{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1999.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":212,"pages":["VERFASSUNGSSCHUTZ BERICHT 19 B AY E R N 99 Bayerisches Staatsministerium des Innern","Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen","Vorwort 3 Die W\u00fcrde des Menschen ist unantastbar. Dieser kurze Satz ist uns nach mehr als einem halben Jahrhundert der Geltung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaats Bayern sowie nach ebenso langer Einbindung in die europ\u00e4isch-westliche Wertegemeinschaft selbstverst\u00e4ndlich geworden. Wer sich jedoch die weltpolitische Lage des abgelaufenen Jahres in Erinnerung ruft, wird schnell feststellen, dass stabile politische Verh\u00e4ltnisse und die Garantie der Menschenrechte ein kostbares Gut darstellen, das es zu sch\u00fctzen und wahren gilt. Eine stabile Demokratie zeichnet sich nicht zuletzt durch ihre Wehrhaftigkeit nach innen gegen\u00fcber Bestrebungen aus, die extremistische Ideologien verwirklichen wollen und versuchen, f\u00fcr ihre Zwecke Bev\u00f6lkerungsgruppen zu emotionalisieren und zu instrumentalisieren. Der tragische Tod eines Schwarzafrikaners in Kolbermoor im Sommer 1999 f\u00fchrt einmal mehr das erschreckende Gewaltpotenzial menschenverachtender Doktrinen und fremdenfeindlichen Gedankengutes vor Augen. Aber nicht nur solche Einzelf\u00e4lle, sondern auch Wahlerfolge extremistischer Parteien, die unserer Staatsund Gesellschaftsordnung ablehnend gegen\u00fcberstehen, f\u00fchren mit aller Deutlichkeit vor Augen, wie wichtig die \u00f6ffentliche politische Auseinandersetzung mit Extremisten ist. Eine aufgekl\u00e4rte Bev\u00f6lkerung ist der wirksamste Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Im vergangenen Jahr konnte nicht nur die rechtsextremistische DVU in Bremen und Brandenburg Wahlerfolge verbuchen, sondern auch die in \"PDS\" umbenannte Sozialistische Einheitspartei Deutschlands bei der Europawahl und den Landtagswahlen in den neuen Bundesl\u00e4ndern. In Mecklenburg-Vorpommern erreichte sie 1998 die Regierungsbeteiligung, in Th\u00fcringen und Sachsen wurde sie 1999 die zweitst\u00e4rkste Partei in den Landesparlamenten. Der Bericht enth\u00e4lt neben einer ausf\u00fchrlichen Darstellung des Rechtswie des Linksextremismus auch eine Lagedarstellung extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern und verdeutlicht die Notwendigkeit einer weiteren Beobachtung der menschenverachtenden Scientology-Organisation sowie der Organisierten Kriminalit\u00e4t durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz. Er zeigt auf, wie verschiedenartig die Bedrohungen f\u00fcr unsere Rechtsordnung sein k\u00f6nnen; er zeigt aber auch, dass Extremisten in Bayern nicht ernsthaft in der Lage waren, unser Gemeinwesen zu gef\u00e4hrden. Im Vergleich mit den anderen deutschen L\u00e4ndern ist die extremistische Bedrohung in Bayern deutlich geringer, die Zahl der extremistischen Gewalttaten liegt weit unter dem Durchschnitt. Das ist auch das Ergebnis einer konsequenten Sicherheitspolitik. Wir danken den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, die durch ihre engagierte Arbeit einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung von Demokratie, Freiheit und Menschenw\u00fcrde in unserem Land geleistet haben. M\u00fcnchen, im M\u00e4rz 2000 Dr. G\u00fcnther Beckstein Hermann Regensburger Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen ............................................ 12 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes ........................... 12 3. Informationsbeschaffung .......................................... 13 4. Kontrolle ................................................................... 14 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes ............ 15 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 1999 1. Rechtsextremismus .................................................... 16 2. Linksextremismus ...................................................... 17 3. Ausl\u00e4nderextremismus ............................................... 17 4. Scientology-Organisation ........................................... 18 5. Haltung extremistischer Organisationen zum Kosovo-Konflikt ......................................................... 19 6. Graphische Darstellungen .......................................... 21 3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines .............................................................. 23 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus ............................. 23 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 24 1.3 Rechtsextremistische Gewalt ...................................... 26 2. Parteien, Organisationen und Verlage ......................... 27 2.1 Die Republikaner (REP) .............................................. 27 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort ................................. 27 2.1.2 Interne Richtungsk\u00e4mpfe ........................................... 29 2.1.3 Organisation ............................................................. 31 2.1.4 Teilnahme an Wahlen ................................................ 31 2.1.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern ................................................. 32","Inhaltsverzeichnis 5 2.1.6 Verwaltungsgerichtsverfahren .................................... 33 2.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) ...... 34 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort ................................ 34 2.2.2 Organisation ............................................................. 36 2.2.3 Teilnahme an Wahlen ................................................ 37 2.2.4 Sonstige Aktivit\u00e4ten .................................................. 38 2.2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) ................................. 39 2.3 Deutsche Volksunion (DVU) ....................................... 42 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort ................................ 42 2.3.2 Organisation ............................................................. 45 2.3.3 Teilnahme an Wahlen ................................................ 46 2.3.4 B\u00fcndnispolitik ........................................................... 47 2.3.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten .................................................. 47 2.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) ................ 48 2.5 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) ................. 49 2.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. .......................... 50 2.7 Freiheitlicher Volks Block (FVB) .................................. 51 2.8 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) 51 2.9 Nation Europa Verlag GmbH ..................................... 52 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus .................. 53 3.1 Allgemeines .............................................................. 53 3.2 Autonome Kameradschaften ..................................... 55 3.2.1 Katakombenakademie des Friedhelm Busse ............... 55 3.2.2 Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) .................................. 56 3.3 Informationelle Vernetzung ....................................... 56 3.4 Aktivit\u00e4ten zum 12. Todestag von Rudolf He\u00df ............ 58 3.5 Strafverfahren ........................................................... 59 3.6 Skinheads ................................................................. 59 4. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten .................. 63 4.1 Gewalttaten .............................................................. 63 4.2 Sonstige Straftaten ................................................... 69 5. Revisionismus ............................................................ 70 5.1 Ziele .......................................................................... 70 5.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne 71 6. Einfluss des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus ............ 73 6.1 Kontakte zur franz\u00f6sischen Front National (FN) .......... 73 6.2 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 73","6 Inhaltsverzeichnis 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ..................................................... 75 4. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines .............................................................. 77 1.1 Merkmale des Linksextremismus ................................ 77 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 78 1.3 Linksextremistische Gewalt ........................................ 80 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 80 2.1 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ............. 81 2.1.1 Ideologische Ausrichtung .......................................... 81 2.1.2 Organisation ............................................................. 85 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften .. 87 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) ................................ 87 2.1.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in und bei der PDS .................................................... 88 2.1.3.3 Marxistisches Forum (MF) .......................................... 89 2.1.4 Jugendverband \"'solid\" ............................................. 90 2.1.5 PDS Landesverband Bayern ....................................... 90 2.1.6 Teilnahme an Wahlen ................................................ 92 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus .......................... 93 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten in Bayern 93 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) ...................... 94 2.2.1 Ideologische Ausrichtung .......................................... 94 2.2.2 Organisation ............................................................. 95 2.2.3 Teilnahme an Wahlen ................................................ 96 2.2.4 Umfeld der DKP ........................................................ 96 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ........ 96 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) ........... 97 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) .. 98 2.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) ..... 99 2.5 Marxistische Gruppe (MG) ......................................... 100 2.6 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus ......................... 101","Inhaltsverzeichnis 7 3. Gewaltorientierte Linksextremisten ............................ 102 3.1 Autonome Gruppen .................................................. 102 3.1.1 \u00dcberblick .................................................................. 102 3.1.2 Ideologische Ausrichtung .......................................... 102 3.1.3 Strukturen ................................................................ 103 3.1.3.1 Autonome in Bayern ................................................. 103 3.1.3.2 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) .................................................................... 104 3.1.3.3 Antifa-Offensive 1999 ............................................... 106 3.1.4 Informationelle Vernetzung ....................................... 107 3.1.5 Autonome Publikationen ........................................... 108 3.1.6 Schwerpunktthemen und Aktionen ........................... 109 3.1.6.1 Antifaschischmus ....................................................... 110 3.1.6.2 Weitere Aktionen ...................................................... 112 3.1.6.3 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung .......... 115 3.1.7 Ermittlungsverfahren .................................................. 115 3.2 Gewalttaten und sonstige Straftaten .......................... 116 3.3 Sozialrevolution\u00e4re Tendenzen in Bayern ................... 118 3.4 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) ...................... 118 3.5 Rote Armee Fraktion (RAF) ........................................ 121 3.6 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) ........................................... 122 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ............... 124 5. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines .............................................................. 127 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus ........................ 127 1.2 Entwicklung der Organisationen ................................ 127 1.3 Integrationsfeindlichkeit des islamischen Extremismus 129 1.4 Entwicklung der Gewalttaten .................................... 130 2. T\u00fcrkische Gruppen .................................................... 132 2.1 Islamische Extremisten .............................................. 132 2.1.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) ............. 132","8 Inhaltsverzeichnis 2.1.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) ................................ 135 2.2 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) ................. 137 2.3 Linksextremisten ....................................................... 139 2.3.1 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) ............................. 139 2.3.2 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) ................................................................... 143 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 144 2.3.4 Plattform der Vereinten Revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte (DBGP) 145 3. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) .................................. 145 3.1 Ideologie .................................................................. 145 3.2 Organisation ............................................................. 146 3.3 Reaktionen auf die Ergreifung und Verurteilung \u00d6calans 148 3.4 Strategie ................................................................... 149 3.5 Unterst\u00fctzer der PKK ................................................ 151 3.6 Aktivit\u00e4ten in Deutschland ........................................ 152 3.7 Gewalttaten und Straftaten in Bayern ......................... 154 3.8 Strafverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen ................... 156 4. Arabische Gruppen ................................................... 157 4.1 Muslimbruderschaft (MB) in der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) .................... 157 4.2 Islamische Heilsfront (FIS) - algerischer Zweig der MB - 158 4.3 Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) ......................................... 158 4.4 Internationale Islamische Front .................................. 159 4.5 Hizb Allah (Partei Gottes) .......................................... 159 5. Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) ...................... 160 6. Volksbewegung von Kosovo (LPK) ............................. 161 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse ................................... 163 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO ............................................... 168 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten .......................................... 171 2.1 Schriften der SO ........................................................ 171","Inhaltsverzeichnis 9 2.1.1 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft ........... 172 2.1.2 Lenkung der Regierung durch Scientology ................. 173 2.1.3 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems ........ 173 2.1.4 Abwehr von Kritik an Lehre und Praxis/aggressive Expansionstechnik ..................................................... 174 2.1.4.1 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung ..... 175 2.1.4.2 Kritikerbek\u00e4mpfung mit Methoden des Mobbings ...... 175 2.2 Aktivit\u00e4ten der SO ..................................................... 177 2.2.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staats ..................... 177 2.2.2 Aktivit\u00e4ten im Ausland .............................................. 178 2.2.3 Kampagne gegen Schutzerkl\u00e4rung ............................ 179 2.3 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten ................... 179 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO .......... 180 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO ........................ 180 3.2 Organisation der SO in Deutschland .......................... 182 3.2.1 \"Scientology Kirchen\" (Church-Sektor).......................... 182 3.2.2 WISE-Sektor .............................................................. 183 3.2.3 ABLE-Sektor .............................................................. 184 3.2.4 Office of Special Affairs (OSA) ................................... 185 4. Mitglieder der SO ...................................................... 186 5. Veranstaltungen der SO ............................................. 186 5.1 IAS-Event in M\u00fcnchen ............................................... 186 5.2 Ausstellung \"Was ist Scientology?\" ............................ 186 5.3 Marathonlauf f\u00fcr Religionsfreiheit ............................. 186 5.4 Bundesweite Verteilaktion ......................................... 187 6. Verwaltungsgerichtsverfahren ................................... 187 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet ................................................................ 188 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage ........................................................... 189 2. Nachrichtendienste der GUS ...................................... 189 3. Proliferation und illegaler Technologietransfer durch Krisenund Schwellenl\u00e4nder ............................. 190","10 Inhaltsverzeichnis 4. Aufkl\u00e4rung ausl\u00e4ndischer Oppositioneller in Deutschland durch Nachrichtendienste ihrer totalit\u00e4ren Heimatstaaten .................................. 191 5. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik ...... 192 6. Ausblick .................................................................... 192 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Aufgabe des Verfassungsschutzes ............................. 193 2. Beobachtungsschwerpunkte ..................................... 193 3. Erfolge der bisherigen Arbeit und Ausblick ................ 197 Anhang Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) ....................... 199 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) ................ 207 Sachwortregister .................................................................... 209","Verfassungsschutz in Bayern 11 1. Abschnitt Verfassungsschutz in Bayern Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertWehrhafte gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann Demokratie gegen Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, z.B. durch ein Parteioder Vereinsverbot. Dies setzt voraus, dass er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, rechtzeitig erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter Freiheitliche der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu demokratische verstehen, die unter Ausschluss jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrGrundordnung schaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition.","12 Verfassungsschutz in Bayern 1. Gesetzliche Grundlagen Rechtliche Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzGrundlagen lich genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 1999 insgesamt 412 Stellen f\u00fcr Beamte, Angestellte und Arbeiter ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 1999 betrug 38,5 Millionen DM. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes BeobachtungsNach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt auftrag f\u00fcr Verfassungsschutz im Wesentlichen den Auftrag, - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t zu beobachten. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dazu m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die Mitglie-","Verfassungsschutz in Bayern 13 der und Unterst\u00fctzer erfasst werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage f\u00fcr Exekutivma\u00dfnahmen wie beispielsweise Verbote von Vereinen, Verbotsantr\u00e4ge gegen Parteien, Verbote von Versammlungen, Verhinderung finanzieller oder sonstiger F\u00f6rderung, Verweigerung erforderlicher Erlaubnisse (z.B. f\u00fcr Sammlungen, Info-St\u00e4nde). Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichAbgrenzung zu tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die BundesBND und MAD republik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Nur etwa 20% der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln Nachrichtengeh\u00f6ren im Wesentlichen: dienstliche Mittel - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von Briefen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen rechtsstaatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem","14 Verfassungsschutz in Bayern Briefund eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des Brief-, PostTelefonkontrolle und Fernmeldegeheimnisses \"Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz\" (G 10) genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt sicher, dass in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Keine polizeiDem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. lichen Befugnisse Polizeibeh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen, wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw., durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer informationellen Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung nicht entgegen. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Vielf\u00e4ltige Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielf\u00e4lKontrollen tigen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, die Parlamentarische Kontrollkommission*, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G 10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs. Die Verwaltungskontrolle obliegt dem Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Bayerischen Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden * Die Aufgaben der Parlamentarischen Kontrollkommission werden zum 1. April 2000 durch das Parlamentarische Kontrollgremium des Bayerischen Landtags \u00fcbernommen.","Verfassungsschutz in Bayern 15 erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen. 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Die freiheitliche demokratische Grundordnung kann auf Dauer nicht Aufkl\u00e4rungsohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus t\u00e4tigkeit gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, dass Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes werden der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Informationsmaterialien zur Verf\u00fcgung gestellt. Das Informationsmaterial erhalten Sie kostenlos beim Bayerischen Staatsministerium des Innern - Sachgebiet Verfassungsschutz -, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen (Telefax: 0 89/2 19 21 28 42). Einige Materialien, insbesondere der j\u00e4hrliche Verfassungsschutzbericht und auch Informationen zur Scientology-Organisation, sind zus\u00e4tzlich im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.innenministerium.bayern.de","16 Entwicklung des politischen Extremismus 2. Abschnitt Entwicklung des politischen Extremismus im Jahr 1999 1. Rechtsextremismus Der organisierte Rechtsextremismus wird von den Parteien Die Republikaner (REP), Deutsche Volksunion (DVU) und Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) gepr\u00e4gt. Sie nutzten vor allem aktuelle politische Fragen und Probleme, etwa den Kosovo-Konflikt, die Staatsangeh\u00f6rigkeitsdebatte und die Arbeitslosigkeit f\u00fcr ihre Wahlkampfagitation im Wahljahr 1999. Durch die Verkn\u00fcpfung dieser Themen mit nationalistischen Aussagen suchten sie Erfolge bei Wahlen. Die Stagnation bei Wahlergebnisse blieben jedoch bei allen drei Parteien wie in der Verden Parteien gangenheit weit hinter ihren Erwartungen zur\u00fcck; lediglich die DVU konnte in Bremen und Brandenburg beachtliche Stimmengewinne erzielen. Sie ist mittlerweile in drei Landesparlamenten vertreten. Die Aufw\u00e4rtsentwicklung der NPD seit der \u00dcbernahme des Parteivorsitzes durch Udo Voigt im M\u00e4rz 1996 hat sich trotz kontinuierlicher Bem\u00fchungen, Neonazis und Skinheads einzubinden, nicht fortgesetzt; mittlerweile stagniert die Mitgliederzahl der NPD auch in den neuen L\u00e4ndern. Bei Wahlen blieb die Partei erfolglos. Die zahlreichen Wahlniederlagen der REP f\u00fchrten zu einer Fortf\u00fchrung des innerparteilichen Streits \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zu anderen rechtsextremistischen Parteien. An die schon im vergangenen Jahr getroffene Absprache mit der DVU, bei Wahlen nicht gegeneinander anzutreten, hielten sich die REP. Dies belegt, dass sie nach ihrem eigenen Verst\u00e4ndnis weiterhin aus einem dem Rechtsextremismus verbundenen W\u00e4hlerpotenzial sch\u00f6pfen wollen. Die organisierte neonazistische Szene in Bayern zeigt wie bisher nur geringe Aktivit\u00e4ten. Die Zahl der von Neonazis und rechtsextremistischen Skinheads gegen Ausl\u00e4nder, Farbige, \"Linke\" und andere Zunahme der Feindbilder ver\u00fcbten Gewalttaten ist dagegen gestiegen. Ihr Hass Gewalttaten gegen Ausl\u00e4nder forderte in Bayern ein Todesopfer. Die Anzahl sonstiger Straftaten, insbesondere der Propagandadelikte, blieb auf hohem Niveau weitgehend konstant.","Entwicklung des politischen Extremismus 17 2. Linksextremismus Die Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) konnte zahlreiche Wahlerfolge Wahlerfolge erzielen. Mit bundesweit 5,8 % der W\u00e4hlerstimmen der PDS erreichte sie am 13. Juni erstmals den Einzug in das Europ\u00e4ische Parlament. Unter Vorsitz der stellvertretenden Parteivorsitzenden Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann geh\u00f6ren insgesamt sechs PDS-Abgeordnete dem neugew\u00e4hlten Parlament an, unter ihnen der PDS-Ehrenvorsitzende Dr. Hans Modrow. Bei den Landtagswahlen in Brandenburg, Th\u00fcringen und Sachsen erzielte die Partei deutliche Stimmengewinne; in Th\u00fcringen und Sachsen wurde sie jeweils zweitst\u00e4rkste Partei. Erstmals seit Januar 1995 wurde mit Prof. Dr. Michael Benjamin - er erhielt 38,75 % der Delegiertenstimmen bei den Wahlen anl\u00e4sslich des Parteitags - wieder ein Vertreter der Kommunistischen Plattform (KPF) der PDS in den Parteivorstand gew\u00e4hlt. Die Partei zeigt damit, dass sie an den ideologischen Grundlagen des Kommunismus festh\u00e4lt. Mit der Gr\u00fcndung des PDS-nahen Jugendverbands \"'solid\" wird nach Wegen f\u00fcr eine bessere Einbindung der Jugend in die PDS gesucht. Nach wie vor unterh\u00e4lt die PDS Kontakte zu fast allen anderen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Das linksextremistische Gewaltpotenzial wird zu 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem autonomen und anarchistischen Spektrum gestellt. Ihre Aktionen richten sich insbesondere gegen tats\u00e4chliche Gewaltorientierte oder vermeintliche Rechtsextremisten im Rahmen des Antifa-KampAntifa fes. Ihr eigentliches Angriffsziel ist jedoch der demokratische Staat, der die Freiheit Andersdenkender zu sch\u00fctzen hat und sich in Form der Polizei und anderer Sicherheitskr\u00e4fte als \"Repressionsapparat\" der gewaltsamen Verfolgung ihrer kommunistischen und anarchistischen Ziele entgegenstellt. Die Zahl der linksextremistisch motivierten Gewalttaten ist gleich geblieben. 3. Ausl\u00e4nderextremismus In der ersten Jahresh\u00e4lfte stellte die Gewaltbereitschaft der ArbeiterGewaltbereitpartei Kurdistans (PKK) eine erhebliche Bedrohung der Inneren schaft der PKK Sicherheit in Deutschland dar. Dies wurde insbesondere Mitte Februar nach der Ergreifung des PKK-Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan in","18 Entwicklung des politischen Extremismus Kenia deutlich, als PKK-Anh\u00e4nger bei europaweit koordinierten Protestaktionen teilweise mit erheblicher Brutalit\u00e4t vorgingen. Das Ende Juni von einem t\u00fcrkischen Staatssicherheitsgericht gegen \u00d6calan verh\u00e4ngte Todesurteil l\u00f6ste bei seinen Gefolgsleuten eine neue, wenn auch geringere Welle der Gewalt aus. Mittlerweile hat sich die Lage wieder beruhigt. Die derzeit von der PKK demonstrierte Haltung als politisch \"k\u00e4mpfende\" Bewegung d\u00fcrfte zumindest bis zu einer endg\u00fcltigen Entscheidung \u00fcber die Vollstreckung des Urteils anhalten. Die Beschl\u00fcsse des \"Pr\u00e4sidialrats\" der PKK vom Januar 2000, sich k\u00fcnftig nur noch um eine politische L\u00f6sung der Kurdenfrage zu bem\u00fchen, setzen die nach der Inhaftierung \u00d6calans eingeleitete Trendwende fort. Der Beweis der Ernsthaftigkeit auf Dauer steht noch aus. IntegrationsIm Vergleich zur aktuellen Bedrohung der Inneren Sicherheit durch feindlicher islamimilitante t\u00fcrkische Linksextremisten bedeutet der islamische Fundascher Fundamenmentalismus eine zwar weniger spektakul\u00e4re, langfristig aber gr\u00f6\u00dfetalismus re Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung, insbesondere im Hinblick auf seine weltweiten Expansionsbestrebungen. Zu ihm bekennen sich in Bayern neben wenigen Angeh\u00f6rigen arabischer Gruppen vor allem etwa 5.000 Mitglieder der Islamischen Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG). Zwar ist diese st\u00e4ndig bem\u00fcht, extremistische Aussagen zu vermeiden. Ein Kurswechsel l\u00e4sst sich daraus aber nicht ableiten. Ihr Fernziel bleibt die Islamisierung Europas und die Bildung einer weltweiten Union islamischer Staaten. Der islamische Fundamentalismus ist extrem integrationsfeindlich, da er auf die Errichtung einer separaten islamischen Gesellschaft abstellt. In seinen extremen Formen ist er \u00e4u\u00dferst gewaltbereit, wie die j\u00e4hrlichen grausamen Massaker in Algerien zeigen. Der Kosovo-Konflikt motivierte Serben und Kosovo-Albaner in Deutschland zu zahlreichen Demonstrationen und Spendenaktionen. Trotz massiver Drohungen sind gr\u00f6\u00dfere Auseinandersetzungen zwischen den verfeindeten Volksgruppen ausgeblieben. Deutliche Die Zahl der Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten, insbesondere Zunahme der von PKK-Anh\u00e4ngern, hat im Vergleich zum Vorjahr erheblich zugeGewalttaten nommen. 4. Scientology-Organisation Die Scientology-Organisation (SO) in Deutschland verfolgt nach \u00fcbereinstimmender Auffassung der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bun-","Entwicklung des politischen Extremismus 19 des und der L\u00e4nder verfassungsfeindliche Ziele. Scientology will die Missachtung der Staaten der Welt letztlich nach eigenen Regeln beherrschen und Grundprinzipien regieren. Diese Regeln missachten nicht nur die Grundprinzipien der unserer Verfassung freiheitlichen demokratischen Grundordnung, wie Gewaltenteilung, Rechtsstaatsprinzip und Demokratieprinzip, sondern sie w\u00fcrden auch zu einer massiven Beeintr\u00e4chtigung der Menschenrechte f\u00fchren, da Nicht-Scientologen im Rechtssystem der SO rechtlos w\u00e4ren. Scientology versuchte auch 1999, die Aufkl\u00e4rungsund Abwehrma\u00dfnahmen des Staats zu diffamieren und mit der Verfolgung der Juden im Dritten Reich gleichzusetzen, jedoch sto\u00dfen diese Aktionen in der internationalen \u00d6ffentlichkeit wie bereits 1998 auf zunehmende Ablehnung. 5. Haltung extremistischer Organisationen zum Kosovo-Konflikt Der milit\u00e4rische Einsatz der NATO im Kosovo-Konflikt zur Unterbindung der \"ethnischen S\u00e4uberungen\" durch serbische Einheiten im Kosovo wurde von nahezu allen extremistischen Gruppen in Deutschland abgelehnt. Nach dem R\u00fcckzug der jugoslawischen Truppen und Sondereinheiten sowie dem Einmarsch der mit einem Mandat der UN versehenen KFOR-Friedenstruppen gef\u00e4hrdet der Kosovo-Konflikt die Sicherheitslage in Deutschland nicht mehr. Nach Auffassung der deutschen Rechtsextremisten bewiesen die Rechtsextremisten Milit\u00e4rschl\u00e4ge im Kosovo gegen Serbien den imperialen Machtanspruch der USA. Die deutsche Beteiligung habe klar gemacht, dass die Bundesrepublik lediglich den Status eines \"Vasallenstaats\" besitze, der nach wie vor dem Besatzungsrecht der Siegerm\u00e4chte des Zweiten Weltkriegs unterliege. F\u00fcr viele Rechtsextremisten war es zudem verwerflich, die Gesundheit auch nur eines einzigen deutschen Soldaten zu riskieren, um die Menschenrechte von Angeh\u00f6rigen fremder V\u00f6lker zu verteidigen. Die REP, die NPD und die DVU kritisierten in ihren Stellungnahmen die deutsche Beteiligung am \"Angriffskrieg\" der NATO gegen Serbien als \"Verbrechen\", Verletzung des V\u00f6lkerrechts und verfassungswidrigen Versto\u00df gegen Art. 26 des Grundgesetzes. Linksextremisten nahmen den Kosovo-Konflikt zum Anlass, sich Linksextremisten innenund au\u00dfenpolitisch als angebliche Kriegsgegner zu profilieren. Damit versuchten sie, an die fr\u00fchere Friedensbewegung anzukn\u00fcpfen und pazifistisch orientierte Personen zu gewinnen. Die PDS war","20 Entwicklung des politischen Extremismus bestrebt, mit verschiedenen internationalen Initiativen die Agitation gegen einen Einsatz von NATO-Streitkr\u00e4ften zu verst\u00e4rken. Der Vorsitzende der PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag Dr. Gregor Gysi traf sich am 14. April in Belgrad mit dem jugoslawischen Staatspr\u00e4sidenten Slobodan Milosevic. Der Vorsitzende der DKP Heinz Stehr und der Vorsitzende der jugoslawischen Kommunisten Goran Latinovi forderten in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung vom 31. M\u00e4rz alle \"demokratischen Kr\u00e4fte\" zum entschlossenen Widerstand gegen den amerikanischen Imperialismus, gegen Hegemonismus und Faschismus auf. Der Angriff auf Jugoslawien sei brutale Gewalt zur Herstellung der amerikanischen Dominanz \u00fcber Menschen und V\u00f6lker. Auch Angeh\u00f6rige der autonomen Szene agitierten gegen die NATO und die sich ausbreitende \"imperialistische Vorherrschaft\". Geringe BedeuDie Bedrohung der Inneren Sicherheit durch die in Deutschland tung f\u00fcr die lebenden etwa 320.000 Kosovo-Albaner war \u00fcberraschend gering. Innere Sicherheit Mit Beginn der NATO-Intervention in Jugoslawien am 23. M\u00e4rz rief die linksextremistische Volksbewegung von Kosovo (LPK) verst\u00e4rkt zur Unterst\u00fctzung der im Kosovo operierenden Befreiungsarmee von Kosovo (UCK) durch Spenden auf. Sie forderte auch m\u00e4nnliche Kosovo-Albaner dazu auf, sich im Kosovo am Kampf zu beteiligen. In Versammlungen und Demonstrationen bekundeten Kosovo-Albaner ihre Zustimmung zum NATO-Einsatz gegen Jugoslawien. Schwerwiegende Straftaten gegen Serben bzw. serbische Einrichtungen waren in Bayern nicht zu verzeichnen. Vereinzelt kam es anl\u00e4sslich serbischer Demonstrationen zu verbalen Auseinandersetzungen. In Deutschland und mehreren europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten demonstrierten zehntausende Serben gegen den NATO-Einsatz. Die erste serbische Demonstration noch vor dem Eingreifen der NATO fand am 13. M\u00e4rz auf Initiative des Jugoslawischen Generalkonsulats in M\u00fcnchen statt. Daneben beteiligten sich viele Serben an den von deutschen Linksextremisten initiierten Protestkundgebungen. Die verfeindeten Gruppen der Kosovo-Albaner und Serben verhielten sich in Deutschland w\u00e4hrend des Kosovo-Konfliktes weitgehend friedlich. Vereinzelt kam es zu anonymen Bombendrohungen und Drohschreiben. Damit versuchten Anh\u00e4nger der Serben, eine entsprechende Drohkulisse zu errichten mit dem Ziel, die Bev\u00f6lkerung und auch die Bundesregierung zu verunsichern. Die angek\u00fcndigten Gewalttaten blieben indes aus. Ger\u00fcchte, wonach mit dem albanischen Fl\u00fcchtlingsstrom auch Serben mit terroristischer Ausbildung nach Deutschland gekommen seien, wurden nicht best\u00e4tigt.","Entwicklung des politischen Extremismus 21 6. Graphische Darstellungen Die Entwicklung der Zahlen der Anh\u00e4nger extremistischer Bestrebungen sowie der politisch motivierten Gewalttaten ist den folgenden Graphiken zu entnehmen. Entwicklung Rechtsextremisten* Linksextremisten** der MitgliederAusl\u00e4ndische Extremisten zahlen extremisMitglieder Scientology Organisation Deutschland*** tischer Organi80.000 sationen 60.000 59.700 49.350 51.400* 40.000 34.500 34.200** 32.300 20.000 Deutschland 10.000 5.500*** 0 1990 91 92 93 94 95 96 97 98 99 * Die Republikaner 1994 erstmals erfasst. ** Die Kurve beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von Mitgliedern der PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die PDS Deutschland hatte 1999 insgesamt 94.000 Mitglieder, davon 2.000 in der KPF. *** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt. Rechtsextremisten* Linksextremisten Ausl\u00e4ndische Extremisten Mitglieder Scientology Organisation Deutschland** 12.000 10.400 10.000 8.000 7.020 7.970* 6.000 5.040 4.830 4.000 4.010 3.000 2.600** 2.000 Bayern 0 1990 91 92 93 94 95 96 97 98 99 * Die Republikaner 1994 erstmals erfasst. ** Scientology-Organisation 1998 erstmals konkret erfasst; Angaben f\u00fcr die Vorjahre gesch\u00e4tzt.","22 Entwicklung des politischen Extremismus Entwicklung 1997 1998 1999 politisch 900 833 motivierter 790 783 Gewalttaten 800 746 in Deutschland 711 708 700 600 500 391 400 314 300 258 200 100 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Entwicklung politisch 1997 1998 1999 motivierter Gewalttaten 60 56 in Bayern 50 39 40 40 30 25 25 19 20 20 16 10 8 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Jede gewaltsame Aktion wird nur einmal erfasst, auch wenn sie aus mehreren Einzeltaten besteht. Dies gilt z.B. f\u00fcr mehrere Delikte bei den Auseinandersetzungen zwischen Linksund Rechtsextremisten am 7. Februar und 26. September 1998 in Passau.","Rechtsextremismus 23 3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie Ablehnung der auf. Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in Grundlagen der Deutschland sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, dass sie Demokratie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und statt dessen - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschluss des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"VolksgemeinKollektivismus schaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die zu einer Aush\u00f6hlung der Grundrechte f\u00fchrt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung missachtender NatioNationalismus nalismus, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung rassistischer Thesen, Rassismus unter anderem des Antisemitismus, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltRelativierung des herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des NS-Unrechts Dritten Reichs zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige VerunVerunglimpfung glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten. der Demokratie Ziel dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Repr\u00e4sentanten als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern","24 Rechtsextremismus darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Strategie des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Sozialpolitische Seit 1996 treten in der Propaganda von Rechtsextremisten sozialund Themen wirtschaftspolitische Themen zunehmend in den Vordergrund. Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorie-Elementen hoffen Rechtsextremisten, aus der hohen Arbeitslosigkeit und den Fragen der Bev\u00f6lkerung zur Finanzierung der Renten Kapital schlagen zu k\u00f6nnen und in der politischen Auseinandersetzung akzeptiert zu werden. Teile des rechtsextremistischen Spektrums bedienen sich immer offensiver des \"Antikapitalismus\". Sie propagieren einen \"volksbezogenen Sozialismus\" mit dem Ziel, in das PDS-W\u00e4hlerpotenzial einzudringen. Antiamerikanismus Organisierte und unorganisierte Rechtsextremisten sind sich einig in der Ablehnung der \"One-World-Ideologie\" der Weltmacht USA. Ihr lager\u00fcbergreifendes, im Antiamerikanismus begr\u00fcndetes Feindbild ist die westliche Werteordnung. Sie empfinden diese als wesensfremd, da sie den Deutschen von der \"amerikanischen Fremdherrschaft\" aufgezwungen worden sei. Dementsprechend nahmen Rechtsextremisten aller Schattierungen die Intervention der NATO im Kosovo-Konflikt zum Anlass, gegen die \"Oneworld-Mafia\" sowie die \"selbst ernannte amerikanische Weltpolizei\" zu agitieren und die deutsche Beteiligung am \"Angriffskrieg\" der NATO zu verurteilen. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern und deren jeweilige Mitgliederst\u00e4rke ist aus den nachfolgenden \u00dcbersichten zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. Die REP sind in Bayern wie im Vorjahr trotz r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen die personell gr\u00f6\u00dfte Partei mit rechtsextremistischer Zielsetzung. Einen leichten Mitgliederzuwachs hatte nur die NPD aufgrund des Zulaufs von rechtsextremistischen Skinheads und Neonazis zu verzeichnen.","Rechtsextremismus 25 Zahl und Mit1997 1998 1999 gliederst\u00e4rke rechtsextremisAnzahl der Organisationen 25 27 30 tischer Organisationen in Mitgliederst\u00e4rken Bayern Die Republikaner (REP) 4.300 4.300 4.200 NPD mit JN und NHB 740 870 950 DVU* 1.800 2.000 1.800 Neonazistische Organisationen 130 110 60 Sonstige Organisationen 250 250 250 7.220 7.530 7.260 Neonazistische Einzelaktivisten 80 70 60 Rechtsextremistische Skinheads 600 600 650 Rechtsextremisten insgesamt 7.900 8.200 7.970 * Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins. Mitglieder 70.000 Deutschland * 60.000 51.400 50.000 40.000 30.000 32.300 20.000 Bayern * 10.000 7.970 5.040 0 1990 91 92 93 94 95 96 97 98 99 * Republikaner 1994 erstmals erfasst.","26 Rechtsextremismus Teilnahme an Bei Wahlen blieben die rechtsextremistischen Parteien im Allgemeinen Wahlen erfolglos. Eine Ausnahme bildete die DVU, die bei der Landtagsbzw. Senatswahl in Brandenburg und Bremen in die dortigen Parlamente einzog. Mit den dabei erreichten Stimmenanteilen von 5,3 % bzw. 3,0 % verfehlte sie indes deutlich ihr Ziel, an das Ergebnis der Landtagswahl 1998 in Sachsen-Anhalt anzukn\u00fcpfen, wo sie 12,9 % der Stimmen erhalten hatte. B\u00fcndnisEin formelles B\u00fcndnis zwischen rechtsextremistischen Parteien kam bem\u00fchungen auch 1999 nicht zustande. Die Absprache von REP und DVU, im Interesse der B\u00fcndelung der Kr\u00e4fte bei Wahlen m\u00f6glichst nicht gegeneinander anzutreten, blieb aber bestehen. Die NPD richtet ihre Parteiarbeit auf Eigenst\u00e4ndigkeit aus. Sowohl die F\u00fchrung der REP als auch der DVU lehnt die NPD als B\u00fcndnispartnerin ab. Die Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH), die \"patriotische\" Gruppierungen und Parteien unter einem Dach zusammenf\u00fchren m\u00f6chte, besitzt nur geringen Einfluss. Stagnierender Der weitgehend inaktive organisierte Neonazismus sucht nach einem Neonazismus Konzept zur \u00dcberwindung der eigenen politischen Isolation und Ohnmacht. Sozialistische Ideologiemerkmale werden wieder st\u00e4rker betont. Die Skinhead-Szene ist strukturell nicht gefestigt, die Zahl ihrer Anh\u00e4nger aber gestiegen. 1.3 Rechtsextremistische Gewalt Zunahme der Die Zahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten in Deutschland Gewalttaten ist mit 746 gegen\u00fcber 708 im Jahr 1998 gestiegen. In Bayern stieg die Zahl der Gewalttaten auf 56 (1998: 40). Im Vergleich der Bundesl\u00e4nder liegt Bayern unter Ber\u00fccksichtigung der Bev\u00f6lkerungszahl im unteren Bereich. Die Gewaltt\u00e4ter waren zu \u00fcber 90 % Skinheads. T\u00f6tungsdelikt Erstmals seit 1988 forderte eine rechtsextremistisch motivierte in Bayern Gewalttat in Bayern wieder ein Todesopfer. Am 29. September erlag ein 35-j\u00e4hriger Mosambikaner den Folgen der schweren Verletzungen, die ihm ein 31-j\u00e4hriger Deutscher am 15. August vor einem Lokal in Kolbermoor, Landkreis Rosenheim, zugef\u00fcgt hatte. Der T\u00e4ter hatte das Opfer im Verlauf von Streitigkeiten, an denen noch andere Personen beteiligt waren, aus fremdenfeindlichen Motiven heraus angegriffen und mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten erheblich verletzt.","Rechtsextremismus 27 F\u00fchrende Vertreter des organisierten Rechtsextremismus lehnen - zum Teil aus taktischen Gr\u00fcnden - die Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele nach wie vor ab. Zunehmend wird aber ein Widerstandsrecht gegen\u00fcber dem \"System\" und ein Recht zur v\u00f6lkischen Notwehr gefordert. Ein gewaltbereites Gefahrenpotenzial ist bei Einzelt\u00e4tern und meist jugendlichen Angeh\u00f6rigen Gefahrenpotenzial der Skinhead-Szene vorhanden. Auch 1999 wurden Gewalttaten nur in Ausnahmef\u00e4llen zielgerichtet geplant. Die in Bayern bekannt gewordenen Gewalttaten mit rechtsextremistischer Motivation wurden \u00fcberwiegend von Skinheads gegen deren Feindbilder (Ausl\u00e4nder, Aussiedler, \"Linke\") spontan ver\u00fcbt, wobei in vielen F\u00e4llen Alkoholgenuss eine Rolle spielte. F\u00fcr die Existenz von Wehrsportgruppen in Bayern gibt es ebenso wie f\u00fcr rechtsterroristische Strukturen derzeit keine Anhaltspunkte. 2. Parteien, Organisationen und Verlage 2.1 Die Republikaner (REP) Deutschland Bayern Mitglieder: 14.000 4.200 Vorsitzender: Dr. Rolf Schlierer Johann G\u00e4rtner Gr\u00fcndung: 1983 Sitz: Berlin Publikation: Der neue Republikaner 2.1.1 Ideologisch-politischer Standort In den \u00f6ffentlichen Verlautbarungen der REP wurden auch 1999 Aussagen mit eindeutig rechtsextremistischer Zielsetzung weitgehend vermieden. \u00c4u\u00dferungen der Partei lassen aber immer wieder einen \u00fcbersteigerten Nationalismus, verbunden mit Feindschaft gegen Nationalismus fremde Staaten und Minderheiten, erkennen. So forderte das Parteiorgan eine \"Politik f\u00fcr Deutsche\" und \"Schluss mit der Zahlmeisterrolle Deutschlands f\u00fcr Europa\": \"Solange die deutschen Politiker von rot-gr\u00fcn bis schwarz im B\u00fc\u00dferhemd alle Fl\u00fcchtlinge in Deutschland begr\u00fc\u00dfen wollen, bleibt der deutsche Steuerzahler der Dumme, der als Esel in Europa alle Lasten tragen und daf\u00fcr tief in die Tasche greifen darf.\" (Der neue Republikaner Ausgabe 4-5/1999, Seite 1)","28 Rechtsextremismus Der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer erkl\u00e4rte unter dem Titel \"B\u00fcrgerkrieg in Deutschland\": \"Wir sind nicht mehr Herr im eigenen Land. Zuwanderer, die wir nicht gerufen haben, haben Deutschland zum B\u00fcrgerkriegsland gemacht. Wer FremdenMulti-Kulti s\u00e4t, wird B\u00fcrgerkrieg ernten! ... Sie alle tragen Schuld: feindlichkeit CDU/CSU und FDP, die mit \u00d6calan ein Stillhalteabkommen schlossen und ihm erlaubten, Deutschland als Basis f\u00fcr seine Untergrundarmee aufzubauen. ... Und dann die groteske Idee, zehntausende kleiner \u00d6calans in unserem Land per Doppelpass auch noch dauerhaft einzub\u00fcrgern. Damit w\u00e4re das Kurdenproblem endlich eine innerdeutsche Angelegenheit. Durch ihre Feigheit und Realit\u00e4tsverweigerung haben die Altparteien uns diesen B\u00fcrgerkrieg ins Haus geholt. Die Humanit\u00e4tsduselei der FriedeFreude-Eierkuchen-Apostel macht Deutschland schrittweise unregierbar.\" (Der neue Republikaner Ausgabe 1-2/1999, Seite 1) Dr. Schlierer sprach sich auch gegen die Aufnahme von Kosovo-Fl\u00fcchtlingen in Deutschland aus: \"Wer kosovo-albanische Fl\u00fcchtlinge fern von ihrer Heimat in Deutschland unterbringt, macht sich zum Komplizen der ethnischen S\u00e4uberung durch die Serben.\" In einem Flugblatt behauptete der REP-Landesverband Bayern: \"Die neue Regierung tauscht kaltbl\u00fctig das eigene Volk aus, von dem sie sich eben noch hat w\u00e4hlen lassen. Das deutsche Staatsvolk wird Schritt f\u00fcr Schritt durch eine multikulturelle Mischbev\u00f6lkerung ersetzt.\" Hinsichtlich der CDU/CSU-Unterschriftenaktion zur doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit unterstellten Dr. Schlierer und der REP-Landesvorsitzende von Baden-W\u00fcrttemberg, Christian K\u00e4s, der Union heuchlerische Motive. Die Union habe zusammen mit der FDP die Ausl\u00e4nder ins Land geholt, die die Bonner Koalition aus SPD und Gr\u00fcnen nun einb\u00fcrgern wolle. Dennoch k\u00f6nne die Aktion den Rechten nur n\u00fctzen, da sie den Positionen der REP zur Ausl\u00e4nderpolitik eine breitere Plattform in der \u00d6ffentlichkeit verschaffe. Die REP warben erneut mit eigenen Aktionen f\u00fcr einen \"konsequenten Stopp der andauernden Masseneinwanderung\". Diffamierung Teile der REP verunglimpfen ferner planm\u00e4\u00dfig die bestehende Staatsdemokratischer form und ihre Repr\u00e4sentanten. So diffamierte der REP-Kreisverband Institutionen Kempten/Oberallg\u00e4u demokratische Parteien in einem Schreiben vom","Rechtsextremismus 29 12. Juli an den bayerischen Innenminister als \"schwarzfaschistische\" Organisationen, die durch Verleumdungen ihre eigenen \"perversen Machtanspr\u00fcche\" sicherten. Dar\u00fcber hinaus waren erneut Verst\u00f6\u00dfe von Funktion\u00e4ren und MitAush\u00f6hlung gliedern gegen den von der REP-Bundesf\u00fchrung offiziell vertretenen des offiziellen Abgrenzungskurs festzustellen, der eine Zusammenarbeit mit andeAbgrenzungsren Rechtsextremisten formell untersagt, aber offenbar selbst von der kurses Parteispitze nicht mehr ernst genommen wird. Mitte Februar lehnte der REP-Bundesvorstand nur mit knapper Mehrheit eine Listenverbindung mit der DVU bei Wahlen ab. Dies zeigt, dass viele Funktion\u00e4re nach wie vor f\u00fcr eine enge Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten eintreten. So \u00e4u\u00dferte der Vorsitzende des REP-Kreisverbands Bergstra\u00dfe/Hessen in einem Gespr\u00e4ch mit dem NPD-Organ: \"Eine Zusammenarbeit auch mit der NPD ist nicht nur sinnvoll, sondern \u00fcberlebenswichtig f\u00fcr alle nationalen und demokratischen Kr\u00e4fte aus dem sogenannten 'rechten Lager'.\" (Deutsche Stimme Nummer 11/1999, Seite 10): Diese Haltung ist kein Einzelfall. Bei den Kommunalwahlen in Baden-W\u00fcrttemberg am 24. Oktober kandidierten in Karlsruhe vier Mitglieder der NPD auf der Liste der REP. Der Spitzenkandidat der Karlsruher REP erkl\u00e4rte zur Parteizugeh\u00f6rigkeit dieser vier Kandidaten am 20. Oktober gegen\u00fcber den Medien: \"F\u00fcr mich pers\u00f6nlich spielt das keine Rolle, das sind B\u00fcrger von Karlsruhe. Wer sich zur Wahl stellt und m\u00f6glicherweise gew\u00e4hlt wird, vertritt die B\u00fcrger von Karlsruhe.\" 2.1.2 Interne Richtungsk\u00e4mpfe Der Parteivorsitzende und der Landesverband Bayern waren weiterhin darauf bedacht, die REP als demokratische Partei darzustellen. Ungeachtet der Anstrengungen der REP-F\u00fchrung, nach au\u00dfen hin Interne Kritik am Geschlossenheit zu zeigen, mehrten sich aber in der Partei die Stimoffiziellen Kurs men, die den Kurs Dr. Schlierers kritisierten und einen Richtungswechsel verlangten. Erneut zeigte sich, dass zumindest Teile der Partei ein Ende des Abgrenzungskurses fordern und Schlierers Strategie und Taktik, aber auch seiner Person zunehmend kritisch gegen\u00fcberstehen.","30 Rechtsextremismus Wohl als Reaktion auf das schlechte Ergebnis (1,7 %) bei der Europawahl am 13. Juni forderte der REP-Kreisverband Odenwald/Hessen in R\u00fccktrittseiner \u00f6ffentlichen Erkl\u00e4rung den sofortigen R\u00fccktritt Dr. Schlierers. forderungen Die Partei sei in einem desolaten Zustand. Schuld an der Erfolglosigkeit habe die Parteif\u00fchrung mit ihrer verfehlten Politik. Notwendig sei ein Zusammenschluss aller nationalen demokratischen Kr\u00e4fte. Gegen\u00fcber den \"Stuttgarter Nachrichten\" r\u00e4umte der REP-Landesvorsitzende von Baden-W\u00fcrttemberg, Christian K\u00e4s, Unruhe in der Partei ein: \"Einige sagen, so kann es nicht weitergehen.\" Dr. Schlierer bestritt ein \"G\u00e4ren\" in der Partei. Die R\u00fccktrittsforderung sei eine s\u00fcdhessische Einzelmeinung, im Vorstand oder einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe sei das kein Thema. K\u00e4s tritt schon seit l\u00e4ngerer Zeit f\u00fcr eine st\u00e4rkere Akzentuierung und f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten ein. Weitere Wahlniederlagen verst\u00e4rkten in Teilen der Partei die Unzufriedenheit mit dem Kurs der Parteif\u00fchrung. Die Kreistagsfraktion Waldeck-Frankenberg/Hessen beklagte die l\u00e4hmende Resignation der Partei. Der Kreisverband F\u00fcrstenfeldbruck trat f\u00fcr eine Kurskorrektur ein. Nach einer Pressemitteilung des REP-Kreisverbands Bergstra\u00dfe/Hessen vom 8. November forderte die Versammlung der Vorsitzenden aller hessischen Kreisverb\u00e4nde anl\u00e4sslich ihrer Sitzung am 6. November in Bad Nauheim Dr. Schlierer sowie den gesamten Bundesvorstand der REP auf, wegen der katastrophalen Wahlergebnisse der letzten Jahre zur\u00fcckzutreten. Die Versammlung verurteilte die Abgrenzung gegen\u00fcber anderen Patrioten und die \"Wohlverhaltenspolitik\" gegen\u00fcber den \"Etablierten\". Es m\u00fcsse sofort ein Sonderparteitag mit dem Ziel der personellen Erneuerung und des Wiederaufbaus der REP einberufen werden. Der Vorsitzende des REP-Kreisverbands Bergstra\u00dfe/Hessen, der zuvor eine Zusammenarbeit mit der NPD bef\u00fcrwortet und den REP-Bundesvorsitzenden schon nach der s\u00e4chsischen Landtagswahl am 19. September zum R\u00fccktritt aufgefordert hatte, warf dem Vorsitzenden mangelnde Basisn\u00e4he vor. Der Mitherausgeber der Zeitschrift Nation & Europa (NE), Harald Neubauer, kritisierte in Vortr\u00e4gen vor REP-Kreisverb\u00e4nden ebenfalls die Parteif\u00fchrung. Bereits im Mai hatte deshalb das Bundespr\u00e4sidium Auftrittsverbot der REP ein generelles Auftrittsverbot f\u00fcr Neubauer beschlossen, um f\u00fcr Neubauer zu verhindern, dass sich der fr\u00fchere Generalsekret\u00e4r der REP, der im","Rechtsextremismus 31 Jahr 1990 aus der Partei ausgeschlossen wurde, erneut etabliert. Neubauer pl\u00e4diert f\u00fcr eine Ann\u00e4herung der rechtsextremistischen Parteien auf der Basis gemeinsamer ideologischer Grundpositionen. Seine Bem\u00fchungen um eine \"Vereinigte Rechte\" finden bei Teilen der REP Zustimmung. Der innerparteilichen Opposition fehlt es aber derzeit an einer F\u00fchrungsperson, die bereit w\u00e4re, sich offen dem Abgrenzungskurs des Parteivorsitzenden gegen\u00fcber anderen rechtsextremistischen Parteien entgegen zu stellen. Schlierers Stellvertreter K\u00e4s, einer der bedeutendsten Kritiker von Schlierers Kurs, h\u00e4lt sich zumindest derzeit noch zur\u00fcck, weil er im Parteivorstand keine uneingeschr\u00e4nkte Unterst\u00fctzung findet. Der Landesverband Bayern vertritt den politischen Kurs Dr. Schlierers. 2.1.3 Organisation Die REP befinden sich in einer schweren Krise. Mitgliederverluste R\u00fcckl\u00e4ufige als Folge anhaltender Erfolglosigkeit bei Wahlen kennzeichnen die Mitgliederzahlen Lage. Der Partei geh\u00f6rten Ende 1999 im Bundesgebiet rund 14.000 (1998: 15.000) Mitglieder an. Die Schwerpunkte liegen in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Hessen. St\u00e4rkste regionale Untergliederung ist der Landesverband Bayern mit 4.200 Mitgliedern. Der Bundesverband, der Landesverband Bayern, die Republikanische Homepage Jugend und weitere REP-Gliederungen sind im Internet mit einer im Internet Homepage vertreten. 2.1.4 Teilnahme an Wahlen Die Absprache zwischen DVU und REP vom Herbst 1998, eine \"unn\u00f6tige Konkurrenz\" beider Parteien bei Wahlen zu vermeiden, wurde \u00fcberwiegend eingehalten. So verzichteten die REP auf eine Kandidatur bei den B\u00fcrgerschaftswahlen in Bremen am 6. Juni und bei den Landtagswahlen in Brandenburg am 5. September. Ihre Chancen haben sich durch diese Strategie indes nicht verbessert. Bei der Landtagswahl in Hessen am 7. Februar erhielten die REP Landtagswahlen 2,7 % (1995: 2,0 %) der Stimmen, verfehlten aber den erhofften Einzug in den hessischen Landtag. Die REP hatten sich vor der Wahl zuversichtlich gezeigt, weil es erstmals gelungen war, in allen 55 Wahlkreisen Direktkandidaten aufzustellen. Dar\u00fcber hinaus hatten sie sich vom Verzicht der DVU auf eine Kandidatur und der Ausein-","32 Rechtsextremismus andersetzung um die Einf\u00fchrung einer doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit R\u00fcckenwind versprochen. Auch bei weiteren Landtagswahlen blieben die REP erfolglos. Im Saarland erzielten sie am 5. September einen Stimmenanteil von 1,3 % (1994: 1,4 %), in Th\u00fcringen am 12. September 0,8 % (1994: 1,3 %) und in Sachsen am 19. September 1,5 % (1994: 1,3 %). Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin am 10. Oktober blieb der Zweitstimmenanteil mit 2,7 % konstant; die DVU war hier nicht angetreten. F\u00fcr die REP besonders entt\u00e4uschend war das Ergebnis in Th\u00fcringen, wo die Partei mit dem nichtextremistischen \"Bund Freier B\u00fcrger\" (BFB) und Einzelmitgliedern der \"Pro-DM-Partei\" ein Wahlb\u00fcndnis geschlossen hatte, das den Eindruck einer breiten Wahlplattform vermitteln sollte. Die deutlichen Verluste in Th\u00fcringen waren u.a. auch darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass die DVU sich dort nicht zu einem Wahlverzicht bereit fand. Europawahl Eine besonders schwere Niederlage erlitten die REP bei der Europawahl am 13. Juni. Sie erhielten bundesweit 1,7 % (1994: 3,9 %) der Stimmen. Die h\u00f6chste Einbu\u00dfe mussten sie in Bayern mit einem Stimmenanteil von 1,9 % gegen\u00fcber 6,6 % im Jahr 1994 hinnehmen. Offensichtlich wirkte sich die fehlende Konkurrenz der DVU nicht zugunsten der REP aus. Einen weiteren R\u00fcckschlag hatten die REP am 24. Oktober bei den Kommunalwahlen in ihrer Hochburg Baden-W\u00fcrttemberg zu verzeichnen, wo die Zahl ihrer Sitze in den Kommunalparlamenten um 20 Mandate auf 29 zur\u00fcckging. Ob die Partei, insbesondere der Bundesvorsitzende, unter diesen Umst\u00e4nden die offizielle Abgrenzung zur DVU aufrechterh\u00e4lt, ist offen. 2.1.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern Politischer Beim politischen Aschermittwoch am 17. Februar in Geisenhausen, Aschermittwoch Landkreis Landshut, gab sich der bayerische Landesvorsitzende und stellvertretende Bundesvorsitzende Johann G\u00e4rtner vor rund 750 Zuh\u00f6rern noch optimistisch hinsichtlich der Aussichten der REP. Er erkl\u00e4rte, die Partei sei trotz der Wahlniederlagen des Jahres 1998 nicht ins Abseits geraten, sondern stehe erst am Anfang ihres politischen Weges. Der Bundesvorsitzende Dr. Rolf Schlierer forderte die sofortige Abschiebung aller PKK-Mitglieder. Ferner behauptete er, mit den Pl\u00e4nen zur Einf\u00fchrung einer doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit strebe die","Rechtsextremismus 33 Bundesregierung den Austausch des Staatsvolkes an. Es gelte, die mit der Massenzuwanderung verbundene schleichende Landnahme durch einen Zuwanderungsstopp und ein klares R\u00fcckf\u00fchrungsprogramm f\u00fcr Ausl\u00e4nder abzuwehren. Ein Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Holocaust lehnte Schlierer ab. Damit werde versucht, die Deutschen an den Pranger zu stellen. Auf dem Landesparteitag am 25. September in Taufkirchen, Landkreis Landesparteitag Erding, wurde der bisherige Landesvorsitzende Johann G\u00e4rtner mit 103 von 122 Stimmen wieder gew\u00e4hlt. Der REP-Kreisvorsitzende von Passau, der f\u00fcr einen h\u00e4rteren Kurs der REP eintritt, kandidierte ohne Erfolg f\u00fcr einen Sitz im Landesvorstand. G\u00e4rtner betonte in seinem Rechenschaftsbericht die gute Pressearbeit des Landesverbands. Ferner ging er auf die Rentenproblematik, die REP-Wahlk\u00e4mpfe und die Aktivit\u00e4ten der Jungen Republikaner ein. 2.1.6 Verwaltungsgerichtsverfahren Der REP-Landesverband Bayern ist in allen von ihm angestrengten verwaltungsgerichtlichen Verfahren unterlegen. Das Bayerische Verwaltungsgericht M\u00fcnchen wies am 25. M\u00e4rz alle Klagen und Antr\u00e4ge auf vorl\u00e4ufigen Rechtsschutz ab, die sich gegen die Bewertung der REP als extremistisch in den bayerischen Verfassungsschutzberichten Bayern 1994 bis 1997 und in den Verfassungsschutzinformationen Bayern f\u00fcr das 1. Halbjahr 1998 wandten und eine Erw\u00e4hnung der REP in k\u00fcnftigen Verfassungsschutzberichten verhindern wollten. Nach Feststellung des Gerichts gibt es hinreichende tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr eine verfassungsfeindliche Zielsetzung der REP, so der h\u00e4ufige Gebrauch des Begriffs \"Umerziehung\", die Bezeichnung anderer Parteien als \"Altparteiendiktatur\", die sich gegen das Mehrparteiensystem richte, sowie die von Teilen der Partei betriebene Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten. S\u00e4mtliche Entscheidungen sind inzwischen rechtskr\u00e4ftig. Eine vom REP-Landesverband Bayern im September 1998 erhobene Klage, dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die k\u00fcnftige Beobachtung der Partei mit nachrichtendienstlichen Mitteln zu untersagen, wurde Ende Oktober 1999 zur\u00fcckgenommen. Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hob in einer Verhandlung am Rheinland-Pfalz 10. September ein Urteil des Verwaltungsgerichts Mainz vom 10. Dezember 1997 auf, das die weitere Beobachtung des REP-Landesver-","34 Rechtsextremismus bands Rheinland-Pfalz mit nachrichtendienstlichen Mitteln untersagt hatte. Niedersachsen Ohne Erfolg blieb auch eine Klage des REP-Landesverbands Niedersachsen gegen seine Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Zwar verwies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 7. Dezember die Sache zur erneuten Verhandlung und Entscheidung an das Oberverwaltungsgericht L\u00fcneburg zur\u00fcck. Dieses habe noch zu pr\u00fcfen, ob der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel dem Grundsatz der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit entspreche. Es best\u00e4tigte aber im Ergebnis die Entscheidung der Vorinstanz, dass die Beobachtung der REP durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssig sei. So verwende die Partei typisch rechtsextremistische Argumentationsmuster und greife Institutionen und Repr\u00e4sentanten der freiheitlichen Demokratie st\u00e4ndig pauschal und polemisch an. 2.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Deutschland Bayern Mitglieder: 6.000 950 Vorsitzender: Udo Voigt Franz Salzberger Gr\u00fcndung: 1964 Sitz: Stuttgart Publikationen: Deutsche Stimme (DS), Deutsche Stimme EXTRA Die NPD versteht sich als \"die nationale Weltanschauungspartei\", die sich an einem \"lebensrichtigen\" Menschenbild orientiert. Sie sieht sich als \"grunds\u00e4tzliche Alternative zum gegenw\u00e4rtigen Parteienspektrum\", bekennt sich zu einem \"deutschen Sozialismus\" und fordert die \"Schaffung einer neuen Ordnung als die Alternative zum liberalkapitalistischen System des BRD-Deutschlands der Westalliierten\". V\u00f6lkischer \"F\u00fcr uns Nationalisten gibt es keinen Zweifel daran, da\u00df die soziale Kollektivismus Gerechtigkeit nur durch nationale Solidarit\u00e4t - durch die Volksgemeinschaft und somit durch eine Gemeinschaftsleistung aller Deutschen - geschaffen werden kann.\" (Deutsche Stimme Nummer 9/99 Seite 2)","Rechtsextremismus 35 Der einzelne Mensch ist nach der Vorstellung der NPD lediglich ein unselbst\u00e4ndiger Teil dieser Volksgemeinschaft. Die fremdenfeindliche Agitation der NPD ist rassistisch und nationalistisch gepr\u00e4gt. So erkl\u00e4rte die Partei im Zusammenhang mit einer eigenen Unterschriftenaktion \"Nein zu doppelter Staatsb\u00fcrgerschaft und Ausl\u00e4nderintegration!\": \"Mit ihrer Politik der systematischen \u00dcberfremdung Deutschlands verfolgt die rot-gr\u00fcne Bundesregierung eine Politik, die nahtlos an 16 Jahre politischer Mi\u00dfwirtschaft der alten Bundesregierung ankn\u00fcpft. Mit 8 Millionen Ausl\u00e4ndern im Land traut man sich, nun auch die letzte H\u00fcrde zum Rassismus Multi-Kulti-Staat zu nehmen.\" (Deutsche Stimme EXTRA Ausgabe 02/99, Seite 4) Ferner behauptete die NPD, die Hinnahme von Mehrstaatigkeit bei der \"Einb\u00fcrgerung von 4 Millionen Ausl\u00e4ndern\" bedeute die \"praktische Abschaffung des deutschen Staatsb\u00fcrgerschaftsrechtes\". Die NPD lehne auch ein Dauerbleiberecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder in Deutschland ab. \"Ausl\u00e4nderintegration ist Schwindel - Durch Volksbetrug soll das deutsche Volk ausgetauscht werden\" (Deutsche Stimme Nummer 3/99, Seite 2) \"Die doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft und Integration bedeuten den AusverNationalismus kauf Deutschlands! ... Die Ausl\u00e4nder bestimmen immer mehr, welche Politik in Deutschland gemacht wird. ... Wenn es so weitergeht, werden wir Deutsche bald nichts mehr in unserem Land zu sagen haben. ... Noch k\u00f6nnen wir die Zeitbombe entsch\u00e4rfen: ... Mit unserem Stimmzettel k\u00f6nnen wir die Heimreisefahrkarten f\u00fcr unsere ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste besorgen.\" (Flugblatt des NPD-Parteivorstands) Demokratische Parteien und ihre Repr\u00e4sentanten wurden in einem Diffamierung Flugblatt des NPD-Parteivorstands als \"Erf\u00fcllungsgehilfen der internationalen Konzernzentralen\" und \"Politbonzen\" diffamiert, die \"dieses Land seit Jahrzehnten in Grund und Boden regieren\". Mit einer verst\u00e4rkten Betonung sozialer Themen will die NPD den Durchbruch zur Massenorganisation schaffen. Dabei greift sie Elemente der Arbeiterbewegung auf, indem sie zum Beispiel seit","36 Rechtsextremismus Kombination von 1996 eine eigene Gro\u00dfkundgebung zum 1. Mai durchf\u00fchrt. Revisozialistischen und sionistisches Gedankengut trat dagegen in den Hintergrund. Mit rechtsextremisAussagen wie \"Der Hauptfeind aller freien V\u00f6lker ist der Kapitischen Ideologietalismus\" und \"Der kapitalistische Sumpf muss trockengelegt werElementen den\" thematisiert die NPD seit einiger Zeit eine sozialistische Komponente, die sie mit dem rechtsextremistischen Ideologie-Element der \"Volksgemeinschaft\" zu einem \"volksbezogenen Sozialismus\" verkn\u00fcpft. \"Drei-S\u00e4ulenMit einer Intensivierung des bereits 1997 beschlossenen \"Drei-S\u00e4uKonzept\" len-Konzepts\" will der Parteivorsitzende die NPD zu gr\u00f6\u00dferen Erfolgen f\u00fchren. Neben dem ideologischen \"Kampf um die K\u00f6pfe\" z\u00e4hlt dazu auch das Engagement in der au\u00dferparlamentarischen Opposition (\"Kampf um die Stra\u00dfe\"), mit deren Hilfe die NPD langfristig eine parlamentarische Verankerung (\"Kampf um die Parlamente\") zu erreichen hofft. \u00d6ffnung Neben der F\u00fchrung der Jungen Nationaldemokraten (JN) nehmen gegen\u00fcber Neonazis zunehmend Einfluss auf die Politik der NPD. Auch die \u00d6ffNeonazis nung der Partei gegen\u00fcber neonazistischen Skinheads zeigt, dass fr\u00fchere Abgrenzungsbeschl\u00fcsse keine Geltung mehr haben. Die Doppelstrategie des Parteivorsitzenden Voigt, einerseits durch Fortf\u00fchrung des traditionellen Kurses die NPD als Wahlpartei zu pr\u00e4sentieren, andererseits Aktionsb\u00fcndnisse mit anderen Gruppierungen, insbesondere Neonazis einzugehen, hat sich nach au\u00dfen endg\u00fcltig durchgesetzt. Die enge Zusammenarbeit mit dem Neonazi-Lager und den Skinheads, aber auch die aktionistische Ausrichtung der NPD, sind gleichwohl in Teilen der Partei nicht unumstritten. Unter den Bezeichnungen \"Soziale Volkspartei\" (SVP) bzw. \"Bund Deutscher SpaltungsPatrioten\" (BDP) spalteten sich inzwischen in Mecklenburg-Vorpomtendenzen mern und Th\u00fcringen unzufriedene NPD-Anh\u00e4nger von der Partei ab. Dennoch ist die NPD entschlossen, den bisher praktizierten Kurs beizubehalten. So erkl\u00e4rte Voigt im M\u00e4rz, man werde k\u00fcnftig den \"Kampf um die Stra\u00dfe\" verst\u00e4rken, sich \"zeitgeistlicher\" Protestformen der Skinheads annehmen und weiter versuchen, Skinheads in die JN zu integrieren. 2.2.2 Organisation Unter der F\u00fchrung des seit M\u00e4rz 1996 amtierenden Bundesvorsitzenden Udo Voigt und seiner Stellvertreter Udo Holtmann, J\u00fcrgen Sch\u00f6n","Rechtsextremismus 37 und Dr. J\u00fcrgen Eisenecker nahm die NPD zun\u00e4chst eine kontinuierliche Aufw\u00e4rtsentwicklung. Urs\u00e4chlich war neben der neonazistiEnde des schen Ausrichtung der Partei ihre wachsende Bereitschaft, mit NeoAufw\u00e4rtstrends nazis und Skinheads zusammenzuarbeiten. Der bisher vor allem in den neuen L\u00e4ndern festgestellte Aufschwung hat sich im Berichtszeitraum jedoch nicht fortgesetzt. Ende 1999 z\u00e4hlte die NPD wie im Vorjahr bundesweit rund 6.000 Mitglieder. Sie gliedert sich in 15 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Voigt verlegte am 1. M\u00e4rz seinen Wohnsitz von Moosburg a.d. Isar nach Brandenburg. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen, der zahlreiche Landesverband Angeh\u00f6rige der Neonaziund Skinhead-Szene an sich binden konnBayern te, z\u00e4hlt rund 950 (1998: 800) Mitglieder (ohne JN und NHB). Dazu geh\u00f6ren auch Rechtsextremisten aus \u00d6sterreich, die wegen des dort bestehenden Wiederbet\u00e4tigungsverbots neue Aktionsm\u00f6glichkeiten suchten. Der Landesverband gliedert sich in sieben Bezirksund rund 50 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Redaktion und Anzeigenabteilung des Parteiorgans \"Deutsche StimParteiorgan me\" (DS) befinden sich seit Anfang 1998 in Sinning, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Ende 1999 wurde der Redaktionssitz nach Riesa/Sachsen verlegt. Die NPD verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber das umfassendste Angebot aller Nutzung des rechtsextremistischen Parteien im Internet. Sie bietet als Provider \u00fcber Internets eine Domain \"NPD.net\" in Bochum einen eigenen Zugangsservice in das Internet an und verbreitet aktuelle Informationen zu besonders bedeutenden Veranstaltungen. Die Netzseite verf\u00fcgt \u00fcber mehrere Diskussionsforen sowie ein eigenes Textarchiv mit Schlagwortsuchmodus, \u00fcber den alle bislang von der NPD ver\u00f6ffentlichten Texte verf\u00fcgbar sind. \u00dcber die Linkliste sind alle Angebote von Untergliederungen der NPD und ihrer Jugendorganisation zug\u00e4nglich. 2.2.3 Teilnahme an Wahlen Die vom Parteivorsitzenden eingeleitete \u00d6ffnung gegen\u00fcber Neonazis und dem rechtsextremistischen Teil der Skinhead-Szene hat der Partei zwar erh\u00f6hte Medienaufmerksamkeit und einen Reputationsgewinn im rechtsextremistischen Lager verschafft, in W\u00e4hlerstimmen lie\u00df sich dieser Trend jedoch nicht umm\u00fcnzen.","38 Rechtsextremismus Landtagswahlen Bei der Landtagswahl in Hessen am 7. Februar erzielte die NPD einen Stimmenanteil von 0,2 %. In Bremen erreichte sie bei der B\u00fcrgerschaftswahl am 6. Juni 0,3 % der Stimmen. \u00c4hnlich erfolglos blieb die NPD bei den Landtagswahlen am 5. September in Brandenburg (0,7 %), am 12. September in Th\u00fcringen (0,2 %) und am 19. September in Sachsen (1,5 %) sowie bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Oktober (0,8 %). F\u00fcr die NPD besonders entt\u00e4uschend war das Ergebnis in Sachsen. Die dortige Wahl galt als Schwerpunktaufgabe der Gesamtpartei, die in Sachsen mit 1.250 Mitgliedern organisatorisch relativ stark verankert ist. Um potenzielle W\u00e4hler nicht abzuschrecken, hatte die NPD w\u00e4hrend des Wahlkampfs auf Aufm\u00e4rsche weitgehend verzichtet und mit Flugbl\u00e4ttern, Plakaten und Info-St\u00e4nden geworben. Diese Landtagswahlergebnisse belegen erneut die Bedeutungslosigkeit der NPD als Wahlpartei. Dar\u00fcber k\u00f6nnen auch vereinzelte \u00f6rtliche Erfolge bei Kommunalwahlen in den neuen Bundesl\u00e4ndern nicht hinwegt\u00e4uschen. Nur unter den Jugendlichen der neuen L\u00e4nder schneidet die Partei besser ab. In Sachsen w\u00e4hlten 8,5 % der Jungw\u00e4hler NPD. Europawahl Bei der Europawahl am 13. Juni erhielt die NPD 0,4 % (1994: 0,2 %) der Stimmen. Die besten Ergebnisse erzielte sie in den neuen L\u00e4ndern, wo bis zu 1,2 % der W\u00e4hler der NPD ihre Stimme gaben. Die NPD hatte der Wahl lediglich taktische Bedeutung beigemessen, um Pr\u00e4senz zu demonstrieren. Der Wahlkampf wurde mit Forderungen wie \"Nationaler Widerstand gegen die Eurokraten-Clique\", \"Volksgemeinschaft statt EU-Diktatur\" und \"Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung statt Integration\" gef\u00fchrt. Als Teil des \"Kampfes um die Stra\u00dfe\" dienten die Wahlkundgebungen vor allem dem Zweck, die Partei in die Schlagzeilen zu r\u00fccken. 2.2.4 Sonstige Aktivit\u00e4ten Die NPD sieht sich als Zentrum des \"Nationalen Widerstands\" und bezeichnet ihre Kundgebungen dementsprechend als Demonstrationen des \"Nationalen Widerstands\". Durch ihre \u00f6ffentlichen Auftritte will sie die Aufmerksamkeit der Bev\u00f6lkerung gewinnen und eine F\u00fch-","Rechtsextremismus 39 rungsrolle gegen\u00fcber der unorganisierten rechtsextremistischen Szene entfalten. So protestierte die NPD am 20. Februar mit einem AufProtestzug in Saarbr\u00fccken gegen die \"Wehrmachtsausstellung\". Weitere kundgebungen Kundgebungen unter dem Motto \"Keine deutschen P\u00e4sse f\u00fcr Ausl\u00e4nder\" fanden am 27. Februar und 17. April in Magdeburg/Sachsen-Anhalt statt. Ein schwerer R\u00fcckschlag war das Verbot einer f\u00fcr den 1. Mai in Bremen geplanten Gro\u00dfdemonstration und aller angemeldeten Ersatzveranstaltungen. Die Partei f\u00fchrte deshalb zwischen dem 22. und 24. Mai kleinere Demonstrationen in K\u00f6ln, Berlin, Bremen und Bruchsal/Baden-W\u00fcrttemberg durch. Am 6. November veranstaltete der NPD-Kreisverband RosenAnti-Drogenheim-Traunstein in der Innenstadt von Rosenheim eine DemonstraDemonstration tion zum Thema \"Kampf gegen die Drogenmafia sowie Unterst\u00fctzung der Drogens\u00fcchtigen\". Daran nahmen etwa 400 bis 450 Personen aus dem rechtsextremistischen Spektrum teil, davon waren 80 % Skinheads. Als Redner traten die Neonazis Christian Worch, Manfred Roeder und Sascha Ro\u00dfm\u00fcller auf. Bei Protestaktionen gegen die Versammlung kam es zu einer Reihe von Gewalttaten. Davon waren vier K\u00f6rperverletzungen Rechtsextremisten zuzurechnen. Die Demonstrationen der NPD l\u00f6sten h\u00e4ufig gr\u00f6\u00dfere Protestaktionen mit zum Teil betr\u00e4chtlicher linksextremistischer Beteiligung aus. Zur Vermeidung gravierender Ausschreitungen waren oft starke Polizeikr\u00e4fte erforderlich. Unter dem Motto \"Alles Gro\u00dfe steht im Sturm\" veranstaltete die NPD Jubil\u00e4umsfestakt am 27. November in M\u00fcnchen einen \"Jubil\u00e4umsfestakt\" zum 35-j\u00e4hrigen Bestehen der Partei. An der Feier, die ohne \u00d6ffentlichkeitswirkung verlief, beteiligten sich rund 550 Mitglieder und G\u00e4ste, darunter auch etwa 200 Skinheads. 2.2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) Deutschland Bayern Mitglieder: 400 75 Vorsitzender: Sascha Ro\u00dfm\u00fcller Carsten Beck (bis Oktober 1999) Gr\u00fcndung: 1969 Sitz: Sinning Publikation: Der Aktivist","40 Rechtsextremismus Die JN als Jugendorganisation der NPD bekennen sich in Ideologie und Zielsetzung zum Programm ihrer Mutterpartei. F\u00fchrungskader Neonazistische der JN verlagern ihre Aktivit\u00e4ten zunehmend in den Bereich der NPD Tendenzen und pflegen weiterhin intensive Kontakte zur Neonazi-Szene und zu Skinheads. Der Anteil der Neonazis und Skinheads unter den JN-Mitgliedern liegt bei etwa 40 %. Unter dem Motto \"30 Jahre Junge Nationaldemokraten - 30 Jahre Kampf - Aktion - Widerstand\" feierten am 13. M\u00e4rz rund 350 PersoGedenknen in Mitterskirchen, Landkreis Rottal-Inn, das 30-j\u00e4hrige Bestehen veranstaltung der JN. Der damalige JN-Bundesvorsitzende Holger Apfel bezeichnezur Gr\u00fcndung te die JN als revolution\u00e4re Jugendbewegung, die das herrschende der JN System \u00fcberwinden wolle. Fr\u00fchere Abgrenzungsbeschl\u00fcsse zum Neonazi-Lager seien inzwischen aufgehoben. Das repressive Staatssystem habe durch eine Serie von Verbotsverf\u00fcgungen zu einer Solidarisierung zwischen den verschiedenen Gruppierungen beigetragen. Der Kongress bildete zugleich den Auftakt eines Aktionsmonats unter dem Motto \"Einwanderung stoppen - Widerstand jetzt!\". Dazu erkl\u00e4rten die JN, mit der Einf\u00fchrung der doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit plane die rot-gr\u00fcne Bundesregierung eine \"v\u00f6lkische Katastrophe\". Durch die Verwirklichung des Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder werde das deutsche Volk als verfassungsm\u00e4\u00dfiger Souver\u00e4n endg\u00fcltig abgel\u00f6st und das Ende des deutschen Volks als rassische und blutgebundene Gemeinschaft auch staatsrechtlich besiegelt. Bundeskongress Beim Bundeskongress am 10. April in Klingenberg, Landkreis Miltenberg, w\u00e4hlten die Delegierten den damaligen bayerischen JN-Landesvorsitzenden Sascha Ro\u00dfm\u00fcller zum neuen JN-Bundesvorsitzenden. Auch seine Stellvertreter Alexander Delle und Alexander von Webenau, der allerdings im November wieder zur\u00fccktrat, stammen aus Bayern. In seiner Schlussansprache k\u00fcndigte Ro\u00dfm\u00fcller einen radikaleren politischen Kurs an. Ro\u00dfm\u00fcller war Aktivist des 1993 verbotenen neonazistischen Nationalen Blocks (NB). Seine Wahl unterstreicht deutlich die neonazistische Ausrichtung der JN, die auch von seinen Stellvertretern mitgetragen wird. Drei weitere zu Beisitzern bestellte","Rechtsextremismus 41 Vorstandsmitglieder entstammen ebenfalls dem neonazistischen Bereich. Der bei der Wahl des JN-Bundesvorsitzenden unterlegene ehemalige Interner JN-Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen Achim Ezer er\u00f6ffnete Machtkampf einen internen Machtkampf. In Nordrhein-Westfalen, Baden-W\u00fcrttemberg und Sachsen kam es zu Austritten. Die ausgeschiedenen Mitglieder schlossen sich dem von der Oppositionsgruppe am 5. Juni gegr\u00fcndeten \"Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft\" (BDVG) an. Die bayerischen JN w\u00e4hlten am 29. Mai in Ebermannstadt, Landkreis Landeskongress Forchheim, Carsten Beck aus M\u00fcnchen zum neuen Landesvorsitzenden. Auch die \u00fcbrigen Funktionen wurden neu besetzt, da die bisherigen Mitglieder des Landesvorstands nicht mehr kandidierten. Seit Becks R\u00fccktritt im Oktober wird der JN-Landesverband kommissarisch von seinem Stellvertreter Frederick Seifert geleitet. Unter dem Motto \"Europas Nationen - Erbe und Auftrag\" hielten die 6. Europ\u00e4ischer JN am 30. Oktober in Falkenberg, Landkreis Rottal-Inn, ihren \"6. EuroKongress der p\u00e4ischen Kongress der Jugend\" ab. An der Veranstaltung beteiligten Jugend sich rund 400 Personen, \u00fcberwiegend aus dem Skinhead-Bereich, sowie mehrere Vertreter rechtsextremistischer Organisationen aus ganz Europa. Das Hauptreferat hielt der \u00f6sterreichische Revisionist Herbert Schweiger, ein ehemaliger Untersturmf\u00fchrer der SS-Division \"Leibstandarte Adolf Hitler\". Die JN unterstrichen mit diesem Kongress ihren Anspruch auf eine f\u00fchrende Rolle innerhalb der europ\u00e4ischen Nationalisten. Der angestrebten europ\u00e4isch-nationalistischen Einheitsfront sind die Akteure indes nicht n\u00e4her gekommen. Die gegenw\u00e4rtige Situation der JN ist durch ein geringes Engagement der Basis gekennzeichnet. Der neue JN-Bundesvorsitzende Sascha Ro\u00dfm\u00fcller konnte der Organisation bisher keine neuen Impulse F\u00fchrungsdefizite geben. An den diesj\u00e4hrigen \"Rudolf-He\u00df-Aktionen\" beteiligten sich die JN nicht. Die Einbindung von Neonazis und Skinheads gelingt auch innerhalb der bayerischen JN nicht immer. So wurde der im Fr\u00fchjahr gegr\u00fcndete JN-St\u00fctzpunkt Passau bereits nach einigen Monaten wieder aufgel\u00f6st. Offenbar war die Mehrzahl der bei der Gr\u00fcndungsveranstaltung anwesenden Skinheads f\u00fcr eine kontinuierliche politische Arbeit nicht zu gewinnen oder nicht geeignet.","42 Rechtsextremismus 2.3 Deutsche Volksunion (DVU) Deutschland Bayern Mitglieder: 17.000 1.800 Vorsitzender: Dr. Gerhard Frey Bruno Wetzel Gr\u00fcndung: 1987 Sitz: M\u00fcnchen Publizistische Deutsche National-Zeitung (DNZ) bis Ende Aug. Sprachrohre: Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) bis Ende Aug. National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung (NZ) seit September 2.3.1 Ideologisch-politischer Standort In ihrem Programm bekennt sich die DVU formal zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung, doch will sie einige f\u00fcr alle MenExtremistische schen g\u00fcltige Grundrechte zu B\u00fcrgerrechten reduzieren, die ausGrundhaltung schlie\u00dflich Deutschen zustehen sollen. Die rechtsextremistische Grundeinstellung der Partei wird in \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie im Inhalt der im Verlag des Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey erscheinenden Zeitungen deutlich. Revisionismus Wie bisher z\u00e4hlt die revisionistische Kritik an der \"extrem einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" zu den Schwerpunkten der Programmatik. So polemisiert die Partei gegen den \"absto\u00dfenden Nationalmasochismus der derzeitigen politischen Klasse\", die \"keine Gelegenheit ausl\u00e4sst, um Deutschland anzuklagen\". \"Kollektiv und immerw\u00e4hrend soll den Deutschen wegen dem vor mehr als einem halben Jahrhundert von der Bildfl\u00e4che verschwundenen Hitler ein Minderwertigkeitsgef\u00fchl eingekeult werden.\" (DNZ vom 22. Januar, Seite 11) Dabei werden die Verbrechen der Nationalsozialisten zwar nicht vollst\u00e4ndig geleugnet, doch wird versucht, die deutsche Schuld an der massenhaften Ermordung der Juden durch wiederholte Hinweise auf historische Verbrechen anderer V\u00f6lker zu bagatellisieren: \"Es ist \u00fcbergenug, was wir immer h\u00f6ren \u00fcber unsere Schandtaten, die ja jeder bedauert, aber wir wollen dann aber auch sagen: Ihr seid doch die","Rechtsextremismus 43 Allerletzten, die aus dem Glashaus heraus auf uns Steine werfen d\u00fcrfen. Ihr habt doch so viel Dreck am Stecken, dass es einfach zu viel schon ist! Und da bauen die in Amerika ein Holocaust-Mahnmal nach dem anderen, unserer Untaten wegen. Ja, habt ihr denn euere eigenen Untaten vergessen?\" (Dr. Frey auf dem Parteitag der DVU am 16. Januar in M\u00fcnchen) Wie in den Vorjahren ist die DVU bestrebt, auch die deutsche Schuld an der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs zu relativieren. \"Die Behauptung, Deutschland sei am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges allein schuld, ignoriert, dass sich der deutsch-polnische Konflikt erst durch die Kriegserkl\u00e4rungen Gro\u00dfbritanniens und Frankreichs vom 3. September 1939 an Deutschland auszuweiten begann (...). Daf\u00fcr wiegte man sich in Warschau in dem Wahn, die polnische Armee werde innerhalb von Tagen bis Berlin vorsto\u00dfen und Polen k\u00f6nne sich halb Deutschland einverleiben.\" (NZ vom 10. September, Seite 7) Die DVU versucht, offenen Antisemitismus zu vermeiden, doch wird Latenter ihre antisemitische Grundhaltung in ihren publizistischen SprachrohAntisemitismus ren deutlich: \"Im J\u00fcdischen Weltkongre\u00df unter dem Vorsitz des Nachfolgers Goldmanns, des amerikanischen Schnaps-, Chemieund Medienmilliard\u00e4rs Edgar Bronfman, spannen ma\u00dfgebliche Kreise den Bogen immer straffer. (...) Nachdem man die Schweiz unter dem Stichwort 'Nazigold' bereits weichgeklopft hat und auch bei anderen Staaten nicht mehr nur an die T\u00fcr klopft, sondern schon den Rammbock angesetzt hat, ist jetzt Frankreich an der Reihe.\" (DNZ vom 5. M\u00e4rz, Seite 10) \"Da bekommen Journalisten feuchte H\u00e4nde und \u00fcberbieten sich in Kotaus, wenn sie sich dem unertr\u00e4glichen Schmus des television\u00e4ren Tausendf\u00fc\u00dflers Friedman ausgesetzt sehen.\" (DNZ vom 12. M\u00e4rz, Seite 6) \"Gro\u00dfe Teile des hiesigen Polit-Establishments verhalten sich bei Verlautbarungen des j\u00fcdischen Zentralrats wie der aus der Tontr\u00e4ger-Werbung bekannte niedliche Vierbeiner, der aus dem Grammophon 'His Master's Voice' erlauscht. (...) Doch das alles reicht dem Herrn Friedman nicht aus.\" (NZ vom 24. September, Seite 6) H\u00e4ufig werden demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten diffamiert. Auf diese Weise soll das Vertrauen in diese Institutionen","44 Rechtsextremismus und den von ihnen getragenen demokratischen Rechtsstaat untergraben werden: Diffamierung \"Immer wenn das Bundesverfassungsgericht gegen grundgesetzwidrige demokratischer Machenschaften Etablierter ... entscheidet, gehen herrschende Politiker Institutionen nicht etwa daran, den Spruch der h\u00f6chsten Richter dieser Republik ... in die Tat umzusetzen, sondern es wird fieberhaft \u00fcberlegt, wie man Karlsruhe austricksen und alles beim Alten belassen kann. Da Verfassungsbruch durch Etablierte zwar verboten, doch nicht strafbar ist ..., kommen selbst notorische Verfassungsbrecher in Bonn nicht hinter Gitter.\" (DNZ vom 2. Juli, Seite 1) \"Abzockerund Raffgiermentalit\u00e4t ist leider kennzeichnend f\u00fcr eine Vielzahl von Politikern in Bonn und Br\u00fcssel.\" (DNZ vom 9. Juli, Seite 1) \"W\u00e4hrend in der Bundesrepublik der Rotstift regiert und die soziale Armut w\u00e4chst, richten sich Politiker in Bonn, Berlin und Br\u00fcssel zunehmend ein Polit-Schlaraffenland auf Steuerzahlers Kosten ein. ... Im Vergleich zu ihren Parlamentskollegen in aller Welt sind Bonner Politiker Spitzenreiter im Absahnen.\" (DNZ vom 16. Juli, Seite 7) \"Dass die DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU) ... etablierten Parteien ein Dorn im Auge ist, hat vor allem auch damit zu tun, dass die Volksunion schonungslos skandal\u00f6se Machenschaften herrschender Polit-Bonzen anprangert. Der Skandal-Sumpf des etablierten Parteien-Kartells ist geradezu grenzenlos.\" (DWZ vom 27. August, Seite 7) \"Die soziale Glaubw\u00fcrdigkeit der 'sozial'demokratisch gef\u00fchrten Bundesregierung sinkt durch Eichels neue Sparschweinerei auf das Niveau von Keuschheitsgel\u00fcbden gewerbsm\u00e4\u00dfig horizontal t\u00e4tiger Personen ab.\" (NZ vom 3. September, Seite 1) \"W\u00e4hrend unversch\u00e4mte Polit-Bonzen bei st\u00e4ndig steigenden Di\u00e4ten und immer neuen Verg\u00fcnstigungen ihr Absahner-Schlaraffenland weiter ausbauen, wird der einfache B\u00fcrger gnadenlos geschr\u00f6pft und ausgepl\u00fcndert. Je hilfloser und \u00e4rmer das Opfer, desto unerbittlicher schlagen die Polit-Raubritter zu.\" (NZ vom 10. September, Seite 10) Rassismus In der Agitation der DVU kommt deren fremdenfeindliche und rassistische Grundhaltung zwar nicht offen zum Ausdruck, sie ist jedoch erkennbar von einer derartigen Motivation gepr\u00e4gt.","Rechtsextremismus 45 \"Eine irrsinnige Bonner Einwanderungsund \u00dcberfremdungspolitik aber f\u00fchrt dazu, da\u00df sich die Bundesrepublik balkanesische Zust\u00e4nde ins eigene Land holt.\" (DWZ vom 5. M\u00e4rz, Seite 1) \"Verantwortungslose Politiker mitsamt einer zutiefst deutschfeindlichen Meinungsindustrie haben dann noch die Stirn, dem deutschen Volk den ganzen Wahnwitz, der allj\u00e4hrlich mit Dutzenden Milliarden deutscher Steuergelder bezahlt werden mu\u00df, als 'multikulturelle Bereicherung' vorzugaukeln.\" (DWZ vom 30. April, Seite 8) Insbesondere Straftaten von Ausl\u00e4ndern werden umfassend dargestellt und verallgemeinernd kommentiert: \"Das Treiben krimineller Ausl\u00e4nder wird immer schlimmer. Die Meinungsindustrie aber versucht das Thema totzuschweigen. (...) Was steckt dahinter? D\u00fcrfen sich Ausl\u00e4nder wirklich alles erlauben? ... Es ist wahrhaftig ein Unding, dass Straftaten krimineller Ausl\u00e4nder mehr und mehr von der Meinungsindustrie heruntergespielt und verharmlost werden. Dies geschieht bewusst und auf politischen Druck 'von oben'.\" (DNZ vom 13. August, Seite 3) Nach wie vor ist die Partei bestrebt, das Ausma\u00df rechtsextremistisch Relativierung motivierter Militanz zu relativieren. Dabei kn\u00fcpft sie vielfach an Strafrechtsextremistitaten mit rechtsextremistischem Anfangsverdacht an, der sich nachscher Gewalt tr\u00e4glich als unzutreffend herausstellte. \"Immer dasselbe Spiel: Findet irgendwo in Deutschland eine Gewalttat gegen Ausl\u00e4nder statt, steigen Massenmedien gro\u00df ein und schieben - ohne auch nur den Hauch eines Beweises - die Schuld 'den Rechtsradikalen' zu. Stellen sich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ganz andere Hintergr\u00fcnde des Verbrechens heraus, erfolgt - wenn \u00fcberhaupt - nur eine kleinlaute Berichterstattung.\" (DNZ vom 27. August, Seite 13) 2.3.2 Organisation Die Mitgliederzahl der DVU ist bundesweit von 18.000 auf 17.000 R\u00fcckl\u00e4ufige zur\u00fcckgegangen, da viele Neumitglieder, die im Vorjahr der DVU Mitgliederzahlen nach deren Erfolg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beigetreten waren, die Partei bald wieder verlie\u00dfen. Die DVU hat keine Jugendorganisation und betreibt keine Jugendarbeit. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch nach","46 Rechtsextremismus au\u00dfen kaum in Erscheinung treten. Auf Kreisund Ortsebene ist die DVU ebenfalls kaum vertreten. Zusammenlegung Im Verlag des Parteivorsitzenden erschienen bisher als Werbetr\u00e4ger der publizistischen und publizistische Sprachrohre der DVU die \"Deutsche National-ZeiSprachrohre tung\" (DNZ) und die teilweise inhaltsgleiche \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ). Die Gesamtauflage ist in den letzten zehn Jahren um 50 % zur\u00fcckgegangen. Anfang September wurden DNZ und DWZ - wohl aus Kostengr\u00fcnden - unter der Bezeichnung \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) zusammengelegt. Hoher Nach einer Reihe von kostspieligen Wahlk\u00e4mpfen ist die Partei bei Schuldenstand ihrem Vorsitzenden mit \u00fcber elf Millionen DM verschuldet. Die Personalunion von Vorsitzendem und Kreditgeber verleiht Dr. Frey eine im Vergleich zu anderen Parteien einzigartige Machtf\u00fclle. 2.3.3 Teilnahme an Wahlen Die DVU verzichtete wie schon 1994 auf eine Teilnahme an der EuropaErfolge in Bremen wahl und konzentrierte sich statt dessen auf die Bremer B\u00fcrgerschaftswahl am 6. Juni. Ihr Wahlkampfetat betrug rund 1,3 Millionen DM. Die Partei erhielt landesweit 3,0 % (1995: 2,5 %) der Stimmen. In den getrennt gez\u00e4hlten Wahlbereichen Bremen und Bremerhaven erzielte sie 2,5 % bzw. 6,0 %. Da die \u00dcberwindung der 5 %-Sperrklausel in einem Landesteil ausreicht, ist die DVU mit einem Abgeordneten im Landesparlament vertreten. und Brandenburg Die DVU beteiligte sich ferner an den Landtagswahlen am 5. September in Brandenburg und am 12. September in Th\u00fcringen. In Brandenburg konnte sie mit einem Stimmenanteil von 5,3 % f\u00fcnf Abgeordnete in den Landtag entsenden, in Th\u00fcringen scheiterte sie mit 3,1 % der abgegebenen Stimmen an der 5 %-Klausel. Der Wahlerfolg in Brandenburg wurde durch die geringe Wahlbeteiligung, aber auch durch den Verzicht der REP auf eine Kandidatur, beg\u00fcnstigt. Die DVU ist damit in drei Landesparlamenten vertreten. In den mit erheblichem finanziellen Aufwand gef\u00fchrten Wahlk\u00e4mpfen hatte die Partei vor allem auf fl\u00e4chendeckende Plakatierung, Postwurfsendungen und aggressive Parolen wie \"Deutsche Arbeitspl\u00e4tze zuerst f\u00fcr Deutsche!\" und \"Den totalen Untergang unseres Geldes in der Eurow\u00e4hrung verhindern!\" gesetzt. In Rundschreiben wurden die Parteimitglieder zu Spenden aufgefordert. Allein in Brandenburg wurden nach Angaben der DVU rund 50.000 Plakate geklebt und 500.000 Wahlprogramme verteilt.","Rechtsextremismus 47 Bei der Wahl zur Stadtverordnetenversammlung in Bremerhaven am 26. September erzielte die DVU 5,2 % und zog erneut mit drei Abgeordneten in die Kommunalvertretung ein. An den Landtagswahlen am 7. Februar in Hessen und am 19. September in Sachsen sowie an der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Oktober nahm die DVU aufgrund der mit den REP getroffenen Absprache nicht teil. In Sachsen f\u00fcrchtete die DVU au\u00dferdem die Konkurrenz des st\u00e4rksten Landesverbandes der NPD. Bei der Europawahl sah sie schon wegen der Kandidatur der REP keine Erfolgschancen; zudem stellte sich der als Spitzenkandidat vorgesehene ehemalige REP-Vorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber nicht zur Verf\u00fcgung 2.3.4 B\u00fcndnispolitik DVU und REP hielten sich im wesentlichen an die Absprache vom Wahlabsprache 17. November 1998, bei Wahlen nicht gegeneinander anzutreten. mit den REP Mit einer dar\u00fcber hinausgehenden inhaltlichen Zusammenarbeit beider Parteien ist jedoch nicht zu rechnen, da die REP nicht bereit sind, die von Dr. Frey beanspruchte F\u00fchrungsrolle im rechtsextremistischen Spektrum anzuerkennen. Im Vorfeld der Europawahl betriebene Vorst\u00f6\u00dfe des DVU-Vorsitzenden zur Einigung des rechtsextremistischen Lagers scheiterten an der mangelnden Bereitschaft zu gegenseitigen Zugest\u00e4ndnissen. Insbesondere das Verh\u00e4ltnis zur NPD, die den F\u00fchrungsanspruch der DVU Distanz zur NPD offen in Frage stellt, ist deutlich abgek\u00fchlt. Die im Vorjahr aufgenommenen Kontakte zwischen Dr. Frey und dem Vorsitzenden des franz\u00f6sischen Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, wurden nicht erneuert. 2.3.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten Am 16. Januar hielt die DVU in M\u00fcnchen ihren Bundesparteitag mit Bundesparteitag \u00fcber 400 Teilnehmern ab. Bei der Neuwahl des Parteivorstands wurde","48 Rechtsextremismus Dr. Frey in seiner Funktion best\u00e4tigt. Seine Stellvertreter und die Beisitzer sind wie bisher langj\u00e4hrige DVU-Funktion\u00e4re. Landesparteitag Am selben Tag fanden in M\u00fcnchen der Parteitag des DVU-Landesverbands Bayern und die Mitgliederversammlung der DVU e.V. statt. Bezeichnend f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis innerparteilicher Demokratie der DVU ist das Tempo der Tagungen. Der Bundesparteitag dauerte nur eine Stunde, die beiden anderen Veranstaltungen jeweils zehn Minuten. Gro\u00dfkundgebung Unter dem Motto \"Wir lieben Deutschland\" fand am 25. September in Passau in der Passauer Nibelungenhalle die allj\u00e4hrliche Gro\u00dfkundgebung der DVU statt. Daran beteiligten sich rund 2.000 Personen, deutlich weniger als im vergangenen Jahr. Der Hauptredner Dr. Frey agitierte u.a. gegen die Einf\u00fchrung der doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft f\u00fcr jugendliche Ausl\u00e4nder und gegen das geplante zentrale Holocaust-Denkmal in Berlin. Ferner griff er die fr\u00fcheren Bundespr\u00e4sidenten Herzog und von Weizs\u00e4cker an, die versucht h\u00e4tten, die Deutschen zu ewiger S\u00fchne zu verpflichten. Zum gleich bleibenden Ritual der Veranstaltung geh\u00f6rten Preisverleihungen f\u00fcr \"Verdienste um die deutsche Sache\" und eine Totenehrung. Den Freiheitspreis der NZ erhielt das DVU-Gr\u00fcndungsmitglied Hans Otto Weidenbach; der Andreas-Hofer-Preis ging an Ernst Franke f\u00fcr seine Volkstumsarbeit in Schlesien. Gegen die Veranstaltung protestierten insgesamt rund 500 Personen, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige des lokalen autonomen Spektrums. 2.4 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) Deutschland Bayern Mitglieder: 500 100 Gleichberechtigte J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger, Werner Eichinger Sprecher (Vorsitzende): Ingo Stawitz, Andre Beiersdorf Gr\u00fcndung: 1991 (1996 Verzicht auf den Parteistatus) Sitz: Coburg Inoffizielles Organ: Nation & Europa - Deutsche Monatshefte","Rechtsextremismus 49 Die DLVH versteht sich seit der 1996 beschlossenen Umwandlung in Nationalismus und einen Verein als eine \"\u00fcberparteiliche und unabh\u00e4ngige GemeinKollektivismus schaft demokratischer Patrioten\", die Gleichgesinnte \u00fcber Parteiund Vereinsgrenzen hinaus integriert und deren Kr\u00e4fte b\u00fcndelt. Trotz vorsichtiger Formulierung sind in ihrem \"Manifest\" nationalistische und v\u00f6lkisch-kollektivistische Elemente feststellbar: \"Die DEUTSCHE LIGA bekennt sich zu einer Wirtschaftsund Sozialordnung der nationalen Pr\u00e4ferenz. (...) Ihr Ziel ist eine sozialpatriotische Solidargemeinschaft des Ganzen.\" Die nach wie vor weitgehend inaktive DLVH konnte ihr Ansehen Weitgehende innerhalb des rechtsextremistischen Lagers nicht erh\u00f6hen. Ihre BedeuInaktivit\u00e4t tung beruht vor allem auf ihrer N\u00e4he zu wichtigen Organen der rechtsextremistischen Publizistik (z.B. Nation & Europa - Deutsche Monatshefte). Zur Mitgliederversammlung am 30. Oktober in Kist, Landkreis W\u00fcrzburg, fanden sich wieder nur etwa 40 Personen ein. Die gleichberechtigten Sprecher wurden in ihren Funktionen best\u00e4tigt. 2.5 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) Deutschland Bayern Mitglieder: 450 40 Vorsitzender: Dr. Rolf Kosiek Gr\u00fcndung: 1960 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: Das Freie Forum Die von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete, von dem fr\u00fcheren NPD-\"Chefideologen\" Dr. Rolf Kosiek geleitete GFP stellt als \"Kulturvereinigung\" vor allem ein Forum f\u00fcr rechtsextremisForum rechtstische Verleger, Buchh\u00e4ndler, Redakteure und Schriftsteller dar. Sie extremistischer gibt vor, \"tabuisierte Lebensfragen der Deutschen\" zu thematisieren Verleger, Buchund sich f\u00fcr die \"Freiheit und Wahrheit des Wortes\" einzusetzen. In h\u00e4ndler und Vortr\u00e4gen und auf GFP-Veranstaltungen wird rechtsextremistisches Autoren Gedankengut verbreitet. Die GFP will in einer angeblich \"durch Siegerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten.","50 Rechtsextremismus Jahreskongress Unter dem Motto \"Deutschland und Europa - Erneuerung statt V\u00f6lkertod\" fand in der Zeit vom 16. bis 18. April in Wernigerode/Sachsen-Anhalt der GFP-Jahreskongress statt. Die Redner kritisierten die \"verheerenden Folgen der Umerziehung\" und warfen den Historikern an deutschen Hochschulen \"mangelnden Mut zur Wahrheit in der Zeitgeschichte\" vor. Dr. Kosiek griff in seinem Jahresbericht die \"Einschr\u00e4nkung der Presseund Meinungsfreiheit\" und die \"Zunahme der politischen Justiz\" an, die durch \"mehrere skandal\u00f6se Verurteilungen von Verlegern und Publizisten\" gekennzeichnet sei. 2.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. Deutschland Bayern Mitglieder: 280 30 Vorsitzender: Lisbeth Grolitsch Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Starnberg Publikation: Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht Der von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von Hutten vertritt rechtsextremistische, insbesondere rassistische Thesen und verbreitet \u00c4u\u00dferungen, die das NS-Regime verharmlosen und die Bundesrepublik Deutschland verunglimpfen. Der Freundeskreis trat vorwiegend mit der Herausgabe seiner \"Huttenbriefe\" in Erscheinung, in denen er v\u00f6lkische, rassistische und antisemitische Verschw\u00f6rungstheorien formulierte. \"Die Siegerm\u00e4chte haben also schon vor 55 Jahren neben der politischen auch noch die ethnische und religi\u00f6se Zerst\u00fcckelung Deutschlands beschlossen.\" \"Dieser Staat betreibt eine Bev\u00f6lkerungspolitik, die auf V\u00f6lkermord aus ist ... . (...) Die gleichzeitige Alimentierung der Kindervielzahl der Fremden mit mehreren Milliarden Mark j\u00e4hrlich erweist mithin, da\u00df er die Geburt deutscher Kinder vermeiden und die Kinder der Fremden f\u00f6rdern will ...\"","Rechtsextremismus 51 2.7 Freiheitlicher Volks Block (FVB) Deutschland Bayern Mitglieder: 60 5-10 Vorsitzender: Thomas Scharf Gr\u00fcndung: 1994 Sitz: Neu-Ulm Publikation: FVB-Spiegel (im Jahr 1999 nicht erschienen) Der neonazistische FVB wurde 1994 in N\u00fcrnberg gegr\u00fcndet. Die Neonazistische Mehrheit der Gr\u00fcndungsmitglieder hatte zuvor der 1993 vom InnenAusrichtung ministerium Baden-W\u00fcrttemberg verbotenen neonazistischen Heimattreuen Vereinigung Deutschlands (HVD) angeh\u00f6rt. In der Vergangenheit trat der FVB bei verschiedenen Demonstrationen des \"Nationalen Widerstands\" als einheitlicher \"Schwarzer Block\" in Erscheinung. Im September 1998 wurde der ehemalige Bundesvorsitzende Konrad R\u00fcckl\u00e4ufige Petratschek wegen Verdachts des Bandendiebstahls festgenommen. Aktivit\u00e4ten Das Amtsgericht Neuburg a.d. Donau verurteilte ihn unter Einbeziehung von Vorstrafen wegen Diebstahls zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Die Inhaftierung des Bundesvorsitzenden war ein erheblicher R\u00fcckschlag f\u00fcr den FVB. Unter dem neuen Vorsitzenden Thomas Scharf gingen die politischen Aktivit\u00e4ten des FVB zur\u00fcck. In Bayern trat der FVB im Jahre 1999 \u00f6ffentlich nicht in Erscheinung. 2.8 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) Der 1958 gegr\u00fcndete, von Dr. Gerhard Frey geleitete DSZ-Verlag in Bedeutendstes M\u00fcnchen ist weiterhin das bedeutendste rechtsextremistische Proparechtsextremistigandainstrument in Deutschland. Die im Verlag sches Propagandaerscheinenden Wochenzeitungen \"Deutsche instrument National-Zeitung\" (DNZ) und \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) wurden wegen stark r\u00fcckl\u00e4ufiger Verkaufszahlen Anfang September unter der Bezeichnung \"National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zeitung\" (NZ) zusammengelegt. Die w\u00f6chentliche Auflage betr\u00e4gt nunmehr rund 50.000 Exemplare.","52 Rechtsextremismus Unter Schlagzeilen wie \"Millionen T\u00fcrken rein, Milliarden DM raus\" und \"Bald mehr Ausl\u00e4nder als Deutsche?\" vertritt die NZ wie ihre Vorg\u00e4ngerinnen als publizistisches Sprachrohr der DVU deren nationalistische, rassistische und revisionistische Grundhaltung. Die Beitr\u00e4ge sind gepr\u00e4gt von Vereinfachung, Schematisierung und dem Aufbau von Freund-Feind-Bildern. Rassismus \"Gesch\u00fctzt sind nach der derzeitigen politischen Rechtsordnung nur Minderheiten wie konkret Juden und Zigeuner, nicht aber das deutsche Mehrheitsvolk.\" (NZ vom 12. November, Seite 3) Revisionismus \"Obgleich das Land Berlin in gro\u00dfer Finanznot steckt ... , sprudeln f\u00fcr die einseitige Beschw\u00f6rung deutscher Schuld die Millionen munter weiter.\" (NZ vom 5. November, Seite 2) Antisemitismus \"Dr. Nahum Goldmann, damals Vorsitzender des J\u00fcdischen und des Zionistischen Weltkongresses, ging bei der Erlangung von immer mehr Milliarden Wiedergutmachung genial vor und war am Ende selbst ... entz\u00fcckt \u00fcber die Vervielfachung der erwarteten Tribute.\" (NZ vom 24. Dezember, Seite 3) Teilweise werden Meldungen der nicht-extremistischen Presse \u00fcbernommen; gelegentlich werden diese systematisch umgeschrieben: Fremden\"Massive Klagen von Kosovo\"Luxus f\u00fcr Kosovo-Fl\u00fcchtlinge? feindlichkeit Fl\u00fcchtlingen 'Wir sind dem (...) Die Kosovo-Albaner haben deutschen Staat dankbar f\u00fcr jetzt eine Petition verfa\u00dft, weil seine Gastfreundschaft', sagt T. sie beispielsweise mit 25-Qua- - der Satz ist auch der Petition dratmeter-Zimmern unzufrieden vorangestellt. ... Bis zu sechs sind, ... . Von Dankbarkeit ist Personen zw\u00e4ngten sich unter den 400 Fl\u00fcchtlingen aus momentan in 25-qm-Zimmern.\" dem Kosovo nichts zu sp\u00fcren.\" (S\u00fcddeutsche Zeitung vom (DNZ vom 9. Juli, Seiten 1/2) 25. Juni) 2.9 Nation Europa Verlag GmbH Der Nation Europa Verlag in Coburg wurde 1953 gegr\u00fcndet. Ein Jahr sp\u00e4ter konstituierte sich der mit den politischen Interessen des Verlags eng verbundene Verein Nation-Europa-Freunde e.V., dem derzeit etwa 200 Mitglieder angeh\u00f6ren. Herausgeber der im Verlag erscheinenden Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\"","Rechtsextremismus 53 sind die DLVH-Funktion\u00e4re Peter Dehoust und Harald Neubauer. Mit Sprachrohr der einer Auflage von 16.000 Exemplaren geh\u00f6rt die Zeitschrift zu den DLVH wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorganen. Sie bietet insbesondere Rechtsextremisten eine publizistische Plattform. So ver\u00f6ffentlicht der fr\u00fchere REP-Bundesvorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber in der Zeitschrift regelm\u00e4\u00dfig seine Kolumne \"Aus meiner Sicht\". \"Nation & Europa\" verbreitet sowohl revisionistische als auch rassistische Thesen. Als Strategieorgan tritt die Schrift seit Jahren ohne Erfolg daf\u00fcr ein, die Zersplitterung der rechtsextremistischen Parteien durch die Orientierung an ausl\u00e4ndischen Sammlungsparteien wie dem Front National (FN) in Frankreich und dem Vlaams Blok (VB) in Belgien zu \u00fcberwinden. Scharfe Kritik galt der derzeitigen REP-F\u00fchrung, die im Mai mehrheitlich beschlossen hatte, den Parteigliederungen Veranstaltungen mit dem Mitherausgeber der Schrift Harald Neubauer, einem ehemaligen REP-Funktion\u00e4r, zu untersagen. 3. Organisationsunabh\u00e4ngiger Neonazismus 3.1 Allgemeines Der Neonazismus umfasst alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren bzw. totalit\u00e4ren Staats gerichtet sind. Schwerpunktthemen waren wie im Vorjahr die Ausl\u00e4nderund Asylpolitik, die angebliche staatAgitationsliche Verfolgung des \"nationalen Lagers\" sowie - meist nur gruppenschwerpunkte intern - die Verherrlichung der NS-Diktatur sowie rassistische und antisemitische Agitation. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte der Einsatz deutscher Soldaten im Kosovo-Konflikt zu einer verst\u00e4rkten Betonung des Antiamerikanismus: \"Was haben die USA als raumfremde Macht \u00fcberhaupt in Europa zu suchen? (...) Da mu\u00df man sich auch fragen d\u00fcrfen, f\u00fcr was denn deutsche Soldaten ihr Leben opfern sollen: (...) f\u00fcr die hinter den Vereinigten Staaten stehende Machtelite mit ihren Pl\u00e4nen f\u00fcr die Eine-Welt-Diktatur unter Abschaffung aller Nationen sowie Einebnung aller rassischen, ethnischen, kulturellen und religi\u00f6sen Unterschiede der V\u00f6lker?\" (Der Scheinwerfer Nummer 5/1999)","54 Rechtsextremismus Einige Neonazis betonen derzeit verst\u00e4rkt die sozialistischen Elemen\u00d6ffnung gegente ihrer nationalsozialistischen \u00dcberzeugung und \u00f6ffnen sich dabei \u00fcber ehemaligen auch ehemaligen Linksextremisten. So propagierte eine seit Fr\u00fchjahr Linksextremisten 1999 kursierende Schrift eine Anlehnung an ehemalige \"linke\" Kr\u00e4fte. Der Autor Thomas Brehl war ein Anh\u00e4nger des 1991 verstorbenen Neonazis Michael K\u00fchnen, der das NSDAP-Programm von 1920 insbesondere als Forderung nach einer \"sozialistischen Volksgemeinschaft\" interpretiert hatte. Wie viele andere Rechtsextremisten sieht sich Brehl durch den ideologischen Seitenwechsel ehemaliger \"Linker\" in seiner Weltanschauung best\u00e4tigt. Er spricht sich f\u00fcr eine Zusammenarbeit zwischen \"rechten\" und \"linken\" Sozialisten aus und verweist dazu auf \u00c4u\u00dferungen von Protagonisten der ehemaligen \"68er-Bewegung\". So betrachte etwa der fr\u00fchere RAF-Mitbegr\u00fcnder Horst Mahler die wegen Volksverhetzung oder Leugnung des Holocaust verurteilten Neonazis als politische Gefangene und M\u00e4rtyrer der nationalen Wiedergeburt. Die von dem bekannten Neonazi Friedhelm Busse herausgegebene Publikation \"Nachrichten - Informationen - Meinungen\" (NIM) warb Synthese von in der Mai/Juni-Ausgabe f\u00fcr eine Synthese von Nationalismus und Nationalismus Sozialismus. Der Imperialismus der Siegerstaaten und der Kapitaund Sozialismus lismus der Hochfinanz seien die ausbeuterischen Feinde des deutschen Volkes. Sie h\u00e4tten es in \"linke\" Sozialisten und \"rechte\" Nationalisten gespalten. Die unheilvollen Verbindungen von Nationalismus und Kapitalismus sowie Sozialismus und Internationalismus m\u00fcssten deshalb beendet werden. Dann k\u00f6nne der Zusammenschluss der beiden gro\u00dfen, sich einander bedingenden Grundkr\u00e4fte Nationalismus und Sozialismus die Kr\u00e4fte des deutschen Volkes neu sprie\u00dfen lassen. Solche Appelle von Neonazis f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit Linksextremisten fanden jedoch in beiden Lagern nur geringe Resonanz. Erfolglosigkeit Eindeutige Verlierer der seit den Organisationsverboten ab 1992 der Freien Natioanhaltenden Ideologieund Strategiedebatte des \"nationalen Lagers\" nalisten sind die auch unter der Bezeichnung \"Freie Nationalisten\" (FN) bekannten \"autonomen Kameradschaften\". F\u00fchrenden Neonazis wie Christian Worch und Thomas Wulff aus Hamburg (Freie Nationalisten Norddeutschland) sowie Michael Swierczek aus Augsburg (Freie Nationalisten S\u00fcddeutschland) ist es nicht gelungen, ihr Konzept der Vernetzung autonomer nationaler Gruppen attraktiv zu gestalten.","Rechtsextremismus 55 Gewinner dieser Debatte sind die NPD und die JN bzw. deren aus dem neonazistischen Lager stammende F\u00fchrungskader. Diese konnten \"rechtsorientierte\" junge Menschen, insbesondere Skinheads, mobilisieren und unter dem Dach des \"Nationalen Widerstands\" integrieren. Die Neonazis, die strikt an der \"Vorbildfunktion\" des Dritten Reichs festhalten, leiden dagegen unter eigener Inaktivit\u00e4t, Konzeptionslosigkeit, Desinteresse geeigneter Sympathisanten und dadurch bedingter personeller Auszehrung. Das dem neonazistischen Lager zuzurechnende Potenzial hat sich in R\u00fcckgang des Bayern seit 1998 von 180 auf rund 120 Personen verringert; davon neonazistischen sind etwa 60 in neonazistischen Organisationen aktiv. Daneben sind Potenzials rund 650 rechtsextremistisch orientierte Skinheads bekannt. Weiterhin bestehen in verschiedenen Regionen Bayerns strukturlose Gruppen mit rechtsextremistischen Verhaltensweisen, die sich aus Skinheads, Neonazis, aber auch aus sonstigen \"rechtsorientierten\" Jugendlichen zusammensetzen. Hierbei handelt es sich um jugendliche Mischszenen, die sich von rechtsextremistischen Parolen leicht beeinflussen und mobilisieren lassen. Die Anzahl und Auflagenst\u00e4rke neonazistischer Publikationen stagnierte auf dem Vorjahresniveau. 3.2 Autonome Kameradschaften Nach dem Verbot zahlreicher rechtsextremistischer Organisationen seit 1992 entwickelten f\u00fchrende Neonazis das Konzept strukturloser Zusammenschl\u00fcsse, f\u00fcr das alsbald der Begriff der \"autonomen Kameradschaften\" gebr\u00e4uchlich wurde. Dadurch sollen staatliche Gegenma\u00dfnahmen erschwert werden. In Bayern existieren noch folgende derartige in ihrem Erscheinungsbild vielf\u00e4ltige Gruppierungen: 3.2.1 Katakombenakademie des Friedhelm Busse Die Katakombenakademie des Friedhelm Busse in M\u00fcnchen-Putzbrunn ist nur noch eingeschr\u00e4nkt aktiv. Busse selbst trat bundesweit mehrfach als Referent bei Veranstaltungen der NPD und der \"Freien Nationalisten\" (FN) auf. Er ist Herausgeber der Publikation \"Nachrichten - Informationen - Meinungen\" (NIM) und Betreiber des Nationalen Info-Telefons Bayern (NIT). Das ehemals um Busse vor-","56 Rechtsextremismus handene Potenzial junger Skinheads und Neonazis hat stark abgenommen, Busse selbst ist zunehmend isoliert. 3.2.2 Freizeitverein Isar 96 e.V. (FZV) Der 1996 gegr\u00fcndete FZV z\u00e4hlt wie im Vorjahr rund 15 Mitglieder, die sich in der Tradition des verstorbenen Neonazis Michael K\u00fchnen sehen. Die Aktivit\u00e4ten des FZV beschr\u00e4nkten sich auf kleinere Veranstaltungen, interne Stammtische und Grillpartys. An einer vom FZV organisierten Saalveranstaltung mit Horst Mahler beteiligten sich am 3. Juli in M\u00fcnchen rund 70 Personen aus dem gesamten rechtsextremistischen Spektrum. Der ehemalige RAF-Mitbegr\u00fcnder trug seine aus anderen bundesweiten Auftritten bekannten Thesen eines nationalen Sozialismus vor. 3.3 Informationelle Vernetzung Seit mehreren Jahren nutzen Rechtsextremisten moderne Kommunikationstechniken, insbesondere um die nach den Verboten neonazistischer Organisationen weggefallenen Kontaktm\u00f6glichkeiten zu Internet ersetzen. Der Zugriff auf das Internet, das einen weltweiten, rechtlich und tats\u00e4chlich schwer fassbaren Raum darstellt, bietet Rechtsextremisten eine willkommene Plattform zur Verbreitung verfassungsfeindlicher Ziele. Zu den Schwerpunkten ihres Angebots geh\u00f6ren einschl\u00e4gige Literatur und Musik, Propagandamaterialien aus dem Inund Ausland, Informationen \u00fcber rechtsextremistische Organisationen, deren Postanschriften und Telefonnummern, so genannte \"Schwarze Listen\" mit den Namen politischer Gegner sowie Verzeichnisse weiterer Internet-Inhalte mit rechtsextremistischen Bez\u00fcgen. In zunehmendem Ma\u00dfe dient das Internet aber auch der Mobilisierung der rechtsextremistischen Szene. So wurden auf einigen Homepages Flugbl\u00e4tter mit Aufrufen zu verschiedenen Demonstrationen eingestellt. Zunehmende Derzeit sind \u00fcber 300 deutsche rechtsextremistische Homepages Bedeutung als bekannt, 1998 waren es mehr als 200. Hinzu kommt eine Vielzahl Propagandatr\u00e4ger ausl\u00e4ndischer Homepages; die Sch\u00e4tzungen belaufen sich derzeit auf weltweit \u00fcber 1.400 einschl\u00e4gige Seiten aus \u00fcber 30 Staaten. Deutsche Rechtsextremisten werben f\u00fcr ihre verfassungsfeindlichen Ziele mit immer anspruchsvollerer Technik. So binden sie aufwendige Gra-","Rechtsextremismus 57 fiken ein und bieten sogar indizierte Skinhead-Musik \u00fcber Tondateien an, die auf dem heimischen PC gespeichert und vervielf\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Die attraktiven Gestaltungsm\u00f6glichkeiten des Internet-Bereichs \"world wide web\" (www) mit Farbgrafiken, Audiound Videosequenzen machen dieses kosteng\u00fcnstige Medium f\u00fcr rechtsextremistische Organisationen zu einem wichtigen Werbeund Propagandatr\u00e4ger, mit dem sich ungefiltert neue Interessentenkreise, vor allem Jugendliche, ansprechen lassen. Dem Internet kommt daher bei der Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts sowie bei der Koordinierung von Aktivit\u00e4ten der rechtsextremistischen Szene eine weiterhin steigende Bedeutung zu. Die zunehmende Anonymisierung der Homepage-Benutzer und die Strafbare Inhalte Nutzung ausl\u00e4ndischer Provider (z.B. in den USA) erschweren die T\u00e4tigkeit der Sicherheitsbeh\u00f6rden. So halten sich Rechtsextremisten, die ihre politischen Inhalte \u00fcber Dienste in Deutschland anbieten, im Allgemeinen an die deutschen Gesetze. Bei Nutzung ausl\u00e4ndischer Anbieter, beispielsweise in \u00dcbersee, geben sie ihre Zur\u00fcckhaltung auf. So werden rassistische, revisionistische und volksverhetzende Aufrufe verbreitet, etwa durch den kanadischen Revisionisten Ernst Z\u00fcndel, dessen Propaganda auch per Tonund Videosequenzen abrufbar ist. Zum rechtsextremistischen Internetspektrum z\u00e4hlen ferner detaillierte Anleitungen zur Herstellung von Sprengund Brands\u00e4tzen sowie sonstiger Sabotagemittel, aber auch gezielte Aufforderungen zur Gewaltanwendung gegen politische Gegner bis hin zu Mordaufrufen. Allerdings sind selbst anonyme Homepage-Benutzer identifizierbar, wenn auch mit gro\u00dfem Aufwand. Strafbare Inhalte f\u00fchrten daher wiederholt zu Strafverfahren. So rief ein rechtsextremistischer Skinhead aus Baden-W\u00fcrttemberg unter der Bezeichnung \"Davids Kampftruppe\" im Internet dazu auf, gegen eine Belohnung von 10.000 DM \"unsere Lieblings-Zecke\" zu t\u00f6ten. Den gleichen Betrag setzte er f\u00fcr die Ermordung eines Lehrlings aus, der mit \"Russen und anderem Gesindel\" verkehre und gegen Nazis hetze. Bei einer Durchsuchung am 22. Juni stellte die Polizei eine Datei mit einem Mordaufruf und weiteres strafrechtlich relevantes Beweismaterial sicher. Neonazis und Skinheads in Bayern verf\u00fcgen allerdings nur in Ausnahmef\u00e4llen \u00fcber eigene Internet-Homepages. Der informationellen Vernetzung von Rechtsextremisten dienen auch Nationale die Nationalen Info-Telefone (NIT), die mittels Anrufbeantworter MelInfo-Telefone dungen verbreiten und die M\u00f6glichkeit bieten, Nachrichten zu hinter-","58 Rechtsextremismus lassen. Sie mobilisieren die rechtsextremistische Szene insbesondere zu bestimmten Anl\u00e4ssen, so zur verbotenen Maikundgebung der NPD in Bremen und zu Demonstrationen gegen die \"Wehrmachtsausstellung\". Daneben fungieren die NIT auch als eine Art Binde-Element und Motivationsinstrument innerhalb der rechtsextremistischen Szene. Das von dem M\u00fcnchener Neonazi Friedhelm Busse betriebene Nationale Info Telefon Bayern (NIT-Bayern) hat sich inzwischen in der rechtsextremistischen Szene etabliert. Busse agitiert im NIT-Bayern nach wie vor massiv gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung und ruft regelm\u00e4\u00dfig zur Teilnahme an Veranstaltungen des rechtsextremistischen Spektrums auf. In einem Beitrag zum Jahrestag des 9. November 1939 kritisierte er den \"feigen Bombenanschlag\" auf Adolf Hitler. Die gr\u00f6\u00dfere Attraktivit\u00e4t und Breitenwirksamkeit des Internet trug Mailboxen letztlich dazu bei, dass die Mailboxen ihre einstige Bedeutung als Kommunikationsmedium verloren. Die Mailbox-Systeme Thule-Netz und Nordland-Netz stellten im Sommer 1999 ihre Aktivit\u00e4ten ein. 3.4 Aktivit\u00e4ten zum 12. Todestag von Rudolf He\u00df Anl\u00e4sslich des zw\u00f6lften Todestages von Rudolf He\u00df initiierte das neonazistische Spektrum in der Zeit vom 9. bis 22. August \"Rudolf-He\u00df-Aktionswochen\". Anders als in fr\u00fcheren Jahren bildete sich kein zentrales Organisationskomitee; auch l\u00e4nder\u00fcbergreifende Absprachen zwischen f\u00fchrenden Neonazis kamen nicht zustande. Insgesamt blieb die Beteiligung an den Aktionswochen relativ Erneutes schwach. Mit dem Ausbleiben effektvoller Versammlungen scheiterte Fehlschlagen auch die diesj\u00e4hrige Strategie der Initiatoren, mit dezentraler Organisation Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu unterlaufen. Vereinzelte Demonstrationen au\u00dferhalb Bayerns, an denen sich jeweils bis zu 50 Personen beteiligten, wurden meist schon im Ansatz unterbunden. So verhinderte die Polizei am 17. August, dem Todestag von He\u00df, Aufm\u00e4rsche in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Th\u00fcringen und Schleswig-Holstein. Bereits am 14. August hatten sich vor der deutschen Botschaft in Bern/Schweiz rund 150 Neonazis, darunter auch deutsche Staatsangeh\u00f6rige, zu einer He\u00df-Kundgebung versammelt. Eine \u00e4hnliche Veranstaltung am 21. August in Prag wurde von der Polizei aufgel\u00f6st. Gemessen an den Zielen sind die Aktionswochen daher auch dieses Jahr fehlgeschlagen.","Rechtsextremismus 59 In Bayern kam es lediglich zu kleinen Einzelaktionen. Im Landkreis Aschaffenburg wurden Plakate mit dem Aufdruck \"Unserem toten Helden Rudolf He\u00df zum ewigen Ged\u00e4chtnis\" geklebt. An einem Br\u00fcckengel\u00e4nder bei Roding, Landkreis Cham, wurde ein Transparent mit der Aufschrift \"Rudolf He\u00df - Das war Mord!\" angebracht. In Neustadt b. Coburg wurden He\u00df-Aufkleber festgestellt. Auf dem Friedhof von Wunsiedel legten vier schwarzgekleidete M\u00e4nner ein Blumenbukett zum Gedenken an He\u00df nieder. 3.5 Strafverfahren Am 14. Oktober verh\u00e4ngte das Landgericht Ingolstadt gegen einen Neonazi aus dem Raum Ingolstadt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren Haftstrafe f\u00fcr und acht Monaten wegen Versto\u00dfes gegen das Waffenund das Neonazi wegen Kriegswaffenkontrollgesetz. Ein Mitt\u00e4ter aus Rheinland-Pfalz wurde Waffenbesitzes unter Einbeziehung von Vorstrafen zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt. Gegen einen weiteren Beteiligten verh\u00e4ngte das Amtsgericht Neuburg a.d. Donau am 19. Oktober eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten mit Bew\u00e4hrung. Bei einer umfangreichen Exekutivma\u00dfnahme hatte die Polizei am 24. Juni 1998 Schusswaffen, Handgranaten und Munition sichergestellt. Der urspr\u00fcngliche Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung best\u00e4tigte sich indes nicht (vgl. auch Verfassungsschutzbericht Bayern 1998, Seite 51 f.) Das Amtsgericht Grevesm\u00fchlen/Mecklenburg-Vorpommern verurteilte am 2. Dezember den bekannten Neonazi Manfred Roeder zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen Volksverhetzung. Roeder hatte am 22. August 1998 auf einer Wahlkampfveranstaltung der NPD den V\u00f6lkermord an den Juden geleugnet. 3.6 Skinheads Die Skinhead-Bewegung entstand in Gro\u00dfbritannien und trat erstmals Ende der 70er Jahre auch im Bundesgebiet in Erscheinung. Sie war urspr\u00fcnglich eine jugendliche Subkultur, die durch ihr Auftreten eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft signalisierte. \u00c4u\u00dferlichkeiten wie Kleidung oder Haarschnitt lassen heute keine eindeutigen Schl\u00fcsse auf eine Zuordnung zur Skinhead-Szene mehr zu, da mittlerweile auch viele unpolitische Jugendliche ein entspre-","60 Rechtsextremismus chendes Aussehen zeigen. Entscheidend f\u00fcr die Einbindung in die Skinhead-Szene ist daher in erster Linie das Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl. Weltanschauung Skinheads sind h\u00e4ufig zu keiner rational bestimmten politischen Meiund Politikvernungsbildung f\u00e4hig und deshalb an einer fundierten politischen Ausst\u00e4ndnis einandersetzung kaum interessiert. In ihren Kreisen hat sich eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische Weltanschauung herausgebildet. Sie ist vielfach von rassistisch motivierter Fremdenfeindlichkeit sowie \u00fcbersteigertem Nationalbewusstsein gepr\u00e4gt und kn\u00fcpft insofern an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus an. Diese Einstellung spiegelt sich in meist spontanen, zum Teil gewaltsamen Aktionen wider, wobei h\u00e4ufig Alkohol eine Rolle spielt. M\u00f6gliche Jugendliche suchen bei Skinheads eine Art von Geborgenheit in Form Einstiegsmotive von Kameradschaft, Zusammenhalt, Selbstwertgef\u00fchl, Identit\u00e4t und f\u00fcr Jugendliche St\u00e4rke. Die rechtsextremistische Skinhead-Szene erf\u00e4hrt seit Jahren verst\u00e4rkt Zulauf durch Jugendliche, die sich f\u00fcr Skinhead-Musik als Stilrichtung der Rockmusik interessieren. Dieser Bereich ist somit auch f\u00fcr unpolitische Jugendliche attraktiv. Daneben finden Jugendliche Spa\u00df an dem in dieser Szene \u00fcblichen exzessiven Lebensgenuss einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums unter dem Motto \"Fun & Froide\". Die Grenzen zur rechtsextremistischen Skinhead-Szene sind vielfach flie\u00dfend. Die Skinhead-Szene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur vollen sozialen Integration oder der Wahrnehmung von F\u00fchrungsfunktionen. Gruppen in In Bayern sind rund 650 Skinheads mit rechtsextremistischem HinterBayern grund bekannt. Im Jahr 1999 entstanden im Raum Alt\u00f6tting, Freising und Zwiesel neue Szenen, in denen rechtsextremistisches Gedankengut artikuliert wird. Andererseits l\u00f6sten sich in den R\u00e4umen Erlangen, Regensburg, Schweinfurt, Neumarkt, Beilngries und Neu-Ulm Gruppen teilweise oder ganz auf. Von den Anh\u00e4ngern des 1996 verbotenen Vereins \"Skinheads Allg\u00e4u\" sind nur noch wenige auf \u00f6rtlicher Bestandskr\u00e4ftiges Ebene aktiv. Das Vereinsverbot wurde am 4. August durch den BayeVereinsverbot rischen Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigt. Das Gericht stellte fest, der Verein habe sich gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung und den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gerichtet sowie nationalsozialisti-","Rechtsextremismus 61 Rechtsextremistische Skinhead-Szenen in Bayern 1999 Coburg Raum Oberfranken Aschaffenburg ca. 80 Bayreuth W\u00fcrzburg Raum Unterfranken ca. 50 N\u00fcrnberg Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg/Erlangen ca. 140 Regensburg Angeh\u00f6rige der Gro\u00dfraum Skinhead-Szenen Ingolstadt ca. 60 Ingolstadt Passau Landshut Raum Passau/ Vilshofen Neu-Ulm Augsburg ca. 40 Gro\u00dfraum M\u00fcnchen M\u00fcnchen ca. 200 Gro\u00dfraum Raum Rosenheim/ Rosenheim Freilassing Allg\u00e4u ca. 40 ca. 50 sches und antisemitisches Gedankengut verbreitet. Endg\u00fcltig aufgel\u00f6st hat sich die Gruppe Skinheads Schwaben, einzelne Anh\u00e4nger sind allerdings noch in Memmingen, Kempten und Neu-Ulm aktiv. Die R\u00e4ume M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Passau waren Schwerpunkte der von Skinheads begangenen Gewalttaten. Eine besonders gewaltgeneigte Teilszene in M\u00fcnchen zerfiel nach der Festnahme von f\u00fcnf f\u00fchrenden Mitgliedern. Skinheads dienen rechtsextremistischen Organisationen vor allem als Mobilisierungspotenzial f\u00fcr \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktionen. Wenn","62 Rechtsextremismus Skinheads an Demonstrationen rechtsextremistischer Parteien teilnehmen, werden sie weniger durch eindeutig politische Motive geleitet, sondern finden sich in der Hoffnung auf emotionale Gemeinschaftserlebnisse und Randale zusammen. Grunds\u00e4tzlich herrscht in der Szene eine Abneigung gegen organisatorische Bindungen. AllerKontakte zu NPD dings werden Aktionen der NPD und JN von Skinheads mitunter masund JN siv unterst\u00fctzt; fr\u00fchere Vorbehalte der Skinheads gegen\u00fcber diesen Organisationen haben stark abgenommen. In Eggenfelden beteiligten sich Skinheads an einer Veranstaltung der NPD. Enge Kontakte bestanden in Ingolstadt und Rosenheim zwischen den dortigen Skinhead-Szenen und den JN. Versuche von Neonazis, Skinheads f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige ernsthafte politische T\u00e4tigkeit zu gewinnen, waren bislang wenig erfolgreich, da Skinheads einer intensiven ideologischen Schulung kaum zug\u00e4nglich sind. F\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Versuche von Skinheads, auf Hooligans Einfluss zu nehmen, gibt es derzeit keine Anhaltspunkte; allerdings bestehen einzelne Kontakte zwischen den jeweiligen Szeneangeh\u00f6rigen. Einflu\u00df der Rechtsextremistische Skinhead-Bands verbreiten in ihren Liedtexten Skinhead-Bands neonazistische Ideologiefragmente und rufen zum Hass gegen Skinhead-Feindbilder wie Ausl\u00e4nder, \"Linke\" und Juden auf. In Bayern treten derzeit zehn derartige Musikgruppen auf. Skinhead-Musik wird daneben auch von sieben rechtsextremistischen Tontr\u00e4gervertrieben angeboten. F\u00fchrend ist dabei die der NPD angegliederte Deutsche Stimme Verlags GmbH. Nach der Betriebsaufgabe eines Szenelokals in Oberfranken im Juli 1998 ist die Zahl der Skinhead-Konzerte in Bayern gegen\u00fcber dem Vorjahr von 21 auf zw\u00f6lf zur\u00fcckgegangen. Die Sicherheitsbeh\u00f6rden treffen bei solchen Konzerten nach wie vor die erforderlichen Ma\u00dfnahmen, um Straftaten zu verhindern. Im Berichtszeitraum waren insbesondere folgende Veranstaltungen erw\u00e4hnenswert: Skinhead-KonAn einem Skinhead-Konzert am 29. Mai in Berching, Landkreis Neuzerte in Bayern markt i.d. OPf., beteiligten sich rund 500 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Die \u00fcber Telefonketten mobilisierten Teilnehmer wurden mit Handys konspirativ zum Veranstaltungsort dirigiert. Aus Bayern trat die Gruppe \"Sturmtrupp\" aus Neuburg a.d. Donau auf. Zu den Mitwirkenden geh\u00f6rten ferner die rechtsextremistischen Bands \"Ultima Ratio\" aus Stuttgart sowie \"Mistreat\" aus Finnland und \"Gesta Bellica\" aus Italien. Bei Kontrol-","Rechtsextremismus 63 len stellte die Polizei neonazistische Schriften und zahlreiche Skinhead-Publikationen mit fremdenfeindlichem Inhalt sicher. Rund 110 Skinheads aus Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg trafen sich am 25. Juni zu einer Feier in einem Lokal in Bruckm\u00fchl, Landkreis Rosenheim. An der Veranstaltung beteiligten sich auch \u00f6rtliche NPDund JN-Funktion\u00e4re. Bei Vorkontrollen konnten 90 mit Hakenkreuzen versehene CDs und ein Baseballschl\u00e4ger sichergestellt werden. Zu einem Skinhead-Konzert am 26. Juni auf einem Sportplatz in Gro\u00dfheirath, Landkreis Coburg, erschienen rund 250 Besucher. Neben der deutschen rechtsextremistischen Band \"Stahlgewitter\" traten die britischen Skinhead-Bands \"Blackshirts\", \"Razor's Edge\" und \"No Remorse\" auf. Unter den Anwesenden befanden sich auch Anh\u00e4nger der militanten britischen Neonazi-Gruppe \"Combat 18\". Am 27. November fand in Friedenfels, Landkreis Tirschenreuth, ein als Geburtstagsfeier getarntes Skinhead-Konzert mit rund 300 Teilnehmern statt. Die Polizei l\u00f6ste die konspirativ vorbereitete Veranstaltung auf und nahm 267 Personen vor\u00fcbergehend fest. Au\u00dferdem stellten die Beamten einen Schlagring, ein Springmesser, Reizgas und rechtsextremistisches Propagandamaterial sicher. Neben der Skinhead-Musik sind die \"Fanzines\" (Skinhead-Magazine) \"Fanzines\" ein wichtiges Kommunikationsmittel der Szene. Diese Magazine berichten \u00fcber Skinhead-Bands, Skinhead-Konzerte und Szene-Neuigkeiten. Die Publikation \"Frankens Widerstand\" aus Iphofen, Landkreis Kitzingen, enth\u00e4lt daneben auch politische Beitr\u00e4ge zu neonazistischen Themen. 4. Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 4.1 Gewalttaten Bundesweit wurden 746 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation gegen\u00fcber 708 Gewalttaten des Vorjahrs festgestellt. In Bayern betrug die Gesamtzahl der Gewalttaten 56 (1998: 40); das sind rund 7,5 % der bundesweit Zunahme der registrierten Delikte. Bayern liegt damit, bezogen auf die EinwohnerGewalttaten zahl, im L\u00e4ndervergleich im unteren Bereich. Die erhebliche Zahl der Gewalttaten im Rechtsextremismus belegt weiterhin die hohe kriminelle Energie und extreme Gewaltbereitschaft insbesondere von Skinheads.","64 Rechtsextremismus Entwicklung 790 rechtsextremis800 746 tisch motivier708 ter Gewalttaten 700 600 500 400 300 200 100 39 40 56 0 1997 1998 1999 Deutschland Bayern Erstmals seit 1988 ver\u00fcbten Rechtsextremisten in Bayern wieder ein Fremdenfeindvollendetes T\u00f6tungsdelikt. Am 29. September verstarb ein 35-j\u00e4hriger liches T\u00f6tungsMosambikaner an den Folgen seiner schweren Verletzungen, die ihm delikt ein 31-j\u00e4hriger Deutscher am 15. August in Kolbermoor, Landkreis Rosenheim zugef\u00fcgt hatte. Der Farbige war zuf\u00e4llig Opfer dieser Gewalttat geworden. Der Hauptt\u00e4ter hatte am Abend des 15. August zusammen mit seiner Freundin und einem weiteren Begleiter ein Lokal besucht. Beim Verlassen des Lokals geriet er mit anderen Farbigen, die den PKW seiner Freundin zugeparkt hatten, in Streit und griff diese t\u00e4tlich an. Dabei \u00e4u\u00dferte er: \"Die Drecksneger geh\u00f6ren alle totgeschlagen\". Die Angegriffenen konnten fl\u00fcchten. Im Anschluss daran griff er den erst jetzt aus dem Lokal kommenden Mosambikaner mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten massiv an. Das Opfer erlitt schwerste Gehirnverletzungen, denen es schlie\u00dflich erlag. Auch bei der polizeilichen Vernehmung unterstrich der T\u00e4ter seine rechtsextremistische und fremdenfeindliche Einstellung. Massive Straftaten Auf die 56 Gewalttaten entfallen das vorgenannte T\u00f6tungsdelikt, ein Brandanschlag und zwei F\u00e4lle des Landfriedensbruchs. Von 36 im Vorjahr auf 52 Delikte zugenommen haben die K\u00f6rperverletzungen. Diese Entwicklung ist auch auf eine erhebliche Steigerung der Gewalttaten bei Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern zur\u00fcckzu-","Rechtsextremismus 65 f\u00fchren. 15 Delikte (Vorjahr : sechs) sind diesem Bereich zuzurechnen. Diese Zunahme ist offenbar die Reaktion auf die in Bayern seit Jahren andauernden massiven Angriffe von Linksextremisten auf Rechtsextremisten und deren Veranstaltungen. Die Auseinandersetzungen zwischen beiden verfeindeten Lagern drohen weiter zu eskalieren. So sind auf beiden Seiten wieder verst\u00e4rkt gezielte Aufrufe und Steckbriefe zu Angriffen auf die politischen Gegner bekannt geworden (vgl. auch Nummer 3.3 dieses Abschnitts und Nummer 3.1.6.1 des 4. Abschnitts). Diese Entwicklung ist besorgniserregend. Dar\u00fcber hinaus ist auch die Zahl der fremdenfeindlich motivierten Gewalttaten erneut angestiegen. Insgesamt sind diesem Deliktsbereich 31 Gewalttaten, darunter das T\u00f6tungsdelikt in Kolbermoor, 28 K\u00f6rperverletzungen, ein Brandanschlag und ein Landfriedensbruch (1998: insgesamt 23 Gewalttaten) zuzurechnen. Im Gegensatz zu den Gewalttaten hat die Zahl der sonstigen fremdenfeindlich motivierten Straftaten ohne Anwendung physischer Gewalt, wie Bedrohungen und N\u00f6tigungen sowie der Propagandadelikte deutlich von 198 im Jahr 1998 auf 167 und damit um etwa 15 % abgenommen. Die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten sind zu \u00fcber 90 % Hoher Anteil der \u00e4u\u00dferst gewaltbereiten Skinhead-Szene zuzurechnen. Dies zeigt von Skinheads die erschreckende kriminelle Energie und Brutalit\u00e4t dieses Personenkreises. Von 152 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen waren 119 zur Tatzeit j\u00fcnger als 21 Jahre. Der Anteil der erstmals in Erscheinung getretenen Gewaltt\u00e4ter liegt bei 58 % (89 Tatverd\u00e4chtige). Die Gewalttaten wurden ganz \u00fcberwiegend nicht von Einzelt\u00e4tern allein, sondern zusammen mit anderen Gruppenmitgliedern begangen. Dabei entstand der Tatentschluss vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol und Musik mit rechtsextremistischem Inhalt. R\u00e4umliche Schwerpunkte waren die Gro\u00dfstadtregionen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie der Gro\u00dfraum Passau. Das typische Ablaufmuster f\u00fcr rechtsextremistisch motivierte Gewalt ist gleich geblieben. Gewalt geht \u00fcberwiegend von Personen aus, die nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert sind. Eine \u00fcberregionale Steuerung durch rechtsextremistische Organisationen Keine rechtskonnte in keinem Fall festgestellt werden. Rechtsterroristische Strukterroristischen turen in Art einer \"Braunen Armee Fraktion\" sind in Deutschland Strukturen in nicht bekannt geworden. Konkrete Erkenntnisse \u00fcber Planungen von Deutschland Terroranschl\u00e4gen liegen nicht vor. Auch eine Strategiedebatte \u00fcber eine gewaltsame Beseitigung des politischen und gesellschaftlichen","66 Rechtsextremismus System in Deutschland findet im rechtsextremistischen Lager derzeit Exekutivnicht statt. Durch intensive Beobachtung und rechtzeitige Exekutivma\u00dfnahmen ma\u00dfnahmen konnten rechtsextremistische Gruppen, die Waffen oder Sprengstoff zur Durchf\u00fchrung von Gewalttaten vorr\u00e4tig hielten oder beschafften oder durch Aussp\u00e4hungen derartige Taten gezielt vorbereiteten, bereits in der Entstehungsphase zerschlagen werden. So durchsuchte die Polizei am 20. und 26. Oktober wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung in den L\u00e4ndern Berlin, Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt zehn Wohnungen von Angeh\u00f6rigen der neonazistischen Szene. Ihnen wird in unterschiedlicher Tatbeteiligung vorgeworfen, zur Vorbereitung von Straftaten politische Gegner und Bedienstete von Strafverfolgungsbeh\u00f6rden gezielt ausgesp\u00e4ht und die Daten aufbereitet zu haben. Bei den Durchsuchungen wurde umfangreiches Beweismaterial sichergestellt, darunter auch eine Anleitung zum Bau von Splitterbomben. Bei einer weiteren Exekutivma\u00dfnahme gegen vier Neonazis am 30. November im Raum G\u00f6ttingen wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung konnte die Polizei Chemikalien, Anleitungen und Vorrichtungen zum Bau von Sprengvorrichtungen sicherstellen. In beiden F\u00e4llen sind bisher keine Verbindungen zu Bayern bekannt. Beispiele der 1999 ver\u00fcbten Gewalttaten: Gewalttaten In Erlangen bel\u00e4stigten und beleidigten am 23. Januar drei Skinin Bayern heads, darunter ein Bosnier, in einer Gastst\u00e4tte drei M\u00e4dchen, darunter eine Farbige, und schlugen anschlie\u00dfend auf sie ein. Bei der t\u00e4tlichen Auseinandersetzung erlitt auch ein Angestellter der Gastst\u00e4tte Verletzungen. Bei der Festnahme leisteten die angetrunkenen T\u00e4ter Widerstand, wodurch ein Polizeibeamter ebenfalls verletzt wurde. Am 25. Januar griffen in M\u00fcnchen im Westpark sieben unbekannte T\u00e4ter in Skinhead-Outfit zwei Sch\u00fclerinnen ausl\u00e4ndischer Herkunft an. Die M\u00e4dchen wurden mit ausl\u00e4nderfeindlichen Parolen beschimpft, geschlagen und mit Stiefeln getreten. Am 26. Februar versuchten unbekannte T\u00e4ter, mittels Papier den Fu\u00dfabstreifer vor der Wohnung einer T\u00fcrkin in M\u00fcnchen anzuz\u00fcnden. Auch in den Briefkasten warfen sie brennendes Papier. Au\u00dferdem brachten sie am Briefkasten die Parole \"T\u00fcrken raus\" an. Es entstand leichter Sachschaden. In N\u00fcrnberg griffen am 26. Februar zwei stark angetrunkene Skinheads hinterr\u00fccks einen Mann an, der dem \u00e4u\u00dferen Anschein","Rechtsextremismus 67 nach aus Nordafrika stammte. Sie schlugen ihn unvermittelt mit F\u00e4usten, rissen ihn zu Boden und traten mit F\u00fc\u00dfen auf den am Boden Liegenden ein. Der Gesch\u00e4digte entfernte sich vor dem Eintreffen der Polizei. In M\u00fcnchen beleidigten am 28. Februar drei alkoholisierte Skinheads einen T\u00fcrken mit fremdenfeindlichen Parolen. Einer von ihnen versetzte dem T\u00fcrken ohne Vorwarnung einen Faustschlag ins Gesicht. Als das Opfer sch\u00fctzend seine Arme vor das Gesicht nahm und sich nach vorne beugte, schlugen zwei der T\u00e4ter auf den Gesch\u00e4digten ein. Die Angreifer konnten noch in der N\u00e4he des Tatorts festgenommen werden. In einer Coburger Gastst\u00e4tte bespuckte und beleidigte am 12. M\u00e4rz ein Deutscher einen Gespr\u00e4chspartner, der sich w\u00e4hrend einer politisch kontroversen Diskussion als DKP-Bef\u00fcrworter zu erkennen gegeben hatte. Der T\u00e4ter soll ferner bei der Diskussion den nationalsozialistischen Massenmord an Juden w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs geleugnet und auf dem Nachhauseweg seinen Kontrahenten so zu Boden gesto\u00dfen haben, dass sich dieser einen Oberarmbruch zuzog. Am 17. M\u00e4rz verfolgten in Regensburg zwei Skinheads mit ihrem Fahrzeug einen PKW, in den ein Schwarzafrikaner zugestiegen war. Bei verkehrsbedingten Stopps bedrohten die T\u00e4ter die Insassen des PKW mit einer Schreckschusswaffe und deuteten die Abgabe von Sch\u00fcssen an. Bei einem weiteren Halt stieg einer der T\u00e4ter aus, bedrohte die Opfer mit einem Messer und beschimpfte den Fahrer als \"Niggerfreund\". Die T\u00e4ter konnten festgenommen werden. In einer M\u00fcnchner Gastst\u00e4tte, die als Treffpunkt des linksextremistischen Spektrums bekannt ist, p\u00f6belten am 9. April zwei Skinheads die G\u00e4ste an und riefen \"Heil Hitler\". Ein Skinhead bedrohte mehrere G\u00e4ste mit einem Werkzeug und versetzte einem weiblichen Gast einen Faustschlag ins Gesicht. Auch bei ihrer Festnahme skandierten die Skinheads \"Sieg Heil\" und \"Hitler ist unser F\u00fchrer\". Am 30. April wurden in Passau drei irakische Asylbewerber von vier zum Teil alkoholisierten Skinheads mit Parolen wie \"Kanaken\", \"Schei\u00df Ausl\u00e4nder\" und \"Sieg Heil\" beleidigt und anschlie\u00dfend mit Fu\u00dftritten und Steinw\u00fcrfen traktiert. Des weiteren raubten die Skinheads ein Handy und einen Rucksack. Am 1. Mai zogen in Ingolstadt zw\u00f6lf Skinheads aus Ver\u00e4rgerung \u00fcber das Verbot einer NPD-Kundgebung in Bremen, an der sie teilnehmen","68 Rechtsextremismus wollten, durch die Innenstadt. Dabei riefen sie Parolen wie \"Hier marschiert der nationale Widerstand\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" und zeigten den Hitlerund den K\u00fchnengru\u00df. In der N\u00e4he des Rathausplatzes kam es zu gegenseitigen verbalen Provokationen und schlie\u00dflich zu k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen mit einer Gruppe von Russlanddeutschen. Ein \u00dcbersiedler aus Kasachstan erlitt dabei eine Platzwunde am Kopf und Prellungen am K\u00f6rper. Am 11. Mai sangen in M\u00fcnchen zwei Skinheads in der S-Bahn \"rechtes Liedgut\". Beim Verlassen der S-Bahn rief ein Student den Skinheads \"Nazis raus\" zu. Daraufhin stiegen die beiden Skinheads ebenfalls aus und schlugen und traten gemeinsam auf den Studenten ein. Dieser erlitt Verletzungen im Gesicht und am linken Oberschenkel. Am 19. Juni beschimpften in Kempten Skinheads drei ausl\u00e4ndische Jugendliche mit \"Kanaken\" und \"Juden\". Daraus entwickelte sich eine Schl\u00e4gerei. Ein Skinhead und zwei ausl\u00e4ndische Jugendliche wurden verletzt. Am 2. Juli schlug bei einem Schulabschlussfest in Aresing, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, ein Skinhead einem dunkelh\u00e4utigen Deutschen eine Bierflasche auf den Kopf. Der Angegriffene wurde erheblich verletzt. Am 6. Juli ging in H\u00f6chstadt a.d. Aisch, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, ein Skinhead pl\u00f6tzlich auf einen dunkelh\u00e4utigen Sch\u00fcler und seinen Begleiter los, schlug die beiden mit den K\u00f6pfen zusammen und trat mit seinen Springerstiefeln nach ihnen. Als die Angegriffenen wegrannten, verfolgte er sie, schlug erneut auf beide ein und trat anschlie\u00dfend auf den am Boden liegenden Sch\u00fcler mit Stiefeln ein. Am 25. Juli griffen etwa zehn Skinheads in Vilshofen, Landkreis Passau, eine Sch\u00fclerin, die mit einem Mofa unterwegs war, t\u00e4tlich an. Die Skinheads hielten die Jugendliche, die dem Anschein nach als Punk zu erkennen war, auf, nahmen ihr den Z\u00fcndschl\u00fcssel weg, schlugen mit F\u00e4usten auf ihren Sturzhelm ein und traten sie mit F\u00fc\u00dfen. Mit einem Messer schnitten die Skinheads die roten Schuhb\u00e4nder der Stiefel des M\u00e4dchens und das T-Shirt mit der Aufschrift \"Gegen Nazi\" auf, rissen ihr das Hemd vom K\u00f6rper und verbrannten das Kleidungsst\u00fcck. Am 16. August hetzten zwei Skinheads in M\u00fcnchen grundlos ihre Hunde (Rottweiler) auf zwei Punks. Die Punks erlitten Bisswunden.","Rechtsextremismus 69 Am 18. September griff in M\u00fcnchen eine Gruppe von acht Skinheads einen farbigen Deutschen an. Dabei zeigten sie mehrmals den Hitlergru\u00df und riefen \"Sieg Heil\". Sie beschimpften den Angegriffenen als \"Neger\" und \"Negerschwein\", rissen ihn zu Boden und traten ihn in den Kopfund Brustbereich. Auch zwei Passanten, die dem Opfer helfen wollten, wurden angegriffen und von den Skinheads verletzt. Am 6. November lauerten in Vilshofen, Landkreis Passau, zehn Skinheads, die zuvor an einer Versammlung der NPD in Rosenheim teilgenommen hatten, am Bahnhof zur\u00fcckkehrenden Gegendemonstranten zu dieser Veranstaltung auf. Dabei griffen sie drei von ihnen erkannte Personen t\u00e4tlich an und verletzten sie erheblich. Am 4. Dezember p\u00f6belten in N\u00fcrnberg zwei angetrunkene Skinheads zwei Iraker an. Die Skinheads beschimpften die Opfer zun\u00e4chst mit ausl\u00e4nderfeindlichen Parolen. Anschlie\u00dfend schlugen und traten sie auf die beiden Iraker ein. 4.2 Sonstige Straftaten Die Gesamtzahl der in Bayern bekannt gewordenen sonstigen neonazistischen, antisemitischen und rassistischen Straftaten betr\u00e4gt 970. Sie ist gegen\u00fcber 1998 mit 1.009 derartigen Delikten leicht zur\u00fcckgegangen. Dabei handelte es sich wie im Vorjahr vielfach um Sachbesch\u00e4digung, N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung und insNS-Kennzeichen besondere das Verbreiten von Propagandamitteln bzw. Verwenden und Volksvervon Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. So wurden hetzung Hakenkreuzaufkleber mit Aufschriften wie \"Judentyrannei brechen\" und Flugbl\u00e4tter einer Aktion \"Keine L\u00fcgen mehr \u00fcber Auschwitz\" festgestellt, Parolen wie \"Sieg Heil\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" gerufen und antisemitische Pamphlete verbreitet. Anonyme Schmierschriften wie \"Heil Hitler\", \"Deutschland den Deutschen\", \"Wir werden ewig leben - NSDAP\" und \"T\u00fcrken, Araber und Griechen - ich kann den Abschaum nicht mehr riechen\" wurden vielfach in Verbindung mit Hakenkreuzen und SS-Runen angebracht. Beispiele f\u00fcr die im Berichtszeitraum ver\u00fcbten Straftaten sind folgende Vorf\u00e4lle: Am 24. Januar wurde der israelitische Friedhof in Gerolzhofen, Landkreis Schweinfurt, mit Hakenkreuzen, SS-Runen und der Parole \"Sieg Heil\" bespr\u00fcht.","70 Rechtsextremismus Unbekannte T\u00e4ter brachten in der Nacht zum 18. Mai bei Bruckm\u00fchl im Landkreis Rosenheim an einer Staatsstra\u00dfe, auf der zwei Tage zuvor f\u00fcnf T\u00fcrken t\u00f6dlich verungl\u00fcckt waren, ein Schild mit folgenden Aufschriften an: \"Wir danken Hakki !\" (Lenker des Unfallwagens) ... Die Moral der Geschicht - Tote T\u00fcrken st\u00f6ren nicht!\" F\u00fcnf Monate sp\u00e4ter wurde ein an der Unfallstelle errichteter Gedenkstein besch\u00e4digt; dabei wurden die darauf angebrachten Bilder der Verstorbenen und die t\u00fcrkische Fahne zerst\u00f6rt. Unbekannte T\u00e4ter ritzten am 25. Juni in die T\u00fcr der Synagoge in Ermreuth, Landkreis Forchheim, ein Hakenkreuz und zwei SS-Runen. An einen Baum vor dem Anwesen wurden weitere Hakenkreuze geschmiert. Eine von einem ausl\u00e4ndischen Provider in englischer Sprache ins Internet eingestellte Homepage zielte speziell auf minderj\u00e4hrige Nutzer. Das Angebot enthielt das im Dritten Reich als Lehrmittel verwendete antisemitische Buch \"Der Giftpilz\", das im St\u00fcrmer-Verlag des Julius Streicher erschienen war. Unbekannte T\u00e4ter zerst\u00f6rten in der Nacht zum 14. November am Mahnmal f\u00fcr die Opfer des Nationalsozialismus in Passau einen Kranz, den der Oberb\u00fcrgermeister bei einer Gedenkveranstaltung zum 61. Jahrestag des nationalsozialistischen Judenpogroms niedergelegt hatte. In der Nacht zum 26. Dezember warfen unbekannte T\u00e4ter den Gedenkstein f\u00fcr eine ehemalige Synagoge in Bad K\u00f6nigshofen i. Grabfeld um, dabei zerbrach der Stein in mehrere Teile. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 3.000 DM. 5. Revisionismus 5.1 Ziele Versuch einer Der Revisionismus, der die Geschichtsschreibung \u00fcber die Zeit des Rehabilitierung Dritten Reichs \u00e4ndern will, ist zu einem Bindeglied zwischen den des Nationalunterschiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. sozialismus Seinen Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die mittelbare Rechtfertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen","Rechtsextremismus 71 Gewaltherrschaft durch einseitige, relativierende oder verharmlosende Darstellung des NS-Regimes. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation stehen die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust) sowie die Behauptung, Deutschland trage keine Schuld am Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Auf diese Weise soll das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propagandistisch unterminiert werden, um die Deutschen von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomplex\" zu befreien. Revisionisten machen sich zunutze, dass das Wissen \u00fcber den Nationalsozialismus vor allem bei Jugendlichen oft nur bruchst\u00fcckhaft vorhanden ist. 5.2 Entwicklung und Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Revisionismus war von Anfang an eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Anzahl von B\u00fcchern, die den historischen Nachweis f\u00fchren wollten, dass es entgegen der Feststellung seri\u00f6ser Forscher und Zeitzeugen keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Hervorzuheben ist hierbei das 1989 ver\u00f6ffentlichte \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach \"Leuchter-Bericht\" es in Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Dieselbe Behauptung stellte der Diplomchemiker Germar Scheerer geb. Rudolf, ein ehemaliges REP-Mitglied, \"Rudolfin seinem 1994 verbreiteten \"Gutachten \u00fcber die Bildung und NachGutachten\" weisbarkeit von Zyanidverbindungen in den 'Gaskammern' von Auschwitz\" auf. Die international aktivsten Revisionisten weichen zunehmend in L\u00e4nder aus, in denen Strafbestimmungen gegen das Verbreiten und die Ver\u00f6ffentlichung revisionistischen Gedankenguts fehlen. So setzte sich der deutsche Revisionist Germar Scheerer im Fr\u00fchjahr 1996 nach einer Verurteilung u.a. wegen Volksverhetzung ins Ausland ab, wo er seine revisionistische Agitation fortsetzte. Derzeit h\u00e4lt er sich in Gro\u00dfbritannien auf. Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der internatioDavid Irving nal agierende britische Schriftsteller David Irving, der 1993 aus Deutschland ausgewiesen wurde. Gegen ihn besteht seither ein Einreiseverbot.","72 Rechtsextremismus Ein weiterer Protagonist des Revisionismus ist der deutsche StaatsanErnst Z\u00fcndel geh\u00f6rige Ernst C. F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcbersiedelte. In Toronto besitzt Z\u00fcndel den Verlag Samisdat Publishers Ltd. Er unterh\u00e4lt internationale Kontakte und verfasst und verschickt zahlreiche Publikationen, darunter in erster Linie den \"Germania\"Rundbrief, der neonazistische und antisemitische Thesen enth\u00e4lt und auch \u00fcber Internet abrufbar ist. Im Internet erscheint ferner seit mehreren Jahren der Beitrag \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\", der - so Z\u00fcndel - monatlich von mehr als 10.000 Interessenten eingesehen wird und z.B. die Ausarbeitung \"Holocaust 101 - Einf\u00fchrung in den Holocaust-Revisionismus\" enth\u00e4lt. Institute for Das 1979 unter rechtsextremistischer Beteiligung gegr\u00fcndete InstiHistorical Review tute for Historical Review (IHR) mit Sitz in Kalifornien/USA pflegt Ver(IHR) bindungen - auch \u00fcber das Internet - zu Rechtsextremisten in allen Kontinenten. Mit seiner Zeitschrift \"Journal of Historical Review\" und vor allem mit seinen j\u00e4hrlichen Kongressen bietet es eine Plattform, um gegen die Ergebnisse der zeitgeschichtlichen Forschung zu polemisieren. Das monatlich im Verlag des britischen Rechtsextremisten Antony National Journal Hancock in Uckfield erscheinende \"National Journal\", das ebenfalls mit einer Homepage im Internet vertreten ist, betreibt massive Hetze gegen Ausl\u00e4nder und Juden und leugnet oder bagatellisiert den Holocaust. Der Herausgeberkreis f\u00fchrt die Bezeichnung \"Die Freunde im Ausland\" (DFiA). Vrij Historisch Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete, in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige Onderzoek Organisation Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) hat sich inzwischen (V.H.O.) zu einer bedeutenden Vertreiberin revisionistischen Propagandamaterials entwickelt. Sie verf\u00fcgt \u00fcber weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen, in Deutschland teilweise beschlagnahmten oder indizierten revisionistischen Ver\u00f6ffentlichungen an. Seit Anfang 1997 gibt die V.H.O. die revisionistische Zeitschrift \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG) heraus. Autoren sind u.a. David Irving, Robert Faurisson und Germar Scheerer; letzterer fungiert seit September 1999 auch als Herausgeber. Die Schrift rechtfertigt die Politik des Dritten Reichs und leugnet den V\u00f6lkermord an den europ\u00e4ischen Juden. Ferner polemisiert sie gegen die angeblich ungerechtfertigte Verfolgung der Revisionisten. Das Amtsgericht Starnberg ordnete am 30. M\u00e4rz die Einziehung der von der V.H.O. herausgegebenen Schrift \"Antwort auf die Gold-","Rechtsextremismus 73 hagenund Spielbergl\u00fcgen\" an. Die Schrift leugnet unter Berufung auf den \"Leuchter-Bericht\" den nationalsozialistischen Massenmord an Juden. Sie wurde - wie die nahezu identische Brosch\u00fcre \"Eine deutsche Antwort auf die Goldhagenund Spielbergl\u00fcgen\" - im Vorjahr massenhaft versandt. Als Ersatz beider Druckwerke ist das ins Internet eingestellte, auch in Bayern verbreitete Flugblatt \"33 Fragen und Antworten zum Holocaust\" vorgesehen, in dem die wichtigsten revisionistischen Thesen zusammengefasst sind. 6. Einfluss des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 6.1 Kontakte zur franz\u00f6sischen Front National (FN) Die Kontakte von Rechtsextremisten aus den Reihen der REP, der DVU Schwindende und anderer Organisationen zur FN sind zur\u00fcckgegangen. Die FN Kontakte k\u00e4mpft nach ihrer Spaltung im Sommer mit eigenen Problemen. Ihr Vorsitzender Jean-Marie Le Pen wurde Anfang Juni vom Amtsgericht M\u00fcnchen wegen Volksverhetzung rechtskr\u00e4ftig zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er Ende 1997 auf einer Pressekonferenz mit dem fr\u00fcheren REP-Vorsitzenden Sch\u00f6nhuber in M\u00fcnchen die Gaskammern des NS-Regimes als \"Detail\" der Geschichte bezeichnet hatte. 6.2 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Der amerikanische Neonazi und Propagandaleiter der NSDAP-AO, Laucks Gary Rex Lauck, wurde am 23. M\u00e4rz nach vollst\u00e4ndiger Verb\u00fc\u00dfung Haftentlassung einer vierj\u00e4hrigen Freiheitsstrafe aus der Haft entlassen und in die USA abgeschoben. Laucks Entlassung wurde von der rechtsextremistischen Szene kaum beachtet. Dies zeigt, dass Lauck in Deutschland nur \u00fcber eine geringe Anh\u00e4ngerschaft verf\u00fcgt und die Bedeutung seiner Organisation weitgehend auf den Versand neonazistischer Propagandamittel beschr\u00e4nkt ist. Noch Anfang M\u00e4rz hatte das NSDAP-AO-Sprachrohr \"NS Kampfruf\" in einem Beitrag \"Endspurt f\u00fcr Gerhard Lauck!\" einen Vergleich zwischen dem amerikanischen Rechtsempfinden und dem angeblich inquisitorischen und alttestamentarischen Hassund Rachejustizsystem der \"Judenrepublik\" Deutschland gezogen und angek\u00fcndigt, der deutsche Strafvollzug werde Lauck nicht von seinem rastlosen Tun und seiner","74 Rechtsextremismus Fixierung auf Hitler abbringen. Siegen bedeute, das Bonner und Wiener \"Judensystem\" gnadenlos zu vernichten und die verlogenen mosaischen Demokratien endg\u00fcltig zu zerschlagen. Gestaltung und Inhalt der seit Juli neu erschienenen Ausgaben des \"NS Kampfruf\" lassen erkennen, dass Lauck bei der Herausgabe wieder die Federf\u00fchrung \u00fcbernommen hat. Durch die Wiedereinf\u00fchrung eines zweimonatigen Herausgabezyklus versucht er, die fr\u00fchere Kontinuit\u00e4t von neuem herzustellen. Ferner k\u00fcndigte er an, er wolle die Machenschaften seiner \"Entf\u00fchrer\" und deren Helfer im Inund Ausland entlarven und den \"Politgangstern in Bonn und Washington\" bedeutenden Schaden zuf\u00fcgen. Dazu plane er ein medienwirksames Verfahren mit politischen Aktionen. Eine Verbreitung des \"NS Kampfruf\" unter bayerischen Rechtsextremisten war nicht feststellbar.","Rechtsextremismus 75 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1999 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Die Republikaner (REP) 4.200 14.000 Der Republikaner 26.11.1983, Berlin monatlich, 20.000 Nationaldemokratische Partei 950 6.000 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 10.000 28.11.1964, Stuttgart Deutsche Stimme EXTRA monatlich, 80.000 Junge Nationaldemokraten (JN) 75 400 Der Aktivist unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Nationaldemokratischer HochschulFunktion\u00e4rsgruppe bund (NHB) 1967, N\u00fcrnberg Deutsche Volksunion (DVU) 1.800 17.000 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. einschlie\u00dflich (siehe DVU) Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen 2. Neonazistische Organisationen Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 50 450 Nachrichten der HNG politische Gefangene und deren monatlich, 500 Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 02.07.1979, Frankfurt am Main Freiheitlicher Volks Block (FVB) 10 60 1994, Neu-Ulm Deutscher Bund (DB) 30 Burgpost 22.05.1993, Bodenkirchen monatlich NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation NS Kampfruf (NSDAP-AO) unregelm\u00e4\u00dfig, 500 1972, Lincoln/USA 3. Sonstige Organisationen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat 100 500 (Inoffizielles Organ: (DLVH) siehe Nation Europa Ver03.10.1991, Berlin lag GmbH)","76 Rechtsextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1999 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 450 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von Hutten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Die Artgemeinschaft - Germanische 120 Nordische Zeitung (NZ) Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer viertelj\u00e4hrlich Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) Schutzbund f\u00fcr das 200 Deutsche Volk e.V. (SDV) September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rsgruppe 1994, Berlin 4. Skinheads und sonstige militante Rechtsextremisten 650 9.000 5. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH National-Zeitung/Deutsche (DSZ-Verlag) Wochen-Zeitung (NZ), w\u00f6chentlich, 50.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 16.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 Denk mit!-Verlag Denk mit! N\u00fcrnberg unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Odal-Verlag Der Scheinwerfer Rodach monatlich, 600 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Berg zweimonatlich, 10.000 Castel del Monte Verlag Staatsbriefe M\u00fcnchen monatlich, 1.000","Linksextremismus 77 4. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern Ideologisches des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassiSpektrum schen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen und durch ein ihren ideologischen Vorstellungen entsprechendes kommunistisches und zum Teil anarchistisches System zu ersetzen. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. So erstreben Linksextremisten, auch wenn sie es h\u00e4ufig nicht offen Ziele der Linksaussprechen, extremisten - die \"sozialistische\" Revolution, - Klassenkampf und Klassenherrschaft, - die Diktatur des Proletariats. Diese Ziele versto\u00dfen vor allem gegen das Mehrheitsund das Freiheitsprinzip sowie gegen den Gleichheitsgrundsatz. Linksextremisten stellen sich in ihrer Propaganda als Vertreter einer hohen Moral, als K\u00e4mpfer gegen Unterdr\u00fcckung und Verfechter von Frieden und sozialer Gerechtigkeit dar. Ihre politische Praxis zeigt jedoch etwas anderes. Sie missachten demokratische Mehrheitsentscheidungen und das Gewaltmonopol des Staats. Sie setzen sich \u00fcber das Recht der Menschen auf Freiheit und k\u00f6rperliche Unversehrtheit hinweg, wenn dieses Recht ihren Interessen entgegensteht. Einige der linksextremistischen Gruppierungen bekennen offen, dass ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. Teil-","78 Linksextremismus Anwendung von weise ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Gewalt Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit. Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen eingebunden, die selbst nicht extremistisch sind. Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den bisherigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jeder Art politischen Extremismus zu durchbrechen. Beispiele f\u00fcr eine Aufweichung dieser klaren Grenzziehung sind das Zusammenwirken demokratischer Gruppierungen mit Linksextremisten bei einzelnen Protestthemen wie z.B. in der Antifaschismusbewegung, in der Antikernkraftbewegung und in F\u00e4llen der Zusammenarbeit in der Landespolitik einzelner Bundesl\u00e4nder. So ist es der linksextremistischen Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) nach den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern am 27. September 1998 als erster extremistischer Partei seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland gelungen, an einer Koalitionsregierung mitzuwirken. In Sachsen-Anhalt wird die Landesregierung seit 1994 \u00fcber ein Tolerierungsmodell von der PDS mitgetragen. Die Zusammenarbeit von Demokraten mit Extremisten schw\u00e4cht die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie. F\u00fcr ihre Agitation nutzen Linksextremisten seit mehreren Jahren zunehmend die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Mailboxen und Mailbox-Systeme werden mehr und mehr durch das Internet Internet ersetzt. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren Neonazismus/Faschismus, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematiken, Arbeitslosigkeit und vermeintlicher Sozialabbau, aber auch wichtige tagespolitische Ereignisse wie die Ergreifung und Verurteilung des Generalvorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und der Kosovo-Konflikt. 1.2 Entwicklung der Organisationen Leichter Anstieg Die Zahl der Mitglieder linksextremistischer und linksextremistisch der Mitgliederbeeinflusster Parteien und Gruppierungen ist leicht gestiegen. In Bayzahlen ern nahm die Zahl der PDS-Mitglieder und -Sympathisanten zu. Die Mitgliederzahl der DKP blieb gleich.","Linksextremismus 79 Die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen, die eine der bedeutendsten und gewaltt\u00e4tigsten Str\u00f6mungen des Linksextremismus darstellen, blieb unver\u00e4ndert. Sie werden von anderen linksextremistischen Organisationen wie der PDS zunehmend als Partner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflusster Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der folgenden \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind jeweils nur bei einer Organisation erfasst. 1997 1998 1999 Zahl und Mitgliederst\u00e4rke Anzahl der Organisationen 42 41 40 linksextremistiMarxisten-Leninisten und scher Organiandere revolution\u00e4re Marxisten sationen in Bayern PDS 450 450 600 DKP 600 600 600 Marxistische Gruppe (MG) 700 700 700 weitere Kernorganisationen 480 510 460 Nebenorganisationen 70 70 70 beeinflusste Organisationen* 1.120 1.080 1.080 Anarchisten und Sozialrevolution\u00e4re 500 500 500 Linksextremisten insgesamt 3.920 3.910 4.010 * Die \u00c4nderungen im Vergleich zu den Vorjahren beruhen auf einem verbesserten Erkenntnisstand. Mitglieder 40.000 34.500 34.200 30.000 Deutschland * 20.000 Bayern 10.000 7.020 4.010 0 1990 91 92 93 94 95 96 97 98 99 * Die Kurve f\u00fcr die bundesweite Entwicklung beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfasst. Die PDS Deutschland hatte 1999 insgesamt 94.000 Mitglieder, davon rund 2.000 in der KPF.","80 Linksextremismus 1.3 Linksextremistische Gewalt Die Zahl der linksextremistischen Gewalttaten hat in Deutschland von 783 auf 711 abgenommen. In Bayern ist die Zahl der Gewalttaten gleich geblieben und betr\u00e4gt 25. Schwerpunkt waren wie im Vorjahr Angriffsziele t\u00e4tliche Auseinandersetzungen mit tats\u00e4chlichen oder vermeintlichen Rechtsextremisten. Wie in den Vorjahren liegt Bayern im bundesweiten Vergleich im unteren Bereich. Die linksextremistischen Gewalttaten wurden wieder zu \u00fcber 80 % von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem gewaltbereiten autonomen und anarchistischen Spektrum begangen. Ziel der gewaltt\u00e4tig agierenden linksextremistischen Gruppen ist nach wie vor die Destabilisierung der gegenw\u00e4rtigen Staatsund Gesellschaftsordnung, in der sie ein \"Instrument zur Durchsetzung weltweiter kapitalistischer und imperialistischer Ausbeuterinteressen\" sehen. Bei der Auseinandersetzung zwischen Linksund Rechtsextremisten Schwere kam es wieder zu schweren Gewalttaten gegen tats\u00e4chliche oder verGewalttaten meintliche Rechtsextremisten. Die Angriffe der Linksextremisten, die sie als \"Kampf gegen den Faschismus\" zu rechtfertigen versuchen, richteten sich dabei vor allem gegen Veranstaltungen, aber auch einzelne Personen werden individuell angegriffen. Das Thema \"Antifaschismus\" wird auch in Zukunft eines der wichtigsten Aktionsfelder autonomer Politik und damit auch autonomer Militanz bleiben. Auch hier ist aber das eigentliche Angriffsziel der Staat, dem unterstellt wird, \"Faschisten\" zu sch\u00fctzen. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik an den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderungen nach \"Fundamentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Dabei gelang es nur begrenzt, die unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die PDS, die nach dem Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des \"demokratischen Sozialismus\" zu beschreiten vorgibt, versucht, Linksextremisten s\u00e4mtlicher Couleur von Radikalsozialisten bis zu so genannten Basisdemokraten aus dem \u00f6kologischen Bereich zu integrieren.","Linksextremismus 81 2.1 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) Deutschland Bayern Mitglieder: 94.000 600 Vorsitzender: Prof. Dr. Lothar Bisky Sima Sorayya, Stephan Straub Umbebennung der SED: 16./17.12.1989 Gr\u00fcndung: 11.09.1990 Sitz: Berlin M\u00fcnchen Publikationen: Neues Deutschland (PDS-nahe Zeitung), DISPUT, PDS-Pressedienst, UTOPIE-kreativ, TITEL Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschloss auf ihrem Sonderparteitag am 16./17.Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Umbenannte SED Tagung des Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24./25. Februar 1990 best\u00e4tigte die Namens\u00e4nderung. 2.1.1 Ideologische Ausrichtung Die PDS versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialistische Gruppen und Personen, die die bestehenden politischen und wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnisse in Deutschland kritisieren und ablehnen. Das auf der 1. Tagung des 3. Parteitags der PDS vom 29. bis 31. Januar 1993 in Berlin beschlossene und bis heute g\u00fcltige Parteiprogramm - ein neues Programm ist in Vorbereitung - stellt fest, die PDS sei ein Zusammenschluss unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmten, dass die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberwunden werden Gegen m\u00fcsse. Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit Kapitalismus ihm verbundenen politischen Systems der Freiheit und der Demokratie im Sinn unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zie-","82 Linksextremismus len der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fcssten. Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und die \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Die PDS vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Bekenntnis zu Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der revoluMarx und Engels tion\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen revolution\u00e4ren und \"volks-demokratischen\" Bewegungen verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die PDS verwendet Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, dass diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere Interpretation politischer Umwidmung Begriffe ist deren bewusste Umwidmung im Lehrgeb\u00e4ude des Marvon Begriffen xismus-Leninismus, in dessen Denkschule die Mehrheit der Mitglieder der PDS erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe eine Doppeldeutigkeit. In den programmatischen \u00c4u\u00dferungen der PDS f\u00e4llt die Kritik an den fr\u00fcheren kommunistischen Zwangssystemen Mittelund Osteuropas sowie der DDR zur\u00fcckhaltend aus. Die bolschewistische Oktoberrevolution von 1917 und die mit ihr verbundenen globalen politischen Umw\u00e4lzungen bewertet das Parteiprogramm positiv. Es widRechtfertigung met auch der Rechtfertigung des \"Sozialismusversuchs\" in der DDR des DDR-Regimes und den \u00fcbrigen osteurop\u00e4ischen Staaten breiten Raum. Einer weiteren programmatischen Orientierung dienen auch die vom Parteivorstand der PDS am 28. November 1994 beschlossenen \"10 Thesen zum weiteren Weg der PDS\" und das anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 4. Parteitags der PDS vom 27. bis 29. Januar 1995 in Berlin verabschiedete F\u00fcnf-Punkte-Papier \"Sozialismus ist Weg, Methode, Wertorientierung und Ziel\", das in Kontinuit\u00e4t zum Parteiprogramm steht und am Anspruch grundlegender Ver\u00e4nderung der Staatsund Gesellschaftsordnung festh\u00e4lt. Berliner Parteitag An der 1. Tagung des 6. Parteitags der PDS am 16. und 17. Januar in Berlin nahmen 462 Delegierte sowie G\u00e4ste von 52 Parteien und","Linksextremismus 83 Organisationen aus 40 L\u00e4ndern teil. Auf der Tagung unter dem Motto \"Druck von links\" wurden kontroverse ideologisch-politische Positionen sichtbar, innerparteiliche Richtungsk\u00e4mpfe aber vermieden. Der von der Parteif\u00fchrung ausgegebene Appell zur Geschlossenheit der Partei wurde weitgehend befolgt. Die im Vorfeld des Parteitags diskutierten Streitthemen - wie die Ank\u00fcndigung des Entwurfs eines Strafverfolgungsbeendigungsgesetzes mit Rehabilitierung und Haftentsch\u00e4digung f\u00fcr \"DDR-Hoheitstr\u00e4ger\" sowie der beabsichtigte Abschluss eines Beratervertrags mit dem verurteilten Agenten des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR, Rainer Rupp, zu au\u00dfenund sicherheitspolitischen Fragen - spielten eine untergeordnete Rolle. Im Mittelpunkt des Parteitags stand neben der Neuwahl des Parteivorstands die Verabschiedung eines Leitantrags des Parteivorstands zur Er\u00f6ffnung einer neuen programmatischen Debatte in der Partei. In seiner Rede zur Er\u00f6ffnung des Parteitags forderte der PDS-Ehrenvorsitzende und ehemalige Ministerpr\u00e4sident der DDR, Dr. Hans Modrow, die PDS auf, \"ihr programmatisches Selbstverst\u00e4ndnis als sozialistische Partei in Deutschland links von der Sozialdemokratie zu definieren und zu profilieren\". Der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky mahnte in seinem Grundsatzreferat \"Sozialistische Politik zur Jahrtausendwende\" die Partei zur Geschlossenheit und stellte fest, dass das \"durch eine ganze ReiMahnung zur he von Fehlern in eine Schieflage\" geratene \u00f6ffentliche ErscheiGeschlossenheit nungsbild der PDS ver\u00e4ndert werden m\u00fcsse und auf diesem Parteitag der Partei damit zu beginnen sei. Er sprach sich f\u00fcr eine baldige Parteidebatte und -reform aus. In einem Beitrag \u00e4u\u00dferte das Mitglied des Bundeskoordinierungsrats der Kommunistischen Plattform der PDS (KPF), Sahra Wagenknecht, f\u00fcr sie sei es be\u00e4ngstigend, wie f\u00fchrende Genossen Marktwirtschaft mit Demokratie gleichsetzten. Die Partei brauche nicht programmatische R\u00fcckz\u00fcge, sondern konkrete sozialistische Konzepte und Visionen und m\u00fcsse vor allem als gesellschaftliche Opposition und Unterst\u00fctzerin au\u00dferparlamentarischer Initiativen erkennbar bleiben. F\u00fcr ihre Rede erhielt die auf den letzten Parteitagen noch weitgehend isolierte Funktion\u00e4rin der orthodoxen KPF gro\u00dfen Beifall.","84 Linksextremismus Zur Begr\u00fcndung des Leitantrags des Parteivorstands zur \"Organisation einer programmatischen Debatte in der PDS\" bat das Parteivorstandsmitglied Prof. Dr. Dieter Klein alle Delegierten, die \"die Bef\u00fcrchtung haben, die PDS k\u00f6nnte in einer programmatischen Diskussion ihren sozialistischen Charakter aufgeben und damit zu einer zweiten, also \u00fcberfl\u00fcssigen, sozialdemokratischen Partei werden, diesen Verdacht zur\u00fcckzustellen\". Das eigentliche Problem der Programmdebatte Programmdebatte sei, wie die PDS als Minderheitspartei eine Gesellschaft mitgestalten k\u00f6nne, die eine - von ihr abgelehnte - kapitalistische Grundstruktur habe. Nach zahlreichen \u00c4nderungsw\u00fcnschen beschlossen die Delegierten des Parteitags, eine 17-k\u00f6pfige Programmkommission - darunter auch Vertreter des Marxistischen Forums der PDS (MF) und der KPF - einzuberufen, die einen \"Standpunkt zum Umfang der Programmdebatte der PDS\" erarbeiten soll. Auf einem Programmparteitag im ersten Halbjahr 2001 soll letztlich \u00fcber einen neuen bzw. \u00fcberarbeiteten Programmentwurf entschieden werden. Der Fraktionsvorsitzende der PDS im Deutschen Bundestag, Dr. Gregor Politik des moderGysi, stellte am 3. August in Berlin \"Zw\u00f6lf Thesen f\u00fcr eine Politik des nen Sozialismus modernen Sozialismus\" vor. Die Vision f\u00fcr das 21. Jahrhundert sei, Moderne und Sozialismus zu verbinden. Der sozial geb\u00e4ndigte Kapitalismus m\u00fcsse abgel\u00f6st werden. In dem Papier - ver\u00f6ffentlicht im PDS-Pressedienst Nummer 31 vom 6. August - hei\u00dft es: \"Sozialistische Politik nach dem Untergang des Staatssozialismus bedeutet, die Entwicklungspotentiale des Wettbewerbs in Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Bildung, Medien und Kultur von der Dominanz der Kapitalverwertung zu befreien bzw. sie davor zu bewahren und ihre patriarchale Verfasstheit zu \u00fcberwinden. (...) Es steht nicht weniger als der Umbau der Weltgesellschaft selbst auf der Tagesordnung. Das Aufbrechen von Herrschaftsstrukturen betrifft die Vorherrschaft der Kapitalverwertung \u00fcber die Gesellschaft, das zerst\u00f6rerische Herrschaftsstreben der Gesellschaft \u00fcber die irdische Natur, die Herrschaft des 'Nordens' \u00fcber den 'S\u00fcden' und die Herrschaft von M\u00e4nnern \u00fcber Frauen.\" Das Thesenpapier best\u00e4tigt die ideologische Ausrichtung der Partei. Insbesondere findet die in der \u00d6ffentlichkeit behauptete Sozialdemokratisierung der Programmatik der PDS nach ausdr\u00fccklichem Bekenntnis der PDS selbst nicht statt, wenngleich die PDS f\u00fcr sich die Bewahrung von \"Errungenschaften des sozialdemokratischen Zeitalters\" in Anspruch nimmt. Die Politik der PDS zielt best\u00e4ndig darauf,","Linksextremismus 85 die \"in den Eigentumsverh\u00e4ltnissen wurzelnden kapitalistisch gepr\u00e4gten Machtstrukturen zur\u00fcckzudr\u00e4ngen und letztlich zu \u00fcberwinden\". Dies r\u00e4umt die Partei selbst ein. Am 23. November legte die Programmkommission der PDS ein Papier \"Thesen zur programmatischen Debatte\" - abgedruckt im PDS-PresseThesen zur dienst Nummer 47 vom 26. November - vor. Darin wird ausgef\u00fchrt, programmatischen dass die bestehende Gesellschaft mehr sei als nur patriarchaler KapitaDebatte lismus. Im Laufe der Geschichte seien unverzichtbare Zivilisationsgewinne erwachsen, die mit dem Begriff der \"Moderne\" erfasst w\u00fcrden. Die pluralistische Demokratie biete als Herrschaftsmechanismus Chancen f\u00fcr Gegenm\u00e4chte. Der Markt sei trotz seiner zerst\u00f6rerischen Wirkungen ein unverzichtbarer dezentraler Selektionsmechanismus. Der Rechtsstaat sichere zwar keineswegs Gerechtigkeit, erm\u00f6gliche aber die Durchsetzung von B\u00fcrgerrechten. Politischer Pluralismus, Markt und Rechtsstaat d\u00fcrften so nicht bleiben wie sie sind. Die Bewahrung dieser Institutionen der \"Moderne\" verlange deren Herausl\u00f6sung aus der deformierenden Profitdominanz, aus patriarchaler Macht. Diese \u00c4u\u00dferungen zeigen die Doppelb\u00f6digkeit des Denkens der PDS. Sie kann sich nicht dazu durchringen, Demokratie, Marktwirtschaft und Rechtsstaat zu bejahen, sondern begreift diese als Ausgangsbasis, um die eigenen verfassungsfeindlichen Ziele zu verwirklichen. 2.1.2 Organisation Die PDS ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, deren Gebiete mit den L\u00e4ndern identisch sind, mit Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen. Sie verf\u00fcgt bundesweit \u00fcber ann\u00e4hernd 94.000 Mitglieder (Ende Bundesweit 1998: 94.447), davon etwa 3.200 (1998: 2.917) in den alten Bundesr\u00fcckl\u00e4ufige l\u00e4ndern. W\u00e4hrend die Mitgliederentwicklung in den neuen BundesMitgliederzahl l\u00e4ndern r\u00fcckl\u00e4ufig ist, steigt sie in den alten Bundesl\u00e4ndern leicht an. Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang der Mitgliederzahl insgesamt ist weniger der Austritt als vielmehr der Tod \u00e4lterer Mitglieder. \u00dcber 60 % der Parteimitglieder in Ostdeutschland sind 60 Jahre und \u00e4lter, nur 2 % sind j\u00fcnger als 30 Jahre. Bei den Wahlen zum 18-k\u00f6pfigen Parteivorstand anl\u00e4sslich der 1. Tagung des 6. Parteitags der PDS am 16. und 17. Januar in Berlin sorgte vor allem der Aufstieg des hessischen Autors und Musikverlegers","86 Linksextremismus Dr. Diether Dehm zum stellvertretenden Parteivorsitzenden - er Neuwahl des ersetzt den nicht mehr kandidierenden Wolfgang Gehrcke - f\u00fcr AufParteivorstands sehen. Er war erst im September 1998 aus der SPD ausund in die PDS eingetreten und zumindest von 1971 bis 1978 vom Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR als \"Inoffizieller Mitarbeiter\" gef\u00fchrt worden. Insgesamt zw\u00f6lf der 18 Vorstandsmitglieder wurden wieder gew\u00e4hlt, darunter der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky sowie die beiden Stellvertreterinnen Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann und Gabriele Zimmer. Erstmals seit Januar 1995 gelangte mit Prof. Dr. Michael Benjamin wieder ein Vertreter der KPF in den Parteivorstand; er erhielt 38,75 % der Delegiertenstimmen. Dr. Andre Brie, \"ideologischer Vordenker\" der Partei sowie Leiter des zentralen Wahlb\u00fcros der PDS, kandidierte nicht wieder f\u00fcr den PDS-Bundesvorstand, dem er seit Februar 1990 angeh\u00f6rt hatte. Beachtenswert ist, dass die PDS-West mit f\u00fcnf Mitgliedern innerhalb des 18-k\u00f6pfigen Parteivorstands im Hinblick auf die Mitgliederzahlen deutlich \u00fcberrepr\u00e4sentiert ist. Der ehemalige Ministerpr\u00e4sident der DDR, Dr. Hans Modrow, ist Ehrenvorsitzender der PDS. Nutzung des Seit Jahren nutzt die PDS die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten im InterInternets net. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie der Bundesvorstand, die Fraktion der PDS im Deutschen Bundestag, mehrere PDS Basisorganisationen und die AG Junge Genossinnen sowie Einzelpersonen der PDS sind neben einer so genannten Startseite der PDS mit eigenen Homepages vertreten. Seit Ende April ist auch die am 2. Mai 1998 gegr\u00fcndete PDS Basisorganisation Dachau im Internet vertreten. In einem Positionspapier der Gruppe hei\u00dft es: \"Der Kapitalismus produziert seinen eigenen Untergang. Einige wenige Monopole liefern sich auf dem globalen Markt einen \u00f6konomischen sozialen und auch milit\u00e4rischen Krieg, dessen Ziel ihre jeweilige Vormachtstellung in der Weltwirtschaft ist. (...) Doch die geknechteten V\u00f6lker wehren sich, auch die deutschen Arbeiter, anderen Werkt\u00e4tigen und Arbeitslosen, kurz die Besitzlosen dieses Systems sind entgegen der b\u00fcrgerlichen Ideologie vom obrigkeitsh\u00f6rigen Deutschen mehrheitlich antikapitalistisch, dem System kritisch gegen\u00fcber eingestellt.\" Die Dachauer PDS will sozialistisch, antifaschistisch, feministisch, antimilitaristisch und demokratisch sein. Sie k\u00e4mpft f\u00fcr eine soziale und solidarische, eine gerechte, eine sozialistische Republik gegen die Herrschenden, die Machenschaften der Monopolisten und deren Handlanger in Regierung, staatlichen Organen und Medien.","Linksextremismus 87 2.1.3 Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften sowie \u00e4hnliche innerparteiliche Zusammenschl\u00fcsse sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der PDS. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Partei und k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben. Sie sind damit integrale Bestandteile der PDS. Diese Strukturen k\u00f6nnen nach Integrale Bestanddem Statut der PDS ihre politischen Ziele in der Partei offen vertreten. teile der PDS Die PDS muss sich deshalb die T\u00e4tigkeit der Plattformen, Arbeitsund Interessengemeinschaften wie auch das Wirken der sonstigen innerparteilichen Zusammenschl\u00fcsse sowie die \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, w\u00e4hrend Arbeitsund Interessengemeinschaften themenbezogen auf wichtigen Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. Die Arbeitsgemeinschaften Junge GenossInnen in und bei der PDS, Autonome Gruppen in und bei der PDS sowie das Libert\u00e4re Forum bei der PDS zeigen, dass die PDS auch mit gewaltGewaltbereite bereiten Gruppen zusammenarbeitet und diese sogar in den eigenen Gruppen in der Reihen duldet und agieren l\u00e4sst. PDS 2.1.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete KPF der PDS - ihr sind etwa 2.000 Mitglieder zuzurechnen - ist eine marxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der PDS ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus bekennt. Sie strebt die Fortsetzung marxistischer und leninistischer Bekenntnis zum Politik, also die Diktatur des Proletariats, an. In ihren Thesen zur Marxismus-LeniGr\u00fcndung der KPF betonte sie: nismus \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem Wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfasst von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Tse-tung weiterentwickelt worden ist, die Grundlage f\u00fcr","88 Linksextremismus die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation Klassenlose der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose GesellGesellschaft als Ziel schaft. Prof. Dr. Michael Benjamin, seit Januar neu in den PDS-Bundesvorstand gew\u00e4hlt, lobt in einem in Heft 9 der \"Mitteilungen der KPF\" vom September abgedruckten Kommentar die Programmdiskussion seiner Partei. Die Arbeit der Programmkommission sei vom Streben Antikapitalistische nach Konsens getragen. Die \"sozialistische und antikapitalistische Orientierung Orientierung der PDS\" sei bekr\u00e4ftigt worden. Das Parteiprogramm von 1993 beziehe Position zur sozialistischen Erneuerung; diese Aussagen wolle man nicht aufgeben, sondern vertiefen. Die \"Ausf\u00fchrungen zum Sozialismus als Ziel, Bewegung und Wertesystem, zur Umw\u00e4lzung der herrschenden kapitalistischen Produktionsund Lebensweise als eine Frage des menschlichen \u00dcberlebens, zur \u00dcberwindung der Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums\" seien bei der Erarbeitung des Fragenkatalogs f\u00fcr das neue Parteiprogramm zugrunde gelegt worden. Im Hinblick auf die Geschichte der DDR werde ausdr\u00fccklich an den Aussagen des geltenden Programms zum sozialistischen Versuch - der Berechtigung und Rechtm\u00e4\u00dfigkeit einer \u00fcber den Kapitalismus hinausgehenden Entwicklung - angekn\u00fcpft. Bereits kurz nach seiner Wahl in den Parteivorstand hatte Prof. Dr. Michael Benjamin in einem in der \"Welt am Sonntag\" vom 24. Januar ver\u00f6ffentlichten Interview den Bau der Mauer am 13. August 1961 Verteidigung des verteidigt. Er bestritt, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Baus der Mauer Die Schlie\u00dfung und Befestigung der Staatsgrenze der DDR k\u00f6nne nicht au\u00dferhalb von Raum und Zeit bewertet werden; sie sei eine v\u00f6lkerrechtlich zul\u00e4ssige Ma\u00dfnahme gewesen. Auf die Frage, ob er in der DDR einen Unrechtsstaat sehe, sagte er: \"Nein\". 2.1.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in und bei der PDS Die AG Junge GenossInnen trat bisher als bundesweiter Zusammenschluss auf, der innerhalb der PDS unter eigenem Namen agierte. Diese Gruppierung, der sich rund 500 Mitglieder und 1.000 Sympathisanten zurechneten - die H\u00e4lfte stammte aus den westlichen L\u00e4ndern -, diente als Bindeglied der PDS zu jugendlichen undogmatischen Linksextremisten, besonders Autonomen. In einem auf dem Bundeskongress der AG Junge GenossInnen am 16. und 17. M\u00e4rz Grundsatzpapier 1996 in Bielefeld vorgelegten Grundsatzpapier, das im PDS-Presse-","Linksextremismus 89 dienst Nummer 13 vom 29. M\u00e4rz 1996 und Nummer 14 vom 4. April 1996 ver\u00f6ffentlicht wurde, hie\u00df es: \"Die AG Junge GenossInnen sammelt Menschen um sich, die zum einen als linkes Korrektiv innerhalb der PDS mit vorwiegend au\u00dferparlamentarischen Bezugspartnern wirken wollen, einen antietatistischen Ansatz vertreten, und ... (...) Auf die PDS beziehen wir uns, da sie als einzige politisch relevante Kraft den Anspruch hat, sozialistische Partei zu sein. (...) Linksradikale Forderungen k\u00f6nnen in Parteien nicht unbeschr\u00e4nkt diskutiert werden, da sie zu einem Verbot f\u00fchren k\u00f6nnten. (...) Auf die au\u00dferparlamentarische und undogmatische Linke wollen wir uns beziehen, da wir viele ihrer Ans\u00e4tze und Diskussionen interessant finden, mit ihnen zusammenarbeiten wollen, gerade weil ihre Forderungen weiter gehen als die der Partei, sie nicht in parlamentarischen Zw\u00e4ngen stecken.\" Weil der AG Junge GenossInnen in der Vergangenheit organisatoriOrganisatorische sche Schw\u00e4chen vorgehalten wurden, ist ein neuer PDS-naher JugendSchw\u00e4chen verband (vgl. auch Nummer 2.1.4 dieses Abschnitts) gegr\u00fcndet worden. Ein offizieller Aufl\u00f6sungsbeschluss der AG Junge GenossInnen, die kaum noch \u00f6ffentlich in Erscheinung trat, ist bisher nicht bekannt geworden. 2.1.3.3 Marxistisches Forum (MF) Am 6. Juni 1995 konstituierte sich in Berlin das orthodox-kommunistisch ausgerichtete MF. Es will die soziale, \u00f6konomische und politische Situation mit den Mitteln des Marxismus analysieren, die marxistische Theorie weiterentwickeln und zur theoretischen Fundierung der Politik der PDS beitragen. Dazu geh\u00f6re neben der marxistischen Weiterentwicklung Aufarbeitung der Geschichte der DDR und des Sozialismus auch die der marxistischen Untersuchung der Dialektik von systemimmanenten und system\u00fcberTheorie windenden Reformen. Au\u00dferdem solle auf die notwendige Verst\u00e4rkung des antimilitaristischen Kampfes aufmerksam gemacht werden. Im April wurde vom MF die Brosch\u00fcre \"Marxistisches Forum 1999\" mit mehreren Beitr\u00e4gen eigener Mitglieder zum \"Umgang mit der DDR\" verbreitet, um dem herrschenden Zeitgeist im politischen Diskurs - gemeint ist der Antikommunismus - entgegenzuwirken. Einer der Autoren f\u00fchrt darin aus, niemand m\u00fcsse sich daf\u00fcr entschuldigen, dass es die DDR gegeben habe. Sie sei das Ergebnis welthistorischer Ver\u00e4nderungen gewesen und habe den Willen der Mehrheit der Bev\u00f6lkerung ausgedr\u00fcckt, entschiedene gesellschaftliche Ver\u00e4n-","90 Linksextremismus derungen auch in Deutschland herbeizuf\u00fchren. Die Totalabsage an die DDR k\u00f6nne die Position einer sozialistischen Bewegung in Deutschland nur schw\u00e4chen. 2.1.4 Jugendverband \"'solid\" Am 19. Juni wurde in Hannover der Jugendverband \"'solid - die sozialistische Jugend\" gegr\u00fcndet. Der Name des zun\u00e4chst 175 Mitglieder z\u00e4hlenden Verbands stehe f\u00fcr \"sozialistisch, links und demokratisch\". Ziel des Jugendverbands ist es nach der im PDS-PresseGr\u00fcndungsdienst Nummer 25 vom 25. Juni abgedruckten Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung, erkl\u00e4rung in organisierter Form der \"rechten Hegemonie in der Gesellschaft\" entgegenzutreten. Man wolle keine \"Kampfreserve\" der PDS werden, sondern strebe \"eine gleichberechtigte Zusammenarbeit auch mit den regionalen und lokalen Jugendstrukturen in und bei der PDS\" an; \"'solid\" sei nicht die Jugendorganisation der PDS. Tats\u00e4chlich sucht die PDS seit 1991 nach Wegen f\u00fcr eine bessere Einbindung der Jugend. Die AG Junge GenossInnen (vgl. auch Nummer 2.1.3.2 dieses Abschnitts) war der erste Versuch einer solchen Jugendarbeit. Mit \"'solid\" versucht die PDS einen Neuanfang. 2.1.5 PDS Landesverband Bayern Organisation Die in Bayern seit dem 11. September 1990 bestehende PDS setzt in Bayern sich aus dem Landesverband, acht Kreisverb\u00e4nden und 23 Basisorganisationen zusammen. Der Sitz des Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. F\u00fcr eine Reihe von \u00f6rtlichen Strukturen, die keine Basisorganisationen sind, bestehen Kontaktund Anlaufadressen. Verbreiterung Die organisatorische Basis des PDS Landesverbands Bayern verbreider Basis terte sich insgesamt. Am 7. Februar gr\u00fcndeten in Ingolstadt Aktivisten der KPF eine landesweite Arbeitsgemeinschaft, der etwa 30 Personen angeh\u00f6ren. Die KPF betrachtet es als ihre Aufgabe, die Arbeiterbewegung mit dem wissenschaftlichen Sozialismus zu verbinden, den Marxismus zu verteidigen und f\u00fcr den Aufbau einer kommunistischen Bewegung in Deutschland zu arbeiten. Als Grundpositionen werden unter anderem Antikapitalismus, Antiimperialismus und Antimilitarismus, der Vorrang au\u00dferparlamentarischer Politik vor Parlamentarismus und die Ablehnung der Teilnahme an b\u00fcrgerlichen Regierungen genannt. Anlaufstelle ist das Landesb\u00fcro der PDS in","Linksextremismus 91 M\u00fcnchen. Die KPF ist in N\u00fcrnberg mit einer Regionalgruppe und in M\u00fcnchen mit einer Ortsgruppe vertreten. Beide Organisationen streben eine enge Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Parteien und Organisationen an und suchen die Beteiligung an au\u00dferparlamentarischen Initiativen. Als Publikationsorgan der KPF der PDS M\u00fcnchen erscheint die Flugschrift \"was tun\". Im Juli wurden die PDS Kreisverb\u00e4nde Aschaffenburg-Untermain und Main-Spessart sowie im Oktober die PDS Basisorganisation Ulm/Neu-Ulm gegr\u00fcndet. Die AG Junge GenossInnen verf\u00fcgt \u00fcber Ortsgruppen in Ingolstadt, N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Auch der Jugendverband \"'solid\" ist inzwischen in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen mit Ortsgruppen vertreten. Ein SPD-Bundestagsabgeordneter trat im September zur PDS mit dem Ziel \u00fcber, mehrere PDS Basisorganisationen in Oberfranken zu gr\u00fcnden In Bayern ist die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder der PDS einschlie\u00dflich Plattformen und Arbeitsgemeinschaften weiter angestiegen. Waren es Ende 1998 noch 230 Mitglieder, so liegt derzeit die Mitgliederzuwachs aktuelle Mitgliederzahl bei etwa 400. Die Zahl der Sympathisanten, die den Mitgliedern gleichgestellt sind, sank von 220 auf 200. Das Durchschnittsalter der bayerischen PDS-Mitglieder ist deutlich niedriger als das der Parteimitglieder in Ostdeutschland. Am 17. Oktober f\u00fchrte in Ingolstadt der PDS Landesverband Bayern seinen Landesparteitag durch. Als Landessprecher wurden Sima Neuwahlen zum Sorayya und Stephan Straub best\u00e4tigt. Zusammen mit dem f\u00fcr die Landesvorstand Finanzverwaltung verantwortlichen Vorstandsmitglied Martin Fochler und dem f\u00fcr Organisationsaufgaben zust\u00e4ndigen Vorstandsmitglied Kristina Hadeler bilden sie den gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorstand. In den erweiterten Landesvorstand wurde erneut auch die bayerische PDS-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter (fr\u00fcher DKP) gew\u00e4hlt. Etwa 250 Personen nahmen am 17. Februar an der Aschermittwochsveranstaltung der PDS Bayern in Ingolstadt teil. Als Hauptredner traten der Vorsitzende der PDS-Fraktion im Deutschen Bundestag Dr. Gregor Gysi und die Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter auf. Der PDS-Fraktionsvorsitzende bekundete seine Solidarit\u00e4t mit den Kurden. Bestimmte kritikw\u00fcrdige Methoden des Solidarit\u00e4t mit Kurdenf\u00fchrers \u00d6calan seien allein das Ergebnis der lang anhaltenden Kurden","92 Linksextremismus Unterdr\u00fcckung des kurdischen Volkes, die endlich beendet werden m\u00fcsse. Der PDS Landesverband Bayern reagierte mit einer Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung auf die Ergreifung des PKK-Generalvorsitzenden und die gegen ihn erhobene Anklage. \u00d6calan habe in den letzten Monaten mit gro\u00dfem pers\u00f6nlichen Einsatz den Friedenswillen des kurdischen Volkes der Welt\u00f6ffentlichkeit bekannt gemacht. Er sei einem kriminellen Geheimdienstkomplott zum Opfer gefallen. 2.1.6 Teilnahme an Wahlen Bei der Europawahl am 13. Juni erreichte die PDS mit bundesweit Einzug in das 5,8 % der abgegebenen Stimmen erstmals den Einzug in das EuroEurop\u00e4ische p\u00e4ische Parlament. 1994 war sie noch mit bundesweit 4,7 % der Parlament W\u00e4hlerstimmen an der 5 %-Sperrklausel gescheitert. Die Partei entsendet sechs Abgeordnete - darunter die Spitzenkandidatin und stellvertretende Parteivorsitzende Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann, den Leiter des Wahlb\u00fcros der PDS Dr. Andre Brie und den PDS-Ehrenvorsitzenden Dr. Hans Modrow - in das Europ\u00e4ische Parlament. Die Wahl best\u00e4tigte die PDS als Ost-Partei; sie erreichte in den neuen Bundesl\u00e4ndern durchschnittlich 21,9 %, in den alten Bundesl\u00e4ndern dagegen nur knapp 1,9 % der W\u00e4hlerstimmen. In Bayern erh\u00f6hte sich der PDS-Stimmenanteil von 0,4 % auf 0,7 %. Die sechs PDS-Abgeordneten schlossen sich der \"Konf\u00f6deralen Fraktion der Vereinigten Europ\u00e4ischen Linken/Nordische Gr\u00fcne Linke\" an. Stellvertretende Vorsitzende dieser Fraktion ist Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann. Trotz heftiger Auseinandersetzungen im Hinblick auf den Schweriner Parteitagsbeschluss vom Januar 1997 (wonach in erster Linie Angeh\u00f6rige der eigenen Partei oder Parteilose wahlf\u00e4hig seien) war anl\u00e4ssEuropawahllich der 2. Tagung des 6. Parteitags - des Europawahlparteitags - am parteitag 6./7. M\u00e4rz in Suhl/Th\u00fcringen der M\u00fcnchner DKP-Funktion\u00e4r Leo Mayer, der sich zun\u00e4chst um Listenplatz 6 bewarb, auf Platz 12 der Bundesliste der PDS f\u00fcr die Europawahl gew\u00e4hlt worden. Mit der Aufstellung galt es, das W\u00e4hlerpotenzial der DKP f\u00fcr die PDS zu gewinnen. Die DKP, die nicht mit einer eigenen Liste zur Europawahl antrat, hatte sich anl\u00e4sslich des 14. DKP-Parteitags vom 22. bis 24. Mai 1998 einm\u00fctig f\u00fcr die Bewerbung Leo Mayers um einen Platz auf der Bundesliste der PDS ausgesprochen. Die Einbeziehung des DKP-Kandidaten auf der PDS-Wahlliste wurde von Funktion\u00e4ren der KPF begr\u00fc\u00dft. Der","Linksextremismus 93 DKP-Funktion\u00e4r konnte aber nicht in das Europ\u00e4ische Parlament einziehen. Zur Landtagswahl in Hessen am 7. Februar trat die PDS nicht an. Bei den Wahlen zur Bremer B\u00fcrgerschaft am 6. Juni erhielt die PDS insgesamt 8.419 W\u00e4hlerstimmen (= 2,98 %). Damit verfehlte sie ihr Im Westen erkl\u00e4rtes Ziel, in die B\u00fcrgerschaft einzuziehen. Die PDS erzielte bei den Deutschlands Landtagswahlen in Brandenburg am 5. September einen StimmenSplitterpartei anteil von 23,3 %, im Saarland ebenfalls am 5. September 0,8 %, in Th\u00fcringen am 12. September 21,4 % und in Sachsen am 19. September 22,2 %. In Th\u00fcringen und Sachsen wurde sie jeweils zweitst\u00e4rkste Partei. Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 10. Oktober erhielt die PDS 17,7 % der abgegebenen Stimmen. Mit einem Anteil von knapp 40 % der Stimmen wurde die PDS im Ostteil der Stadt st\u00e4rkste Partei; in West-Berlin erhielt sie rund 4,5 % der W\u00e4hlerstimmen. 2.1.7 Kommunistischer Internationalismus Im Rahmen der so genannten internationalen Solidarit\u00e4t unterh\u00e4lt die PDS vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen Linksextremisten. Das Parteiprogramm der PDS nennt dies \"Internationalismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Diese Praxis kn\u00fcpft an das marxistisch-leninistische Prinzip des \"Proletarischen Proletarischer Internationalismus\" - der Lehre von der \"welthistorischen Mission der Internationalismus Arbeiterklasse\" - an. 2.1.8 Zusammenarbeit mit anderen Linksextremisten Die PDS pflegt Kontakte zu fast allen anderen inl\u00e4ndischen linksextremistischen und linksextremistisch beeinflussten Gruppierungen sowie zu gewaltbereiten Autonomen und arbeitet mit ihnen zusammen. Am 31. Juli veranstalteten die \"Antifaschistische Aktion W\u00fcrzburg\", Veranstaltungen die \"Autonome Antifa W\u00fcrzburg\", die Vereinigung der Verfolgten in Bayern des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) und der PDS Kreisverband W\u00fcrzburg eine Demonstration in W\u00fcrzburg anl\u00e4sslich eines lokalen Skinhead-Treffens. Unter dem Motto \"Kein Fu\u00dfbreit den Faschisten\" protestierten etwa 100 Personen gegen den Rechtsextremismus.","94 Linksextremismus Antikriegstag Am 1. September fand in M\u00fcnchen eine Kundgebung zum \"Antikriegstag 1999\" statt, an der rund 200 Personen teilnahmen. An der Veranstaltung waren u.a. das \"M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus\", die MLPD, die PDS, der \"Revolution\u00e4r-Sozialistische Bund/IV. Internationale\" (RSB), die VVN-BdA, die \"\u00d6kologische Linke\", die Tarnorganisation \"Linksruck-Netzwerk\" und die \"Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen\" beteiligt. Anl\u00e4sslich einer Gro\u00dfkundgebung der DVU in Passau am 25. September protestierte neben autonomen B\u00fcndnissen auch die PDS mit einer Gruppe unter der F\u00fchrung der bayerischen PDS-Bundestagsabgeordneten Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter gegen die Rechtsextremisten. W\u00e4hrend der Protestaktion, an der sich bis zu 300 Personen beteiligten, wurden rote Fahnen mit dem Emblem der \"Antifaschistischen Aktion\" und der PDS gezeigt. Der PDS Kreisverband Ingolstadt und die VVN-BdA Ingolstadt beteiligten sich am 30. Oktober an einem \"Antifaschistischen Aktionstag\" (vgl. auch Nummer 3.1.3.3 dieses Abschnitts) im Ortsteil Sinning der Gemeinde Oberhausen im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Damit sollte gegen die Ansiedlung des B\u00fcros des NPD-Organs \"Deutsche Stimme\" demonstriert werden. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 5.000 600 Vorsitzender: Heinz Stehr Gr\u00fcndung: 26.09.1968 Sitz: Essen N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen Publikation: Unsere Zeit (UZ) 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die bis zur Wende von der SED der DDR ideologisch und materiell abh\u00e4ngige DKP best\u00e4tigte ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung in den auf dem 12. Parteitag am 16./17. Januar 1993 in Mannheim beschlossenen \"Thesen zur programmatischen Orientierung der DKP\". In der Einleitung zu den \"Thesen\" hei\u00dft es, die DKP k\u00e4mpfe f\u00fcr eine Politik, die im Sozia-","Linksextremismus 95 lismus die Zukunft, im Klassenkampf die zentrale Triebkraft der Geschichte und in der Arbeiterklasse die entscheidende soziale Kraft f\u00fcr Bekenntnis zu den gesellschaftlichen Fortschritt sehe. Sie st\u00fctze sich auf die materiSozialismus und alistische Wissenschaft, die von Marx und Engels begr\u00fcndet und von Klassenkampf Lenin weiterentwickelt worden sei. In einem in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 28. September 1998 mit dem Titel \"N\u00f6tig ist knallharter Klassenkampf\" ver\u00f6ffentlichten Interview zum 30-j\u00e4hrigen Bestehen der DKP best\u00e4tigte der Parteivorsitzende Heinz Stehr, dass die neue Gesellschaftsordnung, f\u00fcr die die DKP nach wie vor eintrete, Sozialismus \"und in der Perspektive Kommunismus\" hei\u00dfe. Dazu f\u00fchrte er weiter aus: \"Das bedeutet einen Bruch in den Machtund Eigentumsverh\u00e4ltnissen, Festhalten am weil der Kapitalismus nur so \u00fcberwunden werden kann. (...) Der KapitaMarxismus-Lenilismus wird die Menschheitsprobleme nicht l\u00f6sen. Um die Verh\u00e4ltnisse nismus grundlegend zu \u00e4ndern, braucht man aus unserer Sicht den Sozialismus.\" 2.2.2 Organisation Die DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie Organisationsist in 14 Bezirksorganisationen - zw\u00f6lf in den westlichen Bundesl\u00e4nstrukturen dern sowie eine in Berlin und eine weitere in Brandenburg, die beide zugleich die Mitglieder in den \u00fcbrigen vier neuen L\u00e4ndern betreuen - gegliedert, die in 110 Kreisund in 230 Grundorganisationen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder liegt derzeit bei 5.000, davon etwa 210 in Ostdeutschland. Die DKP ist damit in Westdeutschland weit st\u00e4rker vertreten als die PDS. Eine Verbesserung der Altersstruktur erreichte sie in den letzten Jahren nicht. Mehr als zwei Drittel der Parteimitglieder sind \u00e4lter als 60 Jahre. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdbayern) und zehn Kreisverb\u00e4nde sowie zwei Betriebsgruppen. Die Mitgliederzahl in Bayern stagnierte bei rund 600. Die DKP wird \u00fcberwiegend von Altkommunisten repr\u00e4sentiert. Die Finanzierung der Parteiarbeit bereitet seit Jahren Probleme. Das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) erscheint aber trotz dieser erheblichen Finanzierungsprobleme weiterhin w\u00f6chentlich. An dem von der DKP vom 27. bis 29. August in Dortmund durchgef\u00fchrten traditionellen Pressefest ihres Zentralorgans UZ nahmen rund","96 Linksextremismus 15.000 Personen - unter ihnen auch viele Funktion\u00e4re von PDS und KPF - teil. 2.2.3 Teilnahme an Wahlen Verzicht auf Die DKP unterst\u00fctzte die Kandidatur der PDS zur Bremer B\u00fcrgereigene Wahlschaftswahl am 6. Juni und zur Europawahl am 13. Juni; sie verzichteilnahmen tete auf eine eigene Wahlteilnahme. Es gelang ihr, mehrere DKP-Mitglieder auf der PDS-Liste zur B\u00fcrgerschaftswahl zu platzieren. Der M\u00fcnchner DKP-Funktion\u00e4r Leo Mayer erhielt Platz 12 der PDS-Bundesliste zur Europawahl; er konnte aber nicht in das Europ\u00e4ische Parlament einziehen. Bei der Landtagswahl in Hessen am 7. Februar erhielt die DKP, die in sechs von 55 Wahlkreisen angetreten war, landesweit 0,1 % der abgegebenen g\u00fcltigen Zweitstimmen. Gegen\u00fcber 1995 konnte sie ihren Stimmenanteil nur geringf\u00fcgig verbessern. Kommunalwahlen Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen am 12. September in Nordrhein-Westkonnte die DKP vor allem in fr\u00fcheren Hochburgen, in denen noch falen Reste klassischen proletarischen Milieus existieren, eine geringe Anzahl von Ratsmandaten bzw. Sitzen in Bezirksvertretungen erringen. Im neuen Stadtrat von Bottrop ist sie mit drei Mandaten vertreten. In Duisburg, Gladbeck, Oberhausen und D\u00fcren wurde je ein DKP-Mitglied in den Stadtrat gew\u00e4hlt. 2.2.4 Umfeld der DKP 2.2.4.1 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Deutschland Bayern Mitglieder: 6.200 900 Vorsitzender: neun Bundessprecher Gr\u00fcndung: 15.-17.03.1974 Sitz: Hannover (Bundesgesch\u00e4ftsstelle seit 1996) Publikation: antifa-rundschau Zahlenm\u00e4\u00dfig Die VVN-BdA blieb die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Organisation im Spekstarke Organisatrum des linksextremistischen Antifaschismus. In ihr wirken untertion schiedliche linksorientierte Kr\u00e4fte zusammen, wobei jedoch nach wie vor aktive und ehemalige Mitglieder der DKP politisch tonangebend sind. Auch in der VVN-BdA Bayern ist auf Landeswie auch auf Kreis-","Linksextremismus 97 ebene der Einfluss von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, aus der PDS und aus der SDAJ, ma\u00dfgeblich. Sie unterst\u00fctzte vielfach linksextremistisch beeinflusste Aktionen. Die PDS-nahe Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 29. November berichtete \u00fcber geplante Umgruppierungen und Fusionen der drei traditionell ausgerichteten \"antifaschistischen\" Organisationen VVN-BdA, \"Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstandskampf, Verfolgter des Beabsichtigte Naziregimes und Hinterbliebener e.V.\" (IVVdN) und \"Bund der AntiUmgruppierungen faschisten (Dachverband) e.V.\" (BdA). Der BdA habe auf einer und Fusionen Bundesdelegiertenversammlung am 27. November in Berlin beschlossen, mit dem IVVdN einen gemeinsamen Vorstand von zwei Dutzend Personen zu bilden und f\u00fcr dieses Gremium bereits seine zw\u00f6lf Kandidaten benannt. Der gemeinsame Vorstand solle am 26. M\u00e4rz 2000 gew\u00e4hlt werden. VVN-BdA-Bundessprecher Peter-Christian Walther habe erkl\u00e4rt, sein Verband wolle sich anschlie\u00dfen. Er w\u00fcnsche auch, dass der gemeinsame Dachverband den Namen der VVN-BdA trage. Repr\u00e4sentanten von VVN-BdA und BdA erkl\u00e4rten zugleich, dass der gemeinsame Dachverband keine Fusion bedeute; die Organisationen sollten innerhalb seines Rahmens selbst\u00e4ndig bleiben. Am 3. April beteiligte sich die VVN-BdA am Ostermarsch in M\u00fcnchen, Veranstaltungsan dem insgesamt 450 Personen teilgenommen haben. Am 31. Juli schwerpunkte f\u00fchrte sie mit anderen, auch linksextremistischen, Gruppierungen eine Demonstration in der W\u00fcrzburger Innenstadt durch. Die Veranstaltung mit etwa 100 Teilnehmern wandte sich prim\u00e4r gegen den als verst\u00e4rkt empfundenen Aktionismus rechtsextremistischer Personen und Gruppierungen im Raum W\u00fcrzburg. Zum \"Antikriegstag 1999\" am 1. September f\u00fchrte die VVN-BdA in Bamberg und Hof Veranstaltungen durch. 2.2.4.2 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Deutschland Bayern Mitglieder: 300 50 Vorsitzender: Michael G\u00f6tze Gr\u00fcndung: 04./05.05.1968 Sitz: Essen Publikation: position","98 Linksextremismus Ideologischer Die mit der DKP eng verbundene SDAJ versteht sich als SelbstorganiGleichklang mit sation von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Studentinnen und Studenten, der DKP Auszubildenden und jungen Arbeitenden, die in der Bundesrepublik Deutschland leben, unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft. Die SDAJ k\u00e4mpft nach eigener Darstellung f\u00fcr eine Welt ohne Ausbeutung und Rassismus, f\u00fcr eine Welt, in der die Menschen und nicht die Konzerne das Sagen haben. Am 10. Januar beteiligte sich die SDAJ in Berlin-Friedrichsfelde an Gedenkfeier dem von der PDS veranstalteten traditionellen \"ehrenden Gedenken\" in Berlin an der Grabst\u00e4tte der vor 80 Jahren am 15. Januar 1919 ermordeten Gr\u00fcnder der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Rund 100.000 Personen nahmen an dieser Veranstaltung teil. Nach einem Bericht des DKP-Zentralorgans \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 19. November hat die SDAJ am 6. November im Hamburger GewerkJugendkonferenz schaftshaus eine \"Jugendkonferenz gegen Militarismus und Krieg\" durchgef\u00fchrt. Unter den rund 100 Teilnehmern habe sich auch der DKP-Vorsitzende Heinz Stehr befunden. Ein IG-Medien-Funktion\u00e4r habe die Gelegenheit zur Agitation gegen den DGB genutzt, weil dieser dem NATO-Angriffskrieg ohne Einschr\u00e4nkungen zugestimmt habe. SDAJ-Redner h\u00e4tten behauptet, der imperialistische Gegner stehe heute wie vor 80 Jahren im eigenen Land. Eine Neuformierung der \"Friedensbewegung\" sei erforderlich. 2.3 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Deutschland Bayern Mitglieder: 2.000 140 Vorsitzender: Stephan Engel Gr\u00fcndung: 1982 Sitz: Gelsenkirchen Publikationen: Rote Fahne und Theorieorgan \"lernen und k\u00e4mpfen\" Die MLPD wurde 1982 in Bochum als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und Westberlin\" gegr\u00fcndet. Die Partei bekennt sich zu den Lehren von Marx, Engels, Lenin und Mao Tse-tung. In ihrem Zentralorgan \"Rote Fahne\" f\u00fchrt sie in ihren st\u00e4n-","Linksextremismus 99 digen \"Informationen f\u00fcr neue Leserinnen und Leser\" unter anderem aus: \"Die MLPD wendet den Marxismus-Leninismus und die Maotsetungideen sch\u00f6pferisch auf die heutige Situation an.\" Die Mitglieder stammen vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Baden-W\u00fcrttemberg. Sie sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"zentralen Leitung\" mit Sitz in Gelsenkirchen unterstehen. Die MLPD z\u00e4hlt bundesweit rund 2.000 Mitglieder, davon etwa 140 in Bayern. Nebenorganisation der Partei ist der Jugendverband REBELL. Von der MLPD beeinflusst ist der Frauenverband Courage. Die MLPD ist aufgrund ihrer sektiererischen Haltung im gesamten Weitgehende linksextremistischen Lager isoliert. Von anderen linksextremistischen Isolierung Parteien grenzt sie sich durch scharfe kritische \u00c4u\u00dferungen ab. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten lag in der parteiinternen Programmdiskussion sowie in der konspirativen Durchf\u00fchrung ihres VI. Parteitags im Dezember. Auf dem so genannten \"Gelsenkirchner Parteitag\" beschloss die Partei ein neues Programm, das nach Berichten im ParNeues Parteiteiorgan Rote Fahne vom 17. und 24. Dezember \u00fcberzeugende und programm motivierende Antworten auf alle wesentlichen Fragen \u00fcber das \"kapitalistische System\" gebe. In mehreren Kapiteln werden in diesem Programm die Bundesrepublik Deutschland als System des staatsmonopolistischen Kapitalismus beschrieben, angebliche Lehren aus dem Scheitern des realen Sozialismus gezogen und der \"echte Sozialismus\" als Ziel propagiert. In Bayern betrieb die MLPD lediglich einzelne Info-St\u00e4nde zur Programmdiskussion und zu Themen wie Arbeitslosigkeit und dem NATO-Einsatz im Kosovo. 2.4 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Deutschland Bayern Mitglieder: 200 100 Gr\u00fcndung: 1973 Sitz: M\u00fcnchen Publikation: Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) Mehrere \u00f6rtlich t\u00e4tige maoistisch orientierte Arbeiterbasisgruppen schlossen sich 1973 zum AB zusammen. Dieser beruft sich in seinen programmatischen Aussagen auf den Marxismus-Leninismus und die","100 Linksextremismus Ideen Stalins sowie Mao Tse-tungs. Sein Ziel ist die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\", um den Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\" zu verwirklichen. Der AB bekennt offen, dass dies nur mit Gewalt zu erreichen sei, da die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Es bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. \"Freundeskreise\" in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg sollen den AB finanziell unterst\u00fctzen. In weiteren St\u00e4dten des Bundesgebiets verf\u00fcgt der AB \u00fcber Ortsgruppen bzw. St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb konstant bei etwa 200, davon rund 100 in Bayern. Der AB ist Zwei AB-Fl\u00fcgel in zwei Fl\u00fcgel gespalten. Der gr\u00f6\u00dfere, die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (Gruppe KAZ) steht der DKP, der kleinere Fl\u00fcgel der PDS nahe. Der Gro\u00dfteil der Mitglieder der Gruppe KAZ hat sich 1997 in Form einer Doppelmitgliedschaft der DKP angeschlossen. Beide Fl\u00fcgel sehen sich in der Tradition des AB, zeigten aber wie in den Vorjahren nur geringe Aktivit\u00e4ten. 2.5 Marxistische Gruppe (MG) Deutschland Bayern Mitglieder: 10.000 700 Aktive Leitung: Funktion\u00e4rsgruppe Gr\u00fcndung: 1969/1970 (\"aufgel\u00f6st\" zum 1. Juni 1991) Sitz: M\u00fcnchen Publikation: GEGENSTANDPUNKT Die MG, 1969/1970 aus der Gruppierung Rote Zellen hervorgegangen, hat am 21. Mai 1991 ihre \"Aufl\u00f6sung\" erkl\u00e4rt. Sie blieb jedoch mit etwa 10.000 Anh\u00e4ngern eine der gr\u00f6\u00dften linksextremistischen Organisationen in Deutschland. Von den rund 4.200 Anh\u00e4ngern in Bayern sind etwa 700 aktiv. Die Aktivisten trafen sich bei regelm\u00e4\u00dfiRegelm\u00e4\u00dfige gen \"Jour fixe\" bzw. GEGENSTANDPUNKT-DiskussionsveranstaltunVeranstaltungen gen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Dabei wird nicht der fr\u00fchere Organi-","Linksextremismus 101 sationsname verwendet, sondern die Bezeichnung der von f\u00fchrenden MG-Funktion\u00e4ren herausgegebenen politischen Vierteljahreszeitschrift GEGENSTANDPUNKT. Diese Publikation erscheint seit 1992. Die MG befasste sich in ihren \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen insbesondere mit dem \"Balkankrieg der NATO\". 2.6 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus An dem linksextremistisch beeinflussten M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen LinksextremistiRassismus mit seinen rund 40 Anh\u00e4ngern beteiligen sich neben scher Einfluss demokratischen Gruppierungen die PDS, DKP, AB, Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP), die Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) und die linksextremistisch beeinflusste Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Die Leitung bei Treffen und Veranstaltungen oblag meist Aktivisten der linksextremistischen Gruppierungen. Diese zeichneten auch f\u00fcr Flugbl\u00e4tter des B\u00fcndnisses presserechtlich verantwortlich. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger f\u00fcr eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten, zu denen kleinere Gruppen alleine nicht in der Lage waren. Es beteiligte sich auch an Veranstaltungen von linksextremistischen, insbesondere autonomen Gruppierungen. Schwerpunktthemen des M\u00fcnchner B\u00fcndnisses gegen Rassismus waren der Bundeswehrund NATO-Einsatz im Kosovo sowie Asylund Abschiebeproblematiken. Hierzu wurden zahlreiche Demonstrationen, Diskussionsveranstaltungen, Flugblattverteilungen, Info-St\u00e4nde und Mahnwachen durchgef\u00fchrt. Eine Veranstaltung des M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus am 13. M\u00e4rz in M\u00fcnchen richtete sich unter dem Motto \"Gegen die ausl\u00e4nderfeindliche und rassistische Kampagne der CSU\" gegen die Unterschriftenaktion der Unionsparteien zur Einf\u00fchrung der doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit. Daran beteiligten sich auch Mitglieder der trotzkistischen SAG. Die SAG betreibt mit Hilfe ihrer 1994 gegr\u00fcndeten Tarnorganisation \"Linksruck-Netzwerk\" eine gezielte Infiltration bei den Jungsozialisten der SPD. Mit dieser \"Entrismus\" genannten Strategie sollen Kader zur St\u00e4rkung der eigenen Organisation unter den Jusos","102 Linksextremismus angeworben werden. Das \"Linksruck-Netzwerk\" verf\u00fcgt in Bayern \u00fcber Ortsgruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, Regensburg, Rosenheim und W\u00fcrzburg. 3. Gewaltorientierte Linksextremisten 3.1 Autonome Gruppen Deutschland Bayern Mitglieder: \u00fcber 6.000 500 Gr\u00fcndung: meist themenbezogene Zusammenschl\u00fcsse seit Ende der 70er Jahre Sitz: lokale Gruppen Publikationen: Szenebl\u00e4tter, z.B. INTERIM; auf lokaler Ebene unter anderem: barricada 3.1.1 \u00dcberblick Unverminderte Die Gewaltbereitschaft der Autonomen stellt weiterhin eine wesentGewaltbereitliche Bedrohung der Inneren Sicherheit in Deutschland dar. \u00dcber 80% schaft der linksextremistisch motivierten Gewalttaten sind auf Autonome zur\u00fcckzuf\u00fchren. Autonome Gruppierungen besch\u00e4ftigen sich mit nahezu allen Themenbereichen linksextremistischer Propaganda. Durch geschickte Agitation versuchen sie, auch demokratische Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobilisieren. Die Schwerpunkte ihrer Aktivit\u00e4ten liegen im Bereich \"Antifaschismus\", d.h. der Bek\u00e4mpfung von rechtsextremistischen Bestrebungen und des \"Repressionsapparats\" des Staats. Gerade bei ihren Aktionen gegen den Rechtsextremismus gelingt es ihnen, demokratische Gruppen einzubeziehen, die sich gegen ein Erstarken des Rechtsextremismus wenden. 3.1.2 Ideologische Ausrichtung Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept. Sie folgen unklaren anarchistischen und anarchokommunistischen Vorstellungen. Die einzelnen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Ablehnung von Einig sind sich die Autonomen in der Ablehnung von Staat und Staat und GesellGesellschaft. Ihr Ziel ist die gewaltsame Abschaffung des Staats und schaft seiner Institutionen, um an seiner Stelle eine \"herrschaftsfreie Gesell-","Linksextremismus 103 schaft\" zu errichten. Das provozierende Auftreten der Autonomen in der \u00d6ffentlichkeit, ihre staatsfeindliche Haltung, die Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte, aber auch das Bejahen von Gewalt zur Durchsetzung ihrer Forderungen und Ziele kommen der Protesthaltung mancher junger Menschen entgegen, vor allem, wenn Attraktivit\u00e4t f\u00fcr diese mit Problemen im Elternhaus oder in der Schule bzw. Ausbiljunge Menschen dung konfrontiert werden. Dieses gemeinsam empfundene, alle Bereiche umfassende Lebensgef\u00fchl geht \u00fcber - m\u00f6glicherweise unterschiedliche - politische Vorstellungen hinaus und schafft Bindungen. Angeh\u00f6rige bzw. Aktivisten der Autonomen unterscheiden sich soziologisch zun\u00e4chst kaum von anderen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie sind Sch\u00fcler, Studenten und Auszubildende, schlie\u00dfen aber vielfach ihre Lehre oder ihr Studium nicht ab. Ein Beispiel f\u00fcr die ideologische Ausrichtung der Autonomen ist die M\u00fcnchner Gruppierung Zusammen K\u00e4mpfen (ZK). Diese Gruppe hat ein ausgepr\u00e4gtes antikapitalistisches Grundverst\u00e4ndnis und versteht die staatliche und gesellschaftliche Ordnung Deutschlands als \"Klassengesellschaft\", in der ein \"gnadenloser Klassenkampf von oben\" gegen die \"proletarische Klasse\" betrieben werde. Nach Beseitigung der bestehenden gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung in Deutschland soll an deren Stelle eine klassenlose, kommunistische Gesellschaftsform treten, aufgebaut nach dem R\u00e4teprinzip. Dies R\u00e4tesystem erfordere den Aufbau einer breiten revolution\u00e4ren Bewegung, die einen gemeinsamen antikapitalistischen und antistaatlichen Kampf f\u00fchren m\u00fcsse. 3.1.3 Strukturen 3.1.3.1 Autonome in Bayern \u00d6rtliche Brennpunkte der Autonomen in Bayern sind N\u00fcrnberg, M\u00fcnSchwerpunkte chen und Passau. Die Passauer Autonomen zeigten insgesamt gerinin Bayern ge Aktivit\u00e4ten. Sie sind allerdings nach wie vor gewaltbereit. Dies zeigte sich am 25. September, als vier Aktivisten der Autonomen Antifa Passau (AA Passau) zwei Teilnehmer der DVU-Veranstaltung t\u00e4tlich angriffen. Die Autonome Szene in N\u00fcrnberg ist gefestigt. F\u00fcr ihre ideologische und organisatorische T\u00e4tigkeit haben das \"Stadtteilzentrum Schwarze Katze\" und das \"Internationale Kulturhaus\" als Anlaufund Kontaktstellen das \"K\u00fcnstlerhaus K4\", vormals \"Kommunikationszentrum (KOMM)\", abgel\u00f6st. Die etwa 150 M\u00fcnchner","104 Linksextremismus Autonomen besch\u00e4ftigten sich ganz \u00fcberwiegend mit dem Thema \"Antifaschismus\". Als Anlaufund Kontaktstelle hat f\u00fcr sie der autonome Info-Laden im Stadtteil Haidhausen nach wie vor zentrale Bedeutung. Daneben bestehen autonome Gruppierungen unter anderem in den Bereichen Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Neu-Ulm, Sulzbach-Rosenberg und W\u00fcrzburg. Auch aus anderen St\u00e4dten wurden Aktivit\u00e4ten der autonomen Szene bekannt; dort bestehen meist nur Kleinstgruppen. 500 Autonome Insgesamt geh\u00f6ren den autonomen Strukturen in Bayern rund 500 in Bayern Personen an. Die Anh\u00e4ngerzahl hat sich zwar nicht erh\u00f6ht, die Autonomen sind aber nach wie vor sehr motiviert. Die autonomen Gruppierungen tragen Namen wie rote antifa n\u00fcrnberg (ran), Zusammen K\u00e4mpfen (ZK), Antifaschistische Jugendfront (AJF), Antifaschistische Aktion (AA), Jugend gegen Rassismus (JgR), Antifa Kritik & Kampf (AKuK) und Organisierte Autonomie (OA). Die fr\u00fchere grunds\u00e4tzliche Ablehnung von Organisationsformen und verbindlichen Strukturen haben die Autonomen gr\u00f6\u00dftenteils aufgegeben. Seit 1998 tritt das Antifaschistische Aktionsb\u00fcndnis Bayern (AABB) Bayerisches \u00f6ffentlich in Erscheinung. Dieses B\u00fcndnis dient vor allem dazu, den Aktionsb\u00fcndnis \"antifaschistischen Widerstand\" in Bayern zu beleben bzw. zu organisieren. Die gemeinsamen Treffen der an diesem B\u00fcndnis teilnehmenden autonomen Antifa-Gruppierungen bilden die Grundlage f\u00fcr die Koordination der politischen Arbeit und der bayernweiten Kampagnen und Aktionen. Durch das B\u00fcndnis wird die \u00f6rtliche Antifaarbeit wesentlich verst\u00e4rkt. Im AABB sind knapp 20 Gruppierungen organisiert, darunter Gruppen aus Aschaffenburg, Augsburg, Bayreuth, Ingolstadt, Landshut, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Passau, Regensburg, Sulzbach-Rosenberg, Ulm/Neu-Ulm und W\u00fcrzburg. In Bayern sind derzeit keine autonomen Zusammenh\u00e4nge feststellbar, die - nach dem Vorbild terroristischer Gruppierungen wie etwa die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) - Modelle des \"Guerillakampfes\" propagieren und aus der \"Legalit\u00e4t\" heraus als so genannte Feierabendterroristen planm\u00e4\u00dfig terroristische Straftaten ver\u00fcben. 3.1.3.2 Antifaschistische Aktion/ Bundesweite Organisation (AA/BO) Der AA/BO ist es gelungen, im autonomen Bereich eine dauerhafte Organisationsstruktur zu schaffen. Sie hat wesentliche Bedeutung f\u00fcr","Linksextremismus 105 Autonome in Bayern 1999 Coburg* (Schwerpunkte) Aschaffenburg Bayreuth Raum Aschaffenburg Raum W\u00fcrzburg Bayreuth ca. 25 Raum ca. 20 W\u00fcrzburg ca. 30 N\u00fcrnberg Sulzbach-Rosenberg Gro\u00dfraum N\u00fcrnberg, Raum F\u00fcrth, Erlangen Sulzbach-Rosenberg ca. 140 ca. 30 Regensburg* Angeh\u00f6rige der autonomen Szenen *) Ingolstadt* Passau Autonome Gro\u00dfraum Landshut* Raum Kleinstgruppen Passau Augsburg Neu-Ulm* ca. 20 ca. 20 Augsburg Gro\u00dfraum M\u00fcnchen M\u00fcnchen ca. 150 Rosenheim* die gewaltbereite autonome antifaschistische Szene und ist eine Art Dach f\u00fcr gewaltorientierte Gruppierungen zur Verankerung und Verbreiterung des Widerstands. Der AA/BO geh\u00f6ren Gruppierungen aus \u00fcber zehn St\u00e4dten im Bundesgebiet an. Eine zentrale Rolle in dieser Organisation nimmt die militante Autonome Antifa (M) in G\u00f6ttingen ein. Die Aktivit\u00e4ten der Mitgliedsgruppe AA Passau sind derzeit durch ein Verfahren wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung gebremst. Aus Bayern geh\u00f6ren der AA/BO au\u00dferdem noch die rote antifa n\u00fcrn-","106 Linksextremismus berg (ran) und die Antifa Kritik & Kampf (AKuK) aus N\u00fcrnberg an. Im Rahmen der Vernetzung von Gruppen spielen vor allem ehemalige Wichtige Rolle Passauer Aktivisten bundesweit eine wichtige Rolle. In Berlin, HamPassauer Aktiburg und G\u00f6ttingen wirken sie stabilisierend auf die politische Arbeit visten der dortigen Gruppierungen. Die linksextremistische Zielsetzung der AA/BO zeigt sich unter anderem an der von ihr propagierten These, dass sich der Antifaschismuskampf gegen die Grundpfeiler der \"b\u00fcrgerlichen Herrschaft\" richten m\u00fcsse. Die Parole lautet: \"Kampf dem Faschismus hei\u00dft Kampf dem imperialistischen System.\" Werbung neuer Die AA/BO wirbt seit 1997 mit einem farbig gestalteten Faltblatt Anh\u00e4nger sowie im Internet in der linksextremistischen Szene. Die AA/BO empfiehlt sich als Sammlungsbewegung, welche die Zersplitterung der \"Linken\" \u00fcberwinden will. Sie propagiert Widerstand gegen b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte und das \"bestehende Herrschaftssystem\". Weiter hei\u00dft es: \"Eine antifaschistische, freie Gesellschaft kann nur entstehen, wenn das System mit all seinen \u00dcbeln gekippt wird. Denn f\u00fcr alles Reaktion\u00e4re gilt, dass es nicht f\u00e4llt, wenn es nicht niedergerissen wird.\" 3.1.3.3 Antifa-Offensive 1999 Die autonome Szene sieht sich in den letzten Jahren mit einer angeblich stetig wachsenden \"faschistischen Bewegung\" in Deutschland konfrontiert. Zum einen meint sie damit rechtsextremistische Parteien und Gruppierungen (Wahlerfolge, Zunahme rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten und Gro\u00dfveranstaltungen), zum anderen den \"hochger\u00fcsteten Polizeiapparat\". Die AA/BO initiierte daher zur konzeptionellen und strategischen Neuorientierung die Kampagne \"Antifa-Offensive 1999\". Damit versuchte die AA/BO, eine bundesweite Vernetzung f\u00fcr ein Jahr auf eine breitere Basis zu stellen, Bundesweite mit dem Ziel, bundesweit koordiniert vor allem gegen organisierten Kampagne Rechtsextremismus offensiv vorgehen zu k\u00f6nnen. Kennzeichnend dabei war, dass Zeit und Ort autonomer Aktionen von den Autonomen selbst bestimmt wurden. Daneben zeigte die Kampagne die neue Bereitschaft der AA/BO, sich gegen\u00fcber anderen autonomen Antifa-Gruppen zu \u00f6ffnen, indem sie diesen die M\u00f6glichkeit gab, sich zu beteiligen. Unter dem Kampagnen-Logo \"Antifa-Offensive 1999 - Den rechten Vormarsch stoppen!\" fanden bundesweit koordiniert Veranstaltungsreihen, Demonstrationen, Konzerte und andere Aktionen statt, die","Linksextremismus 107 vor allem gegen rechtsextremistische Parteien gerichtet waren. Die \"Antifa-Demonstration\" zur NPD-Bundesgesch\u00e4ftsstelle am 9. Oktober in Stuttgart, an der sich rund 1.000 Personen gr\u00f6\u00dftenteils aus autonomen und anderen linksextremistischen Gruppierungen beteiligten, wurde als \"H\u00f6hepunkt\" der Kampagne angesehen. Auch in Bayern organisierte die autonome Antifa-Szene im Rahmen Aktionen der \"Antifa-Offensive 1999\" Aktionen (Demonstrationen, Kundin Bayern gebungen, Informationstische) gegen so genannte Nazistrukturen. Am 30. Oktober veranstalteten Autonome in Sinning, Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, im Rahmen der \"Antifa Offensive 99\" einen \"Antifaschistischen Aktionstag\". Unter dem Motto \"Kein braunes Endlager in Sinning\" demonstrierten rund 150 Personen gegen die damals dort residierende Gesch\u00e4ftsstelle der NPD Bayern sowie gegen Redaktion und Versandhandel des Parteiorgans der NPD \"Deutsche Stimme\". Im Anschluss an die Demonstration fand eine so genannte Antifa-Soliparty statt. F\u00fcr diese Versammlung hatte ein Sprecher des Antifaschistischen Aktionsb\u00fcndnisses Bayern (AABB) beim Aktionstag gegen die DVU-Kundgebung am 25. September in Passau geworben. Am 19. November demonstrierten in F\u00fcrth etwa 150 Personen unter dem Motto \"Faschisten bek\u00e4mpfen! Weg mit dem Naziladen in F\u00fcrth\" gegen ein in F\u00fcrth von Rechtsextremisten betriebenes Gesch\u00e4ft. Zu dieser Demonstration hatten mehrere \u00f6rtliche autonome und andere linksextremistischen Gruppen aufgerufen. 3.1.4 Informationelle Vernetzung Durch die Zugeh\u00f6rigkeit der AA Passau und ran zur AA/BO sind die bayerischen Schwerpunktszenen in den bundesweiten Informationsaustausch autonomer und anderer linksextremistischer Gruppierungen eingebunden. F\u00fcr den lokalen, \u00fcberregionalen und internationalen Informationsaustausch verwenden Autonome Szenepublikationen, Info-L\u00e4den, Szenelokale sowie verdeckte informelle Strukturen wie Telefonketten, aber auch Mailboxverbundsysteme und das Internet. In Bayern bestehen Info-L\u00e4den in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Landshut. Info-L\u00e4den Linksextremisten nutzen seit Jahren die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Das in fr\u00fcheren Jahren genutzte \"Spinnennetz\" ist nicht mehr existent. Eine immer gr\u00f6\u00dfere Bedeutung hat Nutzung des inzwischen die Nutzung des Internets erlangt. Darin werden, zum Teil Internets","108 Linksextremismus \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter, Nachrichten und Publikationen mit teilweise strafbarem Inhalt verbreitet. \"Antifa-Treffen\" werden in der Regel fr\u00fchzeitig im Netz angek\u00fcndigt. Die Beitr\u00e4ge umfassen auch Selbstdarstellungen autonomer Zusammenschl\u00fcsse sowie Angebote verschiedener linksextremistischer Publikationen, z.B. die anarchistische \"graswurzelrevolution\". 3.1.5 Autonome Publikationen Eine weitere Informationsm\u00f6glichkeit bietet sich den Autonomen durch die Szenepublikationen. Diese werden oft konspirativ hergestellt und verbreitet. Neben der Berichterstattung \u00fcber autonome und terroristische Aktivit\u00e4ten sch\u00fcren die Publikationen vor allem den Hass gegen die Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Sie enthalten ferner unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu Gewalttaten, u.a. gegen Rechtsextremisten und deren Einrichtungen, sowie - vor allem im Bereich der Anti-AKW-Kampagne - gegen Einrichtungen der Deutschen Bahn AG. Von den bundesweiten Szenebl\u00e4ttern hat nach wie vor die regelm\u00e4\u00dfig erscheinende, aus Berlin stammende Publikation INTERIM zentrale Bedeutung. ThemenThemenschwerpunkte in den autonomen Publikationen waren \"Antischwerpunkte faschismus\", \"revolution\u00e4re Organisierung der Linken\", \"rassistische Fl\u00fcchtlingspolitik\" und \"Repression gegen Antifaschisten\". Daneben waren wie in den Vorjahren eine Vielzahl von Selbstbezichtigungsschreiben zu Anschl\u00e4gen sowie Handlungsanleitungen zu Straftaten abgedruckt. Die Themenbereiche \"kurdischer Befreiungskampf\" und die \"Anti-AKW-Bewegung\" fanden nur geringe Beachtung. Anfang Juni wurde - nach einer \u00fcber einj\u00e4hrigen Pause - eine neue Ausgabe (Nummer 156) der militanten autonomen Untergrundzeitschrift \"radikal\" bekannt. In einem Vorwort zur neuen Ausgabe betonten die \"Macher\", das Blatt als einen subversiven Raum zu sehen, in dem Kommunikationsprozesse stattf\u00e4nden und militante Strategien verhandelt und organisiert werden k\u00f6nnten. In einem Beitrag schreibt \"eine gruppe aus der radikal\": \"wenn wir diese gesellschaft umw\u00e4lzen wollen, dann gilt es, sie jetzt zu bek\u00e4mpfen, mit allen mitteln, die uns in die k\u00f6pfe und in die h\u00e4nde fal-","Linksextremismus 109 len. dazu geh\u00f6ren flugbl\u00e4tter und sitzblockaden genauso wie sekundenkleber in schl\u00f6ssern und brennende karren (oder eben auch die radi). (...) gezielte politische aktionen gegen sachen und auch personen sind v\u00f6llig legitim. (...) vielmehr ist eine militante haltung f\u00fcr uns eine, bei der aus der grundlegend ablehnenden haltung gegen diesen und jeden staat, gegen die akteure und profiteure der herrschaftsverh\u00e4ltnisse praktische konsequenzen folgen. (...) wir sind jedenfalls nicht bereit, diesem staat das gewaltmonopol zu \u00fcberlassen! wir sind illegal und kriminell in der definition dieses staates, etwas anderes k\u00f6nnen und wollen wir hier auch nicht sein!\" Auf den letzten Seiten der radikal werden jugendliche SympathisanAufruf zu ten unter dem Motto \"Militant ins n\u00e4chste Jahrtausend\" zu Anschl\u00e4Gewalttaten gen aufgefordert. Auch in bewegungsarmen Zeiten seien militante Aktionen notwendig, um in den gesellschaftlichen Auseinandersetzungen \"linksradikale\" Standpunkte pr\u00e4sent zu machen. Den Abschluss der Zeitschrift bildet eine detaillierte Anleitung zum Bau eines Brandsatzes mit Zeitz\u00fcnder, um \"j\u00fcngeren (aber durchaus auch \u00e4lteren) Linksradikalen einen Zugang zu solchem Wissen zu erm\u00f6glichen. Wie sonst sollen wir militante Praxis weiterentwickeln?\" In Bayern publizieren die Autonomen ihre politischen Artikel vor allem in den regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Schriften barricada und bambule aus N\u00fcrnberg, Fight the Power aus Passau, PARTISAN aus Ulm/Neu-Ulm und Pro.K aus M\u00fcnchen. Oft werden darin auch nur Artikel aus bundesweiten Szenepublikationen wie INTERIM \u00fcbernommen und durch Hinweise auf aktuelle Themen und Termine der \u00f6rtlichen oder regionalen Szene erg\u00e4nzt. 3.1.6 Schwerpunktthemen und Aktionen Beherrschendes Thema f\u00fcr die Autonomen in Bayern war auch in diesem Jahr der Antifaschismus. Eine untergeordnete Rolle spielten der Kosovo-Konflikt und die Festnahme des PKK-Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan. Im Zusammenhang mit den Aktionen war auch eine Reihe von Gewaltund Straftaten zu verzeichnen. Die Zahl der Gewalttaten betr\u00e4gt wie im Vorjahr 25 Stagnation der (vgl. auch Nummer 3.2 dieses Abschnitts). Gewalttaten","110 Linksextremismus 3.1.6.1 Antifaschismus Schwerpunkt aller Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern bildeten wie im Vorjahr Aktionen und auch Gewalttaten gegen rechtsextremistische Veranstaltungen, aber auch gezielte Angriffe gegen tats\u00e4chliche und vermeintliche Rechtsextremisten. Von den 25 in Bayern Motiv der ver\u00fcbten Gewalttaten entfallen 21 auf diesen Bereich. Antifaschismus Gewalttaten hat insbesondere f\u00fcr die Autonomen nach wie vor gro\u00dfe Attraktivit\u00e4t. F\u00fcr entsprechende Aktionen sind die Autonomen wie sonst zu kaum einem anderen Thema in der Lage, den gr\u00f6\u00dften Teil ihres Hohes MobilisiePotenzials zu mobilisieren. Auch bundesweit hat dieses Thema erhebrungspotenzial lich an Bedeutung gewonnen. So hat die Zahl der bundesweit ver\u00fcbten Gewaltdelikte mit der Begr\u00fcndung Antifaschismus um rund 15 % zugenommen. Ihr Anteil an den insgesamt ver\u00fcbten Gewalttaten in Deutschland betr\u00e4gt rund 42 %. Linksextremisten sp\u00e4hen ihre politischen Gegner ebenso wie Rechtsextremisten gezielt aus und verSteckbriefe \u00f6ffentlichen seit Jahren entsprechende Steckbriefe in ihren Publikationen. J\u00fcngstes Beispiel ist die linksextremistische Publikation \"barricada-Zeitung f\u00fcr autonome Politik und Kultur aus N\u00fcrnberg\", Ausgabe Dezember 1999. In einem redaktionellen Beitrag zur \"Nazi-Skinhead-Bewegung und ihre Strukturen in Franken/Nordbayern\" werden sieben Rechtsextremisten aus der Region mit Portr\u00e4ts, Namen und Adressen genannt. In einem anschlie\u00dfend abgedruckten Interview mit der \u00dcberschrift \"Was tun? Was tun!\" wird unverhohlen zu Gewalttaten gegen die \"wirklichen Drahtzieher\" aufgefordert. Die Aussp\u00e4hungen werden aber nicht immer nur f\u00fcr direkte Auseinandersetzungen genutzt, sondern sollen die Opfer h\u00e4ufig auch in ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld treffen. So brachten in M\u00fcnchen unbekannte T\u00e4ter, die der autonomen Szene zugerechnet werden, Ende Juli am Wohnanwesen eines Skinheads die Schmierschrift \"Nazis im zweiten Stock angreifen - F\u00fcr ein rotes Westend\" an und warfen einen Farbbeutel an ein Fenster im zweiten Stock. In einem Selbstbezichtigungsschreiben, das die T\u00e4ter im Briefkasten des Gesch\u00e4digten hinterlassen hatten, bedrohten sie den Skinhead. Parolenhaft forderten die Verfasser \"Faschisten angreifen! F\u00fcr die militante antifaschistische Offensive\". Zu nennen sind folgende weitere Aktionen: Wie schon in fr\u00fcheren Jahren agitierte die autonome Szene auch heuer gegen den Pfingstkongress des \"Coburger Convents\" (CC). Dieser Dachverband von 104 studentischen Korporationen vertritt nach Ansicht von Linksextremisten nationalistische und rassistische","Linksextremismus 111 Grundhaltungen. Am 24. Mai beteiligten sich etwa 350 Personen, darunter zahlreiche Autonome, an einer von der linksextremistischen Szene in Coburg ausgerichteten \"Anti-CC-Demonstration\". Die Polizei verhinderte Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern und Gegnern des CC. 80 Autonome versuchten, einen Fackelzug durch die Coburger Innenstadt und die anschlie\u00dfende Abschlusskundgebung mit Trillerpfeifen zu st\u00f6ren. Sie wurden jedoch von der Polizei abgedr\u00e4ngt. Auch der Wahlkampf der NPD zur Europawahl war Ziel von linksAngriffe auf NPDextremistischen Angriffen. Am 5. Juni st\u00f6rten 300 GegendemonstVeranstaltungen ranten, darunter etwa 150 Linksextremisten in N\u00fcrnberg eine Kundgebung der NPD zur Europawahl erheblich. Unter F\u00fchrung der zur Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) geh\u00f6renden Roten Antifa N\u00fcrnberg versperrten Gegendemonstranten den Rechtsextremisten den Weg zum Versammlungsort. Die Polizei erzwang daraufhin den Zutritt. W\u00e4hrend der NPD-Veranstaltung standen den rund 150 NPD-Anh\u00e4ngern zahlreiche Linksextremisten gegen\u00fcber. Diese erzeugten mit Zwischenrufen und Trillerpfeifen so viel L\u00e4rm, dass der Redner der NPD kaum zu verstehen war. Angeh\u00f6rige der PDS, VVN-BdA und Autonome beteiligten sich am 24. Juli an einer Veranstaltung gegen einen Aufzug des JN-Landesverbands in Ingolstadt. Insgesamt nahmen an der Demonstration des B\u00fcndnisses gegen Rechts rund 140 Personen teil. Die Veranstaltung stand unter dem Motto \"Stoppt den (Vor)Marsch der Rechten\". Die Teilnehmer f\u00fchrten Transparente und Plakate mit antifaschistischen Aufschriften mit. Nach Abschluss der Veranstaltung zogen etwa 30 Teilnehmer zum Aufzugsgel\u00e4nde der JN und versuchten, den Abmarsch durch eine kurze Sitzblockade zu verhindern. Als Reaktion auf die allj\u00e4hrlich stattfindende Gro\u00dfkundgebung der DVU am 25. September in Passau organisierten der dem lokalen autonomen Spektrum zuzurechnende \"Verein zur F\u00f6rderung des antifaschistischen Bewusstseins junger Menschen e.V.\" und die Antifaschistische Aktion Passau einen Aktionstag. Den Schwerpunkt bildete mit etwa 3.000 Teilnehmern ein Aufzug unter dem","112 Linksextremismus Motto \"Den Faschisten immer und \u00fcberall entgegentreten\". Als Rednerin trat - neben Vertretern der Autonomen - die bayerische Bundestagsabgeordnete der PDS, Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter, auf. Im Verlauf des Aktionstags griffen vier Sympathisanten der autonomen AA Passau zwei mutma\u00dfliche Teilnehmer der DVU-Veranstaltung t\u00e4tlich an. Die Polizei leitete insgesamt 26 Ermittlungsverfahren gegen Personen der linksextremistischen Szene ein, unter anderem wegen K\u00f6rperverletzung, Widerstands, Beleidigung und Mitf\u00fchrens von Waffen. Unter dem Motto \"Kampf gegen den Drogenmissbrauch und Kampf der Drogenmafia\" fand am 6. November in Rosenheim ein Aufzug Ausschreitungen der NPD mit rund 400 Teilnehmern statt. Der Demonstrationszug bei NPD-Verwurde von mehreren hundert linksextremistischen Gegendemonstsammlung ranten durch Pfeifkonzerte, Rufen von Parolen sowie durch das Werfen von Gegenst\u00e4nden wie Bierdosen, Glasflaschen, Steinen und Eiern massiv gest\u00f6rt. Die Polizei konnte einzelne T\u00e4ter aus dem St\u00f6rerblock herausgreifen und eine Eskalation der Auseinandersetzung verhindern, die zuletzt auch in t\u00e4tlichen Angriffen mit Faustschl\u00e4gen und Fu\u00dftritten gipfelte. Dabei wurden mehrere Personen verletzt. Die Polizei nahm 28 Personen, meist Jugendliche beider Gruppierungen, darunter 13 Linksextremisten, wegen mehrerer Straftaten vor\u00fcbergehend fest. Die Linksextremisten begingen unter anderem neun K\u00f6rperverletzungen. Dar\u00fcber hinaus nahm die Polizei zw\u00f6lf weitere Linksextremisten in Unterbindungsgewahrsam. Den festgenommenen Rechtsextremisten werden unter anderem vier K\u00f6rperverletzungen und das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole zur Last gelegt (vgl. auch Nummer 2.2.4 des 3. Abschnitts). 3.1.6.2 Weitere Aktionen Solidarit\u00e4t f\u00fcr Autonome beteiligten sich auch an Protesten gegen die Verhaftung kurdische PKK Abdullah \u00d6calans. Das Berliner Szeneblatt INTERIM beklagte in der Nummer 470 vom 25. Februar aber die \"relativ lasche Beteiligung\" an den Aktionen. In der Ausgabe vom 11. M\u00e4rz (Nummer 471) wurde eine Liste angeblicher deutscher Waffenlieferanten an die T\u00fcrkei ver\u00f6ffentlicht. Die Auflistung endet mit der Parole \"R\u00fcstungsexporte stoppen, Waffenlieferanten bek\u00e4mpfen!\". Der T\u00e4tigkeitsschwerpunkt der in Bayern besonders aktiven Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen in M\u00fcnchen und im Raum Allg\u00e4u/Oberschwaben lag in der Organisation von Info-Tischen, Kundgebungen und Demonstrationen.","Linksextremismus 113 Ein weiteres wichtiges Thema autonomer Gruppen war die von den Unionsparteien durchgef\u00fchrte Unterschriftenaktion zur doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit. In mehreren St\u00e4dten au\u00dferhalb Bayerns zerst\u00f6rten Autonome Info-St\u00e4nde der CDU. Diese Protestund St\u00f6raktionen weiteten sich au\u00dferhalb Bayerns zeitweise zu Angriffen auf CDU-Einrichtungen und einzelne Parteimitglieder aus. Autonome zerst\u00f6rten unter anderem am 23. Januar in Hamburg und Berlin Info-St\u00e4nde. Dar\u00fcber hinaus griffen meist unbekannte T\u00e4ter Parteieinrichtungen der CDU in mehreren L\u00e4ndern an und st\u00f6rten eine Reihe von Veranstaltungen der CDU. Dabei kam es auch zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen. In der Nacht zum 26. Januar wurden die Scheiben der RCDS-Gesch\u00e4ftsstelle in Bonn mit Pflastersteinen eingeworfen. Am 28. Januar wurden zwei Scheiben der CDU-Kreisgesch\u00e4ftsstelle in Potsdam eingeworfen und ein Brandsatz entz\u00fcndet. Zu Beginn der UnterschriftenAngriffe gegen aktion der CSU in Bayern versuchten Linksextremisten zun\u00e4chst, dieUnterschriftenser durch Desinformationsma\u00dfnahmen zu schaden. Dazu wurden aktion zur doppelwiederholt Flugbl\u00e4tter verteilt, die der Unterschriftenaktion nachten Staatsangeh\u00f6empfunden waren. Mit der Aufschrift \"C.D.U. Unterschriftenaktion rigkeit - Nein zur doppelten Staatsangeh\u00f6rigkeit - Ja zur Integration der CSU\" wurde darin gegen die Aktion polemisiert. Das Flugblatt war mit dem K\u00fcrzel \"Ihre C.D.U. Clowns Danken Unterst\u00fctzerInnen\" unterzeichnet. Gegen den Auftakt der Unterschriftenaktion am 26. Januar in M\u00fcnchen protestierten auf dem Marienplatz unter anderem Autonome und andere Linksextremisten. Am 6. Februar versuchten Angeh\u00f6rige der linksextremistischen Szene in Augsburg, im Rahmen einer Versammlung der dortigen CSU zum Thema \"Doppelte Staatsb\u00fcrgerschaft\" die Aufstellung eines Info-Stands zu verhindern. Sie beschimpften die handelnden Personen und griffen sie t\u00e4tlich an. Am gleichen Tag versuchten acht Mitglieder der autonomen Antifa-Gruppierung \"Zusammen-Aktiv-K\u00e4mpfen\" (Z.A.K.), die Unterschriftenaktion des CSU Kreisverbands Amberg zu verhindern. Angeh\u00f6rige der autonomen/antiimperialistischen Szene, Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten protestierten gegen den Milit\u00e4reinsatz der NATO im Kosovo im M\u00e4rz/April. Mit zunehmender Dauer des Konflikts stieg die Aggressivit\u00e4t bei den","114 Linksextremismus Linksextremisten, die vom Festhalten der \"Rot-Gr\u00fcnen-Bundesregierung\" an der Beteiligung deutscher Bundeswehrsoldaten am NATO-Einsatz im \"Kosovo-Krieg\" entt\u00e4uscht waren. Dies brachten Autonome in einem Internet-Beitrag mit der Parole \"Zerschlagen wir die NATO! Fangen wir mit den Gr\u00fcnen an!\" zum Ausdruck. Die gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen anl\u00e4sslich der DemonstraKrawalle am tionen zum 1. Mai in Berlin zeigten die nach wie vor gro\u00dfe Militanz der 1. Mai in Berlin autonomen Szene. Bei einer Demonstration mit rund 800 Teilnehmern kam es zu Stra\u00dfenblockaden und Steinw\u00fcrfen. Die am Abend im Bezirk Kreuzberg durchgef\u00fchrte \"Revolution\u00e4re 1.-Mai-Demonstration\" mit rund 10.000 Teilnehmern war erneut von gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen begleitet. Die Teilnehmer st\u00fcrzten Container um, setzten Papierk\u00f6rbe in Brand, schlugen Schaufenster ein und warfen Flaschen und Steine gegen Polizeibeamte und auf Einsatzfahrzeuge. Die Polizei musste immer wieder Seitenstra\u00dfen und U-Bahnh\u00f6fe abriegeln, um die Gewaltt\u00e4ter einzud\u00e4mmen. Sie nahm \u00fcber 300 Personen in Gewahrsam. In Bayern verliefen die Kundgebungen mit linksextremistischer Beteiligung dagegen weitgehend friedlich. An der von der regionalen linksextremistischen Szene in N\u00fcrnberg durchgef\u00fchrten 1.-Mai-Demonstration unter dem Motto \"Den Kampf gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse organisieren - auf allen Ebenen - mit allen Mitteln\" beteiligten sich bis zu 400 Personen. Eine Angeh\u00f6rige des autonomen Zusammenschlusses Organisierte Autonomie (OA) \u00e4u\u00dferte, angesichts der \"herrschenden Verh\u00e4ltnisse\" sei es notwendig, eine Entwicklung einer \"revolution\u00e4re Perspektive jenseits kapitalistischer Ausbeutung und revolution\u00e4ren Unterdr\u00fcckung zu entwickeln und voranzutreiben. Die stattfindenPerspektive den Teilbereichsk\u00e4mpfe im sozialen Bereich, gegen Rassismus, Nationalismus und Faschismus, gegen das Patriarchat, gegen die Aufr\u00fcstung zum Polizeiund \u00dcberwachungsstaat, gegen den imperialistischen Krieg, gegen Atomkraft und Castor-Transporte, usw.\" m\u00fcssten zusammengef\u00fchrt und als gemeinsamer Kampf gegen das kapitalistische System begriffen werden. In M\u00fcnchen beteiligten sich etwa 200 Angeh\u00f6rige linksextremistischer Institutionen und Parteien an der 1.-Mai-Veranstaltung des DGB. Darunter waren Vertreter der Autonomen, der PDS, Linksruck, MLPD, DKP, M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus und andere. In Augsburg nahmen rund 120 Linksextremisten an der traditionellen 1.-Mai-Kundgebung teil, unter anderem Angeh\u00f6rige der Antifaschistischen Aktion Augsburg, der DKP und der PDS.","Linksextremismus 115 3.1.6.3 Einflussnahme auf die Antikernkraftbewegung Am 3. Juli fand in Kassel eine Konferenz von Antikernkraftinitiativen aus dem gesamten Bundesgebiet statt. Die Teilnehmer, unter denen sich auch Linksextremisten befanden, einigten sich darauf, gemeinsam Blockaden und Demonstrationen gegen Atomm\u00fclltransporte vorzubereiten. Die Teilnehmer hofften, dass sich beim n\u00e4chsten Castor-Transport noch mehr Menschen beteiligen w\u00fcrden als bei den fr\u00fcheren Transporten nach Ahaus/Nordrhein-Westfalen und Gorleben/Niedersachsen. Der \"atompolitische Kurs\" der Bundesregierung treibe nach Ansicht der Konferenzteilnehmer die Menschen geradezu auf Schienen und Stra\u00dfen. Zur Organisierung des Widerstands sei die Bundesrepublik in die Regionen S\u00fcdwest, S\u00fcdost, Ost, West und Nord aufgeteilt worden. Die Bundesregierung habe nicht die Macht, die Transporte durchzusetzen, da die Polizei Gro\u00dfeins\u00e4tze nicht in einem monatlichen Rhythmus fahren k\u00f6nne. Am 6. Juli f\u00fchrte die Polizei eine Durchsuchungsaktion in 13 WohExekutivma\u00dfnungen und B\u00fcros in Berlin, Hamburg, Bremen und Niedersachsen nahme wegen durch. Dabei konnten anges\u00e4gte Gleisst\u00fccke, die Handskizze einer Anschl\u00e4gen gegen Hakenkralle, Kopien von Gleispl\u00e4nen, Werkzeuge zum Lockern von Bahnanlagen Schienen, Fotos von Tatorten und Schutzwesten f\u00fcr Bahnarbeiter sichergestellt werden. Der Aktion gingen lange Ermittlungen des Bundeskriminalamts voraus. Den Beschuldigten werden gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahnverkehr und die Bildung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Seit der Ank\u00fcndigung des ersten Transports abgebrannter Kernbrennst\u00e4be in das Zwischenlager Gorleben im Sommer 1994 war die Bahn zunehmend Opfer gezielter Anschl\u00e4ge. Allein im Jahr 1994 wurden rund 200 derartige Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Schienen und Schwellen wurden zers\u00e4gt, Br\u00e4nde gelegt, Gleisk\u00f6rper unterh\u00f6hlt, Schrauben gelockert, Signalanlagen zerst\u00f6rt und Baumst\u00e4mme auf Schienen gest\u00fcrzt. Weitere Anschlagsserien folgten im Zusammenhang mit Castor-Transporten im Oktober 1996 und Februar 1997. Bei den bayerischen Autonomen spielten die Themen \"Atom-Politik\" und \"Castor-Transporte\" bisher eine untergeordnete Rolle. 3.1.7 Ermittlungsverfahren Das von der Staatsanwaltschaft beim Landgericht M\u00fcnchen I eingeleitete Ermittlungsverfahren gegen mittlerweile \u00fcber 30 Beschuldigte","116 Linksextremismus wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung innerhalb der Antifa Passau ist noch nicht abgeschlossen. Diese Vereinigung soll seit 1993 \u00fcber 100 Straftaten wie Raub, Landfriedensbruch, Sachbesch\u00e4digung und Bedrohung ver\u00fcbt haben. Bei einer Durchsuchungsaktion im Mai 1998 in Wohnungen und Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen von Beschuldigten in acht St\u00e4dten im Bundesgebiet konnte umfangreiches Beweismaterial beschlagnahmt werden. Auch 1999 kam es wieder zu Veranstaltungen der linksextremistischen Szene gegen den \"staatlichen Repressionsapparat\" und seine \"Kriminalisierungsversuche\". In der linksextremistischen Publikation \"EinSatz!\" vom Mai rufen die Antifaschistische Aktion Passau und die militante G\u00f6ttinger Gruppierung Autonome Antifa (M) f\u00fcr den Fall einer Anklageerhebung zu einer bundesweiten Demonstration in Passau auf. 3.2 Gewalttaten und sonstige Straftaten Bundesweit wurden 711 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender linksextremistischer Motivation gegen\u00fcber 783 Gewalttaten des Vorjahrs festgestellt. In Bayern wurden wie im Vorjahr insgesamt Entwicklung der 25 linksextremistisch motivierte Gewalttaten begangen. Der Anteil Gewalttaten Bayerns an diesen Straftaten in Deutschland betr\u00e4gt 3,5 %. Brandstiftung Linksextremisten waren f\u00fcr einen Brandanschlag (1998: zwei) am 21. Juni in Krumbach, Landkreis G\u00fcnzburg, verantwortlich. Aufgrund der seit einiger Zeit bestehenden Konfliktsituation zwischen der dortigen Punk-Szene und der Skinhead-Szene drangen zwei Punks in eine Freizeith\u00fctte der Skinhead-Gruppierung ein, entwendeten zun\u00e4chst CDs, eine Stereoanlage, Flaggen und Baseballschl\u00e4ger, sch\u00fctteten schlie\u00dflich auf den Holzboden im Inneren der H\u00fctte eine geringe Menge Benzin und entz\u00fcndeten es. Der Brand erlosch nach kurzer Zeit, der Sachschaden war gering. Vorrangige Motive f\u00fcr die von Linksextremisten in Bayern ver\u00fcbten Gewalttaten waren der Antifaschismus und die Unterschriftenaktion der CSU gegen die doppelte Staatsangeh\u00f6rigkeit. Die meisten der so motivierten Gewalttaten (18 von 25) wurden wie im Vorjahr am Rande von Veranstaltungen begangen. Sie sind weitgehend unter Nummer 3.1.6 dieses Abschnitts dargestellt. Daneben waren Linksextremisten folgende Taten zuzurechnen: Am 29. April griffen in der Passauer Altstadt Autonome zwei Rechtsextremisten aus Hauzenberg, Landkreis Passau, an. Nach anf\u00e4ng-","Linksextremismus 117 Entwicklung 900 833 linksextremis783 tisch motivier800 711 ter Gewalttaten 700 600 500 400 300 200 100 25 25 19 0 1997 1998 1999 Deutschland Bayern lichen Beschimpfungen und Provokationen warf eine Autonome mehrere Pflastersteine nach den Rechtsextremisten und spr\u00fchte einem von ihnen Tr\u00e4nengas ins Gesicht. Am 12. Juni griffen etwa zehn unbekannte Punks in Schweinfurt Angriff auf einen Info-Stand der NPD an. Nach einer heftigen Diskussion brachen NPD-Info-Stand die Betreiber des Info-Stands die Aktion ab. W\u00e4hrend der Aufr\u00e4umarbeiten entwendeten mehrere Punks einen Karton mit Flugbl\u00e4ttern und ein Handy. Bei der Abfahrt bewarfen sie einen PKW der Betreiber mit Eiern und zerschlugen anschlie\u00dfend die Frontscheibe. Zwei der Info-Stand-Betreiber wurden ferner durch Tritte und Schl\u00e4ge verletzt. Es entstand Sachschaden von etwa 1.600 DM. Am 16. Juli griffen in Gerolzhofen, Landkreis Schweinfurt, Autonome drei Personen einer \u00f6rtlichen Skinhead-Gruppe t\u00e4tlich an. Die Skinheads erlitten Prellungen und ein Skinhead teilweise stark blutende Schnittwunden am Kopf. Ein Angreifer hatte ihn mit einer Glasflasche am Kopf verletzt. Am 8. August schossen unbekannte T\u00e4ter in Arzberg, Landkreis Wunsiedel, aus einem fahrenden PKW mit einer Gaspistole gezielt in das","118 Linksextremismus Gesicht eines Jugendlichen. Das Opfer, das der rechtsextremistischen Szene zuzuordnen ist, musste \u00e4rztlich versorgt werden. Am 11. August griffen in Arzberg unbekannte T\u00e4ter, die der regionalen autonomen Szene zugerechnet werden, erneut mehrere Skinheads mit Holzlatten an. 3.3 Sozialrevolution\u00e4re Tendenzen in Bayern Seit 1998 versuchen Anh\u00e4nger sozialrevolution\u00e4rer Thesen verst\u00e4rkt, Mitstreiter zu gewinnen. Bei den Verfechtern dieser Thesen handelt es sich sowohl um Autonome als auch um Anh\u00e4nger von Gruppen aus dem Bereich des Antiimperialistischen Widerstands (vgl. Nummer 3.4 dieses Abschnitts). Als gesellschaftliches und politisches Ziel streben die Anh\u00e4nger eine sozialrevolution\u00e4re Umgestaltung mit der Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparats und der Enteignung der Unternehmer an. Die regelm\u00e4\u00dfig erscheinende linksextremistische Publikationen \"Pro.K - Zeitung des revolution\u00e4ren Aufbau M\u00fcnchen\" dient als Sprachrohr. Die Publikation enth\u00e4lt starke antikapitalistische und antistaatliche Sichtweisen sowie kommunistische IdeoGeringe logie-Elemente. Die Gruppierung zeigte insgesamt nur geringe AktiAktivit\u00e4ten vit\u00e4ten. \u00c4hnliche Ans\u00e4tze werden von dem N\u00fcrnberger Zusammenschluss Organisierte Autonomie (OA) propagiert. Unter dem Motto \"Ein Jahr Rot/Gr\u00fcn - Ein Wechsel ist nicht w\u00e4hlbar, er muss erk\u00e4mpft werden!\" initiierte die OA am 2. Oktober in der N\u00fcrnberger Innenstadt eine Demonstration, deren Motto \"F\u00fcr den freien Kommunismus: Es lebe die soziale Revolution!\"antikapitalistisch und antistaatlich ausgerichtet war. An der Veranstaltung, zu der bayernweit aufgerufen wurde, nahmen rund 150 Personen teil. 3.4 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) Beim AIW handelt es sich um militante Gruppen, die ihren bewaffneten Widerstandskampf gegen die in Deutschland bestehende Gesellschaftsordnung aus verdeckten Strukturen heraus f\u00fchren wollen. Der Berufung auf AIW orientiert sich an den ersten ideologischen Leitlinien der RAF und RAF-Ideologie will Gewalttaten nach dem Prinzip der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) ver\u00fcben. Das Ziel sind zun\u00e4chst Sachbesch\u00e4digungen; es werden aber langfristig auch Angriffe auf Menschen nicht ausgeschlossen. Wegen des Festhaltens am \"bewaffneten Kampf\" mit dem Ziel der gewalt-","Linksextremismus 119 samen Ver\u00e4nderung des gesellschaftlichen und politischen Systems in Deutschland stellt dieser Bereich eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar. Dies zeigen unter anderem intensive Kontakte zu Gruppen, wie z.B. der kurdischen PKK und der baskischen ETA. Auch die BeteiliKontakte zur ETA gung von Personen aus dem fr\u00fcheren RAF-Umfeld und ehemals inund PKK haftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter an den Diskussionen zur Entwicklung k\u00fcnftiger Perspektiven, insbesondere zur Internationalisierung des Widerstands, zeigt die Attraktivit\u00e4t dieser Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr \"Widerstandsbewegungen\". Die von Gruppen des AIW vom 1. bis 5. April in Berlin nach langen Vorbereitungen organisierte Internationale Arbeitskonferenz verlief aus Sicht der Veranstalter sehr erfolgreich. Einen gro\u00dfen Anteil daran hatten Vertreter von Gruppen aus Spanien, der T\u00fcrkei und Pal\u00e4stina, die die deutschen Veranstalter \"LIBERTAD\" und Internationale \"Kein Friede\" unterst\u00fctzten. Konferenz in Berlin In den sechs Arbeitsgruppen - \"Politische Justiz und Verteidigung\" - \"Verhaftet, verschleppt und verschwunden\" - \"Frauen und Knast\" - \"Menschenw\u00fcrde, Widerstand und Organisierung in der Gesellschaft\" - \"Staatliche Repression und Widerstand von unten\" - \"Der Kampf um die Solidarit\u00e4t\" diskutierten insgesamt 350 Teilnehmer das Kongressthema \"Befriedung oder Befreiung\". Breiten Raum nahm die Solidarit\u00e4t mit \"politischen Gefangenen\" ein. Die eigentliche Zielsetzung ging jedoch viel weiter. Unter dem Beifall der Teilnehmer erkl\u00e4rte eine Vertreterin der Initiative \"LIBERTAD\", Ziel des Kongresses sei nicht die Gr\u00fcndung eines Solidarit\u00e4tskomitees f\u00fcr Gefangene, sondern die Organisierung einer radikalen, internationalistischen, antiimperialistischen Bewegung, der Kampf gegen die imperialistische Gesellschaftsformation als h\u00f6chster Stufe des Kapitalismus. Der Kongress hat die Erwartungen der Veranstalter \u00fcbertroffen. Erstmals seit 1986 sei es gelungen, ein breites internationales Spektrum von \"Antiimperialisten\" zu einem gemeinsamen Kongress zusammenzuf\u00fchren.","120 Linksextremismus Gruppen aus dem AIW, die dem Organisationskomitee f\u00fcr die Internationale Arbeitskonferenz \"Befriedung oder Befreiung? Perspektiven internationaler Solidarit\u00e4t\" angeh\u00f6ren, haben unter dem Motto Solidarit\u00e4t mit \"Wir sind alle PKK\" zur Solidarit\u00e4t mit dem \"kurdischen Befreiungsder PKK kampf\" aufgerufen. Zum Kampf der Kurden schreiben sie: \"Ihre Sache zu unserer Sache machen, hei\u00dft, \u00fcberall da, wo wir selbst handeln, den Mund aufzumachen, sich nicht wegzuducken, hei\u00dft, die Einheit suchen.\" Dies sei nicht nur eine Frage der Solidarit\u00e4t, sondern verlange das direkte Eingreifen in die \"deutschen Zust\u00e4nde\", das Verbinden der eigenen Initiativen mit den Zielen der Kurden. Die Sch\u00fcsse aus den Konsulatsfenstern in Berlin seien die Botschaft von Clinton, Schr\u00f6der und Netanjahu. Der kurdische Kampf sei seinem Charakter nach antiimperialistisch. Folgetreffen in An einem Folgetreffen in N\u00fcrnberg Anfang November beteiligten N\u00fcrnberg sich rund 50 Personen. Die Teilnehmer kamen \u00fcberein, zu den gemeinsamen Perspektiven und Vorhaben ein politisches Konzept zu erarbeiten. Dabei sollen bereits bestehende Kampagnen einbezogen werden. Genannt wurde insbesondere die Kampagne zur Freilassung der RAF-Gefangenen mit einem bundesweiten Aktionstag am 18. M\u00e4rz 2000, der sich \"gegen die staatliche Unterdr\u00fcckung\" richtet und zu dessen Beteiligung und Unterst\u00fctzung aufgerufen wurde. Am 19. Juli erhielten die Pressereferate mehrerer Innenministerien in Deutschland, darunter auch das Bayerische Staatsministerium des Innern, gleich lautende Erkl\u00e4rungen \u00fcber die Gr\u00fcndung einer Gruppierung mit der Bezeichnung \"Bewaffnete Widerstand Aktion\" (BWA). Darin wurde der Beginn einer Terrorwelle gegen f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten der Bundesrepublik angek\u00fcndigt. Es d\u00fcrfte sich um einen Drohbrief gehandelt haben, dessen Verfasser \u00fcber keinen direkten Zugang zum militanten linksextremistischen Lager verf\u00fcgen. Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 1. September zwei Haftstrafen f\u00fcr Mitglieder der Antiimperialistischen Zellen (AIZ) zu langen HaftstraAIZ-Mitglieder fen. Wegen gemeinschaftlichen vierfachen Mordversuchs und der Verabredung zum Mord in einem weiteren Fall wurden Bernhard Falk zu 13 Jahren und Michael Steinau zu neun Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde fallengelassen, da die Hauptverhandlung nach Auffassung des","Linksextremismus 121 Gerichts keine Klarheit dar\u00fcber schaffen konnte, ob die AIZ aus mehr als zwei Mitgliedern bestanden habe. Die Angeklagten hatten im Jahr 1995 vier Sprengstoffanschl\u00e4ge auf die Privath\u00e4user von drei CDU-Politikern und auf das Peruanische Generalkonsulat in D\u00fcsseldorf ver\u00fcbt. Ein weiteres geplantes Attentat gegen einen Hamburger SPD-Abgeordneten gelangte nicht mehr zur Ausf\u00fchrung. Die Verurteilung der beiden Mitglieder der AIZ l\u00f6ste keine Aktivit\u00e4ten der linksextremistischen Szene aus. 3.5 Rote Armee Fraktion (RAF) Die terroristische RAF hat am 20. April 1998 mit einem achtseitigen Papier ihre Aufl\u00f6sung erkl\u00e4rt. Mit dieser Erkl\u00e4rung best\u00e4tigte sich die Aufl\u00f6sung Einsch\u00e4tzung der Sicherheitsbeh\u00f6rden, dass die RAF als aktionsder RAF willige terroristische Gruppierung nicht mehr existiert. Gleichwohl sind die Verbrechen dieser Terrorgruppe ab 1985 unges\u00fchnt. Die polizeiliche und die justizielle Aufarbeitung dauern an. Die seit 1985 als Mitglied der RAF gesuchte Barbara Meyer kehrte am 8. Mai freiwillig aus dem Libanon zur\u00fcck und stellte sich den Beh\u00f6rden. Meyer soll am 3. Juni 1985 zusammen mit anderen Mitgliedern der RAF in der N\u00e4he von T\u00fcbingen den Geldboten eines Supermarkts \u00fcberfallen haben. Die T\u00e4ter streckten das Opfer mit einem Schuss aus n\u00e4chster N\u00e4he nieder und entwendeten seine Geldtasche mit rund 157.000 DM. Am 15. September wurde der mutma\u00dfliche RAF-Terrorist Horst LudTod Horst Ludwig wig Meyer in Wien bei einem Schusswechsel mit der \u00f6sterreichischen Meyers in Wien Polizei get\u00f6tet. Seine Komplizin Andrea Klump konnte unverletzt festgenommen werden. Meyer und Klump lebten seit Mitte der 80er Jahre im Untergrund. Am 23. Dezember wurde Klump im Rahmen Auslieferung von eines Ermittlungsverfahrens des Generalbundesanwalts von den Andrea Klump \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden nach Deutschland \u00fcberstellt. Klump werden Mord, versuchter Mord, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und andere Straftaten vorgeworfen. Sie ist dringend verd\u00e4chtig, sich 1984 der RAF angeschlossen zu haben und an einem versuchten Anschlag in Rota/Spanien am 17. Juni 1988 beteiligt gewesen zu sein. Zudem wird gegen sie wegen der Beteiligung am Sprengstoffattentat auf den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank AG, Dr. Alfred Herrhausen, in Bad Homburg am 30. November 1989 ermittelt.","122 Linksextremismus Die Reaktionen der linksextremistischen Szene waren gering. Die militante Autonome Antifa (M) in G\u00f6ttingen \u00e4u\u00dferte sich zum Tod von Meyer in einem \"Nachruf\". \"Mit gro\u00dfer Wut und Trauer haben wir vom Tod Horst Ludwig Meyers und der Festnahme von Andrea Klump erfahren.\" Der Tod Meyers mache deutlich, dass auch nach der Beendigung des bewaffneten Kampfes die \"Killfahndung\" als Bestandteil der Vernichtungsstrategie gegen die radikale Linke weiterbestehe. Notwendig sei die Freilassung der Gefangenen und eine Amnestie f\u00fcr die Gesuchten. Zur Zeit sind noch sechs fr\u00fchere RAF-Terroristen in deutschen Gef\u00e4ngnissen inhaftiert. Am 17. September f\u00fchrte eine \"Aktionsgruppe Horst Ludwig Meyer\" auf die \u00d6sterreichische Botschaft in Kopenhagen einen Brandanschlag durch. In einem in d\u00e4nischer Sprache verfassten Selbstbezichtigungsschreiben solidarisierten sich die T\u00e4ter mit der fr\u00fcheren RAF. 3.6 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die erstmals im Jahre 1972 in Erscheinung getretenen RZ sind unabh\u00e4ngig voneinander operierende Kleingruppen, die sich als antiimperialistisch und sozialrevolution\u00e4r bezeichnen. Ihre Taktik besteht im Allgemeinen darin, mit Anschl\u00e4gen bei m\u00f6glichst geringem Einsatz und Risiko m\u00f6glichst hohen Sachschaden anzurichten, der nach ihrer Auffassung den betroffenen Einrichtungen bzw. Unternehmen mehr schadet als der Ausfall einer F\u00fchrungsperson. Die Mitglieder agieren aus streng abgeschotteten Zellen heraus. Sie leben jedoch nicht im Untergrund und sind deshalb auch nicht darauf angewiesen, sich Keine Anschl\u00e4ge eine konspirative Logistik zu schaffen. Anschl\u00e4ge der RZ bzw. der aus der RZ abgespaltenen autonomen Frauengruppe Rote Zora waren seit 1995 nicht mehr zu verzeichnen. Am 19. Mai nahm die Polizei in Berlin den in Beirut geborenen deutFestnahme von schen Staatsangeh\u00f6rigen Tarek Mohamad Ali Mousli fest. Er steht im Mousli Verdacht, die RZ zumindest von Januar bis M\u00e4rz 1995 unterst\u00fctzt zu haben. Ihm wird vorgeworfen, 4,8 kg Sprengstoff in einem von ihm in Berlin angemieteten Keller aufbewahrt zu haben. Unbekannte Mitglieder der RZ hatten diesen Sprengstoff am 4. Juni 1987 aus dem Zweigwerk einer in Salzhemendorf/Niedersachsen ans\u00e4ssigen Firma entwendet. Sprengstoff aus diesem Diebstahl wurde im Februar und M\u00e4rz 1988 und Januar 1991 bei versuchten Anschl\u00e4gen auf das Bio-","Linksextremismus 123 technologische Zentrum der Technischen Universit\u00e4t Braunschweig, die nordrhein-westf\u00e4lische Staatskanzlei, das Arbeitsministerium in D\u00fcsseldorf und bei einem Anschlag auf die Berliner Siegess\u00e4ule verwendet. Am 7. Juli war der Haftbefehl au\u00dfer Vollzug gesetzt worden. Aufgrund von weiteren Erkenntnissen, die im Rahmen der Exekutivma\u00dfnahmen im Mai gewonnen wurden, bzw. aufgrund von Nachermittlungen, wurde Mousli am 23. November wegen des dringenden Verdachts der R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in der terroristischen Vereinigung RZ erneut festgenommen. Nach weiteren Ermittlungen nahm die Weitere Polizei am 19. Dezember zwei M\u00e4nner und eine Frau in Berlin und Festnahmen Frankfurt am Main fest. Sie sind der Mitgliedschaft in der RZ verd\u00e4chtig. Sie stehen im Verdacht, als Mitglieder der RZ in unterschiedlicher Beteiligung an der Herbeif\u00fchrung einer Sprengstoffexplosion auf die Zentrale Sozialhilfestelle f\u00fcr Asylbewerber in Berlin am 6. Februar 1987, am Anschlag auf einen Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht am 1. September 1987 in Berlin und am 28. Oktober 1986 am Anschlag auf den ehemaligen Leiter der Berliner Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde mitgewirkt zu haben. Der schon am 8. September 1998 verhaftete fr\u00fchere RZ-Angeh\u00f6rige Hans-Joachim Klein wurde am 20. Mai von Frankreich an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Er wird beschuldigt, an dem \u00dcberfall der RZ auf die Konferenz der Erd\u00f6l exportierenden L\u00e4nder am 21. Dezember 1975 in Wien beteiligt gewesen zu sein, bei dem drei Personen get\u00f6tet und 70 Personen als Geiseln genommen wurden. Aufgrund der Aussagen Kleins konnte die Polizei am 13. Oktober in Frankfurt am Main einen weiteren mutma\u00dflichen Mitt\u00e4ter festnehmen. Mit diesen Ermittlungserfolgen ist es den Sicherheitsbeh\u00f6rden gelungen, wesentliche Strukturen der RZ aufzukl\u00e4ren. Ob \u00fcber die in diesem Zusammenhang bekannt gewordenen Strukturen hinaus noch Erkenntnisse \u00fcber weitere aktionswillige Gruppen der seit 1995 inaktiven RZ bestehen, RZ-Strukturen bedarf noch der weiteren Abkl\u00e4rung. Die Reaktionen der linksextremistischen Szene waren gering. In Erfurt warfen unbekannte T\u00e4ter aus Anlass der Durchsuchungsma\u00dfnahmen in der Nacht zum 22. Dezember mit Farbe gef\u00fcllte Luftballons an die Fassade eines Geb\u00e4udes des Th\u00fcringer Innenministeriums. Vermutlich mit demselben Begr\u00fcndungszusammenhang warfen unbekannte T\u00e4ter am 2. Januar 2000 einen Molotowcocktail vor den Haupteingang des Th\u00fcringer Innenministeriums. Dabei entstand kein Sachschaden.","124 Linksextremismus 4. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflusste Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1999 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 600 5.000 Unsere Zeit (UZ) 14 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 10.000 in Kreisund Grundorganisationen Marxistische Bl\u00e4tter 26.09.1968, Essen zweimonatlich, 3.000 Partei des Demokratischen 94.000 Neues Deutschland (ND) Sozialismus (PDS) - PDS-nahe Zeitung - - neuer Name beschlossen werkt\u00e4glich, 70.000 auf SED-Parteitag am DISPUT 16./17.12.1989 -, Berlin monatlich, 11.000 PDS-Pressedienst w\u00f6chentlich, 2.200 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS monatlich, 1.000 PDS Landesverband Bayern 600 TITEL (Informationsforum mit 8 Kreisverb\u00e4nden und (einschlie\u00dflich der PDS Bayern) 23 Basisorganisationen Sympathisanten) unregelm\u00e4\u00dfig, 500 11.09.1990, M\u00fcnchen Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 50 Nordbayerischer Landbote 28.03.1993, F\u00fcrth unregelm\u00e4\u00dfig, 100 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau 100 200 Kommunistische der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 140 2.000 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 7.500 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 lernen u. k\u00e4mpfen (luk) Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte monatlich, 1.000 17./18.06.1982, Essen","Linksextremismus 125 Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1999 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 25 100 Sozialistische Zeitung (SoZ) 24./25.06.1995, K\u00f6ln vierzehnt\u00e4gig, 2.000 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 30 1.000 Sozialismus von unten Frankfurt am Main zweimonatlich, 3.500 Linksruck monatlich, 7.000 Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 (Aktive) 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 50 300 position Arbeiterjugend (SDAJ) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.500 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen, 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisation der MLPD: Jugendverband REBELL 20 Rebell - Beilage zur Roten Fahne - 1.3 Beeinflusste Organisationen: DKP-beeinflusst: Vereinigung der Verfolgten des 900 6.200 antifa-rundschau Naziregimes - Bund der Antifaschiviertelj\u00e4hrlich, 7.500 stinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen 15.-17.03.1947, Frankfurt am Main MLPD-beeinflusst: Frauenverband Courage 20 500 Courage viertelj\u00e4hrlich Trotzkistisch beeinflusst: Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 50 300 Vorfeldorganisation der trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative VORAN\" (SAV) 1992, K\u00f6ln","126 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1999 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa \u00fcber zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 500 6.000 erscheinende Szenebl\u00e4tter wie: radikal, INTERIM; auf lokaler Ebene u.a: barricada davon: Antifaschistische Aktion/Bundes40 unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende weite Organisation (AA/BO) Publikationen, f\u00fcr die die Juli 1992 AA/BO als Herausgeber verantwortlich zeichnet 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflusst M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 40 M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 20 M\u00fcnchen","Ausl\u00e4nderextremismus 127 5. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Ausl\u00e4nderextremismus Ausl\u00e4ndergruppen werden als extremistisch eingestuft, wenn sie sich Einstufung als gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Dazu extremistisch z\u00e4hlen insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die als Endziel einen islamischen Staat, wie z.B. im Iran, auch in Deutschland errichten und damit wesentliche Grunds\u00e4tze unserer freiheitlichen Verfassung beseitigen wollen. Der gesetzlichen Beobachtung unterliegen auch Gruppierungen, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland erstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 1.2 Entwicklung der Organisationen Die Gesamtzahl der Mitglieder extremistischer Ausl\u00e4ndervereinigunLeicht r\u00fcckl\u00e4ufige gen verringerte sich in Bayern geringf\u00fcgig von 10.580 im Jahre 1998 Mitgliederzahl auf 10.400. Darin eingerechnet sind rund 2.000 Anh\u00e4nger der in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Wie in den Vorjahren stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) mehr als 90 % aller ausl\u00e4ndischen Extremisten in Bayern. \u00dcber die H\u00e4lfte aller ausl\u00e4ndischen Extremisten ist dem islamischen Fundamentalismus zuzurechnen. LinksExtreme Islamische Gesamtzahl Mitgliederst\u00e4rke extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder extremistischer Kurden 2.150 (2.300) - - - - 2.150 (2.300) Ausl\u00e4nderT\u00fcrken 375 (590) 2.000 (1.700) 5.170 (5.170) 7.545 (7.460) organisationen Sonstige* 245 (330) 90 (120) 370 (370) 705 (820) in Bayern Gesamtzahl 2.770 (3.220) 2.090 (1.820) 5.540 (5.540) 10.400 (10.580) (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahrs) * Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a.","128 Ausl\u00e4nderextremismus Entwicklung Mitglieder der Mitglie100.000 derzahlen extremistischer 80.000 Ausl\u00e4nder60.000 Deutschland organisationen 49.350 59.700 40.000 20.000 4.830 Bayern 10.400 0 1990 91 92 93 94 95 96 97 98 99 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Deutschland 31.800 35.000 31.350 Islamische Extremisten 30.000 25.000 20.000 16.800 19.550 15.000 Linksextremisten 10.000 5.000 6.900 Extreme Nationalisten 8.800 0 1995 1996 1997 1998 1999 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern 6.090 7.000 6.000 Islamische Extremisten 5.540 5.000 4.000 2.780 3.000 Linksextremisten 2.770 2.000 1.000 1.030 2.090 Extreme Nationalisten 0 1995 1996 1997 1998 1999","Ausl\u00e4nderextremismus 129 Im Vergleich zur aktuellen Bedrohung der Inneren Sicherheit durch militante t\u00fcrkische Linksextremisten bedeutet der islamische Fundamentalismus eine zwar weniger spektakul\u00e4re, langfristig aber gr\u00f6\u00dfere Gefahr f\u00fcr unsere freiheitliche demokratische Grundordnung, insbesondere im Hinblick auf seine weltweiten Expansionsbestrebungen. Die konsequente Durchsetzung der Vereinsund Bet\u00e4tigungsverbote gegen t\u00fcrkische Linksextremisten in Bayern hat sich bew\u00e4hrt; die relativ geringe Zahl von Gewalttaten in Bayern anl\u00e4sslich der Ergreifung des PKK-Generalvorsitzenden \u00d6calan ist daf\u00fcr Beweis. Die strafrechtliche Aufarbeitung der m\u00f6rderischen Auseinandersetzungen beider Fl\u00fcgel der verbotenen Devrimci Sol vor allem in Norddeutschland f\u00fchrt die Brutalit\u00e4t der Anh\u00e4nger dieser verbotenen Organisationen nochmals deutlich vor Augen. Arabische und iranische Extremisten stellen in Bayern kein akutes Sicherheitsrisiko dar. Gleiches gilt f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen kosovo-albanischer Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien. 1.3 Integrationsfeindlichkeit des islamischen Extremismus Der Islam als Religion und seine Aus\u00fcbung werden nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Beobachtung unterliegen jedoch BeGesetzlicher strebungen, die von islamischen Gruppen ausgehen und sich gegen Beobachtungsdie freiheitliche demokratische Grundordnung oder den Bestand Bayauftrag erns bzw. des Bundes richten (islamischer Fundamentalismus), aber auch solche, die durch Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen die ausw\u00e4rtigen Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Der Islamismus verwirklicht sich durch die Rechtsordnung der Scharia, die f\u00fcr Staat und Gesellschaft unmittelbar verbindlich ist und den Lebensrahmen des Muslim absteckt. Die Trennung von Staat und Religion in westlichen Staaten wird dabei nicht nur als \"un-islamisch\" abgelehnt, sondern auch aktiv bek\u00e4mpft. Eine Gleichheit der Menschen wird verneint. Nur Muslime sind v\u00f6llig Versto\u00df gegen rechtsf\u00e4hig und k\u00f6nnen gleiche Rechte haben, sofern diese nicht im das GleichheitsWiderspruch zur Scharia stehen. Menschenrechte nach westlichem prinzip Verst\u00e4ndnis werden nur zum Teil anerkannt. Die Scharia liefert die Legitimation f\u00fcr unmenschliche Strafen. Der islamische Fundamentalismus ist gepr\u00e4gt von Intoleranz gegenIntoleranz \u00fcber Andersgl\u00e4ubigen. Aufgrund des Absolutheitsanspruchs fordert der islamische Fundamentalismus einen aktiven Kampf gegen alle","130 Ausl\u00e4nderextremismus \"Ungl\u00e4ubigen\" und die weltweite Islamisierung, falls n\u00f6tig durch Unterwerfung aller Nichtmuslime. Ablehnung der Westliche Demokratieund Gesellschaftsvorstellungen werden abgeDemokratie lehnt, sofern sie nicht im Einklang mit dem Koran und der Scharia stehen. Dies bedeutet die Ablehnung des demokratischen Prinzips der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t und der Chancengleichheit der Parteien. Ferner gibt es keine Gewaltenteilung, keine Legislative, keine Kontrolle der obersten Staatsgewalt. Eine Eingliederung von Muslimen in demokratische Systeme ist damit wesentlich erschwert. Der islamische Fundamentalismus ist daher in einem demokratischen Staat zwangsl\u00e4ufig integrationsfeindlich. Islamische fundamentalistische Gruppen, insbesondere die Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG), wenden sich massiv gegen eine Integration. Sie versuchen, vor allem junge Menschen zu beeinflussen und sie zu einer Ablehnung unserer demokratischen Ordnung und unserer freien Gesellschaft zu bewegen. Dazu dienen die privaten Koranschulen extremistischer Organisationen wie auch die Pflicht f\u00fcr Frauen und M\u00e4dchen, Kopft\u00fccher zu tragen. Dies tr\u00e4gt zur bewussten Abgrenzung von westlichen Lebensgewohnheiten bei. 1.4 Entwicklung der Gewalttaten Bundesweit wurden im Berichtszeitraum 391 Gewalttaten mit erwieErheblicher senem oder zu vermutendem ausl\u00e4nderextremistischen Hintergrund Anstieg bekannt. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 52 % gegen\u00fcber dem Vorjahr (258 Gewalttaten). Der Anstieg der Gewalttaten ist weitgehend auf die Aktionen von PKK-Anh\u00e4ngern nach der Ergreifung des PKK-Generalvorsitzenden \u00d6calan am 15. Februar in Nairobi/Kenia bzw. nach der Verk\u00fcndung des Todesurteils gegen ihn am 29. Juni in der T\u00fcrkei zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten von Ausl\u00e4ndern in Bayern ist im Berichtszeitraum von acht auf 20 angestiegen. Der Anteil Bayerns an den bundesweiten Gewalttaten betr\u00e4gt 5,1 %. Bayern liegt damit, bezogen auf die hier lebenden Ausl\u00e4nder, im L\u00e4ndervergleich im unteren Bereich. Ausl\u00e4ndische Extremisten begingen ein versuchtes T\u00f6tungsdelikt, elf K\u00f6rperverletzungen, vier Brandstiftungen, zwei versuchte Spendengelderpressungen, eine Freiheitsberaubung und einen Landfriedensbruch.","Ausl\u00e4nderextremismus 131 Entwicklung der 391 400 Gewalttaten durch ausl\u00e4ndi350 314 sche Extremisten 300 258 250 200 150 100 50 20 16 8 0 1997 1998 1999 Deutschland Bayern Die H\u00e4lfte der Gewalttaten (zehn) ist Anh\u00e4ngern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zuzurechnen, bei vier Gewalttaten liegt die Ursache im Kosovo-Konflikt. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sich Ausl\u00e4nder auch an Aktionen deutscher Rechtsund Linksextremisten und begingen dabei Gewalttaten wie z.B. am 23. Januar in Erlangen, als drei Skinheads - darunter ein Bosnier - ein M\u00e4dchen beleidigten und verletzten, oder am 25. September in Passau, wo eine t\u00fcrkische Sch\u00fclerin eine Flasche auf Teilnehmer der DVU-Kundgebung warf. Am 4. April erpressten in M\u00fcnchen unbekannte T\u00e4ter einen 20-j\u00e4hrigen Sch\u00fcler. Die T\u00e4ter forderten von dem Sch\u00fcler unter anderem einen Geldbetrag von 500 DM. Andernfalls w\u00fcrde der Sch\u00fcler nach Albanien bzw. in den Kosovo verbracht und m\u00fcsse dort \"k\u00e4mpfen\". Der Sch\u00fcler erhielt zudem ein Flugblatt, in dem zum Kampf in der Heimat aufgerufen wurde. Das Flugblatt war von einem Funktion\u00e4r des allgemeinen Rates der \"Volksbewegung von Kosovo\" (LPK) unterzeichnet, der im Verdacht stand, kampfbereite Kosovo-Albaner zu rekrutieren. Der Sch\u00fcler zahlte schlie\u00dflich 100 DM. In Senden, Landkreis Neu-Ulm, geriet am 20. Juni der Wortf\u00fchrer einer Gruppe von Kurden mit einem T\u00fcrken, angeblich Sympathisant der \"Grauen W\u00f6lfe\", in einem Lokal wegen eines angeblich nationalistischen t\u00fcrkischen Liedes in Streit. Die Kurden wurden daraufhin des Lokals verwiesen. Vor dem Lokal rotteten sie sich zusammen und","132 Ausl\u00e4nderextremismus warfen mit Pflastersteinen die Glasscheiben des Lokaleingangs ein. Die Polizei leitete Ermittlungen wegen eines besonders schweren Falls des Landfriedensbruchs ein. Am 1. Juli griff eine Gruppe unbekannter T\u00e4ter in Regensburg zwei Sprachdozenten, die ein Gespr\u00e4ch in englischer Sprache f\u00fchrten, t\u00e4tlich an. Die beiden erlitten erhebliche Verletzungen. Der Hauptt\u00e4ter sprach serbokroatisch. Unmittelbar vor dem Angriff h\u00f6rten die Opfer unter anderem das Wort \"NATO\" fallen. Am 23. Juli ver\u00fcbte ein geb\u00fcrtiger Kroate einen HandgranatenVersuchtes anschlag auf ein t\u00fcrkisches Reiseb\u00fcro in M\u00fcnchen. Zwei Angestellte T\u00f6tungsdelikt erlitten leichte Verletzungen, der Sachschaden belief sich auf etwa 30.000 DM. Ein zun\u00e4chst aufgrund des Zielobjekts bef\u00fcrchteter Bezug zur PKK konnte nach der Festnahme des T\u00e4ters ausgeschlossen werden. Dieser z\u00e4hlt sich zu einer den Sicherheitsbeh\u00f6rden bislang unbekannten Organisation, die seit mehreren Jahren in Bosnien, Slowenien und Kroatien operieren soll. Mit dem Anschlag sollte die deutsche Regierung zu einer h\u00e4rteren Politik gegen\u00fcber der T\u00fcrkei bewogen werden. Weitere extremistischen Ausl\u00e4ndern zuzurechnende Gewalttaten in Bayern sind bei den entsprechenden Organisationen dargestellt. 2. T\u00fcrkische Gruppen 2.1 Islamische Extremisten 2.1.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) Deutschland Bayern Mitglieder: 27.000 5.000 Vorsitzender: Dr. Yusuf Isik (kommissarisch) Gr\u00fcndung: 1985 Sitz: K\u00f6ln Publizistisches Sprachrohr: Milli Gazete (Nationale Zeitung) Islamisch-extremisDie IGMG, die bis 1995 die Bezeichnung \"Vereinigung der neuen tische Ideologie Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) f\u00fchrte, erstrebt die Einf\u00fchrung des Korans als Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex des gesellschaftlichen Zusammenlebens. Mittelfristig will sie die laizisti-","Ausl\u00e4nderextremismus 133 sche Staatsordnung in der T\u00fcrkei abschaffen und durch ein islamisches System nach dem Beispiel des Iran ersetzen. Fernziel der IGMG ist die weltweite Islamisierung im Sinn eines doktrin\u00e4ren Islam-Verst\u00e4ndnisses. Schon seit l\u00e4ngerer Zeit vermeidet die IGMG Aussagen mit eindeutig extremistischem Gehalt und h\u00e4lt sich mit \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen zur\u00fcck. Gleichwohl hat sie ihren Anspruch auf gesellschaftliche Dominanz nicht aufgegeben. Durch eine Teilnahme am politischem Prozess verspricht sie sich gr\u00f6\u00dferen Einfluss auf die hier lebenden t\u00fcrkischen Muslime und auf die deutsche Staatsund Gesellschaftsordnung. F\u00fcr die in Deutschland lebende muslimische Bev\u00f6lkerung fordert die IGMG volle B\u00fcrgerrechte, insbesondere das allgemeine Wahlrecht. Trotz taktisch motivierter anders lautender Erkl\u00e4rungen lehnt sie aber jede Integration der Muslime in die IntegrationsGesellschaft ab und widersetzt sich sogar einer begrenzten Anpasfeindlichkeit sung an die Lebensverh\u00e4ltnisse in Deutschland. Ihrem Ziel, der Errichtung eines weltweiten islamischen Gottesstaats, will sie vor allem mit einer Islamisierung der Jugend n\u00e4her kommen. In letzter Zeit nimmt die Bildungsarbeit f\u00fcr Jugendliche, Studenten und Frauen einen erh\u00f6hten Stellenwert ein. Dabei ist die IGMG bestrebt, die \"muslimische Identit\u00e4t\" unter den in nichtmuslimischen Staaten lebenden T\u00fcrken zu st\u00e4rken und die muslimischen Kinder in einem Umfeld mit anderer Religion und anderer Kultur vor den \"Fallen der fremden Kultur und des unmoralischen Lebenswandels\" zu sch\u00fctzen. Die IGMG ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der seit 1998 in der T\u00fcrkei verbotenen Wohlfahrtspartei (RP) und deren Nachfolgerin, der Tugendpartei (FP). Richtungsstreitigkeiten in der FP wirken sich mittlerweile auch auf die IGMG in Deutschland aus. Innerhalb der IGMG-Vereine haben sich bereits gr\u00f6\u00dfere Gruppen gebildet, die offen ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr eine liberalere und demokratischere OppositionsInterne gruppe in der FP bekunden. Vor allem j\u00fcngere Mitglieder der IGMG Differenzen wollen den doktrin\u00e4ren Kurs der RP unter ihrem ehemaligen Vorsitzenden Prof. Necmettin Erbakan nicht mehr unterst\u00fctzen. Die \u00e4lteren IGMG-Mitglieder bef\u00fcrworten dagegen weiterhin die politische Linie Erbakans. Die Gemeinsamkeiten \u00fcberwiegen jedoch die Differenzen, sodass derzeit noch keine Spaltungstendenzen erkennbar sind. Der bisherige IGMG-Vorsitzende Ali Y\u00fcksel trat im April zur\u00fcck. Bis zur endg\u00fcltigen Entscheidung \u00fcber seinen Nachfolger \u00fcbernahm Dr. Yusuf Isik, ein altgedienter IGMG-Funktion\u00e4r, kommissarisch den Vorsitz.","134 Ausl\u00e4nderextremismus Unterst\u00fctzung Die IGMG unterst\u00fctzte die islamistische FP anl\u00e4sslich der t\u00fcrkischen der FP Parlamentswahlen am 18. April und transportierte viele in Deutschland lebende T\u00fcrken zu t\u00fcrkischen Grenzstationen, wo sie abstimmen konnten. Dennoch geh\u00f6rte die FP zu den Wahlverlierern. Sie erhielt nur 15 % der abgegebenen Stimmen. Die Kontakte der IGMG zu anderen islamisch-t\u00fcrkischen Verb\u00e4nden haben sich intensiviert. So besuchte eine Delegation der IGMG anl\u00e4sslich des Fastenmonats Ramadan die T\u00fcrkisch-Islamische Union der Anstalt f\u00fcr Religion e.V. (DITIB), eine Au\u00dfenstelle der staatlichen t\u00fcrkischen Religionsbeh\u00f6rde in K\u00f6ln. Die IGMG wendet sich auch an Muslime nichtt\u00fcrkischer Volkszugeh\u00f6rigkeit und bietet ihnen Teilnahme an ihren Aktivit\u00e4ten an. Die IGMG-Zentrale in K\u00f6ln rief wiederholt zu Spendenaktionen auf, so z.B. f\u00fcr hilfsbed\u00fcrftige Kriegsopfer im Kosovo oder f\u00fcr Muslime in Tschetschenien. Insbesondere ihr Engagement f\u00fcr die Erdbebenopfer in der T\u00fcrkei brachte der IGMG viele Sympathien in der t\u00fcrkischen Bev\u00f6lkerung. Jahreskongress Etwa 40.000 Anh\u00e4nger der IGMG aus dem gesamten Bundesgebiet und den westeurop\u00e4ischen Nachbarl\u00e4ndern beteiligten sich am 22. Mai in K\u00f6ln an der 5. Jahresversammlung des Verbands. Auf der auch als Friedensund Kulturfest bezeichneten Veranstaltung forderte der IGMG-Generalsekret\u00e4r Mehmet Sabri Erbakan die Einf\u00fchrung islamischen Religionsunterrichts an deutschen Schulen. Transparente in deutscher Sprache enthielten Forderungen wie \"Schluss mit Diskriminierung. Wir erinnern SPD/B90/Gr\u00fcne an ihr Versprechen\", \"Wir sind keine Ausl\u00e4nder, sondern Inl\u00e4nder\" und \"Deutschland ist auch unsere Heimat\". Die Anziehungskraft des Jahrestreffens der IGMG ist unver\u00e4ndert gro\u00df. In Aschaffenburg, Erding und Regensburg fanden im Mai Jugendund Kulturfeste statt, an denen mehrere hundert IGMG-Anh\u00e4nger teilnahmen. 4. Europ\u00e4ischer Am 4. Europ\u00e4ischen Jugendtag der IGMG am 16. Oktober in D\u00fcsselJugendtag dorf beteiligten sich rund 6.000 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland. Im Tagungslokal waren Transparente mit Aufschriften wie \"F\u00fcr den Dialog der Religionen\" und \"Integration ja - Assimilation nein\" angebracht. Der IGMG-Generalsekret\u00e4r erl\u00e4uterte in seiner Rede die Strategie der Organisation. Ziel sei ein Leben als respektierte religi\u00f6se Minderheit in Europa, der Aufbau von Beziehungen zu den politischen Parteien in den Aufent-","Ausl\u00e4nderextremismus 135 haltsl\u00e4ndern zur Wahrung der eigenen Rechte und die Gr\u00fcndung einer neuen islamischen Zivilisation in Europa. 2.1.2 Hilafet Devleti (Der Kalifatsstaat) fr\u00fcher: Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.100 170 Vorsitzender: Metin Kaplan Gr\u00fcndung: 1984 Sitz: K\u00f6ln Publikation: \u00dcmmet-i Muhammed (Die Gemeinde Mohammeds) Der Kalifatsstaat (Hilafet Devleti) ist eine am \"F\u00fchrerprinzip\" orienGewalttierte, streng hierarchisch gegliederte Organisation. Er fordert eine bereitschaft islamische Revolution in der T\u00fcrkei nach dem Beispiel des Iran. Seine religi\u00f6s verbr\u00e4mte Polemik richtet sich immer wieder gegen die laizistische Verfassung der t\u00fcrkischen Republik und den westlichen Parlamentarismus. Mit Aufrufen zum gewaltsamen Vorgehen gegen den t\u00fcrkischen Staat und zu militanten Aktionen in der T\u00fcrkei beeintr\u00e4chtigt der Verband ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Der islamistische Alleinvertretungsanspruch des Kalifatsstaats, sein Antisemitismus sowie die Verfolgung fr\u00fcherer Anh\u00e4nger, die sich vom Verband getrennt haben, gef\u00e4hrden dar\u00fcber hinaus die Innere Sicherheit. Mit Nachdruck wendet sich der Kalifatsstaat gegen die Integration t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger in Deutschland. Das Vereinsleben vollzieht sich in kleinen abgeschotteten Zirkeln, zu Abgrenzungsdenen fremde Personen keinen Zugang haben. Mit seiner totalen strategie Abgrenzungsstrategie gegen\u00fcber anderen islamistischen bzw. islamischen Organisationen sowie seinen militanten Aussagen hat sich der Kalifatsstaat zwischenzeitlich in muslimischen Kreisen fast v\u00f6llig isoliert. Der \"aktuelle Treue-Eid\", auf den alle Anh\u00e4nger nach eigenen Angaben des Verbands vereidigt sind, belegt eindrucksvoll, dass viele von ihnen auf Gehei\u00df ihres selbst ernannten \"Kalifen\" auch zu Gewalttaten bereit sind. Er lautet: \"Unser Hodscha! Vor den Augen Allahs schw\u00f6ren wir, dass wir - solange du die im Koran und in den Ausspr\u00fcchen Mohammeds formulierten Vorschriften beachtest - deine Befehle, ungeachtet dessen, ob sie uns gefal-","136 Ausl\u00e4nderextremismus len, ausf\u00fchren werden, auch wenn die Ausf\u00fchrung dieser Befehle uns den Tod oder eine Gef\u00e4ngnisstrafe bringen w\u00fcrde.\" Verurteilung eines Das Landgericht Augsburg verurteilte am 26. Januar den bayerischen Funktion\u00e4rs Gebietsverantwortlichen des Kalifatsstaats, Hasan Pala, wegen seines Aufrufs zur T\u00f6tung des Dissidenten Halil Sofu im Berufungsverfahren zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. Pala hatte in der Mevlana-Moschee in Augsburg eine \"Todes-Fetwa\" des Vorsitzenden Metin Kaplan gegen den abtr\u00fcnnigen \"Gegenkalifen der islamischen Nation\" verbreitet. Sofu war am 8. Mai 1997 in Berlin von einem Killerkommando ermordet worden. Der Verband steht im Verdacht, Sofus Ermordung initiiert zu haben. Strafverfahren Am 25. M\u00e4rz wurde der Verbandsvorsitzende Metin Kaplan in K\u00f6ln gegen Kaplan festgenommen. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Am 8. Februar 2000 begann vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf die Hauptverhandlung wegen Verdachts des \u00f6ffentlichen Aufforderns zu Straftaten und der R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer kriminellen Vereinigung. Kaplan wird unter anderem beschuldigt, seine Anh\u00e4nger dazu aufgerufen zu haben, internen Gegnern notfalls auch gewaltsam entgegenzutreten und Anschl\u00e4ge auf staatliche Ziele in der T\u00fcrkei zu ver\u00fcben. Das Verbandsorgan \"\u00dcmmet-i Muhammed\" protestierte wiederholt gegen Kaplans Verhaftung, die von seinen Anh\u00e4ngern als Teil einer Verschw\u00f6rung des Zionismus gegen den Islam gewertet wird. Ziel der \"imperialistisch-zionistischen Ungl\u00e4ubigen\" sei es, einen islamischen Kalifatsstaat in Anatolien zu verhindern. \"Infolge schmutziger und geheimer Pl\u00e4ne wurde Metin Kaplan in den Kerker geworfen. Die Heuchler, vor allem aber die Imperialisten, sollten sich aber nicht voreilig dar\u00fcber freuen. Die eigentlichen schweren K\u00e4mpfe kommen noch (...) Die gro\u00dfe Eroberung Istanbuls und die Verrichtung des Freitagsgebetes in der Hagia Sophia werden realisiert werden.\" (\u00dcmmet-i Muhammed vom 19. August) In der Ausgabe des Verbandsorgans vom 15. April hie\u00df es, die Festnahme sei allein auf Ersuchen des t\u00fcrkischen Regimes erfolgt und basiere auf L\u00fcgen und Verleumdungen. Die feindliche Haltung des Generalbundesanwalts gegen den Islam und die Muslime sei gleichbedeutend mit einem \"Krieg gegen Allah\". Der Beitrag gipfelte in der kaum verh\u00fcllten Drohung, alle Nationen, die Allah bekriegten, seien \"durch harte Strafen heimgesucht\" worden. In der Ausgabe vom","Ausl\u00e4nderextremismus 137 27. Mai wurde Kaplan unter anderem als \"ruhmreicher Glaubensk\u00e4mpfer\", \"gro\u00dfer Kommandant\" und \"Schrecken der Ungl\u00e4ubigen\" bezeichnet. Ihm wurde versichert, dass islamische \"Selbstopferer\" zur \"Selbstaufopferungskampagne\" herbeieilen w\u00fcrden. Kaplans Anh\u00e4nger demonstrierten mehrmals f\u00fcr die Freilassung ihres Protestaktionen Oberhaupts. Bei gewaltsamen Protesten unmittelbar nach Kaplans Festnahme wurden in K\u00f6ln mehrere Polizeibeamte verletzt und rund 40 Personen vor\u00fcbergehend festgenommen. Etwa 600 Gefolgsleute Kaplans protestierten am 26. M\u00e4rz vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe gegen die Verhaftung und forderten seine Freilassung. Am Abend des Vortags hatten sich vor der verbandseigenen Moschee in Ingolstadt rund 40 Aktivisten eingefunden, um eine Anreise mit privaten PKWs zu dieser Protestaktion zu organisieren. \u00dcber 2.000 Anh\u00e4nger versammelten sich am 9. April vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe. An einer weiteren Kundgebung zugunsten Kaplans am 25. April in Karlsruhe beteiligten sich rund 2.500 Muslime aus dem gesamten Bundesgebiet, Belgien und den Niederlanden. Am 5. Juni mobilisierte die Organisation erneut 2.000 Personen zu einem Protestmarsch in Karlsruhe. Mit Sprechch\u00f6ren wie \"Wir sind Muslime, keine Terroristen\" und \"Es lebe der Islam\" bekundeten die Teilnehmer ihre Solidarit\u00e4t mit Kaplan. Mit einer Kundgebung am 13. November in Berlin, an der sich rund 2.300 Aktivisten beteiligten, solidarisierte sich der Verband dar\u00fcber hinaus auch mit allen angeblich unterdr\u00fcckten Muslimen in Pal\u00e4stina und der T\u00fcrkei. Dabei polemisierte er gegen Israel und schilderte seine Vision eines \"zionistischen Weltstaats\", der die Muslime vernichten wolle. Die bisher gezeigte relative M\u00e4\u00dfigung der Verbandsmitglieder bei \u00f6ffentlichen Aktionen d\u00fcrfte vor allem der Strategie dienen, Kaplan als Opfer einer religionsfeindlichen Intrige deutscher und t\u00fcrkischer Beh\u00f6rden erscheinen zu lassen. 2.2 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) Deutschland Bayern Mitglieder: 7.800 2.000 Vorsitzender: Cemal Cetin Gr\u00fcndung: 1978 Sitz: Frankfurt am Main Publikation: T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni","138 Ausl\u00e4nderextremismus Die AD\u00dcTDF ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der extrem nationalistischen t\u00fcrkischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), die eine Gro\u00dft\u00fcrkei nach osmanischem Vorbild propagiert. Eigenen Angaben zufolge versteht sich der Verband als eine Bewegung Nationalistische nationalistischer T\u00fcrken, deren Hauptanliegen die Schaffung eines Ideologie starken t\u00fcrkischen Staats und die Sicherstellung der territorialen Integrit\u00e4t des Landes ist. Alle pers\u00f6nlichen Belange m\u00fcssten den Interessen des Volks untergeordnet und die t\u00fcrkische Fahne, die die Farbe des Blutes der M\u00e4rtyrer der AD\u00dcTDF trage, hochgehalten werden. Die F\u00fchrung der AD\u00dcTDF bekennt sich offen zu ihrer Leitfigur Alparslan T\u00fcrkes, dem 1997 verstorbenen langj\u00e4hrigen MHP-Vorsitzenden. Die AD\u00dcTDF bem\u00fcht sich insbesondere um die zweite und dritte Generation junger T\u00fcrken in Deutschland. Ihre Ideologie vereint EleIslamistische mente des extremen Nationalismus mit islamistischen Positionen. DiePositionen se Mischung aus \u00fcbersteigertem Nationalgef\u00fchl und Religion macht sie f\u00fcr t\u00fcrkische Jugendliche besonders attraktiv, zumal eine formelle Verpflichtung der jugendlichen Mitglieder auf islamisch-extremistische Positionen trotz zunehmender Tendenzen zum Islamismus unterlassen wird. Jugendarbeit Zur Mitgliederwerbung ist die AD\u00dcTDF auch in zahlreichen Sportund Elternvereinen t\u00e4tig, die keine politischen Ziele haben. Die Jugendlichen werden f\u00fcr Ordnerdienste herangezogen und fr\u00fchzeitig als Vereinsfunktion\u00e4re in die politische Arbeit integriert. Bei der AD\u00dcTDF finden sie dar\u00fcber hinaus ein Forum gegen die von t\u00fcrkischen Linksextremisten praktizierte Militanz. Ferner gibt der Nationalismus vielen t\u00fcrkischen Jugendlichen ein \"Wir-Gef\u00fchl\" gegen\u00fcber der komplex organisierten deutschen Gesellschaft. Die Forderung nach einer Abkehr von der \"westlichen Dekadenz\" hat dabei negative Auswirkungen auf die Integrationsbereitschaft in Deutschland. Unterst\u00fctzung Der Wahlerfolg der MHP, die bei den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen der MHP am 18. April mit einem Stimmenanteil von 18,1 % ihr Ergebnis gegen\u00fcber den letzten Wahlen mehr als verdoppelte, verbreitete in den Reihen der AD\u00dcTDF Hochstimmung. Die AD\u00dcTDF hatte Billigfl\u00fcge in die Heimat organisiert, damit ihre Anh\u00e4nger von ihrem Wahlrecht in der T\u00fcrkei Gebrauch machen konnten. Jahreskongress Am 2. Oktober fand in Oberhausen der 21. Jahreskongress der AD\u00dcTDF statt. Unter den rund 5.000 Teilnehmern befanden sich auch AD\u00dcTDF-Mitglieder aus Bayern. Als Redner bzw. G\u00e4ste waren aus der","Ausl\u00e4nderextremismus 139 T\u00fcrkei mehrere Parlamentarier und Minister der MHP anwesend; auch eine Gru\u00dfbotschaft des MHP-Vorsitzenden Devlet Bahceli verdeutlichte die engen Verbindungen zwischen AD\u00dcTDF und MHP. Der bisherige AD\u00dcTDF-Vorsitzende Mehmet Erdogan kandidierte nicht wieder; zum neuen Vorsitzenden wurde Cemal Cetin gew\u00e4hlt. 2.3 Linksextremisten 2.3.1 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 1.100 160 Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei (in Deutschland seit 1983 verboten) Die Organisation ist gespalten in: Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front (DHKP-C) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP-C Devrimci Sol) (beide Gruppierungen in Deutschland seit 1998 verboten) Die auch in der T\u00fcrkei verbotene revolution\u00e4r-marxistische Devrimci Revolution\u00e4re Sol versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-LeniZielsetzung nismus ausgerichtete Volksbewegung. Sie z\u00e4hlt zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staats zielen und in der T\u00fcrkei terroristisch aktiv sind. Seit 1993 ist die Devrimci Sol in zwei verfeindete Lager gespalten. Aus dem \"Karatas-Fl\u00fcgel\" ging in der Folgezeit die Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front (DHKP-C) hervor; aus dem \"Yagan-Fl\u00fcgel\" entwickelte sich die T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP-C Devrimci Sol). Das Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte am 13. August 1998 gegen die DHKP-C als Ersatzorganisation der Devrimci Sol ein Vereinsverbot und gegen die VerbotsTHKP-C Devrimci Sol ein Bet\u00e4tigungsverbot. Die Sicherheitsma\u00dfnahmen beh\u00f6rden in Deutschland waren schon bisher davon ausgegangen, dass beide Gruppierungen als Teile der Devrimci Sol verboten sind. \u00d6rtliche Schwerpunkte der DHKP-C mit insgesamt rund 150 Anh\u00e4ngern in Bayern bestehen in Aschaffenburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg; f\u00fcr die THKP-C Devrimci Sol sind in Bayern nur Einzelmitglieder aktiv.","140 Ausl\u00e4nderextremismus AgitationsObwohl das Verh\u00e4ltnis zur PKK seit l\u00e4ngerem belastet ist, erkl\u00e4rte sich schwerpunkte die Revolution\u00e4re Volksbefreiungsfront (DHKC), der milit\u00e4rische Arm der DHKP-C, wiederholt mit dem kurdischen Widerstandskampf solidarisch: \"Die Befreiung unserer V\u00f6lker kann allein durch die revolution\u00e4re Macht und den Befreiungskrieg unter dem Leitspruch 'Vereinigen, k\u00e4mpfen und siegen' verwirklicht werden.\" Ein weiterer Agitationsschwerpunkt war der Kampf gegen den \"Imperialismus\". Im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt behauptete die DHKC im Internet: \"Der Imperialismus versucht den Kosovo zu seinem Satellitenstaat zu machen (...) Was die US-Imperialisten, mit anderen Worten die Nazis von heute, und ihre Kollaborateure mit der Besetzung des Kosovo eigentlich bewerkstelligen wollen, ist die Sicherung der imperialistischen Hegemonie auf dem gesamten Balkan.\" In einer im Internet verbreiteten Stellungnahme \u00e4u\u00dferte die DHKP-C, ihr bewaffneter Kampf werde nicht in Deutschland, sondern nur in der T\u00fcrkei gef\u00fchrt. Die Bundesrepublik sei allerdings ein ausbeuterisches imperialistisches Land, das nach wie vor die Politik des \"faschistischen Nazi-Deutschlands\" vertrete. Ferner bestritt die Gruppierung das Ausma\u00df der ihr in der Verbotsverf\u00fcgung vorgeworfenen Auseinandersetzungen mit der rivalisierenden THKP-C Devrimci Sol. In weiteren ins Internet eingestellten Erkl\u00e4rungen bezichtigte sich die DHKC, am 4. Juni und 10. September terroristische Anschl\u00e4ge in Istanbul versucht bzw. ver\u00fcbt zu haben. Wegen des Verbots der DHKP-C und der THKP-C Devrimci Sol in Deutschland weichen beide Organisationen mit ihren Gro\u00dfveranstaltungen in Nachbarl\u00e4nder aus. So f\u00fchrte die DHKP-C ihre diesj\u00e4hrige Veranstaltung Gedenkveranstaltung zum 5. Jahrestag der Parteigr\u00fcndung am 10. April in Belgien in Genk/Belgien durch. Die \u00fcber 5.000 Teilnehmer huldigten in Sprechch\u00f6ren dem Generalsekret\u00e4r Dursun Karatas und gedachten mit einer Schweigeminute der \"Gefallenen der Revolution\". Rede-, Lichtbildund Filmbeitr\u00e4ge glorifizierten Aktionen der DHKP-C, insbesondere das \"heldenhafte Todesfasten\" inhaftierter DHKP-C-Mitglieder, die Ermordung eines t\u00fcrkischen Industriellen und Guerilla\u00fcberf\u00e4lle auf t\u00fcrkische Milit\u00e4reinheiten. Ein Redner bezeichnete die Bundesrepublik Deutschland als \"Feind des Volkes und des Sozialismus\".","Ausl\u00e4nderextremismus 141 Die noch bis Fr\u00fchjahr 1998 auch mit Schusswaffen ausgetragenen GewaltverzichtsFl\u00fcgelk\u00e4mpfe scheinen vorl\u00e4ufig beendet. In einer Erkl\u00e4rung vom erkl\u00e4rung 12. Februar k\u00fcndigte der Generalsekret\u00e4r der DHKP-C Dursun Karatas einen sofortigen Gewaltverzicht f\u00fcr Deutschland an. Dieser Schritt ist indes weniger auf einen Gesinnungswandel, sondern eher auf die erhebliche Schw\u00e4chung beider Fl\u00fcgel durch staatliche Strafverfolgungsma\u00dfnahmen zur\u00fcckzuf\u00fchren. So ist inzwischen die gesamte bisher bekannte Deutschlandund Europaf\u00fchrung der DHKP-C inhaftiert. Seit 1997 konnten bundesweit \u00fcber 30 F\u00fchrungsfunktion\u00e4re und Aktivisten beider Fl\u00fcgel festgenommen und zahlreiche Waffen und Sprengmittel beschlagnahmt werden. Im April konnte ein im Raum Aschaffenburg lebender Aktivist der ExekutivDHKP-C ermittelt werden, der am 6. Januar 1996 zwei Brandma\u00dfnahmen anschl\u00e4ge in Erlenbach/Main und Michelstadt/Hessen ver\u00fcbt haben soll. Diese waren Teil einer bundesweiten Serie von 26 Brandanschl\u00e4gen auf t\u00fcrkische Einrichtungen als unmittelbare Reaktion auf eine H\u00e4ftlingsrevolte in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen. Am 26. Mai nahmen Beamte des Bundeskriminalamts in Radebeul/Sachsen einen Aktivisten der DHKP-C fest. Gegen den Festgenommenen besteht ein Haftbefehl des Ermittlungsrichters beim Bundesgerichtshof wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Der Beschuldigte steht im Verdacht, im Jahre 1997 an den Fl\u00fcgelk\u00e4mpfen zwischen DHKP-C und THKP-C Devrimci Sol beteiligt gewesen zu sein. Am 15. Oktober wurde in der Schweiz der mit internationalem Haftbefehl gesuchte mutma\u00dfliche Deutschlandund Europaverantwortliche der DHKP-C festgenommen. Ihm werden u.a. R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer terroristischen Vereinigung, Mitt\u00e4terschaft bei einem versuchten Mord und versuchte Anstiftung zum Mord vorgeworfen. Ein am 14. November ebenfalls in der Schweiz festgenommener Funktion\u00e4r ist dringend verd\u00e4chtig, als mutma\u00dflicher Verantwortlicher der DHKP-C f\u00fcr den Raum Stuttgart ma\u00dfgeblich an einem versuchten Brandanschlag auf ein Wohnhaus in Singen/Baden-W\u00fcrttemberg am 16. Mai 1996 und an der Verabredung zur T\u00f6tung von Anh\u00e4ngern der THKP-C Devrimci Sol ab August 1997 in Hamburg beteiligt gewesen zu sein. Die Festnahmen in der Schweiz zeigen, dass die F\u00fchrungsverantwortlichen der DHKP-C angesichts des Fahndungsdrucks in Deutschland ihre Aktivit\u00e4ten ins Ausland verlagert haben.","142 Ausl\u00e4nderextremismus Strafverfahren Das Landgericht Hamburg verurteilte am 26. Januar einen 40-j\u00e4hrigen T\u00fcrken zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten wegen eines Verbrechens nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und Verst\u00f6\u00dfen gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz. Der Verurteilte geh\u00f6rte der F\u00fchrung der THKP-C Devrimci Sol an und war f\u00fcr die Organisation als Waffenbeschaffer und Passf\u00e4lscher t\u00e4tig. Am 11. Februar verurteilte das Oberlandesgericht Hamburg zwei Mitglieder der THKP-C Devrimci Sol unter anderem wegen versuchten Totschlags zu Jugendstrafen von dreieinhalb bzw. zweieinhalb Jahren. Die Verurteilten hatten am 29. Januar 1998 in Hamburg Anh\u00e4nger der verfeindeten DHKP-C mit Schusswaffen erheblich verletzt. Das Oberlandesgericht Hamburg verh\u00e4ngte am 17. Februar gegen Hohe Haftstrafen drei Funktion\u00e4re der DHKP-C langj\u00e4hrige Haftstrafen. Der ehemalige Deutschlandund Europaverantwortliche der DHKP-C wurde wegen R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer terroristischen Vereinigung und wegen eines 1997 in Frankfurt am Main und Hamburg ver\u00fcbten zweifachen Totschlags zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Zwei Mitangeklagte erhielten wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Totschlags und versuchter Geiselnahme Haftstrafen von sieben bzw. f\u00fcnf Jahren. Die Verurteilten waren an mehreren Schusswaffenanschl\u00e4gen auf Anh\u00e4nger der rivalisierenden THKP-C Devrimci Sol beteiligt. Am 6. Juli verurteilte das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth drei t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige wegen versuchter r\u00e4uberischer Erpressung und Versto\u00dfes gegen das Vereinsgesetz zu Bew\u00e4hrungsstrafen zwischen acht und 16 Monaten. Die Verurteilten hatten am 17. Dezember 1998 in N\u00fcrnberg versucht, vom t\u00fcrkischen Betreiber eines Imbissstands eine Spende f\u00fcr die DHKP-C einzutreiben. Ein 27-j\u00e4hriger T\u00fcrke wurde am 23. November vom Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf wegen versuchter schwerer r\u00e4uberischer Erpressung und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Der Angeklagte hatte als Mitt\u00e4ter am 22. April 1998 eine Bar in Castrop-Rauxel/Nordrhein-Westfalen \u00fcberfallen, um Spendengelder f\u00fcr die DHKP-C zu erpressen. Dabei waren der Wirt durch Schl\u00e4ge mit einem Baseballschl\u00e4ger und dessen Bruder durch zwei Beinsch\u00fcsse schwer verletzt worden. Das Oberlandesgericht Hamburg verurteilte am 29. November einen 33-j\u00e4hrigen Aktivisten der DHKP-C wegen Mordes und versuchter","Ausl\u00e4nderextremismus 143 Geiselnahme zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Verurteilte hatte am 25. April 1997 in Hamburg nach vorausgegangenem Streit um den Verkauf der DHKP-CPublikation \"Kurtulus\" den t\u00fcrkischen Inhaber eines Imbisslokals erschossen und am 5. September 1997 als Mitt\u00e4ter versucht, einen Angeh\u00f6rigen der rivalisierenden THKP-C Devrimci Sol zu entf\u00fchren. Daneben sind beim Generalbundesanwalt noch weitere Strafverfahren wegen Verdachts der R\u00e4delsf\u00fchrerschaft bzw. Mitgliedschaft und der Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung innerhalb der DHKP-C anh\u00e4ngig; unter den Beschuldigten befinden sich 14 Personen aus Bayern. 2.3.2 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.900 170 Gr\u00fcndung: 1972 in der T\u00fcrkei Die Organisation ist gespalten in: Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) Partizan-Fl\u00fcgel Die TKP/ML vertritt die Ideologie des Marxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt Revolution\u00e4rum die Ideen Mao Tse-tungs. Sie ist davon \u00fcberzeugt, dass der einzimarxistische ge Weg zur Befreiung des t\u00fcrkischen Volkes \u00fcber den bewaffneten Ideologie Volkskrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer Volksregierung f\u00fchrt. Ihr milit\u00e4rischer Zweig ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Die Entwicklung der TKP/ML ist seit Ende der 70er Jahre durch eine Zahlreiche Vielzahl von Fraktionsbildungen und Abspaltungen gepr\u00e4gt. In Abspaltungen Deutschland organisierten sich die Anh\u00e4nger der TKP/ML in der 1976 gegr\u00fcndeten F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) und der Ende 1986 gebildeten Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK), die sich als demokratische Massenorganisationen pr\u00e4sentieren und ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend tarnen. Die Abspaltung des DABK im Jahr 1994 (nach einer","144 Ausl\u00e4nderextremismus zuvor aufgehobenen erstmaligen Trennung im Jahr 1987) setzte sich in den Basisorganisationen der TKP/ML fort. Um sich vom Partizan-Fl\u00fcgel abzugrenzen, haben sich beide Basisorganisationen des DABK im Sommer 1997 in F\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland (ADHF) bzw. Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) umbenannt. Organisatorische Eine neuerliche Umstrukturierung des Partizan-Leitungsgremiums Schw\u00e4chen sowie strukturelle und personelle Probleme bei den Basisorganisationen der TKP/ML zeigen, dass trotz des mehrj\u00e4hrigen zeitlichen Abstands die Spaltung noch nicht bew\u00e4ltigt ist. Der Mitgliederschwund von 200 auf 170 Mitglieder in Bayern, r\u00fcckl\u00e4ufige Spendenergebnisse sowie die Aufl\u00f6sung von zwei Vereinen zum Jahreswechsel 1998/99 in Straubing und Plattling sind offenbar eine Folge dieser Uneinigkeit. Erstmals f\u00fchrte der Partizan-Fl\u00fcgel der TKP/ML keine zentrale europaGedenkfeiern weite Gedenkveranstaltung zu Ehren des Parteigr\u00fcnders Ibrahim Kaypakkaya durch. Die eigens f\u00fcr Deutschland organisierte Feier am 24. April in Gie\u00dfen wurde von rund 5.600 Personen besucht. Zur Veranstaltung des DABK-Fl\u00fcgels anl\u00e4sslich des 26. Todestags des Parteigr\u00fcnders am 15. Mai in Leverkusen fanden sich etwa 4.000 Besucher ein. 2.3.3 Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Deutschland Bayern Mitglieder: 700 60 Gr\u00fcndung: 1964 in der T\u00fcrkei Publikation: Politikada Atilim (Der politische Angriff) Die in der T\u00fcrkei terroristisch operierende MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschluss zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erstrebt sie die Revolution\u00e4re gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges und die ErZielsetzung richtung einer kommunistischen Diktatur. Ihre Basisorganisation ist die F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) in K\u00f6ln. 5. Gr\u00fcndungstag Zum 5. Jahrestag ihrer Gr\u00fcndung f\u00fchrte die MLKP am 13. November in Leverkusen eine Saalveranstaltung mit rund 4.000 Besuchern durch. Nach einer Gedenkminute f\u00fcr die im \"Kampf gefallenen","Ausl\u00e4nderextremismus 145 Revolution\u00e4re\" wurden insbesondere die anwesenden Jugendlichen aufgefordert, deren Pl\u00e4tze im Kampf f\u00fcr den Sozialismus einzunehmen. Ein Redner verwies ferner auf die Bereitschaft inhaftierter Aktivisten, f\u00fcr die Verwirklichung der Revolution zu sterben. Das Landgericht Duisburg verurteilte am 30. Juni einen 24-j\u00e4hrigen Strafverfahren MLKP-Angeh\u00f6rigen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Der Angeklagte war am 27. August 1996 in Duisburg an der Ermordung eines Funktion\u00e4rs einer mit der MLKP rivalisierenden Gruppierung beteiligt. Gegen seinen Komplizen hatte das Gericht bereits 1997 eine lebenslange Freiheitsstrafe verh\u00e4ngt. 2.3.4 Plattform der Vereinten Revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte (DBGP) Die DBGP wurde im Sommer 1998 von der PKK und sieben weiteren revolution\u00e4r-marxistischen Organisationen (darunter die MLKP, die THKP-C Devrimci Sol und beide Fl\u00fcgel der TKP/ML) als Aktionsb\u00fcndnis gegr\u00fcndet. In der Folgezeit entfaltete das B\u00fcndnis kaum Au\u00dfenKaum noch wirkung; in Bayern trat es lediglich mit einer InformationsveranstalBedeutung tung am 2. Mai in N\u00fcrnberg in Erscheinung. Nach internen Streitigkeiten schied im Fr\u00fchjahr 1999 der Partizan-Fl\u00fcgel der TKP/ML aus der Plattform aus. Eine nochmalige Schw\u00e4chung erfuhr das B\u00fcndnis, als die PKK und zwei weitere Organisationen im September in einer gemeinsam unterzeichneten Erkl\u00e4rung ihre Trennung von der DBGP bekannt gaben. 3. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Deutschland Bayern Anh\u00e4nger: 12.000 2.000 Vorsitzender: Abdullah \u00d6calan Leitung: \"Pr\u00e4sidialrat\" Gr\u00fcndung: 1978 in der T\u00fcrkei (in Deutschland seit 1993 verboten) Publikationen: u.a. Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) 3.1 Ideologie Die auch in der T\u00fcrkei verbotene PKK ist eine straff organisierte Kaderorganisation, die sich ideologisch auf den Marxismus-Leni-","146 Ausl\u00e4nderextremismus nismus st\u00fctzt. In ihrem Programm forderte sie urspr\u00fcnglich einen unModifizierte abh\u00e4ngigen Kurdenstaat unter ihrer F\u00fchrung. Zeitweise propagierte Programmatik sie auch eine F\u00f6deration im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei oder ein bundesstaatliches Modell nach Schweizer Vorbild. Ihr bewaffneter Arm, die Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK), f\u00fchrte seit 15. August 1984 im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei einen erbitterten Guerillakrieg gegen die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte, die umgekehrt ebenfalls mit gro\u00dfer H\u00e4rte gegen die PKK vorgingen. Auf einem au\u00dferordentlichen Parteikongress im Januar 2000 soll nunmehr eine Modifizierung des Parteiprogramms im Sinn der neuen Linie herbeigef\u00fchrt worden sein. Der neue Kurs zielt auf einen friedlichen politischen Ausgleich mit der T\u00fcrkei ab. Die Novellierung des Parteiprogramms und der au\u00dferordentliche Kongress unterstreichen die Entschlossenheit der PKK, den neuen Kurs glaubw\u00fcrdig erscheinen zu lassen. Ob die PKK die nunmehr beschlossene Linie konseSymbol der PKK quent umsetzt und durchh\u00e4lt, ist indes noch nicht abzusehen. AlleinvertretungsDie PKK versteht sich nach wie vor als die alleinige Vertretung der in anspruch Deutschland lebenden rund 500.000 t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen kurdischer Volkszugeh\u00f6rigkeit, obwohl sich nur etwa zehn Prozent dieser Volkszugeh\u00f6rigen zur PKK bekennen. 3.2 Organisation Verlust der Basis Im Herbst 1998 verlor die PKK ihre Zentrale in Syrien und ihre St\u00fctzin Syrien punkte im syrischen Einflussbereich, als die syrische Regierung auf Druck der T\u00fcrkei der PKK die bisherige Unterst\u00fctzung entzog. Der PKK-Generalvorsitzende Abdullah \u00d6calan r\u00e4umte sein Exil in Damaskus und setzte sich auf der Suche nach einer neuen Operationsbasis \u00fcber Russland nach Italien ab. Dort wurde er vor\u00fcbergehend festgenommen und bat um politisches Asyl. Mitte Januar 1999 verlie\u00df er Italien mit unbekanntem Ziel. Seine erfolglose Suche nach einem sicheren Aufenthaltsort endete schlie\u00dflich in Kenia. Dort wurde er am 15. Februar nach dem Verlassen der griechischen Botschaft in Nairobi aufgegriffen, in die T\u00fcrkei verbracht Ergreifung und dort vor Gericht gestellt. Nach \u00d6calans Ergreifung \u00fcbernahm als \u00d6calans oberstes Entscheidungsgremium der aus sieben Personen bestehende \"Pr\u00e4sidialrat\" die F\u00fchrung der PKK. Am 18. Dezember meldete eine t\u00fcrkische Tageszeitung, das Mitglied des \"Pr\u00e4sidialrats\" Cemil Bayik werde k\u00fcnftig die PKK leiten.","Ausl\u00e4nderextremismus 147 Das 1993 vom Bundesministerium des Innern verf\u00fcgte vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot konnte die PKK auch 1999 nicht vollst\u00e4ndig daran hindern, trotz erheblich erschwerter Bedingungen weiter aus dem Untergrund heraus zu operieren. In Deutschland ist die PKK in sechs Regionen gegliedert. Die Region Bayern umfasst die Gebiete M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Ulm mit Teilen Baden-W\u00fcrttembergs. Diese Gebiete sind wiederum in Teilgebiete unterteilt. Den Regionen steht als Regionsverantwortlicher ein professionelles Kadermitglied vor, dem die Gebietsverantwortlichen unterstellt sind. Der Regionsleiter erh\u00e4lt seine Anweisungen von der Europ\u00e4ischen Frontzentrale - Avrupa Cephe Merkezi - (ACM), die vorwiegend in den Niederlanden t\u00e4tig ist. Die hauptamtlichen Kader der PKK leben mit h\u00e4ufig wechselnden Aufenthaltsorten in ihrem jeweiligen Zust\u00e4ndigkeitsbereich \u00e4u\u00dferst konspirativ. So Konspirative ist beispielsweise - von wenigen Ausnahmen abgesehen - den Organisation Gebietsund Regionsverantwortlichen das Benutzen von Handys nicht mehr gestattet. Von den rund 2.000 PKK-Anh\u00e4ngern in Bayern k\u00f6nnen bis zu 1.500 zu Gro\u00dfveranstaltungen der PKK mobilisiert werden. Die PKK-Anh\u00e4ngerschaft ist in zahlreichen der F\u00f6deration kurdischer Tarnorganisationen Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) angegliederten \u00f6rtlichen Verder PKK einen organisiert. Diese Vereine, die sich nach au\u00dfen als reine Kulturvereine darstellen, haben die Aufgabe, Ziele und Politik der PKK unter den Anh\u00e4ngern zu verbreiten und zu f\u00f6rdern. Die in das bundesweite Bet\u00e4tigungsverbot einbezogene \"Nationale Befreiungsfront Kurdistans\" (ERNK) vertritt au\u00dferhalb Deutschlands als politischer Arm der Organisation die Interessen und Ziele der PKK sowohl materiell als auch propagandistisch. Dar\u00fcber hinaus bedient sich die PKK zahlreicher vom Bet\u00e4tigungsverbot nicht erfasster Nebenorganisationen (\"Y-Gruppen\"). Diese haben die Aufgabe, verschiedene Zielgruppen innerhalb der kurdischen Bev\u00f6lkerung wie Arbeiter, Frauen, Juristen, Lehrer oder Jugendliche f\u00fcr den \"Befreiungskampf\" der PKK zu gewinnen. Aus den Reihen der Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) rekrutierte sich bisher die Guerilla der PKK. Nicht selten wurden dabei Jugendliche gegen den Willen ihrer Eltern zwangsverpflichtet und in Ausbildungslagern im benachbarten Ausland geschult, bevor sie zum Kampfeinsatz in die T\u00fcrkei geschleust wurden. In Bayern wurde zuletzt 1998 ein solcher Fall bekannt.","148 Ausl\u00e4nderextremismus Neuer PKK-naher Ein wichtiges Propagandamedium ist der PKK-nahe Satellitensender Sender MEDYA-TV, der am 30. Juli in Paris seinen Betrieb aufnahm. Die Beitr\u00e4ge gleichen in wesentlichen Punkten der Berichterstattung seines Vorg\u00e4ngers MED-TV, jedoch bem\u00fcht sich der neue Sender in seinen Nachrichten um eine sachliche Darstellung. Die britische Fernsehaufsichtsbeh\u00f6rde hatte MED-TV am 23. April endg\u00fcltig die Sendelizenz entzogen mit der Begr\u00fcndung, der Sender habe durch Verbreitung von Aufrufen zur Gewalt gegen geltendes Recht versto\u00dfen. Finanzierung Die PKK finanziert sich aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen, dem Verkauf von Publikationen und den Einnahmen bei Veranstaltungen. Des weiteren gibt es Hinweise, dass die Organisation auch vom Rauschgifthandel profitiert, indem sie kurdische Drogenh\u00e4ndler absch\u00f6pft. Den gr\u00f6\u00dften Anteil der Einnahmen erbringt die jeweils gegen Jahresende durchgef\u00fchrte Spendenkampagne. Die Zielvorgabe f\u00fcr Bayern, die wie im Vorjahr bei 1,5 Millionen DM lag, wurde auch 1999 nicht ann\u00e4hernd erreicht. 3.3 Reaktionen auf die Ergreifung und Verurteilung \u00d6calans Die Nachricht von der Inhaftierung \u00d6calans in der T\u00fcrkei f\u00fchrte zu Gewaltaktionen zahlreichen, vielfach gewaltsamen Reaktionen seiner Anh\u00e4nger. nach \u00d6calans Betroffen waren insbesondere Einrichtungen der T\u00fcrkei, GriechenInhaftierung lands, Israels und Kenias in mehreren europ\u00e4ischen St\u00e4dten, wobei es am 16. Februar in Bonn, Den Haag, London, Wien und Z\u00fcrich auch zu Geiselnahmen kam. Daneben waren zahlreiche Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen wie Reiseb\u00fcros, Imbissst\u00e4nde und Vereinslokale zu verzeichnen. Vereinzelt kam es auch zu Selbstverbrennungen fanatischer PKK-Anh\u00e4nger. Der folgenschwerste Zwischenfall ereignete sich am 17. Februar in Berlin. Dort durchbrachen zahlreiche mit Eisenstangen bewaffnete Kurden eine Polizeiabsperrung vor der Israelischen Botschaft. Beim Versuch, in das Geb\u00e4ude einzudringen, wurden vier Angreifer von israelischen Sicherheitskr\u00e4ften erschossen. Nach dieser von starken Emotionen bestimmten Aktionsphase forderte die PKK-F\u00fchrung zur Besonnenheit auf und war bestrebt, mittels gewaltfreier Protestaktionen, wie Kundgebungen f\u00fcr \"Frieden und Freiheit in der T\u00fcrkei\", auf dortige Menschenrechtsver-","Ausl\u00e4nderextremismus 149 letzungen hinzuweisen. Auch der am 31. Mai gegen \u00d6calan er\u00f6ffnete Strafprozess war in Deutschland bis zur Urteilsverk\u00fcndung von zahlreichen weitgehend friedlichen Solidarit\u00e4tsbekundungen begleitet. Ein Staatssicherheitsgericht verurteilte \u00d6calan am 29. Juni auf der t\u00fcrReaktionen auf kischen Gef\u00e4ngnisinsel Imrali wegen Hochverrats und mehrfachen das Todesurteil Mordes zum Tode. In der ersten Phase nach Verh\u00e4ngung des Todesurteils reagierten die PKK-Anh\u00e4nger in Deutschland mit Entt\u00e4uschung und Wut; ihre Demonstrationen in zahlreichen deutschen St\u00e4dten verliefen jedoch meist gewaltfrei. Daneben waren aber auch n\u00e4chtliche Brandanschl\u00e4ge sowie sonstige Gewaltaktionen gegen t\u00fcrkische Ziele zu verzeichnen. Nach Appellen deutscher sowie ausl\u00e4ndischer Politiker und Gremien an die T\u00fcrkei, die Todesstrafe nicht zu vollstrecken, entspannte sich die Lage zunehmend. Deeskalierend wirkte auch eine am 29. Juni ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rung des \"Pr\u00e4sidialrats\" der PKK, der zwar das Todesurteil heftig kritisierte, aber zugleich dazu aufrief, sowohl in der T\u00fcrkei als auch im Ausland nur in einem \"demokratisch-politischen\" Rahmen zu protestieren. Auch die Europavertretung der ERNK lehnte Anschl\u00e4ge in Deutschland ab und forderte die kurdische Bev\u00f6lkerung in Europa auf, ihrem Protest im Rahmen der geltenden Gesetze Ausdruck zu verleihen. Das oberste t\u00fcrkische Berufungsgericht best\u00e4tigte am 25. November das Todesurteil der ersten Instanz. Die PKK reagierte auf diese Entscheidung verhalten. In einer vom Kurdistan-Informationszentrum (KIZ) verbreiteten Erkl\u00e4rung der PKK hie\u00df es: \"Die T\u00fcrkische Republik beharrt weiterhin auf ihrer Vernichtungspolitik gegen\u00fcber dem kurdischen Volk.\" Die PKK-Anh\u00e4nger bekundeten wie zuvor ihre konstante Verbundenheit mit ihrem Idol \u00d6calan durch zahlreiche Aktionen wie Mahnwachen und Demonstrationen unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - f\u00fcr eine politische L\u00f6sung in Kurdistan\". Zu Ausschreitungen kam es nicht; auch war insgesamt ein erheblicher R\u00fcckgang der Aktionsbereitschaft festzustellen. 3.4 Strategie Die Strategie der PKK war bisher von periodischen Friedensappellen und Drohungen bestimmt. So hatte \u00d6calan noch vor seiner Abreise","150 Ausl\u00e4nderextremismus aus Italien am 16. Januar eine Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfs gegen die T\u00fcrkei angek\u00fcndigt, da er sein Ziel, durch seinen Aufenthalt in Rom den Weg zu einer internationalen Friedenskonferenz \u00fcber die Rechte des kurdischen Volkes zu ebnen, nicht erreicht habe. Inzwischen ist die PKK bem\u00fcht, ihrem auch formell beschlossenen Friedenskurs Glaubw\u00fcrdigkeit zu verschaffen. Bereits nach der Festnahme \u00d6calans in Kenia hatte der Kommandant der ARGK Cemil Bayik, ein Mitglied des \"Pr\u00e4sidialrats\", betont, dass die Kurden ihren Protest nur im Rahmen der Gesetze und mit demokratischen Mitteln zum Ausdruck bringen d\u00fcrften. Aufruf zur Mit Beginn seines Prozesses intensivierte \u00d6calan Bem\u00fchungen um Einstellung des eine politische L\u00f6sung der kurdischen Frage. Anfang August forderte bewaffneten er die PKK auf, den bewaffneten Kampf ab 1. September einzustelKampfs len und die Guerillaeinheiten aus der T\u00fcrkei zur\u00fcckzuziehen. Der \"Pr\u00e4sidialrat\" der PKK begr\u00fc\u00dfte diesen Aufruf und erkl\u00e4rte, man werde \u00d6calans Direktive gewissenhaft Folge leisten. Osman \u00d6calan, Mitglied im \"Pr\u00e4sidialrat\" der PKK und Bruder des inhaftierten Generalvorsitzenden, erkl\u00e4rte am 1. September im Fernsehsender MEDYA-TV den 15-j\u00e4hrigen bewaffneten Kampf der PKK f\u00fcr beendet. Dies gelte grunds\u00e4tzlich auch dann, wenn das Todesurteil gegen seinen Bruder vollstreckt werde. Allerdings seien in diesem Fall die Reaktionen der PKK-Anh\u00e4nger f\u00fcr die F\u00fchrungsspitze m\u00f6glicherweise nicht mehr kontrollierbar. Im Herbst 1999 verlie\u00df die PKK die \"Plattform der Vereinten Revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte\" (DBGP). Offenbar waren die Gegens\u00e4tze zwischen den gewaltorientierten Zielen dieses B\u00fcndnisses und dem neuen Kurs der PKK nicht \u00fcberbr\u00fcckbar (vgl. auch Nummer 2.3.4 dieses Abschnitts). Symbolische Am 1. Oktober ergab sich eine Gruppe von acht bewaffneten Kapitulation PKK-K\u00e4mpfern, darunter auch der fr\u00fchere Europasprecher der ERNK, an der irakisch-t\u00fcrkischen Grenze dem t\u00fcrkischen Milit\u00e4r. Anl\u00e4sslich des Staatsgr\u00fcndungstags der t\u00fcrkischen Republik (29. Oktober) stellte sich eine weitere Gruppe von acht PKK-Funktion\u00e4ren den Beh\u00f6rden in Istanbul. Bei diesen Personen handelte es sich gr\u00f6\u00dftenteils um hochrangige Funktion\u00e4re, die als Gebietsoder Regionsleiter in Europa t\u00e4tig waren. Unter diesen befand sich auch eine ehemalige Regionsverantwortliche f\u00fcr Bayern und Westfalen. Diese symbolischen Schritte sollten die Ernsthaftigkeit der neuen politischen Linie der PKK unterstreichen.","Ausl\u00e4nderextremismus 151 Die t\u00fcrkische Presse berichtete am 8. November \u00fcber einen Aufruf \u00d6calans an die Kurden, in die Heimat zur\u00fcckzukehren. Es sei - so \u00d6calan - an der Zeit, das Kurdenproblem auf der \"Linie des Friedens und der Demokratie\" in der T\u00fcrkei voranzutreiben. Nur so k\u00f6nne der Wiederaufbau der Republik und die Phase der \"Demokratiebegr\u00fcndung\" gelingen. Die in Europa lebenden Kurden nahmen diesen Appell mit Interesse auf und er\u00f6rterten ihn bei \"Volksversammlungen\". Ob die PKK den Wandel von einer bewaffneten zu einer politischen Kraft auf Dauer bew\u00e4ltigen kann, bleibt abzuwarten. Immerhin d\u00fcrfte sie bis zu einer endg\u00fcltigen Entscheidung \u00fcber die Hinrichtung ihres Vorsitzenden an ihrer derzeitigen Linie festhalten und eine L\u00f6sung der Kurdenfrage mit friedlichen Mitteln suchen. Angesichts der anhaltenden Angriffe der t\u00fcrkischen Armee auf Einheiten der ARGK, die sich aus der T\u00fcrkei zur\u00fcckziehen wollen, wachsen allerdings in Teilen der Basis die Zweifel an der Zweckm\u00e4\u00dfigkeit dieses Kurses. Bei einer Vollstreckung des Todesurteils gegen \u00d6calan ist daher auch in Deutschland mit gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen und Selbstverbrennungen zu rechnen. An derartigen Aktionen w\u00fcrden sich voraussichtlich nicht nur gewaltbereite PKK-Anh\u00e4nger, sondern auch bisher friedliche Kurden beteiligen. Ferner ist dann zu bef\u00fcrchten, dass sich zumindest Teile der PKK wieder dem bewaffneten Kampf oder terroristischen Aktivit\u00e4ten zuwenden. 3.5 Unterst\u00fctzer der PKK Zahlreiche deutsche linksextremistische Gruppen unterst\u00fctzen die PKK, insbesondere fordern sie die Aufhebung des PKK-Verbots. Neben der PDS treten bundesweit rund 30 Kurdistan-Solidarit\u00e4ts\"Kurdistan-Solidagruppen mit Demonstrationen, Info-St\u00e4nden oder Podiumsdiskussiorit\u00e4tsgruppen\" nen f\u00fcr die Interessen der PKK ein. Von den vier in Bayern bestehenden Unterst\u00fctzerkomitees sind die in M\u00fcnchen und Allg\u00e4u/Oberschwaben t\u00e4tigen Gruppen besonders aktiv. In Europa intensiviert die PKK derzeit die Kontakte zu anderen kurdischen Organisationen. Zu diesem Zweck wurde am 24. Mai in Amsterdam ein Kurdischer Nationalkongress (KNK) gegr\u00fcndet. Zur konKurdischer Natiostituierenden Sitzung hatten neben der PKK 28 kurdische Parteien nalkongress (KNK) und Organisationen Delegationen entsandt. Wichtige Kurdenparteien aus dem Iran und Irak, insbesondere die Demokratische Partei Kurdistans/Irak (DPK/I) und die Patriotische Union Kurdistans (PUK),","152 Ausl\u00e4nderextremismus waren allerdings der Gr\u00fcndung des KNK ferngeblieben. Im Gegensatz zu dem Ende September im KNK aufgegangenen \"Kurdischen Exilparlament\", in dem \u00fcberwiegend kurdische Organisationen aus der T\u00fcrkei vertreten waren, repr\u00e4sentiert der offenbar ebenfalls von der PKK dominierte KNK nunmehr auch Kurdengruppierungen aus Armenien, dem Iran, dem Irak und Syrien. Am 29. September f\u00fchrte der KNK in M\u00fcnchen eine Repr\u00e4sentationsveranstaltung f\u00fcr Deutschland durch. Unter den rund 50 Teilnehmern befanden sich auch Angeh\u00f6rige der linksextremistischen deutschen Unterst\u00fctzerszene. Der Hauptredner erkl\u00e4rte, die Kurden h\u00e4tten der Gewalt abgeschworen. Wegen mangelnden Interesses der Besucher endete der offizielle Teil der Veranstaltung schon nach etwa 25 Minuten. 3.6 Aktivit\u00e4ten in Deutschland PKK-Anh\u00e4nger organisierten nach den gewaltsamen Ausschreitungen anl\u00e4sslich der Inhaftierung ihres Generalvorsitzenden \u00d6calan mit Unterst\u00fctzung deutscher Sympathisanten \u00f6ffentliche Kundgebungen, bei denen sie mitunter Symbole der PKK zeigten oder PKK-ParoGro\u00dfkundgebung len skandierten. So fand am 17. April unter dem Motto \"Frieden f\u00fcr in Bonn Kurdistan - Demokratie in der T\u00fcrkei\" in Bonn eine Gro\u00dfdemonstration - die gr\u00f6\u00dfte ihrer Art seit Bestehen der PKK - statt. Die rund 80.000 Teilnehmer, darunter auch \u00fcber 1.000 PKK-Anh\u00e4nger aus Bayern, forderten die Freilassung \u00d6calans. Veranstalter war eine auch von deutschen Parlamentariern unterst\u00fctzte internationale Initiative \"Freiheit f\u00fcr Abdullah \u00d6calan - Frieden in Kurdistan\". Als Redner traten unter anderem der Vorsitzende des \"Kurdischen Exilparlaments\" Yasar Kaya und die PDS-Bundestagsabgeordnete Ursula L\u00f6tzer auf, die der Bundesregierung Doppelz\u00fcngigkeit und Heuchelei vorwarf. Aufrufe zum Im Fr\u00fchjahr 1999 verbreiteten PKK-Anh\u00e4nger auch in Bayern wieder Tourismusboykott Plakate, die zum Tourismusboykott gegen die T\u00fcrkei aufriefen. Die Plakate zeigten einen Soldaten, auf dessen Helm die t\u00fcrkische Flagge angebracht ist. Mit einem blutigen Finger zeigt er auf den Betrachter. Der Text dazu lautet: \"Kommen Sie! Wir brauchen Ihr Geld f\u00fcr unseren Krieg in Kurdistan. Wollen Sie diese Einladung wirklich annehmen?\" Im Anschluss an die Verurteilung \u00d6calans am 29. Juni f\u00fchrten PKK-Anh\u00e4nger bundesweit zahlreiche Demonstrationen und Mahn-","Ausl\u00e4nderextremismus 153 wachen durch, die weitgehend friedlich verliefen. So protestierten rund 70 PKK-Anh\u00e4nger am 29. Juni vor einem Pressegeb\u00e4ude in N\u00fcrnberg gegen das Urteil. In M\u00fcnchen demonstrierten am 3. Juli rund 800 Kurden, darunter 200 Kinder, unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr \u00d6calan - Frieden f\u00fcr Kurdistan\". Die Redner kritisierten das Todesurteil und Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei. Weitere Veranstaltungen in Bayern fanden nur geringes Interesse. Zu einer Demonstration am 21. Oktober in N\u00fcrnberg zum Thema \"Frieden f\u00fcr die Kurden in der T\u00fcrkei\" fanden sich anstelle der erwarteten 300 bis 400 Besucher nur 80 Personen ein. Zum europaweit organisierten \"7. Internationalen Kurdistan-Festival Gro\u00dfveranstaltung f\u00fcr Kultur und Nationale Einheit\" am 28. August im Dortmund erin Dortmund schienen rund 50.000 Besucher, darunter auch etwa 1.500 PKK-Anh\u00e4nger aus Bayern. Im Vorfeld der Veranstaltung war in Kreisen der PKK f\u00fcr eine m\u00f6glichst gro\u00dfe Beteiligung geworben worden. Das Festival setzte die Tradition der seit 1993 j\u00e4hrlich von der PKK durchgef\u00fchrten, ihrer Selbstdarstellung dienenden Friedensbzw. Kulturveranstaltungen fort. Es stand unter dem Motto \"Nein zur Todesstrafe - Frieden jetzt - Freiheit f\u00fcr Abdullah \u00d6calan\". Das Programm bestand aus kulturellen Darbietungen und mehreren Redebeitr\u00e4gen. Neben einem nordrhein-westf\u00e4lischen Landtagsabgeordneten der Fraktion B\u00fcndnis 90/Die Gr\u00fcnen sprach der Vorsitzende des \"Kurdischen Exilparlaments\". Er erkl\u00e4rte, die Kurden h\u00e4tten gek\u00e4mpft, als es notwendig gewesen sei; heute jedoch wollten sie einen \"ehrenhaften Frieden\". In einer \u00fcber Lautsprecher eingespielten Rede \u00e4u\u00dferte Osman \u00d6calan, der Bruder des PKK-Generalvorsitzenden, der jetzige Weg werde beibehalten, weil er zur Demokratie und zum Sieg f\u00fchre. In einer im Stadion verlesenen Gru\u00dfbotschaft rief der inhaftierte PKK-Generalvorsitzende alle Kurden dazu auf, sich an dem Friedensprozess zu beteiligen. Die \"Informationsstelle Kurdistan e.V.\" (ISKU), ein bundesweiter Zusammenschluss von Gruppen und Einzelpersonen der linksextremistischen Kurdistansolidarit\u00e4t mit Sitz in Berlin, startete am 22. Oktober unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr Abdullah \u00d6calan - F\u00fcr eine politische L\u00f6sung in Kurdistan\" eine Bustour zur Unterst\u00fctzung der PKK. Die Bustour Propagandaaktion verlief f\u00fcr die PKK eher entt\u00e4uschend, da die Bev\u00f6lkerung nur geringes Interesse zeigte und eine umfassende Solidarisierung der linksextremistischen Szene ausblieb. Bei der einzigen Zwischenstation in Bayern erschienen am 2. November in Landshut lediglich etwa 30 Personen zur angek\u00fcndigten Kundgebung.","154 Ausl\u00e4nderextremismus Kundgebungen Am 9. Oktober veranstaltete die \"F\u00f6deration kurdischer Vereine in der YEK-KOM Deutschland e.V.\" (YEK-KOM) in Frankfurt am Main eine bundesweite Gro\u00dfkundgebung unter dem Motto \"Nein zur Todesstrafe - Frieden jetzt - Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\". Daran beteiligten sich rund 17.000 Personen, darunter auch PKK-Anh\u00e4nger aus Bayern. Auf zahlreichen Spruchb\u00e4ndern und Plakaten warben die Demonstranten f\u00fcr die Freilassung des inhaftierten PKK-Generalvorsitzenden. In einer Gru\u00dfbotschaft bezeichnete dieser die Ereignisse des letzten Jahres als eine der PKK von der Geschichte auferlegte Trag\u00f6die. Zu einer \u00e4hnlichen Kundgebung der YEK-KOM am 4. Dezember in K\u00f6ln unter dem Motto \"Nein zur Todesstrafe - Frieden jetzt\" fanden sich nur noch 5.000 Besucher ein, darunter auch Teilnehmer aus Bayern. Mit der Veranstaltung reagierte die PKK auf die Best\u00e4tigung des Todesurteils gegen \u00d6calan durch das t\u00fcrkische Kassationsgericht. Die Demonstranten zeigten Symbole der verbotenen PKK und skandierten PKK-Parolen. In einem auf der Schlusskundgebung verlesenen Brief betonte \u00d6calan seinen Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben von T\u00fcrken und Kurden unter Wahrung der kurdischen Identit\u00e4t. 3.7 Gewalttaten und Straftaten in Bayern Die PKK-Anh\u00e4ngern zuzurechnenden Gewalttaten stehen \u00fcberwiegend in zeitlichem Zusammenhang mit einer europaweiten Welle massiver Ausschreitungen anl\u00e4sslich der Ergreifung \u00d6calans am 15. Februar. So kam es am 16. Februar nach einer Versammlung in M\u00fcnchen zu t\u00e4tlichen \u00dcbergriffen auf Polizeibeamte, als diese versuchten, einen PKK-Anh\u00e4nger festzunehmen, der w\u00e4hrend der Veranstaltung ein Portrait \u00d6calans gezeigt hatte. Die Festnahme wurde durch Versammlungsteilnehmer verhindert. Am 17. Februar drangen zehn PKK-Aktivisten in das Geb\u00e4ude des SPD-Landesverbands in M\u00fcnchen ein. Sie f\u00fchrten unter anderem ein Plakat mit der Aufschrift \"Solidarit\u00e4t mit der PKK\" und ein Bild \u00d6calans mit. Bei der Festnahme leisteten sie Widerstand und verletzten Polizeibeamte. Am 18. Februar schleuderten mutma\u00dfliche PKK-Aktivisten in N\u00fcrnBrandanschl\u00e4ge berg einen Brandsatz in ein t\u00fcrkisches Reiseb\u00fcro, wobei ein Sachschaden von rund 10.000 DM entstand. Die Polizei konnte das Feuer l\u00f6schen.","Ausl\u00e4nderextremismus 155 Auch zwei Brandstiftungen am 20. Februar in Schweinfurt d\u00fcrften nach Tatobjekt und Tathergang PKK-Aktivisten zuzurechnen sein. In einem Fall warfen die T\u00e4ter zwei Molotowcocktails in ein t\u00fcrkisches B\u00fcro f\u00fcr Buchhaltung, Finanzund Steuerberatung, wobei ein Sachschaden von 50.000 DM entstand. Der Brand konnte von der Polizei gel\u00f6scht werden. Ein weiterer Brandanschlag richtete sich gegen das B\u00fcro des islamischen Kulturvereins. Der Brandsatz brannte vor dem Geb\u00e4ude ab, ohne Schaden anzurichten. Eine PKK-Aktivistin versuchte, sich am 20. M\u00e4rz in M\u00fcnchen ihrer Gewalt gegen Festnahme durch Polizeibeamte unter Zuhilfenahme einer brennenPolizeibeamte den Fackel zu entziehen. Sie hatte bei einer Newroz-Veranstaltung Plakate mit dem Bild \u00d6calans verteilt. Bei einem Info-Stand zum Thema \"Politische L\u00f6sung in Kurdistan - Freiheit f\u00fcr \u00d6calan\" kam es am 27. M\u00e4rz in M\u00fcnchen unter den Anwesenden w\u00e4hrend eines Streits zu einer t\u00e4tlichen Auseinandersetzung. Gegen einen mutma\u00dflichen PKK-Sympathisanten wurde Anzeige wegen K\u00f6rperverletzung erstattet. Am 30. Juni warfen in Kempten unbekannte T\u00e4ter einen Sonnenschirmst\u00e4nder in das Fenster einer Gastst\u00e4tte. Der Inhaber des Lokals ist T\u00fcrke. Es entstand ein Sachschaden von rund 1.000 DM. Auch noch mehrere Tage nach dem Todesurteil gegen Abdullah \u00d6calan am 29. Juni wurden bundesweit Anschl\u00e4ge auf t\u00fcrkische Einrichtungen ver\u00fcbt. In Kaufering, Landkreis Landsberg a. Lech, scheiterte in der Nacht zum 3. Juli der Versuch, einen Kebab-Verkaufswagen in Brand zu setzen. Anschlie\u00dfend besch\u00e4digten vermutlich dieselben T\u00e4ter zwei Schaufensterscheiben eines t\u00fcrkischen Obstund Lebensmittelgesch\u00e4fts. Am 8. August suchten drei PKK-Aktivisten einen 17-j\u00e4hrigen Kurden Bestrafungsaktion an seiner Wohnadresse in M\u00fcnchen auf und zwangen diesen, bei ihnen im PKW mitzufahren. Die T\u00e4ter gaben dem Jugendlichen zu verstehen, dass sie ihn bestrafen (schlagen) w\u00fcrden. Nachdem Angeh\u00f6rige des Gesch\u00e4digten die Polizei verst\u00e4ndigt hatten, konnten die T\u00e4ter in Olching, Landkreis F\u00fcrstenfeldbruck, festgenommen werden. Hintergrund der beabsichtigten Bestrafungsaktion sei die angebliche Lossagung des 17-j\u00e4hrigen Kurden von der PKK gewesen. Der Gesch\u00e4digte war nach eigenen Angaben noch bis vor einem Jahr f\u00fcr die PKK t\u00e4tig.","156 Ausl\u00e4nderextremismus 3.8 Strafverfahren und Exekutivma\u00dfnahmen Das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf verurteilte am 6. Mai die ehemalige PKK-Regionsverantwortliche f\u00fcr Westfalen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten. Sie hatte anl\u00e4sslich einer Gro\u00dfdemonstration am 16. M\u00e4rz 1996 in Dortmund Jugendliche in drei F\u00e4llen zu Brandanschl\u00e4gen mit Molotowcocktails angestiftet. Am griechisch-t\u00fcrkischen Grenz\u00fcbergang Ipsala wurden am 6. April Sprengstoffin einem in Deutschland zugelassenen PKW drei Sprengs\u00e4tze mit je transport 800 Gramm Sprengstoff und Metallkugeln sichergestellt. Die drei festgenommenen Insassen des PKW gaben an, das Fahrzeug mit den bereits darin versteckten Sprengk\u00f6rpern in Deutschland \u00fcbernommen zu haben. Am 30. April nahm die Polizei am Grenz\u00fcbergang Elten/Nordrhein-Westfalen ebenfalls drei mutma\u00dfliche PKK-Aktivisten fest, die in ihrem PKW \u00fcber 2,5 kg Sprengstoff mitf\u00fchrten. Festnahme Am 17. August wurde in Adelsried, Landkreis Augsburg, ein 28-j\u00e4hwegen Spendenriger T\u00fcrke festgenommen. Er steht im Verdacht, im Fr\u00fchjahr 1996 in erpressung Passau Spenden f\u00fcr die PKK erpresst zu haben. In Berlin nahm die Polizei am 5. Oktober einen 43-j\u00e4hrigen Kurden wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Urkundenf\u00e4lschung fest. Er soll hauptamtlicher Kader des so genannten PKK-Heimatb\u00fcros gewesen sein, das im Auftrag der Parteif\u00fchrung die illegalen Strukturen der PKK in Deutschland aufrechterh\u00e4lt. Im Rahmen der Exekutivma\u00dfnahmen konnten Strukturunterlagen sowie eine Pistole mit Munition sichergestellt werden. Ebenfalls am 5. Oktober nahm die Polizei in Paris aufgrund eines Hoher Funktion\u00e4r Haftbefehls der Staatsanwaltschaft Leipzig einen 35-j\u00e4hrigen Kurden festgenommen fest. Ihm wird vorgeworfen, f\u00fcr die Europ\u00e4ische Frontzentrale und als Regionsverantwortlicher f\u00fcr Berlin t\u00e4tig gewesen zu sein. Ferner soll er die Besetzung des griechischen Generalkonsulats am 16. Februar in Leipzig angeordnet haben. Dabei waren 73 Kurden aus Anlass der Ergreifung des PKK-Generalvorsitzenden \u00d6calan gewaltsam in die diplomatische Vertretung eingedrungen und hatten drei Geiseln genommen. Der ehemalige Leiter des PKK-Gebiets Mainz/Wiesbaden wurde am 5. Dezember auf dem Gel\u00e4nde einer Autobahn-Rastanlage bei W\u00fcrzburg festgenommen. Er reiste als Beifahrer in einem PKW mit \u00f6sterreichischem Kennzeichen. In der Abschiebehaft z\u00fcndete er sich selbst an; er erlitt dabei schwere Verletzungen.","Ausl\u00e4nderextremismus 157 Am 17. Dezember nahm die Polizei in Duisburg/Nordrhein-Westfalen die ehemalige Regionsverantwortliche der PKK f\u00fcr das Gebiet Westfalen fest. Ihr wird unter anderem die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und die Mitverantwortung f\u00fcr eine Reihe von Brandanschl\u00e4gen zwischen Ende 1995 und Mitte 1996 vorgeworfen. 4. Arabische Gruppen 4.1 Muslimbruderschaft (MB) in der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland e.V. (IGD) Deutschland Bayern Mitglieder: 1.200 200 Gr\u00fcndung: 1928 in \u00c4gypten Sitz: M\u00fcnchen Die von Hassan Al-Banna in Ismailija/\u00c4gypten gegr\u00fcndete sunniSunnitisch-extretisch-extremistische MB ist eine multinationale Organisation, bei der mistische Ideologie eine Unterteilung in nationale Sektionen erkennbar ist. Ziel der MB ist unter anderem die Errichtung von islamischen \"Gottesstaaten\". Als deutsche Zentrale der MB gilt die Islamische Gemeinschaft in Einflu\u00df der MB Deutschland e.V. (IGD). Der IGD sind mehrere Islamische Zentren in auf die IGD Deutschland nachgeordnet. Sie hat ihren Sitz im Islamischen Zentrum M\u00fcnchen. Die IGD steht unter ma\u00dfgeblichem Einfluss des \u00e4gyptischen Zweigs der MB. Pr\u00e4sident der IGD ist Dr. Ghaleb Himmat, ein in der Schweiz lebender Syrer; Generalsekret\u00e4r ist der in der N\u00e4he von M\u00fcnchen wohnhafte \u00c4gypter Ahmed El Khalifa. Viele Mitglieder und Funktion\u00e4re der IGD und der Islamischen Zentren stehen der MB und deren Zielsetzung nahe. Deshalb waren aus den Islamischen Zentren wie in den Vorjahren Verlautbarungen und Aufrufe zu vernehmen, die mit der offiziellen gem\u00e4\u00dfigten Linie der IGD, etwa dem Eintreten f\u00fcr das richtige Verst\u00e4ndnis des Islam, nicht \u00fcbereinstimmten, sondern die N\u00e4he zur MB verdeutlichten. So enthielten die in den Islamischen Zentren gehaltenen Reden wiederholt Aufrufe zum Jihad (Heiliger Krieg zur Verteidigung und Verbreitung Latente Militanz des Islam) in Tschetschenien und zum Sturz der \"un-islamischen\" arabischen Regierungen. Auch die Schaffung eines gemeinsamen islamischen Staats mit einem Kalifat wurde bef\u00fcrwortet.","158 Ausl\u00e4nderextremismus 4.2 Islamische Heilsfront (FIS) - algerischer Zweig der MB - Deutschland Bayern Mitglieder: 300 45 Gr\u00fcndung: 1989 in Algerien Publikation: Al-Ribat (Das Band) Die FIS ist der algerische Zweig der international t\u00e4tigen MB. Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamistischen Staatswesens in Algerien. Als sie 1992 in Algerien verboten wurde, gingen zahlreiche FIS-Funktion\u00e4re ins Ausland. Der Leiter der \"Exekutivinstanz der FIS im Ausland\", Rabah Kebir, h\u00e4lt sich in Deutschland auf. Nach dem Verbot waren die FIS und ihr milit\u00e4rischer Arm \"Islamische Heilsarmee\" (AIS) f\u00fcr zahlreiche Terroranschl\u00e4ge in Algerien verantwortlich. Seit Oktober 1997 halten sie an dem damals einseitig Waffenstillstand erkl\u00e4rten Waffenstillstand fest. Auch 1999 war die FIS bem\u00fcht, sich deutlich und nachhaltig von der mit ihr rivalisierenden \"Bewaffneten Islamischen Gruppe\" (GIA) zu distanzieren, die seit ihrer Gr\u00fcndung 1991 zahlreiche grausame Massaker an der algerischen Zivilbev\u00f6lkerung ver\u00fcbte. In Bayern entwickelten die FIS-Anh\u00e4nger keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten. 4.3 Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) Deutschland Bayern Mitglieder: Einzelpersonen Einzelpersonen Die sunnitisch-extremistische Organisation Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) Abspaltung von spaltete sich Mitte der 70er Jahre von der Muslimbruderschaft ab. Die der MB Anh\u00e4nger der GI verfolgen unter der F\u00fchrung von Scheich Omar Abdelrahman das Ziel, durch die Schw\u00e4chung der Wirtschaft die \u00e4gyptische Regierung zu st\u00fcrzen und ein islamistisches Staatsgebilde in Form eines Gottesstaats zu errichten. In den Jahren 1992 bis 1997 war die GI f\u00fcr zahlreiche Anschl\u00e4ge in \u00c4gypten, auch auf ausl\u00e4ndische Touristen, verantwortlich. Mehrere in \u00c4gypten inhaftierte F\u00fchrer Taktisch der GI riefen inzwischen zum Waffenstillstand auf. Ein in London motivierter lebender Funktion\u00e4r der GI bezeichnete im Juli die Beendigung der Waffenstillstand Gewaltaktionen allerdings nicht als Waffenstillstand nach dem Recht","Ausl\u00e4nderextremismus 159 der Scharia, sondern als taktischen Schritt, um dem Islam zur Macht zu verhelfen. 4.4 Internationale Islamische Front Deutschland Bayern Mitglieder: Einzelpersonen Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1998 Die 1998 erstmals \u00f6ffentlich in Erscheinung getretene Internationale Islamische Front unter der F\u00fchrung von Usama Bin Laden wird f\u00fcr die Bombenanschl\u00e4ge auf die US-Botschaften in Nairobi/Kenia und Daressalam/Tansania am 7. August 1998 verantwortlich gemacht. Bei Folgenschwere den zeitgleichen Anschl\u00e4gen wurden \u00fcber 250 Menschen get\u00f6tet terroristische und weit \u00fcber 5.000 verletzt. Bin Laden bem\u00fcht sich um Kontakte Anschl\u00e4ge zu anderen islamistischen Organisationen wie Hamas, GIA und Al-Gamaa Al-Islamiya. Er gilt als ma\u00dfgeblicher finanzieller Unterst\u00fctzer der islamistischen Bestrebungen. Besonders ausgepr\u00e4gt ist sein Kontakt zur \u00e4gyptischen Terrororganisation Jihad Islami unter der Leitung von Ayman Al-Zawaheri. In Deutschland und Bayern halten sich nur vereinzelt Mitglieder und Sympathisanten der Internationalen Islamischen Front oder der Al Qaeda, einer weiteren von Bin Laden gef\u00fchrten islamistischen Organisation, auf. Ein im September 1998 in der N\u00e4he von M\u00fcnchen festgenommener mutma\u00dflicher Bin Laden-Funktion\u00e4r wurde Anfang 1999 mit Zustimmung des Oberlandesgerichts M\u00fcnchen an die USA ausgeliefert. Er steht im Verdacht, die Anschl\u00e4ge von Nairobi und Daressalam logistisch unterst\u00fctzt zu haben. 4.5 Hizb Allah (Partei Gottes) Deutschland Bayern Mitglieder: 800 Einzelpersonen Gr\u00fcndung: 1982 im Libanon Sitz: M\u00fcnster Publikation: Al-Ahd (Die Verpflichtung)","160 Ausl\u00e4nderextremismus Die Hizb Allah-Bewegung umfasst neben einer seit 1992 im libanesischen Parlament vertretenen Partei verschiedene Wohlfahrtsorganisationen sowie den Islamischen Widerstand, der als milit\u00e4rischer Arm der Organisation insbesondere den bewaffneten Kampf gegen israelische Milit\u00e4reinheiten im s\u00fcdlichen Libanon f\u00fchrt. Vom Iran wird die Hizb Allah finanziell, materiell und ideologisch unterst\u00fctzt. W\u00e4hrend die Organisation urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Errichtung einer \"Islamischen Republik\" im Libanon nach dem Beispiel des Iran k\u00e4mpfte, ist sie nunmehr zu einer Integration in das politische System des Libanon bereit, um dort gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen durch politische Aktivit\u00e4ten zu bewirken. In Deutschland versucht die Hizb Allah-F\u00fchrung, die Anh\u00e4ngerschaft neu zu organisieren. Diese Anstrengungen werden durch h\u00e4ufige Besuche hochrangiger Funktion\u00e4re und islamischer \"Geistlicher\" deutlich. \u00d6ffentliche Aktivit\u00e4ten der Hizb Allah waren in Bayern in den letzten Jahren nicht feststellbar. 5. Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Deutschland Bayern Mitglieder: 900 60 Gr\u00fcndung: 1981 in Paris Sitz: K\u00f6ln Publikationen: Modjahed (K\u00e4mpfer), Schire Khorschid (L\u00f6we und Sonne), Freiheit f\u00fcr Iran IslamischDer NWRI wurde unter Federf\u00fchrung der islamisch-extremistischen extremistische Volksmodjahedin als Zusammenschluss iranischer oppositioneller Ausrichtung Gruppierungen gegr\u00fcndet. Der Sitz des NWRI ist Paris. Im August 1993 schuf der NWRI ein Exilparlament und rief die Generalsekret\u00e4rin der Volksmodjahedin, Maryam Radjavi, zur \"k\u00fcnftigen Pr\u00e4sidentin des Iran\" aus. Der NWRI unterh\u00e4lt im iranisch-irakischen Grenzgebiet eine mehrere tausend K\u00e4mpfer z\u00e4hlende Rebellenarmee, die Nationale Befreiungsarmee (NLA). Markanter Beweis seiner Gewaltbereitschaft ist die Ermordung des stellvertretenden Generalstabschefs Ali Shirazi am 10. April in Teheran, f\u00fcr die der NWRI die politische Verantwortung \u00fcbernahm. AlleinvertretungsTrotz fehlenden R\u00fcckhalts in der iranischen Bev\u00f6lkerung nimmt der anspruch NWRI f\u00fcr sich in Anspruch, die einzige legitime demokratische Alter-","Ausl\u00e4nderextremismus 161 native zur iranischen Regierung zu sein. Der Machtanspruch der Volksmodjahedin, die fehlende innerparteiliche Demokratie und ihr Personenkult sto\u00dfen jedoch bei einem erheblichen Teil der iranischen Opposition auf Ablehnung. In Deutschland hat der NWRI mittlerweile die Iranische Moslemische Studentenvereinigung e.V. (IMSV) als offizielle Vertretung der Volksmodjahedin abgel\u00f6st. Der Verein existiert jedoch neben zahlreichen Tarnund Nebenorganisationen des NWRI weiter. Der NWRI tritt vor allem mit Spendensammlungen, aber auch mit Spendenaktionen Demonstrationen in Erscheinung. Die angeblich f\u00fcr humanit\u00e4re Zwecke bestimmten Gelder dienen in Wirklichkeit dem Unterhalt der weltweiten Strukturen der Volksmodjahedin sowie wohl auch der Unterst\u00fctzung der NLA. Die haupts\u00e4chlich in Asylbewerberheimen angeworbenen Aktivisten der Volksmodjahedin sammeln seit Jahren oft unter Versto\u00df gegen ihre Aufenthaltsbeschr\u00e4nkungen und ohne Sammlungserlaubnis. Sowohl in Deutschland als auch im europ\u00e4ischen Ausland war der NWRI bestrebt, mit einer Vielzahl von Demonstrationen die iranische F\u00fchrung \u00f6ffentlich zu diskreditieren, um die weitere Ann\u00e4herung des Iran an den Westen zu st\u00f6ren und sich selbst als einzige Alternative zum System im Iran zu pr\u00e4sentieren. An den Kundgebungen beteiligten sich auch Sympathisanten des NWRI aus Bayern. 6. Volksbewegung von Kosovo (LPK) Deutschland Bayern Mitglieder: 500 120 Gr\u00fcndung: 1982 im Kosovo Publikation: Zeri i Kosoves (Die Stimme Kosovos) Zu den im Bundesgebiet lebenden Angeh\u00f6rigen der Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien geh\u00f6ren mehr als 180.000 Albaner aus dem Kosovo. Ein Teil von ihnen schloss sich der LPK an und unterst\u00fctzte damit die im Heimatland operierende \"Befreiungsarmee von Kosovo\" (UCK). Mit Beginn der NATO-Luftangriffe auf serbische Ziele am 24. M\u00e4rz verst\u00e4rkte die LPK ihre Aktivit\u00e4ten und f\u00fchrte bundesweit zahlreiche","162 Ausl\u00e4nderextremismus Hohe Spenden Demonstrationen durch. Gro\u00dfe Resonanz fanden ihre Spendenaufrufe, die monatlich mehrere Millionen Mark erbrachten. Viele FreiwilViele Freiwillige lige folgten einem Aufruf der UCK, in den Kosovo zur\u00fcckzukehren, um an den dortigen K\u00e4mpfen teilzunehmen. Nach Beendigung der NATO-Intervention in Jugoslawien fanden keine Informationsveranstaltungen, Mitgliederversammlungen oder Demonstrationen der LPK mehr statt. Die in Bayern noch bestehenden vier Volksund Kreisr\u00e4te verf\u00fcgen \u00fcber etwa 120 Mitglieder. Die politisch aktiven LPK-Anh\u00e4nger sind in den Kosovo zur\u00fcckgekehrt, um dort eine Parteifunktion zu \u00fcbernehmen. Unmittelbar nach dem Abzug der serbischen Einheiten aus dem Kosovo wurde die dortige LPK Anfang Juli auf Betreiben des ehemaligen politischen F\u00fchrers der UCK Hashim Thaqi in \"Partei der Demokratischen Vereinigung\" (PBD) umbenannt. Thaqi bildete im Kosovo eine provisorische Regierung. Inzwischen ist die PBD in der \"Partei f\u00fcr den Demokratischen Fortschritt Kosovos\" (PPDK) aufgegangen, die Mitte Oktober als politische Nachfolgeorganisation der UCK unter dem Vorsitz von Thaqi gegr\u00fcndet wurde. In Deutschland bestehen Reststrukturen der LPK fort, die sich abwartend verhalten. Ein Gro\u00dfteil der in Deutschland und im Ausland lebenden Funktion\u00e4re ist mit der Umbenennung der Partei nicht einverstanden und beharrt deshalb auf der Bezeichnung LPK. Ihrer Meinung nach habe die LPK unter diesem Namen den Freiheitskampf gewonnen und m\u00fcsse nicht aus optischen Gr\u00fcnden in eine \"demokratische\" Partei umbenannt werden.","Ausl\u00e4nderextremismus 163 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Arabische und algerische Gruppen Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) Al Hourriah (Die Freiheit) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) Al Hadaf (Das Ziel) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Democratic Palestine - zweimonatlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas Ila-Al-Amam (Vorw\u00e4rts) -Generalkommando(PFLP-GC) - w\u00f6chentlich - marxistisch-leninistisch Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Ahd (Die Verpflichtung) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Muslimbruderschaft (MB) Risalatul-Ikhwan Zentrale: Islamische Gemeinschaft in Deutschland (IGD) - w\u00f6chentlich - sunnitisch-extremistisch Islamische Heilsfront (FIS) Al Ribat (Das Band) sunnitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) Al-Jamaa (Die Gruppe) sunnitisch-extremistisch - monatlich - Al Quital (Die Schlacht) - w\u00f6chentlich - Al-Gamaa Al-Islamiya (GI) sunnitisch-extremistisch Jihad Islami (JI) sunnitisch-extremistisch Internationale Islamische Front und Al-Qaeda sunnitisch-extremistisch","164 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 2. Iranische Gruppen Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Modjahed (K\u00e4mpfer) - unregelm\u00e4\u00dfig - Freiheit f\u00fcr Iran - monatlich - Schire Khorschid (L\u00f6we und Sonne) - unregelm\u00e4\u00dfig - Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e.V. (IMSV) Sitz: K\u00f6ln islamisch-extremistisch Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) Qods (Jerusalem) islamisch-extremistisch - unregelm\u00e4\u00dfig - 3. Kurdische Gruppen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) marxistisch-leninistisch - monatlich - (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan-Report - unregelm\u00e4\u00dfig - Teilorganisationen der PKK: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Nebenorganisationen der PKK: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (am 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ)","Ausl\u00e4nderextremismus 165 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. (bisher: HUNERKOM) Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) Jina Serbilind (Die stolze Frau) - monatlich - Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) Sterka Ciwan (Stern der Jugend) - monatlich - Verband der StudentInnen aus Kurdistan (YXK) RONAHI (Licht) - dreimonatlich - Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) Z\u00fclfikar - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Isci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu (ArbeiterMarxisten-Leninisten (TKP/ML) Bauern-Befreiung) - monatlich - Partizan-Fl\u00fcgel Partizan (Der Partisan) - monatlich - Halkin G\u00fcnl\u00fcg\u00fc (Volkstagesordnung) - vierzehnt\u00e4gig - DABK-Fl\u00fcgel Partizan (Der Partisan) (Ostanatolisches Gebietskomitee) - monatlich - \u00d6zg\u00fcr Gelecek (Freie Zukunft) - vierzehnt\u00e4gig - T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation der TKP/ML","166 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg -Partizan-Fl\u00fcgelF\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland (ADHF) -DABK-Fl\u00fcgelKonf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) -Partizan-Fl\u00fcgel- - monatlich - Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) -DABK-Fl\u00fcgelBolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Bolsevik Partizan (BP-KK/T) (Bolschewistischer Partisan) (Abspaltung von der TKP/ML) - monatlich - Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) in Deutschland seit 09.02.1983 verboten; nach dem Verbot in zwei Fraktionen (Karatasbzw. Yagan-Fl\u00fcgel) zerfallen Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front (DHKP-C) Halk Icin Kurtulus aus dem Karatas-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen; (Befreiung f\u00fcr das Volk) in Deutschland seit 13.08.1998 verboten - w\u00f6chentlich - Halkin Sesi Kurtulus (Stimme des Volkes) - w\u00f6chentlich - T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP-C Devrimci Sol) Devrimci C\u00f6z\u00fcm (Revolution\u00e4re aus dem Yagan-Fl\u00fcgel der Devrimci Sol hervorgegangen; L\u00f6sung) in Deutschland seit 13.08.1998 verboten - monatlich - Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei \u00d6zg\u00fcr Atilim (Der freie Angriff) (MLKP) - vierzehnt\u00e4gig - Basisorganisation der MLKP: F\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - Sitz: Frankfurt am Main","Ausl\u00e4nderextremismus 167 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 4.3 Islamische Extremisten Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) Publizistisches Sprachrohr: Sitz: K\u00f6ln Milli Gazete (Nationale Zeitung) - t\u00e4glich - Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) \u00dcmmet-i Muhammed (Die Gemeinde bisher: Verband der islamischen Vereine und Mohammeds) Gemeinden e.V. (ICCB) - w\u00f6chentlich - Sitz: K\u00f6ln 5. Albanische Gruppen Volksbewegung von Kosovo (LPK) Zeri i Kosoves (Die Stimme Kosovos) linksextremistisch - monatlich - Befreiungsarmee von Kosovo (UCK)","168 6. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) Deutschland Bayern Mitglieder: 5.000 bis 6.000 etwa 2.600 Vorsitzender: David Miscavige Gr\u00fcndung: Los Angeles (\"Church of Scientology International\", CSI) 1952 Sitz: Los Angeles, USA in Deutschland unselbst\u00e4ndige Teilorganisationen z.B. \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" Publikationen: Freiheit, Impact, Ursprung u.a. 1. Zur Geschichte der SO Pers\u00f6nlichkeitsIm Jahre 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Buchautor L. Ron manipulation als Hubbard (1911 bis 1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die neue Therapie moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit\". Darin stellte er seine \"Technologie\" zur \"Heilung psychosomatischer Krankheiten und geistiger St\u00f6rungen\" vor. In den folgenden Jahren kam es zur Gr\u00fcndung so genannter \"Dianetik-Zentren\" und schlie\u00dflich zum Aufbau der SO. Hubbard erkl\u00e4rte sein von ihm entwickeltes Verfahren der Psychomanipulation, das er zusammen mit einer totalit\u00e4ren EtikettenOrganisationslehre und -technik in Form eines Kommandosystems schwindel (\"Admintech\") entwickelt hat, zwei Jahre sp\u00e4ter zur Religion und gr\u00fcndete die erste \"Kirche\". Er hoffte, damit seine Organisation gegen staatliche Eingriffe abzusichern. Seit Jahrzehnten liegt Scientology im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten. Die Vorw\u00fcrfe lauten z.B. auf Betrug und Wucher gegen\u00fcber Kunden, Bedrohung und N\u00f6tigung von Kritikern, auf Verschw\u00f6rung gegen die Regierung, Steuerhinterziehung und BilErmittlungen dung einer kriminellen Vereinigung. Im Jahre 1972 begannen gegen die SO Bundesbeh\u00f6rden in den USA, umfangreiche Untersuchungen gegen","Scientology-Organisation 169 Scientology und Hubbard einzuleiten. Die amerikanische Steuerbeh\u00f6rde Internal Revenue Service (IRS) ermittelte gegen die SO wegen Steuervergehen. Auch Interpol war mit der SO und ihrer obersten Autorit\u00e4t, Hubbard, befasst. Hubbard antwortete im Jahr 1973 mit der \"Operation Snow White\" (\"Operation Schneewittchen\"). Ziel war, kritische Berichte \u00fcber die SO bei Regierungsbeh\u00f6rden - vor allem in den USA, Gro\u00dfbritannien und der Bundesrepublik Deutschland - zu beseitigen. Die SO behauptet zwar, illegale Aktionen im Rahmen dieses Programms seien ohne Billigung von Hubbard durchgef\u00fchrt worden. Ein ma\u00dfgeblicher Mitarbeiter widerlegte dies jedoch. Im November 1973 erteilte die damals rangh\u00f6chste Scientologin im Angriff auf so genannten Guardian Office, Jane Kemper, im Rahmen der OperaInterpol tion Schneewittchen den Auftrag, alle Interpol-Dokumente in den Besitz der Organisation zu bringen, die sich mit Scientology und L. Ron Hubbard besch\u00e4ftigen. Im Oktober 1974 gab Jane Kemper - zu dieser Zeit in der Position des \"Guardian World-Wide\" (weltweiter Sicherheitsbeauftragter) - die Anweisung, die B\u00fcros der IRS und die Steuerabteilung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten \"zu infiltrieren, um alle Akten \u00fcber Scientology und ihren Gr\u00fcnder L. Ron Hubbard in ihren Besitz zu bringen sowie alle pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen von Amtsanw\u00e4lten, die die Regierung in Sachen Scientology vertreten\". Im November 1974 installierten Scientology-Agenten im KonferenzKriminelle raum der Finanzbeh\u00f6rde eine elektronische Abh\u00f6rvorrichtung. Damit Spionageangriffe wurden Gespr\u00e4che von Finanzbeamten abgeh\u00f6rt, bei denen \u00fcber auf US-Beh\u00f6rden Steuerangelegenheiten der SO verhandelt wurde. Ebenfalls im November war es den Scientologen gelungen, einen Agenten als Schreibkraft in die Finanzbeh\u00f6rde einzuschleusen. Bereits 14 Tage sp\u00e4ter hatte dieser Akten beiseite geschafft. Dies war der Anfang eines Massendiebstahls von Beh\u00f6rdenakten durch Scientology-Agenten, der sich \u00fcber das ganze Jahr 1975 erstreckte. Nach der Unterwanderung der Finanzbeh\u00f6rde wurde erneut versucht, in den Besitz der Interpol-Akten \u00fcber Scientology und Hubbard zu kommen. Der Auftrag verlangte eine Unterwanderung von Regierungsstellen, welche \"die Befugnis hatten, Hubbard unter Strafandrohung vorzuladen oder Gerichtsverfahren gegen ihn einzuleiten\". Im Februar 1976 war es den Scientologen gelungen, eine Sekret\u00e4rin in das Justizministerium der USA einzuschleusen. Mitte M\u00e4rz 1976","170 Scientology-Organisation brachen die Guardian-Office-Scientologen in den Raum der Finanzbeh\u00f6rde ein, in dem die Materialien zur Fertigung von Ausweisen lagen. Zwei Scientology-Agenten stellten sich selbst offizielle Beglaubigungsschreiben der Finanzbeh\u00f6rde aus. Immer neue Akten gelangten in den nachfolgenden Monaten in die H\u00e4nde der SO. Der unabl\u00e4ssige Schwund von Akten machte schlie\u00dflich die Beh\u00f6rden aufmerksam. Am 11. Juni 1976 wurden zwei der Top-Agenten auf frischer Tat ertappt. Am 8. Juli 1977 f\u00fchrten daraufhin 134 FBI -\"Detectives\" in den Scientology-B\u00fcros in San Francisco und Los Angeles Hausdurchsuchungen durch. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter die gestohlenen Akten aus den Beh\u00f6rden. Am 26. Oktober 1979 wurden neun hohe Funktion\u00e4re der \"ScientoVerurteilungen logy-Kirche\" von einem amerikanischen Bundesgericht wegen Diebwegen Verschw\u00f6stahls und Verschw\u00f6rung gegen die Regierung verurteilt. Hauptangerung gegen die klagte war die Ehefrau Hubbards, Mary Sue Hubbard. Das BeweisUS-Regierung material zur \u00dcberf\u00fchrung Hubbards reichte damals nicht aus. In der Folge kam es zu einem internen Machtkampf. Die geplante Macht\u00fcbernahme einiger junger Scientologen nahm nunmehr konkrete Z\u00fcge an. Hubbard war krank und musste sich vor den Beh\u00f6rden verstecken. Hubbards Ende Am 24. Januar 1986 wurde L. Ron Hubbard von der neuen F\u00fchrungsspitze der Scientology f\u00fcr tot erkl\u00e4rt. Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde von Hubbards Ableben sind ungekl\u00e4rt. Auch nach dem Tode Hubbards dauerte der Machtkampf um die k\u00fcnftige F\u00fchrung der SO an. An dessen Ende setzte sich David Miscavige durch. Er f\u00fchrt heute die SO. Steuerbefreiung 1993 erreichte Scientology mit einem Vergleich, von der obersten in den USA amerikanischen Steuerbeh\u00f6rde IRS als gemeinn\u00fctzig anerkannt zu werden. Nach einem Bericht der \"The New York Times\" setzte die SO dabei schmutzige Methoden der Einsch\u00fcchterung und Erpressung ein. Mitarbeiter der IRS wurden bis in die Privatsph\u00e4re hinein ausspioniert und zum Teil wegen erfundener Behauptungen mit rund 200 Prozessen \u00fcberzogen. Die Anleitung f\u00fcr dieses Vorgehen ist in einem Richtlinienbrief Hubbards vom 15. August 1960 \u00fcber die Ein-","Scientology-Organisation 171 richtung eines \"Department of Government Affairs\" enthalten, der Methoden beschreibt, mit denen Regierungen gef\u00fcgig gemacht werden sollen. 2. Ideologie und Aktivit\u00e4ten Die Konferenz der Innenminister von Bund und L\u00e4ndern stellte am Anhaltspunkte f\u00fcr 5./6. Juni 1997 fest, dass tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsVerfassungsfeindfeindliche Bestrebungen der SO vorliegen. Bei der weiteren Beobachlichkeit tung verdichteten sich die Anhaltspunkte. Sie ergeben sich vor allem aus den Handlungsanleitungen f\u00fcr das so genannte Management, d.h. den Leitungskader, den \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re und den weltweiten Aktivit\u00e4ten der Organisation. \u00dcber das Ergebnis der Beobachtung wurden die Innenminister mit Bericht vom 12. Oktober 1998 von den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterrichtet. Dieser Bericht ist im Internet unter folgender Adresse abrufbar: http://www.verfassungsschutz.nrw.de/dokument.htm 2.1 Schriften der SO Analysen einer Vielzahl von Prim\u00e4rmaterialien der SO zeigen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr, dass bei der Organisation politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen vorliegen. Dies folgt aus dem generellen Absolutheitsanspruch der scientologischen Ideologie. Dieser bezieht sich nicht nur darauf, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein, sondern erfasst den Menschen in all seinen pers\u00f6nlichen sowie zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen Lebensbereichen, sobald er in das Kontrollsystem der Organisation eingebunden ist. Bereits vom Grundgedanken von Scientology Ver\u00e4nderung der ergeben sich politische Dimensionen daraus, dass mit scientoloGesellschaft mit gischer \"Technologie\" nicht nur der Einzelne, sondern die gesamten SO-Techniken gesellschaftlichen und staatlichen Verh\u00e4ltnisse im Sinn einer grunds\u00e4tzlichen Neuordnung der Gesellschaft ver\u00e4ndert werden sollen. In diesem Sinn wird eine verfassungsfeindliche Wertordnung nicht nur propagiert, sondern eine solche soll als verbindlicher Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat und Gesellschaft etabliert werden. Ziel der SO ist es, zur angeblichen Optimierung des Einzelnen und aller sozialen Bereiche Gesellschaft und Staat in ein nach psychound sozialtechnischen Technokratisches Prinzipien (social engineering) zentral gesteuertes Kommandosystem Kommandosystem zu verwandeln.","172 Scientology-Organisation Die SO in Deutschland bekennt sich in ihren neuerlichen Ver\u00f6ffentlichungen ausdr\u00fccklich zur Person und der unver\u00e4nderbaren politischen Programmatik ihres Gr\u00fcnders. Verschiedene programmatische \u00c4u\u00dferungen der SO deuten sogar darauf hin, dass sie ihre Ziele k\u00e4mpferisch-aggressiv verwirklichen will. Von Mitgliedern wurde entsprechend einer Werbebrosch\u00fcre der International Association of Scientologists (IAS) erwartet, dass sie \"die Zerschlagung von Gruppen unterst\u00fctzen, die den Zweck verfolgen, die Anwendung der ScientoFesthalten an logy-Technologie zu verhindern\". Eine \u00c4nderung der ideologischen Hubbard Ausrichtung ist nicht erkennbar; vielmehr werden weiter Schriften im genannten Sinn ver\u00f6ffentlicht. Auch wird strikt an den internen Richtlinien und den so genannten \"policy letters\" festgehalten. 2.1.1 Errichtung einer scientologischen Gesellschaft Politische Bereits in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hatte Hubbard auf Zielsetzung die politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre und Technik hingewiesen. Mit der Entwicklung seiner totalit\u00e4ren \"Admintech\", die in elf B\u00e4nden niedergelegt ist, hat sich Hubbard ein sozialtechnisches Instrumentarium geschaffen, um sich Gruppen zu unterwerfen. Dies zeigt weiter, dass Hubbard mit der Schaffung und der Praktizierung seiner \"Technologie\" einen politischen Anspruch verfolgte. Es soll eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien funktionierende Welt geschaffen werden. Diese neue \"wahre Demokratie\" soll an die Stelle der bisherigen Demokratien treten. Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, dass zun\u00e4chst 10 bis 15 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den so genannten Nichtaberrierten, den Clears, besteht. Gleichzeitig soll die \"Admintech\" zur Organisation aller gesellschaftlichen Gruppen und der Regierungen weltweit Verwendung finden. Nach der SO-Schrift \"Neue Zivilisation - Reference Pack\", erschienen im Jahr 1990, ist Ziel der SO \"eine neue Zivilisation\". Um dies zu erreichen, sollen Scientologen u.a. \"eine Verschw\u00f6rung kreieren, durch die sich der Machtfaktor immer weiter und weiter ausdehnt\". Auch die von der Kopenhagener Europazentrale der SO, dem Continental Liaison Office (CLO), herausgegebene \"Sicherheitsbrosch\u00fcre\" enth\u00e4lt Passagen, die auf das politische Ziel der SO hindeuten, weltweit eine nach ihren Vorstellungen gestaltete totale Kontroll-Gesell-","Scientology-Organisation 173 schaft zu errichten. Anlass f\u00fcr die Herausgabe dieser Schrift war die Durchsuchung von f\u00fcnf Vereinsr\u00e4umen der SO in M\u00fcnchen am 10. Februar 1998 durch die Staatsanwaltschaft beim Landgericht M\u00fcnchen I. 2.1.2 Lenkung der Regierung durch Scientology Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt \"International City\" vor. Hubbard hatte darin u.a. erkl\u00e4rt, Scientology sei nur am Planeten interessiert. Hubbard forderte in seinem Vortrag letztlich, alle derzeit existierenden Hauptst\u00e4dte der verschiedenen Staaten zugunsten Scientology zu entmachten, die Welt Projekt quasi von seiner Hauptstadt - International City - aus zu regieren: Weltregierung \"Wir hatten in letzter Zeit einige Probleme mit Regierungen. Meiner Meinung nach waren sie unversch\u00e4mt. Sie waren respektlos und ich habe mir das gr\u00fcndlich angesehen und bin zu dem Entschluss gekommen, dass wir das nicht hinnehmen sollten.\" Im November 1997 wurde die Hubbard-Anweisung vom 13. M\u00e4rz 1961 bekannt. Danach soll ein \"Department f\u00fcr Beh\u00f6rdenangelegenheiten\" u.a. \"st\u00e4ndigen Druck auf Regierungen aus\u00fcben, Druck auf um Gesetzgebung von Gruppen zu verhindern, die der Scientology Regierungen entgegenstehen\". Beh\u00f6rden und Gerichte werden von der SO als \"Gefahr\" gesehen, der man begegnet, indem \"immer ausreichend Drohungen gegen sie gesucht oder erfunden werden\". Die genannte \"Abteilung\" hat \u00fcber den Bereich \"Sicherheit\" hinaus zudem die wesentliche Aufgabe, die \"Clear Deutschland-Kampagne\" fortzusetzen. 2.1.3 Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems Eine Ausgabe der SO-Zeitschrift \"Freiheit\" aus dem Jahr 1997 enth\u00e4lt unkommentiert einen Artikel Hubbards mit der \u00dcberschrift \"Ehrliche Menschen haben auch Rechte\". Dieser befasst sich mit der Bedeutung der Rechte des Beschuldigten oder Angeklagten im Strafverfahren und der Rechtsf\u00e4higkeit des Einzelnen aus der Perspektive der SO. Der Beschuldigte oder Angeklagte soll sich im Strafverfahren zu seiner Verteidigung nicht auf Rechte berufen d\u00fcrfen. Vielmehr wird der Rechte nur Kreis der Rechtstr\u00e4ger auf die \"Ehrlichen\" beschr\u00e4nkt, also nur auf f\u00fcr \"ehrliche\" diejenigen, die sich der SO verschrieben haben. Nur ihnen r\u00e4umt man Menschen","174 Scientology-Organisation letztlich eine Existenzberechtigung ein. Die nur eingeschr\u00e4nkte Geltung aller Rechte, also auch der Grundbzw. Menschenrechte, geh\u00f6rt zu den von Hubbard aufgestellten programmatischen Standardforderungen f\u00fcr die von ihm und der SO angestrebte \"Zivilisation\". Die Beschr\u00e4nkung der Rechtsf\u00e4higkeit auf die \"Ehrlichen\" ist auch in der Ausgabe 75/1997 der Zeitschrift \"Impact\" als Ziel der IAS f\u00fcr das Jahr 1998 aufgef\u00fchrt. Es hei\u00dft dort unter der \u00dcberschrift \"Die Ziele der IAS f\u00fcr 1998\": \"Der Zweck der IAS ist es, die Scientology-Religion und Scientologen in allen Teilen der Welt zu vereinigen, damit die Ziele, wie L. Ron Hubbard sie aufgestellt hat, erreicht werden: 'Eine Zivilisation, in der die F\u00e4higen erfolgreich sein und ehrliche Wesen Rechte haben k\u00f6nnen', ...\" \"Handbuch des Im bereits 1959 erschienenen \"Handbuch des Rechts\" \u00e4u\u00dfert sich Rechts\" L. Ron Hubbard zur Funktion des scientologischen Rechtssystems. Es enth\u00e4lt verschiedene Passagen mit tats\u00e4chlichen Anhaltspunkten f\u00fcr das Ziel der SO, eine Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft zu errichten. Danach wird es im scientologischen Gesellschaftssystem keine Menschenund Grundrechte mehr geben, wie sie im Grundgesetz definiert sind. Im scientologischen Rechtssystem sind auch keine unabh\u00e4ngigen Gerichte vorgesehen. Vielmehr erforscht ein nicht an Recht und Gesetz gebundener Nachrichtendienst (vgl. auch Nummer 3.2.4 dieses Abschnitts) Sachverhalte und ergreift Ma\u00dfnahmen. 2.1.4 Bek\u00e4mpfung von Kritik an Lehre und Praxis/ aggressive Expansionstechnik Totale DiszipliIn einem Grundlagenwerk von Hubbard fordert dieser \"totale Diszipnierung der lin\". Um die Macht zu behalten, so offenbar der Gedanke von HubAnh\u00e4nger bard in seinem Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\", m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterlistig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten w\u00fcrde man die Macht verlieren. Die im \"Handbuch des Rechts\" empfohlenen Operationen zur \"Abwehr\" von \"Unterdr\u00fcckern\" lassen erkennen, dass die SO gewillt ist, die im Grundgesetz konkretisierten Grundrechte abzuschaffen oder hinsichtlich ihres Schutzbereichs verfassungswidrig einzuschr\u00e4nken und dadurch eine totale, das hei\u00dft eine nicht durch Gesetz und Recht im Sinn des Grundgesetzes begrenzte Kontrolle des Einzelnen durch die SO zu erreichen.","Scientology-Organisation 175 Ein HCO-Richtlinienbrief vom 11. Mai 1971, der noch aktuell als Anweisungen Schulungsunterlage Verwendung findet, enth\u00e4lt u.a. Anweisungen zu subversiven f\u00fcr Scientologen, durch so genannte Schwarze Propaganda \"den Ruf Aktionen von Personen und Gruppen zu vernichten\". Zus\u00e4tzlich enth\u00e4lt er Anweisungen, wie im Fall eines gr\u00f6\u00dferen Widerstands bei der Durchsetzung von Zielen der SO zu verfahren ist: \"Wenn Geld und Gewalt regieren und Meinungsf\u00fchrer nicht beachtet werden, wenn sich im Management oder in der Regierung spezielle Privilegien einschleichen, sind Protest-PR, Streiks und Demonstrationen das Werkzeug, das man verwendet. Wenn das nicht funktioniert oder wenn sie unterdr\u00fcckt wird (Anm.: werden), ereignen sich subversive Aktionen, allgemeine nachrichtendienstliche Aktionen, Schwarze Propaganda und andere \u00dcbel.\" 2.1.4.1 Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung Durch effiziente Techniken der Verhaltenskontrolle und -steuerung, der \"Technologie\", werden die Mitarbeiter in manipulativer Weise unter st\u00e4ndigen Verhaltenszwang gesetzt, um nach dem internen Sprachgebrauch des Managements wie \"Maschinen\" zu \"produzieFabrikation der ren\", d.h. neue Kunden zu werben und zu Anh\u00e4ngern des Systems Mensch-Maschine zu machen. Ziel ist es dabei, aus den als \"rohes Fleisch\" bezeichneten Kunden \"Produktionsmaschinen\" f\u00fcr die Werbung und Bearbeitung neuer Kunden zu \"produzieren\". Die Mitarbeiter unterwerfen sich diesem zynischen Reglement, weil sie aus dem engmaschigen, repressiven Kontrollsystem nur schwer ausbrechen k\u00f6nnen. Hinzu kommt, dass die meisten Mitarbeiter nach weiteren Trainings s\u00fcchtig geworden sind. Der Leistungsdruck des Systems auf die Mitarbeiter ist dabei so stark, dass sie sich dem technokratischen Regelwerk der \"Admintech\" und den Befehlen ihrer Vorgesetzten auch unter Inkaufnahme der Verletzung staatlicher und strafbewehrter Normen ohne Widerspruch f\u00fcgen. 2.1.4.2 Kritikerbek\u00e4mpfung mit Methoden des Mobbings Personen, die berechtigte Kritik \u00fcben, sollen mit schikan\u00f6sen Mobbingattacken als \"Feinde\" bek\u00e4mpft werden. Ziel ist es dabei, die Kritiker mundtot zu machen, um die Expansion des Systems ungest\u00f6rt","176 Scientology-Organisation Psychofoltervorantreiben zu k\u00f6nnen. Gegen Kritiker wird wegen ihrer Gegnermethoden schaft zur SO deshalb \"lautstark\" oder verdeckt mit geheimdiensttotalit\u00e4rer lichen Methoden diktatorischer Staaten ermittelt. Sie werden angeGeheimdienste zeigt, diffamiert, \u00f6ffentlich blo\u00dfgestellt und verklagt, bisweilen bedroht, bel\u00e4stigt und zur Zerm\u00fcrbung auch psychisch gequ\u00e4lt. In den USA scheuen sich daher manche Medien bereits, offen gegen Scientology Stellung zu nehmen. Anleitung zur Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Baden-W\u00fcrttemberg berichAusforschung tete \u00fcber folgende Anweisung zur Ausforschung: \"1. Mach dir eine Liste von allen Stellen, die evtl. f\u00fcr uns wichtige Informationen haben oder verbreiten ... 2. Fange an, regelm\u00e4\u00dfig dort Publikationen zu bestellen oder Scientologen, die sie bereits erhalten haben, dazu zu kriegen, sie f\u00fcr dich auszuwerten ... 4. St\u00fcrze dich auf den Lebenslauf von ... und ... Finde heraus, was sie in der Vergangenheit gearbeitet und ver\u00f6ffentlicht haben. 5. Berichte mir regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber den Fortschritt in o. e. Gebieten ...\" Aus einem weiteren Schreiben der SO gehe eindeutig hervor, dass Ermittlungen \u00fcber SO-Kritiker auch im Bereich von Schule und Jugendarbeit gef\u00fchrt werden sollten: \"Nur wirklich echte Scientologen dann nach Lehrern und Sch\u00fclern des ... Gymnasiums befragen. 3. Herrn ... noch einmal aufsuchen und mit ihm zusammen ... befragen; ... gibt sich dabei als ehemaliger Sch\u00fcler von (Name der Zielperson) aus und erw\u00e4hnt ein Verh\u00e4ltnis zu Mitsch\u00fclerinnen. 4. Wer war Mitglied in der ev. Jugendgruppe in ... Liste von Namen bekommen.\" Dabei sollte die Ausforschung nicht nur die Zielperson betreffen, sondern sich auch gegen unbeteiligte Familienmitglieder richten, wie dasselbe Schriftst\u00fcck belege: \"6. Wo geht der Sohn von ... in die Schule? 7. Was macht er am Nachmittag - wer passt auf ihn auf? Ist er zuhause oder wo?\" Zur Abkl\u00e4rung eines SO-Kritikers erging die schriftliche Anweisung: \"DBC Dienstag fr\u00fch 5 Uhr\". DBC steht f\u00fcr \"Dust Bin Collection\". Dies bedeutet die Durchsuchung des Abfalls von Zielpersonen nach gegen sie verwertbarem Material. Ein vorliegender Erfahrungsbericht \u00fcber eine solche \"M\u00fclleimeraktion\" beschreibt die Vorgehensweise der Durchsuchung des Papierabfalls, wobei sich die agierenden Personen als \"M\u00fcllm\u00e4nner\" tarnten.","Scientology-Organisation 177 2.2 Aktivit\u00e4ten der SO 2.2.1 Angriffe auf Repr\u00e4sentanten des Staats Alle Aktivit\u00e4ten der SO sind auf die Expansion der Organisation ausgelegt. In diesem Zusammenhang sind auch Ma\u00dfnahmen der Kritikerbek\u00e4mpfung zu sehen. Kritiker sind alle Personen und Institutionen, die den Zielen der SO nicht zustimmen und ihrer Ausbreitung entgegenstehen. F\u00fcr deren \"Handhabung\" gibt es detaillierte Anweisungen, wie zu verfahren ist. Aus diesem Grund verunglimpft, beschimpft und verleumdet die SO Verunglimpfung seit mehreren Jahren Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschvon Politikern land. Dar\u00fcber hinaus richten sich Verunglimpfungen auch gegen die Verfassungsordnung in Deutschland selbst. Sie wird - \u00e4hnlich wie in der Propaganda der fr\u00fcheren KPD - mit derjenigen des nationalsozialistischen Deutschlands gleichgesetzt. Eine Anfang 1998 erschienene Ausgabe der \"Freiheit\" enth\u00e4lt ArtiAngriffe gegen kel, die das Bestreben der SO sichtbar machen, Werturteile und Sachdie Verfassungsverhalte zu verbreiten, aus denen sich die Verwerflichkeit der in ordnung Deutschland bestehenden Verfassungsordnung ergeben soll. Deutschland wird als Polizeistaat beschrieben, der systematisch die Religionsaus\u00fcbung unterdr\u00fccke. Die SO ver\u00f6ffentlichte des Weiteren unter der \u00dcberschrift \"Religi\u00f6se Apartheid: 1997/Teil 2 - Bericht \u00fcber die fortgesetzte Unterdr\u00fcckung von Grundrechten religi\u00f6ser Minderheiten durch deutsche Beh\u00f6rden und Regierungsstellen\" eine Schrift, die eine systematische staatliche Unterdr\u00fcckung der Scientologen in Deutschland behauptet. Schlie\u00dflich publizierte die SO im Internet in englischer Sprache unter der Bezeichnung \"About Scientology Hatewatch, The Homepage, Hatewatch Germany 1997\" Informationen \u00fcber die angebliche Diskriminierung der Scientologen in Deutschland durch Zwangsund Willk\u00fcrma\u00dfnahmen, die insbesondere der nationalsozialistischen Judenverfolgung gleichen sollen. Die Verunglimpfung gipfelte in einem Schreiben des OSA vom November 1999 an alle Innenminister und Leiter der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Darin wird dem Bayerischen Staatsminister des Innern \"zweckpolitisches Handeln\" vorgeworfen, weil er seine Warnungen vor Scientology sogar auf die Aussagen \"eines drogenabh\u00e4ngigen und kriminellen Aussteigers\" st\u00fctze. Damit soll der Ein-","178 Scientology-Organisation druck erweckt werden, der Staat verwende auch unrichtige Aussagen, wenn sie nur den eigenen Standpunkt st\u00fctzten. 2.2.2 Aktivit\u00e4ten im Ausland Frankreich In Frankreich sind nach Presseberichten vom Oktober 1998 in einem Gerichtsverfahren gegen die SO Hunderte von Gerichtsdokumenten aus dem Justizpalast verschwunden. In diesem Zusammenhang sieht sich die SO Vorw\u00fcrfen der Unterwanderung des Rechtssystems ausgesetzt. Im Zusammenhang mit dem erneuten Verschwinden von diesmal 3,5 Tonnen Gerichtsakten vor einem Strafprozess gegen SO-Verantwortliche in Marseille im September 1999 wurden die Vorw\u00fcrfe gegen die SO wegen Unterwanderung des Rechtssystems \u00f6ffentlich wiederholt. Der Prozess endete mit einer Verurteilung von f\u00fcnf Verantwortlichen der SO zu Haftstrafen wegen Betrugs. Zwei Angeklagte wurden freigesprochen. Belgien In Belgien kam es im September 1999 im Zusammenhang mit Ermittlungen der Beh\u00f6rden gegen SO-Verantwortliche u.a. wegen Betrugs, Steuerhinterziehung und des Vorwurfs der organisierten Kriminalit\u00e4t zu umfangreichen Durchsuchungen in SO-Objekten. Die Ermittlungen dauern an. Schweiz In der Schweiz hat die Konsultative Staatsschutzkommission im Juli 1998 einen Bericht \u00fcber Scientology in der Schweiz erstellt. Der Bericht bezeichnet die SO als hybride Gruppe mit Z\u00fcgen, die ideologisch an totalit\u00e4re Systeme erinnern. Der SO wird bescheinigt, nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten - auch in der Schweiz - zu betreiben. Diese k\u00f6nnen bis zu dem Versuch gehen, Dienststellen des Staats zu infiltrieren. \u00d6sterreich In \u00d6sterreich wurde der f\u00fcr die SO zust\u00e4ndige Familienminister nach Presseberichten von einem SO-Verantwortlichen mit der Aufdeckung angeblich belastender Details aus dem Betrieb seiner Privatfirma bedroht. Im Jahre 1999 wurde bekannt, dass an f\u00fchrender Stelle bei der Telecom Austria in Wien ein hochtrainierter Scientologe sitzt. Der Mann hatte Zugang zum Beh\u00f6rdennetz \u00d6sterreichs und war \u00fcber die staatlichen Telefon\u00fcberwachungsma\u00dfnahmen in \u00d6sterreich informiert. Gro\u00dfbritannien In Gro\u00dfbritannien wurde der SO im Dezember die Anerkennung als Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation verweigert. Die Entscheidung stellt ausdr\u00fccklich fest, dass die SO keine Religionsgemeinschaft im Sinn der einschl\u00e4gigen Vorschriften ist und nicht zum Wohl der Allgemeinheit gegr\u00fcndet wurde.","Scientology-Organisation 179 Bei der Expansion der SO in Osteuropa spielt M\u00fcnchen eine bedeutende Rolle. In der Org M\u00fcnchen wird eine Vielzahl Osteurop\u00e4er durch Kurse ausgebildet. Dies gilt insbesondere f\u00fcr Ungarn. \u00dcber deutsche Firmen mit Niederlassungen in Osteuropa wurde bekannt, dass scientologische Beratungsunternehmen Verwaltungstechnologie nach Hubbard in die Unternehmen transportieren und so \u00fcber die Vertriebsniederlassungen Zugang in die deutschen Hauptunternehmen erhalten. Nach Presseberichten sollen in Russland weit \u00fcber Russland f\u00fcnfzig Firmen, Banken und Kombinate Mitglied der scientologischen Wirtschaftsorganisation WISE geworden sein, darunter auch R\u00fcstungsbetriebe. Dazu k\u00e4men noch Direktoren und Manager von 28 staatlichen oder halbstaatlichen Firmen mit Zehntausenden von Mitarbeitern. Auch soll Scientology Kontakte in die politische F\u00fchrungsebene haben. So berichtete die Presse, im Jahr 1999 sei ein Mitglied der SO-Vereinigung Citizens Commission on Human Rights (CCHR) als neue Justitiarin der Stadt Moskau bestellt worden. 2.2.3 Kampagne gegen Schutzerkl\u00e4rung \u00dcber das Deutsche B\u00fcro f\u00fcr Menschenrechte der \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" setzte die SO ihre 1997 begonnene Kampagne gegen die Verwendung von Schutzerkl\u00e4rungen durch deutsche Unternehmen und \u00f6ffentliche Stellen auch 1999 fort. Mit den Schutzerkl\u00e4rungen gegen\u00fcber Mitarbeitern und Drittfirmen wollen sich Unternehmen und \u00f6ffentliche Stellen gegen m\u00f6gliche Einflussnahmeund Ausforschungsversuche von Scientologen sch\u00fctzen. Bemerkenswert ist, dass auch mutma\u00dfliche Tarnorganisationen der SO wie das Oslo International Peace Commitee und die Alliance for Liberty and Rights of Minorities (ALARM) in die Kampagne eingebunden werden. Offenbar r\u00e4umt die SO dem Ziel, die Verwendung von Schutzerkl\u00e4rungen in der Wirtschaft zu unterbinden, hohe Priorit\u00e4t ein. In einzelnen F\u00e4llen hatte sie damit Erfolg, z.B. bei Unternehmen, die zu US-Konzernen geh\u00f6ren. 2.3 Bewertung der Schriften und Aktivit\u00e4ten Die zitierten Texte und Aktivit\u00e4ten stellen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte Ziel: Abschaffung daf\u00fcr dar, dass die SO die bestehende demokratische und rechtsder freiheitlichen staatliche Ordnung durch die Etablierung einer Gesellschaft mit sciendemokratischen tologisch bestimmten Normen ersetzen will. Die aufgef\u00fchrten HinGrundordnung weise deuten auch auf die Absicht der SO hin, lenkenden Einfluss auf","180 Scientology-Organisation Regierungen auszu\u00fcben. Als Ziel erscheinen nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Staaten, ihre Rechtssysteme und Regierungen. Die scientologische Gesellschaft ist auf die Beseitigung des in Art. 3 Grundgesetz konkretisierten Gleichheitsgrundsatzes, die Abschaffung der universalen Geltung der Menschenrechte, der Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte und der Meinungsfreiheit gerichtet. Der unverh\u00fcllte Absolutheitsanspruch der SO ist von Gleichschaltung und Unterdr\u00fcckung gepr\u00e4gt. Meinungsfreiheit wird nur insoweit gew\u00e4hrt, als die \"Leute dem Weg der SO folgen\". Die SO bestreitet dagegen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abschaffen zu wollen. Sie behauptet vielmehr, sie zu respektieren, und negiert jegliche politische Motivation f\u00fcr ihr Expansionsstreben. Sie betont, ihr gehe es vielmehr um die \"Erl\u00f6sung\" des einzelnen Menschen. Zwar treten die einfachen Mitglieder nicht aus politischen Motiven der SO bei und bewerten Schriften mit gesellschaftsver\u00e4ndernden Absichten der SO ebenfalls wohl nicht als \u00c4u\u00dferungen mit politischem Gehalt. Sie werden jedoch zu v\u00f6lligem Gehorsam gegen\u00fcber dem System trainiert und auf das Ziel eingeschworen, durch Verbreitung von Scientology die \"Welt zu retten\". Damit werden auch zun\u00e4chst unpolitische Mitglieder in den Dienst der verfassungsfeindlichen scientologischen Ideologie gestellt. Umsetzung der Die SO will ihre extremistischen Ziele nicht \u00fcber die Teilnahme an verfassungsfeindWahlen durchsetzen. Die Umgestaltung der Gesellschaft soll vielmehr lichen Ziele \u00fcber eine durch detaillierte Vorgaben genau festgelegte Ver\u00e4nderung des Menschen - als \"Befreiung\" bezeichnet - erreicht werden. Wenn alle nach scientologischer Technologie verfahren und sich so in ihrem Willen dem System unterwerfen, werde die scientologische Gesellschaft entstehen. Zu ihrer Entstehung wird durch Werbefeldz\u00fcge, aggressive Anwerbungen und aktive Kritikerbek\u00e4mpfung nach innen und au\u00dfen unmittelbar angesetzt. Die scientologische Gesellschaft wird nach Aussagen von Insidern in \u00fcbergeordneten Organisationen von der SO bereits in Planspielen skizziert. 3. Organisationsund Kommandostruktur der SO Ausl\u00e4ndische 3.1 Weltweite Kommandostruktur der SO Vereinigung mit unselbst\u00e4ndigen Die Einrichtungen der SO in Deutschland erscheinen zwar nach auTeilorganisationen \u00dfen als rechtlich selbst\u00e4ndig, sind jedoch der strikten Befehlsund","Scientology-Organisation 181 Religious The Command Chart of SCIENTOLOGY Technology - Die Kommandostruktur der Scientology-Organisation - Center (RTC) WATCHDOG COMMITTEE (WDC) [\u00dcberwachungsausschu\u00df] C Z E E Reserven OSA Programme Flag Ship Flag Sea Org Scientology Celebrity Scientology WISE ABLE Golden Era Verlags- N N R\u00fccklagen B\u00fcro f\u00fcr DienstDienstDienstOrganisaCentres Missionen Weltinstitut f\u00fcr Gesellschaft Productions organisation T T Spezielle leistungsleistungsleistungstionen V.I.P. Zentren International Scientologyf\u00fcr besseres Audiovisuelle R R Angeleorganisation organisation organisation Unternehmen Leben und Medien und A A genheiten Bildung Tontr\u00e4ger L L C C O O CMO INT Int Leitender - Direktor - International M M Commodore's Messenger Finance Office - Ebene der leitenden Mitarbeiter - Golden Era P P Organization International (IFO) - Vorstand des Internationalen Managements - Productions U U T T CMO GOLD E E R R / K O O R D I N I E R U N G D U R C H D E N \u00dc B E R WA C H U N G S A U S S C H U S S / V O R S TA N D D E S I N T E R N AT I O N A L E N M A N A G E M E N T S / D A B T CMO IXU - Flag-Netzwerk Koordinierungsausschu\u00df, geleitet durch das Flag-Befehlsb\u00fcro - A E N N FLAG COMMAND BUREAUX (FCB) K B NETWORKS FLAG BUREAUX SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR BETTER BRIDGE PUBLICATIONS A (FB) INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERPRILIVING AND EDUCATION INCORPORATED (BPI) N K (SMI INT) SES INTERNATIONAL INTERNATIONAL (Verlagshaus) (WISE INT) (ABLE INT) NEW ERA PUBLICATIONS CMO FSSO FSO CC INT C O N T I N E N TA L N E T W O R K C O O R D I N AT I O N C O M M I T T E E H E A D E D B Y C O - C O N T I N E N TA L L I A I S O N O F F I C E CONT C O N T I N E N TA L L I A I S O N O F F I C E ( C L O ) Flag Ship Flag Celebrity Service Service Centre NETWORKS FLAG SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR CONTINENTAL Org OPERATIONS LIAISON INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERBETTER LIVING AND PUBLICATIONS LIAISON Org International OFFICE CONTINENTAL PRISES CONTINENTAL EDUCATION CONTINENTAL OFFICE (CPLO) (Kontinentales Verbindungsb\u00fcro f\u00fcr (FOLO) (SMI CONT) (WISE CONT) (ABLE CONT) Publikationen) Executiv Council Executiv Council Executiv Council Aufsichtsrat Aufsichtsrat Aufsichtsrat FIELD GROUPS MISSIONS WISE SOCIAL CELEBRITY SEA ORG - Feldauditoren CHARTER REFORM CENTRE SERVICE CLASS IV - Dianetikgruppen COMMITTEES ACTIVITIES ORGANIZATIONS ORGANIZATIONS ORGANIZATIONS - OT-Komitees - GUNG HO & MEMBERS Hinweise zum besseren Verst\u00e4ndnis des Organigramms: Das RTC ist als selbst\u00e4ndige Kontrollstelle konzipiert und nicht in das so genannte Internationale Management eingegliedert. Dennoch handelt es sich beim RTC um die Befehlszentrale der SO. Das WDC leitet \u00fcber die \"F\u00fchrungskan\u00e4le\" das Management. Ein F\u00fchrungskanal stellt die Verbindung dar, \u00fcber die die internationalen Scientology-Organisationen Autorit\u00e4t aus\u00fcben. Es ist ein Befehlsweg, durch den Programme, Empfehlungen und Managementbefehle zu den Stellen flie\u00dfen, die mit der Durchf\u00fchrung beauftragt sind. Auf den \"Beobachtungsund Durchsetzungslinien\" \u00fcberwacht als verl\u00e4ngerter Arm des WDC die CMO mit ihren den verschiedenen Managementebenen zugeordneten Einheiten CMO INT, CMO GOLD, CMO IXU und CMO CONT die Erf\u00fcllung der vom WDC dem Management gegebenen Befehle. Eine Beobachtungsund Durchsetzungslinie stellt die Verbindung dar, die von den CMO-Einheiten benutzt wird, um die Befolgung von Befehlen des \u00dcberwachungsausschusses (WDC) durchzusetzen und zu kontrollieren. Netzwerk der LRH-Kommunikatoren: (LRH=L. Ron Hubbard) * Oberstes HCO Netzwerk (HCO=Hubbard Kommunikationsb\u00fcro) * Bewahrer der Technologie und Richtlinienkenntnis Netzwerk * Oberstes Netzwerk der Qualifikationsabteilungen und der Internationalen Ausbildungsorganisation Finanznetzwerk: * Finanz Durchsetzungsbeauftragter Netzwerk * Flag Finanzbeauftragter Netzwerk (FBO=Flag Banking Officer) Unter-Netzwerke: Stellvertreter FBO-Netzwerk f\u00fcr M.O.R.E. * Netzwerk der Hauseigent\u00fcmer B\u00fcro f\u00fcr Spezielle Angelegenheiten Netzwerk (OSA) Es handelt sich um selbst\u00e4ndige Scientology-Gruppen, die nicht in den Konzern eingegliedert sind. Verbindungen zum Konzern bestehen \u00fcber Kommissionsund Franchising-Vertr\u00e4ge. Anmerkung: Das Organigramm wurde erstellt nach Renate Hartwig \"Scientology. Das Komplott und die Kumpane\", 1995, sowie nach Originalvorlagen der SO.","182 Scientology-Organisation Disziplinargewalt des Internationalen Managements in den USA unterworfen und sind daher unselbst\u00e4ndige Teile. Das Religious Technology Center (RTC) hat die oberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internationale Management der SO angesiedelt. Dieses stellt nach dem RTC die h\u00f6chste F\u00fchrungsebene der SO dar und ist daf\u00fcr verantwortlich, f\u00fcr jeden Sektor der SO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Derartige Sektoren sind u.a. die Bereiche \"Church\", \"WISE\", \"ABLE\" und \"OSA\". Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watch Dog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll. 3.2 Organisation der SO in Deutschland 3.2.1 \"Scientology Kirchen\" (Church-Sektor) Derzeit existieren im Bundesgebiet zehn \"Kirchen\" (Orgs) und \"Celebrity Centres\" (CC), und zwar zwei Einrichtungen in M\u00fcnchen (eine Org, ein CC), je zwei Einrichtungen in D\u00fcsseldorf (eine Org, ein CC) und Hamburg (eine Org, ein CC) sowie jeweils eine Org in Berlin, Stuttgart, Frankfurt am Main und Hannover. Au\u00dferdem gibt es in Deutschland insgesamt elf \"Missionen\", sechs in Baden-W\u00fcrttemberg, zwei in Bayern (M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg) sowie jeweils eine in Sachsen, Bremen und Hessen. Die genannten Einrichtungen der SO sind in Deutschland \u00fcberwiegend als eingetragene Vereine organisiert. Als Dachverband fungiert Scheinselbdie \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\". Diese Vereine sind jedoch st\u00e4ndigkeit der nur scheinbar selbst\u00e4ndig; sie haben im weltweiten, aus den USA Teilorganisationen gesteuerten System kaum eigenst\u00e4ndige Funktionen. Faktisch erfolgt die Leitung der SO-Einrichtungen nicht durch die jeweiligen Vereinsvorst\u00e4nde, sondern durch die Executive Directors und die sonstigen Funktionsinhaber nach detaillierten schriftlichen Anweisungen und Vorgaben des Internationalen Managements in den USA \u00fcber die jeweiligen Verbindungsstellen. Dies zeigt sich u.a. daran, dass Mitglieder der Eliteorganisation Sea-Org aus den USA und dem Kontinentalen Verbindungsb\u00fcro in Kopenhagen in deutsche Einrichtungen","Scientology-Organisation 183 der SO abgeordnet wurden, um dort Befehle zu erteilen und f\u00fcr die richtige \"Handhabung\" der scientologischen Technologie zu sorgen. Die \"Scientology Kirchen\" (Orgs) und \"Missionen\" bieten Dianetik, Auditing und Ausbildung auf einer grundlegenden und einer mittleren Ebene an. \"Celebrity Centres\" offerieren Dienste f\u00fcr K\u00fcnstler und Pers\u00f6nlichkeiten des Sports und der Gesch\u00e4ftswelt. In den Einrichtungen werden Mitglieder geworben und Leistungen (Kurse, Auditing) und Waren (B\u00fccher) verkauft. Nachdem im Jahr 1998 ein deutlicher Umsatzr\u00fcckgang zu verzeichnen war, scheinen sich die Ums\u00e4tze der Org M\u00fcnchen wieder zu stabilisieren bzw. sich geringf\u00fcgig nach oben zu entwickeln. 3.2.2 WISE-Sektor Das World Institute of Scientology Enterprises (WISE) wurde 1979 von Vereinigung mit der SO gegr\u00fcndet. Es besteht aus Gesch\u00e4ftsleuten oder Firmen aus wirtschaftlicher allen Bereichen der Wirtschaft. Nach der SO-eigenen WISE-Liste von und politischer 1991 handelte es sich bei WISE noch um eine \"MitgliederorganisaAusrichtung tion von Gesch\u00e4ftsleuten, die die LRH-Verwaltungstechnologie anwenden\". In der WISE-Liste von 1999 wird WISE nun als \"gemeinn\u00fctzige religi\u00f6se Mitgliederorganisation\" dargestellt. Der Grund f\u00fcr diese auf eine T\u00e4uschung des Rechtsverkehrs abzielende Umetikettierung d\u00fcrfte darin liegen, die 1993 im Vergleich mit der IRS (vgl. auch Nummer 1 letzter Absatz dieses Abschnitts) eingegangene Verpflichtung zu unterlaufen, WISE als Profitorganisation aufzul\u00f6sen. Hauptangriffsziele in Deutschland und Bayern sind die Immobilienbranche und die Unternehmens-, F\u00fchrungsund Personalberatung. Zweck von WISE ist, Geld f\u00fcr die SO zu beschaffen und Einfluss auf die Gesellschaft zu nehmen. Ersteres geschieht vorrangig durch Lizenzabgaben in H\u00f6he von etwa 15 % bis 20 % des Umsatzes. Einfluss auf die Gesellschaft soll mit der Weiterverbreitung der Technologie genommen werden. Damit kommt WISE auch eine f\u00fchrende politische Bedeutung zu. Mit der Einf\u00fchrung der Hubbard'schen Technologie geht einher, dass im Rahmen der Unternehmenssteuerung rigide F\u00fchrungsmechanismen in das Unternehmen eingebracht werden, die zu umfassender Kontrolle der","184 Scientology-Organisation Mitarbeiter sowie zur Kontrolle des Gesamtunternehmens durch die SO f\u00fchren k\u00f6nnen. Ein bayerischer Unternehmer musste dies in seiner ungarischen Niederlassung erfahren, nachdem sein Niederlassungsleiter scientologisch geschult worden war. \u00dcber alle Mitarbeiter wurden so genannte \"Ethik-Akten\" gef\u00fchrt. Nach Presseberichten hat der Mitarbeiter t\u00e4glich einer der scientologischen Beratungsfirmen, in denen er geschult worden war, Firmen-Interna weitergegeben. In Bayern scheinen die WISE-Aktivit\u00e4ten nicht sehr ausgepr\u00e4gt zu sein. Federf\u00fchrend f\u00fcr WISE in Bayern ist ein Starnberger Unternehmer. Unternehmen, die scientologisch gef\u00fchrt werden oder bei denen an zentralen Stellen Scientologen besch\u00e4ftigt sind, m\u00fcssen nicht WISE-Mitglied sein. Die Gef\u00e4hrdungslage kann jedoch auch hier in gleicher Weise bestehen, wenn die totalit\u00e4re Hubbard-Verwaltungstechnologie dort Einzug gehalten hat. 3.2.3 ABLE-Sektor Unterwanderung Die Association for better Living and Education (ABLE) versucht, f\u00fcr des Sozialbereichs die SO den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen und scientologische L\u00f6sungsans\u00e4tze zu realisieren. Zu den dem ABLE-Bereich zuzuordnenden Organisationen geh\u00f6ren - die \"Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte\" (KVPM), - das \"Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen\" (ZIEL), - \"Applied Scholastics\" (Ausbildungsprogramm; u.a. Englisch-Fernkurse), - \"Mitb\u00fcrger unterst\u00fctzen Toleranz - Initiative zur Wahrung der Menschenrechte in Deutschland\" (MUT), - \"NARCONON\", eine angebliche Drogenrehabilitationsst\u00e4tte, - \"CRIMINON\", ein Programm zur angeblichen Strafgefangenenrehabilitation, - \"Freedom for Religions in Germany\" (FRG).","Scientology-Organisation 185 Mit diesen Organisationen versucht die SO, sich als humanit\u00e4re, karitative und sozial verantwortliche Organisation darzustellen. Die Auswahl von Ausbildung, Gefangenenund Drogenrehabilitation als weiteren Schwerpunkten l\u00e4sst den Schluss zu, dass die gerade bei diesen Personengruppen gegebene M\u00f6glichkeit der leichteren Einflussnahme benutzt wird, um diese f\u00fcr die SO zu werben. Das Engagement im Bereich angeblicher Menschenrechtsverletzungen durch feindliche Staaten und ihre Beh\u00f6rden ist wesentlicher Bestandteil der Expansionsbem\u00fchungen. Der von Hubbard betriebene Kampf gegen die Psychiater als \"Quelle allen \u00dcbels in der Welt\" geh\u00f6rt mit zu den Hauptaktivit\u00e4ten in diesem Bereich. 3.2.4 Office of Special Affairs (OSA) Die SO selbst stellt ihre OSA-Einrichtung f\u00fcr Deutschland mit Sitz in M\u00fcnchen als B\u00fcro f\u00fcr \u00f6ffentliche Angelegenheiten oder als Presseund Rechtsamt dar. Es handelt sich dabei jedoch um die Nachfolgeorganisation einer bereits in den 60er Jahren aufgebauten Abteilung, die nach eigenem Selbstverst\u00e4ndnis u.a. Nachrichtendienstund Spionagefunktionen hatte. Zahlreiche Grundlagenpapiere f\u00fcr den damaligen SO-Dienst Guardian Office (GO), z.B. f\u00fcr nachrichtendienstliche Schulung, wurden f\u00fcr den neuen Dienst als OSA-Network Orders \u00fcbernommen. Im Gegensatz zur rigiden und direkten Vorgehensweise des GO, die in der Vergangenheit zu einem internationalen Ansehensverlust der SO gef\u00fchrt hat, operiert das OSA heute Geheimdienst erkennbar vorsichtiger, ohne seine Ziele im Wesentlichen ge\u00e4ndert zu der SO haben. Vereinzelt konnten als Reaktion auf die Beobachtung der SO durch den Verfassungsschutz von OSA veranlasste \"Versch\u00e4rfungen\" der Sicherheitsbestimmungen und -ma\u00dfnahmen in und an den SO-Einrichtungen festgestellt werden. Einzelne OSA-Angeh\u00f6rige wurden dabei beobachtet, wie sie Methoden (z.B. Gegenobservation oder sonstiges konspiratives Verhalten) anwendeten, die offenbar durch spezielle nachrichtendienstliche Schulung vermittelt werden. Schlie\u00dflich wurden Personen des \u00f6ffentlichen Lebens, die der SO kritisch gegen\u00fcberstehen, abgekl\u00e4rt und die \u00fcber sie gewonnenen angeblichen Erkenntnisse in Sonderausgaben von SO-Publikationen ver\u00f6ffentlicht mit dem Ziel, ihren Ruf zu besch\u00e4digen. Diese Vorgehensweise wird von der SO als \"Schwarze Propaganda\" bezeichnet.","186 Scientology-Organisation 4. Mitglieder der SO Die SO hat bundesweit zwischen 5.000 und 6.000 Mitglieder, wobei die Organisation selbst eine deutlich h\u00f6here Zahl angibt. Der Anstieg der Mitgliederzahl in Bayern im Vergleich zum Vorjahr auf nunmehr etwa 2.600 beruht nicht auf einer Expansion der SO, sondern auf einem verbesserten Erkenntnisstand. Als Mitglieder werden solche Personen verstanden, die ihre Mitgliedschaft in einem SO-Verein oder einer sonstigen SO-Gliederung, z.B. im WISEoder ABLE-Bereich, schriftlich erkl\u00e4rt haben oder durch die Belegung von Kursen in einem Verein ihre Mitgliedschaft verdeutlichen. 5. Veranstaltungen der SO 5.1 IAS-Event in M\u00fcnchen Aufkl\u00e4rungsAm 26. und 27. Februar fand in M\u00fcnchen eine Veranstaltung der IAS kongress mit dem Titel \"M\u00fcnchener Freiheit Kongress - der Wendepunkt f\u00fcr das n\u00e4chste Jahrtausend\" statt, an dem zeitweise \u00fcber 500 Scientologen teilnahmen. Der international bekannte IAS-Vertreter und Pr\u00e4sident der Foundation for Religious Tolerance, Andrik Shapers, \u00e4u\u00dferte sich auch \u00fcber die Situation in Deutschland aus der Sicht der SO und kritisierte das Vorgehen gegen die SO. Im weiteren Verlauf der Rede verglich er die gegen die SO ergriffenen staatlichen Ma\u00dfnahmen mit der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Mit der im Herbst 1998 ver\u00f6ffentlichten Sonderausgabe der Publikation \"Freiheit\" habe die SO einen neuen Weg zu einer besseren Gesellschaft aufgezeigt. 5.2 Ausstellung \"Was ist Scientology?\" Im ersten Halbjahr organisierte die SO eine Wanderausstellung in den St\u00e4dten Stuttgart, Frankfurt am Main, M\u00fcnchen und Hamburg, um sich als Religion darzustellen. In M\u00fcnchen fand die Ausstellung vom 5. bis 16. M\u00e4rz zun\u00e4chst in einem Hotel, dann in der Org M\u00fcnchen statt. Trotz des gro\u00dfen Aufwands war die Werbewirksamkeit nur m\u00e4\u00dfig. 5.3 Marathonlauf f\u00fcr Religionsfreiheit Wie schon 1998 veranstaltete das B\u00fcndnis Freedom for Religions in Germany (FRG) einen europaweiten \"Marathonlauf f\u00fcr Religionsfrei-","Scientology-Organisation 187 heit\", der am 22. Juli in Athen begann und am 25. Oktober in Hamburg endete. Bayerische Standorte von SO-Einrichtungen waren 1999 nicht Zwischenziel einer Etappe. Weder der Lauf noch die einzelnen Veranstaltungen fanden Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit. 5.4 Bundesweite Verteilaktion In einer bundesweit konzertierten Aktion wurde im August eine SO-Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Verfassungsschutz als Rufmordinstrument\" verteilt und versandt. Der Inhalt der Brosch\u00fcre besch\u00e4ftigt sich mit den hinreichend bekannten Vorw\u00fcrfen gegen die Beobachtung und ist beispielhaft f\u00fcr das Vorgehen gegen Gegner der SO. In sarkastischer Weise werden Repr\u00e4sentanten der Bundesrepublik Deutschland und Bayerns diffamiert und verleumdet. Das Vorwort zu Verleumdungsdieser Brosch\u00fcre verfasste ein M\u00fcnchener Rechtsanwalt, der auch als kampagne Rechtsvertreter der SO auftritt. Die Brosch\u00fcre belegt eine gezielte Sammlung und Auswertung von Informationen zu Politikern und \"Feinden\" der SO und zeigt im Impressum deutlich, dass das Management in den USA federf\u00fchrend an derartigen Kampagnen beteiligt ist. 6. Verwaltungsgerichtsverfahren Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen hatte dem \"Celebrity Centre Sciento\"e.V.\"-Entzug logy Kirche M\u00fcnchen e.V.\" mit Bescheid vom 13. November 1995 den Status eines eingetragenen Vereins mit der Begr\u00fcndung entzogen, die Organisation verkaufe mit Gewinnabsicht Kurse zur Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung und sei deshalb gewerblich t\u00e4tig. Dagegen hatte das \"Celebrity Centre\" Klage erhoben. Mit Urteil vom 2. Juni wies das Bayerische Verwaltungsgericht M\u00fcnchen die Klage ab. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Das Verwaltungsgericht st\u00fctzte sich in seinem Urteil auf eine Grundsatzentscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 6. November 1997 und stellte fest, das \"Celebrity Centre\" stehe mit anderen Unternehmen der SO, die im Wesentlichen in gleicher Weise Kurse, B\u00fccher und Ger\u00e4te anbieten, in einem wirtschaftlichen Konkurrenzverh\u00e4ltnis. Eine weitere Prozessniederlage erlitt die SO im Streit um die Zul\u00e4ssigVerbot der keit der Stra\u00dfenwerbung in M\u00fcnchen. Das Baureferat der LandesStra\u00dfenwerbung hauptstadt M\u00fcnchen hatte der \"Scientology Kirche\" und drei ihrer","188 Scientology-Organisation Mitglieder untersagt, in der Leopoldstra\u00dfe Passanten anzusprechen und zu einem Pers\u00f6nlichkeitstest zu \u00fcberreden mit dem Ziel, B\u00fccher und Kurse der \"Scientology Kirche\" zu verkaufen. Die Beh\u00f6rde hatte die Bescheide damit begr\u00fcndet, dass diese Art von Werbet\u00e4tigkeit auf \u00f6ffentlicher Stra\u00dfe unzul\u00e4ssig sei und f\u00fcr die Fu\u00dfg\u00e4nger eine Bel\u00e4stigung darstelle. Die \"Scientology Kirche\" und die drei besagten Mitglieder klagten gegen die Untersagung. Der Freistaat Bayern beteiligte sich im \u00f6ffentlichen Interesse an dem Verfahren und unterst\u00fctzte den Standpunkt der Beklagten. Das Bayerische Verwaltungsgericht M\u00fcnchen wies die Klagen mit Urteil vom 25. November ab. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts zielt das Ansprechen von Passanten auf der Stra\u00dfe objektiv auf eine entgeltliche T\u00e4tigkeit hin \"Kirche\" als und ist somit dem gewerblichen Raum zuzuordnen. Daf\u00fcr sei eine Gewerbebetrieb Sondernutzungserlaubnis n\u00f6tig, die nicht vorliege. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. 7. Vertrauliches Telefon und Informationsangebot im Internet Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterh\u00e4lt ein \"vertrauliches Telefon\" (Tel.-Nr. 0 89/31 20 12 96). Opfer, Aussteiger und Angeh\u00f6rige von Scientology-Mitgliedern k\u00f6nnen dort Hinweise \u00fcber die SO geben. F\u00fcr Beratungen stehen die anerkannten Beratungsstellen zur Verf\u00fcgung. Das Bayerische Staatsministerium des Innern informiert im Internet \u00fcber die Ma\u00dfnahmen der Bayerischen Staatsregierung, \u00fcber Pressemitteilungen und neue Gerichtsentscheidungen unter folgender Adresse: http://www.innenministerium.bayern.de/scientology","Spionageabwehr 189 7. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Die Spionageabwehr muss im Interesse der Sicherheit und zum Spionage trotz Schutz der Wirtschaft unseres Landes weiterhin ernst genommen Zusammenarbeit werden. Die positive Entwicklung der Zusammenarbeit von Ost und West, insbesondere auf den Gebieten von Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und Milit\u00e4r, darf nicht davon ablenken, dass Geheimdienste fremder Staaten ihre Aufkl\u00e4rungsbem\u00fchungen gegen Deutschland richten. Insbesondere Dienste der GUS-Staaten, des Nahen und Mittleren Ostens sowie asiatischer Staaten bem\u00fchen sich, technisches Know-how abzusch\u00f6pfen und Exportkontrollen von G\u00fctern, die zur Herstellung von Waffen geeignet sind, zu unterlaufen. Bayern mit seinen Hightechunternehmen vor allem im Raum M\u00fcnchen und im St\u00e4dtedreieck N\u00fcrnberg-F\u00fcrth-Erlangen ist ein bevorzugtes Ziel. 2. Nachrichtendienste der GUS Unver\u00e4ndert intensive Spionageaktivit\u00e4ten gehen von den russischen Nachrichtendiensten aus. Zu den bedeutendsten z\u00e4hlen der Inlandsdienst FSB, der Auslandsaufkl\u00e4rungsdienst SWR, der milit\u00e4rische Nachrichtendienst GRU und der f\u00fcr Fernmeldeund elektronische Auslandsaufkl\u00e4rung zust\u00e4ndige Nachrichtendienst FAPSI. FAPSI stellt sich in der \u00d6ffentlichkeit nicht als ein geheimer NachrichJanuskopf FAPSI tendienst dar. So weist er auf seine T\u00e4tigkeiten der Grundlagenforschung im Bereich der nationalen Informationssicherheit und den Aufbau sicherer Kommunikationsnetze f\u00fcr die staatliche Verwaltung, f\u00fcr Banken und private Unternehmen hin. Bei Messen tritt der Dienst als Aussteller und Anbieter selbstentwickelter Produkte auf, vor allem von Softund Hardware aus den Bereichen Datensicherheit und Verschl\u00fcsselungstechnik. Dass russische Nachrichtendienste verst\u00e4rkt Wirtschaftsspionage betreiben, bekennen die f\u00fcr die Dienste Verantwortlichen offen. Die politische Unterst\u00fctzung der Nachrichtendienste d\u00fcrfte durch die","190 Spionageabwehr Berufung Wladimir Putins zum Staatspr\u00e4sidenten Russlands noch deutlich zugenommen haben. Putin war mehr als 20 Jahre KGB-Offizier, ehe er 1998 zum Leiter des russischen Inlandsdienstes FSB und schlie\u00dflich zum Leiter des Nationalen Sicherheitsrates aufstieg. Das \"Gesetz der Russischen F\u00f6deration \u00fcber die Auslandsaufkl\u00e4rung\" gibt dem Nachrichtendienst in Nummer 5 einen eindeutigen Auftrag. Ziel der WirtschaftsSpionage sei u.a. die \"F\u00f6rderung der wirtschaftlichen Entwicklung spionage und des wissenschaftlich-technischen Fortschritts des Landes durch die Beschaffung von wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Informationen durch die Organe der Auslandsaufkl\u00e4rung\". Bayern steht mit seiner Vielzahl von Hightechunternehmen besonders im Blickfeld russischer Nachrichtendienste. Dies belegt der nachfolgende Fall: Am 28. Juli wurden ein Kaufmann aus Niedersachsen und ein Ingenieur eines bayerischen Unternehmens aus dem Bereich der Milit\u00e4rtechnik wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agentent\u00e4tigkeit f\u00fcr einen russischen Nachrichtendienst festgenommen. Der Kaufmann hatte sich seit 1995 regelm\u00e4\u00dfig mit Angeh\u00f6rigen eines russischen Dienstes in der Regel in Moskau getroffen, wobei er wehrtechnische Unterlagen u.a. zur Panzerbewaffnung \u00fcbergab. Die Reisen wurden konspirativ durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die \u00fcbergebenen Dokumente erhielt der Kaufmann nicht unerhebliche Geldbetr\u00e4ge. Der Kaufmann hatte die Unterlagen zum Teil von dem Ingenieur erhalten. Dieser war seit Mitte der 70er Jahre in waffentechnisch relevanten Bereichen des Konzerns in verschiedenen verantwortungsvollen Positionen besch\u00e4ftigt. Bei der Festnahme des Kaufmanns kurz vor seinem geplanten Abflug wurden vertrauliche Dokumente aus dem Arbeitsbereich des Ingenieurs sichergestellt. In einem Versteck bewahrte er noch weitere dieser Unterlagen seines Arbeitgebers auf. Bei den Vernehmungen durch die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden r\u00e4umte der Ingenieur ein, vertrauliche Unterlagen gegen Geld an den Kaufmann \u00fcbergeben zu haben. Dieser erkl\u00e4rte seinerseits, die Unterlagen in Russland verkauft zu haben. 3. Proliferation und illegaler Technologietransfer durch Krisenund Schwellenl\u00e4nder Wie in den vergangenen Jahren versuchen Krisenund Schwellenl\u00e4nder wie Syrien, Iran, Irak, Libyen, Pakistan, Indien, Nordkorea, aber auch die Volksrepublik China, illegal Technologie und G\u00fcter zur HerABC-Waffen und stellung von ABC-Waffen (Proliferation) und zur Entwicklung eigener Tr\u00e4gerraketen Tr\u00e4gerraketen mit gro\u00dfer Reichweite zu beschaffen, zum Teil mit","Spionageabwehr 191 gegenseitiger Unterst\u00fctzung. So versuchte Pakistan, mit Hilfe von Scheinunternehmen Giftgas-Komponenten zu beschaffen. Die Aktualit\u00e4t der Prolifertionsproblematik unterstrich Mitte des Jahres das Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichts im Fall eines Ingenieurs aus dem Allg\u00e4u. Dieser wurde zu f\u00fcnf Jahren Freiheitsstrafe wegen Landesverrats verurteilt, weil er dem Irak vor dem Golfkrieg Gas-Ultra-Zentrifugen geliefert hatte, die diesen in die Lage versetzten, waffenf\u00e4higes Uran herzustellen. Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Oft geraten Unternehmen ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten, weil sie die wahren Hintergr\u00fcnde ihres Gesch\u00e4ftspartners nicht erkennen.Im eigenen Interesse und im Interesse wirksamer Spionageabwehr sollten sich Unternehmen, die Gesch\u00e4ftskontakte mit Krisenl\u00e4ndern beginnen und den Verdacht haben, dass sie in deren Proliferationsbzw. Hightechbeschaffungsaktivit\u00e4ten eingebunden werden, sofort an die zust\u00e4ndigen Verfassungsschutzbeh\u00f6rBeratung durch den wenden.Der Verfassungsschutz ist keine Strafverfolgungsbeh\u00f6rden Verfassungsde und muss auch nicht jede ihm bekannt gewordene Straftat den schutz Strafverfolgungsbeh\u00f6rden mitteilen, weil er nicht dem Strafverfolgungszwang unterliegt. Das kommt sowohl dem Mitteiler als auch m\u00f6glichen Abwehrma\u00dfnahmen zugute. 4. Aufkl\u00e4rung ausl\u00e4ndischer Oppositioneller in Deutschland durch Nachrichtendienste ihrer totalit\u00e4ren Heimatstaaten Totalit\u00e4r gef\u00fchrte Staaten sehen oftmals ihre Sicherheit durch OppoBeobachtung sitionsbewegungen im Ausland gef\u00e4hrdet. Mit ihren AuslandsnachOppositioneller richtendiensten versuchen solche L\u00e4nder, die Oppositionsbewegungen zu unterwandern und deren Aktivit\u00e4ten zu unterlaufen. Auf Angeh\u00f6rige in der Heimat wird dabei oft Druck ausge\u00fcbt. Mit Repressalien und Drohungen versuchen diese Nachrichtendienste immer wieder, Informanten aus den Oppositionsbewegungen anzuwerben. Insbesondere die Volksrepublik China und die bereits im Zusammenhang mit Proliferation und illegalem Technologietransfer genannten L\u00e4nder des Nahen Ostens Iran, Irak, Libyen und Syrien sind hier aktiv. So versucht der chinesische Geheimdienst aus diplomatischen Vertretungen heraus, Veranstaltungen von chinesischen Oppositionellen zu verhindern. Auch die Nachrichtendienste Vietnams sind in der Bundesrepublik Deutschland aktiv. \u00c4hnlich wie die genannten totalit\u00e4ren Staaten beobachten auch sie oppositionelle Landsleute.","192 Spionageabwehr 5. Spionage im Bereich der Kommunikationstechnik Risiken der Heute nimmt die Nachrichtenbeschaffung auf technischem Weg modernen einen immer breiteren Raum ein. Erhebliche M\u00f6glichkeiten bietet hier Kommunikationsdie Satellitenaufkl\u00e4rung. Durch den Einsatz spezieller Technologien technik k\u00f6nnen Telefongespr\u00e4che, Faxund Fernschreibverbindungen gezielt ausgefiltert, mitgeh\u00f6rt, aufgezeichnet und mitgelesen werden. Daneben bedienen sich die Nachrichtendienste f\u00fcr ihre Spionage aber auch der neuen Kommunikationstechniken. Entwicklungen auf dem Gebiet der Kommunikationselektronik bieten schlie\u00dflich fremden Nachrichtendiensten Ansatzpunkte, sich einen unbefugten Zugriff auf fremde Dateien und Computernetze zu verschaffen. Auch die neuesten Verschl\u00fcsselungsprogramme und Ma\u00dfnahmen zum Schutz vor unerw\u00fcnschten Zugriffen bieten keine v\u00f6llige Sicherheit des Informationsaustauschs. 6. Ausblick Die Ausforschungsbem\u00fchungen fremder Nachrichtendienste, ob zur Beschaffung von Know-how, um ihrem Land eigene Forschungsanstrengungen und Entwicklungskosten f\u00fcr fortschrittliche Technologien zu ersparen, oder zur Erlangung von sensitiven G\u00fctern, gehen weiter. F\u00fcr Staat, Wissenschaft und Wirtschaft ist es im Interesse ihrer Sicherheit und ihres Bestehens im Wettbewerb unerl\u00e4sslich, zumindest Kernbereiche von Wissen und Erfahrung vor ungewolltem Zugang zu sch\u00fctzen. Gefordert sind an erster Stelle eigene technische, organisatorische und personelle Ma\u00dfnahmen des Selbstschutzes. Ein wesentliches Instrument des personellen Geheimschutzes ist die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die mit den Kernbereichen des sch\u00fctzenswerten Wissens in Ber\u00fchrung kommen und damit an sicherheitsempfindlichen Stellen t\u00e4tig sind. Neben diesem Eigenschutz ist es im Interesse der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und der weiteren Entwicklung von Wissenschaft und Wirtschaft in Konkurrenz zu anderen Staaten Aufgabe des Verfassungsschutzes, nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten fremder Staaten aufzudecken. Erst Eigenschutz und dieses Zusammenspiel von Eigenschutz der Wirtschaft und SpionageSpionageabwehr abwehr durch den Verfassungsschutz gew\u00e4hrleistet den bestm\u00f6glichen Schutz.","Organisierte Kriminalit\u00e4t 193 8. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Aufgabe des Verfassungsschutzes Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leistet seit dem Beitrag des Ver1. August 1994 einen wichtigen Beitrag zur Bek\u00e4mpfung der Orgafassungsschutzes nisierten Kriminalit\u00e4t. Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz weist dem Landesamt die Aufgabe zu, durch langfristig angelegte Beobachtung kriminelle Strukturen und Personen vor allem im Vorfeld konkreter Straftaten aufzukl\u00e4ren. Damit kann das Amt seine nachrichtendienstlichen Mittel und Erfahrungen zur Aufkl\u00e4rung der Organisierten Kriminalit\u00e4t in Erg\u00e4nzung der polizeilichen Arbeit einsetzen. 2. Beobachtungsschwerpunkte Die Erfahrungen der mehr als f\u00fcnfj\u00e4hrigen Beobachtung zeigen, dass die langfristig angelegte Strukturaufkl\u00e4rung durch den Verfassungsschutz ein wichtiges Instrument ist, um konkrete Hinweise auf kriminelle Organisationen zu gewinnen. Die Aufkl\u00e4rung m\u00fcndet oft in polizeiliche Ermittlungen. Schwerpunkt der Beobachtung sind nach wie vor Gruppen der so genannten Ost-Mafia, zunehmend jedoch auch asiatische Straft\u00e4tergruppierungen. Beispiele aus der BeobachBeispiele erfolgtungsarbeit des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz: reicher Arbeit * GUS-Mafia In Bayern konnte ein verzweigtes Netz von Personen aus der GUS festgestellt werden, die in den unterschiedlichsten Funktionen und Arbeitsgebieten, vorwiegend als Gesch\u00e4ftsleute, t\u00e4tig sind. Je nach N\u00fctzlichkeit werden einzelne Personen aus dem Geflecht f\u00fcr bestimmte OK-Gesch\u00e4fte ausgew\u00e4hlt. Die umfangreichen Strukturermittlungen zeigen, dass es zwar keine F\u00fchrungsperson mit \"Statthalterfunktion\" unter den Russen in Bayern gibt. Einzelne Personen nehmen aber herausgehobene Positionen im Gesamtgeflecht ein. Sie praktizieren nachweislich OK-typische Verhaltensweisen wie Drohung mit Anwendung von Gewalt sowie Einflussnahme auf Zeugen. Die","194 Organisierte Kriminalit\u00e4t Nutzung von famili\u00e4ren Kontakten, aber auch die Verbindung zu Angeh\u00f6rigen von Nachrichtendiensten oder zu politisch hoch gestellten Pers\u00f6nlichkeiten aus dem gesamten Bereich der GUS dienen der Erreichung der Ziele. Diese Vorgehensweise sowie andere Umst\u00e4nde zeigen Anhaltspunkte f\u00fcr ein zielgerichtetes Vorgehen zum Aufbau krimineller Strukturen. Hierzu folgende, abgewandelt dargestellte F\u00e4lle: - Das Landesamt beobachtete 1999 eine Gruppe von Russen, da eine Vielzahl von Indikatoren auf Geldw\u00e4scheaktivit\u00e4ten hindeutete. \u00dcber verschiedene, weltweit verstreute Offshore-Banken wurden jeweils Betr\u00e4ge in H\u00f6he von 50.000 bis 300.000 DM auf deutsche Konten \u00fcberwiesen. Ein Teil dieser Gelder wurde zur Beschaffung von Luxusg\u00fctern verwendet, die unter Umgehung der Zollvorschriften nach Russland ausgef\u00fchrt wurden. Die Ermittlungen ergaben, dass auff\u00e4llig viele Angeh\u00f6rige der beobachteten Gruppe ehemaligen oder noch bestehenden russischen Nachrichtendiensten zuzuordnen sind. Zwei Personen konnten als K\u00f6pfe international operierender Verbrechersyndikate identifiziert werden. Sie halten sich zwar \u00fcberwiegend in Russland auf, reisen jedoch regelm\u00e4\u00dfig nach Deutschland und werden hier von einer in Bayern ans\u00e4ssigen Person betreut. Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass sie hier vermutlich illegal erworbene Gelder in den deutschen Wirtschaftskreislauf einbringen wollen. Die Ermittlungen haben zum Ziel, Detailinformationen \u00fcber Kontaktpersonen sowie \u00fcber die Herkunft der Gelder zu erlangen. - Verschiedene gleich lautende Meldungen aus der Beobachtung der russischen OK durch das Landesamt deuteten auf den Zuzug einer russischen OK-Gr\u00f6\u00dfe in eine bayerische Kleinstadt hin. Die durchgef\u00fchrten Ermittlungen zeigten, dass es sich um den F\u00fchrer einer Teileinheit der Tschetschenen-Mafia handelte. Es konnte festgestellt werden, dass die Person Kontakte zu hochrangigen Kriminellen unterh\u00e4lt. Ziel ist es nun, im Zusammenwirken mit mehreren befreundeten Diensten festzustellen, ob in konspirativer Weise neue OK-Strukturen aufgebaut werden. - Durch den Informationsaustausch mit ausl\u00e4ndischen Nachrichtendiensten konnte eine Gruppe von Russen festgestellt werden, die der Podolskaja, einer Moskauer Mafiagruppe, zuzurechnen sind.","Organisierte Kriminalit\u00e4t 195 Die kriminellen Aktionsfelder der Podolskaja umfassen u.a. das illegale Gl\u00fccksspiel, weshalb mit entsprechenden Aktivit\u00e4ten auch in Bayern zu rechnen ist. Die Beobachtung f\u00fchrte zur Identifizierung einer F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit aus der GUS mit Wohnsitz im europ\u00e4ischen Ausland. Zudem konnten wichtige Personenverbindungen im OK-Bereich erkannt werden. * Asiatische Mafia Das Hauptaugenmerk in der Vorfeldbeobachtung im asiatischen Bereich lag auch in diesem Jahr bei Vietnamesen und Chinesen. Beide Volksgruppen agieren - \u00e4hnlich wie die Mitglieder russischer Organisationen - fast ausschlie\u00dflich innerhalb ihres ethnischen Bereichs. Vietnamesische Straft\u00e4tergruppierungen haben ihre Schwerpunkte unver\u00e4ndert in Berlin und den neuen Bundesl\u00e4ndern. Nachdem in Berlin diese Gruppierungen durch umfangreiche polizeiliche Ma\u00dfnahmen und Festnahmen vor\u00fcbergehend geschw\u00e4cht werden konnten, war in letzter Zeit ein erneuter Anstieg der Gewaltaktionen festzustellen. Nach wie vor geht von dieser Gruppierung eine erhebliche Gef\u00e4hrdung aus. Mittlerweile wurden in Bayern so genannte \"Aussteiger\" aus der vietnamesischen Szene Berlins festgestellt. Ersten Anhaltspunkten zufolge beabsichtigt dieser Personenkreis, seine kriminellen Aktivit\u00e4ten in Bayern fortzusetzen. Im Bereich chinesischer Straft\u00e4tergruppierungen konnten die im Vorjahr eingegangenen Hinweise \u00fcber Triadenangeh\u00f6rige und deren Strukturen nunmehr weitestgehend best\u00e4tigt und erg\u00e4nzt werden. Es gelang, Einzelinformationen zu den Kriminalit\u00e4tsbereichen Menschenhandel und illegale Einschleusung von Ausl\u00e4ndern zu sammeln. So wurde beispielsweise ein in Bayern ans\u00e4ssiges Triadenmitglied bekannt, das in engem Kontakt mit einer chinesischen Schleusergruppe in einem Nachbarland steht. Die illegal eingereisten Chinesen sollten nach Deutschland, Italien und Frankreich gebracht werden. Einem befreundeten Dienst konnten in diesem Zusammenhang wichtige Informationen \u00fcber die Infrastruktur der Bande \u00fcbermittelt werden. Unabh\u00e4ngig davon wurden auch Informationen \u00fcber in Hongkong gef\u00e4lschte P\u00e4sse bekannt, die \u00fcber Triadenangeh\u00f6rige nach Europa gelangen sollten. Als weitere Dom\u00e4ne chinesischer Triaden gilt die Kontrolle des illegalen Gl\u00fccksund Falschspiels unter Asiaten. Das Landesamt erh\u00e4lt in","196 Organisierte Kriminalit\u00e4t diesem Zusammenhang immer wieder Hinweise auf illegales Gl\u00fccksspiel. In einem Fall wurden dabei mehrere Wohnungen von Asiaten ermittelt, in denen illegales Gl\u00fccksspiel unter Einsatz hoher Geldbetr\u00e4ge veranstaltet wurde. Die Organisatoren verliehen dabei gro\u00dfe Summen zu Wucherzinsen, einzelne Mitspielerinnen mussten in der Folge ihre Spielschulden durch die Aus\u00fcbung der Prostitution begleichen. Die Erkenntnisse des Verfassungsschutzes wurden an die Polizei abgegeben und f\u00fchrten zu polizeilichen Durchsuchungsma\u00dfnahmen. * S\u00fcdosteuropa-Mafia Der Kosovo-Konflikt f\u00fchrte auch in Bayern zu einer H\u00e4ufung OK-typischer Straftaten wie illegale Einschleusung von Ausl\u00e4ndern, Menschenund Waffenhandel. Die schwerpunktm\u00e4\u00dfige Sammlung von Informationen erbrachte Hinweise auf u.a. eine Gruppierung von Waffenh\u00e4ndlern aus dem ehemaligen Jugoslawien, die in Bayern gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfig Sprengstoff, Handgranaten und Maschinenpistolen vermittelten. Als Bezahlung wurde sogar Rauschgift akzeptiert. Das Umfeld des Hauptinitiators der Gesch\u00e4fte wurde umfassend abgekl\u00e4rt. Durch den Einsatz eines verdeckt operierenden Mitarbeiters des Landesamts wurde bekannt, dass ein entsprechendes Gesch\u00e4ft gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfes unmittelbar bevorstand. Eine Unterrichtung der Polizei f\u00fchrte zur Festnahme der T\u00e4ter. Neben diesem Fall wurden durch die gezielte Beobachtung OK-typischer Strukturen unter Albanern in Bayern Hinweise auf die versuchte Beschaffung von Sprengstoff, auf vermehrte Schleusert\u00e4tigkeit mit gef\u00e4lschten P\u00e4ssen sowie sogar auf die Lieferung von Boden-Luft-Raketen gewonnen. Diese Information diente zur Unterrichtung der Friedenstruppen im Kosovo-Konflikt. Im Rahmen der Informationsbeschaffung zum Bereich der s\u00fcdosteurop\u00e4ischen kriminellen T\u00e4tergruppierungen verfolgte das Landesamt auch Hinweise auf einen Personenkreis, der sich auf die Durchf\u00fchrung illegaler Sportwetten spezialisiert hatte. Durch verdeckte Strukturermittlungen und den Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel konnte das Umfeld mehrerer Veranstalter aus diesem Bereich aufgehellt werden. Die Drahtzieher hatten eine straff gef\u00fchrte Organisation, bestehend aus einer Zentralstelle, zahlreichen Wettannahmestellen und Geldkurieren aufgebaut. Als Annahmestellen wurden ausl\u00e4ndische Lebensmittell\u00e4den und Lokale genutzt. Dort wurden","Organisierte Kriminalit\u00e4t 197 Wetten abgeschlossen. Mittelsm\u00e4nner verbrachten die eingenommenen Gelder ins westliche Ausland. Es handelte sich um Betr\u00e4ge in Millionenh\u00f6he. Es bestanden Verbindungen in andere Bundesl\u00e4nder. Die gewonnenen Hinweise wurden an die Polizei \u00fcbermittelt. Durchsuchungen und Beschlagnahmungen f\u00fchrten zu mehreren Festnahmen und zur Schlie\u00dfung der Wettannahmestellen. 3. Erfolge der bisherigen Arbeit und Ausblick Der Bayerische Staatsminister des Innern Dr. G\u00fcnther Beckstein hat in seinem Bericht im Ausschuss f\u00fcr Kommunale Fragen und Innere Sicherheit des Bayerischen Landtags am 20. Oktober eine Erfolgsbilanz der mehr als f\u00fcnfj\u00e4hrigen Arbeit des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz im OK-Bereich gezogen: \"Die Beobachtung der OK durch den Verfassungsschutz hat sich bew\u00e4hrt. Der Verfassungsschutz kann greifbare Erfolge in den T\u00e4tigkeitsfeldern der OK ausweisen. Dabei tritt er nicht in Konkurrenz zur Polizei, sondern kann mit seinen nachrichtendienstlichen M\u00f6glichkeiZusammenarbeit ten zu den Ermittlungen der Polizei beitragen. Er kann aus rechtlichen von Polizei und und tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnden bei der Bek\u00e4mpfung der OK bestehende Verfassungsschutz L\u00fccken schlie\u00dfen: - Der Verfassungsschutz in Bayern hat die Aufgabe, 'Bestrebungen der OK' zu beobachten und deshalb eine niedrige Einschreitschwelle. Er kann t\u00e4tig werden, sobald tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr solche Bestrebungen feststellbar sind. Weder ist ein Tatverdacht noch eine konkrete oder abstrakte Gefahr - wie im Polizeirecht verlangt - erforderlich. In Bayern kann deshalb der Verfassungsschutz bereits tats\u00e4chlichen Anhaltspunkten f\u00fcr OK nachgehen und unabh\u00e4ngig von einem Tatverdacht oder von einer Gefahr Informationen sammeln und zu weiteren Ermittlungsans\u00e4tzen verdichten. - Die Freistellung des Verfassungsschutzes vom Legalit\u00e4tsprinzip erleichtert die Gewinnung und Absch\u00f6pfung von Quellen. Die Erfahrungen des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zeigen, dass Quellen kooperativer sind, wenn sie erkennen, dass bei der Zusammenarbeit mit dem Verfassungsschutz gegebenenfalls nicht zwingend auch Strafverfolgung droht. - Der Verfassungsschutz erh\u00e4lt in seinen bisherigen Aufgabenfeldern regelm\u00e4\u00dfig Hinweise auf Organisierte Kriminalit\u00e4t. Diese Hin-","198 Organisierte Kriminalit\u00e4t weise sind oft vage und unterliegen dem Quellenschutz. Deshalb k\u00f6nnen sie nicht an die Polizei weitergegeben werden. In Bayern kann der Verfassungsschutz diesen Hinweisen nachgehen. Das f\u00fchrte in vielen F\u00e4llen zu erfolgreichen weiterf\u00fchrenden Ermittlungen des Verfassungsschutzes und der Polizei und zur Festnahme von T\u00e4tern im Bereich Organisierte Kriminalit\u00e4t. - Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz arbeitet im Bereich der Organisierten Kriminalit\u00e4t erfolgreich mit Nachrichtendiensten anderer L\u00e4nder zusammen. In mehreren Nachbarstaaten und fast allen Mitgliedstaaten der Europ\u00e4ischen Union sind die Inlandsnachrichtendienste umfassend oder zumindest in Teilbereichen mit der Beobachtung der OK befasst. In vielen F\u00e4llen geben Dienste vor allem aus Gr\u00fcnden des Quellenschutzes Informationen nicht an die Polizei weiter, sondern versuchen eine Abkl\u00e4rung mit anderen Diensten. Diese Zusammenarbeit f\u00fchrte zu einem verst\u00e4rkten wirksamen Vorgehen gegen die OK und zu erfolgreichen Exekutivma\u00dfnahmen.\" Viele Hinweise auf Organisierte Kriminalit\u00e4t f\u00fchren in andere deutsche L\u00e4nder. Eine Beobachtung der OK auch durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder und des Bundes liegt deshalb im Bundesweite Interesse einer wirksamen Bek\u00e4mpfung der Organisierten KriminaBeobachtung lit\u00e4t. Als weiteres Land hat inzwischen Hessen erkl\u00e4rt, den Verfasals Ziel sungsschutz zur OK-Beobachtung einsetzen zu wollen.","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 199 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I) Ge\u00e4ndert durch SS 2 des Gesetzes zur Anpassung des Bayerischen Landesrechts an Art. 13 des Grundgesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl S. 383) und Art. 4 Abs. 1 des Parlamentarischen Kontrollgremium-Gesetzes vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40) I. Abschnitt - unter Anwendung von Gewalt oder durch entspreOrganisation und Aufgaben chende Drohung oder des Verfassungsschutzes - unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Medien oder Wirtschaft. Art. 1 Organisation des Verfassungsschutzes, (4) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist Verh\u00e4ltnis zur Polizei eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (1) 1 Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen nachgeordnete Beh\u00f6rde. 2 Das Landesamt und DienstGrundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein Landeswerden. 3Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz amt f\u00fcr Verfassungsschutz. 2 Es dient auch dem Schutz steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen nicht zu. (2) 1 Freiheitliche demokratische Grundordnung nach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschluss Art. 2 jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsZust\u00e4ndigkeit staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit gesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2 Dazu gedarstellt. 2 Zu den grundlegenden Prinzipien dieser h\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem Bund Ordnung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des VerGrundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem fassungsschutzes. vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lankeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses das Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr Gesetzes t\u00e4tig werden. alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Art. 3 Aufgaben (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Aufgabe, erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetdurch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder zes, die gegen die freiheitliche demokratische unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnBundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine licher Strukturen oder ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung","200 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcrLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, gerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des f\u00fcr eine fremde Macht, Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder II. Abschnitt darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rAllgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung tige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, Art. 4 4. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Allgemeine Befugnisse Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen auserforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personengehen. 2 Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe bezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen Informationen, insbesondere sachund personenbezoGruppierung oder Person erheben und in Akten und gene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber solDateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachauszuwerten. 3 Die notwendige Koordinierung mit den folgend besondere Bestimmungen gelten. anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministeriums (2) 1 Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr Verfasdes Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministerium sungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 der Justiz geregelt. 4 \u00dcber diese Richtlinien wird die Nr. 1 sind im Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz vom Parlamentarische Kontrollkommission gem\u00e4\u00df Art. 20 27. Dezember 1996 (GVBl S. 509) geregelt; Art. 6 Abs. 1 Satz 1 unterrichtet. Abs. 1 Satz 4 bleibt unber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf, soweit gesetzlich nichts anderes (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 Aufgabe, Nr. 2 nur mitwirken und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur 1. nach Ma\u00dfgabe des Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes Auskunft erteilen, wenn die betroffene Person der an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen Durchf\u00fchrung der \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; werim \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige den der Ehegatte oder die Person, mit der die betrofTatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anverfene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher traut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder Gemeinschaft lebt, in die \u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, so ist auch deren Zustimmung erforderlich. 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an (3) 1 Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiesicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder dene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofsind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, fene Gruppierung oder Person voraussichtlich am 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz wenigsten beeintr\u00e4chtigt. 2 Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsau\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte Art. 5 mitzuwirken. Erhebung personenbezogener Daten 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perso(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung Aufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue 2 Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentNr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persolichen Dienst bewerben, nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nach-","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 201 ermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von SS 1 Abs. 1 und SS 2 Abs. 1 des Gesetzes zur Informationen erforderlich ist, die bei den VerfassungsBeschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldeschutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. geheimnisses (Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz) vom 13. August 1968 (BGBl I S. 949) in der jeweils gelArt. 6 tenden Fassung vorliegen oder Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel 2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorliegen, dass jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 (1) Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem 1 Satz 1 Nrn. 1 oder 3 durch die Planung oder BegeGesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch hung von Straftaten nach SSSS 129, 130 oder 131 des nachrichtendienstliche Mittel anwenden. 2 Sie dienen Strafgesetzbuchs (StGB) verfolgt oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicherheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner 3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteMitarbeiter. 3Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfhen, dass jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 durch die Planung und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, dass das oder Begehung von Straftaten nach SS l00a der StrafLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen erprozessordnung (StPO), SSSS 261, 263 bis 265, 265b, hebt. 4 Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SS 92 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr VerfassungsAbs. 2 des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) verfolgt schutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarnung von Mitarbeitern anwenden. und die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2 Der ver(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen richnachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen ist, dass sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf weitergeben oder dass der Verd\u00e4chtige sich in ihrer diese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge Wohnung aufh\u00e4lt. 3 Die Anordnung des Einsatzes begewonnen werden k\u00f6nnen oder sonderer technischer Mittel nach Satz 1 trifft der Rich2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, ter 4 Bei Gefahr im Verzug kann der Pr\u00e4sident des Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz einen Einsatz nach f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende Satz 1 anordnen; eine richterliche Entscheidung ist oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. unverz\u00fcglich nachzuholen. 5Die Anordnungen sind auf l\u00e4ngstens drei Monate zu befristen; Verl\u00e4ngerungen um (3) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwenjeweils nicht mehr als drei weitere Monate sind auf dung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben werAntrag zul\u00e4ssig, soweit die Voraussetzungen der den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete Anordnung fortbestehen. 6Liegen die Voraussetzungen Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene der Anordnung nicht mehr vor oder ist der verdeckte Person weniger beeintr\u00e4chtigt. 2 Die Anwendung nachEinsatz technischer Mittel zur Informationsgewinnung richtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer nicht mehr erforderlich, so ist die Ma\u00dfnahme unverVerh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachverz\u00fcglich zu beenden. 7Der Vollzug der Anordnung erfolgt halts stehen. 3 Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr unter Aufsicht eines Bediensteten des Landesamts f\u00fcr Zweck erreicht ist oder sich ergibt, dass er nicht oder Verfassungsschutz, der die Bef\u00e4higung zum Richteramt nicht auf diese Weise erreicht werden kann. hat. 8Erkenntnisse und Unterlagen, die durch Ma\u00dfnahmen nach Satz 1 gewonnen wurden, d\u00fcrfen zur Verfolgung und Erforschung der dort genannten Bestrebun(4) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer gen oder T\u00e4tigkeiten sowie nach Ma\u00dfgabe des SS 7 Abs. 3 Mittel zur Informationsgewinnung im Schutzbereich des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz verwendet werden. des Art. 13 des Grundgesetzes in Abwesenheit einer f\u00fcr 9 F\u00fcr die Speicherung und L\u00f6schung der durch Ma\u00dfnahdie Verfassungsschutzbeh\u00f6rde t\u00e4tigen Person ist unter men nach den Abs\u00e4tzen 4 und 5 erlangten personenbesonderer Ber\u00fccksichtigung des Grundsatzes der Verbezogenen Daten sowie die Entscheidung \u00fcber die h\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit gem\u00e4\u00df Absatz 3 nur zul\u00e4ssig, wenn nachtr\u00e4gliche Information der von Ma\u00dfnahmen nach 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff Absatz 4 Betroffenen gelten SS 7 Abs. 4 und SS 5 Abs. 5 in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz entsprechend.","202 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) (5) 1 Der verdeckte Einsatz besonderer technischer Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 angefalausschlie\u00dflich zum Schutz der f\u00fcr den Verfassungsschutz len sind. 3 Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten in diesem Bereich t\u00e4tigen Personen bedarf der Geneheiner Person nach Vollendung des 16. und vor Vollendung migung des Pr\u00e4sidenten des Landesamts f\u00fcr Verfasdes 18. Lebensjahres sind zwei Jahre nach dem Verhalten sungsschutz oder eines von ihm bestellten Beauftragauf die Erforderlichkeit der Speicherung in Dateien zu ten.2Eine anderweitige Verwertung der hierbei erlangten \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens f\u00fcnf Jahre nach dem VerhalErkenntnisse zu Zwecken der Gefahrenabwehr ist nur ten zu l\u00f6schen, es sei denn, dass weitere Erkenntnisse im zul\u00e4ssig, wenn zuvor die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der Ma\u00dfnahme Sinn des Art. 3 Abs. 1 angefallen sind \u00fcber ein Verhalten richterlich festgestellt ist; bei Gefahr im Verzug ist die nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigkeit. 4 F\u00fcr Akten, die zu einer richterliche Entscheidung unverz\u00fcglich nachzuholen. minderj\u00e4hrigen Person gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fcfungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. (6) 1 Zust\u00e4ndiges Gericht zur Entscheidung nach den Abs\u00e4tzen 4 und 5 ist das Amtsgericht am Sitz des Lan(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die desamts f\u00fcr Verfassungsschutz. 2F\u00fcr das Verfahren gelDauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu ten die Vorschriften des Gesetzes \u00fcber die Angelegeneiner bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df heiten der Freiwilligen Gerichtsbarkeit entsprechend. festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach diesem Gesetz erforderlich ist. (7) 1 Die Staatsregierung unterrichtet den Landtag j\u00e4hrlich \u00fcber die nach Absatz 4 und, soweit richterlich (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei\u00fcberpr\u00fcfungsbed\u00fcrftig, nach Absatz 5 angeordneten chert, muss erkennbar sein, wer die Bewertung vorgeMa\u00dfnahmen. 2Ein vom Landtag gew\u00e4hltes Gremium nommen hat und wo die Informationen gespeichert \u00fcbt auf der Grundlage dieses Berichts die parlamentarisind, die der Bewertung zugrunde liegen. sche Kontrolle aus. (8) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem Art. 8 Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Berichtigung und L\u00f6schen von Daten (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Art. 7 Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu Speicherung und Ver\u00e4nderung berichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die personenbezogener Daten zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu vermerken. (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz perso(2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in nenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nDateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu dern, wenn l\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder war oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzT\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder lich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von BestreAkten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, bungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erfordersind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2 Ob lich ist oder die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung nach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbei3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 tung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. 3 Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn 2 In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personenGrund zu der Annahme besteht, dass durch sie schutzbezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, w\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chwenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen tigt w\u00fcrden. 4 In diesem Fall sind die Daten zu sperren; oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. (2) 1Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcrfen nicht (3) 1 F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften in Dateien gespeichert werden. 2 Personenbezogene Daten des Bayerischen Archivgesetzes. 2 Die Anbietungs\u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 14. und vor Vollendung des 16. Lebensjahres sind zwei Abs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung.","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 203 Art. 9 (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fcErrichtungsanordnung fung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer Person Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, (1) 1 F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierhat diese Person abweichend von Absatz 1 einen ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet Anspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts werden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in f\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung einer Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des dieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: (3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit 1. Bezeichnung der Datei, 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach 2. Zweck der Datei, Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, 3. Betroffener Personenkreis, 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche 4. Art der zu speichernden Daten, Zug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausfor5. Eingabeberechtigung, schung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitsweise des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu 6. Zugangsberechtigung, bef\u00fcrchten ist, 7. Regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, 3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden 8. \u00dcberpr\u00fcfungsfristen, Speicherungsdauer, oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes 9. Protokollierung des Abrufs. Nachteile bereiten w\u00fcrde oder 2 Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des 4. die Information oder die Tatsache der Speicherung Innern ist die Errichtungsanordnung dem Landesbeaufnach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. nach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden 3 Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des berechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehalVerfahrens. ten werden muss. (2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des (4) 1 Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung keiner Begr\u00fcndung. 2 Wird die Auskunftserteilung abgepersonenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df lehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage f\u00fcr beschr\u00e4nkt ist. das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweisen, dass er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenbezo(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in angener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr den Datengemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weiterschutz wenden kann. 3 Dem Landesbeauftragten f\u00fcr den f\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen. Datenschutz ist auf sein Verlangen Auskunft zu erteilen, soweit nicht das Staatsministerium des Innern im EinArt. 10 zelfall feststellt, dass dadurch die Sicherheit des Bundes Geltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes oder eines Landes gef\u00e4hrdet w\u00fcrde. 4 Mitteilungen des Landesbeauftragten an den Betroffenen d\u00fcrfen keine Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten AufR\u00fcckschl\u00fcsse auf den Kenntnisstand des Landesamts gaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz finf\u00fcr Verfassungsschutz zulassen, sofern dieses nicht den die Art. l0 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Bayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. Art. 11 III. Abschnitt Auskunftserteilung \u00dcbermittlungsregelungen (1) 1 Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim LanArt. 12 desamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten Informations\u00fcbermittlung gespeicherten Informationen besteht nicht. 2 Hat eine an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft \u00fcber ohne Ersuchen die zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entscheidet das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach pflicht(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regigem\u00e4\u00dfem Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegehren. ster, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen","204 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, einen \u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6nlichdes Freistaats Bayern haben von sich aus dem Landeskeitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen w\u00fcramt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer de. 2 \u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dateien Aufgaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcberhat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen Nachmitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr besteweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die eingesehene hen, dass die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der AufDatei hervorgehen; die Nachweise sind gesondert aufgaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 zubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu sichern Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr ihrer Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst. b oder c des Erstellung folgt, zu vernichten. Grundgesetzes erforderlich sein kann. (3) 1 H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die Stelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die Einsicht\u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unnahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das verz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fcldem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht lung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforderdieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so lich sind. 2 Ergibt die Pr\u00fcfung, dass sie nicht erforderentscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtslich sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernichbeh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. ten. 3 Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die Trennung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. der Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvertretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall Art. 14 d\u00fcrfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung wendet werden. durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Art. 13 (1) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perInformations\u00fcbermittlung sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem auf Ersuchen Gesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle die Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen (1) 1 Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen Grundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen Stellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt. auf dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Auf- 2 Gleiches gilt, wenn der Empf\u00e4nger die personenbezogaben bekannt gewordenen Informationen zu \u00fcbermitgenen Daten zur Erf\u00fcllung anderer ihm zugewiesener teln, soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des LanAufgaben ben\u00f6tigt, sofern er dabei auch zum Schutz der desamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz freiheitlichen demokratischen Grundordnung beizutragen erforderlich ist. 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz oder Gesichtspunkte der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder darf Ersuchen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Inforausw\u00e4rtige Belange zu w\u00fcrdigen hat. 3 Der Empf\u00e4nger mation auf andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufdarf die \u00fcbermittelten Daten, soweit gesetzlich nichts wand oder nur durch eine die betroffene Gruppierung anderes bestimmt ist, nur zu dem Zweck verwenden, zu oder Person st\u00e4rker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden, es sei denn, dass das werden kann. 3 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einer anderen Verwenhat Ersuchen zu begr\u00fcnden, es sei denn, dass eine Bedung f\u00fcr Zwecke nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt gr\u00fcndung dem Schutz der betroffenen Gruppierung hat. 4 Satz 1 gilt auch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenoder Person zuwiderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahbezogener Daten innerhalb des Landesamts f\u00fcr Verme gef\u00e4hrden w\u00fcrde. 4 Es hat die Ersuchen aktenkundig fassungsschutz. zu machen. (2) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf 1 Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrte von Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 einzwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber sehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige \u00dcberBundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndimittlung von Informationen aus den Akten oder den schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 205 S. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln. 2 Der Art. 16 Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass die \u00fcbermittelNachberichtspflicht ten Daten nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. Erweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungs(3) 1 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perschutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unversonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb z\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcberbetroffenen Person erforderlich ist. mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung Art. 17 erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erfor\u00dcbermittlungsverbote derlich ist. 2 Die \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn aus(1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das w\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland oder Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffe14 hat zu unterbleiben, wenn nen Person entgegenstehen. 3 Sie ist aktenkundig zu machen. 4 Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, dass 1. erkennbar ist, dass unter Ber\u00fccksichtigung der Art die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem Zweck verwendet der Informationen und ihrer Erhebung das schutzwerden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. w\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allgemeininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder (4) 1 Personenbezogene Daten d\u00fcrfen an andere 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nicht \u00fcbermittelt werden, es sei denn, dass dies zum Schutz der freiheit(2) Besondere Rechtsvorschriften, die Informationslichen demokratischen Grundordnung oder der Sicher\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unheit des Bundes oder eines Landes erforderlich ist und ber\u00fchrt. das Staatsministerium des Innern seine Zustimmung erteilt hat; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. IV. Abschnitt 2 Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcberParlamentarische Kontrolle mittlung aktenkundig zu machen. 3 Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, Art. 18 zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 4 Das Landesamt Parlamentarisches Kontrollgremium f\u00fcr Verfassungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweisen. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfas(5) 1 \u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtsungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen des Gesetlichen Vorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2 Das Landesamt zes zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung f\u00fcr Verfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzhinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 beh\u00f6rden auch dadurch unterrichten, dass es diesen den des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts Abruf von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6gf\u00fcr Verfassungsschutz - Parlamentarisches Kontrolllicht, soweit deren gesetzliche Aufgaben identisch gremium-Gesetz - vom 10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I). sind. Art. 19 und 20 (aufgehoben) Art. 15 Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit V. Abschnitt 1 Das Staatsministerium des Innern und das LandesSchlussvorschriften amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Art. 21 Abs. l. 2 Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezoErf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben gene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesse der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzZur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetw\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahzes nach Art. 73 Nr. l0 Buchst. b und c des Grundrung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. gesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz","206 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) die Befugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entspre2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr Sicherheitschenden Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. fragen zust\u00e4ndigen Ausschuss des Landtags\" durch die Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission Art. 22 f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" Einschr\u00e4nkung von Grundrechten ersetzt. Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht Art. 24 der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des In-Kraft-Treten Grundgesetzes und Art. l06 Abs. 3 der Verfassung eingeschr\u00e4nkt werden. 1 Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* 2 Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: Art. 23 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts \u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung f\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-I), des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen DatenschutzDas Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 gesetzes (BayRS 204-1-I). Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I) wird wie folgt ge\u00e4ndert: 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: \"6 Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, * Diese Vorschrift betrifft das In-Kraft-Treten des Gesetzes in der die der Zustimmung der Parlamentarischen Konurspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBl S.323). Der trollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des VerfasZeitpunkt des In-Kraft-Tretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sungsschutzes bedarf.\" sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen.","Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) 207 Gesetz zur parlamentarischen Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - PKGG) Vom 10. Februar 2000 (GVBl S. 40, BayRS 12-4-I) Art. 1 (4) Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt seine Parlamentarisches Kontrollgremium T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des Landtags hinaus solange aus, bis der nachfolgende (1) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium \u00fcbt die Landtag ein neues Parlamentarisches Kontrollgremium parlamentarische Kontrolle gem\u00e4\u00df Art. 13 Abs. 6 Satz 3 gew\u00e4hlt hat. des Grundgesetzes zum Vollzug der Ma\u00dfnahmen nach Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes nach Ma\u00dfgabe Art. 2 der Art. 48a des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des GerichtsGeheimhaltung verfassungsgesetzes und von Verfahrensgesetzen des Bundes (AGGVG), Art. 34 Abs. 6 des Polizeiaufgaben(1) 1 Die Beratungen des Parlamentarischen Kontrollgesetzes (PAG) und Art. 6 Abs. 7 des Bayerischen Vergremiums sind geheim. 2Die Mitglieder und stellverfassungsschutzgesetzes (BayVSG) aus. 2Dem Parlatretenden Mitglieder sind zur Geheimhaltung der mentarischen Kontrollgremium obliegt ferner die KonAngelegenheiten verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigtrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des keit im Parlamentarischen Kontrollgremium bekannt Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz; die Rechte des geworden sind. 3Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Landtags und seiner Aussch\u00fcsse bleiben unber\u00fchrt. Ausscheiden aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium. (2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium besteht aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder des Parlamentari(2) 1 Das Parlamentarische Kontrollgremium tritt schen Kontrollgremiums werden zu Beginn jeder neuen mindestens einmal im Jahr zusammen. 2Jedes Mitglied Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte gew\u00e4hlt. 3In kann die Einberufung des Parlamentarischen Kontrollgleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein stellvertretengremiums verlangen. 3Das Parlamentarische Kontrolldes Mitglied gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen der gremium gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. 4Ferner obMehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. liegt ihm die Wahl seiner bzw. seines Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden. (3) 1 Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder seiner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft im Art. 3 Parlamentarischen Kontrollgremium; Absatz 4 bleibt Rechte des Parlamentarischen Kontrollgremiums unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich ein und Berichtspflichten der Staatsregierung neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das Gleiche gilt, wenn ein Mitglied aus dem Parlamentarischen Kontrollgremium (1) Das Staatsministerium der Justiz erstattet dem ausscheidet. 3Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht die stellvertretenden Mitglieder. nach Art. 48a AGGVG.","208 Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz (PKGG) (2) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem 1. Art. 18 erh\u00e4lt folgende Fassung: Parlamentarischen Kontrollgremium j\u00e4hrlich Bericht nach Art. 34 Abs. 6 PAG und Art. 6 Abs. 7 BayVSG. \"Art. 18 2 Die Berichterstattung nach diesen Vorschriften kann Parlamentarisches Kontrollgremium gesondert erfolgen. Die parlamentarische Kontrolle der Staatsregierung hinsichtlich der T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr (3) Das Staatsministerium des Innern unterrichtet 1 Verfassungsschutz erfolgt nach den Bestimmungen das Parlamentarische Kontrollgremium ferner regeldes Gesetzes zur parlamentarischen Kontrolle der m\u00e4\u00dfig umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Staatsregierung hinsichtlich der Ma\u00dfnahmen nach Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und \u00fcber Vorg\u00e4nge Art. 13 Abs. 3 bis 5 des Grundgesetzes sowie der von besonderer Bedeutung. 2Dar\u00fcber hinaus berichtet T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz es zu einem konkreten Thema aus dem Aufgaben- - Parlamentarisches Kontrollgremium-Gesetz - vom bereich des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, sofern 10. Februar 2000 (BayRS 12-4-I).\" das Parlamentarische Kontrollgremium dies verlangt. 3 Zeit, Art und Umfang der Unterrichtung des Parlamen2. Art. l9 und 20 werden aufgehoben. tarischen Kontrollgremiums werden unter Beachtung des notwendigen Schutzes des Nachrichtenzugangs (2) In Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung des durch die politische Verantwortung der Staatsregierung Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10) vom bestimmt. 11. Dezember 1984 (GVBl S. 522, BayRS 12-2-I), ge\u00e4ndert durch Art. 23 des Gesetzes vom 24. August (4) 1 Das Staatsministerium des Innern erstattet dem 1990 (GVBl S. 323), werden die Worte \"die ParlamenParlamentarischen Kontrollgremium ferner Bericht tarische Kontrollkommission f\u00fcr Angelegenheiten des nach Ma\u00dfgabe des Art. 3 des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung Verfassungsschutzes\" durch die Worte \"das Parlamendes Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (AGG 10). 2Art. 2 tarische Kontrollgremium\" ersetzt. AGG 10 bleibt unber\u00fchrt. Art. 5 Art. 4 In-Kraft-Treten, \u00dcbergangsvorschrift \u00c4nderung von Gesetzen (1) Dieses Gesetz tritt am 1. April 2000 in Kraft. (1) Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom (2) Die bestehende Parlamentarische Kontrollkom10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-I), ge\u00e4ndert mission \u00fcbt ihre T\u00e4tigkeit im bisherigen Umfang bis durch SS 2 des Gesetzes vom 10. Juli 1998 (GVBl zur Bildung des Parlamentarischen Kontrollgremiums S. 383), wird wie folgt ge\u00e4ndert: nach Art. l aus.","Sachwortregister 209 Sachwortregister ABLE 184 Bund deutscher Patrioten (BDP) 36 Aktion Oder-Nei\u00dfe (AKON) 47 Burgpost 75 Aktionsgruppe Horst Ludwig Meyer 122 AL-Gamaa al Islamiya (GI) 158 Castel del Monte Verlag 76 Al Quaeda 159 Courage 99 Antifa Kritik & Kampf (AKuK) 104 CRIMINON 184 Antifa-Offensive 1999 106 antifa-rundschau 96 Das Freie Forum 49 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis Bayern Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung (AABB) 104 Pal\u00e4stinas (DFLP) 163 Antifaschistische Aktion Passau (AA Passau) 105 Demokratische Partei Kurdistans/Irak Antifaschistische Aktion/Bundesweite (DPK/I) 151 Organisation (AA/BO) 104 Denk mit! 76 Antifaschistische Jugendfront (AJF) 104 Denk mit!-Verlag 76 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis Der Aktivist 39 N\u00fcrnberg 126 Der neue Republikaner 27 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) 118 Der Scheinwerfer 76 Antiimperialistische Zellen (AIZ) 120 Deutsche Geschichte 76 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 94 der KPD (AB) 99 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 48 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 145 Deutsche National-Zeitung (DNZ) 42 Arbeitsgemeinschaft Autonome Gruppen in und bei der PDS 87 Deutsche Stimme (DS) 34 Arbeitsgemeinschaft Junge GenossInnen in Deutsche Stimme EXTRA 34 und bei der PDS (AG Junge GenossInnen) 88 Deutsche Volksunion (DVU) 42 Artgemeinschaft 76 Deutsche Volksunion e.V. 47 Autonome 102 Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) 42 Autonome Antifa (M) 104 Deutscher Bund (DB) 75 Autonome Antifa Passau (AA Passau) 103 Deutsches Kolleg (DK) 76 Devrimci Sol 139 bambule 109 Dianetik nach L. Ron Hubbard 168 barricada 109 Die Artgemeinschaft - Germanische Befreiungsarmee von Kosovo (UCK) 161 Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) 158 Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) 76 Bewaffnete Widerstand Aktion (BWA) 120 Die Freunde im Ausland (DFiA) 72 Bildungswerk Deutsche Volksgemeinschaft Die Republikaner (REP) 27 (BDVG) 41 DISPUT 81 Bolschewistische Partei NordDruckschriftenund Zeitungsverlag GmbH kurdistan/T\u00fcrkei (BP-KK/T) 166 (DSZ-Verlag) 51","210 Sachwortregister Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Info-L\u00e4den der Autonomen 107 Schutz der Frontsoldaten 47 Informationsstelle Kurdistan e.V. (ISKU) 153 Europ\u00e4ische Frontzentrale (ACM) der PKK 147 Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) 47 Institute for Historical Review (IHR) 72 Fight the Power 109 Internationale Islamische Front 159 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei INTERIM 108 in Deutschland e.V. (ATIF) 143 Iranische Moslemische StudenF\u00f6deration der Arbeiterimmigranten aus ten-Vereinigung Bundesrepublik der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AGIF) 144 Deutschland e.V. (IMSV) 161 F\u00f6deration der demokratischen Rechte Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) 165 in Deutschland (ADHF) 144 Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. 157 F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) 132 der Bundesrepublik Deutschland e.V. Islamische Heilsarmee (AIS) 158 (FEYKA-Kurdistan) 164 Islamische Heilsfront (FIS) 158 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Islamisches Zentrum M\u00fcnchen 157 Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) 137 F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) 147 Jihad Islami 159 Frankens Widerstand 63 Journal of Historical Review 72 Freie Nationalisten 54 Jugend gegen Rassismus (JgR) 104 Freiheit 168 Jugendverband 'solid 90 Freiheitlicher Volks Block (FVB) 51 Junge Nationaldemokraten (JN) 39 Freizeitverein Isar e.V. (FZV) 56 Freundeskreis Ulrich von Hutten 50 Kalifatsstaat 135 Front National (FN) 73 Kameradschaften 55 F\u00fcnf-Punkte-Papier der PDS 82 Katakomben-Akademie 55 FVB-Spiegel 51 Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) 184 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 99 GEGENSTANDPUNKT 100 Kommunistische Partei Deutschlands \"Germania\"-Rundbrief 72 (KPD/DDR) 87 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 49 Kommunistische Plattform (KPF) 87 graswurzelrevolution 108 Kommunistische Plattform Ortsgruppe M\u00fcnchen 91 Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. 165 Kommunistische Plattform Heimattreue Vereinigung Deutschlands Regionalgruppe N\u00fcrnberg 91 (HVD) 51 Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) 135 T\u00fcrkei in Europa (ATIK) 143 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. in Europa (ADHK) 144 (HNG) 75 Kurdischer Nationalkongress (KNK) 151 Hizb Allah 159 Kurdischer Roter Halbmond (HSK) 165 Huttenbriefe 50 Kurdisches Exilparlament 152","Sachwortregister 211 Kurdistan Informationsb\u00fcro in Nationale Befreiungsfront Kurdistans Deutschland (KIB) 164 (ERNK) 147 Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) 164 Nationale Info-Telefone (NIT) 57 Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln 164 Nationaler Block (NB) 40 Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen 151 Nationaler Widerstand 38 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 160 lernen und k\u00e4mpfen (luk) 98 National-Zeitung/Deutsche Wochen-Zei\"Leuchter-Bericht\" 71 tung (NZ) 42 LIBERTAD 119 Neues Deutschland (ND) 81 Libert\u00e4res Forum bei der PDS 87 Nordbayerischer Landbote 124 Linksruck 125 Nordische Zeitung (NZ) 76 Linksruck-Netzwerk 101 Nordland-Netz 58 NS Kampfruf 73 Marxistisch-Leninistische Kommunistische NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation Partei (MLKP) 144 (NSDAP-AO) 73 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 98 Odal-Verlag 76 Marxistische Bl\u00e4tter 124 Office of Special Affairs (OSA) 185 Marxistische Gruppe (MG) 100 Operation Snow White 169 Marxistisches Forum (MF) 89 Organisierte Autonomie (OA) 104 MED-TV 148 Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) 143 MEDYA-TV 148 Mensch und Ma\u00df 76 Partei der Demokratischen Vereinigung Mitteilungen der Kommunistischen (PBD) 162 Plattform der PDS 124 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 138 M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 101 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 81 M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 126 Partei f\u00fcr den Demokratischen Fortschritt Muslimbruderschaft (MB) 157 Kosovos (PPDK) 162 PARTISAN 109 Nachrichten der HNG 75 Partizan-Fl\u00fcgel 143 Nachrichten-Informationen-Meinungen Patriotische Union Kurdistans (PUK) 151 (NIM) 54 PDS-Pressedienst 81 NARCONON 184 Plattform der Vereinten Revolution\u00e4ren Nation Europa Verlag GmbH 52 Kr\u00e4fte (DBGP) 145 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 52 position 97 Nation-Europa-Freunde e.V. 52 Pro.K - Zeitung des Revolution\u00e4ren Aufbau M\u00fcnchen 118 National Journal 72 Proletarischer Internationalismus 93 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 34 Nationaldemokratischer Hochschulbund radikal 108 (NHB) 75 REBELL 99 Nationale Befreiungsarmee (NLA) 160 Revisionismus 70","212 Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen 118 Union der Journalisten Kurdistans (YRK) 165 Revolution\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) 147 (DHKP-C) 139 Union der patriotischen Arbeiter Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 122 Kurdistans (YKWK) 165 Revolution\u00e4r-Sozialistischer Bund/IV. InterUnion islamischer Studentenvereine nationale (RSB) 94 in Europa (U.I.S.A.) 164 rote antifa n\u00fcrnberg (ran) 104 Union zur Pflege der kurdischen Kultur Rote Armee Fraktion (RAF) 121 und Kunst (YRWK) 165 Unsere Zeit (UZ) 94 Rote Fahne 98 UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer Rote Zora 122 Alternativen 81 \"Rudolf-Gutachten\" 71 Rudolf-He\u00df-Aktionswochen 58 Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) 135 Samisdat Publishers Ltd. 72 Verband der StudentInnen aus Kurdistan Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (YXK) 165 (SDV) 76 Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 124 Scientology-Organisation (SO) 168 Vereinigung der neuen Weltsicht Skinheads 59 in Europa e.V. (AMGT) 132 Skinheads Allg\u00e4u 60 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen 'solid - die sozialistische Jugend 90 und Antifaschisten (VVN-BdA) 96 Soziale Volkspartei (SVP) 36 Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 101 Sozialismus von unten 125 Verein zur F\u00f6rderung des antifaschistischen Sozialistische Alternative VORAN (SAV) 125 Bewusstseins junger Menschen e.V. 111 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 101 Verlag Hohe Warte - Franz von Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Bebenburg KG 76 (SDAJ) 97 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 76 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichts(SED) 81 forschung (VffG) 72 Sozialistische Zeitung (SoZ) 125 Vlaams Blok (VB) 53 Staatsbriefe 76 Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) 146 Volksbewegung von Kosovo (LPK) 161 Thule-Netz 58 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 163 TITEL - Informationsforum der PDS Bayern 81 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungs- - Generalkommando - (PFLP-GC) 163 armee (TIKKO) 143 Volksmodjahedin 160 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 143 Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 72 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP-C Devrimci Sol) 139 WISE 183 Tugendpartei (FP) 133 Wohlfahrtspartei (RP) 133 Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) 165 Zusammen-Aktiv-K\u00e4mpfen (Z.A.K.) 113 Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) 165 Zusammen K\u00e4mpfen (ZK) 104"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1999","year":1999}
