{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1987.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":209,"pages":["Verfassungsschutzbericht Bayerisches Staatsministerium des Innern","","Verfassungsschutzbericht Bayern 1987 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/07/88 Satz: Reiff Druck & Verlag, Vogelweideplatz 9, 8000 M\u00fcnchen 80 Druck: Druckhaus Kastner Woinzach, Schlo\u00dfhof 2-6, 8069 Woinzach","","Hauptaufgabe des Verfassungsschutzes ist es -- neben der Spionageund Sabotageabwehr -- eine Bedrohung der demokratischen Verfassung fr\u00fchzeitig zu erkennen. Zum Kernbestand der demokratischen Verfassung, der nicht in Frage gestellt werden darf, geh\u00f6ren die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Nur wer an Bestrebungen gegen die Strukturmerkmale der freiheitlichen demokratischen Grundordnung beteiligt ist, wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Der Verfassungsschutz leistet einen unverzichtbaren Beitrag dazu, da\u00df die verfassungsrechtlich vorausgesetzten Bedingungen f\u00fcr die Funktionsf\u00e4higkeit des Staates sichergestellt bleiben. Nur ein funktionsf\u00e4higer Staat ist in der Lage, innere Sicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Innere Sicherheit ist nicht Selbstzweck, sondern Basis f\u00fcr die Aus\u00fcbung der Grundrechte. Pers\u00f6nliche Freiheit f\u00fcr alle ist nur mit dem Rechtsstaat, nicht gegen ihn verb\u00fcrgt, ist nur innerhalb der Verfassungsordnung denkbar. Wer sich unter Mi\u00dfachtung der Verfassungsordnung verfassungsfeindlich bet\u00e4tigt, bedroht daher die Rechte aller, auch derjenigen, die nicht unmittelbar durch extremistische oder gewaltt\u00e4tige Handlungen betroffen sind. Als verfassungsm\u00e4\u00dfig verb\u00fcrgte Institution eines freiheitlichen Rechtsstaates ist selbstverst\u00e4ndlich auch der Verfassungsschutz \u00f6ffentlicher Kritik ausgesetzt. Jeder, der -- zu Recht oder zu Unrecht -- am Verfassungsschutz Kritik \u00fcbt, sollte sich dabei jedoch im Klaren dar\u00fcber sein, da\u00df er dies nur dank seiner verfassungsm\u00e4\u00dfigen Rechte kann, deren Gew\u00e4hrleistung nicht zuletzt der engagierten T\u00e4tigkeit der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden zu verdanken ist. Allen Mitarbeitern, die im Verfassungsschutz t\u00e4tig sind, gilt unser Dank f\u00fcr ihre schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe. M\u00fcnchen, im Juli 1988 August R. Lang Staatsminister Dr. Heinz Rosenbauer Dr. Peter Gauweiler Staatssekret\u00e4r Staatssekret\u00e4r","Inhaltsverzeichnis Allgemeiner \u00dcberblick 10 1. Abschnitt Linksextremismus 12 1. Allgemeines 12 2. Orthodoxer Kommunismus 15 2.1 \u00dcberblick 15 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 16 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 16 2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und die KPdSU 20 2.2.3 Anforderungen an das DKP-Mitglied 22 2.2.4 Organisation 24 2.2.5 B\u00fcndnispolitik 26 2.2.5.1 Aktionseinheit 28 2.2.5.2 Volksfrontpolitik 32 2.2.6 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger 35 2.2.7 Schulung 37 2.2.8 Betriebsarbeit der DKP 39 2.2.9 Beteiligung an Wahlen 40 2.2.10 DKP-Hochschulgruppen 41 2.3 Nebenorganisationen der DKP 41 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 42 2.3.2 Marxistischer Studentinnenund Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 45 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) . . . . 46 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen 47 2.4.1 Allgemeines 47 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 49 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 51 4","2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 54 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 57 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) . . . 58 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) 59 2.4.8 \"Die Friedensliste\" 59 3. Neue Linke 61 3.1 \u00dcberblick 61 3.2 Dogmatische Neue Linke 63 3.2.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 63 3.2.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) 66 3.2.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 67 3.2.4 Kommunistischer Bund (KB) 70 3.2.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 71 3.2.6 Marxistische Gruppe (MG) 72 3.3 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 76 3.3.1 Allgemeines 76 3.3.2 \"Autonome\" Gruppen 77 3.3.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) 80 3.3.4 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFNB) 80 3.4 Linksextreme Schriften 80 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Anti-AKW-Bewegung\" 81 4.1 Allgemeines j 81 4.2 Einzelf\u00e4lle 83 5. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 86 5.1 Allgemeines 86 5.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte 88 2. Abschnitt Rechtsextremismus 92 1. Allgemeines 92 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 95 2.1 Ideologisch-politischer Standort 95 2.2 Organisation 97 2.3 Aktivit\u00e4ten 99 2.4 Wahlbeteiligung 100 5","2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) 102 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 103 3. Deutsche Volksunion e.V. (DVU) 104 3.1 Ideologisch-politischer Standort 104 3.2 Organisation 105 3.3 Aktivit\u00e4ten 106 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 106 4. Deutsche Volksunion -- Liste D (DVU-Liste D) 108 5. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 110 5.1 Allgemeines 110 5.2 \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger 110 5.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 113 5.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 115 5.5 Nationalrevolution\u00e4re 116 5.6 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 118 5.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 119 6. Sonstige rechtsextreme Organisationen 119 6.1 Deutscher Block (DB) 119 6.2 Wiking-Jugend (WJ) 120 6.3 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 122 6.4 \" Freundeskreis Ulrich von Hutten 122 6.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 123 7. Aktionen rechtsextremer Kreise nach dem Tod von Rudolf He\u00df 125 8. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 127 9. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 132 3. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 135 1. Allgemeines 135 2. \u00c4thiopische Gruppen 137 3. Afghanische Gruppen 137 6","4. Arabische Gruppen 138 5. Griechische Gruppen 140 6. Iranische Gruppen 140 6.1 Orthodoxe Kommunisten 140 6.2 Neue Linke 141 7. Italienische Gruppen 143 8. Jugoslawische Gruppen 143 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 143 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 144 9. Kurdische Gruppen 145 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 145 9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) 149 10. Pakistanische Gruppen 149 11. Spanische Gruppen 150 12. T\u00fcrkische Gruppen 150 12.1 Orthodoxe Kommunisten 151 12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich Sozialrevolution\u00e4re Gruppen 152 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ Marxisten-Leninisten (TKP/ML) 152 12.2.2 T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front (THKP/-C) 154 12.3 Extreme Nationalisten 157 12.4 Islamische Extremisten 158 4. Abschnitt Terror und sonstige politisch motivierte Gewalt .. 160 1. Allgemeines 160 2. Rote Armee Fraktion (RAF) 162 2.1 Kommandobereich der RAF 164 2.2 Militante der RAF 164 2.3 Umfeld der RAF 165 2.4 Festnahmen und Strafverfahren 167 3. Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 168 4. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 170 7","4.1 Bauunternehmen 170 4.2 Einrichtungen der Energieversorgung 172 4.3 Polizeiund Verwaltungsbeh\u00f6rden 174 4.4 Einrichtungen und Wohnungen von Ausl\u00e4ndern 175 4.5 Einrichtungen des Bahnverkehrs 175 4.6 Geldinstitute 176 4.7 Sonstige Angriffsobjekte 176 5. Abschnitt Spionageabwehr 179 1. Allgemeines 179 2. Zielrichtung/Zielobjekte 179 2.1 Politische Spionage 179 2.2 Milit\u00e4rische Spionage 180 2.3 Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage 181 3. Wirtschaftsunternehmen als Zielobjekte nachrichtendienstlicher Technologiebeschaffung 182 3.1 Anbahnung 182 3.2 Kontaktierung 183 3.3 Werbung 183 3.4 Verstrickung 184 3.5 Auftragserteilung 184 4. Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes als Zielpersonen nachrichtendienstlicher Informationsbeschaffung 184 5. Offenlegung nachrichtendienstlicher Kontakte 185 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 187 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 187 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 188 8","Anhang 1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 190 Anhang 2 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 193 Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremisch beeinflu\u00dfter Organisationen 196 Anhang 4 Stichwortverzeichnis 200 9","Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt Feststellungen zur inneren Sicherheit im Freistaat Bayern f\u00fcr das Jahr 1987. Er gibt einen \u00dcberblick \u00fcber Bestrebungen von Extremisten, die unmitttelbar oder mittelbar gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, sowie Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Der Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt auch Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr fremde M\u00e4chte. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinn des Grundgesetzes eine Ordnung zu verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1987 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. 1987 gab es in Bayern 110 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit rund 13.500 Mitgliedschaften. Der leichte R\u00fcckgang gegen\u00fcber dem Vorjahr ist auf eine r\u00fcckl\u00e4ufige Tendenz im Bereich der linksextrem beeinflu\u00dften Gruppierungen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Schwerpunkte der Aktivit\u00e4ten moskauorientierter orthodoxer Kommunisten waren 1987 neben der Fortsetzung der Friedensund Abr\u00fcstungskampagne die Agitation gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie und im Zusammenhang damit gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe in Wackersdorf, die Kampagne gegen die Volksz\u00e4hlung und die Agitation gegen den Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen in der Maxh\u00fctte in Sulzbach-Rosenberg. Das Ziel sowohl der moskauorientierten orthodoxen Linksextremisten als auch der meisten Gruppen der Neuen Linken ist nach wie vor die Errichtung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung. 10","Die Marxistische Gruppe (MG) konnte ihre Vormachtstellung innerhalb der dogmatischen Neuen Linken in Bayern weiter ausbauen. Die MG mu\u00df aufgrund ihrer Aktivit\u00e4ten sowie ihrer kontinuierlich steigenden Mitgliederzahlen als eine der gef\u00e4hrlichsten Gruppierungen im gesamten linksextremen Spektrum in Bayern angesehen werden. Innerhalb der undogmatischen Neuen Linken beteiligte sich vor allem der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel an der Kampagne gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Militante Aktionen \"autonomer\" Gruppen richteten sich daneben haupts\u00e4chlich gegen die am Bau von kerntechnischen Anlagen beteiligten Firmen sowie gegen Einrichtungen und Anlagen von Energieversorgungsunternehmen und der Deutschen Bundesbahn. Die Bestrebungen rechtsextremer Vereinigungen und Personen gef\u00e4hrdeten auch 1987 die freiheitliche demokratische Grundordnung nicht. In Bayern bet\u00e4tigten sich 29 rechtsextreme Organisationen mit rund 4.800 Mitgliedern. Der Mitgliederzuwachs gegen\u00fcber dem Vorjahr beruht in erster Linie auf der neugegr\u00fcndeten Deutschen Volksunion -- Liste D (DVU-Liste D). Die mitgliederst\u00e4rksten Organisationen innerhalb des organisierten Rechtsextremismus in Bayern waren die Deutsche Volksunion (DVU) einschlie\u00dflich ihrer Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund ihrer Studentenorganisation. Eine dominierende Rolle im Bereich des organisierten Neonazismus spielen nach wie vor die ehemaligen Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die unter dem Deckmantel der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) ihre Aktivit\u00e4ten fortsetzten. Der Tod des ehemaligen \"Stellvertreters des F\u00fchrers\" Rudolf He\u00df am 17. August f\u00fchrte zu zahlreichen Aktionen des gesamten rechtsextremen Spektrums. Die Anzahl ausl\u00e4ndischer Extremisten und ihrer Organisationen unterliegt einer starken Fluktuation. 1987 ging die Zahl der Mitgliedschaften auf ca. 6.700 zur\u00fcck, die Zahl der Organisationen verringerte sich auf 147. Vor allem die militante orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) einschlie\u00dflich ihrer Nebenorganisationen sowie gewaltbereite Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken stellten nach wie vor eine Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit dar. Aufmerksamer Beobachtung bedarf auch die Entwicklung im Bereich des islamischen und nationalistischen Ausl\u00e4nderextremismus. Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch Terroristen hielt an. Wenngleich die Rote Armee Fraktion (RAF) 1987 keine Mordanschl\u00e4ge in der Bundesrepublik Deutschland begangen hat, bleibt sie doch die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung. Die \"Rote Zora\", die Frauengruppe der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ), trat 1987 mit einem versuchten Sprengstoffanschlag in Bayern in Erscheinung. Die Ermordung von zwei Polizeibeamten am 2. November 1987 an der Startbahn West des Flughafens Frankfurt/Main unterstreicht die Gef\u00e4hrlichkeit, die von den militanten \"Autonomen\" ausgeht. Die Spionageaktivit\u00e4ten der Geheimdienste des Ostblocks hielten auch 1987 an. Das Ausspahungsinteresse der \u00f6stlichen Nachrichtendienste richtete sich wiederum auf alle wesentlichen Entwicklungen und bedeutsamen Ver\u00e4nderungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Milit\u00e4r. 11","1. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1987 gab es in Bayern 110 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit rund 13.500 Mitgliedschaften. Die Zahlen haben sich gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht verringert. Sowohl im Bereich der linksextrem beeinflu\u00dften Abr\u00fcstungskampagne wie auch der Aktivit\u00e4ten gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf war eine r\u00fcckl\u00e4ufige Tendenz feststellbar, weil die Akzeptanz solcher Aktionen bei der Bev\u00f6lkerung abgenommen hat. Zahl und St\u00e4rke von linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen in Bayern: 1986 1987 Zahl der Organisationen 120 110 Mitgliedschaften Orthodoxe Linke 11.600 11.400 Mitgliedschaften Neue Linke 2.000 2.10O Insgesamt 13.600 13.500 Die Gesamtzahl von 13.500 Mitgliedern f\u00fcr das Jahr 1987 l\u00e4\u00dft sich wie folgt weiter aufgliedern: Mitgliedschaften in orthodox-kommunistischen Kernund Nebenorganisationen 5.100 r\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften (emund Nebenorganisationen 200 4.900 jliedschaften in orthodox-kommunistisch sinflu\u00dften Organistionen 6.300 11.200 ]liedschaften in Kernund Nebenanisationen der Neuen Linken 1.900 r\u00fcglich Mehrfachmitgliedschaften )rganisationen der Neuen Linken 100 1.800 Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen der Neuen Linken 200 2.000 Gesamtzahl (erkannte Mehrfachmitgliedschaften abgezogen) 13.200 *","Wie sich aus vorstehender Tabelle ergibt, sind Mehrfachmitgliedschaften nur jeweils innerhalb des Bereichs der Kernoder Nebenorganisationen der Orthodoxen Linken und der Neuen Linken ber\u00fccksichtigt. \u00dcber Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sowie Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen einerseits und Kernoder Nebenorganisation andererseits liegen keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen vor. In der Zahl der Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sind auch Nichtextremisten enthalten; eine zahlenm\u00e4\u00dfige Aufgliederung ist nicht m\u00f6glich. Moskauorientierte orthodoxe Kommunisten und Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken versuchten auch 1987 durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere durch Beteiligung an Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, an Kampagnen gegen Arbeitslosigkeit, an Agitationen gegen den geplanten Abbau von Arbeitspl\u00e4tzen in der Maxh\u00fctte in Sulzbach-Rosenberg sowie an Kampagnen gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie und den Bau der Wlederaufarbeitungsanlage f\u00fcr Kernbrennstoffe in Wackersdorf ihrem Ziel, der Einf\u00fchrung einer kommunistischen Gesellschaftsordnung, n\u00e4herzukommen. Eine kommunistische Gesellschaftsordnung ist jedoch, wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes und damit verfassungsfeindlich. Zur Erreichung ihres Ziels bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letztlich aber auch die der orthodoxen Kommunisten zur Gewalt. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellten einen ideologisch festgef\u00fcgten Block dar. Bei den Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an. Die bedeutendsten linksextremen bzw. linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen waren 1987: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Marxistische Gruppe (MG) 13","1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen dieser Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisation besetzt. Die wesentlichen Nebenorganisationen waren 1987: Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentinnenund Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD Arbeiterjugendverband Marxisten-Leninisten (AJV) Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) Noh\"\"anr\"rnanicatir\"r\" H o c A R Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein erheblicher Teil der Organisationen im linksextremen Bereich besteht aus Vereinigungen, die sich \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernoder Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- von diesen oder auf deren Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- wichtige F\u00fchrungsfunktionen mit Kommunisten besetzen, -- eng mit Kernoder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Ziel Setzungen decken. Teilweise liegen mehrere dieser Merkmale vor, teilweise alle. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernoder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblicher kommunistischer Einflu\u00dfnahme noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten Organisationen, die unter kommunistischem Einflu\u00df standen, waren 1987: Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 14","Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die Friedensliste Sozialistischer Hochschulbund (SHB) als st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Vom AB beeinflu\u00dfte Organisationen: Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) Initiative f\u00fcr die Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend (IVRJ) Vom BWK beeinflu\u00dfte Organisation: Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) Von der VSP beeinflu\u00dfte Organisation: Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) Sonstige linksextreme Gruppen Hierbei sind in erster Linie die sogenannten undogmatischen Gruppen zu nennen, die eine feste Bindung an ideologische Dogmen ablehnen. Ihr Spektrum reicht von autonomen Gruppierungen bis hin zu anarchistisch ausgerichteten Zusammenschl\u00fcssen. Ihr Endziel ist die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele propagieren sie auch Gewalt gegen Personen und Sachen. 2. Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Nebenorganisationen sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- die von der DKP oder ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar, sind vor allem im Funktion\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die orthodoxen Kommunisten bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und damit, auch wenn sie es zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats; dabei werden diese Begriffe vielfach mit \"revolution\u00e4rer Weltproze\u00df\" bzw. \"Herrschaft der Arbeiterklasse\" umschrieben. Das Grundmodell dieser \"sozialistischen Ordnung\" sehen die orthodoxen Kommunisten in der Sowjetunion und der DDR verwirklicht. Deshalb betonen sie die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjet15","union, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. In ideologischer und politischer Hinsicht folgen sie der Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung zukomme. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie, der sich auch in einigen internationalen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der Federation Internationale des Resistants (FIR) manifestiert, wird uneingeschr\u00e4nkt anerkannt. Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) SDAJ DFU VVN-BdA MSB SHB DFG-VK KFAZ JP VDJ DFI Nebenorganisationen Komitees, Friedensliste Initiativen beeinflu\u00dfte Organisationen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt hier die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. Ideologisch vertritt die DKP die Lehren des Marxismus-Leninismus. Nach dieser Ideologie des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" ist der erste Schritt zum Kommunismus eine Revolution mit dem Ziel der Errichtung der politischen Herrschaft des Proletariats. Die Kommunistische Partei hat dabei im Klassenkampf durch Agitation und 16","\u00c4nderung des Bewu\u00dftseins der Arbeiterklasse auf eine Revolution hinzuarbeiten und diese zu f\u00fchren. Der Revolution folgt die Diktatur des Proletariats, d.h. die Macht wird diktatorisch durch die \"Elite\" der Arbeiterklasse, die Kommunistische Partei, ausge\u00fcbt; die Gewaltenteilung ist beseitigt. In der Phase der Diktatur des Proletariats gibt es allerdings noch gegens\u00e4tzliche Klassen, die jedoch in der n\u00e4chsten Stufe der Entwicklung, dem Sozialismus, aufh\u00f6ren zu existieren. Dann f\u00fchrt allein die Kommunistische Partei den sozialistischen Staat und die sozialistische Gesellschaft. Auf dem H\u00f6hepunkt des Sozialismus stirbt nach dieser Ideologie der Staat ab. In dem sich daran anschlie\u00dfenden Stadium des Kommunismus gibt es keine Klassen und keinen Staat mehr. An seine Stelle tritt die Gesellschaft. Politisch folgt die DKP kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie betont ihre \"tiefe Verbundenheit\" zur Sowjetunion, \"dem ersten Arbeiterund Bauernstaat\", und verurteilt jede davon abweichende Meinung als \"Rechtsoder Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". In seiner Gru\u00dfansprache auf einer gemeinsamen Festsitzung anl\u00e4\u00dflich des 70. Jahrestages der Oktoberrevolution in Moskau am 3. November 1987 betonte der DKP-Vorsitzende Mies, die KPdSU habe in allen Etappen der 70j\u00e4hrigen Entwicklung der Sowjetunion Gewaltiges zur Ver\u00e4nderung des eigenen Landes und der Welt geleistet. Wegen dieser unver\u00e4ndert bestehenden Anbindung an die Politik der KPdSU ist zu erwarten, da\u00df die DKP auch die in der Sowjetunion mit dem sogenannten Reformkurs eingeleitete Entwicklung nachvollziehen wird. Ende Januar 1986 hat der Generalsekret\u00e4r der KPdSU Michail Gorbatschow sein Demokratisierungsprogramm verk\u00fcndet, das mit den Leitbegriffen Perestrojka (Umgestaltung/Neugestaltung) und Glasnost (Transparenz/Offenheit) verbunden ist. Der Direktor der sowjetischen Nachrichtenagentur APN erkl\u00e4rte dazu in einem Interview mit der UZ, die Sowjetunion beginne derzeit eine ganz neue Etappe ihrer Entwicklung. Deren Kennzeichen sei mehr Sozialismus im eigentlichen Sinne des Wortes, mehr Demokratie wiederum im eigentlichen Sinne des Wortes; das hei\u00dfe Volksverwaltung, mehr Offenheit. Er betonte, die Rolle der KPdSU in der sozialistischen Gesellschaft sei die der politischen F\u00fchrung, nicht die der administrativen Leitung. Ein f\u00fchrender Vertreter der KPdSU erkl\u00e4rte, bei den neuen Ma\u00dfnahmen zur Vertiefung der Demokratie der sowjetischen sozialistischen Ordnung gehe es nat\u00fcrlich nicht um eine grundlegende \u00c4nderung des politischen Systems. Die Aufgabe hei\u00dfe vielmehr, alle M\u00f6glichkeiten des Systems mit maximaler Effektivit\u00e4t zu nutzen. Die DKP hat erhebliche Schwierigkeiten, sich auf diese neue Linie einzustellen. Sie versucht, ihren Mitgliedern klarzumachen, da\u00df das Prinzip des demokratischen Zentralismus, also die uneingeschr\u00e4nkte Entscheidungsbefugnis der Parteispitze, nicht in Frage gestellt wird. Insbesondere hei\u00dfe Vervollkommnung der sowjetischen Demokratie keineswegs die \u00dcbernahme eines westlich pluralistischen Demokratiemodells. Die sozialistische Demokratie sei der b\u00fcrgerlichen um eine ganze historische Epoche voraus. Es gehe nicht um einen 17","Weg zur\u00fcck zu einer b\u00fcrgerlichen Ordnung. Die lenin'schen Organisationsgrunds\u00e4tze f\u00fcr eine kommunistische Partei seien keineswegs veraltert. Glasnost bedeute nicht, da\u00df ein ideologischer Pluralismus zugelassen werde. Die DKP f\u00fcrchtet jedoch nicht nur eine Einbu\u00dfe an Parteidisziplin. Sie hat ihren Mitgliedern die Zust\u00e4nde in der Sowjetunion bisher als paradiesisch geschildert. Das Eingest\u00e4ndnis von Mi\u00dfst\u00e4nden war bisher ein absolutes Tabu. Die DKP-Spitze sieht sich daher jetzt dem Vorwurf ausgesetzt, bisher nicht wahrheitsgem\u00e4\u00df berichtet zu haben. Ein Mitglied des DKP-Parteipr\u00e4sidiums sah sich sogar zu der Bemerkung veranla\u00dft, die Sozialismuspropaganda der DKP sei bisher kein Lug und Trug gewesen. Die DKP d\u00fcrfe die Entwicklung der UdSSR nach den neueren Enth\u00fcllungen nicht als einen einzigen Scherbenhaufen ansehen. Ausgangspunkt f\u00fcr eine realistische Betrachtung m\u00fc\u00dften immer die gro\u00dfen Leistungen der Sowjetunion sein. Erst danach k\u00e4men die Aufdekkung von M\u00e4ngeln und Fehlern. Unver\u00e4ndert betrachtet die DKP auch das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem vorbehaltlos als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gr\u00fcndung der DDR markiere einen \"Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes\". Mit der \"sozialistischen Revolution\" in der DDR habe die deutsche Arbeiterbewegung ihren \"gr\u00f6\u00dften Sieg\" errungen. In der DDR w\u00fcrden die \"besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft als Demokratie\" geben. Die DKP h\u00e4lt am \"unverr\u00fcckbaren Ziel\" Sozialismus \"als erster Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\" fest. Diese \"grundlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Als die Partei des \"Klassenkampfes\" und des \"Sozialismus\" bekenne sie sich zu den Grunds\u00e4tzen einer \"bolschewistischen Partei neuen Typs\", die gekennzeichnet sei durch die Anerkennung der Lenin'schen Normen der Parteimitgliedschaft und des Parteiaufbaues sowie der Diktatur des Proletariats. Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Daher sei es die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Arbeiterklasse und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse f\u00fcr erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Darunter versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiter18","klasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Diese Aussagen der DKP belegen trotz der aus taktischen Gr\u00fcnden variierten Begriffsbildung, da\u00df die DKP einen dogmatischen Marxismus-Leninismus vertritt. Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den marxistisch-leninistischen Kernbegriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats\". Dieser Sprachgebrauch dient der DKP ebenso zur Verschleierung ihrer in Wahrheit verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". Ihr Bekenntnis, auf dem Boden des Grundgesetzes zu stehen, ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu verstehen. In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr jeden B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden grunds\u00e4tzlich mit systemkonformen Mitteln erreichen. Ihre Zur\u00fcckhaltung bei gewaltt\u00e4tigen Aktionen beruht lediglich auf dem Bestreben, sich im Rahmen der von ihr verfolgten B\u00fcndnispolitik \"koalitionsf\u00e4hig\" zu machen. Der DKPVorsitzende Mies hatte 1981 erkl\u00e4rt: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes. ... Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren. ... Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". F\u00fcr die DKP ist die Gewaltanwendung somit eine Frage politischer Opportunit\u00e4t. Nur auf Gesichtspunkte politischer Opportunit\u00e4t stellt die DKP auch in ihrer Erkl\u00e4rung zu den Morden an den zwei Polizeibeamten an der Startbahn West in Frankfurt ab, wenn sie formuliert, egal, wer die T\u00e4ter waren, diese Sch\u00fcsse auf Polizeibeamte n\u00fctzen nur den rechten Kr\u00e4ften. Die DKP empfinde sie als eine Provokation der \"demokratischen Bewegung\". Sie w\u00fcrden den Abbau des Demonstrationsrechts in einer Situation beg\u00fcnstigen, wo es den Rechtskr\u00e4ften darum gehe, mit dem Vermummungsverbot weitere demokratische Rechte abzubauen und in der sie offen die Erwartung weiterer Terrorakte ausspr\u00e4chen. Sie w\u00fcrden helfen, den Widerstand gegen den weiteren Flughafenausbau und gegen andere bev\u00f6lkerungsfeindliche Projekte zu kriminalisieren und weitere polizeistaatliche Ma\u00dfnahmen der Landesregierung zu beg\u00fcnstigen. Das tragische Schicksal der erschossenen Polizeibeamten und ihrer Angeh\u00f6rigen scheint f\u00fcr die DKP keine Rolle zu spielen. Da\u00df die DKP ihrer alten Klassenkampfideologie treu bleibt, ergibt sich aus einem Artikel in den \"Marxistischen Bl\u00e4ttern\": Die \"Friedensfrage\" sei zwar eine klassen\u00fcbergreifende Frage, der Friedenskampf m\u00fcsse jedoch gegen diejenigen Kr\u00e4fte gef\u00fchrt werden, die sich um den \"Milit\u00e4r-Industrie-Komplex\" gruppieren. Da ein dialektisches Wechselverh\u00e4ltnis zwischen Friedenskampf 19","und Klassenkampf bestehe, m\u00fcsse die DKP \"Friedenspartei\" und \"revolution\u00e4re Klassenkampfpartei\" zugleich sein. Der DKP-Vorsitzende rief dazu auf, den \"Friedenskampf\" und die \"Arbeiterk\u00e4mpfe\" vom Klassenstandpunkt des wissenschaftlichen Sozialismus aus voranzutreiben. 2.2.2 Steuerung der DKP durch die SED und die KPdSU Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt. Die Verbundenheit beider Parteien sicherten auch 1987 zahlreiche Arbeitsgespr\u00e4che zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren. Sie dienen einer umfassenden Kontrolle der DKP durch die SED. Zust\u00e4ndig ist daf\u00fcr die sogenannte \"Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED. Den Bezirksorganisationen der DKP sind jeweils Bezirksorganisationen der SED als \"Patenbezirke\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller \"Kampfaufgaben\" wird j\u00e4hrlich zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit treffen. Die hundertprozentige Anbindung an die SED macht auch eine Stellungnahme der DKP zum 26. Jahrestag der Errichtung der Berliner Mauer deutlich. Danach habe die DDR an diesem Tag einen \"wirksamen Damm\" gegen die von f\u00fchrenden Politikern und Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland gepredigte \"Politik des Nervenkrieges, des Schie\u00dfkrieges, der Zersetzung, der Sabotage, der Eroberung\" errichtet. Zur \"Politik der St\u00e4rke\" habe neben der organisierten Abwerbung von Fachkr\u00e4ften aus der DDR auch der \"Ausbau West-Berlins zum Spionageund Agentenzentrum\" geh\u00f6rt. \"Bewaffnete Kampfgruppen der Arbeiterklasse\" h\u00e4tten in enger Zusammenarbeit mit sowjetischen Streitkr\u00e4ften den provokanten Umtrieben durch die Sicherung der Staatsgrenze ein Ende bereitet. Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrte die SED der DKP auch dadurch, da\u00df sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung, F\u00f6rderung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellte. F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SEDArchiven aufbewahrt, insbesondere Unterlagen \u00fcber DKP-Mitglieder. Auch 1987 wurde eine gro\u00dfe Zahl einreisender \"DDR-Reisekader\" festgestellt, die im Rahmen der \"Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den Reisekadern z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und der sogenannten DDR-Massenorganisationen auch Wissenschaftler, die neben ihrem beruflichen Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Nach einer zweij\u00e4hrigen Pause organisierte die DKP unter der Bezeichnung \"Arbeiterzug 87\" (\"Freundschaft mit der Sowjetunion -- 70 Jahre Oktoberrevolution -- F\u00fcr Frieden und Arbeit\") vom 19. Juni bis 4. Juli eine Reise in die Sowjetunion, an der sich nach Angaben des Veranstalters rund 300 DKP-Mitglieder und Angeh\u00f6rige \"anderer demokratischer Organisationen\" aus dem 20","gesamten Bundesgebiet beteiligten. Die Fahrt f\u00fchrte \u00fcber Warschau nach Moskau; von dort aus besuchten die Teilnehmer dann verschiedene Sowjetrepubliken. Auf ihrer letzten Station vor der Heimreise gaben die Teilnehmer des Arbeiterzuges in Leningrad eine Erkl\u00e4rung ab, in der sie an die B\u00fcrger der Bundesrepublik appellierten, den \"Kampf f\u00fcr den Frieden und die Realisierung der Moskauer Vorschl\u00e4ge\" zu verst\u00e4rken. In Moskau hielt der DKP-Vorsitzende Mies eine Rede vor ca. 5.000 Zuh\u00f6rern. Mies w\u00fcrdigte dabei den 70. Jahrestag der Oktoberrevolution als ein Ereignis, das nicht nur f\u00fcr das Sowjetvolk von gro\u00dfer Bedeutung sei, sondern von dem auch starke Impulse f\u00fcr die Kommunisten in aller Welt, f\u00fcr die anderen Str\u00f6mungen in der Arbeiterbewegung, f\u00fcr die antiimperialistischen und demokratischen Bewegungen in den L\u00e4ndern der Dritten Welt, f\u00fcr alle fortschrittlichen und Friedenskr\u00e4fte ausgehen w\u00fcrden. F\u00fcr \"hervorragende Verdienste um die Sicherung und Festigung des Weltfriedens\" wurde er mit dem sowjetischen \"Internationalen Lenin-Friedenspreis\" ausgezeichnet. E O S CRHJflC\u00e4\u00df\u00d6 ZMMiG\u00fcG\u00d6 CCCP Veranstaltung zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution F r e i t a g , 3 0 . 1 0 . 8 7 I 9 3 0 . Schwabingerbr\u00e4u ITtoSS\u00e4SGLjD(c) PoDCsDOLT^ Ensembles aus Moskau und Leningrad M\u00fcnchner Maullrommel und M\u00fcnchner Arbeiterfolographie: \"9er gro\u00dfe Umbau\" Die Oktober-Revolution in Liedern. Bildern .Texten Prof. Dr. phil. Galina Michailowna Andrejewa Letterin des Lehrstuhls f\u00fcr soziale Psychologie an der Lomonossow-Univeisit\u00e4t Moskau spricht zum Thema Der Mensch in der Perestroika Eintri\": 7 DM SDM hJrScMUgr, U M \" . AiMtshai DKP 21","Wie in jedem Jahr veranstaltete die DKP auch 1987 bundesweit eine \"Woche des realen Sozialismus\", die im Zeichen des \"70. Jahrestages der Oktoberrevolution\" und der gegenw\u00e4rtigen Umgestaltungsprozesse in der Sowjetunion stand. Laut \"UZ\", dem Zentralorgan der DKP, fanden dabei \u00fcber 150 Veranstaltungen statt. Nach Angaben der DKP sollen sich \u00fcber 12.000 Personen \u00fcber die \"Ideen des Roten Oktober\" und die heutigen revolution\u00e4ren Umwandlungen in der Sowjetunion informiert haben. In Bayern wurden ca. 20 Veranstaltungen abgehalten. Den gr\u00f6\u00dften Zulauf hatte dabei eine Veranstaltung in M\u00fcnchen mit 1.100 Teilnehmern. 2.2.3 Anforderungen an das DKP-Mitglied In der Brosch\u00fcre mit dem Titel \"F\u00fcr die Neuen -- Blick in die DKP\", die anl\u00e4\u00dflich des Parteibildungsjahres 1986/1987 herausgegeben wurde, fordert die DKP die strikte Unterordnung der Mitglieder unter die kollektive Leitung: \"Die Kommunistische Partei ist ein Kampfbund von Gleichgesinnten. Jede Genossin und jeder Genosse ist freiwillig diesem Kampfbund beigetreten. Wir wissen, da\u00df wir hier keine Vorteile oder Privilegien zu erwarten haben. Wir handeln aus \u00dcberzeugung f\u00fcr die als richtig erkannte Sache, f\u00fcr die Befreiung der Menschheit von Ausbeutung und Krieg. Die St\u00e4rke einer kommunistischen Partei liegt in ihrer Kollektivit\u00e4t. Kollektiv handeln hei\u00dft, gemeinsam und einheitlich handeln. Die zentrale Leitung koordiniert die Kr\u00e4fte. Sie hat das Gesamtinteresse stets im Auge. Sie stimmt das Wirken der Kommunistinnen und Kommunisten auf allen Ebenen des Klassenkampfes sowohl politisch, \u00f6konomisch als auch ideologisch ab. Durch die zentrale Leitung kommt der gemeinsame Wille der Mitglieder und der Funktion\u00e4re zum Ausdruck\". Im \"Leitfaden f\u00fcr die Gruppenarbeit der DKP\" hei\u00dft es dazu: \"Als Marxisten wissen wir, da\u00df die St\u00e4rkung der DKP und ihre Entwicklung zu einer einflu\u00dfreichen, mitgliederstarken und fest in den Massen verankerten Partei nicht im Selbstlauf erfolgt. Sie mu\u00df vielmehr in geduldiger und \u00fcberzeugender, beharrlicher und systematischer Kleinarbeit erk\u00e4mpft werden! Das um so mehr, als der Klassengegner alle Anstrengungen unternimmt, unsere Partei durch versch\u00e4rften Antikommunismus, verfassungsfeindliche Berufsverbote, durch die reaktion\u00e4re F\u00fcnf-Prozent-Klausel und viele andere Ma\u00dfnahmen zu isolieren und kleinzuhalten. St\u00e4rkung der DKP mu\u00df darum f\u00fcr jedes Parteimitglied und jede Parteiorganisation hei\u00dfen: -- unabl\u00e4ssige Verst\u00e4rkung der Massenarbeit, stetige Festigung und Erweiterung unserer Verbindungen mit der Arbeiterklasse und der Jugend, beharrliches Ringen um die Sympathie, das Vertrauen und die Unterst\u00fctzung des arbeitenden Volkes, um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse und das B\u00fcndnis mit allen demokratischen Kr\u00e4ften, -- systematische und zielstrebige Anstrengungen zur Gewinnung neuer Parteimitglieder, zur st\u00e4rkeren Verbreitung der \"UZ\" und zur Werbung neuer \"UZ\"-Leser, -- st\u00e4ndige Erh\u00f6hung des politisch-ideologischen Niveaus und der Aktivit\u00e4t der Parteimitglieder, Bef\u00e4higung aller Genossen zum \u00fcberzeugenden Eintreten f\u00fcr die Grunds\u00e4tze und Ziele und Politik der DKP, Einhaltung der im Statut niedergelegten Grunds\u00e4tze und Normen des Parteilebens, planm\u00e4\u00dfi22","gere und kontinuierliche Anwendung attraktiver, \u00f6ffentlichkeitswirksamer Formen unserer Massenarbeit, Anwendung kulturell-geselliger Formen der Gruppenarbeit.\" In der DKP ist \"jedes Mitglied f\u00fcr die Partei und die Partei f\u00fcr jedes Mitglied verantwortlich. Deshalb gilt in unserer Partei der Grundsatz, da\u00df jedes Parteimitglied in einer der Parteiorganisationen organisiert sein und aktiv an ihrer T\u00e4tigkeit teilnehmen mu\u00df. Die Aufnahme eines Mitglieds kann darum nur durch die Mitgliederversammlung der zust\u00e4ndigen Parteiorganisation erfolgen. Das Prinzip der Bewu\u00dftheit und Organisiertheit der Partei besagt ferner, da\u00df jedes Parteimitglied verpflichtet ist, seine Kenntnisse durch das Studium des wissenschaftlichen Sozialismus zu erweitern und sich mit den Dokumenten und Materialien der Partei vertraut zu machen. Nach Ansicht der DKP ist man Kommunist \u00fcberall, am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie. Die richtige Haltung der Kommunisten besteht nach Meinung der Partei darin, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreich und geduldig die Politik der Aktionseinheit zu verfechten, in B\u00fcndnissen aktiv und partnerschaftlich zu wirken, sich als \"die besten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und \"aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und bei der Gestaltung der DKPPresse mitzuwirken\". Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, welche \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Das Parteimitglied hat als Berufsrevolution\u00e4r die Aufgabe, politische Unzufriedenheit durch Propaganda und Agitation zu wecken und so eine revolution\u00e4re Situation vorzubereiten. Die Erf\u00fcllung dieser Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Vor der letzten Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher zum 1. Ja23","nuar 1988 wurden nach Aussage der DKP mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. Entsprechend den Leninschen Gedanken zum Parteiaufbau sieht sich die DKP nicht als Massenorganisation, sondern als Elite. Diese f\u00fchrende Elite von Revolution\u00e4ren denkt f\u00fcr das Proletariat und soll das Proletariat zur \"Freiheit\" f\u00fchren. Damit kommt zum Ausdruck, da\u00df die gro\u00dfe Mehrzahl des \"Proletariats\" der Anleitung durch Mitglieder des F\u00fchrungskaders, der Kommunistischen Partei, bedarf, die aus der \"Masse\" herausragen und zur F\u00fchrung bef\u00e4higt sind. Der kollektive Charakter der DKP-Ideologie kommt darin deutlich zum Ausdruck, da\u00df sie Menschen nicht als Individuen, sondern als \"Masse\" sieht. Dies ist ein fundamentaler Unterschied zum Menschenbild des Grundgesetzes, das an die Spitze der Verfassung die Freiheitsgrundrechte f\u00fcr den Einzelnen stellt. 2.2.4 Organisation In Bayern gab es Ende 1987 unver\u00e4ndert etwa 3.100 DKP-Mitglieder. Die DKP hatte 1987 in der Bundesrepublik Deutschland rund 38.000 (1986: 42.000) Mitglieder. Auf dem 8. Parteitag im Mai 1986 bezifferte die DKP die Zahl ihrer Mitglieder noch mit 57.802 (7. Parteitag 1984: 50.482). Eine der Hauptursachen f\u00fcr den Mitgliederr\u00fcckgang d\u00fcrfte in der mangelnden Bereitschaft der DKP-F\u00fchrung liegen, Reformen im ideologischen und organisatorischen Bereich durchzuf\u00fchren. Die DKP gliedert sich im Bundesgebiet in zw\u00f6lf Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die Grundorganisationen, n\u00e4mlich die Orts-, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Vorsitzender der DKP ist nach wie vor Herbert Mies. Stellvertretende Parteivorsitzende ist Ellen Weber. Der Parteivorstand besteht aus 92 Mitgliedern, darunter 8 aus Bayern. Der Parteivorstand w\u00e4hlte 19 Mitglieder in das Pr\u00e4sidium und 14 in das Sekretariat. Nach dem Bericht der Mandatspr\u00fcfungskommission geh\u00f6rten von 879 anwesenden Delegierten des 8. Parteitages im Mai 86 72,7 % zur \"Arbeiterklasse\", 6,3 % zur \"Intelligenz\" und 6,0 % zur \"weiteren mittelst\u00e4ndischen Schicht\". F\u00fcr den Rest der Delegierten (15 %) fehlten entsprechende Angaben. Von der Gesamtzahl der Delegierten sollen nach dem Bericht 642 Personen \"Betriebs\"bzw. Gewerkschaftsfunktionen aus\u00fcben, davon 55 Personen als Mitglieder von Betriebsoder Personalr\u00e4ten und 204 \"Genossinnen und Genossen\" als gewerkschaftliche Vertrauensleute. Vorsitzender im DKP-Bezirk Nordbayern ist Herbert Stiefvater, im Bezirk S\u00fcdbayern ist Vorsitzender Walter Listl. Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut. Nach diesem Prinzip des hierarchischen Parteiaufbaus werden die Organe und Funktion\u00e4re jeder Ebene durch die n\u00e4chst niedrigere Ebene gew\u00e4hlt, wobei eine Abwahl praktisch ausgeschlossen ist. Die Willensbildung findet dann jedoch von oben nach unten statt, d.h. Beschl\u00fcsse der vorgesetzten Ebene sind f\u00fcr nachgeordnete Partei24","gliederungen absolut verbindlich. Damit ist folgerichtig das strikte Verbot jeder Fraktionsbildung verbunden. An diesen Grunds\u00e4tzen h\u00e4lt die DKP auch trotz \"Glasnost\" und \"Perestrojka\" fest. Nach Aussage eines Pr\u00e4sidiumsmitglieds der DKP d\u00fcrften die Diskussionsprozesse nicht die \"Einheit des Willens und Handelns\" blockieren. Die \"Freiheit der Kritik\" m\u00fcsse sich im \"Rahmen der Prinzipien des innerparteilichen Lebens\" halten und sich den Zielen der Partei unterordnen. Es sei nicht vertretbar, die Prinzipien des innerparteilichen Lebens als \"veraltet\" oder \"\u00fcberholt\" abzutun. Die DKP werde strikt an den \"Leninschen Organisationsgrunds\u00e4tzen der marxistischen Partei\" festhalten. Sie unterscheide sich durch ihren Charakter als revolution\u00e4re Arbeiterpartei, ihre marxistisch-leninistische Weltanschauung, ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur kommunistischen Weltbewegung und ihre sozialistische Zielsetzung von allen anderen Parteien und sei durch keine andere Organisation zu ersetzen. In welche Begr\u00fcndungsschwierigkeiten die DKP durch die neue Linie der KPdSU geraten ist, zeigt eine leicht abweichende Akzentsetzung des DKP-Vorsitzenden: Perestrojka und Glasnost d\u00fcrften um die \"Weiterentwicklung des innerparteilichen Lebens\" keinen Bogen machen. Im Mittelpunkt m\u00fcsse \"die Vorw\u00e4rtsentwicklung eines wahrhaft kommunistischen innerparteilichen Lebens\" stehen. Ein Pr\u00e4sidiumsmitglied der DKP erkl\u00e4rt demgegen\u00fcber, in der DKP werde mehr Demokratie praktiziert als in anderen Parteien. Statt ihre fundamentalen Grunds\u00e4tze und Werte der Organisation aufzugeben, um modern zu sein, m\u00fcsse eine kommunistische Partei ihre Struktur besser nutzen. Die Turbulenzen, in die die DKP durch das \"neue Denken\" aus Moskau geraten ist, zeigt auch ein Artikel in den \"Marxistischen Bl\u00e4ttern\" \u00fcber grunds\u00e4tzliche Probleme der Partei. Trotz wachsendem Einflu\u00df der DKP vor allem auf die \"Friedensbewegung, Betriebe und Gewerkschaften gehe die Organisationskraft der Partei teilweise zur\u00fcck\". Dies beruhe auf Strukturver\u00e4nderungen in der Arbeiterklasse und in der Mitgliedschaft der Partei, Resignation \u00fcber ausbleibende Wahlerfolge, der Ausstrahlung anderer oppositioneller Kr\u00e4fte und \"Bewegungen\" mit ihren eigenen Organisationsprinzipien, an den Nerv gehenden Entt\u00e4uschungen \u00fcber Fehlentwicklungen im realen Sozialismus, heute in der Sowjetunion offen als \"Stagnationserscheinungen\" gekennzeichnet. Der \"proletarische Internationalismus\" erlaube jedoch kein lockeres, sondern verlange stets ein prinzipielles Verh\u00e4ltnis zu den sozialistischen L\u00e4ndern. Er sei neben der Orientierung auf die Arbeiterklasse, dem Festhalten am Ziel des Sozialismus und der marxistischen Weltanschauung eines der unverzichtbaren Merkmale, das die DKP von anderen Organisationen unterscheide. In ihrem Anfang Oktober 1987 nach dem Parteiengesetz ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht wies die DKP f\u00fcr 1986 Einnahmen in H\u00f6he von 22,8 Mio DM (1985: 20,1 Mio DM) aus, davon 10,8 Mio DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 9 Mio DM an Spenden. 1986 sind f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern 1.008.229,09 DM (1985: 865.804,40 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern 922.719,37 DM (1985: 863.368,35 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen (Bundestagsdrucksache 11/977 v. 16.10.1987). Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen, tats\u00e4chlich war sie aber auch 1987 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen 25","sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Finanzaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP 1987 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, ihre Nebenorganisationen und die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. wieder Zusch\u00fcsse aus der DDR von mehr als 65 Millionen DM erhalten hat. 2.2.5 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte \"B\u00fcndnispolitik\" ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Die DKP geht aufgrund ihrer \"Analyse\" der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung davon aus, da\u00df sich der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihr seit Jahren gleichbleibend schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, B\u00fcndnisse mit nicht-kommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen und damit eine Massenwirkung zu erreichen. Au\u00dferdem versucht sie, mit der B\u00fcndnispolitik demokratische Kr\u00e4fte an die Partei heranzuf\u00fchren. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. Der Parteivorstand ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz 1983 die \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik, das Herzst\u00fcck Leninscher Strategie und Taktik\". Darin hei\u00dft es, -- die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; -- die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte\" Zusammenarbeit ein, bei der alle B\u00fcndnispartner sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen sollten; -- die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\", denn die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft; -- die \"Herstellung der Aktionseinheit\", vorrangig von Kommunisten und Sozialdemokraten, bleibe Kernst\u00fcck der Politik der DKP; -- die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern; -- die DKP lehne die Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab; sie werde sich wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" jedoch nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcckziehen; -- die DKP m\u00fcsse auch in B\u00fcndnissen ihre \"Selbst\u00e4ndigkeit\" bewahren; ihre Mitglieder d\u00fcrften nicht \"im B\u00fcndnis aufgehen\", denn ein Verzicht auf Selbst\u00e4ndigkeit bedeute das \"Ende einer kommunistischen Partei\"; 26","-- Kommunisten sollten -- durch Schulung bef\u00e4higt -- in den Bewegungen mit \"offenem Visier\" mitwirken, denn ein Verbergen der kommunistischen Identit\u00e4t gebe nur antikommunistischen Verleumdungen Nahrung. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten, Ausl\u00e4ndergruppen und Linkskr\u00e4ften\". Worauf die DKP mit ihrer B\u00fcndnispolitik hinaus will, zeigen \u00c4u\u00dferungen des DKP-Vorsitzenden. Die \"Zusammenf\u00fchrung\" der \"fortschrittlichen Kr\u00e4fte\" sei zwar noch immer \"unterentwickelt\". F\u00fcr die DKP als unverzichtbarem Faktor in den politischen Umgruppierungen erg\u00e4ben sich jedoch neue B\u00fcndniskonstellationen und neue Chancen. Der Druck des Friedensund Demokratiepotentials sei zwar noch nicht stark genug f\u00fcr eine generelle politische Neuorientierung. Er sei aber steigerungsf\u00e4hig, um richtungsgebende Teilerfolge zu erzielen. Unter politischer Neuorientierung versteht die DKP eine sozialistische Gesellschaft nach marxistisch-leninistischer Pr\u00e4gung. In einer Auswertung der 8. Parteivorstandstagung der DKP vom 14./15. November wurde festgestellt, da\u00df es \"h\u00f6here Anforderungen an die B\u00fcndnispolitik der DKP\" gebe. Es gehe darum, da\u00df die \"Zusammenarbeit von Arbeiterund B\u00fcrgerprotest, von B\u00fcrgerinitiativen, Fraueninitiativen, Arbeitsloseninitiativen und Anti-Rotstift-Komitees entwickelt\" und ihre \"St\u00e4rke, ihre Durchschlagskraft im gemeinsamen, m\u00f6glichst gut koordinierten Handeln\" verst\u00e4rkt werde. Deshalb gehe es der DKP darum, die \"Arbeiterbewegung und die Friedensbewegung zusammenzuf\u00fchren, den erreichten Zusammenhalt zu bewahren und weiter zu entwickeln\". Auch in einer \"Zusammenarbeit mit kirchlichen und christlichen Kreisen, mit Sozialund Wohlfahrtsverb\u00e4nden, mit Naturschutzund Freizeitvereinen\", die sich f\u00fcr die \"Erhaltung des Friedens, f\u00fcr Abr\u00fcstung, f\u00fcr soziale, \u00f6kologische und kulturelle Interessen engagieren\", sieht die DKP Ansatzpunkte f\u00fcr ihre B\u00fcndnispolitik. Von besonderer Bedeutung ist f\u00fcr die DKP die Mitarbeit ihrer Mitglieder in Vereinen. Diese sei zwar \"Privatsache\", f\u00fcr \"eine Kommunistin und einen Kommunisten\" jedoch \"mehr als das\", n\u00e4mlich \"ein wichtiges Feld der Massenarbeit sowie der Aktionsund B\u00fcndnispolitik, und nicht zuletzt der Gewinnung von W\u00e4hlerstimmen und neuen Mitgliedern\". Da\u00df die B\u00fcndnispolitik f\u00fcr die DKP obersten Stellenwert hat, zeigt ein Artikel in der UZ zur \"Kulturpolitik\". Der Kulturbegriff der DKP sei eine Waffe zum Angriff und zur Verteidigung. Durch vordergr\u00fcndig kulturpolitische Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnten Bev\u00f6lkerungsschichten und B\u00fcndnispartner f\u00fcr gemeinsame K\u00e4mpfe neu gewonnen werden. Es gibt also praktisch bis ins Private hinein keinen Lebensbereich, in dem die DKP nicht versuchen will, anderen ihre Propaganda aufzudr\u00e4ngen. Im Rahmen der B\u00fcndnispolitik tritt die DKP h\u00e4ufig nicht unmittelbar als Initiator in Erscheinung, sondern bedient sich der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Ein Beispiel daf\u00fcr ist die enge Zusammenarbeit der DKP-Nebenorganisationen MSB Spartakus mit dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Der SHB, der in Bayern etwa 70 Mitglieder hat, betreibt eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt und die Errichtung der \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" anstrebt. 27","Das Bem\u00fchen um den Aufbau einer Aktionseinheit zwischen Kommunisten und Nichtkommunisten ist kein Ph\u00e4nomen, das auf die Bundesrepublik beschr\u00e4nkt ist. Die Sowjetunion bedient sich dabei weltweit ihrer Einwirkungsorganisationen, die die Aufgabe haben, das allgemeine Bewu\u00dftsein in den westlichen L\u00e4ndern zu beeinflussen, zu mobilisieren und schlie\u00dflich im Sinne Moskaus zu ver\u00e4ndern. Die zentrale Steuerung der kommunistischen Einwirkungsorganisationen liegt in den H\u00e4nden einer eigens daf\u00fcr zust\u00e4ndigen Sektion der Internationalen Abteilung des Zentralkomitees der KPdSU. Zu den kommunistischen Einwirkungsorganisationen z\u00e4hlen: -- Der Weltfriedensrat (WFR); Verbindungen bestehen zur VVN-BdA, zum KFAZ, zur DFU, -- die Internationale F\u00f6deration der Widerstandsk\u00e4mpfer (FIR); Verbindungen bestehen zur VVN-BdA, -- der Weltbund Demokratischer Jugend (WBDJ); Verbindungen bestehen zur SDAJ, zum MSB Spartakus und zu den JP, -- die Internationale Demokratische Frauenf\u00f6deration (IDFF); Verbindungen bestehen zur DFI, -- die Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ); Verbindungen bestehen zur VDJ, -- die Weltf\u00f6deration der Wissenschaftler (WFW); Verbindungen bestehen zum BdWi. Im Vorfeld jeder einzelnen kommunistischen Einwirkungsorganisation ist eine Vielzahl von \"internationalen\" Komitees, B\u00fcros und Kommissionen t\u00e4tig. Dadurch soll die zentrale Steuerung von Kampagnen durch die KPdSU verschleiert werden. Diese Verschleierung gelingt besonders wirksam, wenn bekannte Pers\u00f6nlichkeiten f\u00fcr Aktionen und Veranstaltungen in Anspruch genommen werden k\u00f6nnen. 2.2.5.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer B\u00fcndnispolitik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen und kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Bei ihrem Werben um Aktionseinheit kommt es der DKP insbesondere auf ein Zusammenwirken mit den Sozialdemokraten an. Im Programm der DKP hei\u00dft es dazu: \"Im Ringen um die Aktionseinheit mi\u00dft die DKP dem gemeinsamen Handeln von Kommunisten und Sozialdemokraten entscheidende Bedeutung bei. Sie repr\u00e4sentieren die beiden Hauptstr\u00f6mungen der Arbeiterbewegung in der Bundesrepublik. Die DKP erstrebt ein vertrauensvolles, kameradschaftliches Verh\u00e4ltnis zu den Mitgliedern, Anh\u00e4ngern und Organisationen der Sozial28","demokratie. Sie tritt, geleitet von den Interessen der Arbeiterklasse, f\u00fcr die Zusammenarbeit mit der SPD ein\". Zum Jahreswechsel 1986/87 betonte der DKP-Vorsitzende Mies, es sei \"un\u00fcbersehbar\", da\u00df die \"Atmosph\u00e4re\" in den Beziehungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten \"vielerorts und auf verschiedenen Ebenen entspannter und konstruktiver\" geworden sei. Starke Beachtung fand bei der DKP das gemeinsame Papier der Grundwertekommission der SPD und der Akademie f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED zum Thema \"Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit\". Dieses Dokument werde nach Ansicht der DKP \"Auswirkungen auf den Dialog verschiedener politischer Kr\u00e4fte in der Bundesrepublik, insbesondere auf die Beziehungen zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten haben\". Durch dieses Dokument w\u00fcrden \"die Tendenzen des Zusammenwirkens vor allem im Friedenskampf gef\u00f6rdert und Impulse f\u00fcr die Aktionseinheit von Sozialdemokraten und Kommunisten gegeben\". Entgegen der \u00c4u\u00dferung eines Mitglieds des Pr\u00e4sidiums der SPD, SPD und DKP k\u00f6nnten \"innenpolitisch nicht Partner von Aktionsb\u00fcndnissen\" sein, zeige die Realit\u00e4t etwas anderes. \"Sozialdemokraten und Kommunisten wirken gemeinsam in den Gewerkschaften, in den Betrieben, in den Arbeiteraktionen, in der Friedensbewegung. Sie treten gemeinsam f\u00fcr gleiche Friedensziele ein, sie k\u00e4mpfen Schulter an Schulter f\u00fcr die Erhaltung ihrer Arbeitspl\u00e4tze in der Stahlund Werftindustrie, im Kohlebergbau\". Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in Gewerkschaftsgremien auf allen Ebenen bei, weil sie in den Gewerkschaften die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\". Sie beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, selbst zu entscheiden, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen \"B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen, d.h. sie f\u00fcr ihre Zwecke nutzbar zu machen getreu der Anweisung Lenins an die Kommunisten, in die Gewerkschaften einzutreten, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben. Nach Auffassung der DKP sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Etwa 75 % der DKP-Mitglieder sind nach Darstellung der Partei gewerkschaftlich organisiert; rund 10% nehmen gewerkschaftliche Funktionen und Aufgaben der betrieblichen Mitbestimmung wahr. Ein Beispiel f\u00fcr die Bem\u00fchungen der DKP, Aktionseinheit mit den Gewerkschaften zu demonstrieren, war die Teilnahme am \"Aktionstag f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze\" (16. Januar 1987), den die IG Metall bundesweit durchf\u00fchrte. Dabei wurde eine Sonderausgabe der \"UZ\" (mehrere hunderttausend Exemplare) mit Aufrufen zur Solidarit\u00e4t mit den Stahl-, Werftund Bergarbeitern verbreitet. DKPFunktion\u00e4re, darunter auch der Vorsitzende Mies, \"dokumentierten mit ihrer Anwesenheit ihre Verbundenheit mit den Zielen der Arbeiterbewegung\". 29","Unter der Parole \"Arbeit, Frieden, Zukunft -- Solidarit\u00e4t hilft siegen\" forderte die DKP ihre Mitglieder, \"alle Kolleginnen und Kollegen\" sowie die gesamte \"demokratische\" Bev\u00f6lkerung auf, sich am 1. Mai um die \"Verteidigung ihrer Arbeitspl\u00e4tze, f\u00fcr die Durchsetzung der 35-Stunden-Woche, f\u00fcr das Verbot der Aussperrung und f\u00fcr eine atomwaffenfreie Welt\" solidarisch zu zeigen. Durch den \"gemeinsamen Druck der Friedensund Arbeiterbewegung\" m\u00fcsse der 1. Mai zu einem \"H\u00f6hepunkt im Kampf f\u00fcr unsere gemeinsamen Interessen\" gemacht werden. Auf der Mai-Veranstaltung der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern in M\u00fcnchen sprach sich der DKP-Vorsitzende Mies f\u00fcr die Unterst\u00fctzung des gewerkschaftlichen Kampfes zur Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit sowie f\u00fcr die Erhaltung und Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen aus. Mies forderte dazu auf, aktiv in den Gewerkschaften mitzuarbeiten. Besondere Bedeutung wurde von seiten der DKP dem \"Kampf um die 35Stunden-Woche\" einger\u00e4umt. Die DKP bekr\u00e4ftigte, da\u00df sie in diesen Auseinandersetzungen mit ganzer Kraft solidarisch an der Seite der k\u00e4mpfenden Gewerkschaften und Belegschaften stehe. Nach Meinung der DKP h\u00e4tten sich die \"Metallbosse versch\u00e4tzt\", da diese bei den Gewerkschaftsmitgliedern nicht mit \"soviel Engagement und Kampfbereitschaft\" f\u00fcr die 35-Stunden-Woche gerechnet h\u00e4tten. Gegen die Herausforderung der Aussperrer und Arbeitsplatzvernichter sei praktische Solidarit\u00e4t zu setzen. Die beste Arbeitszeitverk\u00fcrzung k\u00f6nne jedoch nicht verhindern, da\u00df der Kapitalismus, solange er existiere, immer neue Arbeitslosigkeit produziere. Diese Aussagen machen deutlich, da\u00df die DKP weiterhin in ihren alten Klassenkampfkategorien denkt. Als weiteren Schwerpunkt ihrer b\u00fcndnispolitischen Bestrebungen sah die DKP die \"Rettung der Stahlstandorte\" an. Nach Ansicht des DKP-Vorsitzenden ist die L\u00f6sung der Probleme in diesem Bereich vorrangig eine Frage der Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse. Der Stahlindustrie warf er einen \"Ausverkauf der nationalen Interessen bei Stahl, Kohle und Werften\" vor. In Rheinhausen zeige sich, wie wenig Menschenw\u00fcrde gesichert sei, solange kapitalistischer Profit die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft bestimme. Damit werde auch deutlich gemacht, wie n\u00f6tig in der Bundesrepublik Deutschland eine starke kommunistische Partei sei, die selbstlos mit den Arbeitern und Angestellten k\u00e4mpfe. Auch hier ist die Entdeckung nationaler Interessen durch die DKP wieder aus ihrem propagandistischen Bem\u00fchen um neue B\u00fcndnispartner erkl\u00e4rbar. In Bayern sah die DKP mit ihrer Jugendorganisation SDAJ in Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr den Erhalt der \"Maxh\u00fctte\" in Sulzbach-Rosenberg die M\u00f6glichkeit, in der Region Oberpfalz neue B\u00fcndnispartner zu gewinnen. Mit verschiedenen \u00f6ffentlichen DKP-Aktionen und der Beteiligung an Veranstaltungen von Gewerkschaften versuchte die DKP ihr Engagement zu diesem Thema unter Beweis zu stellen. Der Vorsitzende der DKP-Bezirksorganisation Nordbayern behauptete einen direkten Zusammenhang zwischen den Schwierigkeiten der \"Maxh\u00fctte\" und dem Bau der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf: \"Die Herrschenden nehmen die Schlie\u00dfung des einzigen bayerischen Stahlwerkes billigend in Kauf. Sie spekulieren nicht zuletzt darauf, da\u00df mit dem weiteren Ansteigen der Arbeitslosigkeit die Akzeptanz der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr die WAA steigt\". 30","Die DKP-gesteuerte Monatsschrift \"Nachrichten\" ging in einem Beitrag auf ein Referat des Vorsitzenden der IG Chemie -- Papier -- Keramik ein, in dem es um die \"Auseinandersetzung mit dem politischen Extremismus von links und rechts\" ging. Der Beitrag wandte sich entschieden gegen die \u00c4u\u00dferungen des Gewerkschaftsvorsitzenden, der den Kommunisten unterstelle, gegen\u00fcber den Gewerkschaften kein anderes Ziel zu verfolgen als diese zu unterwandern, sie zu zerschlagen und der Politik der Partei zu unterwerfen. Die Warnung vor dem Mi\u00dfbrauch durch die DKP solle \"diejenigen Sozialdemokraten, Jusos, Gewerkschafter -- besonders junge Gewerkschafter -- ... abschrecken und disziplinieren, die in der Gemeinsamkeit das wirksamste Mittel sehen, einer Politik der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen ...\" \"Viele DKP-Mitglieder waren und sind auch in der IG Chemie -- Papier -- Keramik aktiv und haben ihren Beitrag zu den gewerkschaftspolitischen Erfolgen dieser drittgr\u00f6\u00dften DGBGewerkschaft geleistet. Einige von ihnen waren bzw. sind auch Mitglieder des Parteivorstandes der DKP\". 31","2.2.5.2 Volksfrontpolitik Neben der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" hat f\u00fcr die DKP nach wie vor die B\u00fcndnisform der \"Volksfront\" G\u00fcltigkeit, wenngleich sie selbst anstelle dieses Begriffs, der auf Beschl\u00fcsse des 7. Kongresses der KOMINTERN im Sommer 1935 in Moskau zur\u00fcckgeht, aus taktischen Gr\u00fcnden nunmehr die Formulierung \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\" verwendet. Bei ihren Bem\u00fchungen, ein derartiges B\u00fcndnis zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, sowie an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmen. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\" einbeziehen, seien sie auch \"sachlich und zeitlich noch so begrenzt\". Daher arbeite sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen mit\". Im Rahmen der Volksfrontpolitik f\u00fchrt die DKP vor allem mit Hilfe der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen Kampagnen durch und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. Dabei versucht die DKP jedoch, propagandistisch einen Bezug zwischen diesen tagespolitisch bestimmten, aktuellen Forderungen und ihren langfristigen kommunistischen Zielsetzungen herzustellen. In seinem Referat auf der 8. Tagung des Parteivorstandes der DKP am 14./ 15. November \u00fcber die \"Aufgaben der Arbeiterbewegung\" skizzierte der DKPVorsitzende die wichtigsten Felder der Volksfrontpolitik. \"Arbeiterpolitik ist sowohl Kampf um Frieden als auch Kampf um Arbeit, ist ebenso das Eintreten f\u00fcr mehr Demokratie wie f\u00fcr den Umweltschutz\". Mies sprach sich daf\u00fcr aus, \"mit anderen Kr\u00e4ften der Friedensbewegung die Forderungen zu erheben: sofortiger Stationierungsstopp f\u00fcr die Mittelstreckenraketen; keine Nachoder Hochr\u00fcstung in anderen milit\u00e4rischen Bereichen; keine Weltraummilitarisierung; f\u00fcr einen atomwaffenfreien Korridor, f\u00fcr das Verbot aller chemischen Waffen\". In ihrem \"Friedenskampf\" setzt die DKP auf eine \"Strategie des Minimalkonsens\", bei dem Gemeinsamkeiten betont und trennende Faktoren zur\u00fcckgestellt werden. Mit Hilfe\"\"aieser Strategie kann die DKP bei Aktionen der \"Friedensbewegung\" ihre Forderungen zwar nur teilweise propagieren, andererseits kann sie aber dadurch den \"st\u00f6renden Einflu\u00df\" nichtkommunistischer Positionen eind\u00e4mmen. Die DKP bezeichnet die F\u00fchrung der USA als Vollzugsbeamten des \"milit\u00e4risch-industriellen Komplexes\", der im Atomwaffenund Weltraummilitarisierungsprogramm die \"Profitquellen\" der n\u00e4chsten Jahre sehe. Die \"totale Unterordnung\" der Bundesrepublik Deutschland unter die Interessen Washingtons bedeute den \"Ausverkauf nationaler Souver\u00e4nit\u00e4tsund Friedensrechte\". Damit will sich die DKP in ihrem Bem\u00fchen, \u00fcberall B\u00fcndnispartner zu gewinnen, neuerdings sogar als Wahrer angeblich nationaler Interessen der Bundesrepublik Deutschland pr\u00e4sentieren. Was wirklich von der DKP als Wahrer nationaler Interessen zu halten ist, zeigt die Erkl\u00e4rung der DKP zum Besuch des Pr\u00e4sidenten der USA in Berlin (West), der nach dem Willen der Bundesregierung auch der St\u00e4rkung der Bindungen Berlins an das \u00fcbrige Bundesgebiet diente: dies sei ein provokatorischer Auftritt, der \"weder Westberlin noch der Sicherheit Europas\" n\u00fctze. Mit der Beteiligung an Protestaktionen gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) versuchte die DKP ihre politischen Vorstel32","m Unsere Forderung an Washington: Schlu\u00df mit den Atomwaffentests! lungen zu popularisieren und ihre \"B\u00fcndnisf\u00e4higkeit\" zu dokumentieren. Die DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern riefen ihre Mitglieder zur Teilnahme an den \"Herbstprotestaktionen\" gegen die \"WAA Wackersdorf\" vom 8. bis 10. Oktober auf. In ihrer Berichterstattung \u00fcber diese Aktionen stellte das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) fest, da\u00df den \"vielf\u00e4ltigen friedlichen Widerstandsaktionen gegen die Atomfabrik in der bayerischen Oberpfalz\" gro\u00dfangelegte \"B\u00fcrgerkriegs\u00fcbungen der Polizei\" gegen\u00fcber gestanden h\u00e4tten. Das \"besondere Rechtsverst\u00e4ndnis\" der DKP zeigt sich darin, da\u00df die DKP-Bezirksorganisationen, Nordund S\u00fcdbayern die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, in der die Zulassung eines Volksbegehrens \u00fcber den Bau einer atomaren Wiederaufarbeitungsanlage abgelehnt wurde, als emp\u00f6renden Angriff auf \"bestehendes demokratisches Recht\" bezeichnete. Diese Aussage belegt wieder einmal, da\u00df f\u00fcr die DKP Recht nur das ist, was ihrer Ideologie und Propaganda entspricht. Auch in der \"Kampagne gegen die Volksz\u00e4hlung '87\" sah die DKP die M\u00f6glichkeit, ihren \"Masseneinflu\u00df\" zu vergr\u00f6\u00dfern. In einer Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums der DKP wurde bekr\u00e4ftigt, da\u00df alle Aktivit\u00e4ten und Initiativen f\u00fcr eine \"breite Bewegung gegen die Volksz\u00e4hlung\", ihrep Boykott oder andere Formen der Verweigerung unterst\u00fctzt w\u00fcrden. Der von der DKP unterstellte \"Widerstand\" aus den Reihen der Gewerkschaften und der Sozialdemokratie, von Juristen und\" Datensch\u00fctzern sowie die \"Boykottentscheidung\" der Gr\u00fcnen 33","\\MKH/J to##~|\\ Volksz\u00e4hlung'87 * l d - 1 eine schlechte Sache! Brosch\u00fcre der DKP wurden begr\u00fc\u00dft, die Verankerung der \"Bewegung gegen die Volksz\u00e4hlung\" in der gesamten Arbeiterbewegung, in Betrieben, Schulen und Hochschulen gefordert. Die Referentin f\u00fcr \"Demokratische B\u00fcndnispolitik\" beim Parteivorstand der DKP bezeichnete den Verlauf dieser \"Kampagne\" als eine \"deutliche Demonstration\" gegen die Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland zu einem \"autorit\u00e4ren Sicherheitsund \u00dcberwachungsstaat\". Als Erfolg wurde von der DKP die angebliche Vielzahl der unausgef\u00fcllten Volksz\u00e4hlungsb\u00f6gen, die bei den \"Sammelstellen der Boykottbewegung\" abgegeben worden seien, gewertet. Der DKP-Bezirksvorstand S\u00fcdbayern empfahl in einem Flugblatt, die achtstellige Ordnungsnummer von dem Volksz\u00e4hlungsbogen abzuschneiden. Im Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der \u00f6ffentlichen Aufforderung zu Straftaten wurden die Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume des DKP-Bezirksvorstandes S\u00fcdbayern durchsucht und 4.000 Flugbl\u00e4tter sichergestellt. Die DKP sprach von Polizei\u00fcberfall, der durch nichts gerechtfertigt und rechtswidrig gewesen sei. Auch 1987 h\u00e4ngte sich die DKP an die aktuelle Diskussion um die Agrarpolitik an. Die Bonnerund EG-Agrarpolitik sei darauf gerichtet, die \"Agrarund Lebensmittelversorgung\" zu Lasten der Bauern und Verbraucher einzuschr\u00e4nken. Zur Finanzierung eines \"Existenzsicherungsprogramms\" f\u00fcr die in Not geratenen landwirtschaftlichen Betriebe empfiehlt die DKP wie so oft eine K\u00fcrzung der Verteidigungsausgaben. Es m\u00fcsse eine \"neue Agrarpolitik\" erk\u00e4mpft werden, die den \"nationalen Interessen\" entspreche, die die DKP auch in diesem Zusammenhang zu wahren vorgibt. Die DKP und mehrere ihrer Vorfeldorganisationen nutzten den 22. Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 17. bis 21. Juni in Frankfurt/M. zur Agitation gegen \"Imperialismus\", f\u00fcr die \"Friedenspolitik der Sowjetunion\" und f\u00fcr eine Zusammenarbeit von Marxisten und Christen. Die stellvertretene DKP-Vorsitzende hob in einem Gru\u00dfschreiben an das Pr\u00e4sidium des Kirchentages hervor, es sei \"gut, da\u00df die Zusammenarbeit von Christen und Marxisten auf vielen Gebieten zur Selbstverst\u00e4ndlichkeit geworden\" sei. Die kommunistische Presse begleitete den Kirchentag mit au\u00dfergew\u00f6hnlich breiter Berichterstattung und Kommentierung. 34","2.2.6 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien im Jahr 1987 an Werktagen in einer Auflage von etwa 22.000 (1986: 24.000). Die Auflagenh\u00f6he der Wochenendausgabe am Freitag blieb mit etwa 46.000 Exemplaren auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr. Der Herausgeber der \"UZ\", der Parteivorstand der DKP, veranstaltete in der Zeit vom 11. bis 13. September im Duisburger Wedau-Stadion das 7. \"UZ-Pressefest\". Das gro\u00dfe Friedensfest UZ-Pressefest/Volksfest der DKP Wieder im Wedau-Park Duisburg II. 12.13. September '87 * * - ? . - 35","Die orthodoxen Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland verf\u00fcgen seit Jahren \u00fcber einen gro\u00dfen Propagandaapparat mit einem Netz von Verlagen und beachtlicher drucktechnischer Kapazit\u00e4t. Um eine gr\u00f6\u00dfere Effektivit\u00e4t, insbesondere der Werbung, des Vertriebs und des Verkaufs zu erreichen, fusionierten zum 1. Januar 1987 die \"Weltkreis-Verlags GmbH\", die \"R\u00f6derbergVerlag GmbH\" und der \"Pahl-Rugenstein-Verlag\", die nun unter dem Namen \"Pahl-Rugenstein\" firmieren. Das neue Unternehmen setzt die eingef\u00fchrten Programme aller drei Verlage fort. So hatte der \"Pahl-Rugenstein-Verlag\" die F\u00f6rderung der kommunistischen B\u00fcndnispolitik zum Ziel, w\u00e4hrend die Zielgruppe des \"Weltkreisverlages\" die Jugend war; der \"R\u00f6derberg-Verlag\" war auf Literatur zur kommunistischen \"Antifaschismus\"-Agitation spezialisiert. Den ersten Schritt zu einer Konzentration der DKP-gesteuerten Verlage hatte es bereits 1983 gegeben, als der M\u00fcnchener \"Damnitz-Verlag GmbH\" durch die Firma \"Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH\" in Neuss \u00fcbernommen wurde. Dort werden das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) und die meisten anderen Publikationen der DKP verlegt. Ein weiterer Schritt zur Verlagskonzentration war die \u00dcbernahme des \"Verlages Marxistische Bl\u00e4tter GmbH\" durch Plambeck. Dadurch wurde es m\u00f6glich, die von diesem Verlag herausgegebenen \"Marxistischen Bl\u00e4tter\" ab Januar 1987 monatlich zu verlegen. Nach dem Abschlu\u00df der Fusion der DKP-gesteuerten Verlage bilden seit Anfang 1987 der \"Verlag Plambeck\" und der neue \"Pahl-Rugenstein-Verlag\" das Zentrum des orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Verlagsnetzes. Daneben h\u00e4lt der \"Br\u00fcckenverlag GmbH-Literaturvertrieb-Import-Export\", der am I.Januar 1987 den \"Volksversand\" beim \"R\u00f6derberg Verlag\" \u00fcbernommen hat, ein umfangreiches B\u00fcchersortiment aus der UdSSR, der DDR und anderen sozialistischen Staaten bereit. Der Vertrieb dieser \"fortschrittlichen Literatur\" geschieht \u00fcber ca. 30 dieser Firma angeschlossene \"collectiv\"-Buchhandlungen, zu denen auch die in Bayern ans\u00e4ssigen \"Libresso-Buchhandlungen\" in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg geh\u00f6ren. Ferner nimmt der DKP Einflu\u00df auf die \"Nachrichten-Verlags-GmbH\", auf den Verlag \"plane\" GmbH, der die Musikzeitschrift \"Eiserne Lerche\" herausgibt und auf die \"UNIDOC-Film GmbH\", die Filme produziert und verleiht. Auch das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) hat 1987 als \"Wissenschaftliches Institut\" der DKP selbst Ver\u00f6ffentlichungen, Berichte und Analysen aus der Sicht des Marxismus-Leninismus herausgeben. Zum Jahresende 1987 wurde das Erscheinen der Vierteljahreszeitschrift \"K\u00fcrbiskern -- Literatur, Kritik, Klassenkampf\" eingestellt. Alle zwei Monate ver\u00f6ffentlichte der Parteivorstand der DKP die Zeitschrift \"Praxis -- Erfahrungen aus dem Leben und der Arbeit der Partei\". Schwerpunkte der Buchver\u00f6ffentlichungen der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Verlage bildeten die Themen \"Glasnost\" und \"Perestrojka\", \"SDI\" und \"Atomwaffenfrei bis ins Jahr 2000\". Au\u00dferdem brachte die DKP die Informationshefte \"Bereicherung der Reichen -- Steuerpolitik der Wenderegierung und die Alternativen der DKP\" und \"Neues Baugesetzbuch -- die Rechte der B\u00fcrger werden weiter eingeschr\u00e4nkt\" heraus. Im Bereich der Frauenarbeit der DKP erschienen die Brosch\u00fcren \"Frauenarbeit und Frauenf\u00f6rderung in Betrieb und Verwaltung\", sowie die Dokumentation \"Weg mit dem Beratungsgesetz zum SS218 StGB!\". 36","DKP; Weg mit dem Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP ihren Kleinzeitungen bei. Im Jahr 1987 erschienen ca. 50 verschiedene Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, wobei viele allerdings nicht regelm\u00e4\u00dfig herausgegeben wurden. 1987 wurden 27 DKP-Betriebszeitungen bekannt. Etwa ein Drittel dieser Zeitungen erschien 1987 nur sporadisch. Um den jeweiligen DKP-Gruppenorganisationen eine Hilfe zur Abfassung der Kleinzeitungen zu geben, hat der Parteivorstand die Brosch\u00fcre \"Info-Dienst\" verteilt. Im Bereich der DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern sind 1987 zehn Kleinzeitungen neu erschienen, so z.B. \"Der rote Besen\", eine Frauenzeitung der DKP S\u00fcdbayern. Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten \"Marx-Engels-Stiftung e.V.\" in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen und Publikationen \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Stiftungsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Herbert Mies. 2.2.7 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". Jedes Mitglied der DKP m\u00fcsse sich bem\u00fchen, die \"Theorie von Marx, Engels und Lenin zu studieren\". Die \"ideologische Arbeit\" soll das DKP-Mitglied bef\u00e4higen, \"offensiv und \u00fcberzeugend\" die \"Weltanschauung und Politik\" der Partei zu verbreiten. Diesen Zielen sowie der Verwirklichung des Selbstverst\u00e4ndnisses der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die Intensivschulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der Marxistischen Abendschulen (MASCH) und der Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP sowie Kurse und 37","Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An der eigens f\u00fcr Mitglieder der DKP eingerichteten SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und dem Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau wurden auch 1987 DKP-Funktion\u00e4re eingehend geschult. Die Lehrg\u00e4nge dauern bis zu einem Jahr. Die Marxistische Arbeiterbildung -- Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus (MAB), \"Dachvereinigung verschiedener selbst\u00e4ndiger marxistischer Bildungsorganisationen von sehr unterschiedlicher Strukturund Organisationsform\", betreibt insbesondere mit Unterst\u00fctzung der DKPKreisorganisationen die \"Marxistischen Abendbzw. Arbeiterschulen\" (MASCH). Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offenstehen, werden auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen Seminarplansammlung durchgef\u00fchrt und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", der Grundlage der gesamten marxistisch-leninistischen Doktrin. Im Oktober 1987 nahm die neugegr\u00fcndete \"Marxistische Bildungsgemeinschaft Oskar Maria Graf\", die als neuer Programmpunkt in das Bildungsangebot der \"M\u00fcnchner Marxistischen Arbeiterbildung\" aufgenommen wurde, ihre Arbeit auf. Zur Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung dieser marxistischen Bildungseinrichtung wurde der DKP-Funktion\u00e4r Johann Schneider berufen, der erster Vorsitzender der MAB war. In der MAB waren 1987 bundesweit knapp 30 \u00f6rtliche MAB-Gemeinschaften aktiv t\u00e4tig. Die 1987 neugegr\u00fcndete \"Karl-Marx-Gesellschaft\" in Trier hat sich ebenfalls der MAB angeschlossen. Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das 1968 gegr\u00fcndete Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V. (IMSF) in Frankfurt a.Main anzusehen. Das IMSF hat die Aufgabe, die Theorie und Methode des \"Wissenschaftlichen Sozialismus auf \u00f6konomische und soziale Prozesse des heutigen Kapitalismus\" anzuwenden. Das IMSF f\u00fchrte am 16. und 17. Mai in Frankfurt a. Main eine Diskussionsveranstaltung unter dem Thema \"Die Linke und der Fortschritt\" durch. Nach Aussage des Instituts \"spricht f\u00fcr die Akzeptanz des IMSF durch die bundesdeutsche Linke, da\u00df Vertreter der SPD, der Gr\u00fcnen, der DKP, der Friedensliste, der Gewerkschaften, von MSB und SDAJ, da\u00df Demokraten, Sozialisten und Kommunisten der Einladung gefolgt waren ...\". Mittelpunkt dieser \"wissenschaftlich-politischen Konferenz\" sei das \"gemeinsame Bem\u00fchen, fern jeder Ausgrenzungsund Abgrenzungsneurose, um Fortschritte der Linken im Ringen um die theoretische Analyse und politische Umsetzbarkeit einer gemeinsamen Strategie des Fortschritts\". Dem IMSF wurde im M\u00e4rz 1987 eine neue Abteilung mit der Bezeichnung \"Zentrum f\u00fcr Marxistische Friedensforschung\" (ZMF) angegliedert. Das ZMF will insbesondere die \"politische Friedensdiskussion\" des Inund Auslandes durch \"wissenschaftliche Informationen\" anregen. Dem ZMF steht ein \"wissenschaftliches Kuratorium\" als beratendes Gremium zur Seite, dem \"Wissenschaftler\" aus der Bundesrepublik Deutschland sowie sonstigen \"kapitalistischen und sozialistischen\" L\u00e4ndern angeh\u00f6ren. Zur Unterst\u00fctzung der Bildungsarbeit dient die Publikation \"Bildungs-Magazin\", eine vom Parteivorstand f\u00fcr das \"Bildungsjahr\" 1986/87 bzw. 1987/88 herausgebrachte Informationsbrosch\u00fcre. 38","2.2.8 Betriebsarbeit der DKP Die DKP sieht ihre Betriebsarbeit als den \"Motor des Klassenkampfes\" an. Aus diesem Grunde ist die DKP auch die f\u00fchrende extremistische Kraft auf dem Gebiet der Betriebsarbeit. Der Betrieb ist f\u00fcr sie als \"Ort des allt\u00e4glichen Klassenkampfes\", des --wie Marx sagte-elementaren \"Guerillakrieges zwischen Kapital und Arbeit\" das \"wichtigste Kampffeld\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt dabei getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten, wegen Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". In These 42 des 8. Parteitages der DKP wird als Hauptadressat ihrer Politik die Arbeiterklasse im allgemeinen und die der Gro\u00dfbetriebe im besonderen genannt. Aktuelle Schwerpunkte der DKP-Betriebsarbeit sind die Branchen der Stahlund Werftindustrie sowie des Bergbaues und die gro\u00dfen metallverarbeitenden Werke der Automobilindustrie. Die wesentliche Aufgabe der Betriebsgruppen der DKP besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebs-und Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend\" zu vertreten. \u00dcber die Situation auf dem Gebiet der Betriebsarbeit hat der DKPVorsitzende berichtet: \"Wir haben heute weit \u00fcber 400 Betriebsgruppen, von denen knapp zwei Drittel in der materiellen Produktion und mehr als ein Drittel im Dienstleistungsbereich t\u00e4tig sind\". Die DKP versucht in den Betrieben als Vorstufe der Betriebsgruppen sogenannte Betriebsaktivs zu bilden. Sie sollen durch ihre Arbeit die Voraussetzungen zur Gr\u00fcndung einer Betriebsgruppe schaffen. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebietsoder Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebs alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben haben\". Der DKP ist es jedoch nicht gelungen, in allen Gro\u00dfbetrieben mit mehr als 1.000 Besch\u00e4ftigten eine Betriebsgruppe oder ein Betriebsaktiv zu bilden. Die Zahl der in Bayern bekanntgewordenen Betriebsgruppen erh\u00f6hte sich auf 36 (1986: 34). Die Anzahl der Betriebsaktivs blieb mit ca. 35 gegen\u00fcber dem Vorjahr unver\u00e4ndert. Zur Koordinierung und Aktivierung der Betriebsarbeit veranstaltet die DKP \u00fcber\u00f6rtliche Beratungen, Seminare und Aussprachen mit Betriebsarbeitern und Funktion\u00e4ren. Auch 1987 wurden Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen u.a. f\u00fcr Betriebsarbeiter, f\u00fcr Betriebsr\u00e4te und gewerkschaftliche Vertrauensleute und Jugendvertreter abgehalten. Daneben diente auch die \"SED-Parteischule Franz-Mehring\" in Berlin (Ost), die ausschlie\u00dflich der Kaderschulung der DKP vorbehalten ist, zur Schulung kommunistischer Betriebsarbeiter. Als weiteres Hilfsmittel f\u00fcr ihre betrieblichen Unterwanderungsbestrebungen dienen der DKP ihre Betriebszeitungen. Die Zahl der in Bayern bekanntgewordenen Betriebszeitungen verringerte sich auf 30 (1986: ca. 35). Die DKP betrachtet die Betriebszeitungen als eine der \"sch\u00e4rfsten Waffen der politischen, 39","ideologischen und \u00f6konomischen Aufkl\u00e4rungsarbeit\", als eine \"besondere Form der Betriebsagitation\". Einen weiteren Schwerpunkt der betrieblichen Arbeit der DKP bildeten Agitation und Aktion im Zusammenhang mit den Betriebsratswahlen 1987. So forderte die DKP die \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" durch gewerkschaftliche Einheit zu st\u00e4rken; dabei hob sie die \"unersetzliche Rolle\" der \"k\u00e4mpferischen, an den Klasseninteressen orientierten Betriebsr\u00e4te\" hervor. Nach Aussage des DKP-Vorsitzenden Mies habe man bei den Betriebsund Personalratswahlen einen \"abnehmenden Antikommunismus\" und einen Mandatsgewinn von Kolleginnen und Kollegen, \"die von den Klassenauseinandersetzungen der letzten Jahre st\u00e4rker gepr\u00e4gt sind\", feststellen k\u00f6nnen. Diesem Trend entspreche auch ein \"betr\u00e4chtlicher Zuwachs an Mandaten, die von Kommunistinnen und Kommunisten errungen wurden\". Auf die gro\u00dfe Bedeutung der betrieblichen Friedensinitiativen wird im Abschnitt \"Neue Fragen der Aktionseinheitsund B\u00fcndnispolitik\" der Thesen des 8. Parteitags der DKP hingewiesen: \"Die betrieblichen Friedensinitiativen sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Friedensbewegung und Arbeiterbewegung. In ihnen verwirklicht sich die Aktionseinheit der Arbeiterklasse in den Betrieben\". Ihre grunds\u00e4tzliche Bedeutung liege darin, da\u00df sie die \"Erfahrungen organisierten Handelns der Arbeiterklasse, den langen Atem und die Beharrlichkeit, die im Kampf zwischen Kapital und Arbeit Grundlage von Erfolgen sind, mit in den Friedenskampf einbringen\". 2.2.9 Beteiligung an Wahlen Auch an der Bundestagswahl vom 25. Januar beteiligte sich die DKP -- ebenso wie an der vorangegangenen Landtagswahl in Bayern am 12. Oktober 1986 -- nicht durch eine eigene Kandidatur. Anl\u00e4\u00dflich eines \"Neujahrsempfangs\" des DKP-Parteivorsitzenden am 7. Januar in Bonn erkl\u00e4rte der DKP-Vorsitzende Mies entsprechend der Entscheidung des DKP-Parteivorstandes Ende M\u00e4rz 1986 die Taktik der DKP bei der Bundestagswahl 1987. Er empfahl, die Erststimme f\u00fcr die \"Friedensliste\", die Zweitstimme der SPD oder den \"Gr\u00fcnen\" zu geben. So k\u00f6nne nie die \"Legende\" aufkommen, die Kommunisten h\u00e4tten nicht \"alles, aber auch alles\" f\u00fcr ein \"Ende der Wende\" getan. Die DKP versuchte mit dieser Strategie, alle Kr\u00e4fte \"links von der CDU/CSU\" zu einem \"offensiven Kampf gegen die Rechtskoalition\" zu bewegen. Das Ergebnis der Wahl, bei der die 44 Kandidaten des DKP-gesteuerten Personenb\u00fcndnisses \"Die Friedensliste\" in Bayern mit insgesamt 26.489 Stimmen einen Anteil von rund 0,4 Prozent erreichten, wertete die DKP als eine Absage an den \"reaktion\u00e4ren Stahihelm-Kurs\". Das Wahlergebnis, so betonte Mies, habe die W\u00e4hlerbasis der Kr\u00e4fte, die f\u00fcr ein Ende der Wende nach rechts eintreten, vergr\u00f6\u00dfert. Gleichzeitig betonte Mies in Telegrammen an SPD und \"Gr\u00fcne\" die Notwendigkeit der \"Aktionseinheit\" und des B\u00fcndnisses aller demokratischen und linken Kr\u00e4fte sowie der Fortsetzung des Kampfes f\u00fcr eine neue Politik. 40","Zeitung der DKP-Hochschulgruppe M\u00fcnchen Der Aufruf der DKP, mit der Zweitstimme die SPD oder die \"Gr\u00fcnen\" zu w\u00e4hlen, hatte innerhalb der DKP zu Kontroversen gef\u00fchrt. Der DKP-Parteivorstand hat darauf im April mit einer Entschlie\u00dfung reagiert. Hauptformen des \"Eingreifens\" der DKP bei Wahlen blieben \"Eigenkandidaturen oder Wahlb\u00fcndnisse\". Aufrufe zur Wahl anderer Parteien schieden als \"Grundlage einer allgemeinen und l\u00e4ngerfristigen Wahlpolitik\" aus, da sie \"die DKP praktisch in eine W\u00e4hlerinitiative f\u00fcr andere politische Kr\u00e4fte verwandeln w\u00fcrden\". 2.2.10 DKP-Hochschulgruppen Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren sollen. Ihre Aufgabe ist es, im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung zu schaffen. Die DKP-Hochschulgruppen steuerten auch 1987 wieder die Aktionen des MSB Spartakus. Sie arbeiteten ferner mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschulen eintreten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Augsburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Ihre Publikationen erscheinen unter Titeln wie z.B. \"DKP-Aktuell\", \"Rundschlag\", \"audimarx\" und \"Krokodil\". 2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1987 in ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentinnenund Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). 41","2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie hat bundesweit knapp 15.000 Mitglieder. In Bayern blieb die Mitgliederzahl mit 1.150 etwa auf dem Stand von 1986. Ein angestrebter Mitgliederzuwachs aufgrund der Festivalkampagne (vom November 1987 bis zum Festival der Jugend am 475. Juni 1988 in Herne) konnte nicht verzeichnet werden. Bundesvorsitzende der SDAJ ist Birgit Radow, ihr Stellvertreter Hans Georg Eberhard. Dem Bundesvorstand geh\u00f6ren 6 SDAJ-Funktion\u00e4re aus Bayern an. Die SDAJ, deren Mitglieder zum Teil gleichzeitig der DKP oder von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen angeh\u00f6ren, ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und zugleich die bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Auch heute gebe es nicht nur die Notwendigkeit, sondern auch die M\u00f6glichkeit, Massen von Jugendlichen zu jungen Revolution\u00e4ren zu erziehen. Die SDAJ ist eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen Weltbundes der demokratischen Jugend (WBDJ) und pflegt vor allem mit der SED-Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend (FDJ) und der sowjetischen Jugendorganisation \"Komsomol\" \"freundschaftliche Verbundenheit\". Die SDAJ f\u00fchrte Ende September bis zum 10. Oktober eine bundesweite Veranstaltungsreihe zum 70. Jahrestag der Oktoberrevolution durch, an der in Bayern etwa 500 Personen teilnahmen. Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1987 unver\u00e4ndert. Eigenen Angaben zufolge hat die SDAJ bundesweit 1.088 Gruppen, darunter 216 Betriebsgruppen und 253 Schulgruppen. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Sprachrohr der SDAJ ist \"elan -- Das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von unter 19.000 (1986: 26.000) Exemplaren. In Bayern wurden 1987 17 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt, davon 4 Betriebszeitungen (1986: 21 Kleinzeitungen, davon 8 Betriebszeitungen). Die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte der SDAJ, die auch von der DKP und den Jungen Pionieren genutzt wird, befindet sich auf Gut Wahrberg in Aurach, Landkreis Ansbach. 1987 fanden dort zahlreiche Lehrg\u00e4nge f\u00fcr SDAJ-Gruppenleiter und f\u00fcr Betriebsgruppen, Einf\u00fchrungsund Aufbaukurse mit Themen wie \"Was will die SDAJ?\", \"Geschichte der Arbeiterjugendbewegung\", \"Einf\u00fchrung in die Marxistische Philosophie\" und \"Frauenpolitik der SDAJ\", statt. Die SDAJ ist in Bayern in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten, obwohl sie gerade 1987 in Bayern gro\u00dfe Anstrengungen unternommen hat, dieses schon lange angestrebte Ziel zu erreichen. Unter dem Motto: \"Abr\u00fcsten jetzt! F\u00fcr eine bessere Zukunft! Leben-K\u00e4mpfen-Ver\u00e4ndern -- Auf uns kommt es an!\" fand am 2. und 3. Mai in Frankfurt der 42","Gemeinsam drau\u00dfen und drinnen * frieden und 55-Stunden-Wodne, gegen WAA, *hp&w' \\ Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und \"!?PS \\ Neonazis : ^^M&P *0> 5.-8.Junr BurgWahrbei n : i a > - i . n ; f i H . i 9. Bundeskongre\u00df der SDAJ mit 757 Delegierten statt. Unter den zahlreichen G\u00e4sten befand sich auch eine DKP-Abordnung unter Leitung von Herbert Mies; in seiner Gru\u00dfansprache bezeichnete er die SDAJ als \"einzigen revolution\u00e4ren Jugendverband in der Bundesrepublik\" und betonte die \"Kampfbereitschaft von DKP und SDAJ\". Die SDAJ veranstaltete zu Pfingsten wieder ihre traditionellen Camps. Der Landesverband S\u00fcdbayern hatte nach Zellsee bei Weilheim eingeladen, wo sich vom 5. bis 8. Juni etwa 600 Personen einfanden, unter ihnen auch DKP-Funktion\u00e4re sowie Angeh\u00f6rige der VVN/BdA und des ADS. Etwa 120 Personen aus dem Landesverband Franken/Oberpfalz trafen sich auf Gut Wahrberg. Zentrale Gespr\u00e4chsthemen waren die Vorbereitung und Mobilisierung f\u00fcr die bundesweiten Sch\u00fclerstreiks am 11. Juni und die Demonstration der \"Friedensbewegung\" am 13. Juni in Bonn. Vom 23. bis 30. August veranstaltete die SDAJ auf Gut Wahrberg ihr 11. Victor-Jara-Treffen, an dem sich ca. 130 K\u00fcnstlerin43","nen und K\u00fcnstler beteiligten. Im Mittelpunkt des Treffens stand neben k\u00fcnstlerischen Aktivit\u00e4ten eine Chile-Solidarit\u00e4tsaktion in der Altstadt von Ansbach. Mit der Parole \"Auf zum n\u00e4chsten Boykott\" \"knallhart und kollektiv\" hatte die SDAJ zum \"Widerstand\" gegen die im Mai 1987 durchgef\u00fchrte Volksz\u00e4hlung aufgerufen. In der Februarausgabe ihres Organs \"Jugendpolitische Bl\u00e4tter\" forderte sie, alle Ans\u00e4tze des Protestes zu nutzen, um den \"Kr\u00e4ften der Demokratie\" gegen die \"reaktion\u00e4re Gesellschaftskonzeption\" zum Erfolg zu verhelfen. Als einen \"Schritt zur Mobilisierung\" empfahl die SDAJ u.a. ihren Mitgliedern, den Eltern \"Mut zum Boykott\" zu machen sowie \"Volksz\u00e4hlungsinitiatb ven\" an der Schule und in Gewerkschaftsgruppen zu gr\u00fcnden. Sie riet, in den Erfassungsbogen keine konkreten Angaben zu machen. Die SDAJ unterst\u00fctzte die \"Sch\u00fclerbewegung '87\". Die \"ersten bundesweiten Schulstreiks\" -- am I.Juni in Bayern, am 11. Juni in den anderen Bundesl\u00e4ndern -- werteten die SDAJ und Funktion\u00e4re der DKP als \"Massenaktion\", die Mut mache auch f\u00fcr andere Bereiche. Geplante Versch\u00e4rfungen der Bedingungen f\u00fcr das Abitur und Schulzeitverk\u00fcrzungen f\u00fchrten nur zur Elitebildung. Die SDAJ m\u00fcsse sich an den Schulen gegen die \"R\u00fcckreformierung der Oberstufe\" wehren. Unzufriedenheit \u00fcber die eigene Situation, \"Mi\u00dftrauen gegen\u00fcber allem, was von oben kommt\", bilde die Grundlage f\u00fcr eine \"Zustimmung\" der Sch\u00fcler zu \"radikalen Forderungen und Aktionsformen\". Aus dieser \u00c4u\u00dferung der SDAJ geht hervor, da\u00df es ihr gar nicht um eine sachliche Diskussion geht, sondern um eine blo\u00dfe politische Stimmungsmache aus einem von ihr selbst erzeugten dumpfen Gef\u00fchl der Unzufriedenheit. Die SDAJ fordert den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie im Bundesgebiet. Die prinzipielle Bef\u00fcrwortung der friedlichen Nutzung der Kernenergie wurde aufgegeben. F\u00fcr sozialistische L\u00e4nder dagegen h\u00e4lt man die Nutzung der Kernspaltung zur Energiegewinnung f\u00fcr einen \"historisch begrenzten Zeitraum\" f\u00fcr verantwortbar, weil die Energiefrage \u00fcber die M\u00f6glichkeiten des Sozialismus zur Unterst\u00fctzung von Befreiungsbewegungen mitentscheide. Die SDAJ in Bayern beteiligte sich daher auch an verschiedenen Aktionen gegen den Bau der Wiederaufarbeitungsanlage, insbesonere an der Gro\u00dfveranstaltung am 10. Oktober in Wackersdorf. Auf ihrem \"Auszubildendenkongre\u00df\" am 26. September in Dortmund erkl\u00e4rte die SDAJ, der \"Kampf um eine bessere Qualit\u00e4t der Ausbildung\" werde \"immer mehr zum Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen Arbeiterjugend und Unternehmern\". Die 250 Teilnehmer des Kongresses sprachen sich deshalb f\u00fcr eine st\u00e4rkere Vertretung der Lehrlinge und jungen Arbeiter in den Betrieben aus. Hierzu werde eine \"Aktionskampagne\" der SDAJ f\u00fcr die Schaffung von \"Jugendund Ausbildungsvertretungen\" angek\u00fcndigt. Die Gro\u00dfbetriebe seien die Hauptverantwortlichen f\u00fcr die Zukunftslosigkeit vieler Jugendlicher. Ihr Profitstreben sei der Grund f\u00fcr den Abbau von Ausbildungspl\u00e4tzen. Jeder, der nicht ausbildet, m\u00fcsse zahlen. Die SDAJ erkl\u00e4rt sich mit allen \"Unterdr\u00fcckten\" solidarisch. Sie will in diesem Zusammenhang ihre Kampagne f\u00fcr die Freilassung aller politischen Gefangenen in Chile fortsetzen. Seit ihrem 8. Bundeskongre\u00df (15./16. Dezember 1984 in Bottrop) will sie au\u00dferdem 104.000,00 DM f\u00fcr den Freiheitssender \"Radio Mandela\" gesammelt haben. Mit dieser Summe soll eine bewegliche Sendesta44","tion f\u00fcr den Sender des in S\u00fcdafrika verbotenen \"African-National-Congress\" (ANC) beschafft werden. Die SDAJ betont die Bedeutung \"demokratischer Soldaten\" im Klassenkampf. Sie k\u00f6nnten \"im Verlaufe demokratischer und antimonopolistischer Ver\u00e4nderungen\" daf\u00fcr sorgen, da\u00df das \"Milit\u00e4r in den Kasernen bleibt\". So sei eine sozialistische Umw\u00e4lzung ohne B\u00fcrgerkrieg und Blutvergie\u00dfen m\u00f6glich. In ihrem \"antimilitaristischen Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1987 die von ihr beeinflu\u00dften Arbeitskreise Demokratischer Soldaten (ADS). Die ADS in Bayern beteiligten sich an den \"Osterm\u00e4rschen\" sowie an Veranstaltungen der SDAJ. In M\u00fcnchen wurde in einer Kaserne die ADS-Zeitung \"R\u00fchrt Euch\" verteilt. Der ADS-S\u00fcdbayern gab eine Zeitung f\u00fcr die I.Gebirgsdivision \"Muli vorw\u00e4rts\" heraus. In der Landeshauptstadt M\u00fcnchen erschien die \"Neue Lage\". 2.3.2 Marxistischer Studentinnenund Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus, gegr\u00fcndet 1971, ist der st\u00e4rkste orthodox-kommunistische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland. Er bekennt sich zum Marxismus-Leninismus. Zusammen mit der DKP und der SDAJ k\u00e4mpft er f\u00fcr die \"sozialistische Revplution\" und propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Er sieht sich als \"gr\u00f6\u00dfte und einflu\u00dfreichste Studentenorganisation an den bundesdeutschen Hochschulen\" und als entscheidenden Faktor f\u00fcr die \"Kontinuit\u00e4t der Studentenbewegung\", die wegen der \"Aktionseinheit, vor allem von MSB und SHB, zu einem Motor der au\u00dferparlamentarischen Bewegung\" geworden sei. Die Zusammenarbeit mit kommunistischen Jugendund Studentenorganisationen wurde auch 1987 beibehalten. Im Rechenschaftsbericht f\u00fcr den 10. Bundeskongre\u00df w\u00fcrdigte der Bundesvorstand des MSB Spartakus die \"historische Rolle des Sozialismus\" im Kampf f\u00fcr den Fortschritt. Die Sowjetunion habe dabei eine Vorreiterrolle. Der Bundesvorsitzende erkl\u00e4rte, der MSB Spartakus sei mit der DKP, dem engen Kampfgef\u00e4hrten, durch das sozialistische Ziel und die revolution\u00e4re Strategie verbunden. Bundesweit verf\u00fcgt der MSB Spartakus \u00fcber 6.000 Mitglieder, von denen sich unver\u00e4ndert etwa 250 auf die an den bayerischen Hochschulen in Augsburg, M\u00fcnchen, Regensburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, W\u00fcrzburg und Coburg aktiven Gruppen verteilen. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\", das in einer monatlichen Auflage von 11.500 Exemplaren erscheinende Student-inn-enmagazin. Als Nebenorganisation der DKP hat der MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in die Hochschulen einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" anbieten zu k\u00f6nnen. Im Rahmen dieser Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus auch eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. 45","Die MSB-Gruppen an den bayerischen Hochschulen entfalteten auch 1987 verschiedene Aktivit\u00e4ten. Sie reichten von Aktionen zur Volksz\u00e4hlung, \"ApartheidPolitik\" in S\u00fcdafrika, \"Glasnost\" bis hin zu der Demonstration gegen den Entwurf des Bayerischen Hochschulgesetzes am 26. Juni in M\u00fcnchen und der von den Vereinigten Deutschen Studentenschaften (VDS) und der Bundessch\u00fclervertretung (BSV) initiierten Demonstration \"gegen die Bildungspolitik\" am 28. November in Bonn. 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr die Mitgliedergewinnung. Die DKP unterst\u00fctzt mit der SDAJ und dem MSB Spartakus die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. F\u00fchrungspositionen innerhalb der JP werden durchweg von Jugendlichen und Erwachsenen eingenommen, die als DKPbzw. als SDAJ-Angeh\u00f6rige bekannt sind. Der JP-Bundesvorsitzende Gerd Hertel als auch seine Stellvertreterin geh\u00f6ren gleichzeitig dem gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Bundesvorstand der SDAJ an. Von den 55 Mitgliedern der Bundesleitung kommen 5 aus Bayern. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen-, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfaz und S\u00fcdbayem. Der neue JP-Landesvorstand S\u00fcdbayern setzt sich aus 5 SDAJ-Angeh\u00f6rigen zusammen. Trotz des von der Bundesleitung von Juni bis Dezember ausgeschriebenen Wettbewerbs zur Mitgliedergewinnung (\"Sternenrally 87\") betrug die Zahl der JP-Mitglieder bundesweit nach wie vor 4.000. Auch in Bayern ist die Mitgliederzahl mit 500 gegen\u00fcber dem Vorjahr gleichgeblieben. Vom Bundesverband der JP werden die Kinderzeitung \"Pionier\" und \"Pionierleiterinformation\" ver\u00f6ffentlicht. Am 576. Dezember fand in Dortmund die 6. Bundeskonferenz der JP (\"Atomwaffenfrei ins Jahr 2000 -- den Kindern mu\u00df die Zukunft geh\u00f6ren\") statt. 292 Delegierte f\u00fchrten einen \"umfassenden Erfahrungsaustausch\" \u00fcber ihre Arbeit bei der Gewinnung und Einbeziehung von Kindern im Kampf um \"ihre Rechte\" und diskutierten anstehende Aufgaben. Unter dem Motto: \"Abenteuer und Spa\u00df -- mach mit\" f\u00fchrten die JP der kommunistischen Presse zufolge bundesweit 44 Pfingstcamps durch -- 14 mehr als im Vorjahr. Daran sollen erstmals auch G\u00e4ste aus der DDR, der CSSR, Frankreich, D\u00e4nemark und Belgien teilgenommen haben. Am Pfingstcamp der JP S\u00fcdbayern in der N\u00e4he von Ingolstadt nahmen 80 Kinder teil. Beim Camp der JP Nordbayern bei Erlangen hatten sich 150 Kinder eingefunden, von denen 20 in die Organisation aufgenommen worden sind. Bei der \"Kinderferienaktion 87\" der DKP und der JP reisten etwa 2.300 Kinder aus der Bundesrepublik Deutschland in das \"kinderfreundliche Land DDR\". Aus Bayern nahmen ca. 200 Kinder daran teil. Bei den Kindern sollten durch \"sehr fr\u00fche Anst\u00f6\u00dfe\" Vorurteile gegen\u00fcber der DDR, der DKP und ihrer Welt46","anschauung abgebaut werden. Au\u00dferdem biete die Kinderferienaktion -- so die JP -- enorme Chancen zur Verankerung der DKP, SDAJ und der JP in den Arbeiterwohngebieten und in den Betrieben. 2.4 DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie mit einer unverhohlenen *Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung keine nennenswerte Resonanz findet. Deshalb wirkt sie, oft mit Unterst\u00fctzung ihrer . Nebenorganisationen, darauf hin, da\u00df Organisationen, Initiativen oder Komitees gegr\u00fcndet werden, die nicht Teil der Partei oder ihrer Nebenorganisationen sind, aber gleichwohl dazu dienen, kommunistische Zielsetzungen zu f\u00f6rdern. Au\u00dferdem bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik, bei zahlreichen nichtkommunistischen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten oder ihn zu verst\u00e4rken. Der Einflu\u00df der DKP bzw. ihrer Nebenorganisationen auf solche \"beeinflu\u00dften Organisationen\" zeigt sich u.a. darin, da\u00df diese Organisationen eng mit der DKP oder ihren Nebenorganisationen zusammenarbeiten, da\u00df sie von der DKP oder ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden, da\u00df sie in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzen oder da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Diese beeinflu\u00dften Organisationen propagieren vielfach Forderungen, die f\u00fcr sich gesehen nicht ver47","fassungsfeindlich sind, aber in Teilbereichen mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten \u00fcbereinstimmen. Damit leisten sie den Bestrebungen der DKP Vorschub, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen, denn dieser zentralen verfassungsfeindlichen Zielsetzung dienen alle Aktivit\u00e4ten der DKP, auch die vermeintlich unverf\u00e4nglichen. Bei den beeinflu\u00dften Organisationen liegen h\u00e4ufig mehrere, gelegentlich auch alle genannten Merkmale vor. Je st\u00e4rker der kommunistische Einflu\u00df ist, desto geringer sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die nichtextremistischen Mitglieder solcher Organisationen, Einflu\u00df zu nehmen auf die interne Willensbildung, die politischen \u00c4u\u00dferungen und die Aktivit\u00e4ten der Organisation, insbesondere die Beteiligung an Volksfrontaktionen. Bei anderen beeinflu\u00dften Organisationen besteht dagegen trotz des DKP-Einflusses Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist hier f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen auch einige \"Friedensinitiativen\", die in unterschiedlichem Ausma\u00df von der Orthodoxen Linken, aber auch von Gruppierungen der Neuen Linken beeinflu\u00dft werden. Bei den meisten \"Friedensinitiativen\" ist jedoch eine extremistische Beeinflussung nicht feststellbar. Zu den wichtigsten DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren: -- die Deutsche Friedens-Union (DFU) -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) -- die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) -- das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) -- die Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI) -- die \"Friedensliste\". In diesem Zusammenhang sind auch die Initiativen gegen die \"Berufsverbote\" zu erw\u00e4hnen. Die Koordination der Aktivit\u00e4ten von Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\", die sich gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern und Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes wenden, liegt \u00fcberwiegend beim DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" in Hamburg. In Bayern gingen 1987 von dem orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger B\u00fcrgerkomitee \"Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und der ebenfalls orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" nur geringe Aktivit\u00e4ten aus. Zu den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren auch sogenannte \"Freundschaftsgesellschaften\", die beim Kampf der DKP gegen \"Imperialismus und Neokolonialismus\" eine initiierende und koordinierende Rolle spielen. In Bayern traten die \"Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam e.V.\" (FG BRD-Vietnam e.V.) und die \"Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland -- Kuba e.V.\" (FG BRD-Kuba e.V.) in Erscheinung. 48","Orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen beteiligten sich 1987 aktiv an den Kampagnen und Aktionen der DKP. Wie in den Jahren zuvor lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten auch 1987 beim \"Friedenskampf\". Neben der Kampagne gegen die \"Strategische Verteidigungs-Initiative\" (SDI) stand die Forderung nach Einstellung der Atomtests im Mittelpunkt. Weitere herausragende Themen waren u.a. der \"Boykott\" der Volksz\u00e4hlung, die \"Berufsverbote\" und die \"Herbstaktionen\" gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wakkersdorf (WAW). 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndete DFU, die sich seit 1984 als \"politische Vereinigung\" versteht, wei\u00df sich dem \"antifaschistischen und antimonopolistischen Auftrag des Grundgesetzes und der meisten L\u00e4nderverfassungen verpflichtet\". Sie wendet sich insbesondere gegen \"Antikommunismus\" und \"Demokratieabbau\" und fordert \"Schlu\u00df zu machen ... mit der Militarisierung aller gesellschaftlichen Bereiche\". Die DFU, die Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) ist, vertritt die Auffassung, da\u00df die Erreichung der Ziele der \"Friedensbewegung und anderer demokratischer und sozialer Bewegungen nur im B\u00fcndnis mit der Arbeiterbewegung, mit ihren Gewerkschaften und Parteien m\u00f6glich ist\". Verfassungskonforme Forderungen, die auch von demokratischen Kr\u00e4ften vertreten werden, wre etwa das Eintreten f\u00fcr \"friedliche Koexistenz, Entspannung und Abr\u00fcstung, sozialen und demokratischen Fortschritt\", werden entsprechend der Strategie orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen in verschleierter Form mit Zielsetzungen der orthodoxen Kommunisten verbunden. Die politische Bet\u00e4tigung der DFU dient damit in erheblichem Umfang der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein Direktorium innehat. Von den \u00fcber 60 Mitgliedern des Direktoriums und des Bundesvorstandes geh\u00f6rten zahlreiche Personen der 1956 verbotenen KPD an; andere sind Mitglieder der DKP oder einer kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation. Bundesweit verf\u00fcgt die DFU \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, davon einen in Bayern. Dem Landesverband Bayern sind f\u00fcnf Bezirksverb\u00e4nde nachgeordnet, die unterschiedlich aktiv waren. Die Zahl der Mitglieder lag am Jahresende im Bundesgebiet unver\u00e4ndert bei rund 1.000 Personen; in Bayern bei knapp 400 Personen. Bei der im M\u00e4rz durchgef\u00fchrten Mitgliederversammlung des Landesverbandes Bayern wurde Heinz Drab zum neuen Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Als Sprachrohr sowohl der DFU als auch der VVN-BdA dient die w\u00f6chentlich mit einer Auflage von 26.000 Exemplaren erscheinende \"Deutsche Volkszeitung/die tat\", die sich seit September 1987 als \"Volkszeitung\" bezeichnet und den bisherigen Namen aus \"traditionellen Gr\u00fcnden\" als Untertitel weiterf\u00fchrt. Ihr Chefredakteur geh\u00f6rt der DKP an und war lange Zeit f\u00fcr die \"roten bl\u00e4tter\", das Zentralorgan des MSB Spartakus, verantwortlich. Daneben gibt die DFU in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden einen \"Pressedienst\" heraus, in dem vom Direktorium bzw. von Direktoriumsmitgliedern zu aktuellen Problemen Stellung genommen wird. Die \"Kommission Abr\u00fcstung und Sicherheit\" in der DFU zeich49","Ab.ms1w$Sr, rr\"\u00fc\u00f6^ ;ii)l\u00e4 Afftiffi IM * Ein Gipfel der Wende * Monterey: NATO-Verteidigungsminister planen neue atomare Aufr\u00fcstungsrunde * Atomare Abr\u00fcstung aus franz\u00f6sischer Sicht * Der Golfkrieg im achten Jahr * Den Fu\u00dfi n die T\u00fcr gestellt * \u00dcber die PSSchaffung eines umfassende Systems cler internationalen Sicherheit Zur 42. Ur *JO-Generallversammlung * Vor 15 Jahren: Beginn der \"Helsinki-Kc jnsultationen\" zur Vorbereitung der KSZE * Wandel durch Ann\u00e4herung? Zum SPD/SED-Papier 11/1987 Mit umfang reich em DFU net f\u00fcr das monatlich erscheinende \"Abr\u00fcstungsinfo\" verantwortlich. Vom \"Arbeitskreis Demokratie\" wird das \"info demokratie\" herausgegeben. Dar\u00fcber hinaus ver\u00f6ffentlichte die DFU 1987 zwei Brosch\u00fcren, und zwar einen Diskussionsbeitrag \"Zu einigen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Arbeit der Friedensbewegung\" und das Perspektivpapier \"Wie weiter? Vorschl\u00e4ge der Deutschen Friedens-Union zur Diskussion der Friedensbewegung\". Im November erschien erstmals eine vom bayerischen Landesverband herausgegebene Publikation \"Bayern-Info\". Diese Ausgabe enthielt u.a. Artikel \u00fcber die \"Herbstaktionen\" gegen die WAW, \"Berufsverbote\" und die \"M\u00fcnchner Friedenswochen\". Neben ihren publizistischen Aktivit\u00e4ten trat die DFU 1987 in Bayern wiederum mit mehreren eigenen Veranstaltungen an die \u00d6ffentlichkeit. Hierbei wurden Themen wie \"Null-L\u00f6sung\", \"Gorbatschow's neues Denken\" und \"Christen im Sozialismus\" er\u00f6rtert. Bei der Veranstaltungsreihe \"Frieden im Gespr\u00e4ch\" traten u.a. Referenten aus der UdSSR und CSSR auf. Im Rahmen eines \"Interna50","tionalen Begegnungsprogrammes\" bot die DFU ferner Informationsreisen nach Suhl und Gera in der DDR an; diese Bezirke sind den DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern als \"Patenbezirke\" zugeordnet. Insgesamt war jedoch die Arbeit im B\u00fcndnisbereich nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil der DFU-Aktivit\u00e4ten. Besonders ausgepr\u00e4gt war die Mitwirkung bei der Organisation der von der \"Friedensbewegung\" veranstalteten \"Osterm\u00e4rsche\". So war die \"Bundesweite Informationsstelle Ostermarsch '87\" in der Vorbereitungsphase in der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle Hessen untergebracht. Auch in Bayern beteiligte sich die DFU an den \"Osterm\u00e4rschen.\" So trat z.B. als Anmelder und stellvertretender Versammlungsleiter der Ostermarschaktionen in N\u00fcrnberg der DFU-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer f\u00fcr Nordbayern auf. Die DFU beteiligte sich auch weiterhin an der Arbeit des Personenb\u00fcndnisses \"Die Friedensliste\", an deren Gr\u00fcndung im Jahr 1984 sie mitgewirkt hatte. Dem im November 1987 neugew\u00e4hlten Bundesvorstand der \"Friedensliste\" geh\u00f6ren mehrere Funktion\u00e4re der DFU an. Die DFU bet\u00e4tigte sich auch 1987 im Rahmen der Krefelder Initiative, deren Adresse unver\u00e4ndert mit der Anschrift der DFU-Bundesgesch\u00e4ftsstelle \u00fcbereinstimmt. Die Planung und Organisation des am 374. Oktober in N\u00fcrnberg mit rund 300 Teilnehmern durchgef\u00fchrten 6. Forums der Krefelder Initiative lag -- wie in den Vorjahren -- in den H\u00e4nden der DFU. Im Zusammenhang mit der Volksz\u00e4hlung bezeichnete der DFU-Bundesvorstand den dagegen gerichteten Boykott als die \"konsequenteste Form\" des Kampfes gegen die \"Umwandlung der BRD in einen autorit\u00e4ren \u00dcberwachungsstaat\". Der Boykott sei zugleich eine \"Demonstration gegen die herrschende Arroganz der Macht\". Der \"Arbeitskreis Demokratie\" in der DFU verbreitete hierzu eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Volksz\u00e4hlung '87 -- Was tun, wenn der Z\u00e4hler kommt?\". Diese Brosch\u00fcre enthielt konkrete \"Tips\" und \"Hilfen\", die Volksz\u00e4hlung zu boykottieren. 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Die VVN-BdA, die sich zur mitgliederst\u00e4rksten orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation entwickelte, beschlie\u00dft und handelt regelm\u00e4\u00dfig entsprechend den von der DKP vertretenen Positionen. Sie ist Mitglied der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrats (WFR). Nach der auf dem \"Bundeskongre\u00df '87\" beschlossenen Satzung l\u00e4\u00dft sich die VVN-BdA \"von den Erfahrungen des Kampfes gegen Faschismus und Krieg\" leiten. Sie tritt ein f\u00fcr \"antifaschistisch -- demokratische Entwicklungen auf allen Gebieten des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland\" und bek\u00e4mpft die \"Ursachen und Erscheinungsformen des Faschismus, Militarismus, Antisemitismus, Revanchismus und der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Die VVN-BdA strebt \"die Zusammenarbeit aller demokratischen Kr\u00e4fte an, um zur Verwirklichung des Verm\u00e4chtnisses des antifaschistischen Widerstandskampfes beizutragen\". Sie will mit allen Verb\u00e4nden und Vereinigungen des Inund Auslandes, die ebenfalls \"antifaschistische Ziele\" verfolgen, zusammenarbeiten. 51","Die VVN-BdA konnte die Zahl ihrer Mitglieder im Bundesgebiet bis Ende 1987 auf rund 14.000 (1986: 13.500) erh\u00f6hen. In Bayern dagegen blieb die Zahl der Mitglieder mit etwa 1.200 gegen\u00fcber dem Vorjahr nahezu konstant. Die mitgliederst\u00e4rksten der insgesamt bestehenden 19 Kreisverb\u00e4nde sind M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Auf dem \"Bundeskongre\u00df '87\", der vom 29. bis 31. Mai in Frankfurt a. Main stattfand, wurde der bisherige Pr\u00e4sident der VVN-BdA Dr. Joseph Rossaint, Tr\u00e4ger der ihm vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und \"B\u00fcromitglied\" des KFAZ, wiedergew\u00e4hlt. Auch der bisherige Generalsekret\u00e4r der VVN-BdA Kurt Erlebach, der dem DKP-Parteivorstand angeh\u00f6rt, wurde in seinem Amt best\u00e4tigt. Die Delegierten beschlossen ferner eine neue Satzung, in der das bisherige Pr\u00e4sidium in \"Bundesvorstand\" (derzeit 95 Mitglieder) umbenannt wurde, dessen Beschl\u00fcsse durch das neue \"Pr\u00e4sidium\" -- (bisher gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Pr\u00e4sidium) -- \"konkretisiert\" werden. Das \"Sekretariat\", das die laufenden Gesch\u00e4fte des Verbandes f\u00fchrt, wurde erstmals in der Satzung verankert. Dem Pr\u00e4sidenten der VVN-BdA stehen drei Vizepr\u00e4sidenten zur Seite, von denen zwei der DKP angeh\u00f6ren. Auch der neue Bundesvorstand besteht \u00fcberwiegend aus Kommunisten. Der Landesverband Bayern ist im neuen Bundesvorstand mit zehn Personen vertreten, darunter der DKP-Funktion\u00e4r und Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Oskar Neumann. Die Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA in Bayern Marion Lehmicke geh\u00f6rt als Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern an und ist Mitglied des Sprecherkreises der BIFA. Sprachrohr der VVN-BdA ist die Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat\", die ab September 1987 unter dem Namen \"Volkszeitung\" erscheint. Sie ist gleichzeitig Publikationsorgan der DFU. Der Bundesvorstand der VVN-BdA gibt au\u00dferdem die monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift \"antifaschistische rundschau\" heraus und erg\u00e4nzend hierzu den \"antifaschistischen jugenddienst\" sowie seit April 1987 den \"antifaschistischen informationsund Pressedienst\". Die gelegentlich vom Landesverband Bayern herausgegebenen \"Antifaschistischen Nachrichten\" sowie regionale Informationsbl\u00e4tter vervollst\u00e4ndigen die Reihe der Publikationen. Am \"Bundeskongre\u00df '87\" der VVN-BdA nahmen mehr als 300 stimmberechtigte Delegierte aus dem gesamten Bundesgebiet und Repr\u00e4sentanten von Partnerorganisationen aus der UdSSR, der DDR, aus Polen, Ungarn, Bulgarien, Frankreich und den Niederlanden teil. Vertreter der DKP traten als G\u00e4ste auf. Die Delegierten des Kongresses beschlossen neben einer neuen, f\u00fcr alle Bundesl\u00e4nder geltenden Satzung, ein neues \"Orientierungsund Aktionsprogramm\". Sie forderten u.a., den 8. Mai als \"Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg\" zum gesetzlichen Feiertag zu erkl\u00e4ren, sprachen sich f\u00fcr einen \"Boykott\" der Volksz\u00e4hlung aus und riefen zur Teilnahme an der \"Friedensdemonstration\" am 13. Juni in Bonn auf. Mit Landesdelegiertenkonferenzen, Festund Gedenkveranstaltungen beging die VVN-BdA Mitte M\u00e4rz in mehreren Bundesl\u00e4ndern den 40. Jahrestag ihres Bestehens. An der Veranstaltung des Landesverbandes Bayern am 14./ 15. M\u00e4rz in Augsburg beteiligten sich etwa 150 Personen. Themenschwer52","Grundkurs Antifaschismus Ort: Hermann-Lingg-Str.l2/R\u00fcckgeb\u00e4ude 1 Beginn: jeweils 1 9 . 3 0 Uhr punkte waren das Engagement der VVN-BdA in der \"Friedensbewegung\", der \"antifaschistische Kampf\" und der \"Kampf gegen den Abbau demokratischer Rechte\". Die Delegierten der Landeskonferenz verabschiedeten mehrere Entschlie\u00dfungen zum \"B\u00fcndnis f\u00fcr den Frieden\", zum \"Verzicht auf Atomwaffentests\", zum \"Verbot jeglicher Nazipropaganda\", zur Abschaffung der \"Berufsverbote\" und zur Gewinnung neuer Mitglieder. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" beteiligte sich die VVN-BdA bundesweit an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der von der \"Friedensbewegung\" initiierten \"Osterm\u00e4rsche\". In Bayern nahm sie als Mitglied an Treffen sogenannter \"Ostermarschvorbereitungskreise\" teil, bei denen Einzelheiten der Osterm\u00e4rsche f\u00fcr Nordund S\u00fcdbayern festgelegt wurden. Sie trat ferner als Mitveranstalterin des zentralen \"Ostermarsches\" am 18. April in M\u00fcnchen auf. Daneben beteiligten sich Anh\u00e4nger der VVN-BdA an den dezentralen Ostermarschkundgebungen, an der \"Friedensdemonstration\" am 13. Juni in Bonn und an der Demonstration der \"S\u00fcddeutschen Friedensbewegung\" am 3. Oktober in Landsberg a. Lech. Die VVN-BdA geh\u00f6rt au\u00dferdem neben vier weiteren linksextrem beeinflu\u00dften Gruppierungen dem \"M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis\" an, das im Rahmen der \"M\u00fcnchner Friedenswochen 1987\" zahlreiche Veranstaltungen durchf\u00fchrte. Im \"Antifaschismus-Kampf\" wandte sich die VVN-BdA wiederholt gegen Aktionen rechtsextremer Gruppierungen. So protestierten zahlreiche Angeh\u00f6rige orthodox-kommunistischer Gruppierungen gegen das Treffen der DVU am 15. August in Passau. Zur Teilnahme an der Demonstration hatten neben der VVN-BdA u.a. auch DKP, SDAJ, MSB Spartakus, DFG-VK und SHB aufgerufen. Am 14. November wandte sich die VVN-BdA als Angeh\u00f6rige des \"H\u00f6chstadter B\u00fcndnisses\" zusammen mit DFU, DFG-VK, DFI und SHB mit einem \"Fest der aktiven Demokraten\" gegen den dort stattgefundenen NPD-Parteitag. An der Veranstaltung nahmen rund 150 Personen teil. Als Redner trat der Landesvorsitzende der VVN-BdA auf. Anh\u00e4nger der VVN-BdA und anderer linksextremer und linksextrem beeinflu\u00dfter Gruppierungen des \"H\u00f6chstadter B\u00fcndnisses\" beteiligten sich ferner an der am gleichen Tage in H\u00f6chstadt a.d.Aisch veranstalteten gewerkschaftlichen Protestversammlung, die sich ebenfalls gegen den NPD-Parteitag richtete. Ein aus vier Organisationen und Initiativen bestehender Tr\u00e4gerkreis, darunter die VVN-BdA, hatte unter dem Motto \"Verdr\u00e4ngen oder Aufarbeiten? \u00dcber den Umgang mit der Deutschen Geschichte\" zu einem \"Projekttag zur politischen Relevanz des Historikerstreits\" eingeladen, der am 21. Juli in der Universit\u00e4t Erlangen stattfand. Die Teilnehmer befa\u00dften 53","sich in mehreren Arbeitsgruppen mit Themen wie \"Bayern als Zentrum des Neokonservatismus -- Wechselwirkungen zwischen politischer und geistiger Wende\" und \"Verantwortung der Nachkriegsgeneration f\u00fcr die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit\". Den \"Projekttag\" unterst\u00fctzten neben demokratischen Organisationen auch zahlreiche Gruppierungen des orthodox-kommunistischen Spektrums u.a. DKP, SDAJ, DFL), SHB und \"Friedensliste\". 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung, \"friedliche Koexistenz\" unterschiedlicher Gesellschaftssysteme, Aufhebung der \"Berufsverbote\" und gegen die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK fordert in ihrem Programm die Aufl\u00f6sung aller Milit\u00e4rpakte. Als \"vertrauensbildende Abr\u00fcstungsvorausleistung\" verlangt sie die \"quantitative und qualitative Verminderung der Kampfst\u00e4rke der Bundeswehr\"; die Bundeswehr habe unter anderem die Aufgabe, innerhalb der Bundesrepublik Deutschland die \"bestehenden Herrschaftsverh\u00e4ltnisse zu stabilisieren\" und erweise sich gleichzeitig als \"gef\u00e4hrlicher N\u00e4hrboden rechtsradikaler und faschistischer Bestrebungen\". Gem\u00e4\u00df ihrem Programm tritt die DFG-VK auch \"dem von allen Bundesregierungen als ideologisches Fundament der R\u00fcstung und als wirksames Instrument zur Verketzerung demokratischer Opposition gesch\u00fcrten Antikommunismus\" entgegen. Die DFG-VK, die auf Bundesebene bisher von einem Bundesvorstand geleitet wurde, beschlo\u00df auf ihrem ordentlichen Bundeskongre\u00df vom 1. bis 3. Mai in Mannheim eine auf zwei Jahre befristete \"Strukturvereinbarung\", die zu einer Neuordnung der Bundesgremien des Verbandes f\u00fchrte. Diese Vereinbarung sieht einen \"Bundesausschu\u00df\" als h\u00f6chstes Entscheidungsgremium zwischen den Bundeskongressen vor. Diesem Organ geh\u00f6ren neben Funktion\u00e4ren des Bundesverbandes (Bundessprecher, Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, Bundeskassier und Sprecher der \"Arbeitsbereiche\") auch Mitglieder aus den Landesverb\u00e4nden an. K\u00fcnftig wird der Bundesverband von einem f\u00fcnfk\u00f6pfigen \"Bundessprecherkreis\" repr\u00e4sentiert. Die Mehrzahl der Mitglieder des neu gew\u00e4hlten Sprecherkreises geh\u00f6ren oder geh\u00f6rten der DKP oder anderen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppierungen an. Der bisherige Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer, der Mitglied der DKP ist, wurde wiedergew\u00e4hlt. Damit blieb der starke orthodox-kommunistische Einflu\u00df auf die Bundesgremien der DFG-VK gewahrt. Der ehemalige Landesvorsitzende der DFG-VK in Bayern und Mitglied der VVNBdA Heinrich H\u00e4berlein ist Mitglied des Bundessprecherkreises. Die DFG-VK ist nach wie vor eine der mitgliederst\u00e4rksten orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen, aber auch die mit dem h\u00f6chsten Anteil an nichtkommunistischen Mitgliedern. Auch 1987 hielten die seit mehreren Jahren zu verzeichnenden Mitgliederverluste an. Die Zahl der Mitglieder im Bundesge54","biet lag zum Jahresende bei rund 11.000 (1986:12.000). In Bayern bestehen nur noch 16 Ortsgruppen (1986:20); die Mitgliederzahl liegt bei etwa 1.600 (1986: 1.700) Personen, von denen nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitet. Die Ortsgruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind mit etwa 600 bzw. 250 Mitgliedern die gr\u00f6\u00dften und aktivsten in Bayern. Neben den Ortsgruppen bestanden in verschiedenen Orten \"Arbeitskreise\", \"Initiativen\" und Beratungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Daneben gab es auch einige Jugendgruppen der DFG-VK, die unter der Bezeichnung \"Jugendclub Courage\" (JCC) auftraten. Publikationsorgan der DFG-VK ist die Verbandszeitschrift \"Zivilcourage\", die viertelj\u00e4hrlich erscheint. Daneben gibt der Bundesverband den \"friedenspolitischen Informationsdienst\" (fid) heraus. Au\u00dferdem erscheint unter dem Namen \"Kommunale Friedensarbeit\" ein Informationsdienst. Zus\u00e4tzliches Informationsmaterial, wie \"Gruppenrundbriefe\" und \"Briefe an Euch!\" eVg\u00e4nzten die Reihe der Publikationen. Als regionales Blatt erscheint im Raum Schweinfurt die \"Alternative\", die neuerdings den Untertitel \"Vierteljahresschrift f\u00fcr Politik und Kultur\" f\u00fchrt. Auch die Jugendzeitschrift der DFG-VK, der \"Panzerknakker\", wurde 1987 in Bayern wieder verteilt. 55","An dem ordentlichen Bundeskongre\u00df der DFG-VK, der unter dem Motto \"Pazifismus -- Von der Utopie zur Wirklichkeit\" stand, nahmen rund 400 Delegierte und G\u00e4ste teil. Der DKP-Vorsitzende Herbert Mies sandte dem Kongre\u00df \"solidarische Friedensgr\u00fc\u00dfe\". In seinem Rechenschaftsbericht erkl\u00e4rte der bisherige Bundesvorsitzende, da\u00df \"insbesondere im finanziellen Bereich des Verbandes eine Konsolidierung\" eingetreten sei. Der Mitgliederschwund habe sich verlangsamt. Schwerpunkt des Kongresses war jedoch die Debatte \u00fcber die k\u00fcnftige Struktur der DFG-VK. Hierbei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Vertretern der Landesverb\u00e4nde, weil einige Teilnehmer den starken Einflu\u00df des \"DKP-Fl\u00fcgels\" kritisierten. Dieser interne Streit wurde nach dem Kongre\u00df publizistisch fortgesetzt. So teilte eine \u00f6rtliche Gruppe der DFG-VK aus S\u00fcddeutschland dem Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer mit: \"Wir k\u00f6nnen dem Verfassungsschutz nicht mehr l\u00e4nger guten Gewissens widersprechen, wenn er sagt, der Bundesverband der DFG-VK sei kommunistisch beeinflu\u00dft. Ganz of56","fensichtlich k\u00f6nnen in diesem Verband wesentliche Entscheidungen nicht gegen den Willen der DKP getroffen werden. Wir sind nicht mehr bereit, diese Politik stillschweigend mitzutragen\". Als zentrales Ereignis im \"Friedenskampf\" fand vom 1. bis 19. September in der Bundesrepublik Deutschland der von der DFGVK vorbereitete \"Olof-Palme-Friedensmarsch f\u00fcr einen atomwaffenfreien Korridor\" statt. Auf die Durchf\u00fchrung dieses internationalen \"Friedensmarsches\" mit Parallelveranstaltungen in der DDR, CSSR und \u00d6sterreich hatten sich die DFG-VK, der \"Friedensrat der DDR\", das \"Tschechoslowakische Friedenskomitee\" und Vertreter der \"\u00d6sterreichischen Friedensbewegung\" geeinigt. Die hierzu im Bundesgebiet verbreiteten Aufrufe wurden u.a. vom prosowjetischen Weltfriedensrat (WFR) und vom \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\", in dem linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppierungen mitarbeiten, unterst\u00fctzt. Die DFG-VK hatte f\u00fcr den \"Olof-Palme-Friedensmarsch\", der u.a. Podiumsdiskussionen, Kundgebungen, Stafettenl\u00e4ufe, Aktionen vor milit\u00e4rischen Anlagen und -- als zentrale Veranstaltung -- ein internationales Rockkonzert in Garching, Landkreis M\u00fcnchen, mit 18.000 Teilnehmer umfa\u00dfte, in N\u00fcrnberg ein eigenes \"Aktionsb\u00fcro\" eingerichtet. Auf mehreren Veranstaltungen im Bundesgebiet sprachen auch Mitglieder und Funktion\u00e4re der DKP, SEW und SED. Mit einer Abschlu\u00dfkundgebung in Heilbronn und einer Blockade des Pershing-Depots Waldheide am 19. September endete der \"Marsch\" in der Bundesrepublik Deutschland. An den Aktionen in Heilbronn/Waldheide beteiligten sich rund 3.000 Personen, unter anderem Funktion\u00e4re der DKP aus dem gesamten Bundesgebiet. An der Blockade nahmen auch zahlreiche DKP-Mitglieder teil. Die DFG-VK ist nach wie vor Mitglied des bundesweiten \"Koordinierungsausschusses der Friedensbewegung\" (KA) und arbeitet auch in der KA-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung mit. Sie geh\u00f6rte wiederum zum Aufruferund Unterst\u00fctzerkreis der \"Osterm\u00e4rsche\", die vom 18. bis 20. April stattfanden. Ihre Anh\u00e4nger beteiligten sich sowohl an den Vorbereitungen als auch an den dezentralen Aktionen in mehreren St\u00e4dten und an den zentralen Abschlu\u00dfkundgebungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Anl\u00e4\u00dflich der \"M\u00fcnchner Friedenswochen 1987\" hatte ein \"Aufruferkreis\", dem auch die DFG-VK angeh\u00f6rte, unter dem Motto \"Frieden schaffen ohne Waffen -- Die neuen Chancen nutzen!\" zu zahlreichen Veranstaltungen in M\u00fcnchen eingeladen. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodoxkommunistischer Organisationen. Es ist neben der DFU das wichtigste b\u00fcndnispolitische Instrument des kommunistischen \"Friedenskampfes\". Das Komitee verf\u00fcgt weder \u00fcber eine Satzung noch \u00fcber feste Organisationsstrukturen. Zentrales Leitungsgremium ist das \"B\u00fcro\". Ihm geh\u00f6ren f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP, der DFU und der VVN-BdA an. Seit 1982 ist dort die Angeh\u00f6rige des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann t\u00e4tig, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig ist und 1983 zur Vizepr\u00e4sidentin des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) gew\u00e4hlt wurde. Von den 16 Mitgliedern des \"B\u00fcros\" geh\u00f6ren 10 Personen dem WFR direkt oder indirekt \u00fcber ihre Organisationen DFU und 57","VVN-BdA an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Das KFAZ war auch 1987 einer der Tr\u00e4ger der \"Friedensund Abr\u00fcstungskampagne\". Es arbeitete -- wie in den Jahren vorher -- im bundesweiten \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" mit. Zur Information gibt das Komitee \"Rundbriefe\" mit Positionen und Aussagen der \"Friedensbewegung\" heraus, die im Rahmen einer Umgestaltung seit der Ausgabe 6/87 den Namen \"Friedens-Journal\" erhielten. Zus\u00e4tzlich erstellt das KFAZ seit September 1987 einen \"Schnelldienst\" mit aktuellen Informationen und \"Argumentationshilfen\". Von den bayerischen Gruppierungen des KFAZ war die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB-Spartakus, SHB, DFU, DFG-VK, VVN-BdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6ren neben der DKP-Funktion\u00e4rin und Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA Marion Lehmicke weitere Personen an, die Bez\u00fcge zur DKP oder DKP-beeinflu\u00dften Organisationen aufweisen. Die Anschrift des \"BIFAFriedensb\u00fcros\" ist mit der Adresse der M\u00fcnchner DFU-Gesch\u00e4ftsstelle identisch. Die BIFA trat 1987 wiederholt als B\u00fcndnisorganisation im \"M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis\" in Erscheinung. Diesem Zusammenschlu\u00df geh\u00f6ren 13 Organisationen und Initiativen an, darunter die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen VVN-BdA, DFG-VK, M\u00fcnchner Friedensforum sowie die linksextrem beeinflu\u00dften Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF). 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. (VDJ) Die 1972 auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ versuchte auch 1987, Einflu\u00df auf die Innenund Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. In dem erweiterten Bundesvorstand der VDJ arbeiten seit Jahren Angeh\u00f6rige der DKP und DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen mit. Die VDJ ist als nationale Sektion der kommunistisch gesteuerten Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel angeschlossen. Das Programm der VDJ setzt Arbeitsschwerpunkte u.a. in der \"Aufarbeitung des Faschismus in Recht und Justiz\", im Kampf gegen \"Berufsverbote und Neofaschismus\", in der Solidarit\u00e4t mit Ausl\u00e4ndern und auch im Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Aus aktuellem Anla\u00df beteiligte sich die VDJ auch an der Kampagne gegen die Volksz\u00e4hlung. Zum Jahresende 1987 z\u00e4hlte die VDJ im Bundesgebiet noch etwas mehr als 1.000 (1986:1.200) Mitglieder, die in 26 teilweise inaktiven Regionalgruppen organisiert sind. Die bisher in Bayern bekanntgewordenen Regionalgruppen traten 1987 nur in geringem Umfang in Erscheinung. Aus Anla\u00df des 15. Jahrestages ihrer Gr\u00fcndung rief die VDJ ihre Mitglieder und Freunde zur Teilnahme an einer \"Jurist(innen)en-Blockade des Pershing-Il-Lagers\" in Mutlangen am 3. Oktober auf. Dem Aufruf folgten etwa 100 Personen. Die VDJ erkl\u00e4rte hierzu, zur \"Durchsetzung von Grundrechten\" bed\u00fcrfe es auch Aktionen des \"Zivilen Ungehorsams\". 58","2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975/76 mit Unterst\u00fctzung der DKP gegr\u00fcndet. Sie versucht die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP begr\u00fc\u00dft es, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossinnen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". So arbeiten im \"Zentralen Arbeitskreis\", der die DFI-Arbeit auf Bundesebene beschlie\u00dft, seit Jahren Kommunistinnen und Funktion\u00e4rinnen DKPbeeinflu\u00dfter Vereinigungen ma\u00dfgeblich mit. Bundesweit gliedert sich die DFI in rund 130 Ortsgruppen; davon sind etwa 10 zum Teil inaktive Gruppen in Bayern ans\u00e4ssig. Das Publikationsorgan \"Wir Frauen\" erscheint zweimonatlich in einer Auflage von 4.500 Exemplaren. Die Publikation wird bei der DKP-\"Hausdruckerei\" Plambeck & Co. in Neuss hergestellt. Eine der beiden verantwortlichen Redakteurinnen ist Funktion\u00e4rin der DKP. Im Rahmen ihrer B\u00fcndnisarbeit unterst\u00fctzte die DFI vor allem Veranstaltungen und Aktionen \u00f6rtlicher Frauengruppen. So trat die DFI neben dem Frauenarbeitskreis der DKP, der Frauengruppe des MSB Spartakus und der M\u00e4dchengruppe der SDAJ als Mitveranstalterin eines \"Frauenfestes\" zum traditionellen \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz in M\u00fcnchen auf, das von dem Aktionsb\u00fcndnis \"M\u00fcnchner Frauen gemeinsam f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit\" durchgef\u00fchrt wurde und an dem sich etwa 300 Personen beteiligten. In N\u00fcrnberg demonstrierten aus dem gleichen Anla\u00df bereits am 7. M\u00e4rz rund 500 Frauen gegen \"Diskriminierung und Benachteiligung\" der Frauen in der Gesellschaft. Veranstalter war das \"N\u00fcrnberger Frauenb\u00fcndnis\", in dem \u00fcber 20 \u00f6rtliche Frauengruppen mitarbeiten, darunter zahlreiche Funktion\u00e4re und Mitglieder der DKP, SDAJ und DFI. Mit einem \"Frauenfest\" in Oberhausen feierte die DFI am 4. Juli ihr zehnj\u00e4hriges Bestehen. Nach Angaben in der kommunistischen Presse beteiligten sich rund 800 Frauen an der Jubil\u00e4umsveranstaltung. Die Teilnehmerinnen zogen eine positive Bilanz aus ihrer zehnj\u00e4hrigen T\u00e4tigkeit und nannten u.a. als Schwerpunkte den Protest gegen die Einbeziehung von Frauen in die Bundeswehr, die Teilnahme an der \"Aktion Muttertag\" und den \"Kampf gegen den SS218\". Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" trat die DFI \u00fcber die von ihr gegr\u00fcndete und gef\u00fchrte Initiative \"Frauen in die Bundeswehr? Wir sagen Nein!\" auf. Diese Initiative geh\u00f6rt dem bundesweiten \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" an. 2.4.8 \"Die Friedensliste\" Das Personenb\u00fcndnis \"Die Friedensliste\" entstand 1984 auf Betreiben der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften DFL) sowie der Demokratischen Sozialisten (DS). Bundesweit kann sich dieses B\u00fcndnis auf etwa 1.500 Mitglieder st\u00fctzen. In den gew\u00e4hlten Gremien sind die orthodoxen Kommunisten nach wie vor stark vertreten. Dem am 18. November in Leverkusen neu gew\u00e4hlten Bundes59","vorstand geh\u00f6ren 45 Personen an, darunter zahlreiche Mitglieder der DKP oder DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen. Unter den f\u00fcnf Bundessprechern befindet sich je ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes und des DFL)Bundesvorstandes. Einer der beiden Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesb\u00fcros ist Mitglied der DKP. Die \"Friedensliste Bayern\", die in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg jeweils ein B\u00fcro unterh\u00e4lt, ist im Bundesvorstand mit drei Personen vertreten. Die \"Friedensliste\" beteiligte sich 1987 erstmals an einer Bundestagswahl. Sie hatte hierzu bundesweit in fast allen Wahlkreisen Direktkandidaten nominiert und auf die Aufstellung von Landeslisten verzichtet. Von den 44 Wahlkreisbewerbern der \"Friedensliste\" in Bayern geh\u00f6rten 20 Personen der DKP, ihren Nebenorganisationen oder den von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen an. Elf weitere Personen hatten bei fr\u00fcheren Wahlen auf Listen der DKP kandidiert oder waren als Aktivisten f\u00fcr die DKP aufgetreten. Damit waren insgesamt 31 Kandidaten der \"Friedensliste\" (= 70 %) dem orthodox-kommunistischen Spektrum zuzuordnen; unter den DKP-Angeh\u00f6rigen befanden sich zwei Mitglieder des Parteivorstandes der DKP und je vier Vorstandsmitglieder der Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern. Nach dem amtlichen Endergebnis erzielte die \"Friedensliste\" im Bundesgebiet 188.602 g\u00fcltige Erststimmen und damit einen Stimmenanteil von 0,5 %. In Bayern erhielten die Bewerber der \"Friedensliste\" 26.489 Erststimmen (0,4%). Gegen\u00fcber der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 17. Juni 1984, bei der die \"Friedensliste\" bundesweit 313.108 Stimmen (1,3 %) und in Bayern 38.510 Stimmen (1,0 %) erreichen konnte, mu\u00dfte sie bei der Bundestagswahl 1987 somit deutliche Stimmeneinbu\u00dfen hinnehmen. FRIEDENS Pit iRitotksiisit Jum Aktionsschwerpunkt der \"Friedensliste\" war 1987 wiederum der \"Friedenskampf\". So arbeitete sie st\u00e4ndig im \"Koordinierungsb\u00fcro\" der \"Friedensbewegung\" mit und mobilisierte auf regionaler und \u00f6rtlicher Ebene f\u00fcr die \"Friedensdemonstration\" am 13. Juni in Bonn. Als Teil der \"Friedensbewegung\" unterst\u00fctzte sie auch die \"Herbstaktionen\" gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW). Dar\u00fcber hinaus verbreitete die \"Friedensliste\" zahlreiche Brosch\u00fcren, Rundbriefe und Flugbl\u00e4tter zu friedenspolitischen Themen wie \"Pershing 1-A\", \"Null-L\u00f6sung\" und \"INF-Abkommen\". F\u00fcr die in Bayern herausgegebenen Materialien zeichnete zu einem gro\u00dfen Teil der Sprecher der \"Friedensliste\" Nordbayern verantwortlich, der dem DKP-Bezirksvorstand angeh\u00f6rt. 60","Seit Mai steht die Frage nach den Perspektiven der Arbeit der \"Friedensliste\" im Mittelpunkt einer internen Diskussion. In ihrem Rahmen werden grunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen \u00fcber den zuk\u00fcnftigen Charakter des Personenb\u00fcndnisses angestellt. In einem Beitrag hierzu kritisierte ein \"B\u00fcromitglied\" des KFAZ die \"Friedensliste\", weil die Basis sehr \"schmal\" und das Personenb\u00fcndnis beinahe ein \"B\u00fcndnis mit sich selbst\" sei, das aus Kommunisten und \"einigen Personen\" bestehe, die f\u00fcr ihre Zusammenarbeit mit Kommunisten \"bekannt\" seien. In ihrer \"gegenw\u00e4rtigen Anlage\" solle die \"Friedensliste\" bei Wahlen nicht mehr kandidieren. 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Die Neue Linke besteht aus linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der Sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der 60er Jahre hervorgegangen sind. Als Ziel streben die dogmatischen Gruppen der Neuen Linken eine kommunistische Gesellschaft an. Sie lehnen jedoch -- anders als die DKP mit ihren Nebenorganisationen -- den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Das Erscheinungsbild der meisten dieser sog. K-Gruppen war auch 1987 gepr\u00e4gt von mangelnden Aktivit\u00e4ten, Mitgliederschwund, Geldschwierigkeiten, Aufl\u00f6sungserscheinungen und Fusionsverhandlungen untereinander, um den drohenden Zerfall aufzuhalten. Der Zusammenschlu\u00df der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) mit der Gruppe Internationale Marxisten (GIM) zur Vereinigten Sozialistischen Partei (VSP) im Jahr 1986 hat 1987 zu keinem neuerlichen Aufschwung einer Organisation der Neuen Linken gef\u00fchrt. Die VSP geh\u00f6rt jetzt dem Kreis um den BWK und anarchosyndikalistischen Gruppierungen an, deren Ziel es ist, die \"Einheit der revolution\u00e4ren Sozialistinnen und Sozialisten weiter voranzutreiben\". Sie geben deshalb eine \"Gemeinsame Beilage\" zu ihren Publikationen heraus. Dar\u00fcber hinaus haben VSP und BWK 1987 Kommissionen gebildet, die M\u00f6glichkeiten einer Vereinigung der beiden Organisationen pr\u00fcfen. Von den Gruppen der Neuen Linken konnten in Bayern lediglich die Marxistisch-Leninisti sehe Partei Deutschlands (MLPD) und der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) mit seinem Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) ihre Position halten. Eine ernstzunehmende Ausnahmeerscheinung unter den Gruppen der Neuen Linken ist jedoch die Marxistische Gruppe (MG) mit ihren kontinuierlich steigenden Mitgliederzahlen. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken blieben auch 1987 im politischen Tagesgeschehen ohne jede Bedeutung. Sie engagierten sich vorwiegend im Betriebs-, Bildungs-, \"Antifaschismus-\", \"Antiimperialismus-\" und Ausl\u00e4nderbereich. Weitere Themen und Anl\u00e4sse f\u00fcr Aktionen dieser Gruppen waren die \"Kampagne gegen die Volksz\u00e4hlung\", die sie als \"Baustein zur Sicherung des Kapitals\" und zur \"weiteren Unterdr\u00fcckung des Klassenkampfes\" bezeichneten, die Forderung nach \"R\u00fccknahme des AIDSZwangsma\u00dfnahmen-Katalogs der Bayerischen Staatsregierung\", die \"Einmischung\" der USA in den Golfkrieg zwischen Iran und Irak, die \"Tarifpolitik der 61","Monopole\", die Forderung der 35-Stunden-Woche, der Kampf gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), die Gentechnologie sowie die Umweltverschmutzung. An der Bundestagswahl hat sich von den Gruppen der dogmatischen Neuen Linken lediglich die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) beteiligt. Anl\u00e4\u00dflich des 70. Jahrestages der Oktoberrevolution sahen Gruppen der Neuen Linken die wichtigste Aufgabe darin, eine \"revolution\u00e4re\" Massenpartei zu schaffen, die in der Lage ist, durch systematische Kleinarbeit unter den Werkt\u00e4tigen \"alle Illusionen \u00fcber einen Ausweg innerhalb des kapitalistischen Systems zu \u00fcberwinden\". Dabei sei unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr die Schaffung einer neuen Gesellschaft \"der Sturz der Ausbeuterschaft durch die revolution\u00e4re Gewalt der werkt\u00e4tigen Massen\". Die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken, die nach ihren vielfach diffusen Vorstellungen f\u00fcr eine \"gewaltfreie, herrschaftslose Gesellschaft\" k\u00e4mpfen, verfolgen trotz unterschiedlicher \"ideologischer\" Ausrichtung alle als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Seit Jahren treten dabei die \"Autonomen\" st\u00e4rker in den Vordergrund, die Gewalt gegen Personen und Sachen propagieren und praktizieren. Ihre militanten Aktionen richteten sich dabei, wenngleich mit r\u00fcckl\u00e4ufiger Tendenz, vor allem gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), gegen die am Bau von kerntechnischen Anlagen beteiligten Firmen sowie gegen Einrichtungen und Anlagen von Energieversorgungsunternehmen und der Deutschen Bundesbahn. Daneben kam es auch in Bayern zu Solidarit\u00e4tsaktionen \"autonomer\" Gruppen f\u00fcr die Bewohner der Hafenstra\u00dfe in Hamburg. 3.2 Dogmatische Neue Linke 3.2.1 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die aus dem ehemaligen Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene, 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD bezeichnet sich als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in WestBerlin\". Ihr grundlegendes Ziel ist der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse-tung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen L\u00e4ndern\" einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiterklasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die MLPD verf\u00fcgt 62","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke Dogmatische Gruppen Undogmatische Gruppen Marxistisch-Leninistische Organisationen Anarchisten MLPD VSP AB KB BWK MG Autonome AAU AFNB 14 VOLKSAJV ASJG r- KHB FRONT ROTF\u00dcCHSE r ASK\u00d6 - MLSV IVRJ MLBI / -- Nebenorganisationen o> * -- beeinflu\u00dfte Organisationen","1,00 DM 31. Dezember 1987/18. Jahrgang Nr. 52 F 2583 C Proletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch! Rote Fahne Zentralorgan der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands -- MLPD Redaktion: 4300 E.sen 1. Relllnghauser Siralle 334, Posif.cn 1031 12. Telefon: (0201) 259 I I Erschein! \" M \u00dc i \u00fc i S bundesweit \u00fcber mehr als 1.300 Mitglieder. Bayern ist in die MLPD-Bezirke Bayern-S\u00fcd und Franken mit insgesamt ca. 90 Mitgliedern aufgeteilt. Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint w\u00f6chentlich in einer unver\u00e4nderten Auflagenzahl von rund 10.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Dar\u00fcber hinaus verbreitete die MLPD in Bayern 13 verschiedene Betriebsund Stadtzeitungen, die gr\u00f6\u00dftenteils regelm\u00e4\u00dfig erschienen. Die Zeitungen behandelten in ihren Beitr\u00e4gen neben den allgemeinen Themen der MLPD vielfach aktuelle betriebliche und kommunale Probleme wie Entlassungen, \"Arbeitsplatzvernichtung\" oder Umweltverschmutzung durch Betriebe, zu deren L\u00f6sung die MLPD ihre Politik als Alternative anbot. Es erschienen auch Artikel in t\u00fcrkischer und griechischer Sprache. Zur Bundestagswahl hatte die MLPD Landeslisten in allen Bundesl\u00e4ndern und zwei Direktkandidaten in Gelsenkirchen aufgestellt. Nach dem amtlichen Endergebnis erhielt sie insgesamt 13.422 Zweitstimmen, davon 1.607 in Bayern (= jeweils 0,0 %). Die MLPD zeigte sich mit dem Endergebnis zufrieden. Die MLPD habe erstmals bei einer Bundestagswahl kandidiert und zwei von drei Wahlzielen erreicht: Sie sei \"bundesweit bekanntgeworden\" und habe die \"Organisation st\u00e4rken k\u00f6nnen\". W\u00e4hrend des Bundestagswahlkampfes in Bayern hatte die MLPD am 10. Januar in N\u00fcrnberg eine Wahlveranstaltung mit dem Parteivorsitzenden Stefan Engel durchgef\u00fchrt, an der etwa 150 Personen teilnahmen. Neben zahlreichen Informationsst\u00e4nden in ganz Bayen hatte die MLPD in M\u00fcnchen f\u00fcr den 17. und 19. Januar Demonstrationen angemeldet. An beiden Demonstrationen beteiligten sich lediglich knapp 20 Personen. Bei einer Spendensammlung zur Bundestagswahl sollen jedoch nahezu 22.000 Spender rund 617.000,-DM gespendet haben. Hierbei soll nach Angaben der \"Roten Fahne\" insbesondere der MLPD-Bezirk S\u00fcdbayern sein Ziel \"weit \u00fcbertroffen\" haben. Das Zentralkomitee der MLPD beschlo\u00df Ende M\u00e4rz einen Aufruf zur \"KritikSelbstkritik-Kampagne zum III. MLPD-Parteitag\", der f\u00fcr Sommer 1988 geplant ist. Der Parteivorsitzende bezeichnete diesen Beschlu\u00df als \"H\u00f6hepunkt eines ideologisch-politischen Kl\u00e4rungsprozesses\". Er gew\u00e4hrleiste insbesondere den \u00dcbergang von der Bundestagswahl zur neuen taktischen Hauptaufgabe, der \"Betriebs-und Gewerkschaftsarbeit\". Die MLPD habe sich auf die \"Gewin64","nung der Industriearbeiter\" schon durch \"systematische Kleinarbeit in Betrieb und Gewerkschaft\" eingestellt. Neben permanenter Mitgliederwerbung und der \"organisatorisch-ideologischen\" St\u00e4rkung der Partei m\u00fc\u00dften \"alle M\u00f6glichkeiten der Massenagitation und Propaganda\" genutzt werden. In Umsetzung dieses Beschlusses wurden anl\u00e4\u00dflich der Tarifabschl\u00fcsse in der Metallindustrie im April in ganz Bayern vor Gro\u00dfbetrieben die Flugschriften \"Tarifkampf Aktuell\" Nr. 1 und 2 verteilt, in denen zur Urabstimmung und Streik aufgerufen sowie u.a. gefordert wurde: \"Dem provokativen Angebot der Metallarbeitgeber eine gr\u00fcndliche.Abfuhr! Schlu\u00df mit den Verhandlungen! Keinen faulen Kompromi\u00df! Machen wir die Gewerkschaften zu Kampforganisationen!\". Das f\u00fcnfj\u00e4hrige Bestehen der Partei bezeichnete das MLPD-Zentralorgan \"Rote Fahne\" als \"wichtigen historischen Abschnitt im Kampf f\u00fcr ein sozialistisches Deutschland\". Vor Gr\u00fcndung der MLPD habe die westdeutsche Arbeiterklasse wegen der \"revisionistischen Entartung der KPD und der Gr\u00fcndung der DKP als b\u00fcrgerlicher Arbeiterpartei\" vor\u00fcbergehend keine \"revolution\u00e4re Arbeiterpartei\" gehabt. Die MLPD habe gro\u00dfen Fortschritt bei ihren Bem\u00fchungen gemacht, die \"entscheidende Mehrheit der Arbeiterklasse f\u00fcr den Kampf um den Sozialismus\" zu gewinnen. Im Zusammenhang mit dem Streik der Bergarbeiter in S\u00fcdafrika f\u00fchrte die MLPD im August/September eine bundesweite \"Solidarit\u00e4tskampagne\" durch. Bei einer damit verbundenen Spendenaktion sollen nach Angaben im Zentralorgan \"Rote Fahne\" 28.500,-DM eingegangen sein. In den hierzu ver\u00f6ffentlichten Spendenlisten sind fast alle bayerischen MLPD-Standorte vertreten. Aus Anla\u00df des 70. Jahrestages der sowjetischen Oktoberrevolution ver\u00f6ffentlichte das MLPD-Zentralorgan \"Rote Fahne\" am 10. Oktober einen Appell des Zentralkomitees. Darin hei\u00dft es, \"wichtigste Lehre\" der Oktoberrevolution sei die Schaffung einer \"revolution\u00e4ren Massenpartei\", die \"durch systematische Kleinarbeit\" unter den Werkt\u00e4tigen \"alle Illusionen \u00fcber einen Ausweg innerhalb des kapitalistischen Systems\" \u00fcberwinde. Als \"Geburtshelfer\" einer neuen Gesellschaft sei \"der Sturz der Ausbeuterherrschaft durch die revolution\u00e4re Gewalt der werkt\u00e4tigen Massen unausweichlich\". Unter dem Motto \"70 Jahre Oktoberrevolution\" f\u00fchrte die MLPD am 31. Oktober in D\u00fcsseldorf eine zentrale Veranstaltung durch, an der rund 2.700 Besucher teilnahmen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Rede des Parteivorsitzenden Stefan Engel, der die \"weltgeschichtliche Bedeutung\" der Oktoberrevolution besonders hervorhob. Dar\u00fcber hinaus zeigte Engel die Aufgaben auf, die sich heute den marxistischleninistischen Parteien im Klassenkampf stellen. Nebenorganisationen der MLPD sind der Arbeiterjugendverband (MarxistenLeninisten) (AJV) mit der Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE (gemeinsames Publikationsorgan \"Rebell\"). Der AJV soll zur \"Jugendmassenorganisation\" der MLPD ausgebaut werden. Ziel der Kinderorganisation ROTF\u00dcCHSE ist es, \"die Arbeiterkinder f\u00fcr den gemeinsamen Weg der Arbeiteroffensive zu gewinnen, den Marxismus-Leninismus zu erlernen und dabei die f\u00fcr den Kampf um den Sozialismus notwendigen Klasseneigenschaften herauszubilden\". Weitere Nebenorganisationen sind der Marxistisch-Leninistische Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) mit dem Publikationsorgan \"Roter Pfeil\" und der Marxistisch-Leninistische Bund Intellektueller (MLBI). 65","3.2.2 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) Die VSP entstand Ende 1986 aus dem Zusammenschlu\u00df der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) mit der Gruppe Internationale Marxisten-Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM). Die ehemaligen Mitglieder der GIM in der VSP k\u00f6nnen als Einzelmitglieder in der IV. Internationalen verbleiben. Die neue Vereinigung hat nach eigenen Angaben bundesweit ca. 500 Mitglieder. Die VSP wird von einem 32k\u00f6pfigen Zentralkomitee (ZK) und einem aus 12 Mitgliedern bestehenden Politischen B\u00fcro geleitet. In Bayern besteht -- nach dem geschlossenen Austritt der N\u00fcrnberger Gruppe -- nur noch eine Ortsgruppe in M\u00fcnchen mit etwa 10 Mitgliedern. Weitere Mitglieder gibt es noch verstreut in einzelnen Orten. Als Organ der VSP wird die vierzehnt\u00e4gig erscheinende \"Sozialistische Zeitung\" (SoZ) in einer Auflagenh\u00f6he von 2.600 Exemplaren herausgegeben. Theoretisches Organ der Partei soll zuk\u00fcnftig das \"sozialistische Magazin\" mit ca. 3 Ausgaben im Jahr werden. Die VSP bezeichnet sich als \"kleine sozialistische, revolution\u00e4re Partei\" mit dem Ziel einer \"von tats\u00e4chlicher Arbeitermacht gepr\u00e4gten sozialistischen Demokratie\". Es soll eine \"revolution\u00e4re sozialistiche Massenpartei\" geschaffen werden, die die Arbeiterbewegung zur erfolgreichen F\u00fchrung des Klassenkampfes bef\u00e4higen soll, um eine politische Revolution zum Sturz der kapitalistischen Herrschaft und eine Zerst\u00f6rung des Staatsapparates \"von Grund auf\" zu erreichen. Das grundlegende Prinzip der Demokratie, die Gewaltenteilung, sei \"aufzuheben\". Schwerpunkte in der Agitation der VSP waren 1987 die Antifaschismusarbeit, Volksz\u00e4hlungsboykott, Anti-Atom-, Betriebsund Gewerkschaftsarbeit und Frauenthemen. Nach ihrem Selbstverst\u00e4ndnis strebt die VSP die Vereinigung der Kr\u00e4fte der \"revolution\u00e4ren Linken\" an. Sie ist deshalb bestrebt, mit dem BWK und anderen Gruppierungen zu fusionieren. Die VSP bildete daher eine Kommission, die zusammen mit einer von BWK eingesetzten Kommission die daf\u00fcr notwendigen Grundlagen erarbeiten soll. Die 1. ordentliche Delegiertenkonferenz der VSP wurde vom 27. -- 29. November in Wuppertal abgehalten. Die etwa 160 Delegierten diskutierten den Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees (ZK). Dabei r\u00fcgten sie dessen \"Entscheidungsschw\u00e4chen\" und kritisierten die mangelnde Integration der Mitglieder in die neue Partei. Die Konferenz beschlo\u00df deshalb eine \"zentralisierende Kampagne\", die alle Mitglieder und Arbeitsbereiche der Partei erfassen m\u00fcsse. Die Frage der \"internationalistischen Ausrichtung\", insbesondere die Verbindungen zur trotzkistischen \"Vierten Internationale\" sowie die angestrebte Vereinigung mit dem BWK soll ab sofort auch in den VSP-Ortsgruppen er\u00f6rtert werden. Von den VSP-beeinflu\u00dften Autonomen Sozialistischen Jugendgruppen (ASJG) (gebildet aus der Kommunistischen Jugend Deutschlands (KJD) und der Revolution\u00e4r-Sozialistischen Jugend -- Roter Maulwurf -- RSJ) gingen 1987 bundesweit fast keine Aktivit\u00e4ten mehr aus. Das Publikationsorgan \"radi- k a l \" wird deshalb auch zur Zeit nicht mehr herausgegeben. 66","3.2.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der AB, 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstanden, beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\" damit, da\u00df die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkraiburg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. In Bayern hat der AB etwa 100 Mitglieder. Die Leitung des AB erfolgt durch das Zentralkomitee, das seinen Sitz in M\u00fcnchen hat. Im Bildungsbereich wird der AB von seiner Nebenorganisation Kommunistischer Hochschulbund (KHB) unterst\u00fctzt. Der KHB ist zusammen mit der von ihm beeinflu\u00dften \"Liste st\u00e4rkt den AStA\" (LISA) bzw. \"Liste Demokratischer AStA\" (LDA) an den bayerischen Hochschulen aktiv. Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie erscheint in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden mit einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsveriag\" in M\u00fcnchen. 1987 erschienen lediglich eine Normalausgabe und etliche Flugschriften. Zum Thema \"AIDS\" gab die Redaktion der KAZ eine umfangreiche Informationsbrosch\u00fcre heraus. Nach wie vor nimmt der AB innerhalb der dogmatischen Neuen Linken in Bayern eine herausgehobene Position ein. Er f\u00fchrte jedoch 1987 nur wenige Veranstaltungen unter seinem Namen durch. Bei seinen Propagandaaktionen konnte er sich auch auf das von ihm beeinflu\u00dfte Regensburger Soldatenkomitee (RSK) st\u00fctzen, das -- ebenso wie der ADS --, eine Zeitschrift \"R\u00fchrt Euch\" herausgibt. Agitationsschwerpunkte des AB waren neben der permanenten \"Antifaschismus-Kampagne\" die Bundestagswahl, der Kampf gegen das Programm der Bayerischen Staatsregierung zur Bek\u00e4mpfung der Immunschw\u00e4chekrankheit AIDS und die Volksz\u00e4hlung. F\u00fcr die Durchf\u00fchrung von Veranstaltungen zu diesen Themen benutzte der AB auch 1987 verst\u00e4rkt seine beeinflu\u00dften Organisationen. Von einzelnen eigenen Veranstaltungen abgesehen, agierte der AB haupts\u00e4chlich aus dem Hintergrund. Zur Bundestagswahl gab der AB die Losung \"Gegen Regierung und Kapital! Im Betrieb und \u00fcberall!\" heraus und empfahl, die SPD zu w\u00e4hlen. Im Rahmen seiner Agitation gegen den Ma\u00dfnahmenkatalog der Bayerischen Staatsregierung zur Bek\u00e4mpfung der Immunschw\u00e4chekrankheit AIDS f\u00fchrte der AB im M\u00e4rz und April Stra\u00dfenkundgebungen mit dem Titel \"Seuchendoktor Strau\u00df -- Kundgebung mit Kunstcharakter\" durch. Dabei wurden Flugbl\u00e4tter \"Die Bayerische Staatsregierung ist schlimmer als jede Seuche\" verteilt, 67","gegen die das Amtsgericht M\u00fcnchen am 20. M\u00e4rz einen Beschlagnahmebeschlu\u00df erlassen hatte, da diese Flugbl\u00e4tter bereits in der \u00dcberschrift eine in der politischen Auseinandersetzung nicht mehr gerechtfertigte Schm\u00e4hkritik gegen\u00fcber Mitgliedern der Bayerischen Staatsregierung enthielten. Herausgeber dieser Flugbl\u00e4tter war u.a. das Anti-Strau\u00df-Komitee, eine vom AB stark beeinflu\u00dfte Organisation. Unter der Parole \"Heraus in Massen! Gegen Regierung und Kapital!\" veranstaltete der AB in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg sowie in mehreren St\u00e4dten au\u00dferhalb Bayerns eigene Mai-Feiern. In M\u00fcnchen fand aus diesem Anla\u00df ein Aufzug statt, an dem sich rund 260 Personen beteiligten. Zur Demonstration der \"Friedensbewegung\" am 13. Juni in Bonn verbreitete der AB Flugbl\u00e4tter mit der Schlagzeile \"La\u00dft Euch nicht verkohlen\". Zugleich rief er zur Teilnahme an der Demonstration auf. Das 100 m lange Transparent mit dem Motto \"Der Hauptfeind steht im eigenen Land\", das AB-Anh\u00e4nger bereits anl\u00e4\u00dflich der \"Friedensdemonstration\" am 10. Oktober 1981 in Bonn mitgef\u00fchrt hatten, wurde abermals verwendet. Erneut setzte sich der AB f\u00fcr Belange der Ausl\u00e4nder ein. In Publikationen und mit Aktionen wandte er sich gegen die angebliche Ausl\u00e4nderfeindlichkeit. Er agitierte dabei mit den Schlagzeilen \"Kein Herz f\u00fcr Ausl\u00e4nder\" und \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit -- das ist Arbeiterfeindlichkeit!\". Unter diesem Motto setzte der AB einen eigenen Arbeiterbildungsabend an. In seiner Propaganda gegen die angebliche Ausl\u00e4nderfeindlichkeit konnte sich der AB auch auf den von ihm beeinflu\u00dften \"Aktionsausschu\u00df gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammellager\" st\u00fctzen. Im Rahmen seiner Betriebsarbeit verbreitete der AB zahlreiche Betriebszeitungen und Flugbl\u00e4tter, in denen er sich mit Themen befa\u00dfte wie \"Wir z\u00e4hlen die Reichen und ihr Geld!\", \"38 sind zuviel -- deshalb Streik am 8. April!\", \"Werkschutz schn\u00fcffelt\". Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der gegen den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten gerichteten Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgaben, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Heute bestehen noch Anti-Strau\u00df-Komitees in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand ist sowohl in M\u00fcnchen mit etwa 40 als auch in Regensburg mit rund 50 Personen unver\u00e4ndert. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag in einer Auflage von rund 3.000 Exemplaren hergestellt wird. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1987 den AB insbesondere bei Aktionen gegen den \"Faschismus\", den Bundestagswahlkampf, AIDS, Volksz\u00e4hlung sowie in der Agitation gegen den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten. In der Nacht vom 10./11. Januar wurden im Stadtgebiet von Tirschenreuth 20 Plakatst\u00e4nder der 68","CSU mit Plakaten \u00fcberklebt, auf denen der Bundeskanzler, der Bayerische Ministerpr\u00e4sident und der Bundesminister des Innern als \"politische Gewaltt\u00e4ter\" bezeichnet und der \"Vorbereitung und F\u00fchrung eines Krieges gegen das Volk\" bezichtigt wurden. Als Herausgeber dieser Plakate zeichnete presserechtlich das ASKo und die vom Kommunistischen Hochschulbund (KHB) beeinflu\u00dfte \"Liste st\u00e4rkt den AStA\" (LISA) verantwortlich. Die beleidigenden Plakate waren erstmals im Juni 1986 in Regensburg aufgetaucht. Seither wurden sie in mehreren bayerischen und au\u00dferbayerischen St\u00e4dten verbreitet. Zum Thema \"F\u00fcr unser Widerstandsrecht\" veranstalteten das ASKo sowie ein \"Tr\u00e4gerkreis aus AKWund WAW-Gegnern\" am 24. Januar in M\u00fcnchen einen Aufzug mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung. An der Veranstaltung beteiligten sich rund 1.600 Personen, darunter Teilnehmer aus verschiedenen bayerischen St\u00e4dten. Die Transparente trugen Aufschriften wie \"Gegen den Polizeistaat\", \"R\u00fccknahme der Anti-Terror-Gesetze\" und \"Nie wieder Faschismus -- nie wieder Krieg -- stoppt Strau\u00df\". Vor, w\u00e4hrend und nach der Demonstration nahm die Polizei mehrere Personen wegen Sachbesch\u00e4digung, Beleidigung und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte fest. In einem Ermittlungsverfahren gegen den presserechtlich Verantwortlichen der Brosch\u00fcre \"Recht ist, was Strau\u00df n\u00fctzt\", erlie\u00df das Amtsgericht M\u00fcnchen am 25. Februar einen Beschlagnahmebeschlu\u00df. Die vom ASKo herausgegebene Brosch\u00fcre befa\u00dfte sich mit vermeintlichen \"Rechtsbr\u00fcchen der CSU im Jahre 1986\". Sie enthielt beleidigende \u00c4u\u00dferungen gegen\u00fcber dem Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten und dem ehemaligen Staatsminister des Innern. Im Zusammenhang mit der Er\u00f6rterung eines Ma\u00dfnahmenkataloges der Bayerischen Staatsregierung zur Bek\u00e4mpfung der Immunschw\u00e4chekrankheit AIDS wurden Ende M\u00e4rz in Bayern und in anderen Teilen des Bundesgebietes die bereits erw\u00e4hnten Flugbl\u00e4tter verbreitet, in denen f\u00fcr eine Protestveranstaltung gegen \"AIDS-Zwangsma\u00dfnahmen\" am 4. April in M\u00fcnchen geworben wurde. Als Herausgeber war auf dem Flugblatt u.a. das ASKo genannt. Bis zu 5.000 Personen beteiligten sich an dem Aufzug am 4. April, der unter dem Motto \"R\u00fccknahme der AIDS-Zwangsma\u00dfnahmen\" in M\u00fcnchen durchgef\u00fchrt wurde. Neben einer \"Aktion Wehrt Euch\", die zusammen mit dem ASKo als Anmelderin der Versammlung in Erscheinung getreten war, hatten zu der Veranstaltung u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus und die VVN-BdA aufgerufen. Das ASKo-Flugblatt \"Gegen AIDS gibt es Kondome, gegen die Bayerische Staatsregierung nicht!\" wurde im Oktober wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole vom Amtsgericht M\u00fcnchen beschlagnahmt. Mit einer Flugblattaktion forderte das ASKo \"sofortiges Asyl f\u00fcr die 14 Chilenen\". Bei diesen Chilenen handelt es sich um Angeh\u00f6rige der chilenischen linksextremistischen Organisation \"Movimiento de Izquierda Revolucionara\" (MIR), die in Chile inhaftiert sind und wegen der ihnen zur Last gelegten Straftaten mit der Todesstrafe rechnen m\u00fcssen. Angeh\u00f6rige des ASKo warfen dabei am 1. August in M\u00fcnchen vom 1. Stock des Hauptbahnhofes Flugbl\u00e4tter in die Schalterhalle sowie von der Aussichtsplattform eines Kirchenturms in die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone. Wegen der Schlagzeilen \"Strau\u00df macht gemeinsame Sache mit faschistischen Folterknechten!\", \"Ein Faschist darf nicht l\u00e4nger die Politik in der BRD bestimmen\", \"Stoppt Strau\u00df\", wurden Strafverfahren eingeleitet. 69","Eine weitere dem Einflu\u00df des AB unterliegende Organisation ist die Initiative f\u00fcr die Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend (IVRJ). Ortsgruppen bestehen in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen, die dritte in Bayern bestehende Ortsgruppe nennt sich Demokratischer Jugendzirkel Regensburg. Ihr Publikationsorgan ist die \"K\u00e4mpfende Jugend\", die auch dem AB als Werbetr\u00e4ger dient. Die IVRJ unterst\u00fctzte 1987 den AB insbesondere in seiner Agitation zu den Themen \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", Arbeitslosigkeit, AIDS und in der Polemik gegen die Polizei. So f\u00fchrte die IVRJ Mitte Februar im N\u00fcrnberger Stadtteil Gostenhof mehrere Aufz\u00fcge durch, die sich gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" richteten. An den Aufz\u00fcgen, die von einer Schalmeienkapelle mit Trommler begleitet wurden, nahmen jeweils zwischen 10 und 20 Personen teil. Die mitgef\u00fchrten Transparente trugen Aufschriften wie \"Nicht der ausl\u00e4ndische Kollege nimmt mir die Arbeit, sondern das Kapital\" und \"Nicht Rasse gegen Rasse, sondern Klasse gegen Klasse\". Unter dem Motto \"Arbeit gibt es genug\", veranstaltete die IVRJ vom 9. bis 14. M\u00e4rz in M\u00fcnchen sechs Aufz\u00fcge in Form einer \"Picket-line\", an denen sich jeweils bis zu 30 Personen beteiligten. Auf den mitgef\u00fchrten Plakaten wurde die Arbeitslosigkeit angeprangert und gegen das \"Kapital\" agitiert. 3.2.4 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1971 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Ende des Jahres 1987 geh\u00f6rten dem KB im Bundesgebiet unver\u00e4ndert etwa 400 Mitglieder an. Die Mehrzahl seiner Aktivisten ist in Hamburg organisiert. In Bayern befindet sich nach Eigenangaben in N\u00fcrnberg ein Organisationsschwerpunkt. Die ehemaligen KB-Kontaktstellen M\u00fcnchen und W\u00fcrzburg zeigten 1987 keine Aktivit\u00e4ten; auch wurden sie in den verschiedenen KB-Publikationen nicht genannt. Seinen Einflu\u00df innerhalb der Gruppen der Neuen Linken konnte der KB nicht weiter ausbauen. 1987 wurden ideologische Spannungen im KB bekannt, deren Gr\u00fcnde in den Diskussionen \u00fcber das \"Sozialverst\u00e4ndnis\" und die Haltung gegen\u00fcber dem \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zu finden sind. In Beitr\u00e4gen im KB-internen \"Organisations-Bulletin\" Nr. 48 ist vom \"Kampf zweier Linien\", von einem \"Machtkampf\", von notwendiger \"Ausgrenzung\" die Rede. Jahrelang habe es im KB ein vertr\u00e4gliches Miteinander zweier unterschiedlicher Orientierungen gegeben. Ein \"pragmatischer\" marxistisch-leninistisch orientierter Fl\u00fcgel habe versucht, die \"Krise der Organisation\" mit \"Abwarten auf bessere Zeiten und formalen Reorganisationsversuchen\" zu bew\u00e4ltigen. Der andere Fl\u00fcgel habe sich um \"inhaltliche Neugestaltung\" bem\u00fcht. Dessen Anh\u00e4nger werfen den \"Pragmatikern\" nun vor, sie h\u00e4tten die \"Koexistenz\" aufgek\u00fcndigt und einen \"Linienkampf um die Reinheit des Marxismus-Leninismus\" er\u00f6ffnet. Die Monatszeitung \"Arbeiterkampf\" (AK) wird in einer Auflagenh\u00f6he von 4.800 Exemplaren vertrieben und erscheint regelm\u00e4\u00dfig. Darin agitierte die KBGruppe N\u00fcrnberg besonders gegen den Bau der WAW und rief mehrmals zu 70","\"Herbstaktionen in Wackersdorf\" auf. Auch der \"AIDS-Ma\u00dfnahmenkatalog\" der Bayerischen Staatsregierung wurde polemisch interpretiert. 3.2.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Der 1980 von ehemaligen Angeh\u00f6rigen des Kommunistischen Bundes Westdeutschland (KBW) in Hannover gegr\u00fcndete BWK bekennt sich in seinem Programm zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Die Mitgliederzahl des BWK blieb 1987 mit insgesamt etwa 400 im Bundesgebiet konstant. Publikationsorgan ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politischer Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1987 unver\u00e4ndert 1.300 St\u00fcck. Auf seiner 7. Delegiertenkonferenz am 20./21. Februar in K\u00f6ln verabschiedete der BWK ein neues Statut. Darin bekr\u00e4ftigte er seine Absicht, die \"proletarische Parteibildung\" weiter voranzutreiben. Er bef\u00fcrwortete dazu den Aufbau \"volksfrontartiger Organisationen\" und das Zusammenwirken mit \"antifaschistischen\", \"antimilitaristischen\" und \"antiimperialistischen\" Gruppen. Der BWK strebt eine Vereinigung mit der VSP an. Dazu hat er eine Kommission eingesetzt, die zusammen mit einer von der VSP gebildeten Kommission, die daf\u00fcr notwendigen Grundlagen erarbeiten soll. Die Aktionsschwerpunkte des BWK waren 1987 die Atom-, Lohn/Tarifund Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. In Bayern beschr\u00e4nkte sich die T\u00e4tigkeit des BWK auf die Verbreitung der Zeitschrift \"Politische Berichte\". Die Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT), ehemals von der im Oktober 1986 aufgel\u00f6sten KPD beeinflu\u00dft, wurde 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf war ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. In der VOLKSFRONT sind nunmehr vor allem Mitglieder des BWK und der VSP (ehemalige KPD-Angeh\u00f6rige) organisiert, wobei der BWK inzwischen eine dominierende Rolle spielt. Die VOLKSFRONT ist somit jetzt eine BWKund VSP-beeinflu\u00dfte Organisation, marxistisch-leninistisch orientiert, mit bundesweit etwa 750 Mitgliedern. Sie verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet. Publikationsorgan der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das im zweimonatlichen Rhythmus erscheint. Daneben gibt die VOLKSFRONT die Publikation \"Antifaschistische Nachrichten\" heraus. Unter dem Motto \"Faschisierung -- was ist das? Aktuelle Aufgaben des antifaschistischen Kampfes\" f\u00fchrte die VOLKSFRONT am 16717. Mai in K\u00f6ln einen Kongre\u00df durch, an dem etwa 200 Personen teilnahmen. Bemerkenswert dazu ist, da\u00df neben Mitgliedern des BWK und der VSP auch Anh\u00e4nger der undogmatischen Neuen Linken teilnahmen. 71","3.2.6 Marxistische Gruppe (MG) Die MG, die Ende der 60er Jahre aus den \"Roten Zellen\" hervorgegangen ist, nimmt innerhalb der Gruppen der Neuen Linken eine Sonderstellung ein. Sie ist gekennzeichnet durch hierarchischen Aufbau, straffe Disziplin, intensive Schulung der Mitglieder, strenge Abschirmung des Verbandslebens und entspricht insoweit einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation. Programmatisch lehnt sie jedoch den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ab. Die MG bek\u00e4mpft die \"Demokratie\" als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und tritt daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung daf\u00fcr sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wolle. Das Bekenntnis der MG zur sozialistischen Revolution schlie\u00dft auch die Anwendung von revolution\u00e4rer Gewalt als Mittel zur Durchsetzung politischer Ziele ein. Um die Revolution im Sinne der MG zu lenken, sei es erforderlich, die Schaltstellen des Staates und des Kapitals (Industrie) mit \"eigenen Leuten\" besetzt zu haben. Der \"Marsch durch die Institutionen\" in Staat und Wirtschaft ist somit weiterhin erkl\u00e4rtes MG-Ziel (siehe 6. Abschnitt 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst.) Die MG konnte ihre Vormachtstellung innerhalb der Neuen Linken in Bayern weiter ausbauen. Ihre Mitgliederzahl stieg auf ca. 700 (1986: 600). Bundesweit verf\u00fcgt sie \u00fcber 1.800 (1986 1.700) Mitglieder. Dar\u00fcber hinaus konnte sich die MG in Bayern auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen st\u00fctzen, die fest in die MG eingebunden sind, Beitr\u00e4ge entrichten und Schulungen (Sympathisantenplena) besuchen. Sie findet ihre Anh\u00e4nger \u00fcberwiegend unter Studenten und Angeh\u00f6rigen akademischer Berufe. Der organisatorische Schwerpunkt der MG liegt in Bayern. Hier bestehen Gruppen in Bamberg, Erlangen/N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Bayreuth, F\u00fcrth, Ingolstadt und Schweinfurt bekannt. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden\" des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Organisatorisch praktiziert die MG einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangt die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge, Spenden und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"MSZ -- Marxistische Streitund Zeitschrift -- Gegen die Kosten der Freiheit\" und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Einzelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG f\u00fchrt den Titel \"Resultate\". Agitationsschwerpunkte der MG waren 1987 die Bundestagswahl, die Volksz\u00e4hlung sowie die neue Politik der Sowjetunion unter Gorbatschow. Daneben 72","Veranstaltungen des Fachschaftssprechers Philosophie Harald Kuhn (MARXISTISCHE GRUPPE) im Wintersemester (bis Weihnachten) An der Universit\u00e4t, mittwochs, jeweils 17.00 Uhr Student und Gesch\u00e4ft Die B\u00f6rse und ihr Krach Der Kapitalismus stellt die Vertrauensfrage Kann so ein System sich verspekulieren? Audimax. Mittwoch. 4.11.1987.17.00 Uhr Student und Korruption: Barschel ist totdie Demokratie lebt aufda stimmt doch was nicht! Warum die Politik ihren Kredit nicht verliert HS. 201. Mittwoch. 11.11.1987.17.00Uhr student und Fortsehritt: HighTech-CentechnologieWeltraumfahrt 3 Menschheitsaufgaben f\u00fcr eine imperialistische Mission Audimax, Mittwoch. 25.11.1987.17.00 Uhr Student und Golf krieg: NATO-Expedition f\u00fcr die Freiheit der Meere Das V\u00f6lkerrecht in Aktion Audimax. Mittwoch. 2.12.1987.17.00 Uhr im Schwabinger Br\u00e4u an der M\u00fcnchner Freiheit 70 Jahre Sowjetunion Was hat die Oktoberrevolution an der Welt ver\u00e4ndert? Donnerstag. 12.11.1987.19.00 Uhr Die Arbeitslosigkeit Keiner will sieJeder beklagt siewozu gibt es Sie dann? Donnerstag. 10.12.1987.19 Uhr V i.SJ.P .H.Kuhn Leopoldstra\u00dfe 1 5. 80O0 Munchen 40, Faoh'l-'CreK-\" 10 Oruch MHBGmbH. Amalienslr 67. 8000 M\u00fcnchen 4IJ","befa\u00dfte sich die MG auf zahlreichen \"teachin's\" und \u00f6ffentlichen Versammlungen noch mit Themen wie \"Innere Sicherheit 1987 -- Die Demokratie heiligt die Mittel oder das Recht ist die politische Waffe der Regierung\", \"Null-L\u00f6sung. Reagan vertr\u00e4gt sich mit dem Reich des B\u00f6sen. Umgekehrt auch. Dem Frieden soll man trauen?\", \"Arbeitslosigkeit -- Eine Kritik am Kapitalismus? Bei uns doch nicht!\", \"Die B\u00f6rse und ihr Krach: Der Kapitalismus stellt die Vertrauensfrage. Kann so ein System sich verspekulieren?\", \"Barschel ist tot -- die Demokratie lebt auf -- da stimmt doch was nicht!\" und \"70 Jahre Sowjetunion -- Was hat die Oktoberrevolution an der Welt ver\u00e4ndert?\". Hauptbet\u00e4tigungsfelderwaren wiederum die Hochschulen, wo sie 1987 ihren Einflu\u00dfbereich weiter ausbauen konnten, und die Betriebsarbeit. Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1987 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchte die MG erneut, in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck hat die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Agitationsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger \"wissenschaftlich\". In der MAZ behandelt die MG neben tagespolitischen auch spezielle Themen wie \"Lohnt sich Leistung?\", \"Sonntagsarbeit\", \"Steuerreform -- immer wieder derselbe Zirkus\", \"Der Fall Rheinhausen -- Allgemeine Sympathie f\u00fcr demonstrierende Stahlarbeiter -- da mu\u00df doch was faul sein!\" und \"Die Tarifrunde 88 f\u00e4llt (fast) aus\". Die Bundestagswahl war Thema zahlreicher \u00f6ffentlicher Diskussionsveranstaltungen. Unter dem Titel: \"Keine Wahl! -- Das sichere Ergebnis: Ein Volk -- eine F\u00fchrung!\", f\u00fchrte die MG \u00f6ffentliche Veranstaltungen in Bamberg, Erlangen, N\u00fcrnberg, Regensburg und Schweinfurt durch. Hierbei vertrat die MG ihren bekannten Standpunkt, da\u00df Wahlen \u00fcberhaupt nichts \u00e4nderten. Einen Tag nach der Bundestagswahl wurden in M\u00fcnchen mehrere MG-Angeh\u00f6rige von der Polizei angetroffen, die Wahlplakate verschiedener Parteien mit folgenden Aufklebern versahen: \"Hallo Stimmvieh -- ihr habt gew\u00e4hlt, wir haben die Macht, so war's gedacht. Vergelt's Gott. Gezeichnet eure Regierung nebst Opposition\". Zum Thema Volksz\u00e4hlung kritisierte die MG in einem Flugblatt sowohl den Staat als auch Gegner der Volksz\u00e4hlung. Nach MG-Meinung m\u00fcsse man sich entscheiden, ob man jetzt gegen den eh und je schon praktizierten Umgang demokratischer Machthaber mit politischen Abweichlern sein will oder gegen die Volksz\u00e4hlung. F\u00fcr die MG sei die Volksz\u00e4hlung lediglich eine Inventur, bei der die Obrigkeit ihre Untertanen nachz\u00e4hlt. Die neue Reformpolitik der Sowjetunion unter Generalsekret\u00e4r Gorbatschow war f\u00fcr die MG Thema zahlreicher \u00f6ffentlicher Diskussionsveranstaltungen. Am 12. M\u00e4rz verfolgten in M\u00fcnchen etwa 1.200 Zuh\u00f6rer die MG-Ausf\u00fchrungen zum Thema: \"Unglaubliches aus Moskau: die Russen wollen sich \u00e4ndern. Warum eigentlich?\" Hierzu vertrat die MG die Meinung, da\u00df die \"russische Wende\" mehr eine Erziehungskampagne sei und nicht mit einer Demokratisierung verwechselt werden k\u00f6nne. Durch die selbstbewu\u00dfte Reform w\u00fcrde es zwar ein gesellschaftliches Umdenken geben, andererseits w\u00fcrde der Westen aber darin best\u00e4rkt, da\u00df die Feindbildstrategie rechtens sei. 74","\u00d6ffentliche Diskussionsveranstaltung der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) 70 Jahre Sowjetunion Was hat die Oktoberrevolution an der Welt ver\u00e4ndert? Ort: Schwabinger Br\u00e4u, U-Bahn M\u00fcnchner Freiheit Zeit: Donnerstag, 12.11.1987,19.00 Uhr 75","Im Zusammenhang mit den Abr\u00fcstungsverhandlungen der beiden Gro\u00dfm\u00e4chte fanden im Juni \u00f6ffentliche Diskussionsveranstaltungen in Bamberg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg statt. Nach MG-Meinung fehlt dem Westen jeglicher Abr\u00fcstungswille. Unter dem Motto: \"Null-L\u00f6sung, Reagan vertr\u00e4gt sich mit dem Reich des B\u00f6sen. Umgekehrt auch. Dem Frieden soll man trauen?\" fand am 15. Oktober in M\u00fcnchen erneut eine MG-Veranstaltung zu diesem Thema statt. Hierin vertrat die MG vor ca. 1.100 Besuchern ihre langj\u00e4hrige Theorie vom \"Vorkriegsstadium\". Die MG vertritt dabei den Standpunkt, da\u00df der 3. Weltkrieg, trotz der Abr\u00fcstungsbem\u00fchungen der beiden Gro\u00dfm\u00e4chte unausweichlich sei und die Bev\u00f6lkerung nur in einer Art Vorkriegszustand lebe. Den Vereinigten Staaten von Amerika und der Bundesrepublik Deutschland wird dabei unterstellt, da\u00df sie fest entschlossen seien, diesen Krieg zu f\u00fchren. Damit versucht die MG bewu\u00dft, die Bev\u00f6lkerung zu verunsichern und Kriegs\u00e4ngste zu sch\u00fcren. Auch zum Jahresende war die Lage in der Sowjetunion beherrschendes MGThema. \"70 Jahre Sowjetunion -- was hat die Oktoberrevolution an der Welt ver\u00e4ndert?\" lautete die Frage auf Veranstaltungen in M\u00fcnchen (1.000 Besucher), N\u00fcrnberg (400) und Regensburg (100). Der \"Gipfel von Washington -- Entwarnung oder vorl\u00e4ufiger H\u00f6hepunkt der R\u00fcstungskonkurrenz?\" war Thema f\u00fcr Veranstaltungen der MG in M\u00fcnchen, Erlangen und Regensburg. Die MG-Meinung bleibt trotz aller Abr\u00fcstungsverhandlungen unver\u00e4ndert: \"Der Weg zum n\u00e4chsten Weltkrieg ist mit lauter solchen Vereinbarungen gepflastert. Und da soll man sich f\u00fcr Nancy Reagans Friedensplan und f\u00fcr Gorbatschows Image interessieren oder gar an eine neue Entspannung glauben!\" Bei den Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane der Hochschulen kandidierte die Marxistische Gruppe unter ihrem eigenen Namen, wobei sie bei den Wahlen nur ein Ziel verfolgt: \"Das Privileg gew\u00e4hlter Studentenvertreter, in Uni-R\u00e4umen zu sagen, was sie zu sagen haben. Dieses Vorrecht nutzen wir mit unseren Diskussionsveranstaltungen hemmungslos aus, einen gew\u00e4hlten Fachbereichsrat zu haben, erspart uns einen Extra-Zank mit dem Ordnungsrecht\". An den Hochschulen in Erlangen/N\u00fcrnberg und in M\u00fcnchen ist die MG im Konvent vertreten. 3.3 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.3.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologischen Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontaneit\u00e4t, Autonomie und \"Selbstorganisation der Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen Befreiung\". Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staats76","und Gesellschaftsordnung. Als Mittel zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele fordern sie vielfach \"gewaltfreien\" oder gewaltt\u00e4tigen Widerstand. Dabei wird das Widerstandsrecht als \"Gegengewalt\" aus der \"strukturellen Gewalt\" des Staates abgeleitet und legitimiert. Innerhalb der undogmatischen Neuen Unken konnte 1987 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Andere Gruppen dagegen verloren weiter an Einflu\u00df. Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.3.2 \"Autonome\" Gruppen Etwa ab 1975 bildeten sich vor allen Dingen an den Hochschulen in der Bundesrepublik immer mehr undogmatische Gruppen. Diese lehnten eine marxistisch-leninistische Konzeption ab und traten f\u00fcr Autonomie, Selbstorganisation der \"Unterdr\u00fcckten\" und f\u00fcr Spontanit\u00e4t eigener Gef\u00fchls\u00e4u\u00dferungen, f\u00fcr Aktionen ein, die \"mehr aus dem Bauch heraus\" als \"aus dem Kopf\" kommen sollten. Diese Entwicklung wurde beg\u00fcnstigt durch das Entstehen der \"neuen sozialen Bewegungen\" (wie z.B. Alternativbewegung, Frauenbewegung, \u00d6kologiebewegung), die versuchten, \"am Rande, in Nischen und auf Inseln, das Modell einer sanften, solidarischen, \u00f6kologisch ausgeglichenen und demokratischen Zivilisation aufzubauen\". Zu diesen f\u00fchlten sich die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken an den Universit\u00e4ten hingezogen. Ende der 70er Jahre traten dann in der norddeutschen Anti-Atomkraft-Bewegung, meist uniform in schwarzes Leder gekleidet, die ersten \"Autonomen\" als Tr\u00e4ger radikaler -- militanter Widerstandsformen auf. 1980 begann der \"H\u00e4userkampf\", die \"Hausbesetzerbewegung\" breitete sich in der Folgezeit in der ganzen Bundesrepublik aus. Neben dem H\u00e4userkampf bestimmten zu Beginn der 80er Jahre Startbahn West und Anti-AKW-Bewegung die Auseinandersetzungen der \"Autonomen\" mit dem Staat. Von 1982 bis 1985 befand sich die \"autonome\" Bewegung nach eigenen Angaben in einem Tief. Der \"Tschernobyl-Effekt\" lie\u00df sie jedoch in neuer \"St\u00e4rke\" erstehen. Das Fehlen von ausgepr\u00e4gten Hierarchien und der damit einhergehenden Befehlsstrukturen ist ein Wesensmerkmal \"Autonomer\". Alle Entscheidungen von politischer Tragweite werden von allen Mitgliedern einer Gruppe getroffen. Es gibt zwar Abstimmungen, diese dienen jedoch lediglich zur internen Entscheidungsfindung. Die dabei durchgef\u00fchrten Diskussionen verlaufen langwierig, an ihrem Ende stehen nur selten verbindliche Beschl\u00fcsse. Ein Merkmal ihrer antistaatlichen Grundhaltung ist die Ablehnung des Parlamentarismus und der ihn tragenden Parteien. Ziel der \"Autonomen\" ist die Errichtung einer \"herrschaftslosen gewaltfreien Gesellschaft\", wozu es notwendig sei, \"diesen Staat zu zerschlagen\". Um dieses Ziel zu erreichen, propagieren die \"Autonomen\" nicht nur Gewalt, sondern wenden sie auch an. Der Satz \"Es ist leider eine Illusion, da\u00df dieser Staat gewaltfrei beseitigt werden kann\", hat auch nach den Morden an zwei Polizeibeamten an der Startbahn West des 77","Flughafens Frankfurt am Main in gro\u00dfen Teilen der autonomen Gruppen seine G\u00fcltigkeit behalten. Die Taktik der \"Autonomen\" besteht darin, da\u00df sie sich zun\u00e4chst \"Freir\u00e4ume\" und \"Widerstandsnester\" erk\u00e4mpfen und den \"Kampf gegen das System unberechenbar und flexibel f\u00fchren\" wollen, um damit \"die Angreifbarkeit\" des Staates aufzuzeigen. Dies soll vornehmlich erreicht werden durch die Wahl von Themen, die es erm\u00f6glichen, den als allt\u00e4glichen \"Einpunkt-Widerstand\" bezeichneten Kampf als Teil eines breiten gesellschaftlichen \"Widerstandes\" auszugeben. Die politischen Themen reichen von Umweltschutz oder Frauenemanzipation \u00fcber Anti-AKW-Kampagnen, Anti-Militarismus-Kampagnen oder Antifaschismus-Kampagnen bis hin zu Sympathiebekundungen f\u00fcr Terrorgruppen und terroristische Aktivit\u00e4ten. Die unterschiedliche Wahl der Themen ist auf die fehlende Homogenit\u00e4t der \"Autonomen\" zur\u00fcckzuf\u00fchren. Als ein Beispiel daf\u00fcr mag ein Interview stehen, das in N\u00fcrnberg anl\u00e4\u00dflich \"6 Jahre autonomer Kampf in N\u00fcrnberg\" von einem Szeneblatt gef\u00fchrt wurde. Auf die Frage: \"Welche Ziele verfolgt ihr mit eurer Politik?\" antworten drei Personen aus einer Gruppe: -- \"Eine herrschaftsfreie Gesellschaft\". -- \"Wir wollen soziale Revolution, R\u00e4tekommunismus, eine kommunistische Gesellschaft. Wir haben jedoch andere Vorstellungen vom Kommunismus, als die momentan in den real existierenden sozialistischen L\u00e4ndern verwirklichten\". -- \"Endg\u00fcltig verwirklicht sind unsere Ziele und Vorstellungen aber wohl erst nach der Abschaffung des imperialistisch-kapitalistischen Weltsystems. Unser Kampf richtet sich nicht nur gegen den Kapitalismus hier. Die Solidarit\u00e4t mit dem Befreiungskampf der Dritten Welt ist integraler Bestandteil unseres Kampfes hier gegen den Kapitalismus.\" Wo es notwendig erschien, breitere Aktionsb\u00fcndnisse mit gem\u00e4\u00dfigten Gruppen einzugehen, geschah dies z.B. bei Gro\u00dfdemonstrationen. \"Autonome\" lassen sich aber in der Regel auf keine Diskussionen dar\u00fcber ein, ob dabei auch gewaltt\u00e4tige Aktionen durchgef\u00fchrt werden sollen. In Bayern bestehen \"autonome\" Zusammenschl\u00fcsse in Augsburg, Coburg, Erlangen, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die unter Bezeichnungen wie \"Anti-NATO-Gruppe\", \"Infoladen-Gruppe\", \"Basisgruppe\", \"AntiWAA-Gruppe\", \"Prolos\" und \"Jobbergruppe\", teilweise aber auch ohne Namen auftreten. Dabei handelt es sich vielfach um spontane und lose, nach au\u00dfen jedoch abgeschottete Zusammenschl\u00fcsse ohne einheitliches Konzept. Seit Ostern 1986 haben sich auch im Oberpf\u00e4lzer Raum \"autonome\" Gruppen zusammengeschlossen. Anleitung und Unterst\u00fctzung erhalten sie von den \"autonomen\" Gruppen aus M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Erlangen. Das Potential der \"Autonomen\" betr\u00e4gt unter Einbeziehung weiterer loser Zusammenschl\u00fcsse gegenw\u00e4rtig in Bayern etwa 300 Personen. Schwerpunkte sind die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/Erlangen sowie der Oberpf\u00e4lzer Raum. Angeh\u00f6rige \"autonomer\" Gruppen haben sich auch 1987, wenn auch mit r\u00fcckl\u00e4ufiger Anzahl und Militanz, an Aktionen gegen die WAW beteiligt. Aufgrund der Erkenntnis, da\u00df die Zeit der \"gro\u00dfen Feldschlachten\" wegen der \u00dcber78","macht des \"Staatsapparates\" vorbei sei und keine \"Massenmilitanz\" gro\u00dfer Bev\u00f6lkerungsteile entwickelt werden k\u00f6nne, ging diese Szene dazu \u00fcber, \"direkte Aktionen\" in den Vordergrund zu stellen. Gemeint sind damit Angriffe gegen verantwortliche Firmen, Institutionen und Planungsb\u00fcros sowie Einzelpersonen. Aufgrund der Fahndungserfolge der Polizei sowie einer erh\u00f6hten Sensibilisierung der \u00d6ffentlichkeit gingen diese Anschl\u00e4ge 1987 zur\u00fcck. Die \"schmerzhafte\" Einsicht, da\u00df militanter Aktionismus, der 1986 einen H\u00f6hepunkt erlebte, an die \"Grenzen staatlicher Gewalt\" gesto\u00dfen ist und die Erkenntnis, da\u00df dumpfe \"systemfeindliche Position\", \"Wut und Ha\u00df\" allein nicht ausreichen, um eine \u00fcberzeugende revolution\u00e4re Perspektive zu begr\u00fcnden, f\u00fchrte im \"autonomen\" Spektrum zur Verunsicherung. Verst\u00e4rkt wurde diese durch die Ermordung von zwei Polizeibeamten am 2. November an der Startbahn West in Frankfurt am Main. Der Tod der Polizeibeamten wird in weiten Kreisen der \"Autonomen\" zwar nicht bedauert, jedoch die \"Vermittelbarkeit\" der Tat angezweifelt. Au\u00dferdem rechnen sie mit einer wesentlichen \"Versch\u00e4rfung\" des Demonstrationsrechtes, vor allem im Zusammenhang mit dem Vermummungsverbot. Militante \"Autonome\" versuchten dieser Entwicklung mit einer Reihe von Diskussionsveranstaltungen sowie Thesenpapieren entgegenzuwirken. Neben einer Kl\u00e4rung verschiedener Ans\u00e4tze und Ziele sollen dabei die M\u00f6glichkeiten \"Wie wir zusammen k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, denn Spaltungen schw\u00e4chen uns alle\" er\u00f6rtert werden. An erw\u00e4hnenswerten Aktivit\u00e4ten \"autonomer\" Gruppen im Jahre 1987 sind zu nennen: An einer unangemeldeten Protestdemonstration gegen den geplanten Bau des Rangierbahnhofes M\u00fcnchen-Allach am 23. Mai nahmen etwa 220 Personen teil, darunter 20 Anh\u00e4nger der \"autonomen\" Szene. Die Demonstranten zogen auf das Rodungsgel\u00e4nde und begannen dort provisorische H\u00fctten zu bauen. An der H\u00fctte der \"Autonomen\" wurde ein Transparent mit der Aufschrift: \"Besucht den Forst -- leistet Widerstand\" und \"Platzbesetzung\" mit Anarchozeichen, geballter Faust sowie ein roter und schwarzer Stern angebracht. An den Ausschreitungen am 11. und 12. Juni in Berlin, die sich gegen den Besuch des Pr\u00e4sidenten der USA, Ronald Reagan, richteten, beteiligten sich auch \"autonome\" Gruppen und Sympathisanten aus Bayern. Unter den etwa 300 Festgenommenen bzw. in Verwahrung genommenen Personen waren 22 aus Bayern, davon sechs aus M\u00fcnchen. Um ihre Solidarit\u00e4t mit den Bewohnern der Hafenstra\u00dfe in Hamburg zum Ausdruck zu bringen, beteiligten sich Anh\u00e4nger \"autonomer\" Gruppierungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg an der Besetzung von R\u00e4umlichkeiten der SPD und in W\u00fcrzburg an der Besetzung einer leerstehenden Kinderklinik. Dabei wurden Transparente gezeigt mit den Aufschriften \"Keine R\u00e4umung der Hafenstra\u00dfe no pasaran\" und \"schafft 2, 3, viele Hafenstra\u00dfen\". Auch ein RAF-Stern war zu sehen. In einer gemeinsamen Diskussionsveranstaltung der \"Autonomen\" und des Kommunistischen Bundes (KB) N\u00fcrnberg zum Thema \"10 Jahre Deutscher Herbst\" am 25. November im KOMM in N\u00fcrnberg wurde u.a. vorgebracht, da\u00df 79","bis jetzt noch nicht feststehe, ob Baader, Meinhof und Ensslin 1977 in der JVA Stammheim tats\u00e4chlich Selbstmord begangen h\u00e4tten. Ein Redner \u00e4u\u00dferte den Verdacht, da\u00df die \"Erschie\u00dfung\" von Polizeibeamten an der Startbahn West in Frankfurt am Main \u00e4hnlich wie die \"Morde\" in Stammheim vom Staat \"eingef\u00e4delt\" worden sein k\u00f6nnte. Die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Anh\u00e4ngern der \"Alternativbewegung\" getragen wird, wurde von Gruppen der undogmatischen Neuen Linken stark angegriffen. Ihr wurde vorgeworfen, da\u00df sie wegen ihres kommerziellen Denkens die \"Linke Sache\" verraten haben. Ausl\u00f6ser hierf\u00fcr war die ablehnende Berichterstattung der taz \u00fcber Pl\u00e4ne der \"Autonomen\", bei den Herbstaktionen gegen die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf anstatt der durchgef\u00fchrten Gro\u00dfdemonstration in Wackersdorf eine Demonstration in Amberg durchzuf\u00fchren. 3.3.3 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) Die AAU entstand 1985 aus dem Zusammenschlu\u00df der \"Anarchistischen F\u00f6deration S\u00fcdbayern\" (AFS) und der \"Freien Arbeiter Union\" (FAU). Die rund 20 Mitglieder der AAU orientieren sich weitgehend an der autonomen Szene in M\u00fcnchen und nehmen auch an den Aktionen dieser Kreise teil. 3.3.4 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFNB) Die 1986 in Bamberg gegr\u00fcndete AFNB, der sich Gleichgesinnte aus Aschaffenburg, Bamberg, Regensburg und W\u00fcrzburg anschl\u00f6ssen, f\u00fchrte 1987 einige Veranstaltungen durch, die in der \u00d6ffentlichkeit jedoch kaum Beachtung fanden. Die von der Bamberger Gruppe herausgegebene Schrift \"Der Leichenfledderer\" erschien 1987 nicht mehr. Der AFNB d\u00fcrften rund 25 Personen angeh\u00f6ren. 3.4 Linksextreme Schriften Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Neuen Linken haben Publikationen, die auch \u00fcber terroristische Aktionen informieren und Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und ihres Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu die Zeitschrift \"freiraum\" sowie der in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden erscheinende \"Informationsdienst M\u00fcnchen\". Die Zeitschrift \"freiraum\" ver\u00f6ffentlichte 1987 wiederholt Artikel, in denen zur Begehung von Straftaten aufgefordert wird oder Straftaten gebilligt werden. Aus den Beitr\u00e4gen ist ersichtlich, da\u00df es den Verfassern in erster Linie darum geht, die Zielvorstellungen und Anschlagst\u00e4tigkeit militanter Gruppen einem m\u00f6glichst gro\u00dfen Interessentenkreis zu vermitteln. So enthielt die Ausgabe \"Bayerischer Fr\u00fchling 87\" des \"freiraum\" eine Selbstbezichtigung der \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) zu dem Sprengstoffanschlag auf die Zentrale Sozialhilfe80","stelle f\u00fcr Asylbewerber am 2. Februar in Berlin. Ferner war ein Tatbekenntnis \"Anarchistischer Zellen\" abgedruckt, in dem aufgefordert wird, den Widerstand gegen die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf in \"entschiedener H\u00e4rte\" fortzuf\u00fchren. In der Ausgabe \"freiraum -- Sommer 1987\" Nr. 18 wurde unter der \u00dcberschrift \"im Blickfeld: autonome Zellen\" ein Interview mit drei Angeh\u00f6rigen wiedergegeben, die sich u.a. zu dem Anschlag am 24. April 1986 auf die Pumpstation der NATO-Pipeline in Vollersode in Niedersachsen und zu dem \"Angriff\" vom 15. Februar 1987 auf einen Versorgungszug der US-Armee bei Achim im Raum Bremen bekannten. Au\u00dferdem war eine Selbstbezichtigung der RZ zum Anschlag auf die Umspannstation der Rheinisch-Westf\u00e4lischen Elektrizit\u00e4tswerke bei Kelsterbach am 16./17. Juni abgedruckt. Im \"freiraum\" Nr. 19, mit dem Untertitel \"Herbst 87\" wurde u.a. zur Teilnahme an der Demonstration am 17. Oktober in Stuttgart anl\u00e4\u00dflich des 10. Jahrestages der Selbstmorde inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter in Stuttgart-Stammheim aufgerufen. Im Text wurde behauptet, da\u00df diese Personen in der JVA ermordet worden seien. In dieser Ausgabe waren auch Selbstbezichtigungen verschiedener \"autonomer\" Gruppen enthalten. Die erw\u00e4hnten \"freiraum\"-Ausgaben wurden beschlagnahmt und es wurde jeweils ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ende Juli/Anfang August erschien die Nr. 133 der Druckschrift \"radikal\". Verbreitet wurde die Schrift u.a. mit willk\u00fcrlich gew\u00e4hlten Absenderangaben von im Bundesgebiet wohnenden Personen. Als Kontaktadresse war, wie schon bei der vorhergehenden Nummer, die Anschrift der niederl\u00e4ndischen Publikation \"BLUF\" in Amsterdam angegeben. Die Beitr\u00e4ge befa\u00dften sich u.a. mit den Ausschreitungen in Berlin anl\u00e4\u00dflich des Besuchs des amerikanischen Pr\u00e4sidenten sowie mit Aktionen gegen Kernkraftwerke. Die Schrift bringt eine Anleitung zur Herstellung eines Brandsatzes, ferner eine Skizze \"revolution\u00e4rer Heimwerker\" zur Besch\u00e4digung von Strommasten. Zu den zahlreich ver\u00f6ffentlichten Selbstbezichtigungen geh\u00f6ren alleine 8 Erkl\u00e4rungen der \"Revolution\u00e4ren Zellen\". 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Anti-AKW-Bewegung\" 4.1 Allgemeines Die friedliche Nutzung der Kernenergie und die damit verbundenen Probleme der Entsorgung und Endlagerung waren schon in fr\u00fcheren Jahren wiederholt Anla\u00df f\u00fcr bundesweite Protestaktionen von Kernkraftgegnern. Die Entscheidung der Betreiberfirma, eine Wiederaufarbeitungsanlage f\u00fcr abgebrannte Brennelemente in Wackersdorf (WAW) zu errichten, f\u00fchrte zu einer Verlagerung der gegen Kernkraftwerke gerichteten Aktivit\u00e4ten vom norddeutschen Raum (Grohnde, Brokdorf und Gorleben) nach Bayern. An den Protestaktionen der \"Anti-AKW-Bewegung\" beteiligten sich 1987 aus dem orthodoxkommunistischen Spektrum -- mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t -- die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentinnenund Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus), die Deutsche Friedens-Union (DFU), die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), die Deut81","sehe Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK), der Sozialistische Hochschulbund (SHB), die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) und das N\u00fcrnberger Friedensforum. Die DKP und vielfach auch die von ihr beeinflu\u00dften Gruppierungen begr\u00fcnden ihre ablehnende Haltung im wesentlichen damit, da\u00df die WAW den .Griff zur Atombombe\" erm\u00f6gliche. Das Vorgehen der \"Atommafia\" erfordere das \"gemeinsame Handeln aller Gegner der Atomwaffenfabrik\", das nach Auffassung der DKP in der \"B\u00fcndnisbreite und Aktionskraft\" der \"Herbstaktionen\" seinen Niederschlag gefunden habe. Die DKP kritisierte ferner die Entscheidung des Bayerischen Verfassungsgerichtshofs, der am 14. August die Zulassung eines Volksbegehrens \u00fcber den Bau der WAW abgelehnt hatte. Die DKP-Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern bezeichneten das Urteil als \"emp\u00f6renden Angriff\" auf bestehendes demokratisches Recht. Der Spruch liege auf der \"CSU-Linie\", notfalls nachtr\u00e4glich die \"Rechtslage\" den \"illegalen Absichten der Atomlobby\" anzupassen. Dies alles sei ein Grund mehr, die au\u00dferparlamentarischen Aktionen fortzusetzen. An der \"Anti-AKW-Bewegung\" beteiligten sich neben den orthodoxen Kommunisten auch Gruppierungen der dogmatischen und undogmatischen Neuen Linken. Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) sieht in der WAW ein Gro\u00dfprojekt, das gegen den entschiedenen Widerstand der Bev\u00f6lkerung durchgezogen werden solle. Die Errichtung der WAW ist f\u00fcr die MLPD Teil der atomaren Aufr\u00fcstungspl\u00e4ne des \"imperialistischen Systems\" der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb fordert sie zum aktiven Widerstand statt symbolischer Aktionen auf. Auch die linksextrem beeinflu\u00dfte Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) wendet sich gegen die Errichtung der WAW mit der Argumentation, die WAW sei energiepolitisch und waffentechnologisch ein entschiedener Schlu\u00dfbaustein f\u00fcr die schon laufenden Kriegsvorbereitungen. Das vom Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) beeinflu\u00dfte Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) sieht in der \"Plutoniumfabrik\" in Wackersdorf den \"vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt der Wiederbewaffnung\" der Bundesrepublik Deutschland. Haupttr\u00e4ger der aggressiven Militanz gegen die Errichtung der WAW in Wort und Tat waren nach wie vor Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken, die aus einer anarchistischen Zielsetzung heraus \"die bestehenden Herrschaftsstrukturen zerschlagen\" wollen. Das gr\u00f6\u00dfte Potential in diesem Bereich stellen nach wie vor die Angeh\u00f6rigen sogenannter \"autonomer\" Gruppen dar, die in zahlreichen, oft nur kurzlebigen, aktionsbezogenen Zusammenschl\u00fcssen agieren und in ihren Aktionen, die in Bayern in erster Linie gegen die WAW und deren Zulieferfirmen gerichtet sind, Gewalt gegen Personen und Sachen offen propagieren und praktizieren. Die Hoffnung der \"Autonomen\", \"durch Massenmilitanz das Atomprogramm zu \u00fcberrennen\", ging jedoch nicht in Erf\u00fcllung. In einem von Gruppen der \"Autonomen\" ver\u00f6ffentlichten Artikel mit der \u00dcberschrift \"Situation der Autonomen in der Anti-AKW-Bewegung\" hei\u00dft es hierzu: \"Unter uns Autonomen hat sich ein Begriff von Militanz entwickelt, der sich eher der Logik der Gewaltfrage unterordnet als unseren Utopien von sozialer GEGEN-Macht\". Die von den B\u00fcrgerinitiativen veranstaltete Demonstration am 10. Oktober von Wackersdorf zum Bauzaun lehnten die Autono82","men mit der Begr\u00fcndung \"Weg vom Zaun -- rein in die Zentren\" ab. Deshalb wiederholten sich die schweren Ausschreitungen von 1986 in diesem Jahr nicht. Dennoch blieb der \"Anti-WAA-Kampf\" auch am WAW-Zaun Bestandteil des Kampfes der \"Autonomen\" gegen das \"kapitalistische System\". 4.2 Einzelf\u00e4lle Im Rahmen der Vorbereitung der \"Osterm\u00e4rsche\" propagierte die Landeskonferenz der bayerischen \"Anti-AKW-Initiativen\" (LAKO), in der auch Linksextremisten mitarbeiten, einen \"Waldspaziergang in Wackersdorf\". Diesem Aufruf folgten etwa 5.000 Personen. Von einigen Zwischenf\u00e4llen abgesehen wiederholten sich die schweren Ausschreitungen der Osterfeiertage 1986 nicht. In der Nacht zum 20. April wurden f\u00fcnf Fahrzeuge der Polizei besch\u00e4digt, als etwa 40 zum Teil vermummte militante WAW-Gegner mit Steinen gegen eingesetzte Kr\u00e4fte vorgingen. In derselben Nacht wurden auch Stra\u00dfen mit Baumst\u00e4mmen und Kr\u00e4henf\u00fc\u00dfen blockiert. Anl\u00e4\u00dflich des Jahrestages des Reaktorunfalls in Tschernobyl (26. April 1986) beteiligten sich am 25726. April bundesweit mehr als 25.000 AKW-Gegner an einer Vielzahl von Kundgebungen und sonstigen Protestaktionen, die zum Teil von \"B\u00fcndnissen\" unter Einschlu\u00df linksextremer Gruppierungen initiiert worden waren. Die Schwerpunkte lagen am 25. April in Berlin (West), Hamburg und N\u00fcrnberg. Am 26. April fanden Demonstrationen am Bauzaun der WAW und auf dem Wackersdorfer Marktplatz statt. Hierbei beteiligten sich \u00fcber 4.000 AKW-Gegner, von denen rund 2.000 das WAW-Gel\u00e4nde \"umzingelten\". Gegen Abend wurden aus einer Menge von mehreren hundert Demonstranten heraus vereinzelt Steine geworfen und S\u00e4geversuche am Bauzaun unternommen. An Demonstrationsz\u00fcgen und Kundgebungen vor Niederlassungen einer ma\u00dfgebend am Bau beteiligten Firmengruppe in Berlin, Erlangen, Offenbach und M\u00fchlheim/Ruhr beteiligten sich am 2. Mai im Rahmen eines \"bundesweiten Aktionstages\" der \"Anti-AKW-Bewegung\" insgesamt 2.000 Personen, darunter Anh\u00e4nger autonomer anarchistischer Gruppen und anderer Kr\u00e4fte der Neuen Linken. In den hierzu verbreiteten Aufrufen wurde behauptet, die Firmengruppe stehe f\u00fcr die \"Entwicklung und Weiterf\u00fchrung des bundesdeutschen Atomprogramms\", f\u00fcr \"Hunger, Verelendung und Ausbeutung der Dritten Welt\" und erm\u00f6gliche die \"bundesdeutsche Atombombenproduktion\". Es kam zu Farbschmierereien (z.B. \"Kampf der Atommafia\"), vereinzelt zu Angriffen auf die eingesetzten Polizeibeamten und zu Sachbesch\u00e4digungen an Polizeifahrzeugen. Bei der Veranstaltung in Erlangen, die st\u00f6rungsfrei verlief, geh\u00f6rte zu den Rednern der Kundgebung auch ein Sprecher aus den Reihen der \"Autonomen\". In einem in M\u00fcnchen, Regensburg und Wackersdorf verbreiteten anonymen Flugblatt wurden \"alle Nachtschw\u00e4rmer, Widerst\u00e4ndler, B\u00fcrger, Chaoten, Arbeiter und die anderen Unbeugsamen\" unter dem Motto \"Wir munkeln im Dunkeln gegen die Dunkelm\u00e4nner der Kernenergie-Mafia\" zu einem \"Nachtspaziergang gegen die WAA\" am 24. Juli am Bauzaun der WAW aufgerufen. Das regionale \"autonome\" Spektrum der Oberpfalz hatte intern f\u00fcr die Aktion mo83","bilisiert, an der sich bis zu 500 Personen beteiligten. Aus der Menschenmenge heraus wurden vereinzelt Steine in Richtung der eingesetzten Polizeikr\u00e4fte geworfen; die WAW-Gegner besch\u00e4digten au\u00dferdem die Zaunbeleuchtung und versuchten, ein Tor aufzuhebein. An einem weiteren unter dem Motto \"Feuerwerk am Bauzaun -- schlaflose N\u00e4chte f\u00fcr die Bullen\" angek\u00fcndigten \"Nachtspaziergang\" am WAW-Gel\u00e4nde beteiligten sich am 19. September etwa 400 Kernkraftgegner, darunter knapp 100 -- gr\u00f6\u00dftenteils militante -- Autonome aus verschiedenen St\u00e4dten. Vereinzelt wurden pyrotechnische Gegenst\u00e4nde abgebrannt und Steine \u00fcber den Bauzaun geworfen. Bei einer Absuche des Gel\u00e4ndes fanden die Polizeibeamten Sturmhauben, Eisens\u00e4gen und zahlreiche pyrotechnische Gegenst\u00e4nde. Unter dem Motto \"Herbstaktionen gegen den atomaren Wahnsinn -- gemeinsam gegen die WAA\" fanden vom 8. bis 10. Oktober in der Oberpfalz mehr als 20 Veranstaltungen in Form von Informationsst\u00e4nden, Aufz\u00fcgen, Stra\u00dfentheatern, simulierten Katastrophenschutz\u00fcbungen, Fahrradstafetten, Mahnwachen, Trauerm\u00e4rschen und Kundgebungen statt, die sich gegen die WAW richteten und insbesondere der Mobilisierung von Atomkraftgegnern f\u00fcr die Gro\u00dfkundgebung am 10. Oktober dienten. Als Koordinator der \"Herbstaktionen\" trat ein aus 20 Organisationen und Initiativen bestehender Tr\u00e4gerkreis auf, dem u.a. \"Autonome\" und orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte \"Friedensinitiativen\" angeh\u00f6rten. Zur Gro\u00dfveranstaltung am 10. Oktober versammelten sich rund 25.000 Personen auf dem Volksfestplatz in Wackersdorf. Unter den Teilnehmern befanden sich Mitglieder und Anh\u00e4nger von DKP, SDAJ, VSP, ASKo und BIFA sowie \"Autonome\" und militante Kernkraftgegner aus dem gesamten Bundesgebiet und aus \u00d6sterreich. Bereits w\u00e4hrend der Veranstaltung wurden Flugbl\u00e4tter verteilt, die Verhaltensma\u00dfregeln f\u00fcr die Teilnahme an dem anschlie\u00dfend geplanten \"Marsch zum Bauzaun\" enthielten, obwohl dieser verboten war. F\u00fcr die Flugbl\u00e4tter zeichnete der DKP-Kreisvorsitzende von Regensburg verantwortlich. Nach der Kundgebung, die st\u00f6rungsfrei verlief, setzten sich entgegen dem vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigten Verbot des Landratsamts Schwandorf zwei gr\u00f6\u00dfere Bl\u00f6cke in Richtung auf das WAW-Gel\u00e4nde in Bewegung. In einem der Aufz\u00fcge wurden mehrere Transparente mitgef\u00fchrt, darunter eines mit der Aufschrift \"Wir sind die wilden Horden, wir wollen pl\u00fcndern und morden\". Auf einem anderen sichergestellten Transparent mit Anarchostern stand in RAF-Diktion die Parole: \"Niemals vor der Dimension der eigenen Ziele zur\u00fcckschrecken: Im Kampf um Befreiung revolution\u00e4re Gegenmacht entwickeln! Die WAA verhindern\". In den fr\u00fchen Nachmittagsstunden waren am Baugel\u00e4nde etwa 5.000 bis 6.000 Personen angelangt, die st\u00e4ndig in beiden Richtungen das Areal umrundeten. In dieser Menschenmenge tauchten immer wieder militante AKW-Gegner in kleinen Gruppen oder Einzelpersonen auf, die Wurfgeschosse gegen Polizeibeamte schleuderten oder S\u00e4geversuche am Zaun unternahmen. Da die Polizei keine gr\u00f6\u00dferen Ansammlungen duldete, konnten sich auch die Militanten nicht zu gr\u00f6\u00dferen Gruppen formieren. Es blieb daher bei spontanen Kleinaktionen der Gewaltt\u00e4ter, deren Zahl zwischen 100 und 200 lag. Bei den Eins\u00e4tzen am Baugel\u00e4nde wurden insgesamt 33 Polizeibeamte verletzt. Die Polizei nahm vom 4. bis 10. Oktober 320 Personen vorl\u00e4ufig fest. F\u00fcr 17 von ihnen liegen extremistische Erkenntnisse vor. 84","Der Aktionsrahmen und ein Aufrufvorschlag f\u00fcr die \"Herbstaktionen\" waren von der \"Anti-AKW-Bewegung\" in Zusammenarbeit mit Oberpf\u00e4lzer B\u00fcrgerinitiativen erarbeitet und beschlossen worden. Die Bundeskonferenz (Buko) der \"Anti-AKW-Bewegung\" vom 16. bis 18. Januar 1987 im Kommunikationszentrum (KOMM) in N\u00fcrnberg hatte bei der Vorbereitung der \"Herbstaktionen\" eine initiierende und koordinierende Funktion. An dieser Konferenz, die urspr\u00fcnglich im Herbst 1986 in Regensburg stattfinden sollte, damals jedoch verboten wurde, beteiligten sich Personen aus dem gesamten linksextremen Spektrum von gewaltfreien Initiativen bis hin zu militanten autonomen Gruppierungen. Der offiziellen Buko ging am Freitag abend (16. Januar) eine Debatte \u00fcber die Neufassung der \"Anti-Terror-Gesetze\" voraus. Am Samstagvormittag (17. Januar) fand eine weitere Veranstaltung zum Thema \"Die neuen Anti-Terror-Gesetze und ihre Anwendung auf die Anti-AKW-Bewegung\" in N\u00fcrnberg statt. Bei einem abschlie\u00dfenden Demonstrationszug zum KOMM bildeten unter den bis zu 1.500 Teilnehmern etwa 100 mit Sturmkappen vermummte Personen einen festen Block. Die Buko selbst begann dann am Samstag mittag mit der Bildung von mehreren Arbeitsgruppen, die sich mit der Beratung von Themen wie \"Kriminalisierung\", \"Strukturen in der Anti-AKW-Bewegung\" und \"Verh\u00e4ltnis des au\u00dferparlamentarischen Anti-AKW-Kampfes zur Bundestagswahl\" befa\u00dften. \u00dcber dem Eingang zum KOMM war ein Plakat mit der Aufschrift \"Gemeinsam im Kampf f\u00fcr die Zusammenlegung der Gefangenen der RAF\" angebracht. Dar\u00fcber befand sich eine schwarze Fahne mit einem f\u00fcnfzackigen roten Stern, dem Zeichen der \"Anarcho-Syndikalisten\". Im Eingangsraum des KOMM war ein Transparent gespannt, das die Aufschrift trug: \"Den Sprung von der spontanen Bewegung zur revolution\u00e4ren Kraft einleiten. Die militante Debatte organisieren und durchsetzen.\" Im Zusammenhang mit der Buko wurden im KOMM zahlreiche Flugbl\u00e4tter und Brosch\u00fcren verbreitet, darunter auch terroristisches Schriftgut wie z.B. die Untergrundzeitschrift \"Zusammen k\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\" Nr. 8 vom Oktober 1986, die Selbstbezichtungsschreiben zu dem Mord der RAF an Dr. von Braunm\u00fchl sowie zu Anschl\u00e4gen der Militanten der RAF enth\u00e4lt. In einem Beitrag der ebenfalls im KOMM festgestellten Zeitschrift \"graswurzelrevolution\" hei\u00dft es: \"Ich habe mich als gewaltfreier Anarchist am Aufbau einer der zur Zeit entstehenden .S\u00e4gefisch'-Gruppen beteiligt. Wir haben einen Hochspannungsmasten umges\u00e4gt. Ich verstehe diese Aktion als gewaltfrei.\" Das zun\u00e4chst vom Verwaltungsgericht Ansbach und vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Korrektur eines beh\u00f6rdlichen Verbots unter Auflagen zugelassene Treffen der Buko im KOMM wurde in der Nacht zum Sonntag (18. Januar) vom Verwaltungsgericht Ansbach wieder untersagt, weil die Veranstalter eine Reihe von Auflagen nicht erf\u00fcllt hatten. So lehnten die Veranstalter die namentliche Benennung der Leiter der Arbeitsgruppen ab. Einige dieser Gruppen befa\u00dften sich unter der Bezeichnung \"Schraube\" bzw. \"S\u00e4ge\" mit dem \"L\u00f6sen\" bzw. \"Ums\u00e4gen\" von Strommasten, einer Form des \"Widerstandes\", dem die militante Anti-Atombewegung besondere Bedeutung beimi\u00dft. Nach Bekanntgabe des endg\u00fcltigen Verbots durch den VGH am Sonntagmorgen wurde die Buko durch den Veranstalter beendet. 85","5. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 5.1 Allgemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden verfassungsfeindlichen Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen kommunistische und kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen, Komitees und sonstige Vereinigungen ins Leben und beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nichtextremistischen Gruppierungen und Initiativen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in den verschiedensten Lebensbereichen zum Ausdruck bringen wollen. Die \"Friedensbewegung\" ist keine homogene \"Bewegung\". Sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl von Gruppierungen, die sich in ihrer ideologischen Einstellung, in ihrer Organisation, in Taktik und Zielsetzung und vor allem in ihrer Haltung zur Frage der Gewaltanwendung nicht nur unterscheiden, sondern teilweise sogar kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehen. Nach diesen Merkmalen k\u00f6nnen die Gruppierungen der \"Friedensbewegung\" unter Ber\u00fccksichtigung des linksextremen Einflusses in zwei gro\u00dfe Lager zusammengefa\u00dft werden, und zwar in den \"traditionellen\" und den \"autonomen/unabh\u00e4ngigen\" Fl\u00fcgel. Der traditionelle Fl\u00fcgel, dessen Organisatoren vielfach orthodox-kommunistische Positionen vertreten, war mit etwa 100.000 st\u00e4ndigen Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet wie in den Vorjahren der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Block. Er besteht in erheblichem Umfang aus der DKP, ihren Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen und dem gr\u00f6\u00dften Teil der linksextrem beeinflu\u00dften \"Friedensinitiativen\". Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" insgesamt waren nach wie vor die DKP, ihre Nebenorganisationen SDAJ, MSB Spartakus und JP sowie die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFU, DFG-VK und VVN-BdA. Die Aktionen der orthodoxen Kommunisten in der \"Friedensbewegung\" waren Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte Weltfriedensrat (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus mehr als 130 L\u00e4ndern an. Aus der Bundesrepublik Deutschland sind dies die DFU und die VVN-BdA als kollektive Mitglieder sowie verschiedene Einzelpersonen wie z.B. das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZB\u00fcros Martha Buschmann, die 1983 in den Kreis der Vizepr\u00e4sidenten des WFR gew\u00e4hlt wurde, und der ehemalige Bundesvorsitzende der DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Klaus Mannhardt. In seinem Aktionsprogramm f\u00fcr 1987 rief der WFR \"alle am Frieden interessierten Gruppen, Organisationen und Bewegungen zu einem offenen Dialog auf\" und betonte, da\u00df mit \"anhaltenden, verst\u00e4rkten und breiten Aktionen auf die nukleare Abr\u00fcstung und die vollst\u00e4ndige Beseitigung aller Atomwaffen\" hinzuarbeiten sei. Im Mittelpunkt seiner Agitation standen deshalb die Forderungen nach Einstellung der Nuklearversuche und Nichtbeteiligung am Programm der Strategischen Verteidigungs-Initiative (SDI).. Aufgrund straffer Organisation und Parteidisziplin, ausreichender finanzieller Mittel und einer jahrelangen Erfahrung im Organisieren, auch von Gro\u00dfveranstaltungen, ist die DKP mit ihrem Umfeld jederzeit in der Lage gem\u00e4\u00df den von 86","der KPdSU vorgegebenen Leitlinien Gro\u00dfaktionen zu planen und durchzuf\u00fchren sowie Teilnehmer an Aktionen zu mobilisieren. Auch 1987 sah das DKPSpektrum in der Mobilisierung zu Massenaktionen wie Aufm\u00e4rschen, Kundgebungen und Demonstrationen die wirksamste Waffe im \"Friedenskampf\" und setzte dabei auf eine qualitative Verbreiterung der \"Friedensbewegung\" durch verst\u00e4rkte Einbeziehung demokratischer und kirchlicher Gruppen. Gewaltsame Ausschreitungen wurden vermieden. Der Protest des orthodox-kommunistisch orientierten traditionellen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" richtete sich 1987 im wesentlichen gegen die \"Militarisierung des Weltraums\", gegen die \"Stationierung von Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland\" und gegen die \"Atomtests der USA\". Ab Mitte des Jahres warb der traditionelle Fl\u00fcgel der \"Friedensbewegung\" f\u00fcr die Unterzeichnung eines Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion zur Beseitigung atomarer Mittelstreckenraketen (INF-Abkommen). Deutlich abgesetzt von diesem Spektrum besteht ein autonom/unabh\u00e4ngiger Fl\u00fcgel, dem neben anarchistischen \"Gewaltfreien Aktionsgruppen\", \"AntiKriegs\"-Gruppen der undogmatischen Neuen Linken und radikal-pazifistischen Initiativen auch Gruppen der Umweltschutzbewegung, Dritte-Welt-Komitees, Gr\u00fcne und christlich orientierte sowie sonstige nichtextremistische \"Friedensinitiativen\" zuzurechnen sind. Dieses Spektrum ist zu einem gro\u00dfen Teil in der \"Bundeskonferenz Unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\" (BUF) organisiert. Im Tr\u00e4gerkreis dieses Zusammenschlusses arbeiten auch Anh\u00e4nger der Neuen Linken ma\u00dfgeblich mit. Der autonom/unabh\u00e4ngige Fl\u00fcgel umfa\u00dft im Bundesgebiet h\u00f6chstens 10.000 st\u00e4ndige Anh\u00e4nger. Auch das Mobilisierungspotential ist in etwa auf diese Zahl beschr\u00e4nkt. Es bleibt damit erheblich hinter dem des traditionellen Fl\u00fcgels zur\u00fcck. Innerhalb dieses Spektrums waren ideologische Gemeinsamkeiten kaum erkennbar. Ebenso fehlte -- abgesehen von einer gewissen Integrationsfunktion der BUF -- eine einheitliche organisatorische F\u00fchrung. Dieser Fl\u00fcgel war weder gewillt noch in der Lage, Massenaktionen selbst durchzuf\u00fchren. Er setzte vielmehr auf Aktionen des \"Zivilen Ungehorsams\", d.h. \"die bewu\u00dfte Mi\u00dfachtung staatlicher Ma\u00dfnahmen, Gesetze und Verordnungen\". \"Diese nach eigener Aussage \"gewaltfreie Kampfform\" \u00e4u\u00dfert sich z.B. in \"NichtZusammenarbeit mit den Herrschenden (Verweigerung, Streik) und direkten Aktionen (Besetzung, Blockaden, Sabotagen)\". Da mehrere Gruppierungen des autonom/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels wie z.B. die anarchistische F\u00f6deration Gewaltfreier Aktionsgruppen (F\u00f6GA) und die \"Koordinierungsstelle Ziviler Ungehorsam\" (KOZU), die bis Ende 1987 als BUF-B\u00fcro fungierte, im \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" (KA) vertreten waren, konnten sie so ihre Positionen in breiterem Umfang propagieren. Hierbei setzte sich das autonom/unabh\u00e4ngige Spektrum zum Thema \"Frieden\" nicht nur mit dem Abbau der Atomraketen, dem SDI-Programm und dem NATO-B\u00fcndnis auseinander, sondern thematisierte vielmehr den gesamten Komplex \"R\u00fcstung und Militarismus\". Weitere Schwerpunkte in der Agitation waren die Kernenergie und der Boykott der Volksz\u00e4hlung. Trotz unterschiedlicher Aktionskonzepte unterst\u00fctzten beide Fl\u00fcgel der \"Friedensbewegung\" die Blockade der Cruise-Missiles-Basis in Hasselbach/Hunsr\u00fcck am 28729. Mai, die Gro\u00dfdemonstration am 13. Juni in Bonn sowie die 87","\"Herbstaktionen\", die u.a. den \"Olof-Palme-Friedensmarsch\", den \"Blockadeherbst\" der \"Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abr\u00fcstung\" vom 2. bis 10. Oktober sowie die dezentralen Aktionstage an Raketenstationierungsorten umfa\u00dften. Die im Vorjahre begonnene Zusammenarbeit zwischen der \"Friedensbewegung\" und der ebenfalls extremistischen Einfl\u00fcssen unterworfenen \"Anti-AKW-Bewegung\" in Bayern, die sich gegen den Bau der WAW richtet, wurde 1987 fortgesetzt. H\u00f6hepunkt dieser Zusammenarbeit war eine Protestkundgebung am 10. Oktober in Wackersdorf mit 25.000 Teilnehmern. In dem hierf\u00fcr gebildeten \"Tr\u00e4gerkreis\" waren auch linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppierungen vertreten. Die Linksextremisten bilden innerhalb der \"Friedensbewegung\" zahlenm\u00e4\u00dfig nach wie vor eine Minderheit. Der kommunistische Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" geht aber andererseits weit \u00fcber seinen zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus, weil er wesentlich von der Intensit\u00e4t der Propaganda und dem Engagement innerhalb der unterschiedlichen Gruppen abh\u00e4ngt. Trotz unver\u00e4nderter Aktivit\u00e4ten im \"Friedenskampf\", die Ende des Jahres deutlich zur\u00fcck gingen, gelang es den kommunistischen Gruppierungen auch 1987 nicht, ihrem Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" weiter auszubauen. Offenbar zeigte auch hier der positive Verlauf der Abr\u00fcstungsgespr\u00e4che zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion erste Auswirkungen. 5.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl rief das orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte N\u00fcrnberger Friedensforum zur Teilnahme an einer Kundgebung am 19. Januar in N\u00fcrnberg auf. Nach dem Text des Aufrufes sollten bei der Bundestagswahl nur Parteien und Kandidaten gew\u00e4hlt werden, die sich entschieden f\u00fcr die Entspannung und Abr\u00fcstung einsetzten. Unter den rund 900 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Angeh\u00f6rige der DKP, der SDAJ, der VVNBdA und verschiedener linksextrem beeinflu\u00dfter N\u00fcrnberger \"Stadtteilfriedensinitiativen\". Als Redner trat u.a. ein Angeh\u00f6riger der Krefelder Initiative auf. Am 10. M\u00e4rz fand in M\u00fcnchen ein \"Internationales Friedensforum\" mit rund 1.200 Personen statt. Eingeladen hierzu hatte das \"M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis\", dem 13 Organisationen angeh\u00f6ren, darunter die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppierungen DFG-VK, VVN-BdA, BIFA und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die linksextrem beeinflu\u00dften Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF). Das Forum wurde mit einem Referat der Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA zum Thema \"Neues Denken in der Sowjetunion\" er\u00f6ffnet; anschlie\u00dfend berichteten f\u00fcnf Teilnehmer \u00fcber das \"Internationale Forum f\u00fcr Frieden\", das vom 14. bis 16. Februar in Moskau unter dem Leitgedanken \"F\u00fcr eine kernwaffenfreie Welt -- F\u00fcr das \u00dcberleben der Menschheit\" stattgefunden hatte. Im Rahmen der \"Osterm\u00e4rsche\" demonstrierten vom 18. bis 20. April bundesweit in mehr als 300 St\u00e4dten und Gemeinden rund 100.000 (1986: 120.000) Personen mit Mahnwachen, \"Friedensm\u00e4rschen\" und Kundgebungen gegen die \"Militarisierung des Weltraumes\", gegen Atomtests und f\u00fcr Abr\u00fcstung in Ost 88","N\u00fcrnberger Friedensforum und West. Wie in den Vorjahren waren die DKP und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen -- vor allem die DFL) -- an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Aktionen sowie an der Formulierung der \"Ostermarsch\"-Aufrufe ma\u00dfgeblich beteiligt. An den \"Osterm\u00e4rschen\" in Bayern nahmen insgesamt 20.000 (1986: 40.000) Personen teil. Tr\u00e4ger der Veranstaltungen waren meist \u00f6rtliche \"Friedensinitiativen\", die vielfach Bez\u00fcge zur DKP oder ihrem Umfeld aufwiesen oder von linksextremen Gruppen aktiv unterst\u00fctzt wurden. Bei mehreren Veranstaltungen traten als Anmelder, Leiter oder Redner DKP-Aktivisten oder Vertreter DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen auf. Die beiden gr\u00f6\u00dften \"Ostermarsch\"-Veranstaltungen fanden in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg statt. Der Aufruf zur Teilnahme am Ostermarsch am 18. April in M\u00fcnchen enthielt die Forderungen \"F\u00fcr eine neue Politik -- Abr\u00fcstung jetzt!\", \"Keine Militarisierung des Weltraumes\", \"Weg mit den Mittelstreckenraketen in West und Ost\" und \"Keine WAA in Wackersdorf und anderswo!\". Zum Aufruferund Unterst\u00fctzerkreis geh\u00f6rten u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, DFU, DFG-VK, WN-BdA, BIFA und der SHB sowie mehrere orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte M\u00fcnchner \"Friedensinitiativen\". Vor rund 7.000 Teilnehmern trat als Rednerin u.a. die DKPFunktion\u00e4rin und Landessekret\u00e4rin der WN-BdA auf. In N\u00fcrnberg fand am 20. April die zentrale \"Ostermarsch\"-Abschlu\u00dfveranstaltung f\u00fcr Nordbayern statt, an der sich etwa 6.000 Personen, darunter Anh\u00e4nger der DKP, SDAJ, DFU, DFG-VK und MLPD beteiligten. Als Veranstalter trat das orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte N\u00fcrnberger Friedensforum auf. 89","Am 16./17. Mai fand in K\u00f6ln eine Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" statt, an der sich rund 350 Personen beteiligten. Eingeladen hierzu hatte der bundesweite \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" (KA), in dem neben Demokraten mehrere linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen verantwortlich mitarbeiten. Wje schon bei fr\u00fcheren Konferenzen dieser Art stellten auch diesmal die DKP, ihre Nebenorganisationen und die von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen einen gro\u00dfen Teil der Zuh\u00f6rer sowie der Redner im Plenum und in den Arbeitsgruppen. Die Konferenzteilnehmer billigten eine Erkl\u00e4rung des KA, in der zu einer Demonstration am 13. Juni in Bonn aufgerufen wurde, sowie einen \"Aktionsplan\" f\u00fcr die \"Herbstaktionen\". Die Teilnehmer der Aktionskonferenz beauftragten den KA, \"M\u00f6glichkeiten f\u00fcr gemeinsame Aktionen der Friedensund der Anti-AKW-Bewegung zu diskutieren\" und solche Aktionen \"gegebenenfalls zu planen\". In einem Beschlu\u00df wandten sie sich gegen die Volksz\u00e4hlung und gegen eine \"Kriminalisierung\" von Volksz\u00e4hlungsgegnern. Der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" (KA) veranstaltete am 13. Juni in Bonn mit der Forderung \"Den ersten Schritt tun -- Atomraketen verschrotten\" eine bundesweite \"Friedensdemonstration\", an der sich rund 50.000 Personen beteiligten, darunter zahlreiche Linksextremisten, insbesondere Mitglieder der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Aus Bayern nahmen mehr als 2.000 Personen teil, die mit Bussen nach Bonn fuhren. Als Vorverkaufsstellen f\u00fcr die Busfahrkarten fungierten u.a. B\u00fcros der DKP, der DFU und der VVN-BdA. Auf einer Pressekonferenz am 15. Juni zog der KA eine positive Bilanz der \"Friedensdemonstration\". Er k\u00fcndigte weitere Aktionen wie den \"Olof-Palme-Friedensmarsch f\u00fcr einen atomwaffenfreien Korridor\" sowie \"Aktionstage mit Blockaden\" im Oktober und \"Informationswochen\" im November an. F\u00fcr die DKP erkl\u00e4rte ein Pr\u00e4sidiumsmitglied im DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) vom 15. Juni, die \"Friedensdemonstration\" habe den \"Einklang der Forderungen und Ziele der Friedensbewegung mit der Friedenspolitik der sozialistischen Staaten deutlich gemacht\". Unter dem Motto \"Zukunft Europas: Blockdenken \u00fcberwinden -- Feindbilder abr\u00fcsten -- Atomwaffenfrei ins Jahr 2000\" veranstaltete die von der DFU gesteuerte Krefelder Initiative am 3./4. Oktober in N\u00fcrnberg ihr \"6. Forum\". Unter den rund 300 Teilnehmern befanden sich auch G\u00e4ste aus der UdSSR, der CSSR und Polen. Die organisatorische Abwicklung lag -- wie schon bei den fr\u00fcheren Foren der Krefelder Initiative -- in den H\u00e4nden von DFU-Funktion\u00e4ren. Unterst\u00fctzt wurde die Veranstaltung, die erstmals in Bayern stattfand, vom orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger Friedensforum. In Vortr\u00e4gen, Diskussionsrunden und Arbeitsgruppen befa\u00dften sich die Teilnehmer des Forums mit \"Perspektiven einer europ\u00e4ischen Friedensordnung\". Sie forderten hierbei eine K\u00fcrzung der strategischen Waffen, einen vollst\u00e4ndigen Stopp von Atomwaffentests, das Verbot und die Vernichtung chemischer Waffen, atomwaffenfreie Zonen sowie konventionelle Abr\u00fcstung. Als Sprecher der Arbeitsgruppen traten mehr als 50 Personen auf. Etwa zwei Drittel dieser Personen waren als Mitglieder der DKP oder DKP-beeinflu\u00dften Gruppierungen bekannt. Dazu geh\u00f6rten u.a. ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes, der Landesvorsitzende der DFG-VK und der ehemalige Landesvorsitzende der DFU. 90","Die \"Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abr\u00fcstung\" hatte f\u00fcr die Zeit vom 2. bis 10. Oktober zu einer \"Abr\u00fcstungswoche\" in Kettershausen bei Neu-Ulm aufgerufen, an deren vielf\u00e4ltigen Aktionen sich insgesamt rund 350 Personen beteiligten. Die Monatsschrift \"graswurzelrevolution\" der anarchistischen F\u00f6GA ver\u00f6ffentlichte in ihrer Ausgabe Nr. 119 Einzelheiten zum Ablauf der \"Aktionstage\". Zugleich ver\u00f6ffentlichte die Schrift ein Gespr\u00e4ch mit Initiatoren dieser \"Kampagne\". Diese erkl\u00e4rten, ihr \"Konsens\" in der Kampagne bestehe \"weniger in einer bestimmten politischen Aussage\" als vielmehr in einer \"Lebensund Aktionsform\". Die Kampagne erstrebe den \"Zustand einer herrschaftsfreien Gesellschaft\" und das \"Ziel, den Staat immer mehr \u00fcberfl\u00fcssig zu machen\". Sie pers\u00f6nlich praktizierten \"antistaatliche Verhaltensweisen soweit wie nur m\u00f6glich\". Sie h\u00e4tten sich entschlossen \"zuerst die Abr\u00fcstung durchzusetzen und dann die Anarchie\". Am 3. Oktober fand in Landsberg a. Lech eine Demonstration mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung der \"S\u00fcdbayerischen Friedensbewegung\" mit rund 400 Teilnehmern zum Thema \"Null hei\u00dft wirklich Null! Weg mit den Atomraketen Pershing 1-A in Landsberg\" statt. Im Raum M\u00fcnchen mobilisierte neben der DKP vor allem das \"Friedensb\u00fcro\" in der He\u00dfstra\u00dfe, in dem sowohl die DFU als auch die BIFA ihre B\u00fcror\u00e4ume unterhalten. Unter den Teilnehmern befanden sich Anh\u00e4nger der DKP, der SDAJ, der VVN-BdA und der BIFA. Im Rahmen der bundesweit propagierten \"Friedenswochen '87\" fanden im November in mehreren bayerischen St\u00e4dten friedenspolitische Aktionen statt. Unter dem Motto \"Frieden schaffen ohne Waffen -- Die neuen Chancen nutzen!\" rief ein aus 13 Gruppierungen bestehender Aufruferkreis in M\u00fcnchen zur Teilnahme an den vom 7. bis 18. November geplanten Veranstaltungen auf. Dem Aufruferkreis geh\u00f6rten auch die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Gruppierungen DFG-VK, VVN-BdA, BIFA und M\u00fcnchner Friedensforum sowie die linksextrem beeinflu\u00dften Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) an. In Seminaren, Vortr\u00e4gen und Diskussionsveranstaltungen wurden u.a. Themen wie \"R\u00fcstungsexport\", \"Abr\u00fcstungspolitik\", \"Asylanten\" und \"Frauen in die Bundeswehr\" behandelt. Der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" (KA) veranstaltete am 28729. November in Bonn eine bundesweite \"Aktionsund Strategiekonferenz\". Die etwa 350 Teilnehmer, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, er\u00f6rterten in Arbeitsgruppen und im Plenum Themen wie \"R\u00fcstungs\u00f6konomie\", \"Europ\u00e4ische Abr\u00fcstungspolitik\" und \"Militarisierung der Gesellschaft\". Im Mittelpunkt der Plenardiskussion stand die Unterzeichnung des amerikanisch-sowjetischen Abkommens \u00fcber die Beseitigung atomarer Mittelstreckenraketen. Das KFAZ wertete diesen Vertrag als Erfolg der \"Friedensbewegung\" und als Chance f\u00fcr weitere Abr\u00fcstungsschritte. Dagegen forderten Vertreter \"unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\", die \"Friedensbewegung\" solle sich nicht in die Tasche l\u00fcgen, denn der Vertrag gehe auf das Konto der sowjetischen Au\u00dfenpolitik. 91","2. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Allgemeines Der Rechtsextremismus verf\u00fcgt im Gegensatz zum Linksextremismus orthodoxer Pr\u00e4gung nicht \u00fcber ein geschlossenes theoretisches System, das \u00fcber L\u00e4nderund Kulturgrenzen hinweg Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erhebt. Die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen sind in der Bundesrepublik Deutschland im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt -- eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des Einzelnen, die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt (v\u00f6lkischer Kollektivismus), -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, -- die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, -- immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen und dabei seine Verbrechen zu verschweigen, zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Im Jahre 1987 bet\u00e4tigten sich in Bayern 29 (1986: 28) rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit rund 4.880 Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern (1986: 4.130). 92","Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus stellten die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendund ihrer Studentenorganisation mit zusammen \u00fcber 3.700 Mitgliedern in Bayern den gr\u00f6\u00dften Anteil. Mit der Gr\u00fcndung der Deutschen Volksunion -- Liste D (DVU-Liste D), die sich im M\u00e4rz 1987 als Partei konstituiert hat, sollte eine Plattform f\u00fcr die gesamte \"politische Rechte\" geschaffen und dadurch der organisatorischen Zersplitterung des Rechtsextremismus begegnet werden. Aufmerksamer Beobachtung bedarf die zwischen der DVU-Liste D und der NPD vereinbarte Zusammenarbeit, zumal auch Wahlerfolge beider Parteien dem Rechtsextremismus im Jahre 1987 insgesamt neuen Auftrieb gaben. Bei den neonazistischen Organisationen war wiederum eine Zunahme der Aktivit\u00e4ten und Mitgliederzahlen festzustellen. Die vorwiegend von ehemaligen Anh\u00e4ngern der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) getragene \"Bewegung\" blieb in zwei rivalisierende Lager gespalten. Aktivisten dieser \"Gesinnungsgemeinschaft\" einstiger ANS/NA-Anh\u00e4nger waren weiterhin bestrebt, insbesondere in der von ihnen unterwanderten Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) Vorstellungen der ANS/NA durchzusetzen. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern (200 erkannte Mehrfachmitgliedschaften sind durch Abzug bereits ber\u00fccksichtigt) 1985 1986 1987 Anzahl der Organisationen 30 28 29 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 1.400 1.470 . 1.470 DVU einschl. Aktionsgemeinschaften 2.000 2.100 2.300 DVU-Liste D -- -- 500 Neonazistische Organisationen und Einzelaktivisten 170 240 260 Sonstige Organisationen 320 320 350 Insgesamt 3.890 4.130 4.880 Aktuelles Thema rechtsextremer Agitation war der Tod des \"Stellvertreters des F\u00fchrers\" Rudolf He\u00df. So erkl\u00e4rte der Pr\u00e4sident des Deutschen Kulturwerks Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) in einem Nachruf, ein \"mit titanischer Kraft ertragener Leidensweg\" sei beendet. Es bleibe unerfindlich, wie ein Deutscher der Auffassung sein k\u00f6nne, die auf der Grundlage willk\u00fcrlicher \"Siegerjustiz\" erfolgte Verurteilung von He\u00df zu lebenslanger Haft entspreche unserem Rechtsempfinden. Das gegen\u00fcber He\u00df begangene \"Unrecht der Verantwortlichen\" sei durch den Tod des letzten Gefangenen von Spandau zu einer \"unausl\u00f6schlichen Schmach\" geworden, die eine \u00e4hnliche \"historische Dimension\" erreicht habe wie \"der Leidensweg und die Haltung\" des Verstorbenen. 93","Einen weiteren Schwerpunkt bildete das von Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffene Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem. Ihr ma\u00dfgebliches Motiv ist dabei ihre rassistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Mit nationalistischen Neutralismusparolen, die oft antiamerikanische Z\u00fcge trugen, versuchten Rechtsextremisten au\u00dferdem, den Gedanken eines der \"Friedenssicherung\" dienenden wiedervereinigten \"Gro\u00dfdeutschlands\" zu propagieren. Weitere Agitationsthemen waren wie im Vorjahr die Kriegsschuldfrage, die Judenverfolgung im Dritten Reich und der \"Nationalmasochismus\" f\u00fchrender demokratischer Politiker. Die Zahl der neonazistischen und rassistischen einschlie\u00dflich der antisemitischen Vorf\u00e4lle, bei denen ein rechtsextremes Motiv erkennbar bzw. zu vermuten war, ist gegen\u00fcber dem Vorjahr angestiegen. Verringert haben sich dagegen die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland und der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials. Militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern auch anwenden, stellen nach wie vor eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckerzeugnisse mit rechtsextremem Inhalt in hoher Auflage herstellten und verbreiteten. Das Angebot erfa\u00dfte nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielte auch -- wie aus seiner Quantit\u00e4t erkennbar -- auf sonstige Personen ab, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sein k\u00f6nnten. In Bayern traten 1987 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) und der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 1.2 Deutsche Volksunion e.V. (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur 1.3 Deutsche Volksunion -- Liste D (DVU-Liste D) 94","1.4 Neonazistische Gruppen \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Nationalrevolution\u00e4re Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 1.5 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Freundeskreis Ulrich von Hutten Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD auch in ihrem neuen, im November 1987 verabschiedeten Parteiprogramm \"Nationaldemokratische Gedanken f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft\" betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, lehnt sie wesentliche Prinzipien dieser Grundordnung weiterhin ab. Die Unterschiede zwischen der Staatsund Gesellschaftsordnung des Grundgesetzes und den Vorstellungen der NPD beruhen vor allem auf unvereinbar gegens\u00e4tzlichen Auffassungen zur Stellung des Einzelnen in der Gemeinschaft und zur Stellung des Staates ihm gegen\u00fcber. In der freiheitlichen Demokratie wird dem Menschen um seiner W\u00fcrde willen die freie Entfaltung seiner Pers\u00f6nlichkeit durch den Staat gew\u00e4hrleistet. Im Gegensatz hierzu gibt die NPD dem Staat vor dem Einzelnen den Vorrang. Dem Primat des Individuums vor dem Staat, wie er sich aus Art. 1 des Grundgesetzes ergibt, stellt sie die \"Gemeinschaft des Volkes\" entgegen, die \"in nationaler Solidarit\u00e4t vorhandene Gruppeninteressen \u00fcberwindet\". Daher versteht die NPD den Staat als \"Wahrer des Ganzen\" und erwartet vom B\u00fcrger, da\u00df er \"Verantwortung f\u00fcr Staat und Kultur tr\u00e4gt und dem Gemeinsinn verpflichtet ist\". Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" im Sinne eines v\u00f6lkischen Kollektivismus kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des Einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und verkennt, da\u00df die Menschenrechte des Einzelnen origin\u00e4r sind und sich nicht von einer \"Volksgemeinschaft\" ableiten lassen. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische und nationalistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Ablehnung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, 95","versucht die NPD unter Berufung auf die \"Vielfalt des Lebens und seiner Erscheinungen\" zu rechtfertigen, wobei sie insbesondere die nat\u00fcrliche \"Ungleichheit der Menschen\" betont. Entsprechend dieser auf ihrem \"wissenschaftlich gesicherten\" Menschenbild beruhenden Grundeinstellung behandelte die Partei das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der \"\u00dcberfremdung\" und behauptete, die als \"Integration\" getarnte \"Zwangsgermanisierung\" der hier lebenden Ausl\u00e4nder trage zur Gef\u00e4hrdung unserer \"nationalen Identit\u00e4t\" bei. Vorbild f\u00fcr das ganze deutsche Volk k\u00f6nne \"kein halborientalischer Mischlingsstaat sein, in dem jeder auf der Welt sich nach Kr\u00e4ften bedienen kann\". Ferner warnte die Partei vor einem \"Massenzustrom von Ausl\u00e4ndern\", der den inneren Frieden gef\u00e4hrde, und trat daf\u00fcr ein, die \"weitere \u00dcberschwemmung unseres Landes mit Scheinund Wirtschaftsasylanten\" unter Aussch\u00f6pfung aller rechtlichen M\u00f6glichkeiten zu stoppen. Der Agitation gegen Asylanten und Ausl\u00e4nder dienten daneben auch nationalistisch gepr\u00e4gte Argumente. So wandte sich die NPD mit der Parole \"Deutschland mu\u00df das Land der Deutschen bleiben!\" gegen eine \"Umwandlung Deutschlands zum Vielv\u00f6lkerstaat\" bzw. zur \"multinationalen Gesellschaft\". Au\u00dferdem forderte sie ein \"Arbeitsplatzsicherungsgesetz\", das den deutschen Arbeitnehmern gegen\u00fcber Ausl\u00e4ndern \"bevorzugte Rechte bei Einstellungen\" und \"besonderen Schutz bei anstehenden Entlassungen\" einr\u00e4umen m\u00fcsse. Wie in den Vorjahren verzichtete die Partei fast v\u00f6llig auf Versuche, das NSRegime zu rechtfertigen, und beschr\u00e4nkte sich im wesentlichen auf Kritik an der \"bis zum totalen \u00dcberdru\u00df\" gesteigerten \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die \"im Interesse der Umerzieher von gestern und heute\" liege. Deren Ziel sei es, \"uns Deutsche f\u00fcr alle Zeiten als Volk zweiter Klasse abstempeln und als jederzeit manipulierbare Masse f\u00fcr ihre eigenen Interessen mi\u00dfbrauchen\" zu k\u00f6nnen. Auch solle die st\u00e4ndige Besch\u00e4ftigung mit der \"k\u00fcnstlich auf 12 Jahre verk\u00fcrzten\" Vergangenheit \"unser Volk daran hindern, die Gegenwartsund Zukunftsprobleme zu erkennen und zu l\u00f6sen, und davon abhalten, den eigenen nationalen Weg in die Zukunft zu gehen\". In diesem Zusammenhang warf die NPD f\u00fchrenden CDU-Politikern vor, sie h\u00e4tten \"die Kollektivschuldthese l\u00e4ngst zur Glaubenslehre erhoben\" und schickten sich an, den Deutschen \"f\u00fcr (m\u00f6glichst) alle Zeiten das B\u00fc\u00dferhemd \u00fcberzust\u00fclpen\". Zum Tod von Rudolf He\u00df erkl\u00e4rte die Partei in einem Nachruf unter der \u00dcberschrift \"Rudolf He\u00df ist frei\", der verstorbene \"Stellvertreter des F\u00fchrers\" werde \"seinen Platz nicht nur in der Geschichte, sondern in den Herzen unseres Volkes finden\". Seine lebenslange Inhaftierung sei \"als Symbol der Niederlage des Deutschen Reichs und der gemeinsamen alliierten Oberherrschaft \u00fcber Deutschland aufrechterhalten\" worden. Als \"Opfer der Siegerjustiz\" habe der Verstorbene \"stellvertretend f\u00fcr die Deutschen dieses Martyrium bis zu seinem Tod tragen\" m\u00fcssen. Der Parteivorstand forderte au\u00dferdem in einer Pressemitteilung die posthume Verleihung des Friedensnobelpreises an Rudolf He\u00df. Zu den Hauptangriffszielen der Partei geh\u00f6ren nach wie vor die demokratischen Institutionen der Bundesrepublik Deutschland und ihre Repr\u00e4sentanten. Damit einhergehend lehnt die NPD zugleich die bestehende staatliche Ordnung ab. So warf sie den Parteien des \"Bonner Kartells\" vor, sie h\u00e4tten den Staat l\u00e4ngst \"zu ihrem Selbstbedienungsladen gemacht\" und sich \"wie Droh96","nenkasten etabliert\", die \"Recht als die .Macht' des Herrschenden vorleben\". Ferner bezweifelte sie, da\u00df \"das Lizenzparteiensystem der Weisheit letzter Schlu\u00df\" sei, und erkl\u00e4rte, gerade \"seine endg\u00fcltige Sprengung\" w\u00fcrde der deutschen Innenpolitik Fortschritte bringen. Politische Gegner bezeichnete sie als \"Blindg\u00e4nger\", \"Politschw\u00e4tzer\" und \"Bonzen\" mit dem \"politischen Niveau eines Vorgartenzwerges\", die \"oft genug nur mit der Erhaltung ihrer Macht und ihrer pers\u00f6nlichen Vorteile besch\u00e4ftigt\" seien. Es sei daher an der Zeit, mit dem \"Abrumpeln\" der \"nationalpolitischen Versager\" zu beginnen, die als \"separatistische Verfassungsfeinde\" das Grundgesetz seines \"entscheidenden nationalen Auftrages\" entledigen wollten. Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt und durch bewu\u00dfte Entstellung der Verfassungswirklichkeit suggerieren will, diese Grundordnung habe sich -- am Ma\u00dfstab praktischer Bew\u00e4hrung gemessen -- als untauglich erwiesen. Anl\u00e4\u00dflich des Besuchs des Staatsratsvorsitzenden der DDR in der Bundesrepublik Deutschland bekr\u00e4ftigte der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug den 1982 beschlossenen neutralistischen Kurs der NPD in einem \"Offenen Brief an Erich Honecker\". Darin forderte er ein \"geeintes Deutschland\", das \"weder der NATO noch dem Warschauer Pakt angeh\u00f6rt, sondern als neutraler, blockfreier mitteleurop\u00e4ischer Stabilit\u00e4tsfaktor dem Frieden dient\". Voraussetzung daf\u00fcr sei die \"allm\u00e4hliche Aufl\u00f6sung der sich in Deutschland gegen\u00fcberstehenden Milit\u00e4rbl\u00f6cke\" sowie der Abzug der \"Besatzungsm\u00e4chte\" und der Atomwaffen aus allen Teilen Deutschlands, insbesondere aber die Aufhebung des Schie\u00dfbefehls an der innerdeutschen Grenze. Im Rahmen der Weiterentwicklung der innerdeutschen Zusammenarbeit sei auch die Bildung eines \"Gesamtdeutschen Rats\" als gemeinsamer Ausschu\u00df des Deutschen Bundestags und der Volkskammer der DDR anzustreben, aus dem sich eine \"deutsche F\u00f6deration\" entwickeln k\u00f6nne. Die sich seit Sommer 1986 abzeichnende Ann\u00e4herung zwischen der Parterispitze und dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard Frey, der zugleich Vorsitzender der DVU und der DVU-Liste D ist, f\u00fchrte im Fr\u00fchjahr 1987 zu einem Wahlb\u00fcndnis zwischen NPD und DVU-Liste D, wobei sich beide Parteien in einer \"Gemeinsamen Erkl\u00e4rung\" zumindest bis zur Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg am 20. M\u00e4rz 1988 gegenseitige Wahlkampfunterst\u00fctzung zusicherten. Die \"Erkl\u00e4rung\", in der die Wahrung der \"politischen Eigenst\u00e4ndigkeit\" beider Parteien betont wird, nennt als Motiv der Zusammenarbeit den Willen, das \"unfruchtbare Gegeneinander der Vergangenheit\" zu \u00fcberwinden und \"der gesamtdeutschen Sache wesentlich st\u00e4rkere Durchschlagskraft\" zu verleihen. Es bleibt abzuwarten, ob die bisher erfolgreiche Kooperation trotz kontr\u00e4rer verteidigungspolitischer Positionen auf Dauer reibungslos verl\u00e4uft, zumal die Ann\u00e4herung an Dr. Frey in Teilbereichen der NPD auf wachsende Kritik st\u00f6\u00dft. 2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1987 bundesweit rund 97","1 \u00dc \u00dc I VWMi\"n\"lnB\"l\">-W<irtMml\"wi ^ ^ llaJ#.\" L e r | *\"CllSie WmeBmitteilen... | P NPP-lSiSereiJg! I aimt ^__=^jJ5fc\"-teaan und weitergeben DEUTSCHEWLSTIMME l2.JafcnamNr.12/ttoZM*w1M7 Elnzelprei\" 2,DM Natlonaldemokratlache Zeltung Auflage 238500 Ausgabe E 8027 E NPD; Hoffnung f\u00fcr Deutschland! 6.200 Mitglieder (1986: 6.100). JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich keine wesentlichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender ist Martin Mu\u00dfgnug, der diese Funktion seit 1971 innehat. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Schatzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen z\u00e4hlt etwa 1.300 Mitglieder (ohne JN und NHB). Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 170.000 Exemplaren (1986:120.000). Die Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstand die Flugschriften \"Neuer politischer Dienst\" (fr\u00fcher: \"NPD-aktuell\") und das \"NPD-Forum\" heraus. Nach ann\u00e4hernd zweij\u00e4hriger Unterbrechung erschien erstmals im Oktober 1987 wieder das Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" des Landesverbandes Bayern. Der \"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. ^TTTT\" G A N Z E DEUTSCH L T N D 5 0 L i r 5 s ! IN BAYERN STIMME MITTEILUNGSBLATT DES N P D - L A N D E S V E R B A N D E S BAYERN' 98","Eine im Herbst 1985 in Oberitalien er\u00f6ffnete Schulungsst\u00e4tte, die von einem Parteivorstandsmitglied aus Moosburg a.d. Isar, Landkreis Freising, geleitet wird, soll der Heranbildung von F\u00fchrungskr\u00e4ften dienen. Der von der NPD im M\u00e4rz 1986 gegr\u00fcndete \"Nationaldemokratische Unternehmerverband -- Mittelstandsvereinigung der NPD\" zeigte 1987 keine Aktivit\u00e4ten. Ebenso trat die von der NPD gesteuerte \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" (BIA) in Bayern kaum mehr in Erscheinung. In ihrem im September 1987 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht nach dem Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1986 Gesamteinnahmen von rund 3,2 Millionen DM (1985: 2,1 Millionen) aus, von denen 17,4% (1985: 26,4%) auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 39,0% (1985: 45,9%) auf Spenden entfielen (Bundestagsdrucksache 11/977 v. 16. 10. 87). Mit der Wahlkampfkostenerstattung von rund 1,3 Millionen DM aus der Bundestagswahl 1987 hat sich die finanzielle Situation der Partei auf Bundesebene weiter stabilisiert. Beim Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1986 Gesamteinnahmen von 453.256 DM (1985: 339.737 DM) ausgewiesen, davon 13,7 % (1985: 18 %) Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 72,2 % (1985: 72,1 %) Spenden. 2.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Hoffnung f\u00fcr Deutschland -- Nationaldemokraten\" hielt die NPD am 14./15. November in H\u00f6chstadt a.d. Aisch, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, ihren 21. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Daran beteiligten sich zeitweise bis zu 900 Personen, darunter rund 300 Delegierte, die bei der Neuwahl des Parteivorstands den Bundesvorsitzenden Martin Mu\u00dfgnug und seine drei Stellvertreter in ihren Funktionen best\u00e4tigten. Auf einem vorangegangenen Sonderparteitag am 13. November in Uehlfeld, Landkreis Neustadt a.d. AischBad Windsheim, hatten die Delegierten als \"Grundlage nationaldem\u00f6kratischen Wollens\" das neue Parteiprogramm mit dem Titel \"Nationaldemokratische Gedanken f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft\" verabschiedet. Mu\u00dfgnug erkl\u00e4rte in seiner Rede, die NPD habe in der gegenw\u00e4rtigen, durch Skandale gekennzeichneten politischen Situation die einmalige Chance, sich dem W\u00e4hler als echte Alternative mit klaren politischen Zielvorstellungen zu pr\u00e4sentieren. Seit der Bundestagswahl 1983 habe sie eine stetige Aufw\u00e4rtsentwicklung zu verzeichnen. Das nationale Lager umfasse weit mehr B\u00fcrger, als in der NPD organisiert seien; um diese zu erreichen, m\u00fcsse zun\u00e4chst die \"Einheit der Nationalen\" geschaffen werden. Die Unterst\u00fctzung der Deutschen Volksunion-Liste D (DVU-Liste D) durch die NPD anl\u00e4\u00dflich der Bremer B\u00fcrgerschaftswahl habe den Nachweis erbracht, da\u00df die \"vereint antretenden Patrioten\" in der Lage seien, die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde \"im Sturm zu nehmen\". Mu\u00dfgnug unterstrich die Bedeutung der Landtagswahl in Baden-W\u00fcrttemberg am 20. M\u00e4rz 1988, bei der die NPD von der DVU-Liste D unterst\u00fctzt werde. Damit m\u00fcsse eine neue Erfolgsserie eingeleitet werden, die f\u00fcr die vereint k\u00e4mpfenden Nationalen im Jahre 1989 bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament den Durchbruch, d.h. mehr als f\u00fcnf Prozent der Stimmen, bringen solle. Unter dieser Voraussetzung sei dann 1991 der Einzug in den Deutschen Bundestag m\u00f6glich. Mu\u00dfgnug verwies in diesem Zusammenhang auf die rechtsextreme \"Front National\" in Frankreich, die ein europ\u00e4isches Erfolgsmodell sei. Am 99","15. November trat der M\u00fcnchener Verleger und Vorsitzende der DVU-Liste D, Dr. Gerhard Frey, als Gastredner auf. Er betonte, da\u00df die bisherige Zusammenarbeit mit der NPD erfolgreich verlaufen sei, und sicherte der gemeinsamen Wahlstrategie beider Parteien weitere Unterst\u00fctzung durch Einsatz seiner Medien und Finanzen zu. W\u00e4hrend der Programmparteitag in Uehlfeld am 13. November von der \u00d6ffentlichkeit unbemerkt blieb, versammelten sich am 14. November vor dem Veranstaltungslokal der NPD in H\u00f6chstadt a.d. Aisch rund 3000 politische Gegner, darunter Mitglieder der DKP, SDAJ und VVN-BdA, zu einer Protestkundgebung. Bei Auseinandersetzungen am Rande des Parteitags wurden zwei Tagungsteilnehmer verletzt und einige Pkw besch\u00e4digt. Die Polizei nahm rund 20 Personen vorl\u00e4ufig fest. Der NPD-Landesverband Bayern f\u00fchrte am 9. Mai in Eggenfelden, Landkreis Rottal-Inn, unter dem Leitspruch \"Heimat erhalten -- Zukunft gestalten\" seinen 21. Ordentlichen Parteitag durch. Vor rund 250 Teilnehmern \u00e4u\u00dferte der Landesvorsitzende Walter Bachmann, die NPD sehe den Schwerpunkt ihrer kommenden Arbeit darin, jenes \"demoskopisch gesicherte\" Stimmenpotential von rund vier Millionen W\u00e4hlern zu mobilisieren, das mit den politischen Vorstellungen der Nationaldemokraten weitgehend \u00fcbereinstimme. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug begr\u00fc\u00dfte die j\u00fcngsten sowjetischen Abr\u00fcstungsvorschl\u00e4ge und erkl\u00e4rte, nur durch einen \"deutsch-sowjetischen Interessenausgleich\" lasse sich die Wiedervereinigung Deutschlands in absehbarer Zeit verwirklichen. In einer Resolution sprachen sich die Delegierten f\u00fcr den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft aus, da dies die einzige Chance f\u00fcr die Erhaltung des bayerischen Bauernstandes sei. Beim allj\u00e4hrlichen \"Politischen Aschermittwoch\" der bayerischen NPD am 4. M\u00e4rz in Vilshofen, Landkreis Passau, \u00e4u\u00dferte der Landesvorsitzende Walter Bachmann vor rund 150 Zuh\u00f6rern, da\u00df \"der Abnormit\u00e4t des geistigen Belagerungszustandes und der Herabsetzung des deutschen Volkes durch eigene Spitzenpolitiker im Interesse der Zukunftsbew\u00e4ltigung Einhalt geboten\" werden m\u00fcsse. Der CSU warf er vor, im Interesse der \"Machterhaltung\" die \"Legalit\u00e4t\" der NPD in Frage zu stellen; diese Methode erinnere an \"s\u00fcdamerikanische Milit\u00e4rdiktaturen\". Au\u00dferdem kritisierte Bachmann die \"Bonner Unpolitik in der EG\" und erkl\u00e4rte, wer jetzt nicht den Austritt aus dem \"EG-Pleiteunternehmen\" erw\u00e4ge, mache \"dem lebensnotwendigen deutschen Bauernstand den Garaus\". Des weiteren trat die bayerische NPD u.a. mit einer Sonnwendfeier am 20. Juni sowie mit Aktionen zum \"Tag der deutschen Einheit\" (17. Juni) und zum Jahrestag des Baues der Berliner Mauer (13. August 1961) an die \u00d6ffentlichkeit. 2.4 Wahlbeteiligung An der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag am 25. Januar beteiligte sich die NPD mit zehn Landeslisten sowie mit Direktkandidaten in 172 (1983: 105) Wahlkreisen. In den \u00fcbrigen 76 Wahlkreisen war es ihr nicht gelungen, die Voraussetzungen f\u00fcr die Zulassung eines Kreiswahlvorschlags zu erf\u00fcllen. In Bayern konnte die Partei in 31 (1983: 30) von 45 Wahlkreisen Direktkandidaten aufstellen. 100","Mit einem zehn Punkte umfassenden Wahlprogramm pr\u00e4sentierte sich die NPD dem W\u00e4hler unter dem Motto \"Dein Herz f\u00fcr Deutschlands Zukunft\" als einzige \"nationale, demokratische und soziale Partei\", die \"gesamtdeutsch\" handle und ihre Politik an den \"inneren und \u00e4u\u00dferen Interessen des deutschen Volkes\" ausrichte. Einen Schwerpunkt des Wahlprogramms bildete die Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit nach der Devise \"Weniger Ausl\u00e4nder: mehr Arbeitspl\u00e4tze!\". Dazu erkl\u00e4rte die NPD, zur Schaffung neuer Arbeitspl\u00e4tze sollten jene Milliarden verwendet werden, die heute \"zur Finanzierung der EG, f\u00fcr fremde Truppen auf deutschem Boden, f\u00fcr sinnlose Entwicklungshilfeprojekte, zur Finanzierung von Massen-Arbeitslosigkeit und des Scheinasylantentums verschwendet\" w\u00fcrden. Weitere Forderungen des Wahlprogramms betrafen u.a. die Erhaltung der b\u00e4uerlichen Familienbetriebe durch ein \"Nationales Landwirtschafts-Sicherungsgesetz\", den Schutz der Umwelt durch \"Entwicklung einer nach-atomaren Energieversorgung\", Ma\u00dfnahmen gegen die \"\u00dcberschwemmung unseres Landes durch Scheinund Wirtschaftsasylanten\" und \"das wiedervereinigte, blockfreie Deutschland\" als \"neutraler Mittler zwischen Ost und West\". Diese Wahlaussagen zielten -- wie zuvor schon bei der bayerischen Landtagswahl 1986 -- insbesondere auf Arbeitslose, Heimatvertriebene und Landwirte, aber auch auf weitere Bev\u00f6lkerungsgruppen, die nach Ansicht der NPD von den Unionsparteien bisher \"str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigt\" und als reines \"Stimmvieh\" mi\u00dfbraucht worden seien. Die Wahlwerbung geschah im wesentlichen mit Plakaten, Zeitungsanzeigen, Rundfunkund Fernsehsendungen, Verteilung von Propagandamaterial an Informationsst\u00e4nden und \u00f6ffentlichen Wahlveranstaltungen mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von rund 40 Personen. Unterst\u00fctzung fand die Partei insbesondere bei dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard Frey, der mit Wahlempfehlungen zugunsten der NPD seine im Sommer 1986 begonnene Ann\u00e4herung an die Parteispitze erneut unterstrich. In der Endphase des Wahlkampfes richteten sich die propagandistischen Angriffe der bayerischen NPD in erster Linie gegen die CSU. So warf die NPD der CSU eine \"einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung in Medien und Schulen\" sowie \"Asylbetrug\" vor und erkl\u00e4rte, das der \"Christen-Union\" vorschwebende Staatswesen unterscheide sich \"nur noch tempor\u00e4r von den politischen Verh\u00e4ltnissen, die in s\u00fcdamerikanischen Milit\u00e4rdiktaturen oder im Herrschaftsbereich des Kreml vorzufinden\" seien. Nach dem amtlichen Endergebnis der Bundestagswahl 1987 erhielt die NPD im Bundesgebiet 227.054 (1983: 91.095) Zweitstimmen (0,6%). Damit konnte sie gegen\u00fcber 1983 bundesweit rund 136.000 Zweitstimmen hinzugewinnen und den damaligen Stimmenanteil (0,2 %) verdreifachen. Auch in Bayern erreichte die NPD mit 42.813 (1983: 20.109) Zweitstimmen einen Anteil von 0,6 % (1983: 0,3 %). Ihr bestes Ergebnis erzielte sie im Wahlkreis N\u00fcrnberg-S\u00fcd (1,1 %); in den Wahlkreisen F\u00fcrth, Neu-Ulm und Schweinfurt gaben der NPD jeweils 1 % der W\u00e4hler ihre Zweitstimme. Reaktionen aus der NPD lie\u00dfen Genugtuung \u00fcber das Wahlergebnis, insbesondere \u00fcber den damit erlangten Anspruch auf Erstattung von Wahlkampfkosten, erkennen. So \u00e4u\u00dferte der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug, da\u00df die NPD \"endg\u00fcltig die Talsohle hinter sich gelassen habe\" und \"als aufsteigende 101","Partei in das \u00f6ffentliche und ver\u00f6ffentlichte Bewu\u00dftsein zur\u00fcckgekehrt\" sei. Insbesondere dankte er dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard Frey, der den Wahlkampf der NPD mit dem publizistischen Gewicht seiner Wochenzeitungen unterst\u00fctzt habe. Dies bleibe ein \"hoffnungsvolles Zeichen, da\u00df es bald gelingen m\u00f6ge, die Zersplitterung der nationalen und sozialverpflichteten Kr\u00e4fte zu \u00fcberwinden und ein neues politisches Kraftfeld zu schaffen\". Es gelte nun, die \"durchaus vorhandenen organisatorischen, personellen, finanziellen und publizistischen Kr\u00e4fte\" endlich zu b\u00fcndeln und zu konzentrieren, um \"aus dem Pferch politischer Machtlosigkeit auszubrechen\". W\u00e4hrend andere von \"nationaler Sammlung\" nur redeten, werde die NPD jetzt handeln und im September 1987 bei der Bremer B\u00fcrgerschaftswahl zusammen mit der Deutschen Volksunion den \"gemeinsamen Erfolg\" suchen. Der Landesverband Bayern erkl\u00e4rte zum Wahlausgang, da\u00df die NPD weiter an Boden gewinne. Der W\u00e4hler habe \"insbesondere der CDU/CSU einen Denkzettel verpa\u00dft und sie vom hohen Ro\u00df \u00fcberheblicher Selbstgerechtigkeit heruntergeholt\", zumal das \"konjunkturelle Sch\u00f6nwettergerede der Union\" nicht mehr gegriffen habe. 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) Die JN als Jugendorganisation der NPD bekennen sich in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Nach ihrem Statut sind sie zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet. Sie verstehen sich als \"die unvers\u00f6hnlichen Gegner der V\u00f6lkermordsordnung von Jalta\" und als \"Ver\u00e4chter des Status quo\"; dementsprechend wollen sie f\u00fcr diejenigen, die sich \"selbstzufrieden am Zustand der Teilung Deutschlands erw\u00e4rmen\", die \"eiskalte Dusche\" sein. Ihre durch solche Aussagen gekennzeichnete Aggressivit\u00e4t wird indes von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren, ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen und den in Teilbereichen erkennbaren neonazistischen Ans\u00e4tzen entgegenzutreten. Zum neuen Bundesvorsitzenden der JN wurde auf dem Bundeskongre\u00df am 12./13. September in Dillingen/Saarland Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen gew\u00e4hlt, der zugleich Bundesvorsitzender des NHB ist; sein Vorg\u00e4nger Hermann Lehmann hatte aus Altersgr\u00fcnden nicht mehr kandidiert. Den Landesverband Bayern leitet weiterhin Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg. 1987 hatten die JN im Bundesgebiet einen bemerkenswerten Zuwachs auf 750 (1986: 600) Mitglieder zu verzeichnen. In Bayern, wo sie etwa 170 (1986: 160) Mitglieder z\u00e4hlen, entwickelten nur die Bezirksverb\u00e4nde Mittelfranken und Oberbayern nennenswerte Aktivit\u00e4ten. Mitte des Jahres wurde die organisatorische Basis durch die Gr\u00fcndung des Kreisverbandes Tirschenreuth/Oberpfalz erweitert. . Der JN-Bundesvorstand gibt in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden das Mitteilungsblatt \"Junge Stimme\" heraus; sein \"JN-Pressedienst\" wurde 1987 nicht mehr festgestellt. Als Beilage zum NPD-Parteiorgan erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart gelegentlich die \"Junge Deutsche Stimme\", f\u00fcr deren Inhalt der derzeitige JN-Bundesvorsitzende verantwortlich zeichnet. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern \"JN-Bayern102","Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine bayerischer Verb\u00e4nde. Den Mitteilungsbl\u00e4ttern \"JN-Info\" des Bezirksverbandes Mittelfranken, \"Oberland\" des Bezirksverbandes Oberbayern und \"S\u00fcdost-Info\" des Kreisverbandes Traunstein/Alt\u00f6tting kommt nur regionale Bedeutung zu. Gleiches gilt f\u00fcr die von einer \"JN-Koordinationsgruppe Oberfranken\" mit Sitz in Coburg publizierte Schrift \"Wille und Weg\", die ab dem 2. Quartal 1987 nicht mehr erschien. Herausragendes Thema interner Diskussionen war 1987 die Zusammenarbeit zwischen der NPD und dem M\u00fcnchener Verleger Dr. Gerhard Frey, die sowohl bei der Basis als auch bei Funktion\u00e4ren der JN teilweise auf heftige Ablehnung stie\u00df. Auch wenn anerkannt wurde, da\u00df die Stimmengewinne der NPD bei der Bundestagswahl 1987 auch der publizistischen Unterst\u00fctzung durch Dr. Freys Zeitungen zu verdanken seien, bef\u00fcrchtete man in Kreisen der JN ein k\u00fcnftiges Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis. Gleichwohl gelang es dem NPD-Parteivorstand, den JN-Bundesvorstand auf die Parteilinie festzulegen. Nach au\u00dfen stimmt der JNBundesvorstand daher der Kooperation mit Dr. Frey zu. Gegner dieses Kurses konnten sich weder auf dem JN-Bundeskongre\u00df noch auf dem Landeskongre\u00df am 25. April in R\u00f6thenbach b. Altdorf, Landkreis N\u00fcrnberger Land, durchsetzen. Am 24. Oktober fand in Amberg eine unter dem Motto \"Ja zur Maxh\u00fctte -- Nein zur EG-Ausbeutung\" angek\u00fcndigte \"JN-Landesaktion\" statt. Vormittags verteilten JN-Mitglieder Flugbl\u00e4tter an Passanten. An der anschlie\u00dfenden gemeinsamen JN/NPD-Kundgebung zum Thema \"Situation der Maxh\u00fctte\" beteiligten sich bis zu 50 Personen. Die Demonstranten zeigten Transparente und Plakattafeln mit Aufschriften wie \"Deutschlands Zukunft -- Junge Nationaldemokraten\" und \"Ausl\u00e4nder-Stopp -- Deutschland den Deutschen -- NPD\". Im \u00fcbrigen beschr\u00e4nkten sich die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten in Bayern im wesentlichen auf die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Unterst\u00fctzung von Aktionen der NPD; ferner kandidierten bei der Bundestagswahl 1987 einige JN-Mitglieder als Bewerber der NPD, jedoch ohne Erfolg. 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der NHB mit Sitz in M\u00fcnchen wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD gegr\u00fcndet. Er steht in \"kritischer\" Solidarit\u00e4t zur NPD und vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr etwa 30 Mitglieder. Bundesvorsitzender ist seit Dezember 1987 Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen. Das Publikationsorgan \"NHB-Report\" erschien 1987 nicht mehr. Die Aktivit\u00e4ten des NHB beschr\u00e4nkten sich 1987 auf die Herausgabe von Flugbl\u00e4ttern und Aufklebern. In einer Presseerkl\u00e4rung vom 7. Januar k\u00fcndigte der NHB die Gr\u00fcndung von Hochschulgruppen in \u00d6sterreich an, um dort die \"wahren Anliegen der deutsch-\u00f6sterreichischen Studenten wahrnehmen\" zu k\u00f6nnen. Als erster Schritt werde \"die \u00d6ffentlichkeit in der BR Deutschland auf den 103","Gesinnungsterror und die Diskriminierung der Deutschen in \u00d6sterreich hingewiesen\" werden. Es blieb allerdings bisher bei dieser Absichtserkl\u00e4rung. 3. Deutsche Volksunion e.V. (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVU, die keine politische Partei ist, weist hinsichtlich ihrer ideologischen Ausrichtung weitgehend \u00dcbereinstimmung mit der NPD auf. Sie befa\u00dft sich mit \u00e4hnlichen Themen wie die NPD, ist jedoch in ihren Aussagen aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Im Gegensatz zur NPD und einigen anderen rechtsextremen Organisationen steht sie nationalistisch-neutralistischen Bestrebungen, die auf eine Losl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis hinauslaufen, ablehnend gegen\u00fcber. Zu den Schwerpunkten ihrer Agitation geh\u00f6rten wie im Vorjahr Versuche, die NS-Zeit insbesondere durch Leugnung oder Relativierung der Schuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg zu rechtfertigen bzw. zu verharmlosen. So behauptete die DVU, Churchill habe \"trotz mehrfacher Friedensangebote Deutschlands\" mit Unterst\u00fctzung Roosevelts seine \"Kriegspolitik\" fortgesetzt und am 3. September 1939 im britischen Rundfunk als Kriegsziel die \"Vernichtung Deutschlands\" propagiert. Die \"vorherrschende Umerziehungspropaganda\", die eine \"deutsche Alleinschuld\" am Ausbruch beider Weltkriege fingiere, sei \"Geschichtsklitterung\". Selbst kommenden Generationen solle \"bis ins siebte Glied\" oder gar f\u00fcr immer \"eine Kollektiwerantwortung zudiktiert, ein Kainsmal aufgebrannt werden\". Diese \"neue Erbs\u00fcnde\" m\u00fcsse es verhindern, da\u00df \"die Deutschen je als gleichberechtigte Nation in der V\u00f6lkerfamilie ihr Lebensrecht durchzusetzen verm\u00f6chten\". Die \"sich steigernden Pauschalanklagen gegen die Deutschen\" dienten nicht der Aufdeckung der historischen Wahrheit, sondern \"der Gehirnw\u00e4sche und Umerziehung der deutschen Jugend\". Unsere Politiker sollten \"endlich begreifen, da\u00df sie auf der Plattform immerw\u00e4hrender Alleijpschuldund Kollektiwerantwortungsanw\u00fcrfe gegen die Deutschen nur Position um Position zu Lasten unserer Nation aufgeben\". Breiten Raum widmete die DVU auch dem ehemaligen \"Stellvertreter des F\u00fchrers\" Rudolf He\u00df, den sie nach seinem Tod als \"Deutschlands Parlament\u00e4r\" und \"K\u00e4mpfer f\u00fcr den Frieden\" glorifizierte. Daneben war die DVU bestrebt, mit Schlagzeilen wie \"Noch mehr Rechte f\u00fcr Ausl\u00e4nder?\", \"Ausl\u00e4nder sollen Deutsche ersetzen\" und \"Kann Deutschland deutsch bleiben?\" rassistisch motivierte Vorurteile gegen Ausl\u00e4nder zu f\u00f6rdern. Zugleich warnte sie vor dem \"Zustrom weiterer Millionen Ausl\u00e4nder\", der die Deutschen langfristig in eine \"multikulturelle Gesellschaft\" umwandeln werde, und forderte eine \"Ausl\u00e4nderbegrenzung\" sowie Ma\u00dfnahmen gegen \"Asylbetr\u00fcger\". In diesem Zusammenhang agitierte sie auch gegen die \"Einwanderungsund Integrationsfanatiker in allen etablierten Parteien\", die u.a. durch Bestrebungen zur Einf\u00fchrung eines Ausl\u00e4nderwahlrechts den Deutschen \"zus\u00e4tzliche Stufen der \u00dcberfremdung\" zumuteten. Die antisemitische Haltung der DVU \u00e4u\u00dferte sich verdeckt in Kritik an der \"doppelten Moral\" des \"kriegsfreudigen Nah-Ost-Staates\" Israel, der \"zweierlei Ma\u00df\" anwende, indem erz\u00fcrn einen \"eine einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung allein zu Lasten Deutschlands\" betreibe, andererseits aber \"verurteilten Terroristen\" die lebenslangen 104","Haftstrafen verk\u00fcrze, sofern es sich dabei um \"j\u00fcdische ,Untergrundk\u00e4mpfer' gegen Pal\u00e4stinenser\" handle. Auch 1987 diffamierte die DVU demokratische Institutionen und ihre Repr\u00e4sentanten. So bezichtigte sie wiederholt f\u00fchrende Politiker der Union, sie seien \"nach Kr\u00e4ften bem\u00fcht, das deutsche Volk als ganzes zu belasten und selbst kommende Generationen der Deutschen in Kollektiwerantwortung zu nehmen\". Insbesondere griff sie den Bundespr\u00e4sidenten an, der als \"Selbstbezichtiger\" und \"Ankl\u00e4ger gegen Deutschland\" auftrete, durch \"st\u00e4ndige einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" von sich reden mache und sich \"seinen Persilschein f\u00fcr alle Lebenslagen bereits am 8. Mai 1985 verschafft\" habe, als er \"in seiner omin\u00f6sen Befreiungsrede den Umerziehern nach dem Munde redete\". Au\u00dferdem trat sie f\u00fcr die Abl\u00f6sung der \"ideologisch verkrusteten und sterilen Bonzokratie\" ein, die sich nicht als Diener des Volkes, sondern als \"Verdiener am Volke\" verstehe. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften nach eigenen Angaben \u00fcber 16.000, nach Erkenntnissen der Verfassungsschutzbeh\u00f6rden rund 12.500 (1986: 12.000) Mitglieder, davon etwa 2.300 (1986: 2.100) in Bayern. Bundesvorsitzender ist der Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr. Bernhard Steidle aus Bonn und Dr. Fritz von Randow aus Hamburg. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wie vor kaum eigene Initiativen. Im Verlag des DVU-Vorsitzenden erscheint der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von etwa 24.000 Exemplaren; erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch Herausgeber der mit dem DA teilweise inhaltsgleichen \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ) und Verleger der \"Deutschen Wochen-Zeitung\" (DWZ). Ist Ausl\u00e4nderwahlrecht noch zu verhindern? Die Bedrohung deutscher Interessen / s.s Deutscher Anzeiger Deutschland: Schuldig f\u00fcr immer? 105","3.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Einheit f\u00fcr Deutschland -- Freiheit f\u00fcr Europa\" veranstaltete die DVU am 15. August in der Nibelungenhalle in Passau ihre allj\u00e4hrliche Gro\u00dfkundgebung aus Anla\u00df des Baus der Berliner Mauer. Daran beteiligten sich \u00fcber 2.000 Personen, darunter etwa 400 G\u00e4ste aus \u00d6sterreich und S\u00fcdtirol. Erstmals waren auch mehrere Spitzenfunktion\u00e4re der NPD anwesend, so z.B. deren Generalsekret\u00e4r Walter Seetzen und der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug, der in seinem Gru\u00dfwort die \"Einheit der deutschen Patrioten\" forderte. Der DVU-Vorsitzende Dr. Gerhard Frey griff in seiner Rede die Bundesregierung an, die dem \"bedrohlichen Geburtenr\u00fcckgang\" der Deutschen nicht entgegenwirke, sondern mit ihrer Politik eine \"Umvolkung\" beabsichtige. Insbesondere kritisierte er die Reise des Bundesarbeitsministers nach Chile und die damit verbundenen Versuche, die \"Unzahl krimineller Ausl\u00e4nder in der Bundesrepublik\" um \"14 chilenische Kapitalverbrecher\" zu erh\u00f6hen. Den mit 20.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis\" erhielt Paul Pichler, ein ehemaliger Angeh\u00f6riger des S\u00fcdtiroler \"Widerstands\" der sechziger Jahre. Bei der im Rahmen der Kundgebung durchgef\u00fchrten DVU-Bundesversammlung best\u00e4tigten die Mitglieder den DVU-Vorsitzenden und seine beiden Stellvertreter in ihren Funktionen. Die Veranstaltung endete mit einem Referat des britischen Schriftstellers David Irving zum Thema \"Das Geheimnis des Martyriums von Rudolf He\u00df\". An einer Protestkundgebung gegen die DVU-Versammlung beteiligten sich bis zu 1.000 Personen, darunter Mitglieder der DKP, SDAJ, VVN-BdA, DFG-VK und MLPD sowie ein \"schwarzer Block\" von etwa 100 teilweise vermummten Angeh\u00f6rigen des autonomen Spektrums. Am Rande der DVU-Veranstaltung kam es zu Auseinandersetzungen mit politischen Gegnern, die u.a. versuchten, den Zugang zum Tagungslokal zu blockieren. Die Polizei nahm im Verlauf des Tages \u00fcber 20 Personen vor\u00fcbergehend fest. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU geschaffenen Aktionsgemeinschaften, deren Mitgliedsbeitr\u00e4ge vom DVU-Vorstand festgelegt werden, sind integrierte Bestandteile der DVU. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen erscheinen fast ausschlie\u00dflich in den \"nationalfreiheitlichen\" Wochenbl\u00e4ttern von Dr. Frey. Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet kraft Satzung gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Wie im Vorjahr traten diese Aktionsgemeinschaften mit eigenst\u00e4ndigen Aktionen kaum an die \u00d6ffentlichkeit. Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. 106","F\u00fcr Deutschlands Rechte DEUTSCHE VOLKSUNION e. V. (DVU) die f\u00fchrende \u00fcberparteiliche Bewegung der verfassungstreuen Rechten und freiheitlichen Mitte (Vorsitzender Dr. Gerhard Frey) Ehrenbund Rudel Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Aktion deutsche Einheit (AKON) setzt sich f\u00fcr die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands ein 0^ Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) arbeitet f\u00fcr ein Ende der Kriegsverbrecherprozesse gegen Besiegte des II. Weltkrieges Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will die Interessen des deutschen Volkes bei diesen Medien durchsetzen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I. f. A.) verteidigt den deutschen Charakter Deutschlands Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur k\u00e4mpft f\u00fcr den Erhalt des Lebens und der Heimat Werbeanzeige der DVU und ihrer Aktionsgemeinschaften (Auszug) Die Aktion Deutsche Einheit (AKON), die 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation entstanden war, schlo\u00df sich 1980 der DVU als Aktionsgemeinschaft an. Sie m\u00f6chte nach ihrer Satzung die \"Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit innerhalb gerechter Grenzen\" f\u00f6rdern und agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. So lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab und wendet sich gegen Versuche, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\". Die im Dezember 1980 gegr\u00fcndete Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (U.A.) betrachtet die \"Bewahrung des deutschen Charakters von Deutschland\" als Grundvoraussetzung des \"Weiterlebens unseres Volkes\" und wendet sich gegen den Mi\u00dfbrauch des Asylrechts durch \"Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge\". Die seit Januar 1982 bestehende Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) k\u00e4mpft gegen die \"linke bis linksradikale Tendenz\" von Rundfunkund Fernsehsendungen an, in denen gegen die \"Lebensrechte und Lebensinteressen des deutschen Volkes\" agitiert werde. Sie fordert eine \"angemessene W\u00fcrdigung der allesamt unges\u00fchnten Massenverbrechen an Deutschen und des andauernden Unrechts der Diffamierung, Entrechtung und Zerst\u00fcckelung des deutschen Volkes\". Der im Januar 1983 gegr\u00fcndete Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten wendet sich gegen die \"Verleumdung des deutschen Soldaten\" und will dessen Ansehen und Ehre unter strafrechtlichen Schutz gestellt wissen. 107","Der im November 1984 geschaffene Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt wurde 1986 in Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur umbenannt. Er versteht sich als \"\u00fcberparteiliche Vereinigung verantwortungsbewu\u00dfter Deutscher\" und fordert insbesondere den Schutz des deutschen Volkstums, der deutschen Sprache und der deutschen Kultur. Weggefallen ist die fr\u00fchere Zielsetzung \"Verst\u00e4rkter Umweltschutz\". Durch die Gr\u00fcndung solcher Aktionsgemeinschaften mit attraktiv niedrigen Beitr\u00e4gen hat sich die DVU zur mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremen Organisation im Bundesgebiet entwickelt. Die Wirksamkeit und Gef\u00e4hrlichkeit dieser Propagandainstrumente der DVU beruht insbesondere darauf, da\u00df sich ihre Aussagen nur auf Teilbereiche rechtsextremer Agitation beziehen und bei isolierter Betrachtungsweise vielfach nicht erkennen lassen, welche Grundhaltung hinter anscheinend unverf\u00e4nglichen, auch Nichtextremisten vermittelbaren Forderungen wie \"Ausl\u00e4nderbegrenzung\" oder \"Schutz der deutschen Kultur\" steht. 4. Deutsche Volksunion -- Liste D (DVU-Liste D) Die DVU-Liste D wurde am 5. M\u00e4rz in M\u00fcnchen unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung von Mitgliedern und Funktion\u00e4ren der DVU und der NPD gegr\u00fcndet. F\u00fcr den Beitritt zu dieser Partei, die zun\u00e4chst \"Deutsche Liste\" bzw. \"Deutsche Volksliste\" hei\u00dfen sollte, hatte ihr Initiator Dr. Gerhard Frey seit Ende November 1986 in seinen Wochenzeitungen geworben. Mit der Parteigr\u00fcndung sollte die \"seit Jahren zu beobachtende Zersplitterung nationaldemokratischer, nationalfreiheitlicher, konservativer und nationalliberaler Parteien und Gruppen durch Bildung eines rechten Wahlverbandes \u00fcberwunden und im parteipolitischen Kr\u00e4ftefeld in der Bundesrepublik Deutschland ein auf Wiederherstellung der nationalen Einheit und Freiheit des ganzen deutschen Volkes gerichteter neuer Anfang gesetzt werden\". Das Parteiprogramm ist bewu\u00dft zur\u00fcckhaltend formuliert, um politischen Gegnern m\u00f6glichst wenig Angriffsfl\u00e4chen zu bieten. Seine Hauptforderungen gleichen den von der DVU und ihren Aktionsgemeinschaften propagierten Zielen. So setzt sich die Partei mit Parolen wie \"Deutschland den Deutschen\", \"Deutschland zuerst\" und \"Gleichberechtigung f\u00fcr das deutsche Volk\" daf\u00fcr ein, den Ausl\u00e4nderanteil zu begrenzen und die weitere \"Zuwanderung von Heerscharen fremder Menschen\" in das Bundesgebiet zu stoppen, die deutsche Politik auf das Ziel der Wiedervereinigung zu konzentrieren, das \"EG-Bestrebungen\" vorgehen m\u00fcsse, mit den \"st\u00e4ndigen Schuldzuweisungen\" aufzuh\u00f6ren und die allein auf die Besiegten des Zweiten Weltkrieges beschr\u00e4nkte \"Verfolgung\" durch Erla\u00df einer l\u00e4ngst \"\u00fcberf\u00e4lligen Generalamnestie\" zu beenden. In Teilbereichen sind auch Parallelen zu Vorstellungen der NPD erkennbar, so z.B. im Eintreten f\u00fcr eine \"Abkehr von der EG-Massenproduktion\" zugunsten der Erhaltung des b\u00e4uerlichen Familienbetriebs. Die DVU-Liste D z\u00e4hlt derzeit bundesweit nach eigenen Angaben \u00fcber 6.000, nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes rund 2.500 Mitglieder, davon etwa 500 in Bayern. Bundesvorsitzender ist Dr. Gerhard Frey; sein Stellvertreter Dr. Fritz von Randow nimmt eine entsprechende Funktion auch in der \"\u00fcberparteilichen\" DVU wahr, die mit ihren Aktionsgemeinschaften als \"vorparla108","Neue Partei schafft den Durchbruch Der Wahltriumph der Deutschen Volksunion / s.8 DeuWdlB R2295C National-Zeitung S\u00fci\u00fcg * ..\".\"M/.2.-Q. IralheWtchB unabh\u00e4ngig\" \u00dcberparteilich aiSir,\"\"gtSPS.,S ^ L ^ *fltpt-,TOtOPS tr^lAu\"*\"! ' **\"\"* 1,-I */l\"\"\" \"Wrf P\"-\",-dfa / FlIii^FmH / OriMiv Tl Dr. / HB\". IM \" I IM. TW LH / I C IJi f/PaH W Ut. ? \" i n 1W W M / K -- 1M> PM / W W . 1- R/TBrtLTpn/UWUD\" Wie Verrat 2. Weltkrieg entschied mentarische Kraft\" weiterbesteht. Aus Anla\u00df der bevorstehenden B\u00fcrgerschaftswahl in Bremen wurde dort im Mai 1987 ein Landesverband der DVUListe D geschaffen. Auf einer Pressekonferenz am 6. M\u00e4rz in M\u00fcnchen erkl\u00e4rte Dr. Frey, die Gr\u00fcndung der DVU-Liste D sei notwendig geworden, da die angek\u00fcndigte \"Wende\" in der deutschen Politik ausgeblieben sei und die Bundesregierung in den Bereichen der Deutschlandund Ostpolitik, der inneren Sicherheit und der Ausl\u00e4nderbegrenzung v\u00f6llig versagt habe. Als \"unertr\u00e4glich\" bezeichnete es Dr. Frey, da\u00df ma\u00dfgebliche CDU-Politiker \"in \u00dcbersteigerung der Kollektiwerantwortungsanklagen von Heinemann und Brandt\" dem ganzen deutschen Volk \"ein Kainsmal aufdr\u00fccken\" wollten und \"sogar noch kommende Generationen der Deutschen\" f\u00fcr kollektiwerantwortlich erkl\u00e4rten. Zugleich k\u00fcndigte er an, da\u00df sich die neugegr\u00fcndete Partei am 13. September 1987 im B\u00fcndnis mit der NPD an der B\u00fcrgerschaftswahl in Bremen beteiligen werde. Nach einem mit hohem propagandistischem Aufwand gef\u00fchrten und von der NPD unterst\u00fctzten Wahlkampf entfielen bei der Wahl der Bremer B\u00fcrgerschaft am 13. September auf die DVU-Liste D rund 13.300 Stimmen (3,4%), davon 9.600 (3 %) in Bremen und 3.700 (5,4 %) in Bremerhaven. Aufgrund einer Besonderheit des Bremer Wahlrechts, wonach in Bremen und Bremerhaven eine getrennte F\u00fcnf-Prozent-Klausel gilt, errang die Partei damit ein Mandat in der B\u00fcrgerschaft. Bei der Wahl der Bremerhavener Stadtverordnetenversammlung am selben Tag erreichte die DVU-Liste D zwei Sitze. Der Parteivorsitzende Dr. Gerhard Frey bezeichnete das Wahlergebnis als \"phantastischen Erfolg\", der \"eine unheilige antideutsche Allianz tief geschockt\" habe. Gleichzeitig rief er zu Spenden, zum Abonnement seiner Zeitungen und zum Beitritt zur DVU-Liste D auf, damit sich \"das Fanal von Bremen\" bundesweit durchsetzen k\u00f6nne. Der NPD-Parteivorstand erkl\u00e4rte, das Wahlergebnis werde sich \"als Ermutigung und Best\u00e4rkung f\u00fcr alle Patrioten auswirken und zur nachhaltigen Ver\u00e4nderung der Parteienlandschaft in der Bundesrepublik Deutschland beitragen\". Es trage dar\u00fcber hinaus insofern zur politischen Kl\u00e4rung bei, als \"den Mitgliedern und W\u00e4hlern der erfolglosen Re109","publikaner nunmehr der Weg gewiesen\" sei, sich den \"vereinigten Nationalen\" anzuschlie\u00dfen. Auch der bayerische Landesvorstand begr\u00fc\u00dfte den Einzug der \"Liste D\" in das Bremer Landesparlament und sah darin \"ein erstes Indiz daf\u00fcr, da\u00df erfolgreiche Wahlteilnahmen nationaler Demokraten wieder m\u00f6glich sind\". Im Zusammenhang damit \u00e4u\u00dferte der Landesvorstand, die \"etablierten Bonner Parteien\" h\u00e4tten einen \"rechtsextremistischen Popanz\" aufgebaut, um \"von den eigenen politischen Schlammschlachten und ihren vulg\u00e4ren Intrigen abzulenken\". 5. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 5.1 Allgemeines Der Neonazismus (neuer Nationalsozialismus) umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.460 auf 1.520 gestiegen, darunter 260 (1986: 240) in Bayern. Etwa 1.380 (1986: 1.210) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 200 (1986: 160) in Bayern. Die Zahl der \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung traten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden, ist im Bundesgebiet gegen\u00fcber dem Vorjahr um rund 110 auf 140 zur\u00fcckgegangen, davon entfallen etwa 60 auf Bayern. Die 20 (1986: 23) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind zum Teil lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich teilweise auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. Neonazistische Gruppen legen Wert darauf, in der \u00d6ffentlichkeit Aufsehen zu erregen und dadurch eine Bedeutung vorzuspiegeln, die ihnen angesichts ihrer geringen St\u00e4rke und der Ablehnung durch die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Bev\u00f6lkerung tats\u00e4chlich nicht zukommt. Ihre Agitation ist vor allem durch Bestrebungen zur Wiedereinf\u00fchrung des NS-Systems, unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur gekennzeichnet. Teilweise ist auch eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist kritiklose \u00dcbernahme von Parolen der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt und zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. 5.2 \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger Nach dem Ende 1983 vom Bundesminister des Innern verf\u00fcgten Verbot der neonazistischen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) setzte sich deren bisheriger Organisationsleiter Michael K\u00fchnen an 110","die Spitze einer als \"Gesinnungsgemeinschaft\" gedachten \"Bewegung\", die sich der \"nationalsozialistischen Idee\" verpflichtet f\u00fchlt. Dieser Neonazikreis, der schon in seiner Bezeichnung unmittelbar an die NS-Terminologie ankn\u00fcpft und ein Instrument zur Steuerung neonazistischer Aktivit\u00e4ten darstellt, sucht die Ziele der verbotenen ANS/NA weiterzuverfolgen. Er setzt sich aus ehemaligen ANS/NA-Mitgliedern, aber auch aus Neuzug\u00e4ngen zusammen; ein Teil von ihnen ist Mitglied der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP). Organisatorische Basis ist das von K\u00fchnen im Mai 1984 initiierte \"Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers\" (KAH). Die von Gesinnungsgenossen K\u00fchnens herausgegebene Schrift \"Die Neue Front\" ver\u00f6ffentlichte auch 1987 \"Briefe aus der Haft\" des ehemaligen ANS/NA-Organisationsleiters, der bis 1. M\u00e4rz 1988 eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und vier Monaten wegen neonazistischer Propagandadelikte verb\u00fc\u00dfte. Seit 1986 ist die nach dem Vorbild des KAH streng hierarchisch gegliederte \"Bewegung\" in zwei rivalisierende Lager gespalten. Anla\u00df dieses Zerw\u00fcrfnisses war der von f\u00fchrenden Neonazis an die Adresse K\u00fchnens und seines Stellvertreters Thomas Brehl gerichtete Vorwurf der Homosexualit\u00e4t. Beide erkl\u00e4rten daraufhin zum 1. September 1986 ihren Austritt aus der \"Bewegung\". Ihre Nachfolge traten die Neonazis J\u00fcrgen Mosler und Volker Heidel an, deren Anh\u00e4nger ebenfalls eine Schrift mit der Bezeichnung \"Die Neue Front\" publizierten. Die Entscheidung K\u00fchnens, die \"Bewegung\" zu verlassen, stie\u00df bei seinen Gesinnungsgenossen zum Teil auf Unverst\u00e4ndnis. Einige erkannten die neue F\u00fchrung nicht an und riefen dazu auf, sich erneut um K\u00fchnen zu scharen. Dies wohl bewog ihn, seinen Austritt im Dezember 1986 zu widerrufen und die Konfrontation mit den \"Putschisten\" um Mosler zu suchen mit dem Ziel, selbst wieder die F\u00fchrung in der \"Bewegung\" zu \u00fcbernehmen. Die Fronten zwischen K\u00fchnens Anh\u00e4ngern und Gegnern haben sich seither zunehmend verh\u00e4rtet. So forderte K\u00fchnen die \"Nationalsozialisten der neuen Generation\" in der Februar-Ausgabe der Schrift \"Die Neue Front\" dazu auf, sich \"erbarmungslos\" von allen zu trennen, die \"keinen guten Willen zeigen und damit unsere Gemeinschaft aus einer Kampfgemeinschaft in einen zerstrittenen Haufen verwandeln w\u00fcrden\". In seinen \"Briefen aus der Haft\" bekannte sich K\u00fchnen ausdr\u00fccklich zur \"revolution\u00e4ren\" Weltanschauung des Nationalsozialismus, zum \"F\u00fchrer Adolf Hitler\" und zum \"politischen Soldatentum\" im Geiste und in der Tradition der SA. Er propagierte den politischen Kampf gegen das NS-Verbot und bezeichnete die \"Bewegung\" als \"politische Vorhut auf dem Marsch in das IV. Reich\". Nur die NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) sei ihr noch vergleichbar; beide bildeten \"die zwei Arme der nationalsozialistischen Bewegung\", und zwar die NSDAP-AO \"den illegalen im propagandistischen Untergrund\", die eigenen Anh\u00e4nger \"den legalen in aller \u00d6ffentlichkeit\". Allerdings habe die Spaltung der \"Bewegung\" in zwei verfeindete Gruppen \"Wirkung\" gezeigt. Viele Kameraden h\u00e4tten sich von Hetze und Intrigen beeindrucken lassen. Jetzt sei es an der Zeit, zu handeln und \"k\u00e4mpferisches Vorbild\" zu sein. Notfalls m\u00fcsse gegen die \"Kameradenhetzer\" auch gewaltsam vorgegangen werden; die \"Schonzeit\" sei vor\u00fcber. Gleichwohl gab sich K\u00fchnen \u00fcberzeugt, da\u00df es in absehbarer Zeit gelingen werde, die NSDAP neu zu gr\u00fcnden. Er k\u00fcndigte an, da\u00df er nach seiner Entlassung aus der Haft seine politische Arbeit 111","fortsetzen und innerhalb eines Jahres \"die Truppe wieder hochbringen und in eine politische Durchbruchsschlacht f\u00fchren\" werde. Die von K\u00fchnens Anh\u00e4ngern herausgegebene Publikation \"Die Neue Front\" ver\u00f6ffentlichte im Juni 1987 eine \"Gemeinsame Erkl\u00e4rung\" von Michael K\u00fchnen, Christian Worch und Thomas Brehl, in der die Leitung der \"Bewegung\" (Gruppe K\u00fchnen) neu geordnet wurde. Danach \u00fcbernahm der ehemalige ANS/ NA-Funktion\u00e4r Worch, der schon bisher Wortf\u00fchrer der K\u00fchnen-Anh\u00e4nger war, die \"Gesamtf\u00fchrung\". K\u00fchnen nennt sich \"Generalsekret\u00e4r\" des \"Komitees zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers\" (KAH). Sein ehemaliger \"Stellvertreter\" Brehl ist zust\u00e4ndig f\u00fcr neugegr\u00fcndete \"Vorfeldorganisationen\" und zugleich \"gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Stellvertreter des Generalsekret\u00e4rs\" des KAH. Zu diesen von K\u00fchnens Anh\u00e4ngern seit Januar 1987 angeblich gebildeten \"Vorfeldorganisationen\" geh\u00f6ren u.a. die \"Antizionistische Aktion\" (AA), die \"die Machenschaften des Zionismus anklagen\" will, das \"Antikommunistische Aktionsb\u00fcndnis\" (Antiko), das die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber die Bestrebungen von \"Kommunisten und ihren Handlangern\" informieren soll, sowie die \"Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung\" (VB\u00dc), deren Sprecher schon bisher Thomas Brehl war. Dabei handelt es sich um reine Propagandagebilde ohne jegliche organisatorische Struktur. Unter der Bezeichnung \"Arbeitsgemeinschaft Fr\u00e4nkisches Volk\" formierte sich in Nordbayern eine aus Anh\u00e4ngern K\u00fchnens bestehende Gruppierung, die im M\u00e4rz 1987 die Schrift \"Fr\u00e4nkisches Volk\" als \"Kampfblatt der nationalen und sozialistischen Bewegung im Gau Franken\" herausgab. Darin appellierte der \"Gauf\u00fchrer\" Franken an die Bereitschaft der \"Parteigenossen und Parteigenossinnen\", die Feinde des \"vom Idealismus getragenen Kampfes\" zu \"bezwingen, so wie sie schon einmal bezwungen worden sind!\". Au\u00dferdem rief er die Aktivisten dazu auf, \"einig und treu zu unseren alten Fahnen, zur Bewegung und zu unserem Chef Michael K\u00fchnen\" zu stehen, denn nur so lasse sich \"die Zukunft meistern\". F\u00fcnf Anh\u00e4nger K\u00fchnens verbreiteten am 18. Juli in Bayreuth Aufkleber mit der Forderung \"La\u00dft K\u00fchnen frei\"; au\u00dferdem verteilten sie Flugbl\u00e4tter der VB\u00dc, in denen es hie\u00df, nach zwei Weltkriegen erlebe unser Volk heute als \"dritten gro\u00dfen Krieg\" den \"\u00dcberfremdungskrieg\". Durch \"\u00dcberflutung mit Millionen fremdrassiger Menschen\" solle das deutsche Volk \"in seiner Substanz zerst\u00f6rt werden\". Am Ende stehe als Schreckensbild der \"neue Mensch\", der \"dunkelh\u00e4utig und schlitz\u00e4ugig\" sein werde. Die Polizei nahm drei Flugblattverteiler zur Feststellung der Personalien vor\u00fcbergehend fest. Die von K\u00fchnens Gegnern (Gruppe Mosler) publizierte Schrift \"Die Neue Front\" rief alle \"politischen Leiter\" und Aktivisten der \"Bewegung\" zur Mithilfe bei der \"Feindaufkl\u00e4rung\" auf. Dem \"Referat f\u00fcr Sicherheit\" falle die Aufgabe zu, die \"Kameraden\" vor Angriffen \"all unserer Gegner, von links bis rechts\" zu sch\u00fctzen und \"Gegenma\u00dfnahmen\" einzuleiten, die dann \"bis zur letzten Konsequenz durchund ausgef\u00fchrt werden\" m\u00fc\u00dften. In einer weiteren Ausgabe k\u00fcndigten die Verfasser nach dem \"Mord\" an Rudolf He\u00df \"ewige Rache\" an. Die \"nationalsozialistische Bewegung\" verneige sich \"vor seinem Opfer\". Die \"junge militante Bewegung\" werde die \"Zerst\u00f6rung eines besseren Deutschlands, dessen letzter Stellvertreter Rudolf He\u00df war\", den \"schleichenden V\u00f6l112","kermord durch Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" und die \"Knechtung der deutschen Arbeiterschaft durch das Gro\u00dfkapital\" r\u00e4chen. 5.3 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) Die im M\u00e4rz 1979 gegr\u00fcndete FAP, deren Satzung und Programm keine eindeutig rechtsextreme Zielsetzung erkennen lassen, war bis Ende 1983 eine politisch unbedeutende, auf den Raum Stuttgart beschr\u00e4nkte regionale Organisation. Nach dem Verbot der ANS/NA im Dezember 1983 hatte deren damaliger Organisationsleiter Michael K\u00fchnen zu verstehen gegeben, da\u00df die ANS/ NA ihre eigenen neonazistischen Bestrebungen unter dem Deckmantel der FAP fortzusetzen gedenke. Seither schl\u00f6ssen sich ehemalige ANS/NA-Anh\u00e4nger, die einen neuen organisatorischen Rahmen f\u00fcr ihre politischen Aktivit\u00e4ten suchten, der FAP an in der Absicht, sie entsprechend den Vorstellungen der ANS/NA umzufunktionieren. Von diesen Neonazis, die zugleich der von K\u00fchnen initiierten \"Bewegung\" angeh\u00f6ren, wird die FAP inzwischen ma\u00dfgeblich gesteuert. Die Spaltung der \"Bewegung\" in Anh\u00e4nger und Gegner K\u00fchnens f\u00fchrte zu internen Differenzen und teilweise Resignationserscheinungen auch bei FAP-Mitgliedern. Bundesvorsitzender der FAP ist Martin Pape aus Stuttgart; die \u00fcbrigen vier Mitglieder des Bundesvorstands sind ausnahmslos ehemalige Aktivisten der verbotenen ANS/NA. Die Organisation z\u00e4hlt bundesweit \u00fcber 500 (1986: \u00fcber 400) Mitglieder, von denen rund 80 (1986: 70) in Bayern aktiv sind. Landesverb\u00e4nde der FAP bestehen in Baden-W\u00fcrttemberg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Zu den in Bayern entstandenen Kreisverb\u00e4nden Ansbacher Land, Aschaffenburg, Bad Neustadt a.d. Saale, Berchtesgadener Land, Garmisch-Partenkirchen, G\u00fcnzburg, Kaufbeuren, M\u00fcnchen, Obermain und W\u00fcrzburg kamen 1987 die Kreisverb\u00e4nde Coburg und Kitzingen hinzu. Da die Mitglieder aus dem Bereich der \"Bewegung\" dem Bundesvorsitzenden allenfalls eine repr\u00e4sentative Funktion zubilligen, agieren die einzelnen Untergliederungen weitgehend selbst\u00e4ndig und f\u00fchlen sich an Papes Entscheidungen nicht gebunden. Die Aktivit\u00e4ten der FAP-Anh\u00e4ngerschaft in Bayern konzentrierten sich im wesentlichen auf interne Zusammenk\u00fcnfte und propagandistische Aktionen. So wurden in der Nacht zum 22. M\u00e4rz in Randersacker, Landkreis W\u00fcrzburg, Aufkleber der FAP mit den Aufschriften \"Ausl\u00e4nder raus\", \"Erbarmen die T\u00fcrken kommen -- 1.12.86\" und \"F\u00fcr Rasse und Nation\" verbreitet. Aufsehen erregte eine Schmieraktion im N\u00fcrnberger Fu\u00dfballstadion, bei der in der Nacht zum 25. April Rasen, Wandfl\u00e4chen und ein ZDF-\u00dcbertragungswagen mit Parolen wie \"La\u00dft He\u00df frei -- FAP\" bespr\u00fcht wurden. Auf der Haupttrib\u00fcne hinterlie\u00dfen die T\u00e4ter zahlreiche Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Wir klagen an\". Darin verwies die FAP auf die \"Isolationshaft\" von Rudolf He\u00df, der am 26. April 93 Jahre alt werde, und erkl\u00e4rte, sie f\u00fchre aus diesem Anla\u00df eine Aktionswoche f\u00fcr den \"Botschafter des Friedens\" mit dem Ziel seiner Freilassung durch. Kennzeichnend f\u00fcr das Erscheinungsbild der FAP war 1987 au\u00dferdem das vielfach militant gepr\u00e4gte Auftreten ihrer Anh\u00e4nger in der \u00d6ffentlichkeit. So erschienen zu einem bundesweiten Treffen am 1. Mai in Huglfing, Landkreis Weil113","heim-Schongau, rund 80 zum Teil uniform\u00e4hnlich gekleidete Personen, darunter auch Sympathisanten aus \u00d6sterreich und der Schweiz. W\u00e4hrend der Veranstaltung riefen die Teilnehmer mehrmals \"Sieg Heil\" und sangen Lieder aus der NS-Zeit. Beim Eintreffen der Polizei verlie\u00dfen sie fluchtartig das Lokal und fuhren mit ihren Fahrzeugen im Konvoi nach Weilheim. Dort marschierten sie in geschlossener Formation durch die Innenstadt und skandierten Parolen wie \"Ausl\u00e4nder raus\" und \"Sieg Heil\"; einige zeigten auch den \"Deutschen Gru\u00df\". Auf der R\u00fcckfahrt nach M\u00fcnchen wurde die Gruppe an einer in Starnberg errichteten Kontrollstelle angehalten. Die Polizei nahm 46 Personen vor\u00fcbergehend fest und stellte einen Schlagstock, zwei Messer und Propagandamaterial sicher. Ferner leitete sie ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Versto\u00dfes gegen das Versammlungsund Waffengesetz ein. Der FAP-Kreisverband Garmisch-Partenkirchen lud f\u00fcr den 27728. Juni zum \"I.Werdenfeiser Ausbildungslager\" ein, das den Teilnehmern \"Disziplin und milit\u00e4rische Haltung\" vermitteln sollte. Am 27. Juni fanden sich elf FAP-Aktivisten im Bereich von Grainau am vorgesehenen Lagerplatz ein, wo sie drei Zelte aufschlugen. Da sie uniform\u00e4hnliche Kleidung trugen, schritt die Polizei wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein und stellte Tarnanz\u00fcge, Stahlhelme und Koppel sowie NS-Embleme und NS-Liederb\u00fccher sicher. In N\u00fcrnberg und Aschaffenburg wurde Mitte bzw. Ende August die Druckschrift \"Deutscher Beobachter -- Die Zeitung f\u00fcr ein freies Deutschland\" verbreitet, f\u00fcr die ein FAP-Aktivist aus M\u00fcnchen, der zugleich eine f\u00fchrende Position in der \"Bewegung\" einnimmt, presserechtlich verantwortlich zeichnet. Darin warb die FAP in einer \"Anzeige\" um Mitglieder und erkl\u00e4rte, sie stehe \"dem Deutschen Beobachter politisch recht nahe\". Als eine \"Partei von ganz rechts\" vertrete die FAP \"einen nationalen, aber auch sozialistischen Kurs\". Am 10./11. Oktober fand in Burk, Landkreis Ansbach, ein Kadertreffen von Aktivisten der FAP und der hinter ihr stehenden \"Bewegung\" statt. Daran beteiligten sich rund 20 Personen. Zu der Veranstaltung war als Referent ein Rechtsanwalt aus Regensburg erschienen. Unter der Tarnbezeichnung \"Freunde der nationalen Publizistik\" veranstaltete die FAP am 5. Dezember in Dinkelsb\u00fchl, Landkreis Ansbach, eine \"Julfeier\". Vor rund 50 Teilnehmern sprachen der DDF-Vorsitzende Otto Ernst Remer und der ehemalige Vorsitzende der im Januar 1982 verbotenen neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/ PdA) Friedhelm Busse. Unter derselben Bezeichnung f\u00fchrte die FAP am 12. Dezember in Gmund-Moosrain, Landkreis Miesbach, eine weitere Feier mit rund 35 Teilnehmern durch, bei der wiederum Friedhelm Busse als Redner auftrat. Bei Wohnungsdurchsuchungen im Zusammenhang mit Ermittlungsverfahren wegen neonazistischer Propagandadelikte konnte die Polizei im Mai, Juli und Dezember bei FAP-Anh\u00e4ngern in den Landkreisen Ansbach und Bamberg zahlreiche Beweismittel und umfangreiches Propagandamaterial sicherstellen. 114","Das Amtsgericht N\u00fcrnberg verurteilte am 17. Juli einen Aktivisten der FAP aus dem Landkreis Ansbach wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Der Angeklagte hatte am 23. November 1985 in N\u00fcrnberg eine nicht angemeldete Protestaktion gegen die \"Internationale Konferenz\" anl\u00e4\u00dflich des 40. Jahrestages des Beginns des N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesses inszeniert. Die Gegendemonstranten -- \u00fcberwiegend FAP-Anh\u00e4nger -- hatten die Konferenzteilnehmer als \"Schweine\" und \"Parasiten\" beschimpft und Parolen wie \"Rotfront verrecke\" gerufen. In einer abgetrennten Verhandlung verh\u00e4ngte das Gericht gegen einen Neonazi aus Niedersachsen am 10. August eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten ohne Bew\u00e4hrung wegen Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz. Der wegen neonazistischer Aktivit\u00e4ten bereits mehrfach vorbestrafte Angeklagte war Initiator der nicht angemeldeten Protestaktion gewesen; er legte gegen das Urteil Berufung ein. Am 3. August verh\u00e4ngte das Landgericht N\u00fcrnberg-F\u00fcrth gegen einen FAPAktivisten drei Wochen Jugendarrest wegen Volksverhetzung und Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen. Der Angeklagte hatte Anfang Oktober 1986 im Raum Ansbach die Ausgabe Nr. 6 der \"FAPNachrichten\" verteilt, die unter der \u00dcberschrift \"Deutschland ist kein Urwald -- Ausl\u00e4nder raus\" vor einem bevorstehenden \"Chaos durch \u00dcberfremdung mit Ausl\u00e4ndern\" und vor einer \"Orientalisierung Deutschlands\" warnte. Au\u00dferdem waren in der Druckschrift SS-Runen abgebildet. Drei Anh\u00e4nger der FAP wurden am 3. Dezember vom Amtsgericht Laufen wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen bzw. Versto\u00dfes gegen das Versammlungsund Waffengesetz dazu verurteilt, Geldbetr\u00e4ge von 400 und 2.000 DM zugunsten gemeinn\u00fctziger Einrichtungen zu zahlen bzw. 80 Stunden gemeinn\u00fctzige Arbeit zu leisten. Bei vorangegangenen Ermittlungen hatte die Polizei am 4. Februar 1986 bei Mitgliedern und Sympathisanten der FAP im Raum Bad Reichenhall umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial, Schu\u00dfwaffen und Munition sichergestellt. 5.4 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die 1979 von Neonazis gegr\u00fcndete HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. z\u00e4hlt wie im Vorjahr rund 240 Mitglieder. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen finanziell und ideell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Daneben sollte es von Anfang an Aufgabe der HNG sein, den von Exekutivma\u00dfnahmen betroffenen Gesinnungsgenossen ein ihrer neonazistischen Anschauung entsprechendes politisches Kontaktund Aktionsfeld zu bieten. Zulauf erhielt sie vor allem aus Kreisen verbotener neonazistischer Organisationen, deren ehemalige Anh\u00e4nger die Ausrichtung der HNG zunehmend beeinflussen. So ist seit Februar 1984 die fr\u00fchere ANS/NA-Aktivistin Christa Goerth aus Bielefeld Vorsitzende der HNG. Nach der Inhaftierung des ehemaligen ANS/NA-Funktion\u00e4rs Christian Worch im M\u00e4rz 1985 wurde das Amt des Schriftleiters der HNG-Publikation \"Nachrichten der HNG\" dem f\u00fchrenden FAP-Aktivisten Volker Heidel aus Hannover \u00fcbertragen, der einst der 1982 verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) angeh\u00f6rt hatte. 115","NACHRICHTEN DER Nr. 91 Dezember 1987 Herausgeber: Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG). - Schriftleiter und verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: Volker Heidel, Postfach 510372, 3000 Hannover 51. - Erste Vorsitzende der HNG: Christa Goerth, Postfach 140412, 4800 Bielefeld 14 Postgirokonto Frankfurt/M Nr. 14290S - 607 Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Insbesondere war eine rege Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Schwesterorganisation \"Comite Objectif entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. Die HNG ver\u00f6ffentlichte in ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt regelm\u00e4\u00dfig Listen, Anschriften und Briefe von \"nationalen politischen Gefangenen\", darunter auch von rechtsterroristischen Gewaltt\u00e4tern. In Bayern trat sie im Juli und August in Bayreuth durch Verbreitung von Plakaten mit Aufschriften wie \"Freiheit f\u00fcr Michael K\u00fchnen\" und \"Freiheit f\u00fcr alle verfolgten Nationalisten\" in Erscheinung. 5.5 Nationalrevolution\u00e4re Unter der Bezeichnung \"Nationalrevolution\u00e4re\" tritt seit Mai 1986 in M\u00fcnchen eine Gruppierung in Erscheinung, die sich zwei Monate zuvor wegen interner 116","Differenzen von der neonazistischen Nationalistischen Front (NF) mit Sitz in Bielefeld getrennt hatte. Die vom fr\u00fcheren 2. stellvertretenden NF-Vorsitzenden Josef Heggmair geleitete Gruppe z\u00e4hlt wie im Vorjahr etwa 20 Mitglieder. In ihrem Grundsatzprogramm, das in Aufbau und Inhalt mit dem der NF nahezu \u00fcbereinstimmt, fordern die Nationalrevolution\u00e4re die \"antiimperialistische Nationale Befreiung von fremder Macht und ihren deutschen Handlangern\", die \"Schaffung eines gesicherten und geeinten Lebensraumes der deutschen Menschen in Europa\" und den \"Kampf f\u00fcr ein biologisch gesundes Volk\", wobei die \"Sozialpolitik einer lebensrichtigen Humanit\u00e4t\" nicht der \"Unterst\u00fctzung sozialer, kultureller oder ausl\u00e4ndischer Randgruppen\", sondern \"ausschlie\u00dflich der F\u00f6rderung und Sicherung der deutschen Familie und des eigenen Volksnachwuchses zu dienen\" habe. Ferner wenden sie sich gegen eine \"weitere fremdv\u00f6lkische Einwanderung\" und propagieren eine \"lebensrichtige Neue Ordnung\" in einer dem \"Gemeinsinn und dem Volksinteresse\" dienenden \"Volksgemeinschaft der Zukunft\". Die Agitation der Gruppierung weist \u00e4u\u00dferlich auch Ber\u00fchrungspunkte zum Linksextremismus auf; eine Bereitschaft zur Kooperation mit Linksextremisten ist jedoch wegen der in Wirklichkeit un\u00fcberbr\u00fcckbaren ideologischen Gegens\u00e4tze nicht vorhanden. So traten die Nationalrevolution\u00e4re in einem am 10. Januar in M\u00fcnchen festgestellten Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"Grunds\u00e4tze unseres Wollens\" f\u00fcr eine nationalistische, sozialistische , \u00f6kologische, kulturelle und demokratische Revolution ein. Sie forderten einen \"emanzipatorischen, gegen jede Form von Imperialismus gerichteten Nationalismus neuen Typs\" und erkl\u00e4rten, die \"nationale Frage\" k\u00f6nne \"nicht losgel\u00f6st von der Klassenfrage gestellt werden\". Daraus ergebe sich \"die Notwendigkeit, befreiungsnationalistischen und antikapitalistischen Kampf zu verbinden\". Die Verfasser bef\u00fcrworteten au\u00dferdem \"einen eigenen, den nationalen Besonderheiten entsprechenden Weg zum Sozialismus\", die \"genossenschaftliche Verf\u00fcgungsgewalt der Arbeitenden \u00fcber die Produktionsmittel\" und den \"Klassenkampf aller Werkt\u00e4tigen gegen das Kapital und seine Helfer\". Zwei Aktivisten der Nationalrevolution\u00e4re wurden am 2. M\u00e4rz bei der Einreise nach Frankreich von den franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden zur\u00fcckgewiesen. Im Gep\u00e4ck der beiden befand sich eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Aufklebern, auf denen die Gruppierung zum \"Volkskampf\" und Widerstand gegen \"Fremdherrschaft und Kapital\" aufrief und eine \"Volksherrschaft statt Diktatur des Kapitals\" zur Erreichung eines \"unabh\u00e4ngigen, vereinten und sozialistischen Deutschlands\" forderte. Die gleichen Aufkleber wurden in der Nacht zum 2. April in Planegg bei M\u00fcnchen verbreitet. In einer Mitte April in M\u00fcnchen verteilten Flugschrift \"F\u00fcr die Sache des Volkes\" propagierte die Gruppierung die \"Nationale Befreiung\" durch Entmachtung der \"Konzerne und Militaristen in unserem Land\". Ferner trat sie mit der Parole \"Alle Macht dem Volke!\" f\u00fcr eine \"neue, von direkter Mitwirkung gepr\u00e4gte Form der Demokratie mit Einwohnerversammlungen, Volksbefragungen, Volksabstimmungen und Volksentscheid\" ein. Unter der \u00dcberschrift \"Den Geist von Jalta \u00fcberwinden\" forderten die Nationalrevolution\u00e4re in einem am 23. September in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt als Voraussetzung f\u00fcr einen \"vereinten und souver\u00e4nen deutschen Nationalstaat\" 117","den \"Abzug aller fremden Truppen samt ihren Waffensystemen aus ganz Deutschland\" und den \"Aufbau eines freien und volksbezogenen Sozialismus in einer gesamtdeutschen Volksrepublik\". In ihrem Ende 1987 bekanntgewordenen, f\u00fcr \"Kampfgenossen und Interessenten\" bestimmten Rundbrief \"NR-Info-Dienst\" erkl\u00e4rten die Nationalrevolution\u00e4re, nur durch den \"Sturz der herrschenden NATO-, EGbeziehungsweise Ostblock-Fanatiker in BRD und DDR\" k\u00f6nne \"ein volksbezogener Sozialismus aufgebaut werden und eine wirkliche Volksherrschaft an die Stelle der sich demokratisch nennenden Systeme treten\". Ziel sei nicht eine Wiedervereinigung, die den \"American way of life\" nach Osten exportiere, sondern die \"Neuvereinigung Deutschlands auf revolution\u00e4rer Grundlage\". In einer weiteren Ausgabe dieses Rundbriefes glorifizierten sie Rudolf He\u00df als \"Symbolfigur der Entrechtung Deutschlands\" und erkl\u00e4rten, He\u00df werde \"als d e r M\u00e4rtyrer des zwanzigsten Jahrhunderts in die Geschichte eingehen\". 5.6 Deuische B\u00fcrgerinitiative (D8I) Der 1982 als R\u00e4delsf\u00fchrer der rechtsterroristischen Deutschen Aktionsgruppen (DA) zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte ehemalige DBI-Leiter Manfred Roeder verfa\u00dfte in der Haft weiterhin Beitr\u00e4ge f\u00fcr die auch in Bayern verbreiteten Publikationen der DBI. Im 65. Rundbrief der \"Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung\" behauptete er, das \"gottverfluchte Albion\" sei der wahre Schuldige am \"Martyrium von Rudolf He\u00df\". Au\u00dferdem forderte er die Losl\u00f6sung Deutschlands vom \"verderblichen Einflu\u00df\" der fest in \"j\u00fcdisch-zionistischer Hand\" befindlichen USA. Den 68. Rundbrief an seine Anh\u00e4nger vom August 1987 widmete Roeder einem Nachruf auf Rudolf He\u00df, der jetzt \"den Weg nach Walhall\" beschritten und Deutschland \"von aller Schuld\" reingewaschen habe. Noch im Tod habe der \"letzte Repr\u00e4sentant des 3. Reiches\" \u00fcber die \"Sieger und Meinungsmacher\" triumphiert. Der \"Vertreter der reinen Lehre des Nationalsozialismus\" habe n\u00e4mlich als \"letzter und gr\u00f6\u00dfter Repr\u00e4sentant einer idealistischen Weltanschauung\" den Alliierten nicht den Gefallen getan, \"diese Idee\" f\u00fcr falsch und verbrecherisch zu erkl\u00e4ren; erst damit aber w\u00e4re Deutschland von diesen wirklich besiegt und \"ihr Krieg und ihre Verbrechen gerechtfertigt\" gewesen. Inzwischen geh\u00f6re die \"Verteufelung\" des Nationalsozialismus zum \"Glaubensbekenntnis der Sieger und ihrer Lakaien\". \"Alle Verantwortlichen des 3. Reiches\" h\u00e4tten indes \"gekaufte oder eingesch\u00fcchterte Historiker\", die \"von .einmaligen deutschen Verbrechen' faseln\", L\u00fcgen gestraft und \"W\u00fcrde und Anstand bis zum letzten Atemzug\" bewahrt. In diesem Zusammenhang komme dem Leben und Sterben von Rudolf He\u00df \"eine weithistorische, kulturgeschichtliche, ja religi\u00f6se Dimension zu\". Er habe nicht geduldet, da\u00df \"die Epoche des 3. Reiches zu einem Verbrecheralbum erkl\u00e4rt wird\", sondern klargestellt, da\u00df es \"f\u00fcr einen normalen Deutschen nichts zu bereuen\" gebe. Sein \"Festhalten an dem Guten, an das er und alle unsere V\u00e4ter geglaubt haben\", er\u00f6ffne uns den \"Wiedereinstieg in die eigene Geschichte\" und eine \"R\u00fcckbesinnung auf unser wahres Wesen, das niemals verbrecherisch war\". 118","5.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitischen und sonstigen rassistischen Vorf\u00e4lle erh\u00f6hte sich gegen\u00fcber dem Vorjahr von 233 auf 274. In weiteren 120 (1986: 223) F\u00e4llen war ein rechtsextremes Motiv nicht vorhanden bzw. nicht erkennbar (z. B. beim Verwenden von NS-Symbolen als Mittel der politischen Diffamierung). Allein in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg ereigneten sich mit 80 (1986: 72) bzw. 12 (1986: 7) rund 34 % (1986: 34 %) aller 274 Vorf\u00e4lle (ohne allgemeine Verdachtsf\u00e4lle). Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Juden raus\", \"T\u00fcrken raus\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" angebracht wurden. Anl\u00e4sse f\u00fcr Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NS-Symbolen an Kleidungsst\u00fccken, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen bzw. antisemitischen Motiven. So warfen unbekannte T\u00e4ter auf einer Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr Opfer des NS-Regimes bei Kaufering, Landkreis Landsberg a.Lech, zwei Grabsteine um; au\u00dferdem schmierten sie SS-Runen, ein Hakenkreuz und Parolen wie \"NSDAP\" und \"Juden vergasen\". Die Friedhofsch\u00e4ndung wurde am 27. April entdeckt, nachdem sich eine \"Deutsche Nationalsozialistische Front\" gegen\u00fcber einem Mitarbeiter einer Presseagentur in Augsburg telefonisch der Tat bezichtigt, die Freilassung von Rudolf He\u00df gefordert und weitere Aktionen angek\u00fcndigt hatte. Aufsehen erregte auch ein Treffen von \u00fcber 100 Skinheads am 15. August in Lindau (Bodensee). Die Teilnehmer zogen in mehreren Gruppen durch die Innenstadt und riefen Parolen wie \"Ausl\u00e4nder raus\" und \"Sieg Heil\". Ein farbiger Angeh\u00f6riger eines US-Fernsehteams wurde t\u00e4tlich angegriffen; zwei Geistliche, die ihn sch\u00fctzen wollten, wurden gleichfalls mi\u00dfhandelt. Die Polizei nahm 75 St\u00f6rer vor\u00fcbergehend fest, darunter 20 Ausl\u00e4nder. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 126 F\u00e4llen (1986: 163). Unter den ermittelten 174 T\u00e4tern (1986: 221) befanden sich 39 (1986: 34) Minderj\u00e4hrige. In 10 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1987 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des neonazistisch gepr\u00e4gten Auftretens von Skinheads und Fu\u00dfballfans, die z.B. Hakenkreuze oder SS-Runen an der Kleidung trugen, erbrachten in Einzelf\u00e4llen auch Hinweise auf eine diesem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild entsprechende politische Motivation der T\u00e4ter, so auch bei Teilnehmern des Skinheadtreffens in Lindau. Ein gruppenbezogenes Zusammenwirken von Fu\u00dfballfans bzw. Skinheads einerseits und Neonazis andererseits war hingegen in Bayern auch 1987 nicht feststellbar. 6. Sonstige rechtsextreme Organisationen 6.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete DB bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\". Er h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\", lehnt 119","\"rassischen Mischmasch\" ab und tritt f\u00fcr die \"Wiedereinf\u00fchrung eines Pflichtarbeitsdienstes\" ein. Die Gruppierung mit Sitz in Memmingen z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 90 (1986: 30) Mitglieder, davon etwa die H\u00e4lfte in Bayern, wo sie in den Kreisverb\u00e4nden \"Ritter von Epp\", M\u00fcnchen, und \"Fritz Pl\u00f6tz\", Wolfratshausen, organisiert sind. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel aus Memmingen. Am 17. Juni hielt der DB am \"Schlageter-Felsen\" bei Kleinwendem, Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge, seine allj\u00e4hrliche Feier zum Gedenken an Albert Leo Schlageter ab, der im Mai 1923 von der damaligen franz\u00f6sischen Besatzungsmacht wegen zahlreicher Attentate zum Tod verurteilt und hingerichtet worden war. An der Veranstaltung nahmen rund 70 Personen teil. Auf den Schleifen eines w\u00e4hrend der Feier niedergelegten Kranzes w\u00fcrdigten der DB und sein nur noch nominell bestehender \"Jugendbund Adler\" den hingerichteten Freikorpsangeh\u00f6rigen als \"K\u00e4mpfer\" und \"Vorbild\". Au\u00dferdem f\u00fchrte der DB 1987 in M\u00fcnchen einige Vortragsveranstaltungen und Filmabende durch. Auf Flugbl\u00e4ttern wandte er sich gegen die \"Verf\u00e4lschung unserer Geschichte durch linke oder umerzogene Lehrer\" und die \"Diffamierung\" des deutschen Soldaten \"durch die Medien und volksfeindlichen Kr\u00e4fte, die den Krieg ewig fortsetzen m\u00f6chten\". 6.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete WJ ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue nordl\u00e4ndische\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht und ihre \"k\u00e4mpferische\" Weltanschauung betont. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" in sozialdarwinistischer Weise als \"entscheidende Kraft im Leben\". Die in Gaue gegliederte WJ mit Sitz in Stolberg/Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 380 Mitglieder, davon etwa 60 in Bayern. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg. Die fr\u00fchere Untergliederung der Gaue in Horste wurde 1987 offenbar aufgegeben. Die WJ unterh\u00e4lt Kontakte zu Jugendgruppen gleichen Namens und gleicher Zielsetzung in Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Spanien und in den Niederlanden. Publikationsorgan des Bundes ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Schrift \"Wikinger\". Die T\u00e4tigkeit der WJ war 1987 von internen Auseinandersetzungen gepr\u00e4gt. Besonders der vom WJ-Bundesf\u00fchrer vertretene Kurs einer engen Zusammenarbeit mit Neonazis traf auf heftige Kritik eines Teils der Funktion\u00e4re und der Basis. H\u00f6hepunkt des Streits war im September die Abspaltung einer au\u00dferbayerischen Oppositionsgruppe, die anschlie\u00dfend den \"Sturmvogel-Deutscher Jugendbund\" und den dazu geh\u00f6renden Arbeitskreis \"Junge Familie\" gr\u00fcndete. Rund 25 Personen nahmen am 15. November im Friedhof von Wunsiedel an einer von der WJ veranstalteten \"Heldenehrung\" teil. Sie legten an der Stelle, wo Rudolf He\u00df urspr\u00fcnglich bestattet werden sollte, einen Kranz nieder, auf 120","dessen Schleifen die Buchstaben \"s\" der Aufschriften \"Treue und Ehre -- Wiking-Jugend\" und \"Rudolf Hess -- Unser Vorbild\" als Siegrunen wiedergegeben waren. Als der Veranstaltungsleiter eine mit \"Heil\"-Rufen eingeleitete Ansprache begann, l\u00f6ste die Polizei die Versammlung auf, stellte die Personalien der Teilnehmer fest und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Vom 27. Dezember 1987 bis 1. Januar 1988 f\u00fchrten rund 70 WJ-Angeh\u00f6rige in Gem\u00fcnden a. Main ein Bundeswinterlager durch. Am 31. Dezember veranstaltete die WJ in Fladungen, Landkreis Rh\u00f6n-Grabfeld, eine Silvesterfeier, zu der sich rund 200 Mitglieder und G\u00e4ste einfanden. Gegen Mitternacht verlie\u00dfen sie das Veranstaltungslokal und begannen eine Versammlung unter freiem Himmel, indem sie sich zu einem Fackelzug aufstellten, kurze Reden hielten und Lieder, u. a. das Deutschlandlied, sangen. Die Polizei l\u00f6ste die nicht angemeldete Kundgebung auf, stellte anschlie\u00dfend die Personalien von 112 Teilnehmern fest und leitete Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz ein. Die im Januar 1985 von Aktivisten der WJ und FAP als gemeinsame Aktionsplattform gegr\u00fcndete Volkstreue au\u00dferparlamentarische Opposition (VAPO) trat am 8. Mai in Aschaffenburg durch Verbreitung von Aufklebern mit der Forderung \"La\u00dft He\u00df frei -- sperrt Reagan ein\" in Erscheinung. 121","6.3 Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Die 1960 in Frankfurt a. M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GFP stellt vor allem ein Podium f\u00fcr Publizisten dar, die rechtsextremes Gedankengut vertreten. Sie will in einer angeblich \"durch Siegerrechte und Besiegtenpflichten beschr\u00e4nkten \u00d6ffentlichkeit\" eine \"Freistatt f\u00fcr den deutschen Gedanken und das deutsche Wort\" schaffen und erhalten. So wendet sie sich gegen die \"Entstellungen in der deutschen Geschichtsbetrachtung\" und die \"unwahren Darstellungen der Ursachen und Hintergr\u00fcnde beider Weltkriege\" sowie \"gegen jede Unterdr\u00fcckung der Meinungsvielfalt\". In Wirklichkeit scheint sich ihr \"geistiger Kampf\" in erster Linie gegen die Indizierung rechtsextremer Ver\u00f6ffentlichungen durch die Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften zu richten. Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 400 (1986: 375) Mitglieder. Vorsitzender ist seit Mai 1985 Dr. Gert Sudholt. Als Publikationsorgan erscheint viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Das Freie Forum\". Unter dem Motto \"Revisionismus in der Zeitgeschichte\" hielt die GFP vom 23. bis 25. Oktober in Kassel ihren Jahreskongre\u00df ab, an dem \u00fcber 200 Personen teilnahmen. Die Redner w\u00fcrdigten Adolf Hitler als \"K\u00e4mpfer f\u00fcr eine deutsche Volksgemeinschaft\" und erkl\u00e4rten, Rudolf He\u00df habe sich \"um unser deutsches Volk verdient gemacht\". Das \"Siegertribunal von N\u00fcrnberg\" sei \"Rachejustiz\" gewesen, mit der \"der verlogene Kreuzzug der Alliierten sein Ziel erreichen\" sollte, n\u00e4mlich \"den Nationalsozialismus als ebenso verbrecherisch wie typisch deutsch zu bezeichnen\". Ferner kritisierten sie, da\u00df die offizielle Zeitgeschichtsforschung bisher im wesentlichen das den Deutschen von den Siegern \"aufgezwungene\" Geschichtsbild der \"Umerziehung\" vertreten habe. In einer Entschlie\u00dfung warnten die Teilnehmer davor, aus \"Sorge um die Erhaltung des deutschen Volkes\" vorgetragene Gedanken zu verketzern und damit Hinweise auf die gef\u00e4hrlichen Folgen einer \"\u00dcberfremdung\" zu unterdr\u00fccken. 6.4 Freundeskreis Ulrich von Hutten Der im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von Hutten mit Sitz in Starnberg vertritt rechtsextreme, insbesondere rassistische Thesen. So wandte sich die Vereinigung gegen die \"zum Glaubenssatz erh\u00e4rtete Lehre von der Gleichheit aller Menschen\", die verkenne, da\u00df \"Menschen und V\u00f6lker aus ihren rassischen Urspr\u00fcngen\" gerade \"geistig sehr verschieden geartet\" seien, und betonte, da\u00df das Volk eine gewachsene \"Blutsund Lebensgemeinschaft\" sei, die \"als ein lebensgesetzlich pulsierender Organismus nicht zerst\u00f6rt werden\" d\u00fcrfe. So wie der Wald jede St\u00f6rung von au\u00dfen mit Krankheit beantworte, k\u00f6nne auch ein Volk erkranken und sterben, wenn es von au\u00dfen durch die \"Aufnahme fremder Blutsanteile\" gest\u00f6rt werde. Wer nur den Wald retten und sein eigenes Volk der Zerst\u00f6rung und Aufl\u00f6sung preisgeben wollte, vergehe sich \"am Lebensgesetz, das er auch f\u00fcr sein Volk heilig halten sollte\". Ferner verbreitete die Gruppierung die Behauptung, die \"Zerst\u00f6rung Deutschlands\" sei \"Programmpunkt Nummer eins in England seit 1934\" gewesen. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4tten \"die Feinde Deutschlands endlich die M\u00f6glichkeit schaffen\" wollen, \"ihre Vorstellung von Versailles zu 122","5. Jahrgang August--September 1987 Folge 4 realisieren: Die Teilung Deutschlands, die Zerst\u00f6rung seiner Kultur und Wirtschaftsmacht und die Brechung der biologischen Kraft des deutschen Volkes\". Hitler habe \"mit allen Mitteln einen Krieg mit Polen vermeiden\" wollen. Der \"wahre Anstifter\" des Zweiten Weltkriegs sei US-Pr\u00e4sident Roosevelt gewesen. . Der Freundeskreis z\u00e4hlt wie im Vorjahr bundesweit etwa 300 Mitglieder. Vorsitzende ist die Pr\u00e4sidentin der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch, die zugleich die von Mitgliedern des Freundeskreises Ende M\u00e4rz 1987 gegr\u00fcndete \"Notgemeinschaft f\u00fcr Volkstum und Kultur\" mit Sitz in Miesbach leitet. Die Aktivit\u00e4ten des Freundeskreises bestanden 1987 vorwiegend in der Herausgabe und Verbreitung des Publikationsorgans \"Huttenbriefe -- f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\". Die Schrift bezeichnete Rudolf He\u00df in einem Nachruf als \"leuchtendes Vorbild\" f\u00fcr die deutsche Jugend. Sie erkl\u00e4rte, Deutschlands Feinde h\u00e4tten den Verstorbenen zum M\u00e4rtyrer werden lassen und damit \"ungewollt den Preis gezahlt, den die Geschichte f\u00fcr jedes Heldentum bereit h\u00e4lt, indem sie es unsterblich macht\". Ihr \"Rachedurst\" habe sich \"an seiner Unbeugsamkeit messen wollen\"; jedoch sei ihre \"Niedertracht\" an seiner \"Seelengr\u00f6\u00dfe\" abgeglitten. 6.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Die DDF wurde am 1. April 1983 auf Initiative ihres derzeitigen Vorsitzenden, des fr\u00fcheren Generalmajors der Wehrmacht Otto Ernst Remer, nach dessen Trennung vom Freundeskreis Ulrich von Hutten gegr\u00fcndet. Der Sitz der etwa 130 (1986: 70) Mitglieder z\u00e4hlenden Gruppierung wurde 1987 von Kaufbeuren nach Bad Booklet, Landkreis Bad Kissingen, verlegt. Verbindungen bestehen u.a. zur FAP. Die DDF verfolgt vor allem rassistische und nationalistisch-neutralistische Bestrebungen. So wendet sie sich gegen die \"in Unkenntnis oder bewu\u00dfter Ignorierung der wissenschaftlichen Erkenntnisse \u00fcber die Ungleichheit der Menschen\" betriebene Ausl\u00e4nderpolitik und fordert \"brauchbare Gesetze zum Schutze vor \u00dcberfremdung\", um dadurch einem \"V\u00f6lkermord am deutschen Volk\" begegnen zu k\u00f6nnen. Insbesondere warnt sie vor \"schizophrenen Pl\u00e4123","Der Bisnis nen\", die \"bereits \u00fcberv\u00f6lkerte Bundesrepublik in ein Einwanderungsland zu verwandeln\", da \"das deutsche Volk in dem auf solche Weise geschaffenen biologischen Schmelztiegel seine ethnische Eigenart \u00fcber kurz oder lang unweigerlich verlieren\" w\u00fcrde. Ferner propagiert sie den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO, eine Politik \"bewaffneter Neutralit\u00e4t\" nach dem Vorbild Schwedens und eine \"Allianz mit Moskau\", da sich die \"Existenz des deutschen Volkes\" nur in einer \"deutsch-russischen Schicksalsgemeinschaft\" sichern lasse. In ihrem Organ \"Der Bismarck-Deutsche\" behauptete die DDF, Deutschland sei im Jahre 1939 \"lediglich auf einen Defensiv-Krieg eingestellt\" gewesen. Hitler habe damals \"trotz des unfertigen Zustands der deutschen Wehrmacht das Risiko eines blitzartigen Pr\u00e4ventivkrieges gegen Polen in Kauf genommen\", um \"durch das Ausr\u00e4umen dieses Gefahrenherdes Nummer eins entweder die 124","M\u00f6glichkeit der Fortsetzung seiner Friedenspolitik zu erreichen oder sich einen Zeitgewinn zu verschaffen, um unter besseren Voraussetzungen einem m\u00f6glicherweise sp\u00e4ter erzwungenen Krieg entgegensehen zu k\u00f6nnen\". Zu Unrecht sei Hitler daher schon 1933/34 beschuldigt worden, f\u00fcr einen Angriffskrieg aufzur\u00fcsten. Diese \"vom Ausland kommenden L\u00fcgen\" seien \"zum Teil sozialdemokratischen Emigrantenkreisen\" zuzurechnen gewesen und h\u00e4tten lediglich dazu gedient, die \"von Deutschland geforderte Abr\u00fcstung zu sabotieren\". Allerdings sei \"die Masse unseres Volkes nach wie vor so t\u00f6richt, dies nicht zu durchschauen\", und glaube lieber ihren \"Umerziehern\", insbesondere der von ihr gew\u00e4hlten Regierung und den sie tragenden Parteien, die \"aus durchsichtigen Gr\u00fcnden durch bewu\u00dft falsche Darstellung der geschichtlichen Ereignisse das Volk f\u00fcr dumm verkaufen\". Die Schrift glorifizierte Rudolf He\u00df in einem Nachruf als \"Friedensflieger\", der den Bombenkrieg, den \"England verschuldet und begonnen\" habe, beenden wollte, aber \"an der Kriegsl\u00fcsternheit und dem Ha\u00df Churchills gescheitert\" sei. Das Amtsgericht Kaufbeuren verh\u00e4ngte im August 1987 gegen Remer einen Strafbefehl \u00fcber 600 DM, da er im Buchdienst der DDF das von der Bundespr\u00fcfstelle f\u00fcr jugendgef\u00e4hrdende Schriften indizierte Buch \"Aus deutscher Sicht\" angeboten hatte. Ferner mu\u00df sich Remer im Zusammenhang mit seinem Verhalten bei einem Kameradschaftstreffen ehemaliger Angeh\u00f6riger der Waffen-SS im Mai 1985 in Nesselwang erneut vor Gericht wegen Beleidigung und Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener verantworten; er war deswegen in einem wegen eines Verfahrensfehlers aufgehobenen Urteil zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten mit Bew\u00e4hrung und einer Geldbu\u00dfe von 1.000 DM verurteilt worden. Am 12. Dezember fand in Bad Kissingen eine Mitgliederversammlung der DDF mit rund 30 Teilnehmern statt, die ohne Au\u00dfenwirkung verlief. Die Gr\u00fcndung eines Landesverbandes in Baden-W\u00fcrttemberg war im Oktober 1987 gescheitert. 7. Aktionen rechtsextremer Kreise nach dem Tod von Rudolf He\u00df Den Tod des ehemaligen \"Stellvertreters des F\u00fchrers\" Rudolf He\u00df am 17. August nahmen viele Rechtsextremisten bundesweit zum Anla\u00df f\u00fcr Demonstrationen und sonstige -- mitunter gewaltt\u00e4tige -- Aktionen. So erkl\u00e4rte ein anonymer Anrufer am 18. August gegen\u00fcber einer Presseagentur, drei in der vergangenen Nacht verzeichnete Brandanschl\u00e4ge auf amerikanische Kraftfahrzeuge in Frankfurt a.M. seien \"aus Rache f\u00fcr die Ermordung unseres F\u00fchrers Rudolf He\u00df\" ver\u00fcbt worden. Einer Diskothek in Regensburg ging am 21. August eine telefonische Bombendrohung einer bisher unbekannten \"Aktionsgruppe Rudolf He\u00df\" zu. In M\u00fcnchen f\u00fchrten Neonazis, \u00fcberwiegend FAP-Anh\u00e4nger, am Abend des 18. August an der Feldherrnhalle eine nicht angemeldete \"Mahnwache\" durch. Die Demonstranten trugen Fackeln und legten einen Kranz nieder, dessen Schleife die Aufschrift \"In ewigem Gedenken -- Rudolf He\u00df -- Deutsche Jugend\" trug. Die Polizei stellte die Personalien der Beteiligten fest, die nach Aussage einer Zeugin bis zum Eintreffen der Beamten auch Lieder aus der 125","NS-Zeit gesungen hatten, und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Gegen den Leiter der nicht angemeldeten Aktion wurde au\u00dferdem Anzeige wegen eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz erstattet. In Weltenhausen und an einer Autobahn\u00fcberf\u00fchrung bei Limbach, Landkreis G\u00fcnzburg, fand die Polizei am 19. August Transparente einer \"Kameradschaft G\u00fcnzburg\", die mit Parolen wie \"Rudolf He\u00df -- gestorben f\u00fcr Deutschland\", \"Deutschland erwache\" und \"Nieder mit den Demokr\u00f6ten\" versehen waren. In Rain und B\u00e4umenheim, Landkreis Donau-Ries, wurden Aufkleber und Flugbl\u00e4tter der FAP mit der \u00dcberschrift \"Wir klagen an -- la\u00dft He\u00df frei\" verbreitet. Die Jungen Nationaldemokraten (JN) f\u00fchrten am 22. August in Bonn \"Mahnwachen\" mit Fahnen und Transparenten vor der amerikanischen und der britischen Botschaft durch. Daran beteiligten sich auch JN-Mitglieder aus Bayern. Am selben Tag nahm die Polizei bei einer nicht angemeldeten Demonstration in Bamberg sechs Anh\u00e4nger der \"Bewegung\" fest, die ein Transparent mit der Aufschrift \"Rache f\u00fcr He\u00df -- K\u00fchnen-Front\" mit sich f\u00fchrten. Am 24. August wurde in Feuchtwangen, Landkreis Ansbach, eine Hetzschrift der FAP \"Steckbrief -- Fahndung -- Gesucht werden die Justizm\u00f6rder aus der Sowjetunion, England, Frankreich und den USA wegen Mordes. Tatort: Berlin-Spandau, Opfer: Rudolf He\u00df\" verteilt. Mittelpunkt der rechtsextremen Aktionen in Bayern war Wunsiedel, wo Rudolf He\u00df bestattet werden sollte. Seit 22. August reisten zahlreiche Rechtsextremisten an, die an der Beerdigung teilnehmen wollten. Als bekannt wurde, da\u00df der Verstorbene bereits an einem unbekannten Ort beigesetzt worden sei, versuchten besonders hartn\u00e4ckige Neonazis, in der Umgebung von Wunsiedel die Grabst\u00e4tte zu finden. Nach einem Auftritt solcher Neonazis am 22. August in Nagel, Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge, verbot das Landratsamt Wunsiedel am selben Tag alle Aufz\u00fcge unter freiem Himmel bis einschlie\u00dflich 27. August. Die Polizei unterband anschlie\u00dfende Versuche von Rechtsextremisten, dennoch zu demonstrieren, und nahm aus einer Gruppe von FAP-Anh\u00e4ngern und Skinheads, die in den Friedhof von Wunsiedel eingedrungen waren, 25 Personen vorl\u00e4ufig fest. Am 26. August um 14.00 Uhr, dem urspr\u00fcnglich vorgesehenen Termin f\u00fcr die Beisetzung von He\u00df, versammelten sich vor dem Friedhof in Wunsiedel 500 bis 600 Personen, darunter zahlreiche deutsche und ausl\u00e4ndische Rechtsextremisten. Sie forderten die \u00d6ffnung des versperrten Friedhofs und riefen in Sprechch\u00f6ren \"Niemand wird den Volkszorn brechen, der den Tod von He\u00df will r\u00e4chen\" und \"Deutsche Polizisten sch\u00fctzen Zionisten\". Die Polizei r\u00e4umte den Friedhofsbereich und nahm insgesamt 84 Rechtsextremisten fest, unter ihnen acht \u00d6sterreicher und sechs Italiener. Dar\u00fcber hinaus war seit 18. August in Bayern und im \u00fcbrigen Bundesgebiet eine H\u00e4ufung von Schmieraktionen -- vielfach unter Verwendung von Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen -- zu verzeichnen, deren Motiv durch Hinweise auf den Verstorbenen in Parolen wie \"Rache f\u00fcr Rudolf He\u00df\" und \"Rudolf He\u00df -- M\u00e4rtyrer f\u00fcr Deutschland\" deutlich wurde. In Wunsiedel und Umgebung wurden bis 25. September aus diesem Anla\u00df insgesamt 121 Straftaten 126","(z.B. Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Volksverhetzung u.a.) und 65 Ordnungswidrigkeiten registriert. So nahm die Polizei am 23. August in Wunsiedel mehrere Neonazis und Skinheads fest, die im Verdacht stehen, in einem Bus Hakenkreuze, die Parole \"Jude verrecke\" sowie den Namen \"He\u00df\" unter Verwendung von SS-Runen geschmiert zu haben. 8. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die zehn (1986: 11) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern, die Publikationen mit rechtsextremem Inhalt herausgeben bzw. verbreiten, entwickelten 1987 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen einschl\u00e4gigen Druckschriften betrug monatlich 390.000 (1986: 375.000) Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher mit rechtsextremem Inhalt angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheinen neben dem \"Deutschen Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von etwa 65.000 (1986: 65.000) Exemplaren und die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von rund 28.000 (1986: 24.000) Exemplaren. Bei Werbeaktionen He\u00df - sein Leben, sein Leiden Sensationelle Bild-Dokumente / s.3-5 Deutsche _^___ R 2295 C National+Zeitune ZZJ\u00dciSr' 0 ...\"./H-D. freiheitlich\" unabh\u00e4ngig *\u00fcberparteilich gPSSS--'\"aKSS ^ ^ XflWt. -,70 \"O PS I Ar\" 1 Anatol / AuMt. 1,-t A / fW\" WMr / DM. \",-*T / WWlI. t.,-FmH ! Ort\"*. TS Pr. *' Ho*. 2JI M / Hrt. TOD Ut / K l MO | / Pat Wfac./1p--, HO P M f l t M 1M W\"/ MMr. 1.- B / Tlr*. TB U / U\"A 1J01 Woran starb He\u00df wirklich? werden die Auflagen betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Dr. Frey ist auch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Freiheitlichen Buchund Zeitschriftenverlags GmbH (FZ-Verlag) in M\u00fcnchen, deren Buchdienst Werke gegen \"endlose Vergangenheitsbew\u00e4ltigung, Kollektivschuldvorw\u00fcrfe, antideutsche L\u00fcgen, Heuchelei und Umerziehung\" anbot. Wie im Vorjahr war die DNZ bestrebt, die NS-Zeit zu verharmlosen. So behauptete sie, Roosevelt und Churchill h\u00e4tten den 2. Weltkrieg vorbereitet \"mit dem Ziel der -- nach dem I.Weltkrieg nicht ganz erreichten -- Vernichtung 127","Deutschlands, insbesondere seiner Wirtschaftskraft\". Ferner w\u00fcrdigte sie Rudolf He\u00df als \"einzigen Politiker des 2. Weltkrieges\", der \"unter Einsatz seines Lebens versucht hatte, Frieden zu erreichen\". Jeder seiner Tage hinter Gef\u00e4ngnismauern sei eine Anklage gegen die \"Atombombenm\u00f6rder von Hiroshima und Nagasaki, die Zwingherren des Archipels Gulag, die Pariser und Londoner kolonialistischen Bedr\u00fccker des Erdballs\" gewesen. Seine jahrzehntelange Inhaftierung bedeute \"eine Schande f\u00fcr die Sieger, aber auch f\u00fcr offizielle deutsche Stellen\", die sich auf \"devote Bitten um Gnade\" beschr\u00e4nkt h\u00e4tten. Zugleich verharmloste die DNZ die Funktion und die Verantwortlichkeit von He\u00df w\u00e4hrend der NS-Diktatur; He\u00df habe nur \"den relativ einflu\u00dflosen Posten eines Reichsministers ohne Gesch\u00e4ftsbereich\" bekleidet. Unter der \u00dcberschrift \"Bittere Fr\u00fcchte der Umerziehung\" hie\u00df es in der DNZ, ma\u00dfgebliche Politiker der jetzigen Bundesregierung betrieben heute wieder versch\u00e4rft die \"Beschw\u00f6rung deutscher Alleinschuld und Kollektiwerantwortung\" wegen des \"schon l\u00e4ngst toten\" Nationalsozialismus. Diese Politiker seien dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie \"die Wiedervereinigung offenbar ad acta legen und stattdessen das deutsche Volk mit dem Kainsmal ,nie versiegender Scham' gebrandmarkt sehen m\u00f6chten\". Der \"Patriot\" bekomme \"den Eindruck, einseitige, nur zu Lasten Deutschlands gehende Vergangenheitsbew\u00e4ltigung und Beschw\u00f6rung deutscher Schuld und Verzichtspolitik sei eines der Hauptanliegen der derzeitigen Regierungskoalition\". Insbesondere griff die DNZ den Bundespr\u00e4sidenten an, der dem deutschen Volk eine \"Kollektivhaftung\" f\u00fcr das Unrecht der NS-Zeit zuweise und \"mit seinem Nationalmasochismus und Daueranklagen gegen das deutsche Volk zu jeder unpassenden Gelegenheit\" selbst die \"Umerziehungsorgien von Brandt und Heinemann\" \u00fcbertreffe. Die DWZ \u00e4u\u00dferte zum Staatsbesuch des israelischen Pr\u00e4sidenten, die st\u00e4ndige \"Bew\u00e4ltigung\" der Vergangenheit, verbunden mit \"heftiger Kollektivanklage gegen das deutsche Volk\", sei \"langfristig keine tragf\u00e4hige Grundlage\". Das Rudolf He\u00df' Leiden und Sterben / Seite 2 Deut|tl)ttDot|)en3tituns M ^ ' u D i / * u T r ki 29. Jahrgang Nr. 35 21 A u u s t i 9 8 7 - 8 m *\"* Preis 2,DM; \u00d6sterreich 15,\u00d6S MIW*M*1\"I\".I* HmM>mm-m\"'*<~\" R2343C FOR NATIONALE POLITIK * KULTUR UNO WIRTSCHAFT deutsche Volk kollektiv \"in Haftung\" zu nehmen f\u00fcr \"einige Untaten von Fanatikern\", wie dies der Bundespr\u00e4sident versuche, sei \"ungerecht\". Au\u00dferdem warb die DWZ f\u00fcr das im FZ-Verlag erschienene Buch \"Verheimlichte Dokumente\", das die Augen \u00f6ffne und das \"antideutsche Propagandageb\u00e4ude\" ins Wanken geraten lasse. Die antideutsche Propaganda behaupte, schon das kaiserliche Deutschland habe die Weltherrschaft angestrebt. Vertuscht werde \"das brutale Weltherrschaftsstreben jener M\u00e4chte, die man den Deutschen als 128","hehre Fechter gegen unser .imperialistisches' Vaterland darstellt\". Unter der Schlagzeile \"Noch mehr T\u00fcrken nach Deutschland?\" behauptete die DWZ, der Bundesregierung fehle die F\u00e4higkeit, eine \"\u00dcberfremdung unserer Heimat\" zu verhindern und den \"deutschen Charakter Deutschlands\" zu bewahren. Die \"Lebensinteressen des eigenen Volkes\" seien durch eine bevorstehende \"Flut von Millionen T\u00fcrken\" bedroht. In der 1953 gegr\u00fcndeten Nation Europa Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatsschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 10.000 Exemplaren. Der Verlag wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter des Verlags und Herausgeber der NE sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPDFunktion\u00e4r Peter Dehoust. Die Schrift vertrat in einem Beitrag \"40 Jahre Dritter Weltkrieg\" die Auffassung, die seit 1945 betriebene \"psychologische Kampff\u00fchrung\" gegen Deutschland sowie die \"gewollte Zerst\u00f6rung der Volkssubstanz\" und die \"Umerziehung\" liefen darauf hinaus, Deutschland und das deutsche Volk aus dem weltpolitischen Konzept auszuschlie\u00dfen. Das \"Verbrecherische\" im deutschen Wesen werde selbst in das Bewu\u00dftsein der nachwachsenden Generation eingepflanzt, um dort \"die Pflicht zu immerw\u00e4hrender Bu\u00dfe 129","und S\u00fchne fest zu verankern\". So sei die j\u00fcngste deutsche Geschichte \"Schritt um Schritt auf das Stichwort .Auschwitz' reduziert\" worden. Mit dieser \"Totschlagvokabel\" werde jeder zum Schweigen gebracht, der \"im Westen Deutschlands an den Tabus der Legendenbildung zu r\u00fctteln\" wage. In der Schrift hie\u00df es ferner, da\u00df die Bundesrepublik Deutschland ihre Existenzberechtigung dadurch nachweisen m\u00fcsse, da\u00df sie \"ihre Grenzen f\u00fcr alle Menschen und f\u00fcr alle Gauner dieser Welt offenh\u00e4lt\". Die Pl\u00e4ne ihrer \"Systemregierungen\", das deutsche Volk \"in einer multikulturellen Schattengesellschaft unmerklich verschwinden\" zu lassen, bedeuteten den \"Untergang des Volkes durch Unterwanderung\". Auch im Abschnitt \"Nachrichten von der \u00dcberfremdungsfront\" wurden durch Zusammenfassung zahlreicher negativer Presseberichte \u00fcber Ausl\u00e4nder und Asylanten Vorurteile gegen diesen Personenkreis propagandistisch gef\u00f6rdert. Einleitend hie\u00df es dazu, die \"Lobbyisten einer verst\u00e4rkten Ausl\u00e4ndereinwanderung\" formierten sich neu, wobei Politiker und Presse das nach wie vor dr\u00e4ngende \"Problem der Einwanderung Farbiger\" bewu\u00dft verniedlichten. Der \"Kampf\" m\u00fcsse daher verst\u00e4rkt und die Immigration \"in ihr Gegenteil verkehrt\" werden. Wir seien es unseren Kindern und Enkeln schuldig, da\u00df die Farbigen \"aus Deutschland wieder verschwinden\". Der Druffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der vom Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) Dr. Gert Sudholt geleitet wird, gibt Literatur heraus mit dem Ziel, sowohl \"zeitgeschichtliche Quellen f\u00fcr eine sp\u00e4tere Geschichtsforschung zu sichern\" als auch \"gegen Umerziehung und Gehirnw\u00e4sche mit geistig-literarischen Waffen zu k\u00e4mpfen\". In der Verlagswerbung hie\u00df es, das Deutsche Reich sei \"ab 1940 unentrinnbar der gro\u00dfen Auseinandersetzung mit dem Osten\" entgegengegangen. Mit neuen Dokumenten zur \"Kriegsursachenfrage\" w\u00fcrden \"F\u00e4lschungen\" widerlegt und die \"etablierte Geschichtsschreibung\" in ihre Schranken gewiesen. \"F\u00e4lschungen\" seien auch in einem Schl\u00fcsseldokument entdeckt worden, das u.a. die planm\u00e4\u00dfige Vernichtung der Juden zwischen 1941 und 1945 beweisen solle. Nach dem Willen der Sieger, die sich \"die Beute Deutschland teilten\", habe \"die Zukunft f\u00fcr ganz Deutschland zu Ende sein\" sollen. \"Sensationelles Material\" dokumentiere, da\u00df es bei den \"alliierten Siegertribunalen\" nicht um Recht, sondern um \"Rache\" gegangen sei. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See will einen \"Beitrag zum Geistesleben des .nicht umerzogenen' Teiles unseres Volkes\" leisten. Er gibt seit 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von \u00fcber 5.000 Exemplaren heraus, die sich als \"wesentliches Organ deutscher Selbstbesinnung\" verstehen. Die Schrift behauptete, es sei in der Bundesrepublik Deutschland gesetzlich verboten, \u00fcber \"Auschwitz\" so offen zu diskutieren, wie das notwendig w\u00e4re. Die \"Sechs-Millionen-Sch\u00e4tzung\", denn um etwas anderes k\u00f6nne es sich ja \"naturgem\u00e4\u00df nicht handeln\", m\u00fcsse \"aufrechterhalten werden, koste es, was es wolle, koste es auch die historische Wahrheit, denn die w\u00e4re ja gleichbedeutend mit Gerechtigkeit auch f\u00fcr die Deutschen!\"; Ein Beitrag \"Die Unruhe w\u00e4chst\" vertrat die Auffassung, die \"Umerziehung\" habe bewirkt, da\u00df \"mit Hilfe deutscher Hilfswilliger der Plan der Aufl\u00f6sung der deutschen Identit\u00e4t nahezu gelungen\" sei. Dennoch zeichne sich in Teilen der 130","deutschen Bev\u00f6lkerung eine immer st\u00e4rker werdende Forderung nach Beendigung des \"verderblichen Flagellantentums\" und der \"permanenten Unterwerfungsstrategie\" ab. So h\u00e4tten die Heimatvertriebenen schon im Vorjahr zu erkennen gegeben, da\u00df sie nicht bereit seien, den \"Eiertanz der Bonner Verzichtsthesen\" widerspruchslos hinzunehmen. Unter der \u00dcberschrift \"Elie Wiesel: Ein wichtiger Falschzeuge\" wurde behauptet, es werde \"immer schwieriger, den Glauben aufrechtzuerhalten, demzufolge die Juden vernichtet wurden oder Gegenstand einer Vernichtungspolitik mit Hilfe der Gaskammern waren\". Im \"wissenschaftlichen Bereich\" habe es \"mit dem Gaskammer-Mythos ein Ende\". Der Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG in P\u00e4hl, Landkreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von etwa 1.500 Exemplaren erscheint. Die Schrift behauptete in einem Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Mi\u00dfst\u00e4nde eines Umerzogenen oder Umerziehung durch die Hintert\u00fcr?\", das \"Weltjudentum und die von ihm weitgehend beherrschte oder gelenkte Presse\" h\u00e4tten schon seit 1933 st\u00e4ndig Kriegsfurcht zu erzeugen versucht oder sogar selbst zum Krieg gegen das Reich gehetzt. Die \"gr\u00f6\u00dfenwahnsinnigen Polen\" h\u00e4tten best\u00e4ndig eine \"Gebietsvergr\u00f6\u00dferung gegen Westen, also auf Kosten des Reiches\" geplant. Der Pakt mit der Sowjetunion sei \"die Reaktion Hitlers auf einen Einkreisungsversuch der bereits zum Kriege gegen das Reich entschlossenen Westm\u00e4chte\" gewesen. Zwar habe es zur \"beliebtesten Propagandabehauptung des Hauptkriegstreibers\" Franklin D. Roosevelt geh\u00f6rt, da\u00df Hitler die ganze Welt erobern wollte; in Wirklichkeit sei aber \"niemand so an der Erhaltung des Friedens interessiert\" gewesen wie Hitler. Beim N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherproze\u00df habe es sich \"um nichts weiter als um einen Schauproze\u00df\" gehandelt. Mit \"seltenem Mut und \u00fcberlegener Souver\u00e4nit\u00e4t\" habe G\u00f6ring vor diesem \"Rachetribunal\" den Nationalsozialismus verteidigt und nicht die geringste Reue gezeigt. Die \"Tr\u00e4ger dieser Gerichtsfarce\" seien als \"Henker in der Richterrobe\" anzusehen, die sich lediglich als \"Vollstrecker eines politischen Auftrags zur Rache an der besiegten deutschen Nation\" bet\u00e4tigt h\u00e4tten. Au\u00dferdem verwies die Schrift auf das \"Elend der Rassemischungen\" und betonte, da\u00df die \"v\u00f6lkische Eigenart\" der \"Retter und Erhalter aller V\u00f6lker\" sei. Nur den \"weisen Naturgesetzen\" sei es zu danken, da\u00df wir noch von \"arteigenen V\u00f6lkern\" reden k\u00f6nnten. In ihrer \"B\u00fccherUmschau\" vertrat die Schrift die Auffassung, der Autor des Werkes \"Der ewige Antisemit\" durchforste \"die ganze nichtj\u00fcdische Menschheit nach \u00c4u\u00dferungen ihres Antisemitismus\", ohne wahrhaben zu wollen, da\u00df \"die Juden selbst am Antisemitismus schuld sein k\u00f6nnten\". Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen bot auch 1987 Publikationen an, in denen die NS-Verbrechen verharmlost werden. In den Prospekten hie\u00df es, da\u00df die \"Holocaust-Giftspritzen ein Teil einer gro\u00dfangelegten Reparationszahlungsstrategie\" seien, und \"das schmutzige Gesch\u00e4ft mit den j\u00fcdischen Leiden\" zwischen \"Zionisten und servilen Bonner Politikern auf Kosten des in der Bundesrepublik Deutschland lebenden deutschen Volksteiles abgewickelt\" werde. Im Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung erlie\u00df das Amtsgericht M\u00fcnchen am 4. Dezember einen allgemeinen Beschlagnahmebeschlu\u00df f\u00fcr die vom Verlag angebotene Brosch\u00fcre \"Das Tagebuch (der Anne Frank)\", 131","die sich im wesentlichen mit der angeblich von \"Zionisten\" aufrechterhaltenen \"Auschwitz-L\u00fcge\" befa\u00dft. Am 14. Dezember durchsuchte die Polizei die Wohnung der Verlagsinhaberin in M\u00fcnchen und stellte 67 Exemplare der Druckschrift sicher. Im Denk mit!-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint wieder die im Vorjahr nicht mehr festgestellte Brosch\u00fcre \"Denk mit!\". Ihr Herausgeber hatte bis November 1986 eine Freiheitsstrafe wegen Volksverhetzung und Aufstachelung zum Rassenha\u00df verb\u00fc\u00dft. Die Schrift enthielt auf der Titelseite ein Kopfbild des ehemaligen \"Stellvertreters des F\u00fchrers\" Rudolf He\u00df, umrahmt von den Worten \"Stirb und werde Sieger im Tod\". Der Herausgeber erkl\u00e4rte, das Spandauer Kriegsverbrechergef\u00e4ngnis sei ein Gef\u00e4ngnis gewesen, das \"Kriegsverbrecher errichtet haben, um Zeugen f\u00fcr ihre Verbrechen .unsch\u00e4dlich' zu machen, z.B. Friedensboten unter v\u00f6lliger Kontaktsperre einzukerkern\". An anderer Stelle behauptete er, das \"System\" halte f\u00fcr den Versuch einer \"wahrheitsgem\u00e4\u00dfen\" Berichterstattung \"Kerker und Irrenanstalt\" bereit. Der bevorstehende \"Umbruch\" werde jedoch \"die Besatzerknechte hinwegwehen\". Die in Rodach b. Coburg erscheinende Zeitschrift Der Scheinwerfer ver\u00f6ffentlichte einen Beitrag mit der \u00dcberschrift \"Die Schuld von Rudolf He\u00df\". Der Verfasser versuchte zu suggerieren, bei den von He\u00df mitunterzeichneten N\u00fcrnberger Rassegesetzen sei es eigentlich um die \"Trennung von Tisch und Bett\" zwischen Juden und Deutschen gegangen. W\u00e4hrend diese Gesetze von den Deutschen der damaligen Zeit \"offenbar als naturgegebene Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit anerkannt\" worden seien, h\u00e4tten sie bei den Juden einen Schock ausgel\u00f6st, \"an dessen Ersch\u00fctterung sie uns seither unaufh\u00f6rlich teilhaben lassen\", z.B. in der Geschichtsbetrachtung. So erwarteten die Juden, da\u00df wir \"ihre Gedanken zu unseren machen, ihre Anklagen ungefragt mit einer Trauerarbeit bedenken und nicht vom Wege ihrer Geschichtsvorstellungen abweichen\". M\u00f6glicherweise seien hier die Wurzeln f\u00fcr die \"verbissen eingehaltene 46j\u00e4hrige Isolationshaft von He\u00df\" zu suchen, die einem \"Gedankentr\u00e4ger unerw\u00fcnschter Naturgesetze\" gegolten habe. 9. Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextrernisrnus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung vorwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften. 1987 wurden in Bayern 27 (1986: 40) verschiedene, meist deutschoder englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus \u00d6sterreich, Kanada, Frankreich und aus den USA stammten. Die neonazistische NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) fordert die \"Ausschaltung des j\u00fcdischen Einflusses\", die \u00dcberwindung des \"Materialismus\" durch den Nationalsozialismus und die \"Neugr\u00fcndung der NSDAP als legale Partei\". Endziel sei die \"Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich und die Errichtung einer 132","NS KAMPFRUF KAMPFSCHRIFT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHEN ARSEfTERPARTEI AUSLANDS - UND AUFBAUORGANISATION Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". In ihrem Publikationsorgan \"NS Kampfruf\" bekannte sich die NSDAPAO \"eindeutig zum Nationalsozialismus, zu dem F\u00fchrer Adolf Hitler und zu dem NS-Freiheitskampf um Deutschland\". Als \"ideologische Grundlage\" gelte Hitlers Buch \"Mein Kampf\". Der Untergrundkampf sei vorwiegend mit propagandistischen Mitteln zu f\u00fchren, wobei das Hakenkreuz als \"Wunderwaffe\" eingesetzt werden solle. Mit Hakenkreuzen versehenes Propagandamaterial l\u00f6se n\u00e4mlich einerseits in der \u00d6ffentlichkeit Entsetzen und Emp\u00f6rung aus; andererseits vermittle es dem Volk den Eindruck, da\u00df es sich \"um etwas Ernstes\" handle. Lauck gab ferner die beiden Teile des von Michael K\u00fchnen w\u00e4hrend seiner Strafhaft von 1978 bis 1982 verfa\u00dften Buches \"Die Zweite Revolution\" heraus. Darin propagiert K\u00fchnen eine \"arische V\u00f6lkergemeinschaft\" in einem von der NSDAP und der SA als der \"bewaffneten Eliteeinheit\" gef\u00fchrten \"europ\u00e4ischen Reich\" unter der Dominanz eines nationalsozialistischen Deutschlands. In Bayern wurden mehrmals Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\", \"Jetzt NSDAP\", \"Wir sind wieder da\" und \"Ausl\u00e4nder raus\" verbreitet. 133","Der Inhaber des in Toronto/Kanada ans\u00e4ssigen Verlags Samisdat Publishers Ltd. Ernst C.F.Z\u00fcndel agitiert in dem von ihm hergestellten Propagandamaterial insbesondere gegen die \"Vergasungsl\u00fcge\" und die \"Kriegsschuldl\u00fcge\". In seinen auch in Bayern verbreiteten Rundbriefen verwies er auf die Wiederaufnahme des \"Z\u00fcndel Holocaust Verfahrens\", in dem sich \"Z\u00fcndeis Revisionismus\" und die \"L\u00fcgen und Geschichtsf\u00e4lschungen des Zionismus\" gegen\u00fcberst\u00fcnden. Er forderte seine Anh\u00e4nger auf, in Leserbriefen an kanadische Zeitungen und Nachrichtenagenturen eine \"faire Berichterstattung\" \u00fcber den Proze\u00df zu verlangen und ihn durch Spenden zu unterst\u00fctzen. In dem Proze\u00df in Toronto geht es um die Ver\u00f6ffentlichung der Schrift \"Starben wirklich sechs Millionen\", in der Z\u00fcndel die Judenvernichtung im Dritten Reich leugnet. Er war deswegen 1985 zu 15 Monaten Freiheitsstrafe mit Bew\u00e4hrung verurteilt worden und hatte die Auflage bekommen, drei Jahre nichts zum Thema \"Holocaust\" zu ver\u00f6ffentlichen. Dieses Urteil wurde auf die Berufung des Angeklagten hin aufgehoben und der Fall zur erneuten Verhandlung an das erstinstanzliche Gericht verwiesen. Der \u00f6sterreichische Rechtsextremist Walter Ochensberger erkl\u00e4rte in der von ihm herausgegebenen Zeitschrift \"Sieg\", da\u00df er \"nicht mehr an die alliierte Propagandal\u00fcge von Gaskammereinrichtungen zur Menschenvernichtung\" glaube. Er erstatte daher gegen sich selbst Strafanzeige und hoffe, in dem damit ausgel\u00f6sten Verfahren den \"Wahrheitsbeweis\" daf\u00fcr antreten zu k\u00f6nnen, da\u00df es \"keine Gaskammern zur Menschenvernichtung in Deutschland gab\". Die Schrift behauptete ferner, Rudolf He\u00df sei auf Weisung des britischen Innenministeriums durch zwei Angeh\u00f6rige eines britischen Sondereinsatzregiments ermordet worden. \u00dcber die Aktion seien der amerikanische, der franz\u00f6sische und der israelische Dienst informiert gewesen.Die Europ\u00e4ische Bewegung (EB), ein Funktion\u00e4rsgremium von Neonazis aus westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern, geriet in den Sog der seit Mitte 1986 in Neonazikreisen zum Teil heftig gef\u00fchrten Auseinandersetzungen \u00fcber die Homosexuellenfrage (vgl. Nr. 5.2). Nachdem ihr Initiator Michel Caignet, der sich zur Homosexualit\u00e4t bekannt hatte, bereits 1986 aus der EB verdr\u00e4ngt worden war, wandte sich die EB auch von Michael K\u00fchnen ab und erkannte J\u00fcrgen Mosler als deutschen Repr\u00e4sentanten in der EB an. Der von Mosler geleitete Fl\u00fcgel der \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger organisierte Ende M\u00e4rz 1987 in Oberbayern ein \"F\u00fchrerthing\" der EB, an dem f\u00fchrende NS-Aktivisten teilnahmen. Die Teilnehmer w\u00e4hlten einen d\u00e4nischen Neonazi zum Generalsekret\u00e4r der EB. 134","3. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 31. Dezember 1987 hielten sich in Bayern 716.100 Ausl\u00e4nder auf, darunter rund 197.600 T\u00fcrken 121.700 Jugoslawen 80.400 \u00d6sterreicher 74.400 Italiener 48.600 Griechen und 10.900 Spanier. Die Anzahl der Ausl\u00e4nder hat sich somit gegen\u00fcber dem Jahre 1986 um etwa 25.000 Personen erh\u00f6ht. Wie in den vergangenen Jahren verhielt sich der weitaus gr\u00f6\u00dfte Teil der Ausl\u00e4nder im Gastland gesetzestreu. Die Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen und dadurch die eigene Basis zu st\u00e4rken, blieben weitgehend erfolglos. Nur eine geringe Minderheit (0,9 %) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder ist in extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen organisiert. Den letzteren Gruppen, die sich nach au\u00dfen oft als \"Betreuungsorganisationen\" darstellen, geh\u00f6ren auch Mitglieder an, die nicht aus politischer Motivation beigetreten sind, sondern dort lediglich gesellige Kontakte oder Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen suchen. Dies schlie\u00dft indes nicht aus, da\u00df sie sp\u00e4ter unter dem Einflu\u00df von dort auftretenden Agitatoren deren extremistische Auffassungen \u00fcbernehmen und vertreten. Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen waren weiterhin von den Konflikten und Krisen in den Heimatl\u00e4ndern der Mitglieder, aber auch von der Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet bestimmt. So agitierten ausl\u00e4ndische Extremisten gegen die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung sowie gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und forderten die Einf\u00fchrung des Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Propagandistische Angriffe galten ferner der ausl\u00e4ndischen Staaten ge135","w\u00e4hrten deutschen Wirtschaftshilfe und der Lieferung von R\u00fcstungsg\u00fctern an Regierungen der Heimatl\u00e4nder. Mit Versuchen, politische Bestrebungen in den Heimatl\u00e4ndern durch gewaltorientierte Aktionen vom Gastland her zu initiieren oder zu f\u00f6rdern, beeintr\u00e4chtigten ausl\u00e4ndische Extremisten auch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die Besorgnis, eine extremistische Bet\u00e4tigung k\u00f6nne auch ausl\u00e4nderrechtliche Nachteile zur Folge haben, d\u00fcrften sich indes wie schon in den Vorjahren d\u00e4mpfend auf das Engagement ausl\u00e4ndischer Extremisten ausgewirkt und zum R\u00fcckgang der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktivit\u00e4ten beigetragen haben. Linksextreme Ausl\u00e4ndergruppen fanden nach wie vor die Unterst\u00fctzung ideologisch gleichgesinnter deutscher Organisationen. Umgekehrt beteiligten sie sich auch an Aktionen deutscher Linksextremisten. Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen verringerte sich auf 147 (1986: 168); von dieser Entwicklung waren insbesondere kurdische und t\u00fcrkische Gruppen betroffen. In der folgenden \u00dcbersicht sind die in Bayern bestehenden extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen nach ihren ideologischen Standpunkten und politischen Zielsetzungen aufgeschl\u00fcsselt. \u00d6rtlich selbst\u00e4ndige Gruppen sind dabei gesondert gez\u00e4hlt. OrthodoxNeue Linke Extrem IslamischGesamt kommunieinschl. nationaextremistische Sozialrelistische stische Gruppen volution\u00e4re Gruppen Gruppen Gruppen \u00c4thiopier 3 2 -- -- 5 Afghanen -- 1 -- -- 1 Araber 3 6 -- _ 9 Griechen 32 1 1 * _ 34 Iraner 2 4 1 1 8 Italiener 5 -- 3 -- 8 Jugoslawen 1 1 11 -- 13 Kurden 7 -- -- -- 7 Pakistaner -- 4 -- _ 4 Spanier 1 -- -- -- 1 T\u00fcrken 8 21 5 19 53 Sonstige 1 -- 1 2 4 Gesamt 63 40 22 22 147 Auch die Mitgliederzahl der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern ist zur\u00fcckgegangen, und zwar von etwa 8.500 im Jahre 1986 auf rund 6.800. 136","Bei den kurdischen Gruppierungen zeigte insbesondere die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) eine weiter zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung. Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken streben nach wie vor den gewaltsamen Sturz der t\u00fcrkischen Regierung an. Diese militanten Organisationen stellen weiterhin eine Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Die von pal\u00e4stinensischen Gruppen ausgehenden Sicherheitsrisiken haben sich im Hinblick auf die Konflikte im Nahen Osten nicht verringert, zumal die Einigungsbestrebungen innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) einen Erfolg verzeichneten. Abgesplitterte Terrorgruppen, die von Gegnern der USA und Israels unterst\u00fctzt werden, bedeuten eine erh\u00f6hte Gefahr insbesondere f\u00fcr amerikanische und israelische Einrichtungen im Bundesgebiet. 2. \u00c4thiopische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem bewaffneten Kampf gegen die sozialistische \u00e4thiopische Regierung die Befreiung und Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung konnten sich beide Gruppierungen auch 1987 nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die EPLF lehnt eine Ann\u00e4herung an Moskau ab, w\u00e4hrend die ELF bereit w\u00e4re, sich im eritreischen Befreiungskampf auch von der UdSSR unterst\u00fctzen zu lassen. In Bayern traten Anh\u00e4nger beider Gruppen vorwiegend im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen mit internen Veranstaltungen in Erscheinung. ELF-Anh\u00e4nger aus Bayern beteiligten sich ferner an einer \"Eritreischen Nacht\" der ELF am 11./ 12. April in Kassel sowie am Jahrestreffen der ELF vom 7. bis 9. August in Dreieich bei Frankfurt a.M., zu dem sich etwa 2.000 Besucher einfanden. 3. Afghanische Gruppen Die der Neuen Linken zuzurechnende AWARAGAN -- Demokratische Organisation der Afghanen im Ausland m\u00f6chte den \"nationalen Befreiungskampf\" des afghanischen Volkes gegen die milit\u00e4rische Intervention der UdSSR in Afghanistan materiell und ideell unterst\u00fctzen. Sie betrachtet diesen \"Widerstand gegen die sowjetischen Aggressoren und ihre Lakaien\" als \"Teil des internationalen Befreiungskampfes der V\u00f6lker gegen Imperialismus, Sozialimperialismus und Reaktion\". \u00d6rtliche Untergliederungen der AWARAGAN bestehen in Essen, Hamburg, Hannover, Karlsruhe und M\u00fcnchen. Am 21. M\u00e4rz feierte die Sektion M\u00fcnchen der AWARAGAN ihr Neujahrsfest. Daran beteiligten sich rund 120 Personen, darunter auch Deutsche, Pal\u00e4stinenser, T\u00fcrken und eine Abordnung der Organisation Iranischer Demokraten im Ausland (s. Nr. 6.2). In einem am 1. Mai in M\u00fcnchen verteilten Flugblatt griff die AWARAGAN das \"Marionettenregime in Kabul\" an, wobei sie an die \"internationale Solidarit\u00e4t\" appellierte und sich zum bewaffneten \"Kampf des afghanischen Volkes f\u00fcr die nationale Befreiung\" bekannte. 137","4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Vorsitzender des Exekutivkomitees der PLO und zugleich Leiter der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rksten PLO-Organisation Al Fatah ist Yassir Arafat, der auf dem 18. Kongre\u00df des Pal\u00e4stinensischen Nationalrats (PNC) in Algier (20. bis 26. April) in seiner Funktion best\u00e4tigt wurde. Hauptziel dieser Tagung des \"Exilparlaments\" der PLO war es, Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die politische und milit\u00e4rische Strategie zur L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems abzubauen und die zerstrittenen Guerillagruppen der PLO wieder zu einigen. An der Zusammenkunft beteiligten sich auch Pal\u00e4stinensergruppen, die den vorangegangenen Kongre\u00df in Amman im Jahre 1984 boykottiert hatten, so z.B. die Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und die Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP). Zwar gelang es w\u00e4hrend des Kongresses, die Differenzen mit den von Syrien abh\u00e4ngigen Gegnern Arafats beizulegen; Arafat hatte jedoch zuvor den Verfechtern eines harten Kurses Zugest\u00e4ndnisse gemacht, indem er seitens der PLO das im Februar 1985 geschlossene Abkommen mit Jordanien annullierte und eine Reduzierung der Kontakte zu \u00c4gypten ank\u00fcndigte. Bemerkenswert war ferner, da\u00df der Leiter der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsfront (PFL) Abul Abbas seinen Sitz im Exekutivkomitee der PLO behielt; ein italienisches Gericht hatte ihn als Urheber der Entf\u00fchrung des Kreuzfahrtschiffes \"Achille Lauro\", bei der im Oktober 1985 ein gel\u00e4hmter amerikanischer Passagier ermordet wurde, in Abwesenheit zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der auf Initiative der PLO gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV) ist ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft. Er hat die Aufgabe, die Al Fatah in ihrem Kampf f\u00fcr einen Pal\u00e4stinenserstaat materiell und ideell zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland zu werben. \u00d6rtliche Untergliederungen sind der Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter M\u00fcnchen (VPA) und der Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband (PAV) in N\u00fcrnberg, die loyal zu Arafat stehen. Der VPA organisierte am 24. Januar in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum Thema \"22 Jahre PLO\", an der rund 280 Personen teilnahmen. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Referat des PLO-Vertreters Dr. Abdallah Frangi aus Bonn, der auf die Geschichte der PLO und die aktuelle politische Situation im Nahen Osten einging. Das linksextrem beeinflu\u00dfte, im Fr\u00fchjahr 1985 von Gegnern Arafats in N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee (PLK) trat am 10. Januar mit einer Veranstaltung aus Anla\u00df der Gr\u00fcndung der PLO in Erscheinung. Vor rund 120 Teilnehmern verwiesen die Redner auf die vielf\u00e4ltigen Bem\u00fchungen der PLO um ein befreites und geeintes Pal\u00e4stina; dabei erinnerten sie auch an R\u00fcckschl\u00e4ge, wie die blutigen Auseinandersetzungen in Jordanien im \"Schwarzen September\" von 1970, die bewaffneten Angriffe auf die Fl\u00fcchtlingslager von Sabra und Schatila im September 1982 und die Aktionen der schiitischen Amal-Miliz im Libanon. Au\u00dferdem fand am 29. November in N\u00fcrnberg eine gemeinsame Feier des PLK und des PAV N\u00fcrnberg zum \"Tag der internationalen Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk\" statt, bei der die zwischen den rund 150 Teilnehmern bestehenden ideologischen Gegens\u00e4tze offenbar zur\u00fcckgestellt wurden. 138","2 9 . NOVEMBER Tag der internationalen Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk Aus ) lfm i diesem Anla\u00df Mut \\ laden euch der Mim \\ Pal\u00e4stinensische Ar eiter Wim- I b Verband fM^f: J E.V. N\u00fcrnberg unc P^llp / l das r^^^y Pal\u00e4stina-Libanon m0^ Komitee /*5v zu einem /SOLIDARIT\u00c4TSFEST ein. hm Sonntag, 2 9 . November ab 15 Uhr in der DESI Br\u00fcckenstra\u00dfe 2 3 , Nbg. j F\u00fcr das i Selbstbestimmungsrecht des pal\u00e4stinensischen Volkes Hoch lebe die PLO! 139","5. Griechische Gruppen Die auch im Bundesgebiet aktive Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) mit Sitz in Athen erkennt als orthodox-kommunistischer Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) die f\u00fchrende Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) an. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale), \"Kommounistiki Epitheorisi\" (Kommunistische Revue) und \"Prowlimata tis Irinis ke tou Sosialismou\" (Probleme des Friedens und des Sozialismus) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer), die auch im Bundesgebiet verbreitet werden. Seit Jahren bestehen enge Verbindungen der KKE-Ausland zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). So beteiligten sich Mitglieder der KKEAusland im Juni 1987 wiederum mit Informationsst\u00e4nden am allj\u00e4hrlichen ZeltFest der DKP in N\u00fcrnberg. Die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation, die zu ihren Veranstaltungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg bis zu 250 Teilnehmer mobilisieren konnten, waren auch 1987 bestrebt, ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in die Vorstandschaften der griechischen Ausl\u00e4ndervereine w\u00e4hlen zu lassen, um ihren Einflu\u00df zu erweitern. Politische Schwerpunkte ihrer Forderungen waren wie im Vorjahr der Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und der NATO sowie die Aufl\u00f6sung der US-Milit\u00e4rbasen in Griechenland. \u00dcberregional bem\u00fchten sich sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE um St\u00e4rkung ihrer Positionen im Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und im Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und .West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden Griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. Die 1968 von der KKE abgespaltene Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Inland), deren Anh\u00e4nger das Modell des \"Eurokommunismus\" \u00fcbernahmen, hat sich 1987 entsprechend einem Beschlu\u00df ihres 4. Parteitags vom Mai 1986 aufgel\u00f6st. 6. Iranische Gruppen 6.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische Tudeh-Partei, die am 4. Mai 1983 im Iran verboten und aufgel\u00f6st wurde, ist im Bundesgebiet \u00fcberwiegend konspirativ t\u00e4tig. Sie bekennt sich zum bewaffneten Kampf und fordert den Sturz der iranischen Regierung durch Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt. Neben Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) unterh\u00e4lt sie auch Kontakte zu kommunistischen Organisationen im Nahen Osten. Als Parteiorgane erscheinen die Wochenzeitschrift \"Nameh Mardom\" (Botschaft des Volkes) und das deutschsprachige Informationsblatt \"Tudeh-Bulletin\". Die von Anh\u00e4ngern der Tudeh-Partei in Bayern verteilten Schriften befa\u00dften sich wie im Vorjahr vor allem mit Hinrichtungen im Iran, dem irakisch-iranischen Krieg, innerparteilichen Vorg\u00e4ngen sowie dem Asylantenproblem in der Bundesrepublik Deutschland. 140","In einem Flugblatt verwies die Partei au\u00dferdem auf Hungerstreikaktionen in iranischen Gef\u00e4ngnissen und rief zur \"Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen Irans\" auf. Scharfe Angriffe galten ferner der milit\u00e4rischen Pr\u00e4senz der USA in der Golf region und der \"Komplizenschaft\" der Bundesregierung, die durch Entsendung von Schiffen der Bundesmarine in andere Regionen die Beteiligung anderer NATO-Kriegsschiffe am \"Golfabenteuer\" erm\u00f6gliche. In der von der Tudeh-Partei beeinflu\u00dften Organisation Iranischer Studenten, Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) -- O.I.S. -- haben sich im Bundesgebiet die Anh\u00e4nger der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) gesammelt. Diese Gruppierung hatte sich 1980 wegen ideologischer Differenzen von der im Jahre 1971 gegr\u00fcndeten marxistisch-leninistischen Guerilla-Organisation der Volksfedayin, die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, abgespalten. Die O.I.S. trat in Bayern vorwiegend im Raum M\u00fcnchen mit Informationsst\u00e4nden, Verbreitung ihres \"IranInformationsblatts\" und anderer Schriften sowie mit Propagandaaktionen in Form symbolischer Hungerstreiks in Erscheinung. An die Agitationsthemen der Tudeh-Partei ankn\u00fcpfend forderte sie insbesondere die Beendigung des irakisch-iranischen Krieges und die Freilassung politischer Gefangener im Iran. 6.2 Neue Linke Die Anh\u00e4nger der im Iran als Guerillak\u00e4mpfer t\u00e4tigen Volksmojahedin haben sich im Bundesgebiet in der Iranischen Moslemischen Studenten-Vereinigung Bundesrepublik Deutschland (IMSV) zusammengeschlossen. Die Volksmojahedin, eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt, gerieten aber nach dem Umsturz zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime. Ihr bewaffneter Widerstand gegen die derzeitige iranische Regierung begann am 20. Juni 1981. Damals hatten w\u00e4hrend einer Gro\u00dfdemonstration der Volksmojahedin in Teheran regierungstreue Sicherheitskr\u00e4fte auf die Menge gefeuert und dabei nach Angaben der Volksmojahedin 80 Demonstranten get\u00f6tet. Anh\u00e4nger der IMSV verbreiteten im April in mehreren St\u00e4dten Bayerns die Schrift \"Mojahed\" (K\u00e4mpfer) und das IMSV-Organ \"Freiheit f\u00fcr Iran\". Daneben boten sie an Informationsst\u00e4nden Literatur zum Thema \"Unterdr\u00fcckung des Volkes im Iran durch das Khomeini-Regime\" an. Ferner sammelten sie im Namen der \"Fl\u00fcchtlingshilfe Iran e.V.\" Spenden zur Unterst\u00fctzung des Kampfes der Volksmojahedin im Iran. Polizeiliche Kontrollen ergaben, da\u00df es sich bei den Sammlern meist um Asylanten handelte, die gegen aufenthaltsbeschr\u00e4nkende beh\u00f6rdliche Verf\u00fcgungen verstie\u00dfen. Anfang Juli verwies das IMSV-Organ auf die Gr\u00fcndung einer \"Nationalen Befreiungsarmee\". Aus diesem Anla\u00df rief der Generalsekret\u00e4r der Volksmojahedin Massoud Radjavi in einer im Bundesgebiet verteilten Gru\u00dfbotschaft erneut zum Kampf gegen die iranische Regierung auf. Aufgabe der neu gegr\u00fcndeten Organisation sei die Beseitigung des bestehenden Systems im Iran. Der Gr\u00fcndungstag 20. Juni solle von nun an den \"Anfang der neuen Revolution des Volkes von Iran\" symbolisieren. 141","Mit einem Aufzug in Bonn protestierte die IMSV am 9. Dezember gegen die Ausweisung von Anh\u00e4ngern der Volksmojahedin aus Frankreich. Die rund 650 Demonstranten, darunter auch Teilnehmer aus Bayern, wandten sich auf mitgef\u00fchrten Transparenten gegen die \"besch\u00e4mende und sch\u00e4ndliche Verhaftung von iranischen Fl\u00fcchtlingen\", die \"ein Schandfleck f\u00fcr Frankreich\" sei, und forderten die \"Aufhebung der Repressalien gegen die iranischen Fl\u00fcchtlinge und die R\u00fcckkehr der ausgewiesenen Iraner\". Die 1984 gegr\u00fcndete Organisation Iranischer Demokraten im Ausland (OIDA), die ein Sammelbecken linksoppositioneller Iraner darstellt, wird vorwiegend von Anh\u00e4ngern der iranischen Neuen Linken beeinflu\u00dft. Sie will durch Unterst\u00fctzung revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte im Iran zum Sturz des \"reaktion\u00e4ren Regimes\" beitragen. Ferner bek\u00e4mpft sie den Einflu\u00df des \"Imperialismus\" und ruft dazu auf, dessen Praktiken nicht nur im Iran, sondern in der ganzen Welt zu entlarven. Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der OIDA, die Kontakte zur AWARAGAN -- Demokratische Organisation der Afghanen im Ausland und zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) unterh\u00e4lt, forderte in ihren Publikationen die Beendigung des Golfkrieges sowie die Einstellung der Waffenlieferungen an den Irak und den Iran. Zur Neujahrsfeier am 21. M\u00e4rz in M\u00fcnchen erschienen rund 300 Besucher. In einer bundesweiten Flugblattaktion machte die OIDA die Islamische Republik Iran f\u00fcr den Tod eines iranischen Oppositionellen verantwortlich, der am 19. Mai auf dem Weg von M\u00fcnchen nach Wien verschwunden war und am 12. Juli in Wien ermordet aufgefunden wurde. Dazu erkl\u00e4rte die OIDA, die \"Politik der physischen und psychischen Vernichtung der Opposition\" geh\u00f6re zur \"allt\u00e4glichen Praxis der islamischen Republik\". Auch die Ermordung des ehemaligen Piloten des iranischen Parlamentspr\u00e4sidenten am 16. Januar in Hamburg zeige deutlich die \"wachsende Aktivit\u00e4t der Terrorbanden der islamischen Republik im Ausland\". Mit aller Sch\u00e4rfe protestiere daher die OIDA gegen die Haltung westeurop\u00e4ischer Regierungen, die als \"Botschaftsangeh\u00f6rige\" und \"Regierungsdelegationen\" getarnte \"Terroristen der islamischen Republik\" in ihren L\u00e4ndern duldeten. Ende Oktober gab die OIDA eine \"Dokumentation \u00fcber die bedrohte Lage der iranischen Fl\u00fcchtlinge in der BRD im Jahre 1987\" heraus, die schwere Vorw\u00fcrfe und Diffamierungen gegen \"westdeutsche Beh\u00f6rden\" enth\u00e4lt. Die Schrift verweist auf die steigende Anzahl abgelehnter Asylbewerber aus dem Iran, die sich aus den guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Bonn und Teheran erkl\u00e4re. F\u00fcr \"die Milliarden-Gewinne im Iran\" und die \"zus\u00e4tzlich am Iran-Irak-Krieg verdienten astronomischen Summen\" m\u00fcsse die Bundesrepublik Deutschland n\u00e4mlich auf die W\u00fcnsche der \"Mullah-Republik\" eingehen, zu deren Hauptanliegen die Bek\u00e4mpfung der Opposition mit allen Mitteln z\u00e4hle. Auf diese Weise w\u00fcrden zum einen r\u00fccksichtslos Menschenleben und Schicksale f\u00fcr Gesch\u00e4fte mit Milliardengewinn geopfert, zum anderen das \"M\u00f6rder-Regime\" unterst\u00fctzt und ermutigt. Die Organisation der Iranischen Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (Ashraf-Deghani-Anh\u00e4nger) -- O.I.P.F.G. --, die den gewaltsamen Sturz der iranischen Regierung erstrebt, warf dem iranischen Staat in einer Resolution 142","vor, er setze die \"Auspl\u00fcnderung und Ausbeutung des Volkes\" fort und st\u00fctze seine Macht auf \"verbrecherische und m\u00f6rderische Methoden\". In diesem Zusammenhang kritisierte sie auch die Situation der politischen H\u00e4ftlinge, insbesondere die \"Tag und Nacht andauernden Folterungen\". In Bayern f\u00fchrte die O.I.P.F.G. im Februar in N\u00fcrnberg eine Plakataktion durch, mit der sie an den 17. Jahrestag einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen Volksfedayin und iranischen Sicherheitskr\u00e4ften in Siahkal (8. Februar 1970), an die Entstehung der Guerillaorganisation der Volksfedayin und an den 8. Jahrestag der Revolution im Iran erinnerte. 7. Italienische Gruppen Die orthodoxe Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, bet\u00e4tigt sich auch in der Bundesrepublik Deutschland. Sie gliedert sich hier in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Frankfurt a.M. (Mitte) und Stuttgart (S\u00fcd). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie eine Ortsgruppe in Augsburg. Die Mitgliederzahlen und Aktivit\u00e4ten waren weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Das allj\u00e4hrliche \"Festa dell'Unita\" der PCI im September in M\u00fcnchen hatte \u00fcberwiegend kulturellen Charakter. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der orthodox-kommunistischen PCI beeinflu\u00dfte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder h\u00e4ufig auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut und M\u00fcnchen, die auch 1987 nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung traten. Die extrem nationalistische Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale -- MSI-DN -- (Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte), die 1980 mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet begonnen hatte, entwickelte wie in den Vorjahren in Bayern keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. 8. Jugoslawische Gruppen 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete nationalistisch ausgerichtete HNV versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen, wobei er f\u00fcr das kroatische Volk das Recht beansprucht, auf eigenem Boden durch Revolution und bewaffneten Kampf seine nationale Freiheit und staatliche Unabh\u00e4ngigkeit zu verwirklichen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 20 Ortsaussch\u00fcsse, deren Arbeit von einem Koordinationsausschu\u00df mit Sitz in Stuttgart gesteuert wird. Publikationsorgan des HNV ist die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Zeitschrift \"Vjesnik\" (Bote). 143","Bei der Wahl zum 7. SABOR im Dezember 1987 wurden sieben im Bundesgebiet lebende Exilkroaten, darunter zwei Funktion\u00e4re aus Bayern, in das aus 30 Mitgliedern bestehende oberste HNV-Organ gew\u00e4hlt. Das Kroatische Nationalkomitee in Europa (HNO), eine Mitgliedsorganisation des HNV, f\u00fchrte am 11. April in M\u00fcnchen eine Veranstaltung zum Jahrestag der Gr\u00fcndung des \"Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" (10. April 1941) durch. Die Feier, an der etwa 150 Personen teilnahmen, stand ganz im Zeichen eines historischen R\u00fcckblicks. Die Redner gedachten der Staatsgr\u00fcndung von 1941 und schilderten die politische Verfolgung der Kroaten durch die kommunistische Regierung der Nachkriegszeit. Der Sprecher einer Teilnehmergruppe von Kosovo-Albanern wies auf die Freundschaft zwischen Albanern und Kroaten hin und betonte, da\u00df beide V\u00f6lker das gleiche politische Ziel, n\u00e4mlich die Bildung eines jeweils national unabh\u00e4ngigen und ethnisch geschlossenen Staates, verfolgten. Der kroatische Verein \"Zrinski e.V.\", ein Ortsausschu\u00df des HNV, veranstaltete am 11. September gegen\u00fcber dem Jugoslawischen Generalkonsulat in M\u00fcnchen eine Mahnwache zum Thema \"Freiheit f\u00fcr kroatische politische Gefangene in Jugoslawien\". Die Demonstranten verteilten Flugbl\u00e4tter, in denen der HNV davor warnte, den Urlaub in Jugoslawien in staatlichen Hotels zu verbringen und auf diese Weise zur Aufrechterhaltung eines \"gewaltvollen politischen und wirtschaftlich bankrotten Systems\" beizutragen. Anl\u00e4\u00dflich des jugoslawischen Nationalfeiertages (Gr\u00fcndung der Sozialistischen F\u00f6derativen Republik Jugoslawien am 29. November 1945) fand am 28. November in M\u00fcnchen eine gemeinsame Protestdemonstration von nationalistischen Kroaten und Kosovo-Albanern statt. An dem Aufzug, den ein Vertreter der \"Nationaldemokratischen Liga der Albanischen Treue\" (N.D.SH.) angemeldet hatte, beteiligten sich rund 170 Personen, \u00fcberwiegend Mitglieder der N.D.SH., des HNV und des HNO. Die Demonstranten f\u00fchrten kroatische und albanische Fahnen mit und erhoben auf Transparenten Forderungen wie \"Freiheit f\u00fcr alle politischen Gefangenen in Jugoslawien\". Bei der Schlu\u00dfkundgebung vor dem Jugoslawischen Generalkonsulat vermittelten mehrere Sprecher einen geschichtlichen \u00dcberblick \u00fcber die Entstehung des jugoslawischen Staates. Ferner befa\u00dften sie sich mit der dortigen Wirtschaftslage und protestierten gegen die Verh\u00e4ngung des Ausnahmezustandes in der autonomen Provinz Kosovo. 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Die HDP, die im Juni 1981 von Exponenten des \"Kroatischen Fr\u00fchlings\" als Gegenpol zum HNV gegr\u00fcndet wurde, konnte inzwischen gegen\u00fcber dem HNV ihren Einflu\u00df auf die kroatische Emigration erweitern. Sie versteht sich als Sammelbecken linksorientierter kroatischer Emigranten, will den \"Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und propagiert Gewalt innerhalb und au\u00dferhalb Jugoslawiens als \"legitimes Mittel\" zur Durchsetzung ihrer Ziele. In ihrem Organ \"Hrvatski Tjednik\" (Kroatisches Blatt) vom 12. Mai forderte sie alle in der Bundesrepublik Deutschland lebenden Kroaten mit g\u00fcltiger Aufenthaltsberechtigung auf, bei der Volksz\u00e4hlung die Frage nach der Staats144","b\u00fcrgerschaft nicht mit \"jugoslawisch\", sondern mit \"kroatisch\" zu beantworten. Kein Kroate, der auf sich und sein \"Volk, in dem die Unabh\u00e4ngigkeit der Freiheit\" leuchte, etwas halte, d\u00fcrfe sich \"als Jugoslawe erkl\u00e4ren\". Andernfalls entehre er das Blut unz\u00e4hliger Generationen, die im Kampf f\u00fcr die kroatische Unabh\u00e4ngigkeit gefallen seien. 9. Kurdische Gruppen Die im Bundesgebiet aktiven Organisationen kurdischer Linksextremisten erstreben die Errichtung eines autonomen Kurdenstaates, der die von Kurden bewohnten Gebiete im Irak, im Iran, in Syrien und in der T\u00fcrkei umfassen soll. In Bayern bet\u00e4tigen sich durchwegs orthodox-kommunistische kurdische Gruppen, die in Teilbereichen eine weiter zunehmende Bereitschaft zur Gewaltanwendung erkennen lie\u00dfen. 9.1 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Die orthodox-kommunistische PKK mit Sitz in K\u00f6ln bekennt sich zum Marxismus-Leninismus und f\u00fchlt sich allen sozialistischen L\u00e4ndern, insbesondere der Sowjetunion, nach den \"Prinzipien des proletarischen Internationalismus\" verbunden. Sie bef\u00fcrwortet den bewaffneten Kampf in der T\u00fcrkei und versteht die von ihr propagierte \"Revolution Kurdistans\" als \"Teil der mit der Oktoberrevolution begonnenen und mit den nationalen Befreiungsbewegungen st\u00e4ndig verst\u00e4rkten Revolution des Weltproletariats\". In den vergangenen Jahren hat sie sich zu einer besonders militanten Organisation entwickelt. W\u00e4hrend ihre von Erpressung \u00fcber K\u00f6rperverletzung bis hin zum Mord reichenden \"Bestrafungsaktionen\" bislang vor allem abtr\u00fcnnigen Anh\u00e4ngern und Kritikern in den eigenen Reihen galten, richten sich nunmehr ihre Gewaltakte zunehmend auch gegen Mitglieder und Einrichtungen konkurrierender Kurdenorganisationen, die den von der PKK seit Anfang 1987 betonten Anspruch, zur alleinigen politischen Vertretung des kurdischen Volkes berufen zu sein, nicht anerkennen. Frontorganisation der PKK ist die Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK), die aus den 1984 gegr\u00fcndeten \"Befreiungseinheiten Kurdistans\" (HRK) hervorging. Dieser in den Kurdengebieten operierenden Kampfeinheit werden zahlreiche Sabotageakte und \u00dcberf\u00e4lle auf kurdische D\u00f6rfer zugeschrieben. Die PKK bekannte sich offen zu solchen Aktionen der ARGK und r\u00e4umte ein, da\u00df dabei nicht nur von der t\u00fcrkischen Regierung eingesetzte bewaffnete \"Dorfbesch\u00fctzer\", sondern auch deren Familienangeh\u00f6rige get\u00f6tet worden seien. Eine weitere Nebenorganisation der PKK ist die 1985 gegr\u00fcndete Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK), die durch sogenannte \"KurdistanKomitees\" die Propagandaarbeit der PKK betreibt. Als Organe der PKK erscheinen die Schriften \"Kurdistan Report\", \"Serxwebun\" (Unabh\u00e4ngigkeit) und \"Berxwedan\" (Widerstand). Rund 90 Anh\u00e4nger der PKK protestierten am 7. M\u00e4rz vor dem t\u00fcrkischen Generalkonsulat in N\u00fcrnberg gegen Angriffe der t\u00fcrkischen Luftwaffe auf St\u00fctzpunkte kurdischer Rebellen im Irak. Sie zeigten Plakate mit Aufschriften wie \"Nieder mit der faschistischen Junta\" und \"Es lebe die PKK\". Am Nachmittag 145","desselben Tages kam es in M\u00fcnchen anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung der mit der PKK konkurrierenden KOMKAR (vgl. Nr. 9.2) zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung unter orthodox-kommunistischen Kurden, bei der ein PKK-Aktivist eine t\u00f6dliche Schu\u00dfverletzung erlitt. Etwa 50 Anh\u00e4nger der PKK, die von dem Toten anl\u00e4\u00dflich seiner \u00dcberf\u00fchrung in die T\u00fcrkei Abschied nehmen wollten, versammelten sich am 14. M\u00e4rz auf dem Flughafen M\u00fcnchen-Riem vor dem Abflugschalter der \"Turkish Airlines\". Als sie erfuhren, ihr Gesinnungsgenosse sei bereits am Abend zuvor \u00fcberf\u00fchrt worden, riefen sie \"Hoch die internationale Solidarit\u00e4t\", \"Nieder mit der faschistischen Junta\" und \"F\u00fcr jeden Toten von uns zwei Tote von den anderen\". Die Polizei dr\u00e4ngte die PKK-Anh\u00e4nger aus der Halle und l\u00f6ste die nicht angemeldete Versammlung auf. In einem Flugblatt der ERNK hie\u00df es zum Tod des PKK-Aktivisten, die \"M\u00f6rder\" des \"tapferen Frontk\u00e4mpfers\" h\u00e4tten sich dem kurdischen Volk gegen\u00fcber schuldig gemacht. Von jetzt an werde der \"Dienst in derartigen lakaienhaften Verr\u00e4terbanden als bewu\u00dfte Straftat an der Sache der Befreiung Kurdistans gelten\". Die \"Unterst\u00fctzung des Verrats\" sei heute das gr\u00f6\u00dfte Vergehen und die Strafe f\u00fcr diese Tat jedem bekannt. Es verstehe sich von selbst, da\u00df \"jede Kraft, die den Namen Kurdistans mi\u00dfbrauchend dem Feinde dient\", zerst\u00f6rt werden m\u00fcsse. Anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrsfestes (Newroz) f\u00fchrte die PKK am 20. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg eine Kundgebung mit anschlie\u00dfendem Fackelzug durch, an dem rund 40 Personen teilnahmen. Ein Redner verd\u00e4chtigte die KOMKAR, die PKK im Auftrag des \"faschistischen Systems\" der T\u00fcrkei zu bek\u00e4mpfen, und versicherte, der in M\u00fcnchen ums Leben gekommene PKK-Aktivist werde ger\u00e4cht werden. Die Vereinigung der Patrioten Kurdistans, ein Mitgliedsverein der PKK in N\u00fcrnberg, organisierte am 25. April im Zusammenhang mit einer Solidarit\u00e4tsveranstaltung zum kurdischen Neujahrsfest einen Aufzug in N\u00fcrnberg. Die rund 200 Teilnehmer wiesen mit Transparenten und Sprechch\u00f6ren auf die politischen Forderungen der kurdischen Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei hin. Der Kurdische Volksverein e.V. in Ingolstadt, ein weiterer Mitgliedsverein der PKK, trat Anfang August mit einem Informationsstand in Erscheinung. Wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung innerhalb der PKK durchsuchte die Polizei am 4. August bundesweit zahlreiche der PKK zuzurechnende Vereinsr\u00e4ume sowie Wohnungen von Vorstandsmitgliedern, darunter auch sieben Objekte in N\u00fcrnberg. Dabei wurden umfangreiche schriftliche Unterlagen, Adressenmaterial und Parteiprogramme der PKK beschlagnahmt. Die Aktion diente der Sicherstellung von Beweisen f\u00fcr die Existenz einer Vereinigung, deren Ziel die Ermordung von politischen Gegnern und abtr\u00fcnnigen Mitgliedern in der Bundesrepublik Deutschland ist. Bereits am 27. Juli hatte die Polizei bei PKK-Anh\u00e4ngern in K\u00f6ln zahlreiche Utensilien zur F\u00e4lschung von Personaldokumenten sowie Bargeld in verschiedenen W\u00e4hrungen im Gesamtwert von etwa 700.000 DM beschlagnahmt. Gegen diese Exekutivma\u00dfnahmen f\u00fchrten Anh\u00e4nger der PKK seit Anfang August im Inund Ausland zahlreiche Protestaktionen durch, so z.B. am 5. August eine Sitzblokkade im nieders\u00e4chsischen Landtag in Hannover. Ferner besetzten sie u.a. Rundfunkanstalten in Bielefeld und K\u00f6ln, Zeitungsredaktionen in Hamburg und 146","SEVtN KURDISTAN YEN YEKITiYA NETEWI, SERHILDAN \u00dc BERXWEDANE KURDISTAN ULUSAL BIRLiK, ISYAN VE DiRENiS GECELERf KURDISCHES NEUJAHRSFEST PSI Plakat der PKK","Stuttgart, B\u00fcros der \"Deutschen Lufthansa\" in Paris und Kopenhagen sowie deutsche diplomatische Vertretungen in Amsterdam, Bern, L\u00fcttich und Z\u00fcrich. Wiederholt wurden in Gesch\u00e4ftsr\u00e4umen deutscher Massenmedien Protestresolutionen \u00fcbergeben. Diese Aktivit\u00e4ten setzten sich auch in den folgenden Monaten fort. So besetzten am 21. Oktober etwa zehn Anh\u00e4nger der ERNK f\u00fcr eine dreiviertel Stunde das Foyer des Pressehauses in N\u00fcrnberg und forderten insbesondere die R\u00fcckgabe der am 27. Juli beschlagnahmten 700.000 DM. Weitere der PKK zuzurechnende Besetzungsaktionen waren nahezu gleichzeitig in Berlin (West), Bochum, Bonn, Braunschweig, Hamburg, K\u00f6ln, M\u00fcnster und Saarbr\u00fccken sowie in Amsterdam, Athen, Genf, L\u00fcttich und Paris zu verzeichnen. In einem Flugblatt warf die ERNK der \"imperialistischen\" Bundesregierung \"mittelalterliche R\u00e4uberei\" vor und bezeichnete die polizeilichen Ma\u00dfnahmen als \"Anfang einer Serie von Schikanen\" zur Einsch\u00fcchterung der \"patriotischen Kurden\". Dadurch werde \"die Geduld der beinahe 400.000 Kurden in der Bundesrepublik Deutschland zum \u00dcbersch\u00e4umen gebracht\"; \u00fcberall h\u00e4uften sich \"Wut und Ha\u00df\" an. Die Bundesregierung, die sich \"mit ihrer Haltung Zehntausende von Kurden zum Feind gemacht\" habe, sei nunmehr \"f\u00fcr alle negativen Entwicklungen, die von jetzt an entstehen k\u00f6nnen, einzig selbst verantwortlich\". Die Situation entspannte sich erst, als der in K\u00f6ln sichergestellte Geldbetrag am 11. November entsprechend einer Entscheidung der zust\u00e4ndigen Staatsanwaltschaft einer Beauftragten des Pariser \"Kurdistan-Komitees\" ausgeh\u00e4ndigt wurde. Der 1984 gegr\u00fcndete Dachverband F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kulturvereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (FEYKA-Kurdistan) mit Sitz in K\u00f6ln, in dem die \u00f6rtlichen Mitgliedsvereine der PKK zusammengeschlossen sind, vertritt als Basisorganisation der PKK deren Interessen im Bundesgebiet. Die FEYKA-Kurdistan f\u00fchrte am 20. Juni in N\u00fcrnberg eine Kundgebung durch, an der etwa 3.000 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Die Veranstaltung richtete sich gegen die \"t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung\", gegen \"Folter und Zwangsdeportationen\", gegen \"NATO-\u00dcbungen in Kurdistan\" und gegen \"geplante Ma\u00dfnahmen\" der deutschen Beh\u00f6rden gegen Mitglieder der PKK. Die Demonstranten f\u00fchrten Transparente und PKK-Fahnen mit. In einem vor Beginn des Aufzugs verteilten Flugblatt warf die Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) der deutschen Polizei vor, sie mi\u00dfachte die Gesetze, ver\u00fcbe Erpressungen und unterdr\u00fccke Anh\u00e4nger der PKK sowie andere \"kurdische Patrioten\", und zwar gemeinsam mit dem T\u00fcrkischen Konsulat und \"kollaborierenden kurdischen Organisationen und Personen\". Die Polizei nahm drei Flugblattverteiler vorl\u00e4ufig fest. Aus Anla\u00df des 7. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei (12. September 1980) organisierte die FEYKA-Kurdistan am 12. September einen Aufzug in K\u00f6ln. Daran beteiligten sich rund 2.400 Personen, darunter auch zahlreiche Demonstranten aus Bayern. Die Redner wandten sich vor allem gegen die \"faschistische Junta\" in der T\u00fcrkei sowie gegen Folterungen in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen. 148","9.2 F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) Der orthodox-kommunistischen KOMKAR mit Sitz in K\u00f6ln geh\u00f6ren in Bayern Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg an. Als Organ des Dachverbands erscheint alle zwei Monate das deutschsprachige \"Informationsbulletin Kurdistan\". Verbindungen bestehen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und deren Nebenorganisation Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ). So \u00fcbermittelte der Bundesvorstand der KOMKAR dem 9. Bundeskongre\u00df der SDAJ am 273. Mai in Frankfurt a.M. \"Solidarit\u00e4tsund Kampfesgr\u00fc\u00dfe\" und erkl\u00e4rte, die KOMKAR unterst\u00fctze die Arbeit der SDAJ. Anh\u00e4nger der KOMKAR demonstrierten am 21. Februar in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes gegen die von der t\u00fcrkischen Regierung geplante Umsiedlung von kurdischen D\u00f6rfern in den Westen der T\u00fcrkei. Die KOMKAR hatte in Aufrufen zu den Kundgebungen behauptet, da\u00df die \"Unterdr\u00fcckungsund Terrorpolitik\" der \"menschenfeindlichen\" t\u00fcrkischen Regierung ein \"unertr\u00e4gliches Ma\u00df\" erreicht habe und die kurdische Bev\u00f6lkerung mit \"Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben\" werde. In Bayern beteiligte sich an der Protestaktion der Kurdische Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein e.V., ein Mitgliedsverband der KOMKAR in M\u00fcnchen. Am 7. M\u00e4rz f\u00fchrte die KOMKAR in M\u00fcnchen eine Feier anl\u00e4\u00dflich des kurdischen Neujahrsfestes durch, an der rund 2.500 Personen teilnahmen. Vor Veranstaltungsbeginn st\u00fcrmten etwa 30 Anh\u00e4nger der PKK den Saal und schlugen mit Kn\u00fcppeln wahllos auf Ordner und wartende Besucher ein. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurde ein T\u00fcrke durch Messerstiche verletzt. Ein Angreifer erlitt einen Brustdurchschu\u00df und verstarb wenig sp\u00e4ter. Der Get\u00f6tete galt als F\u00fchrer einer PKK-Gruppe in Ingolstadt. Rund 1.000 Anh\u00e4nger der KOMKAR, darunter auch zahlreiche Demonstranten aus Bayern, beteiligten sich am 9. Mai an einem Protestmarsch in Hannover. Anla\u00df des Aufzugs war die Ermordung eines f\u00fchrenden KOMKAR-Funktion\u00e4rs am 3. Mai in Hannover. Die Kundgebungsteilnehmer machten auf mitgef\u00fchrten Transparenten die PKK f\u00fcr den Mord verantwortlich. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung wurde ein Flugblatt der KOMKAR mit dem Titel \"Die PKK mordet weiter und die Sicherheitskr\u00e4fte schweigen immer noch\" verlesen. Die Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V., ein weiterer Mitgliedsverband der KOMKAR, f\u00fchrte anl\u00e4\u00dflich des 7. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r in der T\u00fcrkei am 12. September vor dem T\u00fcrkischen Generalkonsulat in N\u00fcrnberg eine Demonstration durch. Die rund 60 Teilnehmer erhoben auf mitgef\u00fchrten Transparenten Forderungen wie \"Freiheit f\u00fcr die Gefangenen in der T\u00fcrkei und in T\u00fcrkisch-Kurdistan\". 10. Pakistanische Gruppen Die Ende 1967 gegr\u00fcndete Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur und die Bildung einer islamisch-sozialistischen Volksmacht in Pakistan. Unterschiedliche Auffassungen, ob die politischen Ziele der PPP mit gewaltsamen oder gewaltfreien Mitteln 149","verwirklicht werden sollen, haben zur Entstehung mehrerer rivalisierender Gruppen gef\u00fchrt. Seit 14. August 1984 ist die im Bundesgebiet bestehende nationale Unterorganisation der PPP unter der Bezeichnung Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband e.V. (PPP, BRD) im Vereinsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln eingetragen. In Bayern sind in Augsburg, Gem\u00fcnden a.Main, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00f6rtliche Untergliederungen vereinsrechtlich angemeldet. Als Organ der PPP erscheint seit 1986 die Monatsschrift \"Nusrat\". Die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten der PPP in Bayern beschr\u00e4nkten sich auf Mahnwachen in Bad Neustadt a.d.Saale und M\u00fcnchen, die an die Hinrichtung des Parteigr\u00fcnders Ali Bhutto in Pakistan (4. April 1979) erinnern sollten. 11. Spanische Gruppen Die Kommunistische Partei Spaniens (PCE), die in Spanien von 1939 bis 1977 verboten war, wird in der Bundesrepublik Deutschland durch ein \"Comite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Sie ist im Bundesgebiet in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen etwa 35 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern besteht eine Ortsgruppe in N\u00fcrnberg; in M\u00fcnchen befinden sich nur noch einige Einzelmitglieder. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI) und zur Deutschen Kommmunistischen Partei (DKP). Infolge r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen hat die PCE auch 1987 bundesweit an Bedeutung verloren. Ihre Agitation richtete sich bei internen Versammlungen \u00fcberwiegend gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. 12. T\u00fcrkische Gruppen Die propagandistischen Angriffe t\u00fcrkischer Linksextremisten aller ideologischen Richtungen zielten nach wie vor auf die Lage in der Heimat und das dortige \"faschistische Regime\". So organisierte ein Aktionsb\u00fcndnis t\u00fcrkischer Linksextremisten am 11. September in M\u00fcnchen einen Fackelzug anl\u00e4\u00dflich des 7. Jahrestags der Macht\u00fcbernahme durch das t\u00fcrkische Milit\u00e4r. Die Teilnehmer zeigten Transparente mit Aufschriften wie \"Tod der Junta -- Einziger Weg ist die Revolution\" und riefen in Sprechch\u00f6ren \"Tod dem Faschismus in der T\u00fcrkei\" und \"Hoch die internationale Solidarit\u00e4t\". Tags darauf beteiligten sich aus demselben Anla\u00df rund 2.500 Personen, darunter etwa 100 Demonstranten aus Bayern, an einer gegen den \"Faschismus\" der t\u00fcrkischen Regierung gerichteten Protestkundgebung in K\u00f6ln, zu der mehrere t\u00fcrkische linksextreme Organisationen aufgerufen hatten. Zu den Aktionsschwerpunkten geh\u00f6rten auch Soiidarit\u00e4tskampagnen f\u00fcr politische Gefangene in t\u00fcrkischen Haftanstalten. Ein weiteres Agitationsthema war die Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet; in diesem Zusammenhang war wiederholt die Forderung nach Einf\u00fchrung des kommunalen Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder zu verzeichnen. 150","Dem linksextremen Spektrum stehen auf der entgegengesetzten Seite t\u00fcrkische Gruppen gegen\u00fcber, deren Ideologie teils durch einen extremen Nationalismus, teils durch einen religi\u00f6s begr\u00fcndeten politischen Fanatismus bestimmt ist. Diese Vereinigungen waren meist bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als \"gem\u00e4\u00dfigte\" Organisationen darzustellen. 12.1 Orthodoxe Kommunisten Die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, steuert ihre konspirative Arbeit im Bundesgebiet von ihrem Exilsitz in Berlin (Ost) aus. Sie propagiert eine \"demokratische Volksrevolution\" in der T\u00fcrkei durch die \"Reorganisation einer massiven Volksbewegung\". Im Herbst 1987 gaben die TKP und die gleichfalls im Exil t\u00e4tige Arbeiterpartei der T\u00fcrkei (TIP) ihre Absicht zu erkennen, sich zur Vereinigten Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TBKP) zusammenzuschlie\u00dfen. Am 16. November wurden die Generalsekret\u00e4re der TKP und TIP bei ihrer Ankunft in Ankara festgenommen. Sie waren nach \u00f6ffentlicher Vorank\u00fcndigung von D\u00fcsseldorf auf dem Luftweg in die T\u00fcrkei gereist, um dort die Fusion der TKP und TIP vorzubereiten. Wegen der Festnahme der beiden Parteif\u00fchrer fanden auf Initiative der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) am 18. November in N\u00fcrnberg und am 20. November in M\u00fcnchen Protestkundgebungen mit insgesamt rund 130 Teilnehmern statt. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF) wurde auf Initiative der TKP im Februar 1977 in D\u00fcsseldorf gegr\u00fcndet. Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 60 (1986: 70) Mitgliedsorganisationen mit rund 3.600 (1986: 6.000) Mitgliedern an. Die FIDEF unterh\u00e4lt Verbindungen zur DKP und deren Nebenorganisationen sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Entsprechend der Entwicklung bei den Kernorganisationen (TKP und TIP) haben sich die von der TKP stark beeinflu\u00dfte FIDEF und die TIP-Hilfsorganisation \"F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa -- Einigkeit f\u00fcr Demokratie\" (DIBAF) auf einen Zusammenschlu\u00df in der ersten Jahresh\u00e4lfte 1988 verst\u00e4ndigt. Der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, organisierte am 24. Januar in M\u00fcnchen im Rahmen der allj\u00e4hrlich von der FIDEF veranstalteten \"Woche der Freundschaft -- Gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" eine Podiumsdiskussion. Dabei forderten die Teilnehmer entsprechend dem von der FIDEF propagierten Motto \"Gemeinsam leben -- gemeinsam arbeiten -- gemeinsam entscheiden\" das kommunale Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Aus Anla\u00df seines zehnj\u00e4hrigen Bestehens f\u00fchrte der M.I.DER am 3. Oktober in M\u00fcnchen eine Festveranstaltung durch, an der sich \u00fcber 300 Personen beteiligten. In seiner Ansprache befa\u00dfte sich der Vorsitzende der FIDEF Hasan \u00d6zcan mit Problemen der t\u00fcrkischen Arbeiter in der Bundesrepublik Deutschland und der bevorstehenden Parlamentswahl in der T\u00fcrkei. 151","12.2 Neue Linke einschlie\u00dflich Sozialrevolution\u00e4re Gruppen Die in Bayern aktiven Vereinigungen der t\u00fcrkischen Neuen Linken orientieren sich vorwiegend am Gedankengut der T\u00fcrkischen Kommunistischen Partei/ Marxisten-Leninisten (TKP/ML) und der T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/ -front (THKP/-C). Trotz ideologischer Differenzen besteht in den Zielen dahingehend \u00dcbereinstimmung, da\u00df beide einen Umsturz in der T\u00fcrkei mit revolution\u00e4ren Mitteln anstreben. 12.2.1 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) Die gewaltorientierte TKP/ML wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Gesellschaftsordnung im Sinne des Marxismus-Leninismus. Ihr milit\u00e4rischer Zweig ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Von der konspirativ arbeitenden TKP/ML hat sich infolge ideologischer Differenzen schon vor Jahren die Gruppe \"Bolsevik Partizan\" abgespalten. Die TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern einige St\u00fctzpunkte, so z.B. in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth. Ideologisches Sprachrohr der Partei ist das Blatt \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (Arbeiter-Bauern-Befreiung). Die TKP/ML trat in Bayern vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. Darin bezeichnete sie den bewaffneten Kampf als \"einzige Alternative gegen Reformismus, Revisionismus und gegen den faschistischen t\u00fcrkischen Staat\" und propagierte die gewaltsame Zerschlagung des t\u00fcrkischen Staates durch eine \"Volksrevolution\". Eine \u00f6rtliche Gruppierung von TKP/ML-Anh\u00e4ngern, die im Herbst 1986 unter der Bezeichnung \"Internationales Kulturzentrum\" in Augsburg ihr Vereinslokal er\u00f6ffnete, veranstaltete am 25. Januar in Augsburg eine Kundgebung zum Thema \"Wahlrecht f\u00fcr die ausl\u00e4ndischen Mitb\u00fcrger\". Am 21722. M\u00e4rz organisierte die Gruppe in ihren Vereinsr\u00e4umen einen Hungerstreik, an dem sich rund 20 Personen beteiligten. Anla\u00df des Hungerstreiks, auf den in Flugbl\u00e4ttern hingewiesen wurde, war die Forderung, die Geb\u00fchren f\u00fcr die Befreiung vom Wehrdienst in der T\u00fcrkei (etwa 15.000 DM) abzuschaffen oder wenigstens um die H\u00e4lfte zu reduzieren. Die Spaltergruppe \"Bolsevik Partizan\" der TKP/ML organisierte am 1. Mai in N\u00fcrnberg eine zentrale bundesweite Kundgebung, an der sich rund 250 Personen beteiligten. Die Demonstranten zeigten Transparente mit Parolen wie \"Es lebe der 1. Mai\", \"Nieder mit den Imperialisten und den russischen Sozialimperialisten\", \"Tod dem Faschismus in der T\u00fcrkei\" und \"Der Bolschewismus wird siegen\". Ein Teilnehmer, der ein Plakat mit der Aufschrift \"Der westdeutsche Staat z\u00fcchtet Nazis\" auf dem R\u00fccken trug, wurde von der Polizei vorl\u00e4ufig festgenommen. Unter der \u00dcberschrift \"Der Schl\u00fcssel zum Frieden liegt in den H\u00e4nden des internationalen Proletariats und der unterdr\u00fcckten V\u00f6lker\" ver\u00f6ffentlichte die Gruppe \"Bolsevik Partizan\" ein Flugblatt zum Thema Abr\u00fcstung. Darin polemisierte sie gegen alle \"Imperialisten, Sozialimperialisten und Reak152","18","tion\u00e4re\", deren Macht durch die \"gewaltsame Revolution\" zerschlagen werden m\u00fcsse. Wer wirklich wolle, da\u00df Kriege der Vergangenheit angeh\u00f6rten, m\u00fcsse \"selber zur Waffe greifen\". Der richtige Weg zur Erhaltung des Friedens sei der \"Weg des Krieges gegen den Imperialismus\". Die 1976 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) ist ein von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfter Dachverband. Meinungsverschiedenheiten \u00fcber den richtigen Zeitpunkt f\u00fcr einen gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei f\u00fchrten -- entsprechend der Entwicklung bei der TKP/ ML -- im Jahre 1981 zur Spaltung der ATIF in die Gruppen \"Partizan\" und \"Bolsevik Partizan\". \u00d6rtliche Untergliederungen beider Gruppen bestehen auch in Bayern. In einem am 25. Januar in Augsburg und Deggendorf verteilten Flugblatt verlangte die ATIF, die politische \"Diskriminierung\" der Ausl\u00e4nder zu beenden. Man m\u00fcsse endlich aufh\u00f6ren, die vier Millionen Ausl\u00e4nder als \"Menschen zweiter und dritter Klasse\" zu behandeln. Ihnen werde das Wahlrecht verweigert, obwohl sie ihre Arbeitskraft an die \"westdeutschen Imperialisten\" verkauften. Die Schriften endeten mit Forderungen wie \"Nieder mit dem reaktion\u00e4ren Ausl\u00e4ndergesetz!\", \"Aktives und passives Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder!\" und \"Hoch die internationale Solidarit\u00e4t!\". Ende 1986 schl\u00f6ssen sich die ATIF und ihre Schwesterorganisationen in Australien, Belgien, D\u00e4nemark, Frankreich, den Niederlanden, \u00d6sterreich, Schweden und der Schweiz zur Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) zusammen. Das bisherige ATIF-Organ \"M\u00fccadele\" (Kampf) erscheint nunmehr als \"Zentralorgan\" der ATIK. 12.2.2 T\u00fcrkische VolksbefreiungsparteiAfront (THKP/-C) Die Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen THKP/-C werden im Bundesgebiet von mehreren Gruppen vertreten, die vielfach auch konspirativ arbeiten. Zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste der vom Gedankengut der THKP/-C gepr\u00e4gten Vereinigungen im Bundesgebiet ist die Sozialrevolution\u00e4re Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg), die seit Anfang 1986 in die Gruppen Devrimci Isci (Revolution\u00e4re Arbeiter) und G\u00f6cmen (Emigrant) gespalten ist. Als Publikationsorgane erscheinen die Schriften \"T\u00fcrkei Information\" und \"Devrimci Isci\" bzw. \"G\u00f6cmen\". Die Gruppe Devrimci Isci organisierte parallel zu einer bundesweiten Kampagne gegen die Todesstrafe und f\u00fcr eine \"Generalamnestie f\u00fcr die politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei\" einen Sternmarsch nach Bonn, der sich in einen Nordund S\u00fcdzug aufgliederte. Ziel dieser Aktion war es, die \u00d6ffentlichkeit \"auf die in der T\u00fcrkei nach wie vor bestehenden Menschenrechtsverletzungen des Folterregimes aufmerksam zu machen\". Der \"S\u00fcdzug\" startete am 21. Oktober mit einer Kundgebung in M\u00fcnchen, an der sich rund 30 Personen beteiligten. Die Demonstranten zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Stoppt die T\u00fcrkei-Hilfe\" und riefen in Sprechch\u00f6ren \"Generalamnestie in der T\u00fcrkei\" und \"Tod dem Faschismus in der T\u00fcrkei\". Nach Beendigung des Sternmarschs am 5. November setzte die Veranstalterin ihre Solidarit\u00e4tskampagne mit einem Spendenaufruf zugunsten der in der T\u00fcrkei inhaftierten politischen Gefangenen fort. In Flugbl\u00e4ttern erkl\u00e4rte Devrimci Isci, das gesammelte Geld sei u.a. 154","Butun u l k e l e r i n iscileri ve ezilen halklar birlesin! \u00c4 ISOi-K\u00d6Yl\u00dc KURT\u00dcIUS\u00dc T\u00dcRKIYE KOM\u00dcNiST PARTiSi/MARKSiST-LENiNiST MERKEZi YAYIN ORGANI SANA\" YUK1MIAFAN rtXXLFEYZKXSLU Islam ve G\u00f6cmenler BOL5EVIK PART) JN^ASI jpilM ISS BEFlRBARE 1986 JTBO SAZB\u00dcNA PARTJYA BOL^EVJK 3 BOLSEVIK PARTIZAN Publikationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken zum Kauf von Medikamenten f\u00fcr die H\u00e4ftlinge, f\u00fcr Anwaltsund Proze\u00dfkosten sowie zur Unterst\u00fctzung der politisch Verfolgten in der T\u00fcrkei bestimmt. Dort herrschten offener Faschismus, grausamste Unterdr\u00fcckung sowie Terror und Folter in KZ-\u00e4hnlichen Kerkern; die menschliche W\u00fcrde werde unter NATO-Stiefeln zertreten. Eine \u00c4nderung der Situation sei nur durch den Sturz des \"faschistischen Evren/\u00d6zal-Regimes\" zu erreichen. Mutma\u00dfliche Anh\u00e4nger der Sozialrevolution\u00e4ren Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke), die aus einer Aufsplitterung von Devrimci Yol hervorgegangen und am 9. Februar 1983 vom Bundesminister des Innern verboten worden war, t\u00e4uschten in der Nacht zum 5. April einen Anschlag auf das B\u00fcro der \"Turkish Airlines\" in M\u00fcnchen vor. Sie deponierten vor dem Geb\u00e4ude eine Bombenattrappe und ein Transparent mit der Aufschrift \"Die Gefallenen der Revolution werden in unserem Kampf leben -- Devrimci Sol\". Die Befreiungsorganisation der T\u00fcrkei und Nordkurdistan (TKKK\u00d6), eine weitere Spaltergruppe der THKP/-C, f\u00fchrte am 6. Juni in M\u00fcnchen eine Informationsveranstaltung zur Erinnerung an den Arbeiteraufstand in Istanbul 155","STERNMARSCH F\u00dcR DIE ABSCHAFFUNG DER TODESSTRAFE UND F\u00dcR GENERALAMNESTIE IN DER T\u00dcRKEI Pre ssekonperenz um IG'Ukr mc/erFSG ABMARSCH um 1? Uhr Vor der ET S & FriedricWikt.iS MAo Aufruf zum Sternmarsch nach Bonn T\u00fcrkische Linksextremisten 156","(15./16. Juni 1970) durch. Vor rund 350 Teilnehmern \u00e4u\u00dferte ein Redner, t\u00fcrkische Arbeiter und Studenten w\u00fcrden erneut Aufst\u00e4nde und Streiks organisieren und den Kampf gegen die \"Milit\u00e4rdiktatur\" fortsetzen. 12.3 Extreme Nationalisten Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. vertritt das Gedankengut der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten extrem nationalistischen Partei der Nationalen Bewegung (MHP), ist aber bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als gem\u00e4\u00dfigte Organisation zu pr\u00e4sentieren. Dem Dachverband sind auch einige Ausl\u00e4ndervereine in Bayern angeschlossen. Das seit Januar 1987 erscheinende Organ \"Yeni Ufuk\" (Neuer Horizont) wurde inzwischen wieder eingestellt. Am 6. Juni hielt die AD\u00dcTDF in Hamm/Westfalen ihren 10. Jahreskongre\u00df mit Vorstandsneuwahlen ab. An der Veranstaltung nahmen etwa 4.000 Mitglieder aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland teil. Gastredner war der fr\u00fchere MHP-Vorsitzende Alparslan T\u00fcrkes, der mit anhaltenden Rufen als \"F\u00fchrer T\u00fcrkes\" begr\u00fc\u00dft wurde. Er f\u00fchrte in seiner Rede aus, die \"idealistische\" Bewegung werde ihre Arbeit dort wieder aufnehmen, wo sie unterbrochen worden sei. Der Nationalismus werde sich durchsetzen und in der T\u00fcrkei die Macht \u00fcbernehmen, denn die nationalistische \"Sache\" sei \"eine gerechte\". Zum Nachfolger des bisherigen AD\u00dcTDF-Vorsitzenden Feridun Tuncay wurde der fr\u00fchere MHP-Funktion\u00e4r Hasan Yildizhan gew\u00e4hlt. Der Verein t\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO), eine Mitgliedsorganisation der AD\u00dcTDF in M\u00fcnchen, unterst\u00fctzte am 21. M\u00e4rz mit rund 70 Teilnehmern eine Protestaktion eines T\u00fcrken gegen die Assimilisationspolitik gegen\u00fcber der t\u00fcrkischen Minderheit in Bulgarien. Am 18. April f\u00fchrte der M\u00dcO in M\u00fcnchen eine Folkloreveranstaltung durch, bei der vor rund 600 Besuchern eine Gru\u00dfbotschaft der MHP verlesen wurde. Der damalige AD\u00dcTDF-Vorsitzende Tuncay verurteilte in seiner Rede den Kommunismus, den europ\u00e4ischen Kapitalismus, die Einstellung der USA zur nationalen Bewegung in der T\u00fcrkei und die politische Situation im Heimatland. Gegen die Durchf\u00fchrung der Veranstaltung protestierten politische Gegner am 16. April mit einer Mahnwache und am 18. April mit einem Aufzug, an dem rund 140 Personen teilnahmen. Am 17. Oktober konstituierte sich in Nieder-Olm, Kreis Mainz-Bingen, ein Zusammenschlu\u00df ehemaliger Mitgliedsvereine der AD\u00dcTDF. Damit wurde die 157","sich seit l\u00e4ngerem abzeichnende Spaltung der AD\u00dcTDF vollzogen. In der Er\u00f6ffnungsrede erkl\u00e4rte der fr\u00fchere Leiter der AD\u00dcTDF Dr. Ali Batman, der ehemalige MHP-Vorsitzende Alparslan T\u00fcrkes, der bisher die AD\u00dcTDF steuerte, vertrete nicht mehr das Gedankengut der t\u00fcrkischen \"Idealisten\". Deshalb gebe es keinen anderen Ausweg als die Gr\u00fcndung eines neuen Dachverbandes, der den alten \"idealistischen\" Kurs fortf\u00fchren werde. Zum Vorsitzenden dieses Verbandes wurde der fr\u00fchere langj\u00e4hrige AD\u00dcTDF-Vorsitzende Musa Serdar Celebi bestellt. 12.4 Islamische Extremisten Der Ende 1984 gegr\u00fcndete Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln, der die T\u00fcrkei nach dem Vorbild des Iran durch eine Revolution islamisieren will, ver\u00f6ffentlichte in seinem Organ \"Teblig\" (Die Verk\u00fcndung) vom 15. Mai den Text einer Rede des Verbandsvorsitzenden Cemalettin Kaplan vom Herbst vergangenen Jahres. Auf das laizistische t\u00fcrkische Staatsgef\u00fcge und die amtierende t\u00fcrkische Regierung zielend hatte Kaplan damals erkl\u00e4rt, es sei \"endlich an der Zeit, die Ketten zu sprengen\". F\u00fcnfzig Millionen Muslime w\u00fcrden sich eines Tages \"um den heiligen Koran versammeln und Rechenschaft fordern\". Sie w\u00fcrden \"das Recht wie einen Vorschlaghammer auf den Kopf des Unglaubens schlagen\" und \"dessen Gehirn zertr\u00fcmmern\". An einer Versammlung des Verbandes am 10. Oktober in K\u00f6ln beteiligten sich rund 3.000 Personen, darunter auch zahlreiche Besucher aus Bayern. Die Redner propagierten den Sturz des t\u00fcrkischen Staates und erkl\u00e4rten, die \"g\u00f6ttliche Mission\" werde \"alle Systeme des Unglaubens in der Welt st\u00fcrzen\". Auch die \"christliche Gesellschaft\" in Deutschland sei aufgerufen, sich \"aus dem Sumpf der schmutzigen und ungl\u00e4ubigen F\u00fchrung zu befreien\". Wichtigste Aufgabe sei die \"Abschaffung des kemalistischen Regimes durch Revolution\". Bef\u00fcrworter der laizistischen Staatsordnung seien \"Ungl\u00e4ubige\", die nach Bildung eines islamischen Staates \"get\u00f6tet;' werden m\u00fc\u00dften. Eine \u00f6rtliche Zweigstelle des Verbandes f\u00fchrte am 27. Dezember in N\u00fcrnberg eine Veranstaltung durch, zu der sich rund 400 Besucher einfanden. Der Verbandsvorsitzende Kaplan kritisierte in seiner Rede die seiner Meinung nach falsche Berichterstattung deutscher Medien \u00fcber den Verband, aber auch die deutschen Beh\u00f6rden, deren feindselige Haltung gegen\u00fcber den Aktivit\u00e4ten des Verbandes im Grunde nur auf Furcht vor der Macht des Islam beruhe. Des weiteren forderte er, die islamische Gesetzeslehre in allen islamischen L\u00e4ndern, zu denen auch die T\u00fcrkei z\u00e4hle, strikt durchzusetzen. Politisches Vorbild f\u00fcr alle islamischen Staaten sei insofern die Islamische Republik Iran; deshalb folge er dem Kurs des iranischen Revolutionsf\u00fchrers Khomeini. Die Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (AMGT), ein Sammelbekken von Anh\u00e4ngern der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten Nationalen Heilspartei (MSP), trat 1987 in Bayern nicht \u00f6ffentlich in Erscheinung. Der F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden im Land Bayern e.V. geh\u00f6ren islamisch-extremistische Vereinigungen an, die das Gedankengut der MSP vertreten und teilweise zum Verband der Islamischen Vereine und Gemeinden e.V. K\u00f6ln tendieren. Die anhaltende Fluktuation in diesem Bereich er158","schwert im einzelnen eine exakte Zuordnung. Am 5. Juli veranstaltete die F\u00f6deration in M\u00fcnchen eine Demonstration zum Thema \"Hinrichtungsaktionen durch anarchistische Gruppierungen im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei\", an der sich rund 800 Personen beteiligten. Die Redner kritisierten die Haltung des Europ\u00e4ischen Parlaments, das eine Resolution gegen die territoriale Integrit\u00e4t und nationale Souver\u00e4nit\u00e4t der T\u00fcrkei verabschiedet habe. Darin werde die T\u00fcrkei aufgefordert, vor dem Beitritt zur Europ\u00e4ischen Gemeinschaft u.a. das KurdenProblem zu l\u00f6sen. Diese Resolution habe separatistische Bestrebungen ideell unterst\u00fctzt und sei daher mitverantwortlich f\u00fcr ein von kurdischen Rebellen am 20. Juni 1987 ver\u00fcbtes Massaker in einem Dorf im S\u00fcdosten der T\u00fcrkei. 159","4. Abschnitt Terror* und sonstige politisch motivierte Gewalt 1. Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hielt im Jahre 1987 an. Dies verdeutlichen insbesondere die Morde an zwei Polizeibeamten an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens, mit denen die seit Jahren zunehmende Militanz des \"autonomen\" Spektrums ihren bisherigen H\u00f6hepunkt erreichte. Dar\u00fcber hinaus war die Gef\u00e4hrdungslage von einer gegen\u00fcber dem Vorjahr zwar bundesweit r\u00fcckl\u00e4ufigen, aber immer noch besorgniserregend hohen Zahl teilweise schwerster Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge gekennzeichnet, die zum einen den Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und deren Frauengruppe \"Rote Zora\", zum weitaus \u00fcberwiegenden Teil aber dem sonstigen linksterroristischen Spektrum zuzurechnen waren. Bevorzugte Ziele der Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge mit linksterroristischem Bezug waren vor allem Firmen mit Beteiligung an umstrittenen Bauvorhaben (haupts\u00e4chlich in den Bereichen Kernenergie sowie Bahnund Stra\u00dfenbau), Geldinstitute, Kaufh\u00e4user und Konzerne (insbesondere solche mit gesch\u00e4ftlichen Beziehungen zur Republik S\u00fcdafrika), die aus der Sicht der T\u00e4ter die \"kapitalistische Ausbeuterund Konsumgesellschaft\" repr\u00e4sentieren, Beh\u00f6rden und kommunale Einrichtungen (vor allem im Zusammenhang mit der Volksz\u00e4hlung) sowie Sicherheitsbeh\u00f6rden als Symbole des \"Repressionsapparates\". Weitere Angriffsobjekte waren Unternehmen der Energieversorgung, aber auch Einrichtungen des \u00f6ffentlichen Nahund Fernverkehrs, der Bundeswehr sowie verb\u00fcndeter Streitkr\u00e4fte. *) Terrorismus ist der nachhaltig gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr politische Ziele, die mit Hilfe von Anschl\u00e4gen auf Leib, Leben und Eigentum Dritter durchgesetzt werden sollen, insbesondere durch schwere Straftaten, wie sie in SS 129a Abs. 1 des Strafgesetzbuchs genannt sind (vor allem: Mord, Totschlag, erpresserischer Menschenraub, Brandstiftung, Herbeif\u00fchrung einer Explosion durch Sprengstoff) oder durch andere Gewalttaten, die der Vorbereitung solcher Straftaten dienen. 160","Die Rote Armee Fraktion (RAF) blieb auch 1987 die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung. Zwar haben ihre Bem\u00fchungen um Zusammenarbeit mit Terrororganisationen in benachbarten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern einen R\u00fcckschlag erlitten. Auch ist im Jahre 1987 weder ihr Kommandobereich noch ihre \"militante\" zweite Ebene oder ihr regionales Umfeld mit Anschl\u00e4gen in Erscheinung getreten. Diese \u00e4u\u00dferliche \"Ruhephase\" bedeutet indes keine wesentliche Entspannung der Sicherheitslage in diesem Bereich, da das terroristische Potential der RAF trotz aller bisherigen Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden ungebrochen ist und auch keine Anhaltspunkte daf\u00fcr vorliegen, da\u00df die RAF von ihrer Zielsetzung abger\u00fcckt w\u00e4re. Zugenommen haben die terroristischen Aktivit\u00e4ten der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und ihrer Frauengruppe \"Rote Zora\", die mit einem versuchten Sprengstoffanschlag ihre Gewaltaktionen erstmals auch auf Bayern ausgedehnt hat. Mit den Sch\u00fcssen auf einen Berliner Richter ver\u00fcbten die RZ erneut einen gezielten Anschlag auf Menschen. Die Mehrzahl der im Bundesgebiet ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge bis hin zur Ermordung von zwei Polizeibeamten war regionalen Gruppen des gewaltbereiten linksextremen Spektrums zuzurechnen, die seit Anfang der 80er Jahre eine neue Form des Terrorismus praktizieren. Dieser manifestiert sich meist in Sabotageaktionen wie gef\u00e4hrlichen Eingriffen in den Bahnverkehr, Ums\u00e4gen von Strommasten oder Inbrandsetzen von Baufahrzeugen. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hatten militante \"autonome\" Kreise, die aus ihrer grunds\u00e4tzlich staatsfeindlichen Einstellung heraus u.a. Projekte wie den Betrieb oder den Bau kerntechnischer Anlagen, insbesondere der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW), verhindern wollen und sich dabei auch terroristischer Mittel bedienen. Sie verf\u00fcgen zumeist \u00fcber keine feste Organisationsstruktur und kein eigenes geschlossenes ideologisches Konzept. Bei ihren Gewalttaten und ihren Selbstbezichtigungen -- soweit sie solche \u00fcberhaupt hinterlassen -- orientieren sie sich am Beispiel der Revolution\u00e4ren Zellen oder an aus der \"Legalit\u00e4t\" heraus operierenden militanten RAF-Anh\u00e4ngern, ohne jedoch deren kriminelle Zielstrebigkeit oder Risikobereitschaft zu erreichen. F\u00fcr die Existenz einer rechtsterroristischen Vereinigung im Bundesgebiet gab es auch 1987 keine Hinweise. Das Fehlen organisatorischer Strukturen darf indes nicht \u00fcber die Gef\u00e4hrlichkeit und Unberechenbarkeit des rechtsterroristischen Potentials hinwegt\u00e4uschen. Den N\u00e4hrboden f\u00fcr dieses Potential bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppierungen. Insbesondere die in Lincoln/Nebraska (USA) ans\u00e4ssige NSDAP-AO \u00fcbt mit Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS Kampfruf\" Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. Dem rechtsterroristischen Bereich k\u00f6nnen ferner die Urheber sonstiger Gewaltakte mit rechtsterroristischem Einschlag (z.B. Brandanschl\u00e4ge oder Bank\u00fcberf\u00e4lle) zugerechnet werden, bei denen eine rechtsextreme Motivation bzw. der nachhaltig gef\u00fchrte Kampf f\u00fcr rechtsextreme Ziele zwar nicht eindeutig erkennbar, aber aufgrund der objektiven Begleitumst\u00e4nde mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit zu vermuten ist. Da\u00df dieser Bereich weiterhin aufmerksamer Beobachtung bedarf, zeigen u.a. drei Brandanschl\u00e4ge am 18. August in Frankfurt a.M., die einer anonymen Selbstbezichtigung zufolge \"aus Rache f\u00fcr die Ermordung unseres F\u00fchrers Rudolf He\u00df\" ver\u00fcbt wurden. 161","Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. verh\u00e4ngte gegen den Neonazi Odfried Hepp am 27. Oktober eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Herbeif\u00fchrung einer Sprengstoffexplosion, schweren Raubes und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig. Hepp war 1980/1981 Mitglied der \"Wehrsportgruppe Ausland\" des Karl-Heinz Hoffmann und wurde im Libanon von Pal\u00e4stinensern paramilit\u00e4risch ausgebildet. 1982 baute er zusammen mit Walther Kexel eine terroristische Gruppe im Raum Offenbach auf, die f\u00fcnf Bank\u00fcberf\u00e4lle mit einer Gesamtbeute von rund 630.000 DM und drei Mordversuche an US-Soldaten ver\u00fcbte. Kexel und vier weitere Gruppenmitglieder wurden im Februar 1983 festgenommen und im M\u00e4rz 1985 zu Freiheitsstrafen zwischen f\u00fcnf und vierzehn Jahren verurteilt. Kexel beging kurz nach der Verurteilung Selbstmord. Hepp, der sich damals der Verhaftung durch Flucht entziehen konnte, wurde im April 1985 in Paris festgenommen und nach Verb\u00fc\u00dfung einer Haftstrafe Ende Januar 1987 an die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Die anhaltende Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit durch ausl\u00e4ndische Terroristen beweist insbesondere die Festnahme des Libanesen Mohammed Ali Hamadei am 13. Januar auf dem Frankfurter Flughafen; dabei wurden drei Flaschen mit hochexplosivem Fl\u00fcssigsprengstoff sichergestellt. Auch die anschlie\u00dfende Entf\u00fchrung von zwei Deutschen in Beirut durch schiitische Extremisten, mit der die Auslieferung des Festgenommenen an die USA wegen des Verdachts der Ermordung eines amerikanischen Passagiers bei einer Flugzeugentf\u00fchrung im Juni 1985 verhindert werden sollte, macht die Auswirkungen des nah\u00f6stlichen Konflikts auf die Bundesrepublik Deutschland deutlich. An der Entf\u00fchrung der beiden Deutschen war der 1988 zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren verurteilte Bruder Hamadeis beteiligt; als ihn die Polizei am 26. Januar in Frankfurt a.M. festgenommen hatte, fand sie im Saarland ein von ihm angelegtes Sprengstofflager. Erh\u00f6hte Wachsamkeit ist dar\u00fcber hinaus auch gegen\u00fcber der militanten Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) geboten, deren meist konspiratives Verhalten terroristische Ans\u00e4tze aufweist. 2. Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgte zun\u00e4chst das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Inzwischen versteht sich die RAF nicht mehr nur als verl\u00e4ngerter Arm der Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt, sondern als eigenst\u00e4ndige Guerilla im \"imperalistischen Zentrum Westeuropa\". Als \"Gegner\" in ihrem \"antiimperialistischen Kampf\" sieht die RAF die \"imperialistische Staatenkette\" unter der F\u00fchrung der USA als Sammelbegriff f\u00fcr alle \"reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte\". Ihr Kampf richtet sich deshalb vor allem gegen die sichtbare Erscheinungsform dieses Blocks, das westliche Verteidigungsb\u00fcndnis NATO und, bezogen auf West162","europa, gegen die Westeurop\u00e4ische Union (WEU), der die RAF ihr Konzept einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\" entgegensetzt. Als ma\u00dfgebende St\u00fctzen der bestehenden Machtstrukturen betrachtet die RAF neben den Sicherheitsorganen die Bereiche Politik, Milit\u00e4r, Kapital und Industrie; sie umschreibt deren vielf\u00e4ltige Verflechtungen mit dem Begriff \"milit\u00e4risch-industrieller Komplex\" (MIK). Diese Bereiche tragen nach Auffassung der RAF ein von einer machtgierigen Clique beherrschtes System, das unter F\u00fchrung der USA eine weltweite Ausbeutungspolitik mit dem Ziel der fortschreitenden milit\u00e4rischen, technologischen und damit wirtschaftlichen \u00dcberlegenheit gegen\u00fcber der Dritten Welt betreibt. M\u00f6gliche Anschlagsziele sind dementsprechend alle Funktionstr\u00e4ger und Institutionen, die zur Formierung der \"imperialistischen S\u00e4ule Westeuropa\" beitragen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Einrichtungen der Bundeswehr und der verb\u00fcndeten Streitkr\u00e4fte, Polizeiund Justizbeh\u00f6rden, Konzerne im Bereich der Computerund Elektroniktechnologie sowie der Verteidigungswirtschaft. Durch die Konzentration derartiger Unternehmen ist Bayern einer erh\u00f6hten Gef\u00e4hrdung ausgesetzt. Die in verschiedenen Erkl\u00e4rungen der RAF deutlich gewordene verst\u00e4rkte Betonung der \"proletarischen Komponente\" (Arbeiterklasse als revolution\u00e4res Subjekt) kann dazu f\u00fchren, da\u00df dar\u00fcber hinaus weitere Anschlagsziele in Betracht gezogen werden, wobei es immer schwieriger wird, die Bandbreite solcher Ziele der RAF einzugrenzen. Als ideologisches Sprachrohr der RAF ist die seit Ende 1984 erscheinende Untergrundzeitschrift \"Zusammen k\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die antiimperialistische Front in Westeuropa\" anzusehen. Sie enth\u00e4lt vor allem Selbstbezichtigungen der \"k\u00e4mpfenden Ebenen\" der RAF und ist als Instrument der Kommunikation, Instruktion und Indoktrination anzusehen. Kommentarlos wiedergegebene Erkl\u00e4rungen ausl\u00e4ndischer Terrorgruppen verweisen au\u00dferdem auf Bestrebungen der RAF, B\u00fcndnispartner f\u00fcr den von ihr propagierten Aufbau einer einheitlichen \"westeurop\u00e4ischen Guerilla\" innerhalb einer \"antiimperialistischen Front\" zu finden. Im Vordergrund dieser Bem\u00fchungen um eine Internationalisierung des Terrors steht seit etwa Anfang 1985 das B\u00fcndnis der RAF mit dem sogenannten \"internationalistischen Fl\u00fcgel\" der franz\u00f6sischen Terrorgruppe \"Action Directe\" (AD). Die beiderseitigen \"Offensiven\" in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich waren in der Zielsetzung und in den zeitlichen Abl\u00e4ufen einiger Anschl\u00e4ge aufeinander abgestimmt und sollten offensichtlich die Existenz einer \"westeurop\u00e4ischen Front\" unter Beweis stellen. Auch eine gegenseitige logistische Unterst\u00fctzung, u.a. mit Waffen, Sprengmitteln und Ausweispapieren, konnte festgestellt werden. Durch die Festnahme der vier f\u00fchrenden ADMitglieder am 21. Februar in der N\u00e4he von Orleans ist allerdings der bislang wichtigste B\u00fcndnispartner der RAF auf dem Weg zu einer \"antiimperialistischen Front in Westeuropa\" zun\u00e4chst ausgefallen. Vor diesem Hintergrund ist den Ann\u00e4herungsversuchen der RAF an die italienischen \"Roten Brigaden\" trotz fortbestehender ideologischer und konzeptioneller Gegens\u00e4tze gr\u00f6\u00dfere Bedeutung zuzumessen. So war in einer Sonderausgabe der Schrift \"Zusammen K\u00e4mpfen\" vom Dezember 1987 eine Selbst163","bezichtigung zu einem bewaffneten \u00dcberfall am 14. Februar 1987 auf einen Geldtransporter abgedruckt, in der die \"Roten Brigaden\" mit der Parole \"Krieg dem Imperialismus! Krieg der NATO!\" dazu aufriefen, die \"k\u00e4mpfende antiimperialistische Front\" weiterzuentwickeln. 2.1 Kommandobereich der RAF Der Kommandobereich der RAF, der wie im Vorjahr auf etwa 20 Mitglieder gesch\u00e4tzt wird, hat trotz der Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden wieder die personelle St\u00e4rke der 70er Jahre erreicht. Obwohl dieser im Untergrund lebende Teil der RAF 1987 keine Mordanschl\u00e4ge ver\u00fcbte, geht von ihm nach wie vor die schwerste terroristische Bedrohung f\u00fcr die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland aus. Die Kommandoebene ist n\u00e4mlich nicht nur im Hinblick auf ihre unverminderte personelle St\u00e4rke, sondern auch logistisch weiterhin in der Lage, schwerste Gewaltaktionen durchzuf\u00fchren. Zudem haben schon in der Vergangenheit Anschlagsphasen mit Zeiten relativer Ruhe abgewechselt, die zur Neurekrutierung von Kommandomitgliedern und f\u00fcr die Vorbereitung von Attentaten genutzt wurden. Da au\u00dferdem keine Anzeichen vorliegen, da\u00df die RAF ihre Zielsetzung aufgegeben hat, ist zu bef\u00fcrchten, da\u00df der Kommandobereich der RAF auch k\u00fcnftig mit \"milit\u00e4rischen\", d.h. vors\u00e4tzlich gegen Menschenleben gerichteten Anschl\u00e4gen die richtungweisenden Akzente f\u00fcr die Aktionen der \u00fcbrigen RAF-Ebenen setzt. Der Kreis der gef\u00e4hrdeten Personen hat sich seit Ende 1984 erheblich erweitert, da die RAF mit ihrer damals eingeleiteten \"Offensive\" Kriterien fallen lie\u00df, an denen sie sich zuvor noch orientiert hatte. Fr\u00fcher hatte sie ihre Opfer unter den \"Symbolfiguren des imperialistischen Systems\" ausgew\u00e4hlt. Die im Rahmen der neuen \"Offensive\" ver\u00fcbten Morde zielten nunmehr auf in der \u00d6ffentlichkeit weniger bekannte Personen, die aus der Sicht der RAF als \"Funktions- . tr\u00e4ger\" zu den \"zentralen Figuren in der Formierung westeurop\u00e4ischer Politik im imperialistischen Gesamtsystem\" geh\u00f6rten. Gewalt und Brutalit\u00e4t der einzelnen Attentate lie\u00dfen dabei die ideologische Begr\u00fcndung in den Hintergrund treten. Damit hat sich die RAF zunehmend von ihrer urspr\u00fcnglich vertretenen Vorstellung entfernt, in Anlehnung an vermeintliche Bev\u00f6lkerungsinteressen durch Terrorakte auf die \u00f6ffentliche Meinung im Sinne einer Neuformierung der Gesellschaft Einflu\u00df zu nehmen. An ihre Stelle trat die destruktive Aktion mit dem alleinigen Ziel, Staat und Gesellschaft in entscheidenden Institutionen zu treffen, an der Reaktion des Staates dessen Ohnmacht aufzuzeigen und den \"revolution\u00e4ren B\u00fcrgerkriegszustand\" herbeizuf\u00fchren. 2.2 Militante der RAF Die \"Militanten der RAF\" sind nach dem Kommandobereich als zweite \"k\u00e4mpfende Ebene\" in die RAF eingebunden und damit als integrierter Bestandteil der RAF anzusehen. Sie beteiligten sich im Vorjahr an der \"Offensive\" der RAF mit neun schweren Sprengstoffanschl\u00e4gen, die in ihrer Zielrichtung und von den Tatmitteln her enge Verbindungen zum Kommandobereich erkennen lie\u00dfen. Damit haben sie sich als nicht weniger aktiv und fast genauso gef\u00e4hrlich wie die Kommandoebene selbst erwiesen. Zwar richteten sich ihre \"militanten\" 164","Anschl\u00e4ge -- anders als die Morde des Kommandobereichs -- prim\u00e4r gegen Sachen; jedoch wurde dabei zunehmend eine T\u00f6tung oder Verletzung von Personen in Kauf genommen. Auf die enge Zusammenarbeit mit der Kommandoebene der RAF verwies neben den benutzten Tatmitteln und der Auswahl der Anschlagsobjekte auch die h\u00e4ufig mit Erkl\u00e4rungen der RAF inhaltlich und formal \u00fcbereinstimmende Diktion der Selbstbezichtigungen, in denen sich die \"Militanten der RAF\" als \"K\u00e4mpfende Einheit\" bezeichneten, meist unter Hinzuf\u00fcgung des Namens eines verstorbenen Mitglieds einer ausl\u00e4ndischen Terrorgruppe. Der Umstand, da\u00df die \"Militanten der RAF\" bislang ihre Aktionen grunds\u00e4tzlich mit der Kommandoebene abstimmten und letztere seit der Ermordung des Leiters der Politischen Abteilung 2 des Ausw\u00e4rtigen Amtes Dr. Gerold von Braunm\u00fchl am 10. Oktober 1986 in Bonn die Ende 1984 eingeleitete \"Offensive\" nicht mehr weiterf\u00fchrte, d\u00fcrfte ausschlaggebend daf\u00fcr gewesen sein, da\u00df auch die zweite \"k\u00e4mpfende Ebene\" der RAF im Jahr 1987 keine Anschlagsaktivit\u00e4ten mehr zeigte. 2.3 Umfeld der RAF Die das Gewaltkonzept der RAF bejahenden Gruppen werden aufgrund ihrer jeweils unterschiedlichen N\u00e4he zum Kommandobereich als engeres bzw. weiteres Umfeld bezeichnet und bilden weiterhin ein f\u00fcr die RAF verl\u00e4\u00dfliches Unterst\u00fctzerpotential. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Ideologie und Ziele der RAF \u00f6ffentlich zu vertreten und f\u00fcr sie zu werben. Die Angeh\u00f6rigen dieser Gruppen halten Verbindung zu inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4tern und Unterst\u00fctzern der RAF und setzen sich f\u00fcr deren Forderungen, insbesondere nach \"Zusammenlegung\", ein. Au\u00dferdem geh\u00f6rt es zu ihren Aufgaben, den Informationsflu\u00df zwischen den verschiedenen Ebenen der RAF aufrechtzuerhalten. Dar\u00fcber hinaus leisten sie logistische Unterst\u00fctzungsarbeit (z.B. durch Beschaffen von Personalpapieren, Anmieten konspirativer Wohnungen) und werden so in die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung terroristischer Aktionen eingebunden. Letztlich stellt dieser Personenkreis auch das Rekrutierungspotential f\u00fcr die im Untergrund lebenden \"illegalen\" RAF-Mitglieder dar. In Bayern sind Gruppierungen des RAF-Umfeldes mit Schwerpunkten in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg bekannt. Ihnen geh\u00f6ren etwa 20 Personen an, davon einige aus dem engeren RAF-Umfeld. Die Gruppierungen unterhielten untereinander, aber auch zu \u00e4hnlichen Gruppen im Bundesgebiet, enge Kontakte. Zu den zentralen Agitationsthemen des RAF-Umfeldes geh\u00f6rte neben der \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\" insbesondere die Lage der Pal\u00e4stinenser. Das Anfang 1986 durch den Frankfurter Kongre\u00df wiedergeweckte Interesse an der Situation im Nahen Osten kam durch eine Reihe von Veranstaltungen zum Ausdruck. Mit diesen Aktivit\u00e4ten versuchte das Umfeld der RAF offenbar, sich f\u00fcr die politische Arbeit zus\u00e4tzliche Einflu\u00dfbereiche zu erschlie\u00dfen. So wurde am 10. M\u00e4rz durch Verbreitung eines Flugblatts bekannt, da\u00df Angeh\u00f6rige des RAF-Umfelds am 13. M\u00e4rz eine Informationsund Diskussionsveranstaltung zum Thema \"Lage der pal\u00e4stinensischen Revolution 165","-- Situation im Lagerkrieg\" in M\u00fcnchen planten. Nach \u00dcberpr\u00fcfung des Flugblatts leitete der Generalbundesanwalt gegen die unbekannten Veranstalter ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung ein und erwirkte beim Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof einen Kontrollstellenbeschlu\u00df. Daraufhin verf\u00fcgte die Kreisverwaltungsbeh\u00f6rde am 13. M\u00e4rz ein Versammlungsverbot, das den 39 Teilnehmern vor Beginn der Veranstaltung bekanntgegeben wurde. Im Veranstaltungsraum stellte die Polizei Tr\u00e4nsparente und ein Video-Projektionsger\u00e4t mit Kassette sicher. W\u00e4hrend der Durchf\u00fchrung der Kontrollma\u00dfnahmen wurden drei Personen zur Identit\u00e4tsfeststellung, eine wegen Widerstandes und K\u00f6rperverletzung, eine wegen versuchter Gefangenenbefreiung und zwei wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen SS 129a StGB vorl\u00e4ufig festgenommen. Bei den beiden letzteren Personen, die dem RAF-Umfeld zuzurechnen sind, fanden Hausdurchsuchungen statt, die zur Auffindung weiterer Beweismittel f\u00fchrten. Am Abend des 7. April trafen sich vor der Justizvollzugsanstalt N\u00fcrnberg etwa 25 bis 30 Personen, darunter einige Vermummte, zu einer nicht angemeldeten Versammlung. Zuvor bespr\u00fchten sie die Mauer des Geb\u00e4udes mit der Parole \"Zerschlagt die NATO, zerschlagt den Staat, zerschlagt Justiz und Knastapparat\". W\u00e4hrend des Aufzugs wurden die ihn begleitenden Polizeibeamten aus der Menge heraus mit Knallk\u00f6rpern beworfen und mit Tr\u00e4nengas bespr\u00fcht. Die Polizei nahm 22 Personen, darunter mehrere Angeh\u00f6rige des terroristischen Umfelds, vor\u00fcbergehend fest und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Landfriedensbruchs ein. Dar\u00fcber hinaus versuchte das RAF-Umfeld seit der Festnahme der vier f\u00fchrenden AD-Mitglieder im Februar 1987 verst\u00e4rkt, Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Terrorgruppen, vor allem in Italien und Spanien, herzustellen. So organisierten Angeh\u00f6rige des RAF-Umfeldes in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes eine Veranstaltungsreihe, mit der die baskische Untergrundorganisation ETA unterst\u00fctzt werden sollte. In Bayern fand am 14. Mai in N\u00fcrnberg ein \"Benefiz-Konzert\" statt, dessen Erl\u00f6s angeblich \"f\u00fcr den Widerstand gegen die WAA (Proze\u00dfhilfe)\" bestimmt war. Bedeutsamstes Ereignis f\u00fcr den Unterst\u00fctzerbereich der RAF war eine vom RAF-Umfeld und dem \"autonomen\" Spektrum vorbereitete Demonstration am 17. Oktober in Stuttgart. Mit dieser Kundgebung zum 10. Jahrestag der Selbstmorde von Baader, Ensslin und Raspe in der Justizvollzugsanstalt StuttgartStammheim sollte ein erneuter Versuch unternommen werden, die Differenzen zwischen RAF-Anh\u00e4ngern und \"Autonomen\" zu \u00fcberbr\u00fccken; ein vorangegangener Versuch, beim Frankfurter Kongre\u00df die Ziele der RAF der undogmatischen Neuen Linken n\u00e4her zu bringen, war sowohl am Selbstverst\u00e4ndnis der \"Autonomen\" als auch am elit\u00e4ren Anspruch der RAF gescheitert. Auch diesmal gelang es nicht, eine gemeinsame Linie zu erarbeiten. Die Teilnehmerzahl blieb weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zur\u00fcck. Insgesamt erschienen rund 500 \u00fcberwiegend vermummte Personen, darunter auch etwa 60 Teilnehmer aus Bayern. Als die Demonstranten der Aufforderung, die Vermummung abzulegen, nicht nachkamen, l\u00f6ste die Polizei die Versammlung auf. Die vorgesehene Kundgebung vor der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim fand nicht mehr statt. Schon vor Beginn des Aufzugs hatte die Polizei offen166","sichtliche Planungen f\u00fcr einen gewaltsamen Verlauf der Demonstration durchkreuzt, indem sie 27 Personen, die gef\u00e4hrliche Gegenst\u00e4nde wie Wurfanker, Schlagst\u00f6cke und gef\u00fcllte Benzinkanister mitf\u00fchrten, in Gewahrsam nahm. 2.4 Festnahmen und Strafverfahren Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. verurteilte am 23. Januar die RAF-Angeh\u00f6rige Gisela Dutzi zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie Versto\u00dfes gegen das Waffenund Kriegswaffenkontrollgesetz. Das Gericht blieb damit um sechs Monate unter der am 18. Juli 1985 verh\u00e4ngten Freiheitsstrafe. Am 5. M\u00e4rz verurteilte das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. Ingrid Baraba\u00df wegen Mitgliedschaft in der RAF und Versto\u00dfes gegen das Waffengesetz zu vier Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe sowie Mareile Schmegner wegen Unterst\u00fctzung der RAF zu drei Jahren und zehn Monaten Freiheitsstrafe. Beide waren am 3. Juli 1985 in Frankfurt a.M. in Zusammenhang mit der Entdekkung einer konspirativen Wohnung in Offenbach festgenommen worden. Nach \u00dcberzeugung des Gerichts hatten die Angeklagten diese Wohnung f\u00fcr die am 2. August 1986 verhaftete RAF-Angeh\u00f6rige Eva Haule-Frimpong besorgt. Aufgrund eines bestehenden Haftbefehls wurde am 11. M\u00e4rz in Duisburg Thomas Richter festgenommen. Er ist verd\u00e4chtig, an dem von \"Militanten der RAF\" am 11. August 1986 ver\u00fcbten Sprengstoffanschlag auf das Einsatzund Ausbildungszentrum des Bundesgrenzschutzes in Swisttal-Heimerzheim beteiligt gewesen zu sein. Am 16. M\u00e4rz verh\u00e4ngte das Oberlandesgericht D\u00fcsseldorf gegen das RAF-Mitglied Rolf Clemens Wagner wegen mehrfachen Mordes, erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme sowie versuchter N\u00f6tigung von Verfassungsorganen erneut eine lebenslange Freiheitsstrafe. Der Angeklagte war nach Feststellung des Gerichts an der Entf\u00fchrung und Ermordung des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Hanns-Martin Schleyer und seiner vier Begleiter im September 1977 beteiligt gewesen. Der Bundesgerichtshof hatte das vorangegangene Urteil vom 13. M\u00e4rz 1985 wegen Verfahrensfehlern aufgehoben. Vor dem Oberlandesgericht Stuttgart begann am 1. September die Hauptverhandlung gegen die am 2. August 1986 festgenommenen mutma\u00dflichen terroristischen Gewaltt\u00e4ter Eva Sibylle Haule-Frimpong, Luitgard Hornstein und Christian Kluth wegen Mitgliedschaft in der RAF. Frau Haule-Frimpong wird au\u00dferdem vorgeworfen, an dem versuchten Sprengstoffanschlag der RAF auf die NATO-Schule in Oberammergau am 18. Dezember 1984 beteiligt gewesen zu sein. Der Bundesgerichtshof verwarf Anfang September 1987 die Revision der RAFAngeh\u00f6rigen Peter J\u00fcrgen Book, Stefan Frey und Helmut Pohl gegen die von den Oberlandesgerichten Stuttgart und D\u00fcsseldorf am 7. Mai 1984 bzw. 23. Dezember 1986 verk\u00fcndeten Urteile. Damit sind Book und Pohl rechtskr\u00e4ftig zu lebenslangen Freiheitsstrafen sowie Frey zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. 167","Am 18. Dezember nahm die Polizei in D\u00fcsseldorf Andrea Sievering und Erik Prauss fest. Der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes erlie\u00df gegen sie Haftbefehl wegen Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Beide stehen ferner im Verdacht, an dem Sprengstoffanschlag auf die Firma Dornier am 25. Juli 1986 in Immenstaad/Bodensee beteiligt gewesen zu sein; zu diesem Anschlag hatten \"Militante der RAF\" in der N\u00e4he des Tatorts ein Selbstbezichtigungsschreiben hinterlassen. 3. Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die RZ einschlie\u00dflich ihrer autonomen Frauengruppe \"Rote Zora\" sind nach der RAF die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie unterscheiden sich vom Kommandobereich der RAF in Taktik und Strategie nach wie vor dadurch, da\u00df ihre Mitglieder aus einem b\u00fcrgerlichen Leben heraus operieren. Dieser Umstand und der Zusammenschlu\u00df in kleine, unabh\u00e4ngige Zellen erschweren das Erkennen und Bek\u00e4mpfen. Seit ihrem erstmaligen Auftreten im Jahre 1973 verstehen sich die RZ als eine \"Sozialrevolution\u00e4re Bewegung\". Langfristig verfolgen sie das Konzept des permanenten Guerillakampfes. Sie sind bestrebt, eine m\u00f6glichst breite personelle und materielle Basis f\u00fcr eine \"soziale Revolution\" in der Bundesrepublik Deutschland zu schaffen. Ihre auf Nachvollziehbarkeit und Nachahmung angelegten \"Widerstandshandlungen\" sind von der Absicht getragen, das in \"legalen\" Protestbewegungen vorhandene Potential f\u00fcr die eigenen Ziele zu gewinnen; deshalb achten sie darauf, da\u00df ihre Aktionen der \"Masse\" vermittelbar erscheinen. Die terroristischen Anschl\u00e4ge orientieren sich zumeist an aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Konfliktthemen. In der Vergangenheit waren dies insbesondere der Protest gegen Milit\u00e4rdiktaturen in Lateinamerika, der SS218 StGB, Fahrpreiserh\u00f6hungen und \"Mietwucher\", Gro\u00dfprojekte wie Kernkraftwerke oder der Bau der Startbahn West in Frankfurt a.M., die NATO-Nachr\u00fcstung und die Entwicklung der Computertechnik. Neuerdings r\u00fcckte die Ausl\u00e4nderund Asylproblematik sowie die \"Ausbeutung\" der Dritten Welt in den Mittelpunkt. Die autonome RZ-Frauengruppe \"Rote Zora\" bem\u00fcht sich in letzter Zeit, auf das in der Frauenbewegung vorhandene Protestpotential insbesondere durch Anschl\u00e4ge auf Einrichtungen im Bereich der Biound Gentechnologie Einflu\u00df zu nehmen. Durch diese auf die Entfachung von \"Massenmilitanz\" angelegte Ankn\u00fcpfungsstrategie der RZ sollen breite Volksschichten zum Kampf gegen behauptete Mi\u00dfst\u00e4nde motiviert und ihre Mitwirkung oder zumindest Sympathie f\u00fcr \"Widerstandshandlungen\" gewonnen werden. Daneben versuchen die RZ, ihren Aktionen durch Betonung \"internationalistischer\" Aspekte zus\u00e4tzlich eine \"antiimperialistische\" Ausrichtung zu verleihen. Die Palette ihrer Straftaten reicht mittlerweile von der F\u00e4lschung von Fahrausweisen \u00f6ffentlicher Verkehrsmittel oder amtlicher Schreiben \u00fcber Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge bis hin zu gezielten Schu\u00dfwaffenattentaten auf Menschen; dabei haben sie allerdings die T\u00f6tungsabsicht stets verneint. Insofern bleiben ihre Anschl\u00e4ge -- obwohl sie den \"bewaffneten Kampf auf allen Ebenen\" propagieren -- bewu\u00dft hinter den RAF-Mordanschl\u00e4gen zur\u00fcck, da diese nach ihrer Auffassung den 168","\"Massen\" als ihrem potentiellen \"revolution\u00e4ren Subjekt\" nicht vermittelbar und damit kontraproduktiv sind. 1987 ver\u00fcbten bzw. versuchten die RZ und die \"Rote Zora\" im Bundesgebiet 22 (1986: 16) Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, davon einen in Bayern. Dabei griffen sie erneut die Ausl\u00e4nderund Asylproblematik als ein aus ihrer Sicht wichtiges Thema auf, so z.B. mit einem Sprengstoffanschlag auf die Zentrale Sozialhilfestelle f\u00fcr Asylbewerber in Berlin am 6. Februar und einem Brandanschlag auf die Au\u00dfenstelle des Bundesamtes f\u00fcr die Anerkennung ausl\u00e4ndischer Fl\u00fcchtlinge in Dortmund am 5. September. In den Begr\u00fcndungen zu den Anschl\u00e4gen erkl\u00e4rten die RZ, ihre Angriffe h\u00e4tten sich gegen die \"rassistische\" bzw. \"imperialistische\" Behandlung von Asylanten gerichtet. Besonderes Aufsehen erregte ein am I.September in Berlin ver\u00fcbtes Attentat, bei dem der Vorsitzende Richter am Bundesverwaltungsgericht in Berlin Dr. G\u00fcnter Korbmacher durch zwei Sch\u00fcsse in den Unterschenkel verletzt wurde. Mit diesem Attentat haben die RZ nach den Sch\u00fcssen auf einen Berliner Rechtsanwalt im Mai 1978, den fr\u00fcheren hessischen Wirtschaftsminister im Mai 1981 und den Leiter der Berliner Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde im Oktober 1986 zum vierten Mal einen auf Menschen gezielten Anschlag ver\u00fcbt. In einer als authentisch anzusehenden Erkl\u00e4rung begr\u00fcndeten die RZ das Attentat mit der Funktion des Opfers als Vorsitzender des \"Asylsenats\", der die Aufgabe habe, die \"trikontinentale Fl\u00fcchtlingsbewegung\" zu brechen. Dieser \"Sondersenat\" sei mit seiner \"politisch handverlesenen Richterbesetzung\" als \"justizieller Begleitschutz\" f\u00fcr den \"ab 1982 forcierten, legislativen und administrativen Gegenangriff auf die Zwangsmobilisierten und Armgemachten\" gebildet worden. Dar\u00fcber hinaus erl\u00e4uterten die T\u00e4ter ihre Entscheidung f\u00fcr die Art des Anschlags, die \"eine bewu\u00dfte und pr\u00e4zise praktische wie politische Limitierung\" enthalte: Zum einen sollten die Sch\u00fcsse dem. Opfer \"intensiven k\u00f6rperlichen Schmerz\" zuf\u00fcgen und der \"kodifizierten Brutalit\u00e4t\", die das Leben so vieler Menschen zerst\u00f6re, wieder einen \"konkreten Namen\" verleihen; zum anderen sollten sie den Verletzten als \"Hauptverantwortlichen im juristischen Kampf gegen die Opfer imperialistischer Gro\u00dfraumpolitik\" politisch brandmarken und den \"suggestiven Nimbus der Macht zerst\u00f6ren\", durch den er sich gesch\u00fctzt glaube. Abschlie\u00dfend distanzierten sich die T\u00e4ter von der Praxis der RAF. Sie bezeichneten die \"politische T\u00f6tung eines Menschen\" als das \"\u00e4u\u00dferste und extremste Mittel im Klassenkampf\", das sich durch seinen \"inflation\u00e4ren Gebrauch\" selbst entwerte. Solange nicht \"offener Klassenkrieg\" herrsche, in dem die \"Liquidierung des Gegners zu einer Machtund \u00dcberlebensfrage\" werde, k\u00f6nne ein politischer Mord nur einen \"exemplarischen Charakter\" haben, da er \"die realen Machtverh\u00e4ltnisse nicht wirklich ersch\u00fcttern\" k\u00f6nne. Daher sei ein solcher Mord an einem \"bislang anonymen Funktionstr\u00e4ger\" politisch sinnlos. Die RZ-Frauengruppe \"Rote Zora\" trat am 15. August mit einer Serie koordinierter Brandanschl\u00e4ge auf acht Filialen eines Bekleidungskonzerns in Bremen, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein in Erscheinung; dabei entstand ein Gesamtschaden von mehreren Millionen DM. In einem Selbstbezichtigungsschreiben erkl\u00e4rte die \"Rote Zora\", sie habe mit den Anschl\u00e4gen die \"Lebensbedingungen und K\u00e4mpfe\" der bei dem angegrif169","fenen Konzern im Fernen Osten besch\u00e4ftigten Frauen in ihren eigenen \"Widerstand hier\" einbezogen. Die Frauen in den nach Sri Lanka und S\u00fcdkorea ausgelagerten Produktionsst\u00e4tten des Unternehmens k\u00e4mpften insbesondere gegen die \"Ausbeutung ihrer Arbeitskraft\" und den \"allt\u00e4glichen Sexismus\". Die Hoffnung auf \"Befreiung hier\" k\u00f6nne sich nur \"auf die weltweite Befreiung als Frauen gr\u00fcnden, darauf da\u00df wir Teil eines gemeinsamen Kampfes werden\". Das Schreiben endete mit den Parolen \"F\u00fcr eine starke internationale Frauenbefreiungsbewegung!\" und \"Kampf dem imperialistisch-patriarchalen System!\". Dieselben Forderungen hatte die \"Rote Zora\" bereits in der Taterkl\u00e4rung zu ihrem versuchten Sprengstoffanschlag am 21. Juni auf die Hauptverwaltung des Konzerns in Haibach, Landkreis Aschaffenburg, propagiert (s. Nr. 4.7). Im Zusammenhang mit koordinierten Exekutivma\u00dfnahmen gegen mutma\u00dfliche Mitglieder der RZ wurden am 19. Dezember Ursula Penselin in Hamburg und am 20. Dezember Ingrid Strobl in K\u00f6ln festgenommen. Gegen beide erlie\u00df der Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Frau Strobl ist au\u00dferdem dringend verd\u00e4chtig, am 28. Oktober 1986 an dem Sprengstoffanschlag auf das Geb\u00e4ude der Hauptverwaltung der Lufthansa in K\u00f6ln beteiligt gewesen zu sein. Da\u00df das Beispiel der RZ auch in Bayern Nachahmer findet, zeigen die am 28. Juli, I.September und 18. September ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge sogenannter \"Resonanzzellen\" der RZ, die sich in ihrem Vorgehen an den RZ orientierten und in ihren Selbstbezichtigungsschreiben auch die Bezeichnung \"Revolution\u00e4re Zellen\" gebrauchten; allerdings fehlten in diesen Schreiben sonstige RZtypische Merkmale. 4. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern In Bayern ist 1987 die Zahl der Gewaltakte, bei denen das angegriffene Ziel, die Tatausf\u00fchrung oder eine Selbstbezichtigung auf politische Motive hindeuteten, deutlich zur\u00fcckgegangen. Insgesamt wurden acht Sprengstoffanschl\u00e4ge (1986: 4) und 38 Brandanschl\u00e4ge (1986: 74) ver\u00fcbt oder versucht. Die Schwerpunkte lagen im Raum M\u00fcnchen, Erlangen-Schwabach und Schwandorf. Vorrangige Angriffsziele waren Baufirmen und Einrichtungen der Energiewirtschaft. Bei 16 Brandanschl\u00e4gen (1986:51) war ein Bezug zur Errichtung der Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf (WAW) erkennbar. Zum erheblichen R\u00fcckgang der gef\u00e4hrlichen Eingriffe in den Bahnverkehr (1987:12; 1986: 48) und der Anschl\u00e4ge auf Strommasten (1987: 4; 1986: 42) d\u00fcrften das Fehlen mobilisierender Bezugsereignisse und das Entstehen neuer Schwerpunktthemen im linksextremen Spektrum (z.B. die Volksz\u00e4hlung 1987), vor allem aber die durch Fahndungserfolge der bayerischen Sicherheitsbeh\u00f6rden bewirkte Verunsicherung potentieller T\u00e4ter beigetragen haben. Zu nennen sind insbesondere Gewaltaktionen gegen folgende Angriffsziele: 4.1 Bauunternehmen Bei einem Brandanschlag auf einen in M\u00fcnchen abgestellten Bagger entstand in der Nacht zum 26. Januar ein Schaden von rund 50.000 DM. In der N\u00e4he des 170","Tatorts wurde auf einem Container die Schmierschrift \"WAA nie\" festgestellt. Die gesch\u00e4digte Firma, die am Bau der WAW beteiligt ist, war schon im Jahre 1986 mehrmals das Ziel von Brandanschl\u00e4gen militanter Kernkraftgegner. Ein in Dornach, Landkreis M\u00fcnchen, abgestellter Lkw-Kranwagen einer am Bau der WAW beteiligten Firma war in der Nacht zum 28. Februar Ziel eines Brandanschlags. Ein Wachmann konnte das Feuer rechtzeitig l\u00f6schen, so da\u00df nur geringer Schaden entstand. Unbekannte T\u00e4ter zerschnitten in der Nacht zum 11. M\u00e4rz drei F\u00f6rderb\u00e4nder einer F\u00f6rderungsanlage in einem Steinbruch bei Nittenau, Landkreis Schwandorf. Ein weiteres F\u00f6rderband wurde zw\u00f6lf Tage sp\u00e4ter durchtrennt. Dadurch entstand insgesamt ein Schaden von rund 5.000 DM. Die gesch\u00e4digte Firma ist Zulieferer f\u00fcr den Bau der WAW. Wegen Versagens der Z\u00fcndvorrichtung mi\u00dflang am 14. April der Versuch, in N\u00fcrnberg einen Kran einer am Bau der WAW beteiligten Firma mit brennbarer Fl\u00fcssigkeit in Brand zu setzen. Unbekannte T\u00e4ter entwendeten in der Nacht zum 8. Juni auf dem Gel\u00e4nde der WAW aus einem aufgebrochenen Bauwagen Werkzeuge und Pl\u00e4ne, die sie in ein nahegelegenes R\u00fcckhaltebecken warfen. Ferner besch\u00e4digten sie Baustellenabsicherungen, Verkehrszeichen und Absperrungen rund um das Baugel\u00e4nde. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 15.000 DM. Bei einem Brandanschlag auf einen Bauwagen, der auf einem \u00dcbungsgel\u00e4nde der US-Armee bei Bad Kissingen abgestellt war, entstand in der Nacht zum 9. Juni ein Schaden von rund 20.000 DM. Die gesch\u00e4digte Firma errichtet auf dem Gel\u00e4nde eine Panzerstra\u00dfe. Ein Brandanschlag auf einen in Unterf\u00f6hring, Landkreis M\u00fcnchen, abgestellten Raupenkran verursachte in der Nacht zum 20. Juli einen Schaden von rund 1 Million DM. Am Tatort fand die Polizei zwei Schreiben mit den Parolen \"Zum ersten, zum zweiten: WAA nie\" und \"Pfoten raus aus Wackersdorf\". Die gesch\u00e4digte Firma ist am Bau der WAW beteiligt. Auf dasselbe Baufahrzeug war bereits am 25. November 1986 ein Brandanschlag ver\u00fcbt worden. Unbekannte T\u00e4ter setzten am 23. Juli in Garching, Landkreis M\u00fcnchen, einen Radlader einer am Bau der WAW beteiligten Firma in Brand. Dabei entstand ein Schaden von rund 50.000 DM. Zwei Tage sp\u00e4ter wurde auf einen Container desselben Bauunternehmens in M\u00fcnchen ein Brandanschlag ver\u00fcbt, der einen Schaden in gleicher H\u00f6he verursachte. Baufahrzeuge dieses Unternehmens waren zuvor schon Ziele der Brandanschl\u00e4ge am 26. Januar und 14. April gewesen. Am 27. September wurden auf dem Gel\u00e4nde eines Betonwerks in Wackersdorf aus einer Ansammlung von etwa 100 WAW-Gegnern heraus s\u00e4mtliche Fenster im Erdgescho\u00df des Betriebsgeb\u00e4udes eingeworfen. Anschlie\u00dfend setzten unbekannte T\u00e4ter, die von der Menge mit aufgespannten Regenschirmen verdeckt wurden, die Schaltzentrale des Geb\u00e4udes in Brand. Anr\u00fcckende L\u00f6schfahrzeuge wurden von WAW-Gegnern behindert und konnten erst mit Hilfe der Polizei zum Brandort gelangen. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 1 Million DM. 171","Brandanschlag am 27.9.87 auf das Betriebsgeb\u00e4ude eines Betonwerkes in Wackersdorf Auf die M\u00f6glichkeit, \"durch aufgespannte Regenschirme Sichtschutz gegen wachsame Polizeiblicke zu bilden\", hatte die anarchistische Zeitschrift \"graswurzelrevolution\" (Nr. 119, September 1987) hingewiesen. 4.2 Einrichtungen der Energieversorgung Am 18. Januar wurde in Schwandorf ein Gasverteilerregelschrank in Brand gesetzt. Aus der Anlage traten Stichflammen bis zu einer H\u00f6he von 15 m aus. Der Sachschaden wird auf 30.000 bis 40.000 DM gesch\u00e4tzt. Aufgrund eines anonymen Anrufs, der kurz nach dem Anschlag bei der \u00f6rtlichen Polizeidienststelle einging, kommen militante Gegner der WAW als T\u00e4ter in Betracht. Unbekannte T\u00e4ter s\u00e4gten am 28. Januar im Gemeindegebiet von Breitenbrunn, Landkreis Neumarkt i.d.OPf., zwei Fichten um. Ein Baum fiel auf eine 20.000Volt-Leitung; dadurch kam es zu einem Stromausfall. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 10.000 DM. In der Nacht zum 26. April drangen unbekannte T\u00e4ter im Landkreis Forchheim in das Umspannwerk Thuisburg der Energieversorgung Oberfranken (EVO) ein und lie\u00dfen die K\u00fchlfl\u00fcssigkeit von zwei Umspannern in ein Auffangbecken ab. Der Versuch, das K\u00fchlmittel mit Hilfe einer Batterie und eines Weckers in Brand zu setzen, scheiterte vermutlich wegen eines technischen Defekts. Unbekannte T\u00e4ter versuchten in der Nacht zum 7. Juni, auf dem Baugel\u00e4nde der WAW mit zwei Molotowcocktails ein Transformatorenh\u00e4uschen und einen Container mit Notstromaggregat in Brand zu setzen. 172","Brandanschlag auf ein Umspannwerk der Ostbayerischen Energieversorgung (OBAG) in Wackersdorf am 18.9.87 Bei einem Brandanschlag auf ein Umspannwerk in der N\u00e4he des WAW-Gel\u00e4ndes bei Wackersdorf entstand am 18. September ein Sachschaden von rund 1 Million DM. Am Geb\u00e4ude wurden ein aufgespr\u00fchter f\u00fcnfzackiger Stern sowie die Parole \"WAA nie\" festgestellt. Am 21. September gingen drei Zeitungsredaktionen in Frankfurt a.M., Schwandorf und Weiden i.d.OPf. textidentische Selbstbezichtigungsschreiben zu. Darin erkl\u00e4rte eine Gruppierung mit der Bezeichnung \"Revolution\u00e4re Zellen\", der Anschlag sei als \"Teil der Sabotagekampagne zur Unterst\u00fctzung der Aktionswoche gegen die WAA vom 8. -- 10. Oktober 1987\" zu verstehen. Als \"Herzst\u00fcck des bundesdeutschen Atomprogramms\" erm\u00f6gliche das \"Projekt WAA\" die Herstellung von Atombomben. Das Schreiben endete mit der Parole \"Kampf dem imperialistischen Atomprogramm auf allen Ebenen!\". Der Tat verd\u00e4chtig ist eine militante Gruppe im Raum Frankfurt a.M., gegen die ein Ermittlungsverfahren wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung anh\u00e4ngig ist. Ihr R\u00e4delsf\u00fchrer war Andreas Eichler, der dem \"autonomen\" Spektrum in Frankfurt a.M. angeh\u00f6rte; er wurde am 3. November wegen Verdachts der Beteiligung an der Ermordung von zwei Polizeibeamten an der Startbahn West des Frankfurter Flughafens festgenommen. Nach Erkenntnissen des Generalbundesanwalts wollte diese Gruppe durch die Begehung von Straftaten die Nutzung der Startbahn West verhindern oder erheblich beeintr\u00e4chtigen. Weiteres Ziel der Vereinigung, die in Selbstbezichtigungsschreiben unter Bezeichnungen wie \"Revolution\u00e4re Zellen\" und \"Revolution\u00e4re Handwerker\" auftrat, waren Sabotagehandlungen (z.B. Besch\u00e4digung von Strommasten, Brandanschl\u00e4ge) gegen die friedliche Nutzung der Kernenergie. 173","Unbekannte T\u00e4ter deponierten zwischen dem 14. und 17. Dezember an einem Hochspannungsmast bei Mittelberg, Landkreis Oberallg\u00e4u, zwei Rohrbomben; au\u00dferdem durchs\u00e4gten sie Verstrebungen und entfernten zahlreiche Schrauben. Die Sprengs\u00e4tze wurden rechtzeitig entdeckt und entsch\u00e4rft; danach konnte ein Montagetrupp den sich bereits neigenden Mast stabilisieren. Der Sachschaden wird auf \u00fcber 15.000 DM gesch\u00e4tzt. 4.3 Polizeiund Verwaltungsbeh\u00f6rden In der Nacht zum 14. April wurden gegen die Regierung von Schwaben in Augsburg drei Brands\u00e4tze geworfen. W\u00e4hrend am Geb\u00e4ude nur geringer Schaden entstand, brannte ein vor dem Eingang geparkter Pkw aus. Einige Stunden sp\u00e4ter ging bei der Deutschen Presse-Agentur ein Anruf ein, in dem sich eine Gruppierung \"K\u00e4mpfende Zellen der Revolution\u00e4ren Zellen\" der Tat bezichtigte und die Freilassung von G\u00fcnter Sonnenberg forderte. Hinweise aus der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrten am 27. April zur Festnahme des T\u00e4ters und einer Komplizin. Beide erkl\u00e4rten bei ihrer Vernehmung, den Anschlag aus ihrer grunds\u00e4tzlich negativen Einstellung gegen\u00fcber dem Staat und seinen Organen begangen zu haben; politisch waren sie zuvor noch nicht in Erscheinung getreten. Gegen den Hauptt\u00e4ter verh\u00e4ngte das Bayer. Oberste Landesgericht am 6. November eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren wegen versuchter Brandstiftung, Sachbesch\u00e4digung und Unterst\u00fctzung einer terroristischen Vereinigung. Die Mitt\u00e4terin wurde zu einem Jahr Jugendstrafe mit Bew\u00e4hrung verurteilt. Ein Brandanschlag auf das Verwaltungsgeb\u00e4ude der Stadtverwaltung Altdorf, Landkreis N\u00fcrnberger Land, verursachte am 9. Mai einen Schaden von rund 3.000 DM. Der T\u00e4ter, der sich im Dezember 1987 freiwillig der Polizei stellte, nannte bei seiner Vernehmung als Motiv des Anschlags \"Frust auf die Volksz\u00e4hlung\". In der Nacht zum 8. Juni wurden am Neubau eines \u00c4mtergeb\u00e4udes in Schwandorf, das auch eine Polizeiinspektion aufnehmen soll, 24 Isolierglasfenster im Wert von \u00fcber 10.000 DM mit Stahlkugeln zerschossen. Unbekannte T\u00e4ter entz\u00fcndeten am 12. Juli in einem Lagerraum des Landesarbeitsamtes S\u00fcdbayern in M\u00fcnchen einen mit Benzin gef\u00fcllten Kanister. Durch den Brand entstand ein Sachschaden in H\u00f6he von rund 15.000 DM. Aufgrund der Art des angegriffenen Objektes ist ein politischer Tathintergrund m\u00f6glich. In der Nacht zum 23. August verursachte die Explosion eines Sprengsatzes an einem vor der Polizeiinspektion 3 in Regensburg abgestellten Dienstwagen einen Sachschaden von etwa 5.000 DM. Auf dem Gel\u00e4nde der Bayerischen Bereitschaftspolizei in Dachau detonierte in der Nacht zum 1. September eine unter einem Kraftfahrzeug abgelegte Rohrbombe. Dadurch entstand ein Schaden von rund 4.000 DM. In einem bei zwei M\u00fcnchner Zeitungsredaktionen eingegangenen Selbstbezichtigungsschreiben begr\u00fcndete eine \"Brigade Schwarze Rose -- Revolution\u00e4re Zellen\" den Anschlag damit, da\u00df sich auf dem Gel\u00e4nde der ehemaligen \"SS-Kaserne beim KZ Dachau\" einer \"der gr\u00f6\u00dften Polizeist\u00fctzpunkte in Westdeutschland\" befinde, 174","der \"eine wichtige Rolle im Aufstandbek\u00e4mpfungskonzept\" spiele. Die Verfasser warfen der \"Polizeisoldadeska\" vor, sie sch\u00fctze \"Kapital und Milit\u00e4rstrategen, die Aufr\u00fcstung, imperialistischen Krieg etc. weiter planen, vorbereiten und durchf\u00fchren\". Sie brachten ihre \"Aktion gegen die Polizeikaserne\" ausdr\u00fccklich in Zusammenhang mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges am 01.09.1939, wobei sie behaupteten, die \"Herren aus den Vorstandsetagen\" w\u00fcrden \"schon wieder an einer Wiederholung\" basteln, und zwar \"mit Hilfe alter und neuer Nazis\". Aufgrund von Inhalt und Diktion des Schreibens sowie wegen des Fehlens RZ-typischer Merkmale d\u00fcrfte es sich bei den T\u00e4tern um eine RZ-Nachahmergruppe gehandelt haben. 4.4 Einrichtungen und Wohnungen von Ausl\u00e4ndern Am 13. M\u00e4rz warfen unbekannte T\u00e4ter einen Brandsatz durch eine eingeschlagene Fensterscheibe in einen Versammlungsraum des \"Vereins zur F\u00f6rderung ethnischer Minderheiten e.V.\" in M\u00fcnchen, der auch Anlaufstelle f\u00fcr Mitglieder der orthodox-kommunistischen F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) ist. Der Sachschaden betr\u00e4gt etwa 10D00 DM. Bei einem Brandanschlag auf das B\u00fcro der \"Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V.\" entstand am 14. M\u00e4rz ein Sachschaden von rund 30.000 DM. Der Verein ist Mitgliedsverband der KOMKAR. Ein Zusammenhang mit der t\u00e4tlichen Auseinandersetzung unter kurdischen Linksextremisten am 7. M\u00e4rz in M\u00fcnchen (vgl. 3. Abschnitt, Nr. 9.2) ist in beiden F\u00e4llen zu vermuten. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am 30. M\u00e4rz einen Brandanschlag auf den Veranstaltungsraum des \"Vereins t\u00fcrkischer Idealisten e.V.\" (M\u00dcO) in M\u00fcnchen, indem sie zwei Fensterscheiben einschlugen und im Innenraum Benzin entz\u00fcndeten. Es entstand ein Sachschaden von etwa 50.000 DM. Als Urheber des Anschlags kommen politische Gegner des extrem nationalistischen Ausl\u00e4ndervereins in Betracht. In der Nacht zum 6. Juni wurde im Flur der Asylantenunterkunft in Kaufbeuren ein Nebelwurfk\u00f6rper gez\u00fcndet. Ein indischer Asylant mu\u00dfte wegen Vergiftungserscheinungen ambulant behandelt werden; bei weiteren 16 seiner Landsleute verursachte das ausgetretene Reizgas kurzzeitige Beschwerden der Atemwege. Wegen der Art des Angriffsobjekts ist ein rechtsextremes Tatmotiv nicht auszuschlie\u00dfen. 4.5 Einrichtungen des Bahnverkehrs In der Nacht zum 17. Februar ri\u00df eine Lokomotive auf der Bahnstrecke Stuttgart-M\u00fcnchen bei Mindelaltheim, Landkreis G\u00fcnzburg, die Oberleitung auf einer Strecke von 500 m herunter. Zwischen den Gleisen wurde ein an einer Nylonschnur befestigter Metallgegenstand gefunden, der offensichtlich von einer Bahn\u00fcberf\u00fchrung aus auf die Fahrleitung geworfen worden war. Der Sachschaden betr\u00e4gt etwa 100.000 DM. Noch am selben Tag konnte die Polizei die beiden T\u00e4ter festnehmen. Als Motiv ihres Anschlags nannten sie den \"Protest gegen die WAW, den Staat und die Polizei\". Das Landgericht Mem175","mingen verurteilte sie am 21. Juli wegen gef\u00e4hrlichen Eingriffs in den Bahnverkehr zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten bzw. zu einer Jugendstrafe von einem Jahr mit Bew\u00e4hrung. Am 15. M\u00e4rz wurden in der N\u00e4he des Bahnhofs Starnberg Eisenteile auf die Schienen gelegt. Eine durchfahrende S-Bahn entgleiste und wurde schwer besch\u00e4digt. Die Polizei konnte die beiden T\u00e4ter in Zusammenhang mit der Aufkl\u00e4rung eines Brandanschlags auf eine Computerfirma in Tutzing (vgl. Nr. 4.7) ermitteln. Am 8. April fuhr ein G\u00fcterzug vor dem Bahnhof Oberviechtach, Landkreis Schwandorf, in ein aus zwei Holzpaletten, Schottersteinen und einem Balken errichtetes Hindernis. Dabei entstand geringer Sachschaden. Unbekannte T\u00e4ter f\u00e4llten am 8. Mai an der Bahnlinie N\u00fcrnberg-Regensburg einen 22 m hohen Baum, der auf die Oberleitung fiel und einen Kurzschlu\u00df verursachte. Der Lokf\u00fchrer eines Nahverkehrszuges konnte den Zug durch eine Schnellbremsung unmittelbar vor dem Hindernis anhalten. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 5.000 DM. 4.6 Geldinstitute In der Nacht zum 2. Mai wurde in Weiden i.d. OPf. eine Fensterscheibe eines Geldinstitutes zertr\u00fcmmert. Der Gesamtschaden betr\u00e4gt rund 8.000 DM. An einem Geldautomaten stellte die Polizei die Schmierschriften \"Geld ist dein Gef\u00e4ngnis\" und \"1987: Kampf und Widerstand geht weiter\" fest. Unbekannte T\u00e4ter warfen zwischen dem 22. und 24. Mai in den Schalterraum eines Geldinstitutes in Forchheim einen Brandsatz, der jedoch nicht z\u00fcndete. Ein Zusammenhang mit dem \"Bankenaktionstag\" am 21. Mai, zu dem auch linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppierungen aufgerufen hatten, ist nicht auszuschlie\u00dfen. In der Nacht zum 20. Oktober entz\u00fcndeten unbekannte T\u00e4ter in Hof vor einem Geldinstitut eine brennbare Fl\u00fcssigkeit und brachten im Briefkasten einen Sprengsatz zur Detonation. Ein weiterer Sprengk\u00f6rper wurde auf einer Zufahrt gefunden. Der Sachschaden betr\u00e4gt rund 10.000 DM. 4.7 Sonstige Angriffsobjekte In der Nacht zum 25. Januar machten unbekannte T\u00e4ter in Neustadt a.d. Donau, Landkreis Kelheim, mit Metallstiften die T\u00fcrschl\u00f6sser eines Wahllokals unbrauchbar. An den Eingang klebten sie Plakate mit der Aufschrift \"WAA nein\". Ein Brandanschlag auf eine Computerfirma in Tutzing, Landkreis Starnberg, verursachte am 13. April einen Schaden von mehreren Millionen DM. Noch am selben Tag konnten die beiden T\u00e4ter, die bisher politisch nicht in Erscheinung getreten waren, festgenommen werden. Sie gestanden, da\u00df sie eine brennbare Fl\u00fcssigkeit in die Kellerr\u00e4ume der Firma gegossen und mit einer Lunte angez\u00fcndet hatten. Als Motiv nannten sie ihren \"Ha\u00df\" gegen das demokratische Staatssystem. Ein T\u00e4ter gab ferner zu, am 7. M\u00e4rz 1987 im Chemieraum des Gymnasiums Tutzing Gardinen und Kleidungsst\u00fccke in Brand gesetzt zu ha176","Brandanschlag auf die Elektronikfirma TST am 13.4.87 in Tutzing ben; ein politisches Motiv f\u00fcr diese Brandstiftung, bei der ein Sachschaden von rund 10.000 DM entstand, war zuvor nicht erkennbar gewesen. Bei den Ermittlungen konnten au\u00dferdem noch die am 7. September bzw. 14. Oktober 1986 im Landkreis Starnberg ver\u00fcbten Anschl\u00e4ge auf Hochspannungsmasten bei P\u00f6cking und Tutzing sowie zwei gef\u00e4hrliche Eingriffe in den Bahnverkehr am 5. Oktober 1986 an der S-Bahn-Strecke M\u00fcnchen-Tutzing und am 15. M\u00e4rz 1987 in der N\u00e4he des Bahnhofs Starnberg gekl\u00e4rt und drei daran unterschiedlich beteiligte Mitt\u00e4ter festgenommen werden. Das Landgericht M\u00fcnchen II verh\u00e4ngte gegen die beiden Hauptt\u00e4ter am 31. M\u00e4rz 1988 eine Freiheitsstrafe von neun Jahren bzw. eine Jugendstrafe von sechseinhalb Jahren. Eine wegen Beihilfe zu einem gef\u00e4hrlichen Eingriff in den Bahnverkehr und zur St\u00f6rung \u00f6ffentlicher Betriebe angeklagte Mitt\u00e4terin erhielt eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Zuvor hatte das Gericht in einem abgetrennten Verfahren zwei an dem Anschlag auf einen Strommasten am 14. Oktober 1986 Beteiligte zu Freiheitsstrafen von 21 bzw. 15 Monaten mit Bew\u00e4hrung verurteilt. In der Nacht zum 19. Mai wurden auf einer Baustelle in Gr\u00f6benzell, Landkreis F\u00fcrstenfeldbruck, einige Stapel Bauholz in Brand gesetzt. Gleichzeitig ging bei der \u00f6rtlichen Feuerwehr ein Anruf mit dem Wortlaut \"Gr\u00f6benzell brennt als Protest gegen die Volksz\u00e4hlung\" ein. Aufgrund eines am 23. Juni in Stuttgart aufgefundenen Selbstbezichtigungsschreibens zu einem bis dahin nicht bemerkten Sprengstoffanschlag wurde am selben Tag in Haibach, Landkreis Aschaffenburg, die Hauptverwaltung eines Bekleidungskonzerns durchsucht. Dabei fand die Polizei einen Sprengsatz mit detoniertem Zeitz\u00fcnder; der hochbrisante Sprengstoff war nicht explodiert. In der als authentisch anzusehenden Tatbezichtigung erkl\u00e4rte die \"Rote Zora\", sie habe die Bombe aus \"Solidarit\u00e4t\" mit den bei der Firma in S\u00fcdkorea besch\u00e4ftigten \"k\u00e4mpfenden Frauen\" gelegt. Das Unternehmen habe Anfang April 1987 in seiner Textilfabrik in S\u00fcdkorea gegen streikende Frauen 177","Milit\u00e4rpolizei eingesetzt und 13 Wortf\u00fchrerinnen fristlos entlassen. Ausbeutung und Gewalt gegen Frauen seien \"Bestandteil des patriarchalen Herrschaftssystems, ohne das der Imperialismus in den 3 Kontinenten und hier nicht begriffen werden kann\". Die \"Rote Zora\" betrachte ihren Kampf als \"praktischen Anti-Imperialismus\", indem sie versuche, \"den reibungslosen Ablauf der Kapitalstrategien hier zu behindern, in Solidarit\u00e4t mit allen K\u00e4mpfen gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung\". Das Schreiben endete mit den Parolen \"F\u00fcr eine starke internationale Frauenbefreiungsbewegung!\" und \"Kampf dem imperialistisch-patriarchalen System!\". |ln der Nacht zum 28. Juli detonierte vor einem Firmengeb\u00e4ude in M\u00fcnchen ein Sprengsatz. Der durch die Explosion entstandene Sachschaden wird auf 20.000 DM gesch\u00e4tzt. In einem bei einer M\u00fcnchner Zeitungsredaktion und einer Nachrichtenagentur in Bonn eingegangenen Selbstbezichtigungsschreiben wandte sich eine Gruppierung mit der Bezeichnung \"Revolution\u00e4re Zellen\" gegen die. \"reaktion\u00e4re Firmenpolitik\", die \"die Spaltung unter den Arbeitern\" durch \"Qualifizierung, Degradierung und Flexibilisierung\" vorantreibe und \"die lang erk\u00e4mpften Siege der Arbeiterbewegung\" untergrabe. Das Schreiben endete mit den Parolen \"Kampf dem kapitalistischen Schweinesystem!\" und \"Solidarit\u00e4t mit allen k\u00e4mpfenden Genossen!\". Da Inhalt und Diktion der Selbstbezichtigung gegen die Urheberschaft der linksterroristischen Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) sprechen und auch wesentliche Merkmale typischer RZ-Bekennungen wie z.B. der RZ-Stern fehlten, d\u00fcrfte es sich bei den T\u00e4tern um eine RZ-Nachahmergruppe gehandelt haben. Am 13. August wurden auf einem Lagerplatz in Eslarn, Landkreis Neustadt a.d.Waldnaab, drei Holzstapel in Brand gesetzt. Dadurch entstand ein Schaden von \u00fcber 50.000 DM. Ein auf dem Firmengel\u00e4nde sichergestellter Brandsatz, der nicht gez\u00fcndet hatte, entsprach in Zusammensetzung und Aufbau einer in der militanten autonomen Schrift \"radikal\" (Nr. 132) abgedruckten Anleitung. Die gesch\u00e4digte Firma war mit Rodungsarbeiten auf dem Gel\u00e4nde der WAW beauftragt. Unbekannte T\u00e4ter legten in der Nacht zum 1. November in Schwandorf in zwei Telefonzellen Feuer. Eine Zelle wurde durch den Brand v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Wegen der N\u00e4he der Anschlagsziele zur WAW ist ein politisches Tatmotiv nicht auszuschlie\u00dfen. In der Nacht zum 12. November detonierte am Wohnhaus des B\u00fcrgermeisters in Pottenstein, Landkreis Bayreuth, ein Sprengk\u00f6rper. Dadurch entstand ein Sachschaden von \u00fcber 100.000 DM. In unmittelbarer N\u00e4he des Tatorts wurde die Schmierschrift \"H\u00e4nde weg von den Wassern\" festgestellt. Als Urheber des Anschlags kommen demnach Gegner des in Pottenstein geplanten Anschlusses an eine Fernwasserversorgung in Betracht, zumal dieses Vorhaben am vorangegangenen Abend Gegenstand einer B\u00fcrgerversammlung gewesen war. Bei einem Brandanschlag auf eine im Landkreis Schwandorf in der N\u00e4he des WAW-Gel\u00e4ndes errichtete Wetterh\u00fctte des Deutschen Wetterdienstes wurde Anfang Dezember 1987 die gesamte Station einschlie\u00dflich der darin untergebrachten Me\u00dfger\u00e4te zerst\u00f6rt. Der Schaden betr\u00e4gt etwa 3.000 DM. 178","5. Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeines Die Bundesrepublik Deutschland war auch im Jahre 1987 in allen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens intensiven Aussp\u00e4hungsversuchen der Nachrichtendienste kommunistischer Staaten ausgesetzt. Die Anzahl der festgestellten Auftr\u00e4ge sowie der bekanntgewordenen Personen, die 1987 von Nachrichtendiensten des Ostblocks zu einer Spionaget\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert worden waren, nahm weiter zu. Haupttr\u00e4ger geheimdienstlicher Aktivit\u00e4ten gegen Bayern waren wiederum die Nachrichtendienste der DDR, gefolgt von den Diensten der CSSR, der UdSSR, Rum\u00e4niens, Polens, Bulgariens, Ungarns und Jugoslawiens. Von den Nachrichtendiensten der DDR war insbesondere das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) aktiv. Aufgrund der geographischen Lage sowie seiner politischen, milit\u00e4rischen und wirtschaftlichen Bedeutung war Bayern 1987 in vielen Bereichen von Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft das Ziel gegnerischer Spionageaktivit\u00e4ten. Der Schwerpunkt der bekanntgewordenen nachrichtendienstlichen Angriffe lag dabei wie im Vorjahr bei der politischen Spionage. Nach wie vor spielt auch die milit\u00e4rische Spionage eine bedeutende Rolle; allerdings ging ihr Anteil gegen\u00fcber 1986 etwas zur\u00fcck. Die Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen f\u00fcr den Bereich Wirtschaft und Wissenschaft nahmen dagegen zu. 1987 wurden in Bayern f\u00fcnf Personen wegen Spionageverdachts festgenommen. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte vier Personen wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu Freiheitsstrafen zwischen einem und drei Jahren. 2. Zielrichtung / Zielobjekte 2.1 Politische Spionage Zielobjekte der politischen Spionage waren im besonderen die US-Rundfunksender Radio Free Europe und Radio Liberty in M\u00fcnchen, die Notaufnahmeund Fl\u00fcchtlingslager sowie die Sicherheitsbeh\u00f6rden wie Polizei und Nachrichtendienste in Bayern. Das Ausforschen des Umfeldes von Mitarbeitern sowie der Versuch des Einschleusens von Agenten standen hier im Vordergrund. So setzte sich der Chefredakteur des russischen Programms von Radio Free Europe, T., 1986 in die UdSSR ab. W\u00e4hrend einer Moskauer Pressekonferenz erkl\u00e4rte er sp\u00e4ter, da\u00df er mit Hilfe einer sowjetischen Botschaft im euro179","p\u00e4ischen Ausland in die UdSSR heimgekehrt sei. Es stellte sich heraus, da\u00df T. wichtige Dokumente nach Ru\u00dfland mitgenommen hatte. Seine Lebensgef\u00e4hrtin war ebenfalls f\u00fcr den sowjetischen Geheimdienst KGB t\u00e4tig und wurde inzwischen rechtskr\u00e4ftig wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. In hohem Ma\u00dfe richteten sich die Aktivit\u00e4ten auch gegen die Ostemigration. Die nachrichtendienstlichen Auftr\u00e4ge bezogen sich auf das Abkl\u00e4ren von Emigranten und Aussiedlern, insbesondere aus Polen und der CSSR. Weitere Auftr\u00e4ge dienten der Beschaffung von Exilpublikationen und Informationen aller Art aus Emigrantenkreisen. Das gro\u00dfe Interesse der gegnerischen Nachrichtendienste an der Ostemigration zeigt folgender Fall des Maurermeisters B.: B. kam 1979 im Auftrag des polnischen Nachrichtendienstes als Tourist getarnt nach M\u00fcnchen und kehrte nicht mehr nach Polen zur\u00fcck. 1984 wurde er als Asylant anerkannt. Danach schlo\u00df er sich in M\u00fcnchen dem Verband Polnischer Fl\u00fcchtlinge in Deutschland, dem Kongre\u00df Freies Polen in Europa und der Solidarischen Arbeitsgruppe M\u00fcnchen als Mitglied an. B. \u00fcbernahm in diesen Verb\u00e4nden Funktionen, die ihm gute Kontakte zu den in M\u00fcnchen lebenden Polen erm\u00f6glichten. B. lieferte in der Folgezeit soviel Unterlagen aus der M\u00fcnchner Emigrantenszene wie m\u00f6glich. \u00dcber bestimmte Vorkommnisse berichtete er m\u00fcndlich. Bei seinen Treffs mit Angeh\u00f6rigen des polnischen Nachrichtendienstes im Bundesgebiet, in \u00d6sterreich und Ungarn wurde B. intensiv \u00fcber alle Vorg\u00e4nge im M\u00fcnchner Emigrantenbereich und \u00fcber die polnische Abteilung beim Sender Radio Free Europe befragt. Bei seinem letzten Grenz\u00fcbertritt konnte B. mit Schriftmaterial polnischer Emigrantenorganisationen und eigenen Berichten festgenommen werden. Eigenen Angaben zufolge wollte er durch seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr den polnischen Nachrichtendienst erreichen, da\u00df die dortigen Beh\u00f6rden die Ausreise seiner noch in Polen lebenden Frau in die Bundesrepublik Deutschland genehmigen. Im Juli 1987 wurde B. wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu drei Jahren Freiheitsstrafe verurteilt; das Urteil ist rechtskr\u00e4ftig. 2.2 Milit\u00e4rische Spionage Das Hauptinteresse milit\u00e4rischer Spionage besteht im Auskundschaften der Soldaten und zivilen Mitarbeiter sowie der Objekte der Bundeswehr und der NATO und der Betriebe der Verteidigungswirtschaft im weitesten Sinne. Obwohl hier ein R\u00fcckgang der bekanntgewordenen Auftr\u00e4ge zu verzeichnen war, ist wieder erkennbar, da\u00df die Feststellung von Namen und Anschriften von Offizieren, von Berufsund Zeitsoldaten sowie die Erkundung der milit\u00e4rischen Standorte verschiedener Einheiten den Nachrichtendiensten des Ostblocks ein besonderes Anliegen ist. Folgender Fall verdeutlicht die Zielrichtung und Vorgehensweise der gegnerischen Dienste: Zehn Jahre lang lieferte ein 57j\u00e4hriger Diplomingenieur dem milit\u00e4rischen Nachrichtendienst der DDR Berichte \u00fcber milit\u00e4rische Projekte und den R\u00fcstungsbestand des westlichen B\u00fcndnisses. Erste Kontakte zu diesem Nach180","richtendienst hatte der freiberufliche Ingenieur durch eine Stellenanzeige in einer \u00fcberregionalen Tageszeitung bekommen, \u00fcber die er nach l\u00e4ngerer Arbeitslosigkeit neue Auftraggeber suchte. Ein \"Industrieinstitut\" aus Potsdam meldete sich auf das Inserat und bat zu einem Gespr\u00e4ch nach Berlin (Ost). Die Gespr\u00e4chspartner zeigten sich zun\u00e4chst nur an Prospektmaterial von Fachmessen f\u00fcr Elektronik und Flugtechnik interessiert. Sie h\u00e4tten nicht gen\u00fcgend Personal, um eigene Leute in die Bundesrepublik Deutschland zu schicken. Erst nach einigen \"Probeauftr\u00e4gen\" stellten sich die Auftraggeber als Mitarbeiter eines Geheimdienstes vor und gaben dem Ingenieur den konkreten Auftrag zur Beschaffung von Informationsmaterialien des privaten Instituts DMS (Defense Marketing Services). Die Berichte des in den USA ans\u00e4ssigen Instituts sind den Ostblockl\u00e4ndern auf offiziellem Wege nicht zug\u00e4nglich. Sie sind vorwiegend f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie der westlichen oder neutralen L\u00e4nder bestimmt. Die \u00dcbersichten k\u00f6nnen deshalb erhebliche Hilfe f\u00fcr gezielte Spionage leisten. Die Materialanforderung fiel auf; im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gestand der Ingenieur seine nachrichtendienstliche Verstrickung. 2.3 Wirtschaftsund Wissenschaftsspionage Zugenommen haben 1987 wieder die Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen gegen Wirtschaft und Wissenschaft in Bayern. Die Nachrichtendienste des Ostblocks sind hier nach wie vor besonders an Unternehmen der Elektround Elektronikbranche interessiert. Weitere Ziele sind Betriebe der Verteidigungswirtschaft, kerntechnische Anlagen, Firmen des Flugzeugbaues, die chemische Industrie, Firmen im Bereich der elektronischen Datenverarbeitung sowie wissenschaftliche Institute. Dabei geht es den Nachrichtendiensten bevorzugt um die Beschaffung firmeninterner Informationen und Unterlagen, Auftragskopien, Prospektmaterial und insbesondere von Embargog\u00fctern. Au\u00dferdem versuchen sie durch Einschleusen geschulter Agenten direkten Zugang zu wichtigen Unternehmensbereichen zu erhalten oder Personen in den Betrieben ausfindig zu machen, die ihnen f\u00fcr eine Ansprache zur nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeit geeignet erscheinen. Folgender Fall zeigt den Versuch des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR, Wissenschaftler der Bundesrepublik Deutschland als Perspektivagenten anzuwerben: In Potsdam lernte ein Wissenschaftler aus der Bundesrepublik Deutschland einen 55j\u00e4hrigen, f\u00fcr das MfS t\u00e4tigen wissenschaftlichen Assistenten aus der DDR kennen. Der deutsche Wissenschaftler wurde kurze Zeit darauf einem weiteren Mitarbeiter des MfS zugef\u00fchrt, der ihn schriftlich zur geheimdienstlichen Mitarbeit f\u00fcr das MfS verpflichtete. Er nahm mehrere Treffen mit seinen Auftraggebern in Berlin (Ost) wahr. Anschlie\u00dfend trat eine \"Kontaktpause\" von mehreren Jahren ein. Vermutlich wollte das MfS den Wissenschaftler als sog. \"Perspektivagenten\" aufbauen mit dem Ziel, eine Anstellung bei einer Hochschule der Bundeswehr oder im wissenschaftlichen Dienst einer politischen Partei zu erreichen. Im Mai 1987 erschien der wissenschaftliche Assistent aus der DDR nach entsprechender fernm\u00fcndlicher Ank\u00fcndigung bei dem deutschen Wissenschaftler, um ihn an die nachrichtendienstliche Verpflichtung zu 181","erinnern. Da sich der Wissenschaftler inzwischen offenbart hatte, konnte der Mitarbeiter des MfS festgenommen und in Untersuchungshaft genommen werden. Ein weiterer DDR-B\u00fcrger, der 30j\u00e4hrige Arzt K., hatte im Auftrag des MfS versucht, einen am Klinikum einer Technischen Hochschule t\u00e4tigen Wissenschaftler f\u00fcr eine geheimdienstliche Mitarbeit anzuwerben sowie durch diesen Wissenschaftler Unterlagen und Ger\u00e4te der medizinischen und pharmakologischen Computertechnologie zu beschaffen. Diesem Ziel dienten zwei Treffen mit dem Wissenschaftler, zu denen K. 1986 und 1987 in die Bundesrepublik Deutschland gereist war. Bei der ersten Kontaktaufnahme des K. mit dem ihm bis dahin unbekannten Wissenschaftler hatte er vorgegeben, mit einem Verwandten des Wissenschaftlers in der DDR bekannt zu sein. Er solle ihm von diesem einen Brief und andere Gegenst\u00e4nde \u00fcbergeben. Beim letzten Zusammentreffen im Mai 1987 wurde K. festgenommen. 3. Wirtschaftsunternehmen als Zielobjekte nachrichtendienstlicher Technologiebeschaffung Die illegale Beschaffung westlicher Hochtechnologie, deren Ausfuhr nach dem Au\u00dfenwirtschaftsgesetz und aufgrund der COCOM (\"Coordinating Commitee for East-West-Trade Policy\")-Vereinbarungen westlicher Staaten untersagt ist, hat im Berichtszeitraum weiter an Bedeutung zugenommen. Unter dem Deckmantel diplomatischer, konsularischer oder gesch\u00e4ftlicher T\u00e4tigkeit suchen Nachrichtendienst-(ND-)Offiziere, die an den Botschaften, Konsulaten und Handelsvertretungen der Warschauer-Pakt-Staaten in verdeckter Funktion Dienst tun, Kontakte zu Firmenangeh\u00f6rigen, um sie f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Mitarbeit zu gewinnen. Nachrichtendienstliche Aktivit\u00e4ten gehen auch von zahlreichen Niederlassungen \u00f6stlicher Staatshandelsunternehmen sowie von Gemischten Firmen mit Sitz in der Bundesrepublik Deutschland aus. Gemischte Firmen sind Handelsgesellschaften, an denen neben deutschen Partnern osteurop\u00e4ische Staatshandelsfirmen mehrheitlich beteiligt sind oder die durch die Besetzung der Firmenleitung unter ma\u00dfgeblichem Einflu\u00df eines Ostblocklandes stehen. Den deutschen Gesch\u00e4ftspartnern dieser Firmen ist gerade am Beginn der Verbindung h\u00e4ufig nicht bewu\u00dft, da\u00df sie mit dem Repr\u00e4sentanten eines aus dem Ostblock gesteuerten Unternehmens verhandeln. H\u00e4ufig hat dies eine fehlende Sensibilisierung und mangelnde Wachsamkeit gegen\u00fcber nachrichtendienstlichen Varianten bestimmter Gesch\u00e4ftsziele zur Folge. 3.1 Anbahnung Insbesondere anl\u00e4\u00dflich des Besuchs von Messen, Ausstellungen und Kongressen nehmen ND-Offiziere des Ostblocks Kontakt zu Mitarbeitern interessanter Firmen auf und versuchen bei weiteren Kontakten, diese Firmenangeh\u00f6rigen nachrichtendienstlich zu verstricken. Sowjetische Nachrichtendienste bedienen sich neben der klassischen, durch konspirative Arbeitsweise gepr\u00e4gten Beschaffung gesch\u00fctzter westlicher Technologie zunehmend auch einer halboffenen Arbeitsmethode. Verdeckt arbeitende ND-Offiziere, insbesondere 182","aus der UdSSR, legen deutschen Gro\u00dfunternehmen umfangreiche Bestellisten vor, die neben offen lieferbaren Artikeln auch Positionen enthalten, die von den jeweiligen Firmen in der Regel nicht vertrieben werden und zum Teil Embargobestimmungen unterliegen. Sie versuchen, eine Verkn\u00fcpfung von legalen und illegalen Gesch\u00e4ften dadurch zu erreichen, da\u00df sie die Bestellung der legal zu liefernden Ware von der Lieferung auch der Embargoware abh\u00e4ngig machen. Gro\u00dfe Unternehmen w\u00e4ren meist problemlos in der Lage, die gew\u00fcnschte Embargoware zu beschaffen, da es sich zumeist um Einzelst\u00fccke handelt. Die Lieferung von Embargog\u00fctern wird jedoch von seri\u00f6sen Unternehmen regelm\u00e4\u00dfig abgelehnt. Einige Unternehmen haben dagegen in der Vergangenheit als Ersatz Firmen benannt, \u00fcber die die Embargoware dann beschafft werden konnte. Es handelt sich hierbei meist um kleine oder neue Firmen, die oft aus finanziellen Gr\u00fcnden auf jeden Vertragsabschlu\u00df angewiesen und daher auch bereit sind, illegale Gesch\u00e4fte zu t\u00e4tigen. Da in der Regel keine schriftliche Korrespondenz existiert und auch keine Rechnungen ausgestellt werden, wird die Gesch\u00e4ftsverbindung nach au\u00dfen hin nicht bekannt und kann im Einzelfall nur schwer nachgewiesen werden. 3.2 Kontaktierung Die Auswahl der Zielpersonen geschieht auch bei Vortragsund Diskussionsveranstaltungen sowie bei Seminaren. Dabei haben die ND-Offiziere die M\u00f6glichkeit, Kontakte zu interessanten Personen zu kn\u00fcpfen und in einem zwanglosen und scheinbar allgemein gehaltenen Gespr\u00e4ch wichtige Informationen \u00fcber die private und berufliche Situation des Firmenangeh\u00f6rigen in Erfahrung zu bringen. Dies bildet die Grundlage f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Werbung. Bei Eignung der Zielperson erkundigt sich der ND-Offizier -- zumeist unter vier Augen -- nach Namen und Telefonnummer oder vereinbart sofort ein weiteres Treffen. Diese Verabredung stellt den Beginn eines Kontaktes dar, der oft in einer nachrichtendienstlichen Verstrickung endet. 3.3 Werbung Ein Schwerpunkt besteht in der Werbung von Personen, die sich noch in der beruflichen Ausbildung oder am Beginn ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit befinden (sog. \"Perspektivagenten\"). Von ihnen wird erwartet, da\u00df sie in einflu\u00dfreiche Stellen des \u00f6ffentlichen Dienstes oder politischer Parteien aufsteigen bzw. wichtige Positionen in der Wirtschaft oder Industrie erreichen. In der Anwerbung dieser Perspektivagenten wird die Chance gesehen, da\u00df diese Personen in einigen Jahren in ihrem Beruf Funktionen wahrnehmen, in denen sie dann wichtige Informationen liefern k\u00f6nnen. Eine besondere Gefahr f\u00fcr die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland liegt bei der Werbung von Perspektivagenten darin, da\u00df diese keinen f\u00fcr ihre Umgebung erkennbaren Kontakt zum kommunistischen Machtbereich haben. Sie haben dadurch gute Chancen, lange Zeit unauff\u00e4llig und unentdeckt zu bleiben. Dar\u00fcber hinaus schafft die behutsame Werbung eines Agenten auf psychologischer Basis eine bessere 183","Grundlage f\u00fcr eine langj\u00e4hrige nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, als eine Werbung, anl\u00e4\u00dflich eines kurzen Aufenthalts der Zielperson im kommunistischen Machtbereich. Da auch in der Zeit zwischen Werbung und eigentlichem Einsatz finanzielle Zuwendungen gezahlt werden, tritt zudem eine gewisse Gew\u00f6hnung an den vermeintlich leichten Nebenverdienst ein. 3.4 Verstrickung Die nachrichtendienstliche Anbahnung und Verstrickung einer Zielperson ist von dem Bem\u00fchen des ND-Offiziers gepr\u00e4gt, eine Vertrauensbasis zu schaffen und eine enge pers\u00f6nliche Bindung herbeizuf\u00fchren. Diese sogenannte \"Kultivierungsphase\" kann sich z.T. \u00fcber Jahre erstrecken. Sie ist dadurch gekennzeichnet, da\u00df f\u00fcr die Zielperson die nachrichtendienstlichen Absichten des \"Bekannten\" kaum erkennbar werden. In dieser Zeit lernt der ND-Offizier die Zielperson mit ihren Neigungen, Problemen und Schw\u00e4chen kennen und versteht es geschickt, die Charaktereigenschaften f\u00fcr eine kontinuierliche Werbung zu nutzen. So findet z.B. die -- angebliche -- Freundschaft des ND-Offiziers ihren Ausdruck in kleinen Geschenken, f\u00fcr die zun\u00e4chst keine Gegenleistung gefordert wird. F\u00fcr die Zielperson kaum merklich trifft der ND-Offizier in dieser Phase der Verbindung erste Sicherheitsma\u00dfnahmen, um die Verbindung gegen\u00fcber Au\u00dfenstehenden geheimzuhalten. Dazu geh\u00f6rt z.B. die Bitte, ihn nicht in seiner Dienststelle anzurufen oder aufzusuchen. Da somit lediglich die M\u00f6glichkeit einer einseitigen Verbindungsaufnahme besteht, vereinbart man die Termine f\u00fcr das n\u00e4chste Treffen bereits beim vorhergehenden Zusammenkommen. Man einigt sich auch auf einen Ausweichtermin f\u00fcr den Fall, da\u00df die Zielperson zu diesem Zeitpunkt verhindert sein sollte. 3.5 Auftragserteilung W\u00e4hrend der \"Kultivierungsphase\" erteilt der ND-Offizier bereits kleinere Auftr\u00e4ge, die von der Zielperson eher aus Gef\u00e4lligkeit erledigt werden. So soll sie z. B. offen erh\u00e4ltliche Prospekte oder Zeitschriften aus dem T\u00e4tigkeitsbereich des Unternehmens besorgen und dem ND-Offizier \u00fcbergeben. Solche Gef\u00e4lligkeiten werden dann mit Geld oder auch wertvolleren Geschenken entlohnt. Erst nach und nach werden Auftr\u00e4ge zur Beschaffung von Informationen aus einem Fachbereich erteilt. Auftr\u00e4ge zur Beschaffung gesch\u00fctzter Informationen werden erst gefordert, wenn die Zielperson an regelm\u00e4\u00dfige und zus\u00e4tzliche Eink\u00fcnfte gew\u00f6hnt und die Verbindung so gefestigt ist, da\u00df der ND-Offizier nicht mehr bef\u00fcrchten mu\u00df, seine Zielperson werde sich weigern oder den Sicherheitsbeh\u00f6rden offenbaren. 4. Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes als Zielpersonen nachrichtendienstlicher Informationsbeschaffung Die Spionageabwehr enttarnt seit Jahren Schreibkr\u00e4fte, die von Angeh\u00f6rigen \u00f6stlicher Nachrichtendienste unter Vort\u00e4uschung einer Liebesbeziehung zur Mitarbeit gewonnen werden. Diese F\u00e4lle gleichen sich in wesentlichen Punkten 184","und zeigen, mit welcher Skrupellosigkeit gegnerische Nachrichtendienste menschliche Beziehungen mi\u00dfbrauchen. Insbesondere die Nachrichtendienste der DDR und der UdSSR nutzen das Kontaktbed\u00fcrfnis alleinstehender Frauen schamlos f\u00fcr ihre eigenen Zwecke aus. Bis auf wenige Ausnahmen laufen alle diese Spionageoperationen nach demselben Muster ab. Die kommunistischen Nachrichtendienste schleusen geheime Mitarbeiter unter falscher Identit\u00e4t in die Bundesrepublik Deutschland und das westliche Ausland ein. Sie haben den Auftrag, alleinstehende Frauen mit interessanten Zugangsm\u00f6glichkeiten zu erkunden und nachrichtendienstlich zu verstricken. Der Ablauf der nachrichtendienstlichen Anwerbung wird jeweils auf die pers\u00f6nlichen Verh\u00e4ltnisse zugeschnitten. Die ersten Kontakte werden in unverf\u00e4nglicher Weise aufgenommen. Man lernt sich \"zuf\u00e4llig\" in einem Cafe kennen, kommt sich bei der Arbeit n\u00e4her, man ist z.B. als Wohnungsnachbar bei einer kleinen Autoreparatur behilflich oder man lernt sich zuf\u00e4llig im Urlaub kennen. Wie weit das Spiel mit den Gef\u00fchlen des Opfers getrieben wird, h\u00e4ngt vom Einzelfall ab. Es kann sich auf eine Freundschaft beschr\u00e4nken, aber auch zur Verlobung oder Eheschlie\u00dfung im Auftrag des MfS oder des sowjetischen Geheimdienstes KGB f\u00fchren. Auf jeden Fall wird eine pers\u00f6nliche Beziehung als Basis f\u00fcr die weitere Spionaget\u00e4tigkeit geschaffen. Wenn das Opfer noch nicht in einer nachrichtendienstlich interessanten Stellung ist, veranla\u00dft der \"Freund\" oder \"Ehemann\" es nunmehr dazu, Fortbildungskurse zu besuchen, um so die Voraussetzung zur Anstellung als Sekret\u00e4rin in der Politik oder Wirtschaft zu schaffen. Die geheimen Mitarbeiter geben sich auch h\u00e4ufig als Angeh\u00f6rige westlicher befreundeter Nachrichtendienste aus, um so der Informationslieferung den Anschein des Verrats zu nehmen. L\u00e4\u00dft sich diese Legende nicht mehr aufrecht erhalten, wird der Abbruch der Beziehungen angedroht. Seit Bestehen der Bundesrepublik Deutschland wurden mindestens 58 deutsche Sekret\u00e4rinnen zur Zusammenarbeit mit gegnerischen Nachrichtendiensten angeworben. Alle F\u00e4lle der Ausnutzung besonderer pers\u00f6nlicher Bindungen und Empfindungen hatten f\u00fcr die Betroffenen tragische Folgen. Sie verloren nach Enttarnung ihre berufliche Existenz, ihren Freundeskreis und wurden zu langj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen verurteilt. Oft verloren sie auch jeden pers\u00f6nlichen Halt, denn die bisherige Bezugsperson hatte sich als skrupellos herausgestellt. Eine der enttarnten Sekret\u00e4rinnen, die feststellen mu\u00dfte, da\u00df die geschlossene Ehe nichtig war, da der Agent bereits verheiratet war, beging in der Untersuchungshaft Selbstmord. 5. Offenlegung nachrichtendienstlicher Kontakte Spionage, Infiltration und Desinformation sind nach kommunistischer Auffassung Mittel und Wege, das ideologische Ziel der \u00dcberwindung des \"Imperialismus\" zu erreichen. Trotz erkl\u00e4rter Abr\u00fcstungsbereitschaft ist eine \"Abr\u00fcstung\" der T\u00e4tigkeit der Nachrichtendienste des Ostblocks nicht festzustellen. 185","Weiterhin werden Mensch und Technik in vollem Umfang f\u00fcr Spionagezwecke ben\u00fctzt. Der Auftrag zur Ausforschung gilt grunds\u00e4tzlich f\u00fcr alle Institutionen im Ostblock, die Kontakte in den Westen kn\u00fcpfen k\u00f6nnen. Einer Werbung zur Agentent\u00e4tigkeit sind vielfach Personen in Ostblockstaaten ausgesetzt, die Antr\u00e4ge auf Ausreise in den Westen stellen. Werbungsversuchen unterliegen auch verst\u00e4rkt Personen, die einen Partner mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland heiraten wollen. Deutsche mit Wohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland werden insbesondere bei Verwandtenbesuchen, Urlaubsund Gesch\u00e4ftsreisen oder sonstigen Aufenthalten in kommunistisch regierten L\u00e4ndern, aber auch im Bundesgebiet oder im westlichen Ausland geworben. Zielpersonen sind h\u00e4ufig Gesch\u00e4ftsleute und Firmenvertreter, die durch lukrative Angebote zur illegalen Technologiebeschaffung gewonnen werden sollen. Gelegenheit f\u00fcr Ansprachen bietet auch das Personal westlicher Firmenvertretungen im Ostblock. Schon ein Anbahnungsversuch und erst recht eine evtl. unter dem Zwang der besonderen Verh\u00e4ltnisse abgegebene Zusage zu einer Mitarbeit sollte den Verfassungsschutzbeh\u00f6rden bekanntgegeben werden. Jedes Unterlassen oder auch nur Hinausz\u00f6gern einer Offenlegung der Kontakte f\u00fchrt unweigerlich zu noch tieferer nachrichtendienstlicher Verstrickung. Personen, die bereits von einem Nachrichtendienst angesprochen bzw. angeworben worden sind oder mit einem entsprechenden Auftrag in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcbersiedeln durften, wird deshalb dringend empfohlen, ihre Verstrickung offenzulegen. Auch in Zweifelsf\u00e4llen ist anzuraten, sich mit dem Geheimschutzbeauftragten der betreffenden Beh\u00f6rde, dem Sicherheitsbevollm\u00e4chtigten des Betriebes oder direkt mit dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz in M\u00fcnchen 45, Knorrstra\u00dfe 139, Telefon 31201-0, in Verbindung zu setzen. Dort werden Hinweise und Sachverhalte vertraulich behandelt. Verfassungsschutzbeh\u00f6rden unterliegen nicht der gesetzlichen Pflicht zur Anzeige einer Straftat. Somit kann bei rechtzeitiger freiwilliger und umfassender Offenbarung weitreichende Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung privater oder beruflicher Konfliktsituationen gew\u00e4hrt werden. 186","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Das \u00f6ffentliche Dienstrecht fordert nach dem Grundgesetz, den Beamtengesetzen und den tarifvertraglichen Regelungen von den Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes Treue zur Verfassung. Das Verfahren zur Pr\u00fcfung dieser Einstellungsvoraussetzung sowie zur Feststellung von Verletzungen der Treuepflicht regelt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (vgl. Anhang 2). 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Erf\u00fcllung eines gesetzlichen Auftrages mit. Die Kampagne der Extremisten, die dieses Verfahren unter dem politischen Schlagund Reizwort vom Berufsverbot f\u00fcr Radikale diffamieren, h\u00e4lt seit Jahren an. Selbst ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts, das die Entlassung eines Postbeamten aus dem Beamtenverh\u00e4ltnis wegen dessen DKP-Aktivit\u00e4ten best\u00e4tigte, bezeichnete die DKP als \"Alarmzeichen f\u00fcr alle Demokraten\", das Anla\u00df sein m\u00fcsse, den Widerstand gegen den Abbau demokratischer Rechte und Freiheiten zu st\u00e4rken. Die Zahlen f\u00fcr 1987 ergeben folgendes Bild: Zu 20.758 Anfragen \u00fcber Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Bayern teilte das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bayerischen Staatsministerium des Innern in 57 F\u00e4llen (51 aus dem linksextremen und 6 aus dem rechtsextremen Bereich) Erkenntnisse mit. In 29 F\u00e4llen (26 aus dem linksextremen, 3 aus dem rechtsextremen Bereich) gab das Staatsministerium des Innern Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Zu Ablehnungen kam es im Jahre 1987 nicht, da die meisten Bewerber die aufgrund ihres Verhaltens in der Vergangenheit entstandenen Zweifel an der Verfassungstreue durch eindeutiges Abr\u00fccken vom Extremismus ausr\u00e4umen konnten. In einem Fall wurde der Bewerber f\u00fcr den juristischen Vorbereitungsdienst nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf \u00fcbernommen, kann den Vorbereitungsdienst jedoch in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnis ableisten. \u00dcber einen weiteren Fall wurde noch nicht entschieden. Die Zahlen zeigen, da\u00df das ebenso h\u00e4ufig wie grundlos kritisierte bayerische Verfahren der \"Regelanfrage\" f\u00fcr junge, am \u00f6ffentlichen Dienst interessierte 187","Menschen kein Anla\u00df sein kann, w\u00e4hrend der Ausbildung ein unkritisch angepa\u00dftes Verhalten an den Tag zu legen. Zur \"Einsch\u00fcchterung\" ist der Beschlu\u00df der Bayer. Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 weder bestimmt noch geeignet. 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst sind hier Bedienstete erfa\u00dft, die in den letzten f\u00fcnf Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Da nicht in allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, die die Ablehnung einer Bewerbung bzw. eine Entlassung aus dem Dienst rechtfertigen, gelingt es auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen bzw. dort zu verbleiben. Ende 1987 waren dies (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1986): Linksextremisten Gesamtzahl davon in DKP DKP-NebenGruppen und beeinder flu\u00dften OrNeuen ganisationen Linken Landesdienst 203 (189) 25 (22) 21 (26) 157(141) Kommunaldienst 128 (129) 86 (82) 12(16) 30 (31) sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 16 (19) 5 (8) M-) 10 (11) Zusammen 347 (337) 116(112) 34 (42) 197 (183) Bei den im \u00f6ffentlichen Dienst besch\u00e4ftigten Extremisten, die den Gruppen der Neuen Linken zuzurechnen sind, handelt es sich im wesentlichen um Angeh\u00f6rige der Marxistischen Gruppe (MG). Vgl. 1. Abschnitt Nr. 3.2.6. Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 118 (108) als Lehrpersonal an Grund-, Haupt-, Sonder-, Realschulen und Gymnasien 41 (36) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 12 (13) im Justizdienst 32 (32) in sonstigen Verwaltungszweigen Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 21 (24) als Bedienstete an st\u00e4dtischen Krankenanstalten 40 (34) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter 18 (16) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 49 (55) in sonstigen Verwaltungszweigen 188","Au\u00dferdem sind weitere 48 Linksextremisten mit Wohnsitz in Bayern bei Bundesbeh\u00f6rden besch\u00e4ftigt. Rechtsextremisten Gesamtzahl davon in NPD DVU Landesdienst 13(11) 4 (2) 7 (9) Kommunaldienst 10(13) 5 (7) - (2) sonstige \u00f6ffentl. Einrichtungen - (2) - (1) - (-) Zusammen: 23(26) 9(10) 7 (11) Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 2 (4) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachhochschulen 5 (5) im Justizund Polizeidienst 6 (2) in sonstigen Verwaltungszweigen 189","Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (BayRS 12-1-1) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben; 190","2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. 191","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinn des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950 (BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 192","Anhang 2 Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16 vom 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 Nr. A I 3 -- 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft \"1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 193","2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungsantrages. 2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze.\" II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1* schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. nicht abgedruckt 194","3. Bestehen aufgrund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweit bekannt gewordener Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freineiiiiche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am I.April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h. c. Goppel 195","Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Titel zuzuordnen Abr\u00fcstungsinfo DFU Alternative DFG-VK Antifaschistische Nachrichten VVN-BdA antifaschistische rundschau VVN-BdA antifaschistischer informationsund Pressedienst VVN-BdA Arbeiterkampf (AK) KB Bayern-Stimme NPD Bayern Info DFU Bildungs-Magazin DKP-Bildungszeitschrift Bl\u00e4tter f\u00fcr deutsche und internationale DKP-nahe Politik Publikation Das Freie Forum GFP Demokratie und Recht DKP-nahe Zeitschrift Demokratische Erziehung DKP-nahe Bildungszeitschrift Demokratischer Informationsdienst (DID) ASKo Demokratisches Gesundheitswesen DKP-nahe Zeitschrift Denk mit! Denk-mitl-Verlag Der Bismarck-Deutsche DDF Der rote Besen Frauenzeitschrift der DKP-S\u00fcdbayern 196","Titel zuzuordnen Der Scheinwerfer E. Hefendehl Deutsche Monatshefts T\u00fcrmer-Verlag Deutsche National-Zeitung (DNZ) DSZ-Verlag Deutsche Stimme NPD Deutsche Volkszeitung/die tat DFU/WN-BdA Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) DSZ-Verlag Deutscher Anzeiger (DA) DSZ-Verlag Deutscher Beobachter FAP Die Neue Front \"Bewegung\" Eiserne Lerche DKP elan, das Jugendmagazin SDAJ Erlanger Hochschulzeitung MG FAP-Nachrichten FAP Fr\u00e4nkisches Volk \"Bewegung\" freiraum undogmatische Neue Linke Friedens-Journal KFAZ friedenspolitischer informationsdienst DFG-VK (fid) Huttenbriefe Freundeskreis Ulrich von Hutten info demokratie DFU Info-Dienst DKP Informationsdienst M\u00fcnchen Autonome M\u00fcnchen JN-Bayern-Info JN JN - Info JN Junge Deutsche Stimme JN Junge Stimme JN K\u00e4mpfende Jugend K\u00e4mpfende Jugend Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) AB K\u00fcrbiskern DKP-nahe Zeitschrift Linke Seite -- f\u00fcr Kulturfreunde, Bildungszeitung der Schaffende & Politiker DKP-S\u00fcdbayern 197","Titel zuzuordnen Marxistische Arbeiterzeitung (MAZ) MG Marxistische Schulzeitung MG Marxistische Bl\u00e4tter DKP Marxistische Streitund Zeitschrift MG - Gegen die Kosten der Freiheit (MSZ) Mensch und Ma\u00df Verlag Hohe Warte M\u00fcnchner Hochschulzeitung MG NACHRICHTEN zur Wirtschaftsund DKP-nahe Zeitschrift Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel Nachrichten der HNG HNG Nation Europa (NE) NE-Verlag Neue Lage ADS Neuer politischer Dienst NPD NHB-Report NHB NPD-Forum NPD NPD-Frankenspiegel NPD NR-Info-Dienst Nationalrevolution\u00e4re N\u00fcrnberger Hochschulzeitung MG Oberland JN Panzerknacker DFG-VK Pionier JP Pionierleiterinformation JP Politische Berichte BWK praxis DKP Pressedienst DFU radikal Autonome Berlin (West) radikarl ASJG Rebell AJV Regensburger Hochschulzeitung MG Resultate MG Revolution\u00e4rer Weg MLPD rote bl\u00e4tter MSB Spartakus 198","Titel zuzuordnen Rote Fahne MLPD R\u00fchrt Euch ADS R\u00fchrt Euch RSK Rundbrief KFAZ Rundbriefe der Europ\u00e4ischen DBI Freiheitsbewegung Schnelldienst KFAZ Sozialistische Zeitung (SoZ) VSP SoZ-Magazin VSP S\u00fcdost-Info JN tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr DKP-nahe engagierte Kunst Zeitschrift Unsere Zeit (UZ) DKP-Zentralorgan Volksecho VOLKSFRONT Volkszeitung DFU/WN-BdA Wikinger WJ Wille und Weg JN Wir Frauen DFI W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MG Zivilcourage DFG-VK Zusammen K\u00e4mpfen -- Zeitung f\u00fcr die Sprachrohr antiimperialistische Front in Westeuropa der RAF","Anhang 4 Stichwortverzeichnis Action Directe (AD) 163 Aktion Deutsche Einheit (AKON) 107 Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) 107 Aktion Oder-Nei\u00dfe (AKON) 107 Aktionsausschu\u00df gegen Zwangsarbeit und 68 Abschiebung in Sammellager Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ (ANS/NA) Nationale Aktivisten 93 110 Al Fatah 138 Aktionsgruppe Rudolf He\u00df * 125 Anarchistische Arbeiter Union (AAU) 80 Anarchistische F\u00f6deration Nordbayern (AFNB) 80 Anarchistische F\u00f6deration S\u00fcdbayern (AFS) 80 Antikommunistisches Aktionsb\u00fcndnis (Antiko) 112 Anti-NATO-Gruppe 78 Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) 68 Antizionistische Aktion (AA) 112 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 67 Arbeiterjugendverband (Marxisten-/Leninisten) (AJV) 65 Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) 145 Arbeitsgemeinschaft Fr\u00e4nkisches Volk 112 Arbeitskreis Demokratischer Soldaten (ADS) 45 Arbeitskreis \"Junge Familie\" 120 Autonome 77 Autonome Sozialistische Jugendgruppen (ASJG) 66 AWARAGAN -- Demokratische Organisation der 137 Afghanen im Ausland 200","Befreiungseinheiten Kurdistans (HRK) 145 Befreiungsorganisation der T\u00fcrkei und Nordkurdistan (TKKK\u00d6) 155 \"Bewegung\" ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger nu Bolsevik Partizan 152 Br\u00fcckenverlag GmbH (DKP) 36 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 99 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 71 Bundeskonferenz unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen (BUF) 87 Comite Objectiv entraide et solidarity avec les victimes (COBRA) 116 de la Repression Antinationaliste Demokratische Fraueninitiative (DFI) 59 Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) 138 Demokratischer Jugendzirkel Regensburg 70 Denk mitl-Verlag 132 Deutsche Aktionsgruppen (DA) 118 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 118 Deutsche Friedensgesellschaft -- (DFG-ldK) 54 Internationale der Kriegsdienstgegner Deutsche Friedensgesellschaft -- (DFG-VK) 54 Vereinigte Kriegsdienstgegner Deutsche Friedens-Union (DFU) 49 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 16 DKP-Hochschulgruppe (DKP-HG) 41 Deutsche Kulturgemeinschaft (DKG) 123 Deutsche Liste 108 Deutsche Reichspartei (DRP) 97 Deutsche Volksliste 108 Deutsche Volksunion e.V. (DVU) 104 Deutsche Volksunion -- Liste D (DVU108 Liste D) Deutscher Block (DB) 119 Deutscher Schutzbund f\u00fcr Volk und Kultur 108 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) 93 201","Devrimici Isci (Revolution\u00e4re Arbeiter) 154 Devrimici Sol (Revolution\u00e4re Linke) 155 Devrimici Yol (Revolution\u00e4rer Weg) 154 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 123 Die Friedensliste 59 Druckschriftenund Zeitungsverlag GmbH (DSZ-Verlag) 127 Druffel-Verlag 130 Ederer-Verlag 131 Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum 107 Schutz der Frontsoldaten Eritreische Befreiungsfront (ELF) 137 Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) 137 Europ\u00e4ische Bewegung (EB) 134 F\u00f6deration Internationale des Resistants (FIR) 28,51 F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei (ATIF) 154 in Deutschland e.V. F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (DIBAF) 151 -- Einigkeit f\u00fcr Demokratie F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan (KOMKAR) 149 in der Bundesrepublik Deutschland e.V. F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der (FIDEF) 151 Bundesrepublik Deutschland e.V. F\u00f6deration der patriotischen Arbeiterund Kultur(FEYKA148 vereinigungen aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland Kurdistan) F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) 157 F\u00f6deration Gewaltfreier Aktionsgruppen F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden im (F\u00f6GA) 87 Land Bayern e.V. 158 Freie Deutsche Jugend (FDJ) 42 Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) 113 Freiheitlicher Buchund Zeitschriftenverlag GmbH (FZ-Verlag) 127 Freunde der nationalen Publizistik 114 202","Freundeskreis Ulrich von Hutten 122 Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik (FG B R D 48 Deutschland -- Kuba e.V. Kuba e.V.) Friedsnsli\u00e4te Bayern 59 Front National 99 Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den (FG BRD48 V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und Vietn.e.V.) der sozialistischen Republik Vietnam e.V. Gesellschaft f\u00fcr Freie Publizistik (GFP) 122 Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und (GNN) 71 Nachrichtenverbreitung mbH G\u00f6cmen 154 Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion (GIM) 61 der IV. Internationale Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische (HNG) 115 Gefangene und deren Angeh\u00f6rige Initiative \"Frauen in die Bundeswehr? Wir sagen nein!\" 59 Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) 107 Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" 48 Initiative zur Vereinigung der Revolution\u00e4ren (IVRJ) 70 Jugend Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen (IMSF) 38 Internationales Kulturzentrum 152 Internationale Vereinigung Demokratischer (IVDJ) 28 Juristen Iranische Moslemische Studenten-Vereinigung (IMSV) 141 Bundesrepublik Deutschland Italienischer Verband der Gastarbeiter (FILEF) 143 und ihrer Familien Jobbergruppe 78 Jugendbund Adler 120 Jugendclub Courage (JCC) 55 Junge Nationaldemokraten (JN) 102 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 46 K\u00e4mpfende Einheit 165 K\u00e4mpfende Jugend (KJ) 70 Kameradschaft G\u00fcnzburg 126 \"Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abr\u00fcstung\" 91 203","Karl-Marx-Gesellschaft-Trier (KMG) 38 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 57 Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten (KAH) 111 zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) 140 Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP) 151 Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) 20 Kommunistische Partei Griechenlands (KKE140 Ausland Kommunistische Partei Griechenlands (KKE140 Inland) Kommunistische Internationale (KOMINTERN) 32 Kommunistische Partei Italiens (PCI) 143 Kommunistische Partei Spaniens (PCE) 150 Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands (KABD) 63 Kommunistischer Bund (KB) 70 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 71 Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 67 Konf\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Europa (ATIK) 154 Koordinationsstelle Ziviler Ungehorsam (KOZU) 87 Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung (KA) 87 Krefelder Initiative 51,90 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 144 Kroatischer Nationalrat (HNV) 143 Kroatisches Nationalkomitee in Europa (HNO) 144 Kurdischer Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein e.V. 149 Kurdischer Volksverein e.V. 146 Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V. 149 Kurdistan-Komitee 145 Liste Demokratischer AStA (LDA) 67 Liste St\u00e4rkt den AStA (LISA) 67 Marxistische Arbeiterbildung (MAB) 38 Marxistische Arbeiterschulen (MASCH) 38 Marxistische Gruppe (MG) 72 Marxistische Bildungsgemeinschaft Oskar Maria Graf 38 Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) 65 204","Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 62 Marxistisch-Leninistische Parteien und B\u00fcnde (K-Gruppen) 61 /Hl OWJ 65 Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband Marxistischer Studentinnenund (MSB45 Studentenbund Spartakus Spartakus) Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale (MSI-DN) 143 M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und (BIFA) 58 Abr\u00fcstung M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote 48 M\u00fcnchner Frauen gemeinsam f\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit 59 M\u00fcnchner Friedensb\u00fcndnis 58 M\u00fcnchner Friedensforum 91 Nationaldemokratische Liga der Albanischen Treue (N.D.SH.) 144 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 95 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 103 Nationaldemokratischer Unternehmerverband 99 Nationale Befreiungsfront Kurdistans (ERNK) 145 Nationale Heilspartei (MSP) 158 Nationalistische Front (NF) 117 Nationalrevolution\u00e4re 116 Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) 110 Nation Europa Verlag GmbH 129 Notgemeinschaft f\u00fcr Volkstum und Kultur 123 NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) 132 N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitee Verteidigung der 48 Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" N\u00fcrnberger Frauenb\u00fcndnis 59 N\u00fcrnberger Friedensforum 89 \"Olof-Palme-Friedensmarsch f\u00fcr einen atomwaffenfreien 57 Korridor\" Organisation Iranischer Demokraten im Ausland (OIDA) 142 Organisation der Iranischen Studenten in der Bundes(O.I.P.F.G.) 142 republik Deutschland und West-Berlin, Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran (Ashraf-Deghani-Anh\u00e4nger) Organisation Iranischer Studenten, Sympathisanten (O.I.S.) 141 der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) 205","Osterm\u00e4rsche 88 Pahl-Rugenstein Verlag 36 Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik (PPP, BRD) 150 Deutschland, Zentralverband e.V. Pakistanische Volkspartei (PPP) 149 Pal\u00e4stina-Libanon-Komitee (PLK) 138 Pal\u00e4stinensische Befreiungsfront (PFL) 138 Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) 138 Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband (PAV) 138 Partei der Nationalen Bewegung (MHP) 157 Partizan 154 Plambeck u. Co. Druck und Verlag GmbH 36 Prolos 78 Regensburger Soldatenkomitee (RSK) 67 Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend -- (RSJ) 66 Roter Maulwurf Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 168 R\u00f6derberg-Verlag GmbH 36 Rote Armee Fraktion (RAF) 162 Rote Brigaden 163 Rote Zora 168 Samisdat Publishers Ltd. 134 Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt 108 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 42 Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) 20 Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 27 Sturmvogel -- Deutscher Jugendbund 120 Tudeh-Partei 140 T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO) 152 T\u00fcrkische Kommunistische Partei/ (TKP-ML) 152 Marxisten-Leninisten T\u00fcrkische VolksbefreiungsparteiMront (THKP/-C) 154 T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER) 151 T\u00fcrmer-Verlag 130 UNIDOC-Film GmbH 36 206","Verband der Islamischen Vereine und 158 Gemeinden e.V. K\u00f6ln Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK) 54 Verband Griechischer Gemeinden in der Bundes(OEK) 140 republik Deutschland und West-Berlin Verband Griechischer Studentenvereine in der (OEFE) 140 Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin Verein Pal\u00e4stinensischer Arbeiter (VPA) 138 Verein T\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO) 157 Vereinigung Demokratischer Juristinnen und (VDJ) 58 Juristen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. Vereinigung der neuen Weltsicht in Europa e.V. (AMGT) 158 Vereinigung der Patrioten Kurdistans 146 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN-BdA) 51 -- Bund der Antifaschisten Vereinigte Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TBKP) 151 Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen (VMF) 58 Vereinigte Sozialistische Partei (VSP) 66 Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG 131 Volksbefreiungsarmee Kurdistans (ARGK) 145 Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) 106 Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung (VB\u00dc) 112 Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) 138 Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) 71 Volkssozialistische Bewegung Deutschlands / Partei (VSBD/PdA) 114 der Arbeit Volkstreue au\u00dferparlamentarische Opposition (VAPO) 121 Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) 28,42,86 Weltfriedensrat (WFR) 28 Weltkreis-Verlags-GmbH 36 Wiking-Jugend (WJ) 120 Zentrum f\u00fcr Marxistische Friedensforschung (ZMF) 38 Zrinski e.V. 144 207"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1987","year":1987}
