr eine dauerhafte nationale Auss\u00f6hnung fordert Bouteflika jedoch ein Verbot politischer Bet\u00e4tigung f\u00fcr ehemalige Akteure der FIS. 3.2.4 En Nahda Deutschland Bayern Mitglieder: 60 Wirkungsbereich: Oppositionsbewegung in Tunesien (seit 1991 in Tunesien verboten) F\u00fchrung: Rachid Ghannouchi / Gro\u00dfbritannien Die En Nahda (Wiedergeburt) ist der tunesische Zweig der Muslimbruderschaft (MB). Die Organisation will eine Theokratie und ein weltweites Kalifat errichten. Sie ist die wichtigste Oppositionsbewegung Tunesiens. Seit 1991 wird die in Tunesien verbotene Organisation von Rachid Ghannouchi geleitet, der in seinem Heimatland zu lebenslanger Haft verurteilt ist. Ghannouchi lebt in Gro\u00dfbritannien und gibt sich nach au\u00dfen als gem\u00e4\u00dfigter, demokratischer Politiker. Gegen\u00fcber seinen Anh\u00e4ngern Emblem der En Nahda \u00e4u\u00dfert er sich jedoch militant und beteuert u.a., er wolle die amerikanischen Eroberer und die mit ihnen verb\u00fcndeten arabischen Regierungen verjagen. Wegen des massiven Drucks der tunesischen Sicherheitskr\u00e4fte Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","50 Ausl\u00e4nderextremismus in der Vergangenheit befindet sich ein gro\u00dfer Teil der En Nahda-Mitglieder im Ausland. Vers\u00f6hnungsInzwischen richtete der tunesische Staatspr\u00e4sident ein Vers\u00f6hnungsangebot angebot an die En Nahda. Ghannouchi griff das Angebot auf und stellte zugleich folgende Bedingungen: - Freilassung aller Gefangener der En Nahda in Tunesien, - straffreie R\u00fcckkehr der im Exil lebenden En Nahda-Mitglieder, - Wiederzulassung der En Nahda in Tunesien. Bei den in Bayern lebenden En Nahda-Anh\u00e4ngern sind keine festen Strukturen erkennbar. Allerdings engagieren sich viele von ihnen sowohl im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) als auch in einigen tunesischen Vereinen. 3.3 Hizb ut-Tahrir Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 150 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1953 in Pal\u00e4stina Europazentrale: Gro\u00dfbritannien Publizistische Sprachrohre: \"explizit\"; \"al-Khilafah\"; \"al-Waie\" Politisches Bet\u00e4tigungsverbot in Deutschland seit 15. Januar 2003 Die \"Partei der islamischen Befreiung\" - Hizb ut-Tahrir - wurde von dem Religionsgelehrten Taqi Din an-Nabhani, einem Mitglied der MuslimWeltweite bruderschaft (MB), gegr\u00fcndet. Sie hat sich weltweit verbreitet; ab 1995 Verbreitung gewann sie in Zentralasien, insbesondere in den ehemaligen Sowjetrepubliken, zahlreiche Mitglieder. Anh\u00e4nger der Hizb ut-Tahrir versuchten von Beginn an, milit\u00e4rische Institutionen und Einrichtungen in arabischen L\u00e4ndern zu unterwandern und Mitglieder aus den Reihen des Milit\u00e4rs zu rekrutieren. In den Jahren 1968 und 1969 scheiterten Putschversuche in Amman/Jordanien und in Bagdad/Irak. Ebenso schlugen Bestrebungen zur Macht\u00fcbernahme 1974 in Kairo/\u00c4gypten und 1976 in Damaskus/Syrien fehl. Inzwischen ist die Hizb ut-Tahrir in der gesamten arabischen Welt und Zentralasien verboten. Das Ziel der Hizb ut-Tahrir ist die Errichtung eines \"rechtgeleiteten\" weltumspannenden Kalifats, das die L\u00e4nder und V\u00f6lker der Muslime in einem einzigen Staat eint und die Botschaft des Islam in die gesamte Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 51 Welt tr\u00e4gt. Weitere erkl\u00e4rte Ziele sind die Wiedereinf\u00fchrung der Scharia als Strukturprinzip der islamischen Ordnung, die Ausl\u00f6schung des Staates Israel und die Befreiung der muslimischen Welt von westlichen Einfl\u00fcssen. Unausweichlich sei dabei ein \"Kampf der Kulturen\", insbesondere zwischen Islam und Christentum. Ein Dialog zwischen den Kulturen, gepr\u00e4gt vom Prinzip der Gleichheit und Toleranz, sei mit dem Islam unvereinbar. Der Kampf sei sowohl auf ideologischer, wirtschaftlicher und politischer als auch auf milit\u00e4rischer Ebene zu f\u00fchren. Der milit\u00e4rische Kampf gegen die Ungl\u00e4ubigen sei im Sinn eines \"aktiven Djihads\" f\u00fcr jeden Muslim verpflichtend. Die Gliederung der Hizb ut-Tahrir in Europa orientiert sich an den GrenSignet der zen der Nationalstaaten. Innerhalb der einzelnen Regionen operiert die Hizb ut-Tahrir Hizb ut-Tahrir in voneinander unabh\u00e4ngigen Gruppen, \u00fcberwiegend in Universit\u00e4tsst\u00e4dten. Die Hizb ut-Tahrir verbreitete in Deutschland Flugbl\u00e4tter und Brosch\u00fcren in Deutsch, Arabisch, T\u00fcrkisch sowie in Urdu. Struktur und Ihre Anh\u00e4nger verteilten die Publikationen insbesondere an UniversiAktivit\u00e4ten in t\u00e4ten sowie im Umfeld von Moscheen und islamischen Zentren. Die Deutschland Hizb ut-Tahrir betrieb eine deutschsprachige Homepage und gab von 1993 bis zum Bet\u00e4tigungsverbot 2003 die deutschsprachige Zeitschrift \"explizit\" heraus. Das Bundesministerium des Innern verbot am 15. Januar 2003 die Bet\u00e4tigung der Hizb ut-Tahrir, da sich die Gruppierung gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richtete und Gewalt zur Durchsetzung politischer Belange bef\u00fcrwortete. Das Bundesverwaltungsgericht wies am 8. August die von den Anh\u00e4ngern der Hizb ut-Tahrir am 12. Februar 2003 erhobene Klage gegen das Bet\u00e4tigungsverbot ab Bet\u00e4tigungsverbot und best\u00e4tigte damit die Verbotsgr\u00fcnde. Im Tenor der Begr\u00fcndung hie\u00df es, die T\u00e4tigkeit der Hizb ut-Tahrir richte sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Die Organisation k\u00f6nne sich nicht auf den verfassungsrechtlichen Schutz einer Religionsbzw. Weltanschauungsgemeinschaft berufen. Wegen ihrer weltweiten Struktur, ihres ausgepr\u00e4gten konspirativen Verhaltens und des m\u00f6glichen Zugangs zu milit\u00e4rischen Waffenarsenalen stellt die Hizb ut-Tahrir ein nicht unbedeutendes Sicherheitsrisiko dar. In Bayern waren nur wenige Anh\u00e4nger von Hizb ut-Tahrir ans\u00e4ssig. Bekannt wurden Gruppen in Erlangen und M\u00fcnchen. Inzwischen verlie\u00dfen einige Aktivisten aufgrund der restriktiven Handhabung des Ausl\u00e4nderrechts Bayern und verlegten ihren Wohnsitz in andere Bundesl\u00e4nder oder ins Ausland. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","52 Ausl\u00e4nderextremismus 3.4 Ansar al-Islam Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 100 60 Anf\u00fchrer: bis Mitte 2002 Mullah Krekar ab Mitte 2002 Abu Adullah al-Shafi Gr\u00fcndung: September 2001 im Nordirak Islamistische Die Ansar al-Islam (Unterst\u00fctzer des Islam) vereinigte urspr\u00fcnglich Kurdenorganisaislamistische Kurden aus dem Nordirak mit dem Ziel, dort einen islamition aus dem schen Staat Kurdistan nach dem Beispiel der Taliban-Herrschaft in Nordirak Afghanistan zu errichten. Die Ansar al-Islam wurde im September 2001 gegr\u00fcndet und nannte sich anfangs Djund al-Islam. Im Dezember 2001 \u00fcbernahm der Iraker Najm al-Deen Faraj Ahmed Mahmoud, genannt Mullah Krekar, die F\u00fchrung der Djund al-Islam und \u00e4nderte den Namen der Gruppierung in Ansar al-Islam. Krekar scheint innerhalb der Ansar al-Islam keine F\u00fchrungsrolle mehr zu spielen, d\u00fcrfte aber weiterhin als spirituelle Leitfigur wirken. Als Nachfolger Krekars gilt sein fr\u00fcherer Stellvertreter Abu Adullah al-Shafi. Inzwischen ist die Ansar al-Islam durch ihr Zusammenwirken mit der irakischen Terrorgruppe um al-Zarqawi und deren Eingliederung in die al-Qaida-Bewegung Bestandteil des internationalen Terrornetzwerks. Sie hat sich deshalb auch f\u00fcr Islamisten anderer Volkszugeh\u00f6rigkeiten ge\u00f6ffnet. Ihre langfristige Strategie setzt auf den weltweiten \"Djihad\". Verbindungen Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida bestanden schon fr\u00fcher. So zur al-Qaida hielten sich f\u00fchrende Mitglieder der Ansar al-Islam in den 90er Jahren in Afghanistan auf. Dort wurden sie in Trainingslagern milit\u00e4risch ausgebildet und kamen mit dem Terrornetzwerk al-Qaida in Ber\u00fchrung. Der Kontakt blieb auch nach der R\u00fcckkehr aus Afghanistan bestehen. Nach der US-Intervention in Afghanistan nahm die Ansar al-Islam K\u00e4mpfer von Bin Ladin auf und unterst\u00fctzte sie. Zu dem Usama Bin Ladin-Vertrauten al-Zarqawi bestehen seither besonders gute Kontakte. Die Bindungen und pers\u00f6nlichen Verflechtungen zwischen al-Qaida, al-Zarqawi und Ansar al-Islam sind vor allem durch den gemeinsamen bewaffneten Kampf gegen die westlichen Truppen im Irak enger und intensiver geworden. Die Gruppierung mit urspr\u00fcnglich rund 600 bewaffneten K\u00e4mpfern konnte ab etwa 2001 ein Taliban-\u00e4hnliches Regime in einem kleinen Teil des irakischen Kurdengebiets errichten. Zu Beginn des Irak-Kriegs 2003 wurde dieses Gebiet von den USA aus der Luft angegriffen und dann von kurdischen Truppen der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) einVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 53 genommen. Viele K\u00e4mpfer der Ansar al-Islam entkamen in den nahe gelegenen Iran, sickerten nach Kriegsende jedoch wieder in den Irak ein und reorganisierten sich. Die Ansar al-Islam ist f\u00fcr eine Vielzahl von Terroranschl\u00e4gen im Irak mit Hunderten von Toten und Verletzten verantwortlich. Nach einer Entscheidung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen vom 24. Februar 2003 wurde die Ansar al-Islam deshalb als terroristische Vereinigung eingestuft. In Europa gibt es Anh\u00e4nger in Skandinavien, Gro\u00dfbritannien, FrankLogistik in Europa reich, Italien, Deutschland und in den Niederlanden. In Bayern sind in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Regensburg Anh\u00e4nger bekannt, die die Organisation u.a. durch Beschaffung von Geld und Ausr\u00fcstung unterst\u00fctzen. Seit Kriegsende reisten auch mehrere Mitglieder aus Bayern in den Irak; ein Teil von ihnen ist zwischenzeitlich wieder nach Bayern zur\u00fcckgekehrt. Am 14. Juni durchsuchte die Polizei 24 Objekte in ganz Deutschland, davon elf in Bayern. Dabei wurden drei Iraker festgenommen, zwei von ihnen in Bayern. Sie sind verd\u00e4chtig, vom Bundesgebiet aus Gelder f\u00fcr Exekutivma\u00dfdie Ansar al-Islam gespendet, gesammelt oder Hilfst\u00e4tigkeiten wie etwa nahmen und Kurierund Fahrerdienste f\u00fcr die Vereinigung ausgef\u00fchrt zu haben. Gerichtsverfahren Wegen ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur terroristischen Ansar al-Islam wurden bislang 20 Iraker ausgewiesen; 13 von ihnen haben zwischenzeitlich Deutschland verlassen. Weitere Ausweisungen gegen Ansar al-Islam-Anh\u00e4nger sind in Vorbereitung. Gegen zwei inhaftierte Ansar al-Islam-Anh\u00e4nger wurde inzwischen Anklage wegen Unterst\u00fctzung einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung erhoben. Am 10. November wurde vor dem Oberlandesgericht Stuttgart gegen mutma\u00dfliche Mitglieder der Terrorgruppe Ansar al-Islam Anklage wegen eines gescheiterten Attentatversuchs auf den ehemaligen irakischen Ministerpr\u00e4sidenten Dr. Ijad Allawi im Dezember 2004 erhoben. Angeklagt sind drei Iraker aus Augsburg, Berlin und Stuttgart. Als bundesweit ersten Fall verurteilte das Oberlandesgericht M\u00fcnchen am 12. Januar 2006 den Iraker Lokman Amin Mohammed wegen Mitgliedschaft in einer ausl\u00e4ndischen terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Er hatte als f\u00fchrendes Mitglied der Ansar al-Islam im s\u00fcddeutschen Raum u.a. Spendengelder gesammelt, gewerbsm\u00e4\u00dfige Einschleusungen von Irakern nach Deutschland erm\u00f6glicht und die Einreise von \"Djihad-K\u00e4mpfern\" in den Irak organisiert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","54 Ausl\u00e4nderextremismus 3.5 Tablighi Jamaat (TJ) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 150 Gr\u00fcndung: 1927 bei Delhi (Indien) Europazentrale: Dewsbury/Gro\u00dfbritannien Die TJ wurde von dem Religionsgelehrten Mawlana Muhammad Ilyas als pietistische Missionierungsbewegung gegr\u00fcndet. Seit ihren Urspr\u00fcngen ist sie eng mit der Islamischen Hochschule von Deoband/Indien verbunden. Die Gemeinschaft vertritt eine radikalisierte Form des strenggl\u00e4ubigen Islam indischer Pr\u00e4gung. Ziel der TJ ist die Islamisierung der Gesellschaft, um dadurch die EtabRadikal-islamische lierung eines islamischen Staates zu erreichen. Sie hat den Charakter Massenbewegung einer internationalen islamischen Massenbewegung, deren Anh\u00e4nger sich nicht einer festen Gruppierung zugeh\u00f6rig f\u00fchlen, sondern sich als konsequente Muslime mit missionarischem Auftrag ansehen. Ihre Anh\u00e4nger vertreten eine w\u00f6rtliche Auslegung des Korans und der Sunna, die Ausgrenzung der Frau und eine Abgrenzungspolitik gegen\u00fcber Nicht-Muslimen. Diese Bestrebungen wirken in nicht-muslimischen Gesellschaften zwangsl\u00e4ufig desintegrierend, so dass eine dauerhafte und ernsthafte Hinwendung zu westlichen Gesellschaftsordnungen, Wertvorstellungen und Integrationsmodellen nicht m\u00f6glich ist. Das Tragen von traditioneller Gebetskleidung und die bis in Details verbindlichen Verhaltensregeln im Alltag sollen die absolute Hinwendung zum Propheten Mohammed ausdr\u00fccken. \"MissionierungsCharakteristisch f\u00fcr die Anh\u00e4nger der TJ ist eine missionarische Reisereisen\" t\u00e4tigkeit, bei der sie Moscheen in ganz Europa aufsuchen. Die Missionierung dient der Rekrutierung neuer Mitglieder. Zur Ausbildung der Anh\u00e4nger geh\u00f6rt eine vier Monate dauernde Schulung, die vornehmlich in Koranschulen in Pakistan absolviert wird. Zur Missionierung nutzen ihre Anh\u00e4nger auch Moscheen, die keinen unmittelbaren Bezug zu TJ haben. Dazu dienen Veranstaltungen, bei denen die Anh\u00e4nger \u00fcber Tage oder Wochen hinweg beten, den Koran studieren und indoktriniert werden. Direkte Aufrufe zum \"Djihad\" werden dabei vermieden, jedoch dr\u00e4ngt sich bei den Teilnehmern der \"Djihad\" als konsequente Umsetzung des Islam auf. Die wenigsten Missionare verf\u00fcgen \u00fcber eine theologische Ausbildung. Durch die gemeinsame ideologische Basis mit militanten Gruppierungen besteht die Gefahr, dass die weltweiten Strukturen der Bewegung Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 55 von terroristischen Netzwerken genutzt werden. Von Einzelpersonen, die die Schulung der TJ durchlaufen haben, ist bekannt, dass sie sich terroristischen Gruppierungen angeschlossen haben. Ein Gremium von vier Personen leitet die TJ in Deutschland. Unter Leitung dieses Gremiums findet j\u00e4hrlich ein Deutschlandtreffen der TJ Deutschlandtreffen statt. Am diesj\u00e4hrigen Treffen vom 15. bis 17. April in Hamburg beteiligten sich rund 1.000 TJ-Anh\u00e4nger. Dabei wurden die Ziele f\u00fcr die weitere Missionsarbeit vorgegeben. Die Anh\u00e4nger wurden in doktrin\u00e4rer Art und Weise darauf eingeschworen, Menschen zum Islam zu bekehren, um den Einfluss des Islam zu vergr\u00f6\u00dfern. Die Organisation betreibt in Bayern zwei Moscheen in M\u00fcnchen und Pappenheim. In mehreren Moscheen konnte die TJ an Einfluss gewinnen. Aufenthaltsrechtliche Ma\u00dfnahmen bayerischer Beh\u00f6rden und die verst\u00e4rkte Medienberichterstattung f\u00fchrten zu einer Verunsicherung der deutschen TJ-Anh\u00e4nger. 3.6 Al-Tauhid Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: Einzelpersonen Ideologie: aggressiv-militante Forderung des \"Djihads\" Aufbau: keine Organisationsstruktur/ Zellenaufbau Der Name al-Tauhid (\"Bekenntnis zur Einheit und Einzigartigkeit Gottes\") steht nicht f\u00fcr eine spezifische Gruppierung, sondern ist ein Synonym f\u00fcr eine Bewegung von Aktivisten mit gleichartigem Gedankengut und bedeutet \"jeder, der an den einzigen, wahren Gott glaubt\". Al-Tauhid ist somit eine ideologisch-religi\u00f6s ausgerichtete Bewegung Gleichgesinnter, die auf der Grundlage eines aggressiv-gewaltbereiten Aggressive Islamismus den weltweiten \"Djihad\" aller Glaubensbr\u00fcder f\u00f6rdert und islamische unterst\u00fctzt. Sitz der Bewegung al-Tauhid in Europa soll Gro\u00dfbritannien Bewegung sein. Ihr geistiger F\u00fchrer Abu Qutada mit Wohnsitz in London/Gro\u00dfbritannien wurde 2002 in London verhaftet. Die Londoner Moschee von Abu Qutada war in der Vergangenheit Anlaufstelle f\u00fcr mutma\u00dfliche \"Gotteskrieger\" aus ganz Europa. Al-Tauhid tritt auch im Gefolge von mutma\u00dflich terroristischen Bewegungen in Erscheinung, beispielsweise der \u00e4gyptisch-terroristischen DjiVerbindung zu had Islami. Auch wurden Kontakte von al-Tauhid-Anh\u00e4ngern zu andeTerrorgruppen ren Djihad-Gruppen, wie z.B. der Ansar al-Islam (vgl. auch Nummer 3.4 dieses Abschnitts), festgestellt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","56 Ausl\u00e4nderextremismus Sp\u00e4testens im September 2001 hatte sich in Deutschland eine selbst\u00e4ndige, nach au\u00dfen abgeschottete, konspirativ arbeitende Zelle der al-Tauhid gebildet. Deren Anf\u00fchrer hatte sich von Dezember 1999 bis Mai 2001 in Afghanistan zu einer milit\u00e4rischen Ausbildung aufgehalten. Danach hatte er zusammen mit vier Angeh\u00f6rigen seiner Zelle Anschl\u00e4ge gegen j\u00fcdische Einrichtungen in Deutschland vorbereitet. Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte ihn deswegen am 26. November 2003 wegen Mitgliedschaft in der terroristischen Vereinigung al-Tauhid zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Gegen die vier Mitt\u00e4ter verh\u00e4ngte das Gericht am 26. Oktober 2005 Haftstrafen zwischen f\u00fcnf und acht Jahren (vgl. auch Nummer 2.5 dieses Abschnitts). 3.7 Hizb Allah (Partei Gottes) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Publikation: \"al-Intiqad\" (Die Kritik) Die Hizb Allah (auch: Hisbollah/Hizbollah) ist eine auf Initiative des Irans gegr\u00fcndete schiitische Partei, die seit 1992 im libanesischen Parlament vertreten ist. Sie wird vom Iran finanziell, materiell und ideologisch unterst\u00fctzt. Zu ihr geh\u00f6ren verschiedene Wohlfahrtsorganisationen sowie der \"Islamische Widerstand\" (Muqawame Islamiya), der als milit\u00e4rischer Arm der Organisation insbesondere den bewaffneten Kampf gegen israelische Milit\u00e4reinheiten im libanesisch-israelischen Grenzgebiet f\u00fchrte. Auch nach dem R\u00fcckzug der israelischen Truppen aus der Sicherheitszone im Libanon im Mai 2000 kam es noch zu Signet der vereinzelten Gefechten. Hizb Allah Das langfristige Ziel der Hizb Allah ist die Zerst\u00f6rung des Staates Israel und die \"Herrschaft des Islam\" \u00fcber Jerusalem. Kurswechsel Die von der Hizb Allah fr\u00fcher geforderte Errichtung einer \"Islamischen Republik\" im Libanon nach dem Beispiel des Irans genie\u00dft heute keine Priorit\u00e4t mehr. Vielmehr bekundet die Organisation ihre Bereitschaft, sich in das politische System des Libanon zu integrieren, um dort durch politische Aktivit\u00e4ten gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren. So konnte bei den libanesischen Parlamentswahlen 2005 die prosyrische Allianz aus Hizb Allah und Amal im S\u00fcden des Landes alle Mandate f\u00fcr sich erringen. Diesen Wahlsieg wertete die Hizb Allah als klares Votum der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den Widerstand gegen Israel und die USA sowie Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 57 gegen die UN-Resolution vom September 2004, die die Entwaffnung aller libanesischen Milizen fordert. In einer am 22. Januar 2006 im libanesischen Fernsehen ausgestrahlten Rede betonte deshalb der Generalsekret\u00e4r der Hizb Allah, Scheich Hassan Nasrallah, dass der \"Islamische Widerstand\" seine Waffen niemals und unter keinen Umst\u00e4nden abgeben werde. Die Waffen seien ihnen \"heilig\". Er drohte, gegen jeden, der eine Entwaffnung w\u00fcnsche, mit allen zur Verf\u00fcgung stehenden Ablehnung der Mitteln bis zum letzten Blutstropfen vorzugehen. Der bewaffnete Kampf Entwaffnung gegen Israel zur Verteidigung des Libanon m\u00fcsse fortgef\u00fchrt werden. Die Aktivit\u00e4ten der in Deutschland lebenden Hizb Allah-Anh\u00e4nger erreichten auch 2005 nicht mehr die Intensit\u00e4t fr\u00fcherer Jahre. Das Interesse an aktiver Mitarbeit in Moscheevereinen oder der Teilnahme an Veranstaltungen hat seit den Terroranschl\u00e4gen in den USA am 11. September 2001 laufend abgenommen. Selbst der Jahrestag des Abzugs der israelischen Armee aus dem S\u00fcdlibanon (\"Tag der Befreiung\", 23. Mai) fand bei den in Bayern lebenden Schiiten libanesischer Herkunft nur noch wenig Beachtung. In Bayern sind nur einzelne Anh\u00e4nger der Hizb Allah bekannt. 3.8 Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa), Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) Deutschland Bayern Mitglieder/Anh\u00e4nger: 150 30 Gr\u00fcndung: Dawa 1958 im Irak; IIGD 1997 in K\u00f6ln Die schiitische Dawa (\"Partei des islamischen Rufs / der islamischen MisIslamistische Opposion\") war die \u00e4lteste und bedeutendste Oppositionsbewegung im Irak. sitionsbewegung Sie forderte den Sturz des Hussein-Regimes und strebte ein islamisim Irak tisches Staatsund Gesellschaftssystems an. Ihre Anh\u00e4nger haben sich in Deutschland in der IIGD zusammengeschlossen. Die IIGD, die nach au\u00dfen lediglich religi\u00f6se Ziele verfolgt, wird ma\u00dfgeblich durch die Dawa beeinflusst. Hauptaufgabe der IIGD in Deutschland ist es, m\u00f6glichst viele, auch unpolitische, Mitglieder aus den Reihen der irakischen Schiiten zu gewinnen. Mehrere ranghohe Dawa-Funktion\u00e4re sind nach Kriegsende aus ihrem europ\u00e4ischen Exil in den Irak zur\u00fcckgekehrt. In der Folge entstanden mehrere Fraktionen der Dawa, die unterschiedliche Auffassungen \u00fcber die Zukunft des Iraks und vor allem \u00fcber die Zusammenarbeit mit den USA vertreten. Das Spektrum reicht von der Forderung nach enger Kooperation bis zur Ablehnung jeglicher Zusammenarbeit. Ehemalige und aktive Mitglieder Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","58 Ausl\u00e4nderextremismus der Dawa arbeiteten in der \u00dcbergangsregierung mit, die von Juni 2004 bis Januar 2005 bestand. Am 30. Januar fanden im Irak die ersten freien Wahlen seit dem Sturz Saddam Husseins statt. Das von Gro\u00dfajatollah Ali al-Sistani unterst\u00fctzte schiitische Wahlb\u00fcndis \"Vereinigte Irakische Allianz\" unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung der Dawa ging mit knapp Wahlerfolg 48 % der Stimmen als Sieger aus den Wahlen hervor, verfehlte jedoch die absolute Mehrheit. Die Schiiten stellen mit 13 von insgesamt 25 Mitgliedern die st\u00e4rkste Fraktion im Regierenden Rat. Im Anschluss an die Wahlen wurde Dr. Ibrahim al-Dschafari, der ehemalige Europa-Verantwortliche der Dawa, zum Ministerpr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt. Nach Jahrzehnten der Unterdr\u00fcckung hat die schiitische Mehrheit, die rund 60 % der irakischen Bev\u00f6lkerung ausmacht, nun erstmals politischen Einfluss. Die neue Verfassung bezeichnet den Islam als Staatsreligion und Hauptquelle der Rechtssch\u00f6pfung. Kein Gesetz darf zu den \"unbestrittenen Regeln des Islam\" im Widerspruch stehen. Bei einem Referendum am 15. Oktober wurde die Verfassung mit 79 % der abgegebenen Stimmen angenommen. Die in Bayern lebenden Anh\u00e4nger und Sympathisanten der islamistischen Dawa bzw. der IIGD lehnen gewaltsame Aktionen ab und treten \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung. 3.9 Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 250 Einzelpersonen Anf\u00fchrer: Gulbuddin Hekmatyar Gr\u00fcndung: 1973 in Afghanistan Die HIA ist eine Gruppierung \u00fcberzeugter Islamisten, die im Zusammenwirken mit verbliebenen Talibanund al-Qaida-K\u00e4mpfern die von der westlichen Allianz gest\u00fctzte afghanische Regierung bek\u00e4mpft. Sie will Islamistisches in Afghanistan einen islamischen Staat errichten und die Scharia einStaatswesen f\u00fchren. Hekmatyar, der 1996 f\u00fcr kurze Zeit Regierungschef Afghanisals Ziel tans war, rief in einer Erkl\u00e4rung gegen\u00fcber einer Nachrichtenagentur am 23. Februar 2003 zu Selbstmordanschl\u00e4gen gegen Amerikaner auf. Er sagte, er sei stolz darauf, von den USA als Terrorist bezeichnet zu werden. Weiter f\u00fchrte er aus: \"Ich fordere alle Muslime der Welt auf, einen Guerillakrieg mit Selbstmordangriffen zu f\u00fchren. (...) Jetzt ist nicht die Zeit von Gruppenangriffen in gro\u00dfem Stil, sondern eher die individueller Attacken.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 59 Die HIA war zu den afghanischen Parlamentswahlen im September nicht zugelassen. 3.10 Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) Anh\u00e4nger/Besucher: bis zu 300 - vorwiegend iranischer, irakischer und libanesischer Nationalit\u00e4t Vorsitzender: Mahmoud Khalilzadeh Gr\u00fcndung: 1994 in M\u00fcnchen Sitz: M\u00fcnchen Eigent\u00fcmer: Islamisches Zentrum Hamburg (IZH) seit Oktober 2003 Bis heute ist die Bewahrung der einst vom iranischen Revolutionsf\u00fchrer Ajatollah Khomeini propagierten Idee der \"Islamischen Revolution\" im Iran sowie deren internationale Verbreitung wesentlicher Bestandteil Iranischer \"Revoluder iranischen Politik. Der Iran unterst\u00fctzt daher eine Vielzahl islamitionsexport\" scher und islamistischer Bewegungen und Organisationen vor allem im Nahen und Mittleren Osten. Der \"Export der Revolution\" in diese L\u00e4nder, die zu lernen h\u00e4tten, \"mit der Hilfe Gottes zur Revolution zu gelangen\", ist in der iranischen Verfassung vorgeschrieben. Auch islamische Zentren und Moscheen in Deutschland dienen im Sinn dieses \"Revolutionsexports\" als Foren f\u00fcr Versuche der Einflussnahme durch den Iran. Eines dieser Zentren ist die IVB. Die IVB ist Tr\u00e4gerin der schiitisch-iranischen Moschee in M\u00fcnchen und geh\u00f6rt zu den bedeutendsten schiitisch-extremistischen Zentren iranischer Pr\u00e4gung in S\u00fcddeutschland. Sie ist dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH) unmittelAnbindung der bar nachgeordnet. Das IZH gilt europaweit als hochrangige VerbinIVB an das IZH dungsstelle der Islamischen Republik Iran. Die IVB dient als Multiplikator schiitischen islamistischen Gedankenguts innerhalb muslimischer Gemeinschaften in Bayern. Wichtigstes Ziel ist es, im Auftrag der iranischen F\u00fchrung in deren Sinn auf Besucher einzuwirken und deren politische und religi\u00f6se Einstellung zu beeinflussen. Da der Iran keine Trennung von Staat und Religion kennt, hat die religi\u00f6se Arbeit des Vereins auch eine politische Komponente. Die Interpretation des Korans im Sinn der Ideologie Khomeinis wird in Veranstaltungen wie z.B. Freitagsgebeten, religi\u00f6sen Feiern sowie Vortr\u00e4gen von Mullahs aus den Heimatl\u00e4ndern verbreitet. Der Verein gilt als Anlaufstelle f\u00fcr Anh\u00e4nger islamistischer Organisationen wie z.B. der irakischen Hizb al-Dawa al-Islamiya bzw. der Islamisch-Irakischen Gemeinschaft Deutschland e.V. oder der libanesischen Hizb Allah. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","60 Ausl\u00e4nderextremismus 3.11 T\u00fcrkische islamistische Gruppierungen 3.11.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) Deutschland Bayern Mitglieder: 26.000 4.800 Vorsitzender: Osman D\u00f6ring genannt Yavuz Celik Karahan Gr\u00fcndung: 1985 in K\u00f6ln als \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT); 1995 Aufteilung in die beiden unabh\u00e4ngigen juristischen Personen \"Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V.\" (IGMG) und \"Europ\u00e4ische Moscheebauund Unterst\u00fctzungsgemeinschaft\" (EMUG) Sitz: Kerpen Publikationen: \"Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive\"; als Sprachrohr dient auch die t\u00fcrkische Tageszeitung \"Milli Gazete\" (Nationale Zeitung) Die IGMG ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der in der T\u00fcrkei verbotenen Tugendpartei (FP) und deren Nachfolgeorganisation, der islamistischen Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP). Sie verf\u00fcgt \u00fcber rund 500 Ortsgruppen in Deutschland. In Bayern ist der Verband mit 70 Ortsgruppen vertreten. Die Schwerpunkte liegen in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Die Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung will trotz vieler offizieller gegenteiliger \u00c4u\u00dferungen die laizistische Staatsordnung in der T\u00fcrkei durch eine islamische Staatsund Gesellschaftsordnung mit dem Koran als Emblem Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex des gesellschaftder IGMG lichen Zusammenlebens abl\u00f6sen. Ihr Fernziel ist die weltweite Islamisierung. Sie orientierte sich an der Politik der am 22. Juni 2001 vom t\u00fcrkischen Verfassungsgericht wegen \"anti-laizistischer Aktivit\u00e4ten\" verbotenen FP. Aus der FP gingen zwei Nachfolgeorganisationen hervor: Im Juli 2001 gr\u00fcndeten die Anh\u00e4nger des fr\u00fcheren t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Prof. Necmettin Erbakan die SP, an der sich die IGMG jetzt ideologisch orientiert und die sie bei der Parlamentswahl 2002 massiv unterst\u00fctzte. Im August 2001 wurde von Recep Tayyip Erdogan die Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei (AKP) in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Der fr\u00fchere B\u00fcrgermeister von Istanbul macht f\u00fcr sich eine Abkehr vom Islamismus geltend. Seinen Verlautbarungen zufolge soll die AKP keine islamische Partei im traditionellen Sinn sein, sondern eine konservative Gruppierung. Verh\u00e4ltnis zur AKP Die IGMG-F\u00fchrung unter Leitung des im Dezember 2002 gew\u00e4hlten Vorsitzenden Karahan ist seit der Niederlage der SP bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen 2002 und der Regierungsbildung durch die AKP Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 61 bem\u00fcht, sich gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Regierung als wichtige Organisation zur Wahrung t\u00fcrkischer Interessen in Deutschland darzustellen. So bot im Dezember 2002 der IGMG-Generalsekret\u00e4r Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc dem damaligen t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Abdullah G\u00fcl und dem AKP-Gr\u00fcnder Recep Tayyip Erdogan Unterst\u00fctzung an. Die IGMG sei eine wichtige Br\u00fccke zwischen der T\u00fcrkei und Europa. Der Weg zur EU f\u00fchre \u00fcber Milli G\u00f6r\u00fcs. Die t\u00fcrkische Regierung griff dieses Angebot auf und strich die IGMG von einer Liste von staatsfeindlichen Organisationen. Es gelte, die Extremisten in der IGMG zu beobachten und die Masse der Mitglieder, die ihrem Staat verbunden sind, nicht zu entfremden. In der Folgezeit verst\u00e4rkten sich die Beziehungen zwischen der IGMG und Repr\u00e4sentanten der AKP sowie regierungsnahen Einrichtungen und Organisationen. Gleichwohl ist weiterhin eine starke ideologische Orientierung der IGMG an der islamistischen Programmatik der SP festzustellen. Die IGMG versucht, den Eindruck einer blo\u00dfen Religionsgemeinschaft Taktisch bedingte und einer verfassungstreuen Organisation zu erwecken, die sich ausZur\u00fcckhaltung schlie\u00dflich um die religi\u00f6sen und sozialen Bed\u00fcrfnisse der t\u00fcrkischen Muslime in Deutschland k\u00fcmmert. Im Gegensatz zu anderen islamistischen Organisationen ist die IGMG schon seit Jahren um ein rechtlich unangreifbares Erscheinungsbild bem\u00fcht. Sie gibt vor, nur verfassungskonforme Ziele zu verfolgen und sucht den interreligi\u00f6sen Dialog. Die Beziehungen der IGMG zur SP werden in der \u00d6ffentlichkeit bagatellisiert und nur gelegentlich sichtbar. Wie eng die Beziehungen tats\u00e4chlich sind, l\u00e4sst sich jedoch an Hand von Unterlagen belegen, die bei einer Durchsuchung im September 2004 in der IGMG-Gebietszentrale S\u00fcdbayern gefunden wurden. Auf einem dabei sichergestellten Plakat aus dem Jahr 2003 wirbt der Gebietsvorsitzende der IGMG S\u00fcdbayern f\u00fcr sich als B\u00fcrgermeisterkandidat der SP in der t\u00fcrkischen Stadt G\u00fcr\u00fcn. In einem Flugblatt behauptet die SP, die einzige Vertreterin der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung zu sein. Ziel sei die Schaffung einer Gro\u00dft\u00fcrkei bzw. Gr\u00fcndung einer neuen Welt. Das Bem\u00fchen der IGMG um gesellschaftliche Akzeptanz f\u00fchrte bei Losl\u00f6sung von mehreren Ortsvereinen zur Annahme von neutralen Bezeichnungen, die Ortsvereinen die Zugeh\u00f6rigkeit der Vereine zur IGMG nicht mehr erkennen lassen. Solche Vereine geben sich Satzungen, die formal keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf die IGMG mehr zulassen. So erkl\u00e4rte ein Vereinsvertreter der bisherigen IGMG Alzenau im Jahr 2004, sein Verein sei frei und ungebunden. Vor den B\u00fcror\u00e4umen des Ortsvorstands befanden sich jedoch zum selben Zeitpunkt ein Werbeplakat der Tageszeitung \"Milli Gazete\", Brosch\u00fcren des IGMG-Bestattungsfonds Cenaze Fonu und eine \u00dcbersicht Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","62 Ausl\u00e4nderextremismus der Vorstandsmitglieder in t\u00fcrkischer Sprache, die die Moschee des Vereins als eine Filiale des IGMG-Gebiets Hessen auswies. Auch der F\u00fcrstenfeldbrucker Verein \"Deutsch-T\u00fcrkisches Kulturzentrum e.V.\" behauptet, sich schon seit mehreren Jahren von der IGMG gel\u00f6st zu haben. 1999 war der Ortsverein der IGMG in F\u00fcrstenfeldbruck aufgel\u00f6st worden und ein neuer Verein mit dem Namen \"Deutsch-T\u00fcrkisches Kulturzentrum e.V.\" gegr\u00fcndet worden, wobei die Vorstandsmitglieder des aufgel\u00f6sten IGMG-Vereins in den Vorstand des neuen Vereins \u00fcbernommen wurden. \"Familientag\" der Am 14. und 15. Mai veranstaltete die IGMG auf dem Gel\u00e4nde ihrer IGMG Europazentrale in Kerpen/Nordrhein-Westfalen den diesj\u00e4hrigen \"Familientag\", zu dem mehr als 15.000 Besucher erschienen. Das Programm wurde von t\u00fcrkischer Folklore und osmanischer Musik umrahmt. Im Mittelpunkt standen Vortr\u00e4ge \u00fcber die Rolle des Islam in Europa, die Familie und soziale Themen. Der Generalsekret\u00e4r der IGMG Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc referierte \u00fcber die Geschichte und Zukunft der IGMG. Er sprach sich f\u00fcr den verst\u00e4rkten Bau von Moscheen aus und unterstrich die Bedeutung der IGMG f\u00fcr die Bewahrung und Pflege der Religion. Der IGMG-Vorsitzende Yavuz Celik Karahan betonte den Stellenwert des Korans sowie der Propheten\u00fcberlieferung und distanzierte sich vom islamistischen Terrorismus. Ein einflussreicher t\u00fcrkischer Funktion\u00e4r kritisierte den Kurs des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Erdogan, da dessen Politik ausschlie\u00dflich an den USA orientiert sei und er Kontakte zu Israel unterhalte. An Informationsst\u00e4nden wurden Flugbl\u00e4tter, Brosch\u00fcren und B\u00fccher der IGMG und ihrer Nebenorganisationen angeboten. Am 17. Dezember veranstaltete die IGMG in der Saturn-Arena in Ingolstadt eine Koranlesung, die etwa 4.000 bis 5.000 Personen aus Deutschland besuchten. Neben Mitgliedern und Funktion\u00e4ren der IGMG nahmen auch Anh\u00e4nger des verbotenen \"Kalifatsstaats\" und Vertreter des Verbands Islamischer Kulturzentren e.V. (VIKZ) teil. Die H\u00e4lfte aller Besucher waren Jugendliche. Sowohl bei den Einund Ausg\u00e4ngen als auch innerhalb der Halle herrschte strikte Geschlechtertrennung. Der IGMG-Generalsekret\u00e4r Oguz \u00dcc\u00fcnc\u00fc warb in seiner Rede f\u00fcr die Ziele der IGMG. Nach den Auftritten namhafter Rezitatoren aus der T\u00fcrkei, Deutschland, \u00c4gypten und Afrika wurde zu Spenden aufgerufen. Daneben wurden B\u00fccher, Kassetten und CDs zum Verkauf angeboten. Haltung zum Nach wie vor ist die IGMG bem\u00fcht, in der \u00d6ffentlichkeit eindeutige AusDjihad sagen zum \"Djihad\" zu vermeiden. Bei internen Veranstaltungen der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 63 IGMG wird dieser Grundsatz jedoch nicht immer eingehalten, wie die Predigt eines Gastredners am 8. Juli zeigt: \"Diejenigen, die den Koran aufmerksam lesen, werden verstehen, dass sie keine Armseligen sind, die unter der Macht der Ungl\u00e4ubigen leben. Denn der Koran verlangt von ihnen eine unabh\u00e4ngige freie Verwaltung. Er verlangt sogar, daf\u00fcr sein Leben zu opfern. Um ein Muslim zu sein, gen\u00fcgt es nicht, den Titel Muslim zu tragen. (...) Der Muslim muss sich bem\u00fchen, die Religion Allahs an die Macht zu bringen.\" Die IGMG bestreitet immer wieder, dass die \"Milli Gazete\" ihr publizis\"Milli Gazete\" tisches Sprachrohr sei. Das Verwaltungsgericht Stuttgart hatte jedoch als Sprachrohr am 9. Juli 2004 best\u00e4tigt, dass sich Programm und Zielsetzung von der IGMG \"Milli Gazete\" und IGMG decken. Dies machte die \"Milli Gazete\" in ihrer Ausgabe vom 1. M\u00e4rz erneut deutlich. Sie bekr\u00e4ftigte ihr Bekenntnis zur Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung, indem sie erkl\u00e4rte, dass sie f\u00fcr die \"gerechte Wirtschaftsordnung\" eintrete. Die Befreiung der gesamten Menschheit h\u00e4nge u.a. von der Wiedererrichtung einer \"Gro\u00df-T\u00fcrkei\" und einer \"neuen Welt\" unter F\u00fchrung von Milli G\u00f6r\u00fcs ab. Vereinzelt distanziert sich zwar die IGMG von Artikeln der Zeitung, jedoch f\u00fchren IGMG und \"Milli Gazete\" gemeinsame Veranstaltungen durch, auf denen f\u00fcr das Blatt geworben wird. Die N\u00e4he von IGMG und \"Milli Gazete\" zeigt sich nach wie vor am Gesamtbild der Berichterstattung. So erschienen nach dem Tod der Ehefrau von Prof. Necmettin Erbakan in der \"Milli Gazete\" vom 24. Oktober gro\u00dfformatige Traueranzeigen, in denen der IGMG-Vorstand und der IGMG-Vorsitzende Yavuz Celik Karahan dem F\u00fchrer der Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung ihr Beileid bekundeten. Dies belegt die enge Verbindung der IGMG zu Prof. Erbakan und zur \"Milli Gazete\" erneut. Auch Kinder der IGMG-Mitglieder werden bereits in Lehrb\u00fcchern auf die \"Milli Gazete\" hingewiesen. Am 30. September 2004 und am 14. April 2005 durchsuchte die Polizei Durchsuchungsdie IGMG-Zentrale S\u00fcdbayern in M\u00fcnchen. Vorangegangen waren bei der aktionen Durchsuchung im September 2004 Ermittlungen wegen Volksverhetzung gegen einen noch unbekannten Imam, der im Februar 2004 zur T\u00f6tung von Juden und Christen aufgerufen haben soll. Bei der Durchsuchung am 14. April war nicht nur die IGMG-Zentrale S\u00fcdbayern betroffen, sondern auch Objekte des Islamischen Zentrums M\u00fcnchen (IZM) und der Islamischen Gemeinde N\u00fcrnberg (IGN). Anlass dieser Exekutivma\u00dfnahmen waren die Ermittlungen gegen zwei Personen wegen des Verdachts der Geldw\u00e4sche. Die IGMG ist in diesem Verfahren nicht beschuldigt. Bei der Durchsuchung am 30. September 2004 wurden mehrere Computer sowie zahlreiche B\u00fccher, Videokassetten und CDs beschlagnahmt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","64 Ausl\u00e4nderextremismus Darunter befanden sich Ver\u00f6ffentlichungen \u00fcber Prof. Necmettin Erbakan, die islamistischen Parteien der T\u00fcrkei und die Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung. In den beschlagnahmten B\u00fcchern wird die Feindschaft gegen Juden, Freimaurer und Christen sowie die Ablehnung des Westens und der Demokratie sichtbar. Weitere beschlagnahmte Publikationen betonen die Bedeutung des \"Djihads\" und die Allgemeing\u00fcltigkeit des Islam. Das Medienangebot der IGMG-S\u00fcdbayern belegt, dass die F\u00fchrung des Verbands der Ideologie Prof. Erbakans und dessen Saadet Partisi (SP) treu ergeben ist. Medienangebot Neben einem umfangreichen Buchsortiment wurden auch Videokassetder IGMG ten zur Verbreitung vorr\u00e4tig gehalten. Beispielhaft ist hier der auf Kinder zugeschnittene Zeichentrickfilm \"K\u00fcc\u00fck M\u00fccahid\" (Der kleine Glaubensk\u00e4mpfer) zu nennen, der Kindern den (bewaffneten) Guerillakampf gegen \"Besatzer\" vermittelt; derselbe Zeichentrickfilm wurde auch bei Anh\u00e4ngern des verbotenen \"Kalifatsstaats\" aufgefunden. Bemerkenswert ist, dass die IGMG-Zentrale S\u00fcdbayern auch ein Propagandavideo der pal\u00e4stinensischen Widerstandsbewegung HAMAS vorr\u00e4tig hielt. Mit einem breiten Angebot in der Jugendund Sozialarbeit versucht die IGMG, junge T\u00fcrken in Deutschland an die Organisation zu binden. So f\u00fchrte die IGMG wie bisher Sommerkorankurse durch. Diese so genannten \"Sommerschulen\" sind eingebettet in ein von der IGMG-Zentrale verabschiedetes Bildungsprogramm. Dazu geh\u00f6rt auch Islamunterricht ab dem Kindergarten bis zur 8. Klasse. Bei einer Veranstaltung am 25. Juli 2004 in Neu-Ulm zum Thema \"SituaKinderund tion muslimischer Kinder im deutschen Bildungssystem\" warb die IGMG Jugendarbeit sogar f\u00fcr eigene muslimische Kinderg\u00e4rten. Durch diese Angebote sollen Kinder und Jugendliche aus dem \"Sumpf der westlichen Lebensweise\" herausgehalten und nach \"islamischen\" Wertma\u00dfst\u00e4ben erzogen werden. 3.11.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 800 120 fr\u00fcherer Vorsitzender: Metin Kaplan Gr\u00fcndung: 1984 Sitz: K\u00f6ln Publizistisches Sprachrohr: \"Barika-I Hakikat\" (Aufleuchten der Wahrheit) In Deutschland seit 12. Dezember 2001 verboten Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 65 Der \"Kalifatsstaat\" (Hilafet Devleti) war eine am F\u00fchrerprinzip orientierte, streng hierarchisch gegliederte Organisation. Das Endziel dieses \"Staates ohne Staatsgebiet\" war die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Als erste Stufe auf dem Vereinsverbot Weg zu diesem Ziel erstrebte der \"Kalifatsstaat\" den gewaltsamen Sturz des laizistischen Regierungssystems in der T\u00fcrkei. Er lehnte Demokratie und jede Trennung von Politik und Religion strikt ab. Damit richtete er sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung sowie den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und gef\u00e4hrdete die Innere Sicherheit in Deutschland. Das Bundesministerium des Innern verbot deshalb am 12. Dezember 2001 die Vereinigung \"Kalifatsstaat\" mit 17 ihrer Teilorganisationen, darunter alle vier bayerischen Verb\u00e4nde. Am 19. September 2002 wurden weitere 16 Teilorganisationen des \"Kalifatsstaats\" vom Bundesministerium des Innern verboten. Das Bundesverwaltungsgericht best\u00e4Emblem des tigte am 27. November 2002 die Verbote. Kalifatsstaats Der als \"Kalif von K\u00f6ln\" bekannt gewordene Islamistenf\u00fchrer und fr\u00fchere Vorsitzende des \"Kalifatsstaats\" Metin Kaplan, der wegen Mordaufrufs eine vierj\u00e4hrige Gef\u00e4ngnisstrafe in Deutschland verb\u00fc\u00dft hatte, wurde 2004 in die T\u00fcrkei abgeschoben. Dort wurde er am 20. Juni wegen Landesverrats und versuchter Terroranschl\u00e4ge von einem Gericht in Istanbul zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Am 2. Dezember hob das zust\u00e4ndige Berufungsgericht in Istanbul das Urteil auf und verwies den Fall zur Neuverhandlung zur\u00fcck. Ungeachtet der Verbotsverf\u00fcgungen versuchten ehemalige Mitglieder des \"Kalifatsstaats\", sowohl organisatorische Zusammenh\u00e4nge aufrecht zu erhalten als auch die Lehren des \"Kalifen\" weiterhin zu verbreiten. Zu diesem Zweck wurden nach 2002 die Publikationen \"Asr-I Saadet\" Publikationen und \"D.I.A.\" (Die Islamische Alternative) herausgegeben, die nach Inhalt und Diktion dem verbotenen \"Kalifatsstaat\" zuzuordnen waren. Beide Zeitungen haben ihr Erscheinen inzwischen eingestellt. Die Nachfolgepublikation \"Barika-I Hakikat\" (Aufleuchten der Wahrheit) besch\u00e4ftigt sich vor allem mit der \"politischen Vorherrschaft Israels und der USA\" sowie mit dem Pal\u00e4stina-Konflikt. Am 23. November wurden eine Moschee und 25 Wohnungen von Anh\u00e4ngern des \"Kalifatsstaats\" durchsucht. Gegen die Betroffenen besteht der Verdacht der strafbaren Fortf\u00fchrung von Vereinsaktivit\u00e4ten. In den Regionen Ingolstadt und Schwabach waren 22 Wohnungen und eine Moschee betroffen. Dort konnte umfangreiches Material sicherVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","66 Ausl\u00e4nderextremismus gestellt werden, so u.a. Literatur des \"Kalifatsstaats\", PCs, Flugbl\u00e4tter, Fahnen und Videos. Die auch nach dem Verbot durchgef\u00fchrten umfangreichen Exekutivma\u00dfnahmen gegen Anh\u00e4nger des \"Kalifatsstaats\" sowie die Abschiebung des fr\u00fcheren \"Kalifen\" Metin Kaplan und seine Verurteilung in der T\u00fcrkei haben den organisatorischen Zusammenhalt in Bayern nachhaltig geschw\u00e4cht. Die Aktivit\u00e4ten der Anh\u00e4nger sind stark zur\u00fcckgegangen. 4. Verbote sonstiger islamistischer Organisationen 4.1 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) Bayern Mitglieder: 40 Vorsitzender: Ramez Aly Gr\u00fcndung: 21.06.1996 Sitz: Neu-Ulm Publizistisches Sprachrohr: \"Denk mal Islamisch\" (DmiZ) Seit 28. Dezember 2005 verboten Am 28. Dezember wurde das MKH vom Bayerischen Staatsministerium Vereinsverbot des Innern verboten, das Vereinsverm\u00f6gen beschlagnahmt und ein zugeh\u00f6riges Grundst\u00fcck eingezogen. Vom MKH gingen Bestrebungen aus, die sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richteten. Das MKH war ein vorwiegend in Bayern t\u00e4tiger und in Baden-W\u00fcrttemberg vereinsrechtlich eingetragener Verein. Die Szene im Umfeld des MKH war bereits seit l\u00e4ngerer Zeit im Blickfeld der bayerischen und baden-w\u00fcrttembergischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Am 12. Januar f\u00fchrte eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Ermittlungsgruppe polizeiliche Durchsuchungen wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung durch. Am 18. Februar folgten Durchsuchungen u.a. des MKH im Rahmen eines gewerberechtlichen Ermittlungsverfahrens. Im Februar und Hassprediger im Juni wurden Hassprediger des MKH von Bayern und Baden-W\u00fcrttemim MKH berg nach \u00c4gypten abgeschoben. Am 23. September schlie\u00dflich wurden die R\u00e4umlichkeiten des Vereins, der Vereinssitz in Neu-Ulm sowie f\u00fcnf Privatwohnungen von ma\u00dfgeblich Verantwortlichen des Vereins in Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern im Rahmen eines vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahrens durchsucht. Es bestand der Verdacht, dass im Umfeld des MKH islamistisches Gedankengut verbreitet und f\u00fcr den Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 67 \"bewaffneten Djihad\" geworben wird. Dieser Verdacht best\u00e4tigte sich bereits nach Auswertung eines nur kleinen Teils des am 23. September sichergestellten Materials in vollem Umfang. Neben umfangreichem Schriftgut wurden auch zahlreiche verfassungsfeindliche Inhalte in Bild, Ton und Film sichergestellt. Die im MKH zu Unterrichtszwecken eingesetzten Lehrb\u00fccher und verbreiteten Publikationen, die in der Bibliothek des MKH zum Verleih oder Verkauf an Mitglieder und Besucher vorgehaltenen Medien, die bei Funktion\u00e4ren sichergestellten Medien, die \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen von Funktion\u00e4ren sowie die Freitagsgebete im MKH waren gepr\u00e4gt von einer massiven, gebetsm\u00fchlenartigen Hetze gegen die parlamentarische Demokratie, gegen Andersgl\u00e4ubige, gegen Juden und den Staat Israel und beinhalteten offene Aufrufe zur Bek\u00e4mpfung bzw. T\u00f6tung Antisemitismus Andersgl\u00e4ubiger und zur Vernichtung der Juden bzw. des Staates Israel. und Djihadismus Der \"Djihad\" wurde durchwegs als individuelle Pflicht jedes Muslim im MKH propagiert. Die folgenden Beispiele geben hierzu einen exemplarischen Einblick: In einem in der Bibliothek aufliegenden Taschenbuch \"Glaubenslehre Medienangebot der sunnitischen Gemeinschaft\" wurden Christen und Juden als Feinde pr\u00e4sentiert, die hinzurichten seien, wenn sie nicht bereuten und zum Islam \u00fcbertr\u00e4ten. \u00c4hnliche Aussagen fanden sich auch in dem Schulbuch \"Der Djihad f\u00fcr die Sache Gottes\", das im so genannten Frauengebetsraum sichergestellt wurde. Auf Audiokassetten, die ebenfalls in der Bibliothek sichergestellt wurden, wurde offen zur T\u00f6tung von Juden aufgerufen: \"Oh W\u00fcrdiger, oh Liebesfreundlicher, schicke uns Bomben, die Juden umzubringen!\" Eine in der Teek\u00fcche des MKH gefundene CD mit dem Titel \"Iraq\" enthielt folgende Aussage: \"Siegen hei\u00dft nicht nur, die Ungl\u00e4ubigen zu t\u00f6ten, sondern sich selbst zu t\u00f6ten, um die Ungl\u00e4ubigen zur\u00fcckzuschlagen! (...) Wer die Christen, Juden, ihre Verb\u00fcndeten ... bek\u00e4mpft ist ein M\u00e4rtyrer!\" Bei einem fr\u00fcheren Verantwortlichen des MKH stellte die Polizei eine CD mit dem Titel \"Tor der Trauer\" sicher, auf der der M\u00e4rtyrertod glorifiziert und unmissverst\u00e4ndlich zum \"Djihad gegen Ungl\u00e4ubige\" aufgerufen wurde: \" ... der Kampf in Tschetschenien ist ein wundervolles Beispiel islamischer Einheit durch Meldungen von Glaubensbr\u00fcdern aus aller Welt zum Djihad.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","68 Ausl\u00e4nderextremismus Dass sich einzelne Islamisten von einem derartigen Aufruf zum \"Djihad\" und Verherrlichung des M\u00e4rtyrertums auch angesprochen f\u00fchlen k\u00f6nnen, zeigt der Tod von zwei aus der Region stammenden Extremisten in Tschetschenien, darunter ein zum Islam konvertierter geb\u00fcrtiger Schwabe. 4.2 Verlagsgesellschaft Yeni Akit GmbH Das Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte am 22. Februar ein vereinsVereinsverbot rechtliches Verbot der Verlagsgesellschaft Yeni Akit GmbH mit Sitz in Hessen. Gegenstand des Unternehmens war der Handel und Vertrieb von t\u00fcrkischen Zeitungen und Illustrierten in Deutschland. Seit Ende 2001 gab die Yeni Akit GmbH als einzige Publikation die t\u00fcrkischsprachige islamistische Tageszeitung \"Anadoluda Vakit\" (Stimme Anatoliens) heraus. Bei der Zeitung handelte es sich um die Europa-Ausgabe der gleichnamigen in der T\u00fcrkei hergestellten Zeitung. Die \"Anadoluda Vakit\" ist in der Vergangenheit u.a. durch Antisemitismus, Verharmlosung des Nationalsozialismus und durch antiamerikanische Inhalte bekannt geworden. Das Verbot stellt fest, dass Zweck und T\u00e4tigkeit der Yeni Akit GmbH durch Herausgabe der Zeitung \"Anadoluda Vakit\" den Strafgesetzen zuwiderliefen und gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet seien. In der Verbotsbegr\u00fcndung hei\u00dft es, die Gesch\u00e4ftsleitung des Verlags und ihre Mitarbeiter verbreiteten in der \"Anadoluda Vakit\" Volksverhetzung volksverhetzende Inhalte. Diese h\u00e4tten sich vor allem gegen den Staat Israel, gegen Juden und gegen die westliche Gesellschaftsordnung gerichtet. So habe ein Kolumnist in der \"Anadoluda Vakit\" vom 5. November 2004 die \"Feinde des Islam\" bedroht und damit den gewaltsamen Tod des niederl\u00e4ndischen Filmemachers Theo van Gogh durch einen Marokkaner gerechtfertigt: \"Nicht alle T\u00f6tungsdelikte sind auch Morde, wenn die T\u00f6tung f\u00fcr etwas geschah, f\u00fcr das man selber bereit ist zu sterben. Angreifer, Besatzer und Provokateure sollten in den Filmen, die sie drehen, in B\u00fcchern, die sie schreiben, und in Kolumnen, die sie verfassen, darauf achten, dass die Geduld der Menschen ... eine feine Grenze hat. Sie sollten darauf achten, dass die Geduld der Menschen nicht platzt. Und wenn sie das trotzdem tut, dann sollten sie Folgendes sehen: Es gibt etwas wie legale Selbstverteidigung! Es gibt keine Regel, die sagt: 'Ich schlage darauf los und die anderen m\u00fcssen stillhalten.'\" Ein Verbreitung der \"Anadoluda Vakit\" in Bayern konnte nur in Einzelf\u00e4llen festgestellt werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 69 5. Sonstige ausl\u00e4nderextremistische Gruppierungen 5.1 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL), ehemals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) bzw. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 11.500 1.800 Vorsitzender: Z\u00fcbeyir Aydar Kurd. Volksf\u00fchrer: Abdullah \u00d6calan Leitung: F\u00fchrungsfunktion\u00e4re der \"Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa\"(CDK) (in Abh\u00e4ngigkeit vom Vorsitzenden des KONGRA GEL bzw. KHK, dem kurdischen Volksf\u00fchrer Abdullah \u00d6calan und dem Exekutivkomitee des KONGRA GEL) Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) In Deutschland seit 26. November 1993 verboten Der Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL) ist identisch mit der mehrfach umbenannten, in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die PKK hatte sich im April 2002 in Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans (KADEK) umbenannt. Weder bei dieser Umbenennung noch bei der Namens\u00e4nderung am 15. November 2003 in KONGRA GEL erfolgten wesentliche Ver\u00e4nderungen in Organisation, Struktur und Ideologie. Das gegen die PKK erlassene vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot aus dem Jahr 1993 erstreckt sich deshalb auch auf den KONGRA GEL. Der Rat der Europ\u00e4ischen Union hat am 2. April EU-Terrorliste 2004 beschlossen, den KONGRA GEL und seine Vorg\u00e4ngerorganisation KADEK - wie bereits mit der PKK am 2. Mai 2002 geschehen - als Terrororganisation einzustufen. Der Bundesgerichtshof stellte am 21. Oktober 2004 fest, dass die F\u00fchrungsspitze des KONGRA GEL auch weiterhin als kriminelle Vereinigung einzustufen ist. Die F\u00fchrungsebene der ehe\"Kriminelle maligen PKK sei schon wegen ihres Bestrafungssystems als kriminelle Vereinigung\" Vereinigung zu bewerten; daran habe sich auch durch den angeblichen Kurswechsel der Organisation nichts Wesentliches ge\u00e4ndert. 5.1.1 Allgemeines Der KONGRA GEL ist eine gut organisierte, straff gef\u00fchrte, urspr\u00fcnglich marxistisch-leninistisch gepr\u00e4gte Kaderorganisation, dessen Ziele aus einer Mischung von sozialistischem und nationalistischem Gedankengut bestehen. Im Mittelpunkt stand \u00fcber zwei Jahrzehnte der aktive Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","70 Ausl\u00e4nderextremismus \"revolution\u00e4re Kampf\" f\u00fcr ein freies und unabh\u00e4ngiges Kurdistan. Nach der Festnahme des damaligen PKK-F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan im Jahr 1999 kam es zu einer taktisch bedingten M\u00e4\u00dfigung. Die Organisation verzichtete auf ihr urspr\u00fcngliches Ziel, durch bewaffneten Kampf einen eigenen kurdischen Staat durchzusetzen. Nach Aufk\u00fcndigung des \"Friedenskurses\" durch den KONGRA GEL zum 1. Juni 2004 haben allerdings die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" (HPG) - den Guerillaeinheiten des KONGRA GEL - und t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften wieder zugenommen. Anspruch auf Der KONGRA GEL h\u00e4lt wie fr\u00fcher die PKK an seinem Anspruch fest, im F\u00fchrungsrolle im Kampf der Kurden die F\u00fchrungsrolle einzunehmen. In der VergangenKampf der Kurden heit kam es deshalb wiederholt zu Auseinandersetzungen auch milit\u00e4rischer Art mit konkurrierenden Kurdenorganisationen. Der KONGRA GEL versteht sich auch als die alleinige Vertretung der in Deutschland lebenden rund 500.000 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, obwohl sich nur etwa 10 % dieser Volksgruppe zum KONGRA GEL bekennen. Abdullah \u00d6calan wurde in der Satzung des KONGRA GEL erstmals als kurdischer Volksf\u00fchrer bezeichnet. Vorsitzender des KONGRA GEL ist der ehemalige F\u00fchrungsfunktion\u00e4r des KONGRA GEL-dominierten \"Kurdischen Nationalkongresses\" (KNK) Z\u00fcbeyir Aydar. Konspirative Die hauptamtlichen Kader des KONGRA GEL leben \u00e4u\u00dferst konspirativ Bet\u00e4tigung an h\u00e4ufig wechselnden Orten. Die KONGRA GEL-Anh\u00e4ngerschaft ist in zahlreichen, der \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V.\" (YEK-KOM) angegliederten \u00f6rtlichen Vereinen organisiert. Diese Vereine, die sich nach au\u00dfen als reine Kulturvereine darstellen, haben die Aufgabe, Ziele und Politik des KONGRA GEL unter den Anh\u00e4ngern zu verbreiten und zu f\u00f6rdern. Dar\u00fcber hinaus bedient sich der KONGRA GEL zahlreicher vom Bet\u00e4tigungsverbot nicht erfasster Nebenorganisationen (\"Y-Gruppen\"), die verschiedene Zielgruppen innerhalb der kurdischen Bev\u00f6lkerung f\u00fcr den KONGRA GEL gewinnen sollen. Finanzierung Der KONGRA GEL finanziert sich aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf von Publikationen und den Einnahmen aus Veranstaltungen. Den gr\u00f6\u00dften Anteil der Einnahmen erbringt die jeweils von September bis Januar durchgef\u00fchrte Spendenkampagne. Es gibt Hinweise, dass der KONGRA GEL auch vom Rauschgifthandel profitiert, indem er beispielsweise kurdische Drogenh\u00e4ndler absch\u00f6pft. Der KONGRA GEL bem\u00fcht sich weiterhin, \u00fcber den \"Internationalen Kurdischen Arbeitgeberverband\" (KARSAZ) das Wirtschaftspotenzial der in Europa lebenden Kurden zu kontrollieren. KARSAZ unterh\u00e4lt Niederlassungen in Frankfurt am Main und in Berlin. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 71 Ein wichtiges Propagandamedium ist der KONGRA GEL-nahe FernsehPropagandasender ROJ TV, der vom KONGRA GEL als Plattform zur Darstellung seimedien ner politischen Ziele genutzt wird. Die Beitr\u00e4ge gleichen in wesentlichen Punkten der Berichterstattung seines Vorg\u00e4ngers MEDYA-TV. Als weiteres Agitationsinstrument diente dem KONGRA GEL die t\u00fcrkischsprachige Tageszeitung \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" (Freie Politik), in der f\u00fchrende KONGRA GEL-Funktion\u00e4re regelm\u00e4\u00dfig Stellungnahmen publizierten. Die Zeitschrift versuchte, im Sinn des KONGRA GEL Einfluss auf die Politik im Mittleren Osten und besonders in den kurdischen Siedlungsgebieten zu nehmen. Dar\u00fcber hinaus ist der KONGRA GEL mit einer eigenen Homepage im Internet pr\u00e4sent, deren Inhalte in deutscher, englischer, kurdischer und t\u00fcrkischer Sprache abgerufen werden k\u00f6nnen. Auch die \"Volksverteidigungskr\u00e4fte\" des KONGRA GEL unterhalten eine eigene Internet-Seite in t\u00fcrkischer und kurdischer Sprache mit aktuellen Informationen \u00fcber die HPG. Am 21. M\u00e4rz wurde der \u00d6ffentlichkeit das von Abdullah \u00d6calan entwickelte Projekt des \"Demokratischen Konf\u00f6deralismus Kurdistans\" (Koma Komalen Kurdistans - KKK) vorgestellt, dessen neue ideologische Ausrichtung als \"Grundgesetz der kurdischen Demokratie\" bezeichnet wird. Welches Ziel der KKK tats\u00e4chlich verfolgt, blieb bisher unklar. Ende M\u00e4rz/Anfang April fand in den Bergen Kurdistans ein Kongress \"Neue PKK\" zum Wiederaufbau der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (Partiya Karkeren Kurdistan - PKK) statt, in dessen Verlauf die Gr\u00fcndung einer \"neuen PKK\" verk\u00fcndet wurde. Einer Erkl\u00e4rung der \"neuen PKK\" zur Gr\u00fcndung zufolge sei dies als offizielle zweite Geburt der Organisation zu verstehen. Die \"neue PKK\" wird von Murat Karayilan geleitet, der schon den F\u00fchrungsgremien von PKK, KADEK und KONGRA GEL angeh\u00f6rte. In der \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" vom 9. April erkl\u00e4rte Karayilan, dass die \"neue PKK\" nicht an die Stelle des KONGRA GEL trete, sondern sich innerhalb des KONGRA GEL etablieren werde. Sie betrachtet sich als politische und vor allem ideologische Avantgarde und zeichnet sich durch eine besondere N\u00e4he zu Abdullah \u00d6calan aus. Die Gr\u00fcndung der \"neuen PKK\" entspricht dem Programm und der Satzung des KONGRA GEL, allerdings sind die tats\u00e4chlichen Aufgaben und Ziele bislang unklar. Der Wiederaufbau ist als Reaktion auf eine erhebliche Verunsicherung in der Gesamtorganisation zu werten. Die \"neue PKK\" lehnt nach eigenen Angaben Gewalt grunds\u00e4tzlich ab, beh\u00e4lt sich aber weiterhin das Recht Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","72 Ausl\u00e4nderextremismus auf legitime Selbstverteidigung vor. Insbesondere soll die milit\u00e4rische Komponente innerhalb des KONGRA GEL wieder gest\u00e4rkt werden. Gegenw\u00e4rtig liegen keine Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, dass die bisher festgestellten Ver\u00e4nderungen Auswirkungen auf einen m\u00f6glichen Strategiewechsel der Organisation in Deutschland haben werden. In Bayern wurden bislang keine Aktivit\u00e4ten der \"neuen PKK\" festgestellt. Mehrere KONGRA GEL-Nebenorganisationen haben sich erneut umbenannt bzw. neu organisiert. So erfolgte auf Anregung von Abdullah \u00d6calan die Gr\u00fcndung der Organisation \"Verband der stolzen Frauen\" (Koma Jinen Bilind - KJB). Sie umfasst die \"Freiheitspartei der Frauen Kurdistans\" (PAJK), die \"Freien Frauenverb\u00e4nde\" (YJA) sowie die Frauenguerilla (YJA-STAR). Ferner benannte sich die \"Bewegung der freien Jugend Kurdistans\" (TECAK) in \"Vereinigung der demokratischen Jugendlichen Kurdistans\" (\"Koma Komalen Ciwanen Demokratik a Kurdistan\" - KOMALEN-CIWAN) um; sie tritt bislang in Deutschland jedoch weiterhin unter der Bezeichnung TECAK auf. Aus der Jugendorganisation, welche die Zeitschrift \"\u00d6ZG\u00dcR GENCLIK\" (Freie Jugend) herausgibt, rekrutiert sich ein Teil der Guerilla des KONGRA GEL. Nicht selten wurden dabei in der Vergangenheit Jugendliche gegen den Willen ihrer Eltern zwangsverpflichtet und in Ausbildungslagern im benachbarten Ausland geschult, bevor sie zum Kampfeinsatz in die T\u00fcrkei geschleust wurden. Eine weitere KONGRA GEL-Jugendorganisation wurde nach kurdischen Medienberichten im Mai unter der Bezeichnung \"Demokratische Jugend\" (Demokratik Genclik - DEM-GENC) gegr\u00fcndet. Aus ihr sollen die k\u00fcnftigen KOMALEN-CIWAN-Funktion\u00e4re gewonnen werden. In Bayern wurden bislang keine Aktivit\u00e4ten der DEM-GENC festgestellt. Am 19. August 2005 verk\u00fcndete der KONGRA GEL erneut einen einWaffenstillstand seitigen Waffenstillstand, der zun\u00e4chst bis zum 20. September befristet war. Dieser wurde anschlie\u00dfend nochmals bis zum 3. Oktober, dem Beginn der Beitrittsverhandlungen der EU mit der T\u00fcrkei, verl\u00e4ngert. 5.1.2 Aktivit\u00e4ten Trotz des PKK-Verbots im Jahr 1993 f\u00fchrten KONGRA GEL-Anh\u00e4nger erneut eine Reihe von Veranstaltungen mit teilweise mehreren zehntausend Teilnehmern durch, zu denen auch Hunderte Personen aus Bayern anreisten. Die Polizei musste mehrfach wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Vereinsgesetz einschreiten. Die Veranstaltungen zeigen, dass die OrgaVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 73 nisation unver\u00e4ndert in der Lage ist, mehrere zehntausend Anh\u00e4nger zu mobilisieren. Am 22. Januar nahm die Polizei aufgrund eines Festnahmeund Auslieferungsersuchens der T\u00fcrkei den stellvertretenden Vorsitzenden des KONGRA GEL, Remzi Kartal, in der N\u00e4he von W\u00fcrzburg fest (vgl. auch Nummer 5.1.3 dieses Abschnitts). Dies rief bei KONGRA GEL-Anh\u00e4ngern europaweite Protestaktionen hervor. So verurteilten u.a. KNK und YEK-KOM die Haltung Deutschlands und stellten die Inhaftierung als Kriminalisierung im Exil lebender kurdischer Politiker dar. Dem deutschen Staat wurde Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei bei der Verletzung elementarer Menschenrechte vorgeworfen, au\u00dferdem wurde erkl\u00e4rt, dass man als in Deutschland lebender Kurde in Zukunft auf jeden Angriff eine klare und deutliche Antwort geben werde. Auch in M\u00fcnchen kam es zu Protestaktionen. Am 29. Januar demonstrierten rund 360 Personen in N\u00fcrnberg f\u00fcr die Freilassung Remzi Kartals. Redner \u00fcbten Kritik an der Politik der Bundesrepublik Deutschland und vor allem an der Haltung des Bayerischen Staatsministeriums des Innern. An den deutschlandweiten Feierlichkeiten zum kurdischen Neujahrsfest Newroz nahmen insgesamt etwa 16.000 Menschen teil. Das Newroz-Fest Newroz-Fest ist aus Sicht der Anh\u00e4nger des KONGRA GEL ein Tag der Freiheit und des Widerstands und deshalb untrennbar mit der Geschichte des kurdischen Kampfs gegen Fremdherrschaft verbunden. Schwerpunkte der Newroz-Veranstaltungen in Bayern waren wie in den Vorjahren die St\u00e4dte N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Neben einem Aufzug des \"Mesopotamischen Kulturzentrums N\u00fcrnberg e.V.\" am 20. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg fand am selben Tag in M\u00fcnchen eine von einem deutschen Linksextremisten angemeldete Newroz-Veranstaltung statt. Am 12. Mai r\u00fcgte die Gro\u00dfe Kammer des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs f\u00fcr Menschenrechte in Stra\u00dfburg den seinerzeitigen Prozessverlauf gegen Abdullah \u00d6calan in der T\u00fcrkei als unfair, erkannte aber in \u00d6calans Festnahme im Februar 1999 in Kenia, seiner anschlie\u00dfenden Inhaftierung und seinen Haftbedingungen keine Verletzung der Europ\u00e4ischen Menschenrechtskonvention und best\u00e4tigte damit die Entscheidung der Prozessverlauf Kleinen Kammer vom 12. M\u00e4rz 2003. Sowohl der KONGRA GEL als gegen \u00d6calan auch die \"Konf\u00f6deration kurdischer Vereine in Europa\" (KON-KURD), eine Nebenorganisation des KONGRA GEL, hatten zu europaweiten Protestveranstaltungen aufgerufen, an denen sich auch Demonstranten aus Deutschland beteiligten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","74 Ausl\u00e4nderextremismus Die KON-KURD startete am 14. Juli erneut eine Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr Abdullah \u00d6calan. Auch in Bayern wurde f\u00fcr die Aktion geworben. Ferner veranstalteten der KONGRA GEL bzw. ihm nahestehende Organisationen u.a. eine Kundgebung am 12. Februar in Stra\u00dfburg/Frankreich anl\u00e4sslich des sechsten Jahrestags der Festnahme Abdullah \u00d6calans, ein \"2. Internationales ZILAN-Frauenfestival\" am 18. Juni in Gelsenkirchen, ein \"Mazlum Dogan Jugend-, Kulturund Sportfestival\" am 15./ 16. Juli in K\u00f6ln und das \"13. Internationale Kurdistan-Kulturfestival\" am 3. September in K\u00f6ln. 5.1.3 Exekutivma\u00dfnahmen und Gerichtsverfahren Neben verschiedenen Festnahmen und Gerichtsverfahren u.a. wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen bzw. terroristischen Vereinigung, R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer kriminellen Vereinigung, erpresserischen Menschenraubs, r\u00e4uberischer Erpressung, Verabredung zum Mord und versuchten Mords im Auftrag der PKK bzw. des KONGRA GEL waren insbesondere folgende Gerichtsentscheidungen und Exekutivma\u00dfnahmen von Bedeutung: Am 22. Januar wurde der stellvertretende Vorsitzende des KONGRA GEL, Remzi Kartal, in der N\u00e4he von W\u00fcrzburg auf dem Weg zu einer Veranstaltung des KONGRA GEL aufgrund eines Festnahmeund Auslieferungsersuchens der T\u00fcrkei wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen. Am 1. M\u00e4rz hob das Oberlandesgericht Bamberg den Haftbefehl auf, da das belastende Material nicht ausreichte. Die Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde erlie\u00df einen Ausweisungsbescheid gegen Kartal, der daraufhin nach Belgien ausreiste. Eine legale R\u00fcckkehr nach Deutschland ist damit f\u00fcr Kartal nicht m\u00f6glich. Verlagsverbot Am 5. September verbot das Bundesministerium des Innern die in Neu-Isenburg/Hessen ans\u00e4ssige E. Xani-Presseund Verlags GmbH als Herausgeberin der Tageszeitung \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" und ordnete die sofortige Vollziehung an. Die E. Xani-Presseund Verlags GmbH ist in die Organisationsstruktur des KONGRA GEL eingebunden. Durch die Art der Berichterstattung versorgt die \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" die Anh\u00e4nger mit Informationen \u00fcber den KONGRA GEL und gibt Vorgaben der F\u00fchrung weiter. Das Bundesministerium des Innern leitete auch gegen die Organisationen \"Mezopotamisa Haber Ajansi\" (MHA), \"ROJ Online/Welat Presseund Verlag GmbH/Welat GmbH\", \"Mezopotamien Verlag und Vertrieb GmbH\" und \"MIR Musik-Verlag\" ein vereinsrechtliches Ermittlungsverfahren ein. Die Organisationen sind verd\u00e4chtig, in die StruktuVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 75 ren des KONGRA GEL eingebunden zu sein. Die Polizei durchsuchte an rund 60 Orten in acht Bundesl\u00e4ndern Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume und Privatwohnungen, stellte zahlreiches Beweismaterial sicher und beschlagnahmte Bargeld. In Bayern wurde bei einem Journalisten der \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" in N\u00fcrnberg sowie beim Leiter der \"Mezopotamien Verlag und Vertrieb GmbH\" in Aschaffenburg umfangreiches Propagandamaterial des KONGRA GEL sichergestellt. Das Verbot und die damit verbundenen Exekutivma\u00dfnahmen l\u00f6sten bei der europ\u00e4ischen Anh\u00e4ngerschaft des KONGRA GEL zahlreiche Protestaktionen aus, die nicht immer gewaltfrei verliefen. Am 8. Oktober gab das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig dem Antrag der E. Xani-Presseund Verlags GmbH auf einstweiligen Rechtsschutz statt, womit die \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" wieder erscheinen durfte. In Umsetzung dieses Beschlusses machte das Bundesministerium des Innern s\u00e4mtliche auf die sofortige Vollziehbarkeit gest\u00fctzte Ma\u00dfnahmen r\u00fcckg\u00e4ngig; insbesondere wurden die einstweilen beschlagnahmten Gelder und Sachen zur\u00fcckgegeben. Am 12. Januar Aufhebung der 2006 gab das Bundesverwaltungsgericht der Klage auf Aufhebung der Verbotsverf\u00fcgung Verbotsverf\u00fcgung statt. Mit Datum vom 16. Januar 2006 ist die Tageszeitung unter der Bezeichnung \"Yeni \u00d6zg\u00fcr Politika\" (Neue Freie Poli\"Yeni \u00d6zg\u00fcr tik) wieder erschienen. Herausgeber ist nach eigenen Angaben eine am Politika\" 7. Oktober 2005 gegr\u00fcndete \"Medya Presseund Werbeagentur GmbH\", deren Zentralb\u00fcro seinen Sitz in Neu-Isenburg hat. Vertretungen befinden sich laut Impressum in mehreren deutschen St\u00e4dten, aber auch in der Schweiz, in Frankreich und in den Niederlanden. Im Dezember fanden mehrere Exekutivma\u00dfnahmen im Umfeld des KONGRA GEL statt. So durchsuchte die Polizei in Bayern am 13. Dezember sowohl die Privatwohnung des 1. Vorsitzenden des Vereins \"Internationales Kulturzentrum e.V.\" in Aschaffenburg als auch die Vereinsr\u00e4ume und stellte Beweismaterial sicher. 5.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Deutschland Bayern Mitglieder: 800 120 Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) * T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) Die Devrimci Sol ist in Deutschland seit 1983 verboten, ihre beiden Spaltergruppen seit 1998. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","76 Ausl\u00e4nderextremismus Die 1978 gegr\u00fcndete und 1983 in Deutschland verbotene revolution\u00e4r-marxistische Devrimci Sol versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus ausgerichtete Volksbewegung. Sie z\u00e4hlt zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer Revolution\u00e4re bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates Zielsetzung zielen und in der T\u00fcrkei terroristisch aktiv sind. Seit 1993 ist die Devrimci Sol in den \"Karatas-Fl\u00fcgel\", aus dem die 1994 in Syrien gegr\u00fcndete Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hervorging, und den \"Yagan-Fl\u00fcgel\", aus dem sich die T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) entwickelte, gespalten. Das Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte am 13. August 1998 gegen die DHKP-C als Ersatzorganisation der Devrimci Sol ein Vereinsverbot und gegen die THKP-C Devrimci Sol ein Bet\u00e4tigungsverbot. Beide Verbote sind bestandskr\u00e4ftig. Mit Beschluss vom 2. Mai 2002 nahm die Europ\u00e4ische Union die DHKP-C in die EU-Terrorliste auf. \u00d6rtliche Schwerpunkte der DHKP-C mit insgesamt rund 110 Anh\u00e4ngern in Bayern bestehen in Aschaffenburg, M\u00fcnchen, Neu-Ulm, Regensburg und N\u00fcrnberg; f\u00fcr die THKP-C Devrimci Sol sind in Bayern nur einzelne Mitglieder aktiv. Die Agitation und der Kampf gegen den \"Imperialismus\", gegen die NATO, die USA sowie die t\u00fcrkische Staatsund Gesellschaftsordnung sind zentrale Elemente der Ideologie der t\u00fcrkischen linksextremistischen Gruppierungen. Einige von ihnen, wie die DHKP-C und die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP), sehen ihr Heimatland T\u00fcrkei als Kampfgebiet an, in dem auch terroristische Anschl\u00e4ge zur Erreichung politischer Ziele als legitimes Mittel betrachtet werden. Der mutma\u00dfliche DHKP-C-Tarnverein \"Anatolische F\u00f6deration e.V.\" f\u00fchrte im Februar und M\u00e4rz in Deutschland und den angrenzenden Staaten die Kampagne \"Gemeinsam gegen Rechtsraub\" durch. Diese richtete sich vorgeblich gegen Sozialabbau, gegen \"Hartz IV\" und gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit. Zu diesen Themen wurden einige Demonstrationen sowie mehrere \"Info-Tische\" durchgef\u00fchrt. Anl\u00e4sslich des Selbstmords eines Anh\u00e4ngers der t\u00fcrkischen \"Revolution\u00e4ren Volksbefreiungsfront\" (DHKC), des milit\u00e4rischen Arms der DHKP-C, protestierten am 30. Mai etwa ein Dutzend mutma\u00dflicher DHKP-C-Sympathisanten vor den t\u00fcrkischen Generalkonsulaten in D\u00fcsseldorf und Frankfurt am Main. Der Selbstmord geschah aus Protest gegen den Bau neuer Gef\u00e4ngnisse in der T\u00fcrkei, in denen anstelle der bisherigen Gro\u00dfraumzellen Einzelzellen eingerichtet werden. Im November 2000 hatten linksextremistische H\u00e4ftlinge in der T\u00fcrkei aus Protest gegen die Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 77 Gef\u00e4ngnisreform ein \"Todesfasten\" begonnen. Seit Mai 2002 ist die DHKP-C die einzige Organisation, die noch daran festh\u00e4lt. Insbesondere das der DHKP-C nahe stehende \"Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen Gefangenen und deren Familien in der T\u00fcrkei\" (TAYAD) thematisierte u. a. mit kleinen Kundgebungen vor t\u00fcrkischen Generalkonsulaten in Deutschland weiterhin das \"Todesfasten\". Mit einer Erkl\u00e4rung \"Unsere Stimme zur Bundestagswahl 2005 gilt den Linken\" vom 28. August rief die \"Anatolische F\u00f6deration e.V.\" u.a. auf ihrer Homepage dazu auf, bei der Bundestagswahl am 18. September \"Parteien zu w\u00e4hlen, die gegen ,Hartz IV', Agenda 2010 und sozialen Abbau sind\". Au\u00dferdem forderte sie das sofortige Ende der Abschiebungen, die Aufhebung des neuen Zuwanderungsgesetzes sowie das Verbot aller faschistischen und rassistischen Parteien. Am 27. Juni wurde ein Funktion\u00e4r der DHKP-C von den Niederlanden an Deutschland ausgeliefert. Die am 26. Juli vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf erhobene Anklage wirft ihm u.a. die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, r\u00e4uberische Erpressung und gef\u00e4hrliche K\u00f6rperverletzung vor. Er soll in der Zeit von Februar 1996 bis Juli 1997 als Gebietsverantwortlicher der DHKP-C im Raum K\u00f6ln und Hamburg an Spendengelderpressungen beteiligt gewesen sein. Als M\u00e4rtyrer verehrt die DHKP-C Ey\u00fcp Beyaz, der am 1. Juli einen Sprengstoffanschlag auf das Justizministerium in der t\u00fcrkischen Hauptstadt Ankara begehen wollte. Er wurde von Sicherheitskr\u00e4ften erschossen, was die DHKP-C als \"Beweis f\u00fcr die Willk\u00fcr des t\u00fcrkischen Staates\" wertet. Auch von Anh\u00e4ngern in Bayern wurde die angebliche \"Hinrichtung\" diskutiert, sie war auch Thema beim allj\u00e4hrlichen Picknick der DHKP-C am 16. Juli in der N\u00e4he von Stuttgart-Echterdingen, an dem etwa 300 Personen - auch aus Bayern - teilnahmen. Rund 90 t\u00fcrkische Linksextremisten protestierten am 1. Oktober mit einem Demonstrationszug durch die K\u00f6lner Innenstadt gegen die geplanten Beitrittsgespr\u00e4che zwischen der Europ\u00e4ischen Union und der T\u00fcrkei. In deutscher Sprache bezeichnete ein Redner die EU als \"Bedrohung f\u00fcr die demokratischen Rechte und Freiheiten\" und als \"aggressives imperialistisches B\u00fcndnis\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","78 Ausl\u00e4nderextremismus 5.3 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.800 120 Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: * Maoistische Kommunistische Partei (MKP), ehemals Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) * Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Die Entwicklung der TKP/ML ist seit dem Ende der 70er Jahre durch eine Vielzahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. Im Jahr 1994 spaltete sich das Ostanatolische Gebietskomitee (DABK) vom so genannten Partizan-F\u00fcgel der TKP/ML ab. Dies f\u00fchrte zur Bildung von zwei neuen unabh\u00e4ngig voneinander existierenden Organisationen, die sich beide als Nachfolgeorganisation der urspr\u00fcnglichen TKP/ML sehen. W\u00e4hrend der Partizan-F\u00fcgel nach wie vor die Bezeichnung TKP/ML verwendet, hat sich das DABK im Jahr 2002 in Maoistische Kommunistische Partei (MKP) umbenannt. Beide Organisationen vertreten die Ideologie des Marxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt um die Ideen Mao Tse-tungs, bef\u00fcrworten den bewaffneten Kampf als Grundform ihres Handelns und propagieren den bewaffneten B\u00fcrgerkrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer Volksregierung. Mit der T\u00fcrkischen Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) auf Seiten der TKP/ML und der Volksbefreiungsarmee (HKO) auf Seiten der MKP unterhalten beide Gruppierungen in der T\u00fcrkei bewaffnete Guerillagruppen. Organisation In Deutschland organisierten sich die Anh\u00e4nger der TKP/ML (Partizan-Fl\u00fcin Deutschland gel) in der 1976 gegr\u00fcndeten F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) und der Ende 1986 gebildeten Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK). Beide Vereinigungen pr\u00e4sentieren sich als Massenorganisationen und tarnen ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend. Die Anh\u00e4nger der MKP sind seit Sommer 1997 in den beiden Basisorganisationen F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) bzw. Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa (ADHK) organisiert. Der Partizan-Fl\u00fcgel der TKP/ML gab anl\u00e4sslich der Demonstration am 9. Januar in Berlin zum 85. Jahrestag des Todes von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht eine Flugschrift in deutscher und t\u00fcrkischer Sprache heraus. Darin \u00e4u\u00dferte die Organisation die Hoffnung, dass \"die bitteren Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 79 Ergebnisse des Globalisierungsm\u00e4rchens...die gesellschaftlichen Massenbewegungen weiterhin auf die Stra\u00dfen bringen\" werden. Eine derartige Massenbewegung k\u00f6nne auch als historische Gelegenheit f\u00fcr die Revolution ausgenutzt werden. Voraussetzung sei aber, dass die deutsche revolution\u00e4re Arbeiterbewegung sich von ihrer unbeweglichen Faulheit befreie. Man k\u00f6nne nur hoffen, dass die langsam erwachende Arbeiterklasse in Europa auch bald in Deutschland aus ihrem Winterschlaf erwache und sich von den Klassenk\u00e4mpfen in anderen Teilen der Welt beeinflussen lasse. Das N\u00e4herr\u00fccken einer \"revolution\u00e4ren Phase\" sei jedoch auch davon abh\u00e4ngig, dass es eine \"neue Rosa\" (Luxemburg) und einen \"neuen Karl\" (Liebknecht) g\u00e4be, die jedoch in Deutschland ebenso wenig in Sicht seien wie eine \"echte kommunistische Partei\". Damit nahm die TKP/ML erstmals zur politischen Situation in Deutschland Stellung; bisher hatte sie in ihren Schriften nur gegen die T\u00fcrkei agitiert. Die ATIK f\u00fchrte vom 25. bis 27. M\u00e4rz in Frankfurt am Main ihren Jahreskongress durch, an dem etwa 300 Personen teilnahmen. Eines der zentralen Agitationsthemen der Veranstaltung richtete sich gegen \"Hartz IV\". Zum Gedenken an den 32. Todestag von Ibrahim Kaypakkaya, Gr\u00fcnder der TKP/ML, organisierten die MKP-Fraktion und der Partizan-Fl\u00fcgel im Mai in mehreren deutschen St\u00e4dten Veranstaltungen, an denen insgesamt rund 5.000 Anh\u00e4nger aus dem gesamten Bundesgebiet und dem westlichen Ausland teilnahmen. Nach Presseberichten sollen am 18. Juni in der Provinz Tunceli im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei 17 Anh\u00e4nger der MKP - darunter ein fr\u00fcher in Deutschland aktiver Funktion\u00e4r - von der Armee get\u00f6tet sowie drei Anh\u00e4nger verhaftet worden sein. In mehreren deutschen St\u00e4dten protestierten daraufhin linksextremistische t\u00fcrkische Gruppen (darunter MKP, MLKP, DHKP-C und KONGRA GEL) gegen dieses \"Massaker\". Die Proteste wurden zum Teil von deutschen linksextremistischen Gruppen unterst\u00fctzt. In einer Erkl\u00e4rung der MKP hie\u00df es: \"Wir werden nicht aufgeben und resignieren! (...) Unsere Antwort auf diese Massaker wird die Volksrevolution sein.\" Vor der Bundestagswahl am 18. September forderten t\u00fcrkische LinksAufruf zur extremisten, so auch die TKP/ML, auf ihren Internet-Seiten zur Wahl Bundestagswahl deutscher linksextremistischer Parteien auf. Vordergr\u00fcndig wurden dabei die \"b\u00fcrgerlichen/etablierten Parteien\" angegriffen, ohne die eigenen ideologischen Ziele, n\u00e4mlich Marxismus, Leninismus oder Maoismus, erkennen zu lassen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","80 Ausl\u00e4nderextremismus 5.4 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 40 Gr\u00fcndung: 1994 in der T\u00fcrkei Publikation: \"Yeniden Atilim\" (Neuer Vorsto\u00df) Die in der T\u00fcrkei verbotene und terroristisch operierende MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschluss zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erstrebt sie die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Ihre Basisorganisation ist die F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) mit Sitz in K\u00f6ln. Am 16. und 17. April wurde in Duisburg als Dachorganisation der AGIF die \"Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa\" (Avrupa Ezilen G\u00f6cmen Konfederasyonu - AvEG-Kon) gegr\u00fcndet. Am Gr\u00fcndungskongress nahmen etwa 500 Personen aus ganz Europa teil. Thematische Schwerpunkte der MLKP waren - wie bei der TKP/ML und MKP - der Konflikt im Irak, Imperialismus, NATO und \"Hartz IV\". Auch in diesem Jahr beteiligte sich die MLKP in Deutschland wieder an der allj\u00e4hrlichen Luxemburg-Liebknecht-Gedenkdemonstration am 9. Januar in Berlin, zu der Anh\u00e4nger der Organisation aus dem gesamten Bundesgebiet anreisten. Des weiteren nahmen MLKP-Anh\u00e4nger am 12. Februar in M\u00fcnchen anl\u00e4sslich der Sicherheitskonferenz an einer Anti-NATO-Demonstration und am 8. M\u00e4rz an Demonstrationen zum Internationalen Frauentag teil. 5.5 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) Deutschland Bayern Mitglieder: 8.000 1.500 Vorsitzender: Cemal Cetin Gr\u00fcndung: 1978 Sitz: Frankfurt am Main Publikation: \"T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni\" Die nationalistische AD\u00dcTDF vertritt eine extreme Variante des t\u00fcrkischen Nationalismus, die in der T\u00fcrkei seit l\u00e4ngerer Zeit durch die \"ParVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 81 tei der Nationalen Bewegung\" (MHP) vertreten wird. Die F\u00fchrung der Organisation verehrt nach wie vor offen Alparslan T\u00fcrkes, den 1997 verstorbenen langj\u00e4hrigen MHP-Vorsitzenden. In Bayern sind dem Verband etwa 30 Vereine zuzurechnen. Die Anh\u00e4nger der AD\u00dcTDF werden h\u00e4ufig auch als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet. Ihr \"Graue W\u00f6lfe\" Erkennungszeichen ist ein mit f\u00fcnf Fingern stilisierter Wolfskopf. Das Ziel der AD\u00dcTDF war bisher, die gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Einrichtung in Westeuropa zu werden. Sie war deshalb auch ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der MHP, die eine Gro\u00dft\u00fcrkei nach osmanischem Vorbild propagierte. Dieses Streben der AD\u00dcTDF nach Dominanz stand einer echten Integration der T\u00fcrken wie auch der Muslime in die deutsche Gesellschaft entgegen. T\u00fcrkischen Jugendlichen wurde die \u00dcberlegenheit der T\u00fcrken suggeriert, so dass viele von ihnen ein Gruppenbewusstsein entwickelten, das sich gegen die deutsche Gesellschaft richtete. Zwar riet der Verband den Mitgliedern, die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit anzunehmen, Motiv hierf\u00fcr waren aber nur die damit verbundenen gr\u00f6\u00dferen Einflussm\u00f6glichkeiten. Seit einiger Zeit bem\u00fcht sich die Parteif\u00fchrung der MHP unter Devlet Bahceli, der Partei ein konservatives und europafreundliches Erscheinungsbild zu geben. Dies findet jedoch nicht die ungeteilte Zustimmung aller Mitglieder, weshalb sich ein Teil der \"wahren Idealisten\" zur\u00fcckzieht. Dennoch gibt es weiterhin Anhaltspunkte f\u00fcr nationalistische und rassistische Einstellungen in der AD\u00dcTDF. Festzustellen sind auch Aktivit\u00e4ten der AD\u00dcTDF und ihrer Mutterpartei gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, vor allem gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker. Vereinzelt finden sich auch islamistische Ans\u00e4tze. 5.6 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) / Volksmudjahidin Iran (MEK) Deutschland Bayern Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Mitglieder: 900 200 Gr\u00fcndung: 1981 in Paris (in Deutschland vertreten seit 1994) Sitz: Berlin Deutschlandvertreterin: Dr. Bolourchi Massoumeh Volksmudjahidin Iran (MEK) Gr\u00fcndung: 1965 im Iran Leitung: Massoud Radjavi Publikation: \"Mojahed\" (Glaubensk\u00e4mpfer) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","82 Ausl\u00e4nderextremismus Der NWRI ist ein Zusammenschluss iranischer Oppositionsgruppen und Einzelpersonen. Im August 1993 bildete der NWRI ein Exilparlament und rief die Generalsekret\u00e4rin der MEK, Maryam Radjavi, zur \"k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidentin des Irans\" aus. Zu den Aufgaben der im westlichen Ausland t\u00e4tigen MEK-Organisationen geh\u00f6ren umfangreiche Propaganda-Aktivit\u00e4ten und Ma\u00dfnahmen zur Geldbeschaffung. Der NWRI und die MEK wollen das iranische Regime st\u00fcrzen und halten daf\u00fcr den bewaffneten Kampf f\u00fcr notwendig. Der NWRI ist der weltweit politisch agierende Arm der MEK. Die MEK galt bis zur Besetzung des Iraks durch amerikanische und britische Truppen als st\u00e4rkste und Militante iranische militanteste Oppositionsgruppe, die vom Irak aus im Iran operierte. Zu Oppositionsgruppe diesem Zweck unterhielt die MEK in der Vergangenheit ihren bewaffneten Arm \"National Liberation Army\" (NLA) im Irak, der f\u00fcr zahlreiche terroristische Anschl\u00e4ge im Iran verantwortlich war. Der Oberbefehlshaber dieser \"Nationalen Befreiungsarmee\" ist Massoud Radjavi, der Ehemann von Maryam Radjavi. Nach dem Sturz des irakischen Regimes im April 2003 schloss die NLA einen Waffenstillstand mit den US-Streitkr\u00e4ften; die rund 4000 Mitglieder wurden im Lager \"Ashraf\" im Irak unter US-Aufsicht gestellt und entwaffnet. Mittlerweile haben diese MEK-Angeh\u00f6rigen den Status \"gesch\u00fctzter Personen\" nach der Vierten Genfer Konvention zum Schutz von Zivilpersonen in Kriegszeiten erhalten. Aufnahme der Die MEK, nicht jedoch der NWRI, wurde am 2. Mai 2002 in die Liste der MEK in die als terroristisch eingestuften Organisationen der Europ\u00e4ischen Union EU-Terrorliste aufgenommen. In Deutschland ist keine Abgrenzung zwischen der MEK und dem NWRI zu erkennen. Die Volksmudjahidin sind innerhalb der iranischen Exilopposition seit Jahren isoliert, da sie f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, die \"einzige demokratische Alternative\" zum iranischen Regime zu sein. Tats\u00e4chlich ist die Organisation jedoch von innerparteilicher Demokratie weit entfernt. Darauf deuten die streng hierarchisch ausgerichtete Kaderstruktur und der sektenartige F\u00fchrerkult um das Ehepaar Massoud und Maryam Radjavi hin. Die Organisation ist auch in hohem Ma\u00dfe gewaltbereit. \u00d6ffentlichkeitsDie MEK-Anh\u00e4nger versuchen, mit \u00f6ffentlichen Aktionen wie Konzerarbeit ten und Informationsveranstaltungen Aufmerksamkeit zu erwecken und f\u00fcr ihre Ziele zu werben. Dazu nutzen sie Themen wie \"Menschenrechtsverletzungen im Iran\", \"Protest gegen das iranische Atomwaffenprogramm\", \"Protest gegen den iranischen Pr\u00e4sidenten Ahmadinedschad\" und fordern die Streichung der Volksmudjahidin aus der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 83 EU-Terrorliste. Derartige Veranstaltungen fanden am 10. Februar und am 9. Mai in Berlin, am 14. September in New York und am 19. September in Wien statt. Spenden werden nicht nur bei Anh\u00e4ngern und Sympathisanten, Finanzierung sondern auch \u00f6ffentlich - in Bayern in Form von Haussammlungen - f\u00fcr angeblich humanit\u00e4re Zwecke gesammelt. Mit der Wahl des neuen iranischen Pr\u00e4sidenten Mahmoud Ahmadinedschad erwartet der NWRI zuk\u00fcnftig eine verst\u00e4rkte Unterdr\u00fcckung des iranischen Volkes, den Export von Terrorismus und religi\u00f6sem Fundamentalismus und das Streben nach Atomwaffen. Der NWRI fordert die westlichen Regierungen auf, die bisherige Politik gegen\u00fcber dem Iran zu \u00e4ndern und den iranischen Widerstand zu unterst\u00fctzen. Als Reaktion auf die \u00c4u\u00dferung des iranischen Pr\u00e4sidenten zur Vernichtung Israels organisierte der NWRI am 7. November eine Protestdemonstration in Br\u00fcssel. Auch in einigen deutschen St\u00e4dten protestierten Anh\u00e4nger des NWRI gegen die \u00c4u\u00dferungen Ahmadinedschads und forderten die Streichung der MEK aus der EU-Terrorliste. Die MEK und der NWRI versuchen nach wie vor, Politiker f\u00fcr ihre Ziele sowie f\u00fcr die Teilnahme an Veranstaltungen zu gewinnen, um sich in der \u00d6ffentlichkeit als freiheitsliebende und \"demokratische\" Exilbewegung darzustellen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","84 Ausl\u00e4nderextremismus 6. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Afghanische, arabische und maghrebinische Gruppen Al-Qaida und internationale islamische Front sunnitisch-extremistisch Muslimbruderschaft (MB) Risalat ul-Ikhwan sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Al-Islam - nur als Internet-Ausgabe - Al-Gamaa al-Islamiya (GI) sunnitisch-extremistisch Djihad Islami (JI) sunnitisch-extremistisch Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) Al-Aqsa e.V. (in Deutschland rechtskr\u00e4ftig verboten seit 03.12.2004) sunnitisch-extremistisch Islamische Heilsfront (FIS) Al-Ribat (Das Band) sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) sunnitisch-extremistisch En Nahda sunnitisch-extremistisch Hizb ut-Tahrir Al-Khilafah (Das Kalifat) (in Deutschland seit 15.01.2003 verboten) - unregelm\u00e4\u00dfig - schiitisch-extremistisch Al-Waie Explizit - viertelj\u00e4hrlich - Hezb-i Islami Afghanistan (HIA) sunnitisch-extremistisch Ansar al-Islam sunnitisch-extremistisch Tablighi Jamaat (TJ) sunnitisch-extremistisch Al-Tauhid sunnitisch-extremistisch Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 85 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Intiqad (Die Kritik) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) Al-Hourriah (Die Freiheit) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) Al-Hadaf (Das Ziel) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Democratic Palestine - zweimonatlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas Ila-al-Amam (Vorw\u00e4rts) - Generalkommando - (PFLP-GC) - w\u00f6chentlich - marxistisch-leninistisch Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) (Partei des islamischen Rufs / der islamischen Mission) schiitisch-extremistisch Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) schiitisch-extremistisch 2. Iranische Gruppen Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) islamisch-extremistisch Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A) Qods (Jerusalem) islamisch-extremistisch - unregelm\u00e4\u00dfig - Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) Hambastegi (Solidarit\u00e4t) marxistisch - unregelm\u00e4\u00dfig - Volksmudjahidin Iran (MEK) Mojahed (Glaubensk\u00e4mpfer) islamisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Sitz: Berlin islamisch-extremistisch 3. Kurdische Gruppen Volkskongress Kurdistans Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) (KONGRA GEL bzw. KHK) - monatlich - vormals: Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistan Report Kurdistans (KADEK) - zweimonatlich - davor: Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) marxistisch-leninistisch (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Teilorganisationen des KONGRA GEL: Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) vormals: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","86 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Koordination der kurdischen demokratischen Gesellschaft in Europa (CDK) vormals: Kurdische Demokratische Volksunion (YDK) davor: Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdischer Nationalkongress (KNK) Nebenorganisationen des KONGRA GEL: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (seit 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. vormals: HUNERKOM Verband der stolzen Frauen (Koma Jinen Bilind - KJB) umfasst: Freiheitspartei der Frauen Kurdistans (PAJK) Newaya Jin (Freie Frauen) vormals: Partei der Freien Frauen (PJA) - monatlich - davor: Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) bisher: Jina Serbilind (Die stolze Frau) Freie Frauenverb\u00e4nde (YJA) Frauenguerilla (YJA-STAR) Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Vereinigung der demokratischen Jugendlichen Kurdistans \u00d6ZG\u00dcR GENCLIK (Freie Jugend) (KOMALEN-CIWAN) vormals: Sterka Ciwan (Stern der Jugend) vormals: Bewegung der freien Jugend Kurdistans (TECAK) - zweimonatlich - davor: Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) Demokratische Jugend (DEM-GENC) Verband der StudentInnen aus Kurdistan (YXK) Ronahi (Licht) - dreimonatlich - Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Ausl\u00e4nderextremismus 87 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Demokratische Aleviten-F\u00f6deration (FEDA) Semah vormals: F\u00f6deration der Demokratischen Aleviten (DAV) vormals: Z\u00fclfikar davor: Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-LeniIsci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu nisten (TKP/ML) (Arbeiter-Bauern-Befreiung) - zweimonatlich - Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) Devrim Yolunda Isci K\u00f6yl\u00fc (Arbeiter und Bauern auf dem Weg der Revolution) - vierzehnt\u00e4gig - Maoistische Kommunistische Partei (MKP) Devrimci Demokrasi vormals: DABK (Ostanatolisches Gebietskomitee) (Revolution\u00e4re Demokratie) T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation des Partizan-Fl\u00fcgels (TKP/ML) Volksbefreiungsarmee (HKO), milit\u00e4rischer Arm der MKP Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg (Partizan-Fl\u00fcgel) F\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Deutschland (ADHF) (DABK-Fl\u00fcgel) Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) (Partizan-Fl\u00fcgel) - unregelm\u00e4\u00dfig - Konf\u00f6deration f\u00fcr demokratische Rechte in Europa (ADHK) (DABK-Fl\u00fcgel) Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Bolsevik Partizan (BP-KK/T) (Bolschewistischer Partisan) (Abspaltung von der TKP/ML) - monatlich - Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","88 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) in Deutschland seit 09.02.1983 verboten; 1993 in zwei Fraktionen (Karatasbzw. Yagan-Fl\u00fcgel) zerfallen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) Ekmek ve Adalet aus dem Karatas-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (Brot und Gerechtigkeit) (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) - w\u00f6chentlich - Y\u00fcr\u00fcy\u00fcs (Marsch) - w\u00f6chentlich - (seit Mai) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) aus dem Yagan-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen (in Deutschland seit 13.08.1998 verboten) Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Yeniden Atilim (Neuer Vorsto\u00df) - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Einheiten der Armen und Unterdr\u00fccker (FESK) - milit\u00e4rischer Arm der MLKP - Basisorganisation der MLKP: Konf\u00f6deration der unterdr\u00fcckten Migranten in Europa (AvEG-Kon) F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei AGIF B\u00fclteni in Deutschland e.V. (AGIF) - zweimonatlich - 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - Sitz: Frankfurt am Main 4.3 Islamische Extremisten Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. (IGMG) Verbandszeitschrift: Sitz: Kerpen Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive Publizistisches Sprachrohr: Milli Gazete (Nationale Zeitung) Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) Publizistisches Sprachrohr: vormals: Verband der islamischen Vereine und Barika-I Hakikat (Aufleuchten der Gemeinden e.V. (ICCB) mit Sitz in K\u00f6ln Wahrheit) (in Deutschland seit 12.12.2001 verboten) Front der islamischen K\u00e4mpfer des Furkan (Die Rettung) gro\u00dfen Ostens (IBDA-C) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 89 4. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie Ablehnung der auf. Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in DeutschGrundlagen der land sind im Wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie die GrundDemokratie lagen der Demokratie ablehnen und stattdessen - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschluss des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"VolksgemeinKollektivismus schaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die zu einer Aush\u00f6hlung der Grundrechte f\u00fchrt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung missachtender NationaNationalismus lismus, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung rassistischer Thesen, u.a. Rassismus des Antisemitismus, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltRelativierung des herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des NS-Unrechts Dritten Reichs zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige VerunVerunglimpfung glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. Ziel der Demokratie dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Repr\u00e4sentanten als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","90 Rechtsextremismus Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Strategie des Kampfs gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Seit einigen Jahren treten in der Propaganda von Rechtsextremisten Sozialpolitische sozialund wirtschaftspolitische Themen zunehmend in den Vordergrund. Themen Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus den Sorgen der Bev\u00f6lkerung um die Sicherheit des Arbeitsplatzes, die Finanzierung der Renten und die Folgen der Sozialreformen Kapital schlagen zu k\u00f6nnen. Teile des rechtsextremistischen Spektrums propagieren einen von dezidiert antikapitalistischen Elementen gepr\u00e4gten \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in sozialistisch orientierte W\u00e4hlerschichten einzudringen. Schwerpunkte rechtsextremistischer Agitation waren Propagandaaktionen zum 60. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und Kundgebungen zum Gedenken an die Opfer alliierter Luftangriffe auf deutsche St\u00e4dte. Dabei waren Rechtsextremisten bestrebt, die NS-VerbreRevisionistische chen zu relativieren und die Befreiung Deutschlands vom NationalsoziaAgitation lismus als nationale Katastrophe darzustellen. So versuchten sie, die jeweiligen Jahrestage der Bombardierung deutscher St\u00e4dte propagandistisch zu nutzen, indem sie z.B. eine Aufrechnung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten vornahmen oder ein Ende der Entsch\u00e4digungszahlungen an Juden und Zwangsarbeiter forderten. Im Vordergrund stand dabei die Absicht, auch das deutsche Volk vor allem als Opfer erscheinen zu lassen. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern und deren jeweilige Mitgliederst\u00e4rke ist aus der auf der Seite 91 dieses Berichts abgedruckten \u00dcbersicht zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. RechtsextremisDer Wahlerfolg in Sachsen im Herbst 2004 brachte der NPD bundesweit tische Parteien einen m\u00e4\u00dfigen Aufw\u00e4rtstrend; in Bayern blieb die Zahl der Mitglieder konstant. Nummerisch st\u00e4rkste rechtsextremistische Partei im Bundesgebiet ist wie bisher die DVU, allerdings mit abnehmender Tendenz, da sie den durch \u00dcberalterung bedingten Mitgliederschwund nicht aufhalten kann. In Bayern blieben die REP die mitgliederst\u00e4rkste Partei des rechtsextremistischen Spektrums, hatten aber wie die DVU sowohl bundesweit als auch in Bayern deutliche Mitgliederverluste zu verzeichnen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 91 Zahl und 2003 2004 2005 Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 39 40 40 rechtsextremisMitgliederst\u00e4rken tischer Organisationen in Die Republikaner (REP) 2.800 2.800 2.300 Bayern NPD mit JN und NHB 900 900 900 Deutsche Volksunion (DVU)* 1.200 1.200 1.100 Neonazistische Organisationen 120 160 160 Sonstige Organisationen 350 420 420 5.370 5.480 4.880 Neonazistische Einzelaktivisten 180 140 140 Rechtsextremistische Skinheads 800 800 800 Rechtsextremisten insgesamt 6.350 6.420 5.820 * Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins. Die N\u00fcrnberger B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA), die vorwiegend nur im Internet pr\u00e4sent war, wird voraussichtlich erst anl\u00e4sslich der Kommunalwahl 2008 wieder \u00f6ffentlich in Erscheinung treten. 2. Parteien, Organisationen und Verlage 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.000 850 Vorsitzender: Udo Voigt Ralf Ollert Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Publikation: \"Deutsche Stimme\" (DS) 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort Neonazistische und nationalrevolution\u00e4re Thesen sind fester Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD und haben deren Erscheinungsbild nachhaltig ver\u00e4ndert. Die NPD hat sich mittlerweile zu einem Sammelbecken gewaltbereiter Skinheads und Neonazis entwickelt. Die ParSammelbecken teif\u00fchrung intensivierte die Zusammenarbeit mit den \"Freien Nationavon Neonazis und listen\". Das von der Partei vertretene Staatsund Menschenbild steht in Skinheads krassem Gegensatz zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. F\u00fcr die NPD resultiert die W\u00fcrde des Einzelnen nicht aus dem freien Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","92 Rechtsextremismus Willen des Individuums, sondern sie ist von biologisch-genetischer Teilhabe an der \"Volksgemeinschaft\" abh\u00e4ngig. V\u00f6lkischer Mit ihrer Forderung nach Schaffung einer \"Volksgemeinschaft\" verwenKollektivismus det die NPD einen zentralen Begriff des Nationalsozialismus, der darunter insbesondere eine Schicksalsgemeinschaft verstand, in der die Interessen des Einzelnen bedingungslos der Gemeinschaft der Volksgenossen untergeordnet wurden: \"Volksherrschaft setzt die Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat dabei \u00fcber den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die Gesamtverantwortung wahrzunehmen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 3) \"Das deutsche Volk ist f\u00fcr uns Nationaldemokraten der gr\u00f6\u00dfte Wert an sich! (...) Es kann also nicht darum gehen, die \u00dcberfremdung steuern zu wollen, ... sondern nur noch darum, wie zur Volksgemeinschaft zur\u00fcckgefunden werden kann. (...) Nur in der Volksgemeinschaft ... wird unser Volk eine Zukunft haben.\" (Deutsche Stimme, August 2005, Seite 4) \"Die Weimarisierung der BRD hat begonnen, und man kann den Menschen im Lande nur klar machen, da\u00df nach dem Parteiengekl\u00fcngel der gro\u00dfen Volksparteien eine wirkliche souver\u00e4ne Volksherrschaft stehen kann.\" (Deutsche Stimme, September 2005, Seite 1) Rassismus und Eine mit dem Gleichheitsprinzip des Grundgesetzes unvereinbare, rasNationalismus sistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Fremdenfeindlichkeit ist elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom \"lebensrichtigen Menschenbild\", das sich insbesondere gegen \"Fremdbestimmung\" und \"\u00dcberfremdung\" wendet: \"Im Zusammenspiel von Gro\u00dfkapital, Regierung und Gewerkschaften wurden Millionen von Ausl\u00e4ndern wie Sklaven der Neuzeit nach Deutschland geholt. Diese Politik wird durch eine menschenund v\u00f6lkerverachtende Integration fortgesetzt. Ausl\u00e4nder und Deutsche werden gleicherma\u00dfen ihrer Heimat entfremdet und entwurzelt, ihnen droht der Verlust ihrer Identit\u00e4t, ... . In zahlreichen St\u00e4dten bilden sich Ausl\u00e4nderghettos, in denen die deutsche Restbev\u00f6lkerung zur Minderheit im eigenen Land wird. (...) Ein grundlegender politischer Wandel mu\u00df die menschenfeindliche Integrationspolitik beenden sowie die deutsche Volkssubstanz erhalten.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 8) \"Wer glaubt denn wirklich, da\u00df es bei j\u00e4hrlich Zehntausenden Asylschwindlern allein aus Afrika keine Gefahr f\u00fcr die deutsche Volksgesundheit gibt? Wer will denn ernsthaft in Zweifel ziehen, da\u00df viele unter ihnen nicht nur Aids, sondern auch exotische Krankheiten im Reisegep\u00e4ck haben, die hier weitergegeben werden? (...) Auch zur Aids-Bek\u00e4mpfung mu\u00dfdie Losung endlich lauten: 'Grenzen dicht!' \" (Deutsche Stimme, Januar 2005, Seite 15) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 93 Unter der \u00dcberschrift \"Volksgemeinschaft statt 'kontrollierte' Zuwanderung\" \u00e4u\u00dferte der Vorsitzende der s\u00e4chsischen NPD-Landtagsfraktion Holger Apfel: \"F\u00fcr volkserhaltende Kr\u00e4fte kann es nur darum gehen, nach Abl\u00f6sung des absterbenden Systems die weitestgehende Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung in Gang zu setzen und die Kr\u00e4fte des eigenen Volkes neu zu wecken.(...) Schlie\u00dflich d\u00fcrfte inzwischen auch dem allerletzten Glied der Informationskette bekannt sein, da\u00df die sog. 'multikulturelle Gesellschaft' in Wirklichkeit eine multikriminelle Verfallsgesellschaft ist. Tatsache ist, da\u00df jeden Tag in der realexistierenden BRD drei bis vier Menschen von Ausl\u00e4ndern ermordet werden. Nur findet dies kaum Beachtung, denn die Verausl\u00e4nderungsextremisten samt Medien h\u00fcten sich geh\u00f6rig davor, dies zu thematisieren.\" (Deutsche Stimme, August 2005, Seite 4) Als kontr\u00e4r zu ihren v\u00f6lkischen Idealen betrachtet die NPD das GesellAntiamerikanismus schaftsmodell der \"liberalistischen\" USA: \"Wir vergessen nicht, da\u00df Amerika wegen nackter Wirtschaftsinteressen in die beiden Weltkriege eintrat und diese gegen Deutschland entschied. Wir wissen, da\u00df die Amerikaner die ideologischen Sch\u00f6pfer und gewaltt\u00e4tigen Exekutoren von Multikulturalismus und Globalismus sind. (...) Au\u00dferdem sehen wir, da\u00df Amerika die ganze Welt in ein postnationales Disney-Land mit infantilisierten Konsumidioten verwandeln will. Sein und Nichtsein der Deutschen, Europ\u00e4er und aller anderen V\u00f6lker h\u00e4ngt davon ab, ob sie den Willen und die Kraft haben, sich zu entamerikanisieren und zu renationalisieren.\" (Deutsche Stimme, Juni 2005, Seite 17) F\u00fcr die NPD geh\u00f6rt Revisionismus nach wie vor zum Bestandteil ihrer Revisionismus Ideologie. Allerdings argumentiert sie dabei zur\u00fcckhaltender als bisher, wobei sie auch versucht, das Geschichtsbild \u00fcber die Zeit des Nationalsozialismus zugunsten einer wohlwollenden bis rechtfertigenden Betrachtung zu korrigieren: \"Zun\u00e4chst d\u00fcrfte nicht alles, was in fr\u00fcheren Generationen auf Grund langer Erfahrungen geachtet und gesch\u00e4tzt wurde, allein aus dem Grund abgelehnt werden, da\u00df es auch zur Zeit des Dritten Reiches etwas galt.\" (Deutsche Stimme, Juni 2005, Seite 3) \"Durch den Dauereinsatz der Auschwitz-Keule ... kamen die Deutschen in eine Schuldknechtschaft, die es inund ausl\u00e4ndischen Kreisen bis heute erm\u00f6glicht, die Deutschen moralisch zu dem\u00fctigen, wirtschaftlich auszunehmen und politisch zu bevormunden.\" (Deutsche Stimme, Juni 2005, Seite 17) \"Nachkriegsgeborenen anzudienen, sich an 'NS-Verbrechen' zu 'erinnern', ist der Versuch, eine unmittelbare Mitverantwortung (= Mitschuld) durch ein verbales Hintert\u00fcrchen zu installieren. Bekanntlich zahlt nur der, der sich schuldig Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","94 Rechtsextremismus f\u00fchlt. Und der Faktor 'Geld' ist das letztlich Entscheidende bei der ganzen 'Vergangenheitsbew\u00e4ltigung'.\" (Deutsche Stimme, Mai 2005, Seite 10) \"\u00dcber der gelebten Schuldkultur in unserem Land steht die Annahme von der 'Einzigartigkeit' der den Deutschen angelasteten Verbrechen. (...) Allerdings finden sich in der Geschichte nicht wenige einzigartige Vorg\u00e4nge, wenn es um die Ausrottung von Menschen durch Menschen geht. (...) Bedr\u00fcckend einzigartig ist auch, da\u00df ein milit\u00e4risch besiegtes Volk sich auch 60 Jahre nach Kriegsende kaum mit den Verbrechen besch\u00e4ftigt, die ihm selbst von den Siegerm\u00e4chten angetan worden sind.\" (Deutsche Stimme, Juni 2005, Seite 12) Antisemitismus Bei der Verbreitung antisemitischer Propaganda nutzt die NPD aktuelle politische Ereignisse, um Ressentiments gegen Juden zu f\u00f6rdern. So polemisierte ein im Parteiorgan ver\u00f6ffentlichter Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Erbhof j\u00fcdischer Kapitallenker\" gegen die Berufung eines Juden an die Spitze der Weltbank: \"Um die schwindelerregende \u00dcberrepr\u00e4sentanz von Juden in den Entscheidungsetagen des Weltkapitalismus zu erkennen ... reicht die Lekt\u00fcre der Systembl\u00e4tter. (...) Der identit\u00e4tsund gemeinschaftslose Bundesb\u00fcrger findet an der internationalen Machtstellung des kleinen Volkes nichts Bedenkliches. (...) Deshalb existieren die Erbh\u00f6fe der Ostk\u00fcste in Institutionen der Weltwirtschaft weder zuf\u00e4llig noch sind sie ungef\u00e4hrlich. Hier laufen die F\u00e4den einer v\u00f6lkerfeindlichen Oligarchie zusammen.\" (Deutsche Stimme, Mai 2005, Seite 2) Diffamierung Das politische System in Deutschland wurde h\u00e4ufig als \"Regime\" diffademokratischer miert; seine Repr\u00e4sentanten seien Betr\u00fcger und Versager: Institutionen \"Die politische Klasse ist inzwischen derartig korrupt und inkompetent geworden, da\u00df man sich w\u00fcnscht, sie w\u00fcrde endlich ihre verh\u00e4ngnisvollste Nebent\u00e4tigkeit aufgeben, zum Wohle des Volkes: ihre politischen Posten.\" (Deutsche Stimme, Februar 2005, Seite 2) \"Die Etablierten sind ausgelaugt, perspektivlos und haben abgewirtschaftet. (...) Sie alle verbindet eines: Sie sind gleicherma\u00dfen konzeptlos und haben Deutschland l\u00e4ngst dem internationalen Gro\u00dfkapital ausgeliefert.\" (Deutsche Stimme, April 2005, Seite 2) \"Das System l\u00e4sst die Maske fallen. Das Altparteienkartell meint es nicht gut mit den Deutschen im eigenen Land. (...) Wir werden regiert von Versagern, Unf\u00e4higen und \u00dcberzeugungst\u00e4tern.\" (Deutsche Stimme, Juli 2005, Seite 1) \"Wir m\u00fcssen den Menschen klarmachen, da\u00df es egal ist, ob Union oder SPD unser Land regieren. Der Untergang des dahinsiechenden Systems wird durch diese Parteien nur hinausgez\u00f6gert.\" (Deutsche Stimme, Juli 2005, Seite 9) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 95 \"Leider spricht alles daf\u00fcr, dass am Wahltag nur die einen Volksbetr\u00fcger durch die anderen ersetzt werden.\" (Deutsche Stimme, August 2005, Seite 16) \"Die Weimarisierung scheint das augenscheinliche Ziel einer politischen Klasse zu sein, die sich demokratisch nicht mehr messen kann.\" (Deutsche Stimme, September 2005, Seite 10) Diese diffamierende Polemik zeigt deutlich, dass die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen GrundWesensverwandtordnung ablehnt. Dar\u00fcber hinaus offenbart die Diktion der NPD, insschaft mit der besondere der h\u00e4ufige Gebrauch der Begriffe \"System\", \"System-Parteien\" NS-Terminologie oder \"Systempolitiker\", die bereits von der NSDAP zur Diffamierung der Weimarer Republik instrumentalisiert wurden, eine Wesensverwandtschaft mit der Ideologie der NSDAP. NPD und JN betrachten die Wertordnung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in der bestehenden Form als \"\u00fcberholt und handlungsunf\u00e4hig\" und wollen sie deshalb beseitigen. Um dem Ziel der politischen Machtergreifung n\u00e4her zu kommen, hat die Partei zur Verfolgung ihrer verfassungsfeindlichen Bestrebungen 1997 ein auf drei \"Drei-S\u00e4ulen\"strategische S\u00e4ulen\" gest\u00fctztes Konzept entwickelt, n\u00e4mlich Konzept\" - Programmatik: Kampf um die K\u00f6pfe, - Massenmobilisierung: Kampf um die Stra\u00dfe, - Wahlteilnahme: Kampf um die Parlamente. Mit dem im Herbst 2004 noch als vierte S\u00e4ule eingef\u00fcgten \"Kampf Neue vierte S\u00e4ule um den organisierten Willen\" erstrebt die NPD eine B\u00fcndelung aller nationalen Kr\u00e4fte, ohne dabei programmatische Inhalte zu definieren. Im Grunde handelt es sich um eine Aktionseinheit von NPD und Teilen des rechtsextremistischen Lagers. Die NPD bezieht hierin auch die DVU mit ein. Seit Mitte der 90er Jahre hat die NPD ihre Agitation zur \"sozialen Frage\" Zunehmende kontinuierlich erweitert. Sie erkl\u00e4rte dieses Thema zum Drehund AnKonzentration auf gelpunkt nationaler Politik. Mit einer Orientierung hin zum \"Nationalen soziale Themen Sozialismus\", einer Verkn\u00fcpfung von \"Nation\" und \"Sozialismus\", wirbt die NPD vor allem in den neuen Bundesl\u00e4ndern um Anh\u00e4nger. Insbesondere in Wahlk\u00e4mpfen sch\u00fcrt die NPD \u00c4ngste vor Arbeitslosigkeit, Fremdbestimmung oder \u00dcberfremdung. Damit soll eine Krisenstimmung geschaffen werden, die den Angriff gegen den sozialen Rechtsstaat und die freiheitliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland rechtfertigen soll. So forderte der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","96 Rechtsextremismus bei einer Wahlkampfrede am 28. August 1998 in Greifswald dazu auf, die \"Waffe in die Hand\" zu nehmen, um das Vaterland gegen etablierte Politiker zu verteidigen. Das Landgericht Stralsund verurteilte ihn deswegen am 25. August wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten auf Bew\u00e4hrung. Aggressiver Im Rahmen ihres aggressiven Bestrebens, \u00fcber den au\u00dferparlamentaAktionismus im rischen Kampf politische Macht in Deutschland zu erringen, veranstal\"Kampf um die tete die NPD seit dem Amtsantritt des Bundesvorsitzenden Voigt im Jahr Stra\u00dfe\" 1996 bundesweit rund 760 Demonstrationen und \u00f6ffentliche Aktionen mit teilweise bis zu 5.000 Teilnehmern. Die Partei versteht sich als Anf\u00fchrerin einer breiten sozialen Protestbewegung, die in \u00f6ffentlichen Aufm\u00e4rschen auf der Stra\u00dfe gemeinsam mit Neonazis und Skinheads ihre auf die \u00dcberwindung des \"Systems\" gerichteten Ziele verfolgt. Sie bietet der Neonazi-Szene ein \"legales\" organisatorisches Dach und ist somit mitverantwortlich f\u00fcr ein geistiges Klima, das den Boden f\u00fcr \u00dcbergriffe von Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder und andere Minderheiten bereitet. 2.1.2 Organisation Anstieg der Die Partei mit Sitz in Berlin z\u00e4hlt bundesweit ann\u00e4hernd 6.000 (2004: Mitgliederzahl 5.300). Mitglieder. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Bundesvorsitzender ist seit M\u00e4rz 1996 Udo Voigt; seine Stellvertreter sind Holger Apfel, Peter Marx und der Generalsekret\u00e4r der Partei Ulrich Eigenfeld. Redaktion und Anzeigenabteilung des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" (DS) befinden sich in Riesa/Sachsen. Dem aus 19 Personen bestehenden Bundesvorstand geh\u00f6ren nach wie vor mehrere ehemalige Aktivisten verbotener neonazistischer Gruppierungen an. Dar\u00fcber hinaus betrachtet die NPD Skinheads als nat\u00fcrliche B\u00fcndnispartner. Landesverband Dem Landesverband Bayern mit derzeitiger Adresse in Bamberg geh\u00f6ren Bayern wie bisher rund 850 Mitglieder an, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige der Neonaziund Skinhead-Szene. Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 35 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber rund ein Drittel nicht aktiv ist. Der Landesverband wird von Ralf Ollert geleitet, seine Stellvertreter sind Franz Salzberger und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, ein ehemaliger Aktivist des 1993 verbotenen neonazistischen Nationalen Blocks (NB). Nach wie vor Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 97 sind im bayerischen Landesvorstand neben Anh\u00e4ngern der orthodoxen Linie der NPD auch Funktion\u00e4re mit einer \u00fcberwiegend neonazistisch ausgerichteten Ideologie vertreten; ebenso bestehen Verbindungen zur Skinhead-Szene. Die NPD verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber das umfassendste Angebot aller Nutzung des rechtsextremistischen Parteien im Internet. Ihre Homepage enth\u00e4lt Internets mehrere Diskussionsforen sowie ein eigenes Textarchiv mit Schlagwortsuchmodus, \u00fcber den alle bislang von der NPD ver\u00f6ffentlichten Texte abrufbar sind. Einige NPD-Landesverb\u00e4nde verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internet-Seiten. \u00dcber eine Linkliste sind Angebote von Untergliederungen der NPD und ihrer Jugendorganisation zug\u00e4nglich. Die NPD und ihre Jugendorganisation unterhalten Verbindungen zu Auslandskontakte gleich gesinnten Personen und Organisationen im westeurop\u00e4ischen Ausland, insbesondere nach Spanien, \u00d6sterreich und Italien. Allerdings ist die NPD ihrem Ziel der Bildung einer nationalistischen nordeurop\u00e4ischen Allianz nicht n\u00e4her gekommen. 2.1.3 Teilnahme an Wahlen Die NPD nahm als einzige Partei aus dem rechtsextremistischen Spektrum an der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 20. Februar teil. Landtagswahl in Nach dem amtlichen Endergebnis erreichte sie einen Stimmenanteil von Schleswig-Holstein 1,9 %. Damit konnte sie ihr Ergebnis im Vergleich zur Landtagswahl im Jahr 2000 zwar um 0,9 % verbessern; dennoch blieb sie weit von ihrem erkl\u00e4rten Ziel - dem Einzug in das Landesparlament - entfernt. Offensichtlich ist der NPD die Mobilisierung des Protestw\u00e4hlerpotenzials nicht in dem gleichen Ma\u00dfe wie bei der Landtagswahl 2004 in Sachsen gelungen. Hinzu kam die strukturelle Schw\u00e4che des NPD-Landesverbands Schleswig-Holstein. Auch d\u00fcrfte ein von der NPD im S\u00e4chsischen Landtag inszenierter Eklat (vgl. auch Nummer 2.1.5.2 dieses Abschnitts) potenzielle W\u00e4hler abgeschreckt haben. Zur Landtagswahl am 22. Mai in Nordrhein-Westfalen trat die NPD mit Landtagswahl in einer 34 Personen umfassenden Landesliste - angef\u00fchrt vom BundesNordrhein-Westvorsitzenden Udo Voigt - sowie mit Direktkandidaten in 109 der 128 falen Wahlkreise an. Drei Neonazis kandidierten auf den Listenpl\u00e4tzen acht, zehn und dreizehn. Die DVU hatte gem\u00e4\u00df der mit der NPD getroffenen Wahlabsprache wiederum auf eine Kandidatur verzichtet. Dem amtlichen Endergebnis zufolge erreichte die NPD einen Stimmenanteil von 0,9 % (2000: 0,0 %). Zwar konnte sie damit das Ergebnis der letzten Landtagswahl deutlich verbessern und auch mehr Stimmen als die REP Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","98 Rechtsextremismus erreichen. Sie verfehlte jedoch ihr zentrales Wahlziel - den Einzug in den Landtag - bei weitem und kann auch keine Mittel aus der staatlichen Parteienfinanzierung beanspruchen. In einer Pressemitteilung vom 24. Mai begr\u00fc\u00dfte die NPD-Parteif\u00fchrung die Entscheidung der Bundesregierung, den Weg zu vorgezogenen Bundestagsneuwahlen freizumachen. Die lange Serie von Wahlniederlagen zeige, dass \"Rotgr\u00fcn endg\u00fcltig abgewirtschaftet hat und ein Fall f\u00fcr den Politkompost ist\". Im Herbst 2005 w\u00fcrden die Deutschen \"nicht allein die Wahl zwischen Pest und Cholera haben\". Die nationale Opposition werde sich in den kommenden Monaten \"als glaubw\u00fcrdige Alternative zum herrschenden Parteienkartell pr\u00e4sentieren und deutlich machen, da\u00df die Marktfundamentalisten von CDU und FDP noch st\u00e4rker als Rotgr\u00fcn f\u00fcr eine systematische Aush\u00f6hlung des Sozialstaats stehen\". Nach dem amtlichen Endergebnis erzielte die NPD am 18. September Bundestagswahl bei der Wahl zum Deutschen Bundestag mit 748.568 Zweitstimmen einen Stimmenanteil von 1,6 % (2002: 0,4 %). Zwar verfehlte sie ihr nach au\u00dfen propagiertes Minimalziel, n\u00e4mlich die Erringung von mindestens einem Direktmandat; gleichwohl konnte sie ihren Stimmenanteil gegen\u00fcber der letzten Bundestagswahl vor allem in den \u00f6stlichen Bundesl\u00e4ndern teilweise erheblich steigern. Der damit erlangte Anspruch auf Mittel aus der staatlichen Teilfinanzierung d\u00fcrfte ihre finanziell angespannte Lage deutlich entsch\u00e4rfen. Die Kandidatur der Linkspartei.PDS, die einen Teil der potenziell auch f\u00fcr die NPD relevanten Protestw\u00e4hler f\u00fcr sich gewinnen konnte, hat offensichtlich ein besseres Abschneiden der NPD verhindert. Im fr\u00fcheren Bundesgebiet und in Berlin-West stimmten durchschnittlich 1,1 % der W\u00e4hler f\u00fcr die NPD, in den neuen L\u00e4ndern und in Berlin-Ost 3,6 %. Ihr bestes Landesergebnis mit 4,9 % (2002: 1,4 %) erreichte die Partei in Sachsen, gefolgt von Th\u00fcringen mit 3,7 % und Mecklenburg-Vorpommern mit 3,5 %. Ihr schlechtestes Ergebnis erzielte sie in Nordrhein-Westfalen mit 0,8 %. In Bayern gelang der NPD eine Steigerung auf 1,3 % (2002: 0,2 %); auf der Landesliste hatten auch Mitglieder der Deutschen Volksunion (DVU) und der Deutschen Partei - Die Freiheitlichen (DP) kandidiert. Den gr\u00f6\u00dften Zuwachs verzeichnete die NPD in der Oberpfalz (von 0,2 % auf 1,9 %), den geringsten in Oberbayern (von 0,2 % auf 0,9 %). Der NPD-Vorsitzende Voigt wertete das Wahlergebnis als Erfolg und sieht bei den im Herbst 2006 anstehenden Landtagswahlen in MeckVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 99 lenburg-Vorpommern eine Chance f\u00fcr den Einzug der NPD in den dortigen Landtag. Ihren Wahlkampf hatte die Partei insbesondere mit Plakatund Flugblattaktionen, Wahlwerbespots in Rundfunk und Fernsehen, einigen Saalveranstaltungen und Kundgebungen sowie der Verbreitung ihrer \"Schulhof-CD\" (vgl. auch Nummer 2.1.5.2 dieses Abschnitts) gef\u00fchrt. Zentrale Agitationsfelder waren die Themen Arbeitslosigkeit, Sozialabbau, \"\u00dcberfremdung\" und der EU-Beitritt der T\u00fcrkei. Mit Parolen wie \",Fremdarbeiter' stoppen!\", \"Arbeit f\u00fcr Deutsche!\", \"Schnauze voll? L\u00fcgner abstrafen!\" und \"Deutschland den Deutschen - gegen multikulturelle Extremisten\" warb die NPD um Stimmen. Unterst\u00fctzung leisteten partiell \"freie Kameradschaften\" oder Angeh\u00f6rige von \"Nationalen Stammtischen\", aber auch die DVU und Neonazis im Rahmen der B\u00fcndnispolitik. In Bayern stellte der Landesvorstand den einzelnen Organisationseinheiten mehr als 20.000 Plakate, rund 200.000 Flugbl\u00e4tter und 150.000 Wahlzeitungen kostenlos zur Verf\u00fcgung. Um ein breiteres Interesse zu wecken, traten bei Wahlveranstaltungen zus\u00e4tzlich Skinhead-Bands auf (vgl. auch Nummer 4.5 dieses Abschnitts). 2.1.4 B\u00fcndnisbestrebungen Die NPD bem\u00fcht sich schon seit l\u00e4ngerer Zeit um Absprachen mit anderen rechtsextremistischen Parteien, um ihre Chancen bei Wahlen zu steigern. Mit dem aktuellen Konzept einer \"Volksfront von rechts\" ver\"Volksfront von folgt die Partei B\u00fcndnisbestrebungen in zwei unterschiedliche Richtunrechts\" gen: Zum einen intensiviert sie ihre b\u00fcndnispolitische Orientierung zur Neonazi-Szene. Zum anderen wird die Kooperation mit den \"derzeitigen nationalen Parteien in der BRD\" angestrebt, da aufgrund der Zersplitterung dieser Parteien keine in der Lage sei, \"wirksamen politischen Einflu\u00df und gestalterische Macht zu entfalten\". Ziel der B\u00fcndnispolitik ist die \"Konzentration aller nationalen Kr\u00e4fte\" bzw. die Einheit des \"nationalen Lagers\". Auf dem DVU-Bundesparteitag am 15. Januar in M\u00fcnchen vereinbarten der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt und der DVU-Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey in einem \"Deutschland-Pakt\" ihre weitere Zusammenarbeit f\u00fcr die Europa-, Bundestagsund Landtagswahlen bis \"Deutschland-Pakt\" 2009. Bei den Landtagswahlen 2004 in Brandenburg und Sachsen hatte der Verzicht auf Konkurrenzkandidaturen zu den Erfolgen von DVU bzw. NPD beigetragen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","100 Rechtsextremismus Dementsprechend trat die NPD bei den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen als \"einzige nationale Kraft\" an. Auch an der Bundestagswahl 2005 beteiligte sich nur die NPD, wobei sie auch DVU-Funktion\u00e4ren Listenpl\u00e4tze einr\u00e4umte. Im Gegenzug soll die DVU Listenf\u00fchrerin bei der Europawahl 2009 mit NPD-Kandidaten auf der DVU-Liste sein. Verst\u00e4rkte AnEine verst\u00e4rkte Ann\u00e4herung zwischen der NPD und den \"Freien Nation\u00e4herung an die nalisten\" hatte sich bereits seit Jahresbeginn 2004 abgezeichnet. So Neonazi-Szene gab es anl\u00e4sslich der Maikundgebung 2004 in Berlin einen gemeinsamen Aufruf von Teilen der Neonazi-Szene und der NPD. Anschlie\u00dfend propagierte der bekannte Neonazi Thomas Wulff in einem im NPD-Parteiorgan ver\u00f6ffentlichten Beitrag die Schaffung einer \"Volksfront von rechts\". Ein Jahr sp\u00e4ter zogen die f\u00fchrenden Neonazis Thomas Wulff, Ralph Tegethoff und Torsten Heise auf einer rechtsextremistischen Internet-Seite unter der \u00dcberschrift \"Ein Jahr im Zeichen der Volksfront\" eine positive Bilanz der aktuellen B\u00fcndnisbem\u00fchungen im rechtsextremistischen Lager und verwiesen dabei auf die Wahl von Heise und Wulff in den NPD-Bundesvorstand. Andererseits erf\u00e4hrt die von der NPD propagierte \"Volksfront\" bei den \"Freien Nationalisten\" nicht nur Zustimmung. Bei diesen ist die Zusammenarbeit vielfach rein taktisch motiviert, oft von Eigeninteressen gepr\u00e4gt und - bei ausbleibendem Erfolg - sehr instabil. So kritisierte der Hamburger Neonazi Christian Worch nach der Wahlniederlage der NPD in Schleswig-Holstein die zu geringe Kooperationsbereitschaft der NPD gegen\u00fcber Neonazis. Letztlich werde sich wohl erst bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, \"ob hinter der 'Volksfront' mehr steckt als ein Wahlhelferverein f\u00fcr die NPD und eine berufsf\u00f6rdernde Ma\u00dfnahme f\u00fcr einzelne vormals parteifreie Nationalisten\". Die NPD nutzt die Anziehungskraft der Skinheads gezielt f\u00fcr ihre Wahlkampfveranstaltungen und Rekrutierungsma\u00dfnahmen. Sie hat sehr Kontakte zu fr\u00fch den hohen Stellenwert der rechtsextremistischen Skinhead-Musik Skinheads erkannt und ist bestrebt, bei eigenen Skinhead-Konzerten jugendliche Besucher f\u00fcr NPD-Aktivit\u00e4ten zu mobilisieren und letztlich f\u00fcr die Ziele der Partei zu gewinnen. Daher bieten die NPD bzw. deren Aktivisten, die wie beispielsweise Norman Bordin enge Verbindungen zur Skinhead-Szene besitzen, rechtsextremistischen Skinhead-Bands ein Forum f\u00fcr Auftritte bei Parteiveranstaltungen. Obwohl sich einzelne Skinheads bzw. kleinere Skinhead-Gruppierungen eher unpolitisch geben, sich von der NPD distanzieren und eine Politisierung durch Schulungsund Vortragsveranstaltungen kategorisch ablehnen, halten andere Gruppierungen nach wie vor engen Kontakt zu NPD-Verb\u00e4nden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 101 Die Parteimitgliedschaft f\u00fchrender Neonazis erleichtert der NPD die Personelle Mobilisierung und Integration von Skinheads im Gro\u00dfraum M\u00fcnchen und Verflechtungen N\u00fcrnberg. Die auff\u00e4llige Pr\u00e4senz von rechtsextremistischen Skinheads in den mittelfr\u00e4nkischen NPD-Strukturen hat weiter zugenommen. Dort rekrutiert sich inzwischen ein Gro\u00dfteil der Vorstandsmitglieder aus der \u00f6rtlichen Neonaziund Skinhead-Szene. Auch Angeh\u00f6rige der Skinhead-Szene aus dem Gro\u00dfraum W\u00fcrzburg suchen die N\u00e4he zur NPD und nehmen bayernweit an NPD-Veranstaltungen teil. Neben Skinhead-Bands gewinnen rechtsextremistische Liedermacher Rechtsextremiszunehmend an Bedeutung. Sie treten mitunter bei Skinhead-Treffen, tische Liedermacher h\u00e4ufiger aber bei Veranstaltungen rechtsextremistischer Parteien wie der NPD auf. Dabei steht die Verherrlichung der ihnen vorschwebenden \"deutschen Ideale\" im Vordergrund: Kameradschaft, Frau als Mutter in der Familie, Gehorsam, Heldentum, Tapferkeit, Solidarit\u00e4t, Treue und Ordnungssinn. Dar\u00fcber hinaus werden in den Liedern auch die angeblich positiven Seiten des NS-Regimes betont. Zwei bekannte Liedermacher in der bayerischen Szene sind Michael und Annett M\u00fcller. Beide treten bundesweit bei Veranstaltungen der rechtsextremistischen Szene auf. 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten 2.1.5.1 Landesparteitag Der NPD-Landesverband Bayern f\u00fchrte am 3. Juli in Postbauer-Heng, Landesparteitag Landkreis Neumarkt i.d. OPf., seinen 39. Parteitag durch. An der Verin Postbauer-Heng anstaltung unter dem Motto \"Deutsche Volkswirtschaft statt Kapitalismus!\" nahmen etwa 100 Delegierte teil. Im Vordergrund stand die Wahl der NPD-Listenbewerber zur vorgezogenen Bundestagswahl am 18. September. Als Spitzenkandidat wurde der Landesvorsitzende Ralf Ollert gew\u00e4hlt, gefolgt von Bruno Wetzel (DVU), Franz Salzberger (NPD), Dr. Thomas Mehnert (DVU), Sascha Ro\u00dfm\u00fcller (NPD), Uwe Meenen (NPD) und Wolfgang Bukow (DP). Auf Platz 10 der Landesliste kandidierte der NPD-Funktion\u00e4r und Anf\u00fchrer der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen Norman Bordin. 2.1.5.2 Kundgebungen und sonstige Aktionen Seit dem Einzug der NPD in den S\u00e4chsischen Landtag im September 2004 konzentriert sich die Partei darauf, dieses Gremium medienwirksam als \"B\u00fchne\" f\u00fcr ihre auch revisionistisch gepr\u00e4gte Propaganda zu nutzen. Als der Landtagspr\u00e4sident am 21. Januar die Abgeordneten bat, sich Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","102 Rechtsextremismus Eklat im S\u00e4chzum Gedenken an den bevorstehenden 60. Jahrestag der Befreiung des sischen Landtag Konzentrationslagers Auschwitz (27. Januar 1945) f\u00fcr eine Schweigeminute zu erheben, verlie\u00dfen die zw\u00f6lf Abgeordneten der NPD-Fraktion geschlossen den Saal. In einer am selben Tag veranstalteten \"Aktuellen Stunde\" im S\u00e4chsischen Landtag bezeichneten der Fraktionsvorsitzende der NPD Holger Apfel und der NPD-Abgeordnete J\u00fcrgen Gansel die alliierten Luftangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg als \"Bomben-Holocaust\". Politischer Am traditionellen Aschermittwochstreffen der bayerischen NPD am Aschermittwoch 9. Februar in Deggendorf beteiligten sich rund 150 (2004: 70) Mitgliein Deggendorf der und Sympathisanten, darunter auch der Landesvorsitzende der DP Ulrich P\u00e4tzold. Der stellvertretende Vorsitzende des NPD-Landesverbands Bayern Sascha Ro\u00dfm\u00fcller referierte in seiner Eigenschaft als Mitarbeiter der NPD-Fraktion im S\u00e4chsischen Landtag \u00fcber deren Arbeit. P\u00e4tzold bot in seinem Gastbeitrag der NPD die Zusammenarbeit in Bezug auf die Bundestagswahl 2005 an. Der bayerische NPD-Vorsitzende Ralf Ollert prophezeite in seiner Rede den gemeinsamen Einzug von NPD, DP und \"freien Kameraden\" in den Bayerischen Landtag im Jahr 2008. Weiter erkl\u00e4rte er, die NPD wende sich mit ihrem \"Kampf gegen das System\" nicht gegen die freiheitliche Grundordnung, sondern gegen das etablierte Machtkartell aus Parteien und ihren Helfershelfern; diese h\u00e4tten sich den Staat zur Beute gemacht und wollten eine Opposition in den Parlamenten mit allen Mitteln verhindern. Trauermarsch Am 13. Februar beteiligten sich rund 5.200 Personen an einem Traueram 13. Februar marsch durch die Dresdner Innenstadt zum Gedenken an die Zerst\u00f6in Dresden rung Dresdens im Jahre 1945. Wie in den Vorjahren wirkte die NPD bei der Organisation der Veranstaltung ma\u00dfgeblich mit; zus\u00e4tzlich hatte der NPD-Fraktionsvorsitzende im S\u00e4chsischen Landtag Holger Apfel die Schirmherrschaft \u00fcbernommen. Anmelderin des seit Mitte der 90er Jahre allj\u00e4hrlich stattfindenden Aufzugs war die rechtsextremistische \"Junge Landsmannschaft Ostpreu\u00dfen\" (JLO). Der zur NPD geh\u00f6rende \"Deutsche Stimme\"-Verlag f\u00fchrte vom 18. bis 20. M\u00e4rz in Bayreuth seinen \"3. Freiheitlichen Kongress\" durch. Daran nahmen rund 300 Personen teil, darunter der Parteivorsitzende Udo Voigt, seine Stellvertreter Holger Apfel und Peter Marx, der DVU-Pressesprecher Bernd Dr\u00f6se und der inzwischen verstorbene rechtsextremistische Publizist und fr\u00fchere REP-Bundesvorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber, der die NPD seit Anfang des Jahres in medienund europapolitischen Fragen beraten hatte. Die Teilnehmer stimmten darin \u00fcberein, die B\u00fcndnisVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 103 bestrebungen im nationalen Lager fortzusetzen und bekannten sich \"3. Freiheitausdr\u00fccklich zu dem am 15. Januar zwischen NPD und DVU geschloslicher Kongress\" senen \"Deutschland-Pakt\". Angesichts der krisenhaften Entwicklung k\u00f6nne sich Deutschland eine zersplitterte nationale Opposition nicht l\u00e4nger leisten. Voigt erkl\u00e4rte in seiner Rede, es gelte die erfolgreiche \"Volksfront-Politik\" fortzusetzen. Ziel sei es, 2006 in den \"Reichstag\" einzuziehen. Die Versch\u00e4rfung des Versammlungsrechts sei Zeichen einer ansteigenden Nervosit\u00e4t der politischen Klasse. In Zeiten wirtschaftlicher Probleme versuche man das nationale Lager zu stigmatisieren, um von den gravierenden Problemen, insbesondere der Massenarbeitslosigkeit, abzulenken. Am 1. Mai veranstaltete die NPD in N\u00fcrnberg zum Thema \"Das Volk sind wir - weg mit Hartz IV\" eine Kundgebung, an der sich rund 380 Personen beteiligten. Der NPD-Aufzug begann verz\u00f6gert, da eine starke Rauchentwicklung in einem U-Bahn-Tunnel zu St\u00f6rungen des U-Bahn-Verkehrs f\u00fchrte. Ein Teil der Veranstaltungsteilnehmer gelangte deshalb versp\u00e4tet zum Aufstellungsort. Die autonome Szene wertete dies als erfolgreiche St\u00f6rung des zeitlichen Ablaufs des Aufmarsches. Ein Gro\u00dfteil der Gegendemonstranten versuchte mehrfach, den Aufzug zu stoppen. So Kundgebung zum blockierten etwa 230 Personen eine Unterf\u00fchrung, weitere 300 Gegen1. Mai in N\u00fcrnberg demonstranten drangen in den Hauptbahnhof ein und verteilten sich in Kleingruppen. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung kam es zu zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Einsatzkr\u00e4ften, wobei ein Polizeibeamter schwere Verletzungen erlitt. Auch die Schlusskundgebung der NPD war von verbalen Protesten begleitet. Die Polizei nahm 23 Personen fest, davon 20 aus dem linksextremistischen Spektrum. Unter dem Motto \"Kriminellen keine Plattform bieten! JZ Dorfen schlie\u00dfen!\" demonstrierten am 4. Juni rund 130 Personen des rechtsextreDemonstration am mistischen Spektrums in Dorfen, Landkreis Erding, gegen das \u00f6rtliche 4. Juni in Dorfen Jugendzentrum. Anmelder der Veranstaltung war der NPD-Funktion\u00e4r und Neonazi Norman Bordin. Bei der Auftaktkundgebung wandte sich Bordin gegen linksautonome Gewalt und Drogenmissbrauch und behauptete, im Jugendzentrum werde linksextremistisches Gedankengut verbreitet. Die Einrichtung m\u00fcsse geschlossen werden, da Jugendliche dort zu Straftaten und Drogenmissbrauch verleitet w\u00fcrden. Die NPD werde in Dorfen solange demonstrieren, bis dieses Ziel erreicht sei. Gegen die NPD-Veranstaltung protestierten bis zu 800 politische Gegner, darunter zwischen 250 und 300 gewaltbereite Aktivisten der linksextremistischen autonomen Szene. Die Polizei l\u00f6ste Blockaden der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","104 Rechtsextremismus Gegendemonstranten auf und nahm insgesamt 20 Personen fest, davon drei Rechtsextremisten. Die erste Veranstaltung dieser Art hatte am 11. Dezember 2004 in Dorfen stattgefunden. Damals hatten 80 Rechtsextremisten unter dem Motto \"Kriminellen Banden keine Plattform bieten, sch\u00fctzt die Jugend vor linksfaschistischer Gewalt\" demonstriert. \"Schulhof-CD\" im Zur Bundestagswahl 2005 lie\u00df die NPD eine CD mit Liedern bekannter Bundestagswahlnationaler Interpreten und Rockgruppen in hoher Auflage produzieren. kampf Der auch als \"Schulhof-CD\" bezeichnete Tontr\u00e4ger trug den Titel \"Die NPD rockt in den Reichstag\" mit dem Hinweis \"Hier kommt der Schrecken aller linken Spie\u00dfer und Pauker!\" und war eines der wichtigsten Werbemittel der Partei im Wahlkampf. Eine \u00e4hnliche CD mit der Bezeichnung \"Schnauze voll? Wahltag ist Zahltag!\" hatte die Partei bereits im Jahr 2004 anl\u00e4sslich der Landtagswahlen in Sachsen und Schleswig-Holstein kostenlos verbreitet. Die Neuauflage von 2005 wandte sich wiederum vor allem an Jungund Erstw\u00e4hler. Wie der NPD-Bundeswahlkampfleiter Peter Marx ank\u00fcndigte, wollte die Partei au\u00dferdem 200.000 CDs bundesweit in der N\u00e4he von Schulen verteilen. Eine Verbreitung der Tontr\u00e4ger wurde seit Mitte September u.a. in Mittelfranken sowie in Oberund Niederbayern bekannt. Skinhead-Bands Der NPD-Bezirksverband Niederbayern f\u00fchrte am 10. September in Mitbei NPD-Veranterskirchen, Landkreis Rottal-Inn, eine Wahlkampfveranstaltung mit staltungen anschlie\u00dfendem Skinhead-Konzert durch. Im Anschluss an die Rede des Neonazis und NPD-Funktion\u00e4rs Norman Bordin verfolgten etwa 250 Personen die Auftritte der Bands \"CALSLAGEN\" und \"BRIGADE M\"aus den Niederlanden, \"ARMCO\" aus Italien, \"INDIZIERT\" aus der Schweiz, \"KONFRONTATION\" aus Sachsen, \"AUFMARSCH\" aus Bayern und \"BREAKDOWN\" aus Rheinland-Pfalz. Ein \u00e4hnliches Skinhead-Konzert unter dem Deckmantel der NPD mit rund 300 Besuchern hatte am 23. Juli ebenfalls in Mitterskirchen stattgefunden. Am 22. Oktober veranstaltete der NPD-Bezirksverband Niederbayern in Mitterskirchen erneut ein als \"Vergn\u00fcgung mit Live-Bands\" angemeldetes Skinhead-Konzert mit Norman Bordin als Redner. Dabei traten vor rund 450 Zuh\u00f6rern u.a. die Skinhead-Bands \"BURNING HATE\", \"ACT OF VIOLENCE\" und \"SPREEGESCHWADER\" auf. Wegen Verwendens der Parole \"For the Blood & Honour\" durch bisher nicht identifizierte Mitglieder dieser Gruppen leitete die Polizei ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Vereinsgesetz ein. Kundgebung Am 6. November (Volkstrauertag) fand in Gr\u00e4fenberg, Landkreis Forcham Volkstrauertag heim, eine vom NPD-Landesvorsitzenden Ralf Ollert angemeldete und in Gr\u00e4fenberg geleitete Kundgebung zum \"Gedenken an die Gefallenen der Weltkriege\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 105 statt. Die rund 150 Teilnehmer der allj\u00e4hrlich von der NPD durchgef\u00fchrten Versammlung zeigten Transparente mit Parolen wie \"Ehre unseren tapferen Soldaten beider Weltkriege! NPD\", \"Sie waren die besten Soldaten der Welt\", und \"Tot sind nur jene, die vergessen werden - NPD Franken\". Gegen die Veranstaltung protestierten lautstark rund 100 politische Gegner, darunter etwa 40 Angeh\u00f6rige des regionalen linksextremistischen Spektrums. Am 9. November beteiligten sich in M\u00fcnchen rund 40 RechtsextremisVeranstaltung ten an einer Kundgebung zum Thema \"16. Jahrestag des Mauerfalls\". am 9. November Versammlungsleiter war der Vorsitzende des NPD-Bezirksverbands Oberin M\u00fcnchen bayern Roland Wuttke. Gegen 21.00 Uhr wurden Fackeln entz\u00fcndet. Danach verlas der F\u00fchrer der Kameradschaft M\u00fcnchen und NPD-Funktion\u00e4r Norman Bordin die Namen derjenigen Hitler-Gefolgsleute, die am 9. November 1923 beim \"Marsch auf die Feldherrnhalle\" ums Leben gekommen waren. Die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen I pr\u00fcfte die Strafbarkeit dieser Aktion. Bordin hatte die Veranstaltung bereits 2004 angemeldet. Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen best\u00e4tigte die Anmeldung, erlie\u00df jedoch Auflagen: Zum einen verlegte sie die Kundgebung vom Marienplatz auf den Karlsplatz, zum anderen wurde Bordin als Versammlungsleiter abgelehnt. An einer nicht angemeldeten Gegenkundgebung beteiligten sich etwa 250 Personen, darunter auch Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene. Der NPD-Landesverband Bayern ver\u00f6ffentlichte im Dezember als Reaktion auf einige unter dem Deckmantel der NPD veranstaltete Skinhead-Konzerte ein Rundschreiben mit folgender \"Dienstanweisung\": \"Dienstanweisung\" \"Die Untergliederungen der Partei haben nicht als Veranstalter von 'Rechtsrock-Konzerten' mit Skinhead-Musikgruppen o.\u00e4. aufzutreten. Dies gilt nicht f\u00fcr Liederabende etc. Im Zweifelsfall ist die Genehmigung des Landesverbands einzuholen.\" 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 50 Vorsitzender: Stefan Rochow Stefan Winkler Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: Riesa/Sachsen Mit den JN verf\u00fcgt die NPD als einzige rechtsextremistische Partei \u00fcber eine Jugendorganisation. Die JN bekennen sich in Ideologie und ZielVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","106 Rechtsextremismus Ideologische setzung zum Programm ihrer Mutterpartei. In ihrem beim BundeskonAusrichtung gress 2002 als \"Perspektive f\u00fcr ein besseres Deutschland\" verabschiean der NPD deten \"Manifest der nationalistischen Jugend\" stellen sie das als grundlegendes Prinzip der freiheitlichen demokratischen Grundordnung geltende Mehrparteiensystem insofern in Frage, als sie eine \"konstruktive parlamentarische Mitarbeit\" erst nach der \"eigentlichen Entscheidung\" dulden wollen. Bedeutungsverlust Angesichts der fortdauernden Dominanz der Mutterpartei und ihrer intensivierten b\u00fcndnispolitischen Orientierung zur Neonazi-Szene sind die JN bem\u00fcht, ihre Eigenst\u00e4ndigkeit sowie ihre Bedeutung als Nahtstelle zwischen der NPD und den neonazistischen Organisationen zur\u00fcckzugewinnen. Zwar blieb ihre Mitgliederzahl konstant. Auch fanden ihre Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit gr\u00f6\u00dfere Resonanz als im Vorjahr. Ihrem Anspruch, die \"Speerspitze des nationalen Widerstands\" zu bilden, gen\u00fcgen die JN aber seit l\u00e4ngerem nicht mehr. Rechtsextremistische Jugendliche organisieren sich zunehmend in unabh\u00e4ngigen Kameradschaften. Die von den JN im Februar bzw. Juni 2004 beschlossenen Konzepte f\u00fcr eine Sch\u00fclerzeitungskampagne und eine Schuloffensive wurden in Bayern bisher nur in Form vereinzelter Flugblattaktionen im Februar/M\u00e4rz in N\u00fcrnberg und Vaterstetten, Landkreis Ebersberg, umgesetzt. Kundgebung am Anl\u00e4sslich des 60. Jahrestags des Kriegsendes f\u00fchrten Rechtsextremis8. Mai in Berlin ten am 8. Mai in mehreren deutschen St\u00e4dten Veranstaltungen durch. In Berlin nahmen an einer von den JN unter dem Motto \"60 Jahre Befreiungsl\u00fcge - Schluss mit dem Schuldkult\" angemeldeten Veranstaltung rund 3.300 Personen teil. Unter ihnen befanden sich der NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt, sein Stellvertreter Holger Apfel sowie die Neonazis und NPD-Bundesvorstandsmitglieder Thomas Wulff (Versammlungsleiter) und Thorsten Heise. Aus Bayern waren etwa 600 Rechtsextremisten nach Berlin gereist. Auch Delegationen befreundeter rechtsextremistischer Organisationen aus dem Ausland waren anwesend. Der JN-Bundesvorsitzende Stefan Rochow bezeichnete in seiner Rede den 8. Mai als ein \"Symbol der Gefangenschaft\". Das deutsche Volk sei bis heute unterdr\u00fcckt und befinde sich in einer \"Schuldknechtschaft\". Holger Apfel forderte ein Ende der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung und verunglimpfte die Bundesrepublik Deutschland als \"Canossa-Republik\" und \"L\u00fcgenrepublik\", der man nur abgrundtiefen Abscheu entgegenbringen k\u00f6nne. Voigt erkl\u00e4rte in seiner Rede, der 8. Mai 2005 diene den Regierenden dazu, von nicht mehr l\u00f6sbaren sozialen Problemen abzulenken. Am Brandenburger Tor werde derzeit eine absurde \"Schuldkult-Show\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 107 aufgef\u00fchrt, um den Prozess der von den Siegern eingeleiteten Umerziehung mit Macht fortzusetzen. In einem Anfang August im Internet ver\u00f6ffentlichten Beitrag, wonach Kritik an der das \"nationale Spie\u00dfb\u00fcrgertum\" f\u00fcr politische Revolutionen nicht zu B\u00fcndnispolitik gebrauchen sei, kritisierte der JN-Bundesvorsitzende Stefan Rochow die der NPD B\u00fcndnispolitik der NPD: \"Die so genannte rechte Volksbewegung aus NPD und DVU ist sicherlich auf den ersten Blick ein unterst\u00fctzungsw\u00fcrdiger Ansatz, weil man glauben k\u00f6nnte, hier entsteht eine starke nationale Kraft, welche die Probleme der Zukunft bew\u00e4ltigen kann (...). Leider ist dieses Ziel schon im Ansatz gescheitert. Das Rechtsb\u00fcndnis stellt sich aus meiner Sicht als ein rechts-reaktion\u00e4res, nationalund sozialdemagogisches B\u00fcndnis dar, welches mir seit l\u00e4ngerem Bauchschmerzen bereitet.\" Am 35. Bundeskongress der JN am 26. November in Chemnitz/Sachsen Bundeskongress beteiligten sich rund 130 Personen. Zu den G\u00e4sten der Tagung z\u00e4hlten u.a. der stellvertretende NPD-Parteivorsitzende Holger Apfel, der Bundespressesprecher der DVU Bernd Dr\u00f6se sowie der ehemalige Rechtsterrorist und jetzige Mitarbeiter der s\u00e4chsischen NPD-Fraktion Peter Naumann. Der mit gro\u00dfer Mehrheit wieder gew\u00e4hlte Bundesvorsitzende Stefan Rochow erkl\u00e4rte zur Rolle der JN - offenbar vor dem Hintergrund seiner fr\u00fcheren Kritik am \"Volksfront\"-Konzept der Mutterpartei -, die JN seien einerseits \"integraler Bestandteil der NPD\", andererseits m\u00fcssten sie aber auch jungen Menschen einen gesch\u00fctzten Raum bieten, in dem eigene Politik betrieben werden k\u00f6nne. Nur auf diese Weise w\u00fcrden die JN \"nicht nur als sprachloses Anh\u00e4ngsel der NPD wahrgenommen\". 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) Deutschland Bayern Mitglieder: 9.000 1.100 Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey Bruno Wetzel Gr\u00fcndung: 1987 Sitz: M\u00fcnchen Publizistisches Sprachrohr: \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort In ihrem Programm bekennt sich die DVU formal zur freiheitlichen Extremistische demokratischen Grundordnung, doch will sie einige f\u00fcr alle Menschen Grundhaltung g\u00fcltige Grundrechte, beispielsweise den Schutz der Familie, zu B\u00fcrgerVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","108 Rechtsextremismus rechten reduzieren, die ausschlie\u00dflich Deutschen zustehen sollen. Die rechtsextremistische Grundeinstellung der Partei wird in \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie im Inhalt der im Verlag des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey erscheinenden National-Zeitung deutlich. Rassismus und Die rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Propaganda der Partei richNationalismus tet sich insbesondere gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und die Europ\u00e4ische Union (EU). Bereits Mitte Oktober 2004 startete die DVU gemeinsam mit der NPD eine Unterschriftenaktion gegen einen Beitritt der T\u00fcrkei zur EU. Dabei stellte die DVU einerseits die angeblich drohende Massenzuwanderung aus der T\u00fcrkei und andererseits die finanziellen Belastungen f\u00fcr Deutschland in den Vordergrund. Ein in der NZ abgedruckter Spendenaufruf mit der \u00dcberschrift \"Das Abendland darf nicht untergehen\" warnte vor den Folgen eines Zustroms von \"noch mehr Millionen T\u00fcrken\": \"Es k\u00e4me zur Entdeutschung Mitteleuropas und zu Verh\u00e4ltnissen, wie sie heute schon in manchen Bereichen Berlins herrschen.\" (NZ vom 25. M\u00e4rz, Seite 9) Unter der \u00dcberschrift \"Wie die EU Deutschland ruiniert - Rum\u00e4nien und Bulgarien geben uns den Rest\" verwies die NZ auf den zu erwartenden Zuzug der in beiden Staaten lebenden \"Millionen Zigeuner\": \"Jetzt ist die EU endg\u00fcltig zu einem Abzockerverein missraten, in den nur noch die \u00e4rmsten Staaten Europas hineindr\u00e4ngen und mit ihrem riesigen Finanzbedarf insbesondere Deutschland, den mit Abstand gr\u00f6\u00dften Nettozahler der Gemeinschaft, in den Ruin zu treiben drohen. (...) Das beschert dem deutschen Sozialstaat nicht nur weitere enorme Lasten, es w\u00e4re nach allen Erkenntnissen auch mit einem unertr\u00e4glichen Kriminalit\u00e4tsschub verbunden.\" (NZ vom 22. April, Seite 1) FremdenAusl\u00e4nder werden h\u00e4ufig pauschal als Kriminelle oder Wirtschaftsfl\u00fcchtfeindlichkeit linge diffamiert, die eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit darstellten: \"Wenn aber nun in Zeiten der Diktatur des Rotstiftes bei \u00f6ffentlichen Sozialleistungen noch mehr Ausl\u00e4nder kommen, wie es der Fall ist und wie es insbesondere durch die EU-Erweiterung zus\u00e4tzlich herausgefordert wird, r\u00fcckt der Zeitpunkt sozialer Unruhen bedenklich nahe. Mit verheerenden Folgen sowohl f\u00fcr Einheimische wie f\u00fcr Zuwanderer. (...) Das Ergebnis der herrschenden Zuwanderungspolitik k\u00f6nnte sein, dass beide Seiten, Einheimische und Zuwanderer, in den Strudel eines B\u00fcrgerkrieges um die Sozialkassen geraten.\" (NZ vom 1. April, Seite 2) \"Millionen Ausl\u00e4nder leben illegal in Deutschland und Hunderttausende von ihnen werden gegen Recht und Gesetz von Beh\u00f6rden geduldet. Diese illegalen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 109 Ausl\u00e4nder sind abzuschieben und die Grenzen f\u00fcr Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge wie f\u00fcr kriminelle Banden zu schlie\u00dfen. Deutschland braucht sein Geld f\u00fcr die eigenen Armen.\" (NZ vom 21. Januar, Seite 3) \"Auf gut deutsch hei\u00dft das nichts anderes als die bewusste Unterschlagung der Tatsache, dass sich insbesondere unter den in Deutschland ihr Unwesen treibenden zahlreichen Trickdieben, deren Opfer in aller Regel alte und hilflose Deutsche sind, \u00fcberproportional viele Zigeuner befinden.\" (NZ vom 12. August, Seite 11) Die DVU vermeidet offenen Antisemitismus, doch wird ihre antisemitiLatenter sche und antiisraelische Grundhaltung in ihrem publizistischen SprachAntisemitismus rohr deutlich, in dem sie beispielsweise gegen den Zustrom j\u00fcdischer Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion polemisierte: \"Dass diese Milliarden Euro verschlingende Massenimmigration von Personen, die keinerlei Bezug zum deutschen Volk, der deutschen Kultur oder der deutschen Sprache haben, den Nutzen unseres Vaterlandes nicht mehrt, ist ohnedies klar. Man wundert sich, welche Wege einer absurden 'Wiedergutmachung' die in der Bundesrepublik herrschenden Parteien suchen.\" (NZ vom 7. Januar, Seite 4) Zu den Selbstmordanschl\u00e4gen im Nahen Osten vertritt die DVU die These, der Terror islamistischer Extremisten speise sich \"zum einen aus dem v\u00f6lkerrechtswidrigen US-Krieg gegen den Irak und zum andern aus der brutalen Unterdr\u00fcckung und Entrechtung der Pal\u00e4stinenser durch die israelische Besatzungsmacht. Dass sich Israel das nur mit amerikanischer R\u00fcckendeckung leisten kann, wei\u00df man ebenfalls.\" (NZ vom 18. November, Seite 4) In der Agitation gegen den Staat Israel klingen mitunter auch revisionistische Tendenzen an: \"So will Israel gar \u00fcberhaupt nichts h\u00f6ren von dunklen Kapiteln eigener Geschichte, lehnt jede Selbstkr\u00fcmmung entschieden ab, sondern stolziert durch die Welt, als h\u00e4tte es einen Ladestock zwischen Genick und Stei\u00dfbein. Und das parteipolitische Spektrum f\u00e4ngt, was Nationalismus betrifft, in Israel erst da richtig an, wo es hierzulande l\u00e4ngst aufh\u00f6rt. Legt man die Ma\u00dfst\u00e4be an, die in Bundesrepublikanien obwalten, ist 'rechtsextrem' gar nichts im Vergleich zu dem, was so alles in der Knesset sitzt.\" (NZ vom 11. Februar, Seite 1) Wie bisher z\u00e4hlt die revisionistische Kritik an der \"extrem einseitigen Revisionismus Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" zu den Schwerpunkten der Programmatik: \"Die Erinnerung an den Holocaust, ein beweisbares Unrecht an Juden, ewig gegenw\u00e4rtig zu halten, ist f\u00fcr Israel und internationale j\u00fcdische Dachorganisationen sozusagen die Grundlage, um die Vorstellung eines 'zweiten HoloVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","110 Rechtsextremismus caust' selbst unter Nichtjuden zu verbreiten. (...) Daher werden mehr und pomp\u00f6sere Mahnmale denn je gebaut, wird lauter denn je getrommelt, und jedermann, vom kleinen Kind bis zum Eskimo, die damaligen Verbrechen an Juden vor Augen zu halten.\" (NZ vom 4. Februar, Seite 12) \"Auf den Betrachter wirkt es wie ein Faustschlag aus Beton: das am vergangenen 10. Mai in Berlin eingeweihte Zentrale Mahnmal f\u00fcr die ermordeten Juden Europas, ... (...). Die etablierten Politiker jedenfalls sehen durch das Mahnmal ihr Ziel verwirklicht, auch die heutige und selbst kommende deutsche Generationen in Haftung f\u00fcr l\u00e4ngst vergangenes Unrecht zu nehmen und daraus eine 'besondere Verantwortung' gegen\u00fcber Israel abzuleiten, die Deutschland ungeachtet von dessen Unrechtsakten gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern zu leisten habe.\" (NZ vom 20. Mai, Seite 5) Die Verbrechen der Nationalsozialisten werden zwar nicht ausdr\u00fccklich Relativierung der geleugnet, doch wird versucht, diese durch wiederholte Hinweise auf NS-Verbrechen Verbrechen anderer V\u00f6lker zu relativieren. Hierzu griff die DVU unter der \u00dcberschrift \"Dresdens unges\u00fchnte Vernichtung\" den 60. Jahrestag der Bombardierung Dresdens auf: \"Am 13. Februar j\u00e4hrt sich das zum Himmel schreiende alliierte Terror-Bombardement auf Dresden zum 60. Male. Etablierte Politiker und Massenmedien werden nicht m\u00fcde, die schrecklichen Ereignisse des 13. Februar 1945 zu verharmlosen. Vielmehr bereitet man sich auf bombastische 'Befreiungs'-Feierlichkeiten zum 8. Mai vor. (...) Hunderttausende Tote, Hunderttausende Einzelschicksale. Der Feuersturm von Dresden hatte eine verheerende Auswirkung. Die anglo-amerikanischen Bomber richteten ein wirkliches Menschheitsverbrechen an. (...) Das Grauen von Dresden sprengt unsere Vorstellungskraft.\" (NZ vom 4. Februar, Seite 6) \"Es schreit zum Himmel, dass die etablierten Parteien alles unternehmen, um selbst zum 60. Jahrestag der Ausl\u00f6schung Dresdens eine angemessene W\u00fcrdigung des Massenmords zu verhindern. (...) Es gibt keine Moral, die die heute M\u00e4chtigen darin rechtfertigen k\u00f6nnte, dem deutschen Volk und kommenden Generationen unseres Volkes Kollektivverantwortung aufzub\u00fcrden. (...) Es gibt auch keine moralische Rechtfertigung f\u00fcr das sich steigernde System in der Meinungsindustrie, von den Untaten unserer Zeit abzulenken, indem alles Unrecht des vergangenen Jahrhunderts der deutschen Seite angelastet wird. (...) Wir prangern an, dass die st\u00e4ndige extrem einseitige Darstellung der deutschen Geschichte kein einziges Problem unserer Zeit wie insbesondere die Arbeitslosigkeit und die Armut von immer mehr Millionen Deutschen l\u00f6sen kann.\" (NZ vom 11. Februar, Seite 1) Zur Befreiung Deutschlands von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft am 8. Mai 1945 bemerkte die NZ: \"Bundesdeutsche Meinungsmacher bejubeln vor allem US-Amerikaner als 'Befreier Deutschlands'. (...) Kein Staat der Erde hat auf seinem Weg zur WeltVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 111 macht ein vergleichbar gro\u00dfes Blutbad angerichtet wie die USA. W\u00e4hrend man in den USA mit Museen, Denkm\u00e4lern, Bibliotheken usw. ausgerechnet deutsche Schuld beschw\u00f6rt und eine Holocaust-Gedenkst\u00e4tte nach der anderen einweiht, sucht man vergebens nach einem Mahnmal zu Ehren der vielen Millionen ausgerotteten Indianer oder aber nach einem Denkmal, das in irgendeiner Weise die barbarische Negersklaverei aufbereiten w\u00fcrde.\" (NZ vom 15. April, Seite 3) \"Die miese Kampagne gegen deutsche Soldaten, die wir heute erleben, ist jedenfalls nicht 'vom Ausland' verordnet, wie manchmal behauptet wird. Die Niedertr\u00e4chtigkeiten sind Ausdruck von Nationalmasochismus, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat. Je l\u00e4nger die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges zur\u00fcckliegen, desto aggressiver tritt uns die Bew\u00e4ltigungsindustrie entgegen, desto schamloser werden die F\u00e4lschungen, desto skandal\u00f6ser die Soldaten-Hetze.\" (NZ vom 22. April, Seite 3) Nach wie vor ist die Partei bestrebt, rechtsextremistisch motivierte GeRelativierung walt zu relativieren: rechtsextemis\"Das Wahnsinnstreiben von V-Leuten und Narren in der so genannten 'Kametischer Gewalt radschaft S\u00fcd' in M\u00fcnchen und im irrwitzigen 'Freikorps' in Brandenburg bereitet f\u00fcr einen gewissenlosen Schweinejournalismus ein ideales Klima, um Deutschland im Allgemeinen und die deutsche Rechte im Besonderen zu verteufeln und der deutschen Sache den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Schaden zuzuf\u00fcgen.\" (NZ vom 18. M\u00e4rz, Seite 3) Diffamierung H\u00e4ufig werden demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten demokratischer diffamiert. Auf diese Weise soll das Vertrauen in diese Institutionen und Institutionen den von ihnen getragenen Rechtsstaat untergraben werden. Die Wortwahl macht deutlich, dass es sich dabei nicht um Kritik an einzelnen Entscheidungen oder Entscheidungstr\u00e4gern handelt, sondern am System der parlamentarisch repr\u00e4sentativen Demokratie: \"Seit Jahrzehnten machen Volksvertreter in der Bundesrepublik eine Politik, die keineswegs mehr auf den Nutzen des eigenen Volkes ausgerichtet ist und Deutschland in den Ruin f\u00fchrt, w\u00e4hrend sich gleichzeitig Bonzen die Taschen im \u00dcberma\u00df mit Staatsgeldern f\u00fcllen und zus\u00e4tzlich von der Gro\u00dfindustrie sich finanzieren lassen.\" (NZ vom 21. Januar, Seite 3) \"Machen wir uns nichts vor: Korrupte sind es, die unsere Republik immer wieder in Aff\u00e4ren treiben, die verantwortlich sind f\u00fcr Filz und Bestechung, Mauscheleien und L\u00fcgen. Schwarze Koffer, Panzer-Aff\u00e4re, Leuna-Deal, Barschel-Sumpf und M\u00f6llemann-Kampagne. Wenige Stichworte gen\u00fcgen, um zu umrei\u00dfen, wie verkommen die politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland bereits ist.\" (NZ vom 04. Februar, Seite 1) \"Der Ende vergangenen Jahres vom Amt des CDU-Generalsekret\u00e4rs zur\u00fcckgetretene Laurenz Meyer ist der Prototyp des geldgierigen und \u00fcberversorgten Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","112 Rechtsextremismus bundesdeutschen Berufspolitikers. (...) Was zudem auff\u00e4llt: die gleichen Politiker, die sich die Taschen voll stopfen, erkl\u00e4ren unger\u00fchrt, mit der Hartz-IV-Versorgung von 345 Euro im Monat k\u00f6nne man in Deutschland doch ganz gut leben ...\" (NZ vom 18. M\u00e4rz, Seite 11) \"Es scheint, dass man eher ein warmes Pl\u00e4tzchen in der Antarktis findet als einen f\u00fchrenden deutschen Politiker mit finanzpolitischem Sachverstand. Das einzige Finanzielle, das diese Leute bestens geregelt haben, ist ihre f\u00fcrstliche Versorgung auf Steuerzahlers Kosten ...\" (NZ vom 8. Juli, Seite 5) 2.2.2 Organisation Die Mitgliederzahl der DVU liegt bundesweit bei 9.000 (2004: 11.000). R\u00fcckl\u00e4ufige In Bayern verlor die Partei etwa 100 Mitglieder, so dass der derzeitige Mitgliederzahl Mitgliederstand 1.100 Personen betr\u00e4gt. Seit 1994 hat die Partei damit 11.000 Mitglieder verloren. Die DVU hat keine Jugendorganisation und betreibt keine Jugendarbeit. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch \u00f6ffentlich kaum in Erscheinung treten. Auf Bezirks-, Kreisund Ortsebene ist die DVU organisatorisch ebenfalls kaum vertreten. Der bedingungslose Machtanspruch des Vorsitzenden Dr. Gerhard Frey l\u00e4sst den Unterorganisationen keinen Handlungsspielraum. Im Verlag des Parteivorsitzenden erscheint die \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) als Werbetr\u00e4ger und publizistisches Sprachrohr der DVU. Nach wie vor ist die DVU bei ihrem Vorsitzenden verschuldet. Die Personalunion von Vorsitzendem und Kreditgeber verleiht Dr. Frey eine ungew\u00f6hnliche Machtf\u00fclle. 2.2.3 Wahlb\u00fcndnis mit der NPD Die Vorsitzenden von DVU und NPD, Dr. Gerhard Frey und Udo Voigt, hatten nach den Wahlerfolgen in Brandenburg und Sachsen im Jahr 2004 beschlossen, dass beide Parteien auch bei der folgenden Bundestagswahl und der Europawahl 2009 kooperieren werden. K\u00fcnftig solle m\u00f6glichst nur eine \"nationale Liste\" aufgestellt werden. Am 15. Januar \"Deutschschrieben die Parteivorsitzenden in einer als \"Deutschland-Pakt\" beland-Pakt\" zeichneten Vereinbarung ihre weitere Zusammenarbeit f\u00fcr die Wahlen auf Europa-, Bundesund Landesebene bis 2009 fort. Absprachegem\u00e4\u00df verzichtete die DVU daraufhin zu Gunsten der NPD auf die Teilnahme an den Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sowie an der Bundestagswahl 2005. Trotz des Wahlb\u00fcndnisses zwischen NPD und DVU kritisierte Dr. Frey das schlechte Abschneiden der NPD bei der Landtagswahl in SchlesVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 113 wig-Hostein. In einem Artikel in der NZ vom 25. Februar brachte er Kritik an der unter der \u00dcberschrift \"Kein Signal aus Kiel\" noch einmal seine AblehB\u00fcndnispolitik des nung von Skinheads und Neonazis zum Ausdruck. Man m\u00fcsse nach \"patriotischen\" den Auswirkungen auf die W\u00e4hler fragen, wenn Demonstrationen Lagers unter Beteiligung martialisch wirkender Skinhead-Gruppen durch das Brandenburger Tor z\u00f6gen. Neonazismus sei das Allerletzte, was das patriotische Lager brauche. Nach der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen bem\u00e4ngelte der DVU-Vorsitzende den Abgrenzungskurs des REP-Vorsitzenden Schlierer gegen\u00fcber NPD und DVU und bemerkte dazu in der NZ vom 27. Mai, die \"Rechten\" h\u00e4tten sich den seltsamen \"Luxus\" geleistet, wieder einmal gegeneinander anzutreten. Alle Appelle der DVU und der NPD an die REP-F\u00fchrung, das \"Kriegsbeil zu begraben und mit an Bord zu kommen\", seien vergebens geblieben. Die REP h\u00e4tten auf dem Stimmzettel mit der NPD konkurriert und damit dem potenziellen Rechtsw\u00e4hler ein Bild der Zerstrittenheit geliefert. Bei der Bundestagswahl wurden DVU-Angeh\u00f6rige auf Landeslisten der Kandidaturen auf NPD nominiert, so der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey als SpitzenNPD-Landeslisten kandidat auf der NPD-Landesliste in Nordrhein-Westfalen. In Bayern kandidierten die DVU-Funktion\u00e4re Bruno Wetzel und Dr. Thomas Mehnert auf der NPD-Landesliste. Zum Wahlergebnis nahm die DVU am 19. September im Internet unter der \u00dcberschrift \"Ein Aufwind war's - ein Sturm (noch) nicht\" Stellung. Hierin erkl\u00e4rte die DVU zum weiteren Vorgehen, die Zusammenarbeit von DVU und NPD werde gem\u00e4\u00df dem von beiden Parteien geschlossenen Deutschland-Pakt fortgesetzt. Hierbei seien Wahlen in den neuen Bundesl\u00e4ndern von \"ganz besonderer Bedeutung\", da dort das \"rechte Potenzial weit \u00fcberdurchschnittlich hoch\" sei. Im Fr\u00fchjahr 2006 werde die DVU in Sachsen-Anhalt und im Herbst 2006 die NPD in Mecklenburg-Vorpommern bei den Landtagswahlen antreten. 2.2.4 Bundesparteitag Am 15. Januar veranstaltete die DVU in M\u00fcnchen ihren Bundesparteitag mit rund 300 Teilnehmern. Bei der Wahl des Bundesvorstands wurde Wiederwahl des der Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey in seiner Funktion best\u00e4tigt. Einen Parteivorsitzenden der beiden Stellvertreterposten besetzt wie bisher der Vorsitzende des Landesverbands Bayern Bruno Wetzel. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Planung und Koordination der bevorstehenden Wahlk\u00e4mpfe. Die Parteivorsitzenden der NPD und DVU Udo Voigt und Dr. Gerhard Frey legten in einem \"Deutschland-Pakt\" ihre weitere Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","114 Rechtsextremismus Zusammenarbeit fest. In der Vereinbarung hei\u00dft es, der Bruderkampf sei eingestellt; es werde nun ausschlie\u00dflich gegen die wirklichen GegWahlabsprache ner gefochten. So w\u00fcrden beide Parteien bis zum 31. Dezember 2009 mit der NPD bei Bundestags-, Europaund Landtagswahlen nicht gegeneinander kandidieren. Dr. Frey erkl\u00e4rte, die NPD sei der \"ideale Partner\" f\u00fcr die DVU; zwischen beiden Parteien herrsche \"gr\u00f6\u00dfte Harmonie\". Sowohl Voigt als auch Dr. Frey betonten, dass es zu keinerlei Verhandlungen mit anderen Parteien kommen werde. Diese sollten sich entweder der NPD oder der DVU anschlie\u00dfen. Voigt zeigte sich zuversichtlich, dass k\u00fcnftig auch Anh\u00e4nger der REP der \"neuen Volksfront\" beitreten, obwohl der REP-Vorsitzende Dr. Rolf Schlierer ein B\u00fcndnis mit NPD und DVU weiterhin ablehne. Zur Finanzlage gab Bruno Wetzel bekannt, dass die Partei 1.021.000 Euro an Einnahmen, 741.000 Euro an Ausgaben und damit einen Gewinn von 280.000 Euro f\u00fcr das Jahr 2004 ausweisen konnte. 2.2.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten Kundgebung am Der DVU-Kreisverband Augsburg f\u00fchrte am 25. Februar eine Kund25. Februar in gebung zum \"Gedenken an die Bombardierung Augsburgs im Jahr Augsburg 1944\" durch. Die rund 60 Teilnehmer zeigten Transparente mit Aufschriften wie \"Mord verj\u00e4hrt nicht! In stillem Gedenken - JN M\u00fcnchen\", \"Opfer des alliierten Bombenterrors wir vergessen Euch nicht! Kameradschaft Augsburg\" und \"Wir gedenken: 25. Februar 1944 britisch-amerikanischer Bombenterror \u00fcber Augsburg\". Rund 150 Gegendemonstranten st\u00f6rten die Reden des Augsburger DVU-Vorsitzenden Walter Baur und des DVU-Pressesprechers Bernd Dr\u00f6se mit Trillerpfeifen, Trommeln und lautstarken Rufen. Gemeinsamer Die DVU-Landesverb\u00e4nde Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg veranstalteLandesparteitag ten am 23. Oktober in Augsburg einen gemeinsamen Landesparteitag. am 23. Oktober An der Veranstaltung nahmen rund 250 Mitglieder und Sympathisanin Augsburg ten teil, davon etwa 180 Personen aus Bayern. Bei der anstehenden Neuwahl wurde der Vorsitzende des Landesverbands Bayerns Bruno Wetzel in seiner Funktion best\u00e4tigt, ebenso sein Stellvertreter Dr. Thomas Mehnert. Als Hauptredner trat der DVU-Bundesvorsitzende Dr. Gerhard Frey auf. Er bezeichnete die Landtagswahl 2006 in Sachsen-Anhalt als \"Schicksalswahlen f\u00fcr Deutschland\" und betonte, er habe mit dem NPD-Vorsitzenden Udo Voigt beschlossen, den \"Deutschland-Pakt\" aufrechtzuerhalten. Zugleich kritisierte er indirekt die NPD bzw. deren Strategie-Element \"Kampf um die Stra\u00dfe\", indem er sich gegen \"wilde Demonstrationen\" aussprach, die mehr Schaden als Nutzen anrichteten und den W\u00e4hler eher erschreckten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 115 2.3 Die Republikaner (REP) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.500 2.300 Vorsitzender: Dr. Rolf Schlierer Johann G\u00e4rtner Gr\u00fcndung: 1983 Sitz: Berlin Publikation: \"Zeit f\u00fcr Protest!\" 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort Die Partei weist weiterhin tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr rechtsextreAnhaltspunkte mistische Bestrebungen auf. Zwar verfolgt nicht jedes Parteimitglied f\u00fcr rechtsverfassungsfeindliche Ziele, jedoch lassen ma\u00dfgebliche Kr\u00e4fte - insbesonextremistische dere unterhalb der Ebene des Parteivorstands bzw. dessen unmittelBestrebungen barer Einflusssph\u00e4re - mehr oder weniger offen ihre Gegnerschaft zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung erkennen. Die Art der Kritik an bestehenden Verh\u00e4ltnissen findet in unterschiedlicher Dichte ihre Auspr\u00e4gung in Ressentiments gegen Ausl\u00e4nder in Verbindung mit einem \u00fcbersteigerten Nationalismus, in der Agitation gegen das Demokratieprinzip sowie in der Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten. Hinweise auf eine gegen die Menschenw\u00fcrde und das Diskriminierungsverbot gerichtete Zielsetzung der REP finden sich insbesondere in der zum Standardrepertoire geh\u00f6renden fremdenfeindlichen Agitation. FremdenDie Partei versucht, in Deutschland lebende Ausl\u00e4nder pauschal f\u00fcr gefeindlichkeit sellschaftliche Kontroversen und Probleme verantwortlich zu machen. Einwanderer werden undifferenziert und ausschlie\u00dflich als bedrohender Faktor f\u00fcr die deutsche Bev\u00f6lkerung dargestellt: \"Die seit Jahren anhaltende Masseneinwanderung f\u00fchrt nicht nur zu untragbaren wirtschaftlichen Lasten und innerem Unfrieden, sondern zur Ver\u00e4nderung und letztlich Aufl\u00f6sung unseres Volkes. Das ist Hochverrat.\" (Landesprogramm der REP Berlin) \" ... keiner wagt es, das Tabu zu brechen: Den fortschreitenden Ruin unserer Staatsfinanzen und Sozialkassen durch die anhaltende Massenzuwanderung auf unseren Arbeitsmarkt und in unsere Sozialsysteme.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 8-9/2005, Seite 4) Unter der \u00dcberschrift \"Hundert Prozent deutschenfrei: erste 'national befreite Schule' in Berlin\" hie\u00df es im Parteiorgan: \"Noch ist diese Kreuzberger Realschule ein Extremfall; doch bis die Ausnahme zur Regel wird, ist angesichts der anhaltenden Zuwanderung durch den Krei\u00dfsaal, per Familienzusammenf\u00fchrung oder \u00fcber Visaund Asylmi\u00dfbrauch absehbar. (...) Multikulti schadet so nicht nur der Bildung, sondern nimmt Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","116 Rechtsextremismus auch den Einheimischen die Chancengleichheit, die man f\u00fcr Einwanderer so gerne fordert.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 6-7/2005, Seite 4) Nationalismus In Artikeln mit der \u00dcberschrift \"Unser Volk zuerst\" und \"Arbeit f\u00fcr uns\" verbanden sich nationalistische Forderungen mit fremdenfeindlichen Tendenzen: \"Nationale Interessen m\u00fcssen in der Politik wieder Vorfahrt haben. Arbeit schaffen - f\u00fcr die eigenen B\u00fcrger. (...) Durchsetzen unserer Leitkultur - wer sich nicht assimilieren will, soll nach Hause gehen.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 8-9/2005, Seite 1) \"Wir m\u00fcssen unser gesundes nationales Eigeninteresse wieder zur Geltung bringen - nicht nur in Europa. (...) Die \u00fcberzogenen Nettozahlungen an die EU m\u00fcssen reduziert werden. Und statt die EU auf weitere Armenh\u00e4user wie Rum\u00e4nien und die T\u00fcrkei auszudehnen, m\u00fcssen wir endlich die R\u00fcckf\u00fchrung dauerarbeitsloser Ausl\u00e4nder anpacken.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 3-5/2005, Seite 1) In weiteren Beitr\u00e4gen \"Das Volk wird ausgewechselt\" und \"Integration - wer wen?\" beschwor das Parteiorgan die Gefahr, dass Deutsche \"Fremde im eigenen Land\" werden: \"Die Ersetzung des deutschen Staatsvolkes durch eine 'multikulturelle' Mischbev\u00f6lkerung hat unter Rot-Gr\u00fcn rasante Fortschritte gemacht.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 6-7/2005, Seite 4) \"Dann geben in den Einwanderervierteln eben die Imame den Ton an, und sie werden nicht so feinf\u00fchlig gegen\u00fcber den paar Restdeutschen sein wie unsere alles umarmenden Multikulti-Apostel zu ihnen.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 6-7/2005, Seite 4) Der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer nahm die Terroranschl\u00e4ge von London zum Anlass, diffuse \u00c4ngste zu sch\u00fcren und pauschal die \"Assimilation\" anstatt Integration von Einwanderern zu fordern: \"Wer grenzenlos islamische Einwanderung duldet, holt sich den potentiellen Feind ins eigene Haus - und wer diese Einwanderer unkontrolliert gew\u00e4hren l\u00e4\u00dft, ohne sie zur Assimilation zu veranlassen, spielt mit dem Leben der B\u00fcrger.\" (Pressemitteilung 44/05 vom 8. Juli) Revisionismus Ausgangspunkt revisionistischer Argumentation war die Leugnung der Singularit\u00e4t der NS-Verbrechen. So wurde in einem Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Volk am Nasenring\" den Deutschen empfohlen, \"Nationalmasochismus und Selbstha\u00df\" zu \u00fcberwinden: \"Die NS-Verbrechen waren furchtbar, aber nicht 'einzigartig'. Der Versuch, Schuld dauerhaft nur bei einem, dem deutschen Volk zu monopolisieren, ist gef\u00e4hrlich f\u00fcr Freiheit und Demokratie.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 1-2/2005, Seite 1) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 117 Auf der Aschermittwochsveranstaltung der Partei in Geisenhausen bezeichnete der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer das \"Dogma von der Einzigartigkeit deutscher Verbrechen\" als \"historische L\u00fcge\", die ebenso wie der Popanz der \"rechtsextremistischen Bedrohung\" benutzt werde, um die Deutschen dauerhaft emotional und moralisch unter Druck zu setzen. Verbrechen der Sieger k\u00f6nnten nicht mit vorangegangenen Verbrechen gerechtfertigt werden. Die Deutschen d\u00fcrften nicht l\u00e4nger zulassen, dass ihre ganze Geschichte \"in ein Verbrecheralbum umgewandelt\" werde. Anl\u00e4sslich des 60. Jahrestags der deutschen Kapitulation wurde die revisionistische Ausrichtung der Partei erneut deutlich. So wandte sich der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer in einem Beitrag \"Die Befreiungsl\u00fcge\" gegen den \"Zynismus der Umerzieher\": \"Kein Tag vergeht, an dem uns nicht im Zusammenhang mit dem Kriegsende vor 60 Jahren weisgemacht wird, da\u00df die Deutschen 1945 durch die aufrechten Alliierten von den Nazis befreit worden seien. Der Krieg richtete sich angeblich nicht gegen die Deutschen, sondern nur gegen die Nazis.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 3-5/2005, Seite 11) \"Der 8. Mai ist f\u00fcr die Deutschen kein Tag der Befreiung (...). Die Teilnahme eines deutschen Bundeskanzlers an den Siegesfeiern der damaligen Alliierten kommt einer Verh\u00f6hnung der Opfer gleich.\" (Pressemitteilung 27/05 vom 7. Mai) Die Partei betrachtet das parlamentarische System als unf\u00e4hig, korrupt Diffamierung und gegen die Interessen des Volkes gerichtet. demokratischer \"Klammheimlich ... hat unsere politische Klasse den Staat zum SelbstbedieInstitutionen nungsladen gemacht ... .\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 1-2/2005, Seite 12) Der Landesvorsitzende G\u00e4rtner bezeichnete auf einer Veranstaltung am 9. Februar den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten und den Bundeskanzler als \"L\u00fcgenbarone, bei denen M\u00fcnchhausen vor Neid erblassen w\u00fcrde\". (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 1-2/2005, Mitgliederbeilage) Im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen behauptete der REP-Bundesvorsitzende, die \"rot-gr\u00fcnen Machthaber\" h\u00e4tten mit illegalen und illegitimen Methoden versucht, B\u00fcrger einzusch\u00fcchtern und zu kriminalisieren, die f\u00fcr die REP Unterst\u00fctzungsunterschriften geleistet h\u00e4tten. Dazu erkl\u00e4rte er: \"Jetzt schwimmen den Genossen die Felle trotz der Primitiv-Agitprop-Kampagne des Vorsitzenden M\u00fcntefering davon. (...) Und das ist gut so - auch wenn die Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","118 Rechtsextremismus k\u00fcnftige Regierung kaum einen inhaltlichen Wechsel bringen wird. Aber schon die Aussicht, da\u00df die Rotfilzgenossen, die sich den Staat l\u00e4ngst zur Beute gemacht hatten, aus ihren Erbh\u00f6fen verjagt werden, tut der Demokratie gut. Allein schon die Vorstellung, da\u00df der eine oder andere rot-gr\u00fcne Tagedieb k\u00fcnftig nicht mehr \u00fcppig vom Staat alimentiert werden wird, mu\u00df einen vers\u00f6hnlich stimmen.\" (Zeit f\u00fcr Protest! Nummer 3-5/2005, Mitgliederbeilage) 2.3.2 Aush\u00f6hlung des offiziellen Abgrenzungskurses Ein bereits 1990 gefasster Parteitagsbeschluss, wonach bei den REP niemand eine Funktion \u00fcbernehmen darf, der in extremistischen und verfassungsfeindlichen Organisationen eine aktive Rolle gespielt hat, gilt innerparteilich als grunds\u00e4tzliche Abgrenzungserkl\u00e4rung gegen\u00fcber allen anderen Organisationen des rechtsextremistischen Spektrums. Haupts\u00e4chliches Motiv ist das Bestreben, sich als national-konservativ Interne Gegner ausgerichtete Partei pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Allerdings tragen regiodes offiziellen nale Gliederungen der REP und einzelne Parteifunktion\u00e4re diesen AbgrenzungsBeschluss nicht mit. Dennoch hielt die Parteif\u00fchrung um Dr. Schlierer kurses trotz innerparteilicher Kritik, zahlreicher Austritte f\u00fchrender Funktion\u00e4re und ausbleibender Wahlerfolge bisher unbeirrt an ihrem Abgrenzungskurs fest. Dies zeigte sich beispielsweise daran, dass die Parteif\u00fchrung im Vorfeld der Bundestagswahl 2005 mehrmaligen Versuchen, die REP in die \"Volksfrontstrategie\" der NPD einzubinden, widerstand und eine Beteiligung an einem von der NPD dominierten Wahlb\u00fcndnis ablehnte. Der in Teilbereichen der REP nach wie vor erkennbare Widerstand gegen Kontakt zu die Position der Parteif\u00fchrung wurde an Kontakten zu anderen rechtsanderen Rechtsextremistischen Organisationen sowie in deren Unterst\u00fctzung deutlich. extremisten So war auf dem Neujahrsempfang der Mainzer REP-Stadtratsfraktion neben dem Bundesvorsitzenden Dr. Schlierer auch ein Vertreter der den REP nahe stehenden rechtsextremistischen Partei \"Vlaams Belang\" aus Belgien als Ehrengast anwesend. Dieser trat au\u00dferdem bei einer Wahlkampfveranstaltung der REP am 10. April in Gelsenkirchen als Redner auf. Am 23. Januar nahmen in M\u00fcnchen-Pasing bei einem \"politischen Neujahrstreffen\" von Rechtsextremisten neben NPDund DVU-Mitgliedern sowie Neonazis auch Mitglieder der REP teil. Am 12. Februar trafen sich im Vorfeld des von der rechtsextremistischen Jungen Landsmannschaft Ostpreu\u00dfen (JLO) organisierten Trauermarsches in Dresden u.a. Vertreter von NPD und DVU zu einer VortragsVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 119 veranstaltung, an der auch der stellvertretende REP-Bundesvorsitzende Bj\u00f6rn Clemens teilnahm. Ein REP-Kreistagsmitglied trug im Dezember bei der Jahresabschlusssitzung des W\u00fcrzburger Kreistags ein T-Shirt mit der Aufschrift \"Nationaler Widerstand Kist/Altertheim\". Mit dem Begriff \"Nationaler Widerstand\" propagieren Rechtsextremisten, insbesondere Anh\u00e4nger der NPD und Teile der Neonazi-Szene, eine gemeinsame und organisations\u00fcbergreifende Protestbewegung gegen den demokratischen Verfassungsstaat. 2.3.3 Organisation Der seit Jahren anhaltende Abw\u00e4rtstrend der Partei hat sich vor dem Anhaltende Hintergrund der wieder entfachten internen Differenzen um den vom Mitgliederverluste Parteivorsitzenden vertretenen Abgrenzungskurs gegen\u00fcber anderen rechtsextremistischen Organisationen fortgesetzt. Sie wurden insbesondere durch die zum Teil deutlich besseren Wahlergebnisse der NPD ausgel\u00f6st. Der Versuch des Parteivorstands, eine eher gem\u00e4\u00dfigte Position innerhalb der Gesamtpartei durchzusetzen, bewirkte vor allem an der Parteibasis Resignation und f\u00fchrte zu weiteren Mitgliederverlusten. W\u00e4hrend die Partei 1994 bundesweit \u00fcber rund 20.000 Mitglieder verf\u00fcgte, waren es im Jahr 2005 nur noch etwa 6.500 (2004: 7.500). Die meisten Anh\u00e4nger z\u00e4hlt die Partei in den Landesverb\u00e4nden Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Parteivorsitzender ist seit Ende 1994 Dr. Rolf Schlierer. Seine Stellvertreter sind Bj\u00f6rn Clemens, Johann G\u00e4rtner, Haymo Hoch und Ursula Winkelsett. Der von Johann G\u00e4rtner gef\u00fchrte Landesverband Bayern z\u00e4hlt noch etwa 2.300 Mitglieder (2004: 2.800). Der Bundesverband, der Landesverband Bayern und weitere REP-Gliederungen sind mit eigenen Homepages im Internet vertreten. 2.3.4 Teilnahme an Wahlen Zur Landtagswahl am 22. Mai in Nordrhein-Westfalen kandidierten die Landtagswahl in REP mit Direktbewerbern in allen 128 Wahlkreisen. Nach dem amtNordrhein-Westlichen Endergebnis erreichte die Partei einen Stimmenanteil von 0,8 % falen (2000: 1,1 %) und schnitt damit noch schlechter als die NPD ab, obwohl sie im Gegensatz zu dieser fl\u00e4chendeckend angetreten war. Wie die NPD k\u00f6nnen auch die REP aufgrund dieses Ergebnisses keine Mittel aus Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","120 Rechtsextremismus der staatlichen Parteienfinanzierung beanspruchen. Im Wahlkampf hatten sich die REP - wie bei vorangegangenen Wahlen - als Protestw\u00e4hlerpartei pr\u00e4sentiert und soziale Themen in den Mittelpunkt gestellt. Mit Plakaten wie \"Das Boot geht unter\" oder \"mehr als 5.000.000 Arbeitslose - STOP - Protest w\u00e4hlt REP\" warben sie um Stimmen, entwickelten insgesamt aber nur geringe Aktivit\u00e4ten. Bundestagswahl Bei der Bundestagswahl am 18. September, bei der die REP in nur neun Bundesl\u00e4ndern zur Wahl antraten, erzielte die Partei wie im Jahr 2002 einen Stimmenanteil von 0,6 %. Bei der Europawahl im Jahr 2004 hatten die REP bundesweit noch 1,9 % der Stimmen erhalten. Ihre besten Ergebnisse erreichte die Partei mit jeweils 1,1 % in Baden-W\u00fcrttemberg und Rheinland-Pfalz. In Bayern, wo die REP einen Stimmenanteil von 1,0 % (2002: 0,6 %) erzielten, schnitten sie am besten in den Wahlkreisen W\u00fcrzburg (2,4 %) und Schweinfurt (2,1 %) ab. Programm zur Im Wahlprogramm hatten die REP Forderungen wie die Abschaffung Bundestagswahl von Fremdrenten etwa f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Aussiedler, die Wiedereinf\u00fchrung der Deutschen Mark, den Schutz deutscher Unternehmen vor feindlichen \u00dcbernahmen aus dem Ausland, die K\u00fcrzung der Entwicklungshilfe und der EU-Beitr\u00e4ge, die Beendigung der Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr, die Ausweisung aller Islamisten, die Einb\u00fcrgerung nur bei voller sprachlicher und kultureller Integration, die Ablehnung einer EU-Mitgliedschaft der T\u00fcrkei, die Abschaffung der Homound Lesbenehe und die F\u00f6rderung deutscher Familien statt Zuwanderung erhoben. Nur mit einer geistig-moralischen Wende k\u00f6nne der Ruin Deutschlands in Form von Massenarbeitslosigkeit, Staatsverschuldung und \u00dcberalterung verhindert werden. Wahlwerbung Im Bundestagswahlkampf stand das Thema Arbeitslosigkeit im Vordergrund. Mit ausl\u00e4nderfeindlichen Slogans wie \"Arbeit f\u00fcr Wojciech - Hartz IV f\u00fcr Deutsche?\" und pauschalen Versprechungen wie \"4 Millionen neue Arbeitspl\u00e4tze - wir sorgen daf\u00fcr\" sollten Protestw\u00e4hler angesprochen werden. Letztere Parole war auch der Titel einer Brosch\u00fcre, in der die REP zehn Ma\u00dfnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit pr\u00e4sentierten. Dazu z\u00e4hlten die Forderung nach der Einf\u00fchrung eines R\u00fcckf\u00fchrungsgesetzes f\u00fcr ausl\u00e4ndische Langzeitarbeitslose und die K\u00fcndigung der Sozialabkommen mit Drittl\u00e4ndern. 2.3.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten Politischer An der traditionellen Aschermittwochsveranstaltung der REP am 9. FebAschermittwoch ruar in Geisenhausen, Landkreis Landshut, nahmen knapp 300 (2004: 200) Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Der bayerische LandesVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 121 vorsitzende Johann G\u00e4rtner kritisierte die \"Sch\u00f6nrednerei der Altparteien\" in der Wirtschaftsund Sozialpolitik. Mit einer Gedenkminute erinnerte der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer an die \"Opfer von Bombenterror, Flucht und Vertreibung\". Als Hauptredner wandte er sich gegen den \"offiziellen Denkbetrieb 60 Jahre nach Kriegsende\" und forderte die \"geistige Befreiung\" der Deutschen aus der Situation eines besiegten Landes. 1945 sei f\u00fcr Deutschland kein Jahr der Befreiung, sondern \"ein Jahr der katastrophalen Niederlage\" gewesen. Im Rahmen eines Informationstags unter dem Motto \"Republikaner Wahlparteitag zum Anfassen\" f\u00fchrte der REP-Landesverband Bayern am 4. Juni in Inin Ingolstadt golstadt einen \"Kleinen Parteitag\" mit rund 200 Mitgliedern und G\u00e4sten durch. W\u00e4hrend der Veranstaltung wurden langj\u00e4hrige Parteimitglieder geehrt und 18 Bewerber f\u00fcr die Bundestagswahl 2005 nominiert. Der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer betonte in seiner Rede, dass die REP keineswegs nur eine \"Ein-Thema-Partei\" seien; sie h\u00e4tten nicht nur im Bereich ihrer Kernkompetenz, der Inneren Sicherheit, Konzepte anzubieten, sondern seien auch in der Arbeitsmarkt-, Sozial-, Wirtschaftsund Finanzpolitik durchaus ernst zu nehmende Ansprechpartner. 2.4 Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) Deutschland Bayern Mitglieder: 500 70 Vorsitzende: Claudia Wiechmann, Ulrich P\u00e4tzold Ulrich P\u00e4tzold Gr\u00fcndung: 1993 Sitz: Erfurt Publikation: \"Deutschland-Post\" 2.4.1 Ideologisch-politischer Standort Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahr 1993 versuchte die DP mit anderen kleinen Sammelbecken \"konservativ und national\" ausgerichteten Parteien eine gemeinsame entt\u00e4uschter politische Einheit zu bilden. Unter dem im Jahr Rechtsextremisten 2001 gew\u00e4hlten Bundesvorsitzenden Dr. Heiner Kappel gelang es der DP, sich entt\u00e4uschten Mitgliedern von Parteien aus dem \"rechten Lager\", u.a. ehemaligen REP-Funktion\u00e4ren, als Alternative anzubieten. Diese Offenheit gegen\u00fcber anderen \"patriotisch\" gesonnenen Parteien wurde vom Parteivorstand am 31. August 2003 als Nicht-Abgrenzungsabschluss formuliert: \"Die Deutsche Partei bewertet jedwede politische Ausgrenzung und Abwertung als inhuman, intolerant und undemokratisch. F\u00fcr die DP lebt die DemoVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","122 Rechtsextremismus kratie von der Vielfalt der politischen Meinungen und dem Wettstreit um den besten Weg. Deshalb ist die Deutsche Partei gegen\u00fcber jeder politischen Gruppierung - von der PDS bis zur NPD - gespr\u00e4chsund diskussionsbereit.\" Fusion mit rechtsAuf dem Bundesparteitag am 4. Oktober 2003 in Fulda fusionierte die extremistischer DP mit der \"Freiheitlichen Deutschen Volkspartei\" (FDVP), einer als AbSplitterpartei spaltung der DVU in Sachsen-Anhalt gegr\u00fcndeten Splitterpartei. Mit dem Zusammenschluss wurde die FDVP aufgel\u00f6st; die Bezeichnung \"Deutsche Partei\" erhielt den Zusatz \"Die Freiheitlichen\". RechtsextremisIn ihren \u00f6ffentlichen Verlautbarungen vermied die DP bisher weittische Grundgehend Aussagen mit eindeutig rechtsextremistischer Zielsetzung. Die haltung Tendenz zu \u00fcbersteigertem Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und Ressentiments gegen Minderheiten ist jedoch unverkennbar. \"Ein Asylbewerber steht meist besser da als mancher Bundesb\u00fcrger (laut Statistik leben in der BRD 13 Millionen Menschen unterhalb der Armutsgrenze). Wo sind denn bei uns die 'kleinen Leute', die sich im 'Netto-Zustand' eine sch\u00f6ne Wohnung, beste Verpflegung, modernste Kleidung, erstklassige medizinische Versorgung ohne Zuzahlung und Jahreskarten f\u00fcr alle Nahverkehrsmittel leisten k\u00f6nnen, um dann noch zus\u00e4tzlich Taschengeld zu empfangen? Asylbewerber leben gratis auf Kosten der flei\u00dfigen Bev\u00f6lkerung.\" (Deutschland-Post, Oktober 2005, Seite 8) Rassismus Auf der Internet-Seite des Landesverbands Baden-W\u00fcrttemberg wandte und Fremdensich der DP-Jugendbeauftragte gegen die \"krankhaft geschaffene feindlichkeit Multikulturelle Gesellschaft\": \"Wenn sich nicht bald etwas \u00e4ndert, wird sich unser Volk weiter zu einer verkommenen, \u00fcberfremdeten und kulturlosen Gesellschaft entwickeln (...), es kann f\u00fcr kriminelle Ausl\u00e4nder, Asylbewerber und Scheinasylanten nur eine Antwort geben, direkt zum n\u00e4chsten Flughafen und ... ab in die Heimat. In Deutschland wird die Abschiebung Fremder so gut wie nie vollzogen, auch nicht wenn Ausl\u00e4nder im gro\u00dfen Stil die deutschen Sozialversicherungssysteme betr\u00fcgen und ausbeuten, mit Drogen gehandelt wird oder Gewalttaten gegen\u00fcber Deutschen begangen werden.\" In einem weiteren Internet-Beitrag stellte sich die DP als politische Kraft zur Rettung des Abendlandes dar: \"Das Mittelalter ist zur\u00fcck in Europa. (...) Unsere muslimischen Mitb\u00fcrger scheint das Grundgesetz der BRD nicht zu interessieren. (...) Das von den Muslimen angestrebte Gesellschaftssystem ist mit modernen rechtsstaatlichen Strukturen ... unvereinbar. (...) Deutschland braucht keine Politiker, die diese wichtigen Fragen als Tabuthema abstempeln, sondern eine politische Kraft, die neben der nationalen Modernisierung auch unsere Kultur vor dem Untergang des Abendlandes sch\u00fctzt. Die Deutsche Partei ist bereit dazu.\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 123 2.4.2 Kontakte zu anderen Rechtsextremisten Am 23. Januar fand in M\u00fcnchen-Pasing ein \"politisches Neujahrstreffen\" mit rund 300 Personen aus dem gesamten rechtsextremistischen Spektrum statt. Leiter des Treffens waren der DP-Funktion\u00e4r Wolfgang Bukow und ein inzwischen verstorbener REP-Stadtrat. An der Veranstaltung beteiligten sich neben Mitgliedern der DP, NPD, DVU und REP auch Angeh\u00f6rige der Neonazi-Szene. Als Ordner fungierten Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen. Hauptredner war der NPD-Fraktionschef im S\u00e4chsischen Landtag Holger Apfel, der auf erfolgreiche Sammlungsbestrebungen des rechtsextremistischen Spektrums in Sachsen verwies. Bei der Veranstaltung wurden Unterschriften f\u00fcr ein \"M\u00fcnchner Bekenntnis\" gesammelt. Darin erkl\u00e4rten die Unterzeichner, \"M\u00fcnchner der Weg zum politischen Erfolg, gerade auch bei Wahlen, sei nur geBekenntnis\" meinsam m\u00f6glich. Ziel sei \"eine gro\u00dfe nationale Volksbewegung, die Deutschland in eine neue Zeit f\u00fchren wird\". Am 13. August veranstaltete die DP gemeinsam mit dem rechtsextremistischen Schutzbund f\u00fcr das deutsche Volk (SdV) einen so genannten \"Bodenseetag\", der als partei\u00fcbergreifendes Freizeittreffen bezeichnet \"Bodenseetag\" wurde und der Kontaktpflege rechtsnationaler Parteien diente. Unter den Teilnehmern der Schiffsreise befand sich auch der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt. Bei der Bundestagswahl am 18. September kandidierten in Bayern f\u00fcnf DP-Mitglieder f\u00fcr die NPD. 2.4.3 Organisation Mit der Gr\u00fcndung der Landesverb\u00e4nde Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein im Herbst wurde der Aufbau der Partei auf Landesebene abgeschlossen. Gr\u00f6\u00dfte regionale Untergliederung ist der Landesverband Landesverband Bayern. Er gliedert sich derzeit in die Bezirksverb\u00e4nde Oberbayern, Bayern Niederbayern, Oberpfalz, Schwaben und das \"Gebiet Franken\". Landesvorsitzender in Bayern ist Ulrich P\u00e4tzold. Der Bundesvorsitzende Dr. Kappel wurde nach internen Streitigkeiten Amtsenthebung um die B\u00fcndnispolitik der Partei auf einer au\u00dferordentlichen Bundesdes Bundesvorvorstandssitzung am 22. Januar seiner \u00c4mter enthoben. Er hatte im sitzenden Gegensatz zur Mehrheit des DP-Bundesvorstands eine Zusammenarbeit mit der NPD ausgeschlossen. Die kommissarische Leitung der Partei \u00fcbernahmen die bisherigen drei Stellvertreter Claudia Wiechmann, Eberhard Lehmann und Ulrich P\u00e4tzold. Auf dem Bundesparteitag der DP am 29. Mai in Rehau, Landkreis Hof, wurden Claudia Wiechmann Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","124 Rechtsextremismus Neuer und Ulrich P\u00e4tzold zu gleichberechtigten Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Bundesvorstand Die neue Doppelspitze will die DP als eigenst\u00e4ndige Partei auf einem \"abgrenzungsfreien\" Kurs halten. Auf einem Parteitag am 11. Dezember in Oberhof/Th\u00fcringen verabschiedeten die Delegierten ein vom Bundesvorstand entworfenes \"Deutschland-Manifest\", das als Grundlage f\u00fcr ein neues Parteiprogramm dienen soll. In einer Pressemitteilung vom 12. Dezember hie\u00df es, die Partei habe damit \"zum ersten Mal eine in sich geschlossene Weltanschauung auf den Weg gebracht, die nun in den einzelnen Punkten mit detaillierten Programmaussagen 'lebendig' f\u00fcr den W\u00e4hler werden muss.\" 2.4.4 Landesparteitag Beim Landesparteitag am 16. Oktober in Schweitenkirchen, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, wurde der Landesvorstand durch Nachwahlen auf nunmehr elf Personen erweitert. Der Landesvorsitzende Ulrich P\u00e4tzold skizzierte in seinem Rechenschaftsbericht den Weg der DP als \"Deutschnationale Partei\", die im klaren Gegensatz zu den \"Altparteien des BRD-Systems\" stehe. F\u00fcr eine Partei mit einem bewusst nationalen Politikansatz verbiete sich schon aus Gr\u00fcnden der Selbstachtung jeder Gedanke an eine Kooperation mit \"Lizenzparteien des Ancien regime\". In Bayern wolle die Partei in den n\u00e4chsten Jahren mindestens 1.000 Mitglieder gewinnen, um die dortige Landtagswahl 2008 personell bestehen zu k\u00f6nnen. Zudem werde sich die DP in Bayern konsequent an \"nationalen Wahlb\u00fcndnissen\" auf regionaler Ebene beteiligen. Nach der guten und erfolgreichen Zusammenarbeit im Bundestagswahlkampf werde dabei die \"Volksbewegung\" von NPD und DVU erster Ansprechpartner sein. 2.5 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee Deutschland Bayern Mitglieder: 100 50 Vorsitzender: Dr. Alfred Mechtersheimer Gr\u00fcndung: 1990 Sitz: Starnberg Publikationen: \"Pressespiegel\" mit \"Frieden 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung\" Die 1990 gegr\u00fcndete Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee mit Sitz in Starnberg besteht aus lokalen Kleingruppen. Die Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich auf Treffen einiger weniger Mitglieder. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 125 Dr. Mechtersheimer arbeitet mit bekannten rechtsextremistischen Funk\u00dcberparteiliche tion\u00e4ren bzw. Aktivisten verschiedenster Parteien und Gruppen zusamSammlungsbemen. Mit der Aufl\u00f6sung der als Teilorganisation der Deutschland-Bewewegung gung gegr\u00fcndeten Deutschen Aufbau-Organisation (DAO) im Jahr 2002 scheiterte der Versuch, die zahlreichen Str\u00f6mungen des rechtsextremistischen Lagers zu einer Sammlungspartei zusammenf\u00fchren. Dr. Mechtersheimer setzt dennoch weiterhin auf das aus seiner Sicht bew\u00e4hrte \"Zwei-S\u00e4ulen-Modell\", n\u00e4mlich \"Bewegung und Partei\". Ohne \"parteiunabh\u00e4ngige Aufkl\u00e4rungsarbeit\", welche die Deutschland-Bewegung leiste, k\u00f6nne es keine neue erfolgreiche Partei in Deutschland geben. Im Jahr 2004 hatte sich Dr. Mechtersheimer noch f\u00fcr ein B\u00fcndnis der rechtsextremistischen Parteien eingesetzt. Angesichts des schlechten Distanzierung von Abschneidens der NPD bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen der NPD distanzierte er sich wieder von der NPD: \"Die Wahl vom Sonntag hat unsere fr\u00fchzeitige Einsch\u00e4tzung \u00fcber die Selbstzerst\u00f6rung der Partei auf Bundesebene best\u00e4tigt. Die katastrophale Fehlentscheidung der Berliner F\u00fchrung, die Partei nicht f\u00fcr die b\u00fcrgerliche Mitte, sondern f\u00fcr Kameradschaften und Neo-Nazis (und damit auch f\u00fcr noch mehr V-Leute) zu \u00f6ffnen, beantwortet der verzweifelte W\u00e4hler mit 0,X Prozent und mancher Hoffnungstr\u00e4ger hat sich durch die N\u00e4he zur NPD verbrannt. Auch im n\u00e4chsten Bundestag wird ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung nicht vertreten sein.\" (Pressespiegel 7/8-2005 vom 25. Mai, Seite 5) Die politische Position der Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee ergibt sich aus der regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Publikation \"Pressespiegel\" und aus Flugbl\u00e4ttern, die u.a. einen \u00fcbersteigerten Nationalismus propagieren. Im Vorwort einer Studie des Vereins \"Unser Land - Wissenschaftliche Stiftung f\u00fcr Deutschland e.V.\" zum Thema \"Berlin zwischen Paris und Moskau\" erkl\u00e4rte der Vereinsvorsitzende Dr. Mechtersheimer: \"Beide Seiten sollten von der \u00dcberzeugung ausgehen, da\u00df es bei den Menschen ein Grundbed\u00fcrfnis Nation gibt, das respektiert und durch Zuwanderung und multikulturelle Konzepte nicht straflos besch\u00e4digt werden darf.\" (Pressespiegel 11-2005 vom 13. Juli, Seite 14) 2.6 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen Bayern Anh\u00e4nger: 15 Leiter: Roland Wuttke Gr\u00fcndung: 2004 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: \"M\u00fcnchen Direkt\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","126 Rechtsextremismus Umbenannter Ende 2003 hatte sich die rechtsextremistische Vereinigung \"DemokraZusammenschluss tie Direkt M\u00fcnchen e.V.\" selbst aufgel\u00f6st. Ihr ehemaliger Leiter Roland von RechtsWuttke setzte seine Aktivit\u00e4ten unter der Bezeichnung \"Freundeskreis extremisten Demokratie Direkt M\u00fcnchen\" fort. Im Jahr 2004 organisierte er mit seiner umbenannten Gruppierung im Raum M\u00fcnchen zahlreiche Mahnwachen, Informationsst\u00e4nde und Demonstrationen. Hierbei arbeitete er sowohl mit Aktivisten der Kameradschaft M\u00fcnchen als auch mit der NPD zusammen. Seit seiner Wahl zum Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands M\u00fcnchen im Februar und seiner anschlie\u00dfenden Wahl zum Vorsitzenden des NPD-Bezirksverbands Oberbayern im April konzentriert sich Wuttke vorwiegend auf die Parteiarbeit; so betreut er die Internet-Pr\u00e4senz des NPD-Bezirksverbands Oberbayern. Im Jahr 2005 veranstaltete der \"Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen\" nur zwei Mahnwachen am 13. Februar und 25. April in M\u00fcnchen, an denen sich zwischen 30 und 40 Personen beteiligten. Wuttke publiziert regelm\u00e4\u00dfig auf der Internet-Seite des \"FreundesFremdenkreises Demokratie Direkt M\u00fcnchen\". In einem Beitrag \"Die Lage im feindlichkeit Herbst 2005\" agitierte er dort pauschal gegen Ausl\u00e4nder in Deutschland: \"Das massenhafte Hereinholen unqualifizierter oder gar krimineller Fremder ('im Zweifel f\u00fcr die Reisefreiheit'), das Bem\u00fchen abgelehnte Asylbewerber im Lande zu behalten und weitere anzulocken, das Dulden der schleichenden Verdr\u00e4ngung der Deutschen in den Gro\u00dfst\u00e4dten, die millionenfache Abtreibung deutscher Kinder, die demografische Katastrophe, das unabl\u00e4ssige Verteilen von Milliarden von Steuergeldern an das Ausland - all das sind Kennzeichen eines tiefsitzenden Selbsthasses, der von den Herrschenden schon gar nicht mehr wahrgenommen wird.\" Diffamierung In einem weiteren Internet-Beitrag \"Raffgier au\u00dfer Kontrolle\" verundemokratischer glimpfte er den demokratischen Staat und dessen Repr\u00e4sentanten: Institutionen \"Das Regime der 'Anst\u00e4ndigen' entpuppt sich immer mehr als ein Staat kapitalistischer Parasiten (...). Die wirtschaftlichen Nebent\u00e4tigkeiten der Abgeordneten (trotz gro\u00dfer Ank\u00fcndigungen ist bis heute noch keine Regelung \u00fcber deren Begrenzung in Sicht) sind typisch f\u00fcr den kapitalistischen Parteienstaat, weil die Parteien hier nichts anderes als Agenturen des Globalkapitals darstellen. (...) Am Ende wird aber alles so bleiben, denn das ist System: Eigennutz geht vor Gemeinnutz.\" 2.7 Rechtsextremistische Bestrebungen im Europ\u00e4ischen Darstellungsverein f\u00fcr Lebendige Geschichte (EDLG) Der 1995 in Nordrhein-Westfalen gegr\u00fcndete EDLG versteht sich als Mitgliedsorganisation der globalen \"Re-Enactment Bewegung\", deren Ziel es ist, mit m\u00f6glichst originalgetreuen Uniformen und Ausr\u00fcstungsVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 127 gegenst\u00e4nden historische Schlachten nachzustellen. Der Verein hat sich Waffen-SS insbesondere die Waffen-SS zum Vorbild genommen und trat vorzugsals Vorbild weise als die 1. Kompanie des 3. Panzergrenadier-Regiments der Division \"Leibstandarte SS Adolf Hitler\" (LAH) auf. Da es in Deutschland strafbar ist, Uniformen mit SS-Emblemen in der \u00dcbungen \u00d6ffentlichkeit zu tragen, f\u00fchrten Vereinsangeh\u00f6rige ihre \"Darstellungsim Ausland \u00fcbungen\" \u00fcberwiegend im Ausland - insbesondere in Tschechien und in der Slowakei, aber auch in den Niederlanden - durch. Der nicht eingetragene Verein hat in elf Bundesl\u00e4ndern sowie im benachbarten Ausland insgesamt etwa 100 Mitglieder. Davon sind etwa 20 bis 30 Personen einer \"rechtsextremistischen Plattform\" zuzurechnen, die neonazistisches Gedankengut vertritt und versucht, dieses auch zu verbreiten. Wegen des Verdachts von Verst\u00f6\u00dfen gegen das KriegswaffenkontrollExekutivma\u00dfgesetz durchsuchte die Polizei am 27. April in drei Bundesl\u00e4ndern und nahmen in \u00d6sterreich mehrere Wohnungen von EDLG-Mitgliedern, davon sechs Objekte in Bayern. Aufgrund der ersten Ergebnisse erfolgten in Bayern am selben Tag Anschlussdurchsuchungen in zwei weiteren Objekten und am 28. April in einem gr\u00f6\u00dferen Waffendepot im Landkreis Augsburg. Die Polizei nahm insgesamt vier Personen fest und stellte umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter funktionsf\u00e4hige Waffen, Munition und Sprengstoff (etwa 1 kg TNT) sowie Uniformen und Propagandamaterial. Bereits am 25. November 2004 hatte die Polizei bei EDLG-Mitgliedern in Nordrhein-Westfalen und Hamburg Waffen und Munition in gro\u00dfem Umfang beschlagnahmt. Die weiteren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Augsburg f\u00fchrten nunmehr zu einer Anklageerhebung gegen 44 Personen wegen unerlaubten Besitzes von Waffen und Sprengstoff. 2.8 Sonstige Organisationen Die teils regional, teils bundesweit t\u00e4tigen sonstigen rechtsextremistischen Organisationen sind vielfach nur publizistisch aktiv. Etwaige Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich im Allgemeinen auf interne Veranstaltungen, die kaum Au\u00dfenwirkung entfalten. Zu nennen sind hier insbesondere die Gruppierungen - Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) - Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) - Freundeskreis Ulrich von Hutten - Deutsches Kolleg (DK). Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","128 Rechtsextremismus Weitere rechtsextremistische Organisationen sind unter Nummer 9 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. 2.9 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) Der 1958 gegr\u00fcndete, von Dr. Gerhard Frey geleitete DSZ-Verlag in Bedeutendstes M\u00fcnchen ist weiterhin das bedeutendste rechtsextremistische Proparechtsextremisgandainstrument in Deutschland. Die w\u00f6chentliche Auflage der im Vertisches Propaganlag erscheinenden \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) dainstrument betr\u00e4gt rund 40.000 Exemplare. Als publizistisches Sprachrohr der DVU vertritt die NZ deren nationalistische, rassistische und revisionistische Grundhaltung. Die Beitr\u00e4ge sind gepr\u00e4gt von Vereinfachung, Schematisierung und dem Aufbau von Freund-Feind-Bildern. \"Es liegt auf der Hand, dass schon die Menge der bereits in die Bundesrepublik Deutschland zum dauerhaften oder gar immerw\u00e4hrenden Aufenthalt durch die herrschende Politik hereingelassenen Ausl\u00e4nder die Gefahr schwerwiegender gesellschaftlicher Verwerfungen heraufbeschw\u00f6rt. Eine sich versch\u00e4rfende Konkurrenz Hiesiger mit Fremden um die knapper werdenden sozialen Ressourcen des Staates ist absehbar.\" (NZ vom 1. April, Seite 1/2) Nationalismus Unter der \u00dcberschrift \"Zermalmt uns die t\u00fcrkische Lawine?\" hie\u00df es: und Fremden\"Selbst verheerende Lawinen entwickeln sich oft aus kleinen Schneeb\u00e4llchen, feindlichkeit die absolut nicht bedrohlich wirken. F\u00fcr genauso harmlos halten wahrscheinlich manche Europ\u00e4er den Beginn der EU-Beitrittsverhandlungen mit der T\u00fcrkei. (...) Was aber hinzuk\u00e4me: die T\u00fcrkei als bald bev\u00f6lkerungsreichster Staat der EU w\u00e4re damit auch ihr einflussreichstes Land. Man stelle sich vor: mit der T\u00fcrkei w\u00fcrde die Europ\u00e4ische (!) Union nicht nur ein nichteurop\u00e4isches und islamisches Land aufnehmen, sondern auch noch eines, das die politische F\u00fchrungsmacht w\u00e4re, also auf kaltem Wege verwirklichen k\u00f6nnte, was in den T\u00fcrkenkriegen der Geschichte auf Dauer nicht gelang, n\u00e4mlich Europa unter die t\u00fcrkische Fuchtel zwingen. Dieser Hang zur Selbstentmachtung und Unterwerfung ist offenbar typischer Ausfluss eines an schwerer Dekadenz erkrankten Europas.\" (NZ vom 7. Oktober, Seite 5) Nationalistische und fremdenfeindliche Bestrebungen kamen auch in einem Beitrag \"\u00dcberfrisst sich die Europ\u00e4ische Union?\" zum Ausdruck: \"Wie ein gefr\u00e4\u00dfiges Raubtier stopft die Europ\u00e4ische Union einen neuen Mitgliedsstaat nach dem andern in sich hinein und droht an \u00dcberfettung zu kollabieren. Noch liegen die unverdauten Brocken der j\u00fcngsten osteurop\u00e4ischen Erweiterungsrunde im aufgebl\u00e4hten EU-Magen, da giert der Blick der Br\u00fcsseler Kommission nach Rum\u00e4nien und Bulgarien. Dabei handelt es sich um besondere 'Leckerbissen': das Durchschnittseinkommen beider Staaten liegt Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 129 bei rund 25 Prozent des EU-Durchschnitts. (...) Was Schr\u00f6der ebenfalls \u00fcbergeht, ist der Umstand, dass in Rum\u00e4nien und Bulgarien Millionen Zigeuner auf gepackten Koffern sitzen und es kaum erwarten k\u00f6nnen, ihren in Deutschland bereits heimisch gewordenen Sippengenossen nachzueilen. Womit nicht wenige von ihnen ihren Lebensunterhalt bestreiten, soll hier nicht n\u00e4her er\u00f6rtert werden, da allgemein bekannt.\" (NZ vom 18. M\u00e4rz, Seite 5) Eine antisemitische Grundhaltung wurde in mehreren Artikeln \u00fcber den Antisemitismus Zustrom j\u00fcdischer Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion deutlich: \"Die von Kohl bewirkte Masseneinwanderung von heute schon 200.000 GUS-Juden in Deutschland f\u00fchrt einerseits zu einer Vielzahl von Konflikten und b\u00fcrdet andererseits dem deutschen Steuerzahler bisher schon Dutzende Milliarden Euro an Kosten f\u00fcr Menschen auf, die mit dem deutschen Volk, der deutschen Kultur oder der deutschen Sprache keinerlei Verbindung aufwiesen.\" (NZ vom 14. Januar, Seite 1) \"Im Unterschied zu den Vorg\u00e4ngen der Visaaff\u00e4re handelt es sich bei der Judenmigration im Wesentlichen um eine Zuwanderung in die Sozialsysteme, bei der sch\u00e4tzungsweise 80 Prozent der eingereisten Migranten auf Sozialhilfe angewiesen sind. (...) Ein weiteres T\u00e4tigkeitsfeld er\u00f6ffnet sich allerdings so genannten Sozialingenieuren. Hierbei handelt es sich um Fachleute, die sich darauf verstehen, dem Sozialsystem maximale Wohltaten abzupressen.\" (NZ vom 29. April, Seite 12) In einem Kommentar \"NS-Bew\u00e4ltigungszentrum f\u00fcr M\u00fcnchen\" wurde Revisionismus die Thematik der Vergangenheitsbew\u00e4ltigung aufgegriffen: \"Offensichtlich braucht Deutschland zus\u00e4tzlich zu den wohl bereits 10.000 Mahnmalen deutscher Schuld und S\u00fchne immer weitere nationalmasochistische Gedenkst\u00e4tten, da der Staat ja Geld im \u00dcberfluss hat und es auch keine dringend zu l\u00f6senden Probleme wie die Rekordarbeitslosigkeit, Massenarmut etc. gibt ...\" (NZ vom 8. April, Seite 13) Wie in den Vorjahren wurden demokratische Institutionen und ihre Diffamierung Repr\u00e4sentanten h\u00e4ufig diffamiert: demokratischer \"Die Pervertierung des Demokratie-Begriffs erfolgt durch Politiker, die alle Institutionen H\u00e4nde voll zu tun h\u00e4tten, den Saustall in den eigenen Reihen auszumisten. Bekanntlich wimmelt es in den etablierten Parteien auf allen Ebenen von korrupten Subjekten, die nicht die Interessen ihrer W\u00e4hler im Auge haben, sondern sich als Lobbyisten von Unternehmen ihre ohnehin schon m\u00e4rchenhaften Di\u00e4ten und Aufwandsentsch\u00e4digungen noch kr\u00e4ftig aufpolstern lassen.\" (NZ vom 11. Februar, Seite 5) \"Die heute Herrschenden sind dabei nicht nur Symbolfiguren f\u00fcr das angerichtete Polit-Chaos, sondern dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Selbstbereicherung, Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","130 Rechtsextremismus Di\u00e4ten-Wucher, Steuergeldverschwendung, Korruption und Filz. Die Kluft zwischen B\u00fcrgern und Polit-Bonzen wird immer und immer gr\u00f6\u00dfer.\" (NZ vom 11. M\u00e4rz, Seite 3) \"Dieses Gep\u00f6bel ist vor allem deswegen so unversch\u00e4mt, weil die angeprangerte Raffgier-Haltung nirgendwo sonst so dreist vorgelebt wird wie in Kreisen bundesdeutscher Polit-Bonzen. W\u00e4hrend Millionen B\u00fcrger unter den Folgen der gegenw\u00e4rtigen Asozial-Politik leiden, sahnen Etablierte nach allen Regeln der Kunst ab.\" (NZ vom 11. M\u00e4rz, Seite 3) \"Wenn sich schon die deutschen Politiker nicht aufraffen, den Niedergang Deutschlands zu stoppen, dann wird es h\u00f6chste Zeit, dass die W\u00e4hler sie zum Teufel jagen.\" (NZ vom 8. April, Seite 3) Typisches Kennzeichen der NZ ist ihr st\u00e4ndig betonter Wahrheitsanspruch, mit dem sie alle anderen Informationen und Meinungen indirekt als falsch bezeichnet: \"Informieren Sie sich Woche f\u00fcr Woche \u00fcber die wahren Hintergr\u00fcnde des politischen und historischen Geschehens aus der NATIONAL-ZEITUNG. NATIONAL-ZEITUNG-Leser wissen die Wahrheit.\" (NZ vom 8. April, Seite 1) 2.10 Nation Europa Verlag GmbH Der Nation Europa Verlag in Coburg wurde 1953 gegr\u00fcndet. Ein Jahr sp\u00e4ter konstituierte sich der mit den politischen Interessen des Verlags Bedeutendes eng verbundene Verein Nation-Europa-Freunde e.V., dem derzeit etwa rechtsextremis200 Mitglieder angeh\u00f6ren. Herausgeber der im Verlag erscheinenden tisches TheorieMonatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" sind die organ Rechtsextremisten Peter Dehoust und Harald Neubauer. Die Zeitschrift bietet Rechtsextremisten eine publizistische Plattform. Mit einer Auflage von 18.000 Exemplaren geh\u00f6rt sie zu den wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorganen. \"Nation & Europa\" (NE) verbreitet Beitr\u00e4ge, die in einer Gesamtschau Revisionismus eine revisionistische, rassistische, und antisemitische Grundhaltung erund Rassismus kennen lassen. \"Je l\u00e4nger der zweite Weltkrieg zur\u00fcckliegt, desto penetranter und unversch\u00e4mter - so scheint es - wird die historische Wahrheit in eine politisch korrekte 'Wahrheit' umfrisiert. Aus der Niederlage Deutschlands ist eine 'Befreiung' geworden; aus den Opfern amerikanischer Kriegsverbrechen werden 'Opfer Hitlers'; und wer sich f\u00fcr die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen eingesetzt hat, gilt weiterhin als 'Pazifist' und 'Humanist'.\" (NE vom September 2005, Seite 48) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 131 \"Es hat nichts mit Diskriminierung zu tun, an der Tatsache der nat\u00fcrlichen Ungleichheit von Menschen festzuhalten. Geradezu absurd ist es, wenn naturwissenschaftliche Erkenntnisse als 'rechtsextrem' hingestellt werden. (...) Man h\u00e4lt lieber an seinen eigenen ideologischen Fixiertheiten fest, anstatt schwarzen Kindern mit einer artgerechten F\u00f6rderung zu helfen.\" (NE vom April 2005, Seite 20) In einem Artikel mit dem Titel \"Parteienfilz statt Gemeinsinn\" sprach sich der rechtsextremistische Publizist und Mitarbeiter der s\u00e4chsischen NPD-Landtagsfraktion Karl Richter f\u00fcr die Abschaffung des parlamentarischen Systems aus. Bundestag und L\u00e4nderparlamente zeigten die entartete Form des Parlamentarismus, die jedoch einen unbestreitbaren Vorteil habe: \"Verbrauchte, \u00fcberlebte Regime k\u00f6nnen ungleich schneller und im Normalfall auch 'unblutiger' entsorgt werden als unter totalit\u00e4ren Vorzeichen. Die bundesdeutsche Altparteienkaste zeigt alle Symptome einer unreformierbaren, unbeweglichen Schicht, ... deren Zeit abgelaufen ist. (...) H\u00f6chste Zeit also, f\u00fcr Abhilfe zu sorgen - zun\u00e4chst in den Parlamenten, dann in der Regierung.\" (NE vom Februar 2005, Seite 9) 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus 3.1 Allgemeines Der Neonazismus umfasst alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren bzw. totalit\u00e4ren Staates gerichtet sind. Schwerpunktthemen waren wie Agitationsin den Vorjahren die angebliche staatliche Verfolgung des \"nationalen schwerpunkte Lagers\", die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik der Bundesregierung sowie rassistische und antisemitische Agitation. Seit 2004 werden vermehrt sozialpolitische Themen, insbesondere die als negativ empfundenen Folgen von \"Hartz IV\", diskutiert. Die Gewinner der seit den Verboten neonazistischer Organisationen einsetzenden Ideologieund Strategiedebatte des \"nationalen Lagers\" Ideologische sind die NPD und die JN bzw. deren aus der neonazistischen Szene Durchdringung stammende F\u00fchrungskader. Deren neonazistische und nationalrevoluder NPD tion\u00e4re Gedankenelemente sind inzwischen integraler Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD geworden und haben das Erscheinungsbild der Partei nachhaltig ver\u00e4ndert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","132 Rechtsextremismus Schulterschluss Die Verzahnung des rechtsextremistischen Spektrums kommt in verdes rechtsschiedenen Regionen im Schulterschluss zwischen der NPD, neonazistiextremistischen schen Kameradschaften und politisch agierenden rechtsextremistischen Spektrums Skinhead-Szenen immer deutlicher zum Ausdruck. Grund f\u00fcr diese Entwicklung ist nach Ansicht der Initiatoren der ungeheure staatliche Druck auf alle \"Nationalen\", dem man nur mit Geschlossenheit begegnen k\u00f6nne, um weitere Verbote von Parteien und Organisationen zu verhindern. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es aber auch Spannungen zwischen den einzelnen Lagern. Einige Neonazis stehen dem Angebot einer Zusammenarbeit mit der NPD abwartend bis ablehnend gegen\u00fcber. Andere konkurrieren mit der NPD lediglich um eine F\u00fchrerschaft im \"Kampf um die Stra\u00dfe\". Einzelne Protagonisten, die sich als \"autonome Nationalisten\" bezeichnen, fordern militantere Aktionsformen. Dabei lehnen sie sich stark an linksextremistische Aktionsmuster an und teilen mit nationalrevolution\u00e4ren Zirkeln die strikte Ablehnung des Parlamentarismus. Den Kameradschaften geh\u00f6ren nicht mehr ausschlie\u00dflich Neonazis an. Vermehrt werden auch rechtsextremistische Skinheads eingebunden, die aufgrund ihrer politischen Aktivit\u00e4ten den Bereich der losen Szenen verlassen haben. So wurden in den vergangenen Jahren zunehmend \u00d6rtliche \"Misch-Szenen\" aus Neonazis und rechtsextremistischen Skinheads \"Misch-Szenen\" festgestellt. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise die Kameradschaft Asgard-Ratisbona in Regensburg und die Division Oberland im Raum Weilheim/Murnau. Mit dem Eintritt von f\u00fchrenden \"freien Nationalisten\" in die NPD im Ann\u00e4herung an Herbst 2004 erreichte die Ann\u00e4herung zwischen beiden Seiten einen die NPD H\u00f6hepunkt. Dies zeigte sich bei zahlreichen Wahlkampfveranstaltungen der NPD. In Bayern kandidierten bei der Bundestagswahl mehrere bekannte Neonazis als Wahlkreisbewerber f\u00fcr die NPD, z.B. Norman Bordin (seit 2004 NPD-Mitglied) in M\u00fcnchen. Neonazistisches Dem neonazistischen Lager in Bayern werden wie im Jahr 2004 rund Potenzial 300 Personen zugerechnet; davon bet\u00e4tigen sich etwa 160 in neonazistischen Organisationen. Dem Spektrum rechtsextremistisch orientierter Skinheads geh\u00f6ren wie bisher rund 800 Personen an. Damit z\u00e4hlt das gewaltbejahende rechtsextremistische Potenzial in Bayern insgesamt etwa 1.100 Personen. In Bayern wurde am 12. Oktober in Weiden i.d. OPf. erstmals eine neue rechtsextremistische Sch\u00fclerzeitung mit dem Titel \"[i*n'vers]\" verbreitet. Initiator des Projekts ist ein Neonazi aus Dresden; bundesweit erschien die Zeitschrift in einer Auflage von 20.000 Exemplaren. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 133 3.2 Neonazi-Kameradschaften Nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen seit Strukturlose 1992 entwickelten f\u00fchrende Neonazis das Konzept strukturloser ZusammenZusammenschl\u00fcsse. Dadurch sollten staatliche Gegenma\u00dfnahmen schl\u00fcsse erschwert werden. Bei diesen Kameradschaften gibt es weder eine formelle Mitgliedschaft noch Vorstandspositionen. Anf\u00fchrer ist meist ein aktiver Rechtsextremist, der es versteht, seinen Gefolgsleuten die den ideologischen Zusammenhalt st\u00e4rkenden \"Feindbilder\" zu vermitteln. In Bayern sind folgende neonazistische Kameradschaften erw\u00e4hnenswert: 3.2.1 Kameradschaft M\u00fcnchen Die seit Fr\u00fchsommer 2004 unter der Bezeichnung \"Kameradschaft Neuer M\u00fcnchen\" aktive Gruppe z\u00e4hlt rund 30 Anh\u00e4nger. Diese rekrutierten Zusammenschluss sich zum Teil aus Mitgliedern der im Herbst 2003 durch Exekutivma\u00dfvon Neonazis nahmen zerschlagenen \"Kameradschaft S\u00fcd-Aktionsb\u00fcro S\u00fcd\" (AS). Ihr Leiter ist der Neonazi Norman Bordin, der Ende 2001 das AS gegr\u00fcndet hatte, bis M\u00e4rz 2004 eine Freiheitsstrafe verb\u00fc\u00dfte und danach wieder die F\u00fchrung der verbliebenen Mitglieder des AS \u00fcbernahm. Die Gruppierung organisierte zahlreiche Demonstrationen, Mahnwachen und Info-St\u00e4nde; auch beteiligte sie sich an Veranstaltungen anderer rechtsextremistischer Organisationen. So fand am 2. April in M\u00fcnchen unter dem Motto \"Nur ein Esel glaubt Kundgebung in noch an den Sozialstaat in der BRD - Gegen soziale Ungerechtigkeit zur M\u00fcnchen Wehr setzen!\" eine von Norman Bordin angemeldete Kundgebung statt, an der sich rund 300 Personen des rechtsextremistischen Spektrums beteiligten. Ansprachen hielten neben den M\u00fcnchner Neonazis Norman Bordin und Hayo Klettenhofer auch Christian Worch aus Hamburg und der Vorsitzende des NPD-Bezirksverbands Oberbayern Roland Wuttke. Im Rahmen des musikalischen Programms traten neben der rechtsextremistischen Skinhead-Band \"ACT OF VIOLENCE\" die Liedermacher Anett Moeck und Michael M\u00fcller auf. Gegen den Aufzug der Rechtsextremisten protestierten rund 6.000 Personen. Nach Abschluss der Gegenkundgebung versuchten etwa 2.500 Teilnehmer, darunter rund 150 gewaltbereite Linksextremisten, den Aufmarsch der Rechtsextremisten zu st\u00f6ren. Die Polizei nahm \u00fcber 100 Personen, darunter zw\u00f6lf Rechtsextremisten, vor\u00fcbergehend fest. Am 8. Mai beteiligten sich in M\u00fcnchen an einer von Norman Bordin anRevisionistische gemeldeten Mahnwache unter dem Motto \"Tag der Ehre, nicht Tag der Mahnwache Befreiung\" rund 65 Rechtsextremisten, darunter Aktivisten der Kameradschaften Augsburg, M\u00fcnchen und Asgard-Ratisbona aus RegensVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","134 Rechtsextremismus burg. Etwa 1.100 politische Gegner, darunter auch Anh\u00e4nger des regionalen autonomen Spektrums, st\u00f6rten die Veranstaltung durch lautstarke Proteste und Wurfgegenst\u00e4nde. Gegendemonstranten versuchten mehrmals, die polizeiliche Absperrung zu durchbrechen. Insgesamt wurden 29 Personen in Gewahrsam genommen, darunter zwei aus dem rechtsextremistischen Spektrum. Protestaktionen Unter den Bezeichnungen \"AGENDA Dorfen\" und \"Initiative Sch\u00f6ner in Dorfen Leben in Dorfen\" bet\u00e4tigen sich seit Ende 2004 Personen aus dem Umfeld der Kameradschaft M\u00fcnchen und der NPD. Ihre Aktivit\u00e4ten bestehen in der Koordination von rechtsextremistischen Protestkundgebungen gegen das Jugendzentrum Dorfen. Derartige Versammlungen wurden in Dorfen seit Dezember 2004 wiederholt durchgef\u00fchrt und fanden im Jahr 2005 gr\u00f6\u00dfere Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit. \u00dcberregionale Das \u00fcberregionale Engagement der Kameradschaft M\u00fcnchen zeigt sich Kontakte an intensiven Kontakten zu anderen bayerischen Neonazi-Gruppen. Die Verbindungen zur NPD wurden seit dem Parteieintritt von Norman Bordin im Herbst 2004 weiter intensiviert. Durch seine Rolle als \"informeller F\u00fchrer\" der Kameradschaft M\u00fcnchen bindet er die Neonaziund Skinhead-Szene enger an die NPD. 3.2.2 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) Die Autonomen Nationalisten M\u00fcnchen (ANM), die sich auch \"Munich Allstars\" nennen, wurden im Sommer 2005 von Dissidenten der Spaltergruppe der \"Kameradschaft M\u00fcnchen\" gegr\u00fcndet. Ursache der Abspaltung war vor Kameradschaft allem ein Machtkonflikt zwischen Bordin und seinem Stellvertreter Hayo M\u00fcnchen Klettenhofer. Bordins angeblich zu wenig gewaltorientierter Kurs war innerhalb der Kameradschaft M\u00fcnchen nach mehreren \u00dcbergriffen linksextremistischer Aktivisten zunehmend umstritten. Erstmals traten die ANM unter F\u00fchrung von Klettenhofer am 2. Juni in Bayern \u00f6ffentlich auf. Die einheitlich schwarz gekleideten elf Aktivisten trugen zur Tarnung Sonnenbrillen und schwarze Baseballm\u00fctzen. Angeh\u00f6rige der ANM erschienen in dieser \"Aufmachung\" zu mehreren rechtsextremistischen Veranstaltungen im Bundesgebiet. Dabei traten sie auch als Anmelder und Redner, insbesondere bei Demonstrationen in Baden-W\u00fcrttemberg, in Erscheinung. 3.2.3 Kameradschaft Asgard-Ratisbona In Regensburg besteht seit Herbst 2004 die von einem NPD-Aktivisten gegr\u00fcndete und geleitete Kameradschaft Asgard-Ratisbona. Die GrupVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 135 pierung, die sich \u00fcberwiegend aus Skinheads und Neonazis der rechtsextremistischen Szenen in Abensberg, Kelheim und Regensburg rekrutiert, z\u00e4hlt etwa 20 Personen. Sie trat in Regensburg und der n\u00e4heren Umfangreiche Umgebung mit umfangreichen Aktivit\u00e4ten in Form von InformationsAktivit\u00e4ten st\u00e4nden, Flugblattaktionen und Mahnwachen in Erscheinung. So forderte sie am 18. August bei einer Spontandemonstration \"Rudolf Hess in die Walhalla\". Des Weiteren beteiligte sie sich an \u00f6ffentlichen Versammlungen der NPD in Regensburg sowie an sonstigen rechtsextremistischen Veranstaltungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 3.2.4 Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe Der seit 2002 bekannten Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe in Roding, Landkreis Cham, geh\u00f6ren rund 20 Personen an. In ihrem Internet-Auftritt solidarisierte sich die Gruppe \"mit allen Strukturen, egal ob freie oder parteigebundene Kr\u00e4fte, die den Nationalen Widerstand verk\u00f6rpern und aufrecht im Kampf gegen die L\u00fcgenherrschaft stehen\". Seit 2004 waren Personen aus dem Umfeld der Kameradschaft vermehrt in die Organisation von Skinhead-Konzerten eingebunden. Angeh\u00f6rige der Gruppierung unterst\u00fctzten im Bundestagswahlkampf die NPD, zum Teil sogar durch Kandidaturen f\u00fcr die NPD. 3.2.5 Kameradschaft Aschaffenburg Bei der Kameradschaft Aschaffenburg handelt es sich um eine Gruppe von etwa 15 Neonazis aus dem Raum Aschaffenburg, die enge Verbindungen zu au\u00dferbayerischen Rechtsextremisten unterh\u00e4lt. So nahmen Angeh\u00f6rige der Kameradschaft Aschaffenburg am 1. Mai an einer vom rechtsextremistischen \"Aktionsb\u00fcro Rhein-Neckar\" organisierten \"Doppeldemonstration\" in Worms und Frankenthal/Rheinland-Pfalz teil. Dabei zeigten sie ein Transparent mit der Aufschrift \"Widerstand Aschaffenburg - die Kraft aus Franken\". 3.2.6 Bund Frankenland - Staatsb\u00fcrgerliche Runde Der im Januar 1992 als eingetragener Verein registrierte Bund Frankenland (BF) erstrebte die Beseitigung des Grundgesetzes und der parlaAntiparlamenmentarischen Demokratie sowie die Schaffung eines \"Vierten Deuttarische Zielschen Reichs\" nationalistisch-rassistischer Pr\u00e4gung. Im September 2001 setzung entschlossen sich der BF und die seit 1999 bestehende \u00fcberparteiliche \"Staatsb\u00fcrgerliche Runde\" um den Rechtsextremisten J\u00fcrgen Schwab, ihre Kr\u00e4fte unter der Bezeichnung \"Bund Frankenland - StaatsVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","136 Rechtsextremismus b\u00fcrgerliche Runde\" zu b\u00fcndeln. Der aus etwa zehn Personen beMahnwache in stehende Gespr\u00e4chszirkel organisierte im Januar in N\u00fcrnberg eine MahnN\u00fcrnberg wache zum Thema \"Gegen US-amerikanische und israelische Kriegsverbrechen im Nahen Osten!\". Daran beteiligten sich etwa 80 Rechtsextremisten aus dem regionalen und s\u00fcdbayerischen Raum. Zwei Mitwirkende stellten die bekannte Szene nach, in der eine amerikanische Soldatin einen irakischen Gefangenen an einem Hundehalsband f\u00fchrt. Ferner wurden Transparente mit der Aufschrift \"USraelischen TERROR \u00c4CHTEN\" und ein Transparent in den Farben der Pal\u00e4stinenserfahne gezeigt. 3.2.7 Kameradschaft Augsburg Die seit 2004 bekannte Kameradschaft Augsburg z\u00e4hlt etwa 15 Personen. Sie nahm an rechtsextremistischen Gro\u00dfveranstaltungen wie beispielsweise an dem \"Rudolf-He\u00df-Gedenkmarsch 2004\" und dem Aufzug des Norman Bordin am 2. April in M\u00fcnchen (vgl. auch Nummer 3.2.1 dieses Abschnitts) teil. Au\u00dferdem beteiligten sich mehrere Kameradschaftsangeh\u00f6rige an einer nicht angemeldeten Demonstration am 20. August in Ingolstadt. Die Aktion von etwa 65 Rechtsextremisten, die sich gegen das Verbot der Rudolf-He\u00df-Veranstaltung in Wunsiedel am selben Tag richtete, wurde von der Polizei aufgel\u00f6st. Die Kameradschaft unterh\u00e4lt enge Kontakte zum \"Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Opposition e.V.\" und zur Kameradschaft M\u00fcnchen. 3.3 Informationelle Vernetzung Seit mehreren Jahren nutzen Rechtsextremisten auch moderne Kommunikationstechniken, insbesondere um die nach den Verboten neonazistischer Organisationen weggefallenen Kontaktm\u00f6glichkeiten zu ersetzen. Nutzung des Der Zugriff auf das Internet bietet Rechtsextremisten eine willkommene Internets Plattform zur Verbreitung verfassungsfeindlicher Ziele. Zunehmend setzen Rechtsextremisten im Rahmen ihrer Internet-Aktivit\u00e4ten technische Sicherheitsprogramme ein, die Schutz vor unerw\u00fcnschter Einsichtnahme Dritter in ihren Datenbestand und -verkehr gew\u00e4hrleisten sollen. So bieten die Betreiber einer Internet-Domain die Software \"Steganos Security Suite\" zum Downloaden an. Mit diesem Programm kann der Anwender beliebige Dateien und Verzeichnisse mittels Steganografie verschl\u00fcsseln, aber auch seinen E-Mail-Verkehr sch\u00fctzen und mit Hilfe eines \"Internet-Spurenvernichters\" s\u00e4mtliche F\u00e4hrten, die durch Internet-Aktivit\u00e4ten entstanden sind, l\u00f6schen. Insbesondere die Einschaltung ausl\u00e4ndischer Provider vermindert das Risiko der Strafverfolgung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 137 Die Zahl der von Deutschen betriebenen Homepages mit rechtsextreKonstante Zahl mistischen Inhalten blieb in den vergangenen drei Jahren mit durchrechtsextremistischnittlich etwa 950 konstant. Dabei nutzen die Homepage-Betreiber scher deutscher den Vorteil, dass sie auf Speicherplatzanbieter ausweichen k\u00f6nnen, die Homepages sich Appellen staatlicher und privater Einrichtungen sowie einer Selbstkontrolle verschlie\u00dfen. Darunter befinden sich etliche Provider, die der rechtsextremistischen Szene angeh\u00f6ren. Deutsche Rechtsextremisten werben f\u00fcr ihre verfassungsfeindlichen Ziele mit immer anspruchsvollerer Technik. So binden sie aufwendige Grafiken ein und bieten Skinhead-Musik \u00fcber Tondateien an. Dem Internet kommt daher bei der Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts sowie bei der Koordinierung von Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Szene eine weiterhin steigende Bedeutung zu. Rechtsextremisten, die ihre politischen Inhalte \u00fcber Dienste in DeutschStrafbare Inhalte land anbieten, halten sich im Allgemeinen an die deutschen Gesetze. bei ausl\u00e4ndischen Bei Nutzung ausl\u00e4ndischer Anbieter, beispielsweise in \u00dcbersee, geben Providern sie ihre Zur\u00fcckhaltung auf. Es werden rassistische, revisionistische und volksverhetzende Aufrufe verbreitet, etwa aus den USA durch den - inzwischen in Deutschland inhaftierten - deutschen Revisionisten Ernst Z\u00fcndel, dessen Propaganda auch mit Tonund Videosequenzen abrufbar ist (vgl. auch Nummer 7. 2 dieses Abschnitts). Zum rechtsextremistischen Internet-Spektrum z\u00e4hlen ferner detaillierte Anleitungen zur Herstellung von Sprengund Brands\u00e4tzen sowie sonstiger Sabotagemittel, aber auch gezielte Aufforderungen zur Gewaltanwendung gegen politische Gegner bis hin zu Mordaufrufen. Allerdings sind selbst anonyme Homepage-Benutzer identifizierbar, wenn auch mit gro\u00dfem Aufwand. Wegen der wachsenden Bedeutung des Internets spielen die NationaNationale len Info-Telefone (NIT) in den letzten Jahren innerhalb der rechtsextreInfo-Telefone mistischen Szene kaum noch eine Rolle. Das von dem Neonazi Norman Bordin sporadisch betriebene \"NIT S\u00fcddeutschland\" wird seit Fr\u00fchjahr 2004 durch eine Homepage des \"Nationalen Widerstands S\u00fcddeutschland\" erg\u00e4nzt. Auf dieser Seite findet sich neben Veranstaltungshinweisen und politischen Kommentaren das Forum \"Nationales Infoportal Bayern\" (NIB). Nach eigenen Angaben aus dem Jahr 2004 handelt es sich dabei um ein gemeinsames Projekt von \"Aktionsb\u00fcro S\u00fcd, Kameradschaft M\u00fcnchen, JN M\u00fcnchen, Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe, NFD (Nationale Freunde Deutschland), NPD-Bayern, Liedermacher Michael und der Band Edelweiss\" mit dem Ziel, die \"Zersplitterung der nationalen Bewegung in Bayern\" zu \u00fcberwinden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","138 Rechtsextremismus Mobiltelefone Mobiltelefone (Handys) werden insbesondere zur Steuerung von Anreisen zu konspirativen Treffen oder nicht angemeldeten Versammlungen genutzt. Das Short-Message-System (SMS) der Handy-Betreiber dient daneben vielfach der Verbreitung von volksverhetzenden und antisemitischen Texten. 3.4 Aktivit\u00e4ten zum 18. Todestag von Rudolf He\u00df Anl\u00e4sslich des 18. Todestags von Hitlers ehemaligem Stellvertreter Rudolf He\u00df meldete der Neonazi und Rechtsanwalt J\u00fcrgen Rieger f\u00fcr den 20. August eine zentrale Gedenkveranstaltung in Wunsiedel an. In den Vorjahren hatten versammlungsrechtliche Verbote keinen Bestand Versammlungsgehabt. Diesmal st\u00fctzte das Landratsamt Wunsiedel seinen Verbotsverbot aufgrund bescheid insbesondere auf die am 1. April in Kraft getretene Vorschrift ge\u00e4nderter des SS 130 Abs. 4 StGB, wonach sich derjenige strafbar macht, der in Rechtslage einer Versammlung den \u00f6ffentlichen Frieden in einer die W\u00fcrde der Opfer verletzenden Weise dadurch st\u00f6rt, dass er die nationalsozialistische Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt. Riegers Antrag beim Bundesverfassungsgericht, das in zweiter Instanz durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigte Versammlungsverbot au\u00dfer Vollzug zu setzen, blieb erfolglos. Verunsicherung Das Verbot der zentralen He\u00df-Gedenkveranstaltung verunsicherte die der Szene rechtsextremistische Szene, so dass die Mobilisierung insgesamt deutlich schw\u00e4cher als im Vorjahr ausfiel. Bundesweit beteiligten sich an dezentralen Aktionen etwa 2.000 Rechtsextremisten; davon 600 in Berlin, 500 in Niedersachsen und 300 in Sachsen-Anhalt. 2004 hatten an dem Aufzug in Wunsiedel noch rund 3.800 Rechtsextremisten teilgenommen. Mahnwache in In M\u00fcnchen f\u00fchrten Rechtsextremisten am 17. August eine MahnM\u00fcnchen wache unter dem Motto \"Rudolf He\u00df - M\u00e4rtyrer des Friedens\" durch. An der von dem Neonazi und NPD-Funktion\u00e4r Norman Bordin angemeldeten Versammlung beteiligten sich rund 50 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der M\u00fcnchener und Regensburger Neonazi-Szene. Die Teilnehmer trugen Plakate, zeigten Fahnen der NPD und JN und verteilten Flugbl\u00e4tter mit He\u00df-Bezug. Aufzug In N\u00fcrnberg fand am 20. August zum Thema \"Arbeit f\u00fcr Deutsche - keine in N\u00fcrnberg Stimme den Kriegsparteien\" eine als Wahlkampfveranstaltung angemeldete Kundgebung mit rund 350 Teilnehmern statt. Als Redner traten J\u00fcrgen Rieger, der ehemalige NPD-Anwalt Horst Mahler sowie die NPD-Funktion\u00e4re Ralf Ollert, Thomas Wulff und Holger Apfel auf. Sie befassten sich aber kaum mit der anstehenden Bundestagswahl, sonVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 139 dern wandten sich vorwiegend gegen das Versammlungsverbot in Wunsiedel und die \"Schergen der Gesinnungsjustiz\". Der NPD-Funktion\u00e4r Uwe Meenen hatte die Versammlung zun\u00e4chst unter dem Motto \"Gegen Repression und Verfolgung - Freiheit f\u00fcr die politischen Gefangenen in der BRD!\" angemeldet. Der Aufzug sollte an dem Gerichtsgeb\u00e4ude der N\u00fcrnberger Prozesse vorbeif\u00fchren. Nach dem Verbot des zentralen Gedenkmarsches in Wunsiedel erwartete Meenen die zehnfache Anzahl der urspr\u00fcnglich genannten 150 Teilnehmer. Deswegen versuchte die Stadt N\u00fcrnberg bis zuletzt, die Demonstration als Ersatzveranstaltung des in Wunsiedel verbotenen Aufzugs zu verhindern. Das Verbot wurde jedoch vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof aufgehoben. Nach der Demonstration in N\u00fcrnberg f\u00fchrten 65 Rechtsextremisten, daSpontanaktion runter Mitglieder der Kameradschaften Augsburg und M\u00fcnchen sowie in Regensburg Personen aus \u00d6sterreich und Italien, auf ihrem Heimweg eine \"Spontandemonstration\" in Ingolstadt durch. Die Rechtsextremisten marschierten in Dreierreihe in Richtung Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und riefen dabei \"Die Stra\u00dfe frei der deutschen Jugend\" und \"Redefreiheit und Meinungsfreiheit\". Sie f\u00fchrten Transparente und schwarze Fahnen mit. Ein Teilnehmer versuchte, mit einer Fahnenstange einen Polizisten anzugreifen. 3.5 Projekt Schulhof Rechtsextremisten aus mehreren Bundesl\u00e4ndern initiierten im Jahr 2004 Neuartige eine neuartige Werbekampagne unter der Bezeichnung \"Projekt SchulWerbekampagne hof\". Dazu lie\u00dfen sie 50.000 Exemplare einer CD mit dem Titel \"Anpassung ist Feigheit - Lieder aus dem Untergrund\" mit rechtsextremistischer Musik produzieren, die bundesweit kostenlos an Jugendliche verteilt werden sollte. Der Tontr\u00e4ger enthielt ein Vorwort, das \u00c4ngste vor \u00dcberfremdung, Kriminalit\u00e4t und Arbeitslosigkeit sch\u00fcrte, und 19 Musikst\u00fccke verschiedener Stilrichtungen (Balladen, Rock, Hardcore, Heavy Metal). Daneben befanden sich auf der CD Internetund Kontaktadressen der mitwirkenden rechtsextremistischen Musikgruppen und von Unterst\u00fctzern der Aktion. Dazu z\u00e4hlten au\u00dfer den rechtsextremistischen Bands sowie inund ausl\u00e4ndischen Produzenten und Vertrieben auch neonazistische Kameradschaften und Einzelaktivisten. Mit dieser Initiative versuchten Rechtsextremisten erstmals, offensiv und in gro\u00dfer Zahl au\u00dferhalb der Szene stehende Jugendliche anzusprechen, um bei diesen Interesse an rechtsextremistischer Musik und dar\u00fcber hinaus auch an der entsprechenden Ideologie zu wecken. Das Amtsgericht Halle ordnete am 4. August 2004 die bundesweite BeschlagnahmeEinziehung und Beschlagnahme der CD wegen Versto\u00dfes gegen das beschluss Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","140 Rechtsextremismus Jugendschutzgesetz an. Dadurch wurde die rechtsextremistische Szene erheblich verunsichert und die Verbreitung der CD zun\u00e4chst gestoppt. Eine erste Verteilaktion wurde Mitte Dezember 2004 in Cottbus/Brandenburg bekannt. Seit Anfang August 2005 kam es sodann in mehreren Bundesl\u00e4ndern erneut zur Verbreitung der im Juli 2004 produzierten CD. In Bayern verteilten am 6. August 2005 in Lohr a. Main, Landkreis Main-Spessart, zwei Rechtsextremisten die CD an geparkten Fahrzeugen. Weitere Exemplare wurden am 9. August in einem Getr\u00e4nkemarkt in Marktheidenfeld zur kostenlosen Mitnahme ausgelegt. Die Tontr\u00e4ger wurden ferner mit fingierten Absenderangaben auf dem Postweg - auch unverlangt - an \"vertrauensw\u00fcrdige\" Rechtsextremisten versandt mit der Bitte, die Verteilung im \u00f6rtlichen Bereich zu \u00fcbernehmen. Angesichts des konsequenten Vorgehens der Justizund Sicherheitsbeh\u00f6rden empfahlen die Initiatoren dabei unter Hinweis auf den strafbaren Inhalt der CDs ein vorsichtiges und konspiratives Verhalten. Inzwischen konnten bundesweit rund 4.000 CDs sichergestellt werden. 4. Rechtsextremistische Skinheads 4.1 \u00dcberblick Die Skinhead-Bewegung entstand Ende der 60er Jahre in Gro\u00dfbritannien und trat erstmals Ende der 70er Jahre in der Bundesrepublik Jugendliche Deutschland in Erscheinung. Sie war urspr\u00fcnglich eine jugendliche SubSubkultur kultur, die durch ihr Auftreten eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft signalisierte. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kleidung oder Haarschnitt lassen heute keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf eine Zuordnung zur Skinhead-Szene mehr zu, da mittlerweile auch viele unpolitische Jugendliche ein entsprechendes Aussehen zeigen. Die Beachtung, die rechtsextremistischen Skinheads in der \u00d6ffentlichkeit und in den Medien zuteil wird, ist auf ihre brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die sich gegen Ausl\u00e4nder, Asylbewerber und soziale Randgruppen, aber auch gegen \"Linke\" richten. 4.2 Politische Ausrichtung Die politischen Ansichten der Skinhead-Subkultur reichen von den so genannten Redskins (linksextremistisch beeinflusste Skinheads) \u00fcber die so genannten SHARPs (Skinheads against racial prejudice - Skinheads gegen rassistische Vorurteile) und die Oi-Skinheads (\"unpolitische SkinVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 141 heads\") bis hin zur Mehrheit der rechtsextremistischen Skinheads einschlie\u00dflich der so genannten White Power-Skinheads. Die entsprechende politische \u00dcberzeugung bildet sich je nach Einzelfall nicht selten erst nach Beitritt in die Szene st\u00e4rker aus. Skinheads sind deshalb zun\u00e4chst zu einer rational bestimmten politischen Meinungsbildung kaum f\u00e4hig und an einer fundierten politischen Auseinandersetzung nicht interessiert. In ihren Kreisen hat sich eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische Weltanschauung herWeltanschauung ausgebildet. Sie ist von rassistisch motivierter Fremdenfeindlichkeit sound Politikverwie \u00fcbersteigertem Nationalbewusstsein gepr\u00e4gt und kn\u00fcpft insofern st\u00e4ndnis an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus an. Diese Einstellung spiegelt sich in meist spontanen Gewalttaten wider. Opfer sind nach wie vor Ausl\u00e4nder, aber auch Personen aus sozialen Randgruppen sowie \"Linke\", also alle zu ihren Feindbildern z\u00e4hlenden Menschen. Skinheads dienen rechtsextremistischen Organisationen vor allem als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Fr\u00fchere Vorbehalte der Skinheads gegen\u00fcber diesen Organisationen haben stark abgenommen. Aktionen der NPD und JN werden von Skinheads Unterst\u00fctzung von massiv unterst\u00fctzt; ein Gro\u00dfteil der Besucher von NPD-Gro\u00dfkundNPD und JN gebungen geh\u00f6rt der Skinhead-Szene an. Enge Kontakte bestehen nach wie vor insbesondere in N\u00fcrnberg/Erlangen sowie in Ingolstadt zwischen den dortigen Skinhead-Szenen und den JN bzw. der NPD. Versuche von Neonazis, Skinheads f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige ernsthafte politische T\u00e4tigkeit zu gewinnen, waren bislang wenig erfolgreich, da diese einer intensiven ideologischen Schulung kaum zug\u00e4nglich sind. Inzwischen ist jedoch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Skinheads und Neonazis feststellbar. 4.3 Strukturen Die Skinhead-Szene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen. Diese informellen F\u00fchrer wandern sp\u00e4ter zum Teil in andere rechtsextremistische Gruppierungen ab. In Bayern sind wie im Jahr 2004 rund 800 Skinheads mit rechtsextremistischem Hintergrund bekannt. Neue Szenen wurden u.a. in Hof und Strukturelle in Oberammergau/Unterammergau bekannt. Vereinzelt entwickelten \u00c4nderungen sich weitere Brennpunkte rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten wie im Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","142 Rechtsextremismus unterfr\u00e4nkischen Lohr a. Main, wo 20 bis 30 jugendliche Anh\u00e4nger der rechtsextremistischen Skinhead-Szene durch ihr aggressives Auftreten und durch zahlreiche politisch motivierte Strafund Gewalttaten auffielen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden konnten die Gruppierung jedoch durch Pr\u00e4ventionsund Repressionsma\u00dfnahmen schw\u00e4chen. Im Raum Regensburg war f\u00fcr kurze Zeit die Skinhead-Gruppierung Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz aktiv; polizeiliche Ermittlungen und Exekutivma\u00dfnahmen f\u00fchrten zur Zerschlagung der Gruppe. Schwerpunkte im Skinhead-Spektrum stellen in Bayern nach wie vor die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg dar; dort liegen auch die Schwerpunkte der Gewalttaten. W\u00e4hrend das Personenpotenzial der Skinhead-Szene unver\u00e4ndert blieb, Leichter Anstieg ist derzeit ein leichter Anstieg der Aktivit\u00e4ten festzustellen. Dabei sind der Aktivit\u00e4ten die Skinheads kommunikativ sehr mobil und k\u00f6nnen in k\u00fcrzester Zeit gemeinsam Aktionen bzw. Veranstaltungen durchf\u00fchren. Nach wie vor besteht seitens des Staates ein intensiver \u00dcberwachungsdruck auf die Skinhead-Szene. 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche Die Anziehungskraft der Skinhead-Szene, insbesondere auf m\u00e4nnliche M\u00f6gliche Jugendliche, h\u00e4lt an. Die Beweggr\u00fcnde, die junge Menschen in diese Einstiegsmotive Subkultur treiben, sind vielf\u00e4ltig: jugendliche Protesthaltung, Provokation und Tabubruch, sowie die gesamtgesellschaftliche Entwicklung mit den h\u00e4ufigen Folgen einer Entwurzelung und einer zunehmenden Entfremdung vom Elternhaus, Perspektivlosigkeit in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen und einem begonnenen oder bef\u00fcrchteten sozialen Abstieg. Hinzu kommt das durch die Szene vermittelte Gemeinschaftserlebnis und das daraus folgende Gef\u00fchl eigener St\u00e4rke und Anerkennung in einer sozialen Gruppe. Den Jugendlichen werden einfache Erkl\u00e4rungen und einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme angeboten. Altersstruktur Skinheads entstammen zu einem erheblichen Teil, aber nicht ausschlie\u00dflich, den unteren sozialen Schichten. Die meisten Skinheads finden sich in der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren, \u00e4ltere Szene-Angeh\u00f6rige sind die Ausnahme. Der Anteil der unter 16 Jahre alten Skinheads w\u00e4chst dagegen st\u00e4ndig; die so genannten Jungglatzen sind erst 12 bis 13 Jahre alt. Auch M\u00e4dchen, die Renees, geh\u00f6ren dieser Subkultur an, sind jedoch zahlenm\u00e4\u00dfig in der Minderheit. Ihr Anteil betr\u00e4gt je nach Szene bis zu 20 %. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 143 Rechtsextremistische Skinhead-Szenen Raum in Bayern 2005 Raum Aschaffenburg/ Coburg Coburg Raum Lohr a. Main Bayreuth/Hof/ ca. 20 Wunsiedel ca. 40 ca. 40 Aschaffenburg Raum Bayreuth W\u00fcrzburg Bamberg ca. 20 Raum W\u00fcrzburg Raum Erlangen Raum Amberg/ ca. 50 Schwandorf/Weiden ca. 25 N\u00fcrnberg ca. 40 Gro\u00dfraum Ansbach N\u00fcrnberg Raum ca. 50 Cham/Roding Raum Ansbach/ ca. 20 Schwabach ca. 15 Regensburg Angeh\u00f6rige der Raum Skinhead-Szenen Ingolstadt Raum Regensburg ca. 30 ca. 30 Ingolstadt Raum Augsburg/ Raum Passau Friedberg/Aichach Landshut Landshut Raum Passau/ ca. 10 ca. 10 Deggendorf/ Neu-Ulm Straubing Augsburg Raum Raum Neu-Ulm/ Erding ca. 30 Raum Alt\u00f6tting/ Dillingen T\u00fc\u00dfling ca. 40 ca. 35 Raum Landsberg/ F\u00fcrstenfeldbruck M\u00fcnchen ca. 10 Raum Krumbach/ ca. 20 Gro\u00dfraum Raum Memmingen M\u00fcnchen Traunstein ca. 30 ca. 125 ca. 20 Gro\u00dfraum Rosenheim Oberallg\u00e4u/ Raum Unterallg\u00e4u Raum Weilheim/ Rosenheim ca. 50 Oberund Unterammergau ca. 15 ca. 40 Die rechtsextremistische Skinhead-Szene erf\u00e4hrt zudem seit Jahren verst\u00e4rkt Zulauf durch Jugendliche, die sich f\u00fcr Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik interessieren. Zun\u00e4chst kommen eher unpolitische Jugendliche \u00fcber Konzerte oder das gemeinsame Musikh\u00f6ren mit der Skinhead-Szene in Kontakt. Daneben finden manche Jugendliche Gefallen an dem in der Skinhead-Szene \u00fcblichen exzessiven Lebensgenuss einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums unter dem Motto \"Fun & Froide\". Die Grenzen zur eindeutig rechtsextremistisch gepr\u00e4gten Skinhead-Szene sind deshalb vielfach flie\u00dfend. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","144 Rechtsextremismus 4.5 Skinhead-Musik Skinhead-Musik vermittelt die subkulturellen Botschaften der Skinhead-Szene. In den Liedern werden Eigenverst\u00e4ndnis und Abgrenzung der Szene gegen\u00fcber der Gesellschaft beschrieben, Kritik am Establishment formuliert und andere politische Themen aufgegriffen. Rechtsextremistische Skinhead-Bands verbreiten in ihren Liedtexten neonazistische Ideologiefragmente und rufen zum Hass gegen Skinhead-Feindbilder wie Ausl\u00e4nder, \"Linke\" und Juden auf. In Bayern sind derzeit sieben Musikgruppen aktiv, die teilweise bei Konzerten im Inund Ausland auftreten. Es handelt sich hierbei um die Gruppen \"ARYAN REBELS\" aus Lichtenfels, \"AUFMARSCH\" aus Ingolstadt, \"FADENKREUZ\" aus dem Raum Cham/Roding, \"FELDHERREN\" und \"ENDSIEG\" aus M\u00fcnchen, die neu formierte Band \"FAUSTRECHT\" aus Mindelheim und \"DAMAGE INCORPORATED\" aus Aschaffenburg. Skinhead-Musik wird daneben von acht rechtsextremistischen Tontr\u00e4gervertrieben angeboten. Im Jahr 2005 wurde von einer bayerischen Skinhead-Band ein neuer Tontr\u00e4ger kommerziell aufgenommen. Allerdings handelt es sich hierbei um Aufnahmen bereits ver\u00f6ffentlichter Lieder. Die Zahl der Skinhead-Konzerte in Bayern stieg gegen\u00fcber dem Vorjahr um zwei auf 17 Konzerte. Ein Grund f\u00fcr den Anstieg der Musikveranstaltungen im Jahr 2005 war u.a. der Bundestagswahlkampf. So tarnte die NPD einige Skinhead-Konzerte als \"Wahlkampfveranstaltung mit anschlie\u00dfender Musikdarbietung f\u00fcr die Jugend\" (vgl. auch Nummern 2.1.4 und 2.1.5.2 dieses Abschnitts). Black Metal Neben der Skinhead-Musik ist Black Metal eine weitere Musikrichtung, in der - wenn auch nur in kleinen Bereichen - rechtsextremistisches Gedankengut an Bedeutung gewinnt und die innerhalb der Skinhead-Szene immer mehr Akzeptanz findet. Bei Black Metal handelt sich um eine aggressivere Variante des Heavy Metal. Inhaltlich setzt sich Black Metal mit antichristlichen bzw. satanistischen Themen auseinander. Ferner werden Krieg, Hass, Vernichtung und Tod besungen. Musikalisch wird Black Metal schneller und h\u00e4rter gespielt als Skinhead-Musik. Teilweise ist der Text akustisch nicht mehr zu verstehen, die Texte k\u00f6nnen aus den CD-Booklets entnommen werden. Einen Kultstatus innerhalb der Black Metal-Szene genie\u00dft die Th\u00fcringer Band \"ABSURD\". Der S\u00e4nger dieser Band, Hendrik M\u00f6bus, beging am 29. April 1993 einen satanistisch motivierten Mord an einem 15-j\u00e4hrigen Mitsch\u00fcler. 1994 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 145 wurde er zu acht Jahren Jugendhaft verurteilt. Durch den Einfluss der NS-Ideologie hat sich als kleiner Teil des Black Metal die Stilrichtung NS Black Metal (NSBM) etabliert; diese ist dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen. F\u00fcr Skinhead-Konzerte besteht weiterhin eine gro\u00dfe Nachfrage. Meist Skinhead-Konzerte werden diese Veranstaltungen \u00e4u\u00dferst konspirativ vorbereitet, um ein Einschreiten der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu erschweren. Dabei werden Hunderte von Skinheads in eine vorher bestimmte Region gelotst. Erst unmittelbar vor Veranstaltungsbeginn wird die konkrete \u00d6rtlichkeit, zum Teil \u00fcber Mobiltelefone, bekannt gegeben. Au\u00dferdem werden die Veranstaltungen beispielsweise auch als private Tanzabende bzw. Plattenpartys oder als Geburtstagsfeiern ausgegeben. In Erbendorf, Landkreis Tirschenreuth, besuchten am 12. Februar etwa 300 Skinheads ein Skinhead-Konzert, auf dem die Skinhead-Bands \"AUFMARSCH\", \"BLUTSTAHL\" und \"CONFIDENT OF VICTORY\" auftraten. Die Veranstaltung verlief ohne besondere Vorkommnisse. In Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, fand am 26. Februar in einer Gastst\u00e4tte ein Black Metal-Konzert mit Bezug zur rechtsextremistischen Szene statt. Es spielten die Black Metal-Bands \"ABSURD\", \"BLUTAAR\" und \"MORRIGAN\". An dem Konzert, das st\u00f6rungsfrei verlief, nahmen etwa 140 Personen teil, von denen gut die H\u00e4lfte dem rechtsextremistischen Spektrum zuzuordnen war. Die Einladungen wurden per E-Mail oder SMS versandt. Ein am 12. M\u00e4rz in einer Gastst\u00e4tte in Abenberg, Landkreis Roth, durchgef\u00fchrtes Skinhead-Konzert wurde als Geburtstagsfeier getarnt. Den etwa 300 Teilnehmern wurde zun\u00e4chst per SMS ein Treffpunkt mitgeteilt, von dem aus sie dann zum eigentlichen Veranstaltungsort weitergeleitet wurden. Das Konzert, bei dem u.a. die Skinhead-Bands \"OIDOXIE\" und \"RAZOR'S EDGE\" auftraten, verlief st\u00f6rungsfrei. Am Ostersonntag, dem 27. M\u00e4rz, fand in Oberaurach, Landkreis Ha\u00dfberge, ein Konzert der Hooligan-Band \"KATEGORIE C\" aus Bremen statt. Diese ist \u00fcberregional daf\u00fcr bekannt, dass an ihren Veranstaltungen Fu\u00dfballfans, Rocker und Skinheads teilnehmen. Sie bezeichnet sich zwar als unpolitische Gruppe, der es nur um Fu\u00dfball, Schl\u00e4gereien und Alkoholkonsum gehe. Veranstalter des Konzerts Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","146 Rechtsextremismus mit rund 210 Teilnehmern war aber ein bekannter Rechtsextremist, der die Veranstaltungsr\u00e4umlichkeiten in einer Gastst\u00e4tte f\u00fcr eine Geburtstagsfeier angemietet hatte. In der Skinhead-Szene wurde f\u00fcr das Konzert konspirativ mobilisiert. Die Mehrzahl der Besucher waren Skinheads, der kleinere Teil war der Hooligan-Szene zuzurechnen. Die Veranstaltung verlief st\u00f6rungsfrei. In einer Gastst\u00e4tte in Untermeitingen, Landkreis Augsburg, trat am 16. April u.a. die Gruppe \"ACT OF VIOLENCE\" auf einem \u00e4u\u00dferst konspirativ vorbereiteten Skinhead-Konzert auf. Die R\u00e4umlichkeiten wurden f\u00fcr die private Geburtstagsfeier der Ehefrau eines bekannten Rechtsextremisten angemietet. Die Veranstaltung verlief mit 120 Teilnehmern st\u00f6rungsfrei. Am 28. Mai fand wiederum in Gremsdorf, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, in derselben Gastst\u00e4tte wie am 26. Februar eine als Black Metal-Konzert deklarierte Veranstaltung statt. Tats\u00e4chlich spielten drei Skinhead-Bands, darunter die bekannten Gruppen \"PROPAGANDA\" und \"RADIKAHL\". An dem Konzert nahmen 200 bis 250 Personen teil, von denen viele ein typisches Skinhead-Outfit trugen. Da deren Fahrzeuge im gesamten Ortsbereich abgestellt waren, wurde der starke Zulauf von der Bev\u00f6lkerung wahrgenommen und die Veranstaltung heftig diskutiert. Das Konzert verlief im \u00dcbrigen st\u00f6rungsfrei. Ein Rechtsextremist beantragte beim Markt Breitenbrunn, Landkreis Neumarkt i.d. OPf., f\u00fcr den 24. und 25. September die Errichtung eines Zeltlagers. Er gab an, dass der Auftritt einer Sch\u00fclerband geplant sei. Das Vorhaben wurde vom Markt Breitenbrunn jedoch aus Gr\u00fcnden des Naturschutzes nicht genehmigt. Ein anderer Veranstalter plante deshalb, das eigentlich beabsichtigte Skinhead-Konzert als Geburtstagsparty getarnt am 24. September in den R\u00e4umlichkeiten einer ehemaligen Diskothek im Markt Reichertshofen, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, mit etwa 200 bis 400 Teilnehmern durchzuf\u00fchren. Dies wurde jedoch u.a. wegen fehlender gastst\u00e4ttenrechtlicher Erlaubnis untersagt. Dennoch wurde der geplante Vortreffort an einer Autobahn-Tankstelle von der Polizei \u00fcberwacht und gegen alle eintreffenden Personen der rechtsextremistischen Szene Platzverweise ausgesprochen. Diese begaben sich daraufhin nach Lampertshofen, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, wo der Veranstalter in einer Gastst\u00e4tte eine Ersatzveranstaltung organisiert hatte; diese verlief st\u00f6rungsfrei. Ein Rechtsextremist lie\u00df f\u00fcr den 26. November in Gammelsdorf, Landkreis Freising, in einer Gastst\u00e4tte einen Saal f\u00fcr die Feier seines 30. Geburtstags reservieren und dort die Tontechnik f\u00fcr drei angebliche RockVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 147 bands aufbauen. Kurz vor Beginn der Veranstaltung zog der Wirt seine Zusage zur\u00fcck, da ihm aufgrund mitgebrachter Baseballschl\u00e4ger, CDs und Szene-Bl\u00e4tter der Verdacht kam, dass es sich um ein Skinhead-Konzert handle. Die anwesenden Skinheads verlie\u00dfen nach Aufforderung durch die Polizei den Saal. Etwa 100 Teilnehmer wurden sp\u00e4ter in einer Gastst\u00e4tte in Sandelzhausen, Landkreis Kelheim, festgestellt. 4.6 Skinhead-Magazine Die Fan-Magazine der Skinhead-Szene, auch \"Fanzines\" oder \"Zines\" genannt, besch\u00e4ftigen sich mit den Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Skinhead-Bands und enthalten ausf\u00fchrliche Rezensionen sowie Bestelladressen f\u00fcr Tontr\u00e4ger, andere Fanzines und diverse Szene-Artikel, wie z.B. T-Shirts, Buttons oder Aufkleber. Im Jahr 2005 wurden erstmals die Fanzines \"Indiziert\" und \"Der Alkomat\" im mittelfr\u00e4nkischen Raum herausgegeben. Ob sich die beiden Neuerscheinungen in der Szene etablieren k\u00f6nnen, ist derzeit nicht absehbar. Die Fanzines werden auch im Internet ver\u00f6ffentlicht. 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 5.1 Gewalttaten Bundesweit waren von insgesamt 1.901 (2004: 1.358) extremistischen Gewalttaten 958 (2004: 776) rechtsextremistisch motiviert. In Bayern stieg die Zahl der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten auf 77 Deutlicher (2004: 42) deutlich an. Davon waren 23 fremdenfeindlich und 49 allAnstieg der gemein neonazistisch motiviert. F\u00fcnf Gewalttaten lag eine antisemitiGewalttaten sche Motivation zugrunde; dabei wurden die Opfer jeweils zun\u00e4chst beschimpft und dann geschlagen bzw. getreten. Die deutliche Erh\u00f6hung der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten ist insbesondere auf 35 der 49 allgemein neonazistisch motivierten Gewalttaten zur\u00fcckzuf\u00fchren, die sich gegen politische Gegner richteten; im Vorjahr waren lediglich elf Gewalttaten gegen politische Gegner zu verzeichnen. So waren im Jahr 2005 neben den unten dargestellten Einzelf\u00e4llen Gewalttaten im Zusammenhang mit Veranstaltungen im rechtsextremistischen Spektrum - beispielsweise anl\u00e4sslich des Verbots des \"He\u00df-Gedenkmarsches\" am 20. August in Wunsiedel sowie der Bundestagswahl im September - auff\u00e4llig. Zu diesen Veranstaltungen wurden zahlreiche Gegendemonstrationen auch aus dem linksextremistischen Spektrum organisiert, in deren Zusammenhang es zu Gewaltt\u00e4tigkeiten mit rechtsextremistischer Motivation kam. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","148 Rechtsextremismus Die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten waren \u00fcberwiegend der \u00e4u\u00dferst gewaltbereiten Skinhead-Szene zuzurechnen. Von 129 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen geh\u00f6rten 89 der Skinhead-Szene an. 86 der ermittelten Tatverd\u00e4chtigen waren zur Tatzeit j\u00fcnger als 21 Jahre. Der Anteil der erstmals in Erscheinung getretenen Gewaltt\u00e4ter lag bei 54 % (70 Tatverd\u00e4chtige). Die Gewalttaten wurden gr\u00f6\u00dftenteils nicht von Einzelt\u00e4tern, sondern mit anderen gemeinsam begangen. Dabei entstand der Tatentschluss vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol und Musik mit rechtsextremistischen Texten. R\u00e4umliche Schwerpunkte waren die Gro\u00dfstadtregionen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Rechtsextremistisch motivierte Gewaltt\u00e4ter sind \u00fcberwiegend nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert. Eine \u00fcberregionale Steuerung durch rechtsextremistische Organisationen konnte in keinem Fall festgestellt werden. Das typische Ablaufmuster f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalt ist gleich geblieben: Nach gezielten anf\u00e4nglichen Provokationen der Angreifer kommt es bei geringstem Anlass zu T\u00e4tlichkeiten und massiver Gewaltanwendung gegen die Opfer. Einzelf\u00e4lle Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Gewalttaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Ein 22-j\u00e4hriger Skinhead rief am 24. Januar in der Bahnhofshalle in Die\u00dfen a. Ammersee mehrmals \"Heil Hitler!\". Als er von einem Passanten auf sein Fehlverhalten angesprochen wurde, schlug der Skinhead diesem mit der Faust ins Gesicht; einer weiteren Passantin, die schlichtend eingreifen wollte, versetzte er eine Ohrfeige. Ebenfalls im Januar wechselte ein Mitglied der Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz zur Kameradschaft Asgard-Ratisbona. Da dies einigen Mitgliedern der Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz missfiel, f\u00fchrten sie in bandenartiger Manier eine \"Bestrafungsaktion\" durch. Unter Einsatz von Schl\u00e4gen und eines Schlagstocks raubten sie in der Wohnung des Betroffenen mehrere pers\u00f6nliche Gegenst\u00e4nde wie Springerstiefel und szene-\u00fcbliche Fahnen und zerschlugen Einrichtungsgegenst\u00e4nde. Der Angegriffene wurde mit den Worten \"Hurensohn\", \"Drecksau\" und \"kommunistisches Judenschwein\" beschimpft und mit dem Tode bedroht, falls er den Vorfall der Polizei melde (vgl. auch Nummer 6 dieses Abschnitts). Ein 20-j\u00e4hriger Sympathisant der Skinhead-Szene im Raum Aschaffenburg geriet am 5. Februar in Schneeberg, Landkreis Miltenberg, in alkoholisiertem Zustand in einer Gastst\u00e4tte mit dem griechischen Gastwirt in Streit. Er stie\u00df den Wirt gegen einen Tisch, so dass sich dieser Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 149 erheblich verletzte. Dann zeigte der T\u00e4ter den Hitlergru\u00df, rief \"Sieg Heil!\" und beschimpfte das Wirtsehepaar mit ausl\u00e4nderfeindlichen Parolen. Am 8. Februar unterhielt sich in H\u00f6chstadt a.d. Aisch ein 23-j\u00e4hriger Rechtsextremist lautstark mit einer weiteren m\u00e4nnlichen Person. Als ein 26-j\u00e4hriger Deutscher auf dem Heimweg hinzukam, wurde er in ein Gespr\u00e4ch verwickelt. Daraufhin kam es zu einer Rangelei, in deren Verlauf der Passant mit \"Judensau\" beleidigt und von beiden T\u00e4tern geschlagen wurde. Eine Passantin konnte durch ihr Eingreifen die Schl\u00e4gerei beenden. In Steinh\u00f6ring, Landkreis Ebersberg, schlugen am 11. Februar zwei 15-j\u00e4hrige Sympathisanten der rechtsextremistischen Szene gemeinsam auf einen gleichaltrigen deutschen Sch\u00fcler ein. Danach \u00e4u\u00dferten sie, dass der Sch\u00fcler die Schl\u00e4ge verdient habe, da er kein Nazi sei. Im Rahmen einer Tanzveranstaltung in Waischenfeld, Landkreis Bayreuth, traf ein Besucher am 27. Februar in der Herrentoilette auf zwei dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild nach der Skinhead-Szene zugeh\u00f6rige M\u00e4nner. Dort wurde er von einem der beiden M\u00e4nner mit den Worten \"Du bist so eine langhaarige Zecke, du hast doch mit Sicherheit etwas gegen uns!\" angesprochen und sofort mit F\u00e4usten ins Gesicht geschlagen. Danach versuchte der T\u00e4ter, den Kopf des Opfers in die Toilettensch\u00fcssel zu dr\u00fccken und lie\u00df erst von ihm ab, als der Gesch\u00e4digte stark aus der Nase blutete. Im U-Bahnhof M\u00fcnchner Freiheit packte am 15. M\u00e4rz ein 21-j\u00e4hriger Skinhead einen ebenfalls 21-j\u00e4hrigen Angeh\u00f6rigen der Punker-Szene an der Kleidung und versetzte ihm einen Kopfsto\u00df. Der Punker st\u00fcrzte zu Boden und zog sich Kopfverletzungen zu. W\u00e4hrend des Angriffs wurde er angeblich von einem weiteren Beschuldigten als \"Kommunistenschwein\" beschimpft. T\u00e4ter und Opfer waren zur Tatzeit alkoholisiert. Am 26. Mai wurde in N\u00fcrnberg ein aus Nigeria stammender 25-J\u00e4hriger mit deutscher Staatsb\u00fcrgerschaft von mehreren vor einem Kiosk stehenden Personen im Alter von 24 bis 32 Jahren mit den Worten \"Ihr Neger, ihr habt in Deutschland nichts zu suchen!\" beschimpft. Als er weitergehen wollte, wurde er von f\u00fcnf Personen verfolgt und von einem der Verfolger mit einer herumstehenden Warnbake geschlagen. Des Weiteren wurde er von einem der T\u00e4ter mit den Worten \"Nigger, ich werde dich umbringen! Dein Leben ist in Deutschland nichts wert!\" beschimpft und mit einem Fu\u00dftritt in den Bauch attackiert. In Neustadt a.d. Donau, Landkreis Kelheim, beschimpften am 13. Juni zwei 14bzw. 15-j\u00e4hrige M\u00e4dchen ein 12-j\u00e4hriges M\u00e4dchen brasilianischer Herkunft wegen dessen dunkler Hautfarbe u.a. mit den AusVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","150 Rechtsextremismus dr\u00fccken \"Hi Neger\", \"Schei\u00df Neger, ihr seid ja nur Dreck!\" und \"Geh wieder zur\u00fcck nach Afrika!\". Eine der beiden T\u00e4terinnen spuckte in das Gesicht des M\u00e4dchens, au\u00dferdem traktierten beide ihr Opfer mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Als die 12-J\u00e4hrige den Vorfall ihrer Mutter erz\u00e4hlte, wollte diese die beiden T\u00e4terinnen zur Rede stellen. Diese fingen sofort an zu schreien, beschimpften die Mutter mit \"Neger\" und schlugen auf die Frau ein. Die beiden T\u00e4terinnen wurden nach kurzer Flucht von der Polizei gestellt. Eine von ihnen ist Mitglied in der Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz und hat an den Fingern der rechten Hand das Wort \"Hass\" eint\u00e4towiert, wobei die Buchstaben \"S\" als SS-Runen dargestellt sind. Als am 27. Juni eine 16-j\u00e4hrige Gymnasiastin in N\u00fcrnberg allein auf dem Nachhauseweg war, wurde sie von zwei unbekannten jungen M\u00e4nnern im Alter von etwa 15 bis 18 Jahren von hinten festgehalten. Die beiden T\u00e4ter ritzten auf ihren linken Oberarm ein Hakenkreuz mit einer Kantenl\u00e4nge von jeweils drei Zentimetern ein. Als m\u00f6gliches Tatmotiv nannte die 16-J\u00e4hrige ihre \"linke\" Einstellung, an entsprechenden Demonstrationen habe sie teilgenommen. In den Sommermonaten 2005 kam es in M\u00fchldorf a. Inn immer wieder zu gewaltt\u00e4tigen Aufeinandertreffen von Punkern und Angeh\u00f6rigen der Antifa M\u00fchldorf einerseits und Angeh\u00f6rigen der rechtsextremistischen Szene andererseits. So schlug am 21. Juli ein 21-j\u00e4hriger Rechtsextremist mit seiner Hand, an der er einen Gipsverband trug, auf die K\u00f6pfe von drei Punkern ein. Diese erlitten dadurch zum Teil Platzwunden. Eine Viertelstunde sp\u00e4ter versetzte derselbe T\u00e4ter einem weiteren Punker mit seiner Gipshand einen Sto\u00df an den Kopf und einen Hieb ins Gesicht. Einem 35-J\u00e4hrigen, der eingreifen wollte, versetzte der 21-J\u00e4hrige einen Kniesto\u00df in die Rippengegend und einen Schlag mit seiner Gipshand auf den Kopf. Als der Gesch\u00e4digte zu Boden ging, trat ihm der T\u00e4ter mit Springerstiefeln ins Gesicht. Das Opfer verlor einen Zahn und erlitt eine Platzwunde am Kopf. Zun\u00e4chst unbekannte T\u00e4ter warfen am 27. Juli in der Marktgemeinde Manching, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, mehrere Molotowcocktails gegen einen D\u00f6ner-Imbissstand. Bei dem Brandanschlag entstand ein Sachschaden von etwa 500 Euro. Die Polizei konnte im September als T\u00e4ter vier Skinheads im Alter von 15 bis 24 Jahren ermitteln. Dabei stellte sich heraus, dass die vier Rechtsextremisten am 29. Juli in Manching in der Gastst\u00e4tte eines Griechen u.a. eine Statue besch\u00e4digt und Biertische und St\u00fchle in einen Fluss geworfen haben. Der Sachschaden belief sich auf etwa 2.000 Euro. Beide Straftaten waren ausl\u00e4nderfeindlich motiviert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 151 Nach an einem Lokalbesuch am 12. August in Weilheim i. OB, Landkreis Weilheim-Schongau, griff ein 20-j\u00e4hriger Skinhead einen 22-j\u00e4hrigen somalischen Staatsangeh\u00f6rigen mit einer abgeschlagenen Flasche an und f\u00fcgte ihm u.a. eine Schnittwunde \u00fcber einem Auge zu. An der Tat beteiligte sich ein 25-j\u00e4hriger Freund des Skinheads, der den Gesch\u00e4digten mit der Faust ins Gesicht schlug und ihn mit den Worten \"Schei\u00df Neger\" und \"Kaffer\" beschimpfte. Eine Gruppe Skinheads verfolgte am 26. November in der M\u00fcnchner Fu\u00dfg\u00e4ngerzone einen von zwei Freundinnen begleiteten 19-J\u00e4hrigen. Einer der Skinheads deutete auf einen am Rucksack einer Begleiterin angebrachten Aufn\u00e4her, der den Schriftzug \"Gegen Nazis\" sowie ein von einer Faust zerschlagenes Hakenkreuz zeigte, und fragte \"What's this?\" Als der 19-J\u00e4hrige antwortete \"I don't like Nazis\", versetzte ihm der Skinhead mehrere Faustschl\u00e4ge ins Gesicht. Vor dem letzten Schlag fragte er den Gesch\u00e4digten, der zur Tatzeit kurze Haare und schwarze Springerstiefel trug, \"Are you Skinhead?\" Der T\u00e4ter konnte unerkannt fl\u00fcchten. Der Gesch\u00e4digte bezeichnete sich bei seiner Vernehmung als Skinhead mit \"linker Einstellung\" und \u00e4u\u00dferte die Vermutung, der T\u00e4ter habe ihn m\u00f6glicherweise f\u00fcr einen\"Sharp-Skin\" gehalten. 5.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen neonazistischen, antisemitischen und rassistischen Straftaten betr\u00e4gt 1.540 (2004: 1.468), darunter 176 (2004: 218) fremdenfeindlich motivierte Delikte. Dabei handelte es sich vielfach um Sachbesch\u00e4digung, N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung (insgesamt 318 Delikte) und insbesondere um das Verbreiten von Propagandamitteln bzw. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (insgesamt 1.130 Delikte). So wurden Hakenkreuze auf W\u00e4nde und Fahrzeuge gespr\u00fcht bzw. geritzt, Parolen wie \"Heil Hitler\" und \"Sieg Heil\" gerufen und zahlreiche antisemitische Pamphlete mit strafbaren Texten verbreitet. Des \u00d6fteren verwendeten Neonazis auf dem Display ihres Mobiltelefons NS-Symbole als Standard-Einstellung. Wie auch im Jahr 2004 bedienten sich Rechtsextremisten wiederholt des Short-Message-Systems (SMS) der Mobilfunkbetreiber, um neonazistische Propaganda an andere Handy-Besitzer zu \u00fcbermitteln. So versandte ein 19-j\u00e4hriger Skinhead am 17. Mai in Saaldorf-Surheim, Landkreis Berchtesgadener Land, eine SMS mit folgendem volksverhetzenden Text: \"Mit jedem \u00d6ffnen dieser SMS stirbt ein T\u00fcrke! Also verschicke diese SMS an m\u00f6glichst viele Leute! Heil Hitler\" Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","152 Rechtsextremismus Durch rechtsextremistisch motivierte Ausschreitungen und Schmierereien entstanden Sachsch\u00e4den von rund 257.000 Euro (2004: etwa 500.000 Euro). Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Straftaten sind auch folgende Vorf\u00e4lle: Am 15. Januar trafen sich rund 60 Skinheads in einer Gastst\u00e4tte in Amberg. Die Polizei nahm drei Teilnehmer wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor\u00fcbergehend fest. Ein Beschuldigter hatte ein T-Shirt mit aufgedruckter \"Wolfsangel\" (Kennzeichen der verbotenen \"Jungen Front\"), ein weiterer ein T-Shirt mit der Aufschrift \"Stop the Holocaust Industry\" getragen. Darunter befand sich die Abbildung eines m\u00e4nnlichen Kopfs mit j\u00fcdischer Kopfbedeckung (Kippa) sowie einer Pistole mit dem Text \"9 mm for reparation\". Unbekannte T\u00e4ter beschmierten am 20. Januar in einem Mietshaus in M\u00fcnchen die Wand eines Aufzugs mit den Worten \"Nur ein toter Jude ist ein guter Jude\". Am 21. M\u00e4rz durchsuchte die Polizei in Gerolzhofen, Landkreis Schweinfurt, die Wohnung von zwei Rechtsextremisten und stellte eine an der Wand angebrachte, von der Stra\u00dfe aus sichtbare Hakenkreuzfahne sicher. Unbekannte T\u00e4ter beschmierten Mitte Mai in M\u00fcnchen eine Schaufensterscheibe mit einem Davidstern und der Parole \"Kauft nicht bei Juden\". Anfang Juni erhielten mehrere bayerische Polizeidienststellen E-Mails aus den USA in englischer Sprache unter dem Betreff \"Stop Coddling The Jews\" (Stoppt die Verh\u00e4tschelung der Juden). Der unter einem Pseudonym auftretende Verfasser bezeichnete den Holocaust als eine von Deutschland vollstreckte Strafe Gottes f\u00fcr Verfehlungen des j\u00fcdischen Volks. Hitler habe zutreffend erkl\u00e4rt, dass ein Sieg der Juden das Ende der Humanit\u00e4t bedeuten w\u00fcrde. In der Nacht zum 12. Juni nahm die Polizei in M\u00fcnchen vier Rechtsextremisten fest, die \"Sieg Heil\" gerufen und den Hitlergru\u00df gezeigt hatten. Die Beschuldigten geh\u00f6rten zu einer Gruppe von rund 60 Neonazis, die zuvor in Wolfratshausen den Geburtstag eines Kameraden gefeiert hatten und dann mit der S-Bahn nach M\u00fcnchen gefahren waren. Unter den aggressiv auftretenden Teilnehmern der Feier befanden sich zahlreiche Mitglieder der neonazistischen Kameradschaft M\u00fcnchen und deren Anf\u00fchrer Norman Bordin. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 153 In Holzkirchen, Landkreis Miesbach, wurden am 9. Juli in einem Getr\u00e4nkemarkt acht Bierflaschen festgestellt, die mit einem Hitlerbildnis und der Parole \"Sieg Heil\" etikettiert waren. Zwei Angeh\u00f6rige der Freiwilligen Feuerwehr Coburg traten am 12. August bei einem Zeltlager jugendlicher Nachwuchskr\u00e4fte durch Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen in Erscheinung. Einer trug eine M\u00fctze mit einem SS-Totenkopfsymbol, der andere eine Tarnjacke mit einem SS-Dienstgradabzeichen. In der Nacht zum 5. September wurden in Manching, Landkreis Pfaffenhofen a.d. Ilm, Hakenkreuze und Parolen wie \"Nigger I hate you\", \"Ein Volk, ein Reich, ein F\u00fchrer\", \"Deutschland den Deutschen\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" gespr\u00fcht. Als T\u00e4ter ermittelte die Polizei vier Rechtsextremisten, die Ende Juli in Manching neben fremdenfeindlich motivierten Sachbesch\u00e4digungen auch einen Brandanschlag auf einen D\u00f6ner-Imbissstand ver\u00fcbt hatten. W\u00e4hrend des M\u00fcnchner Oktoberfests trafen sich am 23. September 16 Personen, darunter acht G\u00e4ste aus \u00d6sterreich, zu einer Feier in den R\u00e4umen der M\u00fcnchner Burschenschaft Danubia. Ein Bediensteter einer benachbarten Klinik, der wegen ruhest\u00f6renden Absingens von Liedern die Polizei rief, gab dabei an, dass ein Teilnehmer des Treffens \"Sieg Heil\" gerufen habe. Eingesetzte Beamte stellten ferner fest, dass in einem der Lieder der Name Adolf Hitler gegr\u00f6lt wurde. Unter den Teilnehmern der Veranstaltung befanden sich drei ehemalige Funktion\u00e4re der Burschenschaft Danubia. Am 14. Oktober spr\u00fchte ein Jugendlicher auf den Kunstrasen einer Sportst\u00e4tte in Iphofen, Landkreis Kitzingen, mit einem Deospray mehrere Hakenkreuze und z\u00fcndete diese an. Dadurch entstand ein Sachschaden in H\u00f6he von 10.000 Euro. Drei Skinheads im Alter von 17, 21 und 22 Jahren brachen am 23. Oktober am Bahnhof in Erding in einen D\u00f6ner Kebab-Imbissstand ein und verw\u00fcsteten den Innenraum. Der Sachschaden betrug etwa 1.000 Euro. Unbekannte T\u00e4ter beschmierten am 23. November eine Tiefgarage in Pfarrkirchen, Landkreis Rottal-Inn, mit Hakenkreuzen und Parolen wie \"Schei\u00df Ausl\u00e4nder - Wir Deutschen haben keine Arbeit\" und \"Ein Hitler muss wieder her und alle Kanaken vergasen\". Am 3. Dezember zeigte ein 19-j\u00e4hriger Sympathisant der rechtsextremistischen Szene in einer G\u00fcnzburger Gastst\u00e4tte ein auf seinem Oberarm eint\u00e4towiertes Hakenkreuz. Dabei gr\u00f6lte er \"Hoch dem F\u00fchrer - es lebe das Reich\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","154 Rechtsextremismus 6. Strafverfahren, Urteile und Exekutivma\u00dfnahmen Verurteilung Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte am 4. Mai Martin von Martin Wiese Wiese und drei weitere Angeh\u00f6rige des \"inneren F\u00fchrungszirkels\" der und Mitgliedern ehemaligen Kameradschaft S\u00fcd-Aktionsb\u00fcro S\u00fcddeutschland (AS) wegen der AS Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Wiese erhielt wegen R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie wegen mehreren Waffendelikten eine Freiheitsstrafe von sieben Jahren. Die drei anderen Angeklagten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen zwei Jahren und drei Monaten und f\u00fcnf Jahren und neun Monaten verurteilt. Hier bildete das Gericht aufgrund fr\u00fcherer Delikte eine Gesamtstrafe; einer der Beschuldigten wurde nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die vier Verurteilten einer terroristischen Vereinigung angeh\u00f6rten, deren Ziel es war, eine gewaltsame Revolution herbeizuf\u00fchren. Neben Billigung und Unterst\u00fctzung eines geplanten Sprengstoffanschlags auf die Grundsteinlegung des j\u00fcdischen Gemeindezentrums am 9. November 2003 in M\u00fcnchen h\u00e4tten sie sich auch illegal Waffen und Sprengstoff beschafft. W\u00e4hrend Wiese und ein weiterer Verurteilter im Laufe des mehr als f\u00fcnfmonatigen Prozesses lediglich Waffendelikte einr\u00e4umten, den Anschlagsplan indessen bis zum Ende des Prozesses bestritten, legten die beiden anderen Verurteilten Gest\u00e4ndnisse ab. Bereits am 5. April hatte das Bayerische Oberste Landesgericht gegen f\u00fcnf Mitglieder des ehemaligen AS Freiheitsstrafen auf Bew\u00e4hrung zwischen 16 und 22 Monaten verh\u00e4ngt. Drei Frauen und ein Mann wurden nach Jugendstrafrecht wegen Mitgliedschaft in einer rechtsextremistischen terroristischen Vereinigung verurteilt, deren Ziel es war, eine gewaltsame Revolution herbeizuf\u00fchren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie den geplanten Sprengstoffanschlag auf die Grundsteinlegung des j\u00fcdischen Gemeindezentrums gebilligt und unterst\u00fctzt hatten. Das Gericht betonte, dass die Angeklagten zwar an der Gesamtwillensbildung beteiligt waren, die F\u00fchrerschaft des in einem weiteren Verfahren beschuldigten Neonazi Martin Wiese aber unumstritten gewesen sei. Ein weiterer Angeklagter aus Brandenburg wurde wegen Beihilfe zum unerlaubten Erwerb sowie Besitzes von Waffen und Sprengstoff schuldig gesprochen. Sowohl die Entscheidungen vom 5. April als auch vom 4. Mai sind rechtskr\u00e4ftig. Das Landgericht Berlin verurteilte am 12. Januar den Rechtsextremisten Horst Mahler wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Mahler hatte im September 2002 w\u00e4hrend einer Pressekonferenz in den R\u00e4umen der NPD-Parteizentrale in BerVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 155 lin-K\u00f6penick einen Schriftsatz an Journalisten verteilen lassen, in dem er als Prozessvertreter der NPD im Rahmen des Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht den Hass auf Juden als \"untr\u00fcgliches Zeichen eines intakten spirituellen Immunsystems\" bezeichnete. Das Gericht befand, Mahler habe die Menschenw\u00fcrde j\u00fcdischer Mitb\u00fcrger verletzt. Sein Verhalten sei gef\u00e4hrlich, weil es die \"intellektuelle Rechtfertigung f\u00fcr dumpfe Gem\u00fcter der rechtsextremen Szene\" biete. Dar\u00fcber hinaus habe er auch im Prozess \"verbohrt und uneinsichtig\" an seiner Ideologie festgehalten. In dem seit Februar 2004 anh\u00e4ngigen Prozess hatte Mahler ebenfalls antisemitische und revisionistische Hetze betrieben, so dass die Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage wegen Volksverhetzung vor dem Landgericht Berlin erhoben hat. Der Bundesgerichtshof best\u00e4tigte am 10. M\u00e4rz das Urteil des Kammergerichts Berlin gegen die Skinhead-Band \"LANDSER\", gegen das der Bandf\u00fchrer und S\u00e4nger Michael Regener alias Lunikoff Revision eingelegt hatte. Das Berliner Gericht hatte am 22. Dezember 2003 drei Mitglieder der Gruppe \"LANDSER\" u.a. wegen Bildung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Nach Auffassung des Bundesgerichtshofs handelt es sich bei der rechtsextremistischen Musikgruppe um eine kriminelle Vereinigung, da deren Zweck auf das Begehen von Straftaten wie Volksverhetzung, Verbreiten von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen und Verunglimpfung des Staates ausgerichtet gewesen sei. Michael Regener ist in der rechtsextremistischen Musik-Szene weiterhin aktiv und au\u00dferdem seit Herbst 2004 Mitglied der NPD. Am 12. M\u00e4rz wurde in Kochel a. See, Landkreis Bad T\u00f6lz-WolfratshauDurchsuchung sen, das Vereinsheim der Skinhead-Kameradschaft Division Oberland durchsucht. Dort wollten 37 Skinheads aus Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen und der Schweiz an einem Skinhead-Konzert teilnehmen. Die Polizei stellte u.a. Tontr\u00e4ger mit rechtsextremistischen Inhalten, Bekleidungsst\u00fccke mit strafrechtlich relevanten Aufn\u00e4hern, umfangreiches NPD-Werbematerial sowie eine Hakenkreuzfahne sicher und leitete Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth verurteilte am 6. April den Neonazi Gerhard Ittner in Abwesenheit wegen Volksverhetzung, Verunglimpfung des Staates und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei JahVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","156 Rechtsextremismus ren und neun Monaten. Ittner hatte bei einer von ihm selbst organisierten Demonstration am 6. September 2003 in N\u00fcrnberg gegen die Bundesrepublik Deutschland gehetzt sowie den Vorsitzenden der J\u00fcdischen Gemeinde in N\u00fcrnberg und den Rechtsreferenten der Stadt N\u00fcrnberg beleidigt. Der \u00fcber die Neonazi-Szene hinaus bekannte Ittner ist ein fanatischer Hitler-Verehrer, der aufgrund seiner \u00fcberaus aggressiven Fremdenfeindlichkeit aus der DVU und sp\u00e4ter auch aus der NPD ausgeschlossen wurde. Er trat bei einer Vielzahl von Veranstaltungen der NPD sowie der Neonazi-Szene als Referent auf. In seinen zahlreichen Ver\u00f6ffentlichungen leugnete er den im Dritten Reich begangenen V\u00f6lkermord an Juden und verunglimpfte mehrmals staatliche Institutionen. Er war seit dem 29. M\u00e4rz nicht mehr zu den Verhandlungsterminen erschienen und ist seitdem fl\u00fcchtig. Kameradschaft Am 10. Mai durchsuchte die Polizei in der Stadt und im Landkreis Niederbayern/ Regensburg, in den Landkreisen Amberg und Kelheim sowie in DornOberpfalz stadt/Baden-W\u00fcrttemberg die Wohnungen von 13 Mitgliedern der neonazistischen Kameradschaft Niederbayern/Oberpfalz. Hintergrund f\u00fcr diese Durchsuchungsaktion waren drei Haftbefehle und 14 Durchsuchungsbeschl\u00fcsse, die wegen schweren Raubs bzw. Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz erlassen worden waren. Dabei wurden neben dem Raubgut auch nach dem Waffengesetz verbotene Gegenst\u00e4nde und Devotionalien gefunden, die eine rechtsextremistische Gesinnung belegen. Bei dem zugrunde liegenden schweren Raub handelte es sich um eine \"Bestrafungsaktion\" gegen ein fr\u00fcheres Mitglied der Kameradschaft, das sich einer anderen Gruppierung angeschlossen hatte (vgl. auch Nummer 5.1 dieses Abschnitts). Ein 17-j\u00e4hriger Skinhead wurde am 26. September vom Amtsgericht W\u00fcrzburg wegen mehrerer, u.a. fremdenfeindlich motivierter, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzungsdelikte und anderer rechtsextremistisch motivierter Straftaten aus den Jahren 2004 und 2005 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. 7. Revisionismus 7.1 Ziele Der Revisionismus, der die Geschichtsschreibung \u00fcber die Zeit des Dritten Reichs \u00e4ndern will, ist zu einem Bindeglied zwischen den unterschiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. Seinen Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 157 wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die mittelbare Versuch einer Rechtfertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen GewaltRehabilitierung herrschaft durch einseitige, relativierende oder verharmlosende Darsteldes Nationallung des NS-Regimes. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation sozialismus stehen die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust) sowie die Behauptung, Deutschland trage keine Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Auf diese Weise soll das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propagandistisch untergraben werden, um die Deutschen von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. 7.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Revisionismus war von Anfang an eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den historischen Nachweis f\u00fchren wollten, dass es entgegen der Feststellung seri\u00f6ser Forscher und Zeitzeugen keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Hervorzuheben ist hierbei das 1989 ver\u00f6ffentlichte \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach es in \"Leuchter-Bericht\" Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Dieselbe These verbreitete der Diplomchemiker Germar Scheerer, geb. Rudolf, ein ehemaliges REP-Mitglied, in seinem \"Rudolf-Gutach1994 ver\u00f6ffentlichten, 2001 in Zweitauflage erschienenen und inten\" zwischen indizierten \"Gutachten \u00fcber die Bildung und Nachweisbarkeit von Zyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz\". Die international aktivsten Revisionisten leben heute meist in L\u00e4ndern, in denen Strafbestimmungen gegen das Verbreiten und die Ver\u00f6ffentlichung revisionistischen Gedankenguts fehlen. So setzte sich der deutsche Revisionist Germar Scheerer im Fr\u00fchjahr 1996 nach einer Verurteilung (u.a. wegen Volksverhetzung) ins Ausland ab, wo er seine Agitation fortsetzte. \u00dcber seinen Verlag \"Castle Hill Publishers Ltd.\" in Gro\u00dfbritannien vertrieb er mehrere revisionistische Schriften. In den USA stellte er einen Antrag auf politisches Asyl, der im Juni 2003 abgelehnt wurde. Am 15. November wurde er aufgrund eines internationalen HaftFestnahme befehls der Staatsanwaltschaft Mannheim von den USA an die deutschen Scheerers Strafverfolgungsbeh\u00f6rden \u00fcberstellt. Unmittelbar nach seiner Ankunft auf dem Frankfurter Flughafen wurde er festgenommen und sp\u00e4ter in der Justizvollzugsanstalt Rottenburg/Baden-W\u00fcrttemberg inhaftiert. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","158 Rechtsextremismus David Irving Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international agierende britische Schriftsteller David Irving, der 1993 wegen Leugnung des Holocausts verurteilt und aus Deutschland ausgewiesen wurde. Gegen ihn bestehen Einreiseverbote in Australien, Deutschland, Kanada, \u00d6sterreich und S\u00fcdafrika. Zuletzt residierte Irving haupts\u00e4chlich in Key West/Florida. Am 11. November wurde er in der Steiermark/\u00d6sterreich festgenommen. Gegen ihn liegt seit November 1989 ein vom Landgericht Wien erlassener Haftbefehl wegen Verdachts der NS-Wiederbet\u00e4tigung vor. Ein weiterer Protagonist des Revisionismus ist der deutsche StaatsangeErnst Z\u00fcndel h\u00f6rige Ernst C. F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcbersiedelte. Dort verfasste und versandte er zahlreiche Publikationen, darunter den \"Germania\"-Rundbrief, der neonazistische und antisemitische Thesen enthielt und \u00fcber das Internet abrufbar war. Im Internet erschien ferner der Beitrag \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\", der - so Z\u00fcndel - monatlich von mehr als 1,2 Millionen Interessenten eingesehen wurde. Dort waren u.a. B\u00fccher, die in Deutschland der Beschlagnahme unterliegen bzw. von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften indiziert wurden, mit vollem Text eingestellt, darunter \"Der Holocaust auf dem Pr\u00fcfstand\" von J\u00fcrgen Graf und \"Starben wirklich sechs Millionen?\" von Richard Harwood. In Deutschland f\u00fchrt die Staatsanwaltschaft Mannheim gegen Z\u00fcndel seit 1996 ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung und anderer Straftaten. Z\u00fcndels Antrag auf Verleihung der kanadischen Staatsb\u00fcrgerschaft wurde zweimal abgelehnt. 2001 l\u00f6ste er seinen Verlag \"Samisdat Publishers Ltd.\" in Toronto auf und verlegte seinen Wohnsitz in die USA, da er - nach eigenen Angaben - in Kanada wegen der Einstellung der \"Z\u00fcndelsite\" ins Internet strafrechtlich verfolgt wurde. Anfang Februar 2003 wurde Z\u00fcndel wegen illegalen Aufenthalts in den USA verhaftet und nach Kanada ausgeliefert. Aufgrund einer Entscheidung des Bundesgerichts in Ottawa schoben ihn die kanadischen Beh\u00f6rden am 1. M\u00e4rz nach Deutschland ab. Z\u00fcndel wurde dort nach seiner Ankunft Festnahme und aufgrund eines Haftbefehls vom 17. Februar 2003 festgenommen und Strafverfahren am 2. M\u00e4rz dem Haftrichter vorgef\u00fchrt. Seit dem 8. November muss er sich vor dem Landgericht Mannheim wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung verantworten. Der Prozess wurde mittlerweile ausgesetzt, nachdem das Gericht Z\u00fcndels Verteidigerin ablehnte. Diese hatte sich in einem Antrag auf Einstellung des Verfahrens m\u00f6glicherweise selbst volksverhetzende Ausf\u00fchrungen zu eigen gemacht und zudem den mit einem Berufsverbot belegten Rechtsextremisten Horst Mahler als ihren Assistenten vorgestellt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 159 Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete, in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige OrgaVrij Historisch nisation Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) ist eine der bedeutenden Onderzoek Lieferantinnen von revisionistischem Propagandamaterial. Sie verf\u00fcgt \u00fcber (V. H. O.) weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen, in Deutschland teilweise beschlagnahmten oder indizierten revisionistischen Ver\u00f6ffentlichungen an. Seit Anfang 1997 gibt die V.H.O. die revisionistische Zeitschrift \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG) heraus. Der Mitbegr\u00fcnder der V.H.O. Siegfried Verbeke, der zusammen mit seinem Bruder Herbert die V.H.O. betreibt, wurde nach seiner Festnahme am 26. November 2004 in Belgien am 14. April vom Berufungsgericht in Antwerpen u.a. wegen Versto\u00dfes gegen das belgische Antirassismusgesetz zu einer einj\u00e4hrigen Haftstrafe sowie einer Geldstrafe von 2.500 Euro verurteilt. Am 4. August wurde er aufgrund eines von der deutschen Justiz beantragten europ\u00e4ischen Haftbefehls auf dem Amsterdamer Flughafen erneut festgenommen. Das zust\u00e4ndige niederl\u00e4ndische Gericht beschloss am 25. Oktober, dass Siegfried Verbeke nach Deutschland ausgeliefert werden kann. Am 1. November wurde der belgische Revisionist, der u.a. im Internet den Massenmord an Juden w\u00e4hrend der NS-Zeit geleugnet hatte, an die deutschen Beh\u00f6rden \u00fcberstellt und in der Justizvollzugsanstalt Heidelberg inhaftiert. Der Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Revisionistische Verfolgten (VRBHV) wurde am 9. November 2003 auf Initiative von Vereinigung Horst Mahler, eines f\u00fchrenden Aktivisten des rechtsextremistischen Intellektuellenzirkels \"Deutsches Kolleg\", gegr\u00fcndet. In der Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung hei\u00dft es: \"Es war der Beginn der gro\u00dfen L\u00fcge, die endg\u00fcltig zu Fall zu bringen Anliegen unseres Vereins sein wird: Der Auschwitz-L\u00fcge.\" Dem Verein haben sich zahlreiche Revisionisten angeschlossen. Seit Anfang 2004 existieren die beiden Homepages \"Aufstand f\u00fcr die Wahrheit\" und \"Reichsb\u00fcrgerbrief\". Auf letzterer Seite ruft Mahler zum Volksaufstand gegen die von einer Fremdmacht ausge\u00fcbte, \"talmudisch\" getarnte Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft in Deutschland auf, die jegliche Politik zum Wohle des deutschen Volkes und zur Wahrung seiner W\u00fcrde verhindere. Das Landgericht Berlin verurteilte ihn am 12. Januar wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten ohne Bew\u00e4hrung. 8. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der amerikanische Neonazi und Propagandaleiter der NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Gary Rex Lauck tritt nach Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","160 Rechtsextremismus Neonazistische wie vor durch den Versand neonazistischer Propagandamittel in ErscheiPropaganda nung. Seine deutschsprachige Schrift \"NS Kampfruf\" erscheint in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden. Sie besteht derzeit gr\u00f6\u00dftenteils aus einer Preisliste mit Angeboten f\u00fcr nationalsozialistische Devotionalien. Auch auf der Homepage der NSDAP-AO \u00fcberwiegen inzwischen Offerten f\u00fcr NS-Propagandamaterial die politischen Inhalte. Dort k\u00f6nnen Hakenkreuzaufkleber, Fahnen und Abzeichen des Dritten Reichs, Filme und B\u00fccher aus der NS-Zeit (z.B. \"Der ewige Jude\", \"Mein Kampf\") sowie CDs mit Marschmusik und Hitler-Reden bestellt werden. Das Angebot enth\u00e4lt ferner Computerspiele wie \"KZ-Rattenjagd\" und \"Der SA-Mann\" zum kostenlosen Herunterladen. F\u00fcr deutsche Rechtsextremisten ist Lauck kaum von Bedeutung; sie stehen ihm reserviert gegen\u00fcber, da er den kommerziellen Aspekt offenbar immer st\u00e4rker in den Vordergrund r\u00fcckt. Weiteres rechtsextremistisches Propagandamaterial aus dem Ausland gelangt \u00fcberwiegend \u00fcber das Internet (vgl. auch Nummer 3.3 dieses Abschnitts) nach Deutschland. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Rechtsextremismus 161 9. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2005 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Die Republikaner (REP) 2.300 6.500 Zeit f\u00fcr Protest! 26.11.1983, Berlin zweimonatlich, 10.000 Nationaldemokratische Partei 850 6.000 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 20.000 28.11.1964, Stuttgart (nach Eigenangaben) Junge Nationaldemokraten (JN) 50 300 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Funktion\u00e4rs1967, N\u00fcrnberg gruppe Deutsche Volksunion (DVU) 1.100 9.000 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. (siehe DVU) einschlie\u00dflich Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) 70 500 Deutschland-Post 1993, Bad Soden (gesch\u00e4tzt) unregelm\u00e4\u00dfig 2. Neonazistische Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische 75 600 Nachrichten der HNG Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) monatlich, 600 02.07.1979, Frankfurt am Main Kameradschaft M\u00fcnchen 30 2004, M\u00fcnchen Kameradschaft Aschaffenburg 15 Aschaffenburg Bund Frankenland - Staatsb\u00fcrgerliche Runde 10 1992, W\u00fcrzburg Kameradschaft Augsburg 15 2004, Augsburg Kameradschaft Asgard-Ratisbona 20 2004, Regensburg Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe 20 2002, Roding Autonome Nationalisten M\u00fcnchen 10 2005, M\u00fcnchen NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation NS Kampfruf (NSDAP-AO) unregelm\u00e4\u00dfig 1972, Lincoln/USA Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","162 Rechtsextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2005 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 3. Sonstige Organisationen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 60 500 (Inoffizielles Organ: siehe 03.10.1991, Berlin Nation Europa Verlag GmbH) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 450 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 200 September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rs1994, Berlin / W\u00fcrzburg gruppe Deutschland-Bewegung /Friedenskomitee 50 100 Pressespiegel mit \"Frieden 1990, Starnberg 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung\" Europ\u00e4ischer Darstellungsverein f\u00fcr 100 Lebendige Geschichte (EDLG) 1995 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Einzel2001, N\u00fcrnberg personen Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen 15 2004 Aktivitas der Burschenschaft Danubia 15 Danubenzeitung 1848, M\u00fcnchen unregelm\u00e4\u00dfig Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Funktion\u00e4rsNeues Schwaben Opposition e.V. (ABNO) gruppe unregelm\u00e4\u00dfig 2001, Augsburg 4. Skinheads 800 10.400 5. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH National-Zeitung/Deutsche (DSZ-Verlag), M\u00fcnchen Wochen-Zeitung (NZ), w\u00f6chentlich, 40.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 18.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 Denk mit!-Verlag Denk mit! N\u00fcrnberg unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Stegen zweimonatlich Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 163 5. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern Ideologisches des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassiSpektrum schen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im Wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen, die sie als kapitalistisch, rassistisch und imperialistisch ansehen. An deren Stelle solle eine sozialistisch-kommunistische Diktatur oder die Anarchie, eine Gesellschaft frei von jeglicher Herrschaft, treten. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. Die Aktionsformen der Linksextremisten sind breit gestreut: Sie umfasAktionsformen sen \u00f6ffentliche Veranstaltungen, offene Agitation mittels Zeitungen, der LinksextreFlugbl\u00e4ttern, elektronischen Kommunikationsmitteln, ferner Versuche misten der Einflussnahme in \"b\u00fcrgerlichen\" Institutionen bis hin zur Beteiligung an Wahlen. Dar\u00fcber hinaus gibt es Linksextremisten, die politische Gewalt als ein legitimes und geeignetes Mittel sehen, ihre extremistischen Vorstellungen durchzusetzen. In ihrer Propaganda stellen sich Linksextremisten als Vertreter einer hohen Moral, als K\u00e4mpfer gegen Unterdr\u00fcckung und Verfechter von Frieden und sozialer Gerechtigkeit dar. Ihre politische Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Sie missachten demokratische Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staates. Sie setzen sich \u00fcber das Recht der Menschen auf Freiheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren Interessen entgegensteht. Einige der linksextremistischen Gruppierungen bekennen offen, dass ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. Teilweise Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","164 Linksextremismus ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Agitationsthemen Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen eingebunden, die f\u00fcr sich betrachtet nicht extremistisch sind. Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den notwendigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jeder Art politischen Extremismus zu durchbrechen. F\u00fcr ihre Agitation und Mobilit\u00e4t bei Demonstrationen oder anderen Aktionen nutzen Linksextremisten auch die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten wie Handy und Internet. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren Neonazismus/Faschismus, Globalisierung, Imperialismus, Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematik, Arbeitslosigkeit und Sozialversorgung. Im Mittelpunkt der Arbeit von Linksextremisten stand ferner die Unterst\u00fctzung sozialrevolution\u00e4rer Bewegungen im Ausland. 1.2 Entwicklung der Organisationen R\u00fcckgang der Die Gesamtzahl der Mitglieder linksextremistischer und linksextremisMitgliederzahlen tisch beeinflusster Parteien und Gruppierungen in Bayern verringerte sich. Die Zahl der Linkspartei.PDS-Mitglieder sowie die Mitgliederzahl der DKP nahmen sowohl bundesals auch bayernweit ab. Zahl und 2003 2004 2005 Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 37 38 38 linksextremistischer OrganiMarxisten-Leninisten und sationen in andere revolution\u00e4re Marxisten Bayern Die Linkspartei.PDS 700 700 500 DKP 600 600 500 Marxistische Gruppe (MG) 700 700 700 weitere Kernorganisationen 300 250 240 Nebenorganisationen 80 80 100 beeinflusste Organisationen 1.080 840 850 Autonome, Anarchisten und Sozialrevolution\u00e4re 400 400 400 Linksextremisten insgesamt 3.860 3.570 3.290 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 165 Die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen blieb konstant. Sie werden von anderen linksextremistischen Organisationen als B\u00fcndnispartner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der auf der Seite 164 dieses Berichts abgedruckten \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind jeweils nur bei einer Organisation erfasst. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik an den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderungen nach \"Fundamentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Dabei gelang es nur begrenzt, die unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die Linkspartei.PDS, die nach dem Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des Versuch der \"demokratischen Sozialismus\" zu beschreiten vorgibt, versucht, LinksB\u00fcndelung extreextremisten aller Richtungen zu integrieren. mistischer Kr\u00e4fte 2.1 Die Linkspartei.PDS Deutschland Bayern Mitglieder: 61.500 500 Vorsitzende(r): Prof. Dr. Lothar Bisky Eva Bulling-Schr\u00f6ter; Reinhold R\u00fcckert Umbenennung der SED: 16./17.12.1989 Gr\u00fcndung: 11.09.1990 Sitz: Berlin M\u00fcnchen Publikationen: \"DISPUT\"; \"TITEL\" \"Die Linke.PDS-Pressedienst; \"UTOPIE-kreativ\"; \"Mitteilungen der KPF\" Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschloss Hinweis: Im diesj\u00e4hrigen Verfassungsschutzbericht werden erstmals auch \u00e4ltere Sachverhalte im Zusammenhang mit der PDS unter dem neuen Parteinamen \"Die Linkspartei.PDS\" dargestellt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","166 Linksextremismus auf ihrem Sonderparteitag am 16./17. Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Umbenannte SED Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Tagung des Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24./25. Februar 1990 best\u00e4tigte diese Namens\u00e4nderung. Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags am 17. Juli 2005 in Berlin wurde beschlossen, sich in \"Die Erneute Linkspartei.PDS\" umzubenennen. Den Landesverb\u00e4nden wurde es gleichUmbenennung zeitig freigestellt, die Zusatzbezeichnung \"PDS\" zu f\u00fchren. Im Parteistatut wurde als Kurzbezeichnung \"Die Linke\" ebenfalls mit dem Zusatz \"PDS\" festgelegt. 2.1.1 Ideologische Ausrichtung Str\u00f6mungspartei Die Linkspartei.PDS versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialislinker Kr\u00e4fte tische Gruppen und Personen, die die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland kritisieren und ablehnen. Das auf der 2. Tagung des 8. Parteitags der Linkspartei.PDS am 25. und 26. Oktober 2003 in Chemnitz beschlossene - mittlerweile dritte - Parteiprogramm stellt fest, die Linkspartei.PDS sei ein Zusammenschluss unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmten, dass die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden werden m\u00fcsse. Im Programm hei\u00dft es dazu weiter: \"In ihr (Anmerkung: in der Linkspartei.PDS) haben sowohl Menschen einen Platz, die der kapitalistischen Gesellschaft Widerstand entgegensetzen und die die gegebenen Verh\u00e4ltnisse fundamental ablehnen, als auch jene, die ihren Widerstand damit verbinden, die gegebenen Verh\u00e4ltnisse positiv zu ver\u00e4ndern und schrittweise zu \u00fcberwinden.\" Gegen Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit ihm Kapitalismus verbundenen politischen Systems der Freiheit und der Demokratie im Sinn unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zielen der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fcssten. Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und die \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Das programmatische Ziel der Linkspartei.PDS ist nach wie vor eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 167 Die Linkspartei.PDS vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der Bekenntnis zu revolution\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen Marx und Engels revolution\u00e4ren und \"volks-demokratischen\" Bewegungen verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die Linkspartei.PDS verwendet Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, dass diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere Interpretation politischer Begriffe ist deren Umwidmung bewusste Umwidmung im Lehrgeb\u00e4ude des Marxismus-Leninismus, in von Begriffen dessen Denkschule die Mehrheit der Mitglieder der Linkspartei.PDS erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe eine Doppeldeutigkeit. Das 2003 in Chemnitz verabschiedete Parteiprogramm verfolgt weiterhin dieselbe ideologische Zielsetzung - eine \u00fcber die Grenzen der bestehenden Gesellschaftsform hinausweisende sozialistische Ordnung - und h\u00e4lt am \"Manifest der Kommunistischen Partei\", der Lehre von Marx und Engels, sowie an Rosa Luxemburg fest. Obwohl im neuen Programm auf die Erw\u00e4hnung der bolschewistischen Oktoberrevolution von 1917 verzichtet wird, stellt sich die Linkspartei.PDS weiterhin ausdr\u00fccklich in die Tradition der revolution\u00e4ren kommunistischen Arbeiterbewegung und wendet sich \"aus historischer Erfahrung\" entschieden gegen jegliche Form von \"Antikommunismus\". Sie ist auch vom gescheiterten Sozialismusversuch der fr\u00fcheren DDR nach wie vor \u00fcberzeugt. Der Unrechtsgehalt des SED-Regimes wird relativiert; es wird betont, dass der \"Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung\" f\u00fcr den Osten keiner \"Entschuldigung\" bed\u00fcrfe und die \"antifaschistisch-demokratischen Ver\u00e4nderungen im Osten Deutschlands und das sp\u00e4tere Bestreben, eine sozialistische Gesellschaft zu gestalten\" in \"berechtigtem Gegensatz zur Weiterf\u00fchrung des Kapitalismus in Westdeutschland\" gestanden h\u00e4tten. Im Bestreben um das gesellschaftliche Endziel \u00dcberwindung k\u00e4mpft die Linkspartei.PDS f\u00fcr die \u00dcberwindung der als \"Kapitalismus\" der bestehenden diffamierten bestehenden Gesellschaftsordnung. Das Programm f\u00fchrt Gesellschaftsdazu aus: ordnung \"Die Politik der PDS soll dazu beitragen, die Vorherrschaft der Kapitalverwertungsinteressen abzuschw\u00e4chen, schlie\u00dflich zu \u00fcberwinden und die ihr zu Grunde liegenden Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnisse zu ver\u00e4ndern. (...) Ein Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","168 Linksextremismus selbstbestimmtes Leben, eine von Entfremdung befreite Arbeitswelt und eine gerechte Verteilung des Reichtums bed\u00fcrfen alternativer Gesellschaftsstrukturen, die von der Verwirklichung gemeinschaftlicher Interessen gepr\u00e4gt sind und die Dominanz privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden haben.\" Die strikt antikapitalistische Grundausrichtung bleibt die Grundidee der Linkspartei.PDS. So wird bereits in der Pr\u00e4ambel betont: \"Wir wollen, dass diese gesellschaftlichen Strukturen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt und schlie\u00dflich \u00fcberwunden werden, damit die Menschheit einen Ausweg aus dieser zerst\u00f6rerischen Entwicklungslogik findet. In diesem Sinne sind wir konsequent antikapitalistisch.\" Anl\u00e4sslich einer au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags am 17. Juli Umbenennung in Berlin stimmten 74,6 % der gew\u00e4hlten Delegierten der Umbenenin \"Die Linksnung in \"Die Linkspartei\" zu, wobei die Partei auf Bundesebene und in partei.PDS einzelnen Landesverb\u00e4nden die Zusatzbezeichnung \"PDS\" f\u00fchrt. Im Parteistatut wurde als Kurzbezeichnung f\u00fcr die Linkspartei \"Die Linke\" ebenfalls mit dem Zusatz \"PDS\" festgelegt. Die nach dem Statut notwendige Mehrheit von zwei Dritteln der gew\u00e4hlten Delegierten wurde Angestrebtes \u00fcbertroffen. Dadurch war der Weg frei f\u00fcr das angestrebte Linksb\u00fcndB\u00fcndnis mit der nis mit der Partei \"Arbeit & soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative\" WASG (WASG), deren Mitglieder am 15. Juli in einer Urabstimmung mit 81,8 % dem B\u00fcndnis und somit dem gemeinsamen Auftreten auf Linkspartei.PDS-Listen bei der vorgezogenen Bundestagswahl zugestimmt hatten. Der Linkspartei.PDS-Vorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky hatte die Delegierten des Sonderparteitags zuvor aufgerufen, die Chance zu einem \"zweiten Aufbruch der Partei\" zu nutzen. Der \"gro\u00dfen Koalition des Abbaus von Demokratie und Sozialstaatlichkeit\" m\u00fcsse eine starke linke Kraft entgegengestellt werden. Mehrere Redner, darunter auch Sahra Wagenknecht - Linkspartei.PDS-Europaabgeordnete, Mitglied des Parteivorstands und des Bundeskoordinierungsrats der Kommunistischen Plattform der PDS (KPF) -, hatten verlangt, das K\u00fcrzel PDS als festen Bestandteil und nicht nur als Zusatz beizubehalten. Delegierte aus westlichen Landesverb\u00e4nden dagegen best\u00e4tigten, dass es f\u00fcr den Wahlkampf hilfreich w\u00e4re, wenn man auf die in Westdeutschland schwer vermittelbare Bezeichnung PDS verzichten und nur als Linkspartei antreten k\u00f6nnte. Am 27. August veranstaltete die Linkspartei.PDS in Berlin ihre als WahlBundestagswahlparteitag angek\u00fcndigte 2. Tagung des 9. Parteitags. Zentraler Punkt des programm Treffens war die Verabschiedung des Wahlprogramms zur Bundestagswahl. In dem von den Delegierten mit gro\u00dfer Mehrheit bei nur zwei Gegenstimmen und zehn Enthaltungen fast unver\u00e4ndert angenommeVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 169 nen Entwurf des Parteivorstands \"F\u00fcr eine neue soziale Idee\" stellte sich die Linkspartei.PDS - in Anlehnung an das zentralistische Blockparteienverst\u00e4ndnis der SED in der DDR - als einzige demokratische Alternative dar: \"SPD, Gr\u00fcne, CDU/CSU und FDP bieten nicht die M\u00f6glichkeit, zwischen verschiedenen politischen Richtungen zu w\u00e4hlen. Sie vertreten lediglich unterschiedliche Varianten einer Politik des Sozialabbaus und der Umverteilung von unten nach oben. (...) Es waren stets Schr\u00f6der und Merkel, es war das gro\u00dfe Kartell der sozialen K\u00e4lte aus SPD und CDU/CSU, Gr\u00fcnen und FDP, das im Bundesrat gemeinsam durchbrachte, was den Menschen als 'Reformen' zugemutet worden ist. (...) Dem demokratischen Sozialismus verpflichtet, streiten wir f\u00fcr eine bessere Gesellschaft. Eine, in der Schwache nicht l\u00e4nger schwach, Einzelne nicht l\u00e4nger allein, Arbeitssuchende nicht l\u00e4nger arbeitslos, Fremde nicht l\u00e4nger fremd und Abh\u00e4ngige nicht l\u00e4nger wehrlos bleiben.\" Ausdr\u00fccklich fordert die Linkspartei.PDS in ihrem beschlossenen WahlInhalte des programm die forcierte, repressive Bek\u00e4mpfung des RechtsextreWahlprogramms mismus. Dabei sollen linke und linksextremistische Organisationsstrukturen gefestigt, gef\u00f6rdert und ausgebaut werden: \"Die Linkspartei.PDS setzt sich auch in Zukunft f\u00fcr breite B\u00fcndnisse zur Bek\u00e4mpfung der extremen Rechten ein. Wir werden uns weiter aktiv daran beteiligen und an unserer Forderung nach besserer \u00f6ffentlicher Unterst\u00fctzung antifaschistischer und antirassistischer Gruppen festhalten, um damit zivilgesellschaftliche Strukturen gegen Rechtsextremismus aufund auszubauen.\" Ihr pazifistisches Profil will die Partei sch\u00e4rfen und Deutschland zugleich aus seiner Verantwortung in der milit\u00e4rischen B\u00fcndnispolitik nehmen: \"Deutsche Soldaten in aller Welt sind keine Botschafter des Friedens. Und Bereitstellung von milit\u00e4rischem Ger\u00e4t, von \u00dcberflugund Landegenehmigungen f\u00fcr kriegsf\u00fchrende M\u00e4chte bef\u00f6rdern keineswegs friedliche Verh\u00e4ltnisse. (...) Wir wollen, dass Deutschland und Europa zu einer friedlichen Alternative gegen\u00fcber dem Streben der USA nach Weltherrschaft werden. Deshalb sind Bestrebungen einer strategischen Vereinnahmung durch die USA konsequent abzuwehren. (...) Deutschland beteiligt sich nicht mehr an Kriegseins\u00e4tzen in aller Welt und holt die Soldaten aus solchen Eins\u00e4tzen zur\u00fcck.\" Der Wahlparteitag diente vor allem der Selbstvergewisserung und dem Aufruf zur Geschlossenheit. Strittige und offene Fragen wurden weitAufruf zur gehend ausgeklammert. Die Zeit f\u00fcr die Debatte zum Wahlprogramm Geschlossenheit wurde sehr kurz gehalten. Zu deren Abschluss betonte der Spitzenkandidat der Berliner Landesliste der Linkspartei.PDS, Dr. Gregor Gysi, dass der Staatssozialismus zu Recht gescheitert sei; der Kapitalismus habe jedoch nicht gesiegt, er sei nur \u00fcbrig geblieben. Dagegen habe Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","170 Linksextremismus die Linkspartei.PDS die Vision des demokratischen Sozialismus, das hei\u00dfe, dass keine Kapitalverwertungsinteressen ausgeschlossen w\u00fcrden, wohl aber die Dominanz der Kapitalverwertungsinteressen. Am 6. Dezember unterzeichneten der Parteivorsitzende der Linkspartei.PDS Prof. Dr. Lothar Bisky und der gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstand der WASG Klaus Ernst in Berlin ein \"Kooperationsabkommen\", das \"die freie Vereinigung der gesellschaftlichen Linken in der ersten wirklich gesamtdeutschen Partei\" bis zum 30. Juni 2007 vorsieht. Ein Name f\u00fcr die neue Partei wurde noch nicht festgelegt. In der \"Rahmenvereinbarung zum ParteibildungsKooperationsprozess zwischen Linkspartei.PDS und WASG\" verzichteten beide abkommen mit Parteien darauf, bei k\u00fcnftigen Wahlen konkurrierend anzutreten. der WASG Doppelmitgliedschaften sollen erlaubt werden. \u00dcber den Abschluss des Parteibildungsprozesses haben in beiden Parteien Bundesparteitage und Urabstimmungen der Mitglieder zu entscheiden. Laut dem \"Kooperationsabkommen\" strebt die neue Partei als Ziel eine Gesellschaft an, \"in der die freie Entwicklung einer und eines jeden die Bedingung der freien Entwicklung aller ist.\" Diese Definition geht offenkundig auf eine Formulierung im \"Manifest der Kommunistischen Partei\" von Karl Marx und Friedrich Engels zur\u00fcck. Zur Charakterisierung der neu zu bildenden Partei werden Aussagen bekr\u00e4ftigt, die zum Teil wortgleich dem geltenden Parteiprogramm der Linkspartei.PDS vom Oktober 2003 entnommen sind. So wird in der Rahmenvereinbarung betont: \"Zur Politik der neu gebildeten Partei sollen Widerstand und Protest ebenso z\u00e4hlen wie der Anspruch auf Mitund Umgestaltung und die Entwicklung \u00fcber den Kapitalismus hinaus weisender gesellschaftlicher Alternativen. (...) In der pluralistischen Partei sollen alle Menschen einen Platz haben, die gegen die gegenw\u00e4rtigen Verh\u00e4ltnisse in der kapitalistischen Gesellschaft Widerstand leisten, sie ver\u00e4ndern und schrittweise \u00fcberwinden wollen.\" Die Vereinbarung zeigt deutlich, dass die Linkspartei.PDS weiterhin an Festhalten an der Lehre von Marx und Engels festh\u00e4lt. Dogmatische Marxisten haben Marx und Engels in der Partei weiterhin ihr Forum. Die rund 400 Delegierten der 3. Tagung des 9. Parteitags der Linkspartei.PDS stimmten am 10. und 11. Dezember in Dresden dem \"Kooperationsabkommen mit der WASG\" mehrheitlich zu. Viele Teilnehmer kritisierten, dass das Abkommen bereits am 6. Dezember von den Parteivorsitzenden unterzeichnet worden war und somit nur noch zustimmend zur Kenntnis genommen werden konnte. Umstritten war auch eine \u00c4n\u00c4nderung des derung des Parteistatuts, wonach bis zur geplanten Fusion DoppelmitParteistatuts gliedschaften f\u00fcr Mitglieder der WASG erm\u00f6glicht werden sollten. Der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 171 entsprechende Antrag des Parteivorstands fiel zun\u00e4chst durch; erst in einer zweiten Abstimmung erreichte er die n\u00f6tige Zweidrittelmehrheit. Der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky k\u00fcndigte in seiner Rede an, auf der vorgezogenen 1. Tagung des 10. Parteitags am 29. und 30. April 2006 erneut f\u00fcr den Vorsitz kandidieren zu wollen. Zum neuen Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Linkspartei.PDS wurde der Bundestagsabgeordnete Dr. Dietmar Bartsch gew\u00e4hlt, der dieses Amt bereits von 1997 bis 2002 innehatte. Bei der Wahl des Bundesschatzmeisters war es zu einem weiWahl des Bundesteren Eklat gekommen: Trotz Bedenken der WASG w\u00e4hlten die Deleschatzmeisters gierten Bernhard Walther mit 68,5 % der Stimmen in das vierth\u00f6chste Parteiamt. Vor seiner Wahl hatte dieser einger\u00e4umt, 1981 eine Verpflichtungserkl\u00e4rung als \"Inoffizieller Mitarbeiter\" (IM) des fr\u00fcheren Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR unterschrieben zu haben. Angesichts der Proteste von Delegierten erkl\u00e4rte Bernhard Walther, seine neue Aufgabe bis zur Kl\u00e4rung der Vorw\u00fcrfe ruhen zu lassen. Die Debatte offenbarte, dass die Mehrheit der Linkspartei.PDS immer noch zu keinem offenen Umgang mit der Stasi-Vergangenheit bereit ist. Am 14. Januar 2006 trat Bernhard Walther von seinem Amt als Schatzmeister zur\u00fcck. Der fr\u00fchere SPD-Vorsitzende Oskar Lafontaine trat Ende Dezember in die Linkspartei.PDS im Saarland ein. Im Gegenzug trat Dr. Gregor Gysi der WASG Berlin bei. Die beiden Vorsitzenden der Fraktion der Linkspartei.PDS im Deutschen Bundestag wollten mit ihren DoppelDoppelmitgliedschaften \"ein klares Signal f\u00fcr den Prozess der Bildung einer mitgliedschaften neuen Linken in ganz Deutschland geben\". 2.1.2 Organisation Die Linkspartei.PDS ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, deren Gebiete mit den L\u00e4ndern identisch sind, mit Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen. Die Partei verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber nahezu 61.500 Mitglieder (2004: Bundesweit 65.500), davon - wie 2004 - rund 4.400 in den alten Bundesl\u00e4ndern. r\u00fcckl\u00e4ufige Die Mitgliederentwicklung ist insgesamt r\u00fcckl\u00e4ufig. Etwa zwei Drittel der Mitgliederzahl Parteimitglieder sind 60 Jahre und \u00e4lter; nur rund 3 % sind j\u00fcnger als 30 Jahre. Nach Angaben der Parteif\u00fchrung stammen 70 bis 80 % der Mitglieder aus der ehemaligen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR, darunter auch Mitarbeiter des ehemaligen MfS. Seit Jahren nutzt die Linkspartei.PDS die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten Nutzung des im Internet. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie die LinksparInternets tei.PDS-Delegation in der Konf\u00f6deralen Fraktion der Vereinten Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke (GUE/NGL) im Europ\u00e4ischen ParlaVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","172 Linksextremismus ment, die Linkspartei.PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag, Linkspartei.PDS-Fraktionen in den Bundesl\u00e4ndern, der Bundesvorstand, Landesund Kreisverb\u00e4nde sowie Einzelpersonen sind neben einer so genannten Startseite der Linkspartei.PDS mit eigenen Homepages vertreten. Auch in Bayern nehmen Kreisverb\u00e4nde und Basisorganisationen das Internet in Anspruch. Der Linkspartei.PDS-nahe Jugendverband ['solid] nutzt bundesweit ebenfalls das moderne Kommunikationsmedium. 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften sowie \u00e4hnliche innerparteiliche Zusammenschl\u00fcsse sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der Linkspartei.PDS. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Partei, k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben und k\u00f6nnen Integrale ihre politischen Ziele in der Partei offen vertreten. Sie sind integrale Bestandteile der Bestandteile der Linkspartei.PDS. Die Partei muss sich deshalb die Linkspartei.PDS T\u00e4tigkeit der Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften wie auch das Wirken der sonstigen innerparteilichen Zusammenschl\u00fcsse sowie die \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, w\u00e4hrend Arbeitsund Interessengemeinschaften themenbezogen auf wichtigen Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete KPF der Linkspartei.PDS - ihr sind etwa 1.000 Mitglieder zuzurechnen - ist eine marxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der Linkspartei.PDS ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Bekenntnis zum Kommunismus bekennt. Sie strebt die Fortsetzung marxistischer und Marxismus-Lenileninistischer Politik, also die Diktatur des Proletariats, an. In ihren nismus Gr\u00fcndungsthesen betonte sie: \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem Wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfasst von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 173 Tse-tung weiterentwickelt worden ist, die Grundlage f\u00fcr die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose Gesellschaft. Die KPF strebt eine enge Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Parteien und Organisationen an und sucht die Beteiligung an au\u00dferparlamentarischen Initiativen, insbesondere in dem von ihr in kommunistischer Ideologie verstandenen Antifaschismus. Am 12. M\u00e4rz veranstaltete die KPF in Weimar die 3. Tagung ihrer 12. Bundeskonferenz, in deren Mittelpunkt die Verabschiedung der Resolution \"Zu aktuellen Aspekten des Antifaschismus\" stand. Auf der Grundlage dieses Beschlusses soll der \"60. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus\" vorbereitet werden. In der Entschlie\u00dfung wird betont, dass linke Kr\u00e4fte, die au\u00dferparlamentarisch und parlamentarisch \u00fcber Einfluss verf\u00fcgen und als konsequenter Oppositionsfaktor wahrnehmbar sind, der entschiedenste Schutz vor der Ausbreitung der Nazis, ihrer Ideologie und Strukturen seien. Vor allem werde gem\u00e4\u00df Art. 139 des Grundgesetzes die Aufl\u00f6sung der NPD und anderer nazistisch orientierter Parteien und Organisationen gefordert. Die antifaschistischen und antirassistischen Aktivit\u00e4ten m\u00fcssten nicht zuletzt durch entsprechende Mitarbeit in B\u00fcndnissen verst\u00e4rkt werden. In Berlin f\u00fchrte die KPF am 9. Oktober die 4. Tagung der 12. Bundes4. Tagung konferenz durch. Einem in den \"Mitteilungen der KPF\" Heft 11 vom der 12. BundesNovember ver\u00f6ffentlichten Bericht des Bundessprecherrats der KPF ankonferenz l\u00e4sslich dieser Tagung zufolge befinden sich die Kommunisten in der Linkspartei.PDS seit der au\u00dferordentlichen Tagung des 9. Parteitags der Linkspartei.PDS am 17. Juli \"in der kompliziertesten Situation seit Ende 1989\". Die Fusion von Linkspartei.PDS und WASG sei nicht ein bevorstehendes Ereignis, sondern ein laufender Prozess. Man werde sich letztlich \"nicht au\u00dferhalb dieser ablaufenden Prozesse\" stellen, sondern sich im \"Interesse sozialistischer Politik\" weiter aktiv am Parteileben der Linkspartei.PDS beteiligen\". In n\u00e4chster Zukunft wolle man sich vor allem mit Fragen der Gestaltung des Zusammenwirkens mit au\u00dferparlamentarischen Bewegungen, des \"antifaschistischen Kampfs\", des Umgangs mit der Geschichte, des Pazifismus, des Internationalismus in der Partei sowie des sozialistischen Ziels, der \"antikapitalistischen Ans\u00e4tze\" sowie des Stellenwerts von Kommunisten und Marxisten im Rahmen der Fusionsbestrebungen auseinander setzen. Eine weitere wichtige Aufgabe sei es, die Zusammenarbeit mit anderen marxistisch-kommunistisch Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","174 Linksextremismus orientierten Kr\u00e4ften innerhalb und au\u00dferhalb der Partei, insbesondere mit dem Marxistischen Forum (MF) und mit der DKP, zu intensivieren. In Bayern ist die KPF nicht mehr aktiv. 2.1.3.2 Marxistisches Forum (MF) Am 6. Juni 1995 konstituierte sich in Berlin das orthodox-kommunistisch ausgerichtete MF. Es will die soziale, \u00f6konomische und politische Situation mit den Mitteln des Marxismus analysieren, die marxistische WeiterentwickTheorie weiterentwickeln und zur theoretischen Fundierung der Politik lung der marxisder PDS beitragen. Dazu geh\u00f6re neben der marxistischen Aufarbeitung tischen Theorie der Geschichte der DDR und des Sozialismus auch die Untersuchung der Dialektik von systemimmanenten und system\u00fcberwindenden Reformen. Au\u00dferdem solle auf die notwendige Verst\u00e4rkung des antimilitaristischen Kampfes aufmerksam gemacht werden. Dem Zusammenschluss innerhalb der Linkspartei.PDS geh\u00f6ren rund 60 Personen an, darunter Parteimitglieder sowie Personen des Staatsapparats, des Kulturund Wirtschaftsbereichs der ehemaligen DDR. Das Forum \u00fcbt Einfluss in der Partei u.a. \u00fcber die Mitgliedschaft in verschiedenen Parteigremien aus. So geh\u00f6rt mit Dorothee Menzner eine Aktivistin des MF zugleich dem Parteivorstand der Linkspartei.PDS an. 2.1.4 Jugendverband ['solid] Am 19. Juni 1999 wurde in Hannover der Jugendverband ['solid] - die sozialistische Jugend gegr\u00fcndet. Der Name steht f\u00fcr \"sozialistisch, links und demokratisch\". Ziel des Jugendverbands ist es nach der im \"Die Linke.PDS-Pressedienst\" Nummer 25 vom 25. Juni 1999 abgedruckten Gr\u00fcndungsGr\u00fcndungserkl\u00e4rung, in organisierter Form der \"rechten Hegemonie in erkl\u00e4rung der Gesellschaft\" entgegenzutreten. Man wolle keine \"Kampfreserve\" der Linkspartei.PDS werden, sondern strebe \"eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auch mit den regionalen und lokalen Jugendstrukturen in und bei der PDS\" an; ['solid] sei nicht die Jugendorganisation der Linkspartei.PDS. Anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 8. Parteitags vom 12. bis 13. Oktober 2002 in Gera erkl\u00e4rte der Parteivorstand der Linkspartei.PDS in seinem T\u00e4tigkeitsbericht: \"Der Parteivorstand erkannte per Beschluss ['solid] als den PDS-nahen bundesweiten Jugendverband an und unterst\u00fctzte ihn materiell und ideell.\" Organ der Jugendorganisation ist \"Die Ware\"; das Magazin erscheint viertelj\u00e4hrlich. Dem Jugendverband ['solid] geh\u00f6ren in 14 Landesverb\u00e4nden zwischenzeitlich etwa 1.500 Mitglieder (davon rund 100 in Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 175 Bayern) an. Er verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber einen Landesverband mit Ortsgruppen in M\u00fcnchen, Passau, Regensburg, N\u00fcrnberg, Bayreuth, Ingolstadt, Aschaffenburg und Coburg. Im August wurde eine Ortsgruppe in Wei\u00dfenburg, im Oktober in W\u00fcrzburg und im Dezember in Bamberg gegr\u00fcndet. Als Organ der bayerischen Jugendorganisation erscheint der Landesmitgliederrundbrief \"['ROTFRONT!]\". An der 6. Bundesdelegiertenkonferenz des Jugendverbands ['solid] vom Bundesdelegier11. bis 13. M\u00e4rz in Frankfurt am Main nahmen nahezu 100 Delegierte tenkonferenz aus 15 Landesverb\u00e4nden teil. Im Mittelpunkt der Konferenz stand die Neuwahl des achtk\u00f6pfigen Bundessprecherrats f\u00fcr eine Amtszeit von einem Jahr, dem auch k\u00fcnftig die bayerische Aktivistin Barbara Paech angeh\u00f6rt, die zugleich Mitglied in den bayerischen Landesverb\u00e4nden von ['solid] und der Linkspartei.PDS ist. Die Delegierten verabschiedeten den Leitantrag \"Gegen den Strom! Aufmucken gegen rechte Zust\u00e4nde! F\u00fcr eine junge, radikale Offensive von links\". Die Teilnehmer betonten ihr \"antifaschistisches und antikapitalistisches Engagement\", das bereits im CD-Projekt \"aufmucken gegen rechts\" - einer Verteilaktion von antifaschistischen CDs vor Schulen - sowie in anderen Beschl\u00fcssen zum Ausdruck gekommen war. Einen weiteren Themenschwerpunkt bildete der Verfassungsentwurf der EU. Als Gast der Konferenz sprach sich der auf der Linkspartei.PDS-Liste gew\u00e4hlte Europaabgeordnete Tobias Pfl\u00fcger f\u00fcr eine Ablehnung des EU-Verfassungsvertrags aus, da dieser von Neoliberalismus und Militarismus gepr\u00e4gt sei. Die Konferenz forderte die Linkspartei.PDS auf, bei ihrer Ablehnung des Entwurfs zu bleiben. Die Landesmitgliederversammlung von ['solid] Bayern fand vom 5. bis Landesmitglieder6. Februar in N\u00fcrnberg statt. Zentrale Punkte der Veranstaltung waren versammlung die Neuwahl des Landesvorstands, die Festlegung der Arbeitsschwerpunkte sowie die weitere Beteiligung an der bundesweiten Kampagne von ['solid] \"aufmucken gegen rechts\". Mit Presseerkl\u00e4rung vom 15. September bot ['solid] N\u00fcrnberg eine kostenlose CD-Tauschaktion f\u00fcr die so genannte Schulhof-CD der NPD gegen CD-Tauschaktion die von ['solid] produzierte antifaschistische CD \"AufMUCKEn gegen Rechts\" an, nachdem an Schulen im Ballungsraum N\u00fcrnberg-F\u00fcrth-Erlangen die NPD mit der Verteilaktion ihrer Propaganda-CD mit Liedern einschl\u00e4gig bekannter Bands aus der rechten Szene begonnen hatte. Einen politischen Arbeitsschwerpunkt von ['solid] Bayern stellte auch im Hinblick auf eine kostenlose Bildung die Mitwirkung an Protesten unter dem Motto \"Bildet die Rettung!\" dar. Anlass war die geplante Einf\u00fchrung von Studiengeb\u00fchren und B\u00fcchergeld an deutschen Schulen und Universit\u00e4ten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","176 Linksextremismus Der Jugendverband startete Ende des Jahres eine Gegenkampagne zu \"Du bist Deutschland\". Auf einer Internet-Seite wurde unter dem Motto \"Deutschland raus aus den K\u00f6pfen!\" gegen die von verschiedenen Verlagen und Prominenten initiierte \"hurra-patriotische Medienkampagne\" aufgerufen. In dem Aufruf wurde kritisiert, dass den Menschen eingeredet werde, Deutschland sei \"eine tolle Sache\", bei der es sich lohne mitzumachen, und zwar f\u00fcr Freiheit und Selbstverwirklichung. Das Gegenteil sei jedoch der Fall, denn innerhalb des \"kapitalistischen Systems\" k\u00f6nne es keine wirkliche Freiheit geben. 2.1.5 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern und ihre Organisationseinheiten Organisation Die in Bayern seit dem 11. September 1990 bestehende Linkspartei.PDS in Bayern setzt sich aus dem Landesverband, dreizehn Kreisverb\u00e4nden und 34 Basisorganisationen zusammen. Am 8. Dezember war der Kreisverband Landshut-Kelheim neu gegr\u00fcndet worden. Der Sitz des Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. F\u00fcr einige \u00f6rtliche Strukturen bestehen Kontaktund Anlaufadressen. In Bayern blieb die Zahl der LinksKonstante partei.PDS-Anh\u00e4ngerschaft mit knapp 500 beitragspflichtigen MitAnh\u00e4ngerschaft gliedern ann\u00e4hernd konstant. Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern veranstaltete am 9. Februar Politischer zwei Politische Aschermittwochstreffen, n\u00e4mlich in Passau und IngolAschermittwoch stadt. W\u00e4hrend in Ingolstadt der Linkspartei.PDS-Landesvorsitzende von Niedersachsen Dr. Dieter Dehm als Gastredner auftrat, sprach in Passau der Vorsitzende der Linkspartei.PDS-Landtagsfraktion in Sachsen Prof. Dr. Peter Porsch. Letzterer polemisierte in erster Linie gegen die Sparpolitik in Bund und L\u00e4ndern und pl\u00e4dierte f\u00fcr die Abschaffung der Wehrpflicht. Landesparteitage Drei Landesparteitage berief der Landesverband ein. Auf dem Landesparteitag der Linkspartei.PDS am 26. Februar in Regensburg wurden Reinhold R\u00fcckert und Eva Bulling-Schr\u00f6ter in ihren \u00c4mtern als gleichberechtigte Sprecher des Landesverbands best\u00e4tigt. Am 23. Juli beschloss die Landesmitgliederversammlung in Ingolstadt, sich in \"Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern\" umzubenennen. An diesem Landesparteitag nahmen im Hinblick auf die Aufstellung einer gemeinsamen bayerischen Kandidatenliste f\u00fcr die vorgezogene Bundestagswahl auch Mitglieder der WASG als nicht stimmberechtigte G\u00e4ste teil. Auf den Spitzenplatz der Landesliste \"Linkspartei\" wurde das Mitglied des Bundesvorstands der WASG Klaus Ernst aus Schweinfurt gew\u00e4hlt. Auf Platz 2 der Liste wurde die Landessprecherin und LinksVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 177 partei.PDS-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter ohne Gegenkandidaten mit 73 von 81 Stimmen berufen. Platz 3 sicherte sich die Linkspartei.PDS-Aktivistin Kornelia M\u00f6ller aus Erding. Der Landesparteitag der Linkspartei.PDS am 3. Dezember in N\u00fcrnberg stand im Zeichen der beabsichtigten Fusion mit der WASG. Vor rund 80 Mitgliedern und Sympathisanten f\u00fchrte der stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei.PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag und Sonderbeauftragte f\u00fcr den Fusionsprozess von Linkspartei.PDS und WASG, Bodo Ramelow, aus, dass der Grundsatz des demokratischen Sozialismus in einem k\u00fcnftigen Parteiprogramm der fusionierten Parteien nicht mehr explizit festgeschrieben werden soll, gleichwohl dieser aber die Grundlage f\u00fcr weitere Diskussionen in der Partei sei. Marxistische Str\u00f6mungen seien in der Linkspartei.PDS weiterhin gewollt. Ein Antrag auf Unterst\u00fctzung von Protesten gegen die NATO-Sicherheitskonferenz im Februar 2006 in M\u00fcnchen wurde von den Landesdelegierten bei zwei Enthaltungen angenommen. Die angek\u00fcndigten Neuwahlen des Landesvorstands wurden auf den n\u00e4chsten Landesparteitag verschoben. 2.1.6 Teilnahme an Wahlen Die Linkspartei.PDS musste bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein Landtagswahl in am 20. Februar Stimmenverluste hinnehmen. Nach dem amtlichen EndSchleswig-Holstein ergebnis erzielte die Partei landesweit 0,8 % der Zweitstimmen (= 11.392 W\u00e4hlerstimmen) gegen\u00fcber 1,4 % (= 20.066 Stimmen) bei der Landtagswahl im Jahr 2000. Bei den Erststimmen verzeichnete die Linkspartei.PDS hingegen einen Zugewinn auf 0,5 % (= 6.826 W\u00e4hlerstimmen) gegen\u00fcber 0,3 % (= 3.868 Stimmen) im Jahr 2000. Sie verfehlte damit wiederum deutlich den von ihr angestrebten Einzug in ein westdeutsches Landesparlament. Auch bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai verlor Landtagswahl in die Linkspartei.PDS deutlich an Stimmen. So errang sie lediglich 72.989 Nordrhein-WestW\u00e4hlerstimmen, was einem Anteil von 0,9 % entspricht. Bei der letzfalen ten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai 2000 hatte sie noch 79.934 W\u00e4hlerstimmen (= 1,1 %) erhalten. Die Partei f\u00fchrte ihr schlechtes Ergebnis einerseits auf die hohe Wahlbeteiligung zur\u00fcck, andererseits sei es der WASG als konkurrierender Partei gelungen, linksorientierte W\u00e4hler f\u00fcr sich zu gewinnen. Bei der Bundestagswahl am 18. September konnte die Linkspartei.PDS, die in einem Wahlb\u00fcndnis gemeinsam mit der WASG antrat, dagegen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","178 Linksextremismus Bundestagswahl einen deutlichen Wahlerfolg erzielen. Dem B\u00fcndnis gelang es, bundesweit 4.118.194 Zweitstimmen zu erringen, was einem Stimmenanteil von 8,7 % entspricht. Bezogen auf das Abschneiden der Linkspartei.PDS bei der Bundestagswahl 2002 (1.916.702 Zweitstimmen entsprachen einem Stimmenanteil von 4,0 %) konnte sie ihr Ergebnis mehr als verdoppeln. Die Partei, die zuletzt nur mit zwei direkt gew\u00e4hlten Abgeordneten im Parlament vertreten war, zog daraufhin mit 54 Mandaten (darunter zehn Vertreter der WASG) in Fraktionsst\u00e4rke in den 16. Deutschen Bundestag ein. Zu gleichberechtigten Vorsitzenden w\u00e4hlte die Fraktion Dr. Gregor Gysi und Oskar Lafontaine. In Bayern vereinte die Linkspartei.PDS bei dieser Wahl 244.701 Zweitstimmen auf sich, was einem Zweitstimmenanteil von 3,4 % entspricht. Sie verf\u00fcnffachte damit nahezu das von ihr bei der Bundestagswahl 2002 erreichte Zweitstimmenergebnis (49.515 W\u00e4hlerstimmen = 0,7 %). Die ersten drei Landeslistenkandidaten Klaus Ernst (WASG), die bayerische Linkspartei.PDS-Vorsitzende Eva Bulling-Schr\u00f6ter sowie die Linkspartei.PDS-Aktivistin Kornelia M\u00f6ller konnten in den neu gew\u00e4hlten Bundestag einziehen. Eva Bulling-Schr\u00f6ter hatte bereits von 1994 bis 2002 dem Parlament angeh\u00f6rt. 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus Im Rahmen der so genannten internationalen Solidarit\u00e4t unterh\u00e4lt die Linkspartei.PDS vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen LinksextremisInternationalismus ten. Das Parteiprogramm der Linkspartei.PDS nennt dies \"Internationalismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Die vormalige Parteivorsitzende Gabi Zimmer leitet den Koordinierungsrat f\u00fcr Internationale Politik beim Parteivorstand. Mit der kubanischen Revolution f\u00fchlt sich die Linkspartei.PDS solidarisch eng verbunden, was nicht zuletzt auch in Aufrufen zu SpendenAuslandskontakte aktionen f\u00fcr das kommunistische Kuba zum Ausdruck kommt. Die Partei unterh\u00e4lt zudem ausgepr\u00e4gte Kontakte zu Funktion\u00e4ren im sozialistisch regierten Venezuela. Eine seit jeher ideologisch motivierte internationalistische Solidarit\u00e4t gibt es auch f\u00fcr ausl\u00e4ndische \"Befreiungsbewegungen\", so f\u00fcr die kolumbianische Guerillaorganisation FARC-EP, die Aufnahme in die EU-Liste der terroristischen Vereinigungen gefunden hat. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 179 Die Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL), an deren Gr\u00fcndung die Linkspartei.PDS ma\u00dfgeblich beteiligt war, veranstaltete am 29. und 30. Oktober in Athen ihren ersten ordentlichen Kongress. Delegierte von allen 17 Kongress der kommunistischen und linksextremistischen Mitgliedsparteien sowie von Partei der Europ\u00e4neun Beobachterorganisationen nahmen daran teil. Ziele des Kongresischen Linken ses waren neben der Neuwahl der F\u00fchrungsgremien - der bisherige EL-Vorsitzende Fausto Bertinotti wurde mehrheitlich in seinem Amt best\u00e4tigt - die Verst\u00e4ndigung \u00fcber das weitere Agieren der EL in der Europapolitik. Klargestellt wurde vor allem, dass die EL anstelle eines neoliberalen ein demokratisches und soziales Europa anstrebe. 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten Die Linkspartei.PDS pflegt Kontakte zu fast allen anderen inl\u00e4ndischen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Am 8. Januar fand aus Anlass des 86. Jahrestags der Ermordung der Veranstaltung Gr\u00fcnder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemin Berlin burg und Karl Liebknecht, zum zehnten Mal in Folge die Rosa-Luxemburg-Konferenz in Berlin statt. An der Konferenz mit Podiumsdiskussion zum Thema \"Krieg global - Widerstand lokal?\" nahmen etwa 1.600 politisch Interessierte aus dem Inund Ausland teil. Am 9. Januar legten Funktion\u00e4re der PDS traditionell Kr\u00e4nze am Denkmal der ermordeten Kommunisten in Berlin-Friedrichsfelde nieder. Rund 14.000 Menschen, darunter vorwiegend Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS und revolution\u00e4r-marxistischer Organisationen, beteiligten sich an dem Gedenkmarsch. Unter den teilnehmenden Vertretern von europ\u00e4ischen Linksparteien befand sich auch der Vorsitzende der italienischen Partei der kommunistischen Wiedergr\u00fcndung (PRC), Fausto Bertinotti, zugleich Vorsitzender der EL. An einem etwa zeitgleich durchgef\u00fchrten weiteren Demonstrationszug eines B\u00fcndnisses aus \"linken\" Parteien, Gruppen und Einzelpersonen vom Frankfurter Tor in Berlin-Friedrichshain zur \"Gedenkst\u00e4tte der Sozialisten\" beteiligten sich bis zu 4.000 Personen, unter ihnen rund 300 Aktivisten der linksautonomen Szene. Im Rahmen dieser Demonstration kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, da einige Teilnehmer entgegen den Auflagen verknotete Transparente als seitlichen Sichtschutz mitf\u00fchrten. Am 16. September fand in N\u00fcrnberg eine Podiumsund DiskussionsAktivit\u00e4ten in veranstaltung zum Thema \"Was w\u00e4hlt links? Das Wahlschlachtfinale\" Bayern statt, an der die Sprecherin des Linkspartei.PDS-Kreisverbands N\u00fcrnVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","180 Linksextremismus berg, Kristina Hadeler, und der Vorsitzende des MLPD-Kreisverbands N\u00fcrnberg, Johannes Rupprecht, teilnahmen. Angeh\u00f6rige der Linkspartei.PDS beteiligten sich am 24. September in M\u00fcnchen am Fest der Solidarit\u00e4t. Zu den Veranstaltern z\u00e4hlten auch DKP, SDAJ und VVN-BdA. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 4.300 500 Vorsitzender: Heinz Stehr Gr\u00fcndung: 26.09.1968 Sitz: Essen N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen Publikationen: \"Unsere Zeit\" (UZ); \"Rundbrief\" \"Marxistische Bl\u00e4tter\" 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die bis zur Wende von der SED der DDR ideologisch und materiell abh\u00e4ngige DKP best\u00e4tigte ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung in den auf dem 12. Parteitag am 16./17. Januar 1993 in Mannheim beschlossenen \"Thesen zur programmatischen Orientierung der DKP\". In der Einleitung zu den \"TheBekenntnis sen\" hei\u00dft es, die DKP k\u00e4mpfe f\u00fcr eine Politik, die im Sozialismus die zu Sozialismus Zukunft, im Klassenkampf die zentrale Triebkraft der Geschichte und in und Klassender Arbeiterklasse die entscheidende soziale Kraft f\u00fcr den gesellschaftkampf lichen Fortschritt sehe. Sie st\u00fctze sich auf die materialistische Wissenschaft, die von Marx und Engels begr\u00fcndet und von Lenin weiterentwickelt worden sei. Ihre unver\u00e4nderte ideologische Ausrichtung dokumentiert die DKP auch in dem zuletzt am 1. Dezember 2002 ge\u00e4nderten Parteistatut. Die DKP bezeichnet sich darin als marxistische Partei sowie politische Organisation der Arbeiterklasse und anderer werkt\u00e4tiger Schichten. Auf dem Weg zum Kommunismus sei der Sozialismus die historische \u00dcbergangsperiode zur neuen Gesellschaft. Auf der 1. Tagung des 17. Parteitags am 12. und 13. Februar in Duisburg 17. Parteitag wurden sowohl der Parteivorsitzende Heinz Stehr als auch seine Stellvertreter Rolf Priemer und Prof. Dr. Nina Hager in ihren \u00c4mtern best\u00e4Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 181 tigt. Auf der konstituierenden Tagung des neu gew\u00e4hlten Parteivorstands am 5. und 6. M\u00e4rz in Essen wurde der von einer Kommission erstellte Entwurf einer Diskussionsgrundlage f\u00fcr das von der DKP schon seit 1993 verfolgte Ziel, ein neues Parteiprogramm zu erarbeiten, einstimmig verabschiedet. In diesem Programmentwurf wird die Zerst\u00f6rung des Sozialismus in Osteuropa als \"die bisher tiefste, bis heute nicht \u00fcberwundene Niederlage f\u00fcr die internationale Arbeiterbewegung\" bezeichnet. Zugleich wird daran festgehalten, dass der Sozialismus \"das unverFortf\u00fchrung der r\u00fcckbare Ziel der DKP\" sei. Die Programmdebatte soll bis zur 2. Tagung Programmdebatte des 17. Parteitags weitergef\u00fchrt werden. Die Agitation der DKP richtete sich vorrangig auf die Themenbereiche AgitationsAntifaschismus, Anti-Globalisierung, Antimilitarismus sowie \"Demokraschwerpunkte tieund Sozialabbau\". So griff die DKP den \"60. Jahrestag zur Befreiung der Konzentrationslager und des Endes des Zweiten Weltkrieges\" propagandistisch auf. In Bayern wurden hierzu Verlautbarungen ver\u00f6ffentlicht, parteiinterne Versammlungen sowie eine Festveranstaltung am 10. Mai in M\u00fcnchen durchgef\u00fchrt. Einzelne Mitglieder beteiligten sich auch an Aktivit\u00e4ten anderer Organisationen, insbesondere an Veranstaltungen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). 2.2.2 Organisation Die DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie ist in 18 Bezirksorganisationen - 13 in den westlichen Bundesl\u00e4ndern soOrganisationswie eine in Berlin und vier in ostdeutschen L\u00e4ndern - gegliedert, die strukturen weiter in 87 Kreisund 280 Grundorganisationen sowie 14 Betriebsgruppen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder ist bei fortschreitender \u00dcberalterung auf 4.300 zur\u00fcckgegangen. Dem nunmehr auf 40 Mitglieder vergr\u00f6\u00dferten Parteivorstand geh\u00f6ren neben dem DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr und den beiden stellvertretenden Vorsitzenden Prof. Dr. Nina Hager und Rolf Priemer auch weiterhin vier Funktion\u00e4re aus Bayern an. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdbayern), zw\u00f6lf Kreisverb\u00e4nde, eine Betriebsgruppe sowie ein R\u00fcckgang der \"Betriebsaktiv\". Die Mitgliederzahl in Bayern verringerte sich auf rund Mitgliederzahl in 500. Die DKP wird \u00fcberwiegend von Altkommunisten repr\u00e4sentiert. Bayern 2.2.3 Teilnahme an Wahlen Auf der 3. Tagung des Parteivorstands am 9. und 10. Juli wurde im Hinblick auf die vorgezogene Bundestagswahl 2005 die Herausbildung eines linken Wahlb\u00fcndnisses, das alle linken Kr\u00e4fte zur Bundestagswahl Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","182 Linksextremismus b\u00fcndelt, begr\u00fc\u00dft. Es wurde beschlossen, keine Landeslisten in Konkurrenz zu der Linkspartei.PDS aufzustellen. Zum Stellenwert der DKP stellte der Parteivorsitzende Heinz Stehr fest: \"Die DKP ist eine Partei des wissenschaftlichen Sozialismus. Sie (ist) orientiert auf die Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt zur Durchsetzung einer sozialistischen/kommunistischen Zukunft. Eine hoffentlich bald st\u00e4rkere und einflussreichere Kraft wird dringend ben\u00f6tigt, sowohl als Partner in der Linken, aber auch als Kraft, die f\u00fcr eine Zukunft jenseits des Kapitalismus, im Sozialismus, k\u00e4mpft.\" Aus Bayern kandidierten auf Landeslisten der Linkspartei.PDS vier Mitglieder der DKP f\u00fcr den 16. Deutschen Bundestag, wovon keines ein Mandat errang. Bei der am 20. Februar in Schleswig-Holstein durchgef\u00fchrten LandtagsLandtagswahlen wahl bekam die DKP landesweit 1.279 Zweitstimmen, was einem Anteil von 0,1 % entspricht. Wahlkreiskandidaten hatte die DKP nicht aufgestellt. An der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 22. Mai beteiligte sich die DKP nicht. 2.2.4 Internationale Verbindungen Auf der Grundlage des kommunistischen Internationalismus unterh\u00e4lt die DKP eine Vielzahl von Kontakten zu kommunistischen Parteien und Bewegungen. Am 11. Februar, dem Vortag der 1. Tagung des 17. Parteitags der DKP, kamen Vertreter von 18 internationalen kommunistischen Parteien aus Internationale Europa, Asien und Amerika in der Duisburger Rheinhausenhalle zur Konferenz in zweiten von der DKP organisierten internationalen Konferenz zusamDuisburg men, um \u00fcber den gemeinsamen Kampf gegen Sozialund Demokratieabbau sowie Schritte gegen die imperialistische Kriegspolitik zu diskutieren. Der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr sprach sich in seiner Er\u00f6ffnungsrede f\u00fcr die Bildung eines Netzwerks der europ\u00e4ischen kommunistischen Parteien aus. Er hob hervor, dass nach dem Zusammenbruch und der Zerschlagung des realen Sozialismus die Kr\u00e4fte neu definiert werden m\u00fcssten, die mit durchsetzungsf\u00e4higen Kampfformen Ver\u00e4nderungen erreichen k\u00f6nnten. Die entscheidende Kraft bleibe die internationale Arbeiterbewegung. Die DKP und die sozialistische Wochenzeitung \"Unsere Zeit\" (UZ) veranstalteten unter dem Motto \"Solidarisch k\u00e4mpfen! Sozial'is'muss!\" UZ-Pressefest vom 24. bis 26. Juni in Dortmund ihr 14. UZ-Pressefest - Volksfest der DKP. Das Programm umfasste zahlreiche Diskussionsforen und GeVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 183 spr\u00e4chsrunden. Zu der Veranstaltung erschienen w\u00e4hrend der drei Tage rund 20.000 G\u00e4ste. Aus dem Ausland waren Vertreter von 22 kommunistischen und anderen revolution\u00e4ren Parteien angereist, darunter die Vorsitzenden der Arbeiterpartei Ungarns, der KP Luxemburgs und der NKP der Niederlande. Am 3. Juli nahmen \"im Rahmen des Alternativ-Gipfels zu G8\" zwei Kontakte zu DKP-Vertreter auf Einladung der britischen kommunistischen Partei an ausl\u00e4ndischen Diskussionsrunden in Edinburgh teil. kommunistischen Parteien Die DKP hat seit 2004 zusammen mit der Neuen Kommunistischen Partei der Niederlande und der Kommunistischen Partei Luxemburgs eine regelm\u00e4\u00dfige Zusammenarbeit entwickelt. Anfang Oktober besuchten Vertreter der DKP in einer Gruppe mit Mitgliedern der SDAJ und der Linkspartei.PDS einige Projekte der so genannten argentinischen Befreiungsbewegung Movimiento Territorial Liberacion (MTL) und die mit der MTL verbundene Kommunistische Partei Argentiniens. 2.2.5 Umfeld der DKP 2.2.5.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Deutschland Bayern Mitglieder: 8.000 700 Vorsitzende: Prof. Dr. Heinrich Fink; Werner Pfennig Gr\u00fcndung: 15.-17.03.1947 Sitz: Berlin (Bundesgesch\u00e4ftsstelle) Publikation: \"antifa\" Die VVN-BdA bleibt die bundesweit gr\u00f6\u00dfte Organisation im linksextreZahlenm\u00e4\u00dfig mistischen Spektrum des Antifaschismus. Der erste regul\u00e4re Bundesst\u00e4rkste Organisakongress der VVN-BdA nach der Vereinigung im Oktober 2002 fand am tion im Spektrum 28. und 29. Mai in Frankfurt am Main statt. Die 180 Delegierten des Antifaschisw\u00e4hlten Prof. Dr. Heinrich Fink aus Berlin und Werner Pfennig aus Stuttmus gart zu gleichberechtigten Vorsitzenden der VVN-BdA. Der Kongress berief acht Bundessprecher, darunter die DKP-Aktivisten Ulrich Sander und Peter Gingold. Seit August 2003 erscheint die Zeitschrift \"antifa\" in zweimonatigem Rhythmus. Im Landesverband Bayern der VVN-BdA ist auf Landeswie auf Kreisebene der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","184 Linksextremismus ma\u00dfgeblich. Der Landesverband unterst\u00fctzte auch weiterhin aus dem Agitationsschwerlinksextremistischen Spektrum initiierte Aktionen. Schwerpunkt der punkte Agitation der VVN-BdA war der 60. Jahrestag der Befreiung von Faschismus und Krieg. Weitere Themen waren Neofaschismus, Rechtsextremismus und die Zwangsarbeiterentsch\u00e4digung. In Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, beteiligten sich Linksextremisten an Protesten gegen die traditionelle, allj\u00e4hrlich an Pfingsten stattfindende so genannte Brendten-Feier des \"Kameradenkreises der Gebirgstruppe e.V.\". Die Demonstrationsveranstaltungen fanden vom 13. bis 15. Mai unter dem Motto \"Kriegsverbrecher unter dem Edelwei\u00df - das Pfingsttreffen der Gebirgsj\u00e4ger in Mittenwald - Endlich weg damit!!!\" statt. Hauptinitiator der Gegenveranstaltungen war der \"Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege\", hinter dem ma\u00dfgeblich die VVN-BdA steht. Eine zentrale Rolle spielte bei der Mobilisierung und Durchf\u00fchrung der Protestveranstaltungen der Landessprecher der ProtestveranstalVVN-BdA Nordrhein-Westfalen, Ulrich Sander, der bei den Gegentungen in Bayern demonstrationen in Mittenwald auch als Redner auftrat. Sowohl die Auftaktveranstaltungen am 13. Mai in Geretsried, Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen mit jeweils bis zu 100 Teilnehmern als auch die Demonstrationen am 14. Mai in und um Mittenwald verliefen weitgehend st\u00f6rungsfrei. Bei den Protestveranstaltungen wurden Transparente mit Aufschriften wie \"Gebirgsj\u00e4ger Yetifutter\", \"Die Wehrmacht marschiert\" und \"NS-Renten stoppen, NS-Offiziere enteignen, Zwangsarbeiter entsch\u00e4digen jetzt\" sowie Fahnen der VVN-BdA gezeigt. Am 15. Mai versuchten Demonstrationsteilnehmer, auf verschiedenen Wegen auf den \"Hohen Brendten\" zu gelangen, um den dort stattfindenden Gedenkgottesdienst des \"Kameradenkreises Gebirgstruppe e.V.\" zu st\u00f6ren. Die Polizei erteilte Platzverweise; 147 Personen wurden in Gewahrsam und 14 Demonstrationsteilnehmer festgenommen. In der Ausgabe vom September/Oktober der Zeitschrift \"antifa\", dem Magazin f\u00fcr antifaschistische Politik und Kultur der VVN-BdA, wurde unter der \u00dcberschrift \"Etappensieg mit Widerspr\u00fcchen - Verbot wurde best\u00e4tigt: Wunsiedel bleibt in diesem Jahr nazifrei\" ein Beitrag einer DKP-Aktivistin ver\u00f6ffentlicht. Darin hei\u00dft es: \"Auf dem Jugendkongress der VVN-BdA im Januar rief Peter Gingold die antifaschistische Jugend Europas auf, gemeinsam in Wunsiedel f\u00fcr ein Europa ohne Faschismus und Rassismus zu demonstrieren. (...) Das Fest der Demokratie fand ohne Nazis statt, denn in diesem Jahr hatte das BVerfG das Verbot des Landratsamtes von Wunsiedel best\u00e4tigt und sich auf die neue Strafrechtsvorschrift des SS 130 gest\u00fctzt, wonach sich strafbar macht, wer den Nationalsozialismus verherrlicht oder rechtfertigt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 185 (...) Der diesj\u00e4hrige Erfolg darf aber nicht \u00fcber eine Reihe von Widerspr\u00fcchen und Problemen hinwegt\u00e4uschen. Die \u00f6rtliche Mobilisierung war von Anfang an 'gegen Extremismus in jeder Form' gerichtet. (...) Die Tatsache, dass Peter Gingold, Prof. Dr. Heinrich Fink und Martin L\u00f6wenberg, der auf der Kundgebung f\u00fcr die VVN-BdA sprach, an der \u00f6rtlichen Veranstaltung teilnahmen, hatte im Vorfeld noch f\u00fcr Kopfschmerzen und lange Debatten im B\u00fcrgerb\u00fcndnis gesorgt. Die Akzeptanz von Antifaschistinnen und Antifaschisten aus VVN-BdA, DKP und autonomer Antifa ist aber insgesamt gewachsen.\" Dar\u00fcber hinaus beteiligte sich die VVN-BdA an einer Gedenkveranstaltung zum Oktoberfestattentat in M\u00fcnchen am 26. September, an der demokratische und auch linksextremistische Gruppen wie der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB), die DKP, die Freie Deutsche Jugend (FDJ) und die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) teilnahmen. 2.2.5.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 80 Vorsitzender: Kollektiver Bundesvorstand mit 29 Personen Gr\u00fcndung: 04./05.05.1968 Sitz: Essen Publikationen: \"POSITION\" \"KONTRA!\" Die mit der DKP eng verbundene SDAJ versteht sich als eigenst\u00e4ndige Ideologischer Organisation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Studentinnen und StuGleichklang mit denten, Auszubildenden und jungen Arbeitenden, die in der Bundesder DKP republik Deutschland leben, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft. Die SDAJ k\u00e4mpft nach eigener Darstellung f\u00fcr eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus, f\u00fcr eine Welt, in der die Menschen und nicht die Konzerne das Sagen haben. Als ihre Alternative, f\u00fcr die sie sich im Kampf einsetzt, benennt die SDAJ den Sozialismus. Dieser k\u00f6nne nur durch einen Bruch mit dem kapitalistischen System erreicht werden, nicht allein durch Verbesserungen der bestehenden Verh\u00e4ltnisse. Deshalb sei sie eine antikapitalistische und revolution\u00e4re Organisation. Schwerpunkte der Agitation der SDAJ sind die Forderung nach VerbesArbeitsschwerserung der Bildungsund Arbeitspolitik f\u00fcr die Jugend sowie der Kampf punkte gegen den Militarismus in der Bundesrepublik Deutschland und der Europ\u00e4ischen Union. Die kommunistische Jugendorganisation unterh\u00e4lt Kontakte zu linksextremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen und unterst\u00fctzt zusammen Auslandskontakte Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","186 Linksextremismus mit anderen kommunistischen Jugendverb\u00e4nden aus Europa und Nordamerika Solidarit\u00e4tsprojekte vor allem auf Kuba. So fand am 29. Januar in M\u00fcnchen eine \"Kuba-Solidarit\u00e4ts-Party\" mit 450 Besuchern statt, bei der die SDAJ f\u00fcr die Universit\u00e4t in Matanzas insgesamt 2.400 Euro einnehmen konnte. Rund 60 Mitglieder der SDAJ nahmen an den vom 7. bis 15. August in Caracas/Venezuela unter dem Motto \"F\u00fcr Frieden und Solidarit\u00e4t! Wir k\u00e4mpfen gegen Imperialismus und Krieg!\" durchgef\u00fchrten 16. Weltfestspielen der Jugend und Studierenden teil. Aktivit\u00e4ten In M\u00fcnchen beteiligte sich die SDAJ an den Protestaktionen gegen die in Bayern vom 11. bis 13. Februar veranstaltete 41. Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik. Die SDAJ-Bayern organisierte vom 13. bis 16. Mai ein \"dezentrales Pfingstcamp\" bei Forchheim. Dieses traditionelle Pfingstcamp wurde f\u00fcr Bayern, Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg ausgerichtet und von nahezu 120 Personen aus dem linksextremistischen Spektrum besucht. Zum Abschluss der bundesweiten Kampagne \"Ausbilden statt Ausbeuten\" rief die SDAJ zu einem \"Tribunal gegen Ausbildungsplatzkiller\" am 1. und 2. Oktober in N\u00fcrnberg auf. Unter dem Motto \"Tage der Abrechnung - Ausbilden statt Ausbeuten!\" wurden von etwa 150 Jugendlichen die \"Verantwortlichen f\u00fcr Ausbildungsplatzmangel und deren Profiteure in Wirtschaft, Politik und Milit\u00e4r\" symbolisch angeklagt und verurteilt. In Arbeitsgruppen wurde diskutiert, wie die Interessen der Jugendlichen gegen\u00fcber den Konzernen und der Politik durchgesetzt werden k\u00f6nnen, um mehr Ausbildungspl\u00e4tze zu schaffen. Im Rahmen einer Antimilitaristischen Runde \"Keine Ausbildung/Fit for gun\" referierte auch der Bundessprecher der VVN-BdA Ulrich Sander. Verurteilung Das M\u00fcnchner Jugendgericht verurteilte am 10. Oktober zwei Mitgliedes Sprechers der der SDAJ, darunter den Sprecher der SDAJ-Bayern, wegen gef\u00e4hrder SDAJ-Bayern licher K\u00f6rperverletzung zu Jugendarreststrafen. Die Angeklagten hatten am 10. November 2004 in M\u00fcnchen zwei Rechtsextremisten t\u00e4tlich angegriffen. Nach eigenen Angaben ist die SDAJ-Bayern in einem \"finanziell sehr desolaten Zustand\"; dies begr\u00fcndet sie mit der kostenintensiven Aufbauphase nach 1999. Bei - entgegen dem Bundestrend - leicht ansteigenden Mitgliederzahlen sollen gleichwohl geordnete finanzielle Verh\u00e4ltnisse \u00fcber Spenden erreicht werden. Die SDAJ-Bayern ist Herausgeber der zweimonatlich erscheinenden Zeitung \"KONTRA!\" und Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 187 bezeichnet diese als \"Sch\u00fclerzeitung der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ) Bayern\". 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 2.300 100 Vorsitzender: Stefan Engel Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg Publikationen: \"Rote Fahne\" (Zentralorgan); \"REVOLUTION\u00c4RER WEG\" (Theorieorgan); \"REBELL\" (Jugendmagazin); Galileo - streitbare Wissenschaft\" (Zeitung der MLPD-Hochschulgruppen) Die MLPD wurde 1982 in Bochum gegr\u00fcndet; sie ging durch Umbenennung aus dem im August 1972 gegr\u00fcndeten Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervor. In der Pr\u00e4ambel des Statuts der MLPD wird festgestellt, dass sich die Partei als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in Deutschland\" versteht. Ihr grundlegendes Ziel sei \"der revolution\u00e4re Sturz der Diktatur des Monopolkapitals und Extremistische die Errichtung der Diktatur des Proletariats f\u00fcr den Aufbau des SoziaGrundhaltung lismus als \u00dcbergangsstadium zur klassenlosen kommunistischen Gesellschaft\". Weiter wird in der Pr\u00e4ambel betont: \"Die MLPD ist eine Partei neuen Typs. Sie ist im Kampf gegen den Verrat am Sozialismus und die Verf\u00e4lschung des Marxismus-Leninismus durch den modernen Revisionismus entstanden und arbeitet auf der Grundlage der proletarischen Denkweise. (...) Die Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung und ihre lebendige Anwendung auf die konkreten Verh\u00e4ltnisse der fortschreitenden gesellschaftlichen Wirklichkeit bilden die entscheidende Grundlage f\u00fcr einen Aufschwung des Kampfs f\u00fcr den Sozialismus.\" Die maoistisch-stalinistisch ausgerichtete MLPD sieht sich selbst als \"Teil der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung, Erbe der revolution\u00e4ren Tradition der KPD, der deutschen Arbeiterklasse und ihrer gro\u00dfen F\u00fchrer Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Ernst Th\u00e4lmann\". Auf ihrem VI. Parteitag im Dezember 1999 in Gelsenkirchen beschloss die MLPD nach einer \u00fcber zehn Monate dauernden Diskussion ein neues Parteiprogramm, das sich erstmals auf das wiedervereinigte Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","188 Linksextremismus Deutschland bezog. Es sei aus der Erfahrung der fast drei\u00dfigj\u00e4hrigen Geschichte des Parteiaufbaus der MLPD verfasst worden. Im Vorwort dieses Programms kommt zum Ausdruck, dass es den allgemeinen Maoistisch-stalinisAnspruch habe, die \"marxistisch-leninistische Partei neuen Typs protische Ausrichtung grammatisch auszurichten und insbesondere der Arbeiterklasse und den breiten Massen aufzuzeigen, welche Schlussfolgerungen die MLPD aus der Geschichte der internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung zieht\". OrganisationsDie zentralistisch gef\u00fchrte MLPD ist in Betriebszellen, Ortsund Kreisstrukturen gruppen, Bezirke und vereinzelt in Landesverb\u00e4nde gegliedert. Ihre Zentrale und ihren Aktionsschwerpunkt hat sie in Nordrhein-Westfalen. Laut eigener Ausssage ist die Partei zusammen mit ihrem Jugendverband \"REBELL\", dem nach ihrer Ansicht st\u00e4rksten linken Jugendverband in Deutschland, in \u00fcber 450 Orten in allen Bundesl\u00e4ndern Deutschlands vertreten. Die Mehrzahl der Parteimitglieder seien Arbeiter und einfache Angestellte. 80 % der Mitglieder seien in Gewerkschaften organisiert; der Frauenanteil liege bei etwa 40 %. Die MLPD habe Beziehungen zu 470 Parteien und Organisationen der \"internationalen marxistisch-leninistischen und Arbeiterbewegung\" in 78 L\u00e4ndern. NachwuchsBesonderes Augenmerk legt die MLPD auf die Rekrutierung von Nachorganisationen wuchskadern im Kinderund Jugendbereich. Hierzu bedient sie sich der Jugendorganisation \"REBELL\" und deren Kinderorganisation \"ROTF\u00dcCHSE\", die mit altersgerechten Freitzeitangeboten locken. Sommercamps mit Freizeitund Bildungsangeboten vermitteln mit jugendnah konzipierten Schulungen eine \"proletarische Denkweise\". Im linksextremistischen Spektrum ist die \"sektenhaft f\u00fchrerzentrierte und autorit\u00e4r beherrschte\" MLPD isoliert. Erkl\u00e4rte Hauptgegner sind die als revisionistisch bezeichnete DKP und die Linkspartei.PDS. Stefan Engel ist seit der Parteigr\u00fcndung im Jahre 1982 amtierender Vorsitzender; er gilt als unumstrittener Vordenker und Idol. Zwischenzeitlich sind aber auch Ans\u00e4tze von Kritik an ihm laut geworden, die jedoch seitens der Parteif\u00fchrung als \"Kampagne von au\u00dfen\" abgetan werden. Seit August 2004 versucht die Partei, steuernden Einfluss auf die Montagsdemonstrationengegen den Sozialabbau und \"Hartz IV\" zu nehmen. Parteiintern wurden die Gliederungen aufgefordert, so genannte \"\u00fcber\u00dcbernahme der parteiliche B\u00fcndnisse\" zu initiieren und dort die Meinungsf\u00fchrerschaft Meinungsf\u00fchrerzu \u00fcbernehmen. Aus strategischen \u00dcberlegungen leugnete die MLPD schaft \u00f6ffentlich den Versuch der Instrumentalisierung der Montagsdemonstranten. Mit dem R\u00fcckgang des allgemeinen Interesses an regionalen Demonstrationen gegen \"Hartz IV\", die auch in Bayern teilweise von der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 189 MLPD initiiert und gesteuert wurden, ging zugleich das Engagement der MLPD in dieser Bewegung zeitweilig zur\u00fcck. Seit Oktober 2005 strebt die MLPD jedoch eine Wiederbelebung der Montagsdemonstrationen an. Mit der Wahlkampfzeitung \"MLPD - Die sozialistische Alternative\" er\u00f6ffnete die MLPD im August die \"hei\u00dfe Phase des Bundestagswahlkampfs\". In dem Blatt wurden Spitzenkandidaten und ausgew\u00e4hlte Einzelrepr\u00e4sentanten aus verschiedenen Bundesl\u00e4ndern vorgestellt. Die MLPD versuchte mit Kampagnenarbeit und verst\u00e4rkten \u00f6ffentlichen Auftritten, in der Bev\u00f6lkerung bekannt zu werden. Nach dem Scheitern der Einbeziehung der MLPD in das Wahlb\u00fcndnis der Linkspartei.PDS mit der WASG nahm die MLPD mit eigenen Landeslisten in allen Bundesl\u00e4ndern sowie mit Direktkandidaten in ausgew\u00e4hlten Wahlkreisen an der Bundestagswahl teil. Bundesweit erreichte Erfolglose sie einen Zweitstimmenanteil von 0,1 %. In Bayern konnte die MLPD Teilnahme an der 3.448 Zweitstimmen verzeichnen, was einem Stimmenanteil von 0,0 % Bundestagswahl entspricht. Damit blieb die MLPD auch in Bayern bedeutungslos. Der Vorsitzende der MLPD Stefan Engel beurteilte in einem am 21. September dem Zentralorgan \"Rote Fahne\" gegebenen Interview das W\u00e4hlervotum hingegen als \"vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der Losl\u00f6sung der Massen von den b\u00fcrgerlichen Parteien, dem Parlamentarismus und seinen Institutionen\". 2.4 Linksruck-Netzwerk (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 10 Gr\u00fcndung: 1993 Sitz: Berlin Publikation: \"Linksruck\" Die bundesweit als Linksruck-Netzwerk auftretende trotzkistische Gruppierung SAG bezeichnet sich in ihren auch im Internet ver\u00f6ffentlichten \"Politischen Grunds\u00e4tzen\" selbst als \"Str\u00f6mung der revolution\u00e4ren Ideologische Sozialisten\". Die Abschaffung des Kapitalismus und die Einf\u00fchrung einer Ausrichtung R\u00e4tedemokratie sieht das Netzwerk als Voraussetzung f\u00fcr eine \"endg\u00fcltige Beseitigung jeder Unterdr\u00fcckung\". Der freien Marktwirtschaft, die sich als unf\u00e4hig erwiesen habe, stellt das Netzwerk in seinen Leits\u00e4tzen eine auf die Bed\u00fcrfnisse der Menschen abgestimmte \"demokratische Planung der Wirtschaft\" entgegen. Bundesweite Organe des Netzwerks sind die j\u00e4hrlich stattfindende Mitgliederversammlung, die dort gew\u00e4hlte Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","190 Linksextremismus Bundesleitung sowie die in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden durchgef\u00fchrte Delegiertenkonferenz \"Organisationsrat\". Stadtgruppen w\u00e4hlen auf ihren Mitgliederversammlungen die Gruppenleiter. Unter der \u00dcberschrift \"WAS WIR WOLLEN\" betonte das Netzwerk anl\u00e4sslich der Bundestagswahl 2005 in einer Sonderausgabe der Zeitung \"Linksruck\": \"Linksruck ist Teil der globalen Bewegung, die angetreten ist, die Macht der Konzerne zu brechen. Wir arbeiten mit vielen anderen zusammen, um eine Bewegung gegen die neoliberale Politik zu schaffen. Wir bauen die Wahlalternative Arbeit & soziale Gerechtigkeit (WASG) mit auf und beteiligen uns an den Diskussionen um ein neues Linksb\u00fcndnis. Aktivit\u00e4t ist die Grundlage unserer Organisation, die Selbstaktivit\u00e4t der ausgebeuteten Mehrheit der Bev\u00f6lkerung der Schl\u00fcssel zu einer anderen Welt.\" In einem auch im Internet abgedruckten Beitrittsformular \"mitmachen bei Linksruck\" hei\u00dft es: \"Wir denken, dass wirkliche Ver\u00e4nderung nur von unten kommen kann. Ver\u00e4nderung kommt nicht durch das Parlament - die wirkliche Macht liegt bei ungew\u00e4hlten Managern, Bankern und Richtern, nicht bei Politikern. Wir denken, dass der Kapitalismus nicht reformiert werden kann, sondern gest\u00fcrzt werden muss.\" Aktivit\u00e4ten Der Schwerpunkt des in Bayern nur wenige Personen umfassenden in Bayern Linksruck-Netzwerks befindet sich in M\u00fcnchen. Die Gruppierung organisierte dort eine Reihe von Informationsst\u00e4nden zur Darstellung ihrer Politik und Unterst\u00fctzung der Linkspartei.PDS zur Bundestagswahl. Weitere Themenschwerpunkte waren der Sozialabbau bzw. der Kampf gegen \"Hartz IV\". 2.5 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus Im M\u00e4rz 2003 gr\u00fcndete sich als Nachfolgeorganisation des M\u00fcnchner B\u00fcndnisses gegen Rassismus das linksextremistisch beeinflusste B\u00fcndnis Umbenennung M\u00fcnchen gegen Krieg. Am 14. Juni 2005 benannte sich dieses B\u00fcndnis in M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus um. Am umbenannten B\u00fcndnis sind sowohl demokratische als auch linksextremistische Gruppierungen wie die Linkspartei.PDS, die DKP, die Sozialistische B\u00fcndnisbeteiligte Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Revolution\u00e4r Sozialistische Bund (RSB) und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) beteiligt. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger oder Unterst\u00fctzer einer Vielzahl von Aktivit\u00e4ten wie Demonstrationen, Kundgebungen, Mahnwachen und Informationsveranstaltungen, insbesondere zum Thema \"Krieg\". Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 191 Mit weiteren Gruppierungen, beispielsweise dem M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis, schloss sich die Vorg\u00e4ngerorganisation zum Aktionsb\u00fcndnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz zusammen. Das Aktionsb\u00fcndnis mobilisierte gegen die 41. Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik, an der vom 11. bis 13. Februar in M\u00fcnchen etwa 250 hochrangige Regierungsund Milit\u00e4rvertreter sowie R\u00fcstungsexperten - \u00fcberwiegend aus den NATO-Staaten - teilnahmen. An den Protestaktionen gegen diese Konferenz beteiligten sich neben Demonstranten aus dem demokratischen Spektrum auch zahlreiche Linksextremisten. Die Teilnehmerzahlen an den Protesten mit insgesamt rund 4.300 Personen - im Vorjahr waren etwa 6.000 Teilnehmer gez\u00e4hlt worden - blieben erneut hinter den Erwartungen der im Aktionsb\u00fcndnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz vereinten Gruppierungen zur\u00fcck. H\u00f6hepunkt der Proteste war am 12. Februar ein Aufzug unter dem Motto \"Gegen die NATO-Kriegspolitik und das Treffen der Kriegsstrategen\", den der Linksextremist und ma\u00dfgebliche Aktivist des AktionsProteste gegen b\u00fcndnisses Claus Schreer angemeldet hatte. Hieran beteiligten sich die 41. M\u00fcnchner nahezu 3.500 Personen. An der Spitze und in der Mitte des DemonstKonferenz f\u00fcr rationszugs bildeten insgesamt rund 500 Autonome einen \"internationaSicherheitspolitik listischen Block\". Der vordere Block f\u00fchrte entgegen den Auflagen Seitentransparente mit sich und bewarf die Polizei aus dem Aufzug heraus mit Flaschen und Feuerwerksk\u00f6rpern. Als die Polizei Demonstrationsmittel sicherstellte, wurden die Demonstrationsteilnehmer \u00fcber ein mitfahrendes Lautsprecherfahrzeug aufgefordert, die Ma\u00dfnahmen der Polizei zu unterlaufen. Es erfolgten 54 freiheitsentziehende bzw. freiheitsbeschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen - darunter 46 Festnahmen - durch die Polizei. Als Reaktion auf den in autonomen Kreisen als \"Bullenwillk\u00fcr\" titulierten Polizeieinsatz meldete ein Linksextremist eine Spontandemonstration \"Gegen Polizeigewalt und die Militarisierung der Gesellschaft\" f\u00fcr den 13. Februar in M\u00fcnchen an. An der Veranstaltung beteiligten sich etwa 160 Personen, die mehrheitlich dem autonomen Spektrum zuzuAktionseinheit mit ordnen waren. Ein Teil der linksextremistischen Demonstranten zog angewaltbereiten schlie\u00dfend zum M\u00fcnchner Marienplatz, um dort eine Mahnwache der Autonomen rechtsextremistischen Gruppierung \"Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen\" zu st\u00f6ren. Die massive Pr\u00e4senz der Polizei verhinderte Ausschreitungen. Im Verlauf der Protesttage f\u00fchrte die Polizei insgesamt 66 freiheitsentziehende bzw. freiheitsbeschr\u00e4nkende Ma\u00dfnahmen - davon 49 FestVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","192 Linksextremismus nahmen - durch. Hintergrund waren \u00fcberwiegend Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz, aber auch K\u00f6rperverletzungsdelikte, Widerstandshandlungen und versuchte Gefangenenbefreiungen. 2.6 Sonstige orthodoxe Kommunisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Die teils bundesweit, teils regional t\u00e4tigen sonstigen linksextremistischen Parteien, Organisationen und B\u00fcndnisse entfalteten in Bayern kaum Marxistische Au\u00dfenwirkung. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Marxistische Gruppe (MG), Gruppe die trotz ihres bislang nicht widerrufenen Aufl\u00f6sungsbeschlusses vom Mai 1991 bundesweit mit rund 10.000 Anh\u00e4ngern fortbesteht. Sie verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber etwa 4.200 Anh\u00e4nger, von denen nahezu 700 aktiv sind. \u00d6ffentlich trat die MG nur bei regelm\u00e4\u00dfigen \"GEGENSTANDPUNKT\"-Diskussionsveranstaltungen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg in Erscheinung; die Bezeichnung dieser Veranstaltungen geht auf die seit 1992 von f\u00fchrenden MG-Funktion\u00e4ren herausgegebene Zeitschrift \"GEGENSTANDPUNKT\" zur\u00fcck. Die an der Friedrich-Alexander-Universit\u00e4t in Erlangen aktive SOZIALISTISCHE GRUPPE ist ebenfalls der MG zuzurechnen. AB Der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) beteiligte sich in Bayern an Demonstrationen und Diskussionsveranstaltungen. Unter Mitwirkung der Ortsgruppe M\u00fcnchen f\u00fchrte der AB vom 6. bis 8. Mai in Berlin Kundgebungen und Aktionen im Zusammenhang mit dem Projekt \"Das Begr\u00e4bnis oder DIE HIMMLISCHEN VIER\" durch, zu dessen Vorstellung der AB als \"internationale Aktion zu Lande und in der Luft\" bundesweit mobilisiert hatte. Weitere linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen, die dem Bereich \"Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten\" zuzurechnen sind, werden in Nummer 4 dieses Abschnitts aufgef\u00fchrt. 3. Gewaltorientierte Linksextremisten 3.1 Autonome Gruppen Deutschland Bayern Angeh\u00f6rige: rund 5.500 400 erstmaliges Auftreten: Ende der 70er Jahre Struktur: meist themenbezogene Gruppen, die \u00fcberwiegend lokalen Charakter aufweisen Publikationen: Szene-Bl\u00e4tter wie \"INTERIM\" (Berlin); auf lokaler Ebene u. a. \"barricada\" (N\u00fcrnberg) Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 193 3.1.1 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen Gewaltbereite Autonome stellen nach wie vor eine Bedrohung f\u00fcr die Innere Sicherheit in Deutschland dar. Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept, sie folgen vielmehr anarchistischen und anarcho-kommunistischen Vorstellungen. Die einzelnen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Einig sind sich die Autonomen in ihrem Ziel der gewaltsamen Zerschlagung des Staates und seiner Einrichtungen sowie der Errichtung einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\". Um diesem Ziel n\u00e4her zu kommen, nutzen sie aktuelle politische Fragen f\u00fcr ihre Zwecke. Durch geschickte Agitation versuchen sie, auch demokratische Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren. Das provozierende Auftreten der Autonomen in der \u00d6ffentlichkeit, ihre staatsfeindliche Haltung, die Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte, aber auch das Bejahen von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Forderungen und Ziele kommen der Protesthaltung mancher junger Menschen entgegen, vor allem, wenn diese mit Problemen im Elternhaus, in der Schule oder der Ausbildung konfrontiert sind. Die Autonomen unterscheiden sich soziologisch kaum von anderen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie sind in der Regel Sch\u00fcler, Studenten oder Auszubildende. Autonome machen den Ablauf ihrer Aktionen prim\u00e4r von der Einsch\u00e4tzung der Durchsetzbarkeit und ihrem Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis gegen\u00fcber der Polizei abh\u00e4ngig. Rechtsextremistischen Versammlungen begegnen sie nach wie vor mit einer hohen Aggressivit\u00e4t und Gewaltbereitschaft. Autonome f\u00fchren dabei meist keine eigenen \u00f6ffentlichen Veranstaltungen durch, sondern mischen sich stattdessen unter die Teilnehmer anderer Gegenveranstaltungen. Die Formierung von so genannten \"Schwar\"Schwarze Bl\u00f6cke\" zen Bl\u00f6cken\" bei Demonstrationen als Symbol f\u00fcr militanten Antifaschismus ist nur noch vereinzelt festzustellen. Die zeitweilige Differenzierung zwischen \"Gewalt gegen Personen\" und \"Gewalt gegen Sachen\" wird zunehmend aufgegeben. K\u00f6rperverletzungsdelikte von Linksextremisten gegen \"Rechte\" oder vermeintlich \"Rechte\" machen deutlich, dass Autonome Gewaltanwendung gegen Unverminderte politische Gegner als legitimes Mittel ansehen. Wie in den Vorjahren Gewaltbereitwaren Autonome f\u00fcr die meisten der linksextremistisch motivierten schaft Gewalttaten verantwortlich. Besorgnis erregend ist nach wie vor eine Strategiedebatte um terroristische Gewalt vor allem in Kreisen Berliner Autonomer. In Bayern sind linksextremistische Strukturen mit terroristischer Zielsetzung derzeit nicht feststellbar. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","194 Linksextremismus 3.1.2 Strukturen, informationelle Vernetzung und Publikationen Strukturen Insgesamt geh\u00f6ren den autonomen Strukturen in Bayern unver\u00e4ndert knapp 400 Personen an. Im Jahr 2005 traten in Bayern besonders die autonomen Gruppierungen \"Organisierte Autonomie\" (N\u00fcrnberg), \"Autonome Jugend Antifa\" (N\u00fcrnberg), \"Sozialistische Aktion M\u00fcnchen\", \"Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen\" und \"a.l.d.e.n.t.e. - autonome gruppe mit biss\" (Augsburg) in Erscheinung. \u00d6rtliche \u00d6rtliche Schwerpunkte der Autonomen in Bayern sind nach wie vor die Schwerpunkte Gro\u00dfr\u00e4ume N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth und M\u00fcnchen. Die Zahl der Autonomen in N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth ist mit etwa 150 und in der Landeshauptstadt M\u00fcnchen mit etwa 120 Anh\u00e4ngern konstant geblieben. Die autonome Szene in N\u00fcrnberg formiert sich um das \"Stadtteilzentrum Schwarze Katze\" und die Anlaufstelle \"DESI\". F\u00fcr M\u00fcnchner Autonome spielen der autonome \"Info-Laden\" in der Breisacher Stra\u00dfe und das \"Cafe Marat\" im ehemaligen \"Tr\u00f6pferlbad\" in der Thalkirchner Stra\u00dfe eine wesentliche Rolle. Weitere autonome Gruppierungen sowie autonome Kleinund Kleinstgruppen sind in der Karte auf der Seite 195 dieses Berichts dargestellt. Informationelle F\u00fcr den lokalen, \u00fcberregionalen und internationalen InformationsausVernetzung tausch verwenden Autonome Szene-Publikationen, Info-L\u00e4den, Szene-Lokale sowie verdeckte informelle Strukturen wie Telefonketten. Info-L\u00e4den dienen dem autonomen Spektrum nicht nur als zentrale Infomations-, Kommunikationsund Anlaufstellen, sondern tragen auch zur Verbreitung und Koordinierung autonomer Aktivit\u00e4ten bei und haben wesentlichen Einfluss auf die Mobilisierungsf\u00e4higkeit der Szene. In Bayern bestehen Info-L\u00e4den u. a. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Landshut. Bei bundesweiten Info-L\u00e4den-Vernetzungstreffen wird \u00fcber \"Konzepte und Perspektiven\", aber auch \u00fcber \"K\u00e4mpfe und Widerstandsformen\" diskutiert. Um die Vernetzung und den Austausch der Info-L\u00e4den untereinander zu f\u00f6rdern, wurden \"zentrale Internet-Seiten\" eingerichtet. Die autonome Szene nutzt intensiv das Internet als Kommunikationsmittel und sieht in den entsprechenden Verschl\u00fcsselungssystemen ein geeignetes Instrument gegen staatliche Kontrolle. Zum Teil werden \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter aktuelle Termine, Nachrichten, Diskussionsbeitr\u00e4ge und Publikationen mit teilweise strafbarem Inhalt verbreitet. Die Beitr\u00e4ge umfassen auch Selbstdarstellungen autonomer Zusammenschl\u00fcsse, wie z.B. der Gruppierungen \"Organisierte Autonomie\", \"AntiVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 195 Autonome in Bayern 2005 Coburg* (Schwerpunkte) Aschaffenburg* Bayreuth* W\u00fcrzburg* N\u00fcrnberg/ Erlangen/ F\u00fcrth Sulzbach-Rosenberg ca. 20 ca. 150 - Organisierte Autonomie - Autonome Jugend Antifa Angeh\u00f6rige der autonomen Szenen Regensburg* autonome Personenzusammenh\u00e4nge (nicht abschlie\u00dfend) Ingolstadt* Passau* *) Landshut* autonome Neu-Ulm* Kleinstgruppen Augsburg ca. 25 a.l.d.e.n.t.e. M\u00fcnchen ca. 120 - Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen - Sozialistische Aktion M\u00fcnchen Rosenheim* faschistische Aktion Ulm/Neu-Ulm\", \"Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen\" und \"Sozialistische Aktion M\u00fcnchen\". Trotz der steigenden Attraktivit\u00e4t der modernen elektronischen Medien haben die klassischen Publikationen nach wie vor gro\u00dfe Bedeutung f\u00fcr Publikationen die autonome Szene. Im Bundesgebiet gibt es \u00fcber 50 dieser Szene-Publikationen, in denen Diskussionspapiere, Aufrufe zu Veranstaltungen, Selbstbezichtigungsschreiben und andere Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht werden. Bundesweite Bedeutung haben dabei nur wenige Schriften, darunter insbesondere die in Berlin erscheinende \"INTERIM\". Die Mehrzahl der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","196 Linksextremismus Publikationen hat einen vorrangig regionalen Verbreitungskreis, so auch die in Bayern herausgegebenen Druckwerke. Erw\u00e4hnenswert sind regelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriften wie \"barricada - zeitung f\u00fcr autonome politik und kultur\" (N\u00fcrnberg), \"Grossraumzeitung N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth\", \"Pro.K - Zeitung des revolution\u00e4ren Aufbau M\u00fcnchen\" und \"Wenz - Unter sticht Ober\" (M\u00fcnchen). Die Publikationen werden oft konspirativ hergestellt und verbreitet. Sie enthalten teilweise unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu Gewalttaten, u.a. gegen Rechtsextremisten und deren Einrichtungen. Im Juli erschien wieder eine neue Ausgabe der Untergrundzeitschrift \"radikal\", in der u.a. eine \"Handlungsanleitung zur Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Aktionen\" sowie eine Anleitung zum Bau von Brands\u00e4tzen abgedruckt waren. 3.1.3 Schwerpunktthemen und Aktionen F\u00fcr die Autonomen in Bayern ist \"Antifaschismus\" nach wie vor ein vorrangiges Agitationsund Aktionsfeld. Zus\u00e4tzlich besch\u00e4ftigen sie sich mit den Themenfeldern \"Anti-Globalisierung\" und \"Antiimperialismus\". Im Zuge der Diskussionen um einen Abbau sozialer Leistungen und entsprechender Gesetzesvorhaben r\u00fcckten auch die Themen \"Arbeitslosigkeit\" und \"Sozialversorgung\" bzw. \"Sozialabbau\" in den Vordergrund. Auch die \"Antirepression\" wurde in der autonomen Szene wieder st\u00e4rker thematisiert. Dagegen spielten andere Themenfelder wie die Asyl-, Ausl\u00e4nderund Fl\u00fcchtlingspolitik (\"Antirassismus\") und die Kernenergie (\"Anti-Atomkraft\") eine eher untergeordnete Rolle. Die Debatte \u00fcber eine Neuorientierung der autonomen Szene in Deutschland wurde fortgef\u00fchrt. 3.1.3.1 Strategiedebatte - Fortsetzung der Gewaltdiskussion In der gewaltbereiten linksextremistischen Szene dauert die \"Militanzdebatte\" an. Seit Jahren diskutieren unterschiedliche autonome Gruppierungen mit dem Ziel, die bisher im autonomen Spektrum weitgehend vorherrschende Trennung zwischen der akzeptierten \"Gewalt gegen Sachen\" und der au\u00dferhalb der antifaschistisch orientierten GrupGewaltdiskussion pen eher abgelehnten \"Gewalt gegen Personen\" zu \u00fcberwinden. Hauptdiskussionsforum ist das autonome Szene-Blatt \"INTERIM\" aus Berlin. \"Verantwortliche des Herrschaftssystems\" wie Polizisten, Politiker, Milit\u00e4rangeh\u00f6rige und f\u00fchrende Repr\u00e4sentanten von Wirtschaftsund Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 197 Finanzunternehmen sollen wieder Ziel von Angriffen werden. Die theoretische Diskussion wird auch von Gewalttaten zumeist in Form von Brandanschl\u00e4gen begleitet. Diese - schwerpunktm\u00e4\u00dfig weiterhin im Berliner Raum begangenen - Straftaten richteten sich meist gegen staatliche Geb\u00e4ude und Fahrzeuge von Gro\u00dfunternehmen. In der Berliner Szene-Publikation \"INTERIM\" erschienen wieder einige Diskussionspapiere autonomer Gruppen, aus denen eine \u00fcberwiegend positive Reaktion auf die bis dahin publizierten Papiere und die begangenen Anschl\u00e4ge deutlich wurde. Teilweise fordern die Autoren die \u00dcberwindung der bisherigen \"autonomen Kleingruppenmilitanz\" und den langfristigen Aufbau einer \"neuen militanten Organisierung\" in Deutschland als organisatorischen Rahmen f\u00fcr gewaltbereite Gruppen. Nach dem Beispiel der ehemaligen linksterroristischen Strukturen \"Revolution\u00e4re Zellen\" (RZ) und \"Bewegung 2. Juni\" soll ein Organisationsgeflecht autonomer Gruppen entstehen, das eigenst\u00e4ndig militante Aktionen durchf\u00fchrt. Entscheidend f\u00fcr Anschl\u00e4ge soll dabei die Vermittelbarkeit der Aktionen sein. Die in Berlin aktive und ma\u00dfgeblich an dieser Diskussion beteiligte \"milimilitante gruppe tante gruppe (mg)\" \u00fcbernahm in einem am 1. Mai bei einem Berliner (mg) Presseverlag eingegangenen Selbstbezichtigungsschreiben die Verantwortung f\u00fcr zwei koordinierte, in den fr\u00fchen Morgenstunden des 29. April ver\u00fcbte Brandanschl\u00e4ge auf Fahrzeuge in Potsdam und Berlin. Die \"militante gruppe (mg)\" propagierte ihre Anschl\u00e4ge als Beitr\u00e4ge zum diesj\u00e4hrigen \"Revolution\u00e4ren 1. Mai\" und stellte sie in Zusammenhang mit der Kampagne gegen den \"sozialtechnokratischen Klassenangriff von oben\": \"Die zahlreichen militanten Aktionen gegen Arbeitsund Sozial\u00e4mter sind richtige und notwendige Bausteine des Widerstandes gegen den umfangreichen Angriff auf die letzten sozialen Grundrechte gesellschaftlicher Unterklassen. Neben den ausf\u00fchrenden Institutionen m\u00fcssen wir aber auch dazu kommen, verantwortliche Machtstrukturen aus kapitalistischer Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ins Visier unseres Widerstandes zu nehmen.\" In der \"INTERIM\", Nummer 618 vom 16. Juni, \u00e4u\u00dfert sich die \"militante gruppe (mg)\" in einem Diskussionspapier zu der Frage nach Sinn und Zweck von \"Liquidationen\": \"Wir m\u00fcssen uns beispielsweise an die Beantwortung herantasten, ob mit einer Liquidation ein (herbeigew\u00fcnschter) Aufruhr zu bef\u00f6rdern ist, der vermeintlich oder tats\u00e4chlich unter der Oberfl\u00e4che schlummert und dem nur durch ein Fanal zum Durchbruch verholfen werden m\u00fc\u00dfte.\" Als Beitrag zur \"Militanzdebatte\" ist auch das Erscheinen einer neuen Ausgabe der Untergrundzeitschrift \"radikal\" mit dem Untertitel \"M\u00f6ge die Nacht mit Euch sein!\" im Juli zu werten. Sie enth\u00e4lt u.a. eine \"HandVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","198 Linksextremismus lungsanleitung zur Vorbereitung und Durchf\u00fchrung von Aktionen\", eine Bauanleitung f\u00fcr Brands\u00e4tze sowie ein \"schriftliches Interview\" mit der \"militanten gruppe (mg)\". Diese bilanziert darin die von ihr angesto\u00dfene \"Militanzdebatte\" grunds\u00e4tzlich als Erfolg und bezieht dies in erster Linie auf die fast vierj\u00e4hrige Dauer der Diskussion. Perspektivisch \u00e4u\u00dfert sie sich: \"Die aktuelle Militanzdebatte langsam aber sicher in die Zielgerade zu f\u00fchren, auch wenn wichtige, vor allem organisatorische Resultate (vorl\u00e4ufig) nicht erreichbar sind, mu\u00df aus unserer Sicht die Ma\u00dfgabe sein. Der 'Wert' der Militanzdebatte wird sich darin zeigen, ob es mittelfristig gelingt, die herausgearbeiteten und vermittelten Ergebnisse in praktische Politik der revolution\u00e4ren Linken umzum\u00fcnzen. Wir setzen darauf, da\u00df sich dieser Diskurs um Militanz in unseren Strukturen (und dar\u00fcber hinaus!) materialisiert.\" 3.1.3.2 Antifaschismus Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern standen wie im Vorjahr Proteste und Aktionen gegen rechtsextremistische Veranstaltungen, aber auch gezielte Angriffe gegen einzelne tats\u00e4chliche Hauptmotiv der oder vermeintliche Rechtsextremisten. Von den 107 in Bayern ver\u00fcbten Gewalttaten Gewalttaten entfallen 82 auf diesen Bereich. Linksextremisten sp\u00e4hen ihre politischen Gegner ebenso wie Rechtsextremisten gezielt aus und ver\u00f6ffentlichen entsprechende \"Steckbriefe\" in ihren Publikationen und im Internet. Gerade im Rahmen des Antifaschismus betreiben Autonome eine nach B\u00fcndnispolitik wie vor rege B\u00fcndnispolitik. Neben kontinuierlich arbeitenden \"Aktionsb\u00fcndnissen\" auf zumeist lokaler bzw. regionaler Ebene \u00fcberwiegend mit linksextremistischen Gruppierungen und Parteien wie in N\u00fcrnberg gibt es auch anlassbezogene B\u00fcndnisse, in denen h\u00e4ufig auch demokratische Gruppen und Institutionen mitarbeiten. Diese anlassbezogenen B\u00fcndnisse dienen prim\u00e4r der Vorbereitung und Koordinierung von Demonstrationen, Versammlungen, Mahnwachen, Informationsst\u00e4nden und anderen Veranstaltungen gegen rechtsextremistische Aktivit\u00e4ten. Der autonomen antifaschistischen Szene gelingt es jedoch weiterhin nur schwer, derartige B\u00fcndnisveranstaltungen zu dominieren. Aktionen Autonome beteiligten sich u.a. an folgenden gegen den Rechtsextrein Bayern mismus gerichteten Aktivit\u00e4ten in Bayern: Am Morgen des 15. Januar ver\u00fcbten zwei unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag Brandanschlag mit einem Molotowcocktail auf eine M\u00fcnchner Gastst\u00e4tte. Da sich der Brandsatz nicht vollst\u00e4ndig entz\u00fcndete, entstand verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringer Sachschaden. In Tatortn\u00e4he wurde ein Plakat aufgefunden, das sich gegen den am selben Tag in diesem Lokal durchVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 199 gef\u00fchrten Bundesparteitag der rechtsextremistischen DVU richtete und mit dem Aufruf \"Kommt und verhindert diese Nazi-Veranstaltung!!\" endete. Am Rande des DVU-Parteitags kam es zu Protesten und St\u00f6raktionen, an denen sich auch Angeh\u00f6rige des regionalen linksextremistischen Spektrums beteiligten. Am 5. M\u00e4rz f\u00fchrten Linksextremisten in N\u00fcrnberg, F\u00fcrth und Zirndorf im Rahmen einer so genannten Antifa-Kaffeefahrt Kundgebungen \"Antifa-Kaffeegegen Rechtsextremisten durch. Die Veranstaltungsorte befanden sich fahrt\" dabei \u00fcberwiegend in der N\u00e4he von Wohnungen bekannter Rechtsextremisten. Die etwa 50 Teilnehmer aus dem linksextremistischen Spektrum lieferten sich an einer N\u00fcrnberger Gastst\u00e4tte, die als Treffpunkt f\u00fcr die neonazistische Szene dient, mit ebenfalls etwa 50 Rechtsextremisten einen verbalen Schlagabtausch. Die Polizei konnte eine Eskalation der Auseinandersetzungen verhindern. Neben einer Kundgebung mit Teilnehmern des demokratischen Spektrums fanden am 19. M\u00e4rz in W\u00fcrzburg auch zwei Demonstrationen W\u00fcrzburg unter Beteiligung von Angeh\u00f6rigen der linksextremistischen Szene statt, die sich gegen einen zeitgleich von der NPD durchgef\u00fchrten Aufzug anl\u00e4sslich des 60. Jahrestags der Bombardierung von W\u00fcrzburg richteten. Die Antifa W\u00fcrzburg veranstaltete einen Aufzug mit bis zu 1.000 Demonstranten, darunter auch gewaltbereiten Autonomen. Viele Teilnehmer dieser Protestveranstaltung wechselten zu der Versammlung des W\u00fcrzburger Friedensb\u00fcndnisses, zu der sich insgesamt etwa 500 Personen einfanden. Aus diesem Personenkreis bildeten sich Splittergruppen, die immer wieder St\u00f6raktionen gegen die NPD-Demonstration durchf\u00fchrten. Es erfolgten 23 freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen durch die Polizei, davon 17 gegen Gegendemonstranten wegen Vermummung, Widerstands, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und Mitf\u00fchrens von Wurfsternen. \u00dcber 6.000 Personen demonstrierten am 2. April gegen eine Veranstaltung des Rechtsextremisten Norman Bordin in M\u00fcnchen, darunter M\u00fcnchen wiederum Linksextremisten. Insbesondere etwa 150 bis 200 Autonome versuchten mehrfach, den Aufmarsch der Rechtsextremisten zu st\u00f6ren bzw. zu verhindern. Dabei wurden vereinzelt Flaschen und Steine geworfen sowie Verst\u00f6\u00dfe gegen das Versammlungsgesetz begangen. Nach dem Ende der rechtsextremistischen Veranstaltung kam es im Hauptbahnhof zu Auseinandersetzungen zwischen insgesamt etwa 150 Personen des linksund des rechtsextremistischen Spektrums. Der Polizei gelang es, die beiden Gruppen zu trennen. Insgesamt wurden 94 Personen festund drei in Gewahrsam genommen, davon 89 aus dem Spektrum der Gegendemonstranten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","200 Linksextremismus Auch die diesj\u00e4hrige \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" in N\u00fcrnberg stand in Zusammenhang mit antifaschistischen Aktionen (vgl. auch Nummer 3.1.3.6 dieses Abschnitts). Nach einer antifaschistischen Kundgebung am 2. Juni in M\u00fcnchen drang eine Gruppe von etwa 20 vermummten Personen in ein M\u00fcnchner Lokal T\u00e4tliche ein. Sie warfen mit St\u00fchlen und Aschenbechern nach dort anwesenden \u00dcbergriffe Rechtsextremisten; bei dem Angriff wurde niemand verletzt. 14 Tatverd\u00e4chtige konnten im Rahmen einer Sofortfahndung vorl\u00e4ufig festgenommen werden. Am 19. Oktober wurde eine Durchsuchungsund Festnahmeaktion bei weiteren ermittelten Tatverd\u00e4chtigen durchgef\u00fchrt, bei der acht Personen vorl\u00e4ufig festgenommen wurden. Das diesj\u00e4hrige Verbot des rechtsextremistischen \"He\u00df-Gedenkmarsches\" am 20. August in Wunsiedel und das dadurch bedingte dezentrale Auftreten der Rechtsextremisten an diesem Tag in verschiedenen deutschen St\u00e4dten haben zur Zersplitterung der linksextremistischen Gegenaktivit\u00e4ten gef\u00fchrt. In Wunsiedel beteiligten sich mehrere Hundert Linksextremisten an verschiedenen Versammlungen, die sie teilweise auch selbst organisiert hatten, und feierten das diesj\u00e4hrige Ausbleiben Verbot des \"He\u00dfdes rechtsextremistischen Aufmarsches als \"Sieg \u00fcber die Nazis\". In der Gedenkmarsches\" \u00d6ffentlichkeit wurde die NPD-Wahlkampfkundgebung am 20. August in N\u00fcrnberg als \"offizielle\" rechtsextremistische Ersatzveranstaltung f\u00fcr den verbotenen \"He\u00df-Gedenkmarsch\" angesehen. Dementsprechend gab es neben Demonstrationen des demokratischen Spektrums auch Aktivit\u00e4ten des linksextremistischen Spektrums, wobei auch Sachbesch\u00e4digungen an Fahrzeugen ver\u00fcbt, ein M\u00fcllcontainer in Brand gesetzt und ein Altglasbeh\u00e4lter umgeworfen wurden. 3.1.3.3 Anti-Globalisierungs-Proteste Globalisierung ist zwar in Kreisen gewaltbereiter Linksextremisten noch immer ein Thema, die Beteiligung deutscher Autonomer an Aktionen im Ausland war jedoch wieder deutlich geringer als in den Vorjahren. Beispielsweise gab es auch in diesem Jahr wieder mehrere ProtestverWeltwirtschaftsanstaltungen gegen das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum forum in Davos - WEF -), das vom 26. bis 30. Januar in Davos/Schweiz stattfand. Innerhalb des globalisierungskritischen Spektrums, insbesondere in der Schweiz, hat sich das Treffen in den letzten Jahren zu einer Veranstaltung mit hohem Symbolcharakter entwickelt, bei der friedliche Proteste von gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen \u00fcberschattet werden. Allerdings blieben dieses Jahr die Gegenveranstaltungen weit hinter den Erwartungen der Organisatoren zur\u00fcck. Schwerpunkt der GegenaktiviVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 201 t\u00e4ten waren zwei internationale Gro\u00dfdemonstrationen, bei denen es teilweise zu kleineren Ausschreitungen mit geringen Sachsch\u00e4den kam. Gr\u00f6\u00dfere Sachbesch\u00e4digungen waren dagegen im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums zu verzeichnen. Durch eine Brandstiftung einer der autonomen Szene zuzurechnenden Gruppe entstand an einer Ausbildungsanlage der Kantonspolizei in Z\u00fcrich ein Sachschaden von mehr als 250.000 Schweizer Franken. Au\u00dferdem waren in mehreren schweizerischen St\u00e4dten Sch\u00e4den von insgesamt mehr als 60.000 Schweizer Franken zu verzeichnen, nachdem unbekannte T\u00e4ter Geb\u00e4udefassaden von international t\u00e4tigen Konzernen mit Farbbeuteln beworfen bzw. ein Bankgeb\u00e4ude mit Pyrotechnik beschossen hatten. In Deutschland waren die Mobilisierungsbem\u00fchungen im Vorfeld des Weltwirtschaftsforums nur sehr zaghaft, so dass keine organisierten Reisebewegungen aus Deutschland zu beobachten waren, sondern lediglich Einzelanreisen. Das diesj\u00e4hrige G8-Gipfeltreffen, das vom 2. bis 8. Juli im schottischen G8-Gipfeltreffen Gleneagles stattfand, war von massiven Protesten begleitet, an denen sich auch Aktivisten aus Deutschland beteiligten. An verschiedenen, gr\u00f6\u00dftenteils friedlich verlaufenen Gro\u00dfdemonstrationen zu Beginn des Gipfels nahmen auch bis zu 500 Personen eines international zusammengesetzten \"Schwarzen Blocks\" teil. Zudem versuchten mehrere Hundert militante Globalisierungsgegner, Zufahrtswege nach Gleneagles zu blockieren und in die weitr\u00e4umig um das Tagungsgel\u00e4nde errichtete Absperrung einzudringen. Innerhalb der linksextremistischen Szene werden schon die n\u00e4chsten G8-Gipfeltreffen 2006 in St. Petersburg/Russland und 2007 in Heiligendamm/Mecklenburg-Vorpommern thematisiert. Insbesondere \u00fcber Protestaktionen gegen den Gipfel im Juli 2007 in Deutschland erscheinen erste Informationsund Mobilisierungsbeitr\u00e4ge in Publikationen und im Internet. Darin sprechen sich Linksextremisten f\u00fcr die rasche Bildung eines m\u00f6glichst gro\u00dfen und gesellschaftlich breiten Aktionsb\u00fcndnisses aus. 3.1.3.4 Antiimperialismus Auch nach dem Ende des Irak-Kriegs der USA im Jahr 2003 blieb der Antiimperialismus ein Thema gewaltbereiter autonomer Gruppen. Die Autonomen lehnten dabei das Vorgehen der USA und anderer Staaten gegen den Irak als Ausdruck einer kapitalistischen und imperialistischen Machtpolitik ab. Sie versprachen sich von ihrer Beteiligung an den Friedensdemonstrationen vor allem eine Einflussnahme auf Teile der gesellschaftlich breiten Friedensbewegung und sahen besonders im Sch\u00fclerVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","202 Linksextremismus und Studentenbereich ein gro\u00dfes Mobilisierungsund Rekrutierungspotenzial f\u00fcr die eigenen Ziele. Beispiel f\u00fcr das massive Engagement der Autonomen in diesem Themenfeld waren ihre Aktivit\u00e4ten gegen die 41. M\u00fcnchner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik vom 11. bis 13. Februar. Gegen dieses Treffen protestierten in einer Reihe von Veranstaltungen mehrere tausend Menschen, darunter etwa 500 gewaltbereite Autonome aus dem ganzen Bundesgebiet. Diese Kundgebungen wurden wie im Vorjahr ma\u00dfgeblich vom Aktionsb\u00fcndnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz organisiert. Als Bindeglied zum autonomen Spektrum fungierte dieses Jahr das Aktionsb\u00fcndnis \"Stadtplenum M\u00fcnchen\", in dem sich anlassbezogen vor allem autonome Gruppen zur Vorbereitung von Protestaktionen gegen die M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz zuProteste gegen sammengeschlossen hatten. H\u00f6hepunkt der Proteste war ein Aufzug die 41. M\u00fcnchner am 12. Februar, an dessen Spitze und in dessen Mitte insgesamt rund Konferenz f\u00fcr 500 Autonome jeweils einen \"internationalistischen Block\" bildeten. Sicherheitspolitik Aus dem vorderen Block wurde die Polizei mit Flaschen und Feuerwerksk\u00f6rpern beworfen (vgl. auch Nummer 2.5 dieses Abschnitts). 3.1.3.5 Sozialabbau Die mit der \"Agenda 2010\" eingeleiteten sozialpolitischen Reformen, insbesondere die Einf\u00fchrung des so genannten Arbeitslosengelds II, l\u00f6sten bei den Betroffenen massiven Widerstand aus. Linksextremisten vermuteten darin ein neues Mobilisierungsund Rekrutierungspotenzial und sind seitdem bestrebt, die Proteste gegen den Sozialabbau agitatorisch und aktionistisch f\u00fcr ihre Ziele zu nutzen. Allerdings erfuhr die autonome Szene zu Beginn des Jahres 2005 mit diesem Thema einen R\u00fcckschlag. Bei dem von Linksextremisten vorbereiteten dezentralen Aktionstag am 3. Januar fiel die Beteiligung bundesweit wesentlich geringer als erhofft aus. Das N\u00fcrnberger Sozialforum und die \"Organisierte Autonomie\" mobilisierten f\u00fcr eine Demonstration am 29. Oktober in N\u00fcrnberg, bei der bis zu 800 Teilnehmer, davon etwa die H\u00e4lfte Linksextremisten, gegen staatliche K\u00fcrzungen im Sozialbereich protestierten. Aufgrund der starken Polizeipr\u00e4senz blieben St\u00f6rungen weitgehend aus. 3.1.3.6 Weitere Aktionen Aktionen zum Besondere Aufmerksamkeit bei den gewaltbereiten Linksextremisten in 1. Mai in Bayern Bayern fand die \"Revolution\u00e4re 1. Mai-Demonstration\" in N\u00fcrnberg. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 203 An dieser Kundgebung, die von der linksextremistischen \"Initiative Neue ArbeiterInnenbewegung\" unter dem Motto \"Kapitalismus abschaffen! Faschismus bek\u00e4mpfen! - Das alles und noch mehr ... f\u00fcr die soziale Revolution!\" veranstaltet wurde, beteiligten sich etwa 1.800 Personen, darunter auch Hunderte Autonome. Die Demonstration war eine Reaktion der linksextremistischen Szene auf einen Aufzug der rechtsextremistischen NPD. Die N\u00fcrnberger Linksextremisten hatten daher gem\u00e4\u00df ihrem Veranstaltungs-Motto im Vorfeld nicht nur zu ihrer traditionellen, sozialrevolution\u00e4r ausgerichteten Demonstration aufgerufen, sondern auch zu Aktionen gegen den Neonazi-Aufmarsch. Mehrmals kam es zu Versuchen, die Rechtsextremisten zu stoppen. Bei einer von zahlreichen kleineren Auseinandersetzungen wurde ein Polizeibeamter schwer verletzt. Etwa 150 gewaltbereite Linksextremisten mischten sich au\u00dferdem unter die rund 4.500 Teilnehmer der vom demokratischen Spektrum (u.a. der Stadt N\u00fcrnberg) unter dem Motto \"N\u00fcrnberg - Bunt statt braun\" durchgef\u00fchrten Gro\u00dfveranstaltung gegen den NPD-Aufmarsch. Insgesamt nahm die Polizei 23 Personen fest, davon 20 aus dem linksextremistischen Spektrum. Im Gegensatz zu den Vorjahren war der \"Revolution\u00e4re 1. Mai 2005\" in Berlin von deutlich weniger Gewaltaktionen begleitet. Der Hauptgrund daf\u00fcr d\u00fcrfte neben dem flexiblen und konsequenten Polizeikonzept in der \"Aufsplitterung\" der Aktivit\u00e4ten des gewaltbereiten Personenpotenzials liegen. Obwohl die Einsatzkr\u00e4fte wiederholt mit Steinen und Flaschen attackiert sowie mit Feuerwerksk\u00f6rpern beschossen wurden, konnten durch massive Polizeipr\u00e4senz weitere Ausschreitungen verhindert werden. Die Sachsch\u00e4den und die Anzahl der Verletzten waren deutlich geringer als im Vorjahr. 3.1.3.7 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung Auch 2005 beteiligten sich Linksextremisten am Protest gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, der im Wesentlichen von nicht extremistischen B\u00fcrgerund Umweltschutzinitiativen getragen wird. Dabei versuchten die Linksextremisten, dem Protest eine staatsfeindliche Ausrichtung zu geben. In Bayern blieb die linksextremistische Einflussnahme auf die Anti-Atom-Bewegung gering. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten in der Nacht zum 28. September in Woltersdorf/Niedersachsen einen Brandanschlag auf 130 Wohncontainer, die Brandanschlag der Polizei bei Castor-Transporten als Unterkunft dienten. Die Container Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","204 Linksextremismus brannten vollst\u00e4ndig aus, es entstand ein Sachschaden in H\u00f6he von etwa drei Millionen Euro. Das Tatziel sowie die zeitliche N\u00e4he zum Castor-Transport im November nach Gorleben/Niedersachsen deuten auf militante T\u00e4ter aus der Anti-Atom-Szene hin. Anschl\u00e4ge beim Anfang November ereigneten sich im Vorfeld des Castor-Transports Castor-Transport weitere Brandsowie Hakenkrallenanschl\u00e4ge schwerpunktm\u00e4\u00dfig im norddeutschen Raum. Gegen den eigentlichen Transport nach Gorleben vom 19. bis 22. November protestierten rund 3.500 Personen, darunter etwa 200 Linksextremisten. Dabei kam es auch zu einzelnen Gewaltt\u00e4tigkeiten. Einem im Vergleich zum Vorjahr leichten R\u00fcckgang militanter Aktionen w\u00e4hrend der Transportphase steht eine Zunahme von Hakenkrallenund Brandanschl\u00e4gen durch mutma\u00dflich linksextremistische Gewaltt\u00e4ter im Vorfeld des Transports gegen\u00fcber. 3.2 Linksextremistisch motivierte Straftaten 3.2.1 Gewalttaten Bundesweit wurden 896 Gewalttaten mit linksextremistischer Motivation gegen\u00fcber 521 Gewalttaten im Jahr 2004 erfasst. In Bayern stellten im Jahr 2005 nicht mehr Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation den gr\u00f6\u00dften Teil der politisch motivierten Gewalttaten, sondern Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender linksextremistischer Motivation. Die Zahl der Gewalttaten Massiver Anstieg von Linksextremisten ist mit 107 gegen\u00fcber 27 im Jahr 2004 massiv der Gewalttaten angestiegen. Die Erh\u00f6hung ist insbesondere auf 82 antifaschistisch motivierte Gewaltdelikte zur\u00fcckzuf\u00fchren; im Jahr 2004 waren es 15. Weitere 14 Gewalttaten standen im Zusammenhang mit Anti-Globalisierungs-Motiven, sechs waren antimilitaristisch motiviert, vier anarchistisch und ein Gewaltdelikt richtete sich gegen politische Gegner. Auff\u00e4llig ist, dass die Gewalttaten \u00fcberwiegend in Verbindung mit Demonstrationen und Kundgebungen standen und sich in diesem Zusammenhang gr\u00f6\u00dftenteils massiv gegen Polizeibeamte richteten. Neben Gewaltdelikten im Zusammenhang mit der 41. M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz im Februar wurden die Gewalttaten zum gr\u00f6\u00dften Teil bei Aktionen gegen von Rechtsextremisten organisierte Veranstaltungen begangen, insbesondere am 2. April in M\u00fcnchen. Zwei unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am Morgen des 15. Januar mit einem Molotowcocktail einen Brandanschlag auf eine M\u00fcnchner Gastst\u00e4tte, in der am selben Tag der Bundesparteitag der DVU stattfand (vgl. auch Nummer 3.1.3.2 dieses Abschnitts). Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 205 Bei einer vom Rechtsextremisten Norman Bordin organisierten Veranstaltung am 2. April in M\u00fcnchen sprang ein Gegendemonstrant einem Veranstaltungsteilnehmer mit den Beinen gegen den Brustkorb. Beim Sturz knickte der Angegriffene um und brach sich eine Zehe. Als der Rechtsextremist am Boden lag, versuchte der mit Springerstiefeln bekleidete T\u00e4ter nochmals zuzutreten, wurde jedoch von Einsatzkr\u00e4ften der Polizei weggezogen und festgenommen. Bei derselben Veranstaltung versuchte ein weiterer Gegendemonstrant, einen Polizeibeamten zu w\u00fcrgen, der sich jedoch aus dem W\u00fcrgegriff befreien konnte. Anschlie\u00dfend legte der T\u00e4ter einer Polizeibeamtin seinen Unterarm um den Hals und dr\u00fcckte so fest gegen ihren Kehlkopf, dass der Beamtin schwarz vor Augen wurde. Bei seiner Festnahme leistete er zudem Widerstand. Bei Protesten gegen eine rechtsextremistische Kundgebung am 20. August in N\u00fcrnberg schlugen etwa f\u00fcnf teils vermummte Linksextremisten mit einem Schirm auf den Kopf eines Rechtsextremisten ein, so dass dieser eine Kopfplatzwunde erlitt. 18 der 107 Gewalttaten standen im Zusammenhang mit der 41. M\u00fcnchGewalttaten ner Konferenz f\u00fcr Sicherheitspolitik im Februar. Es handelte sich hierbei im Rahmen der um K\u00f6rperverletzungsdelikte und Widerstandshandlungen gegen VollSicherheitsstreckungsbeamte. Beispielsweise wurde einem am 12. Februar gegen konferenz einen \"Schwarzen Block\" eingesetzten Polizeibeamten der Schutzhelm vom Kopf gerissen. Anschlie\u00dfend schlugen ihn die T\u00e4ter mit einem Holzstock auf den Hinterkopf und traten ihn gegen Beine und Genitalbereich. 3.2.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen linksextremistisch motivierten Straftaten betr\u00e4gt 181 (2004: 132). Dabei handelte es sich vor allem um Sachbesch\u00e4digungen, aber auch um Delikte wie Beleidigung oder Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole. Wenige Tage vor der \"Revolution\u00e4ren 1. Mai-Demonstration\" in N\u00fcrnberg bewarfen unbekannte T\u00e4ter in der Nacht zum 27. April die Fassade einer Zeitarbeitsfirma mit mehreren mit roter Farbe gef\u00fcllten Eiern. Au\u00dferdem wurden mehrere Schl\u00f6sser verklebt und der Schriftzug \"Sklaventreiber\" in roter Farbe gespr\u00fcht. Durch Farbspritzer wurden zwei abgestellte Fahrzeuge eines benachbarten Autoh\u00e4ndlers l\u00e4diert. Es entstand ein Sachschaden von etwa 24.000 Euro. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","206 Linksextremismus In der Nacht zum 23. November warfen unbekannte T\u00e4ter einen Pflasterstein gegen die verglaste Eingangst\u00fcr einer Filiale eines Lebensmitteldiscounters in M\u00fcnchen und bespr\u00fchten die Hauswand mit Parolen. In einer Erkl\u00e4rung bekannten sich \"militante Zellen\" zu dieser Tat und begr\u00fcndeten ihr Vorgehen mit \"miesen und kriminellen Ausbeutungsbedingungen\" dieses \"kapitalistischen\" Handelskonzerns. Die Erkl\u00e4rung endete mit der Aufforderung, eine \"militant-illegale Ebene\" zu schaffen und den \"revolution\u00e4ren Kampf um eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\" organisiert voranzutreiben. Im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen 2005 kam es im August und September zu einer Vielzahl von Sachbesch\u00e4digungen und Diebst\u00e4hlen von Wahlplakaten. Betroffen waren vor allem die rechtsextremistischen Parteien NPD und REP, aber auch Plakate demokratischer Parteien. Hier wurden teilweise Schmierschriften oder NS-Symbole angebracht, mit denen die abgebildeten demokratischen Politiker und die jeweiligen Parteien als \"Faschisten\" diffamiert werden sollten. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Linksextremismus 207 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2005 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 500 4.300 Unsere Zeit (UZ) 18 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 6.300 in Kreisund Grundorganisationen Marxistische Bl\u00e4tter sowie Betriebsgruppen, 26.09.1968, Essen zweimonatlich, 2.500 Rundbrief monatlich Die Linkspartei.PDS 61.500 Neues Deutschland (ND) (neuer Name beschlossen auf au\u00dferordent- - parteinahe Zeitung - lichem PDS-Parteitag am 17.07.2005) werkt\u00e4glich, 53.600 16 Landesverb\u00e4nde mit KreisverDISPUT b\u00e4nden und Basisorganisationen, monatlich, 11.000 Berlin Die Linke.PDS-Pressedienst w\u00f6chentlich, 2.200 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der Linkspartei.PDS monatlich, 1.000 Die Linkspartei.PDS Landesverband Bayern 500 TITEL (Informationsforum mit 13 Kreisverb\u00e4nden und der Linkspartei.PDS Bayern) 34 Basisorganisationen, unregelm\u00e4\u00dfig, 500 11.09.1990, M\u00fcnchen Arbeiterbund f\u00fcr den Wieder100 150 Kommunistische aufbau der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 100 2.300 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 7.500 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte, REVOLUTION\u00c4RER WEG 17./18.06.1982, Gelsenkirchen unregelm\u00e4\u00dfig Linksruck-Netzwerk 10 300 Linksruck, zweiw\u00f6chentlich (Sozialistische Arbeitergruppe - SAG) 1993, Berlin Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","208 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2005 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen (Aktive) Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 80 300 POSITION Arbeiterjugend (SDAJ) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen, KONTRA! 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisationen der MLPD: Jugendverband REBELL 20 70 REBELL - Beilage zur Roten Fahne - MLPD-Hochschulgruppen Galileo - streitbare Wissenschaft 1.3 Beeinflusste Organisationen: DKP-beeinflusst: Vereinigung der Verfolgten des 700 8.000 antifa Naziregimes - Bund der Antifaschiszweimonatlich, 9.000 tinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen, 15.-17.03.1947, Berlin 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa rund zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 400 5.500 erscheinende Szene-Bl\u00e4tter wie: radikal, INTERIM; auf lokaler Ebene u.a. barricada 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflusst M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg 25 und Rassismus M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 209 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) International Deutschland Bayern Mitglieder: 125.000 bis 150.000* 5.000 bis 6.000 etwa 2.600 Vorsitzender: David Miscavige Helmuth Bl\u00f6baum Gerhard B\u00f6hm Gr\u00fcndung: Los Angeles 1952 M\u00fcnchen 1972 N\u00fcrnberg 1982 (Church of Scientology (Scientology Kirche (Scientology Kirche International - CSI -) Deutschland e.V.) Bayern e.V.) Sitz: Los Angeles, USA M\u00fcnchen M\u00fcnchen/N\u00fcrnberg (in Deutschland unselbst\u00e4ndige Teilorganisationen) Publikationen: \"Freiheit\"; \"Impact\"; \"Ursprung\"; \"Source\" u.a. * gesch\u00e4tzte bzw. hochgerechnete Zahlenangaben, die auf Mitgliederbzw. Aussteigerinformationen basieren 1. Zur Geschichte der SO Im Jahre 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Science-Fiction-Autor Pers\u00f6nlichkeitsL. Ron Hubbard (1911 bis 1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die manipulation als moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit\". Darin stellte er seine neue Therapie \"Technologie\" zur \"Heilung psychosomatischer Krankheiten und geistiger St\u00f6rungen\" vor. In den folgenden Jahren wurden so genannte \"Dianetik-Zentren\" eingerichtet und schlie\u00dflich die SO gegr\u00fcndet und aufgebaut. 1952 gr\u00fcndete er die \"Hubbard Association of Scientologists International\" (HASI), die noch nicht den Anspruch erhob, eine Kirche oder angewandte religi\u00f6se Philosophie zu sein. Hubbard erkannte jedoch bald die wirtschaftlichen und steuerlichen Vorteile einer Umwandlung seiner Organisation in eine Kirche. Deshalb erkl\u00e4rte er sein von ihm erdachtes Verfahren der Psychomanipulation, das er zusamEtikettenmen mit einer totalit\u00e4ren Organisationslehre und -technik in Form eines Schwindel Kommandosystems (\"Admintech\") entwickelt hatte, zur Religion und gr\u00fcndete 1954 die erste \"Kirche\". Die Leiter der \u00f6rtlichen Niederlassungen in den USA nennen sich seitdem \"Geistliche\", tragen kirchliche Kleidung und f\u00fcgen ihrem Namen den Titel \"Reverend\" hinzu. Im Jahre 1957 wurde die SO in den USA als gemeinn\u00fctzige Organisation (charitable organisation) anerkannt und somit von der Steuer befreit. Nachdem die oberste amerikanische Steuerbeh\u00f6rde IRS (Internal Revenue Service) fragw\u00fcrdige pers\u00f6nliche Bereicherungstatbest\u00e4nde bei Hubbard und vielen seiner Funktion\u00e4re aufgedeckt hatte, widerrief sie Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","210 Scientology-Organisation 1967 die Steuerbefreiung aller Scientology-Einrichtungen. In der Begr\u00fcndung hierzu hie\u00df es: \"Die F\u00fchrungskr\u00e4fte von Scientology profitieren vom Status einer ,gemeinn\u00fctzigen Kirche'. (...) Die Aktivit\u00e4ten von Scientology sind kommerziell. (...) Die Scientology-Kirche dient den privaten Interessen des Gr\u00fcnders L. Ron Hubbard.\" Die SO wehrte sich gegen diese Entscheidung und wurde 1993 nach einem Vergleich mit der IRS wieder als gemeinn\u00fctzig anerkannt. Nach einem Bericht der \"The New York Times\" setzte die SO dabei \"schmutEinsch\u00fcchterungszige Methoden der Einsch\u00fcchterung und Erpressung\" ein. Mitarbeiter und Erpressungsder IRS wurden bis in die Privatsph\u00e4re hinein ausspioniert und zum Teil methoden wegen erfundener Behauptungen mit \u00fcber 2.000 Prozessen \u00fcberzogen. Die Anleitung f\u00fcr dieses Vorgehen ist in einem Richtlinienbrief Hubbards vom 15. August 1960 \u00fcber die Einrichtung eines \"Department of Government Affairs\" enthalten, der Methoden beschreibt, mit denen Regierungen gef\u00fcgig gemacht werden sollen. Dar\u00fcber hinaus liegt Scientology seit Jahrzehnten im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Vorw\u00fcrfe lauten z.B. auf Betrug und Wucher gegen\u00fcber Kunden, Bedrohung und N\u00f6tigung von Kritikern, auf Verschw\u00f6rung gegen die Regierung, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. In diesem Zusammenhang kam es in den USA zu zahlreichen Verfahren und Verurteilungen von Funktion\u00e4ren der SO. Seit Mitte der 80er Jahre, nach dem Tode Hubbards und intrigenreichen Machtk\u00e4mpfen innerhalb der Organisation, \u00fcbernahm David Miscavige die F\u00fchrung der SO. 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten Anhaltspunkte Nach Feststellung der Konferenz der Innenminister von Bund und L\u00e4nf\u00fcr Verfassungsdern (IMK) vom 5./6. Juni 1997 liegen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr feindlichkeit verfassungsfeindliche Bestrebungen der SO vor. Die SO wehrt sich gegen die Beobachtung durch den Verfassungsschutz seit Jahren mit polemischer, herabsetzender Kritik in der \u00d6ffentlichkeit und mit dem Hinweis auf ihre angebliche Religionseigenschaft. Die Ideologie der SO st\u00fctzt sich ausschlie\u00dflich auf die Schriften von L. Ron Hubbard, die nach eigenen Aussagen unver\u00e4nderliche G\u00fcltigkeit besitzen. Vor allem seine programmatischen \u00c4u\u00dferungen werden in den so genannten \"policy letters\" (Richtlinienbriefen) den Mitgliedern und Mitarbeitern als verbindliche Orientierung vorgegeben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 211 Der ideologische \u00dcberbau der SO beruht auf drei S\u00e4ulen: der Dianetik, Die \"drei S\u00e4ulen\" der Lehre Scientology und der scientologischen Ethik. Dianetik richtet der SO sich vordergr\u00fcndig an den Einzelmenschen, dogmatisiert aber tats\u00e4chlich gesellschaftliche und politische Grunds\u00e4tze und Forderungen. In der Lehre Scientology, die sich an das \"Geistwesen\" des Menschen, den so genannten \"Thetan\", mit seinen verschiedenen Stufen der Befreiung richtet, prophezeit Hubbard, er kehre auf die Erde zur\u00fcck nicht als religi\u00f6ser, sondern als politischer F\u00fchrer des Universums. Die scientologische Ethik beschreibt die Disziplinierungstechnologie f\u00fcr Mitglieder, Mitarbeiter und die gesamte Gesellschaft. 2.1 Schriften der SO Die Analyse zahlreicher Schriften der SO zeigt den generellen Anspruch auf absolute G\u00fcltigkeit der scientologischen Ideologie. Den Mitgliedern wird suggeriert, dass Scientology das Universalinstrument sei, mit dem alle politischen und gesellschaftlichen Probleme gel\u00f6st werden k\u00f6nnten. Das Wertesystem der SO erhebt daher nicht nur den Anspruch auf die Richtigkeit seiner Inhalte, sondern erkl\u00e4rt diese f\u00fcr absolut, nicht mehr hinterfragbar und f\u00fcr universell g\u00fcltig. Dar\u00fcber hinaus erfasst die SO den Menschen in all seinen pers\u00f6nlichen, zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen Lebensbereichen, sobald er in das KonVer\u00e4nderung der trollsystem der Organisation eingebunden ist. Die SO propagiert nicht Gesellschaft mit nur eine verfassungsfeindliche Wertordnung, sondern will sie als verSO-Techniken bindlichen Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat und Gesellschaft etablieren. Die SO in Deutschland bekennt sich auch in ihren aktuellen Ver\u00f6ffentlichungen ausdr\u00fccklich zu ihrem Gr\u00fcnder und seiner unver\u00e4nderbaren politischen Programmatik. Verschiedene Aussagen der SO deuten sogar darauf hin, dass sie ihre Ziele k\u00e4mpferisch-aggressiv verwirklichen will. Von Mitgliedern erwartet sie einer Werbebrosch\u00fcre der International Association of Scientologists (IAS) zufolge, dass sie \"die Zerschlagung von Gruppen unterst\u00fctzen, die den Zweck verfolgen, die Anwendung der Scientology-Technologie zu verhindern\". Eine \u00c4nderung der Ideologie ist nicht erkennbar; vielmehr werden weiter Schriften in diesem Sinn ver\u00f6ffentlicht. Auch h\u00e4lt die SO strikt an den internen Richtlinien und den grunds\u00e4tzlich zeitlich unbegrenzt g\u00fcltigen \"policy letters\" fest. 2.2 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft Schon in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hatte Hubbard auf die Politische politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre und Technik hingeZielsetzung Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","212 Scientology-Organisation wiesen. Mit der Entwicklung seiner totalit\u00e4ren \"Admintech\", die in elf B\u00e4nden niedergelegt ist, hat sich Hubbard ein sozialtechnisches Instrumentarium geschaffen, um sich Gruppen gef\u00fcgig zu machen. Es soll eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden. Eine neue \"wahre Demokratie\" soll an die Stelle der bisherigen Demokratien treten, die Scientologen als Produkt einer \"aberrierten\", d.h. von der Vernunft abweichenden, geisteskranken Gesellschaft ansehen. Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, dass zun\u00e4chst 10 bis 15 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den so genannten \"Nichtaberrierten\", den \"Clears\", besteht, wobei die \"Unf\u00e4higen\" oder \"Unwilligen\" nach Hubbard \"abseits der Gesellschaft in Quarant\u00e4ne\" geschafft werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig soll die \"Admintech\" weltweit zur Organisation aller gesellschaftlichen Gruppen und der Regierungen eingesetzt werden. 2.2.1 Lenkung der Regierung durch Scientology Projekt Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt Weltregierung \"International City\" vor und erhob darin den Anspruch, weltweit die Regierungen zu beherrschen. Dazu dient auch die Hubbard-Anweisung vom 13. M\u00e4rz 1961. Danach soll ein \"Department f\u00fcr Beh\u00f6rdenangelegenheiten\" u.a. \"st\u00e4ndigen Druck auf Regierungen aus\u00fcben, um Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen\". Beh\u00f6rden und unabh\u00e4ngige Gerichte werden von der SO als \"Gefahr\" gesehen, der man begegnet, indem \"immer ausreichend Drohungen gegen sie gesucht oder erfunden werden\". 2.2.2 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems Die SO lehnt die bestehenden Rechtsordnungen ab. Der Kreis der Rechtstr\u00e4ger wird auf die \"Ehrlichen\" beschr\u00e4nkt, also nur auf diejenigen, die sich der SO verschrieben haben. \"Handbuch des Im bereits 1959 erschienenen \"Handbuch des Rechts\" \u00e4u\u00dfert sich Rechts\" L. Ron Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechtssystems. Danach wird es im scientologischen Gesellschaftssystem keine Menschenund Grundrechte mehr geben, wie sie im Grundgesetz definiert sind. Im scientologischen Rechtssystem sind auch keine unabh\u00e4ngigen Gerichte vorgesehen. Vielmehr erforscht ein nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts) Sachverhalte und ergreift Ma\u00dfnahmen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 213 2.2.3 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik In einem Grundlagenwerk fordert Hubbard \"totale Disziplin\". Um die Totale Macht zu behalten - so offenbar der Gedanke von Hubbard in seinem Disziplinierung Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\"m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, der Anh\u00e4nger skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterlistig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten werde man die Macht verlieren. Die im \"Handbuch des Rechts\" empfohlenen Operationen zur \"Abwehr\" von \"Unterdr\u00fcckern\" lassen erkennen, dass die SO gewillt ist, die im Grundgesetz konkretisierten Grundrechte abzuschaffen oder deren Schutzbereich verfassungswidrig einzuschr\u00e4nken und dadurch eine totale Kontrolle des Einzelnen durch die SO zu erreichen. 2.3 Aktivit\u00e4ten der SO 2.3.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staates Alle Aktivit\u00e4ten der SO sind auf die Expansion der Organisation ausgelegt. In diesem Zusammenhang sind auch Ma\u00dfnahmen gegen Kritiker zu sehen. Kritiker sind alle Personen und Institutionen, die den Zielen der SO nicht zustimmen und ihrer Verwirklichung entgegenstehen. F\u00fcr deren \"Handhabung\" gibt es detaillierte Anweisungen, wie zu verfahren ist. Aus diesem Grund verunglimpft, beschimpft und verleumdet die SO Verunglimpfung entsprechend dem immer noch g\u00fcltigen HCO-Richtlinienbrief vom von Politikern 11. Mai 1971 seit mehreren Jahren Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland. Dar\u00fcber hinaus verunglimpft die SO die jetzige deutsche Verfassungsordnung, indem sie diese mit der des nationalsozialistischen Deutschlands gleichsetzt. Seit 2004 ver\u00f6ffentlicht das so genannte Menschenrechtsb\u00fcro der SO im Internet die schon 1999 erschienene Hetzschrift \"Verfassungsschutz als Rufmordinstrument\" in englischer Sprache. In den Vorbemerkungen dazu wird behauptet, dass die Hauptmerkmale des deutschen Verfassungsschutzes von Beginn an Korruption, Verrat und Kriminalit\u00e4t gewesen seien, und dass heutzutage viele Deutsche glaubten, der Verfassungsschutz sei ein Instrument zur Aussp\u00e4hung und Hetze gegen Minderheiten. 2.3.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung Durch effiziente Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung, der \"Technologie\", werden die Mitarbeiter, aber auch die einfachen aktiven Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","214 Scientology-Organisation Mitglieder in manipulativer Weise unter st\u00e4ndigen Verhaltenszwang gesetzt, damit sie nach dem internen Sprachgebrauch des ManageFabrikation der ments wie \"Maschinen\" neue Kunden werben und zu Anh\u00e4ngern des Mensch-Maschine Systems machen. Der Leistungsdruck des Systems auf die Mitarbeiter und Mitglieder ist dabei so stark, dass sie sich dem technokratischen Regelwerk der \"Admintech\" und den Befehlen der Funktionstr\u00e4ger in der Regel ohne Widerspruch f\u00fcgen, selbst wenn sie unter Umst\u00e4nden sogar Normen und Dienstpflichten verletzen. 2.3.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern Personen, die berechtigte Kritik \u00fcben, sollen mit schikan\u00f6sen bis diffamierenden Attacken als \"Feinde\" bek\u00e4mpft werden. Ziel ist es dabei, die Gegner der SO, die als \"unterdr\u00fcckerische Personen\" bezeichnet werden, mundtot zu machen, um die Expansion des Systems nicht von ihnen gef\u00e4hrden zu lassen. Kritiker werden wegen ihrer Gegnerschaft zur SO diffamiert, \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt, angezeigt und verklagt, bisPsychofolterweilen bedroht, bel\u00e4stigt und zur Zerm\u00fcrbung auch psychisch gequ\u00e4lt. methoden In einer nach wie vor g\u00fcltigen F\u00fchrungsanweisung Hubbards zum Umgang mit \"Unterdr\u00fcckern\" von 1966 hei\u00dft es dazu: \"Leute, die Scientology angreifen sind Verbrecher.\" \"Wenn man Scientology angreift, wird man auf Verbrechen hin untersucht.\" \"Man ist sicher, wenn man Scientology nicht angreift, auch wenn man nicht auf ihrer Seite ist.\" In den USA scheuen sich daher manche Medien, offen gegen Scientology Stellung zu nehmen. Auch in Deutschland spionierte die SO ihre Kritiker durch verdeckt arbeitende Mitarbeiter und Privatdetektive bis in ihre Intimsph\u00e4re aus, um sie mit ehrenr\u00fchrigen Behauptungen in der \u00d6ffentlichkeit blo\u00dfzustellen (vgl. auch Nummer 3.2.5 dieses Abschnitts). 2.3.4 Scientology Zeitschrift \"free MIND magazin\" Mehrere Ausgaben der SO-Zeitschrift \"free MIND magazin\" aus den Jahren 2003 und 2004 sind im regul\u00e4ren Zeitschriftenhandel in deutscher Sprache erh\u00e4ltlich. Im Berichtsjahr ist nach bisherigen Erkenntnissen keine weitere Ausgabe des \"free MIND magazin\" erschienen. Das professionell gestaltete Magazin warb in der ersten Ausgabe Mitte 2003 mit Schlagzeilen wie \"Die Reise zum Ich\" und \"Alles, was Sie \u00fcber sich selbst und andere schon immer wissen wollten\". Das Layout Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 215 erscheint geeignet, eine breite Bev\u00f6lkerungsschicht mit esoterischen Ambitionen anzusprechen, ohne dabei auf den ersten Blick erkennen zu lassen, dass es sich um eine Scientology-Publikation handelt. Der Begriff Scientology wird weder auf der Titelseite noch im Textteil der Publikation erw\u00e4hnt. Erst beim Lesen des Hefts wird die Scientology-Herkunft offensichtlich. Insgesamt besch\u00e4ftigt sich das Magazin fast ausschlie\u00dflich mit Dianetik und mit deren Begr\u00fcnder L. Ron Hubbard, dessen Leben und Werk verkl\u00e4rend beschrieben werden. 2.3.5 Aktivit\u00e4ten im Ausland Zwar bezeichnet die SO Deutschland immer wieder als wichtigstes Expansionsgebiet in Europa, doch sind ihre Verbreitungsbem\u00fchungen in vielen anderen europ\u00e4ischen Staaten nicht unerheblich und werden dort von B\u00fcrgern und Beh\u00f6rden nicht ohne Besorgnis registriert. Zahlreiche Verfahren gegen Scientologen in Frankreich, Belgien, Spanien und Italien zeigen, dass die SO auch Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsordnungen dieser L\u00e4nder in Kauf nimmt. Zudem werden - wie in Deutschland - in den genannten Staaten, insbesondere in Frankreich, Kampagnen gegen die angebliche religi\u00f6se Diffamierung durchgef\u00fchrt. Am Aufbau neuer Organisationsstrukturen im Ausland beteiligten sich Osteuropa auch deutsche Scientologen. Besonders bei der Expansion der SO in Osteuropa spielt die M\u00fcnchener Niederlassung der SO, die so genannte Org M\u00fcnchen, seit Jahren eine bedeutende Rolle. In Kursen der Org M\u00fcnchen werden zahlreiche Osteurop\u00e4er ausgebildet. Im September 2003 er\u00f6ffnete die SO unter gro\u00dfem Medienaufwand in Br\u00fcssel/Belgien ein \"Menschenrechtsb\u00fcro\", das mit Mitteln der \"Internationalen Vereinigung von Scientologen\" (IAS) finanziert wurde. Die SO will damit an einem wichtigen und einflussreichen Politikund VerVersand von waltungszentrum Pr\u00e4senz zeigen und Lobbyarbeit leisten. Zu diesem InformationsbroZweck verschickte die SO auch im Jahr 2005 Informationsbrosch\u00fcren sch\u00fcren \"Scientology - Antworten und L\u00f6sungen\" zu den verschiedensten Themen an f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten Europas. Mit jeder der in acht Sprachen verfassten Brosch\u00fcren will die Organisation 56.000 Pers\u00f6nlichkeiten in ganz Europa als Multiplikatoren erreichen. Insgesamt sollen nach eigenen Angaben bereits 620.000 Brosch\u00fcren verteilt worden sein. In Bayern sind bereits zahlreiche Kommunen, Schulen und Sicherheitsbeh\u00f6rden als Adressaten bekannt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","216 Scientology-Organisation 2.4 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten Gutachten Nach einem Gutachten des Instituts f\u00fcr Therapieforschung (IFT) aus dem Jahre 2002 kommt die SO mit der objektiven Wertordnung der Verfassung in vielfacher Hinsicht in Konflikt, weil sie nicht nur ein internes Normensystem habe, das die Organisationsinteressen ausnahmslos \u00fcber die Belange des Einzelnen stelle, sondern auch Feindbilder in Form von willk\u00fcrlich erkl\u00e4rten \"Unterdr\u00fcckern\" aufgebaut habe. Die interne Organisation sowie die Methoden der \u00dcberwachung und Instrumentalisierung, die gegen Mitglieder und Mitarbeiter angewendet werden, versto\u00dfen dem Gutachten zufolge gegen die Menschenw\u00fcrde, das allgemeine Pers\u00f6nlichkeitsrecht und gegen die Meinungsfreiheit. Dar\u00fcber hinaus werde von der Organisation das herrschende Gesellschaftssystem, vor allem das Sozialstaatsprinzip, massiv kritisiert und negiert. Ziel: Abschaffung Die SO biete nicht nur Einzelpersonen ihre Dienstleistungen an, sondern der freiheitlichen ziele \u00fcber die Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung des Menschen auf die Errichdemokratischen tung einer scientologischen Gesellschaftsund Staatsordnung, die im Grundordnung Widerspruch zu zentralen Prinzipien unserer Rechtsordnung stehe. Das Gutachten best\u00e4tigt die bisherige Bewertung der SO durch die bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Auch das Verwaltungsgericht K\u00f6ln hat 2004 im Rechtsstreit zwischen dem Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz und der SO best\u00e4tigt, dass diese verfassungsfeindliche Ziele verfolge, die darauf gerichtet sind, die Grundrechte, insbesondere die Menschenw\u00fcrde, zu beseitigen. Das Gutachten ist unter der ISBN 3-936142-40-8 beim Pabst Science Publishers Verlag unter dem Titel \"Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology\" erschienen. 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO Die Einrichtungen der SO in Deutschland erscheinen zwar nach au\u00dfen als rechtlich selbst\u00e4ndig, sind jedoch der strikten Befehlsund Disziplinargewalt des Internationalen Managements in den USA unterworfen und daher unselbst\u00e4ndige Teile. Befehlszentrale Das Religious Technology Center (RTC) unter David Miscavige hat die der SO oberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internationale Management der SO angesiedelt. Dieses hat die Aufgabe, f\u00fcr jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Derartige Sektoren sind u.a. die Bereiche \"Church\", WISE, ABLE und OSA. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Verfassungsschutzbericht Bayern 2005 Compilations Unit; Translations Unit; Cine Org Audio Division (Tapes, Music); Systems Manufacturing Division Projection Systems, Cassette Decks)] Scientology-Organisation 217","218 Scientology-Organisation Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watchdog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll. 3.2 Organisation der SO in Deutschland 3.2.1 \"Church\"-Sektor Derzeit existieren im Bundesgebiet zehn \"Kirchen\" (Orgs) und \"Celebrity Centres\" (CC), und zwar jeweils eine Org und ein CC in M\u00fcnchen, D\u00fcsseldorf und Hamburg, sowie jeweils eine Org in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover. Au\u00dferdem gibt es in Deutschland insgesamt 14 \"Missionen\", davon neun in Baden-W\u00fcrttemberg, je eine in Bremen und Hessen sowie drei in Bayern, n\u00e4mlich in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Augsburg. Daneben sind noch einige so genannte \"Feldauditorengruppen\" aktiv. Die genannten Einrichtungen der SO sind in Deutschland \u00fcberwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD). Diese Vereine sind jedoch Scheinselbst\u00e4nnur scheinbar selbst\u00e4ndig; sie haben im weltweiten, aus den USA gedige Teilorganisteuerten System kaum eigenst\u00e4ndige Funktionen. Faktisch werden die sation SO-Einrichtungen nicht durch die jeweiligen Vereinsvorst\u00e4nde geleitet, sondern durch die Executive Directors und die sonstigen Funktionsinhaber in den USA \u00fcber die jeweiligen Verbindungsstellen. Dies ist in den Lizenzvertr\u00e4gen \u00fcber die Nutzung der Dianetikund Scientology-Warenzeichen zwischen der Konzernspitze in den USA und den \u00f6rtlichen \"Kirchen\", \"Missionen\" usw. in aller Welt geregelt. So wurden beispielsweise Mitglieder der Eliteorganisation Sea-Org aus den USA und dem Kontinentalen Verbindungsb\u00fcro in Kopenhagen in deutsche Einrichtungen der SO abgeordnet, um dort Befehle zu erteilen und f\u00fcr die richtige \"Handhabung\" der scientologischen Technologie zu sorgen. 3.2.2 WISE-Sektor Das 1979 von der SO gegr\u00fcndete World Institute of Scientology Enterprises (WISE) besteht aus Gesch\u00e4ftsleuten oder Firmen aus allen Bereichen der Wirtschaft. Zweck von WISE ist es, Geld f\u00fcr die SO zu beWirtschaftliche schaffen und durch die Verbreitung der auf L. Ron Hubbard beruhenund politische den \"Technologie\" Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Damit Bedeutung kommt WISE auch eine f\u00fchrende politische Bedeutung zu. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 219 Organisationen der SO Hof in Bayern Aschaffenburg W\u00fcrzburg KVPM - Schl\u00fcsselfeld N\u00fcrnberg Scientology Mission N\u00fcrnberg Regensburg Scientology Mission Ingolstadt Augsburg Passau Augsburg Scientology Mission M\u00fcnchen M\u00fcnchen Celebrity Center M\u00fcnchen Lindau WISE Scientology Scientology KVPM - Starnberg Kirche Kirche Bundesleitung Deutschland e.V. Bayern e.V. Department of Department of KVPM Special Affairs Special Affairs M\u00fcnchen GER MUC Schwerpunkte in Deutschland und Bayern sind die Immobilienbranche sowie die Unternehmens-, F\u00fchrungsund Personalberatung. Dar\u00fcber hinaus ist die IT-Branche aufgrund ihrer globalen Vernetzung und ihrer technischen M\u00f6glichkeiten ins Blickfeld von Scientologen geraten, da sie den Zugang in sensibelste Unternehmensbereiche er\u00f6ffnen kann. In besonderem Ma\u00dfe bem\u00fcht sich die SO seit einiger Zeit, in Osteuropa (Russland, Ungarn) zu expandieren. Kontinentale WISE-B\u00fcros finden sich f\u00fcr Europa in Kopenhagen, Mailand, Budapest und Moskau. \u00dcber so genannte Hubbard Colleges of Administration wird versucht, Hubbards Verwaltungstechnologie als vorgeblich erfolgreiches westliches Know-how in Unternehmen WISE-Logo und in der Verwaltung zu etablieren. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","220 Scientology-Organisation 3.2.3 ABLE-Sektor Umwandlung des Die Association for better Living and Education (ABLE) versucht, f\u00fcr die Sozialbereichs SO den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen und scientologische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu realisieren. Zu den dem ABLE-Bereich zuzuordnenden Organisationen geh\u00f6ren vor allem * das \"Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen\" (ZIEL), * \"Applied Scholastics\" (Ausbildungsprogramm; u.a. Englisch-Fernkurse), * \"NARCONON\", ein angebliches Drogenrehabilitationsprogramm, * \"CRIMINON\", angeblich ein Programm zur Rehabilitation von Strafgefangenen. Mit diesen Organisationen versucht die SO, sich als humanit\u00e4re, karitative und sozial verantwortliche Organisation darzustellen. Die Wahl von Ausbildung, Gefangenenund Drogenrehabilitation als weiteren Schwerpunkten l\u00e4sst den Schluss zu, dass die gerade bei diesen Personengruppen gegebene M\u00f6glichkeit der leichteren Einflussnahme benutzt wird, um diese f\u00fcr die SO zu werben. 3.2.4 Besonders aktive Tarnorganisationen der SO 3.2.4.1 NARCONON Im Jahr 2003 gr\u00fcndeten Mitglieder der SO in M\u00fcnchen einen neuen Proteste gegen Verein \"NARCONON Bayern e.V.\". Dieser Verein versuchte, im LandNARCONON-Cenkreis Cham ein NARCONON-Rehabilitationszentrum zu errichten. Proter teste aus der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung verhinderten das Vorhaben. Stattdessen mietete der Verein Ende 2004 ein ehemaliges Alpengasthaus im \u00f6sterreichischen Ellmau/Tirol, um dort Anfang 2005 ein Drogenrehabilitationszentrum, \"Europas gr\u00f6\u00dftes\" NARCONON-Center, zu er\u00f6ffnen. Mittlerweile kam es aber auch dort zu Protesten in der \u00d6ffentlichkeit gegen diese Einrichtung. Es bleibt abzuwarten, ob Logo von NARCONON sich diese SO-Einrichtung in Tirol auf Dauer etablieren kann. Zur Gr\u00fcndung einer NARCONON-Einrichtung empfiehlt die SO Folgendes: \"Jeder, der daran interessiert ist, als Pionier ein NARCONON-Zentrum auf der Grundlage der Technologie L. Ron Hubbards zu er\u00f6ffnen, sollte als erstes mit dem n\u00e4chstgelegenen NARCONON-Zentrum oder mit einem Repr\u00e4sentanten von NARCONON International Kontakt aufnehmen, der ihm dabei helfen wird. NARCONON International wird anschlie\u00dfend mit Rat, Anleitung und Materialien zur Verf\u00fcgung stehen, die f\u00fcr einen Start ben\u00f6tigt werden.\" (Auszug aus \"Was ist Scientology?\", Seite 514) Die Teilnehmer an einem \"NARCONON-Entzug\" durchlaufen u.a. eine \"Trainings-Routine\", was in den \"Kirchen\" zum Vorbereitungsprogramm Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 221 der Ausbildung zum Auditor geh\u00f6rt. Teil des Kurses ist ferner ein \"Reinigungsprogramm\", das in den \"Kirchen\" vor Beginn des Auditings zu absolvieren ist. 1995 verurteilte das Amtsgericht Miesbach einen Verantwortlichen von NARCONON wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Heilpraktikergesetz. Damals wurde festgestellt, dass weder der angeklagte Vorsitzende des Vereins \"NARCONON-Schliersee\" noch die Betreuer zur Aus\u00fcbung eines Heilberufs bef\u00e4higt oder berechtigt waren. 3.2.4.2 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) Die KVPM ist eine mit der SO verbundene Organisation und im Bereich \"Sozialreformen\" t\u00e4tig. Sie wurde 1972 von Mitgliedern der SO gegr\u00fcndet. Als ihr Ziel bezeichnet sie, Missbr\u00e4uche und Menschenrechtsverletzungen der Psychiatrie zu untersuchen und aufzudecken. Nach internen, nicht f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit bestimmten Publikationen soll sie jedoch dazu beitragen, eine neue Zivilisation, eine scientologische Gesellschaft zu schaffen. Angesiedelt ist die KVPM im Office of Special Affairs (OSA) der SO. KVPM-Logo 3.2.5 Office of Special Affairs (OSA) OSA ist die Nachfolgeorganisation einer bereits in den 60er Jahren unter dem Namen Guardian Office (GO) aufgebauten Abteilung, die nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis auch Nachrichtendienstund SpionageGeheimdienst der funktionen hatte. Zahlreiche Grundlagenpapiere f\u00fcr das GO, z.B. f\u00fcr SO nachrichtendienstliche Schulung, wurden f\u00fcr den neuen Dienst als OSA-Network Orders \u00fcbernommen. Im Gegensatz zur rigiden und direkten Vorgehensweise des GO, die in der Vergangenheit international zu einem Ansehensverlust der SO gef\u00fchrt hatte, operiert das OSA heute erkennbar vorsichtiger, ohne seine Ziele im Wesentlichen ge\u00e4ndert zu haben. Die f\u00fcr Deutschland zust\u00e4ndige OSA-Einheit ist das Department of SpeDeutsche OSAcial Affairs (DSA) mit Sitz in M\u00fcnchen. Nach au\u00dfen tritt das DSA unter Zentrale der Bezeichnung \"Scientology-Kirche Deutschland, Beichstra\u00dfe 12, 80802 M\u00fcnchen\" auf; der inoffizielle Sitz befindet sich in M\u00fcnchen in der Nordendstra\u00dfe 3. Dem DSA-Deutschland nachgeordnet sind die lokalen DSA-B\u00fcros in Berlin, D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, M\u00fcnchen und Ulm, Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","222 Scientology-Organisation angesiedelt bei den dortigen \"Scientology Kirchen\" oder den \"Celebrity Centres\". Die SO selbst stellt ihre OSA-Einrichtung f\u00fcr Deutschland mit Sitz in Presseund M\u00fcnchen als B\u00fcro f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten oder als Presseund Rechtsamt Rechtsamt dar. Teile des OSA sind das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte und die Citizens Commission on Human Rights (CCHR). Da das CCHR weisungsgebend f\u00fcr die Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) ist, kann dieses \u00f6ffentlichkeitswirksame Aush\u00e4ngeschild zur Bek\u00e4mpfung der Psychiatrie ebenfalls dem Bereich OSA zugerechnet werden. Auch die im August 2001 gegr\u00fcndete \"Aktion Transparente Verwaltung M\u00fcnchen\" (ATV), betrieben von einem DSA-Unterabteilungsleiter, ist dem OSA zuzurechnen. Die ATV unterh\u00e4lt eine eigene Homepage; ein Hinweis auf Scientology ist dort nicht erkennbar. Das Engagement im Bereich angeblicher Menschenrechtsverletzungen gegen Scientologen durch feindliche Staaten und ihre Beh\u00f6rden ist wesentlicher Bestandteil der Expansionsbem\u00fchungen, ebenso der von Hubbard betriebene Kampf gegen die Psychiater als \"Quelle allen \u00dcbels in der Welt\". Gem\u00e4\u00df der Hubbard-Anweisung (HCO-PL) vom 13. M\u00e4rz 1961 soll in den OSA-Akten die jeweilige Ausgangslage f\u00fcr Ma\u00dfnahmen von OSA bzw. DSA gegen \"Feinde\" (der SO kritisch begegnende Personen) gesammelt werden. Der HCO-PL beschreibt als Ziel der Abteilung: \" ... Beh\u00f6rden und ihnen entgegen gesetzte Denkmodelle oder Gesellschaften in einen Zustand v\u00f6lliger \u00dcbereinstimmung mit den Zielen der SO zu bringen. (...) Dies geschieht durch die hochrangige F\u00e4higkeit zur Steuerung und - falls sie nicht gegeben ist - durch die weiter unten angesiedelte F\u00e4higkeit zur \u00dcberw\u00e4ltigung.\" Arbeitsweise des Das DSA-Deutschland setzt diese Anweisung um, sammelt InformatioDSA-Deutschland nen \u00fcber Kritiker, Politiker, Beh\u00f6rdenangeh\u00f6rige und andere Gegner, wertet sie aus und verwendet sie f\u00fcr eigene operative Ma\u00dfnahmen. Durch Recherchen unter Falschnamen und andere Ma\u00dfnahmen verschafft sich das DSA-Deutschland interne Unterlagen deutscher Einrichtungen. Seine Au\u00dfendienstmitarbeiter observieren als \"Feinde\" bezeichnete Gegner der SO und beziehen, um R\u00fcckschl\u00fcsse auf ihre Organisation zu verhindern, Privatdetektive in ihre Arbeit ein. Das DSA arbeitet abgeschottet gegen\u00fcber anderen SO-Strukturen. Die Informationen an \u00fcbergeordnete Einrichtungen werden verschl\u00fcsselt oder durch konspirativen Botenverkehr \u00fcbermittelt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 223 4. Mitglieder der SO Die SO hat in Deutschland zwischen 5.000 und 6.000 Mitglieder, wobei Mitgliederzahlen die Organisation selbst eine deutlich h\u00f6here Zahl angibt. Fr\u00fcher behauptete die SO, dass die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) \u00fcber 30.000 Mitglieder habe; im Rechtsstreit der SO gegen das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (vgl. auch Nummer 6 dieses Abschnitts) gab der Pr\u00e4sident der SKD im Jahr 2004 an, die SKD habe etwa 12.000 Mitglieder. Der Mitgliederstand in Bayern ist mit etwa 2.600 konstant geblieben. Als Mitglieder werden solche Personen verstanden, die ihre Mitgliedschaft in einem SO-Verein oder einer sonstigen SO-Gliederung, z.B. im WISEoder ABLE-Bereich, schriftlich erkl\u00e4rt haben oder durch die Belegung von Kursen in einem SO-Verein verdeutlichen. 5. Veranstaltungen und sonstige Aktivit\u00e4ten der SO Schwerpunkt der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten der SO in Bayern waren Informationsst\u00e4nde vor allem in M\u00fcnchen, vereinzelt auch in Info-St\u00e4nde N\u00fcrnberg und Augsburg. Wie 2004 hat die SO wesentlich mehr \u00f6ffentliche Veranstaltungen abgehalten als in den Jahren zuvor. Die etwa 200 \u00f6ffentlichen Veranstaltungen in Bayern waren gr\u00f6\u00dftenteils als Informationsst\u00e4nde in Form von Versammlungen organisiert. Als Veranstalter traten meist die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) und ihre Tarnorganisation Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) auf. Die SKD warb einerseits wie in den Vorjahren mit dem Thema \"Sag JA zum Leben - Sag NEIN zu Drogen\" um Aufmerksamkeit; andererseits sollte das Thema \"F\u00fcr den Frieden auf der Welt - Dianetik f\u00fchrt zum Frieden\" Interesse f\u00fcr die SO in der \u00d6ffentlichkeit wecken. Die SO-Tarnorganisation KVPM hingegen versuchte, mit Berichten \u00fcber angebliche Missbr\u00e4uche der Psychiatrie Aufsehen zu erregen. Dar\u00fcber hinaus wurde die bundesweite Informationskampagne \u00fcber die so genannten \"Ehrenamtlichen Geistlichen\" (Volunteer Ministers) der SO fortgesetzt. Diese Themen dienen nur vordergr\u00fcndig dazu, angebliche Missst\u00e4nde anzuprangern. Bei einigen Veranstaltungen wurden Listen ausgelegt, in die sich Betroffene oder interessierte B\u00fcrger eintragen konnten. Diesen wird dann, wie SO selbst im Internet berichtete, Informationsmaterial zugesandt, um sie f\u00fcr SO zu gewinnen. Die Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit war jedoch gering. Daneben f\u00fchrte die SO zahlreiche Postwurfaktionen durch, wobei FlugFlugblattaktionen bl\u00e4tter und die Publikation \"Freiheit\" in gro\u00dfer Anzahl verteilt wurden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","224 Scientology-Organisation Mehrere Stra\u00dfenwerber wurden nach der nicht erlaubten Verteilung von Werbematerialien auf \u00f6ffentlichen Stra\u00dfen wegen Versto\u00dfes gegen das Bayerische Stra\u00dfenund Wegegesetz angezeigt. Anti-DrogenWie in den Jahren zuvor verteilten Scientologen die Brosch\u00fcre \"Die FakKampagne ten \u00fcber den Joint! Sag NEIN zu Drogen\" an Polizeidienststellen. Die SO sandte diese Publikation auch an Schulen und Beh\u00f6rden. Mit der Propagierung von scientologischen L\u00f6sungsans\u00e4tzen in der Drogenproblematik sollen betroffene Personen veranlasst werden, kostenpflichtige Angebote der SO (B\u00fccher, Kurse, so genannte Reinigungsrundowns usw.) anzunehmen. Nach Ansicht der SO ist das derzeitige Bildungsund Schulsystem nicht imstande, den Sch\u00fclern und Studenten \"wahre Fertigkeiten und geistige F\u00e4higkeiten\" beizubringen. In diesem Zusammenhang hei\u00dft es bereits im Klappentext aus dem Jahr 1992 zum \"grundlegenden Studierleitfaden\" von Hubbard: \"Erlangen Sie die Fertigkeiten, die Ihnen das Schulsystem niemals beibrachte - und beginnen Sie wirklich anzuwenden, was Sie lernen!\" Bei der Feier zum 19. Jahrestag der International Association of Scientologists (IAS) Ende 2003, in der die Expansionsziele f\u00fcr das Jahr 2004 bekannt gegeben wurden, forderte David Miscavige, der Vorsitzende des Religious Technology Center (RTC), in seiner Rede zu diesem Thema: \"Die Studiertechnologie muss \u00fcberall sein. (...) So schaffen wir die Mittel, um die Tech in jede Schule einzuf\u00fchren und das Problem auf globaler Ebene zu l\u00f6sen.\" Sch\u00fclerund Die Organisationen und alle Scientologen weltweit wurden auch f\u00fcr das StudentennachJahr 2005 aufgefordert, die scientologische Studiertechnologie in die hilfegruppen Gesellschaft einzubringen. Dazu sollen Scientologen im Umfeld ihrer \"Kirchen\" und \"Missionen\" zahlreiche Sch\u00fclernachhilfegruppen ins Leben rufen, um die Studiertechnologie Hubbards zu verbreiten und neue Mitglieder zu rekrutieren. Sowohl das Werbematerial der von Scientologen gef\u00fchrten Lernstudios als auch der Firmenname enthalten dabei keine Hinweise auf die Organisation. So tragen die Firmen neutrale Namen, wie z. B. Lernstudio oder Lerncenter. Die Umsetzung im Bereich der Sch\u00fclernachhilfe war jedoch bisher wenig erfolgreich. Im Bereich der Studentennachhilfe hat sich allerdings schon seit Jahren in M\u00fcnchen im Umfeld der Universit\u00e4t M\u00fcnchen ein Mitglied der SO-Tarnorganisation \"I help\" etabliert und bietet dort Studierhilfen nach der Hubbard-Studiertechnologie an, wobei den Absolventen meist verschwiegen wird, dass die \"Hubbard-Tech\" zur Anwendung kommt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 225 Die angebliche Menschenrechtsorganisation \"Alert International Inc.\" mit Sitz in Florida/USA wandte sich seit Anfang Juni schriftlich an bisher etwa einhundert bayerische Beh\u00f6rdenmitarbeiter mit der Aufforderung, Korruption und sonstige Gesetzesverst\u00f6\u00dfe in der Verwaltung aufzuKorruptionsvordecken. Die Empf\u00e4nger wurden aufgefordert, \"Alert\" entsprechende w\u00fcrfe gegen die Hinweise auf derartige Vorkommnisse vertraulich mitzuteilen, damit Verwaltung diese wieder \"Recht und Ordnung\" Geltung verschaffen k\u00f6nne. Mit diesem Aufruf, Beh\u00f6rdeninterna an \"Alert\" zu melden, sollen offenbar Beh\u00f6rdenmitarbeiter zu Dienstvergehen angestiftet werden. Die Art und Weise dieses Vorgehens l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass es der SO gelungen ist, diese angebliche Menschenrechtsorganisation f\u00fcr ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Schon in den vergangenen Jahren trat \"Alert\" an bayerische Unternehmen heran, um die Verwendung der Schutzerkl\u00e4rung gegen Scientology, von ihr \"Sektenfilter\" genannt, anzuprangern. In diesem Zusammenhang wurden auch zahlreiche Schreiben an bayerische Beh\u00f6rden gesandt, in denen behauptet wurde, das Bayerische Staatministerium des Innern diskriminiere Angeh\u00f6rige von so genannten Minderheitsreligionen. 6. Verwaltungsgerichtsverfahren Die SO hat am 2. Mai gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts K\u00f6ln vom 11. November 2004 Berufung eingelegt. Mit diesem Urteil hatte das Verwaltungsgericht K\u00f6ln die Klage der SO auf Unterlassung der BeobachBeobachtung der tung durch das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (BfV) in vollem SO durch BfV Umfang zur\u00fcckgewiesen (Az. 20 K 1882/03). Das Gericht f\u00fchrte zur rechtens Begr\u00fcndung aus, es sei zu der \u00dcberzeugung gelangt, dass die Beobachtung der \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" (SKD) und der \"Scientology Kirche Berlin e.V.\" (SKB) durch das BfV sowohl mit offenen als auch mit nachrichtendienstlichen Mitteln rechtm\u00e4\u00dfig sei, weil deutliche tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorl\u00e4gen, dass die Kl\u00e4ger verfassungsfeindliche Ziele verfolgten. Das Urteil stellte auch klar, dass Scientology seine verfassungsfeindlichen Ziele nicht nur theoretisch verfolgt, sondern auch praktisch umsetzt, wenn es ausf\u00fchrt, dass \"tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, dass die von den Kl\u00e4gern verfolgten Verhaltensweisen zielund zweckgerichtet darauf gerichtet sind, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung zu beseitigen oder au\u00dfer Geltung zu setzen\". Der Hinweis des Gerichts, dass \"K\u00e4mpfer f\u00fcr Scientology\" geworben werden sollen und dass die Kl\u00e4ger letztendlich das \"Konzept verfolgen, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung zu untergraben\", deutet in Richtung auf eine Bet\u00e4tigungsweise, die als aggressiv-k\u00e4mpferisch bezeichnet wird. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","226 Scientology-Organisation In seiner Klageerwiderung vom 15. August 2003 hat der Prozessbevollm\u00e4chtigte des BfV eine ausf\u00fchrliche Darstellung der vorliegenden tats\u00e4chlichen Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsfeindliche und teilweise sogar Aggressiv-k\u00e4mpaggressiv-k\u00e4mpferische Bestrebungen der SO gegen die freiheitliche ferische Ans\u00e4tze demokratische Grundordnung und dar\u00fcber hinaus f\u00fcr Straftaten wie Betrug und N\u00f6tigung gegeben. Hierzu einige Zitate: \"Scientology sieht sich in einem Kampf auf Leben oder Tod mit dem Rest der Welt, und hieraus wird erkl\u00e4rlich, weshalb dieser Kampf nach Auffassung von Scientology ohne R\u00fccksicht, ohne Grenzen und mit allen Mitteln gef\u00fchrt werden mu\u00df und gef\u00fchrt werden darf.\" \"Es ist offensichtlich, dass eine Gruppierung mit diesem Verst\u00e4ndnis, sollte sie je bestimmenden oder gar beherrschenden Einflu\u00df in einem Staat erringen, eine Schreckensund Terrorherrschaft errichten w\u00fcrde, die auf die Unterdr\u00fcckung, wenn nicht gar vollst\u00e4ndige Vernichtung aller ihrer Gegner gerichtet w\u00e4re.\" \"Scientology ist stets, \u00fcberall und jederzeit, bem\u00fcht, alles in Erfahrung zu bringen, was sich in irgendeiner Weise gegen seine Kritiker verwenden lie\u00dfe. Dies wird eingesetzt, um Kritiker mit der Drohung der Ver\u00f6ffentlichung einzusch\u00fcchtern. Dabei handelt es sich um systematische strafbare N\u00f6tigung im Sinn des SS 240 StGB, weil die zur \u00f6ffentlichen Diskreditierung der Kritiker eingesetzten Informationen nichts mit der Kritik an Scientology zu tun haben.\" Beobachtung der Das Oberverwaltungsgericht des Saarlands entschied in einer BerufungsSO im Saarland verhandlung am 27. April, dass die Beobachtung der SO im Saarland durch den Verfassungsschutz zwar zul\u00e4ssig sei, aber aus Gr\u00fcnden der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit nicht mit nachrichtendienstlichen Mitteln fortgesetzt werden d\u00fcrfe. Als Begr\u00fcndung war angef\u00fchrt, dass im Saarland weniger als zwanzig Scientologen ihren Wohnsitz h\u00e4tten und diese zudem von der \"Scientology Kirche Frankfurt e.V.\" betreut w\u00fcrden. An der Verfassungsfeindlichkeit der SO hatte das Gericht keine Zweifel. \"CCM-EntscheiDer Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH) entschied am 2. Novemdung\" ber, dass der Verein \"Celebrity Center Scientology Kirche M\u00fcnchen e.V.\" (CCM) weiterhin als \"eingetragener Verein\" t\u00e4tig sein darf (Az.: 4 B 99.2582). Die Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen hatte mit Bescheid vom 13. November 1995 dem eingetragenen Verein die Rechtsf\u00e4higkeit entzogen, weil er entgegen seiner Satzung keine ideellen Ziele verfolge. Das Verwaltungsgericht M\u00fcnchen hatte die Klage des Vereins gegen den Entzug der Rechtsf\u00e4higkeit mit Urteil vom 2. Juni 1999 abgewiesen. Der BayVGH hat nun der Berufung des Vereins stattgegeben und den Bescheid der Landeshauptstadt M\u00fcnchen aufgehoben, weil der Verein seinen Mitgliedern Leistungen anbiete, in denen sich die Vereinsmitgliedschaft verwirkliche und die unabh\u00e4ngig von den \"mitgliedschaftVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Scientology-Organisation 227 lichen Beziehungen\" nicht von anderen Anbietern erbracht werden k\u00f6nnten. F\u00fcr die Mitglieder w\u00fcrden die Leistungen des CCM von einer gemeinsamen scientologischen \u00dcberzeugung getragen, von der sie nicht gel\u00f6st werden k\u00f6nnten, ohne ihren Wert f\u00fcr die einzelnen Mitglieder zu verlieren. Das Urteil hat unmittelbar nur Geltung f\u00fcr das CCM und nicht f\u00fcr andere SO-Vereine. Unber\u00fchrt bleibt von dieser Entscheidung auch die Bewertung eines SO-Vereins als Gewerbebetrieb, da die Begriffe \"wirtschaftlicher Gesch\u00e4ftsbetrieb\" im Sinn des Vereinsrechts und \"Gewerbe\" im Sinn des Gewerberechts nach Ansicht des BayVGH wegen unterschiedlicher Schutzzwecke nicht identisch sind. 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt ein \"vertrauliches Telefon\" unter der Nummer 0 89 / 31 20 12 96. Opfer, Aussteiger und Angeh\u00f6rige von Scientology-Mitgliedern k\u00f6nnen dort Hinweise \u00fcber die SO geben. F\u00fcr Beratungen stehen die anerkannten Beratungsstellen zur Verf\u00fcgung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern informiert im Internet \u00fcber die Ma\u00dfnahmen der Bayerischen Staatsregierung, \u00fcber Pressemitteilungen und Gerichtsentscheidungen unter folgender Adresse: http://www.innenministerium.bayern.de/scientology Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","228 Spionageabwehr 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Die Notwendigkeit f\u00fcr die internationale Staatengemeinschaft, die VerProliferation breitung von Massenvernichtungswaffen (Proliferation) bei Krisenl\u00e4ndern und terroristischen Organisationen zu verhindern, und die Beobachtung der Wirtschaftsspionage stehen - neben den nachrichtendienstlichen Aktivit\u00e4ten vor allem Chinas und der GUS-Staaten - weiter im Mittelpunkt des Auftrags des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz in der Spionageabwehr. Die zunehmenden Bem\u00fchungen von hoch technisierten deutschen - insbesondere auch mittelst\u00e4ndischen - Unternehmen, sich auf den Wirtschaftsm\u00e4rkten in Russland und Fernost zu etablieren, sind f\u00fcr den Schutz von Know-how nicht ohne Gefahren. Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste zur Erlangung von Spezialwissen belegen das nach wie vor bestehende Interesse an deutscher Entwicklungsarbeit. Die Volksrepublik China versucht mit Nachdruck, den technologischen Abstand zu den f\u00fchrenden Industriestaaten zu verringern. Mit dem Zielobjekte der aggressiven Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel werden vor allem VR China Informationen zu den Bereichen Milit\u00e4r, Wirtschaft und Forschung gesammelt. Sowohl Aussagen von \u00dcberl\u00e4ufern chinesischer Nachrichtendienste als auch erkannte Spionagef\u00e4lle im Jahr 2005 belegen diese Entwicklung. Dar\u00fcber hinaus versucht die VR China weiterhin, oppositionelle Gruppierungen im Ausland zu beobachten und zu unterwandern. Vor allem die in China verbotene buddhistisch-taoistische Falun-Gong-Bewegung sowie die in Deutschland lebenden organisierten Angeh\u00f6rigen der uigurischen Minderheit, aber auch Anh\u00e4nger der taiwanesischen Souver\u00e4nit\u00e4t stehen im Blickfeld der chinesischen Nachrichtendienste. Aktivit\u00e4ten Die hohe Zahl der in russischen diplomatischen Vertretungen in russischer NachDeutschland besch\u00e4ftigten nachrichtendienstlichen Mitarbeiter l\u00e4sst richtendienste einen R\u00fcckschluss auf den Aktivit\u00e4tsgrad des russischen Auslandsaufkl\u00e4rungsdienstes SWR bzw. des milit\u00e4rischen Dienstes GRU in Deutschland zu. W\u00e4hrend sich der SWR in erster Linie um Informationen zu politischen und wirtschaftlichen Bereichen und Zielobjekten bem\u00fcht, ist Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Spionageabwehr 229 der GRU prim\u00e4r an klassischen Milit\u00e4robjekten und -technologien interessiert. Die Erweiterung von NATO und EU, die Haltung Deutschlands zu Tschetschenien, die Handelsbeziehungen zu Russland sowie der angestrebte schnellere Zugang zu westlichem Know-how f\u00fcr die Modernisierung der Wirtschaft Russlands sind Basis und Gegenstand der Auftr\u00e4ge der Staatsf\u00fchrung an die Nachrichtendienste. Auch Angeh\u00f6rige des russischen Inlandsnachrichtendienstes FSB betreiben in Deutschland Aufkl\u00e4rung. Nach wie vor werden Agentenoperationen aus getarnten St\u00fctzpunkten in diplomatischen Vertretungen, so genannten Residenturen, gef\u00fchrt. So wurde ein russischer Konsul aus Hamburg abberufen, der rund 20 Treffen mit einem Bundeswehrangeh\u00f6rigen, u.a. auch in Bayern, durchgef\u00fchrt hatte. Die Nachrichtendienste der L\u00e4nder Syrien und Iran legen einen SchwerRegimekritiker punkt ihrer Auslandsaktivit\u00e4ten im Westen auf die Aufkl\u00e4rung und im Visier Infiltration regimekritischer Organisationen. Vor dem Hintergrund terroristischer Anschl\u00e4ge im Irak sind auch nachrichtendienstliche Bestrebungen irakischer Geheimdienste zu beobachten, in Deutschland agierende Strukturen des internationalen islamistischen Terrorismus zu erkennen und aufzukl\u00e4ren. 2. Wirtschaftsspionage Nicht nur Gro\u00dfunternehmen, sondern auch kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen verf\u00fcgen vielfach \u00fcber technisches Know-how, das f\u00fcr Know-how im die Nachrichtendienste anderer L\u00e4nder von Interesse ist. Allerdings Blickfeld der l\u00e4sst das Bestreben deutscher Unternehmen, an den florierenden AbsatzNachrichtendienste m\u00e4rkten der Russischen F\u00f6deration und Asiens teilzuhaben, oftmals die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr den Schutz dieses Wissens in den Hintergrund r\u00fccken. Auch die geplante Verlagerung von Produktionsst\u00e4tten ins Ausland bringt unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftsspionage weitere Gefahren mit sich. Der wachsende internationale Wettbewerb f\u00fchrt ferner zu zunehmenden Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste gegen deutsche Unternehmen. Besonders in China bestehen speziell f\u00fcr Investoren der ausl\u00e4ndischen Wirtschaft Vorschriften, die darauf abzielen, an das Know-how der Firma zu gelangen. So ist f\u00fcr Produkte bzw. Branchen, die f\u00fcr die chinesische Wirtschaft besonders wichtig sind, ein Joint Venture mit einem chinesischen Gesch\u00e4ftspartner gesetzlich vorgeschrieben. Durch das so gewonnene Know-how kann das Produkt von anderen chinesischen Firmen nachgebaut werden. Auch durch den Kauf deutscher Firmen gelangt die VR China an westliche Technologie. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterst\u00fctzt und ber\u00e4t bayerische Unternehmen zum Schutz gegen WirtVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","230 Spionageabwehr schaftsspionage. Diese Ma\u00dfnahmen entfalten auch pr\u00e4ventive Wirkung gegen Aussp\u00e4hungsversuche fremder Unternehmen, so genannte Konkurrenzspionage. Nachrichtendienste fremder Staaten versuchen, neben dem konkreten Produkt auch den technischen Entwicklungsvorsprung bayerischer Unternehmen und Universit\u00e4ten, betriebswirtschaftliche Aspekte und auch die allgemeine Entwicklung der bayerischen Wirtschaft auszuforschen. Diese strategische Wirtschaftsaufkl\u00e4rung stellt heute den Kern des Informationsinteresses fremder Nachrichtendienste dar. Folgender Beispielsfall der Wirtschaftsspionage verdeutlicht die Vorgehensweise ausl\u00e4ndischer Nachrichtendienste: Ein asiatischer Angestellter eines mittelst\u00e4ndischen Unternehmens gewann sehr schnell das Vertrauen der Gesch\u00e4ftsleitung. Er erhielt einen Generalschl\u00fcssel, konnte sich so ungehindert in den R\u00e4umen der Firma bewegen und bekam Zugang zu allen Dateien. Nach seinem \u00fcberraschenden Ausscheiden wurde festgestellt, dass er gro\u00dfe Datenmengen elektronisch in sein Heimatland versandt hatte. Au\u00dferdem hatte er alle pers\u00f6nlichen Dateien gel\u00f6scht, um eine \u00dcberpr\u00fcfung seiner Aktivit\u00e4ten zu verhindern. Von einem nachrichtendienstlich gesteuerten Know-how-Abfluss ist auszugehen. 3. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik Parallel zur wachsenden Bedeutung der Informationstechnik (IT) f\u00fcr die \u00f6ffentliche Verwaltung und die Wirtschaft hat sich auch die Technik zur Ausforschung von Kommunikationswegen rasch weiterentwickelt. BeAbh\u00f6ranf\u00e4lligkeit sonders betroffen ist die zunehmend eingesetzte drahtlose Wireless-Techder Telekommunik, die zwar f\u00fcr den Anwender den Komfort erh\u00f6ht, aber das unernikation w\u00fcnschte Abh\u00f6ren und Erfassen von Mitteilungen jedweder Art erleichtert. Ver\u00f6ffentlichte Tests haben gezeigt, dass sich technisch Versierte problemlos in Verbindungen einloggen k\u00f6nnen, ohne dass die Betroffenen hiervon Kenntnis erlangen. Die modernen Kommunikationstechniken haben die Bandbreite der Angriffsmethoden deutlich erweitert. So birgt die Bluetooth-Funktion in Handys kritische Sicherheitsl\u00fccken in sich. Um einen erfolgreichen Angriff zu starten und Daten auszulesen sowie Telefonanrufe mitzuh\u00f6ren, gen\u00fcgt bereits ein anderes Mobiltelefon. Prinzipiell lassen sich so auch E-Mails, Fotos und PIN-Codes aussp\u00e4hen, sofern sie auf dem Handy hinterlegt sind. Der Einsatz von Bluetooth in sicherheitsempfindlichen Bereichen sollte deshalb unterbleiben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Spionageabwehr 231 Vor dem \"Abh\u00f6ren\" der Kommunikationsverbindungen sind weder Schwachstellen Telefon, SMS, E-Mail noch Fax sicher. Insbesondere k\u00f6nnen Handys und der InformationsLaptops durch Manipulationen zu \"Wanzen\" umfunktioniert werden, technik um damit alle Gespr\u00e4che in einem Raum zu belauschen. Auch das Aussp\u00e4hen geheimer Informationen \u00fcber gef\u00e4lschte E-Mails und Internet-Seiten, das so genannte Phishing und Pharming, stellt ein neues, bedeutendes Sicherheitsrisiko dar. Firmen sind gezwungen, ihre Produkte im Internet weltweit darzustellen, was allerdings auch die Gefahr eines Hacker-Angriffs mit sich bringt. Der Versuch, IT-Schwachstellen zu beseitigen, wird durch die st\u00e4ndig wachsende Komplexit\u00e4t der Software erschwert; zudem erh\u00f6hen an die Informationsnetze angeschlossene mobile Ger\u00e4te das Sicherheitsrisiko erheblich. Im Zeitalter internationaler Kommunikation ist eine r\u00e4umliche N\u00e4he zum Spionageziel nicht mehr erforderlich; Hacking kann mit geringem Aufwand von jedem Ort der Welt betrieben werden. Dabei erleichtern mangelnder Systemschutz und fahrl\u00e4ssiger Umgang mit Passw\u00f6rtern dem Angreifer die Arbeit. Bei aller Notwendigkeit, die moderne KomAbsicherung von munikationstechnik zu nutzen, kommt es entscheidend darauf an, die Speicherung und wesentlichen Kernbereiche der geheim zu haltenden Informationen \u00dcbertragungsdurch weitgehend sichere Speicherm\u00f6glichkeiten und \u00dcbertragungswegen wege zu sch\u00fctzen. In j\u00fcngster Zeit wurden in mehreren westlichen Staaten massive elektronische Angriffe aus China vordringlich auf Computernetze \u00f6ffentlicher Einrichtungen, aber auch auf private IT-Netze festgestellt. Die Angriffe erfolgen durch E-Mails, die einen \"Trojaner\" enthalten, der ein Schadprogramm auf dem Empfangsger\u00e4t installiert. 4. Proliferation Unter Proliferation versteht man die Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen bzw. der zu ihrer Herstellung verwendeten Produkte einschlie\u00dflich der dazu erforderlichen Kenntnisse sowie von entsprechenden Waffentr\u00e4gersystemen. Nach wie vor belegen die Beschaffungsaktivit\u00e4ten verschiedener Krisenl\u00e4nder deren Absicht, sich in den Besitz atomarer, biologischer und chemischer Waffen bzw. der ben\u00f6tigten Tr\u00e4gersysteme zu bringen. Unver\u00e4nderte Schwerpunkte in der Beobachtung der Proliferation sind die Proliferation durch L\u00e4nder Iran, Nordkorea und Pakistan. Derzeit wird beobachtet, dass Krisenl\u00e4nder russische Firmen, die Vertr\u00e4ge zum Bau von Atomanlagen mit dem Iran abgeschlossen haben, als K\u00e4ufer sensibler Waren auftreten und diese Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","232 Spionageabwehr dann - ohne Kenntnis des Verk\u00e4ufers - im Rahmen einer Umweglieferung in den Iran weiterleiten. Als problematisch stellt sich auch die verst\u00e4rkt festgestellte Weitergabe von Schl\u00fcsseltechnologien zwischen proliferationsrelevanten Staaten dar. Diese so genannte \"Horizontale Proliferation\" ist f\u00fcr die westlichen Nachrichtendienste besonders schwer aufzukl\u00e4ren und zu verhindern. In mehreren F\u00e4llen konnten Beschaffungsbem\u00fchungen proliferationsrelevanter Staaten im Rahmen eines neuen Bearbeitungskonzepts, des so genannten \"Produktansatzes\", offen gelegt werden. Hierbei werden geeignete Firmen in Bayern, die spezielle Technologien und Waren liefern k\u00f6nnen, sensibilisierend angesprochen. Eine weitere M\u00f6glichkeit, an proliferationsrelevante Technologien zu gelangen, stellt die Entsendung von Gastwissenschaftlern dar. In einer vom Ausw\u00e4rtigen Amt und deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden initiierten \"Arbeitsgemeinschaft Gastwissenschaftler\" werden Deutschlandaufenthalte von Wissenschaftlern aus bestimmten Staaten auf eine m\u00f6gliche Proliferationsgefahr hin gepr\u00fcft und im Bedarfsfall auch die aufnehmende Universit\u00e4t in Deutschland zu einem Sensibilisierungsgespr\u00e4ch kontaktiert. Verst\u00f6\u00dfe gegen Im Berichtszeitraum wurden mehrere Verst\u00f6\u00dfe gegen das Verbot der das Ausfuhrverbot Ausfuhr bestimmter Technologien bekannt. Ein Beispiel hierf\u00fcr ist: Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtete bis Anfang 2004 eine M\u00fcnchener Firma im Zusammenhang mit Lieferungen an das illegale pakistanische Atomwaffenprogramm. \u00dcber die so gewonnenen Erkenntnisse wurde die zust\u00e4ndige Zollfahndung informiert. Deren Ermittlungen f\u00fchrten schlie\u00dflich zur Festnahme des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers und zur Anklageerhebung. Dem Angeklagten konnten insgesamt 21 Verst\u00f6\u00dfe gegen das Au\u00dfenwirtschaftsgesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz nachgewiesen werden. Ihm wurde zur Last gelegt, von 2000 bis 2004 Material im Gesamtwert von rund 400.000 Euro an pakistanische Firmen geliefert zu haben, die am Atomwaffenprogramm des Landes beteiligt sind. Die Produkte sind f\u00fcr eine Nutzung in einer Gasultrazentrifuge (GUZ) geeignet. Mit der GUZ wird Uran f\u00fcr die Verwendung in kerntechnischen Anlagen und - bei entsprechend h\u00f6herem Anreicherungsgrad - auch zum Bau der Atombombe nutzbar gemacht. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wurde am 24. November wegen Unterst\u00fctzung des pakistanischen Atomwaffenprogramms durch unerlaubte Waffenlieferungen zu sieben Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Spionageabwehr 233 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz Das Sensibilisierungsprogramm des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz soll pr\u00e4ventiv zur Verhinderung der Wirtschaftsspionage beitragen. Mittelst\u00e4ndische Unternehmen werden dabei f\u00fcr Gefahren Sensibilisierung sensibilisiert und ein Sicherheitsbewusstsein f\u00fcr notwendige Schutzder Firmenma\u00dfnahmen gegen die Aussp\u00e4hung von Firmengeheimnissen geweckt. verantwortlichen Die angesprochenen Firmenverantwortlichen werden so in die Lage versetzt, die Schwachstellen im Know-how-Schutz selbst zu erkennen und Sicherheitskonzepte zu entwickeln. Im Jahr 2005 gab es positive Reaktionen bei den beratenen Unternehmen. Firmen, die als Lieferanten sensibler G\u00fcter mit Einsatzm\u00f6glichkeiten bei ABC-Waffensystemen infrage kommen, haben eine besondere Verantwortung, dies zu verhindern. Sie k\u00f6nnen sich im Verdachtsfall vertrauensvoll an das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenden. Der Verfassungsschutz ist keine Strafverfolgungsbeh\u00f6rde und unterliegt somit nicht dem Strafverfolgungszwang. Er kann auch die Interessenlage der Personen und Firmen ber\u00fccksichtigen, die ihm Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. Die Verb\u00e4nde und Organisationen, wie der Bayerische Verband f\u00fcr Sicherheit in der Wirtschaft (BVSW) oder die Industrieund Handelskammern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Unternehmen und vorrangig auch mittelst\u00e4ndische Betriebe gegen\u00fcber diesen Gefahren der Spionage zu sensibilisieren, arbeiten sehr eng mit Zusammenarbeit dem Verfassungsschutz zusammen. Dabei geht es neben der gemeinder Wirtschaft mit samen Erstellung von Informationsbrosch\u00fcren um gemeinsame Infordem Verfassungsmationsveranstaltungen und vor allem um den Erkenntnisaustausch schutz unter dem Motto: Informationen aus der Wirtschaft f\u00fcr die Wirtschaft. Ein vom BVSW mit Unterst\u00fctzung des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erstellter Leitfaden zum Schutz vor illegaler InformationsLeitfaden beschaffung hat zum Ziel, die F\u00fchrung mittelst\u00e4ndischer Unternehmen auf die Risiken durch Wirtschaftsund Konkurrenzspionage aufmerksam zu machen, ihnen das notwendige Problembewusstsein zu vermitteln und Ans\u00e4tze bzw. Ansprechpartner zur L\u00f6sung der Probleme aufzuzeigen. In einem Faltblatt f\u00fcr die Wirtschaft wird durch das Landesamt f\u00fcr VerFaltblatt f\u00fcr die fassungsschutz au\u00dferdem auf die Gefahren der Proliferation hingewieWirtschaft sen und eine eigens eingerichtete Telefonnummer (0 89 / 31 20 15 00) genannt, unter der die Firmen Kontakt zum Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz aufnehmen k\u00f6nnen. Der Text ist auch im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.verfassungsschutz.bayern.de Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","234 Spionageabwehr 6. Ausblick Obwohl die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden mit einer Vielzahl von ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten gegen den Terrorismus zusammenarbeiten, geht die Aussp\u00e4hung politischer, wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Geheimnisse durch diese Nachrichtendienste unvermindert weiter. Eine besondere Wachsamkeit gilt der Verhinderung der Proliferation. Die Beobachtung der stark zunehmenden Aktivit\u00e4ten chinesischer Nachrichtendienste hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen westlichen Staaten hohe Priorit\u00e4t. Spionageabwehr Um die wirtschaftliche Stabilit\u00e4t, die auch Garant f\u00fcr die politische Stazur Standortbilit\u00e4t ist, zu erhalten, bleibt es f\u00fcr unsere Gesellschaft unabdingbar, sicherung international wettbewerbsf\u00e4hig zu sein. Gerade deshalb d\u00fcrfen notwendige Schutzma\u00dfnahmen nicht au\u00dfer Acht gelassen werden. Vorhandene Know-how-Vorteile in Forschung und Produktion m\u00fcssen gesichert und Aktivit\u00e4ten fremder Nachrichtendienste unterbunden werden. Staat, Wirtschaft und Forschung sind aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und des steten Fortschritts der Kommunikationstechnik verst\u00e4rkt der Gefahr der Aussp\u00e4hung ausgesetzt. Sie sind schutzbed\u00fcrftiger geworden. Der Verfassungsschutz hat die Aufgabe, dies bewusst zu machen und vor diesen Gefahren zu sch\u00fctzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Organisierte Kriminalit\u00e4t 235 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage Die durch die \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes im OK-Beobachtung Jahr 1994 erm\u00f6glichte, langfristig angelegte Beobachtung krimineller in Bayern Strukturen und Personen im Vorfeld konkreter Straftaten durch das seit 1994 Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellt eine wichtige Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit beim Vorgehen gegen die Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) dar. Die Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz muss auf eine breite Basis in Zusammenarbeit mit anderen Bundesl\u00e4ndern gestellt werden. Nach Bayern haben auch die Bundesl\u00e4nder Hessen, Saarland, Th\u00fcringen und Sachsen die gesetzliche Grundlage f\u00fcr diese Aufgabe des Verfassungsschutzes geschaffen. Infolge einer Gerichtsentscheidung des S\u00e4chsischen Verfassungsgerichtshofs wird im Freistaat Sachsen derzeit die Rechtsgrundlage \u00fcberarbeitet. Ziel bleibt weiterhin die bundesweite Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz. Die im Jahr 2004 herausgegebene Brosch\u00fcre \"10 Jahre Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz\" berichtet \u00fcber die Arbeit des Verfassungsschutzes in diesem Bereich. Die Brosch\u00fcre ist abrufbar unter folgenden Internet-Adressen: http://www.innenministerium.bayern.de/service/publikationen http://www.verfassungsschutz.bayern.de 2. EU-Osterweiterung Mit der Aufnahme neuer Mitgliedstaaten in die Europ\u00e4ische Union haben sich durch die Verschiebung der EU-Au\u00dfengrenzen in Richtung Osten neue Ausgangslagen ergeben. Es war absehbar, dass europaweit agierende Kriminelle diese neuen Marktund Machtchancen nutzen und ihre bereits bestehenden Netzwerke weiter ausbauen. Zur Bew\u00e4ltigung dieses Problems bedarf es einer engen Zusammenarbeit der euroEuropaweite p\u00e4ischen Sicherheitsbeh\u00f6rden. Die Beitrittsl\u00e4nder haben fr\u00fchzeitig der Zusammenarbeit wachsenden Bedrohung durch die OK Rechnung getragen und die BeobVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","236 Organisierte Kriminalit\u00e4t achtung und Bek\u00e4mpfung der OK ihren jeweiligen Nachrichtendiensten \u00fcbertragen. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt gute Kontakte zu den Nachrichtendiensten der angrenzenden L\u00e4nder. 3. Beobachtungsschwerpunkte Die Erkenntnisse im Bereich der OK werden vorwiegend durch den Einsatz geheimer Mitarbeiter, aus der Anwendung anderer nachrichtendienstlicher Mittel sowie aus der Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten, die in Europa fast ausnahmslos mit der Bek\u00e4mpErkenntnismittel fung der OK beauftragt sind, gewonnen. Weitere Informationen ergeben des Verfassungssich aus der Zusammenarbeit mit den polizeilichen Dienststellen zur schutzes Bek\u00e4mpfung der OK und erschlie\u00dfen sich aus der Analyse von offen zug\u00e4nglichem Material sowie aus dem Berichtsaufkommen anderer Aufgabenbereiche, insbesondere aus der Spionageabwehr und der Beobachtung ausl\u00e4ndischer extremistischer Organisationen. Die Ergebnisse der Strukturermittlungen m\u00fcnden oft in polizeiliche Ermittlungen. Die Schwerpunkte der Bearbeitung liegen weiterhin auf der Beobachtung der OK aus der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS), aus Asien und aus S\u00fcdosteuropa. Auch die Beobachtung von Rockergruppierungen wie etwa der \"Hells Angels\" oder der \"Bandidos\" mit den Deliktsschwerpunkten Rotlichtmilieu sowie Drogenund Waffenhandel wurde in Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit fortgesetzt. Aufkl\u00e4rungsNeben deutschen Staatsangeh\u00f6rigen stellen T\u00e4ter aus der GUS und schwerpunkte Asien sowie aus s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern den gr\u00f6\u00dften Teil des zu beobachtenden Personenkreises dar. Auff\u00e4llig waren sie vor allem in den Deliktsbereichen der Prostitution und Zuh\u00e4lterei, bei Waffendelikten, beim Menschenhandel und bei Schleusungen, beim internationalen Drogenhandel, bei F\u00e4lschungsdelikten und bei der im Zusammenhang mit diesen Straftaten stehenden Geldw\u00e4sche. Erkenntnisse aus der OK-Beobachtung werden aber auch zur Bek\u00e4mpfung des internationalen islamischen Extremismus und des islamistischen Terrorismus genutzt. Insbesondere in den Deliktsbereichen Schleusung und Geldw\u00e4sche gibt es Verflechtungen, die zur illegalen Einreise islamischer Extremisten und zur Finanzierung ihrer Aktivit\u00e4ten aufgrund der teilweise gleichen Ethnie der T\u00e4ter genutzt werden. 3.1 GUS-Mafia Schwerpunkte der Bearbeitung der russischen OK waren die Strukturermittlungen zu russlanddeutschen Aussiedlern und die durch diesen Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Organisierte Kriminalit\u00e4t 237 Personenkreis begangenen Straftaten. Au\u00dferdem wurden bereits erkannte kriminelle Gruppierungen und deren Mitglieder in Bayern beobachtet, um bereits im Vorfeld von Straftaten Erkenntnisse zu gewinnen und notwendige Ma\u00dfnahmen einzuleiten. Ermittlungen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrten in den Bereich von illegalen Erd\u00f6ltransfers. Als strafrechtliche TatIllegaler best\u00e4nde ber\u00fchren illegale Erd\u00f6ltransfers neben dem Diebstahl und der Erd\u00f6ltransfer Unterschlagung des Roh\u00f6ls aus der GUS auch internationale Betrugsdelikte und Geldw\u00e4sche. So wurde bekannt, dass Personen aus der GUS gestohlenes bzw. unterschlagenes Roh\u00f6l im Wert von mehreren Millionen Euro \u00fcber Makler auf dem Weltmarkt verkaufen wollten. Dazu wurden in Deutschland und dem benachbarten Ausland gesch\u00e4ftliche Kontakte gekn\u00fcpft und vertragliche Vorverhandlungen gef\u00fchrt. Russische Staatsangeh\u00f6rige organisierten die Beschaffung, Lagerung sowie den Transport des Roh\u00f6ls. F\u00fcr die \u00d6lgesch\u00e4fte wurden im Ausland mehrere Firmen gegr\u00fcndet bzw. genutzt. Die Ermittlungen zu den involvierten Personen ergaben, dass diese fr\u00fcher zum gr\u00f6\u00dften Teil f\u00fchrende Positionen in milit\u00e4rischen, meistens nachrichtendienstlichen Einheiten in der GUS innehatten. Aufgrund der internationalen Strukturen fand ein intensiver Informationsaustausch sowohl mit inund ausl\u00e4ndischen Polizeidienststellen als auch mit befreundeten Nachrichtendiensten statt. Ein weiterer Ermittlungskomplex bezog sich auf russische SicherheitsRussische Sicherunternehmen in Bayern. Das Sicherheitsgewerbe stellt sich als ein heitsunternehmen expandierender Gesch\u00e4ftsbereich dar. Russische Kriminelle nutzen teilweise die gewerblichen Strukturen von Security-Firmen, um Straftaten zu begehen, z.B. Handel mit Bet\u00e4ubungsmitteln, Verst\u00f6\u00dfe gegen das Waffengesetz, Schutzgelderpressungen und damit einhergehende Gewaltdelikte. Die T\u00e4tergruppierungen sind hierarchisch organisiert und agieren mit teilweise \u00fcberregionalen Bez\u00fcgen. Russische T\u00fcrsteher sind stark im Gastst\u00e4ttengewerbe vertreten. Insbesondere werden sie in Diskotheken eingesetzt, die vorwiegend von Personen aus der GUS und russlanddeutschen Aussiedlern besucht werden. Die Gesch\u00e4digten verzichten h\u00e4ufig auf eine Strafanzeige. Ursachen daf\u00fcr sind die Angst vor Repressalien durch die T\u00e4ter sowie die eigene Beteiligung an Straftaten. Auch \u00fcberlieferte Traditionen, nach denen Russen Auseinandersetzungen untereinander regeln, ohne dabei staatliche Organe in Anspruch zu nehmen, spielen eine Rolle. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtete die betroffenen Security-Firmen und unterrichtete die Polizei \u00fcber geplante oder durchgef\u00fchrte Straftaten. So konnten durch Hinweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz bei einem Ermittlungsverfahren der Polizei wegen eines Brandanschlags auf eine Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","238 Organisierte Kriminalit\u00e4t Diskothek weitere Ermittlungsans\u00e4tze gewonnen werden. In einem anderen Fall konnte die Polizei aufgrund von Informationen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen zum Teil bewaffneten Personen verhindern. 3.2 S\u00fcdosteuropa-Mafia Kriminelle Gruppierungen aus Bosnien, Mazedonien, Serbien, dem Schwerpunkte der Kosovo und Albanien sind h\u00e4ufig delikts\u00fcbergreifend aktiv. Die SchwerAktivit\u00e4ten punkte ihrer Aktivit\u00e4ten liegen im internationalen Drogenhandel, in Eigentumsund F\u00e4lschungsdelikten sowie im illegalen Gl\u00fccksspiel bzw. Wettgesch\u00e4ften. Nach wie vor ist die illegale Besch\u00e4ftigung besonders im Geb\u00e4udereinigungsund Baugewerbe sowie in Gastst\u00e4tten weit verbreitet. Die daraus resultierenden Gewinne aus Steuerund Abgabenhinterziehungen sind erheblich und werden auf vielf\u00e4ltige Art und Weise gewaschen. Gruppierungen aus Die kriminellen Gruppierungen aus dem ehemaligen Jugoslawien sind dem ehemaligen in ihren Strukturen oftmals in sich abgeschlossen; Personen anderer Jugoslawien Nationalit\u00e4ten werden in der Regel nicht akzeptiert. Die einschl\u00e4gige Szene trifft sich bevorzugt in Gastst\u00e4tten, die von Landsleuten gef\u00fchrt werden. Dort f\u00fchlt sie sich hinreichend sicher und ungest\u00f6rt, um Straftaten verschiedenster Art zu verabreden. Zur Vorbereitung der Straftaten werden im kriminellen Milieu gef\u00e4lschte P\u00e4sse und geeignete Handys, aber auch Pkws angeboten, die keinen R\u00fcckschluss auf den eigentlichen Nutzer zulassen. Die kriminellen Gruppierungen gehen professionell vor und nutzen dabei den neuesten Stand der Technik. Neue Verbrechensmethoden werden untereinander regelm\u00e4\u00dfig weitergegeben. Allerdings schlie\u00dft die gegenseitige Unterst\u00fctzung und die Weitergabe von Tipps nicht aus, dass sich die kriminellen Personen gegenseitig betr\u00fcgen. Besonders wichtig f\u00fcr die kriminelle Szene sind die sozialen und regionalen Verbindungen in die Heimatl\u00e4nder, die sowohl als R\u00fcckzugsgebiet als auch als St\u00fctzpunkt organisierter Banden dienen k\u00f6nnen. Von dort aus wird agiert, wobei man bei Bedarf Personen einsetzt, die wiederum in Bayern eng in der Szene verwurzelt sind. Drogenhandel und Diese Konstellationen wurden wiederholt bei Ermittlungen gegen den Kfz-Diebst\u00e4hle internationalen Drogenhandel und im Bereich der Eigentumsdelikte festgestellt. So konnte in Zusammenarbeit mit der Polizei eine gr\u00f6\u00dfere Diebesbande ermittelt werden, deren Mitglieder sich zur fortgesetzten Begehung von Diebst\u00e4hlen hochund neuwertiger Kraftfahrzeuge zusammengeschlossen hatten und von Polen aus gesteuert wurden. Ihr Abnehmerkreis reichte dabei auch nach Litauen und in die Ukraine. Die Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Organisierte Kriminalit\u00e4t 239 logistische Unterst\u00fctzung leisteten Kriminelle aus Ex-Jugoslawien. Im Bereich des Rauschgifthandels ergaben die Ermittlungen gegen einen in Nordbayern lebenden Jugoslawen, dass dieser den Rauschgifthandel von Bosnien nach Bayern organisierte. Hierbei bediente er sich grenz\u00fcberschreitender Strukturen. Die Gewinne aus den Drogengesch\u00e4ften wurden zum Teil in millionenschwere Immobilien in Bosnien investiert. In beiden F\u00e4llen war die Ermittlungsarbeit nur aufgrund der intensiven Zusammenarbeit mit dem Bundesnachrichtendienst und ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten erfolgreich. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beobachtete im BeKriminelle richtsjahr kriminelle t\u00fcrkische Strukturen. Dabei wurden neben den bist\u00fcrkische herigen Schwerpunkten Rauschgiftund Gl\u00fccksspielkriminalit\u00e4t verStrukturen st\u00e4rkt Schutzgelderpressung und gewaltsame Eintreibung von Schulden (Inkasso-Gesch\u00e4fte) festgestellt. Die beiden Deliktsph\u00e4nomene Schutzgelderpressung und Geldeintreibung treten h\u00e4ufig in Verbindung miteinander auf. Dabei kassiert die Straft\u00e4tergruppierung sowohl bei dem Gl\u00e4ubiger als auch bei dem Schuldner. Im Bereich von SchutzgeldSchutzgelderpressungen gegen t\u00fcrkische Gesch\u00e4ftsinhaber zeichnet sich eine neue Erpressungen Strategie der T\u00e4ter ab. Sie tarnen ihre Forderungen als legale Gesch\u00e4fte, indem sie bespielsweise unaufgefordert die doppelte Menge der bestellten Waren liefern, deren Qualit\u00e4t jedoch minderwertig bis unbrauchbar ist. Verweigert ein Gesch\u00e4ftsmann die Zahlung, wird er mittels Anwendung oder Androhung von Gewalt gef\u00fcgig gemacht. So wurde z.B. bei einem Zahlungsunwilligen eine Exekution simuliert. Neben Geldzahlungen forderten die Straft\u00e4ter u.a. auch die \u00dcberlassung hochwertiger Fahrzeuge. Die Inhaber wurden zur Unterschrift von bereits vorgefertigten \"Nutzungs\u00fcberlassungserkl\u00e4rungen\" gezwungen, um somit polizeilichen Ma\u00dfnahmen entgegenzuwirken. \u00c4hnlich verhielt es sich bei einer anderen Gruppierung, die so genannte Inkasso-Gesch\u00e4fte betrieb. Die Geldeintreiber forderten aber dar\u00fcber Inkasso-Delikte hinaus von den Schuldnern zus\u00e4tzliche Betr\u00e4ge. Dabei erweckte man den Anschein, dass z.B. eine \"kurdische Organisation\" im Hintergrund stehe. Als Druckmittel wurden die in Deutschland ver\u00fcbten T\u00f6tungsdelikte an t\u00fcrkischen Gesch\u00e4ftsm\u00e4nnern als drohende Konsequenz aufgezeigt. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden stellten bislang noch in keinem Fall Bez\u00fcge zwischen den Geldeintreibungen und den T\u00f6tungsdelikten fest. Einige Gesch\u00e4digte machten zwar gegen\u00fcber dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Angaben, weigerten sich jedoch aus Angst vor Repressalien strikt, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Die Gesch\u00e4digten sehen nicht nur eine Gefahr f\u00fcr sich selbst, sondern auch f\u00fcr ihre in der T\u00fcrkei lebenden Familienmitglieder und Verwandten. Eine Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","240 Organisierte Kriminalit\u00e4t weitere m\u00f6gliche Ursache f\u00fcr die Nichterstattung von Anzeigen durch Gesch\u00e4digte k\u00f6nnte die eigene Beteiligung an kriminellen Gesch\u00e4ften, wie z.B. dem Rauschgifthandel, sein. Im vergangenen Jahr wurde durch die enge Zusammenarbeit von Polizei und Verfassungsschutz eine t\u00fcrkische Gruppierung zerschlagen, die gewaltsam Geldeintreibungen sowie Schutzgelderpressungen durchgef\u00fchrt hatte. Die Hauptt\u00e4ter konnten festgenommen werden, was nach Polizeiangaben zur Folge hatte, dass Nachahmungst\u00e4ter abgeschreckt wurden. 3.3 Rockerkriminalit\u00e4t in Bayern Das Ph\u00e4nomen der Rockerkriminalit\u00e4t war lange Zeit vorwiegend aus \u00dcbersee bekannt, wo einzelne Rockerclubs bereits seit 50 Jahren bestehen. Die \"Hells Angels\" waren einer der ersten Clubs, der sich bereits vor 30 Jahren in Hamburg etablierte und mittlerweile deutschlandweit \u00fcber eine gro\u00dfe Anzahl von Niederlassungen, auch in Bayern, verf\u00fcgt. Typische Um Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) bei Rockern handelt es sich, wenn Indikatoren typische Indikatoren wie ein interner Ehrenkodex, hierarchischer innerer Aufbau, Expansionsstreben und Durchsetzung von Gebietsanspr\u00fcchen, Machtund Gewinnstreben sowie spezifische Delikte wie beispielsweise illegaler Waffenhandel, Bet\u00e4ubungsmittelkriminalit\u00e4t, Menschenhandel, K\u00f6rperverletzungsdelikte, Schutzgelderpressungen und deren arbeitsteilige Begehung erkennbar sind. Die Rockergruppierungen verf\u00fcgen \u00fcber weltweite Kontakte und Verflechtungen mit international agierenden T\u00e4tern und sind bei der Durchsetzung ihrer Clubinteressen gewaltbereit. Derartige OK-typische Verhaltensweisen bzw. Straftaten konnten immer wieder bei Mitgliedern der bekanntesten Rockergruppierungen wie den \"Hells Angels\", den \"Bandidos\", dem \"Gremium MC\" oder dem \"Outlaws MC\" festgestellt werden. Diese verf\u00fcgen bundesweit \u00fcber etwa 60 \"Ortsgruppen\", die so genannten Chapter bzw. Charter. Enge Verbindungen bestehen zur internationalen Rocker-Szene. Rockergruppen Die \"Hells Angels\", die \"Bandidos\", der \"Gremium MC\" sowie der in Bayern \"Outlaws MC\" sind auch in Bayern aktiv. W\u00e4hrend die \"Hells Angels\" Charter in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg unterhalten, verf\u00fcgen die \"Bandidos\" \u00fcber f\u00fcnf Chapter in Passau, M\u00fcnchen, Ingolstadt und Allersberg. Der \"Gremium MC\" wiederum ist in Bayern mit vier Chaptern in M\u00fcnchen, Zwiesel und Hof organisiert. Dem \"Outlaw MC\", der sich im Jahr 2001 bundesweit aus verschiedenen Rockergruppierungen formierte, werden bayernweit f\u00fcnf Chapter zugerechnet. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Organisierte Kriminalit\u00e4t 241 Auseinandersetzungen im Ausland zwischen Rockergruppen, wie z.B. der Mord an einem Rocker in Italien 2004, k\u00f6nnen jederzeit Auswirkungen auch auf die bayerische Szene haben. Im Vorfeld Organisierter Kriminalit\u00e4t beschafft das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Erkenntnisse zu Strukturen, Aufbau, Organisation, strategischen Zielsetzungen und Vorgehensweisen der Rockergruppierungen und stellt sie den Exekutivbeh\u00f6rden zur Verf\u00fcgung. 3.4 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t Bei der OK aus dem s\u00fcdostasiatischen Raum, hier mit den Schwerpunkten Vietnam und China, ist in verschiedenen Deliktsbereichen eine zunehmende Vernetzung und Zusammenarbeit von zuvor \u00fcberwiegend Zunehmende unabh\u00e4ngig voneinander agierenden ethnischen Gruppierungen festVernetzung zustellen. Die Hauptverantwortlichen f\u00fcr den Bereich der vietnamesischen OK halten sich in den neuen Bundesl\u00e4ndern und den ehemaligen Ostblockstaaten auf. Dies l\u00e4sst sich u.a. damit erkl\u00e4ren, dass in der Vergangenheit viele Gastarbeiter aus Vietnam in diesen L\u00e4ndern rekrutiert wurden. Nach dem Zusammenbruch der damaligen Regime sind sie dort geblieben. Die Beobachtung der OK aus dem Bereich der Chinesen erbrachte vorwiegend Hinweise auf den Deliktsbereich der Schleusungskriminalit\u00e4t. Dabei wurde Bayern bzw. Deutschland meist nur als Transitland in Richtung Skandinavien und die USA genutzt. 3.4.1 Schleusungsdelikte Illegale Migration ist eine Begleiterscheinung der zunehmenden Globalisierung und gewinnt dadurch auch auf europ\u00e4ischer Ebene zunehmend an Bedeutung. Die Einschr\u00e4nkungen der legalen Zuwanderungsm\u00f6glichkeiten, u.a. durch Festlegung von Zuwanderungsquoten in verschiedenen EU-L\u00e4ndern, f\u00fchrten dazu, dass vermehrt der Versuch unternommen wird, auf illegalem Wege nach Europa zu gelangen. Eine Person bezahlt insgesamt 10.000 bis 15.000 Dollar, wenn sie etwa von China nach Europa geschleust werden will. Dabei kassieren die Lukrative Schleuserorganisationen vom Geschleusten pro \"Etappenziel\" etwa Einnahmequelle 1.000 bis 3.000 Euro ab. Die Zahlung des Gesamtbetrags ist auch im Heimatland m\u00f6glich, beispielsweise durch Verwandte in China. Die Schleuserorganisation \u00fcbernimmt dann die Weiterverteilung der Mittel. Infolge geringer Risiken und hoher Profite ist die Beihilfe zur illegalen Zuwanderung ein lukratives Gesch\u00e4ft. Sie wurde zu einer der Haupteinnahmequellen f\u00fcr OK-Gruppierungen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","242 Organisierte Kriminalit\u00e4t Bevorzugte Zu den bevorzugten Schleusungsrouten z\u00e4hlen die Reisewege von RussSchleusungsrouten land \u00fcber Tschechien, Ungarn, Rum\u00e4nien oder Polen. Ziell\u00e4nder sind vorwiegend Gro\u00dfbritannien, Frankreich oder die USA. Bayern bzw. Deutschland wird weiterhin als Transitland f\u00fcr illegale Migration genutzt. Erkenntnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz deuten darauf hin, dass Wohnungen als Zwischenstationen im nordbayerischen Raum eingerichtet wurden, von denen die anschlie\u00dfende Weiterschleusung in andere EU-Staaten erfolgte. Organisiert werden die Schleusungen von lokal ans\u00e4ssigen Koordinatoren der gleichen Ethnie (z.B. Chinesen). Aufgrund der Weitergabe von Hinweisen an tschechische und deutsche Exekutivbeh\u00f6rden kam es zu mehreren Festnahmen und Durchsuchungen sowie zur Zerschlagung von Schleuserorganisationen. In einem Fall nahm die Grenzpolizei mehrere Schleuser in Untersuchungshaft, durchsuchte Wohnungen und beschlagnahmte Beweismittel. Auff\u00e4llig im Bereich der vietnamesischen und chinesischen Ethnie war die steigende Anzahl von Scheinehen, mit denen versucht wird, in Deutschland einen legalen Aufenthalt zu begr\u00fcnden bzw. einer drohenden Abschiebung zu entgehen. F\u00fcr eine Scheinehe werden bis zu 20.000 Euro bezahlt. 3.4.2 Bet\u00e4ubungsmittelhandel Intensivierung des Im Bereich der vietnamesischen OK sind Bestrebungen zu erkennen, Rauschgifthandels den Rauschgifthandel zu intensivieren und bestehende Strukturen weiter zu festigen. In bayerischen Gro\u00dfst\u00e4dten sind konkrete Personen bekannt, die zust\u00e4ndig f\u00fcr die Beschaffung und Verteilung des Rauschgifts an Zwischenh\u00e4ndler sind. Hierzu bedienen sie sich der bestehenden Verbindungen und der Lieferwege in die neuen Bundesl\u00e4nder, haupts\u00e4chlich in die St\u00e4dte Leipzig, Dresden und Erfurt. Nach der Festnahme von wichtigen Drogenh\u00e4ndlern in Bayern ermittelte das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz diverse Nachfolger. Erkenntnisse \u00fcber deren Strukturen und Lieferanten wurden an die entsprechenden Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weitergegeben. Die Staatsanwaltschaft fordert f\u00fcr einen Hauptbeschuldigten eine Haftstrafe zwischen zehn und zw\u00f6lf Jahren. In einem anderen Fall kam es zur Sicherstellung einer gr\u00f6\u00dferen Menge Heroin in M\u00fcnchen. 3.4.3 Prostitution Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellte fest, dass Vietnamesen und Chinesen auf Wohnungsprostitution ausweichen, um Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Organisierte Kriminalit\u00e4t 243 eine ethnische Abschottung zu erreichen, aber auch, um anonym zu bleiben. Des Weiteren wurden junge Frauen zur Wohnungsprostitution gezwungen, um ihre \"Schleusungsschulden\" abzuarbeiten. Der Betrieb eines solchen illegalen Bordells konnte innerhalb Bayerns nicht beobachtet werden. Jedoch konnten Erkenntnisse gewonnen werden, dass au\u00dferhalb Bayerns solche illegalen Bordelle betrieben werden. Deren Adressen werden innerhalb der vietnamesischen und chinesischen Ethnie verbreitet. Auch in diesem Bereich f\u00fchrten Erkenntnisse aus den Strukturermittlungen zur Einleitung weiterer Exekutivma\u00dfnahmen. Die Polizei durchsuchte unter Beteiligung von anderen Beh\u00f6rden wie Zoll und Gewerbeaufsichtsamt aufgrund von Informationen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz ein illegales Bordell, wobei der weitere Gesch\u00e4ftsbetrieb nach Festnahme mehrerer Personen vorl\u00e4ufig unterbunden wurde. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","244 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I) Ge\u00e4ndert durch SS 2 des Gesetzes zur Anpassung des Bayerischen Landesrechts an Art. 13 des Grundgesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl S. 383), Art. 4 Abs. 1 des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40) und SS 1 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969) I. Abschnitt erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, Organisation und Aufgaben durch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder des Verfassungsschutzes unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnArt. 1 licher Strukturen oder Organisation des Verfassungsschutzes, Verh\u00e4ltnis zur Polizei - unter Anwendung von Gewalt oder durch entsprechende Drohung oder (1) 1 Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des - unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein LandesMedien oder Wirtschaft. amt f\u00fcr Verfassungsschutz. 2 Es dient auch dem Schutz vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (2) 1 Freiheitliche demokratische Grundordnung nachgeordnete Beh\u00f6rde. 2 Das Landesamt und Dienstnach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschluss stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtswerden. 3Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit nicht zu. darstellt. 2 Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordnung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im Art. 2 Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem Zust\u00e4ndigkeit vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfiggesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2 Dazu gekeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, h\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Veralle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsfassungsschutzes. m\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lanoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Gesetzes t\u00e4tig werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 245 Art. 3 haltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Aufgaben Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Aufgabe, 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetverteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt zes, die gegen die freiheitliche demokratische sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes mitzuwirken. f\u00fcr eine fremde Macht, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des GrundgesetAufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen zes, die durch Anwendung von Gewalt oder 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rvon Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffenttige Belange der Bundesrepublik Deutschland lichen Dienst bewerben, gef\u00e4hrden, 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcr4. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetgerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des zes, die gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndiVerdienstordens der Bundesrepublik Deutschland gung (Art. 9 Abs. 2 Grundgesetz), insbesondere - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des gegen das friedliche Zusammenleben der V\u00f6lker Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. (Art. 26 Abs. 1 Grundgesetz), gerichtet sind, 5. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes II. Abschnitt Allgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen ausArt. 4 gehen. 2 Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe Allgemeine Befugnisse Informationen, insbesondere sachund personenbezogene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber sol(1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu auszuwerten. 3 Die notwendige Koordinierung mit den erforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenanderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen beh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministeriums Gruppierung oder Person erheben und in Akten und des Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministerium Dateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie der Justiz geregelt. 4 \u00dcber diese Richtlinien wird das aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachParlamentarische Kontrollgremium gem\u00e4\u00df Art. 3 Abs. 3 folgend besondere Bestimmungen gelten. 2Das LandesSatz 1 des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle amt f\u00fcr Verfassungsschutz darf personenbezogene der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Daten auch f\u00fcr die Vorgangsverwaltung nutzen und verArt. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigarbeiten. 3Ist zum Zweck der Datenerhebung die \u00dcberkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamittlung personenbezogener Daten erforderlich, so darf mentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) vom ein entsprechendes Ersuchen des Landesamts f\u00fcr Ver10. Februar 2000 (GVBl S. 40) unterrichtet. fassungsschutz nur diejenigen personenbezogenen Daten enthalten, die f\u00fcr die Erteilung der Auskunft uner(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die l\u00e4sslich sind. 4Schutzw\u00fcrdige Interessen des BetroffeAufgabe, nen d\u00fcrfen nur in unvermeidbarem Umfang beeintr\u00e4chtigt werden. 1. nach Ma\u00dfgabe des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von (2) 1 Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr VerfasPersonen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimsungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","246 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Nrn. 1 und 2 sind im Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fc(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perfungsgesetz vom 27. Dezember 1996 (GVBl S. 509, sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung BayRS 12-3-I)), zuletzt ge\u00e4ndert durch SS 6 des Gesetzes nachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn vom 24. April 2001 (GVBl S. 140), in der jeweils gel1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder tenden Fassung geregelt, soweit sie nicht in besonderen T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf Gesetzen geregelt sind; Art. 6 Abs. 1 Satz 4 bleibt undiese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge ber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf, gewonnen werden k\u00f6nnen oder soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 Nr. 2 nur mitwirken 2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur Auskunft erteilen, Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts wenn die betroffene Person der Durchf\u00fchrung der f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; werden der Ehegatte oder oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. die Person, mit der die betroffene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher Gemeinschaft lebt, in die (3) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwen\u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, so ist auch deren Zustimdung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben wermung erforderlich. den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene (3) 1 Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiePerson weniger beeintr\u00e4chtigt. 2 Die Anwendung nachdene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr richtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofVerh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverfene Gruppierung oder Person voraussichtlich am halts stehen. 3 Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 2 Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, Zweck erreicht ist oder sich ergibt, dass er nicht oder wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar nicht auf diese Weise erreicht werden kann. au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. (4) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem Art. 5 Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Erhebung personenbezogener Daten Art. 6 a 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf persoEinsatz besonderer technischer Mittel nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung im Schutzbereich des Art. 13 Grundgesetz seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 2 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 (1) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel zur Nr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persoInformationsgewinnung im Schutzbereich des Art. 13 nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nachdes Grundgesetzes ist als nachrichtendienstliches Mitermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von tel im Sinn des Art. 6 Abs. 1 unter besonderer Ber\u00fcckInformationen erforderlich ist, die bei den Verfassungssichtigung des Grundsatzes der Verhaltnism\u00e4\u00dfigkeit schutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. nach Art. 6 Abs. 3 nur zul\u00e4ssig, wenn Art. 6 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach SS 1 Abs. 1 und SS 3 Abs. 1 des Gesetzes zur Beschr\u00e4n(1) 1 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem kung des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses Gesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch vom 26. Juni 2001 (BGBl I S. 1254) in der jeweils nachrichtendienstliche Mittel anwenden. 2 Sie dienen geltenden Fassung vorliegen, oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicher2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorlieheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner gen, dass jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 Mitarbeiter. 3Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfSatz 1 Nrn. 1, 3 oder 4 durch die Planung oder Benahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter gehung von Straftaten nach SSSS 129, 129 a, 129 b, 130 und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, dass das oder 131 des Strafgesetzbuchs (StGB) in der jeweils Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen ergeltenden Fassung verfolgt, oder hebt. 4 Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungs3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteschutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarhen, dass jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nung von Mitarbeitern anwenden. nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 durch die Planung Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 247 oder Begehung von Straftaten nach SS 100 a der StrafBetroffenen nach Absatz 5 oder f\u00fcr eine gerichtliche prozessordnung (StPO) in der Fassung der BekanntNachpr\u00fcfung der Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme nach machung vom 7. April 1987 (BGBl I S. 1074, 1319), Absatz 1 von Bedeutung sein k\u00f6nnen. 7In diesem Fall zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 3 des Gesetzes vom sind die Daten zu sperren und d\u00fcrfen nur zu diesen 22. August 2002 (BGBl I S. 3390), SSSS 261, 263 bis Zwecken verwendet werden. 265, 265 b, 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SSSS 92 a, 92 b des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) vom (4) Die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten an 9. Juli 1990 (BGBl I S. 1353), zuletzt ge\u00e4ndert durch andere \u00f6ffentliche Stellen gem\u00e4\u00df Art. 14 Abs. 1 bis 3 ist Art. 11 des Gesetzes vom 9. Januar 2002 (BGBl I nur zul\u00e4ssig zur Abwehr von erheblichen Gefahren f\u00fcr S. 361), in der jeweils geltenden Fassung verfolgt die \u00f6ffentliche Sicherheit, insbesondere zum Schutz der k\u00f6rperlichen Unversehrtheit von Personen und zur Verund die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise folgung von in Absatz 1 oder in SS 138 StGB genannten aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2Der verStraftaten. deckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen rich(5) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz teilt dem ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen Betroffenen Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 Satz 1 nach ist, dass sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von ihrer Einstellung, fr\u00fchestens jedoch dann mit, wenn eine ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder Gef\u00e4hrdung des Zwecks der Ma\u00dfnahme ausgeschlossen weitergeben, oder dass der Verd\u00e4chtige sich in ihrer werden kann. 2Einer Mitteilung bedarf es nicht, wenn das Wohnung aufh\u00e4lt. nach Absatz 7 zust\u00e4ndige Gericht festgestellt hat, dass (2) 1 Der Einsatz besonderer technischer Mittel nach 1. die Voraussetzung auch nach f\u00fcnf Jahren nach BeenAbsatz 1 bedarf einer richterlichen Anordnung. 2Bei digung der Ma\u00dfnahme noch nicht eingetreten ist, Gefahr im Verzug kann der Pr\u00e4sident des Landesamts 2. sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit f\u00fcr Verfassungsschutz oder dessen Vertreter die Anordauch in Zukunft nicht eintreten wird und nung treffen; eine richterliche Entscheidung ist unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngs3. die Voraussetzungen f\u00fcr eine L\u00f6schung sowohl bei tens drei Monate zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um jeder erhebenden Stelle als auch beim Empf\u00e4nger der weils nicht mehr als drei weitere Monate sind auf AnDaten vorliegen. trag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der Anordnung fortbestehen. 4Liegen die Voraussetzungen nicht (6) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer mehr vor oder ist der verdeckte Einsatz technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes Mittel nicht mehr erforderlich, so ist die Ma\u00dfnahme unausschlie\u00dflich zum Schutz der f\u00fcr den Verfassungsverz\u00fcglich zu beenden. schutz in diesem Bereich t\u00e4tigen Personen bedarf der Anordnung des Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfas(3) 1 Ein Bediensteter des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder eines von ihm bestellten Beauftragsungsschutz mit Bef\u00e4higung zum Richteramt beauften. 2Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangsichtigt den Vollzug der Anordnung. 2Die nach Absatz 1 ten Erkenntnisse ist nur zul\u00e4ssig, wenn zuvor die erhobenen Daten d\u00fcrfen nur zur Erforschung und VerRechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme richterlich festgestellt folgung von dort genannten Bestrebungen und T\u00e4tigist; bei Gefahr im Verzug ist die richterliche Entscheikeiten, sowie f\u00fcr Daten\u00fcbermittlungen nach Absatz 4 dung unverz\u00fcglich nachzuholen. 3Soweit Erkenntnisse verwendet werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsverwertet werden, gelten f\u00fcr die Datenverarbeitung, die schutz pr\u00fcft unverz\u00fcglich und sodann in Abst\u00e4nden von L\u00f6schung der Daten und die Mitteilung des Betroffenen sechs Monaten, ob die durch Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 die Abs\u00e4tze 3 bis 5 entsprechend. 4Im \u00dcbrigen sind sie erhobenen personenbezogenen Daten allein oder zuunverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. sammen mit bereits vorliegenden Daten f\u00fcr die Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebun(7) 1Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den gen oder T\u00e4tigkeiten erforderlich sind. 4Soweit diese Abs\u00e4tzen 2, 5 und 6 ist das Amtsgericht am Sitz des Daten daf\u00fcr nicht erforderlich sind und nicht f\u00fcr eine Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. 2F\u00fcr das Verfahren \u00dcbermittlung an andere Stellen ben\u00f6tigt werden, sind gelten die Vorschriften des Gesetzes \u00fcber die Angelesie unverz\u00fcglich unter Aufsicht eines Bediensteten, der genheiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit - FGG - die Bef\u00e4higung zum Richteramt hat, zu l\u00f6schen. 5Die (BGBl III 315-1), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 26 des L\u00f6schung ist zu protokollieren. 6Die L\u00f6schung unterGesetzes vom 23. Juli 2002 (BGBl I S. 2850), entsprebleibt, soweit die Daten f\u00fcr eine Mitteilung an den chend. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","248 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) (8) 1Die Staatsregierung unterrichtet den Landtag (2) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im j\u00e4hrlich \u00fcber die in Absatz 1, und soweit richterlich Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 \u00fcberpr\u00fcfungsbed\u00fcrftig, nach Absatz 6 angeordneten Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten BestreMa\u00dfnahmen. 2Ein vom Landtag ausgew\u00e4hltes Gremium bungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf \u00fcbt auf der Grundlage dieses Berichts die parlamentariausgerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt wersche Kontrolle aus. den, sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach Art. 3 Abs. 1 Nr. 5 Ausk\u00fcnfte entsprechend SS 8 Abs. 5 bis 8 Art. 6 b BVerfSchG einholen. 2Absatz 1 gilt entsprechend. Datenerhebung bei Kreditinstituten, Fluggesellschaften, sowie Post-, Telekommuni(3) 1Das Staatsministerium des Innern unterrichtet im kationsund Teledienstgesellschaften Abstand von h\u00f6chstens sechs Monaten das Parlamentarisowie Einsatz des IMSI-Catchers sche Kontrollgremium nach dem Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetz \u00fcber die Durchf\u00fchrung der (1) 1Ausk\u00fcnfte nach SS 8 Abs. 5 bis 8 des Gesetzes Abs\u00e4tze 1 und 2; dabei ist insbesondere ein \u00dcberblick \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis und Kosten der im Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und des BunBerichtszeitraum durchgef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen nach den desamts f\u00fcr Verfassungsschutz (BundesverfassungsAbs\u00e4tzen 1 und 2 zu geben. 2Das Gremium erstattet dem schutzgesetz - BVerfSchG) vom 20. Dezember 1990 Bayerischen Landtag j\u00e4hrlich einen Bericht \u00fcber die (BGBl I S. 2954), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 9 des Durchf\u00fchrung sowie Art, Umfang und Anordnungsgr\u00fcnde Gesetzes vom 16. August 2002 (BGBl I S. 3202), in der der Ma\u00dfnahmen nach den Abs\u00e4tzen 1 und 2; dabei sind jeweils geltenden Fassung d\u00fcrfen nur auf Antrag eingedie Grunds\u00e4tze des Art. 2 Abs. 1 PKGG zu beachten. holt werden. 2Der Antrag ist durch den Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz oder seinen Vertreter (4) 1Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf im schriftlich zu stellen und zu begr\u00fcnden. 3\u00dcber den Antrag Einzelfall zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 entscheidet das Staatsministerium des Innern. 4Es unterAbs. 1 Satz 1 Nr. 1, sofern die dort genannten Bestrerichtet monatlich die nach Art. 2 des Gesetzes zur Ausbungen durch Anwendung von Gewalt oder darauf ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) gerichtete Vorbereitungshandlungen verfolgt werden, vom 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), sowie zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 1 zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 2 des Gesetzes vom Satz 1 Nrn. 2 bis 5 unter den Voraussetzungen des SS 3 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), gebildete Kommission Abs. 1 des Artikel 10-Gesetzes auch technische Mittel \u00fcber die beschiedenen Antr\u00e4ge vor deren Vollzug. 5Bei zur Ermittlung des Standorts eines aktiv geschalteten Gefahr im Verzug kann das Staatsministerium des Innern Mobilfunkendger\u00e4ts und zur Ermittlung der Ger\u00e4teund den Vollzug der Entscheidung auch bereits vor der UnKartennummern einsetzen. 2Die Ma\u00dfnahme ist nur zuterrichtung der Kommission anordnen. 6Die Kommission l\u00e4ssig, wenn ohne die Ermittlung die Erreichung des pr\u00fcft von Amts wegen oder auf Grund von Beschwerden Zwecks der \u00dcberwachungsma\u00dfnahme aussichtslos oder die Zul\u00e4ssigkeit und Notwendigkeit der Einholung von wesentlich erschwert w\u00e4re. 3Personenbezogene Daten Ausk\u00fcnften. 7 SS 15 Abs. 5 des Artikel l0-Gesetzes vom eines Dritten d\u00fcrfen anl\u00e4sslich solcher Ma\u00dfnahmen nur 26. Juni 200l (BGBl I S. 1254), zuletzt ge\u00e4ndert durch erhoben werden, wenn dies aus technischen Gr\u00fcnden Art. 5 Abs. 1 des Gesetzes vom 22. August 2002 (BGBl I zur Erreichung des Zwecks nach Satz 1 unvermeidbar S. 3390), ist mit der Ma\u00dfgabe entsprechend anzuwenist. 4\u00dcber den Datenabgleich zur Ermittlung der gesuchden, dass die Kontrollbefugnis der Kommission sich auf ten Ger\u00e4teund Kartennummer hinaus d\u00fcrfen sie nur die gesamte Erhebung, Verarbeitung und Nutzung der zur Verh\u00fctung und Verfolgung von Straftaten im Sinn nach SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erlangten personenbedes SS 138 StGB verwendet werden. 5Nach Beendigung zogenen Daten erstreckt. 8Entscheidungen \u00fcber Ausk\u00fcnfder Ma\u00dfnahme sind sie unverz\u00fcglich zu l\u00f6schen. te, die die Kommission f\u00fcr unzul\u00e4ssig oder nicht not- 6 Abs\u00e4tze 1 und 3 gelten entsprechend. wendig erkl\u00e4rt, hat das Staatsministerium des Innern unverz\u00fcglich aufzuheben. 9F\u00fcr die Verarbeitung der nach (5) Das Staatsministerium des Innern erstattet dem SS 8 Abs. 5 bis 8 BVerfSchG erhobenen Daten ist SS 4 des Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundes j\u00e4hrArtikel l0-Gesetzes entsprechend anzuwenden. 10Das lich einen Bericht nach SS 8 Abs. 11 BVerfSchG \u00fcber die Auskunftsersuchen und die \u00fcbermittelten Daten d\u00fcrfen Durchf\u00fchrung des Absatzes 1; dabei ist insbesondere dem Betroffenen oder Dritten vom Auskunftsgeber nicht ein \u00dcberblick \u00fcber Anlass, Umfang, Dauer, Ergebnis mitgeteilt werden. 11SS12 Abs. 1 und 3 des Artikel 10-Geund Kosten der im Berichtszeitraum durchgef\u00fchrten setzes finden entsprechende Anwendung. Ma\u00dfnahmen nach Absatz 1 zu geben. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 249 Art. 7 Art. 8 Speicherung und Ver\u00e4nderung Berichtigung und L\u00f6schen von Daten personenbezogener Daten (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur 1 Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz persoberichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die nenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nzu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu dern, wenn vermerken. 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von Bestrel\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig bungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erforderwar oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzlich ist oder lich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; 3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Akten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. sind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2 Ob die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung 2 In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personennach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbeibezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, tung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder 3 Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. 3Das Recht der Grund zu der Annahme besteht, dass durch sie schutzNutzung und Verabeitung personenbezogener Daten w\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chnach Art. 4 Abs. 1 Satz 2 zur Vorgangsverwaltung bleibt tigt w\u00fcrden. 4 In diesem Fall sind die Daten zu sperren; unber\u00fchrt. sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. (2) 1Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcr(3) 1 F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften fen nicht in Dateien gespeichert werden. 2 Personenbedes Bayerischen Archivgesetzes. 2 Die Anbietungszogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person nach pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 Vollendung des 14. und vor Vollendung des 16. LebensAbs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung. jahres sind zwei Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 9 Art. 3 Abs. 1 angefallen sind. 3 Personenbezogene Daten Errichtungsanordnung \u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des 16. und vor Vollendung des 18. Lebensjahres sind zwei (1) 1 F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierJahre nach dem Verhalten auf die Erforderlichkeit der ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet Speicherung in Dateien zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens werden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in f\u00fcnf Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, einer Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des dass weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: angefallen sind \u00fcber ein Verhalten nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit. 4 F\u00fcr Akten, die zu einer minderj\u00e4hrigen 1. Bezeichnung der Datei, Person gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fc2. Zweck der Datei, fungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. 3. betroffener Personenkreis, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 4. Art der zu speichernden Daten, Dauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu 5. Eingabeberechtigung, einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df 6. Zugangsberechtigung, festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach diesem Gesetz erforderlich ist. 7. regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, 8. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei9. Protokollierung des Abrufs. chert, muss erkennbar sein, wer die Bewertung vorgenommen hat und wo die Informationen gespeichert 2 Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des sind, die der Bewertung zugrunde liegen. Innern ist die Errichtungsanordnung dem LandesbeaufVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","250 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. 4. die Information oder die Tatsache der Speicherung 3 Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des nach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen Verfahrens. nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden berechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehal(2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des ten werden muss. Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung personenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df (4) 1 Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf beschr\u00e4nkt ist. keiner Begr\u00fcndung. 2 Wird die Auskunftserteilung abgelehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage f\u00fcr (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweisen, angemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weidass er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenterf\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. bezogener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz wenden kann. 3 Dem Landesbeauftragten Art. 10 f\u00fcr den Datenschutz ist auf sein Verlangen Auskunft zu Geltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes erteilen, soweit nicht das Staatsministerium des Innern im Einzelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten AufBundes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. 4 Mitteilungaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz fingen des Landesbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen den die Art. l0 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Kenntnisstand des LandesBayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. amts f\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, sofern dieses nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Art. 11 Auskunftserteilung III. Abschnitt (1) Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim 1 \u00dcbermittlungsregelungen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten gespeicherten Informationen besteht nicht. 2 Hat Art. 12 eine Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft Informations\u00fcbermittlung \u00fcber die zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entan das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz scheidet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach ohne Ersuchen pflichtgem\u00e4\u00dfem Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegeh(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regisren. ter, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fc\u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen fung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer des Freistaats Bayern haben von sich aus dem LandesPerson Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, amt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer hat diese Person abweichend von Absatz 1 einen Aufgaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcberAnspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts mitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr bestef\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung hen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufdieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. gaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines (3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst. b oder c des 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach Grundgesetzes erforderlich sein kann. Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche \u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unZug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforverz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fclschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitslung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu lich sind. 2 Ergibt die Pr\u00fcfung, dass sie nicht erforderbef\u00fcrchten ist, lich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernich3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden ten. 3 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung Nachteile bereiten w\u00fcrde oder der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 251 vertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall Art. 14 d\u00fcrfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung wendet werden. durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perArt. 13 sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, Informations\u00fcbermittlung wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Gesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle auf Ersuchen die Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen (1) 1 Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt; Stellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittauf dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Auflung aktenkundig zu machen. 2 Gleiches gilt, wenn der gaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcbermitEmpf\u00e4nger die personenbezogenen Daten zur Erf\u00fcllung teln, soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Lananderer ihm zugewiesener Aufgaben ben\u00f6tigt, sofern er desamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz dabei auch zum Schutz der freiheitlichen demokratischen erforderlich ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Grundordnung beizutragen oder Gesichtspunkte der darf Ersuchen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Infor\u00f6ffentlichen Sicherheit oder ausw\u00e4rtige Belange zu mation auf andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufw\u00fcrdigen hat. 3 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten wand oder nur durch eine die betroffene Gruppierung Daten, soweit gesetzlich nichts anderes bestimmt ist, oder Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermitwerden kann. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz telt wurden, es sei denn, dass das Landesamt f\u00fcr Verfashat Ersuchen zu begr\u00fcnden, es sei denn, dass eine Besungsschutz einer anderen Verwendung f\u00fcr Zwecke gr\u00fcndung dem Schutz der betroffenen Gruppierung nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt hat. 4 Satz 1 gilt oder Person zuwiderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahauch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenbezogener Daten inme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. 4 Es hat die Ersuchen aktenkundig nerhalb des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. zu machen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrte von Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 einzwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber sehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige \u00dcberBundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndimittlung von Informationen aus den Akten oder den schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961 Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, einen S. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln; das Lan\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6nlichdesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung keitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen w\u00fcraktenkundig zu machen. 2 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinde. 2 \u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dateien zuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen NachZweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcberweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die eingesehene mittelt wurden. Datei hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern (3) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perund am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb Erstellung folgt, zu vernichten. des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcber(3) 1 H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Stelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die EinsichtAufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung nahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erfordem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht derlich ist; das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat dieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so die \u00dcbermittlung aktenkundig zu machen. 2 Die \u00dcberentscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtsmittlung unterbleibt, wenn ausw\u00e4rtige Belange der Bunbeh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. desrepublik Deutschland oder \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person entgegenstehen. (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. 3 Sie ist aktenkundig zu machen. 4 Der Empf\u00e4nger ist Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","252 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) darauf hinzuweisen, dass die \u00fcbermittelten Daten nur 1. erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie der Informationen und ihrer Erhebung das schutzihm \u00fcbermittelt wurden. w\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder (4) 1Personenbezogene Daten d\u00fcrfen au\u00dfer in den 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. F\u00e4llen des Art. 4 Abs. 1 Satz 3 an andere Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nur \u00fcbermittelt werden, wenn dies (2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informationszum Schutz vor den in Art. 3 Abs. 1 Satz 1 bezeichne\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unten Bestrebungen, Gefahren und T\u00e4tigkeiten erforderber\u00fchrt. lich ist. 2Die \u00dcbermittlung nach Satz 1 bedarf der vorherigen Zustimmung des Staatsministeriums des Innern; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. 3Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung IV. Abschnitt aktenkundig zu machen. 4Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcberParlamentarische Kontrolle mittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 5Das Landesamt f\u00fcr VerfasArt. 18 sungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweisen. Parlamentarisches Kontrollgremium Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung (5) 1 \u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtlichen hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr VerfasVorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2 Das Landesamt f\u00fcr sungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen des GesetVerfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzbeh\u00f6rzes zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregieden auch dadurch unterrichten, dass es diesen den Abruf rung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6glicht, bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landessoweit deren gesetzliche Aufgaben identisch sind. amts f\u00fcr Verfassungsschutz - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom 10. Februar 2000 (GVBl Art. 15 S. 40, BayRS 12-4-I) in der jeweils geltenden Fassung. Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit 1 Das Staatsministerium des Innern und das LandesArt. 19 und 20 (aufgehoben) amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. l. 2 Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezogene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesse V. Abschnitt der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzSchlussvorschriften w\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahrung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. Art. 21 Erf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben Art. 16 Nachberichtspflicht Zur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetzes nach Art. 73 Nr. l0 Buchst. b und c des GrundErweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer gesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsdie Befugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entsprechenschutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unverden Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. z\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der Art. 22 betroffenen Person erforderlich ist. Einschr\u00e4nkung von Grundrechten Art. 17 Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht \u00dcbermittlungsverbote der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des Grundgesetzes und Art. l06 Abs. 3 der Verfassung und (1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das das Grundrecht des Brief-, Postund FernmeldegeheimLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und nisses nach Art. 10 des Grundgesetzes und Art. 112 der 14 hat zu unterbleiben, wenn Verfassung eingeschr\u00e4nkt werden. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 253 Art. 23 Art. 24 \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung In-Kraft-Treten des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz 1 Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* Das Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 2 Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVBl 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts S. 522, BayRS 12-2-I) wird wie folgt ge\u00e4ndert: f\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-I), 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen Datenschutz\"6 Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, gesetzes (BayRS 204-1-I). die der Zustimmung der Parlamentarischen Kontrollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes bedarf.\" 2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr Sicherheitsfragen zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags\" durch * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der die Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission urspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBl S. 323). f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ersetzt. ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","254 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) Gesetz zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) Vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40, BayRS 12-4-I) Ge\u00e4ndert durch SS 4 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz, des Bayerischen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2002 (GVBl S. 969), SS 1 Nr. 6 des Dritten Gesetzes zur Aufhebung von Rechtsvorschriften vom 7. August 2003 (GVBl S. 497) und SS 2 des Gesetzes zur \u00c4nderung des Polizeiaufgabengesetzes und des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 24. Dezember 2005 (GVBl S. 641) Art. 1 (3) 1 Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder seiParlamentarisches Kontrollgremium ner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Parlamentarischen Kontrollgremium; Absatz 4 bleibt (1) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt die unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein parlamentarische Kontrolle gem\u00e4\u00df Art. 13 Abs. 6 Satz 3 neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das Gleiche gilt, wenn ein des Grundgesetzes zum Vollzug der Ma\u00dfnahmen nach Mitglied aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes nach Ma\u00dfgabe ausscheidet. 3Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr der Art. 48 a des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des Gerichtsdie stellvertretenden Mitglieder. verfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (AGGVG), Art. 34 Abs. 9 des Polizeiaufgaben(4) Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt seine gesetzes (PAG) und Art. 6 a Abs. 8 des Bayerischen T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des LandVerfassungsschutzgesetzes (BayVSG) in der Fassung tags hinaus solange aus, bis der nachfolgende Landtag ein der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, neues Parlamentarisches Kontrollgremium gew\u00e4hlt hat. BayRS 12-1-I), zuletzt ge\u00e4ndert durch Art. 4 Abs. 1 des Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40), aus. Art. 2 2 Dem Parlamentarischen Kontrollgremium obliegt ferGeheimhaltung ner die Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz; die (1) 1 Die Beratungen des Parlamentarischen KontrollRechte des Landtags und seiner Aussch\u00fcsse bleiben ungremiums sind geheim. 2Die Mitglieder und stellvertreber\u00fchrt. tenden Mitglieder sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigkeit im (2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt geworden aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder des Parlamentarisind. 3Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausscheischen Kontrollgremiums werden zu Beginn jeder neuen den aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium. Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte gew\u00e4hlt. 3In gleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein stellvertreten(2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium tritt des Mitglied gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen der mindestens einmal im Jahr zusammen. 2Jedes Mitglied Mehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. kann die Einberufung des Parlamentarischen KontrollVerfassungsschutzbericht Bayern 2005","Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) 255 gremiums verlangen. 3Das Parlamentarische KontrollArt. 4 gremium gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 4Ferner ob\u00c4nderung von Gesetzen liegt ihm die Wahl seiner bzw. seines Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden. (1) Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I), ge\u00e4ndert Art. 3 durch SS 2 des Gesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums S. 383), wird wie folgt ge\u00e4ndert: und Berichtspflichten der Staatsregierung 1. Art. 18 erh\u00e4lt folgende Fassung: (1) Das Staatsministerium der Justiz erstattet dem \"Art. 18 Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Parlamentarisches Kontrollgremium nach Art. 48 a AGGVG. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregie(2) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem rung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht Verfassungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen nach Art. 34 Abs. 9 PAG und Art. 6 a Abs. 8 BayVSG. des Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle der 2 Die Berichterstattung nach diesen Vorschriften kann Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach gesondert erfolgen. Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (3) 1 Das Staatsministerium des Innern unterrichtet - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom das Parlamentarische Kontrollgremium ferner regel10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I).\" m\u00e4\u00dfig umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge 2. Art. l9 und 20 werden aufgehoben. von besonderer Bedeutung. 2Dar\u00fcber hinaus berichtet es zu einem konkreten Thema aus dem Aufgabenbereich (2) In Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, sofern das ParGesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) vom lamentarische Kontrollgremium dies verlangt. 3Zeit, Art 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), und Umfang der Unterrichtung des Parlamentarischen ge\u00e4ndert durch Art. 23 des Gesetzes vom 24. August Kontrollgremiums werden unter Beachtung des not1990 (GVBl S. 323), werden die Worte \"die Parlamenwendigen Schutzes des Nachrichtenzugangs durch die tarische Kontrollkommission f\u00fcr Angelegenheiten des politische Verantwortung der Staatsregierung bestimmt. Verfassungsschutzes\" durch die Worte \"das Parlamentarische Kontrollgremium\" ersetzt. (4) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem Parlamentarischen Kontrollgremium ferner Bericht Art. 5 nach Ma\u00dfgabe des Art. 3 des Gesetzes \u00fcber die AufIn-Kraft-Treten, \u00dcbergangsvorschrift gaben der G 10-Kommission im Bayerischen Landtag und zur Ausf\u00fchrung des Artikel 10-Gesetzes (G 10) (1) Dieses Gesetz tritt am 1. April 2000 in Kraft.* und nach Ma\u00dfgabe des Art. 6 b Abs. 3 und 4 BayVSG. 2 Art. 2 AGG 10 bleibt unber\u00fchrt. (2) (aufgehoben). * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung. Der Zeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","256 Sachwortregister Sachwortregister ABLE 220 Black Metal 144 ABSURD 144 BLUTAAR 145 Abu Sayaff 40 BLUTSTAHL 145 ACT OF VIOLENCE 146 Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei (BP-KK/T) 87 AD\u00dcTDF 80 BREAKDOWN 104 Aktion Transparente Verwaltung M\u00fcnchen (ATV) 222 BRIGADE M 104 Al-Aqsa e.V. 46 B\u00fcndnis M\u00fcnchen gegen Krieg 190 a.l.d.e.n.t.e. - autonome gruppe mit biss 194 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 91 Al-Gamaa al-Islamiya (GI) 40 Bund Frankenland - Staatsb\u00fcrgerliche Runde 135 Al-Qaida 40 BURNING HATE 104 Al-Tauhid 55 Burschenschaft Danubia 153 Anadoluda Vakit 68 Ansar al-Islam 52 CALSLAGEN 104 antifa 208 Castle Hill Publishers Ltd. 157 Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen 194 Celebrity Centres (CC) 218 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg 208 Church of Scientology International (CSI) 209 Antikernkraftbewegung 203 Citizens Commission on Human Rights (CCHR) 222 Applied Scholastics 220 Clears 212 Arabische Mudjahidin 41 CONFIDENT OF VICTORY 145 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 192 Continental Liaison Office (CLO) 217 Arbeiterkommunistische Partei Iran (API) 85 CRIMINON 220 ARMCO 104 ARYAN REBELS 144 D.I.A. (Die islamische Alternative) 65 Asiatische Organisierte Kriminalit\u00e4t 241 DAMAGE INCORPORATED 144 Asr-I Saadet 65 Das Freie Forum 162 AUFMARSCH 144 Dawa 57 Augsburger B\u00fcndnis - Nationale Demokratie Direkt M\u00fcnchen e.V. 126 Opposition e.V. 136 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Autonome 192 Pal\u00e4stinas (DFLP) 85 Autonome Jugend Antifa 194 Denk mit! 162 Autonome Nationalisten M\u00fcnchen (ANM) 134 Denk mit!-Verlag 162 Department of Special Affairs (DSA) 221 barricada - zeitung f\u00fcr autonome Der Alkomat 147 politik und kultur 196 Deutsche Aufbau-Organisation (DAO) 125 Bet\u00e4ubungsmittelhandel 242 Deutsche Geschichte 162 Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) 43 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 180 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Sachwortregister 257 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 162 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutsche Partei - Die Freiheitlichen (DP) 121 Deutschland e.V. (YEK-KOM) 70 Deutsche Stimme (DS) 161 free MIND magazin 214 Deutsche Volksunion (DVU) 107 Freie Deutsche Jugend (FDJ) 185 Deutsche Volksunion e.V. 161 Freie Nationalisten 91 Deutsches B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte 222 Freiheit 209 Deutsches Kolleg (DK) 162 Freiheitliche Deutsche Volkspartei (FDVP) 122 Deutsch-Islamisches Bildungswerk e.V. (DIBW) 46 Freundeskreis Demokratie Direkt M\u00fcnchen 125 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 124 Freundeskreis Ulrich von Hutten 162 Deutschland-Pakt 112 Frieden 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung 162 Deutschland-Post 161 Friedenskomitee 124 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) 75 Front der islamischen K\u00e4mpfer des Ostens Dianetik nach L. Ron Hubbard 209 (IBDA-C) 88 Die Republikaner (REP) 91 FSB (Inlandsnachrichtendienst der GUS) 229 Die Linke.PDS-Pressedienst 207 Die Linkspartei.PDS 165 Galileo - streitbare Wissenschaft 187 Die Ware 174 GEGENSTANDPUNKT 192 DISPUT 207 Gerechtigkeitsund Aufschwungpartei Djihad 29 (AKP) 60 Djihad Islami (JI) 43 \"Germania\"-Rundbrief 158 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 162 (DSZ-Verlag) 128 Gl\u00fcckseligkeitspartei (SP) 60 Grossraumzeitung - N\u00fcrnberg/Erlangen/ Edelweiss 137 F\u00fcrth 196 ENDSIEG 144 GRU (Milit\u00e4rischer Nachrichtendienst der GUS) 228 En Nahda 49 GUS-Mafia 236 Europ\u00e4ischer Darstellungsverein f\u00fcr Lebendige Geschichte (EDLG) 126 HAMAS 46 FADENKREUZ 144 Hezb-i Islami (HIA) 58 Fanzine 147 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) 64 FAUSTRECHT 144 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. FELDHERREN 144 (HNG) 161 FIS 48 Hizb al-Dawa al-Islamiya (Dawa) 57 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 78 Hizb Allah (Partei Gottes) 56 F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der Hizb ut-Tahrir 50 T\u00fcrkei in Deutschland e.V. Huttenbriefe 162 (AGIF) 88 F\u00f6deration der Islamischen Organisationen in Europa (FIOE) 44 Impact 209 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Indiziert 147 Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) 80 INDIZIERT 104 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","258 Sachwortregister Info-L\u00e4den der Autonomen 194 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 172 INTERIM 195 Kommunistische Plattform (KPF) 172 International Association of Scientologists Kommunistischer Arbeiterbund (IAS) 215 Deutschlands (KABD) 187 International City 212 Konf\u00f6derale Fraktion der Vereinten Internationale islamische Front 40 Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke (GUE/NGL) 171 Internationaler Kurdischer Arbeitgeberverband (KARSAZ) 70 KONFRONTATION 104 [in'vers] 132 KONGRA GEL (Volkskongress Kurdistans) 69 Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) 87 KONTRA! 186 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) 44 Landser 155 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs e.V. Leuchter-Bericht 157 (IGMG) 60 Linksruck 207 Islamische Heilsfront (FIS) 48 Linksruck-Netzwerk 189 Islamische Vereinigung in Bayern e.V. (IVB) 59 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) 46 Maoistische Kommunistische Partei (MKP) 78 Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) 46 Marxistische Bl\u00e4tter 207 Islamischer Widerstand (Muqawame Islamiya) 56 Marxistische Gruppe (MG) 192 Islamisches Zentrum M\u00fcnchen 44 Marxistisches Forum (MF) 174 Islamisch-Irakische Gemeinschaft Deutschland e.V. (IIGD) 57 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 80 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands Jemaah Islamiya 40 (MLPD) 187 Jugendverband REBELL 188 Mensch und Ma\u00df 162 Jugendverband ['solid] 174 militante gruppe (mg) 197 Junge Landsmannschaft Ostpreu\u00dfen (JLO) 102 Militanzdebatte 196 Junge Nationaldemokraten (JN) 105 Milli Gazete 63 Mitteilungen der Kommunistischen Kalifatsstaat 64 Plattform der Linkspartei.PDS 207 Kameradschaft Aschaffenburg 135 MORRIGAN 145 Kameradschaft Asgard Ratisbona 134 Mudjahidin 40 Kameradschaft Augsburg 136 M\u00fcnchner Bekenntnis 123 Kameradschaft M\u00fcnchen 133 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Krieg und Rassismus 190 Kameradschaft Niederbayern-Oberpfalz 156 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 190 Kameradschaft S\u00fcd - Aktionsb\u00fcro S\u00fcddeutschland (AS) 154 Multi-Kultur-Haus Ulm e.V. (MKH) 66 Kameradschaft Wei\u00dfe W\u00f6lfe 135 Muslimbruderschaft (MB) 42 KATEGORIE C 145 Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE 188 Nachrichten der HNG 161 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie NARCONON 220 gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) 221 Nationaldemokratische Partei Deutschlands Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 207 (NPD) 91 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","Sachwortregister 259 Nationaldemokratischer Hochschulbund RADIKAHL 146 (NHB) 161 radikal 196 Nationale Info-Telefone (NIT) 137 RAZOR'S EDGE 145 Nationaler Block (NB) 96 REBELL 188 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 81 Redskins 140 Nationaler Widerstand S\u00fcddeutschland 137 Religious Technology Center (RTC) 216 Nationales Infoportal Bayern (NIB) 137 Renees 142 National Liberation Army (NLA) 82 Revisionismus 156 National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung REVOLUTION\u00c4RER WEG 207 (NZ) 162 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front Nation-Europa-Freunde e.V. 130 (DHKP-C) 75 Nation Europa Verlag GmbH 130 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 197 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 130 Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) 190 Neonazi-Kameradschaften 133 Rockerkriminalit\u00e4t 240 Neue PKK 71 ROJ TV 71 Neues Deutschland 207 Rote Fahne 207 Neues Schwaben 162 ['ROTFRONT!] 175 Newroz 73 ROTF\u00dcCHSE 188 Nichtaberrierte 212 Rudolf-Gutachten 157 NS Black Metal (NSBM) 145 Rudolf-He\u00df-Aktionen 138 NS Kampfruf 161 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation Salafiyya-Gruppe f\u00fcr die Mission und den (NSDAP-AO) 159 Kampf (GSPC) 40 Scharia 28 Office of Special Affairs (OSA) 221 Schleusungsdelikte 241 OIDOXIE 145 Schulhof-CD 104 Oi-Skinheads 140 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 162 Organisierte Autonomie 194 Schwarzer Block 193 Organisierte Kriminalit\u00e4t (OK) 235 Scientology Kirche Bayern e.V. 209 Scientology Kirche Deutschland e.V. (SKD) 209 Partei der Europ\u00e4ischen Linken (EL) 179 Scientology-Organisation (SO) 209 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 81 SHARPs 140 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 166 Skinheads 140 Partizan-Fl\u00fcgel (TKP/ML) 78 ['solid] 174 PKK (Arbeiterpartei Kurdistans; nunmehr Source 209 KONGRA GEL) 69 Sozialistische Aktion M\u00fcnchen 194 POSITION 208 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 189 Projekt Schulhof 139 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Pro.K - Zeitung des revolution\u00e4ren Aufbau (SDAJ) 185 M\u00fcnchen 196 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Proliferation 231 (SED) 165 PROPAGANDA 146 Sozialistische Gruppe 192 Verfassungsschutzbericht Bayern 2005","260 Sachwortregister SPREEGESCHWADER 104 Vereinigung der Verfolgten des Staatsb\u00fcrgerliche Runde 135 Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) 183 S\u00fcdosteuropa-Mafia 238 Verlag Hohe Warte - Franz von BebenSWR (Auslandsnachrichtendienst der GUS) 228 burg KG 162 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 162 Tablighi Jamaat 54 Vierteljahreshefte f\u00fcr freie GeschichtsTITEL - Informationsforum der Linksforschung (VffG) 159 partei.PDS Bayern 207 Vlaams Belang 118 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/MarxisVolksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas ten-Leninisten (TKP/ML) 78 - Generalkommando - (PFLP-GC) 85 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (THKP-C Devrimci Sol) 75 (PFLP) 85 Tugendpartei (FP) 60 Volkskongress Kurdistans (KONGRA GEL; vormals Freiheitsund Demokratiekongress Kurdistans - KADEK - bzw. Arbeiterpartei Union islamischer Studentenvereine in Kurdistans - PKK -) 69 Europa (U.I.S.A.) 85 Volksmudjahidin Iran-Organisation (MEK) 81 Unsere Zeit (UZ) 207 Volksverteidigungskr\u00e4fte (HPG) 70 Ursprung 209 Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 159 UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer Alternativen 207 Watchdog Committee (WDC) 218 Verband der islamischen Vereine und Wenz - Unter sticht Ober 196 Gemeinden e.V. (ICCB) 64 White Power-Skinheads 141 Verband der stolzen Frauen Wirtschaftsspionage 229 (KJB; umfasst PAJK, YJA und YJA-STAR) 72 WISE 218 Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten Yeni Akit GmbH 68 (VRBHV) 159 Vereinigung der demokratischen Zeit f\u00fcr Protest! 161 Jugendlichen Kurdistans (KOMALEN-CIWAN; vormals Bewegung der freien Jugend Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Kurdistans - TECAK ) 72 Lernen (ZIEL) 220 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Druck: Druckerei Neubert, Bayreuth Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100 % Altpapier Hinweis: Der Verfassungsschutzbericht Bayern 2005 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de/sicherheit/verfassungsschutz http://www.verfassungsschutz.bayern.de Verfassungsschutzbericht Bayern 2005"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2005","year":2005}
