{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1997.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":278,"pages":["","Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern, Odeonsplatz 3, 80539 M\u00fcnchen Druck: Color-Offset GmbH, Geretsrieder Stra\u00dfe 10, 81379 M\u00fcnchen Stand: M\u00e4rz 1998 Gedruckt auf Recyclingpapier aus 100% Altpapier","Vorwort Das Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Freistaats Bayern haben eine wertgebundene demokratische Staatsordnung geschaffen. Sie stellt ausdr\u00fccklich die Freiheit des B\u00fcrgers in den Mittelpunkt. Nie zuvor in der deutschen Geschichte und auf deutschem Boden war die Freiheit des einzelnen in so gro\u00dfem Ma\u00dfe garantiert. Damit diese Freiheit nicht von ihren Gegnern wie in der Vergangenheit mi\u00dfbraucht und letztlich beseitigt werden kann, wurde die Staatsordnung streitbar und abwehrbereit ausgestaltet. Einen wichtigen Beitrag zum Schutz unserer Demokratie vor ihren Feinden leistet hierbei der j\u00e4hrlich erscheinende Verfassungsschutzbericht. Die geistig-politische Auseinandersetzung mit extremistischem Gedankengut kann nur dann mit Aussicht auf Erfolg gef\u00fchrt werden, wenn Klarheit \u00fcber die wirklichen Ziele und Absichten derer besteht, die Grundprinzipien der Verfassung bek\u00e4mpfen. Mit dem Verfassungsschutzbericht informiert das Bayerische Staatsministerium des Innern die \u00d6ffentlichkeit dar\u00fcber, von welchen Gruppierungen und in welchem Umfang der freiheitliche demokratische Rechtsstaat aktuell bedroht ist. Da extremistische Organisationen ihre Zielsetzung und T\u00e4tigkeit oftmals hinter unverf\u00e4nglich klingenden Namen und Aktionsb\u00fcndnissen tarnen, kann dieser Bericht insbesondere auch politisch engagierten B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern helfen, nicht ungewollt Verfassungsfeinde in ihren Bestrebungen zu unterst\u00fctzen. Der Bericht gibt einen \u00dcberblick \u00fcber die Ergebnisse der Arbeit des Verfassungsschutzes bei der Beobachtung des politischen Extremismus, der Spionageabwehr, der Beobachtung von Bestrebungen der Organisierten Kriminalit\u00e4t und auch der Scientology-Organisation in Bayern im Jahr 1997. Er zeigt wiederum, da\u00df Extremisten nicht in der Lage waren, unsere Staatsordnung ernsthaft zu gef\u00e4hrden. Allerdings haben im Vergleich zum Vorjahr die politisch motivierten Gewalttaten wieder zugenommen. Sorge bereitet vor allem auch der Anstieg rechtsextremistischer Aktivit\u00e4ten. Die aktuellen Zahlen geben Anla\u00df zu gr\u00f6\u00dfter Wachsamkeit. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz danken wir f\u00fcr ihre engagierte Arbeit. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung unserer freien Ordnung. M\u00fcnchen, im M\u00e4rz 1998 ' Dr. G\u00fcnther Beckstein Hermann Regensburger Staatsminister Staatssekret\u00e4r","4 Inhaltsverzeichnis Verfassungsschutz in Bayern Einf\u00fchrung 12 1. Gesetzliche Grundlagen 13 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes 13 3. Informationsbeschaffung 14 4. Kontrolle 15 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes 16 1. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 19 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus 19 1.2 Entwicklung 20 2. Die Republikaner (REP) 23 2.1 Ideologisch-politischer Standort 23 2.2 Verst\u00f6\u00dfe gegen den offiziellen Abgrenzungskurs 24 2.3 Organisation 26 2.4 Teilnahme an Wahlen 27 2.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern 27 2.6 Verwaltungsgerichtsverfahren 29 3. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 29 3.1 Ideologisch-politischer Standort 29 3.2 Organisation 32 3.3 Teilnahme an Wahlen 34 3.4 Sonstige Aktivit\u00e4ten 34 3.5 Strafverfahren 37 3.6 Junge Nationaldemokraten (JN) 37 4. Deutsche Volksunion (DVU) 40 4.1 Ideologisch-politischer Standort 40 4.2 Organisation 45 4.3 B\u00fcndnispolitik 46 4.4 Teilnahme an Wahlen 46 4.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten 47 5. Neonazismus 48","Inhaltsverzeichnis 5 5.1 Allgemeines 48 5.2 Freiheitlicher Volks Block (FVB) 50 5.3 Deutscher Bund e.V. (DB) 51 5.4 Neonazistisches Potential bei Skinheads 51 5.5 Aktionen zum 10. Todestag von Rudolf He\u00df (17. August) 54 5.6 Aktivit\u00e4ten ehemaliger FAP-Funktion\u00e4re 55 5.7 Rechtsextremistisch motivierte Straftaten 56 6. Sonstige rechtsextremistische Organisationen 57 6.1 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 57 6.1.1 Ideologisch-politischer Standort 57 6.1.2 Organisation 58 6.1.3 Aktivit\u00e4ten 59 6.2 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 60 6.3 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten e.V. 61 6.4 Deutsches Kolleg (DK) 61 6.5 Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) 62 7. Revisionismus-Kampagne 63 7.1 Ziele und Methoden 63 7.2 Entwicklung 63 7.3 Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne 64 8. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 67 8.1 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) 67 8.2 Nation Europa Verlag GmbH 68 9. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 69 9.1 NSDAP-Auslands-und Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 69 9.2 Verlag Samisdat Publishers Ltd 71 9.3 Kontakte zur franz\u00f6sischen Front National (FN) 72 10. Nutzung moderner Informationstechnologien durch Rechtsextrem isten 72 10.1 Internet 72 10.2 Mailboxen 74 10.3 Nationale Info-Telefone (NIT) 76 10.4 Strafverfahren 77 10.5 Ausblick 77 11. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse 78","6 Inhaltsverzeichnis 2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines ; 80 1.1 Merkmale des Linksextremismus 80 1.2 Entwicklung in Bayern 81 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 83 2.1 \u00dcberblick 83 2.2 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 83 2.2.1 Ideologische Ausrichtung 83 2.2.2 Organisation 92 2.2.2.1 Bundesweite Gliederung 92 2.2.2.2 Landesverband Bayern 94 2.2.3 Plattformen und Arbeitsgemeinschaften 96 2.2.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) 97 2.2.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in und bei der PDS 100 2.2.3.3 Marxistisches Forum 102 2.2.4 Teilnahme an Wahlen 103 2.2.5 Zusammenarbeit mit inund ausl\u00e4ndischen Linksextremisten 103 2.2.5.1 Kommunistischer Internationalismus 103 2.2.5.2 Inl\u00e4ndische Zusammenarbeit 107 2.2.5.3 Erfurter Erkl\u00e4rung 109 2.3 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 110 2.3.1 Ideologische Ausrichtung 110 2.3.2 Organisation 114 2.3.3 Teilnahme an Wahlen 115 2.3.4 Umfeld der DKP 115 2.4 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD).. 117 2.5 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 118 2.6 Marxistische Gruppe (MG) 119 3. M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 120 4. Autonome 121 4.1 \u00dcberblick 121 4.2 Ideologische Ausrichtung und Agitationsschwerpunkte 121","Inhaltsverzeichnis 7 4.3 Autonome Strukturen 124 4.3.1 Autonome in Bayern 124 4.3.2 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) 126 4.3.3 Bem\u00fchen um Jugendliche und Heranwachsende 127 4.3.4 Informationelle Vernetzung 131 4.3.5 Internationale Verbindungen 131 4.4 Autonome Publikationen 132 4.5 Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern 135 4.5.1 Autonome M\u00fcnchen 135 4.5.2 Autonome N\u00fcrnberg 137 4.5.3 Autonome Passau 139 4.6 Autonome B\u00fcndnisse 141 4.7 Entwicklungstendenzen 142 5. Linksextremistischer Einflu\u00df auf die Antikernkraftbewegung 143 5.1 Entwicklung im Bundesgebiet 143 5.2 Entwicklung in Bayern 145 5.3 Ausblick 147 6. Nutzung moderner Kommunikationsmittel durch Linksextremisten 148 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse 151 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines 154 2. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 156 2.1 Ideologie und Organisation 156 2.2 Unterst\u00fctzer und Strategie 160 2.3 Aktivit\u00e4ten 163 2.4 Exekutivma\u00dfnahmen und Strafverfahren 165 3. T\u00fcrkische Gruppen 167 3.1 Linksextremisten 167","8 Inhaltsverzeichnis 3.1.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 167 3.1.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) 168 3.1.3 Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei (MLKP) 170 3.2 Extreme Nationalisten 171 3.3 Islamische Extremisten 172 3.3.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) 172 3.3.2 Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) 175 4. Algerische Gruppen 177 5. Iranische Gruppen 178 6. Volksbewegung von Kosovo (LPK) 181 7. Nutzung des Internets durch extremistische Ausl\u00e4nderorganisationen 182 7.1 Linksextremisten 182 7.2 Extreme Nationalisten 183 7.3 Islamische Extremisten 183 8. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse 184 4. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO 188 2. Scientology - eine verfassungsfeindliche Bestrebung ... 191 2.1 Aussteigerberichte 191 2.2 SO-Schriften und Aktivit\u00e4ten 192 2.2.1 Die Errichtung einer scientologischen Gesellschaft 192 2.2.2 Die Lenkung der Regierung durch Scientology 193 2.2.3 Die Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems.. 195 2.2.4 Abwehr von Kritik an Lehre und Praxis 196 3. Die Organisations-und Kommandostruktur der SO .... 198 3.1 Die Struktur der SO 198 3.2 Organisationen der SO in Deutschland 200 3.2.1 Scientology-Sektor 202 3.2.1.1 \"Scientology Kirchen\" 202","Inhaltsverzeichnis 9 3.2.1.2 \"Missionen\" der \"Scientology Kirche\" 203 3.2.1.3 Celebrity Centres der \"Scientology Kirche\" 203 3.2.2 WISE-Sektor 203 3.2.3 ABLE-Sektor 204 3.3 Die Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) 204 3.4 Office of Special Affairs (OSA) in Deutschland 205 4. Mitgliederstand der SO 205 5. Mitgliederwerbung der SO 205 6. Veranstaltungen in Bayern 206 7. Reaktionen der SO auf die Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden 207 8. Propaganda-Aktivit\u00e4ten von Scientology 207 8.1 Demonstration der SO in Frankfurt am Main am 21. Juli 208 8.2 Beschwerdeschreiben der SO an Justiz und Legislative 208 8.3 Demonstration der SO in Berlin am 27. Oktober 209 9. Vertrauliches Telefon 209 5. Abschnitt Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 1. Entwicklung im Bundesgebiet 211 1.1 Rechtsextremistische Gewalt 213 1.2 Linksextremistische Gewalt 216 1.3 Gewalt zwischen Links-und Rechtsextremisten 218 1.4 Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten und Strafverfahren 219 2. Politisch motivierte Gewalt in Bayern 225 2.1 Rechtsextremistische Gewalt 226 2.1.1 Brandanschl\u00e4ge 227 2.1.2 Sonstige Gewalttaten 228 2.2 Linksextremistische Gewalt 230 2.2.1 Brandanschl\u00e4ge 231 2.2.2 Sonstige Straftaten 231 2.3 Gewalt zwischen Links-und Rechtsextremisten 234","10 Inhaltsverzeichnis 2.4 Gewalttaten durch ausl\u00e4ndische Extremisten 236 2.4.1 T\u00f6tungsdelikte und Brandanschl\u00e4ge 236 2.4.2 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 237 2.4.2.1 Straftaten der PKK 237 2.4.2.2 Festnahmen und Strafverfahren 239 2.4.3 Sonstige Gewalttaten und Exekutivma\u00dfnahmen 239 3. Die Rote Armee Fraktion (RAF) und ihr ideologisch nahestehende Terrorgruppen 240 3.1 Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) 240 3.1.1 Entwicklung der RAF 240 3.1.2 Aufarbeitung der \"RAF-Geschichte\" unter dem Motto \"20 Jahre Deutscher Herbst\" 241 3.1.3 Mutma\u00dfliche Mitglieder der RAF stellen sich 242 3.1.4 Inhaftierte terroristische Gewaltt\u00e4ter 242 3.2 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) 243 3.2.1 Antiimperialistische Zelle (AIZ) 243 3.2.2 Internationale Zusammenh\u00e4nge im antiimperialistischen Widerstand 244 3.2.3 Solidarit\u00e4tsveranstaltungen zum \"Tag der politischen Gefangenen\" 247 3.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) und Frauengruppe Rote Zora 247 3.4 Ausblick 248 6. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage 250 2. Ru\u00dflands Spionageaktivit\u00e4ten 251 3. Proliferation und illegaler Technologietransfer durch Krisenund Schwellenl\u00e4nder 251 4. Aufkl\u00e4rung ausl\u00e4ndischer, zu ihrer Heimat in Opposition stehender Personen und Gruppen in Deutschland durch Nachrichtendienste totalit\u00e4rer Staaten 253 5. Entwicklung auf dem Balkan 254 6. Stetige Anpassung der angewandten Spionagemethoden 254 7. Ausblick 256","Inhaltsverzeichnis 11 7. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Aufgabe des Verfassungsschutzes 257 2. Besondere Eignung des Verfassungsschutzes 257 3. Erfolge der bisherigen Arbeit 261 4. Ausblick 261 Anhang Entwicklung der Mitgliederzahlen extremistischer Organisationen 262 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 263 Sachwortregister 271","12 Einf\u00fchrung Verfassungsschutz in Bayern Einf\u00fchrung Wehrhafte Die Bundesrepublik Deutschland ist nach ihrer Verfassung eine wertDemokratie gebundene, wachsame und wehrhafte Demokratie. Der Staat kann gegen Bestrebungen, die freiheitliche demokratische Grundordnung abzuschaffen, die in der Verfassung vorgesehenen Abwehrmittel einsetzen, sei es durch ein Parteioder Vereinsverbot, sei es durch die Aberkennung demokratischer Grundrechte. Dies setzt voraus, da\u00df er solche Bestrebungen oder Aktivit\u00e4ten, die als \"extremistisch\" oder als \"verfassungsfeindlich\" bezeichnet werden - diese Begriffe sind gleichbedeutend -, erkennen kann. Hier setzt die Aufgabe des Verfassungsschutzes ein. Er dient dem Schutz der freiheitlichen demokratischen Grundordnung sowie dem Schutz des Bestandes und der Sicherheit des Bundes oder eines Landes. Freiheitliche Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter demokratische der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu Grundordnung verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den grundlegenden Prinzipien dieser freiheitlichen demokratischen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens: - die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, - die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, - die Gewaltenteilung, - die Verantwortlichkeit der Regierung, - die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, - die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, - das Mehrparteienprinzip, - die Chancengleichheit f\u00fcr alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition.","Einf\u00fchrung 13 1. Gesetzliche Grundlagen Die Aufgaben und Befugnisse des Verfassungsschutzes sind gesetzRechtliche lieh genau festgelegt. Das Gesetz \u00fcber die Zusammenarbeit des BunGrundlagen des und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes und \u00fcber das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz beschreibt die von Bund und L\u00e4ndern auf dem Gebiet des Verfassungsschutzes gemeinsam zu erf\u00fcllenden Aufgaben. Es ist zugleich Rechtsgrundlage f\u00fcr die Arbeit des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz. Neben diesem Bundesgesetz bestehen in allen L\u00e4ndern eigene Verfassungsschutzgesetze. In Bayern regelt das im Anhang abgedruckte Bayerische Verfassungsschutzgesetz die Aufgaben und Befugnisse des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat und dem Bayerischen Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnet ist. F\u00fcr das Landesamt wurden im Haushaltsplan 1997 insgesamt 421 Stellen f\u00fcr Beamte, Angestellte und Arbeiter ausgewiesen; das Haushaltsvolumen 1997 betrug 38,1 Millionen DM. 2. Aufgaben des Verfassungsschutzes Nach dem Bayerischen Verfassungsschutzgesetz hat das Landesamt Beobachtungsf\u00fcr Verfassungsschutz im wesentlichen den Auftrag, auftrag - Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind, - sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr eine fremde Macht (Sabotage und Spionage), - Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden und - Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Kriminalit\u00e4t zu beobachten. Dar\u00fcber hinaus wirkt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz u.a. bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen mit. Rechtsgrundlage hierf\u00fcr ist seit dem 1. April 1997 das Bayerische Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Aktivit\u00e4ten von extremistischen Organisationen. Dabei m\u00fcssen zwangsl\u00e4ufig auch die handelnden Personen, die Mitglieder dieser Organisationen sind oder die","14 Einf\u00fchrung deren Aktivit\u00e4ten unterst\u00fctzen, erfa\u00dft werden. Aber auch die Beobachtung von Einzelpersonen ist zul\u00e4ssig. Der Verfassungsschutz beobachtet verfassungsfeindliche Bestrebungen im Inland. Er informiert die politisch Verantwortlichen und die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Ergebnisse der Beobachtung, vor allem \u00fcber m\u00f6gliche Gefahren. Er versetzt die zust\u00e4ndigen staatlichen Stellen des Bundes und der L\u00e4nder in die Lage, verfassungsfeindlichen Kr\u00e4ften rechtzeitig und angemessen zu begegnen. Die Erkenntnisse bilden die Grundlage f\u00fcr Exekutivma\u00dfnahmen wie beispielsweise Verbote von Vereinen, Verbotsantr\u00e4ge gegen Parteien, Verbote von Versammlungen, Verhinderung finanzieller oder sonstiger F\u00f6rderung, Verweigerung erforderlicher Erlaubnisse (z.B. f\u00fcr Sammlungen, Info-St\u00e4nde). Abgrenzung zu Im Gegensatz zum Verfassungsschutz beschafft der BundesnachrichBND und MAD tendienst (BND) Informationen \u00fcber das Ausland, die f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland au\u00dfenund sicherheitspolitisch von Interesse sind. Der Milit\u00e4rische Abschirmdienst (MAD) nimmt Verfassungsschutzaufgaben im Bereich der Bundeswehr wahr. 3. Informationsbeschaffung Zur Erf\u00fcllung seines gesetzlichen Auftrags ist der Verfassungsschutz verpflichtet, Informationen zu beschaffen, auszuwerten und zu speichern. Diese Nachrichten werden zum weit \u00fcberwiegenden Teil aus offenen Quellen gewonnen (z.B. aus Zeitungen, Zeitschriften, Flugbl\u00e4ttern, Programmen, Brosch\u00fcren und sonstigem Material extremistischer Organisationen sowie bei deren \u00f6ffentlichen Veranstaltungen). Nur etwa 20% der Informationen erh\u00e4lt der Verfassungsschutz durch Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel. Zu diesen Mitteln dienstliche Mittel geh\u00f6ren im wesentlichen: - der Einsatz von verdeckt arbeitenden V-Leuten (\"V\" steht f\u00fcr \"Vertrauen\") in extremistischen Organisationen, - das Beobachten verd\u00e4chtiger Personen (Observation) sowie - verdeckte Bildund Tonaufzeichnungen. Eingriffe in das Brief-, Postund Fernmeldegeheimnis (\u00d6ffnen von Briefen, Abh\u00f6ren von Telefongespr\u00e4chen) sind besonders strengen rechtsstaatlichen Anforderungen unterworfen. Sie sind in einem","Einf\u00fchrung 15 eigenen Gesetz geregelt, das nach dem Grundrecht des Brief-, PostBriefund und Fernmeldegeheimnisses \"Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz\" (G 10) Telefonkontrolle genannt wird. Ein Verfahren mit mehreren voneinander unabh\u00e4ngigen Kontrollinstanzen stellt sicher, da\u00df in dieses Grundrecht nur eingegriffen wird, wenn die im Gesetz genannten besonderen Gr\u00fcnde vorliegen. Rechtsstaatliche Sicherungen gelten auch f\u00fcr den Einsatz besonderer technischer Mittel im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes, also f\u00fcr den Einsatz von Abh\u00f6rger\u00e4ten oder versteckten Kameras in Wohnungen und B\u00fcros. Dem Verfassungsschutz stehen keine polizeilichen Befugnisse zu. Keine polizeiPolizeibeh\u00f6rden und Verfassungsschutz sind voneinander getrennt. lichen Befugnisse Deshalb d\u00fcrfen die Mitarbeiter des Verfassungsschutzes keinerlei Zwangsma\u00dfnahmen, wie z.B. Festnahmen, Durchsuchungen, Beschlagnahmen usw., durchf\u00fchren. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden d\u00fcrfen auch keiner polizeilichen Dienststelle angegliedert werden. Dies steht aber einer Zusammenarbeit und gegenseitigen Unterst\u00fctzung in Form der Amtshilfe nicht entgegen. Erscheint aufgrund der dem Verfassungsschutz vorliegenden Informationen ein sicherheitsrechtliches Eingreifen erforderlich, so wird die zust\u00e4ndige Sicherheitsbeh\u00f6rde unterrichtet. Diese entscheidet dann selbst\u00e4ndig, ob und welche Ma\u00dfnahmen zu treffen sind. 4. Kontrolle Die T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegt einer vielVielf\u00e4ltige f\u00e4ltigen Kontrolle. Dazu geh\u00f6rt die allgemeine parlamentarische Kontrollen Kontrolle, die durch die Berichtspflicht des verantwortlichen Ministers gegen\u00fcber dem Landtag im Rahmen von aktuellen Stunden, Anfragen von Abgeordneten, Petitionen usw. ausge\u00fcbt wird. Eine besondere Kommission des Bayerischen Landtags, die Parlamentarische Kontrollkommission, \u00fcberwacht die Arbeit des Verfassungsschutzes. Die G 10-Kommission \u00fcberpr\u00fcft die Ma\u00dfnahmen zur \u00dcberwachung des Postund Fernmeldeverkehrs. Die Verwaltungskontrolle obliegt dem Innenminister im Rahmen der Dienstund Fachaufsicht, ferner dem Landesbeauftragten f\u00fcr den Datenschutz und dem Bayerischen Obersten Rechnungshof. Diese Kontrollen werden erg\u00e4nzt durch eine m\u00f6gliche gerichtliche Nachpr\u00fcfung belastender Einzelma\u00dfnahmen sowie durch die \u00d6ffentlichkeit in Form von Presse, Funk und Fernsehen.","16 Einf\u00fchrung 5. \u00d6ffentlichkeitsarbeit des Verfassungsschutzes Aufkl\u00e4rungsDie freiheitliche demokratische Grundordnung kann dauerhaft nicht t\u00e4tigkeit ohne die geistig-politische Auseinandersetzung mit dem Extremismus gesichert werden. Die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes gew\u00e4hrleistet, da\u00df Regierung und Parlament, aber auch die B\u00fcrger \u00fcber Aktivit\u00e4ten und Absichten verfassungsfeindlicher Organisationen informiert werden. In Bayern werden die Aufgaben des \"Verfassungsschutzes durch Aufkl\u00e4rung\" vom Bayerischen Staatsministerium des Innern mit Unterst\u00fctzung des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz wahrgenommen. Im Rahmen der \u00d6ffentlichkeitsarbeit werden kostenlos der Verfassungsschutzbericht sowie weitere Informationsmaterialien zur Verf\u00fcgung gestellt. Vor dem Hintergrund der Zunahme \u00fcberwiegend politisch motivierter Gewalttaten gegen Ausl\u00e4nder und ihre Unterk\u00fcnfte beschlossen die Aufkl\u00e4rungsInnenminister des Bundes und der L\u00e4nder 1992 eine bundesweite kampagne Aufkl\u00e4rungskampagne gegen Extremismus und Fremdenfeindlich-","Einf\u00fchrung 17 keit. Ziel dieser im M\u00e4rz 1993 mit dem Logo \"FAIRST\u00c4NDNIS - Menschenw\u00fcrde achten - Gegen Fremdenha\u00df\" eingeleiteten und auch im Jahr 1997 fortgef\u00fchrten Kampagne ist die Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung \u00fcber den Extremismus und ..\"\"^\"\"g seine Gefahren, \u00fcber Fremdenfeindlichkeit, \u00fcber Rassismus und Antisemitismus als ' Elemente rechtsextremistischer Ideologie und Propaganda. Im Rahmen dieser Aufkl\u00e4rungskampagne wurden in Bayern im Jahr 1997 u.a. 11.000 CD-ROM-Computerspiele \"Im Netzwerk gefangen - DUNKLE SCHATTEN 2\" kostenlos abgegeben. Das Bayerische Staatsministerium des Innern stellte zur Aufkl\u00e4rung \u00fcber extremistische Bestrebungen und \u00fcber die Arbeit des Verfassungsschutzes dar\u00fcber hinaus eigene Publikationen vor: Die Brosch\u00fcren der seit 1995 bestehenden Reihe \"DER VERFASSUNGSSCHUTZ &ll 1**deg? * * *Srmn j j j i i i l i DEMO\"\"TI\" * * PS Hfl REVISI NISMU","18 Einf\u00fchrung INFORMIERT\" mit den Themen \"Kurdischer Extremismus\", \"Islamischer Extremismus\" und \"Revisionismus\" wurden in unver\u00e4nderter dritter Auflage mit jeweils 5.500 Heften nachgedruckt. Erg\u00e4nzt wurde diese Reihe um die Publikation \"SCIENTOLOGY - eine verfassungsfeindliche Bestrebung\" mit einer Auflage von 23.500 Exemplaren. Von der erstmals 1995 vorgestellten Brosch\u00fcre \"Portrait eines Nachrichtendienstes\" wurden 1997 weitere 6.000 Exemplare kostenlos verteilt. Eine Faltblattreihe informiert in knapper und \u00fcbersichtlicher Form \u00fcber wesentliche Erscheinungsformen des Extremismus. Teil der \u00d6ffentlichkeitsarbeit ist auch dieser Verfassungsschutzbericht.","Rechtsextremismus 19 1. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Rechtsextremismus Der Rechtsextremismus weist keine gefestigte einheitliche Ideologie Ablehnung der auf, ganz im Gegensatz zum Linksextremismus, der mit dem MarxisGrundlagen der mus-Leninismus bis zum Zusammenbruch des kommunistischen Demokratie Machtblocks \u00fcber ein weitgehend geschlossenes ideologisches Weltbild verf\u00fcgte. Die Bestrebungen rechtsextremistischer Organisationen in Deutschland sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - statt dessen eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben, die mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nicht zu vereinbaren ist. Bestimmende Merkmale des organisierten Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen der \"VolksgemeinKollektivismus schaff zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen, die eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte bedeutet (v\u00f6lkischer Kollektivismus), - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender NatioNationalismus nalismus, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus Rassismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - immer wiederkehrende Versuche, die nationalsozialistische GewaltVerharmlosung herrschaft unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des des NS-Unrechts Dritten Reiches zu rechtfertigen, die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen das NS-Regime zu diffamieren und die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige VerunVerunglimpfung glimpfung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten, der Demokratie","20 Rechtsextremismus Ziel dieser Angriffe ist es, die eigene Organisation und ihre Repr\u00e4sentanten als die alleinigen Wahrer der Interessen von Staat und B\u00fcrgern darzustellen, was im Ergebnis auf die Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Rechts auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition hinausl\u00e4uft. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen Rechtsextremisten zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. 1.2 Entwicklung Die Entwicklung der Zahl rechtsextremistischer Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der folgenden \u00dcbersicht zu ersehen. Bei erkannten Mehrfachmitgliedschaften wurde die Person nur bei einer Organisation mitgez\u00e4hlt. Zahl und Mitgliederst\u00e4rke 1995 1996 1997 rechtsextremistischer OrganiAnzahl der Organisationen 23 26 25 sationen Mitgliederst\u00e4rken Die Republikaner (REP) 4.000 4.000 4.300 NPD mit JN und NHB 790 715 740 DVU* 2.000 1.800 1.800 Neonazistische Organisationen 65 85 130 Sonstige Organisationen 360 300 250 7.215 6.900 7.220 Neonazistische Einzelaktivisten 45 75 80 Rechtsextremistische Skinheads 325 360 600 Rechtsextremisten insgesamt 7.585 7.335 7.900 Die Zahlen umfassen die Mitglieder der Partei und des gleichnamigen Vereins.","Rechtsextremismus 21 Wie bisher stellte die Partei \"Die Republikaner\" (REP) in Bayern mehr als die H\u00e4lfte des gesamten rechtsextremistischen Potentials. Ihre Mitgliederzahl hat sich gegen\u00fcber dem Vorjahr erh\u00f6ht. Insgesamt ist nahezu durchg\u00e4ngig ein Mitgliederzuwachs bei den rechtsextremistischen Organisationen und Parteien zu verzeichnen. W\u00e4hrend in fr\u00fcheren Jahren das Thema \"\u00dcberfremdung\" und die ideologische rassistisch motivierte Hetze gegen Ausl\u00e4nder und Asylanten dominieNeuorientierung rende Bestandteile rechtsextremistischer Propaganda waren, greifen Rechtsextremisten seit 1996 zunehmend sozialund wirtschaftspolitische Fragen auf. Diese Neuorientierung bedeutet zwar nicht den v\u00f6lligen Verzicht auf bekannte Argumentationsmuster wie Nationalismus und NS-Apologie, aber eine neue Gewichtung. Durch Verkn\u00fcpfung sozialer Problemfelder mit rechtsextremistischen Theorieelementen hoffen Rechtsextremisten, aus der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, der hohen Arbeitslosigkeit und den Sorgen der Bev\u00f6lkerung um die Sicherheit der Renten Kapital schlagen zu k\u00f6nnen und in der allgemeinen politischen Auseinandersetzung akzeptiert zu werden. So rufen sie zum Widerstand gegen die \"kapitalistische Ausbeutungspolitik\" und die \"Zerst\u00f6rung des Sozialstaates\" auf. Dabei sehen sie vor dem Hintergrund einer von ihnen erwarteten Zunahme sozialer Spannungen eine Chance, sich als politische Alternative zu pr\u00e4sentieren.","22 Rechtsextremismus Teilnahme an Bei den B\u00fcrgerschaftswahlen in Hamburg am 21. September verhinWahlen derte nur die Zerstrittenheit der kandidierenden rechtsextremistischen Parteien einen m\u00f6glichen Erfolg des Rechtsextremismus. Die REP mu\u00dften mit nur 1,9 % der Stimmen (1993: 2,9 %) eine Wahlniederlage hinnehmen. Dagegen profitierte die Deutsche Volksunion (DVU) von den Verlusten der REP und erzielte vor allem aufgrund ihres hohen finanziellen Aufwands ein \u00fcberraschend gutes Ergebnis mit 4,9 % (1993: 2,8 %). F\u00fcr die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) stimmten lediglich 0,1 % der W\u00e4hler. Unver\u00e4ndertes In den \u00f6ffentlichen Verlautbarungen der REP werden Aussagen mit extremistisches eindeutig extremistischer Zielsetzung seltener. Die REP-BundesPotential f\u00fchrung lehnt offiziell eine Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten ab. Dennoch kam es zur Teilnahme einzelner Funktion\u00e4re an \"Runden Tischen\" rechtsextremistischer Gruppierungen. Nach wie vor gibt es innerhalb der REP ein rechtsextremistisches Potential, dessen Hauptakteure auf allen Parteiebenen Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Ziele und Positionen finden. Auffallend versch\u00e4rft haben sich die Aussagen der NPD. Das Engagement von Neonazis bei ihrer Jugendorganisation ist weiter gestiegen. Erfolglose BundDas rechtsextremistische Lager ist nach wie vor zersplittert. Versuche nisbem\u00fchungen einer B\u00fcndelung der \"rechten\" Kr\u00e4fte blieben ohne nennenswerten Erfolg, zumal der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey nach wie vor kein ernstzunehmendes Interesse an einer rechtsextremistischen Allianz hat. Au\u00dferdem sind durch den offiziellen Abgrenzungskurs der REP die Chancen f\u00fcr eine Einigung des rechtsextremistischen Spektrums erheblich gesunken. Neonazismus Die Anzahl der neonazistischen Aktivisten ist gestiegen. Die festgestellte h\u00f6here Personenzahl beruht aber auch auf einer verbesserten Erkenntnislage. Die organisierten Aktivit\u00e4ten sind weiter r\u00fcckl\u00e4ufig; eine Ausnahme bildet lediglich der \"Freiheitliche Volks Block\" (FVB). Bisher ist es dem neonazistischen Spektrum in Bayern nicht gelungen, durch Bildung strukturloser Zusammenschl\u00fcsse auf regionaler Ebene (\"Kameradschaften\") neue schlagkr\u00e4ftige Organisationsformen zu finden. Die \"Kameradschaften\" leiden unter Inaktivit\u00e4t. nformationelle Fortlaufende Verbesserungen in der Informationstechnik mit immer /ernetzung h\u00f6heren \u00dcbertragungsgeschwindigkeiten zu relativ niedrigen Kosten haben die informelle Vernetzung auch im rechtsextremistischen Bereich erheblich gef\u00f6rdert. Info-Telefone, Mailboxverbundsysteme und das Internet als die wichtigsten modernen Kommunikations-","Rechtsextremismus 23 Systeme erlauben es, schnell und ohne gr\u00f6\u00dferen technischen Aufwand weltweit Informationen auszutauschen. In der rechtsextremistischen Szene werden militante Verhaltensweisen weiterhin diskutiert. Es gibt aber nach wie vor keine Hinweise auf terroristische Strukturen; insbesondere fehlt ein entsprechendes Sympathisantenumfeld. Die Zahl der rechtsextremistisch motivierten, insbesondere der fremZunahme der denfeindlichen Gewalttaten war ansteigend. Obwohl der RechtsGewalttaten extremismus f\u00fcr unseren Staat derzeit keine akute Bedrohung bedeutet, gef\u00e4hrdet er oftmals die \u00f6ffentliche Ordnung und das internationale Ansehen Deutschlands. Er ist Brutst\u00e4tte menschenverachtender Gewalt und N\u00e4hrboden f\u00fcr Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und nationalistische Exzesse. Rechtsextremistisch motivierte Gewalt gef\u00e4hrdet zwar nicht die Verfassungsordnung; sie stellt aber unver\u00e4ndert eine Herausforderung f\u00fcr die Innere Sicherheit dar. 2. Die Republikaner (REP) 2.1 ideologisch-politischer Standort In \u00c4u\u00dferungen aus der Partei ist ein \u00fcbersteigerter Nationalismus, Nationalismus verbunden mit Feindschaft gegen fremde Staaten und Minderheiten zu erkennen. Fremdenfeindliche Tendenzen kamen z.B. in der Rede des stellvertretenden Bundesvorsitzenden und Landesvorsitzenden von Baden-W\u00fcrttemberg Christian K\u00e4s auf dem \"Republikanertag 1997\" am 3. Oktober in Stuttgart deutlich zum Ausdruck: \"Heute stellt sich die Frage, ob es den Umvolkern schon gelungen ist, all das Deutsche zu zerst\u00f6ren, in das das Fremde zu integrieren w\u00e4re. (...) Wir Fremdenschulden unserem Volk Arbeit, den Ausl\u00e4ndern aber schulden wir nichts! feindlichkeit (...) Trachten sind nur fein, wenn es t\u00fcrkische sind und die sind fast so sch\u00f6n wie die der Neger, die man gestern im Amt gesehen hat, als Beamte selbstverst\u00e4ndlich. (...) Ausl\u00e4nder, die angeblich am deutschen Wohlstand mitgearbeitet haben, wo waren sie denn, als es Deutschland dreckig ging? (...) Sie wollen einfach nur sch\u00f6n leben. Daf\u00fcr haben wir Verst\u00e4ndnis, aber nicht bei uns und nicht auf unsere Kosten. Wir sagen: die Zeit ist abgelaufen. Sie m\u00fcssen raus!\" Der REP-Funktion\u00e4r Dr. Rudolf Krause wandte sich auf dem JahDiffamierung reskongre\u00df der Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) in demokratischer Gera/Th\u00fcringen in seiner Rede zum Thema \"Wir wollten die Freiheit Institutionen und keine andere Diktatur\" gegen den angeblich weiter steigenden","24 Rechtsextremismus staatlichen \"Terror gegen die Forschungs-, Informationsund Meinungsfreiheit und die Aush\u00f6hlung des Rechtsstaats in der BRD Helmut Kohls\": \"Die heutige Kohl-Administration mu\u00df ihre politische Rechtsbeugung mit den Zust\u00e4nden im Stalinismus und im real existierenden preu\u00dfischen Nationalsozialismus Erich Honeckers vergleichen lassen und ist in manchem ersterer wesensverwandter als der schon ausgeleierten Diktatur der letzten DDR-Jahre.\" Im Parteiorgan (Der Republikaner 11/1997, Seite 3) hie\u00df es: \" Wir wollen keine Altparteiendiktatur. Wir stellen vielmehr eines an den Pranger, n\u00e4mlich den Mi\u00dfbrauch der Demokratie durch die Altparteien.\" Diese Diffamierung demokratisch legitimierter Institutionen und Personen sowie der Vergleich der Bundesregierung mit dem System der ehemaligen DDR offenbaren eine Tendenz zur Ablehnung des Mehrparteienprinzips und des Grundsatzes der Chancengleichheit der Parteien. R\u00fcckgang Der Parteivorsitzende und der Landesverband Bayern waren weiterextremistischer hin darauf bedacht, keine Angriffsfl\u00e4chen zu bieten und die REP \u00c4u\u00dferungen i gegen\u00fcber potentiellen Interessenten und Sympathisanten als demokratische Partei darzustellen. *\u00c4^H2 i e zerst\u00f6re ich e.\" Land? 100/g00^ Sie bem\u00fchten sich um den Ausschlu\u00df extremistischer Str\u00f6mungen. Dieser Kurs war nur zum Teil erfolgreich. Auch 1997 kam es an der Basis zur Zusammenarbeit mit Vertretern anderer rechtsextremistischer Organisationen. Insbesondere nach der Niederlage der REP bei der Hamburger B\u00fcrgerschaftswahl wurden in der Partei wieder Forderungen nach \"rechten\" B\u00fcndnissen erhoben, was den Parteivorsitzenden Dr. Rolf Schlierer zu einer vorsichtigen Kurskorrektur veranla\u00dfte. Offensichtlich ist der interne Druck f\u00fcr ein Ende des Abgrenzungskurses gewachsen. Dr. Schlierers Stellung innerhalb der REP ist nicht mehr unangefochten. Allerdings fehlt der innerparteilichen Opposition eine F\u00fchrungsalternative. 2.2 Verst\u00f6\u00dfe gegen den offiziellen Abgrenzungskurs Nach wie vor kann der Bundesvorsitzende seinen Abgrenzungskurs nicht in allen Teilen der Partei durchsetzen. Er hat zwar die Mehrheit","Rechtsextremismus 25 der Mitglieder hinter sich und ist weiterhin bem\u00fcht, Bef\u00fcrworter Interne Gegner einer \"Vereinigten Rechten\" zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Es gibt aber nach wie des Parteivorsitvor ein rechtsextremistisches Potential, dessen Hauptakteure - wie zenden z.B. Dr. Rudolf Krause und der mittlerweile aus der Partei ausgeschiedene bayerische REP-Funktion\u00e4r Otmar Wallner - weiterhin auf allen Parteiebenen Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre Ziele und Positionen fanden. Dies wurde u.a. beim Parteitag des Landesverbands Sachsen-Anhalt deutlich, wo sich Dr. Schlierers Gegner erneut durchsetzten und den ehemaligen Parteivorsitzenden Franz Sch\u00f6nhuber - einen Vordenker der \"Vereinigten Rechten\" - zum Ehrenmitglied ernannten. Diese Entscheidung best\u00e4tigte die b\u00fcndnispolitische Orientierung des Landesverbands. Trotz der von Dr. Schlierer offiziell vertretenen Abgrenzungspolitik sind auf allen Ebenen der Partei Verbindungen zu anderen RechtsKontakte zu extremisten feststellbar. So nahm der REP-Kreisvorsitzende des Wartanderen Rechtsburgkreises in Th\u00fcringen im April an einer Gespr\u00e4chsrunde des extremisten \"Eisenacher Signals\" (Runder Tisch der Nationalen) teil. Nach seinem Ausschlu\u00df wechselten viele Mitglieder aus Solidarit\u00e4t zur NPD. In Baden-W\u00fcrttemberg initiierte ein \u00f6rtlicher REP-Funktion\u00e4r am 3. Mai in Rottweil eine Veranstaltung mit dem \"Franz Sch\u00f6nhuber Freundeskreis\", dem er auch als Sprecherrat vorsteht. Der Vorsitzende des REP-Bundesschiedsgerichts Hartmut Koch, der Kritiker des Absich zunehmend als Kritiker des Parteivorsitzenden Dr. Schlierer grenzungskurses exponierte, erkl\u00e4rte in einer \"Betrachtung zur Lage\" vom 8. Juni, im Schiedsgericht die \"v\u00f6llig verfehlte Extremismusabgrenzung\" habe die Partei weithin gel\u00e4hmt und gespalten. Erforderlich sei eine \"umfassende Auss\u00f6hnung zwischen den internen Fronten und mit den ausgeschiedenen oder ausgeschlossenen Parteifreunden\". Er schlug vor, alle bisherigen Abgrenzungsbeschl\u00fcsse aufzuheben, erforderlichenfalls durch eine Mitgliederabstimmung, um durch dieses \"Signal f\u00fcr Einheit und Vers\u00f6hnung\" die Partei allen \"national gesinnten Deutschen\" wieder zu \u00f6ffnen. Koch gab den Vorsitz im Bundesschiedsgericht im August an seinen Stellvertreter ab. Danach wurde er aus der Partei ausgeschlossen, weil er eine Zusammenarbeit mit NPD und DVU bef\u00fcrwortet habe. Mitte September \u00e4u\u00dferte Dr. Schlierer als Gast der extrem nationalistischen franz\u00f6sischen Front National (FN) und des belgischen Vlaams Bl\u00f6k (VB) im Europ\u00e4ischen Parlament in Stra\u00dfburg \u00fcberraschend die Absicht, im Falle eines Erfolgs der REP bei der Europawahl 1999 eine","26 Rechtsextremismus Geplantes Fraktionsgemeinschaft mit FN und VB eingehen zu wollen. Er bekr\u00e4fB\u00fcndnis mit tigte diese Haltung auf dem Bundesparteitag am 18. Oktober. Diese ausl\u00e4ndischen Absicht verst\u00f6\u00dft eindeutig gegen die Intention - wenn auch nicht gegen den Wortlaut - der innerparteilichen Abgrenzungsbeschl\u00fcsse Rech tsextremisten und belegt die Zugeh\u00f6rigkeit der REP zum rechtsextremistischen Spektrum. Noch im Juni hatte Dr. Schlierer in einem Rundschreiben Bem\u00fchungen kritisiert, die FN im Hinblick auf eine \"nationale Allianz\" als leuchtendes Beispiel zu pr\u00e4sentieren. Beitr\u00e4ge von Die Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" entREP-Funktion\u00e4renhielt in der November/Dezember-Ausgabe einen Beitrag des Vorsitin der NE zenden des \"Republikanischen Hochschulverbands\" (RHV) Eike Erdel. Der Verfasser polemisierte darin gegen die Ausstellung \"Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 - 1944\". In derselben Ausgabe versuchte der stellvertretende Bundesvorsitzende Christian K\u00e4s in einem Interview, die b\u00fcndnispolitischen Positionen der REP einem breiteren rechtsextremistischen Spektrum zu erl\u00e4utern. Bemerkenswert ist, da\u00df sich hier offizielle Vertreter der REP entgegen den Abgrenzungsbeschl\u00fcssen der Partei in einem der wichtigsten rechtsextremistischen Theorieorgane \u00e4u\u00dferten. 2.3 Organisation Bundespartei Mitgliederzahl und Finanzsituation der Partei haben sich stabilisiert. Die Partei z\u00e4hlte Ende 1997 bundesweit rund 1 5.500 (1996: 1 5.000) Mitglieder in 16 Landesverb\u00e4nden. Die Schwerpunkte liegen in S\u00fcddeutschland und in Nordrhein-Westfalen. Bundesvorsitzender ist seit Dezember 1994 Dr. Rolf Schlierer. Seine Stellvertreter sind Bernd Bernhard, Ursula Winkelsett, Christian K\u00e4s, Johann G\u00e4rtner und Hans Hirzel. Landesverband Der Landesverband Bayern gliedert sich weiterhin in acht BezirksverBayern b\u00e4nde, die in rund 85 Kreisund etwa 290 Ortsverb\u00e4nde mit insgesamt rund 4.300 (1996: 4.000) Mitgliedern unterteilt sind. Der Landesvorsitzende Johann G\u00e4rtner ist ein enger Vertrauter Dr. Schlierers. Auch die Funktion\u00e4re auf Bezirksebene sind in Bayern durchwegs dem gem\u00e4\u00dfigten Fl\u00fcgel der Partei zuzurechnen. Austritt Wallners Der stellvertretende bayerische Landesvorsitzende Otmar Wallner erkl\u00e4rte Ende August seinen Parteiaustritt, obwohl er erst im M\u00e4rz 1997 zum Vorsitzenden des Bezirksverbands Niederbayern gew\u00e4hlt worden war. Damit verlor der rechtsextremistische Fl\u00fcgel der Partei in","Rechtsextremismus 27 Bayern seinen exponiertesten Vertreter. Weitere Gegner der Abgrenzungsbeschl\u00fcsse folgten Wallners Beispiel. Das rechtsextremistische Potential im Bereich des Landesverbands Bayern hat sich dadurch reduziert. 2.4 Teilnahme an Wahlen Bei der B\u00fcrgerschaftswahl am 21. September in Hamburg erreichte B\u00fcrgerschafts\u00f6le Partei nur einen Stimmenanteil von 1,9 % (1993: 4,8 %). In einer w\u00e4hl in Hamburg Pressemitteilung bezeichnete der Bundesvorsitzende das Wahlergebnis als herbe Niederlage. Man habe das Wahlziel deutlich verfehlt. Der Partei h\u00e4tten insbesondere die notwendigen finanziellen Mittel gefehlt, um die Protestw\u00e4hler zu mobilisieren. Im Hinblick auf die Landtagswahl 1998 in Niedersachsen k\u00fcndigte Dr. Schlierer eine schonungslose Analyse der Wahlkampff\u00fchrung an. Notwendige Konsequenz sei eine akzentuiertere Au\u00dfendarstellung der Partei, die sich auf den Feldern Innere Sicherheit und Ausl\u00e4nderpolitik nicht beiseite schieben lasse: Man brauche keine Einwanderungs-, sondern R\u00fcckf\u00fchrungsquoten; statt eines Einwanderungsgesetzes oder einer doppelten Staatsb\u00fcrgerschaft m\u00fcsse der Ausl\u00e4nderanteil in Deutschland deutlich gesenkt werden. Eine \"irgendwie geartete Zusammenarbeit mit rechten Phantomparteien wie der DVU\" schlo\u00df er auch in Zukunft aus. Eine solche Kooperation w\u00fcrde nicht zur Addition der Stimmenanteile f\u00fchren. Vor allem aber w\u00e4re die Umsetzung etwaiger Wahlerfolge solcher Allianzen unm\u00f6glich. 2.5 Aktivit\u00e4ten in Bayern Der REP-Landesverband Bayern hielt am 1. M\u00e4rz in Lauben, Landkreis Landesparteitag Oberallg\u00e4u, seinen Parteitag ab. Bei den Neuwahlen best\u00e4tigten die Delegierten den Landesvorsitzenden Johann G\u00e4rtner in seiner Funktion. Sein unterlegener Gegenkandidat Otmar Wallner, ein bekannter Vertreter rechtsextremistischer Positionen und exponierter Kritiker des Bundesvorsitzenden, wurde anschlie\u00dfend von rund 38 % der Delegierten zu einem der vier stellvertretenden Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Das Bundesschiedsgericht hatte zuvor das gegen Wallner eingeleitete Parteiausschlu\u00dfverfahren wegen eines Formfehlers gestoppt.","28 Rechtsextremismus Auf dem Parteitag des REP-Bezirksverbands Niederbayern am 23. M\u00e4rz in Deggendorf-Fischerdorf konnte sich Wallner bei der Wahl des Bezirksvorsitzenden mit 29 von 57 Stimmen gegen seinen Mitbewerber durchsetzen. Wallners Wahlergebnisse zeigen, da\u00df rechtsextremistisches Gedankengut in Teilen der Partei breite Unterst\u00fctzung findet. Am 18. Oktober hielten die REP in Dietmannsried, Landkreis Oberallg\u00e4u, Bundesparteitag ihren Bundesparteitag ab. Vor rund 400 Delegierten sprachen als G\u00e4ste u.a. der mit gro\u00dfem Beifall empfangene Europa-Abgeordnete der extrem nationalistischen Front National (FN) Yvan Blot und der Politologe Alfred Mechtersheimer. Blot \u00fcberbrachte die Gr\u00fc\u00dfe des FN-Vorsitzenden Jean-Marie Le Pen. Er beschwor eine deutsch-franz\u00f6sische Zusammenarbeit, zumal die Probleme der \"nationalen Rechten\" in Deutschland wie in Frankreich identisch seien. Mechtersheimer rief in seinem Gru\u00dfwort zur Bewahrung der nationalen Identit\u00e4t durch die REP auf: Nicht ein Zusammenschlu\u00df, sondern die Konzentration der W\u00e4hler auf die aussichtsreichste Partei sei das Gebot der Stunde. Der Bundesvorsitzende Dr. Schlierer erteilte in seiner Grundsatzrede einer Zusammenarbeit mit der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und der Deutschen Volksunion (DVU) erneut eine klare Absage. Dagegen werde - so Schlierer - Mechtersheimers \"Deutschland-Bewegung\" weiterhin mit allen Kr\u00e4ften unterst\u00fctzt; auch sei beabsichtigt, die Zusammenarbeit mit der FN k\u00fcnftig auszubauen. F\u00fcr Unruhe sorgte die Anwesenheit des ehemaligen Vorsitzenden des Bundesschiedsgerichts Hartmut Koch, gegen den die Partei zuvor wegen seines Eintretens f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit anderen Rechtsextremisten Ordnungsma\u00dfnahmen verh\u00e4ngt hatte. Als er mit Hilfe der Polizei des Saales verwiesen wurde, stie\u00df dies bei einem Teil der Delegierten, insbesondere aus den neuen Bundesl\u00e4ndern, auf scharfe Kritik. Der Schatzmeister des REP-Landesverbands Sachsen-Anhalt Dr. Rudolf Krause lehnte deswegen eine Nominierung zur Wahl als Tagungspr\u00e4sident ab und sprach von \"stalinistischen\" Methoden. Kampagne Im Rahmen einer Kampagne gegen die europ\u00e4ische Einigung warb gegen die euroder REP-Landesverband Bayern im Herbst 1997 verst\u00e4rkt f\u00fcr ein p\u00e4ische Einigung Volksbegehren gegen die \"Einf\u00fchrung der Europ\u00e4ischen Einheitsw\u00e4hrung Euro\". Hierzu verteilte die Partei in der \u00d6ffentlichkeit Flugbl\u00e4tter, Brosch\u00fcren und Informationsschriften. Verst\u00e4rkt fanden auch Kundgebungen und Informationsst\u00e4nde zu diesem Thema statt, das f\u00fcr die REP \"h\u00f6chste Priorit\u00e4t\" besitzt. Die Partei sah in ihrer Initiative zudem ein geeignetes Mittel der Wahlwerbung. Die Sammlung der","Rechtsextremismus 29 dem Zulassungsantrag beizuf\u00fcgenden Unterschriften stellte damit f\u00fcr die REP in Bayern zugleich den Auftakt des Landtagswahlkampfs 1998 dar. Bisher liegen keine Hinweise vor, da\u00df die REP mit ihrer Aktion nennenswerte Resonanz gefunden h\u00e4tten. 2.6 Verwaltungsgerichtsverfahren Die Partei hat - wie berichtet - in der Vergangenheit mehrmals erfolglos versucht, gegen ihre Bewertung als rechtsextremistisch auf dem Rechtsweg vorzugehen. Die letzten von den REP in Bayern angestrengten Eilverfahren, die sich gegen die Bewertung der Partei im Verfassungsschutzbericht wandten, wurden im Herbst 1997 endg\u00fcltig abgewiesen. Die Verfahren in der Hauptsache hat die Partei bisher nicht weiterbetrieben. 3. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die NPD versucht, eine F\u00fchrungsrolle im rechtsextremistischen Lager zu erlangen. Das auf einem au\u00dferordentlichen Bundesparteitag am 7./8. Dezember 1996 bei Bremen verabschiedete neue Parteiprogramm l\u00e4\u00dft keine Abkehr von extremistischen Positionen erkennen. Nach wie vor lehnt die NPD wesentliche Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung ab und erstrebt einen Staat mit einer V\u00f6lkischer von v\u00f6lkisch-kollektivistischen Strukturen bestimmten \"VolksgemeinKollektivismus schaff: \"Volksherrschaft setzt die Volksgemeinschaft voraus. (...) Der Staat hat dabei \u00fcber den Egoismen einzelner Gruppen zu stehen und die Gesamtverantwortung wahrzunehmen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 3) \"Nicht das Volk dient der Wirtschaft, vielmehr mu\u00df die Wirtschaft dem Volke dienen.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 4) \"Aus sozialer Gerechtigkeit w\u00e4chst die nationale Volksgemeinschaft. Sozialpolitik ... mu\u00df die Geborgenheit des Einzelnen in der Gemeinschaft sichern. (...) Wir... setzen uns ... f\u00fcr eine neue Gemeinschaftsordnung ein, die in nationaler Solidarit\u00e4t vorhandene Gruppenegoismen \u00fcberwindet und zu sozialer Sicherheit und Gerechtigkeit f\u00fchrt.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 7)","30 Rechtsextremismus Im Parteiorgan (Deutsche Stimme Ausgabe 6/97, Seite 7) propagierte die NPD \"das Einl\u00e4uten einer neuen geschichtlichen Epoche, die dann jedoch unter v\u00f6lkischem Primat stehen wird\". Die Partei kn\u00fcpft damit an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Der von ihr vertretene v\u00f6lkische Kollektivismus ordnet die Interessen und Rechte des Individuums generell denen des Staats und der \"Volksgemeinschaft\" unter. Diese Betrachtungsweise l\u00e4uft dem Rang der in Art. 1 des Grundgesetzes normierten Menschenw\u00fcrde, insbesondere dem daraus resultierenden Vorrang des rz^\\ einzelnen vor dem Staat, zuwider. Die Absicht, ^^m^^\"^\"\"\"\"\"\"\"deg'\"\"(tm)\"'rdeg\"'OTQ*|||ji|)0'i Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft ** * T L T I D C W ^ ^ rL^\"'\"\"\"8 ---* d u r c h die Unterordnung des einzelnen unter ; ':T^^^ ^ \" ^ ^ P ^ * ^ * * 1 8 nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen l^SjWB\"^^^^^ aufzuheben, steht au\u00dferdem im Gegensatz zur Verbindlichkeit der Grundrechte gegen\u00fcber der staatlichen Gewalt. Rassismus und Ferner lassen Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische Nationalismus und nationalistische Zielsetzungen und Denkweisen erkennen. Die NPD versucht, ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Ablehnung alles Andersartigen unter Berufung auf die \"Vielfalt des Lebens und seiner Erscheinungen\" zu rechtfertigen. Ihre \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt sie nur unvollkommen unter dem Deckmantel eines rechtsintellektuellen Ethnopluralismus. Sie propagiert die \"Grunds\u00e4tze des lebensrichtigen Menschenbildes\" (Deutsche Stimme Ausgabe 11/97, Seite 12) und pr\u00e4sentiert sich dabei als Gegnerin des \"Dogmas der angeblichen Gleichheit aller Menschen\". Diese Grundeinstellung l\u00e4uft auf eine mit Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes unvereinbare Rassendiskriminierung hinaus. Dementsprechend behandelt die Partei das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der \"\u00dcberfremdung\". \"Im Zusammenspiel von Gro\u00dfkapital, Regierung und Gewerkschaften wurden Millionen von Ausl\u00e4ndern wie Sklaven der Neuzeit nach Deutschland geholt. Diese Politik wird durch eine menschenund v\u00f6lkerverachtende Integration fortgesetzt. (...) Ein grundlegender politischer Wandel mu\u00df die menschenfeindliche Integrationspolitik beenden sowie die deutsche Volkssubstanz erhalten.\" (Parteiprogramm, Abschnitt 8) Agitation gegen Nationalistische Bestrebungen kamen in Forderungen wie \"Deutdie EU sches Geld f\u00fcr deutsche Aufgaben!\" und \"Arbeitspl\u00e4tze zuerst f\u00fcr","Rechtsextremismus 31 Deutsche!\", insbesondere aber in der Agitation gegen die europ\u00e4ische Einigung zum Ausdruck: \"Die Euro-Diktatur zielt geradewegs auf die \"Vernichtung der deutschen W\u00e4hrungsvorherrschaft\". (...) Maastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne vorausgegangenen Krieg!\" (Deutsche Stimme Ausgabe 3/97, Seite 6) \" Die etablierten Politiker in Bonn spielen russisches Roulette mit dem ersparten Verm\u00f6gen der B\u00fcrger. (...) Wirtschaftlich wird Deutschland durch die EU vernichtet. (...) Maastricht ist ein Versailles mit anderen Mitteln ... und der Untergang des heutigen Systems. (...) Der Nationalismus wird der letzte Ausweg f\u00fcr viele sein. Die, die durch Maastricht Deutschland vernichten wollten, werden dann einer neu geschaffenen Volksgemeinschaft gegen\u00fcberstehen.\" (Deutsche Stimme Ausgabe 5/97, Seiten 2 und 6) \"Die Deutschen m\u00fcssen arbeiten und zahlen, damit andere auf unsere Kosten leben k\u00f6nnen. Das darf nicht sein!\" (Deutsche Stimme Ausgabe 9/97, Seite 13) Das demokratische Verfassungsleben nach 1945 wird als Ergebnis NS-Apologie einer verf\u00e4lschten Geschichtsschreibung und einer \"Umerziehung\" zum Schlechten herabgesetzt. \"Wir wehren uns gegen die moralische Selbstvernichtung unserer Nation durch die einseitige Schuldzuweisung zu Lasten Deutschlands, die Aufwertung des Landesverrats und die Verherrlichung alliierter Kriegsverbrecher. \" (Parteiprogramm, Abschnitt 6) Nach Ansicht der NPD l\u00e4\u00dft sich das \"1945 aufgezwungene Besatzungsdiktat der westalliierten Siegerm\u00e4chte\" nur \"\u00fcber die Knochen der herrschenden imperialistischen Systeme und deren Eliten\" \u00fcberwinden (Deutsche Stimme Ausgabe 5/97, Seite 7). Zu den Hauptangriffszielen der Partei geh\u00f6ren nach wie vor die Diffamierung demokratischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland und demokratischer ihre Repr\u00e4sentanten. Dabei tritt an die Stelle konstruktiver Kritik an Institutionen einzelnen Mi\u00dfst\u00e4nden eine bewu\u00dft entstellende und \u00fcberspitzt verallgemeinernde Form der Darstellung. So diffamierte die NPD die \"Lizenzparteien\" als \"Kollaborateure der Siegerm\u00e4chte\" (Deutsche Stimme Ausgabe 6/97, Seite 10) und behauptete, die \"etablierten Versagerparteien\" betrieben immer intensiver die \"\u00dcberfremdung Deutschlands\" (Deutsche Stimme Ausgabe 9/97, Seiten 2 und 6).","32 Rechtsextremismus Jeder Tag, an dem das gegenw\u00e4rtige System weiterexistiert, mindert die Chancen erheblich, da\u00df das deutsche Volk es noch \u00fcberleben wird!\" (Deutsche Stimme Ausgabe 6/97, Seite 7) \"F\u00fcr die Abgeordneten der Systemparteiengilt: Sparen hei\u00dft, sich die Taschen f\u00fcllen.\" (Deutsche Stimme Ausgabe 10/97, Seite 2) Ferner bezeichnete die NPD die Bundesregierung als \"Bonner Machtkartell\" und warf ihr gravierende Grundrechtsverst\u00f6\u00dfe im Zusammenhang mit einer politischen \"S\u00e4uberungswelle\" bei der Bundeswehr vor. Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt. \u00d6ffnung gegenDie schwindende Abgrenzung gegen\u00fcber Neonazis zeigt sich nicht \u00fcber Neonazis nur in der Tolerierung der Kontakte von Mitgliedern der Jungen Nationaldemokraten (JN) zum neonazistischen Spektrum, sondern auch in der Aufnahme von Neonazis aus verbotenen Vereinigungen, die immer mehr in F\u00fchrungspositionen dr\u00e4ngen. Diese Entwicklung wird von den Vorsitzenden der NPD und JN geduldet bzw. sogar unterst\u00fctzt. Nach Ansicht der NPD darf es bei der Massenmobilisierung keine Tabus geben. Mobilisierbar seien nicht \"vern\u00fcnftige B\u00fcrger\", sondern in erster Linie junge Menschen, die um ihre berufliche Zukunft und ihr nationales Selbstwertgef\u00fchl betrogen w\u00fcrden, wie z.B. Skinheads. Mit diesem Kurs verfolgt der Parteivorsitzende offensichtlich eine Doppelstrategie: Einerseits will er mit der NPD traditionelle rechtsextremistische Positionen besetzen, deren Vertreter deutliche Vorbehalte gegen neonazistische Bestrebungen haben, andererseits \u00fcber die JN als der \"Speerspitze der Partei\" Einflu\u00df auf das neonazistische Spektrum nehmen. Die Parteif\u00fchrung war bisher bestrebt, ehemals f\u00fchrenden Exponenten verbotener Gruppierungen den Eintritt zu erschweren, um das Erscheinungsbild der NPD nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig zu beeintr\u00e4chtigen. Mit der Wahl von Jens P\u00fchse, eines ehemaligen Anh\u00e4ngers der verbotenen Nationalistischen Front (NF), zum Vorsitzenden des NPD-Kreisverbands Freising unterstrich sie ihre zunehmende \u00d6ffnung gegen\u00fcber Neonazis. 3.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD gliedert sich","Rechtsextremismus 33 derzeit in 15 Landesverb\u00e4nde, die wiederum in Bezirksund Kreisverb\u00e4nde unterteilt sind. Die Partei z\u00e4hlte Ende 1997 bundesweit rund 4.300 (1996: 3.500) Mitglieder. Ursachen dieses vor allem in den neuen L\u00e4ndern zu verzeichnenden Aufw\u00e4rtstrends sind zum einen Aufw\u00e4rtstrend die zunehmende \u00d6ffnung gegen\u00fcber dem Lager der Neonazis und Skinheads, zum anderen der intensivierte Gebrauch populistischer Agitationstechniken. Dies zeigt sich vor allem im Aufgreifen sozialund wirtschaftspolitischer Probleme (Sozialabbau, Euro-Debatte) und der Abkehr von Vergangenheitsbezogenen Themen (z.B. Revisionismus). Parteivorsitzender ist seit M\u00e4rz 1996 der Diplom-Politologe Udo Voigt Bundespartei aus Moosburg a.d. Isar. Seine Stellvertreter sind der Landesvorsitzende von Nordrhein-Westfalen Udo Holtmann und der bisherige Beisitzer im Bundesvorstand J\u00fcrgen Sch\u00f6n aus Sachsen. Der bisherige stellvertretende Parteivorsitzende G\u00fcnter Deckert aus Weinheim wurde auf einer Sitzung des Parteivorstands am 17. August wegen fortw\u00e4hrender und schwerwiegender Verletzung der Treuepflicht gegen\u00fcber der Partei mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Ihm wurden finanzielle Manipulationen und Veruntreuungen vorgeworfen. Au\u00dferdem betrachtete die NPD-F\u00fchrung die Ver\u00f6ffentlichung von Parteiinternas in der Publikation \"Deckert-Stimme\" sowie Deckerts st\u00e4ndige Hetze gegen Vorstandsmitglieder als parteisch\u00e4digend. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen z\u00e4hlt rund 680 Landesverband (1996: 650) Mitglieder (ohne JN und NHB). Er gliedert sich in sieben Bayern Bezirksund rund 50 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Nach einer Erhebung der Bundesgesch\u00e4ftsstelle sind 23,8 % der Mitgliederstruktur Mitglieder zwischen 1964 und 1970 der Partei beigetreten, 7,4 % zwischen 1971 und 1980, 29,6 % zwischen 1981 und 1990 sowie 13,8 % zwischen 1991 und 1995. 25,4 % der Mitglieder haben sich seit Anfang 1996 der NPD angeschlossen. Mit einer Initiative \"Aktion 1.000 - hinein in die NPD\" hoffte die ParMitgliedertel, im Laufe des Jahres rund 1.000 neue Mitglieder zu gewinnen. Werbung Nach eigenen Angaben konnte sie seit Anfang 1997 einen Zuwachs von 1.305 Mitgliedern verzeichnen. Die Zahl der Austritte ist dabei nicht ber\u00fccksichtigt. Der st\u00e4rkste Anstieg war in Sachsen festzustellen. In Bayern gab es nur eine geringe Zunahme. Das Parteiorgan \"Deutsche Stimme\" erscheint seit einigen Monaten mit deutlich ver\u00e4ndertem Layout. Es berichtet \u00fcber unterschiedliche","34 Rechtsextremismus rechtextremistische Str\u00f6mungen und versucht so, dem strategischen Anspruch der Partei, eine neue nationale Sammlung zu initiieren, gerecht zu werden. Die Auflage betrug zuletzt ca. 40.000 Exemplare. 3.3 Teilnahme an Wahlen B\u00fcrgerschaftsBei der B\u00fcrgerschaftswahl am 2 1 . September in Hamburg erreichte die w\u00e4hl in Hamburg NPD lediglich einen Stimmenanteil von 0 , 1 % ; 1993 hatte sie nicht kandidiert. Die NPD blieb damit als Wahlpartei bedeutungslos. Insbesondere gelang es ihr nicht, ein nach dem Parteiengesetz f\u00fcr den Anspruch auf staatliche Mittel notwendiges Ergebnis zu erzielen. Im Vorfeld der B\u00fcrgerschaftswahl hatte sie den REP und der DVU vergeblich ein Wahlb\u00fcndnis angeboten. Das desolate Wahlergebnis bedeutet f\u00fcr die NPD nicht nur im Hinblick auf kommende Wahlen, sondern auch f\u00fcr die weitere Entwicklung der Partei insgesamt einen schweren R\u00fcckschlag. Nicht zuletzt d\u00fcrfte auch die Doppelstrategie des Bundesvorsitzenden zu einer Verunsicherung potentieller W\u00e4hler gef\u00fchrt haben. Gesellschaftlich ist die Partei ohnehin zu sehr als extremistisch stigmatisiert, um sich als \"rechte Alternative\" etablieren zu k\u00f6nnen. 1998 will sich die NPD sowohl an der Bundestagswahl als auch an der Landtagswahl in Bayern beteiligen. Als Spitzenkandidaten der Landeswahlliste f\u00fcr die Bundestagswahl wurden der bayerische Landesvorsitzende Udo Voigt sowie seine beiden Stellvertreter Franz Salzberger und Klaus Beier nominiert. 3.4 Sonstige Aktivit\u00e4ten WehrmachtsUnter dem Motto \"Unsere Gro\u00dfv\u00e4ter waren keine Verbrecher\" verdemonstration anstaltete die NPD am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen eine Protestkundgebung in M\u00fcnchen gegen die umstrittene Ausstellung \"Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944\". Schon Wochen zuvor hatten die Partei und ihre Jugendorganisation u.a. im Internet f\u00fcr diese \"Demonstration des nationalen Widerstands\" geworben und nach eigenen Angaben etwa 50.000 Flugbl\u00e4tter verteilt. Auch in nationalen Info-Telefonen und im Thule-Netz wurde zur Teilnahme aufgerufen. Neonazistische Gruppen hatten ebenfalls f\u00fcr den 1. M\u00e4rz mobilisiert, darunter Skinheads und \"Kameradschaften\" aus mehreren Bundesl\u00e4ndern. Hingegen hatten die REP und die DVU eine Beteiligung abgelehnt. An dem Aufzug beteiligten sich rund 4.300 Personen. Damit war die Kundgebung die gr\u00f6\u00dfte von der NPD organisierte Demon-","Rechtsextremismus 35 stration seit dem Jahre 1970. Die Teilnehmerzahl \u00fcbertraf selbst die eigenen optimistischen Erwartungen erheblich. Etwa 2.000 Personen aus dem linksextremistischen Lager versuchten, den Aufmarsch des rechtsextremistischen Spektrums zu stoppen. Um beide Lager voneinander getrennt zu halten, wurden der Weg des Aufzugs und die Schlu\u00dfkundgebung verlegt, da Gegendemonstranten den Marienplatz besetzt hatten. Die Polizei trennte die Kontrahenten durch einen Korridor und verhinderte eine m\u00f6gliche Gewalteskalation. Die Rechtsextremisten verhielten sich trotz der Angriffe und St\u00f6rungen von Gegendemonstranten weitgehend friedlich. Insgesamt nahm die Polizei 76 Personen vorl\u00e4ufig fest, davon 43 Rechtsextremisten u.a. wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, und 33 dem linksextremistischen Lager zuzurechnende Personen wegen Landfriedensbruchs, Widerstands, Sachbesch\u00e4digung und Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz. F\u00fcnf Polizeibeamte erlitten leichte Verletzungen. Die rechtsextremistische Szene, insbesondere die NPD und ihre Jugendorganisation, wertete die weitgehend friedlich verlaufene Demonstration als vollen Erfolg. In einer Pressemitteilung bezeichnete die NPD die Kundgebung als \"die gr\u00f6\u00dfte nationale Demonstration\", die es in Deutschland seit 20 Jahren gegeben habe. Der 1. M\u00e4rz sei somit \"der Startschu\u00df f\u00fcr eine bundesweite NPD-Demonstrationsoffensive, die in Zukunft zehntausende Teilnehmer auf die Stra\u00dfen bringen\" werde. Die Nationaldemokraten lie\u00dfen es nicht zu, da\u00df die Deutschen als ein Volk von Verbrechern diffamiert w\u00fcrden. Mehr als 50 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg beginne sich das \"anst\u00e4ndige Deutschland\" zu wehren. NPD und JN ist es damit gelungen, ein weit \u00fcber ihre Anh\u00e4ngerschaft hinausgehendes breites rechtsextremistisches Spektrum bis hin zu Neonazis und Skinheads zu mobilisieren. Eine Teilnehmerzahl von rund 4.300 konnten sie in den vergangenen Jahren auch nicht ann\u00e4hernd erreichen. Erstmals lie\u00df sich auch das Skinheadpotential in gr\u00f6\u00dferer Breite f\u00fcr eine politische Aktion gewinnen. Auffallend waren die relativ hohe Disziplin der Skinheads, ihr Verzicht auf Alkohol und ihre Unterordnung unter die Leitung der JN. Die von NPD und JN bereits im Vorfeld ausgesprochenen internen Auflagen (absolutes Alkoholverbot, Verbot des Mitf\u00fchrens von Waffen, der Reichskriegsflagge sowie von Uniformen) wurden im allgemeinen befolgt. Zwar entsprach der Verlauf der Kundgebung nicht der urspr\u00fcnglichen Planung; auch f\u00fcr eine vorgesehene Saalveranstaltung wurde kein","36 Rechtsextremismus geeigneter Raum gefunden. Insgesamt haben NPD und JN jedoch - auch durch die ausf\u00fchrliche Berichterstattung in den Medien und die bis in den parlamentarischen Raum hineingehende Reaktion auf die Veranstaltung - im rechtsextremistischen Lager an Ansehen gewonnen und einen stimulierenden Motivationsschub erfahren. Mit hohem Aufwand warb die NPD auch f\u00fcr eine Kundgebung des Versammlungs\"nationalen Widerstandes\", die unter dem Motto \"Arbeitspl\u00e4tze verbot in Leipzig zuerst f\u00fcr Deutsche\" am 1. Mai in Leipzig stattfinden sollte. Nach eigenen Angaben versandte die Partei rund 70.000 Einladungen und organisierte etwa 40 Busfahrten. Neben NPD und JN mobilisierten auch militante Neonazis und Skinheads f\u00fcr die Veranstaltung. Aus Sicht der NPD lie\u00df die enorme Resonanz der rechtsextremistischen Szene eine Wiederholung des \"Erfolgs von M\u00fcnchen\" erhoffen. Nach einer gerichtlich best\u00e4tigten Verbotsverf\u00fcgung der Versammlungsbeh\u00f6rde gelang es dem rechtsextremistischen Lager jedoch nicht mehr, das f\u00fcr die Kundgebung in Leipzig auf mehrere tausend Personen gesch\u00e4tzte Potential an einem anderen Ort zu einer vergleichbaren Gro\u00dfdemonstration zusammenzuf\u00fchren. Ein Teil der anreisenden Demonstranten - vorwiegend Neonazis und JN-Anh\u00e4nger - hielt dezentrale Spontankundgebungen ab, so in Burgdorf/Niedersachsen, Grimma/Sachsen und Hannoversch M\u00fcnden/Niedersachsen. Ein massiver Polizeieinsatz verhinderte eine in Aschaffenburg geplante Ersatzveranstaltung, zu der sich etwa 120 Personen eingefunden hatten. Eine am 8. November vor der SPD-Zentrale in M\u00fcnchen geplante VersammlungsDemonstration der NPD/JN wurde von der Landeshauptstadt M\u00fcnverbot in enen verboten. Nachdem eingelegte Rechtsbehelfe erfolglos blieben, M\u00fcnchen verzichtete die NPD auf die Durchf\u00fchrung der Kundgebung, um sich als \"verfassungstreu\" darstellen zu k\u00f6nnen. Dazu erkl\u00e4rte der Partei-' Vorsitzende in einer Pressemitteilung: \"Recht haben und Recht bekommen ist immer eine Frage der Macht. Noch nie hat man mit Verboten den Erfolg einer politischen Bewegung verhindern, allenfalls f\u00fcr eine bestimmte Zeit von eigenen Problemen ablenken k\u00f6nnen.\" Ein Teil der NPD-Anh\u00e4nger trat die Fahrt nach M\u00fcnchen nicht an, andere kehrten um. Offenbar wollte es die Parteif\u00fchrung vermeiden, ihre Anh\u00e4nger \"staatlicher Repression\" auszusetzen.","Rechtsextremismus 37 3.5 Strafverfahren Das Landgericht Mannheim verh\u00e4ngte gegen den stellvertretenden NPD-Vorsitzenden G\u00fcnter Deckert am 11. April u.a. wegen Volksverhetzung eine inzwischen rechtskr\u00e4ftige Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten. Einbezogen wurde ein Urteil des Landgerichts Stuttgart vom 26. November 1996, das Deckert wegen eines gleichen Delikts zu sieben Monaten Freiheitsstrafe mit Bew\u00e4hrung verurteilt hatte. Daraufhin hob das Oberlandesgericht Karlsruhe eine Entscheidung des Landgerichts Karlsruhe auf, das eine 1995 gegen Deckert verh\u00e4ngte zweij\u00e4hrige Freiheitsstrafe nach Verb\u00fc\u00dfung von zwei Dritteln zur Bew\u00e4hrung ausgesetzt hatte. 3.6 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN als Jugendorganisation der NPD bekennen sich in Ideologie Zunehmende und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sehen sich als neonazistische organisatorisches Zentrum verschiedener revolution\u00e4r-nationalistiAusrichtung scher Str\u00f6mungen des \"nationalen Widerstandes\" an und verstehen sich auch als Scharnier zwischen NPD, anderen rechtsextremistischen Organisationen und Neonazis. Nach wie vor unterhalten die JN Kontakte zur neonazistischen Szene mit dem Ziel einer engen Zusammenarbeit. Sie versuchen, dort Interessenten zu werben und auch \"politikf\u00e4hige\" ehemalige Angeh\u00f6rige verbotener Organisationen f\u00fcr die JN zu gewinnen. Der Beitritt solcher Personen und ihr Aufstieg in F\u00fchrungspositionen verst\u00e4rkte die neonazistische Ausrichtung der JN und machte deutlich, da\u00df die JN dem Erstarken neonazistischer Kr\u00e4fte in den eigenen Reihen keinen ernsthaften Widerstand entgegensetzen. Offenbar bestehen auch keine Ber\u00fchrungs\u00e4ngste gegen\u00fcber Skinheads. Diese Entwicklung wird von den Vorsitzenden der NPD und JN geduldet bzw. sogar unterst\u00fctzt. Seit dem Scheitern der am 1. Mai in Leipzig geplanten Gro\u00dfkundgebung gab es keine l\u00e4ngerfristige Zusammenarbeit zwischen den JN und f\u00fchrenden Aktivisten der Neonaziszene mehr. Die Weigerung der JN, sich offiziell an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Aktivit\u00e4ten zum 10. Todestag von Rudolf He\u00df zu beteiligen, hat vor\u00fcbergehend zu einer Abk\u00fchlung der Beziehungen zu den neonazistischen \"Kameradschaften\" gef\u00fchrt. Aus Sicht der JN-F\u00fchrung war die He\u00df-Thematik zu sehr vergangenheitsbezogen. Der Bundesvorstand will sich auf zugkr\u00e4ftigere, dem B\u00fcrger eher vermittelbare Themen (z.B. \"Euro\") konzentrieren.","38 Rechtsextremismus Zeitweise war die JN-F\u00fchrung bem\u00fcht, den zunehmenden neonazistischen Einflu\u00df auf die Organisation zu begrenzen. Symptomatisch hierf\u00fcr war der Austritt des Chefredakteurs der JN-Zeitschrift \"Einheit und Kampf\" (EuK) Markus Privenau aus der JN. Der Bundesvorstand hatte ihm vorgeworfen, sich nicht an die \"JN-Linie\" gehalten zu haben, da eine EuK-Ausgabe eine Reihe neonazistischer Beitr\u00e4ge und ein Portrait von Rudolf He\u00df enthielt. Diese Auseinandersetzung belegt den Wankelmut der JN in strategisch-taktischen Fragen. Bundesweiter Obwohl die JN derzeit der gr\u00f6\u00dfte und aktivste Zusammenschlu\u00df j\u00fcnAufw\u00e4rtstrend gerer Rechtsextremisten sind, konnten sie die angestrebte Meinungsf\u00fchrerschaft im \"Nationalen Widerstand\" nur teilweise erringen. Die geplante Umwandlung in eine Kaderorganisation ist bisher nicht gelungen. Ende 1997 z\u00e4hlten die JN bundesweit rund 400* (1996: 200) Mitglieder, davon etwa 60 (1996: 55) in Bayern. Der Landesverband Bayern gliedert sich nach wie vor in die beiden \"Regionalen Arbeitsgruppen\" (RAG) Franken und M\u00fcnchen/Oberbayern mit jeweils vier \u00f6rtlichen St\u00fctzpunkten. Bemerkenswert ist der im bundesweiten Vergleich deutlich h\u00f6here Anteil von rund 40 % Skinheads und Neonazis, der insbesondere auf einen Zulauf aus dem im Vorjahr verbotenen Verein \"Skinheads Allg\u00e4u\" zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Bei der Neuwahl des JN-Landesvorstands am 9. M\u00e4rz in Augsburg wurde Sascha Ro\u00dfm\u00fcller, ein ehemaliger Funktion\u00e4r des verbotenen neonazistischen \"Nationalen Blocks\" (NB), zum Landesvorsitzenden gew\u00e4hlt. Der bisherige Vorsitzende Rainer Hatz hatte nicht mehr kandidiert. Die beiden stellvertretenden Landesvorsitzenden J\u00fcrgen Distler und Klaus Beier wurden in ihren \u00c4mtern best\u00e4tigt. Nach dem Kongre\u00df versammelten sich 16 JN-Anh\u00e4nger auf dem Rathausplatz in Augsburg. Sie zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Jugend f\u00fcr Deutschland - Junge Nationaldemokraten\". Die Polizei l\u00f6ste das Treffen auf, stellte das Transparent sicher und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein. Bundeskongre\u00df Am 10. Mai fand in Roding bei Cham der JN-Bundeskongre\u00df mit Neuwahlen des Bundesvorstandes statt. An der Veranstaltung, zu der auch der NPD-Vorsitzende Udo Voigt und der Vorsitzende der neonazistischen Gruppierung \"Die Nationalen e.V.\" Frank Schwerdt * Mitgliedsanw\u00e4rter sind hier 1997 erstmals mit eingerechnet, da die JN intern zwischen Mitgliedern und Mitgliedsanw\u00e4rtern nicht unterscheiden.","Rechtsextremismus 39 erschienen waren, nahmen \u00fcber 100 Personen teil. Der JN-Bundesvorsitzende Holger Apfel wurde wiedergew\u00e4hlt. Zu den Beisitzern im Bundesvorstand geh\u00f6ren der Landesbeauftragte f\u00fcr Sachsen-Anhalt Steffen Hupka und der JN-Bundesorganisationsleiter Jens P\u00fchse, zwei ehemalige Mitglieder verbotener neonazistischer Organisationen. Mit dem bisherigen stellvertretenden Bundesvorsitzenden Andreas Storr und dem ehemaligen Landesvorsitzenden von Hamburg Jan Zobel wurden zwei bekannte Bef\u00fcrworter des \"progressiven Nationalismus\" nicht mehr in den JN-Bundesvorstand berufen. Nachfolger von Storr wurde der bayerische Landesvorsitzende Sascha Ro\u00dfm\u00fcller. Die Wahl Ro\u00dfm\u00fcllers zum stellvertretenden JN-Bundesvorsitzenden und das Herausdr\u00e4ngen der \"progressiven Nationalisten\" aus den JN verdeutlichen die neonazistische Ausrichtung der NPD-Jugendorganisation. Die \"progressiven Nationalisten\" bef\u00fcrworten eine Abkehr von klassischen rechtsextremistischen Agitationsfeldern; statt dessen soll mittels volksnaher, zukunftsorientierter Themen der wirkliche Gegner, das \"System\", bek\u00e4mpft werden. Unter dem Motto \"Zerschlagt die EU-Diktatur des internationalen 4. Europ\u00e4ischer Gro\u00dfkapitals\" hielten die JN am 18. Oktober ihren kurzfristig von Kongre\u00df der Hessen nach F\u00fcrth im Wald verlegten \"4. Europ\u00e4ischen Kongre\u00df der Jugend Jugend\" ab. Damit wollten sie \"in Zeiten harter Repression und Verfolgung der nationalen Gesinnung\" ein Zeichen \"gelebter europ\u00e4ischer Solidarit\u00e4t\" setzen. Tagungsleiter war das JN-Bundesvorstandsmitglied Jens P\u00fchse. Unter den \u00fcber 400 Teilnehmern befanden sich auch G\u00e4ste aus D\u00e4nemark, Frankreich, Griechenland, der Schweiz, Spanien, S\u00fcdafrika und den USA. In einem Gru\u00dfwort rief der NPD-Bundesvorsitzende Udo Voigt dazu auf, sich den \"Totengr\u00e4bern der europ\u00e4ischen Nationen\" mutig entgegenzustellen. Als Redner trat u.a. der ehemalige stellvertretende REP-Landesvorsitzende Otmar Wallner auf. Auf den offiziellen Teil folgte ein Kameradschaftsabend, den die rechtsextremistischen Liedermacher J\u00f6rg H\u00e4hnel und Frank Rennicke mitgestalteten. Zum musikalischen Abschlu\u00df spielte die Skinheadband \"Zensur\". Der Kongre\u00df kann von den JN vor allem schon wegen der hohen Teilnehmerzahl als Erfolg gewertet werden. Insbesondere war gegen\u00fcber dem Vorjahr ein deutlich st\u00e4rkeres Zusammenr\u00fccken der \"europ\u00e4ischen Rechten\" feststellbar.' Bemerkenswert ist auch die organisatorische Leistung der JN, die Teilnehmer kurzfristig zu einem","40 Rechtsextremismus neuen Veranstaltungsort umzudirigieren. Die hohe Zahl von Vertretern ausl\u00e4ndischer rechtsextremistischer Parteien und Organisationen unterstreicht signifikant, welche Bedeutung die JN den Verbindungen vor allem ins europ\u00e4ische Ausland beimessen. Offenbar ist es den JN innerhalb der vergangenen Jahre gelungen, ihre Auslandsverbindungen zu intensivieren. 4 Deutsche Volksunion (DVU) 4.1 Ideologisch-politischer Standort Das Parteiprogramm aus dem Jahr 1993 l\u00e4\u00dft das Bestreben erkennen, problematische Aussagen zu vermeiden oder zumindest zu entsch\u00e4rfen, um die verfassungsfeindliche Zielsetzung der Partei besser zu tarnen. Die DVU warnt vor einer angeblich von Politikern geplanten Aufl\u00f6sung Deutschlands in einen \"Vielv\u00f6lkerstaat\" und tritt mit Parolen wie \"Bewahrung der deutschen Identit\u00e4t\" und \"Gleichberechtigung f\u00fcr Deutschland\" daf\u00fcr ein, den Ausl\u00e4nderanteil zu begrenzen, den \"zunehmenden Ausl\u00e4nderzustrom\" in das Bundesgebiet zu stoppen und die \"Zuweisung von Kollektivschuld oder Kollektivverantwortung\" an die Deutschen einzustellen. Sie bekennt sich zwar zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung, reduziert jedoch die f\u00fcr alle geltenden Menschenrechte zu B\u00fcrgerrechten , die nur Deutschen zustehen. Die am Programm nicht ohne weiteres erkennbare rechtsextremistiExtremistische sehe Grundhaltung der Partei wird vor allem an den ihr zurechenbaren Grundhaltung \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender Funktion\u00e4re sowie am Inhalt ihrer publizisti- , sehen Sprachrohre deutlich, die im Verlag des , __--r-ii iF^ftiiJr'il8Cton91 Bundesvorsitzenden Dr. Gerhard Frey erscheinen. *^r^l^Bl\u00dfmHiW^^^^^aBiai l Qj ese greifen regelm\u00e4\u00dfig aktuelle Probleme auf, n e Kz-L\u00fcge ge9 deg * J ^ r ^ l H l f f i f u r die sie ihre langj\u00e4hrig entwickelten Feind- * * l 3 a l ' i O l l 3 l ^ ' ^ ^ - = = ' r = \" \" \" ' L \" i bilder wie etwa die \"unversch\u00e4mten\" Polen, die H \" l l ' \" y ^ \">\"' . \".-annoch? u \" A A A- i II \"\"\"4 \\ N \\ P V 1 6 \\ 6 M ! S \u00d6 B P ^ ^ ^ ' \"erpresserischen Juden oder die \"kriminellen l^g3Q9\"&B---r-_\"\"<> Ausl\u00e4nder verantwortlich machen. Dabei r ^ y U Darf M ; S ; ? a s s e n ^ssen,-' bedient sich die Partei einer taktischen e \"Ja - aber\"Methodik, die darauf angelegt ist, brisante Aussagen sofort wieder zu relativieren in der Hoffnung, die extremistische \"deg l '\"t\"f5\u00e4 , ' GO '\" a98n Botschaft bleibe beim Adressaten dennoch ^igbuBeikfJSg^^ haften","Rechtsextremismus 41 Wie im Vorjahr konzentrierte sich die DVU verst\u00e4rkt auf Kritik an der NS-Apologie \"extrem einseitigen Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\". Dabei versuchte die Partei, die deutsche Schuld an der massenhaften Ermordung der europ\u00e4ischen Juden zu relativieren, um damit den Nationalsozialismus zu rehabilitieren. Als Ankn\u00fcpfungspunkte dienten aktuelle Ereignisse, z.B. der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: \"Unfa\u00dfbar ist die auch an diesem 27. Januar wieder offenbar gewordene Gier etablierter bundesdeutscher Medien und Politiker, dem deutschen Volk zus\u00e4tzliche Tonnengewichte an Kollektivschuld, -Verantwortung, -haftung usw. aufzuladen.\" (DNZ vom 31. Januar) \"Eine seit Kriegsende sich von Jahr zu Jahr steigernde antideutsche .Vergangenheitsbew\u00e4ltigung' sowie eine Flut von Mahnmalen in der ganzen Bundesrepublik, die einseitig nur deutsche Schuld beschw\u00f6ren, haben offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt.\" (DWZvom 21. M\u00e4rz) \"Die wissenschaftliche Forschung wird enorm durch das auf Kohls Initiative weiter versch\u00e4rfte politische Gesinnungsstrafrecht erschwert. Zwar ist zu Lasten Deutschlands jedwede L\u00fcge, Erfindung und F\u00e4lschung erlaubt. Wer aber Zweifel am Ausma\u00df der NS-Untaten vorbringt, mu\u00df mit Haft bis zu f\u00fcnf Jahren rechnen.\" (DNZ vom 28. M\u00e4rz) \"Gesch\u00fctzt sind Minderheiten, haupts\u00e4chlich also die Judenheit, nicht aber das Mehrheitsvolk in Deutschland. Gegen die deutsche Seite sind L\u00fcgen und F\u00e4lschungen jeder Art und in jedem Ausma\u00df zul\u00e4ssig und straffrei.\" (DNZ/DWZ vom 27. Juni) \"Je l\u00e4nger der Zweite Weltkrieg zur\u00fcckliegt, desto heftiger werden die Anklagen gegen Deutschland, unterst\u00fctzt oder vorgetragen von ma\u00dfgeblichen deutschen Politikern, ... Wird dieser Nationalmasochismus, wie ihn kein anderes Volk dieser Erde jemals kannte oder kennt, nie ein Ende nehmen?\" (DNZ/DWZ vom 16. Mai) Diese st\u00e4ndige Relativierung dient nicht der historischen Wahrheitsfindung, sondern ergibt in der Gesamtschau eine systematische Verharmlosung der menschenverachtenden Politik des NS-Unrechtsstaats.","42 Rechtsextremismus -PS.*\"\\ Zur Bekr\u00e4ftigung ihrer Warnungen vor der Ausl\u00e4nderT^iiPj^UfH \\ kriminalit\u00e4t berief sich die DVU in der DWZ vom 25. April auf einen SPD-Reichstagsabgeordneten j\u00fcdischer Abstammung, der 1927 erkl\u00e4rt habe, auch seine Fraktion habe \"kein Interesse daran, ausl\u00e4ndisches Gesindel in Deutschland zu dulden\". Im Lande gebe es bereits \"genug einheimisches Ungeziefer, das man sehr gut entbehren\" k\u00f6nne - um so weniger bestehe Anla\u00df, \"den Zuzug und Aufenthalt ausl\u00e4ndischer gemeingef\u00e4hrlicher Elemente zu unterst\u00fctzen\". Die rassistisch unterlegte Agitation der DVU erweckt den Eindruck, ausl\u00e4ndische Zuwanderer seien - mit Ausnahme der Ausund \u00dcbersiedler - durchwegs Asylbetr\u00fcger, Kriminelle und Schmarotzer: \"Von in diesem Jahr erheblich \u00fcber 100.000 Asylbewerbern werden nach den Entscheidungen von Beh\u00f6rden und Gerichten etwa 5 Prozent als tats\u00e4chlich politisch oder anderweit Verfolgte anerkannt. Bei den \u00fcbrigen ann\u00e4hernd 100.000 Personen handelt es sich um Scheinasylanten, also Asylbetr\u00fcger, von denen ein gro\u00dfer Teil zur Vort\u00e4uschung einer anderen Identit\u00e4t und nicht vorhandener Verfolgung P\u00e4sse und sonstige Personalunterlagen vernichtet hat.\" (DNZ/DWZ vom 22. August) \"Dar\u00fcber hinaus registrieren wir eine nie dagewesene \u00dcberfremdung und eine Explosion der Kriminalit\u00e4t, allen voran der Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t.\" (DWZ vom 19. September) Die Warnung vor einer \"Entdeutschung des deutschen Volkes\" und die pauschale Abwertung fremdl\u00e4ndischer Personen als Kriminelle zeugen von einer diskriminierenden, rassistisch motivierten fremdenfeindlichen Haltung, die mit Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes unvereinbar ist. Nationalismus Kennzeichnend f\u00fcr die nationalistische Einstellung der DVU ist ihre Ablehnung supranationaler Institutionen. Seit vielen Jahren agitiert die DVU gegen die europ\u00e4ische Einigung. Anfang 1997 wurde diese Kampagne insbesondere gegen den Euro intensiviert. \"Wenn jemand ... seine Familie vollst\u00e4ndig zu ruinieren droht, kann er entm\u00fcndigt werden. Bundeskanzler Kohl aber darf munter weiterregieren, obgleich sein Euro-Wahn gleich das gesamte deutsche Volk an den Bettelstab bringt.\" (DWZ vom 27. Juni)","Rechtsextremismus 43 \"In der irrwitzigsten W\u00e4hrungsreform der Weltgeschichte will Kohl die stabile Deutsche Mark ... gegen einen zwangsl\u00e4ufig wachsweichen Euro ungeachtet immer st\u00e4rkerer Widerst\u00e4nde auswechseln.\" (DNZ vom 27. Juni) \"Die Wahnsinns-Politik wird quasi gekr\u00f6nt durch eine ,Europa'-Politik, die auf die Abschaffung der D-Mark und letztlich gar auf die Aufl\u00f6sung der Bundesrepublik in der EU hinausl\u00e4uft.\" (DWZvom 19. September) \"Deutschland soll sich politisch entmannen sowie wirtschaftlich und finanziell ruinieren, damit seine Nachbarn ihre diffusen \u00c4ngste verlieren!\" (DWZ vom 30. Mai) Die zunehmend subtiler gewordene Agitationsmethodik der DVU Latenter vermeidet offenen Antisemitismus. Gleichwohl sind ihre Aussagen zu Antisemitismus den Themen \"Juden\" und \"Israel\" vielfach tendenzi\u00f6s: \"Israels Premier... hat den Friedensproze\u00df gegen\u00fcber den Pal\u00e4stinensern durch schwerwiegende Serien von V\u00f6lkerrechtsund Vertragsbr\u00fcchen und immer neue Provokationen zusammenbrechen lassen.\" (DNZ vom 11. April) \"Der Frankfurter Anwalt und Stadtverordnete Michel Friedman (41) aber wird von den bundesdeutschen Massenmedien derart hofiert und bejubelt, da\u00df man glauben k\u00f6nnte, er sei der unumschr\u00e4nkte Alleinherrscher von ganz Deutschland. (...) Das Mitglied des Pr\u00e4sidiums des Zentralrats der Juden in Deutschland beherrscht virtuos das Vokabular antideutscher Kollektivanklagen, nach dem ein Gro\u00dfteil der Meinungsindustrie geradezu lechzt und von dem sie lebt.\" (DWZ vom 11. Juli) \"In unvergleichlicher Arroganz geriert sich Friedman als Morallehrer der Deutschen.\" (DWZ vom 21. M\u00e4rz) St\u00e4ndige diffamierende \u00c4u\u00dferungen \u00fcber demokratische Parteien und Diffamierung deren Repr\u00e4sentanten lassen das vom Mehrparteienprinzip und dem demokratischer Prinzip der Chancengleichheit der Parteien geforderte Mindestma\u00df an Institutionen Toleranz gegen\u00fcber politischen Konkurrenten vermissen. Hierbei geht es der DVU nicht um eine durch Art. 5 des Grundgesetzes gedeckte politische Auseinandersetzung. Vielmehr werden die demokratischen Parteien durch Polemik auf vielf\u00e4ltige Weise ver\u00e4chtlich gemacht. Dadurch soll das Vertrauen in die Wertordnung des Grundgesetzes ersch\u00fcttert und insgesamt das Staatswertbewu\u00dftsein geschm\u00e4lert werden.","44 Rechtsextremismus Hinter solchen Diffamierungen steht die Absicht, auf diesem Weg die freiheitliche demokratische Grundordnung zu treffen. Diese soll als Ganzes fragw\u00fcrdig erscheinen, indem der Eindruck entstehen soll, die kritisierten \"Mi\u00dfst\u00e4nde\" h\u00e4tten letztlich ihre Ursache in der Grundordnung selbst. \"SPD-Lafontaine und Konsorten schlagen in dieselbe ,Euro'-Kerbe wie Kohl und Waigel. Das etablierte Polit-Ges\u00f6ff ir i Bonn: Inhalt derselbe,nur die Flaschen \u00e4ndern sich.\" (DNZ vom 2. Mai) \"Dreistigkeit im etablierten Polit-Kartell kennt keine Grenzen. Je mehr Normalb\u00fcrger infolge herrschender Politik in Arbeitslosigkeit und soziale Not st\u00fcrzen, desto weicher betten sich auf Kosten der Allgemeinheit politisch Verantwortliche.\" (DWZ vom 25. Juli) \"Kohls Polit-Rezepte zeichnen sich aus durch Korruption, Selbstbereicherung, Di\u00e4tenwahn, eine geradezu t\u00f6dliche Sparpolitik und Entfremdung der, Volksvertreter' vom B\u00fcrgerwillen.\" (DWZ vom 19. September) \"In dem Wahn, als Einiger Europas in die Geschichte einzugehen, strebt Kohl neben der Aufgabe der deutschen W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t gar die Aufl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland in einem europ\u00e4ischen Vielv\u00f6lkerstaat an.\" (DWZ vom 24. Oktober) Nach wie vor ist die Partei bestrebt, das Ausma\u00df rechtsextremistisch Relativierung motivierter Militanz zu relativieren. Dabei kn\u00fcpft sie vielfach an rechtsextremistiStraftaten mit rechtsextremistischem Anfangsverdacht an, der sich scher Gewalt nachtr\u00e4glich als unzutreffend herausstellte. T\u00e4ter aus dem rechtsextremistischen Spektrum werden dagegen als Au\u00dfenseiter bezeichnet. \"Nicht auszuschlie\u00dfen ist \u00fcbrigens, da\u00df interessierte Kreise, die an der L\u00fcge vom .rechten Terror' festhalten wollen, weitere Anschl\u00e4ge inszenieren werden. (...) Der sogenannte Rechtsterror ist in Wahrheit eine Propagandal\u00fcge antideutscher Kr\u00e4fte!\" (DNZ vom 7. November) \"Die Drahtzieher der Desinformationen gegen die Rechte nehmen es dabei billigend in Kauf, da\u00df ihre Sensationsberichterstattung \u00fcber solche Vorf\u00e4lle immer wieder Nachahmungst\u00e4ter heranz\u00fcchtet, ...4 Aber offenbar ist das sogar ein gew\u00fcnschter Nebeneffekt, der garantiert, da\u00df die Hetze immer wieder neue Nahrung erh\u00e4lt.\" (DNZ vom 13. Juni)","Rechtsextremismus 45 4.2 Organisation Die DVU z\u00e4hlte Ende 1997 nach Erkenntnissen des VerfassungsStagnierende Schutzes wie im Vorjahr bundesweit knapp \u00fcber 15.000 Mitglieder, Mitgliederzahl davon etwa 1.800 in Bayern. Mit eingerechnet sind dabei die Angeh\u00f6rigen des bereits seit 1971 bestehenden gleichnamigen Vereins, die nach Vollendung des 16. Lebensjahres auch der Partei angeh\u00f6ren, sofern sie nicht widersprechen. Mittelfristig ist mit einem R\u00fcckgang zu rechnen, da die Partei keine Jugendarbeit betreibt, obwohl die Mitgliedschaft \u00fcberaltert ist. Bundesvorsitzender ist der auf dem Bundesparteitag am 15. M\u00e4rz in M\u00fcnchen wiedergew\u00e4hlte Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Ende 1997 verf\u00fcgte die Partei in allen Bundesl\u00e4ndern nominell \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die jedoch teilweise v\u00f6llig inaktiv waren. Insbesondere ist es der DVU bisher nicht gelungen, in den neuen L\u00e4ndern Fu\u00df zu fassen. In Bayern bestehen die Bezirksverb\u00e4nde Oberbayern, Niederbayern, Mittelfranken, Oberpfalz und Schwaben sowie 16 Kreisverb\u00e4nde und vier Ortsverb\u00e4nde, die kaum Aktivit\u00e4ten zeigen. Vorsitzender des Landesverbands Bayern ist Bruno Wetzel. Im Verlag des Parteivorsitzenden erscheinen die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) und die teilweise inhaltsgleiche \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ). Beide fungieren als Werbetr\u00e4ger und publizistische Sprachrohre sowohl der Partei als auch des gleichnamigen eingetragenen Vereins. Die Partei ist nach wie vor bei Dr. Frey hoch verschulFPSgr *^ det. Nach dem Rechen- a nc,!?****(c)#\"/-\"__ _ schaftsbericht betr\u00e4gt das \" ^ \" \u00c4 C D \" E V o u s u T i S , \u00c4 ^^e/f.^** Defizit der DVU J 7,5 f ^ ^ ^ ^ ^ Millionen DM. Das Spen- W '\"\"'atiw,\"7ZT\"~\"\"i. denaufkommen ist r\u00fcck- * fSS^S^^OS^rfl^'-l\u00e4ufig. Die Abh\u00e4ngigkeit j r lr,*\"\"\"~SSS, * ' der DVU \"on den Finanz- + j^\u00c4!S\u00e4#5iS5 Frey, den K u r i e r Parte, 4 % S ^ (tm) \u00c4 S ^ r nicht nur inhaltlich, : tmideutschlp9 9e 9e\" sondern auch perso- ' \" ^ \" ^ ' ' ^ \u00c4 ^ ^ O G A ) nell zu bestimmen. ^*^**l***w*\"","46 Rechtsextremismus 4.3 B\u00fcndnispolitik Die DVU bekennt sich formell zur \"Einheit der Rechten\". So schlug Dr. Frey dem REP-Vorsitzenden Dr. Schlierer in den Jahren 1995, 1996 und 1997 Wahlabsprachen vor. Diese Initiativen d\u00fcrften indes kaum ernst gemeint gewesen sein, da Dr. Schlierer wie seinerzeit Sch\u00f6nhuber durch eine derartige Absprache seine politische Existenz riskiert h\u00e4tte. Dr. Frey mu\u00dfte also nicht damit rechnen, beim Wort genomDesinteresse men zu werden. Eine von der NPD angebotene gemeinsame Kandian Einigungsdatur bei den B\u00fcrgerschaftswahlen in Hamburg lehnte die DVU zwar bestrebungen nicht offiziell ab. Wegen der hinhaltenden Taktik des Dr. Frey sah sich die NPD jedoch veranla\u00dft, eigene Wahlvorbereitungen fortzuf\u00fchren. Nach wie vor ist Dr. Frey ein entschiedener Gegner der Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH), die sich seit Jahren f\u00fcr die Zusammenarbeit des \"rechten Lagers\" einsetzt. Er scheint lediglich Interesse an einer Vereinigung der Rechten unter seiner Leitung zu haben. Daf\u00fcr spricht auch, da\u00df die DVU weder die NPD-Kundgebung am 1. M\u00e4rz noch die Vorbereitungen auf die schlie\u00dflich verbotene NPD-Demonstration am 1. Mai unterst\u00fctzte. Auf dem Bundesparteitag am 15. M\u00e4rz erteilte der Parteivorsitzende B\u00fcndnisbestrebungen eine Absage und warf anderen Organisationen gleichzeitig mangelnde Kooperationsbereitschaft vor. Die Kontakte zum Vorsitzenden der Liberaldemokratischen Partei Ru\u00dflands (LDPR) Wladimir Schirinowski] spielten 1997 keine Rolle mehr. Der DVU-Vorsitzende hatte gehofft, durch Verbindungen zur LDPR seine nationale Isolierung \u00fcberspielen zu k\u00f6nnen. Das Verh\u00e4ltnis hat sich nach erneuten antideutschen \u00c4u\u00dferungen des LDPR-Vorsitzenden in Zusammenhang mit der Diskussion um die Frage der R\u00fcckgabe deutscher Kunstsch\u00e4tze durch die Sowjetunion erkennbar abgek\u00fchlt. Zudem hat Dr. Frey f\u00fcr seine Gro\u00dfkundgebungen inzwischen Redner aus Europa und den USA gefunden, die ebenfalls seine \"Internationalst\" belegen, aber nicht durch deutschfeindliche Aussagen belastet sind. 4.4 Teilnahme an Wahlen Knappe NiederBei den Wahlen zur Hamburger B\u00fcrgerschaft am 21. September vertage in Hamburg fehlte die DVU mit einem Stimmenanteil von 4,97% nur knapp den Einzug in das Landesparlament. Die DVU spricht in diesem Zusammenhang von Wahlf\u00e4lschung und hat das Wahlergebnis angefochten.","Rechtsextremismus 47 Dennoch sieht sich die DVU im Aufwind, da sie die REP deutlich distanzieren und damit ihre Position im \"rechten Lager\" wieder festigen konnte. Das Ergebnis der DVU \u00fcberraschte, da sie ihren finanziell aufwendigen Wahlkampf nahezu ausschlie\u00dflich mittels Postwurfsendungen, Plakaten und Stelltafeln gef\u00fchrt hatte und in Hamburg kaum \u00fcber funktionierende Strukturen verf\u00fcgt. Im April 1998 will die Partei an den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt teilnehmen. 4.5 Sonstige Aktivit\u00e4ten Abgesehen von der j\u00e4hrlichen Gro\u00dfkundgebung in Passau ist die DVU in Bayern kaum aktiv. Nach wie vor fehlt ein organisiertes Eigenleben. Die Partei tritt im allgemeinen nur durch die von ihrem Vorsitzenden herausgegebenen Wochenzeitungen \u00f6ffentlich in Erscheinung, in denen sie die gewohnte Feindbildpflege und Gruppenstigmatisierung betreibt. Die diesj\u00e4hrige Gro\u00dfkundgebung der DVU am 27. September in der J\u00e4hrliche Passauer Nibelungenhalle stand unter dem Motto \"Deutsche Zukunft Gro\u00dfkundgebung - unsere Chance\". An der Veranstaltung nahmen knapp 3.000 Persoin Passau nen teil. Als Hauptredner trat wie in den Vorjahren der DVU-Bundesvorsitzende Dr. Frey auf. Er bezeichnete das Ergebnis der DVU bei der Hamburger B\u00fcrgerschaftswahl als Erfolg und betonte, da\u00df die DVU aus dieser Wahl als viertst\u00e4rkste Kraft hervorgegangen sei. Des weiteren griff er Standardthemen wie \"Scheinasylanten\", \"kriminelle Ausl\u00e4nder\" sowie die umstrittene \"Wehrmachtsausstellung\" auf. Insbesondere kritisierte er die Bundesregierung wegen ihres Eintretens f\u00fcr die Vertr\u00e4ge von Maastricht und ihres Festhaltens an der Einf\u00fchrung des Euro. Als Gastredner waren Vertreter von Schwarzenund Indianerbewegungen aus den USA erschienen. Delegationen aus Schlesien (Polen) und S\u00fcdtirol (Italien) sollten unterstreichen, da\u00df die DVU sich auch als Partei der Auslandsdeutschen versteht. Den Andreas-Hofer Preis der Deutschen Wochen-Zeitung (DWZ) erhielt der Flame Hubert Verheist. Er ist Abgeordneter und Vorsitzender der belgischen \"Freiheitsbewegung Flandern\". Der Freiheitspreis der Deutschen National-Zeitung (DNZ) ging an den ehemaligen \u00f6sterreichischen Nationalrat der FP\u00d6 Dr. Otto Scrinzi, der als \"Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Deutscherhaltung \u00d6sterreichs und S\u00fcdtirols\" gew\u00fcrdigt wurde.","48 Rechtsextremismus Gegen die DVU-Veranstaltung demonstrierten rund 400 Personen. Die Polizei nahm 39 Personen fest bzw. in Gewahrsam, davon neun aus dem rechtsextremistischen Spektrum. 5. Neonazismus 5.1 Allgemeines Eine besonders pr\u00e4gnante Erscheinungsform des Rechtsextremismus ist nach wie vor der Neonazismus (neuer Nationalsozialismus). Er umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines vom F\u00fchrerprinzip bestimmten autorit\u00e4ren bzw. totalit\u00e4ren Staats gerichtet sind. AgitationsDie Agitation der Neonazis richtet sich insbesondere gegen die vom schwerpunkte Grundgesetz (Art. 1, 3 und 20) garantierte Menschenw\u00fcrde, den Gleichheitsgrundsatz und das Demokratieprinzip. Sie umfa\u00dft vor allem Bestrebungen zur Wiedereinf\u00fchrung des NS-Systems, unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur. Seit dem Vorjahr verkn\u00fcpfen Neonazis zunehmend wirtschaftsund sozialpolitische Problemfelder mit v\u00f6lkischen Theorieelementen und nutzen sie im Sinn ihrer ausl\u00e4nderfeindlichen Argumentation. Mit gegenwartsbezogenen Themen wie z.B. der \"Anti-Maastricht-Kampagne\" versuchen sie, Aufmerksamkeit in der Bev\u00f6lkerung zu erringen und in der allgemeinen politischen Auseinandersetzung Akzeptanz zu gewinnen. Neue OrganisaAufgrund der staatlichen Ma\u00dfnahmen gegen rechtsextremistische tionund AktionsAktivit\u00e4ten (Vereinsund Versammlungsverbote, Strafverfahren u.a.) konzepte betreiben f\u00fchrende Neonazis den Aufbau neuer Strukturen. Um den staatlichen Verfolgungsdruck m\u00f6glichst zu unterlaufen und die eigene Aktionsf\u00e4higkeit zu erhalten oder noch zu steigern, entwickelten sie unterschiedliche Organisationsund Handlungskonzepte. Ein Teil von ihnen tritt f\u00fcr eine enge Kooperation mit den Jungen Nationaldemokraten (JN) ein, infiltriert sie und baut seinen Einflu\u00df gezielt bis in die F\u00fchrungskader aus, um sich damit eine legale Aktionsplattform unter dem Deckmantel einer nicht verbotenen Partei zu schaffen. Andere Neonazis forcieren mit regional unterschiedlichem Erfolg den Aufbau \"autonomer\" Kameradschaften. Die Anlehnung an Aktionsund","Rechtsextremismus 49 Strukturnnodelle der Linksextremisten ist unverkennbar, obwohl der Begriff \"autonom\" f\u00fcr Neonazis lediglich das Fehlen \u00fcberkommener Organisationsformen bedeutet. Dabei sollen statt fester Organisationen lose Strukturen geschaffen und der Aufbau eines Netzwerks regionaler Gruppierungen betrieben werden, die v\u00f6llig selbst\u00e4ndig agieren. Ihr Zusammenhalt soll durch regionale und bundesweite F\u00fchrungstreffen und eine informationelle Vernetzung, also die Nutzung moderner Kommunikationsmittel (vgl. Nummer 10 dieses Abschnitts), gew\u00e4hrleistet sein. Auch in Bayern haben diese neuen Organisationsformen noch nicht zu einer Steigerung der Aktionsf\u00e4higkeit der Neonazis gef\u00fchrt; die einzelnen Gruppen sind weitgehend isoliert. Lediglich zu der von der NPD organisierten Demonstration am 1. M\u00e4rz Mi\u00dflungene in M\u00fcnchen lie\u00df sich unter der Aktionsbezeichnung \"Nationaler Aktionen Widerstand\" eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Neonazis und Skinheads gleichzeitig mobilisieren. Eine Erneuerung dieses B\u00fcndnisses mi\u00dflang bereits anl\u00e4\u00dflich einer geplanten NPD-Demonstration am 1. Mai in Leipzig. Danach verharrte das neonazistische Spektrum in abgekapselten Positionen und ignorierte bzw. bek\u00e4mpfte Einigungsbem\u00fchungen. Als Fehlschlag erwiesen sich auch die \"Rudolf-He\u00df-Aktionswochen\" im August, nachdem die JN eine Beteiligung offiziell abgelehnt hatten. F\u00fchrende Vertreter des neonazistischen Spektrums haben sich inEinigungszwischen in Diskussionszirkeln sogenannter \"Freier Nationalisten\" bestrebungen bzw. \"Freier Strukturen\" zusammengefunden. Initiatoren einer in einem Flugblatt, im Internet und in Nationalen Info-Telefonen (NIT) angek\u00fcndigten neuen Zeitschrift mit dem Titel \"Zentralorgan\" sind die Herausgeber der Schriften \"Freie Stimme\", \"Widerstand\" und \"Moonstomp\". Sie wollen damit ein Zeichen gegen die Zersplitterung der Kr\u00e4fte - auch im publizistischen Bereich - setzen, die finanziellen Kr\u00e4fte b\u00fcndeln und durch \u00fcberregionale Zusammenarbeit st\u00e4rken. Zielgruppe sind zun\u00e4chst wohl in erster Linie die Skinheads, dar\u00fcber hinaus aber auch am \"rechten Rand\" angesiedelte B\u00fcrger und insbesondere Jugendliche. Ob das Projekt einer weiteren Zersplitterung entgegenwirkt, ist derzeit nicht abzusehen. Die Zahl der Neonazis in Bayern betrug Ende 1997 rund 210 (1996: Zunahmeder 160); davon geh\u00f6ren etwa 130 (1996: 85) neonazistischen OrganisaNeonazis in tionen an. Die Zunahme beruht wie im Vorjahr u.a. auf einem verbesBayern serten Erkenntnisstand. Insgesamt sind die Aktivit\u00e4ten neonazistischer Gruppen in Bayern nicht gestiegen. Eine Ausnahme bildet der \"Freiheitliche Volks Block\" (FVB). An dieser Vereinigung wird deutlich, da\u00df","50 Rechtsextremismus es trotz der zahlreichen in der Vergangenheit verf\u00fcgten Vereinsverbote noch immer aktionsf\u00e4hige und organisationswillige Neonazis gibt. Aufmerksamer Beobachtung bedarf ein im Umfeld von Neonazis und Skinheads entstandenes Potential von Jugendlichen, die durch Schmierereien wie \"Rechts ist geil\" Sympathien mit neonazistischem Gedankengut offenbaren, ohne sich organisatorisch zu binden. Die zur Aussp\u00e4hung und Abwehr politischer Gegner geschaffene Anti-Antifa-Bewegung, die insbesondere als Initiative einzelner f\u00fchrender Aktivisten zur Bildung von Aktionsb\u00fcndnissen und zur Integration der Szene beitragen sollte, wird nur noch von Einzelpersonen repr\u00e4sentiert und spielt in Bayern keine nennenswerte Rolle. 5.2 Freiheitlicher Volks Block (FVB) Der 1994 nach dem Verbot der neonazistischen Heimattreuen Vereinigung Deutschlands (HVD) gegr\u00fcndete FVB stellt einen Sonderfall im ansonsten weitgehend inaktiven Spektrum der organisierten Neonazis dar. Dem F\u00fchrungskader geh\u00f6ren ehemalige HVD-Funktion\u00e4re an. Bis etwa Mitte 1996 lag der Schwerpunkt des FVB in Baden-W\u00fcrttemberg, obwohl bereits ein Landesverband Bayern bestand. Inzwischen verlagerte sich das Hauptbet\u00e4tigungsfeld nach Bayern und dar\u00fcber hinaus auch in andere Bundesl\u00e4nder. Neben weiteren Landesund Kreisverb\u00e4nden entstanden auch eine FVB-Frauenfront und eine FVB-Burschenschaft. Im Landesverband Bayern bestehen drei St\u00fctzpunkte in Augsburg, Neu-Ulm und N\u00fcrnberg. Mit Veranstaltungen, Konzerten und dem Verteilen von Flugbl\u00e4ttern und Brosch\u00fcren versucht der FVB, sich insbesondere ein Potential junger Leute auch aus dem b\u00fcrgerlichen Spektrum zu erschlie\u00dfen. Daneben intensiviert er seine Verbindungen in die Skinheadszene, einem Rekrutierungsbereich der Neonazis. Bei \u00f6ffentlichen Versammlungen tritt der FVB zumeist als sogenannter \"Schwarzer Block\" auf, da die Teilnehmer \u00fcberwiegend schwarz gekleidet sind und schwarze Fahnen mit dem Emblem des FVB mitf\u00fchren. Dabei kann er ein \u00fcber die eigenen Mitglieder hinausreichendes Potential mobilisieren. So marschierten bei der NPD-Kundgebung am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen im Block des FVB rund 80 Demonstranten mit. Der FVB grenzt sich von anderen Gruppierungen des Nationalen Lagers weitgehend ab, was zu einer zunehmenden Isolierung zu f\u00fchren","Rechtsextremismus 51 scheint. Beim Internationalen Falangistentreffen in Madrid/Spanien vom 21. bis 23. November kam es sogar zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen Anh\u00e4ngern des FVB und der NPD/JN. 5.3 Deutscher Bund e.V. (DB) Der 1993 von Rechtsextremisten in Coburg gegr\u00fcndete DB erstrebt den Wiederaufbau des Deutschen Reiches und versteht sich nach seiner inneren Ausrichtung als ein \"Orden\" in der Tradition der deutschen Ritterorden: \"Die Aufgabe des Ordens ist das Reich und seine Zukunft. Germanisches B\u00fcrger-, Staatsund Strafrecht ist in anwendbare Gesetze zu gie\u00dfen.\" Vorsitzender des Vereins ist G\u00fcnther Leyk. Je nach Zugeh\u00f6rigkeitsdauer, ideologischer Festigung und Zuverl\u00e4ssigkeit gibt es mehrere Stufen der Mitgliedschaft. Im Publikationsorgan \"Burgpost\" wurden die Bundesrepublik Deutschland und ihre Vertreter verunglimpft, das NS-Regime verherrlicht, NS-Verbrechen relativiert und rassistisches Gedankengut vertreten: \"Rassenvermischung ergibt nicht schlechthin unt\u00fcchtigere Menschen, aber charakterlich unsichere (labile), schwankende Pers\u00f6nlichkeiten.\" Der Verein, dem auch Rechtextremisten aus Bayern angeh\u00f6ren, veranstaltete bundesweit konspirative Treffen. 5.4 Neonazistisches Potential bei Skinheads Die in Gro\u00dfbritannien entstandene, Ende der 70er Jahre erstmals auch im Bundesgebiet in Erscheinung getretene Skinhead-Bewegung war urspr\u00fcnglich eine jugendliche Subkultur. Ihr Auftreten (kahlrasierte K\u00f6pfe, Uniformjacken) signalisierte eine extreme Ablehnung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft. Inzwischen passen sich Skinheads in ihrem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild oft der b\u00fcrgerlichen Umgebung an und sind damit von anderen militanten Rechtsextremisten kaum noch Weltanschauung zu unterscheiden. Obwohl sie zu einer rational bestimmten politiund Politikverschen Meinungsbildung h\u00e4ufig nicht f\u00e4hig und deshalb an einer funst\u00e4ndnis dierten politischen Auseinandersetzung kaum interessiert sind, hat sich in diesen Kreisen inzwischen eine vom organisierten Rechtsextremismus unabh\u00e4ngige diffuse rechtsextremistische Weltanschauung herangebildet. Sie ist vielfach von rassistischer Ausl\u00e4nderfeind-","52 Rechtsextremistnus lichkeit und \u00fcbersteigertem Nationalbewu\u00dftsein gepr\u00e4gt. Diese Einstellung, die vor allem wegen ihrer rassistischen Grundhaltung an wesentliche Elemente des Nationalsozialismus ankn\u00fcpft, ist nicht verstandesm\u00e4\u00dfig begr\u00fcndet und spiegelt sich daher nicht in programmatisch-ideologischen Aussagen, sondern meist in spontanen Aktionen wider. Besonders ausgepr\u00e4gt ist der Hang zur Gewalt (vgl. auch Nummer 2.1.2 des 5. Abschnitts). M\u00f6gliche EinDie Hinwendung Jugendlicher zum Skinheadspektrum ist h\u00e4ufig die stiegsmotive f\u00fcr Folge von Sozialisationsdefiziten bzw. einer Lebensfehlentwicklung Jugendliche des einzelnen, die unterschiedliche Ursachen (z.B. famili\u00e4re Probleme) haben kann. Ein m\u00f6glicher Grund ist ferner ein Statusverfall, bedingt durch das Scheitern in Schule oder Lehre und damit verbundene Arbeitslosigkeit. Jugendliche suchen und finden sowohl in neonazistischen Zusammenschl\u00fcssen als auch bei Skinheads \"soziale W\u00e4rme\" in Form von Kameradschaft, Zusammenhalt, Selbstwertgef\u00fchl, Identit\u00e4t und St\u00e4rke. Auch f\u00fcr unpolitische Jugendliche aus intakten Familien kann die Skinheadszene attraktiv sein, weil die Skinheadmusik als eine Stilrichtung der Rockmusik Interesse weckt, der in dieser Szene \u00fcbliche exzessive Lebensgenu\u00df einschlie\u00dflich des enormen Alkoholkonsums Spa\u00df macht und diese Subkultur sich absichtlich und deutlich sichtbar von der \"spie\u00dfb\u00fcrgerlichen\" Gesellschaft abgrenzt. Au\u00dferdem finden \"rechte\" Meinungen und skinheadtypische Kleidung (Lederjacke, Doc-Martens-Boots) als Ausdruck eines derzeitigen Modetrends auch bei unpolitischen Jugendlichen (z.B. bei Fu\u00dfballfans) Anklang; die Grenzen zur rechtsextremistischen Skinheadszene sind vielfach flie\u00dfend. Die Skinheadszene unterliegt einer starken Fluktuation und kennt in der Regel weder feste Organisationsstrukturen noch formelle Mitgliedschaften. Die Bindungen zur Gruppe reichen von losen gelegentlichen Kontakten \u00fcber regelm\u00e4\u00dfige Beteiligung an Aktionen bis zur WahrNeue Gruppen nehmung von F\u00fchrungsfunktionen. In Bayern haben sich seit Jahresin Bayern beginn mehrere neue Zusammenschl\u00fcsse gebildet, in denen rechtsextremistisches Gedankengut vertreten wird, insbesondere in Oberbayern und Schwaben. Umgekehrt sind in anderen Bereichen keine oder nur noch geringe Aktivit\u00e4ten feststellbar. Insgesamt sind derzeit in Bayern aufgrund eines verbesserten Erkenntnisstands rund 600 (1996: 360) Skinheads mit rechtsextremistischem Hintergrund bekannt. Teilweise Obwohl sich Skinheads nur selten f\u00fcr eine l\u00e4ngerfristige politische Einbindung in dieMitarbeit gewinnen lassen, ist in Teilbereichen eine zunehmende EinNPD/JN bindung von Skinheads in das rechtsextremistische Parteienspektrum","Rechtsextremismus 53 festzustellen. So kann ein NPD-Funktion\u00e4r, der an der Spitze einer Gruppierung von rund 30 Skinheads im Raum Herzogenaurach eine Art Scharnierfunktion aus\u00fcbt, f\u00fcr NPD-Veranstaltungen bis zu 50 Skinheads mobilisieren. Rechtsextremistische Skinheads sind intern akzeptierter, fester Bestandteil der JN-St\u00fctzpunkte Augsburg, Freising und M\u00fcnchen, wobei der JN-St\u00fctzpunkt Augsburg sogar von einem Skinhead geleitet wird. Inzwischen rekrutieren sich etwa 40 % der JN-Sympathisanten in Bayern aus der rechtsextremistischen Skinheadszene. Die von Skinhead-Bands vorgetragene sogenannte Oi-Musik ist das Einflu\u00df der wichtigste Medium der Szene und \u00fcbt einen anhaltenden rechtsSkinhead-Bands extremistischen Einflu\u00df aus. In den Texten dieser Musik kommt die und \"Fanzines\" gewaltt\u00e4tige und menschenverachtende Einstellung rechtsextremistischer Skinheads zum Ausdruck. Die Lieder propagieren Antisemitismus und Nationalismus und glorifizieren den Nationalsozialismus. Sie rufen zum Kampf f\u00fcr die eigene \"wei\u00dfe Rasse\" auf und verunglimpfen Ausl\u00e4nder, Juden sowie politische Gegner. Auch die intern verbreiteten szenetypischen Skinhead-Publikationen (\"Fanzines\") weisen vielfach rechtsextremistische Bez\u00fcge auf. Sie nennen Treffpunkte und Termine, stellen Tontr\u00e4ger von Skinhead-Bands vor und geben diesen ein Forum zur Selbstdarstellung. Innerhalb der ansonsten strukturarmen Skinheadszene bilden der Zunahme Besuch von Skinhead-Konzerten sowie die Fanzines wichtige Elemente der Skinheadder Kommunikation und des Zusammenhalts. Hier werden Kontakte Konzerte zu Gleichgesinnten aus anderen Regionen gekn\u00fcpft und Neuigkeiten aus der Szene ausgetauscht. W\u00e4hrend die Zahl solcher Konzerte bundesweit deutlich zunahm, war sie in Bayern mit drei (1996: sechs) Veranstaltungen am 5. April in Herzogenaurach, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, am 12. April in Stockheim, Landkreis Kronach, und am 19. Juli in Putzbrunn, Landkreis M\u00fcnchen, r\u00fcckl\u00e4ufig. Auch die \u00fcbrigen Aktivit\u00e4ten wiesen in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1997 aufgrund des konsequenten polizeilichen Einschreitens eine sinkende Tendenz auf. Die im Januar, Juni und Juli in Erlangen, N\u00fcrnberg und Zirndorf vor Skinhead-Publikum veranstalteten Liederabende mit neonazistischen Interpreten unterstreichen die Bedeutung des nordbayerischen Raums f\u00fcr die rechtsextremistische Musikszene. Die sieben (1996: sechs) bayerischen Skinhead-Bands haben im Laufe des Jahres ihre Liedtexte zunehmend von strafbaren Inhalten bereinigt. Der Inhalt ihrer CDs beschr\u00e4nkt sich im allgemeinen auf nationalistische, heroische Aussagen sowie Kritik an der Gesellschaft und den Skinhead-Feindbildern.","54 Rechtsextremismus Rund 30 in Deutschland ans\u00e4ssige Skinhead-Vertriebe sowie weitere Firmen im Ausland, insbesondere in Skandinavien, Gro\u00dfbritannien und den USA bieten zum Teil auch \u00fcber Internet Tontr\u00e4ger rechtsextremistischer Skinhead-Bands und Liedermacher an. Die Tontr\u00e4ger werden direkt oder \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler vertrieben und finden in der deutschen Szene \u00fcber den Postvertrieb und \u00fcber den Direktverkauf bei Veranstaltungen Verbreitung. In dem hart umk\u00e4mpften Markt rechtsextremistischer Skinhead-Musik sind aggressive Lieder besonders gewinnbringend. Die Produktion verlagert sich zunehmend ins Ausland, da Produzenten und Vertreiber in Deutschland die konsequente Strafverfolgung bef\u00fcrchten m\u00fcssen. Um dem zunehmenden Angebot von Tontr\u00e4gern mit rechtsextremistischen und volksverhetzenden Inhalten zu begegnen, wurden im Juli und August Exekutivim Rahmen bundesweiter Exekutivma\u00dfnahmen (\"Aktion Notenma\u00dfnahmen Schl\u00fcssel II\") die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume mehrerer Versandfirmen durchsucht. Dabei konnte die Polizei neben rechtsextremistischem Propagandamaterial und Waffen insgesamt rund 45.000 CDs mit strafrechtlich relevantem Inhalt beschlagnahmen. Die Sicherstellung von PCs und Gesch\u00e4ftsunterlagen hatte au\u00dferdem f\u00fcr eine Reihe von Firmen eine empfindliche Beeintr\u00e4chtigung des Gesch\u00e4ftsbetriebs zur Folge. In Bayern waren am 6. August der \"Tontr\u00e4gervertrieb Jens P\u00fchse\" in Freising und die Firma \"Di-Al Records\" in N\u00fcrnberg von der Ma\u00dfnahme betroffen. 5.5 Aktionen zum 10. Todestag von Rudolf He\u00df (17. August) Auch 1997 wurde der gesamte \"Nationale Widerstand\" zu Gedenkaktionen f\u00fcr den \"Stellvertreter des F\u00fchrers\" aufgerufen. Die diesj\u00e4hrigen Planungen lagen wie im Vorjahr bei einem neonazistisch orientierten \"Aktionskomitee Rudolf He\u00df 1997\", das den 10. Todestag seines Idols in besonders eindrucksvoller und \u00f6ffentlichkeitswirksamer Weise begehen wollte. Bereits seit Mai wurde das rechtsextremistische Spektrum mit Aufklebern, Plakaten, diversen Publikationen, in Nationalen Info-Telefonen (NIT), im Internet und im rechtsextremistischen Thule-Netz mobilisiert. Im Gegensatz zum Vorjahr gelang es dem Aktionskomitee allerdings nicht, die Jungen Nationaldemokraten (JN) in die Planung und Durchf\u00fchrung der angek\u00fcndigten \"Aktionswochen\" und des zentralen \"Rudolf-He\u00df-Marsches\" am 16. August mit einzubeziehen. Damit entfiel ein wesentliches Mobilisierungspotential.","Rechtsextremismus 55 Bundesweit wurden alle \u00f6ffentlichen Aktionen mit Rudolf-He\u00df-Bezug verboten, darunter auch mehrere in Norddeutschland geplante Autokorsos und eine von dem Rechtsextremisten J\u00fcrgen Rieger f\u00fcr den 17. August angemeldete Kundgebung in Wunsiedel. Die Polizei unterband die meisten Veranstaltungen bereits im Ansatz, insbesondere einen am 16. August von rund 100 Neonazis versuchten \"Zentralen Rudolf-He\u00df-Marsch\" in Wolfenb\u00fcttel/Niedersachsen. Eine danach in K\u00f6nigslutter/Niedersachsen vorgesehene Demonstration konnte ebenfalls verhindert werden. Dabei kam es zu erheblichen Auseinandersetzungen mit angereisten Linksextremisten und zur Konfrontation mit der Polizei, die 80 Rechtsund 15 Linksextremisten vorl\u00e4ufig festnahm. In D\u00e4nemark fanden sich zu einer von der D\u00e4nischen Nationalsozialistischen Bewegung (DNSB) in Koege bei Kopenhagen durchgef\u00fchrten He\u00df-Kundgebung 130 Personen ein, darunter zehn Teilnehmer aus Deutschland. In Bayern waren lediglich etwa 20 kleinere Einzelaktionen (z.B. Kranzniederlegungen, verdeckte Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und Aufklebern) zu verzeichnen. Obwohl sich an den \"Rudolf-He\u00df-Aktionen\" bundesweit insgesamt rund 800 Personen (1996: 500) des \"Nationalen Lagers\", haupts\u00e4chlich aus dem neonazistischen Bereich, beteiligten, bedeutete das Scheitern \u00f6ffentlichkeitswirksamer Aktionen und insbesondere der fehlgeschlagene Versuch einer zentralen Veranstaltung f\u00fcr die Initiatoren eine empfindliche Niederlage. Gerade dem zehnten Todestag von He\u00df hatte die Szene eine besondere Bedeutung beigemessen. Auch die vorherige Absage der JN hat die Neonazis sichtlich getroffen. F\u00fchrende neonazistische Aktivisten versuchten gleichwohl, den Fehlschlag ihrer Bem\u00fchungen in einen propagandistischen Erfolg umzum\u00fcnzen. Sie behaupteten, die Aktionswochen h\u00e4tten trotz \"wachsender staatlicher Repression\" ein weltweites Medienecho gefunden, obwohl \u00fcber 15.000 Polizeibeamte zur Verhinderung der im Grundgesetz garantierten Rechte eingesetzt gewesen seien. In einem Klima kaum zu beschreibender Hysterie sei es gelungen, die amtliche Legende vom \"Selbstmord\" des \"Friedensfliegers\" vor breitem Publikum in Frage zu stellen. 5.6 Aktivit\u00e4ten ehemaliger FAP-Funktion\u00e4re Obwohl keine Anzeichen f\u00fcr die Fortf\u00fchrung der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) oder den Aufbau von Nachfolgeorganisationen vorliegen, sind ehemalige FAP-Funktion\u00e4re","56 Rechtsextremismus extremistisch aktiv. So trat der ehemalige FAP-Vorsitzende Friedhelm Busse auch 1997 wieder als Teilnehmer und Redner bei etlichen Veranstaltungen auf, u.a. bei einer Zusammenkunft von Neonazis am 15. M\u00e4rz in Baden-W\u00fcrttemberg. Am 19. Juli wollte er mit einer Gruppe von Rechtsextremisten das \"F\u00fchrerhauptquartier\" auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden besichtigen. Als die Polizei bei einer Kontrolle die Weiterfahrt verhinderte, sprach er in Putzbrunn, Landkreis M\u00fcnchen, auf einem Skinhead-Treffen. Busse veranstaltete au\u00dferdem unter der Bezeichnung \"Katakomben-Akademie\" Kameradschaftsabende in M\u00fcnchen; es gelang ihm aber nicht, das Interesse seines insbesondere aus Skinheads bestehenden Umfeldes auf Dauer zu erhalten. Nachdem sich Busse im Vorjahr noch an dem bundesweiten Zeitungsprojekt \"Berlin-Brandenburger Zeitung\" aktiv beteiligt hatte, ist er seit Anfang 1997 Herausgeber der Publikation \"Nachrichten-Informationen-Meinungen\" (NIM). Die Schrift erscheint nach eigenen Angaben zweimonatlich mit einer Auflage von 250 Exemplaren im Eigendruck. Sie kommentiert aktuelle politische Ereignisse, gibt einzelne Presseartikel wieder oder berichtet \u00fcber besondere Ereignisse oder Pers\u00f6nlichkeiten des Dritten Reiches. Auch 1997 nahm der ehemalige FAP-Vorsitzende wieder Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen auf, so beim Internationalen Falangistentreffen im November in Spanien. 5.7 Rechtsextremistisch motivierte Straftaten Straftaten mit Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitineonazistischen, sehen und rassistischen Straftaten ist in Bayern auf 1.143 (1996: 811) antisemitischen gestiegen. Dabei handelte es sich vielfach um Sachbesch\u00e4digung, und rassistischen N\u00f6tigung, Bedrohung, Volksverhetzung und Verbreiten von PropaMotiven gandamitteln bzw. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Insbesondere bei Schmierund Klebeaktionen wurden Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Sieg Heil\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" verbreitet. Aktionen zu HitEine H\u00e4ufung solcher Aktionen war wie in den Vorjahren zu Hitlers lers Geburtstag Geburtstag (20. April) zu verzeichnen. Bei Veranstaltungen im privaten Rahmen wurden vor allem der \"Hitler-Gru\u00df\" entboten und rechtsextremistische Parolen skandiert.","Rechtsextremismus 57 So versammelten sich rund 100 Skinheads am 19. April bei Leipheim, Landkreis G\u00fcnzburg, in einem Zelt, um Hitlers 108. Geburtstag zu feiern. Die Teilnehmer riefen \"Sieg Heil\" und sangen NS-Lieder. Die Polizei l\u00f6ste das Treffen auf und nahm 73 Teilnehmer in Gewahrsam. Ferner beschlagnahmte sie zahlreiche Schlagwerkzeuge und Gegenst\u00e4nde mit NS-Symbolen. Ein unbekannter T\u00e4ter versandte seit Mitte Januar aus M\u00fcnchen Antisemitismus unter dem Pseudonym \"Richard Wahnfried Eichmann\" volksverhetzende Schreiben, die mit \"Heil Hitler\" unterzeichnet waren. Darin diffamierte ein \"NSDAP & OSTORIA-Geheimbund\" deutsche Politiker als \"Landeshochverr\u00e4ter\" sowie \"Gralsh\u00fcter der j\u00fcdischen Unterjochungsund Zersetzungsgier\" und behauptete, die Juden wollten aus Deutschland \"wieder\" einen \"Juden-Saustaat\" machen. Seit 1991 sind bereits \u00fcber 180 F\u00e4lle bekanntgeworden, bei denen der unbekannte Verfasser antisemitische Pamphlete verschickte. Bei der von der NPD initiierten Kundgebung am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen Neonazismus trugen Teilnehmer aus den neuen L\u00e4ndern Gauabzeichen der ehemaligen Hitlerjugend (HJ) mit der Aufschrift \"Sachsen\" bzw. \"Schlesien\". Derartige Delikte h\u00e4ufen sich seit Anfang 1997. Die seinerzeit vom \"Deutschen Jungvolk\" der HJ verwendeten Kennzeichen (Armdreiecke) dienen insbesondere Neonazis als Zeichen ihrer Verbundenheit zur NS-Ideologie. Ein 68j\u00e4hriger Rentner aus Rosenheim verbreitete seit Mitte 1997 Rassismus bundesweit zahlreiche Brosch\u00fcren mit dem Titel \"Aufruf an alle Deutschen zur Notwehr gegen die \u00dcberfremdung\". Darin polemisierte der Verfasser gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und den damit angeblich geplanten V\u00f6lkermord am deutschen Volk. Der Text des Pamphlets wurde au\u00dferdem mittels Disketten verbreitet. Bei einer Hausdurchsuchung am 19. November.stellte die Polizei einen PC mit Scanner und weiteres Beweismaterial sicher. 6. Sonstige rechtsextremistische Organisationen 6.1 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 6.1.1 Ideologisch-politischer Standort Die DLVH hatte im Herbst 1996 die Umwandlung der Partei in einen Verein beschlossen. Sie versteht sich seitdem als eine \"\u00fcberparteiliche und unabh\u00e4ngige Gemeinschaft demokratischer Patrioten\". Ein neues","58 Rechtsextremismus \"Manifest\", in dem sich die Vereinigung formal zur Wertordnung des Grundgesetzes bekennt, ist noch zur\u00fcckhaltender formuliert als das einstige Parteiprogramm. Die nationalistische, rassistische und v\u00f6lkisch-kollektivistische Grundhaltung, die den Vorrang der in den Grundrechten konkretisierten Menschenrechte (Art. 1 Abs. 3 des Grundgesetzes) und das verfassungsrechtliche Diskriminierungsverbot (Art. 3 Abs. 3 des Grundgesetzes) in Frage stellt, ist gleichwohl unverkennbar: Nationalismus \"Die DEUTSCHE LIGA wendet sich entschieden gegen ma\u00dflose und unkontrollierte Einwanderung, gegen Asylmi\u00dfbrauch und \u00dcberfremdung. Deutschland darf nicht zum Vielv\u00f6lkerstaat werden, ... Die DEUTSCHE LIGA bekennt sich zu einer Wirtschaftsund Sozialordnung der nationalen Pr\u00e4ferenz. Arbeitspl\u00e4tze, Wohnraum und soziale Versorgung m\u00fcssen vorrangig den Einheimischen zur Verf\u00fcgung gestellt werden. (...) Ihr Ziel ist eine sozialpatriotische Solidargemeinschaft des Volksganzen.\" Revisionismus Unver\u00e4ndert sind auch die revisionistischen Tendenzen: \"Die DEUTSCHE LIGA verlangt die Wiederherstellung der Meinungs-, Informationsund Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Gesetze ... d\u00fcrfen nicht dazu mi\u00dfbraucht werden, mi\u00dfliebige Auffassungen und unerw\u00fcnschte Forschungsergebnisse zu unterdr\u00fccken. Strafrechtliche Gruppenprivilegierung hat zu unterbleiben.\" Die extremistische Zielsetzung des Vereins wird durch die personelle Zusammensetzung der F\u00fchrungsspitze best\u00e4tigt. Dem Bundesvorstand geh\u00f6ren - ebenso wie dem bayerischen Landesvorstand - mehrere Personen mit rechtsextremistischer Vergangenheit an, die bisher nicht erkennen lie\u00dfen, da\u00df sie ihre fr\u00fchere politische \u00dcberzeugung ge\u00e4ndert haben und nunmehr demokratische Positionen anstreben. Die fr\u00fchere Abgrenzung gegen\u00fcber Neonazis wurde erheblich gelockert. 6.1.2 Organisation Bundesvorstand Die DLVH z\u00e4hlte Ende 1997 bundesweit knapp 700 Mitglieder, davon wie im Vorjahr etwa 120 in Bayern. An der Spitze des Vereins stehen nach wie vor als gleichberechtigte Vorsitzende J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger (fr\u00fcher: NPD) und der ehemalige DVU-Funktion\u00e4r Ingo Stawitz, der nunmehr der NPD angeh\u00f6rt. Bei der Mitgliederversammlung am 12. Oktober in H\u00f6chstadt a.d. Aisch kandidierte der damalige Vor-","Rechtsextremismus 59 Standssprecher Harald Neubauer nicht mehr; er wurde durch den DLVH-Beisitzer Andre Beiersdorf abgel\u00f6st. Die DLVH hat kein eigenes Presseorgan; die im Nation Europa Verlag in Coburg erscheinende Monatsschrift \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" kann - mit Einschr\u00e4nkung - als Sprachrohr der DLVH betrachtet werden. Landesverb\u00e4nde bestehen mittlerweile in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern, Landesverb\u00e4nde Berlin, Brandenburg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Vorsitzender des Landesverbands Bayern ist Werner Eichinger. 6.1.3 Aktivit\u00e4ten Die bisherigen B\u00fcndnisbem\u00fchungen waren regelm\u00e4\u00dfig daran gescheitert, da\u00df insbesondere die Spitzenfunktion\u00e4re der DLVH im \u00fcbrigen rechtsextremistischen Lager durchwegs auf entschiedene Ablehnung sto\u00dfen. Auch nach der Umwandlung in einen Verein gingen von der DLVH kaum noch eigenst\u00e4ndige Aktivit\u00e4ten aus. So fanden im Gegensatz zu 1996 keine \"Runden Tische\" mehr statt, bei denen Mitglieder anderer Rechtsparteien f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit der DLVH gewonnen werden sollten. \u00dcber 700 Anh\u00e4nger rechtsextremistischer Organisationen folgten am B\u00fcndnis2. November dem Aufruf der DLVH und der ihr nahestehenden Verbem\u00fchungen einigung \"Nation-Europa-Freunde e.V.\" zu einer Kundgebung unter dem Motto \"Patrioten aller L\u00e4nder, vereinigt Euch\" in K\u00f6sching, Landkreis Eichst\u00e4tt. Mit diesem Treffen sollte ein partei\u00fcbergreifendes Signal zur Neuformierung der deutschen Rechten gesetzt werden. Als Redner traten neben rechtsextremistischen Verlegern u.a. der fr\u00fchere REP-Vorsitzende Franz Sch\u00f6nhuber, der DLVH-Beisitzer Harald Neubauer sowie der Europa-Abgeordnete der Front National (FN) Yvan Blot und der Vorsitzende des belgischen Vlaams Bl\u00f6k (VB) Frank Vanhecke auf. In K\u00f6sching sprach auch der Gr\u00fcnder des \"Friedenskomitees 2000\" Alfred Mechtersheimer. In einer Resolution wandten sich die Teilnehmer gegen die europ\u00e4ische Integration und riefen die \"demokratische Rechte in Deutschland\" zur Einigung nach dem Beispiel von FN und VB auf. Vor dem Tagungslokal protestierten etwa 140 Demonstranten gegen die Veranstaltung. Die Polizei nahm 13 Personen, darunter sieben Rechtsextremisten, vor\u00fcbergehend fest und beschlagnahmte u.a. Baseballschl\u00e4ger, Springmesser und Sturmhauben.","60 Rechtsextremismus Mit dieser Veranstaltung setzte die DLVH ihre Bem\u00fchungen um ein B\u00fcndnis des rechtsextremistischen Lagers fort. Angesichts der hohen Teilnehmerzahl bezeichnete sie das Treffen als \"wegweisenden Erfolg\". 6.2 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) Die von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GFP stellt vor allem ein Podium f\u00fcr Publizisten dar, die rechtsextremistisches Gedankengut vertreten. Sie will in einer angeblich \"durch SieZielsetzung gerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten. So wendet sie sich gegen die \"Entstellungen in der deutschen Geschichtsbetrachtung\" und die \"unwahren Darstellungen der Ursachen und Hintergr\u00fcnde beider Weltkriege\". Ihre verfassungsfeindliche Zielsetzung ergibt sich u.a. aus der Mitgliedschaft f\u00fchrender Aktivisten rechtsextremistischer Organisationen, insbesondere der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), und der Verbreitung deren Gedankenguts bei Vortr\u00e4gen. Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 450 (1996: 400) Mitglieder, davon etwa 40 in Bayern. Vorsitzender ist seit Mai 1992 der fr\u00fchere \"Chefideologe\" der NPD Dr. Rolf Kosiek. Jahreskongre\u00df Unter dem Motto \"Sind wir noch zu retten? Deutschland zwischen Systemkrise und Systemwechsel\" hielt die GFP in der Zeit vom 25. bis 27. April in Gera/Th\u00fcringen ihren Jahreskongre\u00df ab. Daran beteiligten sich \u00fcber 350 Personen. Verschiedene Redner \u00e4u\u00dferten, da\u00df bei ausbleibenden Erfolgen der etablierten Rechtsparteien sp\u00e4testens bis zur Europawahl die Gr\u00fcndung neuer Organisationen bzw. Parteien erforderlich sei. Ein Mitarbeiter der REP-Bundesgesch\u00e4ftsstelle erhob den Vorwurf, die deutsch-tschechische Erkl\u00e4rung habe \"die Entmachtung der Vertriebenen durch ihre Verh\u00f6hnung gekr\u00f6nt\". Die Wahrung deutscher Interessen werde auch k\u00fcnftig eine der vornehmsten Aufgaben der Verb\u00e4nde und Organisationen der deutschen Heimatvertriebenen sein. \"Gegen\u00fcber einer Bundesregierung, die das V\u00f6lkerrecht im Zweifelsfalle bedenkenlos ignoriert oder f\u00fcr nicht zust\u00e4ndig erkl\u00e4rt, wenn es um deutsche Interessen geht, gen\u00fcgt das Festhalten an Rechtspositionen jedoch nicht mehr. (...) Man wird sich auf quasi-totalit\u00e4re Methoden der Gesin-","Rechtsextremismus 61 nungskontrolle gefa\u00dft machen m\u00fcssen, vertritt man weiterhin konsequent deutschlandpolitische Positionen.\" Die GFP war ferner Mitinitiatorin der Gro\u00dfveranstaltung deutscher Rechtsextremisten am 2. November in K\u00f6sching. 6.3 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten e.V. Der von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten vertritt rechtsextremistische, insbesondere rassistische Thesen und verbreitet \u00c4u\u00dferungen, die das NS-Regime verharmlosen und die Bundesrepublik Deutschland verunglimpfen. Die Vereinigung z\u00e4hlt wie im Vorjahr bundesweit rund 280 Mitglieder, davon etwa 30 in Bayern. Vorsitzende ist die Pr\u00e4sidentin der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. Der Freundeskreis trat vorwiegend mit der Herausgabe und Verbreitung der Schrift \"Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Huttenbriefe Recht\" in Erscheinung. Darin hie\u00df es, die \"Bonner Erf\u00fcllungsgehilfen der Siegerm\u00e4chte\" h\u00e4tten absichtlich mi\u00dfachtet, da\u00df \"der geistige Zusammenhalt und die seelische \u00dcbereinstimmung seiner Gemeinschaft das h\u00f6chste Gut eines Volkes\" sei. Zahlreiche Kritiken am \"durch und durch korrupten Parteiensystem der Bundesrepublik\" h\u00e4tten \"gerade in letzter Zeit dessen verantwortungslosen Charakter entlarvt\". Ferner war der Freundeskreis an der G\u00e4stewoche der DKG vom 30. August bis 6. September in Altenberg/Sachsen beteiligt. 6.4 Deutsches Kolleg (DK) Das seit Ende 1994 bestehende Deutsche Kolleg (DK) mit Sitz in Berlin versteht sich als Schulungseinrichtung der \"nationalen IntelliSchulungsgenz\". Sein \"Chefideologe\" Dr. Reinhold Oberlercher, derseine polieinrichtung tische Laufbahn beim Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) begann, orientiert sich an den Agitationsmustern der 68er Bewegung. Er bezeichnet sich als \"v\u00f6lkisch-germanischen Nationalmarxisten\" und versucht, nationalistische und sozialistische Ideologieelemente zu vereinen. Da er dem parteipolitisch organisierten Rechtsextremismus keine Chance einr\u00e4umt, tritt er f\u00fcr ein Zusammenwirken von Rechtsund Linksextremisten ein, um als gemeinsames Ziel die Beseitigung des demokratischen Systems zu erreichen.","62 Rechtsextremismus Das DK kommt mit seinem Programm einer in der rechtsextremistischen Szene vorhandenen \u00dcberzeugung entgegen, es sei notwendig, die politischen Kader sorgf\u00e4ltig zu schulen. Seine Veranstaltungen werden von Rechtsextremisten, insbesondere Neonazis, besucht und stellen damit einen Treffpunkt verschiedener bisher nebeneinander wirkender Teile des Rechtsextremismus dar. Dr. Oberlercher bietet auf diese Weise ein Forum f\u00fcr Aktivit\u00e4ten, die scheinbar zwingend in Richtung einer nationalen Revolution weisen. Allerdings sind viele Schulungsteilnehmer nicht f\u00e4hig, Dr. Oberlerchers intellektueller Diktion geistig zu folgen. 6.5 Die Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) NeugermanischDie 1951 gegr\u00fcndete Artgemeinschaft ist eine der neugermaheidnische Ausnisch-heidnischen Gruppen, die unter Berufung auf den alten norrichtung disch-germanischen G\u00f6tterglauben auch v\u00f6lkisch-rassistisches und antisemitisches Gedankengut pflegen und zu verbreiten versuchen. Seit 1988 wird sie von dem Hamburger Rechtsanwalt und Neonazi J\u00fcrgen Rieger geleitet, \u00fcber den sie auch mit anderen Gruppierungen verbunden ist. Ihre Mitgliederzahl wird bundesweit auf rund 150 Personen gesch\u00e4tzt. Sie gibt viertelj\u00e4hrlich die Publikation \"Nordische Zeitung\" (NZ) heraus, die auch im Internet abgerufen werden kann. In der \u00d6ffentlichkeit wird die Artgemeinschaft insbesondere durch die von ihr mitgetragenen j\u00e4hrlichen \"Hetendorfer Tagungswochen\" in Niedersachsen bekannt, die regelm\u00e4\u00dfig von politischen Gegnern zum Teil gewaltt\u00e4tig gest\u00f6rt werden. Diese Tagungswochen fanden in R\u00e4umen des ebenfalls von Rieger gef\u00fchrten und am 11. Februar 1998 verbotenen Vereins \"Heide-Heim e.V.\" statt. Veranstaltungen In Nordbayern organisiert die Artgemeinschaft meist j\u00e4hrlich einmal in Bayern eine bundesweite Veranstaltung, die von rund 200 Personen (darunter auch Familienangeh\u00f6rige und Kinder) besucht wird. Daneben finden in Oberbayern unregelm\u00e4\u00dfig regionale Ernteund Sonnwendfeiern, Vortr\u00e4ge und andere Treffen mit bis zu 60 Teilnehmern statt, so z.B. ein \"Baumpflanztag\" am 15. M\u00e4rz auf dem Grundst\u00fcck des Rechtsextremisten Anton Pfahler in Sinning. Die Veranstaltungen in Bayern verliefen bisher ohne jegliche Au\u00dfenwirkung. Strafrechtlich relevante Handlungen wurden nicht bekannt.","Rechtsextremismus 63 7. Revisionismus-Kampagne 7.1 Ziele und Methoden Das rechtsextremistische Lager ist sich weitgehend darin einig, da\u00df Versuch einer das deutsche Volk in wesentlichen Fragen seiner j\u00fcngeren Geschichte Rehabilitierung rehabilitiert werden m\u00fcsse. Der Revisionismus, der die Geschichtsdes Nationalschreibung \u00fcber die Zeit des Dritten Reichs \u00e4ndern will, ist daher Sozialismus zu einem Bindeglied zwischen den unterschiedlichsten rechtsextremistischen Str\u00f6mungen geworden. Seinen Repr\u00e4sentanten geht es allerdings nicht um die Gewinnung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, sondern gezielt um die Rechtfertigung bzw. Aufwertung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Im Mittelpunkt der revisionistischen Agitation steht die Leugnung des nationalsozialistischen Massenmords an europ\u00e4ischen Juden in Gaskammern deutscher Konzentrationslager w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs (Holocaust). Im Bestreben, das nationalsozialistische Unrechtsregime zu verteidigen, m\u00fcssen die rechtsextremistischen Revisionisten freilich Regeln der kritischen Geschichtswissenschaft mi\u00dfachten und Forschungsergebnisse negieren, die nicht ihrem vorgefa\u00dften Geschichtsbild entsprechen. Ihre Behauptungen zielen darauf ab, das auf seri\u00f6ser Forschung beruhende Geschichtsbild propagandistisch zu unterminieGeschichtsren, um sich von einem vermeintlich aufgezwungenen \"Schuldkomverf\u00e4lschung plex\" zu befreien. Die Revisionisten hoffen, mit Hilfe ihres angeblichen Wissenschaftlichkeitsanspruchs zunehmend aus der \"braunen Ecke\" heraustreten zu k\u00f6nnen und gr\u00f6\u00dfere Publizit\u00e4t und Zustimmung zu finden. Dabei machen sie sich zunutze, da\u00df das Wissen \u00fcber den Nationalsozialismus vielfach nur noch bruchst\u00fcckhaft vorhanden ist. Vor allem Jugendliche laufen Gefahr, der in wissenschaftlichem Gewand daherkommenden Vielzahl von unbewiesenen Behauptungen, Verdrehungen und absurden Thesen zu erliegen. Nationalismus und Antisemitismus bilden die Wurzeln dieses Revisionismus, der letztlich die Opfer zu T\u00e4tern und die T\u00e4ter zu Opfern einer angeblich falschen Geschichtsschreibung machen will. 7.2 Entwicklung Revisionismus war von Anfang an keine deutsche, sondern eine internationale Erscheinung, wobei der Ansto\u00df zun\u00e4chst aus Frankreich Ursprung des und den USA kam. Seit Beginn der 50er Jahre erschien eine gro\u00dfe Schlagworts Anzahl von B\u00fcchern, die unter dem Schlagwort \"Auschwitzl\u00fcge\" den \"Auschwitzl\u00fcge\"","64 Rechtsextremismus \"historischen\" Nachweis f\u00fchren wollten, da\u00df es keine T\u00f6tung von Juden in Gaskammern gegeben habe. Es f\u00e4llt auf, da\u00df die ma\u00dfgeblichen Autoren keine Historiker waren, sondern andere Berufe hatten. Gr\u00f6\u00dfere Publizit\u00e4t erlangte der Revisionismus durch ein 1989 ver\u00f6f\"Leuchter-Behcht\" fentlichtes technisches \"Gutachten\" des Amerikaners Fred A. Leuchter, wonach es in Auschwitz und einigen anderen Konzentrationslagern aufgrund der technischen Gegebenheiten nicht m\u00f6glich gewesen sei, Menschen in Gaskammern zu t\u00f6ten. Die Fehler und Widerspr\u00fcche dieses als \"Leuchter-Bericht\" bekanntgewordenen \"Gutachtens\" sind in verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen ausf\u00fchrlich nachgewiesen worden. Dies hinderte Revisionisten beiderseits des Atlantiks indes nicht, Leuchters Machwerk als \u00fcberzeugenden Beweis ihrer Thesen anzusehen und als \"Sieg f\u00fcr Deutschland\" sowie als \"Anfang vom Ende des Auschwitz-Mythos\" zu feiern. Weiteren Auftrieb erhielt die Revisionismus-Kampagne \"Rudolfdurch das 1994 verbreitete \"Rudolf-Gutachten\", das sich u.a. auf Gutachten\" den \"Leuchter-Bericht\" bezieht. Verfasser ist der Diplomchemiker Germar Scheerer geb. Rudolf, ein ehemaliges Mitglied der Partei \"Die Republikaner\" (REP). In seinem \"Gutachten \u00fcber die Bildung und Nachweisbarkeit von Zyanidverbindungen in den .Gaskammern' von Auschwitz\" kam er zu dem Schlu\u00df, da\u00df die \"behaupteten Menschent\u00f6tungs-Gaskammern in Auschwitz niemals mit Zyklon B in Ber\u00fchrung gekommen sind\". Dabei verkannte er - wie Leuchter -, da\u00df die beim Freisetzen von Blaus\u00e4ure entstehenden chemischen Verbindungen unter dem Einflu\u00df der Witterung innerhalb kurzer Zeit zerfallen und dann nicht mehr nachweisbar sind. 7.3 Tr\u00e4ger der Revisionismus-Kampagne Wegen beh\u00f6rdlicher Gegenma\u00dfnahmen und strafrechtlicher Verfolgung meiden die international aktivsten Revisionisten Deutschland als Bet\u00e4tigungsfeld. Sie weichen zunehmend in L\u00e4nder aus, in denen Strafbestimmungen gegen das Verbreiten revisionistischen Gedankenguts fehlen. Entsprechendes gilt f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung revisionistischer Publikationen. So setzte sich der deutsche Revisionist Germar Scheerer Germar Scheerer im Fr\u00fchjahr 1996 ins Ausland ab, nachdem ihn das Landgericht Stuttgart am 23. Juni 1995 u.a. wegen Volksverhetzung zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten ohne Bew\u00e4hrung verurteilt hatte. Aufgrund der bisher bekannten internationalen Verbindungen","Rechtsextremismus 65 der Revisionisten verschiedener westeurop\u00e4ischer L\u00e4nder kommen insbesondere Spanien oder Belgien als m\u00f6gliche Aufenthalte Scheerers in Betracht. Scheerer setzte im Ausland seine revisionistische Agitation fort. Er ver\u00f6ffentlichte u.a. unter dem Pseudonym Ernst Gauss die revisionistischen Schriften \"Vorlesungen \u00fcber Zeitgeschichte\" und \"Grundlagen zur Zeitgeschichte\". Als weitere Pseudonyme benutzt er die Namen Dr. Werner Kretschmer, Dr. Christian Konrad, Manfred K\u00f6hler, Dr. Dr. Rainer Scholz, Jakob Sprenger, Tuisco (Stammvater der Germanen) und Wilhelm Schlesinger. Des weiteren bediente er sich gemeinsam mit dem Revisionisten Karl Philipp der Alias-Namen Heiko Schwind und Gerhard K\u00f6rner. Der wohl bekannteste Vertreter des Revisionismus ist der international agierende britische Schriftsteller David Irving. Seine Aktivit\u00e4ten in David Irving Deutschland wurden durch die 1993 von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen verf\u00fcgte Ausweisung unterbunden. Die dagegen erhobene Klage blieb erfolglos. Einer der aktivsten Exponenten des Revisionismus ist der deutsche Staatsangeh\u00f6rige Ernst C.F. Z\u00fcndel, der 1958 nach Kanada \u00fcberErnst Z\u00fcndel siedelte. Seit 1976 tritt er als Inhaber des Verlags Samisdat Publishers Ltd. in Toronto in Erscheinung. Er verfa\u00dft und verschickt in erster Linie den \"Germania\"-Rundbrief, der neonazistische und antij\u00fcdische Thesen enth\u00e4lt (vgl. Nummer 9.2 dieses Abschnitts). Nach jahrelangen Bem\u00fchungen ist es Z\u00fcndel gelungen, f\u00fcr sein in deutscher und englischer Sprache ausgestrahltes Programm \"Stimme der Freiheit\" einen Radiosender in Stockholm zu finden. Dabei wurde er nach eigenen Angaben von einem \"Mohammedaner\" unterst\u00fctzt. Hierbei d\u00fcrfte es sich um den marokkanischen Revisionisten Ahmed Rami handeln, der im Internet unter der Website \"Radio Islam\" vertreten ist und Kontakte zu David Irving unterh\u00e4lt. Das Programm war nur im Umkreis von Stockholm gut zu empfangen. F\u00fcr seine Agitation nutzt Z\u00fcndel bereits seit mehreren Jahren erfolgreich das weltumspannende Internet. Darin erscheinen t\u00e4glich neue Beitr\u00e4ge mit dem Titel \"Good morning from the Z\u00fcndelsite\". Z\u00fcndel behauptet, diese Artikel w\u00fcrden monatlich von jeweils mehr als 10.000 Interessenten eingesehen. Ferner berichtete er im \"Germania\"Rundbrief seit Mai \u00fcber die damals beginnenden Sitzungen des \"Menschenrechts-Tribunals\" in Toronto/Kanada. Dabei sollte entschieden werden, ob Z\u00fcndel der Zugang zum Internet verwehrt werden kann.","66 Rechtsextremismus Institute for Das 1979 unter rechtsextremistischer Beteiligung gegr\u00fcndete InstituHistorical Review te for Historical Review (IHR) mit Sitz in Kalifornien/USA tr\u00e4gt durch (IHR) Veranstaltungen und Publikationen antisemitische und neonazistische Positionen an die amerikanische und internationale \u00d6ffentlichkeit. Es unterh\u00e4lt Verbindungen zu Rechtsextremisten in allen Kontinenten. Seit geraumer Zeit ist es auch im Internet vertreten. Mit seiner Zeitschrift \"Journal of Historical Review\" und vor allem mit seinen j\u00e4hrlichen Kongressen bietet es revisionistischen Amateur-Historikern aus aller Welt eine Plattform, um gegen die Ergebnisse der seri\u00f6sen zeitgeschichtlichen Forschung zu polemisieren. Auf diesen Tagungen traten nahezu alle bekannten Vertreter des Revisionismus auf. Das monatlich im Verlag des britischen Rechtsextremisten Antony -nal\" Hancock in Uckfield erscheinende \"National Journal\" weist in Umfang, Aufmachung und Themenwahl \u00dcbereinstimmung mit dem ehemaligen \"Deutschland Report\" auf. Die Schrift betreibt massive Hetze gegen Ausl\u00e4nder und Juden und leugnet oder bagatellisiert den Holocaust. Der Herausgeberkreis f\u00fchrt die Bezeichnung \"Die Freunde im Ausland\" (DFiA). Da das \"National Journal\" inzwischen mit einer eigenen \"homepage\" im Internet vertreten ist, k\u00f6nnen deutsche Rechtsextremisten nunmehr auf einfachem Weg Zugriff auf die Zeitschrift nehmen. Vrij Historisch Die in Berchem/Belgien ans\u00e4ssige Organisation \"Vrij Historisch Onderzoek Onderzoek\" (V.H.O.) verbreitet seit M\u00e4rz eine neue Zeitschrift mit (v.H.O.) dem Titel \"Vierteljahreshefte f\u00fcr freie Geschichtsforschung\" (VffG). Unter den Autoren befinden sich mit dem Engl\u00e4nder David Irving, dem Franzosen Robert Faurisson und dem Deutschen Germar Scheerer drei der bedeutendsten Revisionisten. Die Schrift rechtfertigt die Politik des Dritten Reiches und leugnet den V\u00f6lkermord an den europ\u00e4ischen Juden. Ferner polemisiert sie gegen die angeblich ungerechtfertigte Verfolgung der Revisionisten. Ihr Erscheinen er\u00f6ffnet deutschen Rechtsextremisten die M\u00f6glichkeit, revisionistisches Propagandamaterial zu beziehen, dessen Herstellung und Verbreitung in Deutschland strafbar ist. Die 1985 in Antwerpen gegr\u00fcndete V.H.O. verf\u00fcgt \u00fcber weltweite Kontakte zu f\u00fchrenden Revisionisten und bietet nahezu alle wichtigen revisionistischen Schriften u.a. auch in deutscher Sprache an. W\u00e4hrend in den ersten beiden Ausgaben der VffG lediglich Holocaust-Leugner im klassischen Sinn zu Wort kamen, enthielt die Ausgabe Nummer 3/97 auch Beitr\u00e4ge von Historikern wie Dr. Alfred","Rechtsextremismus 67 Schickel und Dr. Joachim Hoffmann, die als Revisionisten im weiteren Sinn anzusehen sind. A u f g r u n d der internationalen Ausrichtung, des umfangreichen Kontaktund Literaturangebots und der pseudowissenschaftlichen A u f m a c h u n g k\u00f6nnte sich die VffG bei regelm\u00e4\u00dfigem Erscheinen als zentrales revisionistisches Organ etablieren. 8. O r g a n i s a t i o n s u n a b h \u00e4 n g i g e Publizistik Die sieben Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern, die Publikationen mit rechtsextremistischem Inhalt herausgeben bzw. verbreiten, entwickelten wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen einschl\u00e4gigen Druckschriften, die im Vorjahr um rund 17 % zur\u00fcckgegangen war, blieb mit monatlich 250.000 (1995: 248.000) Exemplaren ann\u00e4hernd konstant, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Das Angebot umfa\u00dfte au\u00dferdem B\u00fccher und sonstige Druckschriften sowie Tonkassetten und Videofilme mit rechtsextremistischem Inhalt. 8.1 Druckschriften- u n d Zeitungsverlag G m b H (DSZ-Verlag) Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in DSZ-Verlag Deutschland ist weiterhin der DSZ-Verlag in M\u00fcnchen unter der Schwerpunkt der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheinen die \"Deutsche rechtsextremistiNational-Zeitung\" (DNZ) mit einer \" \" _ . sehen Publizistik Wochenauflage von etwa 35.000 und die \"Deutsche Wochen-Zeii^HSS^flcBcfi* e \" s i a t u n g \" (DWZ) mit w\u00f6chentlich rund 20.000 (1996: 21.000) National**\";*, Exemplaren. Allerdings w i r d ein erheblicher Teil der Auflage nicht verkauft. Mu\u00df Deutschland ewig zahlen? Endlose j\u00fcdische Forderungen iseite\" Die Wochenzeitungen Dr. Freys verbreiteten als Sprachrohre der DVU deren nationaDmtfrljel\u00f6othm^eitung listische, rassistische und revisionistische . . | K * KULTUR UNO WIRTSCHAFT Grundhaltung: |Der Terror ausl\u00e4ndischer Banden 1\"^\"^*^\"*\"\"*(tm)\"*\" \"Wenn es um Zahlungen von Unsummen an Ausl\u00e4nder und ans Ausland geht, ist Bonn ganz, ganz weit vorn dabei. (...) Deutschland ist offensichtlich Zahlmeister der ganzen Welt.\" (DWZ vom 28. M\u00e4rz)","68 Rechtsextremismus \"Dabei ist es ein unglaublicher Skandal, da\u00df in Bundesdeutschland mit Nachwuchs im \u00dcberma\u00df gesegnete Ausl\u00e4nderfamilien Unsummen an Kindergeld kassieren, w\u00e4hrend gleichzeitig junge deutsche Familien mangels finanzieller Grundlagen sich Nachwuchs nicht leisten k\u00f6nnen oder wollen.\" (DNZ/DWZ vom 20. Juni) \"Hunderttausend Scheinasylanten kosten den deutschen Steuerzahler im Jahr etwa vier Milliarden Mark, die besser f\u00fcr das Millionenheer notleidender Deutscher ausgegeben w\u00fcrden.\" (DNZ7DWZ vom 22. August) \"Die Entdeutschung des deutschen Volkes durch Einwanderung von Fremden aus oft fernen Kulturkreisen vollzieht sich vor unser aller Augen.\" (DNZ vom 20. Juni) \"Me in der deutschen Geschichte gab es eine derartige \u00dcberfremdung wie heute.\" (DNZ vom 27 Juni) \"Nach dem derzeitigen politischen Gesinnungsstrafrecht gesch\u00fctzt sind Minderheiten, konkret also Juden und Zigeuner. Straffrei hingegen sind L\u00fcgen und F\u00e4lschungen jeglichen Ausma\u00dfes gegen Deutschland, das deutsche Volk, seine Geschichte, seine Soldaten und sogar seine Gefallenen. Jedes Dreckssubjekt kann hier nach Belieben seine Niedertracht austoben.\" (DNZ/DWZ vom 3. Januar) \"Der Bonner Regierungschef beschw\u00f6rt bei Tag und bei Nacht deutsche Schuld und fordert, das deutsche Volk f\u00fcr alle Zeit in , Kollektivverantwortung' und ,Kollektivhaftung' zu nehmen. Unvorstellbar ist es, da\u00df Kohl irgendeiner Behauptung \u00fcber deutsche Untaten entgegentritt. Forderungen bald jeder Art erf\u00fcllt er, w\u00e4hrend die deutsche Wirtschaft zusammenbricht. \" (DNZ/DWZ vom 29. August) Beiden Zeitungen ist nicht an Differenzierung und Aufkl\u00e4rung, sondern an Vereinfachung, Schematisierung und Schwarz-Wei\u00df-Malerei bis zum Aufbau von Freund-Feind-Bildern gelegen. Unterschiedliche Ansichten zu manchen Themen werden - wenn \u00fcberhaupt - h\u00f6chstens in Leserbriefen wiedergegeben. 8.2 Nation Europa Verlag GmbH Sprachrohr der Die im Nation Europa Verlag in Coburg erscheinende Monatsschrift DLVH \"Nation & Europa - Deutsche Monatshefte\" wird von den DLVH-Funk-","Rechtsextremismus 69 tion\u00e4ren Peter Dehoust und Harald Neubauer herausgegeben. Mit dem Verlag eng liiert ist der 1954 gegr\u00fcndete Verein \"Nation-Europa-Freunde e.V.\", ein F\u00f6rderkreis aus der Leserschaft der Publikation, der auch die Arbeit des Verlags und die B\u00fcndnisbem\u00fchungen der DLVH unterst\u00fctzt. Die Schrift bietet insbesondere Rechtsextremisten eine publizistische Plattform, so z.B. dem fr\u00fcheren REP-Vorsitzenden Franz Sch\u00f6nhuber, der inzwischen regelm\u00e4\u00dfig mit einer eigenen Kolumne vertreten ist. Sie geh\u00f6rt zu den einflu\u00dfreichsten rechtsextremistischen Theorieorganen und propagiert neben revisionistischen vor allem rassistische Thesen. Die Septemberausgabe zeigte offen Sympathie f\u00fcr die volksverhetzende Musik von Skinhead-Bands, die auf \"hemmungslosen Tabubruch\" setzten: \"Die deutsche Politik aber ist auf dem linken Auge blind und sch\u00fcrt damit die Erbitterung junger Leute, die sich durch Asylmi\u00dfbrauch, \u00dcberfremdung und roten Terror bedroht f\u00fchlen. Fans der ,Zillertaler T\u00fcrkenj\u00e4ger' weisen immer wieder darauf hin, da\u00df man sie und ihre Sorgen im Politikund Medienbereich ignoriere, so da\u00df man gezwungen sei, mit schrillen Parolen die Schweigespirale zu durchbrechen.\" In der Rubrik \"Aktuelles aus Multikultopia\" (Ausgabe November/Dezember) hie\u00df es: \"Die multikulturelle Zeitbombe tickt ohne Unterla\u00df. In Duisburg wurde dieser Tage das erste Ausl\u00e4nder-Altenheim des Roten Kreuzes in Betrieb genommen - Symptom f\u00fcr die ver\u00e4nderte demographische Lage in diesem Land. Zur gleichen Zeit geben Islamisten die Losung aus, verst\u00e4rkt deutsche Frauen zu heiraten, um mit der deutschen Staatsb\u00fcrgerschaft auch zu islamischem Nachwuchs zu kommen. So setzt sich der Proze\u00df der ethnischen Aufweichung an vielen Stellen unserer Gesellschaft schleichend fort, tr\u00e4gt zur Destabilisierung und Enthomogenisierung dieses Gemeinwesens bei.\" 9. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 9.1 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) Die neonazistische NSDAP-AO in den USA fordert die \"Ausschaltung NS-Staat als Ziel des j\u00fcdischen Einflusses\", die \u00dcberwindung des \"Materialismus\" durch den Nationalsozialismus und die \"Neugr\u00fcndung der NSDAP als legale Partei\". Endziel ist die \"Schaffung eines nationalsozialistischen","70 Rechtsextremismus Staats\" in einem \"neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich\" und die \"Errichtung einer Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". Das von der NSDAP-AO in gro\u00dfen Mengen herausgegebene NS-Propagandamaterial geht von der \"Auslandszentrale\" in Lincoln/Nebraska den oft nur aus einer Person bestehenden St\u00fctzpunkten der NSDAP-AO im Bundesgebiet zu, denen die Weiterverbreitung im Inland obliegt. Die NSDAP-AO ist seit Mitte 1996 im Internet mit einer eigenen \"homepage\" vertreten, bisher allerdings nur mit englischen Texten. Das Angebot umfa\u00dft .. * \\ u.a. NS-Kennzeichen und Textdokumente sowie fein(c)\"1 Fotografien von f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten des IOI Ge*\"\" 1 . 3 UCK Dritten Reichs. Mit der Erweiterung des Angebots gSESSSy auf mehrere Sprachen soll k\u00fcnftig eine wesentlich gr\u00f6\u00dfere Zahl von Interessenten weltweit angesprochen werden. Strafverfahren In einer am 14. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichten Entscheidung verwarf der Bundesgerichtshof die Revision des \"Propagandaleiters\" der NSDAP-AO Gary Rex Lauck. Das Landgericht Hamburg hatte ihn am 22. August 1996 zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren wegen Volksverhetzung, Aufstachelung zum Rassenha\u00df sowie Verbreitens von Propagandamitteln und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verurteilt. R\u00fcckl\u00e4ufige Die Propagandaflut der NSDAP-AO ist seit der Inhaftierung Laucks r\u00fcckAktivit\u00e4ten l\u00e4ufig. Zuvor war das wichtigste Publikationsorgan der NSDAP-AO \"NS Kampfruf\" zweimonatlich erschienen. 1997 wurden lediglich drei Ausgaben des \"NS Kampfruf\" bekannt. Die Schrift soll k\u00fcnftig viertelj\u00e4hrlich und mit erh\u00f6htem Bezugspreis erscheinen. Die Ende M\u00e4rz nach siebenmonatiger Unterbrechung verbreitete Ausgabe Nummer 117 wandte sich unter der \u00dcberschrift \"Der Kampf geht weiter\" vor allem gegen das \"Bonner und Wiener Judensystem und seine Lakaien\". In einem \"Strategiepapier der NSDAP-AO\" wies der Autor darauf hin, da\u00df eine demokratische Macht\u00fcbernahme bzw. die Beseitigung des bestehenden Systems aufgrund des polizeistaatlichen Charakters des westlichen kapitalistischen Systems nahezu ausgeschlossen sei. Aber es bestehe die Hoffnung, da\u00df sich der Kapitalismus selbst zugrunde richte. Dann k\u00f6nne das bestehende System, zumindest in Deutschland, von den Nationalsozialisten abgel\u00f6st werden. Dem st\u00fcrzenden System m\u00fc\u00dften die Kameraden noch den letzten Sto\u00df versetzen. \"Alles was dem System schadet, arbeitet f\u00fcr uns, und alles was dem System nutzt, schadet der NS-Bewegung.\"","Rechtsextremismus 71 Der 10. Todestag von Rudolf He\u00df bildete den Themenschwerpunkt der Ausgabe Nummer 118 vom August, die dazu aufrief, in den Augustwochen auf den \"Mord an He\u00df\" und die hier\u00fcber von den \"Judenknechten der BRD\" verbreitete Vertuschungsund L\u00fcgenpropaganda aufmerksam zu machen. Im zweiten Teil des \"Strategiepapiers\" wurden Verhaltensma\u00dfregeln f\u00fcr die endg\u00fcltige Beseitigung der \"Demokraturen in Bonn und Wien\" aufgestellt: \"Um am Tag X nicht mit leeren H\u00e4nden dazustehen und die revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen f\u00fcr uns kalkulierbarer zu machen, sollte eine massive Unterwanderung durch nationalsozialistische Kr\u00e4fte bei der jeweils hoffnungsvollsten nationalistischen oder konservativen Partei erfolgen und entsprechend Schl\u00fcsselpositionen besetzt werden.\" Des weiteren k\u00fcndigte die Publikation an, die \"D\u00e4nische Nationalsozialistische Bewegung\" (DNSB), die sich als Teil der NSDAP-AO verstehe, werde eine europ\u00e4ische Verteilerkartei schaffen. Wer darin erfa\u00dft sei, werde mit Informationen wie Demonstrationsaufrufen, aktuellen Bewegungsnachrichten usw. versorgt. Damit solle der durch das unregelm\u00e4\u00dfige Erscheinen des \"NS Kampfrufs\" verursachte Aktualit\u00e4tsverlust ausgeglichen werden. Die Anfang Dezember erschienene Ausgabe Nummer 119 ver\u00f6ffentlichte erstmals Beitr\u00e4ge aus der ebenfalls von der NSDAP-AO herausgegebenen Publikation \"The New Order\" in deutscher \u00dcbersetzung. Auch die gro\u00dfe Zahl von Fotos der He\u00df-Kundgebung in Koege/D\u00e4nemark deutet darauf hin, da\u00df ein Mangel an qualifizierten Textbeitr\u00e4gen besteht und die Schriftleitung \u00fcberfordert ist. 9.2 Verlag Samisdat Publishers Ltd. Inhaber des in Toronto/Kanada ans\u00e4ssigen Verlags ist der deutsche Staatsangeh\u00f6rige Ernst C. F. Z\u00fcndel. Er hat internationale Kontakte und verbreitet zahlreiche Publikationen, darunter den \"Germania\"-Rundbrief in einer gesch\u00e4tzten Auflage von 50.000 Exemplaren. Die Schrift, die auch \u00fcber das Internet abgerufen werden kann, enth\u00e4lt haupts\u00e4chlich antisemitische und revisionistische Propaganda (vgl. Nummer 7.3 dieses Abschnitts).","72 Rechtsextremismus 9.3 Kontakte zur franz\u00f6sischen Front National (FN) Die REP, die DLVH und ihr nahestehende Publizisten, z.B. des Nation Europa Verlags (NE-Verlag), pflegen Kontakte zur FN. Ankn\u00fcpfungspunkt ist die Forderung nach parteiund gruppen\u00fcbergreifender Zusammenarbeit der \"Rechten\" nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa. Der FN-Vorsitzende Le Pen wirbt daf\u00fcr mit der Parole: \"Patrioten aller L\u00e4nder, vereinigt Euch!\". So sprach der FN-Funktion\u00e4r und \"Deutschland-Referent\" Yvan Blot auf dem Bundesparteitag der REP am 18. Oktober in Dietmannsried. Auch bei der \"\u00fcberparteilichen Europakundgebung\" am 2. November in K\u00f6sching trat er als Redner auf. Veranstalter waren die \"Nation-Europa-Freunde e.V.\", die organisatorisch dem NE-Verlag zuzuordnen sind und der DLVH nahestehen. Auch Frank Vanhecke, Vorsitzender des belgischen Vlaams Bl\u00f6k, sprach bei dieser Veranstaltung. Blot und Vanhecke sind Abgeordnete des Europ\u00e4ischen Parlaments. Blot hatte schon 1996 ein Treffen von hohen Funktion\u00e4ren der FN, der DLVH und ihr nahestehender Publizisten, darunter Franz Sch\u00f6nhuber, in Paris organisiert. 1997 nahmen Publizisten aus Deutschland an den Feiern der FN zum 1. Mai in Paris teil. 10. Nutzung moderner Informationstechnologien durch Rechtsextremisten Die Entwicklung der Informationstechnik bietet auch Rechtsextremisten neue M\u00f6glichkeiten der Strukturierung und internationalen Vernetzung. Dabei kommen ihren propagandistischen Aktivit\u00e4ten die weltweite Datenfreiheit und die in einzelnen Staaten jeweils unterinternationale schiedlichen Rechtsvorschriften zustatten. Die zunehmende Nutzung Vernetzung der f\u00fcr einen \u00fcberregionalen Informationsaustausch geeigneten Kommunikationswege durch rechtsextremistische Gruppen zeigt, da\u00df dieses Spektrum darin offenbar eine Chance sieht, aus seinem Ghetto an das Licht der \u00d6ffentlichkeit zu gelangen. 10.1 Internet Das Internet ist mit derzeit rund 95 Millionen Teilnehmern das weltweit gr\u00f6\u00dfte Kommunikationssystem. Im Bundesgebiet gibt es etwa 6,2 Millionen Anwender; Deutschland steht damit an zweiter Stelle in","Rechtsextremismus 73 der Welt. Das Internet verzeichnet eine j\u00e4hrliche Wachstumsrate von 80 bis 100%. Es gliedert sich in die Bereiche \"world wide web\" (www), Electronic Mail (E-Mail), News-Dienst (Newsgroups), Mailing Lists und File Transfer Protocol (FTP). Der Zugang ist jedermann \u00fcber sogenannte Service-Provider (gegen Geb\u00fchr t\u00e4tige kommerzielle Unternehmen) m\u00f6glich. Das Computernetz verf\u00fcgt \u00fcber keine zentrale Verwaltung und ist nicht hierarchisch konzipiert. Da das Verbreiten extremistischen Gedankenguts \u00fcber das Internet aus rechtlichen und tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnden nur schwer einged\u00e4mmt werden kann, \u00fcbt dieser Verbund auf deutsche Rechtsextremisten eine besondere Anziehungskraft aus. Vor allem er\u00f6ffnet er ihnen ungehinderten Zugang auch zu Beitr\u00e4gen mit strafbarem Inhalt, die vielfach von ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen eingespeichert werden. Die Nutzung des Internet ist fest in die rechtsextremistische Strategie Anstieg des eingebunden. Entsprechend dieser Zielsetzung ist das Angebot in Angebots j\u00fcngster Zeit stark angestiegen. Schwerpunkte bilden einschl\u00e4gige Literatur, Propagandamaterial aus dem Inund Ausland, Informationen \u00fcber rechtsextremistische Organisationen sowie Verzeichnisse weiterer Internet-Angebote mit rechtsextremistischen Bez\u00fcgen. Daneben wird das Internet auch zur Mobilisierung der Szene genutzt, z.B. anl\u00e4\u00dflich der Demonstration am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen gegen die Wehrmachtsausstellung. Der zunehmende Einsatz dieses Mediums f\u00fcr die Interessen rechtsextremistischer Personenzusammenschl\u00fcsse und Organisationen wird u.a. an der \"Patria-Versand GmbH - Spezialversand f\u00fcr nationale Aktivisten\" in Landshut deutlich. Neben Bundeswehrartikeln sind dort CDs einschl\u00e4giger Musikgruppen und Fahnen wie beispielsweise die Reichskriegsflagge \"online\" beziehbar. Nachdem sich seit Mitte des Jahres auch die DVU im Internet pr\u00e4senNutzung durch tiert, sind in diesem Medium nunmehr alle bedeutenden Parteien und deutsche RechtsGruppierungen des rechtsextremistischen Spektrums vertreten. Die extremisten NPD tritt seit April sogar als Anbieter von Dienstleistungen auf. Zus\u00e4tzlich ist die NPD mit ihrer Jugendorganisation \u00fcber eine eigene Domain* im Internet erreichbar. Auch einige Thule-Mailboxen (vgl. Nummer 10.2 dieses Abschnitts), die wiederum \"links\" (automatisierte Datenverbindungen) zu weiteren Mailboxen des Thule-Netzes * Bei einer Domain handelt es sich um eine Namensadresse im Internet, unter der mehrere \"homepages\", d.h. \"private Seiten\" von Teilnehmern im Internet-Bereich \"world wide web\" (www), betrieben werden k\u00f6nnen.","74 Rechtsextremismus aufweisen, richteten eigene \"homepages\" ein. Diese Einstellungen in das Internet sind ein weiterer Schritt zur informationellen Vernetzung der rechtsextremistischen Szene in Deutschland. Gleichzeitig wird damit auch die internationale Vernetzung ausgebaut. Angebote ausDas \u00fcberwiegend aus den USA stammende ausl\u00e4ndische Angebot l\u00e4ndischer Rechtshat weiter zugenommen. Zu den bekanntesten Anbietern geh\u00f6ren extremisten die NSDAP-AO und die Stormfront. Im Bereich des Revisionismus offeriert der in Kanada ans\u00e4ssige Neonazi Ernst C. F. Z\u00fcndel nach wie vor umfangreiches Material, darunter auch die in Deutschland der Beschlagnahme unterliegenden B\u00fccher \"Der Holocaust auf dem Pr\u00fcfstand\" und \"Todesursache Zeitgeschichte\". Im Skinhead-Bereich stammen die Angebote \u00fcberwiegend aus Nordamerika. Sein Internet-Angebot erheblich gesteigert hat der von \\ Schweden aus agierende Revisionist Ahmed Rami. In mehreren Sprachen, darunter auch in deutsch, franz\u00f6sisch, arabisch und englisch, bietet er umfangreiches revisionistisches Material an, so das in Deutschland der Beschlagnahme unterliegende Buch von Germar Scheerer \"Grundlagen der Zeitgeschichte\". Einen Schwerpunkt im Angebot von Ahmed Rami bildete der Tod des Revisionisten Otto Ernst Remer am 4. Oktober in Spanien. 10.2 Mailboxen Eine Mailbox ist ein Computer, der \u00fcber ein Modem oder einen ISDN-Anschlu\u00df mit der Telefonleitung verbunden ist, von anderen Computern angerufen werden kann und dem Anrufer Kommunikationsdienste anbietet. In der Mailbox k\u00f6nnen Informationen (Texte, Graphiken, Flugbl\u00e4tter etc.) abgelegt und abgerufen werden. Dies geschieht in Foren, sogenannten \"Brettern\", die aus Gr\u00fcnden der \u00dcbersichtlichkeit nach Themenbereichen gegliedert sind. Bei den Nutzern einer Mailbox unterscheidet man zwischen Gast und User. Als Gast kann prinzipiell jeder, der \u00fcber einen eigenen PC, ein Modem und eine entsprechende Software verf\u00fcgt, Verbindung zu einer Mailbox aufnehmen. Der Interessent erh\u00e4lt jedoch, insbesondere bei politischen Mailboxen, nur eine sehr begrenzte Auswahl der vorhandenen Dateien zur Einsicht. Der Umfang dieses \"Gastbereichs\"","Rechtsextremismus 75 wird vom jeweiligen Mailbox-Betreiber (Systemoperator bzw. Sysop) festgelegt. Der User verf\u00fcgt nach seiner Registrierung durch den Mailbox-Betreiber, die durch Zuteilung eines Pa\u00dfwortes und einer pers\u00f6nlichen Userkennung erfolgt, \u00fcber eine benutzerbezogene dauernde Zugriffsberechtigung auf dessen Mailbox. In einem Mailboxverbund k\u00f6nnen beliebig viele Informationen zwischen den einzelnen Boxen ausgetauscht werden. F\u00fcr den User bedeutet dies, da\u00df er Zugriff auf die Informationen aller Mailboxen des Netzes hat. Das auch im Internet pr\u00e4sente Thule-Netz wurde im Fr\u00fchjahr 1993 Thule-Netz von den Betreibern der Mailbox \"Widerstand BBS\" und der heute nicht mehr existierenden \"Phantom BBS\" ins Leben gerufen. Ziel der Mailboxbetreiber war die \"fl\u00e4chendeckende Verteilung\" der angeschlossenen Mailboxen im Bundesgebiet. Im Thule-Netz gibt es unterschiedliche Kommunikationsebenen, die den Teilnehmern verschiedene Sicherheitsstufen bieten. Ein einheitliches Verschl\u00fcsselungsverfahren soll die Sicherheit von privaten Nachrichten gew\u00e4hrleisten. Bislang geh\u00f6rten dem Netzverbund etwa 35 Boxen im Inund Ausland in wechselnder Besetzung an, wobei einige aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden (z.B. Strafverfahren, Exekutivma\u00dfnahmen, pers\u00f6nliche Differenzen) wieder ausgeschieden sind. Die Betreiberin der \"Asgard BBS\", die sich mit der Anti-Antifa-Arbeit befa\u00dfte, wurde der Aussp\u00e4hung von Thule-Netz-Teilnehmern verd\u00e4chtigt. Nach internen Diskussionen erfolgte im M\u00e4rz der Ausschlu\u00df der Mailboxen \"Elias BBS\" und \"Asgard BBS\" aus dem Thule-Netz. Deren Betreiber gr\u00fcndeten im Juni das \"Nordland-Netz\". Die Mailbox \"Elias BBS\" hat sich im Dezember wieder dem Thule-Netz angeschlossen. Nachdem im September den Mailbox-Betreibern der \"Kraftwerk BBS\" und der \"Janus BBS\" bei einer Exekutivma\u00dfnahme die gesamte Hardware beschlagnahmt wurde, sind die Aktivit\u00e4ten im Thule-Netz sehr stark zur\u00fcckgegangen. Nachrichten werden derzeit nur mehr von wenigen eingestellt. Die Beitr\u00e4ge sind von Unlust und Frustration gekennzeichnet. In Bayern war Ende 1997 nur mehr die Mailbox \"Widerstand BBS\" aktiv; auch sie stellte inzwischen den Betrieb ein. Dem aus den Mailboxen \"Asgard BBS\" und \"Elias BBS\" gebildeten Nordland-Netz Nordland-Netz schlo\u00df sich auch der Betreiber der Mailbox \"St\u00f6rte-","76 Rechtsextremismus becker BBS\" in Stavenhagen/Neubrandenburg an. W\u00e4hrend das Thule-Netz stagnierende Teilnehmerzahlen aufwies, waren beim \"Nordland-Netz\" Zuw\u00e4chse zu verzeichnen. Bei den Usernamen handelt es sich meistens um Pseudonyme. Die Klarnamen sind nur dem Sysop bekannt. 10 3 Nationale Info-Telefone (NIT) Nationale Info-Telefone sind Anrufbeantworter mit Ansagetexten, die in der Regel w\u00f6chentlich wechseln. W\u00e4hrend im linksextremistischen autonomen Spektrum Info-Telefone nur kurzzeitig zu besonderen Anl\u00e4ssen eingerichtet werden, stellen sie in der rechtsextremistischen Szene einen festen Bestandteil zur Informationsb\u00fcndelung und Koordination von Veranstaltungen dar. Die aktivsten Nationalen Info-Telefone in Deutschland sind das NIT Rheinland, das NIT Preussen, das NIT Berlin-Brandenburg , das NIT Schleswig-Holstein und das NIT Hamburg, wobei letzteres unter der Leitung des Neonazi Andre Goertz eine f\u00fchrende Rolle einnimmt und auch im Internet mit einer eigenen \"homepage\" und mehreren \"links\" zu anderen rechtsextremistischen Einrichtungen vertreten ist. Zu besonderen Anl\u00e4ssen, wie beispielsweise den allj\u00e4hrlichen \"Rudolf-He\u00df-Aktionen\", werden zus\u00e4tzliche Nationale Info-Telefone eingerichtet. Das NIT Franken in Pommersfelden bei Bamberg hat seit April seinen Betrieb eingestellt. Ein neuer Hauptanschlu\u00df wurde seither nicht beantragt. W\u00e4hrend der \"Rudolf-He\u00df-Aktionswochen 1997\" wurden die \"aktionswilligen nationalen B\u00fcrger\" aufgerufen, das NIT Rheinland, das NIT Mitteldeutschland und das Sonder-NIT Sauerland abzuh\u00f6ren, die w\u00f6chentlich mehrfach die neuesten Informationen zum \"Aufmarsch\" bekanntgaben. Das in verschiedenen rechtsextremistischen Publikationen angek\u00fcnNITBayern digte NIT Bayern hat am 19. Dezember in M\u00fcnchen seinen Betrieb aufgenommen. Ob es trotz finanzieller Schwierigkeiten l\u00e4nger existieren wird, ist derzeit nicht absehbar. Es ist das elfte im Verlauf des Jahres 1997 zumindest zeitweise aktive Nationale Info-Telefon. Die Ansage ist in weiten Teilen identisch mit dem NIT Hamburg und dem NIT Schleswig-Holstein.","Rechtsextremismus 77 10.4 Strafverfahren Im Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht M\u00fcnchen I wegen Volksverhetzung u.a. fand im September beim Sysop des Thule-Netzes eine Durchsuchung statt. Dabei wurde umfangreiches Beweismaterial, insbesondere 1.000 Computerdisketten sowie mehrere vernetzte PCs, darunter die Mailbox \"Janus BBS\", beschlagnahmt. Der Beschuldigte hatte im Dezember 1995 in der Mailbox \"Janus BBS\" Z\u00fcndels revisionistische \"Power-Letters\" ver\u00f6ffentlicht, in denen das Vernichtungsschicksal der europ\u00e4ischen Juden w\u00e4hrend der NS-Zeit geleugnet wird. Gleichzeitig f\u00fchrte das Bundeskriminalamt im Auftrag des GeneralbunExekutivdesanwalts aufgrund eines Ermittlungsverfahrens u.a. wegen des Verma\u00dfnahmen dachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung beim Sysop der \"Kr\u00e4ftwerk BBS\" und vier weiteren Rechtsextremisten Wohnungsdurchsuchungen durch. Anla\u00df war die \u00f6ffentliche Aufforderung zu Straftaten gegen politische Gegner, Polizeiund Justizbeamte im Thule-Netz. 10.5 Ausblick Seit Oktober gibt es innerhalb der Thule-Netzund Nordland-Netz-Betreiber \u00dcberlegungen, welche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine Verbesserung der Kommunikation bestehen. Als erster Schritt wurde der wechselseitige Transport von Informationen (Brett-Routen) in den Netzen vereinbart. Federf\u00fchrend bei Bestrebungen zur Wiedervereinigung der Mailboxverbundsysteme ist die Redaktion der Berlin-Brandenburger Zeitung (BBZ), die in beiden Netzwerken publiziert. Die Bretter \"Aktuell/Diskussionen\" enthielten nachstehende Schlagzeilen: \"Der Wiederaufbau eines geeinten und schlagkr\u00e4ftigen Netzwerkes mu\u00df im Interesse der gesamten nationalen Opposition liegen. Eine schlagkr\u00e4ftige Kommunikations-Struktur ist das Gebot der Stunde. Unsere beste Waffe ist das ver\u00f6ffentlichte Wort, dazu ist ein schneller und funktionierender Informations-Weg unabdingbar; davor hat der politische Gegner am meisten Angst.\" Zur Verwirklichung der Ziele wurde in Berlin der \"Arbeitskreis vernetzte Medien\" gegr\u00fcndet, der auf seiner Sitzung am 3 1 . Oktober zu folgendem Schlu\u00df kam: \"In Zeiten zunehmender Verfolgung ist der Aufbau eigener Medien f\u00fcr die nationale Opposition unverzichtbar.\"","78 Rechtsextremrsmus 11. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte rechtsextremistische Organisationen und Verlage sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1997 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Parteien einschlie\u00dflich integrierter Vereinigungen Die Republikaner (REP) 4.300 15.500 Der Republikaner 26.11.1983, Berlin monatlich, 20.000 Nationaldemokratische Partei 680 4.300 Deutsche Stimme (DS) Deutschlands (NPD) monatlich, 40.000 28.11.1964, Stuttgart Bayern-Stimme unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Junge Nationaldemokraten (JN) 60 400 Einheit und Kampf (EuK) 1969, Stade unregelm\u00e4\u00dfig, 2.000 Der Aktivist unregelm\u00e4\u00dfig, 900 Nationaldemokratischer HochschulFunktion\u00e4rsgruppe bund (NHB) 1967, N\u00fcrnberg Deutsche Volksunion (DVU) 1.800 15.000 (Publizistische Sprachrohre: 05.03.1987, M\u00fcnchen siehe DSZ-Verlag) Deutsche Volksunion e.V. einschlie\u00dflich Aktionsgemeinschaften 16.01.1971, M\u00fcnchen 2. Neonazistische Organisationen Hilfsorganisation f\u00fcr nationale 90 400 Nachrichten der HNG politische Gefangene und deren monatlich, 500 Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 02.07.1979, Frankfurt am Main Freiheitlicher Volks Block (FVB) 20 60 Deutscher Bund (DB) 30 Burgpost 22.05.1993, Bodenkirchen monatlich Kameradschaft Franken 20 N\u00fcrnberg Bund Frankenland F\u00fcriktion\u00e4rsgruppe Dezember 1991, W\u00fcrzburg NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation NS Kampfruf (NSDAP-AO) unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 1972, Lincoln/USA","Rechtsextremismus 79 Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1997 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 3. Sonstige Organisationen Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat 120 700 (Publizistisches Sprachrohr: (DLVH) siehe Nation Europa Ver03.10.1991, Berlin lag GmbH) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik e.V. (GFP) 40 450 Das Freie Forum 1960, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich, 1.500 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten e.V. 30 280 Huttenbriefe - f\u00fcr Volkstum, Februar 1982, Starnberg Kultur, Wahrheit und Recht zweimonatlich, 4.000 Die Artgemeinschaft - Germanische 150 Nordische Zeitung (NZ) Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer viertelj\u00e4hrlich Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) Schutzbund f\u00fcr das 200 Deutsche Volk e.V. (SDV) September 1981, M\u00fcnchen Deutsches Kolleg (DK) Funktion\u00e4rsg ruppe 1994, Berlin 4. Verlage Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH Deutsche National-Zeitung (DSZ-Verlag) (DNZ), w\u00f6chentlich, 35.000 M\u00fcnchen Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ), w\u00f6chentlich, 20.000 Nation Europa Verlag GmbH Nation & Europa - 1953, Coburg Deutsche Monatshefte monatlich, 16.000 Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG Mensch und Ma\u00df 1949, P\u00e4hl zweimal monatlich, 2.000 Denk mitl-Verlag Denk mit! N\u00fcrnberg unregelm\u00e4\u00dfig, 1.000 Odal-Verlag Der Scheinwerfer Rodach b. Coburg monatlich, 7.000 VGB Verlagsgesellschaft Berg mbH Deutsche Geschichte Berg zweimonatlich, 10.000 Castel del Monte Verlag Staatsbriefe M\u00fcnchen monatlich, 1.000","80 Linksextremismus 2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1.1 Merkmale des Linksextremismus Ideologisches Das ideologische Spektrum der Linksextremisten reicht von Anh\u00e4nSpektrum gern des \"wissenschaftlichen Sozialismus/Kommunismus\" in seiner klassischen Form \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re mit unterschiedlichen diffusen Konzeptionen bis hin zu Anarchisten. Theoretische Grundlagen bilden im wesentlichen die Werke von Marx und Lenin, aber auch von Trotzki, Stalin, Mao Tse-tung und anderen. Die Bestrebungen der Linksextremisten sind darauf gerichtet, die bestehende Staatsund Gesellschaftsordnung zu beseitigen und durch eine ihren ideologischen Vorstellungen entsprechende kommunistische Ordnung zu ersetzen. Diese Bestrebungen sind verfassungsfeindlich, weil die Ziele und oft auch die Mittel, mit denen sie erreicht werden sollen, gegen die grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung versto\u00dfen. Ziele der LinksSo erstreben Linksextremisten, auch wenn sie es h\u00e4ufig nicht offen extremisten aussprechen, - die \"sozialistische\" Revolution, - Klassenkampf und Klassenherrschaft, - die Diktatur des Proletariats. Diese Ziele versto\u00dfen vor allem gegen das Mehrheitsund das Freiheitsprinzip sowie gegen den Gleichheitsgrundsatz. Eine Reihe von linksextremistischen Gruppierungen bekennt offen, Anwendung da\u00df ihre Ziele nur unter Anwendung von Gewalt zu erreichen sind. von Gewalt Teilweise ver\u00fcben sie Gewalttaten oder arbeiten zur Erreichung ihrer Ziele mit Gewaltt\u00e4tern zusammen. Dies verst\u00f6\u00dft gegen den Grundsatz des Ausschlusses jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft und verletzt, wenn sich die Gewalt gegen Personen richtet, das Grundrecht auf Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit.","Linksextremismus 81 Die wahren Ziele werden oftmals in Aktionsfelder und Themen einSchw\u00e4chung der gebunden, die selbst nicht extremistisch sind. Beispiele hierf\u00fcr sind Abwehrbereitder sogenannte Antifaschismus und die Antikernkraftbewegung, schaft unserer Durch gewandte Agitation gelingt es Linksextremisten teilweise, den Demokratie bisherigen Konsens aller Demokraten in der Ablehnung jedweden gegen\u00fcber Linkspolitischen Extremismus zu durchbrechen. Indizien f\u00fcr eine Aufweiextremisten chung dieser klaren Grenzziehung sind \u00f6ffentliche Diskussionen \u00fcber eine m\u00f6gliche Beteiligung von Linksextremisten an Koalitionsregierungen und das Zusammenwirken demokratischer Gruppierungen mit Linksextremisten bei einzelnen Protestthemen wie z.B. in der Antikernkraftbewegung. Linksextremistische Positionen werden dadurch nicht als solche erkannt. Dies schw\u00e4cht die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie gegen\u00fcber linksextremistischen Entwicklungen. F\u00fcr ihre Agitation nutzen Linksextremisten seit mehreren Jahren zunehmend die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Mailboxen und Mailbox-Systeme wie \"Spinnennetz\" werden mehr Mailboxen und und mehr durch das Internet erg\u00e4nzt. Internet 1.2 Entwicklung in Bayern Die Zahl der linksextremistischen und linksextremistisch beeinflu\u00dften Konstante MitParteien und Gruppierungen sowie ihre Mitgliederzahlen sind kongliederzahlen stant geblieben. In Bayern ist lediglich die Zahl der beitragspflichtigen PDS-Mitglieder leicht zur\u00fcckgegangen. Waren es Ende 1996 noch rund 230 Mitglieder, so bewegt sich die aktuelle Mitgliederzahl bei 200. Dagegen ist die Zahl der Sympathisanten, denen laut Statut Mitgliederrechte \u00fcbertragen werden k\u00f6nnen, von etwa 220 auf rund 250 gestiegen. Die PDS-Anh\u00e4ngerschaft in Bayern blieb damit im vergangenen Jahr unver\u00e4ndert. Die Mitgliederzahl der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) blieb gleich. Die Zahl der Anh\u00e4nger autonomer Gruppen, die eine der bedeutendsten und gewaltt\u00e4tigsten Str\u00f6mungen des Linksextremismus darstellen, blieb unver\u00e4ndert. Sie werden von anderen linksextremistischen Gruppen wie der PDS zunehmend als Partner f\u00fcr Aktionen akzeptiert. Zentrale Agitationsthemen der Linksextremisten waren NeonazisAgitationsthemen mus/Faschismus, Rassismus, Asylund Abschiebeproblematik, Arbeitslosigkeit, Sozialabbau und Transport von abgebrannten Brennelementen aus Kernkraftwerken in Castor-Beh\u00e4ltern sowie Abr\u00fcstung und Abschaffung der Wehrpflicht.","82 Linksextremismus Die Entwicklung der Zahl linksextremistischer und linksextremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen in Bayern und ihrer Mitgliederst\u00e4rken ist aus der folgenden \u00dcbersicht zu ersehen. Erkannte Mehrfachmitgliedschaften werden jeweils nur bei einer Organisation erfa\u00dft. Zahl und Mitgliederst\u00e4rke 1995 1996 1997 linksextremistischer OrganiAnzahl der Organisationen 42 42 42 sationen Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten Kernorganisationen 2.150 2.150 2.230 Nebenorganisationen 110 110 70 beeinflu\u00dfte Organisationen 830 920 920 Anarchisten und sonstige Sozialrevolution\u00e4re 550 520 500 Linksextremisten insgesamt 3.640 3.700 3.720 Mitglieder 60.000 56.000 50.000 40.000 -^ ueuT.31.1 l l <\u00e4nu ^^-- M M B 30.000 34 800 20.000 10.000 o 11.100 aay n JS./ZU 0 1988 89 90 91 92 93 94 95 96 97 * Die Kurve f\u00fcr die bundesweite Entwicklung beruht auf Zahlen des Bundesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, das von den Mitgliedern der PDS nur die der Kommunistischen Plattform (KPF) erfa\u00dft. Die PDS Deutschland hatte 1997 insgesamt 104.000 Mitglieder, davon unter 2.500 in der KPF.","Linksextremismus 83 Die Bem\u00fchungen der Autonomen um Einflu\u00df in der Antikernkraftbewegung halten an. Der Kampf gegen die vermeintlichen Gefahren der friedlichen Nutzung der Kernenergie dient den Autonomen als Vorwand f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat und f\u00fcr ihre Gewaltaktionen. Auch die Antifa-Kampagne ist letztlich gegen den Staat gerichtet, denn sie unterstellt, der Staat w\u00fcrde den Rechtsextremismus sch\u00fctzen. 2. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 2.1 \u00dcberblick Marxistisch-leninistisch ausgerichtete Organisationen und andere Versuch der revolution\u00e4re Marxisten bem\u00fchen sich weiterhin, durch massive Kritik B\u00fcndelung extrean den \"herrschenden Verh\u00e4ltnissen\" und Forderung nach \"Fundamistischer Kr\u00e4fte mentalopposition\" ihren sozialistischen und kommunistischen Zielen n\u00e4herzukommen. Dabei gelang es nur begrenzt, die unterschiedlichen Ideologien und Str\u00f6mungen zu b\u00fcndeln. Die PDS, die nach dem Zusammenbruch des SED-Unrechtsregimes einen neuen Weg des \"demokratischen Sozialismus\" beschreiten will, versucht, Linksextremisten s\u00e4mtlicher Couleur von Radikalsozialisten bis zu sogenannten Basisdemokraten aus dem \u00f6kologischen Bereich zu integrieren. 2.2 Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) Die ehemals in der DDR herrschende Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) hat sich nach der friedlichen Revolution und dem Zusammenbruch ihres Unrechtsregimes nicht aufgel\u00f6st. Sie beschlo\u00df Umbenannte SED auf ihrem Sonderparteitag am 16./17. Dezember 1989 in Berlin-Wei\u00dfensee, sich in \"Sozialistische Einheitspartei Deutschlands - Partei des Demokratischen Sozialismus (SED-PDS)\" umzubenennen. Auf einer Tagung des Parteivorstands der SED-PDS am 4. Februar 1990 wurde der Parteiname endg\u00fcltig in Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) ge\u00e4ndert. Der 1. Parteitag der PDS am 24725. Februar 1990 best\u00e4tigte die Namens\u00e4nderung. 2.2.1 Ideologische Ausrichtung Die PDS versteht sich als linke \"Str\u00f6mungspartei\" f\u00fcr sozialistische Gruppen und Personen, denen Kritik und Ablehnung der bestehen-","84 Linksextremismus den politischen und \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse gemein sind. Das auf der 1. Tagung des 3. Parteitags der PDS vom 29. bis 31. Januar 1993 in Berlin beschlossene und bis heute g\u00fcltige Parteiprogramm erkl\u00e4rt hierzu, die PDS sei ein Zusammenschlu\u00df unterschiedlicher linker Kr\u00e4fte, die - bei allen Meinungsverschiedenheiten - darin \u00fcbereinstimmGegen ten, da\u00df die Dominanz des privatkapitalistischen Eigentums \u00fcberKapitalismus wunden werden m\u00fcsse. Die Beseitigung des Kapitalismus, die \u00dcberwindung des mit ihm verbundenen politischen Systems und damit der Demokratie im Sinn unseres Grundgesetzes sowie die Errichtung einer neuen \"sozialistischen Gesellschaft\" geh\u00f6ren somit, auch wenn die Revolutionsrhetorik des Marxismus-Leninismus vermieden wird, zu den Zielen der Partei, die vor allem au\u00dferparlamentarisch erreicht werden m\u00fc\u00dften. Im Parteiprogramm erkl\u00e4rt die PDS: \"Die Existenzkrise der Zivilisation macht die Umw\u00e4lzung der herrschenden kapitalistischen Produktionsund Lebensweise zu einer Frage menschlichen \u00dcberlebens.\" Das Bekenntnis der Partei zum au\u00dferparlamentarischen Kampf und zum Widerstand gegen die \"Herrschenden\" und \"gegebenen Verh\u00e4ltnisse\" ist mit der Grundidee der parlamentarischen repr\u00e4sentativen Demokratie des Grundgesetzes unvereinbar. Die PDS vertritt einen konsequenten Internationalismus und ist dem Bekenntnis zu Erbe von Marx und Engels, den vielf\u00e4ltigen Str\u00f6mungen der revoluMarx und Engels tion\u00e4ren und internationalen Arbeiterbewegung sowie anderen revolution\u00e4ren und \"demokratischen\" Bewegungen kritisch verbunden und dem Antifaschismus verpflichtet. Die Berufung auf Marx und Engels, die historische Entwicklung der Partei sowie die politische Herkunft ihrer Mitglieder aus kommunistischen Organisationen, insbesondere der SED, m\u00fcssen auch bei der Auslegung ihrer programmatischen \u00c4u\u00dferungen ber\u00fccksichtigt werden. Die PDS verwendet Begriffe wie Demokratie und Menschenrechte, die sie auch schon als SED gebraucht hat. Die Realit\u00e4t der DDR bewies jedoch, da\u00df diese Begriffe dort anders, n\u00e4mlich freiheitsund demokratiefeindlich, definiert waren. Ursache f\u00fcr die andere InterUmwidmung pretation politischer Begriffe ist deren bewu\u00dfte Umwidmung im Lehrvon Begriffen geb\u00e4ude des Marxismus-Leninismus, in dessen Denkschule die Masse der Mitglieder der PDS erzogen wurde. Deshalb besitzen die in ihrer Programmatik verwendeten Begriffe f\u00fcr den unvoreingenommenen Beobachter eine schwer einsch\u00e4tzbare Doppeldeutigkeit.","Linksextremismus 85 In den programmatischen \u00c4u\u00dferungen der PDS f\u00e4llt die Kritik an den fr\u00fcheren kommunistischen Zwangssystemen Mittelund Osteuropas sowie der DDR zur\u00fcckhaltend aus. Die bolschewistische Oktoberrevolution von 1917 und die mit ihr verbundenen globalen politischen Umw\u00e4lzungen bewertet das Parteiprogramm positiv: \"Dem welthistorischen Ereignis der sozialistischen Oktoberrevolution von 1917 verdankt die Menschheit grundlegende g\u00fcnstige Entwicklungen im 20. Jahrhundert.\" Die Kritik am \"realen Sozialismus\" reduziert sich auf eine Verurteilung stalinistischer Herrschaftspraktiken. Entsprechend milde wird auch die Errichtung der SED-Diktatur in der ehemaligen DDR beurteilt. Das Parteiprogramm f\u00fchrt dazu aus: \"Die antifaschistisch-demokratischen Ver\u00e4nderungen im Osten Deutschlands und sp\u00e4ter das Bestreben, eine sozialistische Gesellschaft zu gestalten, standen in berechtigtem Gegensatz zur Rettung des Kapitalismus in Westdeutschland, der durch die in der Menschheitsgeschichte unvergleichlichen Verbrechen des deutschen Faschismus geschw\u00e4cht und diskreditiert war. Zum Sozialismusversuch in der DDR geh\u00f6ren wertvolle Ergebnisse und Erfahrungen im Kampf um soziale Gerechtigkeit, um die Bestimmung der Ziele der Produktion im Interesse der werkt\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung, um ein solidarisches und friedliches Gemeinwesen auf deutschem Boden. Es gab jedoch auch Fehler, Irrwege, Vers\u00e4umnisse und selbst Verbrechen. \" Das Parteiprogramm widmet der Rechtfertigung des \"SozialismusverRechtfertigung suchs\" in der DDR und den \u00fcbrigen osteurop\u00e4ischen Staaten breiten des DDR-Regimes Raum. Folgende Passagen sprechen f\u00fcr sich: \"Millionen Menschen setzten sich nach 1945 f\u00fcr den Aufbau einer besseren Gesellschaftsordnung und f\u00fcr ein friedliebendes Deutschland in \u00dcberwindung des faschistischen Erbes ein. Das bedarf keiner Entschuldigung.\" \"Der Sozialismus in Osteuropa und in der DDR war nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sein Zusammenbruch war eine notwendige Folge seiner zunehmenden Unf\u00e4higkeit, das Eigentum an den Produktionsmitteln in einer f\u00fcr die Produzenten sp\u00fcrbaren Weise zu vergesellschaften.\" Zur weiteren programmatischen Orientierung verabschiedete der Par- \" 10 Thesen\" teivorstand der PDS am 28. November 1994 \"10 Thesen zum weiteren Weg der PDS\", die eine noch anhaltende Ideologiedebatte entfacht haben. Auf der 1. Tagung des 4. Parteitags der PDS vom 27. bis","86 Linksextremismus 29. Januar 1995 in Berlin wurden diese Thesen zur weiteren Diskussion an die Basisorganisationen der Partei \u00fcberwiesen. Anstelle dieser Thesen verabschiedete der Parteitag, der die ablehnende Haltung gegen\u00fcber der Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland best\u00e4tigte, das von Prof. Dr. Lothar Bisky (Parteivorsitzender), Dr. Gregor Gysi (Vorsitzender der Abgeordnetengruppe PDS im Deutschen Bundestag) und Dr. Hans Modrow (PDS-EhrenvorsitF\u00fcnf-Punkte-Papier zender) verfa\u00dfte F\u00fcnf-Punkte-Papier \"Sozialismus ist Weg, Methode, Wertorientierung und Ziel\". Das F\u00fcnf-Punkte-Papier steht in Kontinuit\u00e4t zum Parteiprogramm und h\u00e4lt am Anspruch grundlegender Ver\u00e4nderung der Staatsund Gesellschaftsordnung fest. Der \"sozialistische Charakter der PDS\" wird hervorgehoben: \"Er resultiert aus unserer \u00dcberzeugung, da\u00df die kapitalistischen Gesellschaftsstrukturen die gro\u00dfen Menschheitsfragen nicht nur nicht gerecht, sondern gar nicht l\u00f6sen k\u00f6nnen.\" Ablehnung der Das Papier dokumentiert auch die ablehnende Haltung der PDS freiheitlichen gegen\u00fcber der freiheitlichen demokratischen Grundordnung, wenn demokratischen festgestellt wird Grundordnung \"(...), da\u00df die PDS in prinzipieller Opposition zu den herrschenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen in der Bundesrepublik Deutschland steht.\" Weiter hei\u00dft es im beschlossenen F\u00fcnf-Punkte-Papier: \"Einig sind wir uns dahingehend, da\u00df die PDS unabh\u00e4ngig von der konkreten parlamentarischen Rolle das Schwergewicht ihrer T\u00e4tigkeit in au\u00dferparlamentarischen Bewegungen und Aktionen sieht und ihr gesellschaftliches Oppositionsverst\u00e4ndnis von der jeweiligen Rolle in einem Parlament nicht ber\u00fchrt wird.\" Festhalten am \"Als sozialistische Partei kann und darf die PDS nicht antikommunistisch Kommunismus sein. Sie ist nicht bereit, auf demokratisch-kommunistische Positionen in ihren Reihen zu verzichten.\" Die Begriffe \"Demokratie\" und \"Kommunismus\" schlie\u00dfen sich gegenseitig aus. Deshalb ist die Verwendung des Begriffspaars \"demokratisch-kommunistisch\" ein Beispiel daf\u00fcr, da\u00df die PDS Demokratie nicht im Sinn des Grundgesetzes versteht. Am 9. Januar wurde im Berliner Karl-Liebknecht-Haus das im parteieigenen Dietz-Verlag Berlin (von 1946 bis 1989 Hausverlag der SED)","Linksextremismus 87 erschienene, von der PDS-nahen Bundesstiftung \"Gesellschaftsanalyse Programmund Politische Bildung\" herausgegebene Buch \"Zur Programmatik kommentar der Partei des Demokratischen Sozialismus. Ein Kommentar\" vorgestellt. Der von sieben Mitgliedern der PDS (u.a. von dem Mitglied der Grundsatzkommission der PDS Prof. Dr. Michael Brie sowie den Mitgliedern des PDS-Bundesvorstands Dr. Andre Brie, Prof. Dr. Michael Schumann, Dr. Judith Dellheim und Dieter Klein) geschriebene Programmkommentar stellt eine Revision alter Marxismus-LeninismusLehrb\u00fccher dar. Die PDS wird als eine Partei neuen Typs klassifiziert, die mit den Traditionen der Staatspartei gebrochen habe. Nach Auffassung der Autoren sei die Publikation ein Buch, \"geschrieben f\u00fcr eine Wende nach der Wende\". Sie sehen den Marxismus als wichtigsten ideengeschichtlichen Bezugspunkt. In einer Antwort auf eine ver\u00f6ffentlichte Kritik des Sprechers des Marxistischen Forums der PDS Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer an dem Kommentarbuch f\u00fchrte der Mitverfasser Prof. Dr. Michael Brie in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 28729. Juni aus: \"F\u00fcr uns (die Autoren) ist der grundlegende, der im Kern revolution\u00e4re Wandel der Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnisse zentral (...). Nur im gleichen Ma\u00dfe k\u00f6nnen auch die modernen Vergesellschaftungsformen in Einheit mit neuen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnissen das bilden, was wir .sozialistische Moderne' nennen.\" Die 1. Tagung des 5. Parteitags der PDS vom 17. bis 19. Januar in Schweriner Schwerin mit dem Motto \"Sozial, solidarisch, alternativ\" hat weder Parteitag eine \u00c4nderung in der ideologischen Ausrichtung der Partei noch eine Ver\u00e4nderung des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses innerhalb der Partei erbracht. Auch der Medieninszenierung im Vorfeld des Parteitags - mit offenen und versteckten R\u00fcckzugsdrohungen der Parteispitze - ist es zuzuschreiben, da\u00df erneut gr\u00f6\u00dfere innerparteiliche Konflikte vermieden wurden. Der Kurs der Parteif\u00fchrung wurde im wesentlichen best\u00e4tigt. Ziel der Parteif\u00fchrung ist, mittels der - auch selber initiierten - Debatte um Regierungsbeteiligungen aus der Isolation auszubrechen und gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen. Die Durchsetzung der politischen Strategie der Parteif\u00fchrung bedeutet keine Aufgabe der system\u00fcberwindenden Ziele der Partei. Der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 20. Januar zufolge macht sich die PDS \"fit f\u00fcr eine eventuelle Zusammenarbeit mit SPD und B\u00fcndnisgr\u00fcnen\". An der Tagung nahmen 524 Delegierte (von 538 gew\u00e4hlten) und etwa 250 G\u00e4ste teil. Der PDS Landesverband Bayern war mit vier","88 Linksextremismus Delegierten (darunter die umweltpolitische Sprecherin der PDS-Bundestagsgruppe Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter aus Ingolstadt) sowie einigen Gastdelegierten vertreten. Im Mittelpunkt des Parteitags stand neben der Neuwahl des Parteivorstands die Verabschiedung der im Leitantr\u00e4ge Vorfeld heftig diskutierten Leitantr\u00e4ge, insbesondere des Antrags zu den Grunds\u00e4tzen und Zielen der PDS bei den Wahlen 1998/99 und des Antrags zur Ver\u00e4nderung des Statuts der PDS. n dem vom Parteivorstand der PDS bereits am 10. Juni 1996 beschlossenen und auf dem Parteitag mit gro\u00dfer Mehrheit der Delegierten als Leitantrag angenommenen Papier \"Grunds\u00e4tze und Ziele der PDS bei den Wahlen 1998/99\" wird eine Regierungsbeteiligung unter bestimmten Bedingungen f\u00fcr realisierbar gehalten. In dem in der PDS-Mitgliederzeitschrift \"DISPUT\" Nummer 1/1997 auf den Seiten 16 bis 18 wiedergegebenen Beschlu\u00df der 1. Tagung des 5. Parteitags hei\u00dft es hierzu: \"Die PDS bleibt zugleich au\u00dferparlamentarische Kraft. Sie ist offen f\u00fcr Ideen, Mitwirkung und Einflu\u00dfnahme gesellschaftlicher Bewegungen und Au\u00dferparlameneinzelner, die den au\u00dferparlamentarischen Kampf mit uns gemeinsam tarischer Kampf f\u00fchren wollen. Ohne gesellschaftliche Bewegung, ohne Bewegung von unten wird es keine dauerhaften und keine radikalen Wandlungen geben. Die Frage, ob eine Parlamentsfraktion der PDS sich innerhalb des Parlaments in eine Oppositionsrolle, in eine Situation des Tolerierens einer Regierung oder in eine Koalitionsrolle begibt, wird von der PDS - soweit es von ihr abh\u00e4ngt - je nach Zeit und Situation danach entschieden, wie ein H\u00f6chstma\u00df an gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen im Sinne der politischen Zielstellung der PDS erreicht werden kann. Die Frage einer Regierungsbeteiligung stellt sich f\u00fcr die PDS deshalb unter gesamtpolitischen Rahmenbedingungen und Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen dann, wenn diese die Schaffung oder Bewahrung von Voraussetzungen f\u00fcr einen sozialen, \u00f6kologischen und demokratischen Wandel der Bundesrepublik erm\u00f6glichen. (...) Die PDS will auch 1998 ohne Parteiegoismus und ohne sektiererische Einengung mit offenen Listen zu den Wahlen antreten. Die PDS wird zur","Linksextremismus 89 Wahrung ihres Profils keine direkten oder indirekten Parteienb\u00fcndnisse eingehen. F\u00fcr die offenen Listen will die PDS in erster Linie qualifizierte eigene Mitglieder und dar\u00fcber hinaus parteilose Pers\u00f6nlichkeiten aus sozialen, politischen und kulturellen Bewegungen des linken demokratischen antifaschistischen Spektrums gewinnen, um die gesellschaftliche Basis und \u00f6ffentliche Wirksamkeit sozialistischer Politik zu st\u00e4rken.\" Der Parteitag beschlo\u00df auch den Leitantrag \"PDS-Positionen f\u00fcr eine soziale und \u00f6kologische Reform von Steuern und Abgaben\". In ihrer Rede zur Begr\u00fcndung dieses Leitantrags - abgedruckt in der PDS-Mitgliederzeitschrift \"DISPUT\" Nummer 1/1997, Seiten 38 bis 41 - erkl\u00e4rte die PDS-Bundestagsabgeordnete und letzte DDR-Wirtschaftsminsterin Prof. Dr. Christa Luft, \"(...), da\u00df ich nicht einer Politik des Alles oder Nichts anh\u00e4nge, sondern dort (im Wahlkreis) verlangt man von mir, da\u00df ich mich einsetze f\u00fcr das, was jetzt und heute machbar ist, ohne das gro\u00dfe Ziel aus dem Auge zu \"Das gro\u00dfe Ziel\" verlieren.\" Bei der Wahl des Parteivorstands setzten sich die Kandidaten durch, die zu den \"Reformern\" oder \"Realpolitikern\" gerechnet werden. Insgesamt zehn der 18 Vorstandsmitglieder wurden wiedergew\u00e4hlt, Neuwahl des darunter auch der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky sowie die Parteivorstands beiden Stellvertreter Wolfgang Gehreke und Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann. Als neue Stellvertreterin anstelle von Angela Marquardt (AG Junge Genossinnen), die eine erneute Kandidatur f\u00fcr den Parteivorstand ablehnte, wurde das bisherige Vorstandsmitglied Gabriele Zimmer - sie ist auch Landesvorsitzende der PDS in Th\u00fcringen - gew\u00e4hlt. Prof. Dr. Christa Luft wurde erstmals in den Parteivorstand gew\u00e4hlt; sie erhielt mit 88,88 % die mit Abstand meisten Delegiertenstimmen. Der bisherige Schatzmeister Dr. Dietmar Bartsch wurde zum Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, zu seinem Nachfolger wurde Uwe Hobler vom / \" V * \" J ^ \" Landesverband Brandenburg gew\u00e4hlt. Unter den weiteren Mit- / A \" * * 0 gliedern des Parteivorstands befindet sich auch der wiederge- / \\ A \" ^ * w\u00e4hlte \"ideologische Vordenker\" der Partei, Dr. Andre Brie. ( (tm) t(tK6 ***\"\" Mit Halina Wawzyniak bleibt die AG Junge Genossinnen im Parteivorstand vertreten. Auf den freigewordenen Platz von Dr. Gregor Gysi r\u00fcckte der Redakteur der Hamburger Zeit schrift \"Sozialismus\", Dr. Joachim Bischoff, nach. Gysi! Die Kommunistische Plattform der PDS (KPF) konnte wiederum keinen Vertreter in den Parteivorstand entsenden. Zwar erhielt ihr Kandidat Prof. Dr. Michael Benjamin 37,63 % der Delegiertenstim-","90 Linksextremismus men, ihm fehlten aber sechs Stimmen f\u00fcr einen Sitz im Parteivorstand. Damit geh\u00f6rt bereits seit Januar 1995 kein Vertreter der KPF mehr dem Parteivorstand an. Allerdings bezeichnet die Tageszeitung \"junge Welt\" vom 2 1 . Januar eine der Neugew\u00e4hlten, Dorothee Menzner aus Hannover, als KPF-nah. Zur Position der PDS, der \"au\u00dferparlamentarische Kampf\" sei entscheidend, hatte der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky in einem Gespr\u00e4ch des Magazins \"Der Spiegel\" vom 20. Januar u.a. ausgef\u00fchrt: \"Das Volk steht nun einmal au\u00dferhalb der Parlamente. Also l\u00e4\u00dft sich zwischen den verschiedenen politischen Artikulationsformen nicht so klar trenAu\u00dferparlamennen, ... Die verfassungsm\u00e4\u00dfig verb\u00fcrgte Demonstrationsfreiheit schlie\u00dft tarischer Widerf\u00fcr mich das Recht auf au\u00dferparlamentarischen Widerstand sehr wohl stand ein.\" Unter der \u00dcberschrift \"Die PDS ist die einzige konsequente Opposition zur Regierungspolitik\" druckt die PDS-nahe Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 22. April den Entwurf der Wahlstrategie der PDS Papiere f\u00fcr die Europa-, Bundestagsund Landtagswahlen in den Jahren 1998 und 1999 ab. Der vom zentralen Wahlb\u00fcro der PDS vorgelegte Entwurf kn\u00fcpft inhaltlich an den Beschlu\u00df des Schweriner Parteitags vom Januar \"Grunds\u00e4tze und Ziele der PDS bei den Wahlen 1998/99\" an. Das Papier enth\u00e4lt jedoch konkretere \u00dcberlegungen, beispielsweise die Absicht, einen bundesweiten Medienwahlkampf und vor allem im Osten einen Basiswahlkampf zu f\u00fchren. Der PDS-Pressedienst Nummer 24 vom 13. Juni dokumentiert die durch eine Arbeitsgruppe \"Wahlstrategie\" \u00fcberarbeitete und vom Parteivorstand am 9. Juni beschlossene Fassung des Gesamtentwurfs des Papiers unter dem Titel \"Wahlstrategie der PDS 1998/99 Oder: Warum es noch nie so wirkungsvoll war, PDS zu w\u00e4hlen\" sowie die dazu beschlossene Anlage \"Wahlkampf gezielt auf eigene Arbeit der vergangenen Jahre st\u00fctzen!\". In dem beschlossenen Papier hei\u00dft es u.a.: \"Es ist h\u00f6chste Zeit f\u00fcr Alternativen, f\u00fcr eine gesellschaftliche und politische Reformwende, die diesen Namen verdient und die sozialstaatlichen Reformen der Vergangenheit bewahrt und erneuert. Es geht um einen Regierungswechsel als Schritt zum dringend notwendigen Politikwechsel. Die PDS wird gebraucht - als Partnerin f\u00fcr au\u00dferparlamentarische Aktivit\u00e4ten, f\u00fcr bundesweite konkrete Alternativen, soziale Kompetenz, selbstbewu\u00dfte ostdeutsche Interessenvertretung, gesellschaftliche Solida-","Linksextremismus 91 rit\u00e4t, demokratische, antikapitalistische Positionen in einem Parteiensystem, in dem ansonsten der Wettbewerb um die Gunst der Konzernzentralen und Unternehmerverb\u00e4nde dominiert. Ziel der PDS ist es, eine andere Politik, eine Politik gesellschaftlicher Erneuerung, des sozialen, Erneuerung der \u00f6kologischen und emanzipatorischen Umbaus durchzusetzen. (...) Die PDS Gesellschaft versteht sich als bundesweite sozialistische Partei. Als solche, nicht als ostdeutsche Regionalpartei und schon gar nicht mit einem ,antiwestdeutschen' oder .antiwestlichen' Tenor, ... (...) Der Gef\u00e4hrdung von Sozialstaat, Demokratie und zivilgesellschaftlicher Gestaltungsf\u00e4higkeit durch Neoliberalismus und Stammtischdenken wollen wir die Demokratisierung der Demokratie, die entschiedene St\u00e4rkung direkter Demokratieformen und die umfassende Realisierung der politischen und sozialen Menschenrechte entgegensetzen. (...) Die Wahlstrategie der PDS 1998/99 ist daher F\u00fcr eine andere eine Strategie f\u00fcr eine andere Bundesrepublik ...\" Bundesrepublik Als Auftakt f\u00fcr die bevorstehenden Wahlk\u00e4mpfe veranstaltete die PDS am 23. August in Berlin eine zentrale Wahlkonferenz mit etwa 250 Teilnehmern. Den Entwurf eines Wahlpro,<-- : **\"\"\"..**, gramms zur Bundestagswahl im September 1998 stellte der Parteivorstand der PDS am 15. Dezember vor. Der im PDS-Pressedienst fresset/* Nummern 51/52 vom 19. Dezember dokumentierte 20seitige Text des Entwurfs \"F\u00fcr den politischen Richtungswechsel! F\u00fcr eine gerechte Republik!\" soll nach Diskussion in F\u00fcr den politischen der PDS auf der 2. Tagung des 5. Parteitags in \"RichtungsRostock vom 3. bis 5. April 1998 beschlossen werden wechsel\" Im Vorfeld des geplanten Castor-Transports nach Gorleben rief die PDS bundesweit zum Widerstand auf. In einem vom Bundesvorstand Aufruf zum der PDS unterst\u00fctzten Aufruf - ver\u00f6ffentlicht in der PDS-nahen Widerstand Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 24. Februar - hei\u00dft es dazu: \"Hiermit rufen wir alle Aktivistinnen und Aktivisten der Partei des Demokratischen Sozialismus dazu auf, sich in der Woche ab Montag den 3. M\u00e4rz im Landkreis L\u00fcchow-Dannenberg zu versammeln. Wir werden uns friedlich und ohne Waffen dem kommenden Castor-Transport in den Weg stellen. Die Verantwortlichen in Industrie und Politik sollen erfahren, da\u00df f\u00fcr den Betrieb von Atomanlagen gegen den erkl\u00e4rten Willen der Bev\u00f6lkerung ein hoher Preis zu zahlen ist.\" Bei der Auseinandersetzung um die Castor-Transporte zeigt sich das Verh\u00e4ltnis der PDS zur Gewalt. W\u00e4hrend die Partei noch Ende Februar","92 Linksextremismus in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" dazu aufforderte, sich friedlich und ohne Waffen dem Castor-Transport in den Weg zu stellen, rechtfertigte der PDS-Landesvorsitzende von Sachsen, Reinhard Lauter, in einem Beitrag in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 3. M\u00e4rz das Zerst\u00f6ren eines f\u00fcr AtomRechtfertigung m\u00fclltransporte genutzten Bahngleises als zivilen Ungehorsam. Er von Gewalt f\u00fchrte darin aus: \"Der Widerstand der Betroffenen zum Beispiel im Wendland ist also nicht nur legitim, sondern ein Gebot der Vernunft;... Da\u00df die Herrschenden dagegen alle ihnen zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel einsetzen, ist zu erwarten. Da\u00df friedlich Protestierende - und das Zerlegen eines nur noch f\u00fcr Atomm\u00fclltransporte genutzten Gleises ist friedlicher Protest und Widerstand - aus den eigenen Reihen als Chaoten beschimpft und in einen Topf mit denen, die Nachbars Auto anz\u00fcnden, geworfen werden, ist bitter und Ausdruck eines merkw\u00fcrdig eingeschr\u00e4nkten Politikverst\u00e4ndnisses.\" Zur Unterst\u00fctzung des Widerstands gegen den Castor-Transport hatte die PDS nach einem weiteren Bericht in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 3. M\u00e4rz ein \"kommissarisches Anti-Atom-B\u00fcro\" eingerichtet. Dieses B\u00fcro habe dem Bericht zufolge den Zweck, \"praktische Koordinierungshilfe zu leisten sowie Informationen um den kommenden Castor-Transport zu sammeln und zu verbreiten\". Die bayerische PDS-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter, die ihre Unterschrift unter einen Aufruf zu gewaltsamen Protestformen am Kernkraftwerk Gundremmingen in einer aktuellen Stunde des Deutschen Bundestags am 17. April 1996 verteidigt hatte und deren Immunit\u00e4t im Anschlu\u00df daran vom Deutschen Bundestag aufStrafbefehl gehoben worden war, verbreitete am 22. August \u00fcber Internet die wegen Aufrufs zu Meldung, da\u00df das Amtsgericht Tiergarten in Berlin gegen sie wegen gewaltsamen des \u00f6ffentlichen Verbreitens von Flugbl\u00e4ttern und Aufrufen einen Protestformen Strafbefehl in H\u00f6he von 18.000 DM verh\u00e4ngt habe. 2.2.2 Organisation 2.2.2.1 Bundesweite Gliederung Die PDS ist eine auf Bundesebene organisierte Partei mit Sitz in Berlin. Sie gliedert sich in 16 Landesverb\u00e4nde, deren Gebiete mit den","Linksextremismus 93 L\u00e4ndern identisch sind, mit Kreisverb\u00e4nden und Basisorganisationen. Sie verf\u00fcgt \u00fcber etwa 104.000 (Ende 1996: 105.029) Mitglieder, davon rund 2.400 in den alten Bundesl\u00e4ndern. Die Mitgliederentwicklung ist weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Ursache f\u00fcr den R\u00fcckgang der MitglieBundesweit derzahl ist weniger der Austritt als vielmehr der Tod \u00e4lterer Mitglier\u00fcckl\u00e4ufige der. Angesichts der Altersstruktur kann dies nicht verwundern: 67 % Mitgliederzahl der Parteimitglieder in Ostdeutschland sind 60 Jahre und \u00e4lter und nur 2 % j\u00fcnger als 30 Jahre. Laut PDS-Pressedienst Nummer 23 vom 6. Juni fand am 24. Mai ein zentraler Auftaktworkshop zum Projekt \"Mitgliedergewinnung PDS Mitglieder2000\" statt, das auf der Sitzung des Parteivorstands am 12. Mai werbung beschlossen wurde. Von einer Koordinierungsgruppe, in der unter der Leitung des Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrers Dr. Dietmar Bartsch auch Dr. Andre Brie als Verantwortlicher f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit und zugleich Leiter des zentralen Wahlb\u00fcros mitarbeitet, wurde in der Folgezeit eine Werbekonzeption und eine Kommunikationsstrategie erarbeitet. Hintergrund der Aktion sind der Mitgliederschwund sowie die \u00dcberalterung der Partei. Der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 21. Oktober zufolge will die PDS mit dem tags zuvor offiziell gestarteten Werbeprojekt \"junge Leute, Frauen sowie sonstige einstige Mitglieder von SED und DDR-Blockparteien gewinnen\". Dem seit Januar amtierenden Parteivorstand geh\u00f6ren wie bisher 18 Personen an (wegen der Zusammensetzung siehe Nummer 2.2.1 dieses Abschnitts). Der ehemalige Ministerpr\u00e4sident der DDR, Dr. Hans Modrow, ist Ehrenvorsitzender der PDS. An bundesweiten Zusammenschl\u00fcssen sind bedeutsam: - Kommunistische Plattform (KPF) - Arbeitsgemeinschaft (AG) Junge Genossinnen in und bei der PDS - AG Cuba Sf - AG Antifaschismus und Antirassismus - AG Autonome Gruppen in und bei der PDS - Forum kommunistischer Arbeitsgemeinschaften [Umbenennung der \"AG Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) in der PDS\" seit April]","94 Linksextremismus - Libert\u00e4res Forum bei der PDS - Marxistisches Forum. Parteifinanzen Die Partei kann es sich leisten, ihren Apparat mit hohem Aufwand weiter zu unterhalten und aufwendige Wahlkampagnen zu f\u00fchren. Trotz gesunkener Mitgliederzahl hat die PDS im Jahr 1996 mit mehr als 16,9 Millionen DM das h\u00f6chste Aufkommen an Mitgliedsbeitr\u00e4gen seit 1990 erzielt. Nutzung des Seit Anfang des Jahres 1996 nutzt die PDS die Kommunikationsm\u00f6ginternets lichkeiten im Internet. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie der Bundesvorstand, die Abgeordnetengruppe PDS im Deutschen Bundestag, mehrere PDS-Basisorganisationen und die Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in und bei der PDS, sowie Einzelpersonen der PDS sind neben einer sogenannten Startseite der PDS bereits mit eigenen \"homepages\" vertreten. 2.2.2.2 Landesverband Bayern Organisation Die in Bayern seit September 1990 bestehende PDS setzt sich aus in Bayern dem Landesverband, acht Kreisverb\u00e4nden und etwa 22 Basisorganisationen zusammen. Der Sitz des PDS Landesverbands Bayern befindet sich in M\u00fcnchen. F\u00fcr eine Reihe von \u00f6rtlichen Strukturen, die noch keine Basisorganisationen sind, bestehen Kontaktund Anlaufadressen. Im M\u00e4rz waren der Kreisverband Nordost-Oberfranken und im Mai eine Basisorganisation in Germering gegr\u00fcndet worden. Neu errichtet wurde als eine weitere Basisorganisation im Mai in Erlangen das \"B\u00fcro f\u00fcr direkte Einmischung\". Neben diesen Organisationseinheiten bestehen noch die \"Erfurter Gruppe M\u00fcnchen\" und der \"N\u00fcrnberger Initiativkreis der Erfurter Erkl\u00e4rung\". Im Juli wurde die Gr\u00fcndung einer \"Kommunistischen Plattform Regionalgruppe N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth\" bekannt, der etwa 15 Mitglieder und Sympathisanten des PDS-Kreisverbands N\u00fcrnberg angeh\u00f6ren. \u00d6rtliche Gruppierungen der bundesweit agierenden AG Junge Genossinnen in und bei der PDS existieren in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Seit 25. Oktober gibt es die AG Kommunistisches Forum in und bei der PDS M\u00fcnchen, deren Ziel es der Gr\u00fcndungserkl\u00e4rung zufolge ist, \"marxistische Theorie und kommunistische Politik in popul\u00e4rer Weise in der PDS und der \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln und umzusetzen\". In Bayern ist die Zahl der beitragspflichtigen Mitglieder weiter leicht zur\u00fcckgegangen. Waren es Ende 1996 noch rund 230 Mitglieder, so","Linksextremismus 95 bewegt sich die aktuelle Mitgliederzahl bei 200. Dagegen ist die Zahl der Sympathisanten - laut PDS-Statut k\u00f6nnen den Sympathisanten Mitgliederrechte \u00fcbertragen werden - von etwa 220 auf rund 250 gestiegen. Die PDS-Anh\u00e4ngerschaft in Bayern blieb damit konstant. Sammelbecken Von den beitragspflichtigen Mitgliedern des Landesverbands sind von Linksextreetwa 50 bereits fr\u00fcher als Linksextremisten misten aufgetreten bzw. zum Teil als solche noch aktiv t\u00e4tig. Rund 30 Personen sind der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihren Nebenorganisationen zuzurechnen bzw. standen hiermit in Verbindung. Der Rest verteilt sich auf VVN-BdA (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten), \"\"\"*MM, VSP (Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik) und andere Organisationen. Der PDS Landesverband Bayern hielt am 2. M\u00e4rz in Augsburg seinen 1. Landesparteitag 1997 ab. Es beteiligten sich I ^ * \" * \" \" T i n daran rund 30 Personen, darunter auch einige PDS-Aktivisten aus Th\u00fcringen und Sewe/te;? sowie der Bundesschatzmeister Uwe Hobler. Auf den bisher noch offenen Posten des zweiten PDS-LanLandesparteitage dessprechers wurde der PDS-Aktivist G\u00fcnter Grimme-Ruhland gew\u00e4hlt, der bereits fr\u00fcher diese Funktion innehatte. In Ingolstadt trafen sich am 14. Juni etwa 30 Delegierte zum 2. Landesparteitag 1997. Der PDS-Ehrenvorsitzende Dr. Hans Modrow referierte zu den Themen \"Friedenspolitik und Deutsche Einheit\". Die NATO-Osterweiterung sei abzulehnen, weil sie zu einer einseitigen Machtverteilung f\u00fchre, die bei k\u00fcnftigen Konflikten den Frieden gef\u00e4hrde. Die bayerische PDS-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter, die die Veranstaltung leitete, erkl\u00e4rte, au\u00dfer in Niederbayern gebe es in allen Regierungsbezirken Basisorganisationen. Die st\u00e4rksten Verb\u00e4nde existierten in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Augsburg und Weiden. Bayern nehme unter den alten Bundesl\u00e4ndern einen \"sozialistischen Mittelplatz\" ein. Nordrhein-Westfalen sei deutlich st\u00e4rker, das Saarland sei das Schlu\u00dflicht. Trotzdem beteilige sich die Partei nicht an der bayerischen Landtagswahl 1998, denn hierf\u00fcr fehlten doch noch die notwendigen organisatorischen Voraussetzungen.","96 Linksextreimismus Neuwahl des An dem 3. Landesparteitag 1997 am 27. September in N\u00fcrnberg Landesvorstands nahmen etwa 50 Personen teil. Nach den dort durchgef\u00fchrten Neuwahlen zum Landesvorstand - seine Amtsdauer betr\u00e4gt ein Jahr - geh\u00f6ren diesem Gremium derzeit acht Personen an, von denen f\u00fcnf in anderen linksextremistischen Gruppierungen t\u00e4tig waren bzw. aktiv sind. In ihrem Amt als Sprecherin des Landesvorstands und damit als gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Vorstandsmitglied wurde Sima Sorayya best\u00e4tigt. Das gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorstandsmitglied Stephan Straub l\u00f6ste G\u00fcnter Grimme-Ruhland in der Funktion des zweiten Landessprechers ab. Unter den weiteren Vorstandsmitgliedern befindet sich auch die bayerische PDS-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter (fr\u00fcher DKP). Der 4. Landesparteitag 1997 des PDS Landesverbands Bayern fand am 7. Dezember in M\u00fcnchen statt; es waren etwa 70 Personen erschienen. Im Mittelpunkt stand dabei die Aufstellung der Kandidaten f\u00fcr die Landesliste zur Bundestagswahl 1998. Die schon 1994 als Spitzenkandidatin angetretene Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter konnte ihren Spitzenplatz behaupten und f\u00fchrt die acht Personen umfassende Landesliste an. F\u00fcr die PDS in Bayern sieht die Spitzenkandidatin ihr Ziel bei mm .^.\".\"\"\"s*\"*-' '\"AmA~\"\\M 100.000 W\u00e4hlerstimmen. Zur Unterrichtung der Mitglieder gibt der Landesverband in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden die Publikation \"TITEL - Informationsforum der PDS Bayern\" heraus. 2.2.3 Plattformen und Arbeitsgemeinschaften Plattformen und Arbeitsgemeinschaften sind wesentlich f\u00fcr die B\u00fcndnisund Integrationspolitik der PDS. Sie wirken im Rahmen des Statuts in der Partei und k\u00f6nnen sich eigene Satzungen geben. Sie Integrale Bestandsind damit integrale Bestandteile der PDS. Diese Strukturen k\u00f6nnen teile der PDS gem\u00e4\u00df den statuarischen Bestimmungen der PDS ihre politischen Ziele in der Partei offen vertreten. Die PDS mu\u00df sich deshalb die T\u00e4tigkeit der Plattformen und Arbeitsgemeinschaften sowie die \u00c4u\u00dferungen ihrer Mitglieder als Gesamtpartei zurechnen lassen. Plattformen sind in der Regel Zusammenschl\u00fcsse mit gemeinsamer Ideologie, wohingegen Arbeitsgemeinschaften themenbezogen auf wichtigen","Linksextremismus 97 Aktionsfeldern t\u00e4tig werden. Arbeitsgemeinschaften dienen der PDS auch dazu, Potentiale au\u00dferhalb der Partei zu gewinnen und zu binden. Zur Kontrolle und Steuerung dieser Zusammenschl\u00fcsse sind Mitglieder des Parteivorstands in Plattformen und Arbeitsgemeinschaften vertreten. Die Arbeitsgemeinschaften Junge Genossinnen in und bei der PDS, Gewaltbereite Autonome Gruppen in und bei der PDS sowie das Libert\u00e4re Forum bei Gruppen in der der PDS zeigen, da\u00df die PDS auch mit gewaltbereiten Gruppen zuPDS sammenarbeitet und diese sogar in den eigenen Reihen duldet und agieren l\u00e4\u00dft. 2.2.3.1 Kommunistische Plattform (KPF) Die am 30. Dezember 1989 gegr\u00fcndete Kommunistische Plattform Bekenntnis zum (KPF) der PDS - ihr sind unter 2.500 Mitglieder zuzurechnen - ist eine Marxismus-Lenimarxistisch-leninistische Organisation. Sie betrachtet die DKP als nismus nat\u00fcrliche Verb\u00fcndete und arbeitet auch mit der noch in der DDR gegr\u00fcndeten Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) zusammen. Innerhalb der PDS ist die KPF die Gruppierung, die sich am deutlichsten zum Kommunismus bekennt. Sie strebt die Fortsetzung marxistischer und leninistischer Politik, also die Diktatur des Proletariats, an. In ihren Thesen zur Gr\u00fcndung betonte sie: \"Die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung mit dem wissenschaftlichen Kommunismus, mit dem Marxismus-Leninismus, zu verbinden, aufgrund der marxistisch-leninistischen Analyse der realen Gesellschaftsentwicklung Strategie und Taktik zu bestimmen und Politik zu organisieren - ist vornehmste Aufgabe der Kommunisten und sie bleibt es.\" Nach einer programmatischen Erkl\u00e4rung vom Februar 1994, verfa\u00dft von drei Sprechern der KPF, bildet der Wissenschaftliche Kommunismus, wie er durch Lenin, Luxemburg, Gramsci, Trotzki, Bucharin oder Mao Tse-tung weiterentwickelt worden sei, die Grundlage f\u00fcr die Politik der KPF. Ziel der KPF sei die revolution\u00e4re Transformation der Klassenlose alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose Gesellschaft. Gesellschaft In der Erkl\u00e4rung hei\u00dft es: als Ziel \"Der politische \u00dcbergang zur klassenlosen Gesellschaft, der nunmehr dritte revolution\u00e4re Versuch, den Kapitalismus zu \u00fcberwinden, kann vielf\u00e4ltige Formen annehmen. Er mu\u00df sich nicht unbedingt gewaltsam vollziehen. (...) Der \u00dcbergang zu dieser neuen Zivilisationsstufe, die revolution\u00e4re","98 Linksextremismus Transformation der alten, der Klassengesellschaft, in eine neue, klassenlose Gesellschaft, dieser \u00dcbergang wird ein komplizierter, langwieriger, mehrere Phasen umfassender historischer Proze\u00df des erbitterten Klassen - k\u00e4mpf es sein, ...\" Die PDS-nahe Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 11. M\u00e4rz 1996 ver\u00f6ffentlichte auszugsweise Beitr\u00e4ge eines Streitgespr\u00e4chs von Ende Februar zum Thema \"Kommunistische Plattform - Fluch oder Segen der PDS?\". Podiumsteilnehmer waren die Mitglieder des Bundeskoordinierungsrats der KPF, Prof. Dr. Michael Benjamin und Ellen Brombacher - sie ist auch Sprecherin der KPF -, sowie der PDS-Bundestagsabgeordnete Gerhard Zwerenz. Zur Strategie der PDS und zur Rolle der KPF in der Partei f\u00fchrte Prof. Dr. Benjamin aus: \"Notwendig scheint zu sein, da\u00df wir den antikapitalistischen Charakter unserer Partei, der ja in Programm und Statut niedergelegt ist, konsequent durchhalten und deutlich zum Ausdruck bringen. Entscheidend ist, alles zu tun, was den Menschen n\u00fctzen kann. Das bedeutet aber auch, da\u00df wir die juristischen und finanziellen Grenzen dieses Systems ausloten, Kampf gegen den da\u00df wir bis an die Grenzen gehen, sie deutlich machen und versuchen, sie demokratischen zu durchbrechen, zu verschieben. Dazu ist parlamentarischer und au\u00dferRechtsstaat parlamentarischer Kampf notwendig.\" \" Wir sind Mitglieder der PDS. Wir haben kein Programm, das nicht das Programm der PDS w\u00e4re. Allerdings meinen wir, da\u00df wir zu den entschiedeneren, linkeren, radikaleren Kr\u00e4ften in dieser Partei geh\u00f6ren. Darauf sind wir einigerma\u00dfen stolz. (...) F\u00fcr die PDS behaupte ich, ein sehr gro\u00dfer Teil der Mitglieder f\u00fchlt sich in der einen oder anderen Weise dem Kommunismus verbunden. Damit sind sie keineswegs alle Anh\u00e4nger der PlattAufrechterhaltung form. Aber kommunistische Traditionen werden in dieser Partei von vielen kommunistischer gesch\u00e4tzt. Da\u00df es in der PDS eine Kommunistische Plattform gibt, wissen die Traditionen Leute. Trotzdem haben sie in Berlin 30 Prozent und mehr PDS gew\u00e4hlt.\" KPF-Mitglieder geh\u00f6ren zu den politisch aktivsten Personen in der Partei. Die Parteif\u00fchrung bekennt sich zur KPF. Auf der 2. Tagung des 4. Parteitags im Januar 1996 erkl\u00e4rte der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky, die Diskussionsangebote der KPF geh\u00f6rten zum Meinungsbildungsproze\u00df der Partei. In einem im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" vom 5. September ver\u00f6ffentlichten Interview \u00e4u\u00dferte der Parteivorsitzende u.a. zur Position der KPF in seiner Partei: \"Die Kommunistische 'Plattform in unseren eigenen Reihen ist ein wichtiger Bestandteil der PDS. Und kein Mensch, am allerwenigsten ich, denkt","Linksextremismus 99 daran, diese Plattform zu verteufeln oder gar aus der Partei entfernen zuKeine Abgrenzung wollen. Es ist doch normal, wenn es um den Weg zu einer gerechten Geder PDS gegensellschaft, in der Einsch\u00e4tzung der bestehenden Gesellschaft und in der \u00fcber anderen Analyse unterschiedliche Ans\u00e4tze gibt. Der eine setzt eben da mehr auf Kommunisten Klassenkampf, teilweise noch auf Weltrevolution, und ein Gro\u00dfteil der PDS und ihrer Mitglieder will (auf) diese Gesellschaft nicht vom Rande aus einwirken, sondern sich mitten in sie hinein begeben und sozialistisch und demokratisch wirken.\" Das Mitglied des Bundeskoordinierungsrats der KPF, Sahra Wagenknecht, hat in einem Interview der Tageszeitung \"Stuttgarter Nachrichten\" vom 22. Januar die Anwendung von Gewalt in der politischen Auseinandersetzung nicht ausgeschlossen. Auf die Frage, ob \"gegen den Sozialabbau Druck von unten\" au\u00dferparlamentarisch und nicht mit demokratischen Mitteln erfolgen solle, f\u00fchrte sie aus: \"Es kommt darauf an, was man unter demokratischen Mitteln versteht.\" Auf die Frage, ob die Kommunistische Plattform auch \"revolution\u00e4re Gewalt\" bef\u00fcrworte, erkl\u00e4rte sie: \"Da wir schon vom Grundgesetz sprechen: Das Grundgesetz selbst forGewalt als Mittel dert zum Widerstand auf, wenn die herrschende Politik dazu zwingt. Wir der Politik bevorzugen gewaltfreie Methoden. Aber es kommt immer darauf an, wie der Staat auf diesen Widerstand reagiert.\" Die \"Bunte Liste Lindau\" organisierte am 3. M\u00e4rz mit Sahra WagenVorrang des knecht und dem PDS-Bundestagsabgeordneten Dr. Winfried Wolf eine au\u00dferparlamenPodiumsdiskussion. Sahra Wagenknecht stufte die Auffassung, blo\u00dfe tarischen WiderRegierungswechsel k\u00f6nnten Grunds\u00e4tzliches an den Machtr____ Stands Verh\u00e4ltnissen \u00e4ndern, als weltfremd ein. Kr\u00e4ftekonstellationen seien \u00e4nderbar durch innerund vor allem au\u00dferparlamentarischen Widerstand. Dr. Heinz Marohn, einer der Sprecher der KPF und verantdegr K ( \" ( ! m i l n j * * > \"\"\",\" wortlich f\u00fcr die \"Mitteilungen der Kommunistischen PlattStand:Punkte form der PDS\", spricht sich in Heft 3 vom M\u00e4rz ebenfalls J 4nai yi f\u00fcr Widerstand gegen das bestehende Gesellschafts;' Disfc, \"ssionen System aus. Die Lage in Deutschland sei bekannt, jeder '\"form.afionej erlebe sie selbst tagt\u00e4glich vor Ort. Sie zu erkennen sei das eine, sie zu ertragen oder gegen sie zu k\u00e4mpfen sei / fc das andere, das Wichtige. Selbst Wissenschaftler stellten fest, das bestehende System sei nicht reformierbar.","100 Linksextremismus Abschaffung des Die KPF wisse dies auch, aber wohl noch nicht alle in der Partei. Das parlamentarischSystem, mit dem es keinen Frieden geben k\u00f6nne, m\u00fcsse ge\u00e4ndert demokratischen werden, nicht nur Kohl m\u00fcsse weg. Weiter f\u00fchrt er aus: Systems \"Jede Kraft, die \u00fcber Reformen hinaus konsequent eine neue Gesellschaftsordnung anstrebt, wird den Herrschenden ein Gegner sein. Die zentrale Frage ist und bleibt: WIDERSTAND!\" St\u00e4ndiger Rat \u00dcber die KPF ist die PDS nach wie vor im \"St\u00e4ndigen Rat marxistischer marxistischer Parteien\" vertreten. Diesem 1991 in Berlin gegr\u00fcndeten Gremium Parteien geh\u00f6ren neben der PDS auch die Anfang 1990 in den f\u00fcnf neuen L\u00e4ndern gegr\u00fcndete Kommunistische Partei Deutschlands (KPD/DDR) sowie der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) an. Ziel des St\u00e4ndigen Rats ist die Kommunikation und Koordination der Marxisten Deutschlands in Theorie und Praxis. 2.2.3.2 Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in und bei der PDS Die Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in und bei der PDS (AG Junge Genossinnen) ist ein bundesweiter Zusammenschlu\u00df, der innerhalb der PDS unter eigenem Namen agiert. Diese Gruppierung, die sich rund 500 Mitglieder und 1.000 Sympathisanten zurechnet - ein Drittel der Mitglieder geh\u00f6re auch der PDS an; die H\u00e4lfte stamme aus den westlichen L\u00e4ndern -, dient als Bindeglied der PDS zu jugendlichen undogmatischen Linksextremisten, besonders Autonomen. In einem auf dem Bundeskongre\u00df der AG Junge Genossinnen Grundsatzpapier am 16. und 17. M\u00e4rz 1996 in Bielefeld vorgelegten Grundsatzpapier - ver\u00f6ffentlicht im PDS-Pressedienst Nummer 13 vom 29. M\u00e4rz 1996 und Nummer 14 vom 4. April 1996 - hei\u00dft es: \"Die AG Junge Genossinnen sammelt Menschen um sich, die zum einen als linkes Korrektiv innerhalb der PDS mit vorwiegend au\u00dferparlamentarischen Bezugspartnern wirken wollen, einen antietatistischen Ansatz vertreten, und ... (...) Auf die PDS beziehen wir uns, da sie als einzige politisch relevante Kraft den Anspruch hat, sozialistische Partei zu sein. (...) Linksradikale Forderungen k\u00f6nnen in Parteien nicht unbeschr\u00e4nkt diskutiert werden, da sie zu einem Verbot f\u00fchren k\u00f6nnten. (...) Auf die au\u00dferparlamentarische und undogmatische Linke wollen wir uns beziehen, da wir viele ihrer Ans\u00e4tze und Diskussionen interessant finden, mit ihnen zusammenarbeiten wollen, gerade weil ihre Forderungen weiter gehen als die der Partei, sie nicht in parlamentarische Zw\u00e4ngen stecken.\"","Linksextremismus 101 Bei dem vom 9. bis 11. Mai in Magdeburg abgehaltenen BundeskonBundeskongre\u00df in gre\u00df der AG Junge Genossinnen wurde Angela Marquardt (bis Januar Magdeburg amtierende stellvertretende Parteivorsitzende der PDS) mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit in den Sprecherinnenrat der Organisation wiedergew\u00e4hlt. Hauptthema des Bundeskongresses, an dem rund 70 Personen teilnahmen, war die Erarbeitung eines Positionspapiers mit dem Titel \"Radikal in die Zukunft! Anstatt auf der Stelle zu treten\". Berichten in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 12. Mai und einem Beitrag im PDS-Pressedienst Nummer 21 vom 22. Mai zufolge will die AG die innerparteiliche Lethargie der PDS vor den Wahlk\u00e4mpfen aufbrechen und helfen, den eigenen kritischen Anspruch zu verwirklichen. In dem Positionspapier, das sich zu Themen wie Schulund Hochschulpolitik, Arbeitswelt, Antifaschismus und Drogenpolitik \u00e4u\u00dfert, wird die Mutterpartei hart kritisiert. In der ParKritik an Pragtei verselbst\u00e4ndige sich zunehmend eine Kaste von Pragmatikern, die matikern in der eine gesellschaftliche Alternative nicht mehr anstrebe. Weiter hei\u00dft es: Partei \"Der mangelnde Wille und die teilweise Unf\u00e4higkeit, eine notwendige Verbindung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Vision und Realit\u00e4t, zwischen system\u00fcberwindender Strategie und konkretem Eingreifen in die Tagespolitik herzustellen, ist das zentrale Dilemma der PDS. Angela Marquardt \u00e4u\u00dferte sich zum Positionspapier in einem in der Tageszeitung \"junge Welt\" vom 12. Mai abgedruckten Interview wie folgt: t 'JIIKiWl W D'eTageszeicimg \"Wir k\u00f6nnten ja alle den lieben langen Tag Forderungen aufstellen, die einfach nur mit einem Systemwechsel verbunden sind. Da wir aber nicht * * * in der Situation sind, da\u00df der Systemwechsel morgen kommt: Warum sollen da nicht auch Forderungen gestellt werden, die innerhalb des Systems bleiben?\" Der Bundeskongre\u00df spiegelt die Probleme der AG wider: Einerseits attackiert sie den \"Anpassungskurs\" der Partei, andererseits ist sie gewillt, die PDS im Wahlkampf zu unterst\u00fctzen und bei der Mitgliedergewinnung zu helfen. Zugleich mu\u00df sie sich auch gegen Kritik aus den eigenen Reihen zur Wehr setzen. Die AG Junge Genossinnen pl\u00e4diert f\u00fcr au\u00dferparlamentarische InitiaAu\u00dferparlamentiven zur \u00dcberwindung der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft und zur Abtarische Initiativen schaffung der parlamentarischen Demokratie. Mit ihrem Bekenntnis zu \"unkonventionellen Methoden zivilen Ungehorsams\" und zu \"Norm\u00fcbertretungen\" propagiert sie die Anwendung von Gewalt als","102 Linksextremismus Mittel der politischen Auseinandersetzung. Die AG unterh\u00e4lt Verbindungen zu gewaltbereiten Autonomen au\u00dferhalb der Partei und sympathisiert mit ausl\u00e4ndischen extremistischen Gruppen. Au\u00dferdem pl\u00e4diert die AG f\u00fcr eine Zusammenarbeit mit militanten Antifa-Gruppen. Angela Marquardt bekundete im Vorfeld der Ende Januar 1995 durchgef\u00fchrten 1. Tagung des 4. Parteitags - auf dem sie dann zur stellvertretenden Parteivorsitzenden der PDS gew\u00e4hlt worden war -, Zusammenarbeit da\u00df die AG mit Autonomen zusammenarbeite. Sie selbst versuche, mit Autonomen \"au\u00dferparlamentarische Gruppen wie die Antifa\" in eine Diskussion mit der PDS zu bringen. Ihre Einstellung zum demokratischen Rechtsstaat fa\u00dfte sie wie folgt zusammen: \"... Ich lebe jetzt und heute in dieser BRD. Sie will mich nicht und ich will sie auch nicht.\" 2.2.3.3 Marxistisches Forum Am 6. Juni 1995 konstituierte sich in Berlin das orthodox-kommunistisch ausgerichtete \"Marxistische Forum\" (MF). In der vom PDS-Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer - einer der f\u00fcnf Sprecher des MF - moderierten Gr\u00fcndungsveranstaltung wurden Standort und Aufgaben des Forums er\u00f6rtert. Es will die soziale, \u00f6konomische und politische Situation mit den Mitteln des Marxismus analysieren, die marxistische Theorie weiterentwickeln und zur theoretischen FundieWeiterentwicklung rung der Politik der PDS beitragen. Dazu geh\u00f6re neben der marxistider marxistischen sehen Aufarbeitung der Geschichte der DDR und des Sozialismus auch Theorie die Untersuchung der Dialektik von systemimmanenten und system\u00fcberwindenden Reformen. Au\u00dferdem solle auf die notwendige Verst\u00e4rkung des antimilitaristischen Kampfes aufmerksam gemacht werden. In der Generaldebatte zur Frage m\u00f6glicher Regierungsbeteiligungen anl\u00e4\u00dflich der 1. Tagung des 5. Parteitags der PDS vom 17. bis 19. Januar in Schwerin forderte der rechtspolitische Sprecher der PDS-Bundestagsgruppe und Sprecher des MF, Prof. Dr. Uwe-Jens Heuer, eine gr\u00fcndlichere (marxistische) Analyse aktueller Entwicklungen und Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse. Die PDS-Mitgliederzeitschrift \"DISPUT\" Nummer 1/1997, Seiten 13 und 14, dokumentiert seine Ausf\u00fchrungen wie folgt: \"Fazit seiner dialektischen \u00dcberlegungen: Im Kern geht es um eine Widerstandsstrategie, verbunden mit einem Reformprojekt. (...) Notwendig sei aber eine konkrete Entscheidung, ob eine Regierungsbeteiligung der PDS","Linksextremismus 103 gesellschaftlichen Widerstand und linke Reformm\u00f6glichkeiten st\u00e4rke oder schw\u00e4che.\" Prof. Dr. Heuers Pl\u00e4doyer, entsprechende Bedingungen f\u00fcr etwaige Regierungsb\u00fcndnisse der PDS per Beschlu\u00df festzuschreiben und zu gegebener Zeit einen Bundesparteitag einzuberufen, fand jedoch ebensowenig Mehrheiten wie \u00e4hnlich lautende Antr\u00e4ge der KPF. 2.2.4 Teilnahme an Wahlen Bei den hessischen Kommunalwahlen am 2. M\u00e4rz konnte die PDS in Kommunalwahlen der Stadt Marburg 2.085 Stimmen (= 6,2 %) erzielen. Damit hat sie in Hessen erstmals bei Wahlen in einem westlichen Bundesland in einer gr\u00f6\u00dferen Stadt die 5 %-H\u00fcrde \u00fcberwunden. Die Partei hatte mit der Liste \"PDS/Marburger Linke\" kandidiert; auf sie entfielen vier Sitze in der Stadtverordnetenversammlung. Unter ihren Mandatstr\u00e4gern befindet sich die Studentin Pia Maier, Mitglied des neugew\u00e4hlten PDS-Bundesvorstands. Abgesehen von dieser Ausnahme blieb die PDS auf Landesebene mit 9.572 Stimmen (= 0,3 %) eine Splitterpartei. Die PDS/Linke Liste erhielt bei der Wahl zur Hamburger B\u00fcrgerschaft Wahl zur am 2 1 . September 5.350 Stimmen (= 0,7 %). Der PDS-Parteivorstand Hamburger hatte sich bereits im Vorfeld gegen eine Beteiligung an der Wahl ausB\u00fcrgerschaft gesprochen und den PDS-Landesverband weder personell noch materiell unterst\u00fctzt. Er sah offensichtlich durch einen Mi\u00dferfolg seine wahltaktische Gesamtplanung gef\u00e4hrdet. 2.2.5 Zusammenarbeit mit inund ausl\u00e4ndischen Linksextremisten 2.2.5.1 Kommunistischer Internationalismus Die PDS unterh\u00e4lt im Rahmen der sogenannten internationalen Solidarit\u00e4t vielf\u00e4ltige Verbindungen und Kontakte zu ausl\u00e4ndischen kommunistischen Parteien und anderen ausl\u00e4ndischen Linksextremisten. Das Parteiprogramm der PDS nennt dies \"Internationalismus\" und orientiert sich damit an der Idee des Weltkommunismus. Diese Praxis Proletarischer kn\u00fcpft an das marxistisch-leninistische Prinzip des \"Proletarischen InterInternationalismus nationalismus\" - der Lehre von der \"welthistorischen Mission der Arbeiterklasse\" - an. Die stellvertretende PDS-Vorsitzende Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann - verantwortlich f\u00fcr die internationalen Beziehungen der","104 Linksextremismus PDS - bekr\u00e4ftigte in einem Beitrag in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 24. Juli 1995 den \"internationalistischen Charakter\" der Partei und die Zusammenarbeit mit linkssozialistischen und kommunistischen Parteien in Europa. Auch zu den Nachfolgeorganisationen der ehemaligen kommunistischen Staatsparteien des Ostblocks unterh\u00e4lt die PDS kontinuierliche freundschaftliche Beziehungen. Sie entsendet Delegationen zu Parteitagen sowie sonstigen wichtigen Parteiveranstaltungen und pflegt regelm\u00e4\u00dfige Beziehungen zu Gespr\u00e4chskontakte. In Europa sind die \"Franz\u00f6sische KommunistiParteien in Europa sche Partei\", die \"Kommunistische Partei \u00d6sterreichs\", die \"Kommunistische Partei B\u00f6hmens und M\u00e4hrens\", die kommunistisch dominierte \"Vereinigte Linke\" in Spanien, die italienische \"Kommunistische Neugr\u00fcndung\" und die \"Kommunistische Partei der Russischen F\u00f6deration\" die bevorzugten Adressaten dieser Politik. Seit Mitte 1995 geh\u00f6rt die PDS auch dem auf Initiative der spanischen \"Vereinigten Linken\" gegr\u00fcndeten Forum der Neuen Europ\u00e4ischen Linken (NELF) an, einer - so die Partei - \"Struktur links neben der Sozialdemokratie\", in der \u00fcberwiegend Linkssozialisten und Kommunisten zusammenarbeiten. Zur NELF geh\u00f6ren 16 linkssozialistische, gr\u00fcn-linke und kommunistische Parteien aus 14 L\u00e4ndern. 12. Tagung des Vom 18. bis 20. April fand in Berlin die 12. Tagung des NELF unter NELF in Berlin dem Motto \"La\u00dft die V\u00f6lker \u00fcber die Zukunft Europas selbst entscheiden\" statt. Die PDS war erstmals seit der Gr\u00fcndung des Forums im Jahre 1991 Gastgeber. Die Ausrichtung der Tagung des NELF kann als Erfolg f\u00fcr die Bem\u00fchungen der PDS gewertet werden, im internationalen linken und linksextremistischen Spektrum \"hoff\u00e4hig\" zu werden, zumal die Partei erst 1995 Vollmitglied des NELF geworden war. Zuvor hatte sie \u00fcber mehrere Jahre lediglich einen Beobachterstatus innegehabt. Die Kommunistische Partei Portugals veranstaltete am 24. Mai in Lissabon unter dem Motto \"F\u00fcr ein Europa des sozialen Fortschritts, des Friedens und der Zusammenarbeit\" eine Konferenz kommunistischer und linkssozialistischer Parteien. Etwa 15.000 teilnehmende Linke aus Protest gegen zehn Staaten der EU protestierten gegen die angeblich unsoziale und Politik der neoliberale Politik der EU-Mitgliedstaaten und demonstrierten gleichEU-Mitgliedstaa ten zeitig f\u00fcr ein Europa der sozialen Gerechtigkeit, des Friedens und des Fortschritts. 14 f\u00fchrende Linkspolitiker Westeuropas ergriffen zu den Themen Massenarbeitslosigkeit, Maastrichter Vertrag und W\u00e4hrungsunion das Wort. Sie erkl\u00e4rten einem Bericht der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 26. Mai zufolge, die europ\u00e4ische Lin-","Linksextremismus 105 ke m\u00fcsse den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit entschiedener f\u00fchren und sich Maastricht II widersetzen. Die PDS war in Lissabon mit einer Delegation unter F\u00fchrung des Parteivorsitzenden Prof. Dr. Lothar Bisky vertreten. Nach einem Bericht der Tageszeitung \"junge Welt\" vom 30. Mai warnte der PDS-Vorsitzende in seiner Rede vor einem \"abenteuerlichen Marsch zu einer Union des Geldes und des Kapitals\" und vor einem Europa der \"Macht, der Diktatur der \u00d6konomie, des Geldes, der Banken und des Kapitals\". In Berlin trafen sich am 29. und 30. Januar Vertreter der \"ArbeitsgeSolidarit\u00e4t mit meinschaft Cuba Sf beim Parteivorstand der PDS\" (AG Cuba Sf) und Kuba der Vereinigung \"Cuba Si - France\" aus Paris zu einem Meinungsund Erfahrungsaustausch. Themen dieses Treffens waren praktizierte Formen der Solidarit\u00e4tsarbeit und die Einsch\u00e4tzung der aktuellen Situation in Kuba. Der PDS-Pressedienst Nummer 7 vom 14. Februar berichtete dazu: \" W\u00e4hrend des Arbeitstreffens wurden eine Reihe weiterer politischer Gemeinsamkeiten festgestellt. (...) Eine engere Zusammenarbeit wurde im kulturellen Bereich sowie bei verschiedensten Formen der praktischen Solidarit\u00e4t mit Kuba festgestellt. (...) Wichtiger Bestandteil der Gespr\u00e4che war das anspruchsvolle Vorhaben einer st\u00e4rkeren Vernetzung von europ\u00e4ischen Gruppen und Organisationen mit dem Ziel, die Solidarit\u00e4t mit Kuba, insbesondere f\u00fcr die Erhaltung der Errungenschaften der kubanischen Revolution, wirksamer zu organisieren.\" Die PDS unterst\u00fctzte aufgrund eines entsprechenden Beschlusses des Parteivorstands vom 17. Februar auch die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der XIV. Weltfestspiele der Jugend und Studenten unter der xiv. Weltfestspiele Losung \"F\u00fcr antiimperialistische Solidarit\u00e4t, Frieden und Freundin Havanna schaff vom 28. Juli bis 5. August in Havanna/Kuba. Im Gegensatz dazu hatte die AG Junge Genossinnen schon auf ihrer Bundeskonferenz in Berlin am 19. und 20. Oktober 1996 beschlossen, sich nicht an den XIV. Weltfestspielen zu beteiligen. Die AG Junge Genossinnen ist der Meinung, da\u00df die Weltfestspiele sich in der Vergangenheit immer mehr zu einer reinen legitimatorischen Angelegenheit staatssozialistischer Systeme entwickelt h\u00e4tten. Sie seien als \"Jubelfeiern\" zu beschreiben; man wolle sich nicht mehr vor einen solchen Karren spannen lassen. Nach seiner R\u00fcckkehr von den XIV. Weltfestspielen, an denen 12.326 Delegierte aus 132 L\u00e4ndern - das sechstst\u00e4rkste Kontingent bildeten die 461 Delegierten aus Deutschland - teilnahmen, erkl\u00e4rte der Ehrenvorsitzende der PDS, Dr. Hans Modrow, in","106 Linksextremismus einem in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland' vom 15. August ver\u00f6ffentlichten Beitrag: \"Die Weltfestspiele, schon tot geglaubt oder totgeredet, erlebten einen neuen H\u00f6hepunkt. Sie offenbarten: Unter der Asche ist noch Glut. (...) Politische Aussage, Wille zum Kampf f\u00fcr die Interessen der Jugend, f\u00fcr Frieden und Freundschaft waren nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. Sichtbar wurde die Suche nach neuen Ideen und Visionen f\u00fcr eine Zukunft, in der andere gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse herrschen als jene, die der reale KapitalisChe Guevara mus heute f\u00fcr die Jugend bereith\u00e4lt. Und Che erschien so nicht als eine als Kultfigur Kultgestalt von gestern, sondern als jemand, der f\u00fcr den heute notwendigen Wandel auf dieser Erde steht, wenn es um die Zukunft der Jugend, um das Leben und \u00dcberleben der Menschheit auf unserem Planeten geht.\" Die stellvertretende PDS-Vorsitzende Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann gratulierte der Nationalen Befreiungsbewegung Farabundo Marti (FMLN) El Salvadors zum Erfolg bei den Parlamentsund Kommunalwahlen am 16. M\u00e4rz. Die FMLN hatte bei den Parlamentswahlen ihren Stimmenanteil von 25 % auf 34 % ausbauen k\u00f6nnen. In der ehemaligen Guerilla-Bewegung FMLN sind die \"Kommunistische Partei El Salvadors\" (PCS), die \"Volksbefreiungskr\u00e4fte\" (FPL) und die \"Revolution\u00e4re Partei der Arbeiter Zentralamerikas\" (PRTC) zusammengeschlossen. Der Bundeskoordinierungsrat der KPF hat in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 7. Mai eine Traueranzeige f\u00fcr die bei der Befreiung der Geiseln in der Residenz des japanischen Botschafters Solidarit\u00e4t mit in Lima ums Leben gekommenen Terroristen der \"Revolution\u00e4ren Terroristen in Peru Bewegung Tupac Amaru\" (MRTA) ver\u00f6ffentlicht. Darin hei\u00dft es: \" Wir trauern um die ermordeten jungen Genossinnen und Genossen der MRTA - hingerichtet von der Terror-Soldateska des peruanischen Regimes.\" Unterst\u00fctzung f\u00fcr Im Rahmen der Unterst\u00fctzung sogenannter Befreiungsbewegungen militante Kurden unterhalten PDS-Funktion\u00e4re und PDS-Mitglieder seit l\u00e4ngerem Kontakte zur marxistisch-leninistischen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Der PDS Landesverband Bayern bem\u00fcht sich seit Anfang 1994, das Thema \"Kurdistan\" in die Agitation und Propaganda einzubinden. Seit Januar 1995 \u00fcbt die bayerische PDS-Bundestagsabgeordnete Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter heftige Kritik am Verbot der PKK, dem Vorgehen der Sicherheitsbeh\u00f6rden gegen PKK-Straft\u00e4ter und der Abschiebepraxis. Die Abgeordnete war Mitglied von Vereinen in Ingolstadt, die als Tarnorganisationen der PKK verboten wurden.","Linksextremismus 107 PDS-Mitglieder stellten sich wiederholt als versammlungsrechtliche Anmelder von PKK-Demonstrationen und sogenannten Kulturfesten zur Verf\u00fcgung oder traten als Redner auf Veranstaltungen der PKK auf. 14 Mitglieder der Abgeordnetengruppe PDS im Deutschen Bundestag - unter ihnen Eva-Maria Bulling-Schr\u00f6ter aus Ingolstadt und Heinrich Graf von Einsiedel aus M\u00fcnchen - unterst\u00fctzten ferner eine Protestaktion gegen das Bet\u00e4tigungsverbot der PKK mit einer Buskampagne vom 3. bis 26. November durch 22 St\u00e4dte im Bundesgebiet (vgl. auch Nummer 2.1.3 des 3. Abschnitts). F\u00fchrende PDS-Funktion\u00e4re betonen die Solidarit\u00e4t der Partei mit dem sogenannten Befreiungskampf des kurdischen Volkes und zeigen Sympathie und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die PKK. Die PDS lehnt zwar \u00f6ffentlich die terroristischen Aktivit\u00e4ten der PKK ab, unterst\u00fctzt jedoch propagandistisch die strategischen Ziele, die die PKK u.a. mit ihren gewaltt\u00e4tigen Aktionen zu erreichen sucht, wie Aufhebung der Vereinsund Bet\u00e4tigungsverbote, Abschiebestopp f\u00fcr Kurden, Einstellung der Waffenlieferungen der Bundesrepublik Deutschland an die T\u00fcrkei, F\u00fcr Anerkennung Druck der Bundesregierung auf die T\u00fcrkei zur L\u00f6sung des \"Kurdender PKK als Verproblems\", Anerkennung der PKK als Verhandlungspartner. handlungspartner 2.2.5.1 Inl\u00e4ndische Zusammenarbeit Im Inland h\u00e4lt die PDS Kontakte zu fast allen anderen linksextremistischen Gruppierungen, aber auch zu gewaltbereiten Autonomen. Die vielf\u00e4ltigen Verbindungen der PDS zu linksextremistischen Organisationen au\u00dferhalb der Partei bis hin zu Autonomen kommen u.a. in Freundschaftsbekundungen, gemeinsamen Veranstaltungen und Demonstrationen zum Ausdruck. Art und Intensit\u00e4t dieses Umgangs lassen eine politisch-ideologische Verbundenheit zu diesen erkennen. Das Verh\u00e4ltnis der PDS zur DKP ist von kritischer Solidarit\u00e4t gepr\u00e4gt. Verh\u00e4ltnis zur Intensive Kontakte unterh\u00e4lt die PDS zur DKP vor allem auf regionaler DKP und \u00f6rtlicher Ebene. I n einem im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" vom 5. September ver\u00f6ffentlichten Interview \u00e4u\u00dferte der Parteivorsitzende Prof. Dr. Lothar Bisky zu einer Zusammenarbeit mit der DKP: \"Die DKP und die PDS sind zwei unterschiedliche Parteien. Die PDS ist keine kommunistische Partei. Ich habe oft gesagt, da\u00df sie nie eine antikommunistische Partei sein darf und habe mich, wenn Kommunisten in der PDS angegriffen wurden, stets sch\u00fctzend vor sie gestellt. Ich denke aber auch, da\u00df sich eine linkssozialistische Partei, die in der Gesellschaft","108 Linksextremismus ver\u00e4ndern will, die aus dem Osten kommt, aus einer ehemaligen allm\u00e4chtigen Staatspartei hervorgegangen ist, an deren Tropf die DKP bis 1989 gehangen hat, eine andere Entwicklung nehmen mu\u00df als die DKP der Bundesrepublik Deutschland, die 1968 nach schweren Verbotsjahren wiedererstanden ist. Wechselseitige Beziehungen sind m\u00f6glich, und es gibt sie \u00fcbrigens vielerorts, nicht nur von der Kommunistischen Plattform, sondern auch von vielen Basisorganisationen und z.B. auch zwischen Heinz Stehr (DKP-Vorsitzender) und mir. Und wie sie sich entwickeln, dazu k\u00f6nnen beide Parteien beitragen. Eine Unterst\u00fctzung von DKP-Genossen und -W\u00e4hlern in den Wahlen zum 14. Deutschen Bundestag - ich denke an die Zweitstimme - w\u00e4re eine kluge Entscheidung der DKP. Und der Beschlu\u00df des Schweriner Parteitags der PDS, zu den n\u00e4chsten Wahlen mit einer offenen Liste anzutreten, hei\u00dft eben, da\u00df die PDS antritt und keine Parteienkoalition (bei) dieser Wahl eingehen will und eingehen kann. Ich denke, wenn das akzeptiert wird, kann es zu einer guten fruchtbaren Zusammenarbeit kommen.\" Zusammenarbeit Weiterhin pflegt die PDS Kontakte zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiemit anderen deraufbau der KPD (AB) und zur trotzkistischen Vereinigung f\u00fcr SoLinksextremisten zialistische Politik (VSP). Ein f\u00fchrender Funktion\u00e4r der VSP (Dr. Winfried Wolf) geh\u00f6rt zur Abgeordnetengruppe PDS im Deutschen Bundestag. Die KPF der PDS unterh\u00e4lt dar\u00fcber hinaus auch Kontakte zur Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands (MLPD). Entsprechend dem zweideutigen Verh\u00e4ltnis zur Gewalt arbeitet die PDS auch mit gewaltbereiten Linksextremisten (z.B. Autonomen) zusammen. Der sich laut Tageszeitung \"junge Welt\" vom 4. September 1995 den Autonomen und Hausbesetzern zurechnende Frederik Over wurde am 22. Oktober 1995 f\u00fcr die PDS in das Berliner Abgeordnetenhaus gew\u00e4hlt. Insbesondere im Rahmen der \"Antifaschismus\"und auch \"Antimilitarismus\"-Arbeit tritt die Partei als Veranstalter und Anmelder von Demonstrationen und Kundgebungen von B\u00fcndnissen auf, an denen auch Autonome beteiligt sind. Die Partei ist durch ihre Gliederungen in Vorbereitung und Planung solcher Veranstaltungen eingebunden und leistet logistische Unterst\u00fctzung. 2.2.5.3 Erfurter Erkl\u00e4rung Aufruf\"Bis hierher und nicht weiter. Verantwortung f\u00fcr die soziale Demoinszenierung kratie\" lautet der Titel einer \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" von Gewerkschaf-","Linksextremismus 109 tern, Theologen, Wissenschaftlern und K\u00fcnstlern, die am 9. Januar zeitgleich in Erfurt und Berlin vorgestellt wurde. Die 27 Erstunterzeichner des sieben Ziffern umfassenden Aufrufs - dokumentiert in der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 10. Januar - fordern einen Machtwechsel in Bonn, einen au\u00dferparlamentarischen Aufbruch, eine Abkehr von der auf \"radikale Umverteilung zugunsten der Einflu\u00df-Reichen\" ausgerichteten Sozialpolitik der Bundesregierung und ein Linksb\u00fcndnis f\u00fcr soziale Demokratie. In der Erkl\u00e4rung hei\u00dft es: \"Die regierende Politik in unserem formal vereinten Land ist in einem Zustand von gnadenloser Ungerechtigkeit, Sozialverschlei\u00df und fehlenden Perspektiven versunken. (...) Wir brauchen eine au\u00dferparlamentarische Bewegung. Sie mu\u00df auf die Opposition in den Parlamenten \u00fcberspringen. Die Erfahrung von 1968 und der Geist von 1989 sind f\u00fcr 1998 aufgeruAufforderung fen, den Machtwechsel herbeizuf\u00fchren. (...) Gebraucht wird eine Opposizum politischen tion, die den Wechsel mit allen Kr\u00e4ften will. Sie kann nur aus den bisher Wandel getrennten Oppositionskr\u00e4ften entstehen. Kein Nichtber\u00fchrungsgebot darf sie schrecken, ... (...) Von der PDS fordern wir: Ihre Positionen zum historisch gescheiterten Sozialismusmodell weiter zu kl\u00e4ren. Es geht nicht um Demutsgesten und den Verzicht auf antikapitalistische Str\u00f6mungen. Es geht um demokratische Zuverl\u00e4ssigkeit bei aller Entschiedenheit, eine demokratisch-sozialistische Kraft im Spektrum der Parteien zu sein.\" Die \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" ist von Funktion\u00e4ren der PDS und DKP begr\u00fc\u00dft worden. In der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 11. Januar \u00e4u\u00dferte der Parteivorsitzende der PDS, Prof. Dr. Lothar Bisky, die \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" sei so etwas wie eine Reaktion auf die Beschw\u00f6rung einer Bolschewistengefahr durch die CDU. Dr. Andre Brie, Mitglied des PDS-Parteivorstands und Wahlkampfleiter, bezeichnete in einem Kommentar derselben Ausgabe der Tageszeitung \"Neues Deutschland\" die Ausf\u00fchrungen in der Erkl\u00e4rung als \"realistisch\". Der stellvertretende DKP-Vorsitzende Rolf Priemer hob im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" vom 17. Januar hervor, die \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" sei \"ein Signal f\u00fcr eine andere, f\u00fcr eine neue Politik, deren oberstes Ziel die \u00dcberwindung der Massenarbeitslosigkeit ist\". Unter dem Motto \"Einheit verpflichtet - sie soll dem Wohl des Volkes Versammlung dienen\" fand am 3. und 4. Oktober in Erfurt eine Versammlung zur in Erfurt \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" statt. Einem Bericht in dem DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" vom 10. Oktober zufolge verabschiedeten die rund","110 Linksextremismus 1.000 Teilnehmer einstimmig den Appell \"Aus der Zuschauerdemokratie heraustreten! Mut f\u00fcr eine andere Politik!\". In diesem Appell hei\u00dft es u.a.: \" Wir wollen unsere Interessen nicht l\u00e4nger an die Parteien delegieren. Wir Notwendigkeit brauchen eine au\u00dferparlamentarische Bewegung. Eine Bewegung, die einer au\u00dferparladeutlich macht: Soziale Gerechtigkeit und Verantwortung f\u00fcr die Bewahmentarischen rung der nat\u00fcrlichen Lebensgrundlagen sind keine Utopien. Aber sie m\u00fcsBewegung sen gewollt und erk\u00e4mpft werden und zwar gegen die regierende Politik, die uns vorgaukelt, es g\u00e4be keine Alternativen, weil \u00fcberall der Sachzwang herrsche.\" Einem Bericht der PDS-nahen Tageszeitung \"Neues Deutschland\" vom 8. Januar 1998 zufolge haben die \"Erfurter Erkl\u00e4rung\", die von 230 Initiativgruppen unterst\u00fctzt werde, bislang bundesweit 50.000 Personen unterschrieben. 2.3 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.3.1 Ideologische Ausrichtung Bis zur Wende nahm die DKP - von der SED der DDR materiell und ideologisch abh\u00e4ngig - die F\u00fchrung der Marxisten-Leninisten in Westdeutschland f\u00fcr sich in Anspruch. Seit 1990 unterst\u00fctzt sie die PDS. In den auf dem 12. Parteitag am 16./17. Januar 1993 in Mannheim gegen heftige Kritik aus der oppositionellen \"Hardliner-Gruppe\" beschlossenen \"Thesen zur programmatischen Orientierung der DKP\" unterstrich die DKP ihre gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung gerichtete Zielsetzung. In der Einleitung zu den \"Thesen\" Bekenntnis zu hei\u00dft es, die DKP k\u00e4mpfe f\u00fcr eine Politik, die im Sozialismus die ZuSozialismus und kunft, im Klassenkampf die zentrale Triebkraft der Geschichte und in Klassenkampf der Arbeiterklasse die entscheidende soziale Kraft f\u00fcr den gesellschaftlichen Fortschritt sehe. Sie st\u00fctze sich auf die materialistische Wissenschaft, die von Marx und Engels begr\u00fcndet und von Lenin weiterentwickelt worden sei. In einer bereits 1993 aufgelegten Brosch\u00fcre \"\u00dcber den dritten sozialistischen Anlauf in Europa\" erl\u00e4uterte ein DKP-Funktion\u00e4r, die revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte m\u00fc\u00dften sich auf Erfahrungen der Pariser Kommune von 1871, des \"Gro\u00dfen Anlaufs 1917 - 1989\" und auf Kenntnisse \u00fcber Entwicklungen des Kapitalismus nach 1990 st\u00fctzen. Eine revolution\u00e4re Bewegung m\u00fcsse letztlich die Entschlossenheit aufbringen, den b\u00fcrgerlichen Staatsapparat zu","Linksextrem ismus 111 zerschlagen. Als revolution\u00e4res Instrument habe sich die Partei leniniBekenntnis zur stischer Konzeption bew\u00e4hrt, die bereit sei, Widerst\u00e4nde auch mit Gewalt Gewalt zu brechen. Zur politischen Ausrichtung erkl\u00e4rte - zitiert nach \"DKP-Informationen\" Nummer 7 vom 24. Oktober 1994 - Rolf Priemer, einer der seinerzeitigen Sprecher der DKP, auf der 8. Parteivorstandstagung: \"Die Mehrheit unserer Mitglieder ist nach vielen Diskussionen \u00fcber Politik und Praxis, \u00fcber Thesen zur programmatischen Erneuerung und DKP-Statut zu der Erkenntnis gelangt, da\u00df eine kommunistische Partei in Deutschland notwendig ist. N\u00e4mlich eine Partei, die festh\u00e4lt am sozialistischen Ziel im Sinne der im Manifest der Kommunistischen Partei von Marx und Festhalten am Engels formulierten Grundaussagen; die den grundlegenden Bruch mit Marxismus-Leniden kapitalistischen Eigentumsund Machtverh\u00e4ltnissen anstrebt; die sich nismus auf die moderne Arbeiterklasse als entscheidende gesellschaftsver\u00e4ndernde Kraft orientiert; die ihr theoretisches Fundament in der sch\u00f6pferischen Anwendung und Weiterentwicklung der Theorie von Marx, Engels und Lenin f\u00fcr unsere heutigen Kampfbedingungen hat.\" Die orthodox-kommunistische DKP hat in ihrem Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) Nummer 35 vom 29. August ihre Sozialismusvorstellungen \"Sozialismusin einer von der Programmkommission der Partei \u00fcberarbeiteten FasVorstellungen\" sung des Papiers \"Sozialismus - die historische Alternative zum Kapitalismus\" ver\u00f6ffentlicht; einen ersten Entwurf hatte das DKP-Zentralorgan UZ in seiner Ausgabe vom 3. Januar vorgestellt. Die in acht Abschnitte gegliederte Neufassung des Papiers soll in der DKP weiter diskutiert und dem 14. Parteitag im Mai 1998 zur Verabschiedung vorgelegt werden. Es soll die angebliche Notwendigkeit des Sozialismus begr\u00fcnden, Leistungen und Fehlentwicklungen des realen Sozia- i lismus benennen und die Wesensmerkmale des k\u00fcnftigen Sozialismus umrei\u00dfen. Folgende Passagen sprechen f\u00fcr sich: \"Der Kapitalismus ist Produktion nicht um des Menschen willen, sondern um des Profits willen. Nicht der Mensch beherrscht seine Produktion, sondern diese beherrscht die Gesellschaft und stellt sich in Form von Sachzw\u00e4ngen dar, Sachzw\u00e4ngen des Kapitalismus, der kapitalistischen Konkurrenz, der Profitmaximierung. (...) Ziel der Kommunistinnen und Kommunisten ist es, diese Ursache von Ausbeutung und Entfremdung, von Krieg und Hunger, von Armut und Obdachlosigkeit, von Arbeitshetze","112 Linksextremismus und Arbeitslosigkeit, von Umweltzerst\u00f6rung, Diskriminierung, Rassismus, Nationalismus und Unterdr\u00fcckung zu beseitigen. (...) Unverzichtbare Marxismus als weltanschauliche Grundlage f\u00fcr uns Kommunisten ist der Marxismus, sind unverzichtbare die wissenschaftliche Analyse und die sich daraus ergebenden PerspektiGrundlage ven. (...) Der Sozialismus f\u00fchrt einen grundlegenden Bruch mit der kapitalistischen Wirtschaftsweise herbei, die auf die Erzielung maximalen Profits durch die Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und den verschwenderischen Umgang mit den Naturressourcen gerichtet ist. (...) Um gegen die geballte Macht des Kapitals einen anderen Entwicklungsweg durchzusetzen, bedarf es umfassender Massenk\u00e4mpfe. Der Beginn des sozialistischen Weges ist nicht als Putsch denkbar, sondern nur als Ergebnis des Handelns von Millionen - also als Ausdruck tiefer Demokratie. (...) Die DKP will dazu beitragen, da\u00df immer gr\u00f6\u00dfere Teile des arbeitenden Volkes sowie der durch Arbeitslosigkeit Ausgegrenzten, der Lernenden und Studierenden zur Erkenntnis der Notwendigkeit des Sozialismus und des Kampfes um seine Durchsetzung gelangen. (...) Das haupts\u00e4chliche Hindernis f\u00fcr den gesellschaftlichen Fortschritt stellt die \u00f6konomische und politische Macht der Monopolbourgeoisie dar. Die Zur\u00fcckdr\u00e4ngung und Notwendigkeit schlie\u00dfliche \u00dcberwindung der Herrschaft dieses m\u00e4chtigsten Teils der einer \"SystemBourgeoisie ist deshalb die entscheidende Voraussetzung f\u00fcr die \u00d6ffnung \u00dcberwindung\" des Weges zum Sozialismus. (...) Im gemeinsamen Handeln f\u00fcr punktuelle Ziele k\u00f6nnen sich die Kr\u00e4fte f\u00fcr weitergehende B\u00fcndnisse formieren, die auf grundlegende gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen gerichtet sind. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr m\u00f6glich und erstrebenswert, da\u00df im Ergebnis des antimonopolistischen Kampfes grundlegende antimonopolistisch-demokratische Umgestaltungen durchgesetzt werden k\u00f6nnen, die den Weg zum Sozialismus frei machen.\" E* WE\" ^ Die \"Sozialismusvorstellungen\" haben kein Abr\u00fccken der DKP von ihren linksextremistischen Ansichten gebracht. Ebenso wie die PDS betont die DKP angebliche Leistungen des realen Sozialismus, stellt aber als Erkl\u00e4rung f\u00fcr dessen i Scheitern nicht so sehr innere Ursachen als viel- l mehr die \"Konterrevolution\" heraus. Die Vor- K A N N Sjsrsss- \\ Stellungen der DKP im Abschnitt \"Der Weg 1 \\ zum Sozialismus\" \u00fcber Etappenziele und ?EBEN'\"antimonopolistische\" B\u00fcndnisse entsprechen klassischen kommunistischen Konzeptionen, wie sie seit den 30er Jahren entwickelt wurden.","Linksextremismus 113 In einem im DKP-Zentralorgan UZ vom 7. Februar ver\u00f6ffentlichten InVerh\u00e4lnis zur PDS terview mit dem DKP-Vorsitzenden Heinz Stehr \u00e4u\u00dferte sich dieser nach dem Parteitag der PDS zum Verh\u00e4ltnis PDS/DKP wie folgt: \"Es wird gesch\u00e4tzt, da\u00df sich 60 % der PDS-Mitglieder als Kommunistinnen und Kommunisten betrachten. (...) Allerdings ist die PDS in ihrer Abgrenzung gegen die DKP nun einen Schritt weitergegangen. Auf ihren offenen Wahllisten k\u00f6nnen DKP-Mitglieder nicht mehr kandidieren. Das wirft Fragen f\u00fcr unser eigenst\u00e4ndiges Eingreifen in den Bundestagswahlkampf 1998 auf, mit dem wir, was in unseren Kr\u00e4ften steht, beitragen wollen und m\u00fcssen, die \u00c4ra Kohl und die ganze sozialreaktion\u00e4re Kahlschlagspolitik zu beenden.\" Die in Deutschland t\u00e4tigen kommunistischen Parteien Spaniens, PorGemeinsame tugals, Italiens, Griechenlands, Chiles, Kurdistans, der T\u00fcrkei und des Erkl\u00e4rung SBi\u00e4 Iran haben sich nach Angaben des DKP-Zentralorgans UZ *\"-a C \u00e4 i i _ vom 28. Februar auf eine \"Gemeinsame Erkl\u00e4rung\" verst\u00e4ndigt. Die Hauptforderungen, f\u00fcr deren Durchsetzung \"gemeinsam mit allen anderen demokratischen, fortschrittlichen und linken Kr\u00e4ften in Deutschland\" der Kampf stofrm gef\u00fchrt werden soll, sind in zw\u00f6lf Punkten zusammengefa\u00dft. Die die Erkl\u00e4rung unterst\u00fctzenden Parteien fordern danach insbesondere das Verbot und die Aufl\u00f6sung ff,MPl/C\"K*' T! aller neonazistischen und rassistischen Organisationen, die Aufhebung des KPD-Verbots und die Einstellung aller politischen Ermittlungsund Strafverfahren gegen ehemalige Funktionstr\u00e4ger der DDR. Auf der 6. Tagung des Parteivorstands der DKP am 7. und 8. Juni in Essen wurde \u00fcber das Eingreifen der Kommunistinnen und Kommunisten in die Debatte um den Euro diskutiert. Im Beschlu\u00df zur Europapolitik hei\u00dft es: Euro-Debatte \"Als internationalistische Partei tritt die DKP f\u00fcr ein vereinigtes Europa ein. Dieses Europa mu\u00df solidarisch, demokratisch, sozial und friedlich sein. Deshalb leistet die DKP Widerstand gegen eine Politik, die das Europa der Konzerne und Banken festigt, eine Festung Europa errichtet und auf ein Europa unter Hegemonie des deutschen Imperialismus hinausl\u00e4uft.\" Als Alternative zum Maastricht-Europa fordert die DKP eine Volksabstimmung \u00fcber die Teilnahme der Bundesrepublik an der Europ\u00e4ischen W\u00e4hrungsunion und die Ergebnisse der Regierungskonferenz in Amsterdam.","114 Linksextremismus Positionspapier Auf der 7. Tagung des Parteivorstands der DKP am 20. und 21. Sepzur Bundestagstember in Essen wurde das im DKP-Zentralorgan UZ vom 26. Sepwahl 1998 tember abgedruckte Positionspapier \"Die DKP und die Bundestagswahl 1998\" verabschiedet, das in der Partei weiter diskutiert und auf der Parteivorstandstagung Anfang 1998 beschlossen werden soll. In dem Positionspapier wird die Bedeutung des au\u00dferparlamentarischen Kampfes hervorgehoben. Auch in Deutschland gebe es eine wachsende Bereitschaft zum Widerstand. Er sei jedoch noch unzureichend und noch zu wenig vernetzt. F\u00fcr Ver\u00e4nderungen gen\u00fcge es nicht, da\u00df die Herrschenden f\u00fcr alle wesentlichen Ver\u00e4nderungen keine Antworten h\u00e4tten. Ver\u00e4nderungen gebe es nur, wenn die Betroffenen selbst handeln und es zu einem gesellschaftlichen Aufbruch aller Fortschrittskr\u00e4fte komme. Ein Ausdruck dieser Entwicklung sei die von der DKP unterst\u00fctzte \"Erfurter Erkl\u00e4rung\" (vgl. auch Nummer 2.2.5.3 dieses Abschnitts), die ein \"wichtiges Signal zur B\u00fcndelung aller Kr\u00e4fte gegen Rechts\" darstelle. Es sei richtig, auch im Jahr der Bundestagswahl \u00fcber den Sozialismus zu reden; ein revolution\u00e4rer Bruch mit dem Kapitalismus sei notwendig. Zu b\u00fcndnispolitischen \u00dcberlegungen wird in dem Papier ausgef\u00fchrt, da\u00df die Politik der PDS nicht frei von Widerspr\u00fcchen sei. Gleichwohl werde die DKP dazu aufrufen, mit der Zweitstimme PDS zu w\u00e4hlen, ohne eine W\u00e4hlerinitiative der PDS zu werden. Zudem wolle die DKP einen eigenst\u00e4ndigen Wahlkampf mit eigenen Aussagen, Aktionen und Kandidaten f\u00fchren. Mitglieder der DKP seien bereit, auf offenen Listen der PDS zu kandidieren oder sich in Absprache mit \u00f6rtlichen Gliederungen der PDS als Direktkandidaten f\u00fcr die PDS zu bewerben. Offensichtlich hofft die DKP, da\u00df einzelne Landesverb\u00e4nde der PDS sich nicht an den Schweriner Parteitagsbeschlu\u00df halten werden, wonach Mitglieder anderer Parteien nicht auf PDS-Listen kandidieren d\u00fcrfen. 2.3.2 Organisation OrganisationsDie DKP ist eine bundesweit organisierte Partei mit Sitz in Essen. Sie strukturen ist in 13 Bezirksorganisationen - zw\u00f6lf in den westlichen Bundesl\u00e4ndern und eine in Berlin, die die Mitglieder in den f\u00fcnf neuen L\u00e4ndern betreut - gegliedert, die in 109 Kreisund in 205 Grundorganisationen unterteilt sind. Die Zahl der Mitglieder liegt derzeit bei 6.200, davon etwa 300 in Ostdeutschland. Die DKP ist damit in Westdeutschland weit st\u00e4rker vertreten als die PDS. Eine Verbesserung der Alters-","Linksextremismus 115 struktur wurde nicht erreicht; nach wie vor sind mehr als zwei Drittel der Parteimitglieder \u00e4lter als 60 Jahre. In Bayern bestehen zwei Bezirksorganisationen (Nordund S\u00fcdKonstante bayern) und zehn Kreisverb\u00e4nde sowie zwei Betriebsgruppen. Die Mitgliederzahl Mitgliederzahl in Bayern stagnierte bei rund 600. Die DKP wird \u00fcberin Bayern wiegend von Altkommunisten repr\u00e4sentiert. Vorsitzender der DKP ist seit der Neuwahl des Parteivorstands anl\u00e4\u00dfParteivorstand lieh des 13. Parteitags am 3. und 4. Februar 1996 in Dortmund Heinz Stehr; zu seinen Stellvertretern wurden Rolf Priemer und Bruni Steiniger gew\u00e4hlt. Dem Parteivorstand geh\u00f6ren weitere 16 weibliche und 18 m\u00e4nnliche Funktion\u00e4re an, unter ihnen Justine Wazansky-Krack aus N\u00fcrnberg und Leo Mayer aus M\u00fcnchen. Die DKP hat weiterhin Schwierigkeiten mit der Finanzierung der ParParteifinanzen teiarbeit. Das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) erscheint aber trotz erheblicher Finanzierungsprobleme weiterhin w\u00f6chentlich. 2.3.4 Teilnahme an Wahlen Bei den hessischen Kommunalwahlen am 2. M\u00e4rz trat die DKP mit Kommunalwahlen eigenen Listen in M\u00f6rfelden-Walldorf, Neuberg und Reinheim an. in Hessen Erstmals seit 1989 stellte die DKP Listen in Darmstadt und Gie\u00dfen auf. Daneben kandidierten DKP-Mitglieder vereinzelt auf B\u00fcndnislisten. Die DKP verlor fast \u00fcberall an Stimmen; sie erhielt landesweit nur noch 1.648 Stimmen (= 0,1 %). Sie erzielte jedoch in Neuberg 5,3 %, in Reinheim 6,1 % und in ihrer traditionellen Hochburg M\u00f6rfelden-Walldorf 10,2 % der Stimmen. 2 3 4 Umfeld der DKP Am 15. M\u00e4rz beging die Vereinigung der Verfolgten des Nazi50. Jahrestag der regimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Gr\u00fcndung der in Frankfurt am Main mit einem Festakt den Jahrestag ihrer Gr\u00fcnVVN-BdA d\u00fcng vor 50 Jahren. Zu der Veranstaltung unter dem Motto \"Antifaschismus - Tradition und Zukunftsentwurf\" erschienen rund 400 Personen, darunter 80 Angeh\u00f6rige der VVN-Gr\u00fcndergeneration. Der Ehrenpr\u00e4sident des ostdeutschen Partnerverbands, des Interessenverbands ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstandskampf, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener e.V. (IVVdN),","116 Linksextremismus Kurt Julius Goldstein, sprach zum Thema \"Gemeinsame Wurzeln - Perspektiven f\u00fcr den Antifaschismus\". Er rief zur Schaffung einer einheitlichen antifaschistischen Organisation in ganz Deutschland auf. Der Historiker Dr. Ulrich \\ Schneider (fr\u00fcher DKP), einer von acht Bundessprechern der VVN-BdA, erkl\u00e4rte einem Bericht des DKP-Zentralorgans \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 2 1 . M\u00e4rz zufolge, 50 Jahre VVN bedeuteten 50 Jahre Kampf gegen alte und neue Nazis, f\u00fcr demokratische Rechte, f\u00fcr Frieden und Entspannungspolitik. Das DKP-Zentralorgan UZ vom 4. April dokumentiert einen w\u00e4hrend des Festaktes verabschiedeten \"Appell an die Jugend\". In dem Papier hei\u00dft es: \"Das Bedeutsamste und Kostbarste aus deutscher Geschichte ist und bleibt der antifaschistische Widerstand. (...) Nach der Befreiung war es f\u00fcr uns, die \u00dcberlebenden, unvorstellbar, da\u00df fast nichts von unseren Visionen und Hoffnungen in Erf\u00fcllung gehen w\u00fcrde. Unfa\u00dfbar f\u00fcr uns, wie reibungslos sich der \u00dcbergang vom Nazireich in die Bundesrepublik vollzog.\" Der vom Bundesausschu\u00df der VVN-BdA herausgegebenen Zeitschrift \"antifa-rundschau\" Nummer 32 vom Oktober zufolge befinden sich der IVVdN und der ebenfalls ostdeutsche Bund der Antifaschisten Beabsichtigte (BDA) auf dem Wege zum Zusammenschlu\u00df. Einerseits sollen damit Vereinigung die Kr\u00e4fte geb\u00fcndelt werden, andererseits gehe es nicht zuletzt auch darum, den IVVdN, dessen Mitglieder ein hohes Alter aufweisen, mit jungen Kr\u00e4ften zu verbinden. Dies sei \"gewisserma\u00dfen eine \u00d6ffnung des IVVdN f\u00fcr die nachfolgenden Generationen; ein Schritt, den die VVN in der alten Bundesrepublik bereits 1971 vollzogen hat\". Im Mai 1998 solle es deshalb eine gemeinsame Delegiertenkonferenz von IVVdN und BDA geben. In dem von Peter-Christian Walther - einem weiteren Bundessprecher der VVN-BdA - verfa\u00dften Bericht hei\u00dft es weiter: \"Gemeinsam sind uns die antifaschistischen Absichten und Ziele. Deshalb verstehen gro\u00dfe Mehrheiten in allen drei Organisationen den jetzt beabsichtigten Zusammenschlu\u00df von IVVdN und BDA als ersten Schritt, dem zu gegebener Zeit als zweiter Schritt der Zusammenschlu\u00df von VVN-BdA mit dem vereinigten IVVdN-BDA folgen sollte.\"","Linksextremismus 117 Die VVN-BdA setzt sich seit Mitte des Jahres in einer bundesweiten Gegen Aktion gegen die Erw\u00e4hnung der Organisation in den VerfassungsErw\u00e4hnung im schutzberichten zur Wehr. Peter-Christian Walther aus dem Bundesverfassungssprecherkreis der VVN-BdA f\u00fchrte dazu in f ^ -- schutzbericht l^^fe einem in der Zeitschrift \"antifa-rundschau\" Nummer 31 vom Juli abgedruckten Beitrag \"Gegen ,amtliche' Diffamierung - Wir stehen auf dem Boden der Verfassung - Wer \"1/ Antifaschisten verleumdet, arbeitet dem Neofaschismus in die H\u00e4nde\" aus: \"Wir sind nicht gewillt, es l\u00e4nger hinzunehmen, da\u00df entschiedenes und konsequentes Auftreten gegen Neofaschismus als etwas Verfassungsfeindliches hingestellt und diffamiert wird. Antifaschismus ist ein konstiKommunistische tutives Element dieser Republik. Es darf nicht l\u00e4nger zugelassen werden, Sicht des AntiAntifaschismus von beamteten Verfassungssch\u00fctzern, politischen Scharffaschismus machern oder Nachschreiberlingen als etwas Verfassungsfeindliches diffamieren und kriminalisieren zu lassen. Jede antifaschistische T\u00e4tigkeit ist eine aktive Verteidigung und Sicherung der Demokratie und der Freiheitsund Menschenrechte. Deshalb sind wir Antifaschisten die wirklichen Verteidiger und Sch\u00fctzer der Verfassung. Wer dagegen Antifaschismus zu diffamieren und gar zu kriminalisieren versucht, arbeitet dem Neofaschismus in die H\u00e4nde.\" Dieser Forderung steht entgegen, da\u00df die VVN-BdA auch nach Auffassung des Bundesministeriums des Innern die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Organisation im Spektrum des linksextremistischen Antifaschismus ist. In der VVN-BdA wirken unterschiedliche linke Kr\u00e4fte zusammen, wobei jedoch nach wie vor aktive und ehemalige Mitglieder der DKP politisch tonangebend sind. Auch in der VVN-BdA Bayern ist auf Landeswie auch auf Kreisebene der Einflu\u00df von Linksextremisten, insbesondere aus der DKP, aus der PDS und aus der Sozialistischen Deutschen Arbeiterjugend (SDAJ), ma\u00dfgeblich. In ihrem \u00f6ffentlichen Auftreten wirkt sich diese Dominanz dahingehend aus, da\u00df die VVN-BdA eine Vielzahl von linksextremistisch beeinflu\u00dften Aktionen unterst\u00fctzt. 2.4 Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die MLPD wurde 1982 in Bochum als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und Westberlin\" gegr\u00fcndet. Sie fordert in ihrem Programm den revolution\u00e4ren \"Sturz der Herrschaft der Monopolkapitalisten\" und die \"Einf\u00fchrung der sozialistischen Gesell-","118 Linksextremismus Diktatur des Schaftsordnung\" unter einer \"Diktatur des Proletariats\". Die Partei Proletariats bekennt sich zu den Lehren von Marx, Lenin und Mao Tse-tung. In ihrem Zentralorgan \"Rote Fahne\" f\u00fchrt sie in ihren st\u00e4ndigen \"Informationen f\u00fcr neue Leserinnen und Leser\" unter anderem aus: \"Die MLPD wendet den Marxismus-Leninismus und die Maotsetungideen sch\u00f6pferisch auf die heutige Situation an.\" Die Partei hat vor allem im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum Mitglieder. Sie sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die MLPD z\u00e4hlt bundesweit rund 2.500 Mitglieder, davon etwa 140 in Bayern. Nebenorganisation der Partei ist der Jugendverband REBELL. Von der MLPD beeinflu\u00dft ist der Frauenverband Courage. Als Vorfeldorganisationen bestehen seit Februar 1996 die in Kassel gegr\u00fcndete Solidarit\u00e4t International (Sl) sowie der am 2 1 . September 1996 in Gelsenkirchen gegr\u00fcndete Verein Deutsch-Philippinische Freunde. Mit diesen Vorfeldorganisationen sollen gleichgesinnte befreundete Gruppen in anderen L\u00e4ndern bis hin zum bewaffneten Kampf unterst\u00fctzt werden. Isolierung Die MLPD ist aufgrund ihrer sektiererischen Haltung im gesamten linksextremistischen Lagerweiterhin isoliert. Von anderen linksextremistischen Parteien grenzt sie sich durch scharfe kritische \u00c4u\u00dferungen ab. StrukturT\u00e4tigkeitsschwerpunkte der MLPD waren 1997 die interne \u00c4nderung ver\u00e4nderung der Organisationsstruktur sowie die \"Selbstver\u00e4nderung\" der Partei. Die Partei l\u00f6ste den gesamten Organisationsund Kaderbereich als selbst\u00e4ndige Einheit auf. Daneben verj\u00fcngte und ver\u00e4nderte sie den Funktion\u00e4rskader in seiner Zusammensetzung. Erst nach Abschlu\u00df dieser Reorganisierung will die Partei im Februar 1998 entscheiden, auf welche Weise sie sich an der Bundestagswahl beteiligen wird. Anfang November 1997 f\u00fchrte die MLPD als erste gr\u00f6\u00dfere Aktion bundesweit eine Sammelaktion zugunsten der im Kongo erscheinenden Zeitung \"Nyota ya Afrika\", durch. Diese Publikation wird von der Partei \"Congres des Progressites pour la Liberation\" (CPL) herausgegeben; sie war ma\u00dfgeblich am Sturz des Mobutu-Regimes beteiligt. 2.5 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Zusammenschlu\u00df Mehrere \u00f6rtlich t\u00e4tige maoistisch orientierte Arbeiterbasisgruppen von Basisgruppen schlossen sich 1973 zum AB zusammen. Dieser beruft sich in seinen programmatischen Aussagen auf den Marxismus-Leninismus und die Ideen Stalins sowie Mao Tse-tungs. Sein Ziel ist die Beseitigung der","Linksextremismus 119 \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\", um den Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\" zu verwirklichen. Der AB bekennt offen, da\u00df dies nur mit Gewalt zu erreichen sei, da die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Es bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg. \"Freundeskreise\" in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg sollen den AB finanziell un- \" \" \" K W \" terst\u00fctzen. In weiteren St\u00e4dten des Bundesgebiets verf\u00fcgt der AB \u00fcber Ortsgruppen bzw. St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb konstant -**** bei etwa 200, davon rund 100 in Bayern. Der AB ist in zwei Fl\u00fcgel gespalten. Der gr\u00f6\u00dfere, die Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung (Gruppe KAZ) steht der DKP, der kleinere Fl\u00fcgel der PDS nahe. Der Gro\u00dfteil der Mitglieder der Gruppe KAZ hat sich 1997 in Form einer Doppelmitgliedschaft der DKP angeschlossen. Zu einem kollektiven \u00dcbertritt zur DKP und Aufl\u00f6sung des KAZ-Fl\u00fcgels konnten sich die Mitglieder jedoch nicht durchringen. Beide Fl\u00fcgel sehen sich in der Tradition des AB, zeigten aber nur geringe Aktivit\u00e4ten. 2.6 Marxistische Gruppe (MG) Die Marxistische Gruppe, 1969/1970 aus der Gruppierung \"Rote Zellen\" hervorgegangen, hatte am 21. Mai 1991 ihre \"Aufl\u00f6sung\" erkl\u00e4rt. Sie blieb jedoch mit etwa 10.000 fest an die Gruppe gebundenen Mitgliedern und stabilen organisatorischen Strukturen eine der Stabile Strukturen gr\u00f6\u00dften linksextremistischen Organisationen in Deutschland. \u00dcber die MG wurde zuletzt im Verfassungsschutzbericht Bayern f\u00fcr 1992 berichtet. Seither trat die MG nicht mit \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung. Diese Zur\u00fcckhaltung hat sie inzwischen zumindest zum Teil aufgegeben. Bereits Anfang 1992 ver\u00f6ffentlichten f\u00fchrende MG-Funktion\u00e4re die \"Politische Vierteljahreszeitschrift .GEGENSTANDPUNKT'\". Die Auflage betr\u00e4gt seither etwa 7.000 Exemplare. Sp\u00e4ter begannen in M\u00fcnchen","120 Linksextremismus Regelm\u00e4\u00dfige und N\u00fcrnberg die regelm\u00e4\u00dfigen, in der Tradition fr\u00fcherer \"teach-ins\" Veranstaltungen stehende \"Jour-fixe\" bzw. \"GEGENSTANDPUNKT\"-Diskussionsveranstaltungen, ohne jedoch die fr\u00fchere Gruppenbezeichnung MG zu verwenden. Diese Veranstaltungen werden jeweils von rund 250 Personen GEGEN.^^7 K ^ l * * * * - ' \" besucht. Behandelt wurden unter anderem die Themen: Euro, Goldreserven, Weltwirtschaft und B\u00f6rse. In vergangenen Jahr trat die MG erstmals wieder mit Flugblattverteilungen \u00f6ffentlich in Erscheinung. Damit warb sie unter anderem f\u00fcr eine erstmals seit Jahren wieder in der Universit\u00e4t M\u00fcnchen durchgef\u00fchrte Diskussionsveranstaltung. Ziel dieser Werbema\u00dfnahmen ist Gewinnung neuer neben der Werbung von Veranstaltungsteilnehmern auch die GewinAnh\u00e4nger nung neuer Anh\u00e4nger. Derzeit hat die MG in Bayern etwa 4.200 Angeh\u00f6rige, von denen etwa 700 aktiv t\u00e4tig sind. 3. M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus Linksextrem!An dem linksextremistisch beeinflu\u00dften M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen stischer Einflu\u00df Rassismus beteiligen sich neben demokratischen Gruppierungen die linksextremistisch beeinflu\u00dfte VVN-BdA, marxistisch-leninistische Organisationen wie DKP, AB, Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) und die trotzkistische Sozialistische Arbeitergruppe (SAG). Die Leitung bei Treffen und Veranstaltungen oblag jeweils Aktivisten der linksextremistischen Gruppierungen. Diese zeichneten auch f\u00fcr Flugbl\u00e4tter des B\u00fcndnisses presserechtlich verantwortlich. Das B\u00fcndnis fungierte als Tr\u00e4ger f\u00fcr eine Vielzahl von Aktivit\u00e4ten, zu denen kleinere Gruppen alleine nicht in der Lage waren. So war das M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus Hauptinitiator der Aktionen gegen eine geplante Demonstration der NPD/JN am Veranstaltung 8. November in M\u00fcnchen. Trotz des Verbots des Aufzugs der NPD/JN gegen JN und der Gegendemonstration mobilisierte ein \"Aktionsb\u00fcndnis gegen den Nazi-Aufmarsch am 8. November 97\". Dieses Aktionsb\u00fcndnis und sein Unterst\u00fctzerkreis bestanden aus bis zu 60 Gruppierungen und rund 20 Einzelpersonen. Organisatoren waren unter anderem das M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus, die Autonomen, die VVN-BdA, die DKP und die PDS. Obwohl der Bayerische Verwaltungsgerichtshof das von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen ausgesprochene Verbot f\u00fcr beide Versammlungen in zweiter Instanz best\u00e4tigt hatte, versammelten sich am 8. November in M\u00fcnchen ca. 100 Personen zu einer verbotenen Ersatzveranstaltung. Die Polizei unterband die weiteren","Linksextremismus 121 Aktivit\u00e4ten und leitete gegen den Leiter dieser Versammlung, einen Aktivisten des M\u00fcnchner B\u00fcndnisses gegen Rassismus, ein Strafverfahren wegen Leitens einer verbotenen Versammlung ein. 4. Autonome 4.1 \u00dcberblick Die Gewaltbereitschaft der Autonomen hielt auch 1997 unverminUnverminderte dert an und hat einen wesentlichen Anteil an der Bedrohung der InGewaltbereitneren Sicherheit in Deutschland durch Extremisten. Autonomen sind schaft \u00fcber 80% der linksextremistisch motivierten Gewalttaten zuzurechnen. Die ersten autonomen Gruppen entstanden Ende der 70er Jahre. Ihr T\u00e4tigkeitsfeld beschr\u00e4nkte sich seinerzeit im wesentlichen auf den Bereich der Antikernkraftbewegung. Inzwischen sind autonome Gruppen in allen Themenbereichen linksextremistischer Agitation t\u00e4tig, vor allem in der Antifa-Bewegung. Mit der Ausweitung der Aktivit\u00e4ten konnten sie ihren Einflu\u00df ausbauen und stetig neue Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre diffusen Vorstellungen gewinnen. Sie stellen eine der bedeutendsten Str\u00f6mungen des Linksextremismus in Deutschland dar. Durch geschickte Agitation versuchen Autonome, auch demokratiMobilisierung sehe Protestbewegungen f\u00fcr ihren Kampf gegen den Staat zu mobi\u00fcber Agitationslisieren. Auch f\u00fcr bayerische Autonome hat das Thema \"Antikemthemen kraft\", bundesweit ein Hauptaktionsfeld der Autonomen, mit dem Neubau des Forschungsreaktors f\u00fcr die Technische Universit\u00e4t in Garching und den Castor-Transporten aus den Kernkraftwerken Gundremmingen und Grafenrheinfeld weiterhin Bedeutung. \"Antifaschismus\", worunter Autonome auch den Angriff auf die demokratische Ordnung der Bundesrepublik Deutschland verstehen, bildet f\u00fcr bayerische Autonome aber nach wie vor das Hauptbet\u00e4tigungsfeld. 4.2 Ideologische Ausrichtung und Agitationsschwerpunkte Autonome haben kein einheitliches ideologisches Konzept. Sie folgen unklaren anarchistischen und anarchokommunistischen Vorstellungen. Wesentliches Element ist die unbeschr\u00e4nkte Entfaltung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit, um frei von \"Lohnarbeit\", sozialen Zw\u00e4ngen und R\u00fccksichtnahmen, eben \"autonom\" zu leben. Im Gegensatz zu anderen linksextremistischen Gruppierungen ist Autonomen ein ausformuliertes Programm oder verbindliches Statut fremd. Die losen,","122 Linksextremismus \u00fcberwiegend kurzlebigen Gruppen bilden sich meist \u00fcber Aktionsthemen. Feste Bindungen an die Gruppen werden schon aufgrund der negativen Grundeinstellung gegen\u00fcber jeglichen hierarchischen Strukturen abgelehnt. Einig sind sich die Autonomen in der kategorischen Ablehnung von Staat und Gesellschaft. Ihr Ziel ist die Abschaffung des Staats und seiner Institutionen, um an seiner Stelle eine \"herrschaftsfreie Gesellschaft\" zu errichten, von der indessen nieOrundgef\u00fchl von mand wei\u00df, wie sie im einzelnen aussehen soll. Vielen Anh\u00e4ngern AntiStaatlichkeit gen\u00fcgt auch das Grundgef\u00fchl von \"AntiStaatlichkeit\". Die M\u00fcnchner Gruppierung \"Zusammen k\u00e4mpfen\" setzte ihre verfassungsfeindliche Agitation fort. Nach dem ausgepr\u00e4gten antikapitalistischen Grundverst\u00e4ndnis dieser Gruppe versteht sie die staatliche und gesellschaftliche Ordnung Deutschlands als \"Klassengesellschaft\", in der ein \"gnadenloser Klassenkampf von oben\" gegen die \"proletarische Klasse\" betrieben werde. Dieser Sichtweise folgend propagiert \"Zusammen k\u00e4mpfen\" in einem Grundsatzpapier, abgedruckt in der autonomen Publikation \"INTERIM\" Nummer 429 vom 7. August, die Beseitigung der bestehenden gesellschaftlichen und staatlichen Ordnung in Deutschland. An ihre Stelle treten soll eine Klassenlose klassenlose, kommunistische Gesellschaftsform, aufgebaut nach dem Kommunistische R\u00e4teprinzip. Um dieses Ziel zu erreichen, forderte \"Zusammen k\u00e4mpfen\" Gesellschaft den Aufbau einer breiten revolution\u00e4ren Bewegung, die einen gemeinsamen antikapitalistischen und antistaatlichen Kampf f\u00fchren m\u00fcsse. Agitationsschwerpunkt der Gruppe \"Zusammen k\u00e4mpfen\" ist der Bereich \"Sozialabbau\", da hiervon breite Bev\u00f6lkerungsschichten betroffen seien. Die Gruppe versucht damit, wie von Linksextremisten bereits in der Vergangenheit h\u00e4ufig praktiziert, auf demokratische und friedliche Protestaktionen einzuwirken und diese f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu nutzen: \"Die spontan auftretenden massenhaften und militanten Streiks der proletarischen Klasse (Arbeiter, Arbeitslose, Studenten, ...) aufgreifen und ausweiten bis hin zum politischen Massenstreik gegen den Sozialraub der R\u00e4tesystem Bundesregierung und die Angriffe der Unternehmer! (...) In von uns gew\u00e4hlten R\u00e4ten in Betrieb, Schule, Stadtteil, ... mit selbstorganisierten Streiks, Stra\u00dfenrevolten ... zur Enteignung von Konzernen und Banken! Eine internationale Front gegen ein Europa des Kapitals aufbauen!\" (Flugblatt zur \" 1 . Mai-Demo 1997\" in M\u00fcnchen). Hauptthema Eine wesentliche Rolle nimmt f\u00fcr Autonome das Thema AntifaschisAntifaschismus mus ein. Darunter verstehen sie nicht nur den unmittelbaren Kampf","Linksextremismus 123 gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten, sondern auch den Kampf gegen die Bundesrepublik Deutschland. Diese stehe in direkter Kontinuit\u00e4t zum Dritten Reich und verfolge selbst \"faschistische, rassistische und imperialistische\" Ziele. Mit ihren Aktionen soll der Staat selbst als \"faschistisch\" vorgef\u00fchrt werden. Aktionsthemen hierf\u00fcr sind unter anderem \"Rassismus\", \"Kapitalis mus\" und soziale Probleme. In einem Faltblatt \"Demonstration gegen die faschistische DVU am 27.09.1997\" der Antifaschistischen Jugenfront Passau (AJF Passau) hei\u00dft es unter dem Slogan: \"Kampf dem Faschismus! - Kampf dem Kapital - Zusammen k\u00e4mpfen!\" unter anderem: \"Der einzig wirksame Weg, den Faschistinnen das Wasser abzudrehen, bleibt f\u00fcr die Linke folglich, selbst wieder brauchbare Alternativen zum kapitalistischen System zu erarbeiten. Wir d\u00fcrfen den Nazis Themen wie Sozialabbau und \u00e4hnliches nicht \u00fcberlassen ...\" Ein Schwerpunkt der \"Antifa-Aktivit\u00e4ten\" der Autonomen richtet sich - wie im Vorjahr - gegen die rechtsextremistische Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) der NPD. Die Autonomen versuchen, ihren verfassungsfeindlichen Zielen durch Instrumentalisiedie Instrumentalisierung b\u00fcrgerlicher Protestbewegungen n\u00e4herzurung b\u00fcrgerlicher kommen. Dies wird deutlich am Beispiel der Antikernkraftbewegung. ProtestbeweNur gleichberechtigte Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Begungen wegungen des \"atomaren Widerstands\" f\u00fchre zu dem Ziel, die derzeitigen politischen Verh\u00e4ltnisse grundlegend zu \u00e4ndern. Dabei stelle sich die Frage: \"Inwiefern ist es m\u00f6glich, den sich organisierenden K\u00e4mpfen eine gesamtpolitische, radikale Ausrichtung zu geben? Eine Richtung, die Bedingung nicht nur f\u00fcr das Ende der Atomtechnologie, sondern der \u00dcberwindung der kapitalistischen Produktionsweise und der Ausbeutung der Menschen und der Natur sein k\u00f6nnte?\" Einerseits stellten B\u00fcrgerinitiativen - als Teil dieses \"atomaren Widerstands\" - relativ spontane Zusammenschl\u00fcsse dar, allerdings entstanden aus direkter pers\u00f6nlicher Betroffenheit und nicht aus der Analyse politischer Verh\u00e4ltnisse: \"So bek\u00e4mpfen sie die augenf\u00e4lligsten Symptome des Kapitalismus, jedoch nicht die Bedingungen, die sie erst erm\u00f6glichen.\"","124 Linksextremismus Andererseits seien auch die K\u00e4mpfe der Autonomen gegen die Kernenergie oftmals ohne klare politische Ausrichtung und w\u00fcrden lediglich den militanten Arm einer auf Ausstieg aus der Kernkraft gerichteten Bewegung darstellen. Kampf gegen den Tats\u00e4chlich komme es darauf an, dieser \"unreformierbaren StaatsStaat form in ihrer Gesamtheit\" entgegenzutreten und K\u00e4mpfe gegen Ausbeutung aus allen verschiedenen Bereichen zusammenzuf\u00fchren: \"Das bedeutet aufzuzeigen, da\u00df soziale, feministische, \u00f6kologische und antifaschistische Bewegungen nicht unabh\u00e4ngig voneinander stehen.\" Weitere Themen waren Solidarit\u00e4tsaktionen zugunsten der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) und anderer t\u00fcrkischer Gruppen, Sanierungsma\u00dfnahmen in Gro\u00dfst\u00e4dten, insbesondere in Berlin, und die Agitation gegen Sparma\u00dfnahmen der Bundesregierung. Anwendung von Die Bejahung von Gewalt zur Durchsetzung von Zielen ist unumstritGewalt tener Bestandteil autonomen Selbstverst\u00e4ndnisses. Ihre Gewalttaten versuchen sie, als \"Gegengewalt\" gegen staatliche Ma\u00dfnahmen und Regelungen zu rechtfertigen. Auch Gewalt gegen Personen wird von Autonomen entgegen fr\u00fcherer Praxis inzwischen insbesondere bei Aktionen gegen politische Gegner als geeignetes Mittel angesehen und angewendet. Auch die Formierung von \"Schwarzen Bl\u00f6cken\" bei Demonstrationen ist in diesem Zusammenhang einzuordnen als Symbol f\u00fcr \"militanten Antifaschismus\" und eine \"Politik, die das Gewaltmonopol des Staats nicht anerkennt\". Gezielte Gewaltakte der Autonomen, im Szenejargon auch als \"klandestine Vorbereitung der Aktionen\" bezeichnet, erfolgen \u00e4u\u00dferst konspirativ. Sie werden Gewalttaten durch Aussp\u00e4hung der Zielpersonen und Objekte vorbereitet. Hierzu sind in der Szene Anleitungen, z.B. \"Tips und Tricks zur Vermeidung von Spuren\", im Umlauf. Die polizeilichen Ermittlungen gestalten sich deshalb h\u00e4ufig sehr schwierig. 4.3 Autonome Strukturen 4.3.1 Autonome in Bayern Schwerpunkte in \u00d6rtliche Brennpunkte der Autonomen in Bayern waren auch im Jahr Bayern 1997 N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Passau. Die Passauer Autonomen traten wie im Vorjahr im wesentlichen mit publizistischen und versammlungsrechtlichen Aktivit\u00e4ten sowie Sachbesch\u00e4digungen durch","Linksextremismus 125 massive Schmieraktionen in Erscheinung. Die in den Vorjahren festgestellte besonders hohe Gewaltbereitschaft der Passauer Gruppen blieb unver\u00e4ndert und manifestierte sich insbesondere durch die Einbindung in die Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO). Die Bedeutung des \"K\u00fcnstlerhauses\", vormals Kommunikationszentrum (KOMM) als zentrale Anlaufund Kontaktstelle der Autonomen in N\u00fcrnberg ging zur\u00fcck. Den Schlu\u00dfpunkt setzte die K\u00fcndigung der Mietvertr\u00e4ge durch die Stadt N\u00fcrnberg zum Ende des Jahres. Die k\u00fcnftige Nutzung soll unter unmittelbarem Hausrecht der Stadt N\u00fcrnberg erfolgen. Damit wird die Bedeutung des KOMM f\u00fcr linksextremistische Agitation nachlassen. Zuletzt ver\u00fcbten Autonome in N\u00fcrnberg am 20. Dezember im Zusammenhang mit massiven Ausschreitungen einen Brandanschlag. Den Autonomen in N\u00fcrnberg scheint es zu gelingen, ihre ideologische und organisatorische T\u00e4tigkeit an anderen Orten fortzusetzen. Agitationsschwerpunkt f\u00fcr die M\u00fcnchner Autonomen war das Thema Antifaschismus. Den Schwerpunkt bildeten die zum Teil unfriedlichen Versammlungen gegen die Wehrmachtsausstellung am 1. M\u00e4rz und gegen die JN am 16. August. Daneben bestehen autonome Gruppen in den Bereichen Aschaffenburg, Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen, F\u00fcrth, Ingolstadt, Regensburg, Rosenheim und W\u00fcrzburg. Auch aus anderen St\u00e4dten wurden Aktivit\u00e4ten bekannt, die als Indiz f\u00fcr das Vorhandensein autonomer Strukturen gewertet werden m\u00fcssen. Insgesamt geh\u00f6ren autonomen Strukturen in Bayern rund 500 Perso500 Autonome in nen an. Obwohl die Anh\u00e4ngerzahl sich nicht erh\u00f6ht hat, ist die Bayern Motivation der Autonomen gestiegen. Dies zeigt sich unter anderem an der durchwegs zunehmenden Beteiligung Autonomer an Gro\u00dfveranstaltungen, einer gesteigerten Aggressivit\u00e4t der Versammlungsteilnehmer und nicht zuletzt an den deutlich gestiegenen Zahlen der in Bayern ver\u00fcbten Gewalttaten. Das \u00f6ffentliche Erscheinungsbild Autonomer hat sich ver\u00e4ndert. Viele versuchen, vom Image des in schwarzer Kluft herumlaufenden, vermummten und mit einer Zwille bewaffneten \"Revolution\u00e4rs\" wegzukommen. Durch ein unauff\u00e4lligeres Erscheinungsbild will man b\u00fcndnisf\u00e4higer werden. Die oft kurzlebigen, meist aus konkretem Anla\u00df gegr\u00fcndeten Gruppierungen tragen Namen wie Rote Antifa N\u00fcrnberg, Zusammen k\u00e4mpfen, Antifaschistische Jugendfront und Antifaschistische Aktion.","126 Linksextremismus Die fr\u00fchere grunds\u00e4tzliche Ablehnung von Organisationsformen und verbindlichen Strukturen haben die Autonomen teilweise aufgegeben. 4.3.2 Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) Die AA/BO ist einer der wenigen erfolgreichen Versuche, im autonomen Bereich dauerhafte Organisationsstrukturen zu schaffen. Sie hat wesentliche Bedeutung f\u00fcr die gewaltbereite autonome antifaschistische Szene und ist eine Art Dach f\u00fcr gewaltorientierte Gruppierungen zur Verankerung und Verbreiterung des Widerstands. Der AA/BO geh\u00f6ren Gruppierungen aus etwa zehn St\u00e4dten im gesamten Bundesgebiet an. Eine zentrale Rolle in dieser Organisation nimmt die militante Autonome Antifa (M), G\u00f6ttingen, ein. Daneben haben in der AA/BO auch Wichtige Rolle die Antifaschistische Aktion Passau (AA Passau) und die Antifaschistider AA Passau sche Aktion Berlin (AA Berlin) erhebliche Bedeutung erlangt. In Bayern ist au\u00dferdem die Rote Antifa N\u00fcrnberg (RAN) aktiv. Die linksextremistische Zielsetzung der AA/BO zeigt sich unter anderem an der von ihr propagierten These, da\u00df sich der Antifaschismuskampf gegen die Grundpfeiler der b\u00fcrgerlichen Herrschaft richten m\u00fcsse. Die Parole lautet \"Kampf dem Faschismus hei\u00dft Kampf dem imperialistischen System\". Durch die Zugeh\u00f6rigkeit der AA Passau und RAN zur militanten AA/BO sind die bayerischen Schwerpunktszenen in den permanenEinbindung in den ten, bundesweiten Informationsaustausch autonomer und anderer bundesweiten linksextremistischer Gruppierungen eingebunden. Die Entwicklung Informationsder bundesweiten Vernetzung zeigt, da\u00df der fr\u00fchere krisenhafte Zuaustausch stand der Autonomen-Bewegung bis hin zum teilweisen Zerfall einzelner Gruppierungen und Organisationsans\u00e4tze einer inhaltlichen Neustrukturierung gewichen ist. Die derzeitigen AA/BO-Mitglieder, voran die AA Passau und die AA Berlin (zum Teil ehemalige Angeh\u00f6rige der AA Passau), sind fest entschlossen, die Ans\u00e4tze zur Schaffung eines bundesweiten legalen Dachs f\u00fcr das Zusammenwirken legaler Gruppen weiter zu verfolgen. Die engen personellen Verbindungen zwischen Passau und N\u00fcrnberg und die im vergangenen Jahr auf Betreiben Passauer Autonomer gegr\u00fcndete Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen (AA M\u00fcnchen) deuten darauf hin, da\u00df Autonome ihre Kr\u00e4fte b\u00fcndeln und innerhalb der B\u00fcndnisbestreLinksextremisten Einflu\u00df nehmen wollen (anla\u00dfbezogene B\u00fcndnisbungen in Bayern politik). Dabei k\u00f6nnte die Zusammenarbeit zwischen den bayerischen autonomen Gruppierungen zu einem bayerischen B\u00fcndnis f\u00fchren.","Linksextremismus 127 Im Rahmen der Vernetzung von Gruppen spielen vor allem Passauer Bundesweiter EinAktivisten bundesweit eine wichtige Rolle. In Berlin, Hamburg und flu\u00df bayerischer G\u00f6ttingen wirkten bayerische Autonome stabilisierend auf die \"poliAutonomer tische Arbeit\" der dortigen Gruppierungen. So nahm die Polizei am 17. November in G\u00f6ttingen vier Autonome wegen Verdachts der Sachbesch\u00e4digung vorl\u00e4ufig fest. Bei drei von ihnen handelt es sich um ehemals f\u00fchrende Aktivisten der Autonomen in Passau, die ihren Wohnsitz im Laufe des Jahres 1996 nach G\u00f6ttingen verlegt hatten. Sie werden verd\u00e4chtigt, mit Steinen das Schaufenster eines Fotogesch\u00e4fts in G\u00f6ttingen eingeworfen und an die Eingangst\u00fcr die Parole \"Deutsche T\u00e4ter sind keine Ausstellungsst\u00fccke\" gespr\u00fcht zu haben. Im Gesch\u00e4ft war das Foto eines Mannes in Wehrmachtsuniform ausgestellt. Unter dem Titel \"Was Sie schon immer \u00fcber die Antifaschistische Werbung neuer Aktion/Bundesweite Organisation wissen wollten\" wirbt die AA/BO Anh\u00e4nger mit einem farbig gestalteten Faltblatt in der linksextremistischen Szene. Darin hei\u00dft es: \"Mit der Antifaschistischen Aktion/Bundesweite Organisation wollen wir den Faschisten organisiert entgegentreten. Wir gehen offensiv gegen die Drahtzieher und Ideologen des Nazi-Terrors vor. Faschistische T\u00e4terinnen haben Namen und Adressen!\" Die AA/BO empfiehlt sich als Sammlungsbewegung, die die Zersplitterung der \"Linken\" \u00fcberwindet. Sie propagiert Widerstand gegen b\u00fcrgerliche Kr\u00e4fte und das \"bestehende Herrschaftssystem\". Der Widerstand soll auch all denen gelten, die Nazis gesellschaftliche Akzeptanz verleihen. Dazu z\u00e4hlt die AA/BO b\u00fcrgerliche Politiker, Gewerkschaftsfunktion\u00e4re und Medien, die sich f\u00fcr eine Begrenzung der Migration einsetzen. \"Eine antifaschistische, freie Gesellschaft kann nur entstehen, wenn das Propagierung von System mit all seinen \u00dcbeln gekippt wird. Denn f\u00fcr alles Reaktion\u00e4re gilt,Gewalt da\u00df es nicht f\u00e4llt, wenn es nicht niedergerissen wird.\" 4.3.3 Bem\u00fchen um Jugendliche und Heranwachsende Autonome treten in der \u00d6ffentlichkeit vor allem durch eine antistaatliche Haltung, Ablehnung gesellschaftlicher Normen und Werte sowie Abgrenzung zu anderen Protestpotentialen in Erscheinung. Sie bejahen den Einsatz eigener Militanz zur Durchsetzung ihrer sogenannten poliUmfassende tischen Forderungen und Ziele. Diese oft umfassende \"Anti\"-Haltung \"Anti\"-Haltung","128 Linksextremismus steigert die Attraktivit\u00e4t gerade bei jungen Menschen, vor allem wenn diese mit Problemen im Elternhaus oder in der Schule bzw. Ausbildung konfrontiert werden. Dieses gemeinsam empfundene, alle Bereiche umfassende Lebensgef\u00fchl geht \u00fcber - m\u00f6glicherweise unterschiedliche - politische Vorstellungen hinaus und schafft verbindende Linien. Angeh\u00f6rige bzw. Aktivisten der Autonomen unterscheiden sich soziologisch zun\u00e4chst kaum von anderen Jugendlichen oder jungen Erwachsenen. Sie sind Sch\u00fcler, Studenten oder Auszubildende, die vielfach aber ihre Lehre oder ihr Studium nicht abschlie\u00dfen. Es kommt ihnen in ihrer Lebensplanung in erster Linie nicht auf eine Ausbildung und Arbeit zur (gesellschaftlich aufgezwungenen) Konsumbedarfsdeckung an, sondern vielmehr auf eine bestimmte Lebensweise. Eine Untersuchung von insgesamt 373 Autonomen - insgesamt werden den Autonomen in Bayern \u00fcber 500 Personen zugerechnet -, die den Regionen M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg/F\u00fcrth/Erlangen und Passau angeh\u00f6ren, ergab folgende Altersstruktur: Altersstruktur 46 sind 16 bis 20 Jahre alt, davon 43% weiblich, 93 sind 21 bis 25 Jahre alt, davon 36% weiblich, 234 sind \u00fcber 26 Jahre alt, davon 31 % weiblich. Die Jugendlichen machen demnach etwa 12 % der Autonomen aus. Die Gruppe der 21bis 25j\u00e4hrigen stellt die aktivsten Autonomen. Die sogenannten \"Alt-Autonomen\" mit \u00fcber 26 Jahren treten als zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Gruppe eher \"beratend\", \"beeinflussend\" und \"helfend\" in Aktion. Soziologische Besonders kennzeichnend f\u00fcr die meisten der autonomen Szene Merkmale zuzurechnenden Personen ist: - Sie stammen h\u00e4ufig aus der Mittelschicht. - Sie haben im Schnitt eine h\u00f6here (Vor-)bildungsqualifikation als der Bev\u00f6lkerungsdurchschnitt. - Sie lehnen \"desozialisierende Lohnarbeit\" ab, statt dessen finanzieren sie ihre materiellen Bed\u00fcrfnisse sowie ihre \"szene-notwendige\" Freiheit durch \"Anzapfen\" staatlicher Gelder oder Unterhaltszahlungen der Eltern; gelegentlich auch durch Kleinkriminalit\u00e4t. - Sie verzichten auf einen \"b\u00fcrgerlichen Status\" mit dem dazugeh\u00f6renden Lebensund Konsumstandard und behalten sich die","Linksextremismus 129 erreichte freie Zeit f\u00fcr selbstbestimmte Lebensund Erlebnisqualit\u00e4t in oppositionellen Freir\u00e4umen vor. Ern\u00fcchtert \u00fcber die Diskrepanz des eigenen Anspruchs und der vorgegebenen Wirklichkeit, bedingt durch letztlich permanenten Frust \u00fcber ergebnislose Diskussion und autonome Selbstisolation, \"steigen\" viele Personen erfahrungsgem\u00e4\u00df sp\u00e4testens nach f\u00fcnf bis sieHohe Fluktuation ben Jahren \"aus\". Die vielen Aussteiger werden gerade noch durch die oft sehr jungen Neulinge kompensiert. Von dieser Entwicklung ausgenommen sind die \"Alt-Autonomen\". Ihnen gelingt es jedoch kaum, eine gruppenm\u00e4\u00dfig ausgerichtete Theorie und Praxis autonomer Politik \u00fcber die genannten Zeitr\u00e4ume hinaus zu garantieren. Da es sich bei der Autonomen-Bewegung um eine Art \"Jugendrevolte\" handelt, gibt es eine \u00fcber den genannten Zeitraum hinausgehende Kontinuit\u00e4t der autonomen Praxis ebensowenig wie eine auf Kontinuit\u00e4t aufbauende Perspektive autonomer Politik. Bedingt durch wechselnde personelle Zusammenh\u00e4nge und damit pers\u00f6nliche Erfahrungen orientieren sich Aktionen an den jeweiligen politisch aktuellen Themen. Die der Szene eigene Mitgliederfluktuation ist von Angeh\u00f6rigen erSchaffung von kannt und wird als Hemmnis f\u00fcr eine kontinuierliche politische FortStrukturen entwicklung - wie es die AA/BO anstrebt - der Autonomen-Bewegung angesehen. In der Vergangenheit hat es wiederholt regional begrenzte Versuche - z.B. in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg oder Passau - gegeben, eine \u00c4nderung mit dem Ziel einer \"politischen Qualit\u00e4tsverbesserung\" herbeizuf\u00fchren. Die Autonomen werden weiterhin bem\u00fcht sein, eine notwendige \"gemeinsame Front von Lohnabh\u00e4ngigen, Arbeitslosen, Azubis, (...) sowie Sch\u00fclerinnen und Studentinnen\" aufzubauen und mit anderen politischen Protestpotentialen der linken Szene Aktionsb\u00fcndnisse einzugehen. Die gesellschaftspolitischen Ver\u00e4nderungen in Deutschland mit einer relativ hohen Arbeitslosenzahl unter den Jugendlichen und die Einschnitte sozialer Zuwendungen im schulischen und universit\u00e4ren Bereich (BAf\u00f6G-\u00c4nderungen) nutzen \"erfahrene\" Autonome f\u00fcr ihre politische Zielsetzung und \"Werbema\u00dfnahmen\" vor weiterf\u00fchrenden Schulen, insbesondere Gymnasien. Linksextremistische Ideen werden Verschleierung dabei verschleiert und z.B. unter dem Deckmantel \"Antifaschismus\", der Ziele \"Antifa-Jugendinformation\" oder unter dem Slogan \"Meine Freundin ist bei der Antifa!\" verbreitet. Die AA M\u00fcnchen wirbt etwa bei","130 Linksextremismus Jugendlichen als eine Gruppierung von jungen aufgeschlossenen Leuten aus verschiedener politischer und sozialer Herkunft, die gemeinsam einen organisierten Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Sexismus auf den Stra\u00dfen, in den Parlamenten und in den Chefetagen der Konzerne f\u00fchren wollen. So bewegen sich im Umfeld der autonomen Schwerpunktzentren ferner etwa je 30 Personen im Alter von 14 bis 16 Jahren. Dieser Personenkreis ist derzeit noch unorganisiert, beteiligt sich jedoch an Aktionen und Demonstrationen der Linksextremisten. Werbung bei In einer 16 Seiten umfassenden Flugschrift mit dem Titel \"get up, Jugendlichen und stand up ... Antifa hei\u00dft Angriff!\" warb die AA/BO im Dezember in Sch\u00fclern Berlin unter Sch\u00fclern und Jugendlichen um neue Anh\u00e4nger. Darin werden die Autonomen als \"hartgesottene Rebellen\" dargestellt, die unverzagt gegen Faschisten k\u00e4mpfen; offensive Aktion gegen \"rechten Konsens\" sei notwendig: \"Wenn wir wirklich etwas ver\u00e4ndern wollen, dann m\u00fcssen wir selbst aktiv werden und uns organisieren. Wer sich auf pseudodemokratische Staatsdiener verl\u00e4\u00dft, wird bald selbst verlassen\". Verharmlosung Die Schrift verkl\u00e4rt auch Morde der RAF. So sei J\u00fcrgen Ponto bei eider RAF-Morde nem Entf\u00fchrungsversuch ums Leben gekommen. Die Ermordung Dr. Hanns-Martin Schleyers durch die RAF wird mit den Worten kommentiert: \"Die deutsche Regierung opfert den alten Kameraden\". Die Brosch\u00fcre endet mit der Parole: \"Frei sein, high sein, Terror mu\u00df dabei sein!\" Auch in verschiedenen bayerischen St\u00e4dten wie M\u00fcnchen und Passau versucht die AA/BO, vor allem an weiterf\u00fchrenden Schulen Nachwuchs zu gewinnen. Neue Anh\u00e4nger weisen in der Regel einen h\u00f6heren Bildungsstand auf. Einer anderen Strategie im Bereich Jugend bedient sich mit Erfolg die nicht zu der autonomen Szene z\u00e4hlende trotzkistische Sozialistische Arbeitergruppe (SAG). Sie versucht, ihre Bedeutung durch Mitarbeit bei demokratischen Parteien zu vergr\u00f6\u00dfern (Entrismus). Die SAG hatte bereits zur Jahreswende 1993/94 begonnen, ein sogenanntes \"Linksruck-Netzwerk\" zu gr\u00fcnden, das innerhalb von Juso-Gliederungen der SPD arbeitet. Von einer Zentrale in Hamburg werden die Aktivit\u00e4ten einzelner Ortsgruppen koordiniert. \u00dcber die Zeitschrift \"Linksruck\", die nach eigenen Angaben inzwischen eine Auflage von 5.000 Exemplaren erreicht hat, werden die Anh\u00e4nger informiert und","Linksextremismus 131 Aktivit\u00e4ten koordiniert. In der Ausgabe Nummer 36 vom Februar wird Unterwanderung \u00fcber eine erfolgreiche Werbeaktion f\u00fcr neue Mitglieder berichtet, demokratischer deren Ziel, f\u00fcnf neue Mitglieder je Ortsgruppe zu gewinnen, vorzeitig Organisationen erreicht worden sei. Innerhalb von zwei Monaten seien 104 Neueintritte zu verzeichnen gewesen. In der Zeitung werden 36 Kontaktanschriften genannt. Lenin wird als konsequenter K\u00e4mpfer f\u00fcr wirkliche Freiheit und echte Demokratie gepriesen. In M\u00fcnchen ist die SAG in vier Juso-Kreisverb\u00e4nden t\u00e4tig, ohne diese jedoch zu beherrschen. 4.3.4 Informationelle Vernetzung Durch die Zugeh\u00f6rigkeit der AA Passau und RAN zur militanten AA/BO sind die bayerischen Schwerpunktszenen in den permanenten, bundesweiten Informationsaustausch autonomer und anderer linksextremistischer Gruppierungen eingebunden. F\u00fcr den regionalen, \u00fcberregionalen und internationalen Informationsaustausch nutzen Autonome Szenepublikationen, Info-L\u00e4den, Szenelokale sowie verdeckte informelle Strukturen wie interne Telefonketten, aber auch Mailboxverbundsysteme. Eine in der Szene verbreitete \u00dcbersicht f\u00fchrt mehr als 80 solcher Anlaufstellen im Bundesgebiet auf. In Bayern bestehen Info-L\u00e4den unter anderem in Aschaffenburg, Augsburg, Info-L\u00e4den F\u00fcrth, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Passau und Regensburg. F\u00fcr die landesund bundesweite sowie die internationale Kommunikation werden moderne Kommunikationsmittel wie Telefax und Mailbox-Systeme in erheblichem Umfang verwendet, so das von Wiesbaden aus aufgebaute Mailbox-System \"Spinnennetz\", das aber an Bedeutung Mailboxen und zugunsten anderer moderner Kommunikationswege verlor. Erhebinternet liehe Bedeutung hat inzwischen auch die Nutzung des internationalen Informationssystems Internet erlangt. Darin werden, zum Teil \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter, ebenso wie von Rechtsextremisten und ausl\u00e4ndischen Gruppen Nachrichten und Publikationen mit teilweise strafbarem Inhalt verbreitet. 4.3.5 Internationale Verbindungen In der Zeit vom 3. bis 5. Oktober fand in London auf Einladung der Konferenz in Antifaschist-Action (AFA) die 1. Internationale Konferenz militanter London antifaschistischer Gruppen statt. An dieser Konferenz nahmen \u00fcber 20 Gruppen aus England, Irland, Deutschland, Skandinavien, Kanada und USA teil. Diskutiert wurde unter anderem \u00fcber eine vorbereitete","132 Linksextremismus vierseitige Grundsatzerkl\u00e4rung, die letztendlich aber nur von wenigen Gruppen unterzeichnet wurde. Das Ziel der Veranstaltung war, die Zusammenarbeit militanter antifaschistischer Gruppen voranzubrinInternationale gen. Vereinbart wurde ferner eine internationale ComputervernetComputerzung. Dieses Treffen war auch Thema eines Artikels in der Zeitung Vernetzung \"EinSatz! - Zeitung f\u00fcr autonome Politik\"(Nummer 25 vom November) der Autonomen Antifa (M) aus G\u00f6ttingen. Sowohl Diktion als auch Diskussion bei diesem Treffen stellten den militanten antifaschistischen Kampf in den Vordergrund. Auch aus Bayern nahmen mehrere Personen teil. Internationale Die Festnahme eines Autonomen aus M\u00fcnchen am 2. November in Solidarit\u00e4t K\u00f6sching, Landkreis Ingolstadt, l\u00f6ste \u00fcberraschend eine nahezu internationale Solidarit\u00e4tswelle aus. Anla\u00df war eine Veranstaltung eines der rechtsextremistischen Deutschen Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) nahestehenden Vereins, an der etwa 700 Personen aus verschiedenen europ\u00e4ischen Staaten teilnahmen. Dagegen organisierten regionale antifaschistische Gruppen/Parteien, unter anderem die PDS und die autonome Antifaschistische Aktion Ingolstadt, eine Protestveranstaltung mit etwa 150 Teilnehmern. Im Vorfeld dieser Aktion nahm die Polizei mehrere Personen vorl\u00e4ufig fest. Darunter befand sich auch ein Autonomer aus M\u00fcnchen, der im Verdacht steht, einen Polizeibeamten durch einen Steinwurf verletzt zu haben. In einer \u00f6ffentlich zug\u00e4nglichen Mailbox rief daraufhin die \"internationale antifaschistische und anarchistische/anarchosyndikalistische Bewegung\" in deutscher und englischer Sprache zur Solidarit\u00e4t und zu Protestschreiben an den bayerischen Innenminister in M\u00fcnchen und die Staatsanwaltschaft in Ingolstadt auf. 4.4 Autonome Publikationen Eine weitere Informationsm\u00f6glichkeit bieten den Autonomen die Szenepublikationen. Diese werden meist konspirativ hergestellt und verbreitet; ihre Autoren sind weitgehend unbekannt. Neben der Berichterstattung \u00fcber autonome und terroristische Aktivit\u00e4ten sch\u00fcren die Publikationen vor allem den Ha\u00df gegen die Staatsund Gesellschaftsordnung der Bundesrepublik Deutschland. Sie enthalten Anleitungen f\u00fcr ferner unverhohlene Aufforderungen und Anleitungen zu GewaltGewalttaten taten unter anderem gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten und deren Einrichtungen sowie - vor allem im Zusammenhang mit den Castor-Transporten - gegen Einrichtungen der","Linksextremismus 133 Deutschen Bahn AG. Von den bundesweiten Szenebl\u00e4ttern hat nach Bundesweite wie vor die regelm\u00e4\u00dfig erscheinende, aus Berlin stammende PublikaPublikationen tion \"INTERIM\" zentrale Bedeutung. Im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen die Herausgeber, Hersteller und Verteiler dieser Publikation, unter anderem wegen \u00f6ffentlicher Aufforderung zu Straftaten und Belohnung und Billigung von Straftaten, konnten am 12. Juni rund 1.000 frisch gedruckte Exemplare der Ausgabe Nummer 424 der \"INTERIM\" vom selben Tag beschlagnahmt werden. Die Durchsuchungsaktion richtete sich gegen zwei Druckbetriebe und insgesamt 13 Personen, bei denen zahlreiche Unterlagen und mehrere Personalcomputer sichergestellt wurden. Eine Zerschlagung der Publikation ist mit dieser Durchsuchung aber nicht gelungen. Schon die n\u00e4chste Ausgabe Nummer 425 erschien zeitgerecht, wenn auch mit weitgehend bekannten Texten. In einem kurzen Begleittext der Redaktion hie\u00df es, der Briefkasten, in den f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung angebotene Beitr\u00e4ge eingeworfen werden k\u00f6nnen, sei \"g\u00e4hnend leer\" gewesen. Gleichzeitig bekr\u00e4ftigte sie: \"Wir machen weiter - keine Frage - alle Donnerstage!!! Jetzt erst recht!!!\" Bei der Kontrolle eines offensichtlich \u00fcberladenen PKW in der Nacht zum 23. M\u00e4rz in M\u00fcnster wurden 680 Exemplare der Druckschrift \"radikal - Dokumentation kriminalisierter Texte\" vom Fr\u00fchjahr 1997 sichergestellt. Die beiden Fahrzeuginsassen wurden vorl\u00e4ufig festgenommen. Die 84seitige Brosch\u00fcre enth\u00e4lt im wesentlichen bekannte Texte aus fr\u00fcheren Ausgaben der Untergrundschrift \"radikal\". In einem Vorwort erl\u00e4utern die Herausgeber, da\u00df sie sich - angesichts der Exekutivma\u00dfnahmen gegen mutma\u00dfliche \"radikal\"-Redakteure vom 13. Juni 1995 - gegen diese \"Form staatlicher Zensur per Polizeikn\u00fcppel\" wehren wollten. Themenschwerpunkte in den autonomen Publikationen waren 1997 Schwerpunkt\"Antifaschismus\", \"Organisierung im autonomen Spektrum\", der themen \"kurdische Befreiungskampf\", \"Rassismus\", Fl\u00fcchtlingspolitik und die Castor-Transporte. Daneben waren wie in den Vorjahren eine Vielzahl von Setbstbezichtigungsschreiben zu Anschl\u00e4gen sowie Handlungsanleitungen zu Straftaten abgedruckt. In Bayern publizieren die Autonomen ihre politischen Artikel unter Bayerische anderem in regelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Schriften, wie \"barricada\" aus Publikationen","134 Linksextremismus N\u00fcrnberg, \"Antifa Jugendinfo\" aus Passau und \u00e4hnlichen regionalen, \u00fcberwiegend unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebenen Bl\u00e4ttern. Die bayerischen Publikationen konnten bisher keine \u00fcberregionale Bedeutung gewinnen. Oft werden darin auch nur Artikel aus bundesweiten Szenepublikationen wie \"INTERIM\" \u00fcbernommen und durch Hinweise auf aktuelle Themen und Termine der \u00f6rtlichen oder regionalen Szene erg\u00e4nzt. Im Juli erschien die erste Ausgabe einer Brosch\u00fcre ,red & hot\". Herausgeber ist die im Juli gegr\u00fcndete Neue Antifaschistische Jugendfront M\u00fcnchen-Laim (AJF M\u00fcnchen-Laim), Publikationen ausdie \"politisch\" der AA M\u00fcnchen sehr nahe steht. Die Kontaktadresse M\u00fcnchen beider Gruppierungen ist der autonome Info-Laden in M\u00fcnchen. Den Schwerpunkt der Publikation bilden \"antifaschistische\" Themen. Als Reaktion aufzuneh^borricod\u00f6 menden Rechtsextremismus rief die AJF M\u00fcnchen-Laim zur Organisierung \"antifaschistischen Widerstandes\" auf. Daneben mobilisierte die Publikation auch zur Teilnahme \"***SSEU\"\"*\"\"\" an mehreren \"Antifa\"-Veranstaltungen der AA M\u00fcnchen, die im Rahmen einer bundesweiten Aktionskampagne gegen NPD und JN stattfanden. An dieser Kampagne war die AA/BO mit den ihr angeschlossenen Gruppierungen beteiligt. Die Kampagne stand unter dem Aufruf \"Kampf den Jungen Nationaldemokraten! Kein Fu\u00dfbreit den Faschisten - tretet in antifaschistische Aktion!\" und lief von Mai 1996 bis September 1997. Anfang Januar 1998 wurde die erste Ausgabe einer weiteren neuen linksextremistischen Publikation \"Pro.K Zeitung des revolution\u00e4ren Aufbau M\u00fcnchen\" bekannt. Verfasser und Herausgeber ist ein bisher unbekannter \"Revolution\u00e4rer Aufbau M\u00fcnchen\". Die Publikation soll sechsmal pro Jahr erscheinen und weist hinsichtlich ihres Erscheinungsbildes gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit mit der als Sprachrohr der AA/BO fungierenden Publikation \"EinSatz\" auf. Die erste Ausgabe ist gepr\u00e4gt von einer starken antikapitalistischen und antistaatlichen Sicht-","Linksextremismus 135 weise und weist kommunistische Ideologieelemente auf. Nach einer Kommunistische Selbstdarstellung ist die Publikation \"ein Instrument, aktiv in stattfinIdeologie dende Diskussionen, Teilbereichsund Klassenk\u00e4mpfe zu intervenieren und darin revolution\u00e4re Prozesse in Gang zu setzen\". Sie sei nur \"ein Teil eines umfassenden revolution\u00e4ren Prozesses\". Die Publikation wolle \"... als ein revolution\u00e4res/kommunistisches Aufbauprojekt auf die Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates und die Enteignung der Unternehmer hinarbeiten.\" Mit dieser neuen Zeitung soll ein m\u00f6glichst breites Spektrum angesprochen werden - Aufbau einer \"proletarischen Klasse\" aus Arbeitern, Arbeitslosen, Sch\u00fclern, Studenten und anderen angeblich Unzufriedenen - , um die \"proletarische Klasse\" f\u00fcr einen gemeinsamen revolution\u00e4ren Kampf zu vereinen. \"Die Einheit der proletarischen Klasse ist die unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr eine erfolgreiche soziale Revolution!\" Auch Gewalt wird zur Erreichung der Ziele ausdr\u00fccklich bef\u00fcrwortet: \"Die Dokumentation unterschiedlicher Ebenen der politischen Aktion, Propagierung von sowohl \u00f6ffentliche und legale, wie auch militante und illegale Arbeit, soll Gewalt aufzeigen, da\u00df nur eine Kombination von vielen Aktionsformen eine revolution\u00e4re proletarische Bewegung zum Ziel f\u00fchren wird.\" 4.5 Aktivit\u00e4ten autonomer Gruppen in Bayern 4.5.1 Autonome M\u00fcnchen Die autonomen Gruppen in M\u00fcnchen befassen sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit den Themen \"Antifaschismus\" und \"Sozialabbau\". Der Neubau des Forschungsreaktors f\u00fcr die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen in Garching (FRM II) spielte f\u00fcr die Autonomen in diesem Jahr nur eine untergeordnete Rolle. Neben den aktiven Gruppen \"Zusammen k\u00e4mpfen\" (Zk) und AA M\u00fcnchen ist eine weitere Gruppe, die AJF M\u00fcnchen-Laim, in Erscheinung getreten. Die Ausstellung \"Vernichtungskrieg - die Verbrechen der Wehrmacht Protest gegen 1941-1944\" in der Zeit vom 25. Februar bis 6. April im M\u00fcnchner NPD und JN Rathaus rief heftige Reaktionen auch in rechtsextremistischen Kreisen hervor. Die NPD/JN nahm die Welle des Protests zum Anla\u00df, \"nationalen Widerstand\" zu demonstrieren und meldete f\u00fcr den 1. M\u00e4rz","136 Linksextremismus einen bundesweiten Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung auf dem M\u00fcnchener Marienplatz an. Das Thema lautete \"Unsere Gro\u00dfv\u00e4ter waren keine Verbrecher - wir sind stolz auf sie\". Dagegen organisierten linksextremistische Gruppierungen und Organisationen am selben Tag zwei Gegendemonstrationen. Die autonome AA M\u00fcnchen demonstrierte unter dem Motto \"Tretet in antifaschistische Aktion! T\u00e4ter sind keine Opfer!\" Daneben protestierte ein B\u00fcndnis unter Beteiligung von DKP, VVN-BdA, PDS, AB, Revolution\u00e4rer Sozialistischer Bund (RSB), MLPD, M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus und demokratischer Organisationen unter anderem mit dem Slogan \"Die Verbrechen der Wehrmacht k\u00f6nnen nicht geleugnet werden! Kein Nazimarsch in M\u00fcnchen!\" Nur durch ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot konnten gewaltt\u00e4tige Auseinandersetzungen zwischen 4.300 NPD/JN-Demonstranten und 4.200 Teilnehmern der Gegenkundgebungen, darunter etwa 2.000 Linksextremisten, verhindert werden. Zu kleineren t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf der Demonstration aber immer wieder. Massiver Im Verlauf der Veranstaltung wurden 76 Personen, 43 Rechtsund 33 Polizeieinsatz Linksextremisten, vorl\u00e4ufig festgenommen. F\u00fcnf Polizeibeamte erlitten Verletzungen. Die AA M\u00fcnchen veranstaltete am 16. August als Protest gegen die Anti-He\u00dfrechtsextremistischen Aktionen zum 10. Todestag von Rudolf He\u00df Demonstration einen Aufzug in M\u00fcnchen. Die Demonstration mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung war zugleich Bestandteil einer Kampagne der AA M\u00fcnchen gegen die JN. An dem angemeldeten Aufzug beteiligten sich etwa 300 Personen des linksextremistischen und autonomen Spektrums. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung vor dem Sitz des NPD-Landesverbands wurden vereinzelt Gegenst\u00e4nde gegen das Anwesen und die eingesetzten Polizeibeamten geworfen. Ein Beamter wurde verletzt. Gegen Ende der Versammlung verbrannten Autonome eine Fahne der JN. Danach bewarfen Skinheads abziehende Demonstrationsteilnehmer mit Flaschen. Die Polizei nahm insgesamt zehn Personen wegen Verdachts des Landfriedensbruchs und der K\u00f6rperverletzung vorl\u00e4ufig fest. Seit dem 4. Juni sind an einer Realschule in M\u00fcnchen verst\u00e4rkt Aktionen von Personen der autonomen-antifaschistischen Szene feststellbar. Im Zentrum des Konflikts stehen Auseinandersetzungen un-","Linksextremismus 137 ter Sch\u00fclern. So sollen seit dem Schuljahresbeginn 1995/96 Sch\u00fcler Auseinandermit rechtsextremistischen Aufklebern und Schmierereien f\u00fcr ihre GeSetzungen an sinnung geworben haben. Die AA M\u00fcnchen nutzte diese Aktivit\u00e4ten, einer Schule in um ihrerseits in Flugbl\u00e4ttern zum Widerstand gegen die \"NaziaktiM\u00fcnchen vit\u00e4ten\" aufzurufen. In einem als Pressemitteilung bezeichneten Schreiben wird berichtet, zwei als vermeintliche Rechtsextremisten bekannte Sch\u00fcler h\u00e4tten am eigenen Leib zu sp\u00fcren bekommen, da\u00df die von ihnen betriebene Hetze und Gewalt nicht ohne Folgen f\u00fcr ihre Gesundheit bliebe. Ein Jugendlicher, der ein M\u00e4dchen angeblich als \"Ausl\u00e4nderschlampe\" beschimpft habe, sei von Autonomen verpr\u00fcgelt worden. Am 29. Juli bezichtigte sich eine Gruppe \"Antifaschistische Initiative\" unter dem Titel \"Kampf dem rassistischen Normalzustand\", an der Schule Schmierschriften wie \"Kein Fu\u00dfbreit den Faschisten\" und \"F\u00fcr ein nazifreies Schuljahr 97/98\" angebracht zu haben. 4.5.2 Autonome N\u00fcrnberg An der diesj\u00e4hrigen, vom linksextremistischen \"Antifaschistischen Demonstration Aktionsb\u00fcndnis\" durchgef\u00fchrten, 1. Mai-Demonstration unter dem zum 1. Mai Motto \"Revolution\u00e4rer 1. Mai\" in N\u00fcrnberg beteiligten sich etwa 500 Personen, darunter einzelne vermummte Autonome. An der Spitze des Zuges trugen die Teilnehmer ein Transparent mit der Aufschrift: \"Widerstand hei\u00dft Angriff auf die herrschende Ordnung, es lebe die soziale Revolution.\" Daneben f\u00fchrten sie mehrere kleinere Transparente mit, auf denen eine Weiterf\u00fchrung des Kommunikationszentrums der Stadt N\u00fcrnberg (KOMM) gefordert wurde. Die Transparente trugen die Aufschrift \"KOMM bleibt KOMM\". Nach Beendigung des Aufzugs warfen einige Teilnehmer aus der Menge heraus Gegenst\u00e4nde auf Einsatzkr\u00e4fte der Polizei und Fahrzeuge. Dabei wurden zwei PKW besch\u00e4digt und die Dienstkleidung mehrerer eingesetzter Beamter beschmutzt. In der Zeit vom 23. Juli bis 17. August fanden im Zusammenhang mit Aktionswochen dem 10. Todestag von Rudolf He\u00df in N\u00fcrnberg \"Antifaschistische aus Anla\u00df des Aktionswochen\" statt. Die Veranstalter - das linksextremistische He\u00df-Todestags Aktionsb\u00fcndnis - forderten mit Info-St\u00e4nden, Plakatund Flugblattaktionen dazu auf, \"den antifaschistischen Widerstand zu organisieren und Neonazis entgegenzutreten\". An einer f\u00fcr den 17. August in","138 Linksextremismus N\u00fcrnberg angemeldeten Demonstration beteiligten sich etwa 1.100 Personen, darunter etwa 250 Autonome, Anh\u00e4nger des antiimperialistischen Widerstands und der PDS. Im Verlauf des Aufzugs nahm die Polizei \u00fcber zehn Personen des linken Spektrums wegen Mitf\u00fchrens von Waffen und Vermummungsgegenst\u00e4nden vorl\u00e4ufig fest. Bei einem am Vorabend im KOMM durchgef\u00fchrten \"Antifa-Fest\" wurden Polizeibeamte angegriffen. Eine Gruppe von etwa zehn Vermummten scho\u00df mit pyrotechnischer Signalmunition und Stahlkugeln. Ferner schleuderten Unbekannte aus dem KOMM heraus leere Bierflaschen und Steine in Richtung der Beamten und deren Einsatzfahrzeuge. Eine von mehreren linksextremistischen Gruppen in der Zeit vom 19. bis 21. Dezember im KOMM geplante dreit\u00e4gige \"BenefizkonKrawalle zertreihe\" endete mit schweren Ausschreitungen. Die Konzerte unter dem Motto \"Unser Rhythmus gegen das System, Rock gegen Rechts und f\u00fcr die Freiheit der politischen Gefangenen international\" sollten auch als Abschlu\u00dffeste gelten, nachdem die Stadt N\u00fcrnberg die Mietvertr\u00e4ge zum 31. Dezember 1997 gek\u00fcndigt hatte. Eingeladen hatte das dem antiimperialistischen Widerstand (fr\u00fcheres RAF-Umfeld) zuzurechnende \"Infob\u00fcro f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen international\", unterst\u00fctzt von mehreren linksextremistischen, insbesondere autonomen Gruppen aus der Region. Ziel der Konzerte war es - einem Einladungsflugblatt zufolge -, auch gegen die bevorstehende Schlie\u00dfung des KOMM zu protestieren. So bekr\u00e4ftigten die Verfasser: \"Aber ob mit oder ohne KOMM: Die HERRschenden werden revolution\u00e4re Politik nicht verhindern. (...) Weder die au\u00dferparlamentarische Opposition in den 60-er Jahren, noch die Entstehung bewaffneter und militanter Organisationen in den 70-er Jahren wie die RAF, Bewegung 2. Juni, die Revolution\u00e4ren Zellen und sp\u00e4ter die Rote Zora sind vom Himmel gefallen. Notwendig war ein harter und z\u00e4her Wiederaufbau und die Organisierung revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe. (...) In diesem Sinne m\u00fcssen wir auch die heutige desolate Situation sehen und begreifen. Die Herrschenden in dieser Stadt wollen schon lange, da\u00df wir von der Bildfl\u00e4che verschwinden. Aber den Gefallen tun wir ihnen nicht!!!!\"","Linksextremismus 139 W\u00e4hrend das Konzert am 19. Dezember st\u00f6rungsfrei verlief, nutzten Autonome die Veranstaltung am 20. Dezember als Ausgangspunkt f\u00fcr massive Straftaten. Gegen 23 Uhr brach im Erdgescho\u00df eines st\u00e4dtischen Geb\u00e4udes in unmittelbarer N\u00e4he des KOMM ein durch zwei Molotowcocktails verursachter Brand aus. Er konnte rasch Brandanschlag gel\u00f6scht werden. Im weiteren Verlauf demolierten die St\u00f6rer mehrere Fahrzeuge, errichteten vor dem KOMM eine Barrikade, bewarfen Polizeibeamte mit Gegenst\u00e4nden und beschossen sie aus Schreckschu\u00dfwaffen mit pyrotechnischer Munition. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden betrug allerdings 80.000 DM. Die Polizei nahm insgesamt 37 Personen wegen Verdachts der Brandstiftung, versuchter gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und des Landfriedensbruchs vorl\u00e4ufig fest. Neun Personen verblieben in Gewahrsam. Von insgesamt 455 Beteiligten wurden die Personalien aufgenommen. Aufgrund dieser Vorf\u00e4lle untersagte die Stadt N\u00fcrnberg das letzte Konzert. Das KOMM war in der Vergangenheit immer wieder Zentrum und Ausgangspunkt von Aktionen der regionalen, aber auch bundesweiten linksextremistischen und autonomen Szene. Linksextremisten hatten in der Vergangenheit zahlreiche Veranstaltungen, auch von bundesweiter Bedeutung, im KOMM durchgef\u00fchrt. Das k\u00fcnftige Neues Nutzungskonzept sieht ein \"Polykulturlabor\" unter Einschlu\u00df von BeNutzungskonzept reichen der bildenden Kunst, der neuen Medien sowie die Errichtung eines kommunalen Kinos vor. Dar\u00fcber hinaus soll das Objekt der Mehrheit der bisherigen nicht-extremistischen Nutzer weiterhin zur Verf\u00fcgung stehen. Die Bedeutung des KOMM f\u00fcr linksextremistische Agitation wird jedoch nachlassen, da die Stadt N\u00fcrnberg wieder selbst das Hausrecht aus\u00fcben will. 4.5.3 Autonome Passau Die Autonomen in Passau arbeiten seit Jahren \u00fcber die AA Passau in der militanten AA/BO mit. Sie stellen innerhalb dieser Organisation eine der bedeutenden Gruppierungen dar. \u00dcber personelle VerflechBundesweite tungen haben sie auch bedeutenden Einflu\u00df auf autonome GruppieVerbindungen rungen in N\u00fcrnberg, Berlin und G\u00f6ttingen. Im ersten Halbjahr 1997 ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter aus der autonomen Antifa-Szene in Passau massive politisch motivierte Sachbesch\u00e4digungen. Sie brachten \u00fcberwiegend an \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden Hoher verschiedene Aufkleber und Spr\u00fchschriften an. Der Gesamtschaden Sachschaden bei betr\u00e4gt etwa 40.000 DM. Die angebrachten Parolen befa\u00dften sich Schmieraktionen","140 Linksextremismus unter anderem mit \"Antifaschismus\", der Problematik des SS 218 StGB und der Forderung nach Einrichtung eines autonomen Jugendzentrums. Die Parolen lauteten unter anderem: \"Dem staatlichen Terror entgegentreten! Polizeistaat verhindern! Kontakt: Antifaschistische Aktion Passau\" \"1933 Blockwart/1996 Sicherheitswacht/\u00dcberwachungsstaat hat deutsche Tradition/Nicht mit uns! Kontakt: Antifaschistische Aktion Passau\" \"Die Vernichtung der Wurzeln des Faschismus ist unser Ziel! Autonome Antifa (M) G\u00f6ttingen\". Bereits in der ersten Januarh\u00e4lfte brachten Unbekannte in Passau und Eggenfelden zahlreiche Aufkleber und Spr\u00fchschriften an. Auch dabei war erheblicher Sachschaden entstanden. In der Zeit vom 25. bis 28. April bespr\u00fchten Unbekannte erneut zahlreiche Au\u00dfenw\u00e4nde \u00fcberwiegend von \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden im Stadtgebiet Passau mit politischen Parolen. Angeh\u00f6rige des \u00f6rtlichen autonomen/antifaschistischen Spektrums beteiligten sich am 26. April in Passau an einer Demonstration \"Gegen den SS 218 und den bayerischen Sonderweg\". Dabei zeigten die Teilnehmer unter anderem Transparente mit Aufschriften wie: \"Feuer und Flamme dem Patriarchat\" \"Kampf dem Sexismus, Rassismus und Kapitalismus\". \" Protest gegen Am 27. September beteiligten sich in Passau etwa 400 Personen der DVU-Veranstalautonomen antifaschistischen Szene an einer Protestdemonstration tung der AA Passau gegen die j\u00e4hrliche Veranstaltung der rechtsextremistischen DVU. Das gr\u00f6\u00dfte Kontingent mit etwa 100 Personen war aus M\u00fcnchen angereist. W\u00e4hrend des Aufzugs skandierten die Teilnehmer Sprechch\u00f6re wie: \"Feuer und Flamme f\u00fcr diesen Staat\" \"Deutsche Polizisten sch\u00fctzen die Faschisten\" \" Tod dem Faschismus! Tod dem Kapital! Verteilt das Kapital international!\" Die Polizei nahm insgesamt 39 Demonstrationsteilnehmer unter anderem wegen Verst\u00f6\u00dfen gegen das Versammlungsgesetz und anderer Straftaten vorl\u00e4ufig fest. Die Demonstration selbst verlief st\u00f6rungsfrei.","Linksextremismus 141 4.6 Autonome B\u00fcndnisse Die Autonomen aus Bayern waren bem\u00fcht, anla\u00dfbezogen B\u00fcndnisse mit linksextremistischen Gruppierungen und Parteien einzugehen. Vereinzelt waren auch gemeinsame Veranstaltungen mit demokratischen Gruppierungen festzustellen. Anla\u00df f\u00fcr diese oft einmaligen B\u00fcndnisse waren in der Regel Aktionen gegen Aktivit\u00e4ten rechtsextremistischer Gruppierungen. Die Beteiligung an den B\u00fcndnissen unter dem Vorwand, friedlich gemeinsam demonstrieren zu wollen, dient dabei h\u00e4ufig aber nur als Plattform f\u00fcr Gewalttaten. AbspraPlattform f\u00fcr chen zu friedlichem Verhalten werden ignoriert, sobald dies AutonoGewalttaten men zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. Am 12. Januar folgten etwa 4.500 Personen, darunter ca. 400 Autonome, Aufrufen linksextremistischer Gruppierungen zur Teilnahme an der Luxemburg/Liebknecht-Demonstration in Berlin. Mitglieder der AA/BO - wie die RAN und die AA Passau - hatten dazu unter dem Motto \"Gegen den deutschen Imperialismus, Militarismus und Revanchismus\" bundesweit mobilisiert. Das breite Spektrum der Teilnehmer reichte von der revolution\u00e4r-marxistischen t\u00fcrkischen TKP/ML (vgl. auch Nummer 3.1.1 des 3. Abschnitts) \u00fcber die Kommunistische Plattform der PDS bis zur AA/BO. Die Autonomen solidarisierten sich mit einem breiten Aschaffenburger B\u00fcndnis gegen Rechts, das von zahlreichen bayerischen und au\u00dferbayerischen Gruppierungen unterst\u00fctzt wurde. Anla\u00df war ein geplanter aber verbotener \"M\u00fcnstermann-Marsch\" der NPD Protest gegen am 22. Februar in Aschaffenburg. Die Mobilisierung der linksextremiNPD-Versammstischen Szene durch Plakate, Flugbl\u00e4tter und Terminhinweise in lung einschl\u00e4gigen Publikationen und im \"COMLINK\" (vgl. auch Nummer 6 dieses Abschnitts) erfolgte unter anderem auch durch Informationsveranstaltungen in verschiedenen St\u00e4dten Deutschlands. An der Kundgebung beteiligten sich \u00fcber 1.500 Personen, darunter \u00fcber 1.000 aus dem gesamten Bundesgebiet angereiste Linksextremisten. Allein das Ger\u00fccht, am Bahnhof der Stadt seien Rechtsextremisten eingetroffen, gen\u00fcgte, um die bis dahin friedlich verlaufene Demonstration zu sprengen. 500 Autonome versuchten, zum Bahnhof zu gelangen, um dort die Konfrontation mit den \"Nazis\" einzugehen. Auf dem Weg dorthin besch\u00e4digen die Autonomen f\u00fcnf Sachbesch\u00e4diFahrzeuge und zwei Schaufenster. Der Hauptt\u00e4ter und 13 weitere gungen Tatverd\u00e4chtige konnten aus der Menge heraus festgenommen werden.","142 Linksextremismus Am 19. Juli erschienen etwa 250 Gegendemonstranten zu einer \u00f6ffentlichen Versammlung der rechtsextremistischen NPD/JN auf dem Marktplatz in Herzogenaurach, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt. Etwa 150 Personen konnten dem linksextremistischen Spektrum zugeordnet werden. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Autonome, die rote Fahnen und Plakate des linksextremistisch beeinflu\u00dften Antifaschistischen B\u00fcndnisses N\u00fcrnberg mit den Aufschriften \"Antifa hei\u00dft Angriff\" mitf\u00fchrten. Nach der Kundgebung versuchten Autonome, Kundgebungsteilnehmer der NPD-Versammlung zu verfolgen und mit Steinen zu bewerfen. Am 15. November demonstrierte ein breites B\u00fcndnis, darunter Vertreter etablierter Parteien, linksextremistischer Gruppierungen und autonomer Zusammenschl\u00fcsse, im Rahmen einer \"Aktionswoche gegen Rechte Gewalt in Herzogenaurach und Umland\", gegen das vermehrte Auftreten von Anh\u00e4ngern der rechtsextremistischen NPD und deren Jugendorganisation JN in Herzogenaurach, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt. An der von Vertretern des \"Runden Tisches Herzogenaurach\" angemeldeten Versammlung nahmen zu Beginn etwa 500 Personen, an der Schlu\u00dfkundgebung etwa 1.000 Personen teil, darunter 60 bis 80 Personen der linksextremistischen Szene des Ballungsraums N\u00fcrnberg (B\u00fcndnis gegen Rechts Erlangen). Autonome erregten \u00c4rgernis bei den Veranstaltern, als sie Flugbl\u00e4tter verteilten, in denen einer \u00f6rtlichen demokratischen Partei eine Mitschuld an den Vorkommnissen in Herzogenaurach zugeschrieben wird. Bei der Formation des Zuges wollten sich Linksextremisten mit Plakaten, die an Dachlatten befestigt waren, an die Spitze des Zuges setzen. Da die Plakate jedoch Aussagen zum Inhalt hatten, wie \" CSU-Verbot jetzt - gegen den braunen Konsens Von CSU und Nazis - Beckstein, Ollert, Kanther, Decken - Rassismus hat viele Gesichter\", drohten ihnen die Veranstalter mit dem Ausschlu\u00df. Der Aufforderung, derartige Schriften zu entfernen, kamen die Linksextremisten schlie\u00dflich nach. Danach st\u00f6rten Personen des linksextremistischen Lagers die Abschlu\u00dfkundgebung kurzfristig durch Pfeifen und Zwischenrufe. 4.7 Entwicklungstendenzen Gefahr f\u00fcr die Die Gewaltbereitschaft der Autonomen stellt auch in Zukunft eine Innere Sicherheit ernste Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar. Die weitere Entwicklung des Gewaltpotentials der Autonomen h\u00e4ngt von den Reizthemen ab, die ihnen f\u00fcr ihren Aktionismus geeignet erscheinen. Der Schwer-","Linksextremismus 143 punkt autonomer Aktivit\u00e4ten und Gewalttaten - unter bundesweiten Gesichtspunkten - liegt zeitweise im Bereich des Protests gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie, und hier insbesondere beim vielfach gewaltt\u00e4tigen Protest gegen den Transport abgebrannter Brennelemente in sogenannten Castor-Beh\u00e4ltern. Bereits fr\u00fcher wurden Vorbehalte gegen kerntechnische Anlagen zu breitgef\u00e4cherten Aktionen und B\u00fcndnissen genutzt. Das Mobilisierungsthema Antifaschismus hat erheblich an Bedeutung gewonnen. Die im Vorjahr gegr\u00fcndeten Ortsgruppen der linksextremistischen Stabilisierung Haftund Rechtshilfeorganisation Rote Hilfe e.V. - in Bayern unter neuer Gruppen anderem in M\u00fcnchen, Passau und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth/Erlangen - sowie die Gruppen mit der Bezeichnung \"Antifaschistische Aktion\"(AA) und deren Jugendorganisationen Antifaschistische Jugendfront (AJF) in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Ingolstadt/Pfaffenhofen haben sich stabilisiert. Sie arbeiten bereits teilweise regelm\u00e4\u00dfig in den bundesweiten Treffen mit. 5. Linksextremistischer Einflu\u00df auf die Antikernkraftbewegung Die Proteste der Antikernkraftbewegung geben Linksextremisten aller Richtungen, vor allem aber den Autonomen, Anla\u00df f\u00fcr Gewalttaten - 1997 waren rund 25 % aller linksextremistischen Gewalttaten diesem Bereich zuzurechnen - und f\u00fcr Bem\u00fchungen zur Gewinnung neuer Mitstreiter f\u00fcr ihre verfassungsfeindlichen Ziele. Eigentliches Ziel der Linksextremisten ist es, durch Sch\u00fcren des Anti-Kernkraft-Protests und Zusammenarbeit mit anderen Gruppen die demoKampf gegen die kratische Ordnung zu bek\u00e4mpfen. Den Linksextremisten gelingt es Demokratie durch geschickte Agitation, die Antikernkraftbewegung weiterhin f\u00fcr ihren verfassungsfeindlichen Kampf gegen den \"Atom\"-Staat zu instrumentalisieren. Auch k\u00fcnftig mu\u00df im Zusammenhang mit Castor-Transporten nach Gorleben und La Hague mit weiteren Aktionen gerechnet werden. Anla\u00df zu erh\u00f6hter Wachsamkeit ist auch die anhaltende bundesweite Thematisierung des Neubaus eines Forschungsreaktors f\u00fcr die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen in Garching (FRM II). 5.1 Entwicklung im Bundesgebiet Kernkraftgegner konzentrierten ihre Bem\u00fchungen im Rahmen der Anti-Castor-Kampagne im M\u00e4rz auf den Widerstand gegen einen","144 Linksextremismus Castor-Transport nach Gorleben. Im Zusammenhang mit dem gr\u00f6\u00dften Polizeieinsatz in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland sahen Kernkraftgegner diesen Transport als richtungsweisenden Pr\u00fcfstein in der Auseinandersetzung zwischen dem Staat und einer wiedererwachten Antikernkraftbewegung. Bereits im Vorfeld der Transporte riefen dabei Linksextremisten auch zu Gewalttaten auf. So ver\u00f6ffentlichte die Zweimonatsschrift \"Wort und Tat - Antifa-JugendInfo-Weser/Ems\" in ihrer Ausgabe M\u00e4rz/April Beitr\u00e4ge, in denen zu gewaltsamen Angriffen gegen \"Atomkonzerne\" und \"Faschisten\" ermuntert wurde. Castor stehe stellvertretend f\u00fcr den Kampf gegen die Atomindustrie. Er zeige, \"da\u00df die herrschenden Verh\u00e4ltnisse nicht unersch\u00fctterlich sind. Die staatlichen Versuche, einen Keil zwischen sog. gewaltfreie und sog. militante zu treiben, wurden in der Praxis weitgehend zur\u00fcckgeschlagen. Gorleben hat sich zum Kristallisationspunkt der Anti-AKW-Bewegung entwickelt, wo durchaus einzelne Siege \u00fcber die Atomkonzerne zu erringen sind. Um allerdings die gesamte Atomindustrie zu bezwingen, mu\u00df die herrschende kapitalistische Ordnung in ihrer Gesamtheit \u00fcberwunden werden.\" PDS-Beteiligung Auch die PDS rief schon im Vorfeld des geplanten Castor-Transports nach Gorleben bundesweit zum Widerstand auf. Bereits vor den Transporten kam es zu einer Reihe von Protestaktionen mit linksextremistischer Beteiligung und zu einer Vielzahl von zum Teil Schwere schweren Straftaten insbesondere gegen die Deutsche Bahn AG. Im Straftaten Schutz und in Begleitung von etwa 13.000 Polizisten und gegen den heftigen Widerstand von mehreren tausend Demonstranten erreichte am 5. M\u00e4rz der Castor-Transport das Zwischenlager in Gorleben. Bei den Ausschreitungen wurden etwa 200 Demonstranten festgenommen. Zwei vermeintliche Sprengs\u00e4tze stellten sich als Attrappen heraus. Bereits vor der Abfahrt der Kolonne hatte es bei Quickborn gewaltt\u00e4tige Aktionen gegeben. Ein Polizeifahrzeug wurde von Demonstranten mit einem Molotowcocktail in Brand gesetzt. Etwa 500 Gewaltt\u00e4ter hatten die Beamten mit Steinen und anderen Wurfgeschossen angegriffen und etliche Beamte verletzt. Insgesamt waren bei diesem Transport sechs Castor-Beh\u00e4lter nach Gorleben gebracht worden, darunter ein Beh\u00e4lter mit abgebrannten Brennelementen aus dem bayerischen Kernkraftwerk Gundremmingen. Die Proteste gegen den Transport in Bayern verliefen weitgehend friedlich.","Linksextremismus 145 Erstmals beteiligten sich Mitglieder der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) an Zusammenrottungen und Aufm\u00e4rschen der gewaltt\u00e4tigen Autonomen Antifa (M) aus G\u00f6ttingen. Die militanten Linksextremisten versuchten, sich auch mit friedlichen Demonstranten zu verb\u00fcnden. Nahziel war es, die Kosten f\u00fcr den Transport hochzutreiben. Zerschlagung Als Endziel wurde die v\u00f6llige Zerschlagung s\u00e4mtlicher \"Strukturen staatlicher von Macht, Herrschaft, Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\" gefordert. Strukturen Mittlerweile setzen sich die Kernkraftgegner wieder verst\u00e4rkt mit dem allgemeinen Ausstieg aus der Kernenergie auseinander und beschr\u00e4nken sich dabei nicht nur auf die Castor-Transporte. Diese bleiben jedoch weiterhin das bestimmende Aktionsfeld der Anti-KernErweiterung des kraft-Kampagne. Der Protest gilt der Gesamtheit des KernenergieAnti-Kernkraftprogramms, wobei die Transporte abgebrannter Brennelemente als Protests dessen empfindlichster Teil angesehen werden. Als wichtigstes \u00fcberregionales Forum dient den Kernkraftgegnern eine j\u00e4hrlich zweimal stattfindende Konferenz (\"Fr\u00fchjahrskonferenz\" im Mai in M\u00fcnster und \"Herbstkonferenz\" im Oktober in G\u00f6ttingen). Daran nehmen regelm\u00e4\u00dfig auch Linksextremisten teil. Die Ergebnisse werden zum Regelm\u00e4\u00dfige Teil in Szene-Publikationen abgedruckt. Themen der diesj\u00e4hrigen Konferenzen Konferenzen waren unter anderem \"Konzerne und deren Verflechtungen in der Atomindustrie\", \"Neue Technologien\", \"Alternative Energien\", \"Uranabbau\" oder auch \"Ziele und Wege des Widerstands\". Insgesamt wurde deutlich, da\u00df sich der Kampf sowohl gegen die Nutzung der Kernenergie als auch gegen die herrschende gesellschaftliche Struktur, die diese Energieform weiter f\u00f6rdert, richten soll. Ziel der Herbstkonferenz war es unter anderem, \"\u00fcber gemeinsame Strategien zu diskutieren, Perspektiven zu finden, \u00fcber Interessengegens\u00e4tze zu streiten und Wege des gemeinsamen Handelns zu finden\". Die Vielfalt des Widerstands reicht vom Beten am Bauzaun von Atomanlagen bis zur offensiven Behinderung von Atomm\u00fclltransporten. In zahlreichen Arbeitsgruppen wurden Aktionsformen des \"Anti-Atomkampfes\" besprochen. Eine Arbeitsgruppe widmete sich dem FRM II in Garching. 5.2 Entwicklung in Bayern In Bayern traten Kernkraftgegner zum Teil unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung von Linksextremisten bei unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung. So organisierten \u00fcberwiegend Autonome unter der","146 Linksextremismus Gruppenbezeichnung \"Arbeitsgemeinschaft,Forschungsreaktor M\u00fcnchen II Nie !'\" - mit Kontaktadresse unter anderem im Info-Laden der autonomen Szene in M\u00fcnchen - ein Aktionscamp. Mehrere das Camp in Oberschlei\u00dfheim, Landkreis M\u00fcnchen, begleitende Informationsveranstaltungen und eine Demonstration in M\u00fcnchen am 29. Juni waren von PDS-Aktivisten angemeldet und teilweise geleitet Aktionscamp bei worden. Aufrufe zu diesem Camp und zu der Demonstration in M\u00fcnM\u00fcnchen chen am 29. Juni waren auch \u00fcber das Internet verbreitet worden. Die Veranstaltungen und das Camp verliefen bei sehr geringer Beteiligung st\u00f6rungsfrei. Das Camp war Ausflu\u00df der Fr\u00fchjahrskonferenz der Antikernkraftbewegung, die vom 23. bis 25. Mai in M\u00fcnster stattfand. Die Mitglieder der \"Arbeitsgemeinschaft .Forschungsreaktor M\u00fcnchen II Nie!'\" bezeichneten sich in einer unmittelbar vor dem Aktionscamp verbreiteten Brosch\u00fcre als \"Menschen aus linken/anarchistischen Zusammenh\u00e4ngen\". Widerstand gegen \"Atomanlagen\" sei f\u00fcr sie \"Teil des Kampfes f\u00fcr eine herrschaftsfreie Gesellschaft\". In der Brosch\u00fcre hei\u00dft es: \"Eine besondere St\u00e4rke des Anti-Atom-Widerstands war und ist seine Vielfalt. ... das Zusammenspiel von lokalen B\u00fcrgerinneninitiativen, militanten Pazifistinnen' und Autonomen Gruppen, all das gibt eine brisante Mischung, die der Atommafia schwer zu schaffen macht. Der Widerstand gegen Atomanlagen war f\u00fcr viele Menschen ein entscheidender Ansatz, den Staat und seine Gesetze nicht mehr als Handlungsspielraum zu akzeptieren ... (...) Eine wichtige Aufgabe f\u00fcr die Anti-Atomkraft-Bewegung ist es auch, nicht im reinen Teilbereichskampf stecken zu bleiben, sondern die Verantwortlichen zu bek\u00e4mpfen, die dahinterstehen ... (...) Vom Widerstand gegen den Atomstaat zur sozialen Revolution!\" Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit der autonomen Szene zuzurechnen sind, ver\u00fcbten 1997 in Bayern mehrere themenbezogene Sachbesch\u00e4diSachbesch\u00e4digungen. So warfen in der Nacht zum 3. Februar unbegungen kannte T\u00e4ter am Verwaltungsgeb\u00e4ude des Energieversorgungsunternehmens der Stadt Coburg insgesamt vier Fensterscheiben ein und Farbbeutel mit gelber Farbe an die Wand. In einem Selbstbezichtigungsschreiben kritisierten die Verfasser die Kernenergiepolitik Deutschlands und auch den Neubau des FRM IL In den fr\u00fchen Morgenstunden des 27. Oktober ver\u00fcbten bislang unbekannte T\u00e4ter Anschlag auf einen Anschlag auf die Bahnstrecke Aschaffenburg-Darmstadt. Eine die Bahn auf die Oberleitung geworfene Hakenkralle ri\u00df einem Reisezug einen","Linksextremrsmus 147 Stromb\u00fcgel ab. In einem kopierten Selbstbezichtigungsschreiben, welches mit \"Tod der Atomkraft\" \u00fcberschrieben war, griffen die Verfasser unter anderem neue Castor-Transporte an. F\u00fcr bayerische Autonome ist die Auseinandersetzung mit der friedlichen Nutzung der Kernenergie - wie bisher - nur ein Aufh\u00e4nger f\u00fcr ihre anarchistischen Ziele. Die bayerische PDS bem\u00fcht sich inzwischen, dieses Feld zu besetzen. Es ist aber unwahrscheinlich, da\u00df die PDS auf den bayerischen \"Anti-Atom-Kampf\" wesentlichen Einflu\u00df nehmen kann. 5.3 Ausblick Die Antikernkraftbewegung nutzt mit Unterst\u00fctzung von Linksextremisten den Schwung, den sie durch die \"Gorleben-Kampagne\" gewonnen hat. Sie wird sich dabei nicht nur auf Castor-Transporte in die Zwischenlager Gorleben und Ahaus konzentrieren. Neue Schwerpunkte im Anti-Kernkraft-Widerstand sollen mit den geplanten AktioNeue nen gegen das Kernkraftwerk Kr\u00fcmmel, die Transporte zu den WieSchwerpunkte deraufbereitungsanlagen La Hague und Sellafield sowie gegen die Energieversorgungsunternehmen und Betreiberfirmen gesetzt werden. Mit sogenannten Bahnaktionstagen verfolgen die Atomkraftgegner Angriffe gegen das Ziel, die Deutsche Bahn AG als ein am \"Atomgesch\u00e4ft\" beteiligBahnanlagen tes Unternehmen zum Ausstieg aus den Transporten radioaktiven Materials zu zwingen. Die gegen Einrichtungen der Bahn propagierten vielf\u00e4ltigen Aktionen sollen diesen Proze\u00df offensichtlich beschleunigen. Demzufolge mu\u00df mit einer deutlichen Versch\u00e4rfung der bisherigen Vorgehensweise gerechnet werden, wobei die Linksextremisten eine entscheidende Rolle spielen werden. Auch die zunehmende Akzeptanz des gleichberechtigten Nebeneinander von friedlichem und militantem Widerstand durch B\u00fcrgerinitiativen tr\u00e4gt zur Versch\u00e4rfung bei. Zur Gewaltfrage \u00e4u\u00dferte sich ein Anh\u00e4nger einer im Antikernkraftbereich aktiven Gruppe in Ahaus in einem Interview der Tageszeitung \"taz\" vom 17. April. Das Interview erfolgte im Zusammenhang mit den geplanten Protesten gegen das Zwischenlager f\u00fcr radioaktive Abf\u00e4lle in Ahaus vom 30. April bis 3. Mai. Darin hei\u00dft es: \"Wir lehnen Gewalt ab - bei gewaltfreiem Widerstand hat es der Staat au\u00dferdem schwerer, uns zu kriminalisieren. Eine andere Frage ist aber, wie","148 Linksextremismus wir Gewalt definieren. Gewalt gegen Personen kann auf keinen Fall Sache der Anti-Atom-Bewegung sein. Aber Sabotage und Sachbesch\u00e4digung aus politischer \u00dcberzeugung kann eine legitime Sache sein.\" Auf die Frage, wie \"Gewaltfreie und Gewaltbereite unter einen Hut\" zu bringen seien, antwortete der Interviewpartner: Tolerierung von \"Wir haben diesmal im Mai, ein besonderes Konzept in Ahaus: Auf den Gewalt Streckenabschnitten haben Spektren mit ihren eigenen Widerstandsformen Platz.\" Im Rahmen der Anti-Castor-Kampagne mobilisieren neben nichtextremistischen B\u00fcrgerinitiativen auch militante Linksextremisten und sogenannte gewaltfreie Anarchisten zu vielf\u00e4ltigen Widerstandsaktionen. Diese sehen in ihrer Beteiligung an der Anti-Castor-Kampagne Instrumentalinach wie vor einen geeigneten Ansatzpunkt zur Umsetzung ihrer sierung demokraeigenen politischen Ziele. Zwar wurde Gewalt gegen Personen bisher tischer Gruppen auch von militanten Linksextremisten \u00fcberwiegend abgelehnt, gelegentlich aber mit der Einschr\u00e4nkung, da\u00df keine Gewalt gegen \"Unbeteiligte\" ausge\u00fcbt werde. Da\u00df es Linksextremisten in der Antikernkraftbewegung nicht nur um die sofortige Abschaltung aller \"Atomanlagen\" geht, sondern um eine \u00dcberwindung der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, zeigt die Forderung der M\u00fcnchner \"Arbeitsgemeinschaft ,Forschungsreaktor M\u00fcnchen II Kampf gegen N i e ! ' \" , wonach das Bauprojekt - als in einem gesamtgesellschaftden Staat liehen Zusammenhang stehend - bek\u00e4mpft werden m\u00fcsse: \"Entsorgen wir den Atomstaat und das Herrschende System.\" Dagegen sto\u00dfen bei bayerischen autonomen Gruppierungen die Proteste gegen das Zwischenlager Gorleben auf wenig Resonanz. Das Interesse an dieser Thematik hat sich auch durch eine Verlagerung der Aktivit\u00e4ten nach Ahaus nicht gesteigert. Bestimmendes Thema der Autonomen in Bayern ist nach wie vor \"Antifaschismus\". 6. Nutzung moderner Kommunikationsmittel durch Linksextremisten F\u00fcr ihre Agitation nutzen Linksextremisten seit mehreren Jahren die Vorteile der modernen Kommunikationsm\u00f6glichkeiten. Bevorzugt werden Mailboxen, das Mailbox-System \"Spinnennetz\" und das internationale Informationssystem Internet.","Linksextremismus 149 Von den Mailboxverbundsystemen sind f\u00fcr Linksextremisten nach wie Mailboxvor das im Januar 1991 von Autonomen gegr\u00fcndete \"Spinnennetz\" Verbundsysteme und das COMUNK-Netz (CL-Netz) von Bedeutung. Das als Informationsdienst gegr\u00fcndete \"Spinnennetz\" verbreitete zun\u00e4chst auf dem manuellen Postweg Nachrichten aus dem autonomen Spektrum in Info-L\u00e4den. In k\u00fcrzester Zeit entwickelte sich dieser Dienst zu einer internationalen Datenvernetzung politischer Gruppen und Organisationen. Sehr rasch kam es zur Ausdehnung des Netzes \u00fcber Bonn, Berlin und G\u00f6ttingen bis nach Amsterdam und Kopenhagen. Die Betreiber sehen sich weniger als High-Tech-Freaks, sondern betrachten die Kommunikation \u00fcber Computer als ein geeignetes Mittel, das sich f\u00fcr ihre politischen Zwecke nutzen l\u00e4\u00dft. Dies zeigt sich insbesondere darin, da\u00df die regelm\u00e4\u00dfig stattfindenden \"Antifa-Treffen\" fr\u00fchzeitig im Netz angek\u00fcndigt und organisiert werden. Im Vergleich zu anderen Mailbox-Netzen ist der Zugang zum \"SpinBeschr\u00e4nkter nennetz\" nicht ohne weiteres f\u00fcr jedermann m\u00f6glich, die VerbundZugang struktur ist konspirativ aufgebaut. Im Informationsangebot wird weniger auf die Weitergabe von Nachrichten als auf die Ank\u00fcndigung von Veranstaltungen und Aktionen Wert gelegt. Bundesweit d\u00fcrften derzeit etwa 100 Einzelpersonen bzw. Gruppen das Spinnennetz nutzen. Das CL-Netz, das auch im Internet vertreten ist, entstand 1993 mit der Mailbox \"Link-M\" in M\u00fcnchen. Ziel war es von Anfang an, gesellschaftlichen Gruppen und Einzelpersonen eine moderne Kommunikationstechnik zur Verf\u00fcgung zu stellen. Die Informationsschwerpunkte im CL-Netz liegen auf den AgitaSchwerpunkttionsthemen Umwelt, Frieden und Menschenrechte. Die Beitr\u00e4ge reithemen chen von Veranstaltungshinweisen \u00fcber Kommentare zum aktuellen politischen Tagesgeschehen bis hin zu Informationen \u00fcber Castor-Transporte. Dar\u00fcber hinaus wird auch \u00fcber Aktivit\u00e4ten in der rechtsextremistischen Szene berichtet, insbesondere \u00fcber die \"Anti-Antifa-Bewegung\". Das CL-Netz bietet derzeit \u00fcber 200 Bretter zu verschiedenen Themenbereichen an. Im CL-Netz sind momentan mehr als 200 Mailboxen zusammengefa\u00dft, unter anderem: Mailbox Link-M in M\u00fcnchen, - Mailbox FINESTRA in Hamburg,","150 Linksextremismus - Mailbox CL-IM in Hamburg, - Mailbox LIZARD in N\u00fcrnberg, - Mailbox LINK-SAD in Schwandorf, - Mailbox AMAZONAS in Sauerlach, - Mailbox Info-Ist in Istanbul/T\u00fcrkei. Verwaltet und betreut wird dieses Mailbox-Netz durch den Verein Kommunikation und Neue Medien e.V. in M\u00fcnchen. F\u00fcr die landesund bundesweite sowie die internationale Kommunikation werden diese Mailboxverbundsysteme zunehmend durch das internet Internet erg\u00e4nzt. Darin werden, zum Teil \u00fcber ausl\u00e4ndische Anbieter, sogenannte Provider, ebenso wie von Rechtsextremisten und ausl\u00e4ndischen Gruppen Nachrichten und Publikationen, mit teilweise strafbarem Inhalt, verbreitet. Nahezu alle Spektren des Linksextremismus nutzen das Internet f\u00fcr Eigene Angebote ihre Belange. Die DKP, die SDAJ und die PDS sind mit eigenen Angeim Internet boten vertreten. Die PDS nutzt die Kommunikationsm\u00f6glichkeiten im Internet seit Anfang des Jahres 1996. Verschiedene Gliederungen der Partei, wie der Bundesvorstand, die Abgeordnetengruppe PDS im Deutschen Bundestag, mehrere PDS-Basisorganisationen und die Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in und bei der PDS, sowie Einzelpersonen der PDS sind neben einer sogenannten Startseite der PDS bereits mit eigenen \"homepages\" vertreten. Daneben bedienen sich auch eine Vielzahl sowohl gr\u00f6\u00dferer als auch kleinerer autonomer und anarchistischer Gruppen der M\u00f6glichkeiten des Internets, wie beispielsweise die Autonome Antifa (M) in G\u00f6ttingen als Kopf der AA/BO oder das Autonome Kulturzentrum W\u00fcrzburg (AKW). Die Beitr\u00e4ge reichen jeweils von Selbstdarstellungen, \u00fcber ein Angebot spezifischer Publikationen, z.B. der anarchistischen \"graswurzelrevolution\", bis hin zu Veranstaltungsaufrufen. Eine weitere Publikation, die im Internet abrufbar ist, sind die \"Antifaschistischen Nachrichten\". Die einzelnen Ausgaben, deren Abonnement ebenfalls \"online\" m\u00f6glich ist, werden seit 1996 angeboten. Herausgeber sind u.a. Personen aus der Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA).","Linksextremismus 151 7. \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte linksextremistische und linksextremistisch beeinflu\u00dfte Organisationen sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1997 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) 1. Marxisten-Leninisten und andere revolution\u00e4re Marxisten 1.1 Kernorganisationen: Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 600 6.200 Unsere Zeit (UZ) 13 Bezirksorganisationen, aufgeteilt w\u00f6chentlich, 10.100 in Kreisund Grundorganisationen Marxistische Bl\u00e4tter 26.09.1968, Essen zweimonatlich, 3.000 Partei des Demokratischen 104.000 Neues Deutschland (ND) Sozialismus (PDS) - PDS-nahe Zeitung - - neuer Name beschlossen werkt\u00e4glich, 70.000 auf SED-Parteitag am DISPUT 16/17.12.1989 -, Berlin monatlich, 10.000 PDS-Pressedienst w\u00f6chentlich, 2.200 UTOPIE-kreativ-Diskussion sozialistischer Alternativen monatlich, 800 Mitteilungen der Kommunistischen Plattform der PDS monatlich, 1.500 PDS Landesverband Bayern 450 TITEL (Informationsforum mit 8 Kreisverb\u00e4nden und der PDS Bayern) 22 Basisorganisationen unregelm\u00e4\u00dfig, 500 11.09.1990, M\u00fcnchen Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 50 Nordbayerischer Landbote 28.03.1993, F\u00fcrth unregelm\u00e4\u00dfig, 100 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau 100 200 Kommunistische der KPD (AB) Arbeiterzeitung (KAZ) 1973, M\u00fcnchen viertelj\u00e4hrlich Marxistisch-Leninistische 140 2.500 Rote Fahne Partei Deutschlands (MLPD) w\u00f6chentlich, 5.000 10 Parteibezirke, \u00fcber 100 lernen u. k\u00e4mpfen (luk) Ortsgruppen und St\u00fctzpunkte monatlich, 1.000 17./18.06.1982, Essen","152 Linksextremismus Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1997 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 25 200 Politische Berichte 7 Landesarbeitsgemeinschaften vierzehnt\u00e4gig, 1.000 20./21.09.1980, K\u00f6ln Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 25 150 Sozialistische Zeitung (SoZ) 24725.06.1995, K\u00f6ln vierzehnt\u00e4gig, 2.000 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 30 600 Sozialismus von unten Frankfurt am Main viertelj\u00e4hrlich Linksruck monatlich Kommunistischer Bund (KB) Hamburg (aufgel\u00f6st am 20.04.1991) Nachfolgegruppen: 100 analyse und kritik (ak) Gruppe K monatlich Gruppe Mehrheit KB-Gruppe N\u00fcrnberg 20 Marxistische Gruppe (MG) M\u00fcnchen 700 10.000 GEGENSTANDPUNKT 1969/70 AK Rote Zellen, M\u00fcnchen (Aktive) Herausgeber: ehemalige (\"aufgel\u00f6st\" zum 01.06.1991) Funktion\u00e4re der MG viertelj\u00e4hrlich, 7.000 1.2 Nebenorganisationen: Nebenorganisation der DKP: Sozialistische Deutsche 50 200 position Arbeiterjugend (SDAJ) zweimonatlich, 600 Landesverb\u00e4nde, Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen 04./05.05.1968, Essen Nebenorganisation der MLPD: Jugendverband REBELL 20 Rebell - Beilage zur Roten Fahne 1.3 Beeinflu\u00dfte Organisationen: DKP-beeinflu\u00dft: Vereinigung der Verfolgten des 650 7.000 antifa-rundschau Naziregimes - Bund der Antiviertelj\u00e4hrlich, 9.000 faschisten (VVN-BdA) Landesvereinigungen mit Kreisund Ortsvereinigungen 15.-17.03.1947, Frankfurt am Main","Linksextremismus 153 Organisation (einschlie\u00dflich Mitglieder Ende 1997 Publikationen (einschlie\u00dflich Gr\u00fcndungsdatum und Sitz) Bayern Deutschland Erscheinungsweise u. Auflage) MLPD-beeinflu\u00dft: Frauenverband Courage 20 600 Courage viertelj\u00e4hrlich AB-beeinflu\u00dft: Antifaschistisches Komitee 90 - Stoppt die schwarzbraune Sammlungsbewegung (AKS) in M\u00fcnchen und Regensburg BWK-beeinflu\u00dft: Volksfront gegen Reaktion, 40 200 Mitteilungen Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) viertelj\u00e4hrlich 06.10.1979, K\u00f6ln Trotzkistisch beeinflu\u00dft: Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 50 350 Vorfeldorganisation der trotzkistischen \"Sozialistischen Alternative VORAN\" (SAV) 1992, K\u00f6ln 2. Autonome und sonstige gewaltbereite Linksextremisten Autonome etwa \u00fcber zum Teil unregelm\u00e4\u00dfig 500 6.000 erscheinende Szenebl\u00e4tter wie: radikal, INTERIM; auf lokaler Ebene u.a: barricada davon: Antifaschistische Aktion/Bundes40 unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende weite Organisation (AA/BO) Publikationen, f\u00fcr die die Juli 1992 AA/BO als Herausgeber verantwortlich zeichnet 3. Von mehreren Str\u00f6mungen des Linksextremismus beeinflu\u00dft M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 30 M\u00fcnchen Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis 20 N\u00fcrnberg M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 20 M\u00fcnchen","154 Ausl\u00e4nderextremismus 3. Abschnitt Extremistische und sicherheitsgef\u00e4hrdende Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Einstufung als Ausl\u00e4ndergruppen werden als extremistisch eingestuft, wenn sie sich extremistisch gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richten. Dazu z\u00e4hlen insbesondere die Organisationen islamischer Extremisten, die als Endziel einen islamischen Staat, wie z.B. im Iran, auch in Deutschland durchsetzen und damit wesentliche Verfassungsgrunds\u00e4tze beseitigen wollen. Extremistische Ziele verfolgen auch Gruppierungen, die eine gewaltsame \u00c4nderung der politischen Verh\u00e4ltnisse im Heimatland erstreben und dadurch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Aufw\u00e4rtstrend Die Mitgliederzahl der extremistischen Ausl\u00e4ndervereinigungen erh\u00f6hte sich in Bayern von 9.700 im Jahre 1996 auf 10.050*. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatten dabei linksextremistische und extrem nationalistische t\u00fcrkische Gruppen. Wie im Vorjahr stellten die Organisationen extremistischer T\u00fcrken (einschlie\u00dflich kurdischer Volkszugeh\u00f6riger) mehr als 90 % aller ausl\u00e4ndischen Extremisten in Bayern. Extremistische Ausl\u00e4ndergruppen versuchen verst\u00e4rkt, in Bayern lebende ausl\u00e4ndische Jugendliche f\u00fcr ihre Ziele zu interessieren. Dies f\u00fchrt zu einer erheblichen Gef\u00e4hrdung junger t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger. Gef\u00e4hrdungsEine erhebliche Bedrohung der Inneren Sicherheit geht nach wie vor Potential von linksextremistischen kurdischen und t\u00fcrkischen Gruppen aus. Von besonderem Gewicht sind dabei die Aktivit\u00e4ten der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die nach wie vor eine der militantesten Organisationen ausl\u00e4ndischer Extremisten ist. Wie bisher kann sie in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern eine hohe Zahl kurdischer Volkszugeh\u00f6riger als Sympathisanten mobilisieren. Das gegen die PKK in Deutschland verf\u00fcgte vereinsrechtliche Bet\u00e4tigungsverbot hat sich bew\u00e4hrt. Mit eingerechnet sind dabei auch rund 2.000 Anh\u00e4nger der seit 26. November 1993 in Deutschland verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).","Ausl\u00e4nderextremismus 155 Es erlaubt ein Versammlungsund strafrechtliches Vorgehen, das zur weiteren Aufkl\u00e4rung und Unterbindung unzul\u00e4ssiger PKK-Aktivit\u00e4ten beitr\u00e4gt. Die konsequente Durchsetzung des PKK-Verbots hat die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten der PKK stark eingeschr\u00e4nkt. Die Organisation arbeitet aber weiterhin konspirativ im Untergrund. Im Gegensatz zu den Vorjahren unterblieben - von Einzelf\u00e4llen abgesehen - gewaltt\u00e4tige Ausschreitungen von PKK-Anh\u00e4ngern, die sich weitgehend an den von ihrem Generalvorsitzenden \u00d6calan diktierten Kurs des Gewaltverzichts in Deutschland hielten. Dies veranla\u00dfte den Generalbundesanwalt, den strafrechtlichen Vorwurf, eine in Deutschland aktive \"terroristische Vereinigung\" zu sein, gegen die PKK-F\u00fchrungskader fallenzulassen. Die Bundesregierung hat aber keinen Zweifel daran gelassen, da\u00df sie die PKK weiterhin als eine internationale terroristische Vereinigung betrachtet und das Vereinsverbot bestehen bleibt. Der betr\u00e4chtliche Einflu\u00df der PKK-Kader auf hier lebende Kurden und die intakte Organisation erm\u00f6glichen es der PKK, auch in Deutschland jederzeit zur Gewalt zur\u00fcckzukehren, wenn ihr dies opportun erscheint. Au\u00dferdem tritt die PKK mit kriminellen Handlungen wie Spendengelderpressungen in Erscheinung. Interne Auseinandersetzungen blockierten die Aktionsf\u00e4higkeit der revolution\u00e4r-marxistischen t\u00fcrkischen Gruppen. Die auf deutschem Boden erneut eskalierenden Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe zwischen Anh\u00e4ngern der konspirativ t\u00e4tigen Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) verweisen auf deren unver\u00e4nderte Militanz und kriminelle Energie. Die allj\u00e4hrlichen Spendenkampagnen ausl\u00e4ndischer Linksextremisten erreichten nicht die vorgegebenen Ziele, obwohl die Sammler ihre Methoden verfeinert haben, um ein Einschreiten der Sicherheitsbeh\u00f6rden zu erschweren. So unterbleibt auf den Quittungsbl\u00f6cken ein Hinweis auf die jeweilige Organisation. Quittungen und Spendengelder werden getrennt verwahrt; die Herkunft der bei mutma\u00dflichen Spendensammlern aufgefunden Betr\u00e4ge l\u00e4\u00dft sich damit kaum mehr rekonstruieren. Gelegentlich werden Spenden auch mit Gewalt eingetrieben. Aus Furcht vor Repressionen verzichten die Gesch\u00e4digten vielfach auf Anzeigen. T\u00fcrkische Nationalisten verzeichneten weiterhin einen leichten Aufw\u00e4rtstrend und Werbeerfolge insbesondere bei Jugendlichen. Dagegen lie\u00df der R\u00fccktritt des islamisch-fundamentalistisch orientierten t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten Prof. Necmettin Erbakan seine Anh\u00e4nger im Bundesgebiet zunehmend resignieren und die Mitgliederentwicklung stagnieren. Gleichwohl sind die Gruppierungen isla-","156 Ausl\u00e4nderextremismus misch-extremistischer T\u00fcrken die weitaus gr\u00f6\u00dften und mitgliederst\u00e4rksten Organisationen extremistischer Ausl\u00e4nder in Bayern und in Deutschland. Sie bed\u00fcrfen aufgrund der weltweiten Entwicklung des islamischen Fundamentalismus und der teilweise massiven Polarisierung zwischen hier lebenden muslimischen Bev\u00f6lkerungsgruppen einer sorgf\u00e4ltigen Beobachtung. Arabische und iranische Extremisten stellen derzeit kein akutes Sicherheitsrisiko dar. Gleiches gilt f\u00fcr Angeh\u00f6rige albanischer, bosnischer, kroatischer und serbischer Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien. Mitgliederst\u00e4rke extremistischer Ausl\u00e4nderorganisationen in Bayern (in Klammern die Vergleichszahlen des Vorjahres) LinksExtreme Islamische Gesamtzahl extremisten Nationalisten Extremisten Mitglieder Kurden 2.250 (2.000) 2.250 (2000) T\u00fcrken 550 (450) 1.500 (1.400) 5.150 (5.250) 7.200 (7.100) Sonstige* 210 (240) 70 (90) 320 (270) 600 (600) Gesamtzahl 3.010 (2.690) 1.570 (1.490) 5.470 (5.520) 10.050 (9.700) * Albaner, Araber, Inder, Iraner, Srilanker u.a. 2. Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 2.1 Ideologie und Organisation MarxistischDie in der T\u00fcrkei verbotene PKK ist eine straff organisierte Kaderleninistische Organisation, die unbeeindruckt von den politischen Ver\u00e4nderungen Kaderorganisation in den ehemals kommunistischen Ostblockstaaten an ihrer marxistisch-leninistischen Ideologie festh\u00e4lt. In ihrem Programm fordert sie einen \"unabh\u00e4ngigen und demokratischen\" Kurdenstaat unter F\u00fchrung der PKK. Zeitweise propagierte sie eine F\u00f6deration im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei. Ihr \"Generalvorsitzender\" Abdullah \u00d6calan w\u00fcrde angeblich auch ein bundesstaatliches Modell nach Schweizer Vorbild akzeptie-","Ausl\u00e4nderextremismus 157 Mitglieder Entwicklung 120.000 der Mitgliederzahlen 101.600 100.000 extremistischer Ausl\u00e4nder80.000 organisationen 60.000 58.200 Deutschland 40.000 20.000 6 7nn Bayern 10.050 o 19 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 Ausl\u00e4ndische Extremisten in Deutschland Ausl\u00e4ndische Extremisten in Bayern","158 Ausl\u00e4nderextremismus ren. Seit 1984 f\u00fchrt die PKK mit ihrer in den Kurdengebieten operierenden GueriHatruppe Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) einen erbitterten Untergrundkampf gegen den t\u00fcrkischen Staat. In Deutschland unterliegt sie einem am 26. November 1993 vom Bundesministerium des Innern verf\u00fcgten vereinsrechtlichen Bet\u00e4tigungsverbot. Die Zentrale der hierarchisch gegliederten und \u00e4u\u00dferst konspirativ arbeitenden PKK befindet sich in Damaskus/Syrien. Als \"politischer Tarnorganisationen Arm\" der Vereinigung unterst\u00fctzt die 1985 gegr\u00fcndete, in das bunder PKK desweite Bet\u00e4tigungsverbot einbezogene internationale Teilorganisation Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) die Interessen und Ziele der PKK sowohl materiell als auch propagandistisch. Dar\u00fcber hinaus bedient sich die PKK mehrerer rechtlich selbst\u00e4ndiger, vom Verbot nur zum Teil erfa\u00dfter NebenorgaFahne der ARGK nisationen, wobei sie bestrebt ist, deren personelle und organisatorische Verflechtungen mit der \"illegalen\", d.h. konspirativ arbeitenden, F\u00fchSymbol der PKK rungsebene zu tarnen. Mit solchen \"legalen\" Verb\u00e4nden versucht sie, sowohl in der T\u00fcrkei als auch im westlichen Ausland ihren R\u00fcckhalt in der kurdischen Bev\u00f6lkerung zu festigen und f\u00fcr ihre Ziele zu werben. Zur Erweiterung ihres Einflusses auf nahezu alle Lebensbereiche Emblem der ERNK der in Deutschland lebenden Kurden gr\u00fcndete die PKK au\u00dferdem als \"Massenorganisationen\" die sogenannten \"Y-Gruppen\" u.a. f\u00fcr Arbeiter, Frauen, Jugend und Intellektuelle, au\u00dferdem \u00f6rtliche Vereine, die sich z.B. hinter angeblich kulturellen oder sportlichen Zwecken tarnen. AlleinvertretungsDie PKK verfolgt mit gro\u00dfer Aggressivit\u00e4t ihren vermeintlichen Ananspruch spruch auf alleinige politische Vertretung des kurdischen Volkes, obwohl ihr Sympathisantenpotential in Deutschland allenfalls etwa zehn Prozent der hier lebenden 500.000 Kurden umfa\u00dft. Gem\u00e4\u00dfigten kurdischen Gruppen bleibt neben der PKK wenig Spielraum.","Ausl\u00e4nderextremismus 159 Die PKK finanziert sich u.a. aus Mitgliedsbeitr\u00e4gen und dem Verkauf Finanzierung von Publikationen. Eine wesentliche Einnahmequelle sind die Spenden der in Westeuropa lebenden Sympathisanten. Seit Jahren belegen zahlreiche Informationen, da\u00df die von der PKK beauftragten Spendensammler unver\u00e4ndert psychischen Druck auf zahlungsunwillige Kurden aus\u00fcben und ihre Forderungen mitunter auch gewaltsam durchsetzen. Die diesj\u00e4hrige Spendenkampagne von Anfang Oktober 1996 bis Mitte Februar 1997 sollte wie im Vorjahr rund 30 Millionen DM erbringen. Dieses Ziel wurde weit verfehlt. Auch in Bayern blieb das Spendenergebnis deutlich hinter den Erwartungen zur\u00fcck: Von den geplanten 2,5 Millionen DM wurden nur etwa 35 %, also 875.000 DM, gesammelt. Ferner gibt es Hinweise, da\u00df die PKK zumindest indirekt vom Rauschgifthandel profitiert, indem sie im Rahmen ihrer Spendensammlungen auch Gelder bei kurdischen Drogendealern absch\u00f6pft. ^ . Emblem der FEYKA-Kurdistan Das gegen die PKK und ERNK verf\u00fcgte Bet\u00e4tigungsverbot ist bestandskr\u00e4ftig. Die Klagen der F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan), der Berxwedan Verlags GmbH und der PKK-Nachrichtenagentur KURD-HA wurden schon im Vorjahr zur\u00fcckgezogen bzw. als unbegr\u00fcndet abgewiesen. Auch die Klage des K\u00f6lner ; Kurdistan-Komitees e.V. blieb in der Hauptsache erfolglos, da das Bundesverwaltungs gericht das Verbot mit Urteil vom 9. Dezember best\u00e4tigte. Seit dem Verbot ist die T\u00e4tigkeit in und f\u00fcr die PKK in Deutschland strafbar. Dies konnte die PKK aber nicht hindern, weiter aus dem Untergrund heraus zu operieren. Ihre \"illegalen\" Strukturen werden durch die Festnahme f\u00fchrender Kader nur kurzfristig blockiert. Nach wie vor sammelt die Trotz Verbots PKK Spenden und benutzt Deutschland als Rekrutierungsraum f\u00fcr weiterhin aktiv K\u00e4mpfer. Die Zerschlagung \"legaler\" Strukturen erschwert es ihr aber, bei den hier lebenden Kurden und auch in der deutschen \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr ihre Ziele zu werben und Aktivisten zu gewinnen. Die Anh\u00e4nger und Sympathisanten der PKK sind deshalb bestrebt, durch Gr\u00fcndung von Einrichtungen, die nach au\u00dfen keinen Bezug zur PKK erkennen lassen, neue organisatorische Strukturen aufzubauen.","160 Ausl\u00e4nderextremismus Neue organisatoSo setzte die Anfang 1994 in D\u00fcsseldorf gewerberechtlich angemelrische strukturen dete Kurdisch-Deutsche Presseagentur (KURD-A) bis Mitte 1996 die T\u00e4tigkeit der verbotenen KURD-HA fort. Mutma\u00dfliche Nachfolgerin ist die Nachrichtenagentur DEM in K\u00f6ln. Das Kurdistan InformationsZentrum (KIZ) in K\u00f6ln f\u00fchrt seit Mai 1995 die Aktivit\u00e4ten des im M\u00e4rz 1995 vom Bundesministerium des Innern verbotenen Kurdistan Informationsb\u00fcros in Deutschland (KIB) fort. Das KIB hatte im Dezember 1993 nach dem Verbot des K\u00f6lner Kurdistan-Komitees e.V. dessen T\u00e4tigkeit \u00fcbernommen. Die am 27. M\u00e4rz 1994 gegr\u00fcndete F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) mit Sitz in Bochum nimmt mittlerweile die Funktion der verbotenen FEYKA-Kurdistan wahr. Au\u00dferdem verfolgt die PKK die Taktik, urspr\u00fcnglich unpolitische Aktivit\u00e4ten wie Kulturund Sportveranstaltungen f\u00fcr ihre Zwecke zu nutzen und dort f\u00fcr ihre Ziele zu werben. Organisation In Deutschland ist die PKK in zehn \"Regionen\" gegliedert, die neuerdings in drei \"Sektoren\" zusammengefa\u00dft sind. Die Region Bayern unterteilt sich in die \"Gebiete\" M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Ulm. Die F\u00fchrer der nachgeordneten Teilgebiete und Ortsgruppen sind zu striktem Gehorsam gegen\u00fcber dem n\u00e4chsth\u00f6heren Gremium verpflichtet. In Deutschland z\u00e4hlt die PKK wie im Vorjahr weit \u00fcber 9.000 Anh\u00e4nger, davon etwa 2.000 in Bayern mit Schwerpunkten in den R\u00e4umen Ingolstadt, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Wie bisher kann sie dar\u00fcber hinaus in Deutschland und im benachbarten westlichen Ausland Zehntausende von Anh\u00e4ngern und Sympathisanten mobilisieren. 2.2 Unterst\u00fctzer und Strategie Die PKK wird nach wie vor von deutschen linksextremistischen Gruppierungen unterst\u00fctzt, die insbesondere die Aufhebung des PKK-Verbots fordern. Bundesweit setzen sich neben der Partei des Demokra\"Kurdistantischen Sozialismus (PDS) rund 30 \"Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen\" Solidarit\u00e4tsf\u00fcr die Interessen der PKK ein, davon vier in Bayern. Das Spektrum gruppen\" der Linksextremisten, die in diesen Gruppierungen mitarbeiten, reicht von der PDS \u00fcber die DKP bis hin zur Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP). Die Unterst\u00fctzer treten durch Demonstrationen, mit Info-Tischen oder Podiumsdiskusssionen f\u00fcr Ziele und Politik der PKK ein. Die Aufhebung des PKK-Verbots ist ihr vorrangiges Ziel. Auch Teile des demokratischen linken Spektrums sympathisieren mit der PKK. Das rund zwanzig Mitglieder umfassende \"M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee\" wurde 1994 auf Initiative des \"M\u00fcnchner B\u00fcndnis-","Ausl\u00e4nderextremismus 161 ses gegen Rassismus\" gegr\u00fcndet. Die f\u00fchrende Person des Komitees ist ein DKP-Funktion\u00e4r, der auch Mitherausgeber des \"Kurdistan-Rundbriefs\" ist. Diese Publikation verbreitet Nachrichten aus Kurdistan. In ihren Kommentaren vertritt sie Positionen der PKK. Der \"Kurdistan-Solidarit\u00e4t N\u00fcrnberg/Erlangen\" geh\u00f6ren rund zehn Personen an. Die Gruppe war Mitherausgeberin des in Hannover verlegten Informationsblattes \"Biji - Informationen aus Kurdistan und der BRD\", das Anfang 1998 sein Erscheinen einstellte. In Landshut ist die \"Fl\u00fcchtlingshilfe Kurdistan\" ans\u00e4ssig. Die f\u00fcnf Mitglieder der Gruppe informieren \u00fcber Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei/Kurdistan. Der \"Kurdistan Solidarit\u00e4t Allg\u00e4u-Oberschwaben\" geh\u00f6ren rund zehn Personen an. Ihre umfangreichen Aktivit\u00e4ten reichen vom gesamten schw\u00e4bischen Raum bis hin nach Baden-W\u00fcrttemberg. Mit Hilfe eines von ihr initiierten \"Kurdischen Exilparlaments\" ver\"Kurdisches sucht die PKK, politische Anerkennung und internationale Unterst\u00fctExilparlament\" zung zu erreichen. Diesem Gremium, das sich nach l\u00e4ngeren Vorbereitungen am 12. April 1995 in Den Haag/Niederlande konstituierte, geh\u00f6ren 65 \"Abgeordnete\" an. Es hat keinen festen Sitz und tritt jeweils aus aktuellem Anla\u00df kurzfristig zusammen. Bei diesem \"Exilparlament\" handelt es sich weder um ein echtes, aus freien Wahlen hervorgegangenes Parlament, noch kann es f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, im Namen aller Kurden zu sprechen. Vielmehr stellt es ein von der PKK ma\u00dfgeblich gesteuertes Propagandainstrument dar. Die \u00fcberwiegende Mehrheit der 65 Mitglieder des \"Exilparlaments\" geh\u00f6rt der PKK, der ERNK, den sogenannten \"Y-Gruppen\" (Massenorganisationen der PKK) sowie der PKK-nahen \"Demokratie-Partei\" (DEP) an. Auch aus dem Programm des \"Kurdischen Exilparlaments\" ist klar erkennbar, da\u00df die PKK die dominierende Rolle spielt. Die Betonung liegt eindeutig auf der Unterst\u00fctzung und F\u00f6rderung des nur von der PKK gef\u00fchrten \"nationalen Befreiungskampfs\", also der Anwendung von Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele. Mit Hilfe ihrer Jugendorganisation \"Union der Jugendlichen aus KurRekrutierung distan\" (YCK) versucht die PKK gezielt, Nachwuchs f\u00fcr ihren \"BefreiJugendlicher ungskampf\" in der T\u00fcrkei bzw. f\u00fcr Unterst\u00fctzungsaktionen in Deutschland zu rekrutieren. Dabei bedient sie sich zahlreicher der YEK-KOM angegliederter Vereine oder Sportclubs, um zun\u00e4chst das Interesse junger Kurden an ihrer Kultur bzw. das Bewu\u00dftsein ihrer Identit\u00e4t zu wecken. Die anschlie\u00dfende Indoktrination, die den","162 Ausi\u00e4nderextremismus Betroffenen die Politik und Ideologie der PKK vermitteln soll, reicht bis hin zu praktischen Schulungen f\u00fcr militante Aktivisten der YCK, den sogenannten \"Sahinler\" (Falken). Unterst\u00fctzt wird dieses Vorgehen durch Berichte und Bilder des YCK-Organs \"Sterka Ciwan\" (Stern der Jugend), das \u00fcber behauptete Greueltaten der t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte informiert und gleichzeitig den Alltag kurdischer Guerillak\u00e4mpfer verkl\u00e4rt und heroisiert. Auffallend ist, da\u00df die Zielpersonen zum Teil noch im Kindesalter sind. Das in der T\u00fcrkei weiterhin ungel\u00f6ste Kurdenproblem f\u00fchrt dazu, da\u00df viele in Deutschland lebende, an sich eher unpolitische kurdische Jugendliche bereit sind, sich in themenbezogene Aktionen einbinden zu lassen. Mangels zugkr\u00e4ftiger Alternativen steigen dabei die Erfolgsaussichten der PKK insbesondere im Fall einer in der Heimat erlebten politischen Verfolgung. Ein Beschlu\u00df der YCK-Konferenz von Ende M\u00e4rz, den PKK-Guerillaeinheiten neue Kr\u00e4fte zuzuf\u00fchren, l\u00e4\u00dft eine Fortsetzung der neuerdings verst\u00e4rkten Bem\u00fchungen der PKK erwarten, kurdische Jugendliche f\u00fcr den Kampf in den kurdischen Gebieten zu gewinnen. Die PKK schult diese Jugendlichen ideologisch in Mitteleuropa. Anschlie\u00dfend werden sie zur weiteren Ausbildung in den Nahen Osten verbracht oder zum Kampfeinsatz in die Kurdenregion eingeschleust. Die PKK versucht, trotz des in Deutschland bestehenden Bet\u00e4tigungsverbots ihre Ziele konsequent unter Einsatz aller ihr geeignet erscheinenden Mittel durchzusetzen. Sie legt nach wie vor Wert darauf, zu bestimmten Anl\u00e4ssen - wie etwa dem kurdischen Neujahrsfest \"Newroz\" (21. M\u00e4rz) - | Handlungsf\u00e4higkeit und Pr\u00e4senz zu zeigen. Im , Rahmen ihrer in Deutschland und Europa verfolg- I ten Doppelstrategie will sie einerseits als vorgeblich moderate legale Gespr\u00e4chspartnerin f\u00fcr die L\u00f6sung des Kurdenproblems akzeptiert werden. Zum anderen versucht sie, durch \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten ihre ungebrochene Schlagkraft zu demonstrieren. Ihr Ziel ist es, den von ihr gef\u00fchrten Doppelstrategie bewaffneten \"Befreiungskampf\" in der T\u00fcrkei zu unterst\u00fctzen. Von dem seit dem Vorjahr propagierten Gewaltverzicht in Deutschland erhofft sich \u00d6calan politische Anerkennung und die Aufhebung des PKK-Verbots. Sein derzeit \"friedlicher\" Kurs ist indes rein taktisch motiviert. \u00d6calan hat offensichtlich eingesehen, da\u00df sich die gewalt-","Ausl\u00e4nderextremismus 163 t\u00e4tigen Ausschreitungen seiner Anh\u00e4nger auf die Haltung der deutschen Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber den Kurden negativ auswirkten. Zudem mu\u00dfte er aufgrund der Ma\u00dfnahmen der Sicherheitsbeh\u00f6rden eine Gef\u00e4hrdung des dringend ben\u00f6tigten \"Ruheraums Deutschland\" bef\u00fcrchten, wo sich die PKK im Rahmen j\u00e4hrlicher Spendenkampagnen die finanzielle Basis f\u00fcr die politische Arbeit der ERNK und den \"milit\u00e4rischen\" Kampf der ARGK schafft. \u00d6calans Gewaltverzicht bezieht sich zudem nur auf Anschl\u00e4ge gegen t\u00fcrkische und deutsche Einrichtungen in Deutschland, nicht aber auf sonstige Straftaten. So geht die PKK weiterhin intern mit gewaltsamen Disziplinierungsma\u00dfnahmen gegen unbotm\u00e4\u00dfige Mitglieder vor. Gegen den Willen von Eltern, die oft selbst der PKK nahestehen, rekrutiert und verschleppt sie kurdische Jugendliche, um diese ideologisch f\u00fcr einen sp\u00e4teren Kampfeinsatz zu schulen. Nach wie vor versto\u00dfen ihre Anh\u00e4nger in Deutschland durch provokantes Verwenden von PKK-Symbolen insbesondere bei \u00f6ffentlichen Versammlungen gegen das Bet\u00e4tigungsverbot. Drohungen und erneute Warnungen vor T\u00fcrkeireisen anl\u00e4\u00dflich einer t\u00fcrkischen Milit\u00e4roffensive gegen Stellungen der PKK im Nordirak im Mai belegen die unver\u00e4nderte Militanz der PKK ungeachtet der von \u00d6calan derzeit bevorzugten \"diplomatischen\" Initiativen. 2.3 Aktivit\u00e4ten Zum Abschlu\u00df der traditionellen Newroz-Feiern versammelten sich Newroz-Feiern am 26. April in D\u00fcsseldorf rund 45.000 Kurden aus dem gesamten Bundesgebiet zu einer Veranstaltung unter dem Motto \"Zeit f\u00fcr Frieden in Kurdistan\". Auf dem Weg zur Kundgebung, die aus wechselnden kulturellen Darbietungen und politischen Redebeitr\u00e4gen bestand, zeigten die Teilnehmer Fahnen und Symbole der PKK sowie Bilder des Generalvorsitzenden \u00d6calan, w\u00e4hrend der Veranstaltung nur noch vereinzelt. Die Redner forderten ein Ende des Blutvergie\u00dfens in Kurdistan, die Einstellung aller wirtschaftlichen und milit\u00e4rischen Hilfen Deutschlands an die T\u00fcrkei und die Aufhebung des Bet\u00e4tigungsverbots der PKK in Deutschland. Aus Anla\u00df einer Mitte Mai begonnenen Offensive t\u00fcrkischer StreitProtestaktionen kr\u00e4fte gegen PKK-Stellungen im Nordirak kam es zu bundesweiten Protestaktionen. So demonstrierten am 17. Mai in Stuttgart rund 2.000 Personen in der N\u00e4he des t\u00fcrkischen Generalkonsulats. Einige Teilnehmer skandierten PKK-Parolen. Ann\u00e4hernd 200 kurdische","164 Ausl\u00e4nderextremismus Demonstranten besetzten am 22. Mai die Eingangshalle eines Geb\u00e4udes der Vereinten Nationen (UN) in Genf. Beachtliches Am diesj\u00e4hrigen \"Kurdischen Kulturund Friedensfestival\" am 6. SepSympathisantentember in K\u00f6ln beteiligten sich rund 70.000 PKK-Anh\u00e4nger aus dem potential beim gesamten Bundesgebiet und dem westeurop\u00e4ischen Ausland. j\u00e4hrlichen FestivalAnmelder der Veranstaltung war ein Mitglied des nordrhein-westf\u00e4lischen Landtags. Zahlreiche Kundgebungsteilnehmer zeigten Fahnen der PKK und Transparente mit PKK-Emblemen. Als Redner traten u.a. der Vorsitzende des Kurdischen Exilparlaments Yasar Kaya sowie Mitglieder pal\u00e4stinensischer Organisationen und Repr\u00e4sentanten des s\u00fcdafrikanischen \"African National Congress\" (ANC) auf. Eine \u00fcber Lautsprecher ins Stadion eingespielte Ansprache des PKK-Generalvorsitzenden fand begeisterte Zustimmung. \u00d6calan kritisierte die angebliche Doppelmoral der europ\u00e4ischen Politik und forderte seine Anh\u00e4nger auf, sich mit friedlichen Mitteln gegen den Krieg in Kurdistan zu engagieren. Zwar war die Veranstaltung in geringerem Umfang als im Vorjahr von verbotenen PKK-Symbolen gepr\u00e4gt. Einer geschickten Regie gelang es jedoch, die PKK optisch immer wieder un\u00fcbersehbar in Erscheinung treten zu lassen. Plakate, Parolen und Redebeitr\u00e4ge hatten einen vorwiegend auf die PKK und die Person \u00d6calans ausgerichteten Bezug. Insgesamt bot der in ein Kulturprogramm eingebettete Ablauf der Veranstaltung f\u00fcr andere als PKKOrganisationen keinen Raum. Der PKK ist es damit ein weiteres Mal gelungen, in der \u00d6ffentlichkeit aufzutreten. Ein von der PKK in Zusammenarbeit mit deutschen Linksextremisten \"Europ\u00e4ischer als Werbema\u00dfnahme geplanter \"Europ\u00e4ischer Friedenszug Musa Friedenszug\" Anter\" brachte nicht den erhofften propagandistischen Erfolg. Der Zug sollte urspr\u00fcnglich am 26. August in Br\u00fcssel abfahren und zum Weltfriedenstag am 1. September in Diyarbakir/T\u00fcrkei eintreffen. Das Unternehmen scheiterte, da die T\u00fcrkei die Einfahrt auf ihr Hoheitsgebiet untersagte. Au\u00dferdem hatte der Bundesgrenzschutz die Anweisung erhalten, im Zug befindliche Ausl\u00e4nder bei der Einreise nach Deutschland zur\u00fcckzuweisen. Die F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) organisierte im November unter dem Motto \"Dialog statt Verbot - Das Buskampagne ,PKK-Verbot' mu\u00df aufgehoben werden\" eine Busfahrt durch das gegen das gesamte Bundesgebiet. Zahlreiche Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen PKK-Verbot unterst\u00fctzten die Aktion. Im Rahmen dieser Tour fanden in verschiedenen St\u00e4dten Kundgebungen statt, die selbst in PKK-Kreisen kaum Resonanz fanden. In Bayern wurden Begleitveranstaltungen in","Ausl\u00e4nderextremismus 165 M\u00fcnchen, Landshut und N\u00fcrnberg verboten. In M\u00fcnchen luden daraufhin Vertreter der Stadtratsfraktion der Gr\u00fcnen die Teilnehmer der Busfahrt am 17. November in das Rathaus ein. Bei der Aufl\u00f6sung der verbotenen Veranstaltung in Landshut wurden zehn Personen u.a. wegen versuchter j Gefangenenbefreiung und Widerstands gegen I Vollstreckungsbeamte vorl\u00e4ufig festgenommen. I 2.4 Exekutivma\u00dfnahmen und m Strafverfahren \" H7L~\"' Eine f\u00fcr den 8. M\u00e4rz von der \"Initiative B o r m iflEr i 8. M\u00e4rz\" in Frankfurt am Main angemeldete * /Jtg^m^Wj,-i Kundgebung zum Weltfrauentag wurde von ffltmJJ? \"' 1 B f c ^ * ' der Versammlungsbeh\u00f6rde verboten. Es J H Im J| lagen Hinweise vor, da\u00df sich Anh\u00e4ngerin- * /.\" nen der \"Union der freien Frauen aus Kur- M mL.,M 1> distan\" (YAJK) an dem Aufzug beteiligen *''ilHTTTiflSf BW1\"* und die Veranstaltung zur Werbung f\u00fcr die PKK mi\u00dfbrauchen wollten. Am 9. M\u00e4rz 1996 war es in Bonn bei einer \u00e4hnlichen Demonstration zu schweren Auseinandersetzungen zwischen PKK-Anh\u00e4ngern und Sicherheitskr\u00e4ften gekommen. Bei einer Durchsuchungsaktion am 15. April beschlagnahmte die Polizei in zwei Geb\u00e4uden der Aufnahmeeinrichtung f\u00fcr Asylbewerber in W\u00fcrzburg eine Fahne sowie zahlreiche Plakate und Schriften der PKK. Dar\u00fcber hinaus wurden mehrere Schlagwerkzeuge sichergestellt. Aus Anla\u00df einer Mitte Mai begonnenen Offensive t\u00fcrkischer Streitkr\u00e4fte gegen PKK-Stellungen im Nordirak fanden bundesweite Protestaktionen statt. Wegen Versto\u00dfes gegen das Vereinsgesetz wurden Ermittlungsverfahren gegen vier Personen eingeleitet, die bei Kundgebungen am 17. bzw. 24. Mai in M\u00fcnchen Fahnen der PKK und ERNK gezeigt hatten. Am 19. Juni wurde bei einer Verkehrskontrolle auf der Bundesautobahn A 3 im Landkreis Aschaffenburg ein mutma\u00dflicher Kurier der PKK festgenommen. Die Polizei fand in seinem Fahrzeug 18 Kartons mit PKK-Publikationen, die zur Verbreitung in den PKK-Gebieten M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Ulm bestimmt waren.","166 Ausl\u00e4nderextremismus Die Landeshauptstadt M\u00fcnchen verbot eine f\u00fcr den 6. Juli in den R\u00e4umlichkeiten des \"Vereins f\u00fcr interkulturelle Zusammenarbeit e.V.\" (VIZ) in M\u00fcnchen geplante Gedenkveranstaltung kurdischer Aleviten f\u00fcr die \"M\u00e4rtyrer von Sivas\". Anla\u00df der vorgesehenen Versammlung war ein Brandanschlag islamischer Extremisten auf ein Hotel in Sivas/T\u00fcrkei am 2. Juli 1993, den die PKK dem t\u00fcrkischen Staat anlastete. Bei der Durchsuchung des Vereinslokals stellte die Polizei Propagandamaterial der PKK sicher. Innerhalb der PKK wurde bayernweit f\u00fcr eine am 16. August in Erding angemeldete \"Kurdische Kulturveranstaltung\" geworben. Mieter des Lokals war ein ehemaliges Mitglied des verbotenen Kurdischen Elternvereins e.V. in M\u00fcnchen. Das Landratsamt Erding verbot die Veranstaltung wegen des erkennbaren PKK-Bezugs. Eine f\u00fcr denselben Tag in Augsburg geplante Ersatzveranstaltung wurde per Allgemeinverf\u00fcgung ebenfalls verboten. Am 31. August nahmen die Polizei in M\u00fcnchen vier Kurden fest, die insgesamt 57 Plakate der verbotenen Nationalen Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) geklebt hatten. Der Generalbundesanwalt leitete Mitte November ein Ermittlungsverfahren nach SS 129 StGB zur Aufkl\u00e4rung der Strukturen einer kriminellen Vereinigung innerhalb der PKK ein, da die F\u00fchrungskader der PKK bis zur Gebietsleiterebene hinab zur Erf\u00fcllung der ihnen \u00fcbertragenen Aufgaben notwendigerweise Straftaten in nicht unerheblichem Umfang begehen m\u00fcssen. Dazu geh\u00f6ren Spendengelderpressungen, Bestrafungsaktionen zur Aufrechterhaltung der Parteidisziplin, Gebrauch von gef\u00e4lschten Papieren und die Entziehung von Jugendlichen gegen den Willen ihrer Eltern zur Kaderausbildung. Mit Urteil vom 28. November best\u00e4tigte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof das am 21. November 1995 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern verf\u00fcgte Verbot des Kurdischen Elternvereins e.V. in M\u00fcnchen, da ein wesentlicher Teil der Vereinst\u00e4tigkeit auf die Fortf\u00fchrung der verbotenen PKK gerichtet war. In Bayern f\u00fchrte das konsequente Vorgehen der Sicherheitsorgane zu einer erheblichen Verunsicherung der PKK-Anh\u00e4ngerschaft. Durch die Verbote \u00f6rtlicher PKK-Vereine wurde der Organisation die M\u00f6glichkeit genommen, problemlos Funktion\u00e4rstreffen durchzuf\u00fchren und auf die hier lebende kurdische Bev\u00f6lkerung einzuwirken. Insgesamt zeigte der starke Verfolgungsdruck durch die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden deutlich pr\u00e4ventive Wirkung und lie\u00df die Bereitschaft kur-","Ausl\u00e4nderextremismus 167 discher Volkszugeh\u00f6riger, sich \u00f6ffentlich f\u00fcr die PKK zu engagieren, erkennbar sinken. Die Beeintr\u00e4chtigung der Basisarbeit durch Exekutivma\u00dfnahmen wirkte sich u.a. auf die Spendeneinnahmen aus. 3. T\u00fcrkische Gruppen 3.1 Linksextremisten 3.1.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Die in Deutschland seit 1974 aktive TKP/ML vertritt die Ideologie des Revolution\u00e4rMarxismus-Leninismus, erg\u00e4nzt um die Ideen Mao Tse-tungs. Sie bemarxistische tont den bewaffneten Kampf als Grundform ihres Handelns und ist Ideologie davon \u00fcberzeugt, da\u00df der einzige Weg zur \"Befreiung\" des t\u00fcrkischen Volks \u00fcber den bewaffneten Volkskrieg mit anschlie\u00dfender Bildung einer \"Volksregierung\" f\u00fchre. Ihr milit\u00e4rischer Zweig ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Die TKP/ML ist in die Gruppen \"Partizan\" und \"Ostanatolisches GeSpaltung in zwei bietskomitee\" (DABK) gespalten. Die Anh\u00e4nger beider Fl\u00fcgel waren Fl\u00fcgel bis zur Spaltung in den revolution\u00e4r-marxistischen Dachverb\u00e4nden \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V.\" (ATIF) und \"Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa\" (ATIK) organisiert, die sich als \"demokratische\" Massenorgansiationen pr\u00e4sentierten und ihre Verbindungen zur TKP/ML weitgehend tarnten. Um sich vom \"Partizan\"-Fl\u00fcgel abzugrenzen, haben sich beide Basisorganisationen des DABK im Sommer 1997 in \"F\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland\" (ADHF) bzw. \"Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa\" (ADHK) umbenannt. Bundesweit z\u00e4hlt die TKP/ML wie im Vorjahr insgesamt rund 2.000 Mitglieder, davon 190 (1996: 140) in Bayern. Der \"Partizan\"-Fl\u00fcgel ist seit Sommer 1997 mit einer eigenen \"homepage\" im Internet vertreten. Der anhaltende Machtkampf zwischen beiden Fl\u00fcgeln sowie persoReduzierte nelle und finanzielle Schw\u00e4chen beeintr\u00e4chtigten die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten Aktivit\u00e4ten. Eine in der T\u00fcrkei bis in hohe Funktion\u00e4rskreise des DABK reichende interne \"S\u00e4uberungsaktion\" mit dem Ziel, Kollaborateure mit den t\u00fcrkischen Sicherheitsorganen ausfindig zu machen und zu bestrafen, f\u00fchrte bei der Basis zu einer zus\u00e4tzlichen Verunsicherung. Wie die Besucherzahlen der diesj\u00e4hrigen Gedenkveranstaltungen","168 Ausl\u00e4nderextremismus zeigten, verf\u00fcgt die TKP/ML aber nach wie vor \u00fcber ein erhebliches Sympathisantenpotential. Das DABK f\u00fchrte am 3. Mai in K\u00f6ln die allj\u00e4hrliche Gedenkfeier zu Ehren des TKP/ML-Gr\u00fcnders Ibrahim Kaypakkaya durch. Die Teilnehmerzahl war mit rund 7.000 Personen fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Zu einer Gedenkveranstaltung des konkurrierenden \"Partizan\"-Fl\u00fcgels am 19. April in Gie\u00dfen waren nur 1.500 Besucher erschienen. Am 11. Januar fand in N\u00fcrnberg eine Folkloreveranstaltung der TKP/ML statt, an der rund 400 Personen aus dem gesamten s\u00fcddeutschen Raum teilnahmen. \u00dcber der B\u00fchne war ein ca. 4 x 1 m gro\u00dfes Transparent mit Aufschrift TKP/ML angebracht. Im Zugangsbereich des Saales wurde Publikationsmaterial der Organisation angeboten. Die ATIK f\u00fchrte am 21./22. Februar in Memmingen eine Unterschriftenaktion gegen die seit 15. Januar geltende erweiterte Visumspflicht f\u00fcr Kinder aus der T\u00fcrkei, Marokko, Tunesien und dem ehemaligen Jugoslawien durch. In Flugbl\u00e4ttern behauptete sie, die Politik der Bundesregierung f\u00f6rdere Rassismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit mit dem Ziel, eine Mauer zwischen deutschen und ausl\u00e4ndischen Werkt\u00e4tigen zu errichten. Im Vergleich zu fr\u00fcheren Spendenaktionen zeichnet sich eine r\u00fcckl\u00e4ufige Entwicklung der Einnahmen ab. Rund 60 % der in Europa gesammelten Gelder stammen aus dem Bundesgebiet, was die Bedeutung Deutschlands f\u00fcr die Finanzierung der TKP/ML unterstreicht. W\u00e4hrend der diesj\u00e4hrigen Spendenkampagne der TKP/ML, deren Ziel auf rund zwei Millionen DM gesch\u00e4tzt wird, sind keine F\u00e4lle von Androhung oder Anwendung von Gewalt bekanntgeworden. 3.1.2 Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) Zu den militantesten t\u00fcrkischen Extremistengruppen z\u00e4hlt die sowohl in Deutschland als auch in der T\u00fcrkei verbotene revolution\u00e4r-marxistische Devrimci Sol. Sie versteht sich als eine an den Grunds\u00e4tzen des Marxismus-Leninismus ausgerichtete Volksbewegung, die mit Hilfe einer bewaffneten Revolution auf die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staats zielt. Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahre 1978 ver\u00fcbte die terroristische Gruppe in der T\u00fcrkei zahlreiche Schu\u00dfwaffenund SprengstoffSpaltung in zwei anschlage. 1993 spaltete sie sich in zwei Lager. Die Anh\u00e4nger des Fl\u00fcgel Devrimci-Sol-Leiters Dursun Karatas nennen sich inzwischen \"Revolu-","Ausl\u00e4nderextremismus 169 tion\u00e4re Volksbefreiungspartei/-front\" (DHKP-C). Die Oppositionsgruppe f\u00fchrt die Bezeichnung \"T\u00fcrkische VolksbefreiungsparteiAfront\" (THKP-C Devrimci Sol). Ihr Gr\u00fcnder Bedri Yagan wurde im M\u00e4rz 1993 in der T\u00fcrkei bei einem Polizei^S-sass einsatz get\u00f6tet. Die von Ha\u00df gepr\u00e4gten Fl\u00fcgelk\u00e4mpfe auf deutschem Boden sind durch eine erh\u00f6hte Gewaltbereitschaft gekennzeichnet. Auffallend ist die niedrige Hemmschwelle bei i der Verwendung von Schu\u00dfwaffen, wobei J auch die T\u00f6tung von Personen in Kauf /' genommen wird (vgl. auch Nummer 1.4 des 5. Abschnitts). Bundesweit z\u00e4hlt die Gruppierung rund 1.300 (1996: 1.200) Anh\u00e4nger, darunter 190 (1996: 170) in Bayern. Ortsgruppen des Karatas-Fl\u00fcgels mit insgesamt rund 150 (1996: 130) Mitgliedern bestehen in Aschaffenburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg; der Yagan-Fl\u00fcgel ist in Bayern nur durch Einzelmitglieder vertreten. Das Ende 1996 von Steigende der DHKP-C und der PKK unterzeichnete \"gemeinsame Protokoll\", Mitgliederzahlen das den ersten Schritt zum geplanten Aufbau einer \"revolution\u00e4ren Front\" in der T\u00fcrkei darstellen sollte, wurde bisher noch nicht erfolgreich in die Praxis umgesetzt. Die europaweite Spendenkampagne der DHKP-C l\u00e4uft jeweils zum Finanzierung Jahreswechsel an. Die teilweise unter Androhung von Gewalt gesammelten Spenden stellen - wie bei der PKK und anderen linksextremistischen t\u00fcrkischen Organisationen - die Haupteinnahmequelle der Gruppierung dar und dienen der Unterst\u00fctzung ihrer in der T\u00fcrkei aktiven Guerillak\u00e4mpfer. Die DHKP-C hat inzwischen ihre \u00f6ffentlichen Treffen ins Ausland verVerlagerung lagert, um Verbote durch deutsche Beh\u00f6rden zu vermeiden. So f\u00fchr\u00f6ffentlicher te sie am 5. April in Hengelo/Niederlande zum 3. Jahrestag ihres BeVeranstaltungen stehens und zum Gedenken an \"revolution\u00e4re M\u00e4rtyrer\" eine Veranins Ausland staltung mit \u00fcberwiegend kulturellem Charakter durch. Daran beteiligten sich rund 4.500 Personen, darunter auch eine Delegation aus Deutschland. Ein Redner w\u00fcrdigte die Erfolge der DHKP-C und das im Dezember 1996 mit der PKK geschlossene B\u00fcndnis. Eine urspr\u00fcnglich f\u00fcr den 8. November in Iserlohn geplante Veranstaltung fand nach einem Verbot am 9. November in Genk/Belgien statt.","170 Ausi\u00e4nderextremismus Tarnveranstaltung Am 14. Juni fand in Aschaffenburg eine als Konzert der t\u00fcrkischen in Bayern \"Grup Yorum\" (\"Gruppe Kommentar\") getarnte Versammlung der DHKP-C statt. Unter den rund 1.500 Teilnehmern befanden sich auch Sympathisanten aus Belgien, Tschechien und den Niederlanden. In dem mit DHKP-C-Fahnen geschm\u00fcckten Veranstaltungsraum wurde umfangreiches Propagandamaterial zum Kauf angeboten. Ferner wurden politische Reden gehalten und Filme, Videoaufzeichnungen und Dias gezeigt. Das Rahmenprogramm bestand aus Musikund Folkloredarbietungen. Gegen die Veranstalter wurde ein Ermittlungsverfahren wegen eines Vergehens nach SS 20 Vereinsgesetz eingeleitet. ExekutivIm Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen Verdachts der Fortma\u00dfnahmen f\u00fchrung der verbotenen Devrimci Sol durchsuchte die Polizei am 16. Januar in Baden-W\u00fcrttemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen Wohnungen und andere Objekte von mutma\u00dflichen Anh\u00e4ngern der DHKP-C. Dabei wurden schriftliche Unterlagen und mehrere Computer sichergestellt. In einem t\u00fcrkischen Vereinsheim in Ulm, in dem gr\u00f6\u00dfere Mengen Propagandamaterial lagerten, wurden drei seit l\u00e4ngerem in Deutschland lebende Anh\u00e4nger der DHKP-C sowie eine illegal aus der T\u00fcrkei eingereiste Person angetroffen. Am 9. April wurde die mutma\u00dfliche Europazentrale der DHKP-C im \"Informationszentrum f\u00fcr freie V\u00f6lker e.V.\" in K\u00f6ln durchsucht. Dabei konnte-umfangreiches Beweismaterial u.a. \u00fcber den Vertrieb des DHKP-C-Sprachrohrs \"Kurtulus\" sichergestellt werden. Das Landgericht M\u00fcnchen I verurteilte am 5. Mai einen Aktivisten des Yagan-Fl\u00fcgels wegen Unterst\u00fctzung des organisatorischen Zusammenhalts der Devrimci Sol zu einer Geldstrafe von 4.500 DM. Der Angeklagte hatte am 7. Juli 1996 in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter der verbotenen Gruppierung verbreitet. In seiner Wohnung konnte weiteres umfangreiches Propagandamaterial beschlagnahmt werden. 3.1.3 Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Die in der T\u00fcrkei terroristisch operierende MLKP entstand 1994 aus dem Zusammenschlu\u00df zweier t\u00fcrkischer linksextremistischer Organisationen. Wie die TKP/ML und die Devrimci Sol erstrebt sie die Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges und die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung in der T\u00fcrkei. Die MLKP z\u00e4hlt","Ausi\u00e4nderextremismus 171 bundesweit rund 700 Mitglieder, davon etwa 50 in Bayern. Klare organisatorische Strukturen sind in Bayern noch nicht erkennbar. Am 7. Juni fand in Neu-Ulm eine unter falschem Namen angemeldete Tarnveranstaltung der MLKP mit rund 300 Besuchern statt. 3.2 Extreme Nationalisten Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt am Main hatte am 5. Oktober 1996 auf rr---__ ihrem 19. Bundeskongre\u00df in Essen ihre Umbenennung in \"Deutsche T\u00fcrk-F\u00f6deration\" (Almanya T\u00fcrk Federasyon -ATF-) j beschlossen. Bislang wurde die neue Bezeichnung weder ins Vereinsregister eingetragen noch in \u00f6ffentlichen Verlautbarungen benutzt. Die OrganisaWeiterverwendung tion tritt vielmehr weiterhin unter dem Namen AD\u00dcTDF auf. Daneben der bisherigen verwendet sie auch die Bezeichnung \"T\u00fcrk Federasyon\". Bezeichnung Die AD\u00dcTDF bzw. ATF ist eng mit der t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP) verbunden. Ihre Ideologie vereint Elemente des extremen Nationalismus mit islamistischen Positionen, also der Nationalistische Hinwendung zum Islam als staatskonstituierendem Element. Die Ideologie mit AD\u00dcTDF tritt f\u00fcr die Wiederherstellung der T\u00fcrkei in der Gr\u00f6\u00dfe des islamistischen Osmanischen Reichs ein und propagiert den Vorrang und die \u00dcberPositionen legenheit der t\u00fcrkischen Nation und Rasse. Teilweise sind auch antiwestliche Tendenzen erkennbar. So fordert die AD\u00dcTDF von der t\u00fcrkischen Jugend in Deutschland Distanz zu westlich-\"dekadenten\" Einfl\u00fcssen und die Betonung ihrer t\u00fcrkischen Identit\u00e4t. Die AD\u00dcTDF ist in eingetragenen Vereinen und teilweise losen Zusammenschl\u00fcssen organisiert. Sie z\u00e4hlt bundesweit knapp 7.000 Mitglieder. In Bayern verf\u00fcgt sie \u00fcber 28 (1996: 24) \u00f6rtliche UntergliedeAufw\u00e4rtstrend in rungen mit insgesamt rund 1.500 (1996: 1.400) Mitgliedern. Seit Bayern Januar 1997 gibt die AD\u00dcTDF die Zeitung \"T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni\", die zuvor nur sporadisch zu bestimmten Ereignissen erschienen war, monatlich heraus. Im Internet bietet sie inzwischen eine eigene \"homepage\" in deutscher und t\u00fcrkischer Sprache an. Die geschulten F\u00fchrungskr\u00e4fte der AD\u00dcTDF bem\u00fchen sich insbesondere um die zweite und dritte Generation junger T\u00fcrken in Deutschland. Die Synthese aus \u00fcbersteigertem Nationalgef\u00fchl und Religion","172 Ausl\u00e4nderextremismus als weiterem \"Orientierungspunkt\" macht die AD\u00dcTDF gerade f\u00fcr t\u00fcrkische Jugendliche besonders attraktiv, zumal die Organisation ihre jugendlichen Mitglieder nicht strikt auf islamistische Positionen verpflichtet. Seit dieser ideologischen Reform ist ein beachtlicher Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Gro\u00dfe Teile der Einnahmen flie\u00dfen in die Jugendarbeit. Zur Mitgliederwerbung ist die AD\u00dcTDF auch in zahlreichen Sportund Elternvereinen t\u00e4tig, die keine politischen Ziele haben. Dabei gibt die AD\u00dcTDF jungen Landsleuten das Gef\u00fchl, als T\u00fcrken anerkannt zu werden. Sie bietet Kampfsportausbildung sowie Bet\u00e4tigungsm\u00f6glichkeiten bei Folkloredarbietungen und Theaterauff\u00fchrungen. So werden Jugendliche \u00fcber zumeist unpolitische Angebote an den Verband herangef\u00fchrt und fr\u00fchzeitig als Vereinsfunktion\u00e4re in die politische Arbeit integriert. Bei der AD\u00dcTDF finden sie dar\u00fcber hinaus ein Forum gegen die von der PKK im Inund Ausland praktizierte Militanz. Ferner gibt der Nationalismus vielen t\u00fcrkischen Jugendlichen ein \"Wir-Gef\u00fchl\" gegen\u00fcber der komplex organisierten deutschen Gesellschaft. Die Forderung nach einer Abkehr von der \"westlichen Dekadenz\" hat dabei nachhaltige Auswirkungen auf die Integrationsbereitschaft in Deutschland. Die bisherige Scheu t\u00fcrkischer Jugendlicher, ihre nationalistische Gesinnung \u00f6ffentlich zu zeigen, schwindet. Die AD\u00dcTDF-F\u00fchrung hat ihre Mitglieder wiederholt angewiesen, die Rechtsordnung des Gastlandes zu achten und sich von Anh\u00e4ngern der PKK und anderen t\u00fcrkischen Linksextremisten nicht provozieren zu lassen. Mit ihrer chauvinistisch-nationalistischen Ideologie ger\u00e4t die AD\u00dcTDF aber vermehrt ins Blickfeld militanter politischer Gegner. Der Jahreskongre\u00df der AD\u00dcTDF wurde nicht zuletzt aufgrund der turbulenten Entwicklungen in der MHP, deren langj\u00e4hriger Vorsitzender Alparslan T\u00fcrkes am 4. April verstorben ist, auf das Jahr 1998 vertagt. 3.3 Islamische Extremisten 3.3.1 Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs * (IGMG) Die IGMG, die bis 1995 die Bezeichnung \"Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V.\" (AMGT) f\u00fchrte, ist ein Sammelbecken von Anh\u00e4ngern der islamisch-fundamentalistischen Wohlfahrtspartei (RP). Die Anfang 1998 in der T\u00fcrkei verbotene RP war seit den t\u00fcrkischen Parlamentswahlen im Dezember 1995 st\u00e4rkste Partei im Parlament * Milli G\u00f6r\u00fcs bedeutet: Nationale Sicht","Ausl\u00e4nderextremismus 173 und stellte von Juli 1996 bis Juni 1997 mit ihrem Vorsitzenden Prof. Necmettin Erbakan den t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten. Die IGMG vertritt das Gedankengut der RP unter den t\u00fcrkischen Muslimen in Deutschland. Ihr Nahziel ist die Einf\u00fchrung des Koran als Grundlage des Staatsaufbaus und als Verhaltenskodex staatlichen Zusammenlebens. Mittelfristig erstrebt sie die Abschaffung der laizistischen Staatsordnung in der T\u00fcrkei, die durch ein islamisches System nach dem Beispiel des Iran ersetzt werden soll. Fernziel der IGMG ist die weltweite Islamisierung im Sinn eines doktrin\u00e4ren Islam-Verst\u00e4ndnisses. Zahlreiche Verlautbarungen zeigen einen Ha\u00df auf Andersgl\u00e4ubige, insbesondere Juden, der den Grunds\u00e4tzen von Menschenw\u00fcrde, Toleranz zwischen den Religionen und dem Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung zuwiderl\u00e4uft. Bisher sind - zumindest in Bayern - keine politisch motivierten Gewalttaten von Anh\u00e4ngern der IGMG bzw. AMGT bekanntgeworden. \u00c4u\u00dferungen in den vergangenen Jahren lassen jedoch darauf Latente Militanz schlie\u00dfen, da\u00df die IGMG Gewaltanwendung als Mittel zur Auseinandersetzung gegen\u00fcber Andersdenkenden entgegen den Beteuerungen in ihrer Satzung nicht \u00e4chtet. Als \u00fcberzeugte Vertreterin islamisch-extremistischer Positionen lehnt die IGMG jegliche Integration in die deutsche Gesellschaft ab. Auch eine friedliche Koexistenz von Christen und Muslims ist ihren Vorstellungen zufolge nur partiell denkbar, vor allem aber nicht ernsthaft beabsichtigt. Nach wie vor ist die IGMG bem\u00fcht, bestimmende islamische Kraft in Deutschland zu werden. Als bedeutendste islamische Gruppierung will sie sodann die Anerkennung als K\u00f6rperschaft des \u00f6ffentlichen Rechts erreichen. Sie erhofft sich davon umfangreiche staatliche Unterst\u00fctzung und finanzielle Vorteile. Ihr Kampf um Anerkennung als Religionsgemeinschaft soll sie ferner in die Lage versetzen, bereits im Kindesalter Einflu\u00df auf Landsleute zu nehmen, um sie langfristig f\u00fcr ihre Ziele zu gewinnen. In letzter Zeit gibt sie ihrer Bildungsarbeit f\u00fcr Jugendliche, aber auch f\u00fcr Studenten und Frauen einen erh\u00f6hten Bem\u00fchungen um Stellenwert. Dabei ist sie bestrebt, die \"muslimische Identit\u00e4t\" unter den Jugendliche in nichtmuslimischen Staaten lebenden T\u00fcrken zu st\u00e4rken. Diesem Vorhaben dienen offenbar auch angeblich unpolitische \"Koran-Unterweisungen\" in Moscheen bzw. Sommerlagern. Auch diese Aktivit\u00e4ten senken die Integrationsbereitschaft t\u00fcrkischer Jugendlicher. Die Entwicklung der IGMG stagniert mittlerweile. Ein Grund hierf\u00fcr Stagnierende ist der Mangel an jugendlichem Nachwuchs, der u.a. auf den strenEntwicklung","174 Ausl\u00e4nderextremismus gen religi\u00f6sen Anforderungen, aber auch auf unzureichenden oder fehlenden Angeboten f\u00fcr Jugendliche sowie der Konkurrenz attraktiverer Organisationen beruht. Zudem ist die Mitgliedschaft der IGMG \u00fcberaltert und die Finanzlage angespannt. Auch das Engagement der Mitglieder hat nachgelassen; demotivierend wirkte insbesondere der R\u00fccktritt Erbakans als Ministerpr\u00e4sident Ende Juni. Mit bundesweit rund 26.500 Mitgliedern ist die IGMG gleichwohl noch immer die st\u00e4rkste und finanzkr\u00e4ftigste Organisation extremistischer Ausl\u00e4nder. Eine \"Europ\u00e4ische Moscheenbauund Unterst\u00fctzungsgemeinschaft\" (EMUG) verwaltet den umfassenden Immobilienbesitz im Wert von rund 60 bis 80 Millionen DM. Den 70 IGMG-Untergliederungen in Bayern geh\u00f6ren wie im Vorjahr rund 5.000 Mitglieder an. Finanzierung Die Mitgliedschaft bei der IGMG ist mit einer erheblichen finanziellen Belastung verbunden. Die IGMG-Zentrale in K\u00f6ln erhebt von jedem Mitglied einen Monatsbeitrag von 20 DM. Daneben ziehen die \u00f6rtlichen Untergliederungen Beitr\u00e4ge ein, deren H\u00f6he von der finanziellen Belastbarkeit der Mitglieder abh\u00e4ngt. Der Finanzierung der IGMG dienen auch die in Mitgliedsvereinen betriebenen Lebensmittell\u00e4den, die Einnahmen aus den in den Ferien angebotenen Korankursen und die Gewinne aus den von der IGMG organisierten Pilgerfahrten nach Mekka. Dar\u00fcber hinaus vermittelt die IGMG den Kauf von Aktien t\u00fcrkischer Unternehmen, um von Kursgewinnen ihrer Mitglieder profitieren zu k\u00f6nnen. Neben den regelm\u00e4\u00dfigen Spendenaktionen (u.a. zum Ramadan) werden aus aktuellem Anla\u00df (z.B. Hilfe f\u00fcr notleidende Muslime in Bosnien) zus\u00e4tzliche Sammlungen durchgef\u00fchrt, die je nach der Gr\u00f6\u00dfe des Vereins Ertr\u00e4ge zwischen 5.000 und 20.000 DM erbringen. Die Verwendung der Gelder ist kaum kontrollierbar. Jahreskongre\u00df An der 3. Generalversammlung der IGMG am 14. Juni im Dortmunder Westfalenstadion nahmen \u00fcber 35.000 Besucher aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland teil. Aus der T\u00fcrkei waren zwei ranghohe RP-Politiker anwesend. Der IGMG-Vorsitzende Ali Y\u00fcksei betonte in seiner Rede, da\u00df die IGMG keine Terrororganisation sei. Er forderte die Abschaffung der seit 15. Januar geltenden erweiterten Visumspflicht f\u00fcr minderj\u00e4hrige Ausl\u00e4nder, das Recht der Stimmabgabe im Ausland bei Wahlen in der T\u00fcrkei sowie den verst\u00e4rkten Kampf gegen Rassismus. Weitere Redner, darunter der ehemalige IGMG-Vorsitzende Osman Yumakogullari, befa\u00dften sich mit der Situation in der T\u00fcrkei und betonten ihre \u00dcberzeugung, da\u00df der Islam schlie\u00dflich siegen werde.","Ausl\u00e4nderextremismus 175 Am 26. Oktober veranstaltete die IGMG in Zirndorf, Landkreis F\u00fcrth, ein \"Jugendfest\" mit rund 800 Teilnehmern. Als Ehrengast war der RP-B\u00fcrgermeister von Beyoglu anwesend. Der f\u00fcr die Jugend zust\u00e4ndige Funktion\u00e4r der IGMG-Zentrale kritisierte in seiner Rede die Haltung der T\u00fcrkei gegen\u00fcber den Koranschulen und die deutschen Staatsschutzbeh\u00f6rden wegen der Erw\u00e4hnung der IGMG in den Verfassungsschutzberichten. Am 16. September wurde die IGMG-Gebietszentrale S\u00fcdbayern in ExekutivM\u00fcnchen durchsucht. Anla\u00df dieser Ma\u00dfnahme war der Verdacht, ma\u00dfnahme da\u00df die IGMG in ihren R\u00e4umen illegale Ausl\u00e4nder unterbringt und ihnen falsche Ausweise verschafft. Die Polizei nahm 25 Personen vorl\u00e4ufig fest. Einige f\u00fchrten gef\u00e4lschte P\u00e4sse oder F\u00fchrerscheine mit. Gegen elf Betroffene wurden Strafverfahren wegen Urkundenf\u00e4lschung bzw. Versto\u00dfes gegen das Ausl\u00e4ndergesetz eingeleitet. Die Ermittlungen ergaben eine Beteiligung des IGMG-Vorstands an diesen Straftaten. Offenbar scheut sich die IGMG nicht vor Verst\u00f6\u00dfen gegen die deutsche Rechtsordnung. 3.3.2 Verband der islamischen Vereine und Gemeinden e.V. (ICCB) Der 1984 in K\u00f6ln gegr\u00fcndete ICCB strebt kompromi\u00dflos die WeltWeltherrschaft herrschaft des Islam auf der Grundlage des Korans und der Scharia des Islam (islamisches Rechtssystem) an. Als ersten Schritt dorthin zielt er auf den Sturz des t\u00fcrkischen Staatsgef\u00fcges. Dieses soll mittels einer Revolution durch einen islamischen Gottesstaat ersetzt werden, dem als geistliches und weltliches Oberhaupt der Kalif vorsteht. Der Verband wechselte seit seiner Gr\u00fcndung mehrfach seine Bezeichnung (z.B. \"F\u00f6derativer Islamstaat Anatolien\" -A.F.I.D-; \"Islamische Stiftung\"). Seit 1995/1996 tritt er nach au\u00dfen fast ausschlie\u00dflich als \"Hilafet Devleti\" (Kalifatsstaat) auf. Interne Konflikte hatten die interne Organisation schon vor dem Tod ihres langj\u00e4hrigen Leiters Cemaleddin Differenzen Kaplan im Mai 1995 destabilisiert und zur Abspaltung zahlreicher Ortsvereine gef\u00fchrt. Danach versch\u00e4rften sich die internen Auseinandersetzungen um Kaplans Nachfolge. Sein Sohn Metin Kaplan \u00fcbernahm die Leitung des Verbands und lie\u00df sich - wie zuvor sein Vater - zum \"Kalifen\" ausrufen. Sein F\u00fchrungsstil begegnete indes zunehmender Kritik. Eine betr\u00e4chtliche Zahl von Mitgliedern wechselte zur IGMG. Auch das Potential der Sympathisanten hat sich in letzter Zeit erheblich verringert.","176 Ausl\u00e4nderextremismus Die Mitgliederzahl des Verbands ist nach Sch\u00e4tzung bundesweit auf etwa 1.300 (1996: 1.500) zur\u00fcckgegangen. In Bayern geh\u00f6ren der Organisation f\u00fcnf \u00f6rtliche Untergliederungen mit insgesamt 150 (1996: 250) Mitgliedern an. Die Abspaltungsbewegung hat damit auch die bayerischen Verbandsmitglieder voll erfa\u00dft. In seiner Publikation \"\u00dcmmet i Muhammed\" (Die Gemeinde Mohammeds) polemisiert die Gruppierung gegen das westliche System, die Demokratie, die Parteien, den Parlamentarismus und die Integration von Muslimen in die Polemik westliche Gesellschaft. Besonders ausgepr\u00e4gt ist ihr Antisemitismus: \" Wenn wir Juden sagen, dann werden alle Muslime von einem Schauer erfa\u00dft und sie m\u00fcssen sich erst einmal sch\u00fctteln. Diese Gesellschaft von nicht einmal einigen Millionen Menschen l\u00e4\u00dft eine Milliarde Muslime Blut spucken. Die j\u00fcdische Gesellschaft ist eine Gesellschaft, die Propheten ermordete, sich gegen\u00fcber den Gottesgaben undankbar zeigte und Hinterh\u00e4ltigkeit und Gewaltt\u00e4tigkeit zu ihren Parolen machte.\" (\u00dcmmet i Muhammed vom 22. Mai) Zugleich postuliert sie f\u00fcr den Islam einen absoluten, unabdingbaren Alleinvertretungsanspruch, der gleichzeitig jede politische Zusammenarbeit mit anderen islamistischen Organisationen weithin ausschlie\u00dft. Dissidenten werden offen zur Umkehr aufgefordert und im Falle der Weigerung massiv bedroht. Seit 1995/1996 wurden im Umfeld des Verbands mehrere Gewalttaten gegen abtr\u00fcnnige Funktion\u00e4re bekannt. Hinsichtlich des Einsatzes von Gewalt nach au\u00dfen unterscheidet der Verband zwischen einer ersten Phase der friedlichen Verk\u00fcndigung Gewaltdes Islam und einer zweiten Phase der Gewalt, die beginnen werde, bereitschaft sobald die Zeit dazu reif sei. In seiner Zeitschrift \"\u00dcmmet i Muhammed\" vom 19. Juni betonte der Verband die Bedeutung des Jihad (Heiliger Krieg). Auf einer der letzten Gro\u00dfveranstaltungen des Jahres 1997 skandierten rund 2.000 fanatisierte Anh\u00e4nger am 11. Mai in K\u00f6ln Parolen wie \"Wir sind bereit zum Sterben, um den Kemalismus und seine Staatsform zu zerschlagen\". Trotz seiner fehlenden Verankerung in t\u00fcrkisch-muslimischen Kreisen forderte der Verband andere muslimische Organisationen auf, sich zu ergeben:","Ausl\u00e4nderextremismus 177 Ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren u.a. gegen einen Imam (Vorbeter) aus Augsburg wegen Aufforderung zur Ermordung eines Abtr\u00fcnnigen in Berlin macht die besondere Gewaltbereitschaft der Organisation deutlich. Ihren alleinigen Herrschaftsanspruch auf die T\u00fcrkei dokumentierte die Organisation in mehreren Publikationen, darunter die B\u00fccher \"Islamische Verfassung\" und \"Die R\u00fcckgabe des Rechts an den Anspruchsteller\". Darin forderte sie die R\u00fcckgabe der kemalistischen T\u00fcrkei und proklamierte einen \"Kalifatsstaat\", der eine \"theokratisch-diktatorische Staatsidee\" verwirklichen solle. Mit pers\u00f6nlich zu leistenden \"Treueschw\u00fcren\" wurden Funktion\u00e4re und zum Teil auch Mitglieder an den Leiter des Verbands Metin Kaplan gebunden und zu bedingungslosem Gehorsam bis in den Tod verTotalit\u00e4re pflichtet. V\u00f6llig entm\u00fcndigt wurden die \"Angeh\u00f6rigen des KalifatsTendenzen Staats\" durch eine im Verbandsorgan \"\u00dcmmet i Muhammed\" vom 26. Juni ver\u00f6ffentlichte Weisung Kaplans, nach dessen Ansicht die \"Kemalisten\" (gemeint sind die Repr\u00e4sentanten des laizistischen Systems der T\u00fcrkei) die Muslime gegeneinander aufhetzten und dazu ihren t\u00fcrkischen Geheimdienst MIT nach Deutschland und Europa schickten: \"Diesbez\u00fcglich m\u00fc\u00dft ihr sehr wachsam sein ...Es gibt kein Handeln ohne Genehmigung mehr. Individuelle Handlungen werden auf keinen Fall genehmigt und nicht akzeptiert.\" Eine seit 15. Januar bestandskr\u00e4ftige Ordnungsverf\u00fcgung der Stadt K\u00f6ln untersagt Metin Kaplan das Recht auf politische Bet\u00e4tigung. Insbesondere ist es ihm verboten, zum Sturz der t\u00fcrkischen Rechtsordnung aufzurufen, einen solchen Umsturz zu unterst\u00fctzen oder zu bef\u00fcrworten und die demokratische Staatsform zu diffamieren. Mit seiner totalen Abgrenzungsstrategie steht der Verband in islamischen Kreisen inzwischen v\u00f6llig isoliert da. Seine Unberechenbarkeit und der zunehmende Realit\u00e4tsverlust bedeuten im Zusammenspiel mit der nicht mehr ausschlie\u00dflich verbalen Bef\u00fcrwortung von Gewalt, aggressiver Polemik und der totalit\u00e4ren Vereinnahmung von Funktion\u00e4ren und Mitgliedern ein nicht zu untersch\u00e4tzendes Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr die Innere Sicherheit. 4. Algerische Gruppen Die im M\u00e4rz 1989 in Algerien gegr\u00fcndete \"Islamische Heilsfront\" Zielsetzung (FIS) verfolgt das Ziel, die algerische Regierung zu beseitigen und ein","178 Ausl\u00e4nderextremismus islamistisches System zu errichten. Nach einem sich abzeichnenden Wahlsieg der FIS zur Jahreswende 1991/1992 wurde sie verboten. Dies war der Anfang schwerster Terrorakte ihres milit\u00e4rischen Zweigs, der \"Islamischen Heilsarmee\" (AIS). Als weitere Terrorgruppe entstand 1991 die mit der FIS/AIS rivalisierende \"Bewaffnete Islamische Gruppe\" (GIA). Anh\u00e4nger im Im Bundesgebiet lebt nur eine verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig geringe Zahl von etwa Bundesgebiet 200 Sympathisanten und Aktivisten der FIS und der GIA. Eine offene, vereins\u00e4hnliche Struktur der beiden Organisationen gibt es bislang nicht. Die Aktivisten sind jedoch in eine \u00fcber die Grenzen Deutschlands hinausgehende informelle Struktur eingebunden. Insbesondere zu Frankreich, Luxemburg und Gro\u00dfbritannien halten sie enge Verbindungen. Bei FIS-Veranstaltungen im Bundesgebiet wird zwar immer wieder zur Unterst\u00fctzung des Kampfes der FIS bzw. der AIS in Algerien aufgerufen, jedoch distanzieren sich die Redner zugleich von den terroristischen Aktionen der GIA gegen die algerische Zivilbev\u00f6lkerung. Der ma\u00dfgebliche FIS-Funktion\u00e4r und Leiter der \"Exekutivinstanz der FIS im Ausland\", Rabah Kebir, lebt in Deutschland. Seine zun\u00e4chst intensive Propaganda gegen die algerische Regierung hatte ein Verbot der politischen Bet\u00e4tigung zur Folge. Inzwischen hat Kebir sein Verhalten erheblich gem\u00e4\u00dfigt und gegen\u00fcber dem Regime mehrfach seine Dialogbereitschaft zum Ausdruck gebracht. Jedoch mehren sich die Hinweise, da\u00df dadurch seine Funktion als Leiter der \"Exekutivinstanz\" und der damit verbundene Alleinvertretungsanspruch der FIS im Ausland in Frage gestellt wird. Gewaltt\u00e4tige Aktionen der FIS/GIA waren bisher in Bayern nicht festzustellen. 5. Iranische Gruppen Die Anh\u00e4nger der Volksmodjahedin haben sich im Bundesgebiet in der zum Teil konspirativ strukturierten und agierenden Iranischen Moslemischen Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e.V. (IMSV) zusammengeschlossen. Die Volksmodjahedin waren ma\u00dfgeblich an der Revolution gegen den Schah im Iran beteiligt, gerieten aber nach dem Umsturz zunehmend in Opposition zur neuen Regierung, die sie seit Juni 1981 durch bewaffneten Widerstand","Ausl\u00e4nderextremismus 179 zu st\u00fcrzen versuchen. Die urspr\u00fcngliche Einstufung der Volksmodjaislamischhedin als \"islamische Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung\" extremistische verlor seitdem immer mehr an Substanz. Aufgrund von intellektuelAusrichtung len Gegens\u00e4tzen zwischen dem schiitischen Islam und dem Marxismus entstanden innerhalb der Volksmodjahedin ein marxistischer und ein muslimischer Fl\u00fcgel; letzterer behielt die Kontrolle \u00fcber die Organisation. Unter Federf\u00fchrung der Volksmodjahedin wurde im Juli 1981 der Nationaler \"Nationale Widerstandsrat Iran\" (NWRI) als Zusammenschlu\u00df iraniWiderstandsrat scher Oppositioneller gegr\u00fcndet. Er versteht sich als einzige demoIran kratische Alternative zur iranischen Regierung. Die IMSV und ihre Nebenorganisationen sind in ihn eingebunden. Der Sitz des NWRI ist in Paris. Im August 1993 konstituierte sich der NWRI zum \"Exilparlament\" ,Exilparlament\" und w\u00e4hlte die Generalsekret\u00e4rin der Volksmodjahedin Maryam Radjavi zur k\u00fcnftigen \"Pr\u00e4sidentin\" des Iran. Die Bezeichnung \"Volksmodjahedin\" findet seitdem kaum noch Verwendung. Mit dieser Strategie wollen sich die Volksmodjahedin anderen Oppositionsgruppen \u00f6ffnen und sie unter ihrer F\u00fchrung einigen. Der Machtanspruch der Volksmodjahedin, die fehlende innerparteiliche Demokratie und ihr Personenkult sto\u00dfen indes bei einem erheblichen Teil der iranischen Opposition auf Ablehnung. Die Volksmodjahedin halten sich vielfach nicht an Gesetze und beh\u00f6rdliche Auflagen. Ihre haupts\u00e4chlich in Asylbewerberheimen angeworbenen Aktivisten sammeln seit Jahren oft unter Versto\u00df gegen ihre Aufenthaltsbeschr\u00e4nkung und ohne Sammlungserlaubnis im illegale Namen von eigens gegr\u00fcndeten Tarnvereinen. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten Sammlungst\u00e4tigkeit liegt in der Vorweihnachtszeit. Neuerdings beantragen NWRI-Anh\u00e4nger Sammlungserlaubnisse mit der Behauptung, das Geld werde an das Deutsche Rote Kreuz (DRK) \u00fcberwiesen. Mittlerweile konnte eine neue Vorgehensweise beobachtet werden. Die Sammler sind h\u00e4ufig bei angemeldeten Info-St\u00e4nden anzutreffen oder im Rahmen von nicht genehmigten Sammlungen unterwegs. In mitgef\u00fchrten Unterlagen liegen Spendenlisten aus, in denen sich Passanten mit der Wohnanschrift eintragen k\u00f6nnen. Die eingetragenen Spender werden nach kurzer Zeit zu Hause aufgesucht, um sie \u00fcber ein \"besonderes Projekt\" zu informieren. Dabei handelt es sich um angebliche Patenschaften f\u00fcr Kinder, mit deren Hilfe die schulische Ausbildung und die gesundheitliche Versorgung der Kinder gew\u00e4hrleistet werde.","180 Ausl\u00e4nderextremismus TarnorganisaUm bei der Beantragung erforderlicher Erlaubnisse nicht selbst in Ertionen der scheinung treten zu m\u00fcssen, bedient sich der NWRI mehrerer \"TarnVolksmodjahedin vereine\", deren Bezeichnung keinen Bezug zu den Volksmodjahedin aufweist. In der Vergangenheit waren dies z.B. die Gruppierungen \"Fl\u00fcchtlingshilfe Iran e.V.\", \"Frauen f\u00fcr Demokratie im Iran\", \"Iranischer Kulturverein\", \"Verein Iranischer Demokratischer Akademiker e.V.\" (VIDA), \"Iranische Fl\u00fcchtlingskinderhilfe e.V.\", \"Verein der K\u00fcnstler und Schriftsteller des iranischen Widerstandes e.V.\" \"Gesellschaft iranischer Fl\u00fcchtlinge e.V.\" und \"Verein zur Eingliederung iranischer Fl\u00fcchtlinge e.V.\" (VEIF). Der NWRI bestreitet eine Verbindung dieser Organisationen zu den Volksmodjahedin. Die angeblich f\u00fcr humanit\u00e4re Zwecke bestimmten Spendengelder dienen in Wirklichkeit der Unterhaltung der weltweiten Strukturen der Volksmodjahedin sowie vermutlich auch der Beschaffung von Waffen f\u00fcr ihre im Irak stationierte \"Nationale Befreiungsarmee\" (NLA). Zur Verschleierung der Sammlungsaktivit\u00e4ten wird bei den Beh\u00f6rden manchmal um Erlaubnis zum Verkauf von Publikationen nachgesucht. \u00d6ffentlichkeitsDer von den Volksmodjahedin dominierte NWRI betreibt mit gro\u00dfem arbeit Aufwand Propaganda und fortw\u00e4hrende Kontaktpflege, um sich trotz fehlenden R\u00fcckhalts in der iranischen Bev\u00f6lkerung im westlichen Ausland als einzige handlungsf\u00e4hige Alternative zum \"Mullah-Regime\" zu pr\u00e4sentieren. Mit der Anlehnung an gesellschaftspolitisch bedeutsame Themen und unter Einbeziehung organisationsfremder Personen versucht er, sein eigentliches Ziel, n\u00e4mlich die gewaltsame Macht\u00fcbernahme im Iran, zu verschleiern und die Anerkennung und Unterst\u00fctzung einer breiten \u00d6ffentlichkeit zu erlangen. Als Erfolg seiner \u00d6ffentlichkeitsarbeit konnte er die Anwesenheit und Mitwirkung deutscher Parlamentarier bei einigen Kundgebungen verbuchen. Zentrales Thema seiner politischen Auseinandersetzung mit der iranischen Regierung war der von Anfang an aufmerksam verfolgte Proze\u00df wegen der Ermordung von vier iranisch-kurdischen Oppositionellen am 17. September 1992 im Berliner Lokal \"Mykonos\". Dazu veranstaltete der NWRI am 10. April vor dem Kammergericht Berlin unter dem Motto \"Gegen iranischen Staatsterrorismus\" eine Kundgebung mit rund 2.000 Teilnehmern, darunter auch Demonstranten aus Bayern. Anla\u00df war das am selben Tag verk\u00fcndete, von NWRI-Anh\u00e4ngern mit Beifall aufgenommene Urteil im \"Mykonos-Proze\u00df\". Damit versuchte der NWRI, das Ergebnis der Gerichtsverhandlung als Resultat seiner fortw\u00e4hrenden Oppositionsarbeit darzustellen.","Ausl\u00e4nderextremismus 181 Am 20. Juni f\u00fchrte der NWRI eine Gro\u00dfveranstaltung in Oberhausen/Nordrhein-Westfalen durch. Unter den rund 5.000 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Anh\u00e4nger der Volksmodjahedin aus Bayern. Offizielles Motto der Veranstaltung war der \"Tag der Solidarit\u00e4t f\u00fcr Demokratie und Menschenrechte im Iran\". Der NWRI hatte europaweit mit Plakatierungsaktionen f\u00fcr die Veranstaltung geworben. Aus dem Irak wurden auf eine Videogro\u00dfleinwand Ansprachen von Maryam Radjavi und ihres Ehemanns Masoud \u00fcbertragen, der die NLA der Volksmodjahedin befehligt. Beide forderten den Sturz der iranischen Regierung und kritisierten scharf die \"liberale Haltung\" der westlichen Regierungen gegen\u00fcber dem \"Teheraner Mullah-Regime\". Anfang 1997 wurde in Bayern das Informationstelefon des NWRI stillgelegt. Die \u00dcbermittlung aktueller Nachrichten erfolgt k\u00fcnftig ausschlie\u00dflich \u00fcber das Internet. 6. Volksbewegung von Kosovo (LPK) Bei der LPK handelt es sich um eine extremistische Ausl\u00e4nderorganisation von Kosovo-Albanern. In ihrer Heimat k\u00e4mpft diese revolution\u00e4re marxistisch-sozialrevolution\u00e4re Partei illegal gegen die serbische Besetzung und fordert die Eigenst\u00e4ndigkeit des Kosovo unter albanischer F\u00fchrung. Aufgrund steigender Mitgliederzahlen haben sich in Bayern zahlreiUnterst\u00fctzung che LPK-Volksr\u00e4te gebildet. Jedes Mitglied ist zu monatlichen Speneiner terroristischen den angehalten. Die gesammelten Gelder flie\u00dfen gr\u00f6\u00dftenteils einer Untergrundterroristischen Untergrundorganisation im Kosovo, der BefreiungsOrganisation armee Kosovo (UCK), zu. Die UCK ver\u00fcbte im Kosovo zahlreiche terroristische Anschl\u00e4ge gegen serbische Einrichtungen, bei denen mehrere Personen ums Leben kamen. Dazu erkl\u00e4rte die UCK: \" Befreiungsarmee Kosovos/Pressemitteilung Bekanntmachung Nr. 38 Nach dem Beschlu\u00df des Hauptstabes der UCK (Befreiungsarmee Kosovos) wurde in der Operativ-Zone Nr. 1, genauer in der Unterzone \"Llapit\", am 05.11.1997 gegen die politischen Strukturen der serbischen Okkupatoren ein bewaffneter \u00dcberfall vorgenommen. Das Hauptziel des bewaffneten \u00dcberfalls war das Verwaltungsgeb\u00e4ude der Gemeinde Podujevo. Der \u00dcberfall wurde gegen 20.00 Uhr beendet. Bei diesem Vorfall gab es auf Seiten der Okkupatoren Verluste und materielle Sch\u00e4den. Wir haben nur","182 Ausl\u00e4nderextremismus das eine klare Wort an die serbischen Okkupatoren: Die Situation Kosovos l\u00e4\u00dft sich nicht mit Gewalt, Terror und Gerichten \u00fcber das Volk l\u00f6sen. Es gibt nur eine L\u00f6sung: Die Truppen der Polizei und Armeen m\u00fcssen aus Kosovo vertrieben werden und der Wille des Volkes zur Selbstbestimmung mu\u00df respektiert werden; dies mu\u00df auch die internationale Gemeinschaft anerkennen. Unser Kampf wird noch st\u00e4rker durch neue Ma\u00dfnahmen; die UCK \u00fcbernimmt Aktionen in den ganzen okkupierten Territorien. Wir rufen die internationalen Zentren und Gemeinschaften auf etwas f\u00fcr die L\u00f6sung der albanischen Situation zu tun. Wir wollen in Freiheit und in unserem eigenen Land leben. Das ist auch im Sinn einer Stabilit\u00e4t im Balkan. An alle Albaner, wo immer ihr auch seid, wir rufen euch auf, die UCK mit allen Mitteln zu unterst\u00fctzen; besonders die Albaner, welche Emigranten sind, werden gebeten, materiell den Fonds f\u00fcr die Befreiung Kosovos zu helfen. Prishtina, den 07.11.1997 Hauptstab der Befreiungsarmee Kosovos\" 7. Nutzung des Internets durch extremistische Ausl\u00e4nderorganisationen Das Internet, insbesondere das world wide web (www), wird im Gegensatz zu Mailboxen auch von extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen genutzt. Der Schwerpunkt liegt in der Propaganda und Information. So ist eine Vielzahl von Publikationen im Internet erh\u00e4ltlich, u.a. der \"Kurdistan-Rundbrief'und die FIS-Publikation \"Al-Ribat\". 7.1 Linksextremisten Die F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM), ein Dachverband PKK-naher Vereine, verbreitete im Internet einen Beitrag mit dem Titel \"Urlaub in der T\u00fcrkei ist Ihr gutes Recht, zu \u00fcberleben ist das Recht des kurdischen Volkes!\". Darin forderte sie Urlauber dazu auf, das Reiseziel T\u00fcrkei zu meiden. Jede Mark, die der Urlauber in der T\u00fcrkei ausgebe, bedeute eine Gewehrkugel im Kampf gegen die Kurden. Au\u00dferdem sei das Leben von Touristen in der T\u00fcrkei bedroht. Der Partizan-Fl\u00fcgel der TKP/ML bietet seit Sommer 1997 in einer eigenen \"homepage\" die Schrift \"Partizan\" an.","Ausl\u00e4nderextremismus 183 Die Revolution\u00e4re VolksbefreiungsparteiAfront (DHKP-C) ist im Internet seit etwa einem Jahr mit einer eigenen \"homepage\" vertreten, die auf einem Server in den Niederlanden abgelegt ist. Das Angebot enth\u00e4lt u.a. programmatische Erkl\u00e4rungen sowie Berichte \u00fcber Aktionen in der T\u00fcrkei in t\u00fcrkischer, englischer und deutscher Sprache. 7.2 Extreme Nationalisten Die bisher in ihrer \u00d6ffentlichkeitsarbeit eher zur\u00fcckhaltende F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) pr\u00e4sentiert sich in ihrer \"homepage\" als konservative Organisation, die Kommunismus, Faschismus und totalit\u00e4re Systeme strikt ablehne. Zus\u00e4tzlich werden Nachrichten aus den Mitgliedsvereinen der AD\u00dcTDF und dem Umfeld der t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP) angeboten. 7.3 Islamische Extremisten Die schiitisch-extremistische Hizb Allah (Partei Gottes) ver\u00f6ffentlichte eine Liste, in der sie die durch ihre Terroranschl\u00e4ge verursachten Verluste der israelischen Seite der Zahl der eigenen \"M\u00e4rtyrer\" gegen\u00fcberstellt. Darin hei\u00dft es, seit Anfang 1997 h\u00e4tten der \"israelische Feind\" und seine pal\u00e4stinensischen \"Kollaborateure\" 17 Todesopfer und 70 Verwundete zu beklagen. Die eigenen Verluste beliefen sich auf 18 Tote. Eine deutliche zunehmende Nutzung des Internet ist bei der algerischen Islamischen Heilsfront (FIS) zu verzeichnen. Sie bietet im world wide web (www) zu Propagandazwecken u.a. Bilder von verletzten und verst\u00fcmmelten \"FIS-K\u00e4mpfern\" an. Auch der Nationale Widerstandsrat Iran (NWRI) pr\u00e4sentiert sich seit Anfang 1996 im Internet, wodurch mittelfristig andere organisationseigene Propagandamedien ersetzt werden sollen. Ein erkl\u00e4rtes Ziel des NWRI ist es, alle St\u00fctzpunkte mit einem eigenen Internet-Anschlu\u00df auszustatten.","184 Ausl\u00e4nderextremismus \u00dcbersicht \u00fcber erw\u00e4hnenswerte extremistische Organisationen von Ausl\u00e4ndern sowie deren wesentliche Presseerzeugnisse Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 1. Arabische und algerische Gruppen Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) Al Hourriah (Die Freiheit) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) Al Hadaf (Das Ziel) marxistisch-leninistisch - w\u00f6chentlich - Democratic Palestine - zweimonatlich - Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas Ila-Al-Amam (Vorw\u00e4rts) -Generalkommando(PFLP-GC) - w\u00f6chentlich - marxistisch-leninistisch Hizb Allah (Partei Gottes) Al-Ahd (Die Verpflichtung) schiitisch-extremistisch - w\u00f6chentlich - Islamische Heilsfront (FIS) El-Mounquid (Der Retter) sunnitisch-extremistisch - monatlich - Al Sabeel (Der Weg) Al Ribat (Die Vereinigung) - unregelm\u00e4\u00dfig - Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) El-Ansar sunnitisch-extremistisch Djama'a Islamiya sunnitisch-extremistisch 2. Iranische Gruppen Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung Freiheit f\u00fcr Iran Bundesrepublik Deutschland e.V. (IMSV) - monatlich - islamisch-extremistisch Schire Khorschid (L\u00f6we und Sonne) Sitz: K\u00f6ln - unregelm\u00e4\u00dfig - Iran Zamin (Iranische Erde) - w\u00f6chentlich - Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.) Qods (Jerusalem) islamisch-extremistisch - unregelm\u00e4\u00dfig -","Ausl\u00e4nderextremismus 185 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) 3. Kurdische Gruppen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Serxwebun (Unabh\u00e4ngigkeit) marxistisch-leninistisch - monatlich - (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan-Report - unregelm\u00e4\u00dfig - Teilorganisationen der PKK: Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Nebenorganisationen der PKK: Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informationsb\u00fcro in Deutschland (KIB) (am 02.03.1995 verboten) F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) (in Deutschland seit 26.11.1993 verboten) Kurdistan Informations-Zentrum (KIZ) F\u00f6deration kurdischer Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. (bisher: HUNERKOM) Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) Jina Serbilind (Die stolze Frau) - monatlich - Union der Journalisten Kurdistans (YRK) Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Kunst (YRWK) Welate Me (Unsere Heimat) Union der Jugendlichen aus Kurdistan (YCK) Sterka Ciwan (Stern der Jugend) (bisher: Vereinigung der patriotisch-revolution\u00e4ren - monatlich - Jugend Kurdistans) Verband der Studentinnen aus Kurdistan (YXK) Ronahi (Licht) - dreimonatlich -","186 Ausl\u00e4nderextremismus Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) Z\u00fclfikar - monatlich - Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) Baweri (Glaube) Kurdischer Roter Halbmond (HSK) Roja Kurdistane (Sonne Kurdistans) KOMKAR - Verband der Vereine aus Kurdistan e.V. Denge KOMKAR (Stimme KOMKAR) marxistisch-leninistisch - unregelm\u00e4\u00dfig - Informationsbulletin Kurdistan - zweimonatlich - KOMKAR-Info - zweimonatlich - 4. T\u00fcrkische Gruppen 4.1 Linksextremisten T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Isci-K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu (ArbeiterMarxisten-Leninisten (TKP/ML) Bauern-Befreiung) - monatlich - Partizan-Fl\u00fcgel Partizan (Der Partisan) - monatlich - \u00d6zg\u00fcr Gelecek (Freie Zukunft) - vierzehnt\u00e4gig - DABK-Fl\u00fcgel \u00d6nc\u00fc Partizan (Der Avantgarde(Ostanatolisches Gebietskomitee) Partisan) - monatlich - T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) Frontorganisation der TKP/ML Basisorganisationen der TKP/ML: F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) Sitz: Duisburg -Partizan-Fl\u00fcgelF\u00f6deration der demokratischen Rechte in Deutschland (ADHF) -DABK-Fl\u00fcgelKonf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) M\u00fccadele (Kampf) -Partizan-Fl\u00fcgel- - monatlich - Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte in Europa (ADHK) -DABK-Fl\u00fcgel-","Ausl\u00e4nderextremismus 187 Organisation, Publikationen ideologische Ausrichtung (einschlie\u00dflich Erscheinungsweise) Devrimci Sol Spaltergruppen: Revolution\u00e4re VolksbefreiungsparteiAfront (DHKP-C) Halk lein Kurtulus - Karatas-Fl\u00fcgel - - w\u00f6chentlich - Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front Devrimci C\u00f6z\u00fcm (Revolution\u00e4re (THKP-C Devrimci Sol) L\u00f6sung) - Yagan-Fl\u00fcgel - - vierzehnt\u00e4gig - Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei (MLKP) Atilim (Der Angriff) - w\u00f6chentlich - Partinin Sesi (Stimme der Partei) Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei (BP-KK/T) Bolsevik Partizan (Bolschewistischer (Abspaltung von der TKP/ML) Partisan) - unregelm\u00e4\u00dfig - 4.2 Extreme Nationalisten F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen T\u00fcrk Federasyon B\u00fclteni Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) - monatlich - (bisher: Deutsche T\u00fcrk-F\u00f6deration -ATF-) Sitz: Frankfurt am Main 4.3 Islamische Extremisten Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) Publizistisches Sprachrohr: Sitz: K\u00f6ln Milli Gazete (Nationale Zeitung) - t\u00e4glich - Milli G\u00f6r\u00fcs & Perspektive - monatlich - Verband der islamischen Vereine und \u00dcmmet i Muhammed (Die Gemeinde Gemeinden e.V. (ICCB) Mohammeds) auch: Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) - f\u00fcnfzehnt\u00e4gig - Sitz: K\u00f6ln 5. Albanische Gruppen Volksbewegung von Kosovo (LPK) Zeri i Kosoves linksextremistisch - monatlich - Befreiungsarmee Kosovo (UCK)","188 Scientology-Organisation 4. Abschnitt Scientology-Organisation (SO) 1. Zur Geschichte der SO Pers\u00f6nlichkeitsIm Jahre 1950 ver\u00f6ffentlichte der amerikanische Buchautor L. Ron manipulation als Hubbard (1911 -1986) in den USA das Buch \"Dianetik - Die moderne neue Therapie Wissenschaft der geistigen Gesundheit\". Darin stellte er seine Lehre und ein technizistisches Verfahren (\"Technologie\") zur Pers\u00f6nlichkeitsver\u00e4nderung vor. In den folgenden Jahren kam es zur Gr\u00fcndung sogenannter \"Dianetik-Zentren\" und schlie\u00dflich zum Aufbau der SO. Hubbard erkl\u00e4rte sein von ihm entwickeltes Verfahren der Psychomanipulation zur \"Religion\". Zu den Motiven sagte er 1954: \"Es scheint, da\u00df wir jetzt alles hinbekommen werden. Und gute Neuigkeiten. Alle Auditoren werden Geistliche sein, und Geistliche haben an Etikettenvielen Orten besondere Privilegien, einschlie\u00dflich Steuerund Wohnungsschwindel Verg\u00fcnstigungen. Nat\u00fcrlich ist alles eine Religion, was den menschlichen Geist behandelt. Und auch Parlamente greifen Religionen nicht an.\" Hubbards Taktik der Umfirmierung seiner Organisation zu einer \"Religionsgemeinschaft\" wurde jedoch meist durchschaut. Seit Jahrzehnten liegt Scientology im Konflikt mit den Rechtsordnungen demokratischer Staaten, wie Verbote und Gerichtsverfahren in vielen L\u00e4ndern zeigen. Ermittlungen Im Jahre 1972 begannen Beh\u00f6rden in den USA umfangreiche Untergegen die SO suchungen gegen Scientology und Hubbard einzuleiten. Die ameriund Hubbard kanische Steuerbeh\u00f6rde (Internal Revenue Service, IRS) ermittelte gegen SO. Auch Interpol war mit der SO und ihrer obersten Autorit\u00e4t, Hubbard, befa\u00dft. Hubbard antwortete im Jahr 1973 mit der \"Operation Snow White\" (\"Operation Schneewittchen\") und gr\u00fcndete einen Geheimdienst, das \"Guardian Office\", Vorl\u00e4ufer des sp\u00e4teren OSA (Office of Special Affairs). Ziel der Operation war es, ung\u00fcnstige Berichte \u00fcber die SO bei Regierungsbeh\u00f6rden - vor allem in den USA, Gro\u00dfbritannien und der Bundesrepublik Deutschland - zu beseitigen. Die SO behauptet zwar heute, illegale Aktionen im Rahmen dieses Programms seien","Scientology-Organisation 189 ohne Billigung von Hubbard durchgef\u00fchrt worden. Es handelt sich hierbei jedoch um eine offensichtliche Schutzbehauptung. Dies wurde zuletzt von einem ma\u00dfgeblichen Mitarbeiter an diesem Programm best\u00e4tigt. Im November 1973 erteilte die damals rangh\u00f6chste Scientologin im Angriff auf sogenannten Guardian Office, Jane Kemper, im Rahmen der OperaInterpol tion Schneewittchen den Auftrag, alle Interpol-Dokumente in den Besitz der Organisation zu bringen, die sich mit Scientology und L. Ron Hubbard besch\u00e4ftigen. Im Oktober 1974 gab Jane Kemper, zu dieser Zeit in der Position des \"Guardian World-Wide\" (weltweiter Sicherheitsbeauftragter), die Anweisung, die B\u00fcros des IRS und die Steuerabteilung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten \"zu infiltrieren, um alle Akten \u00fcber Scientology und ihren Gr\u00fcnder L. Ron Hubbard in ihren Besitz zu bringen sowie alle pers\u00f6nlichen Aufzeichnungen von Amtsanw\u00e4lten, die die Regierung in Sachen Scientology vertreten\". Im November 1974 installierten Scientology-Agenten im Konferenzraum der Finanzbeh\u00f6rde eine elektronische Abh\u00f6rvorrichtung. Danach wurden Treffen von Finanzbeamten abgeh\u00f6rt, bei denen \u00fcber Steuerangelegenheiten der SO verhandelt wurde. Ebenfalls im November war es den Scientologen gelungen, einen Agenten in die Finanzbeh\u00f6rde als Maschinenschreibkraft einzuschleusen. Bereits Krimineller 14 Tage sp\u00e4ter meldete dieser Vollzug. Er hatte Akten beiseite geSpionageangriff schafft. Dies war der Anfang eines Massendiebstahls von Beh\u00f6rdenauf US-Ministerien akten durch Scientology-Agenten, der sich \u00fcber das ganze Jahr 1975 erstreckte. Angespornt durch die \"Erfolge\" bei der Unterwanderung der Finanzbeh\u00f6rde, wurde erneut Anlauf genommen, um in den Besitz der Interpol-Akten \u00fcber Scientology und Hubbard zu kommen. Das Interpol-B\u00fcro befand sich zu dieser Zeit im Schatzministerium der USA. Offenbar war die Auswertung der gestohlenen Dokumente so brisant, da\u00df im Auftrag von \"Guardian\" Jane Kemper im Dezember 1975 ein Fr\u00fchwarnsystem installiert wurde, \"welches dazu bestimmt war, die pers\u00f6nliche Sicherheit des Gr\u00fcnders der Scientology, L. Ron Hubbard, zu gew\u00e4hrleisten\". Der Auftrag verlangte eine Unterwanderung von Regierungsstellen, welche die Befugnis hatten, Hubbard unter Strafandrohung vorzuladen oder Gerichtsverfahren gegen ihn einzuleiten. Im Februar 1976 war es den Scientologen gelungen, eine Angestellte als Sekret\u00e4rin in das Justizministerium der USA einzuschleusen. Mitte","190 Scientology-Organisation Unterwanderung M\u00e4rz 1976 brachen die Guardian-Office-Scientologen in den Raum von US-Regieder Finanzbeh\u00f6rde ein, in dem die Materialien zur Fertigung von Ausrungsstellen weisen lagen. Zwei Scientology-Agenten stellten sich selbst offizielle Beglaubigungsschreiben der Finanzbeh\u00f6rde aus. Immer neue Akten wanderten in den nachfolgenden Monaten in die H\u00e4nde der SO. Der unabl\u00e4ssige Schwund von Akten machte schlie\u00dflich die Beh\u00f6rden aufmerksam. Am 11. Juni 1976 wurden zwei der Top-Agenten auf frischer Tat ertappt. Am 8. Juli 1977 f\u00fchrten daraufhin 134 FBI-\"Detectives\" in den Scientology-B\u00fcros in San Francisco und Los Angeles Hausdurchsuchungen durch. Dabei stellten sie umfangreiches Beweismaterial sicher, darunter die gestohlenen Akten aus den US-Beh\u00f6rden. Verurteilungen Am 26. Oktober 1979 wurden neun hohe Funktion\u00e4re der \"Scientowegen Verschw\u00f6logy-Kirche\" von einem amerikanischen Bundesgericht wegen Diebrung gegen die Stahls und Verschw\u00f6rung gegen die Regierung verurteilt. HauptangeUS-Regierung klagte war die Ehefrau Hubbards, Mary Sue Hubbard. Das Beweismaterial zur \u00dcberf\u00fchrung Hubbards reichte damals nicht aus. In der Folge kam es zu einem internen Machtkampf. Die geplante Macht\u00fcbernahme einiger junger Scientologen nahm nunmehr konkrete Z\u00fcge an. Hubbard war gesundheitlich schwer angeschlagen und mu\u00dfte sich vor den Beh\u00f6rden verstecken. Hubbards Ende Am 24. Januar 1986 wurde L. Ron Hubbard von der neuen F\u00fchrungsspitze der Scientology f\u00fcr tot erkl\u00e4rt. Die n\u00e4heren Umst\u00e4nde von Hubbards Ableben sind ungekl\u00e4rt. Auch nach dem Tode Hubbards dauerte der Machtkampf um die k\u00fcnftige F\u00fchrung der SO an. An dessen Ende setzte sich David Miscavige durch. Er f\u00fchrt heute die SO. Steuerbefreiung 1993 setzte es Scientology durch, von der obersten amerikanischen in den USA Steuerbeh\u00f6rde IRS als gemeinn\u00fctzig anerkannt zu werden. Nach einem Bericht der \"The New York Times\" setzte die SO dabei schmutzige Methoden der Einsch\u00fcchterung und Erpressung ein. Mitarbeiter der IRS wurden bis in die Privatsph\u00e4re hinein ausspioniert und zum Teil wegen erfundener Behauptungen mit rund 200 Prozessen \u00fcberzogen. Die Anleitung f\u00fcr dieses Vorgehen ist in einem Richtlinienbrief Hubbards vom 15. August 1960 \u00fcber die Einrichtung eines \"Departments of Governement Affairs\" enthalten, der Methoden beschreibt, nach denen Regierungen den Zielen der SO gef\u00fcgig gemacht werden.","scientology-urganisation 191 2. Scientology - eine verfassungsfeindliche Bestrebung Die Konferenz der Innenminister von Bund und L\u00e4ndern befa\u00dfte sich mehrfach mit der Frage der Beobachtung der SO durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Sie stellte am 5./6. Juni 1997 fest, da\u00df tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsfeindliche Bestrebungen der SO bestehen und deshalb der Beobachtungsauftrag er\u00f6ffnet sei. Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden werden der Innenministerkonferenz nach einem Jahr einen ersten Bericht erstatten. Tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr verfassungsfeindliche Bestrebungen Anhaltspunkte f\u00fcr ergeben sich im wesentlichen aus Aussteigerberichten sowie aus VerfassungsfeindSchriften und Aktivit\u00e4ten der SO. Ikhkeit Die Aussteigerberichte und die Analyse einer Vielzahl von Prim\u00e4rmaterialien der SO zeigen tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr, da\u00df bei der Organisation politisch bestimmte, zielund zweckgerichtete Verhaltensweisen vorliegen. Dies folgt aus dem generellen Absolutheitsanspruch der scientologischen Ideologie. Dieser bezieht sich nicht nur darauf, im Besitz der einzigen Wahrheit zu sein, sondern erfa\u00dft den Menschen in all seinen pers\u00f6nlichen sowie zwischenmenschlichen und gesellschaftlich-politischen Lebensbereichen. Bereits vom Grundgedanken von Scientology ergeben sich politische Dimensionen allein bereits daraus, da\u00df mit scientologischen \"Techniken\" nicht nur der einzelne, sondern die gesamten gesellschaftlichen und staatlichen Verh\u00e4ltnisse im Sinn einer \"Therapie\", die sich auf rigide Psychound Sozialtechniken st\u00fctzt, ver\u00e4ndert werden soll. In diesem Sinn wird eine verfassungsfeindliche Wertordnung nicht nur propagiert, sonZwangstherapie dem soll als verbindlicher Ordnungsfaktor f\u00fcr Staat und Gesellschaft f\u00fcr Staat und etabliertwerden. Gesellscha ft 2.1 Aussteigerberichte Eine Reihe von Aussteigern aus Deutschland, aus europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und den USA erkl\u00e4rte u.a., - die SO verfolge absolut totalit\u00e4re Ziele, sie agiere gegen die Regierung, - sie arbeite auf eine diktatorische Weltregierung im Sinn von Orwell hin, Gefahr einer - sie trachte nach Umsturz, \"Orwell-Diktatur\" sie strebe nach Einflu\u00df auf Politik und Wirtschaft, sie wolle die Staatsmacht.","192 Scientology-Organisation Die SO kritisiert diese Aussteiger heftig. Gleichwohl erscheinen die Aussteigerberichte glaubhaft. Zum einen handelt es sich um sehr hochrangige Aussteiger, \u00fcberwiegend aus dem Top-Management der SO, die gute Zugangsm\u00f6glichkeiten zu vertraulichen Unterlagen hatten. Zum anderen decken sich ihre Aussagen in den entscheidenden Punkten, ohne den Eindruck zu erwecken, voneinander \u00fcbernommen worden sein. Zudem wurden sie - zumindest teilweise - in eidesstattlicher Form im Rahmen von Gerichtsverfahren abgegeben. 2.2 SO-Schriften und Aktivit\u00e4ten Die Erfahrungen und Erkenntnisse der Aussteiger werden durch Schriften und Aktivit\u00e4ten der SO bis in die Gegenwart best\u00e4tigt. Die SO verfolgt nachstehend aufgef\u00fchrte Ziele: 2.2.1 Die Errichtung einer scientologischen Gesellschaft Politische Ziele Bereits in seinem grundlegenden Buch \"Dianetik\" hat Hubbard auf die politische Relevanz und die Reichweite seiner Lehre hingewiesen. In einer von der SO verbreiteten Originalkassette mit Vortr\u00e4gen L. Ron Hubbards zum Thema \"Creating a new Civilization\" hei\u00dft es: \" ... unsere Zentrale Organisation wird dann einen Polit-Offizier haben und wenn ihr dann die Umgebung ges\u00e4ubert habt, ist der einzige Zweck eures Zentrums, ein politisches Zentrum zu sein und dann seid ihr die Regierung und keiner kann das bestreuen.\" SO-Gesellschaft Es soll eine ausschlie\u00dflich nach scientologischen Richtlinien funktiomittels Hubbardnierende Welt geschaffen werden. Diese neue \"wahre Demokratie\" Technologie soll an die Stelle der bisherigen Demokratien treten: \"Scientology gibt uns eine erste Chance zur Schaffung einer wahren Demokratie. Somit k\u00f6nnen wir aufgrund vorliegender Beweise davon ausgehen, da\u00df die erste wahre Demokratie entsteht, wenn wir jedes Individuum von den b\u00f6sartigen reaktiven Impulsen befreit haben.\" (HCO PL - Richtlinienbrief der SO - vom 13. Februar 1965, erneut ver\u00f6ffentlicht 7. Oktober 1985) Alle gesellschaftlichen Probleme sollen dadurch gel\u00f6st werden, da\u00df zun\u00e4chst 10 bis 1 5 % der politischen Meinungsf\u00fchrer, dann 80 bis 98 % der Bev\u00f6lkerung \"gekl\u00e4rt\" werden und die Gesellschaft schlie\u00dflich nur noch aus den sogenannten Nichtaberrierten, den Ciears, besteht. David Miscavige, Chairman of the Board, Religious Technology Center (RTC), der heutige F\u00fchrer von Scientology, forderte in einer Publi-","Scientology-Organisation 193 kation der \"International Association of Scientologists\" (IAS) mit dem Titel \"Impact\", Ausgabe 72 aus dem Jahre 1997, Seite 10: \"Schlie\u00dflich reicht es nicht aus, diese Welt nur von dem zu befreien, was falsch ist; man mu\u00df auch das Richtige in sie einf\u00fchren. Das bedeutet: LRH-Technologie\" (= L.Ron Hubbard-Technologie). Miscavige orientiert sich damit offenbar an dem grundlegenden HCO PL vom 7. Februar 1965, wieder herausgegeben am 27. August 1980 mit dem Titel \"Die Funktionsf\u00e4higkeit der Scientology erhalten\", wo es unter der Teil\u00fcberschrift \"Die korrekte Technologie anwenden\" in Punkt 7 hei\u00dft: \"Ausmerzen der inkorrekten Technologie\". Inkorrekte \"Technologien\" in diesem Sinn sind f\u00fcr Hubbard nicht nur Kampf gegen die Schul-Psychiatrie, die Psychoanalyse, die Schul-Psychologie und Psychiatrie und Meditationsverfahren. Hubbard unterwirft seinem technologischen Psychologie Kontrollund Steuerungskonzept die Organisation von Gruppen und Institutionen und will seine neue \"Verwaltungstechnologie\" weltweit als die einzige korrekte Organisationsform durchsetzen. Entsprechend sind auch s\u00e4mtliche demokratischen Institutionen seinem technischen Kontrollund Steuerungssystem zu unterwerfen. Die SO-Schrift \"Neue Zivilisation-Reference Pack\", erschienen im Jahr 1990, wurde unl\u00e4ngst bekannt. Ziel der SO ist danach \"eine neue Zivilisation\". Um dies zu erreichen, sollen Scientologen u.a. \"eine Verschw\u00f6rung kreieren, durch die sich der Machtfaktor immer weiter und weiter ausdehnt\". Dar\u00fcber hinaus enth\u00e4lt die Publikation ein Kapitel mit der \u00dcberschrift \"Realization Department 18 C - Department of Success\". Darin werden Organisationseinheiten der SO aufgez\u00e4hlt, die u.a. Namen tragen wie \"Sektion zum Programmieren der \u00d6ffentlichkeit\" und \"Politische Aktivit\u00e4ten in Charge\". Die zitierten Texte belegen, da\u00df die SO die bestehende demokratiVerdr\u00e4ngung der sche und rechtsstaatliche Ordnung durch die Etablierung einer Demokratie durch Gesellschaft mit scientologisch bestimmten Normen ersetzen will. Die SO-Normen bestehenden demokratischen Gesellschaftsformen werden pauschal als banale politische Philosophie ver\u00e4chtlich gemacht. 2.2.2 Die Lenkung der Regierung durch Scientology Bereits am 20. M\u00e4rz 1964 stellte Hubbard in einem Vortrag das Projekt \"International City\" vor. Hubbard hatte darin u.a. erkl\u00e4rt,","194 Scientology-Organisation Scientology sei nicht an Geld interessiert, sondern nur am Planeten. Zur \u00dcbernahme des Planeten habe er das Projekt \"International City\" entworfen, was nichts anderes bedeute, als die Erde zu regieren. Das habe zwar auch schon Hitler versucht, dieser sei aber gescheitert. Hubbard forderte in seinem Vortrag letztlich, alle derzeit existierenden Hauptst\u00e4dte der verschiedenen Staaten zugunsten Scientology Projekt zu entmachten, die Welt quasi von seiner Hauptstadt - International Weltregierung City - aus zu regieren: \" Wir hatten in letzter Zeit einige Probleme mit Regierungen. Meiner Meinung nach waren sie unversch\u00e4mt. Sie waren respektlos. Und ich habe mir das gr\u00fcndlich angesehen und bin zu dem Entschlu\u00df gekommen, da\u00df wir das nicht hinnehmen sollten.\" Die in Saint Hill/England von Hubbard gehaltene Rede wurde von der SO im Jahr 1991 als Bestandteil des \"Saint Hill Special Briefing Course\" (Herausgeber New Era Publications, Kopenhagen) erneut an die Mitglieder weltweit versandt. Die Thesen von Hubbard sind f\u00fcr jeden Scientologen nach wie vor verbindlich, auch f\u00fcr die jetzige F\u00fchrung, wie sie selbst betont. Eine Werbebrosch\u00fcre aus dem Jahr 1997 nennt als Zweck der \"International Association of Scientologists\" (IAS), da\u00df die \"Ziele der Scientology, wie L. Ron Hubbard sie aufgestellt hat, erreicht werden\". Der Pr\u00e4sident des \"World Institute of Scientology Enterprises\" (WISE) - Don Drader - schrieb k\u00fcrzlich in einer Publikation von WISE mit dem Titel \"United States Directory 1997\", man m\u00fcsse die \"Verwaltungs\"Verwaltungstechnologie von Hubbard in jedem Gesch\u00e4ft, in jeder Organisation technologie\" und in jeder Regierung weltweit zur Anwendung bringen\". In der als Hebel f\u00fcr Publikation \"Impact\", Ausgabe 74 aus dem Jahr 1997, wird unter der Machtergreifung \u00dcberschrift \"Die Zeiten m\u00fcssen sich \u00e4ndern\" ein Aufsatz von L. Ron Hubbard aus dem Jahr 1966 zitiert. Es hei\u00dft darin: \" Wir d\u00fcrfen es nicht zulassen, da\u00df uns irgendwelche Repressalien seitens der Regierungen, Kampagnen von unf\u00e4higen ,Heilern', die selbst bereits versagt haben, oder irgendwelche angedrohten Verh\u00f6hnungen oder Bestrafungen im Wege stehen.\" Gewinnung Bei einer Veranstaltung in der \"Advanced Organization\" in Saint Hill deutscher in England am 30. August sagte Don Drader, man m\u00fcsse speziell Politiker deutsche Politiker, die eine Pro-Scientology-Haltung einnehmen, \"noch eindringlicher dazu auffordern, als Multiplikator f\u00fcr SO aufzutreten\". Namen nannte er nicht.","Scientoiogy-Organisation 195 Die aufgef\u00fchrten Hinweise best\u00e4tigen die Absicht der SO, lenkenden Einflu\u00df auf Regierungen auszu\u00fcben. Ziel ist nicht nur die Gesellschaft, es sind ausdr\u00fccklich die Staaten, ihre Rechtssysteme und Regierungen. Bei der Bewertung, ob dies noch Lobbyismus in einem verfassungsrechtlich akzeptablen Rahmen sein kann, ist zu ber\u00fccksichtigen, mit welchem Ziel die SO ihren Einflu\u00df aus\u00fcbt. Hubbard hat dies so formuliert: \"Damit sie wir werden\", d.h. da\u00df die SO an die Regierung - und zwar nicht \u00fcber eine Teilnahme an Wahlen - gelangen will. Da die SO also Regierungsmacht ohne eine Teilnahme an Wahlen anstrebt, versucht sie, den Verfassungsgrundsatz der Legitimierung der Staatsgewalt durch das Volk, den Demokratiegrundsatz, abzuschaffen. 2.2.3 Die Einf\u00fchrung eines scientologischen Rechtssystems Von besonderer Aussagekraft ist folgende Textstelle: \" Wenn wir \u00fcber einen erstklassigen Gesetzeskodex und ein Rechtssystem verf\u00fcgen, die den Menschen echte Gerechtigkeit bringen, werden wir die Gesellschaft schnell \u00fcberschwemmen und jeder wird gewinnen. Wo wir versagen, unsere eigene Administration, Technologie und unser eigenes Rechtssystem auf die Gesellschaft um uns herum anzuwenden (geschweige denn auf Scientology), werden wir versagen.\" (HCO PL vom 27. M\u00e4rz 1965, korrigiert und wieder herausgegeben am 15. Oktober 1985) Die SO differenziert zwischen Ciears (\"Gekl\u00e4rten\", d.h. perfekt auf das System SO abgerichteten Scientologen) und Aberrierten (AbEntrechtung von weichlern): Abweichlern \"Vielleicht werden in ferner Zukunft nur dem Nichtaberrierten die B\u00fcrgerrechte verliehen. Vielleicht ist das Ziel irgendwann in der Zukunft erreicht, wenn nur der Nichtaberrierte die Staatsb\u00fcrgerschaft erlangen und davon profitieren kann. Dies sind erstrebenswerte Ziele ...\" (Hubbard, Dianetik, Seite 487) Die dargestellten Zitate zum Verh\u00e4ltnis der \"Ciears\" zu den \"Aberrierten\" zeigen, da\u00df nach den Vorstellungen der SO k\u00fcnftig nur noch \"Nichtaberrierte\" das Recht auf Staatsb\u00fcrgerschaft, Heirat und Fortpflanzung haben sollen. Die SO bezeichnet dies als \"erstrebenswertes Ziel\"; ein solches Ziel, das \"Nichtaberrierte\" nur wegen ihrer Zugeh\u00f6rigkeit zur SO bevorzugt, l\u00e4uft aber wesentlichen Grunds\u00e4tzen unserer Verfassung zuwider, insbesondere dem Gleichheitsgrundsatz","196 Scientology-Organisation des Art. 3 des Grundgesetzes. Das Recht mu\u00df alle Menschen sch\u00fctzen. In den Schriften der SO hei\u00dft es hingegen: Rechte nur f\u00fcr \"Die ganze Aufgabe des Rechts liegt darin, den ehrlichen Menschen zu \"ehrliche\" sch\u00fctzen. (...)..., da\u00df ehrliche Menschen Rechte haben und da\u00df unredliche Menschen Menschen eben durch die Unredlichkeit ihre Rechte eingeb\u00fc\u00dft haben.\" (HCO PL vom 2. Oktober 1961/7. M\u00e4rz 1967) Wer als ehrlich anzusehen ist, wird von Scientology danach bestimmt, wie n\u00fctzlich man f\u00fcr das System ist. Da\u00df sich die SO von dieser Auffassung nicht abgewandt hat, ergibt sich aus einem Aufsatz von Hubbard, der in der Publikation \"Freiheit\", herausgegeben 1997, Seite 57, erneut ver\u00f6ffentlicht ist. Es hei\u00dft dort u.a.: \"Ehrliche Menschen haben auch Rechte... Freiheit ist f\u00fcr ehrliche Menschen ... Unehrliche Menschen zu besch\u00fctzen, bedeutet, sie in ihre eigene H\u00f6lle zu verdammen.\" Dies deutet auf eine von der SO angestrebte Rechtlosigkeit bestimmter Bev\u00f6lkerungsgruppen hin. Die Errichtung eines scientologischen Rechtssystems w\u00e4re demnach nicht nur auf die Beseitigung des in Art. 3 Grundgesetzes konkretisierten Gleichheitsgrundsatzes, sonAufhebung der dem auf die Abschaffung der universalen Geltung der MenschenMenschenrechte rechte gerichtet. 2.2.4 Abwehr von Kritik an Lehre und Praxis Auf ihren Absolutheitsund Machtanspruch weist folgende Textpassage hin: Totale Disziplinie\"Da Scientology jetzt totale Freiheit bringt, mu\u00df sie auch die Macht und rung der Anh\u00e4nger die Autorit\u00e4t haben, totale Disziplin zu fordern.\" (HCO PL vom 5. Januar 1968) Im Umgang mit Kritikern ist daher kein Platz f\u00fcr Dialog und sachliche Auseinandersetzung. Vielmehr mu\u00df der Kritiker verfolgt und bedroht werden: \"\u00dcbersehen Sie aber nicht, wie unpraktisch es ist, seinen Freunden nicht genug Macht zu geben, wenn man sie zu vergeben hat. Man kann","Scientology-Organisation 197 einen Teil dieser Macht jederzeit an einen anderen weitergeben, falls der erste Inhaber unter seiner Unf\u00e4higkeit zusammenbricht. Und sollte einer dieser Leute versuchen, die an ihn delegierte Macht zu benutzen, um einen umzubringen, so kann man ihn stets abschie\u00dfen wie einen Hasen auf einer Hasenjagd - vorausgesetzt da\u00df man die anderen Freunde hat. Wenn man ein Leben in der F\u00fchrungsposition oder in der N\u00e4he einer F\u00fchrungsposition f\u00fchren will, so mu\u00df man es als das wirkliche Leben behandeln. Das Leben blutet. Es leidet. Es hungert. Und solange nicht ein goldenes Zeitalter kommt, mu\u00df es das Recht haben, seine Feinde abzuschie\u00dfen.\" (Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology, Seite 265). Um die Macht zu behalten, so der Gedanke von Hubbard in seinem Werk \"Einf\u00fchrung in die Ethik der Scientology\" (Seite 240), einem Grundlagenwerk der SO, m\u00fcsse man kaltbl\u00fctig, skrupellos, hemmungslos, gegebenenfalls auch heimt\u00fcckisch, hinterlistig und mit Gewalt gegen die eigenen Feinde vorgehen, ansonsten w\u00fcrde man die Macht verlieren. Ein zus\u00e4tzliches Beispiel, wie der SO zufolge mit Kritikern umzugehen ist, gibt die inzwischen angeblich aufgehobene Fair-Game (= Freiwild)-Regel: \"Feind SP (= Unterdr\u00fcckerische Person) Order: Man darf ihr Eigentum abnehKritikermen, sie in jeder Weise verletzen, ohne da\u00df man bestraft wird. Man darf bek\u00e4mpfung mit ihr Sireiche spielen, sie verklagen, sie bel\u00fcgen oder vernichten.\" allen Mitteln (HCO PL vom 18. Oktober 1967) Aussteiger best\u00e4tigen, da\u00df diese Regel von der SO nach wie vor angewendet wird. Auch in Griechenland versuchte die SO, Kritiker nach der Freiwild-Regel auszuschalten. Die im Rahmen eines gegen die SO durchgef\u00fchrten Ermittlungsverfahrens sichergestellten Unterlagen, die bei der Durchsuchung des KEPHE-Zentrums der SO in Athen aufgefunden wurden, belegen, da\u00df die griechische Sektion der SO aus D\u00e4nemark und zum Teil direkt aus den USA Handlungsanweisungen erhielt. Diese betrafen den Umgang mit griechischen Kritikern der SO, wie dem mittlerweile verstorbenen Pater Alevizopoulos, Sektenbeauftragter der griechisch-orthodoxen Kirche. Gegen diesen wurden \"Ermittlungen\" durchgef\u00fchrt, um seine angeblichen Verbindungen zu deutschen Nazis zu dokumentieren. Weiterhin wurden Fernsehsendungen inszeniert, um ihn blo\u00dfzustellen, und polizeiliche Ma\u00dfnahmen gegen","198 Scientology-Organisation ihn veranla\u00dft. Aus einem Bericht der griechischen SO-Niederlassung Kritikerverfolgung ergibt sich ferner, da\u00df eine Intervention der CIA beim griechischen in Griechenland Staatsschutz veranla\u00dft werden sollte, damit dort SO-kritische Mitarbeiter entlassen w\u00fcrden. In einer sichergestellten Handlungsanweisung an die griechische Sektion der SO nach der Durchsuchung des KEPHE-Zentrums wird gefordert: - Kontakte zur griechischen Regierung herzustellen, um weitere \"Angriffe\" vorherzusehen und \"handhaben\" zu k\u00f6nnen, - die griechische Strafverfolgungsbeh\u00f6rde zur Einstellung des Verfahrens gegen die SO zu bewegen oder diese zu \"handhaben\". Der unverh\u00fcllte Absolutheitsanspruch der SO dr\u00e4ngt damit auf Gleichschaltung und Unterdr\u00fcckung. Meinungsfreiheit wird nur insoweit gew\u00e4hrt, als die \"Leute dem Weg der SO folgen\". Die aufgef\u00fchrten Zitate sind als weitere Anhaltspunkte zu werten, da\u00df eine scientologische Gesellschaft auch keine M\u00f6glichkeit gew\u00e4hren wird, Unterdr\u00fcckung eine parlamentarische Opposition einzurichten und auszu\u00fcben. Auch der Meinungsdie Meinungsfreiheit nach Art. 5 des Grundgesetzes w\u00e4re in einer freiheit scientologischen Gesellschaft gef\u00e4hrdet. 3. Die Organisationsund Kommandostruktur der SO 3.1 Die Struktur der SO Die SO ist wie ein Wirtschaftskonzern organisiert und wird auf der Basis von Befehl und absolutem Gehorsam nach strategischen Prinzipien gef\u00fchrt. Das Religious Technology Center (RTC) hat die oberste Befehlsgewalt in der SO. Unterhalb des RTC ist das Internationale Management der Die SO - ein SO angesiedelt. Dieses stellt nach dem RTC die h\u00f6chste F\u00fchrungsautorit\u00e4r ebene der SO dar und ist daf\u00fcr verantwortlich, f\u00fcr jeden Sektor der gef\u00fchrter wirtSO Strategien und taktische Pl\u00e4ne zu entwickeln. Hier wird auch die schaftskonzern F\u00fchrung der verschiedenen Sektoren koordiniert. Das Internationale Management besteht demzufolge aus mehreren Gruppen, von denen jede eine ganz bestimmte Verantwortung tr\u00e4gt. Die oberste Stufe dieser F\u00fchrungsebene ist das Watchdog Committee (WDC). Hierbei handelt es sich um eine \"Inspektionsund \u00dcberwachungsorganisation\", welche die eigentlichen Management-Gruppen inspiziert und f\u00fcr deren Funktionieren sorgen soll.","Scientology-Organisation 199 Verschiedene Arten von Organisationen der SO sind in unterschiedlichen Sektoren zusammengefa\u00dft. Jeder dieser Sektoren hat wiederum Management-Organisationen anzuleiten. Die Inspektionsund \u00dcberwachungsaktionen des WDC richten sich an die verschiedenen Sektoren. Dies sind u.a.: - der Scientology-Sektor (Klasse IV Org), - der Sea Org-Sektor, - der Flag Service-Sektor, - der Flag Ship Service Org-Sektor, - der Celebrity Centres-Sektor, - der Scientology Missions International-Sektor, - der World Institute of Scientology Enterprises (WISE)-Sektor - der Association f\u00fcr besseres Leben und Erziehung (ABLE)-Sektor, - der Golden Era Productions-Sektor und - das B\u00fcro f\u00fcr Spezielle Angelegenheiten (OSA). Der Zweck des WDC ist es, kompetente und funktionierende Management-Gruppen zu bilden, welche die verschiedenen Sektoren der SO f\u00fchren. Jedes Mitglied des WDC ist f\u00fcr einen bestimmten Sektor der Selbst\u00e4ndiges SO verantwortlich. Um das Funktionieren der Management-Gruppen Kontrollsystem zu gew\u00e4hrleisten, bedient sich das WDC eines parallelen Zweiges in der SO - der Commodore's Messenger Org (CMO) - zur \u00dcberwachung und Durchsetzung der Zielvorgaben; ferner hat das CMO dem WDC die von dort ben\u00f6tigten Informationen zu liefern. Teil des Internationalen Managements ist auch das International Network of Computer Organized Management (INCOMM). INCOMM bedient und unterh\u00e4lt die Zentrale Computerbank. Eine Schl\u00fcsselfunktion nimmt auch das Internationale Finanzb\u00fcro (IFO) ein, das sich direkt unter dem WDC befindet und vom Internationalen Finanzdirektor geleitet wird. Direkt unterhalb des WDC befindet sich auch der Exekutive Direktor International (ED Int). Seine Aufgabe besteht darin, s\u00e4mtliche Management-Aktivit\u00e4ten der SO bis hinunter auf die Stufe der einzelnen Orgs","200 Scientology-Organisation zu koordinieren. Der ED Int verf\u00fcgt \u00fcber \"pers\u00f6nliche Adjutanten\". Sie f\u00fchren die Bezeichnung \"Executive Strata\" und stellen den Spezialistenstab des ED Int. Unter der Ebene des Internationalen Managements befindet sich das Flag F\u00fchrungs-B\u00fcro (FCB) mit Sitz in Los Angeles. Als der zentrale Ort des taktischen Managements f\u00fcr jede einzelne Org und Gruppe in s\u00e4mtlichen Sektoren der SO sorgt es daf\u00fcr, da\u00df die Pl\u00e4ne und Programme des Internationalen Managements in jeder einzelnen Organisation und Gruppe ausgef\u00fchrt werden. Das FCB ist deshalb ebenfalls - wie das WDC - in verschiedene Sektoren gegliedert. Das Flag Bureaux (FB) ist derjenige Teil des FCB, der die einzelnen Orgs \u00fcber die \"Flag-Operationen-Verbindungsb\u00fcros\" (FOLOs) f\u00fchrt, die wiederum ein Teil der \"Kontinentalen Verbindungsb\u00fcros\" sind. Es hat die M\u00f6glichkeit, speziell ausgebildete Sea Org-Mitglieder direkt in Organisationen zu entsenden, um Problemf\u00e4lle vor Ort zu l\u00f6sen. Der WISE-Sektor (World Institute of Scientology Enterprises: WISE Int und WISE Cont) ist eine Management-Organisation, die daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, da\u00df die administrative Technologie des L. Ron Hubbard in der Gesch\u00e4ftswelt verbreitet wird. Um dies zu erreichen, hat WISE Int eine Mitgliedschaftsorganisation, die Einzelpersonen und Unternehmen die Lizenzen erteilt, Hubbards administrative Technologie zu benutzen. Der ABLE-Sektor (Association for better Living and Education: ABLE Int und ABLE Cont) soll aus Sicht von SO soziale Fragen behandeln. In diesem Bereich sind u.a. die Gruppen NARCONON (= Drogenrehabilitation) und CRIMINON (= Strafgefangenenrehabilitation) angesiedelt. 3.2 Organisationen der SO in Deutschland In den aus vorstehender Aufgliederung zu erkennenden Bereichen - Scientology-Sektor, - WISE-Sektor und - ABLE-Sektor bestehen in der Bundesrepublik Deutschland Niederlassungen. Diese Organisationen erreichen in der SO-Hierarchie aber keine hohen R\u00e4nge. Die Befehlszentren f\u00fcr deutsche Scientologen liegen in D\u00e4nemark, England, die obersten Instanzen in den USA.","Scientology-Organisation 201 Religious Technology (V) The Command Chart of SCIENTOLOGY - Die K o m m a n d o s t r u k t u r der S c i e n t o l o g y - O r g a n i s a t i o n - Center (RTC) (r) WATCHDOGCOMMITTEE (WDG) [\u00dcberwachungsausschu\u00df] Reserven OSA Scientoicgy Ceteixity *\\iy W1SE R\u00fccklagen B\u00fcro f\u00fcr Diens:DienstLeitinstitut '\u00fc: Spezielle tels.tungs*leislungsleistuniisScientotogy*rganisatic *rganisatt\u00f6ri * : ; * * *. . - . : : Uniernetimen CMO (NT Int Leitender - Direktor - International Commodore's Messeriger Finance Office - Ebene der leitenden Mitarbeiter - Golden Era Organization International (IFO) - Vorstand des Internationalen Managements - Produclions CMO GOLD \" . . . . * KOORDINIERUNG DURCH DEN UBERWACHUNGSAUSSCHUSS / VORSTAND DES INTERNATIONALEN MANAGEMENTS - Flag-Netzwerk Koordinierungsausschu\u00df, geleitel durch das Flag-Befehlsb\u00fcro - FLAG COMMAND BUREAUX (FCB) FLAG BUREAUX SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR BETTER BRIDGE PUBLICATIONS INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERPRIUVING AND EDUCATION INCOBPORATED (BPt) (c) (SM! INT) SES INTERNATIONAL fWISE INT) INTERNATIONAL [ABLE INT) (Verlagshaus) NEW ERA PUBLICATIONS -j r- CONTINENTAL NETWORK COORDINATION COfvIMITTEE HEADED BY CO-CON1 INEN 1 AL LIAISON OFFICE FSO CC INT CONTINENTAL LIAISON OFFICE (CLO) Flag Celebrity Service Centre FLAG SCIENTOLOGY MISSIONS WORLD INSTITUTE OF ASSOCIATION FOR CONTINENTAL Org InterOPERATIONS LIAISON INTERNATIONAL SCIENTOLOGY ENTERBETTER LIVING AND PUBLICATIONS LIAISON national OFFICE CONTINENTAL PRISES CONTINENTAL EDUCATION CONTINENTAL OFFICE (CPLO) (FOLO) (SMI CONTJ [WISE CONT) (ABLE CONT) ITT (c) FIELD GROUPS MISSIONS WISE SOCIAL CELEBRITY SEA ORG - Feldau\u00f6itoren CHARTER REFORM CENTRE SERVICE CLASS IV - Dianetikg<uppen COMMITTEES ACTIVITIES ORGANIZATION ORGANIZATION ORGANIZATION - GUNG HO & MEMBERS Hinweise zum besseren Verst\u00e4ndnis des Organigramms: MJ Das RTC ist als selbst\u00e4ndige Kontrollstelle konzipiert und ist nicht in das sogenannte Internationale Management eingegliedert. Dennoch handelt es sich beim RTC um die Befehlszentrale der SO. (2) Das WDC leitet \u00fcber die \"F\u00fchrungskan\u00e4le\" das Management. Ein F\u00fchrungskanal stellt die Verbindung dar, \u00fcber die die internationalen Scientology-Organisationen Autorit\u00e4t aus\u00fcben. Es ist ein Befehlsweg, durch den Programme, Empfehlungen und Managementbefehle zu den Stellen flie\u00dfen, die mit der Durchf\u00fchrung beauftragt sind. Auf den \"Beobachtungsund Durchsetzungslinien\" \u00fcberwacht als verl\u00e4ngerter Arm des WDC die CMO mit ihren, den verschiedenen Managementebenen zugeordneten Einheiten CMO INT, CMO GOLD, CMO IXU und CMO CONT die Erf\u00fcllung der vom WDC dem Management gegebenen Befehle. # % # ^ Eine Beobachtungsund Durchsetzungslinie stellt die Verbindung dar, die von den CMO-Einheiten benutzt wird, um die Befolgung von Befehlen des \u00dcberwachungsausschusses (WDC) durchzusetzen und zu kontrollieren. Netzwerk der LRH-Kommunikatoren: (LRH=L. Ron Hubbard) * Oberstes HCO Netzwerk (HCO=Hubbard Kommunikationsb\u00fcro) * Bewahrer der Technologie und Richtlinienkenntnis Netzwerk * Oberstes Netzwerk der Qualifikationsabteilungen und der Internationalen Ausbildungsorganisation Finanznetzwerk: * Finanz Durchsetzungsbeauftragter Netzwerk * Flag Finanzbeauftragter Netzwerk (FBO=Flag Banking Officer) Unter-Netzwerke: Stellvertreter FBO-Netzwerk f\u00fcr M.O.R.E. * Netzwerk der Hauseigent\u00fcmer B\u00fcro f\u00fcr Spezielle Angelegenheiten Netzwerk (OSA) Es handelt sich um selbst\u00e4ndige Scientology-Gruppen, die nicht in den Konzern eingegliedert sind. Verbindungen zum Konzern bestehen \u00fcber Kommissionsund Franchising-Vertr\u00e4ge. Anmerkung: Das Organigramm wurde erstellt nach Renate Hartwig \"Scientology. Das komplott und die Kumpane\", 1995, sowie nach Originalvorlagen der SO.","202 Scientology-Organisation 3.2.1 Scientology-Sektor 3.2.1.1 \"Scientology Kirchen\" UnternehmensDie sogenannten \"Scientology Kirchen\" stehen in der SO-Hierarchie gliederung h\u00f6her als die sogenannten \"Missionen\". Die erste Stufe bietet Dianetik, Auditing und Ausbildung auf einer grundlegenden und einer mittleren Ebene an. Dar\u00fcber hinaus werden noch Spezialistenkurse angeboten. Nur \"Kirchen\" d\u00fcrfen \"Geistliche\" der Scientology ausbilden und \"ordinieren\". In jeder Stadt ist die \"Scientology-Kirche\" als Verbreitungsstelle der Technologie das Zentrum unternehmerischer Aktivit\u00e4t. BasisDie Organisation der \"Kirchen\" ist hierarchisch strukturiert und f\u00fcr Organisationen alle \"Kirchen\" gleich. Sie entspricht jedoch nicht immer den Vorgaben, sondern wird z.B. aufgrund Personalmangels manchmal nur eingeschr\u00e4nkt umgesetzt. Geleitet wird der Unternehmensteil \"Kirche\" von einem Leitenden Direktor und zwei ihm unterstellten F\u00fchrungssekret\u00e4ren. Dieses Leitungspersonal ist nicht zwangsl\u00e4ufig die vereinsrechtliche Spitze der \"Kirchen\", die in Deutschland als Vereine eingetragen sind. Die Untergliederung in sieben Abteilungen richtet sich nach deren Hauptaufgaben, der Expansion von Scientology und der Ausbzw. Weiterbildung. Gepr\u00e4gt ist diese Organisation von einer starken Aufteilung von Aufgaben. So sind die sieben Abteilungen gegliedert in weitere 18 Unterabteilungen. Deutlich ist auch die h\u00e4ufig nur unzureichende Abgrenzung von Verantwortlichkeiten und Kompetenzen. Mi\u00dfbrauch Die religi\u00f6se Bezeichnung f\u00fcr Organisationen (\"Kirche\", \"Mission\") religi\u00f6ser und Funktion\u00e4re (\"Geistliche\") dient, wie Aussteiger berichten, zur Bezeichnungen T\u00e4uschung der \u00d6ffentlichkeit. \"Kirchen\" der Scientology sind in der Bundesrepublik in folgenden St\u00e4dten eingerichtet: - 12159 Berlin, Sponholzstra\u00dfe 51-52, - 20099 Hamburg, Steindamm 63, - 30163 Hannover, Hubertusstra\u00dfe 2, - 40215 D\u00fcsseldorf, Friedrichstra\u00dfe 28, - 60329 Frankfurt am Main, Kaiserstra\u00dfe 49, - 70184 Stuttgart, Hohenheimer Stra\u00dfe 9 und - 80802 M\u00fcnchen, Beichstra\u00dfe 12.","Scientology-Organisation 203 3.2.1.2 \"Missionen\" der \"Scientology Kirche\" Nach Darstellung von Scientology ist eine Mission eine \"religi\u00f6se, gemeinn\u00fctzige K\u00f6rperschaft\". Die Bezeichnungen \"religi\u00f6s\" und \"gemeinn\u00fctzig\" dienen zur Tarnung der gewerblichen Aktivit\u00e4ten der SO (vgl. Beschlu\u00df des Bundesarbeitsgerichts vom 22. M\u00e4rz 1995, NJW 1996, Seiten 143 ff.). Eine Mission ist berechtigt, grundlegende Dianetikund Scientologydienste anzubieten. \"Missionen\" der Scientology, die in der Hierarchie unter den \"Kirchen\" angesiedelt sind, bestehen in folgenden St\u00e4dten: Filialen - 81241 M\u00fcnchen, B\u00e4ckerstra\u00dfe 31 und - 90402 N\u00fcrnberg, F\u00e4rberstra\u00dfe 5 sowie in Bremen, Dresden, Esslingen, G\u00f6ppingen, Heilbronn, Karlsruhe, Mannheim, M\u00fcnster, Reutlingen, Ulm und Wiesbaden. 3.2.1.3 Celebrity Centres der \"Scientology Kirche\" Nach Angaben der SO gibt es derzeit 13 Celebrity Centres weltweit Celebrity Centres der \"Scientology-Kirche\" bieten Dienste f\u00fcr Kunst ler und Pers\u00f6nlichkeiten aus Bereichen der darstellenden und bilden Organisationen den K\u00fcnste, des Sports und der Gesch\u00e4ftswelt an. Ihr Angebot um f\u00fcr K\u00fcnstler fa\u00dft die gleichen Dienste wie die der \"Kirchen\" und \"Missionen\". In der Bundesrepublik sind in folgenden St\u00e4dten Celebrity Centres eingerichtet: - Celebrity Centre D\u00fcsseldorf, Luisenstra\u00dfe 23, 40215 D\u00fcsseldorf und - Celebrity Centre M\u00fcnchen, Landshuter Allee 42, 80637 M\u00fcnchen. Zweck der Gr\u00fcndung dieser Organisationen war es, zur Tarnung der eigentlichen Ziele Prominente als Propagandisten f\u00fcr die SO zu gewinnen. 3.2.2 WISE-Sektor Im Jahr 1979 wurde das World Institute of Scientology Enterprises (WISE) ins Leben gerufen. Es stellt nach Darstellung der SO die Organisation einer \"Glaubensgemeinschaft\" dar, bestehend aus Gesch\u00e4ftsund Fachleuten vieler Branchen, aus allen Bereichen der UnternehmerWirtschaft. Die Bezeichnung \"Glaubensgemeinschaft\" dient ebenverband falls wieder dem Zweck der Tarnung.","204 Scientology-Organisation In der Bundesrepublik Deutschland bestehen sogenannte WISE-Charter-Committees in nachfolgenden St\u00e4dten: D\u00fcsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, und Stuttgart. Diese Committees sind selbstverwaltende Einheiten, die ihre eigenen Gebiete betreuen. Vorliegenden Erkenntnissen zufolge sollen derzeit in der Bundesrepublik Deutschland 63 Firmen, davon elf in Bayern, dem WISE angeh\u00f6ren. Sie sind schwerpunktm\u00e4\u00dfig in beratungsintensiven Sparten aktiv. 3.2.3 ABLE-Sektor Die \"Association for better Living and Education\" (ABLE) koordiniert die Bem\u00fchungen von Scientology, \"Probleme der modernen Gesellschaft, wie Drogenmi\u00dfbrauch, Kriminalit\u00e4t und Fehlschl\u00e4ge in der Ausbildung, mittels der Technologie des L. Ron Hubbard zu l\u00f6sen\". Mit Hilfe dieser Organisationen, die in ihren Bezeichnungen keinen Hinweis auf die SO enthalten, versucht die SO, den sozialen Bereich der Gesellschaft zu durchdringen. In der Bundesrepublik Deutschland bestehen derzeit acht Institutionen, die dem ABLE-Sektor angeh\u00f6ren. Dazu geh\u00f6ren die Initiativen f\u00fcr Nachhilfe bei Sch\u00fclern \"Zentrum f\u00fcr individuelles und effektives Lernen\" (ZIEL) in M\u00fcnchen und \"Applied Scholastic\" in Starnberg sowie \"NARCONON\" in der Drogenrehabilitation. Diese Vereinigungen haben das Ziel, f\u00fcr die SO zu werben. 3.3 Die Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie gegen Menschenrechte (KVPM) Nach vorliegenden Unterlagen wurde die KVPM in der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 1972 von Mitgliedern der SO gegr\u00fcndet. Die KVPM ist Mitglied der \"Citizens Commission on Human Rights\" (CCHR), einer Unterorganisation der SO. KampforganisaDie KVPM wendet sich zwar lautstark gegen angebliche Mi\u00dfbr\u00e4uche tion gegen in der Psychiatrie, verschweigt jedoch die planm\u00e4\u00dfigen Mi\u00dfhandPsychiatrie lungen von Scientologen durch die SO in der Rehabilitation Project Force (RPF), einer Einrichtung zur angeblichen Rehabilitation (Straflager).","Scientology-Organisation 205 Laut vorliegenden Erkenntnissen befindet sich die Bundesleitung der KVPM in M\u00fcnchen. Weitere B\u00fcros unterh\u00e4lt die KVPM in Berlin, D\u00fcsseldorf, Hamburg und Stuttgart. 34 Office of Special Affairs (OSA) in Deutschland Der Leiter des Internationalen B\u00fcros f\u00fcr Spezielle Angelegenheiten, Mike Rinder, ver\u00f6ffentlichte in der Zeitschrift \"Scientology Today\", Ausgabe Fr\u00fchjahr/Sommer 1997, einen Artikel \u00fcber OSA, in dem er Bewerbern verspricht, da\u00df diese zu Spezialisten in der Bew\u00e4ltigung von Presse-, Rechtsund \u00d6ffentlichkeits-Angelegenheiten ausgebildet werden w\u00fcrden. Aus Vereinsregisterunterlagen der \"Scientology Kirche Deutschland e.V.\" geht hervor, da\u00df ein Presseund Rechtsamt in M\u00fcnchen existiert. Aussagen des ehemaligen Vizepr\u00e4sidenten der Hamburger Org, Franz Riedl, und des \"Kirchenvorstands\" der Stuttgarter Org, J\u00fcrgen Schwarz, best\u00e4tigen auch f\u00fcr Deutschland die Existenz dieser Organisation, die nach Berichten von Aussteigern wie ein Geheimdienst operiert und auch f\u00fcr die Kritikerbek\u00e4mpfung Geheimdienst zust\u00e4ndig ist. Auch in der 1983 von der Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen beschlagnahmten Schrift \"Hat write up\" werden Methoden beschrieben, die das Bestehen einer derartigen Organisation voraussetzen. 4. Mitgliederstand der SO Die SO behauptet seit Jahren, da\u00df sie \u00fcber 30.000 Mitglieder in T\u00e4uschung \u00fcber Deutschland verf\u00fcge. Diese Zahl erscheint willk\u00fcrlich und \u00fcberh\u00f6ht. Mitgliederzahl Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden sch\u00e4tzen den Mitgliederstand bundesweit auf unter 10.000 Personen. In Bayern verf\u00fcgt die SO \u00fcber etwa 3.000 Mitglieder in den Organisationen \"Scientology Kirche Bayern e.V.\" in M\u00fcnchen, dem \"Celebrity Centre M\u00fcnchen\", den \"Missionen\" N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen sowie in weiteren SO-Gliederungen oder SO-Tarnorganisationen. 5. Mitgliederwerbung der SO In ihrem Anspruch auf weltweite Expansion hat die \"Missionierung\", d.h. Mitgliederwerbung, einen besonders hohen Stellenwert in der","206 Scientology-Organisation SO. Jeder Scientologe ist verpflichtet, f\u00fcr die SO st\u00e4ndig neue Mitglieder zu werben. Dies geschieht auf vielf\u00e4ltige Weise. Durch sogenannte Body Routers werden Passanten vor den \"Kirchen\", \"Dianetik-Zentren\" und \u00e4hnlichen Einrichtungen der SO zum Pseudowissensogenannten kostenlosen Pers\u00f6nlichkeitstest (\"OCA-Test\") eingelaschaftlicher Test den. Nach der Auswertung dieses pseudowissenschaftlichen Tests werden den Interessenten angebliche M\u00e4ngel in der Pers\u00f6nlichkeitsstruktur aufgelistet, die durch SO-Kurse behoben werden k\u00f6nnten. Kauft der Interessent SO-B\u00fccher oder SO-Kurse, wird er Ziel weiterer intensiver, oft unseri\u00f6ser Werbema\u00dfnahmen. Von Werbern werden Eintrittskarten (Flyers) f\u00fcr kostenlose Filmvorf\u00fchrungen \u00fcber SO bzw. Hubbard in der Org verteilt. Ist ein Angesprochener erstmals in der Organisation, l\u00e4uft die Einflu\u00dfnahme wie beim \"Body routing\" ab. Staffs (hauptoder nebenberufliche Mitarbeiter der SO) verteilen Werbeschriften der SO an Passanten oder in Briefk\u00e4sten. In letzter Zeit werden umfangreiche Werbeschriften von der SO unverlangt an Personen versandt. Zum gr\u00f6\u00dften Teil kommen diese Zuschriften aus den USA. Scientologen versuchen, auf Verwandte, Freunde, Bekannte oder Arbeitskollegen Einflu\u00df zu nehmen und diese zu Informationsveranstaltungen in die Niederlassungen einzuladen. Aufwendige \u00dcber kommerzielle Werbeunternehmen l\u00e4\u00dft die SO im Rahmen einer Werbekampagnen sogenannten \"Disseminations-Kampagne\" in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten Werbetafeln anmieten und plakatiert im gro\u00dfen Stil unter dem Slogan \"Selbst Denken, Scientology, lesen Sie Scientology: Die Grundlagen des Denkens\". Bisher wurden Plakatierungen in 13 Gro\u00dfst\u00e4dten bekannt. 6. Veranstaltungen in Bayern Unter den wechselnden Themen \"F\u00fcr eine Welt ohne Drogen - Sag ja zum Leben - Sag nein zu Drogen\", \"Die Gedankenpolizei - Gef\u00e4hrliches Gedankengut\" und \"Respektieren Sie die religi\u00f6se \u00dcberzeugung anderer\" wurden in Bayern im Berichtszeitraum 29 \u00f6ffentliche Veranstaltungen in M\u00fcnchen, Passau und N\u00fcrnberg bekannt, die von der SO bzw. ihr zugeh\u00f6rigen Organisationen durchgef\u00fchrt wurden. Die Veranstaltungen bestanden zumeist darin, da\u00df einzelne Scientologen auf Stra\u00dfen und Pl\u00e4tzen Schrifttafeln zeigten. Die Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit war meist d\u00fcrftig.","Scientology-Organisation 207 7. Reaktionen der SO auf die Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden Scientology operiert weitgehend abgesch\u00fcttet. So ist es den Anh\u00e4nStrategie der gern verboten, Informationen \u00fcber interne Vorg\u00e4nge an die Presse Abschottung oder die Polizei weiterzugeben. nach au\u00dfen Seit dem Beschlu\u00df der Innenminister von Bund und L\u00e4ndern anl\u00e4\u00dflich ihrer Konferenz am 5./6. Juni in Bonn zur Beobachtung der SO durch den Verfassungsschutz versucht die SO verst\u00e4rkt, eine Aufkl\u00e4rung der Organisation zu verhindern. Es gibt Anzeichen daf\u00fcr, da\u00df die Organisation technische und pers\u00f6nliche Sicherheitsma\u00dfnahmen in ihren Objekten eingef\u00fchrt hat. Bekannt wurde, da\u00df in einigen von der SO benutzten Geb\u00e4uden eine st\u00e4ndige \u00dcberwachung des Personenverkehrs mit Video\u00fcberwachung stattfindet, zudem wurden Nachtwachen in den Geb\u00e4uden angeordnet. Mitglieder oder Interessenten werden besonderen Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen, den sogenannten Security-Checks, mit dem E-Meter (eine Art L\u00fcgendetektor) ausgesetzt. Des weiteren wurden Instruktionen f\u00fcr den Fall einer Ansprache durch den Verfassungsschutz erlassen; auf angebliche Mitarbeitsangebote soll eingegangen werden und dann soll unverz\u00fcglich die Organisation (OSA) unterrichtet werden. Weiterhin wurden Regeln f\u00fcr die Sicherheit des Telefonund Postverkehrs erlassen. 8. Propaganda-Aktivit\u00e4ten von Scientology Die SO setzte ihre schon fr\u00fcher begonnene Kampagne fort, die Bundesrepublik Deutschland vor der Welt\u00f6ffentlichkeit anzugreifen. Sie vergleicht die Bundesrepublik Deutschland mit dem Dritten Reich. Sie Diffamierung der stellt das Handeln der demokratisch legitimierten Staatsorgane auf Bundesrepublik eine Stufe mit dem totalit\u00e4ren Handeln des NS-Staats. Dadurch soll Deutschland die Vertrauensw\u00fcrdigkeit der Bundesrepublik und ihrer Repr\u00e4sentanten geschm\u00e4lert werden. Bei ihrer Kampagne bedient sich die SO Methoden zur Diskreditierung ihrer Gegner, die auf Hubbard zur\u00fcckgehen. Gezielt wird dabei nach sogenannten \"Verbrechen\" von Kritikern gesucht, nach der verwundbarsten Stelle. Dies gilt f\u00fcr Einzelpersonen, aber auch f\u00fcr Staaten. Die SO sieht das Verbrechen Deutschlands in seiner national-","208 Scientology-Organisation sozialistischen Vergangenheit. So erkl\u00e4rt sich die Behauptung der SO, ihre Diskriminierung als \"religi\u00f6se Minderheit\" \u00e4hnle der damaligen Inszenierung einer Judenverfolgung. Die SO versucht damit, die Bundesrepublik Opferrolle Deutschland moralisch zu erpressen und zu einer \u00c4nderung ihrer Haltung gegen\u00fcber der SO zu zwingen. 8.1 Demonstration der SO in Frankfurt am Main am 21. Juli Die SO organisierte am 21. Juli in Frankfurt am Main eine Demonstration mit anschlie\u00dfender Kundgebung und musikalischen Darbietungen auf dem Platz vor der Alten Oper. Anmelder der Veranstaltung war die Organisation Freedom for Religions in Germany. Unterst\u00fctzt wurde dieses Vorhaben durch den Aufruf von MUT (Mitb\u00fcrger unterst\u00fctzen Toleranz - Initiative zur Wahrung der Menschenrechte in Tarnorganisationen Deutschland). Bei beiden Einrichtungen handelt es sich um Tarnorgaals Veranstalter nisationen der SO. Sie haben die Aufgabe, durch Veranstaltungen - wie dieser - der SO den Deckmantel einer Religionsgemeinschaft zu geben. An der Veranstaltung nahmen 1.500 Personen teil. Es waren Delegationen u.a. aus Spanien, den Niederlanden, S\u00fcdafrika und Australien anwesend. Als G\u00e4ste traten die US-amerikanischen Musiker Isaac Hayes und Chick Corea auf. Auf mitgef\u00fchrten Spruchb\u00e4ndern waren Parolen wie z.B. \"Freedom for Religions\" zu lesen. Organisationsfremde Personen wurden von Scientology-Angeh\u00f6rigen gefilmt oder fotografiert. 8.2 Beschwerdeschreiben der SO an Justiz und Legislative Der Pr\u00e4sident der \"Scientology Church International\", Heber Jentzsch, kritisiert in zwei inhaltlich gleichen Schreiben vom 15. Juli an das Versuch der Bundesministerium der Justiz und das Ministerium f\u00fcr Justiz und Anirref\u00fchrung von gelegenheiten der Europ\u00e4ischen Union Mecklenburg-Vorpommern Regierungsstellen insbesondere die Beobachtung durch die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden. Durch Zitate aus Schriften Hubbards, die angeblich dessen Eintreten f\u00fcr die heutige Demokratie zeigen, versucht Jentzsch, die Rechtm\u00e4\u00dfigkeit der nachrichtendienstlichen Beobachtung in Frage zu stellen. Mit Schreiben vom 19. September an die Mitglieder des Deutschen Bundestags und des Bundesrats wandte sich die SO gegen die Ma\u00dfnahmen von Bund und L\u00e4ndern gegen Scientology und erhob den","Scientology-Organisation 209 Vorwurf, deutsche Politiker wollten nur \"Hysterie und religi\u00f6se Diskriminierung sch\u00fcren\". Mit Schreiben der \"Scientology Kirche D\u00fcsseldorf\" vom 10. Dezember wurden die Abgeordneten des Deutschen Bundestags u.a. gebeten, \"sich im Rahmen ihrer Arbeit\" f\u00fcr ein Ende der angeblichen Diskriminierung der SO in Deutschland einzusetzen. 8.3 Demonstration der SO in Berlin am 27. Oktober An der Versammlung am 27. Oktober in Berlin nahmen etwa 3.000 Personen teil. Aufgrund der mitgef\u00fchrten Fahnen, Transparente, der Ank\u00fcndigungen der Veranstaltungsleitung u.a. d\u00fcrfte es sich \u00fcberwiegend um Teilnehmer aus dem Ausland gehandelt haben. Die Teilnehmer trugen u.a. Transparente mit Aufschriften wie \"Z\u00fcndet die Inquisition den Scheiterhaufen wieder an?\" oder \"Reichen sechs Millionen Deportierte nicht aus, um den Faschismus auszutreiben?\". Etwa 20 Kritiker von Scientology, die sich am Rande der Kundgebung versammelten, wurden von Scientologen als \"Kriminelle\" bezeichnet. Die Demonstration war f\u00fcr die SO ein Mi\u00dferfolg. Weder konnte sie Verfehlung des deutsche Mitglieder/Anh\u00e4nger in gro\u00dfer Zahl mobilisieren, noch Demonstrationsgelang es ihr, ein f\u00fcr die eigenen Belange positives Medienecho oder ziels entsprechende Resonanz bei der Berliner Bev\u00f6lkerung zu erreichen. Die tats\u00e4chliche Teilnehmerzahl war mit ca. 3.000 Scientologen weitaus geringer als erwartet. Die mehrheitliche Teilnahme ausl\u00e4ndischer Scientologen ergibt eine deutsche Beteiligung von h\u00f6chstens 1.000 bis 1.500 Personen. Vor der Durchf\u00fchrung hatte die SO bei ihren Mitgliedern und in der \u00d6ffentlichkeit die Erwartung geweckt, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl prominenter amerikanischer Scientologen - wie etwa der Schauspieler John Travolta - sowie Vertreter anderer Religionsgemeinschaften n\u00e4hmen an den einzelnen Veranstaltungen teil. Diese Erwartung der SO wurde entt\u00e4uscht. 9. Vertrauliches Telefon Am I.Juli richtete das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Staatliche Anlaufern \"Vertrauliches Telefon\" (Nummer 0 89 / 31 20.12 96) ein. Opfer, stelle f\u00fcr B\u00fcrger Aussteiger und Angeh\u00f6rige von Scientology-Mitgliedern k\u00f6nnen \u00fcber das \"Vertrauliche Telefon\" Hinweise \u00fcber die SO geben. Seit der","210 Scientology-Organisation Einrichtung gingen bis zum Jahresende etwa 400 Anrufe \u00fcber das \"Vertrauliche Telefon\" ein. Etwa zwei Drittel der Anrufer waren Betroffene, die Hinweise auf Personen oder Firmen gaben, die aufgrund ihrer Handlungsweise mit Scientology in Verbindung gebracht wurden. Die Anrufer \u00e4u\u00dferten sich positiv \u00fcber die M\u00f6glichkeit, mit dem Verfassungsschutz \u00fcber ihre pers\u00f6nlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit Scientology sprechen zu k\u00f6nnen. Aufgrund der Anrufe wurden Ermittlungen eingeleitet, wobei sich eine Vielzahl der Hinweise als sachdienlich erwies.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 211 5. Abschnitt Terror* und sonstige politisch motivierte Gewalt 1 Entwicklung im Bundesgebiet ** Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten in Deutschland ist im Anstieg der Jahr 1997 gegen\u00fcber dem Vorjahr von 1.689 auf 1.938 angestiegen. Gewalttaten Die Bedrohung der Inneren Sicherheit in Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hat damit wieder zugenommen. Am st\u00e4rksten war der Anstieg der rechtsextremistischen Gewalttaten. Rechtsextremistisch motivierte Gewalt forderte auch 1997 ein TodesAnstieg rechtsopfer. Daneben zeigen weitere schwere Straftaten im Bundesgebiet extremistischer eine erschreckend hohe kriminelle Energie rechtsextremistisch motiGewalttaten vierter T\u00e4ter. Rechtsterroristische Strukturen konnten jedoch nach wie vor nicht festgestellt werden. Die RAF ist als aktionswillige terroristische Vereinigung nicht mehr RAF nicht mehr existent. Der sogenannte antiimperialistische Widerstand orientiert aktionswillig sich neu und sucht vor allem im Ausland nach B\u00fcndnispartnern. Terroristische Aktionen wurden auch von der Antiimperialistischen Zelle (AIZ) nicht durchgef\u00fchrt. * Terrorismus ist der nachhaltig gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr politische Ziele mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben oder Eigentum Dritter, insbesondere durch Straftaten, wie sie in SS 129a Abs. 1 StGB genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. ** Abweichungen von den im Verfassungsschutzbericht Bayern 1996 genannten Zahlen beruhen im wesentlichen auf einem aktualisierten Erkenntnisstand und der abweichenden Z\u00e4hlweise des Bundes, der wir uns aus Gr\u00fcnden der Vergleichbarkeit anschlie\u00dfen mu\u00dften. Vergleiche zu den Jahren vor 1996 sind daher nicht m\u00f6glich. Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung werden vom Bund in der Statistik seit 1. Januar 1997 nicht mehr als Gewalttaten erfa\u00dft. Mehrere Straftaten aus Anla\u00df eines Ereignisses werden als ein Fall gez\u00e4hlt.","212 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Entwicklung politisch 900 833 motivierter 800 716 * 1996 Gewalttaten in Deutschland 624 * 1997 700 600 500 349 400 300 200 100 / 0 linksextremistisch rechtsextremistisch Gewalttaten durch motivierte motivierte ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Anstieg linksDie Zahl der linksextremistischen Gewalttaten ist ebenfalls angestieextremistischer gen. Im Brennpunkt der Anschl\u00e4ge standen auch 1997 insbesondere Gewalt die Deutsche Bahn AG und sonstige Einrichtungen im Zusammenhang mit den Castor-Transporten. Auf diesen Bereich entfallen rund 25 % aller linksextremistischen Gewalttaten. Gewalt zwischen Die Gewaltbereitschaft von Linksund Rechtsextremisten im Kampf Linksund gegeneinander ist ungebrochen. Beide Seiten sp\u00e4hen sich gegenseiRechtsextremisten tig aus, ver\u00f6ffentlichen \"Steckbriefe\" und rufen zu Gewalttaten gegen ihre Gegner auf. Bedingt durch die verst\u00e4rkten Aktivit\u00e4ten von Linksextremisten, insbesondere von gewaltbereiten Autonomen, gegen Rechtsextremisten haben auch die Gewalttaten von Rechtsextremisten gegen politische Gegner \u00fcberdurchschnittlich zugenommen. Es besteht die ernste Gefahr, da\u00df sich die Gewaltpotentiale gegenseitig hochschaukeln. Die Zahl der Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten hat leicht abgeR\u00fcckgang der nommen. Extremistische Ausl\u00e4ndergruppen zeigen aber nach wie vor Gewalttaten eine erhebliche Gewaltbereitschaft. Vor allem bei Richtungsk\u00e4mpfen ausl\u00e4ndischer verfeindeter Gruppen waren mehrere Todesopfer zu verzeichnen. Die Extremisten verbotene PKK erkl\u00e4rt zwar nach au\u00dfen Gewaltverzicht, treibt aber","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 213 nach wie vor \"Spenden\" ein, verschleppt Jugendliche zur Schulung f\u00fcr ihren terroristischen Kampf in der T\u00fcrkei und geht ebenso wie die Devrimci Sol gewaltsam gegen Abweichler vor. 1.1 Rechtsextremistische Gewalt Die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden registrierten bundesweit 791 GewaltAnstieg taten mit erwiesener oder zu vermutender rechtsextremistischer Motivation gegen\u00fcber 624 Gewalttaten des Vorjahrs. Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten stellen eine erhebliche Erhebliche Gefahr Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit in Deutschland dar. Die Gewaltbef\u00fcr die Innere reitschaft und die kriminelle Energie der Rechtsextremisten ist zum Sicherheit Teil extrem hoch. Dies zeigen unter anderem ein vollendetes bzw. mehrere versuchte T\u00f6tungsdelikte au\u00dferhalb Bayerns. Die Zunahme rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten ist in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich stark ausgepr\u00e4gt. W\u00e4hrend antisemitisch motivierte Gewalttaten mit jeweils elf Gewalttaten auf gleichem Niveau blieben, stiegen fremdenfeindliche Gewalttaten auf 463(1996: 372). Bei den sonstigen rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten war eine Zunahme von 162 auf 203 Gewalttaten festzustellen. Besonders stark sind die Gewalttaten gegen politische Gegner angestiegen, von 79 auf 114 Delikte. Der Anstieg in diesem Bereich ist auch als Reaktion auf die verst\u00e4rkten Angriffe von Linksextremisten, insbesondere gegen Veranstaltungen der JN, zu sehen. Insgesamt zeigen eine vollendete T\u00f6tung, 13 versuchte T\u00f6tungsT\u00f6tungsdelikte delikte und eine hohe Anzahl weiterer schwerer Gewaltakte in Deutschland die erhebliche kriminelle Energie der T\u00e4ter. Auch bei 38 (1996: 33) vollendeten bzw. versuchten Brandanschl\u00e4gen sowie 61 Landfriedensbr\u00fcchen (1996: 71) und 677 K\u00f6rperverletzungsdelikten (1996: 507) wurde eine Vielzahl von Personen zum Teil schwer verletzt. Auszugsweise f\u00fcr die in Deutschland ver\u00fcbten schweren Straftaten und die Gerichtsverfahren wegen Gewaltdelikten stehen folgende F\u00e4lle: Am 31. Januar \u00fcberfielen in Fredersdorf/Brandenburg zwei 30 bzw. 36 Jahre alte Deutsche einen Vietnamesen. Das Opfer wurde dabei so schwer mi\u00dfhandelt, da\u00df es an den Verletzungen am 30. April ver-","214 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Entwicklung rechtsextremi791 stisch motivier800 -- / ~ ter Gewalttaten 700624 / 6005004003002001000- w > 19 w 39 t<2 l/ 1996 1997 * Deuts :hland I I Bayern starb. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt an der Oder hat gegen die beiden nach der Tat Festgenommenen am 14. Mai Anklage wegen Mordes bzw. gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung mit Todesfolge erhoben. Das Landgericht Potsdam verurteilte am 23. April einen 22j\u00e4hrigen Hauptangeklagten wegen versuchten Mordes zu 15 Jahren FreiheitsHohe Haftstrafen strafe und einen 20j\u00e4hrigen Mitangeklagten zu acht Jahren Jugendstrafe. Die Verurteilten hatten am 30. September 1996 in Trebbin/Brandenburg drei italienische Bauarbeiter angegriffen und eines der Opfer mit einem Baseballschl\u00e4ger lebensgef\u00e4hrlich verletzt. Der Gesch\u00e4digte lag mehrere Monate im Koma und ist seitdem querschnittsgel\u00e4hmt. Das Gericht bewertete den Angriff als fremdenfeindlich motivierte Straftat. Das Landgericht Leipzig verurteilte am 7. November einen 21j\u00e4hrigen Deutschen wegen Mordes zu neun Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Einen 19j\u00e4hrigen Mitt\u00e4ter verurteilte das Gericht wegen Beihilfe zum Totschlag zu vier Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe. Die beiden hatten am 23. Oktober 1996 in Leipzig/Sachsen einen syrischen Asylbewerber niedergestochen, als er zwei Frauen zu","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 215 Hilfe kommen wollte, die von den T\u00e4tern mit ausl\u00e4nderfeindlichen Parolen beschimpft worden waren. Das Landgericht L\u00fcbeck verurteilte am 1. Dezember den Neonazi Kay Diesner wegen Mordes und zweifachen Mordversuchs zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der Verurteilte hatte am 19. Februar in Berlin-Marzahn mit einem Schrotgewehr einen Mordanschlag auf einen Buchh\u00e4ndler ver\u00fcbt. Der Buchh\u00e4ndler erlitt schwere Schu\u00dfverletzungen. Diesner, ein ehemaliger Aktivist der Nationalen Alternative (NA), bezeichnet sich als Mitglied des Wei\u00dfen Arischen Widerstands (WAW). Eine derartige Organisation gibt es in Deutschland nicht, jedoch wird diese Bezeichnung gelegentlich von Rechtsextremisten in Anlehnung an eine entsprechende Gruppierung in den USA verwendet. Einen weiteren allerdings nicht rechtsextremistisch motivierten Mord hatte Diesner am 23. Februar ver\u00fcbt. Auf seiner Flucht erscho\u00df er bei einer Polizeikontrolle bei Roseburg/Schleswig-Holstein einen Polizeibeamten. Im Zusammenhang mit rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten f\u00fchrt der Generalbundesanwalt seit 1992 mehrere Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Existenz rechtsterroristischer VereiniKeine rechtsgungen. Dabei konnten rechtsterroristische Strukturen in Form einer terroristischen \"Braunen Armee Fraktion\" in Deutschland bisher nicht festgestellt Vereinigungen in werden. Konkrete Erkenntnisse \u00fcber Planungen von Terroranschl\u00e4gen Deutschland liegen nicht vor. Durch rechtzeitige Exekutivma\u00dfnahmen konnten neonazistische Gruppen, die Waffen und Sprengstoff zur Durchf\u00fchrung von Gewalttaten vorr\u00e4tig hielten, im Ansatz zerschlagen werden. Rechtsextremistisch motivierte Gewalt geht \u00fcberwiegend von Personen aus, die nicht in politischen Gruppen oder Parteien organisiert sind. Eine Strategiedebatte zur gewaltsamen System\u00fcberwindung findet im rechtsextremistischen Lager derzeit nicht statt. Gewaltaktionen von \"Einzelk\u00e4mpfern\" k\u00f6nnen jedoch nie ausgeschlossen werden. Die polizeilichen Ermittlungen erbrachten bisher keine Erkenntnisse Keine \u00fcberregio\u00fcber eine \u00fcberregionale Steuerung der Gewalttaten durch rechtsnale Steuerung extremistische Organisationen. \u00dcberwiegend wurden die Gewaltder Gewalttaten taten nicht von Einzelt\u00e4tern, sondern von mehreren gemeinschaftlich handelnden Personen ver\u00fcbt. Dabei entstand der Tatentschlu\u00df vielfach spontan aus gruppendynamischen Prozessen, gef\u00f6rdert durch Alkohol oder Musik mit rechtsextremistischem Inhalt. Die Mehrzahl der ermittelten Tatverd\u00e4chtigen ist j\u00fcnger als 21 Jahre.","216 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Nur ein Drittel der in Bayern ermittelten Tatverd\u00e4chtigen war bisher einschl\u00e4gig bekannt. Etwa ein weiteres Drittel war bisher allgemeinpolizeilich und nicht mit extremistischen Straftaten in Erscheinung getreten. 1.2 Linksextremistische Gewalt Anstieg Bundesweit wurden 833 Gewalttaten mit erwiesener oder zu vermutender linksextremistischer Motivation gegen\u00fcber 716 Gewalttaten des Vorjahrs festgestellt. Den Schwerpunkt bildeten dabei erneut Angriffe gegen Einrichtungen und Firmen im Zusammenhang mit dem Transport abgebrannter Brennelemente aus Kernkraftwerken in Castor-Beh\u00e4ltern. Insgesamt entfallen mit 213 Taten 25 % der gesamten linksextremistisch motivierten Gewalttaten auf diesen Bereich. F\u00fcr Linksextremisten stellt damit der Protest gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie ein herausragendes Aktionsfeld f\u00fcr Angriffsunfriedliche Aktionsformen und Gewalttaten dar. Weitere Schwerschwerpunkt punkte bilden Gewaltakte gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten und gegen \"Umstrukturierungsma\u00dfnahmen\" in Gro\u00dfst\u00e4dten, insbesondere in Berlin. Die Zahl der Gewalttaten gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten stieg von 99 auf 139. Auch Solidarit\u00e4t mit ausl\u00e4ndischen extremistischen Gruppierungen und Aktionen gegen Abschiebungen waren Anla\u00df f\u00fcr Gewalttaten. Keine Anschl\u00e4ge Terroristische Aktionen der RAF oder AIZ waren nicht zu verzeichnen. von RAF und AIZ Die linksextremistischen Gewalttaten wurden zu \u00fcber 80% von Gruppen und Einzelt\u00e4tern aus dem gewaltbereiten autonomen und anarchistischen Spektrum begangen. Ziel dieser und anderer in Deutschland gewaltt\u00e4tig agierender linksextremistischer Gruppen ist nach wie vor die gewaltsame Zerschlagung der gegenw\u00e4rtigen Staatsund Gesellschaftsordnung, in der sie ein \"Instrument zur Durchsetzung weltweiter kapitalistischer imperialistischer Ausbeuterinteressen\" sehen. Hohe kriminelle Die hohe kriminelle Energie der T\u00e4ter zeigt sich unter anderem in den Energie Anschl\u00e4gen im Zusammenhang mit den Castor-Transporten. Im Rahmen der von Kernkraftgegnern gesteuerten Kampagne gegen die Castor-Transporte ver\u00fcbten militante Kernkraftgegner, insbesondere militante Linksextremisten, in zunehmendem Ma\u00dfe schwere Gewalttaten und Anschl\u00e4ge vor allem gegen Einrichtungen der Deutschen","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 217 Bahn AG und Hochspannungsleitungen. Den H\u00f6hepunkt erreichten die Gewalttaten unmittelbar vor und w\u00e4hrend des Castor-Transports vom 3. bis 5. M\u00e4rz nach Gorleben/Niedersachsen. Insbesondere Autonome in Norddeutschland versuchten, die Polizei schon im Vorfeld zu binden. Bei einem \"Schienenaktionstag\" wurden Bahngleise besch\u00e4digt. Mit Hakenkrallen wurden Anschl\u00e4ge auf Bahnstrecken ver\u00fcbt. In der hei\u00dfen Phase der Auseinandersetzung wurden 659 Straftaten begangen. Dabei wurden 77 eingesetzte Polizeibeamte verletzt. Der Sachschaden geht in die Millionenh\u00f6he. Polizeibeamte wurden mit Zwillen und Leuchtspurmunition beschossen. Insgesamt waren bei diesem Transport sechs Castor-Beh\u00e4lter nach Gorleben gebracht worden, darunter ein Beh\u00e4lter mit abgebrannten Brennelementen aus dem bayerischen Kernkraftwerk Gundremmingen. In Bayern verliefen die Proteste gegen den Transport weitgehend st\u00f6rungsfrei. Insgesamt war neben mehreren Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen eine Vielzahl gef\u00e4hrlicher Eingriffe in den Bahnverkehr zu verzeichnen. Gewaltt\u00e4ter unterh\u00f6hlten Bahngleise, errichteten Barrikaden auf den Gleisen und legten Bombenattrappen auf den Bahnstrecken ab. Entwicklung 900 - 833 linksextremistisch motivier800 - 7J6 I^ % ter Gewalttaten 700 - ^=m 600 - 500 - Af ifUU -- 300 - 200 - : : b> 1996 1997 I | Deutschland QBayern","218 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Zahlreiche Schienen wurden anbzw. durchges\u00e4gt und Signalkabel durchtrennt. Auch Strommasten wurden umges\u00e4gt. 1.3 Gewalt zwischen Linksund Rechtsextremisten Bundesweit war eine Reihe zum Teil schwerer Gewalttaten gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten zu verzeichnen. Die Angriffe der Linksextremisten richteten sich dabei vor allem gegen Veranstaltungen, aber auch gegen einzelne Personen. F\u00fcr Gegendemonstranten bei Veranstaltungen von Rechtsextremisten spielt es keine Rolle, ob es tats\u00e4chlich zu Aktionen kommt, wie z.B. am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen, oder ob die rechtsextremistischen Demonstrationen abgesagt oder verboten werden, wie am 22. Februar in Aschaffenburg. F\u00fcr die Autonomen, deren st\u00e4rkere Zusammenarbeit die Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) erreichen will, ist Antifaschismus nur ein Mittel zum Zweck. Das eigentliche Ziel ist die Antifa-Ziel: Zerst\u00f6rung des \"imperialistischen Systems\". Das Thema \"AntifaschisZerst\u00f6rung des mus\" wird auch in Zukunft eines der wichtigsten Aktionsfelder auto\"Systems\" nomer Politik und damit auch autonomer Militanz bleiben, sei es bei Demonstrationen oder auch bei kleineren Aktionen im \u00f6rtlichen Bereich. Die Autonome Antifa (M) G\u00f6ttingen, die eine F\u00fchrungsrolle in der AA/BO einnimmt, hat in einer versp\u00e4tet herausgegebenen Erkl\u00e4rung Gewalttaten von Linksextremisten anl\u00e4\u00dflich der 10. Wiederkehr des Todestags von Rudolf He\u00df begr\u00fc\u00dft. Am 16. August hatten Autonome unter anderem 50 Rechtsextremisten in Hannover t\u00e4tlich angegriffen. Auch ein \u00dcberfall am 31. August in Berlin auf einen Schwere 17j\u00e4hrigen Skinhead machte erneut die Gewaltbereitschaft von Gewalttaten \"Antifaschisten\" deutlich. Die T\u00e4ter hatten mit Eisenstangen und Kn\u00fcppeln auf das Opfer eingeschlagen. Im Internet zogen Autonome eine positive Bilanz der \"organisierten, antifaschistischen Selbsthilfe\". So habe in Aschaffenburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Schlimmeres verhindert werden k\u00f6nnen. Besonders hervorgehoben wurden dabei Flaschenw\u00fcrfe und das Verbrennen einer JN-Fahne vor dem Sitz des NPD-Landesverbands in M\u00fcnchen. Die sogenannte Anti-Antifa-Kampagne der Rechtsextremisten, insbesondere als Initiative einzelner F\u00fchrungspersonen des rechtsextremistischen Bereichs zur Bildung von Aktionsb\u00fcndnissen und zur Integration des Spektrums, aber auch zur Abwehr des politischen Gegners erdacht, ist regional sehr unterschiedlich ausgepr\u00e4gt. Festzustellen ist, da\u00df sich die Anti-Antifa-Arbeit bezogen auf das Bundesgebiet","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 219 mit dem Sammeln, Abkl\u00e4ren und Verbreiten von Daten \u00fcber politiErweiterung sche Gegner nicht mehr nur gegen \"Linke\", sondern zunehmend des Anti-Antifaauch gegen Vertreter staatlicher Institutionen richtet, die mit der Zielspektrums Bek\u00e4mpfung des Rechtsextremismus beauftragt sind. So wurden bereits in Listen mit Personen, die angegriffen werden sollen, Richter, Staatsanw\u00e4lte, Polizeibeamte und Medienvertreter festgestellt. 1.4 Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten und Strafverfahren Die Bedrohung der Inneren Sicherheit durch gewaltt\u00e4tige ausl\u00e4ndische Extremisten ist leicht gesunken. Insgesamt waren in Deutschland Leichter R\u00fcckgang 314 Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten gegen\u00fcber 349 im Vorjahr zu verzeichnen. Der gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Gewalttaten - Erpressungen und K\u00f6rperverletzungen - stand im Zusammenhang mit \"Spendenkampagnen\" t\u00fcrkischer und kurdischer Gruppen. Mit besonderer Brutalit\u00e4t und extremer krimineller Energie werden Richtungsstreitigkeiten ausgetragen. Bei elf vollendeten bzw. versuchten T\u00f6tungsdelikten waren mehrere Todesopfer zu beklagen. Die verbotene kurdische PKK vermied zumindest nach au\u00dfen offene Gewalthandlungen. Anschl\u00e4ge waren ihr nicht zuzuordnen. Gleichwohl gibt es nach wie vor Erkenntnisse, da\u00df die PKK Abweichler verfolgt, mit Drohungen und Gewalt \"Spenden\" eintreibt und Kinder Gewalt bei bzw. Jugendliche gegen den Willen ihrer Sorgeberechtigten in AusSpendenbildungslager bringt. Dort werden sie unter anderem f\u00fcr den terrorikampagnen stischen Kampf der PKK in der T\u00fcrkei unterwiesen. Die juristische Aufarbeitung der Gewaltaktionen der PKK aus den verHohe Haftstrafen gangenen Jahren dauert an. Einige Strafverfahren endeten mit zum Teil hohen Haftstrafen. Daneben konnten weitere hohe Funktion\u00e4re festgenommen werden, gegen die unter anderem Haftbefehle wegen Mitgliedschaft oder Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung vorgelegen hatten. Am 5. M\u00e4rz verurteilte das Oberlandesgericht Hamburg die ehemalige Regionsverantwortliche f\u00fcr die PKK-Region Nord-West, die ehemalige Gebietsverantwortliche f\u00fcr das PKK-Gebiet Bremen und den Raumverantwortlichen f\u00fcr den PKK-Raum Bremen wegen versuchten Totschlags zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und f\u00fcnfeinhalb Jahren. Die Verurteilten sind mitverantwortlich f\u00fcr zwei versuchte T\u00f6tungsdelikte, die am 7. Oktober 1994 auf zwei PKK-Mitglieder in","220 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Bremen und Hamburg ver\u00fcbt worden waren. Beide Opfer waren dabei lebensgef\u00e4hrlich verletzt worden. Festnahme Am 1. April nahm die Polizei in Berlin den ehemaligen Gebietsleiter der PKK f\u00fcr das Gebiet Hannover wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung fest. Er wird beschuldigt, dort jeweils im Juni und November 1993 PKK-Mitgliedern befohlen zu haben, neben anderen Straftaten Brandanschl\u00e4ge gegen t\u00fcrkische Objekte zu ver\u00fcben. Am 6. Mai nahm die Polizei in Frankfurt am Main einen 32j\u00e4hrigen Kurden fest. Ihm wird vorgeworfen, eine terroristische Vereinigung unterst\u00fctzt zu haben und an der versuchten T\u00f6tung eines ehemaligen PKK-Funktion\u00e4rs am 2. Mai 1994 in Krefeld beteiligt gewesen zu sein. Das Opfer war seinerzeit durch mehrere Sch\u00fcsse lebensgef\u00e4hrlich verletzt worden. Am 28. Mai verurteilte das Oberlandesgericht Celle den ehemaligen PKK-Regionsleiter Nord und Mitte unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren. Der ehemalige Verantwortliche des PKK-Gebiets Hannover erhielt wegen der gleichen Delikte eine Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren. Entwicklung der Gewalttaten durch ausl\u00e4ndische Extremisten","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 221 Das Oberlandesgericht Stuttgart verurteilte am 12. August vier PKK-Gebietsleiter, darunter eine Frau, in Abwesenheit wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu Freiheitsstrafen von jeweils zwei Jahren und sechs Monaten. Die Verurteilten waren im April nach zweij\u00e4hriger Untersuchungshaft unter Auflagen freigelassen worden und sind seit Mitte Mai fl\u00fcchtig. Am 19. August lieferten die britischen Beh\u00f6rden den ehemaligen Auslieferung ERNK-Europasprecher Feysal Dunlayici alias Kani Yilmaz nach Deutschland aus. Dunlayici war am 26. Oktober 1994 in London aufgrund eines Haftbefehls des Generalbundesanwalts wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen worden und befand sich seitdem in Auslieferungshaft. Am 24. Oktober erhob der Generalbundesanwalt beim Oberlandesgericht Celle Anklage wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Am 2. September verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf zwei PKK-Funktion\u00e4re wegen Beteiligung an einer Anschlagsserie der PKK im Jahre 1993 zu Freiheitsstrafen von f\u00fcnf Jahren und sechs Monaten bzw. f\u00fcnf Jahren. Das Gericht befand die Verurteilten der Sachbesch\u00e4digung und der versuchten schweren Brandstiftung f\u00fcr schuldig. Das Verfahren gegen einen dritten Beschuldigten war abgetrennt worden und wird fortgesetzt. Am 7. Oktober nahm die Polizei in Ludwigsburg/ Baden W\u00fcrttemberg einen 25j\u00e4hrigen Kurden wegen R\u00e4delsf\u00fchrerschaft in einer terroristischen Vereinigung fest. Der Festgenommene soll die PKK-Region Baden geleitet haben. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilte am 13. Oktober Hohe Haftstrafen drei PKK-Funktion\u00e4re wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beteiligung an Brandanschl\u00e4gen gegen t\u00fcrkische Einrichtungen im Rhein-Main-Gebiet zu Freiheitsstrafen von elf Jahren, sechs Jahren und sechs Monaten bzw. zwei Jahren und drei Monaten. Den Angeklagten war zur Last gelegt worden, im Jahr 1993 f\u00fcr zahlreiche Anschl\u00e4ge gegen t\u00fcrkische Einrichtungen mitverantwortlich gewesen zu sein. Das Gericht f\u00fchrte hierzu aus, die Angeklagten h\u00e4tten zwar nicht selbst an den Anschl\u00e4gen teilgenommen, diese Gewalttaten als Funktion\u00e4re der PKK aber organisiert und befohlen. Am 5. November verurteilte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf ein ehemaliges Mitglied der Europ\u00e4ischen Frontzentrale der PKK wegen","222 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Der Verurteilte hatte von Juni 1993 bis April 1995 die Finanzen der Europ\u00e4ischen Frontzentrale der PKK geleitet. Das Oberlandesgericht Celle verurteilte am 12. November einen hochrangigen PKK-Funktion\u00e4r und ehemaliges Mitglied der Europ\u00e4ischen Frontzentrale der PKK wegen mehrfacher schwerer Brandstiftung gegen t\u00fcrkische Einrichtungen zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Bei der Festnahme am 16. September 1996 sichergestelltes Bargeld in H\u00f6he von 163.000 DM erkl\u00e4rte das Gericht f\u00fcr verfallen. Am 10. Dezember verurteilte das Oberlandesgericht Celle den ehemaligen Verantwortlichen f\u00fcr das PKK-Gebiet Hannover wegen Mitt\u00e4terschaft an Brandstiftungen und anderer Straftaten im November 1993 in Hannover zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Die Gewaltbereitschaft und extreme kriminelle Energie t\u00fcrkischer linksextremistischer Gruppen verdeutlichen folgende Ereignisse: Am Nachmittag des 25. April betraten etwa f\u00fcnf Personen ein t\u00fcrkisches Imbi\u00dflokal in Hamburg, boten eine Publikation des Karatas-Fl\u00fcgels der verbotenen Devrimci Sol zum Kauf an und versuchten, Spenden zu sammeln. Sie wurden vom Personal und einigen G\u00e4ste aus dem Lokal gedr\u00e4ngt. Stunden sp\u00e4ter erschien eine Gruppe von mehr als zehn Personen in dem Lokal. Mit Baseballschl\u00e4gern demolierten sie die Inneneinrichtung des Lokals und schlugen zwei G\u00e4ste zusammen. Als der Inhaber des Lokals mit einem PKW vorfuhr, scho\u00df eine Person zweimal in das Fahrzeug. Der Fahrer wurde getroffen und verstarb im Krankenhaus. Die Polizei nahm noch in derselben Nacht drei t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige fest. Gegen sie erging Haftbefehl. Die andauernden blutigen Richtungsk\u00e4mpfe innerhalb der verbotenen Devrimci Sol eskalierten ab dem Fr\u00fchsommer. Bereits am 13. Mai 1996 und am 18. Mai 1996 hatten konkurrierende Anh\u00e4nger der Devrimci Sol mit Schu\u00dfwaffen Anschl\u00e4ge ver\u00fcbt. Die Opfer machen in der Regel keine Angabe \u00fcber die Hintergr\u00fcnde der Taten. Eine neue Serie von Gewalttaten begann am 13. Juni in Frankfurt am Main. Aus einer Gruppe von vier Landsleuten heraus wurden zwei Sch\u00fcsse aus n\u00e4chster N\u00e4he auf einen 19j\u00e4hrigen Anh\u00e4nger des Karatas-Fl\u00fcgels der Devrimci Sol abgegeben. Die T\u00e4ter und zwei Begleiter des Opfers fl\u00fcchteten. Das Opfer erlitt zwei Oberschenkeldurchsch\u00fcsse.","Terror und sonstige politisch motivierte \u00fcewalt 223 F\u00fcnf t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige st\u00fcrmten in Hamburg am 12. Juli in ein t\u00fcrkisches Lokal und bedrohten den Wirt. Anschlie\u00dfend schlugen sie auf zwei t\u00fcrkische G\u00e4ste ein und verletzten sie durch Sch\u00fcsse und Messerstiche. Am 9. August wurde in Hamburg ein t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger von vier unbekannten T\u00e4tern lebensgef\u00e4hrlich verletzt. Auf das Mf WH!JMJ,5,, Opfer wurden neun Sch\u00fcsse abgegeben, als es die Zeitschrift \"Kurtulus\" des Karatas-Fl\u00fcParti gels der Devrimci-Sol in den R\u00e4umen eines t\u00fcrkischen Kulturvereins anbot. / Am 22. August kam es in Frankfurt am Main beim Zusammentreffen zwischen zwei Gruppen des Yagan-Fl\u00fcgels und des Karatas-Fl\u00fcgels sofort zu einem Schu\u00dfwechsel. Bei dem Schu\u00dfwechsel, in dessen Verlauf etwa acht bis zehn | Sch\u00fcsse abgegeben wurden, st\u00fcrzte ein : Yagan-Anh\u00e4nger, wohl aufgrund eines \"\"*\"\"K* Beinschusses. Auf das am Boden liegende wehrlose Opfer gab ein Sch\u00fctze aus der Gruppe der Karatas-Anh\u00e4nger noch mindestens drei bis f\u00fcnf Sch\u00fcsse ab. Das Opfer erlitt lebensgef\u00e4hrliche Verletzungen. Die Karatas-Anh\u00e4nger fl\u00fcchteten zun\u00e4chst mit zwei PKW mit Aschaffenburger Kennzeichen. Sie konnten jedoch kurze Zeit sp\u00e4ter festgenommen werden. Unter ihnen befand sich der Hauptverd\u00e4chtige, Festnahmen ein in Frankreich lebender t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger. Die weiteren Tatbeteiligten stammen aus dem Raum Aschaffenburg, Hessen und Baden-W\u00fcrttemberg. Am 5. September wurde in Hamburg ein Aktivist des Yagan-Fl\u00fcgels beim Verlassen der Wohnung durch drei Sch\u00fcsse in die Beine und H\u00fcfte schwer verletzt. Der Halter des bei der Tat benutzten Fahrzeuges mit franz\u00f6sischem Kennzeichen ist als Aktivist des Karatas-Fl\u00fcgels bekannt. Im Zusammenhang mit den Fl\u00fcgelk\u00e4mpfen nahm die Polizei am Weitere 12. September in Hamburg ein f\u00fchrendes Mitglied der DHKP-C aus Festnahmen Dortmund fest. In dem von ihm benutzten Fahrzeug wurde eine Schu\u00dfwaffe beschlagnahmt. Auch am 3. Oktober fand die Polizei in Aschaffenburg bei der Festnahme eines Tatverd\u00e4chtigen der Schie\u00dferei vom 22. August in Frankfurt am Main eine Schu\u00dfwaffe. Aufgrund","224 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt dieser Waffenfunde mu\u00df davon ausgegangen werden, da\u00df sich die verfeindeten Gegner weiter bewaffnen. Auch in weiteren t\u00fcrkischen linksextremistischen Gruppen ist eine erhebliche Gewaltbereitschaft vorhanden. Die revolution\u00e4r-marxistiRichtungsk\u00e4mpfe sehe TKP/ML bleibt weiterhin in zwei konkurrierende Fl\u00fcgel gespalin der TKP/ML ten. Innerhalb des unter der Bezeichnung \"Ostanatolisches Gebietskomitee\" (DABK) auftretenden Fl\u00fcgels dauerten die im Fr\u00fchjahr 1996 begonnenen \"S\u00e4uberungen\" an. Unter dem Codewort \"Operation Schneegl\u00f6ckchen\" werden Verr\u00e4ter und Kollaborateure gesucht. Die Aktion forderte in der T\u00fcrkei bereits mehrere Todesopfer, die bis in hohe Funktion\u00e4rskreise reichten. In Europa sind bislang keine Gewalttaten im Zusammenhang mit den \"S\u00e4uberungen\" bekannt geworden. Es ist aber nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df die T\u00e4ter auch in Deutschland zuschlagen w\u00fcrden, wenn sich ein \"Verr\u00e4ter\" hier aufhalten sollte. Am 24. M\u00e4rz verurteilte das Landgericht Duisburg den T\u00fcrken Remzi Uslu wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Nach \u00dcberzeugung des Gerichts war dieser am 27. August 1996 in Duisburg an der Ermordung eines Landsmanns beteiligt gewesen, der im Auftrag der t\u00fcrkischen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP) als abtr\u00fcnniges Parteimitglied ausgeschaltet werden sollte. Ein weiterer Tatverd\u00e4chtiger konnte am 9. Juni im Raum Paris festgenommen werden. Ein dritter Tatverd\u00e4chtiger wird noch mit internationalem Haftbefehl gesucht. Zur Deckung ihres erheblichen Finanzbedarfs veranstalten die \"SpenderV'-Quittung genannten linksextremistischen t\u00fcrkischen und kurdischen Gruppieder DHKC rungen j\u00e4hrlich \"Spendenkampagnen\" bei Landsleuten, insbesondere Gesch\u00e4ftsleuten. Die Spendeneintreiber schrecken dabei selbst vor massiven Drohungen und schweren Gewalttaten nicht zur\u00fcck, um zum Teil f\u00fcnfstellige Geldbetr\u00e4ge zu erpressen. \\ Auch islamische Extremisten ver\u00fcbten schwere Straftaten. \\ So ermordeten Unbekannte am 8. Mai in Berlin einen i Dissidenten des ICCB, der seit Anfang 1996 eine bedeutende Abspaltergruppe in Berlin gef\u00fchrt hatte. Es wurde bekannt, da\u00df auch der Imam (Vorbeter) der Mevlana-Moschee Augsburg zuvor in einem Freitagsgebet zur Ermordung des F\u00fchrers der Berliner Abspaltergruppe aufgerufen haben soll. Bereits seit","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 225 Juni 1996 war der ehemals hochrangige ICCB-Funktion\u00e4r in der Zeitung \"\u00dcmmet i Muhammed\" in letzter Konsequenz mit dem Tod bedroht worden. Nach Hinweisen auf einen Mordaufruf durch den Gewalttaten Augsburger Imam der Mevlana-Moschee erwirkte die Augsburger islamischer Staatsanwalt bundesweite Durchsuchungsbeschl\u00fcsse gegen ObjekExtremisten te und f\u00fchrende Funktion\u00e4re des ICCB, die am 9. September vollzogen wurden. Eines der durchsuchten Objekte war die als Zentrale des ICCB f\u00fcr Bayern fungierende Mevlana-Moschee in Augsburg. Dabei wurden neben weiteren, abstrakten Gewaltaufrufen gegen Abtr\u00fcnnige auch Vereinsunterlagen sichergestellt, die die Gewaltbereitschaft der Organisation best\u00e4tigen. Ein Vereinsplakat des ICCB zeigt die Abbildung zweier Maschinenpistolen unter dem Vereinsnamen. Der Konflikt im jugoslawischen Kosovo hat bislang nicht auf Deutschland \u00fcbergegriffen. Hinweise, am 8. Oktober werde der \"Befreiungskampf\" auch in Bayern mit Anschl\u00e4gen auf serbische Einrichtungen beginnen, haben sich nicht best\u00e4tigt. F\u00fcr Deutschland ist eine Versch\u00e4rfung der Gef\u00e4hrdungslage derzeit nicht zu erwarten. 2. Politisch motivierte Gewalt in Bayern* Die Gesamtzahl politisch motivierter Gewalttaten ist in Bayern von 52 auf 74 Vorf\u00e4lle angestiegen. Der Anteil der in Bayern ver\u00fcbten Gewalttaten an der bundesweiten Zahl von 1.938 F\u00e4llen ist mit ca. knapp vier Prozent sehr gering. Die Entwicklung ist allerdings auch in Bayern unterschiedlich verlaufen. Rechtsextremistisch motivierte Gewalttaten sind von 19 auf 39 angestiegen; es waren 19 linksextremistisch motivierte Gewalttaten gegen\u00fcber 25 im Vorjahr zu verzeichnen. Dabei wurden die am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen anl\u00e4\u00dflich der NPD-Versammlung zur Wehrmachtsausstellung begangenen Straftaten des Landfriedensbruchs, der K\u00f6rperverletzung und des Widerstands in 36 F\u00e4llen aus Gr\u00fcnden der bundesweiten Vergleichbarkeit als eine Straftat gez\u00e4hlt. Die Zahl der Gewalttaten ausl\u00e4ndischer Extremisten betrug 16 gegen\u00fcber acht im Vorjahr. * Einfache Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung werden vom Bundeskriminalamt in der Statistik seit 1. Januar 1997 nicht mehr als Gewalttaten erfa\u00dft. Entgegen der in den Vorjahren \u00fcblichen Praxis enthalten deshalb die Zahlen f\u00fcr Bayern keine Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung. Die Vorjahreszahlen wurden dieser Z\u00e4hlweise angepa\u00dft.","226 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Auch 1997 forderte die politisch motivierte Gewalt in Bayern keine Todesopfer. Die Zahl der Brandanschl\u00e4ge, bei denen das angegriffene Ziel, die Tatausf\u00fchrung oder Selbstbezichtigungen auf politische Motive hindeuten, ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Insgesamt wurden sechs Brandanschl\u00e4ge (1996: 13) ver\u00fcbt oder versucht. Bei den zwei (1996: f\u00fcnf) Brandanschl\u00e4gen mit rechtsextremistischem Hintergrund war ein fremdenfeindliches Motiv erkennbar bzw. zu vermuten. Linksextremisten ver\u00fcbten zwei Brandanschl\u00e4ge (1996: drei). Ausl\u00e4ndische Extremisten waren f\u00fcr zwei Brandanschl\u00e4ge (1996: f\u00fcnf) verantwortlich. 2.1 Rechtsextremistische Gewalt Die Gesamtzahl der Gewalttaten betrug 39 gegen\u00fcber 19 im Vorjahr; Massive das sind rund f\u00fcnf Prozent der bundesweit registrierten Delikte. Zehn Straftaten (1996: drei) Gewalttaten richteten sich gegen politische Gegner. 12 (1996: 13) Gewalttaten - daneben waren neun (Vorjahr: drei) Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung zu verzeichnen - hatten eine fremdenfeindliche Motivation. Die zwei Brandanschl\u00e4ge (1996: f\u00fcnf), elf Angriffe auf Personen (1996: zw\u00f6lf) und neun Sachbesch\u00e4digungen mit Gewaltanwendung (1996: drei) gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern zeigen, da\u00df im rechtsextremistischen Bereich eine erhebliche und ernst zu nehmende Gewaltbereitschaft besteht. Auch die Zahl der sonstigen fremdenfeindlichen Straftaten ohne Anwendung physischer Gewalt, wie Bedrohungen, N\u00f6tigungen und Propagandadelikte, stieg von 179 auf 251 deutlich an. Der seit 1992 anhaltende R\u00fcckgang rechtsextremistischer Gewalttaten hat sich nicht fortgesetzt; die jetzigen Zahlen entsprechen etwa denen des Jahres 1995. Insgesamt ist der Anstieg der Gewalttaten vor allem auf einen \u00fcberproportionalen Anstieg der K\u00f6rperverletzungen von zw\u00f6lf im Jahr 1996 auf insgesamt 29 entsprechende Delikte zur\u00fcckzuf\u00fchren. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr diese Entwicklung in Bayern war im wesentlichen eine deutlich gesteigerte Aggressivit\u00e4t von Skinheads. Diesen ist der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil dieser Delikte zuzuordnen. Besorgniserregend ist auch der Anstieg der sonstigen rechtsextremistisch motivierten Straftaten (ohne Gewalttaten) auf 1.143 gegen\u00fcber 811 im Vorjahr. Dabei handelt es sich insbesondere um das Schmieren von NS-Kennzeichen und die Versendung volksverhetzender Pamphlete.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 227 Entwicklung 80politisch motivierter 70Gewalttaten in Bayern 60- D 1996 50- I 1997 39 403019 16 20100- linksextremistisch motivierte rechtsextremistisch motivierte 50 Gewalttaten durch ausl\u00e4ndische Gewalttaten Gewalttaten Extremisten Von den insgesamt 1.182 rechtsextremistisch motivierten Straftaten Hoher Anteil von (einschlie\u00dflich Gewalttaten) konnten 595 aufgekl\u00e4rt werden. Die Erstt\u00e4tern Polizei ermittelte 813 Tatverd\u00e4chtige. 631 der Tatverd\u00e4chtigen (78%) sind erstmals als politisch motivierte Straft\u00e4ter in Erscheinung getreten. 339 der Tatverd\u00e4chtigen (42%), darunter 207 Erstt\u00e4ter (61%), waren der Skinheadszene zuzuordnen. F\u00fcr die 132 ermittelten Tatverd\u00e4chtigen zu den Gewalttaten ergibt sich ein \u00e4hnliches Bild. 85 von ihnen (64,4 %) waren Erstt\u00e4ter. 105 der Tatverd\u00e4chtigen (79,5 %) waren der Skinheadszene zuzurechnen - mit einem Erstt\u00e4teranteil von 58,1 %. 88 und damit zwei Drittel der Tatverd\u00e4chtigen waren j\u00fcnger als 21 Jahre. Typisch f\u00fcr die 1997 festgestellten rechtsextremistischen Gewalttaten sind die folgenden Beispiele: 2.1.1 Brandanschl\u00e4ge Unbekannte T\u00e4ter warfen am 31. M\u00e4rz einen Brandsatz in ein Wohnund Gesch\u00e4ftshaus in Memmingen. Durch den Brand in dem \u00fcberwiegend von Ausl\u00e4ndern bewohnten Haus, in dessen Erdge-","228 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt scho\u00df sich ein t\u00fcrkischer Laden befindet, entstand geringer Sachschaden. Am 13. Dezember ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter in Bad Berneck, Landkreis Bayreuth, einen Brandanschlag auf ein Asylantenwohnheim. Die Heimbewohner konnten den im Eingangsbereich gelegten Brand rechtzeitig l\u00f6schen. Es entstand Sachschaden in H\u00f6he von etwa 300 DM. 2.1.2 Sonstige Gewalttaten Nicht nur die Straftaten generell, sondern auch die rechtsextremistisch motivierten Gewalttaten in Bayern gingen zu etwa 40 % von den Skinheads aus. Bei den ermittelten Gewaltt\u00e4tern liegt der Anteil Hoher Anteil von mit 105 von 132 Tatverd\u00e4chtigen bei etwa 80 %. Die Skinheadszene Skinheads ist im st\u00e4ndigen personellen und organisatorischen Wandel und hat keine Nachwuchsprobleme. So haben sich im Berichtszeitraum neue Gruppen gebildet. Die Zahl der Anh\u00e4nger hat sich insgesamt deutlich erh\u00f6ht, obwohl bisher aktive Gruppen die Aktivit\u00e4ten stark eingeschr\u00e4nkt haben oder ganz verschwunden sind. Die Gewalttaten der Skinheads richten sich vorwiegend gegen Ausl\u00e4nder. Opfer der Gewaltexzesse k\u00f6nnen aber auch zuf\u00e4llig anwesende Passanten werden. Vermehrt kam es auch zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen mit \"politischen Gegnern\", z.B. in M\u00fcnchen und in Garmisch-Partenkirchen. Der NPD und deren Jugendorganisation JN ist es bei der Gro\u00dfdemonstration am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen erstmals gelungen, das Skinheadpotential in gr\u00f6\u00dferer Breite f\u00fcr eine gemeinsame politische Aktion zu mobilisieren. Skinheads planen Gewalttaten nur selten. In der Regel werden die Gewalttaten spontan begangen, wenn alkoholisierte Skinheads einer ihrem Feindbild entsprechenden Person begegnen. Politische Diskussionen finden in der Szene kaum statt. Die \"Anpolitisierung\" erfolgt oft durch aggressive Musiktexte. So wurde im Juni eine CD einer Skinheadband \"Zillertaler T\u00fcrkenj\u00e4ger\" bekannt, in deren Texten zum Mord an Farbigen und Juden aufgerufen wurde. Auf dem Cover waren mehrere Personen an einem Galgen abgebildet. Am 10. Januar pr\u00fcgelten sich in M\u00fcnchen in einem U-Bahnhof angetrunkene Skinheads mit Punkern. Dabei erlitten zwei Punker Verletzungen. Die Polizei nahm f\u00fcnf Skinheads und zwei Punker vorl\u00e4ufig fest.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 229 Am 12. Januar griffen drei Skinheads im selben U-Bahnhof einen 17j\u00e4hrigen T\u00fcrken an, schlugen ihn nieder und beleidigten ihn mit den Worten \"Schei\u00df T\u00fcrke\". Die drei mutma\u00dflichen T\u00e4ter im Alter von 17 bis 20 Jahren konnten ermittelt werden. In der Nacht zum 23. Februar griffen am Bahnhofsplatz in Ansbach mehrere Skinheads einen 17j\u00e4hrigen Jugendlichen an, der ein T-Shirt mit dem Aufdruck \"NAZIS\" und einem durchgestrichenen Hakenkreuz trug. Das Opfer wurde niedergeschlagen, getreten und von einem Hund gebissen, den die Angreifer auf das Opfer gehetzt hatten. Mehrere Tatverd\u00e4chtige konnten ermittelt werden. Am 26. Februar nahm die Polizei in N\u00fcrnberg drei Deutsche fest, die einen Vietnamesen angep\u00f6belt, beleidigt und geschlagen hatten. Demonstrationsr\u00fcckkehrer aus der Skinheadszene griffen am Abend Angriffe gegen des 1. M\u00e4rz im Bahnhofsgeb\u00e4ude Murnau eine 20j\u00e4hrige Passantin Passanten an, die sie nach ihrem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild der Punkerszene zurechneten. Die Angegriffene wurde unter Skandieren der Parolen \"Sieg Heil\" und \"Juda verrecke\" zu Boden gesto\u00dfen und mit F\u00fc\u00dfen getreten. Gegen die T\u00e4ter, die auch Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen trugen, wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Am 12. M\u00e4rz griffen vor Beginn eines Fu\u00dfball-Bundesligaspiels in M\u00fcnchen Personen aus der Skinheadszene einen Marokkaner und einen anderen Passanten an. Gegen sechs Personen wurde ein Ermittlungsverfahren wegen K\u00f6rperverletzung eingeleitet. In der Nacht zum 16. M\u00e4rz bedrohten etwa 15 Skinheads die Besucher eines Jugendclubs in Benediktbeuern, Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen. Sie riefen \"Heil Hitler\" und mi\u00dfhandelten einen Beteiligten, den sie zuvor gezwungen hatten, ebenfalls den Hitlergru\u00df zu zeigen. Am 22. und 29. M\u00e4rz warfen in Emskirchen, Landkreis Neustadt Steine gegen a.d. Aisch-Bad Windsheim, zwei 15bzw. 16j\u00e4hrige Skinheads Steine Asylbewerberdurch Fenster einer Aussiedlerunterkunft. Einer der Steine landete in heim einem Kinderbett, in dem ein f\u00fcnfj\u00e4hriges Kind schlief. Das Kind blieb unverletzt. Als Tatmotiv gab einer der Beschuldigten \"Frust\" und Fremdenfeindlichkeit an. Am 25. Juli brannten in Miesbach zwei 16j\u00e4hrige Sch\u00fcler mit einem Miniaturbrenner Hakenkreuze in den Verkaufswagen eines t\u00fcrkischen H\u00e4hnchenverk\u00e4ufers.","230 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Am 2. August verletzte in N\u00fcrnberg ein Skinhead einen Studenten durch einen Fu\u00dftritt in den Unterleib. Das Opfer hatte sich geweigert, ein Flugblatt entgegenzunehmen. Ein unbekannter Skinhead \u00fcberfiel am 6. August in Stein, Landkreis F\u00fcrth, einen 15j\u00e4hrigen farbigen Austauschsch\u00fcler. Der Angreifer schlug den Sch\u00fcler und raubte ihm die Armbanduhr und den Hausschl\u00fcssel. Am 22. August zerstachen in Lichtenfels unbekannte T\u00e4ter alle vier Reifen eines PKW und ritzten ein Hakenkreuz in die Motorhaube. Im August drangen unbekannte T\u00e4ter in Kirchberg, Landkreis M\u00fchldorf a. Inn, nach Einwerfen mehrerer Fensterscheiben in ein Geb\u00e4ude ein und spr\u00fchten unter anderem mehrere Hakenkreuze und SS-Runen an die W\u00e4nde. Schl\u00e4gerei Zun\u00e4chst unbekannte Skinheads schlugen am 27. September in Schwarzenbach a.d. Saale, Landkreis Hof, zwei in einem Buswarteh\u00e4uschen wartende Jugendliche. Die drei T\u00e4ter im Alter von 24 bis 27 Jahren konnten ermittelt werden. Einer gab bei seiner Vernehmung an, die Gesch\u00e4digten als \"linke Zecken\" erkannt zu haben. Nach einem Gastst\u00e4ttenbesuch drangen am 9. November in Windsbach, Landkreis Ansbach, zwei angetrunkene Skinheads durch die r\u00fcckw\u00e4rtige Eingangst\u00fcr in eine Unterkunft f\u00fcr Asylbewerber ein. Dort nahmen sie einen Feuerl\u00f6scher von der Wand und verspr\u00fchten das L\u00f6schpulver im Flur. 2.2 Linksextremistische Gewalt In Bayern wurden insgesamt 19 Gewalttaten mit linksextremistischer bzw. zu vermutender linksextremistischer Motivation begangen; 1996 waren es 25. Der Anteil Bayerns an diesen Straftaten in ganz Deutschland betr\u00e4gt etwas \u00fcber 2 %. Linksextremisten waren f\u00fcr zwei Brandanschl\u00e4ge verantwortlich (1996: drei ). Schwerpunkt Der Schwerpunkt lag - anders als im \u00fcbrigen Bundesgebiet - bei Aktionen gegen tats\u00e4chliche oder vermeintliche Rechtsextremisten und deren Veranstaltungen. Allein der unfriedliche Verlauf der Gegendemonstration gegen die Versammlung der NPD aus Anla\u00df der Wehrmachtsausstellung am 1. M\u00e4rz in M\u00fcnchen mit 31 Delikten des Landfriedensbruchs, zwei K\u00f6rperverletzungen und drei Widerstands-","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 231 delikten gegen Polizeibeamte zeigt ein weiterbestehendes erhebliches Gef\u00e4hrdungspotential im gewaltorientierten Linksextremismus. Dieses Ereignis wurde in der Statistik nur als ein Fall erfa\u00dft. Der Neubau eines Forschungsreaktors f\u00fcr die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen in Garching (FRM II) war trotz der Thematisierung in Szenepublikationen zwar selbst nicht Ziel von Angriffen, aber Anla\u00df zu Aktionen gegen andere Objekte. Mit dem Begr\u00fcndungszusammenhang \"Castor-Transporte\" - im \u00fcbrigen Bundesgebiet das Schwerpunktthema f\u00fcr linksextremistisch motivierte Gewalt - wurden unter anderem ein Anschlag auf die Bahn und ein Anschlag auf ein Energieversorgungsunternehmen ver\u00fcbt. 2.2.1 Brandanschl\u00e4ge Am 1. Februar wurde auf ein Dienstfahrzeug der Polizei in Augsburg ein Brandanschlag ver\u00fcbt. Am Fahrzeug entstand Sachschaden von etwa 2.000 DM. Am 5. Februar ging bei einem Rundfunksender in M\u00fcnchen ein kurzes Selbstbezichtigungsschreiben eines \"kommando 26. februar bewegung 27. Juni\" ein. Darin wird der Anschlag parolenhaft begr\u00fcndet. Unter anderem hei\u00dft es: \"DIE STRATEGISCHEN PROJEKTE DER EXEKUTIVEN GEWALT DES IMPERIALISTISCHEN STAATES IN WESTEUROPA ANGREIFEN!\" Am 20. Dezember ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter im Zusammenhang mit einer Veranstaltung im K\u00fcnstlerhaus, vormals KOMM in N\u00fcrnberg, einen Brandanschlag auf ein st\u00e4dtisches Geb\u00e4ude in unmittelbarer N\u00e4he des K\u00fcnstlerhauses. Die T\u00e4ter schleuderten zwei Molotowcocktails in das Erdgescho\u00df des Geb\u00e4udes. Das Feuer konnte rasch gel\u00f6scht werden. Es entstand unter Ber\u00fccksichtigung weiterer Straftaten Sachschaden in H\u00f6he von etwa 80.000 DM. 2.2.2 Sonstige Straftaten Durch massive Spr\u00fchaktionen in Eggenfelden, Landkreis Rottal-Inn, wurde Anfang Januar ein Sachschaden von etwa 30.000 DM verursacht. Als Tatverd\u00e4chtigen konnte die Polizei einen 22j\u00e4hrigen Mann ermitteln, der unter anderem Parolen wie \"Tod der Fasch. BRD, es lebe die RAF\" an eine Reihe von Geb\u00e4uden gespr\u00fcht hatte. Der Generalbundesanwalt hat gegen den Beschuldigten ein Ermittlungsverfahren wegen Werbens f\u00fcr eine terroristische Vereinigung eingeleitet.","232 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Anschlag In der Nacht zum 3. Februar zertr\u00fcmmerten Unbekannte in Coburg gegen Energiebeim st\u00e4dtischen Energieversorgungsunternehmen vier Fenster und versorgungswarfen zwei Farbbeutel an die Geb\u00e4udewand. In einem auf einem unternehmen Fensterbrett hinterlassenen und einem weiteren in der autonomen Szenepublikation \"INTERIM\" Nummer 408 vom 13. Februar abgedruckten Selbstbezichtigungsschreiben begr\u00fcndeten \"autonome Zellen\" bzw. \"autonome Gruppen\" die Tat unter anderem mit dem Widerstand gegen die Kernkraft und dem Neubau des Forschungsreaktors f\u00fcr die Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen bei Garching, Landkreis M\u00fcnchen. Darin hei\u00dft es: \" Wir haben die Schnauze voll! Voll von der menschenverachtenden Atompolitik der BRD und ihrer Funktionstr\u00e4ger/Innen. Die BRD versucht durch Forschungsreaktoren wie Garching/FRM II zu einer Atommacht zu werden. Ebenso ist die Atomkraft auch in ihrer .friedlichen' Nutzung t\u00f6dlich f\u00fcr Mensch und Umwelt. Die EVU's und damit auch die S\u00dcC sind f\u00fcr diese Politik mitverantwortlich. Wir wollen sie, mit dem was uns m\u00f6glich ist zur Rechenschaft ziehen. Gr\u00fc\u00dfe an alle die, die den Status quo nicht akzeptieren wollen und bereit sind, f\u00fcr eine befreite Welt zu k\u00e4mpfen! 3.2.97 autonome Zeilen.\" Am 28. Februar bewarfen unbekannte T\u00e4ter Fahrzeuge der Deutschen Bahn AG in M\u00fcnchen mit Farbeiern. In einem Selbstbezichtigungsschreiben, abgedruckt in der Publikation \"INTERIM\" Nummer 414 vom 3. April, hei\u00dft es, da\u00df sich die Aktion gegen die \"Atomm\u00fclltransporte ins Wendland\" richtete. Ein Bezug zum Forschungsreaktor in Garching wurde nicht hergestellt; allgemein hei\u00dft es: \"F\u00dcR EINE STARKE REVOLUTION\u00c4RE BEWEGUNG! HINTER DER ATOMKRAFT STECKEN MACHTUND PROFITINTERESSEN! DIE KLASSENLOSE GESELLSCHAFT ERK\u00c4MPFEN!\" In der Zeit vom 25. bis 28. April bespr\u00fchten in Passau Unbekannte aus dem \u00f6rtlichen autonomen Spektrum zahlreiche \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude mit politischen Parolen. Es entstand Sachschaden in H\u00f6he von etwa 40.000 DM. Die Parolen lauteten unter anderem: \"Antifa hei\u00dft Angriff\", \"Tod dem Staatsterror\" und \"DVU zerschlagen/ Kampf dem Faschismus\". Der Coburger Convent (CC), ein Zusammenschlu\u00df studentischer Korporationen, der sich j\u00e4hrlich zu Pfingsten in Coburg trifft, war bereits in den Vorjahren regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Links-, aber auch f\u00fcr Rechtsextremisten Anla\u00df f\u00fcr zum Teil unfriedliche Protestaktionen und Sach-","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 233 besch\u00e4digungen. W\u00e4hrend die Veranstaltungen auch aufgrund massiver Polizeipr\u00e4senz weitgehend friedlich verliefen, verursachten in diesem Jahr unbekannte T\u00e4ter im Vorfeld erhebliche Sachsch\u00e4den durch Schmierereien und die Zerst\u00f6rung eines Ehrenmals des CC im Coburger Hofgarten am 11. M\u00e4rz und 5. Mai. Der Sachschaden betrug \u00fcber 10.000 DM. Eine in der zweiten Jahresh\u00e4lfte bekanntgewordene Arbeitsgemeinschaft \"Siemens stoppen, M\u00fcnchen\" bezichtigte sich unter dem Motto \"SIEMENS PROFITIERT VOM BAU DES FRM II!\" der Sachbesch\u00e4digung an mehreren Fahrzeugen der Siemens AG. Eigenen Angaben zufolge besch\u00e4digte die Gruppe im Juni des Jahres insgesamt dreimal Kraftfahrzeuge der Siemens AG. Das Selbstbezichtigungsschreiben enth\u00e4lt ferner eine Aufforderung zur Begehung weiterer Straftaten bei Firmen, die an Planung und Bau des Forschungsreaktors M\u00fcnchen II beteiligt sind: \" Wir fordern euch auf, in n\u00e4chster Zeit \u00f6fters mal bei den Verantwortlichen vorbeizuschauen.\" \"DIE VERANTWORTLICHEN KONZERNE ANGREIFEN! DIE BAUMASSNAHMEN SABOTIEREN!\" In den fr\u00fchen Morgenstunden des 27. Oktober ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter bei Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg, einen Anschlag auf die Bahnstrecke Aschaffenburg-Darmstadt. Eine auf die Oberleitung Anschlag auf geworfene Hakenkralle ri\u00df einem Reisezug einen Stromb\u00fcgel ab. In die Bahn einem mit \"Tod der Atomkraft\" \u00dcberschriebenen Selbstbezichtigungsschreiben k\u00fcndigten die Verfasser an, da\u00df schon im Vorfeld eines weiteren Castor-Transports die Sch\u00e4den durch \u00e4hnliche Anschl\u00e4ge wieder \"Millionenh\u00f6he\" erreichen w\u00fcrden. Der Generalbundesanwalt hat ein Ermittlungsverfahren nach SS 129 a StGB (Bildung einer terroristischen Vereinigung) eingeleitet. Am 26. September wurde auf der Coburger Frankenbr\u00fccke eine wei\u00dfe Plastikt\u00fcte sichergestellt, die eine Bombenattrappe enthielt. Beigef\u00fcgt war ein Selbstbezichtigungsschreiben, das mit \"Revolution\u00e4re Angriffs Front\" (RAF) unterzeichnet war. Bereits am 6. August war das K\u00fcrzel \"RAF\" mit dem gleichen f\u00fcnfzackigen Stern an das Ehrenmal des Coburger Convents geschmiert worden. Die T\u00e4ter d\u00fcrften aus der \u00f6rtlichen autonomen Szene stammen. Ein Zusammenhang mit der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) kann ausgeschlossen werden.","234 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 2.3 Gewalt zwischen Linksund Rechtsextremisten Ein wichtiges Motiv f\u00fcr Gewalttaten insbesondere von Links-, aber auch von Rechtsextremisten in Bayern ist derzeit der Kampf gegen den jeweiligen politischen Gegner. Beide Lager sp\u00e4hen ihre Gegner aus und ver\u00f6ffentlichen die Ergebnisse, zum Teil verbunden mit Aufrufen zu Gewalttaten in \"Steckbriefen\" und Publikationen. Beide Seiten begehen die Straftaten mit erheblicher krimineller Energie und gro\u00dfer Brutalit\u00e4t. Die autonome Antifaschistische Aktion/Bundesweite Aktion (AA/BO) und insbesondere die bayerische autonome Szene sehen im Kampf gegen Rechtsextremisten einen Ansatzpunkt zur Zusammenarbeit mit b\u00fcrgerlichen Gruppen. Der Anstieg der Gewalttaten in diesem Sektor - sowohl linksals auch rechtsextremistischen Ursprungs - birgt die Gefahr des Aufschaukelns der Gewaltpotentiale. An Gewalttaten sind in diesem Zusammenhang beispielhaft die folgenden Ereignisse zu nennen: 1. M\u00e4rz in Am 1. M\u00e4rz anl\u00e4\u00dflich der \"Wehrmachtsausstellungs-Demonstration\" M\u00fcnchen in M\u00fcnchen konnte nur durch ein gro\u00dfes Polizeiaufgebot eine \"offene Feldschlacht\" zwischen NPD/JN-Demonstranten und Autonomen vermieden werden. Zu kleineren t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen kam es im Verlauf der Demonstration aber immer wieder. Linksextremisten, begingen allein w\u00e4hrend dieser Veranstaltung 31 Straftaten des Landfriedensbruchs, zwei K\u00f6rperverletzungen und drei Straftaten des Widerstands gegen Polizeibeamte; linksextremistisch motivierte Ausl\u00e4nder waren verantwortlich f\u00fcr sechs weitere Straftaten des Landfriedensbruchs. Auf der R\u00fcckfahrt von der Demonstration in M\u00fcnchen griffen in Murnau, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, Skinheads eine 16j\u00e4hrige vermeintliche Punkerin an und traktierten sie mit F\u00e4usten und Springerstiefeln. Dies hatte am 8. M\u00e4rz in Garmisch-Partenkirchen eine Gegenreaktion aus der Punkerszene zur Folge, wobei ca. 50 Punker Rache an Skinheads nehmen wollten. Die Polizei konnte schwere Straftaten unterbinden. In Moosburg, Landkreis Freising, warfen Unbekannte in der Nacht zum 30. M\u00e4rz Farbeier an das Haus des Bundesvorsitzenden der NPD. An der Haust\u00fcr brachten sie einen \"Antifa-Aufkleber\" mit der Aufschrift \"Vor diesem Feind werde ich mich nicht umdrehen! Gegen Nazis\" an. Bei einer weiteren Schmieraktion am 2 1 . Juni verursachten Unbekannte am selben Objekt einen Sachschaden in H\u00f6he von etwa 5.000 DM.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 235 Am 18. April lieferten sich in Lindau (Bodensee) gleichstarke Gruppen von jeweils etwa 15 Skinheads und Punkern eine Schl\u00e4gerei, in deren Verlauf ein Punker zwei Sch\u00fcsse aus einer Schreckschu\u00dfwaffe abgab. In der Nacht zum 1. Mai legten in Passau unbekannte T\u00e4ter zahlAnschlag gegen reiche Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfe vor die Garagenausfahrt eines NPD-Mitglieds. Die NPD-Mitglied Hindernisse wurden rechtzeitig erkannt, so da\u00df es zu keinem Sachschaden kam. Es ist davon auszugehen, da\u00df die T\u00e4ter der \u00f6rtlichen autonomen Antifa-Szene angeh\u00f6ren. Die Polizei ermittelt wegen eines gef\u00e4hrlichen Eingriffs in den Stra\u00dfenverkehr gem\u00e4\u00df SS 315 b StGB. In der Nacht zum 31. Mai kam es in Regen/Niederbayern zu t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen zwischen angeblich rechten und linken Gruppierungen. Dabei wurde mit einer Gaspistole geschossen und es kam zu Sachbesch\u00e4digungen. Eine Beteiligte erlitt Verletzungen. In der Zeit zwischen dem 9. und 10. August warfen unbekannte T\u00e4ter mehrere Pflastersteine in die Schaufenster eines Elektrogesch\u00e4fts in N\u00fcrnberg. Au\u00dferdem wurde an die Eingangst\u00fcr die Parole \"Nazis raus\" gespr\u00fcht. In dem Anwesen war vor einiger Zeit ein JN-Schulungszentrum untergebracht. Unter dem Motto \"Kein Fu\u00dfbreit den Faschisten\" griffen Autonome anl\u00e4\u00dflich von Demonstrationen in M\u00fcnchen am 16. August und in N\u00fcrnberg am 17. August auch zu Gewalt. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung warfen Versammlungsteilnehmer am 16. August in M\u00fcnchen vor dem Sitz des NPD-Landesverbands vereinzelt Gegenst\u00e4nde gegen das Anwesen. Auf die eingesetzten Polizeibeamten warfen sie mit Flaschen. Ein Beamter erlitt Verletzungen. Anschlie\u00dfend verbrannten Autonome eine Fahne der JN. Nach dem Ende der Versammlung bewarfen Skinheads abziehende Demonstrationsteilnehmer ebenfalls mit Flaschen. Die Polizei nahm insgesamt zehn Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs und der K\u00f6rperverletzung vorl\u00e4ufig fest. Am 17. August mu\u00dfte die Polizei in N\u00fcrnberg \u00fcber zehn Personen des linken Spektrums wegen Mitf\u00fchrens von Waffen und Vermummungsgegenst\u00e4nden vorl\u00e4ufig festnehmen. Bei einem am Vorabend im KOMM durchgef\u00fchrten \"Antifa-Fest\" waren Polizeibeamte angegriffen worden. Eine Gruppe von etwa zehn Vermummten hatte mit pyrotechnischer Signalmunition und Stahlkugeln geschossen. Ferner hatten Unbekannte aus dem KOMM heraus leere Bierflaschen und Steine auf die Beamten und deren Einsatzfahrzeuge geschleudert.","236 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 2.4 Gewalttaten durch ausl\u00e4ndische Extremisten Die Zahl der Gewalttaten durch ausl\u00e4ndische Extremisten hat in Starke Zunahme Bayern von acht auf 16 zugenommen. Das sind rund f\u00fcnf Prozent der bundesweit registrierten Zahl. Besonders gravierend ist ein versuchtes T\u00f6tungsdelikt im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen irakischer Kurden am 8. September in N\u00fcrnberg. Bei zwei Brandanschl\u00e4gen wird ein politisch motivierter Hintergrund ausl\u00e4ndischer Extremisten vermutet. Sechs der Gewalttaten (1996: drei) werden Anh\u00e4ngern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) zugerechnet. Die PKK-Anh\u00e4ngerschaft agiert in Bayern weiterhin zur\u00fcckhaltend, was zum einen auf den konsequenten Vollzug des PKK-Verbots, zum anderen auf den vom PKK-Generalvorsitzenden Abdullah \u00d6calan geforderten Gewaltverzicht seiner Anh\u00e4nger in Deutschland zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Anh\u00e4nger des Karatas-Fl\u00fcgels der verbotenen Devrimci Sol werden f\u00fcr eine Gewalttat verantwortlich gemacht. Deren erhebliche Gewaltbereitschaft ist ungebrochen. Dies zeigt sich vor allem an den im Bundesgebiet ausgetragenen blutigen Richtungsk\u00e4mpfen, in die auch ein im Raum Aschaffenburg lebender T\u00fcrke verwickelt war. 2.4.1 T\u00f6tungsdelikte und Brandanschl\u00e4ge Am 26. und 27. September durchsuchten Sicherheitskr\u00e4fte in N\u00fcrnberg die Wohnungen irakischer Staatsangeh\u00f6riger. Die Betroffenen werden beschuldigt, am 12. September im N\u00fcrnberger HauptbahnMesserstecherei hof an einer Messerstecherei zwischen verfeindeten irakischen Kurden beteiligt gewesen zu sein. Dabei war ein Tatbeteiligter erheblich verletzt worden. Bereits am 8. September hatte es in N\u00fcrnberg eine Messerstecherei zwischen diesen Gruppen gegeben. Zwei der Beteiligten erlitten dabei schwere Verletzungen durch Stiche in Hals bzw. Bauch. Gegen die drei irakischen Kurden wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen. Am 30. April legte ein unbekannter T\u00e4ter in Garching an der Alz, Landkreis Alt\u00f6tting, mittels Brandbeschleuniger Feuer im einem t\u00fcrkischen Lebensmittelgesch\u00e4ft. Die Einrichtung des Gesch\u00e4fts wurde v\u00f6llig zerst\u00f6rt, das Haus schwer besch\u00e4digt. Es entstand Sachschaden in H\u00f6he von mehreren 100.000 DM.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 237 Unbekannte T\u00e4ter warfen in der Nacht zum 15. Juli in M\u00fcnchen eine Brandflasche durch eine Fensterscheibe in die R\u00e4umlichkeiten eines makedonischen Kulturvereins. Das Feuer erlosch von selbst, ohne gr\u00f6\u00dferen Schaden anzurichten. Hintergrund der Tat d\u00fcrften Auseinandersetzungen zwischen Makedoniern und Albanern sein. 2.4.2 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Die PKK verzichtet derzeit in Deutschland auf offene Gewaltaus\u00fcbung. Anschl\u00e4ge, die der PKK zuzurechnen sind, wurden nicht bekannt. Dennoch ist die Gewaltbereitschaft der PKK-Anh\u00e4nger ungebrochen. Gewalttaten richten sich aber derzeit vornehmlich Keine offene gegen eigene Leute und in Einzelf\u00e4llen auch gegen \"unwillige SpenGewaltaus\u00fcbung der\". Sechs der in Bayern registrierten 16 Gewaltdelikte ausl\u00e4ndischer Extremisten, das entspricht einem Anteil von 38 %, sind Anh\u00e4ngern der PKK zuzurechnen. Bei den allj\u00e4hrlichen Spendenkampagnen kommt es nach wie vor zu Spendengelderpressungen. Da sich die Gesch\u00e4digten vor Repressionen f\u00fcrchten, verzichten sie h\u00e4ufig auf eine Anzeige. Dies war in der Vergangenheit h\u00e4ufig auch der Grund f\u00fcr den Widerruf von urspr\u00fcnglichen Aussagen der Betroffenen. 2.4.2.1 Straftaten der PKK In der Nacht zum 13. Mai mi\u00dfhandelten in einem Asylbewerberheim Gewalt gegen in Regen drei Kurden einen 18j\u00e4hrigen Landsmann, der sich geweiAsylbewerber gert hatte, an w\u00f6chentlichen Versammlungen der PKK teilzunehmen und Geld f\u00fcr die PKK zu spenden. Das Opfer erlitt mehrere Knochenbr\u00fcche an der Hand. Im Fall einer Anzeige bei der Polizei wurde es mit dem Tode bedroht. Im Rahmen des Ermittlungsverfahrens wurde bekannt, da\u00df sowohl in der Einrichtung in Regen als auch in einem Asylbewerberheim in Deggendorf PKK-Komitees Veranstaltungen f\u00fcr die PKK organisierten, Spenden eintrieben und \"Gesetze\" der PKK durchsetzten. In Regen konnten am 17. Juni bei Durchsuchungen, die sich gegen insgesamt zehn Beschuldigte sowie weitere Personen in deren Umfeld richteten, umfangreiches Beweismaterial sichergestellt und zwei Haftbefehle des Amtsgerichts M\u00fcnchen gegen zwei PKK-Aktivisten vollzogen werden. Gegen einen weiteren 18j\u00e4hrigen T\u00fcrken lag ein Haftbefehl zur","238 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Abschiebung vor. In Deggendorf wurden zwei Kurden wegen Verdachts des Versto\u00dfes gegen das Bet\u00e4tigungsverbot der PKK vorl\u00e4ufig festgenommen. Erpressung Unbekannte T\u00e4ter brachten am 28. Mai in Kahl a. Main, Landkreis Aschaffenburg, an der Eingangst\u00fcr zu einem D\u00f6ner-Kiosk ein Erpresserschreiben an. Darin forderten sie die \u00dcberweisung von 20.000 DM an eine Bank in Damaskus/Syrien. Auf dem Schreiben waren die Buchstaben \"PKK\" angebracht. Am 1. Juni erschien ein Kurde aus H\u00f6chst\u00e4dt a.d. Donau, Landkreis Dillingen a.d. Donau, bei der Polizeiinspektion Dillingen und trug vor, da\u00df seine 16j\u00e4hrige Tochter am 17. Mai anl\u00e4\u00dflich der Pfingstferien zu einer Schwester nach Freiburg im Breisgau/Baden-W\u00fcrttemberg gereist und von dort aus vermutlich von PKK-Aktivisten in ein Ausbildungslager verbracht worden sei. Die 16j\u00e4hrige wurde daraufhin als vermi\u00dft gemeldet. Durch Ermittlungen konnte die Vermi\u00dfte am 14. Juni in Dortmund/Nordrhein-Westfalen in Gewahrsam genommen und ihren Eltern \u00fcbergeben werden. Ihre Aussagen lassen den Schlu\u00df zu, da\u00df sie sich freiwillig in ein PKK-Ausbildungslager in Stra\u00dfburg/Frankreich begeben hat und von dort nach zehn Tagen nach Dortmund gefahren wurde. Von dort sollte sie in ein anderes Ausbildungslager verbracht werden. Am 24. Juni meldete der Vater seine Tochter erneut als vermi\u00dft. Sp\u00e4ter gab er an, einen Telefonanruf eines ihm unbekannten Mannes erhalten zu haben, der ihm lediglich mitteilte, da\u00df es seiner Tochter gut gehe. Auch aus dem \u00fcbrigen Bundesgebiet liegen mehrere vergleichbare F\u00e4lle vor. Die PKK entzieht offenbar gezielt Jugendliche der Obhut Verschleppung ihrer Eltern und bringt sie gegen den Willen der Sorgeberechtigten in von Jugendlichen Ausbildungslager der PKK. Dort werden sie unter anderem f\u00fcr den terroristischen Kampf der PKK in der T\u00fcrkei ausgebildet. Am 17. Dezember konnte die Polizei in Neumarkt i.d. Opf. einen mutma\u00dflichen Spendengelderpresser der PKK festnehmen. Der beschuldigte 25j\u00e4hrige t\u00fcrkische Staatsangeh\u00f6rige hatte einen Landsmann mehrmals zu unterschiedlichen Zeiten in wechselnder Begleitung aufgesucht und zuerst einen unbestimmten Geldbetrag, zuletzt einen Mindestbetrag in H\u00f6he von 500 DM gefordert. Zum Zeitpunkt seiner Festnahme beabsichtigte der Beschuldigte, den geforderten Geldbetrag beim Gesch\u00e4digten abzuholen. Der Ermittlungsrichter beim Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth erlie\u00df am 18. Dezember Haftbefehl wegen r\u00e4uberischer Erpressung.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 239 2.4.2.2 Festnahmen und Strafverfahren Am 9. April verurteilte die Jugendkammer des Landgerichts M\u00fcnchen in einem Berufungsverfahren einen 22j\u00e4hrigen PKK-Aktivisten wegen versuchter r\u00e4uberischer Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bew\u00e4hrung. Der Verurteilte hatte am 6. Februar 1995 in Unterschlei\u00dfheim, Landkreis M\u00fcnchen, einen Landsmann mit Fu\u00dftritten und Faustschl\u00e4gen mi\u00dfhandelt, der die Zahlung von 3.000 DM f\u00fcr die PKK verweigert hatte. Am 2. Mai konnte am Grenz\u00fcbergang Salzburg/\u00d6sterreich ein 37j\u00e4hriger PKK-Funktion\u00e4r festgenommen werden, der nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes der Europ\u00e4ischen Frontzentrale der PKK, dem h\u00f6chsten F\u00fchrungsgremium der PKK in Europa, angeh\u00f6rt. Am 30. Juni verurteilte das Landgericht M\u00fcnchen zwei Kurden wegen gemeinschaftlich begangener versuchter schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit einem Versto\u00df gegen das Waffengesetz zu FreiheitsUrteil wegen strafen von jeweils vier Jahren und sechs Monaten. Die Verurteilten Brandstiftung hatten zwei Landleute zu einem Brandanschlag auf ein t\u00fcrkisches Reiseb\u00fcro in M\u00fcnchen angeleitet und ihnen hierzu am 28. Februar 1995 in den R\u00e4umen des inzwischen verbotenen Kurdischen Elternvereins e.V. in M\u00fcnchen die Tatmittel ausgeh\u00e4ndigt. Die beiden Mitt\u00e4ter waren bereits am 21. Mai 1996 zu Freiheitsstrafen von drei Jahren und neun Monaten bzw. zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. 2.4.3 Sonstige Gewalttaten und Exekutivma\u00dfnahmen Am 5. November konnte die Polizei in M\u00fcnchen einen Anh\u00e4nger des Karatas-Fl\u00fcgels der verbotenen Devrimci Sol festnehmen. Ihm wird Festnahmen vorgeworfen, am 17. September 1996 gemeinsam mit einem unbekannten Mitt\u00e4ter eine 30j\u00e4hrige T\u00fcrkin in einen PKW gezwungen und aus ihrer Handtasche Bargeld geraubt zu haben. Anschlie\u00dfend zwangen die T\u00e4ter ihr Opfer, Geld aus einem EC-Automaten abzuheben, was aber mi\u00dflang. Der Festgenommene befindet sich in Untersuchungshaft. Die Festnahme f\u00fchrte zur Aufdeckung weiterer Folgetaten. Im Zusammenhang mit der Ermordung des \"Gegenkalifen\" Halil Ibrahim Sofu am 8. Mai in Berlin durchsuchten Polizeikr\u00e4fte am 9. September Moscheen und Vereinsobjekte des ICCB in K\u00f6ln, D\u00fcsseldorf,","240 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Berlin und Augsburg. Dabei wurde der \u00f6rtliche Funktion\u00e4r und Imam aus Augsburg verhaftet. Ihm wird vorgeworfen, bei einem Freitagsgebet zur Ermordung Sofus aufgerufen zu haben. Dieser Aufruf best\u00e4tigt erneut die Gewaltbereitschaft des ICCB. 3. Die Rote Armee Fraktion (RAF) und ihr ideologisch nahestehende Terrorgruppen 3.1 Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) 3.1.1 Entwicklung der RAF Die vor mehr als 25 Jahren entstandene RAF verfolgte urspr\u00fcnglich das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfs durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Ihren revolution\u00e4ren Kampf f\u00fchrte sie in einer koordinierten antiimperialistischen Front, die drei Ebenen, n\u00e4mlich \"Guerilla\" (Kommandoebene), \"Widerstand\" (RAF-Umfeld) und \"Gefangene\" (inhaftierte terroristische Gewaltt\u00e4ter), umfa\u00dfte. In drei umfangreichen Erkl\u00e4rungen vom April, Juni und August 1992 r\u00e4umte die RAF eine Reihe aus ihrer Sicht schwerwiegender Fehleinsch\u00e4tzungen der Vermittelbarkeit ihrer Aktionen und ihrer Strategie ein und k\u00fcndigte eine vorl\u00e4ufige Einstellung der Mordanschl\u00e4ge an. Gleichzeitig bekr\u00e4ftigte die RAF, da\u00df sie sich unter bestimmten Bedingungen die Wiederaufnahme der Anschl\u00e4ge gegen Personen und solcher Anschl\u00e4ge, die zum \"Zur\u00fcckdr\u00e4ngen des Staats\" in bestimmten Bereichen erforderlich seien, vorbehalte. Als einen solchen Anschlag bewertete die RAF-Kommandoebene auch den am 27. M\u00e4rz 1993 - als bisher letzte terroristische Aktion der RAF.registrierten Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt Darmstadt-Weiterstadt, der einen Sachschaden von 116 Millionen DM verursacht hatte. Noch in der Erkl\u00e4rung vom 6. M\u00e4rz 1994 bekr\u00e4ftigte die RAF diesen Vorbehalt und den Anspruch auf Vollst\u00e4ndige eine \"vollst\u00e4ndige Umw\u00e4lzung der herrschenden Verh\u00e4ltnisse\", dem Umw\u00e4lzung der sie mit dem Aufbau einer \"sozialen Gegenmacht von unten\" n\u00e4herherrschenden kommen wolle. Die RAF als Teil dieser \"Gegenmacht\" war bereit, ihre Verh\u00e4ltnisse Erfahrungen zur Verwirklichung dieses Ziels mit einzubringen. Versuche des linksextremistischenAterroristischen Spektrums, bundesweite Organisationsstrukturen aufzubauen, sind jedoch zun\u00e4chst entweder","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 241 gescheitert oder haben nicht die erforderliche Resonanz erfahren (vgl. auch Nummer 3.4 dieses Abschnitts). Die RAF ist heute als aktionswillige terroristische Organisation nicht mehr existent. In ihrer letzten Erkl\u00e4rung vom 9. Dezember 1996 formulierten die Herausgeber: \"Das RAF -Konzept ist \u00fcberholt. Das ist objektiv so. Dabei bleibt es also auch. (...) Es kann auch keine modifizierte Neuauflage des Alten geben.\" Die Bedeutung der RAF als Integrationsfaktor f\u00fcr das terroristische Umfeld nahm weiter ab. In den Diskussionen und sonstigen Aktivit\u00e4ten, wie z.B. der Betreuung von inhaftierten terroristischen GewaltRAF nicht mehr t\u00e4tern, ist die RAF zwar nach wie vor Thema; die Weiterentwicklung aktionswillig der Politik der RAF war dagegen in den Diskussionen kaum von Bedeutung. Die Anh\u00e4nger des terroristischen Umfelds befassen sich konzeptionell mit anderen Themen. Vor allem der sogenannte antiimperialistische Widerstand betreibt, wie bereits im vergangenen Jahr, auch unter Beteiligung ehemals inhaftierter RAF-Mitglieder die Internationalisierung seiner Bestrebungen und pflegt intensive Kontakte mit anderen Linksextremisten und terroristischen Gruppen. Intensive Kontakte waren unter anderem zur baskischen Terrorgruppe ETA und zur kurdischen PKK feststellbar. 3.1.2 Aufarbeitung der \"RAF-Geschichte\" unter dem Motto \"20 Jahre Deutscher Herbst\" Unabh\u00e4ngig von weiteren Erkl\u00e4rungen der RAF begann das \u00fcbrige linksextremistische Spektrum unter dem Motto \"20 Jahre Deutscher Herbst\", die Geschichte und Ideologie der RAF aufzuarbeiten. So verfa\u00dfte die linksextremistische Haftund Rechtshilfeorganisation Rote Hilfe e.V. eine Sonderpublikation mit dem Titel \"20 Jahre StammAufarbeitung der heim\". In Bayern \u00fcbernahm im Oktober die autonome Zeitschrift Geschichte \"barricada\" dieses Thema. In Anlehnung an die gescheiterte \"RAF-Politik\" erkl\u00e4rten die Verfasser: \"Ob dieser Kampf, f\u00fcr eine befreite kommunistische Gesellschaft, irgendwann auch wieder eine Stadtguerilla hervorbringen wird, ist eine Frage, die einzig die Zukunft beantworten kann. (...) Auf Gegengewalt, Militanz und direkte Aktion zu verzichten, hei\u00dft, sich mit den Verh\u00e4ltnissen abzufinden.\" Ehemalige RAF-Mitglieder traten mit Interviews, Autobiographien und in Tagungen an die \u00d6ffentlichkeit. Christian Klar, ehemals","242 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt f\u00fchrender Kopf der RAF, \u00e4u\u00dferte sich im Magazin der S\u00fcddeutschen Zeitung (Ausgabe Nummer 17 vom 25. April) zur RAF aus heutiger Sicht und zu seiner Haftsituation. Die ehemalige Aktivistin der \"Bewegung 2. Juni\" und sp\u00e4tere RAF-Angeh\u00f6rige, Inge Viett, ver\u00f6ffentlichte eine Autobiographie (\"Nie war ich furchtloser\", Edition Nautilus, Hamburg, 1997). Autorenlesungen fanden unter anderem in N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg statt. Der Autor Oliver Tolmein gab unter dem Titel \"Das war f\u00fcr uns Befreiung\" (Konkret Literatur Verlag, Hamburg, 1997) ein Gespr\u00e4ch mit der ehemaligen RAF-Terroristin Irmgard M\u00f6ller heraus. Ein Interview mit Irmgard M\u00f6ller war ferner im Nachrichtenmagazin \"Der Spiegel\" Nummer 17 abgedruckt. Gemeinsam ist allen diesen \u00f6ffentlichen \u00c4u\u00dferungen das Bem\u00fchen, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Handeln der RAF zu wecken und die Verbrechen der RAF, vor allem die der Fr\u00fchphase, zu rechtfertigen. 3.1.3 Mutma\u00dfliche Mitglieder der RAF stellen sich Zwei seit Dezember 1989 gesuchte mutma\u00dfliche RAF-Mitglieder haben sich am 18. Juli freiwillig den Ermittlungsbeh\u00f6rden gestellt. Die Gesuchten meldeten sich in Hassel/Niedersachsen bei der Polizei. Karl Heinz Gerum und Corinna Kammermeier sollen f\u00fcr die RAF Wohnungen beschafft sowie Personen, Firmen und Beh\u00f6rden ausspioniert haben. 3.1.4 Inhaftierte terroristische Gewaltt\u00e4ter Bei den zehn noch Inhaftierten der RAF handelte es sich lange Zeit, au\u00dfer bei Birgit Hogefeld, um sogenannte \"Hardliner\", die die Bem\u00fchungen der RAF nach \"Deeskalation\" (Erkl\u00e4rung vom 10. April 1992) ablehnten und weiterhin an den Idealen des \"bewaffneten Kampfs\" der \"Guerilla\" festhielten. Inzwischen ist diese Front zerbrochen. Richtungsweisende politisch-konzeptionelle Verlautbarungen der Inhaftierten blieben in letzter Zeit aus; sie besch\u00e4ftigen sich im wesentlichen mit ihrer eigenen Situation im Strafvollzug. Sprachrohr der Gefangenen ist das von \"Angeh\u00f6rigen und Freunden politischer Gefangenen in der Bundesrepublik Deutschland\" herausgegebene \"Angeh\u00f6rigen Info\". Die monatlich erscheinende Publikation enth\u00e4lt Artikel \u00fcber die Haftbedingungen der RAF-Gefangenen, aktuelle Proze\u00dfberichte, Buchbesprechungen, Briefe und Erkl\u00e4rungen von Inhaftierten, dazu ausf\u00fchrliche Berichte \u00fcber die Situation von Gefangenen in anderen L\u00e4ndern.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 243 3.2 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) Beim AIW handelt es sich um militante Gruppen, die ihren bewaffneten Widerstandskampf gegen die in Deutschland bestehende Gesellschaftsordnung aus verdeckten Strukturen heraus f\u00fchren wollen. Der Festhalten an AIW orientiert sich an den ersten ideologischen Leitlinien der RAF Gewalttaten (Ulrike Meinhof) und will Gewalttaten nach dem Prinzip der Revolution\u00e4ren Zellen ver\u00fcben. Das Ziel sind zun\u00e4chst Sachsch\u00e4den; es werden aber auch Angriffe auf Menschen (einschlie\u00dflich der T\u00f6tung) nicht ausgeschlossen. Beispielhaft hierf\u00fcr sind die Anschl\u00e4ge der ehemaligen Antiimperialistischen Zelle (AIZ) anzuf\u00fchren. Bei deren Anschl\u00e4gen haben die Sprengs\u00e4tze erhebliche Sachsch\u00e4den angerichtet, Menschen wurden aber nicht verletzt. Da\u00df es keine Toten oder Verletzten geben sollte, war allerdings nicht das erkl\u00e4rte Ziel der Gruppe. In mehreren Selbstbezichtigungsschreiben hatte die AIZ mit \"potentiell t\u00f6dlichen Aktionen\" gedroht, so beim Anschlag am 17. September 1995 auf das Wohnhaus des Bundestagsabgeordneten Paul Breuer in Siegen und am 23. Dezember 1995 auf ein D\u00fcsseldorfer B\u00fcrohaus, in dem sich der Sitz des peruanischen Honorarkonsuls befand. Wenngleich die Anh\u00e4nger dieses \"antiimperialistischen Widerstands\" - von wenigen Ausnahmen abgesehen - bisher kaum schwere Gewaltakte ver\u00fcbten, stellt dieser Bereich dennoch eine Gefahr f\u00fcr die Innere Sicherheit dar. Dies zeigen unter anderem intensive Kontakte zu linksextremistischen und auch linksterroristischen ausl\u00e4ndischen Gruppen, wie z.B. der kurdischen PKK und der baskischen ETA, Internationale und das Festhalten am \"bewaffneten Kampf\". Auch die Beteiligung Verbindungen von Personen aus dem fr\u00fcheren RAF-Umfeld und ehemals inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter an den Diskussionen zur Entwicklung k\u00fcnftiger Perspektiven, insbesondere zur Internationalisierung des Widerstands, zeigt die Attraktivit\u00e4t dieser Zusammenh\u00e4nge. 3.2.1 Antiimperialistische Zelle (AIZ) Als militante Gruppierung des sogenannten antiimperialistischen Widerstands trat bereits 1992 eine Gruppierung auf, die sich zun\u00e4chst als \"Antiimperialistische Widerstandszelle Nadja Shehadah\" und sp\u00e4ter als \"Antiimperialistische Zelle\" (AIZ) bezeichnete. Die AIZ lehnt die \"Deeskalations-Politik\" der RAF-Kommandoebene scharf ab und h\u00e4lt an der Strategie und Praxis der RAF vor 1992 fest. Die AIZ","244 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt geht davon aus, da\u00df die gegenw\u00e4rtige Realit\u00e4t durch patriarchale, rassistische und kapitalistische Unterdr\u00fcckungsund Ausbeutungsverh\u00e4ltnisse gekennzeichnet sei. W\u00e4hrend die AIZ im Jahre 1995 noch insgesamt vier Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbte, wurden in der Folgezeit keine Anschl\u00e4ge mehr verzeichnet. Ursache hierf\u00fcr d\u00fcrfte die Festnahme zweier mutma\u00dflicher AlZ-Mitglieder am 25. Februar 1996 in Witzhave bei Hamburg gewesen sein. Beiden wird vorgeworfen, unter anderem am Anschlag auf das peruanische Honorarkonsulat in D\u00fcsseldorf am 23. Dezember 1995 beteiligt gewesen zu Proze\u00dfbeginn sein. Mit dieser Verhaftung gelang den Sicherheitsbeh\u00f6rden offensichtlich ein entscheidender Schlag gegen die AIZ. Der Proze\u00df gegen die zwei Angeklagten begann am 14. November vor dem Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf. 3.2.2 Internationale Zusammenh\u00e4nge im antiimperialistischen Widerstand Die Aktivit\u00e4ten im antiimperialistischen Widerstand konzentrierten sich \u00fcberwiegend auf die Weiterentwicklung theoretischer Perspektiven. Wesentlich waren dabei die Bem\u00fchungen, Kontakte zu anderen linksextremistischen bzw. terroristischen Gruppen zu kn\u00fcpfen, um eine internationale Basis f\u00fcr k\u00fcnftige Aktivit\u00e4ten zu schaffen. GrundBerufung auf l\u00e4ge f\u00fcr diese Bestrebungen bildet die Erkl\u00e4rung der RAF vom 6. M\u00e4rz RAF-Ideologie 1994. Diese legte damals neben dem Aufbau einer \"Gegenmacht von unten\" besonderen Wert auf ihre internationalen Verpflichtungen: \"heute kann die vordringliche aufg\u00e4be internationalistischer politik der linken in deutschland nur sein: das kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis hier in dieser gesellschaftzu unseren gunsten zu entwickeln, das verlangen genossinnen aus dem trikont von uns, womit sie recht haben, da f\u00e4ngt der Internationalismus an, das ist unsere Verantwortung.\" Die RAF sprach sich daf\u00fcr aus, da\u00df k\u00fcnftig der soziale Sinn \"revolution\u00e4rer K\u00e4mpfe\" sichtbar gemacht wird. Festzustellen sind mittlerweile e nge Kontakte zur ETA sowie zur PKK Kontakte zu ETA und ihr nahestehenden Organisationen. Diese Kontakte dienen in erund PKK ster Linie der Absprache und Vorbereitung gemeinsamer Aktionen. Nach Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden beteiligen sich derzeit mehrere Personen, vorwiegend aus dem Spektrum des antiimperialistischen Widerstands, an Kampfhandlungen der PKK in der T\u00fcrkei und im Irak. Der \"kurdische Befreiungskampf\" soll zudem auch in","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 245 Deutschland durch Solidarit\u00e4tsveranstaltungen der \"Linken\" st\u00e4ndig pr\u00e4sent sein. Allerdings stellt sich f\u00fcr viele Gruppen und Organisationen, die aktiv in der \"Kurdistan-Solidarit\u00e4t\" t\u00e4tig sind, immer mehr die Frage um die Weiterf\u00fchrung effektiver Solidarit\u00e4tsarbeit. Ausl\u00f6ser dieser Diskussion sind \u00c4u\u00dferungen des PKK-Vorsitzenden \u00d6calan, die teilweise in krassem Widerspruch zum Selbstverst\u00e4ndnis linker Politik stehen. Ihm werden unter anderem rassistische, antisemitische \u00c4u\u00dferungen und die Billigung von Abschiebungen vorgeworfen. Um einem drohenden Zerfall der Solidarit\u00e4tsbewegung vorzubeugen, haben etwa Mitte des Jahres \"einige Kommunistinnen aus N\u00fcrnberg\" (ekan) eine \"Dokumentation zu Problemen der Kurdistan Solidarit\u00e4tsarbeit\" herausgegeben. Sie soll als Grundlage zur Neubestimmung linker Politik zum Thema \"Kurdistan\" gedacht sein mit dem Ziel, die \"Solidarit\u00e4t mit dem kurdischen Volk und Unterst\u00fctzung seines Kampfs um Freiheit und soziale Befreiung\" fortzusetzen. Als weiteres Beispiel internationaler terroristischer Verkn\u00fcpfungen ist die Festnahme zweier deutscher Unterst\u00fctzer der baskischen Untergrundorganisation ETA zu sehen. Beiden wird vorgeworfen, im April diesen Jahres Wohnungen f\u00fcr die ETA in Madrid angemietet zu haben. Die spanische Polizei war anl\u00e4\u00dflich einer Sprengstoffexplosion in einer solchen Wohnung auf die Deutschen aufmerksam geworden. Ihnen wird die Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion und ein Versto\u00df gegen das spanische Kriegswaffenkontrollgesetz angelastet. Anl\u00e4\u00dflich der Festnahme mehrerer \"Anarchistinnen\" in Italien am 17. September 1996 entstand innerhalb des AIW eine Solidarit\u00e4tskampagne, deren Schwerpunkt Bayern, speziell M\u00fcnchen, ist. Als Solidarit\u00e4t f\u00fcr Bezugsquelle f\u00fcr aktuelles Informationsmaterial \u00fcber die Prozesse in italienische Italien wird in der linksextremistischen Szene das \"Solidarit\u00e4tskomitee GesinnungsItalien\" im autonomen Info-Laden in M\u00fcnchen genannt. Im \"Intergenossen net\" (November 1997) beschrieb das \"Solitarit\u00e4tskomitee Italien\" seine Zielsetzung recht eindeutig: \"Die beste Solidarit\u00e4t mit den Unterdr\u00fcckten in anderen Teilen der Welt ist immer noch die, dort wo wir leben - in unserem Falle also innerhalb der Festung Europa - die HERRschende Ordnung aktiv anzugreifen und zu sabotieren, wodurch wir sowohl hier, als auch \u00fcberall dort, wo die hiesigen HERRschenden ihre Finger im Spiel haben, einen Schritt weiter in Richtung einer revolution\u00e4ren Zerst\u00f6rung der globalen kapitalistischen Situation kommen.\" Von besonderer Bedeutung war eine in Z\u00fcrich vom 15. bis 25. Mai durchgef\u00fchrte Veranstaltungsreihe zur \"bewaffneten und militanten","246 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt Veranstaltung in Politik\" der Linken in Deutschland, Italien und der Schweiz. EhemaZ\u00fcrich lige Mitglieder der RAF, der Roten Brigaden aus Italien und weiterer Terrorgruppen versuchten, die \"Geschichte der bewaffneten K\u00e4mpfe in Europa\" aufzuarbeiten. Die etwa 300 Teilnehmer stammten vor allem aus Deutschland und Italien. Die Veranstaltung fand auch in den Medien breite Beachtung und wurde dort kritisch gew\u00fcrdigt. Im Vordergrund stand die Zielsetzung, linksextremistische Kr\u00e4fte europaweit zusammenzuf\u00fchren und das Bewu\u00dftsein zu vermitteln, \"da\u00df ohne die Aufarbeitung der in den siebziger Jahren gemachten Erfahrungen eine neu entstehende linksradikale Bewegung wieder ganz von vorne anfangen m\u00fc\u00dfte\". Diese Aussage des ehemaligen RAF-Mitglieds Roland Mayer l\u00e4\u00dft den Schlu\u00df zu, da\u00df eine Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfs europaweit in bestimmten Personenzusammenh\u00e4ngen zumindest thematisiert wird. Mayer zog abschlie\u00dfend folgendes Fazit der Veranstaltung: \"Als positive Erfahrung bleibt, da\u00df es m\u00f6glich ist, sich gegen diese scheinbar total formierten Systeme in den hochindustriellen Staaten durchzusetzen und den Herrschenden wie ihren Apparaten Grenzen aufzuzeigen und zu setzen.\" Konkrete Aussagen \u00fcber neu zu entwickelnde Strukturen oder neue Agitationsmodelle waren auf dieser Veranstaltung weder zu erwarten noch waren sie vom Veranstalter beabsichtigt. Derartige Denkmodelle werden nur intern in kleinstem Rahmen diskutiert. Weitere Gelegenheiten, diese Themen international zu diskutieren, gab es bei den Gegenveranstaltungen zum Eurogipfel in Amsterdam vom 16. bis 17. Juni und bei einem \"internationalen Treffen f\u00fcr eine menschliche Gesellschaft und gegen Neoliberalismus\" vom 25. Juli bis 3. August in Spanien. Der Terror\u00fcberfall eines MRTA-Kommandos am 17. Dezember 1996 auf die Residenz des japanischen Botschafters in Lima/Peru fand in Teilen der linksextremistischen Szene in Deutschland unverhohlene Zustimmung, nicht zuletzt auch bei der PDS. In zahlreichen Veranstaltungen, Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen in linksextremistischen Publikationen und Schmieraktionen zugunsten der Geiselnehmer im gesamten Bundesgebiet, in Bayern unter anderem in Aschaffenburg, M\u00fcnchen und W\u00fcrzburg, bekundeten \u00fcberwiegend Autonome und die PDS ihre Solidarit\u00e4t. Deutsche Linksextremisten unterst\u00fctzten die Forderungen der Geiselnehmer unter anderem mit der eigenen Forderung nach Freilassung der \"politischen Gefangenen in Peru und weltweit\".","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 247 Auch nach der Beendung der Geiselnahme durch peruanische Sicherheitskr\u00e4fte am 22. April, bei der alle Geiselnehmer get\u00f6tet wurden, dauerten die Solidarit\u00e4tsaktionen und Schmierereien an. 3.2.3 Solidarit\u00e4tsveranstaltungen zum \"Tag der politischen Gefangenen\" Die von Linksextremisten getragene Haftund Rechtshilfeorganisation Rote Hilfe e.V. initiierte f\u00fcr den 18. M\u00e4rz eine bundesweite Veranstaltungsreihe zu einem Aktionstag \"Solidarit\u00e4t und Widerstand gegen staatliche Unterdr\u00fcckung\". Thema des Aktionstags war die Situation von \"politischen Gefangenen\" auf internationaler Ebene wie auch in Deutschland. An den dezentralen Demonstrationen, Kundgebungen und Informationsveranstaltungen beteiligten sich zahlreiche Linksextremisten, insbesondere Angeh\u00f6rige der autonomen/antiimperialistischen Szene. Die Mobilisierung zu den Veranstaltungen erfolgte \u00fcber Szenepublikationen, aber auch \u00fcber Computernetze. In Bayern wurden drei derartige Aktionen bekannt. In N\u00fcrnberg Veranstaltungen organisierte die Rote Hilfe e.V., Ortsgruppe N\u00fcrnberg, am 15. M\u00e4rz in Bayern eine interne Informationsveranstaltung zum Thema \"Solidarit\u00e4t mit den baskischen politischen Gefangenen\" mit etwa 40 Teilnehmern. Die Antiimperialistische Gruppe (AIG) N\u00fcrnberg hielt am 18. M\u00e4rz eine Informationsveranstaltung ab, unter anderem zur rechtlichen Situation der \"politischen Gefangenen\" nach ihrer Freilassung und ihrem Gesundheitszustand. Erw\u00e4hnung fanden auch die Gefangenen aus der PKK. Die Einladung eines ehemaligen Gefangenen der RAF als Referenten ist nicht gegl\u00fcckt. Zum gleichen Thema errichtete die Rote Hilfe e.V. Kempten am '18. M\u00e4rz in Memmingen einen Informationsstand. Dabei wurde versucht, der Bev\u00f6lkerung den Begriff \"politische Gefangene\" n\u00e4herzubringen und auf die \"Knastsituation\" aufmerksam zu machen. 3.3 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) und Frauengruppe Rote Zora Die erstmals im Jahre 1972 in Erscheinung getretenen Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) sind unabh\u00e4ngig voneinander operierende Kleingruppen, die sich als antiimperialistisch und Sozialrevolution\u00e4r bezeichnen. Ihre Taktik besteht im allgemeinen darin, mit Anschl\u00e4gen bei m\u00f6glichst","248 Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt geringem Einsatz und Risiko m\u00f6glichst hohen Sachschaden anzurichten, der nach ihrer Auffassung den betroffenen Einrichtungen bzw. Unternehmen mehr schadet als der Ausfall einer F\u00fchrungsperson. Im Gegensatz zu den Angeh\u00f6rigen der fr\u00fcheren RAF-Kommandoebene agieren die Mitglieder aus streng abgeschotteten Zellen heraus. Sie leben jedoch nicht im Untergrund und sind deshalb auch nicht darauf angewiesen, sich eine konspirative Logistik zu schaffen. Anschl\u00e4ge der Revolution\u00e4ren Zellen bzw. der aus den RZ abgespaltenen autoKeine Anschl\u00e4ge n\u00f6men Frauengruppe Rote Zora waren im Berichtszeitraum im gesamten Bundesgebiet nicht zu verzeichnen. 3.4 Ausblick Nach dem R\u00fcckgang der Bedrohung durch RAF, AIZ und der Inaktivit\u00e4t der Revolution\u00e4ren Zellen/Rote Zora bleibt festzustellen und zu hoffen, da\u00df die klassischen Strukturen und Organisationsformen im Linksterrorismus wohl der Vergangenheit angeh\u00f6ren. Hieraus allerdings den Schlu\u00df zu ziehen, der Terrorismus in der Bundesrepublik Deutschland sei nun endg\u00fcltig zerschlagen, w\u00e4re voreilig. Vielmehr hat sich in den vergangenen Jahren eine Wandlung im terroristischen Spektrum vollzogen. Den Gedanken der RAF aufgreifend, eine \"Gegenmacht von unten\" aufzubauen und die \"Internationalisierung\" weiter voranzutreiben, bildeten sich autonome/antiimperialistische Personenzusammenschl\u00fcsse. Sie betreiben internationale Solidarit\u00e4tsarbeit und entwickeln nach Erkenntnissen der Sicherheitsbeh\u00f6rden Modelle des Neuorientierung \"Guerillakampfs\" neu. Im Rahmen sozialrevolution\u00e4rer Themenfelder sollen Anschl\u00e4ge aus der \"Legalit\u00e4t\" heraus nach dem Zellenprinzip begangen werden. Diese Praxis, nach der die RZ vorgingen, erschwert den Sicherheitsbeh\u00f6rden die Strafverfolgung erheblich. Das Fehlen einer festen Organisationsstruktur beugt nach Ansicht der Szene zudem der m\u00f6glichen Einschleusung von Mitarbeitern der Sicherheitsbeh\u00f6rden vor. Europaweite Verbindungen innerhalb dieses Spektrums bieten die M\u00f6glichkeit der logistischen und personellen Zusammenarbeit. Die Anschlagsmotive (Energiepolitik, Asylund Abschiebepolitik, \"Repression\" des Staats etc.) sind in den westlich ausgerichteten Industrienationen \u00fcberall \u00e4hnlich. Beispielhaft seien Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge gegen Fernmeldeund Datennetze, Geb\u00e4ude und Transportmittel von Wirtschaftsunternehmen, Hakenkrallenund Wurfankeranschl\u00e4ge auf Bahnstrecken usw. angef\u00fchrt.","Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt 249 Bei diesen Anschl\u00e4gen entstanden in den letzten Jahren Sch\u00e4den in Hohe Millionenh\u00f6he. Ferner spielt die Vermittelbarkeit der Anschl\u00e4ge Sachsch\u00e4den gegen\u00fcber der Szene, im Gegensatz zum damaligen Avantgardeanspruch der RAF, wieder eine gr\u00f6\u00dfere Rolle. F\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden gilt es, Angeh\u00f6rige dieses linksextremistischen, autonomen/antiimperialistischen Spektrums intensiv zu beobachten und Ans\u00e4tze einer bereits vollzogenen internationalen Zusammenarbeit zu erforschen.","250 Spionageabwehr 6. Abschnitt Spionageabwehr 1. Ausgangslage Spionage trotz Die Ann\u00e4herung der Staaten des ehemaligen Ostblocks an den Ann\u00e4herung Westen ist seit dem dortigen Umbruch weit vorangeschritten. Das macht das Bem\u00fchen der \u00f6stlichen Nachbarn um Mitgliedschaft in Organisationen der westlichen Staatengemeinschaft wie EU und NATO besonders deutlich. Die angestrebte und zum Teil bereits praktizierte Kooperation mit dem Westen auf den Gebieten von Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Polizei und Milit\u00e4r hindert offensichtlich Staaten des ehemaligen Ostblocks nicht, unter diesen g\u00fcnstigen Bedingungen weiterhin Aufkl\u00e4rung gegen Deutschland zu betreiben. Gerade in dieser Situation des intensiven Wissensaustausches ist die Spionageabwehr im Interesse der Sicherheit Deutschlands und speziell Bayerns deshalb eine wichtige Aufgabe des Verfassungsschutzes. Zwar haben Ungarn und die Tschechische Republik wie neuerdings auch Polen und Rum\u00e4nien offiziell erkl\u00e4rt, auf Spionage gegen Westeuropa und somit auch gegen Deutschland zu verzichten; doch d\u00fcrfte, insgesamt gesehen, eher der Realit\u00e4t entsprechen, was der Leiter der russischen zivilen Auslandsaufkl\u00e4rung SWR Wjatscheslaw Trubnikow Kein Land ohne aus Anla\u00df der 80. Wiederkehr der Gr\u00fcndung des Geheimdienstes der Nachrichtendienst Sowjetunion Tscheka bekannt hat: \"Kein Land mit Selbstrespekt kann ohne Nachrichtendienst existieren, und es besteht keine Notwendigkeit, diesen allgemein anerkannten Grundsatz zu dramatisieren.\" Folglich sind nach wie vor an amtlichen Vertretungen einiger Staaten in der Bundesrepublik Deutschland'Angeh\u00f6rige von Nachrichtendiensten getarnt eingesetzt. Gerade in Zeiten des sehr offenen Informationsaustausches mu\u00df aber Konsens bestehen, da\u00df ein Kernbereich von Wissen im staatlichen Interesse vor der Kenntnis Unbefugter zu sch\u00fctzen ist. Das kann durch personelle und materielle Ma\u00dfnahmen geschehen. Eine wichtige personelle Schutzma\u00dfnahme ist die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen im staatlichen Interesse Verschlu\u00dfsachen anvertraut werden sollen und die deshalb besonders zuverl\u00e4ssig sein m\u00fcssen.","Spionageabwehr 251 Der Freistaat Bayern hat zu diesem Zweck ein Sicherheits\u00fcberpr\u00fcSicherheits\u00fcberfungsgesetz erlassen, das am 1. April in Kraft getreten ist. pr\u00fcfungsgesetz 2. Ru\u00dflands Spionageaktivit\u00e4ten Die bedeutendsten russischen Nachrichtendienste sind - der Inlandsnachrichtendienst FSB, zust\u00e4ndig insbesondere f\u00fcr die zivile Spionageabwehr, die innere Sicherheit der Streitkr\u00e4fte und die Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t, - der f\u00fcr Chiffrierung, Fernmeldeund elektronische Aufkl\u00e4rung zust\u00e4ndige Nachrichtendienst FAPSI, der sowohl seine modernst ausgestatteten Fernmeldenetze russischen privaten Wirtschaftsunternehmen als Dienstanbieter zur Verf\u00fcgung stellt, als auch gesetzlich dazu erm\u00e4chtigt ist, diese Netze abzuh\u00f6ren, - der russische Auslandsnachrichtendienst SWR, in dem wesentliche Elemente der Aufkl\u00e4rungsabteilung des ehemaligen KGB wiederzufinden sind und - der nahezu unver\u00e4ndert gebliebene milit\u00e4rische Aufkl\u00e4rungsdienst GRU. Nach eigenen Aussagen sieht Ru\u00dfland seinen Spionageschwerpunkt Wirtschaftsin der Wirtschaftsspionage. Ziel ist hierbei, Ru\u00dfland an das wirtspionage schaftliche und technische Niveau des Westens heranzuf\u00fchren. Damit Schwerpunkt der steht Bayern mit seiner Vielzahl von High-Tech-Unternehmen besonrussischen Dienste ders im Blickfeld russischer Nachrichtendienste. Da\u00df russische Nachrichtendienste zur Erf\u00fcllung ihres Spionageauftrags auch auf Agenten des ehemaligen MfS (Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit in der DDR) zur\u00fcckgreifen, zeigt ein j\u00fcngst bekanntgemachter Fall, in dem der Agent, Angestellter eines Luftfahrtunternehmens in Norddeutschland, seit 1983 f\u00fcr das MfS t\u00e4tig, mitsamt seinem F\u00fchrungsoffizier - einem fr\u00fcheren MfS-Angeh\u00f6rigen - nach der Wende vom KGB und ab 1991 vom KGB-Nachfolgedienst SWR gef\u00fchrt wurde. 3. Proliferation und illegaler Technologietransfer durch Krisenund Schwellenl\u00e4nder Krisenund Schwellenl\u00e4nder - L\u00e4nder an der Schwelle vom Entwicklungszum Industrieland - wie Syrien, Iran, Irak, Libyen, Pakistan und","252 Spionageabwehr Nordkorea, aber auch die Volksrepublik China, versuchen auf dem Weg des illegalen Technologietransfers bzw. der Proliferation unter Federf\u00fchrung ihrer Auslandsnachrichtendienste und Nutzung bestehender oder neu gekn\u00fcpfter Gesch\u00e4ftsbeziehungen an ausfuhrgenehmigungspflichtige bzw. mit Embargo belegte G\u00fcter aus dem Interesse an Bereich Milit\u00e4r und High-Tech, insbesondere ABC-Waffen, ihre KomR\u00fcstungsund ponenten und die Mittel zu ihrer Herstellung, zu gelangen. Besonderes High-Tech-G\u00fctern Interesse findet die erforderliche Tr\u00e4gertechnologie. Wiederholt konnte beobachtet werden, da\u00df in diese Beschaffungsaktivit\u00e4ten sowohl Angeh\u00f6rige diplomatischer Einrichtungen als auch Mitarbeiter offizieller Firmenvertretungen dieser L\u00e4nder in Deutschland eingebunden sind. In Ankaufbem\u00fchungen des Iran f\u00fcr seine R\u00fcstungsg\u00fcterindustrie waren mehrere deutsche Firmen involviert, von denen sich auch einige in Bayern befinden. Gesteuert wurden diese Aktivit\u00e4ten des Iran \u00fcber eine mittlerweile geschlossene Filiale der iranischen Beschaffungsorganisation DIO (Defence Industries Organizations), die dem iranischen Milit\u00e4r untersteht. Das Hauptinteresse des Iran zielt auf die ABC-Waffen und Bereiche ABC-Waffen und deren Tr\u00e4gertechnologie. Gr\u00f6\u00dfte Bem\u00fcTr\u00e4gerraketen hungen unternimmt er beim Ausbau einer eigenst\u00e4ndigen Raketenproduktion. Nach eigenen publizierten Aussagen ist der Iran heute in der Lage, \"alle ben\u00f6tigten Waffen selbst herzustellen\". Bedrohliches Da\u00df die Spionageabwehrbeh\u00f6rden der westlichen Hemisph\u00e4re gerade Waffenarsenal auf dem Gebiet des illegalen Technologietransfers bzw. der Proliferation schwierige Aufkl\u00e4rungsarbeit leisten m\u00fcssen, belegt das Beispiel Irak. Trotz aller Abwehrbem\u00fchungen der Nachrichtendienste ist es diesem Land gelungen, ein nicht nur die Staaten des Nahen Ostens bedrohendes Waffenarsenal zu entwickeln bzw. zu beschaffen, das auch B- und C-Waffen umfa\u00dft und trotz aller Kontrollen der UNSCOM weiterhin besteht. So deklarierte der Irak z.B. aufgrund der UN-Resolution 687 einen Gesamtvorrat von 355 Tonnen chemischer Kampfstoffe, aufgefunden wurden aber bisher 4.000 Tonnen. Bekannt ist, da\u00df der Irak an einem Nuklearprogramm arbeitete. Von den mehreren tausend Wissenschaftlern und Technikern, die an diesem Programm beteiligt waren, befinden sich die meisten noch im Irak. Im Falle eines Wiederauflebens des irakischen A-Waffenprogramms st\u00fcnden sie also kurzfristig zur Verf\u00fcgung. Im Bereich der Tr\u00e4gertechnologie ist die UNSCOM weiterhin auf der Suche nach SCUD-Raketen. Derzeit produziert der Irak unter","Spionageabwehr 253 UNSCOM-Aufsicht Flugk\u00f6rper von einer Reichweite unter 150 km. Personal zur Raketenentwicklung gr\u00f6\u00dferer Reichweite ist vorhanden. Nordkorea ist in der Lage, komplette Flugk\u00f6rper anzubieten, beschafft aber auch zum Aufbau der eigenen R\u00fcstungsindustrie aktuelle Technologie in den hochentwickelten Industriel\u00e4ndern. F\u00fcr entsprechende Gesch\u00e4ftsbeziehungen nach Bayern gibt es Anhaltspunkte. Festgestellt wurde, da\u00df Krisenl\u00e4nder des Nahen Ostens auf dem Kooperation Gebiet der Waffenbzw. Nukleartechnologie mit Nordkorea, der zwischen den Volksrepublik China und Ru\u00dfland sowie einzelne Krisenl\u00e4nder dieser Krisenl\u00e4ndern Region untereinander, so z.B. Syrien mit dem Iran, kooperieren. Im eigenen Interesse und im Interesse wirksamer Spionageabwehr sollten Unternehmen, die Gesch\u00e4ftskontakte mit Krisenl\u00e4ndern beginnen und den Verdacht haben, da\u00df sie in deren Proliferationsbzw. High-Tech-Beschaffungsaktivit\u00e4ten eingebunden werden, sich sofort an die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wenden. Oft geraten Unternehmen ohne eigenes Verschulden in Schwierigkeiten, weil sie die wahren Hintergr\u00fcnde ihres Gesch\u00e4ftspartners nicht erkennen. Der Verfassungsschutz ist keine Strafverfolgungsbeh\u00f6rde. Er mu\u00df somit nicht jede ihm bekanntgewordene Straftat der zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde mitteilen. Das kommt sowohl dem Mitteiler als auch m\u00f6glichen Abwehrma\u00dfnahmen zugute. 4. Aufkl\u00e4rung ausl\u00e4ndischer, zu ihrer Heimat in Opposition stehender Personen und Gruppen in Deutschland durch Nachrichtendienste totalit\u00e4rer Staaten Totalit\u00e4r gef\u00fchrte Staaten sehen oftmals Gefahren f\u00fcr ihre Existenz Beobachtung von von im Ausland aktiven Oppositionsbewegungen ausgehen. Durch EmigrantenEinschaltung ihrer Auslandsnachrichtendienste versuchen solche L\u00e4norganisationen der, die Oppositionsbewegungen zu unterwandern und deren Aktivit\u00e4ten zu unterlaufen. Auf in der Heimat verbliebene Angeh\u00f6rige wird dabei oft politischer Druck ausge\u00fcbt. Repressalien gegen diese Angeh\u00f6rigen bzw. entsprechende Drohungen dienen diesen Nachrichtendiensten immer wieder als Grundlage f\u00fcr die Anwerbung von Informanten aus den Oppositionsbewegungen. Insbesondere die Volksrepublik China und die bereits in Zusammenhang mit Proliferation und illegalem Technologietransfer genannten L\u00e4nder des Nahen Ostens Iran, Irak, Libyen und Syrien sind hier aktiv.","254 Spionageabwehr Da\u00df es nicht nur bei Aussp\u00e4hungsversuchen bleibt, belegt der am 17. September 1992 in dem Lokal Mykonos in Berlin ver\u00fcbte Mord an vier kurdisch-iranischen Oppositionellen. In der Urteilsverk\u00fcndung des 1. Strafsenats des Kammergerichts in Berlin vom 10. April wurde festgestellt, da\u00df diese Morde von der politischen F\u00fchrung des Iran beschlossen worden waren und der damalige Geheimdienstminister Ali Fallahian mit deren Durchf\u00fchrung beauftragt war. 5. Entwicklung auf dem Balkan In den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien bildeten sich zahlreiche nachrichtendienstlich operierende Sicherheitsorgane, die Vielzahl von auch im Ausland t\u00e4tig sind. Allein auf dem Territorium des BundesNachhchtenStaats Jugoslawien, in Kroatien und Bosnien-Herzegowina wurden je diensten sechs Nachrichtendienste gez\u00e4hlt. Ob diese Nachrichtendienste Bestand haben werden, ist derzeit nicht abzusehen. Dies zeigt sich insbesondere am Beispiel des Bundesstaatssicherheitsdienstes Restjugoslawiens SSDB, der im Oktober 1992 von serbischen Sondereinheiten zerschlagen wurde. Sein technisches \"Know-How\" und Teile seines Personals hatte der serbische Staatssicherheitsdienst SDB.RS \u00fcbernommen. Heute ist es erkl\u00e4rtes Ziel der jugoslawischen Bundesregierung, den Bundesstaatssicherheitsdienst zu reorganisieren und die Republiksicherheitsdienste Serbiens und Montenegros aufzul\u00f6sen. Auch die nachrichtendienstlichen Strukturen in Bosnien-Herzegowina stehen erneut zur Diskussion. So wollen die bosnischen Kroaten auf Republikebene einen Auslandsnachrichtendienst einrichten, dem alle drei Volksgruppen in Bosnien-Herzegowina angeh\u00f6ren sollen. Im westlichen Europa befassen sich die Auslandsnachrichtendienste dieser Staaten in erster Linie mit ihren dort lebenden Landsleuten. 6. Stetige Anpassung der angewandten Spionagemethoden Nicht nur die Organisationformen fremder Nachrichtendienste und deren Spionageziele unterliegen einer stetigen Modifizierung; auch die Mittel und Methoden der Nachrichtenbeschaffung entwickeln sich im Einklang mit den politischen und technischen Ver\u00e4nderungen fort. War fr\u00fcher die verdeckte Informationsbeschaffung durch","Spionageabwehr 255 menschliche Quellen unabdingbar, so ist heute in unserer gr\u00f6\u00dftenteils offenen Gesellschaft, die eine gesteigerte Offenheit im Umgang mit Wissenschaftlern, Technikern und Gesch\u00e4ftsleuten anderer L\u00e4nder mit sich bringt, die offene Beschaffung und Gespr\u00e4chsabsch\u00f6pOffene informafung g\u00e4ngige Methode der Informationsgewinnung. Gelegenheit tionsbeschaffung hierzu bieten Gespr\u00e4che mit den Produktanbietern auf Messen und das dort aufliegende schriftliche Informationsund Werbematerial ebenso wie Gespr\u00e4che auf Empf\u00e4ngen aus wirtschaftlichem oder politischem Anla\u00df. Der weltweite offene Austausch zwischen Wissenschaftlern und Universit\u00e4ten, die \u00fcber der L\u00f6sung gleichgelagerter Probleme br\u00fcten, er\u00f6ffnet ein weiteres Informationsfeld. So ist \u00fcber die Universit\u00e4ten des Iran und die ihnen angegliederten Institute bekannt, da\u00df sie diese Verbindungen nutzen und dadurch eine erhebliche Rolle im Beschaffungsprogramm ihres Landes spielen. Neben der offenen Informationsbeschaffung nimmt heute die technische Nachrichtenbeschaffung immer breiteren Raum ein. Die weltumspannende kommunikative Vernetzung sowie die Vernetzungen von Wirtschaftsunternehmen untereinander oder von externen Unternehmensteilbereichen mit ihren Zentralen bringen einen regen Datenaustausch auf den \"Datenhighways\", wie z.B. Internet, mit sich. Gefahr auf Die Absicherung durch Pa\u00dfwortverschl\u00fcsselung etc. suggeriert dabei Datenhighways die totale Sicherheit im Informationsaustausch und l\u00e4\u00dft vergessen, da\u00df gerade dieser Datenflu\u00df f\u00fcr fremde Nachrichtendienste gleichwohl unkontrollierte Zugriffsm\u00f6glichkeiten auf sch\u00fctzenswerte Daten bieten kann. Am Beispiel des auch f\u00fcr die elektronische Auslandsaufkl\u00e4rung zust\u00e4ndigen russischen Nachrichtendienstes FAPSI, der seinen Personalstand erheblich aufgestockt hat, l\u00e4\u00dft sich unschwer erkennen, da\u00df fremde Nachrichtendienste die Schwachstellen im Datenaustausch erkannt haben und organisatorisch darauf reagieren. Im Bereich Proliferation und illegaler Technologietransfer durch KriTarnung durch senstaaten wird immer wieder festgestellt, da\u00df sich insbesondere der Privatfirmen Iran zur Tarnung seiner Beschaffungsbem\u00fchungen Firmen eigener Staatsangeh\u00f6riger in Deutschland mit kleinem Mitarbeiterstamm bedient, wobei die Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten sowohl nicht ausfuhrgenehmigungspflichtige als auch sogenannte \"Dual-Use-G\u00fcter\" insbesondere aus den Branchen Elektronik einschlie\u00dflich Kommunikationstechnologie, Chemie und Maschinenund Anlagenbau betreffen. Durch geschickte Splittung der Auftragserteilung an die einzelnen Firmen","256 Spionageabwehr gelingt es oftmals, den wahren Verwendungszweck der beschafften Produkte zu verschleiern. 7. Ausblick Staat, Wissenschaft und Wirtschaft mu\u00df immer bewu\u00dft sein, da\u00df es im Interesse ihrer Sicherheit bzw. ihres Bestehens im Wettbewerb unerl\u00e4\u00dflich ist, zumindest Kernbereiche von Wissen und Erfahrung vor ungewolltem Zugang zu sch\u00fctzen. Gefordert sind an erster Stelle eigene Ma\u00dfnahmen technischer, organisatorischer und personeller Art. Ein wesentliches Instrument des personellen Geheimschutzes ist die Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung der an sicherheitsempfindlichen Stellen, den Kernbereichen des sch\u00fctzenswerten Wissens, t\u00e4tigen Personen. Neben diesem Eigenschutz bleibt es aber im Interesse der Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und der weiteren Entwicklung von Wissenschaft und Wirtschaft in Konkurrenz zu anderen Staaten unerl\u00e4\u00dfliche Aufgabe des Verfassungsschutzes, nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten fremder Staaten aufzudecken. Erst dieses Zusammenspiel Eigenschutz und von Eigenschutz und Spionageabwehr durch den Verfassungsschutz Spionageabwehr gew\u00e4hrleistet den bestm\u00f6glichen Schutz.","Organisierte Kriminalit\u00e4t 257 7. Abschnitt Organisierte Kriminalit\u00e4t 1. Aufgabe des Verfassungsschutzes Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leistet seit dem 1. August 1994 mit der Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t einen wichtigen Beitrag zu deren Bek\u00e4mpfung. Das Bayerische Verfassungsschutzgesetz hat dem Landesamt ab diesem Zeitpunkt eine Rolle zugewiesen, die es ihm erlaubt, seine Mittel und Erfahrungen Spezielle Rolle zur Aufkl\u00e4rung der Organisierten Kriminalit\u00e4t in Erg\u00e4nzung der polides Verfassungszeilichen Arbeit einzusetzen. Seine Aufgabe ist es, durch langfristig schutzes angelegte Aufkl\u00e4rung kriminelle Strukturen und die agierenden Personen aufzudecken. Die Organisationen und Strukturen der OK verf\u00fcgen \u00fcber zum Teil weltweite Verbindungen und arbeiten nach dem Prinzip der Abschottung und Konspiration. Die Kriminellen \"waschen\" auf raffinierte Art und Weise ihre illegalen Profite durch Investitionen im legalen Wirtschaftskreislauf. Weltweit werden ihre Erl\u00f6se vor allem aus Drogenhandel, Prostitution, illegalem Waffenhandel, Menschenschmuggel, Erpressung und Eigentumskriminalit\u00e4t auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar gesch\u00e4tzt. Die geographisch zentrale Lage, die g\u00fcnstige Infrastruktur und die wirtschaftliche Bedeutung f\u00fchren dazu, da\u00df Bayern zunehmend eine besondere Anziehungskraft auf die Organisierte Kriminalit\u00e4t aus\u00fcbt. 2. Besondere Eignung des Verfassungsschutzes Bayern hat 1994 mit der Novellierung des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes auf die Herausforderung reagiert. Der Verfassungsschutz ist aus folgenden Gr\u00fcnden in der Lage, ma\u00dfgeblich an der Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t mitzuwirken: - Der Verfassungsschutz hat M\u00f6glichkeiten der nachrichtendienstBesondere liehen Informationsbeschaffung. Er ist keine StrafverfolgungsM\u00f6glichkeiten als beh\u00f6rde und erh\u00e4lt deshalb auch von Personen, die sich selbst Nachrichtendienst","258 Organisierte Kriminalit\u00e4t strafbar gemacht haben, leichter Informationen. Auf diesen Informationen kann er dann mit eigenen Mitteln aufbauen und sie so verifizieren, da\u00df sie ohne Nachteil f\u00fcr den Informanten an die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden abgegeben werden k\u00f6nnen. - Der Verfassungsschutz hat aufgrund seiner traditionellen T\u00e4tigkeit etwa in der Spionageabwehr gro\u00dfe Erfahrungen im Umgang mit konspirativen Methoden von Gegnern, die ihm auch in der OK-Beobachtung zu Gute kommen. - Bei der Erf\u00fcllung anderer Aufgaben, etwa der Beobachtung nachrichtendienstlich gesteuerter Wirtschaftsspionage, fallen oft Informationen an, die f\u00fcr die Ermittlungen des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz in F\u00e4llen der Organisierten Kriminalit\u00e4t von Bedeutung sind. - Wegen seiner guten Verbindungen zu Nachrichtendiensten anderer L\u00e4nder - inzwischen selbst zu Nachrichtendiensten des ehemaligen Ostblocks - gelangt das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz an Informationen, die der Polizei nicht zur Verf\u00fcgung st\u00fcnden. In allen wichtigen europ\u00e4ischen Staaten ist die Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t zumindest in Teilbereichen auch Aufgabe der dortigen Inlandsnachrichtendienste. Diese Kommunikation auf gleicher Ebene ist besonders angesichts der internationalen Verflechtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t von Bedeutung. Bew\u00e4hrte Die Zusammenarbeit mit ausl\u00e4ndischen Partnerdiensten und der PoliZusammenarbeit zei hat sich bew\u00e4hrt. mit der Polizei Der Schwerpunkt der Beobachtungst\u00e4tigkeit des Bayerischen Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz liegt dabei nach wie vor in der sogenannten Ost-Mafia. Zunehmend sind jedoch auch asiatische Straft\u00e4tergruppierungen von Bedeutung. Hierzu einige Beispiele: Kasachischer Rauschgifth\u00e4ndler Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erhielt einen Hinweis auf einen Kasachen, der angeblich Sprengstoff aus \u00f6stlichen Armeebest\u00e4nden von Kirgisien bzw. Kasachstan nach Deutschland transportiere, um eine armenische Mafia-Organisation in Berlin zu beliefern. Dar\u00fcber hinaus \u00fcberbringe er diesen Armeniern auch Rauschgift aus Kirgisien. Wie erste Nachforschungen ergaben, war an den Kurierdiensten des","Organisierte Kriminalit\u00e4t 259 Kasachen auch ein Kirgise beteiligt; beide wohnten in Bayern und waren erst vor kurzem als deutschst\u00e4mmige Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Einem verdeckt ermittelnden Beamten des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz gelang es, Kontakt zu den Verd\u00e4chtigen aufzunehmen. Diese Operation einschlie\u00dflich weiterer nachrichtendienstlicher Ma\u00dfnahmen erbrachte den Nachweis, da\u00df der Kasache in kriminelle Aktivit\u00e4ten verwickelt war, insbesondere in den Handel mit Drogen, Waffen und Sprengstoff. Nachdem trotz langwieriger und intensiver Ermittlungsarbeit eine Aufkl\u00e4rung der Hinterm\u00e4nner nicht gelang, wurden die Ermittlungsergebnisse der Polizei \u00fcbergeben. Diese nahm den Kasachen auf frischer Tat, n\u00e4mlich bei der \u00dcbergabe von Rauschgift an einen verdeckten Ermittler der Polizei, fest. Der T\u00e4ter wurde inzwischen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Usbekisch-marokkanischer Drogenh\u00e4ndler Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz erhielt eine Information, da\u00df ein in einer bayerischen Kleinstadt wohnender Usbeke mit Drogen handle. Es ging diesem Hinweis nach und stellte fest, da\u00df die Zielperson nicht allein t\u00e4tig war, sondern mit mindestens zwei weiteren Personen zusammenwirkte. Erkannt wurden ein weiterer Usbeke und ein Marokkaner. Eine weitere Aufkl\u00e4rung der Organisationsstruktur gelang allerdings nicht, so da\u00df die \u00dcbergabe des Falles an die Polizei vorbereitet wurde. Ein verdeckt eingesetzter Beamter des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz, der das Vertrauen des Usbeken geno\u00df, konnte einen verdeckten Ermittler der Polizei an die Gruppe heranf\u00fchren. Polizei und Staatsanwaltschaft \u00fcbernahmen die weiteren Ermittlungen. Rum\u00e4nische Straft\u00e4tergruppe Die Polizei f\u00fchrte in M\u00fcnchen eine Festnahmeund Durchsuchungsaktion gegen eine rum\u00e4nische Straft\u00e4tergruppierung durch. Dabei wurden acht Personen vorl\u00e4ufig festgenommen und mehrere Schu\u00dfwaffen sowie gestohlener Schmuck bzw. Gold sichergestellt. Den polizeilichen Ma\u00dfnahmen waren umfangreiche Ermittlungen des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz vorausgegangen. Ende 1995 hatte das Amt einen Hinweis auf kriminelle Aktivit\u00e4ten dieser Gruppe erhalten. Ziel des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz war, die Aus-","260 Organisierte Kriminalit\u00e4t gangshinweise auf Straftaten zu verdichten und die Struktur der kriminellen Bande sowie deren Verbindungswege aufzukl\u00e4ren. In der Folgezeit erbrachten verdeckte Ma\u00dfnahmen Anhaltspunkte f\u00fcr Straftaten in den Bereichen Hehlerei, Waffendelikte, Falschgeld, Prostitution, Rauschgift, Autoschiebereien und Betrugsdelikte. Internationale Verflechtungen nach Spanien, Italien, Ungarn, Rum\u00e4nien und Frankreich wurden sichtbar. Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz bereitete die Informationen systematisch auf und \u00fcbermittelte die Erkenntnisse absprachegem\u00e4\u00df an das Polizeipr\u00e4sidium M\u00fcnchen. Nach weiteren Ermittlungen konnte die Polizei die Verd\u00e4chtigen festnehmen. Waffenh\u00e4ndler aus dem Kosovogebiet Ein verdeckt eingesetzter Beamter des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz erhielt einen vertraulichen Hinweis, da\u00df ein Kosovo-Albaner in der Lage sei, Handfeuerwaffen, Maschinenpistolen, Gewehre und Nitroglyzerinmunition zu beschaffen. Die genannten Kriegswaffen und die Umst\u00e4nde, unter denen die Kontakte erfolgen sollten, deuteten darauf hin, da\u00df hinter dem Waffenh\u00e4ndler eine kriminelle Organisation stand. Der Kosovo-Albaner hielt sich aber in einem anderen Bundesland auf. Der Hinweis konnte deshalb nachrichtendienstlich nicht aufgearbeitet werden, da der Verfassungsschutz in anderen Bundesl\u00e4ndern nicht mit der Beobachtung der Organisierten Kriminalit\u00e4t beauftragt ist. Der Hinweis konnte deshalb nur als ungesicherte Information den zust\u00e4ndigen Ermittlungsbeh\u00f6rden \u00fcbergeben werden. Vietnamesische Organisierte Kriminalit\u00e4t Nach der Einf\u00fchrung der Wirtschaftsund W\u00e4hrungsunion im Jahr 1990 kam es in den neuen Bundesl\u00e4ndern und in Berlin zu einem regen Handel mit unversteuerten Zigaretten durch vietnamesische Straft\u00e4tergruppierungen. Konkurrenzstreitigkeiten zwischen den einzelnen Gruppen forderten schlie\u00dflich 90 Todesopfer innerhalb der vietnamesischen Szene. Nach dem harten Durchgreifen der Polizei war zu vermuten, da\u00df die Kriminellen ihre Aktivit\u00e4ten in die alten Bundesl\u00e4nder, u.a. auch nach Bayern, verlagern k\u00f6nnten. Die ersten Ermittlungen best\u00e4tigten diesen Verdacht jedoch nicht. Mittlerweile liegen allerdings Erkenntnisse \u00fcber","Organisierte Kriminalit\u00e4t 261 vietnamesische Straft\u00e4ter in Bayern vor, die in Schleusungen, Menschenhandel und Prostitution verwickelt sind. Informationen beschr\u00e4nken sich jedoch nicht immer auf Bayern, oft ergeben sich daraus auch Hinweise auf andere Bundesl\u00e4nder oder das Ausland. Durch die Zusammenarbeit mit einem befreundeten Dienst und eigene Erkenntnisse konnte das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch konkrete Anhaltspunkte an die Polizei weitergeben, die zur Festnahme eines f\u00fchrenden Mitglieds der vietnamesischen Zigarettenmafia beitrugen. 3. Erfolge der bisherigen Arbeit Die Aufkl\u00e4rungsarbeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz auf dem Gebiet der Organisierten Kriminalit\u00e4t seit mehr als drei Jahren Erfolgreiche hat sich voll bew\u00e4hrt. In dieser Zeit hat das Landesamt mehr als 250 Arbeit Vorg\u00e4nge in die Sachbearbeitung aufgenommen und in fast allen typischen T\u00e4tigkeitsfeldern der Organisierten Kriminalit\u00e4t Spuren verfolgt. Im Zusammenspiel von Aufkl\u00e4rungsarbeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und anschlie\u00dfender polizeilicher und staatsanwaltschaftlicher Ermittlungst\u00e4tigkeit gelangen mehrere Festnahmen und die Sicherstellung von Drogen, Waffen und Falschgeld in Millionenh\u00f6he. 4 Ausblick Diese Erfolge sollten auch den Bund und die anderen L\u00e4nder von der Notwendigkeit \u00fcberzeugen, in Zukunft die Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t im Verbund aller Verfassungsschutzbeh\u00f6rden wesentlich zu intensivieren. Ihre bundesweite Beobachtung mit dem Bundesweite dann m\u00f6glichen umfassenden Informationsaustausch und den erweiZusammenarbeit terten Ermittlungsm\u00f6glichkeiten ist eine wesentliche Voraussetzung erforderlich daf\u00fcr, da\u00df diese Bedrohung unserer Gesellschaft wirksam bek\u00e4mpft werden kann.","262 Anhang Entwicklung der Mitgliederzahlen extremistischer Organisationen Mitglieder 120.000 ~ ~ Rechtsextremisten 101.60 3 \" * -- Ausl\u00e4ndische Extremisten 100.000 \"i k \\ Deutschland 80.000 Die Republikaner 1994 erstmals erfa\u00dft \\ ' Die Kurve beruht \\ 58 200 auf Zahlen des >c^ 60.000 Bundesamts f\u00fcr SS.OOOl * * Verfassungsschutz, \\ / ^ das von Mitgliedern ** / > 48.400* der PDS nur die der 40.000 Kommunistischen Plattform (KPF) erfa\u00dft. 28.300 20.000 Die PDS Deutschland hatte 1997 insgesamt 104.000 Mitglieder, davon unter 2.500 0 in der KPF. 1988 89 90 91 92 93 94 95 96 97 Mitglieder 14.000 Rechtsextremisten Linksextremisten Ausl\u00e4ndische Extremisten 12.000 - 4- h 111.100 10.000 6.000 Die Republikaner 1994 erstmals erfa\u00dft 1988 89 90 91 92 93 94 95 96 97","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 263 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. April 1997 (GVBl S. 70, BayRS 12-1-1) I. Abschnitt - unter Anwendung von Gewalt oder durch entspreOrganisation und Aufgaben chende Drohung oder des Verfassungsschutzes - unter Einflu\u00dfnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Medien oder Wirtschaft. Art. 1 Organisation des Verfassungsschutzes, (4) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz ist Verh\u00e4ltnis zur Polizei eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar (1) 'Zum Schutz der freiheitlichen demokratischen nachgeordnete Beh\u00f6rde. ! Das Landesamt und DienstGrundordnung, des Bestandes und der Sicherheit des stellen der Polizei d\u00fcrfen einander nicht angegliedert Bundes und der L\u00e4nder besteht in Bayern ein Landeswerden. 'Dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz amt f\u00fcr Verfassungsschutz. ; Es dient auch dem Schutz steht ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Dienststellen der vor Organisierter Kriminalit\u00e4t. Polizei oder die Befugnis zu polizeilichen Ma\u00dfnahmen nicht zu. (2) 'Freiheitliche demokratische Grundordnung nach Absatz 1 ist eine Ordnung, die unter Ausschlu\u00df Art. 2 jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsZust\u00e4ndigkeit staatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der je(1) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die weiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit dargesetzlich festgelegten Aufgaben zu erf\u00fcllen. 2Dazu stellt. -Zu den grundlegenden Prinzipien dieser Ordgeh\u00f6rt auch die Zusammenarbeit Bayerns mit dem nung geh\u00f6ren mindestens: Die Achtung vor den im Bund und den anderen L\u00e4ndern in Angelegenheiten des Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem Verfassungsschutzes. vor dem Recht der Pers\u00f6nlichkeit auf Leben und freie Entfaltung, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, (2) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden der anderen L\u00e4nder die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigd\u00fcrfen in Bayern nur im Einvernehmen mit dem Lankeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, desamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Ma\u00dfgabe dieses Gedas Mehrparteienprinzip und die Chancengleichheit f\u00fcr setzes t\u00e4tig werden. alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Art. 3 Aufgaben (3) Organisierte Kriminalit\u00e4t ist die von Gewinnoder Machtstreben bestimmte planm\u00e4\u00dfige Begehung (1) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die von Straftaten, die einzeln oder in ihrer Gesamtheit von Aufgabe, erheblicher Bedeutung f\u00fcr die Rechtsordnung sind, 1. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetdurch mehr als zwei Beteiligte, die auf l\u00e4ngere oder zes, die gegen die freiheitliche demokratische unbestimmte Dauer arbeitsteilig t\u00e4tig werden Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des - unter Verwendung gewerblicher oder gesch\u00e4fts\u00e4hnliBundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine cher Strukturen oder ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung","264 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines 2. nach Ma\u00dfgabe des Art. 14, insbesondere in Einb\u00fcrLandes oder ihrer Mitglieder zum Ziele haben, gerungsund Ordensverfahren zur Verleihung des 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Grundgesetzes - mit Ausnahme der Verdienstmedaille - und des f\u00fcr eine fremde Macht, Bayerischen Verdienstordens, sowie nach Art. 15. 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Grundgesetzes, die durch Anwendung von Gewalt oder II. Abschnitt darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rAllgemeine Befugnisse und Datenverarbeitung tige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden, Art. 4 4. Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten der Organisierten Allgemeine Befugnisse Kriminalit\u00e4t im Geltungsbereich des Grundgesetzes (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur zu beobachten; solche Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz die dazu k\u00f6nnen von Gruppierungen oder Einzelpersonen ausgeerforderlichen Informationen einschlie\u00dflich personenhen. 2Das Landesamt hat in Erf\u00fcllung dieser Aufgabe bezogener Daten auch ohne Kenntnis der betroffenen Informationen, insbesondere sachund personenbezoGruppierung oder Person erheben und in Akten und gene Ausk\u00fcnfte, Nachrichten und Unterlagen \u00fcber solDateien verarbeiten, diese Informationen nutzen sowie che Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten zu sammeln und aus Akten und Dateien \u00fcbermitteln, soweit nicht nachauszuwerten. 'Die notwendige Koordinierung mit den folgend besondere Bestimmungen gelten. anderen Sicherheitsbeh\u00f6rden und den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden wird in Richtlinien des Staatsministe-riums (2) 'Die Befugnisse des Landesamts f\u00fcr Verfasdes Innern im Einvernehmen mit dem Staatsministesungsschutz bei der Mitwirkung nach Art. 3 Abs. 2 rium der Justiz geregelt. 4\u00dcber diese Richtlinien wird Nr. 1 sind im Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetz vom die Parlamentarische Kontrollkommission gem\u00e4\u00df Art. 27. Dezember 1996 (GVB1 S. 509) geregelt; Art. 6 20 Abs. 1 Satz 1 unterrichtet. Abs. 1 Satz 4 bleibt unber\u00fchrt. -Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf, soweit gesetzlich nichts anderes (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die bestimmt ist, an einer \u00dcberpr\u00fcfung nach Art. 3 Abs. 2 Aufgabe, Nr. 2 nur mitwirken und nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 nur 1. nach Ma\u00dfgabe des Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungsgesetzes Auskunft erteilen, wenn die betroffene Person der an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, denen Durchf\u00fchrung der \u00dcberpr\u00fcfung zugestimmt hat; werim \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige den der Ehegatte oder die Person, mit der die betrofTatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anverfene Person in ehe\u00e4hnlicher oder gleichgeschlechtlicher traut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder Gemeinschaft lebt, in die \u00dcberpr\u00fcfung mit einbezogen, ihn sich verschaffen k\u00f6nnen, so ist auch deren Zustimmung erforderlich. 2. an der Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfung von Personen, die an (3) 'Sind f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer Aufgabe verschiesicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder dene Ma\u00dfnahmen geeignet, so hat das Landesamt f\u00fcr verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt Verfassungsschutz diejenige zu w\u00e4hlen, die die betrofsind oder besch\u00e4ftigt werden sollen, fene Gruppierung oder Person voraussichtlich am 3. an technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz wenigsten beeintr\u00e4chtigt. ! Eine Ma\u00dfnahme unterbleibt, von Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen, wenn sie einen Nachteil herbeif\u00fchrt, der erkennbar die im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsau\u00dfer Verh\u00e4ltnis zu dem beabsichtigten Erfolg steht. bed\u00fcrftig sind, gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte, Art. 5 mitzuwirken. Erhebung personenbezogener Daten 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perso(3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die nenbezogene Daten erheben, soweit das zur Erf\u00fcllung Aufgabe, amtliche Ausk\u00fcnfte zu erteilen seiner Aufgaben nach diesem Gesetz erforderlich ist. 2 1. im Rahmen der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach Art. 3 Abs. 3 von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentNr. 1 darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz persolichen Dienst bewerben, nenbezogene Daten jedoch nur im Rahmen von Nach-","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 265 ermittlungen erheben, soweit das zur \u00dcberpr\u00fcfung von SS 1 Abs. 1 und SS 2 Abs. 1 des Gesetzes zur Informationen erforderlich ist, die bei den VerfassungsBeschr\u00e4nkung des Brief-, Postund Fernmeldeschutzbeh\u00f6rden bereits vorliegen. geheimnisses (Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz) vom 13. August 1968 (BGBl I S. 949) in der jeweils gelArt. 6 tenden Fassung vorliegen oder Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel 2. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht vorliegen, da\u00df jemand Bestrebungen nach Art. 3 Abs. 1 (1) 'Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Satz 1 Nrn. 1 oder 3 durch die Planung oder BegeGesetz darf das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auch hung von Straftaten nach SSSS 129, 130 oder 131 des nachrichtendienstliche Mittel anwenden. ! Sie dienen Strafgesetzbuchs (StGB) verfolgt oder der verdeckten Informationsgewinnung und der Sicherheit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz und seiner 3. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr den Verdacht besteMitarbeiter. 'Nachrichtendienstliche Mittel sind Ma\u00dfhen, da\u00df jemand Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten nahmen zur Tarnung, der Einsatz geheimer Mitarbeiter nach Art. 3 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 durch die Planung und andere Ma\u00dfnahmen, die verbergen sollen, da\u00df das oder Begehung von Straftaten nach SS 100a der StrafLandesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Informationen erproze\u00dfordnung (StPO), SSSS261, 263 bis 265, 265b, hebt. 4Bei Sicherheits\u00fcberpr\u00fcfungen (Art. 3 Abs. 2 266, 267 bis 273, 331 bis 334 StGB oder SS 92 Nrn. 1 und 2) darf das Landesamt f\u00fcr VerfassungsAbs. 2 des Ausl\u00e4ndergesetzes (AuslG) verfolgt schutz nur das nachrichtendienstliche Mittel der Tarnung von Mitarbeitern anwenden. und die Erforschung des Sachverhalts auf andere Weise aussichtslos oder wesentlich erschwert w\u00e4re. 2Der ver(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perdeckte Einsatz besonderer technischer Mittel darf sich sonenbezogene Daten nach Art. 5 durch Anwendung nur gegen den Verd\u00e4chtigen oder gegen Personen richnachrichtendienstlicher Mittel erheben, wenn ten, von denen auf Grund von Tatsachen anzunehmen ist, da\u00df sie f\u00fcr den Verd\u00e4chtigen bestimmte oder von 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder ihm herr\u00fchrende Mitteilungen entgegennehmen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder auf weitergeben oder da\u00df der Verd\u00e4chtige sich in ihrer diese Weise Erkenntnisse \u00fcber Nachrichtenzug\u00e4nge Wohnung aufh\u00e4lt. 'F\u00fcr das Verfahren beim Einsatz der gewonnen werden k\u00f6nnen oder Mittel nach Satz 1 gelten die f\u00fcr Verfassungsschutz2. das zur Abschirmung der Mitarbeiter, Einrichtungen, beh\u00f6rden der L\u00e4nder ma\u00dfgeblichen Bestimmungen des Gegenst\u00e4nde und Nachrichtenzug\u00e4nge des Landesamts Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz und des Gesetzes zur f\u00fcr Verfassungsschutz gegen sicherheitsgef\u00e4hrdende Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz vom oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten erforderlich ist. 11. Dezember 1984 (GVB1 S. 522) in der jeweils geltenden Fassung entsprechend. 'Erkenntnisse und Unterlagen, die durch Ma\u00dfnahmen nach Satz 1 gewonnen (3) 'Personenbezogene Daten d\u00fcrfen durch Anwenwurden, d\u00fcrfen zur Verfolgung und Erforschung der dung nachrichtendienstlicher Mittel nur erhoben werdort genannten Bestrebungen oder T\u00e4tigkeiten sowie den, wenn die Daten nicht auf eine andere geeignete nach Ma\u00dfgabe des SS 7 Abs. 3 des Gesetzes zu Art. 10 Weise gewonnen werden k\u00f6nnen, die die betroffene Grundgesetz verwendet werden. Person weniger beeintr\u00e4chtigt. ! Die Anwendung nachrichtendienstlicher Mittel darf nicht erkennbar au\u00dfer Verh\u00e4ltnis zur Bedeutung des aufzukl\u00e4renden Sachver(5) Die Zul\u00e4ssigkeit von Ma\u00dfnahmen nach dem halts stehen. 'Sie ist unverz\u00fcglich zu beenden, wenn ihr Gesetz zu Art. 10 Grundgesetz bleibt unber\u00fchrt. Zweck erreicht ist oder sich ergibt, da\u00df er nicht oder nicht auf diese Weise erreicht werden kann. Art. 7 Speicherung und Ver\u00e4nderung (4) 'Der verdeckte Einsatz besonderer technischer personenbezogener Daten Mittel zur Informationsgewinnung im Schutzbereich des Art. 13 des Grundgesetzes in Abwesenheit einer f\u00fcr (1) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf zur die Verfassungsschutzbeh\u00f6rde t\u00e4tigen Person ist unter Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz persobesonderer Ber\u00fccksichtigung des Grundsatzes der Vernenbezogene Daten in Dateien speichern und ver\u00e4nh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit gem\u00e4\u00df Absatz 3 nur zul\u00e4ssig, wenn dern, wenn 1. die materiellen Voraussetzungen f\u00fcr einen Eingriff 1. tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder in das Brief-, Postoder Fernmeldegeheimnis nach T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen oder","266 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 2. dies f\u00fcr die Erforschung und Bewertung von Bestrewar oder ihre Kenntnis f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner gesetzbungen oder T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 erforderlich festgelegten Aufgaben nicht mehr erforderlich ist; lich ist oder Akten, die zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, sind unter diesen Voraussetzungen zu vernichten. 2Ob 3. das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 die Voraussetzungen der L\u00f6schung und Vernichtung Abs. 2 Nrn. 2 und 3 an \u00dcberpr\u00fcfungen mitwirkt. nach Satz 1 vorliegen, ist bei jeder Einzelfallbearbei- : In den F\u00e4llen des Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 d\u00fcrfen personentung und nach festgesetzten Fristen zu entscheiden. bezogene Daten in Dateien nur gespeichert werden, 'Die L\u00f6schung oder Vernichtung unterbleibt, wenn wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte f\u00fcr Bestrebungen oder Grund zu der Annahme besteht, da\u00df durch sie T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 Abs. 1 vorliegen. schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffenen Person beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrden. 4In diesem Fall sind die Daten zu (2) 'Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten eisperren; sie d\u00fcrfen nur noch mit Einwilligung der ner Person vor Vollendung des 14. Lebensjahres d\u00fcrfen betroffenen Person \u00fcbermittelt werden. nicht in Dateien gespeichert werden. !Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollen(3) 'F\u00fcr die Archivierung gelten die Vorschriften dung des 14. und vor Vollendung des 16. Lebensjahres des Bayerischen Archivgesetzes. 2Die Anbletungssind zwei Jahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei pflicht bestimmt sich nach Ma\u00dfgabe der nach Art. 6 denn, da\u00df weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 2 BayArchivG abzuschlie\u00dfenden Vereinbarung. Abs. 1 angefallen sind. 'Personenbezogene Daten \u00fcber das Verhalten einer Person nach Vollendung des 16. und Art. 9 vor Vollendung des 18. Lebensjahres sind zwei Jahre Errichtungsanordnung nach dem Verhalten auf die Erforderlichkeit der Speicherung in Dateien zu \u00fcberpr\u00fcfen und sp\u00e4testens f\u00fcnf (1) 'F\u00fcr den erstmaligen Einsatz einer automatisierJahre nach dem Verhalten zu l\u00f6schen, es sei denn, da\u00df ten Datei, in der personenbezogene Daten verarbeitet weitere Erkenntnisse im Sinn des Art. 3 Abs. 1 angefalwerden, hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in len sind \u00fcber ein Verhalten nach Eintritt der Vollj\u00e4hrigeiner Errichtungsanordnung, die der Zustimmung des keit. \"F\u00fcr Akten, die zu einer minderj\u00e4hrigen Person Staatsministeriums des Innern bedarf, festzulegen: gef\u00fchrt werden, gelten die vorstehenden Pr\u00fcfungsund L\u00f6schungsfristen entsprechend. 1. Bezeichnung der Datei, 2. Zweck der Datei, (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die 3. Betroffener Personenkreis, Dauer der Speicherung in Dateien und in Akten, die zu 4. Art der zu speichernden Daten, einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, auf das Ma\u00df festzulegen, das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgabe nach die5. Eingabeberechtigung, sem Gesetz erforderlich ist. 6. Zugangsberechtigung, 7. Regelm\u00e4\u00dfige \u00dcbermittlungen, (4) Werden Bewertungen \u00fcber Betroffene gespei8. \u00dcberprufungsfristen, Speicherungsdauer, chert, mu\u00df erkennbar sein, wer die Bewertung vorgenommen hat und wo die Informationen gespeichert 9. Protokollierung des Abrufs. sind, die der Bewertung zugrunde liegen. 'Nach der Zustimmung des Staatsministeriums des Innern ist die Errichtungsanordnung dem LandesbeaufArt. 8 tragten f\u00fcr den Datenschutz unverz\u00fcglich mitzuteilen. Berichtigung und L\u00f6schen von Daten 'Entsprechendes gilt f\u00fcr wesentliche \u00c4nderungen des Verfahrens. (1) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in Dateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu (2) Die Zustimmung des Staatsministeriums des berichtigen, wenn sie unrichtig sind; in Akten, die Innern darf nur erteilt werden, wenn die Speicherung zu einer bestimmten Person gef\u00fchrt werden, ist dies zu personenbezogener Daten auf das erforderliche Ma\u00df vermerken. beschr\u00e4nkt ist. (2) ' Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die in (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat in anDateien gespeicherten personenbezogenen Daten zu gemessenen Abst\u00e4nden die Notwendigkeit der Weiterl\u00f6schen, wenn ihre Speicherung nach Art. 7 unzul\u00e4ssig f\u00fchrung oder \u00c4nderung seiner Dateien zu pr\u00fcfen.","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 267 Art. 10 Auskunft zu erteilen, soweit nicht das StaatsministeGeltung des Bayerischen Datenschutzgesetzes rium des Innern im Einzelfall feststellt, da\u00df dadurch die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gef\u00e4hrdet Bei der Erf\u00fcllung der gesetzlich festgelegten Aufw\u00fcrde. Mitteilungen des Landesbeauftragten an den gaben durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz finBetroffenen d\u00fcrfen keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf den den die Art. 10 bis 13, 15 bis 23 und 26 bis 28 des Kenntnisstand des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz Bayerischen Datenschutzgesetzes keine Anwendung. zulassen, sofern dieses nicht einer weitergehenden Auskunft zustimmt. Art. 11 Auskunftserteilung (1) 'Ein Anspruch auf Auskunft \u00fcber die beim LanIII. Abschnitt desamt f\u00fcr Verfassungsschutz in Dateien oder Akten ge\u00dcbermittlungsregelungen speicherten Informationen besteht nicht. : Hat eine Person ein besonderes Interesse an einer Auskunft \u00fcber die Art. 12 zu ihrer Person gespeicherten Daten, so entscheidet das Informations\u00fcbermittlung Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach pflichtgem\u00e4\u00dfem an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz Ermessen \u00fcber das Auskunftsbegehren. ohne Ersuchen (2) Soweit eine Person einer Sicherheits\u00fcberpr\u00fc(1) Die Beh\u00f6rden, Gerichte hinsichtlich ihrer Regifung nach Art. 3 Abs. 2 unterzogen wird oder zu einer ster, Gebietsk\u00f6rperschaften und andere der staatlichen Person Auskunft nach Art. 3 Abs. 3 Nr. 1 erteilt wird, Aufsicht unterstehenden juristischen Personen des hat diese Person abweichend von Absatz 1 einen \u00f6ffentlichen Rechts sowie sonstige \u00f6ffentliche Stellen Anspruch auf Auskunft \u00fcber die Daten des Landesamts des Freistaats Bayern haben von sich aus dem Landesf\u00fcr Verfassungsschutz, die es im Rahmen der Erf\u00fcllung amt f\u00fcr Verfassungsschutz die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer dieser Aufgaben \u00fcbermittelt hat. Aufgaben bekanntgewordenen Informationen zu \u00fcbermitteln, wenn tats\u00e4chliche Anhaltspunkte daf\u00fcr beste(3) Die Auskunftserteilung unterbleibt, soweit hen, da\u00df die \u00dcbermittlung f\u00fcr die Erf\u00fcllung der Aufgaben des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz nach Art. 3 1. eine Gef\u00e4hrdung der Erf\u00fcllung der Aufgaben nach Abs. 1 oder entsprechender Aufgaben auf Grund eines Art. 3 durch die Auskunftserteilung zu besorgen ist, Gesetzes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst, b oder c des 2. durch die Auskunftserteilung nachrichtendienstliche Grundgesetzes erforderlich sein kann. Zug\u00e4nge gef\u00e4hrdet sein k\u00f6nnen oder die Ausforschung des Erkenntnisstandes oder der Arbeitswei(2) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die se des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz zu be\u00fcbermittelten Informationen nach ihrem Eingang unf\u00fcrchten ist, verz\u00fcglich darauf zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie f\u00fcr die Erf\u00fcllung seiner in Absatz 1 genannten Aufgaben erforder3. die Auskunft die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrden lich sind. 2Ergibt die Pr\u00fcfung, da\u00df sie nicht erforderlich oder sonst dem Wohl des Bundes oder eines Landes sind, sind die Unterlagen unverz\u00fcglich zu vernichten. Nachteile bereiten w\u00fcrde oder 'Die Vernichtung kann unterbleiben, wenn die Tren4. die Information oder die Tatsache der Speicherung nung von anderen Informationen, die zur Erf\u00fcllung der nach einer Rechtsvorschrift oder ihrem Wesen Aufgaben erforderlich sind, nicht oder nur mit unvernach, insbesondere wegen der \u00fcberwiegenden tretbarem Aufwand erfolgen kann; in diesem Fall d\u00fcrberechtigten Interessen eines Dritten, geheimgehalfen die nicht erforderlichen Informationen nicht verten werden mu\u00df. wendet werden. (4) 'Die Ablehnung der Auskunftserteilung bedarf Art. 13 keiner Begr\u00fcndung. 2Wird die Auskunftserteilung Informations\u00fcbermittlung abgelehnt, ist der Betroffene auf die Rechtsgrundlage an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fcr das Fehlen der Begr\u00fcndung und darauf hinzuweiauf Ersuchen sen, da\u00df er sich hinsichtlich der Verarbeitung personenbezogener Daten an den Landesbeauftragten f\u00fcr (1) 'Die in Art. 12 Abs. 1 genannten \u00f6ffentlichen den Datenschutz wenden kann. 'Dem LandesbeaufStellen haben dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz auf tragten f\u00fcr den Datenschutz ist auf sein Verlangen dessen Ersuchen die ihnen bei Erf\u00fcllung ihrer Aufgaben","268 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) bekanntgewordenen Informationen zu \u00fcbermitteln, Aufgaben ben\u00f6tigt, sofern er dabei auch zum Schutz der soweit das zur Erf\u00fcllung der Aufgaben des Landesamts freiheitlichen demokratischen Grundordnung beizutragen f\u00fcr Verfassungsschutz nach diesem Gesetz erforderlich oder Gesichtspunkte der \u00f6ffentlichen Sicherheit oder ist. 2Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Ersuausw\u00e4rtige Belange zu w\u00fcrdigen hat. 'Der Empf\u00e4nger chen nach Satz 1 nur stellen, wenn die Information auf darf die \u00fcbermittelten Daten, soweit gesetzlich nichts andere Weise nur mit \u00fcberm\u00e4\u00dfigem Aufwand oder nur anderes bestimmt ist, nur zu dem Zweck verwenden, zu durch eine die betroffene Gruppierung oder Person st\u00e4rdem sie ihm \u00fcbermittelt wurden, es sei denn, da\u00df das ker belastende Ma\u00dfnahme gewonnen werden kann. Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einer anderen Verwen'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat Ersuchen zu dung f\u00fcr Zwecke nach den S\u00e4tzen 1 und 2 zugestimmt begr\u00fcnden, es sei denn, da\u00df eine Begr\u00fcndung dem hat. 4Satz 1 gilt auch f\u00fcr die \u00dcbermittlung personenbeSchutz der betroffenen Gruppierung oder Person zuwizogener Daten innerhalb des Landesamts f\u00fcr Verfasderl\u00e4uft oder den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden sungsschutz. w\u00fcrde. 4Es hat die Ersuchen aktenkundig zu machen. (2) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf (2) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf Dienststellen der Stationierungsstreitkr\u00e4fte im Rahmen Akten anderer \u00f6ffentlicher Stellen und amtlich gef\u00fchrte von Art. 3 des Zusatzabkommens zu dem Abkommen Dateien unter den Voraussetzungen des Absatzes 1 einzwischen den Parteien des Nordatlantikvertrags \u00fcber sehen, soweit das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach die Rechtsstellung ihrer Truppen hinsichtlich der in der diesem Gesetz erforderlich ist und die sonstige \u00dcberBundesrepublik Deutschland stationierten ausl\u00e4ndimittlung von Informationen aus den Akten oder den schen Streitkr\u00e4fte vom 3. August 1959 (BGBl II 1961 Dateien den Zweck der Ma\u00dfnahme gef\u00e4hrden, einen S. 1183) personenbezogene Daten \u00fcbermitteln. ! Der \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Aufwand erfordern oder das Pers\u00f6nlichEmpf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, da\u00df die \u00fcbermittelkeitsrecht des Betroffenen unn\u00f6tig beeintr\u00e4chtigen w\u00fcrten Daten nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, de. 2\u00dcber die Einsichtnahme in amtlich gef\u00fchrte Dateizu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. en hat das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz einen Nachweis zu f\u00fchren, aus dem der Zweck und die einge(3) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf persehene Datei hervorgehen; die Nachweise sind gesonsonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen au\u00dferhalb dert aufzubewahren, gegen unberechtigten Zugriff zu des Geltungsbereichs des Grundgesetzes sowie an sichern und am Ende des Kalenderjahres, das dem Jahr \u00fcberoder zwischenstaatliche \u00f6ffentliche Stellen \u00fcberihrer Erstellung folgt, zu vernichten. mitteln, wenn die \u00dcbermittlung zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem Gesetz oder zur Wahrung (3) 'H\u00e4lt eine in Art. 12 Abs. 1 genannte \u00f6ffentliche erheblicher Sicherheitsinteressen des Empf\u00e4ngers erforStelle das Ersuchen nach Absatz 1 oder die Einsichtderlich ist. ; Die \u00dcbermittlung unterbleibt, wenn ausnahme nach Absatz 2 f\u00fcr unzul\u00e4ssig, so teilt sie das w\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland oder dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz mit. 2 Besteht \u00fcberwiegende schutzw\u00fcrdige Interessen der betroffedieses auf dem Ersuchen oder der Einsichtnahme, so nen Person entgegenstehen. 'Sie ist aktenkundig zu entscheidet dar\u00fcber die oberste fachliche Aufsichtsmachen. 4Der Empf\u00e4nger ist darauf hinzuweisen, da\u00df beh\u00f6rde, die f\u00fcr die ersuchte Stelle zust\u00e4ndig ist. die \u00fcbermittelten Daten nur zu dem Zweck verwendet werden d\u00fcrfen, zu dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. (4) Art. 12 Abs. 2 gilt entsprechend. (4) 'Personenbezogene Daten d\u00fcrfen an andere Art. 14 Empf\u00e4nger als \u00f6ffentliche Stellen nicht \u00fcbermittelt werPersonenbezogene Daten\u00fcbermittlung den, es sei denn, da\u00df dies zum Schutz der freiheitlichen durch das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz demokratischen Grundordnung oder der Sicherheit des Bundes oder eines Landes erforderlich ist und das (1) 'Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf perStaatsministerium des Innern seine Zustimmung erteilt sonenbezogene Daten an \u00f6ffentliche Stellen \u00fcbermitteln, hat; die Zustimmung kann auch f\u00fcr eine Mehrzahl von wenn das zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben nach diesem gleichartigen F\u00e4llen vorweg erteilt werden. 2Das LanGesetz erforderlich ist oder wenn die \u00f6ffentliche Stelle desamt f\u00fcr Verfassungsschutz hat die \u00dcbermittlung akdie Daten zum Schutz der freiheitlichen demokratischen tenkundig zu machen. 'Der Empf\u00e4nger darf die \u00fcberGrundordnung oder sonst f\u00fcr Zwecke der \u00f6ffentlichen mittelten Daten nur zu dem Zweck verwenden, zu Sicherheit einschlie\u00dflich der Strafverfolgung ben\u00f6tigt. dem sie ihm \u00fcbermittelt wurden. 4Das Landesamt f\u00fcr : Gleiches gilt, wenn der Empf\u00e4nger die personenbezoVerfassungsschutz hat den Empf\u00e4nger darauf hinzuweigenen Daten zur Erf\u00fcllung anderer ihm zugewiesener sen.","Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) 269 (5) '\u00dcbermittlungspflichten nach bundesrechtlichen Kontrolle durch die Parlamentarische KontrollkommisVorschriften bleiben unber\u00fchrt. 2Das Landesamt f\u00fcr sion. 2Die Rechte des Landtags und seiner Aussch\u00fcsse Verfassungsschutz kann andere Verfassungsschutzbleiben unber\u00fchrt. beh\u00f6rden auch dadurch unterrichten, da\u00df es diesen den Abruf von Daten im automatisierten Verfahren erm\u00f6g(2) 'Die Parlamentarische Kontrollkommission licht, soweit deren gesetzliche Aufgaben identisch sind. besteht aus f\u00fcnf Mitgliedern. 2Die Mitglieder der Parlamentarischen Kontrollkommission werden zu Beginn jeder neuen Wahlperiode vom Landtag aus seiner Mitte Art. 15 gew\u00e4hlt. 'In gleicher Weise wird f\u00fcr jedes Mitglied ein Unterrichtung der \u00d6ffentlichkeit Stellvertreter gew\u00e4hlt. 4Gew\u00e4hlt ist, wer die Stimmen 'Das Staatsministerium des Innern und das Landesder Mehrheit der Mitglieder des Landtags auf sich vereint. amt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichten die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten nach Art. 3 (3) 'Scheidet ein Mitglied aus dem Landtag oder Abs. 1. -Dabei d\u00fcrfen der \u00d6ffentlichkeit personenbezoseiner Fraktion aus, so verliert es seine Mitgliedschaft gene Daten bekanntgegeben werden, wenn das Interesin der Parlamentarischen Kontrollkommission; Absatz 4 se der \u00d6ffentlichkeit an der Unterrichtung das schutzbleibt unber\u00fchrt. 2F\u00fcr dieses Mitglied ist unverz\u00fcglich w\u00fcrdige Interesse der betroffenen Person an der Wahein neues Mitglied zu w\u00e4hlen; das gleiche gilt, wenn rung ihrer Anonymit\u00e4t \u00fcberwiegt. ein Mitglied aus der Parlamentarischen Kontrollkommission ausscheidet. 'Die S\u00e4tze 1 und 2 gelten entsprechend f\u00fcr die Stellvertreter. Art. 16 Nachberichtspflicht (4) Die Parlamentarische Kontrollkommission \u00fcbt Erweisen sich personenbezogene Daten nach ihrer ihre T\u00e4tigkeit auch \u00fcber das Ende der Wahlperiode des \u00dcbermittlung durch das Landesamt f\u00fcr VerfassungsLandtags solange aus, bis der nachfolgende Landtag schutz als unvollst\u00e4ndig oder unrichtig, sind sie unvereine neue Parlamentarische Kontrollkommission gez\u00fcglich gegen\u00fcber dem Empf\u00e4nger zu berichtigen, w\u00e4hlt hat. wenn das zur Wahrung schutzw\u00fcrdiger Interessen der betroffenen Person erforderlich ist. Art. 19 Geheimhaltung Art. 17 (1) 'Die Beratungen der Parlamentarischen Kontroll\u00dcbermittlungsverbote kommission sind geheim. 2Die Mitglieder und ihre Stell(1) Die \u00dcbermittlung von Informationen durch das vertreter sind zur Geheimhaltung der Angelegenheiten Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nach den Art. 4 und verpflichtet, die ihnen bei ihrer T\u00e4tigkeit in der Parla14 hat zu unterbleiben, wenn mentarischen Kontrollkommission bekanntgeworden sind. 'Dies gilt auch f\u00fcr die Zeit nach ihrem Ausschei1. erkennbar ist, da\u00df unter Ber\u00fccksichtigung der Art den aus der Parlamentarischen Kontrollkommission. der Informationen und ihrer Erhebung das schutzw\u00fcrdige Interesse der Betroffenen das Allge(2) 'Die Parlamentarische Kontrollkommission tritt meininteresse an der \u00dcbermittlung \u00fcberwiegt, oder mindestens einmal im Vierteljahr zusammen. 2Jedes 2. \u00fcberwiegende Sicherheitsinteressen dies erfordern. Mitglied kann die Einberufung der Parlamentarischen Kontrollkommission verlangen. 'Die Parlamentarische (2) Besondere Rechtsvorschriften, die InformationsKontrollkommission w\u00e4hlt einen Vorsitzenden und des\u00fcbermittlungen zulassen oder verbieten, bleiben unsen Stellvertreter und gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung. ber\u00fchrt. Art. 20 IV. Abschnitt Rechte der Parlamentarischen Kontrollkommission Parlamentarische Kontrolle und Berichtspflicht der Staatsregierung Art. 18 (1) 'Die Staatsregierung unterrichtet die ParlamenParlamentarische Kontrollkommission tarische Kontrollkommission umfassend \u00fcber die allgemeine T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (1) 'Die Staatsregierung unterliegt hinsichtlich der und \u00fcber Vorg\u00e4nge von besonderer Bedeutung. 2Die T\u00e4tigkeit des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz der Staatsregierung berichtet zu einem konkreten Thema","270 Bayerisches Verfassungsschutzgesetz (BayVSG) aus dem Aufgabenbereich des Landesamts f\u00fcr VerfasArt. 23 sungsschutz, sofern die Parlamentarische Kontrollkom\u00c4nderung des Gesetzes zur Ausf\u00fchrung mission dies w\u00fcnscht. des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz (2) Zeit, Art und Umfang der Unterrichtung der Das Gesetz zur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Parlamentarischen Kontrollkommission werden unter Grundgesetz (AGG 10) vom 11. Dezember 1984 (GVB1 Beachtung des notwendigen Schutzes des NachrichtenS. 522, BayRS 12-2-1) wird wie folgt ge\u00e4ndert: zugangs durch die politische Verantwortung der Staatsregierung bestimmt. 1. Art. 2 Abs. 3 Satz 6 erh\u00e4lt folgende Fassung: \"\"Die Kommission gibt sich eine Gesch\u00e4ftsordnung, (3) 'Die Kontrolle der Durchf\u00fchrung des Gesetzes die der Zustimmung der Parlamentarischen Konzu Art. 10 Grundgesetz bleibt der in Art. 2 des Gesetzes trollkommission f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfaszur Ausf\u00fchrung des Gesetzes zu Art. 10 Grundgesetz sungsschutzes bedarf.\" (AGG 10) genannten Kommission nach den dortigen Bestimmungen vorbehalten 2Der Parlamentarischen 2. In Art. 3 werden die Worte \"den f\u00fcr SicherheitsfraKontrollkommission ist auf Anforderung, mindestens gen zust\u00e4ndigen Ausschu\u00df des Landtags\" durch die aber einmal im Jahr, der Bericht nach Art. 3 AGG 10 zu Worte \"die Parlamentarische Kontrollkommission erstatten. f\u00fcr die Angelegenheiten des Verfassungsschutzes\" ersetzt. V. Abschnitt Art. 24 Schlu\u00dfvorschriften Inkrafttreten Art. 21 'Dieses Gesetz tritt am 1. November 1990 in Kraft.* Erf\u00fcllung bundesrechtlicher Aufgaben ^Gleichzeitig treten au\u00dfer Kraft: 1. Das Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamts Zur Erf\u00fcllung von Aufgaben auf Grund eines Gesetf\u00fcr Verfassungsschutz (BayRS 12-1-1), zes nach Art. 73 Nr. 10 Buchst, b und c des Grundgesetzes stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz die 2. Art. 8 Abs. 2 Nr. 5 des Bayerischen DatenschutzBefugnisse zu, die es zur Erf\u00fcllung der entsprechenden gesetzes (BayRS 204-1-1). Aufgaben nach diesem Landesgesetz hat. Art. 22 Einschr\u00e4nkung von Grundrechten Auf Grund dieses Gesetzes kann das Grundrecht * Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der der Unverletzlichkeit der Wohnung nach Art. 13 des urspr\u00fcnglichen Fassung vom 24. August 1990 (GVBI S.323). Der Grundgesetzes und Art. 106 Abs. 3 der Verfassung einZeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich geschr\u00e4nkt werden. aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen.","bacn Wortregister 271 Sachwortregister ABLE 204 Asgard BBS 75 Aktion deutsches Radio und Fernsehen Autonome 121 (ARF) 45 Autonome Antifa (M) 126 Aktion Oder-Nei\u00dfe (AKON) 45 Aktionskomitee Rudolf He\u00df 1997 54 barricada 133 analyse & kritik (ak) * 152 Bayern-Stimme 78 Anti-Antifa-Bewegung 50 Befreiungsarmee Kosovo (UCK) 181 Antifa-Jugendinfo 134 Berlin-Brandenburger Zeitung (BBZ) 77 antifa-rundschau 117 Berxwedan-Verlags GmbH 159 Antifaschistische Aktion M\u00fcnchen Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) 178 (AA M\u00fcnchen) 126 Bolschewistische Partei Nordkurdistan/T\u00fcrkei Antifaschistische Aktion Passau (AA Passau) 126 (BP-KK/T) 187 Antifaschistische Aktion/Bundesweite B\u00fcro f\u00fcr direkte Einmischung 94 Organisation (AA/BO) 126 Bund der Antifaschisten (BDA) 116 Antifaschistische Jugendfront (AJF) 143 Bund Frankenland 78 Antifaschistische Jugendfront Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 152 M\u00fcnchen-Laim 135 Burgpost 51 Antifaschistische Jugendfront Passau 123 Antifaschistisches Aktionsb\u00fcndnis N\u00fcrnberg 153 Castel del Monte Verlag 79 Antifaschistisches Komitee - Stoppt die COMLINK-Netz (CL-Netz) 149 schwarzbraune Sammlungsbewegung Courage 153 (AKS) 153 CRIMINON 200 Antiimperialistische Gruppe (AIG) N\u00fcrnberg 247 Cuba Si - France 105 Antiimperialistische Widerstandszelle Nadja Shehadah 243 D\u00e4nische Nationalsozialistische Bewegung Antiimperialistische Zelle (AIZ) 243 (DNSB) 71 Antiimperialistischer Widerstand (AIW) 243 Das Freie Forum 79 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau Deckert-Stimme 33 der KPD (AB) 118 DEM-Nachrichtenagentur 160 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 156 Demokratie-Partei (DEP) 161 Arbeitsgemeinschaft Antifaschismus und Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Antirassismus 93 Arbeitsgemeinschaft Autonome Gruppen Pal\u00e4stinas (DFLP) 184 in und bei der PDS 93 Denk mit! 79 Arbeitsgemeinschaft Cuba Si 105 Denk mitl-Verlag 79 Arbeitsgemeinschaft Junge Genossinnen in Der Aktivist 78 und bei der PDS (AG Junge Genossinnen) 100 Der Republikaner 78 Arbeitsgemeinschaft Kommunistisches Forum in und bei der PDS M\u00fcnchen 94 Der Scheinwerfer 79","272 Sachwortregister Deutsch-Philippinische Freunde 118 Fair-Game (=Freiwild)-Regel 197 Deutsche Geschichte 79 Fl\u00fcchtlingshilfe Iran e.V. 180 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 110 Fl\u00fcchtlingshilfe Kurdistan 161 Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) 61 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) 167 Deutsche Liga f\u00fcr Volk und Heimat (DLVH) 57 F\u00f6deration der demokratischen Rechte Deutsche National-Zeitung (DNZ) 67 in Deutschland (ADHF) 167 Deutsche Reichspartei (DRP) 32 F\u00f6deration der patriotischen ArbeiterDeutsche Stimme (DS) 33 und Kulturvereinigungen aus Kurdistan Deutsche T\u00fcrk-F\u00f6deration (ATF) 171 in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FEYKA-Kurdistan) 159 Deutsche Volksunion (DVU) 40 F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Deutsche Volksunion e.V. (DVU) 45 Idealistenvereine in Europa e.V. (AD\u00dcTDF) 171 Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) 67 F\u00f6deration kurdischer Vereine Deutscher Bund (DB) 51 in Deutschland e.V. (YEK-KOM) 160 Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur 45 Forum der Neuen Europ\u00e4ischen Linken (NELF) 104 Deutsches Jungvolk 57 Forum kommunistischer ArbeitsDeutsches Kolleg (DK) 61 gemeinschaften 93 Deutschland-Bewegung 28 Franz\u00f6sische Kommunistische Partei 104 Deutschland Report 66 Franz Sch\u00f6nhuber Freundeskreis 25 Devrimci Sol 168 Frauen f\u00fcr Demokratie im Iran 180 Di-Al Records 54 Freie Nationalisten 49 Dianetik nach L. Ron Hubbard 188 Freie Stimme 49 Die Artgemeinschaft - Germanische Freie Strukturen 49 Glaubensgemeinschaft wesensgem\u00e4\u00dfer Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 55 Lebensgestaltung (Artgemeinschaft) 62 Freiheitlicher Volks Block (FVB) 50 Die Freunde im Ausland (DFiA) 66 Freiheitsbewegung Flandern 47 Die Nationalen e.V. 38 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 61 Die Republikaner (REP) 23 Friedenskomitee 2000 59 DISPUT 151 Front National (FN) 72 Djama'a Islamiya 184 F\u00fcnf-Punkte-Papier der PDS 86 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) 67 GEGENSTANDPUNKT 119 \"Germania \"-Rundbrief 65 Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten 45 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 60 Einheit und Kampf (EuK) 38 Gesellschaft iranischer Fl\u00fcchtlinge e.V. 180 EinSatz 134 Gruppe K 152 Elias BBS 75 Gruppe Kommunistische Arbeiterzeitung 119 Erfurter Erkl\u00e4rung 108 Gruppe Mehrheit 152 Erfurter Gruppe M\u00fcnchen 94 Haus der kurdischen K\u00fcnstler e.V. 185 Europ\u00e4ische Moscheenbauund Unterst\u00fctzungsgemeinschaft (EMUG) 174 Heide-Heim e.V. 62","Sachwortregister 273 Heimattreue Vereinigung Deutschlands Kommunistische Partei B\u00f6hmens (HVD) 50 und M\u00e4hrens 104 Hilafet Devleti (Kalifatsstaat) 175 Kommunistische Partei der Russischen F\u00f6deration 104 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. Kommunistische Partei Deutschlands (HNG) 78 (KPD/DDR) 97 Hitlerjugend (HJ) 57 Kommunistische Partei El Salvadors (PCS) 106 Hizb Allah 183 Kommunistische Partei \u00d6sterreichs 104 Huttenbriefe 61 Kommunistische Plattform (KPE) 97 Kommunistische Plattform Regionalgruppe Info-L\u00e4den der Autonomen 131 N\u00fcrnberg/Erlangen/F\u00fcrth 94 Informationszentrum f\u00fcr freie V\u00f6lker e.V. 170 Kommunistischer Bund (KB) 152 Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) 45 Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der Institute for Historical Review (IHR) 66 T\u00fcrkei in Europa (ATIK) 167 Konf\u00f6deration der demokratischen Rechte Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstandskampf, in Europa (ADHK) 167 Verfolgter des Naziregimes und HinterKraftwerk BBS 75 bliebener e.V. (IVVdN) 115 Kurdisch-Deutsche Presseagentur (KURD-A) 160 INTERIM 133 Kurdischer Elternverein e.V., M\u00fcnchen 166 Iranische Fl\u00fcchtlingskinderhilfe e.V. 180 Kurdischer Roter Halbmond (HSK) 186 Iranische Moslemische StudentenKurdisches Exilparlament 161 Vereinigung Bundesrepublik Deutschland e.V. (IMSV) 178 Kurdisches Informations-Zentrum (KIZ) 160 Iranischer Kulturverein 180 Kurdistan Haber Ajansi - News Agency (KURD-HA) 159 Islamische Bewegung Kurdistans (KIH) 186 Kurdistan Informationsb\u00fcro in Islamische Gemeinschaft Milli G\u00f6r\u00fcs (IGMG) 172 Deutschland (KIB) 160 Islamische Heeilsarmee (AIS) 178 Kurdistan-Komitee e.V., K\u00f6ln 159 Islamische Heilsfront (FIS) 177 Kurdistan Solidarit\u00e4t Allg\u00e4u-Oberschwaben 161 Kurdistan-Solidarit\u00e4t N\u00fcrnberg/Erlangen 161 Janus BBS 75 Kurdistan-Solidarit\u00e4tsgruppen 160 Journal of Historical Review 66 Jugend gegen Rassismus in Europa (JRE) 153 lernen und k\u00e4mpfen (luk) 151 Junge Nationaldemokraten (JN) 37 \"Leuchter-Bericht\" 64 Liberaldemokratische Partei Ru\u00dflands (LDPR) 46 Kameradschaft Franken 78 Libert\u00e4res Forum bei der PDS 94 Kameradschaften 22 Linksruck 152 Katakomben-Akademie 56 KB-Gruppe N\u00fcrnberg 152 Marxistisch-Leninistische Kommunistische KOMKAR - Verband der Vereine aus Partei (MLKP) 170 Kurdistan e.V. 186 Marxistisch-Leninistische Partei Kommission f\u00fcr Verst\u00f6\u00dfe der Psychiatrie Deutschlands (MLPD) 117 gegen Menschenrechte (KVPM) 204 Marxistische Bl\u00e4tter 151 Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) 119 Marxistische Gruppe (MG) 119","274 Sachwortregister Marxistisches Forum (MF) 102 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 171 Mensch und Ma\u00df 79 Partei des Demokratischen Sozialismus Mitteilungen der Kommunistischen (PDS) 83 Plattform der PDS 99 Partizan 167 Moonstomp 49 Patria-Versand GmbH - Spezialversand M\u00fcnchner B\u00fcndnis gegen Rassismus 120 f\u00fcr nationale Aktivisten 73 PDS-Pressedienst 151 M\u00fcnchner Kurdistan-Solidarit\u00e4tskomitee 160 Politische Berichte 152 Position 152 Nachrichten der HNG 78 Pro.K Zeitung des revolution\u00e4ren Nachrichten-Informationen-Meinungen Aufbau M\u00fcnchen 134 (NIM) 56 Proletarischer Internationalismus 103 NARCONON 200 Nation Europa Verlag GmbH 68 radikal 153 Nation & Europa - Deutsche Monatshefte 68 REBELL 152 Nation-Europa-Freunde e.V. 69 red & hot 134 National Journal 66 Regionale Arbeitsgruppen (RAG) 38 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 29 Republikanischer Hochschulverband (RHV) 26 Nationaldemokratischer Hochschulbund Revisionismus 63 (NHB) 78 Revolution\u00e4re Bewegung Tupac Amaru Nationale Befreiungsarmee (NLA) 180 (MRTA) 106 Nationale Befreiungsfront Kurdistans Revolution\u00e4re VolksbefreiungsparteiAfront (ERNK) 158 (DHKP-C) 169 Nationale Info-Telefone (NIT) 76 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 247 Nationaler Block (NB) 38 Rote Antifa N\u00fcrnberg (RAN) 126 Nationaler Widerstandsrat Iran (NWRI) 179 Rote Armee Fraktion (RAF) 240 Nationalistische Front (NF) 32 Rote Fahne 118 Neues Deutschland (ND) 151 Rote Hilfe e.V. 143 Nordbayerischer Landbote 151 Rote Zora 247 Nordische Zeitung (NZ) 62 \"Rudolf-Gutachten\" 64 Nordland-Netz 75 Notenschl\u00fcssel II 54 Samisdat Publishers Ltd. 71 NS Kampfruf 70 Schutzbund f\u00fcr das Deutsche Volk e.V. (SDV) 79 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation Scientology-Organisation (SO) 188 (NSDAP-AO) 69 Skinheads 51 N\u00fcrnberger Initiativkreis der Skinheads Allg\u00e4u 38 Erfurter Erkl\u00e4rung 94 Solidarit\u00e4t International (Sl) 118 Sozialismus von unten 152 Odal-Verlag 79 Sozialistische Alternative VORAN (SAV) 153 Office of Special Affairs (OSA) 205 Sozialistische Arbeitergruppe (SAG) 152 Operation Snow White Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend Ostanatolisches Gebietskomitee (DABK) 167 (SDAJ) 152","Sachwortregister 275 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands Verein f\u00fcr Arbeiterbildung Nordbayern 151 (SED) 83 Verein f\u00fcr interkulturelle ZusammenSozialistische Zeitung (SoZ) 152 arbeit e.V. (VIZ) 166 Sozialistischer Deutscher Studentenbund Verein Iranischer Demokratischer Akademiker e.V. (VIDA) 180 (SDS) 61 Verein zur Eingliederung iranischer Spinnennetz 148 Fl\u00fcchtlinge e.V. (VEIF) \" 180 Staatsbriefe 79 Vereinigte Linke 104 St\u00e4ndiger Rat marxistischer Parteien 100 Vereinigung der neuen Weltsicht St\u00f6rtebecker BBS 75 in Europa e.V. (AMGT) 172 Vereinigung der patriotisch-revolution\u00e4ren The Command Chart of SCIENTOLOGY 201 Jugend Kurdistans (YCK) 185 The New Order 71 Vereinigung der Verfolgten des Thule-Netz 75 Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) 115 TITEL - Informationsforum der PDS Bayern 96 Vereinigung f\u00fcr Sozialistische Politik (VSP) 152 Tontr\u00e4gervertrieb Jens P\u00fchse 54 T\u00fcrkische Arbeiterund BauernbefreiungsVerlag Hohe Warte - Franz von armee (TIKKO) * 167 Bebenburg KG 79 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/MarVGB Verlagsgesellschaft Berg mbH 79 xisten-Leninisten (TKP/ML) 167 Vierteljahreshefte f\u00fcr freie GeschichtsT\u00fcrkische VolksbefreiungsparteiAfront forschung (VffG) 59 (THKP-C Devrimci Sol) ~ 169 Vlaams Bl\u00f6k (VB) 59 Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) 158 Union der Aleviten aus Kurdistan (KAB) 186 Volksbewegung gegen antideutsche Union der freien Frauen aus Kurdistan (YAJK) 165 Propaganda (VOGA) 45 Union der Journalisten Kurdistans (YRK) 185 Volksbewegung von Kosovo (LPK) 181 Union der Jugendlichen aus Kudistan (YCK) 161 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 184 Union der patriotischen Arbeiter Kurdistans (YKWK) 185 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas - Generalkommando - (PFLP-GC) 184 Union islamischer Studentenvereine in Europa (U.l.S.A.) 184 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus Union zur Pflege der kurdischen Kultur und Krieg (VOLKSFRONT) 153 und Kunst (YRWK) 185 Volksmodjahedin 178 Unsere Zeit (UZ) 151 Vrij Historisch Onderzoek (V.H.O.) 66 UTOPIE - kreativ - Diskussion sozialistischer Alternativen 151 Widerstand 49 Widerstand BBS 75 Verband der islamischen Vereine WISE 203 und Gemeinden e.V. (ICCB) 175 Wohlfahrtspartei (RP) 172 Verband der Studentinnen aus Kurdistan (YXK) . 185 Verein der K\u00fcnstler und Schriftsteller Zentralorgan 49 des iranischen Widerstandes e.V. 180 zusammen k\u00e4mpfen 122","","",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1997","year":1997}
