{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-2000.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":248,"pages":["Bayerisches Staatsministerium des Innern G S U N S S Z F A T E R H U T V SC CH R I E B 00 0 2","VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHT 20 B AY E R N 00 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Vorwort 3 Die V\u00e4ter unseres Grundgesetzes haben bei der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland die neue Staatsordnung als eine streitbare, wehrhafte Demokratie ausgestaltet. Damit sollte die Wiederholung einer Entwicklung verhindert werden, in der Grundprinzipien der Verfassung von ihren Gegnern ausgeh\u00f6hlt und schlie\u00dflich beseitigt werden konnten. Rechtsextremisten treten heute immer dreister und brutaler auf und nutzen verst\u00e4rkt das Internet f\u00fcr ihre Propaganda. Anlass zu Sorge bietet auch die Einflussnahme von Rechtsextremisten auf Jugendliche. Skinheadmusik mit h\u00e4ufig volksverhetzenden, rassistischen und gewaltverherrlichenden Texten findet sogar bei eher unpolitischen Jugendlichen Anklang und ist f\u00fcr manche von ihnen ein gef\u00e4hrlicher Anreiz zum Einstieg in die rechtsextremistische Szene. Militante Skinheads und Neonazis haben in letzter Zeit ihre politische Heimat in der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und ihrer Jugendorganisation gefunden. Die NPD hat mit dem von ihr propagierten \"Kampf um die Stra\u00dfe\" ihr Erscheinungsbild grundlegend gewandelt. Sie bindet in besonderer Weise junge Menschen an sich und spielt f\u00fcr den militanten Rechtsextremismus eine zentrale Rolle. Die Beschl\u00fcsse der zust\u00e4ndigen Verfassungsorgane, beim Bundesverfassungsgericht ein Verbot der NPD zu beantragen, folgen letztlich also nur dem Verfassungsauftrag, vor Gegnern der freiheitlichen Gesellschaft nicht zur\u00fcckzuweichen, sondern diese Demokratie gegen ihre Feinde zu verteidigen. Der Bericht zeigt auch die Entwicklung der anderen Arten des politischen Extremismus auf sowie die Bedrohung durch Spionage und Organisierte Kriminalit\u00e4t. So sehr wir die menschenverachtenden Aktionen des Rechtsextremismus bek\u00e4mpfen m\u00fcssen, d\u00fcrfen wir doch nicht vergessen, dass auch Linksextremisten, ausl\u00e4ndische Extremisten und die ScientologyOrganisation unsere freiheitliche demokratische Grundordnung untergraben und das friedliche Zusammenleben in Deutschland gef\u00e4hrden. Bedrohungen durch Spionaget\u00e4tigkeit f\u00fcr fremde M\u00e4chte und die Organisierte Kriminalit\u00e4t bed\u00fcrfen ebenso staatlicher Abwehrarbeit. Die Erhaltung des demokratischen Rechtsstaats obliegt freilich nicht allein den staatlichen Beh\u00f6rden, sondern ist Aufgabe aller B\u00fcrger. Deren Bereitschaft, sich mit unserer Verfassungsordnung zu identifizieren, an ihrer Bewahrung aktiv mitzuwirken und den Gegnern der freiheitlichen Demokratie entschlossen entgegen zu treten, ist der beste und wirksamste Verfassungsschutz. Nur der informierte B\u00fcrger erkennt die von extremistischen Kr\u00e4ften angestrebte propagandistische Irref\u00fchrung. Dieser Bericht soll als Teil praktizierter wehrhafter Demokratie zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber die unserer Verfassung drohenden Gefahren beitragen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz haben durch ihre engagierte Arbeit ma\u00dfgeblichen Anteil an der Sicherung von Demokratie, Freiheit und Menschenw\u00fcrde in unserem Land. Ihnen gilt unser Dank f\u00fcr ihre schwierige, vielfach verkannte T\u00e4tigkeit. M\u00fcnchen, im M\u00e4rz 2001 Dr. G\u00fcnther Beckstein Hermann Regensburger Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen ............................................ 12 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes ........................... 12 3. Informationsbeschaffung .......................................... 13 4. Kontrolle ................................................................... 14 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes ............ 15 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2000 1. Rechtsextremismus .................................................... 16 2. Linksextremismus ...................................................... 18 3. Ausl\u00e4nderextremismus ............................................... 19 4. Scientology-Organisation ........................................... 20 5. Graphische Darstellungen .......................................... 21 3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines .............................................................. 23 1.1 Rechtsextremismus .................................................... 23 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 24 1.3 Rechtsextremistische Gewalt ..................................... 26 2. Parteien, Organisationen und Verlage ....................... 27 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ...... 27 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort ................................. 27 2.1.2 Organisation .............................................................. 33 2.1.3 Teilnahme an Wahlen ................................................ 34 2.1.4 Reaktionen auf die Verbotsinitiative ........................... 35 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten .................................................. 37 2.1.5.1 \u00d6ffentliche Kundgebungen in Berlin .......................... 38 2.1.5.2 Veranstaltungen zum 1. Mai ...................................... 38","Inhaltsverzeichnis 5 2.1.5.3 Zentrale Veranstaltung in Passau ................................ 39 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) ................................. 40 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) ....................................... 42 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort ................................. 42 2.2.2 Organisation .............................................................. 45 2.2.3 Aktivit\u00e4ten ................................................................. 45 2.3 Die Republikaner (REP) ............................................... 46 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort ................................. 47 2.3.2 Interne Richtungsk\u00e4mpfe ........................................... 51 2.3.3 Organisation .............................................................. 53 2.3.4 Teilnahme an Wahlen ................................................ 53 2.3.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern ................................................. 54 2.3.6 Verwaltungsgerichtsverfahren ................................... 54 2.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) ................ 56 2.5 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) .................. 56 2.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. .......................... 57 2.7 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 2000 ........... 58 2.8 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) 59 2.9 Nation Europa Verlag GmbH ..................................... 61 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus .................. 62 3.1 Allgemeines .............................................................. 62 3.2 Ann\u00e4herung von Neonazis an Linksextremisten .......... 63 3.3 Autonome Kameradschaften ..................................... 64 3.3.1 Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) .................................. 65 3.3.2 Neonazikreis um Sven Schlechta (Kameradschaft Schwabach) ...................................... 65 3.3.3 Bund Frankenland ..................................................... 66 3.3.4 Aktionsb\u00fcro Nationaler Widerstand/Freilassing ........... 66 3.3.5 Katakombenakademie des Friedhelm Busse ................ 66 3.4 Informationelle Vernetzung ....................................... 67 3.5 Aktivit\u00e4ten zum 13. Todestag von Rudolf He\u00df ............ 69 4. Skinheads .................................................................. 69 4.1 \u00dcberblick .................................................................. 69 4.2 Politische Ausrichtung ............................................... 70 4.3 Strukturen ................................................................. 72 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche ............................... 72 4.5 Bedeutung der Skinhead-Musik ................................. 73","6 Inhaltsverzeichnis 4.6 Skinhead-Magazine ................................................... 74 4.7 Verbot der neonazistischen Skinhead-Organisation \"Blood & Honour Division Deutschland\" sowie deren Jugendorganisation \"White Youth\" ............................ 75 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten ................... 77 5.1 Gewalttaten ............................................................... 77 5.1.1 Sicherstellung von Waffen, Munition und Sprengstoff 78 5.1.2 Gewalttaten und Urteile im Einzelnen ........................ 80 5.2 Sonstige Straftaten ................................................... 85 6. Revisionismus ............................................................ 86 6.1 Ziele .......................................................................... 86 6.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne 87 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 89 7.1 Kontakte der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) ................................................... 89 7.2 Kontakte der Deutschen Volksunion (DVU) ................ 89 7.3 Kontakte der Republikaner (REP) ................................ 89 7.4 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 90 8. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ...................................................... 91 4. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines .............................................................. 93 1.1 Merkmale des Linksextremismus ................................ 93 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 94 1.3 Linksextremistische Gewalt ......................................... 96 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 96 2.1 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) .............. 97 2.1.1 Ideologische Ausrichtung ........................................... 97 2.1.2 Organisation .............................................................. 104 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften .. 105 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) ................................ 106 2.1.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in und bei der PDS ..................................................... 108","Inhaltsverzeichnis 7 2.1.3.3 Marxistisches Forum (MF) .......................................... 108 2.1.4 Jugendverband 'solid ................................................ 109 2.1.5 PDS Landesverband Bayern ........................................ 110 2.1.6 Teilnahme an Wahlen ................................................ 112 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus .......................... 112 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten .......... 113 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ...................... 114 2.2.1 Ideologische Ausrichtung ........................................... 115 2.2.2 Organisation .............................................................. 116 2.2.3 Teilnahme an Wahlen ................................................ 117 2.2.4 Umfeld der DKP ......................................................... 117 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ......... 117 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ............ 118 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) .. 120 2.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) ..... 121 2.5 Marxistische Gruppe (MG) ......................................... 122 2.6 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus ......................... 122 3. Gewaltorientierte Linksextremisten ............................. 123 3.1 Autonome Gruppen .................................................. 123 3.1.1 \u00dcberblick .................................................................. 124 3.1.2 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen ............ 124 3.1.3 Strukturen ................................................................ 125 3.1.3.1 Autonome in Bayern ................................................. 125 3.1.3.2 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) ..................................................................... 127 3.1.4 Informationelle Vernetzung ........................................ 129 3.1.5 Autonome Publikationen ........................................... 129 3.1.6 Schwerpunktthemen und Aktionen ............................ 130 3.1.6.1 Strategiedebatte ....................................................... 131 3.1.6.2 Antifaschismus .......................................................... 133 3.1.6.3 Antifaschistische Aktionen in Bayern ......................... 135 3.1.6.4 Weitere Aktionen ...................................................... 137 3.1.6.5 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung .......... 138 3.1.6.6 Einflussnahme auf die EXPO 2000 ............................. 139 3.2 Gewalttaten und sonstige Straftaten ......................... 140 3.3 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) ...................... 142","8 Inhaltsverzeichnis 3.4 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) ........................................... 143 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ............... 146 5. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines .............................................................. 149 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus ........................ 149 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 149 1.3 Integrationsfeindlichkeit des islamischen Extremismus 151 1.4 Entwicklung der Gewalttaten .................................... 153 2. T\u00fcrkische Gruppen .................................................... 154 2.1 Islamische Extremisten .............................................. 154 2.1.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) ............. 154 2.1.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) ................................ 156 2.2 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) ................. 159 2.3 Linksextremisten ....................................................... 162 2.3.1 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) ............................. 162 2.3.2 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) ................................................................... 167 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 169 3. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) .................................. 170 3.1 Ideologie ................................................................... 170 3.2 Organisation ............................................................. 172 3.3 Strategie ................................................................... 174 3.4 Unterst\u00fctzer der PKK ................................................ 177 3.5 PKK-interne Opposition ............................................ 177 3.6 Aktivit\u00e4ten und Gewalttaten ...................................... 178 3.7 Strafverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen .................... 181 4. Arabische Gruppen ................................................... 184 4.1 Muslimbruderschaft (MB) in der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) ..................... 184","Inhaltsverzeichnis 9 4.2 Islamische Heilsfront (FIS) - algerischer Zweig der MB - 185 4.3 Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) .......................................... 185 4.4 Internationale Islamische Front .................................. 186 4.5 Hizb Allah (Partei Gottes) ........................................... 187 5. Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) ....................... 188 6. Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt ............................................. 190 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ................................... 192 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO .............................................. 196 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten .......................................... 198 2.1 Schriften der SO ....................................................... 199 2.1.1 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft ........... 200 2.1.2 Lenkung der Regierung durch Scientology ................. 201 2.1.3 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems ........ 201 2.1.4 Abwehr von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik .................................................... 202 2.2 Aktivit\u00e4ten der SO ..................................................... 203 2.2.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staats ..................... 203 2.2.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung .... 204 2.2.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern ........... 205 2.2.4 Kampagne gegen Schutzerkl\u00e4rung ............................ 206 2.2.5 Nutzung des Internets ............................................... 207 2.2.6 Aktivit\u00e4ten im Ausland .............................................. 207 2.3 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten .................. 210 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO .......... 211 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO ....................... 211 3.2 Organisation der SO in Deutschland .......................... 211 3.2.1 \"Scientology Kirchen\" (Church-Sektor) ...................... 211 3.2.2 WISE-Sektor .............................................................. 213 3.2.3 ABLE-Sektor .............................................................. 215 3.2.4 Office of Special Affairs (OSA) ................................... 215","10 Inhaltsverzeichnis 4. Mitglieder der SO ...................................................... 216 5. Veranstaltungen der SO ............................................ 216 5.1 Ausstellung \"Was ist Scientology?\" ........................... 217 5.2 Veranstaltung der International Association of Scientologists (IAS) \"Kreuzzug f\u00fcr v\u00f6llige Freiheit\" ..... 217 5.3 PR-Veranstaltung ....................................................... 218 5.4 Weitere Veranstaltungen ........................................... 218 6. Verwaltungsgerichtsverfahren .................................... 218 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet ................................................................ 219 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage ........................................................... 220 2. Wirtschaftsspionage - Ausforschung von Wissenschaft und Technik .............................................................. 221 3. Proliferation .............................................................. 222 4. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik ..... 222 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz ..................................................... 223 6. Ausblick .................................................................... 224 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage ........................................................... 225 2. Beobachtungsschwerpunkte ...................................... 225 3. Ausblick .................................................................... 231 Anhang Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) ....................... 232 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) ................ 240 Sachwortregister .................................................................... 242","Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertWehrhafte gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann Demokratie gegen Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, z.B. durch ein Parteioder Vereinsverbot. Dies setzt voraus, dass er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, rechtzeitig erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter Freiheitliche der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu demokratische verstehen, die unter Ausschluss jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrGrundordnung schaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition.","12 Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen Rechtliche Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzGrundlagen lich genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 2000 insgesamt 412 Stellen f\u00fcr Beamte, Angestellte und Arbeiter ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 2000 betrug 38,5 Millionen DM. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes BeobachtungsNach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt f\u00fcr auftrag Verfassungsschutz im Wesentlichen den Auftrag der Beobachtung von - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdenden oder geheimdienstlichen T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dazu m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die Mitglieder und Unterst\u00fctzer erfasst werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig.","Verfassungsschutz in Bayern 13 Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage f\u00fcr Exekutivma\u00dfnahmen wie beispielsweise Verbote von Vereinen, Verbotsantr\u00e4ge gegen Parteien - wie sie jetzt von Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag gegen die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) beschlossen wurden -, Verbote von Versammlungen, Verhinderung finanzieller oder sonstiger F\u00f6rderung, Verweigerung erforderlicher Erlaubnisse (z.B. f\u00fcr Sammlungen, Info-St\u00e4nde). Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichAbgrenzung zu tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die BundesBND und MAD republik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Nur etwa 20% der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln Nachrichtengeh\u00f6ren im Wesentlichen: dienstliche Mittel - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von Briefund Briefen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen Telefonkontrolle rechtsstaatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des Brief-, Postund Fernmeldegeheimnisses \"Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz\" (G 10)","14 Verfassungsschutz in Bayern genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt sicher, dass in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Keine polizeiDem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. lichen Befugnisse Polizeibeh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen, wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw., durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer informationellen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung nicht entgegen. Im Gegenteil sind diese unabdingbare Voraussetzungen f\u00fcr eine effiziente Arbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Vielf\u00e4ltige Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielf\u00e4lKontrollen tigen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, das Parlamentarische Kontrollgremium, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G 10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs. Die Verwaltungskontrolle obliegt dem Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Bayerischen Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen.","Verfassungsschutz in Bayern 15 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann auf Dauer nicht Aufkl\u00e4rungsohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus t\u00e4tigkeit gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, dass Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes werden der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Informationsmaterialien zur Verf\u00fcgung gestellt. Das Informationsmaterial erhalten Sie kostenlos beim Bayerischen Staatsministerium des Innern - Sachgebiet Verfassungsschutz -, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen (Telefax: 0 89 / 2 19 21 28 42). Die meisten Materialien, insbesondere der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht und auch Informationen zur Scientology-Organisation, sind zus\u00e4tzlich im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de Das Internet-Angebot des Bayerischen Staatsministeriums des Innern wird durch die unter der Adresse http://www.verfassungsschutz.bayern.de erreichbare Homepage des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erg\u00e4nzt.","16 Entwicklung des politischen Extremismus 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 2000 1. Rechtsextremismus Die \u00f6ffentliche Diskussion um die menschenverachtenden Gewalttaten von Neonazis und Skinheads sowie die Forderung nach einem Verbot der NPD gaben auch innerhalb des rechtsextremistischen Keine einheitliche Spektrums Anlass zur Er\u00f6rterung von Gegenstrategien. Eine einheitIdeologie liche Position wurde jedoch nicht erreicht, da es dem ideologisch und personell zerstritten rechtsextremistischen Lager nach wie vor an einer F\u00fchrungsperson mit Ausstrahlungskraft mangelt. Der organisierte Rechtsextremismus wird von den Parteien Die Republikaner (REP), Deutsche Volksunion (DVU) und Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) gepr\u00e4gt. W\u00e4hrend die REP sowohl bundesweit als auch in Bayern einen leichten Mitgliederr\u00fcckgang zu verzeichnen hatten, konnte sich die DVU auf ihrem VorAufw\u00e4rtstrend jahresniveau halten. Die NPD erzielte sogar einen leichten Mitgliederder NPD zuwachs. Die rechtsextremistischen Parteien griffen in ihrer Agitation aktuelle Agitationsthemen politische Probleme auf, so zum Beispiel die Frage nach der Rolle Deutschlands in der Europ\u00e4ische Union (EU), die Einf\u00fchrung des EURO als Zahlungsmittel und die Erweiterung der EU. Weitere Themen waren die Problematik der Zuwanderung von Ausl\u00e4ndern und die zwischenzeitlich beendeten Ma\u00dfnahmen der EU gegen \u00d6sterreich wegen der Regierungsbeteiligung der Freiheitlichen Partei \u00d6sterreichs (FP\u00d6). Durch Verkn\u00fcpfung dieser Politikfelder mit nationalistischen Parolen suchten die rechtsextremistischen Parteien Erfolge bei Wahlen, jedoch ohne nennenswerte Ergebnisse. Die NPD hat sich in den letzten Jahren massiv ver\u00e4ndert. Sie ist wegen ihrer \u00d6ffnung gegen\u00fcber Neonazis und Skinheads Nahtstelle zum gewaltbereiten rechtsextremistischen Spektrum geworden und verfolgt in letzter Zeit ihre gegen die freiheitliche demokratische Ordnung gerichteten Ziele in aggressiv-k\u00e4mpferischer Weise. Diese","Entwicklung des politischen Extremismus 17 Entwicklung, insbesondere die wachsende Bedeutung der Partei als Anziehungsund Kristallisationspunkt f\u00fcr militante Rechtsextremisten, veranlassten die zust\u00e4ndigen Verfassungsorgane, VerbotsVerbotsantr\u00e4ge antr\u00e4ge gegen die Partei beim Bundesverfassungsgericht zu beschliegegen die NPD \u00dfen. Der Zerfall der DVU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt zeigt, Politikunf\u00e4higkeit dass die Partei zu einer sachlich orientierten politischen Arbeit nicht der DVU f\u00e4hig ist. Ursache ist der bedingungslose Machtanspruch des Parteivorsitzenden Dr. Gerhard Frey, der eine innerparteiliche demokratische Willensbildung nicht duldet und Andersdenkende als \"Verr\u00e4ter und Agenten\" ausgrenzt. Nach wie vor ist die DVU von der von ihr angestrebten F\u00fchrungsrolle im rechtsextremistischen Parteienspektrum weit entfernt. Dr. Frey kann weder charismatische F\u00fchrungseigenschaften vorweisen noch auf das ideologisch, politisch und personell zerstrittene Lager integrierend einwirken. Die Situation der REP ist ma\u00dfgeblich durch anhaltende RichtungsUmstrittener k\u00e4mpfe um den 1990 beschlossenen Abgrenzungskurs gegen\u00fcber Abgrenzungskurs anderen Rechtsextremisten sowie durch Niederlagen in verwaltungsder REP gerichtlichen Verfahren wegen der Beobachtung der Partei mit nachrichtendienstlichen Mitteln gekennzeichnet. Die Prozessniederlagen veranlassen die Funktion\u00e4re offenbar, ihre taktische Zur\u00fcckhaltung in der Formulierung ihrer politischen Position aufzugeben. Die organisierte neonazistische Szene in Bayern entfaltete wiederum nur relativ geringe Aktivit\u00e4ten. Die Zahl der von Neonazis und rechtsextremistischen Skinheads gegen Ausl\u00e4nder, Farbige, \"Linke\" und andere Feindbilder ver\u00fcbten Gewalttaten ist insgesamt gestiegen; Zunahme der die dabei demonstrierte Brutalit\u00e4t und Menschenverachtung sind Gewalttaten nach wie vor erschreckend. Die Anzahl sonstiger Straftaten, insbesondere der Propagandadelikte, hat deutlich zugenommen. Vereinzelt sind auch in Bayern Ans\u00e4tze einer Diskussion erkennbar, bei der nicht der Wille einer Gesellschafts\u00e4nderung mit Waffengewalt, sondern der Gedanke an Gegenwehr im Vordergrund steht. Die Waffenfunde, mehrere F\u00e4lle der Schusswaffenverwendung in Bayern und die Ans\u00e4tze einer Gewaltdiskussion zeigen die Notwendigkeit der weiteren intensiven fl\u00e4chendeckenden Beobachtung dieser Szene. Diese Beobachtung gestaltet sich zunehmend schwieriger, da sich alle rechtsextremistischen Gruppierungen, auch Skinheads und Neonazis, immer konspirativer verhalten und enger zusammenr\u00fccken.","18 Entwicklung des politischen Extremismus Ein neu eingerichtetes Hinweistelefon beim Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, das der Aufkl\u00e4rung rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten in Bayern dienen soll, nimmt unter Nummer 0 18 02 00 07 86 Informationen von B\u00fcrgern und von aussteigewilligen Rechtsextremisten entgegen. 2. Linksextremismus Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern ist von 25 auf 39 gestiegen Das linksextremistische Gewaltpotenzial wird zu 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem autonomen und anarchistischen Spektrum gestellt. Ihre Gewalttaten richten sich Gewaltt\u00e4tige in Bayern fast ausschlie\u00dflich gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Antifa Rechtsextremisten im Rahmen des Antifa-Kampfs. Ihr eigentliches Angriffsziel ist jedoch der demokratische Staat, der die Freiheit Andersdenkender wie auch das verfassungsrechtlich gesicherte Versammlungsrecht von Rechtsextremisten zu sch\u00fctzen hat und sich in Form der Polizei und anderer Sicherheitskr\u00e4fte als \"Repressionsapparat\" der gewaltsamen Verfolgung ihrer kommunistischen und anarchistischen Ziele entgegenstellt. Entgegen den urspr\u00fcnglichen Planungen konnten linksextremistische Aktionen die EXPO 2000 in Hannover nicht ernsthaft gef\u00e4hrden. Mit der Verabschiedung der Resolution \"Nein zu UN-Milit\u00e4reins\u00e4tzen - Internationale Krisen und Konflikte friedlich l\u00f6sen\" auf ihrem Parteitag vom 7. bis 9. April in M\u00fcnster/Nordrhein-Westfalen versch\u00e4rften sich bestehende Spannungen zwischen der Parteif\u00fchrung und der Kommunistischen Plattform der PDS (KPF). Der politische R\u00fcckzug der \"Reformer\", des Parteivorsitzenden Prof. Dr. Lothar Bisky und des Fraktionsvorsitzenden der PDS im Deutschen Bundestag Dr. Gregor Gysi, war die Folge. Mit der Wahl der th\u00fcringischen Neue PDS-Landesvorsitzenden Gabriele Zimmer zur neuen ParteivorsitzenParteivorsitzende den bei der 1. Tagung des 7. Parteitags vom 14. bis 15. Oktober in der PDS Cottbus gelang es der Partei, bei den Mitgliedern wieder Aufbruchstimmung zu vermitteln. Gabriele Zimmer machte deutliche Koalitionsangebote an die Sozialdemokraten in den neuen Bundesl\u00e4ndern. Die Wahl des Mitglieds des Bundeskoordinierungsrats der KPF, Sahra Wagenknecht, in den Parteivorstand lie\u00df zugleich deutlich werden, dass kommunistische Positionen in der Partei weiterhin als unverzichtbar gesehen werden. Nach wie vor unterh\u00e4lt die PDS Kontakte zu fast allen anderen linksextremistischen und linksextremistisch","Entwicklung des politischen Extremismus 19 beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. 3. Ausl\u00e4nderextremismus W\u00e4hrend noch im Vorjahr die Gewaltbereitschaft der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eine erhebliche akute Bedrohung der Inneren Sicherheit in Deutschland darstellte, hat sich die Lage mittlerweile trotz des von einem t\u00fcrkischen Staatssicherheitsgericht gegen den PKK-Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan verh\u00e4ngten Todesurteils beruhigt. Die derzeit von der PKK demonstrierte Haltung als politisch \"k\u00e4mp\"Friedenskurs\" fende\" Bewegung d\u00fcrfte zumindest bis zu einer endg\u00fcltigen Entder PKK scheidung \u00fcber die Vollstreckung des Todesurteils gegen \u00d6calan anhalten. Die Beschl\u00fcsse des \"Pr\u00e4sidialrats\" der PKK vom Januar 2000, sich k\u00fcnftig nur noch um eine politische L\u00f6sung der Kurdenfrage zu bem\u00fchen, setzten die im Vorjahr nach der Inhaftierung \u00d6calans eingeleitete Trendwende fort. \u00d6calan selbst nannte die Abkehr von der Gewalt unumkehrbar. Jedoch artikuliert bzw. entwickelt sich in den Reihen der PKK-Anh\u00e4nger eine noch schwache Opposition zur eingeschlagenen Friedenspolitik. Die Aktivit\u00e4ten t\u00fcrkischer Linksextremisten konzentrierten sich auf europaweite Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr rund 800 inhaftierte Gesinnungsgenossen in der T\u00fcrkei, die am 20. Oktober aus Protest gegen ihre bevorstehende Verlegung in kleinere Zellen neu erbauter Gef\u00e4ngnisse einen Hungerstreik begonnen hatten. Das Wiederaufflammen des Pal\u00e4stinakonflikts f\u00fchrte auch in Deutschland zu Demonstrationen von Arabern. W\u00e4hrend diese Kundgebungen friedlich verliefen, ver\u00fcbten in der Nacht zum 3. Oktober zwei M\u00e4nner arabischer Herkunft einen Brandanschlag auf die j\u00fcdische Synagoge in D\u00fcsseldorf. In der Anh\u00e4ngerschaft der extrem nationalistischen F\u00f6deration der Latente GewaltT\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) bereitschaft gibt es ein latentes Gewaltpotenzial, das vor allem auf politische Gegt\u00fcrkischer ner zielt. Bei einer Auseinandersetzung mit linksextremistischen Nationalisten Landsleuten in Rotterdam t\u00f6teten t\u00fcrkische Nationalisten eine Person und verletzten eine weitere Person schwer. Eine zwar weniger spektakul\u00e4re, langfristig aber gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung stellt der islami-","20 Entwicklung des politischen Extremismus sche Fundamentalismus dar, insbesondere im Hinblick auf seine weltExpansiver weiten Expansionsbestrebungen. Zu ihm bekennen sich in Bayern islamischer neben einigen Angeh\u00f6rigen arabischer Gruppen vor allem etwa Fundamentalismus 5.000 Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG). Zwar ist diese st\u00e4ndig bem\u00fcht, \u00f6ffentliche extremistische Aussagen zu vermeiden. Ihr Fernziel bleibt aber die Islamisierung Europas und die Bildung einer weltweiten Union islamischer Staaten. Der islamische Fundamentalismus ist \u00fcberaus integrationsfeindlich, da er auf die Errichtung einer islamischen Parallelgesellschaft abstellt. In seinen extremen Formen ist er zudem \u00e4u\u00dferst gewaltbereit. Deutlicher R\u00fcckDie Zahl der Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten, insbesondere gang der Gewaltvon PKK-Anh\u00e4ngern, hat im Vergleich zum Vorjahr erheblich abgetaten nommen. 4. Scientology-Organisation Die Scientology-Organisation (SO) will die Staaten der Welt letztlich nach eigenen Regeln beherrschen und regieren. Diese Regeln missMissachtung der achten insbesondere die Grundprinzipien der freiheitlichen demokraGrundprinzipien tischen Grundordnung wie Gewaltenteilung, Rechtsstaatsprinzip und unserer Verfassung Demokratieprinzip. Ihre Verwirklichung w\u00fcrde dar\u00fcber hinaus auch zu einer massiven Beeintr\u00e4chtigung der Menschenrechte f\u00fchren, da Nicht-Scientologen im Rechtssystem der SO rechtlos w\u00e4ren. Die SO in Deutschland verfolgt deshalb nach \u00fcbereinstimmender Auffassung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder verfassungsfeindliche Ziele. Auch im Jahr 2000 versuchte die SO, Aufkl\u00e4rungsund Abwehrma\u00dfnahmen des Staats zu diffamieren und mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich gleichzusetzen, jedoch sto\u00dfen diese Aktionen in der internationalen \u00d6ffentlichkeit wie bereits in den Vorjahren auf zunehmende Ablehnung.","Entwicklung des politischen Extremismus 21 5. Graphische Darstellungen Rechtsextremisten Entwicklung Linksextremisten der MitgliederAusl\u00e4ndische Extremisten zahlen extremisMitglieder Scientology-Organisation Deutschland tischer Organi80.000 sationen 60.000 58.800 50.900* 42.980 40.000 39.800 33.500** 31.500 20.000 Deutschland 10.000 5.500*** 0 1991 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 * Die Republikaner 1994 erstmals erfasst. ** Die Kurve beruht auf den Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die PDS hatte im Jahr 2000 bundesweit 88.600 Mitglieder, davon 2.000 in der KPF. *** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt. Rechtsextremisten Linksextremisten Ausl\u00e4ndische Extremisten Mitglieder Scientology-Organisation 12.000 10.470 10.000 8.000 8.120* 6.660 6.000 5.000 4.000 4.900 4.060 3.000 2.600** 2.000 Bayern 0 1991 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 * Die Republikaner 1994 erstmals erfasst. ** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt.","22 Entwicklung des politischen Extremismus Entwicklung politisch 1998 1999 2000 motivierter 998 Gewalttaten 1000 in Deutschland 900 827 783 800 746 711 708 700 600 500 391 400 300 258 200 116 100 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Entwicklung politisch 1998 1999 2000 motivierter 60 Gewalttaten 60 56 in Bayern 50 39 40 40 30 25 25 20 20 8 10 3 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten","Rechtsextremismus 23 3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Rechtsextremismus Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie Ablehnung der auf. Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in Grundlagen der Deutschland sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie Demokratie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und statt dessen - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschluss des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"VolksgemeinKollektivismus schaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die zu einer Aush\u00f6hlung der Grundrechte f\u00fchrt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung missachtender NatioNationalismus nalismus, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung rassistischer Thesen, Rassismus unter anderem des Antisemitismus, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltRelativierung des herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des NS-Unrechts Dritten Reichs zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige VerunVerunglimpfung glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. der Demokratie Ziel dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Repr\u00e4sentanten als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern","24 Rechtsextremismus darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Strategie des Kampfs gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Seit einigen Jahren treten in der Propaganda von Rechtsextremisten Sozialpolitische sozialund wirtschaftspolitische Themen zunehmend in den VorderThemen grund. Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus den Fragen der Bev\u00f6lkerung nach der Sicherheit des Arbeitsplatzes, des Wettbewerbs und der Finanzierung der Renten Kapital schlagen zu k\u00f6nnen und in der politischen Auseinandersetzung akzeptiert zu werden. Teile des rechtsextremistischen Spektrums bedienen sich immer offensiver des \"Antikapitalismus\". Sie propagieren einen \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in das PDS-W\u00e4hlerpotenzial einzudringen. Organisierte und unorganisierte Rechtsextremisten sind sich einig in Antiamerikanismus der Ablehnung der \"One-World-Ideologie\" der Weltmacht USA. Ihr lager\u00fcbergreifendes, im Antiamerikanismus begr\u00fcndetes Feindbild ist die westliche Werteordnung. Sie empfinden diese als wesensfremd, da sie den Deutschen von der \"amerikanischen Fremdherrschaft\" aufgezwungen worden sei. Ebenso ablehnend stehen sie dem freien Welthandel und der zunehmenden Globalisierung gegen\u00fcber, die sie als Einebnung nationaler Vielfalt verstehen und somit als eine Gefahr f\u00fcr die nationalstaatlichen Strukturen erachten. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern und deren jeweilige Mitgliederst\u00e4rke ist aus den nachfolgenden \u00dcbersichten zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. Die REP sind in Bayern wie im Vorjahr trotz r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen die personell gr\u00f6\u00dfte Partei mit rechtsextremistischer Zielsetzung. Einen leichten Mitgliederzuwachs hatte nur die NPD aufgrund des Zulaufs von rechtsextremistischen Skinheads und Neonazis zu verzeichnen.","Rechtsextremismus 25 Zahl und Mit1998 1999 2000 gliederst\u00e4rke rechtsextremisAnzahl der Organisationen 27 30 33 tischer Organisationen in Mitgliederst\u00e4rken Bayern Die Republikaner (REP) 4.300 4.200 4.000 NPD mit JN und NHB 870 950 1.050 Deutsche Volksunion (DVU)* 2.000 1.800 1.800 Neonazistische Organisationen 110 60 60 Sonstige Organisationen 250 250 330 7.530 7.260 7.240 Neonazistische Einzelaktivisten 70 60 100 Rechtsextremistische Skinheads 600 650 780 Rechtsextremisten insgesamt 8.200 7.970 8.120 * Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins. Mitglieder 70.000 Deutschland * 60.000 50.000 50.900 40.000 39.800 30.000 20.000 Bayern * 10.000 8.120 4.900 0 1991 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 * Republikaner 1994 erstmals erfasst.","26 Rechtsextremismus Bei Wahlen \u00fcbte die DVU Abstinenz. Den \u00fcbrigen rechtsextremistischen Parteien gelang es durchwegs wiederum nicht, an die Ergebnisse des Vorjahrs anzukn\u00fcpfen. Ein formelles B\u00fcndnis zwischen Erfolglose B\u00fcndnisrechtsextremistischen Parteien kam auch im Jahr 2000 nicht zustanbem\u00fchungen de. Die NPD richtet ihre Parteiarbeit auf Eigenst\u00e4ndigkeit aus. Sowohl die F\u00fchrung der REP als auch der DVU lehnen die NPD als B\u00fcndnispartnerin ab. Ebenso blieben Bem\u00fchungen einer Anfang 2000 gegr\u00fcndeten Deutschen Aufbau-Organisation (DAO) um ein B\u00fcndnis mit \"patriotischen und nationalen Parteien\" erfolglos. Der weitgehend inaktive organisierte Neonazismus sucht nach einem Konzept zur \u00dcberwindung der eigenen politischen Isolation und Ohnmacht. Sozialistische Ideologiemerkmale wurden erneut st\u00e4rker Zunahme der betont. Der Freiheitliche Volks Block (FVB) trat nicht mehr in ErscheiAnzahl der nung. Die Skinhead-Szene ist zwar strukturell nicht gefestigt, die Zahl Skinheads ihrer Anh\u00e4nger aber erheblich gestiegen. 1.3 Rechtsextremistische Gewalt Zunehmende Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten in Deutschland Gewalt ist mit 998 gegen\u00fcber 746 im Jahr 1999 gestiegen. In Bayern stieg die Zahl der Gewalttaten auf 60 (1999: 56). Im Vergleich der Bundesl\u00e4nder weist Bayern unter Ber\u00fccksichtigung der Bev\u00f6lkerungszahl die geringste Belastung auf. Die Gewaltt\u00e4ter waren ganz \u00fcberwiegend Skinheads. In Bayern waren als besonders schwerwiegende Straftaten der Mordversuch eines Skinheads am 5. Februar in Aichach und drei Brandanschl\u00e4ge zu verzeichnen. Die anderen 56 Gewaltdelikte sind K\u00f6rperverletzungen. Insgesamt 45 der Gewalttaten waren fremdenfeindlich motiviert. Sicherstellung In letzter Zeit wurden im Rahmen von Exekutivma\u00dfnahmen bei von Waffen Rechtsextremisten vermehrt Waffen sichergestellt. Rechtsextremisten neigen von jeher zum Besitz bzw. der Verherrlichung von Waffen. Hinweise auf die Gr\u00fcndung bzw. Existenz organisierter terroristischer Strukturen sind in Bayern bislang nicht erkennbar. Ebenso wenig haben sich in Bayern Hinweise auf eine zielgerichtete Verwendung von Waffen ergeben. Im Bundesgebiet gelang es den Sicherheitsbeh\u00f6rden durch rechtzeitige Exekutivma\u00dfnahmen, mehrere Gruppen, die Ans\u00e4tze f\u00fcr rechtsterroristische Strukturen zeigten, bereits in der Entstehungsphase zu zerschlagen.","Rechtsextremismus 27 Die Beschaffung und der Besitz von Schusswaffen durch gewaltbereite Rechtsextremisten sind un\u00fcbersehbare Warnsignale. Entsprechenden Hinweisen muss deshalb besonders intensiv nachgegangen werden. Exemplarisch hierf\u00fcr sind die Waffenfunde am 28. September in Garching, Landkreis M\u00fcnchen, und am 23. November im Raum Dachau. Bei Durchsuchungen im Rahmen des \"Blood & Honour\"-Verbots ergaben sich zudem in Nordbayern Hinweise, die auf die Existenz einer Wehrsportgruppe hindeuten. Die Ermittlungen hierzu sind noch nicht abgeschlossen. 2. Parteien, Organisationen und Verlage 2.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.500 975 Vorsitzender: Udo Voigt Ralf Ollert Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Berlin Publikationen: Deutsche Stimme (DS), Deutsche Stimme EXTRA 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort Neonazistische und nationalrevolution\u00e4re Thesen sind inzwischen integraler Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD geworden und haben deren Erscheinungsbild nachhaltig ver\u00e4ndert. Die bereits seit mehreren Jahren erkennbare und in den Verfassungsschutzberichten dokumentierte Entwicklung der NPD zu einem SammelSammelbecken becken gewaltbereiter Skinheads und Neonazis hat sich fortgesetzt. Das militanter Neonazis von der Partei vertretene Staatsund Menschenbild steht in krassem und Skinheads Gegensatz zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. F\u00fcr die NPD resultiert die W\u00fcrde des Einzelnen nicht aus dem freien Willen des Individuums, sondern sie ist von biologisch-genetischer Teilhabe an der \"Volksgemeinschaft\" abh\u00e4ngig. Dementsprechend ist das Allgemeinwohl - so die NPD - stets und bedingungslos h\u00f6her zu bewerten als das Wohl des Einzelnen: \"Volksherrschaft setzt die Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat V\u00f6lkischer dabei \u00fcber den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die GesamtKollektivismus verantwortung wahrzunehmen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 3)","28 Rechtsextremismus \"Wir ... setzen uns ... f\u00fcr eine neue Gemeinschaftsordnung ein, die in nationaler Solidarit\u00e4t vorhandene Gruppenegoismen \u00fcberwindet und zu sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit f\u00fchrt.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 7) Eine mit dem Gleichheitsprinzip des Grundgesetzes unvereinbare, rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gte Fremdenfeindlichkeit ist elementarer Bestandteil der Parteiideologie vom \"lebensrichtigen Menschenbild\", das sich insbesondere gegen \"Fremdbestimmung\" und \"\u00dcberfremdung\" wendet: \"Im Kampf gegen die zunehmende rassische \u00dcberfremdung sollten uns die Nibelungen Warnung und Vorbild zugleich sein.\" (Deutsche Stimme Nummer 6/2000, Seite 13) \"Obwohl das Ausl\u00e4nderproblem in Deutschland ein gro\u00dfes Tabu darstellt, sind die Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr jeden, der sehen m\u00f6chte, offenkundig. Die Rassismus und Zahl der zehn Millionen wirtschaftlich und sozial ausgegrenzten DeutNationalismus schen entspricht auff\u00e4lligerweise ziemlich genau der Zahl der hier lebenden Ausl\u00e4nder, von denen nicht einmal 1,5 Millionen einer steuerund sozialversicherungspflichtigen T\u00e4tigkeit nachgehen. Die anderen lassen es sich im wesentlichen auf Kosten des deutschen Steuerzahlers gut gehen, dessen Staatsfinanzen nicht zuletzt durch sie zerr\u00fcttet werden.\" (Deutsche Stimme Nummer 7/2000, Seite 2) Antisemitismus Der Antisemitismus der NPD wurde insbesondere bei Angriffen gegen Repr\u00e4sentanten j\u00fcdischer Institutionen deutlich: \"Um dem Alptraum einer ewigen Schuldund B\u00fc\u00dferrolle entrinnen zu k\u00f6nnen, brauchen wir Politiker, die bereit sind, den st\u00e4ndig wiederkehrenden Forderungen der j\u00fcdischen Lobby friedlich, aber dennoch entschlossen entgegenzutreten und zu sagen: 'Jetzt ist Schlu\u00df!' \" (Deutsche Stimme Nummer 2/2000, Seite 2) Auf einer Protestdemonstration gegen den Bau des Holocaust-Mahnmals am 29. Januar in Berlin agitierte der Parteivorsitzende Voigt gegen das geplante \"Schandmal\" in der Mitte Berlins. Revisionismus Die NPD verfolgt auch geschichtsrevisionistische Ziele, die sich gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung richten: \"Keine Bundesregierung war bisher in der Lage, den ewigen Ausbeutungsversuchen und antideutschen Machenschaften auch einmal ein klares Nein entgegenzusetzen. Die etablierten Parteien haben weder die Kraft noch den Willen, prim\u00e4r deutsche Interessen zu vertreten, weil mit","Rechtsextremismus 29 der verlogenen, auslandsgef\u00e4lligen 'Vergangenheitsbew\u00e4ltigung' jedes nat\u00fcrliche Nationalbewu\u00dftsein systematisch zerst\u00f6rt wurde.\" (Deutsche Stimme Nummer 6/2000, Seite 1) In besonderer Weise bek\u00e4mpft die Partei die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und Diffamierung die parlamentarische Demokratie. Dabei tritt an die Stelle konstruktiver Kritik an einzelnen Missst\u00e4nden eine bewusst entstellende und \u00fcberspitzt verallgemeinernde Form der Darstellung: \"Wie lange wird sich der W\u00e4hler noch von den etablierten Parteien 'an der Nase' herumf\u00fchren lassen und erkennen, da\u00df er von den Helfershelfern der Besatzer seit 50 Jahren umerzogen, belogen, betrogen und get\u00e4uscht wird.\" (Deutsche Stimme Nummer 5/2000, Seite 2) \"In den guten alten Zeiten waren die Politiker in den Parlamenten und die Verbrecher in den Gef\u00e4ngnissen. Heute ist es gerade umgekehrt. Die Politiker sitzen in den Gef\u00e4ngnissen und die Verbrecher in den Parlamenten.\" (Der JN-Bundesvorsitzende Ro\u00dfm\u00fcller auf dem \"2. Tag des nationalen Widerstandes\" am 27. Mai in Passau) Diese diffamierende Polemik l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt. Dar\u00fcber hinaus offenbart die Diktion der NPD, insbesondere der h\u00e4ufige Gebrauch des Begriffs \"System\", den bereits die NSDAP zur Diffamierung der Weimarer Republik eingesetzt hatte, eine Wesensverwandtschaft mit der Terminologie der NSDAP: \"Mit der NPD k\u00f6nnte das deutsche Volk eine sozial gerechte und gesicherte Zukunft haben. Unter der weiteren Herrschaft der Systemparteien allerdings steht zu bef\u00fcrchten, da\u00df es im Sumpf von Korruption und Spekulation untergehen wird.\" (Deutsche Stimme Nummer 2/2000, Seite 2) Die NPD nimmt in letzter Zeit zunehmend eine aktiv-k\u00e4mpferische, Aktiv-k\u00e4mpferische aggressive Haltung gegen die freiheitliche demokratische Grundordaggressive Grundnung bei der Verfolgung ihrer Ziele und bei ihren Aktivit\u00e4ten ein. So haltung erkl\u00e4rte der Vorsitzende des NPD-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Hans G\u00fcnter Eisenecker, dass nur die NPD in Deutschland dem inzwischen f\u00fcr alle sichtbaren \"F\u00e4ulnisprozess des Bonner","30 Rechtsextremismus Systems\" eine glaubw\u00fcrdige Alternative entgegenstellen k\u00f6nne und betonte: \"Wir wollen nicht bewahren, wir wollen dieses System \u00fcberwinden, weil davon das \u00dcberleben unseres Landes abh\u00e4ngt.\" (\"Z\u00fcndstoff - Mitteilungsblatt des NPD-Landesverbands Berlin-Brandenburg\" Nummer 1/2000, Seite 2) Schon im November 1999 hatte ein hoher JN-Funktion\u00e4r die \"Demokratie in der bestehenden Form\" als \"\u00fcberholt und handlungsunf\u00e4hig\" abgelehnt; es sei nicht Aufgabe von NPD und JN, \"sich durch dieses System nach oben zu mogeln\", sondern \"diese Demokratie zu bek\u00e4mpfen und zu beseitigen\". Zur Verfolgung ihrer verfassungsfeindlichen Bestrebungen hat die \"Drei-S\u00e4ulenPartei ein auf drei \"strategische S\u00e4ulen\" gest\u00fctztes Konzept entKonzept\" wickelt, n\u00e4mlich - Programmatik: Schlacht um die K\u00f6pfe, - Massenmobilisierung: Schlacht um die Stra\u00dfe, - Wahlteilnahme: Schlacht um die W\u00e4hler. F\u00fcr den Kampf um die politische Macht werden \"Zwischenschritte\" und \"Etappenziele\" definiert. Ausdruck der an Etappenzielen ausgerichteten aggressiven Strategie der NPD ist auch das Konzept der \"Nationalen Au\u00dferparlamentarischen Opposition\" (NAPO). Der NPD-Vorsitzende Voigt umschrieb dies als Synonym f\u00fcr den \"Nationalen Widerstand\" und erkl\u00e4rte, die Partei habe den \"Kampf um die Stra\u00dfe\" als \"Speerspitze der Nationalen Au\u00dferparlamentarischen Opposition\" aufgenommen. \"Kampf um die Innerhalb ihres \"Drei-S\u00e4ulen-Konzepts\" r\u00e4umt die NPD dem \"Kampf Stra\u00dfe\" um die Stra\u00dfe\" Priorit\u00e4t ein. Dabei zielt sie insbesondere auf Jugendliche, die sie als Aktionspotenzial nutzen kann. Wie umfangreich das strategische Konzept \"Kampf um die Stra\u00dfe\" in die Praxis umgesetzt werden konnte, zeigt die Tatsache, dass seit Voigts Amtsantritt im November 1996 die Zahl der von der NPD getragenen Versammlungen erheblich zunahm. So fanden inzwischen fast 300 - zunehmend mit Neonazis und Skinheads durchgef\u00fchrte - Demonstrationen und \u00f6ffentliche Aktionen mit bis zu 5.000 Teilnehmern statt. Nach dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild waren dabei kaum noch Unterschiede zwischen Neonazis und Angeh\u00f6rigen der NPD auszumachen. Insbesondere die Pr\u00e4senz von Neonazis und Skinheads pr\u00e4gt h\u00e4ufig die Veranstaltungen von NPD und JN. Sie wollen - nach NS-Vorbildern - mit massiver","Rechtsextremismus 31 H\u00e4ufung uniform auftretender, kahlgeschorener sowie schwarz gekleideter Demonstrationsteilnehmer einen martialischen, aggressiven und Furcht einfl\u00f6\u00dfenden Eindruck vermitteln. Mit Parolen wie \"Arbeit nur f\u00fcr Deutsche\", \"Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung statt Integration\", \"Hier marschiert der Nationale Widerstand\" und \"Deutschland den Deutschen - Ausl\u00e4nder raus\" werden \u00c4ngste vor Arbeitslosigkeit, Fremdbestimmung oder \u00dcberfremdung verst\u00e4rkt und ausgenutzt. Damit soll eine Krisenstimmung gesch\u00fcrt werden, die den Angriff gegen den sozialen Rechtsstaat und die freiheitliche Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland rechtfertigen soll. Die Demonstrationen der NPD, verst\u00e4rkt durch militante Skinheads und Neonazis, sind deshalb \u00e4u\u00dferer Ausdruck des aggressiven Bestrebens der NPD, \u00fcber den au\u00dferparlamentarischen Kampf politische Macht in Deutschland zu erringen. Mit dem aus Sicht der NPD erfolgreichen \"Kampf um die Stra\u00dfe\" \u00d6ffnung gegensetzt sich die Partei \u00fcber einen formal bestehenden Unvereinbarkeits\u00fcber Neonazis beschluss faktisch hinweg. Als Konsequenz der v\u00f6lligen Aufgabe dieser strategisch-taktischen Position entwickelte sich die NPD zu einem bevorzugten Beitrittsobjekt f\u00fcr ehemalige Mitglieder verbotener neonazistischer Organisationen. Voigts Strategie ist es, die NPD auf eine m\u00f6glichst breite Basis zu stellen und unterschiedlichste Str\u00f6mungen des \"Nationalen Widerstands\" zu b\u00fcndeln. Hierbei genie\u00dft die themenund aktionsbezogene Zusammenarbeit mit Neonazis Priorit\u00e4t. Dem aus 20 Personen bestehenden NPD-Bundesvorstand geh\u00f6ren derzeit drei ehemalige Aktivisten verbotener neonazistischer Gruppierungen an. Eine entsprechende politische Vergangenheit weist auch der Vorsitzende des NPD-Bundesschiedsgerichts auf. In den NPD-Landesverb\u00e4nden sind rund 60 Personen mit neonazistischem Vorlauf bekannt, die zum Teil herausgehobene Funktionen aus\u00fcben. Dar\u00fcber hinaus betrachtet die NPD Skinheads als nat\u00fcrliche B\u00fcndnispartner. Ihre N\u00e4he zur gewaltbereiten Skinhead-Szene korrespondiert mit ihrem eigenen Verh\u00e4ltnis zur Gewalt. Die aktiv-k\u00e4mpferische und aggressive Grundhaltung der Partei spiegelt sich auch in ihrer Rhetorik wider. Ihrem Sprachgebrauch ist eine Aggressive Rhetorik an Militanz grenzende H\u00e4rte eigen, die nichts mit dem allgemein \u00fcblichen politischen Schlagabtausch gemein hat: \"Wenn die Medien und das korrupt-verkommende Regime gegen uns hetzen, dann gibt es nur ein Gegenmittel: Die Wut auf die Stra\u00dfe tragen! (...) Festigen wir unsere Reihen, bauen wir die Bewegung zu einer Festung aus!\" (\"Sachsen-Stimme\" Januar - April 2000, Seiten 4 ff.)","32 Rechtsextremismus Wachsende Mitglieder und Anh\u00e4nger der NPD schrecken ferner nicht davor zuGewaltbereitschaft r\u00fcck, ihre politischen Ziele auch mit Gewalt zu verfolgen. So griffen am 9. Juli vermummte Rechtsextremisten mit Schlagst\u00f6cken und Steinw\u00fcrfen die Teilnehmer einer Gedenkveranstaltung am Mahnmal der KZ-Gedenkst\u00e4tte Kemna/Nordrhein-Westfalen an. Als Anstifter des \u00dcberfalls wurde inzwischen ein NPD-Funktion\u00e4r zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt; gegen neun Mitt\u00e4ter verh\u00e4ngte das Gericht Freiheitsstrafen zwischen 18 und sieben Monaten. Am 4. August versuchte ein NPD-Mitglied, ein leer stehendes, von Obdachlosen genutztes Geb\u00e4ude in Wismar/Mecklenburg-Vorpommern in Brand zu setzen. Das Amtsgericht Wismar erlie\u00df Haftbefehl u.a. wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung. Ein ehemaliges JN-Mitglied ver\u00fcbte am 10. August in Eisenach/Th\u00fcringen einen Sprengstoffanschlag auf einen t\u00fcrkischen Imbisswagen. Der T\u00e4ter wurde inzwischen zu einer Jugendstrafe von acht Monaten mit Bew\u00e4hrung verurteilt. Gewalttaten Auch in Bayern wendeten Aktivisten und Anh\u00e4nger der NPD Gewalt in Bayern an oder trafen hierf\u00fcr Vorbereitungen. So misshandelten f\u00fcnf Skinheads am 29. April in N\u00fcrnberg einen Ausl\u00e4nder und verletzten ihn schwer. Ein unter den T\u00e4tern befindlicher NPD-Aktivist versuchte, auch den Begleiter des attackierten Ausl\u00e4nders mit F\u00fc\u00dfen zu treten. Am 1. Juli warf derselbe NPD-Aktivist zusammen mit einem weiteren Skinhead unter anderem Glasscherben auf Ausl\u00e4nder; dabei erlitt ein Kind Verletzungen. Ein Betroffener, der die Skinheads zur Rede stellte, erhielt von dem NPD-Aktivisten einen Faustschlag ins Gesicht. Dabei riefen beide T\u00e4ter ausl\u00e4nderfeindliche Parolen. Bei der Durchsuchung der Wohnung eines NPD-Aktivisten aus Unterfranken wegen Verdachts der Volksverhetzung am 12. August fand die Polizei umfangreiches rechtsextremistisches Propagandamaterial, indizierte rechtsextremistische Tontr\u00e4ger, eine Grundsubstanz zur Herstellung von Sprengstoff sowie ein \"Anarchisten-Handbuch\", in dem auch die Herstellung von Sprengstoff und der Bau von Bomben beschrieben sind. Am 17. Oktober ver\u00fcbte ein jugendlicher Sympathisant der NPD einen Brandanschlag auf eine Unterkunft f\u00fcr Asylbewerber in Grainet, Landkreis Freyung-Grafenau. Nur einem gl\u00fccklichen Umstand war es zu verdanken, dass das Feuer einer von ihm im Hauseingang in Brand gesetzten Papiertonne nicht auf das gesamte Anwesen \u00fcbergriff.","Rechtsextremismus 33 Ein alkoholisierter Skinhead, der Mitglied der NPD ist, beleidigte am 28. Oktober in Ansbach zwei t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige und verletzte einen von ihnen durch einen Fu\u00dftritt. In der Wohnung des T\u00e4ters wurden zehn Gewehrpatronen sichergestellt. Die NPD hat damit in den vergangenen Jahren eine bedeutende Wandlung erfahren. Ihr Schwerpunkt liegt nicht mehr in der organisierten Form einer Wahlpartei. Vielmehr sieht sie sich als Anf\u00fchrerin einer breiten sozialen Protestbewegung, als Bewegung, die mit Neonazis und Skinheads zur Verfolgung ihrer auf die \u00dcberwindung des Systems ausgelegten Ziele Aktionsb\u00fcndnisse auf vornehmlich au\u00dferinstitutionellem Wege eingeht. Sie bekennt sich zunehmend zu den Zielen des historischen Nationalsozialismus und ist mitverantwortlich f\u00fcr ein geistiges Klima, das den Boden f\u00fcr gewaltsame \u00dcbergriffe von Rechtsextremisten auf Ausl\u00e4nder und andere Minderheiten schafft. Die NPD hat sich zudem in den letzten Jahren in erschreckendem Ma\u00dfe radikalisiert und zur Speerspitze des aggressiven Kampfes gegen die Demokratie entwickelt. Ganz offen verlangt sie die Beseitigung des - wie sie abf\u00e4llig sagt - \"Systems\". Angesichts dieser Entwicklung beschlossen die Bundesregierung, der Bundesrat und der Bundestag, beim Bundesverfassungsgericht Verbotsantr\u00e4ge gegen Verbotsantr\u00e4ge die Partei zu stellen. 2.1.2 Organisation Nach einem im Vorjahr vor\u00fcbergehend stagnierenden Zulauf hat sich die Aufw\u00e4rtsentwicklung der Partei vor allem in den neuen L\u00e4ndern Aufw\u00e4rtsentfortgesetzt. Auch die Verbotsdiskussion l\u00f6ste im rechtsextremistiwicklung schen Spektrum einen Solidarisierungseffekt aus und brachte der NPD neuen Zulauf. Ende 2000 z\u00e4hlte die NPD bundesweit rund 6.500 (1999: 6.000) Mitglieder. Die Partei gliedert sich in 15 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Der seit M\u00e4rz 1996 amtierende Bundesvorsitzende Udo Voigt wurde auf dem Bundesparteitag am 18./19. M\u00e4rz in M\u00fchlhausen, Landkreis Neumarkt i.d.OPf., wieder gew\u00e4hlt, desgleichen seine Stellvertreter Holger Apfel, J\u00fcrgen Sch\u00f6n und Dr. Hans-G\u00fcnther Eisenecker. Im Januar verlegte die NPD ihre Parteizentrale nach Berlin, w\u00e4hrend sich Redaktion und Anzeigenabteilung des ParteiParteiorgan organs \"Deutsche Stimme\" (DS) weiterhin in Riesa/Sachsen befinden.","34 Rechtsextremismus Landesverband Der Landesverband Bayern mit derzeitigem Sitz in Salching, Landkreis Bayern Straubing, der zahlreiche Angeh\u00f6rige der Neonaziund SkinheadSzene an sich binden konnte, z\u00e4hlt rund 975 (1999: 950) Mitglieder. Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 50 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Auf dem Landesparteitag am 18. November in Rudelstetten, Landkreis Donau-Ries, wurde der bisherige stellvertretende Landesvorsitzende Ralf Ollert zum neuen Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Seine Stellvertreter sind der vormalige Landesvorsitzende Franz Salzberger sowie die bisherigen Beisitzer im Landesvorstand Sascha Ro\u00dfm\u00fcller und Axel Michaelis. Zwei Beisitzer haben Verbindungen zur Skinhead-Szene, zwei weitere sind der parteiinternen oppositionellen \"Revolution\u00e4ren Plattform - Aufbruch 2000\" (RPF) zuzurechnen. Nutzung des Die NPD verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber das umfassendste Angebot aller Internets rechtsextremistischen Parteien im Internet. Sie bietet als Provider \u00fcber eine Domain \"npd.net\" in Bochum einen eigenen Zugangsservice in das Internet an und verbreitet aktuelle Informationen zu besonders bedeutenden Veranstaltungen. Die Netzseite verf\u00fcgt \u00fcber mehrere Diskussionsforen sowie ein eigenes Textarchiv mit Schlagwortsuchmodus, \u00fcber den alle bislang von der NPD ver\u00f6ffentlichten Texte verf\u00fcgbar sind. Alle 15 NPD-Landesverb\u00e4nde verf\u00fcgen \u00fcber eigene Internetseiten. \u00dcber die Linkliste sind alle Angebote von Untergliederungen der NPD und ihrer Jugendorganisation zug\u00e4nglich. 2.1.3 Teilnahme an Wahlen Die vom Parteivorsitzenden eingeleitete \u00d6ffnung gegen\u00fcber Neonazis und dem rechtsextremistischen Teil der Skinhead-Szene hat der Partei erh\u00f6hte Medienaufmerksamkeit und teilweise einen Reputationsgewinn im rechtsextremistischen Spektrum verschafft. Gleichwohl blieb die NPD bei Wahlen selbst dann erfolglos, wenn ihr keine Konkurrenz aus diesem Lager gegen\u00fcberstand. Dies zeigte sich bei der Landtagswahl am 27. Februar in Schleswig-Holstein, an der die NPD als einzige rechtsextremistische Partei teilnahm. Mit einem Stimmenanteil von 1 % erreichte die NPD allerdings die Teilhabe an der staatlichen Parteienfinanzierung. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai nominierte die NPD nur elf Direktkandidaten. Offenbar ging es ihr vor allem darum, dort Pr\u00e4senz zu demonstrieren, wo sie bereits auf kommu-","Rechtsextremismus 35 naler Ebene vertreten war. Sie erzielte lediglich etwa 2.300 Stimmen (0,0 %). Beide Landtagswahlergebnisse belegen die anhaltende Erfolglosigkeit der NPD als Wahlpartei. Dar\u00fcber k\u00f6nnen auch vereinzelte \u00f6rtliche Gewinne bei Kommunalwahlen, insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern, nicht hinwegt\u00e4uschen. 2.1.4 Reaktionen auf die Verbotsinitiative Die in letzter Zeit feststellbare Wandlung der NPD zu einer am Neonazismus orientierten Partei und ihre \u00d6ffnung f\u00fcr gewaltbereite Rechtsextremisten f\u00fchrten im Sommer 2000 zur \u00f6ffentlichen Diskussion eines Parteiverbots. Eine Bund-L\u00e4nder-Arbeitsgruppe von Verfassungsschutzund Verfassungsrechtsexperten kam im Herbst zu dem Ergebnis, dass die Verbotsvoraussetzungen vorliegen. In der Folge beschlossen sowohl die Bundesregierung als auch der Bundesrat und Verbotsantr\u00e4ge der Bundestag, jeweils eigene Antr\u00e4ge auf Feststellung der Verfassungswidrigkeit der NPD beim Bundesverfassungsgericht zu stellen. Die NPD-F\u00fchrung begegnete anfangs der Forderung nach einem Parteiverbot \u00e4u\u00dferlich gelassen, untersch\u00e4tzte aber offenbar die Dynamik der \u00f6ffentlichen Diskussion und die Ernsthaftigkeit der Verbots\u00fcberlegungen. Die eigene Gefolgschaft reagierte dagegen mit zunehmender Verunsicherung. Um nicht weitere Argumente f\u00fcr ein Verbot zu liefern, erkl\u00e4rte die Partei Mitte August, bis auf weiteres auf \u00f6ffentlichkeitswirksame Auftritte und Versammlungen mit Neonazis und Skinheads zu verzichten. Au\u00dferdem startete der NPD-Parteivorstand Anfang September unter dem Motto \"Argumente statt Verbote - Nein zum NPD-Verbot\" eine breit angelegte Werbekampagne, die aber kaum Resonanz fand. Der Verzicht auf Demonstrationen und eine \"Abgrenzungserkl\u00e4rung\" gegen\u00fcber der Neonazi-Szene f\u00fchrten alsbald zu Spannungen. VerInterne schiedene neonazistische, bisher mit der NPD verb\u00fcndete KameradDifferenzen schaften warfen ihr vor, sie habe sich durch die aktuelle Medienkampagne einsch\u00fcchtern lassen und weiche vor dem \"Feind\" zur\u00fcck, weil sie ein Parteiverbot bef\u00fcrchte. Auch innerparteilich stie\u00df der Verzicht auf \u00f6ffentlichkeitswirksame Veranstaltungen auf heftigen Widerstand. Eine parteiinterne Opposi-","36 Rechtsextremismus Interne tionsbewegung, die sich als \"Revolution\u00e4re Plattform - Aufbruch Oppositionsgruppe 2000\" (RPF) bezeichnet - sie war erstmals bei der NPD-Veranstaltung am 27. Mai in Passau \u00f6ffentlich in Erscheinung getreten - , pl\u00e4dierte daf\u00fcr, auch weiterhin spektakul\u00e4re Gro\u00dfveranstaltungen durchzuf\u00fchren. Die RPF versteht sich als eine Gemeinschaft von Aktionisten innerhalb der NPD/JN, die sich \"verst\u00e4rkt f\u00fcr einen konsequenten, revolution\u00e4ren und systematischen politischen Weg der Partei einsetzen\". Eine von der RPF mitgetragene \"Initiative f\u00fcr Versammlungsfreiheit\" mobilisierte f\u00fcr eine Gro\u00dfveranstaltung am 4. November in Berlin unter dem Motto \"Meinungsund Versammlungsfreiheit statt Verbote!\". Den Aufruf unterst\u00fctzten neben der RPF vor allem s\u00fcddeutsche Gliederungen der NPD/JN, aber auch die neonazistischen \"Freien Nationalisten\". Am 7. Oktober nahm die Polizei in M\u00fcnchen an einem Info-Stand der NPD zum Thema \"Argumente statt Verbot - Nein zum NPD-Verbot\" zwei NPD-Aktivisten wegen Verdachts der Volksverhetzung fest. Einer hatte ge\u00e4u\u00dfert, die \"einzigen anst\u00e4ndigen Toten in Dachau\" seien die M\u00e4nner der Waffen-SS gewesen. Sein Gesinnungsgenosse hatte behauptet, die Juden in Auschwitz seien an der Ruhr gestorben Am 22. August beantragte die NPD beim Verwaltungsgericht M\u00fcnchen, dem Freistaat Bayern \u00c4u\u00dferungen zu untersagen, wonach die NPD etwas mit \"rechter Gewalt\" zu tun habe und die Voraussetzungen f\u00fcr ein Verbot durch das Bundesverfassungsgericht gem\u00e4\u00df Erfolgloser Art. 21 Abs. 2 Grundgesetz vorl\u00e4gen. Dieser Eilantrag wurde am Eilantrag 2. November vom Verwaltungsgericht M\u00fcnchen abgelehnt. Das Gericht betonte, dass es Aufgabe eines Innenministers sei, die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bedrohungen der freiheitlichen demokratischen Grundordnung zu informieren. Unzul\u00e4ssig \u00fcberspitzte Formulierungen seien dabei nach Ansicht des Gerichts nicht verwendet worden. Als Zugest\u00e4ndnis an die interne Opposition beschloss der NPD-Parteivorstand Ende Oktober, das im August aus Gr\u00fcnden der formalen Abgrenzung gegen\u00fcber Neonazis und neonazistischen Skinheads verh\u00e4ngte Demonstrationsverbot aufzuheben und \u00f6ffentliche NPD-Versammlungen ab dem 25. November wieder zuzulassen, allerdings mit Zustimmungsvorbehalt der Bundesorganisationsleitung. Kundgebung Am 25. November veranstaltete die NPD in Berlin einen Aufzug unter in Berlin dem Motto \"Argumente statt Verbote - Nein zum NPD-Verbot!\". Die Teilnehmer zeigten Transparente und Fahnen mit Aufschriften wie \"Argumente statt Verbote\", \"Nationaler Widerstand l\u00e4sst sich nicht","Rechtsextremismus 37 verbieten\" und \"Sie sagen NPD-Verbot und meinen Deutschlands Tod\" mit. Sie riefen Parolen wie \"Hier ist der Aufstand der Anst\u00e4ndigen\", \"Stra\u00dfe frei dem Nationalen Widerstand\" und \"Trotz Terror und Verbot, sie kriegen uns nicht tot\". Am Alexanderplatz standen den 1.400 NPD-Anh\u00e4ngern etwa 3.000 Gegendemonstranten gegen\u00fcber, darunter zahlreiche militante Autonome, die den Aufzug blockierten sowie Steine und Flaschen gegen NPD-Anh\u00e4nger und Polizei schleuderten. Eine Schlusskundgebung fand nicht statt, da die Polizei die NPD-Veranstaltung aus Sicherheitsgr\u00fcnden vorzeitig beendete. Diese urspr\u00fcnglich f\u00fcr M\u00fcnchen geplante Veranstaltung hatte die NPD nach Berlin verlagert, nachdem das Kreisverwaltungsreferat M\u00fcnchen erkl\u00e4rt hatte, anstelle des angemeldeten Aufzugs sei allenfalls eine \"station\u00e4re Kundgebung\" m\u00f6glich. Bei der Veranstaltung in Berlin handelte es sich um die erste bundesweite und vom Parteivorstand initiierte NPD-Demonstration seit Beginn der Verbotsdiskussion. Sie stellte die konsequente Fortf\u00fchrung des strategischen Konzepts \"Kampf um die Stra\u00dfe\" dar und sollte zugleich eine Anschlusskampagne des Parteivorstands \"Deutschland l\u00e4sst sich nicht verbieten\" einleiten. Die Teilnehmerzahl war mit 1.400 Personen im Vergleich zu fr\u00fcheren \u00f6ffentlichen NPD-Veranstaltungen deutlich geringer, obwohl das Pr\u00e4sidiumsmitglied Per Lennart Aae erkl\u00e4rt hatte, die Demonstration sei das geeignete Mittel, der \u00d6ffentlichkeit zu zeigen, dass die \"Nationale Opposition\" handlungsf\u00e4hig sei. Die Verbotsdiskussion und die Aktivit\u00e4ten der RPF haben zu einer Destabilisierung der Partei gef\u00fchrt, die durch strategische Differenzen Destabilisierung innerhalb des Vorstands noch verst\u00e4rkt wird. So sind die Aussagen der NPD-F\u00fchrung weder hinsichtlich der innerparteilichen Opposition noch in Bezug auf die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mit Neonazis und neonazistischen Skinheads einheitlich, obwohl die Partei bestrebt ist, Handlungsf\u00e4higkeit zu demonstrieren. Die Bestellung des fr\u00fcheren RAF-Terroristen und jetzigen Neonazi Horst Mahler zum Vertreter der NPD im anstehenden Verbotsverfahren birgt zus\u00e4tzlichen Konfliktstoff. 2.1.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten Im strategischen \"Drei-S\u00e4ulen-Konzept\" der NPD liegt der Schwerpunkt der politischen Aktivit\u00e4ten derzeit beim \"Kampf um die Stra\u00dfe\".","38 Rechtsextremismus Die Partei will mit zahlreichen \u00f6ffentlichen Kundgebungen Pr\u00e4senz demonstrieren, der Bev\u00f6lkerung das Bild einer durchsetzungsf\u00e4higen politischen Kraft vermitteln und als organisations\u00fcbergreifende \"Nationale Au\u00dferparlamentarische Opposition\" (NAPO) den Boden f\u00fcr einen erfolgversprechenden \"Kampf um die Parlamente\" bereiten. 2.1.5.1 \u00d6ffentliche Kundgebungen in Berlin Die NPD initiierte am 29. Januar gemeinsam mit nicht organisierten Rechtsextremisten in Berlin eine Protestdemonstration gegen den Bau des Holocaust-Mahnmals. Bei einer Zwischenkundgebung agitierte der Parteivorsitzende Voigt vor rund 500 Teilnehmern gegen die \"Systemparteien\" und das geplante \"Schandmal\" in der Mitte Berlins. Am 12. M\u00e4rz, dem Jahrestag des Einmarschs deutscher Truppen in \u00d6sterreich, veranstaltete die NPD in Berlin unter dem Motto \"Wir sind ein Volk - nationale Solidarit\u00e4t mit Wien\" wiederum eine Kundgebung. Daran beteiligten sich rund 500 Rechtsextremisten, darunter viele Skinheads. Der f\u00fchrende Hamburger Neonazi Christian Worch behauptete in seiner Rede, das Fundament Europas werde nicht von Haider und der FP\u00d6, sondern von der Europ\u00e4ischen Union angegriffen. Voigt bezeichnete die NPD als Oppositionspartei gegen den nationalen Verrat. Die Herrschenden setzten die Politik der Alliierten mit anderen Mitteln fort. Die Entwicklung in \u00d6sterreich sei ein Zeichen, dass sich die Machtverh\u00e4ltnisse in Europa \u00e4nderten. 2.1.5.2 Veranstaltungen zum 1. Mai Zum 1. Mai f\u00fchrte die NPD sechs regionale Veranstaltungen in Berlin (1.200 Teilnehmer), Dresden (300 Teilnehmer), F\u00fcrth (500 Teilnehmer), Grimma (600 Teilnehmer), Ludwigshafen (300 Teilnehmer) und Wetzlar (140 Teilnehmer) durch, die vielfach von gewaltsamen Protesten politischer Gegner begleitet waren. So konnte die Demonstration in F\u00fcrth wegen massiver Behinderungen durch rund 800 Gegendemonstranten erst mit Versp\u00e4tung beginnen. Die St\u00f6rer bewarfen die Rechtsextremisten mit Steinen und versuchten, den NPD-Aufzug zu blockieren. Am Zielpunkt, dem F\u00fcrther Hauptbahnhof, wurden die NPD-Anh\u00e4nger von rund 2.500 bis 3.000 weiteren \u00fcberwiegend friedlichen Gegendemonstranten erwartet.","Rechtsextremismus 39 1999 war der Versuch der NPD gescheitert, mit einer zentralen Mai-Kundgebung in Bremen an fr\u00fchere Erfolge anzukn\u00fcpfen, da die geplante Veranstaltung verboten wurde. Diesmal konnte die NPD ein \u00e4hnliches Verbot vermeiden, indem sie bundesweit eine Vielzahl von Demonstrationen anmeldete. Es gelang ihr indes nicht, den Mobilisierungsgrad der zentralen Veranstaltung vom 1. Mai 1998 in Leipzig zu erreichen, wo bis zu 5.000 Personen ihrem Aufruf gefolgt waren. 2.1.5.3 Zentrale Veranstaltung in Passau Unter dem Motto \"Bewegung muss Partei ergreifen\" veranstaltete die NPD am 27. Mai in der Passauer Nibelungenhalle ihren \"2. Tag des nationalen Widerstandes\". Unter den rund 4.000 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland befanden sich neben zahlreichen Skinheads auch bekannte Neonazis wie Friedhelm Busse, Manfred Roeder, Christian Worch und Thomas Wulff. Der Parteivorsitzende Udo Voigt betonte den Anspruch der NPD, sich zu einer wirklichen Alternative zum \"liberalkapitalistischen System\" der Bundesrepublik Deutschland zu entwickeln und alle nationalen Kr\u00e4fte zu konzentrieren. Der fr\u00fchere Rechtsterrorist Manfred Roeder behauptete, die Bundesrepublik Deutschland sei ein Besatzungsregime unter US-amerikanischer Knute; nur ein neues Deutsches Reich k\u00f6nne helfen. In einem weiteren Beitrag kritisierte der ehemalige Linksterrorist Horst Mahler die nach seiner Auffassung bestehende politische und geistige \u00dcberfremdung Deutschlands. Auch gebe es keine deutsche Kollektivschuld, diese sei lediglich eine Erfindung der Juden. Man m\u00fcsse es deshalb wieder wagen, einen Begriff wie Volksgemeinschaft frei auszusprechen. An Protestaktionen gegen diese NPD-Veranstaltung beteiligten sich knapp 1.000 Personen, davon rund 750 Anh\u00e4nger autonomer Antifagruppen, die einem Aufruf der militanten Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) und weiterer ihr zuzurechnender \u00f6rtlicher linksextremistischer Gruppierungen gefolgt waren. Trotz der starken Polizeipr\u00e4senz kam es vereinzelt zu militanten Aktionen. Mit dieser Veranstaltung ist es der NPD erneut gelungen, ein breites rechtsextremistisches Spektrum aus dem Inund Ausland zu mobili-","40 Rechtsextremismus sieren. Am 7. Februar 1998 hatte die NPD in Passau mit ebenfalls 4.000 Teilnehmern den \"1. Tag des nationalen Widerstands\" durchgef\u00fchrt. 2.1.6 Junge Nationaldemokraten (JN) Deutschland Bayern Mitglieder: 350 75 Vorsitzender: Sascha Ro\u00dfm\u00fcller Frederick Seifert Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: Riesa/Sachsen Publikation: Der Aktivist Mit den JN verf\u00fcgt die NPD als einzige rechtsextremistische Partei \u00fcber eine Jugendorganisation mit Bedeutung und Einfluss. Die JN bekennen sich in Ideologie und Zielsetzung zum Programm ihrer Mutterpartei. Sie verstehen sich als \"weltanschaulich geschlossene Jugendbewegung neuen Typs mit revolution\u00e4rer Ausrichtung\" und wollen die \"Volksgemeinschaft\" in einer \"neuen nationalistischen Ordnung\" verwirklichen. So betonen sie die \"zwingende Notwendigkeit des nationalistischen Befreiungskampfes\" und streben danach, das \"Leitbild des politischen Soldaten zu verk\u00f6rpern\". F\u00fchrungskader der JN pflegen weiterhin intensive Kontakte zur Neonazi-Szene und zu Skinheads. Die Zusammenarbeit mit NPD und JN erm\u00f6glicht es den neonazistischen \"Freien Nationalisten\", unter dem organisatorischen Dach einer Partei unbehelligt Neonazistische an Demonstrationen teilzunehmen und sich an der politischen Arbeit Tendenzen zu beteiligen. Der Anteil der Neonazis und Skinheads unter den JN-Mitgliedern liegt bei ann\u00e4hernd 40%. Der JN-Bundesvorsitzende Sascha Ro\u00dfm\u00fcller wurde auf dem JN-Bundeskongress am 5. Februar in Stra\u00dfenhaus bei Neuwied/RheinlandPfalz wieder gew\u00e4hlt. Die rund 100 Delegierten best\u00e4tigten damit den von ihm eingeschlagenen aktionistischen Kurs. Seine Stellvertreter sind Mike Layer und Alexander Delle. Dem neuen JN-Bundesvorstand geh\u00f6rt auch der bayerische JN-Landesvorsitzende als Beisitzer an.","Rechtsextremismus 41 Der im Januar gew\u00e4hlte bayerische JN-Landesvorsitzende Frederick Seifert hatte zuvor den Landesverband seit dem R\u00fccktritt seines Vorg\u00e4ngers Carsten Beck im Herbst 1999 kommissarisch geleitet. Er ist zugleich Vorsitzender des NPD-Bezirksverbands Oberbayern. Wie der JN-Bundesvorsitzende vertritt er nach dem Motto \"Kampf - Aktion - Aktionistischer Widerstand\" einen aktionistischen Kurs, der auch von den weiteren Kurs Vorstandsmitgliedern mitgetragen wird und zur Expansion des Landesverbands beitragen soll. Bereits am 14. Januar gr\u00fcndete der JN-Landesverband unter neuer F\u00fchrung einen JN-St\u00fctzpunkt in Regen, dem \u00fcberwiegend Personen der \u00f6rtlichen Skinhead-Szene angeh\u00f6ren. Die Aktivit\u00e4ten dieser \"Widerstandszelle\" stehen unter dem Einfluss des ehemaligen REP-Funktion\u00e4rs Otmar Wallner, der im M\u00e4rz u. a. einen \"politischen Fr\u00fchschoppen\" unter dem Motto \"Nur Einigkeit macht stark, wir sind das Volk\" organisierte. Anl\u00e4sslich des Wegzugs des NPD-Parteiorgans nach Riesa/Sachsen demonstrierten am 22. Januar mehr als 100 JN-Anh\u00e4nger, \u00fcberwiegend Skinheads, in Neuburg a. d. Donau unter dem Motto \"Deutschland in Not - Widerstand jetzt\". Auf einer anschlie\u00dfenden \"Reichsgr\u00fcndungsfeier\" in Karlshuld, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, bezeichnete ein NPD-Aktivist die Bundesrepublik Deutschland als \"verdammten Judenstaat\". Auf dem \"2. Tag des nationalen Widerstandes\" am 27. Mai in der Passauer Nibelungenhalle forderte der JN-Bundesvorsitzende Ro\u00dfm\u00fcller dazu auf, \"unser Volk zu verteidigen, notfalls auch gegen die gew\u00e4hlte Regierung der Bundesrepublik Deutschland\". Mit mehr als 100 Teilnehmern veranstalteten die JN im Juni als Pfingstlager \"Grundstock f\u00fcr eine nationalistische nordeurop\u00e4ische Allianz\" ein deutsch-schwedisches Pfingstlager mit einem Aktivisten der \"Nationalen Jugend\" aus Schweden. Als \"Begegnungsst\u00e4tte\" diente das Gel\u00e4nde einer ehemaligen nationalsozialistischen Bildungseinrichtung in Sachsen-Anhalt. Mit dem Austausch von Fahnen wurde eine \"noch intensivere Zusammenarbeit\" vereinbart. Am 28. Oktober hielten die JN in Dreisen/Rheinland-Pfalz unter Beteiligung von rund 300 Personen ihren \"7. Europ\u00e4ischen Kongress der 7. Europ\u00e4ischer Jugend\" ab. Die Anwesenheit von G\u00e4sten aus mehreren europ\u00e4Kongress der ischen Staaten sollte wie in den Vorjahren den Eindruck einer funkJugend tionierenden internationalen Kooperation erwecken. Der angestreb-","42 Rechtsextremismus ten \"europ\u00e4isch-nationalistischen Einheitsfront\" sind die JN indes nicht n\u00e4her gekommen, zumal die Besucherzahl gegen\u00fcber 1999 deutlich zur\u00fcckgegangen ist. Am Rande des Treffens kam es zu Auseinandersetzungen mit Anh\u00e4ngern der innerparteilichen Opposition \"Revolution\u00e4re Plattform - Aufbruch 2000\", die mit Flugbl\u00e4ttern f\u00fcr die Teilnahme an der f\u00fcr den 4. November angemeldeten Demonstration in Berlin warben. 2.2 Deutsche Volksunion (DVU) Deutschland Bayern Mitglieder: 17.000 1.800 Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey Bruno Wetzel Gr\u00fcndung: 1987 Sitz: M\u00fcnchen Publizistisches Sprachrohr: National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung (NZ) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Extremistische In ihrem Programm bekennt sich die DVU formal zur freiheitlichen deGrundhaltung mokratischen Grundordnung, doch will sie einige f\u00fcr alle Menschen g\u00fcltige Grundrechte zu B\u00fcrgerrechten reduzieren, die ausschlie\u00dflich Deutschen zustehen sollen. Die rechtsextremistische Grundeinstellung der Partei wird in \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie im Inhalt der im Verlag des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey erscheinenden National-Zeitung deutlich. Wie bisher z\u00e4hlt die Kritik an der \"extrem einseitigen VergangenRevisionismus heitsbew\u00e4ltigung\" zu den Schwerpunkten der Programmatik. \"W\u00e4hrend der 16 Jahre seiner Kanzlerschaft hatte Helmut Kohl viele Gelegenheiten gesucht und gefunden, um durch ma\u00dflose und an Einseitigkeit un\u00fcberbietbare Anklagen das deutsche Volk zu belasten. So teilte er den Deutschen alle Schuld zu beispielsweise am Zweiten Weltkrieg, dem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion und selbst der Vertreibung der Ostund Sudetendeutschen.\" (NZ vom 7. Juli, Seite 1) \"Im Schattenboxen mit dem seit \u00fcber einem halben Jahrhundert toten Adolf Hitler vollbringt Johannes Rau immer neue Heldentaten nach","Rechtsextremismus 43 Ladenschluss. (...) Aus der moralisch gebotenen wie wohl auch politisch erforderlichen Verneigung vor j\u00fcdischen Opfern (...) ist nach der Phase von Kotau und Kniefall inzwischen die krasse Kriecherei geworden. (...) Ein Volk, das wegen Verbrechen eines l\u00e4ngst verflossenen Regimes den Gummischlauch statt R\u00fcckgrat im Kreuz hat, ist f\u00fcr gegenw\u00e4rtige Machthaber biegsamer.\" (NZ vom 25. Februar, Seite 3) Dabei werden die Verbrechen der Nationalsozialisten zwar nicht ausdr\u00fccklich geleugnet, doch wird versucht, die deutsche Schuld an der massenhaften Ermordung der Juden durch wiederholte Hinweise auf historische Verbrechen anderer V\u00f6lker zu bagatellisieren. \"Allein seit 1940 haben die USA unz\u00e4hlige Kriege gef\u00fchrt. (...) Wir haben es nicht notwendig, von denen uns moralische Ratschl\u00e4ge geben zu lassen. Wir m\u00fcssen uns wehren gegen die st\u00e4ndigen absurden Angriffe, wir seien schuld an allen Schandtaten dieser Erde. (...) Vor allem wehren wir uns dagegen, dass die Deutschen eine Art Kollektivverantwortung tragen sollen und dass alle kommenden Generationen unseres Volkes mit einem Kainszeichen durch die Weltgeschichte gehen.\" (Dr. Frey auf der j\u00e4hrlichen Gro\u00dfveranstaltung der DVU am 23. September in Passau) Die DVU vermeidet offenen Antisemitismus, doch wird ihre antisemiLatenter tische Grundhaltung in ihrem publizistischen Sprachrohr deutlich, Antisemitismus dessen Berichterstattung \u00fcber Israel und die Juden vielfach negativ gef\u00e4rbt ist: \"Ist es nicht r\u00fchrend, wie der bekennende Junggeselle Michel Friedman vom Zentralrat der Juden der alternden Schauspielerin Iris Berben bei der k\u00fcrzlichen Veranstaltung ,Gesicht gegen Rechts zeigen' in Berlin in die Augen trieft?\" (NZ vom 6. Oktober, Seite 8) H\u00e4ufig werden demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten Diffamierung diffamiert. Auf diese Weise soll das Vertrauen in diese Institutionen demokratischer und den von ihnen getragenen demokratischen Rechtsstaat unterInstitutionen graben werden: \"Wir sehen, dass die Bundestagsparteien in ihrer heutigen Verfassung sich gegen das deutsche Volk und seine Interessen wenden. Helfen kann hier","44 Rechtsextremismus nur eine direkte Demokratie, wo das deutsche Volk selbst abstimmt in den Lebensfragen, was es selbst will.\" (Dr. Frey am 23. September in Passau) \"Die DVU ist angetreten, um die Politik der Herrschenden, die gegen Menschenw\u00fcrde, Volk und Vaterland gerichtet ist, zu beseitigen.\" (Der stellvertretende DVU-Vorsitzende am 23. September in Passau) Trotz des Bekenntnisses zur Freundschaft mit anderen V\u00f6lkern, das Dr. Frey in seinen Reden regelm\u00e4\u00dfig wiederholt, ist die Grundhaltung Rassismus der Partei von einer fremdenfeindlichen und latent rassistischen Motivation gepr\u00e4gt: \"Wir wollen keine Massenzuwanderung und wir sehen auch keinen Grund, warum sich die Struktur der Bev\u00f6lkerung entdeutschen lassen sollte. Sondern wir wollen, nachdem Millionen von Deutschen ihr Leben gaben, dass dieses Volk in Deutschland erhalten bleibt.\" (Dr. Frey am 23. September in Passau) Relativierung Nach wie vor ist die Partei bestrebt, das Ausma\u00df rechtsextremistisch rechtsextremistimotivierter Militanz zu relativieren. scher Gewalt \"In Hunderten von F\u00e4llen so genannter rechtsradikaler, neonazistischer oder antisemitischer Gewalttaten haben sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ganz andere Hintergr\u00fcnde herausgestellt. Mal wurden solche politischen Motive nur vorget\u00e4uscht, um andere kriminelle Machenschaften zu vernebeln. Mal erwies sich, dass die T\u00e4ter weder eine auch nur im weitesten Sinne rechte Gesinnung haben noch dass sie irgendwie auf der politischen Rechten organisiert gewesen sind. Mal flog auf, dass die Anschl\u00e4ge von Rauscht\u00e4tern oder Psychopathen ver\u00fcbt wurden. Und immer wieder gab es F\u00e4lle, dass derartige Delikte auf die Kappe von Halbw\u00fcchsigen gingen, die zuvor von Agenten und Provokateuren entsprechend angeheizt worden waren.\" (NZ vom 5. Mai, Seite 4) \"Jeder wei\u00df doch, dass wir in jeder Hinsicht absolut gegen jede Gewaltanwendung, gegen jede Straftat ohne Vorbehalt sind. Jeder wei\u00df doch, dass die Dreckskerle, die sich vollaufen lassen am Abend und dann die Straftaten begehen, die das Fernsehen ihnen vorher vormacht, dass diese Lumpen mit uns, mit der deutschen Rechten, mit unserem Volk und Vaterland ... \u00fcberhaupt nichts zu tun haben, sondern Sch\u00e4dlinge am Leib unseres Volkes sind.\" (Dr. Frey am 23. September in Passau)","Rechtsextremismus 45 2.2.2 Organisation Die Mitgliederzahl der DVU ist mit rund 17.000 konstant geblieben. Die Partei hat keine Jugendorganisation und betreibt keine Jugendarbeit. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch nach au\u00dfen kaum in Erscheinung treten. Auf Kreisund Ortsebene ist die DVU ebenfalls kaum vertreten. Der bedingungslose Machtanspruch des Vorsitzenden Dr. Frey l\u00e4sst den Unterorganisationen keinen Handlungsspielraum. Im Verlag des Parteivorsitzenden erscheint als Werbetr\u00e4ger und publizistisches Sprachrohr der DVU die \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ). Die Partei verzichtete im Berichtszeitraum auf eine Teilnahme an Wahlen und konnte damit die Verbindlichkeiten bei ihrem Vorsitzenden auf rund zehn Millionen DM reduzieren. Die Hoher SchuldenPersonalunion von Vorsitzendem und Kreditgeber verleiht Dr. Frey stand eine ungew\u00f6hnliche Machtf\u00fclle. Ein seit geraumer Zeit schwelender Konflikt zwischen Anh\u00e4ngern und Gegnern des DVU-Bundesvorsitzenden f\u00fchrte am 28. Januar zur Spaltung der DVU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Der Spaltung der dortige DVU-Landesvorsitzende und drei weitere DVU-Abgeordnete DVU-Fraktion in erkl\u00e4rten ihren Fraktionsaustritt. Nachdem bereits im Vorjahr f\u00fcnf Sachsen-Anhalt Abgeordnete die DVU-Fraktion verlassen hatten, verblieben von den ehemals 16 DVU-Abgeordneten nur noch sieben Frey-Kritiker in der Fraktion. Diese forderten am 1. Februar den DVU-Bundesvorsitzenden erfolglos zum R\u00fccktritt auf, da er die politische Verantwortung f\u00fcr das negative Erscheinungsbild der Partei trage. Die loyal zu Dr. Frey stehenden sechs DVU-Abgeordneten in Sachsen-Anhalt bildeten am 14. Februar unter der Bezeichnung \"DVU - Freiheitliche Liste\" eine eigene Fraktion. 2.2.3 Aktivit\u00e4ten Am 12. Februar hielt die DVU in M\u00fcnchen ihren diesj\u00e4hrigen BundesBundesparteitag parteitag ab. Daran beteiligten sich rund 320 Personen, davon etwa 270 stimmberechtigte Mitglieder. Hauptzweck der Veranstaltung war offensichtlich die Ausschaltung unbotm\u00e4\u00dfiger Funktion\u00e4re durch vor-","46 Rechtsextremismus gezogene Neuwahlen. DVU-Parteitage wurden n\u00e4mlich bisher nur alle zwei Jahre durchgef\u00fchrt; der letzte Bundesparteitag mit Neuwahlen hatte am 16. Januar 1999 stattgefunden. Abweichend von der bisherigen Praxis wurde die Tagung auch nicht mit einem Parteitag des DVU-Landesverbands Bayern und einer Mitgliederversammlung der DVU e.V. verbunden. Bei der Wahl des Bundesvorstands wurde Dr. Frey mit 98,9% der abgegebenen Stimmen als Bundesvorsitzender best\u00e4tigt. Seine Stellvertreter sind Heinrich Gerlach aus Hamburg, Peter J\u00fcrgensen aus Baden-W\u00fcrttemberg und Bruno Wetzel aus Sielenbach, Landkreis Aichach-Friedberg. Gro\u00dfkundgebung Unter dem Motto \"Recht und Freiheit f\u00fcr das deutsche Volk\" hielt die in Passau DVU am 23. September in Passau ihre diesj\u00e4hrige Gro\u00dfkundgebung ab. Trotz hohen Werbeaufwands war sie mit 2.200 Personen nicht wesentlich besser besucht als die Veranstaltung des Vorjahrs. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand wie in fr\u00fcheren Jahren die Rede des DVU-Vorsitzenden. Dr. Frey polemisierte gegen \"Ausl\u00e4nderund Asylantenzuzug\" sowie gegen die europ\u00e4ische Integration und wandte sich gegen eine Politik, die sich des \"Schweinejournalismus\" bediene, um Nationalisten die Straftaten pseudorechter Gewaltt\u00e4ter anzulasten. Ferner sprach er sich gegen einen EU-Beitritt der T\u00fcrkei aus und forderte eine R\u00fcckkehr zum deutschen Nationalstaat. Den mit 10.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis\" der NZ erhielt erneut die deutsche Volkstumsgruppe in Schlesien. Gegen Ende der Veranstaltung wurde ein Videoband mit dem britischen Revisionisten David Irving abgespielt. Dieser referierte \u00fcber die alliierten Luftangriffe auf Dresden im Zweiten Weltkrieg. An Protestaktionen gegen die Veranstaltung der DVU beteiligten sich insgesamt \u00fcber 3.000 Personen, darunter auch Linksextremisten und Punks. 2.3 Die Republikaner (REP) Deutschland Bayern Mitglieder: 13.000 4.000 Vorsitzender: Dr. Rolf Schlierer Johann G\u00e4rtner Gr\u00fcndung: 1983 Sitz: Berlin Publikation: Der Republikaner","Rechtsextremismus 47 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort In den \u00f6ffentlichen Verlautbarungen der REP wurden wie bisher Aussagen mit eindeutig rechtsextremistischer Zielsetzung weitgehend vermieden. \u00c4u\u00dferungen der Partei lassen aber immer wieder einen \u00fcbersteigerten Nationalismus, verbunden mit Ressentiments gegen fremde Staaten und Minderheiten erkennen. \"Wir lehnen eine EU ab, die offenkundig keine Gemeinschaft souver\u00e4ner Mitgliedstaaten sein will, sondern die Entm\u00fcndigung und Gleichschaltung der V\u00f6lker Europas anstrebt.\" Nationalismus (Resolution des REP-Bundesvorstands vom 6. Februar) \"Der R\u00fcckgang der deutschen Bev\u00f6lkerung ... wird bisher durch eine ungeordnete Zuwanderung mehr als ausgeglichen. Da\u00df diese Zuwanderung keineswegs deutschen Interessen dient, sondern in erster Linie der Begl\u00fcckung des internationalen Wanderproletariats, hat die derzeitige Diskussion um die 'Green Card' nebenbei an den Tag gebracht.\" (Der Republikaner Nummer 4/2000, Seite 3) \"In Wahrheit haben unsere Politiker l\u00e4ngst vor den europ\u00e4ischen Zumutungen kapituliert. Sie nehmen tatenlos hin, dass die Schleusen weit aufgemacht werden. Und einige drehen noch kr\u00e4ftig mit an der Kurbel.\" (Der Republikaner Nummer 5/2000, Seite 1) Dar\u00fcber hinaus verunglimpfen f\u00fchrende Vertreter der REP planm\u00e4\u00dfig Diffamierung die bestehende Staatsform und ihre Repr\u00e4sentanten. demokratischer Institutionen \"Die moralisierenden Spitzenpolitiker haben sich den Staat als Beute genommen. Manche pl\u00fcndern unseren Staat in einer Selbstverst\u00e4ndlichkeit aus, da\u00df es einem die Sprache verschl\u00e4gt. Unversch\u00e4mt wird es, wenn dieser schwarz-rote Raubritterverein der Bev\u00f6lkerung erkl\u00e4rt, wir Republikaner seien eine Gefahr.\" (Der Republikaner Nummern 1-2/2000, Seite 2) \"W\u00e4hrend sich unsere Bundes-, Landesund Kommunalpolitiker in einer immer unversch\u00e4mteren Weise selbst bedienen, sich bis in die untersten Ebenen der Politik ein Parteienund Familienfilz entwickelt hat, welcher nur noch die eigenen Interessen vertritt, wird das deutsche Volk zunehmend ins Elend gest\u00fcrzt!\" (Flugblatt des REP-Landesverbands Bayern im Internet)","48 Rechtsextremismus \"Die Berliner Politiker haben offenbar nichts Eiligeres zu tun, als Souver\u00e4nit\u00e4t und Handlungsf\u00e4higkeit unseres Staates in Br\u00fcssel an der Pforte abzuliefern. Sie wollen die Verantwortung daf\u00fcr loswerden, was in unserem Land geschieht und wer bei uns einund ausgehen darf. Dagegen wehren wir uns. Nur die Republikaner widersetzen sich dem Ausverkauf deutscher Interessen.\" (Der Republikaner Nummer 5/2000, Seite 1) In einem Einladungsschreiben vom 8. Januar f\u00fcr ein Treffen verdeutlichte der Bezirksvorsitzende von Oberbayern und stellvertretende Landesvorsitzende Martin Huber die fremdenfeindliche Haltung der Partei: \"Wir Republikaner wollen keinen Vielv\u00f6lkerstaat, Schluss mit Milliarden Zahlungen an das Ausland. Unser Ziel mu\u00df es sein, nicht Integration der Ausl\u00e4nder, sondern R\u00fcckf\u00fchrung in ihre Heimat. Unser Land braucht eine Opposition, die in erster Linie deutsche Interessen vertritt.\" Zum Thema \"Doppelte Staatsangeh\u00f6rigkeit\" hie\u00df es im Parteiorgan: Rassismus und \"Hauptsache, m\u00f6glichst viele Einb\u00fcrgerungen, Hauptsache, das deutsche FremdenfeindVolk wird m\u00f6glichst schnell ausgetauscht. (...) Konsequenten Widerstand lichkeit gegen die Aufl\u00f6sung und Auswechslung unseres Volkes gibt es nur mit den Republikanern.\" (Der Republikaner Nummern 1-2/2000, Seite 2) Im G\u00e4stebuch des Internet-Forum REP Sachsen antwortete die Landesvorsitzende Kerstin Lorenz am 12. M\u00e4rz auf das Thema \"Mit allen Mitteln gegen die neue Gastarbeiterschwemme\": \"Leute wie Henkel und Stihl w\u00fcrden doch jeden Deutschen entlassen und durch einen Billigausl\u00e4nder ersetzen. (...) Billigarbeitskr\u00e4fte werden eben immer gebraucht und wenn die dann auch noch ihre Familien mitbringen und f\u00fcr immer in unserem Land bleiben, hat die Bundesregierung einen weiteren Schritt in Richtung 'Vernichtung des deutschen Volkes' erfolgreich getan. Auf etwas anderes l\u00e4uft es doch nicht hinaus! Unser Volk wird zielgerichtet unterwandert und durch Menschen anderer V\u00f6lker ersetzt. Hier zwingen sich Parallelen zur Ausrottung der Indianer in Amerika auf. (...) Entwicklung in Deutschland geht auch in diese Richtung. Wie anders ist es zu erkl\u00e4ren, dass immer \u00f6fter ein farbiger Mensch Mister Deutschland wird, die beste deutsche Nachwuchss\u00e4ngerin eine Farbige ist, immer mehr Moderatoren Farbige sind, im Bundestag schon jetzt T\u00fcrken sitzen, mancher Oberb\u00fcrgermeister ein T\u00fcrke ist und selbst auf Plakaten Farbige als typisch deutsch gezeigt werden. Der B\u00fcrger merkt leider nicht, dass wir wei\u00dfen Deutschen bald Exoten im eigenen Land sein werden!\"","Rechtsextremismus 49 In einer an die Kemptener Medien gerichteten Pressemeldung vom 20. November beschimpfte der Vorsitzende des REP-Kreisverbands Kempten-Oberallg\u00e4u die \"Altparteien, die aufgrund ihrer Hetze und Verleumdungen gegen die Republikaner als die wahren Nachfolger der Nationalsozialisten und der Kommunisten anzusehen\" seien. Ferner propagierte er den \"Kampf ... gegen die laufenden Verunglimpfungen und Beleidigungen der Republikaner durch die linksextremen und verfassungsfeindlichen Parteien wie 'SPD-SED-PDS', der gr\u00fcnen Schwuchtelpartei und der Schwarzfaschisten\". Den stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden beleidigte er mit dem Wort \"Zigeunerjude\". Die Staatsanwaltschaft Kempten leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung ein. Der REP-Landesverband Bayern distanzierte sich am 23. November in einer Pressemitteilung von den antisemitischen \u00c4u\u00dferungen des Kreisvorsitzenden und forderte ihn zum sofortigen R\u00fccktritt auf. Dar\u00fcber hinaus waren erneut Verst\u00f6\u00dfe von Funktion\u00e4ren und MitAush\u00f6hlung gliedern gegen den 1990 in Ruhstorf bei Passau beschlossenen des offiziellen Abgrenzungskurs gegen\u00fcber anderen rechtsextremistischen OrganiAbgrenzungssationen festzustellen, der eine Zusammenarbeit mit anderen Rechtskurses extremisten formell untersagt, aber offenbar selbst von der Parteispitze nicht mehr ernst genommen wird. Mit der Duldung von Kontakten auch f\u00fchrender Parteifunktion\u00e4re zu bekannten Rechtsextremisten sowie eigenen Verhandlungen mit der DVU unter formaler Beibehaltung des \"Ruhstorfer Beschlusses\" hat Dr. Schlierer die Konturen seiner eigenen Abgrenzungspolitik immer mehr verwischt. Die Stadtverordnetenfraktion der REP in Wiesbaden f\u00fchrte am 22. Januar eine Podiumsdiskussion mit Horst Mahler, Franz Sch\u00f6nhuber und Professor Dr. Klaus Sojka durch. In einem Schreiben vom 25. Januar erkl\u00e4rte der stellvertretende REP-Bundesvorsitzende Johann G\u00e4rtner, eine Gruppe von jungen Leuten habe sich bereits auf dem Anmarsch zu der Veranstaltung mit Rufen wie \"Sieg Heil\" artikuliert. Die Ordner der \"Republikanischen Jugend\" (RJ) h\u00e4tten auf eine weitere Gruppe, die sich als \"Freunde\" von der NPD zu erkennen gegeben h\u00e4tten, sehr euphorisch reagiert. Die Distanz zum Abgrenzungsbeschluss zeigt auch eine Pressemitteilung der NPD auf, wonach der REP-Landesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Schleswig-Holstein Werner Frey am 23. Januar anl\u00e4sslich einer NPD-Wahlveranstaltung in Bad Bramstedt ein Gru\u00dfwort sprach. In der Pressemitteilung wird weiter berichtet, die entscheidenden","50 Rechtsextremismus REP-Funktion\u00e4re in Schleswig-Holstein ermunterten ihre Mitglieder, die NPD zu w\u00e4hlen. In einem Artikel in Nation & Europa, Ausgabe Februar 2000, zum Thema \"Zur Zusammenarbeit deutscher Patrioten\" bezeichnete der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende Hans Hirzel den \"Ruhstorfer Abgrenzungsbeschluss\" der REP als f\u00fcr die Partei sch\u00e4dlich. Weiter pl\u00e4dierte er f\u00fcr eine zweckgebundene Zusammenarbeit mit jedem, der dazu bereit und f\u00e4hig sei, wenn politisch gef\u00e4hrliche Nebenwirkungen ausreichend vermieden werden. Nach einem Schreiben des damaligen NPD-Landesvorsitzenden von Schleswig-Holstein, Ingo Stawitz, vom 11. Februar an die Funktion\u00e4rin des Republikanischen Beamtenbundes (REPBB) Gesine G\u00f6ttsche bestanden im Vorfeld der Landtagswahlen auch Kontakte der REP-Bundesf\u00fchrung zur NPD. So habe bereits Anfang 1999 in Hamburg ein Gespr\u00e4ch zwischen Stawitz, dem REP-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Tempel und dem seinerzeitigen DVU-Funktion\u00e4r Professor Dr. Sojka stattgefunden. In demselben Brief hei\u00dft es, die stellvertretende Bundesvorsitzende Winkelsett und Tempel h\u00e4tten versucht, eine Landesliste mit Hilfe von DVU-Leuten aufzustellen. Beim Landeskongress der Republikanischen Jugend (RJ) Hessens am 7. Mai trat als Ehrengast und Hauptredner der fr\u00fchere REP-Bundesvorsitzende und Protagonist einer \"Vereinigten Rechten\" Franz Sch\u00f6nhuber auf. Der hessische RJ-Landesvorsitzende Andreas Lehmann wandte sich in seiner Rede gegen jegliche Ausgrenzung von Jugendlichen und bef\u00fcrwortete eine Zusammenarbeit mit der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und den Freien Nationalisten (FN). Unter starkem Beifall der rund 150 Teilnehmer schlug er vor, Sch\u00f6nhuber zum Ehrenvorsitzenden der REP zu ernennen. Der hessische Landesvorsitzende der Republikanischen Jugend (RJ) Andreas Lehmann geh\u00f6rt seit Sommeranfang auch zum Redaktionskollegium der Zeitschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\". Sein Name ist erstmals im Impressum der Juli/August-Ausgabe aufgef\u00fchrt. Er erg\u00e4nzt die aus Werner Baumann alias Harald Neubauer, Peter Dehoust, Dietmar Engelhard und Karl Richter bestehende Redaktion. Die Schrift ist eines der wichtigsten rechtsextremistischen Theorieund Strategieorgane. Das Engagement in einer solchen Publikation und die Kooperation mit namhaften rechtsextremistischen Autoren belegen erneut die mangelnde Akzeptanz des Abgrenzungsbeschlusses f\u00fcr ma\u00dfgebliche REP-Funktion\u00e4re.","Rechtsextremismus 51 Nach einem Bericht des Parteiorgans \"Der Republikaner\" (Nummern 1-2/2000) gibt es \"freundschaftliche Kontakte\" der Republikanischen Jugend (RJ) zu den Vlaams Blok Jongeren (VBJ), der Jugendorganisation des rechtsextremistischen Vlaams Blok (VB). So h\u00e4tten drei Vorstandsmitglieder der VBJ im September 1999 den Deutschlandtag der RJ in der N\u00e4he von Leipzig besucht; der Gegenbesuch einer RJ-Delegation habe anl\u00e4sslich des Bundesjugendparteitags der VBJ in Br\u00fcssel stattgefunden. Die Absprache zwischen DVU und REP vom Herbst 1998, bei Wahlen nicht gegeneinander anzutreten, kam nicht zum Tragen, da die DVU im Jahr 2000 nicht an Wahlen teilnahm. 2.3.2 Interne Richtungsk\u00e4mpfe Das Erscheinungsbild der Partei ist nach wie vor durch zunehmende Interne Kritik am Kritik an dem von der REP-Bundesf\u00fchrung offiziell noch immer veroffiziellen Kurs tretenen Abgrenzungskurs gegen\u00fcber anderen rechtsextremistischen Organisationen gepr\u00e4gt, der nach Ansicht der Kritiker die Partei in die politische Isolation gef\u00fchrt habe. Manche Landesverb\u00e4nde wollen mit Vertretern der DVU und der NPD intensivere Kontakte unterhalten, w\u00e4hrend andere dies ablehnen und den REP-Bundesvorsitzenden unterst\u00fctzen. Als die innerparteiliche Opposition Ende 1999 den R\u00fccktritt des Bundesvorstands, die Abhaltung eines Sonderparteitags und eine Beendigung des Abgrenzungskurses forderte, gerieten die REP in eine schwere programmatische und personelle Krise. Die fortdauernden Richtungsk\u00e4mpfe verunsicherten Dr. Schlierer zeitweise so sehr, dass er Kontakte von REP-Funktion\u00e4ren zu bekannten Rechtsextremisten wie Professor Dr. Klaus Sojka von der DVU und Harald Neubauer von der DLVH tolerierte, obwohl er offiziell den Abgrenzungsbeschluss nicht zur Disposition stellte. Diese inkonsequente Haltung f\u00fchrte zum Parteiaustritt des REP-Landesvorsitzenden von Nordrhein-Westfalen, Burkhard Schmanck, der als einer der exponiertesten Verfechter eines klaren Abgrenzungskurses galt. Bei den Republikanern eskalierte der Streit um die richtige Strategie und um die k\u00fcnftige personelle F\u00fchrung der Partei. Dr. Schlierer verlor bei den Mitgliedern vor\u00fcbergehend deutlich an R\u00fcckhalt. Ihm wurden Autorit\u00e4tsverlust, Unglaubw\u00fcrdigkeit, Fehlentscheidungen und der Versuch einer Ann\u00e4herung an konservative Parteien vorgeworfen. Umstritten war auch seine indifferente Haltung gegen\u00fcber dem offiziell immer noch g\u00fcltigen Abgrenzungskurs der Partei.","52 Rechtsextremismus Vor dem Hintergrund dieser kritischen Situation trafen sich am 19./20. Februar der Bundesvorstand und die Landesvorst\u00e4nde der Strategiekonferenz Partei in Leipzig zu einer Strategiekonferenz. Dr. Schlierer forderte eine bessere Qualifizierung der Parteifunktion\u00e4re, einen intensiveren Informationsaustausch zwischen Bundesf\u00fchrung und Parteigliederungen sowie eine verst\u00e4rkte \u00f6ffentliche Pr\u00e4senz der Partei. Anschlie\u00dfend wurde der Abgrenzungskurs kontrovers diskutiert. Mit der Einberufung dieser Tagung konnte Dr. Schlierer den von der Opposition geforderten Sonderparteitag zun\u00e4chst verhindern, der wohl personelle \u00c4nderungen im Bundesvorstand zur Folge gehabt h\u00e4tte. Unter diesen Umst\u00e4nden bedeutete die Konferenz zumindest einen kurzfristigen Erfolg f\u00fcr den Parteivorsitzenden, der seine innerparteilichen Kritiker - auch wegen Fehlens einer personellen Alternative - erneut zur\u00fcckdr\u00e4ngen konnte. In einer Pressemitteilung vom 8. August bezeichnete Dr. Schlierer die Debatte um ein Verbot der NPD als reinen \"Sommerlochaktionismus\" von Politik und Medien; dem deutschen Ansehen werde damit im Ausland nur geschadet. Wer indessen die Zunahme der Gewalt und Brutalit\u00e4t ernsthaft bek\u00e4mpfen wolle, m\u00fcsse die Wurzeln anpacken und d\u00fcrfe nicht nur an Symptomen herumkurieren: Weder sollten vor linker Gewalt die Augen geschlossen werden noch d\u00fcrfe das Thema \"Ausl\u00e4ndergewalt gegen Deutsche\" tabu sein. Bundesparteitag Auf dem Bundesparteitag am 18. November in Winnenden bei Stuttgart konnte Dr. Schlierer seine Position wieder festigen. Es gab nur noch vereinzelt Stimmen, die ihm eine schlechte F\u00fchrung der Partei vorwarfen. Die Mehrheit der 384 Delegierten bef\u00fcrchtete, dass ein Sturz Dr. Schlierers die Aussichten der Partei bei der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg im Jahr 2001 verschlechtern k\u00f6nnte. Mit 312 Ja-Stimmen wurde Dr. Schlierer f\u00fcr weitere zwei Jahre als Bundesvorsitzender gew\u00e4hlt. F\u00fcr den von der innerparteilichen Opposition aufgestellten Gegenkandidaten Hans Hirzel aus Hessen stimmten lediglich 63 Delegierte. Der bayerische Landesvorsitzende G\u00e4rtner wurde als einer der f\u00fcnf stellvertretenden Vorsitzenden wieder gew\u00e4hlt. Dr. Schlierers bisheriger Stellvertreter und profiliertester Kritiker Christian K\u00e4s hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Von den 20 Beisitzern erreichten f\u00fcnf Mitglieder aus dem Landesverband Bayern die n\u00f6tige Stimmenzahl. In einer Diskussion \u00fcber den Verbotsantrag gegen die NPD bekr\u00e4ftigte Dr. Schlierer erneut, dass es zwischen REP und NPD keine Gemeinsamkeiten und keine Kooperation gebe. Die","Rechtsextremismus 53 Republikaner bildeten auch kein Auffangbecken f\u00fcr jene, die jetzt der NPD den R\u00fccken kehrten, um andernorts ihr Unwesen zu treiben. Der Parteitag hatte unter massivem Polizeischutz begonnen. Bei Kontrollen auf Zufahrtsstra\u00dfen und Bahnh\u00f6fen wurden bei Linksautonomen Holzkn\u00fcppel, Benzinkanister und Flaschen sichergestellt. An einer Protestdemonstration politischer Gegner beteiligten sich \u00fcber 2.000 Personen. 2.3.3 Organisation Die REP befinden sich weiterhin in einer Krise. Mitgliederverluste als R\u00fcckl\u00e4ufige Folge anhaltender Erfolglosigkeit bei Wahlen und interne RichtungsMitgliederzahlen k\u00e4mpfe kennzeichnen die Lage. Der Partei geh\u00f6rten Ende 2000 im Bundesgebiet rund 13.000 (1999: 14.000) Mitglieder an; die Partei selbst nennt h\u00f6here Zahlen. Die Schwerpunkte liegen in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Hessen. St\u00e4rkste regionale Untergliederung ist der Landesverband Bayern mit 4.000 Mitgliedern. Der Bundesverband, der Landesverband Bayern, die Republikanische Homepage Jugend und weitere REP-Gliederungen sind im Internet mit einer im Internet Homepage vertreten. 2.3.4 Teilnahme an Wahlen Die Hoffnung der Partei, von dem Spendenskandal der CDU und der Regierungsbeteiligung der FP\u00d6 in \u00d6sterreich politisch zu profitieren, hat sich nicht erf\u00fcllt. Die REP werden vom W\u00e4hler nicht als Protestpartei akzeptiert. An der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai beteiligten sich die REP nahezu fl\u00e4chendeckend in 132 von 151 Wahlkreisen mit Direktkandidaten. Daneben nominierten sie auf einer Landesliste unter F\u00fchrung der stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Wahlkampfleiterin Ursula Winkelsett 20 weitere Bewerber. Die Partei f\u00fchrte den Wahlkampf mit Forderungen wie \"Deutschland den Deutschen\" und \"Schluss mit der Bimbes-Republik - f\u00fcr eine saubere Politik\". Sie erhob die Verhinderung weiterer Zuwanderung zur \"nationalen Existenzfrage\". Mit einem Stimmenanteil von 1,1 % (1995: 0,8%) erreichte die Partei lediglich einen Anspruch auf Wahlkampfkostenerstattung.","54 Rechtsextremismus 2.3.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern Politischer An der Aschermittwochsveranstaltung der REP am 8. M\u00e4rz in GeisenAschermittwoch hausen, Landkreis Landshut, nahmen wie im Vorjahr rund 800 Personen teil, darunter der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer und der Landesvorsitzende Johann G\u00e4rtner. Die Redner befassten sich mit dem Parteispendenskandal und dem Einsatz deutscher Truppen im Kosovo. Sie wandten sich gegen die angebliche Ausbeutung des Sozialstaats durch \"Scheinasylanten\", die zunehmende Islamisierung Deutschlands, die Osterweiterung der EU und die Isolierung \u00d6sterreichs; ferner agitierten sie gegen die Sozialpolitik der Bundesregierung und das geplante Holocaust-Mahnmal in Berlin. Starken Beifall fand ein kritischer Redebeitrag zur Agrarpolitik der Bayerischen Staatsregierung und der Europ\u00e4ischen Union. An einer Versammlung am 30. September in M\u00fcnchen unter dem Motto \"Entwickelt sich die EU zu einer Gesinnungsdiktatur?\" nahmen etwa 50 Personen teil. Als Redner traten der M\u00fcnchner Bezirksvorsitzende Dr. Echtler und der oberbayerische Bezirksvorsitzende Huber auf. Einen Gegendemonstrant warf einen Knallk\u00f6rper zum Rednerpult. Am Nachmittag sprach Dr. Schlierer vor 130 Parteimitgliedern im M\u00fcnchner \"Rhaetenhaus\". Er bef\u00fcrwortete ein schnelles NPD-Verbot, sofern die Sicherheitsbeh\u00f6rden tats\u00e4chlich \u00fcber relevantes Beweismaterial verf\u00fcgten; langandauernde Diskussionen schadeten indessen sowohl Deutschland als auch den REP. Landesparteitag Am 11. November fand der bayerische Parteitag der Republikaner in Kissing statt. Vor rund 150 Teilnehmern sprach sich der Bundesvorsitzende Dr. Schlierer weiterhin f\u00fcr eine Distanzierung zur NPD aus. Man werde ein neues Parteiprogramm auflegen. 2.3.6 Verwaltungsgerichtsverfahren Die Bestrebungen der REP, ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz unterbinden oder erschweren zu lassen, haben erneut R\u00fcckschl\u00e4ge erlitten. Bereits am 10. September 1999 hatte das Oberverwaltungsgericht Koblenz ein Urteil des Verwaltungsgerichts Mainz vom 10. Dezember 1997 aufgehoben, das die weitere Beobachtung Rheinland-Pfalz des REP-Landesverbands Rheinland-Pfalz mit nachrichtendienstlichen Mitteln untersagt hatte. Die Beschwerde der REP gegen die Nichtzu-","Rechtsextremismus 55 lassung der Revision wurde nunmehr am 3. M\u00e4rz vom Bundesverwaltungsgericht verworfen. Ferner wies das Verwaltungsgericht Stuttgart am 26. Mai eine Klage des REP-Landesverbands Baden-W\u00fcrtBaden-W\u00fcrttemtemberg gegen die Beobachtung der Partei mit nachrichtendienstberg lichen Mitteln zur\u00fcck. Auch ein vorangegangener Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die nachrichtendienstliche Beobachtung war erfolglos geblieben. Der Verwaltungsgerichtshof Baden-W\u00fcrttemberg lie\u00df am 17. Oktober die Berufung des REP-Landesverbands gegen das Urteil vom 26. Mai zu. Das Oberverwaltungsgericht L\u00fcneburg gab am 19. Oktober der Berufung des Landes Niedersachsen gegen ein Urteil des VerwaltungsNiedersachsen gerichts Hannover vom 29. November 1993 statt. Das Verwaltungsgericht Hannover hatte dem Land Niedersachsen untersagt, den dortigen REP-Landesverband mit nachrichtendienstlichen Mitteln zu beobachten. Anders als die Vorinstanz stellte das Oberverwaltungsgericht bei den REP tats\u00e4chliche Anhaltspunkte von hinreichendem Gewicht und in ausreichender Zahl f\u00fcr verfassungsfeindliche Bestrebungen fest, so dass die gesetzlichen Voraussetzungen f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Beobachtung unter Beachtung des Grundsatzes der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit erf\u00fcllt seien. Das Oberverwaltungsgericht begr\u00fcndete die Entscheidung im Hinblick auf eine Gesamtbetrachtung der Verhaltensweisen und \u00c4u\u00dferungen von Funktion\u00e4ren und Mitgliedern der Partei. So sch\u00fcrten Teile der Partei Ressentiments gegen Ausl\u00e4nder in einer Weise, die deren durch Art. 1 Grundgesetz gesch\u00fctzte Menschenw\u00fcrde missachte. Weiter agitierten REP-Mitglieder auf allen Ebenen der Partei gegen die im Grundgesetz konstituierte parlamentarische Demokratie. Dar\u00fcber hinaus unterhielten Funktionstr\u00e4ger der REP entgegen dem offiziellen Abgrenzungskurs nach wie vor Kontakte zur DVU und NPD. Vor diesem Hintergrund sei die Beobachtung der REP durch den Verfassungsschutz auch im Hinblick auf die nicht absehbare k\u00fcnftige Entwicklung der Partei gerechtfertigt. In einer Pressemitteilung vom 20. Oktober kritisierten die REP die Entscheidung als \"offenkundig politisch motiviertes Fehlurteil\" und k\u00fcndigten an, gegen das Urteil Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einzulegen. Mit einer \u00e4hnlichen Begr\u00fcndung wies das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-WestM\u00fcnster am 21. Dezember die Berufung des REP-Landesverbands falen Nordrhein-Westfalen gegen ein Urteil des Verwaltungsgerichts","56 Rechtsextremismus D\u00fcsseldorf vom 25. M\u00e4rz 1994 zur\u00fcck und erkl\u00e4rte damit ebenfalls die Beobachtung der REP mit nachrichtendienstlichen Mitteln f\u00fcr zul\u00e4ssig. 2.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) Deutschland Bayern Mitglieder: 500 60 Gleichberechtigte J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger, Werner Eichinger Sprecher (Vorsitzende): Ingo Stawitz, Andre Beiersdorf Gr\u00fcndung: 1991 (1996 Verzicht auf den Parteistatus) Sitz: Coburg Inoffizielles Organ: Nation & Europa - Deutsche Monatshefte Die DLVH versteht sich seit der 1996 beschlossenen Umwandlung in einen Verein als eine \"\u00fcberparteiliche und unabh\u00e4ngige Gemeinschaft demokratischer Patrioten\", die Gleichgesinnte \u00fcber Parteiund Vereinsgrenzen hinaus integriert und deren Kr\u00e4fte b\u00fcndelt. Trotz vorNationalismus und sichtiger Formulierung sind in ihrem \"Manifest\" nationalistische und Kollektivismus v\u00f6lkisch-kollektivistische Elemente feststellbar: \"Die DEUTSCHE LIGA bekennt sich zu einer Wirtschaftsund Sozialordnung der nationalen Pr\u00e4ferenz. (...) Ihr Ziel ist eine sozialpatriotische Solidargemeinschaft des Ganzen.\" Die DLVH ist unver\u00e4ndert inaktiv. Von Bedeutung ist nur ihre N\u00e4he zu einigen rechtsextremistischen Presseorganen, vor allem zu \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\". 2.5 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) Deutschland Bayern Mitglieder: 450 40 Vorsitzender: Dr. Rolf Kosiek Gr\u00fcndung: 1960 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: Das Freie Forum","Rechtsextremismus 57 Die von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete, von dem fr\u00fcheren NPD-\"Chefideologen\" Dr. Rolf Kosiek geleitete GFP stellt als \"Kulturvereinigung\" vor allem ein Forum f\u00fcr rechtsextremisRechtsextremistische Verleger, Buchh\u00e4ndler, Redakteure und Schriftsteller dar. Sie tische \"Kulturgibt vor, \"tabuisierte Lebensfragen der Deutschen\" zu thematisieren vereinigung\" und sich f\u00fcr die \"Freiheit und Wahrheit des Wortes\" einzusetzen. In Vortr\u00e4gen und auf GFP-Veranstaltungen wird rechtsextremistisches Gedankengut verbreitet. Die GFP will in einer angeblich \"durch Siegerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten Unter dem Motto \"National 2000 - Freie V\u00f6lker statt Globalismus\" fand vom 14. bis 16. April in Regensburg der GFP-JahreskonJahreskongress gress statt. Als Referenten traten bekannte Rechtsextremisten auf, darunter die Redakteure Harald Neubauer und Karl Richter von \"Nation & Europa\" sowie der Verleger Dr. Gert Sudholt und der Vorsitzende der Deutschland-Bewegung Alfred Mechtersheimer. Ein Redner behauptete, der Bau eines gemeinsamen europ\u00e4ischen Hauses werde \"von weitreichenden Umerziehungsma\u00dfnahmen begleitet, die dem deutschen Volk durch die gebetsm\u00fchlenhafte Beschw\u00f6rung der ewigen historischen Schuld letztendlich seine Identit\u00e4t rauben\" sollten. 2.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. Deutschland Bayern Mitglieder: 280 30 Vorsitzende: Lisbeth Grolitsch Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Starnberg Publikation: Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht Der von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von Hutten vertritt rechtsextremistische, insbesondere rassistische Thesen und verbreitet \u00c4u\u00dferungen, die das NS-Regime verharmlosen und die Bundesrepublik Deutschland verunglimpfen. Der Freundeskreis trat vorwie-","58 Rechtsextremismus gend mit der Herausgabe und Verbreitung der Schrift \"Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\" in Erscheinung. Darin hie\u00df es: \"Anstatt den Wunsch des Volkes in die politische Tat umzusetzen, investiert das Super-Vichy in Berlin unser Geld in Werbekampagnen, damit das Volk sich w\u00fcnscht, was die Politiker nach Vorgabe der Sieger durchsetzen m\u00fcssen.\" \"Die Woche des 'ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrgers' ist eine Facette bei der Erzwingung von Toleranz f\u00fcr die gro\u00dfe demographische Operation, aus der eine im Innersten andere Bev\u00f6lkerung hervorgehen wird. Wer dagegen nicht ank\u00e4mpft auf dieser Welt, verdient das Leben nicht.\" Dar\u00fcber hinaus veranstaltete der Freundeskreis vom 27. Oktober bis 1. November in Rosenheim eine G\u00e4stewoche mit rund 120 Teilnehmern aus Deutschland und \u00d6sterreich. Die geschlossene Tagung stand unter dem Leitsatz \"Aufbruch zur seelischen und geistigen Gesundung Deutschlands und Europas durch die Neuwertung der Werte\". Als Mitveranstalter trat die \"Deutsche Kulturgemeinschaft \u00d6sterreich\" auf. 2.7 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 2000 Deutschland Bayern Mitglieder: 100 50 Vorsitzender: Dr. Alfred Mechtersheimer Gr\u00fcndung: 1990 Sitz: Starnberg Publikationen: Frieden 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Deutschland-Bewegung, Pressespiegel Die 1990 in Berlin gegr\u00fcndete, heute in Starnberg ans\u00e4ssige Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 2000 ist bundesweit organisiert und umfasst in Bayern etwa 50 Personen in lokalen Kleingruppen. Die Verbandsaktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich auf Treffen einiger weniger Personen, die sich teilweise auch in anderen rechtsextremistischen Antidemokratische Parteien bzw. Gruppierungen bet\u00e4tigen. Die politische Position der und rassistische Gruppierung ergibt sich aus regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Publikationen Positionen wie \"Frieden 2000\" und \"Pressespiegel\" sowie aus Flugbl\u00e4ttern, die unter anderem mit Parolen wie \"Volksherrschaft oder Medien-Demo-","Rechtsextremismus 59 kratur\" oder \"Sch\u00fctzenhilfe aus New York f\u00fcr rot-gr\u00fcne Umvolkungspl\u00e4ne\" ein demokratiefeindliches, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t ablehnendes und rassistisch gepr\u00e4gtes Deutschland fordern. Die \u00f6rtlichen Aktivit\u00e4ten erreichten meist nur eine regional begrenzte Aufmerksamkeit. So st\u00f6rten Aktivisten der Deutschland-Bewegung am 22. Oktober eine Tagung der Evangelischen Akademie in Tutzing. Der Vorsitzende bzw. Sprecher der Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 2000 arbeitet mit bekannten rechtsextremistischen Funktion\u00e4ren bzw. Aktivisten verschiedenster Gruppen zusammen und verB\u00fcndnispolitik sucht, seine Gruppierung zu einer Sammlungsbewegung auszubauen. Dabei bedient er sich auch der im Fr\u00fchjahr gegr\u00fcndeten Deutschen Aufbau-Organisation (DAO), die \u00fcber eine Sammlungsbewegung hinaus auf die Bildung einer Sammlungspartei abzielt und dabei die bisherige Zersplitterung der rechtsextremistischen Parteienszene \u00fcberwinden m\u00f6chte. Die nach eigenen Angaben noch im Gr\u00fcndungsstadium befindliche DAO ist eine Teilorganisation der Deutschland-Bewegung und wird von dieser als \"Initiative der Deutschland-Bewegung\" bezeichnet. Verantwortlicher der Deutschen Aufbau-Organisation (DAO) ist ebenfalls Dr. Alfred Mechtersheimer. 2.8 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) Der 1958 gegr\u00fcndete, von Dr. Gerhard Frey geleitete DSZ-Verlag in M\u00fcnchen ist weiterhin das bedeutendste rechtsextremistische Propagandainstrument in Deutschland. Die Auflage der im Verlag erscheinenden Wochenzeitung \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) ist von bisher 50.000 auf 45.000 Exemplare zur\u00fcckgegangen. Als publizistisches Sprachrohr der DVU vertritt die NZ deren nationaBedeutendstes listische, rassistische und revisionistische Grundhaltung. Die Beitr\u00e4ge rechtsextremistisind gepr\u00e4gt von Vereinfachung, Schematisierung und dem Aufbau sches Propagandavon Freund-Feind-Bildern. instrument \"Zu den Millionen hier lebenden Ausl\u00e4ndern kommen Asylanten, Fl\u00fcchtlinge, Illegale, Heimatlose, De-facto-Fl\u00fcchtlinge usw. Dies alles kostet uns","60 Rechtsextremismus Nationalismus Jahr f\u00fcr Jahr Hunderte Milliardenbetr\u00e4ge, w\u00e4hrend das soziale Elend immer mehr Deutsche erfasst. Deutsches Geld fehlt an allen Enden f\u00fcr deutsche Aufgaben. Gleichzeitig halten sich in der Bundesrepublik allein etwa eine Million rechtskr\u00e4ftig abgelehnte Asylbewerber auf; also Scheinasylanten, die hier nichts verloren haben.\" (NZ vom 21. April, Seite 16) \"Dass das deutsche Volk von der Mitentscheidung \u00fcber die Lebensfragen Deutschlands nach dem Willen der Herrschenden ferngehalten werden soll, wissen wir zur Gen\u00fcge: Die Entmachtung Deutschlands als Nationalstaat, die Aufwertung der Europ\u00e4ischen Union zur alles bestimmenden Kolonialmacht, die Ersetzung der DM-Hartw\u00e4hrung durch den miserablen wachsweichen Euro - das alles geschah gegen den Willen der \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit der Bundesdeutschen und \u00d6sterreicher durch eine kleine, von den Lebensinteressen unseres Volkes losgel\u00f6ste Politikerkaste.\" (NZ vom 5. Mai, Seite 3) \"Und der deutsche Bedarf an der wissenschaftlichen Elite kann am besten gedeckt werden, wenn endlich Bund und L\u00e4nder allj\u00e4hrlich viele Dutzende Milliarden Mark zus\u00e4tzlich f\u00fcr Ausbildung und Forschung aufwenden, anstatt das sauer verdiente Geld des Steuerzahlers als Reparationen, Tribute an EU und Zahlungen in alle Himmelsrichtungen hinauszuwerfen.\" (NZ vom 5. Mai, Seite 3) Rassismus \"Offenbar berauschen sich etliche der hiesigen Rotgr\u00fcnen an der Vorstellung, durch die EU-Freiz\u00fcgigkeit f\u00fcr die T\u00fcrkei die Bundesrepublik endg\u00fcltig zu entdeutschen und f\u00fcr alle Zeiten in eine multikulturelle Gesellschaft umzuwandeln.\" (NZ vom 2. Juni, Seite 3) Antisemitismus \"Zu den Unbegreiflichkeiten unserer Zeit geh\u00f6rt die Tatsache, dass Juden aus Russland und den GUS-Staaten ohne jede Beziehung zum deutschen Volk, zur deutschen Kultur und zur deutschen Sprache in jeder Zahl in Deutschland einwandern k\u00f6nnen, wenn sie nur den Nachweis zu f\u00fchren verm\u00f6gen, seit Generationen 'reine Juden' zu sein. (...) Gleichzeitig unternehmen die Bundestagsparteien das Maximale, Deutschen aus der ehemaligen Sowjetunion die Heimkehr ins Land ihrer Vorv\u00e4ter nach Kr\u00e4ften zu erschweren oder zu verunm\u00f6glichen. (...) Juden hingegen, selbst wenn sie kein Wort Deutsch sprechen oder verstehen, k\u00f6nnen unverz\u00fcglich einreisen und erfahren dann nebst allen Verg\u00fcnstigungen eines f\u00fcr sie besonders ausgepr\u00e4gten Sozialnetzes Vorzugsbehandlungen.\" (NZ vom 2. Juni, Seite 3)","Rechtsextremismus 61 Typisches Kennzeichen der NZ ist ihr st\u00e4ndig betonter Wahrheitsanspruch, mit dem sie alle anderen Meinungen indirekt der Unwahrheit bezichtigt: \"Mit dem regelm\u00e4\u00dfigen Bezug der NATIONAL-ZEITUNG sichern Sie sich Informationen \u00fcber die wahren Hintergr\u00fcnde des ... Geschehens, wovon der Durchschnittsb\u00fcrger nicht einmal ahnt.\" (NZ vom 22. September, Seite 3) In einer festen Kolumne der NZ schreibt der Publizist und ehemalige REP-Vorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber; in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinen Artikel des wegen Leugnung des Holocaust verurteilten ehemaligen NPD-Vorsitzenden G\u00fcnter Deckert, der Ende 2000 aus der Haft entlassen wurde. 2.9 Nation Europa Verlag GmbH Der Nation Europa Verlag in Coburg wurde 1953 gegr\u00fcndet. Ein Jahr sp\u00e4ter konstituierte sich der mit den politischen Interessen des Verlags eng verbundene Verein Nation-Europa-Freunde e.V., dem derzeit etwa 200 Mitglieder angeh\u00f6ren. Herausgeber der im Verlag erscheinenden Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" sind die DLVH-Funktion\u00e4re Peter Dehoust und Harald Neubauer. Mit einer Auflage von 16.000 Exemplaren geh\u00f6rt die Zeitschrift zu den wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorganen. Sie bietet insbesondere Rechtsextremisten eine publizistische Plattform. So ver\u00f6ffentlicht der fr\u00fchere REP-Bundesvorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber in der Zeitschrift regelm\u00e4\u00dfig seine Kolumne \"Aus meiner Sicht\". \"Nation & Europa\" verbreitet sowohl revisionistische als auch rassistische Thesen. Als Strategieorgan tritt die Schrift seit Jahren ohne Erfolg daf\u00fcr ein, die Zersplitterung der rechtsextremistischen Parteien durch die Orientierung an ausl\u00e4ndischen Sammlungsparteien wie dem Front National (FN) in Frankreich und dem Vlaams Blok (VB) in Belgien zu \u00fcberwinden.","62 Rechtsextremismus 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus 3.1 Allgemeines Der Neonazismus umfasst alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4Agitationsren bzw. totalit\u00e4ren Staates gerichtet sind. Schwerpunktthemen schwerpunkte waren wie im Vorjahr die angebliche staatliche Verfolgung des \"nationalen Lagers\", die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik der Bundesregierung sowie rassistische und antisemitische Agitation. Die Gewinner der seit den Verboten neonazistischer Organisationen im Jahre 1992 einsetzenden Ideologieund Strategiedebatte des \"nationalen Lagers\" sind die NPD und die JN bzw. deren aus dem neonazistischen Spektrum stammende F\u00fchrungskader. So ist es dem Ideologische JN-Vorsitzenden Sascha Ro\u00dfm\u00fcller gelungen, seine aus j\u00fcngeren Durchdringung Neonazis und Skinheads bestehende Klientel an die NPD heranzuf\u00fchder NPD ren. Seine neonazistischen und nationalrevolution\u00e4ren Gedankenelemente sind inzwischen integraler Bestandteil des ideologischen Spektrums der NPD geworden und haben deren Erscheinungsbild nachhaltig ver\u00e4ndert. Das Verh\u00e4ltnis zwischen der NPD und den Neonazis ist als ZweckZweckb\u00fcndnis b\u00fcndnis zu charakterisieren. Insbesondere bei Demonstrationen kann von Neonazis sich die NPD die Aktionsst\u00e4rke der Neonazis zunutze machen. Andeund NPD rerseits verbuchen es neonazistische Initiativen als ihren Erfolg, die NPD und deren Umfeld als Anmelder und Teilnehmer von Demonstrationen zu instrumentalisieren. Da im Auftreten und \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild kaum noch Unterschiede bestehen, profitieren beide Lager wechselseitig voneinander. Die chronische Erfolglosigkeit der seit den Organisationsverboten auch unter der Bezeichnung \"Freie Nationalisten\" agierenden \"autonomen Kameradschaften\" konnte gestoppt werden. Insbesondere in Nordbayern entstanden neue \"Kameradschaften\". Dort ist eine zuSchulterschluss nehmende Verzahnung des rechtsextremistischen Spektrums erkenndes rechtsextrebar. Sowohl Teilbereiche der NPD als auch autonome Kameradschafmistischen Spekten und politisch agierende rechtsextremistische Skinhead-Szenen trums \u00fcben den Schulterschluss. Grund f\u00fcr diese Entwicklung ist nach Ansicht der Initiatoren der ungeheure staatliche Druck auf alle \"Nationalen\", dem man nur mit Geschlossenheit begegnen k\u00f6nne, um weitere Verbote von Parteien und Organisationen zu verhindern.","Rechtsextremismus 63 F\u00fchrende Neonazis, wie etwa Christian Worch und Thomas Wulff aus Norddeutschland sowie Michael Swierczek f\u00fcr den Bereich S\u00fcddeutschland, konnten dagegen ihr Konzept der Vernetzung autonomer nationaler Gruppen nicht entscheidend voranbringen. Das dem neonazistischen Lager zuzurechnende Potenzial hat sich Zunahme des in Bayern auf rund 160 (199: 120) Personen erh\u00f6ht; davon sind etwa neonazistischen 60 in neonazistischen Organisationen aktiv. Daneben sind rund Potenzials 780 rechtsextremistisch orientierte Skinheads bekannt. Insgesamt betr\u00e4gt das gewaltbejahende rechtsextremistische Potenzial in Bayern rund 900 Personen. Weiterhin bestehen in verschiedenen Regionen Bayerns strukturlose Gruppen mit rechtsextremistischen Verhaltensweisen, die sich aus Skinheads, Neonazis, aber auch aus sonstigen \"rechtsorientierten\" Jugendlichen zusammensetzen. Hierbei handelt es sich um jugendliche Mischszenen, die sich von rechtsextremistischen Parolen leicht beeinflussen und mobilisieren lassen. Die Anzahl und Auflagenst\u00e4rke neonazistischer Publikationen stagnierte auf dem Vorjahresniveau. 3.2 Ann\u00e4herung von Neonazis an Linksextremisten Einige Neonazis betonen verst\u00e4rkt die sozialistischen Elemente ihrer nationalsozialistischen \u00dcberzeugung und \u00f6ffnen sich den bisher als politische Gegner betrachteten Linksextremisten. So forderte die Publikation \"Der Angriff\", die sich als \"Mitteilungsblatt f\u00fcr alle freien Nationalisten und Sozialisten\" versteht, die \"ZusammenfasVersuche einer sung der gewaltigen Str\u00f6mungen des Nationalismus und des SozialisSynthese von mus\", um die \"Genialit\u00e4t jener politischen L\u00f6sung\" zu erreichen, f\u00fcr Nationalismus die auch der aus \"linken Kreisen\" stammende ehrliche und seinem und Sozialismus Volk verpflichtete deutsche Arbeiter gewonnen werden k\u00f6nne. Nicht jeder \"Linke\" sei automatisch als Gegner anzusehen. Da in \"vielen Linken\" dieselbe \"antikapitalistische Sehnsucht\" brenne, werde sich f\u00fcr die Zukunft eine Ann\u00e4herung insbesondere \"mitteldeutscher Linker\" an die nationalen und sozialistischen Ideen und Strukturen ergeben. Die seit Fr\u00fchjahr 1999 vom Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS) herausgegebene Schrift \"Der Gegenangriff\" deklarierte den 1. Mai 2000 zum \"Kampftag gegen Massenarbeitslosigkeit, Lohnraub und Multi-Kulti-Wahn\" und forderte den deutschen Arbeiter dazu auf, sich mit \"Stirn und Faust gegen die Politik der kapitalistischen Ein-","64 Rechtsextremismus heitspartei Deutschlands\" (KED) zu wenden. Der KDS versteht sich als \"Diskussionsund Kampfforum\" zur \"B\u00fcndelung revolution\u00e4rer, sozialistischer Energien und Gedanken\": \"Die erste rot-braune B\u00fcndnistruppe Deutschlands hat den gegenseitigen Brudermord an den Nagel gehangen und bringt die reiche Ideenwelt sozialistischer Revolution\u00e4re von Ernst Th\u00e4lmann bis Michael K\u00fchnen, von Dr. Joseph Goebbels bis Friedrich Engels aktiv in unsere heutigen K\u00e4mpfe zur Befreiung Deutschlands mit ein. Was uns voranbringt, auf dem Weg zu einem Staat, in dem Arbeiter von Stirn und Faust das Sagen haben, wird sch\u00f6pferisch auf die Gegenwart angewandt. Was uns in Hader und alten Hass zur\u00fcckwirft, wird \u00fcber Bord geworfen.\" Auch die von dem bekannten Neonazi Friedhelm Busse herausgegebene Publikation \"Nachrichten-Informationen-Meinungen\" (NIM) griff linksextremistische Positionen auf. In der Ausgabe Nummer 20 vom Mai/Juni erkl\u00e4rte sie zum kriegerischen Konflikt im Kosovo, dass \"das klare Ziel des amerikanischen Pr\u00e4sidenten und Au\u00dfenministeriums die D\u00e4monisierung von Milosevic\" gewesen sei. Das Bombardement stelle sich als \"Krieg gegen die Wahrheit\" heraus. Nur die pauschale Verurteilung von Jugoslawien und Milosevic als V\u00f6lkerm\u00f6rder habe es erm\u00f6glicht, die Serben und nicht die NATO \"als den Aggressor zu verkaufen\". Die besch\u00f6nigenden Worte vom \"humanit\u00e4ren Bomben\" h\u00e4tten sich als T\u00e4uschungsman\u00f6ver der Propaganda entpuppt, um die wahren Absichten der NATO zu verschleiern. Ferner thematisierte das Blatt den 1. Mai und stellte in einem \"Appell an die Nation\" fest, dass der \"Klassenstaat\" der Vergangenheit angeh\u00f6re und der \"Volksstaat\" die Zukunft bedeute. Das deutsche Volk m\u00fcsse wieder \"Luft und Licht zum Atmen und zum Leben\" haben; deshalb sei es entscheidend, dass die \"Sache der Nation\" wieder die \"Sache des Volkes\" sei. Es gelte, die \"deutsche Arbeit den Klauen der internationalen Raubfinanz\" zu entrei\u00dfen. 3.3 Autonome Kameradschaften Nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen seit 1992 entwickelten f\u00fchrende Neonazis das Konzept strukturloser Zusammenschl\u00fcsse. Dadurch sollten staatliche Gegenma\u00dfnahmen erschwert werden. F\u00fcr diese in ihrem Erscheinungsbild vielf\u00e4ltigen Gruppierungen wurde alsbald der Begriff der \"autonomen Kamerad-","Rechtsextremismus 65 schaften\" gebr\u00e4uchlich. In Bayern sind folgende derartige Zirkel erw\u00e4hnenswert: 3.3.1 Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) Der 1996 gegr\u00fcndete FZV z\u00e4hlt wie im Vorjahr rund 15 Mitglieder, die sich unter dem Einfluss des ehemaligen \"Bereichsleiters S\u00fcd\" der \"Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front\" (GdNF) in der Tradition des verstorbenen Neonazis Michael K\u00fchnen sehen. Die Aktivit\u00e4ten des FZV beschr\u00e4nkten sich bisher auf kleinere Veranstaltungen wie Fu\u00dfballturniere und Stammtische, zum Teil mit Verbindungen nach \u00d6sterreich. Obwohl sich der FZV als eingetragener Verein eine formelle Struktur gegeben hat, ist er in seinem Wirken einer autonomen Kameradschaft gleichzusetzen. Der FZV f\u00fchrte am 12. Januar 2001 in einer M\u00fcnchener Gastst\u00e4tte ein Stammtischtreffen durch, zu dem sich auch etwa 50 Skinheads einfanden. In der Nacht zum 13. Januar wurde aus dem Kreis der Skinheads ein griechischer Staatsangeh\u00f6riger vor dem Lokal angegriffen und schwer verletzt. Die Ermittlungen zu dieser Gewalttat sind noch nicht abgeschlossen. 3.3.2 Neonazikreis um Sven Schlechta (Kameradschaft Schwabach) Bei dem Neonazikreis handelt es sich um eine unorganisierte Personengruppe von etwa f\u00fcnf Personen. Der F\u00fchrer der Kameradschaft Schwabach Sven Schlechta sieht sich in der Tradition des verstorbenen Rechtsextremisten Michael K\u00fchnen und pflegt in diesem Rahmen regionale und \u00fcberregionale Kontakte zu f\u00fchrenden Neonazis. Die Kameradschaft organisiert Veranstaltungen wie \"Aktionstage f\u00fcr Gottfried K\u00fcssel\" und Feierlichkeiten anl\u00e4sslich des Geburtstags von Adolf Hitler. Bei einem im September von Schlechta organisierten Neonazitreffen traten Friedhelm Busse und der niederl\u00e4ndische Neonazi Konstant Kusters als Redner auf. Zu dieser Veranstaltung erschienen rund 80 Personen des rechtsextremistischen Spektrums. Diese relativ hohe Teilnehmerzahl zeigt, dass Schlechta wieder einen verst\u00e4rkten politischen Aktionismus entwickelt und erneut Zustimmung f\u00fcr seine politischen Ideen findet.","66 Rechtsextremismus 3.3.3 Bund Frankenland Der am 21. Dezember 1991 als Partei gegr\u00fcndete \"Bund Frankenland\" (BF) wurde am 29. Januar 1992 als eingetragener Verein registriert. Vorstandsmitglieder waren zu diesem Zeitpunkt die bekannten Rechtsextremisten J\u00fcrgen Schwab und Uwe Meenen. Ziel des BF war die Beseitigung des Grundgesetzes und der parlamentarischen Demokratie sowie die Schaffung eines \"Vierten Deutschen Reiches\" nationalistisch-rassistischer Pr\u00e4gung. In den letzten Jahren ist der BF kaum mehr in Erscheinung getreten. Im Herbst wurden im Raum Bamberg zwei Flugbl\u00e4tter mit rechtsextremistischen, insbesondere fremdenfeindlichen Inhalten verteilt, f\u00fcr die ein \"Bund Frankenland e. V., Ortsgruppe Bamberg, Kameradschaft Heinrich II\", verantwortlich zeichnete. 3.3.4 Aktionsb\u00fcro Nationaler Widerstand/Freilassing Der Neonazi Norman Bordin initiierte zusammen mit seinem im FZV aktiven Gesinnungsgenossen Manfred Eichner und dem Rechtsextremisten Steffen Holzm\u00fcller in Freilassing das \"Aktionsb\u00fcro Nationaler Widerstand/Freilassing\". In der Gr\u00fcndungsmitteilung vom 29. Mai versteht sich das Aktionsb\u00fcro als \"unabh\u00e4ngiger Bestandteil des nationalen Widerstands/Deutschland\" und verweist bei der Frage nach seinen politischen Vorstellungen auf die im Internet eingestellten Ver\u00f6ffentlichungen. Der darin propagierte Grundsatz \"Gemeinnutz geht vor Eigennutz\" ist gleich lautend mit Ziffer 24 des \"25-Punkte-Programms der NSDAP vom 24. Februar 1920, wonach der \"j\u00fcdisch-materialistische Geist\" zur \"dauernden Genesung unseres Volkes\" zu bek\u00e4mpfen sei. 3.3.5 Katakombenakademie des Friedhelm Busse Die Bedeutung der Katakombenakademie des 72-j\u00e4hrigen Neonazi Friedhelm Busse in M\u00fcnchen-Putzbrunn ist geschwunden. Die zuletzt sp\u00e4rliche Anh\u00e4ngerschaft hat sich teilweise den JN, dem FZV oder den Skinheads angeschlossen. Busses Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nken sich im wesentlichen auf Reden bei Veranstaltungen der NPD. Ferner unterst\u00fctzt er die NPD als Betreiber des \"Nationalen Info-Telefons Bayern\" (NIT). Daneben firmiert Busse unter der Bezeichnung \"Deutscher politischer Presseund Informationsdienst\" (dpi) und verfasst","Rechtsextremismus 67 die Publikation \"Nachrichten - Informationen - Meinungen\" (NIM), die er anl\u00e4sslich von Referaten und Veranstaltungen an die Anwesenden verteilt. 3.4 Informationelle Vernetzung Seit mehreren Jahren nutzen Rechtsextremisten auch moderne Kommunikationstechniken, insbesondere um die nach den Verboten neonazistischer Organisationen weggefallenen Kontaktm\u00f6glichkeiten zu ersetzen. Der Zugriff auf das Internet - einem weltweiten, rechtlich Internet und tats\u00e4chlich schwer fassbaren Raum - bietet Rechtsextremisten eine willkommene Plattform zur Verbreitung verfassungsfeindlicher Ziele. Insbesondere die Einschaltung ausl\u00e4ndischer Provider vermindert das Risiko der Strafverfolgung. Zu den Schwerpunkten des Angebots geh\u00f6ren einschl\u00e4gige Literatur und Musik, Propagandamaterialien aus dem Inund Ausland, Informationen \u00fcber rechtsextremistische Organisationen, deren Postanschriften und Telefonnummern, so genannte \"Schwarze Listen\" mit den Namen politischer Gegner sowie Verzeichnisse weiterer Internet-Inhalte mit rechtsextremistischen Bez\u00fcgen. In zunehmendem Ma\u00dfe dient das Internet aber auch der Mobilisierung der rechtsextremistischen Szene. So wurden auf einigen Homepages Flugbl\u00e4tter mit Aufrufen zu verschiedenen Demonstrationen eingestellt. Derzeit sind rund 800 (1999: 300) deutsche rechtsextremistische Homepages bekannt. Hinzu kommt eine Vielzahl ausl\u00e4ndischer Homepages; die Sch\u00e4tzungen belaufen sich derzeit auf weltweit \u00fcber 2.800 (1999: 1.400) einschl\u00e4gige Homepages aus \u00fcber 30 Staaten. Zunehmende Deutsche Rechtsextremisten werben f\u00fcr ihre verfassungsfeindlichen Bedeutung als Ziele mit immer anspruchsvollerer Technik. So binden sie aufwendige Propagandatr\u00e4ger Grafiken ein und bieten sogar indizierte Skinhead-Musik \u00fcber Tondateien an, die auf dem heimischen PC gespeichert und vervielf\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Die attraktiven Gestaltungsm\u00f6glichkeiten des \"world wide web\" (www) mit Farbgrafiken, Audiound Videosequenzen machen dieses kosteng\u00fcnstige Medium f\u00fcr rechtsextremistische Organisationen zu einem wichtigen Werbeund Propagandatr\u00e4ger, mit dem sich ungefiltert neue Interessentenkreise, vor allem Jugendliche, ansprechen lassen. Dem Internet kommt daher bei der Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts sowie bei der Koordinierung von Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Szene eine weiterhin steigende Bedeutung zu.","68 Rechtsextremismus Die zunehmende Anonymisierung der Homepage-Benutzer und die Nutzung ausl\u00e4ndischer Provider (z.B. in den USA) erschweren die T\u00e4tigkeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. Rechtsextremisten, die ihre politischen Inhalte \u00fcber Dienste in Deutschland anbieten, halten sich im Allgemeinen an die deutschen Gesetze. Bei Nutzung ausl\u00e4ndischer Anbieter, beispielsweise in \u00dcbersee, geben sie ihre Zur\u00fcckhaltung auf. So werStrafbare Inhalte den rassistische, revisionistische und volksverhetzende Aufrufe verbreitet, etwa durch den kanadischen Revisionisten Ernst Z\u00fcndel, dessen Propaganda auch mit Tonund Videosequenzen abrufbar ist. Zum rechtsextremistischen Internetspektrum z\u00e4hlen ferner detaillierte Anleitungen zur Herstellung von Sprengund Brands\u00e4tzen sowie sonstiger Sabotagemittel, aber auch gezielte Aufforderungen zur Gewaltanwendung gegen politische Gegner bis hin zu Mordaufrufen. Allerdings sind selbst anonyme Homepage-Benutzer identifizierbar, wenn auch mit gro\u00dfem Aufwand. Strafbare Inhalte f\u00fchrten daher wiederholt zu Strafverfahren. So beschlagnahmte die Polizei am 28. M\u00e4rz den PC und die Software des Betreibers der Homepage \"Siegener B\u00e4rensturm\". Ihm wird vorgeworfen, \u00fcber seine Internetseite \"links\" (automatisierte Verkn\u00fcpfungen) zu rechtsextremistischen Homepages mit strafbaren Inhalten angeboten zu haben. Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 12. Dezember k\u00f6nnen Ausl\u00e4nder in Deutschland auch dann strafrechtlich belangt werden, wenn sie in Deutschland abrufbare Schriften mit strafbarem Inhalt auf Servern im Ausland ins Internet einstellen. In Bayern verf\u00fcgen nur wenige Neonazis und Skinheads \u00fcber eigene Internet-Homepages. Nationale Der informationellen Vernetzung von Rechtsextremisten dienen auch Info-Telefone die Nationalen Info-Telefone (NIT), die mittels Anrufbeantworter Meldungen verbreiten und die M\u00f6glichkeit bieten, Nachrichten zu hinterlassen. Die Betreiber mobilisieren damit die rechtsextremistische Szene insbesondere zu bestimmten Anl\u00e4ssen und Gro\u00dfveranstaltungen. Daneben fungieren die NIT auch als eine Art Binde-Element und Motivationsinstrument innerhalb der rechtsextremistischen Szene. Das von dem M\u00fcnchener Neonazi Friedhelm Busse betriebene Nationale Info-Telefon Bayern (NIT-Bayern) hat sich inzwischen in der rechtsextremistischen Szene etabliert. Busse agitiert im NIT-Bayern nach wie vor massiv gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und ruft regelm\u00e4\u00dfig zur Teilnahme an Veranstaltungen des rechtsextremistischen Spektrums auf. Mobiltelefone Mobiltelefone (Handys) werden insbesondere zur Steuerung von Anreisenden zu konspirativen Treffen oder nicht angemeldeten","Rechtsextremismus 69 Versammlungen genutzt. Das Short-Message-System der Handy-Betreiber dient daneben vielfach der Verbreitung von volksverhetzenden und antisemitischen Texten. 3.5 Aktivit\u00e4ten zum 13. Todestag von Rudolf He\u00df Nachdem die Neonazi-Szene schon in den Vorjahren mit ihrer Strategie zur Durchf\u00fchrung der \"Rudolf-He\u00df-Aktionswochen\" scheiterte, haben ihre Aktivit\u00e4ten zum Gedenken an Rudolf He\u00df aufgrund entschlossener staatlicher Reaktionen weiter an Bedeutung und Attraktivit\u00e4t verloren. Auch in diesem Jahr konnten Neonazis keine gr\u00f6\u00dfere Kundgebung zum Todestag von Rudolf He\u00df durchf\u00fchren. Nach dem VersammlungsVerbot der in Iphofen, Landkreis Kitzingen, geplanten zentralen verbot in Bayern Gedenkveranstaltung, zu der bundesweit mobilisiert worden war, kam es wie schon in den Vorjahren nur zu vereinzelten regionalen Aktivit\u00e4ten. Im Vordergrund standen Propagandaaktionen mittels Plakaten, Transparenten und Aufklebern. Auch diese brachten nicht den erhofften Erfolg, da die Polizei viele Aktivisten bereits beim Plakatieren vorl\u00e4ufig festnahm und schon im Vorfeld Propagandamaterial in gro\u00dfen Mengen sicherstellen konnte. Au\u00dferhalb Bayerns wurden mehrere von Neonazis angemeldete regionale Demonstrationen verboten, so in Berlin, Frankfurt/Oder, L\u00fcbeck, Schwerin, Rostock und L\u00fcdenscheid. Versuche, konspirativ Konsequentes vorbereitete Aufm\u00e4rsche als \"Spontandemonstrationen\" durchzuEinschreiten f\u00fchren, konnte die Polizei durch konsequentes Einschreiten h\u00e4ufig der Polizei schon im Ansatz unterbinden. Der Neonazi Christian Worch, der bis vor wenigen Jahren zu den f\u00fchrenden K\u00f6pfen des Rudolf He\u00df-Aktionskomitees geh\u00f6rte, veranstaltete am 20. August unter dem Motto \"Gegen L\u00fcge und Hetze der BildZeitung! Enteignet Springer!\" in Hamburg eine Kundgebung, an der sich rund 150 Rechtsextremisten beteiligten. Das Bundesverfassungsgericht hatte die urspr\u00fcnglich verbotene Versammlung mit der Auflage zugelassen, vor allem jeglichen Bezug zu Rudolf He\u00df zu vermeiden. 4. Skinheads 4.1 \u00dcberblick Die Subkultur der Skinheads ist seit der deutschen Wiedervereinigung, insbesondere in den neuen Bundesl\u00e4ndern, immer st\u00e4rker in","70 Rechtsextremismus den Blickpunkt des \u00f6ffentlichen Interesses ger\u00fcckt. Kaum eine andere Protestbewegung der Jugend hat in der Bundesrepublik Deutschland f\u00fcr so viel politische Aufmerksamkeit gesorgt wie die der Skinheads. Die \u00f6ffentliche Beachtung, die ihnen in den Medien zuteil wird, ist auf ihre brutalen und menschenverachtenden Gewalttaten gegen Ausl\u00e4nder und Asylbewerber zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der ganz \u00fcberwiegende Teil der rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten geht von Skinheads aus. Die Skinhead-Bewegung entstand in Gro\u00dfbritannien und trat erstmals Ende der 70er Jahre auch im Bundesgebiet in Erscheinung. Sie war urspr\u00fcnglich eine jugendliche Subkultur, die durch ihr Auftreten eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft signalisierte. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kleidung oder Haarschnitt lassen heute keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf eine Zuordnung zur Skinhead-Szene mehr zu, da mittlerweile auch viele unpolitische Jugendliche ein entsprechendes Aussehen zeigen. 4.2 Politische Ausrichtung Die politischen Ansichten dieser Subkultur reichen von den so genannten Redskins (linksextremistisch beeinflusste Skinheads) \u00fcber die so genannten SHARPs (Skinheads against racial prejudice - Skinhead gegen rassistische Vorurteile) und die Oi-Skins (\"unpolitische Skinheads\") bis hin zur Mehrheit der rechtsextremistischen Skinheads einschlie\u00dflich der so genannten White-Power-Skinheads. Weltanschauung Die entsprechende politische \u00dcberzeugung bildet sich je nach Einzelund Politikverfall nicht selten erst nach Beitritt in die Szene st\u00e4rker aus. Skinheads st\u00e4ndnis sind deshalb zun\u00e4chst zu einer rational bestimmten politischen Meinungsbildung kaum f\u00e4hig und an einer fundierten politischen Auseinandersetzung nicht interessiert. In ihren Kreisen hat sich eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische Weltanschauung herausgebildet. Sie ist von rassistisch motivierter Fremdenfeindlichkeit sowie \u00fcbersteigertem Nationalbewusstsein gepr\u00e4gt und kn\u00fcpft insofern an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus an. Diese Einstellung spiegelt sich in meist spontanen Gewalttaten wider. Opfer waren nach wie vor Ausl\u00e4nder, aber auch Personen aus sozialen Randgruppen sowie \"Linke\", also zu den \"Feindbildern\" z\u00e4hlende Menschen.","Rechtsextremismus 71 Rechtsextremistische Skinhead-Szenen in Bayern 2000 Coburg Raum Oberfranken Aschaffenburg ca. 80 Bayreuth W\u00fcrzburg Raum Unterfranken ca. 70 N\u00fcrnberg Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg/Erlangen ca. 160 Regensburg Angeh\u00f6rige der Skinhead-Szenen Gro\u00dfraum Ingolstadt ca. 60 Ingolstadt Passau Landshut Raum Passau/ Deggendorf Neu-Ulm Augsburg ca. 40 Gro\u00dfraum M\u00fcnchen M\u00fcnchen ca. 200 Gro\u00dfraum Raum Rosenheim/ Rosenheim Freilassing Oberallg\u00e4u/ Unterallg\u00e4u ca. 50 ca. 100 Raum GarmischPartenkirchen ca. 20 Skinheads dienen rechtsextremistischen Organisationen vor allem als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Grunds\u00e4tzlich herrscht in der Szene eine Abneigung gegen organisatorische Bindungen. Allerdings werden Aktionen der NPD und JN von Skinheads mitunter massiv unterst\u00fctzt; fr\u00fchere Vorbehalte der Skinheads gegen\u00fcber diesen Organisationen haben stark abgenommen. So geh\u00f6rte der Gro\u00dfteil der Besucher der NPD-Gro\u00dfkundgebung am 27. Mai in Passau der Skinheadszene an. Enge Kontakte bestanden ins-","72 Rechtsextremismus besondere in Nordbayern sowie in Cham/Roding und Weilheim i. OB zwischen den dortigen Skinhead-Szenen und den JN bzw. der NPD. Versuche von Neonazis, Skinheads f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige ernsthafte politische T\u00e4tigkeit zu gewinnen, waren bislang wenig erfolgreich, da Skinheads einer intensiven ideologischen Schulung kaum zug\u00e4nglich sind. 4.3 Strukturen Die Skinhead-Szene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen. Diese informellen F\u00fchrer wandern sp\u00e4ter h\u00e4ufig in andere rechtsextremistische Gruppierungen ab. Gruppen in In Bayern sind rund 780 Skinheads mit rechtsextremistischem HinterBayern grund bekannt. Im Jahr 2000 entstanden im Raum Garmisch-Partenkirchen, Pfaffenhofen a.d. Ilm, Cham/Roding, Starnberg/Planegg und dem Gro\u00dfraum Bodensee neue Szenen, in denen rechtsextremistisches Gedankengut artikuliert wird. Diese neu entstandenen Szenen und zus\u00e4tzlich durch verst\u00e4rkte Aufkl\u00e4rungsarbeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden bekannt gewordene Skinheads erkl\u00e4ren die zahlenm\u00e4\u00dfige Steigerung auf 780 (Vorjahr: 650). Der Schwerpunkt der Gewalttaten lag erneut in den Gro\u00dfr\u00e4umen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 4.4 Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche Die Anziehungskraft dieser Szene insbesondere auf m\u00e4nnliche M\u00f6gliche Jugendliche h\u00e4lt an. Die Beweggr\u00fcnde, die junge Menschen in diese Einstiegsmotive Subkultur treiben, sind vielf\u00e4ltig: jugendliche Protesthaltung, Provokation und Tabubruch, der gesamtgesellschaftliche Umbruch mit den h\u00e4ufigen Folgen einer Entwurzelung und zunehmenden Entfremdung vom Elternhaus, Perspektivlosigkeit in Verbindung mit wirtschaftlichen Problemen und tats\u00e4chlichem oder bef\u00fcrchtetem sozialem Abstieg. Hinzu kommt das durch die Szene vermittelte Gemeinschaftserlebnis und das daraus folgende Gef\u00fchl eigener St\u00e4rke und Anerkennung in einer sozialen Gruppe. Den Jugendlichen werden einfache Erkl\u00e4rungen und einfache L\u00f6sungen f\u00fcr komplexe Probleme angeboten.","Rechtsextremismus 73 Skinheads entstammen zu einem erheblichen Teil, aber nicht ausschlie\u00dflich, den unteren sozialen Schichten. Die meisten Skinheads finden sich in der Altersgruppe von 16 bis 24 Jahren. \u00c4ltere Szeneangeh\u00f6rige sind die Ausnahme. Der Anteil der unter 16 Jahre alten Skinheads w\u00e4chst jedoch st\u00e4ndig, zum Teil sind Skinheads erst 12 bis 13 Jahre - so genannte \"Baby-Skins\" - alt. Auch M\u00e4dchen, die Reenes, geh\u00f6ren dieser Subkultur an, sind jedoch zahlenm\u00e4\u00dfig in der Minderheit. Ihr Anteil betr\u00e4gt je nach Szene ca. 10 bis 15 %. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene erf\u00e4hrt zudem seit Jahren verst\u00e4rkt Zulauf durch Jugendliche, die sich f\u00fcr Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik interessieren. Dieser Bereich ist somit auch f\u00fcr unpolitische Jugendliche attraktiv. Daneben finden Jugendliche Spa\u00df an dem in dieser Szene \u00fcblichen exzessiven Lebensgenuss einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums unter dem Motto \"Fun & Froide\". Die Grenzen zur eindeutig rechtsextremistisch gepr\u00e4gten Skinhead-Szene sind vielfach flie\u00dfend. 4.5 Bedeutung der Skinhead-Musik Mit der Skinhead-Musik k\u00f6nnen die Szeneangeh\u00f6rigen ihren exzessiven Lebensdrang verwirklichen. Dieses Medium vermittelt die subkulturellen Botschaften der Skinhead-Szene. In den Liedern werden Eigenverst\u00e4ndnis und Abgrenzung der Szene gegen\u00fcber der Gesellschaft beschrieben, Kritik am Establishment formuliert und andere politische Themen aufgegriffen. Rechtsextremistische Skinhead-Bands verbreiten in ihren Liedtexten neonazistische Ideologiefragmente und rufen zum Hass gegen Skinhead-Feindbilder wie Ausl\u00e4nder, \"Linke\" und Juden auf. In Bayern bestehen nach wie vor zehn derartige Musikgruppen. Skinhead-MuMusikgruppen und sik wird daneben auch von neun rechtsextremistischen Tontr\u00e4gerverTontr\u00e4gervertriebe trieben angeboten. F\u00fchrend war dabei die mittlerweile nach Sachsen verzogene, der NPD angegliederte Deutsche Stimme Verlags GmbH. Von bayerischen Skinhead-Bands waren lediglich zwei Tontr\u00e4ger-Neuerscheinungen gegen\u00fcber acht im Vorjahr zu verzeichnen. Ebenso r\u00fcckl\u00e4ufig ist die Zahl der Skinhead-Konzerte in Bayern auf f\u00fcnf R\u00fcckgang der gegen\u00fcber zw\u00f6lf im Vorjahr. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden in Bayern trefSkinhead-Konzerte fen bei solchen Konzerten die erforderlichen Ma\u00dfnahmen, um Straftaten zu verhindern. An den Veranstaltungen nahmen zwischen 100 und 300 Personen teil. Die NPD organisierte am 23. April in Bruck-","74 Rechtsextremismus m\u00fchl, Landkreis Rosenheim, ein Skinhead-Konzert. Auf Flugbl\u00e4ttern hie\u00df es: \"NPD l\u00e4dt ein - zu etwas Politik und viel nationalem Rock\". An diesem Konzert nahmen rund 80 Skinheads und etwa 20 der NPD zuzurechnende Personen teil. W\u00e4hrend des Konzerts wurden zahlreiche verbotene Lieder gespielt und mehrfach der \"F\u00fchrergru\u00df\" gezeigt. Das Lokal hat sich im vergangenen Jahr dar\u00fcber hinaus zu einem zentralen Trefflokal der oberbayerischen Skinhead-Szene entwickelt. Hier fanden regelm\u00e4\u00dfig Skinhead-Veranstaltungen in Form von \"Skinhead-Partys\" statt. Das Landratsamt Rosenheim hat gastst\u00e4ttenrechtliche Ma\u00dfnahmen eingeleitet. 4.6 Skinhead-Magazine Mit den Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Skinhead-Bands besch\u00e4ftigen sich auch die Fan-Magazine, auch \"Fanzines\" oder \"Zines\" genannt. Durch Interviews und Bandvorstellungen wird diesen ein Forum zur ausf\u00fchrlichen Selbstdarstellung gegeben. Erlebnisberichte aus der Szene \u00fcber Konzertveranstaltungen, Feste und gemeinsame Aktivit\u00e4ten festigen zudem das Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl der Szene. Weiterer Bestandteil vieler Fanzines sind die ausf\u00fchrlichen Rezensionen sowie Bestelladressen f\u00fcr Tontr\u00e4ger, andere Fanzines und diverse Szene-Artikel wie z.B. T-Shirts, Buttons oder Aufkleber. Es werden im Einzelnen Auflagenh\u00f6hen von bis zu 1.000 St\u00fcck erreicht. H\u00e4ufig enthalten sie kein Impressum und es k\u00f6nnen nur Postfachadressen kontaktiert werden. In Bayern werden derzeit mit Schwerpunkt Nordbayern etwa zehn verschiedene rechtsextremistische Fanzines herausgegeben. Die Publikation \"Frankens Widerstand\" aus lphofen, Landkreis Kitzingen, enth\u00e4lt neben typischen Skinhead-Themen wie Konzertberichten auch politische Beitr\u00e4ge zu neonazistischen Themen. Gleiches gilt f\u00fcr das Fanzine \"Landser\" der \"Nationalisten N\u00fcrnberg\", die auch zum Teil unter der Bezeichnung \"Arian Hope\" aktiv sind. Fanzines nutzen auch das Internet. Das aus Bamberg stammende Magazin \"Lokalpatriot\" verf\u00fcgt als einziges bayerisches Fanzine \u00fcber eine eigene Homepage im Internet. Diese Alternative zur Verbreitung der Fanzines hat f\u00fcr die Herausgeber viele Vorteile. Zum einen liegen die Kosten f\u00fcr die Einrichtung einer neuen Homepage weit unter den","Rechtsextremismus 75 herk\u00f6mmlichen Druckkosten, zum anderen k\u00f6nnen die ins Internet eingestellten Fanzines weltweit abgerufen werden und sind damit einem breiten, weit \u00fcber die Szene hinausgehenden potenziellen Interessentenkreis zug\u00e4nglich. Hinzu kommt, dass durch den freien und relativ problemlosen Zugang zum Internet die Hemmschwelle gerade bei Jugendlichen zum Konsum solcher Schriften sinkt. 4.7 Verbot der neonazistischen Skinhead-Organisation \"Blood & Honour Division Deutschland\" sowie deren Jugendorganisation \"White Youth\" Das Bundesministerium des Innern verbot am 14. September die deutsche Division der international t\u00e4tigen neonazistischen Skinhead-Bewegung \"Blood & Honour\" und deren Jugendorganisation \"White Youth\" nach dem Vereinsrecht. Die Vereinigung richtete sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung. Das Verbot wurde am selben Tag vollzogen. Die Vollzug des Polizei durchsuchte bundesweit die Wohnund Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume von Verbots 39 Aktivisten sowie das Clubhaus von \"Blood & Honour\" in Berlin; hierbei wurden umfangreiche Unterlagen und Materialien sichergestellt, so vor allem Computer, interner Schriftverkehr, Propagandamaterial und Sparb\u00fccher mit Betr\u00e4gen von \u00fcber 13.000 DM. In Bayern konnten bei Durchsuchungen in f\u00fcnf Wohnungen in Nordostbayern sowie im Allg\u00e4u unter anderem umfangreiches Schriftmaterial, Tontr\u00e4ger mit rechtsextremistischem Inhalt, einschl\u00e4gige Videos und T-Shirts sichergestellt werden. Die 1987 von Ian Stuart Donaldson, dem Kopf der britischen Skinhead-Band Screw Driver, in Gro\u00dfbritannien gegr\u00fcndete Skinhead-Organisation \"Blood & Honour\" verf\u00fcgte seit 1994 auch in Deutschland \u00fcber bundesweite Organisationsstrukturen. Die deutsche Division, die wie die Gesamtorganisation ihren Zweck darin sah, nationalsozialistisches und rassistisches Gedankengut durch die Veranstaltung von Skinhead-Konzerten und in Szenemagazinen zu propagieren, z\u00e4hlte zuletzt 240 Mitglieder in 15 Untergliederungen, sog. Sektionen. Zahlreiche f\u00fchrende Funktion\u00e4re der \"Blood & Honour\"-Bewegung waren Mitglieder verbotener neonazistischer Organisationen; dieser Per-","76 Rechtsextremismus sonenkreis unterhielt regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu anderen neonazistischen Gruppen und Einzelaktivisten sowie zu NPD/JN. Bei dem \"2. Tag des nationalen Widerstandes\" der NPD am 27. Mai in Passau, an dem eine Vielzahl von bedeutenden Aktivisten aus dem Skinheadund Neonazi-Spektrum versammelt war, betrieb \"Blood & Honour\" in einem Vorraum der Nibelungenhalle einen Verkaufsstand. Von \"Blood & Honour\" in Deutschland organisierte Konzerte zogen bis zu 2.000 Besucher an. Das organisationseigene gleichnamige Magazin erschien zuletzt in einer Auflage von mehreren tausend Exemplaren und berichtete als Fan-Magazin (\"Fanzine\") nicht nur \u00fcber Skinhead-Bands, sondern auch in geschichtsf\u00e4lschender Art und Weise \u00fcber Angeh\u00f6rige der Waffen-SS, f\u00fchrende Nationalsozialisten, nationalsozialistische Organisationen und die nationalsozialistische Rassenlehre. Organisation In Bayern unterteilte sich die \"Blood & Honour\"-Bewegung in die in Bayern Sektion Franken und die Sektion Bayern. Die Sektion Bayern mit Sitz im Raum Amberg umfasste etwa zehn Mitglieder und ver\u00f6ffentlichte bisher zwei Ausgaben des Fanzines \"United White & Proud\". Die Sektion Franken mit Sitz im Raum Bamberg bestand ebenfalls aus etwa zehn Mitgliedern. Am 29. Mai 1999 veranstaltete die Sektion Bayern in Berching, Landkreis Neumarkt i.d.OPf., ein Konzert mit vier Skinhead-Bands und 500 Besuchern; am 27. November 1999 f\u00fchrte sie ein Konzert mit f\u00fcnf Skinhead-Bands und 300 G\u00e4sten in Friedenfels, Landkreis Tirschenreuth, durch. Beide Konzerte wurden konspirativ vorbereitet. Die Polizei beendete die Konzerte vorzeitig und leitete unter anderem mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Einige j\u00fcngere Skinheads gr\u00fcndeten im April die \"White Youth-Sektion Bayern\" als Landesverband der bereits 1997 in Th\u00fcringen aufgebauten \"Blood & Honour\"-Jugendorganisation \"White Youth Germany\". Die Gruppierung \"White Youth Germany\" sollte geeignete Szenemitglieder an die \"Blood & Honour\"-Bewegung heranf\u00fchren. Dar\u00fcber hinaus dienten die Jugendgruppen einerseits als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \"Blood & Honour\"-Veranstaltungen, andererseits stellten sie ein Bindeglied zur subkulturell gepr\u00e4gten Skinhead-Jugendszene dar. Das Verbot von \"Blood & Honour\" schw\u00e4chte die Handlungsf\u00e4higkeit der rechtsextremistischen Skinhead-Szene. \"Blood & Honour\"-Konzerte, die etwa 20 bis 25 % aller in Deutschland stattfindenden Skinhead-Konzerte umfassten, galten in der Szene als sehr attraktiv.","Rechtsextremismus 77 5. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 5.1 Gewalttaten Bundesweit wurden 998 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermuZunahme der tender rechtsextremistischer Motivation gegen\u00fcber 746 Gewalttaten Gewalttaten des Vorjahrs festgestellt. In Bayern betrug die Gesamtzahl der Gewalttaten 60 (1999: 56); das sind rund 7 % der bundesweit registrierten Delikte. Bayern liegt damit, bezogen auf die Einwohnerzahl, im L\u00e4ndervergleich im unteren Bereich. Die erhebliche Zahl der Gewalttaten im Rechtsextremismus belegt weiterhin die hohe kriminelle Energie und extreme Gewaltbereitschaft insbesondere von Skinheads. Auf die 60 Gewalttaten entfallen der Mordversuch eines Skinhead an einem Ungarn-Deutschen am 5. Februar in Aichach, Landkreis Aichach-Friedberg, und drei Brandanschl\u00e4ge. Im \u00fcbrigen waren 56 K\u00f6rperverletzungsdelikte zu verzeichnen. Die Zahl der fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten unter diesen 60 Delikten ist erneut angestiegen. Zu den 45 fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten geh\u00f6ren das versuchte T\u00f6tungsdelikt in Aichach und die drei Brandanschl\u00e4ge (1999: insgesamt 31 Gewalttaten). Entwicklung Deutschland Bayern 998 rechtsextremis1000 tisch motivierter Gewalttaten 900 800 746 708 700 600 500 400 300 200 100 56 60 40 0 1998 1999 2000","78 Rechtsextremismus Hoher Anteil Die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten sind ganz \u00fcberwievon Skinheads gend der \u00e4u\u00dferst gewaltbereiten Skinhead-Szene zuzurechnen. Dies zeigt die erschreckende kriminelle Energie und Brutalit\u00e4t dieses Personenkreises. Von 114 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen waren 82 zur Tatzeit j\u00fcnger als 21 Jahre. Der Anteil der erstmals in Erscheinung getretenen Gewaltt\u00e4ter liegt bei 77 % (88 Tatverd\u00e4chtige). Die Gewalttaten wurden ganz \u00fcberwiegend nicht von Einzelt\u00e4tern allein, sondern mit anderen gemeinsam begangen. Dabei entstand der Tatentschluss vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol und Musik mit rechtsextremistischen Texten. R\u00e4umliche Schwerpunkte waren die Gro\u00dfstadtregionen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Das typische Ablaufmuster f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalt ist gleich geblieben. Gewalt geht \u00fcberwiegend von Personen aus, die nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert sind. Eine \u00fcberregionale Steuerung durch rechtsextremistische Organisationen konnte in keinem Fall festgestellt werden. Rechtsterroristische Strukturen sind in Bayern nicht bekannt geworden. Ans\u00e4tze hierzu wurden allerdings im \u00fcbrigen Bundesgebiet auch in j\u00fcngster Vergangenheit festgestellt. Die Polizei konnte Waffen und Sprengmittel beschlagnahmen, die offenbar gezielt f\u00fcr Aktionen besorgt worden waren. In Neonazikreisen wird zur Zeit zudem mehr als fr\u00fcher diskutiert, ob man Gewalt gezielt gegen den politischen GegKeine rechtsner einsetzen soll. Konkrete Strukturen, wie sie die fr\u00fchere linksextreterroristischen mistische Terrorgruppe \"Rote Armee Fraktion\" (RAF) hatte, die aus Strukturen in der Illegalit\u00e4t heraus gezielt Anschl\u00e4ge ver\u00fcbte, sind bisher allerdings Deutschland nicht feststellbar. Auch ein Abtauchen von m\u00f6glichen rechtsextremistischen Gewaltt\u00e4tern in den Untergrund ist bisher nicht feststellbar. Durch intensive Beobachtung und rechtzeitige Exekutivma\u00dfnahmen konnten rechtsextremistische Gruppen im Bundesgebiet, die Waffen oder Sprengstoff zur Durchf\u00fchrung von Gewalttaten vorr\u00e4tig hielten oder beschafften oder durch Aussp\u00e4hungen derartige Taten gezielt vorbereiteten, bereits in der Entstehungsphase zerschlagen werden. Auch in Bayern wurden bei Rechtsextremisten Waffen und Sprengstoff anl\u00e4sslich von Durchsuchungen sichergestellt. 5.1.1 Sicherstellung von Waffen, Munition und Sprengstoff In einer Reihe von Exekutivma\u00dfnahmen unter anderem in Berlin, Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen konnte die","Rechtsextremismus 79 Polizei bei Rechtsextremisten Schusswaffen und Sprengstoffe sicherstellen, die von den T\u00e4tern zum Teil offenbar gezielt f\u00fcr die Durchf\u00fchrung von rechtsextremistisch motivierten Straftaten beschafft worden waren. Bei den j\u00fcngsten Vorf\u00e4llen au\u00dferhalb Bayerns konnten die Sicherheitsbeh\u00f6rden Ans\u00e4tzen f\u00fcr das Entstehen terroristischer Strukturen rechtzeitig entgegenwirken. Obwohl in Bayern derzeit keine Erkenntnisse vorliegen, dass Rechtsextremisten Waffen und andere Kampfmittel gezielt f\u00fcr Gewalttaten beschaffen, ist dies jedoch kein Anlass zur Entwarnung. Die Beschaffung und der Besitz von Schusswaffen generell durch gewaltbereite Rechtsextremisten sind Warnsignale. Dies gilt umso mehr, als in den vergangenen Monaten \u00c4u\u00dferungen, die Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele rechtfertigen, zugenommen haben. Entsprechenden Hinweisen muss deshalb besonders intensiv nachgegangen werden. Neben dem Mordversuch in Aichach am 5. Februar zeigen weitere F\u00e4lle, dass Rechtsextremisten auch in Bayern Waffen beschaffen und vorr\u00e4tig halten. So erschoss sich am 23. Juni in M\u00fcnsterhausen, Landkreis G\u00fcnzburg, ein Skinhead nach einem privaten Streit mit einer am SchusswaffenTag zuvor illegal beschafften Pistole. Am 25. Juni schoss in Planegg, delikte Landkreis M\u00fcnchen, ein Skinhead beim Hantieren mit einer angeblich gefundenen Pistole auf seine Freundin und verletzte sie am Arm. Bereits zuvor hatte der angetrunkene T\u00e4ter auf dem R\u00fcckweg von einer durch die Polizei aufgel\u00f6sten Sonnwendfeier am 24. Juni auf eine Lampe und ein Verkehrszeichen geschossen. Die Polizei stellte neben der Waffe auch 20 Schuss Munition, umfangreiches rechtsextremistisches Schriftmaterial und einschl\u00e4gige Tontr\u00e4ger sicher. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte den Skinhead am 17. Januar 2001 wegen Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz und K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bew\u00e4hrung. Ferner wurden Waffen und Munition am 28. September in Garching, ExekutivLandkreis M\u00fcnchen, und 23. November im Raum Dachau bei Rechtsma\u00dfnahmen extremisten gefunden. Ein in Garching wohnender Rechtsextremist, der sich zur Zeit der Durchsuchung wegen ausl\u00e4nderfeindlicher Straftaten in Untersuchungshaft befand, hatte in seiner Wohnung unter anderem drei Panzergeschosse mit Sprengstoff und Z\u00fcnder, eine Werfergranate, eine Gewehrgranate, eine Sch\u00fctzenmine, einen Karabiner sowie gr\u00f6\u00dfere Mengen dazugeh\u00f6riger Munition aufbewahrt. Das Amtsgericht M\u00fcnchen verurteilte den 25-j\u00e4hrigen Mann am 9. Februar 2001 wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Kriegswaffenkontroll-","80 Rechtsextremismus gesetz und Waffengesetz sowie Bedrohung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Am 23. November durchsuchte die Polizei die Wohnungen von f\u00fcnf Skinheads aus dem Raum Dachau. Dabei wurden unter anderem f\u00fcnf Luftgewehre, zehn erlaubnisfreie Faustfeuerwaffen, Wurfsterne, Schlagringe sowie Schwarzpulver gefunden. Ferner wurde bei den auch als Aktivisten der JN bekannten Skinheads rechtsextremistisches Propagandamaterial sichergestellt. Die Skinheads waren bereits vorher wegen Straftaten aufgefallen. Im April hatten sie am Dachauer Stadtweiher zwei H\u00f6ckerg\u00e4nse brutal mit Holzkn\u00fcppeln erschlagen. Eine Frau wurde durch einen Schuss aus einem Luftgewehr im Juli leicht verletzt. Einer der Skinheads hatte aus seinem Zimmer geschossen und die Frau, die im gegen\u00fcberliegenden Wohnhaus an einem ge\u00f6ffneten Fenster stand, angeblich versehentlich getroffen. 5.1.2 Gewalttaten und Urteile im Einzelnen Die Zahl der Gewalttaten mit rechtsextremistischem Hintergrund ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen. Insgesamt wurden 60 (1999: 56) Gewalttaten bekannt. Besonders schwerwiegend sind folgende Delikte: Am fr\u00fchen Morgen des 5. Februar bedrohte ein 19-j\u00e4hriger Skinhead Mordversuch in Aichach, Landkreis Aichach-Friedberg, einen 22-j\u00e4hrigen Deutin Aichach schen ungarischer Herkunft mit einem Gewehr. Der Angegriffene konnte dem T\u00e4ter das Gewehr zwar entrei\u00dfen, erlitt jedoch einen Streifschuss. Anschlie\u00dfend schlug der Skinhead auf Autos, mehrere Passanten und die eintreffenden Polizeibeamten ein. Dabei verletzte er drei Personen und verursachte einen Sachschaden in H\u00f6he von 5.000 DM. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass der Verhaftete nach dem Besuch einer Geburtstagsfeier der Aichacher Skinhead-Szene in einer Gastst\u00e4tte den angeschossenen Ungarndeutschen angep\u00f6belt hatte. Danach ging er nach Hause und verschaffte sich ein Gewehr und 100 Schuss Munition aus dem legalen Waffenbestand seines Vaters. Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Absicht, wegen seiner Alkoholabh\u00e4ngigkeit sowie Problemen mit den Eltern und der Freundin aus dem Leben zu scheiden. Aus Hass auf Ausl\u00e4nder habe er auf spektakul\u00e4re Weise sterben wollen. Er habe einen Ausl\u00e4nder niederschie\u00dfen wollen in der Hoffnung, bei einem","Rechtsextremismus 81 Amoklauf von der Polizei get\u00f6tet zu werden. Falls er keinen Ausl\u00e4nder getroffen h\u00e4tte, habe er beabsichtigt, das Asylbewerberheim \"Am Plattenberg\" anzugreifen. Das Landgericht Augsburg verurteilte den Skinhead am 13. Dezember zu einer Freiheitsstrafe von f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten. Am 15. April sch\u00fctteten zum Teil noch jugendliche T\u00e4ter Benzin durch zwei ge\u00f6ffnete Fenster von leer stehenden Zimmern im Erdgeschoss sowie an die Haust\u00fcre eines Geb\u00e4udes in Dorfen, Landkreis Brandanschlag Erding, und entz\u00fcndeten es. In dem Geb\u00e4ude waren zehn Personen in Dorfen gemeldet, bei denen es sich um Sozialhilfeempf\u00e4nger und t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige handelte. Zwei Bewohner konnten den Brand l\u00f6schen. Es entstand ein Sachschaden von rund 10.000 DM. Im Zuge der Ermittlungen wurden acht Personen im Alter von 14 bis 18 Jahren festgenommen. Die T\u00e4ter wurden inzwischen verurteilt. Der Hauptt\u00e4ter erhielt am 15. M\u00e4rz 2001 eine Jugendstrafe von sechs Jahren wegen 17fachen versuchten Mordes. Am fr\u00fchen Morgen des 17. Oktober 2000 ver\u00fcbte ein 16-j\u00e4hriger Deutscher in Grainet, Landkreis Freyung-Grafenau, einen Brandanschlag auf eine Gemeinschaftsunterkunft f\u00fcr Asylsuchende, in der sich zur Tatzeit vier Ausl\u00e4nder aufhielten. Der T\u00e4ter hatte eine Papiertonne entz\u00fcndet und in den Flur des Hauses gebracht. Die Feuerwehr konnte den Brand rasch l\u00f6schen. Es entstand nur Sachschaden. In der Wohnung des gest\u00e4ndigen T\u00e4ters fand die Polizei eine Reihe von Aufklebern der NPD. In Roth legte am 3. November 2000 ein 41-j\u00e4hriger Deutscher mit Benzin Feuer an einer leer stehenden, aber wieder zur Belegung vorgesehenen Asylbewerberunterkunft. Die Flammen an der Au\u00dfenwand des Holzhauses konnten gel\u00f6scht werden. Der T\u00e4ter gab als Motiv Ausl\u00e4nderfeindlichkeit an. \u00dcber diese F\u00e4lle hinaus wurden in Bayern unter anderem folgende rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten bekannt: In Aholming, Landkreis Deggendorf, griffen am 1. Januar nach einer Silvesterfeier drei Skinheads eine polnische Staatsangeh\u00f6rige an. Sie drangen in das Zimmer der Frau ein, schlugen sie und brachten ihr mit einem zerbrochenen Spiegel Verletzungen im Gesicht bei. Am 3. Januar rissen zun\u00e4chst unbekannte T\u00e4ter an einem D\u00f6ner-Stand in Dorfen, Landkreis Erding, eine Werbefahne ab. Der Besitzer des Imbissstands, ein t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger, erkannte kurze Zeit","82 Rechtsextremismus sp\u00e4ter am Rathausplatz in Dorfen einen der T\u00e4ter und wollte ihn zur Rede stellen. Der Skinhead schoss ihm ohne Vorwarnung aus unmittelbarer N\u00e4he mit einer Gaspistole ins Gesicht. Der Angegriffene erlitt erhebliche Gesichtsverletzungen. Am 22. Januar griffen in M\u00fcnchen etwa 20 Skinheads eine Gruppe von sieben ausl\u00e4ndischen Jugendlichen auf einem S-Bahnhof an. Die fl\u00fcchtenden Ausl\u00e4nder wurden von Skinheads beleidigt, verfolgt und dabei mit Schl\u00e4gen und Fu\u00dftritten traktiert. Die Polizei konnte 16 beteiligte Skinheads festnehmen. Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass die Skinheads gemeinsam an einem Aufzug der JN in Neuburg a.d. Donau teilgenommen hatten und zusammen nach M\u00fcnchen zur\u00fcckgereist waren. Am 28. Januar beleidigten in Freising zwei Skinheads einen Algerier. Anschlie\u00dfend schlugen sie mit Bierflaschen und F\u00e4usten auf ihn ein, traten ihn mit Stiefeln und zerrissen seine Jacke. Einer der beiden T\u00e4ter, ein \u00f6sterreichischer Skinhead, hat sich am 31. Januar in \u00d6sterreich erschossen. In Freising griffen am 28. Januar sechs Skinheads einen Sch\u00fcler an, den sie aufgrund seines Aussehens f\u00fcr einen Punk hielten. Sie beleidigten ihr Opfer und verletzten es mit einer brennenden Zigarette und Faustschl\u00e4gen im Gesicht. Bei der anschlie\u00dfenden S-Bahn-Fahrt schlug einer der Skinheads erneut auf den Sch\u00fcler ein. Der Hauptt\u00e4ter bezeichnete das Opfer als \"genetischen Dreck\" und sich selbst als der \"Herrenrasse\" angeh\u00f6rend. Am 30. Januar kam es in F\u00fcrth zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Skinheads und T\u00fcrken. Den polizeilichen Ermittlungen zufolge sollen zun\u00e4chst drei Skinheads auf einen Farbigen eingeschlagen haben. Der Gesch\u00e4digte konnte nicht ermittelt werden. Diesem Farbigen kamen mehrere t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige zu Hilfe, so dass er fl\u00fcchten konnte. In die Auseinandersetzungen griffen G\u00e4ste der umliegenden Gastst\u00e4tten ein. Die Skinheads warfen dabei auch Schottersteine auf ihre Gegner. Die Polizei konnte insgesamt 16 tatbeteiligte Deutsche festnehmen. Am 26. Februar brachen drei Skinheads in die Wohnung eines fr\u00fcheren Gruppenmitglieds ein und schlugen ihm mit dem Holzstiel einer in der Wohnung vorgefundenen Axt mehrfach auf den Kopf. Im weiteren Verlauf wurde er auch mit Stiefeln getreten. Die Polizei konnte die T\u00e4ter festnehmen. Als Motiv nannte einer der Tatbeteiligten eine","Rechtsextremismus 83 Bestrafungsaktion, da sich der Angegriffene den Weisungen seiner Gruppe widersetzt hatte. Bei Wohnungsdurchsuchungen bei den drei Tatverd\u00e4chtigen wurden u.a. Leuchtspurmunition, Gegenst\u00e4nde mit NS-Symbolen und eine Reichskriegsflagge sichergestellt. Am 18. Mai wurden in einer Gastst\u00e4tte in M\u00fcnchen drei aus Kolumbien stammende Personen von f\u00fcnf Skinheads angegriffen. Im Rahmen einer Schulabschlussfeier am 9. Juni provozierten in Pfaffenhofen a.d. Ilm sechs Skinheads mehrere Mitsch\u00fcler mit ausl\u00e4nderfeindlichen \u00c4u\u00dferungen. Zwei Personen wurden von den Skinheads mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten traktiert. Beide erlitten Verletzungen. In Lauf a.d. Pegnitz, Landkreis N\u00fcrnberger Land, warfen am 1. Juli zwei polizeibekannte Skinheads zun\u00e4chst Steinchen und Glasscherben auf eine Gruppe von T\u00fcrken. Dabei erlitt ein f\u00fcnfj\u00e4hriges M\u00e4dchen Verletzungen. Als der Vater des M\u00e4dchens die Skinheads zur Rede stellte, wurde er vom Hauptt\u00e4ter mit der Faust ins Gesicht geschlagen und beleidigt. Die Skinheads zeigten ferner den Hitlergru\u00df und riefen unter anderem: \"Heil Hitler! Wir sind die gr\u00f6\u00dften, wir die Herrscher unter Hitler!\" Am 18. Juli schlugen drei unbekannte Skinheads, die sich als Polizeibeamte ausgaben, auf dem Bahnsteig eines S-Bahnhofs in M\u00fcnchen einen Deutschen mit s\u00fcdl\u00e4ndischem Aussehen mit Schlagst\u00f6cken nieder. Anschlie\u00dfend befahlen sie ihrem Opfer, ihnen mit erhobenen H\u00e4nden zu einem nahegelegenen Parkplatz zu folgen. Dort raubten sie dem Opfer 300 DM und sein Handy. In der M\u00fcnchner S-Bahn griffen am 8. August acht Skinheads auf der Fahrt von F\u00fcrstenfeldbruck nach M\u00fcnchen einen Italiener t\u00e4tlich an. Einen \u00e4lteren Mann, der sich m\u00e4\u00dfigend an die Angreifer wandte, bewarfen die Skinheads mit einer Bierflasche, ohne zu treffen. Der Italiener erlitt durch die Faustschl\u00e4ge Prellungen. Am Hauptbahnhof konnten die Hauptt\u00e4ter festgenommen werden. Am 12. August gerieten in Bad Gr\u00f6nenbach, Landkreis Unterallg\u00e4u, zwei Skinheads mit einem Deutschen asiatischen Aussehens in Streit. Nach anf\u00e4nglichen Beleidigungen und Handgreiflichkeiten versuchte die Schwester des Angegriffenen zu schlichten. Dies nahm einer der Skinheads zum Anlass, seine Zigarette auf ihrer Stirn auszudr\u00fccken. Im Verlauf der weiteren Auseinandersetzung erlitt der Deutsche durch Stiefeltritte und Faustschl\u00e4ge erhebliche Verletzungen im Gesicht.","84 Rechtsextremismus Am 25. Oktober versuchten in Schweinfurt ein US-Amerikaner sowie ein Deutsch-Amerikaner, eine Schl\u00e4gerei zwischen Skinheads und T\u00fcrken zu schlichten und wurden nun selbst beleidigt und angegriffen. Dabei entbot ein Skinhead den Hitlergru\u00df und rief: \"Deutschland den Deutschen! Ausl\u00e4nder raus!\" Die Skinheads wurden festgenommen. Dabei leisteten sie erheblichen Widerstand und verletzten auch einen Polizeibeamten. Am 2. November kam es in M\u00fcnchen in einem Bekleidungsgesch\u00e4ft zu einem Streit zwischen dem israelischen Ladeninhaber und einer Kundin, welche in zwei Besuchen die R\u00fccknahme einer Jacke begehrte. Um die Forderung zu unterst\u00fctzen, drohte der 25-j\u00e4hrige Begleiter der Kundin, in der Nacht den Laden \"abzufackeln\". Der Ladeninhaber verweigerte die R\u00fccknahme, gab der Kundin jedoch hundert DM und forderte sie auf, das Gesch\u00e4ft mit ihrem Begleiter zu verlassen. Dieser packte daraufhin den Inhaber und w\u00fcrgte ihn. Ein Besch\u00e4ftigter, der eingreifen wollte, erlitt einen Faustschlag an der Schl\u00e4fe. Beim Verlassen des Gesch\u00e4fts drohte der Mann erneut, das Gesch\u00e4ft in der Nacht anzuz\u00fcnden, entbot den \"K\u00fchnen-Gru\u00df\" und rief: \"Wir werden euch noch alle nach Ausschwitz schicken, wir werden euch vergasen! Sieg Heil!\" Der 25-j\u00e4hrige Mann wurde festgenommen. Am 21. November griffen in Vilshofen, Landkreis Passau, zwei Skinheads zwei 13bzw. 14-j\u00e4hrige Sch\u00fcler t\u00e4tlich an. Die zwei Sp\u00e4taussiedler wurden unter anderem durch Faustschl\u00e4ge am Kopf verletzt. Unmittelbar nach der \u00dcbergriff demolierten die Skinheads eine Telefonzelle. Gegen den Hauptt\u00e4ter, einen polizeibekannten Skinhead, erging Haftbefehl. In Tiefenbach, Landkreis Passau, kam es am 16. Dezember in einer Gastst\u00e4tte zwischen einer Gruppe von acht Skinheads und drei Handwerkern zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung, in deren Verlauf ein 30-j\u00e4hriger Firmeninhaber durch Stiefeltritte erhebliche Wirbelverletzungen erlitt. Dem Streit vorausgegangen waren \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum andauernde Beleidigungen der Skinheads gegen einen deutsch-t\u00fcrkischen Mitarbeiter des Handwerkers. Ein weiterer Mitarbeiter, der gegen die Beleidigungen einschreiten wollte, wurde ebenfalls angegriffen. Das Landgericht Traunstein verurteilte am 16. Mai den 31-j\u00e4hrigen Roman Gla\u00df wegen K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Er hatte am 15. August 1999 in Kolbermoor, Landkreis Rosenheim, einen Mosambikaner mit Schl\u00e4gen und","Rechtsextremismus 85 Fu\u00dftritten so schwer verletzt, dass dieser an den Folgen am 29. September 1999 verstarb. Die Staatsanwaltschaft und der Vertreter der Nebenklage hatten jeweils eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes gefordert, da das Motiv des T\u00e4ters Ausl\u00e4nderhass gewesen sei. Der T\u00e4ter habe mit T\u00f6tungsvorsatz und aus niedrigen Beweggr\u00fcnden gehandelt. In seiner Wohnung seien Tontr\u00e4ger rechtsradikaler Musikgruppen und ein Foto gefunden worden, das ihn beim Hitlergru\u00df zeige. Das Gericht sah jedoch keinen T\u00f6tungsvorsatz, stellte aber eine ausl\u00e4nderfeindliche Grundhaltung als eines von mehreren Tatmotiven fest. 5.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen neonazistischen, antisemitischen und rassistischen Straftaten betr\u00e4gt 1.574. Sie ist gegen\u00fcber 1999 mit 995 derartigen Delikten erheblich gestiegen. Dabei handelte es sich wie im Vorjahr vielfach um Sachbesch\u00e4digung, N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung und insbesondere das Verbreiten von Propagandamitteln bzw. Verwenden von Kennzeichen NS-Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. So wurden Parolen wie \"Sieg und VolksverHeil\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" gerufen und antisemitische Pamphlete hetzung verbreitet. Anonyme Schmierschriften wie \"Heil Hitler\", \"Deutschland den Deutschen\", \"Kauft nicht bei Kanacken\", \"Zur H\u00f6lle mit den Juden\" und \"Ausl\u00e4nder rein in die Gaskammer\" wurden vielfach in Verbindung mit Hakenkreuzen und SS-Runen angebracht. Die Zahl der sonstigen fremdenfeindlich motivierten Straftaten ohne Anwendung physischer Gewalt wie Bedrohungen und N\u00f6tigungen sowie der Propagandadelikte hat ebenfalls deutlich von 167 im Jahr 1999 auf 333 und damit um etwa 100 % zugenommen. Seit Anfang 2000 bedienen sich Rechtsextremisten verst\u00e4rkt des Short-Message-Systems (SMS) der Mobilfunkbetreiber, um volksverhetzende Propaganda an ausl\u00e4ndische Besitzer von Mobiltelefonen zu \u00fcbermitteln. Die Rufnummern der Adressaten werden aus \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Verzeichnissen beschafft. Die Nachricht kann sowohl \u00fcber Mobilfunk als auch \u00fcber das Internet verschickt werden. Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Straftaten sind folgende Vorf\u00e4lle: In der Nacht zum 28. M\u00e4rz wurden in Georgensgm\u00fcnd, Landkreis Roth, im Friedhof der Israelitischen Kultusgemeinde rund 20 Grab-","86 Rechtsextremismus steine mit Hakenkreuzen, SS-Runen und Parolen wie \"F\u00fcrs Volk - Juden sterbt - ha ha\", \"Ins KZ mit den Volksbetr\u00fcgern\" und \"Jude verrecke\" bespr\u00fcht. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 20.000 DM. Der T\u00e4ter, der in derselben Nacht einen Verkehrsunfall verursachte, konnte aufgrund von Farbspuren im Unfallfahrzeug und einer neben dem PKW aufgefundenen Spraydose \u00fcberf\u00fchrt werden. Ende M\u00e4rz spr\u00fchten unbekannte T\u00e4ter im j\u00fcdischen Friedhof in Walsdorf, Landkreis Bamberg, Hakenkreuze und SS-Runen; ferner warfen sie 31 Grabsteine um. In Erlangen wurden am 22. Mai rund 30 Ruheb\u00e4nke mit Hakenkreuzen und den Worten \"Juden raus\" und \"T\u00fcrken raus\" beschmiert. Unbekannte T\u00e4ter warfen in der Nacht zum 14. Juni an der j\u00fcdischen Synagoge in Weiden i.d. OPf. zwei Fenster ein. In Wei\u00dfenburg wurde am 12. Juli an einem Schaltkasten der Stadtwerke die Schmierschrift \"Vergast alle T\u00fcrken\" angebracht. In der Nacht zum 17. August beschmierten unbekannte T\u00e4ter in Baldham, Landkreis Ebersberg, einen Papiercontainer mit den Worten \"Sieg Heil\" und \"Nur T\u00fcrken einwerfen gestattet\". Zwei Realsch\u00fcler beschmierten am 10. November die Synagoge in Ermreuth, Landkreis Forchheim, mit SS-Runen, einem Hakenkreuz und der Parole \"Sieg Heil\". 6. Revisionismus 6.1 Ziele Versuch einer Der Revisionismus, der die Geschichtsschreibung \u00fcber die Zeit des Rehabilitierung Dritten Reichs \u00e4ndern will, ist zu einem Bindeglied zwischen den des Nationalunterschiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. sozialismus Seinen Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die mittelbare Rechtfertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft durch einseitige, relativierende oder verharmlosende Darstellung des NS-Regimes. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation stehen die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust) sowie die Behauptung, Deutschland trage keine Schuld am Ausbruch des Zweiten","Rechtsextremismus 87 Weltkriegs. Auf diese Weise soll das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propagandistisch unterminiert werden, um die Deutschen von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. Revisionisten machen sich zunutze, dass das Wissen \u00fcber den Nationalsozialismus vor allem bei Jugendlichen oft nur bruchst\u00fcckhaft vorhanden ist. 6.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Revisionismus war von Anfang an eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den historischen Nachweis f\u00fchren wollten, dass es entgegen der Feststellung seri\u00f6ser Forscher und Zeitzeugen keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Hervorzuheben ist hierbei das 1989 ver\u00f6ffentlichte \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach \"Leuchter-Bericht\" es in Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Dieselbe Behauptung stellte der Diplomchemiker Germar Scheerer geb. Rudolf, ein ehemaliges REP-Mit\"Rudolfglied, in seinem 1994 verbreiteten \"Gutachten \u00fcber die Bildung und Gutachten\" Nachweisbarkeit von Zyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz\" auf. Die international aktivsten Revisionisten weichen zunehmend in L\u00e4nder aus, in denen Strafbestimmungen gegen das Verbreiten und die Ver\u00f6ffentlichung revisionistischen Gedankenguts fehlen. So setzte sich der deutsche Revisionist Germar Scheerer im Fr\u00fchjahr 1996 nach einer Verurteilung u.a. wegen Volksverhetzung ins Ausland ab, wo er seine revisionistische Agitation fortsetzte. Derzeit h\u00e4lt er sich in Gro\u00dfbritannien auf. Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international agierende britische Schriftsteller David Irving, der 1993 aus David Irving Deutschland ausgewiesen wurde. Gegen ihn besteht seither ein Einreiseverbot. Erhebliches Aufsehen erregte Anfang des Jahres sein Verleumdungsprozess in London gegen die US-Wissenschaftlerin Deborah Lipstadt, die ihn in einem Buch als \"aktiven Holocaust-Leugner, Antisemiten und Rassisten\" bezeichnet hatte. Irving verlor diesen Prozess, da er nach \u00dcberzeugung des Gerichts aus ideologischen Gr\u00fcnden absichtlich historisches Material manipuliert und verf\u00e4lscht wiedergegeben hatte.","88 Rechtsextremismus Ein weiterer Protagonist des Revisionismus ist der deutsche StaatsErnst Z\u00fcndel angeh\u00f6rige Ernst C. F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcbersiedelte. In Toronto besitzt Z\u00fcndel den Verlag Samisdat Publishers Ltd. Er unterh\u00e4lt internationale Kontakte und verfasst und verschickt zahlreiche Publikationen, darunter in erster Linie den \"Germania\"-Rundbrief, der neonazistische und antisemitische Thesen enth\u00e4lt und auch \u00fcber Internet abrufbar ist. Im Internet erscheint ferner seit mehreren Jahren der Beitrag \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\", der - so Z\u00fcndel - monatlich von mehr als 10.000 Interessenten eingesehen wird. Dort sind u.a. B\u00fccher, die in Deutschland der Beschlagnahme unterliegen bzw. von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften indiziert wurden, mit vollem Text eingestellt, darunter das \"Rudolf-Gutachten\" von Germar Scheerer und \"Starben wirklich sechs Millionen\" von Richard Harwood. Institute for Das 1979 unter rechtsextremistischer Beteiligung gegr\u00fcndete Institute Historical Review for Historical Review (IHR) mit Sitz in Kalifornien/USA pflegt Verbindun(IHR) gen - auch \u00fcber das Internet - zu Rechtsextremisten in allen Kontinenten. Mit seiner Zeitschrift \"Journal of Historical Review\" und vor allem mit seinen j\u00e4hrlichen Kongressen bietet es eine Plattform, um gegen die Ergebnisse der zeitgeschichtlichen Forschung zu polemisieren. Das monatlich im Verlag des britischen Rechtsextremisten Antony National Journal Hancock in Uckfield erscheinende \"National Journal\", das ebenfalls mit einer Homepage im Internet vertreten ist, betreibt massive Hetze gegen Ausl\u00e4nder und Juden und leugnet oder bagatellisiert den Holocaust. Der Herausgeberkreis f\u00fchrt die Bezeichnung \"Die Freunde im Ausland\" (DFiA). Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete, in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige Vrij Historisch Organisation Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) hat sich inzwischen Onderzoek zu einer bedeutenden Vertreiberin revisionistischen Propagandamate(V.H.O.) rials entwickelt. Sie verf\u00fcgt \u00fcber weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen, in Deutschland teilweise beschlagnahmten oder indizierten revisionistischen Ver\u00f6ffentlichungen an. Seit Anfang 1997 gibt die V.H.O. die revisionistische Zeitschrift \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG) heraus. Autoren sind u.a. David Irving, Robert Faurisson und Germar Scheerer; letzterer fungiert seit September 1999 auch als Herausgeber. Die Schrift rechtfertigt die Politik des Dritten Reichs und leugnet den V\u00f6lkermord an den europ\u00e4ischen Juden. Ferner polemisiert sie gegen die angeblich ungerechtfertigte Verfolgung der Revisionis-","Rechtsextremismus 89 ten. Das Flugblatt \"Holocaust & Revisionismus - 33 Fragen und Antworten zum Holocaust\", in dem die wichtigsten revisionistischen Thesen zusammengefasst sind, wurde auch in Bayern verbreitet. 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 7.1 Kontakte der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) Dem NPD-Landesverband Bayern geh\u00f6ren auch etwa 15 bis 20 \u00f6ster\u00d6sterreich reichische Staatsb\u00fcrger an. Offenbar wollen die \u00f6sterreichischen Rechtsextremisten mit dem \"Anschluss\" an die NPD das \"Wiederbet\u00e4tigungsverbot\" unterlaufen, dem nach einem Urteil des \u00d6sterreichischen Verfassungsgerichtshofs von 1998 auch die \u00f6sterreichische Schwesterpartei der NPD unterliegt. Umgekehrt ist die NPD bestrebt, durch internationale Kontakte zu Gesinnungsgenossen ihre Position und Reputation im rechtsextremistischen Lager zu st\u00e4rken. So nahmen an der NPD-Gro\u00dfkundgebung am 27. Mai in Passau u.a. ein ehemaliger Rechtsterrorist aus Italien sowie Gesinnungsfreunde aus Irland, Rum\u00e4nien, Schweden, Portugal, Belgien (Wallonien), Frankreich, der Tschechischen Republik, Griechenland, Spanien, Australien, der Ukraine und aus \u00d6sterreich teil. 7.2 Kontakte der Deutschen Volksunion (DVU) Die Lage der im Vorjahr durch eine Spaltung geschw\u00e4chten franz\u00f6siFrankreich schen Front National (FN) hat sich inzwischen stabilisiert, so dass die Kontakte zu deutschen Rechtsextremisten wieder intensiviert werden konnten. Der Kolumnist der National-Zeitung (NZ) Franz Sch\u00f6nhuber und zwei DVU-Funktion\u00e4re besuchten Anfang Mai den 11. Kongress der FN in Paris. An der DVU-Gro\u00dfkundgebung am 23. September in Passau nahmen mehrere Funktion\u00e4re der FN und des rechtsextremistischen Vlaams Blok (VB) aus Belgien teil; einige von ihnen traten als Belgien Redner auf. 7.3 Kontakte der Republikaner (REP) Die Fraktion der REP im Landtag von Baden-W\u00fcrttemberg f\u00fchrte am 30. Juni eine Vortragsveranstaltung durch, an der auf Einladung der","90 Rechtsextremismus Belgien REP auch ein Vertreter des Vlaams Blok (VB) teilnahm. Das Gru\u00dfwort sprach der REP-Bundesvorsitzende Dr. Schlierer. Ein REP-Landtagsabgeordneter \u00e4u\u00dferte, man habe mit dem Vertreter des VB auch \u00fcber eine m\u00f6gliche Kooperation gesprochen; die Ziele des VB seien mit den Vorstellungen der REP vielfach vergleichbar. Weitere Treffen zwischen VB und REP sind beabsichtigt. Etwa seit Mitte 1999 gibt es Kontakte der Republikanischen Jugend (RJ) zur Jugendorganisation des VB (vgl. auch Nummer 2.3.1 dieses Abschnitts). 7.4 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Der amerikanische Neonazi und Propagandaleiter der NSDAP-AO, Gary Rex Lauck, tritt nach seiner Haftentlassung und Abschiebung in die USA im M\u00e4rz 1999 nach wie vor durch den Versand neonazistischer Propagandamittel in Erscheinung. In der Ausgabe Nr. 134 vom September/Oktober des NSDAP-AO-Sprachrohrs \"NS Kampfruf\" warb Lauck f\u00fcr seine im Sommer gestartete \"Internet Offensive\". Bestandteil dieser Werbekampagne sind neonazistische Computerspiele, die gratis zum Herunterladen zur Verf\u00fcgung stehen. Auch Musikdateien sind online verf\u00fcgbar. Ferner offerierte Lauck rassistische Hetzschriften und die Nachbildung eines \"Zyklon B Kanisters in Museumsqualit\u00e4t - Marke Konzentrationslager Auschwitz\". Zugleich setzte er einen Preis f\u00fcr denjenigen aus, \"dem es gelingt, die passendste Werbung f\u00fcr die Nachbildung dieses bekannten Sch\u00e4dlingsbek\u00e4mpfungsmittels zu finden\". Lauck r\u00e4umte ein, dass die derzeitige Konzentration der Aktivit\u00e4ten auf das Internet zu Lieferschwierigkeiten bei den \u00fcbrigen Publikationen f\u00fchren k\u00f6nne. Eine Verbreitung des \"NS Kampfruf\" unter bayerischen Rechtsextremisten war nicht feststellbar.","Rechtsextremismus 91 8. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2000 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Die Republikaner (REP) 4.000 13.000 Der Republikaner 26.11.1983, Berlin monatlich, 20.000 Nationaldemokratische Partei 975 6.500 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 10.000 28.11.1964, Stuttgart Deutsche Stimme EXTRA monatlich, 80.000 Junge Nationaldemokraten (JN) 75 350 Der Aktivist unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Nationaldemokratischer HochschulFunktion\u00e4rsgruppe bund (NHB) 1967, N\u00fcrnberg Deutsche Volksunion (DVU) 1.800 17.000 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. einschlie\u00dflich (siehe DVU) Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen 2. Neonazistische Organisationen und Zusammenschl\u00fcsse Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 60 550 Nachrichten der HNG politische Gefangene und deren monatlich, 600 Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 02.07.1979, Frankfurt am Main Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) 15 1996, M\u00fcnchen Kameradschaft Schwabach 5 Aktionsb\u00fcro Nationaler Funktion\u00e4rsgruppe Widerstand/Freilassing 29.05.2000, Freilassing Bund Frankenland Funktion\u00e4rsgruppe 1992 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation NS Kampfruf (NSDAP-AO) zweimonatlich, 500 1972, Lincoln/USA","92 Rechtsextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2000 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 3. Sonstige Organisationen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat 60 500 (Inoffizielles Organ: (DLVH) siehe Nation Europa Ver03.10.1991, Berlin lag GmbH) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 450 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Die Artgemeinschaft - Germanische 120 Nordische Zeitung (NZ) Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer viertelj\u00e4hrlich, 300 Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) Schutzbund f\u00fcr das 200 Deutsche Volk e.V. (SDV) September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rsgruppe 1994, Berlin 4. Skinheads und sonstige militante Rechtsextremisten 780 9.800 5. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH National-Zeitung/Deutsche (DSZ-Verlag) Wochen-Zeitung (NZ), w\u00f6chentlich, 45.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 16.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 Denk mit!-Verlag Denk mit! N\u00fcrnberg unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Odal-Verlag Der Scheinwerfer Rodach monatlich, 600 (Ende 2000 eingestellt) VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Berg zweimonatlich, 10.000 Castel del Monte Verlag Staatsbriefe M\u00fcnchen monatlich, 1.000","Linksextremismus 93 4. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern Ideologisches des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassiSpektrum schen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im Wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen und durch ein ihren ideologischen Vorstellungen entsprechendes kommunistisches und zum Teil anarchistisches System zu ersetzen. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. So erstreben Linksextremisten, auch wenn sie es h\u00e4ufig nicht offen Ziele der Linksaussprechen, extremisten - die \"sozialistische\" Revolution, - Klassenkampf und Klassenherrschaft, - die Diktatur des Proletariats. Diese Ziele versto\u00dfen vor allem gegen das Mehrheitsund das Freiheitsprinzip sowie gegen den Gleichheitsgrundsatz. Linksextremisten stellen sich in ihrer Propaganda als Vertreter einer hohen Moral, als K\u00e4mpfer gegen Unterdr\u00fcckung und Verfechter von Frieden und sozialer Gerechtigkeit dar. Ihre politische Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Sie missachten demokratische Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staates. Sie setzen sich \u00fcber das Recht der Menschen auf Freiheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren Interessen entgegensteht. Einige der linksextremistischen Gruppierungen bekennen offen, dass ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. Teil-","94 Linksextremismus Anwendung von weise ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Gewalt Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen eingebunden, die selbst nicht extremistisch sind. Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den bisherigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jeder Art politischen Extremismus zu durchbrechen. Beispiele f\u00fcr eine Aufweichung dieser klaren Grenzziehung sind das Zusammenwirken demokratischer Gruppierungen mit Linksextremisten bei einzelnen Protestthemen wie z.B. in der Antifaschismusbewegung, in der Antikernkraftbewegung und in F\u00e4llen der Zusammenarbeit in der Landespolitik einzelner Bundesl\u00e4nder. So ist es der linksextremistischen Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern am 27. September 1998 als erster extremistischer Partei seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gelungen, an einer Koalitionsregierung mitzuwirken. Diese Koalitionsregierung kam im November 2000 zu der Auffassung, dass die Kommunistische Plattform der PDS (KPF) keine Gefahr f\u00fcr das demokratische Gemeinwesen darstelle. Die Beobachtung der KPF durch den Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern wurde daraufhin eingestellt. In Sachsen-Anhalt wird die Landesregierung seit 1994 \u00fcber ein Tolerierungsmodell von der PDS mitgetragen. Die Zusammenarbeit von Demokraten mit Extremisten schw\u00e4cht die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie. F\u00fcr ihre Agitation und Mobilit\u00e4t bei Demonstrationen oder anderen Aktionen nutzen Linksextremisten seit mehreren Jahren zunehmend die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten wie Handy Internet und Internet. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren Neonazismus/Faschismus, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematiken, Arbeitslosigkeit und vermeintlicher Sozialabbau. 1.2 Entwicklung der Organisationen Anstieg der MitDie Zahl der Mitglieder linksextremistischer und linksextremistisch begliederzahlen einflusster Parteien und Gruppierungen ist leicht gestiegen. In Bayern","Linksextremismus 95 nahm die Zahl der PDS-Mitglieder und -Sympathisanten zu. Die Mitgliederzahl der DKP blieb gleich. Die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen, die eine der bedeutendsten und gewaltt\u00e4tigsten Str\u00f6mungen des Linksextremismus darstellen, blieb unver\u00e4ndert. Sie werden von anderen linksextremistischen Organisationen wie der PDS zunehmend als Partner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der folgenden \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind jeweils nur bei einer Organisation erfasst. 1998 1999 2000 Zahl und Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 41 40 40 linksextremistiMarxisten-Leninisten und scher Organiandere revolution\u00e4re Marxisten sationen in Bayern PDS 450 600 650 DKP 600 600 600 Marxistische Gruppe (MG) 700 700 700 weitere Kernorganisationen 510 460 460 Nebenorganisationen 70 70 70 beeinflusste Organisationen 1.080 1.080 1.080 Anarchisten und Sozialrevolution\u00e4re 500 500 500 Linksextremisten insgesamt 3.910 4.010 4.060 Mitglieder 40.000 31.500 33.500 30.000 Deutschland * 20.000 Bayern 10.000 6.660 4.060 0 1991 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 * Die Kurve f\u00fcr die bundesweite Entwicklung beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die PDS hatte im Jahr 2000 bundesweit 88.600 Mitglieder, davon 2.000 in der KPF.","96 Linksextremismus 1.3 Linksextremistische Gewalt Die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten ist in Deutschland von 711 auf 827 angestiegen. In Bayern ist die Zahl der Gewalttaten von Schwerpunkt 25 auf 39 gestiegen. Schwerpunkt mit 38 Gewalttaten waren wie im Antifa Vorjahr t\u00e4tliche Auseinandersetzungen mit tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Rechtsextremisten. Wie in den Vorjahren liegt Bayern im bundesweiten Vergleich im unteren Bereich. Die linksextremistischen Gewalttaten wurden wieder zu \u00fcber 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem gewaltbereiten autonomen und anarchistischen Spektrum begangen. Ziel der gewaltt\u00e4tig agierenden linksextremistischen Gruppen ist nach wie vor die Destabilisierung der gegenw\u00e4rtigen Staatsund Gesellschaftsordnung, in der sie ein \"Instrument zur Durchsetzung weltweiter kapitalistischer und imperialistischer Ausbeuterinteressen\" sehen. Bei der Auseinandersetzung zwischen Linksund Rechtsextremisten Schwere kam es wieder zu schweren Gewalttaten gegen tats\u00e4chliche oder verGewalttaten meintliche Rechtsextremisten. Die Angriffe der Linksextremisten, die sie als \"Kampf gegen den Faschismus\" zu rechtfertigen versuchen, richteten sich dabei vor allem gegen Veranstaltungen, aber auch einzelne Personen wurden gezielt angegriffen. Das Thema \"Antifaschismus\" wird auch in Zukunft eines der wichtigsten Aktionsfelder autonomer Politik und damit auch autonomer Militanz bleiben. Auch hier ist aber das eigentliche Angriffsziel der Staat, dem unterstellt wird, \"Faschisten\" zu sch\u00fctzen. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik an den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderungen nach Versuch der \"Fundamentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistiB\u00fcndelung extreschen Zielen n\u00e4her zu kommen. Dabei gelang es nur begrenzt, die mistischer Kr\u00e4fte unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die PDS, die nach dem Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des \"demokratischen Sozialismus\" zu beschreiten vorgibt, versucht, Linksextremisten aller Richtungen zu integrieren.","Linksextremismus 97 2.1 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) Deutschland Bayern Mitglieder: 88.600 650 Vorsitzende(r): Gabriele Zimmer Uwe Hiksch, Eva Bulling-Schr\u00f6ter Umbebennung der SED: 16./17.12.1989 Gr\u00fcndung: 11.09.1990 Sitz: Berlin M\u00fcnchen Publikationen: Neues Deutschland, junge Welt (beides PDS-nahe Zeitungen), DISPUT, PDS-Pressedienst, UTOPIE-kreativ, Mitteilungen der KPF, TITEL Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschloss auf ihrem Sonderparteitag am 16./17.Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Umbenannte SED Tagung des Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24./25. Februar 1990 best\u00e4tigte die Namens\u00e4nderung. 2.1.1 Ideologische Ausrichtung Die PDS versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialistische Gruppen und Personen, die die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland kritisieren und ablehnen. Das auf der 1. Tagung des 3. Parteitags der PDS vom 29. bis 31. Januar 1993 in Berlin beschlossene und bis heute g\u00fcltige Parteiprogramm - ein neues Programm ist in Vorbereitung - stellt fest, die PDS sei ein Zusammenschluss unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmten, dass die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden werden m\u00fcsse. Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit Gegen ihm verbundenen politischen Systems der Freiheit und der DemokraKapitalismus tie im Sinn unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen","98 Linksextremismus \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zielen der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fcssten. Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und die \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Die PDS vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Bekenntnis zu Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der revoluMarx und Engels tion\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen revolution\u00e4ren und \"volks-demokratischen\" Bewegungen verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die PDS verwendet Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, dass diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere Interpretation politischer Begriffe ist Umwidmung deren bewusste Umwidmung im Lehrgeb\u00e4ude des Marxismus-Lenivon Begriffen nismus, in dessen Denkschule die Mehrheit der Mitglieder der PDS erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe eine Doppeldeutigkeit. In den programmatischen \u00c4u\u00dferungen der PDS f\u00e4llt die Kritik an den fr\u00fcheren kommunistischen Zwangssystemen Mittelund Osteuropas sowie der DDR zur\u00fcckhaltend aus. Die bolschewistische Oktoberrevolution von 1917 und die mit ihr verbundenen globalen politischen Umw\u00e4lzungen bewertet das Parteiprogramm positiv. Es widRechtfertigung met auch der Rechtfertigung des \"Sozialismusversuchs\" in der DDR des DDR-Regimes und den \u00fcbrigen osteurop\u00e4ischen Staaten breiten Raum. Einer weiteren programmatischen Orientierung dienen auch die vom Parteivorstand der PDS am 28. November 1994 beschlossenen \"10 Thesen zum weiteren Weg der PDS\" und das anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 4. Parteitags der PDS vom 27. bis 29. Januar 1995 in Berlin verabschiedete F\u00fcnf-Punkte-Papier \"Sozialismus ist Weg, Methode, Wertorientierung und Ziel\", das in Kontinuit\u00e4t zum Parteiprogramm steht und am Anspruch grundlegender Ver\u00e4nderung der Staatsund Gesellschaftsordnung festh\u00e4lt.","Linksextremismus 99 An der 3. Tagung des 6. Parteitags der PDS vom 7. bis 9. April in Parteitag M\u00fcnster/Nordrhein-Westfalen nahmen knapp 500 Delegierte sowie in M\u00fcnster zahlreiche G\u00e4ste befreundeter Parteien und Organisationen aus dem Inund Ausland teil. \"Solidarisch, gerecht, zukunftsf\u00e4hig. Die sozialistische Opposition - PDS\" lautete das Motto, mit dem die PDS zum ersten Mal seit ihrem Bestehen einen Parteitag in den alten Bundesl\u00e4ndern ausrichtete und damit ein Zeichen f\u00fcr eine \u00d6ffnung in den Westen und die gesamte Gesellschaft setzen wollte. Z\u00fcndstoff im Vorfeld des Parteitags lieferte ein Brief des Fraktionsvorsitzenden der PDS im Deutschen Bundestag Dr. Gregor Gysi vom 6. M\u00e4rz - ver\u00f6ffentlicht im PDS-Pressedienst Nummer 11 vom 17. M\u00e4rz - an die Delegierten, in dem er appellierte, die Partei solle sich von der \"dogmatischen Linken\" trennen; dies sei Bedingung und Bestandteil der Erneuerung der PDS. Die Kommunistische Plattform der PDS (KPF) bet\u00e4tige sich im Wesentlichen als ideologische W\u00e4chterin und enthalte sich jeglicher konkreter Politik. Sie bewerte lediglich die konkreten Politikvorschl\u00e4ge der anderen ideologisch. Bereits in diesem Brief deutete Dr. Gysi erstmals seinen eventuellen R\u00fccktritt als Fraktionsvorsitzender der PDS an: \"Was wir meines Erachtens viel weniger ben\u00f6tigen, sind permanente ideologische Kontrollinstanzen \u00fcber diejenigen, die von fr\u00fch bis sp\u00e4t Politik f\u00fcr die PDS machen. Andernfalls k\u00f6nnten Letztere eines Tages lustlos werden, und das k\u00f6nnte zu einem nicht unerheblichen Substanzverlust f\u00fcr die Partei f\u00fchren.\" Dr. Gregor Gysi k\u00fcndigte dann auch in seiner Parteitagsrede an, im Dr. Gysis R\u00fccktrittsHerbst nicht mehr f\u00fcr den Fraktionsvorsitz oder f\u00fcr eine andere Funkank\u00fcndigung tion im Fraktionsvorstand der PDS kandidieren zu wollen. Er werde sich im Jahr 2002 auch nicht mehr um ein Bundestagsmandat bewerben. In seiner Rede zur Er\u00f6ffnung des Parteitags betonte der PDS-Ehrenvorsitzende, Europaabgeordnete und ehemalige Ministerpr\u00e4sident der DDR, Dr. Hans Modrow, die PDS habe als Partei f\u00fcr soziale Gerechtigkeit Zustimmung gefunden und gelte noch immer als die-","100 Linksextremismus Umgang mit der jenige Partei, welche die Identit\u00e4t der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger der DDR-Vergangenalten DDR achte und deren Interessen am konsequentesten vertrete. heit Die PDS sei eine aus historischer Entwicklung dieses Landes entstandene Partei, die heute mehr denn je als sozialistische Partei selbstbestimmt links von der SPD f\u00fcr den parlamentarischen und noch viel Au\u00dferparlamenmehr im au\u00dferparlamentarischen Kampf gefordert und gebraucht tarischer Kampf werde. Wenn \u00fcber Alternativen zum real existierenden Kapitalismus nachgedacht werde, stehe die PDS damit weder allein in der Gesellschaft noch gegen das Grundgesetz. Dr. Modrow mahnte die Delegierten, Konsens zu suchen, wie es dem Wesen und Charakter einer pluralistischen Partei entspreche. Gegenseitige Blockierungen sollten auf dem Parteitag nicht fortgesetzt werden. Der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky \u00e4u\u00dferte in seiner Rede, die PDS sei die Partei des Alltags und der sozialen Gerechtigkeit; sie sei die erste Adresse in diesem Land f\u00fcr sozialen Protest. Sie verfolge einen unverr\u00fcckbar antimilitaristischen Kurs; sie sei gegen die Herrschaft des Kapitals, von Profit und Shareholder-Value. St\u00e4rker als bisher konzentriere sich die Kapitalmacht bei den international operierenden Banken; ein \"Aktion\u00e4rs-Kapitalismus\" sei entstanden und eine kapitalistische Grundstruktur der Gesellschaft zu beklagen. F\u00fcr die Linke sei es von Bedeutung, eine Rahmensetzung zu schaffen, die die Profitdominanz zu brechen helfe und auf die Unterordnung unternehmerischer Gewinninteressen unter soziale und \u00f6kologische Kriterien ziele. Der Parteichef f\u00fchrte weiter aus: \"Wir waren, wir sind und wir bleiben durch und durch antikapitalistisch und darum stehen wir in Opposition in dieser Republik - auch wenn wir sinnvoller Weise hier und da regieren. (...) Gesellschaftliche Opposition, \"Magisches politischer Mitund Umgestaltungsanspruch und demokratischer und Dreieck\" sozialistisozialer Widerstand - das ist und bleibt das 'magische Dreieck' sozialistischer Politik scher Politik!\" In der Partei gehe die Sorge um, die so genannten Reformer k\u00f6nnten, um regierungsf\u00e4hig zu werden, die sozialistische Identit\u00e4t der Partei aufgeben und eine zweite, \u00fcberfl\u00fcssige und funktionslose sozialdemokratische Partei anstreben. Die Gesamtpolitik der Partei stehe gegen solche Sorgen. Weder Dr. Gregor Gysi noch er selbst h\u00e4tten die Absicht, den demokratisch-sozialistischen, antikapitalistischen Charakter der PDS zu verbiegen. Prof. Dr. Biskys R\u00fcckDer Parteivorsitzende k\u00fcndigte in seiner Rede ferner an, im Jahr 2001 trittsank\u00fcndigung nicht mehr f\u00fcr den Parteivorsitz zu kandidieren. Er wolle sich auf die","Linksextremismus 101 Arbeit im Landtag in Brandenburg konzentrieren und brauche mehr Zeit f\u00fcr die Leitung der Programmkommission. Den zentralen Punkt des Parteitags bildete die Diskussion um die HalHaltung der PDS tung der Partei zu Friedenseins\u00e4tzen der Bundeswehr im Spannungszu Friedenseins\u00e4tgebiet Kosovo. Einem von Dr. Gregor Gysi in seinem Brief vom zen der Bundes6. M\u00e4rz an die Parteitagsdelegierten geforderten Pr\u00fcfungsrecht f\u00fcr wehr Parteivorstand und Fraktion f\u00fcr friedenspolitische Eins\u00e4tze der UNO mit Beteiligung der Bundeswehr schloss sich Prof. Dr. Lothar Bisky an und appellierte mit Nachdruck an die Partei, sich intensiv mit jedem Einzelfall zu befassen. Dieser Auffassung folgten die Delegierten nicht. Mit der Mehrheit von 219 zu 126 Stimmen fassten sie auf Initiative der stellvertretenden Parteivorsitzenden und Europaabgeordneten Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann den Beschluss \"Nein zu UN-Milit\u00e4reins\u00e4tzen - Internationale Krisen und Konflikte friedlich l\u00f6sen\" und verfolgten damit einen radikal-pazifistischen, antimilitaristischen Kurs. Diesem Beschluss folgte auch der PDS Landesverband Bayern. In dem Beschluss wird unter anderem ausgef\u00fchrt, die USA und ihre NATO-Verb\u00fcndeten missachteten bewusst bestehende Chancen f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Der globalisierte Kapitalismus ma\u00dfe sich das Recht an, milit\u00e4risch zu intervenieren, wo und wann immer er es f\u00fcr erforderlich halte. Die regierungsgest\u00fctzte \"Politik der Selbstmandatierung\" missachte das V\u00f6lkerrecht; globale Kapitalinteressen sollten durch globale Milit\u00e4rund Interventionsmacht abgesichert werden. Die PDS werde sich weiterhin f\u00fcr die Aufl\u00f6sung der NATO, f\u00fcr das Verbot von R\u00fcstungsexporten und f\u00fcr allgemeine, vollst\u00e4ndige Abr\u00fcstung engagieren. Sie wende sich gegen jegliche Auslandseins\u00e4tze der Bundeswehr, setze sich f\u00fcr die deutliche Reduzierung der Streitkr\u00e4fte in k\u00fcrzester Zeit und die Abschaffung der Bundeswehr ein. Die PDS sei die einzige im Deutschen Bundestag vertretene Antikriegspartei. Der auf dem Parteitag gefasste Beschluss \"Die programmatische Weiterf\u00fchrung der Debatte in der PDS zielorientiert weiterf\u00fchren\" sieht eine forcierte programmatischen Kapitalismuskritik vor; das Profil der PDS als demokratisch-sozialistiDebatte sche Partei m\u00fcsse durch weitergef\u00fchrte Diskussionen gesch\u00e4rft werden. Der Parteitag beraumte die Entscheidung \u00fcber den weiteren zeitlichen Verlauf der Debatte f\u00fcr den 7. Parteitag in Cottbus an. Um die F\u00fchrungskrise nach der Ank\u00fcndigung von Prof. Dr. Lothar F\u00fchrungskrise bei Bisky und Dr. Gregor Gysi, ihre \u00c4mter im Herbst abzugeben, zu beender PDS den, schlug der PDS-Bundesvorstand am 15. Mai nach wochenlanger interner Diskussion Gabriele Zimmer, eine der stellvertretenden Par-","102 Linksextremismus teivorsitzenden und Th\u00fcringer Fraktionsvorsitzende, als Kandidatin f\u00fcr die Nachfolge des amtierenden Parteivorsitzenden Prof. Dr. Lothar Bisky vor. Cottbuser An der 1. Tagung des 7. Parteitags vom 14. bis 15. Oktober in CottParteitag bus unter dem Motto \" ... dass ein gutes deutschland bl\u00fche - PDS\" beteiligten sich rund 440 Delegierte aus Bund und L\u00e4ndern sowie Vertreter zahlreicher befreundeter Parteien und Organisationen aus dem Inund Ausland. Nach dem Debakel des M\u00fcnsteraner Parteitags im April, der den politischen R\u00fcckzug von Dr. Gregor Gysi und Prof. Dr. Lothar Bisky zur Folge hatte, versuchte die Partei nun ein Bild der Geschlossenheit zu vermitteln. Die Tagung war neben der Neuwahl des Parteivorstands (vgl. auch Nummer 2.1.2 dieses Abschnitts) gepr\u00e4gt von einer klaren Orientierung der Gesamtpartei auf eine \u00d6ffnung in die Gesellschaft hinein und einem Kooperationsangebot an die SPD. Der Ehrenvorsitzende der PDS und Europaabgeordnete Dr. Hans Modrow appellierte in seiner Er\u00f6ffnungsrede, es gelte in den alten Bundesl\u00e4ndern durch schl\u00fcssige alternative Politikangebote, durch Basisund B\u00fcndnisarbeit mehr als bisher antikommunistische Vorurteile abzubauen und Vertrauen f\u00fcr eine Partei des demokratischen St\u00e4rkung der Sozialismus zu gewinnen. Parlamentarisches Wirken und au\u00dferparlaau\u00dferparlamentamentarischer Kampf verb\u00e4nden sich zu einer Einheit im Ringen um rischen Bewegung soziale Gerechtigkeit; die Mandatstr\u00e4ger sollten ihr Engagement in den au\u00dferparlamentarischen Bewegungen forcieren. Gabriele Zimmer, die Nachfolgerin von Prof. Dr. Lothar Bisky als Parteivorsitzende, erkl\u00e4rte in ihrer Antrittsrede, der Unterschied der PDS zu den anderen Parteien bestehe darin, dass die PDS als demokratische Opposition gesellschaftskritisch bleiben und als Reformkraft zugleich verantwortungsvoll gestalten wolle. Gesellschaftliche Opposition gegen die Kapitaldominanz, politischer Mitund Umgestaltungsanspruch sowie demokratischer und sozialer Widerstand seien gefordert. Die Partei m\u00fcsse die sozialen K\u00e4mpfe nutzen, um sozialistische Verh\u00e4ltnis zu Elemente und Bestrebungen in der Gesellschaft zu st\u00e4rken und die kommunistischen Dominanz des Kapitals und seiner Logik zu brechen. Die St\u00e4rke der Positionen in der PDS bestehe in ihrer pluralen Vielfalt. Dazu geh\u00f6rten Genossinnen PDS und Genossen mit kommunistischen wie mit sozialdemokratischen","Linksextremismus 103 Positionen, Radikaldemokraten wie Reformer. Die Kraft der Partei wachse aus der Gemeinsamkeit. Weiter f\u00fchrte sie aus: \"Wir wollen diese Bundesrepublik umgestalten. Sie muss gerechter und F\u00fcr eine andere sozialer, \u00f6kologischer, gebildeter und kultivierter werden. Kurz: Wir streiBundesrepublik ten f\u00fcr eine gesellschaftliche Alternative, f\u00fcr eine sozialistische Gesellschaft - mitten in Europa und unseren Nachbarn zugetan.\" Der Leitantrag \"Den Politikwechsel nachholen! Deutschland braucht mehr sozialistische Politik! Die PDS und die Wahlen 2002\", den Gabriele Zimmer, PDS-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Dietmar Bartsch und der neue Fraktionsvorsitzende der PDS im Deutschen Bundestag Roland Claus vorlegten, wurde von den Delegierten bei nur vier Gegenstimmen angenommen. Der Beschluss \u00e4ndert die programmatische Ausrichtung der Partei nicht. In ihm benennt die Partei Schwerpunkte f\u00fcr den Bundestagswahlkampf sowie f\u00fcr Landtagsund Kommunalwahlen. Sie versucht zugleich eine Strategie aufzuzeigen, ihre Nachholung des politischen Zielsetzungen in die Bundespolitik einzubringen: \"Politikwechsels\" \"Es geht darum, den gesellschaftlichen Druck auf die Bundesregierung so zu vergr\u00f6\u00dfern, dass mittelfristig in Deutschland ein Mitte-Links-B\u00fcndnis unter Einschluss der PDS m\u00f6glich und eine Wende zu einer demokratischen, sozialen und \u00f6kologischen Reformpolitik realisierbar wird. (...) Die PDS bietet der SPD die Zusammenarbeit in den ostdeutschen L\u00e4ndern mit dem Ziel an, mit allen Kr\u00e4ften um einen grundlegenden Wandel der wirtschaftlichen, sozialen und besch\u00e4ftigungspolitischen Situation in Ostdeutschland zu ringen.\" Weiter hei\u00dft es in dem Beschluss, der erhoffte Politikwechsel unter der rot-gr\u00fcnen Bundesregierung sei nicht eingeleitet worden. Die PDS gehe in den Wahlkampf 2002 als die linke Opposition im Deutschen Bundestag, als gesellschaftspolitische Opposition zum Marktliberalismus, als Antikriegsund Friedenspartei. Mit wirkungsvoller Unterst\u00fctzung au\u00dferparlamentarischer Bewegungen solle eine Ver\u00e4nderung des gesellschaftlichen Klimas in der Bundesrepublik Deutschland erreicht werden. Der soziale und \u00f6kologische Umbau Umbau der der Gesellschaft brauche eine gerechte Verteilung des gesellschaftGesellschaft lichen Reichtums, eine Umverteilung von oben nach unten. Gro\u00dfe private Verm\u00f6gen seien nicht das Ergebnis eigener Arbeit, sondern Resultat staatlicher Enteignung der Arbeitenden. Die PDS werde 2002 mit Listen antreten, die f\u00fcr demokratische Sozialistinnen und Sozialisten mit und ohne PDS-Mitgliedschaft offen seien. Sie wolle mit mehr als sechs Prozent der Stimmen und trotz ver\u00e4nderter Wahl-","104 Linksextremismus kreise mit mindestens drei Direktmandaten in den n\u00e4chsten Deutschen Bundestag einziehen. Resolution zum In der ebenfalls vom Parteitag verabschiedeten Resolution \"Die PDS Antifaschismus und der Antifaschismus\" bekr\u00e4ftigt die Partei ihr programmatisches Bekenntnis zu Antifaschismus, Antirassismus und Antimilitarismus: \"Die Partei des Demokratischen Sozialismus versteht sich als entschieden antifaschistische, antirassistische und antimilitaristische Partei. Sie steht in der Tradition der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung sowie weiterer Bewegungen gegen Faschismus und Krieg, gegen Imperialismus und Kolonialismus, ... (...) Die Partei des Demokratischen Sozialismus unterst\u00fctzt alle Anstrengungen zur Herstellung breiter B\u00fcndnisse auf allen Ebenen, in denen ohne F\u00fchrungsanspruch und Ausgrenzung sowohl die Gewerkschaften, die Vertreter der Jugendverb\u00e4nde und Kirchen, der demokratischen Parteien, aller Organisationen und Initiativen ihren Platz finden, die sich dem Kampf gegen Rechtsextremismus und Rassismus verpflichtet f\u00fchlen.\" 2.1.2 Organisation Die PDS ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, deren Gebiete mit den L\u00e4ndern identisch sind, mit Kreisverb\u00e4nden und BasisorganisatioBundesweit nen. Sie verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber rund 88.600 Mitglieder (Ende r\u00fcckl\u00e4ufige 1999: 94.000), davon etwa 4.000 (1999: 3.200) in den alten BundesMitgliederzahl l\u00e4ndern. W\u00e4hrend die Mitgliederentwicklung in den neuen Bundesl\u00e4ndern r\u00fcckl\u00e4ufig ist, steigt sie in den alten Bundesl\u00e4ndern leicht an. Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang der Mitgliederzahl insgesamt ist weniger der Austritt als vielmehr der Tod \u00e4lterer Mitglieder. \u00dcber 60 % der Parteimitglieder in Ostdeutschland sind 60 Jahre und \u00e4lter, nur 2 % sind j\u00fcnger als 30 Jahre. Auf der 1. Tagung des 7. Parteitags vom 14. bis 15. Oktober in Cottbus wurde der 18-k\u00f6pfige Parteivorstand neu gew\u00e4hlt. Kommunalund Landespolitiker haben nunmehr deutlich mehr Gewicht Gabriele Zimmer erhalten. Die designierte Parteivorsitzende Gabriele Zimmer \u00fcbernahm neue Parteimit einem Wahlergebnis von 93,3 % das Amt von Prof. Dr. Lothar vorsitzende Bisky. Als stellvertretende Parteivorsitzende wurden erstmals die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des PDS Landesverbands Berlin, Petra Pau, und der Vorsitzende der PDS Sachsen, Prof. Dr. Peter Porsch, gew\u00e4hlt; als weiterer stellvertretender Parteivorsitzender wurde","Linksextremismus 105 Dr. Diether Dehm erneut gew\u00e4hlt. Dr. Dietmar Bartsch und Uwe Hobler wurden in ihren \u00c4mtern als Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer bzw. Bundesschatzmeister best\u00e4tigt. Unter den weiteren neu gew\u00e4hlten Mitgliedern des Parteivorstands befinden sich auch der stellvertretende Ministerpr\u00e4sident von Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, der Bundessprecher des PDS-nahen Jugendverbands 'solid (vgl. auch Nummer 2.1.4 dieses Abschnitts), Rouzbeh Taheri, und das Mitglied des Bundeskoordinierungsrats der KPF, Sahra Wagenknecht, die dem Gremium bereits zwischen 1993 und 1995 angeh\u00f6rte und nach R\u00fccktrittsdrohungen der damaligen Parteispitze 1995 nicht wieder gew\u00e4hlt worden war. Mit der Wahl von Sahra Wagenknecht in den Parteivorstand - sie wurde mit 61,6 % der Delegiertenstimmen gew\u00e4hlt - demonstrierte die Partei, dass sie sich von der marxistisch-leninistischen KPF KPF-Vertreterin im nach wie vor nicht distanziert, sondern sie vielmehr bewusst in die Parteivorstand Parteif\u00fchrung einbindet. Seit Jahren nutzt die PDS die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten im Internet. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie die PDS-Delegation in der Konf\u00f6deralen Fraktion der Vereinten Europ\u00e4ischen Linken/ Nordische Gr\u00fcne Linke (GUE/NGL) im Europ\u00e4ischen Parlament, die Fraktion der PDS im Deutschen Bundestag, der Bundesvorstand und Einzelpersonen sind neben einer so genannten Startseite der PDS mit eigenen Homepages vertreten. Gleiches gilt in Bayern f\u00fcr die Kreisverb\u00e4nde N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und W\u00fcrzburg sowie die Basisorganisationen Bamberg, Passau, Dachau, Moosburg und die AG Kommunistisches Forum in und bei der PDS Bayern. Die Nutzung des InterNutzung des nets durch den PDS-Bezirksverband Oberfranken befindet sich im Internets Aufbau. Die PDS-Jugendorganisation AG Junge Genossinnen nutzt in Baden-W\u00fcrttemberg, der PDS-nahe Jugendverband 'solid bundesweit das moderne Kommunikationsmedium. 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften sowie \u00e4hnliche innerparteiliche Zusammenschl\u00fcsse sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der PDS. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Partei und k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben. Sie sind damit Integrale Bestandintegrale Bestandteile der PDS. Diese Strukturen k\u00f6nnen nach dem teile der PDS","106 Linksextremismus Statut der PDS ihre politischen Ziele in der Partei offen vertreten. Die PDS muss sich deshalb die T\u00e4tigkeit der Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften wie auch das Wirken der sonstigen innerparteilichen Zusammenschl\u00fcsse sowie die \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, w\u00e4hrend Arbeitsund Interessengemeinschaften themenbezogen auf wichtigen Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. Die Arbeitsgemeinschaften Junge GenossInnen in und bei der PDS, Autonome Gruppen in und bei der PDS sowie das Gewaltbereite Libert\u00e4re Forum bei der PDS zeigen, dass die PDS auch mit gewaltbeGruppen in der reiten Gruppen zusammenarbeitet und diese sogar in den eigenen PDS Reihen duldet und agieren l\u00e4sst. 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete KPF der PDS - ihr sind etwa 2.000 Mitglieder zuzurechnen - ist eine marxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der PDS ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus Bekenntnis zum bekennt. Sie strebt die Fortsetzung marxistischer und leninistischer Marxismus-LeniPolitik, also die Diktatur des Proletariats, an. In ihren Thesen zur nismus Gr\u00fcndung der KPF betonte sie: \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem Wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfasst von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Tse-tung weiterentwickelt worden ist, die Grundlage f\u00fcr die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation Klassenlose der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose GesellGesellschaft als Ziel schaft. Die KPF betrachtet es als ihre Aufgabe, die Arbeiterbewegung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus zu verbinden, den Marxismus zu verteidigen und f\u00fcr den Aufbau einer kommunistischen Bewegung in","Linksextremismus 107 Deutschland zu arbeiten. Als Grundpositionen werden unter andeGrundpositionen rem Antikapitalismus, Antiimperialismus und Antimilitarismus, der der KPF Vorrang au\u00dferparlamentarischer Politik vor Parlamentarismus und die Ablehnung der Teilnahme an b\u00fcrgerlichen Regierungen genannt. Die KPF strebt eine enge Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Parteien und Organisationen an und sucht die Beteiligung an au\u00dferparlamentarischen Initiativen. Als Reaktion auf den Brief des seinerzeitigen Fraktionsvorsitzenden der PDS im Deutschen Bundestag, Dr. Gregor Gysi, vom 6. M\u00e4rz an die Parteitagsdelegierten (vgl. auch Nummer 2.1.1 dieses Abschnitts), der die Trennung der \"dogmatischen Linken\" von der Gesamtpartei forderte, ver\u00f6ffentlichten Prof. Dr. Michael Benjamin (er verstarb am 7. August), Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer und Dr. Winfried Wolf ein \"Minderheitsvotum\", das programmatische Positionen der KPF verteidigt. In dem in den Mitteilungen der KPF Heft 4 vom April ver\u00f6ffentlichten Positionspapier hei\u00dft es: \"Angesichts der Tatsache, dass Deutschland erstmals wieder an einem Angriffskrieg mitgewirkt hat, bekennen wir uns nachdr\u00fccklich zu dem strikt antimilitaristischen Kurs des Parteiprogramms, ... (...) Wir bleiben dabei: Erste Orientierung der PDS ist der au\u00dferparlamentarische und parlamenAu\u00dferparlamentarische Widerstand. Eine Regierungsbeteiligung der PDS auf Bundestarischer Widerebene scheidet bei den gegebenen gesellschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen stand und dem Fehlen einer starken au\u00dferparlamentarischen Bewegung und damit f\u00fcr absehbare Zeit aus. Sie w\u00fcrde die PDS zwingen, Politik gegen ihr Programm zu verantworten, ... (...) Dieses Land braucht die PDS als sozialistische, \u00f6kologische, antimilitaristische, demokratische und systemoppositionelle Kraft.\" Friedrich Rabe, einer der Sprecher der KPF, verfasste in den Mitteilungen der KPF Heft 6 vom Juni im Nachgang zur 3. Tagung der 9. Bundeskonferenz der KPF vom 26. April in Berlin eine Erkl\u00e4rung \u00fcber \"Die Aufgaben der Kommunistischen Plattform der PDS nach dem M\u00fcnsteraner Parteitag\". Darin f\u00fchrt er aus: \"Und wenn ich \u00fcber linke Alternativen spreche, so ist heute in erster Linie Widerstand gegen die immer totalit\u00e4rer werdende Form der Kapitalherrschaft gemeint. Die so genannte Globalisierung ist die zunehmend totale Dominanz des Kapitals, einschlie\u00dflich der Tatsache, dass der Krieg wieder ein scheinbar legitimes Mittel der Politik geworden ist. (...) Es n\u00fctzt nichts, zu beklagen, dass au\u00dferparlamentarische Bewegungen schwach sind. Die Feststellung stimmt. Aber der Schluss daraus darf nicht ihre Vernachl\u00e4ssi-","108 Linksextremismus gung und der blo\u00dfe R\u00fcckzug auf den Parlamentarismus sein, sondern muss zu einer st\u00e4rkeren Konzentration hinsichtlich der Entwicklung aller Keime au\u00dferparlamentarischen Kampfes f\u00fchren.\" 2.1.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in und bei der PDS Die AG Junge GenossInnen trat bisher als bundesweiter Zusammenschluss auf, der innerhalb der PDS unter eigenem Namen agierte. Diese Gruppierung, der sich rund 500 Mitglieder und 1.000 Sympathisanten zurechneten - die H\u00e4lfte stammte aus den westlichen L\u00e4ndern -, diente als Bindeglied der PDS zu jugendlichen undogmatischen Linksextremisten, besonders Autonomen. Organisatorische Weil der AG Junge GenossInnen in der Vergangenheit organisatoriSchw\u00e4chen sche Schw\u00e4chen vorgehalten wurden, ist ein neuer bundesweiter PDS-naher Jugendverband (vgl. auch Nummer 2.1.4 dieses Abschnitts) gegr\u00fcndet worden. Ein offizieller Aufl\u00f6sungsbeschluss der AG Junge GenossInnen ist bisher nicht bekannt geworden. Landesweite aktive Strukturen finden sich noch in Baden-W\u00fcrttemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Berlin und Nordrhein-Westfalen beschr\u00e4nken sich Aktivisten der AG Junge GenossInnen auf ein lokales Bet\u00e4tigungsfeld. 2.1.3.3 Marxistisches Forum (MF) Am 6. Juni 1995 konstituierte sich in Berlin das orthodox-kommunistisch ausgerichtete MF. Es will die soziale, \u00f6konomische und politiWeiterentwicklung sche Situation mit den Mitteln des Marxismus analysieren, die marxisder marxistischen tische Theorie weiterentwickeln und zur theoretischen Fundierung Theorie der Politik der PDS beitragen. Dazu geh\u00f6re neben der marxistischen Aufarbeitung der Geschichte der DDR und des Sozialismus auch die Untersuchung der Dialektik von systemimmanenten und system\u00fcberwindenden Reformen. Au\u00dferdem solle auf die notwendige Verst\u00e4rkung des antimilitaristischen Kampfes aufmerksam gemacht werden. Dem Zusammenschluss innerhalb der PDS geh\u00f6ren rund 60 Parteimitglieder und Personen des Staatsapparats, des Kulturund Wirtschaftsbereichs der ehemaligen DDR an. Das Forum \u00fcbt Einfluss in der Partei unter anderem \u00fcber die Mitgliedschaft in verschiedenen Parteigremien (wie Programmkommission und Parteirat) aus.","Linksextremismus 109 Am 16. September veranstaltete das MF in Berlin eine Konferenz \"Zur PDS-Programmdebatte, Positionen, Probleme, Polemik\". Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer, einer von f\u00fcnf Sprechern des MF, f\u00fchrte im Einf\u00fchrungsreferat aus, das geltende Programm der PDS von 1993 sei ein in den Grundz\u00fcgen marxistisches. Marxistische Theorie stelle nicht nur Politikberatung dar, sondern analysiere Verh\u00e4ltnisse und K\u00e4mpfe, Bedingungen und M\u00f6glichkeiten des Kampfes. W\u00e4hrend die marxistisch-leninistische Orthodoxie die Theorie der Politik unterworAufrechterhaltung fen habe, stehe die PDS vor der Gefahr, dass sich die Politik von der marxistisch-leniTheorie g\u00e4nzlich losl\u00f6se und im b\u00fcrgerlichen Politikbetrieb, im Pragnistischer Orthomatismus aufgehe. Die Sprecherin der KPF, Ellen Brombacher, kritidoxie sierte in ihrem Vortrag den Kapitalismus, der in der Gesellschaft vorherrsche. In einer anschlie\u00dfenden Plenardebatte besch\u00e4ftigten sich die Delegierten mit den Problemen von der Funktion von Reformalternativen und \u00dcbergangsforderungen im heutigen Kampfabschnitt der sozialistischen Bewegung bis hin zur Festlegung einer realistischen Taktik der PDS im Kampf gegen den \"kriegerischen Kapitalismus\". 2.1.4 Jugendverband 'solid Am 19. Juni 1999 wurde in Hannover der Jugendverband 'solid - die sozialistische Jugend gegr\u00fcndet. Der Name des zun\u00e4chst 175 Mitglieder z\u00e4hlenden Verbands steht f\u00fcr \"sozialistisch, links und demokratisch\". Ziel des Jugendverbands ist es nach der im PDS-Pressedienst Nummer 25 vom 25. Juni 1999 abgedruckten Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung, Gr\u00fcndungsin organisierter Form der \"rechten Hegemonie in der Gesellschaft\" erkl\u00e4rung entgegenzutreten. Man wolle keine \"Kampfreserve\" der PDS werden, sondern strebe \"eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auch mit den regionalen und lokalen Jugendstrukturen in und bei der PDS\" an; 'solid sei nicht die Jugendorganisation der PDS. Dem Jugendverband geh\u00f6ren in 16 Landesverb\u00e4nden zwischenzeitlich rund 650 Mitglieder (davon 25 in Bayern) an. Laut PDS-Pressedienst Nummer 14 vom 7. April veranstaltete die sozialistische Jugend vom 24. bis 26. M\u00e4rz in Magdeburg/Sachsen-Anhalt ihre erste Bundesdelegiertenkonferenz unter dem Motto Bundesdelegierten\"F\u00fcr eine sozialistische Zukunft. Gr\u00fcnde haben wir genug\". Etwa 100 konferenz Delegierte berieten die programmatische Entwicklung und politische Schwerpunktsetzung im Jahr 2000. Eine politische Plattform wurde verabschiedet. Der sozialistische Jugendverband sieht sich darin in","110 Linksextremismus Verbundenheit kritisch-solidarischer N\u00e4he zur PDS: \"Trotz der sinnvollen politischen mit der PDS und organisatorischen Verbundenheit mit der PDS ist 'solid keine Parteijugend oder PDS-Nachwuchsorganisation.\" Auf der 1. Tagung des 7. Parteitags vom 14. bis 15. Oktober in Cottbus erkl\u00e4rte dagegen der scheidende Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky: \"Wir haben jetzt mit 'solid einen Jugendverband bei der PDS. Dar\u00fcber freuen sich alle sehr, aber an der ganz konkreten Hilfe fehlt es. Mein Vorschlag: Wir halbieren unsere Freude und verdoppeln unsere sehr praktische Unterst\u00fctzung f\u00fcr 'solid in Kreisen, L\u00e4ndern und auf Bundesebene.\" Organ des PDS-nahen Jugendverbands ist \"Die Ware\"; es erscheint viertelj\u00e4hrlich. Mit Rouzbeh Taheri, Mitglied des Bundessprecherrats von 'solid, wurde auf dem Parteitag in Cottbus zum ersten Mal ein Funktion\u00e4r des parteinahen sozialistischen Jugendverbands in den Bundesvorstand der PDS gew\u00e4hlt. 2.1.5 PDS Landesverband Bayern Organisation Die in Bayern seit dem 11. September 1990 bestehende PDS setzt in Bayern sich aus dem Landesverband, elf Kreisverb\u00e4nden und 29 Basisorganisationen zusammen. Der Sitz des Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. Die Bundestagsfraktion der PDS unterh\u00e4lt in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen je ein Regional-B\u00fcro. F\u00fcr eine Reihe von \u00f6rtlichen Strukturen, die keine Basisorganisationen sind, bestehen Kontaktund Anlaufadressen. In Bayern ist die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder der PDS einschlie\u00dflich Plattformen und Arbeitsgemeinschaften weiter angestiegen. Waren es Ende 1999 noch etwa 400 Mitglieder, so liegt derzeit Mitgliederzuwachs die aktuelle Mitgliederzahl bei rund 450. Die Zahl der Sympathisanten, die den Mitgliedern gleichgestellt sind, blieb mit 200 unver\u00e4ndert. Das Durchschnittsalter der bayerischen PDS-Mitglieder ist deutlich niedriger als das der Parteimitglieder in Ostdeutschland. Verbreiterung Die organisatorische Basis des PDS Landesverbands Bayern hat sich der Basis insgesamt verbreitert. Neu hinzugekommen sind der Bezirksverband Oberfranken, die Kreisverb\u00e4nde Passau und Regensburg sowie Basisorganisationen in Bamberg, Bayreuth, Eichst\u00e4tt, F\u00fcrth, Hof, Ludwigsstadt, Marktleugast, M\u00fcnchen-Ost und Passau. Der Ausbau der Orga-","Linksextremismus 111 nisationsstruktur in Oberfranken wurde ma\u00dfgeblich von dem im SepAusbau der tember 1999 von der SPD zur PDS \u00fcbergewechselten Coburger BunOrganisationsdestagsabgeordneten Uwe Hiksch vorangetrieben. Au\u00dferdem wurstruktur in den beim Landesverband drei neue Arbeitsgemeinschaften ins Leben Oberfranken gerufen: Die AG Rechtsextremismus, die AG Antifaschismus und die \"AG zur Kritik kapitaldominierter Politik in Land und Kommunen - Arbeitsgemeinschaft in und bei der PDS Bayern\". Die PDS-Basisorganisation Ansbach wurde aufgel\u00f6st. Aktivisten der KPF arbeiten landesweit in der \"AG der Kommunistischen Plattform in Bayern\" mit Sitz am Landesb\u00fcro der PDS in M\u00fcnchen. Die KPF ist in N\u00fcrnberg mit einer Regionalgruppe und in M\u00fcnchen mit einer Ortsgruppe vertreten. Ihr geh\u00f6ren etwa 30 Personen an. Die KPF M\u00fcnchen widmete sich besonders den Lehren von Marx und Lenin. Als Publikationsorgan der KPF der PDS M\u00fcnchen erscheint die Flugschrift \"was tun\". Die AG Junge GenossInnen verf\u00fcgt \u00fcber Ortsgruppen in Ingolstadt, N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Sie weist allerdings keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten mehr auf. Der PDS-nahe Jugendverband 'solid ist in N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und seit Beginn des Jahres in Marktleugast mit Ortsgruppen vertreten. Auf Initiative des bayerischen Bundestagsabgeordneten Uwe Hiksch wurde am 10. April der PDS-nahe Kurt-Eisner-Verein mit Sitz in Coburg gegr\u00fcndet. Die Zukunft der Erwerbsarbeit und die Geschichte der Arbeiterbewegung in Bayern sind Schwerpunkte seiner Bildungsarbeit. Der PDS Landesverband Bayern f\u00fchrte insgesamt drei Landesparteitage durch. Auf der 2. Tagung des Parteitags am 28. Oktober in Ingolstadt wurden die Bundestagsabgeordneten Uwe Hiksch und Eva Bulling-Schr\u00f6ter als neue Landessprecher gew\u00e4hlt. F\u00fcr Finanzen und Neuwahlen zum Ordnung sind nunmehr Anett Lange und Olaf Ostertag verantwortLandesvorstand lich. In den neuen achtk\u00f6pfigen erweiterten Landesvorstand wurde unter anderem der ehemalige stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Enrico Jungh\u00e4nel gew\u00e4hlt. Er ist in dem PDS-nahen Jugendverband 'solid engagiert. Der politische Aschermittwoch der PDS Bayern teilte sich in drei VerPolitischer anstaltungen auf. Der seinerzeitige Fraktionsvorsitzende der PDS im Aschermittwoch Deutschen Bundestag, Dr. Gregor Gysi, und die bayerische Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter sprachen sowohl in Ingolstadt","112 Linksextremismus als auch in Passau \u00fcber aktuelle politische Themen. Der Coburger Bundestagsabgeordnete Uwe Hiksch f\u00fchrte eine Veranstaltung in M\u00fcnchen durch. Er erkl\u00e4rte, dass die PDS eine antifaschistische und antirassistische Partei bleiben m\u00fcsse und unterstrich, der von der Parteif\u00fchrung geplanten Programm\u00e4nderung zu den UN-Eins\u00e4tzen im Kosovo sei entschieden entgegenzutreten. Die PDS m\u00fcsse eine antimilitaristische Partei bleiben. 2.1.6 Teilnahme an Wahlen Im Westen Bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am 27. Februar erzielte Deutschlands die PDS mit rund 20.000 W\u00e4hlerstimmen einen Stimmenteil von Splitterpartei 1,4 % und verfehlte damit wiederum den von ihr angestrebten erstmaligen Einzug in ein Landesparlament in Westdeutschland. Auch bei der am 14. Mai in Nordrhein-Westfalen durchgef\u00fchrten Landtagswahl erf\u00fcllten sich die Erwartungen der PDS nicht. Sie erreichte einen Stimmenanteil in H\u00f6he von 1,1 % und scheiterte ebenfalls an der 5 %-H\u00fcrde. Bei den Kommunalwahlen in Th\u00fcringen am 14. Mai erhielt die PDS dagegen landesweit 12,5 % der Stimmen. 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus Im Rahmen der so genannten internationalen Solidarit\u00e4t unterh\u00e4lt die PDS vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen Linksextremisten. Das Parteiprogramm der PDS nennt dies \"Internationalismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Diese Praxis Proletarischer kn\u00fcpft an das marxistisch-leninistische Prinzip des \"Proletarischen Internationalismus Internationalismus\" - der Lehre von der \"welthistorischen Mission der Arbeiterklasse\" - an. Der scheidende Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky betonte auf der 1. Tagung des 7. Parteitags in Cottbus: \"Von diesem Parteitag in Cottbus sollten wir unseren internationalen Partnern in Europa, Afrika, Asien und Amerika versichern: die PDS bleibt internationalistisch. Wir wissen, dass wir in der EINEN Welt leben und dass die Linken in Ost und West, in Nord und S\u00fcd ein Gegengewicht zur Globalisierung schaffen m\u00fcssen. Die PDS wird ihren Beitrag dazu leisten.\" Die PDS unterh\u00e4lt Kontakte und Verbindungen zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen bzw. sozialistischen Parteien, wie beispielsweise zur","Linksextremismus 113 Kommunistischen Partei B\u00f6hmens und M\u00e4hrens (KPBM), zur SozialistiBeziehungen zu schen Partei Chiles (SP), zur Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei (FKP), ausl\u00e4ndischen zur Kommunistischen Partei Indiens (KPI), zur Kommunistischen Partei kommunistischen Indiens-Marxist (KPI/M), zur Kommunistischen Partei Vietnams (KPV), und sozialistischen zur Koalition der Linken und des Fortschritts - SYNASPISMOS (GriechenParteien land), zur Kommunistischen Partei Chinas und zur s\u00fcdafrikanischen KP. Dr. Diether Dehm, stellvertretender Parteivorsitzender der PDS, besuchte vom 10. bis 14. November das \"2. Welttreffen der Solidarit\u00e4t Solidarit\u00e4t mit Kuba\" in Havanna. Er unterstrich dabei das internationalistische mit Kuba Selbstverst\u00e4ndnis der PDS und die Unterst\u00fctzung der AG Cuba Si beim Parteivorstand. Um der noch nicht voll entfalteten Sympathie f\u00fcr Kuba in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen, werde die PDS in Berlin am 23. und 24. Juni 2001 einen Internationalen Kuba Solidarit\u00e4tskongress veranstalten. 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten Die PDS pflegt Kontakte zu fast allen anderen inl\u00e4ndischen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Am 15. Januar fanden in Berlin die urspr\u00fcnglich f\u00fcr den 9. Januar Veranstaltungen geplanten traditionellen Gedenkveranstaltungen aus Anlass des in Berlin 81. Jahrestags der Ermordung der Gr\u00fcnder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, statt. An der von einem Angeh\u00f6rigen der autonomen Szene angemeldeten Demonstration vom U-Bahnhof Frankfurter Tor zur \"Gedenkst\u00e4tte der Sozialisten\" beteiligten sich insgesamt mehrere tausend Menschen, darunter rund 1.000 gewaltbereite Personen, wie militante Antifas, Angeh\u00f6rige revolution\u00e4r-marxistischer Gruppen sowie der PDS. Sp\u00e4ter nahmen etwa 350 Personen an einer Demonstration unter dem Motto \"Von Karl und Rosa bis Mumia Abu-Jamal\" teil, zu der die militante Antifaschistische Aktion Berlin (AAB), die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die Kommunistische Plattform der PDS (KPF) aufgerufen hatten. In Berlin fand vom 12. bis 14. Mai eine \"wissenschaftliche\" Konferenz \"Jahrhundertbilanz des Kommunismus\" statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung von der linksextremistisch beeinflussten \"B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Sozialismus\". Unter den Referenten und Diskutanten in den Arbeitsgruppen dominierten Anh\u00e4nger der PDS, der KPF, der DKP","114 Linksextremismus und langj\u00e4hrige B\u00fcndnispartner von Kommunisten. Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer vom Marxistischen Forum (MF) der PDS, der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr und der Chefredakteur der DKP-Theorieorgans \"Marxistische Bl\u00e4tter\" Hermann Kopp \u00e4u\u00dferten sich in der Abschlussdiskussion zur Zukunft kommunistischer/sozialistischer Entw\u00fcrfe. Veranstaltungen Am 27. Mai veranstaltete die NPD in der Passauer Nibelungenhalle in Bayern ihren \"2. Tag des nationalen Widerstandes\" unter dem Motto \"Bewegung muss Partei ergreifen\", an dem rund 4.000 Personen des rechtsextremistischen Spektrums aus dem gesamten Bundesgebiet und dem angrenzenden Ausland teilnahmen. Dies f\u00fchrte zu Gegenaktionen auch von linksextremistischen Gruppierungen. Unter dem Motto \"Passau demonstriert gegen die NPD und den Ungeist\" fand ein Sternmarsch statt, der sich in drei Aufz\u00fcge gliederte. Ein Aufzug mit etwa 750 Teilnehmern konnte dabei dem autonomen/linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden. Dabei trat die PDS-Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schr\u00f6ter als Hauptrednerin auf. In ihrer Ansprache kritisierte sie eine \"Kriminalisierung der Antifa\" sowie die allj\u00e4hrlichen rechtsextremistischen Aktivit\u00e4ten in Passau. Unter den Gemeinsam mit Demonstranten befanden sich Anh\u00e4nger der Antifaschistischen Aktigewaltbereiten on/Bundesweite Organisation (AA/BO), des Antifaschistischem AktiAutonomen onsb\u00fcndnis Bayern (AABB) und weiterer lokaler Antifa-Gruppen. Am 25. November fand in M\u00fcnchen eine B\u00fcndnis-Veranstaltung zum Thema \"Gegen Faschismus und Nazipropaganda\" statt. Bis zu 1.000 Personen, die \u00fcberwiegend dem linksextremistischen Spektrum zuzuordnen waren, beteiligten sich an einer Kundgebung mit Aufzug. Dabei konnten auch folgende Parteien und Gruppierungen festgestellt werden: PDS, DKP, MLPD, Linksruck, VVN-BdA, M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus, Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) und Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen (AAM). 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 4.500 600 Vorsitzender: Heinz Stehr Gr\u00fcndung: 26.09.1968 Sitz: Essen N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen Publikation: Unsere Zeit (UZ)","Linksextremismus 115 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die bis zur Wende von der SED der DDR ideologisch und materiell abh\u00e4ngige DKP best\u00e4tigte ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung in den auf dem 12. Parteitag am 16./17. Januar 1993 in Mannheim beschlossenen \"Thesen zur programmatischen Orientierung der DKP\". In der Einleitung zu den \"Thesen\" hei\u00dft es, die DKP k\u00e4mpfe f\u00fcr eine Politik, die im SozialisBekenntnis zu mus die Zukunft, im Klassenkampf die zentrale Triebkraft der Sozialismus und Geschichte und in der Arbeiterklasse die entscheidende soziale Kraft Klassenkampf f\u00fcr den gesellschaftlichen Fortschritt sehe. Sie st\u00fctze sich auf die materialistische Wissenschaft, die von Marx und Engels begr\u00fcndet und von Lenin weiterentwickelt worden sei. In einem in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 28. September 1998 mit dem Titel \"N\u00f6tig ist knallharter Klassenkampf\" ver\u00f6ffentlichten Interview zum 30-j\u00e4hrigen Bestehen der DKP best\u00e4tigte der Parteivorsitzende Heinz Stehr, dass die neue Gesellschaftsordnung, f\u00fcr die die DKP nach wie vor eintrete, Sozialismus \"und in der Perspektive Kommunismus\" hei\u00dfe. Unter der \u00dcberschrift \"Das n\u00e4chste Jahrtausend braucht den Sozialismus\" ver\u00f6ffentlichten der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr und sein Stellvertreter Rolf Priemer im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 7. Januar ihre Vorstellungen zur Notwendigkeit des Sozialismus im n\u00e4chsten Jahrtausend. Die Schlussfolgerungen aus der Niederlage des Sozialismus im Europa des 20. Jahrhunderts seien wesentlich f\u00fcr notwendige gesellschaftliche Auseinandersetzungen in der Zukunft, um einen neuen Ausbruchsversuch aus dem Kapitalismus durchzusetzen. Als entscheidende Herausforderung bezeichnen sie weiterhin den Festhalten am \"real existierenden Kapitalismus\". Sie bekennen sich als \"Teil jener Marxismus-LeniKr\u00e4fte, die die Verantwortung zur Ver\u00e4nderung der politischen Vernismus h\u00e4ltnisse annehmen m\u00fcssen\". In einem Artikel der UZ vom 17. November stellt der Parteivorsitzende \u00dcberlegungen zu einem neuen DKP-Programm an, zeigt Arbeitsschritte auf und geht auf das Erfordernis einer Diskussion zur EntEntwicklung eines wicklung eines neuen Programms ein. Die Diskussion sei auch desneuen Programms wegen n\u00f6tig, weil gesellschaftspolitische Herausforderungen alle Parteien zwingen w\u00fcrden, das eigene Selbstverst\u00e4ndnis auf den Pr\u00fcf-","116 Linksextremismus stand zu stellen und Antworten zu den neuen Herausforderungen zu finden. Ziel der Programmdiskussion der DKP m\u00fcsse es sein, in die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung mit einem politischen Angebot einzugreifen. Bis zum kommenden 16. Parteitag solle den Delegierten der Diskussionsstand \u00fcbergeben werden. Das Programm der DKP m\u00fcsse nach seinen Worten auch das strategische Ziel Sozialismus/Kommunismus benennen, Wege dahin aufzeigen und Kr\u00e4fte benennen, die das Ziel durchsetzen k\u00f6nnen. Themenbereiche f\u00fcr die Agitation der DKP waren der Kosovo-Konflikt, \"staatlicher Umgang mit Rechtsextremismus und Neofaschismus\", Sozialund Demokratieabbau, Lohnund Rentenpolitik sowie der IWFund Weltbankgipfel in Prag. 2.2.2 Organisation OrganisationsDie DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie strukturen ist in 14 Bezirksorganisationen gegliedert - zw\u00f6lf in den westlichen Bundesl\u00e4ndern sowie eine in Berlin und eine weitere in Brandenburg, die beide zugleich die Mitglieder in den \u00fcbrigen vier neuen L\u00e4ndern betreuen -, die weiter in 110 Kreisund in 230 Grundorganisationen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder liegt derzeit bei 4.500, davon etwa 210 in Ostdeutschland. Die DKP ist damit in Westdeutschland st\u00e4rker vertreten als die PDS. Bei einer Tagung des Parteivorstands am 12./13. Februar beklagte der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr die negative Mitgliederentwicklung der Partei, bedingt durch den Tod vieler alter Parteimitglieder und durch den Austritt von Parteiangeh\u00f6rigen, die im organisierten Kampf der R\u00fcckl\u00e4ufige Kommunisten keine Perspektive mehr s\u00e4hen. Die DKP verlor seit dem Mitgliederzahl letzten Parteitag 1998 etwa 15 % ihrer Mitglieder. Die Auswertung der neu ausgegebenen Mitgliedsb\u00fccher hat ergeben, dass nur 1 % der Mitglieder unter 20 Jahre und rund 10 % bis 40 Jahre alt sind. 15. Parteitag Das Motto des 15. Parteitags, der vom 2. bis 4. Juni in Duisburg stattfand und an dem 207 gew\u00e4hlte ordentliche Delegierte teilnahmen, lautete: \"Macht die DKP stark!\" 33 \"Bruderparteien\" und \"Befreiungsbewegungen\" aus 30 L\u00e4ndern hatten Abordnungen entsandt. Im Mittelpunkt des Parteitags stand neben der Neuwahl des 36-k\u00f6pfigen Parteivorstands die Verabschiedung der Handlungsorientierung \"Widerstand gegen Kriegspolitik, Sozialund Demokratieabbau\", die auch als Vorlage f\u00fcr das neue Parteiprogramm dienen soll. Der Partei-","Linksextremismus 117 tag best\u00e4tigte Heinz Stehr als Vorsitzenden und Rolf Priemer als stellNeuwahl des vertretenden Parteivorsitzenden. Nina Hager, bisher bereits Mitglied Parteivorstands des Parteivorstands, wurde ebenfalls zur stellvertretenden Parteivorsitzenden gew\u00e4hlt. Insgesamt sieben Mitglieder wurden neu in das Gremium berufen. Unter den weiteren Mitgliedern des Parteivorstands befinden sich nunmehr vier Vertreter aus Bayern. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdbayern) und zehn Kreisverb\u00e4nde sowie zwei Betriebsgruppen. Die Mitgliederzahl in Bayern stagnierte bei rund 600. Die DKP wird \u00fcberwiegend von Altkommunisten repr\u00e4sentiert. Ende Juli stellte sich eine \"Arbeitsgemeinschaft (AG) Junge Kommunisten in der DKP S\u00fcdbayern\" im Internet vor. Die Finanzierung der Parteiarbeit bereitet seit Jahren Probleme. Das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) erscheint aber trotz dieser erheblichen Finanzierungsprobleme weiterhin w\u00f6chentlich. 2.2.3 Teilnahme an Wahlen Die DKP erhielt bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein am Geringe Stimmen27. Februar, zu der sie mit drei Direktkandidaten angetreten war, insanteile bei gesamt 702 W\u00e4hlerstimmen. Landtagswahlen Bei der Landtagswahl am 14. Mai in Nordrhein-Westfalen erreichte die DKP, die nur in wenigen ausgew\u00e4hlten Wahlkreisen Kandidaten aufgestellt hatte, 1.722 Stimmen. 2.2.4 Umfeld der DKP 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Deutschland Bayern Mitglieder: 5.000 900 Vorsitzender: neun Bundessprecher Gr\u00fcndung: 15.-17.03.1974 Sitz: Hannover (Bundesgesch\u00e4ftsstelle seit 1996) Publikation: antifa-rundschau","118 Linksextremismus Zahlenm\u00e4\u00dfig Die VVN-BdA blieb die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Organisation im Spektstarke Organirum des linksextremistischen Antifaschismus. In ihr wirken untersation schiedliche linksorientierte Kr\u00e4fte zusammen, wobei jedoch nach wie vor aktive und ehemalige Mitglieder der DKP politisch tonangebend sind. Auch in der VVN-BdA Bayern ist auf Landeswie auch auf Kreisebene der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, aus der PDS und aus der SDAJ, ma\u00dfgeblich. Sie unterst\u00fctzte vielfach linksextremistisch beeinflusste Aktionen. Bei den anl\u00e4sslich des Bundeskongresses 2000 der VVN-BdA am 7. und 8. Oktober in Frankfurt am Main durchgef\u00fchrten Wahlen wurden zwei Vertreter aus Bayern in F\u00fchrungsgremien berufen. Mehrheitliche Zustimmung fand bei den rund 140 Delegierten des Kongresses, der unter dem Motto \"Antifaschismus - Verpflichtung f\u00fcr die Zukunft - Gegen den Schlussstrich\" stand, ein Antrag, der einen Beabsichtigter organisatorischen Zusammenschluss der VVN-BdA und ihrer in organisatorischer den neuen Bundesl\u00e4ndern bestehenden Schwesterorganisation Zusammenschluss VVdN-BdA (Verband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener - Bund der Antifaschisten) f\u00fcr das Jahr 2001 vorsieht. VeranstaltungsDie VVN-BdA unterst\u00fctzte Veranstaltungen wie z.B. den Jahrestag schwerpunkte des \"Angriffskriegs der NATO gegen Jugoslawien\" am 24. M\u00e4rz in M\u00fcnchen; weiter beteiligte sie sich am Ostermarsch in M\u00fcnchen sowie an Veranstaltungen \"gegen Rechts\" und am Antikriegstag in mehreren bayerischen St\u00e4dten. Einem Beitrag in den vom Landesverband Bayern herausgegebenen \"antifa-nachrichten vom Oktober bis Dezember 2000\" zufolge versuchen die Kreisvereinigung Hof und der s\u00e4chsische Kreisverband Plauen, mit gemeinsamen Veranstaltungen im \"fr\u00e4nkisch/vogtl\u00e4ndischen Grenzgebiet\" zusammenzuarbeiten. 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 50 Vorsitzender: J\u00fcrgen Wangler Gr\u00fcndung: 04./05.05.1968 Sitz: Essen Publikation: POSITION","Linksextremismus 119 Die mit der DKP eng verbundene SDAJ versteht sich als SelbstorganiIdeologischer sation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Studentinnen und Studenten, Gleichklang mit Auszubildenden und jungen Arbeitenden, unabh\u00e4ngig von ihrer Herder DKP kunft. Die SDAJ k\u00e4mpft nach eigener Darstellung f\u00fcr eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus, f\u00fcr eine Welt, in der die Menschen und nicht die Konzerne das Sagen haben. Am 29. und 30. Januar f\u00fchrte die SDAJ in Gladbeck/Nordrhein-Westfalen ihren 15. Bundeskongress durch. Nach Angaben der DKP-ZeiBundeskongress tung \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 4. Februar nahmen an der Veranstaltung rund 130 Delegierte und G\u00e4ste teil. Aus dem Ausland waren auch Vertreter der kommunistischen Jugendverb\u00e4nde \u00d6sterreichs, D\u00e4nemarks, Griechenlands und Zyperns erschienen. Die KPF und die Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) hatten ebenfalls Delegationen entsandt. J\u00fcrgen Wangler aus Bayern wurde zum neuen Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Dem neuen BundesvorNeuwahl des stand geh\u00f6ren 20 Personen an, von denen sechs Personen die Bundesvorstands Gesch\u00e4fte des Verbands f\u00fchren. Der neue Vorsitzende hob in seiner Rede die in den letzten Jahren gelungene personelle und organisatorische St\u00e4rkung der SDAJ hervor. In den n\u00e4chsten zwei Jahren will sich die SDAJ mit einem \"Zukunftspapier (\"Der Imperialismus muss \u00fcberwunden werden!\" und \"Sozialismus ist die gesellschaftliche Alternative\") und einer \"Handlungsorientierung\" besch\u00e4ftigen, sich um die Sch\u00fclerund Jugendpolitik k\u00fcmmern und ihr Verbandsmagazin \"POSITION\" st\u00e4rken. Im Zentrum der Internationalismus-Arbeit soll weiterhin auch die Solidarit\u00e4t mit Kuba und Serbien stehen. Die SDAJ veranstaltete ihr Pfingstcamp vom 9. bis 12. Juni auf einem Pfingstcamp Gel\u00e4nde der B\u00fcrgerinitiative \"Kein Atomm\u00fcll in Ahaus\". In einem Beitrag des DKP-Zentralorgans UZ vom 16. Juni hei\u00dft es dazu, leider h\u00e4tten keine echten Anti-AKW-Aktionen stattgefunden, gleichwohl sei das Camp eine perfekte Dialektik von Spa\u00df und Politik gewesen. Wie traditionell \u00fcblich, h\u00e4tten sich die Teilnehmer mit dem Mobiliar des Camps im Bau von Barrikaden ge\u00fcbt und Verhaltensma\u00dfregeln bei gewaltt\u00e4tigen Polizeieins\u00e4tzen diskutiert. Weiter beteiligte sich die SDAJ an zahlreichen Veranstaltungen, wie Veranstaltungen z.B. an der Luxemburg-Liebknecht-Demonstration am 15. Januar in Berlin, am Jahrestag des \"Angriffskriegs der NATO gegen Jugoslawien\" am 24. M\u00e4rz in M\u00fcnchen, am Ostermarsch in M\u00fcnchen, an der 1.-Mai-Demonstration in M\u00fcnchen, am DKP-Parteitag in Duisburg und an der Demonstration am 26. September (Oktoberfestanschlag) in M\u00fcnchen.","120 Linksextremismus 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 2.000 140 Vorsitzender: Stephan Engel Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen Publikationen: Rote Fahne und Theorieorgan \"lernen und k\u00e4mpfen\" Die MLPD wurde 1982 in Bochum als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und Westberlin\" gegr\u00fcndet. Die Partei Ideologische bekennt sich zu den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Mao Ausrichtung Tse-tung. In ihrem Zentralorgan \"Rote Fahne\" f\u00fchrt sie in ihren st\u00e4ndigen \"Informationen f\u00fcr neue Leserinnen und Leser\" unter anderem aus: \"Die MLPD wendet den Marxismus-Leninismus und die Maotsetungideen sch\u00f6pferisch auf die heutige Situation an.\" Die Mitglieder stammen vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Baden-W\u00fcrttemberg. Sie sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"zentralen Leitung\" mit Sitz in Gelsenkirchen unterstehen. Die MLPD z\u00e4hlt bundesweit rund 2.000 Mitglieder, davon etwa 140 in Bayern. Nebenorganisation der Partei ist der Jugendverband REBELL. Von der MLPD beeinflusst ist der Frauenverband Courage. Weitgehende Die MLPD ist aufgrund ihrer sektiererischen Haltung im gesamten Isolierung linksextremistischen Lager isoliert. Von anderen linksextremistischen Parteien grenzt sie sich durch scharfe kritische \u00c4u\u00dferungen ab. Teilnahme an Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen am 14. Mai erhielt die Landtagswahl MLPD, die 1995 nicht kandidierte, 5.994 W\u00e4hlerstimmen (= 0,1 %). Der Parteivorsitzende Stefan Engel f\u00fchrte die Landesliste \"MLPD/Offene Liste\" an. Bei der Bundestagswahl 1998 hatte die Partei in Nordrhein-Westfalen 3.727 Erststimmen, im gesamten Bundesgebiet seinerzeit 7.213 Stimmen erreicht. Obwohl die MLPD damit mehr Stimmen erhielt als die DKP, \u00e4ndert dies an ihrer sektiererischen Position in der linksextremistischen Parteienlandschaft nichts. Mit der im Wahlkampf gestarteten Kampagne \"Neue Politiker braucht das Land\" bot sich die Partei als \"Alternative des echten Sozialismus\" an. Nach Angaben der Parteizeitung \"Rote Fahne\" (Nummer 10 vom 10. M\u00e4rz) h\u00e4tten Mitglieder innerhalb einer Woche","Linksextremismus 121 63 Informationsst\u00e4nde mit 445 Teilnehmern durchgef\u00fchrt. 210 MLPD-Mitglieder von Gliederungen au\u00dferhalb Nordrhein-Westfalens, der Jugendverband REBELL und Rotfuchsgruppen h\u00e4tten sich an Wahlkampfaktionen beteiligt. Unter der Leitung der frauenpolitischen Sprecherin der MLPD, Monika G\u00e4rtner-Engel, fand am 8. M\u00e4rz in M\u00fcnchen ein \"Kritischer Aschermittwoch\" statt. Vor rund 60 Zuh\u00f6rern sprach Monika G\u00e4rtner-Engel insbesondere \u00fcber die St\u00e4rkung der Rolle der Frauen. Sie k\u00fcndigte an, dass die MLPD dazu ein Buch mit dem Titel \"Der Klassenkampf und der Kampf um die Befreiung der Frau\" herausgeben werde. Dieses Buch bildet nach Ansicht von Monika G\u00e4rtner-Engel die wichtigste theoretische Grundlage f\u00fcr den Selbstver\u00e4nderungsprozess der Partei. In Bayern beteiligte sich die MLPD dar\u00fcber hinaus an Veranstaltungen Veranstaltungen gegen Faschismus/Rassismus und betrieb einzelne Info-St\u00e4nde, hauptin Bayern s\u00e4chlich zu dem Thema \"Echter Sozialismus\". 2.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Deutschland Bayern Mitglieder: 200 100 Gr\u00fcndung: 1973 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) Mehrere \u00f6rtlich t\u00e4tige maoistisch orientierte Arbeiterbasisgruppen schlossen sich 1973 zum AB zusammen. Dieser beruft sich in seinen programmatischen Aussagen auf den Marxismus-Leninismus und die Ideen Stalins sowie Mao Tse-tungs. Sein Ziel ist die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\", um den Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\" zu verwirklichen. Der AB bekennt offen, dass dies nur Bekenntnis zur mit Gewalt zu erreichen sei, da die \"herrschende Klasse\" nicht freiGewalt willig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Es bestehen Gruppen in AugsOrganisationsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. \"Freundeskreise\" in M\u00fcnstrukturen chen, N\u00fcrnberg und Regensburg sollen den AB finanziell unterst\u00fctzen.","122 Linksextremismus In weiteren St\u00e4dten des Bundesgebiets verf\u00fcgt der AB \u00fcber Ortsgruppen bzw. St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb konstant bei Zwei AB-Fl\u00fcgel etwa 200, davon rund 100 in Bayern. Der AB ist in zwei Fl\u00fcgel gespalten. Der gr\u00f6\u00dfere, die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (Gruppe KAZ) steht der DKP, der kleinere Fl\u00fcgel der PDS nahe. Der Gro\u00dfteil der Mitglieder der Gruppe KAZ hat sich 1997 in Form einer Doppelmitgliedschaft der DKP angeschlossen. Beide Fl\u00fcgel sehen sich in der Tradition des AB, zeigten aber wie in den Vorjahren nur geringe Aktivit\u00e4ten. 2.5 Marxistische Gruppe (MG) Deutschland Bayern Mitglieder: 10.000 700 Aktive Leitung: Funktion\u00e4rsgruppe Gr\u00fcndung: 1969/1970 (\"aufgel\u00f6st\" zum 1. Juni 1991) Sitz: M\u00fcnchen Publikation: GEGENSTANDPUNKT Die MG, 1969/1970 aus der Gruppierung Rote Zellen hervorgegangen, hat am 21. Mai 1991 ihre \"Aufl\u00f6sung\" erkl\u00e4rt. Sie blieb jedoch mit etwa 10.000 Anh\u00e4ngern eine der gr\u00f6\u00dften linksextremistischen Organisationen in Deutschland. Von den rund 4.200 Anh\u00e4ngern in Bayern sind etwa 700 aktiv. Die Aktivisten trafen sich bei regelm\u00e4\u00dfiRegelm\u00e4\u00dfige gen \"Jour fixe\" bzw. GEGENSTANDPUNKT-DiskussionsveranstaltunVeranstaltungen gen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Dabei wird nicht der fr\u00fchere Organisationsname verwendet, sondern die Bezeichnung der von f\u00fchrenden MG-Funktion\u00e4ren herausgegebenen politischen Vierteljahreszeitschrift GEGENSTANDPUNKT. Diese Publikation erscheint seit 1992. Die MG befasste sich in ihren \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen, die regelm\u00e4\u00dfig auch im \"Lokalradio M\u00fcnchen\" (LORA) gesendet werden, mit Themen wie \"Korruption - vom Zusammenwirken von Staat und Kapital\", \"Der Rechtsstaat und Entsch\u00e4digungsfragen aus der NS-Zeit\" und \"Arbeitszeiten nach Ma\u00df des Kapitals\". 2.6 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus LinksextremisAn dem linksextremistisch beeinflussten M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen tischer Einfluss Rassismus mit seinen rund 40 Anh\u00e4ngern beteiligen sich linksextre-","Linksextremismus 123 mistische Gruppierungen wie die PDS, DKP, AB, Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP), die Sozialistische Arbeitergruppe (SAG), die linksextremistisch beeinflusste Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und - anlassbezogen - auch demokratische Gruppierungen. Die Leitung bei Treffen und Veranstaltungen oblag meist Aktivisten der linksextremistischen Gruppierungen. Diese zeichneten auch f\u00fcr Flugbl\u00e4tter des B\u00fcndnisses presserechtlich verantwortlich. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger f\u00fcr eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten, zu denen kleinere Gruppen alleine nicht in der Lage waren. Es beteiligte sich auch an Veranstaltungen von linksextremistischen, insbesondere autonomen Gruppierungen. Schwerpunktthemen des M\u00fcnchner B\u00fcndnisses gegen Rassismus Schwerpunktwaren Antirassismus sowie Antifaschismus. Hierzu wurden zahlreiche themen Demonstrationen, Diskussionsveranstaltungen, Flugblattverteilungen, Info-St\u00e4nde und Mahnwachen durchgef\u00fchrt. Zum Gedenken an das Oktoberfestattentat gr\u00fcndete sich am 26. September ein B\u00fcndnis, das noch am selben Tage eine Gedenkveranstaltung in M\u00fcnchen durchf\u00fchrte, an der sich auch die trotzkistische SAG als Unterst\u00fctzer beteiligte. Die SAG betreibt mit Hilfe ihrer 1994 gegr\u00fcndeten Tarnorganisation \"Linksruck-Netzwerk\" eine \"Linksruckgezielte Infiltration bei den Jungsozialisten der SPD. Mit dieser \"EntNetzwerk\" rismus\" genannten Strategie sollen Kader zur St\u00e4rkung der eigenen Organisation unter den Jusos angeworben werden. Das \"Linksruck-Netzwerk\" verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber Ortsgruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, Regensburg, Rosenheim und W\u00fcrzburg. 3. Gewaltorientierte Linksextremisten 3.1 Autonome Gruppen Deutschland Bayern Mitglieder: rund 6.000 500 Gr\u00fcndung: meist themenbezogene Zusammenschl\u00fcsse seit Ende der 70er Jahre Sitz: lokale Gruppen Publikationen: Szenebl\u00e4tter, z.B. INTERIM; auf lokaler Ebene unter anderem: barricada","124 Linksextremismus 3.1.1 \u00dcberblick Unverminderte Die Gewaltbereitschaft der Autonomen stellt weiterhin einen wesentGewaltbereitlichen Teil der Bedrohung der Inneren Sicherheit in Deutschland dar. schaft Wie in den Vorjahren waren Autonome f\u00fcr \u00fcber 80% der linksextremistisch motivierten Gewalttaten verantwortlich. Autonome Gruppierungen besch\u00e4ftigen sich mit nahezu allen Themenbereichen linksextremistischer Propaganda. Durch geschickte Agitation versuchen sie, auch demokratische Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren. Die Schwerpunkte ihrer Aktivit\u00e4ten liegen nach wie vor im Bereich Antifaschismus. Daneben gewannen auch Themen wie Ausl\u00e4nderund Fl\u00fcchtlingspolitik (\"Antirassismus\") und Aktionen gegen beabsichtigte Castor-Transporte wieder an Bedeutung. Gerade bei ihren Aktionen gegen den Rechtsextremismus gelingt es ihnen vermehrt, demokratische Gruppen einzubeziehen. In Bayern sind derzeit keine autonomen Zusammenh\u00e4nge feststellbar, die - nach dem Vorbild terroristischer Gruppierungen wie die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) - Modelle des \"Guerillakampfes\" propagieren und aus der \"Legalit\u00e4t\" heraus als so genannte Feierabendterroristen planm\u00e4\u00dfig terroristische Straftaten ver\u00fcben. 3.1.2 Ideologische Ausrichtung und Aktionsformen Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept. Sie folgen unklaren anarchistischen und anarchokommunistischen Vorstellungen. Die einzelnen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Ablehnung von Einig sind sich die Autonomen in der Ablehnung von Staat und Staat und Gesellschaft. Ihr Ziel ist die gewaltsame Abschaffung des Staats und Gesellschaft seiner Institutionen, um an seiner Stelle eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" zu errichten. Das provozierende Auftreten der Autonomen in der \u00d6ffentlichkeit, ihre staatsfeindliche Haltung, die Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte, aber auch das Bejahen von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Forderungen und Ziele kommen der Protesthaltung mancher junger Menschen entgegen, vor allem, wenn diese mit Problemen im Elternhaus oder in der Schule bzw. Ausbildung konfrontiert werden. Dieses gemeinsam empfundene, alle Attraktivit\u00e4t f\u00fcr Bereiche umfassende Lebensgef\u00fchl geht \u00fcber - m\u00f6glicherweise junge Menschen unterschiedliche - politische Vorstellungen hinaus und schafft Bindungen. Angeh\u00f6rige bzw. Aktivisten der Autonomen unterscheiden sich soziologisch zun\u00e4chst kaum von anderen Jugendlichen oder jun-","Linksextremismus 125 gen Erwachsenen. Sie sind Sch\u00fcler, Studenten und Auszubildende, schlie\u00dfen aber vielfach ihre Lehre oder Studium nicht ab. Das Erscheinungsbild und vor allem die Taktik der Autonomen bei Demonstrationen hat sich gewandelt. Die Formierung von so Ge\u00e4nderte Taktik genannten schwarzen Bl\u00f6cken bei Demonstrationen als Symbol f\u00fcr militanten Antifaschismus und eine Politik, die das Gewaltmonopol des Staats nicht anerkennt, ist nur noch vereinzelt festzustellen. Inzwischen machen Autonome den Demonstrationsablauf prim\u00e4r von der Einsch\u00e4tzung der Durchsetzbarkeit und des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses gegen\u00fcber der Polizei ab. Die starke Polizeipr\u00e4senz zur Verhinderung t\u00e4tlicher Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten bei rechtsextremistischen Versammlungen hat dazu gef\u00fchrt, dass die Zielsetzungen autonomer Antifa-Gruppierungen, rechtsextremistische Strukturen und Personen gezielt \"anzugreifen\" und \"faschistische Veranstaltungen effektiv zu beund verhindern\", gr\u00f6\u00dftenteils nicht erreicht werden konnten. Die Autonomen f\u00fchren kaum noch eigene \u00f6ffentliche Veranstaltungen durch (\"Minimalkonzept\"). Sie \"Minimalkonzept\" mischen sich stattdessen unter die Teilnehmer anderer Gegenveranstaltungen und gehen bei geringer oder fehlender polizeilicher Pr\u00e4senz militant \"gegen Faschisten\" vor. Die zeitweise Differenzierung zwischen Gewalt gegen Personen und Gewalt gegen Sachen wird zunehmend aufgegeben. Die seit dem letzten Jahr relativ hohe Zahl der K\u00f6rperverletzungsdelikte von Linksextremisten gegen \"Rechte\" oder vermeintlich \"Rechte\" zeigt, dass die Autonomen Gewaltanwendung gegen politische Gegner als legitimes Mittel ansehen. 3.1.3 Strukturen 3.1.3.1 Autonome in Bayern Insgesamt geh\u00f6ren den autonomen Strukturen in Bayern knapp 500 Strukturelle Personen an. Die autonomen Gruppierungen bezeichnen sich als rote Ans\u00e4tze antifa n\u00fcrnberg (ran), antifaschistisch k\u00e4mpfen (m\u00fcnchen), Antifaschistische Jugendfront (AJF), Antifaschistische Aktion (AA), Jugend gegen Rassismus (JgR), Antifaschistische Aktion in der OA (AAOA) und Organisierte Autonomie (OA). Die fr\u00fchere grunds\u00e4tzliche Ablehnung von Organisationsformen und verbindlichen Strukturen haben die Autonomen gr\u00f6\u00dftenteils aufgegeben. \u00d6rtliche Brennpunkte der Autonomen in Bayern sind N\u00fcrnberg und Schwerpunkte M\u00fcnchen. Die autonome Szene in N\u00fcrnberg mit etwa 140 Anh\u00e4nin Bayern","126 Linksextremismus Autonome in Bayern 2000 Coburg* (Schwerpunkte) Aschaffenburg Bayreuth Raum Aschaffenburg Raum W\u00fcrzburg Bayreuth ca. 25 Raum ca. 20 W\u00fcrzburg ca. 30 N\u00fcrnberg Sulzbach-Rosenberg Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg, Raum F\u00fcrth, Erlangen Sulzbach-Rosenberg ca. 140 ca. 30 Regensburg* Angeh\u00f6rige der autonomen Szenen *) Ingolstadt* Passau Autonome Gro\u00dfraum Landshut* Raum Kleinstgruppen Passau Augsburg Neu-Ulm* ca. 20 ca. 20 Augsburg Gro\u00dfraum M\u00fcnchen M\u00fcnchen ca. 150 Rosenheim* gern ist gefestigt. Das \"Stadtteilzentrum Schwarze Katze\" und das \"Internationale Kulturhaus\" haben als Anlaufund Kontaktstellen das \"K\u00fcnstlerhaus K4\", vormals \"Kommunikationszentrum (KOMM)\", endg\u00fcltig abgel\u00f6st. Die etwa 150 M\u00fcnchner Autonomen besch\u00e4ftigten sich ganz \u00fcberwiegend mit dem Thema \"Antifaschismus\". Anfang des Jahres trennte sich die neue militante Gruppe antifaschistisch k\u00e4mpfen m\u00fcnchen[ak(m)] von der Antifaschistischen Aktion M\u00fcnchen (AAM). Als Anlaufund Kontaktstelle hat f\u00fcr sie der autonome \"Infoladen\" im Stadtteil Haidhausen nach wie vor zentrale","Linksextremismus 127 Bedeutung. Die Passauer Autonomen zeigten insgesamt geringe Aktivit\u00e4ten. Daneben bestehen autonome Gruppierungen unter anderem in den Bereichen Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Neu-Ulm, Sulzbach-Rosenberg und W\u00fcrzburg. Auch aus anderen St\u00e4dten wurden Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene bekannt; dort bestehen meist nur Kleinund Kleinstgruppen. Seit 1998 tritt das Antifaschistische Aktionsb\u00fcndnis Bayern (AABB) Bayerisches \u00f6ffentlich in Erscheinung. Dieses B\u00fcndnis dient vor allem dazu, den Aktionsb\u00fcndnis \"antifaschistischen Widerstand\" in Bayern zu beleben bzw. zu organisieren. Die gemeinsamen Treffen der an diesem B\u00fcndnis teilnehmenden autonomen Antifa-Gruppierungen bilden die Grundlage f\u00fcr die Koordination der politischen Arbeit und der bayernweiten Kampagnen und Aktionen. Durch das B\u00fcndnis soll die \u00f6rtliche Antifaschismus-Arbeit wesentlich verst\u00e4rkt werden. Im AABB sind knapp 20 Gruppierungen organisiert, darunter Gruppen aus Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Ingolstadt, Landshut, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Passau, Regensburg, Sulzbach-Rosenberg, Ulm/Neu-Ulm und W\u00fcrzburg. Ein Pendant zum AABB entstand auch in Baden-W\u00fcrttemberg. In Verbindungen einem Faltblatt \"antifaschismus mehr als nur gegen nazis\" erl\u00e4utert nach Baden-W\u00fcrtdas Antifaschistische Aktionsb\u00fcndnis Baden-W\u00fcrttemberg (AABW) temberg seine Zielsetzung: \"Ein wirkungsvoller Antifaschismus muss sich gegen die Wurzeln des Faschismus richten, die im kapitalistischen System, sowie in gesellschaftlicher und staatlicher, rassistischer und sexistischer Unterdr\u00fcckung liegen. Der Kampf gegen den Faschismus muss (...) den Kampf f\u00fcr eine klassenlose Gesellschaft bedeuten! Deshalb: Kein Antifaschismus ohne revolution\u00e4re Perspektive!\" Diesem Aktionsb\u00fcndnis geh\u00f6ren auch einzelne bayerische Szenen an. 3.1.3.2 Antifaschistische Aktion/ Bundesweite Organisation (AA/BO) Die AA/BO hat wesentliche Bedeutung f\u00fcr die gewaltbereite autonoDachorganisation me antifaschistische Szene und ist eine Art Dach f\u00fcr gewaltorientierdes militanten te Gruppierungen zur Verankerung und Verbreiterung des WiderWiderstands stands gegen Staat und Gesellschaft. Der AA/BO geh\u00f6ren Gruppierungen aus rund zehn St\u00e4dten im Bundesgebiet an. Ihr ist es trotz aller Widerst\u00e4nde gelungen, im autonomen Bereich eine dauerhafte Organisationsstruktur zu schaffen. Eine zentrale Rolle in dieser Orga-","128 Linksextremismus nisation nimmt die militante Autonome Antifa (M) in G\u00f6ttingen ein. Die Aktivit\u00e4ten der Mitgliedsgruppe AA Passau sind deutlich zur\u00fcckgegangen. Aus Bayern geh\u00f6ren der AA/BO au\u00dferdem noch die rote antifa n\u00fcrnberg (ran) und die Antifaschistische Aktion in der OA (AAOA) aus N\u00fcrnberg an. Im Rahmen der Vernetzung von Gruppen spielen vor allem ehemalige Passauer Aktivisten bundesweit eine wichtige Rolle. In Berlin, Hamburg und G\u00f6ttingen wirken sie stabilisierend auf die politische Arbeit der dortigen Gruppierungen. Die linksextremistische Zielsetzung der AA/BO zeigt sich unter anderem an der von ihr propagierten These, dass sich der Antifaschismuskampf gegen die Grundpfeiler der \"b\u00fcrgerlichen Herrschaft\" richten m\u00fcsse. Die Parole lautet: \"Kampf dem Faschismus hei\u00dft Kampf dem imperialistischen System.\" In einem Aufruf zur diesj\u00e4hrigen \"Luxemburg-Liebknecht-Demonstration\" am 9. Januar in Berlin f\u00fchrt die AA/BO aus, Ansatzpunkt Antifaschismus ihrer Politik sei der revolution\u00e4re Antifaschismus. Es werde immer deutlicher, dass der rechte Vormarsch der Gesellschaft zwar in Wechselwirkung mit der faschistischen Ideologie der Rechtsextremisten voranschreite, die wesentlichen Entwicklungen reaktion\u00e4rer Tendenzen jedoch aus der Mitte der Gesellschaft k\u00e4men. Die antifaschistische Bewegung m\u00fcsse deshalb in gesellschaftliche Bereiche intervenieren. Dennoch bleibe der Kampf gegen den organisierten Neofaschismus ein bedeutender Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit. Bundesweite Die von der AA/BO initiierte Kampagne \"Antifa Offensive 99 - den Kampagne rechten Vormarsch stoppen\", in deren Rahmen bundesweit eine Vielzahl von Demonstrationen, Veranstaltungsreihen und anderen Aktionen gegen rechtsextremistische Strukturen stattfand, hat ihr Ziel, die Basis f\u00fcr die AA/BO zu verbreitern und weitere Mitstreiter zu gewinnen, auch nach eigenen Angaben nicht erreicht. Nach Ansicht der AA/BO hat die \"Antifa-Offensive 99\" jedoch hinsichtlich des Aufbaucharakters, der Weiterentwicklung und der Verfestigung der Strukturen der Antifa-Bewegung ihren Zweck erf\u00fcllt. So gebe es ein Potenzial von ungef\u00e4hr 30 Gruppen, die an der Politik der AA/BO und einer Zusammenarbeit mit ihr interessiert seien. Die AA/BO sieht sich als Impulsgeberin f\u00fcr autonome Antifa-Gruppen. Eine schlagkr\u00e4ftige antifaschistische Bewegung aus der Sicht der AA/BO-Gruppen sei nur durch eine B\u00fcndelung aller Kr\u00e4fte und durch","Linksextremismus 129 weitere Verbesserung der Organisation zu erreichen. Dies entspricht jedoch nicht dem Grundverst\u00e4ndnis des \u00fcberwiegenden Teils der autonomen Szene. Autonome, wie die im \"Bundesweiten Antifa Treffen\" (BAT) lose organisierten Gruppen, sind zwar bereit, sich an Aktionen zu beteiligen, begegnen aber einem h\u00f6heren Organisierungsgrad mit gro\u00dfer Skepsis. Dies hat letztendlich dazu beigetragen, dass der erhoffte Zuwachs an Mitgliedsgruppen ausblieb. 3.1.4 Informationelle Vernetzung Die aktiven bayerischen Szenen sind als Mitgliedsgruppen der AA/BO bzw. durch lose Kontakte zur AA/BO oder als Teil der Struktur der \"Bundesweiten Antifa Treffen\" (BAT) in den Informationsaustausch autonomer Gruppierungen eingebunden. F\u00fcr den lokalen, \u00fcberregionalen und internationalen Informationsaustausch verwenden Autonome dar\u00fcber hinaus Szenepublikationen, Infol\u00e4den, Szenelokale/AnlaufstelInfol\u00e4den len sowie verdeckte informelle Strukturen wie Telefonketten, aber auch Mailboxverbundsysteme und das Internet. In Bayern bestehen Infol\u00e4den unter anderem in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Landshut. Bei bundesweiten Infoladen-Vernetzungstreffen wird \u00fcber \"Konzepte und Perspektiven\", aber auch \u00fcber \"K\u00e4mpfe und Widerstandsformen\" diskutiert. Um die Vernetzung und den Austausch der Infol\u00e4den untereinander zu f\u00f6rdern, wurden \"zentrale Internetseiten\" eingerichtet. Linksextremisten nutzen seit Jahren die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Das in fr\u00fcheren Jahren genutzte \"Spinnennetz\" ist seit der Aufl\u00f6sung der Rote Armee Fraktion (RAF) nicht mehr existent. Eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat inzwischen die Nutzung des Internets erlangt. Darin werden, zum Teil \u00fcber ausl\u00e4nNutzung des dische Anbieter, Nachrichten und Publikationen mit teilweise strafInternets barem Inhalt verbreitet. \"Antifa-Treffen\", vor allem \u00fcberregionale, werden in der Regel fr\u00fchzeitig im Netz angek\u00fcndigt. Die Beitr\u00e4ge umfassen auch Selbstdarstellungen autonomer Zusammenschl\u00fcsse sowie Angebote verschiedener linksextremistischer Publikationen, z.B. die anarchistische \"graswurzelrevolution\". 3.1.5 Autonome Publikationen Eine weitere Informationsm\u00f6glichkeit bietet sich den Autonomen durch die Szenepublikationen. Diese werden oft konspirativ herge-","130 Linksextremismus stellt und verbreitet. Neben der Berichterstattung \u00fcber autonome Aktivit\u00e4ten sch\u00fcren die Publikationen vor allem den Hass gegen die Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Sie enthalten ferner unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu Gewalttaten, unter anderem gegen Rechtsextremisten und deren Einrichtungen. Von den bundesweiten Szenebl\u00e4ttern hat nach wie vor die regelm\u00e4\u00dfig erscheinende, aus Berlin stammende Publikation INTERIM zentrale Bedeutung. Themenschwerpunkte in den autonomen Publikationen waren \"Antifaschismus\", \"Zustand und Perspektiven antifaschistischer Arbeit\", \"revolution\u00e4re Organisierung der Linken\", \"rassistische Fl\u00fcchtlingspolitik\" und \"Repression gegen Antifaschisten\". Daneben waren wie in den Vorjahren eine Vielzahl von Selbstbezichtigungsschreiben zu Anschl\u00e4gen sowie Handlungsanleitungen zu Straftaten abgedruckt. Die Themenbereiche \"kurdischer Befreiungskampf\" und die \"Anti-AKW-Bewegung\" fanden nur geringe Beachtung. In Bayern publizieren Autonome aus dem Bereich N\u00fcrnberg vor allem in der regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Schrift barricada und seit Juni auch in der \"Grossraumzeitung - N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth\". In M\u00fcnchen erscheint seit Anfang des Jahres die Publikation \"Out of control\". Oft werden auch nur Artikel aus bundesweiten Szenepublikationen wie INTERIM von den bayerischen Szenebl\u00e4ttern \u00fcbernommen und durch Hinweise auf aktuelle Themen und Termine der \u00f6rtlichen oder regionalen Szene erg\u00e4nzt. 3.1.6 Schwerpunktthemen und Aktionen Beherrschendes Thema f\u00fcr die Autonomen in Bayern war auch in diesem Jahr der Antifaschismus. Bedeutung behielt auch die seit geraumer Zeit gef\u00fchrte Strategiediskussion. Eine untergeordnete Rolle spielten die Themen Asylproblematik/Rassismus, der \"Friedenskurs\" der PKK, die EXPO 2000 und der Gipfel des Internationalen W\u00e4h-","Linksextremismus 131 rungsfonds (IWF) in Prag. Im Zusammenhang mit den Aktionen war Zunahme der auch eine Reihe von Gewaltund Straftaten zu verzeichnen. Die Zahl Gewalttaten der Gewalttaten betr\u00e4gt 39 (vgl. auch Nummer 3.2 dieses Abschnitts). 3.1.6.1 Strategiedebatte Seit geraumer Zeit ist in der autonomen Szene eine Diskussion \u00fcber die Zukunft revolution\u00e4ren Widerstands im Gang. In zahlreichen Beitr\u00e4gen in Szenepublikationen wie der militanten autonomen Szenepublikation INTERIM wird dabei eine Verengung der Aktionsthemen insbesondere auf den Bereich Antifaschismus beklagt. Gefordert Suche nach neuen wird, bei der Wahl der Themen und Angriffsziele des gewaltbereiten Aktionsthemen Widerstands auch neue Technologien mit einzubeziehen. Themen der Zukunft seien \"Antifaschismus\", \"Antirassismus\" und \"Anti-Castor\". Als Mittel m\u00fcssten alle Aktionsformen bis hin zu Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen in Betracht gezogen werden. Ziel der gegenw\u00e4rtigen Diskussion ist es, die Handlungsund Mobilisierungsf\u00e4higkeit auch in Zukunft aufrechtzuerhalten und langfristige Perspektiven zu entwickeln. Derzeit sehen sich viele Gruppen in einer Schw\u00e4chephase. Schw\u00e4chephase \u00dcber den Zustand der autonomen Antifa-Bewegung und anderer revolution\u00e4rer Politikans\u00e4tze in Deutschland hei\u00dft es in dem in Berlin erscheinenden \"Antifaschistischen INFO-BLATT\" (AIB) Nummer 50 vom Mai: \"Im Moment steht die Antifabewegung mit dem R\u00fccken zur Wand, sie ist damit belastet, Angriffe auf allen Ebenen abzuwehren. Unserer Ansicht nach hat ein revolution\u00e4rer Ansatz momentan in Deutschland keine Perspektive.\" Nummer 502 vom 18. Mai der Publikation INTERIM ver\u00f6ffentlichte den Beitrag einer \"verdeckt organisierten\" Gruppe aus der Region Stuttgart-Neckar-Alb mit der \u00dcberschrift \"Clandestino - f\u00fcr eine Wiederentdeckung militanter Politik\". Die Gruppe, die nach eigenen Angaben bereits seit l\u00e4ngerem versucht, \u00fcber militante Aktionen politisch zu intervenieren, will die Diskussion \u00fcber politische Militanz und militante Perspektiven in die \"j\u00fcngere Generation der Anti-Atombewegung\" tragen. Die Verfasser fordern unter anderem eine DebatEr\u00f6rterung militante \u00fcber die neue Einstellung zu militanter Politik. W\u00f6rtlich hei\u00dft es: ter Politikformen \"Uns geht es bei der Praktizierung militanten Widerstands nicht nur darum, konkret einzugreifen und auf eine Verbreitung dieser Aktionsformen zu setzen. (...) Politische Militanz ist f\u00fcr uns die Basis und Voraussetzung f\u00fcr","132 Linksextremismus neu zu entwickelndes linksradikales Bewusstsein. Unsere Erfolgserlebnisse bestehen zwar nicht in der Herbeif\u00fchrung revolution\u00e4rer Verh\u00e4ltnisse, doch k\u00f6nnen wir zumindest in den reibungslosen Ablauf des Systems eingreifen und werden f\u00fcr dieses zum unkalkulierbaren Risikofaktor.\" Ziel sei es, eine Initiative zu starten, um den R\u00fcckzug und die momentane Orientierung gro\u00dfer Teile der \"Restlinken\" an reformistischen Strategien zur Diskussion zu stellen. Hierzu soll eine Debatte \u00fcber das staatliche Gewaltmonopol als herrschendes Ordnungsprinzip gesucht und die These eingebracht werden, dass eine \u00dcberwindung des Herrschaftssystems nur mit nicht integrierbaren Politikformen und Inhalten m\u00f6glich sei. Auch in M\u00fcnchen zeigten sich Auswirkungen dieser Debatte. Nach Spaltergruppe mit einer Spaltung der AAM entstand im Januar 2000 eine neue Gruppieantikapitalistischer rung mit der Bezeichnung antifaschistisch k\u00e4mpfen m\u00fcnchen [ak(m)]. Zielsetzung In einer Stellungnahme erkl\u00e4rten die ak(m)-Angeh\u00f6rigen, in der AAM habe es nie Diskussionsans\u00e4tze gegeben, die \u00fcber die reine Antifaschismusarbeit hinausgegangen seien. Dies sei aber notwendig, um eine gemeinsame theoretische Grundlage f\u00fcr die politische Praxis zu entwickeln. \"Radikaler Antifaschismus hei\u00dft deshalb f\u00fcr uns, den N\u00e4hrboden anzugreifen: Das kapitalistische System\". In einem in der Berliner Szenezeitschrift INTERIM Nummer 492 vom 27. Januar ver\u00f6ffentlichten Kritikpapier begr\u00fcndeten Angeh\u00f6rige der ak(m) ihre Trennung von der AAM. In derselben Ausgabe ist auch eine Stellungnahme der AAM abgedruckt. Demnach m\u00fcsse ein neues Praxiskonzept die langfristige Arbeit in den Vordergrund stellen. Die ak(m) sei nicht nur antifaschistisch, sondern auch antistaatlich orientiert. Dazu geh\u00f6re auch die B\u00fcndelung der radikalen antifaschistischen Kr\u00e4fte in M\u00fcnchen. Das erste Projekt der ak(m) stellte die Herausgabe der Zeitung \"Out of control\" dar. Die militante autonome Gruppierung \"Organisierte Autonomie\" (OA) aus N\u00fcrnberg vertrat in der N\u00fcrnberger Szenepublikation \"barricada\" vom Januar 2000 zu ihrem strategischen Ansatz die Auffassung, Ziel m\u00fcsse es sein, eine revolution\u00e4re Organisation aufzubauen, die auf kollektiver, gesamtgesellschaftlicher Analyse und Kritik sowie Strategie und Praxis basiere, um eine wirksame \"Gegen-","Linksextremismus 133 macht von unten\" gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse zu schaffen. Nach Auffassung der OA sei derzeit die Antifaschistische Aktion/Bundessweite Organisation (AA/BO) innerhalb der Antifa-Bewegung die am weitesten entwickelte Kraft und der einzige kontinuierlich arbeitende bundesweite autonome Organisationsansatz. In N\u00fcrnberg soll Streben nach zun\u00e4chst ein Stadtteil (Gostenhof) zur \"Roten Zone\" erkl\u00e4rt werden. lokaler Dominanz Dort wolle man sich konzentrieren und gegenseitig st\u00e4rken, um zu einem gemeinsamen solidarischen Handeln gegen die herrschenden Kr\u00e4fte zu kommen, das hei\u00dft, den Kampf gegen Staat und Gesellschaft, insbesondere aber gegen Rechtsextremisten und deren Strukturen, f\u00fchren zu k\u00f6nnen: \"Es geht darum, erst einmal einen St\u00fctzpunkt mit Ausstrahlungskraft, einen Fixpunkt mit Anziehungskraft zu errichten. L\u00e4ngerfristig darf es nat\u00fcrlich nicht bei dem einen bleiben.\" Wie die OA weiter betonte, k\u00f6nne die Pr\u00e4senz in den Stadtteilen daf\u00fcr sorgen, dass \"Nazis keinen Fu\u00df auf den Boden\" bek\u00e4men und die \"Autorit\u00e4t anderer B\u00fcttel der herrschenden Ordnung\" gezielt untergraben werde. 3.1.6.2 Antifaschismus Im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern stanHauptmotiv der den wie im Vorjahr Aktionen und auch Gewalttaten gegen rechtsGewalttaten exremistische Veranstaltungen, aber auch gezielte Angriffe gegen einzelne tats\u00e4chliche und vermeintliche Rechtsextremisten. Von den 39 in Bayern ver\u00fcbten Gewalttaten entfallen 38 auf diesen Bereich. Die bundesweit ver\u00fcbten Gewaltdelikte im Bereich Antifaschismus stellen den Schwerpunkt linksextremistischer Gewalt dar. Linksextremisten sp\u00e4hen ihre politischen Gegner ebenso wie Rechtsextremisten gezielt aus und ver\u00f6ffentlichen seit Jahren entsprechende Steckbriefe Steckbriefe in ihren Publikationen. Durch die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und das Verbot rechtsextremistischer Parteien und Organisationen hat dieses Thema bundesweit erheblich an Bedeutung Ablehnung staatgewonnen. Die Autonomen werfen den staatlichen Entscheidungslicher Konzepte tr\u00e4gern vor, sie \u00e4u\u00dferten zwar Emp\u00f6rung \u00fcber fremdenfeindliche Ausschreitungen von Rechtsextremisten, nutzten aber die angeblich auch in breiten Teilen der Bev\u00f6lkerung vorhandenen Vorbehalte","134 Linksextremismus gegen Ausl\u00e4nder und deren Zuzug nach Deutschland zu Gesetzesversch\u00e4rfungen. Der \"Naziterror\" sei \u00fcberdies willkommener Vorwand f\u00fcr den Ausbau weiterer \u00dcberwachungskonzepte. Die \"Linken\" d\u00fcrften sich aber keinesfalls aus der \u00f6ffentlichen Diskussion heraushalten. So erkl\u00e4rten Angeh\u00f6rige der autonomen Antifa-Szene in der INTERIM Nummer 509 vom 7. September, auch wenn die Debatte aufgesetzt und unehrlich sei, rechtfertige dies keinen R\u00fcckzug in beleidigte Unt\u00e4tigkeit. Die kulturelle Hegemonie der Rechtsextremisten stehe jetzt im Mittelpunkt des Interesses und zur Disposition. Im Rahmen des Antifaschismus bem\u00fchen sich Autonome nach wie B\u00fcndnisvor, \"Zweck-B\u00fcndnisse\" mit linksextremistischen Gruppierungen und bem\u00fchungen Parteien, aber auch mit demokratischen Kr\u00e4ften einzugehen. Gerade die aktuelle Debatte \u00fcber die Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus biete einen geeigneten Ansatzpunkt, neue Kontakte zu kn\u00fcpfen und den Bezug zu anderen Gruppen herzustellen. Anlass f\u00fcr diese oft kurzzeitigen B\u00fcndnisse waren in der Regel Demonstrationen, Versammlungen, Mahnwachen und Informationsst\u00e4nde gegen Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Gruppierungen. Exemplarisch f\u00fcr den Stellenwert und die Bedeutung der B\u00fcndnispolitik erkl\u00e4rten \"Autonome Traditions-Antifas\" in der INTERIM Nummer 509 vom 7. September, bis zum Beginn der 90er Jahre sei die Antifa noch politikf\u00e4higer und in der Lage gewesen, in Form und Inhalt deutlich wahrgenommen zu werden. Danach habe sie die F\u00e4higkeit der Zusammenarbeit in B\u00fcndnissen verloren: \"Antifa-Gruppen agieren heute nicht mehr im Abgleich und Austausch zu anderen gesellschaftlichen Gruppen, sondern neben ihnen. Das ist f\u00fcr eine politische Bewegung, die auch in die Gesellschaft wirken und diese ver\u00e4ndern will - und Antifa kann keine prinzipiell antagonistische Bewegung wie Nie wieder Deutschland sein - zu wenig.\" Auch wenn es m\u00fchselig und undankbar sei, geh\u00f6re zu den Aufgaben der Antifa das permanente Suchen nach B\u00fcndnispartnern. Diese finden die Autonomen auch in der PDS. Auch die PDS setzt ihre Diskussion um B\u00fcndnispolitik und Aktionsformen in der Antifaschismusarbeit fort. In einem Leserbrief (\"Neues Deutschland\" vom 20. Juli) \u00e4u\u00dfert sich ein Mitglied der \"Linken StudentInnengruppe/LSG Leipzig\" zum Verh\u00e4ltnis zwischen der autonomen Szene und der PDS. Er f\u00fchrte unter anderem aus, er verstehe nicht, wie man repressive Ma\u00dfnahmen der Polizei guthei\u00dfen k\u00f6nne. Steine werfen sei eine Form militanter politischer Auseinanderset-","Linksextremismus 135 zung, egal wie dies im Einzelfall zu bewerten sei. Die autonome Antifa bleibe f\u00fcr absehbare Zeit die konsequenteste Kraft. Die PDS sei auf Anst\u00f6\u00dfe aus der autonomen Szene und diese umgekehrt auf Unterst\u00fctzung der PDS angewiesen. 3.1.6.3 Antifaschistische Aktionen in Bayern In Bayern beteiligten sich Autonome unter anderem an folgenden Aktionen: Am 22. Januar versuchten linksextremistische Gruppierungen, in Angriffe auf einem breiten \"B\u00fcndnis gegen Rechts\" einen Aufzug des LandesverNPD-Veranstalbands der Jungen Nationaldemokraten (JN) Bayern in Neuburg a.d. Dotungen nau zu verhindern. Die rund 50 teilnehmenden Autonomen waren zum Teil mit Bauzaunteilen bewaffnet und st\u00f6rten den Aufzug mit Sprechch\u00f6ren, Pfeifkonzerten und durch drei kurzzeitige Blockaden. Dazu aufgerufen hatte die autonome \"Aktionsgruppe Antifaschismus Ingolstadt\" im Internet unter dem Motto \"Den ersten Naziaufmarsch im neuen Jahrtausend zum Fiasko werden lassen!\". Die Polizei leitete wegen der Blockaden unter anderem Verfahren wegen gef\u00e4hrlichen Eingriffs in den Stra\u00dfenverkehr ein. In Hammelburg, Landkreis Bad Kissingen, st\u00f6rten etwa 100 Autonome aus verschiedenen nordbayerischen St\u00e4dten am 26. Februar einen NPD-Aufzug. W\u00e4hrend der Gegenkundgebung, die unter dem Motto stand: \"Die Faschos marschieren und Deutschland schl\u00e4ft wieder - haut die Glatzen bis sie platzen - nicht mit uns!\", kam es unter anderem zu Sachbesch\u00e4digungen an Fahrzeugen von NPD-Teilnehmern. Die Polizei nahm mehrere Personen fest, unter anderem wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs. In F\u00fcrth demonstrierten am 1. Mai etwa 3.000 Personen, darunter zahlreiche Autonome, gegen einen Aufzug der NPD. Nachdem Gegendemonstranten den Zugweg der NPD versperrten, \u00e4nderte die Polizei die Demonstrationsroute der NPD. Als etwa 300 Gegendemonstranten auch den neuen Zugweg mit Sitzblockaden abriegeln wollten, l\u00f6ste die Polizei die Blockaden auf. Im Zusammenhang mit der Gegenveranstaltung nahm die Polizei insgesamt 15 Gegendemonstranten unter anderem wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsund Waffengesetz, K\u00f6rperverletzung und Widerstands gegen Polizeibeamte fest. Am Abend desselben Tages griffen in M\u00fcnchen etwa 30 Autonome eine Gruppe von sechs zur\u00fcckgereisten Teil-","136 Linksextremismus nehmern der NPD-Kundgebung in F\u00fcrth an. Die Autonomen drohten: \"Die Antifa haut euch jetzt ein paar aufs Maul!\", worauf die Angegriffenen in verschiedene Richtungen fl\u00fcchteten. Ein NPD-Anh\u00e4nger wurde verletzt. Ausschreitungen Die Antifaschistische Aktion Passau (AAP), Mitgliedsgruppe in der gegen eine militanten Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO), NPD-Kundgebung organisierte die linksextremistischen Gegenaktionen gegen eine in Passau Gro\u00dfkundgebung der NPD am 27. Mai in der Nibelungenhalle in Passau. Ziel war hier die Verhinderung oder zumindest massive St\u00f6rung der NPD-Kundgebung durch Blockadeaktionen und andere Aktivit\u00e4ten. In Kleingruppenaktionen versuchten die Autonomen ihr Blockadekonzept umzusetzen. Im Verlauf dieser Aktionen wurde ein Polizeibeamter auf die Fahrbahn gesto\u00dfen und von einem Bus angefahren. Der Polizeibeamte erlitt eine Fu\u00dffraktur. F\u00fcnf Reisebusse mit Teilnehmern der NPD-Versammlung wurden durch Steinw\u00fcrfe besch\u00e4digt. An den Bussen entstand Sachschaden von etwa 30.000 DM. Die T\u00e4ter waren zum Teil schwarz gekleidet und vermummt. Vor, w\u00e4hrend und nach den Versammlungen nahm die Polizei 52 Personen, davon 36 aus dem linksextremistischen Spektrum, wegen Landfriedensbruchs, Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz und sonstiger Straftaten fest. Die Polizei stellte unter anderem Stahlketten, Stuhlbeine, Pflastersteine, Messer, Nietenarmb\u00e4nder, CSund Pfeffersprays als Waffen sicher. Es gelang den Linksextremisten nicht, die eigentliche Veranstaltung der NPD in der Nibelungenhalle zu st\u00f6ren. Zur Aufrechterhaltung der Sicherheit mussten 1.500 Polizeibeamte eingesetzt werden. Proteste gegen In Passau demonstrierten am 23. September auf Initiative der \u00f6rtdie Gro\u00dfkundlichen autonomen Szene etwa 300 Teilnehmer gegen die allj\u00e4hrlich gebung der DVU stattfindende Gro\u00dfkundgebung der rechtsextremistischen Deutschen Volksunion (DVU) in der Passauer Nibelungenhalle. Die Veranstaltung stand unter dem Motto \"Buntes Leben, statt brauner Terror\". Die Polizei leitete sieben Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen K\u00f6rperverletzung, Beleidigung, Sachbesch\u00e4digung, gegen Linksextremisten ein. An einer vor der autonomen Antifa-Demonstration veranstalteten, von einem breiten B\u00fcrgerspektrum mit etwa 2.600 Teilnehmern getragenen Gegenkundgebung der Stadt Passau beteiligten sich etwa 50 Personen, die dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet werden . Angriffe auf Am 30. September, 12. und 27. Oktober beteiligten sich in M\u00fcnchen NPD-Info-St\u00e4nde Linksextremisten und Autonome an mehreren Gegenaktionen gegen","Linksextremismus 137 NPD-Veranstaltungen bzw. Info-St\u00e4nde. Dabei versuchten insbesondere Linksextremisten mehrfach NPD-Anh\u00e4nger anzugreifen und die Info-St\u00e4nde zu zerst\u00f6ren. Dies gelang ihnen am 12. und 27. Oktober. Die Polizei nahm insgesamt \u00fcber 40 Personen, darunter auch drei Rechtsextremisten, fest. Den Festgenommenen werden Landfriedensbruch, K\u00f6rperverletzung, Sachbesch\u00e4digung und andere Delikte zur Last gelegt. Am 4. November demonstrierte das \"Antifaschistische Aktionsb\u00fcndDemonstration nis Augsburg\" (AABA), dem neben Angeh\u00f6rigen der autonomen Szegegen \"Rassismus\" ne auch die Ortsgruppen der DKP und der PDS angeh\u00f6ren, in Augsburg mit rund 300 Teilnehmern unter dem Motto \"Nazis morden, der Staat schiebt ab: Gegen den Rassismus der Parlamente, der Amtsstuben, der Gerichtss\u00e4le und der Stra\u00dfen!\". W\u00e4hrend der Demonstration skandierten Teilnehmer unter anderem Sprechch\u00f6re wie \"Nie, nie nie wieder Deutschland!\" In einem Aufruf des B\u00fcndnisses im Internet hie\u00df es, Rassismus geh\u00f6re zur Grundeinstellung breiter Bev\u00f6lkerungsschichten. Die staatlichen Instrumentarien zur Ausgrenzung, Entrechtung und Diskriminierung von Migranten, insbesondere Asylbewerbern, seien vielf\u00e4ltig und durch zahlreiche rassistische Sondergesetzte zementiert. 3.1.6.4 Weitere Aktionen Wie in den vergangenen Jahren kam es am 1. Mai wieder zu erheblichen Ausschreitungen. Autonome riefen zu Aktionen zum \"revolution\u00e4ren 1. Mai\" auf. Die militanten (autonomen) Antifas mobilisierten f\u00fcr diesen Tag dar\u00fcber hinaus zu Protesten gegen geplante Demonstrationen der NPD unter anderem in Berlin, Hamburg und F\u00fcrth. Die im Vorfeld bekannten Aufrufe lie\u00dfen eine deutliche KonDeutliche Konfronfrontationsbereitschaft militanter Autonomer erkennen. Aus Berlin tationsbereitschaft wurden sogar Gewaltaufrufe mit der Aufforderung zur T\u00f6tung von Rechtsextremisten und Polizisten bekannt: \"Naziaufmarsch ... gnadenlos kaputtmachen! Blut auf Asphalt ... Sicher ist auf jeden Fall, dass viel kaputtgemacht wird, zahlreiche Scheiben zu Bruch gehen, Autos brennen, Bullen verbluten.\" Bei den Veranstaltungen in Berlin kam es zu zahlreichen Gewalttaten. Die Autonomen schleppten Hindernisse auf die Stra\u00dfe, steckten dieAusschreitungen se teilweise in Brand, warfen Flaschen und Steine und schossen am 1. Mai in Berlin Leuchtraketen auf Einsatzkr\u00e4fte der Polizei. Die Bilanz: 391 freiheits-","138 Linksextremismus entziehende Ma\u00dfnahmen und eine Vielzahl von verletzten Personen, darunter 227 Polizeibeamte. Krawalle Auch in Hamburg kam es zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen durch in Hamburg etwa 500 Linksextremisten, darunter rund 100 vermummte Personen. Einschreitende Polizeibeamte wurden massiv mit Steinen und anderen Wurfgeschossen angegriffen. Auf den Fahrbahnen errichteten Autonome Hindernisse und z\u00fcndeten sie teilweise an. Die Polizei nahm neun Personen fest und stellte bei 123 die Identit\u00e4t fest. 16 Polizeibeamte wurden verletzt. Die von der autonomen Neuen ArbeiterInnenbewegung organisierte 1.-Mai-Kundgebung in N\u00fcrnberg verlief wie in den Vorjahren weitgehend friedlich. Allerdings wurde im Rahmen der Abschlusskundgebung ein Polizeibeamter durch einen Flaschenwurf am Kopf verletzt. Der T\u00e4ter konnte ermittelt werden. In einem als Interview in der Publikation \"barricada\" vom April abgedruckten Artikel erkl\u00e4rte die autonome Gruppe \"Organisierte Autonomie\" (OA), die Veranstaltung unter dem Motto \"1. Mai 2000 - Kapitalismus bek\u00e4mpfen: antipatriarchal, antirassistisch, internationalistisch, revolution\u00e4r\" solle auch zur Abgrenzung von den offiziellen 1.-Mai-Veranstaltungen dienen. Ziel der Veranstaltung der OA sei der Kampf gegen die herrschende Ordnung. Es gehe um Propaganda f\u00fcr diesen Kampf. W\u00f6rtlich hei\u00dft es: \"Der Kapitalismus hat keine Fehler, er ist der Fehler und deshalb k\u00e4mpfen wir f\u00fcr die herrschaftsfreie und klassenlose, also kommunistische Gesellschaft.\" 3.1.6.5 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung Auch im abgelaufenen Jahr bewegten sich Linksextremisten im Umfeld der Antikernkraftbewegung. Nachdem es aber keinen CasGeringe Aktivit\u00e4ten tor-Transport gab, waren die Aktivit\u00e4ten insgesamt gering. Allerdings ist bei einer Wiederaufnahme der Transporte abgebrannter Brennelemente aus Kernkraftwerken mit einer erheblichen Zunahme der Aktivit\u00e4ten zu rechnen. Bei den bayerischen Autonomen waren die Themen \"Atom-Politik\", \"Urankampagne\" und Castor-Transporte bisher kein bestimmendes Thema.","Linksextremismus 139 Die anarchistisch gepr\u00e4gte Initiative \"X-tausendmal quer - \u00fcberall\" plant eine \"gewaltfreie Blockade\" des n\u00e4chsten Castor-Transports. Geplante \"gewaltZiel soll dabei sein, eine Wiederaufnahme der Atomm\u00fclltransporte zu freie Blockade\" verhindern und damit die Abschaltung der Kernkraftwerke auf Grund ausgesch\u00f6pfter Lagerkapazit\u00e4ten zu erzwingen (\"Verstopfungsstrategie\"). Bislang sollen sich bundesweit \u00fcber 3.000 Personen bereit erkl\u00e4rt haben, sich an dieser Initiative zu beteiligen, d.h. an der geplanten Sitzblockade gegen den n\u00e4chsten Castor-Transport mitzuwirken. Die Initiative sieht ihre geplante Aktion als bewussten und offenen \"Akt des Zivilen Ungehorsams\". Die Gesamtorganisation der Initiative ist dezentralisiert. Insgesamt existieren im Bundesgebiet etwa 70 \"Regionalkontakte\", darunter mehrere in Bayern. 3.1.6.6 Einflussnahme auf die EXPO 2000 Bereits im Oktober 1990 formierte sich in Hannover das so genannte \"Anti-EXPO-B\u00fcndnis\", ein unstrukturierter Zusammenschluss von etwa 20 Gruppierungen mit dem Ziel, die EXPO 2000 in Hannover zu verhindern. Parallel dazu formierten sich Personen aus der autonomen Szene zu einem militanten Widerstand. Meist unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten damals eine Vielzahl von Straftaten, die sich insbesondere gegen verStraftaten im meintliche oder tats\u00e4chliche Repr\u00e4sentanten der EXPO 2000 richteVorfeld der EXPO ten. Ende 1998 wurden in der autonomen Szene wieder verst\u00e4rkte Bem\u00fchungen festgestellt, die darauf abzielten, den Widerstand gegen die EXPO 2000 anzutreiben und zu vernetzen. Im Fr\u00fchjahr fand auch in M\u00fcnchen ein Anti-EXPO-Seminar und ein Anti-EXPO-Treffen statt. Das Interesse, am EXPO-Widerstand mitzuwirken, war insgesamt aber gering. Bis Ende Mai war ein Anstieg der Aktivit\u00e4ten des EXPO-Widerstands festzustellen. In der Region Hannover wurden verschiedene Straftaten ver\u00fcbt. Auch in Berlin kam es zu themenbezogenen Gewalttaten. Zur Er\u00f6ffnung der EXPO 2000 am 1. Juni in Hannover riefen Linksextremisten, vor allem Autonome, zu unterschiedlichen ProtestaktioProtestund nen auf. Diese reichten von einer Gro\u00dfdemonstration am 27. Mai St\u00f6raktionen unter dem Motto \"Die Beherrschung verlieren - EXPO NO!\" bis zu St\u00f6rund Blockadeaktionen am 1. Juni unter dem Motto \"Die EXPO wird nicht er\u00f6ffnet\". Das von den Initiatoren erhoffte Echo innerhalb der linksextremistischen Szene blieb jedoch aus. Am 27. Mai beteiligten sich an der Demonstration in Hannover etwa 1.000 Personen, fast ausschlie\u00dflich aus dem linksextremistischen Spektrum. Neben","140 Linksextremismus Autonomen waren unter anderem auch die anarcho-syndikalistische Freie ArbeiterInnen Union (FAU), die trotzkistische Gruppe Linksruck, die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) sowie die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) vertreten. Die Er\u00f6ffnung der Weltausstellung am 1. Juni verlief ohne VorkommSt\u00f6rungen des nisse. Am Morgen versuchten EXPO-Gegner allerdings, den AnreiseAnreiseverkehrs verkehr durch schwere Straftaten zu st\u00f6ren. Unbekannte T\u00e4ter legten brennende Reifen auf die Gleise der ICE-Strecke im Bereich Hannover und G\u00f6ttingen. Bei einem versuchten Hakenkrallenanschlag auf einen S-Bahn-Zug entstand Sachschaden in H\u00f6he von rund 200.000 DM. Auf dem Messeschnellweg verhinderten BGS-Kr\u00e4fte die Errichtung einer Holzbarrikade. Eine Demonstration in der Innenstadt mit 400 Teilnehmern verlief dagegen friedlich. Am Abend kam es zu St\u00f6raktionen durch Kleingruppen der Anti-EXPO-Szene (AES). Die Polizei nahm insgesamt 327 St\u00f6rer fest. PropagandaIn Bayern wurden keine nennenswerten Straftaten im Zusammenaktionen in Bayern hang mit der EXPO 2000 bekannt. Vereinzelt konnten im Raum N\u00fcrnberg/Erlangen und in M\u00fcnchen Aufkleber, Flugbl\u00e4tter und Schmierereien wie \"EXPO NO - Er\u00f6ffnung verhindern! 01.06.2000 EXPO stoppen! Kapitalismus abschaffen!\" festgestellt werden. Dem EXPO-Widerstand gelang es nicht, andere \"linke Bewegungen\" f\u00fcr seine Aktionen zu gewinnen. Der Verlauf der St\u00f6raktionen war auch f\u00fcr die autonome Szene insgesamt entt\u00e4uschend. Sie konnte ihr Ziel, die EXPO 2000 zu verhindern oder zumindest empfindlich zu st\u00f6ren, nicht erreichen. 3.2 Gewalttaten und sonstige Straftaten Bundesweit wurden 827 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender linksextremistischer Motivation gegen\u00fcber 711 Gewalttaten im Vorjahr festgestellt. In Bayern wurden insgesamt 39 (1999: 25) linksextremistisch motivierte Gewalttaten begangen. Der Anteil Bayerns an diesen Straftaten in Deutschland betr\u00e4gt 4,7 %. In 38 F\u00e4llen war Hauptmotiv der Antifaschismus Motiv f\u00fcr die von Linksextremisten in Bayern verAntifaschismus \u00fcbten Gewalttaten. Sie stehen im Zusammenhang mit Gegenveranstaltungen zu Versammlungen rechtsextremistischer Gruppen, insbesondere der NPD, und Angriffen gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten. Die Opfer wurden von den vermummten Angreifern geschlagen und mit Reizgas verletzt. Den Schwerpunkt bildete","Linksextremismus 141 Entwicklung Deutschland Bayern linksextremistisch motivier900 827 ter Gewalttaten 783 800 711 700 600 500 400 300 200 100 25 25 39 0 1998 1999 2000 die Gegenveranstaltung gegen eine Kundgebung der NPD am 1. Mai in F\u00fcrth, in deren Zusammenhang in zehn F\u00e4llen K\u00f6rperverletzungen und in zwei F\u00e4llen Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte begangen wurden. Im Zusammenhang mit den unfriedlich verlaufenen Aktionen gegen die Kundgebung der NPD am 27. Mai in Passau wurden zwei Delikte des Landfriedensbruchs begangen. Bei zwei weiteren unfriedlichen Aktionen gegen Info-St\u00e4nde bzw. Veranstaltungen der NPD am 30. September und 27. Oktober in M\u00fcnchen wurden zwei Delikte des Landfriedensbruchs und acht K\u00f6rperverletzungsdelikte erfasst. Auch Gewalttaten gegen Einzelpersonen und \u00f6ffentliche Einrichtungen wurden begangen: Am 28. M\u00e4rz wurde in N\u00fcrnberg ein vermeintlicher Rechtsextremist von drei schwarz gekleideten und vermummten Personen von hinten angegriffen und mit Reizgas, Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten verletzt. Einige Stunden danach griffen in N\u00fcrnberg sechs unbekannte und vermummte T\u00e4ter zwei vermeintliche Rechtsextremisten in gleicher Weise an.","142 Linksextremismus Am 21. August griffen in einer N\u00fcrnberger Gastst\u00e4tte zwei Linksextremisten einen Mann an, der ein T-Shirt mit der Aufschrift \"Radikal Volkstroi - Es naht der Tag der Rache\" trug. Die T\u00e4ter pr\u00fcgelten auf den Mann ein und warfen ihn aus dem Lokal. Unbekannte T\u00e4ter entz\u00fcndeten am 2. November in Rothenburg ob der Tauber, Landkreis Ansbach, in einer Telefonzelle Folien und Schn\u00fcre. Durch das Feuer entstand Sachschaden von 10.000 DM. An die Telefonzelle hatten die T\u00e4ter ferner die Parolen \"Nazis raus!\", \"Antifaschistische Aktion\" und \"Anarchy\" angebracht. 3.3 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) Beim AIW handelt es sich um militante Gruppen, die ihren bewaffneten Widerstandskampf gegen die in Deutschland bestehende Gesellschaftsordnung aus verdeckten Strukturen heraus f\u00fchren wollen. Der Berufung auf AIW orientiert sich an den ersten ideologischen Leitlinien der RAF und RAF-Ideologie will Gewalttaten nach dem Prinzip der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) ver\u00fcben. Das Ziel sind zun\u00e4chst Sachbesch\u00e4digungen; es werden aber langfristig auch Angriffe auf Menschen nicht ausgeschlossen. Schwerpunkt der Gruppen des AIW war der \"Aktionstag gegen die staatliche Unterdr\u00fcckung\" am 18. M\u00e4rz. Die \u00fcberwiegend aus Gruppen und Einzelpersonen des Antiimperialistischen Widerstands bestehende Initiative \"Libertad!\" verbreitete in der von ihr herausgegebenen Zeitung \"So oder So\", Nummer 5 vom Januar, den Aufruf eines bundesweiten \"Koordinierungskreises 18. M\u00e4rz 2000\". Der Aktionstag stand unter dem Motto: \"Das Schweigen brechen - die Initative ergreifen - f\u00fcr die Freiheit der politischen Gefangenen.\" Die VerfasSolidarisierung ser des Aufrufs forderten alle \"linken\" Initiativen und Solidarit\u00e4tsmit inhaftierten gruppen auf, gemeinsam die Solidarit\u00e4t mit allen politischen GefanStraft\u00e4tern genen und von \"Repression\" Betroffenen zu organisieren. Im Aufruf hei\u00dft es unter anderem: \"Solidarit\u00e4t mit dem antifaschistischen und dem Anti-Atom Widerstand! Die Gefangenen aus der RAF m\u00fcssen endlich raus! Weg mit der Todesstrafe - Freiheit f\u00fcr Mumia Abu Jamal und Abdullah \u00d6calan!\" Die wenigen Veranstaltungen im Bundesgebiet verliefen bei geringer Beteiligung st\u00f6rungsfrei. Kontakte ins Die Initiative \"Libertad!\" unterh\u00e4lt mittlerweile international gefesAusland tigte Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gruppen, die zu den Themen \"poli-","Linksextremismus 143 tische Gefangene\" und \"staatliche Repression\" arbeiten. Die Einrichtung eines internationalen Netzwerks \u00fcbt auf Gruppen der autonomen/antiimperialistischen Szene eine wachsende Anziehungskraft aus. \"Libertad!\" ist das einzige, seit Jahren kontinuierlich arbeitende politische Projekt, in dem Angeh\u00f6rige des ehemaligen RAF-Umfelds ma\u00dfgeblich in Erscheinung treten. Im Internet verbreitet \"Libertad!\" einen Aufruf gegen die Einf\u00fchrung Agitation gegen der \"Isolationsund Einzelhaftgef\u00e4ngnisse\" in der T\u00fcrkei. In dem den Strafvollzug Aufruf unter dem Motto \"Kein Stammheim am Bosporus\" hei\u00dft es, in der T\u00fcrkei mit der Aufgabe des bisher in der T\u00fcrkei praktizierten Gef\u00e4ngnissystems der Gro\u00dfzelle und dem \u00dcbergang zur europ\u00e4ischen Gef\u00e4ngnisnorm erwarte die politischen Gefangenen dort jetzt das, was die \"wehrhafte Demokratie\" unter anderem in Deutschland schon l\u00e4nger praktiziere: Hochsicherheitstrakte, Isolationsund Einzelhaft. 3.4 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die erstmals im Jahre 1972 in Erscheinung getretenen RZ waren unabh\u00e4ngig voneinander operierende Kleingruppen, die sich als antiimperialistisch und sozialrevolution\u00e4r bezeichneten. Ihre Taktik bestand im Allgemeinen darin, mit Anschl\u00e4gen bei m\u00f6glichst geringem Einsatz und Risiko m\u00f6glichst hohen Sachschaden anzurichten, der nach ihrer Auffassung den betroffenen Einrichtungen bzw. Unternehmen mehr schadet als der Ausfall einer F\u00fchrungsperson. Die Mitglieder agierten aus streng abgeschotteten Zellen heraus. Sie lebten jedoch nicht im Untergrund und waren deshalb auch nicht darauf angewiesen, sich eine konspirative Logistik zu schaffen. Anschl\u00e4ge der RZ bzw. der aus der RZ abgespaltenen Frauengruppe Rote Zora waren seit 1995 nicht mehr zu verzeichnen. Im Rahmen der Ermittlungen des Generalbundesanwalts zu den \"Revolution\u00e4ren Zellen/Rote Zora\" (RZ) in Berlin wurden seit Ende des Jahres 1999 mehrere mutma\u00dfliche Mitglieder der Berliner RZ festgenommen. Festnahmen Zwei Beschuldigte sollen zudem unter anderem am Anschlag auf den damaligen Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Dr. G\u00fcnter Korbmacher, beteiligt gewesen sein, der am 1. September","144 Linksextremismus 1987 in Berlin durch gezielte Pistolensch\u00fcsse am Unterschenkel verletzt wurde. Mit diesen Festnahmen und den weiteren Ermittlungen ist es den Sicherheitsbeh\u00f6rden gelungen, wesentliche Strukturen der seit 1995 inaktiven RZ aufzukl\u00e4ren. Reaktionen auf Die Reaktionen der linksextremistischen Szene auf diese Verfahren die Exekutivwaren relativ gering. Sie beschr\u00e4nkten sich vorwiegend auf Beitr\u00e4ge ma\u00dfnahmen in Szenezeitschriften. Darin wurde versucht, die Geschichte der RZ aufzuarbeiten, aber auch zum Teil massive Kritik am Aussageverhalten von Beschuldigten ge\u00fcbt. Straftaten wurden nur wenige bekannt. So ver\u00f6ffentlichte das autonome Szeneblatt INTERIM in der Ausgabe Nummer 492 vom 27. Januar die Selbstbezichtigung einer \"militanten zelle\" zu einem Anschlag mit z\u00fcndzeitverz\u00f6gerten Brands\u00e4tzen auf die Stromversorgung einer BGS-Einrichtung in der Nacht zum 17. Januar in Berlin-Grunewald. Die T\u00e4ter bezeichneten ihren Anschlag als Reaktion auf die Exekutivma\u00dfnahmen am 19. Dezember 1999 gegen mutma\u00dfliche Angeh\u00f6rige der RZ. Die \"staatsterroristische\" Kampagne gegen die RZ solle offenbar die \"radikale Linke\" einsch\u00fcchtern und militanten Antirassismus, wie die RZ ihn als emanzipatorisches Projekt begr\u00fcndet und praktiziert h\u00e4tten, kriminalisieren. Mehrere RZ-Angeh\u00f6rige wurden strafrechtlich verurteilt. Lebenslange Das Berliner Landgericht verurteilte am 17. Januar den Terroristen Freiheitsstrafe Johannes Weinrich wegen Mordes, f\u00fcnffachen versuchten Mordes f\u00fcr Johannes und Herbeif\u00fchrens einer Sprengstoffexplosion am 25. August 1983 Weinrich auf das Maison de France in Berlin zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Das Gericht erkannte auf die besondere Schwere der Schuld. Bei der Tat waren ein 25-j\u00e4hriger Mann get\u00f6tet und 23 weitere Personen zum Teil schwer verletzt worden. Ein mitangeklagter ehemaliger syrischer Diplomat erhielt wegen Beihilfe eine zweij\u00e4hrige Haftstrafe auf Bew\u00e4hrung. Er hatte sich freiwillig gestellt und gestanden, den f\u00fcr den Anschlag bestimmten, in der syrischen Botschaft in Ost-Berlin gelagerten Sprengstoff an Weinrich \u00fcbergeben zu haben. Das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR hatte die Vorbereitung des Anschlags auf das Maison de France auf dem Territorium der ehemaligen DDR geduldet, obwohl es \u00fcber das Ziel der Vorbereitungen informiert war. Weinrich geh\u00f6rte der internationalen Terrorgruppe um den Venezolaner Carlos an. Die Organisation internationaler Revolution\u00e4re, wie sich die Gruppe um Carlos nannte, verband Kr\u00e4fte und Ziele s\u00fcdamerikanischer, nah\u00f6stlicher, deutscher, japanischer, italienischer und anderer Terrororganisationen.","Linksextremismus 145 Vor dem Frankfurter Landgericht hat am 17. Oktober der Prozess um Strafverfahren den Terroranschlag auf die Wiener OPEC-Konferenz 1975 begonnen. gegen HansDabei sagte der angeklagte Ex-Terrorist Hans-Joachim Klein ausf\u00fchrJoachim Klein lich zu seiner Person und seinen fr\u00fchen Kontakten zur RAF und den RZ sowie seinem Leben vor und nach dem \"OPEC\"-\u00dcberfall aus. Dagegen verweigerte der mitangeklagte Rudolf Schindler zun\u00e4chst jede Aussage. Beiden werden gemeinschaftlich begangener Mord sowie drei Mordversuche vorgeworfen. Klein erkl\u00e4rte, nach dem Hungertod des RAF-Terroristen Holger Meins 1974 habe er sich entschlossen, selbst Anschl\u00e4ge zu ver\u00fcben, und sich den RZ angeschlossen. 1977 hatte sich Klein spektakul\u00e4r vom Terrorismus losgesagt, als er seine Waffen einem deutschen Magazin schickte. Dann hatte er sich \u00fcber 20 Jahre in Frankreich verborgen. Das Kammergericht Berlin verurteilte am 18. Dezember Tarek MohaUrteil gegen Tarek mad Mousli unter anderem wegen Mitgliedschaft in der terroristiMohamed Mousli schen Vereinigung RZ Berlin in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Herbeif\u00fchrung einer Sprengstoffexplosion auf die zentrale Sozialhilfestelle f\u00fcr Asylbewerber am 6. Februar 1987 in Berlin sowie strafbarem Umgang und Verkehr mit explosionsgef\u00e4hrlichen Stoffen zu zwei Jahren Freiheitsstrafe. Die Vollstreckung der Strafe wurde f\u00fcr die Dauer von drei Jahren zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt. Die Bundesanwaltschaft und die Verteidigung verzichteten auf Rechtsmittel.","146 Linksextremismus 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2000 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 600 4.500 Unsere Zeit (UZ) 14 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 10.000 in Kreisund Grundorganisationen Marxistische Bl\u00e4tter 26.09.1968, Essen zweimonatlich, 3.000 Partei des Demokratischen 88.600 Neues Deutschland (ND) Sozialismus (PDS) - PDS-nahe Zeitung - - neuer Name beschlossen werkt\u00e4glich, 70.000 auf SED-Parteitag am DISPUT 16./17.12.1989 -, Berlin monatlich, 11.000 PDS-Pressedienst w\u00f6chentlich, 2.200 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS monatlich, 1.000 PDS Landesverband Bayern 650 TITEL (Informationsforum mit 11 Kreisverb\u00e4nden und (einschlie\u00dflich der PDS Bayern) 29 Basisorganisationen Sympathisanten) unregelm\u00e4\u00dfig, 500 11.09.1990, M\u00fcnchen Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 50 Nordbayerischer Landbote 28.03.1993, F\u00fcrth unregelm\u00e4\u00dfig, 100 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau 100 200 Kommunistische der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 140 2.000 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 7.500 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 lernen u. k\u00e4mpfen (luk) Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte monatlich, 1.000 17./18.06.1982, Essen","Linksextremismus 147 Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2000 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 20 100 Sozialistische Zeitung (SoZ) 24./25.06.1995, K\u00f6ln vierzehnt\u00e4gig, 2.000 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 40 1.000 Sozialismus von unten Frankfurt am Main zweimonatlich, 3.500 Linksruck monatlich, 7.000 Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 (Aktive) 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 50 300 POSITION Arbeiterjugend (SDAJ) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen, 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisation der MLPD: Jugendverband REBELL 20 Rebell - Beilage zur Roten Fahne - 1.3 Beeinflusste Organisationen: DKP-beeinflusst: Vereinigung der Verfolgten des 900 6.200 antifa-rundschau Naziregimes - Bund der Antifaschiviertelj\u00e4hrlich, 7.500 stinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen 15.-17.03.1947, Frankfurt am Main MLPD-beeinflusst: Frauenverband Courage 20 500 Courage viertelj\u00e4hrlich Trotzkistisch beeinflusst: Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 50 300 Vorfeldorganisation der trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative VORAN\" (SAV) 1992, K\u00f6ln","148 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 2000 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa \u00fcber zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 500 6.000 erscheinende Szenebl\u00e4tter wie: radikal, INTERIM; auf lokaler Ebene u.a: barricada davon: Antifaschistische Aktion/Bundes40 unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende weite Organisation (AA/BO) Publikationen, f\u00fcr die die Juli 1992 AA/BO als Herausgeber verantwortlich zeichnet 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflusst M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 40 M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 20 M\u00fcnchen","Ausl\u00e4nderextremismus 149 5. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus Ausl\u00e4ndergruppen werden als extremistisch eingestuft, wenn sie sich Einstufung als gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Dazu extremistisch z\u00e4hlen insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die als Endziel einen islamischen Staat, wie z.B. im Iran, auch in Deutschland errichten und damit wesentliche Grunds\u00e4tze unserer freiheitlichen Verfassung beseitigen wollen. Der gesetzlichen Beobachtung unterliegen auch Gruppierungen, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland erstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Gesamtzahl der Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4ndervereinigunLeicht gestiegene gen erh\u00f6hte sich in Bayern geringf\u00fcgig von 10.400 im Jahre 1999 auf Mitgliederzahl 10.470. Darin eingerechnet sind rund 1.800 Anh\u00e4nger der in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Wie in den Vorjahren stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) mehr als 90 % aller ausl\u00e4nLinksExtreme Islamische Gesamtzahl Mitgliederst\u00e4rke extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4nderKurden 1.950 (2.150) - - - - 1.950 (2.150) organisationen T\u00fcrken 450 (375) 2.100 (2.000) 5.170 (5.170) 7.720 (7.545) in Bayern Sonstige* 350 (245) 80 (90) 370 (370) 800 (705) Gesamtzahl 2.750 (2.770) 2.180 (2.090) 5.540 (5.540) 10.470 (10.400) (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahrs) * Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a.","150 Ausl\u00e4nderextremismus Entwicklung Mitglieder der Mitglie100.000 derzahlen extremistischer 80.000 Ausl\u00e4nder60.000 Deutschland organisationen 58.800 42.980 40.000 20.000 5.000 Bayern 10.470 0 1991 92 93 94 95 96 97 98 99 2000 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Deutschland 30.900 35.000 31.450 Islamische Extremisten 30.000 25.000 18.600 20.000 18.600 15.000 Linksextremisten 10.000 5.000 7.800 Extreme Nationalisten 8.750 0 1996 1997 1998 1999 2000 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern 7.000 5.520 6.000 Islamische Extremisten 5.540 5.000 4.000 2.690 3.000 Linksextremisten 2.750 2.000 1.000 1.490 2.180 Extreme Nationalisten 0 1996 1997 1998 1999 2000","Ausl\u00e4nderextremismus 151 dischen Extremisten in Bayern. \u00dcber die H\u00e4lfte aller ausl\u00e4ndischen Extremisten ist dem islamischen Fundamentalismus zuzurechnen. Im Vergleich zur Bedrohung der Inneren Sicherheit durch militante t\u00fcrkische Linksextremisten und Anh\u00e4nger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bedeutet der islamische Fundamentalismus eine zwar weniger spektakul\u00e4re, langfristig aber gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung, insbesondere im Hinblick auf seine weltweiten Expansionsbestrebungen. Die konsequente Durchsetzung der Vereinsund Bet\u00e4tigungsverbote gegen die PKK und t\u00fcrkische Linksextremisten in Bayern hat sich bew\u00e4hrt; die relativ geringe Zahl von Gewalttaten in Bayern belegt dies. Die weitere strafrechtliche Aufarbeitung der m\u00f6rderischen Auseinandersetzungen beider Fl\u00fcgel der verbotenen Devrimci Sol vor allem in Norddeutschland f\u00fchrt die Brutalit\u00e4t der Anh\u00e4nger dieser verbotenen Organisationen deutlich vor Augen. 1.3 Integrationsfeindlichkeit des islamischen Extremismus Der Islam als Religion und seine Aus\u00fcbung werden nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Beobachtung unterliegen jedoch Gesetzlicher Bestrebungen, die von islamischen Gruppen ausgehen und sich geBeobachtungsgen die freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand auftrag Bayerns bzw. des Bundes richten (islamischer Fundamentalismus), aber auch solche, die durch Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Die im Bundesgebiet aktiven islamisch-extremistischen Gruppierungen wollen die in ihren Heimatl\u00e4ndern bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnungen durch ein auf der Scharia (islamisches Rechtssystem) basierendes islamistisches Gesellschaftssystem ersetzen. Zum Teil streben sie sogar die Errichtung eines antilaizistischen Gottesstaats auf der ganzen Welt an. Die Islamisten gehen davon Weltweites aus, dass mit der Scharia eine alle Lebensbereiche umfassende islamiExpansionsstreben sche Gesellschaftsordnung vorgegeben sei, die es \u00fcberall zu verwirklichen gelte. Ihrer \u00dcberzeugung nach entsprechen die gesellschaftspolitischen Vorstellungen des Islamismus wegen ihres g\u00f6ttlichen Ursprungs als einziges gesellschaftliches System in allen Aspekten vollst\u00e4ndig der menschlichen Natur. Die Trennung von Staat und Religion in westlichen Staaten wird daher nicht nur als \"un-isla-","152 Ausl\u00e4nderextremismus Versto\u00df gegen das misch\" abgelehnt, sondern auch aktiv bek\u00e4mpft. Die Gleichheit der Gleichheitsprinzip Menschen wird verneint. Nur Muslime sind v\u00f6llig rechtsf\u00e4hig und k\u00f6nnen gleiche Rechte haben, sofern diese nicht im Widerspruch zur Scharia stehen. Menschenrechte nach westlichem Verst\u00e4ndnis werden nur zum Teil anerkannt. Die Scharia liefert zudem die Legitimation f\u00fcr unmenschliche Strafen. Intoleranz Der islamische Fundamentalismus ist gepr\u00e4gt von Intoleranz gegen\u00fcber Andersgl\u00e4ubigen. Aufgrund seines Absolutheitsanspruchs fordert er einen aktiven Kampf gegen alle \"Ungl\u00e4ubigen\" und die weltweite Islamisierung, falls n\u00f6tig durch Unterwerfung aller Nichtmuslime. Ablehnung der Westliche Demokratieund Gesellschaftsvorstellungen werden abgeDemokratie lehnt, sofern sie nicht im Einklang mit dem Koran und der Scharia stehen. Dies bedeutet die \u00c4chtung des demokratischen Prinzips der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der Chancengleichheit der Parteien. Ferner gibt es keine Gewaltenteilung, keine Legislative, keine Kontrolle der obersten Staatsgewalt. Eine Eingliederung von Muslimen in demokratische Systeme ist damit wesentlich erschwert. Der islamische Fundamentalismus ist daher zwangsl\u00e4ufig integrationsfeindlich. Islamische fundamentalistische Gruppen wenden sich deshalb massiv gegen eine echte Integration. Sie versuchen, vor allem junge Menschen zu beeinflussen und sie zu einer Ablehnung unserer demokratischen Ordnung und unserer freiheitlichen Gesellschaft zu bewegen. Dazu dienen die privaten Koranschulen extremistischer Organisationen wie auch die Pflicht f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen, Kopft\u00fccher zu tragen. Dies tr\u00e4gt zur bewussten Abgrenzung von westlichen Lebensgewohnheiten bei. Ambivalente Dem Politikverst\u00e4ndnis von Islamisten ist auch ein taktisches Verh\u00e4ltHaltung zur nis zur Frage der Gewaltanwendung immanent. Nach Ansicht islamisGewalt tischer Theoretiker schlie\u00dft der \"Jihad\" (w\u00f6rtlich: Innerer Kampf, Anstrengung oder Heiliger Krieg) als Instrument zur Verwirklichung der islamistischen Gesellschaftsordnung alle zum Sieg verhelfenden Mittel ein. So bef\u00fcrwortet die Mehrzahl der islamistischen Gruppierungen aus dem arabischen Raum Gewaltanwendung als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Die im Bundesgebiet mitgliederst\u00e4rkste islamistische Gruppierung, die t\u00fcrkische \"Islamische Gemeinschaft in Deutschland\" (IGMG), setzt dagegen auf politische Aktivit\u00e4ten zur Ver\u00e4nderung der gesellschaftlichen Ordnungen in der T\u00fcrkei und in Deutschland.","Ausl\u00e4nderextremismus 153 1.4 Entwicklung der Gewalttaten Bundesweit wurden im Berichtszeitraum 116 Gewalttaten mit erwieDeutlicher senem oder zu vermutendem ausl\u00e4nderextremistischem Hintergrund R\u00fcckgang bekannt. Dies entspricht einem R\u00fcckgang von etwa 70 % gegen\u00fcber dem Vergleichszeitraum des Vorjahrs. Die hohe Anzahl von Gewalttaten im Vorjahr ist auf die damaligen Aktionen der Anh\u00e4nger der \"Arbeiterpartei Kurdistans\" (PKK) nach der Festnahme des Vorsitzenden Abdullah \u00d6calan am 15. Februar 1999 zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten von Ausl\u00e4ndern in Bayern ist im Berichtszeitraum von 20 auf drei gesunken. Der Anteil Bayerns liegt damit, bezogen auf die hier lebenden Ausl\u00e4nder, im L\u00e4ndervergleich im unteren Bereich. Ausl\u00e4ndische Extremisten ver\u00fcbten zwei K\u00f6rperverletzungsdelikte zur Unterst\u00fctzung deutscher Linksextremisten bei Gegenaktionen zu NPD-Kundgebungen. Beim dritten Vorfall bezeichneten zwei T\u00fcrken einen Deutschen wegen seiner Glatze als \"Nazi\", schlugen ihn zu Boden und traten ihn mit Stiefeln. Entwicklung der Deutschland Bayern Gewalttaten durch ausl\u00e4ndi391 sche Extremisten 400 350 300 258 250 200 150 116 100 50 20 8 3 0 1998 1999 2000","154 Ausl\u00e4nderextremismus 2. T\u00fcrkische Gruppen 2.1 Islamische Extremisten 2.1.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) Deutschland Bayern Mitglieder: 27.000 5.000 Vorsitzender: Dr. Yusuf Isik (kommissarisch) Gr\u00fcndung: 1985 Sitz: K\u00f6ln Publizistisches Sprachrohr: Milli Gazete (Nationale Zeitung) Islamisch-extremisDie IGMG erstrebt zun\u00e4chst die Abschaffung der laizistischen Staatstische Ideologie ordnung in der T\u00fcrkei zugunsten einer islamischen Staatsund Gesellschaftsordnung mit dem Koran als Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Fernziel ist eine weltweite Islamisierung im Sinn eines doktrin\u00e4ren Islam-Verst\u00e4ndnisses. In Bayern ist die IGMG mit rund 70 Ortsgruppen vertreten. Die Schwerpunkte sind N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Die IGMG ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der seit 1998 in der T\u00fcrkei verbotenen Wohlfahrtspartei (RP) und deren Nachfolgerin, der Tugendpartei (FP). Richtungsstreitigkeiten in der FP zwischen den so genannten \"Erneuerern\" und den \"Traditionalisten\" wirken sich mittlerweile auch auf die IGMG in Deutschland aus. Innerhalb der IGMG-Vereine haben sich bereits gr\u00f6\u00dfere Gruppen gebildet, die offen ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine liberalere und demokratischere Oppositionsgruppe in der FP bekunden. Vor allem j\u00fcngere Mitglieder Interne der IGMG wollen den doktrin\u00e4ren Kurs der RP unter ihrem ehemaliDifferenzen gen Vorsitzenden Prof. Necmettin Erbakan nicht mehr unterst\u00fctzen. Die \u00e4lteren IGMG-Mitglieder bef\u00fcrworten dagegen weiterhin die politische Linie Erbakans. Obwohl die \"Erneuerer\" immer mehr Zustimmung finden, bilden die \"Traditionalisten\" der \u00e4lteren Generation, die beharrlich zum politischen Kurs Erbakans stehen, nach wie vor die Mehrheit. Auch die F\u00fchrung der Tugendpartei (FP) in der T\u00fcrkei und die Verbandsf\u00fchrung der IGMG werden wie bisher von extremistischen Kr\u00e4ften dominiert, die einen totalit\u00e4ren islamistischen Herrschaftsanspruch erheben. Dies wurde auf dem Parteitag der FP am 14. Mai erneut deutlich, wo der bisherige Parteivorsitzende in sei-","Ausl\u00e4nderextremismus 155 ner Funktion best\u00e4tigt wurde, w\u00e4hrend sein der gem\u00e4\u00dfigteren Oppositionsgruppe zuzurechnender Gegenkandidat scheiterte. Im Gegensatz zu anderen islamistischen Organisationen ist die IGMG seit einigen Jahren um ein rechtlich unangreifbares Erscheinungsbild bem\u00fcht. Sie verzichtet fast v\u00f6llig auf agitatorische Aussagen und gibt Taktisch bedingte vor, nur verfassungskonforme Ziele zu verfolgen. So behauptet die Zur\u00fcckhaltung Organisation in letzter Zeit zunehmend die Bereitschaft ihrer Mitglieder zur Integration in die deutsche Gesellschaft und versichert, sie werde das Grundgesetz achten. Zweifel an der Ernsthaftigkeit solcher \u00c4u\u00dferungen sind dennoch begr\u00fcndet. Die IGMG l\u00e4sst nach wie vor ein vorbehaltloses Bekenntnis zur bestehenden Rechtsund Gesellschaftsordnung vermissen und macht die Integrationsbereitschaft von der Gew\u00e4hrung \"uneingeschr\u00e4nkter\" Religionsfreiheit abh\u00e4ngig. Sie ist also \u00fcberzeugt, dass ihre mit wesentlichen Prinzipien des Grundgesetzes kollidierenden islamistischen Bestrebungen als vom Grundgesetz gesch\u00fctzte Religionsaus\u00fcbung zu gelten haben. Ihr Streben nach verpflichtender Anerkennung von Koran und Scharia steht damit in unl\u00f6slichem Widerspruch zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Trotz taktisch motivierter anders lautender Erkl\u00e4rungen hat sich die Grundhaltung der IGMG also nicht ge\u00e4ndert. Bereits im November 1999 hatte die IGMG als neue Strategie propagiert, den Westen mit den eigenen Waffen zu schlagen. Man wolle sich in Zukunft nach au\u00dfen pro-westlich und pro-amerikanisch geben sowie f\u00fcr Menschenrechte und Religionsfreiheit eintreten. In den Ortsvereinen selbst solle dagegen die Ideologisierung und Abschottung verst\u00e4rkt werIntegrationsden. In Umsetzung dieser Strategie pflegt die IGMG inzwischen Konfeindlichkeit takte zu Politikern demokratischer Parteien, zu politischen Stiftungen und Personen des \u00f6ffentlichen Lebens. Obwohl sie sich sogar einer begrenzten Anpassung an die Lebensverh\u00e4ltnisse in Deutschland widersetzt, empfiehlt sie ihren Mitgliedern den Erwerb der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft wegen des damit verbundenen Wahlrechts. Auch diese Empfehlung ist kein Indiz f\u00fcr Integrationsbereitschaft, sondern Teil der von der IGMG verfolgten Strategie zur Durchsetzung ihrer islamistischen Positionen im gesellschaftlichen Leben der Bundesrepublik Deutschland. Am 3. Juni hielt die IGMG in K\u00f6ln ihre 6. Generalversammlung ab. Jahreskongress Daran beteiligten sich knapp 30.000 Besucher aus dem Inund Ausland. Der fr\u00fchere t\u00fcrkische Ministerpr\u00e4sident und ehemalige RP-Vorsitzende Prof. Necmettin Erbakan war als Ehrengast anwesend. Trans-","156 Ausl\u00e4nderextremismus parente enthielten Aufschriften wie \"Demokratie ja, aber bitte auch f\u00fcr uns\" und \"Wo bleibt die Gleichstellung mit den Christen?\". Im Vergleich zum Vorjahrestreffen, zu dem rund 40.000 Personen erschienen waren, fand die diesj\u00e4hrige Veranstaltung weniger Resonanz. Die IGMG begr\u00fc\u00dfte das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. Februar, das der \"Islamischen F\u00f6deration\" Berlin die Abhaltung islamischen Unterrichts an \u00f6ffentlichen Schulen gestattet. Auch die \"Islamische F\u00f6deration\" unterh\u00e4lt enge Verbindungen zur t\u00fcrkischen Tugendpartei (FP). So sprach eine fr\u00fchere FP-Abgeordnete, die wegen Versto\u00dfes gegen das Kopftuchverbot ihren Parlamentssitz in Ankara verlor, im Fr\u00fchjahr 2000 in Hessen auf einer Veranstaltung der \"Islamischen F\u00f6deration\". Die IGMG-Zentrale in K\u00f6ln rief wie im Vorjahr zu Spendenaktionen Emblem auf, so z.B. f\u00fcr hilfsbed\u00fcrftige Muslime in Tschetschenien und Pal\u00e4sder IGMG tina. Ferner organisierte die IGMG eine Unterst\u00fctzungskampagne f\u00fcr Prof. Necmettin Erbakan, den das t\u00fcrkische Staatssicherheitsgericht im M\u00e4rz wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe und einem lebenslangen Verbot der politischen Bet\u00e4tigung verurteilt hatte. Am 14. Oktober f\u00fchrte die IGMG das \"5. Jugendund Kulturfest\" in Essen durch. Daran beteiligten sich rund 5.000 Personen, darunter etwa 2.000 Frauen. Als Gastredner trat der ehemalige Justizminister der Regierung Erbakan/Ciller auf, der in seinem Vortrag die Juden f\u00fcr die angespannte Wirtschaftslage der T\u00fcrkei verantwortlich machte. 2.1.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.100 170 Vorsitzender: Metin Kaplan Gr\u00fcndung: 1984 Sitz: K\u00f6ln Publikation: \u00dcmmet-i Muhammed (Die Gemeinde Mohammeds) Der Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) ist eine am \"F\u00fchrerprinzip\" orientierte, streng hierarchisch gegliederte Organisation. Sein Endziel ist die Weltherrschaft des Islam unter dem Kalifat seines Anf\u00fchrers Metin Kaplan. Als erste Stufe auf dem Weg zu diesem Ziel wird der Gewaltgewaltsame Sturz des laizistischen Regierungssystems in der T\u00fcrkei bereitschaft angestrebt. Der Kalifatsstaat lehnt Demokratie und jede Trennung","Ausl\u00e4nderextremismus 157 von Politik und Religion strikt ab. Mit Aufrufen zum gewaltsamen Vorgehen gegen den t\u00fcrkischen Staat beeintr\u00e4chtigt der Verband ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Der islamistische Alleinvertretungsanspruch des Kalifatsstaats, sein Antisemitismus und seine Gewaltbereitschaft gef\u00e4hrden die Innere Sicherheit. Mit Nachdruck wendet sich der Kalifatsstaat gegen die Integration t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger in die deutsche Gesellschaft. In Bayern existieren Ortsgruppen unter anderem in Ingolstadt, Augsburg und N\u00fcrnberg. Das Vereinsleben vollzieht sich in kleinen abgeschotteten Zirkeln, zu denen fremde Personen keinen Zugang haben. Mit seiner totalen Abgrenzungsstrategie gegen\u00fcber anderen islamistischen bzw. islamischen Organisationen sowie seinen militanten Aussagen hat sich der Kalifatsstaat selbst in muslimischen Kreisen isoliert. Isolation Der \"Treue-Eid\", auf den alle Anh\u00e4nger nach eigenen Angaben des Verbands vereidigt sind, belegt, dass viele von ihnen auf Gehei\u00df ihres selbst ernannten \"Kalifen\" auch zu Gewalttaten bereit sind. Er lautet: \"Unser Hodscha! Vor den Augen Allahs schw\u00f6ren wir, dass wir - solange du die im Koran und in den Ausspr\u00fcchen Mohammeds formulierten Vorschriften beachtest - deine Befehle, ungeachtet dessen, ob sie uns gefallen, ausf\u00fchren werden, auch wenn die Ausf\u00fchrung dieser Befehle uns den Tod oder eine Gef\u00e4ngnisstrafe bringen w\u00fcrde.\" Der Verband betreibt einen intensiven M\u00e4rtyrerkult. In der Zeitung M\u00e4rtyrerkult \"\u00dcmmet-i Muhammed\" vom 31. August wird unter anderem ausgef\u00fchrt, es sei der Wunsch eines jeden Muslim, f\u00fcr Allah und seinen Weg M\u00e4rtyrer zu sein. Dieser Wunsch sei sauber, klar und ehrenhaft. Diejenigen, die sich f\u00fcr Allah einsetzten und f\u00fcr ihn k\u00e4mpften, seien die besten Menschen und ehrenhaft. Die Seelen, die durch den M\u00e4rtyrertod entstanden seien, seien die saubersten und gr\u00f6\u00dften. Wer sich f\u00fcr Allah opfere, sei nicht tot. Er sei ein M\u00e4rtyrer. Es sei nicht richtig, die M\u00e4rtyrer als Tote zu bezeichnen. Wer im Kampf f\u00fcr Allah nicht sterbe, m\u00fcsse Allahs Fahne weiterhin tragen. Dieser M\u00e4rtyrerkult wird mit dem Ziel eines baldigen Umsturzes in der T\u00fcrkei verbunden, der den \u00dcbergang zu einer als Ideal gedachten islamischen Ordnung bringen soll. Die \"\u00dcmmet-i Muhammed\" vom 17. August f\u00fchrt hierzu aus: \"Muslime m\u00fcssen sich, nachdem sie sich dem Kalifatsstaat angeschlossen haben, anschicken, ihre mit dem Jihad zusammenh\u00e4ngende Pflicht zu","158 Ausl\u00e4nderextremismus erf\u00fcllen. W\u00e4hrend das Leid der Muslime allm\u00e4hlich ein Ende findet, l\u00e4uft die Zeit der Ungl\u00e4ubigen, der Hochn\u00e4sigen und der Unterdr\u00fccker unwiederbringlich ab!\" Verurteilung von Am 15. November verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf Metin Kaplan Metin Kaplan wegen \u00f6ffentlicher Aufforderung zu Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Kaplan seine Anh\u00e4nger zweimal \u00f6ffentlich zur T\u00f6tung eines Widersachers - des \"Gegenkalifen\" Halil Ibrahim Sofu - aufgefordert hatte. Sofu war in der Nacht zum 8. Mai 1997 von drei maskierten Personen in Berlin erschossen worden. Unter Berufung auf eine Aussage des Propheten Mohammed hatte Kaplan am 1. September 1996 ge\u00e4u\u00dfert: \"(...) wenn ein zweiter Kalif auftaucht, w\u00e4hrend es bereits einen Kalifen gibt, schlagt dem zweiten Kalifen den Hals ab.\" Der Mitangeklagte Hasan Basri G\u00f6kbulut wurde in Abwesenheit zu einer dreij\u00e4hrigen Freiheitsstrafe verurteilt. Ein dritter Angeklagter wurde freigesprochen, da ihm eine Beteiligung an strafbaren Handlungen nicht nachgewiesen werden konnte. Mit seinem Freispruch entfiel auch f\u00fcr die beiden anderen Angeklagten der Vorwurf der Mitgliedschaft bzw. R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer kriminellen Vereinigung. G\u00f6kbulut, der Stellvertreter Kaplans, der nicht in Untersuchungshaft war, ist seit dem 24. Oktober nicht mehr zu den Verhandlungen erschienen. Er h\u00e4lt sich versteckt und wird mit Haftbefehl gesucht. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Solidarisierung Das Verbandsorgan \"\u00dcmmet-i Muhammed\" protestierte regelm\u00e4\u00dfig mit dem angegegen Kaplans Verhaftung, die von seinen Anh\u00e4ngern als Angriff auf klagten \"Kalifen\" den Islam gewertet wird, und kommentierte den Prozess ausf\u00fchrlich. Seine Anh\u00e4nger solidarisierten sich mit ihm durch h\u00e4ufige Teilnahme an den Verhandlungsterminen. Den H\u00f6hepunkt der Solidarit\u00e4tskampagne bildete eine Kundgebung am 6. November in D\u00fcsseldorf. Der Verband konnte zu dieser Demonstration 4.000 Personen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, mobilisieren. In seinen Prozesserkl\u00e4rungen vertrat Kaplan unver\u00e4ndert die Ideologie des Kalifatsstaats. Danach ist der Islam \"sowohl eine Religion als auch ein Staat, sowohl die Gottesverehrung als auch die Politik: Der Islam ist niemals mit der Demokratie vereinbar! Kurzum l\u00e4uft das demokratische Regime im Kern, im Grunde und Endergebnis dem Islam zuwider, sogar im h\u00f6chsten Ma\u00dfe.\"","Ausl\u00e4nderextremismus 159 Auch am Ziel eines Umsturzes in der T\u00fcrkei h\u00e4lt der Verband weiter Unver\u00e4nderte fest. Der Mitangeklagte Hasan Basri G\u00f6kbulut forderte die R\u00fcckgabe Zielsetzung und Anatoliens an die Muslime: Gef\u00e4hrlichkeit \"Anatolien, dieses Land geh\u00f6rt uns! (...) Es ist nicht m\u00f6glich, dass in einem islamischen Land ein System herrscht, welches nicht dem religi\u00f6sen Glauben der Menschen entspricht, die die eigentlichen Besitzer dieses Landes sind. (...) Dieses Land steht uns zu! Es geh\u00f6rt uns! Wir verlangen lediglich das, was uns zusteht. Wir sind im Recht - in jeder Hinsicht! Niemand darf uns dieses Recht nehmen.\" Die \u00f6ffentlichen Aktionen w\u00e4hrend des Prozesses verliefen weitgehend friedlich. Dieses Verhalten diente dazu, Kaplan als Opfer einer religionsfeindlichen Intrige deutscher und t\u00fcrkischer Beh\u00f6rden erscheinen zu lassen. F\u00fcr die Zeit seiner Gef\u00e4ngnisstrafe wird diese taktische Zur\u00fcckhaltung wohl beibehalten werden. Die Gef\u00e4hrlichkeit der Organisation h\u00e4lt jedoch unvermindert an. Der Verband steht auch im Verdacht, 1998 terroristische Anschl\u00e4ge in der T\u00fcrkei unter anderem in Ankara und Istanbul geplant zu haben. Diese Anschl\u00e4ge, zu denen mehrere Attent\u00e4ter aus Deutschland angereist sein sollen, konnten von t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften vereitelt werden. Gegen den am 26. Januar 1999 vom Landgericht Augsburg ebenfalls wegen seines Aufrufs zur T\u00f6tung des Dissidenten Halil Sofu zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilten bayerischen Gebietsverantwortlichen des Kalifatsstaats, Hasan Pala, verh\u00e4ngte die Stadt Augsburg am 1. August ein Verbot der politischen Bet\u00e4tigung und Ausl\u00e4nderrechtbeschr\u00e4nkte sein Aufenthaltsrecht auf das Stadtgebiet. liche Ma\u00dfnahmen 2.2 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.800 2.000 Vorsitzender: Cemal Cetin Gr\u00fcndung: 1978 Sitz: Frankfurt am Main Publikation: T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni Die AD\u00dcTDF ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der extrem nationalistischen t\u00fcrkischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), die","160 Ausl\u00e4nderextremismus eine Gro\u00dft\u00fcrkei nach osmanischem Vorbild propagiert. Eigenen AnNationalistische gaben zufolge versteht sich der Verband als eine Bewegung nationaIdeologie listischer T\u00fcrken, deren Hauptanliegen die Integrit\u00e4t des Landes ist. Alle pers\u00f6nlichen Belange m\u00fcssten den Interessen des Volkes untergeordnet und die t\u00fcrkische Fahne, die die Farbe des Blutes der M\u00e4rtyrer der AD\u00dcTDF trage, hochgehalten werden. Die F\u00fchrung der AD\u00dcTDF bekennt sich offen zu ihrer Leitfigur Alparslan T\u00fcrkes, dem 1997 verstorbenen langj\u00e4hrigen MHP-Vorsitzenden. Die Anh\u00e4nger der AD\u00dcTDF werden h\u00e4ufig auch als \"Graue W\u00f6lfe\" bezeichnet. Ihr Erkennungszeichen ist ein mit f\u00fcnf Fingern stilisierter Wolfskopf. In Bayern sind dem Verband rund 25 Vereine zurechenbar. Bislang hatte sich die AD\u00dcTDF in ihren Verlautbarungen gem\u00e4\u00dfigt gegeben. Ansatzweise war zwar mitunter eine \u00dcberbewertung des \"Volksganzen\" unter Zur\u00fccksetzung der Interessen des Individuums feststellbar; eindeutig gegen den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtete \u00c4u\u00dferungen wurden jedoch in der Regel vermieden. In letzter Zeit weisen die Aussagen der AD\u00dcTDF und ihrer Untergliederungen eine Versch\u00e4rfte st\u00e4rkere Ausrichtung zum Rassismus, extremen Nationalismus und Diktion zum Gro\u00dfmachtstreben, verbunden mit der Herabsetzung ethnischer Minderheiten, auf: \"Von Anbeginn der t\u00fcrkischen Geschichte haben wir andere V\u00f6lker unter unsere Herrschaft gebracht. Als Herrenrasse haben wir Menschen, die nicht zu unserer Rasse geh\u00f6ren, viel von unserer Lebensart gelehrt. (...) Dort, wo unsere Herrschaft lang andauernd war, wurden fremde Rassen t\u00fcrkisiert und islamisiert. Somit hat unsere Herrenrasse im Laufe der Zeit die Minderheiten assimiliert. (...) In jeder Zeit gab es defekte Rassen, die nichts besseres zu tun hatten, als den T\u00fcrken zu schaden. Diese Rassen sind behindert und erhalten ihre Befehle von wo anders.\" (Der stellvertretende AD\u00dcTDF-Vorsitzende Fikret Kumru in T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni Nummer 23) Die AD\u00dcTDF propagiert unverhohlen territoriale Anspr\u00fcche auf die urspr\u00fcnglich zentralasiatische Heimat der T\u00fcrken: \"Wenn man eine Linie von Moskau nach Peking und von dort nach Teheran zieht und diese miteinander verbindet, wird ein Dreieck sichtbar, das alle oberund unterirdischen Sch\u00e4tze des T\u00fcrkentums beinhaltet.\" (T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni, Ausgabe Nummer 23 vom Juni 2000)","Ausl\u00e4nderextremismus 161 Zielobjekt der AD\u00dcTDF ist aber auch Europa. Das Bundesvorstandsmitglied Cevat Sanli erkl\u00e4rte vor dem F\u00fcrther AD\u00dcTDF-Verein im Oktober: \"Da Deutschland eine wichtige Funktion in der EU inne hat, sind die T\u00fcrken dann in der Lage, auf Europa Einfluss zu nehmen. Das Ziel der AD\u00dcTDF ist, die einzige und gr\u00f6\u00dfte t\u00fcrkische Einrichtung in Europa zu werden.\" Zur Mitgliederwerbung ist die AD\u00dcTDF auch in zahlreichen Sportund Elternvereinen t\u00e4tig, die vorgeben, keine politischen Ziele zu haben. Jugendliche werden f\u00fcr Ordnerdienste herangezogen und fr\u00fchJugendarbeit zeitig als Vereinsfunktion\u00e4re in die politische Arbeit integriert. Der von der AD\u00dcTDF propagierte Nationalismus gibt vielen t\u00fcrkischen Jugendlichen ein \"Wir\"-Gef\u00fchl gegen\u00fcber der deutschen Gesellschaft. In den Ortsvereinen wurde die Funktion des \"Jugendvorsitzenden\" geschaffen. W\u00f6chentlich finden f\u00fcr Jugendliche politische Seminare statt, deren Zweck bereits 1998 auf einer Funktion\u00e4rsfortbildung wie folgt erl\u00e4utert wurde: \"Nach dem Milit\u00e4rputsch 1980 fanden manche unserer Kampffreunde zuviel Ruhe und verga\u00dfen die eigentliche Sache. Ihr m\u00fcsst wissen: An erster Stelle kommt die MHP, an die zweite Stelle die Doktrin und an dritter Stelle die Vereine. Ger\u00fcchte und Kritik vernichten die Doktrin und das ist letztendlich der Grund, warum eine Organisation vernichtet wird. Deshalb darf es keine Kritik an dem Vorsitzenden der MHP, der Doktrin und an den Vereinen geben.\" Auf derselben Veranstaltung erkl\u00e4rte das AD\u00dcTDF-F\u00fchrungsmitglied Mikat Sen: \"Die Europa-T\u00fcrken werden Minderheitenrechte bekommen, z.B. automatischen Sitz im Parlament. Somit wird sichergestellt, dass die Rechte der T\u00fcrken in den Parlamenten immer vertreten werden. T\u00fcrken bleiben immer T\u00fcrken!\" Die AD\u00dcTDF lehnt die Erteilung islamischen Religionsunterrichts in deutscher Sprache ab, da sie diesen Unterricht in ihren eigenen Vereinen in t\u00fcrkischer Sprache anbieten kann. Der Fanatismus der Fanatismus AD\u00dcTF wird an einem Gedicht deutlich, das der Augsburger AD\u00dcTDF-Verein im Mai in seiner Zeitschrift \"Turan\" ver\u00f6ffentlichte: \"Du bist es, der die Fahne mit heiligem Blut tr\u00e4nkt. (...) Du bist der junge Osmane, der am Tor von Bagdad ber\u00fchmt geworden ist. (...)","162 Ausl\u00e4nderextremismus Du bist der, der einen mit 3.000 Persern besetzten Palast mit 40 Grauen W\u00f6lfen \u00fcberfallen hat. (...) Du bist das Kind einer ehrenvollen Nation, die Gott meine Armee genannt hat und in drei Erdteilen und auf sieben Meeren den Jihad gef\u00fchrt hat. Du bist der Graue Wolf, dessen Feind in der heutigen Welt nur aus diesem Grund ein jeder ist. Du bist T\u00fcrke, das ist richtig, aber vergiss nicht: Du bist Muslim.\" Diese \u00c4u\u00dferungen zeigen, dass die AD\u00dcTDF nach Dominanz strebt Integrationsund einer echten Integration der T\u00fcrken wie auch der Muslime in die feindlichkeit deutsche Gesellschaft ablehnend gegen\u00fcbersteht. Zwar r\u00e4t sie ihren Mitgliedern, die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit anzunehmen, Motiv hierf\u00fcr sind aber nur die damit verbundenen gr\u00f6\u00dferen Einflussm\u00f6glichkeiten. GewaltTeile der AD\u00dcTDF scheuen auch vor Gewaltanwendung nicht zur\u00fcck. bereitschaft So verurteilte das Landgericht K\u00f6ln am 4. August 1999 zwei Mitglieder des AD\u00dcTDF-Vereins in K\u00f6ln-Nippes wegen gewaltsamer Eintreibung von Spenden zu Haftstrafen. Strafmildernd bewertete das Gericht, dass die T\u00e4ter im Auftrag der AD\u00dcTDF gehandelt hatten. Nach wie vor bestehen zwischen der AD\u00dcTDF und linksextremistischen T\u00fcrken erhebliche Spannungen, die mitunter in Gewalt ausarten. Am 9. Dezember kam es in Rotterdam anl\u00e4sslich einer Demonstration t\u00fcrkischer Linksextremisten gegen die Haftbedingungen in der T\u00fcrkei zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. Dabei t\u00f6teten Anh\u00e4nger der \"Grauen W\u00f6lfe\" eine Person und verletzten eine zweite Person schwer. 2.3 Linksextremisten 2.3.1 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.000 140 Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei (in Deutschland seit 1983 verboten) Die Organisation ist gespalten in: Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) (beide Gruppierungen in Deutschland seit 1998 verboten)","Ausl\u00e4nderextremismus 163 Die 1978 gegr\u00fcndete und 1983 in Deutschland verbotene revolutioRevolution\u00e4re n\u00e4r-marxistische Devrimci Sol versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tZielsetzung zen des Marxismus-Leninismus ausgerichtete Volksbewegung. Sie z\u00e4hlt zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates zielen und in der T\u00fcrkei terroristisch aktiv sind. Seit 1993 ist die Devrimci Sol in den \"Karatas-Fl\u00fcgel\", aus dem die 1994 in Syrien gegr\u00fcndete Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) hervorging, und den \"Yagan-Fl\u00fcgel\", aus dem sich die T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) entwickelte, gespalten. Das Bundesministerium des Innern hat am 13. August 1998 gegen die DHKP-C als Ersatzorganisation der Devrimci Sol ein Vereinsverbot und gegen die THKP-C Devrimci Sol ein Bet\u00e4tigungsverbot ausgesprochen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden in Deutschland waren schon bisher davon ausgegangen, dass beide Gruppierungen als Teile der Devrimci Sol verboten sind. Das Bundesverwaltungsgericht in Berlin wies am 1. Februar die Klage Bestandskr\u00e4ftiges der Revolution\u00e4ren Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) gegen das Verbot im August 1998 vom Bundesministerium des Innern verh\u00e4ngte Organisationsverbot ab. \u00d6rtliche Schwerpunkte der DHKP-C mit insgesamt rund 130 Anh\u00e4ngern in Bayern bestehen in Aschaffenburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg; f\u00fcr die THKP-C Devrimci Sol sind in Bayern nur Einzelmitglieder aktiv. Die Reform des t\u00fcrkischen Strafvollzugs, insbesondere das Ersetzen von Massenzellen durch Zellen westlichen Standards, war Ursache von heftigen und auch gewaltt\u00e4tigen Protesten in der T\u00fcrkei und H\u00e4ftlingsrevolte auch in Deutschland. Den H\u00f6hepunkt erreichten die Proteste mit in der T\u00fcrkei einer Gef\u00e4ngnisrevolte im Dezember. Zahlreiche DHKP-Cund TKP/ML-H\u00e4ftlinge f\u00fchrten zudem ein \"Todesfasten\" durch. Die t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4fte beendeten die H\u00e4ftlingsrevolte am 22. und 23. Dezember gewaltsam. Dabei kamen 28 Menschen, darunter zwei t\u00fcrkische Polizeibeamte, ums Leben. Die DHKP-C bildete zusammen mit der t\u00fcrkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) und der T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) das Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen Gefange-","164 Ausl\u00e4nderextremismus nen in der T\u00fcrkei (DETUDAK), um gegen die t\u00fcrkische Strafvollzugsreform zu protestieren. Mittlerweile nimmt die DHKP-C bei diesem B\u00fcndnis nur noch eine untergeordnete Rolle ein. Wie die der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) nahe stehende t\u00fcrkische Tageszeitung \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" meldete, plant das DETUDAK auch weiterhin Protestveranstaltungen. Dazu \u00e4u\u00dferte das Komitee im Internet, der Einf\u00fchrung von Einzelzellen durch den faschistischen t\u00fcrkischen Staat k\u00f6nne allein mit einer opferbereiten \"Kampfliga\" begegnet werden. Weiter erkl\u00e4rten die Verfasser: \"Heute k\u00fcndigen wir dem Imperialismus und seinen kollaborierenden Knechten ein weiteres Mal an, dass wir in einer ihnen verst\u00e4ndlichen Sprache antworten werden. Wir sind entschlossen. Wir werden nicht davor zur\u00fcckscheuen, jeglichen Preis zu zahlen. Wir werden sterben, aber nicht in die Isolationszellen gehen.\" Dominierend ist die DHKP-C in dem \"Kampfkomitee gegen Isolationshaft\" (IKM), das eigens f\u00fcr die Kampagne gegen die \u00c4nderungen im t\u00fcrkischen Strafvollzug gebildet wurde. Zu den Aktivit\u00e4ten des B\u00fcndnisses z\u00e4hlen Spendenkampagnen und Unterschriftenaktionen wie \"100.000 mal Nein gegen Isolationszellen!\". Protestaktionen Im Rahmen der Kampagne gegen die Haftbedingungen der politigegen den Strafschen H\u00e4ftlinge in der T\u00fcrkei und deren Verlegung in Einzelzellen vollzug in der f\u00fchrte die DHKP-C europaweit zahlreiche Aktionen durch. Ihren T\u00fcrkei H\u00f6hepunkt erreichte die Kampagne gegen Ende des Jahres. Etwa 25 Anh\u00e4nger der DHKP-C er\u00f6ffneten am 3. November mit einer unangemeldeten Kundgebung vor dem t\u00fcrkischen Generalkonsulat in H\u00fcrth bei K\u00f6ln diese Solidarit\u00e4tskampagne f\u00fcr die in t\u00fcrkischen Haftanstalten hungerstreikenden \"politischen Gefangenen\". Drei Tage sp\u00e4ter traten in K\u00f6ln ebenfalls Anh\u00e4nger der DHKP-C in einen Hungerstreik. In Regensburg versammelten sich am 8. Dezember zehn Mitglieder des DETUDAK und traten ebenfalls in den Hungerstreik, um auf das Schicksal der politischen H\u00e4ftlinge in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen aufmerksam zu machen. Um die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Problematik der t\u00fcrkischen \"Ein-Zellen-Gef\u00e4ngnisse\" aufzukl\u00e4ren und den Hungerstreik propagandistisch zu unterst\u00fctzen, rief die DHKP-C ihre Anh\u00e4nger vom 7. bis 11. Dezember zu bundesweiten \"Fackelm\u00e4rschen\" auf. In der Zeit vom 11. bis 21. Dezember veranstalteten die DHKP-C und das DETUDAK in D\u00fcsseldorf, Hamburg, Duisburg, Frankfurt am Main, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg Demonstrationen, an denen bis zu 1.600 Personen teilnahmen.","Ausl\u00e4nderextremismus 165 Der Kampf gegen den \"Imperialismus\" bildet seit Jahren einen Agitationsthema Schwerpunkt der Agitation der Revolution\u00e4ren Volksbefreiungsfront \"Imperialismus\" (DHKC), des milit\u00e4rischen Arms der DHKP-C. Aktuelle Ereignisse werden in zum Teil aggressiver Form thematisiert und f\u00fcr propagandistische Zwecke genutzt. Die DHKC verbreitet seit Anfang Oktober zwei Flugschriften, in denen sie ihre Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk bekundet. F\u00fcr den Nahost-Konflikt macht die DHKC ausschlie\u00dflich Israel verantwortlich. Die Organisation droht, Israel werde f\u00fcr jedes Massaker Rechenschaft ablegen m\u00fcssen. Die Flugbl\u00e4tter enden mit der Bekr\u00e4ftigung: \"Wir sind auf der Seite unserer pal\u00e4stinensischen Freunde, es lebe der Freiheitskampf des pal\u00e4stinensischen Volkes.\" Am 17. Januar besetzten DHKP-C-Anh\u00e4nger in Berlin und Stuttgart zwei Tage lang die Bundesund Landesgesch\u00e4ftsstelle der PDS. Die PDS tolerierte dieses Vorgehen. Die Anh\u00e4nger der DHKP-C protestierten damit gegen die Haftbedingungen eines am 29. November 1999 vom Oberlandesgericht Hamburg wegen Mordes und versuchter Geiselnahme zu lebenslanger Haft verurteilten Gesinnungsgenossen, der sich im Hungerstreik befand. Am 19. Januar st\u00f6rten DHKP-C-Anh\u00e4nger eine Sitzung der Hamburger B\u00fcrgerschaft, um ihre Unterst\u00fctzung des Hungerstreiks zum Ausdruck zu bringen. Am 25. Januar besetzten DHKP-C-Aktivisten die R\u00e4ume des Goethe-Instituts in London. Zu weiteren Aktionen kam es in Wolfsburg, Hamburg, K\u00f6ln, Duisburg und Ulm. Am 31. Januar brach der Inhaftierte seinen Hungerstreik ab. Damit endeten auch die Solidarit\u00e4tsaktionen. Seit 1997 wurden bei Exekutivma\u00dfnahmen in Deutschland und im Erhebliche benachbarten Ausland mehr als ein Dutzend F\u00fchrungsfunktion\u00e4re Schw\u00e4chung und Aktivisten der DHKP-C festgenommen und zu meist hohen Freidurch Exekutivheitsstrafen verurteilt. Diese Ma\u00dfnahmen, aber auch die schwierige ma\u00dfnahmen und finanzielle Lage, haben die DHKP-C bereits zur Aufgabe einiger B\u00fcros Strafverfahren und St\u00fctzpunkte gezwungen und die Organisation in ihrem logistischen Aktionspotenzial enorm geschw\u00e4cht. Am 12. April verurteilte das Oberlandesgericht Hamburg den fr\u00fcheren Stuttgarter Gebietsverantwortlichen der DHKP-C wegen Verabredung zum Totschlag zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren. Wegen desselben Delikts verurteilte das Gericht einen weiteren Funktion\u00e4r zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Die beiden Verurteilten waren Mitglieder eines \"Rachetrupps\", der aufgestellt wurde, nachdem Mitglieder einer rivalisierenden Gruppierung am","166 Ausl\u00e4nderextremismus 9. August 1997 einen Anschlag auf einen DHKP-C-Aktivisten ver\u00fcbt hatten. Ihrem Auftrag gem\u00e4\u00df planten die Verurteilten daraufhin Anschl\u00e4ge auf Anh\u00e4nger der rivalisierenden Gruppe. Ein Strafgericht in Paris verk\u00fcndete am 26. April die Urteile gegen 24 Mitglieder der DHKP-C, denen Bandenbildung zur Ver\u00fcbung terroristischer Aktionen vorgeworfen wurde. 20 Aktivisten wurden zu Freiheitsstrafen zwischen 18 Monaten und acht Jahren verurteilt. Der fr\u00fchere Deutschlandund Europaverantwortliche der Organisation, der bereits am 17. Februar 1999 durch das Oberlandesgericht Hamburg zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt worden war und derzeit seine Strafe in Deutschland verb\u00fc\u00dft, erhielt zus\u00e4tzlich eine Freiheitsstrafe von acht Jahren und ein Aufenthaltsverbot f\u00fcr Frankreich. Am 8. Juni verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main zwei DHKP-C-Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz zu Freiheitsstrafen von drei Jahren und drei Monaten bzw. zwei Jahren und neun Monaten. Bei der Festnahme der beiden im Rahmen einer Verkehrskontrolle wurden in dem Fahrzeug unter anderem eine tschechische Maschinenpistole mit Magazin und 25 Schuss Munition sowie Propagandamaterial gefunden. Am 11. Juli wurde in Bielefeld ein mutma\u00dflicher F\u00fchrungsfunktion\u00e4r der DHKP-C wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen. Er ist dringend verd\u00e4chtig, von November 1996 bis August 1999 zur F\u00fchrungsgruppe der DHKP-C in Deutschland geh\u00f6rt zu haben. Nach der Leitung der Gebiete Dortmund, Duisburg und Berlin soll er ab August 1999 die F\u00fchrung der Organisation in Frankreich \u00fcbernommen haben. Ihm wird vorgeworfen, als Gebietsverantwortlicher in Deutschland die Parteiarbeit vor Ort organisiert und in diesem Zusammenhang die Anweisung gegeben zu haben, Spenden notfalls gewaltsam einzutreiben und Abweichler zu bestrafen. Die Oberlandesgerichte Hamburg und Celle verurteilten in mehreren Verfahren am 24. Februar, 11. April, 13. Dezember und 5. Januar 2001 mehrere zum Teil hochrangige Funktion\u00e4re und Mitglieder der DHKP-C wegen R\u00e4delsf\u00fchrerschaft bzw. Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu Freiheitsstrafen bis zu sechs Jahren und sechs Monaten. Dar\u00fcber hinaus konnte die Polizei weitere Funktion\u00e4re der DHKP-C unter anderem in Bochum und Bielefeld","Ausl\u00e4nderextremismus 167 am 13. Mai bzw. 11. Juli festnehmen. Ihnen wird unter anderem ebenfalls Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. 2.3.2 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.800 160 Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) Partizan-Fl\u00fcgel Die TKP/ML vertritt die Ideologie des Marxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt Revolution\u00e4rum die Ideen Mao Tse-tungs. Sie betont den bewaffneten Kampf als marxistische Grundform ihres Handelns und ist davon \u00fcberzeugt, dass der einzige Ideologie Weg zur Befreiung des t\u00fcrkischen Volkes \u00fcber den bewaffneten Volkskrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer Volksregierung f\u00fchrt. Ihr milit\u00e4rischer Zweig ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Die Entwicklung der TKP/ML ist seit Ende der 70er Jahre durch eine Zahlreiche Vielzahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. In Abspaltungen Deutschland organisierten sich die Anh\u00e4nger der TKP/ML in der 1976 gegr\u00fcndeten F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) und der Ende 1986 gebildeten Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK), die sich als demokratische Massenorganisationen pr\u00e4sentieren und ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend tarnen. Die Abspaltung des Ostanatolischen Gebietskomitees (DABK) im Jahr 1994 (nach einer zuvor aufgehobenen erstmaligen Trennung im Jahr 1987) setzte sich in den Basisorganisationen der TKP/ML fort. Um sich vom Partizan-Fl\u00fcgel abzugrenzen, haben sich beide Basisorganisationen des DABK im Sommer 1997 in F\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland (ADHF) bzw. Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) umbenannt.","168 Ausl\u00e4nderextremismus Die T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) und mehrere andere Gruppierungen t\u00fcrkischer Linksextremisten setzen weiterhin auf den bewaffneten Kampf zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Kritik am In einer Sonderausgabe der Zeitschrift \"M\u00fccadele\" wurde im Januar \"Friedenskurs\" \u00fcber die Friedensinitiative des PKK-Generalvorsitzenden Abdullah der PKK \u00d6calan berichtet. Die Autoren warfen \u00d6calan vor, die Interessen des t\u00fcrkischen und kurdischen Volkes verraten und sich mit den Kr\u00e4ften der Bourgeoisie zusammengeschlossen zu haben. Die PKK habe vers\u00e4umt, ihre Schwierigkeiten rechtzeitig mit Hilfe der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte zu \u00fcberwinden. \"Die PKK hat die Arena des Kampfes verlassen, deshalb gilt es f\u00fcr die ATIK, die fr\u00fcher von der PKK praktizierte radikale Strategie fortzuf\u00fchren.\" Mitte des Jahres modifizierte die TKP/ML ihre Meinung und forderte Hafterleichterungen zugunsten des Generalvorsitzenden der PKK \u00d6calan sowie eine Generalamnestie in der T\u00fcrkei. Das Auslandsb\u00fcro der TKP/ML warb unter dem Titel \"Unterst\u00fctze den Guerillakampf beim Eintritt in das 21. Jahrhundert\" f\u00fcr die allj\u00e4hrSpendenliche Spendenkampagne, die Grundlage f\u00fcr den bewaffneten Kampf kampagne sei. Angestrebtes Ziel der Partei sei es, den bewaffneten revolution\u00e4ren Kampf zu steigern und sich auf die noch gr\u00f6\u00dferen K\u00e4mpfe im 21. Jahrhundert vorzubereiten. Dies k\u00f6nne entweder durch die materielle Unterst\u00fctzung der TKP/ML und ihrer T\u00fcrkischen Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) geschehen, oder durch die aktive Teilnahme am Kampf. Der in einem Flugblatt ver\u00f6ffentlichte Aufruf schlie\u00dft mit der Parole: \"Entweder wird unser rotes Blut in die Erde flie\u00dfen oder unsere rote Flagge wird auf den Gipfeln wehen!\" Das Ostanatolische Gebietskomitee (DABK), einer der beiden Fl\u00fcgel Gedenkfeier der TKP/ML, f\u00fchrte am 3. Juni in Essen eine Gedenkveranstaltung f\u00fcr den Gr\u00fcnder der TKP/ML, lbrahim Kaypakkaya, durch. Die PKK-nahe Tageszeitung \"\u00d6zg\u00fcr Politika\" berichtete in ihrer Ausgabe vom 5. Juni von etwa 6.000 Teilnehmern. Mit einer Auff\u00fchrung im \"Reese\"-Theater in Augsburg begann am 22. Oktober die Europaund Deutschlandtournee eines t\u00fcrkischen Kabarettisten. Als Initiator dieser Veranstaltung, an der etwa 400 Personen teilnahmen, fungierte die ATIK, die Basisorganisation des Partizan-Fl\u00fcgels der TKP/ML.","Ausl\u00e4nderextremismus 169 Die TKP/ML, DHKP-C und MLKP f\u00fchrten im Solidarit\u00e4tskomitee mit Solidarisierung den politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei (DETUDAK) ab der zweiten mit inhaftierten Jahresh\u00e4lfte verst\u00e4rkt Kundgebungen in Regensburg und N\u00fcrnberg, Gesinnungsdort auch mit Kranzniederlegungen vor dem T\u00fcrkischen Generalkongenossen sulat, durch. Dazu wurde in einer Hungerstreikerkl\u00e4rung im Namen der politischen Gefangenen der TKP/ML und DHKP-C verlautbart: \"Nieder mit dem Faschismus. Es lebe unser Kampf. Nieder mit der Kapitulation. Nieder mit der Liquidation. Wir werden sterben, aber nicht in die Isolationszellen gehen. Lang lebe unser Generalwiderstand. Wir werden siegen!\" 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 600 60 Gr\u00fcndung: 1964 in der T\u00fcrkei Publikation: \u00d6zg\u00fcr Atilim (Der freie Angriff), vierzehnt\u00e4gig Die in der T\u00fcrkei verbotene und terroristisch operierende MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschluss zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erRevolution\u00e4re strebt sie die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges Zielsetzung und die Errichtung einer kommunistischen Diktatur. Die von der PKK propagierte Beendigung des bewaffneten Kampfs f\u00fchrte zur Entfremdung zwischen der MLKP und der PKK. Die Devrimci Sol (DHKP), die T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) und mehrere andere Gruppierungen t\u00fcrkiAblehnung der scher Linksextremisten setzen im Gegensatz zur PKK auch aktuell auf PKK-Strategie den bewaffneten Kampf zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Sie warfen \u00d6calan und der PKK vor, mit ihrer Friedensinitiative die Interessen des t\u00fcrkischen und kurdischen Volks verraten zu haben. Die gespannte Atmosph\u00e4re hat sich allerdings gegen Mitte des Jahres wieder etwas beruhigt. Am 21. M\u00e4rz f\u00fchrten DHKP-C, TKP/ML und MLKP anl\u00e4sslich des kurdischen Neujahrsfests Newroz eine \u00f6ffentliche Feier in N\u00fcrnberg durch. An der Veranstaltung nahmen etwa 120 Personen teil. Auf","170 Ausl\u00e4nderextremismus einem dort verteilten Flugblatt wird die Unterdr\u00fcckung des kurdischen Volks durch den kurdischen Staat thematisiert. Danach wird mit den Worten \"Tod dem t\u00fcrkischen Staat! Tod dem Faschismus, es lebe die Befreiung!\" zur Revolution des Proletariats aufgerufen. 6. Gr\u00fcndungstag Zum 6. Jahrestag ihrer Gr\u00fcndung f\u00fchrte die MLKP am 28. Oktober in Wuppertal eine Saalveranstaltung durch, die von rund 3.800 Personen aus dem ganzen Bundesgebiet besucht wurde. Neben einer Gedenkminute f\u00fcr die im \"Kampf gefallenen Revolution\u00e4re\" wurden die anwesenden Jugendlichen aufgefordert, deren Platz einzunehmen. Man m\u00fcsse wie die Inhaftierten in der T\u00fcrkei bereit sein, f\u00fcr die Verwirklichung der Revolution zu sterben. Solidarisierung Am 14. Dezember besetzten Anh\u00e4nger des von der MLKP dominierten mit inhaftierten Solidarit\u00e4tskomitees mit den politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei Gesinnungs(DETUDAK) die Justizbeh\u00f6rde in Hamburg und am 15. Dezember genossen das Geb\u00e4ude des WDR in K\u00f6ln. Sie wollten damit Anh\u00e4nger der DHKP-C und der TKP/ML unterst\u00fctzen, die sich in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen aus Protest gegen die Haftbedingungen im \"Todesfasten\" befanden. Diese H\u00e4ftlingsrevolte wurde am 22. und 23. Dezember von t\u00fcrkischen Sicherheitskr\u00e4ften gewaltsam beendet, wobei 28 Menschen, darunter zwei Polizisten, ums Leben kamen. Protestveranstaltungen dagegen unter anderem in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg verliefen friedlich. 3. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 12.000 1.800 Vorsitzender: Abdullah \u00d6calan Leitung: \"Pr\u00e4sidialrat\" Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei (in Deutschland seit 1993 verboten) Publikationen: u.a. Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) 3.1 Ideologie Die in der T\u00fcrkei und Deutschland verbotene PKK ist eine gut organiSozialistischsierte, straff gef\u00fchrte, urspr\u00fcnglich marxistisch-leninistische Kadernationalistisches partei. Ihr Programm ist eine Mischung aus sozialistischem und natioProgramm nalistischem Gedankengut. Gem\u00e4\u00df ihrer Satzung soll sie nach dem","Ausl\u00e4nderextremismus 171 Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" gef\u00fchrt werden. Die Einwirkungsm\u00f6glichkeiten des Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan sind in allen Bereichen stark ausgepr\u00e4gt. Im Mittelpunkt stand \u00fcber zwei Jahrzehnte der aktive \"revolution\u00e4re Kampf\" f\u00fcr ein \"freies und unabh\u00e4ngiges\" Kurdistan. Der Parteiaufbau umfasste seither als h\u00f6chste Organe au\u00dfer dem Parteikongress den Generalvorsitzenden, den unter seiner Leitung arbeitenden Parteivorstand und das Zentralkomitee. Die gesamte \u00f6ffentliche Parteiarbeit in Westeuropa erfolgte bis Ende April unter der Bezeichnung Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK). Dann wurde die ERNK f\u00fcr \"aufgel\u00f6st\" erkl\u00e4rt. Als Ersatz entstand Anfang Mai die Kurdische Demokratische Volksunion (YDK). Tats\u00e4chlich handelt es sich lediglich um eine Umbenennung. Die YDK soll ihre Arbeit auf das \"Friedensprojekt\" der PKK ausrichten und die \"kurdischen Massen\" nach \"demokratischen Prinzipien\" organisieren. In einer Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung wird die Absicht betont, die Kurdenfrage k\u00fcnftig mit demokratischen Mitteln zu l\u00f6sen. Dar\u00fcber hinaus will die YDK den \u00c4u\u00dferlicher Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Legalisierung kurdischer InstitutioKurswechsel nen in Deutschland legen. Erkl\u00e4rtes Ziel ist die Aufhebung des seit 1993 bestehenden PKK-Verbots in Deutschland. Dieser neue Kurs zielt vordergr\u00fcndig auf einen friedlichen politischen Ausgleich mit der T\u00fcrkei ab. Verlauf, inhaltliche Ausgestaltung und Endg\u00fcltigkeit des angek\u00fcndigten Ver\u00e4nderungsprozesses sind jedoch noch v\u00f6llig ungewiss. Die PKK hat nicht mit der Geschichte des Guerillakrieges gebrochen, sondern anl\u00e4sslich des Jahrestages des bewaffneten Kampfes (15. August 1984) - nicht zuletzt aus R\u00fccksicht auf die Angeh\u00f6rigen gefallener Guerillak\u00e4mpfer - den fr\u00fcheren bewaffneten Kampf als Voraussetzung f\u00fcr den neuen Kurs dargestellt. Die PKK beansprucht seit ihrer Gr\u00fcndung die uneingeschr\u00e4nkte F\u00fchrungsrolle im Kampf der Kurden f\u00fcr einen eigenen Staat. In der Vergangenheit kam es deshalb wiederholt zu milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Kurdenorganisationen. Diesen F\u00fchUnver\u00e4nderter rungsanspruch hat die PKK trotz des Kurswechsels beibehalten. Sie F\u00fchrungsanspruch","172 Ausl\u00e4nderextremismus versteht sich wie bisher als die alleinige Vertretung der in Deutschland lebenden rund 500.000 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, obwohl sich nur etwa zehn Prozent dieser Volksgruppe zur PKK bekennen. Der Kurswechsel ist innerhalb der PKK nicht unumstritten. Es gab im vergangenen Jahr mehrfach Hinweise auf PKK-interne kritische Stimmen und Oppositionsgruppen, die nach wie vor auf bewaffneten Kampf setzen (vgl. auch Nummer 3.5 dieses Abschnitts). 3.2 Organisation Verlust der Basis Im Oktober 1998 verlor die PKK nach jahrelanger Duldung durch in Syrien syrische Beh\u00f6rden ihre St\u00fctzpunkte in Syrien. \u00d6calan musste Damaskus verlassen und reiste auf der Suche nach einem neuen Sitz f\u00fcr die PKK-F\u00fchrung zun\u00e4chst in die Russische F\u00f6deration, sp\u00e4ter nach Italien (Rom). Dort suchte er um politisches Asyl nach. Auf Dr\u00e4ngen der italienischen Regierung verlie\u00df er Rom am 16. Januar 1999 mit zun\u00e4chst unbekanntem Ziel. Am 15. Februar 1999 wurde er von einem Kommando t\u00fcrkischer Sicherheitskr\u00e4fte aus Nairobi/Kenia in die T\u00fcrkei verbracht und dort vom Staatssicherheitsgericht am 29. Juni 1999 zum Tode verurteilt. \u00dcber die Vollstreckung des Urteils ist noch nicht entschieden. Nach der Ergreifung \u00d6calans \u00fcbernahm der \"Pr\u00e4sidialrat\" als oberstes Entscheidungsgremium - bestehend zun\u00e4chst aus sieben Personen - die F\u00fchrung der PKK. Infolge der Beschl\u00fcsse des 7. Au\u00dferordentlichen Parteikongresses, der vom 2. bis 23. Januar stattfand, wurde Umbenennung die Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK), der milit\u00e4rische Arm der ARGK der PKK, umbenannt. Sie soll k\u00fcnftig nur noch aus \"Volksverteidigungskr\u00e4ften\" bestehen und damit - der \u00e4u\u00dferen Optik nach - einen angeblich defensiven Charakter erhalten. Das 1993 vom Bundesminister des Innern verf\u00fcgte vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot konnte die PKK auch im Jahr 2000 nicht vollst\u00e4ndig daran hindern, trotz erheblich erschwerter Bedingungen weiter aus dem Untergrund heraus zu operieren. In Deutschland ist die PKK in sieben Regionen gegliedert. Die Region Bayern umfasst die Gebiete M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Ulm mit Teilen Baden-W\u00fcrttembergs. Diese Gebiete sind wiederum in Teilgebiete unterteilt. Den Regionen steht als Regionsverantwortlicher ein profes-","Ausl\u00e4nderextremismus 173 sionelles Kadermitglied vor, dem die Gebietsverantwortlichen unterstellt sind. Der Regionsleiter erh\u00e4lt seine Anweisungen nunmehr von einem aus F\u00fchrungsfunktion\u00e4ren bestehendem \"Koordinationskomitee\" (fr\u00fcher Europ\u00e4ische Frontzentrale - ACM), das auch weiter vorwiegend in den Niederlanden t\u00e4tig ist. Die hauptamtlichen Kader der PKK leben durch Decknamen getarnt mit h\u00e4ufig wechselnden Aufenthaltsorten in ihrem jeweiligen Zust\u00e4ndigkeitsbereich. Sie verhalten sich \u00e4u\u00dferst konspirativ. So ist beispielsweise - von wenigen AusnahKonspiratives men abgesehen - den Gebietsund Regionsverantwortlichen das BenutVerhalten zen von Handys nicht mehr gestattet. Von den rund 1.800 PKK-Anh\u00e4ngern in Bayern k\u00f6nnen nahezu 1.000 zu Gro\u00dfveranstaltungen der PKK mobilisiert werden. Die PKK-Anh\u00e4ngerschaft ist in zahlreichen, der F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) angegliederten \u00f6rtlichen Vereinen, organisiert. Diese Vereine, die sich nach au\u00dfen als reine Tarnorganisationen Kulturvereine darstellen, haben die Aufgabe, Ziele und Politik der der PKK PKK unter den Anh\u00e4ngern zu verbreiten und zu f\u00f6rdern. Die in das bundesweite Bet\u00e4tigungsverbot einbezogene ERNK (jetzt: YDK) vertritt au\u00dferhalb Deutschlands als politischer Arm der Organisation die Interessen und Ziele der PKK sowohl materiell als auch propagandistisch. Dar\u00fcber hinaus bedient sich die PKK zahlreicher vom Bet\u00e4tigungsverbot nicht erfasster Nebenorganisationen (\"Y-Gruppen\"). Diese haben die Aufgabe, verschiedene Zielgruppen innerhalb der kurdischen Bev\u00f6lkerung wie Arbeiter, Frauen, Juristen, Lehrer und Jugendliche f\u00fcr die Interessen der PKK zu gewinnen. Aus den Reihen der Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) rekrutierte sich bisher mitunter die Guerilla der PKK. Nicht selten wurden dabei Jugendliche gegen den Willen ihrer Eltern zwangsverpflichtet und in Ausbildungslagern im benachbarten Ausland geschult, bevor sie zum Kampfeinsatz in die T\u00fcrkei geschleust wurden. Bei der Finanzierung des Parteiapparats sowie der Ausr\u00fcstung und Finanzierung Versorgung der verbliebenen Guerillak\u00e4mpfer kommt der Anh\u00e4ngerschaft in Deutschland eine besondere Bedeutung zu. Die PKK finanziert sich aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf von Publikationen und den Einnahmen aus Veranstaltungen.","174 Ausl\u00e4nderextremismus Den gr\u00f6\u00dften Anteil der Einnahmen erbringt die jeweils gegen JahresJ\u00e4hrliche ende durchgef\u00fchrte Spendenkampagne. Die Zielvorgabe f\u00fcr Bayern Spendenkampagne lag, wie in den Vorjahren, bei 1,5 Millionen DM. Die diesj\u00e4hrige Aktion stand unter dem Motto \"Kampagne f\u00fcr die Freiheit von Kurdistan - lasst uns die Guerilla des Friedens st\u00e4rken und mit den nationalen Institutionen frei werden\". Sie fand vom 1. Oktober bis 15. Dezember statt. Um dem aufgrund des Friedenskurses der PKK deutlich eingeschr\u00e4nkten Spendenverhalten entgegenzuwirken, sprach die Partei erstmals nicht nur die kurdische Anh\u00e4ngerschaft an, sondern versuchte nach M\u00f6glichkeit, auch die finanzielle Unterst\u00fctzung \"befreundeter Kreise\", insbesondere der t\u00fcrkischen, arabischen, persischen und assyrischen Volksschichten, zu erhalten. Trotz aller Bem\u00fchungen wurde das angestrebte Spendenziel wie in den Vorjahren bei weitem nicht erreicht. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass die PKK auch vom Rauschgifthandel profitiert, indem sie beispielsweise kurdische Drogenh\u00e4ndler absch\u00f6pft. Unter dem Deckmantel der F\u00f6rderung kurdischer Interessen beabsichtigt die PKK die Beteiligung an wirtschaftlichen Unternehmungen. Hierzu sind die Abhaltung eines ersten kurdischen Wirtschaftskongresses und die Gr\u00fcndung einer kurdischen Bank in Europa im Gespr\u00e4ch. PKK-naher Ein wichtiges Propagandamedium ist der PKK-nahe Fernsehsender Fernsehsender MEDYA-TV, der am 30. Juli 1999 seinen Betrieb aufnahm. Die Beitr\u00e4ge gleichen in wesentlichen Punkten der Berichterstattung seines Vorg\u00e4ngers MED-TV. Der Sender wird von der PKK als Plattform zur Darstellung ihrer politischen Ziele genutzt. Neben seiner Empfangbarkeit \u00fcber Satellit unterst\u00fctzt die Organisation derzeit nachhaltig die Aufnahme des Senders in das deutsche Kabelnetz. 3.3 Strategie Die Strategie der PKK ist seit der Festnahme ihres GeneralvorsitzenAnpassungsden Abdullah \u00d6calan gepr\u00e4gt von der Anpassung an die ver\u00e4nderte strategie politische und milit\u00e4rische Lage. Vom 2. bis 23. Januar f\u00fchrte die Partei ihren 7. Au\u00dferordentlichen Kongress im iranisch/irakischen Grenzgebiet durch, an dem nach eigenen Angaben rund 400 Delegierte aller Parteiorganisationen teilgenommen haben. Nach Auffassung der PKK wurde auf diesem Kongress ein Neuanfang eingeleitet. So gab sie bekannt, dass der politische und der milit\u00e4rische Fl\u00fcgel (ERNK und ARGK) in der bisherigen Form aufgel\u00f6st und neu strukturiert","Ausl\u00e4nderextremismus 175 w\u00fcrden. Das milit\u00e4rische Potenzial der PKK bleibt jedoch als \"Verteidigungsarmee\" erhalten. An die Stelle des bewaffneten Kampfs trete Einstellung des aber eine Strategie des \"demokratisch-politischen Kampfes\". Dar\u00fcber bewaffneten hinaus habe der 7. Kongress ein \"detailliertes Friedensprojekt\" ausKampfs gearbeitet, das einen Dialog bzw. Zusammenarbeit mit allen \"demokratischen Kr\u00e4ften\" in der T\u00fcrkei vorsieht. Das Projekt beinhalte auch die Einstellung jeglicher Art von Auseinandersetzung zwischen nationalen kurdischen Kr\u00e4ften, insbesondere die Kampfhandlungen mit der Demokratischen Partei Kurdistans/Irak (DPK/I) im Irak. Beendet wurde der Parteikongress mit der erneuten und einstimmigen Wiederwahl Abdullah \u00d6calans zum Vorsitzenden. Als Resultat der Beschl\u00fcsse des 7. Parteikongresses wurde nicht nur die an die kommunistische Tradition der PKK erinnernde Bezeichnung \"Zentralkomitee\" durch \"Parteirat\" ersetzt, sondern auch die Parteifahne ge\u00e4ndert. Die neue PKK-Fahne zeigt nunmehr auf rotem Grund eine gelbe Sonne in der linken oberen Ecke, in deren Mitte ein roter Stern prangt. Bereits im Februar konnte in einem PKK-Treffpunkt in Bayern das neue Emblem festgestellt werden. \u00d6ffentlich und in gr\u00f6\u00dferer Anzahl wurde es erstmals im Rahmen der Kurden-Gro\u00dfdemonstration PKK-Fahne vor dem Europ\u00e4ischen Gerichtshof f\u00fcr Menschenrechte in Stra\u00df(Ausschnitt) burg/Frankreich am 21. November verwendet. Dort beteiligten sich rund 15.000 PKK Anh\u00e4nger, darunter mehrere hundert aus Bayern, an einer friedlich verlaufenen Demonstration aus Anlass des Prozessbeginns. Die Anw\u00e4lte \u00d6calans machten in ihrer Klage geltend, die Ergreifung \u00d6calans in Kenia, seine Verbringung in die T\u00fcrkei und das gegen ihn verh\u00e4ngte Todesurteil verstie\u00dfen gegen die Europ\u00e4ische Menschenrechtskonvention. Die PKK versuchte mit den organisatorischen und politischen \u00c4ndeVorgebliche rungen deutlich zu machen, dass sie sich von einem urspr\u00fcnglich Bem\u00fchungen um durch milit\u00e4rische Zielsetzung gepr\u00e4gten Apparat hin zu einer ausPolitikf\u00e4higkeit schlie\u00dflich politisch wirkenden Kraft gewandelt habe. Dieser Ver\u00e4nderungsprozess resultiert aus der nach au\u00dfen uneingestandenen Einsicht, dass die PKK mit ihrem bewaffneten Kampf weder milit\u00e4rische noch politische Fortschritte erzielt hat. Insgesamt hat die Partei nun eine Strategie formuliert, die auf Politikf\u00e4higkeit abzielt. Inwieweit diesen formellen \u00c4nderungen auch die damit implizierten inhaltlichen \u00c4nderungen des Kurses der PKK folgen, bzw. in welchem Ma\u00dfe diese angewandt und durch die F\u00fchrungskader umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.","176 Ausl\u00e4nderextremismus Die Partei der arbeitenden Frauen Kurdistans (PJKK) , die im Juli 1999 aus der 1987 von der PKK gegr\u00fcndeten Nebenorganisation Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) entstand, f\u00fchrte vom 29. Juli bis 21. August in S\u00fcdkurdistan ihren 3. Kongress durch. Dabei wurde der Name der Partei in Partiya Jinen Azad (PJA - auf Deutsch: Partei der freien Frauen) ge\u00e4ndert. Die Teilnehmerinnen beschlossen, die Ergebnisse der Umstrukturierung des 7. PKK-Kongresses auf die PJA zu \u00fcbertragen. Die neue PJA stellt sich somit als Nebenorganisation der PKK dar. Die Organisation wechselte schon \u00f6fters ihren Namen. Ihr Publikationsorgan ist die Zeitschrift \"Jina Serbilind\" (Die stolze Frau). Anhaltende In mehreren Verlautbarungen vom September verurteilte die PKK die Konflikte mit seit Mai anhaltenden milit\u00e4rischen Angriffe der Patriotischen Union konkurrierenden Kurdistans (PUK) auf PKK-Guerillaeinheiten im Nordirak. Diese kurdischen Angriffe seien Teil eines internationalen Komplotts, mit dem die PKK Gruppen daran gehindert werden solle, ihre Friedenspolitik fortzusetzen. Die Organisation rief \u00fcber ihre Medien europaweit zu Protestaktionen gegen die PUK auf, die bei \u00fcberschaubaren Teilnehmerzahlen friedlich und diszipliniert verliefen. In einem auch in Deutschland verbreiteten \"Manifest des Friedens und der Einheit\" vom 11. September kritisierte der Parteirat der PKK die st\u00e4ndigen innerkurdischen Auseinandersetzungen, die ihre Ursachen unter anderem in der \"Interessenund Kollaborationspolitik der feudalen kurdischen Clangruppen\" h\u00e4tten. Diese gelte es zu \u00fcberwinden, um kurdische Interessen gemeinsam wahrnehmen zu k\u00f6nnen. In einem am 4. Oktober ver\u00f6ffentlichten Kommunique des PKK-Pr\u00e4sidialrats erkl\u00e4rte dieser mit sofortiger Wirkung einen einseitigen Waffenstillstand gegen\u00fcber der PUK. Nachdem die PKK den gr\u00f6\u00dften Teil ihrer Guerillaverb\u00e4nde bereits 1999 aus dem S\u00fcdosten der T\u00fcrkei abgezogen hat, kommt es in ihren R\u00fcckzugsgebieten im Nordirak immer wieder zu Konflikten mit den dort etablierten Kr\u00e4ften der PUK und der Demokratischen Partei Kurdistans/Irak (DPK/I). Beide Organisationen sehen ihre traditionellen Einflussbereiche durch die PKK gef\u00e4hrdet und wehren sich folglich gegen deren Dominanz. Unter dem Titel \"Zur L\u00f6sung der kurdischen Frage - Visionen einer demokratischen Republik\" erschienen im November zur Frankfurter Buchmesse die Verteidigungsschriften des Vorsitzenden der PKK in Buchform und in deutscher Sprache. Abdullah \u00d6calan ver\u00f6ffentlichte damit seinen L\u00f6sungsvorschlag f\u00fcr die kurdische Frage.","Ausl\u00e4nderextremismus 177 3.4 Unterst\u00fctzer der PKK Nach wie vor wird die PKK von zahlreichen deutschen linksextremistischen Gruppierungen unterst\u00fctzt, die insbesondere die unverz\u00fcgliche Aufhebung des seit 1993 bestehenden PKK-Verbots fordern. Bundesweit setzen sich neben der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) noch etwa 30 Kurdistan-Solidarit\u00e4tsKurdistan-Solidarigruppen f\u00fcr die Interessen der PKK ein. Von den vier in Bayern t\u00e4tsgruppen existenten Unterst\u00fctzerkomitees sind wie bisher die in M\u00fcnchen und Allg\u00e4u/Oberschwaben t\u00e4tigen Gruppierungen in Form von Demonstrationen, Info-Tischen und Podiumsdiskussionen besonders aktiv. Der am 24. Mai 1999 in Amsterdam gegr\u00fcndete Kurdische NatioKurdischer nalkongress (KNK) gab im Oktober bekannt, dass er in London/Gro\u00dfNationalkongress britannien neben Berlin und Stockholm nunmehr seine dritte Niederlassung er\u00f6ffnet hat. Nach Mitteilung des KNK-Exekutivrats werde sich auch die neue Vertretung f\u00fcr die nationalen Ziele des kurdischen Volks sowie f\u00fcr die internationalen diplomatischen Beziehungen einsetzen. Dem von der PKK dominierten KNK geh\u00f6ren - im Gegensatz zum \"Kurdischen Exilparlament\" - auch Kurdengruppierungen aus Armenien, dem Iran, dem Irak und Syrien an. Die Demokratische Partei Kurdistans/Irak (DPK/I) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK) waren der Gr\u00fcndung des KNK 1999 allerdings ferngeblieben. 3.5 PKK-interne Opposition Im vergangenen Jahr gab es mehrere Hinweise auf PKK-interne Oppositionsgruppen, die dem von \u00d6calan initiierten neuen Kurs nicht folgen wollten. Am 6. Januar berichtete das Kurdistan Informationszentrum (KIZ) in Berlin erstmals \u00fcber eine Abspaltung einzelner milit\u00e4rischer Einheiten der PKK. Die PKK wandte sich in einer Erkl\u00e4rung gegen ProvoAbspaltung von kateure innerhalb der Organisation, die sich mit jeweils einer PKK-Guerillas Guerillagruppe zu Beginn des Jahres von der Partei gel\u00f6st h\u00e4tten. Trotz intensiver und beharrlicher Bem\u00fchungen sei es der PKK nicht gelungen, diese K\u00e4mpfer aus dem Gebiet der T\u00fcrkei abzuziehen. Die Partei unterhalte keinerlei Beziehungen mehr zu diesen Gruppierungen und trage daher auch keine Verantwortung f\u00fcr deren zuk\u00fcnftiges Handeln.","178 Ausl\u00e4nderextremismus Im Juli best\u00e4tigte der PKK-Pr\u00e4sidialrat Meldungen, wonach sich am 19. Mai eine Gruppe von rund 60 zum Teil langj\u00e4hrigen PKK-Guerillak\u00e4mpfern von der Partei getrennt habe, von denen etwa 30 durch die Organisation festgesetzt worden seien. Ihnen wird vorgeworfen, die PKK spalten zu wollen. Die Partei dementierte jedoch die Gefangennahme und Bestrafung der abtr\u00fcnnigen PKK-Guerillas und bezeichnete derartige Meldungen als Teil des gegen die PKK gerichteten internationalen Komplotts. Formierung Ehemalige hochrangige F\u00fchrungsfunktion\u00e4re der PKK haben eine einer internen \"Nationale Demokratische Initiative Kurdistan\" gegr\u00fcndet. Diese Opposition Gruppierung trat erstmals am 18. August mit einer im Internet abrufbaren Erkl\u00e4rung an die \u00d6ffentlichkeit. Darin wird die PKK offen aufgefordert, sich dem Einfluss des inhaftierten Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan zu entziehen. Dieser vertrete nicht mehr das kurdische Volk, sondern diene dem t\u00fcrkischen Staat. Die \"Initiative\" kritisierte in scharfer Form den derzeit von der PKK verfolgten, auf Ausgleich mit der T\u00fcrkei gerichteten Friedenskurs als verfr\u00fcht und als Verrat an der kurdischen Nation. Die von \u00d6calan verfolgte Politik bedeute die Selbstaufgabe aller bisherigen Ziele der PKK. \u00d6calan wurde als \"ideologisch-politischer Verr\u00e4ter\" bezeichnet, der die Ziele der PKK in eine Sackgasse gef\u00fchrt habe. Insbesondere sei es Verrat, die Guerillak\u00e4mpfer abzuziehen, obwohl gegen\u00fcber dem t\u00fcrkischen Staat noch nichts erreicht sei. Die Tr\u00e4ger der \"Initiative\" forderten die PKK weiter auf, ihre Politik noch einmal zu \u00fcberdenken und sich mit den kritischen Anst\u00f6\u00dfen auseinander zu setzen. Eine Spaltung der PKK sei jedoch nicht ihre Intention. Vielmehr sei es das Ziel der Initiative, die Partei von ihrem falschen Weg abzubringen und sie neu zu strukturieren. Um die bisher aufgrund der straffen Kader-Struktur \u00fcblichen Repressionen gegen Andersdenkende innerhalb der Partei k\u00fcnftig zu verhindern, wird ein demokratischer Aufbau angestrebt. Kritiker der neuen Friedenslinie der PKK werden in letzter Zeit vermehrt und unter namentlicher Nennung in PKK-nahen Publikationsorganen verunglimpft oder via MEDYA-TV offen der Beteiligung des Komplotts gegen die PKK bezichtigt. 3.6 Aktivit\u00e4ten und Gewalttaten Trotz des vereinsrechtlichen Bet\u00e4tigungsverbots f\u00fchrten PKK-Anh\u00e4nger in Deutschland erneut eine Reihe von Veranstaltungen durch, die in der Regel friedlich verliefen. Dabei gelang es den Organisatoren","Ausl\u00e4nderextremismus 179 mehrfach, mehrere zehntausend Anh\u00e4nger zu mobilisieren. W\u00e4hrend PKK-Anh\u00e4nger im Vorjahr insbesondere aus Anlass der Ergreifung und Verurteilung ihres Vorsitzenden \u00d6calan noch eine Vielzahl von schweren Gewalttaten ver\u00fcbten, wurden in diesem Jahr bundesweit Weitgehend kaum Gewalttaten bekannt, die der PKK zuzurechnen sind. In Bayern gewaltfreier wurde keine (1999: zehn) Gewalttat bekannt, bei der ein PKK-ZusamVerlauf menhang anzunehmen ist. Die Polizei musste allerdings insbesondere bei Veranstaltungen mehrfach wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Bet\u00e4tigungsverbot einschreiten. Die Linientreue und den Fanatismus der PKK-Anh\u00e4nger zeigen auch zwei Selbstverbrennungen. Im Januar f\u00fcgte sich ein in der JustizvollSelbstverzugsanstalt W\u00fcrzburg in Abschiebehaft einsitzender PKK-Funktion\u00e4r brennungen zur Verhinderung seiner Abschiebung schwere Verbrennungen an einem Bein zu. Aufgrund seiner Verletzungen wurde er in ein Krankenhaus \u00fcberstellt und die Abschiebung ausgesetzt. Am 8. M\u00e4rz \u00fcbergoss sich ein zuletzt in Augsburg wohnhafter 29-j\u00e4hriger Kurde vor dem Westportal des Reichstagsgeb\u00e4udes in Berlin mit einer brennbaren Fl\u00fcssigkeit und z\u00fcndete sich an. Kurz darauf verstarb er an den erlittenen Brandverletzungen. Er stand im Verdacht, im M\u00e4rz 1994 an den Ausschreitungen anl\u00e4sslich des Newroz-Festes in Augsburg beteiligt gewesen zu sein. Ein gegen ihn eingeleitetes Strafverfahren wegen Landfriedensbruchs und N\u00f6tigung war bereits durch die Staatsanwaltschaft Augsburg eingestellt worden. Das kurdische Neujahrsfest Newroz wurde von der kurdischst\u00e4mmiNewroz-Feiern gen Bev\u00f6lkerung bundesweit mit zahlreichen friedlichen Veranstaltungen gefeiert. An einem Aufzug am 20. M\u00e4rz in M\u00fcnchen beteiligten sich 155 Personen, darunter auch 30 Kinder. Zwei Teilnehmer wurden festgenommen, weil sie die Parole \"Hoch lebe unser F\u00fchrer APO\" gerufen hatten. In N\u00fcrnberg wurde am 21. M\u00e4rz ebenfalls ein Demonstrationszug zum Newroz-Fest durchgef\u00fchrt. Rund 150 Teilnehmer zogen mit Transparenten ohne strafbaren Inhalt durch die Innenstadt. Bei der Abschlussveranstaltung skandierten jedoch mehrere Teilnehmer Hochrufe auf \u00d6calan. Bei einer Newroz-Feier am 8. April in M\u00fcnchen, an der rund 1.500 Kurden teilnahmen, forderten die Teilnehmer die Aufhebung des PKK-Verbots, da dieses die Politisierungsbem\u00fchungen des kurdischen Volks verhindere. Ein Vertreter der YDK, der fr\u00fcheren ERNK, rief alle befreundeten V\u00f6lker zur Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen Volk und \u00d6calan auf. Die Veranstaltung verlief - wie die Newroz-Feiern im M\u00e4rz - friedlich.","180 Ausl\u00e4nderextremismus Am 18. Juni veranstaltete die PKK im \"Haus der Jugend\" in Frank\"Volksversammfurt-Sachsenhausen eine \"Volksversammlung\", an der rund 450 Perlung\" sonen teilnahmen. Eine namentlich nicht bekannte PKK-Funktion\u00e4rin hielt ein rund dreist\u00fcndiges aggressives Referat, in dessen Verlauf sie Deutschland vorwarf, noch immer Druck auf die PKK auszu\u00fcben. Die Bundesrepublik habe sich deutlich auf die Seite der T\u00fcrkei gestellt. Hier ticke eine Zeitbombe und die PKK sei immer bereit. In der T\u00fcrkei habe die PKK fast keine Hoffnung mehr auf eine friedliche L\u00f6sung, da der t\u00fcrkische Staat immer mehr auf eine gewaltsame L\u00f6sung setze. Aus diesem Grund rechne die Referentin auch wieder mit \"Krieg\", der auch auf Europa \u00fcbertragen werde. Die PKK habe viele moderne Waffen angeschafft und es h\u00e4tten sich rund 5.000 freiwillige Guerillas als Selbstmordkommandos gemeldet. Wenn diese losschlagen w\u00fcrden, w\u00e4re dies ein Schlag, von dem sich die T\u00fcrkei nicht wieder erholen k\u00f6nnte. Der Verein Med-Kulturhaus e.V. veranstaltete vom 15. bis 23. Juni in M\u00fcnchen eine \"Hungerstreik-Kundgebung\". Daran beteiligten sich \"Hungerstreik\" t\u00e4glich zahlreiche \"Hungerstreikende\" im Wechsel mit anderen Teilnehmern. Die Veranstaltung stand unter dem Motto \"F\u00fcr das Leben und die Gesundheit von Abdullah \u00d6calan\". Sie verlief friedlich. Solidarit\u00e4tsAm 24. Juni f\u00fchrte die PKK in D\u00fcsseldorf eine Gro\u00dfdemonstration kundgebung zum Thema \"Weg mit der Todesstrafe - Frieden jetzt - Freiheit f\u00fcr f\u00fcr \u00d6calan Abdullah \u00d6calan\" durch. Anlass war der Jahrestag der Verurteilung \u00d6calans zum Tode. Die Veranstaltung wurde unter anderem von der F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) organisiert. Die etwa 25.000 Teilnehmer verhielten sich friedlich. Vereinzelt wurden allerdings Fahnen der verbotenen PKK sowie Bilder Abdullah \u00d6calans gezeigt. Bei der Hauptkundgebung traten Vertreter des Kurdischen Nationalkongresses (KNK), des Europaparlaments und verschiedener Menschenrechtsorganisationen auf. Sie forderten die Abschaffung der Todesstrafe in der T\u00fcrkei, bessere Haftbedingungen f\u00fcr Abdullah \u00d6calan sowie eine dauerhafte L\u00f6sung des Kurdenproblems. Die Beteiligung an der Veranstaltung blieb erheblich hinter den Erwartungen der Veranstalter zur\u00fcck, die mit mindestens 50.000 Teilnehmern gerechnet hatten. Schon der Kartenvorverkauf war schleppend verlaufen. Viele Kurden erwarben zwar Karten, nahmen an der Veranstaltung selbst aber nicht teil. Mehr als 50.000 Personen, darunter rund 1.000 PKK-Anh\u00e4nger aus Bayern, nahmen am diesj\u00e4hrigen 8. Internationalen Festival f\u00fcr Frie-","Ausl\u00e4nderextremismus 181 den, Demokratie und Freiheit am 2. September im M\u00fcngersdorfer Gro\u00dfveranstaltung Stadion in K\u00f6ln teil. Die in der Mehrzahl kurdischen Teilnehmer in K\u00f6ln waren aus dem gesamten Bundesgebiet sowie aus dem benachbarten Ausland mit Sonderz\u00fcgen, Bussen und PKW angereist. Neben kulturellen Darbietungen und politischen Redebeitr\u00e4gen wurde unter anderem ein Gru\u00dfwort des PKK-Vorsitzenden verlesen, in dem dieser die Einheit von Partei und Volk beschwor und die t\u00fcrkische Regierung erneut aufforderte, endlich Ma\u00dfnahmen zur Befriedung des Kurdenkonflikts zu ergreifen. Der kurdischen Bev\u00f6lkerung m\u00fcssten Rechte hinsichtlich der Anerkennung ihrer Identit\u00e4t, Sprache und Kultur zugestanden werden. Zahlreiche Teilnehmer brachten ihre Sympathien f\u00fcr die PKK offen zum Ausdruck. Sie zeigten Fahnen der verbotenen Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) sowie Portraits \u00d6calans. Die namentliche Erw\u00e4hnung \u00d6calans in Redebeitr\u00e4gen f\u00fchrte jedes Mal zu demonstrativer Begeisterung der Besucher. Im Umfeld des Stadions waren mehrere so genannte \"Y-Gruppen\" der PKK mit Informationsst\u00e4nden vertreten. Gewalttaten wurden nicht ver\u00fcbt. 3.7 Strafverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen Die Polizei nahm am 23. M\u00e4rz in einem PKK-Treffpunkt in Darmstadt Festnahmen von den PKK-Verantwortlichen der PKK-Region S\u00fcd fest. Der GeneralF\u00fchrungskadern bundesanwalt ermittelt gegen ihn wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen bzw. kriminellen Vereinigung (SSSS 129, 129a StGB) und der versuchten schweren Brandstiftung in drei F\u00e4llen im M\u00e4rz 1995 auf t\u00fcrkische Einrichtungen in Duisburg. Bei der Einreise in das Bundesgebiet konnte am 30. M\u00e4rz der unter dem Decknamen \"Mehmet\" bekannte Verantwortliche der PKK-Region Mitte durch Beamte des Bundesgrenzschutzes am Grenz\u00fcbergang Elten/Nordrhein-Westfalen festgenommen werden. Gegen ihn bestand ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (SS 129 StGB). Im Verfahren um die Besetzung des griechischen Generalkonsulats am 16. Februar 1999 in Leipzig, an der insgesamt 73 Kurden beteiligt waren, verurteilte das Landgericht Leipzig am 16. Mai sechs Verurteilung von PKK-Aktivisten wegen Geiselnahme, schweren Hausfriedensbruchs Konsulatsbesetzern und Landfriedensbruchs zu Haftstrafen zwischen zwei und drei Jahren. Die Verurteilten gelten als Hauptakteure der gewaltsamen Beset-","182 Ausl\u00e4nderextremismus zung des Generalkonsulats anl\u00e4sslich der Ergreifung des PKK-F\u00fchrers Abdullah \u00d6calan. Exekutivund Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte am 18. Mai zwei PKK-FunkStrafverfahren tion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung, wegen MitgliedUrkundenf\u00e4lschung und bandenm\u00e4\u00dfigen Einschleusens von Ausl\u00e4nschaft in einer dern zu Freiheitsstrafen von jeweils 30 Monaten. Zu ihren Aufgaben kriminellen Vergeh\u00f6rte es, Reisebewegungen f\u00fcr den konspirativen Kaderaustausch einigung und das Kuriersystem zu organisieren. Der Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof erlie\u00df am 26. Juli Haftbefehl gegen einen mit Decknamen \"Munzur/H\u00fcseyin\" bekannten PKK-Funktion\u00e4r wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Er war von Februar bis August f\u00fcr die PKK-Region Bayern verantwortlich. Am 1. August nahm die Polizei im Hauptbahnhof Stuttgart einen zuletzt unter den Decknamen \"Xalo Ali/Ali Dayi\" bekannten PKK-Funktion\u00e4r fest. Gegen ihn ermittelt der Generalbundesanwalt wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (SS 129 StGB). Der Festgenommene steht im dringenden Verdacht, von August 1999 bis M\u00e4rz 2000 die PKK-Region Baden und das PKK-Gebiet Stuttgart geleitet zu haben. Als Regionsverantwortlicher soll er Gebietsund Teilgebietsverantwortliche politisch geschult, Anweisungen der Parteif\u00fchrung weitergegeben und bei der Beschaffung und Verwendung von Ausweispapieren sowie bei Schleusungen von PKK-Mitgliedern aktiv mitgewirkt haben. Das Kammergericht Berlin verurteilte am 1. August zwei PKK-Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung (SS 129 StGB) und in einem Fall zudem wegen Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz zu zwei Jahren und zwei Monaten bzw. zwei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Den Verurteilten oblag es, Reisebewegungen f\u00fcr den konspirativen Kaderaustausch und das Kuriersystem zu organisieren. Strafverfahren Am 2. August er\u00f6ffnete das Landgericht Bremen das Hauptverfahren wegen Mordes gegen vier mutma\u00dfliche Aktivisten der PKK wegen Mordes an zwei Kurden. Ein Verfahren gegen vier weitere Beteiligte wegen des Verdachts der Beihilfe wurde abgetrennt. Am 24. August 1999 waren auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Bremer U-Boot-Bunkers \"Valentin\" die Leichen zweier Kurden aufgefunden worden. Die beiden Ermordeten hatten in Bremen gegen den Willen ihrer Eltern gemeinsam in","Ausl\u00e4nderextremismus 183 einer Wohnung gelebt und waren als PKK-Sympathisanten bekannt. Die Frau war im Schlick der Weser erstickt worden, ihr Lebensgef\u00e4hrte wies t\u00f6dliche Verletzungen im Kopfbereich auf. Die Ermittlungen f\u00fchrten zur Ergreifung von PKK-Funktion\u00e4ren, die der Tat dringend verd\u00e4chtig sind. Der Generalbundesanwalt hat beim Oberlandesgericht Koblenz gegen einen PKK-Funktion\u00e4r Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung nach SS 129 a StGB erhoben. Der PKK-Funktion\u00e4r Anklage nach steht im Verdacht, als Gebietsund Regionsverantwortlicher f\u00fcr die SS 129 a StGB PKK t\u00e4tig gewesen zu sein. Am 28. August nahm die Polizei am K\u00f6lner Hauptbahnhof einen hochrangigen PKK-Funktion\u00e4r wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung fest. Der Festgenommene soll im PKK-Komitee \"Heimatgerichtete Aktivit\u00e4ten/Heimatb\u00fcro\" eingebunden gewesen sein und im Februar 1999 nach der Festnahme Abdullah \u00d6calans Besetzungsaktionen in D\u00fcsseldorf, K\u00f6ln und Bonn gesteuert haben. Das Landgericht Frankfurt am Main verurteilte am 30. August zwei Kurden im Alter von 35 und 40 Jahren unter anderem wegen Geiselnahme zu Freiheitsstrafen von f\u00fcnfeinhalb bzw. zwei Jahren auf Strafverfahren Bew\u00e4hrung. W\u00e4hrend der Besetzung des Verkehrsb\u00fcros von Kenia wegen Geiselam 16. Februar 1999 in Frankfurt am Main anl\u00e4sslich der Festnahme nahme des PKK-Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan in Nairobi/Kenia hatten die T\u00e4ter damit gedroht, Mitarbeiter des Verkehrsb\u00fcros aus dem Fenster des vierten Stockwerks zu werfen. Das Bayerische Oberste Landesgericht in M\u00fcnchen verurteilte am 5. Dezember zwei PKK-Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung nach SS 129 StGB und gewerbsm\u00e4\u00dfiger SchleuVerurteilung von sung nach SS 92 Ausl\u00e4ndergesetz zu Freiheitsstrafen. Die ehemalige kriminellen SchleuLeiterin der PKK-Region Bayern erhielt zwei Jahre und zwei Monate sern Freiheitsstrafe, wobei Haftfortdauer wegen weiterhin bestehender Fluchtgefahr angeordnet wurde. Der Mitangeklagte wurde zu zwei Jahren Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bew\u00e4hrung, verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die beiden an einer Vereinigung beteiligt waren, deren T\u00e4tigkeit darauf ausgerichtet war, fortgesetzt Urkundenf\u00e4lschungen zu begehen und bandenm\u00e4\u00dfig PKK-Aktivisten nach Deutschland einzuschleusen. Beide waren unter anderem als Regionsverantwortliche der PKK f\u00fcr Bayern von M\u00e4rz 1996 bis M\u00e4rz 1997 bzw. M\u00e4rz 1998 bis Mai 1999 eingesetzt.","184 Ausl\u00e4nderextremismus 4. Arabische Gruppen 4.1 Muslimbruderschaft (MB) in der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.200 200 Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Sitz: M\u00fcnchen Sunnitisch-extreDie von Hassan Al-Banna in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunnimistische Ideologie tisch-extremistische MB ist eine multinationale Organisation, bei der eine Unterteilung in nationale Sektionen erkennbar ist. Ziel der MB ist unter anderem die Errichtung von islamischen \"Gottesstaaten\". Die Anh\u00e4nger der MB sind bem\u00fcht, sich in der \u00d6ffentlichkeit als eine gegen\u00fcber der deutschen Rechtsordnung loyale muslimische Interessenvertretung darzustellen. Vorbehalte gegen\u00fcber den westlichen Demokratien, auch gegen\u00fcber der Staatsund Gesellschaftsordnung in Deutschland, kommen in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen nur selEmblem ten zum Ausdruck. der MB Als deutsche Zentrale der MB gilt die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD). Der IGD sind mehrere Islamische Zentren in Deutschland nachgeordnet. Sie hat ihren Sitz im Islamischen Zentrum Einfluss der MB M\u00fcnchen. Die IGD steht unter ma\u00dfgeblichem Einfluss des \u00e4gyptiauf die IGD schen Zweigs der MB. Pr\u00e4sident der IGD ist Dr. Ghaleb Himmat, ein in der Schweiz lebender Syrer; Generalsekret\u00e4r ist der in der N\u00e4he von M\u00fcnchen wohnhafte \u00c4gypter Ahmed El Khalifa. Viele Mitglieder und Funktion\u00e4re der IGD und der Islamischen Zentren stehen der MB und deren Zielsetzung nahe. Deshalb waren aus den Islamischen Zentren wie in den Vorjahren Verlautbarungen und Aufrufe zu vernehmen, die mit der offiziellen gem\u00e4\u00dfigten Linie der IGD, etwa dem Eintreten f\u00fcr das richtige Verst\u00e4ndnis des Islam, nicht \u00fcbereinstimmten, sondern die N\u00e4he zur MB verdeutlichten. So enthielten die in den Islamischen Zentren gehaltenen Reden wiederholt Latente Militanz Aufrufe zum Jihad (Heiliger Krieg zur Verteidigung und Verbreitung des Islam), wobei die Befreiung Jerusalems und der Al-Aqsa-Moschee gefordert wurden. MB-Angeh\u00f6rige beteiligten sich auch an Demonst-","Ausl\u00e4nderextremismus 185 rationen zum Nahost-Konflikt. Besonderes Engagement zeigte hierbei der 1981 in M\u00fcnchen von MB-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete Islamische Bund Pal\u00e4stina (IBP), der in Deutschland die Ziele der \"Islamischen Widerstandsbewegung\" (HAMAS), des pal\u00e4stinensischen Zweigs der MB, unterst\u00fctzt. 4.2 Islamische Heilsfront (FIS) - algerischer Zweig der MB - Deutschland Bayern Mitglieder: 300 45 Gr\u00fcndung: 1989 in Algerien Publikation: Al-Ribat (Das Band) Die FIS ist der algerische Zweig der international t\u00e4tigen MB. Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Staatswesens in Algerien. Als sie 1992 in Algerien verboten wurde, gingen zahlreiche FIS-Funktion\u00e4re ins Ausland. Der Leiter der \"Exekutivinstanz der FIS im Ausland\", Rabah Kebir, h\u00e4lt sich in Deutschland auf. Nach dem Verbot waren die FIS und ihr milit\u00e4rischer Arm \"Islamische Heilsarmee\" (AIS) f\u00fcr zahlreiche Terroranschl\u00e4ge in Algerien verantwortlich. Seit Oktober 1997 halten sie an dem damals einseitig erkl\u00e4rWaffenstillstand ten Waffenstillstand fest. Auch im Jahr 2000 war die FIS bem\u00fcht, sich deutlich und nachhaltig von der mit ihr rivalisierenden \"Bewaffneten Islamischen Gruppe\" (GIA) zu distanzieren, die seit ihrer Gr\u00fcndung 1991 zahlreiche grausame Massaker an der algerischen Zivilbev\u00f6lkerung ver\u00fcbte. In Bayern entwickelten die FIS-Anh\u00e4nger keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten. 4.3 Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) Deutschland Bayern Mitglieder: Einzelpersonen Einzelpersonen Die sunnitisch-extremistische Organisation Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) Abspaltung spaltete sich Mitte der 70er Jahre von der Muslimbruderschaft ab. Die von der MB Anh\u00e4nger der GI verfolgen unter der F\u00fchrung von Scheich Omar Abdelrahman das Ziel, durch Schw\u00e4chung der Wirtschaft die \u00e4gypti-","186 Ausl\u00e4nderextremismus sche Regierung zu st\u00fcrzen und ein islamistisches Staatsgebilde in Form eines Gottesstaats zu errichten. In den Jahren 1992 bis 1997 war die GI f\u00fcr zahlreiche Anschl\u00e4ge in \u00c4gypten, auch auf ausl\u00e4ndische Touristen, verantwortlich. Mehrere in \u00c4gypten inhaftierte F\u00fchrer Taktisch motivierte der GI riefen inzwischen zum Waffenstillstand auf. Ein in London Waffenruhe lebender Funktion\u00e4r der GI bezeichnete im Vorjahr die Beendigung der Gewaltaktionen allerdings nicht als Waffenstillstand nach dem Recht der Scharia, sondern als taktischen Schritt, um dem Islam zur Macht zu verhelfen. 4.4 Internationale Islamische Front Deutschland Bayern Mitglieder: Einzelpersonen Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1998 Die 1998 erstmals \u00f6ffentlich in Erscheinung getretene Internationale Islamische Front unter der F\u00fchrung von Usama Bin Laden ist ein aus konspirativ t\u00e4tigen Zellen bestehendes, weltweit aktives Netzwerk Folgenschwere mit terroristischer Zielsetzung. Sie wird f\u00fcr die Bombenanschl\u00e4ge auf terroristische die US-Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania am Anschl\u00e4ge 7. August 1998 verantwortlich gemacht. Bei den zeitgleichen Anschl\u00e4gen wurden \u00fcber 250 Menschen get\u00f6tet und weit \u00fcber 5.000 verletzt. Bin Laden hatte schon im Mai 1998 in Afghanistan Anschl\u00e4ge angek\u00fcndigt. Am 12. Oktober ver\u00fcbten zwei Selbstmordattent\u00e4ter einen Bombenanschlag auf ein im Hafen von Aden liegendes amerikanisches Kriegsschiff. Das Attentat forderte unter der Besatzung 17 Tote und 39 Verletzte. Es entstand ein Schaden von 240 Millionen US-Dollar. Verbindungen der T\u00e4ter zur Internationalen Islamischen Front sind anzunehmen. Bin Laden f\u00fchrt auch die islamistische Al Qaeda und bem\u00fcht sich um Kontakte zu anderen entsprechenden Terrororganisationen wie HAMAS, GIA und Al-Gamaa Al-Islamiya. Er gilt als ma\u00dfgeblicher finanzieller Unterst\u00fctzer der panislamistischen Bestrebungen. Besonders ausgepr\u00e4gt ist sein Kontakt zur \u00e4gyptischen Terrororganisation Jihad Islami. In Deutschland und Bayern halten sich nur vereinzelt Mitglieder und Sympathisanten der Internationalen Islamischen Front auf. Am","Ausl\u00e4nderextremismus 187 25. und 26. Dezember nahm die Polizei in Frankfurt am Main vier Festnahmen in mutma\u00dfliche Anh\u00e4nger der arabischen Mudjahedin und der Al Qaeda Frankfurt am Main des Usama Bin Laden fest. Bei ihnen wurden Waffen und Grundstoffe zur Herstellung von Sprengstoff gefunden. Sie stehen im Verdacht, eine Bestrafungsaktion gegen politische Gegner und Einrichtungen westlicher Staaten vorbereitet zu haben, f\u00fcr die sie in Trainingslagern des Usama Bin Laden ausgebildet wurden. Gegen die aus Algerien, dem Irak und Frankreich stammenden Personen ergingen Haftbefehle. 4.5 Hizb Allah (Partei Gottes) Deutschland Bayern Mitglieder: 800 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Sitz: M\u00fcnster Publikation: Al-Ahd (Die Verpflichtung) Die Hizb Allah (auch: Hisbollah) ist eine auf Initiative des Iran gegr\u00fcnSchiitisch-extremisdete schiitische Partei, die seit 1992 im libanesischen Parlament vertische Ideologie treten ist. Sie wird vom Iran finanziell, materiell und ideologisch unterst\u00fctzt. Zu ihr geh\u00f6ren verschiedene Wohlfahrtsorganisationen sowie der \"Islamische Widerstand\" (Muqawame Islamiya), der als milit\u00e4rischer Arm der Organisation insbesondere den bewaffneten Kampf gegen israelische Milit\u00e4reinheiten im libanesisch-israelischen Grenzgebiet f\u00fchrte. Bis zum Mai war die von Israel seit 1978 besetzte \"Sicherheitszone\" im S\u00fcdlibanon Schauplatz milit\u00e4rischer Auseinandersetzungen. Die Hizb Allah feierte den damaligen israelischen R\u00fcckzug aus der \"Sicherheitszone\" als Erfolg ihres langj\u00e4hrigen Kampfes. In mehreren St\u00e4dten Deutschlands fanden \"Siegesfeiern\" statt. Bei einer solchen Feier am 10. Juni in M\u00fcnchen, an der rund 200 schiitische Gl\u00e4ubige aus dem Irak, Libanon, Iran und der T\u00fcrkei teilnahmen, wurde der heldenm\u00fctige Kampf der M\u00e4rtyrer des \"Islamischen Widerstands\" ger\u00fchmt, der ein Vorbild f\u00fcr andere V\u00f6lker sei. Die Hizb Allah nahm den seit Ende September eskalierenden NahostAktionen im Konflikt zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern wiederholt zum Nahost-Konflikt Anlass milit\u00e4rischer Aktionen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet; ferner entf\u00fchrte sie Soldaten der israelischen Armee. In Deutschland","188 Ausl\u00e4nderextremismus und im \u00fcbrigen westlichen Ausland waren dagegen weder Anschl\u00e4ge noch sonstige gewaltsame Reaktionen von Anh\u00e4ngern der Hizb Allah zu verzeichnen. Die von der Hizb Allah fr\u00fcher geforderte Errichtung einer \"Islamischen Republik\" im Libanon nach dem Beispiel des Iran genie\u00dft heute keine Priorit\u00e4t mehr. Vielmehr bekundete die Organisation ihre Bereitschaft, sich in das politische System des Libanon zu integrieren, Kurswechsel um durch politische Aktivit\u00e4ten gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen im Libanon herbeizuf\u00fchren. In Deutschland ist die F\u00fchrung der Hizb Allah weiterhin bestrebt, die Anh\u00e4ngerschaft neu zu organisieren. Diesem Zweck dienen auch h\u00e4ufige Besuche hochrangiger Funktion\u00e4re und islamischer \"Geistlicher\". 5. Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 100 Aktivisten 300 Sympathisanten Gr\u00fcndung: 1981 in Paris Sitz: K\u00f6ln Publikationen: Modjahed (K\u00e4mpfer), Freiheit f\u00fcr Iran Islamisch-extreDer NWRI wurde unter Federf\u00fchrung der islamisch-extremistischen mistische AusrichVolksmodjahedin als Zusammenschluss iranischer oppositioneller tung Gruppierungen gegr\u00fcndet. Im August 1993 schuf der NWRI ein Exilparlament und rief die Generalsekret\u00e4rin der Volksmodjahedin, Maryam Radjavi, zur \"k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidentin des Iran\" aus. Der NWRI unterh\u00e4lt im iranisch-irakischen Grenzgebiet eine mehrere tausend K\u00e4mpfer z\u00e4hlende Rebellenarmee, die Nationale Befreiungsarmee (NLA). BedeutungsTrotz umfangreicher propagandistischer Aktivit\u00e4ten verliert der NWRI verlust - entgegen eigener Darstellung - an Bedeutung. Ursache hierf\u00fcr ist insbesondere die bei der iranischen Bev\u00f6lkerung popul\u00e4re Politik der Regierung Khatami, die den ohnehin geringen Zuspruch der Volksmodjahedin in der iranischen Bev\u00f6lkerung sowie bei den im Ausland lebenden Iranern weiter mindert. Die Volksmodjahedin sind innerhalb der iranischen Exilopposition seit Jahren isoliert, da sie f\u00fcr sich in","Ausl\u00e4nderextremismus 189 Anspruch nehmen, \"einzige demokratische Alternative\" zur iranischen Regierung zu sein. Tats\u00e4chlich weist die Organisation jedoch selbst ein erhebliches Demokratiedefizit auf, das mit einer erh\u00f6hten Gewaltbereitschaft gepaart ist. Belege hierf\u00fcr sind die streng hierarchisch ausgerichtete Kaderstruktur, der sektenartige F\u00fchrerkult um das Ehepaar Massoud und Maryam Radjavi, die Propagierung von Gewalt als legitimes Mittel zum Sturz der iranischen Regierung sowie die Durchf\u00fchrung von terroristischen Anschl\u00e4gen im Iran gegen Repr\u00e4sentanten des Staates. In Deutschland tritt der NWRI vor allem mit Spendensammlungen, Finanzierung aber auch mit Demonstrationen in Erscheinung. Die angeblich f\u00fcr humanit\u00e4re Zwecke bestimmten Gelder dienen in Wirklichkeit dem Unterhalt der weltweiten Strukturen der Volksmodjahedin sowie wohl auch der Unterst\u00fctzung der NLA. Die haupts\u00e4chlich in Asylbewerberheimen angeworbenen Aktivisten der Volksmodjahedin versuchen seit Jahren, - oft unter Versto\u00df gegen ihre Aufenthaltsbeschr\u00e4nkung und ohne Sammlungserlaubnis - Gelder zu sammeln. Die vom iranischen Staatspr\u00e4sidenten Khatami angestrebte Ann\u00e4heSt\u00f6rung ausw\u00e4rtirung des Iran an den Westen steht im Gegensatz zu den politischen ger Beziehungen Zielen des von den Volksmodjahedin dominierten NWRI. Daher nutzt die F\u00fchrung des NWRI jede M\u00f6glichkeit, um eine positive Entwicklung der deutsch-iranischen Beziehungen mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Propagandaaktionen zu verhindern. Der erste Deutschlandbesuch eines iranischen Staatsoberhaupts seit 1967 war deshalb f\u00fcr den NWRI ein besonders wichtiges Ereignis. Khatamis Aufenthalt vom 10. bis 12. Juli bot dem NWRI die Gelegenheit, in Deutschland medienwirksam zu protestieren. Bei einer vom NWRI organisierten Kundgebung demonstrierten am Protestaktionen 10. Juli in Berlin bis zu 7.000 oppositionelle Iraner, darunter auch gegen den Besuch etwa 300 NWRI-Anh\u00e4nger aus Bayern, gegen den Staatsbesuch und des iranischen die iranische Regierung. Eine weitere Demonstration des NWRI mit Staatspr\u00e4sidenten etwa 300 Teilnehmern fand am 12. Juli in Weimar statt. Geplante St\u00f6raktionen konnten von den Sicherheitskr\u00e4ften verhindert oder unterbunden werden. Da das Resultat der Proteste aufgrund der umfangreichen polizeilichen Gegenma\u00dfnahmen weit hinter den Erwartungen der Verantwortlichen zur\u00fcckblieb, reagierte die Anh\u00e4ngerschaft der Volksmodjahedin mit erheblicher Entt\u00e4uschung. Inwieweit sich dies auf k\u00fcnftige Aktivit\u00e4ten des NWRI auswirken wird, ist offen.","190 Ausl\u00e4nderextremismus 6. Israel-Pal\u00e4stina-Konflikt Ein Besuch des israelischen Oppositionspolitikers Ariel Sharon am 28. September auf dem Tempelberg in Jerusalem zur Demonstration j\u00fcdischer Pr\u00e4senz l\u00f6ste in den pal\u00e4stinensischen Autonomiegebieten, in Jerusalem und an der libanesisch-israelischen Grenze die seit Jahren schwersten Auseinandersetzungen zwischen Pal\u00e4stinensern, Angeh\u00f6rigen der libanesischen Hizb Allah und israelischen Sicherheitskr\u00e4ften aus. Die in der Folgezeit eskalierende Gewalt f\u00fchrte zum vorl\u00e4ufigen Ende des Friedensprozesses zwischen Israel und den Pal\u00e4stinensern. Radikale Araber pr\u00e4gten f\u00fcr ihren Aufstand, der bis zur L\u00f6sung des Pal\u00e4stinakonflikts andauern solle, den Begriff \"Al-Aqsa-Intifada\". Die Unruhen forderten auf beiden Seiten zahlreiche Todesopfer. Der Nahost-Konflikt emotionalisierte alle in Deutschland lebenden Ausl\u00e4nder aus arabischen Herkunftsl\u00e4ndern, insbesondere Pal\u00e4stinenser und Libanesen. Pal\u00e4stinensische Gruppierungen bekundeten mit Demonstrationen und Mahnwachen ihre Solidarit\u00e4t mit ihren Landsleuten im Nahen Osten. Besonderes Engagement zeigten hierbei Anh\u00e4nger des Islamischen Bunds Pal\u00e4stina (IBP), der sich als deutscher Zweig der \"Islamischen Widerstandsbewegung\" (HAMAS) betrachtet. Am 1. Oktober demonstrierten 300 Personen, darunter Mitglieder der HAMAS, vor der israelischen Botschaft in Berlin gegen die \"Massenmorde der israelischen Besatzungsarmee an der pal\u00e4stinensischen Bev\u00f6lkerung\". Am 6. und 7. Oktober organisierten Angeh\u00f6rige pal\u00e4stinensischer Gruppierungen unter Beteiligung der Hizb Allah (Partei Gottes) und HAMAS bundesweite Demonstrationen, um vor dem Hintergrund der Krisensituation im Nahen Osten sowohl einen unabh\u00e4ngigen Staat Pal\u00e4stina mit der Hauptstadt Jerusalem als auch die R\u00fcckkehr der Pal\u00e4stinenser in ihre Heimat zu fordern. An den Veranstaltungen beteiligten sich am 6. Oktober in Berlin etwa 3.800, am 7. Oktober in Frankfurt etwa 2.800, in Bonn 600, in Essen 550 sowie in Hamburg rund 800 Personen. Auf der Berliner Veranstaltung bezeichneten Sprecher \"Israelis\" als Kinderm\u00f6rder. In Essen brachen nach der Abschlusskundgebung etwa 200 Personen pl\u00f6tzlich in Richtung \"Alte Synagoge\" auf und bewarfen das Geb\u00e4ude und Polizeibeamte mit Steinen. Mehrere Beamte erlitten Verletzungen. Der Sachschaden an der Synagoge betr\u00e4gt mehr als 100.000 DM. Die Polizei stellte zahl-","Ausl\u00e4nderextremismus 191 reiche Waffen und gef\u00e4hrliche Gegenst\u00e4nde sicher und nahm insgesamt 175 Personen vorl\u00e4ufig fest; gegen drei von ihnen ergingen Haftbefehle wegen schweren Landfriedensbruchs. In M\u00fcnchen veranstaltete das von der Muslimbruderschaft (MB) beeinflusste Islamische Zentrum M\u00fcnchen (IZM) am 6. Oktober eine Demonstration mit etwa 350 Teilnehmern unter dem Motto \"Gegen die Regierung von Israel - Wir brauchen Frieden in Nahost\". Kundgebungsteilnehmer verbrannten drei israelische Fahnen. Zeitgleich fand in N\u00fcrnberg eine Veranstaltung des MB-beeinflussten Islamischen Zentrums N\u00fcrnberg statt, die friedlich verlief. In der Zeit vom 12. bis 14. Oktober organisierten Angeh\u00f6rige pal\u00e4stinensischer Organisationen neben \u00f6ffentlichen Kundgebungen im benachbarten Ausland auch Veranstaltungen in Aachen, Dortmund, Duisburg, Erlangen, Freiburg, Hamburg, M\u00fcnchen, Saarbr\u00fccken und Wuppertal. Am 21. Oktober demonstrierten rund 3.000 Personen vornehmlich arabischer Herkunft in Berlin gegen die \"israelische Aggressionspolitik\". Demonstrationsteilnehmer verbrannten israelische Fahnen und bewarfen ein Polizeifahrzeug mit Steinen. In der Nacht zum 3. Oktober warfen ein 20 Jahre alter Deutscher marokkanischer Herkunft und ein in Jordanien geborener Pal\u00e4stinenser drei Molotowcocktails \u00fcber den Schutzzaun der j\u00fcdischen Synagoge in D\u00fcsseldorf. Durch das beherzte Eingreifen einer deutschen Passantin konnten die Brands\u00e4tze gel\u00f6scht werden, ohne dass gr\u00f6\u00dferer Schaden entstand. Die beiden T\u00e4ter erkl\u00e4rten nach der Festnahme, sie h\u00e4tten ein Zeichen gegen die Gewalt Israels im Kampf gegen die Pal\u00e4stinenser setzen wollen.","192 Ausl\u00e4nderextremismus 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Arabische und algerische Gruppen Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) Al Hourriah (Die Freiheit) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) Al Hadaf (Das Ziel) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Democratic Palestine - zweimonatlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas Ila-Al-Amam (Vorw\u00e4rts) -Generalkommando(PFLP-GC) - w\u00f6chentlich - marxistisch-leninistisch Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Ahd (Die Verpflichtung) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Muslimbruderschaft (MB) Risalatul-Ikhwan Zentrale: Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) - w\u00f6chentlich - sunnitisch-extremistisch Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) und Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) sunnitisch-extremistisch Islamische Heilsfront (FIS) Al Ribat (Das Band) sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) Al-Jamaa (Die Gruppe) sunnitisch-extremistisch - monatlich - Al Quital (Die Schlacht) - w\u00f6chentlich - Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) sunnitisch-extremistisch Jihad Islami (JI) sunnitisch-extremistisch Internationale Islamische Front und Al-Qaeda sunnitisch-extremistisch","Ausl\u00e4nderextremismus 193 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 2. Iranische Gruppen Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Modjahed (K\u00e4mpfer) Sitz: K\u00f6ln - w\u00f6chentlich - Freiheit f\u00fcr Iran - unregelm\u00e4ig - Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e.V. (IMSV) Sitz: K\u00f6ln islamisch-extremistisch Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) Qods (Jerusalem) islamisch-extremistisch - unregelm\u00e4\u00dfig - 3. Kurdische Gruppen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) marxistisch-leninistisch - monatlich - (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan-Report - zweimonatlich - Teilorganisationen der PKK: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Kurdische Demokratische Volksunion (YDK) bisher: Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Nebenorganisationen der PKK: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (am 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. (bisher: HUNERKOM) Partei der freien Frauen (PJA) Jina Serbilind (Die stolze Frau) bisher: Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) - viertelj\u00e4hrlich -","194 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) Sterka Ciwan (Stern der Jugend) - zweimonatlich - Verband der StudentInnen aus Kurdistan (YXK) Ronahi (Licht) - dreimonatlich - Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) Z\u00fclfikar - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Isci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu Marxisten-Leninisten (TKP/ML) (Arbeiter-Bauern-Befreiung) - unregelm\u00e4\u00dfig - Partizan-Fl\u00fcgel Partizan (Der Partisan) - monatlich - Halkin G\u00fcnl\u00fcg\u00fc (Tagebuch des Volkes) - vierzehnt\u00e4gig - DABK-Fl\u00fcgel Partizan (Der Partisan) (Ostanatolisches Gebietskomitee) - monatlich - \u00d6zg\u00fcr Gelecek (Freie Zukunft) - vierzehnt\u00e4gig - T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation der TKP/ML Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg -Partizan-Fl\u00fcgelF\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland (ADHF) -DABK-Fl\u00fcgel-","Ausl\u00e4nderextremismus 195 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) -Partizan-Fl\u00fcgel- - unregelm\u00e4ig - Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) -DABK-Fl\u00fcgelBolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Bolsevik Partizan (BP-KK/T) (Bolschewistischer Partisan) (Abspaltung von der TKP/ML) - monatlich - Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) in Deutschland seit 09.02.1983 verboten; nach dem Verbot in zwei Fraktionen (Karatasbzw. Yagan-Fl\u00fcgel) zerfallen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front (DHKP-C) Kurtulus aus dem Karatas-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen; (Befreiung f\u00fcr das Volk) in Deutschland seit 13.08.1998 verboten - w\u00f6chentlich - Vatan (Vaterland) - w\u00f6chentlich - T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front (THKP-C Devrimci Sol) Devrimci C\u00f6z\u00fcm (Revolution\u00e4re aus dem Yagan-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen; L\u00f6sung) in Deutschland seit 13.08.1998 verboten - monatlich - Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei \u00d6zg\u00fcr Atilim (Der freie Angriff) (MLKP) - vierzehnt\u00e4gig - Basisorganisation der MLKP: F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - Sitz: Frankfurt am Main 4.3 Islamische Extremisten Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) Publizistisches Sprachrohr: Sitz: K\u00f6ln Milli Gazete (Nationale Zeitung) - t\u00e4glich - Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) \u00dcmmet-i Muhammed (Die Gemeinde bisher: Verband der islamischen Vereine und Mohammeds) Gemeinden e.V. (ICCB) - w\u00f6chentlich - Sitz: K\u00f6ln","196 Scientology-Organisation 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) Deutschland Bayern Mitglieder: 5.000 bis 6.000 etwa 2.600 Vorsitzender: David Miscavige Gr\u00fcndung: 1952 Los Angeles (Church of Scientology International) Sitz: Los Angeles, USA (in Deutschland unselbst\u00e4ndige Teilorganisationen z.B. \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\") Publikationen: Freiheit, Impact, Ursprung, Source u.a. 1. Zur Geschichte der SO Pers\u00f6nlichkeitsIm Jahre 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Buchautor L. Ron manipulation als Hubbard (1911 bis 1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die neue Therapie moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit\". Darin stellte er seine \"Technologie\" zur \"Heilung psychosomatischer Krankheiten und geistiger St\u00f6rungen\" vor. In den folgenden Jahren kam es zur Gr\u00fcndung so genannter \"Dianetik-Zentren\" und schlie\u00dflich zum Aufbau der SO. Hubbard erkl\u00e4rte sein von ihm entwickeltes Verfahren der Psychomanipulation, das er zusammen mit einer totalit\u00e4ren Organisationslehre und -technik in Form eines Kommandosystems (\"AdminEtikettentech\") entwickelt hat, zwei Jahre sp\u00e4ter zur Religion und gr\u00fcndete schwindel die erste \"Kirche\". Er hoffte, damit seine Organisation gegen staatliche Eingriffe abzusichern. Seit Jahrzehnten liegt die SO im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Vorw\u00fcrfe lauten beispielsweise auf Betrug und Wucher gegen\u00fcber Kunden, Bedrohung und N\u00f6tigung von Kritikern, auf Verschw\u00f6rung gegen die Regierung, Steuerhinterziehung und Bildung einer kriminellen Vereinigung. Im Jahre 1972 Ermittlungen begannen Bundesbeh\u00f6rden in den USA, umfangreiche Untersuchungegen die SO gen gegen die SO und Hubbard einzuleiten. Die amerikanische Steuerbeh\u00f6rde Internal Revenue Service (IRS) ermittelte gegen die SO wegen Steuervergehen. Auch Interpol war mit der SO und ihrer obersten Autorit\u00e4t, Hubbard, befasst.","Scientology-Organisation 197 Hubbard antwortete im Jahr 1973 mit der \"Operation Snow White\" (\"Operation Schneewittchen\"). Ziel war, kritische Berichte \u00fcber die SO bei Regierungsbeh\u00f6rden - vor allem in den USA, Gro\u00dfbritannien und der Bundesrepublik Deutschland - zu beseitigen. Die SO behauptet zwar, illegale Aktionen im Rahmen dieses Programms seien ohne Billigung von Hubbard durchgef\u00fchrt worden. Ein ma\u00dfgeblicher Mitarbeiter widerlegte dies jedoch. Im November 1973 erteilte die damals rangh\u00f6chste Scientologin im so genannten Guardian Office, Jane Kemper, im Rahmen der Operation Schneewittchen den Auftrag, alle Interpol-Dokumente in den Angriff auf Besitz der Organisation zu bringen, die sich mit der SO und L. Ron Interpol Hubbard besch\u00e4ftigen. Im Oktober 1974 gab Jane Kemper - zu dieser Zeit in der Position des \"Guardian World-Wide\" (weltweiter Sicherheitsbeauftragter) - die Anweisung, die B\u00fcros der IRS und die Steuerabteilung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten \"zu infiltrieren, um alle Akten \u00fcber Scientology und ihren Gr\u00fcnder L. Ron Hubbard in ihren Besitz zu bringen sowie alle pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen von Amtsanw\u00e4lten, die die Regierung in Sachen Scientology vertreten\". Im November 1974 installierten SO-Agenten im Konferenzraum der Kriminelle Finanzbeh\u00f6rde eine elektronische Abh\u00f6rvorrichtung. Damit wurden Spionageangriffe Gespr\u00e4che von Finanzbeamten abgeh\u00f6rt, bei denen \u00fcber Steuerauf US-Beh\u00f6rden angelegenheiten der SO verhandelt wurde. Ebenfalls im November gelang es den Scientologen, einen Agenten als Schreibkraft in die Finanzbeh\u00f6rde einzuschleusen. Bereits 14 Tage sp\u00e4ter hatte dieser Akten beiseite geschafft. Dies war der Anfang eines Massendiebstahls von Beh\u00f6rdenakten durch SO-Agenten, der sich \u00fcber das ganze Jahr 1975 erstreckte. Nach der Unterwanderung der Finanzbeh\u00f6rde wurde erneut versucht, in den Besitz der Interpol-Akten \u00fcber die SO und Hubbard zu kommen. Der Auftrag verlangte eine Unterwanderung von Regierungsstellen, welche \"die Befugnis hatten, Hubbard unter Strafandrohung vorzuladen oder Gerichtsverfahren gegen ihn einzuleiten\". Im Februar 1976 gelang es den Scientologen, eine Sekret\u00e4rin in das Justizministerium der USA einzuschleusen. Mitte M\u00e4rz 1976 brachen die Guardian-Office-Scientologen in den Raum der Finanzbeh\u00f6rde ein, in dem die Materialien zur Fertigung von Ausweisen lagen. Zwei SO-Agenten stellten sich selbst offizielle Beglaubigungsschreiben der Finanzbeh\u00f6rde aus. Immer neue Akten gelangten in den nachfolgenden Monaten in die H\u00e4nde der SO.","198 Scientology-Organisation Der unabl\u00e4ssige Schwund von Akten machte schlie\u00dflich die Beh\u00f6rden aufmerksam. Am 11. Juni 1976 wurden zwei der Top-Agenten auf frischer Tat ertappt. Am 8. Juli 1977 f\u00fchrten daraufhin 134 \"Detectives\" des FBI in den SO-B\u00fcros in San Francisco und Los Angeles Hausdurchsuchungen durch. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter die gestohlenen Akten aus den Beh\u00f6rden. Verurteilungen Am 26. Oktober 1979 wurden neun hohe Funktion\u00e4re der \"Scienwegen Verschw\u00f6tology-Kirche\" von einem amerikanischen Bundesgericht wegen rung gegen die Diebstahls und Verschw\u00f6rung gegen die Regierung verurteilt. HauptUS-Regierung angeklagte war die Ehefrau Hubbards, Mary Sue Hubbard. Das Beweismaterial zur \u00dcberf\u00fchrung Hubbards reichte damals nicht aus. In der Folge kam es zu einem internen Machtkampf. Die geplante Macht\u00fcbernahme einiger junger Scientologen nahm nunmehr konkrete Z\u00fcge an. Hubbard war krank und musste sich vor den Beh\u00f6rden verstecken. Hubbards Am 24. Januar 1986 wurde L. Ron Hubbard von der neuen F\u00fchrungsNachfolger spitze der SO f\u00fcr tot erkl\u00e4rt. Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde seines Todes sind ungekl\u00e4rt. Auch nach dem Tode Hubbards dauerte der Machtkampf um die k\u00fcnftige F\u00fchrung der SO an. An dessen Ende setzte sich David Miscavige durch. Er f\u00fchrt heute die SO. Steuerbefreiung 1993 erreichte die SO mit einem Vergleich, von der obersten amein den USA rikanischen Steuerbeh\u00f6rde IRS als gemeinn\u00fctzig anerkannt zu werden. Nach einem Bericht der \"The New York Times\" setzte die SO dabei schmutzige Methoden der Einsch\u00fcchterung und Erpressung ein. Mitarbeiter der IRS wurden bis in die Privatsph\u00e4re hinein ausspioniert und zum Teil wegen erfundener Behauptungen mit rund 200 Prozessen \u00fcberzogen. Die Anleitung f\u00fcr dieses Vorgehen ist in einem Richtlinienbrief Hubbards vom 15. August 1960 \u00fcber die Einrichtung eines \"Department of Government Affairs\" enthalten, der Methoden beschreibt, mit denen Regierungen gef\u00fcgig gemacht werden sollen. 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten Anhaltspunkte f\u00fcr Nach Feststellung der Konferenz der Innenminister von Bund und verfassungsfeindL\u00e4ndern vom 5./6. Juni 1997 liegen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr lichkeit verfassungsfeindliche Bestrebungen der SO vor. Sie ergeben sich vor","Scientology-Organisation 199 allem aus den Handlungsanleitungen f\u00fcr das so genannte Management, d.h. den Leitungskader, den \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re und den weltweiten Aktivit\u00e4ten der Organisation. Deshalb besteht der gesetzliche Auftrag zur Beobachtung. Ein Bericht \u00fcber erste Beobachtungsergebnisse wurde der Innenministerkonferenz f\u00fcr ihre Herbstsitzung 1998 vorgelegt. Dieser Bericht ist im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.verfassungsschutz.nrw.de/dokument.htm Die Ideologie der SO st\u00fctzt sich im Wesentlichen auf die Schriften von L. Ron Hubbard, die nach eigenen Aussagen der Gruppierung unver\u00e4ndert G\u00fcltigkeit besitzen. Auch \u00e4ltere programmatische \u00c4u\u00dferungen Hubbards, die sich unter anderem in den so genannten \"policy letters\" (Richtlinienbriefen) der SO finden, werden den Mitarbeitern der SO nach wie vor als verbindliche Orientierung vorgegeben. 2.1 Schriften der SO Analysen einer Vielzahl von Prim\u00e4rmaterialien der SO zeigen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass bei der Organisation politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen vorliegen. Dies folgt aus dem generellen Absolutheitsanspruch der scientologischen Ideologie. Dieser bezieht sich nicht nur darauf, im Besitz der einzigen Ver\u00e4nderung der Wahrheit zu sein, sondern erfasst den Menschen in all seinen pers\u00f6nGesellschaft mit lichen sowie zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen SO-Techniken Lebensbereichen, sobald er in das Kontrollsystem der Organisation eingebunden ist. Bereits vom Grundgedanken von Scientology ergeben sich politische Dimensionen daraus, dass mit scientologischer \"Technologie\" nicht nur der Einzelne, sondern die gesamten gesellschaftlichen und staatlichen Verh\u00e4ltnisse im Sinn einer grunds\u00e4tzlichen Neuordnung der Gesellschaft ver\u00e4ndert werden sollen. In diesem Sinn wird eine verfassungsfeindliche Wertordnung nicht nur propagiert, sondern eine solche soll als verbindlicher Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat und Gesellschaft etabliert werden. Ziel der SO ist es, zur angeblichen Optimierung des Einzelnen und aller sozialen Bereiche Gesellschaft und Staat in ein nach psychound sozialtechnischen Technokratisches Prinzipien (social engineering) zentral gesteuertes Kommandosystem Kommandosystem zu verwandeln.","200 Scientology-Organisation Festhalten Die SO in Deutschland bekennt sich auch in ihren aktuellen Ver\u00f6ffentan Hubbard lichungen ausdr\u00fccklich zur Person und der unver\u00e4nderbaren politischen Programmatik ihres Gr\u00fcnders. Verschiedene programmatische \u00c4u\u00dferungen der SO deuten sogar darauf hin, dass sie ihre Ziele k\u00e4mpferisch-aggressiv verwirklichen will. Von Mitgliedern wurde entsprechend einer Werbebrosch\u00fcre der International Association of Scientologists (IAS) erwartet, dass sie \"die Zerschlagung von Gruppen unterst\u00fctzen, die den Zweck verfolgen, die Anwendung der Scientology-Technologie zu verhindern\". Eine \u00c4nderung der ideologischen Ausrichtung ist nicht erkennbar; vielmehr werden weiter Schriften im genannten Sinn ver\u00f6ffentlicht. Auch wird strikt an den internen Richtlinien und den so genannten \"policy letters\" festgehalten. 2.1.1 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft Bereits in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hatte Hubbard auf die politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre und Technik hingewiesen. Mit der Entwicklung seiner totalit\u00e4ren \"Admintech\", die in elf B\u00e4nden niedergelegt ist, hat sich Hubbard ein sozialtechnisches Instrumentarium geschaffen, um sich Gruppen zu unterwerfen. Dies zeigt weiter, dass Hubbard mit der Schaffung und der PraktiziePolitische rung seiner \"Technologie\" einen politischen Anspruch verfolgte. Es Zielsetzung soll eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden. Diese neue \"wahre Demokratie\" soll an die Stelle der bisherigen Demokratien treten. Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, dass zun\u00e4chst 10 bis 15 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den so genannten Nichtaberrierten, den Clears, besteht. Gleichzeitig soll die \"Admintech\" zur Organisation aller gesellschaftlichen Gruppen und der Regierungen weltweit Verwendung finden. Nach der im Jahr 1990 erschienenen SO-Schrift \"Neue Zivilisation - Reference Pack\" ist Ziel der SO eine \"neue Zivilisation\". Um dies zu erreichen, sollen Scientologen u.a. \"eine Verschw\u00f6rung kreieren, durch die sich der Machtfaktor immer weiter und weiter ausdehnt\". Auch die von der Kopenhagener Europazentrale der SO, dem Continental Liaison Office (CLO), herausgegebene \"Sicherheitsbrosch\u00fcre\" enth\u00e4lt Passagen, die auf das politische Ziel der SO hindeuten, weltweit eine nach ihren Vorstellungen gestaltete totalit\u00e4re Kontroll-Gesellschaft","Scientology-Organisation 201 zu errichten. Anlass f\u00fcr die Herausgabe dieser Schrift war die Durchsuchung von f\u00fcnf Vereinsr\u00e4umen der SO in M\u00fcnchen am 10. Februar 1998 durch die Staatsanwaltschaft beim Landgericht M\u00fcnchen I. 2.1.2 Lenkung der Regierung durch Scientology Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt \"International City\" vor. Hubbard hatte darin u.a. erkl\u00e4rt, die SO sei nur am Planeten interessiert. Hubbard forderte in seinem Vortrag letztlich, alle derzeit existierenden Hauptst\u00e4dte der verschiedenen Staaten zugunsten der SO zu entmachten, die Welt quasi von seiner Projekt Hauptstadt - International City - aus zu regieren: Weltregierung \"Wir hatten in letzter Zeit einige Probleme mit Regierungen. Meiner Meinung nach waren sie unversch\u00e4mt. Sie waren respektlos und ich habe mir das gr\u00fcndlich angesehen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass wir das nicht hinnehmen sollten.\" Im November 1997 wurde die Hubbard-Anweisung vom 13. M\u00e4rz 1961 bekannt. Danach soll ein \"Department f\u00fcr Beh\u00f6rdenangelegenheiten\" u.a. \"st\u00e4ndigen Druck auf Regierungen aus\u00fcben, um Gesetzgebung Druck auf von Gruppen zu verhindern, die der Scientology entgegenstehen\". Regierungen Beh\u00f6rden und unabh\u00e4ngige Gerichte werden von der SO als \"Gefahr\" gesehen, der man begegnet, indem \"immer ausreichend Drohungen gegen sie gesucht oder erfunden werden\". Die genannte \"Abteilung\" hat \u00fcber den Bereich \"Sicherheit\" hinaus zudem die wesentliche Aufgabe, die \"Clear Deutschland-Kampagne\" fortzusetzen. 2.1.3 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems Eine Ausgabe der SO-Zeitschrift \"Freiheit\" aus dem Jahr 1997 enth\u00e4lt unkommentiert einen Artikel Hubbards mit der \u00dcberschrift \"Ehrliche Menschen haben auch Rechte\". Dieser befasst sich mit der Bedeutung der Rechte des Beschuldigten oder Angeklagten im Strafverfahren und der Rechtsf\u00e4higkeit des Einzelnen aus der Perspektive der SO. Der Beschuldigte oder Angeklagte soll sich im Strafverfahren zu seiner Verteidigung nicht auf Rechte berufen d\u00fcrfen. Vielmehr wird der Kreis der Rechtstr\u00e4ger auf die im Sinn der SO-Ethik \"Ehrlichen\" Rechte nur beschr\u00e4nkt, also nur auf diejenigen, die sich der SO verschrieben f\u00fcr \"ehrliche\" haben. Die nur eingeschr\u00e4nkte Geltung aller Rechte, also auch der Menschen Grundbzw. Menschenrechte, geh\u00f6rt zu den von Hubbard auf-","202 Scientology-Organisation gestellten programmatischen Standardforderungen f\u00fcr die von ihm und der SO angestrebte \"Zivilisation\". Die Beschr\u00e4nkung der Rechtsf\u00e4higkeit auf die \"Ehrlichen\" ist auch in der Ausgabe 75/1997 der Zeitschrift \"Impact\" als Ziel der IAS f\u00fcr das Jahr 1998 aufgef\u00fchrt. Es hei\u00dft dort unter der \u00dcberschrift \"Die Ziele der IAS f\u00fcr 1998\": \"Der Zweck der IAS ist es, die Scientology-Religion und Scientologen in allen Teilen der Welt zu vereinigen, damit die Ziele, wie L. Ron Hubbard sie aufgestellt hat, erreicht werden: 'Eine Zivilisation, in der die F\u00e4higen erfolgreich sein und ehrliche Wesen Rechte haben k\u00f6nnen', ...\" \"Handbuch des Im bereits 1959 erschienenen \"Handbuch des Rechts\" \u00e4u\u00dfert sich Rechts\" L. Ron Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechtssystems. Es enth\u00e4lt verschiedene Passagen mit tats\u00e4chlichen Anhaltspunkten f\u00fcr das Ziel der SO, eine Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft zu errichten. Danach wird es im scientologischen Gesellschaftssystem keine Menschenund Grundrechte mehr geben, wie sie im Grundgesetz definiert sind. Im scientologischen Rechtssystem sind auch keine unabh\u00e4ngigen Gerichte vorgesehen. Vielmehr erforscht ein nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst (vgl. auch Nummer 3.2.4 dieses Abschnitts) Sachverhalte und ergreift Ma\u00dfnahmen. 2.1.4 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis - aggressive Expansionstechnik Totale DisziIn einem Grundlagenwerk fordert Hubbard \"totale Disziplin\". Um die plinierung der Macht zu behalten, so offenbar der Gedanke von Hubbard in seinem Anh\u00e4nger Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\", m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterlistig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten w\u00fcrde man die Macht verlieren. Die im \"Handbuch des Rechts\" empfohlenen Operationen zur \"Abwehr\" von \"Unterdr\u00fcckern\" lassen erkennen, dass die SO gewillt ist, die im Grundgesetz konkretisierten Grundrechte abzuschaffen oder hinsichtlich ihres Schutzbereichs verfassungswidrig einzuschr\u00e4nken und dadurch eine totale, das hei\u00dft eine nicht durch Gesetz und Recht im Sinn des Grundgesetzes begrenzte Kontrolle des Einzelnen durch die SO zu erreichen. Ein HCO-Richtlinienbrief vom 11. Mai 1971, der noch aktuell als Schulungsunterlage Verwendung findet, enth\u00e4lt u.a. Anweisungen","Scientology-Organisation 203 f\u00fcr Scientologen, wie im Fall eines gr\u00f6\u00dferen Widerstands bei der Durchsetzung von Zielen der SO zu verfahren ist: \"Wenn Geld und Gewalt regieren und Meinungsf\u00fchrer nicht beachtet Anweisungen werden, wenn sich im Management oder in der Regierung spezielle Privizu subversiven legien einschleichen, sind Protest-PR, Streiks und Demonstrationen das Aktionen Werkzeug, das man verwendet. Wenn das nicht funktioniert oder wenn sie unterdr\u00fcckt wird (Anm.: werden), ereignen sich subversive Aktionen, allgemeine nachrichtendienstliche Aktionen, Schwarze Propaganda und andere \u00dcbel.\" 2.2 Aktivit\u00e4ten der SO 2.2.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staats Alle Aktivit\u00e4ten der SO sind auf die Expansion der Organisation ausgelegt. In diesem Zusammenhang sind auch Ma\u00dfnahmen der Kritikerbek\u00e4mpfung zu sehen. Kritiker sind alle Personen und Institutionen, die den Zielen der SO nicht zustimmen und ihrer Ausbreitung entgegenstehen. F\u00fcr deren \"Handhabung\" gibt es detaillierte Anweisungen, wie zu verfahren ist. Aus diesem Grund verunglimpft, beschimpft und verleumdet die SO Verunglimpfung seit mehreren Jahren Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschvon Politikern land. Dar\u00fcber hinaus richten sich Verunglimpfungen auch gegen die Verfassungsordnung in Deutschland selbst. Sie wird - \u00e4hnlich wie in der Propaganda der fr\u00fcheren KPD - mit derjenigen des nationalsozialistischen Deutschlands gleichgesetzt. Eine Anfang 1998 erschienene Ausgabe der \"Freiheit\" enth\u00e4lt ArtiAngriffe gegen kel, die das Bestreben der SO sichtbar machen, Werturteile und Sachdie Verfassungsverhalte zu verbreiten, aus denen sich die Verwerflichkeit der in ordnung Deutschland bestehenden Verfassungsordnung ergeben soll. Deutschland wird als Polizeistaat beschrieben, der systematisch die Religionsaus\u00fcbung unterdr\u00fccke. Die SO ver\u00f6ffentlichte des Weiteren unter der \u00dcberschrift \"Religi\u00f6se Apartheid: 1997/Teil 2 - Bericht \u00fcber die fortgesetzte Unterdr\u00fcckung von Grundrechten religi\u00f6ser Minderheiten durch deutsche Beh\u00f6rden und Regierungsstellen\" eine Schrift, die eine systematische staatliche Unterdr\u00fcckung der Scientologen in Deutschland behauptet. Schlie\u00dflich publizierte die SO im Internet in englischer Sprache unter der Bezeichnung \"About Scientology Hatewatch, The Homepage,","204 Scientology-Organisation Hatewatch Germany 1997\" Informationen \u00fcber die angebliche Diskriminierung der Scientologen in Deutschland durch Zwangsund Willk\u00fcrma\u00dfnahmen, die insbesondere der nationalsozialistischen Judenverfolgung gleichen sollen. Die Verunglimpfung gipfelte in einem Schreiben des Office of Special Affairs (OSA) - vgl. auch Nummer 3.2.4 dieses Abschnitts - vom November 1999 an alle Innenminister und Leiter der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Darin wurde dem Bayerischen Staatsminister des Innern \"zweckpolitisches Handeln\" vorgeworfen, weil er seine Warnungen vor der SO sogar auf die Aussagen \"eines drogenabh\u00e4ngigen und kriminellen Aussteigers\" st\u00fctze. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, der Staat verwende auch unrichtige Aussagen, wenn sie nur den eigenen Standpunkt st\u00fctzten. Die SO wendete dabei ihre Technik an, von Aussteigern und Kritikern ein negatives Bild zu zeichnen, um sie als unglaubw\u00fcrdig darzustellen. In diesem Kontext stehen auch Beitr\u00e4ge in der bundesweit in gro\u00dfer Anzahl verbreiteteten SO-Publikation \"Freiheit\" vom M\u00e4rz 2000. Darin polemisierte die SO erneut gegen ihre Beobachtung durch den Verfassungsschutz und unterstellte dem bayerischen Innenminister und seinen Mitarbeitern abermals rechtswidrige Praktiken sowie eine \"verfassungswidrige Diskriminierungspolitik\". 2.2.2 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung Durch effiziente Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung, der \"Technologie\", werden die Mitarbeiter in manipulativer Weise unter st\u00e4ndigen Verhaltenszwang gesetzt, um nach dem internen Fabrikation der Sprachgebrauch des Managements wie \"Maschinen\" zu \"produzieMensch-Maschine ren\", d.h. neue Kunden zu werben und zu Anh\u00e4ngern des Systems zu machen. Ziel ist es dabei, aus den als \"rohes Fleisch\" bezeichneten Kunden \"Produktionsmaschinen\" f\u00fcr die Werbung und Bearbeitung neuer Kunden zu \"produzieren\". Die Mitarbeiter unterwerfen sich diesem Reglement, weil sie aus dem engmaschigen, repressiven Kontrollsystem nur schwer ausbrechen k\u00f6nnen. Hinzu kommt, dass sich die meisten Mitarbeiter ihrer tats\u00e4chlichen Rolle innerhalb der Organisation nicht bewusst werden. Der Leistungsdruck des Systems auf die Mitarbeiter ist dabei so stark, dass sie sich dem technokratischen Regelwerk der \"Admintech\" und den Befehlen ihrer Vorgesetzten ohne Widerspruch f\u00fcgen, unter Um-","Scientology-Organisation 205 st\u00e4nden sogar unter Inkaufnahme der Verletzung staatlicher und strafbewehrter Normen. 2.2.3 Ausforschung und Bek\u00e4mpfung von Kritikern Personen, die berechtigte Kritik \u00fcben, sollen mit schikan\u00f6sen Mobbingattacken als \"Feinde\" bek\u00e4mpft werden. Ziel ist es dabei, die Gegner der SO, die als \"unterdr\u00fcckerische Personen\" bezeichnet werden, mundtot zu machen, um die Expansion des Systems ungest\u00f6rt vorantreiben zu k\u00f6nnen. Gegen Kritiker wird wegen ihrer PsychofolterGegnerschaft zur SO deshalb zun\u00e4chst \"lautstark\" oder verdeckt mit methoden totalit\u00e4geheimdienstlichen Methoden diktatorischer Staaten ermittelt. Sie rer Geheimdienste werden dann angezeigt, diffamiert, oder \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt und verklagt, bisweilen bedroht, bel\u00e4stigt und zur Zerm\u00fcrbung auch psychisch gequ\u00e4lt. In den USA scheuen sich daher manche Medien bereits, offen gegen die SO Stellung zu nehmen. 1999 wurde folgenAnleitung zur de Anweisung zur Ausforschung bekannt: Ausforschung \"1. Mach dir eine Liste von allen Stellen, die evtl. f\u00fcr uns wichtige Informationen haben oder verbreiten ... 2. Fange an, regelm\u00e4\u00dfig dort Publikationen zu bestellen oder Scientologen, die sie bereits erhalten haben, dazu zu kriegen, sie f\u00fcr dich auszuwerten ... 4. St\u00fcrze dich auf den Lebenslauf von ... und ... finde heraus, was sie in der Vergangenheit gearbeitet und ver\u00f6ffentlicht haben. 5. Berichte mir regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Fortschritt in o. e. Gebieten ...\" Aus einem weiteren Schreiben der SO geht eindeutig hervor, dass Ermittlungen \u00fcber SO-Kritiker auch im Bereich von Schule und Jugendarbeit gef\u00fchrt werden sollen: \"Nur wirklich echte Scientologen dann nach Lehrern und Sch\u00fclern des ... Gymnasiums befragen. 3. Herrn ... noch einmal aufsuchen und mit ihm zusammen ... befragen; ... gibt sich dabei als ehemaliger Sch\u00fcler von (Name der Zielperson) aus und erw\u00e4hnt ein Verh\u00e4ltnis zu Mitsch\u00fclerinnen. 4. Wer war Mitglied in der ev. Jugendgruppe in ... Liste von Namen bekommen.\" Dabei soll die Ausforschung nicht nur die Zielperson betreffen, sondern sich auch gegen unbeteiligte Familienmitglieder richten, wie dasselbe Schriftst\u00fcck belegt: \"6. Wo geht der Sohn von ... in die Schule? 7. Was macht er am Nachmittag - wer passt auf ihn auf? Ist er zuhause oder wo?\"","206 Scientology-Organisation Zur Abkl\u00e4rung eines SO-Kritikers erging die schriftliche Anweisung: \"DBC Dienstag fr\u00fch 5 Uhr\". DBC steht f\u00fcr \"Dust Bin Collection\". Dies bedeutet die Durchsuchung des Abfalls von Zielpersonen nach gegen sie verwertbarem Material. Ein vorliegender Erfahrungsbericht \u00fcber eine solche \"M\u00fclleimeraktion\" beschreibt die Vorgehensweise der Durchsuchung des Papierabfalls, wobei sich die agierenden Personen als \"M\u00fcllm\u00e4nner\" tarnten. 2.2.4 Kampagne gegen Schutzerkl\u00e4rung \u00dcber das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte der \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\", das organisatorisch dem Office of Special Affairs (vgl. auch Nummer 3.2.4 dieses Abschnitts) angegliedert ist, setzte die SO ihre 1997 bekannt gewordene Kampagne gegen die Verwendung von Schutzerkl\u00e4rungen durch deutsche Unternehmen und \u00f6ffentliche Stellen fort. Mit den Schutzerkl\u00e4rungen gegen\u00fcber Mitarbeitern und Drittfirmen wollen sich Unternehmen und \u00f6ffentliche Stellen gegen m\u00f6gliche Einflussnahmeund Ausforschungsversuche von ScientoloHohe Priorit\u00e4t gen sch\u00fctzen. Die SO r\u00e4umt dem Ziel, die Verwendung von Schutzerf\u00fcr die SO kl\u00e4rungen in der Wirtschaft zu unterbinden, hohe Priorit\u00e4t ein. So kommentierte der Leiter des OSA International, Mike Rinder, auf einer internationalen IAS-Veranstaltung im Sommer 2000 das Vorgehen gegen die im Sprachgebrauch der SO \"Sektenfilter\" genannte Schutzerkl\u00e4rung wie folgt: Die SO habe Einfluss auf US-amerikaniEinflussnahme auf sche Regierungsbeh\u00f6rden genommen, dass diese den Druck auf die US-Regierungsdeutsche Regierung erh\u00f6hten, um diese aus Sicht der SO diskriminiebeh\u00f6rden rende Praxis zu beenden. Die SO behandle die Verwendung der Schutzerkl\u00e4rung als \"langfristigen Out-Ethik-Zustand\", der \"gehandhabt\" werden m\u00fcsse. Ferner habe es die IAS in dieser Angelegenheit zu einer Anh\u00f6rung vor dem amerikanischen Kongress gebracht. Sie habe erreicht, dass Deutschland auf die so genannte \"Watch-List\" der Repr\u00e4sentantin f\u00fcr Handelsbeziehungen gesetzt wurde, einer angeblichen \u00dcberwachungsliste f\u00fcr Regierungen mit unseri\u00f6sen Gesch\u00e4ftspraktiken, die keine sicheren Handelspartner seien. Damit habe man Deutschland das Etikett einer \"unterdr\u00fcckerischen Regierung\" aufgedr\u00fcckt, wie China nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens, lateinamerikanischen Staaten ohne erfolgversprechende Drogenpolitik oder Staaten mit Staatsterrorismus. Rinder machte im weiteren Verlauf seiner Ausf\u00fchrungen deutlich, dass die Erhaltung der Funktionsf\u00e4higkeit der SO nicht nur ein Auf-","Scientology-Organisation 207 trag innerhalb der Organisation, sondern auch au\u00dferhalb der \"Kirchen\" sei. Unter dem Vorwand, eine f\u00e4lschliche Auff\u00fchrung in einer so genannEinsch\u00fcchterung ten \"schwarzen Liste\" der SO verhindern zu wollen, fragte die SO von Unternehmern deshalb bei Unternehmern an, ob sie die deutsche Schutzerkl\u00e4rung verwendeten. Mit dem Hinweis auf eventuell bestehende Gesch\u00e4ftsbeziehungen in die USA wurde den betreffenden Unternehmern suggeriert, dass diese Vorgehensweise in den USA als Diskriminierung und als Menschenrechtsverletzung angesehen werde. In einzelnen F\u00e4llen hatte die SO damit Erfolg, z.B. bei Unternehmen, die zu US-Konzernen geh\u00f6ren. 2.2.5 Nutzung des Internets Auch die SO nutzt das Internet bereits seit Jahren zur Selbstdarstellung und Werbung. Sie bietet umfangreiche und technisch aufwendig gestaltete mehrsprachige Seiten im \"world wide web\" (www) an. Diese enthalten Angaben \u00fcber politische Ziele, Teilorganisationen und aktuelle Schriften der SO. Daneben werben Scientologen weltweit mit eigenen Homepages f\u00fcr die SO, darunter auch rund 600 deutsche Mitglieder. Unter der Bezeichnung \"New Era Radio\" ist seit 24. Juli der englischNeuer Radiosender sprachige Radiosender der SO im Internet zu h\u00f6ren. Bei der Gestaltung des Programms orientiert sich die SO in der \u00e4u\u00dferen Aufmachung an kommerzielle Musik-Anbieter im Internet. Das Angebot wird mit Schlagworten wie \"Music for a new Civilization\", \"Music with a Message\" oder \"Building a better World\" angepriesen. Es besteht aus Musikbeitr\u00e4gen scientologisch orientierter K\u00fcnstler, Wortbeitr\u00e4gen mit scientologischem Gedankengut, das bereits aus Publikationen bekannt ist, und Werbeeinblendungen. Die SO nutzt damit - wie bereits auch bei ihren Publikationen und entgeltlichen Kursen - kommerzielle Formen, um Interessenten f\u00fcr ihre spezifischen Inhalte zu gewinnen. 2.2.6 Aktivit\u00e4ten im Ausland In Frankreich sind nach Presseberichten vom Oktober 1998 in einem Frankreich Gerichtsverfahren gegen die SO Hunderte von Gerichtsdokumenten","208 Scientology-Organisation aus dem Justizpalast in Paris verschwunden. In diesem Zusammenhang sieht sich die SO Vorw\u00fcrfen der Unterwanderung des Rechtssystems ausgesetzt. Im Zusammenhang mit der Vernichtung von Gerichtsakten vor einem Strafprozess gegen SO-Verantwortliche in Marseille im September 1999 hat die in Frankreich zur Bek\u00e4mpfung von Sekten eingesetzte \"Mission Interministerielle De Lutte Contre Les Sectes\" (MILS) die Vorw\u00fcrfe gegen die SO wegen Unterwanderung des Rechtssystems \u00f6ffentlich wiederholt. Der Prozess in Marseille endete mit einer Verurteilung von f\u00fcnf Verantwortlichen der SO zu Haftstrafen wegen Betrugs. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Das Verfahren in Paris gegen SO-Verantwortliche wegen Betrugs und anderer Delikte soll fortgef\u00fchrt werden. Belgien In Belgien kam es im September 1999 im Zusammenhang mit Ermittlungen der Beh\u00f6rden gegen SO-Verantwortliche u.a. wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und des Vorwurfs der organisierten Kriminalit\u00e4t zu umfangreichen Durchsuchungen in SO-Objekten. Die Verfahren sind noch nicht abgeschlossen. Nach Presseberichten sollen sich bereits Hinweise auf Steuerhinterziehung, Datenschutzverst\u00f6\u00dfe und unerlaubte Aus\u00fcbung der Heilkunde ergeben haben. \u00d6sterreich In \u00d6sterreich wurde der f\u00fcr die SO zust\u00e4ndige Familienminister nach Presseberichten von einem SO-Verantwortlichen mit der Aufdeckung angeblich belastender Details aus dem Betrieb seiner Privatfirma bedroht. Im Jahre 1999 wurde bekannt, dass an f\u00fchrender Stelle bei der Telecom Austria in Wien ein hochtrainierter Scientologe sitzt. Er hatte Zugang zum Beh\u00f6rdennetz \u00d6sterreichs und war \u00fcber die staatlichen Telefon\u00fcberwachungsma\u00dfnahmen in \u00d6sterreich informiert. Gro\u00dfbritannien In Gro\u00dfbritannien wurde der SO im Dezember 1999 die Anerkennung als Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation verweigert. Die Entscheidung stellt ausdr\u00fccklich fest, dass die SO keine Religionsgemeinschaft im Sinn der einschl\u00e4gigen Vorschriften ist und nicht zum Wohl der Allgemeinheit gegr\u00fcndet wurde. Schweden In Schweden wurde die SO als kultureller Verein registriert und steuerbefreit, in S\u00fcdafrika und Venezuela soll sie eigenen Angaben zufolge \"als Religion anerkannt\" worden sein. Osteuropa Bei der Expansion der SO in Osteuropa spielt die Org M\u00fcnchen seit Jahren eine bedeutende Rolle. In der Org M\u00fcnchen wird eine Vielzahl Osteurop\u00e4er durch Kurse ausgebildet. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Ungarn. \u00dcber deutsche Firmen mit Niederlassungen in Osteuropa wur-","Scientology-Organisation 209 de bekannt, dass scientologische Beratungsunternehmen Verwaltungstechnologie nach Hubbard in die Unternehmen transportieren und so \u00fcber die Vertriebsniederlassungen Zugang in die deutschen Hauptunternehmen erhalten. Nach Presseberichten sollen in Russland Russland weit \u00fcber f\u00fcnfzig Firmen, Banken und Kombinate Mitglied der scientologischen Wirtschaftsorganisation WISE geworden sein, darunter auch R\u00fcstungsbetriebe. Dazu k\u00e4men noch Direktoren und Manager von 28 staatlichen oder halbstaatlichen Firmen mit Zehntausenden von Mitarbeitern. Auch soll die SO Kontakte in die politische F\u00fchrungsebene haben. So berichtete die Presse, im Jahr 1999 sei ein Mitglied der SO-Vereinigung Citizens Commission on Human Rights (CCHR) als neue Justitiarin der Stadt Moskau bestellt worden. In Spanien wurde der Termin zur ersten Hauptverhandlung im StrafSpanien prozess gegen den Pr\u00e4sidenten der Church of Scientology International, Heber Jentzsch, und eine Reihe weiterer SO-Verantwortlicher wegen des Verdachts zahlreicher Straftaten wie Betrug, Steuerhinterziehung und unerlaubte Aus\u00fcbung der Heilkunde mehrfach vertagt, zuletzt auf Anfang Februar 2001. Im Internet wurden Fernschreiben zwischen der US-Botschaft in Madrid und dem US-Au\u00dfenund Justizministerium \u00fcber den in Spanien anstehenden Strafprozess gegen SO-Verantwortliche ver\u00f6ffentlicht. Danach sollen sich Beamte der US-Botschaft mit SO-Anw\u00e4lten getroffen und beratschlagt haben, wie der Prozess \"diskret\" verz\u00f6gert oder sogar vermieden werden k\u00f6nne. F\u00fcr besondere Leistungen erhielt die hochtrainierte Scientologin und Bundesstaatsanw\u00e4ltin Carla Miller von der SO eine Auszeichnung. Sie hatte f\u00fcr Jacksonville, eine Stadt in Florida mit mehr als einer Florida/USA Million Einwohnern, einen auf der Lehre der SO basierenden Ethik-Kodex entworfen, der auch Wissensberichte (Spitzelberichte) beinhaltet. Demnach wird f\u00fcr jede Abteilung der Stadtverwaltung ein Ethik-Officer ernannt, der wiederum dem h\u00f6heren Ethik-Officer untersteht. Am 25. Mai 1999 hat Jacksonville das Ethik-System als Gesetz angenommen; Frau Miller dient der Stadt nun als h\u00f6here Ethikbeauftragte. In Zukunft soll auch Unternehmen, die in Gesch\u00e4ftsbeziehungen mit der Stadt stehen bzw. zusiedelnden Wirtschaftsunternehmen die Einhaltung der Ethikprinzipien zur Auflage gemacht werden. Dies ist ein Beispiel f\u00fcr die Verwendung der scientologischen Verwaltungstechnologie im Bereich kommunaler Verwaltung bzw. Wirtschaft.","210 Scientology-Organisation 2.3 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten Ziel: Abstaffung Die zitierten Texte und Aktivit\u00e4ten sind tats\u00e4chliche Anhaltspunkte der freiheitlichen daf\u00fcr, dass die SO die bestehende demokratische und rechtsstaatliche demokratischen Ordnung durch die Etablierung einer Gesellschaft mit scientologisch Grundordnung bestimmten Normen ersetzen will. Die aufgef\u00fchrten Hinweise deuten auch auf die Absicht der SO hin, lenkenden Einfluss auf Regierungen auszu\u00fcben. Als Ziel erscheinen nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Staaten, ihre Rechtssysteme und Regierungen. Die scientologische Gesellschaft ist auf die Beseitigung des in Art. 3 Grundgesetz konkretisierten Gleichheitsgrundsatzes, die Abschaffung der universalen Geltung der Menschenrechte, der Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte und der Meinungsfreiheit gerichtet. Der unverh\u00fcllte Absolutheitsanspruch der SO ist von Gleichschaltung und Unterdr\u00fcckung gepr\u00e4gt. Meinungsfreiheit wird nur insoweit gew\u00e4hrt, als die \"Leute dem Weg der SO folgen\". Die SO bestreitet dagegen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abschaffen zu wollen. Sie behauptet vielmehr, sie zu respektieren, und negiert jegliche politische Motivation f\u00fcr ihr Expansionsstreben. Sie betont, ihr gehe es vielmehr um die \"Erl\u00f6sung\" des einzelnen Menschen. Zwar treten die einfachen Mitglieder nicht aus politischen Motiven der SO bei und bewerten Schriften mit gesellschaftsver\u00e4ndernden Absichten der SO ebenfalls wohl nicht als \u00c4u\u00dferungen mit politischem Gehalt. Sie werden jedoch zu v\u00f6lligem Gehorsam gegen\u00fcber dem System trainiert und auf das Ziel eingeschworen, durch Verbreitung von Scientology die \"Welt zu retten\". Damit werden auch zun\u00e4chst unpolitische Mitglieder in den Dienst der verfassungsfeindlichen scientologischen Ideologie gestellt. Umsetzung der Die SO will ihre Ziele nicht \u00fcber die Teilnahme an Wahlen durchsetverfassungsfeindzen. Die Umgestaltung der Gesellschaft soll vielmehr \u00fcber eine durch lichen Ziele detaillierte Vorgaben genau festgelegte Ver\u00e4nderung des Menschen - als \"Befreiung\" bezeichnet - erreicht werden. Wenn alle nach scientologischer Technologie verfahren und sich so in ihrem Willen dem System unterwerfen, werde die scientologische Gesellschaft entstehen. Zu ihrer Entstehung wird durch Werbefeldz\u00fcge, aggressive Anwerbungen und aktive Kritikerbek\u00e4mpfung nach innen und au\u00dfen unmittelbar angesetzt. Die scientologische Gesellschaft wird nach Aussagen von Insidern in \u00fcbergeordneten Organisationen der SO bereits in Planspielen skizziert.","Scientology-Organisation 211 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO Die Einrichtungen der SO in Deutschland erscheinen zwar nach Ausl\u00e4ndische au\u00dfen als rechtlich selbst\u00e4ndig, sind jedoch der strikten Befehlsund Vereinigung mit Disziplinargewalt des Internationalen Managements in den USA unselbst\u00e4ndigen unterworfen und sind daher unselbst\u00e4ndige Teile. Teilorganisationen Das Religious Technology Center (RTC) hat die oberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internationale Management der SO angesiedelt. Dieses stellt nach dem RTC die h\u00f6chste F\u00fchrungsebene der SO dar und ist daf\u00fcr verantwortlich, f\u00fcr jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Derartige Sektoren sind u.a. die Bereiche \"Church\", \"WISE\", \"ABLE\" und \"OSA\". Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watch Dog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll. 3.2 Organisation der SO in Deutschland 3.2.1 \"Scientology Kirchen\" (Church-Sektor) Derzeit existieren im Bundesgebiet zehn \"Kirchen\" (Orgs) und \"Celebrity Centres\" (CC), und zwar zwei Einrichtungen in M\u00fcnchen (eine Org, ein CC), je zwei Einrichtungen in D\u00fcsseldorf (eine Org, ein CC) und Hamburg (eine Org, ein CC) sowie jeweils eine Org in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover. Au\u00dferdem gibt es in Deutschland insgesamt elf \"Missionen\", sechs in Baden-W\u00fcrttemberg, drei in Bayern (M\u00fcnchen, Augsburg und N\u00fcrnberg) sowie jeweils eine in Bremen und Hessen. Am 23. September fand in Augsburg, Frauentorstra\u00dfe 40, die Einweihungsfeier f\u00fcr die Wiederer\u00f6ffung der Scientology Mission Augsburg e.V. statt, an der etwa 10 bis 15 Personen teilnahmen. Erstmalig gegr\u00fcndet wurde der Verein 1979 unter dem Namen \"College f\u00fcr angewandte Philosophie Scientology Mission Augsburg e.V.\", der 1986 in \"Scientology Mission Augsburg e.V.\" ge\u00e4ndert wurde.","212 Scientology-Organisation Religious The Command Chart of SCIENTOLOGY Technology - Die Kommandostruktur der Scientology-Organisation - Center (RTC) WATCHDOG COMMITTEE (WDC) [\u00dcberwachungsausschu\u00df] C Z E E Reserven OSA Programme Flag Ship Flag Sea Org Scientology Celebrity Scientology WISE ABLE Golden Era Verlags- N N R\u00fccklagen B\u00fcro f\u00fcr DienstDienstDienstOrganisaCentres Missionen Weltinstitut f\u00fcr Gesellschaft Productions organisation T T Spezielle leistungsleistungsleistungstionen V.I.P. Zentren International Scientologyf\u00fcr besseres Audiovisuelle R R Angeleorganisation organisation organisation Unternehmen Leben und Medien und A A genheiten Bildung Tontr\u00e4ger L L C C O O CMO INT Int Leitender - Direktor - International M M Commodore's Messenger Finance Office - Ebene der leitenden Mitarbeiter - Golden Era P P Organization International (IFO) - Vorstand des Internationalen Managements - Productions U U T T CMO GOLD E E R R / K O O R D I N I E R U N G D U R C H D E N \u00dc B E R WA C H U N G S A U S S C H U S S / V O R S TA N D D E S I N T E R N AT I O N A L E N M A N A G E M E N T S / D A B T CMO IXU - Flag-Netzwerk Koordinierungsausschu\u00df, geleitet durch das Flag-Befehlsb\u00fcro - A E N N FLAG COMMAND BUREAUX (FCB) K B NETWORKS FLAG BUREAUX SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR BETTER BRIDGE PUBLICATIONS A (FB) INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERPRILIVING AND EDUCATION INCORPORATED (BPI) N K (SMI INT) SES INTERNATIONAL INTERNATIONAL (Verlagshaus) (WISE INT) (ABLE INT) NEW ERA PUBLICATIONS CMO FSSO FSO CC INT C O N T I N E N TA L N E T W O R K C O O R D I N AT I O N C O M M I T T E E H E A D E D B Y C O - C O N T I N E N TA L L I A I S O N O F F I C E CONT C O N T I N E N TA L L I A I S O N O F F I C E ( C L O ) Flag Ship Flag Celebrity Service Service Centre NETWORKS FLAG SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR CONTINENTAL Org OPERATIONS LIAISON INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERBETTER LIVING AND PUBLICATIONS LIAISON Org International OFFICE CONTINENTAL PRISES CONTINENTAL EDUCATION CONTINENTAL OFFICE (CPLO) (Kontinentales Verbindungsb\u00fcro f\u00fcr (FOLO) (SMI CONT) (WISE CONT) (ABLE CONT) Publikationen) Executiv Council Executiv Council Executiv Council Aufsichtsrat Aufsichtsrat Aufsichtsrat FIELD GROUPS MISSIONS WISE SOCIAL CELEBRITY SEA ORG - Feldauditoren CHARTER REFORM CENTRE SERVICE CLASS IV - Dianetikgruppen COMMITTEES ACTIVITIES ORGANIZATIONS ORGANIZATIONS ORGANIZATIONS - OT-Komitees - GUNG HO & MEMBERS Hinweise zum besseren Verst\u00e4ndnis des Organigramms: Das RTC ist als selbst\u00e4ndige Kontrollstelle konzipiert und nicht in das so genannte Internationale Management eingegliedert. Dennoch handelt es sich beim RTC um die Befehlszentrale der SO. Das WDC leitet \u00fcber die \"F\u00fchrungskan\u00e4le\" das Management. Ein F\u00fchrungskanal stellt die Verbindung dar, \u00fcber die die internationalen Scientology-Organisationen Autorit\u00e4t aus\u00fcben. Es ist ein Befehlsweg, durch den Programme, Empfehlungen und Managementbefehle zu den Stellen flie\u00dfen, die mit der Durchf\u00fchrung beauftragt sind. Auf den \"Beobachtungsund Durchsetzungslinien\" \u00fcberwacht als verl\u00e4ngerter Arm des WDC die CMO mit ihren den verschiedenen Managementebenen zugeordneten Einheiten CMO INT, CMO GOLD, CMO IXU und CMO CONT die Erf\u00fcllung der vom WDC dem Management gegebenen Befehle. Eine Beobachtungsund Durchsetzungslinie stellt die Verbindung dar, die von den CMO-Einheiten benutzt wird, um die Befolgung von Befehlen des \u00dcberwachungsausschusses (WDC) durchzusetzen und zu kontrollieren. Netzwerk der LRH-Kommunikatoren: (LRH=L. Ron Hubbard) * Oberstes HCO Netzwerk (HCO=Hubbard Kommunikationsb\u00fcro) * Bewahrer der Technologie und Richtlinienkenntnis Netzwerk * Oberstes Netzwerk der Qualifikationsabteilungen und der Internationalen Ausbildungsorganisation Finanznetzwerk: * Finanz Durchsetzungsbeauftragter Netzwerk * Flag Finanzbeauftragter Netzwerk (FBO=Flag Banking Officer) Unter-Netzwerke: Stellvertreter FBO-Netzwerk f\u00fcr M.O.R.E. * Netzwerk der Hauseigent\u00fcmer B\u00fcro f\u00fcr Spezielle Angelegenheiten Netzwerk (OSA) Es handelt sich um selbst\u00e4ndige Scientology-Gruppen, die nicht in den Konzern eingegliedert sind. Verbindungen zum Konzern bestehen \u00fcber Kommissionsund Franchising-Vertr\u00e4ge. Anmerkung: Das Organigramm wurde erstellt nach Renate Hartwig \"Scientology. Das Komplott und die Kumpane\", 1995, sowie nach Originalvorlagen der SO.","Scientology-Organisation 213 Die genannten Einrichtungen der SO sind in Deutschland \u00fcberwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert die \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\". Diese Vereine sind jedoch Scheinselbst\u00e4ndige nur scheinbar selbst\u00e4ndig; sie haben im weltweiten, aus den USA Teilorganisationen gesteuerten System kaum eigenst\u00e4ndige Funktionen. Faktisch erfolgt die Leitung der SO-Einrichtungen nicht durch die jeweiligen Vereinsvorst\u00e4nde, sondern durch die Executive Directors und die sonstigen Funktionsinhaber nach detaillierten schriftlichen Anweisungen und Vorgaben des Internationalen Managements in den USA \u00fcber die jeweiligen Verbindungsstellen. Dies zeigt sich u.a. daran, dass Mitglieder der Eliteorganisation Sea-Org aus den USA und dem Kontinentalen Verbindungsb\u00fcro in Kopenhagen in deutsche Einrichtungen der SO abgeordnet wurden, um dort Befehle zu erteilen und f\u00fcr die richtige \"Handhabung\" der scientologischen Technologie zu sorgen. Auch die Mitglieder der einzelnen SO-Vereine haben weit \u00fcberwiegend keine Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, weil die SO laut Vereinssatzungen zwischen Vollmitgliedern und au\u00dferordentlichen Mitgliedern, die keinerlei Mitspracherechte haben, unterscheidet. So hat die \"Scientology Kirche Bayern e.V.\" (Org M\u00fcnchen) einen Mitgliederstand von etwa 2.600 Personen, von denen aber nur etwa zehn den Status eines Vollmitglieds haben. Nur Vollmitglieder sind in der Mitgliederversammlung stimmberechtigt und nur aus ihnen kann der nach au\u00dfen wirksame Vorstand gebildet werden. Die \"Scientology Kirchen\" (Orgs) und \"Missionen\" bieten Dianetik, Auditing und Ausbildung auf einer grundlegenden und einer mittleren Ebene an. \"Celebrity Centres\" offerieren Dienste f\u00fcr K\u00fcnstler und Pers\u00f6nlichkeiten des Sports und der Gesch\u00e4ftswelt. In den Einrichtungen werden Mitglieder geworben und Leistungen (Kurse, Auditing) und Waren (B\u00fccher) verkauft. Nachdem im Jahr 1998 zun\u00e4chst ein deutlicher Umsatzr\u00fcckgang zu verzeichnen war, scheinen sich die Ums\u00e4tze der Org M\u00fcnchen seitdem wieder stabilisiert bzw. sogar geringf\u00fcgig gesteigert zu haben. 3.2.2 WISE-Sektor Das World Institute of Scientology Enterprises (WISE) wurde 1979 von Wirtschaftliche der SO gegr\u00fcndet. Es besteht aus Gesch\u00e4ftsleuten oder Firmen aus und politische allen Bereichen der Wirtschaft. Schwerpunkte in Deutschland und Ausrichtung","214 Scientology-Organisation Bayern sind die Immobilienbranche und die Unternehmens-, F\u00fchrungsund Personalberatung. Zweck von WISE ist es, Geld f\u00fcr die SO zu beschaffen und durch die Verbreitung von Hubbards Technologie Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Damit kommt WISE auch eine f\u00fchrende politische Bedeutung zu. Der Schwerpunkt der Expansionsbestrebungen der SO liegt seit einiger Zeit in Osteuropa ( Russland, Ungarn ). Kontinentale WISE-B\u00fcros finden sich f\u00fcr Europa in Kopenhagen, Mailand, Budapest und Moskau. \u00dcber so genannte Hubbard Colleges of Administration wird aktiv versucht, Hubbards Verwaltungstechnologie als vorgeblich erfolgreiches westliches Know-How in russischen Unternehmen und in der Verwaltung zu etablieren. Die Provinz Nowgorod, die Industriestadt Perm, die Hauptstadt Moskau oder die Stadt Vasilieskoje sollen nach Pressemeldungen auf dem direkten Weg sein, administrativ und wirtschaftlich von SO beeinflusst zu werden. Unter den \"betreuten Objekten\" sollen sich Staatsbetriebe, mehrere R\u00fcstungsbetriebe mit der Klassifikation bis \"streng geheim\", wissenschaftliche Forschungszentren des Verteidigungsministeriums und Fernsehsender befinden. Mit der Einf\u00fchrung von Hubbards Technologie geht einher, dass im Rahmen der Unternehmenssteuerung rigide F\u00fchrungsmechanismen in das Unternehmen eingebracht werden, die zu umfassender Kontrolle der Mitarbeiter sowie zur Kontrolle des Gesamtunternehmens durch die SO f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein bayerischer Unternehmer musste dies 1999 in seiner ungarischen Niederlassung erfahren, deren Leiter scientologisch geschult worden war. \u00dcber alle Mitarbeiter wurden so genannte \"Ethik-Akten\" gef\u00fchrt. Nach Presseberichten hat der ungarische Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer t\u00e4glich einer der scientologischen Beratungsfirmen, die ihn geschult hatten, Firmen-Interna weitergegeben. In Bayern sind die WISE-Aktivit\u00e4ten nicht sehr ausgepr\u00e4gt. Federf\u00fchrend f\u00fcr WISE in Bayern ist ein Starnberger Unternehmer. Unternehmen, die scientologisch gef\u00fchrt werden oder bei denen an zentralen Stellen Scientologen besch\u00e4ftigt sind, m\u00fcssen nicht WISE-Mitglied sein. Die Gef\u00e4hrdungslage kann jedoch auch hier in gleicher Weise bestehen, wenn Hubbards totalit\u00e4re Verwaltungstechnologie dort Einzug gehalten hat.","Scientology-Organisation 215 3.2.3 ABLE-Sektor Die Association for better Living and Education (ABLE) versucht, f\u00fcr Unterwanderung die SO den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen und des Sozialbereichs scientologische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu realisieren. Zu den dem ABLE-Bereich zuzuordnenden Organisationen geh\u00f6ren unter anderem - Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen (ZIEL), - \"Applied Scholastics\" (Ausbildungsprogramm; u.a. Englisch-Fernkurse), - \"NARCONON\", eine angebliche Drogenrehabilitationsst\u00e4tte, - \"CRIMINON\", ein Programm zur angeblichen Strafgefangenenrehabilitation. Mit diesen Organisationen versucht die SO, sich als humanit\u00e4re, karitative und sozial verantwortliche Organisation darzustellen. Die Auswahl von Ausbildung, Gefangenenund Drogenrehabilitation als weiteren Schwerpunkten l\u00e4sst den Schluss zu, dass die gerade bei diesen Personengruppen gegebene M\u00f6glichkeit der leichteren Einflussnahme benutzt wird, um diese f\u00fcr die SO zu werben. 3.2.4 Office of Special Affairs (OSA) Die SO selbst stellt ihre OSA-Einrichtung f\u00fcr Deutschland mit Sitz in M\u00fcnchen als B\u00fcro f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten oder als Presseund Rechtsamt dar. Teile des OSA sind das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte und die Citizens Commission on Human Rights (CCHR). Da die CCHR weisungsgebend f\u00fcr die \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM) ist, kann dieses \u00f6ffentlichkeitswirksame Aush\u00e4ngeschild zur Bek\u00e4mpfung der Psychiatrie ebenfalls dem Bereich OSA zugerechnet werden. OSA ist die Nachfolgeorganisation einer bereits in den 60er Jahren aufgeGeheimdienst bauten Abteilung, die nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis auch Nachrichtender SO dienstund Spionagefunktionen hatte. Zahlreiche Grundlagenpapiere f\u00fcr den damaligen SO-Dienst Guardian Office (GO), z.B. f\u00fcr nachrichtendienstliche Schulung, wurden f\u00fcr den neuen Dienst als OSA-Network Orders \u00fcbernommen. Im Gegensatz zur rigiden und direkten Vorgehensweise des GO, die in der Vergangenheit zu einem internationalen Ansehensverlust der SO gef\u00fchrt hat, operiert das OSA heute erkennbar vorsichtiger, ohne seine Ziele im Wesentlichen ge\u00e4ndert zu haben.","216 Scientology-Organisation Vereinzelt konnten als Reaktion auf die Beobachtung der SO durch den Verfassungsschutz von OSA veranlasste \"Versch\u00e4rfungen\" der Sicherheitsbestimmungen und -ma\u00dfnahmen in und an den SO-Einrichtungen festgestellt werden. OSA-Mitarbeiter wurden dabei beobachtet, wie sie Methoden (beispielsweise Gegenobservation oder sonstiges konspiratives Verhalten) anwendeten, die offenbar durch spezielle nachrichtendienstliche Schulung vermittelt werden. So hielten sich anl\u00e4sslich einer Pressekonferenz im Hamburger Innensenat scientologische Observationskr\u00e4fte vom 20. bis 24. Oktober in Hamburg auf. Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, die der SO kritisch gegen\u00fcberstehen, wurden beobachtet und verfolgt. Die \u00fcber sie gewonnenen angeblichen Erkenntnisse wurden in Sonderausgaben von SO-Publikationen ver\u00f6ffentlicht mit dem Ziel, ihren Ruf zu besch\u00e4digen. Das Engagement im Bereich angeblicher Menschenrechtsverletzungen gegen Scientologen durch feindliche Staaten und ihre Beh\u00f6rden ist wesentlicher Bestandteil der Expansionsbem\u00fchungen, ebenso der von Hubbard betriebene Kampf gegen die Psychiater als \"Quelle allen \u00dcbels in der Welt\". Ende Juli wurde mit Unterst\u00fctzung aus M\u00fcnchen in Paris ein \"B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte\" er\u00f6ffnet. Weitere derartige B\u00fcros bestehen in Europa in Br\u00fcssel und M\u00fcnchen. 4. Mitglieder der SO Die SO hat bundesweit zwischen 5.000 und 6.000 Mitglieder, wobei die Organisation selbst eine deutlich h\u00f6here Zahl angibt. Der Mitgliederstand in Bayern ist mit etwa 2.600 im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Als Mitglieder werden solche Personen verstanden, die ihre Mitgliedschaft in einem SO-Verein oder einer sonstigen SO-Gliederung, z.B. im WISEoder ABLE-Bereich, schriftlich erkl\u00e4rt haben oder durch die Belegung von Kursen in einem Verein ihre Mitgliedschaft verdeutlichen. 5. Veranstaltungen der SO Die SO setzte ihre Bem\u00fchungen fort, sich der \u00d6ffentlichkeit als angeblich verfolgte Minderheitsreligion darzustellen. Dazu f\u00fchrte sie zahlreiche Veranstaltungen und Kampagnen durch.","Scientology-Organisation 217 5.1 Ausstellung \"Was ist Scientology?\" Vom 22. bis 29. M\u00e4rz veranstaltete die SO in einem Hotel am Hauptbahnhof in M\u00fcnchen zu Werbezwecken eine Ausstellung \"Was ist Scientology?\". Die Aktion war Teil einer europaweiten Wanderausstellung, die auch in sieben deutschen St\u00e4dten gastierte. Organisiert wurde die Ausstellung in M\u00fcnchen von dem \"Department of Special Affairs\" (DSA). Bei diesem handelt es sich um die deutsche Unterorganisation des scientologischen Geheimdienstes OSA mit Sitz in den USA, der in allen L\u00e4ndern mit SO-Niederlassungen t\u00e4tig ist. In den Ausstellungsr\u00e4umen lagen B\u00fccher, Zeitschriften und sonstiges Informationsmaterial zur Einsichtnahme auf. W\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten wurden die Besucher st\u00e4ndig von etwa zehn Scientologen eng begleitet. Am Er\u00f6ffnungstag warb die SO-Swingband \"Jive Aces\" im Bahnhofsgeb\u00e4ude f\u00fcr die gr\u00f6\u00dftenteils von jungen Leuten besuchte Ausstellung. Dennoch verfehlte die SO ihr Ziel, breites Interesse f\u00fcr ihre Ziele zu wecken und zahlreiche neue Mitglieder zu gewinnen. Die Zahl der Besucher blieb deutlich unter 2.000 Personen. 5.2 Veranstaltung der International Association of Scientologists (IAS) \"Kreuzzug f\u00fcr v\u00f6llige Freiheit\" Im Vorfeld der Ausstellung \"Was ist Scientology?\" fand am 17./18. M\u00e4rz in einer Veranstaltungshalle in M\u00fcnchen ausschlie\u00dflich f\u00fcr geladene Scientologen ein zweit\u00e4giges Seminar statt, das der Vorbereitung der jeweils 400 bis 500 Teilnehmer auf die Ausstellung diente. Hauptredner war Andrik Shapers, ein international bekannter Aktivist der IAS, der daneben die Funktion des Pr\u00e4sidenten der \"Foundation for Religious Tolerance\" bekleidet. Wie im Vorjahr setzte Shapers die Beobachtung der SO durch den Verfassungsschutz mit der Verfolgung der Juden im NS-Staat gleich. Unter Hinweis auf die fr\u00fchere Bundesregierung lehnte er die Demokratie als korrupte Regierungsform ab und forderte dazu auf, f\u00fcr eine \"befreite Welt\" zu k\u00e4mpfen und den \"Planeten zu kl\u00e4ren\". Der Redner wurde von den Zuh\u00f6rern frenetisch gefeiert. Shapers Aussagen belegen, dass die SO nach wie vor an ihrem Weltherrschaftsanspruch festh\u00e4lt, wie er in den in den Zielvorstellungen \"Clear Germany\", \"Clear Planet\" und \"International City\" formuliert ist.","218 Scientology-Organisation 5.3 PR-Veranstaltung Der Mitgliederwerbung diente auch eine Ausstellung unter dem Motto \"Das Leben und Werk von L. Ron Hubbard - ein Schriftsteller f\u00fcr den Menschen\" vom 20. Juni bis 10. Juli in M\u00fcnchen. Veranstalter waren das \"L. Ron Hubbard Public Relations B\u00fcro\" und die \"New Era Publications\". Dokumente und Photos sollten die Besucher \u00fcber das Leben des Gr\u00fcnders der SO informieren und ihnen dessen Lehre nahe bringen. Die Veranstaltung fand in der \u00d6ffentlichkeit kaum Resonanz. 5.4 Weitere Veranstaltungen Auch im Jahr 2000 meldeten SO-Organisationen bei Kreisverwaltungsbeh\u00f6rden in Bayern mehrere Veranstaltungen an. Davon entfiel ein Gro\u00dfteil auf die SO-Tarnorganisation \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte e.V.\" (KVPM); die \u00fcbrigen wurden von der \"Scientology-Kirche Deutschland e.V.\" durchgef\u00fchrt. Die Aufrufe zu diesen Aktionen lauteten: \"Wir sind gegen Psychodrogen bei Kindern\" \"Gegen Missst\u00e4nde in der Psychiatrie\" \"Sag JA zum Leben, sag NEIN zu Drogen\" \"Religi\u00f6se Toleranz f\u00fchrt zum Frieden\" \"Einhaltung von Menschenrechten, wie Religionsfreiheit, Informationsfreiheit\". Die Teilnehmerzahlen der st\u00f6rungsfrei verlaufenen Veranstaltungen lagen zwischen drei und 20 Besuchern. Lediglich eine Veranstaltung am 23. April konnte wegen des Auftritts eines Kinderballetts (\"Kinder der Freiheit\") kurzzeitig das Interesse von 150 Personen wecken. Anfang Mai kam es noch zu vereinzelten Verteilaktionen der Zeitschrift \"Freiheit\" vom M\u00e4rz 2000. Ferner versandte die KVPM im Mai zahlreiche Schreiben an bayerische Beh\u00f6rden, um angebliche Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie anzuprangern. Des Weiteren lie\u00df sie gleichartige Schreiben von Mitgliedern verschicken, die sich darin als von der Psychiatrie gesch\u00e4digte Menschen ausgaben. 6. Verwaltungsgerichtsverfahren Eine endg\u00fcltige Prozessniederlage erlitt die SO im Streit um die Zul\u00e4ssigkeit der Stra\u00dfenwerbung in M\u00fcnchen. Das Baureferat der Landes-","Scientology-Organisation 219 hauptstadt M\u00fcnchen hatte der \"Scientology Kirche\" und drei ihrer Verbot der Mitglieder untersagt, in der Leopoldstra\u00dfe Passanten anzusprechen Stra\u00dfenwerbung und zu einem Pers\u00f6nlichkeitstest zu \u00fcberreden mit dem Ziel, B\u00fccher und Kurse der \"Scientology Kirche\" zu verkaufen. Die Beh\u00f6rde hatte die Bescheide damit begr\u00fcndet, dass diese Art von Werbet\u00e4tigkeit auf \u00f6ffentlicher Stra\u00dfe unzul\u00e4ssig sei und f\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4nger eine Bel\u00e4stigung darstelle. Die \"Scientology Kirche\" und die drei besagten Mitglieder klagten gegen die Untersagung. Der Freistaat Bayern beteiligte sich im \u00f6ffentlichen Interesse an dem Verfahren und unterst\u00fctzte den Standpunkt der Beklagten. Das Bayerische Verwaltungsgericht M\u00fcnchen wies die Klagen mit Urteil vom 25. November 1999 ab. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts zielt das Ansprechen von Passanten auf der Stra\u00dfe objektiv auf eine entgeltliche T\u00e4tigkeit hin und ist somit dem gewerblichen Raum zuzuordnen. Daf\u00fcr sei eine Sondernutzungserlaubnis n\u00f6tig, die nicht vorliege. Das Urteil ist inzwischen rechtskr\u00e4ftig. 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt ein \"vertrauliches Telefon\" (Tel.-Nr. 0 89/31 20 12 96). Opfer, Aussteiger und Angeh\u00f6rige von die SO-Mitgliedern k\u00f6nnen dort Hinweise \u00fcber die SO geben. F\u00fcr Beratungen stehen die anerkannten Beratungsstellen zur Verf\u00fcgung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern informiert im Internet \u00fcber die Ma\u00dfnahmen der Bayerischen Staatsregierung, \u00fcber Pressemitteilungen und neue Gerichtsentscheidungen unter der Adresse: http://www.innenministerium.bayern.de/scientology","220 Spionageabwehr 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Spionage trotz Die Erwartung, dass die Entwicklung der letzten Jahre zu einer verZusammenarbeit st\u00e4rkten Zusammenarbeit von Ost und West in vielen Bereichen auch ein deutliches Nachlassen der Spionageaktivit\u00e4ten gegen unser Land mit sich bringen w\u00fcrde, hat sich nur teilweise erf\u00fcllt. Nach wie vor sind von Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, asiatischen Staaten und insbesondere der GUS Spionagebem\u00fchungen in den Bereichen Wissenschaft, Technik, Milit\u00e4r und vor allem Wirtschaft erkennbar. Neben den Versuchen, R\u00fcstungsexportbeschr\u00e4nkungen zu umgehen, steht die Beschaffung von Know-how im Vordergrund. Wirtschaftliche Interessen haben durch die Globalisierung enorm an Bedeutung gewonnen und sind auch im Spionagebereich zum Schwerpunkt geworden. Bayern ist aufgrund seiner Ausrichtung auf Hochtechnologie bevorzugtes Aufkl\u00e4rungsziel. Zunehmende Die Nachrichtendienste der GUS, vor allem die russischen Dienste FSB Bedeutung (Inlandsaufkl\u00e4rung), SWR (Auslandsaufkl\u00e4rung), GRU (Milit\u00e4rischer russischer NachNachrichtendienst) sowie der elektronische Aufkl\u00e4rungs-Nachrichtenrichtendienste dienst FAPSI, haben nach einer Phase der Verunsicherung beim Zusammenbruch des Sowjetsystems an Macht und Einfluss gewonnen. Der russische Staatspr\u00e4sident Vladimir Putin, ehemaliger KGB-Offizier, stabilisiert seine Position derzeit durch Einbindung der Nachrichtendienste in sein Machtgef\u00fcge. Auch die anhaltende Zuwanderung von Personen aus L\u00e4ndern mit totalit\u00e4ren Regierungssystemen in die Bundesrepublik Deutschland besch\u00e4ftigt zunehmend die Spionageabwehr. Unter diesen ZuwandeBeobachtung rern befinden sich Oppositionelle, deren Aktivit\u00e4ten in Deutschland Oppositioneller f\u00fcr die Nachrichtendienste der Herkunftsl\u00e4nder von besonderem Interesse sind und die deshalb auch von diesen Nachrichtendiensten in Deutschland ausgeforscht werden. Besonders aktiv sind hier die iranischen, irakischen, syrischen und chinesischen Nachrichtendienste. Auch diese Aktivit\u00e4ten der fremden Nachrichtendienste verletzen die Souver\u00e4nit\u00e4t unseres Staats.","Spionageabwehr 221 2. Wirtschaftsspionage - Ausforschung von Wissenschaft und Technik Vor allem Russland bem\u00fcht sich, den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik zur St\u00e4rkung der eigenen Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch zur Modernisierung der Streitkr\u00e4fte in Erfahrung zu bringen. Neben dem elektronischen Aufkl\u00e4rungsdienst FAPSI, der mit gro\u00dfem personellem Aufwand die Kommunikationsnetze f\u00fcr seine Ausforschungen nutzt, ist hier besonders der Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst SWR t\u00e4tig. Im Jahre 1999 kam es zur Aufdeckung eines der bedeutendsten F\u00e4lle von Wirtschaftsspionage seit Beendigung des Kalten Krieges. Im Juli 1999 wurden in diesem Zusammenhang ein Ingenieur aus dem Raum M\u00fcnchen und ein Kaufmann aus Niedersachsen festgenommen. Sie standen in Verdacht, in gro\u00dfem Umfang \u00fcber mehrere Jahre hinweg an den russischen Geheimdienst SWR technologisches Know-how Interesse an R\u00fcseiner bedeutenden R\u00fcstungsfirma aus dem Raum M\u00fcnchen geliefert tungs-Know-how zu haben. Bei den Vernehmungen durch die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden r\u00e4umte der Ingenieur ein, vertrauliche Unterlagen gegen Geld an den Kaufmann \u00fcbergeben zu haben. Der Kaufmann erkl\u00e4rte, die Unterlagen Russland verkauft zu haben. Die beiden Beteiligten wurden zwischenzeitlich rechtskr\u00e4ftig wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen verurteilt. Das zust\u00e4ndige Oberlandesgericht Celle stellte schweren wirtschaftlichen Schaden und im Bereich Wehrtechnik \"Nachteile von einigem Gewicht\" f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland fest. Die Menge des \"verratenen Materials\" sei erheblich gewesen. Ein Fall aus dem Jahr 2000 belegt, dass russische Austausch-StudenEinsatz von Austen in Deutschland, die auf Passverl\u00e4ngerungen oder sonstige admitausch-Studenten nistrative Ma\u00dfnahmen der russischen Verwaltung angewiesen sind, von russischen Nachrichtendiensten veranlasst werden, ihre an deutschen Universit\u00e4ten gewonnenen Erkenntnisse weiterzugeben. Befragungen der Studenten durch den Verfassungsschutz ergaben, dass dies f\u00fcr die Studenten nichts Ungew\u00f6hnliches ist und sie es als Selbstverst\u00e4ndlichkeit hinnehmen, von russischen Nachrichtendiensten in dieser Weise vereinnahmt zu werden. Neben Russland ist aber auch China verst\u00e4rkt daran interessiert, Defizite durch Beschaffung offener und geheimer Informationen auszugleichen. So wurde z.B. festgestellt, dass ein an einer bayerischen Universit\u00e4t besch\u00e4ftigter chinesischer Wissenschaftler geheimhal-","222 Spionageabwehr tungsbed\u00fcrftiges Know-how aus einem Forschungsbereich per E-Mail an eine dem chinesischen Nachrichtendienst zuzurechnende Stelle gesandt hatte. Dieses Know-how kann auch zur Entwicklung von ABC-Waffen genutzt werden. 3. Proliferation So genannte Krisenl\u00e4nder, wie beispielsweise Irak, Iran, Syrien und Nordkorea, sind bestrebt, in den Besitz von atomaren, biologischen ABC-Waffen und und chemischen Massenvernichtungswaffen (ABC-Waffen) zu gelanTr\u00e4gertechnik gen, um ihre politischen Ziele besser durchsetzen zu k\u00f6nnen. Da sie technisch und wissenschaftlich nicht in der Lage sind, derartige Waffen und die dazugeh\u00f6rende Tr\u00e4gertechnologie (z.B. Abschussvorrichtungen) selbst zu entwickeln und herzustellen, sind sie auf den Import entsprechenden Materials sowie die Beschaffung des notwendigen Know-hows angewiesen (Proliferation). Dies wollen internationale Abkommen und nationale gesetzliche Bestimmungen verhindern, da ABC-Waffen in der Verf\u00fcgungsgewalt von Krisenl\u00e4ndern eine unkalkulierbare Gefahr f\u00fcr den Weltfrieden und die Sicherheit der Weltbev\u00f6lkerung bedeuten. Mit dem Einsatz von Geheimdiensten, der Gr\u00fcndung von Scheinfirmen, der Verschleierung des Endabnehmers und der Vort\u00e4uschung des Verwendungszwecks des zu beziehenden Materials oder Know-hows versuchen die betreffenden L\u00e4nder, diese Beschr\u00e4nkungen zu umgehen und so ihre Wissensl\u00fccken zu schlie\u00dfen. Eine Mitverantwortung, dies zu verhindern, trifft auch die Firmen, die als Lieferanten von diesen Auftraggebern kontaktiert werden. Sie Beratung durch sollten sich im Verdachtsfall vertrauensvoll an das Bayerische Landesden Verfassungsamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenden. Der Verfassungsschutz ist keine schutz Strafverfolgungsbeh\u00f6rde und unterliegt somit nicht dem Strafverfolgungszwang. Er kann auch die Interessenlage der Personen ber\u00fccksichtigen, die ihm Informationen zur Verf\u00fcgung stellen. 4. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik Die Tendenz der vergangenen Jahre, die Nachrichtenbeschaffung auf technischem Wege zu verst\u00e4rken, setzt sich fort. Neue Technologien und Verbesserungen bereits eingesetzter Technik erm\u00f6glichen in im-","Spionageabwehr 223 mer st\u00e4rkerem Ma\u00dfe, den weltweiten Telekommunikationsverkehr Gefahren beim abzuh\u00f6ren. Telefongespr\u00e4che, Faxund Fernschreibverbindungen soTelekommunikawie E-Mail-Versand k\u00f6nnen mittels Filterund Datamining-Software tionsverkehr sowie Satellitennutzung von Nachrichtendiensten gezielt auf gewisse Sachverhalte und Stichpunkte hin \"durchsucht\" werden. Im Mittelpunkt des Interesses steht in zunehmendem Ma\u00dfe das Bem\u00fchen, die Vorkehrungen zum Schutz vor Aussp\u00e4hung dieser Informationstechnologie auszuschalten bzw. zu umgehen. Besonders der bereits erw\u00e4hnte russische Aufkl\u00e4rungsdienst FAPSI f\u00e4hrt hier \"zweigleisig\", da er f\u00fcr die elektronische \u00dcberwachung der Telekommunikation zust\u00e4ndig ist und gleichzeitig als Firma unter anderem Verschl\u00fcsselungssysteme auf den Markt bringt, deren Umgehung f\u00fcr ihn als Hersteller unproblematisch ist. 5. Schutzma\u00dfnahmen - Beratung durch den Verfassungsschutz Hauptprobleme der Abwehr von Spionageaktivit\u00e4ten gegen Wirtschaft und Forschung sind die mangelnde Sensibilit\u00e4t gegen\u00fcber den Angriffsgefahren und die Unkenntnis \u00fcber Zielobjekte und Vorgehensweise der Nachrichtendienste. Da die notwendigen Schutzma\u00dfnahmen aber einen nicht unerheblichen finanziellen Aufwand mit sich bringen und gleichzeitig Mitarbeiter in ihrem Arbeitsfreiraum einschr\u00e4nken, kann die Bereitschaft zum Schutz des eigenen ArbeitsGef\u00e4hrdungsbereichs nur durch Schaffung des Gef\u00e4hrdungsbewusstseins erreicht bewusstsein werden. Die Betroffenen stehen in erster Linie selbst in der Verantwortung. Hilfestellung bietet der Verfassungsschutz, indem er Firmen, Universit\u00e4ten und sonstige wissenschaftliche Einrichtungen \u00fcber die Sicherheitsproblematik sowie \u00fcber Zielobjekte und Methodik der Nachrichtendienste informiert. Nachrichtendienste passen ihre Vorgehensweisen und Angriffsziele den jeweiligen Bed\u00fcrfnissen und dem Stand der Technik an. Der Verfassungsschutz kann durch die allgemeine Aufkl\u00e4rung das jeweilige Gesamtlagebild erstellen und somit Wirtschaft und Wissenschaft aktuell beraten. Wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr ist aber, dass Wirtschaft und Wissenschaft den Verfassungsschutz \u00fcber F\u00e4lle Sicherheitsdes Spionageverdachts informieren. Diese Sicherheitspartnerschaft partnerschaft sollte weiter intensiviert werden.","224 Spionageabwehr 6. Ausblick In einer offenen Gesellschaft und im Zeichen der Globalisierung fehlt es zunehmend an dem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit, sensible Bereiche abzuschotten. Der weltweite Wettbewerb der Wirtschaft und der Wissenschaft, damit auch untrennbar verbunden der Politik und der \u00e4u\u00dferen Verteidigung, erfordert, zumindest Kernbereiche des Wissens und der Technik vor unerw\u00fcnschtem Zugriff zu sch\u00fctzen. Gerade unser Land ist auf die Sicherung eines Vorsprungs des Know-hows angewiesen, um im Wettbewerb bestehen zu k\u00f6nnen. Um dieser Herausforderung gewachsen zu sein, bedarf es des ZusamEigenschutz der menspiels von Eigenschutz der Wirtschaft und der Wissenschaft Wirtschaft sowie Spionageabwehr durch den Verfassungsschutz. Dar\u00fcber hinaus ist die Bundesrepublik gehalten, im Zusammenwirken mit den Partnerstaaten zu verhindern, dass ABC-Waffen in die Hand von Krisenund Schwellenl\u00e4ndern gelangen. Diesem Ziel dient vor allem die Sicherung der UN-Embargobestimmungen.","Organisierte Kriminalit\u00e4t 225 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Ausgangslage Der Freistaat Bayern hat mit Wirkung vom 1. August 1994 durch eine Besondere Rolle \u00c4nderung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes die rechtlichen des VerfassungsVoraussetzungen daf\u00fcr geschaffen, dass das Bayerische Landesamt schutzes f\u00fcr Verfassungsschutz zur Unterst\u00fctzung der Polizeibeh\u00f6rden als ein weiteres Instrument zur Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t (OK) eingesetzt werden kann. Durch die langfristig angelegte Beobachtung krimineller Strukturen und Personen im Vorfeld konkreter Straftaten konnte beim Vorgehen gegen die OK eine L\u00fccke geschlossen werden. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz konnte seine Erfahrungen in der Aufkl\u00e4rung konspirativ operierender Gruppierungen unter Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel in den Aufgabenbereichen der Spionageabwehr und der Extremismusbek\u00e4mpfung in die nunmehr seit sechs Jahren erfolgreich praktizierte Beobachtung der OK einbringen. 2. Beobachtungsschwerpunkte Seine Erkenntnisse im Bereich der OK erh\u00e4lt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz vorwiegend durch den Einsatz geheimer Mitarbeiter, aus der Anwendung anderer nachrichtendienstlicher MitEinsatz nachrichtentel sowie aus der Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen Nachrichtendienstlicher Mittel diensten, die jedenfalls in Europa fast ausnahmslos mit der OK-Bek\u00e4mpfung beauftragt sind. Weitere Informationen erschlie\u00dfen sich aus der Analyse von offen zug\u00e4nglichem Material sowie aus dem Berichtsaufkommen anderer Aufgabenbereiche, insbesondere aus der Spionageabwehr. Berichte von Sicherheitsbeh\u00f6rden anderer Bundesl\u00e4nder \u00fcber die \u00dcbernahme des Prostitutionsgewerbes durch hochkriminelle ausl\u00e4ndische Gruppierungen waren Anlass daf\u00fcr, in Bayern die Informationsbeschaffung hierzu erneut zu verst\u00e4rken. Aus Schwerpunkt der den Strukturermittlungen im Bereich der s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Mafia Aufkl\u00e4rung kristallisierte sich als neuer \"Gesch\u00e4ftsbereich\" der gewinntr\u00e4chtige","226 Organisierte Kriminalit\u00e4t Markt der illegalen Arbeitsvermittlung heraus. Die Ergebnisse der deliktsunabh\u00e4ngigen - also t\u00e4terorientierten - Aufkl\u00e4rungsarbeit m\u00fcnden oft in polizeiliche Ermittlungen. Den gr\u00f6\u00dften Teil des beobachteten Personenkreises stellen Angeh\u00f6rige der Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS), Asiaten sowie Personen aus s\u00fcdosteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern dar. Auff\u00e4llig werden sie vor allem in den Deliktsbereichen der Prostitution und Zuh\u00e4lterei, bei Waffendelikten, Menschenhandel und Schleusungen, F\u00e4lschungsdelikten sowie dem illegalen Gl\u00fccksspiel und der im Zusammenhang mit den genannten Straftaten stehenden Geldw\u00e4sche. Beobachtungsschwerpunkte im asiatischen Bereich waren wie in den letzten Jahren neben den Chinesen die Vietnamesen. Von den asiatischen Volksgruppen sind diese zahlenm\u00e4\u00dfig am st\u00e4rksten im Bundesgebiet vertreten. Beispiele erfolg- * GUS-Mafia reicher Arbeit In Bayern treten vermehrt kriminelle Personen aus den GUS-L\u00e4ndern auf. Es konnten l\u00e4ngere Aufenthalte bis hin zur Wohnsitznahme beobachtet werden. Immer wieder kommen solche Personen kurzfristig nach Bayern, halten abgeschottet Besprechungen ab oder treffen sich mit anderen Kriminellen. Um reibungslose konspirative Abl\u00e4ufe garantieren zu k\u00f6nnen, werden hohe Kosten f\u00fcr Unterbringung, Transfer und Auswahl der Treff\u00f6rtlichkeiten aufgebracht. Bereits im Jahre 1999 deuteten \u00fcbereinstimmende Meldungen aus der Beobachtung der russischen OK durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auf den Zuzug eines F\u00fchrers der tschetschenischen Mafia in eine bayerische Kleinstadt hin. Durch Strukturaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen konnte festgestellt werden, dass dieser in konspirativer Weise versuchte, OK-Strukturen aufzubauen. Mit operativen Ma\u00dfnahmen war zun\u00e4chst nur festzustellen, dass sich die Person, die noch mehrere Wohnsitze in anderen europ\u00e4ischen St\u00e4dten unterh\u00e4lt, l\u00e4ngere Zeit hier aufhielt und Kontakte zu bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten suchte. Die intensive Beobachtung ihrer Aktivit\u00e4ten und Kontaktpersonen ergab nicht nur die Ausweitung der kriminellen T\u00e4tigkeit, sondern auch die Zugeh\u00f6rigkeit und Mittlert\u00e4tigkeit zu anderen ethnischen, weltweit agierenden Gruppierungen. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr","Organisierte Kriminalit\u00e4t 227 Verfassungsschutz tauschte deshalb intensiv Informationen mit mehreren inund ausl\u00e4ndischen Beh\u00f6rden aus. Inzwischen befindet sich die Person wieder im Ausland. Die dortigen Sicherheitsbeh\u00f6rden wurden umfangreich informiert. Durch seine Beobachtungst\u00e4tigkeit erh\u00e4lt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch regelm\u00e4\u00dfig Hinweise, dass Strukturen der OK mit Strukturen ehemaliger bzw. aktuell bestehender NachrichtenOK und GUS-Nachdienste der GUS verbunden sind. Diese Verflechtungen treten auch in richtendienste anderen L\u00e4ndern auf, in denen schlechte wirtschaftliche Bedingungen herrschen und die gleichzeitig \u00fcber eine gro\u00dfe Anzahl gut ausgebildeter, aber schlecht bezahlter nachrichtendienstlicher Mitarbeiter verf\u00fcgen. Kriminelle finden dadurch einen idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr Korruption und Verrat vor. Genutzt wird vor allem das Wissen und die Logistik der Nachrichtendienste, wobei die materielle Lage ein Abwerben der Mitarbeiter beg\u00fcnstigt. Es ist erwiesen, dass kriminelle F\u00fchrer pers\u00f6nliche Beziehungen zu hochrangigen Nachrichtendienstangeh\u00f6rigen und Politikern unterhalten und so auch Einfluss auf beh\u00f6rdliche Ma\u00dfnahmen nehmen. Die Bek\u00e4mpfung der OK wird dadurch zus\u00e4tzlich erschwert. Ein Beispiel: Durch den Informationsaustausch mit einem ausl\u00e4ndischen Nachrichtendienst wurde der Treffpartner eines hochrangigen russischen Kriminellen in Bayern bekannt. Die Person war bis zu diesem Zeitpunkt \"ein unbeschriebenes Blatt\". Eingeleitete operative Ma\u00dfnahmen best\u00e4tigten die Verbindung und zeigten gleichzeitig Zug\u00e4nge der Person zu anderen aktiven Kriminellen aus dem Bereich der GUS auf. Erfahrungswerte aus dem Bereich der Spionageabwehr, der Lebenslauf und das konspirative Verhalten sprechen f\u00fcr einen nachrichtendienstlichen Vorlauf dieser Person. In dem gesamten Informationsaufkommen ist eine st\u00e4ndige Verkn\u00fcpfung der identifizierten Personen mit ehemaligen bzw. aktuell t\u00e4tigen \u00f6stlichen Nachrichtendiensten feststellbar. * S\u00fcdosteuropa-Mafia Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrte auch weitere Strukturaufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen im Bereich der s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Mafia durch. Dabei ergab sich folgender Fall: Einzelne Bereiche des Baugewerbes sind besonders vom Mangel an Arbeitskr\u00e4ften betroffen. Gro\u00dfunternehmen geben Auftr\u00e4ge an Sub-","228 Organisierte Kriminalit\u00e4t Illegale Arbeitsunternehmer weiter. Dabei werden Preise festgelegt, die mit dem Einvermittlung und satz legaler Arbeitskr\u00e4fte nicht einzuhalten sind. Kriminelle Syndikate Preisdumping nutzen dies aus. Um \u00fcberhaupt Personal zu bekommen und die Preisvorgaben zu ber\u00fccksichtigen, beschaffen sich die Subunternehmer \u00fcber Vermittler illegale Arbeitskr\u00e4fte. Neben der Ausbeutung der Arbeiter werden dabei Steuern und Sozialabgaben in Millionenh\u00f6he hinterzogen. Durch Korruption und Dumpingpreise sichern sich diese Subunternehmer gro\u00dfe Marktanteile. Legal arbeitende Firmen k\u00f6nnen mit dieser Konkurrenz nicht mithalten. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz konnte ein solches System illegaler Beschaffung von Arbeitskr\u00e4ften aufdecken. Sowohl Beispiele f\u00fcr die bei den Arbeitern als auch bei den Arbeitsvermittlern handelte es Zusammenarbeit sich \u00fcberwiegend um S\u00fcdosteurop\u00e4er. Die umfangreichen StrukturPolizei - Verfaserkenntnisse wurden an die zust\u00e4ndigen Strafverfolgungsbeh\u00f6rden sungsschutz weitergegeben. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz konnte au\u00dferdem durch operative Ma\u00dfnahmen Erkenntnisse \u00fcber eine rum\u00e4nische Bande von Einbrechern und deren kriminelle Verbindungen gewinnen. Mehrere T\u00e4ter brachen regelm\u00e4\u00dfig gezielt in teure Einzelhandelsgesch\u00e4fte ein und stahlen Luxusg\u00fcter und Bargeld. Das Diebesgut wurde in eigens von Mitt\u00e4tern angemieteten Wohnungen zwischengelagert und \u00fcber Hehler verkauft. Die Informationen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz er\u00f6ffneten den Exekutivbeh\u00f6rden bis dahin noch nicht bekannte Zusammenh\u00e4nge und Hintergr\u00fcnde und erm\u00f6glichten Durchsuchungsma\u00dfnahmen. Es kam zu insgesamt drei Festnahmen und Verurteilungen zu mehrj\u00e4hrigen Haftstrafen. * Vietnamesische OK Die vietnamesischen Straft\u00e4tergruppierungen haben ihre Schwerpunkte wie in den letzten Jahren vor allem in Berlin. Im Jahr 1999 gab es Hinweise, dass so genannte Aussteiger aus der Berliner Szene in Bayern sesshaft wurden, um hier ihre kriminellen Aktivit\u00e4ten fortzusetzen. Ein Wohnsitzwechsel nach Bayern konnte zwar in Einzelf\u00e4llen nachgewiesen werden. Die Hinweise auf Fortsetzung ihrer kriminellen Gesch\u00e4fte konnten allerdings auch durch umfangreiche Ermittlungen nicht best\u00e4tigt werden. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erhielt durch seine Strukturkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen aber wertvolle Hinweise auf kriminelle","Organisierte Kriminalit\u00e4t 229 Machenschaften anderer organisierter vietnamesischer Straft\u00e4terSchleusergruppierungen, insbesondere im Bereich der Schleusungen. Dem organisationen Landesamt gelang es, die Strukturen dieser kriminellen Gruppierung, die als Teil einer international agierenden Schleuserorganisation fungierte, umfangreich aufzukl\u00e4ren. Eine Vielzahl von internationalen Kontaktadressen, Telefonnummern sowie Anlaufstellen wurde bekannt. Zudem konnten wichtige Informationen \u00fcber die Vorgehensweise dieser kriminellen Gruppierung in Erfahrung gebracht werden. Die darauf folgende Zusammenarbeit mit befreundeten europ\u00e4ischen Nachrichtendiensten, verbunden mit der Weitergabe der Strukturerkenntnisse an die zust\u00e4ndige Exekutivbeh\u00f6rde, f\u00fchrte zur Zerschlagung dieser vietnamesischen Schleuserorganisation und zur Festnahme zahlreicher Mitglieder. Die Geschleusten, bei denen es sich \u00fcberwiegend um chinesische Staatsangeh\u00f6rige handelte, gelangten gr\u00f6\u00dftenteils auf dem Luftweg von China nach Jugoslawien. Von dort aus wurden sie - mit falschen P\u00e4ssen ausgestattet - \u00fcber Zuliefergruppen aus Tschechien und Ungarn nach Westeuropa ins jeweilige Zielland eingeschleust. Jugoslawien scheint f\u00fcr derartige Schleusungen ein begehrtes Transitland zur illegalen Weiterreise nach Westeuropa zu sein. Beim Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz liegen Informationen vor, wonach in Belgrad \u00fcber 70.000 Chinesen mit dem Ziel der Weiterschleusung in ein westeurop\u00e4isches Land oder nach \u00dcbersee warten sollen. Die noch nicht best\u00e4tigten Erkenntnisse werden \u00fcberpr\u00fcft. Zur anschlie\u00dfenden Legalisierung des Aufenthalts der eingeschleusten Vietnamesen in das Bundesgebiet bedienen sich die Vietnamesen nach Feststellungen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz seit Jahren der Hilfe staatlicher vietnamesischer Stellen. Einem in Deutschland mittlerweile weit verzweigten Netz von Landsleuten ist es m\u00f6glich, \u00fcber die vietnamesische Botschaft echte und verf\u00e4lschte Dokumente aller Art gegen Bezahlung zu beschaffen. Mit Hilfe dieser Dokumente gelingt es, eine drohende Abschiebung zu verhindern oder eine Verl\u00e4ngerung des Aufenthaltsrechts zu erschleichen. In einem anderen Fall erhielt das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen Hinweis \u00fcber ein Netz vietnamesischer Zuh\u00e4lter in Bayern, was zu zielgerichteten Strukturkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen f\u00fchrte. Die Frauen - vorwiegend aus Vietnam sowie Tschechien, Polen und Russland - wurden nach ihrer Einreise in Bayern der Prostitution","230 Organisierte Kriminalit\u00e4t zugef\u00fchrt. Die vietnamesischen Zuh\u00e4lter \"bestellten\" die Prostituierten \u00fcber Vermittler, ebenfalls Vietnamesen. Die meisten Frauen wurden in Zusammenarbeit mit anderen kriminellen vietnamesischen Organisationen eingeschleust und mussten durch ihre Dienste den Schleuserlohn entrichten. Wenn es die ausl\u00e4nderrechtlichen Bestimmungen zulie\u00dfen, kamen sie auch als Touristinnen ins Land. Die Prostituierten wurden ausschlie\u00dflich vietnamesischen Landsleuten angeboten und wurden w\u00e4hrend ihrer T\u00e4tigkeit st\u00e4ndig von beauftragten Mitgliedern der kriminellen Gruppierung bewacht. Die Erkenntnisse wurden zu weiteren Ermittlungen an die Polizei abgegeben. * Chinesische Mafia Die verst\u00e4rkte Aufkl\u00e4rung der chinesischen Mafia \u00f6ffnete dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz weiteren Einblick in den Aufbau und die Strukturen der chinesischen Triaden. Die Erkenntnisse f\u00fchrten einerseits zur Identifizierung von Triadenmitgliedern, auch in F\u00fchrungsebenen; zum anderen wurden auch der Organisationsaufbau der Triaden und das Zusammenwirken in zahlreichen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern sowie die Verbindung nach Asien bekannt. In Deutschland sind - neben anderen kleineren Ablegern - insbesonChinesische dere Angeh\u00f6rige der Triaden WO SHING WO und SHUI FONG (beides Triaden Unterzweige der Hongkonger WO-Gruppe) sowie der Triade 14 K vertreten. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat Anhaltspunkte f\u00fcr Aktivit\u00e4ten von Triadenangeh\u00f6rigen in den Bereichen unerlaubtes Gl\u00fccksspiel, illegale Wetten und Kreditwucher. Daneben gibt es Anlass zur Vermutung, dass Chinesen mit gef\u00e4lschten P\u00e4ssen handeln und Geldw\u00e4sche betreiben. Diese Hinweise bed\u00fcrfen noch eingehender \u00dcberpr\u00fcfung. Der Nachweis derartiger Aktivit\u00e4ten gestaltet sich jedoch besonders schwierig, da die Gruppierungen ethnisch stark abgeschottet und damit nach au\u00dfen kaum erkennbar sind. Im Bereich der Schleusungen verdichten sich die Erkenntnisse, dass einzelne K\u00f6pfe der Schleuserorganisationen, bei denen Vietnamesen die Basisarbeit leisten, chinesische Triadenmitglieder sind. So werden durch Rekrutierung chinesischst\u00e4mmiger Vietnamesen als Bindeglied nicht nur sprachliche Barrieren \u00fcberwunden. Die Chinesen profitieren auf diese Weise vom Know-how der vietnamesischen Schleuser und k\u00f6nnen ihre F\u00e4den im Hintergrund ziehen.","Organisierte Kriminalit\u00e4t 231 Ein Anstieg der illegalen Zuwanderung konnte vor allem f\u00fcr Chinesen aus den s\u00fcdchinesischen Provinzen Fujian und Wenzhou festgestellt werden. Beide Provinzen z\u00e4hlen zu den wirtschaftlich \u00e4rmsten Gegenden in China. Von der Armut angetrieben versuchen viele Chinesen den Sprung in den \"goldenen Westen\". Um ihre Schleusungen bezahlen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen sie sich hoch verschulden und diese Summen im Zielland an die Schleuserorganisation zur\u00fcckzahlen. Da sie in Deutschland kein Einkommen haben, sehen sie sich gezwungen, die geforderten Gelder durch andere T\u00e4tigkeiten heranzuschaffen. 3. Ausblick Die Aufkl\u00e4rungsarbeit des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz auf dem Gebiet der Organisierten Kriminalit\u00e4t hat sich in nun mehr als sechs Jahren bew\u00e4hrt. Der Verfassungsschutz kann Erfolge in der Aufkl\u00e4rung der OK nachweisen. Das sollte auch andere L\u00e4nder veranlassen, den Verfassungsschutz in Bundesweite die Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t einzubinden. Die bunBeobachtung desweite Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz w\u00fcrde als Ziel die Arbeit der Polizei wesentlich unterst\u00fctzen.","232 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I) Ge\u00e4ndert durch SS 2 des Gesetzes zur Anpassung des Bayerischen Landesrechts an Art. 13 des Grundgesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl S. 383) und Art. 4 Abs. 1 des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40) I. Abschnitt - unter Anwendung von Gewalt oder durch entspreOrganisation und Aufgaben chende Drohung oder des Verfassungsschutzes - unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Medien oder Wirtschaft. Art. 1 Organisation des Verfassungsschutzes, (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist Verh\u00e4ltnis zur Polizei eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (1) 1 Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen nachgeordnete Beh\u00f6rde. 2 Das Landesamt und DienstGrundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein Landeswerden. 3Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz amt f\u00fcr Verfassungsschutz. 2 Es dient auch dem Schutz steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen nicht zu. (2) 1 Freiheitliche demokratische Grundordnung nach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschluss Art. 2 jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsZust\u00e4ndigkeit staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit gesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2 Dazu gedarstellt. 2 Zu den grundlegenden Prinzipien dieser h\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund Ordnung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des VerGrundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem fassungsschutzes. vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lankeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr Gesetzes t\u00e4tig werden. alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Art. 3 Aufgaben (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Aufgabe, erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetdurch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder zes, die gegen die freiheitliche demokratische unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnBundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine licher Strukturen oder ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 233 verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcrLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, gerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des f\u00fcr eine fremde Macht, Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder II. Abschnitt darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rAllgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung tige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, Art. 4 4. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Allgemeine Befugnisse Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen auserforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personengehen. 2 Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe bezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen Informationen, insbesondere sachund personenbezoGruppierung oder Person erheben und in Akten und gene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber solDateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachauszuwerten. 3 Die notwendige Koordinierung mit den folgend besondere Bestimmungen gelten. anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministeriums (2) 1 Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr Verfasdes Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministerium sungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 der Justiz geregelt. 4 \u00dcber diese Richtlinien wird die Nr. 1 sind im Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz vom Parlamentarische Kontrollkommission gem\u00e4\u00df Art. 20 27. Dezember 1996 (GVBl S. 509) geregelt; Art. 6 Abs. 1 Satz 1 unterrichtet. Abs. 1 Satz 4 bleibt unber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf, soweit gesetzlich nichts anderes (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 Aufgabe, Nr. 2 nur mitwirken und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur 1. nach Ma\u00dfgabe des Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes Auskunft erteilen, wenn die betroffene Person der an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen Durchf\u00fchrung der \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; werim \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige den der Ehegatte oder die Person, mit der die betrofTatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anverfene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher traut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder Gemeinschaft lebt, in die \u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, so ist auch deren Zustimmung erforderlich. 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an (3) 1 Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiesicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder dene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofsind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, fene Gruppierung oder Person voraussichtlich am 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 2 Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsau\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte Art. 5 mitzuwirken. Erhebung personenbezogener Daten 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perso(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung Aufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue 2 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentNr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persolichen Dienst bewerben, nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nach-","234 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) ermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von SS 1 Abs. 1 und SS 2 Abs. 1 des Gesetzes zur Informationen erforderlich ist, die bei den VerfassungsBeschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldeschutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. geheimnisses (Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz) vom 13. August 1968 (BGBl I S. 949) in der jeweils gelArt. 6 tenden Fassung vorliegen oder Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel 2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorliegen, dass jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 (1) Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem 1 Satz 1 Nrn. 1 oder 3 durch die Planung oder BegeGesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch hung von Straftaten nach SSSS 129, 130 oder 131 des nachrichtendienstliche Mittel anwenden. 2 Sie dienen Strafgesetzbuchs (StGB) verfolgt oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicherheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner 3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteMitarbeiter. 3Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfhen, dass jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 durch die Planung und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, dass das oder Begehung von Straftaten nach SS l00a der StrafLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen erprozessordnung (StPO), SSSS 261, 263 bis 265, 265b, hebt. 4 Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SS 92 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr VerfassungsAbs. 2 des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) verfolgt schutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarnung von Mitarbeitern anwenden. und die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2 Der ver(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen richnachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen ist, dass sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf weitergeben oder dass der Verd\u00e4chtige sich in ihrer diese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge Wohnung aufh\u00e4lt. 3 Die Anordnung des Einsatzes begewonnen werden k\u00f6nnen oder sonderer technischer Mittel nach Satz 1 trifft der Rich2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, ter 4 Bei Gefahr im Verzug kann der Pr\u00e4sident des Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz einen Einsatz nach f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende Satz 1 anordnen; eine richterliche Entscheidung ist oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. unverz\u00fcglich nachzuholen. 5Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngstens drei Monate zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um (3) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwenjeweils nicht mehr als drei weitere Monate sind auf dung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben werAntrag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete Anordnung fortbestehen. 6Liegen die Voraussetzungen Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene der Anordnung nicht mehr vor oder ist der verdeckte Person weniger beeintr\u00e4chtigt. 2 Die Anwendung nachEinsatz technischer Mittel zur Informationsgewinnung richtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer nicht mehr erforderlich, so ist die Ma\u00dfnahme unverVerh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverz\u00fcglich zu beenden. 7Der Vollzug der Anordnung erfolgt halts stehen. 3 Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr unter Aufsicht eines Bediensteten des Landesamts f\u00fcr Zweck erreicht ist oder sich ergibt, dass er nicht oder Verfassungsschutz, der die Bef\u00e4higung zum Richteramt nicht auf diese Weise erreicht werden kann. hat. 8Erkenntnisse und Unterlagen, die durch Ma\u00dfnahmen nach Satz 1 gewonnen wurden, d\u00fcrfen zur Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebun(4) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer gen oder T\u00e4tigkeiten sowie nach Ma\u00dfgabe des SS 7 Abs. 3 Mittel zur Informationsgewinnung im Schutzbereich des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz verwendet werden. des Art. 13 des Grundgesetzes in Abwesenheit einer f\u00fcr 9 F\u00fcr die Speicherung und L\u00f6schung der durch Ma\u00dfnahdie Verfassungsschutzbeh\u00f6rde t\u00e4tigen Person ist unter men nach den Abs\u00e4tzen 4 und 5 erlangten personenbesonderer Ber\u00fccksichtigung des Grundsatzes der Verbezogenen Daten sowie die Entscheidung \u00fcber die h\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit gem\u00e4\u00df Absatz 3 nur zul\u00e4ssig, wenn nachtr\u00e4gliche Information der von Ma\u00dfnahmen nach 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff Absatz 4 Betroffenen gelten SS 7 Abs. 4 und SS 5 Abs. 5 in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz entsprechend.","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 235 (5) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 angefalausschlie\u00dflich zum Schutz der f\u00fcr den Verfassungsschutz len sind. 3 Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten in diesem Bereich t\u00e4tigen Personen bedarf der Geneheiner Person nach Vollendung des 16. und vor Vollendung migung des Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfasdes 18. Lebensjahres sind zwei Jahre nach dem Verhalten sungsschutz oder eines von ihm bestellten Beauftragauf die Erforderlichkeit der Speicherung in Dateien zu ten.2Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangten \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahre nach dem VerhalErkenntnisse zu Zwecken der Gefahrenabwehr ist nur ten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass weitere Erkenntnisse im zul\u00e4ssig, wenn zuvor die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme Sinn des Art. 3 Abs. 1 angefallen sind \u00fcber ein Verhalten richterlich festgestellt ist; bei Gefahr im Verzug ist die nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit. 4 F\u00fcr Akten, die zu einer richterliche Entscheidung unverz\u00fcglich nachzuholen. minderj\u00e4hrigen Person gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fcfungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. (6) 1 Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den Abs\u00e4tzen 4 und 5 ist das Amtsgericht am Sitz des Lan(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die desamts f\u00fcr Verfassungsschutz. 2F\u00fcr das Verfahren gelDauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu ten die Vorschriften des Gesetzes \u00fcber die Angelegeneiner bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df heiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit entsprechend. festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach diesem Gesetz erforderlich ist. (7) 1 Die Staatsregierung unterrichtet den Landtag j\u00e4hrlich \u00fcber die nach Absatz 4 und, soweit richterlich (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei\u00fcberpr\u00fcfungsbed\u00fcrftig, nach Absatz 5 angeordneten chert, muss erkennbar sein, wer die Bewertung vorgeMa\u00dfnahmen. 2Ein vom Landtag gew\u00e4hltes Gremium nommen hat und wo die Informationen gespeichert \u00fcbt auf der Grundlage dieses Berichts die parlamentarisind, die der Bewertung zugrunde liegen. sche Kontrolle aus. (8) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem Art. 8 Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Berichtigung und L\u00f6schen von Daten (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Art. 7 Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu Speicherung und Ver\u00e4nderung berichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die personenbezogener Daten zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu vermerken. (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz perso(2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in nenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nDateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu dern, wenn l\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder war oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzT\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder lich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von BestreAkten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, bungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erfordersind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2 Ob lich ist oder die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung nach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbei3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 tung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. 3 Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn 2 In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personenGrund zu der Annahme besteht, dass durch sie schutzbezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, w\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chwenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen tigt w\u00fcrden. 4 In diesem Fall sind die Daten zu sperren; oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. (2) 1Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcrfen nicht (3) 1 F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften in Dateien gespeichert werden. 2 Personenbezogene Daten des Bayerischen Archivgesetzes. 2 Die Anbietungs\u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 14. und vor Vollendung des 16. Lebensjahres sind zwei Abs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung.","236 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Art. 9 (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcErrichtungsanordnung fung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer Person Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, (1) 1 F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierhat diese Person abweichend von Absatz 1 einen ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet Anspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts werden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in f\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung einer Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des dieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: (3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit 1. Bezeichnung der Datei, 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach 2. Zweck der Datei, Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, 3. Betroffener Personenkreis, 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche 4. Art der zu speichernden Daten, Zug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausfor5. Eingabeberechtigung, schung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitsweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu 6. Zugangsberechtigung, bef\u00fcrchten ist, 7. Regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, 3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden 8. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes 9. Protokollierung des Abrufs. Nachteile bereiten w\u00fcrde oder 2 Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des 4. die Information oder die Tatsache der Speicherung Innern ist die Errichtungsanordnung dem Landesbeaufnach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden 3 Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des berechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehalVerfahrens. ten werden muss. (2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des (4) 1 Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung keiner Begr\u00fcndung. 2 Wird die Auskunftserteilung abgepersonenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df lehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage f\u00fcr beschr\u00e4nkt ist. das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweisen, dass er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenbezo(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in angener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr den Datengemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weiterschutz wenden kann. 3 Dem Landesbeauftragten f\u00fcr den f\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. Datenschutz ist auf sein Verlangen Auskunft zu erteilen, soweit nicht das Staatsministerium des Innern im EinArt. 10 zelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bundes Geltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. 4 Mitteilungen des Landesbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen keine Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten AufR\u00fcckschl\u00fcsse auf den Kenntnisstand des Landesamts gaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz finf\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, sofern dieses nicht den die Art. l0 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Bayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. Art. 11 III. Abschnitt Auskunftserteilung \u00dcbermittlungsregelungen (1) 1 Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim LanArt. 12 desamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten Informations\u00fcbermittlung gespeicherten Informationen besteht nicht. 2 Hat eine an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft \u00fcber ohne Ersuchen die zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entscheidet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach pflicht(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regigem\u00e4\u00dfem Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegehren. ster, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 237 Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, einen \u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6nlichdes Freistaats Bayern haben von sich aus dem Landeskeitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen w\u00fcramt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer de. 2 \u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dateien Aufgaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcberhat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen Nachmitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr besteweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die eingesehene hen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der AufDatei hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufgaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 zubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst. b oder c des Erstellung folgt, zu vernichten. Grundgesetzes erforderlich sein kann. (3) 1 H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 1 Stelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die Einsicht\u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unnahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das verz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fcldem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht lung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderdieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so lich sind. 2 Ergibt die Pr\u00fcfung, dass sie nicht erforderentscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtslich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernichbeh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. ten. 3 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall Art. 14 d\u00fcrfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung wendet werden. durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Art. 13 (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perInformations\u00fcbermittlung sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem auf Ersuchen Gesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle die Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen (1) 1 Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen Grundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen Stellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt. auf dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Auf- 2 Gleiches gilt, wenn der Empf\u00e4nger die personenbezogaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcbermitgenen Daten zur Erf\u00fcllung anderer ihm zugewiesener teln, soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des LanAufgaben ben\u00f6tigt, sofern er dabei auch zum Schutz der desamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz freiheitlichen demokratischen Grundordnung beizutragen erforderlich ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz oder Gesichtspunkte der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder darf Ersuchen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Inforausw\u00e4rtige Belange zu w\u00fcrdigen hat. 3 Der Empf\u00e4nger mation auf andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufdarf die \u00fcbermittelten Daten, soweit gesetzlich nichts wand oder nur durch eine die betroffene Gruppierung anderes bestimmt ist, nur zu dem Zweck verwenden, zu oder Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden, es sei denn, dass das werden kann. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einer anderen Verwenhat Ersuchen zu begr\u00fcnden, es sei denn, dass eine Bedung f\u00fcr Zwecke nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt gr\u00fcndung dem Schutz der betroffenen Gruppierung hat. 4 Satz 1 gilt auch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenoder Person zuwiderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahbezogener Daten innerhalb des Landesamts f\u00fcr Verme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. 4 Es hat die Ersuchen aktenkundig fassungsschutz. zu machen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf 1 Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrte von Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 einzwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber sehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige \u00dcberBundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndimittlung von Informationen aus den Akten oder den schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961","238 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) S. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln. 2 Der Art. 16 Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass die \u00fcbermittelNachberichtspflicht ten Daten nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. Erweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungs(3) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perschutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unversonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb z\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcberbetroffenen Person erforderlich ist. mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung Art. 17 erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erfor\u00dcbermittlungsverbote derlich ist. 2 Die \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn aus(1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das w\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland oder Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffe14 hat zu unterbleiben, wenn nen Person entgegenstehen. 3 Sie ist aktenkundig zu machen. 4 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass 1. erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem Zweck verwendet der Informationen und ihrer Erhebung das schutzwerden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. w\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder (4) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen an andere 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nicht \u00fcbermittelt werden, es sei denn, dass dies zum Schutz der freiheit(2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informationslichen demokratischen Grundordnung oder der Sicher\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unheit des Bundes oder eines Landes erforderlich ist und ber\u00fchrt. das Staatsministerium des Innern seine Zustimmung erteilt hat; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. IV. Abschnitt 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcberParlamentarische Kontrolle mittlung aktenkundig zu machen. 3 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, Art. 18 zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 4 Das Landesamt Parlamentarisches Kontrollgremium f\u00fcr Verfassungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweisen. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfas(5) 1 \u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtsungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen des Gesetlichen Vorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2 Das Landesamt zes zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung f\u00fcr Verfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzhinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 beh\u00f6rden auch dadurch unterrichten, dass es diesen den des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts Abruf von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6gf\u00fcr Verfassungsschutz - Parlamentarisches Kontrolllicht, soweit deren gesetzliche Aufgaben identisch gremium-Gesetz - vom 10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I). sind. Art. 19 und 20 (aufgehoben) Art. 15 Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit V. Abschnitt 1 Das Staatsministerium des Innern und das LandesSchlussvorschriften amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Art. 21 Abs. l. 2 Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezoErf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben gene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesse der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzZur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetw\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahzes nach Art. 73 Nr. l0 Buchst. b und c des Grundrung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. gesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 239 die Befugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entspre2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr Sicherheitschenden Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. fragen zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags\" durch die Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission Art. 22 f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" Einschr\u00e4nkung von Grundrechten ersetzt. Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht Art. 24 der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des In-Kraft-Treten Grundgesetzes und Art. l06 Abs. 3 der Verfassung eingeschr\u00e4nkt werden. 1 Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* 2 Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: Art. 23 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung f\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-I), des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen DatenschutzDas Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 gesetzes (BayRS 204-1-I). Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I) wird wie folgt ge\u00e4ndert: 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: \"6 Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der die der Zustimmung der Parlamentarischen Konurspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBl S.323). Der trollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des VerfasZeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sungsschutzes bedarf.\" sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen.","240 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) Gesetz zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) Vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40, BayRS 12-4-I) Art. 1 (4) Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt seine Parlamentarisches Kontrollgremium T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des Landtags hinaus solange aus, bis der nachfolgende (1) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt die Landtag ein neues Parlamentarisches Kontrollgremium parlamentarische Kontrolle gem\u00e4\u00df Art. 13 Abs. 6 Satz 3 gew\u00e4hlt hat. des Grundgesetzes zum Vollzug der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes nach Ma\u00dfgabe Art. 2 der Art. 48a des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des GerichtsGeheimhaltung verfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (AGGVG), Art. 34 Abs. 6 des Polizeiaufgaben(1) 1 Die Beratungen des Parlamentarischen Kontrollgesetzes (PAG) und Art. 6 Abs. 7 des Bayerischen Vergremiums sind geheim. 2Die Mitglieder und stellverfassungsschutzgesetzes (BayVSG) aus. 2Dem Parlatretenden Mitglieder sind zur Geheimhaltung der mentarischen Kontrollgremium obliegt ferner die KonAngelegenheiten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigtrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des keit im Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz; die Rechte des geworden sind. 3Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Landtags und seiner Aussch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. Ausscheiden aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium. (2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder des Parlamentari(2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium tritt schen Kontrollgremiums werden zu Beginn jeder neuen mindestens einmal im Jahr zusammen. 2Jedes Mitglied Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte gew\u00e4hlt. 3In kann die Einberufung des Parlamentarischen Kontrollgleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein stellvertretengremiums verlangen. 3Das Parlamentarische Kontrolldes Mitglied gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen der gremium gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 4Ferner obMehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. liegt ihm die Wahl seiner bzw. seines Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden. (3) 1 Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder seiner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Art. 3 Parlamentarischen Kontrollgremium; Absatz 4 bleibt Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein und Berichtspflichten der Staatsregierung neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das Gleiche gilt, wenn ein Mitglied aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium (1) Das Staatsministerium der Justiz erstattet dem ausscheidet. 3Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht die stellvertretenden Mitglieder. nach Art. 48a AGGVG.","Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) 241 (2) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem 1. Art. 18 erh\u00e4lt folgende Fassung: Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht nach Art. 34 Abs. 6 PAG und Art. 6 Abs. 7 BayVSG. \"Art. 18 2 Die Berichterstattung nach diesen Vorschriften kann Parlamentarisches Kontrollgremium gesondert erfolgen. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr (3) 1 Das Staatsministerium des Innern unterrichtet Verfassungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen das Parlamentarische Kontrollgremium ferner regeldes Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle der m\u00e4\u00dfig umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der von besonderer Bedeutung. 2Dar\u00fcber hinaus berichtet T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz es zu einem konkreten Thema aus dem Aufgaben- - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom bereich des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, sofern 10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I).\" das Parlamentarische Kontrollgremium dies verlangt. 3 Zeit, Art und Umfang der Unterrichtung des Parlamen2. Art. l9 und 20 werden aufgehoben. tarischen Kontrollgremiums werden unter Beachtung des notwendigen Schutzes des Nachrichtenzugangs (2) In Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des durch die politische Verantwortung der Staatsregierung Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) vom bestimmt. 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), ge\u00e4ndert durch Art. 23 des Gesetzes vom 24. August (4) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem 1990 (GVBl S. 323), werden die Worte \"die ParlamenParlamentarischen Kontrollgremium ferner Bericht tarische Kontrollkommission f\u00fcr Angelegenheiten des nach Ma\u00dfgabe des Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung Verfassungsschutzes\" durch die Worte \"das Parlamendes Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10). 2Art. 2 tarische Kontrollgremium\" ersetzt. AGG 10 bleibt unber\u00fchrt. Art. 5 Art. 4 In-Kraft-Treten, \u00dcbergangsvorschrift \u00c4nderung von Gesetzen (1) Dieses Gesetz tritt am 1. April 2000 in Kraft. (1) Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom (2) Die bestehende Parlamentarische Kontrollkom10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I), ge\u00e4ndert mission \u00fcbt ihre T\u00e4tigkeit im bisherigen Umfang bis durch SS 2 des Gesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl zur Bildung des Parlamentarischen Kontrollgremiums S. 383), wird wie folgt ge\u00e4ndert: nach Art. l aus.","242 Sachwortregister Sachwortregister ABLE 215 Arbeitsgemeinschaft Autonome Gruppen in und bei der PDS 106 AG Cuba Si 113 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in Aktion Oder-Nei\u00dfe (AKON) 45 und bei der PDS 108 Aktionsb\u00fcro Nationaler Widerstand/ Autonome 123 Freilassing 66 Autonome Antifa (M), G\u00f6ttingen 128 Aktionsgruppe Antifaschismus Ingolstadt 135 Al Quaeda 186 barricada 130 Al-Gamaa al Islamiya (GI) 185 Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) 185 Antifa-Offensive 99 128 antifa-rundschau 147 Blood & Honour Division Deutschland 75 antifaschistisch k\u00e4mpfen (m\u00fcnchen) Bolschewistische Partei Nord[ak (m)] 125 kurdistan/T\u00fcrkei (BP-KK/T) 195 Antifaschistische Aktion (AA) 125 Bund Frankenland (BF) 66 Antifaschistische Aktion Berlin (AAB) 113 Bundesweites Antifa Treffen (BAT) 129 Antifaschistische Aktion in der OA (AAOA) 125 B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Sozialismus 113 Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen (AAM) 126 Antifaschistische Aktion Passau (AAP) 136 Castel del Monte Verlag 92 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Celebrity Centres (CC) 211 Organisation (AA/BO) 127 Citizens Commission on Human Rights Antifaschistische Jugendfront (AJF) 125 (CCHR) 215 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis Clear Deutschland-Kampagne 201 Augsburg (AABA) 137 Clears 200 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis Continental Liaison Office (CLO) 200 Baden-W\u00fcrttemberg (AABW) 127 Courage 120 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis Bayern (AABB) 127 CRIMINON 215 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg 148 Das Freie Forum 56 Antifaschistisches INFO-BLATT (AIB) 131 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Antiimperialistischer Widerstand (AIW) 142 Pal\u00e4stinas (DFLP) 192 Antikernkraftbewegung 138 Demokratische Partei Kurdistans/Irak (DPK/I) 176 Applied Scholastics 215 Denk mit! 92 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 121 Denk mit!-Verlag 92 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 170 Department of Special Affairs (DAS) 217","Sachwortregister 243 Der Aktivist 40 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 167 Der Angriff 63 F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten Der Gegenangriff 63 aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 195 Der Republikaner 46 F\u00f6deration der demokratischen Rechte in Der Scheinwerfer 92 Deutschland (ADHF) 167 Deutsche Aufbau-Organisation (DAO) 59 F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in Deutsche Geschichte 92 der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) 193 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 114 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 56 Idealistenvereine in Europa e.V. Deutsche Stimme (DS) 27 (AD\u00dcTDF) 159 Deutsche Stimme EXTRA 27 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) 173 Deutsche Volksunion (DVU) 42 Frankens Widerstand 74 Deutsche Volksunion e.V. 45 Franz\u00f6sische Kommunistische Partei (FKP) 113 Deutsches B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte 206 Freie ArbeiterInnen Union (FAU) 140 Deutsches Kolleg (DK) 92 Freie Nationalisten 62 Deutschland-Bewegung/Friedenskomitee 2000 58 Freiheit 196 Devrimci Sol 162 Freiheitlicher Volks Block (FVB) 26 Dianetik nach L. Ron Hubbard 196 Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) 65 Die Artgemeinschaft - Germanische Freundeskreis Ulrich von Hutten 57 Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Frieden 2000 - Nachrichten f\u00fcr die Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) 92 Deutschland-Bewegung 58 Die Freunde im Ausland (DFiA) 88 Front National (FN) 89 Die Republikaner (REP) 46 FSB (Inlandsnachrichtendienst der GUS) 220 Die Ware 110 F\u00fcnf-Punkte-Papier der PDS 98 DISPUT 146 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH GEGENSTANDPUNKT 147 (DSZ-Verlag) 59 Germania-Rundbrief 88 DVU - Freiheitliche Liste 45 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 56 Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front Ehrenbund Rudel 45 (GdNF) 65 Europ\u00e4ische Frontzentrale (ACM) der PKK 173 graswurzelrevolution 129 EXPO 2000 139 Grossraumzeitung - N\u00fcrnberg/Erlangen/ F\u00fcrth 130 FAPSI (elektronischer Aufkl\u00e4rungsdienst GRU (Milit\u00e4rischer Nachrichtendienst der GUS) 220 der GUS) 220","244 Sachwortregister Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. 193 Jugendverband 'solid 109 Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) 156 Junge Nationaldemokraten (JN) 40 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische junge Welt 97 Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 91 Kalifatsstaat 156 Hizb Allah 187 Kameradschaft Schwabach 65 Huttenbriefe 57 Kameradschaften 64 Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS) 63 Impact 196 Kampfkomitee gegen Isolationshaft 164 Info-L\u00e4den der Autonomen 129 Katakombenakademie des Friedhelm Busse 66 Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) 45 Koalition der Linken und des Institute for Historical Review (IHR) 88 Fortschritts - SYNASPISMOS 113 INTERIM 130 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie International Association of Scientologists gegen Menschenrechte e.V. (KVPM) 215 (IAS) 217 Kommunikationszentrum (KOMM) 126 Internationale Islamische Front 186 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 146 Internationales Kulturhaus 126 Kommunistische Partei B\u00f6hmens Iranische Moslemische Studenund M\u00e4hrens (KPBM) 113 ten-Vereinigung Bundesrepublik Kommunistische Partei Chinas 113 Deutschland e.V. (IMSV) 193 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) 113 Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) 194 Kommunistische Partei Deutschlands Islamische F\u00f6deration 156 (KPD/DDR) 106 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. Kommunistische Partei Indiens (KPI) 113 (IGD) 184 Kommunistische Partei Indiens-Marxist Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) 154 (KPI/M) 113 Islamische Heilsarmee (AIS) 185 Kommunistische Partei Vietnams (KPV) 113 Islamische Heilsfront (FIS) 185 Kommunistische Plattform (KPF) 106 Islamische Widerstandsbewegung (HAMAS) 185 Konf\u00f6derale Fraktion der Vereinten Islamischer Bund Pal\u00e4stina (IBP) 185 Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke (GUE/NGL) 105 Islamischer Widerstand (Muqawame Islamiya) 187 Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) 167 Islamisches Zentrum M\u00fcnchen 184 Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) 167 Jihad Islami 186 Koordinierungskreis 18. M\u00e4rz 2000 142 Journal of Historical Review 88 K\u00fcnstlerhaus K4 126 Jugend gegen Rassismus (JgR) 125 Kurdische Demokratische Volksunion (YDK) 171 Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 147 Kurdischer Nationalkongress (KNK) 177","Sachwortregister 245 Kurdischer Roter Halbmond (HSK) 194 NARCONON 215 Kurdisches Exilparlament 177 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 61 Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland Nation Europa Verlag GmbH 61 (KIB) 193 National Journal 88 Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) 193 Nationaldemokratische Partei Deutschlands Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln 193 (NPD) 27 Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen 177 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 91 Landser 74 Nationale Au\u00dferparlamentarische Opposition (NAPO) 30 lernen und k\u00e4mpfen (luk) 146 Nationale Befreiungsarmee (NLA) 188 Leuchter-Bericht 87 Nationale Befreiungsfront Kurdistans Libertad! 142 (ERNK) 171 Libert\u00e4res Forum bei der PDS 106 Nationale Demokratische Initiative Linksruck 147 Kurdistan 178 Linksruck-Netzwerk 123 Nationale Info-Telefone (NIT) 68 Lokalpatriot 74 Nationaler Widerstand 30 Lokalradio M\u00fcnchen (LORA) 122 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 188 Nationalisten N\u00fcrnberg 74 Marxistische Bl\u00e4tter 146 National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung (NZ) 59 Marxistische Gruppe (MG) 122 Nation-Europa-Freunde e.V. 61 Marxistisches Forum (MF) 108 Neonazikreis um Sven Schlechta 65 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 169 Neues Deutschland (ND) 146 Marxistisch-Leninistische Partei New Era Radio 207 Deutschlands (MLPD) 120 Nichtaberrierte 200 MED-TV 174 Nordbayerischer Landbote 146 MEDYA-TV 174 Nordische Zeitung (NZ) 92 Mensch und Ma\u00df 92 NS Kampfruf 90 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS 146 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 90 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 122 M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 148 Odal-Verlag 92 Muslimbruderschaft (MB) 184 Office of Special Affairs (OSA) 215 Organisierte Autonomie (OA) 125 Nachrichten der HNG 91 Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) 167 Nachrichten-Informationen-Meinungen (NIM) 64 Out of Control 130","246 Sachwortregister Partei der arbeitenden Frauen Kurdistans Solidarit\u00e4tskomitee mit den politischen (PJKK) 176 Gefangenen in der T\u00fcrkei (DETUDAK) 164 Partei der freien Frauen (PJA) 176 Source 196 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 159 Sozialismus von unten 147 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 97 Sozialistische Alternative VORAN (SAV) 147 Partizan-Fl\u00fcgel 167 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 123 Patriotische Union Kurdistans (PUK) 176 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend PDS-Pressedienst 146 (SDAJ) 118 POSITION 147 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) 97 Proletarischer Internationalismus 112 Sozialistische Partei Chiles (SP) 113 Sozialistische Zeitung (SoZ) 147 radikal 148 Spinnennetz 129 REBELL 120 Staatsbriefe 92 Religious Technology Center (RTC) 211 Stadtteilzentrum Schwarze Katze 126 Republikanische Jugend (RJ) 50 S\u00fcdafrikanische KP 113 Revisionismus 86 SWR (Auslandsnachrichtendienst der GUS) 220 Revolution\u00e4r Sozialistischer Bund (RSB) 114 Revolution\u00e4re Plattform - Aufbruch 2000 (RPF) 36 TITEL - Informationsforum der PDS Bayern 146 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei-Front Tugendpartei (FP) 154 (DHKP-C) 162 T\u00fcrkische Arbeiterund BauernbefreiungsRevolution\u00e4re Zellen (RZ) 143 armee (TIKKO) 167 rote antifa n\u00fcrnberg (ran) 125 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 167 Rote Armee Fraktion (RAF) 129 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei-Front Rote Fahne 146 (THKP-C Devrimci Sol) 162 Rote Zora 143 Rudolf-Gutachten 87 Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) 194 Rudolf-He\u00df-Aktionswochen 69 Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) 193 Samisdat Publishers Ltd. 88 Union der Journalisten Kurdistans (YRK) 194 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. Union der Jugendlichen aus Kurdistan (SDV) 92 (YCK) 194 Scientology Kirche Bayern e.V. 213 Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) 194 Scientology Kirche Deutschland e.V. 213 Union islamischer Studentenvereine Scientology-Organisation (SO) 196 in Europa (U.I.S.A.) 193 Skinheads 69 Union zur Pflege der kurdischen Kultur So oder So 142 und Kunst (YRWK) 194","Sachwortregister 247 Unsere Zeit (UZ) 146 Vlaams Blok (VB) 51 Ursprung 196 Vlaams Blok Jongeren (VBJ) 51 UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) 172 Alternativen 146 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando - (PFLP-GC) 192 Verband der islamischen Vereine Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas und Gemeinden e.V. (ICCB) 195 (PFLP) 192 Verband der StudentInnen aus Kurdistan Volksmodjahedin 188 (YXK) 194 Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 88 Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 146 Vereinigung der Verfolgten des was tun 111 Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) 117 Watch Dog Committee (WDC) 211 Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 123 White Youth-Sektion Bayern 75 Verlag Hohe Warte - Franz von WISE 213 Bebenburg KG 92 Wohlfahrtspartei (RP) 154 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 92 Vierteljahreshefte f\u00fcr freie GeschichtsZentrum f\u00fcr individuelles und forschung (VffG) 88 effektives Lernen (ZIEL) 215","Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Druck: Joh. Walch GmbH & Co. KG, Augsburg Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100% Altpapier Hinweis: Der Verfassungsschutzbericht Bayern 2000 ist auch \u00fcber das Internet abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de http://www.verfassungsschutz.bayern.de"],"title":"Verfassungsschutzbericht 2000","year":2000}
