{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1984.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":210,"pages":["Bayerisches Staatsn\u00fcnisterium Verfassungsschutzbericht des Innern Bayern 1984 51 2SPSs: t ^ '.*V\"S\"^t^^^\"'L -- HerilUt\":!. Gl\u00fcdtwUHStlt mm | *ev **X Vertriebenen DEUTSCHE STUEEEEeX roter Mautwurf \\Nft*?i jLJ-i 1 I***A flus Verantwortung mr tteutscfse ArUeitnehmer;","Verfassungsschutzbericht Bayern 1984 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/85/11 Gesamtherstellung: Meindl-Druck GmbH, August-Exter-Str. 6, 8000 M\u00fcnchen 60","Das Bayerische Staatsministerium des Innern legt hiermit den Verfassungsschutzbericht f\u00fcr das Jahr 1984 vor. In einer wertgebundenen und abwehrbereiten Demokratie, wie sie unsere Verfassung geschaffen hat, kann der Staat nicht darauf verzichten, verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten seiner Gegner aufzuzeigen. Der Bericht will deshalb, wie auch in den Vorjahren, den Blick der B\u00fcrger f\u00fcr Wesen und Bedeutung extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen sch\u00e4rfen. Er hat in diesem Rahmen auch die Aufgabe, einen Beitrag zur geistig-politischen Auseinandersetzung um die Aufrechterhaltung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unseres Staates zu leisten. Seine Aussagen im Abschnitt \"Gewalt und Terror\" stellen gerade nach den terroristischen Aktionen der vergangenen Monate einen eindringlichen Appell an alle verantwortungsbewu\u00dften Kr\u00e4fte unseres Landes dar, politische Meinungsverschiedenheiten nur mit friedlichen Mitteln auszutragen. Den Mitarbeitern im Bereich des Verfasssungsschutzes gilt unser Dank f\u00fcr sorgf\u00e4ltige und pflichtbewu\u00dfte Aufgabenerf\u00fcllung auch im vergangenen Jahr. M\u00fcnchen, im Juli 1985 hi/U/Uu+u1/*' [JZ--^ r Dr. Kar) Hillermeier, Staatsminister Dr. Heinz Rosenbauer, Staatssekret\u00e4r","Inhaltsverzeichnis","1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick 10 2. Abschnitt Linksextremismus 12 1. Allgemeines 12 2. Orthodoxer Kommunismus 16 2.1 \u00dcberblick 16 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 17 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 17 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied 20 2.2.3 B\u00fcndnispolitik 21 2.2.3.1 Aktionseinheit 24 2.2.3.2 Volksfrontpolitik 28 2.2.4 Organisation 31 2.2.5 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger 32 2.2.6 Schulung 35 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP 36 2.2.8 Beteiligung an Wahlen 39 2.2.9 Sonstige Aktivit\u00e4ten 41 2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED 43 2.2.11 Die \"kulturelle Westarbeit\" der SED 44 2.2.12 Internationale Kontakte der DKP 45 2.3 Nebenorganisationen der DKP 47 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 47 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 51 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) 52 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 54 2.4.1 Allgemeines 54 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 56 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 58 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 61 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 64 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) 65 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) 66 3. Neue Linke 66 3.1 \u00dcberblick 66 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 69 3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 72 3.4 Kommunistischer Bund (KB) 75 5","76 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 77 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) 77 3.8 Gruppe Internationale Marxisten - Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) 80 3.9 Marxistische Gruppen (MG) 80 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 83 3.10.1 Allgemeines 83 3.10.2 \"Autonome Gruppen\" 83 3.10.3 Schriften und Verlage 85 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 85 4.1 Allgemeines 85 4.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte 88 4.3 \"Die Friedensliste\" 94 3. Abschnitt Rechtsextremismus 96 1. Allgemeines 96 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 99 2.1 Ideologisch-politischer Standort 99 2.2 Organisation 101 2.3 Aktivit\u00e4ten 103 2.4 Wahlbeteiligung 104 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) 105 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 106 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 107 3. Deutsche Volksunion (DVU) 108 3.1 Ideologisch-politischer Standort 108 3.2 Organisation 109 3.3 Aktivit\u00e4ten 110 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 111 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 113 4.1 Allgemeines 113 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationale Aktivisten (ANS/NA) 114","4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 118 4.4 Nationale Volksfront (NVF) 119 4.5 Nationalistische Front (NF) 120 4.6 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 120 4.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 120 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 122 5.1 Deutscher Block (DB) 122 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 122 5.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) 124 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten 125 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) 126 5.6 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) 126 5.7 Arbeitskreis f\u00fcr Zeitgeschichte und Politik 127 5.8 Wehrsportgruppen 127 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 127 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 134 4. Abschnitt Gewalt und Terror 136 1. Allgemeines 136 2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele 137 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 137 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 139 3. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 141 4. Terroristisches Umfeld 144 5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 147 1. Allgemeines 147 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen 149 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) 149 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 150","3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 151 4. Studentengruppen der Neuen Linken 153 4.1 Marxistische Gruppen (MG) 153 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken 153 5. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) 155 6. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 156 7. Aktivit\u00e4ten 156 8. Wahlen an den Hochschulen 158 9. Weiterf\u00fchrende Schulen 158 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 160 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 160 2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 161 7. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 163 1. Allgemeines 163 2. \u00c4thiopische Gruppen 165 3. Afghanische Gruppen 165 4. Arabische Gruppen 166 5. Griechische Gruppen 167 6. Iranische Gruppen 168 6.1 Linksextremisten 168 6.1.1 Orthodoxe Kommunisten 168 6.1.2 Neue Linke 168 6.2 Islamische Fundamentalisten 169 7. Italienische Gruppen 169 8. Jugoslawische Gruppen 170 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 170 8.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 170 8.3 Kroatische Gruppen in Bayern 171 9. Kurdische Gruppen 171 10. Pakistanische Gruppen 173 11. Spanische Gruppen 174 8","12. T\u00fcrkische Gruppen 174 12.1 Linksextremisten 174 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten 174 12.1.2 Neue Linke 176 12.1.3 Aktionsb\u00fcndnisse t\u00fcrkischer und kurdischer Linksextremisten 180 12.1.4 Sonstige Aktionen t\u00fcrkischer Linksextremisten 180 12.2 Rechtsextremisten 181 8. Abschnitt Spionageabwehr 184 1. Allgemeines 184 2. Informationsgewinnung 185 3. Agentenwerbung 186 4. Agentenf\u00fchrung 187 5. Ausreisewelle aus dem kommunistischen Machtbereich 190 6. Wirtschaftsspionage 191 7. Beispiele \u00f6stlicher Spionage in der Bundesrepublik Deutschland 192 7.1 R\u00fcstungsspionage 192 7.2 Politische Spionage 192 7.3 Werbung von Studenten 193 7.4 Nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit aus \"legalen Residenturen\" 194 Anhang 1 195 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 Anhang 2 198 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Anhang 3 201 Verzeichnis von Publikationen extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Abk\u00fcrzungsverzeichnis 205 9","1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt Feststellungen zur inneren Sicherheit unseres Landes im Jahr 1984. Er gibt zu diesem Zweck einen \u00dcberblick \u00fcber extremistische Bestrebungen. Dazu z\u00e4hlen alle Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben, sowie Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. Der Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt aber auch Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr fremde M\u00e4chte. Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Der politische Extremismus stellte auch 1984 in Bayern keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr den Bestand unseres Staates und seine freiheitliche demokratische Grundordnung dar. Nach wie vor gibt es aber eine Reihe von Gruppen unterschiedlicher Zielsetzung, die zur Anwendung von Gewalt und Terror bereit sind und damit eine stete Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit darstellen. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1984 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Gesamtzahl der Mitgliedschaften in linksextremen Kernund Nebenorganisationen sowie linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen lag 1984 in Bayern bei rund 12.400 Personen. In dieser Zahl sind Mehrfachmitgliedschaften in verschiedenen Organisationen enthalten. Die \u00c4nderung 10","der Zahl gegen\u00fcber 1983 beruht sowohl auf einem Mitgliederzuwachs im Bereich der Neuen Linken als auch auf einem verbesserten Erkenntnisstand im \u00fcbrigen. Die Gesamtzahl der Organisationen betrug 120. Das Ziel sowohl der moskauorientierten orthodoxen Kommunisten als auch der Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken ist nach wir vor die Errichtung eines kommunistischen Staates. Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), ihre Nebenorganisationen und die zahlreichen von ihr beeinflu\u00dften Organisationen konnten auch 1984, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, Teile des demokratischen Spektrums f\u00fcr gemeinsame Aktionen gewinnen. Au\u00dfer bei den Marxistischen Gruppen war die Entwicklung der Dogmatischen Neuen Linken 1984 von Stagnation gekennzeichnet. Die ideologischen Auseinandersetzungen hielten an, wenn auch da und dort gewisse Ann\u00e4herungen festzustellen waren. Gelegentlich kam es wieder zu Aktionsb\u00fcndnissen von Gruppen der Dogmatischen Neuen Linken mit Gruppen der Orthodoxen Linken. Die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken sind nach wie vor zerstritten; die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen wurden nicht \u00fcberbr\u00fcckt. Die Bestrebungen rechtsextremer Vereinigungen und Personen stellten auch 1984 keine Gef\u00e4hrdung unseres freiheitlichen demokratischen Rechtsstaates dar. 1984 bet\u00e4tigten sich in Bayern 30 rechtsextreme Gruppen mit etwa 3.800 Mitgliedern (nach Abzug der Mehrfachmitgliedschaften). Der scheinbare R\u00fcckgang gegen\u00fcber 1983 (rund 4.400) ist darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df nunmehr Mehrfachmitgliedschaften in vollem Umfang abgezogen wurden. Tats\u00e4chlich ist jedoch eine leicht steigende Tendenz festzustellen. Andererseits ist im Bereich des Neonazismus ein R\u00fcckgang der Aktivit\u00e4ten und der Mitgliederzahlen auszumachen. Die von Terroristen und ihren Sympathisanten 1984 ver\u00fcbten Gewaltanschl\u00e4ge zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung unvermindert anh\u00e4lt. Insbesondere ergab sich zum Jahresende aus dem Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter und den dadurch ausgel\u00f6sten militanten Unterst\u00fctzungsaktionen des terroristischen Kernbereichs und seines Umfeldes eine anhaltende, erheblich erh\u00f6hte Gef\u00e4hrdung der inneren Sicherheit durch linksterroristische Gruppen. Die durch Fahndungserfolge der Sicherheitsbeh\u00f6rden 1984 im Bereich der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) erzielte Schw\u00e4chung der personellen und logistischen Basis konnte offenbar in vollem Umfang ausgeglichen werden. Anhaltspunkte f\u00fcr die Existenz rechtsextremer terroristischer Gruppen ergaben sich 1984 nicht. Die Zahl der rechtsextrem motivierten Gewalttaten bzw. Gewaltandrohungen war gegen\u00fcber 1983 r\u00fcckl\u00e4ufig. Die Anzahl ausl\u00e4ndischer Extremisten und ihrer Organisationen ist 1984 leicht angestiegen. Die Zahl der Mitgliedschaften stieg von 7.000 auf rund 7.400, die Zahl der Vereinigungen von 154 auf 155. Diese geringf\u00fcgige Steigerung bewirkte keine Verst\u00e4rkung der politischen Aktivit\u00e4ten. Die Spionagebedrohung durch Nachrichtendienste kommunistischer Staaten dauerte auch 1984 unvermindert an. Nach wie vor ging die st\u00e4rkste Bedrohung von den Diensten der DDR aus. 11","2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1984 gab es in Bayern etwa 120 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit rund 12.400 Mitgliedschaften. Der R\u00fcckgang von 130 auf 120 Organisationen geht zu Lasten sowohl der Orthodoxen wie der Neuen Linken und betraf insbesondere kleinere Gruppen. Die Zahl der Mitgliedschaften ist gegen\u00fcber dem Vorjahr gestiegen. Dies beruht in erster Linie auf einem Zuwachs im Bereich der DKP und der Marxistischen Gruppen, im \u00fcbrigen auf einem verbesserten Erkenntnisstand. Zahl und St\u00e4rke von linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen in Bayern: 1980 1981 1982 1983 1984 Zahl der Organisationen 138 140 140 130 120 Mitgliedschaften Orthodoxe Linke 9.300 9.800 10.000 10.200 11.000 Neue Linke 1.600 1.200 1.000 1.100 1.400 insgesamt 10.900 11.000 11.000 11.300 12.400 Die Gesamtzahl von 12.400 Mitgliedschaften f\u00fcr das Jahr 1984 l\u00e4\u00dft sich wie folgt weiter aufgliedern: Mitgliedschaften in orthodox-kommunistischen Kernund Nebenorganisationen 5.100 abz\u00fcglich erkannter Mehrfachmitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen 200 4.900 Mitgliedschaften in orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen 5.900 10.800 Mitgliedschaften in Kernund Nebenorganisationen der Neuen Linken 1.200 abz\u00fcglich erkannter Mehrfachmitgliedschaften in Organisationen der Neuen Linken 100 1.100 Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen der Neuen Linken 200 1.300 Gesamtzahl (bekannte Mehrfachmitgliedschaften abgezogen) 12.100 12","Wie sich aus vorstehender Tabelle ergibt, sind Mehrfachmitgliedschaften nur jeweils innerhalb des Bereichs der Kernund Nebenorganisationen der Orthodoxen Linken und der Neuen Linken ber\u00fccksichtigt. \u00dcber Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sowie Mehrfachmitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen einerseits und Kernund Nebenorganisationen andererseits liegen keine zuverl\u00e4ssigen Zahlen vor. In der Zahl der Mitgliedschaften in beeinflu\u00dften Organisationen sind auch Nichtextremisten enthalten; eine zahlenm\u00e4\u00dfige Aufgliederung ist nicht m\u00f6glich. Durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen sowie durch eine anhaltend starke publizistische T\u00e4tigkeit versuchten die Linksextremisten auch 1984, ihrem Ziel n\u00e4herzukommen. Dieses Ziel besteht unver\u00e4ndert - insoweit sind sich die moskauorientierten orthodoxen Kommunisten und die Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken einig - in der Errichtung eines kommunistischen Staates auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Zur Erreichung dieses Ziels bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letzlich aber auch die der orthodoxen Kommunisten zur Gewalt, wobei 1984 auch die Anwendung von Gewalt zur Verwirklichung tagespolitischer Ziele propagiert wurde. Dieses Ziel aber und der Weg dorthin sind, wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes. Der verfassungsfeindliche Charakter der kommunistischen Bewegung ist damit evident. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellten auch 1984 einen ideologisch festgef\u00fcgten Block dar. Bei den Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an; von Fall zu Fall gab es gewisse Ann\u00e4herungen. Gelegentlich kam es wieder zu Aktionsb\u00fcndnissen von Gruppen der Dogmatischen Neuen Linken mit Gruppen der Orthodoxen Linken. Die undogmatischen Gruppen der Neuen Linken sind nach wie vor zerstritten; die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen wurden nicht \u00fcberbr\u00fcckt. Bei der Europawahl am 17. Juni 1984 kam es zu einem Wahlb\u00fcndnis von DKP, DFL) und Demokratischen Sozialisten. Diese \"Friedensliste\" erhielt bundesweit 313.108 Stimmen, was einem Anteil von 1,3 Prozent entspricht; gegen\u00fcber den Stimmenanteilen von 0,2 bis 0,4 Prozent, die die DKP bei anderen Wahlen erzielte, bedeutet das einen nicht unerheblichen Anstieg. Gruppen der Neuen Linken kandidierten nicht. Die bedeutendsten linksextremen Organisationen waren 1984: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 13","Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) -- im Februar 1985 aufgel\u00f6st Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Gruppe Internationaler Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Marxistische Gruppen (MG) 1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen dieser Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisationen besetzt. Die wesentlichen Nebenorganisationen waren 1984: Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) Nebenorganisationen des AB Hote Sch\u00fclerfront (RSF) Kommunistischer Hochschulbund (KHB) 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein erheblicher Teil der Organisationen im linksextremen Bereich besteht aus Vereinigungen, die sich \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund/oder Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie - von diesen oder auf deren Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, - wichtige F\u00fchrungsfunktionen mit Kommunisten besetzen, - eng mit Kernund/oder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, - Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. 14","Teilweise liegen mehrere dieser Merkmale vor, teilweise alle. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den Willen der Kernund/oder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblichen kommunistischen Einflusses noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten Organisationen, die unter ma\u00dfgebendem kommunistischen Einflu\u00df standen, waren 1984: Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegener (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Sozialistischer Hochschulbund (SHB) als st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Vom AB beeinflu\u00dfte Organisationen: Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend - Landesverband Bayern (BDP/BDJ - Landesverband Bayern) Regensburger B\u00fcrgerkomitee (RBK) Von der KPD beeinflu\u00dfte Organisation: Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen Eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten, wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, lehnen aber das dogmatische Konzept des Marxismus-Leninismus ab. Diese Gruppen sind h\u00e4ufig kleine, lose und kurzlebige Zusammenschl\u00fcsse. 2. Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Nebenorganisationen sowie - mit Einschr\u00e4nkungen - die von der DKP und/oder ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar, sind vor allem im Funktion\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. 15","Die orthodoxen Kommunisten bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und damit, auch wenn sie es zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats; dabei werden diese Begriffe vielfach mit \"revolution\u00e4rer Weltproze\u00df\" bzw. \"Herrschaft der Arbeiterklasse\" umschrieben. Das Grundmodell dieser \"sozialistischen Ordnung\" sehen die orthodoxen Kommunisten in der Sowjetunion und der DDR verwirklicht. Deshalb betonen sie die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. In ideologischer und politischer Hinsicht folgen sie bedingungslos der Linie der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaftsordnung zukommt. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung hat nach ihrer \u00dcberzeugung das \"sozialistische Weltsystem\" mit der KPdSU an der Spitze die Vorbildund F\u00fchrungsrolle. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der weltumspannende F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie, der sich auch in einigen internationalen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der Federation Internationale des Resistants (FIR) manifestiert, wird uneingeschr\u00e4nkt anerkannt. Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) SDAJ DFU - Hh - VVN-BdA MSB --SHB DFG-VK KFAZ . J JP VDJ DFI Komitees, beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 16","2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt hier die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. Die DKP folgt bedingungsund kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie verurteilt jede davon abweichende Meinung als \"Rechtsoder Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcfstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". Folgerichtig betrachtet sie auch das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem vorbehaltlos als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gr\u00fcndung der DDR markiere einen \"Wendepunkt in der Geschichte unseres Volkes\". Mit der \"sozialistischen Revolution\" in der DDR habe die deutsche Arbeiterbewegung ihren \"gr\u00f6\u00dften Sieg\" errungen. In der DDR w\u00fcrden die \"besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft als Demokratie\" geben. Diese Einstellung ist ein weiterer Beweis f\u00fcr die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP, denn das Staatsund Gesellschaftssystem der DDR steht offenkundig im Widerspruch zu den Grundprinzipien der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. Aus Anla\u00df des 65. Jahrestages der Gr\u00fcndung der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) - Jahreswende 1918/1919 - wies der DKP-Vorsitzende Mies darauf hin, da\u00df die DKP heute wie seinerzeit die KPD die Verk\u00f6rperung der sozialistischen Alternative zum krisengesch\u00fcttelten kapitalistischen System sei. \"Durchdrungen vom Geist des proletarischen Internationalismus, begeistert von der Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution\" werde auch die DKP ihre \"freundschaftliche Verbundenheit\" zur Sowjetunion, der DDR und den anderen sozialistischen Staaten bekr\u00e4ftigen. Ziel der DKP ist eine sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung. Dies ergibt sich aus ihrem am 21. Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag beschlossenen Programm und aus einer Vielzahl ideologischer Schriften und Ausbildungsmaterialien. Danach ist \"unverr\u00fcckbares Ziel\" der Sozialismus \"als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\". Diese \"grundlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes 17","um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Sie sieht sich als die revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik Deutschland\"'.'Als die Partei des \"Klassenkampfes\" und des \"Sozialismus\" bekennt sie sich zu den Grunds\u00e4tzen einer bolschewistischen \"Partei neuen Typus\", die gekennzeichnet ist durch die Anerkennung der Leninschen Normen der Parteimitgliedschaft und des Parteiaufbaues sowie der Diktatur des Proletariats. Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt und befinde sich jetzt in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur\" erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Arbeiterklasse und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse f\u00fcr erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Darunter versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadien eines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den marxistisch-leninistischen Kernbegriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats\". Im Programm der DKP findet sich der \"wissenschaftliche Terminus\" \"Diktatur des Proletariats\" zwar nicht, denn er sei heute f\u00fcr gro\u00dfe Teile des arbeitenden Volkes mi\u00dfverst\u00e4ndlich. Die DKP bekennt sich in ihrem Programm jedoch \"unmi\u00dfverst\u00e4ndlich\" zur politischen Macht der Arbeiterklasse. Diese Begriffsmanipulation dient der DKP ebenso zur Verschleierung ihrer wahren verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr jeden B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Eintreten f\u00fcr \"Demokratie\" ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu sehen. Entsprechendes gilt bez\u00fcglich des Eintretens der DKP f\u00fcr die Erhaltung und Sicherung des Friedens, f\u00fcr die Einhaltung der Prinzipien der \"friedlichen Koexistenz\" und ihren Kampf gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\". 18","Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden mit systemkonformen Mitteln und grunds\u00e4tzlich auf friedlichem Weg erreichen. Gleichwohl betont sie im Programm, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstandes der Reaktion\" abh\u00e4nge, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde. Die vorliegenden \u00c4u\u00dferungen der DKP lassen erkennen, da\u00df auch weiterhin von einer prinzipiellen Gewaltbereitschaft der DKP auszugehen ist. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1981 erkl\u00e4rt: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes ... Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren ... Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". Nach Auffassung des Mitglieds des DKP-Parteivorstandes Beate Landefeld im theoretischen Organ der DKP \"Marxistische Bl\u00e4tter\" bedeutet Gewalt \"Aus\u00fcbung von Druck\" und sei ein \"spezifisches Mittel zur Durchsetzung von Klasseninteressen\". Je nach Ziel und Inhalt der Gewaltaus\u00fcbung gebe es \"reaktion\u00e4re und fortschrittliche Gewalt\" und zugleich \"friedliche und nichtfriedliche Formen der Gewalt\". In manchen Situationen - wie z.B. im Kampf gegen den \"Terror der Reaktion\" - seien \"milit\u00e4rische Formen des Klassenkampfes\" notwendig, um gr\u00f6\u00dfere Opfer der \"fortschrittlichen Kr\u00e4fte\" zu vermeiden. Entscheidend f\u00fcr die Bewertung von Gewalt sei, ob sie den \"materiellen, sozialen und kulturellen Bed\u00fcrfnissen der arbeitenden Menschen\" n\u00fctze oder die \"Macht der Ausbeuterklasse\" erhalte. Eine \"gewaltund herrschaftsfreie Gesellschaft\" k\u00f6nne sich erst nach \u00dcberwindung von \"Ausbeutung und Klassenspaltung\" entwickeln. Aus diesen Aussagen geht deutlich hervor, da\u00df f\u00fcr die DKP Gewaltanwendung eine Frage politischer Opportunit\u00e4t ist. Die Zur\u00fcckhaltung der DKP bei gewaltt\u00e4tigen Aktionen beruht lediglich auf dem Bestreben, sich im Rahmen der von ihr verfolgten B\u00fcndnispolitik \"koalitionsf\u00e4hig\" zu machen. In Reden und Beschl\u00fcssen auf dem 7. Parteitag, der vom 6. bis 8. Januar in N\u00fcrnberg stattfand, wurde auf die wachsende Bedeutung der B\u00fcndnispolitik f\u00fcr die DKP hingewiesen. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte, die DKP werde \"mit ganzer Kraft\" die Ma\u00dfnahmen und Aktionen der Friedensbewegung unterst\u00fctzen. Zur Diskussion um Aktionsformen meinte Mies, gegen\u00fcber \"Kriegsvorbereitungen\" d\u00fcrfe es keinen Gehorsam geben. Vielmehr m\u00fcsse der demokratische und friedliche Widerstand intensiviert werden. Da die DKP davon ausgeht, da\u00df es auch \"friedliche Formen von Gewalt\" gibt, liegt darin ein kaum verschleiertes Bekenntnis auch zu gewaltsamen Aktionen. Damit in \u00dcbereinstimmung steht die \u00c4u\u00dferung von Mies, die Unterst\u00fctzung des Kampfes gegen die Raketenstationierung fange bei \"der Unterschriftensammlung an\" und gehe \"bis hin zur Unterst\u00fctzung von direkten Aktionen gegen die Stationierung, auch gegen die Raketenbasen. Da klammern wir nichts aus.\" Aus den Aussagen auf dem 7. Parteitag der DKP ergibt sich, da\u00df sich an der verfassungsfeindlichen Zielsetzung der DKP nichts ge\u00e4ndert hat. Sie will nach wie vor in einem revolution\u00e4ren Proze\u00df die freiheitliche demokratische Grund19","Ordnung beseitigen und an ihrer Stelle ein diktatorisches System nach dem Vorbild des \"realen Sozialismus\" errichten. Die Partei stellte sich erneut als \"Teil einer weltumspannenden revolution\u00e4ren Bewegung\", als zuverl\u00e4ssige Kraft des \"proletarischen Internationalismus\" dar. 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied Die DKP-Mitglieder sind nach dem Parteistatut verpflichtet, die Grunds\u00e4tze der Partei anzuerkennen, sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Leben aktiv zu vertreten. Die DKP sieht sich als einheitlich und solidarisch handelnde \"Kampfgemeinschaft\", deren innerparteiliches Leben von der \"marxistischen Weltanschauung und der Gemeinschaft der politischen Ziele\" gepr\u00e4gt werde. \"Kommunist ist man \u00fcberall: am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie\". Als richtige Haltung der Kommunisten sieht es die DKP an, offen und konsequent den kommu20","nistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreich und geduldig die Politik der Aktionseinheit zu verfechten, in B\u00fcndnissen \"aktiv, initiativ und partnerschaftlich\" zu wirken, sich als \"die besten, entschiedensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und \"aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken\". Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, welche \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser hohen Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Vor der letzten Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher 1983 wurden mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. Bei dem vom 7. Parteitag beschlossenen \"Ernst Th\u00e4lmann-Aufgebot\" zur Mitgliederund Abonnentenwerbung l\u00e4\u00dft sich die DKP vom \"Verm\u00e4chtnis\" des in einem Konzentrationslager umgekommenen KPD-Vorsitzenden Ernst Th\u00e4lmann leiten: - \"Kommunisten wirken unerm\u00fcdlich f\u00fcr die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, ohne die sie keine durchgreifenden Erfolge erringen k\u00f6nnen; - Kommunisten wirken unerm\u00fcdlich f\u00fcr das Zustandekommen und Erstarken eines breiten B\u00fcndnisses all jener Kr\u00e4fte, die ihre gemeinsamen Interessen nur im gemeinsamen Handeln gegen das Monopolkapital durchsetzen k\u00f6nnen; - Kommunisten bringen stets ihre ganze Kraft im Kampf f\u00fcr die nationalen Interessen ihres Volkes, gegen die reaktion\u00e4rsten und aggressivsten Kreise des Gro\u00dfund R\u00fcstungskapitals und seiner politischen Statthalter ein; - Kommunisten wirken leidenschaftlich daf\u00fcr, die Arbeiterklasse, alle arbeitenden Menschen, f\u00fcr ein freundschaftliches, klassenm\u00e4\u00dfiges Verh\u00e4ltnis zu jenem Land zu gewinnen, in dem die Arbeiterklasse sich als erste die Macht erk\u00e4mpfte: zur Sowjetunion; - Kommunisten verlieren niemals aus den Augen, da\u00df die St\u00e4rkung ihrer Partei ein unverzichtbares Erfordernis f\u00fcr den Erfolg der K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse, der Friedensbewegung, aller demokratischen Kr\u00e4fte ist\". 2.2.3 B\u00fcndnispoiitik Die sogenannte B\u00fcndnispolitik ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Die DKP geht aufgrund ihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung davon aus, da\u00df sich der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die Arbeiter21","^^sassa L ^ ^ 1 der DKP f\u00fcr! 1 Frieden und Arbeit 1 Wi fflj! Sofidarit\u00e4ts<jgi Zeitung Nr.1 ^ B A Gegen Arbeitsplatz Vernichtung und Aussperrung: Solidarit\u00e4t: Das Gebot der Stunde! klasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihre vergleichsweise geringe Mitgliederzahl und ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, B\u00fcndnisse mit nicht-kommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen und damit eine Massenwirkung zu erreichen. Au\u00dferdem versucht sie, mit der B\u00fcndnispolitik demokratische Kr\u00e4fte an die Partei heranzuf\u00fchren. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. Auf einer \"Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz\" im M\u00e4rz 1983 in Trier zum The22","ma \"Das revolution\u00e4re Subjekt in der Welt von heute\" betonte das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Willi Gems, die DKP sei bei B\u00fcndnissen zu Kompromissen bereit. Diese Kompromisse m\u00fc\u00dften jedoch zur Entwicklung der Kampfbereitschaft der Arbeiter und ihrer Verb\u00fcndeten beitragen, d\u00fcrften das selbst\u00e4ndige Handeln der DKP nicht einschr\u00e4nken und die \"Heranf\u00fchrung an weitergehende Ziele\" nicht behindern. Dieses weitergehende Ziel ist die Errichtung eines kommunistischen Staates. Die DKP betont daher, da\u00df der \"b\u00fcndnispolitische Minimalkonsens\" nicht auf die Ebene der Ideologie \u00fcbertragen werden d\u00fcrfe. Der Parteivorstand ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz 1983 im \"Bildungsheft\" \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik\", das \"Herzst\u00fcck Leninscher Strategie und Taktik\". Darin hei\u00dft es: - die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; - die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte\" Zusammenarbeit ein, bei der alle B\u00fcndnispartner sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen sollten; - die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\", denn die Arbeiterklasse sie die entscheidende Kraft; - die \"Herstellung der Aktionseinheit\", vorrangig von Kommunisten und Sozialdemokraten, bleibe Kernst\u00fcck der Politik der DKP; - die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern; - die DKP lehne die Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab; sie werde sich wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" jedoch nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcckziehen; - die DKP m\u00fcsse auch in B\u00fcndnissen ihre \"Selbst\u00e4ndigkeit\" bewahren; ihre Mitglieder d\u00fcrften nicht \"im B\u00fcndnis aufgehen\"; denn ein Verzicht auf Selbst\u00e4ndigkeit bedeute das \"Ende einer kommunistischen Partei\"; - Kommunisten sollten - durch Schulung bef\u00e4higt - in den Bewegungen mit \"offenem Visier\" mitwirken; denn ein Verbergen der kommunistischen Identit\u00e4t gebe nur antikommunistischen Verleumdungen Nahrung. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner in ihrem Kampf f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", f\u00fcr \"soziale Sicherheit\", gegen \"Polizeiund \u00dcberwachungsstaat mit Berufsverboten\" sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten, Ausl\u00e4ndergruppen und Linkskr\u00e4ften\". Darauf wurde auch auf dem 7. Parteitag der DKP unter Hervorhebung der wachsenden Bedeutung der B\u00fcndnispolitik hingewiesen. Auf der 3. Tagung des Parteivorstandes der DKP in D\u00fcsseldorf erkl\u00e4rte ihr Parteivorsitzender, da\u00df sich die Stellung der DKP und ihrer Mitglieder in demokratischen B\u00fcndnissen gefestigt habe. Anl\u00e4\u00dflich der 4. Tagung des Parteivorstandes der DKP sprach sich der Vorsitzende Mies erneut f\u00fcr ein B\u00fcndnis mit Sozialdemokraten, Gr\u00fcnen und allen au\u00dferparlamentarischen Kr\u00e4ften im \"Kampf gegen Hochr\u00fcstung und Sozialabbau\" in der Bundesrepublik Deutschland aus. Entsprechend dem Konzept der B\u00fcndnispolitik, \u00fcber weltanschauliche und politische Unterschiede hinwegzusehen, richtete der DKP-Vorsitzende ein \"Gru\u00dfwort\" an die Teilnehmer des 88. Deutschen Katholikentages und betonte die Zu23","sammenarbeit von \"Kommunisten und Christen\" in der \"Friedensbewegung\". Die DKP-M\u00fcnchen wandte sich mit einer Diskussionsveranstaltung und Informationsst\u00e4nden ebenfalls an die Teilnehmer des Katholikentages. Ausflu\u00df der B\u00fcndnispolitik der DKP ist auch ihre Beteiligung an der \"Friedensliste\" bei der Europawahl 1984. Die Listenkandidaten waren zur H\u00e4lfte Funktion\u00e4re der DKP bzw. von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen. Die DKP wertete das \"gute Abschneiden\" der Friedensliste (sie erreichte bundesweit 1,3 % der g\u00fcltigen Stimmen) ausdr\u00fccklich als Best\u00e4tigung der kommunistischen B\u00fcndnispolitik. Mit der Beteiligung an der \"Friedensliste\" verfolgt die DKP den Zweck, die Wahlaussichten ihrer Kandidaten dadurch zu verbessern, da\u00df sie unter einer anderen Bezeichnung kandidieren k\u00f6nnen. Im Rahmen der B\u00fcndnispolitik tritt die DKP oftmals nicht unmittelbar als Initiator in Erscheinung, sondern bedient sich der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. So begr\u00fc\u00dfte der DKP-Parteivorstand in einer Entschlie\u00dfung die Initiativen der VVN-BdA zum 08.05.1985 (40. Jahrestag des Kriegsendes). 2.2.3.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer B\u00fcndnispolitik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen und kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Auf dem 7. Parteitag der DKP wurde darauf hingewiesen, da\u00df die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, insbesondere die Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten, f\u00fcr die DKP vorrangig sei. Auf dem DKP-Kongre\u00df \"Frieden und Arbeit\" in Castrop-Rauxel betonte der DKP-Vorsitzende, die Hauptaufgabe bleibe die Entwicklung und Festigung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\"; mit Hilfe kommunistischer Arbeiterpolitik m\u00fcsse die \"Arbeiterklasse\" zum Klassenbewu\u00dftsein erzogen und damit \"ihrer historischen Mission\" zugef\u00fchrt werden: dem Kampf f\u00fcr den Sozialismus. Da\u00df die Kampfbereitschaft der \"Arbeiterklasse\" bereits sp\u00fcrbar zugenommen habe, sei das Ergebnis \"langj\u00e4hrigen erfolgreichen Wirkens der verschiedenen demokratischen Kr\u00e4fte - nicht zuletzt auch von uns Kommunisten\". Zum Abschlu\u00df forderte der Kongre\u00df in einem Aufruf vor allem das Zusammengehen von Sozialdemokraten und Kommunisten im Kampf gegen die \"friedensgef\u00e4hrdende, sozial reaktion\u00e4re Bonner Politik\" und f\u00fcr eine \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt\". Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1982 an die \"SPD-F\u00fchrung\" appelliert, angesichts der \"Rechtskoalition\" und des \"Generalangriffs\" auf die Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften ihr Verh\u00e4ltnis zur DKP zu \u00fcberdenken und den \"Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df\" aufzuheben; dieser Beschlu\u00df sei in den \"Betrieben ohnehin nicht beachtet\" worden. Auf der 3. DKP-Parteivorstandstagung in D\u00fcsseldorf beschwor Mies erneut die Notwendigkeit der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\"; je intensiver Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenarbeiteten, um so eher w\u00fcrden auch parteilose und christliche Arbeiter zum Mitk\u00e4mpfen bewegt. \"Aktionseinheit\" von Sozialdemokraten und Kommunisten f\u00f6rdere das \"Zusammenwirken aller demokratischen Kr\u00e4fte im Rahmen von B\u00fcnd24","r nissen\". In einem weiteren Aufruf appellierte Mies an die Sozialdemokraten, \"gemeinsam mit den Kommunisten das B\u00fcndnis aller Kr\u00e4fte links von der CDU zu schaffen\". Im vierten \"Bildungsheft\" 1983/84 mit dem Titel \"Neue Fragen der Aktionseinheit\" bekr\u00e4ftigte die DKP, \"Kernst\u00fcck der Aktionseinheit\" sei das Zusammenwirken von Kommunisten und Sozialdemokraten. Trotz ideologischer und politischer Meinungsverschiedenheiten zwischen diesen beiden \"Hauptstr\u00f6mungen der Arbeiterbewegung\" seien \"neue Felder des gemeinsamen Wirkens\" entstanden. Mehr und mehr sozialdemokratische Genossen h\u00e4tten in der \"Friedensbewegung\" die Schranken \u00fcberwunden, die sie bisher \"vom gemeinsamen Friedenskampf\" abgehalten h\u00e4tten. Sozialdemokraten und Kommunisten gingen zunehmend dazu \u00fcber, gemeinsam \"betriebliche Friedensinitiativen\" aufzubauen. Weitere Felder gemeinsamer Arbeit seien der Kampf gegen \"Sozialabbau\", \"Berufsverbote\" und \"Ausl\u00e4nderdiskriminierung\" sowie f\u00fcr \"Solidarit\u00e4t mit den V\u00f6lkern der dritten Welt\". Die DKP rief ihre Mitglieder auf, \"im Betrieb, in der Wohngemeinde oder im Stadtteil, in der Stra\u00dfe, in dem gemeinsamen Verein\" an Sozialdemokraten heranzutreten und sie zum gemeinsamen Handeln zu veranlassen. F\u00fcr die \"Aktionseinheit\" seien \"neue Bedingungen\" entstanden: Eine neue Generation sei herangewachsen, die die schweren Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien in der Weimarer Republik nicht mehr erlebt habe und deshalb \"sachlicher miteinander umgehe\". Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in den Gewerkschaftsgremien auf allen Ebenen bei, weil sie dort die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es \"selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", \"ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\". Sie beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, selbst zu entscheiden, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen \"B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben und die \"Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt zu beachten\". Nach ihrer Auffassung sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Die DKP befolgt getreu die Anweisung Lenins an die Kommunisten, in die Gewerkschaften einzutreten, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Das Mitglied des DKPPr\u00e4sidiums Ludwig M\u00fcller forderte die Gewerkschaften auf, sich nicht nur auf Lohnund Arbeitsplatzfragen zu beschr\u00e4nken, sondern einen konsequenten \"Klassenstandpunkt\" einzunehmen. Die \"Arbeiterinteressen\" seien auf die Abwehr aller Spaltungsversuche der \"herrschenden Klasse\", auf \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit\" und \"demokratische Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft\" sowie auf die Verhinderung der Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenwaffen gerichtet. Auf dem 7. Parteitag erkl\u00e4rte die DKP, der Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit und f\u00fcr die Rechte der Arbeitslosen sei f\u00fcr sie das Feld gemeinsamer Aktionen mit den Gewerkschaften. 25","eraag JETZT ERST RECHT f\u00fcr den Kampf umdie 35-Stunden-Woche Wer aussperrt, geh\u00f6rt enteignet Plakat der DKP 26","Etwa 75 v.H. der DKP-Mitglieder sind gewerkschaftlich organisiert. Rund 10 v.H. nehmen gewerkschaftliche Funktionen und Aufgaben der betrieblichen Mitbestimmung wahr. Der Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit der DKP dienen auch die in allen DKP-Bezirken t\u00e4tigen \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\", das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V\" (IMSF) sowie die \"NachrichtenVerlags-GmbH\" mit Sitz in Frankfurt a.M. Diese verlegt fast ausschlie\u00dflich Publikationen zu gewerkschaftlichen, betrieblichen sowie sozialund wirtschaftspolitischen Themen, u.a. die monatlich erscheinenden \"Nachrichten zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel\", die von drei Mitgliedern des DKP-Parteivorstandes und einem langj\u00e4hrigen DFU-Funktion\u00e4r herausgegeben werden. Die DKP erkl\u00e4rte die massive Unterst\u00fctzung des gewerkschaftlichen Kampfes f\u00fcr die 35-Stunden-Woche zur \"zentralen Aufgabe\" der Partei und zur \"h\u00f6chsten Klassenpflicht\". Der stellvertretende DKP-Vorsitzende Hermann Gautier versicherte, die Kommunisten geh\u00f6rten zu den \"aktivsten K\u00e4mpfern\" f\u00fcr die 35-Stunden-Woche. Ausdr\u00fccklich begr\u00fc\u00dfte die DKP die Beschl\u00fcsse der letztj\u00e4hrigen Gewerkschaftstage: Mit ihnen seien Ans\u00e4tze f\u00fcr eine \"k\u00e4mpferische Politik\" deutlich geworden. Dies gelte sowohl f\u00fcr die IG-Metall und die IG Druck und Papier als auch f\u00fcr die GEW und die Deutsche Postgewerkschaft. Da die DKP in den Tarifverhandlungen und Arbeitsk\u00e4mpfen die \"bedeutendsten Klassenauseinandersetzungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland\" sah, wandte sie sich vehement gegen jegliche Diskussion \u00fcber \"m\u00f6gliche Former) von Kompromissen\". Ein DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied betonte auf der 1. bundesweiten Betriebsr\u00e4tekonferenz der DKP, der Kampf um die 35-StundenWoche sei f\u00fcr die DKP keine Rechenaufgabe, sondern eine \"Klassenfrage\". Die Arbeitslosigkeit k\u00f6nne letztlich nur durch \"Errichtung des Sozialismus\" beseitigt werden. I Zur Schlichtung des Arbeitskampfes in der Metallindustrie Nordw\u00fcrttembergsNordbadens erkl\u00e4rte die DKP, mit der Annahme des \"Leber-Konzepts\" sei das Ziel des gewerkschaftlichen Kampfes, die Sicherung und Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen, nicht erreicht worden. Der Arbeitskampf lehre, da\u00df die \"Front des Monopolkapitals und die Kumpanei mit der Regierung\" nur aufzubrechen seien, wenn die Gewerkschaften die Unternehmer nicht als Sozialpartner, sondern als \"erkl\u00e4rte Gegner der arbeitenden Menschen\" begriffen und als \"Gegenmacht\" ihre Kampfkraft entschlossen \"ohne Wenn und Aber\" solidarisch einsetzten. Die DKP bezeichnete die \"Betriebsbesetzungen\" w\u00e4hrend des Streiks als \"wirkungsvolle Form gegen den Aussperrungsterror\"; die Arbeiter seien hier wenigstens f\u00fcr kurze Zeit \"Herren \u00fcber ihre Fabriken\". Die DKP werde weiterhin bei den Arbeitern die Bereitschaft zum Kampf gegen das \"kapitalistische Profitsystem\" f\u00f6rdern, damit dieses \"Grund\u00fcbel\" beseitigt und eine \"sozialistische Gesellschaft\" in der Bundesrepublik Deutschland aufgebaut werde. Auf der 3. Tagung des DKP-Parteivorstandes am 25. August 1984 behauptete sein Vorsitzender, im Streik seien \"politische Vorbehalte\" abgebaut worden; vielfach habe es einen \"Schulterschlu\u00df zwischen sozialdemokratischen, kommunistischen, christlichen und parteilosen Gewerkschaftern\" gegeben. 27","2.2.3.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sogenannte Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmen. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\", und seien sie auch \"sachlich und zeitlich noch so begrenzte\", einbeziehen. Daher arbeitete sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen mit. Im Rahmen ihrer Volksfrontpolitik f\u00fchrt die DKP Kampagnen vor allem mit Hilfe der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen durch und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. In erster Linie handelt es sich dabei um die Kapagnen f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", Frieden und Arbeit\", \"Stopp der Kriegsvorbereitungen und Militarisierung\", aber auch gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\", gegen \"Berufsverbote\" sowie gegen \"Arbeitslosigkeit und Sozialabbau\". Die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung war auch 1984 zentrales Agitationsfeld der DKP, ihrer Nebenund der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Nach marxistisch-leninistischem Verst\u00e4ndnis geht die Bedrohung des Friedens vom \"Imperialismus\" aus. Erst in einer Gesellschaft, die nicht mehr auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem daraus resultierenden Klassengegensatz beruhe, k\u00f6nne der Frieden dauernd gesichert werden. Der Frieden ist ein Wesenselement von Sozialismus und Kommunismus. Der Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung finde seine Erg\u00e4nzung im Kampf um den Sozialismus. Mehrere kommunistische Parteien aus NATO-Staaten, darunter die DKP, forderten in einem \"gemeinsamen Appell\": \"Der NATO-Raketenbeschlu\u00df mu\u00df fallen!\". In der Erkl\u00e4rung \"Den Raketenfanatikern in den Arm fallen\" verlangte das Pr\u00e4sidium der DKP den \"Widerstand\" zu verst\u00e4rken. Die DKP trete daf\u00fcr ein, die Unterschriftensammlung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" fortzusetzen, neue Aktionen f\u00fcr die Schaffung atomwaffenfreier St\u00e4dte und Gemeinden, Stra\u00dfen, Betriebe, Schulen, Werkst\u00e4tten und B\u00fcros zu starten sowie betriebliche Friedensinitiativen verst\u00e4rkt zu entwickeln. Sie unterst\u00fctze \"alle Formen der \u00c4u\u00dferung des Volkswillens gegen die Raketenstationierung: Unterschriftensammlungen, Mahnwachen und Demonstrationen, Aktionen des demokratischen Volkswiderstands an Stationierungsorten, Volksbefragungen und Volksentscheide gegen den NATO-Raketenbeschlu\u00df\". Zum 35. Jahrestag der Gr\u00fcndung der NATO (4. April 1949) erkl\u00e4rte der DKPVorsitzende Herbert Mies, die Gr\u00fcndung habe damals den Zweck verfolgt, \"die sozialistische Staatengemeinschaft... durch einen Krieg aus der Welt zu schaffen\", \"Westeuropa der milit\u00e4rischen und politischen Hegemonie der USA unterzuordnen\" und ein \"neues Instrument zur Unterdr\u00fcckung demokratischer und revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte\" zu besitzen. Die \"Macht des realen Sozialismus\" habe jedoch einen \"hei\u00dfen Krieg\" verhindert. Die Kommunisten der Bundesrepublik Deutschland seien heute wie damals \"entschiedene Gegner\" der NATO. Als \"sicherheitspolitische Alternative zur NATO\" sei ein \"System der europ\u00e4ischen und internationalen Sicherheitspartnerschaft\" notwendig. Die DKP rief in diesem Zusammenhang \"alle demokratischen und fortschrittlichen\" Kr\u00e4fte dazu auf, dem \"antisowjetisch programmierten R\u00fcstungswahnsinn\" entgegenzutre28","ten. Die R\u00fcstungspolitik der Warschauer-Pakt-Staaten wird demgegen\u00fcber von der DKP nicht in Frage gestellt. Auf der 3. Tagung des DKP-Parteivorstandes in D\u00fcsseldorf verabschiedete der DKP-Parteivorstand einen Aufruf: \"Stoppt den R\u00fcstungswahnsinn! Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen! F\u00fcr einen machtvollen Friedensherbst '84!\". Darin empfahl er seinen Mitgliedern, sich an den \"Protestaktionen\" gegen die NATO-Man\u00f6ver im \"Fulda-Gap\" und in Hildesheim zu beteiligen und forderte \"Alle Kraft f\u00fcr die Gro\u00dfaktion der Friedensbewegung am 20. Oktober 1984\" einzusetzen. Der DKP-Vorsitzende betonte, k\u00fcnftig m\u00fcsse die Hauptforderung der \"Friedensbewegung\" nach \"Stopp und Abbau der US-Raketen\" durch Forderungen nach \"Stopp der Kriegsvorbereitung und Militarisierung\" erg\u00e4nzt werden. Die \"unheilvolle Allianz US-amerikanischer und deutscher Raketenpolitiker\" f\u00fchre zu einer \"existenzbedrohenden Konfrontation\" mif den sozialistischen L\u00e4ndern. Mies w\u00fcrdigte das \"sowjetische Friedensprogramm\" und hob hervor, das \"Kampfb\u00fcndnis zwischen sowjetischen und deutschen Kommunisten\" k\u00f6nne niemals ersch\u00fcttert werden. Unter Hinweis auf den urspr\u00fcnglich geplanten, dann jedoch abgesagten Besuch des Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekret\u00e4rs der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) Erich Honecker in der Bundesrepublik Deutschland warf Mies der Bundesregierung \"uneinsichtige und destruktive Politik\" vor. Sie stehe im Gegensatz zu der an Dialogbereitschaft und \"Friedenspflicht\" orientierten Politik der DDR. Dieser \"sozialistische deutsche Staat\" wahre \"alle humanistischen und revolution\u00e4ren Traditionen deutscher Kultur und Geschichte\". Die DKP wirkte entsprechend den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik an der Organisation und Durchf\u00fchrung der sog. \"selbstorganisierten Volksbefragung\" der \"Friedensbewegung\" anl\u00e4\u00dflich der Europawahl am 17. Juni mit. Bei dieser Befragungsaktion konnten die Besucher von Wahllokalen auf einem vorbereiteten Stimmzettel \u00fcber die Stationierung von Pershing II und Cruise Missiles abstimmen. Bei Aktionen im Rahmen der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung trat die DKP nicht immer unmittelbar in Erscheinung. H\u00e4ufig lag die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung in den H\u00e4nden der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen DFU, KFAZ und DFG-VK sowie \u00f6rtlicher orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Initiativen. Auch mit der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung verfolgt die DKP ihr Endziel, n\u00e4mlich die Errichtung eines kommunistischen Staates. Der DKPVorsitzende Mies erkl\u00e4rte anl\u00e4\u00dflich des 65. Jahrestages der Gr\u00fcndung der Kommunistischen Partei Deutschland, da\u00df \"letzlich erst die sozialistische Gesellschaftsordnung\" eine \"sichere und dauerhafte Garantie\" f\u00fcr die Beseitigung von \"Aggressionspolitik und Kriegsgefahr\" biete. Die kommunistische Antifaschismus-Kampagne wurde weitgehend von der DKP-beeinflu\u00dften Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) getragen. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" ist f\u00fcr die DKP eine taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus. Er basiert auf der Annahme, da\u00df die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen ist, nicht beseitigt seien, da es dem Monopolkapital gelungen 29","sei in der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wieder herzustellen. Der antifaschistische Kampf\" lehre, da\u00df \"Kampf gegen Faschismus und Krieg\" zugleich \"Kampf gegen Antikommunismus und Antisowjetismus\" bedeute. Das Schlagwort \"antifaschistischer Kampf\" wird von der DKP vorgeschoben, um damit B\u00fcndnispartner zu gewinnen, die mit ihrer Ideologie nicht \u00fcbereinstimmen. Nach wie vor wurde auch die Kampagne gegen die \"Berufsverbote\" betrieben. Der DKP-beeinflu\u00dfte \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen Initiative \"Weg mit den Berufsverboten\" richtete am 475. Februar 1984 in B\u00f6blingen eine internationale Konferenz \"Stoppt den Abbau der Demokratie!\" aus. Mit einer \"B\u00f6blinger Erkl\u00e4rung\" wandten sich die Teilnehmer u.a gegen \"antikommunistische Demagogie\" und forderten die \"Aufhebung aller Berufsverbotsma\u00dfnahmen\". Auf der 4. Tagung des Parteivorstandes der DKP in D\u00fcsseldorf erkl\u00e4rte das Mitglied des Parteipr\u00e4sidiums Jupp Angenfort: \"Vor uns steht die Aufgabe, die Berufsverbotspraxis zu entlarven und zu bek\u00e4mpfen\". Die \"Berufsverbote\" seien \"Bestandteil und Vorbereitung der beabsichtigten Militarisierung der Gesellschaft\". Gleichzeitig bedeute diese Praxis eine \"Versch\u00e4rfung der Angriffe auf die DKP\". Zunehmende Bedeutung erlangte 1984 die Kampagne gegen die Arbeitslosigkeit. Der Schwerpunkt einer Entschlie\u00dfung zur Vorbereitung des 7. Parteitages der DKP im Januar 1984 war der \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit\" und die \"Krisenpolitik des Gro\u00dfkapitals\". Die Politik der DKP ziele auf die \"Beseitigung der Arbeitslosigkeit\" und letztlich auf die \"Beseitigung des \u00dcbels, die kapitalistischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse\", ab. Der DKP-Parteivorstand erkl\u00e4rte in seinem Aufruf zum 1. Mai, zur Durchsetzung der \"lebensnotwendigen Wende\" von \"Massenarbeitslosigkeit zur Arbeitsbeschaffung\" sei die \"Aktionseinheit von kommunistischen, sozialdemokratischen, christlichen, von allen Arbeitern und Angestellten\" notwendig. Der Parteitag befa\u00dfte sich auch mit der Kampagne gegen die Jugendarbeitslosigkeit und stellte in einer Entschlie\u00dfung fest, die DKP unterst\u00fctze die \"demokratische Jugendbewegung\" und wirke mit allen zusammen, die aktiv f\u00fcr die \"Grundrechte der Jugend\" seien. F\u00fcr die \"revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse, die DKP\", sei von gro\u00dfer Bedeutung, \"ob und wie wachsende Teile der k\u00fcnftigen Arbeitergeneration Bekanntschaft mit revolution\u00e4ren Ideen\" schlie\u00dfen. Unter dem Motto \"Kampf der Lehrstellennot! Sichere Zukunft f\u00fcr unsere Jugend! Arbeit statt Raketen!\" ver\u00f6ffentlichte die \"UZ\" einen Appell, in dem u.a. die \"Schaffung au\u00dferbetrieblicher kommunaler Ausbildungszentren\", die \"Bereitstellung von Ausbildungspl\u00e4tzen in H\u00f6he von 10% der Belegschaft in allen Gro\u00dfbetrieben\" und die Einf\u00fchrung einer \"Ausbildungsplatzabgabe\" gefordert werden. Im dritten Heft f\u00fcr das Bildungsjahr 1983/84 mit dem Titel \"Arbeitslose, ihre Bewegung und die Kommunisten\" behauptete die DKP, Arbeitslosigkeit sei eine \"Lebenserscheinung\" des Kapitalismus. Durch Arbeitszeitverk\u00fcrzung - bei vollem Lohnausgleich - k\u00f6nne sie zwar \"wirksam abgebaut\", letztlich aber erst \"unter sozialistischen Produktionsverh\u00e4ltnissen\" beseitigt werden; dies veranschauliche die Entwicklung in der DDR. Die DKP unterst\u00fctze die wachsende Bereitschaft von Arbeitslosen, sich in Arbeitsloseninitiativen (z. Zt. bis zu 350) zu 30","organisieren; sie habe deshalb eigene \"Arbeitslosenaussch\u00fcsse\" gebildet, denen Vertreter verschiedener Arbeitsloseninitiativen sowie Gewerkschafter und Betriebsarbeiter angeh\u00f6rten. Die DKP-Kreisvorst\u00e4nde N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen gaben \"Arbeitslosenzeitungen der DKP\" heraus. Von den 1984 in Bayern bekanntgewordenen \"Arbeitslosenzentren, -initiativen und -Selbsthilfen\" wurden f\u00fcnf von orthodox-kommunistischen Gruppierungen beeinflu\u00dft. 2.2.4 Organisation Die DKP hatte 1984 rund 40.000 Mitglieder. In Bayern gab es Ende 1984 rund 3.100 DKP-Mitglieder. Dies ergibt f\u00fcr Bayern gegen\u00fcber 1983 einen Zuwachs von 100 Mitgliedern. Auf dem 7. Parteitag im Januar 1984 bezifferte die DKP die Zahl ihrer Mitglieder auf 50.482 (6. Parteitag 1981: 48.856). Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte diese Angabe jedoch weit \u00fcberh\u00f6ht sein. Auch die Mitgliederwerbung im Rahmen des Ernst-Th\u00e4lmann-Aufgebotes, zu dem der Parteitag im Januar 1984 aufgerufen hatte und das am 30. M\u00e4rz 1986 beendet sein soll, brachte bis jetzt nicht den gew\u00fcnschten Erfolg. Die Aktion hat das Ziel, die Mitgliederzahl der Partei um 20 v.H. zu erh\u00f6hen. Nach einem von der DKP-Zeitung \"Zugspitze\" ver\u00f6ffentlichten Zwischenergebnis der Mitgliederwerbeaktion belegte die DKPBezirksorganisation S\u00fcdbayern unter den 12 Bezirksorganisationen den letzten Platz. Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 3500 3000 2500 2000 1500 1000 500 Die organisatorische Struktur der DKP \u00e4nderte sich 1984 nicht. Die DKP gliedert sich in 12 Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die Grundorganisationen, n\u00e4mlich die Orts-, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Auf dem 7. Parteitag der DKP im Januar 1984 wurden Herbert Mies und Hermann Gautier als DKP-Vorsitzender bzw. stellvertretender DKPVorsitzender best\u00e4tigt. In den Parteivorstand wurden 89 weitere Personen gew\u00e4hlt, darunter 10 Mitglieder aus Bayern. In Bayern sind Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender im DKP-Bezirk Nordbayern Herbert Stiefvater und Anka Konh\u00e4user, im DKP-Bezirk S\u00fcdbayern Walter Listl und Heinrich Horrelt. 31","Die DKP ist in ihrer inneren Sturktur nach dem marxistischleninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut. Die darauf beruhende absolute Verbindlichkeit der Beschl\u00fcsse der \u00fcbergeordneten Einheiten f\u00fcr die untergeordneten sowie das strikte Verbot der Fraktionsbildung gew\u00e4hrleisten die Geschlossenheit der DKP. In ihrem Ende 1984 nach dem Parteiengesetz ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht wies die DKP f\u00fcr 1983 Einnahmen in H\u00f6he von 17,8 Mio DM (1982: 16,4 Mio DM) aus, davon 6,5 Mio DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 8,7 Mio DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind sieben Einzelspenden von 20.000 DM und mehr mit einem Gesamtbetrag von 268.000 DM enthalten. Hier ist auch eine Einzelspende aus Coburg in Nordbayern in H\u00f6he von 100.000 DM aufgef\u00fchrt. Dar\u00fcberhinaus erbrachten die Parteimitglieder Sach-, Werkund Dienstleistungen in H\u00f6he von 5,6 Mio DM. 1983 sind f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern 934.923 DM (1982: 780.722 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern 848.256 DM (1982: 782.947 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen. Tats\u00e4chlich war sie aber auch 1984 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP 1984 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, ihre Nebenorganisationen und die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. wieder Zusch\u00fcse von mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.5 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr Zentralorgan \"Unsere Zeit - Die Zeitung der arbeitenden Menschen - Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien an Werktagen in einer Auflage von 25.000, die Wochenendausgabe am Freitag in einer Auflage von rund 48.000 Exemplaren. Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden jedoch nicht nur in UZ-Artikeln, sondern auch in zahlreichen Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1984 erschienen u.a. die Brosch\u00fcren \"Solidarit\u00e4t mit ausl\u00e4ndischen Arbeitern\", ein Forderungsprogramm der DKP, - \"F\u00fcr eine demokratische Kommunalpolitik - Die Finanznot der St\u00e4dte, Kreise und Gemeinden beheben - Vorschl\u00e4ge der DKP\", \"Aktionsprogramm '84 der DKP f\u00fcr Frieden und Arbeit\", \"10 gute Gr\u00fcnde f\u00fcr die 35-Stunden-Woche\" und der \"Kulturbrief '84 der DKP\". Zahlreiche Faltbl\u00e4tter, Handzettel und Kandidatenbriefe wurde im Hinblick auf die Kommunalwahlen am 18. M\u00e4rz 1984 ver\u00f6ffentlicht bzw. verteilt. Unter dem Titel \"Wir stimmen f\u00fcr die Friedensliste\" fa\u00dfte die DKP ihre Argumente zur Europawahl '84 in einer Brosch\u00fcre zusammen. Bundesweites Aufsehen erregte die Ver\u00f6ffentlichung des Taschenbuchs \"Das Milliardending\" im August 1984 durch den Verlag Pahl-Rugenstein. Zwei DKP-Funktion\u00e4re schildern dort die angebliche Subventionspraxis in einigen St\u00e4dten der Bundesrepublik; sie waren unter dem Deckmantel einer Scheinfirma mit einem angeblichen Investitionsvorhaben eines US-Konzerns an die betreffenden Stadtverwaltungen herangetreten. Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP auch ihren Kleinzeitungen bei. 1984 erschienen in Bayern \u00fcber 50 Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der 32","DKP-Kleinzeitungen Roter Rccthoofbote ZEITUNG DER DKP SULZSACH - ROSENBERG SCHUJABACH Grenzlandho OKTOBER-1984 33","DKP, viele allerdings nur gelegentlich. Neben bundesweiten Themen wie \"35-Stunden-Woche\", \"Arbeitslosigkeit\", \"Umweltschutz\", \"Waldsterben\" und \"Profit der Gro\u00dfunternehmen\" wurden in den Ausgaben auch \u00f6rtliche Probleme behandelt. Mit Schlagzeilen wie \"Roter Pfeffer ins Rathaus\" und \"DKP f\u00fcr ein gl\u00e4sernes Rathaus\" wurde im 1. Quartal 1984 in den Kleinzeitungen haupts\u00e4chlich Wahlagitation betrieben. An Betriebszeitungen, dem wichtigsten Propagandamittel der DKP-Betriebsgruppen, wurden 1984 39 bekannt. Etwa ein Drittel von ihnen erschien nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassen der Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand monatlich die Brosch\u00fcre \"infodienst\". Ferner gab er das \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" sowie viertelj\u00e4hrlich die Zeitschrift \"Praxis - Erfahrungen aus dem Leben und der Arbeit der Partei\" heraus. Der DKP-Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in Frankfurt a.Main gibt das gleichnamige Organ heraus, das alle zwei Monate erscheint. Seit seinem Bestehen publiziert der Verlag dar\u00fcber hinaus B\u00fccher zu Themen der marxistischen Theorie und Praxis. Neuerscheinungen im Jahr 1984 waren z.B. B\u00fccher mit Titeln wie \"Der Kommunismus in der sich ver\u00e4ndernden Welt\" und \"Marx ist Gegenwart, Materialien der Wissenschaftlichen Konferenz in Trier M\u00e4rz 1983\". Die DKP-beeinflu\u00dfte \"Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" hat das Ziel, mit Literatur als \"Waffe im Klassenkampf\" den Weg zum Sozialismus zu weisen. Der \"Arbeitsgemeinschaft\" geh\u00f6rten 1984 11 Verlage und rund 30 \"collektiv\"-Buchhandlungen an. In Bayern gibt es \"collektiv\"Buchhandlungen, die unter \"Libresso\"-Zentren firmieren, in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Die Verlage decken mit ihren periodischen Schriften und der sonstigen Literatur thematisch die \"Kampffelder\" der DKP, ihrer Nebenorganisationen und von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen ab. Die Plambeck & Co. Druck und Verlags GmbH in Neuss verlegt und druckt die UZ und die Mehrzahl aller Publikationen der Orthodoxen Linken. Seit der \u00dcbernahme des Damnitz-Verlags in M\u00fcnchen druckt sie auch die \"Literarische Vierteljahresschrift 'k\u00fcrbiskern' - Literatur, Kritik, Klassenkampf\" sowie \"tendenzen - Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst\". Zu den Herausgebern des \"k\u00fcrbiskern\" geh\u00f6ren DKP-Funktion\u00e4re. Dem Redaktionskollektiv der Zeitschrift \"tendenzen\" geh\u00f6ren ebenfalls DKP-Mitglieder, darunter ein Mitglied des Parteivorstands an. Ein weiterer Propagandatr\u00e4ger ist die UNIDOC-Film GmbH. Nach Angaben ihres Leiters, eines DKP-Funktion\u00e4rs, sieht sie es als \"wichtigste Zielsetzung\" an, \"die DKP in ihrem Kampf zu unterst\u00fctzen\". Das Verleihprogramm umfa\u00dft u.a. Filme zum \"politischen und sozialen Kampf in Westdeutschland\", zum \"Aufbau des Sozialismus\", zur \"internationalen Solidarit\u00e4t\" und \"gegen Faschismus und Krieg\". Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten Marx-Engels-Stiftung e.V. in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen, Publikationen und eine st\u00e4ndige Ausstellung \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Stiftungsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Mies. 34","2.2.6 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige Erkenntnisse zu vertiefen\". Die \"ideologische Arbeit der Partei\" mu\u00df, so forderte der DKP-Vorsitzende Mies auf dem 7. Parteitag, \"der Entwicklung der DKP als revolution\u00e4rer Partei der Arbeiterklasse - als Partei der Aktion, als einigende und geistig bewegende Kraft dienen\". Auf einer DKP-Konferenz zum Thema \"15 Jahre marxistische Arbeiterbildung - Methodik marxistischer Arbeiterbildung\" diskutierten die Teilnehmer \u00fcber \"neue Ans\u00e4tze f\u00fcr eine verst\u00e4rkte betriebsnahe marxistische Bildungsarbeit\". Dabei wurde deutlich, da\u00df die DKP st\u00e4rker als bisher marxistisch-leninistisches Gedankengut in die verschiedenen \"Bewegungen\" hineintragen will. Diesen Zielen sowie der Verwirklichung des Prinzips der kommunistischen Partei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die Intensivschulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) und der \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" sowie Kurse und Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An dieser Schule fanden 1984 zahlreiche einund zweiw\u00f6chige Grundund Speziallehrg\u00e4nge statt. Die eigens zur Schulung von Angeh\u00f6rigen der DKP eingerichtete SEDParteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1984 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKP-Funktion\u00e4re. Die Marxistische Arbeiterbildung - Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus\" (MAB) arbeitet mit Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offenstehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen Seminarplansammlung und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"wissenschaftlichen Sozialismus\", der Grundlage der gesamten marxistisch-leninistischen Doktrin. Bundesvorsitzender der MAB ist das DKP-Vorstandsmitglied Hans Schneider. Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" intensiv geschult. Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrung in die wichtigsten Bereiche des Marxismus-Leninismus zu geben. Neben der allgemeinen theoretischen Schulung wurde Betriebsarbeitern auch 1984 vor allem anhand aktueller Themen wie \"Friedensarbeit im Betrieb\", \"Mietstopp\" oder \"soziale Demontage\" in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -Seminaren die Anwendung der kommunistischen Ideologie erkl\u00e4rt. Die Seminare dienen zugleich dazu, in Fortbildungsveranstaltungen zu \"Imperialismustheorie\", \"Stamokap\" und \"kapitalistische Krise\" theoretische Kenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren. 35","Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das 1968 gegr\u00fcndete \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) in Frankfurt a.M. anzusehen. Leiter ist das DKP-Vorstandsmitglied Dr. Heinz Jung. MASCH und MAB haben gemeinsam mit dem IMSF die Aufgabe, \"die Theorie und Methode des wissenschaftlichen Sozialismus auf \u00f6konomische und soziale Prozesse des heutigen Kapitalismus\" anzuwenden. Im Mittelpunkt seiner T\u00e4tigkeit stehe die \"Untersuchung der objektiven und subjektiven Kampfbedingungen der Arbeiterklasse der Bundesrepublik Deutschland\". Die \"Marx-Engels-Stifung e.V.\" der DKP veranstaltete am 25. Februar 1984 im Wuppertaler \"Marx-Engels-Zentrum\" ein \"Internationales Symposium\" zum Thema \"Marxismus und nationale Politik\". Anla\u00df war das \"35-j\u00e4hrige Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR\". Der DKP-Parteivorstand setzte seine Ver\u00f6ffentlichungen zum Parteibildungsjahr 1983/84 mit dem Sonderheft \"Die DKP und die 35-Stunden-Woche\" fort, um \"Einsicht in den gesellschaftspolitischen Stellenwert des Kampfes um die 35-Stunden-Woche\" zu vermitteln: Da \"kapitalistisches Profitsystem\" und \"Politik der Hochr\u00fcstung\" die Ursachen der \"Massenarbeitslosigkeit\" seien, geh\u00f6rten gewerkschaftlicher Kampf um die 35-Stunden-Woche und \"Friedenskampf\" zusammen und richteten sich gegen denselben Gegner. F\u00fcr die Partei gelte es, den gewerkschaftlichen Kampf als \"Hebel zur Motivierung und Politisierung von Massen der Arbeiterklasse\" zu nutzen und immer mehr Arbeiter und Angestellte an die \"Erkenntnis der Notwendigkeit grundlegender gesellschaftlicher Ver\u00e4nderungen\" heranzuf\u00fchren. Zum Abschlu\u00df des Parteibildungsjahres 1983/84 er\u00f6rterten die DKP-Parteigruppen das Thema \"Die kommunistische Weltbewegung und das internationale Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis heute\". Das dazu ver\u00f6ffentlichte Bildungsheft des DKP-Parteivorstands enth\u00e4lt die Behauptung, f\u00fcr die Ver\u00e4nderung des Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisses zugunsten des Sozialismus sei von \"ganz ma\u00dfgeblicher Bedeutung\", da\u00df die Sowjetunion \"das ann\u00e4hernde milit\u00e4rische Gleichgewicht im Verh\u00e4ltnis zu den USA erringen und bewahren konnte\". Die \"Konfrontationspolitik des US-Imperialismus\" sei Ausdruck seiner \"historischen Defensive\". Die kommunistische Weltbewegung mit Parteien aus ann\u00e4hernd 100 L\u00e4ndern habe sich zur \"einflu\u00dfreichsten politischen Kraft\" entwickelt. Im neuen Parteibildungsjahr 1984/85 sollen die DKP-Mitglieder lernen, wie St\u00e4rke und Kampfkraft ihrer Partei erh\u00f6ht sowie deren Mitgliederzahl und Masseneinflu\u00df vergr\u00f6\u00dfert werden k\u00f6nnen. Das DKP-Pr\u00e4sidium stellte f\u00fcnf Themen heraus: \"Warum Mitglied der Deutschen Kommunistischen Partei?\", \"Wie sieht das sozialistische Ziel der DKP aus?\", \"Welchen Weg beschreiten wir zum Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland\"?, \"Welches sind die M\u00f6glichkeiten und Grenzen einer Verstaatlichung bei demokratischer Kontrolle?\" und \"Welches sind die demokratischen Organisationsgrunds\u00e4tze der DKP?\" 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP Die DKP ist auf dem Gebiet der Betriebsarbeit nach wie vor die f\u00fchrende extremistische Kraft. Der Betrieb ist f\u00fcr sie als \"Ort des allt\u00e4glichen Klassenkampfes\", des - wie Marx sagte - elementaren \"Guerillakrieges zwischen Kapital und Arbeit\" das \"wichtigste Kampffeld\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der 36","Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt dabei getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten wegen Arbeitszeit, Arbeitslohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". Dementsprechend versucht die DKP intensiv, in den Betrieben in besonderer Weise die Belange der Arbeitnehmerschaft zu \"vertreten\". Die DKP konzentriert sich dabei vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisierung und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten \"vereinigenden Faktor\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkt der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\". Nach Auffassung des DKP-Vorsitzenden Mies ist \"die Verankerung unserer Partei, die St\u00e4rkung und Aktivit\u00e4t unserer Betriebsgruppen in den Gro\u00dfund Konzernbetrieben das Kernst\u00fcck unserer Orientierung auf die Arbeiterklasse ... Es ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Kampfziel, in einem \u00fcberschaubaren Zeitraum, auch schon mit Blick auf den n\u00e4chsten Parteitag, zu erreichen, da\u00df in den meisten dieser Konzernund Gro\u00dfbetriebe wirkungsvolle kommunistische Arbeit geleistet wird.\" Zur Koordinierung und Aktivierung der Betriebsarbeit veranstaltete die DKP \u00fcber\u00f6rtliche Beratungen mit Betriebsarbeitern und Funktion\u00e4ren einzelner Wirtschaftszweige, wobei 1984 der Schwerpunkt bei der Stahlund Elektroindustrie sowie bei einzelnen Automobil-Konzernen lag. Tr\u00e4ger dieser Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Die herausgehobene Stellung der DKP-Betriebsgruppen zeigte bereits die Forderung des DKPVorsitzenden Mies auf der 6. Tagung des Parteivorstands: \"Die ganze Partei mu\u00df sich konsequent der Arbeiterklasse, der Arbeit in den Betrieben, der Aufgabe der weiteren St\u00e4rkung der Betriebsgruppen zuwenden\". Eine Entschlie\u00dfung des DKP-Parteivorstandes zur Vorbereitung des 7. Parteitags qualifizierte die Betriebsgruppen als \"Lebenszellen\" der Partei, \u00fcber die sie am engsten mit der Bev\u00f6lkerung verbunden sei. Die Betriebsgruppen wurden aufgefordert, die Gesamtsituation der Betriebsarbeit systematisch zu verbessern, zu festigen und neue Betriebsgruppen zu schaffen. Auf dem 7. Parteitag erkl\u00e4rte Mies dazu: \"Wir sehen es als Best\u00e4tigung der Richtigkeit der Linie der 6. Parteivorstandstagung an, da\u00df die Zahl unserer Betriebsgruppen bis Mitte vorigen Jahres um 14 % gestiegen ist. Wir k\u00f6nnen dem Parteitag weiter mitteilen, da\u00df rund 140 Betriebsaktive ihre Arbeit aufgenommen haben\". Solche \"Betriebsaktive\" sollen dort geschaffen werden, wo nach dem Parteistatut die Voraussetzungen f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Betriebsgruppe noch nicht gegeben sind. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebietsund Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebs alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben\" haben. Die wesentliche Aufgabe der Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend vertreten.\" So waren auch die Betriebsratswahlen 1984 ein weiterer wichtiger Faktor der betrieblichen Arbeit der DKP. Sie forderte, die \"Aktionseinheit der Arbeiterklas37","DKPBetriebszeitungen niai Dwieta Zeitung der Deutschen Kommunistischen Partei f\u00fcr Metaller ~ -fepJbu^Ber-1-, ES ROTATION% Zeitung def DKP-Betriebsgruppe Druckindustrie DKP-INFORMATIONEN aktuell BetriEbsfeitung der DKP, f\u00fcr die Metallbetriebe im Kreis Begensburg. Kommune Zeitung i i i da Aibeitet, ArgesleW\u00f6n i r d Beam*rt derStodi M I X J M I se\" durch gewerkschaftliche Einheit zu st\u00e4rken; dabei hob sie die \"unersetzliche Rolle\" der \"k\u00e4mpferischen, an den Klasseninteressen orientierten Betriebsr\u00e4te\" hervor. Der DKP-Bezirksvorsitzende von Ruhr-Westfalen erkl\u00e4rte in diesem Zusammenhang: \"Ein Kommunist als Betriebsrat ist nicht nur einfach ein Interessenvertreter, er ist auch in dieser Funktion ein Revolution\u00e4r\". Die Bedeutung der \"Aktionseinheit und Solidarit\u00e4t\" der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiterbewegung als \"Schl\u00fcssel zum Erfolg\" wurde auch auf der ersten zentralen Betriebsr\u00e4tekonferenz , der DKP am 1. Februar 1984 in K\u00f6ln hervorgehoben. Trotz dieser verst\u00e4rkten Bem\u00fchungen hat die DKP ihr Ziel, in allen Gro\u00dfbetrieben mit mehr als 1.000 Besch\u00e4ftigten eine Betriebsgruppe oder ein Betriebsaktiv zu schaffen, noch nicht erreicht. Derzeit bestehen im Bundesgebiet etwa 340 Betriebsgruppen. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen betrug wie im Vorjahr etwa 30. In erster Linie bestehen Betriebsgruppen in der Metallindustrie. Ferner bem\u00fchte sich die DKP verst\u00e4rkt, im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tige DKPMitarbeiter lokal zu \"Betriebsgruppen \u00f6ffentlicher Dienst\" zusammenzufassen, was in einigen St\u00e4dten gelungen ist. Au\u00dferdem d\u00fcrften inzwischen rund 25 \"Betriebsaktivs\" entstanden sein. 38","Um ihre Arbeit im Betrieb effektiver zu gestalten, setzt die DKP mit gro\u00dfem Engagement das Medium Betriebszeitung ein. Die Zahl der in Bayern bekanntgewordenen Betriebszeitungen erh\u00f6hte sich im Berichtszeitraum auf 39. Auf der \"Betriebszeitungskonferenz\" der DKP am 10./11. November 1984 in D\u00fcsseldorf bezeichnete der stellvertretende Parteivorsitzende Hermann Gautier die DKPBetriebszeitungen als eine der \"sch\u00e4rfsten Waffen der politischen, ideologischen und \u00f6konomischen Aufkl\u00e4rungsarbeit\", als eine \"besondere Form der Betriebsagitation\". Da \"der Betrieb das wichtigste Feld des Klassenkampfes\" bleibe, komme diesen Zeitungen eine \"zentrale Bedeutung\" zu. Die \"betriebliche Agitation\" m\u00fcsse einerseits der konkreten Interessenvertretung der gesamten Belegschaft entsprechen, andererseits \"politisches und sozialistisches Bewu\u00dftsein in die Arbeiterklasse tragen\". Als Argumentationshilfe und zur gezielten Verbreitung in Betrieben erscheint seit Herbst 1983 eine Brosch\u00fcrenreihe des \"Instituts f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen\" (IMSF) unter dem Titel \"Durchblick\". Die Hefte sollen bei aktuellen Themen (z.B. \"35-StundenWoche - Notwendigkeit oder Utopie?\") \"popul\u00e4r und wissenschaftlich fundierte\" Hintergr\u00fcnde und \"gesellschaftsver\u00e4ndernde Perspektiven\" aufzeigen und damit zur \"Entwicklung von Klassenbewu\u00dftsein\" beitragen. Die \u00fcber 300 Betriebsgruppen der DKP wurden angewiesen, unter dem Motto \"Arbeit und Moneten statt Raketen\" auch \"betriebliche Friedensinitiativen\" zu gr\u00fcnden. 2.2.8 Beteiligung an Wahlen Die DKP beteiligte sich an den Kommunalwahlen in Bayern am 18. M\u00e4rz 1984 mit 538 Kandidaten. Sie stellte sich in 18 von 25 kreisfreien St\u00e4dten f\u00fcr den Stadtrat und in 9 von 71 Landkreisen f\u00fcr den Kreistag zur Wahl. Au\u00dferdem stellte sie 7 Oberb\u00fcrgermeister-, 7 Landratsund 2 B\u00fcrgermeisterkandidaten auf. Gemeinsame Wahlvorschl\u00e4ge der DKP mit anderen W\u00e4hlergruppen wurden zu den Stadtratswahlen in Schwandorf (DKP/Liste alternativer W\u00e4hler - LAW - Frischer Wind) und in W\u00fcrzburg (W\u00fcrzburger Alternative Liste-WAL-DKP) eingereicht. Zu einer Listenverbindung kam es in M\u00fcnchen zwischen DKP und Demokratischen Sozialisten (DS). Von der DKP angestrebte B\u00fcndnisse mit Gr\u00fcnen und Liberalen Demokraten konnten nicht erreicht werden. Der Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD gab ein Wahlempfehlung auch zugunsten der DKP ab. Das gemeinsame Wahlprogramm der DKP f\u00fcr Nordund S\u00fcdbayern stand unter dem Schlagwort \"Roter Pfeffer ins Rathaus\". Gegen\u00fcber den vorangegangenen Wahlen wurde der Wahlkampf sehr aktiv und mit hohem Einsatz gef\u00fchrt. Die Anzahl der Wahlveranstaltungen und die \u00f6ffentliche Plakatierung \u00fcbertrafen den Umfang der zuletzt gef\u00fchrten Wahlk\u00e4mpfe. Dennoch konnte die DKP ihren Stimmenanteil gegen\u00fcber 1978 nicht halten. Sie mu\u00dfte deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Nach dem vom Landesamt f\u00fcr Statistik und Datenverarbeitung erstellten gewichteten Wahlergebnis erzielte die DKP bei den Stadtratswahlen in den kreisfreien St\u00e4dten mit 8.654 g\u00fcltigen Stimmzetteln einen Prozentanteil von 0,6 deg/o (1978: 15.123 Stimmzettel, 0,9 %). 39","Arbeitspl\u00e4tze und Wohnungen statt Raketen Bei den Kreistagswahlen hatte die DKP 1.723 g\u00fcltige Stimmzettel (0,0 %) gegen\u00fcber 3.894 (0,1 %) im Jahre 1978. In N\u00fcrnberg wurde Herbert Stiefvater (1,6 %; 1978: 1,9 %) wieder in den Stadtrat gew\u00e4hlt. Werner Riedel konnte in F\u00fcrth sein Mandat nicht halten; damit ist die DKP im F\u00fcrther Stadtrat nicht mehr vertreten. Dagegen konnte die DKP in den Gemeinden Ergoldsbach, Landkreis Landshut, mit Franz Lori und K\u00f6sching, Landkreis Eichst\u00e4tt, mit Richard Scheringer jr. ihre bisherigen Mandate in den Gemeinder\u00e4ten verteidigen. Erstmals errang die DKP in Schwandorf \u00fcber den gemeinsamen Wahlvorschlag \"DKP/Liste alternativer W\u00e4hler - LAW - Frischer Wind\" ein Mandat. Gew\u00e4hlt wurde der DKP-Funktion\u00e4r Helmut Orlowski mit 4,6 % der g\u00fcltigen Stimmen. 40","In M\u00fcnchen entfielen auf den Oberb\u00fcrgermeisterkandidaten der DKP Horst Bergmann 0,4 % der Stimmen (1978: 0,6 deg/o f\u00fcr Hans Schneider). Bei der Europawahl war die DKP an der \"Friedensliste\" beteiligt. Diese wurde unter ma\u00dfgebender Mitwirkung der DKP gegr\u00fcndet und will sich in Zukunft regional und \u00fcberregional zur Wahl stellen. 2.2.9 Sonstige Aktivit\u00e4ten Bislang nicht genannte Aktivit\u00e4ten der DKP bezogen sich insbesondere auf folgende Agitationsschwerpunkte: \"Sozialabbau\" und \"Rotstiftpolitik\", \"Ausl\u00e4nderdiskriminierung\", Frauenpolitik, neue Technologien und Medien. Parteiintern stand eine verst\u00e4rkte Mitgliederwerbung im Vordergrund. Ein H\u00f6hepunkt der Parteiarbeit war der 7. Parteitag vom 6. bis 8. Januar 1984 in N\u00fcrnberg. Er stand unter dem Motto: \"Der Frieden mu\u00df siegen! Jetzt erst recht: Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen!\". Daran nahmen 651 ordentliche Delegierte und 127 Gastdelegierte sowie Vertreter von kommunistischen Parteien und \"nationalen Befreiungsbewegungen\" teil. Abordnungen entsandten die DKPNebenorganisationen und die DKPbeeinflu\u00dften Organisationen. Die DKP stellte sich auch auf diesem Parteitag unver\u00e4ndert als disziplinierte und geschlossene, der KPdSU und SED ergebene marxistisch-leninistische Partei dar. Im Vordergrund standen Aussagen der Partei zum \"Willk\u00fcrakt der Raketenstationierung\", zur Durchsetzung des \"Rechts auf Arbeit\" und zum \"Kampf gegen die Wende nach rechts!\". Der Beginn des neuen Lehrund Schuljahres 1984/85 war f\u00fcr die DKP auch in diesem Jahr wiederum Anla\u00df zur Agitation gegen \"Rotstiftpolitik und Lehrstellenl\u00fcge\". Die DKP N\u00fcrnberg verteilte kleine Schult\u00fcten und lud zu einem \"Solidarit\u00e4tsfest\" ein. Eine Frauenwoche der DKP fand in M\u00fcnchen im Hans-BeimlerZentrum in der Zeit vom 8. bis 10. Februar 1984 statt. Die Veranstaltungen umfa\u00dften Filmvorf\u00fchrungen, Diskussionen und Vortr\u00e4ge. Unter dem Motto \"Kampf f\u00fcr Frieden und Gleichberechtigung, f\u00fcr St\u00e4rkung der Partei und der demokratischen Frauenbewegung\" fanden im Rahmen des \"Internationalen Frauentages\" vom 8. bis 16. M\u00e4rz in mehreren St\u00e4dten Bayerns Informationsaktionen, Versammlungen und Kundgebungen statt, die \u00fcberwiegend von der DKP veranstaltet wurden. In einer zum \"Internationalen Frauentag\" herausgegebenen Brosch\u00fcre erkl\u00e4rte die DKP, \"die revolution\u00e4re Arbeiterbewegung habe stets den Forderungen der Frauen und ihrer Organisationen gro\u00dfe Bedeutung beigemessen\". Am 6. Mai 1984 veranstaltete die DKP in D\u00fcsseldorf mit ausl\u00e4ndischen Arbeitern eine zentrale Konferenz unter dem Motto \"DKP und ausl\u00e4ndische Arbeiter - gemeinsam gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit, gleiche Rechte f\u00fcr ausl\u00e4ndische Arbeiter\". Dabei verurteilte das Mitglied des Pr\u00e4sidiums und Sekretariats der DKP Werner Cieslak die von der Bundesregierung beabsichtigte Novellierung des Ausl\u00e4ndergesetzes als \"Entm\u00fcndigung und Diskriminierung der ausl\u00e4ndischen Kollegen\"; der Kampf hiergegen sei eine \"Schl\u00fcsselfrage demokratischer Gegenwehr f\u00fcr alle Werkt\u00e4tigen\". Auf einer Pressekonferenz am 20. September in Bonn protestierte die DKP gegen die \"akut drohende Versch\u00e4rfung des Ausl\u00e4nderrechts\". Die Regierung wolle sich mit ihrer \"menschenverachtenden 41","\"Politik\" den Kn\u00fcppel zimmern, um alle Ausl\u00e4nder, die nicht oder nicht mehr zum Arbeiten gebraucht werden, aus der Bundesrepublik zu entfernen\". Die Ursache der Arbeitslosigkeit liege aber nicht in der Anwesenheit ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer, sondern allein in den \"Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Kapitalismus\". Aus dieser Aussage der DKP geht hervor, da\u00df sie die Kampagne gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit nur als Plattform f\u00fcr die Verfolgung ihres entscheidenden Zieles, der revolution\u00e4ren Ver\u00e4nderung des politischen Systems, benutzt. Die DKP beteiligte sich mit Gruppen der Neuen Linken und linksextremen Ausl\u00e4nderorganisationen an einem \"Marsch gegen Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\". Vom 29. September bzw. 1. Oktober bis 13. Oktober fuhr je ein Autokonvoi von M\u00fcnchen und Berlin nach K\u00f6ln. Dabei wurden in 50 St\u00e4dten Veranstaltungen abgehalten. Die DKP-Bezirksvorst\u00e4nde Nordund S\u00fcdbayern riefen in einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung dazu auf, beim Volksentscheid im Juni 1984 der \u00c4nderung der Bayerischen Verfassung zuzustimmen; denn eine gesunde Umwelt k\u00f6nne es nur geben, wenn die Macht der Verursacher und gro\u00dfen Konzernen eingeschr\u00e4nkt werde. 42","Am 7. Juli 1984 veranstaltete die DKP in D\u00fcsseldorf eine \"medienpolitische Beratung\", an der nach Angaben der UZ etwa 50 \"Kolleginnen und Kollegen\" von \"Rundfunk und Fernsehen ..., aus gro\u00dfen Verlagsh\u00e4usern ..., von DKPBetriebsgruppen, Medienwissenschaftler, Filmemacher und Postler\" teilnahmen. Dabei sprach sich der stellvertretende DKP-Vorsitzende Gautier zwar f\u00fcr eine Weiterentwicklung der Kommunikationstechnik aus, betonte aber, ihre positiven oder negativen Auswirkungen hingen ausschlie\u00dflich von der jeweiligen Verf\u00fcgungsgewalt ab. So nehme gegenw\u00e4rtig die Bedeutung neuer Technologien als \"Instrument imperialistischer Herrschaftsaus\u00fcbung\" nach innen und au\u00dfen zu. Auf einer \"Technologie-Konferenz\" der DKP am 17. November 1984 in Gie\u00dfen \u00fcber die Rolle des technischen Fortschritts unter kapitalistischen Bedingungen forderte der DKP-Betriebsgruppenvorsitzende eines gro\u00dfen, in Bayern ans\u00e4\u00dfigen Konzerns eine st\u00e4rkere \"Zusammenarbeit mit Angeh\u00f6rigen der wissenschaftlich-technischen Intelligenz\". Der technologische Wandel bringe auch diesen \"pers\u00f6nlichen Abstieg\" und Arbeitslosigkeit. Solche Kollegen seien weniger \"Sozialpartnerschaftsideologien\" verhaftet und daher eher f\u00fcr den \"gemeinsamen Kampf\" ansprechbar. In \u00e4hnlicher Weise \u00e4u\u00dferte sich auch das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Werner Cieslak. Stephan Voets, Referent des DKPParteivorstandes, f\u00fchrte aus, da\u00df die wissenschaftlich-technischen Errungenschaften f\u00fcr die Kriegsf\u00fchrungsund Konfrontationsstrategie der NATO mi\u00dfbraucht w\u00fcrden. Im Zusammenhang mit den \"Solidarit\u00e4tsaktionen\" f\u00fcr Nicaragua veranstaltete die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern am 14. Dezember in M\u00fcnchen ein \"Solidarit\u00e4tsfest\", an dem ann\u00e4hernd 250 Personen teilnahmen. 2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt. Zahlreiche Arbeitsgespr\u00e4che zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren sicherten auch 1984 die Kontrolle der SED \u00fcber die DKP. Daf\u00fcr ist die sogenannte \"Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED verantwortlich. Den Bezirksorganisationen der DKP sind jeweils Bezirksorganisationen der SED als \"Patenbezirke\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKPBezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKPBezirksorganisation S\u00fcdbayern der SEDBezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller \"Kampfaufgaben\" wird allj\u00e4hrlich zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit treffen. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1984 in h\u00e4ufigen Reisen von DKPFunktion\u00e4ren und -Mitgliedern in die DDR. Umgekehrt wurde eine gro\u00dfe Zahl einreisender \"DDR-Reisekader\" - allein nach Bayern etwa 300 - festgestellt. Diese sind Funktion\u00e4re, die im Rahmen der \"Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den Reisekadern z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und sogenannter DDRMassenorganisationen, die Kontakte zur DKP und den ihr nahestehenden Organisationen durch Gespr\u00e4che und Vortr\u00e4ge pflegen, auch Wissenschaftler, die neben ihrem eigentlichen beruflichen 43","Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Die DDR-Reisekader haben \u00fcber Reiseverlauf und Gespr\u00e4che ausf\u00fchrliche Berichte anzufertigen, die von der SED und dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS) der DDR ausgewertet werden Am 10. September trafen in Berlin (Ost) Mitglieder des DKP-Pr\u00e4sidiums und Spitzenfunktion\u00e4re der SED zusammen. Dabei erzielten die Gespr\u00e4chspartner \"volle \u00dcbereinstimmung von SED und DKP\", da\u00df angesichts der \"v\u00f6lkerbedrohenden atomaren Hochr\u00fcstungspolitik der USA und der NATO\" zur Sicherung des Friedens das \"breitestm\u00f6gliche B\u00fcndnis\" geschaffen werden m\u00fcsse. Weitere Unterst\u00fctzungen gew\u00e4hrt die SED der DKP dadurch, da\u00df sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung, F\u00f6rderung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellt. Hierzu z\u00e4hlen auch die Ferienaktionen der DKP-Nebenorganisation Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) \"Wir fahren in ein kinderfreundliches Land\". F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SED-Archiven aufbewahrt, insbesondere Kaderunterlagen der DKPMitglieder. Den gegenseitigen Kontakten dienten auch etwa 100 erkannte gemeinsame Reisen von DKP-Mitgliedern und -Sympathisanten aus Bayern in die DDR. Diese Reisen sollen \"Vorurteile\" gegen\u00fcber dem \"realen Sozialismus\" abbauen und den Teilnehmern einen Einblick in den \"Sozialismus konkret\" erm\u00f6glichen. Die DKP hatte auf ihrem 7. Parteitag den Einsatz von Referenten aus der DDR bei \u00f6ffentlichen Veranstaltungen als wirksames Instrument zur \"\u00fcberzeugenden Darstellung des realen Sozialismus\" bezeichnet. Die DKPBezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern f\u00fchrten dementsprechend vom 26. November bis 1. Dezember unter dem Motto \"Sozialismus konkret - 35 Jahre DDR\" in mehreren St\u00e4dten Informationsund Diskussionsforen mit Referenten aus der DDR durch. Nach Angaben der kommunistischen Presse kamen etwa 7.000 Besucher zu den \u00fcber 100 Veranstaltungen, bei denen auch mehrere Kulturgruppen aus der DDR auftraten. Die Redner - \u00fcberwiegend Funktion\u00e4re der \"Akademie f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften\" und des \"Instituts f\u00fcr Internationale Politik und Wirtschaft der DDR\" (IPW) sprachen \u00fcber die \"Friedenspolitik der DDR\" und die \"Ergebnisse des sozialistischen Aufbauwerks\". 2.2.11 Die \"kulturelle Westarbeit\" der SED Im ideologischen Klassenkampf, bei dem Versuch, das Bewu\u00dftsein der Arbeiter und anderer \"nichtmonopolistischer\" Kr\u00e4fte zu beeinflussen, messen orthodoxe Kommunisten der \"Kulturarbeit\" hohen ideologischen Wert bei. Sie verbinden mit der Kulturarbeit das Ziel, die \"kulturellen Errungenschaften des Sozialismus\" bekanntzumachen und so die ideologische Offensive des Sozialismus zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig sind die Bem\u00fchungen darauf gerichtet, das \"B\u00fcndnis mit den Kr\u00e4ften einer demokratischen und sozialistischen Kultur in den L\u00e4ndern des Kapitals zu vertiefen und einen unvers\u00f6hnlichen Kampf gegen die reaktion\u00e4re b\u00fcrgerliche Ideologie und die imperialistische Kultur zu f\u00fchren\". 44","Die kulturelle \"Westarbeit\" der SED, die der politischen Unterst\u00fctzung der DKP und der Selbstdarstellung der DDR dient, besteht vor allem in der Entsendung zahlreicher, teilweise namhafter Theater-, Musikund Kleinkunstensembles zu Veranstaltungen der DKP und ihrer Nebenorganisationen, aber auch in engen Beziehungen zwischen Verlagen in der DDR und kommunistischen Verlagen in der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Zusammenhang ist auch die \"Marx-Engels-Ausstellung\" zu erw\u00e4hnen, die das Museum f\u00fcr Deutsche Geschichte der DDR dem MarxEngels-Zentrum der DKP in Wuppertal als Dauerleihgabe zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Mehrfach fanden in den LibressoBuchhandlungen - vornehmlich in M\u00fcnchen - Buchbesprechungen, Vortr\u00e4ge und Literaturgespr\u00e4che mit Pers\u00f6nlichkeiten der DDR-Kulturszene statt. Musikalische H\u00f6hepunkte der kulturellen Westarbeit sind die \"Arbeiterkonzerte\" der DKP. So trat z.B. die Hallesche Philharmonie (DDR) in der Meistersingerhalle in N\u00fcrnberg am 28. November 1984 vor rund 700 Zuh\u00f6rern auf. Die DKP sieht ihre Arbeiterkonzerte als \"eine politische Demonstration gegen das Bildungsprivileg der Herrschenden\". Im Dezember 1984 besprach eine DKP-Delegation in der DDR mit dem ZK der SED die \"kulturelle Westarbeit\" f\u00fcr das Jahr 1985. Von dieser \"kulturellen Westarbeit\" sind andere, auch kommerzielle, kulturelle Aktivit\u00e4ten zu unterscheiden, die ohne unmittelbaren Bezug zur DKP von der DDR durchgef\u00fchrt werden. 2.2.12 Internationale Kontakte der DKP \u00dcber die traditionellen Verbindungen zur Mutterpartei KPdSU und zur Bruderpartei SED hinaus vertiefte die DKP auch 1984 ihre freundschaftlichen Beziehungen zu anderen kommunistischen Parteien durch gegenseitige Besuche, Treffen und bei internationalen Gro\u00dfveranstaltungen kommunistischer Parteien. Die DKPund SED-Pressemeldungen stellten derartige Begegnungen besonders heraus. Anl\u00e4\u00dflich des 7. Parteitages der DKP entsandten 35 Bruderparteien Delegationen nach N\u00fcrnberg. Die Delegation der KPdSU wurde vom Politb\u00fcromitglied und Sekret\u00e4r des ZK der KPdSU Grigorij Romanow angef\u00fchrt. Am Rande der Beisetzungsfeierlichkeiten f\u00fcr den Generalsekret\u00e4r des Zentralkomitees der KPdSU Juri Andropow f\u00fchrten DKP-Politiker im Februar 1984 in Moskau zahlreiche Gespr\u00e4che. Im ZK der KPdSU wurde im Juli bei einer Begegnung zwischen DKP-Pr\u00e4sidiumsmitgliedern und dem nunmehrigen Generalsekret\u00e4r des Zentralkomitees der KPdSU Michail Gorbatschow die Solidarit\u00e4t der KPdSU mit dem Kampf der DKP bekr\u00e4ftigt. Im Mai hatte die DKP-S\u00fcdbayern eine KPdSU-Delegation zum Gedenken an den \"Tag der Befreiung vom Faschismus\" eingeladen. Die Delegation stand unter der Leitung des Ersten Sekret\u00e4rs des Gebietskomitees von Nowosibirsk. Auf Einladung der sowjetischen Gewerkschaften organisierte die DKP vom 13. bis 26. Juli unter der Losung: \"F\u00fcr Frieden und Arbeit - Freundschaft mit der Sowjetunion\" den \"Arbeiterzug '84.\" Unter Leitung des Mitglieds des Pr\u00e4sidiums und Sekretariats der DKP Karl Heinz Schr\u00f6der nahmen an der Reise \u00fcber 300 Personen teil, darunter nach Angaben der Veranstalter etwa zwei Drittel DKP-Mitglieder und ein Drittel \"Sozialdemokraten, Demokratische Sozialisten, 45","Gr\u00fcne und parteilose Arbeiterinnen und Arbeiter, Vertrauensleute, Betriebsr\u00e4te und andere Gewerkschafter\". Von Moskau aus besuchten die Teilnehmer in zw\u00f6lf Gruppen jene Gebiete der Sowjetunion, zu denen die DKPBezirksorganisationen \"partnerschaftliche Beziehungen\" pflegen. Eine \"Friedenskundgebung\" am Abend des 23. Juli 1984 in Wolgograd bildete den \"abschlie\u00dfenden H\u00f6hepunkt\". Die Teilnehmer des \"Arbeiterzuges\" verabschiedeten einen \"Friedensappell aus Wolgograd\", mit dem sie u.a. eine von \"Erstschlagwaffen\" freie Bundesrepublik forderten. Im Oktober/November fanden Gespr\u00e4che mit hochrangigen Funktion\u00e4ren der KPdSU statt. Die Delegation aus der Sowjetunion nahm in Ludwigshafen auch an den Feierlichkeiten der DKP aus Anla\u00df des 67. Jahrestages der \"Gro\u00dfen Sozialistischen Oktoberrevolution\" teil. Im Gegenzug reiste der DKP-Vorsitzende Mies mit einer Abordnung der DKP zu den Feierlichkeiten aus Anla\u00df der Oktoberrevolution nach Moskau. 46","Auf Einladung der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei kam es im Februar 1984 in Prag zwischen dem DKP-Vorsitzenden Mies und ZK-Sekret\u00e4r Bilak zu einem Informationsund Gedankenaustausch \u00fcber die internationale Lage und Fragen der kommunistischen Bewegung. Im Februar veranstaltete der DKP-Parteivorstand einen Empfang zu Ehren einer vietnamesischen Gastdelegation. Dabei sicherte der stellvertretende Vorsitzende der DKP Gautier den Vietnamesen die Solidarit\u00e4t der deutschen Kommunisten. Der Aufenthalt in Rom anl\u00e4\u00dflich der Beerdigung des verstorbenen Generalsekret\u00e4rs des ZK der Kommunistischen Partei Italiens Enrico Berlinguer bot Mitgliedern des DKP-Parteivorstandes Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch zum Thema \"Kampf f\u00fcr Frieden und Freiheit\" mit Vertretern von Bruderparteien. 2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1984 in ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien. Sie ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP). 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie hat bundesweit etwa 15.000 Mitglieder. In Bayern hat sich die Mitgliederzahl nicht unwesentlich erh\u00f6ht und lag Ende 1984 etwa bei 1.150 (1983 etwa 1.050). Ein Teil der Mitglieder geh\u00f6rt gleichzeitig der DKP oder von der DKP beeinflu\u00dften Organisationen an. Die SDAJ ist nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und zugleich die bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine \"sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1984 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Sprachrohr der SDAJ ist \"elan - das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von etwa 30.000 Exemplaren. In Bayern wurden 1984 20 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt, davon 9 Betriebszeitungen (1983 13 Kleinzeitungen, davon 3 Betriebszeitungen). 47","Am 10./11. November 1984 fanden in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg die Landeskonferenzen der SDAJ S\u00fcdbayem und Franken/Oberpfalz statt. Die SDAJ hielt am 15./16. Dezember 1984 in Bottrop unter dem Motto: \"Leben hei\u00dft k\u00e4mpfen! Lehrstellen her! Arbeit statt Raketen! Gemeinsam gegen rechts! Mach mit in der SDAJ!\" ihren 8. Bundeskongre\u00df ab. Unter den 757 Delegierten befanden sich auch rund 60 aus Bayern. Als zentrales Dokument des Kongresses wurde ein \"Aktionsprogramm f\u00fcr die Grundrechte der Jugend\" verabschiedet. Zur neuen Bundesvorsitzenden der SDAJ w\u00e4hlte der Bundesvorstand Birgit Radow, zu ihrem Stellvertreter Hans Georg Eberhard. Der langj\u00e4hrige Vorsitzende Werner St\u00fcrmann \u00fcbernimmt eine Aufgabe in der DKP. Unter den zahlreichen G\u00e4sten aus dem Inund Ausland befand sich auch der DKP-Vorsitzende Mies. In seiner Gru\u00dfrede an den Kongre\u00df sagte er: \"Der Kampf der SDAJ ist ein Kampf, der sich lohnt. Wer daran teilnimmt, der bewegt Jugend in die richtige Richtung\". Die SDAJ ist in Bayern in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten. Auch beim Deutschen Bundesjugendring fand sie nach wie vor keine Aufnahme. Sie ist jedoch eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ) und pflegt vor allem mit der Freien Deutschen Jugend (FDJ) der DDR und der sowjetischen Jugendorganisation Komsomol \"freundschaftliche Verbundenheit\". Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Mitglieder 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 1400 1200 1000 , ^^~ ^ - , , _ ,i ^ 800 ~2^~ 600 ^ T 400 --\"y/ 200 ~ S ^ ^ Am 29. Juli 1984 empfing ein Mitglied des Politb\u00fcros und Sekret\u00e4r des ZK der SED in Berlin (Ost) den seinerzeitigen SDAJ-Bundesvorsitzenden und DKPFunktion\u00e4r Werner St\u00fcrmann. Eine Abordnung der SDAJ nahm vom 19. Juli bis 1. August 1984 an einem internationalen Freundschaftslager der FDJ am Scharm\u00fctzelsee/DDR teil, das unter Beteiligung weiterer kommunistischer Jugendorganisationen aus westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern stattfand. Die Vertreterin der SDAJ erkl\u00e4rte auf dem Treffen, die SDAJ werde ihre Kampagne \"Lehrstellen her! Arbeit statt Raketen! fortf\u00fchren, bis die R\u00fcstungsausgaben gek\u00fcrzt und diese Mittel zur L\u00f6sung brennender sozialer Probleme im Jugendbereich eingesetzt seien. 48","Umgekehrt nahmen Angeh\u00f6rige der FDJ der DDR als G\u00e4ste an den traditionellen Pfingstcamps der SDAJ teil. Vom 17. bis 31. August 1984 bereisten rund 300 Jugendliche der SDAJ und des MSB-Spartakus die UdSSR. Der Freundschaftszug stand unter dem Motto: \"Wir besuchen das Festivalland Sowjetunion\". Stationen waren Moskau, Odessa, Charkow und Kiew. Eine SDAJ-Delegation unter Leitung von Werner St\u00fcrmann \u00fcberbrachte der IX. Landeskonferenz des Sozialistischen Jugendverbandes Karl Liebknecht (Jugendorganisation der Sozialistischen Einheitspartei West-Berlin -SEW-) die vom 23. bis 25. September 1984 in Berlin (West) tagte, \"herzliche und br\u00fcderliche Kampfesgr\u00fc\u00dfe\". F\u00fcr beide Verb\u00e4nde sei die Verhinderung der Stationierung neuer US-Raketen \"die politische Aufgabe Nummer Eins\". An den Feierlichkeiten zum 35. Jahrestag der Gr\u00fcndung der DDR beteiligten sich aus Bayern zahlreiche SDAJ-Angeh\u00f6rige. Rund 50 Personen aus dem s\u00fcdbayerischen Raum reisten nach Gera; eine Delegation aus Nordbayern fand sich in Suhl ein. Vom 8. bis 11. Juni 1984 f\u00fchrten die SDAJ-Landesverb\u00e4nde S\u00fcdbayern und Franken/Oberpfalz ihre traditionellen Pfingstcamps durch, an denen sich rund 1.000 Personen, vorwiegend Jugendliche, beteiligten. Der Landesverband S\u00fcdbayern hatte sein Camp in Rott, Landkreis Landsberg a. Lech, der Landesverband Franken/Oberpfalz in Dippoldsberg bei Langenzenn, Landkreis F\u00fcrth, aufgebaut. Hauptthemen der Veranstaltungen mit Sport, Spiel, Musik und Diskussion waren der \"Kampf der Friedenskr\u00e4fte gegen die US-Erstschlags-Raketen\" und die \"35-Stunden-Woche\". F\u00fcr den Kampf gegen die \"US-Bedrohung\" in Nicaragua fanden Geldsammlungen statt. Auf der Wahrburg - Gut Wahrberg in Aurach, Landkreis Ansbach, befindet sich die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte der SDAJ-Mitglieder, die auch von der DKP und den JP genutzt wird. 1984 fanden dort zahlreiche, meist einw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Gruppenleiter und -leiterinnen statt mit Themen wie \"Das kommunistische Manifest\", \"Unser revolution\u00e4rer Weg\", \"Einf\u00fchrung in die politische \u00d6kologie\", \"SDAJ-Arbeit an der Schule\" und \"SDAJ-Arbeit im Stadtteil\". Vom 12. bis 19. August 1984 wurde dort das 8. Victor-Jara-T reffen durchgef\u00fchrt, an dem sich rund 150 \"fortschrittliche\" K\u00fcnstler, Liedermacher und Kulturinteressierte beteiligten. An einer Diskussion \u00fcber \"Kulturpolitik in der DDR\" nahmen auch zwei Vertreter der Freien Deutschen Jugend (FDJ) teil. Bei der Abschlu\u00dfveranstaltung sammelten die Teilnehmer rund 1.500,DM f\u00fcr Nicaragua. Ebenfalls auf Gut Wahrberg veranstaltete der SDAJLandesverband Franken/Oberpfalz vom 26. bis 31. August 1984 ein Sommercamp mit rund 50 Teilnehmern. Ein weiteres Sommercamp wurde vom 24. bis 26. August bei Altmannstein, Landkreis Eichst\u00e4tt, durchgef\u00fchrt. Die propagandistischen Aktionen der SDAJ befa\u00dften sich 1984 schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit der Jugendarbeitslosigkeit, der Arbeitszeitverk\u00fcrzung, der Schaffung eines Lehrstellengesetzes, der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit und dem Stopp der Raketenstationierung in der Bundesrepublik Deutschland. Ziel der SDAJ ist es, mit diesen Kampagnen neue Mitglieder zu gewinnen. 49","Am 23. Januar versammelten sich Anh\u00e4nger der SDAJ vor dem Meldeund Postamt N\u00fcrnberg zu einer \"Mahnwache\", um gegen die drohende Ausweisung einer t\u00fcrkischen Staatsangeh\u00f6rigen zu protestieren. Am 13. M\u00e4rz verteilten SDAJ-Angeh\u00f6rige in der Vorhalle des Rathauses in Kaufbeuren Flugschriften und zeigten Schautafeln und Plakate, die auf die \"Lehrstellenmisere\" hinwiesen. Sie forderten ein Lehrstellengesetz, in dem eine \"Lehrstellengarantie\" festgeschrieben werden sollte. Mit einer Plakataktion in verschiedenen St\u00e4dten Bayerns und einer Lehrstellenstafette durch S\u00fcdostbayern forderte die SDAJ die Einf\u00fchrung der 35-StundenWoche und ein Lehrstellengesetz. Nach Auffassung der SDAJ sollen in diesem Gesetz das \"Recht auf eine Lehrstelle\", eine \"Ausbildungsabgabe f\u00fcr \u00f6ffentliche Ausbildungszentren\", eine \"Subventionskontrolle der Betriebe\" und die \"Meldung von Lehrstellen an die Arbeits\u00e4mter\" festgeschrieben werden. Im Rahmen ihrer Lehrstellenkampagne richtete die SDAJ ferner einen \"Appell\" an alle demokratischen Jugendverb\u00e4nde und Parteien \"links von der Rechtsregierung\". Darin rief sie dazu auf, \"jetzt mit vielf\u00e4ltigen und gemeinsamen Aktionen f\u00fcr die Schaffung von Ausbildungspl\u00e4tzen, f\u00fcr eine gesetzliche Ausbildungspflicht ..., zu k\u00e4mpfen\". An der Adressierung dieses Aufrufs ist erkennbar, da\u00df sich die SDAJ in die B\u00fcndnispolitik der DKP einreiht. Seit Januar agitiert die SDAJ gegen das inzwischen verabschiedete Jugendarbeitsschutzgesetz, insbesondere die vorgesehene Neuregelung des Arbeitszeitbeginns f\u00fcr bestimmte Berufe. Die SDAJ rief in der April-Ausgabe ihres Organs \"elan - das Jugendmagazin\" zur regen Beteiligung an den \"Osterm\u00e4rschen\" und der f\u00fcr den 17. Juni geplanten \"Volksbefragung\" zur Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen sowie zur Solidarit\u00e4t mit Nicaragua auf. F\u00fcr die SDAJ bleibe die Einheit der \"Friedensbewegung\" und ihre Konzentration auf das Nein zu den US-Atomraketen weiterhin die entscheidende Frage. Die SDAJ erkl\u00e4rte hierzu, sie wolle die Abstimmungskampagne \"das ganze Jahr \u00fcber\" durchf\u00fchren und den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten auf Gymnasien und Fachoberschulen legen. Im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen verbreitete die SDAJ in M\u00fcnchen eine Wahlzeitung, in der sie ihre Kanditaten zur Stadtratswahl am 18. M\u00e4rz 1984 vorstellte. Unter dem Motto \"Frieden schaffen, Lehrstellen her, Nazis raus aus unserer Stadt! Es bleibt dabei - M\u00fcnchen atomwaffenfrei!\" warb die SDAJ f\u00fcr die Liste der DKP; denn nur die DKP mache Politik gegen die \"Bosse\", f\u00fcr die Jugend und f\u00fcr eine saubere Umwelt. Der SDAJ-Bundesvorstand rief in einer Erkl\u00e4rung zu den Europawahlen die Jugend auf, die \"Friedensliste\" zu w\u00e4hlen, \"weil nur deren Kandidaten f\u00fcr wesentliche Forderungen der arbeitenden und lernenden Jugend, wie Schaffung von Lehrstellen, Ausbildungsverpflichtung, Wiedereinf\u00fchrung des Sch\u00fclerBAF\u00f6G's, Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und Stopp der Raketenstationierung eintreten\" w\u00fcrden. In einem Aufruf zu den Sch\u00fclervertretungswahlen forderte die SDAJ alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf, \"Rotstiftgegner und Friedensk\u00e4mpfer\" zu w\u00e4hlen. Die SDAJ verlangte mehr Mitbestimmungsrechte der Sch\u00fclervertretungen, um dem 50","\"Abbau demokratischer Rechte\" und einer \"Militarisierung unserer Schulen\" entgegenzuwirken. Ferner rief sie alle jugendlichen Arbeitnehmer auf, im Mai/Juni 1984 \"aktive\" Gewerkschafter in die Jugendvertretungen der Betriebe zu w\u00e4hlen, um dem \"st\u00e4ndig zunehmenden Druck der Bosse\" wirksam begegnen zu k\u00f6nnen. Sie sieht ihren \"Hauptkampfplatz\" in den Betrieben und legt daher gro\u00dfen Wert auf gewerkschaftliche Aktivit\u00e4ten ihrer Mitglieder. Die SDAJ hob in der Juni-Ausgabe ihrer \"Jugendpolitischen Bl\u00e4tter\" die Bedeutung \"demokratischer Soldaten\" im Klassenkampf hervor: Als \"fortschrittliche Kr\u00e4fte\" k\u00f6nnten sie - im Gegensatz zur \"Bundeswehr als Institution des b\u00fcrgerlichen Herrschaftsapparates\" - einen \"wertvollen Beitrag zum demokratischen und sozialen Fortschritt in der BRD\" leisten. Sie k\u00f6nnen \"im Verlaufe demokratischer und antimonopolistischer Ver\u00e4nderungen\" daf\u00fcr sorgen, da\u00df das Milit\u00e4r\" in den Kasernen bleibt\"; so sei eine \"sozialistische Umw\u00e4lzung ohne B\u00fcrgerkrieg und Blutvergie\u00dfen m\u00f6glich\". In ihrem \"antimilitaristischem Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1984 die von ihr beeinflu\u00dften Arbeitskreise Demokratischer Soldaten (ADS). Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger in Bayern mit 30 bis 40 hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum ver\u00e4ndert. Aktivit\u00e4ten gingen nur vom ADS M\u00fcnchen aus. Er verteilte die Soldatenzeitung \"R\u00fchrt Euch\", legte Kr\u00e4nze an der KZ-Gedenkst\u00e4tte in Dachau nieder und veranstaltete Zeltlager in Steingaden, Landkreis Weilheim/Schongau. Als \"einzige Arbeiterjugendorganisation\" ermunterte die SDAJ ihre Mitglieder, die Dienstzeit bei der Bundeswehr abzuleisten, dabei aber auch in Uniform das Klasseninteresse nicht aus den Augen verlieren. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus, der st\u00e4rkste orthodox-kommunistische Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland, wurde im Oktober 1971 gegr\u00fcndet. Er bekennt sich zum Marxismus-Leninismus, k\u00e4mpft zusammen mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die \"sozialistische Revolution\" und propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Bundesweit verf\u00fcgt der MSB Spartakus \u00fcber etwa 6.000 Mitglieder, von denen sich rund 250 Mitglieder auf die an den bayerischen Hochschulen in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg aktiven Gruppen verteilen. Die Mitgliederzahl ist gegen\u00fcber 1983 in etwa gleich geblieben. Vorsitzender des MSB Spartakus ist Bernd Gabler aus Bonn. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\", die in einer monatlichen Auflage von 15.000 Exemplaren erscheinen. Der MSB Spartakus setzte auch 1984 seine bisherige B\u00fcndnispolitik im Hochschulbereich fort, um die Studentenbewegung zu einer \"antimonopolistischen Kraft\" gegen die \"Herrschenden\" zu entwickeln. Dies will er durch seine nach au\u00dfen dokumentierte \"gewerkschaftliche Orientierung\" erreichen, indem er versucht, mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" seine Forderungen durchzusetzen. Der MSB Spartakus hob in seinem ersten Bildungsheft f\u00fcr das Sommersemester 1984 mit dem Thema \"Marxismus und Gewerkschaften\" die \"zentrale Bedeutung\" der \"gewerkschaftlichen K\u00e4mpfe\" f\u00fcr die \"Kampfund Erfolgsbedingungen aller Bewegungen\" hervor. Auch an 51","den Hochschulen sei die Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften notwendig, wie es das vom MSB Spartakus mit dem \"Sozialistischen Hochschulbund\" (SHB) entwickelte Konzept der \"gewerkschaftlich orientierten Politik\" vorsehe. Neben den hochschulpolitischen Themen wie den allgemeinen Studienbedingungen, dem \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\", dem \"Notenterrorerla\u00df\", der Novellierung des Hochschulrahmengesetzes und der Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat engagierte sich der MSB Spartakus besonders f\u00fcr die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung und die hierzu durchgef\u00fchrte \"selbstorganisierte Volksbefragung\" am 17. Juni 1984. Au\u00dfenpolitisches Schwerpunktthema bildete 1984 die \"Situation in Nicaragua\". Im M\u00e4rz 1984 rief der MSB Spartakus zusammen mit der DKP, der SDAJ und der \"Solidarit\u00e4tsbrigade Carlos Fonseca\" zur \"politischen und finanziellen Solidarit\u00e4t mit den Sandinisten\" auf. Die Zusammenarbeit mit kommunistischen Jugendund Studentenorganisationen wurde 1984 weiter ausgebaut. So nahmen im Februar 1984 Vertreter des MSB Spartakus an einem \"Internationalen Freundschaftslager\" der FDJ in der DDR teil. Hierbei hob Bernd Gabler hervor, da\u00df der \"Kampf\" des MSB Spartakus davon bestimmt werde, \"die Stationierung weiterer atomarer USA-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland zu verhindern und die bereits stationierten Systeme abzubauen\". Bei seinen Aktivit\u00e4ten wurde der MSB Spartakus von anderen Organisationen, haupts\u00e4chlich jedoch von seinem st\u00e4ndigen B\u00fcndnispartner, dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB) - vgl. im einzelnen zum SHB 5. Abschnitt Nr. 3 - unterst\u00fctzt. Der MSB Spartakus entfaltete 1984 seine Aktivit\u00e4ten haupts\u00e4chlich im Bildungsbereich - vgl. im einzelnen 5. Abschnitt Nr. 2.2 -. 2.3.3 Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr die Mitgliedergewinnung. Die DKP unterst\u00fctzt mit der SDAJ und dem MSB Spartakus die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1984 bundesweit rund 4000. Die Mitgliederzahl der JP in Bayern hat sich aufgrund der massiven Werbung (Spielmobil Willibald), Aktionen auf Kinderspielpl\u00e4tzen (Spielplatzgruppen) sowie von Hausbesuchen und von der DKP veranstalteten Kinderfesten auf rund 500 (1983 rund 450) erh\u00f6ht. F\u00fchrungspositionen werden durchwegs von Jugendlichen und Erwachsenen eingenommen, die der SDAJ bzw. der DKP angeh\u00f6ren. Bundesvorsitzender der JP ist Achim Kroo\u00df, Mitglied der DKP und des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Bundesvorstandes der SDAJ. Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die Kinderzeitung \"Pionier\" und die \"Pionierleiterinformation\". 52","Ferien 84in Birkh\u00fcbel/Jena in der ii' Achtung: mitfahren k\u00f6nnen alle Kinder die in der Zeit vom 1.6.19TO und 1.10.1974 geboren sind. 53","Aus Anla\u00df des 10-j\u00e4hrigen Bestehens der sozialistischen Kinderorganisation erkl\u00e4rte der JP-Bundesvorsitzende in einem Interview, es sei inzwischen selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df Kinder in der \"Friedensbewegung\" gemeinsam mit Eltern und Freunden ausdr\u00fcckten, da\u00df Kinder Frieden brauchen. Zum 10-j\u00e4hrigen Bestehen gab die Bundesleitung der JP ein \"Handbuch f\u00fcr Pionierleiter\" heraus, das neben konkreten Vorschl\u00e4gen f\u00fcr die Arbeit mit Kindern grunds\u00e4tzliche Aussagen zur \"sozialistischen\" Erziehungsarbeit enth\u00e4lt. In den \"Jugendpolitischen Bl\u00e4ttern\" der SDAJ \u00e4u\u00dferte sich der Bundesvorstand der JP in einer mehrteiligen Abhandlung zu den \"Bedingungen sozialistischer Bewu\u00dftseinsentwicklung\". Danach lasse sich \"sozialistisches Klassenbewu\u00dftsein\" nur im \"Kampf gegen die b\u00fcrgerliche Ideologie\" entwickeln. F\u00fcr die \"sozialistische Kindergruppenarbeit\" folge daraus, Kindern mit kindgem\u00e4\u00dfen Losungen politische Zusammenh\u00e4nge zu verdeutlichen und sie zur Teilnahme an Aktionen der Friedensbewegung zu mobilisieren. Aus diesen \u00c4u\u00dferungen geht die Zielsetzung der JP, n\u00e4mlich bereits Kinder in ihrem Sinn ideologisch zu pr\u00e4gen, um sie dann als sp\u00e4tere Mitglieder f\u00fcr die DKP zu gewinnen, deutlich hervor. Im August 1984 besuchte eine Delegation der \"Sandinistischen Kinderorganisation\" aus Nicaragua die JP. Beim Empfang am 23. August in D\u00fcsseldorf \u00fcberreichte der JP-Bundesvorsitzende eine Spende von 10.000,DM und versicherte, den \"Drohungen der USA gegen Nicaragua\" werde man \"gemeinsam\" begegnen. Die Jungen Pioniere beteiligten sich an den allj\u00e4hrlichen Pfingstcamps der SDAJ, wo sie sich am Rande der Lager ihr \"Astronautendorf, den Stern und den Planeten der Kinder\" aufbauten. Die JP veranstalteten \"Spiele der Solidarit\u00e4t\" f\u00fcr die Kinder in Nicaragua und sammelten Unterschriften gegen die \"USAtomraketen\". Auch 1984 f\u00fchrten die DKP und die Jungen Pioniere im August ihre traditionelle Kinderferienaktion durch. Rund 250 Kinder aus ganz Bayern verbrachten wieder Ferientage zu Vorzugspreisen in Ferienlagern der \"kinderfreundlichen DDR\". Dabei seien aus \"r\u00fccksichtslosen\" westdeutschen \"Einzelg\u00e4ngern\" verantwortungsbewu\u00dfte Gruppenmitglieder geworden. Die Schwerpunkte von Aktivit\u00e4ten der JP in Bayern lagen auch 1984 in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung keine nennenswerte Resonanz findet. Deshalb wirkt sie, oft mit Unterst\u00fctzung ihrer Nebenorganisationen, darauf hin, da\u00df Organisationen, \"Initativen\" oder \"Komitees\" gegr\u00fcndet werden, die nicht Teil der Partei oder ihrer Nebenorganisationen sind, aber gleichwohl dazu dienen, kommunistische Zielsetzungen zu f\u00f6rdern. Au\u00dferdem bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik, bei zahlreichen nichtkommunistischen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten oder ihn zu verst\u00e4rken. Der Einflu\u00df der DKP bzw. ihrer Nebenorganisationen auf solche \"beeinflu\u00dfte Organisationen\" zeigt sich u.a. darin, da\u00df die54","se Organisationen eng mit der DKP oder ihren Nebenorganisationen zusammenarbeiten, da\u00df sie in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzen, da\u00df sie von der DKP oder ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden oder da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Diese beeinflu\u00dften Organisationen propagieren Forderungen, die f\u00fcr sich gesehen nicht verfassungsfeindlich sind, die aber in Teilbereichen mit Zielsetzungen der Kommunisten \u00fcbereinstimmen. Damit leisten sie den Bestrebungen der DKP Vorschub, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen, denn dieser zentralen verfassungsfeindlichen Zielsetzung sind alle Aktivit\u00e4ten der DKP, auch die vermeintlich unverf\u00e4nglichen, untergeordnet. H\u00e4ufig liegen mehrere, gelegentlich auch alle genannten Merkmale vor. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. Je st\u00e4rker der kommunistische Einflu\u00df ist, desto geringer sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die nichtextremistischen Mitglieder solcher Organisationen, Einflu\u00df auf die interne Willensbildung, die politischen \u00c4u\u00dferungen und die Aktivit\u00e4ten der Organisation, insbesondere die Beteiligung an Volksfrontaktionen, zu nehmen. Zu den wichtigsten DKP-beeinflu\u00dften Organisationen, bei denen wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP oder ihrer Nebenorganisationen kaum oder nicht m\u00f6glich sind, geh\u00f6ren: - die Deutsche Friedens-Union (DFU), - die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), - das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ), - die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ), - die Demokratische Fraueninitiative (DFI). Bei anderen beeinflu\u00dften Organisationen hingegen besteht trotz des DKP-Einflusses Raum f\u00fcr politisches Eigenleben; die kommunistische Beeinflussung ist hier f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen auch einige \"Friedensinitiativen\", die in unterschiedlichem Ausma\u00df von der Orthodoxen Linken, aber auch von Gruppierungen der Neuen Linken beeinflu\u00dft werden. Bei den meisten \"Friedensinitiativen\" ist jedoch eine extremistische Beeinflussung nicht feststellbar. In diesem Zusammenhang sind auch die Initiativen gegen die \"Berufsverbote\" zu erw\u00e4hnen. Die Koordination der Aktivit\u00e4ten der Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\", die sich gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern und Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes wenden, liegt \u00fcberwiegend beim DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen \"Initiative Weg mit den Berufsverboten\" in Hamburg. In Bayern gingen 1984 von dem orthodoxkommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitee Verteidigung der Grundrechte - Aufhebung der Berufsverbote\" und der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" kaum mehr Aktivit\u00e4ten aus. Zu den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren auch sogenannte \"Freundschaftsgesellschaften\", die beim Kampf der DKP gegen \"Imperialismus und Neokolonialismus\" eine initiierende und koordinierende Rolle spielen. In Bayern traten lediglich die \"Freundschaftsgesellschaft Bundesrepublik Deutschland - Kuba e.V.\" (FGBRD-Kuba e.V.) und die \"Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwi55","sehen den V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam e.V.\" (FG-BRD-Vietnam e.V.) aktiv in Erscheinung. Die FGBRD-Kuba e.V. beschr\u00e4nkte ihre Aktivit\u00e4ten in Bayern auf Reiseund Kulturveranstaltungen, w\u00e4hrend die FG-BRD-Vietnam e.V. im M\u00e4rz 1984 politische Informationsabende abhielt, an denen eine Gastdelegation aus Vietnam und zahlreiche DKP-Mitglieder teilnahmen. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen beteiligten sich auch 1984 aktiv an den Kampagnen und Aktionen der DKP, die unter dem Deckmantel scheinbar unverf\u00e4nglicher Zielsetzungen wie \"Friedenskampf\", \"Antifaschismus\", \"gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", \"f\u00fcr soziale Gerechtigkeit\" und \"gegen Berufsverbote\" stattfanden, in Wirklichkeit aber gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland gerichtet waren. Wie schon im Jahr zuvor lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten wieder bei den Friedenskampagnen; wenngleich die Massenwirksamkeit des orthodox-kommunistischen Engagements stark abgenommen hat. 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFL)) Die DFL) wurde 1960 auf kommunistisches Betreiben als \"Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndet. Nach einer Selbstaussage wirkt die DFL) \"seit ihrem Bestehen f\u00fcr die friedliche Koexistenz systemverschiedener Staaten, f\u00fcr Abr\u00fcstung nach dem Prinzip der gleichen Sicherheit, f\u00fcr Wiedergutmachung an den Entwicklungsl\u00e4ndern und f\u00fcr Solidarit\u00e4t zu Gunsten der antiimperialistischen Befreiungsbewegungen, f\u00fcr Erhaltung und Ausbau sozialer und demokratischer Rechte sowie f\u00fcr die Realisierung des antimilitaristischen, antifaschistischen und antimonopolistischen Auftrags des Grundgesetzes\". Diese Stellungnahme macht die Strategie orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen deutlich. Verfassungskonforme Forderungen, die auch von demokratischen Kr\u00e4ften vertreten werden, werden mit Zielsetzungen der Kommunisten in verschleierter Form verbunden. Als unerl\u00e4\u00dflich erachtet es die DFL), den \"Ungeist des Antikommunismus in der Bundesrepublik Deutschland\" zu \u00fcberwinden. Ihre T\u00e4tigkeit besteht fast ausschlie\u00dflich in der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Die DFU ist Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR). Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein Direktorium aus sieben Personen innehat. Von den sieben Direktoriumsund den 59 Bundesvorstandsmitgliedern geh\u00f6rten zahlreiche Personen der 1956 verbotenen KPD an oder sind Mitglieder einer anderen kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation. Die DFU verf\u00fcgt \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, die weiter untergegliedert sind. In Bayern bestanden 1984 Bezirksverb\u00e4nde in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die jedoch sehr unterschiedlich aktiv waren. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern ist seit 1977 Gerhard Bitterwolf. Die Zahl der Mitglieder in Bayern blieb mit rund 400 gleich (Bund 1.000). Als Sprachrohr sowohl der DFU als auch der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) dient die w\u00f6chentlich erscheinende \"Deutsche Volkszeitung / die tat - Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", deren Chefredakteur der langj\u00e4hrige Chefredakteur des Organs des MSB-Spartakus \"rote bl\u00e4tter\" ist. 56","Abr\u00fcstungsinfo Herausgeber: Deutsche Friedens-Union -DFUKommisston Abr\u00fcstung Argumente, Dokumente, Informationen und Sicherheit 10/1984 Ein Jahr nach Stationierungsbeginn: Im Schatten der Raketen Die DFU f\u00fchrte am 31. Mai 1984 in Essen einen au\u00dferordentlichen Unionstag mit rund 200 Teilnehmern durch. Dabei wurde das Organisationsstatut der DFL) dahingehend ge\u00e4ndert, da\u00df sich die DFU zuk\u00fcnftig nicht mehr als Partei versteht, sondern als \"politische Vereinigung\". Das DFU-Direktoriumsmitglied Horst Bethge begr\u00fcndete diesen Schritt damit, da\u00df sich die DFU in absehbarer Zukunft nicht mehr mit eigenen Listen an Wahlen beteiligen werde. \"In Zukunft wird doch wohl unsere Beteiligung in B\u00fcndnislisten das Wahrscheinlichere sein, wird unser Interesse, breite Wahlb\u00fcndnisse zu initiieren oder zu f\u00f6rdern, gr\u00f6\u00dfer sein als das, selber zu kandidieren\". Die DFU wolle sich auf die \"St\u00e4rkung und Einigung der Bewegung f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und soziale und demokratische Erneuerung konzentrieren\". Entsprechend wird die \u00c4nderung damit begr\u00fcndet, da\u00df der Parteistatus die B\u00fcndnisf\u00e4higkeit der DFU behindere. Diese Status\u00e4nderung sei auch wegen der \u00c4nderung des Parteiengesetzes erforderlich geworden. Auf dem Unionstag wurde nach Eigenaussagen ein \"Diskussionsproze\u00df\" innerhalb der DFU in Gang gesetzt, der \"die neue politische Lage analysieren und Antworten auf die bedeutenden Fragen unserer Zeit\" finden soll. Die Ergebnisse sollen dem ordentlichen Unionstag vorgelegt und Grundlage eines neuen Programms werden. Auch 1984 trat die DFU kaum mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung. Ihr Schwerpunkt lag wiederum im B\u00fcndnisbereich. So wirkte sie u.a. bei der Organisation der \"Osterm\u00e4rsche\" und der Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\" mit. Weiterhin war sie ma\u00dfgeblich an der Entwicklung des Personenb\u00fcndnisses \"Die Friedensliste\" beteiligt. Dem Vorstand der \"Friedensliste\" geh\u00f6ren f\u00fcnf Funktion\u00e4re, dem Sprecherkreis ein Funktion\u00e4r der DFU an. Unter den Kandidaten der \"Friedensliste\" zur Europawahl befanden sich vier Funktion\u00e4re des Bundesverbandes der DFU. Auch in Bayern nahm die DFU an den Vorbereitungen der \"Osterm\u00e4rsche\" teil. Im M\u00fcnchner Raum arbeitete sie bei der \"M\u00fcnchener B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA) mit. Das B\u00fcro der BIFA, genannt \"Friedensb\u00fcro\", das sich in denselben R\u00e4umen wie das der DFU befindet, war Kontaktadresse f\u00fcr die Vorbereitung des Ostermarsches. In Nordbayern konnten Materialien f\u00fcr 57","den Ostermarsch beim DFU-Landesvorsitzenden Bitterwolf unter der Adresse der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle angefordert werden. Bei den Herbstaktionen war die DFL) (Baden-W\u00fcrttemberg) im \"s\u00fcddeutschen Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Stuttgart vertreten. Der bayerische Landesvorsitzende Gerhard Bitterwolf arbeitete als Vertreter des \"N\u00fcrnberger Forums\" in diesem \"Koordinierungsausschu\u00df\" in Stuttgart und im \"Aktionsb\u00fcro\" Friedensherbst 84, dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsorgan des Koordinierungsausschusses, mit. Weiterhin war die Telefonnummer der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle in N\u00fcrnberg sowohl f\u00fcr die Aktionen im \"Fulda-Gap\" als auch f\u00fcr die Herbstaktionen in Stuttgart als Kontaktm\u00f6glichkeit angegeben. Die DFL) bet\u00e4tigte sich auch 1984 im Rahmen der \"Krefelder Initiative\", wenn auch die Werbung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", in dem die Bundesregierung aufgefordert wurde, die Zustimmung zur Stationierung von Pershing Il-Raketen und Marschflugk\u00f6rpern in Mitteleuropa zur\u00fcckzunehmen, inzwischen eingestellt wurde. Unter Hinweis auf die Widerstandsk\u00e4mpfer gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erkl\u00e4rte die \"Krefelder Initiative\", gegen die \"Diktatur\" der \"Machtund Profitinteressen\", die mit Massenvernichtungswaffen drohe, sei \"notfalls auch Widerstand demokratische Pflicht\". Auf dem \"4. Forum der Krefelder Initiative\" am 879. September 1984 wurde der Aufruf \"Hiroshima mahnt\" verabschiedet, f\u00fcr den nun Unterschriften im Hinblick auf den 40. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima im August 1985 gesammelt werden sollen. Das Direktorium der DFU beschlo\u00df Ende Oktober 1984 die Unterst\u00fctzung des Aufrufs. Die Adresse der Gesch\u00e4ftsstelle der \"Krefelder Initiative\" ist auch weiterhin mit der Anschrift des DFU-B\u00fcros identisch. 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Die VVN-BdA ist eine orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation, deren engagierte Mitglieder stets entsprechend den Positionen der DKP beschlie\u00dfen und handeln. Sie geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften DKP-beeinflu\u00dften Gruppierungen und tritt nach eigener Aussage ein f\u00fcr \"Frieden, Abr\u00fcstung und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung\", f\u00fcr die Verteidigung und Wiederherstellung \"demokratischer\" Rechte, f\u00fcr die Verteidigung sozialer Rechte, f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t, f\u00fcr eine \"antifaschistische\" Erziehung der Jugend zu \"Frieden, Demokratie und V\u00f6lkerfreundschaft\", sowie f\u00fcr die Anerkennung des Widerstandes und die Entsch\u00e4digung aller Opfer des Faschismus. Ferner wendet sie sich gegen jede \"faschistische Aktivit\u00e4t und Propaganda\" und den \"Mi\u00dfbrauch wirtschaftlicher Macht zu politischen Zwecken\". F\u00fcr den erfolgreichen Kampf f\u00fcr \"Frieden\", gegen \"Faschismus\" und \"Militarismus\" k\u00f6nnten und m\u00fc\u00dften sich \"Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Anh\u00e4nger anderer Religionen, Liberale, Gr\u00fcne und Parteilose zusammenfinden\". Die VVN-BdA hat bundesweit rund 13.000 Mitglieder. In Bayern, wo die Zahl der Mitglieder von 1.000 auf 1.100 gestiegen ist, bestehen 17 Kreisvereinigungen. 1984 wurden die Kreisverb\u00e4nde AmbergSulzbach/Rosenberg und Wolfratshausen gegr\u00fcndet. Die st\u00e4rksten Kreisverb\u00e4nde bestehen in M\u00fcnchen mit etwa 480 und in N\u00fcrnberg mit etwa 280 Mitgliedern. Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder verhielt sich passiv. 58","Pr\u00e4sident der VVN-BdA ist Dr. Joseph C. Rossaint, Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und B\u00fcromitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ. Generalsekret\u00e4r ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Kurt Erlebach. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA ist der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann, Landessekret\u00e4rin das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) Marion Lehmicke. Auch nach dem Bundeskongre\u00df im Mai 1983 blieb der dominierende Einflu\u00df der DKP in der VVN-BdA gewahrt. In der Mehrzahl sind die 86 Mitglieder des Pr\u00e4sidiums Kommunisten. Die VVN-BdA ist der prosowjetischen Federation Internationale des Resistants (FIR) und dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) angeschlossen. Sprachrohr der VVN-BdA ist die Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat - Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", die gleichzeitig Sprachrohr der DFU ist. Seit Januar 1984 gibt das Pr\u00e4sidium der VVN-BdA als monatlich erscheinende Mitgliederzeitschrift die \"antifaschistische rundschau\" heraus, die \"Bindeglied zwischen Pr\u00e4sidium und Mitgliedschaft\" sein soll. Verantwortlich f\u00fcr die Herausgabe ist Kurt Erlebach. Erg\u00e4nzend hierzu bringt das Pr\u00e4sidium den \"antifaschistischen jugenddienst\" und die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Schriftenreihe \"AID\" (Argumentation, Information, Dokumentation) heraus. Das gelegentlich vom Landesverband Bayern herausgegebene Heft \"Antifaschistische Nachrichten\" und regionale Informationsbl\u00e4tter erg\u00e4nzen die Publikationen. Das Funktion\u00e4rsorgan \"effektiv\" erschien 1984 nicht mehr. antifaschistische rundschau Nr. 9/September 1984 Mitgliederzeitschrift der VVN - Bund der Antifaschisten Neben der \"Antifaschismus-Kampagne\", und dem verst\u00e4rkten Engagement gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit im Bundesgebiet\" sah die VVN-BdA den Schwerpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten wiederum im Kampf gegen die NATONachr\u00fcstung und im Zusammenhang damit in der Unterst\u00fctzung der Aktivit\u00e4ten der \"Friedensbewegung\". In einem \"Arbeitsplan f\u00fcr das erste Halbjahr 1984\" betonte der Landesverband Bayern der VVN-BdA, der \"weiter anwachsende Widerstand gegen die US-Strategie des atomaren Ersteinsatzes\" werde das Jahr 1984 bestimmen. F\u00fcr die VVN-BdA ergebe sich die Aufgabe, \"sich st\u00e4rker den Friedensinitiativen in den Betrieben zuzuwenden\". In einem internen Arbeitsplan f\u00fcr 1984/1985 erkl\u00e4rte das Pr\u00e4sidium der VVN-BdA zum \"40. Jahrestag der 59","Befreiung vom deutschen Faschismus\" (8. Mai 1985), in der Bundesrepublik Deutschland sei ein \"Neubeginn\" verhindert worden. Dagegen sei in der DDR ein \"antifaschistischer, demokratischer Staat\" entstanden. Diese \u00c4u\u00dferung zeigt, da\u00df das Verfassungsverst\u00e4ndnis der VVN-BdA mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes nicht vereinbar ist. Zusammen mit anderen Gruppierungen des gesamten linksextremen Spektrums beteiligte sich die VVN-BdA an dem nach ihren Vorstellungen entwickelten und vom Bonner \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" modifizierten und verbreiteten Aktionsprogramm des \"2. bundesweiten Widerstandstages der Friedensbewegung\". Das Aktionsprogramm lief am 30. Januar und in den Tagen davor aus Anla\u00df des 51. Jahrestags der Machtergreifung Hitlers in mehr als 90 St\u00e4dten und Ortschaften des Bundesgebietes ab. Auf der 5. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" am 11./12. Februar 1984 in K\u00f6ln trat die VVN-BdA als weiteres Mitglied dem Bonner \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" bei und dokumentierte so ihr verst\u00e4rktes Eintreten f\u00fcr die Ziele dieser Bewegung. Die VVN-BdA beteiligte sich deshalb auch aktiv an den \"Osterm\u00e4rschen\" im April und den 1 .-Mai-Veranstaltungen, unterst\u00fctzte die vom traditionellen Fl\u00fcgel der \"Friedensbewegung\" am 17. Juni \"selbstorganisierte Volksbefragung\" zur NATO-Nachr\u00fcstung sowie das \"integrierte Aktionskonzept\" des \"Friedensherbstes 84\" und nahm an den Herbstaktionen teil. Auf Einladung des Pr\u00e4sidiums der VVN-BdA hielt sich Anfang Juni eine Delegation des \"Komitees der Antifaschistischen Widerstandsk\u00e4mpfer der DDR\" f\u00fcr mehrere Tage in der Bundesrepublik Deutschland auf. In einem \"Kommunique\" forderten beide Organisationen den \"sofortigen Stopp und den Abbau der bereits stationierten US-Erstschlagswaffen in der BRD\". Die VVN-BdA arbeitete mit der DKP, Gruppierungen der Orthodoxen und Neuen Linken sowie ausl\u00e4ndischen linksextremen Gruppierungen und mit zahlreichen \u00f6rtlichen \"Initiativen gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" im \"Koordinationsausschu\u00df Frankfurter Appell\" zusammen und beteiligte sich vom 29. September bis 13. Oktober 1984 an einem bundesweiten \"Marsch gegen Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\", der von M\u00fcnchen und Hamburg aus zu einer Abschlu\u00dfdemonstration nach Bonn f\u00fchrte. In M\u00fcnchen veranstaltete die VVN-BdA zusammen mit ausl\u00e4ndischen linksextremen Gruppierungen am 18. Mai 1984 ein \"Tribunal gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der Bundesrepublik\" und am 25. Juli 1984 eine Demonstration \"gegen Ausl\u00e4nderha\u00df - f\u00fcr V\u00f6lkerfreundschaft\", an der sich auch die DKP und ausl\u00e4ndische linksextreme Gruppierungen beteiligten. Mit Aufrufen und Sonderinformationen mobilisierte die VVN-BdA zu Protestaktionen gegen eine Veranstaltung der rechtsextremen Deutschen Volksunion am 4. August in Passau, gegen das \"Traditionstreffen\" von Angeh\u00f6rigen der ehemaligen 4. SS-Panzergrenadier-Division in Marktheidenfeld am 13. und 14. Oktober und gegen den NPD-Parteitag, der am 3. und 4. November in M\u00fcnchen stattfand. Mit der Brosch\u00fcre \"Die Neonazis in Bayern - eine wachsende Gefahr im Klima von Hochr\u00fcstung, Krise und Rechtswende\", die im Juli 1984 erschien, wandte sich die VVN-BdA gegen \"die zunehmenden Aktivit\u00e4ten neonazistischer Organisationen und Gruppierungen in Bayern\". 60","Die VVN-BdA beteiligte sich neben anderen linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Gruppierungen an den Veranstaltungen der Initiative \"Kirche von unten\" vom 5. bis 7. Juli 1984 anl\u00e4\u00dflich des 88. Deutschen Katholikentages in M\u00fcnchen. Mit Aufrufen und \u00f6ffentlichen Veranstaltungen unterst\u00fctzte auch die VVNBdA den Wahlkampf der DKP f\u00fcr die Kommunalwahl am 18. M\u00e4rz 1984 in Bayern. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft - Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung und die \"Verwirklichung des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung\", aber auch gegen \"Antikommunismus\" und die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtet die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK sieht nach ihrem Programm \"Schwerpunkte ihrer b\u00fcndnispolitischen Zusammenarbeit vor allem dort, wo die Forderung nach Beseitigung der Atomwaffen, nach dem Verbot der Weitergabe von Plutonium und nach dem Schutz der Landschaft vor milit\u00e4rischer Zerst\u00f6rung aufgestellt wird\". Der Bundesvorstand der DFG-VK forderte seine Verbandsgliederungen auf, gegen die \"Politik der USA, ihre Gro\u00dfmachtarroganz und Weltgendarmenstellung\" aktiv zu werden und in Leserbriefen an amerikanische Zeitungen die \"Meinung zur Nicaragua-Politik kundzutun\". Die DFG-VK wird auf Bundesebene vom Bundesvorstand geleitet, in dem unver\u00e4ndert orthodoxe Kommunisten bzw. Mitglieder orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen f\u00fchrende Funktionen einnehmen. Einer der beiden Bundesvorsitzenden von 1984, Klaus Mannhardt, ist Mitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ und geh\u00f6rt dem sowjetisch gelenkten WFR an. Infolge einer Satzungs\u00e4nderung auf dem 5. Bundeskongro\u00df in Hiltrup vom 1. bis 3.3.1985 hat die DFGVK inzwischen nur noch einen Bundesvorsitzenden, n\u00e4mlich Gerd Greune. Weitere DKP-Mitglieder waren 1984 zust\u00e4ndig f\u00fcr die Bereiche Dokumentation und Information sowie Abr\u00fcstung. Referent f\u00fcr Pressekontakte ist ein Angeh\u00f6riger des KFAZ. Die Leiter der Referate f\u00fcr B\u00fcndnis und Kriegsdienstverweigerung geh\u00f6ren der VVN-BdA an. Das letztgenannte Referat wird vom bayerischen Landesvorsitzenden der DFG-VK, Heinrich H\u00e4berlein, geleitet. 1984 ging die Zahl der Mitglieder der DFG-VK zur\u00fcck; sie blieb mit rund 18.500 Mitgliedern jedoch nach wie vor die gr\u00f6\u00dfte kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation. Die Mitgliederzahl des in rund 20 Ortsgruppen gegliederten bayerischen Landesverbandes sank unter 2.000, von denen nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitete. Neben den Ortsgruppen bestanden in rund 10 Orten \"Arbeitskreise\", \"Initiativen\" und Beratungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Kriegsdienstverweigerer. Daneben gab es mehrere DFG-VK-Jugendgruppen mit der Bezeichnung \"Jugendclub Courage\" (JCC). Die Gruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind mit etwa 700 bzw. 300 Mitgliedern die gr\u00f6\u00dften und aktivsten Ortsgruppen in Bayern. M\u00fcnchen war auch bundesweit die mitgliederst\u00e4rkste Ortsgruppe. 61","Das Publikationsorgan der DFG-VK \"Zivilcourage - Das antimilitaristische Magazin\" erschien alle zwei Monate. Die DFG-VK unterst\u00fctzte die ihr nahestehende Selbstorganisation der Zivildienstleistenden (SOdZDL). Als Antwort auf die Stationierung neuer Atomwaffen und um der \"Friedensbewegung\" auch 1984 eine \"Handlungsperspektive\" zu bieten, hatte der Bundesvorstand im Januar 1984 die Kampagne zur massenhaften Kriegsdienstverweigerung gestartet. Die DFG-VK betonte, da\u00df Kriegsdienstverweigerung zu einem radikalen Protest werde, weil dadurch diesem Staat die Zusammenarbeit entzogen werde. Unter dem Motto \"Verweigern wir uns - Hunderttausendfach\" sollte bundesweit eine \"ausgesprochen politische \"Kriegsdienstverweigerung\" propagiert werden, die \"die Bedarfsplanung der Bundeswehr unm\u00f6glich macht\" und zum \"Politikum\" f\u00fcr jede Regierung wird. Im Januar 1984 erschien in Bonn der DFG-VK Aufruf \"Gewissen vor Staatsr\u00e4son! Unsere Antwort auf die Stationierung neuer Atomraketen: Kriegsdienste verweigern!\", dessen Erstunterzeichner zu einem Drittel Mitglieder bzw. Wahlunterst\u00fctzer der DKP oder Funktion\u00e4re DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen sind. Nach den Vorstellungen der DFG-VK sollte die \"Verweigerungskampagne\" in alle Aktionen der \"Friedensbewegung\" eingebunden werden. Dieser Aufruf war f\u00fcr die meisten Gruppen und Organisationen im \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" nicht tragbar. Um die Kampagne dennoch in der \"Friedensbewegung\" zu verankern, stimmte die DFG-VK der \u00c4nderung des Aufrufes in eines \"Selbstverpflichtungserkl\u00e4rung gegen die Mitwirkung an Kriegsvorbereitungen\" durch den Koordinationsausschu\u00df zu, so da\u00df auch die Organisationen, die den \"antimilitaristischen Kampf\" innerhalb der Bundeswehr bef\u00fcrworten, unterzeichnen konnten. Die \"Verweigerung aller Kriegsdienste\" wurde am 11./12. Februar 1984 von der 5. Aktionskonferenz in K\u00f6ln als eine Aktion der \"Friedensbewegung 1984\" gegen die NATONachr\u00fcstung beschlossen. Zu den \"Moderatoren\" der Aktionskonferenz geh\u00f6rte auch der Bundesvorsitzende der DFG-VK. Um den Gruppen und Landesvorst\u00e4nden eine Orientierung in der Kampagne zu vermitteln, ver\u00f6ffentlichte der Bundesvorstand der DFG-VK zahlreiche Publikationen, in denen Aktionen wie \"Blockaden vor Kreiswehrersatz\u00e4mtern\", \"alternative Truppenbesuche\", \"Aktionen gegen Bombenz\u00fcge\" und das \"Zumauern von Sprengsch\u00e4chten\" vorgeschlagen wurden. Erste \u00f6ffentliche massenhafte Verweigerungen erwartete die DFG-VK w\u00e4hrend der \"Osterm\u00e4rsche\" und der bundesweiten \"Verweigerungswoche\" vom 15. bis 23. Mai 1984. Der Landesvorstand Bayern hatte alle DFG-VKGruppen aufgefordert, f\u00fcr die Ostermarschaktivit\u00e4ten zu mobilisieren und sich aktiv an der \"Verweigerungskampagne\" zu beteiligen. Als Service f\u00fcr die bayerische \"Friedensbewegung\" erstellte der Landesvorstand in Zusammenarbeit mit Friedensinitiativen \u00fcber Osteraktionen in Bayern. Im Rahmen der \"Verweigerungswoche\" demonstrierten Angeh\u00f6rige der M\u00fcnchner DFG-VK am \"Tag des Grundgesetzes\", dem 23. Mai 1984, vor dem Arbeitsamt und gaben dort \"Selbstverpflichtungserkl\u00e4rungen\" ab. In diesen vorgefertigten Erkl\u00e4rungen legten die Betroffenen dar, da\u00df sie aufgrund der \"offensiven Milit\u00e4rstrategie der NATO\" jede Form der Mitwirkung an Kriegsvorbereitungen verweigern und sich im Ernstfall jedem Befehl widersetzen w\u00fcrden. Mit etwa 62","1.000 in Bayern abgegebenen derartigen Erkl\u00e4rungen blieb die Resonanz der Verweigerungswoche gering. Anl\u00e4\u00dflich der Verweigerungswoche wurde dem Schriftsteller Carl Amery der \"Bayerische Friedenspreis\" der DFG-VK verliehen. Die \"Tage der Verweigerung\" vom 20. bis 24. November 1984, urspr\u00fcnglich als H\u00f6hepunkt der Kampagne und Abschlu\u00df des \"Friedensherbstes 84\" geplant, fanden in der Bev\u00f6lkerung und auch bei Friedensinitiativen sowohl in Bayern als auch bundesweit kaum Interesse. Den Mi\u00dferfolg der Kampagne begr\u00fcndete die DFG-VK mit dem fehlenden Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Aktion innerhalb der \"Friedensbewegung\". Die DFG-VK geh\u00f6rte auch 1984 der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung des Bonner \"Koordinationsausschusses der Friedensbewegung\" an. Gemeinsam mit anderen Organisationen bildete sie ein Arbeitsgremium zur Vorbereitung der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" zur Stationierung amerikanischer Mittelstreckenwaffen anl\u00e4\u00dflich der Europawahl am 17. Juni 1984. Die DFG-VK war auch im \"S\u00fcddeutschen Koordinierungsausschu\u00df\" und in dessen \"Aktionsb\u00fcro Friedensherbst 84\" mit Sitz in Stuttgart vertreten; sie entsandte ein Bundesvorstandsmitglied als hauptamtlichen Mitarbeiter in das \"Aktionsb\u00fcro\". Welche ma\u00dfgebliche Rolle die DFG-VK innerhalb der \"Friedensbewegung\" im Hinblick auf die Frage der Zusammenarbeit mit Kommunisten \u00fcbernommen hat, erl\u00e4uterte sie wie folgt: \"Neu hinzukommende Menschen, die ... gro\u00dfe Probleme mit der Zusammenarbeit mit Kommunisten haben, ... oder auch der Druck des politischen Gegners, der immer wieder den antikommunistischen Spaltpilz in die Bewegung pflanzen will, sind Einfl\u00fcsse, die die Frage der Zusammenarbeit immer wieder aufwerfen. Die DFG-VK hat sich dabei oft als wichtige, einigende Kraft erwiesen, weil sie diese Frage f\u00fcr sich klar und sehr grunds\u00e4tzlich beantwortet hat\". An der Organisation und Durchf\u00fchrung aller Gro\u00dfveranstaltungen der \"Friedensbewegung\" war die DFG-VK ma\u00dfgeblich beteiligt. So beschlo\u00df die \"S\u00fcddeutsche Aktionskonferenz\" am 30. Juni 1984 in Esslingen den Aktionsvorschlag der DFG-VK, eine Friedensstafette vom 29. September bis 3. November 1984, Auftaktveranstaltungen an den Stationierungsorten sowie den \"Friedensstern des S\u00fcdens\" am 20. Oktober 1984 in Stuttgart durchzuf\u00fchren. Der \"S\u00fcddeutsche Koordinierungsausschu\u00df\" entschied sich auf seiner ersten Sitzung am 15. Juni 1984 f\u00fcr den vom bayerischen DFGVK-Landesvorsitzenden H\u00e4berlein vorgeschlagenen Stafettenverlauf. Zu einem Meinungsaustausch \u00fcber Stand und Perspektiven der \"Friedensbewegung\" trafen sich am 22. September 1984 Vertreter des Parteivorstandes der DKP und Mitglieder des Bundesvorstandes der DFG-VK. In ihrem Gespr\u00e4ch erzielten die Teilnehmer Einigkeit dar\u00fcber, da\u00df die \"Friedensbewegung\" mit dem \"Friedensherbst 84\" einen gro\u00dfen Beitrag leiste, die Massenbewegung gegen neue US-Raketen weiter zu verst\u00e4rken und voranzubringen. DKP und DFG-VK w\u00fcrden auch k\u00fcnftig alles unternehmen, um die breite Einheit der \"Friedensbewegung\" auf der Grundlage der partnerschaftlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten auch in Zukunft zu festigen und weiterzuentwickeln. 63","Auf Einladung des Friedensrates der DDR reiste eine Delegation des Bundesvorstandes der DFG-VK vom 8. bis 13. Oktober 1984 zu Gespr\u00e4chen in die DDR. Beide Organisationen erkl\u00e4rten \u00fcbereinstimmend, es sei jetzt notwendiger denn je, die \"Aktionsbewegung f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung weiter zu verst\u00e4rken, um die weitere Raketenstationierung zu stoppen und den Abbau der bereits vorhandenen zu erzwingen\". Diese Politik des Bundesvorstandes wurde vom Landesverband Bayern unterst\u00fctzt. In einer \"Einsch\u00e4tzung der sowjetischen Nach-Nach-R\u00fcstung\" kommt der Landesausschu\u00df der DFG-VK Bayern zu dem Ergebnis, \"da\u00df die Sowjetunion auch mit SS 21, 22 und 23 keine der Pershing II gleichwertigen Waffen besitzt\". Durch die Aufstellung der neuen USMittelstreckenraketen sei die Sowjetunion \"objektiv unter Zugzwang gesetzt\" worden, weshalb die DFG-VK weiterhin entschieden die Beseitigung der NATONachr\u00fcstung fordere. Anl\u00e4\u00dflich des \"2. bundesweiten Widerstandstags\" gegen die Stationierung neuer US-Atomraketen am 30. Januar veranstalteten die DFG-VK und die VVN-BdA gemeinsam in M\u00fcnchen ein \"szenisches Theaterst\u00fcck\" unter dem Titel \"Wir vergeben ihnen nicht - denn sie wissen was sie tun\". Die Auff\u00fchrung besuchten etwa 600 Zuschauer. Dar\u00fcberhinaus fanden in der Innenstadt mehrere Mahnwachen und Fackelz\u00fcge statt. Die bayerischen DFG-VK Gruppen beteiligten sich in zahlreichen St\u00e4dten an den Demonstrationen zum \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz 1984. So veranstaltete die Ortsgruppe M\u00fcnchen u.a. mit den Frauengruppen der DKP, des SHB, des MSB Spartakus, der SDAJ und der VVN-BdA eine \"\u00f6ffentliche Verweigerungsaktion auf dem Forum der M\u00fcnchner Freiheit. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodox-kommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt weder rechtlich noch tats\u00e4chlich \u00fcber eine feste Organisation. Das \"B\u00fcro des KFAZ\", das Leitungsgremium dieser Organisation, ist eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung\". Ihm geh\u00f6ren f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP, der DFU und der VVN-BdA an. Seit 1982 ist in ihm die Angeh\u00f6rige des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann t\u00e4tig, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig ist und 1983 zur Vizepr\u00e4sidentin des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR) gew\u00e4hlt wurde. Insgesamt geh\u00f6ren 9 der 16 Mitglieder des \"B\u00fcros\" dem WFR direkt oder indirekt \u00fcber ihre Organisationen DFU bzw. VVNBdA an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Von den bayerischen Gruppierungen war die \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" (BIFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB-Spartakus, SHB, DFU, DFG-VK, VVNBdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6rten u.a. die DKPFunktion\u00e4rinnen Renate Cullmann-Reder und Marion Lehmicke, die auch Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA in Bayern ist, an. Die BIFA unterh\u00e4lt ihr B\u00fcro in der DFU-Gesch\u00e4ftsstelle in M\u00fcnchen. 64","Die vom KFAZ herausgegebene \"Friedenszeitung\" und die im Vorjahr von der BIFA mitherausgegebene Zeitung \"Pazifix\" erschienen 1984 nicht mehr. Das KFAZ war auch 1984 einer der Tr\u00e4ger der \"Friedensund Abr\u00fcstungskampagne\". Es arbeitete - wie auch in den Jahren zuvor - in dem mittlerweile aus 30 Organisationen bestehenden \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Bonn mit. Das KFAZ beteiligte sich von Mitte 1983 bis Anfang 1984 aktiv an der Arbeit eines Vorbereitungsgremiums f\u00fcr die am 17. Juni 1984 durchgef\u00fchrte \"selbstorganisierte Volksbefragung\". Mit Flugbl\u00e4ttern und Rundschreiben rief es zur Teilnahme an den \"Herbstaktionen 1984\" auf und gab an die \u00f6rtlichen Friedensinitiativen Flugbl\u00e4tter f\u00fcr die Herbstaktionen aus, die neben einem einheitlichen Text den Aufruf f\u00fcr die jeweilige Region (Nord, Mitte, S\u00fcd) enthielten. F\u00fcr den 15. Januar hatte die BIFA zusammen mit anderen Gruppierungen zu einer s\u00fcdbayerischen Regionalkonferenz der Friedensbewegung nach M\u00fcnchen eingeladen. An der Konferenz beteiligten sich u.a. Vertreter von DKP, DFU, VVN-BdA und DFG-VK. Zusammen mit der DFG-VK, dem orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"M\u00fcnchner Friedensforum\" und anderen Organisationen veranstaltete die BIFA den \"Ostermarsch 84\" in Form eines Sternmarsches mit anschlie\u00dfender Menschenkette und einer Abschlu\u00dfkundgebung, an dem sich insgesamt 12.000 Personen beteiligten. Unterst\u00fctzt wurde der \"Ostermarsch 84\" in M\u00fcnchen u.a. von der DKP, der SDAJ, dem MSB-Spartakus, der VVN-BdA, dem SHB, der DFI und von zahlreichen \"Friedensinitiativen\" und Einzelpersonen. Bei der Vorbereitung der \"Herbstaktionen 84\" im Oktober war die BIFA im \"S\u00fcddeutschen Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Stuttgart vertreten. Die BIFA organisierte Sonderz\u00fcge f\u00fcr die Teilnehmer aus M\u00fcnchen zur Auftaktkundgebung in Ulm/Neu-Ulm und zum \"Friedensstern des S\u00fcdens\" in Stuttgart. 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Die auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ, in der Kommunisten ma\u00dfgeblich t\u00e4tig sind, versuchte auch 1984, Einflu\u00df auf die Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion der kommunistisch gesteuerten Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel. Der VDJ geh\u00f6rten 1984 bundesweit rund 800 Mitglieder in 25 zum Teil inaktiven Regionalgruppen an. In Bayern existieren Regionalgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die 1984 nicht aktiv waren. Ende des Jahres wurde in Regensburg eine Regionalgruppe gebildet. Das Programm der VDJ setzt Arbeitsschwerpunkte u. a. in der \"Aufarbeitung des Faschismus in Recht und Justiz\", im Kampf gegen \"Berufsverbote und Neofaschismus\", in der Solidarit\u00e4t mit Ausl\u00e4ndern und auch im Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. So veranstaltete die VDJ am 28. Januar 1984 in Frankfurt a. M. ein Forum \"Juristen gegen Raketenstationierung\" und unterst\u00fctzte die \"selbstorganisierte Volksbefragung\" am 17. Juni 1984, dem Tag der Europawahl. 65","Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 10. Mai 1984, mit dem ein Postbeamter wegen Mitgliedschaft und aktiver Mitarbeit in der DKP aus dem \u00f6ffentlichen Dienst entfernt wurde, bezeichnete der VDJ-Bundesvorstand als \"gerichtliches Unwerturteil\", das \"jenseits des Grundgesetzes\" liege. Es bleibe Aufgabe aller Demokraten, \"diese Berufsverbotspraxis solange anzuprangern, bis sie abgeschafft ist\". 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975/76 mit Unterst\u00fctzung der DKP gegr\u00fcndet. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossinnen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". Auf Antrag der Mitglieder des Zentralen Arbeitskreises (ZAK), eines Gremium, das die DFI-Arbeit auf Bundesebene beschlie\u00dft, wurde Anfang 1984 die DFI e.V. mit Sitz in K\u00f6ln in das Vereinsregister eingetragen. Diesem Verein geh\u00f6ren nur die Mitglieder des ZAK an. Auf der Bundeskonferenz der DFI am 273. Juni 1984 in K\u00f6ln beschlossen die Vertreterinnen der insgesamt 120 Ortsgruppen das k\u00fcnftige Arbeitsund Aktionsprogramm. Danach stehen die Forderungen nach Zur\u00fccknahme der Stationierung neuer US-Mittelstreckenraketen und der Kampf gegen die Einberufung von Frauen in die Bundeswehr weiterhin im Mittelpunkt der DFI-Arbeit. Wie in den Jahren zuvor rief die DFI auch 1984 anl\u00e4\u00dflich des \"Internationalen Frauentages\" am 8. M\u00e4rz 1984 zu zahlreichen Aktionen f\u00fcr \"Gleichberechtigung\" sowie gegen \"Sozialabbau\" und \"NATONachr\u00fcstung\" auf. In M\u00fcnchen \"verweigerten\" Frauen der DFI gemeinsam mit Frauen von DKP, DFG-VK, MSB Spartakus, SHB, SDAJ, VVN-BdA und anderen Organisationen anl\u00e4\u00dflich einer Veranstaltung zum \"Internationalen Frauentag\" \u00f6ffentlich \"jede milit\u00e4rische Verplanung ihrer Person\". Federf\u00fchrend war die DFI innerhalb der \"Aktion Muttertag\", einem Zusammenschlu\u00df unterschiedlicher Frauengruppierungen, dem auch die DKP angeh\u00f6rte. Mechthild Jansen, ehemalige Vorsitzende des SHB und jetzt 1. Vorsitzende der DFI, war Kontaktperson der \"Aktion Muttertag\", die am 12. Mai 1984 einen \"gro\u00dfen Frauenprotest gegen die Regierenden\" in Bonn organisierte. Unter der zentralen Losung \"Nicht nur Blumen - Rechte fordern wir\" protestierten rund 6.000 Frauen u.a. f\u00fcr die 35-Stunden-Woche und die Zur\u00fccknahme der Stationierung neuer Atomraketen. Die von der DFI gegr\u00fcndete und gef\u00fchrte Initiative \"Frauen in die Bundeswehr - Wir sagen Nein!\" geh\u00f6rte dem \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" an. 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Bei der Neuen Linken handelt es sich um linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der sozialrevolu66","tion\u00e4ren Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen sind. Ihr Ziel ist die kommunistische Gesellschaft. Sie lehnen jedoch den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Die dogmatischen Organisationen orientieren sich \u00fcberwiegend an der Ideologie des Marxismus-Leninismus in der Weiterentwicklung durch Mao Zedong oder die gegenw\u00e4rtige F\u00fchrung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh); einige Gruppierungen richten sich nach dem Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) oder folgen den Lehren Trotzkis. Bei den undogmatischen Gruppen reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige Gruppen der Neuen Linken bekennen sich offen zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, die den Weg zur Diktatur des Proletariats \u00f6ffnen soll. Die seit l\u00e4ngerer Zeit anhaltende Krise innerhalb gro\u00dfer Teile der Neuen Linken setzte sich 1984 fort. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr war die Orientierung der Arbeit an der illusion\u00e4ren Vorstellung, mit Hilfe der marxistischleninistischen Ideologie bestimmenden Einflu\u00df auf die Arbeiterklasse nehmen und eine Umw\u00e4lzung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse einleiten zu k\u00f6nnen. Hinzu kamen die Schw\u00e4chen, die sich bei ihren einstigen revolution\u00e4ren Leitbildern in der Dritten Welt, Kuba und Vietnam, zeigten, und der Kurswechsel der KPCh nach dem Tode von Mao Zedong. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte bei vielen Gruppen nachlassendes Interesse an aktiver Mitarbeit in den vielfach straff gef\u00fchrten Kaderorganisationen zu einer Stagnation der Mitgliederzahl, zu erheblichen Mitgliederverlusten und sogar zur Aufl\u00f6sung. Der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) konnte den seit Jahren drohenden Verfall trotz einschneidender organisatorischer und personeller Ma\u00dfnahmen nicht mehr verhindern. Die Mitgliederversammlung vom 16. Februar 1985 in Frankfurt a.M. beschlo\u00df deshalb die Aufl\u00f6sung des KBW als politische Organisation. Von dieser r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung waren die MarxistischLeninistische Partei Deutschlands (MLPD) und die Marxistischen Gruppen (MG) nicht betroffen. Beide Organisationen konnten bundesweit sogar leichte Mitgliedergewinne verzeichnen. Nach der theoretischen Diskussion \u00fcber die \"Krise des Marxismus\" stellten die meisten Gruppen das Bem\u00fchen um praktische Politik in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten. Sie sahen ihr zentrales Anliegen in der Zusammenf\u00fchrung der zersplitterten kommunistischen Kr\u00e4fte. Kennzeichnend f\u00fcr diese Bem\u00fchungen um eine verst\u00e4rkte Einheitsfront waren 1984 die Fusionsgespr\u00e4che zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) - KPD - und der Gruppe Internationale Marxisten - Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM), die gemeinsamen ZK-Sitzungen der KPD und des Bundes Westdeutscher Kommunisten (BWK) sowie die Vereinbarung \u00fcber die Herausgabe einer gemeinsamen Publikation, die als Beilage zu ihren Zentralorganen verbreitet wurde. Dem zwischenzeitlich erweiterten Herausgeberkreis geh\u00f6ren neben KPD und BWK auch mehrere anarchistische Gruppierungen an. F\u00fcr 1985 haben Teile dieses Kreises gemeinsame Veranstaltungen angek\u00fcndigt. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken engagierten sich 1984 vorwiegend im Betriebs-, Bildungs-, \"Antifaschismus\"-, \"Antiimperialismus\"und Ausl\u00e4nderbereich. Sie nutzten weiterhin die Friedensbewegung als Aktionsfeld, um ihre revolution\u00e4ren Ziele zu verfolgen. Einige dieser 67","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke Undogmat. Dogmatische Gruppen Gruppen Albanienalte Linie Mao Zedongs neue Peking-Linie Trotzkisten Sonstige orientiert autonome MLPD AB KB BWK KBW KPD GIM MG Gruppen VOLKSL- - RJVD - RSF FRONT RSJ - MLSV \\- KHB L- MLBI I-ASKo BDP/BDJ LV-Bayern RBK Nebenorganisationen beeinflu\u00dfte Organisationen","Gruppen sahen aber auch im \"Kampf gegen die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Umwelt\" eine neues Profilierungsfeld. Im Zusammenhang mit der Europawahl am 17. Juni riefen mehrere Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken zum \"Wahlboykott\" oder zur Abgabe von \"ung\u00fcltigen Stimmzetteln\" auf. Fehlende Bereitschaft zur Mitarbeit und beachtliche Mitgliederverluste f\u00fchrten bei einigen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken zu einem Nachlassen der Aktivit\u00e4ten. Vielfach waren davon noch existente Nebenorganisationen betroffen, die 1984 in der \u00d6ffentlichkeit nicht mehr in Erscheinung traten. Hierzu geh\u00f6rten die BWK-Hochschulzellen, die dem KBW nahestehende Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung (VrV) und die von der KPD beeinflu\u00dften Gruppierungen Rote Hilfe Deutschlands (RHD) und Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk (AG-FLV). Die undogmatische Neue Linke blieb in ihren Randbereichen weiterhin un\u00fcbersichtlich und militant. Ihre Forderungen nach \"alternativen Lebensformen\", \"Autonomie\" und \"Freir\u00e4umen\" in Staat und Gesellschaft hielten an. Seit etwa drei Jahren r\u00fccken die \"autonomen\" Gruppen st\u00e4rker in den Vordergrund. Nach ihrer Strategie \u00fcber \"gewaltbejahende\" und \"gewaltfreie\" Aktionsformen verstehen sie unter \"gewaltfrei\" jedoch nur den Ausschlu\u00df \"verletzender\" Gewalt gegen Menschen. Hierbei sehen auch die \"Gewaltfreien\" bestimmte Gesetzesverst\u00f6\u00dfe wie Stra\u00dfenblockaden oder Eindringen in umz\u00e4unte milit\u00e4rische Anlagen als gerechtfertigte \"Regelverletzungen\" an. Die meist kleinen Gruppen der undogmatischen Neuen Linken konzentrierten ihre Aktivit\u00e4ten 1984 auf die NATO-Nachr\u00fcstung als \"imperialistische Kriegsvorbereitung\" und die Umweltschutzbewegung, weil dort eine \"Konfrontation mit dem System\" am ehesten m\u00f6glich sei. Ihre Anh\u00e4nger, auch aus Bayern, beteiligten sich an den Protestaktionen gegen die Startbahn West des Rhein-Main-Flughafens in Frankfurt a.M. und den Man\u00f6verbehinderungen im Raum Fulda. 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Die aus dem ehemaligen Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene, 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD bezeichnet sich als \"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in West-Berlin\". Ihr grundlegendes Ziel ist der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen\" L\u00e4ndern, einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiterklasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die ei69","ner \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die Mitgliederzahl der MLPD lag im Bundesgebiet zum Jahresende bei 1.100 (1983: 1.000). In Bayern liegen die Schwerpunkte der MLPD im fr\u00e4nkischen und s\u00fcdbayerischen Raum. Mit etwa 70 Aktivisten blieb der Mitgliederstand der MLPD in Bayern gegen\u00fcber dem Vorjahr konstant. Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint w\u00f6chentlich in einer unver\u00e4nderten Auflagenzahl von rund 10.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Anfang Januar ver\u00f6ffentlichte die MLPD in einer Sondernummer ihres Mitteilungsblattes \"lernen und k\u00e4mpfen\" (luk) die Aufgaben der Partei im \"proletarischen Klassenkampf\" f\u00fcr 1984. Als Schwerpunkte wurden hierbei der \"aktive Widerstand gegen den Atomtod\", die \"Durchsetzung der 35-Stunden-Woche\" und der \"Kampf gegen die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Umwelt\" genannt. Dar\u00fcber hinaus k\u00fcndigte die MLPD eine Kampagne zur \u00dcberwindung der \"Schw\u00e4che und Stagnation\" in der Parteiarbeit an. In einem Aufruf hierzu stellte die MLPD die wesentlichen Merkmale einer \"Massenpartei\" heraus. Dazu geh\u00f6ren insbesondere: Eiserne Disziplin, st\u00e4ndige Schulung der Kader, lebendige Massenagitation und Propaganda, bewegliche Massentaktik, geschickte B\u00fcndnispolitik und Konzentration der Kr\u00e4fte auf die Betriebe. Die MLPD setzte 1984 den Aufund Ausbau von Betriebsgruppen mit eigenen Betriebszeitungen weiter fort. Die Zeitungen enthielten vielfach Artikel \u00fcber aktuelle betriebliche Probleme wie Kurzarbeit, Entlassungen und Aussperrungen, in denen die MLPD vor allem gegen \"Ausbeutung\", \"politische Disziplinierung\" und \"Sozialabbau\" agitierte. Im Vordergrund der Berichterstattung stand jedoch die Forderung nach Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche. Neben den Betriebszeitungen berichtete die \"Rote Fahne\" wiederholt \u00fcber Aktivit\u00e4ten bayerischer MLPD-Ortsgruppen, die durch Parteiversammlungen, Verkauf von Brosch\u00fcren und Verteilung von Flugbl\u00e4ttern \"offensiv\" zur \"Organisierung des Kampfes\" beigetragen h\u00e4tten. In ihrem Zentralorgan vom 10. M\u00e4rz erkl\u00e4rte die MLPD, sie f\u00fchre diesen Arbeitskampf als \"Schule des Klassenkampfes\" und in dem Wissen, da\u00df die \"Arbeitslosigkeit erst im Sozialismus beseitigt werden kann\". Zum 1. Mai f\u00fchrte die MLPD in Bayern unter dem Motto \"Kampf f\u00fcr Arbeit und Frieden - Vorw\u00e4rts zum Sozialismus\" in einigen St\u00e4dten eigene Maifeiern durch. Angeh\u00f6rige der MLPD beteiligten sich ferner an den gewerkschaftlichen Mai-Kundgebungen. Im \"Kampf gegen die Zerst\u00f6rung der nat\u00fcrlichen Umwelt\" sieht die MLPD neuerdings ein weiteres, nutzbares Bet\u00e4tigungsfeld. Sie agitierte 1984 in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe gegen die Umweltverschmutzung und ihre Folgen. Verschiedene Publikationen enthielten Artikel \u00fcber aktuelle Umweltprobleme wie Entschwefelung der Kraftwerke, Einf\u00fchrung von Katalysatoren und Ausbau umweltfreundlicher Nahverkehrssysteme. Anh\u00e4nger der MLPD verbreiteten Flugschriften und die Brosch\u00fcre \"Sch\u00fctzt den Wald und euere Kinder\". Zur Verbreitung ihres Propagandamaterials nutzte die MLPD auch Veranstaltungen demokratischer Organisationen. So sollen nach Angaben der MLPD bei der Demonstration des Bundes Naturschutz in Bayern e.V. am 10. November in M\u00fcnchen trotz \"massiver Behinderung\" durch den Veranstalter rund 4.000 Flugbl\u00e4tter und 80 Bro70","Publikationen der Neuen Linken Proletarier aller L\u00e4nder, vereinigt euch! Spendet f\u00fcr die ROTE FAHNE Rote Fahne Zentralorgan der Marxistisch-Leninistischen Partei Deutschlands -- M L P D DEITIOKR4TISCHER IHFORITUlTIOnS DIENST Herausgegeben vom Anti-Strau\u00df-Komltee - Nov. 1984 Nr. 55 2,-F\u00fcr den Aufbau k\u00e4mpfende \\ufbau des des BDJ BDJgg j f i & n f t Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch! Proletarier aller L Politische Berichte \u00c4","sch\u00fcren verteilt worden sein. Die MLPD-Ortsgruppe M\u00fcnchen habe hierbei aus anderen St\u00e4dten des Bundesgebietes Unterst\u00fctzung erhalten. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" wandte sich die MLPD gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen und rief zum \"Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen\" auf. Angeh\u00f6rige der MLPD wirkten bei den von anderen linksextremen Gruppierungen durchgef\u00fchrten \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\" mit und beteiligten sich an den \"Osterm\u00e4rschen\". Zum \"Antikriegstag\" am 1. September f\u00fchrte die MLPD in einigen St\u00e4dten eigene Veranstaltungen durch. Zur Europawahl am 17. Juni warb die MLPD f\u00fcr das \"bewu\u00dfte Ung\u00fcltigmachen\" der Stimmzettel als \"richtige Absage\" an das \"Europa der Monopole\". Nach Auffassung der MLPD ist ein vereintes Europa der Arbeiter und Werkt\u00e4tigen erst nach dem Sturz des Monopolkapitals in den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern m\u00f6glich. Am 16. Dezember veranstaltete die MLPD in M\u00fcnchen ein \"Rote FahnePressefest\" mit Reden, Liedern und Sketchen. An der Veranstaltung nahmen etwa 80 Personen teil. Nebenorganisationen der MLPD sind der Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands (RJVD) mit seinem Organ \"Rebell\", der Marxistisch-Leninistische Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) mit dem Organ \"Roter Pfeil\" und der Marxistisch-Leninistische Bund Intellektueller (MLBI). Den Nebenorganisationen geh\u00f6ren bundesweit nur noch 350 Mitglieder (1983: 600) an. Auf einem au\u00dferordentlichen Delegiertentag beklagte der MLPD-Vorsitzende den beachtlichen Mitgliederschwund und forderte den RJVD auf, neben seiner Schwerpunktarbeit in \"Betrieb und Gewerkschaft\" verst\u00e4rkt durch Gr\u00fcndung von Kulturgruppen, durch Mitarbeit in antimilitaristischen Arbeitskreisen, in der Gewerkschaftsjugend, in Sportvereinen, in der Naturfreundejugend oder auch in Video-Clubs f\u00fcr den Marxismus-Leninismus und die MLPD zu werben. 3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstandene AB beruft sich auf den MarxismusLeninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\" damit, da\u00df die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB hat die politische Entwicklung in der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedong nicht nachvollzogen. Er kritisiert die gegenw\u00e4rtige politische F\u00fchrung Chinas und verurteilt die \u00d6ffnung nach dem Westen als \"Revisionismus\". Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6ttingBurghausen-Waldkraiburg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. 72","Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie wird in einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im Auftrag des Zentralkomitees vom AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsverlag\" in M\u00fcnchen herausgegeben. Der im Impressum der KAZ angek\u00fcndigte zweimonatliche Erscheinungsrhythmus wurde nicht eingehalten. 1984 erschienen lediglich eine Normalausgabe und eine Sondernummer. Dar\u00fcber hinaus verbreitete der AB zahlreiche Flugbl\u00e4tter. Im Bildungsbereich wird der AB von seiner Nebenorganisation Kommunistischer Hochschulbund (KHB)unterst\u00fctzt. Der KHB geh\u00f6rt nach wie vor zu den einflu\u00dfreichsten und aktivsten linksextremen Gruppen an den bayerischen Hochschulen. Aktivit\u00e4ten der weiteren Nebenorganisation Rote Sch\u00fclerfront (RSF) wurden 1984 nicht mehr bekannt. Innerhalb der Organisationen der dogmatischen Neuen Linken nimmt der AB in Bayern eine herausragende Position ein. Er trat 1984 mit Unterst\u00fctzung der von ihm beeinflu\u00dften Gruppierungen verst\u00e4rkt mit Aktionen in der \u00d6ffentlichkeit auf. Anla\u00df hierf\u00fcr waren insbesondere die Kommunalwahlen in Bayern am 18. M\u00e4rz und die Europawahl am 17. Juni. Der AB und sein Umfeld nutzten die Wahlk\u00e4mpfe f\u00fcr zahlreiche Propagandaaktionen, die sich vornehmlich gegen die CSU richteten. So f\u00fchrte der AB am 17. M\u00e4rz in M\u00fcnchen einen Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung durch, an dem sich rund 250 Personen beteiligten. Mehrere Teilnehmer trugen dabei Gesichtsmasken bekannter Pers\u00f6nlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, mit denen das kapitalistische System angeprangert werden sollte. In einer Brosch\u00fcre zu den Kommunalwahlen erkl\u00e4rte der AB: \"Nein - Keine Stimme der schwarzbraunen Reaktion! Keine Stimme der CSU und NPD! W\u00e4hl SPD!\". Im Zusammenhang mit der Europawahl st\u00f6rten Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes wiederholt CSUKundgebungen durch Sprechch\u00f6re, Trillerpfeifen und Werfen von Gegenst\u00e4nden in Richtung Rednerpult. Ein weiteres Bet\u00e4tigungsfeld des AB war 1984 wiederum die AntifaschismusKampagne. Hierbei setzte der AB seine Bem\u00fchungen um \"antifaschistische Aktionsb\u00fcndnisse\" fort. Er wirkte ferner bei Aktionen mit, die DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen durchf\u00fchrten. Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes beteiligten sich wiederholt an Protestkundgebungen gegen Veranstaltungen der NPD und ihrer Jugendorganisation, die von der VVN-BdA initiiert wurden. Au\u00dferdem f\u00fchrten Anh\u00e4nger des AB am 26. September in M\u00fcnchen aus Anla\u00df des 4. Jahrestages des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest (26. September 1980) einen Aufzug mit anschlie\u00dfender Mahnwache vor dem Mahnmal durch. Dar\u00fcber hinaus st\u00f6rten am 18. November Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag. Die St\u00f6rer zeigten dabei ein Transparent mit der Aufschrift \"Wir danken der Roten Armee f\u00fcr die Befreiung vom Hitlerfaschismus\". In Flugbl\u00e4ttern und anderen Publikationen wandte sich der AB gegen die \"amtlicherseits verordnete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und die damit verbundene unbefriedigende Unterbringung von Asylanten in Sammellagern. Bei den Aktionen gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" bediente sich der AB des von ihm beeinflu\u00dften und unterst\u00fctzten Aktionsausschusses gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammellager, der wiederholt die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesre73","gierung und die Behandlung von Asylbewerbern in der Bundesrepublik Deutschland kritisierte. In diesem Zusammenhang unterh\u00e4lt der AB auch lose Kontakte zu extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen. So nahmen Vertreter des AB an einem \"B\u00fcrgerfest\" teil, das Anh\u00e4nger der Sozialrevolution\u00e4ren t\u00fcrkischen Gruppierung Devrimci Yol am 29. Juli in M\u00fcnchen veranstalteten. Im Rahmen des \"Arbeitskampfes\" setzte sich der AB f\u00fcr die Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein. Er verbreitete hierzu zahlreiche Betriebszeitungen und Flugbl\u00e4tter. Zum 1. Mai f\u00fchrte der AB in M\u00fcnchen einen eigenen Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung durch, an dem sich rund 600 Personen beteiligten, darunter viele Griechen und T\u00fcrken. Dar\u00fcber hinaus veranstaltete der AB mehrere \"Arbeiterbildungsabende\". Trotz dieser Aktivit\u00e4ten ging 1984 die Betriebsarbeit erneut zur\u00fcck. Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der Anti-Strau\u00df-Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten \"Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgabe, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Heute bestehen noch Anti-Strau\u00df-Komitees in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand liegt in M\u00fcnchen unver\u00e4ndert bei etwa 40, in Regensburg bei \u00fcber 50. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird. Die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 Exemplare. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1984 den AB insbesondere bei den Aktionen gegen die CSU anl\u00e4\u00dflich der Kommunalund Europawahl, ferner im \"Kampf um die 35-Stunden-Woche\", in der Kampagne gegen \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" sowie in der Agitation gegen den Bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten. Wiederholt wurden auch Anh\u00e4nger der ASKo's als St\u00f6rer von CSU-Wahlkundgebungen festgestellt. Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten 1984 waren jedoch die Protestaktionen gegen den Zivilen Sicherheitsdienst (ZSD), die sogenannten \"Schwarzen Sheriffs\", die Einrichtungen des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs im Raum M\u00fcnchen bewachen. Das ASKo M\u00fcnchen verbreitete hierzu eine gro\u00dfe Anzahl von Flugbl\u00e4ttern und eine Brosch\u00fcre. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte das ASKo in M\u00fcnchen mehrere, vielfach nicht angemeldete Protestversammlungen durch. An der Versammlung am 28. Juni beteiligten sich rund 130 Personen. Der 1971/72 vom Bund der Pfadfinder (BdP) abgespaltene Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend (BDP/BDJ) - Landesverband Bayern betrachtet nach einer von ihm erarbeiteten Grundsatzerkl\u00e4rung das \"kapitalistische System\" als Haupthindernis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Interessen der arbeitenden und lernenden Jugend und h\u00e4lt deshalb eine \"grundlegende Umw\u00e4lzung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" f\u00fcr notwendig. Dar\u00fcber hinaus tritt er f\u00fcr den Wiederaufbau der 1951 wegen verfassungsfeindlicher Bet\u00e4tigung verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein. 74","Dem BDP/BDJ-Landesverband Bayern geh\u00f6ren unver\u00e4ndert \u00fcber 50 Personen an. Er wird vom AB beeinflu\u00dft. Ortsgruppen bestehen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. In Regensburg tritt die Gruppe unter der Bezeichnung Demokratischer Jugendzirkel Regensburg auf. Organ des BDP/BDJLandesverbandes Bayern ist die Zeitschrift \"K\u00e4mpfende Jugend\", die dem AB als Werbetr\u00e4ger dient. Zur Wiederbelebung der verbotenen FDJ meldete eine Funktion\u00e4rin des BDP/BDJ-Landesverbandes Bayern f\u00fcr den 11. Mai in Essen die Vorf\u00fchrung eines Filmes \u00fcber den 1983 erstmals aufgef\u00fchrten \"Herrnburger Bericht\" von Bertolt Brecht und Paul Dessau an. Als Tr\u00e4ger dieser Aktion trat abermals ein vom AB beeinflu\u00dfter \"F\u00f6rdererkreis\" auf. Am 11. Mai reisten etwa 400 Personen, darunter zahlreiche Anh\u00e4nger des AB und des BDP/BDJ aus Bayern, zur Filmauff\u00fchrung nach Essen. \"Kulturgruppen\" mit Mitgliedern und Anh\u00e4ngern des AB aus Aachen, Bremen, Mainz, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg er\u00f6ffneten die Veranstaltung mit Liedervortr\u00e4gen. Ein Spielmannszug sowie die AB-eigene Musikund Theatergruppe \"Roter Wecker\" warben in der Innenstadt von Essen f\u00fcr den Besuch der Filmvorf\u00fchrung. Am 5. Juli fand vor dem Landgericht Koblenz der Proze\u00df gegen einen ehemaligen Stabsarzt der Reserve wegen Verdachtes der verfassungsfeindlichen Einwirkung auf die Bundeswehr (SS 89 StGB) statt. Verhandlungsgegenstand war der 1980 verbreitete \"Soldatenaufruf\" zur \"Gehorsamsverweigerung im Kriegsfall\" f\u00fcr den der Angeklagte verantwortlich gezeichnet hatte. Am Verhandlungstag reisten etwa 250 Personen, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige des BDP/BDJLandesverbandes Bayern, nach Koblenz. Etwa 60 Personen marschierten in Uniformen der Bundeswehr vor das Gerichtsgeb\u00e4ude, f\u00fchrten dort Sympathiekundgebungen f\u00fcr den Angeklagten durch und verteilten Propagandamaterial. Im Zusammenhang mit dem Proze\u00df erkl\u00e4rte ein f\u00fchrendes bayerisches Mitglied des BDP/BDJ im \"Rundbrief\" vom 21. Mai, \"dieser Proze\u00df verlangt im Sinne der Vereinigung der revolution\u00e4ren Jugend unsere ganze Arbeit. Die imperialistische Armee zu zersetzen, das ist das Herzst\u00fcck revolution\u00e4rer Jugendarbeit\". Bei seinen Propagandaaktionen konnte sich der AB auch auf das von ihm beeinflu\u00dfte Regensburger B\u00fcrgerkomitee (RBK) st\u00fctzen, das die Zeitschrift \"Zur Sache\" herausgibt. Bei den Kommunalwahlen kandidierte das RBK mit einem eigenen Wahlvorschlag f\u00fcr den Stadtrat in Regensburg und erzielte 1,24 % der abgegebenen Stimmen, die allerdings f\u00fcr ein Mandat nicht ausreichten. 3.4 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1981 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Die Delegierten bekr\u00e4ftigten auf ihrem 2. Kongre\u00df am 16./17. Januar 1982 in Hamburg die bisherige \"revolution\u00e4re Linie\" des KB. H\u00f6chstes Organ des KB ist der \"Nationale Kongre\u00df\". Die \"Zellen\" in Betrieben, B\u00fcros, Ausbildungsst\u00e4tten, Institutionen und Wohngebieten bilden die Grundeinheiten des KB, der nach wie vor ohne schriftlich festgelegtes Programm arbeitet. Ende 1984 hatte der KB im Bundesgebiet noch etwa 400 Anh\u00e4nger 75","(1983: etwa 500). Die Mehrzahl seiner Aktivisten ist in Hamburg organisiert. In Bayern lag die Zahl der Anh\u00e4nger unver\u00e4ndert unter 30. Der Schwerpunkt befindet sich in N\u00fcrnberg. Zentralorgan des KB ist die Monatszeitung \"Arbeiterkampf\", die unver\u00e4ndert in der Vorjahresauflage von rund 5.000 St\u00fcck im KBeigenen Verlag \"Hamburger Satzund Verlagskooperative GmbH\" herausgegeben wird. Schwerpunkte in der politischen Agitation des KB waren wiederum die Themen \"Antiimperialismus\", \"Antifaschismus\" und \"Antimilitarismus\". Hierzu rief der KB seine Anh\u00e4nger auf, die Kampagne der \"Friedensbewegung\" zu unterst\u00fctzen, an dem \"Marsch gegen Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\" teilzunehmen und bei den Aktionen gegen die Herbstman\u00f6ver mitzuwirken. Zur Durchf\u00fchrung eigener Aktionen war der KB in Bayern finanziell und personell nicht mehr in der Lage. Lediglich der KB-N\u00fcrnberg lud im \"Arbeiterkampf\" vom 9. April zu einer dreiteiligen \"Schulung zur Staatsfrage\" ein. 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Ehemalige Anh\u00e4nger des KBW gr\u00fcndeten 1980 in Hannover den BWK, f\u00fcr den nach wie vor das vom KBW 1973 beschlossene und 1976 \u00fcberarbeitete Programm gilt. Nach diesem Programm bekennt sich der BWK zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistisch-leninistischen Sinne und propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Im Bundesgebiet einschlie\u00dflich Berlin (West) bestehen sieben Landesverb\u00e4nde, die in Bezirke unterteilt sind. Grundeinheiten sind die Zellen. Der Landesverband Bayern wird von M\u00fcnchen aus geleitet. Ihm unterstehen mehrere Bezirke mit Bezirksleitungen. Zum Jahresende hatte der BWK auf Bundesebene 400 Mitglieder (1983: etwa 450). In Bayern entsprach die Mitgliederzahl von rund 100 der des Vorjahres. Organ des BWK ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung - Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1984 unver\u00e4ndert 1.500 St\u00fcck. Neben der Verlagsgesellschaft in K\u00f6ln bestehen auf der Ebene der Landesverb\u00e4nde weitere Verlage. Der GNNVerlag f\u00fcr Bayern, der seinen Sitz in M\u00fcnchen hat, brachte 1984 Betriebszeitungen sowie Flugbl\u00e4tter und interne Schriften des BWK zu regionalen Themen heraus. Die Agitation des BWK richtete sich 1984 vorrangig gegen die westliche Verteidigungsgemeinschaft, den \"US-Imperialismus\" und die Herbstman\u00f6ver in Bayern. Der BWK bezeichnete den Entwurf der Bundesregierung zum neuen Zivilschutzgesetz als \"Mobilmachungsgesetz\" nach Art der \"faschistischen Volkssturmerlasse\". In seinen Publikationen wandte sich der BWK wiederholt gegen die Wirtschaftsund Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung. Er kritisierte die \"Ausbeutung\" der ausl\u00e4ndischen Arbeiter und rief zur Teilnahme an dem vom Koordinationsausschu\u00df \"Frankfurter Appell\" initiierten \"Marsch gegen Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\" auf. Im Zusammenhang mit der Europawahl am 17. Juni sprach sich der BWK f\u00fcr einen Wahlboykott aus. 76","Die bereits vor mehreren Jahren begonnene Zusammenarbeit zwischen BWK und KPD wurde 1984 fortgesetzt. So vereinbarten beide Organisationen, das vom BWK herausgegebene Nachrichtenheft \"Metall\" f\u00fcr Beitr\u00e4ge der KPD zu \u00f6ffnen. 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der im Jahre 1973 entstandene KBW bekannte sich bis zur VII. Delegiertenkonferenz am 21 ./22. Mai 1983 in Frankfurt a.M. zur \"proletarischen Revolution\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagierte offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und strebte die \"Machtergreifung durch die Volksmassen\" an. Sein Vorbild war die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Um den seit Jahren andauernden Mitgliederschwund aufzufangen, \u00e4nderte der KBW 1983 sein Parteikonzept und verabschiedete eine neue Satzung, die das Mitglied lediglich verpflichtet, f\u00fcr das \"Ziel des Kommunismus\" einzutreten. Gleichzeitig wurde den Mitgliedern der Eintritt in andere politische Gruppierungen gestattet. Die Mitglieder sollten k\u00fcnftig den KBW nur noch als \"einen Ausgangspunkt unter anderen\" betrachten, um \"neue Formen der Zusammenarbeit von Revolution\u00e4ren zu entwickeln\". Auch diese einschneidenden \u00c4nderungen konnten jedoch den weiteren Niedergang des KBW nicht verhindern. Zum Jahresende 1984 z\u00e4hlte der KBW im Bundesgebiet noch etwa 200 Mitglieder (1983: 300). In Bayern ging die Mitgliederzahl auf rund 20 Personen zur\u00fcck; Aktivit\u00e4ten waren 1984 nicht mehr feststellbar. Die Mitgliederversammlung vom 16. Februar 1985 in Frankfurt a.M. beschlo\u00df die Aufl\u00f6sung des KBW als \"politischer Organisation\". Die vorhandenen Verm\u00f6genswerte des KBW \u00fcbernimmt der neugegr\u00fcndete Verein \"Assoziation\", der sich nach Aussage eines ehemaligen KBW-Funktion\u00e4rs als \"Teil der links-gr\u00fcnalternativen Bewegung\" versteht. Ein weiterer noch zu gr\u00fcndender \"Belegschaftsverein\" soll das weitere Erscheinen der fr\u00fcheren KBW-Zeitschrift \"Kommune - Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie\" sichern. 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Die im Dezember 1968 in Hamburg gegr\u00fcndete KPD bekennt sich zu den \"unverg\u00e4nglichen Lehren von Marx, Lenin und Stalin\". Sie tritt offen f\u00fcr die \"gewaltsame sozialistische Revolution\", die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats\" ein. Die KPD lehnt den Kommunismus in der derzeitigen sowjetischen Auspr\u00e4gung ab. Ihr ideologisches Vorbild ist die Volksrepublik Albanien. Zur Vertiefung ihrer \"br\u00fcderlichen Beziehung\" zur Partei der Arbeit Albaniens (PAA) reisten auch 1984 Delegationen der KPD nach Tirana. F\u00fchrungsgremium der Partei ist das Zentralkomitee. Die laufende Arbeit verrichtet das Politb\u00fcro in Dortmund. Neben dem auf organisatorischer Ebene bestehen \"Nationalen Ausschu\u00df\" unterh\u00e4lt die KPD drei Landesverb\u00e4nde (Nord, Mitte und S\u00fcd) und zw\u00f6lf Landesbezirksverb\u00e4nde, davon zwei in Bayern. Daneben bestehen in mehreren St\u00e4dten Bayerns KPD-Gruppen oder -Zellen. Die KPD z\u00e4hlte Ende 1984 im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 400 Mitglieder. Der Mitgliederstand in Bayern lag unter 50 Personen. Zentralorgan der KPD ist 77","der \"Rote Morgen\", der w\u00f6chentlich in einer Auflage von etwa 1.500 Exemplaren (1983: 6.000) erscheint. Als theoretisches Organ gibt die KPD viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Kommunistische Hefte\" heraus. Daneben verbreitet die KPD das Funktion\u00e4rsorgan \"Der Kommunist\". Agitationsschwerpunkte der KPD waren 1984 der Kampf gegen \"Reaktion und Faschismus\" und gegen die \"menschenverachtende\" Ausl\u00e4nderpolitik. Dar\u00fcber hinaus agitierte die KPD gegen die \"zunehmende Arbeitsplatzvernichtung\" und den \"fortschreitenden Sozialabbau\". Im Zusammenhang mit der Europawahl am 17. Juni beschlo\u00df die KPD, weder zu kandidieren noch Wahlempfehlungen f\u00fcr andere Parteien auszusprechen. Sie werde stattdessen die eigenen Kr\u00e4fte auf den \"Kampf um die 35-StundenWoche\" konzentrieren, um mehr \"politischen Druck auf die Bourgeoisie einschlie\u00dflich ihrer Regierung\" auszu\u00fcben. Zur Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen BWK und KPD fanden 1984 zwei gemeinsame ZK-Sitzungen statt. Au\u00dferdem erschienen 1984 drei Ausgaben der vereinbarten gemeinsamen Publikation, die als Beilagen zu den Zentralorganen von BWK und KPD verbreitet wurden. Diese Beilagen sollen in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe der Diskussion und Auseinandersetzung innerhalb der \"revolution\u00e4ren Sozialisten\" dienen. In Bayern gingen die Aktivit\u00e4ten der KPD erneut zur\u00fcck. Sie beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Verbreitung von Publikationen. Die von der KPD beeinflu\u00dfte Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) wurde 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf war ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. Auf einem Sonderkongre\u00df am 12. Mai in K\u00f6ln betonten die Delegierten, die VOLKSFRONT sei keine Partei im herk\u00f6mmlichen Sinne, sondern eine \"\u00fcberparteiliche Massenorganisation\", die sich um ein einheitliches Vorgehen der antifaschistischen Kr\u00e4fte bem\u00fche. Dieser \"Einheitsfrontcharakter\" der VOLKSFRONT m\u00fcsse gewahrt bleiben. Die VOLKSFRONT verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet und z\u00e4hlte zum Jahresende 1984 wie im Vorjahr etwa 50 Mitglieder. Organ der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das seit Anfang 1984 im zweimonatlichen Rhythmus erscheint. Die VOLKSFRONT unterst\u00fctzte 1984 die Kampagne gegen die NATONachr\u00fcstung und die Aktionen der \"Friedensbewegung\". Sie engagierte sich ferner im Kampf um die Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche sowie gegen \"Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\". Unter \"starker Mitarbeit\" von Angeh\u00f6rigen der VOLKSFRONT wurde anl\u00e4\u00dflich der \"Aktionswoche gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" (10. bis 17. M\u00e4rz) in Schweinfurt ein \"Arbeitskreis gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" gegr\u00fcndet. 78","Publikationen der Neuen Linken Diese Woche ROTER] IGMDossrelitB R\"farantwi(Aiuiiga) SsiteS DWMD V\\AS TUN SOZIALISTISCHE ZEITUNG roter Maulwurf \"iFatraar-MSri\" ^ution\u00e4P-soziaiistiscne J N M \" M i * & Nr. 12 Dezember 1984 DM 2.50 B 5045 E MSZ Gegen die Kosten der Freiheit Marxistische MAZ Arbeiter Zeitung","3.8 Gruppe Internationale Marxisten - Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Bis zum Jahresende wurden wie im Vorjahr etwa 13 teils bundesweit, teils nur regional aktive Gruppen bekannt, die sich auf die Lehren Trotzkis berufen. Ihr Mitgliederstand lag unver\u00e4ndert bei 700. Gemeinsam k\u00e4mpfen diese Gruppen, die oft miteinander konkurrierenden Richtungen des internationalen Trotzkismus angeh\u00f6ren, f\u00fcr die \"permanente Revolution\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zerschlagen und die \"Diktatur des Proletariats\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft errichten zu k\u00f6nnen. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ein. Die bedeutendste dieser trotzkistischen Gruppen ist die im Mai 1969 gegr\u00fcndete Gruppe Internationale Marxisten - Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM). Ihr geh\u00f6ren unver\u00e4ndert etwa 250 Mitglieder an. In Bayern bestehen Ortsgruppen der GIM in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahl geringf\u00fcgig zugenommen hat. Das Zentralorgan der GIM ist die vierzehnt\u00e4gig erscheinende Zeitschrift \"was tun\". Ihre Auflage liegt unver\u00e4ndert bei 2.300 Exemplaren. W\u00e4hrend des Arbeitskampfes um die Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche gab die GIM ihr Zentralorgan als w\u00f6chentliche \"Aktionszeitung\" in Auflagenh\u00f6hen bis zu 20.000 St\u00fcck heraus. Sie wurde gezielt in Betrieben eingesetzt, die im Brennpunkt der Auseinandersetzungen standen und in denen Mitglieder der GIM \"politisch pr\u00e4sent\" waren. Agitationsschwerpunkte der GIM waren 1984 insbesondere die Kampagnen \"Solidarit\u00e4t mit der Revolution in Mittelamerika\", \"gegen NATO-Nachr\u00fcstung\", \"f\u00fcr die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich\" und der \"Kampf gegen die wachsende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Mitglieder der GIM beteiligten sich an dem vom Koordinationsausschu\u00df \"Frankfurter Appell\" initiierten \"Marsch gegen Rassismus und ausl\u00e4nderfeindliche Politik\", der am 29. September in M\u00fcnchen und Hamburg begann und am 13. Oktober in K\u00f6ln endete. Im Rahmen des Vollzugs der Beschl\u00fcsse des 11. Weltkongresses der trotzkistischen IV. Internationale unterst\u00fctzte die GIM seit 1981 den Aufbau einer Revolution\u00e4r-Sozialistischen Jugendorganisation (RSJ), deren Basis aus den in mehreren St\u00e4dten gegr\u00fcndeten Jugendgruppen \"Rote Maulw\u00fcrfe\" bestand. Diese Jugendgruppen - unter ihnen auch eine aus M\u00fcnchen - schlossen sich am 13./14. Oktober in K\u00f6ln zu einer bundesweiten Organisation unter dem Namen Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugend - Roter Maulwurf (RSJ) zusammen. Die RSJ erkl\u00e4rte sich als Organisation \"in politischer Sympathie zur IV. Internationale\". Sie will als unabh\u00e4ngige Organisation, die ihre eigenen politischen und taktischen Entscheidungen trifft, bevorzugt mit der \"IV. Internationale\" und ihrer deutschen Sektion zusammenarbeiten und dadurch einen Beitrag zum Aufbau einer revolution\u00e4ren \"Masseninternationale\" leisten. Die RSJ verf\u00fcgt nach eigenen Angaben \u00fcber 16 \u00f6rtliche Gruppen im Bundesgebiet mit zusammen etwa 150 Mitgliedern und Anh\u00e4ngern. Sie gibt die Zeitung \"roter Maulwurf\" heraus. 3.9 Marxistische Gruppen (MG) Innerhalb der Neuen Linken nehmen die Marxistischen Gruppen, die sich aus den Ende der 60er Jahre entstandenen \"Roten Zellen\" entwickelten, eine Son80","derstellung ein. Nach den Merkmalen hierarchischer Aufbau, straffe Disziplin, intensive Schulung und strenge Abschirmung des Verbandslebens entsprechen die MG einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation, obwohl sie den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ablehnen. Die MG bek\u00e4mpfen die \"Demokratie\" als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und treten daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung dazu sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wollen. Die MG verf\u00fcgen bundesweit \u00fcber rund 1.500 Mitglieder (1983:1.300), darunter \u00fcberwiegend Studenten und Angeh\u00f6rige akademischer Berufe, und mehrere Tausend in \"Sympathisantenplenen\" fest eingebundene Anh\u00e4nger. Ihr organisatorischer Schwerpunkt ist Bayern. Hier bestehen Gruppen in Augsburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Bayreuth, Coburg, F\u00fcrth, Ingolstadt und Schweinfurt bekannt. Die Zahl ihrer Mitglieder in Bayern lag zum Jahresende 1984 bei 500 (1983: 400). Die MG konnten sich ferner auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen st\u00fctzen. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"Laden\" des \"Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die \"MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Organisatorisch praktizieren die MG einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangen die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch sehr hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"MSZ-Marxistische Zeitung gegen die Kosten der Freiheit\" und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Einzelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG erscheint unter dem Titel \"Resultate\". Agitationsschwerpunkte der MG waren 1984 die Kampagne gegen Bundeswehr und NATO, die Diffamierung des DGB im Zusammenhang mit der Forderung nach Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche, die Angriffe gegen den ehemaligen Bundesminister f\u00fcr Wirtschaft, die Parteispendenaff\u00e4re und die Entwicklung in Nicaragua. Hauptbet\u00e4tigungsfelder waren wiederum die Hochschulen (vgl. Abschnitt 5 Nr. 4.1) und die Betriebsarbeit. Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1984 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchten die MG in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck haben die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Agitationsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger \"wissenschaftlich\". In der \"MAZ\" und bei speziellen Veranstaltungen f\u00fcr Arbeitnehmer behandelten die MG Themen wie \"Ausbeutung durch 81","die Unternehmer\", \"35-Stunden-Woche - die Jahrhundertl\u00fcge des DGB\", \"Bilanz eines Arbeitskampfes\" und \"Pl\u00fcnderung der Rentenkassen durch den Staat\". Im Zusammenhang mit den Kommunalwahlen ver\u00f6ffentlichte die MAZ am 8. M\u00e4rz einen diffamierenden Artikel \u00fcber die f\u00fcr M\u00fcnchen nominierten OBKandidaten von CSU und SPD. Als Ergebnis stellte die MAZ fest: \"Schlie\u00dflich geht es auch den Volksvertretern um 'Arbeitspl\u00e4tze'. Dabei sind die ihren die einzigen, die sie (sich) sichern\". Zu Europawahl am 17. Juni erkl\u00e4rten die MG: \"Auch Europa w\u00e4hlen ist verkehrt!\". Zwar brauchten die \"F\u00fchrer '84: Mitterand, Thatcher, Kohl\" nicht mehr gew\u00e4hlt zu werden; wer jedoch bei den \"richtigen\" Wahlen schon an der \"Erm\u00e4chtigung seiner Obrigkeit\" mitgewirkt habe, k\u00f6nne \"nat\u00fcrlich auch zur Europawahl gehen oder es lassen\". Er habe sich \"sowieso schon daf\u00fcr entschieden, da\u00df seine Herrschaften alles mit ihm machen k\u00f6nnen, wof\u00fcr sie 'Europa' sagen\". Die MG nutzten den Arbeitskampf in der Metallund Druckindustrie f\u00fcr ihre Zwecke. Sie f\u00fchrten zu diesem Thema mehrere Diskussionsabende durch, auf denen die MG-Funktion\u00e4re vor allem gegen die Gewerkschaften agitierten. Zu der Einschaltung eines Schlichters durch die Tarifpartner ver\u00f6ffentlichte die MAZ am 20. Juni einen Artikel, in dem es hei\u00dft: \"Jetzt sind endg\u00fcltig alle Streikziele von Gesamtmetall erreicht: Die Gewerkschaft selber macht sich zum Zeugen der gewerkschaftlichen L\u00fcge: Streiken bringt nichts. Mit der Anrufung eines Schlichters r\u00e4umt die IG Metall offiziell ein, da\u00df ihr Streik die Gegenseite keinen Millimeter bewegt hat, da\u00df der Streik mit einer Niederlage endet, man ihn besser gar nicht angefangen h\u00e4tte!\". In ihren Publikationen befa\u00dften sich die MG auch mit der NATO-Nachr\u00fcstung. Sie bezeichneten die Stationierung von US-Raketen und die NATO-Man\u00f6ver als \"Kriegsvorbereitungen\". In einem Flugblatt attackierten sie die \"Friedensbewegung\" mit dem Vorwurf, vom Staat lediglich zu verlangen, \"verschone uns mit Krieg, denn das ist der einzige Zustand, der uns st\u00f6ren k\u00f6nnte\". Den Tr\u00e4gern der \"Ostermarsche\" warfen sie vor, die \"gehorsame Mehrheit im Lande\" nicht ver\u00e4ndern, sondern lediglich vereinnahmen zu wollen. Durch die Verbreitung von \"Phrasen\" h\u00e4tten sie sich zum \"blo\u00dfen Stichwortgeber f\u00fcr die Kriegsagitation der Obrigkeit\" gemacht. Im November und Dezember fanden im Bundesgebiet zahlreiche Protestaktionen der MG statt, die sich gegen den \"US-Krieg in Nicaragua\" richteten. Zu diesem Thema f\u00fchrten die MG auch in Bayern mehrere Veranstaltungen und Aufz\u00fcge durch, an denen insgesamt 2.000 Personen teilnahmen. Angeh\u00f6rige der MG aus Bayern beteiligten sich ferner an der zentralen \"Mittelamerika-Demonstration\" am 3. November in Bonn, die der \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" veranstaltete. Bei der Demonstration der MG am 18. Dezember in Regensburg nahmen auch Angeh\u00f6rige anderer Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken teil. Die mitgef\u00fchrten Transparente trugen Aufschriften wie \"Deutsche Waffen, deutsches Geld, morden mit in aller Welt\", \"F\u00fcr den Sieg der NATO-Staaten sind V\u00f6lkermorde Heldentaten\" und \"Die Freiheit marschiert - Nicaragua krepiert\". 82","3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.10.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologische Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontanit\u00e4t, Autonomie und \"Selbstorganisation der Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen Befreiung\". Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Innerhalb der undogmatischen Neuen Linken konnte 1984 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel seine Bedeutung weiter festigen. Andere Gruppen dagegen verloren an Einflu\u00df. Die bisher aus nur wenigen Anh\u00e4ngern bestehende selbst\u00e4ndige Gruppe \"Initiative Gefangenenhilfe\" N\u00fcrnberg ist den \"Autonomen\" zuzurechnen. Das \"Sozialistische B\u00fcro Offenbach\" (SB) trat 1984 in Bayern nicht mehr in Erscheinung. Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.10.2 \"Autonome\" Gruppen Mit Aktionen traten 1984 im Bundesgebiet und in Bayern Gruppen auf, die sich selbst als \"Autonome\" bezeichnen. Dabei handelt es sich vielfach um spontane und lose, in sich aber abgeschottete Zusammenschl\u00fcsse ohne einheitliches Konzept. Ihr Ziel ist, den Staat mit seinen Institutionen zu beseitigen und eine \"Autonomie\" in einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\" zu errichten. Hierzu wollen sie zun\u00e4chst \"Freir\u00e4ume\" und \"Widerstandsnester\" erk\u00e4mpfen und den \"Kampf gegen das System\" unberechenbar und flexibel f\u00fchren. Ihre vielfach militanten Aktionen richten sich nicht nur gegen \"Spekulanten, Startbahn und Kernkraft\", sondern auch gegen den \"allt\u00e4glichen Faschismus\", gegen Mittelstreckenraketen, \"Ausl\u00e4nderhetze, Knast und Repressionen\" sowie gegen den \"\u00dcberwachungsstaat\". In Bayern bestehen \"autonome\" Zusammenschl\u00fcsse in Augsburg, Erlangen, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die anla\u00dfbezogen unter Bezeichnungen wie \"Gefangeneninitiative\", \"Anti-NATO-Gruppe\" und \"Anarchistische F\u00f6deration S\u00fcdbayern\" (AFS) oder aber auch ohne Namen auftraten. Die personelle St\u00e4rke der Gruppen ist unterschiedlich; sie liegt zwischen f\u00fcnf und 20 Personen. Als Publikationen verbreiteten die \"autonomen\" Gruppen in Bayern die Zeitschriften \"freiraum\" und \"Mauerbruch\". Anfang 1984 unterst\u00fctzten einige \"autonome\" Gruppen in Bayern die vom RAFUmfeld initiierte bundesweite \"Gru\u00dfaktion an die politischen Gefangenen\". Im 83","Publikationen der undogmatischen Neuen Linken Rahmen dieser Aktion sollten m\u00f6glichst viele Personen den inhaftierten terroristischen Gewaltt\u00e4tern \"Gru\u00dftelegramme\" oder Informationsmaterial \u00fcber die in linksextremen Kreisen debattierten politischen Themen senden. Am 18. April demonstrierten in N\u00fcrnberg etwa 120 Anh\u00e4nger und Sympathisanten der \"Autonomen\" gegen das \"US-Engagement in Mittelamerika\". Bei einem weiteren Aufzug zum gleichen Thema am 16. November in N\u00fcrnberg nahmen rund 900 Personen teil, darunter Anh\u00e4nger der dogmatischen Neuen Linken und der orthodoxen Kommunisten. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sich \"Autonome\" aus Bayern auch an den Protestaktionen anl\u00e4\u00dflich der Er\u00f6ffnung der Startbahn West des Rhein-Main-Flughafens in Frankfurt a.M., bei denen es zu gewaltt\u00e4tigen Ausschreitungen zwischen den Demonstranten und der Polizei kam. Anh\u00e4nger der \"Autonomen\" f\u00fchrten am 5. Oktober in Augsburg eine Informationsveranstaltung zum Thema \"Isolationshaft - Zusammenlegung - Repressionsversch\u00e4rfung\" durch, an der sich rund 40 Personen beteiligten. Zentrale Diskussionsthemen, die sich insbesondere auf zwei in der Justizvollzugsanstalt Aichach einsitzende terroristische Gewaltt\u00e4terinnen bezogen, waren die Haftbedingungen f\u00fcr \"politische Gefangene\" und die M\u00f6glichkeiten ihrer Verteidigung. 84","3.10.3 Schriften und Verlage Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung haben Verlage, Buchl\u00e4den sowie Publikationen, die \u00fcber terroristische Aktionen informieren und Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und ihres Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu die \"B\u00fccherkiste\" N\u00fcrnberg, das Publikationsorgan der \"Anarchistischen F\u00f6deration S\u00fcdbayern\" (AFS) \"freiraum\" sowie die in N\u00fcrnberg sporadisch erscheinende Zeitschrift \"Mauerbruch\". Die Zeitschrift \"Blatt -- Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen\" wird aus finanziellen Gr\u00fcnden seit Mai 1984 nicht mehr herausgegeben. In den ersten Ausgaben der zweimonatlich erscheinenden Zeitschrift \"freiraum\" bekundeten die Verfasser ihre Sympathie zu den einsitzenden \"politischen Gefangenen\" in der Bundesrepublik Deutschland und erw\u00e4hnten ihre Beteiligung an der \"Gru\u00dfaktion\". Diese Aktion unterst\u00fctzten auch die Zeitschriften \"Blatt - Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen\" und \"Mauerbruch\". Wegen verfassungsfeindlicher Einwirkung auf die Bundeswehr (SS 89 StGB) und wegen \u00f6ffentlicher Aufforderung zur Begehung von Straftaten (SS111 StGB) wurden 1984 mehrere Ausgaben der Zeitschrift \"freiraum\" beschlagnahmt. \u00dcberregionale Bedeutung hat die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und der \"Alternativbewegung\" getragen wird. Sie berichtete wiederholt \u00fcber Vorg\u00e4nge innerhalb des undogmatischen Lagers und ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rungen und Aufrufe extremistischer Gruppierungen. Ebenfalls in Berlin (West) erschien bis April 1984 die von \"autonomen\" Kreisen herausgegebene Zeitschrift \"radikal\", in der wiederholt zum Widerstand gegen das \"System\" und zur \"grenz\u00fcberschreitenden Mobilisierung\" \u00fcber \"Autonome und Antiimpzirkel hinaus\" aufgerufen wurde. Gegen die Verantwortlichen der Zeitschrift waren mehrfach Ermittlungsund Gerichtsverfahren anh\u00e4ngig, weil die Zeitschrift wiederholt \"Positionspapiere\" und \"Bekennerschreiben\" terroristischer Gruppierungen ver\u00f6ffentlichte. Im September erschien von Z\u00fcrich aus eine Fortsetzungsnummer von \"radikal\". In einem Vorwort erkl\u00e4rten die Verfasser, die Zeitschrift werde mit \"neuen Leuten\" weitergef\u00fchrt. Als \"Vorsichtsma\u00dfnahme\" gegen\u00fcber \"Repressionen\" der Berliner Justizbeh\u00f6rden k\u00f6nne die Zeitschrift nur noch \"verdeckt geschrieben und produziert werden\". 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 4.1 Allgemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden verfassungsfeindlichen Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen kommunistische und kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen neue Initiativen, Komitees und sonstige Vereinigungen ins Leben und beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nicht extremistischen Gruppierungen und Initiativen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in den verschiedensten Lebensbereichen zum Ausdruck bringen wollen. 85","Nach wie vor bilden die Linksextremisten innerhalb der \"Friedensbewegung\" zahlenm\u00e4\u00dfig eine Minderheit. Durch die Teilnahme gro\u00dfer demokratischer Organisationen an Massenaktionen, wie beispielsweise an den \"Osterm\u00e4rschen\" und an den Aktionen im \"Friedensherbst '84\" haben sich die Relationen zahlenm\u00e4\u00dfig weiter zu Ungunsten des linksextremen Lagers verschoben. Der kommunistische Einflu\u00df geht andererseits aber weit \u00fcber seinen zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus, weil er wesentlich von der Intensit\u00e4t der Propaganda und dem Engagement innerhalb der unterschiedlichen Gruppen abh\u00e4ngt. Obwohl auch 1984 der \"Friedenskampf\" erkl\u00e4rtes Hauptbet\u00e4tigungsfeld fast aller kommunistischen Gruppierungen war, konnten sie dennoch ihren Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" gegen\u00fcber dem Vorjahr nicht mehr verst\u00e4rken. Mit der fortschreitenden Stationierung von Mittelstreckenraketen im Bundesgebiet ging der Widerstand gegen die Nachr\u00fcstung im Laufe des Jahres 1984 immer mehr zur\u00fcck. Kennzeichnend f\u00fcr diese Entwicklung waren die wesentlich geringeren Beteiligungszahlen bei den Massenveranstaltungen und das Nachlassen der Aktivit\u00e4ten. Auch die Erweiterung des Minimalkonsenses vom \"Antiraketen\"auf ein \"Antimilitarismus\"-Konzept, die innerhalb der verschiedenen Gruppen nur schwer vermittelbar war, \u00fcbte keinen stimulierenden Einflu\u00df mehr aus; sie f\u00fchrte au\u00dferdem zu Auseinandersetzungen innerhalb der \"Friedensbewegung\". Die \"Friedensbewegung\" ist keine homogene \"Bewegung\". Sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl von Gruppierungen, die sich in ihrer ideologischen Einstellung, in ihrer Organisation, in Taktik und Zielsetzung und vor allem in der Haltung zur Frage der Gewaltanwendung nicht nur unterscheiden, sondern sich teilweise sogar kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehen. Nach diesen Merkmalen k\u00f6nnen die Gruppierungen der \"Friedensbewegung\" unter Ber\u00fccksichtigung der linksextremen Beteiligung in zwei gro\u00dfe Lager zusammengefa\u00dft werden, die sich 1984 wegen ihrer unterschiedlichen Aktionskonzepte weiter voneinander entfernten. Der traditionelle Fl\u00fcgel, dessen Ideologie und Handeln nach Moskau ausgerichtet ist, war mit etwa 100.000 st\u00e4ndigen Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet wie in den Vorjahren der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Block. Er besteht im wesentlichen aus der DKP, ihren Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen und dem gr\u00f6\u00dften Teil der linksextrem beeinflu\u00dften \"Friedensinitiativen\". Aufgrund straffer Organisation und Parteidisziplin, ausreichender finanzieller Mittel und einer jahrelangen Erfahrung im Organisieren auch von Gro\u00dfveranstaltungen ist die DKP mit ihrem Umfeld jederzeit in der Lage, gem\u00e4\u00df den von Moskau vorgegebenen Leitlinien Gro\u00dfaktionen zu planen und durchzuf\u00fchren sowie Teilnehmer an Aktionen zu mobilisieren. Auch 1984 sah das DKP-Spektrum den Schwerpunkt seiner \"Friedensaktivit\u00e4ten\" bei Massenaktionen wie Aufm\u00e4rschen, Kundgebungen und Demonstrationen. Gewaltsame Ausschreitungen wurden tunlichst vermieden. Anh\u00e4nger des traditionellen Fl\u00fcgels beteiligten sich aber auch verst\u00e4rkt an sogenannten \"gewaltfreien Einzelaktionen\" im Rahmen von \"Friedenscamps\" und w\u00e4hrend der Herbstman\u00f6ver, um den orthodox-kommunistischen Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" auch dort aufrecht zu erhalten. Dieser Fl\u00fcgel geht bei der Aktionsplanung mit den christlichen Friedensorganisationen \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste\" (ASF) und \"Aktionsgemeinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden\" (AGDF), mit Einzelmitgliedern und auch Gliederungen der Gewerkschaften und der SPD, gelegentlich auch mit \u00d6kologiegruppen zusammen. 86","Deutlich abgesetzt von diesem Spektrum agitierte der autonome/unabh\u00e4ngige Fl\u00fcgel, der sich aus anarchistischen \"Gewaltfreien Aktionsgruppen\", \"AntiNATO\"und \"Anti-Kriegs\"-Gruppen der undogmatischen Neuen Linken, einzelnen Gruppen der dogmatischen Neuen Linken, radikal-pazifistischen Initiativen, Gruppen der Umweltschutzbewegung, Dritte-Welt-Komitees, den Gr\u00fcnen, christlich orientierten und nichtextremistischen \"Friedensinitiativen\" zusammensetzt. Dieser Fl\u00fcgel ist zum Teil im \"Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen\" (BUF) organisiert, einer Fortsetzung des ehemligen \"Bundeskongresses autonomer Friedensgruppen\" (BAF) von 1983. Er umfa\u00dft im Bundesgebiet etwa 10.000 st\u00e4ndige Anh\u00e4nger. Das Mobilisierungspotential ist zwar erheblich h\u00f6her, bleibt aber merklich hinter dem des traditionellen Fl\u00fcgels zur\u00fcck. Ideologische Gemeinsamkeiten innerhalb des autonomen/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels waren kaum erkennbar. Ebenso fehlte eine einheitliche organisatorische F\u00fchrung. Die \"Autonomen/Unabh\u00e4ngigen\" waren weder gewillt noch in der Lage, Massenaktionen selbst durchzuf\u00fchren. Sie weigerten sich teilweise, die Gro\u00dfaktionen des traditionellen Fl\u00fcgels zu unterst\u00fctzen und setzten vielmehr auf \"direkte\" Aktionen mit Behinderungscharakter wie Blockadeaktionen, Mahnwachen, Friedenscamps, Besetzung milit\u00e4rischer Schie\u00dfanlagen, bis hin zu Sabotageakten, die sich 1984 vor allem gegen Bundeswehrund NATOAnlagen richteten. In unmittelbarem Zusammenhang damit steht auch die am 15. April in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete bundesweite Initiative \"Kein Frieden mit der NATO - Raus aus der NATO\", die sich vorwiegend aus Mitgliedern von Gruppierungen des autonomen/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" zusammensetzt und den Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO fordert. Die \"Autonomen/Unabh\u00e4ngigen\" bejahen zwar grunds\u00e4tzlich die \"Gewaltfreiheit\", interpretieren diese aber innerhalb des Fl\u00fcgels unterschiedlich. Aktive Gewalt gegen Personen wird ausgeschlossen, passive Gewalt, z.B. Blockaden (N\u00f6tigung von Personen) und gegen Sachen (\"die keine Gewalt empfinden k\u00f6nnen\") wird in Abstufungen einkalkuliert. Die dem terroristischen Umfeld im weitesten Sinne zuzurechnenden militanten Gruppierungen beteiligten sich 1984 kaum am \"Friedenskampf\". Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" insgesamt waren nach wie vor die DKP, ihre Nebenorganisationen und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFU, DFG-VK und VVNBdA. Auf dem 7. Parteitag der DKP vom 6. bis 8. Januar in N\u00fcrnberg appellierte der DKP-Vorsitzende Herbert Mies an \"alle Kr\u00e4fte der Friedensbewegung\", das Jahr 1984 zu einem \"neuen Kampfund Aktionsjahr\" zu machen. Die DKP werde ihrerseits \"mit ganzer Kraft\" die bereits beschlossenen Ma\u00dfnahmen und Aktionen unterst\u00fctzen. Die Aktionen des DKP-Spektrums waren Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte Weltfriedensrat (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus mehr als 130 L\u00e4ndern an. Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die DFU und die VVN-BdA als kollektive Mitglieder sowie durch Einzelpersonen vertreten. Dem WFR geh\u00f6ren unter anderen das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Martha Buschmann, die 1983 in den Kreis der Vizepr\u00e4sidenten des WFR gew\u00e4hlt wurde, sowie der ehemalige Bundesvorsitzende der 87","DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Klaus Mannhardt an. In seinem Dokument \"Ziele des Aktionsprogramms 1984\" wandte sich der WFR insbesondere gegen \"die Stationierung der neuen USA-Raketen in Europa\" und forderte, das Jahr 1984 m\u00fcsse \"mehr als jemals zuvor ein Jahr einheitlicher Aktionen in der ganzen Welt werden, um der Stationierung neuer USA-Raketen in Europa Einhalt zu gebieten und die bereits stationierten abzubauen, das Wettr\u00fcsten zu stoppen, alle Kernund anderen Massenvernichtungswaffen zu beseitigen\". 4.2 Agitationsund Aktionsschwerpunkte Die 4. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\", die am 5./6. November 1983 in K\u00f6ln stattfand, hatte den 30. Januar 1984 (51. Jahrestag der Machtergreifung durch Adolf Hitler) zum \"2. bundesweiten Widerstandstag\" erkl\u00e4rt. Aus diesem Anla\u00df fanden vom 28. bis 30. Januar im gesamten Bundesgebiet zahlreiche Aktionen wie Mahnwachen, Kundgebungen, Fackelz\u00fcge und \"Umzingelungen\" milit\u00e4rischer Objekte statt. An den Aktionen in Bayern beteiligten sich ann\u00e4hernd 3.000 Personen. Die Schwerpunkte lagen in M\u00fcnchen und W\u00fcrzburg. Als Veranstalter traten vielfach DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen und \u00f6rtliche \"Friedensinitiativen\" auf. Auf Einladung des \"Koordinationsausschusses der Friedensbewegung\" trafen sich am 11712. Februar in K\u00f6ln rund 1.200 Personen zur 5. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\". Dieses erste Treffen der Gesamtbewegung nach dem Stationierungsbeginn diente insbesondere einer \"Standortbestimmung\" und einer Diskussion \u00fcber die \"weiteren Perspektiven\" f\u00fcr das Jahr 1984. Mindestens die H\u00e4lfte aller Redner im Plenum und in den gr\u00f6\u00dferen Arbeitsgruppen waren linksextremen oder linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen zuzurechnen; dabei dominierten Funktion\u00e4re der DKP und der von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen. Trotz der zum Teil heftigen Kontroversen einigten sich die Teilnehmer mehrheitlich auf ein \"Konsens-Dissens-Papier\", das zumindest bis zur n\u00e4chsten Aktionskonfernez Grundlage der Zusammenarbeit bilden sollte. Auf Dr\u00e4ngen von Gruppen des \"autonomen/unabh\u00e4ngigen\" Fl\u00fcgels wurde der bestehende \"Minimalkonsens\" (Stopp der NATO-Nachr\u00fcstung) erweitert und umfa\u00dft nunmehr auch Forderungen wie \"Beseitigung aller in der Bundesrepublik gelagerten ABC-Waffen\", \"Stopp und Abbau der konventionellen R\u00fcstung\" und \"Ablehnung jeglicher milit\u00e4rischer Intervention\". Dar\u00fcber hinaus einigten sich die Konferenzteilnehmer auf die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der \"Osterm\u00e4rsche\", der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" und weiterer Aktionen im \"Friedensherbst '84\". In den bis dahin aus 26 Organisationen bestehenden \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" wurden vier weitere Gruppen aufgenommen, darunter die Koordinationsstelle \"Ziviler Ungehorsam\" in Kassel und die VVN-BdA. Einen Aktionsh\u00f6hepunkt in der \"Friedenskampagne\" 1984 bildeten die Aktivit\u00e4ten um die bundesweiten \"Osterm\u00e4rsche\" vom 19. bis 23. April. Wie in den Vorjahren konnten die orthodoxen Kommunisten und ihr Umfeld wichtige Positionen in den Organisationsgremien besetzen und durch fr\u00fchzeitige Mobilisierung ihrer Anh\u00e4nger zum Teil entscheidenden Einflu\u00df auf die Formulierung der \"Ostermarsch-Aufrufe\" und die weiteren Vorbereitungen nehmen. F\u00fcr das Bundesgebiet bestand eine \"Zentrale Informationsstelle f\u00fcr Osterm\u00e4rsche\" in","Frankfurt a.M., deren Adresse mit der Anschrift der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle von Hessen \u00fcbereinstimmte. Als \"Ansprechpartner\" trat ein hauptamtlicher Mitarbeiter der DFU-Gesch\u00e4ftsstelle Hessen auf, der gleichzeitig DFU-Bundesvorstandsmitglied ist. F\u00fcr die Vorbereitungen in Nordbayern zeichnete das N\u00fcrnberger Forum \"Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden - Keine Atomraketen in Europa\" verantwortlich, in dessen Tr\u00e4gerkreis f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP und der DFL) mitarbeiten. F\u00fcr S\u00fcdbayern wurde als Kontaktadresse die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) genannt. Der DFG-VK-Landesverband Bayern erstellte in Zusammenarbeit mit seinen Ortsgruppen und zahlreichen bayerischen \"Friedensinitiativen\" eine \u00dcbersicht \u00fcber die geplanten \"Osteraktionen\" in Bayern. Vom 19. bis 23. April demonstrierten im gesamten Bundesgebiet rund 220.000 \"Ostermarschierer\" (1983: etwa 250.000) gegen die Stationierung neuer USRaketen und f\u00fcr Abr\u00fcstung in Ost und West. Ziel der \"Osterm\u00e4rsche\" waren vielfach zentrale Kundgebungsorte oder milit\u00e4rische Einrichtungen. In Bayern fanden 38 Aufz\u00fcge und Versammlungen statt, an denen sich insgesamt 33.000 Personen (1983: etwa 45.000) beteiligten. An einem erstmals \"grenz\u00fcberschreitenden Ostermarsch\" am 22. April in Freilassing, Landkreis Berchtesgadener Land, nahmen etwa 800 Personen teil, davon rund 300 aus \u00d6sterreich. Den Abschlu\u00df der \"Osteraktionen\" in Bayern bildeten die als Sternm\u00e4rsche ausgerichteten \"Osterm\u00e4rsche\" in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die Veranstaltung in M\u00fcnchen mit 12.000 Teilnehmern stand unter dem Motto: \"Gegen die Stationierung neuer Atomraketen - Beendet das Wettr\u00fcsten in Ost und West - Arbeit f\u00fcr alle\". Als Mitveranstalter traten u.a. die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen DFG-VK, BIFA und das M\u00fcnchner Friedensforum auf. Auf der Schlu\u00dfkundgebung sprach u.a. der Landesvorsitzende der VVNBdA. An dem in N\u00fcrnberg veranstalteten Sternmarsch, den das \"N\u00fcrnberger Forum\" organisierte, nahmen rund 7.000 Personen teil. Die Gewerkschaftskundgebungen zum 1. Mai und den 39. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima am 6. August nutzten die linksextremen Gruppen, wenn auch in geringerem Umfang als in den Vorjahren, zu bundesweiten Propaganda-Aktionen gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland. Die \"selbstorganisierte Volksbefragung\" am 17. Juni, f\u00fcr die der \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" bereits Mitte 1983 die Tr\u00e4gerschaft \u00fcbernommen hatte, bildete zun\u00e4chst den Abschlu\u00df der NATO-Nachr\u00fcstungsKampagne. Die Teilnehmer der 4. Aktionskonferenz vom 4./5. November 1983 hatten erneut die Durchf\u00fchrung der Befragungsaktion bekr\u00e4ftigt und als Termin den 17. Juni, den Tag der Europawahl, vorgeschlagen. Auf der 5. Aktionskonferenz im Februar 1984 kam es dann wegen der \"Volksbefragung\" zu Kontroversen. W\u00e4hrend die Mehrheit der Konferenzteilnehmer f\u00fcr die Aktion stimmte, warnten Sprecher der \"autonomen/unabh\u00e4ngingen\" Friedensgruppen vor der vorhersehbaren \"selbstorganisierten Niederlage\". An der Mobilisierung der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" beteiligten sich sowohl Kr\u00e4fte des orthodox-kommunistischen Spektrums als auch Gruppen aus dem Bereich der dogmatischen Neuen Linken. Der \"Koordinationsausschu\u00df der 89","Friedensbewegung\" gab hierzu einen \"Leitfaden zur Organisation der Kampagne Volksbefragung '84\" heraus. In dem achtk\u00f6pfigen Redaktionsteam arbeiteten auch zwei Bundesvorstandsmitglieder der DFG-VK mit. Nach Eigenaussagen aus dem Bereich der \"Friedensbewegung\" fand die Befragung am Tag der Europawahl bundesweit vor 18.000 der insgesamt 60.000 Wahllokale statt. Von den angesprochenen W\u00e4hlern sollen sich mehr als die H\u00e4lfte (\u00fcber f\u00fcnf Millionen) an der Abstimmung beteiligt haben, von denen sich angeblich 87 % gegen die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen ausgesprochen haben. In einer Presseerkl\u00e4rung bezeichnete der \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" das Ergebnis der Befragungsaktion als eine \"Ermutigung\", den \"Kampf gegen die atomare Aufr\u00fcstung\" fortzusetzen. Das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann erkl\u00e4rte hierzu, die DKP habe \"aktiv\" an der \"Volksbefragung\" teilgenommen. Dabei habe sich die \"Aktionseinheit zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten\" genau so bew\u00e4hrt wie \"das Zusammenwirken unterschiedlicher demokratischer Kr\u00e4fte\". Am 576. Mai fand in K\u00f6ln die 6. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" statt, an der sich rund 700 Anh\u00e4nger der \"Friedensbewegung\" beteiligten. Die Zusammensetzung des Teilnehmerkreises war noch weniger repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Gesamtbewegung als bei fr\u00fcheren Konferenzen. Allein die DKP, ihre Nebenorganisationen und die von ihr beeinflu\u00dften Vereinigungen stellten mehr als die H\u00e4lfte der Teilnehmer. Von den Rednern im Plenum und bei einigen Arbeitsgruppen waren mehr als die H\u00e4lfte Funktion\u00e4re der DKP und ihres Umfeldes. Im Mittelpunkt der Konferenz standen erstmals verst\u00e4rkt \"strategische\" Fragen, wie das \"Verh\u00e4ltnis der Bundesrepublik Deutschland zur NATO\", die \"Einsch\u00e4tzung der sowjetischen R\u00fcstung\", \"block\u00fcbergreifende Friedensbewegungen\" und \"alternative Sicherheitskonzepte\". Die Konferenzteilnehmer verabschiedeten eine \"Resolution zu den sowjetischen R\u00fcstungsma\u00dfnahmen\", in der der NATO und den USA vorgeworfen wurde, mit ihrem \"Streben nach milit\u00e4rischer \u00dcberlegenheit\" und \"Erstschlagsf\u00e4higkeit\", den \"Hauptgrund f\u00fcr den R\u00fcstungswettlauf\" zu liefern. Die Konferenzteilnehmer billigten femer ein Aktionskonzept f\u00fcr einen \"gemeinsamen Friedensherbst\", das im wesentlichen \"Friedenscamps\", \"Man\u00f6verbehinderungen\", \"regionale Gro\u00dfaktionen mit Menschenketten\", \"Solidarit\u00e4tsaktionen\" f\u00fcr Nicaragua und \"Tage der Verweigerungen\" vorsah. Die auf regionaler Ebene gebildeten Koordinierungsaussch\u00fcsse \u00fcbernahmen die weitere Planung der Aktionen in enger Zusammenarbeit mit dem \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" in Bonn. Dem f\u00fcr die Bereiche BadenW\u00fcrttemberg und Bayern gebildeten \"Koordinierungsausschu\u00df S\u00fcd\" in Stuttgart sollten urspr\u00fcnglich 48 stimmberechtigte Organisationen angeh\u00f6ren, darunter DKP, SDAJ, DFU, DFG-VK, VVN-BdA und BIFA. Wegen der kommunistischen Beeinflussung lehnten jedoch mehrere Gruppen aus Baden-W\u00fcrttemberg eine Mitarbeit in diesem Gremium ab. Das \"Aktionsb\u00fcro Friedensherbst '84\" in Stuttgart war zun\u00e4chst in den R\u00e4umen des DFU-Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg untergebracht. Unter dem Motto \"Noch ist Zeit zur Umkehr - Stoppt den R\u00fcstungswahnsinn\" fand am 30. Juni in Esslingen die \"Aktionskonferenz S\u00fcd\" statt, auf der die Ak90 :","Noch ist es ZeH zur Umkehr: Stoppt den R\u00fcstungswahnsinn NEIN zu POSHING II und CRUISE MISSILES! VAU 20.10.1984: S\u00fcddeutsche GROSSAKTION AUFTAKTVERANSTALTUNGEN in Ulm/Neu-Ulm, Heilbronn und Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd/Mutlangen; in Nannheini und Stuttgart STERNFAHRT nach Stuttgart FRIEDENSSTERN DES S\u00dcDB\" in Form eines Peace-Zeichens: in, durch und um Stuttgart FRIEDENSFEST Feiern f\u00fcr das Leben, gegen den Tod! Friedensbewegung 91","tionen f\u00fcr den s\u00fcddeutschen Raum festgelegt wurden. Hierbei setzten sich die Gruppen des \"traditionellen\" Fl\u00fcgels aus Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg mit ihrem Vorschlag durch, am 20. Oktober in Stuttgart einen \"Friedensstern\" in Form eines gro\u00dfen \"Peace-Zeichens\" zu bilden und dar\u00fcber hinaus vielf\u00e4ltige Aktionen und Kundgebungen vor Kasernen, Bunkern und R\u00fcstungsbetrieben durchzuf\u00fchren. Die Herbstaktionen begannen am 1. September mit den Veranstaltungen zum \"Antikriegstag\", an denen in Bayern 2.000 Personen teilnahmen. Sie wurden mit bundesweiten \"Behinderungsund St\u00f6raktionen\" gegen die NATO-Herbstman\u00f6ver, insbesondere in den Bereichen Hildesheim und Fulda fortgesetzt. \u00d6rtliche und regionale Gremien, vor allem aus dem \"unabh\u00e4ngigen/autonomen\" Fl\u00fcgel der Protestbewegung, errichteten in Alsfeld (Vogelsbergkreis/Hessen), Fulda, Grebenhain (Vogelsbergkreis/Hessen), Hanau (Main-Kinzig-Kreis/Hessen) und Gersfeld-Hettenhausen (Kreis Fulda) \"Friedenscamps\" und mobilisierten ihre Anh\u00e4nger f\u00fcr eine \"Aktionswoche\" vom 22. bis 28. September. Im Verlauf der \"Aktionswoche\" gegen die Man\u00f6ver im \"Fulda-Gap\" (= milit\u00e4rischer Sprachgebrauch f\u00fcr \"Fuldaer-L\u00fccke\") fand am 25. September eine \"kurzfristige Blockade\" des Eingangs zum NATO-\u00dcbungsplatz Wildflecken und am 28. September die \"Begehung\" des Platzes mit \"zeitweiliger Besetzung\" von f\u00fcnf Schie\u00dfbahnen statt. Neben zahlreichen dezentralen Aktionen waren f\u00fcr den 29. September eine Kundgebung in Fulda und die Bildung eines \"Menschennetzes\" und einer \"Menschenkette\" mit einer L\u00e4nge von 110 km zwischen den \"milit\u00e4rischen Brennpunkten der Region\" vorgesehen. Statt der urspr\u00fcnglich erwarteten 100.000 Teilnehmer kamen nur etwa 25.000 zu den \"Gro\u00dfaktionen\". Das \"Menschennetz\" kam nicht zustande. Die \"Menschenkette\" konnte nur im Stadtbereich von Fulda und zu dem knapp 20 km entfernten NATO-Truppen\u00fcbungsplatz Wildflecken gebildet werden. An der \"Menschenkette\" und der Abschlu\u00dfveranstaltung beteiligten sich auch Teilnehmer aus Bayern. Im Rahmen der NATO-Herbstman\u00f6ver kam es in anderen Bundesl\u00e4ndern teilweise zu gewaltt\u00e4tigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Soldaten sowie zu erheblichen Sachbesch\u00e4digungen. Bei der auf bayerisches Gebiet begrenzten NATO-\u00dcbung \"Flinker Igel\" (13. bis 23. September) wurden Sachbesch\u00e4digungen begangen und milit\u00e4rische Hinweisschilder entwendet. Im Rahmen des \"integrierten Aktionskonzeptes\" f\u00fcr den \"Friedensherbst '84\" wurden im Oktober bundesweit zahlreiche Aktionen wie \"Menschenketten\", Demonstrationsm\u00e4rsche, Kundgebungen und \"symbolische\" Blockaden durchgef\u00fchrt. H\u00f6hepunkte dieser Aktionen waren am 20. Oktober die \"Menschenund Aktionskette\" von Hasselbach/Hunsr\u00fcck nach Duisburg (70.000 Teilnehmer) mit einer Abschlu\u00dfkundgebung im Bonner Hofgarten (20.000 Teilnehmer), der \"Friedensstern des S\u00fcdens\", der mit einem von 20.000 Personen besuchten \"Friedensfest\" in Stuttgart endete, und die \"Friedensversammlung '84\" in Hamburg mit rund 20.000 Teilnehmern. Dezentrale Auftaktveranstaltungen zu der s\u00fcddeutschen \"Gro\u00dfaktion\" fanden in den Stationierungsorten Ulm/Neu-Ulm, Mutlangen/Schw\u00e4bisch-Gm\u00fcnd, Heilbronn und Mannheim statt. Getragen wurden diese Aktionen vorwiegend vom \"traditionellen\" Fl\u00fcgel der \"Friedensbewe92","gung . Die orthodoxen Kommunisten und ihr Umfeld hatten dabei weitgehenden Einflu\u00df. Die einzige Auftaktkundgebung auf bayerischem Gebiet fand am 20. Oktober vor der Wiley-Kaserne in Neu-Ulm statt. An dem Aufzug nahmen rund 8.000 und an der Kundgebung etwa 4.000 Personen teil. Anschlie\u00dfend fuhren die Teilnehmer nach Stuttgart, um dort an der Bildung des \"Friedenssterns des S\u00fcdens\" mitzuwirken. Als Versammlungsleiter in Neu-Ulm trat ein Mitglied des DKP-Bezirksvorstandes Baden-W\u00fcrttemberg auf. Zur Vorbereitung der \"Gro\u00dfaktion\" veranstalteten in der Woche vom 13. bis 19. Oktober lokale und regionale \"Friedensgruppen\" in Bayern Aufz\u00fcge, Kundgebungen und \"Friedensfeste\". An den Aktionen am 13. Oktober beteiligten sich insgesamt rund 2.000 Personen, darunter Angeh\u00f6rige der DKP, ihrer Nebenorganisationen und der von ihnen beeinflu\u00dften Vereinigungen. Als Anmelder oder Versammlungsleiter traten mehrfach Angeh\u00f6rige der DKP und orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen auf. Zum Verlauf der \"Herbstaktionen\" erkl\u00e4rten Vertreter des \"Koordinationsausschusses der Friedensbewegung\" auf einer Pressekonferenz am 22. Oktober in Bonn, da\u00df trotz des R\u00fcckganges der Teilnehmerzahlen der Zweck der Aktion \"voll erf\u00fcllt\" sei. Die Bundesregierung m\u00fcsse sich auf eine \"dauerhafte Opposition\" einrichten. In Zukunft wolle man sich wieder neben einer St\u00e4rkung der lokalen Strukturen auf eine zentrale Gro\u00dfveranstaltung konzentrieren. Unter dem Motto \"F\u00fcr Frieden und Gerechtigkeit in Mittelamerika - Gegen Intervention, Hunger, Folter und Mord\" beteiligten sich am 3. November in Bonn rund 16.000 Personen, darunter Mitglieder der DKP, der SDAJ, mehrerer DKPbeeinflu\u00dfter Organisationen und zahlreicher Gruppierungen der Neuen Linken, an der Mittelamerika-Demonstration, der dritten \"Gro\u00dfaktion\" im \"Friedensherbst '84\". Unter den Demonstrationsteilnehmern befanden sich auch \"autonome\" und \"antiimperialistische\" Gruppierungen, die sich zu einem \"antiimperialistischen Block\" zusammengeschlossen hatten. W\u00e4hrend der Abschlu\u00dfkundgebung versuchten etwa 200 Personen aus diesem Block heraus, die Rede des SPD-Parteivorsitzenden Brandt durch Feuerwerksk\u00f6rper, Leuchtkugeln und L\u00e4rminstrumente zu verhindern. Aus Bayern nahmen etwa 450 \u00fcberwiegend dem linksextremen Bereich zuzurechnende Personen teil. Zur Mobilisierung der \"Friedensaktivit\u00e4ten\" f\u00fchrte das \"Aktionsb\u00fcro Friedensherbst '84\" in S\u00fcddeutschland eine \"Lineare Friedensstafette\" durch, die am 29. September in Fulda begann und am 3. November in Bonn endete. Die Stafette ber\u00fchrte insgesamt 29 Orte, an denen \u00f6rtliche \"Friedensgruppen\" verschiedene \"Friedensaktionen\" organisierten. Mit den f\u00fcr den 20. bis 24. November festgelegten \"Verweigerungstagen\" endete der auf der 6. Aktionskonferenz beschlossene \"Friedensherbst '84\". In zahlreichen Publikationen hatten der \"Koordinationsausschu\u00df der Friedensbewegung\" und die DFG-VK dazu aufgerufen, an diesen Tagen eine Selbstverpflichtserkl\u00e4rung zur \"Verweigerung aller Kriegsvorbereitungen und aller Kriegsdienste\" abzugeben. Trotz dieser Mobilisierungskampagne fanden im gesamten Bundesgebiet nur wenige \"Verweigerungsaktionen\" statt. In Bayern wurden lediglich in M\u00fcnchen 93","und N\u00fcrnberg \"\u00f6ffentliche Verweigerungsaktionen\" angek\u00fcndigt. Im Rahmen einer DFG-VK-Kundgebung am 23. November in M\u00fcnchen verbrannten mehrere Personen vorgefertigte \"Musterwehrp\u00e4sse\" und unterzeichneten \"Verweigerungserkl\u00e4rungen\". Auf seinem ersten Treffen nach Abschlu\u00df der Herbstaktionen beriet der \"Koordinierungsausschu\u00df der Friedensbewegung\" am 26. November in Bonn \u00fcber die Perspektiven der Bewegung. Dabei f\u00fchrte ein Antrag von acht Mitgliedsorganisationen (darunter sechs christlich orientierte Gruppen), der die \"Umwandlung des Koordinierungsausschusses zu einem reinen Beratungsgremium zur Diskussion \u00fcber friedenspolitische Fragen\" un die Aufl\u00f6sung der \"Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung\" sowie des \"Koordinationsb\u00fcros\" in Bonn forderte, zu Kontroversen. Gegen diesen Vorschlag wandten sich insbesondere die Vertreter des DKPorientierten Fl\u00fcgels und die Anh\u00e4nger der Neuen Linken. Sechs der antragstellenden Organisationen k\u00fcndigten an, sie wollten nur noch als \"Beobachter\" an den Sitzungen des Ausschusses teilnehmen. Auf einer weiteren Sitzung am 14. Dezember in Bonn beschlossen die Teilnehmer, \"ihre Arbeit unter Einbeziehung des gesamten bisherigen politischen Spektrums\" fortzusetzen. Der \"Koordinationsausschu\u00df\" trete jedoch 1985 in eine \"Beratungsphase\" ein. Mit Ausnahme einer \"Strategiekonferenz\" im ersten Halbjahr 1985 sollen auch keine Aktionskonferenzen stattfinden. Der Ausschu\u00df einigte sich ferner darauf, da\u00df k\u00fcnftig keine Vorhaben mehr mit einfacher Mehrheit beschlossen werden. 4.3 \"Die Friedensliste\" Nach mehreren vorbereitenden Gespr\u00e4chen, die von einem DFU-Bundesvorstandsmitglied koordiniert wurden, ver\u00f6ffentlichte das DKP-Zentralorgan \"Unsere Zeit\" (UZ) am 13. Januar einen \"Aufruf zur Diskussion \u00fcber ein 'Personenb\u00fcndnis' zur Wahl des Parlaments der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft\". Dieser Aufruf, der sich an \"alle Interessierten in der Friedensbewegung, den sozialen und demokratischen Bewegungen\" mit der Aufforderung wandte, eine \"gemeinsame Kandidatur, insbesondere von engagierten Personen aus der Friedensbewegung\" zu unterst\u00fctzen, war von 39 Personen, \u00fcberwiegend von Funktion\u00e4ren und Mitgliedern der DKP, des MSB Spartakus und DKP-beeinflu\u00dfter Vereinigungen, unterzeichnet. Die Vorbereitung des Gr\u00fcndungskongresses und die Ver\u00f6ffentlichung eines Programmentwurfs \u00fcbernahm ein Vorbereitungsausschu\u00df, dem acht Personen angeh\u00f6rten, darunter ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes und vier Funktion\u00e4re DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen. Als treibende Kr\u00e4fte bei der Entwicklung dieses Wahlb\u00fcndnisses traten die DKP, die von ihr beeinflu\u00dfte DFU sowie die Demokratischen Sozialisten (DS) in Erscheinung. Am 18. M\u00e4rz w\u00e4hlten die rund 300 Teilnehmer des Gr\u00fcndungskongresses in Bonn-Bad Godesberg einen Bundesvorstand und insgesamt 90 Kandidaten (45 Listenund Ersatzkandidaten) f\u00fcr die Europawahl. Jeweils kanpp die H\u00e4lfte der Mitglieder des Bundesvorstandes und der nominierten Bewerber f\u00fcr die Europawahl \u00fcben Funktionen in der DKP oder in DKP-beeinflu\u00dften Organisationen aus. Dem f\u00fcnfk\u00f6pfigen Sprecherrat des Bundesvorstandes geh\u00f6ren ein Mitglied des DKP-Parteivorstandes und drei Funktion\u00e4re DKP-beeinflu\u00dfter Vereinigungen an. Aus Bayern wurde ein Mitglied der VVN-BdA in den Bundesvorstand ge94","w\u00e4hlt und als Ersatzkandidat f\u00fcr die Europawahl nominiert. Zwei bayerische DKP-Mitglieder traten als Ersatzkandidaten der \"Friedensliste\" auf. Entsprechend einem Beschlu\u00df der \"Bundesversammlung\" vom 5. Januar verzichtete die DKP zugunsten der \"Friedensliste\" auf eine Kandidatur zur Europawahl. Das Pr\u00e4sidium des Parteivorstandes empfahl jedoch, die \"Friedensliste\" mit \"aller politischen, geistigen und organisatorischen Leistungskraft der DKP zu unterst\u00fctzen\". Im Zusammenhang mit der bundesweiten Kandidatur der \"Friedensliste\" gr\u00fcndeten ihre Anh\u00e4nger in allen Bundesl\u00e4ndern \"Unterst\u00fctzungsgruppen\". In Bayern bestanden solche Gruppen, die extremistischen Einfl\u00fcssen unterlagen, in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. In einem Rundschreiben warb die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern f\u00fcr Unterschriften aus dem Betriebsund Gewerkschaftsbereich. Bei einem Treffen des s\u00fcdbayerischen \"Unterst\u00fctzerkreises\" am 11. April in M\u00fcnchen erkl\u00e4rte sie sich bereit, 10.000 Exemplare des Wahlaufrufes kostenlos zu drucken. Der DFU-Landesverband Bayern bat um Spenden zur Unterst\u00fctzung der \"Friedensliste\". Bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 17. Juni erreichte die \"Friedensliste\" bundesweit 313.108 g\u00fcltige Stimmen (1,3 %). In Bayern erhielt sie 38.510 g\u00fcltige Stimmen (1,0 %). An der 2. Bundesmitgliederversammlung der \"Friedensliste\" am 6. Oktober in D\u00fcsseldorf beteiligten sich knapp 200 Personen. Die Teilnehmer beschlossen einstimmig, die Arbeit des Wahlb\u00fcndnisses fortzusetzen und zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen anzutreten. 95","3. Abschnitt Rechtsextremismus 1. Aligemeines Der Rechtsextremismus verf\u00fcgt im Gegensatz zum Linksextremismus orthodoxer Pr\u00e4gung nicht \u00fcber ein geschlossenes theoretisches System, das \u00fcber L\u00e4nderund Kulturgrenzen hinweg Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erhebt. In der Bundesrepublik Deutschland sind die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und - aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt - eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem - die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen \"Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen (v\u00f6lkischer Kollektivismus), die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt, - die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, - ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, - immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen, seine Verbrechen zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. Den Versuchen, bei Wahlen auf die politische Willensbildung der Bev\u00f6lkerung nachhaltig einzuwirken, war lediglich geringer Erfolg beschieden. 96","Im Jahre 1984 bet\u00e4tigten sich in Bayern wie im Vorjahr 30 rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit rund 3.800 Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern (1983: knapp 4.400). Die Differenz gegen\u00fcber dem Vorjahr ist vor allem durch den vollst\u00e4ndigen Abzug erkannter Mehrfachmitgliedschaften,bedingt. Innerhalb des organisierten Rechtsextremismus stellten die Deutsche Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendorganisation mit zusammen rund 3.350 Mitgliedern in Bayern den gr\u00f6\u00dften Anteil. Im Bereich des Neonazismus war ein R\u00fcckgang der Aktivit\u00e4ten und der Mitgliederzahlen festzustellen. Ehemalige Anh\u00e4nger der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) waren bestebt, sich neu zu formieren, indem sie \"Leserkreise\" bildeten und daneben auch versuchten, bestehende Organisationen zu unterwandern. Der durch interne Auseinandersetzungen geschw\u00e4chte Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) zeigte 1984 in Bayern keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. Das Deutsche Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) lie\u00df in Bayern Bestrebungen erkennen, sich vom Rechtsextremismus zu l\u00f6sen. So erschienen seit Juli 1984 die Mitteilungen des DKEG nicht mehr in den rechtsextremen Deutschen Monatsheften. Die Leiterin des DKEG-Pflegst\u00e4tte in Hannover, die den fr\u00fcheren Organisationsleiter der ANS/NA Michael K\u00fchnen bei seiner Flucht ins Ausland unterst\u00fctzt hatte, wurde aus dieser Funktion abberufen, jedoch nicht aus dem DKEG ausgeschlossen. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern 1984 Anzahl der Organisationen 30 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 1.350 DVU einschl. Aktionsgemeinschaften 2.000 Neonazistische Organisationen und Aktivisten 150 Sonstige Organisationen 320 Insgesamt 3.820 Zu dieser \u00dcbersicht ist zu bemerken: Im vergangenen Jahr wurde die Mitgliederst\u00e4rke mit insgesamt 4.380 beziffert. Die jetzigen Angaben zur Mitgliederst\u00e4rke sind jedoch mit den in den Vorjahren genannten Zahlen nicht vergleichbar, da 1984 erstmals erkannte Mehrfachmitgliedschaften in vollem Umfang abgezogen wurden. Eine Aussage \u00fcber einen R\u00fcckgang der Mitgliederst\u00e4rke ist damit nicht verbunden; vielmehr ist unter Zugrundelegung der neuen Erfassungskriterien die Gesamtzahl der Mitglieder gegen\u00fcber 1983 um rund 50 gestiegen. Schwerpunkte rechtsextremer Agitation waren neben der Kriegsschuldfrage, der Judenverfolgung im Dritten Reich und der Amnestie von Kriegsverbrechen vor allem das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Ma\u00dfgebliches Motiv ist ihre ras97","sistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe eigens gegr\u00fcndeter \"B\u00fcrgerinitiativen\", deren Argumentation die rechtsextreme Urheberschaft und Zielsetzung oft nur schwer erkennen l\u00e4\u00dft. Ebenso bezweckten vereinzelte Kontakte zu ausl\u00e4nderfeindlich eingestellten Teilen jugendlicher Randgruppen, die verschiedentlich durch provokatorisches Verwenden von NS-Symbolen und -Parolen auffielen, eine Verbreiterung der eigenen Basis. Mit nationalistischen Neutralismusparolen, die oft antiamerikanische Z\u00fcge trugen, versuchten Rechtsextremisten au\u00dferdem, den Gedanken eines der \"Friedenssicherung\" dienenden wiedervereinigten \"Gro\u00dfdeutschlands\" zu propagieren. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle ist gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht angestiegen. Verringert haben sich die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland, ebenso der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials. Militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern auch anwenden, stellen nach wie vor eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckerzeugnisse rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage herstellten und verbreiteten. Das Angebot erfa\u00dfte aufgrund seiner Quantit\u00e4t nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielte auch auf sonstige Personen ab, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sind. In Bayern traten 1984 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von der NPD gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA). 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten (ER) Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt 98","1.3 Neonazistische Gruppen Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Nationale Volksfront (NVF) Nationalistische Front (NF) Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) 1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) Arbeitskreis f\u00fcr Zeitgeschichte und Politik Wehrsportgruppen 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Programm betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, steht sie wesentlichen Verfassungsgrunds\u00e4tzen ablehnend gegen\u00fcber. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist die \"Wiedergeburt Deutschlands\" durch die \"Wiederherstellung des souver\u00e4nen deutschen Nationalstaates\" und Errichtung einer \"Nationaldemokratie\", in der das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gebot ist. Einziger Ma\u00dfstab ihres politischen Handelns ist der \"Gemeinnutz f\u00fcr Volk und Vaterland\". So fordert die NPD eine Regierung, die \"die Interessen des eigenen Volkes in den Vordergrund ihrer Bem\u00fchungen r\u00fcckt\". Die \"\u00fcberlebten Systeme des Kapitalismus und Kommunismus\" will die Partei durch eine \"neue sittliche Gemeinschaftsordnung\" \u00fcberwinden. Nach dem Motto \"Nichts f\u00fcr uns! Alles f\u00fcr Deutschland!\" stellt sie \"dieser unsolidarischen Gesellschaft\" die \"solidarische Gemeinschaft des Volkes\" entgegen. Dabei versteht sie unter Gemeinschaft \"nicht die Summe von Interessen, sondern die Summe an Hingabe\". Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" im Sinne eines v\u00f6lkischen Kollektivismus kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und l\u00e4uft - langfristig gesehen und aus taktischen Erw\u00e4gungen nicht offen ausgesprochen - auf eine totalit\u00e4re Staatsform mit F\u00fchrerund Gefolgschaftsprinzip hinaus. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Verachtung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der 99","H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, versucht die NPD unter Berufung auf die \"Ungleichheit der V\u00f6lker und Menschen\" zu rechtfertigen. Entsprechend dieser Grundeinstellung propagierte sie die \"Sicherung der v\u00f6lkischen Existenz\" durch \"Aufrechterhaltung eines geistig, kulturell und biologisch unangetasteten Volksk\u00f6rpers\". Mit der vordergr\u00fcndigen Parole \"Nichts gegen G\u00e4ste - aber Deutschland mu\u00df das Land der Deutschen bleiben!\" wandte sie sich gegen die \"schleichende \u00dcberfremdung unseres Landes\" und gegen die \"Millionen-Zuwanderung aus allen Teilen der Welt\", der durch einen \"Stopp der Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung und schrittweise R\u00fcckf\u00fchrung\" dieses Personenkreises begegnet werden m\u00fcsse. In diesem Zusammenhang forderte die Partei einen \"sofortigen Kindergeldstopp f\u00fcr Ausl\u00e4nder\" und eine \u00c4nderung des Asylrechts, da Deutschland nicht das \"Sozialamt der Welt\" sei. Ausgehend von ihrem \"lebensrichtigen Menschenbild\" warnte sie vor einem durch den Verlust der \"biologischen Identit\u00e4t\" drohenden \"V\u00f6lkerchaos\" und kritisierte die \"menschenund lebensfeindliche Ausl\u00e4nderpolitik\" der Bundesregierung, die \"in dieser \u00dcberlebensfrage der Nation\" versagt habe. Schlie\u00dflich vertrat sie die Auffassung, dem Gedanken der \"Arterhaltung und -abgrenzung\" m\u00fcsse \"der Geruch des B\u00f6sen genommen werden\", um die \"Gefahren des V\u00f6lkertodes abzuwenden\". Der Verrat an den Sind unsere Bauern Breslau Vertriebenen noch zu retten? Deutschlands Einheit kommt bestimmt iL Lesen und \"Eitergeben DEUTSCHE m STIMME t.Mnm MrmnfflMM Elnz.\"\".2-0\" NATIONALDEMOKRATISCHE ZEITUNG Ausgabe E 20330 E Am 17. Juni 1984: Aus Verantwortung f\u00fcr deutsche Arbeitnehmer: MATIONALDEMOKRATEN-Ausl\u00e4nderstopp w\u00e4hlen! Unter der Devise \"Alle reden vom III. Reich - wir nicht!\" will die NPD ihre Chancen nicht in der \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", sondern in der \"Gestaltung der deutschen Zukunft\" suchen. Wie im Vorjahr verzichtete die Partei daher in ihrer Agitation fast v\u00f6llig auf Versuche, das NS-Regime zu rechtfertigen. Gleichwohl erkl\u00e4rte sie, die Teilung Deutschlands h\u00e4tten \"nicht die Deutschen, nicht Hitler und nicht der Nationalsozialismus zu verantworten, wie uns die Bonner HofHistoriker einreden wollen, sondern allein die Westalliierten\". Die propagandistischen Angriffe der NPD galten auch 1984 vor allem den demokratischen Institutionen und ihren Repr\u00e4sentanten. Dabei differenzierte die NPD nicht zwischen den einzelnen im Bundestag vertretenen Parteien, sondern sprach allgemein von den \"Hiwi's der Besatzungsm\u00e4chte\", der \"Volksfront der 100","Versager\" und den \"Bonner Ja-Sager-Parteien\", die \"im Dienste fremder Spaltungsm\u00e4chte\" st\u00fcnden und st\u00e4ndig die \"Interessen unseres Volkes\" mi\u00dfachteten. Sie agitierte gegen die \"korrupten und verfilzten Machenschaften der Systemparteien\", wobei sie auf \"die Br\u00fcchigkeit dieses maroden, \u00fcberlebten Systems\" verwies und erkl\u00e4rte, da\u00df sie nicht bereit sei, die \"Monopole des Bonner Parteienkartells\" als unab\u00e4nderlich hinzunehmen. In einem im Parteiorgan abgedruckten Beitrag hie\u00df es, die \"Volksvertreter\" h\u00e4tten den Staat zum \"Selbstbedienungsladen einer schmarotzenden Parteienoligarchie\" degradiert. Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien trotz ihres formalen Bekenntnisses zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung ablehnt. Der 1982 beschlossene neutralistische Kurs, der einen Zusammenschlu\u00df der beiden deutschen Staaten zu einer \"Konf\u00f6deration Deutschland\" als Vorstufe zur Wiedervereinigung vorsieht und die Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus der NATO bzw. dem Warschauer Pakt enth\u00e4lt, blieb innerhalb der Partei umstritten. Die Gegner des neuen Kurses konnten sich indes nicht durchsetzen. 2.2 Organisation Die am 28. November 1964 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 1984 bundesweit rund 6.100 Mitglieder (1983: 6.000). JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich keine wesentlichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Parteivorsitzender ist Martin Mu\u00dfgnug, der diese Funktion Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1966 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 6000 L > S ^ 5500 j -- ^ 5000 f -V 4500 i- X 4000 * V 3500 f *^ 3000 -- * \\ i^ 2500 -- f X ^ 2000 --l ^^** _ ^ 1500 -4 -- \" ^ ^ 1000 4 -^^!^= 500 f 101","seit 1971 innehat. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes BadenW\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen z\u00e4hlt rund 1.200 Mitglieder (ohne JN und NHB). Er gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung \"Deutsche Stimme\" mit einer durchschnittlichen monatlichen Auflage von rund 100.000 Exemplaren (1983: 75.000). Die Bezugsgeb\u00fchr ist im Mitgliedsbeitrag eingeschlossen. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstand die Flugschriften \"NPD-Info-Blitz\" und \"NPD-aktuell\" heraus. Die Schriftenreihe \"Profil\" wurde 1984 nicht mehr festgestellt. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Bayern wird dar\u00fcber hinaus mit der vom Landesverband aus aktuellem Anla\u00df jeweils in Flugblattform herausgegebenen Schrift \"Die deutschen Nationaldemokraten informieren\" sowie mit dem ebenfalls unregelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" betrieben. Der \"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. r D A S G A N Z E D E U T S C H L A N D S O L L ES S F. 1 N * BAYERN L. MITTE LUNGSBLATT STIMME DES N P D - L A N DESVERBAN 0 E S (s\u00e4i BAYERN V-j In ihrem Ende Oktober 1984 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht nach dem Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1983 Gesamteinnahmen von rund 1,5 Millionen DM (1982: 1,5 Mio. DM) aus, von denen 36,3 % (1982: 39 %) auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 57,9 % (1982: 52,5 %) auf Spenden entfielen. Beim Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1983 Gesamteinnahmen von 265.732,DM (1982: 341.388,DM) ausgewiesen, davon 22,7% (1982: 19,2%) Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 71 % (1982: 73,6 %) Spenden. Die Situation der NPD ist nach wie vor durch personelle und organisatorische Schw\u00e4chen sowie durch das aus der geringen Resonanz in der \u00d6ffentlichkeit resultierende allgemeine Desinteresse der Mitglieder gekennzeichnet. Dennoch sieht sich die Partei nach vielen Jahren stetigen W\u00e4hlerund Mitgliederschwundes wieder im Aufwind. So konnte sie mit der Wahlkampfkostenerstattung aus der Europawahl in H\u00f6he von rund 1,8 Millionen DM ihre Schulden aus fr\u00fcheren Wahlkampfkostenvorauszahlungen tilgen. Damit hat sich die finanzielle Lage der Partei zumindest auf Bundesebene stabilisiert. Auch ist es der NPD gelungen, personelle Einbu\u00dfen durch Neuaufnahmen zu ersetzen sowie den Mitgliederbestand zu verj\u00fcngen und in Teilbereichen sogar zu vergr\u00f6\u00dfern. 102","2.3. Aktivit\u00e4ten Unter dem Moto \"Weiter vorw\u00e4rts f\u00fcr Deutschland - 20 Jahre Nationaldemokraten\" hielt die NPD am 3./4. November in M\u00fcnchen ihren 18. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der Rechenschaftsbericht des Parteivorsitzenden Martin Mu\u00dfgnug, der insbesondere die Erfolge der NPD bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 17. Juni und bei den Kommunalwahlen in Baden-W\u00fcrttemberg am 28. Oktober hervorhob und erkl\u00e4rte, die NPD werde nun versuchen, 1987 in den Deutschen Bundestag einzuziehen. Dazu verwies er auf das \u00fcberraschende Ergebnis der franz\u00f6sischen \"Nationalen Front\" bei der Europawahl, das eine beginnende \"R\u00fcckbesinnung auf die Werte der Nation\" in Europa signalisiere und die NPD zur Fortsetzung ihrer politischen Arbeit ermutige. Des weiteren kritisierte er die seiner Meinung nach verfehlte Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. Ferner warf er den Regierungsparteien mangelnde Bereitschaft zur Wiedervereinigung Deutschlands vor. Bei einem anschlie\u00dfenden Festakt zum zwanzigj\u00e4hrigen Bestehen der Partei wandte sich der Generalsekret\u00e4r Walter Seetzen gegen Behauptungen politischer Gegner, die NPD sei eine Nachfolgeorganisation der ehemaligen NSDAP. Der Bundesparteitag befa\u00dfte sich ferner mit zahlreichen Antr\u00e4gen zu Themen wie \"Waldsterben\", \"Hochzinspolitik\" und \"Ausl\u00e4nderfrage\". Im Schlu\u00dfwort stellte der Parteivorsitzende als politisches Ziel der NPD die Wiedervereinigung Deutschlands in seinen historischen Grenzen \"von der Maas bis an die Memel\" heraus. Gegen die Durchf\u00fchrung des Parteitages protestierten am 3. November vor dem Tagungslokal zeitweise bis zu 300 Personen, darunter auch Teilnehmer einer vorangegangenen Gegendemonstration, zu der die DKP-beeinflu\u00dfte Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) aufgerufen hatte. Die Polizei, die einige Personen vorl\u00e4ufig festnahm, verhinderte t\u00e4tliche Auseinandersetzungen. Der NPD-Landesverband Bayern f\u00fchrte am 15. Juli in M\u00fcnchen unter dem Leitspruch \"Weiter vorw\u00e4rts f\u00fcr Deutschland - NPD\" seinen 18. Ordentlichen Landesparteitag durch. Der wiedergew\u00e4hlte Landesvorsitzende Walter Bachmann betonte in seinem Rechenschaftsbericht, da\u00df die \"Nationaldemokratie\" keine \"Abschrift vergangener Systeme\" sei, sondern sich als \"seri\u00f6se demokratische Erneuerungsbewegung mit dem Verlangen nach sozialer Gerechtigkeit und nationaler Einheit\" verstehe. Er warf der Bayerischen Staatsregierung vor, sich im Kampf gegen die \"verfassungstreuen\" Nationaldemokraten der Praktiken des \"linken Verleumdungskartells\" zu bedienen. Die NPD werde daher in Zukunft vermehrt auch rechtliche Schritte gegen \"verfassungsfeindliche Volksverhetzer\" einleiten. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug und der Generalsekret\u00e4r Walter Seetzen erkl\u00e4rten, nach dem Erfolg der NPD bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament gelte es nun, die n\u00e4chsten Schritte der Aufw\u00e4rtsentwicklung sorgf\u00e4ltig vorzubereiten. Nahziel sei die Teilnahme an den Landtagswahlen 1985 im Saarland mit einem von der Gesamtpartei gef\u00fchrten Wahlkampf. Die k\u00fcnftige \u00d6ffentlichkeitsarbeit werde sich vor allem auf die Forderung nach Wiederherstellung der deutschen Souver\u00e4nit\u00e4t durch Abzug der \"Besatzungsm\u00e4chte\" USA und UdSSR, die R\u00fcckf\u00fchrung der Gastarbeiter und den Abbau der Ar103","beitslosigkeit durch Verwirklichung der sozialpolitischen Thesen der NPD konzentrieren. Am 17. November fand in Staffelstein, Landkreis Lichtenfels, eine Festversammlung des NPD-Bezirksverbandes Oberfranken zum zwanzigj\u00e4hrigen Bestehen der Partei statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Ehrung von 35 Gr\u00fcndungsmitgliedern sowie eine Grundsatzrede des Parteivorsitzenden, der vor rund 250 Besuchern darauf hinwies, da\u00df die NPD ihren Tiefstand in der W\u00e4hlergunst \u00fcberwunden habe und nun antrete, Deutschlands Zukunft zu gestalten. Des weiteren veranstaltete die bayerische NPD in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18. Januar 1871), einen \"Politischen Aschermittwoch\" am 7. M\u00e4rz in Vilshofen, vier Kundgebungen zum 1. Mai, zwei Sonnwendfeiern am 23. Juni und zahlreiche \u00f6ffentliche Wahlveranstaltungen zur Europawahl, so z.B. eine \"Rottalaktion\" am 7. April in Eggenfelden, einen \"Ostbayerntag\" am 26. Mai in Straubing und eine \"Bayerwaldaktion\" am 9. Juni in Viechtach. 2.4. Wahlbeteiligung Unter dem Motto \"Nationaldemokraten in die Kommunalparlamente\" nahm die NPD bei den Kommunalwahlen in Bayern am 18. M\u00e4rz in acht von 25 kreisfreien St\u00e4dten, in neun von 71 Landkreisen und in zehn von 2.026 kreisangeh\u00f6rigen St\u00e4dten und Gemeinden teil. Sie kandidierte mit elf eigenen Listen und beteiligte sich an 16 gemeinsamen Wahlvorschl\u00e4gen. Vereinzelt bewarben sich NPDMitglieder auch auf Listen parteifreier W\u00e4hlergruppen um Mandate. Bedenken aus den Mitgliederkreisen hinsichtlich der Erfolgsaussichten war die Partei mit dem Hinweis begegnet, da\u00df die bei Landtagsund Bundestagswahlen bestehende F\u00fcnf-Prozent-Klausel nicht zur Anwendung komme und im \u00fcbrigen nur dort kandidiert werde, wo Erfolge m\u00f6glich seien. Finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten waren auch bei dieser Wahl bestimmend f\u00fcr die Ende Februar einsetzende Wahlwerbung, die sich \u00fcberwiegend auf die Verteilung von Propagandamaterial an Informationsst\u00e4nden, Flugblattaktionen und die Durchf\u00fchrung von rund 20 \u00f6ffentlichen Wahlveranstaltungen beschr\u00e4nkte. Nach dem vom Landesamt f\u00fcr Statistik und Datenverarbeitung erstellten gewichteten Wahlergebnis erzielte die NPD bei den Kommunalwahlen einen Anteil von 0,1 %. Dieses Resultat lag deutlich unter dem Ergebnis der Kommunalwahl von 1978 (0,4%). Gleichwohl zogen acht (1978: sechs) NPD-Mitglieder in die kommunalen Vertretungsk\u00f6rperschaften ein, davon drei auf Listen parteifreier W\u00e4hlergruppen. An der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament am 17. Juni beteiligte sich die NPD mit dem Ziel, einen Anspruch auf Erstattung von Wahlkampfkosten zu erwerben. Ihr Wahlvorschlag, an dessen Spitze der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug stand, umfa\u00dfte 38 Kandidaten, darunter f\u00fcnf aus Bayern. Der im April einsetzende, \u00fcberwiegend mit publizistischen Mitteln gef\u00fchrte Wahlkampf stand unter dem Motto \"Ein Herz f\u00fcr Deutschland\", das offensichtlich auf eine Aktivierung des Nationalgef\u00fchls zielte. Wahlkampfthemen waren insbesondere die \"T\u00fcrkeninvasion\", die bei der Assoziierung der T\u00fcrkei an die Europ\u00e4ische Gemeinschaft (EG) zu erwarten sei, und die Rolle der Bundesrepublik Deutschland 104","als \"Zahlmeister der EG\". In einer Wahl-Sonderausgabe des Parteiorgans \"Deutsche Stimme\" erkl\u00e4rte die NPD, die zum \"Ersatzvaterland\" hochstilisierte Europ\u00e4ische Gemeinschaft habe sich l\u00e4ngst zu einem \"Musterbeispiel nationalegoistischer Interessenwirtschaft\" entwickelt. Daher wolle die NPD eine Revision der EG-Vertr\u00e4ge erzwingen, die \"uns seit Jahren zum Ausbeutungsobjekt der westeurop\u00e4ischen 'Nachbarn' erniedrigt\" h\u00e4tten. Ferner trete sie f\u00fcr eine ersatzlose Streichung der Freiz\u00fcgigkeitsklausel der EG-Vertr\u00e4ge ein, um \"einen Zuzug weiterer Ausl\u00e4nder zu verhindern\". Mit Wahlversammlungen, Informationsst\u00e4nden, Flugblattund Plakataktionen sowie Rundfunkund Fernsehwahlsendungen versuchte die NPD, sich dem W\u00e4hler als \"deutsche Alternative\" gegen\u00fcber den \"Eurokraten und Euroschw\u00e4tzern\" darzustellen. Eine Zielgruppenwerbung wandte sich vor allem an Landwirte, Heimatvertriebene und an die Jugend. Mit 198.633 Stimmen erzielte die NPD bei der Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament bundesweit einen Anteil von 0,8 %. Sie erreichte damit ihr Wahlziel, durch die Wahlkampfkostenerstattung von rund 1,8 Millionen DM ihre Finanzen sanieren zu k\u00f6nnen. Der relativ hohe Stimmenanteil der NPD ist auf die geringe Wahlbeteiligung zur\u00fcckzuf\u00fchren, aber auch darauf, da\u00df es der Partei gelang, ihre Stimmenzahl im Vergleich zur letzten Bundestagswahl mehr als zu verdoppeln. In Bayern stimmten 34.681 W\u00e4hler (0,9 %) f\u00fcr die NPD. Die besten Ergebnisse erzielte die Partei im Landkreis Kitzingen (2,3 %) und in der Stadt Kaufbeuren (1,9%). In einer Stellungnahme zum Wahlausgang erkl\u00e4rte die Partei, die \"neuformierte NPD\" stehe \"gefestigt in der sich z\u00fcgig ver\u00e4ndernden Parteien-Landschaft der Bundesrepublik Deutschland\" und werde von dieser Ausgangsposition aus \"den Kampf um den Einzug in die deutschen Parlamente mit neuer Kraft f\u00fchren\". Der bayerische Landesvorsitzende Walter Bachmann wertete das Wahlergebnis als Hinweis auf das sinkende Vertrauen der B\u00fcrger zu den staatlichen Institutionen. \"Signalhafte Bedeutung\" komme auch dem Erfolg der \"Nationalen Front\" in Frankreich zu, die mit ihren Forderungen nach Verbrechensbek\u00e4mpfung und Abbau der Gastarbeiterzahl einen Stimmenanteil von \u00fcber 11 % erreicht habe. Der Pressesprecher Dieter Bauer \u00e4u\u00dferte, die NPD sehe im Wahlausgang \"eine Best\u00e4tigung ihrer seit der letzten Bundestagswahl anhaltenden Aufw\u00e4rtsentwicklung\". Da die Partei ihr W\u00e4hlerpotential in Bayern \"noch lange nicht ausgesch\u00f6pft\" habe, werde sie ihre Arbeit in den n\u00e4chsten zwei Jahren \"auf einen Erfolg bei der Landtagswahl 1986 konzentrieren mit dem Ziel des Wiedereinzuges in den Landtag und die Bezirkstage\". 2.5 Junge Nationaidemokraten (JN) Die Jungen Nationaldemokraten als Jugendorganisation der NPD bekennen sich nach ihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet, kritisieren aber deren Kurs als zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihr Verhalten ist durch eine erheblich aggressivere Argumentation gekennzeichnet. In Teilbereichen lie\u00dfen sie neonazistische Ans\u00e4tze erkennen. Dieses \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild wird von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren und ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen. 105","Bundesvorsitzender der JN ist seit Oktober 1983 Hermann Lehmann aus Uehrde/Niedersachsen. Den Landesverband Bayern leitet Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg, der auf dem Landeskongre\u00df am 12. Mai in Landshut als Landesvorsitzender best\u00e4tigt wurde. Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern 1968 1970 1972 1974 1976 1978 1980 1982 1984 350 300 250 200 150 100 50 1984 konnten die JN im Bundesgebiet wiederum einen geringen Zuwachs auf 550 (1983: 530) Mitglieder verzeichnen. In Bayern, wo sie wie im Vorjahr etwa 120 Mitglieder z\u00e4hlen, entwickelten nur die Bezirksverb\u00e4nde Mittelund Unterfranken Aktivit\u00e4ten. Der wegen seiner Kontakte zur neonazistischen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) im Juli 1983 vom JNBundesvorstand aufgel\u00f6ste Kreisverband M\u00fcnchen wurde Anfang 1984 neu gegr\u00fcndet. Ein weiterer Kreisverband entstand im Raum Alt\u00f6tting/Traunstein. Der JN-Bundesvorstand gibt anstelle der Brosch\u00fcre \"Mauerspringer-Zeitung im geteilten Deutschland\" nunmehr das Mitteilungsblatt \"Junge Stimme\" heraus. Neu erschienen ist auch die Schrift \"JN-Konkret\", die Berichte aus der Arbeit der JN enth\u00e4lt. Weitere Publikationen des Bundesvorstands sind der \"JN-Orgblitz\" und der \"JN-Pressedienst\". Der \"JN-SZ-Info-Dienst\" wurde 1984 nicht mehr festgestellt. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern \"JN-Bayern-Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine der bayerischen Verb\u00e4nde. Dem Mitteilungsblatt \"JN-Info\" des Bezirksverbandes Mittelfranken kommt nur regionale Bedeutung zu. Die F\u00fchrungsschw\u00e4che der JN-Spitze spiegelt sich in der geringen Motivation der Mitglieder wider. So beschr\u00e4nkten sich die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten in Bayern im wesentlichen auf die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Unterst\u00fctzung von Aktionen der NPD. Anl\u00e4\u00dflich einer Wahlveranstaltung der JN am 9. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg, zu der etwa 70 Besucher erschienen, f\u00fchrte die DKPbeeinflu\u00dfte VVN-BdA eine Protestkundgebung mit rund 800 Teilnehmern durch. 2.6 Nationaidemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Nationaldemokratische Hochschulbund mit Sitz in M\u00fcnchen wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD in T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er steht in \"kritischer 106","Solidarit\u00e4t\" zur NPD und vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der in Hochschulgruppen gegliederte NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr etwa 30 Mitglieder. Bundesvorsitzender ist seit Dezember 1983 Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen. In Bayern bestehen Hochschulgruppen in Erlangen und M\u00fcnchen. Publikationsorgan des NHB ist der \"NHB-Report\". Die Zeitschrift erschien 1984 insgesamt zweimal mit einer Auflage von jeweils etwa 1.600 Exemplaren. Au\u00dferhalb der Universit\u00e4ten trat der NHB nicht in Erscheinung. Hinsichtlich des Hochschulbereichs wird auf Abschnitt 5 verwiesen. 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte \"B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp\" wurde Anfang 1980 von NPD-Funktion\u00e4ren in Bochum gegr\u00fcndet. Mit ihren gegen die Integration der Ausl\u00e4nder gerichteten Forderungen verfolgt sie das Ziel, die fremdenfeindliche Agitation der NPD zu unterst\u00fctzen und dadurch neue Mitglieder und W\u00e4hler f\u00fcr die Partei zu gewinnen. 107","Die BIA wird von der NPD personell, publizistisch und organisatorisch unterst\u00fctzt. \"Vertrauensmann\" der BIA ist der Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. \"Kontaktadresse\" des \"Regionalverbandes S\u00fcd\" ist die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. In Bayern trat die BIA durch die Verteilung ihrer zweimonatlich herausgegebenen Druckschrift \"Deutsche Zukunft\" in Erscheinung. Darin wandte sie sich gegen die am 1. Dezember 1986 in Kraft tretenden \"wahnwitzigen EG-Bestimmungen\", die \"Millionen T\u00fcrken\" die M\u00f6glichkeit einer Niederlassung im Bundesgebiet er\u00f6ffneten, was \"auf jeden Fall verhindert werden\" m\u00fcsse. Zum selben Thema verbreitete der \"Regionalverband S\u00fcd\" in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Freundschaft mit allen V\u00f6lkern - aber Deutschland den Deutschen\", in denen er zur Unterst\u00fctzung einer Petition der BIA an den Deutschen Bundestag aufrief. Ferner reichten die NPD und die BIA unter der Bezeichnung \"NPD-M\u00fcnchner Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderstopp\" f\u00fcr die Kommunalwahlen am 18. M\u00e4rz in M\u00fcnchen einen gemeinsamen Wahlvorschlag ein, auf den 0,5 % der abgegebenen Stimmen entfielen. 3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die DVU, die keine politische Partei ist, entspricht ideologisch weitgehend der NPD. Ihre Aussagen sind in vielen F\u00e4llen themengleich mit denen der NPD, jedoch aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Im Gegensatz zur NPD und einigen anderen rechtsextremen Organisationen steht sie nationalistischneutralistischen Bestrebungen, die auf eine Losl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis hinauslaufen, ablehnend gegen\u00fcber. Zu den Schwerpunkten ihrer Agitation geh\u00f6rte auch 1984 eine auf v\u00f6lkisch-biologische Thesen gest\u00fctzte Kampagne gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern, insbesondere von T\u00fcrken. Kennzeichnend f\u00fcr die Fremdenfeindlichkeit der DVU waren Schlagzeilen wie \"Bald mehr Ausl\u00e4nder als Deutsche?\" und \"Was sich Ausl\u00e4nder in Deutschland anma\u00dfen\". Insbesondere verwies die DVU auf die Folgen der f\u00fcr Dezember 1986 geplanten Freiz\u00fcgigkeitsregelung in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft, die etwa \"zwei Millionen auswanderungswilligen T\u00fcrken\" eine Niederlassung im Bundesgebiet erm\u00f6gliche, und warnte vor einer \"\u00dcberflutung unseres Volkes mit Fremden\". Sie stellte einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Ausl\u00e4nderanteil und der Kriminalit\u00e4tsrate her, indem sie betonte, da\u00df sich in allen St\u00e4dten mit gr\u00f6\u00dferen t\u00fcrkischen Gastarbeiterzahlen die \"Untaten t\u00fcrkischer Schl\u00e4gerbanden gegen einheimische Mitb\u00fcrger\" h\u00e4uften. So seien die \"T\u00fcrkenviertel in Westberlin\" nach Einbruch der Dunkelheit und manchmal sogar schon am Tage ein \"unsicheres Pflaster f\u00fcr Deutsche\". Daneben wandte sich die DVU gegen die Gleichbehandlung von Ausl\u00e4ndern und Deutschen, wobei sie insbesondere einen \"Vorrang f\u00fcr Deutsche\" bei der Vergabe von Arbeitspl\u00e4tzen forderte. Ferner kritisierte sie die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung, die \"Milliarden f\u00fcr die ohnehin zum Scheitern verurteil108","te Integration von Orientalen\" aufwende, deutsche Ubersiedler aus Ostblockl\u00e4ndern hingegen \"stiefm\u00fctterlich\" behandle. Mit Schlagzeilen wie \"Die wahren Schuldigen am Zweiten Weltkrieg - Historiker entlastet Deutschland\" versuchte die DVU, die NS-Zeit zu rechtfertigen. So behauptete sie, Hitler sei durch die \"von Roosevelt betriebene Einkreisung Deutschlands\" schlie\u00dflich \"zum Angriff auf Polen gezwungen\" worden. Breiten Raum nahm die Verherrlichung von Rudolf He\u00df ein, dessen 90. Geburtstag die DVU in ihren Veranstaltungen und Publikationen propagandistisch zu nutzen versuchte. Sie erkl\u00e4rte, da\u00df He\u00df mit seinem \"wagemutigen Flug nach England\" am 10. Mai 1941 \"den Krieg beenden wollte\" und seitdem \"unter unmenschlichen Bedingungen eingekerkert\" sei. Da er \"nachgewiesenerma\u00dfen unschuldig\" auf der Anklagebank des N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesses gesessen habe, h\u00e4tte \"sein Nachbar wenigstens niemand anderer sein m\u00fcssen als Churchill\". Ziel des N\u00fcrnberger Verfahrens sei es gewesen, in einem \"Schauproze\u00df der Siegerm\u00e4chte\" die \"Alleinschuld Deutschland am Ausbruch des Polenkrieges und der Ausweitung des europ\u00e4ischen Konfliktes zum Weltkrieg fortzuschreiben\". Damit die Jugend ein v\u00f6llig falsches Bild von den historischen Vorg\u00e4ngen bekomme, w\u00fcrden von den \"Umerziehern\" wesentliche Umst\u00e4nde \"bewu\u00dft verschwiegen\". Solcher \"Manipulation\" zum Trotz k\u00f6nne \"das Geschichtsbild der Sieger auf Dauer dennoch nicht aufrechterhalten werden\". Wie \u00fcberall werde \"auch hier die historische Wahrheit eines Tages \u00fcber die Geschichtsl\u00fcge siegen\". Auch 1984 setzte die DVU die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten fort, wobei sie pauschal von \"Umerziehungs-Politikern\" und \"roten Bonzen\" sprach und der gesamten Opposition eine kommunismusnahe Haltung unterstellte. Der Bundesregierung warf sie wegen ihrer angeblichen Neigung, vor dem \"Mob der Stra\u00dfe\" zur\u00fcckzuweichen, eine \"Selbstverst\u00fcmmelung unserer Bundesrepublik\" vor. Die antij\u00fcdische Haltung der DVU tarnte sich durchwegs als Kritik am Staate Israel. So \u00e4u\u00dferte die DVU, ein auch von \"israelitischer Seite\" bzw. \"Zionisten\" gefordertes \"Sondergesetz gegen unbequeme Geschichtsschreibung\" bedrohe die Meinungsfreiheit, w\u00e4hrend \"winzige, ohnehin bevorrechtigte Minderheiten strafrechtlichen Sonderschutz genie\u00dfen\". Anla\u00df dazu war die \u00f6ffentliche Diskussion um die Frage, wie die Leugnung der NS-Verbrechen bei der Judenverfolgung strafrechtlich bewertet werden soll. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften rund 12.000 (1983: 11.000) Mitglieder, davon etwa 2.000 in Bayern. Zur personellen St\u00e4rkung der DVU hat vor allem die intensive Werbung f\u00fcr die Aktionsgemeinschaften beigetragen. Bundesvorsitzender ist der im M\u00e4rz 1984 auf der Bundesversammlung in M\u00fcnchen wiedergew\u00e4hlte Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellver109","treter sind Dr. Bernhard Steidle und Dr. Fritz von Randow. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wir vor kaum eigene Initiativen. Wie deutsche Kriegsverbrechen erfunden werden s Deutscher Anzeiger Freiheitliche Wochenzeitung s s : \"WO Manchen 80 ' Wie deutsche Gefallene verh\u00f6hnt werden Das offizielle Presseorgan der DVU ist der \"Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von \u00fcber 25.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch Herausgeber der mit dem DA etwa zur H\u00e4lfte inhaltsgleichen \"Deutschen National-Zeitung\" (DNZ), die im Regelfall w\u00f6chentlich in einer Auflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren erscheint. 3.3 Aktivit\u00e4ten Neben der publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVU in der Durchf\u00fchrung \u00f6ffentlicher Veranstaltungen, vorwiegend aus Anla\u00df des 90. Geburtstages von Rudolf He\u00df. So verband die DVU ihre Mitgliederversammlung am 10. M\u00e4rz in M\u00fcnchen mit einer Gro\u00dfkundgebung unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr Rudolf He\u00df\". Dr. Frey forderte vor rund 1.000 Zuh\u00f6rern die Freilassung von He\u00df und eine Generalamnestie f\u00fcr alle noch inhaftierten Kriegsverbrecher. Der britische Schriftsteller David Irving behauptete in seinem Referat, \"neuen Erkenntnissen\" zufolge h\u00e4tten britische Vernehmungsoffiziere den \"nach England gelockten\" Rudolf He\u00df einer medizinischen Folterung unterzogen. Die Tatsache, da\u00df die damaligen Vernehmungsprotokolle erst im Jahre 2015 der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht werden sollen, belege, da\u00df England bef\u00fcrchte, als der wahre Schuldige am Zweiten Weltkrieg entlarvt zu werden. Im Rahmen einer im Juni durchgef\u00fchrten Vortragsreihe der DVU zum Thema \"Das Geheimnis um Rudolf He\u00df\" sprach David Irving in W\u00fcrzburg und Lindau (Bodensee) vor rund 80 bzw. 100 Besuchern. In W\u00fcrzburg demonstrierten vor dem Veranstaltungslokal etwa 15 politische Gegner, meist Angeh\u00f6rige der DKPbeeinflu\u00dften VVN-BdA. Am 4. August hielt die DVU in Passau ihre allj\u00e4hrliche Gro\u00dfkundgebung ab. Vor rund 1.100 Teilnehmern, darunter etwa 300 \u00d6sterreichern und S\u00fcdtirolern, verlieh Dr. Frey dem stellvertretenden Landeskommandanten des S\u00fcdtiroler Sch\u00fctzenbundes J\u00f6rg Pircher den mit 10.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer110","Preis\" des DVU-Organs \"Deutscher Anzeiger\". Die Laudatio auf den Preistr\u00e4ger hielt der fr\u00fchere \u00f6sterreichische Nationalrat Dr. Otto Scrinzi, der Pirchers Einsatz im S\u00fcdtiroler \"Freiheitskampf\" hervorhob. David Irving sprach als Hauptredner zum Thema \"Das Martyrium von Rudolf He\u00df und seine wahren Hintergr\u00fcnde\". Er verurteilte Churchills \"hinterh\u00e4ltige kriegstreibende Politik\" und erkl\u00e4rte, da\u00df He\u00df versucht habe, den Zweiten Weltkrieg abzuwenden. Eine Protestkundgebung von rund 600 politischen Gegnern verlief ohne Zwischenf\u00e4lle. Unter den Demonstranten befanden sich Mitglieder der DKP, SDAJ, VVNBdA, DFG-VK, MLPD und des BWK. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU geschaffenen Aktionsgemeinschaften, deren Mitgliedsbeitr\u00e4ge vom DVU-Vorstand festgelegt werden, sind integrierte Bestandteile der DVU. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen erscheinen im DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\". Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet kraft Satzung gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Durch die Gr\u00fcndung solcher Aktionsgemeinschaften mit attraktiv niedrigen Beitr\u00e4gen hat sich die DVU zur mitgliederst\u00e4rksten rechtsextremen Organisation im Bundesgebiet entwickelt. Die Wirksamkeit und Gef\u00e4hrlichkeit dieser Propagandainstrumente der DVU beruht insbesondere darauf, da\u00df sich ihre Forderungen auf einzelne Themen rechtsextremer Agitation konzentrieren und auf diese Weise auch auf solche Personen zielen, die nur in diesen Teilbereichen f\u00fcr rechtsextremes Gedankengut empf\u00e4nglich sind. F\u00fcr Deutschlands Rechte DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU) die f\u00fchrende \u00fcberparteiliche Bewegung der verfassungstreuen Rechten und freiheitlichen Mitte (Vorsitzender Dr. Gerhard Frey) V Ehrenbund Rudel Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten Aktion deutsche Einheit (AKON) setzt sich f\u00fcr die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands ein Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) arbeitet f\u00fcr ein Ende der Kriegsverbrecherprozesse gegen Besiegte des II. Weltkriegs Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will die Interessen des deutschen Volkes bei diesen Medien durchsetzen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I. f. A.) verteidigt den deutschen Charakter Deutschlands Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt k\u00e4mpft f\u00fcr den Erhalt des Lebens und der Heimat Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft m","einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. 1984 verbreitete die VOGA in einigen St\u00e4dten Bayerns Aufkleber mit der Aufschrift \"Freiheit f\u00fcr Rudolf He\u00df\". Die Aktion Deutsche Einheit (AKON) entstand 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation. 1979 w\u00e4hlten die Mitglieder den DVU-Funktion\u00e4r Dr. Bernhard Steidle zum Vorsitzenden. Mit der anschlie\u00dfenden Ernennung des DVU-Vorsitzenden zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorsitzenden der AKON geriet die Organisation v\u00f6llig unter den Einflu\u00df von Dr. Frey. 1980 beschlossen die Mitglieder eine neue Satzung, in der die AKON ihre Selbst\u00e4ndigkeit aufgab und sich der DVU als Aktionsgemeinschaft anschlo\u00df. Die AKON, die nach ihrer Satzung die \"Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit innerhalb gerechter Grenzen\" f\u00f6rdern m\u00f6chte, agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. So lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab und wendet sich gegen Versuche, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\". Die im Dezember 1980 gegr\u00fcndete Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I.f.A.) kn\u00fcpft mit der Devise \"Deutschland soll deutsch bleiben\" an die von der NPD verbreitete Parole \"Ausl\u00e4nder-Stopp - Deutschland den Deutschen\" an. 1984 erkl\u00e4rte sie, es sei unertr\u00e4glich, da\u00df Deutsche aus dem Osten, die \u00fcber Jahrzehnte treu zu ihrem Volkstum gestanden h\u00e4tten, arbeitslos seien, w\u00e4hrend Ausl\u00e4nder Arbeitspl\u00e4tze h\u00e4tten. Hier m\u00fcsse ganz konsequent das Prinzip \"Vorrang f\u00fcr Deutsche\" gelten. Die seit Januar 1982 bestehende Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will dem \"Mi\u00dfstand\" abhelfen, da\u00df Rundfunk und Fernsehen \"in zunehmendem Ma\u00dfe gegen die Lebensinteressen des deutschen Volkes agitieren\". Sie wendet sich gegen die \"systematische Verteufelung\" der deutschen Geschichte, die \"Herabw\u00fcrdigung des deutschen Soldaten\" und die \"Minimalisierung der Verbrechen am deutschen Volk\" in Rundfunk und Fernsehen, \"in denen Randgruppen Abwegigkeiten ohne jede R\u00fccksicht auf den Mehrheitswillen verbreiten\". Der im Januar 1983 gegr\u00fcndete Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten (ER) wendet sich \"gegen die Diffamierung untadeliger Soldaten\" und will \"\u00fcber Taten und Leiden auch der Besiegten der Wahrheit die Ehre geben\". Er trat 1984 durch Verbreitung von Aufklebern in Erscheinung. Mitte November 1984 riefen der DA und die DNZ zum Eintritt in den Schutzbund f\u00fcr Leben und Umwelt auf, der als \"\u00fcberparteiliche Vereinigung verantwortungsbewu\u00dfter Deutscher\" unter Vorsitz von Dr. Frey f\u00fcr \"Ma\u00dfnahmen zum Schutz des deutschen Waldes\" eintrete und Forderungen wie \"Kampf dem Abtreibungsmi\u00dfbrauch\", \"Ausbau des Zivilschutzes\" und \"B\u00fcrgerschutz vor Kriminalit\u00e4t\" erhebe. 112","Wie im Vorjahr agitierten diese Aktionsgemeinschaften, die mit eigenst\u00e4ndigen Initiativen kaum an die \u00d6ffentlichkeit traten, fast ausschlie\u00dflich im DA und in der DNZ. In ihren dort abgedruckten \"Meinungsumfragen\" suchten sie Zustimmung f\u00fcr Thesen wie \"Man sollte endlich Schlu\u00df machen mit der unentwegten Verteufelung des deutschen Volkes\", \"Es mu\u00df endlich aufh\u00f6ren, da\u00df wir Deutsche Zahlmeister der EG sind, die anderen aber kassieren\", \"Die Fernseh-Gewaltigen sollten vom Volk gew\u00e4hlt, nicht von Parteien ausgekungelt werden\" und \"Die Sch\u00e4ndung von Soldaten-Ehrenmalen mu\u00df h\u00e4rter verfolgt werden\". Die Leserumfragen enthielten gleichzeitig Beitrittserkl\u00e4rungen zu den Aktionsgemeinschaften und Bestellscheine f\u00fcr den DA und die DNZ. Die Ver\u00f6ffentlichung solcher als \"Meinungsumfragen\" getarnter Anzeigen kennzeichnet die Taktik, mit der Dr. Frey rechtsextreme Agitation und Werbung f\u00fcr seine Organisationen und Verlagserzeugnisse miteinander verbindet. 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus (neuer Nationalsozialismus) umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.400 auf 1.350 zur\u00fcckgegangen, darunter etwa 150 (1983: 180) in Bayern. Etwa 1.150 (1983: 1.100) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 50 (1983: 60) in Bayern. Bei den \u00fcbrigen 200 (1983: 300) handelt es sich um \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung traten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden. Eine nennenswerte Zahl von Personen, die - ohne Mitglied zu sein - an solche Gruppen Spenden leisten, war auch 1984 nicht feststellbar. Zum R\u00fcckgang der Mitgliederzahl gegen\u00fcber 1983 d\u00fcrfte das konsequente beh\u00f6rdliche Vorgehen gegen neonazistische Bestrebungen ma\u00dfgeblich beigetragen haben. Die 34 (1983:16) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind in der Regel lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich zum Teil auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. In der Gesamtzahl sind 12 fr\u00fchere Aktivistenkreise der 1983 verbotenen ANS/NA enthalten, die jetzt unter anderem Namen auftreten. Die Agitation der neonazistischen Gruppen ist vor allem durch unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur gekennzeichnet. Teilweise ist auch eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist kritiklose \u00dcbernahme von Parolen 113","der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt und zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. Am 12. September begann vor dem Landgericht N\u00fcmberg-F\u00fcrth die Hauptverhandlung gegen den ehemaligen Leiter der 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) Karl-Heinz Hoffmann und seine Lebensgef\u00e4hrtin Franziska Birkmann wegen Mordes bzw. Beihilfe zum Mord an dem j\u00fcdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgef\u00e4hrtin Frida Poeschke am 19. Dezember 1980 in Erlangen. Mit dem Hauptverfahren verbunden wurden ein gegen Hoffmann anh\u00e4ngiges Verfahren wegen Geldf\u00e4lschung, Freiheitsberaubung, Bedrohung, Strafvereitelung, Anwerben f\u00fcr einen fremden Wehrdienst, N\u00f6tigung, gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung und Versto\u00dfes gegen das Waffen-, Sprengstoffund Kriegswaffengesetz sowie eine weitere gegen Frau Birkmann erhobene Anklage wegen Nichtanzeige geplanter Straftaten, Beihilfe zur Geldf\u00e4lschung und gef\u00e4hrlicher K\u00f6rperverletzung. 4.2 Verbotene Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Mit Verf\u00fcgung vom 24. November 1983 stellte der Bundesminister des Innern im Benehmen mit den lnnenministern/-senatoren der L\u00e4nder fest, da\u00df sich die ANS/NA einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrungVolksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung (AAR) und Freundeskreis Deutsche Politik (FK) gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung richte und deshalb verboten sei. Er ordnete die Aufl\u00f6sung und den Einzug des Verm\u00f6gens an. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung erhob die ANS/NA am 3. Januar 1984 Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht. Beim Vollzug des Vereinsverbots am 7. Dezember 1983 erkl\u00e4rte der bisherige Organisationsleiter Michael K\u00fchnen, die ANS/NA werde schon Anfang 1984 mit einer neuen politischen Konzeption wieder an die \u00d6ffentlichkeit treten. Noch im Dezember 1983 setzte K\u00fchnen die Herausgabe der bisher f\u00fcr den ANS/NA-F\u00fchrungskader bestimmten Schrift \"Das Korps\" unter dem neuen Namen \"Die Kameradschaft\" fort und gab anstelle der bis dahin an die Mitglieder und sonstigen Anh\u00e4nger verteilten Schrift \"Die Innere Front\" den Rundbrief \"Die Neue Front\" (NF) heraus. Beide Schriften sollten zum Zusammenhalt der fr\u00fcheren Funktion\u00e4re und Mitglieder im gemeinsamen Kampf f\u00fcr eine \"Neue Ordnung\" beitragen. K\u00fchnen rief darin alle \"ehemaligen politischen Leiter\" auf, in ihrem Kameradenkreis Leser f\u00fcr die NF zu werben und in NF-Leserkreisen zusammenzufassen. Er bekannte sich weiter offen zum Nationalsozialismus und k\u00fcndigte an, \"schon bald wieder politisch in die Offensive\" zu gehen. Gegen Versuche, die neonazistischen Bestrebungen der verbotenen Organisation in einer losen \"Gesinnungsund Kampfgemeinschaft\" fortzusetzen, schritten die Beh\u00f6rden mehrmals ein. So wurden am 7. Januar in Oldersum/Niedersachsen zw\u00f6lf Personen vorl\u00e4ufig festgenommen, die sich zur Gr\u00fcndung eines Leserkreises getroffen hatten, darunter Michael K\u00fchnen und ein Teilnehmer aus M\u00fcnchen. Bei einer Zusammenkunft des aus der fr\u00fcheren ANS/NA-Kameradschaft Frankfurt hervorgegangenen \"Freundeskreises Germania\" am 13. Januar in Frankfurt a.M. nahm die Polizei 43 ehemalige Mitglieder und Sympathi114","PSxKnUUUB SOZIALIST\" 8 TDfbtcftunti wr\\y UNSER EUROPA SEPTEMBER 1 9 8 4 / 9 5 M F Nr. 17 Oktober 198A Freiheit f\u00fcr ! Schluss mit den Busitzungszus\u00fciniianl \u00c4! NS-VERBOT AUFHEBEN! Beschlagnahmtes Propagandamaterial der verbotenen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationaler Aktivisten 115","santen der ANS/NA, darunter auch drei Personen aus W\u00fcrzburg, vor\u00fcbergehend fest. In gleicher Weise ging die Polizei gegen 34 Personen vor, die am 21. Januar in R\u00fcsselsheim eine \"Deutsche Frauenfront\" (DFF) gr\u00fcndeten. Unter den Festgenommenen befanden sich Michael K\u00fchnen, vier Teilnehmer aus dem Raum M\u00fcnchen und die ehemalige F\u00fchrerin des ANS/NA-M\u00e4delbundes Andrea Kr\u00f6n, die erkl\u00e4rt hatte, die DFF werde k\u00e4mpfen wie die ANS/NA. In allen F\u00e4llen leiteten die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Vereinsgesetz ein. Der im Dezember 1983 als NF-Leserkreis gegr\u00fcndete Unabh\u00e4ngige W\u00e4hlerkreis W\u00fcrzburg - Arbeiskreis f\u00fcr Wiedervereinigung und Volksgesundheit (UWK), der im wesentlichen die Ziele der verbotenen AAR weiterverfolgte und sich in W\u00fcrzburg an der Kommunalwahl 1984 beteiligen wollte, wurde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern im Februar 1984 als Ersatzorganisation der AAR bestandskr\u00e4ftig verboten und aufgel\u00f6st. Am 19. M\u00e4rz setzte sich K\u00fchnen in das westliche Ausland ab, um sich einem bevorstehenden Strafverfahren wegen des Verdachts der Verbreitung von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen zu entziehen. Er reiste in die Schweiz, nach Frankreich und Spanien und hielt sich mehrere Monate in Frankreich auf. In \"Briefen aus dem Exil\" teilte er seinen Anh\u00e4ngern mit, da\u00df er Deutschland \"mit Wissen und Zustimmung der wichtigsten F\u00fchrungskameraden\" verlassen habe, um einen Zusammenschlu\u00df nationalsozialistischer Gruppen Europas zu organisieren. Er verwies auf angeblich bereits erzielte Erfolge wie die Gr\u00fcndung einer \"Auslands-ANS\" und den Beitritt neonazistischer Gruppen des Auslands zu der von ihm propagierten \"Europ\u00e4ischen Bewegung\". Mit diesen Behauptungen wollte er den sich abzeichnenden Zerfall der \"Gesinnungsgemeinschaft\" verhindern und gegen\u00fcber seinen Anh\u00e4ngern die These seines \"ehrenvollen Exils\" erh\u00e4rten, obwohl es ihm nicht gelungen war, im westlichen Ausland ernstzunehmende politische Kontakte zu kn\u00fcpfen und neue Gruppen zu gr\u00fcnden bzw. bereits bestehende zu einer einheitlichen Organisation unter seiner Leitung zusammenzufassen. Am 4. Oktober wurde K\u00fchnen in Paris festgenommen und einen Tag sp\u00e4ter in die Bundesrepublik Deutschland \u00fcberstellt. Wegen seiner von Frankreich aus fortgesetzten neonazistischen Aktivit\u00e4ten hatte das franz\u00f6sische Innenministerium eine Ausweisungsverf\u00fcgung erlassen. Er wurde auf Grund eines Haftbefehls in die Justizvollzugsanstalt K\u00f6ln-Ossendorf eingeliefert. In einer Sonderausgabe des Informationsbriefes \"Die Neue Front\" \u00e4u\u00dferte K\u00fchnens Stellvertreter Thomas Brehl zur Abschiebung K\u00fchnens, der \"F\u00fchrer unserer Gesinnungsgemeinschaft\" sei \"das Opfer einer sonst nur in Gangsterkreisen \u00fcblichen Komplizenschaft niedertr\u00e4chtiger Elemente mit diversen Beh\u00f6rden\" geworden. Da ihm \"keine kriminellen Handlungen vorgeworfen werden\" k\u00f6nnten, sei er \"politischer Gefangener\". W\u00e4hrend in einigen F\u00e4llen anderen \"Schubh\u00e4ftlingen\" die M\u00f6glichkeit einger\u00e4umt worden sei, in ein Land ihrer Wahl abgeschoben zu werden, habe \"der hochkar\u00e4tigste Nationalsozialist wahrscheinlich der ganzen Welt\" hingegen \"im wahrsten Sinne des Wortes eine Sonderbehandlung\" erfahren. Ein weiterer Beitrag enthielt die Ank\u00fcndigung, in den kommenden Monaten w\u00fcrden sich \"s\u00e4mtliche aktiven Gruppen\" unter dem 116","Motto \"Freiheit f\u00fcr alle NS-K\u00e4mpfer, H\u00e4nde weg von Michael K\u00fchnen!\" an der \"gr\u00f6\u00dften zentralen Propagandaaktion beteiligen, die unsere Gesinnungsgemeinschaft jemals durchgef\u00fchrt hat\". In Bayern gr\u00fcndeten ehemalige Aktivisten der ANS/NA nach dem Verbot einen NF-Leserkreis in M\u00fcnchen, der seit Fr\u00fchjahr 1984 unter der Bezeichnung Nationale Basisgruppen in Erscheinung trat. Die Aktivit\u00e4ten dieser Gruppe, die vereinzelt auch Kontakte zu Skinheads und Fu\u00dfballfans unterhielt, beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf interne Zusammenk\u00fcnfte und die Verbreitung von drei Ausgaben ihrer Publikation \"Die Standarte - Zeitung der Nationalen Basisgruppen\". Darin stellte sich die Gruppe als Zusammenschlu\u00df junger Leute dar, die \"nicht mehr an die Macht von Abstimmungen und anderem demokratischen Firlefanz glauben\". Zur Zielsetzung der Nationalen Basisgruppen war in der Schrift ausgef\u00fchrt, die Gruppierung erstrebe \"die Aufhebung des Verbotes der NSDAP\", k\u00e4mpfe \"f\u00fcr ein Deutschland ohne Marxisten und Demokraten\" und wolle \"die Zahl der hier lebenden Ausl\u00e4nder und Juden auf ein ertr\u00e4gliches Ma\u00df reduzieren\", das \"sehr, sehr niedrig ausfallen\" werde. Ihre politischen Aktionen messe sie \"nicht daran, m\u00f6glichst wenig Gesetze zu \u00fcberschreiten, sondern m\u00f6glichst effektiv das System unter geringem Risiko zu bek\u00e4mpfen\". Die Gesetze dienten n\u00e4mlich nur der Aufrechterhaltung einer Ordnung, die uns \"von den Siegern des Krieges aufgezwungen\" worden sei und \"den vitalen Lebensinteressen unseres Volkes\" widerspreche. Die Nationalen Basisgruppen s\u00e4hen ihre Rolle \"im Geflecht internationaler faschistischer und nationalsozialistischer Organisationen\". Ihr besonderes Interesse gelte der \"Revolutionierung der deutschen Jugend\". Nur durch eine \"Aktionseinheit aller deutschen Jugendlichen\" k\u00f6nne man \"Polizei und Linken, Ausl\u00e4ndern und Staatsanw\u00e4lten so auf die F\u00fc\u00dfe treten, wie sie es verdienen\", und \"unser Land\" vor dem \"geistigen und rassischen Ende\" bewahren. Ferner glorifizierte die Schrift die ehemalige WaffenSS als \"Elite-Armee von Freiwilligen\", die \"in besonderer Weise auf Adolf Hitler und den Nationalsozialismus eingeschworen\" gewesen sei, und propagierte die \"legale Neugr\u00fcndung der NSDAP\". In den Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Verunglimpfung des Staates und Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen ordnete das Amtsgericht M\u00fcnchen die Beschlagnahme der im April, Mai und August erschienenen Publikationen und der zur Herstellung verwendeten Druckunterlagen an. Gegen einen im s\u00fcddeutschen Raum verbreiteten Aufkleber der Nationalen Basisgruppen, auf dem ein Adler mit dem Radkranz der ehemaligen nationalsozialistischen \"Deutschen Arbeitsfront\" abgebildet war, erlie\u00df das Amtsgericht M\u00fcnchen im April 1984 ebenfalls einen Beschlagnahmebeschlu\u00df. In einer Pressemitteilung vom 29. Mai bekannten sich die Nationalen Basisgruppen offen \"zum Nationalsozialismus des F\u00fchrers\". In einerweiteren Mitteilung vom 30. August hie\u00df es, einem Staat, der dem \"nationalen Sozialismus\" feindlich gegen\u00fcberstehe, w\u00fcrden \"keinerlei Konzessionen\" gemacht. Die Druckschriften, auf denen ein Reichsadler mit Hakenkreuz abgebildet war, endeten mit den Worten \"Heil Hitler!\". Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht M\u00fcnchen I leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. 117","Um organisatorisch wieder Fu\u00df fassen zu k\u00f6nnen, strebten ehemalige Aktivisten der ANS/NA auch eine Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen an. Insbesondere versuchten sie, die bis Ende 1983 bedeutungslose Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei (FAP) mit Sitz in Stuttgart zu unterwandern, um sie f\u00fcr die Ziele der ANS/NA umfunktionieren zu k\u00f6nnen. Schon bei einem Treffen am 17. M\u00e4rz 1984 in Baden-W\u00fcrttemberg hatte Michael K\u00fchnen seine Anh\u00e4nger dazu aufgerufen, ihre Anstrengungen auf den Aufbau der FAP zu konzentrieren, wobei er betonte, da\u00df diese zur \"politischen Heimat\" ehemaliger ANS/NA-Aktivisten geworden sei. Inzwischen hat die zuvor im Raum Stuttgart t\u00e4tige FAP unter Mitwirkung ehemaliger Mitglieder und Funktion\u00e4re der ANS/NA in mehreren Bundesl\u00e4ndern Gebietsverb\u00e4nde gegr\u00fcndet. In Bayern entstanden Kreisverb\u00e4nde in M\u00fcnchen und Bad Neustadt a.d.Saale. Ein Anfang Dezember in M\u00fcnchen verbreitetes Flugblatt der FAP endete mit der Forderung \"Dies ist unser Land! Nach und nach m\u00fcssen alle Ausl\u00e4nder raus hier!\". Gegen fr\u00fchere Anh\u00e4nger der ANS/NA waren 1984 auch in Bayern mehrere Strafverfahren anh\u00e4ngig. So verh\u00e4ngte das Amtsgericht W\u00fcrzburg im Juli gegen einen ehemaligen ANS/NA-Anh\u00e4nger eine Geldstrafe von 900 DM wegen eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz. Der Angeklagte und drei anderweitig verfolgte Mitt\u00e4ter hatten am 6. Februar bei einer Flugblattaktion des UWK in W\u00fcrzburg gleichartige Kleidungsst\u00fccke als Ausdruck einer gemeinsamen politischen Gesinnung getragen. Das Amtsgericht W\u00fcrzburg verurteilte ferner einen ehemaligen Aktivisten der ANS/NA im Oktober wegen K\u00f6rperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von vier Monaten ohne Bew\u00e4hrung. Der Beschuldigte hatte am 10. Februar bei einer Flugblattaktion des UWK in W\u00fcrzburg einen Passanten t\u00e4tlich angegriffen. 4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. wurde 1979 von Neonazis gegr\u00fcndet. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen finanziell und ideell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Daneben sollte es von Anfang an Aufgabe der HNG sein, den von Exekutivma\u00dfnahmen betroffenen Gesinnungsgenossen ein ihrer neonazistischen Anschauung entsprechendes politisches Kontaktund Aktionsfeld zu bieten. Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Sie unterh\u00e4lt enge Verbindungen zu zahlreichen neonazistischen Gruppen im Inund Ausland. Insbesondere war eine rege Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Schwesterorganisation \"Comite Objectif entraide et solidarite avec les vicitimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. Der HNG geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 250 (1983: knapp 400) Mitglieder und F\u00f6rderer an. Anfang 1984 vollzog sich in der HNG nach einem erbitterten Machtkampf eine Kr\u00e4fteverschiebung zugunsten ehemaliger ANS/NA-Anh\u00e4nger. So wurde bereits am 7. Januar dem fr\u00fcheren ANS/NA-Funktion\u00e4r Christian Worch mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung Michael K\u00fchnens das Amt des Schriftlei118","ters der HNG-Publikation \"Nachrichten der HNG\" (vordem: Information der HNG) \u00fcbertragen. Am 25. Februar erfolgte die Wahl der ehemaligen ANS/NAAktivistin Christa Goerth zur neuen Vorsitzenden. Damit nahmen zwei Aktivisten der verbotenen ANS/NA Schl\u00fcsselpositionen in dem f\u00fcnfk\u00f6pfigen Vorstand ein. Die Ank\u00fcndigung der neuen Vorsitzenden, die HNG werde ihre politischen Aktivit\u00e4ten im Stil der ANS/NA forcieren, signalisiert einen bedeutsamen Richtungswandel in der Zielsetzung der HNG. Die HNG ver\u00f6ffentlichte in ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt regelm\u00e4\u00dfg Listen, Anschriften und Briefe von \"nationalen politischen Gefangenen\", darunter auch von rechtsterroristischen Gewaltt\u00e4tern. Anl\u00e4\u00dflich des 90. Geburtstages von Rudolf He\u00df am 26. April versuchte die HNG bundesweit, durch das Verteilen von rund 12.000 Plakaten Aufmerksamkeit zu erregen. Am 13. Oktober trafen sich in M\u00fcnchen rund 30 Anh\u00e4nger Michael K\u00fchnens aus mehreren Bundesl\u00e4ndern, darunter auch Aktivisten der neonazistischen \"Nationalen Basisgruppen\", zu einer Sympathiekundgebung der HNG f\u00fcr den inhaftierten ehemaligen ANS/NA-Leiter. Als zwei Teilnehmer am Nachmittag in der Innenstadt Flugbl\u00e4tter der HNG verteilten, griff die Polizei ein und stellte die Schriften wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen Strafvorschriften sicher. Bei Fahrzeugdurchsuchungen fanden die Beamten umfangreiches Propagandamaterial, darunter rund 11.500 Plakate der HNG mit der \u00dcberschrift \"Michael K\u00fchnen entf\u00fchrt!\" und etwa 500 Flugbl\u00e4tter mit der Forderung \"Freiheit f\u00fcr alle NS-K\u00e4mpfer!\". Ferner beschlagnahmten sie drei Schu\u00dfwaffen, zwei Schlagst\u00f6cke, Spr\u00fchdosen mit Tr\u00e4nengas und Gegenst\u00e4nde mit NS-Emblemen. W\u00e4hrend des Einsatzes nahm die Polizei neun Personen zur Identit\u00e4tsfeststellung vor\u00fcbergehend fest. Gegen die Waffenbesitzer, die Flugblattverteiler und den f\u00fcr die Schriften presserechtlich Verantwortlichen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet. 4.4 Nationale Volksfront (NVF) Die NVF ging Anfang 1984 aus zwei nach dem Verbot der ANS/NA entstandenen NF-Leserkreisen in Mainz und R\u00fcsselsheim hervor, die sich von Michael K\u00fchnens Konzept zunehmend distanzierten. In ihrem Sprachrohr \"Eiserne Faust\" forderte die NVF den \"Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Israel\", die \"Wiederzulassung der NSDAP, die durch Besatzerwillk\u00fcr unter Bruch international g\u00fcltigen V\u00f6lkerrechts verboten wurde\", die \"Aufhebung des Verbotes von SA und SS\" sowie ein \"Verbot aller kommunistischen Banden\". Im Zuge der Ausweitung des Aktionsraumes wurden Ortsgruppen in RheinlandPfalz, Hessen und Bayern gegr\u00fcndet. Die bayerische Gruppe in Sulzbach-Rosenberg, Landkreis Amberg-Sulzbach, f\u00fchrt die Bezeichnung \"Sto\u00dftrupp Theodor Eicke\"*. Sie sieht neben der allgemeinen politischen Arbeit f\u00fcr den nationalen Sozialismus ihre Hauptaufgabe in der F\u00f6rderung des wehrsportlichen Gedankens. *) Theodor Eicke war w\u00e4hrend des Dritten Reiches \"F\u00fchrer der SS-Totenkopfverb\u00e4nde und Konzentrationslager\". 119","4.5 Nationalistische Front (NF) Die im September 1983 in M\u00fcnchen als Nationale Front - Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten (NF-BSN) gegr\u00fcndete und sp\u00e4ter in Nationalistische Front umbenannte Organisation setzt sich u.a. aus Anh\u00e4ngern der 1982 verbotenen neonazistischen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) zusammen. Sie fordert in ihrem Grundsatzprogramm die \"antiimperialistische Nationale Befreiung von fremder Macht und ihren deutschen Handlangern\" und tritt f\u00fcr eine \"gesamtdeutsche Neutralit\u00e4t\" ein. Ferner wendet sie sich gegen \"weitere fremdv\u00f6lkische Einwanderung\" und propagiert eine \"lebensrichtige Neue Ordnung\" in einer dem \"Volksinteresse\" dienenden \"Volksgemeinschaft der Zukunft\". Mitglieder der NF verteilten im Juni, September und Dezember in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter mit der \u00dcberschrift \"Da\u00df Deutschland wieder Deutschland wird\", die Forderungen wie \"Fremde Truppen raus aus Deutschland\" und \"Alle Ausl\u00e4nder heim\" sowie einen Aufruf \"Deutscher steh auf! Komm zu uns. Nationalistische Front\" enthielten. 4.6 Deutsche B\u00fcrgerinitiative (DBI) Der 1982 als R\u00e4delsf\u00fchrer der terroristischen \"Deutschen Aktionsgruppen\" (DA) zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilte ehemalige DBI-Leiter Manfred Roeder verfa\u00dfte in der Haft weiterhin die Schriften \"Der Fackeltr\u00e4ger\" und \"Deutscher Jahrweiser\" sowie \"Rundbriefe\" der \"Europ\u00e4ischen Freiheitsbewegung\". In den auch in Bayern verbreiteten Schriften propagierte er ein wiedervereinigtes \"Gro\u00dfdeutsches Reich\". Ferner bezeichnete er die Bundesrepublik Deutschland als \"perfektesten Unterdr\u00fcckungsstaat der westlichen Welt\", in dem eine \"Parteiendiktatur\" gegen den Willen des Volkes herrsche, weshalb ein \"Sieg unter Demokraten\" schlimmer als eine Niederlage unter Hitler sei. Au\u00dferdem verherrlichte er die Zust\u00e4nde im Dritten Reich, in dem es nur \"angebliche\" Rechtsverletzungen gegeben habe, und setzte mit der Parole \"Ein Volk, ein Reich, ein F\u00fchrer\" Bestrebungen der ehemaligen NSDAP fort. Im Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Verunglimpfung des Staates und Verbreitens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen ordnete das Amtsgericht Frankfurt im Oktober 1984 die Beschlagnahme der Publikationen und der zur Herstellung bestimmten Vorrichtungen an. Am 5. Dezember durchsuchte die Polizei in Rodach b. Coburg das Anwesen eines Druckers, der Roeders Schriften vervielf\u00e4ltigte, und stellte rechtsextremes Propagandamaterial sowie zahlreiche Druckplatten sicher. 4.7 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitischen und sonstigen rassistischen Vorf\u00e4lle in Bayern stieg 1984 mit insgesamt 513 gegen\u00fcber 493 im Vorjahr leicht an, wobei in 114 F\u00e4llen (1983: 116) ein entsprechendes Motiv fehlte oder nicht erkennbar war. Zu diesen allgemeinen Verdachtsf\u00e4llen (rund 22 %) geh\u00f6rte z.B. das Verwenden von NS-Symbolen als Mittel des Protestes gegen anderweitige politische Bestrebungen. Allein in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg ereigneten sich mit 169 (1983: 113) bzw. 15 (1983: 46) rund 3 0 % (1984: 42 %) aller Vorf\u00e4lle (ohne allgemeine Verdachtsf\u00e4lle). Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen 120","* . , - : * - * M k/'An 11 rf' i \" g i ? **'*-** 121","gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Juda verrecke\", \"ANS lebt\" und \"T\u00fcrken raus\" angebracht wurden. Anl\u00e4sse f\u00fcr Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NS-Abzeichen, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen, insbesondere antisemitischen Motiven. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 186 F\u00e4llen (1983:106). Unter den ermittelten 254 T\u00e4tern (1983: 146) befanden sich 52 (1983: 44) Minderj\u00e4hrige. Die Staatsanwaltschaften stellten 57 Verfahren ein. In 27 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1984 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. Die polizeilichen Ermittlungen wegen des neonazistisch gepr\u00e4gten Verhaltens von Skinheads und Fu\u00dfballfans, die \"Sieg Heil\" riefen, den Hitlergru\u00df zeigten oder SS-Runen an der Kleidung trugen, erbrachten vereinzelt auch Hinweise auf eine dem \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbild entsprechende politische Motivation der T\u00e4ter. Ein gruppenbezogenes Zusammenwirken von Skinheads und Fu\u00dfballfans einerseits und Neonazis andererseits war hingegen in Bayern nicht feststellbar. 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Deutsche Block (DB) bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\", h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\" und lehnt \"rassischen Mischmasch\" ab. Ferner identifizierte er sich mit der These, das deutsche Volk, das nicht mehr Unheil verursacht habe als andere V\u00f6lker, gleiche \"jenem S\u00fcndenbock\", der \"in grauer Vorzeit von einem Nomadenvolk mit der Schuld dieses Volkes beladen als unschuldiges Opfertier in die W\u00fcste getrieben wurde, um das Volk zu vers\u00f6hnen\". Der DB mit Sitz in Memmingen z\u00e4hlt im Bundesgebiet noch rund 30 Mitglieder (1983: 40), davon etwa 15 (1983: 15) in Bayern. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel, der zugleich die unbedeutende Jugendorganisation des DB \"Jugendbund Adler\" (JBA) leitet. Als Publikationen des DB erscheinen die Zeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\" in geringer Auflage. Neben der allj\u00e4hrlichen \"Schlageter-Gedenkfeier\" bei Kleinwendern im Fichtelgebirge f\u00fchrte der DB regelm\u00e4\u00dfig Vortragsveranstaltungen auf Kreisverbandsebene durch. Ferner setzte er sich an Informationsst\u00e4nden sowie mit Flugblattund Plakataktionen in verschiedenen St\u00e4dten f\u00fcr die Freilassung von Rudolf He\u00df ein. 5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete Wiking-Jugend (WJ) ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue nordl\u00e4ndische\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet das Gesetz der \"Auslese alles Starken und Gesunden\" als \"entscheidende Kraft im Leben\". Entsprechend ihrer These \"Was unserem Volk n\u00fctzt, ist gut\" kritisierte sie die \"Unterwerfungspolitiker\", 122",".,; die mit \"unrechtlichen Teilvertr\u00e4gen die Fremdherrschaft \u00fcber unsere Nation anerkannten\". Ferner wandte sie sich gegen die \"\u00dcberfremdung unseres Volkes\" und die \"Entfremdung der hier lebenden Fremdarbeiter aus ihrer v\u00f6lkischen Identit\u00e4t\". Au\u00dferdem forderte sie die \"L\u00f6sung Deutschlands aus den Bl\u00f6cken\" als Voraussetzung f\u00fcr ein \"vereinigtes freies wehrhaftes Deutschland\". In Teilbereichen waren deutliche neonazistische und militante Ans\u00e4tze erkennbar. Die in Gaue und Horste gegliederte WJ mit Sitz in Stolberg/Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 400 (1983: 350) Mitglieder, davon etwa 60 (1983: 60) in Bayern, von denen jedoch ein Gro\u00dfteil inaktiv ist. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Nahrath aus Stolberg. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg, sowie Horste im Raum Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Publikationsorgan des Bundes ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Schrift \"Wikinger\". Das WJ unterh\u00e4lt Kontakte zu Jugendgruppen gleichen Namens und gleicher Zielsetzung in Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Norwegen, Spanien und den Niederlanden. Der Gau Bayern ver\u00f6ffentlicht seine Nachrichten und Mitteilungen im \"Odalbrief\" und in der Schrift \"Der M\u00fcnchner Spie\u00dferschreck\". In der M\u00e4rzausgabe dieser Schrift hie\u00df es zur Frage, ob Gewalt als legitimes politisches Mittel eingesetzt werden d\u00fcrfe, da\u00df die Demokratie auf untauglichen Kompromissen auf123","baue, w\u00e4hrend \"volkstreue und heimatliebende Menschen\" nur die \"Gesetze der Natur\" anerkennen w\u00fcrden. Diese Gesetze verb\u00f6ten nicht Militanz und Gewalt, sondern machten sie zur \"Grundbedingung eines jeden Lebens \u00fcberhaupt\". Gewalt sei daher der \"Schl\u00fcssel zum Erfolg\" f\u00fcr eine rebellische Jugend, die sich nicht an die \"l\u00e4cherlichen Spielregeln der Demokraten h\u00e4lt.\". Schon Hitler habe erkannt, da\u00df das Parlament der \"Tod jeder Bewegung\" sei. Dieselbe Ausgabe enthielt die Notiz \"Auch wir glauben an das Kreuz, doch bei uns hat alles einen Haken!\". Vier Vertreter der WJ, darunter zwei Funktion\u00e4re aus Bayern, beteiligten sich am 26. M\u00e4rz im Rahmen der Fernsehsendung \"Live aus dem Alabama\" an einer Diskussion zum Thema \"Rechtsradikalismus in Deutschland - Der Traum vom starken Staat\". Dabei wandte sich ein Funktion\u00e4r aus Bayern mit emotionell vorgetragenen rassistisch-nationalistischen Thesen gegen Ehen von Angeh\u00f6rigen verschiedener Rassen und vertrat die Auffassung, mongoloide Kinder seien keine Menschen. Unter dem Motto \"Da tritt kein anderer f\u00fcr dich ein - Sei wehrhaft frei!\" veranstaltete die WJ vom 8. bis 11. Juni in Iphofen, Landkreis Kitzingen, die \"30. Tage volkstreuer Jugend\". An dem Pfingstlager nahmen rund 180 Mitglieder und Sympathisanten aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland teil, darunter auch Angeh\u00f6rige der neonazistischen \"Nationalistischen Front\". Das Programm bestand aus Wettk\u00e4mpfen, Volkstanz und Lagerfeuerrunden. Die Veranstaltung endete mit einer Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal in Iphofen. Das Treffen verlief ohne St\u00f6rungen. Die WJ hatte den Ort des Lagers geheimgehalten und vorgegeben, es finde in der Rh\u00f6n statt. Dort versammelten sich am 9. Juni in Hilders, Landkreis Fulda, etwa 100 politische Gegner zu einer Protestkundgebung. Neben sonstigen Zeltlagern und Fahrten f\u00fchrte die WJ in Bayern einige Flugblattund Plakataktionen durch, wobei sie Forderungen wie \"Fremde Truppen raus aus Deutschland!\" und \"Arbeitslager f\u00fcr Drogendealer!\" erhob. Am Volkstrauertag fanden sich auf dem Friedhof der Justizvollzugsanstalt in Landsberg a. Lech Angeh\u00f6rige verschiedener rechtsextremer Organisationen, darunter auch WJ-Mitglieder, ein. Sie legten an Gr\u00e4bern, in denen wegen NSVerbrechen hingerichtete Personen bestattet sind, Blumengebinde und einen Kranz mit Odalsrune und der Aufschrift \"Heil Euch - Wiking-Jugend\" nieder. 5.3 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Die 1960 in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GfP stellt vor allem ein Podium f\u00fcr rechtsextreme Publizisten dar. Sie will \"geistige Waffen schmieden\", damit deutsche Politik wieder \"zu deutschem Nutzen ausgerichtet wird\". So bezeichnete sie den Begriff \"Gesellschaft\" als \"Zersetzungswort der linken Ideologen\", die damit zielbewu\u00dft das \"Wissen um die Gemeinschaft des Volkes\" verdr\u00e4ngten. Ferner wandte sie sich gegen die \"Tabuisierung der Zeitgeschichte\" und kritisierte die Bundesregierung, die am \"l\u00e4ngst widerlegten Geschichtsbild der Umerziehung\" festhalte, anstatt \"Mut zum Bruch mit lieben Gewohnheiten der letzten Jahrzehnte wie dem Besiegtund Schuldigseinwollen\" zu zeigen. 124","Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 390 Mitglieder. Vorsitzende ist seit 1983 Dr. Holle Grimm. Als Publikationsorgan der GfP erscheint viertelj\u00e4hrlich die Schrift \"Das Freie Forum\". Unter dem Motto \"Mut zur geistigen Wende\" veranstaltete die GfP vom 28. bis 30. September in Kassel ihren Jahreskongre\u00df. Dabei kritisierten die Redner die \"systematische Umerziehung\", die \"uns mit dem Verlust unseres Geschichtsbewu\u00dftseins die nationale Identit\u00e4t nehmen\" wolle, und erkl\u00e4rten, eine \"nationale Politik f\u00fcr morgen\" erfordere \"eine grundlegende Reform des heutigen demokratischen Parteistaates\". Die \"egalit\u00e4r-plebiszitare Massendemokratie\" arbeite auf \"Beseitigung unseres menschlichen Grundrechts auf Ungleichheit\" hin. Hauptanliegen nationaler Politik sei die Aufwertung der \"volksspezifischen Grundwerte\", die \"in unserer Wunscherf\u00fcllungsund Unlustvermeidungsdemokratie allzusehr von den Grundrechten \u00fcberwuchert worden\" seien. Reformen aus \"nationaler Sicht\" h\u00e4tten insbesondere bei einer \u00c4nderung des derzeitigen Wahlrechts anzusetzen, das sich zur \"absoluten Gleichheit bekenne und in unl\u00f6sbaren Widerspruch zu einer \"organischen Lebensordnung\" geraten m\u00fcsse, in der nur die charakterlich und fachlich Besten Zugang zu den Schaltstellen des \u00f6ffentlichen Lebens h\u00e4tten. Kritik galt auch der Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung, die zur \"\u00dcberfremdung\" gef\u00fchrt habe, sowie dem \"Interessenkartell der Integrationisten\", dessen Bedarf an einem \"Ersatzproletariat\" sich hinter \"hehren Phrasen\" verberge. Es sei eine Trag\u00f6die, wie sich das deutsche Volk durch die \"st\u00e4ndige Zufuhr von volksfremden Elementen\" selbst umbringe. 5.4 Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten Der im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten mit Sitz in Starnberg vertritt vor allem nationalistische und rassistische Forderungen, die auf der \u00dcberzeugung von der \"Notwendigkeit einer neuen gesunden Lebensordnung auf der Grundlage gewachsener V\u00f6lker\" beruhen. So erhob die Vereinigung den Vorwurf, die Kultur des deutschen Volkes werde \"systematisch aufgel\u00f6st\", sein Boden \"Angeh\u00f6rigen fremder V\u00f6lker zur Einwanderung ausgeliefert\" und der \"Volksk\u00f6rper dem genetischen Volkstod preisgegeben\". Der Freundeskreis z\u00e4hlt bundesweit rund 300 Mitglieder. Vorsitzende der Organisation ist die Pr\u00e4sidentin der rechtsextremen Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. 2. Jahrgang April 1984 Folge 2 125","Die Aktivit\u00e4ten des Freundeskreises bestanden 1984 haupts\u00e4chlich in der Herausgabe und Verbreitung des Publikationsorgans \"Huttenbriefe - F\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\", das Rudolf He\u00df als \"Symbol des geteilten, gedem\u00fctigten und unfreien Deutschlands\" sowie als Opfer der Angst der \"Siegerm\u00e4chte\" vor seiner \"Zeugenschaft gegen\u00fcber der Welt\" glorifizierte. 5.5 Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) Die DDF wurde am 1. April 1983 auf Initiative ihres derzeitigen Vorsitzenden, des fr\u00fcheren Generalmajors der Wehrmacht Otto Ernst Remer, nach dessen Trennung vom Freundeskreis Ulrich von H\u00fctten gegr\u00fcndet. Der Sitz der etwa 70 Mitglieder z\u00e4hlenden Gruppierung befindet sich in Kaufbeuren. Die DDF verfolgt rassistische und sonstige rechtsextreme Bestrebungen. So lehnt sie die Integration von Ausl\u00e4ndern ab, die bereits zur inneren \"Zerst\u00f6rung der Lebenssubstanz vieler V\u00f6lker\" gef\u00fchrt habe. Ferner wendet sie sich mit der Forderung, die \"deutsche Vergangenheit und Kultur\" d\u00fcrfe nicht weiterhin \"von den Siegern von 1945 und ihren etablierten Mitl\u00e4ufern\" als \"Wiedergutmachungsgut verramscht werden\", gegen das \"Verdikt der Politik und der Massenmedien\", die gegen\u00fcber \"Regungen einer unabh\u00e4ngigen deutschen Geschichtsdarstellung\" eine \"geistespolitische Zensur\" aus\u00fcbten. Nach Ansicht der DDF kommen in den Massenmedien \"nur jene zu Wort, die f\u00fcr alle \u00dcbel der Vergangenheit ausschlie\u00dflich das deutsche Volk verantwortlich machen und f\u00fcr wiedergutmachungspflichtig bis ins 30. und 40. Glied erkl\u00e4ren\". Daneben propagiert die DDF neutralistische Vorstellungen, indem sie f\u00fcr einen Austritt aus der NATO und eine Abkehr von der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft eintritt. Dar\u00fcber hinaus strebt sie eine \"Allianz mit Moskau\" an, da sich die \"Existenz des deutschen Volkes\" nur in einer \"deutsch-russischen Schicksalsgemeinschaft\" sichern lasse. Remer, der als Kommandeur der Wacheinheiten in Berlin ma\u00dfgeblich an der Niederschlagung des Aufstandes gegen Hitler am 20. Juli 1944 beteiligt war, verherrlichte Adolf Hitler bei Vortr\u00e4gen und in seinem 1981 ver\u00f6ffentlichten Buch \"Verschw\u00f6rung und Verrat um Hitler\". Er diffamierte die Widerstandsk\u00e4mpfer des 20. Juli 1944, rechtfertigte pauschal das NS-Regime und leugnete die deutsche Kriegsschuld. Die DDF f\u00fchrte 1984 in Bayern einige Vortragsveranstaltungen durch. 5.6 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) Die 1962 gegr\u00fcndete Vereinigung, die 1972 ihre heutige Bezeichnung erhielt, lie\u00df rassistische und ausl\u00e4nderfeindliche Ziele erkennen. So hie\u00df es in einem Beitrag zur Ausl\u00e4nderfrage: \"Die Gastarbeiter geh\u00f6ren nun ganz \u00fcberwiegend Rassen an, die hier nicht zu Hause sind. Sie passen - biologisch betrachtet - nicht in die mittelund nordeurop\u00e4ische Landschaft. Aus diesem weiteren Grunde ist ihnen hier keine Bleibe auf Dauer zuzubilligen\". Mischlinge wurden als minderwertig betrachtet und Negern positive Charaktereigenschaften abgesprochen. 126","Vorsitzender der Gesellschaft ist der Hamburger Rechtsextremist J\u00fcrgen Rieger. Als Publikationsorgan erscheint die viertelj\u00e4hrlich herausgegebene Zeitschrift \"Neue Anthropologie\". In Bayern ist nur in M\u00fcnchen ein \"Anthropologischer Arbeitskreis\" t\u00e4tig, der Vortragsveranstaltungen und monatliche Arbeitsabende durchf\u00fchrt. 5.7 Arbeitskreis f\u00fcr Zeitgeschichte und Politik Der 1980 erstmals aufgetretene Arbeitskreis f\u00fcr Zeitgeschichte und Politik in F\u00fcrth wird von Hans-J\u00fcrgen Witzsch ma\u00dfgeblich geleitet. Er wendet sich publizistisch und bei Vortragsveranstaltungen gegen eine \"einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" und ein verzerrtes Geschichtsbild, das durch Umerziehungspraktiken und Nachrichtenlenkung der Siegerm\u00e4chte entstanden sei. Nach Auffassung des Arbeitskreises sind die \"bisherigen Behauptungen \u00fcber die Judenvernichtung\" durch weitergehende Zeitgeschichtsforschung zum gro\u00dfen Teil \"als Kriegspropaganda erkannt\". Er fordert daher u. a. eine internationale \u00c4chtung der \"Greuelpropaganda\" sowie die strafrechtliche Verfolgung von antideutscher Hetze im Inund Ausland durch falsche zeitgeschichtliche Darstellung als Volksverhetzung. Die SPD und einige \"F\u00fchrer\" des Zionismus verd\u00e4chtigte er im Zusammenhang mit dem geplanten 21. Strafrechts\u00e4nderungsgesetz, politisch Andersdenkende mit Hilfe der Justiz mundtot machen zu wollen, da begr\u00fcndete sachliche Einw\u00e4nde gegen die bisherigen Darstellungen \u00fcber Art und Ausma\u00df der Judenverfolgung in der NS-Zeit nicht h\u00e4tten entkr\u00e4ftet werden k\u00f6nnen. 5.8 Wehrsportgruppen Seit dem Verbot der Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) im Jahre 1980 wurden in Bayern zahlreiche Gruppen bekannt, die sich mit Wehrsport oder \u00e4hnlichen \u00dcbungen befa\u00dften. In den meisten F\u00e4llen handelte es sich um Kleinstgruppen, die sich inzwischen selbst aufgel\u00f6st oder ihre T\u00e4tigkeit nach polizeilichem Zugriff eingestellt haben. Teilweise waren bei diesen Vereinigungen rechtsextreme Bestrebungen bzw. Kontakte zu rechtsextremen Organisationen festzustellen, so z.B. im Jahre 1981 bei der \"Kampfsportgruppe Vorposten\" im Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen und bei der \"Braunen Aktionsfront\" in Rosenheim, die auch durch Hakenkreuzschmierereien in Erscheinung trat. Eine im Sommer 1983 in Kempten bekanntgewordene Gruppe stand mit der inzwischen verbotenen ANS/NA, der \"Kampfgruppe Priem e.V. Berlin\" und dem \"Asgard-Bund e.V. Berlin\" in Verbindung. Ehemalige Angeh\u00f6rige dieser inzwischen nicht mehr bestehenden Gruppe, die im August 1983 Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO vervielf\u00e4ltigt hatten, wurden im August 1984 wegen gemeinschaftlich begangenen Herstellens von Propagandamitteln verfassungswidriger Organisationen vom Amtsgericht Kempten verwarnt. 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die auf rechtsextreme Literatur spezialisierten 11(1983: 11 ) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern entwickelten 1984 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen Druckschriften betrug mo127","natlich etwa 420.000 (1983: 400.000) Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher rechtsextremen Inhalts angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheint neben dem DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren. Bei Werbeaktionen wird die Auflage betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Dem Verlag ist ein Buchdienst angeschlossen. Dr. Frey ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Freiheitlichen Zeitungsverlags GmbH (FZVerlag) in M\u00fcnchen, die in der DNZ Goldund Silbermedaillen \"gro\u00dfer Deutscher\" anbietet. Kennzeichnend f\u00fcr die Berichterstattung der DNZ war auch 1984 eine sensationell wirkende Schlagzeilentaktik, wobei die in den \u00dcberschriften aufgestellten Behauptungen im Text meist nicht oder nur unzureichend belegt wurden. Einen Schwerpunkt bildeten Angriffe auf ethnische Minderheiten. Wie in den Vorjahren richtete sich die fremdenfeindliche Agitation der DNZ vor allem gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern fremder Kulturkreise, die nach Meinung der DNZ die Gefahr einer \"Ayatollisierung unseres Landes\" bedingt. Unter Hinweis auf die Ende 1986 geplante Freiz\u00fcgigkeitsregelung in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft warnte die DNZ vor einer neuen \"T\u00fcrken-Lawine\" und forderte \"Gesetze und Ma\u00dfnahmen f\u00fcr eine dauerhafte Ausl\u00e4nderbegrenzung\", da andernfalls \"eine gewaltige Ausl\u00e4nderschwemme\" drohe. Mit der Forderung \"Deutsche haben Vorrang\" wandte sie sich ferner gegen die von ihr als \"Diskriminierung der Einheimischen\" empfundene Gleichbehandlung von Ausl\u00e4ndern und Deutschen. Durch eine tendenzi\u00f6se, auf negative Meldungen beschr\u00e4nkte Berichterstattung sch\u00fcrte die DNZ auch Vorurteile gegen Sinti und Roma, die ihre strafunm\u00fcndigen Kinder zum \"Einbrechen und Stehlen\" anleiteten. Die antisemitische Haltung der DNZ \u00e4u\u00dferte sich verdeckt als Kritik an der Politik des \"Judenstaates\", der gegen\u00fcber Nachbarstaaten ein aggressives Verhalten zeige und sich \"beim Waffenexport in allen Krisenzonen unseres Planeten um keine Moral\" schere. Daneben betonte die DNZ, da\u00df Israel das Schuldgef\u00fchl der Deutschen st\u00e4ndig ausn\u00fctze. Ein \"von einer unheilbar wirkenden NSNeurose\" verursachter \"Souver\u00e4nit\u00e4tsdefekt\" erlaube es den Deutschen offenbar nicht, auch die Lebensrechte der Araber zu achten und \"auch nur ein einziges Mal israelischem Ansinnen zu widerstehen\". Wer es dennoch wage, die \"Exklusivit\u00e4t j\u00fcdischen Verfolgungsschicksals\" anzuzweifeln, m\u00fcsse \"heilfroh sein, wenn 'nur' seine Karriere vernichtet\" werde. Breiten Raum nahmen wiederum die Entlastungsund Rechtfertigungsversuche f\u00fcr die NS-Zeit ein. So w\u00fcrdigte die DNZ Rudolf He\u00df als Politiker, der \"unter Einsatz seines eigenen Lebens zum Feind flog, um ihm den Frieden anzubieten\". Der \"europ\u00e4ische Konflikt\" h\u00e4tte sich nicht \"zum Weltkrieg ausgeweitet\", wenn der Mission von He\u00df Erfolg beschieden gewesen w\u00e4re. Der Zweite Weltkrieg sei 1944 nicht mehr ein deutscher Eroberungsfeldzug, sondern nur noch \"ein Verteidigungskrieg Deutschlands gegen die anst\u00fcrmenden Alliierten, vor 128","Organisationsunabh\u00e4ngige rechtsextreme Publizistik Ewig b\u00fc\u00dfen f\u00fcr Majdanek Die \u00fcble Rolle des Fernsehens /&, 5 National\" Zeitung Mr:i\"\"\"i,\u00c4(tm)a * i.M0\"/,D.-Qs freihettlich\" unabh\u00e4ngig *\u00dcberparteilich SSKSr^.a'IIKi(tm) ^ ^ 7 Deutsche Kriegsverbrechen erfunden Gab Hitler den Auftrag f\u00fcr die Friedensmission von Rudolf He\u00df? (Seite 7) 27. Jahrgang. Nr. 17 RoMTftetm. 07. Apn: IBM P r e * S - DM - OstoTOKb IB,OS *1343 C Unser Gru\u00df nach Spandau Der einsame Gefangene ist zum Symbol der durch fremde Gewalt verf\u00fcgten Teilung Deutschlands und seiner Besetzung geworden ** DaitfditUlonotsliE f\u00fcr Kultur un J 3257 FX Folge 4/1984 DM5,LUenk mit! iManji,ijM.mi,auj,i.u.iii.i.nmi,ii (tm)W(tm) Nachrichtenblatt der Unabh\u00e4ngigen Jbiuit NATION EUROPA Monatsschrift im Dienst der europ\u00e4ischen Neuordnung 129","allem gegen die mordende, vergewaltigende und brandschatzende Rote Armee\" gewesen. Nicht die \"vielmillionenfachen unges\u00fchnten Morde an Deutschen\" interessierten aber heute die gesamte \"ver\u00f6ffentlichte Meinung\", sondern \"immer neue Variationen deutscher Alleinschuld und deutscher Schandtaten\". Diese \"Umerziehungspropaganda, die seit 40 Jahren als eine Art Gehirnw\u00e4sche auf die Deutschen losgelassen wird\", bezwecke offenbar die Entrechtung des deutschen Volkes. Der \"wahre Sinn\" der \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" bestehe darin, den \"toten\" Nationalsozialismus zu bek\u00e4mpfen, damit \"der h\u00f6chst lebendige und immer m\u00e4chtigere Sowjetimperialismus freie Bahn\" bekomme. Die DNZ setzte die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten fort. So bezichtigte sie Vertreter der Opposition, die \"Dr\u00e4hte des Ostens\" zu ziehen und \"zu Verbrechen mannigfacher Art bis hin zum Massenmord\" gehetzt zu haben. Ferner erkl\u00e4rte sie, ein Teil der Opposition wolle, da\u00df \"die Sowjets in der Lage bleiben, die Deutschen jederzeit restlos ausrotten zu k\u00f6nnen\". Dieses ungeheuerliche Anliegen werde nur noch von der Dreistigkeit \u00fcbertroffen, mit der dieser \"Exze\u00df an Verantwortungslosigkeit\" als \"Friedenspolitik\" ausgegeben werde. Die Deutsche Verlagsgesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim unter der Leitung des ehemaligen NPD-Bundesvorstandsmitglieds Waldemar Sch\u00fctz gibt die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) heraus. Die w\u00f6chentliche Auflage stieg 1984 auf rund 15.000 Exemplare (1983: 11.000). In der DWZ hie\u00df es, die \"angloamerikanischen Kriegstreiber\" h\u00e4tten Hitlers \"Friedensplan\" abgelehnt. Rudolf He\u00df sei bei seinem \"Friedensflug\" nach England \"in die Falle von Kriegsverbrechern\" gelaufen. Die DWZ druckte das Schlu\u00dfwort von He\u00df vor dem \"N\u00fcrnberger Tribunal der Sieger\" ab und bezeichnete ihn als \"Symbolfigur\" f\u00fcr alle Deutschen, die \"in Gesinnung und Charakter noch nicht verlumpt\" seien. Seit fast einem halben Jahrhundert liege Deutschland \"ausgepl\u00fcndert und mit der Kriegsschuldl\u00fcge erpre\u00dft\" darnieder. Gleichwohl sei der \"Tiefpunkt der Selbstbesudelung und W\u00fcrdelosigkeit offenkundig noch immer nicht erreicht\". Ferner wandte sich die DWZ gegen \"die Unterwanderung und die Zersetzung unseres Volksk\u00f6rpers durch fremden Geist und fremdes Blut\". Inder 1953 gegr\u00fcndeten Nation Europa Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatszeitschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 10.000(1983: 9.300) Exemplaren. Der Verlag wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter des Verlags und Herausgeber der NE sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPDFunktion\u00e4r Peter Dehoust. Die Schrift warf dem fr\u00fcheren amerikanischen Pr\u00e4sidenten Roosevelt vor, er habe das amerikanische Neutralit\u00e4tsgesetz von 1936 unterlaufen, um Amerika in den Krieg zu ziehen. Ferner verherrlichte sie Einsatz und Geist der ehemaligen Waffen-SS und erkl\u00e4rte, die \"jungen europ\u00e4ischen Freiwilligen\" h\u00e4tten gef\u00fchlt, da\u00df nur Hitler \"imstande war, Europa zu erbauen\" und die \"Weltbedrohung des Kommunismus\" zu beseitigen. 130","Breiten Raum nahmen Ausfuhrungen zur Auslanderfrage ein. So hie\u00df es, die \"zunehmende afro-asiatische Invasion\" ver\u00e4ndere das Gesicht unseres Kulturkreises. Es sei daher geboten, die nichteurop\u00e4ischen Zuwanderer in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcckzuf\u00fchren. Nur gemeinsam k\u00f6nnten sich die europ\u00e4ischen V\u00f6lker \"der \u00dcberfremdung erwehren\". Deshalb m\u00fcsse auf die \"inl\u00e4nderfeindlichen Abtreibungsund \u00dcberfremdungsparteien\" im Sinne der \"Erhaltung unseres Volkes\" eingewirkt werden. Deutschland solle dem Beispiel der franz\u00f6sischen \"Nationalen Front\" folgen, die \"wahrhaft europ\u00e4isch\" sei, weil sie die Integration ablehne und die \"\u00dcberfremdung\" bek\u00e4mpfe. Der Druffel-Verlag* in Berg am Starnberger See, der von dem ehemaligen Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik Dr. Gert Sudholt geleitet wird, bietet B\u00fccher an, in denen \"Schwerpunktfragen des Gesamtdeutschtums\" mit dem Ma\u00dfstab \"nationaldeutscher Kritik\" er\u00f6rtert werden. In der Verlagswerbung ist die Rede von der Widerlegung der These, w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges seien von deutscher Seite \"sechs Millionen Juden vergast\" worden. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See will einen \"Beitrag zum Geistesleben des \"nicht umerzogenen\" Teiles unseres Volkes\" leisten. Er gibt seit 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von rund 6.000 (1983: 5.000) Exemplaren heraus. Darin hie\u00df es zur Kriegsschuldfrage, da\u00df die Alliierten \"die Verwicklungen bei der Revision des Versailler Friedensdiktates eskalativ bis zum Ausbruch der Kampfhandlungen trieben, um das Deutsche Reich zu zerst\u00fcckeln\". Nach der \"sogenannten Befreiung\" im Jahre 1945 sei die politische T\u00e4tigkeit in Deutschland den \"Hilfswilligen und Werkzeugen der Besatzungsm\u00e4chte\" vorbehalten gewesen, die das deutsche Volk in der Frage der Wiedervereinigung bis heute hintergangen h\u00e4tten. In der Verfassungswirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland seien \"zahlreiche Souver\u00e4nit\u00e4tsdefekte zu erkennen\". So sei es den deutschen Historikern nicht erlaubt, in Fragen des Kriegsausbruches und der Kriegsverbrechen eine \"unabh\u00e4ngige deutsche Position\" aufzubauen und zu vertreten. Auch fehle wegen der \"Ausgrenzung der Rechte des deutschen Volkes im Grundgesetz\" der Bundesregierung die Unabh\u00e4ngigkeit, das \"Heer der Gastarbeiter\" in wirtschaftlich schwieriger Zeit in ihre L\u00e4nder zur\u00fcckzuschicken. Dem Oppositionsf\u00fchrer im Deutschen Bundestag wurde vorgeworfen, er habe es vers\u00e4umt, gegen\u00fcber einer \"amerikah\u00f6rigen und europas\u00fcchtigen\" Regierung \"deutsche Interessen wahrzunehmen\". Auch habe er nichts gegen die \"flagellantenhaften Antr\u00e4ge\" eines Fraktionskollegen unternommen, die in \"jenem omin\u00f6sen Gesetz, das auch Stammtischzweifel an der legend\u00e4ren Zahl von der Judenvernichtung ahnden soll\", den \"christlichliberalen Nationalmasochismus\" noch \u00fcbertr\u00e4fen. *) Zu den Verfassungsschutzberichten Bayern 1977 und 1978 wurde am 17. Juli 1984 vor dem Bayer. Verwaltungsgerichtshof folgender Vergleich abgeschlossen: Die Wertung in den Verfassungsschutzberichten Bayern 1977 und 1978 des Bayer. Staatsministeriums des Innern, der Druffel-Verlag \"gibt \u00fcberwiegend (bzw. vielfach) rechtsextreme Literatur heraus\", wird f\u00fcr beide Verfassungsschutzberichte durch folgende Fassung ersetzt: \"... gibt Literatur heraus mit dem angestrebten Verlagsziel, sowohl zeitgeschichtliche Quellen f\u00fcr eine sp\u00e4tere Geschichtsforschung zu sichern als auch gegen Umerziehung und Gehirnw\u00e4sche mit geistig-literarischen Waffen zu k\u00e4mpfen.\" 131","Der Verlag Hohe Warte - Franz von Bebenburg KG in Pahl, Landkreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von etwas \u00fcber 1.000 Exemplaren erscheint. Die Schrift enthielt Beitr\u00e4ge, die sich mit der \"Umerziehung durch die Siegerm\u00e4chte\" befa\u00dften und die Ansicht vertraten, der \"behauptete V\u00f6lkermord an den Juden\" sei ebenso wie die Kriegsschuldfrage wissenschaftlich noch im Streit. Insbesondere h\u00e4tten Wissenschaftler des Inund Auslandes mit guten Gr\u00fcnden \"die technische M\u00f6glichkeit der 'millionenfachen Judenmorde' in Zweifel gezogen\". Zur Ausl\u00e4nderpolitik hie\u00df es, da\u00df die Zukunft des deutschen Volkes durch nichts so belastet und behindert werde wie durch \"eine gro\u00dfe Zahl von Ausl\u00e4ndern aus fernen Kulturen\". Kaum wage noch jemand zu sagen, da\u00df V\u00f6lker \"auch Vererbungsgemeinschaften sind\" und da\u00df ein Volk \"ein Wert an sich\" sei, den es zu sch\u00fctzen gelte. Das Gebot der Stunde laute daher \"Volkserhaltung\". Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen bot auch 1984 Publikationen an, in denen die NS-Verbrechen verharmlost werden. In den Prospekten hie\u00df es, da\u00df die \"Holocaust-Giftspritzen ein Teil einer gro\u00dfangelegten Reparationszahlungsstrategie\" seien, und \"das schmutzige Gesch\u00e4ft mit den j\u00fcdischen Leiden\" zwischen \"Zionisten und servilen Bonner Politikern auf Kosten des in der BRD lebenden deutschen Volksteiles abgewickelt\" werde. Im Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Volksverhetzung ordnete das Amtsgericht M\u00fcnchen am 16. Mai die allgemeine Beschlagnahme des im Verlag erschienenen Buches \"S\u00fcndenb\u00f6cke\" an, das die Behauptung enth\u00e4lt, die Judenverfolgung im Dritten Reich sei haupts\u00e4chlich von \"zionistischen\" Juden initiiert worden, die Israel besiedeln wollten und mit den Machthabern des Dritten Reiches paktiert h\u00e4tten. Im Denk mit-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint in einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren alle zwei Monate die von Klaus Huscher herausgegebene Schrift \"Denk mit!\", in der Beitr\u00e4ge abgedruckt waren, die sich gegen die \"Gesetze f\u00fcr den Schutz der Greuelpropaganda\" wandten und die Judenverfolgung im Dritten Reich verharmlosten. Die Schrift verherrlichte ferner Rudolf He\u00df als \"M\u00e4rtyrer des deutschen Volkes\" und \"lebendiges Zeugnis\" des \"arischen Geistes\". Die Rechtsprechung, die den Nationalsozialismus als \"Sack\" pr\u00fcgle, aber den deutschen \"Esel\" meine, wurde als \"systemimmanente Pervers(j)ustiz\" bezeichnet, die in verfassungswidriger Weise versuche, den \"j\u00fcdischen Auserw\u00e4hltheitsd\u00fcnkel \u00fcber die Hintertreppe in die bundesrepublikanische Gesetzgebung einzubringen\". Der Eigenverlag des Robert Dollinger in Bubenreuth, Landkreis ErlangenH\u00f6chstadt, verbreitete unter den Bezeichnungen \"B\u00fcrgerinitiative zur Rettung des deutschen Volkes\" und \"Weltbund gegen Geschichtsf\u00e4lschung\" Flugbl\u00e4tter und offene Briefe, in denen zum Ausdruck kam, da\u00df \"die Nazis die Juden aus Deutschland heraus haben\" wollten, \"von einer Vernichtung\" aber \"keine Rede\" gewesen sei. Die Zahl der in Gaskammern umgekommenen Juden sei \"absolut falsch\". Es gebe eine erdr\u00fcckende Menge von Material wider die \"zionistische Greuelpropaganda\". Niemand k\u00f6nne den Nachweis von Gaskammern liefern. 132","Ausl\u00e4ndisches rechtsextremes Propagandamaterial NS KAMPFRUF KAMPFSCHRIFT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN DEUTSCHEN ARBEITERPARTEI AUSLANDS - UND AUFBAUORGANISATION SOMMER 19B4 (96) Das Vierte Reich \"MGI DEUTSCHE-WEHRT EUCH! ^ <N<EJ DEUTSCH! UND EUROP\u00c4ER - t * *5 WACHTAUF! M Vfi ^ ^ ! A TWtWfS\u00c4T*\"*\" GERC I mSTERKN I H ^*?^^a(tm)(tm)\" : \"^~\" > \"*'' a W (tm) Z 1 ' 8 5 ' F ' , B Z \u00dc S 1 1 E U 'MJE33 J f t Streitet f\u00fcr die Gerechtigkeit *reib\"uo-lnland 150,-\u00f6S/Ausland 300.-\u00f6S/DM 20, 133","7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung vorwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften. 1984 wurden in Bayern 40 (1983: 46) verschiedene, meist deutschoder englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus \u00d6sterreich, Kanada, Frankreich und den USA stammten. Mit besonderer Vehemenz setzte sich die neonazistische NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) in ihrem Publikationsorgan \"NS Kampfruf\" f\u00fcr die \"Ausschaltung des j\u00fcdischen Einflusses\" und die Verwirklichung der \"Lehre Adolf Hitlers\" ein. Endziel sei die \"Schaffung eines nationalsozialistischen Staates in einem freien, souver\u00e4nen und neuvereinigten Gro\u00dfdeutschen Reich und die Errichtung einer Neuen Ordnung auf einer rassischen Grundlage in der gesamten arischen Welt\". Die Schrift bezeichnete die Bundesrepublik Deutschland als \"Bonner Verratsregime\" und \"Besatzungsregime im Dienst der alliierten Siegerm\u00e4chte\". Daneben wurden in Bayern Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\", \"Wir sind wieder da\" und \"Kauft nicht bei Juden\" verbreitet. Herkunft ausl\u00e4ndischen rechtsextremen Propagandamaterials Sonstige Kanada USA Frankreich Schweiz \u00d6sterreich 134","Der Inhaber des in Toronto/Kanada ans\u00e4ssigen Verlags Samisdat Publishers Ltd. Ernst C F . Z\u00fcndel, der seit Jahren gegen den \"6-Millionen-Schwindel\" und \"antideutsche Ha\u00dfpropaganda\" agitiert, verbreitete in seinen in der Regel monatlich erscheinenden Rundbriefen wiederum antisemitisches Gedankengut. Anl\u00e4\u00dflich des gegen ihn in Kanada anh\u00e4ngigen Strafprozesses wegen seiner dortigen rechtsextremen Aktivit\u00e4ten erkl\u00e4rte er, da\u00df er wegen seiner \"Arbeit gegen die L\u00fcgen der Vergangenheit \u00fcber unser Volk\" von den \"Zionisten\" angeklagt werde, weil er \"den Holocaust-Rummel als Schwindel und Erpressung des deutschen Volkes bezeichnet\" habe. Gleichzeitig rief er seine Anh\u00e4nger zu Spenden auf, mit denen er \"Experten\" als Zeugen vor Gericht aussagen lassen will, um das \"L\u00fcgengeb\u00e4ude von Holocaust hinwegzurei\u00dfen\". Der Rechtsextremist Walter Ochensberger aus \u00d6sterreich verbreitete auch 1984 den \"Nachrichten-Austausch-Dienst (NAD) und die Zeitschrift \"Sieg\", die zum \"Widerstand\" gegen das \"V\u00f6lkerchaos in Deutschland\" aufrief und behauptete, da\u00df das Problem der \"Ausl\u00e4nder-\u00dcberfremdung\" von den \"volksverachtenden Systemschergen immer mehr gemieden und in den Hintergrund gedr\u00e4ngt\" werde. Desgleichen wurde die Judenvernichtung im Dritten Reich als L\u00fcge hingestellt, die unser Volk auch f\u00fcr die n\u00e4chsten Generationen \"erpre\u00dfbar\" machen solle. Der franz\u00f6sische \"Faisceaux Nationalistes Europeens\" (F.N.E.) griff in ihrer auch in Bayern verbreiteten Schrift \"Notre Europe\" die demokratische Staatsform an. Die Demokratie lebe von L\u00fcgen, wie die \"gro\u00dfe geschichtliche L\u00fcge der Gaskammer von Dachau\" zeige. 135","4. Abschnitt Gewalt und Terror I.Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hielt auch 1984 an. Schwerpunkt der Gewalttaten mit linksterroristischem Bezug waren erneut Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge; jedoch sank die Gesamtzahl bundesweit gegen\u00fcber dem Vorjahr (1983: 215, 1984: 148). Bevorzugte Ziele waren Einrichtungen der US-Armee, der Bundeswehr sowie Banken und Firmen, die an der Erstellung von Gro\u00dfbauprojekten (z.B. Kernkraftwerken, Ausbau von Gro\u00dfflugh\u00e4fen) beteiligt sind. Weitere Angriffsobjekte waren Unternehmen der Mikroelektronik-Branche. Die Rote Armee Fraktion (RAF), die 1983 weder terroristische Aktionen durchgef\u00fchrt noch politische Erkl\u00e4rungen abgegeben hatte, bewies 1984 mit zwei Beschaffungsstraftaten sowie einem versuchten Sprengstoffanschlag am 18. Dezember auf die NATO-Schule in Oberammergau erneut ihre Gef\u00e4hrlichkeit. Ihre durch Festnahme mehrerer Mitglieder bedingten personellen Verluste sind inzwischen offenbar ausgeglichen. Weiter zur\u00fcckgegangen sind die terroristischen Aktivit\u00e4ten der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) und ihrer Frauenguppe \"Rote Zora\", denen bundesweit 11 (1983: 27) vollendete oder versuchte Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge zuzurechnen waren. Wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem Linksterrorismus wurden drei Personen zu Freiheitsstrafen verurteilt, davon keine in Bayern. Gegen 32 mutma\u00dfliche linksterroristische Gewaltt\u00e4ter bestehen Haftbefehle. F\u00fcr die Existenz einer rechtsterroristischen Vereinigung im Bundesgebiet gibt es derzeit keine Hinweise. In Bayern wurden 1984 lediglich 2 (1983:11) Gewalttaten und 24 (1983: 53) Gewaltandrohungen aus rechtsextremen bzw. vermutlich rechtsextremen Motiven begangen. Die Gewaltandrohungen enthielten Forderungen wie \"Deutschland den Deutschen\", \"Ausl\u00e4nder raus - t\u00f6tet die Ausl\u00e4nderkinder\" und \"T\u00f6tet alle T\u00fcrken und Ausl\u00e4nder - T\u00fcrken raus\". In f\u00fcnf F\u00e4llen gingen die meist mit Beleidigungen und Verunglimpfungen verbundenen Drohungen Juden und j\u00fcdischen Einrichtungen zu. Am 24. Mai erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen Hans-Peter Fraas, Dieter Sporleder und Helge Blasche, die im Verdacht standen, als Mitglieder 136","einer terroristischen Vereinigung um Walter Kexel und Odfried Hepp im Jahr 1982 an Mordanschl\u00e4gen auf US-Soldaten und bewaffneten Bank\u00fcberf\u00e4llen beteiligt gewesen zu sein. Mit dem Verfahren wurde die sp\u00e4tere Anklage gegen Walter Kexel und Ulrich Tillmann verbunden, die im Februar 1983 in Gro\u00dfbritannien festgenommen worden waren und sich bis zu ihrer \u00dcberstellung am 7. Juni 1984 in Auslieferungshaft befanden. Das Oberlandesgericht Frankfurt a.M. verurteilte die Angeklagten am 15. M\u00e4rz 1985 zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Odfried Hepp wurde im April 1985 in Paris festgenommen. Die Zahl der versuchten oder vollendeten Terrorund sonstigen schweren Gewaltakte extremistischer Ausl\u00e4nder blieb 1984 im Bundesgebiet gegen\u00fcber dem Vorjahr mit 9 gleich. 2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele 1984 bestanden in der Bundesrepublik Deutschland als terroristische Gruppen die Rote Armee Fraktion (RAF) und die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ). Diese linksterroristischen Gruppierungen verfolgen als Endziel ihres \"bewaffneten Kampfes\" die gewaltsame Beseitigung der bestehenden staatlichen Ordnung und den Aufbau einer neuen, nicht n\u00e4her definierten sozialistischen Gesellschaft. Diese terroristischen Kreise, die sich, zumindest was die RAF betrifft, auch als \"revolution\u00e4re Avantgarde\" verstehen, halten Gewalt und Terror als Mittel des subversiven Kampfes f\u00fcr erlaubt und geeignet, um die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zu versch\u00e4rfen, das staatliche Machtmonopol zu ersch\u00fcttern und eine revolution\u00e4re Situation zu schaffen. 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgt das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Als \"Gegner\" in ihrem \"antiimperialistischen Kampf\" sieht die RAF vor allem die USA und die Bundesrepublik Deutschland als die beiden bedeutendsten Repr\u00e4sentanten des \"Imperialismus\". Bedroht sind in erster Linie f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten aus der Politik, dem Milit\u00e4rund Sicherheitsbereich sowie Spitzenvertreter der Wirtschaft. Potentielle Anschlagsziele sind insbesondere Einrichtungen der Bundeswehr und der verb\u00fcndeten Streitkr\u00e4fte sowie internationale Konzerne. Die 1982 durch die Entdeckung zahlreicher Erddepots und die Festnahme f\u00fchrender Kommandomitglieder logistisch und personell geschw\u00e4chte RAF trat 1983 in eine Konsolidierungsund Planungsphase, in der ihr Kernbereich neue propagandistische und terroristische Aktionen vorbereitete. Am 26. M\u00e4rz 1984 erbeuteten vier maskierte T\u00e4ter, vermutlich zwei Frauen und zwei M\u00e4nner, bei einem Raub\u00fcberfall auf die St\u00e4dtische Sparkasse in W\u00fcrzburg rund 170.000 DM. Die Art der Tatausf\u00fchrung und die personelle Zusammensetzung 137","der T\u00e4tergruppe verwiesen auf eine Beschaffungsaktion der RAF. Diese Annahme best\u00e4tigte sich, als die Polizei am 22. Juni Manuela Happe aus dem RAFUmfeld nach einem Schu\u00dfwechsel bei Deizisau, Landkreis Esslingen/Neckar, festnahm und bei ihr eine Banknote aus dem W\u00fcrzburger Bankraub fand. Ein weiterer Fahndungserfolg gelang den Sicherheitsorganen am 2. Juli in Frankfurt a.M., wo in einer konspirativen Wohnung sechs RAF-Mitglieder aus dem Kernund engeren Unterst\u00fctzerbereich festgenommen werden konnten, darunter die mit Haftbefehl gesuchten mutma\u00dflichen terroristischen Gewaltt\u00e4ter Stephan Frey, Helmut Pohl, Christa Eckes und Ingrid Jakobsmeier. Neben mehreren Schu\u00dfwaffen und gef\u00e4lschten Personaldokumenten stellte die Polizei auch einen Teil des in W\u00fcrzburg geraubten Geldes sicher. Ein Hinweis aus der Bev\u00f6lkerung f\u00fchrte Mitte Juli zur Entdeckung einer weiteren konspirativen Wohnung in Karlsruhe. Die Auswertung des in beiden RAF-Unterk\u00fcnften gefundenen Schriftmaterials belegte die Aussp\u00e4hung von Angeh\u00f6rigen der Justiz sowie Einrichtungen der NATO, der US-Armee, der Bundeswehr und der Wirtschaft durch die RAF. Ein Diskussionspapier vom April 1984 verwies ferner auf einen geplanten Hungerstreik inhaftierter RAF-Mitglieder, der durch Anschl\u00e4ge der RAF und ihres terroristischen Umfelds unterst\u00fctzt werden sollte. Die exekutiven Erfolge der Sicherheitsorgane konnte die Gef\u00e4hrlichkeit der RAF gleichwohl nicht entscheidend mindern. So erbeuteten zwei mutma\u00dfliche RAFMitglieder am 5. November bei einem Raub\u00fcberfall auf ein Waffengesch\u00e4ft in Maxdorf bei Ludwigshafen 22 gro\u00dfkalibrige Faustfeuerwaffen, zwei Repetierflinten und rund 3.000 Schu\u00df Munition. Mit einem am 4. Dezember begonnenen bundesweiten Hungerstreik verfolgten rund 30 inhaftierte Mitglieder und Unterst\u00fctzer der RAF sowie Angeh\u00f6rige des \"antiimperialistischen Widerstandes\" vordergr\u00fcndig das Ziel, eine Verbesserung ihrer Haftsituation zu erreichen. Konkret forderten sie vor allem die Zusammenlegung in \"gro\u00dfe Gruppen\" und eine Behandlung nach den Mindestforderungen der Genfer Konvention f\u00fcr Kriegsgefangene. Tats\u00e4chlich verstand die RAF jedoch die Hungerstreikaktion in erster Linie als mobilisierenden Faktor f\u00fcr die Bildung einer \"antiimperialistischen Front\" aller gewaltbereiten Kr\u00e4fte gegen das \"herrschende System\". Diese Zielsetzung entspricht den Kerngedanken der RAF im Diskussionspapier vom April 1984. Darin hie\u00df es, da\u00df mit Angriffen des Kommandobereichs der RAF und ihrer Anh\u00e4nger gegen die \"Milit\u00e4rmaschine\" und den \"Justiz-, Knast-, Counterinsurgency-Apparat\" sowie dem gleichzeitigen Hungerstreik der Gefangenen nicht nur die Zusammenlegung \"als wichtigstes Nahziel\" durchgesetzt werden k\u00f6nne, sondern auch \"die (antiimperialistische) Front\" dann existieren werde. Die RAF erhoffte eine Wechselwirkung in dem Sinne, da\u00df der Hungerstreik eine Einigung aller Kr\u00e4fte des \"Widerstands\" bewirken werde und die Vielzahl von Terrorakten den Staat zum Nachgeben in der Frage der Haftbedingungen zwingen k\u00f6nne. Diesen Vorstellungen entsprechend sind alle zur Unterst\u00fctzung des Hungerstreiks ver\u00fcbten terroristischen und propagandistischen Aktionen als Bestandteil einer einheitlichen, von der RAF entwickelten Gesamtstrategie zu sehen. Teil des von der RAF vorgegebenen Gesamtkonzeptes waren deshalb auch alle \u00fcbrigen den Hungerstreik begleitenden Aktivit\u00e4ten, so z.B. zahlreiche von Anh\u00e4ngern und Angeh\u00f6rigen der RAF-H\u00e4ftlinge organisierte \u00f6ffentliche Solidarit\u00e4tsund'Dis138","kussionsveranstaltungen, Demonstrationen in mehreren St\u00e4dten, Besetzungsaktionen sowie eine Vielzahl von Schmier-, Spr\u00fchund Plakataktionen. Die w\u00e4hrend des Hungerstreiks ver\u00fcbten Gewalttaten, so z.B. ein Brandanschlag am 17. Dezember in Augsburg, sind weitgehend dem terroristischen Umfeld der RAF zuzurechnen. Sie richteten sich insbesondere gegen milit\u00e4rische Einrichtungen von Bundeswehr und NATO, diplomatische Vertretungen ausl\u00e4ndischer Staaten in der Bundesrepublik, mit der Entwicklung von R\u00fcstungsg\u00fctern befa\u00dfte Wirtschaftsunternehmen und gegen Rechenzentren von Verwaltung und Wirtschaft. Der Kommandobereich der RAF bewies seine Planungstreue mit dem versuchten Sprengstoffanschlag am 18. Dezember auf die NATO-Schule in Oberammergau. Unterlagen \u00fcber die Aussp\u00e4hung dieses Objekts waren nach den Festnahmen vom 2. Juli in der konspirativen Wohnung in Frankfurt a.M. sichergestellt worden. Der Anschlag war Beginn einer weiteren Phase, in der - wie schon in fr\u00fcheren Jahren - selbst vor der gezielten Vernichtung von Menschenleben nicht mehr zur\u00fcckgeschreckt wurde. Dies zeigte auch der Mordanschlag der RAF auf den Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Motorenund TurbinenUnion (MTU) Dr. Ernst Zimmermann in seiner Wohnung in Gauting bei M\u00fcnchen am 1. Februar 1985. Nach diesem Mord, zu dem sich ein \"Kommando Patsy O'Hara\" der RAF bekannte, wurde der Hungerstreik beendet. Die Erkl\u00e4rung zum Abbruch der Aktion lie\u00df erkennen, da\u00df die RAF ihre \"Offensive\" mit weiteren Mordanschl\u00e4gen fortf\u00fchren will und auch mit Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen ihrer Anh\u00e4nger weiterhin gerechnet werden mu\u00df. Trotz der 1984 erzielten Fahndungserfolge h\u00e4lt daher die von der RAF und ihrem Umfeld ausgehende Bedrohung der inneren Sicherheit in verst\u00e4rktem Umfang an, zumal inzwischen auch Anhaltspunkte f\u00fcr eine Zusammenarbeit der RAF mit terroristischen Gruppierungen des Auslands, insbesondere mit der franz\u00f6sischen \"Action directe\", vorliegen. Am 7. Mai 1984 verurteilte das Oberlandesgericht Stuttgart das ehemalige RAFMitglied Peter-J\u00fcrgen Boock zu drei lebenslangen Freiheitsstrafen und zus\u00e4tzlich zu 15 Jahren Freiheitsstrafe. Das Gericht befand den Angeklagten f\u00fcr schuldig, als eine F\u00fchrungsperson der RAF im Jahre 1977 an der Ermordung des Bankiers J\u00fcrgen Ponto, an der Entf\u00fchrung und Ermordung des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten Hanns-Martin Schleyer, an der Ermordung von vier Begleitern des Arbeitgeberpr\u00e4sidenten und an einem versuchten Raketenwerferanschlag auf die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe beteiligt gewesen zu sein. Nach eigener Darstellung hatte sich Boock im Jahre 1980 wegen Aussichtslosigkeit des Kampfes von der RAF getrennt. Am 1. Februar 1984 begann vor dem Oberlandesgericht Stuttgart die Hauptverhandlung gegen die RAF-Mitglieder Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar. Beide wurden Anfang April 1985 zu lebenslangen Freiheitsstrafen verurteilt. 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die RZ einschlie\u00dflich einer autonomen Frauengruppe in der RZ, der \"Roten Zora\", sind neben der RAF die gef\u00e4hrlichste terroristische Vereinigung in der Bun139","desrepublik Deutschland. Sie unterscheiden sich von der RAF in Taktik und Strategie nach wie vor dadurch, da\u00df ihre Mitglieder aus einem b\u00fcrgerlichen Leben heraus operieren. Dieser Umstand und der Zusammenschlu\u00df in kleine unabh\u00e4ngige Zellen erschweren das Erkennen und Bek\u00e4mpfen. Langfristig verfolgen die RZ das Konzept des permanenten Guerillakampfes. Ihr Ziel ist, eine m\u00f6glichst breite personelle und materielle Basis f\u00fcr ihren \"antiimperialistischen Kampf\" zu schaffen und damit die Voraussetzung einer revolution\u00e4ren Situation in der Bundesrepublik Deutschland herbeizuf\u00fchren. Die terroristischen Anschl\u00e4ge orientieren sich an aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Protestthemen. Dadurch sollen Unentschlossene aus der \"legalen\" Protestbewegung zur Solidarit\u00e4t gegen behauptete Mi\u00dfst\u00e4nde motiviert und ihre Mitwirkung oder zumindest Sympathie erlangt werden. Den RZ ist es durch die Anschl\u00e4ge und zahlreiche \u00f6ffentliche Erkl\u00e4rungen im Zusammenhang damit gelungen, ein latent vorhandenes Potential von Militanz freizusetzen. Deshalb achten die RZ stark darauf, da\u00df ihre Aktionen der \"Masse\" vermittelbar erscheinen. Bislang wurden im wesentlichen folgende Schwerpunkte dieser breitgef\u00e4cherten Ankn\u00fcpfungsstrategie der RZ erkannt und durch ein Positionspapier der RZ, das im August 1983 im Raum Frankfurt a.M. verbreitet wurde, best\u00e4tigt: Fahrpreiserh\u00f6hungen, Gro\u00dfbauprojekte (Startbahn West in Frankfurt a.M., Ausbau von Gro\u00dfflugh\u00e4fen, Rhein-Main-Donau-Kanal, Kernkraftwerke u.a.), Stadtsanierungen (Bodenspekulation), Jugendarbeitslosigkeit, Einrichtungen des Bundeswehr und der US-Streitkr\u00e4fte sowie Unternehmen der Verteidigungswirtschaft. Die Aktionen der RZ umfassen eine Palette verschiedenster Straftaten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, Sachbesch\u00e4digungen, Farbschmierereien, Verkleisterungen, S\u00e4ureanschl\u00e4ge und das Verbreiten von Schriften mit strafbarem Inhalt. 1984 ver\u00fcbten die RZ und die \"Rote Zora\" im Bundesgebiet 11 (1983: 27) Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, davon keinen (1983: f\u00fcnf) in Bayern. Zum R\u00fcckgang dieser terroristischen Aktivit\u00e4ten hat wohl in erster Linie der durch die Reduzierung der Hausbesetzungen in Berlin und die Inbetriebnahme der Startbahn West in Frankfurt a.M. bedingte Wegfall \u00fcberregional bedeutsamer Ankn\u00fcpfungspunkte beigetragen. Auch stie\u00df die Strategie der RZ innerhalb der militanten Linksextremisten zunehmend auf Kritik; ihnen wurde vorgeworfen, sie wollten sich zur Avantgarde entwickeln und agierten nicht mehr \"aus der Bewegung heraus\", sondern eigenst\u00e4ndig. In diesem Zusammenhang ist auch der R\u00fcckgang von Anschl\u00e4gen \u00f6rtlicher \"Resonanzzellen\" der RZ zu sehen. Diesen Kreisen waren 1984 noch 7 (1983: 14) Brandund Sprengstoff anschlage zuzuordnen. Anfang Januar 1984 verbreiteten die RZ und die \"Rote Zora\" bundesweit von Berlin aus ein 20seitiges Diskussionspapier mit dem Titel \"Krise, Krieg, Friedensbewegung\". Darin erkl\u00e4rten die Verfasser, sie w\u00fcrden Zeitpunkt, Ort und Form ihrer Aktionen selbst bestimmen und nicht von einem \"beh\u00f6rdlich verordneten Datum\", n\u00e4mlich dem \"Hei\u00dfen Herbst\", abh\u00e4ngig machen. Ferner kritisierten sie die \"Friedensbewegung\", die fr\u00fchzeitig auf Gewaltanwendung verzichtet und die umfassenden \"imperialistischen\" Zusammenh\u00e4nge bei der Behandlung des Themas Nachr\u00fcstung vernachl\u00e4ssigt habe. 140","Anfang M\u00e4rz 1984 brachten die RZ eine zw\u00f6lf Seiten umfassende Publikation mit der \u00dcberschrift \"Wolf im Schafspelz\" in Umlauf, die zur Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche Stellung nahm und vor allem die Gewerkschaften angriff, die sich vor den \"Karren einer Strategie zur kapitalistischen Herrschaftssicherung\" spannen lie\u00dfen. 3. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern Die Zahl der Gewaltakte, bei denen das angegriffene Ziel, die Tatausf\u00fchrung oder eine Tatbekennung auf politische Motive hindeuteten, ging 1984 auch in Bayern zur\u00fcck. Insgesamt wurden 2 Sprengstoff anschlage (1983: 2) und 13 Brandanschl\u00e4ge (1983: 26) ver\u00fcbt oder versucht. Bemerkenswert war die deutlich r\u00fcckl\u00e4ufige Tendenz in den bayerischen Gro\u00dfst\u00e4dten. So waren in M\u00fcnchen nur noch 3 Anschl\u00e4ge (1983: 14), in N\u00fcrnberg keiner (1983: 6) zu verzeichnen. Der \u00fcberwiegende Teil der Straftaten war linksextremen T\u00e4terkreisen zuzuordnen, darunter auch ein Bankraub in W\u00fcrzburg und ein versuchter Sprengstoffanschlag in Oberammergau, die beide vom Kommandobereich der RAF ver\u00fcbt wurden. Ein rechtsextremer Tathintergrund war bei einer von einem Neonazi am 12. M\u00e4rz begangenen K\u00f6rperverletzung erkennbar. Die Ermittlungen zum Brandanschlag auf eine Diskothek in M\u00fcnchen am 8. Januar ergaben, da\u00df sich die Tat wohl in erster Linie gegen den \"Sittenverfall\" richtete und etwaige rechtsextreme Motive von untergeordneter Bedeutung waren. Im wesentlichen sind folgende Gewaltaktionen zu nennen: Zwischen dem 29. Dezember 1983 und 2. Januar 1984 z\u00fcndeten unbekannte T\u00e4ter auf dem Gel\u00e4nde eines geplanten Munitionslagers der Bundeswehr bei Stetten, Landkreis M\u00fchldorf a. Inn, einen Brandsatz, der einen Sachschaden von 4.000 DM verursachte. In der Nacht zum 4. Januar versuchten unbekannte T\u00e4ter, eine BundeswehrSprengmittelkammer im Bereich von Kronach in Brand zu setzen. Zu dem Anschlag bekannte sich Ende Januar eine bisher unbekannte \"Revolution\u00e4re Front\" mit dem Hinweis, ihre Aktion habe sich gegen die \"Nachr\u00fcstung\" gerichtet. In der Nacht zum 8. Januar wurden bei einem Brandanschlag auf eine Diskothek in M\u00fcnchen mehrere Personen verletzt. Am 19. Januar ging dem Mail\u00e4nder B\u00fcro einer italienischen Nachrichtenagentur ein in runen\u00e4hnlicher Schrift verfa\u00dftes Bekennerschreiben zu, das im Briefkopf die Bezeichnung \"Ludwig\" sowie einen Hoheitsadler mit Hakenkreuz trug. Das Schreiben enthielt einen - zutreffenden - Hinweis auf die Seriennummer eines am Tatort sichergestellten Weckers, \u00fcber den die Medien bisher nicht berichtet hatten. Der Tat verd\u00e4chtig sind ein Deutscher und ein Italiener, die am 5. M\u00e4rz in Mantua/Italien beim Versuch, dort eine Diskothek in Brand zu setzen, festgenommen wurden. Eine Angestellte des M\u00fcnchner Lokals erlag Ende April 1984 ihren Verletzungen. Unter der Bezeichnung \"Ludwig\" waren in den vergangenen Jahren Bekennerschreiben zu mehreren Gewalttaten innerhalb Italiens verfa\u00dft worden. Bei einem Brandanschlag auf einen PX-Markt der US-Siedlung am Perlacher Forst am 23. Januar in M\u00fcnchen entstand ein Sachschaden von 10.000 DM. 141","Oben: Versuchter Sprengstoffanschlag der RAF auf die NATO-Schule in Oberammergau Rechts: Bankraub der RAF in W\u00fcrzburg 142","143","Am 12. M\u00e4rz verletzte ein Neonazi den Hauptredner einer Versammlung zum Thema \"Gleichberechtigung Homosexueller\" in M\u00fcnchen durch einen Schu\u00df aus einer Gaspistole. Vier maskierte und bewaffnete T\u00e4ter \u00fcberfielen am 26. M\u00e4rz eine Zweigstelle der St\u00e4dtischen Sparkasse in W\u00fcrzburg und erbeuteten etwa 170.000 DM. Der Tat dringend verd\u00e4chtig sind Angeh\u00f6rige der RAF. Am 7. April wurde ein in Herzogenaurach, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, abgestellter Privat-Pkw eines US-Soldaten in Brand gesetzt. Der Sachschaden wird auf 5.000 DM gesch\u00e4tzt. Bei einem Brandanschlag am 30. Mai gegen das Eisstadion in Kempten entstand an einer Eingangst\u00fcr geringf\u00fcgiger Sachschaden. Im Stadion fand noch am selben Tag eine Veranstaltung zur Europawahl statt. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten in der Nacht zum 15. Juni einen Brandanschlag auf die NPD-Landesgesch\u00e4ftsstelle in M\u00fcnchen, der einen Sachschaden von rund 10.000 DM verursachte. In der Nacht zum 17. Dezember warfen unbekannte T\u00e4ter einen Molotowcocktail in die Gesch\u00e4ftsstelle der \"Augsburger Allgemeinen\". Da der Bandsatz nicht explodierte, entstand nur geringer Sachschaden. An einer Fensterscheibe wurde die Schmierschrift \"Politische Gefangene im Hungerstreik\" festgestellt. Ein als amerikanischer Soldat verkleideter T\u00e4ter stellte am 18. Dezember einen Pkw mit US-Kennzeichen vor dem Hauptgeb\u00e4ude der NATO-Schule in Oberammergau ab. Beim Verlassen des bewachten Schulbereichs fiel er einem Offizier auf. Dieser veranla\u00dfte die \u00dcberpr\u00fcfung aller geparkten Fahrzeuge. Als sich dabei herausstellte, da\u00df der Pkw mit einem entwendeten Kennzeichen versehen war, wurde die Polizei verst\u00e4ndigt. Ein Delaborierungstrupp fand im Kofferraum des Fahrzeugs einen Sprengsatz und entsch\u00e4rfte ihn. Der aus einem Plastikrohr bestehende Sprengk\u00f6rper, der infolge Versagens der Zeitz\u00fcndeinrichtung nicht explodiert war, enthielt 25 kg brisanten Sprengstoff. Ferner befanden sich im Kofferraum geb\u00fcndelte Sprengstoffpatfonen, drei Camping-Gasbeh\u00e4lter und rund 10 kg Schrauben, Muttern und Sprengringe, die vermutlich die Sprengwirkung verst\u00e4rken sollten. In einem als authentisch zu bewertenden Schreiben an eine M\u00fcnchner Zeitungsredaktion bekannte sich ein \"Kommando Jan Raspe\" der RAF zu dem mi\u00dflungenen Anschlag. Die Verfasser brachten das Vorhaben in einen gesamtstrategischen Zusammenhang mit dem seinerzeitigen Hungerstreik inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter und der von der RAF propagierten Offensive der \"revolution\u00e4ren Front in Westeuropa\". 4. Terroristisches Umfeld Zum terroristischen Umfeld z\u00e4hlen Einzelpersonen und Gruppierungen, die terroristische Gruppen vorwiegend propagandistisch, aber auch mit Hungerstreik und sonstigen Aktionen bis hin zu Anschl\u00e4gen unterst\u00fctzen oder zu terroristischen Aktionen auffordern. Den bedeutendsten Faktor im linksterroristischen Umfeld stellen der engere und weitere RAF-Bereich dar. Beide unterscheiden sich im wesentlichen durch die jeweilige N\u00e4he zu dem im Untergrund lebenden harten Kern der RAF. 144","Die Gruppierungen nennen sich zuweilen \"legale Militante\", \"legale Antiimperialisten\", \"Anti-Imps\" und verstehen sich als \"legaler Arm\" der RAF. Sie sehen ihre Aufgabe darin, Ideologie und Ziele der RAF \u00f6ffentlich zu vertreten und f\u00fcr sie zu werben, inhaftierte Mitglieder der RAF zu betreuen, den Informationsflu\u00df zwischen den verschiedenen Ebenen der RAF aufrechtzuerhalten und deren harten Kern logistisch (z.B. durch Beschaffen von Personalpapieren, Anmieten konspirativer Wohnungen) zu unterst\u00fctzen. Letztlich stellt dieser Personenkreis auch das Rekrutierungspotential f\u00fcr die im Untergrund lebenden \"illegalen\" RAF-Mitgliederdar. So sind im Jahre 1984 rund zehn Personen aus diesem Umfeld untergetaucht und vermutlich zum harten Kern der RAF gesto\u00dfen. In Bayern konnten 1983 erstmals Gruppierungen des engeren RAF-Umfeldes mit N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen als Schwerpunkten ausgemacht werden. Zu diesen \"Anti-Imps\" geh\u00f6ren etwa 25 bis 30 Personen. Die Gruppierungen unterhielten untereinander, aber auch zu \u00e4hnlichen Gruppen im Bundesgebiet enge Kontakte. Die Verbreitung einer \"Hungerstreikerkl\u00e4rung und Erkl\u00e4rung zur Zusammenlegung der Gefangenen aus der RAF\" im bayerischen Raum ist auf diese Kreise zur\u00fcckzuf\u00fchren. In Erlangen und Augsburg sind Ans\u00e4tze erkennbar, die auf die Bildung gleichgesinnter Gruppen schlie\u00dfen lassen. Je eine Gruppe von \"Anti-Imps\" aus M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg beteiligte sich Anfang 1984 an einer \"Gru\u00dfaktion an die politischen Gefangenen\", die Angeh\u00f6rige des engeren RAF-Umfeldes im Rahmen einer Kampagne zur \"Zusammenlegung der H\u00e4ftlinge aus der RAF und dem antiimperialistischen Widerstand\" im Herbst 1983 vorbereitet hatten. Dabei sollten m\u00f6glichst viele Personen den H\u00e4ftlingen \"Gru\u00dftelegramme\" oder Informationsmaterial \u00fcber die in linksextremen Kreisen debattierten politischen Themen senden. Die Aktion, die zu einer breiten Mobilisierung der \"antiimperialistischen Front\" f\u00fchren sollte, hatte nicht den erhofften Erfolg. Zur Unterst\u00fctzung des Hungerstreiks inhaftierter terroristischer Gewaltt\u00e4ter kam es im Dezember 1984 bundesweit zu mehreren Brandstiftungen und Sprengstoffexplosionen mit zum Teil erheblichen Sachsch\u00e4den. Die Anschl\u00e4ge sind \u00fcberwiegend Angeh\u00f6rigen des RAF-Umfeldes zuzurechnen, darunter auch der Brandanschlag auf das Betriebsgeb\u00e4ude der \"Augsburger Allgemeinen\" am 17. Dezember. Gleichzeitig war eine sprunghafte Zunahme propagandistischer Unterst\u00fctzungsaktionen zu verzeichnen. \u00dcberwiegend handelte es sich dabei um Forderungen nach einer \"Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\", die in Form von Schmierschriften, Transparenten oder auf Flugbl\u00e4ttern \u00f6ffentlich verbreitet wurden. So wurden in Coburg, Erlangen und N\u00fcrnberg Schriften ohne Impressum bekannt, die sich mit der Situation und den Zielen der inhaftierten Gewaltt\u00e4ter befa\u00dften. Im Zuge der Ermittlungen zum versuchten Sprengstoffanschlag auf die NATO-Schule in Oberammergau fand die Polizei am 19. Dezember bei einer Wohnungsdurchsuchung in M\u00fcnchen 28 Exemplare einer \"Hungerstreikerkl\u00e4rung und Erkl\u00e4rung zur Zusammenlegung der Gefangenen aus der RAF\", die bereits absendefertig in Kuverts verpackt waren. Dem RAF-Umfeld ist auch ein am 24. Dezember in M\u00fcnchen sichergestelltes Transparent mit der Aufschrift \"Ein Widerstand -- Eine Front - Gegen die NATO-Kriegspolitik -- Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen im Hungerstreik, f\u00fcr ihre Zusammenlegung\" zuzurechnen. 145","Ein Umfeld der RZ, das \u00e4hnlich strukturiert w\u00e4re wie das der RAF, war bisher nicht festzustellen, wenngleich Schmierschriften wie \"Schafft viele Revolution\u00e4re Zellen\" auf die Existenz von RZ-Sympathisanten hindeuten. \u00dcberdies wird eine ideologische Zuordnung der jeweiligen Gruppierungen des linksterroristischen Umfelds zur RAF oder zu den RZ zunehmend problematischer, da weitgehend eine ideologische \u00dcbereinstimmung hinsichtlich des \"antiimperialistischen Kampfes\" besteht und immer mehr das Handlungskonzept der RZ \u00fcbernommen wird. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die ohne erkennbaren organisatorischen Zusammenhang agierenden \"autonomen Gruppen\", deren Anlehnung an die RZ durch Bezeichnungen wie \"Betonierende Zellen\", \"Revolution\u00e4re Autonome\" oder \"Revolution\u00e4re Anarchistische Zellen\" zum Ausdruck kommt. Aktuelles Konzept der \"antiimperialistischen Front\" scheint es zu sein, koordinierte militante Aktionen durchzuf\u00fchren, ohne den elit\u00e4ren Anspruch des RAFKerns anzuerkennen. Es ist daher nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df sich neben der RAF und den RZ in Teilen der \"autonomen Bewegung\" eine weitere Variante des Linksterrorismus entwickelt hat. Das Umfeld des Rechtsterrorismus bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppierungen. Insbesondere die NSDAP-AO (vgl. 3. Abschnitt Nr. 7) \u00fcbt mit Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS Kampfruf\" Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. In der Nr. 54 des \"NS Kampfrufes\" war ausgef\u00fchrt, da\u00df die NSDAP-AO, \"obwohl sie nicht offen arbeiten\" k\u00f6nne, \"\u00fcberall in Deutschland Gruppen junger Revolution\u00e4re\" beeinflusse. Dem rechtsterroristischen Umfeld k\u00f6nnen auch die Urheber antisemitischer und sonstiger rassistischer Schmierschriften zugerechnet werden, die mit Parolen wie \"Juden ins KZ\", \"T\u00f6tet alle T\u00fcrken\", \"Juden, T\u00fcrken und Neger geh\u00f6ren vergast\" und \"Juda verrecke\" zur Gewaltanwendung aufrufen. 146","5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 1. Allgemeines Der Bildungsbereich war 1984 wiederum ein bevorzugtes Aktionsfeld extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Gruppen, die vor allem an den Hochschulen rege Aktivit\u00e4ten entfalteten. Sie fanden in der Studentenschaft eine breitere Resonanz als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Dar\u00fcber hinaus besa\u00dfen diese Gruppen in den Gremien der Hochschulen unver\u00e4ndert einen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df, als das ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen St\u00e4rke entsprach. Insgesamt hat sich die Situation im Hochschulbereich gegen\u00fcber dem Vorjahr nur wenig ver\u00e4ndert. Weiterhin bedeutungslos blieb der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund. Die Schw\u00e4che der studentischen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken, die sich auf Kernorganisationen st\u00fctzen, hielt weiter an. Die orthodox-kommunistischen Gruppen konnten ihren Einflu\u00df behaupten. Dagegen gelang es den Marxistischen Gruppen, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Mitgliedern zu gewinnen und ihren Einflu\u00dfbereich weiter auszubauen. Unver\u00e4ndert hoch blieb auch die Mobilisierbarkeit der Anh\u00e4ngerschaft linksextremer Stundentenorganisationen. Hauptthemen f\u00fcr die Propaganda und Aktionen der linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Hochschulgruppen bildeten weiterhin der Kampf gegen das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", die \"Novellierung des Hochschulrahmengesetzes\" und die \"Rotstiftund Hochr\u00fcstungspolitik\" der Bundesregierung. Sie forderten ferner die Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat in Bayern und agitierten gegen den \"Abbau demokratischer Rechte\", insbesondere gegen eine Versch\u00e4rfung des Demonstrationsrechts, die Einf\u00fchrung f\u00e4lschungssicherer Bundespersonalausweise, \"Berufsverbote\", \"repressive Studienbedingungen\", \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", gegen Abh\u00e4ngigkeit des Bildungswesens von der Industrie und Leistungsk\u00fcrzungen im BAF\u00f6G-Bereich. Anh\u00e4nger linksextremer Studentenorganisationen beteiligten sich am 17. Juni an der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" der \"Friedensbewegung\" zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland. Die orthodox-kommunistischen Studentengruppen unterst\u00fctzten au\u00dferdem eine Spendensammlung der DKP zugunsten der kommunistisch orientierten \"Sandinisten\" in Nicaragua. Verschiedentlich kam es zu St\u00f6rungen von Vorlesungen sowie zu St\u00f6rversuchen bei Veranstaltungen demokratischer Organisationen. 147","\u00dcbersicht \u00fcber extremistische Studentengruppen in Bayern O DKP-HG * MSB-Spartakus (r) SHB * dogmatische Neue Linke A undogmatische Neue Linke * Marxistische Gruppen X NHB Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 148","Von den 1984 in Bayern aufgetretenen extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Studentenorganisationen, die sich vielfach Kernorganisationen unterordnen, sind erw\u00e4hnenswert: Orthodoxer Kommunismus DKP: DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) DKP: Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Sozialistischer Hochschulbund (SHB) - st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Neue Linke MLPD: Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerundStudentenverband (MLSV) AB: Kommunistischer Hochschulbund (KHB) GIM: GIM-Hochschulgruppen Marxistische Gruppen (MG) Undogmatische Gruppen Rechtsextreme Gruppe NPD: Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) \u00dcbersicht \u00fcber die Mitgliederzahlen in Bayern: 1980 1981 1982 1983 1984 DKP-HG 50 50 50 60 60 MSB Spartakus 150 170 200 250 250 SHB 60 60 60 70 70 MG 300 300 400 400 500 Sonstige Neue Linke 150 150 150 150 150 NHB 15 15 15 15 15 725 745 875 945 1.045 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen Zu den orthodox-kommunistischen Hochschulgruppen geh\u00f6ren die DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus). 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren sollen. Ihre Aufgabe ist es, im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung zu schaffen. Grundlage ihres ideologischen Kampfprogrammes sind die revolution\u00e4ren Theorien von Marx, Engels und Lenin. Die DKP-HG steuerten auch 1984 in den be149","deutsamen Bereichen die Aktionen des MSB Spartakus, der die Ziele unter den Studenten durchsetzen soll. Sie arbeiteten ferner mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschulen eintreten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Zahl ihrer Mitglieder lag 1984 unver\u00e4ndert bei 60, wobei ein Teil der Mitglieder gleichzeitig dem MSB Spartakus angeh\u00f6rt. Organ der DKP-HG ist die Zeitung \"Kommunist\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften. Dar\u00fcber hinaus wurden in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. Agitionsschwerpunkte der DKP-Hochschulgruppen bildeten 1984 erneut die \"Rotstiftpolitik\" der Bundesregierung und die Bindung des Darlehensteilerlasses nach dem Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz (BAF\u00f6G) an qualifizierte Pr\u00fcfungsergebnisse. Daneben wurden Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Berufsverbote\" und der \"Arbeitskampf in der Metallindustrie\" behandelt. Weitere Diskussionsthemen waren die offiziellen Gremienwahlen, wobei die DKPHG an den bayerischen Hochschulen nicht mit eigenen Listen kandidierten, sondern die Bewerber des MSB Spartakus auf den \"Listen AStA und Fachschaften\" (LAF) unterst\u00fctzten. Die DKP-Hochschulgruppen traten in ihren Publikationen wiederholt f\u00fcr eine weiterhin verst\u00e4rkte Zusammenarbeit zwischen Kommunisten und der \"Friedensbewegung\" ein und riefen zur Teilnahme an den \"Osterm\u00e4rschen\" und an den Aktionen im \"Friedensherbst '84\" auf. 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Als Nebenorganisation der DKP - vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.3.2 - obliegt dem MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in den Hochschulbereich einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" anbieten zu k\u00f6nnen. Zuverl\u00e4ssigster B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus war 1984 wiederum der SHB. Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. In einem 1984 verbreiteten Bildungsheft erkl\u00e4rte hierzu der MSB Spartakus, \"unsere .Gewerkschaft' ist quasi die Verfa\u00dfte Studentenschaft, unsere .Betriebsr\u00e4te' sind Asten und Fachschaften\". Gruppen des MSB Spartakus bestehen an den Hochschulorten Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Gruppen des MSB Spartakus entfalteten 1984 wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Sie inszenierten wiederholt Aktionen gegen den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" und den \"Darlehensteilerla\u00df\" nach dem BAF\u00f6G sowie f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der 150","\"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat und Finanzhoheit in Bayern. Anl\u00e4\u00dflich der Kommunalwahl am 18. M\u00e4rz in Bayern unterst\u00fctzte der MSB Spartakus die Kandidaten der DKP und bei der Europawahl am 17. Juni die Bewerber der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften \"Friedensliste\". Er rief ferner zur Teilnahme an der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" und den Aktionen im \"Friedensherbst '84\" auf. Anh\u00e4nger des MSB Spartakus beteiligten sich aktiv an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der von der Bundessch\u00fclervertretung initiierten bundesweiten \"Aktionswoche\" der Arbeiterjugend, Sch\u00fcler und Studenten f\u00fcr das \"Recht auf Arbeit und Bildung\" und organisierten zusammen mit anderen linksextremen Gruppen die \"AStA-Wahlen\", mit denen die offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen unterlaufen werden sollen. Der MSB Spartakus wertete den \"Kampf\" gegen die geplante Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG) als \"Klassenkampf\", der \"breite Abwehrfronten\" erfordere. Der Kampf gegen die HRG-Novelle m\u00fcsse zum \"Kristallisationskern allgemeinen Unmuts gegen die Regierungspolitik\" und zum \"elementaren Interessen k\u00e4mpf\" werden. Nur so k\u00f6nne er die notwendigen Dimensionen erreichen. 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Der SHB k\u00e4mpft - wie die DKP - auf der Grundlage des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die Umgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Er strebt die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" an. In der Praxis betreibt der SHB - wie der MSB Spartakus - eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt. Die \u00dcbereinstimmung des SHB mit dem MSB Spartakus in Theorie und Praxis hatte auch 1984 wieder eine enge Zusammenarbeit beider Hochschulgruppen zur Folge. Vom 6. bis 7. Oktober fand in M\u00fcnster die 25. Bundesdelegiertenversammlung statt, an der etwa 400 Personen teilnahmen. Unter den G\u00e4sten befanden sich Vertreter kommunistischer Organisationen des Inund Auslandes. In seinem Rechenschaftsbericht betonte der scheidende Bundesvorsitzende den \"hohen Stellenwert\" der \"Aktionseinheit\" zwischen SHB und MSB Spartakus. SHB-Mitglieder h\u00e4tten als \"fortschrittliche Sozialdemokraten\" den Willen, in allen Bewegungen \"Seite an Seite\" mit Kommunisten, fortschrittlichen Christen und Liberalen \"gegen rechts\" zu k\u00e4mpfen. F\u00fcr die Zukunft seien B\u00fcndnisse von Arbeiterjugend, Sch\u00fclern und Studenten und \"sch\u00e4rfste Konfrontation\" mit der \"jugendfeindlichen\" Bundesregierung angesagt. Daher begr\u00fc\u00dfe der SHB den Vorschlag der \"Bundessch\u00fclervertretung\" zu einer gemeinsamen Aktionswoche \"f\u00fcr die Rechte der arbeitenden und lernenden Jugend\". Zum neuen SHB-Bundesvorsitzenden wurde Harald Weinberg aus Marburg gew\u00e4hlt. Dem SHB-Landesverband Bayern geh\u00f6rten 1984 unver\u00e4ndert rund 70 Mitglieder an, die sich auf Orts-, Fachund Initiativgruppen sowie Arbeitskreise in Augsburg, Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg verteilten. Daneben konnte sich der SHB auf eine gr\u00f6\u00dfere Anh\u00e4ngerschaft st\u00fctzen. Als Publikationsorgane setzte der SHB das \"sozialistische Studentenmagazin\" \"frontal\" und die Zeitschrift \"offensiv\" ein. 151","Publikationen extremistischer Studentengruppen im Hochschulbereich Zeitung der DKP-Hochschulgruppe M\u00fcnchen STUDENTENMAGAZIN. JANUAR. NR. 1 , 1P\"4. 2 P-MARK rote * ZEITUNG F\u00dcR STUDENTEN DER UNIVERSIT\u00c4T BAMBERG I l\u00c4cMAnr HERAUSGEBER: MSB SPARTAKUS GRUPPE UNI BAMBERG - Sozialistischer Hochschulbund mm) offensiv SHB Nr. 69 Juli 1934 12. Jahrgang 152","Im Mittelpunkt der Agitation standen beim SHB vorwiegend hochschulspezifische Themen wie der Darlehensteilerla\u00df nach dem BAF\u00f6G und die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes (HRG). Daneben wandte sich der SHB gegen die \"US-Intervention\" in Nicaragua und setzte sich f\u00fcr die Einf\u00fchrung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich ein. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" rief der SHB zur Teilnahme an den \"Osterm\u00e4rschen\" und an der \"selbstorganisierten Volksbefragung\" am 17. Juni auf. 4. Studentengruppen der Neuen Linken Zu den Studentengruppen der Neuen Linken geh\u00f6ren die studentischen Nebenorganisationen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken sowie die Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und die Marxistischen Gruppen (MG), die keiner Kernorganisation untergeordnet sind. 4.1 Marxistische Gruppen (MG) Die Marxistischen Gruppen - vgl. 3. Abschnitt Nr. 3.9 - f\u00fchren die revolution\u00e4re, marxistisch-kommunistisch orientierte Politik der \"Roten Zellen\" fort. Sie wollen damit zur \u00dcberwindung und zur Zerschlagung des \"kapitalistischen Gesellschaftssystems\" beitragen. Die Durchsetzung dieses Zieles erfordere zun\u00e4chst als Schwerpunkt die Schulung von Intellektuellen im sogenannten \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", damit diese dem Proletariat die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nnen. Hauptbet\u00e4tigungsfeld der MG, die im Bundesgebiet an \u00fcber 40 Hochschulorten vertreten sind, war 1984 wiederum der Bildungsbereich. Die \"MSZ-Marxistische Zeitung gegen die Kosten der Freiheit\" wurde an zahlreichen Hochschulen des Bundesgebietes angeboten. Daneben erschienen f\u00fcr den Bayerischen Hochschulbereich die vom \"Verein zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\" herausgegebenen \"Augsburger\", \"Erlanger\", M\u00fcnchner\", \"N\u00fcrnberger\", \"Regensburger\" und \"W\u00fcrzburger\" Hochschulzeitungen. Die Herausgabe der Hochschulzeitungen wurde von F\u00f6rdervereinen mit der Bezeichnung \"Verein zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Diskussion an der Hochschule e.V.\" finanziell unterst\u00fctzt. An einigen Hochschulorten erschienen auch \"Marxistische Schulzeitungen\". In ihren Publikationen und bei zahlreichen \"teach-ins\" befa\u00dften sich die MG insbesondere mit den Vorg\u00e4ngen in Nicaragua. Weitere herausragende Themen waren: \"Die Angst vor dem b\u00fcrgerlichen Staat\", \"Dreht die Republik durch?\", \"Was verteidigt die Bundeswehr?\", \"Rassismus und Demokratie\" und \"Das Kapital schafft Arbeitslose - Die \u00d6konomen erfinden Gr\u00fcnde daf\u00fcr\". Die MG konnten 1984 ihren Einflu\u00dfbereich an den bayerischen Hochschulen weiter ausbauen. Sie lehnen aus ideologischen Gr\u00fcnden die \u00fcbrigen linksextremen Hochschulgruppen ab, hielten jedoch 1984 dennoch lose Kontakte zu einigen Gruppierungen. In der Durchsetzung ihrer Ziele traten sie rigoros auf und beteiligten sich auch an St\u00f6raktionen. 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken Die meisten Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die wegen ihrer unrealistischen Forderungen nur schwer B\u00fcndnispartner fanden, verloren 153","Publikationen extremistischer Studentengruppen im Hochschulbereich Augsburger Hochschulzeitung M Np^bgigtH MARXISTISCHE G R U P P E (MG) Erlanger Hochschulzeitung vaiini.M.iiwfrfci der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) ^,*,\"e A...^,, ' M\u00fcnchner Hochschulzeitung N\u00fcrnberger Hochschulzeitung s..m;i.^.iiwn..)t.. der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) l i ^ Z Z ^ Z Regensburger Hochschulzeitung \",. ii e i . i / .s. \" . i m d w MARXISTISCHEN GRUPPE (MB) W\u00fcrzburger Hochschulzeitung m , . \" der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) v - >..;*>. Marxistische Schulzeitung","1984 an den Hochschulen in Bayern weiter an Einflu\u00df. Lediglich der KHB konnte seine Stellung behaupten. Die noch aktiven Gruppen der Neuen Linken lehnten die von den orthodox-kommunistischen Gruppen praktizierte Strategie der \"gewerkschaftlichen Orientierung\" ab und verfolgten mit ihren Aktionen f\u00fcr hochschulpolitische Forderungen eine betont \"revolution\u00e4re\" Linie. Sie agitierten 1984 vorrangig gegen die \"b\u00fcrgerliche Wissenschaft\", den \"Abbau demokratischer Rechte\" und die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". In ihren Publikationen wandten sie sich ferner gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in der Bundesrepublik Deutschland. Neben den Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die sich auf Kernorganisationen st\u00fctzen, traten 1984 an den bayerischen Hochschulen auch Anh\u00e4nger von Gruppen der undogmatischen Neuen Linken auf. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zusammenschl\u00fcsse auf \u00f6rtlicher Ebene ohne feste Organisationsformen und ohne Bindungen an ideologische Dogmen. Ihre politischen Positionen reichen von \"Sozialrevolution\u00e4ren\" Vorstellungen bis hin zu einem undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Alle diese Gruppen lehnen den \"Staat als Ganzes\" ab. Unver\u00e4ndert blieben ihre zentralen Forderungen wie die \"Zerschlagung des Systems\" und der \"Aufbau einer herrschaftslosen Gesellschaft\". Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen waren 1984 an den Universit\u00e4ten Erlangen-N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen zu verzeichnen. Der Einflu\u00dfbereich dieser Gruppen blieb gegen\u00fcber dem Vorjahr ann\u00e4hernd konstant. Die \u00fcberwiegend kleinen Gruppen der Neuen Linken konnten sich 1984 in Bayern auf eine Mitgliederzahl von insgesamt 150 Personen st\u00fctzen. Aktivit\u00e4ten dieser studentischen Gruppen wurden in Erlangen, N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg festgestellt. 5. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) Die Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) entstanden im Mai 1975 aus dem Zusammenschlu\u00df von zwei Verb\u00e4nden. Sie verstehen sich als studentischer Dachverband und steuerten auch 1984 wiederum einige bundesweite studentische Protestaktionen. Diese wurden im bayerischen Hochschulbereich in der Regel von den linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen (ASten) umgesetzt, in denen die orthodox-kommunistischen Gruppen dominieren. Vom 26. bis 30. M\u00e4rz fand in K\u00f6ln die 9. ordentliche Mitgliederversammlung der VDS statt, an der etwa 700 Studenten von 106 Hochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Die Mitgliederversammlung sprach sich f\u00fcr Aktionen gegen den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" und gegen die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes aus. Als weitere Aktionsschwerpunkte wurden die Bereiche \"Frieden und Abr\u00fcstung\" sowie die Solidarit\u00e4t im \"Kampf um die 35-StundenWoche\" genannt. Die Mitgliederversammlung w\u00e4hlte ferner einen neuen VDSVorstand, dem je ein Vertreter des MSB Spartakus, des SHB, der Jungsozialisten - Hochschulgruppen (Juso-HG) und des Liberalen Hochschulverbandes (LHV) angeh\u00f6rt. Der f\u00fcr die Basisgruppen-Fraktion (BG) im Vorstand vorgesehene Sitz blieb weiterhin unbesetzt. 155","Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" unterst\u00fctzten die VDS die \"Osterm\u00e4rsche\" und die \"selbstorganisierte Volksbefragung\" der \"Friedensbewegung\". Bereits im Februar ver\u00f6ffentlichte der VDSVorstand eine Dokumentation \u00fcber die als \"Pilotprojekt\" im Wintersemester 1983/84 an den Hochschulen durchgef\u00fchrte \"Volksbefragung\" und rief zur Beteiligung an den Aktionen am 17. Juni auf. Als gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Mitglied des Bonner \"Koordinationsausschusses der Friedensbewegung\" wirkten die VDS auch bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Aktionen im \"Friedensherbst '84\" mit. In einer Brosch\u00fcre mit dem Titel \"35-Stunden-Woche\" forderten die VDS alle ASten, Fachschaften und Hochschulwissenschaftler auf, durch Veranstaltungen und Aktionen die gewerkschaftliche Forderung nach Einf\u00fchrung der \"35-Stunden-Woche\" bei vollem Lohnausgleich zu unterst\u00fctzen. Etwa 50 Vertreter der ASten und der VDS \u00fcbergaben Ende Juni im Bundesministerium f\u00fcr Bildung und Wissenschaft 45.000 Protestpostkarten, die im Rahmen der von den VDS initiierten Postkartenaktion gegen den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" eingegangen waren. 6. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) mit Sitz in M\u00fcnchen - vgl. 3. Abschnitt Nr. 2.6 - unterh\u00e4lt in Bayern nur an den Hochschulorten in Erlangen und M\u00fcnchen arbeitsf\u00e4hige Hochschulgruppen. Die Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen beschr\u00e4nkten sich 1984 vorwiegend auf die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern zur Unterst\u00fctzung der NPD im Europawahlkampf. Publikationsorgan des NHB ist der \"NHB-Report\". 7. Aktivit\u00e4ten Der vom AB und vom KHB beeinflu\u00dfte \"Aktionsausschu\u00df gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammellager\" f\u00fchrte vom 9. bis 13. Januar vor der Mensa der Universit\u00e4t Regensburg eine Mahnwache durch, mit der auf den Freitod des t\u00fcrkischen Asylbewerbers Kemal Altun und auf die sechs Todesopfer des Brandes in einer Berliner Haftanstalt hingewiesen werden sollte. Aus demselben Anla\u00df verteilten im Januar mehrere Personen vor dem Haupteingang der LudwigMaximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen ein Flugblatt mit der \u00dcberschrift \"In Trauer und Wut \u00fcber die Toten von West-Berlin\". F\u00fcr das Flugblatt zeichnete ein Angeh\u00f6riger des KHB presserechtlich verantwortlich. Am 17. Mai st\u00f6rten Mitglieder und Sympathisanten der MG, die von MG-Aktivisten aus au\u00dferbayerischen Universit\u00e4tsst\u00e4dten unterst\u00fctzt wurden, eine Veranstaltung der \"Demokratischunabh\u00e4ngigen Studentenvertreter\" an der Universit\u00e4t Bamberg mit dem Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit Dr. Warnke. Die St\u00f6rer versuchten, den Minister durch Sprechch\u00f6re und st\u00e4ndiges Klatschen am Reden zu hindern. Die anschlie\u00dfende Diskussion mu\u00dfte in einen anderen H\u00f6rsaal verlegt werden. Am 22. Mai verteilten in M\u00fcnchen mehrere KHB-Angeh\u00f6rige Flugbl\u00e4tter, in denen zur Teilnahme an einer Veranstaltung des Rings Christlich-Demokratischer 156","Studenten (RCDS) mit Staatssekret\u00e4r Dr. Stoiber in der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t aufgerufen wurde. Da die Druckwerke beleidigende \u00c4u\u00dferungen \u00fcber den Staatssekret\u00e4r enthielten und mit einem Hakenkreuz versehen waren, wurden sie von der Polizei sichergestellt. Unter den rund 600 Zuh\u00f6rern der RCDS-Veranstaltung befanden sich auch 50 Anh\u00e4nger der MG und des KHB sowie etwa 20 Punker, die durch Zwischenrufe, Pfeifen, Klatschen und Trommeln die Rede des Staatssekret\u00e4rs massiv st\u00f6rten. Am 26. Juni fand in der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen das 512. Stiftungsfest der Universit\u00e4t statt. Kurz vor Beginn der Festveranstaltung versammelten sich ann\u00e4hernd 500 Personen, die versuchten, die \"Gro\u00dfe Aula\" zu st\u00fcrmen. Dabei gelang es einer Gruppe von etwa 20 Personen, in den Festsaal einzudringen. Diese warfen Flugbl\u00e4tter und Butters\u00e4urebeutel auf die dort anwesenden G\u00e4ste, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Die mit falschem Impressum versehenen Flugbl\u00e4tter enthielten Parolen wie \"Nieder mit der Wissenschaft, die f\u00fcr's Kapital nur schafft\" und \"Bei jeder Schweinerei im Geiste dabei: LMU\". Unter den St\u00f6rern befanden sich zahlreiche MG-Angeh\u00f6rige. Auf Einladung der DKP-HG W\u00fcrzburg sprachen im Rahmen der W\u00fcrzburger Friedenswoche am 19. Juli in der Mensa zwei Mitarbeiter der sowjetischen Botschaft in Bonn zum Thema \"Stationierung von Pershing II und SS 20/21 - Gleichgewicht des Schreckens?\". An der Veranstaltung beteiligten sich rund 100 Personen, \u00fcberwiegend Anh\u00e4nger linksextremer Gruppierungen. Die MLSV-Ortsgruppe M\u00fcnchen lud mit Flugbl\u00e4ttern zu einer Filmveranstaltung f\u00fcr den 20. September in M\u00fcnchen ein. Hierbei wurde der 1951 in der DDR gedrehte Film \"Rat der G\u00f6tter\" gezeigt, der auf den Protokollen des N\u00fcrnberger Kriegsverbrecherprozesses basiert. In den Einladungsflugbl\u00e4ttern rief der MLSV zum \"aktiven Widerstand gegen Militarismus und Atomkriegsvorbereitung\" auf und forderte den sofortigen Verzicht auf die geplante Verl\u00e4ngerung der allgemeinen Wehrpflicht. Mehrere Gruppen der undogmatischen Neuen Linken, darunter \"Antifa-Gruppen\", \"Antiimps\" und \"Autonome\" sowie die MG Erlangen/N\u00fcrnberg, f\u00fchrten am 23. November in Erlangen eine Demonstration zum Thema \"Gegen den Krieg des freien Westens in Nicaragua\" durch. An der Demonstration, die offenbar unter straffer F\u00fchrung der MG stand, beteiligten sich rund 700 Personen. Als Redner trat ein MG-Funktion\u00e4r auf. Auf Initiative der Bundessch\u00fclervertretung und mit ma\u00dfgeblicher Beteiligung von MSB Spartakus und SDAJ fand vom 26. November bis 1. Dezember unter dem Motto \"F\u00fcr das Recht auf Arbeit und Bildung -- Gemeinsam gegen rechts\" eine bundesweite Aktionswoche von \"Arbeitern, Sch\u00fclern und Studenten\" statt. H\u00f6hepunkte der Aktivit\u00e4ten in Bayern waren die am 1. Dezember in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg durchgef\u00fchrten Demonstrationen, an denen sich 350 bzw. 200 Personen beteiligten. Die mitgef\u00fchrten Transparente trugen Aufschriften wie \"Arbeit statt Raketen, Lehrstellen her -- SDAJ\" und \"Arbeit und Moneten -- Rotstift statt Raketen -- DKP\". Als verantwortliche Leiterin des Aufzuges in M\u00fcnchen trat eine Funktion\u00e4rin des MSB Spartakus auf. Stellvertretender Versammlungsleiter in N\u00fcrnberg war ein SDAJ-Funktion\u00e4r. 157","8. Wahlen an den Hochschulen Bei den Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane gelang es linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Gruppen 1984 teilweise, ihre Positionen mit Hilfe \"Unabh\u00e4ngiger\" weiter auszubauen. Wie im Vorjahr tarnten sich linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen hinter Listenverbindungen und unverf\u00e4nglichen Bezeichnungen. Insbesondere bildeten der MSB Spartakus und der SHB unter Bezeichnungen wie \"Linke Liste\" (LiLi), \"Liste AStA und Fachschaften\" (LAF) und \"Fachschaftsinitiativen f\u00fcr die Verfa\u00dfte Studentenschaft\" breite Wahlplattformen mit demokratischen Gruppen und versuchten so, W\u00e4hler zu t\u00e4uschen. Diese gemeinsamen Listen erzielten bei den Gremienwahlen im Vergleich zum Vorjahr durchwegs bessere Ergebnisse. Die MG konnten die Zahl ihrer Sitze in den studentischen Konventen in Bayern im Vergleich zu 1983 leicht verbessern. Der rechtsextreme NHB verzichtete auf eine Kandidatur. An einigen Hochschulen fanden auch 1984 \"AStA-Wahlen\" statt. Bei diesen nicht im Hochschulgesetz vorgesehenen Wahlen kandidierten vorwiegend Studentengruppen des linksextremen Bereichs. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 9,5% (Vorjahr 11 %). Die MG beteiligten sich nicht an diesen Wahlen. 9. Weiterf\u00fchrende Schulen Im Bereich der weiterf\u00fchrenden Schulen, den erfahrungsgem\u00e4\u00df auch schulfremde Organisationen als Agitationsfeld nutzen, traten 1984 folgende extremistische Organisationen auf: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) - Jugendorganisation der DKP - Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) - Sch\u00fclerund Studentenorganisation der MLPD - Marxistische Gruppen (MG) Junge Nationaldemokraten (JN) - Jugendorganisation der NPD - Die Propaganda konzentrierte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf schulische Themen. Weitere Aktivit\u00e4ten bezogen sich auf Bereiche wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Volksbefragung\", \"Jugendarbeitslosigkeit\" und \"Lehrstellengarantie\". Dar\u00fcber hinaus wurden wiederum vor Schulen zahlreiche Flugschriften verteilt. Die MG verbreiteten mehrere Ausgaben der \"Marxistischen Schulzeitung\". Die SDAJ versuchte durch Informationsst\u00e4nde vor weiterf\u00fchrenden Schulen in Bayern, die Sch\u00fcler f\u00fcr ihre Ziele zu interessieren und sie als Mitglieder zu werben. Daneben f\u00fchrte sie vor einigen Schulen eine \"Volksbefragung\" zur Raketenstationierung durch. Im Zusammenhang mit den Sch\u00fclervertretungswahlen forderte die SDAJ \"alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler\" auf, \"Rotstiftgegner und Friedensk\u00e4mpfer\" zu w\u00e4hlen. Die SDAJ verlange mehr Mitbestimmungsrechte der Sch\u00fclervertretungen, um dem \"Abbau demokratischer Rechte\" und einer \"Militarisierung unserer Schulen\" entgegenzuwirken. Mehreren Sch\u00fclerzeitungen gingen 1984 von dem in Toronto (Kanada) ans\u00e4ssigen \"Verlag Samisdat Publishers Ltd.\" antisemitische Schriften zu. 158","Von den 1984 bei verschiedenen Anl\u00e4ssen festgestellten Schmieraktionen waren auch Schulgeb\u00e4ude betroffen. Dabei wurden wiederholt Au\u00dfenfassaden mit dem anarchistischen Symbol, dem RAF-Emblem und dem Hakenkreuz verunstaltet. 159","6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Das \u00f6ffentliche Dienstrecht fordert nach dem Grundgesetz, den Beamtengesetzen und den tarifvertraglichen Regelungen von den Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes Treue zur Verfassung. Das Verfahren zur Pr\u00fcfung dieser Einstellungsvoraussetzung sowie zur Feststellung von Verletzungen der Treuepflicht regelt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (vgl. Anhang 2). 1. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst mit. Ungeachtet der seit Jahren geleisteten \u00d6ffentlichkeitsarbeit, die auch hier\u00fcber Aufschlu\u00df gibt, h\u00e4lt die Kampagne der Extremisten gegen angebliche \"Berufsverbote\" in der Bundesrepublik Deutschland an. Sie wird h\u00e4ufig durch von Kommunisten beeinflu\u00dfte Komitees und Initiativen (vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.4.1) getragen, ist international ausgeweitet und versucht Mi\u00dftrauen gegen die T\u00e4tigkeit des Verfassungsschutzes zu s\u00e4en. Es ist deshalb notwendig, erneut Fehlinformationen zu korrigieren, durch die ein falsches Bild vermittelt wird. Zu 18.507 Anfragen \u00fcber Bewerber f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Bayern im Jahre 1984 teilte das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz dem Bayerischen Staatsministerium des Innern in 93 F\u00e4llen (92 F\u00e4lle aus dem linksextremen und ein Fall aus dem rechtsextremen Bereich) Erkenntnisse mit. In 55 F\u00e4llen (54 aus dem linksund einer aus dem rechtsextremen Bereich) gab das Staatsministerium des Innern Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Dies f\u00fchrte in drei F\u00e4llen zur Ablehnung durch die Einstellungsbeh\u00f6rde. Drei Bewerber f\u00fcr den juristischen Vorbereitungsdienst wurden, weil sie keine Gew\u00e4hr f\u00fcr Verfassungstreue boten, nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen; sie k\u00f6nnen den Vorbereitungsdienst jedoch in einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnis ableisten. Zu der geringen Zahl von Ablehnungen ist zu bemerken, da\u00df die meisten Bewerber, bei denen auf Grund ihres Verhaltens in der Vergangenheit Zweifel an der Verfassungstreue bestanden, diese Zweifel durch ein eindeutiges Abr\u00fccken vom Extremismus ausr\u00e4umen konnten. Weiter ist davon auszugehen, da\u00df manche Extremisten von einer Bewerbung f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst Abstand nehmen, weil sie sich einer \u00dcberpr\u00fcfung ihrer Verfassungstreue nicht stellen wollen. Auch dies sind, neben den Ablehnungen, Erfolge des bekannten und bew\u00e4hrten Verfahrens. 160","2. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Als Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst sind hier Bedienstete erfa\u00dft, die in den letzten f\u00fcnf Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Parteien und Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Da nicht in allen F\u00e4llen gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, die die Ablehnung einer Bewerbung bzw. eine Entlassung aus dem Dienst rechtfertigen, gelingt es auch Extremisten, in den \u00f6ffentlichen Dienst zu gelangen und dort zu verbleiben. Ende 1984 waren dies (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1983): Linksextremisten: Gesamtzahl davon DKP DKP-NebenNeue und beeinLinke flu\u00dfte Organisationen Landesdienst 132 (111) 26 (22) 31 (34) 75 (55) Kommunaldienst 102 (87) 65 (55) 13 (7) 24 (25) sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 10 (9) 7 (5) - (-) 3 (4) Zusammen: 244 (207) 98 (82) 44 (41) 102 (84) Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 75 (55) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien 21 (22) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 18 (20) im Justizdienst 18 (14) in sonstigen Verwaltungszweigen. Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 22 (22) als Bedienstete in st\u00e4dtischen Krankenh\u00e4usern 34 (29) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie Sozialarbeiter, Jugendheimleiter etc. 8 ( 8) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 38 (28) in sonstigen Verwaltungszweigen. Rechtsextremisten: Gesamtzahl davon NPD Landesdienst 9 (20) 2 (11) Kommunaldienst 11 (15) 6 (9) sonst, \u00f6ffentliche Einrichtungen 1 (3) - (1) Zusammen: 21 (38) 8 (21) 161","Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 3 ( 5) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 2 ( 6) im Justizund Polizeidienst 4 ( 9) in sonstigen Verwaltungszweigen Von den rechtsextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 11 (14) in sonstigen Verwaltungszweigen W\u00e4hrend die Zahl der Rechtsextremisten im \u00f6ffentlichen Dienst in den vergangenen Jahren nahezu kontinuierlich abnahm, erreichte ihr R\u00fcckgang im vergangenen Jahr ein auff\u00e4lliges Ausma\u00df, das sich zu Lasten der NPD auswirkt. Es hat seinen Grund zum Teil in Altersabg\u00e4ngen, zum Teil aber auch darin, da\u00df sich einige Angeh\u00f6rige des \u00f6ffentlichen Dienstes von der NPD distanzierten und dies durch Parteiaustritt dokumentierten, nachdem in mehreren F\u00e4llen Disziplinarverfahren eingeleitet worden waren und das Bundesverwaltungsgericht eindeutig die verfassungsfeindliche Zielsetzung der NPD festgestellt hatte. 162","7 Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 30. September 1984 hielten sich in Bayern 666.300 Ausl\u00e4nder auf, darunter 194.100 T\u00fcrken 120.700 Jugoslawen 76.900 \u00d6sterreicher 71.800 Italiener 48.500 Griechen und 11.500 Spanier. Die bis zum Jahre 1982 stetig ansteigende Anzahl der Ausl\u00e4nder hat sich erstmals 1983 um 3,2 % verringert und ist 1984 erneut um rund 20.600 Personen ( = 3 %) zur\u00fcckgegangen. Die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl der Ausl\u00e4nder verhielt sich nach wie vor loyal zum Gastland und widerstand den Versuchen ausl\u00e4ndischer Extremisten, unter ihren Landsleuten weitere Anh\u00e4nger f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen. Nur eine geringe Minderheit (1,1 deg/o) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder ist in extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Vereinigungen organisiert. Den letzteren Gruppen, die sich nach au\u00dfen oft als \"Betreuungsorganisationen\" darstellen, geh\u00f6ren auch Mitglieder an, die nicht aus politischer Motivation beigetreten sind, sondern dort lediglich gesellige Kontakte oder Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen suchen. Dies schlie\u00dft indes nicht aus, da\u00df sie sp\u00e4ter als Folge des Einflusses von Funktion\u00e4ren deren extremistische Auffassungen \u00fcbernehmen und vertreten. Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen waren weiterhin von den Konflikten und Krisen in den Heimatl\u00e4ndern der Mitglieder, in zunehmendem Ma\u00dfe aber auch von der Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet bestimmt. So agitierten ausl\u00e4ndische Extremisten gegen die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung sowie gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und forderten die Einf\u00fchrung des Wahlrechts f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Propagandistische Angriffe galten femer der ausl\u00e4ndischen Staaten gew\u00e4hrten deutschen Wirtschaftshilfe. Mit Versuchen, politische Bestrebungen in den Heimatl\u00e4ndern durch gewaltorientierte Aktionen vom Gastland her zu initiieren oder zu f\u00f6rdern, beeintr\u00e4chtigten ausl\u00e4ndische Extre163","misten auch ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland. Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt und die Besorgnis, eine extremistische Bet\u00e4tigung k\u00f6nne wirtschaftliche oder ausl\u00e4nderrechtliche Nachteile zur Folge haben, wirkten sich indes wie schon in den Vorjahren d\u00e4mpfend auf das Engagement ausl\u00e4ndischer Extremisten aus. Linksextreme Ausl\u00e4ndergruppen fanden 1984 in zunehmendem Ma\u00dfe die Unterst\u00fctzung ideologisch gleichgesinnter deutscher Vereinigungen und Parteien. Bemerkenswert war auch ihre starke Beteiligung an Aktionen deutscher Linksextremisten. Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen stieg auf 155 (1983: 154). Nachstehende \u00dcbersicht zeigt die Entwicklung der in Bayern bestehenden extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4nderorganisationen. \u00d6rtliche selbst\u00e4ndige Gruppierungen sind dabei gesondert gez\u00e4hlt. 1980 1981 1982 1983 1984 Linksextrem 65 89 122 119 116 Rechtsextrem 26 32 36 35 39 Gesamtzahl 91 121 158 154 155 Diese 155 Ausl\u00e4ndergruppierungen verteilten sich im Jahre 1984 wie folgt: orthodoxNeue rechtsgesamt kommuniLinke extrem stisch \u00c4thiopier 2 2 -- 4 Afghanen -- 1 -- 1 Araber -- 7 -- 7 Griechen 31 1 -- 32 Iraner 4 4 3 11 Italiener 8 -- 2 10 Jugoslawen 1 -- 8 9 Kurden 11 -- -- 11 Pakistaner -- 5 -- 5 Spanier 2 -- -- 2 T\u00fcrken 9 27 25 61 Sonstige 1 -- 1 2 gesamt 69 47 39 155 Die Mitgliederzahl der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern hat sich von etwa 7.000 im Jahre 1983 auf rund 7.400 erh\u00f6ht und damit wieder den Stand von 1982 erreicht. 164","Eine latente Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit steilen nach wie vor militante Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken dar, obwohl sie - wie auch die \u00fcbrigen Organisationen t\u00fcrkischer Extremisten - in Bayern kaum noch \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten entwickelten. Auffallend zugenommen haben hingegen die Aktionen orthodox-kommunistischer kurdischer Vereinigungen, wobei in Teilbereichen eine wachsende Bereitschaft zur Gewaltanwendung erkennbar war. Die von pal\u00e4stinensischen Gruppen ausgehenden Sicherheitsrisiken sind trotz der Krise innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nicht gebannt. Nach wie vor besteht die Gefahr von Anschl\u00e4gen abgesplitterter Terrorgruppen besonders gegen israelische und amerikanische Einrichtungen im Bundesgebiet. Innerhalb der jugoslawischen Emigration sind mehrere kroatische Extremistenorganisationen aufgrund personeller und finanzieller Schw\u00e4chen in ihrem Bestand bedroht. Funktion\u00e4re sind bem\u00fcht, durch Zusammenschlu\u00df einzelner Gruppierungen die Dachorganisationen funktionsf\u00e4hig zu erhalten. Obwohl 1984 keine spektakul\u00e4ren Aktionen jugoslawischer Extremisten bekannt wurden, sind konspirativ t\u00e4tige Kleinstgruppen weiterhin bereit, mit gewaltsamen Mitteln gegen Einrichtungen und Repr\u00e4sentanten des Heimatstaates vorzugehen. Anschl\u00e4ge auf Gegner des jugoslawischen Regimes waren 1984 nicht zu verzeichnen. 2. \u00c4thiopische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem bewaffneten Kampf gegen die sozialistische \u00e4thiopische Regierung die Befreiung und Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Beide Gruppierungen konnten sich auch 1984 trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die EPLF lehnt eine Ann\u00e4herung an Moskau ab, w\u00e4hrend die ELF bereit w\u00e4re, sich im etritreischen Befreiungskampf auch von der UdSSR unterst\u00fctzen zu lassen. In Bayern traten Anh\u00e4nger der EPLF vornehmlich im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen mit Informationsveranstaltungen sowie \"Eritrea-Abenden\" mit Filmvorf\u00fchrungen, Vortr\u00e4gen und Diskussionen an die \u00d6ffentlichkeit. An diesen Veranstaltungen nahmen auch Anh\u00e4nger der ELF teil. 3. Afghanische Gruppen Die im Jahre 1971 gegr\u00fcndete Generalunion der Afghanischen Studenten im Ausland (GUAfS) unterst\u00fctzte die marxistisch ausgerichtete Volksbewegung in Afghanistan. Nach dem Umsturz im April 1978 spaltete sich die GUAfS in zwei Gruppen. Die orthodoxkommunistische Minderheit, die weiterhin f\u00fcr die wachsende sowjetische Pr\u00e4senz in Afghanistan eintrat, hat ihre Aktivit\u00e4ten inzwischen eingestellt. Die der dogmatischen Neuen Linken zuzurechnende Mehrheit, die sich die Bezeichnung Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten e.V. (GUAfS) gab, lehnt die Einmischung der UdSSR in Afghanistan ab. Eine \u00f6rtliche Untergliederung dieser Gruppierung ist der Verein der Afghanen und 165","afghanischen Studenten M\u00fcnchen - Mitglied der GUAfS e.V., der in seinem Statut den amerikanischen \"Imperialismus\", die chinesische \"Reaktion\", den russischen \"Sozialimperialismus\" sowie die \"sozialfaschistische Regierung\" in Afghanistan verurteilt. Der Verein veranstaltete am 3. M\u00e4rz in M\u00fcnchen einen Kulturund Informationsabend, an dem rund 180 Personen teilnahmen. Am 29. Dezember f\u00fchrte die GUAfS anl\u00e4\u00dflich des 5. Jahrestages der sowjetischen Invasion in Afghanistan eine Demonstration in K\u00f6ln durch, an der sich rund 600 Personen, darunter auch Anh\u00e4nger der GUAfS aus Bayern, beteiligten. 4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Sie fordert die Aufl\u00f6sung des \"zionistischen\" Staates Israel, an dessen Stelle ein \"demokratischer\" pal\u00e4stinensischer Staat treten soll. Bei den in der PLO lose zusammengef\u00fcgten Guerillagruppen bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die politische und milit\u00e4rische Strategie zur Verwirklichung dieses Zieles. W\u00e4hrend der Leiter der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rksten Organisation Al Fatah Yassir Arafat eine L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems auch auf dem Verhandlungswege erreichen will, stehen die orthodox-kommunistisch orientierten Organisationen Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) sowie Fatah-Dissidenten und weitere von Syrien abh\u00e4ngige PLO-Gruppierungen der relativ gem\u00e4\u00dfigten Haltung Arafats ablehnend gegen\u00fcber. So boykottierten die PFLP und die DFLP den 17. Kongre\u00df des Pal\u00e4stinensischen Nationalrats in Amman/Jordanien, auf dem lediglich die Al Fatah offiziell vertreten war. Arafat's Gegner, die den \"bewaffneten Kampf\" als einziges Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele des pal\u00e4stinensischen Widerstandes betrachten, bem\u00fchten sich zunehmend, Einflu\u00df auf Pal\u00e4stinensergruppen im Bundesgebiet zu gewinnen; sie fanden dort jedoch insgesamt nur wenig R\u00fcckhalt. Der auf Initiative der PLO gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV) ist ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft. Er hat die Aufgabe, die Al Fatah materiell und ideell zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland zu werben. \u00d6rtliche Untergliederungen bestehen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Der Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband (PAV) in N\u00fcrnberg organisierte im M\u00e4rz und November mit Unterst\u00fctzung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) sowie anderer linksextremer deutscher und ausl\u00e4ndischer Gruppierungen Solidarit\u00e4tsveranstaltungen zum Thema \"Pal\u00e4stina\". Die Referate befa\u00dften sich insbesondere mit der Situation pal\u00e4stinensischer Gefangener in Israel. Daneben wurden Filme \u00fcber die Invasion Israels im Libanon im Jahre 1982 gezeigt. Beim Fest der \"Nationalen Einheit\" des PAV N\u00fcrnberg am 28. Juli sprach der Leiter der \"Informationsstelle Pal\u00e4stina\" in Bonn Dr. Abdallah Frangi \u00fcber die Situation der PLO, wobei er f\u00fcr die Politik Arafats eintrat und Einigkeit innerhalb der PLO forderte. Das auf Initiative des PAV N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete Pal\u00e4stina-Komitee N\u00fcrnberg informierte bei einem \"Pal\u00e4stina-Abend\" am 16. Juni in N\u00fcrnberg \u00fcber die Entstehung und die derzeitige Lage der Al Fatah. 166","Eine \u00f6rtliche Untergliederung des ebenfalls von der Al Fatah beeinflu\u00dften Pal\u00e4stinensischen Studentenverbandes in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PSV) trat lediglich im Juli in M\u00fcnchen mit einer Folkloreveranstaltung an die \u00d6ffentlichkeit. 5. Griechische Gruppen Die extremistischen griechischen Gruppen in Bayern zeigten 1984 nur geringe Aktivit\u00e4ten. Ihre Aktionen, die sich wie im Vorjahr \u00fcberwiegend auf die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg konzentrierten, fanden in der \u00d6ffentlichkeit keine Resonanz. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) ist der orthodoxkommunistische Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) mit Sitz in Athen. Im Gegensatz zur KKE-Inland erkennt sie die Hegemonie Moskaus an. Seit September 1974 ist sie in Griechenland als Partei zugelassen. Sie beruft sich auf die Tradition der griechischen Arbeiterbewegung und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die Kommunistische Partei Griechenlands zu sein. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die auch im Bundesgebiet verbreiteten Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer). Die seit Jahren bestehende enge Verbindung der KKE-Ausland zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) hat sich weiter gefestigt. So nahmen Vertreter der DKP an mehreren Veranstaltungen der KKE-Ausland teil. Anl\u00e4\u00dflich des 7. Parteitages der DKP vom 6. bis 8. Januar in N\u00fcrnberg \u00fcbermittelte ein Funktion\u00e4r der KKE-Ausland eine Gru\u00dfbotschaft und eine Spende. Die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation waren auch 1984 bestrebt, ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in die Vorstandschaften der griechischen Gemeinde-, Eltern-, Arbeiterund Studentenvereine w\u00e4hlen zu lassen, um ihren Einflu\u00df zu erweitern. Sie setzten sich f\u00fcr das kommunale Wahlrecht, die Integration der Ausl\u00e4nder und eine bessere Ausbildung der Gastarbeiterjugend ein. Au\u00dferdem propagierten sie den Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und der NATO und die Aufl\u00f6sung der USMilit\u00e4rbasen in Griechenland. \u00dcberregional bedienten sich dabei sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE der Hilfe des Verbandes Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und des Verbandes Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Inland) ist der nationalkommunistisch orientierte Teil der fr\u00fcheren Kommunistischen Partei Griechenlands. Im Gegensatz zur KKE-Ausland erkennt sie die f\u00fchrende Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) nicht an. Sie bef\u00fcrwortet grunds\u00e4tzlich die Mitgliedschaft Griechenlands in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft. Als Organe der KKE-Inland und ihrer Jugendorganisation Griechische Kommunistische Jugend \"Rigas Fereos\" (E.KO.N. Rigas Fereos) erscheinen die auch 167","im Bundesgebiet verbreiteten Zeitschriften \"I Avgi\" (Die Morgenr\u00f6te) bzw. \"Thourios\" (Kriegslied). Enge Kontakte bestehen zu den kommunistischen Parteien Spaniens (PCE) und Italiens (PCI). Die KKE-Inland und ihre Jugendorganisation befa\u00dften sich auch 1984 vor allem mit aktuellen Gastarbeiterproblemen. Ihre Bem\u00fchungen, auf griechische Gastarbeitervereinigungen dadurch gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df zu gewinnen, blieben indes erfolglos. 6. Iranische Gruppen 6.1 Linksextremisten 6.1.1 Orthodoxe Kommunisten Nach dem Verbot und der Aufl\u00f6sung der orthodox-kommunistischen TudehPartei am 4. Mai 1983 im Iran gingen die Aktivit\u00e4ten ihrer Anh\u00e4nger im Bundesgebiet zur\u00fcck. Das Organ \"Rahe Tudeh\" (Weg der Tudeh) k\u00fcndigte Mitte August 1984 an, sein Erscheinen einzustellen, da seine Aufgabe in der \u00dcbergangsphase der Partei gel\u00f6st sei. Die deutschsprachige Monatszeitschrift \"Iran aktuell\" der Tudeh-Partei enthielt vor allem Protesterkl\u00e4rungen gegen das Verbot der Partei und die Inhaftierung ihrer Funktion\u00e4re und Mitglieder im Iran. In Bayern trat die \u00fcberwiegend konspirativ arbeitende Organisation 1984 nur durch die Verteilung von Flugbl\u00e4ttern in Erscheinung, die sich mit der Hinrichtung von Parteimitgliedern im Iran befa\u00dften. Die von der Tudeh-Partei beeinflu\u00dfte Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.) - Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) zeigte 1984 in Bayern keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten. 6.1.2 Neue Linke Die Mitte 1983 in M\u00fcnchen entstandene Ortsgruppe des \"Koordinationskomitees der iranischen Demokraten\", Frankfurt a.M., die sich aus Mitgliedern des im Vorjahr nahezu inaktiven Iranischen Studentenvereins M\u00fcnchen (ISVM) und Anh\u00e4ngern der in Bayern bedeutungslosen CISNU-Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran zusammensetzt, unterst\u00fctzte Sammlungsbestrebungen der iranischen Neuen Linken. Sie beteiligte sich im April 1984 in Mainz an der Gr\u00fcndung eines Dachverbandes, der die zerstrittene iranische Opposition zusammenf\u00fchren und - \u00e4hnlich wie die fr\u00fchere CISNU - ein koordiniertes Vorgehen gegen die derzeitige Regierung des Iran erm\u00f6glichen soll. Der Dachverband will insbesondere die K\u00e4mpfe der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte im Iran unterst\u00fctzen. Seine ideologische Ausrichtung ist wegen des noch andauernden internen Meinungsbildungsprozesses derzeit nicht einheitlich. Die der Neuen Linken zuzurechnende M\u00fcnchner Untergliederung des Dachverbandes, die Kontakte zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) unterh\u00e4lt, f\u00fchrt seit Mai 1984 die Bezeichnung Organisation Iranischer Demokraten im Ausland -- Ortsgruppe M\u00fcnchen. Ihre Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich weitgehend auf die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern und interne Sitzungen. Das im M\u00e4rz 1982 gegr\u00fcndete Aktionsb\u00fcndnis Komitee fortschrittlicher Iraner in M\u00fcnchen, dem \u00fcberwiegend Vertreter der iranischen Neuen Linken angeh\u00f6ren, hat sich Anfang August 1984 aufgel\u00f6st. 168","6.2 Islamische Fundamentalisten Die Anh\u00e4nger der im Iran t\u00e4tigen Volksmojahedin haben sich im Bundesgebiet in den Moslemischen Studentenvereinigungen - Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran (MSV - W. Germany) - MSV - zusammengeschlossen. Die Volksmojahedin, eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt. Nach dem Umsturz gerieten sie zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime, das sie als \"Mullah-Diktatur\" verurteilten. Am 29. Juli 1981 begab sich ihr Generalsekret\u00e4r Masoud Radjavi mit dem ehemaligen Staatspr\u00e4sidenten Bani Sadr nach Frankreich ins Exil. Dort gr\u00fcndeten sie den \"Nationalen Widerstandsrat\" (N.W.R.), der sich das Ziel gesetzt hat, die Regierung des Iran zu st\u00fcrzen. Ihm geh\u00f6ren auch die MSV an, deren Aktivit\u00e4ten weiter zur\u00fcckgingen. Sie traten nur einmal in M\u00fcnchen durch die Verbreitung eines Flugblattes in Erscheinung. Einige Aktivisten aus M\u00fcnchen beteiligten sich an einer Demonstration der MSV, die am 20. Juni unter dem Motto \"13. Jahrestag des Widerstandes gegen das Khomeiniregime im Iran\" in Bonn stattfand. 7. Italienische Gruppen Die Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, gliedert sich in der Bundesrepublik Deutschland in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Frankfurt a.M. (Mitte) und Stuttgart (S\u00fcd). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie Ortsgruppen in Augsburg und Kempten. Die Mitgliederzahlen und Aktivit\u00e4ten waren weiterhin r\u00fcckl\u00e4ufig. Das \"Festa delia Donna\" (Tag der Frau) am 11. M\u00e4rz in M\u00fcnchen besuchten rund 70 Personen. Am 2. Juni fand in N\u00fcrnberg eine Veranstaltung der PCI zur Europawahl mit etwa 50 Teilnehmern statt. Zum allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita\" am 21. Oktober in M\u00fcnchen fanden sich rund 400 Mitglieder und Sympathisanten ein, darunter auch deutsche, griechische und t\u00fcrkische Linksextremisten. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der PCI beeinflu\u00dfte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder h\u00e4ufig auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die 1984 keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten zeigten. Auch hier gingen die Mitgliederzahlen weiter zur\u00fcck. Die rechtsextreme Movimento Sociale Italiano - Destra Nazionale - MSI-DN (Soziale Italienische Bewegung - Nationale Rechte), die 1980 mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet begonnen hatte, entwickelte auch 1984 in Bayern keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. Ihre in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg entstandenen Ortsgruppen sind durch Mitgliederverluste geschw\u00e4cht und treten schon seit Jahren nicht mehr \u00f6ffentlich in Erscheinung. 169","8. Jugoslawische Gruppen Die Situation der jugoslawischen Extremistengruppen, die den gewaltsamen Sturz der Regierung in der Heimat anstreben, war 1984 vielfach durch zunehmende Resignation gekennzeichnet. Obwohl 1984 keine Mordanschl\u00e4ge auf Exiljugoslawen zu verzeichnen waren, f\u00fchrten die in den letzten Jahren ver\u00fcbten Attentate, die in Emigrantenkreisen dem jugoslawischen Geheimdienst angelastet werden, zu erheblicher Verunsicherung. Hinzu kamen finanzielle und personelle Schwierigkeiten, die auch die Aktivit\u00e4ten der gr\u00f6\u00dferen kroatischen Dachverb\u00e4nde beeintr\u00e4chtigten. Bestrebungen einzelner Gruppen, dem organisatorischen Niedergang durch eine engere Zusammenarbeit zu begegnen, hatten keinen nachhaltigen Erfolg. Jugoslawische Extremistengruppen versuchten auch 1984, die Wirtschaft des Heimatstaates mit publizistischen Aktionen zu sch\u00e4digen. So verbreiteten sie anl\u00e4\u00dflich der Olympischen Winterspiele in Sarajewo im Februar 1984 zahlreiche Schriften, die unter Hinweis auf die wirtschaftlichen und politischen Verh\u00e4ltnisse in Jugoslawien zum Boykott der Spiele aufriefen. 8.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete Kroatische Nationalrat (HNV) versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Weitere Organe sind der Exekutivausschu\u00df, der die Ziele des HNV in die Tat umsetzen soll, sowie der Kontrollrat und das Ehrengericht. Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 25 Ortsaussch\u00fcsse, deren Arbeit vom Koordinationsausschu\u00df des Kroatischen Nationalrats (HKO) mit Sitz in Stuttgart gesteuert wird. Publikationsorgan des HNV ist die unregelm\u00e4\u00dfig erscheinende Zeitschrift \"Vjesnik\" (Bote). Auf der konstitutierenden Sitzung des 5. SABOR im Januar 1984 in London er\u00f6rterte der HNV die \"fundamentalen Fragen des kroatischen Volkes in seinem Freiheitskampf\". Er stellte dazu fest, das kroatische Volk habe wie alle anderen V\u00f6lker das Recht, auf eigenem Boden durch Revolution und bewaffneten Kampf seine nationale Freiheit und staatliche Unabh\u00e4ngigkeit zu verwirklichen. Am 7. April veranstaltete der HNV zusammen mit dem Kroatischen Nationalkomitee in Europa (HNO) anl\u00e4\u00dflich der Gr\u00fcndung des \"Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" (10. April 1941) in M\u00fcnchen eine Gedenkfeier, an der sich rund 400 Personen, darunter auch Vertreter kroatischer Emigrantenorganisationen aus \u00d6sterreich, beteiligten. 8.2. Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Innerhalb des HNV hatte sich im Fr\u00fchjahr 1980 eine lose oppositionelle Gruppierung gebildet. Sie bestand vorwiegend aus j\u00fcngeren Anh\u00e4ngern des sogenannten \"Kroatischen Fr\u00fchlings\", einer oppositionellen kommunistischen Bewegung von Kroaten in Jugoslawien, deren Repr\u00e4sentanten im Dezember 1971 entmachtet worden waren. Die Gruppierung konstituierte sich schlie\u00dflich im Juni 1981 in Lund/Schweden als Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP). Pu170","blikationsorgan der HDP ist seit 1984 die Zeitschrift \"Hrvatski Tjednik\" (Kroatisches Wochenblatt), die unter Verantwortung eines zentralen Vertriebsb\u00fcros f\u00fcr Europa in Stuttgart verbreitet wird. Die HDP versteht sich als eine mit dem HNV konkurrierende Dachorganisation der kroatischen Emigration. Sie will den \"Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und einen eigenst\u00e4ndigen Staat \"Vereinigtes Kroatien\" errichten. Durch Mitgliederwerbung ist die Zahl ihrer Anh\u00e4nger im Bundesgebiet und in Westeuropa gestiegen. In Bayern sind keine Unterorganisationen der HDP bekannt. 8.3 Kroatische Gruppen in Bayern Das 1950 gegr\u00fcndete Kroatische Nationalkomitee in Europa (HNO) ist eine Mitgliedsorganisation des HNV mit Sitz in M\u00fcnchen. Als Organ erscheint die Zeitschrift \"Hrvatska Drzava\" (Kroatischer Staat). Infolge finanzieller Schwierigkeiten und r\u00fcckl\u00e4ufiger Mitgliederzahlen ist der Bestand des Vereins in Frage gestellt. Aufgrund der bedenklichen Situation des HNO wurde anl\u00e4\u00dflich einer Gedenkveranstaltung f\u00fcr gefallene oder ermordete Kroaten am 3. November in M\u00fcnchen eine Zusammenarbeit des HNO mit dem 1984 nahezu inaktiven Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland e.V. (UHNj) und weiteren kroatischen Emigrantenorganisationen eingeleitet. 9. Kurdische Gruppen Der orthodox-kommunistischen F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (KOMKAR) mit Sitz in K\u00f6ln geh\u00f6ren in Bayern Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg an. Am 6. Jahreskongre\u00df der KOMKAR am 2.13. Juni in K\u00f6ln nahmen zahlreiche G\u00e4ste aus dem Inund Ausland teil, darunter Vertreter linksextremer griechischer, t\u00fcrkischer und anderer kurdischer Organisationen. Hauptthemen des Kongresses waren u.a. die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung sowie der \"Kampf f\u00fcr den Frieden und gegen die imperialistische Aggression und Aufr\u00fcstung\". In N\u00fcrnberg wurden im Januar Flugbl\u00e4tter der KOMKAR verbreitet, die zur Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen im t\u00fcrkischen Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis Diyarbakir aufriefen. Am 8. September veranstaltete die KOMKAR in K\u00f6ln eine Kundgebung anl\u00e4\u00dflich des 4. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte. Daran beteiligten sich rund 3.000 Personen, darunter auch deutsche Linksextremisten sowie etwa 100 Anh\u00e4nger der KOMKAR aus Bayern. Im Oktober ver\u00f6ffentlichte die KOMKAR bundesweit eine Presseerkl\u00e4rung, in der sie die seit 18. August stattfindenden \"Milit\u00e4roperationen in T\u00fcrkisch-Kurdistan\" verurteilte und alle \"fortschrittlichen und demokratischen Menschen und Organisationen\" aufrief, gegen den Einsatz t\u00fcrkischer Truppen im Grenzgebiet zum Iran und Irak zu protestieren. Die Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V., ein Mitgliedsverein der KOMKAR, organisierte im Januar, Mai und September in N\u00fcrnberg Mahnwachen. Die Teilnehmer forderten die Freilassung politischer H\u00e4ftlinge in der T\u00fcrkei und den Abzug t\u00fcrkischer Truppen aus Kurdistan. 171","Die orthodox-kommunistischen Gruppierungen Kurdische Volksh\u00e4user (KVH) und Fortschrittlich-Demokratische Arbeitervereine Kurdistans (KKDK) schlossen sich auf einem gemeinsamen Kongre\u00df am 475. Februar in Frankfurt a.M. zur F\u00f6deration der Vereinigten Arbeitervereine Kurdistans (KURD-KOM) zusammen. Die orthodox-kommunistische KURD-KOM will insbesondere auf die \"Terrorund Hungerpolitik\" der t\u00fcrkischen \"Junta\" aufmerksam machen, die \"Friedensaktivit\u00e4ten\" in Europa unterst\u00fctzen und die \"Kampfeinheit der Klassenbr\u00fcder in den Fabriken, Gewerkschaften und Arbeitsst\u00e4tten\" organisieren, um die \"demokratisch-nationalen Kr\u00e4fte\" Kurdistans vor der Zersplitterung zu bewahren. In einer Erkl\u00e4rung rief die KURD-KOM alle \"fortschrittlichen Revolution\u00e4re und Patrioten\" zur Unterst\u00fctzung auf und betonte, sie sei zur Einheit mit allen kurdischen und t\u00fcrkischen \"demokratischen\" Organisationen entschlossen sowie bereit, im Kampf gegen die Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung noch breitere B\u00fcndnisse einzugehen. Die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) f\u00fchrte in Bayern mehrere Folkloreveranstaltungen mit politischem Hintergrund durch. Zu einer Feier aus Anla\u00df des kurdischen Neujahrstages am 5. Mai in M\u00fcnchen erschienen rund 500 Besucher. Die Redner berichteten \u00fcber die bisherigen Aktivit\u00e4ten der PKK und riefen zum verst\u00e4rkten Kampf gegen die \"faschistische Junta\" auf. Bei einem Folkloreabend am 22. Juli in Ingolstadt erinnerte ein Redner die rund 70 Teilnehmer an Massaker, die t\u00fcrkische Soldaten unter den Kurden angerichtet h\u00e4tten. Ferner kritisierte er die Zust\u00e4nde in t\u00fcrkischen Milit\u00e4rgef\u00e4ngnissen und forderte die Freilassung aller politischen H\u00e4ftlinge. Am 8. September fand in Duisburg-Hamborn eine Demonstration der PKK gegen die \"blutige Herrschaft des Kolonial-Faschismus in der T\u00fcrkei\" statt. Unter den rund 2.500 Teilnehmern befanden sich etwa 70 Mitglieder und Sympathisanten der PKK aus Bayern. Anl\u00e4\u00dflich des 7. Jahrestages ihrer Gr\u00fcndung f\u00fchrte die PKK am 1. Dezember in K\u00f6ln eine \"Veranstaltung des nationalen Widerstandes Kurdistans\" durch. Daran beteiligten sich \u00fcber 4.000 Besucher aus dem lnund Ausland, darunter auch rund 50 Personen aus Bayern. Den H\u00f6hepunkt bildete eine \u00fcber Videoger\u00e4t auf eine Gro\u00dfleinwand projizierte Rede des PKK-Vorsitzenden, der alle \"revolution\u00e4ren patriotischen Kr\u00e4fte\" aufforderte, sich am Befreiungskampf der Kurden zu beteiligen. Auf die Zunahme militanter Tendenzen innerhalb der PKK verweist die Mitte August erfolgte Gr\u00fcndung der Befreiungseinheiten Kurdistans (HRK), die sich in einem Flugblatt als Frontorganisation der PKK darstellten und den bewaffneten Kampf gegen den \"Imperialismus\" und den \"faschistischen t\u00fcrkischen Kolonialismus\" propagierten. Ziel ihrer Aktivit\u00e4ten seien die \"faschistischen kolonialistischen Meuchelm\u00f6rder, Blutsauger, politischen und milit\u00e4rischen Tyrannen und Volksfeinde\". Das Flugblatt endete mit Aufrufen zur Desertion aus der t\u00fcrkischen \"faschistischen Armee\". Mehrere Ortsvereine der PKK gr\u00fcndeten schon im M\u00e4rz 1984 in K\u00f6ln einen Verband unter der Bezeichnung F\u00f6deration der patriotischen Arbeiter-Kulturvereine Kurdistans in der Bundesrepublik Deutschland (Feyka-Kurdistan), der im Bundesgebiet die Ziele der PKK vertritt. 172","Die Ortsgruppen M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg der orthodox-kommunistischen Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) zeigten im Jahre 1984 keine Aktivit\u00e4ten. 10. Pakistanische Gruppen Die Ende 1967 gegr\u00fcndete Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur und die Bildung einer islamisch-sozialistischen Volksmacht in Pakistan. Seit der Hinrichtung des ehemaligen Premierministers und Parteif\u00fchrers Bhutto am 4. April 1979 und der Umwandlung Pakistans in eine islamische Republik erhielt die vom derzeitigen Milit\u00e4rregime verbotene PPP im Bundesgebiet vermehrt Zulauf. Unterschiedliche Auffassungen, ob die politischen Ziele der PPP mit gewaltsamen oder gewaltfreien Mitteln verwirklicht werden sollen, haben inzwischen zur Entstehung mehrerer rivalisierender Gruppen gef\u00fchrt. Seit 14. August ist die im Bundesgebiet bestehende nationale Unterorganisation der PPP unter der Bezeichnung Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband e.V. (PPP.BRD) im Vereinsregister des Amtsgerichts K\u00f6ln eingetragen. In Bayern sind in Augsburg, Gem\u00fcnden a.Main, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00f6rtliche Untergliederungen vereinsrechtlich angemeldet. In ihrem Organ \"The Struggle\" (Der Kampf) informiert die PPP \u00fcber politische Ereignisse und Aktivit\u00e4ten der Partei in Europa. Zum Gedenken an Bhuttos Hinrichtung veranstalteten die Ortsgruppen der PPP im April Kundgebungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, an denen sich jeweils etwa 60 Personen beteiligten. Am 7. Juli fand in Bonn-Bad Godesberg eine Protestkundgebung der PPP anl\u00e4\u00dflich des 7. Jahrestages des Milit\u00e4rputsches in Pakistan (5. Juli 1977) statt. Die Demonstranten forderten auf Transparenten den Sturz der Milit\u00e4rregierung von General Zia Ul-Haq und die Freilassung aller politischen Gefangenen. Unter den rund 300 Teilnehmern befanden sich auch Anh\u00e4nger der PPP aus Bayern. Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der PPP f\u00fchrte am 28. Juli in M\u00fcnchen eine Versammlung zu den Themen \"Politische Situation in Pakistan\" und \"Wiederherstellung der Demokratie in Pakistan\" durch, an der sich rund 110 Personen beteiligten. Der Generalsekret\u00e4r der PPP Dr. Ghulam Hussein sprach \u00fcber die Spaltungstendenzen innerhalb der Organisation und griff den Leiter des \u00dcberseeb\u00fcros der PPP in London Malik Ghulam Mustafa Khar an, wobei er sich gegen eine von Khar zur St\u00e4rkung seines politischen Einflusses angestrebte Neuwahl des Zentralen Exekutivkomitees aussprach. Bei einer Mitgliederversammlung der Ortsgruppe Augsburg der PPP am 29. Juli wiederholte Dr. Hussein vor rund 130 Zuh\u00f6rern die Rede des Vortages. Unter dem Motto \"Gegen Milit\u00e4rdiktatur - F\u00fcr Ziele demokratischer Parteien\" f\u00fchrten Mitglieder der PPP am 6./7. Oktober in Augsburg einen 24st\u00fcndigen Hungerstreik durch. Sie zeigten Transparente und verteilten Flugbl\u00e4tter, die Forderungen wie \"Wiederzulassung aller demokratischen Parteien\", \"Freilassung aller politischen Gefangenen\" und \"Einstellung aller Scheinprozesse\" enthielten. 173","11. Spanische Gruppen Die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) wurde 1921 gegr\u00fcndet, nach dem Regierungsantritt Francos in Spanien im Jahre 1939 verboten und erst 1977 wieder zugelassen. Die PCE wird in der Bundesrepublik Deutschland durch ein \"Comite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Das Bundesgebiet ist in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen \u00fcber 50 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern bestehen Ortsgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahlen weiter zur\u00fcckgingen. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift \"Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI), zur Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) und zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die geringen Aktivit\u00e4ten der PCE richteten sich \u00fcberwiegend gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. 12. T\u00fcrkische Gruppen T\u00fcrkische Linksextremisten aller ideologischen Richtungen zielten mit ihrer Agitation nach wie vor insbesondere auf die Verh\u00e4ltnisse in der Heimat und die Situation der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet. Einer der Schwerpunkte ihrer Aktivit\u00e4ten waren Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr hungerstreikende H\u00e4ftlinge in der T\u00fcrkei. Daneben polemisierten t\u00fcrkische Linksextremisten vor allem gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung, die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der Deutschen und die Unterst\u00fctzung der \"faschistischen Junta\" der T\u00fcrkei durch westliche B\u00fcndnispartner. Die Bereitschaft t\u00fcrkischer Extremisten, politische Gegens\u00e4tze unter Anwendung von Gewalt auszutragen, hielt an, obwohl 1984 in Bayern keine gravierenden Ausschreitungen zu verzeichnen waren. Rechtsextreme t\u00fcrkische Gruppen, deren Ideologie teils durch einen extremen Nationalismus, teils durch einen religi\u00f6s begr\u00fcndeten politischen Fanatismus bestimmt ist, schr\u00e4nkten ihre Aktivit\u00e4ten ein und waren bestrebt, sich der \u00d6ffentlichkeit als gem\u00e4\u00dfigte \"demokratische\" Organisationen zu pr\u00e4sentieren. 12.1 Linksextremisten 12.1.1 Orthodoxe Kommunisten Die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, steuert ihre konspirative Arbeit im Bundesgebiet von ihrem Exilsitz in Berlin (Ost) aus. Bestrebungen der TKP, die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwinden und dabei ihren eigenen Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der national-kommunistischen F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa (TDF) und der orthodoxkommunistischen F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa (ATTF) unter der Bezeichnung F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesge174","biet etwa 70 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 6.000 Mitgliedern an, darunter auch t\u00fcrkische Arbeitervereinigungen in Lohr a.Main und M\u00fcnchen. Die orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfte FIDEF unterh\u00e4lt u.a. Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihren Nebenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Als Organ der FIDEF erscheint die Monatsschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\" in deutscher Sprache. Am 7.IQ. April fand in Essen der 8. Jahreskongre\u00df der FIDEF statt, an dem etwa 1.000 Personen teilnahmen. Als G\u00e4ste waren Vertreter deutscher, t\u00fcrkischer und kurdischer linksextremer Organisationen anwesend, darunter der Vorsitzende der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) Herbert Mies. Die Delegierten beschlossen, die k\u00fcnftige Arbeit auf den Kampf f\u00fcr die 35-Stunden-Woche, die Unterst\u00fctzung der \"Friedensbewegung\" und den Einsatz f\u00fcr eine Generalamnestie in der T\u00fcrkei zu konzentrieren. 175","Anh\u00e4nger der FIDEF forderten am 16. Juni in Augsburg auf Transparenten eine Amnestie f\u00fcr politische Gefangene in der T\u00fcrkei. Der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (M.I.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, veranstaltete am 21. Januar in M\u00fcnchen das \"Internationale Fest der Freundschaft - Gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Unter den rund 300 Teilnehmern befanden sich als G\u00e4ste auch Mitglieder der DKP. Die Redner \u00fcbten heftige Kritik an den \"Menschenrechtsverletzungen\" der t\u00fcrkischen Regierung. Auch die Bundesregierung wurde angegriffen, weil sie die \"Herrschenden in der T\u00fcrkei\" unterst\u00fctze. Beim Ostermarsch am 23. April in M\u00fcnchen stellte der M.I.DER am Ort der Abschlu\u00dfkundgebung Informationstische auf. 12.1.2 Neue Linke Die proalbanische T\u00fcrkische Kommunistische Partei/MarxistenLeninisten (TKP/ML) wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Ordnung im Sinne des MarxismusLeninismus. Ihre \"Frontorganisation\" ist die \"T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee\" (TIKKO). Die konspirativ arbeitende TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern einige St\u00fctzpunkte, so z.B. in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth. Sie trat vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. Ideologisches Sprachrohr der Partei ist das Blatt \"Isci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (Arbeiter-Bauern-Befreiung). Der von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfte proalbanische Dachverband F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) hat sich nach ideologischen Auseinandersetzungen im Sommer 1981 gespalten. Anh\u00e4nger der abgespaltenen Gruppe nennen sich jetzt \"Bolsevik Partizan\" (BP), w\u00e4hrend die in der urspr\u00fcnglichen Organisation verbliebenen Mitglieder intern die Zusatzbezeichnung \"Partizan\" (P) f\u00fchren. Von letzterer Gruppierung unterscheidet sich der abgespaltene Verband insofern, als er eine gewaltsame Durchsetzung seiner politischen Ziele in der T\u00fcrkei zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt noch als verfr\u00fcht ansieht. Er verbreitet die weiterhin erscheinenden Publikationen der TKP/ML und das Organ der ATIF \"M\u00fccadele\" (Kampf) jeweils mit dem Zusatz \"Bolsevik\" (B). Die Gruppe \"Partizan\" der ATIF organisierte am 30. Juni in Augsburg einen \"Folkloreabend\". Daran beteiligten sich rund 450 Personen, die aus B\u00e4umenheim/Landkreis Donau-Ries, Donauw\u00f6rth, Ingolstadt, Kaufbeuren, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Stuttgart und Ulm angereist waren. Ein Redner forderte eine allgemeine Amnestie f\u00fcr alle politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei und \u00e4u\u00dferte, da\u00df \"faschistische\" t\u00fcrkische Regierungsorgane die TKP/ML im Vergleich zu anderen linksextremen t\u00fcrkischen Organisationen mit besonderer H\u00e4rte verfolgten. Anl\u00e4\u00dflich des Streiks in der Druckund Metallindustrie verbreitete die Gruppe \"Partizan\" im Juni ein Flugblatt, in dem es hie\u00df, die 35-Stunden-Woche sei kein Mittel gegen die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik Deutschland. Diese k\u00f6nne nur mit der \"Revolution, mit der Errichtung eines wahren sozialistischen Systems abgeschafft werden\". Da \"Unterdr\u00fcckung, Ausbeutung und Ungerech176","Publikationen extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen \" Y j * ^ [EWpEBYBLlZME , SOSYtt - EMPERYHliZME ve jjfMJjtj M R K KABSI | \u00c4Tir ( Almanva T\u00fcrkiye li Isciler Federasyonii ) Yayin Organi DEVRIMCI * * T\u00fcrklyeMenGBilemler Malum Bir Anlayi; \u00fcierine * Ye;lfleitn Yabanalar Program Taslagi ISCl * * Yabanci Ijfiler Sorunu ve Bau Yakla$imlar * 35SairlMDcaaekulveBli Sayi 24 2 3 Haziran 1984 2,-DM MBsmaEBBBsssmMsmmiamssm A iSCi-K\u00d6YL\u00dc KURTULUSU I T\u00dcRKlYE KOM\u00dcWJST PARTIS I/MA RHSiST-LENI WIST MEBKEZl YAVII. ORGAMI [ MarksistLeninist parti ve \u00f6rg\u00fctterin 2. uiuslararasi konferansinda kurulan Devrimci Enternasyonalist Hareketi selamliyoruz! Devrimci Kom\u00fcnist Birlik {Dominik Cumhuriyeti) Devrimci Kom\u00fcnist Partisi/A BD Haiti Enternasyonal Devrimci Gmbu Hindis Un Devrimci Kom\u00fcnist Partisi Hindis tan Kom\u00fcnist Partisi/Markast-Leninist Metkezi Yeniden \u00d6rgtitlenme Komitesi Iran Kom\u00fcnistler Bir\u00fcgi I Sarbedaran) Kolombia Devrimci Kom\u00fcnist Grubu Kolombia Kom\u00fcnist Partisi ( Mark sist-Leninist) Mao Zedting B\u00f6ige Komilesi Nepal Kom\u00fcnist Partisi (Macal) Nottingham/Stock port Kom\u00fcnist Gruplan (Britanya) Seylan Kom\u00fcnist Partisi T\u00fcrkiye Kom\u00fcnist Partisi/Marksist-Leninist Yeni Zelanda Kizd Bayrak Grubu 177","tigkeit\" solange andauerten, wie \"dieses System\" existiere, m\u00fcsse der Streik zu einem Teil des Kampfes gegen den westdeutschen Staat umgewandelt werden. Die Spaltergruppe \"Bolsevik Partizan\" (BP) der ATIF polemisierte im Mai in einem bundesweit verbreiteten Flugblatt gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung. Sie bezichtigte die \"Herrschenden\" der \"Sch\u00fcrung des Chauvinismus\" und k\u00fcndigte die \"Zerschlagung des imperialistischen westdeutschen Staatsapparates durch die sozialistische Revolution\" an. Der Verein der Arbeiter und Jugend aus der T\u00fcrkei in N\u00fcrnberg/F\u00fcrth und Umgebung e.V., der die Ziele der Gruppe \"Bolsevik Partizan\" der ATIF vertritt, hielt am 6. Oktober in N\u00fcrnberg eine Gedenkfeier f\u00fcr den in der T\u00fcrkei wegen Mordes zu einer langj\u00e4hrigen Freiheitsstrafe verurteilten und am 9. September in Paris im Exil verstorbenen t\u00fcrkischen Regisseur und Schauspieler Yilmaz G\u00fcney ab. Zu der Veranstaltung fanden sich rund 50 Personen ein, darunter auch Teilnehmer aus Bayreuth, Coburg und Landshut. Die Referenten betonten, der Verstorbene sei ein Sympathisant von \"Bolsevik Partizan\" gewesen. Die Sozialrevolution\u00e4re Organisation Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg) hat sich von der in der T\u00fcrkei verbotenen T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/-front (THKP/C) abgespalten. Ziel der konspirativ arbeitenden THKP/C ist der gewaltsame Umsturz in der T\u00fcrkei. Am 18. Februar fand in Augsburg ein von der Gruppe Devrimci Yol organisierter \"Folkloreabend\" statt, zu dem sich rund 300 Besucher einfanden. Im Verlauf der Veranstaltung wurde ein Film \u00fcber die Lage in der T\u00fcrkei vor der Macht\u00fcbernahme durch das Milit\u00e4r gezeigt, der die damaligen Auseinandersetzungen zwischen t\u00fcrkischen Linksund Rechtsextremisten schilderte. Mehrere Redner verurteilten die Zust\u00e4nde im t\u00fcrkischen Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis Diyarbakir sowie die Hinrichtungen und Folterungen durch die \"faschistische\" Junta. Anh\u00e4nger von Devrimci Yol veranstalteten am 29. Juli in M\u00fcnchen ein B\u00fcrgerfest, an dem sich rund 50 Personen, darunter auch Vertreter des Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB), beteiligten. Dabei wurden Brosch\u00fcren verteilt und Spenden f\u00fcr Solidarit\u00e4tsaktionen zugunsten \"politischer Gefangener\" in der T\u00fcrkei gesammelt. Die Sozialrevolution\u00e4re Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke), die in der T\u00fcrkei im Jahre 1978 aus einer Aufsplitterung der Organisation Devrimci Yol entstanden war, wurde am 9. Februar 1983 vom Bundesminister des Innern verboten. W\u00e4hrend der Hauptverhandlung vor dem Landgericht K\u00f6ln gegen Anh\u00e4nger von Devrici Sol, die am 3. November 1982 das t\u00fcrkische Generalkonsulat in K\u00f6ln besetzt und \u00fcber 30 Geiseln genommen hatten, kam es wiederholt zu Tumulten und t\u00e4tlichen Angriffen auf die Polizei. Dabei wurden am 4. Januar 1984 auch zwei Angeh\u00f6rige von Devrimci Sol aus Ingolstadt und M\u00fcnchen vor\u00fcbergehend festgenommen. Das Gericht verurteilte die Konsulatsbesetzer am 3. April 1984 zu mehrj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Am 17. Februar durchsuchte die Polizei drei Wohnungen t\u00fcrkischer Staatsangeh\u00f6riger in M\u00fcnchen. Sie konnte eine Rohrbombenattrappe und umfangreiches Schriftmaterial sicherstellen, das auf eine Fortf\u00fchrung der verbotenen Or178","* ALMAN EMPERYALiZMi DEVRiMCt SOL'U YARGILAYAMAZ *DER DEUTSCE IMPERIALISMUS KANN DEVRIMCi SOL NICHT VERURTEILEN *K\u00d6LN KONSOLOSLUK EYLEMI TUTUKLULARI SERBEST BIRAKILMALIDIR *DIE K\u00d6LNER KONSULATSBESETZER SOLLEN FREIGELASSEN WERDEN *SUCLU OLAN'FASIZME KARSI SAVASANLAR DEGIL, ONU UYGULAYANVE KORUYANLARDIR NICHT DIE ANGEKLAGTEN, DIE GEGEN DEN FASCHISMUS K\u00c4MPFEN, SIND DIE SCHULDIGEN SONDERN DIE, DIE IHN DURCHFUHREN UND SCH\u00dcTZEN. DEVRIMCI SOL <y> 179","ganisation Devrimci Sol hindeutete. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Zuwiderhandlung gegen ein vollziehbares Vereinsverbpt ein. Unter dem Titel \"T\u00fcrkei Bulletin\" erschien im M\u00e4rz eine deutschsprachige Propagandaschrift von Devrimci Sol, in der die verbotene Gruppierung erkl\u00e4rte, sie wolle das Bewu\u00dftsein schaffen, da\u00df die Befreiung des Volkes die Revolution sei, und auf diesem Weg eine bewaffnete Volksbewegung organisieren. Die Grundlinie daf\u00fcr sei der \"bewaffnete Kampf\". Die F\u00f6deration der t\u00fcrkischen demokratischen Arbeitervereine in Deutschland e.V. (DIDF) und die Gruppe Halkin Kurtulusu (Befreiung des Volkes) propagieren das politische Gedankengut der proalbanischen, in der T\u00fcrkei aufgel\u00f6sten Revolution\u00e4ren Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TDKP). \u00d6rtliche Untergliederungen bestehen auch in Bayern. Im Sommer 1984 brachte die DIDF eine Brosch\u00fcre in Umlauf, in der sie die soziale und politische Gleichstellung der Ausl\u00e4nder mit den Deutschen, insbesondere das Wahlrecht f\u00fcr Ausl\u00e4nder, forderte. In einem Aufruf an \"alle Antifaschisten und Demokraten\" hie\u00df es, man d\u00fcrfe gegen\u00fcber der \"sich jeden Tag versch\u00e4rfenden Unterdr\u00fcckung der ausl\u00e4ndischen Arbeiter\" und der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" nicht l\u00e4nger schweigen. Die \"Reaktion und der Faschismus in der Bundesrepublik\" versuchten \"auf hinterh\u00e4ltige Art und Weise, uns Ausl\u00e4ndische zu Verantwortlichen der Arbeitslosigkeit und anderer \u00dcbel zu stempeln\". Es liege auf der Hand, da\u00df dies ein Weg sei, \"die Einheit des Volkes zu spalten und es irrezuleiten\". Daher gelte es, \"Schulter an Schulter f\u00fcr unser Wahlrecht\" zu k\u00e4mpfen. 12.1.3 Aktionsb\u00fcndnisse t\u00fcrkischer und kurdischer Linksextremisten Das Antifaschistische Komitee N\u00fcrnberg und Umgebung, ein Zusammenschlu\u00df von Anh\u00e4ngern t\u00fcrkischer und kurdischer Organisationen der Orthodoxen und Neuen Linken, errichtete am 13. Oktober in N\u00fcrnberg einen Informationsstand. Einige Teilnehmer trugen Leichent\u00fccher und Plakate mit den Aufschriften \"Nein zur Todesstrafe\", \"Gegen Folter\" und \"Keine Todesurteile\". Die Plakattr\u00e4ger zogen anschlie\u00dfend durch die Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und verteilten Flugbl\u00e4tter. Das im Fr\u00fchjahr 1982 gegr\u00fcndete Antifaschistische Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM), das den \"revolution\u00e4ren Kampf der V\u00f6lker der T\u00fcrkei und Kurdistans\" unterst\u00fctzen und eine gemeinsame Widerstandsfront gegen die \"faschistische Staatsform\" der T\u00fcrkei aufbauen will, zeigte 1984 keine Aktivit\u00e4ten. 12.1.4 Sonstige Aktionen t\u00fcrkischer Linksextremisten Rund 15 Anh\u00e4nger linksextremer t\u00fcrkischer und kurdischer Gruppierungen organisierten am 5. Mai in M\u00fcnchen eine \"Aktion f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei\", um die deutsche \u00d6ffentlichkeit auf die Haftbedingungen in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen aufmerksam zu machen. F\u00fcnf Teilnehmer hatten sich die Augen mit schwarzen T\u00fcchern verbunden und sich aneinandergekettet. Auch lagen Unterschriftslisten auf, in denen gegen die t\u00fcrkische Regierung und gegen Folterungen in der T\u00fcrkei protestiert wurde. 180","Aus Anla\u00df des 4. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme in der T\u00fcrkei durch die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte (12. September 1980) reisten am 8. September 1984 Anh\u00e4nger linksextremer t\u00fcrkischer Gruppierungen aus dem gesamten Bundesgebiet zu Protestkundgebungen nach K\u00f6ln. An einem Aufzug der F\u00f6deration der t\u00fcrkischen demokratischen Arbeitervereine in Deutschland e.V. (DIDF) beteiligten sich rund 3.000 Personen, darunter auch Demonstranten aus Bayern sowie Gruppen der Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) und der von der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) - KPD - beeinflu\u00dften VOLKSFRONT. Am selben Tag nahmen in K\u00f6ln rund 150 Personen, darunter etwa 30 T\u00fcrken aus dem Raum N\u00fcrnberg, an einer Kundgebung der Gruppe Bolsevik Partizan der F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) teil. Die Demonstranten zeigten u.a. Transparente mit der Aufschrift \"Tod dem westdeutschen Imperialismus\". Beide Demonstrationen standen unter dem Motto \"Nieder mit der faschistischen Junta und der Marionettenregierung \u00d6zal\". Im Zusammenhang mit der vom \"Frankfurter Appell\" getragenen Kampagne gegen \"Rassismus und Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" (vgl. dazu 2. Abschnitt Nr. 2.4.3) ver\u00f6ffentlichte eine Reihe linksextremer t\u00fcrkischer Organisationen deutschsprachige Propagandaschriften, die das geltende Ausl\u00e4ndergesetz und die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung massiv angriffen. So unterstellte die Gruppe \"Partizan\" der ATIF den \"schmarotzerhaften Politikern\", mit \"Scheindiskussionen\" zu versuchen, \"das Ausl\u00e4ndergesetz zu versch\u00e4rfen und die Ausl\u00e4nder zu modernen willigen Sklaven zu machen\". Sie behauptete, Ausl\u00e4nderfeindlichkeit sei \"Staatspolitik\" und forderte, der \"Kampf gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" m\u00fcsse sich \"gegen den westdeutschen Imperialismus richten\". Die Spaltergruppe \"Bolsevik Partizan\" der ATIF machte den \"revanchistischen, militaristischen, westdeutschen Imperialismus\" f\u00fcr die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit verantwortlich, die dieser brauche, um \"die Spaltung der Arbeiter und Werkt\u00e4tigen aufrechtzuerhalten\". Die vom \"Frankfurter Appell\" durchgef\u00fchrten Aktionen seien abzulehnen. Stattdessen m\u00fc\u00dften \"Revolution\u00e4re\" den Kampf gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit mit dem Ziel einer \"sozialistischen Revolution in Westdeutschland\" revolution\u00e4r f\u00fchren. Die DIDF bezeichnete die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit als \"Teil der staatlichen Politik der Bundesregierung\", die von den \"etablierten Parteien CDU/CSU/FDP bewu\u00dft gesch\u00fcrt\" werde, und unterstellte dem Ausl\u00e4ndergesetz \"rassistische Eigenschaften\". 12.2 Rechtsextremisten Die Bestrebungen der Islamischen Union Europa e.V. mit Sitz in K\u00f6ln (vormals T\u00fcrkische Union Europa e.V.) werden seit Anfang 1984 von dem mit ihr schon bisher organisatorisch und ideologisch verbundenen Islamischen Zentrum K\u00f6ln e.V. (IZ) fortgesetzt. Das islamisch-extremistische IZ vertritt die politischen Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten Nationalen Heilspartei (MSP) und erstrebt die Reislamisierung der T\u00fcrkei sowie deren Integration in die islamische Staatenwelt. Dem Dachverband geh\u00f6ren in Bayern Zweiggruppen mit unterschiedlichen Bezeichnungen an, die im Regionalverband F\u00f6deration Islamischer Vereine und Gemeinden im Land Bayern e.V. vereinigt sind. 181","\"* ** ** DEMONSTRATION-YURUYUS Gegen Faschismus in der T\u00fcrkei 182","Zu einer Gro\u00dfveranstaltung eines MSP-orientierten Ausl\u00e4ndervereins am 26. Mai in M\u00fcnchen fanden sich rund 750 Teilnehmer ein. Der Hauptredner wandte sich gegen die derzeitige t\u00fcrkische Regierung, aber auch gegen die Demokratie im allgemeinen. Mit Zwischenrufen und Sprechch\u00f6ren feierten die Zuh\u00f6rer den iranischen Revolutionsf\u00fchrer Khomeini und forderten die Bildung eines theokratischen Staates in der T\u00fcrkei. Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. propagiert das Gedankengut der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten rechtsextremen Partei der Nationalen Bewegung (MHP). Sie gibt seit Februar anstelle ihres bisherigen Organs \"Vatana Hasret\" (Sehnsucht nach dem Vaterland) eine neue Monatszeitschrift mit dem Titel \"Anayurt\" (Heimat) heraus, die sich als \"wahre Stimme und Vertreter der T\u00fcrken fern der Heimat\" bezeichnete. Dem Dachverband sind im Bundesgebiet \u00fcber 80 t\u00fcrkische Organisationen mit rund 10.000 (1983: 15.000) Mitgliedern angeschlossen, darunter Ausl\u00e4ndervereine in F\u00fcrth, Ingolstadt, Kempten, Lauingen/Landkreis Dillingen, M\u00fcnchen, Nersingen/Landkreis Neu-Ulm, Neu-Ulm, N\u00fcrnberg, Regensburg, R\u00f6thenbach a.d. Pegnitz und W\u00fcrzburg. Die T\u00fcrkische Gemeinschaft in N\u00fcrnberg e.V., ein Mitgliedsverein der AD\u00dcTDF, veranstaltete am 3. M\u00e4rz in N\u00fcrnberg einen \"Folkloreabend\" mit rund 400 Teilnehmern aus ganz Bayern. Der zweite Vorsitzende der AD\u00dcTDF \u00d6ner Ihsan betonte in seiner Rede, die T\u00fcrken h\u00e4tten keinen Anla\u00df, ihre Herkunft zu verleugnen. Auch im Ausland sollten sie ihre Lebensweise nicht \u00e4ndern und wie freie T\u00fcrken und Mohammedaner leben. Gerade weil sie keine Europ\u00e4er und Christen seien, w\u00fcrden sie in der Bundesrepublik Deutschland vielfach unterdr\u00fcckt und mi\u00dfachtet. Im Zusammenleben mit der einheimischen Bev\u00f6lkerung m\u00fcsse man zur Erhaltung der eigenen Identit\u00e4t klarstellen, da\u00df man hier nur in Ruhe leben und arbeiten m\u00f6chte, ohne die \u00fcberlieferten Sitten und Gebr\u00e4uche aufzugeben. Bei einem Treffen des Unterfranken T\u00fcrk Islam Kultur-Verein e.V., W\u00fcrzburg, am 7. April in Schweinfurt sprach der erste Vorsitzende der AD\u00dcTDF Dr. Ali Batman vor rund 300 Zuh\u00f6rern \u00fcber den \"Wirtschaftsund Kulturimperialismus der Superm\u00e4chte\". Er verwies ferner auf wieder auflebende kommunistische Aktivit\u00e4ten in der T\u00fcrkei. Hauptaufgabe der AD\u00dcTDF im Bundesgebiet sei die Betreuung Jugendlicher, die durch westliche Einfl\u00fcsse wie Alkohol und Rauschgift besonders gef\u00e4hrdet seien. Der Verein t\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO), eine weitere Mitgliedsorganisation der AD\u00dcTDF, f\u00fchrte am 27. Mai in M\u00fcnchen eine \"Folkloreveranstaltung\" mit Dr. Ali Batman als Redner durch, an der rund 600 Personen teilnahmen. Im Veranstaltungslokal waren Zitate und Abbildungen eines in der T\u00fcrkei von Linksextremisten ermordeten MHP-Funktion\u00e4rs angebracht. Portr\u00e4ts und Spruchb\u00e4nder zu Ehren des in der T\u00fcrkei inhaftierten M HP-Vorsitzenden Alparslan T\u00fcrkes waren diesmal im Gegensatz zu fr\u00fcheren Veranstaltungen nicht festzustellen. 183","8. Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeines Die Spionage \u00f6stlicher Nachrichtendienste mu\u00df als Teil der Gesamtbestrebungen der Staaten des kommunistischen Machtbereichs gesehen werden, die westliche Gesellschaftsordnung als \"kapitalistisches System\" politisch, wirtschaftlich oder milit\u00e4risch zu bezwingen. Spionageabwehr ist deshalb Schutz des Staates und seiner freiheitlichen Ordnung, seiner Verteidigungsf\u00e4higkeit und der Leistungsf\u00e4higkeit seiner Wirtschaft. Die Bundesrepublik Deutschland ist seit Jahren bevorzugtes Angriffsziel gegnerischer Nachrichtendienste. Die besondere geographische und politische Lage unmittelbar an der Grenze zum kommunistischen Machtbereich, die herausragende Stellung im Nordatlantischen Verteidigungssystem sowie die auf einer hochentwickelten Wissenschaft, Forschung und Industrie beruhende wirtschaftliche Leistungsf\u00e4higkeit sind im wesentlichen die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Spionagebem\u00fchungen. Die geographische Lage sowie die Wirtschaftsstruktur sind auch Anla\u00df f\u00fcr besondere Aktivit\u00e4ten der Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereichs im Freistaat Bayern. Die st\u00e4rkste Spionagebedrohung ging dabei auch 1984 wieder von den Nachrichtendiensten der DDR aus, auf die rund 50 % der erkannten Aussp\u00e4hungsauftr\u00e4ge entfielen. An zweiter Stelle lag der Nachrichtendienst der CSSR mit etwa einem Drittel am Gesamtanteil der erkannten Auftr\u00e4ge. Nennenswerte Spionageaktivit\u00e4ten gingen im \u00fcbrigen von den Nachrichtendiensten Rum\u00e4niens, der UdSSR und Ungarns aus. Das Hauptinteresse der Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereichs galt 1984 der Milit\u00e4rund Wirtschaftsspionage. Die H\u00e4lfte aller erkannten Auftr\u00e4ge diente der Informationsgewinnung in diesen Bereichen. Der Milit\u00e4rspionage wird dabei nicht nur die Aussp\u00e4hung von Kasernen, Raketenbasen und Flugpl\u00e4tzen zugerechnet, sondern auch die Beschaffung aller milit\u00e4risch nutzbaren Informationen in westlichen Wirtschaftsunternehmen. Betroffen sind au\u00dfer der R\u00fcstungsindustrie vor allem die Elektronikindustrie, die Computertechnologie und die Energietechnik einschlie\u00dflich der Kernenergie. Der Anteil der erkannten politischen Aussp\u00e4hungsversuche war 1984 r\u00fcckl\u00e4ufig. Hier lag das Schwergewicht bei der Gewinnung von Informationen \u00fcber die Ostemigration sowie Landsmannschaften und Parteien. 184","Ein beachtlicher Teil der erkannten Auftr\u00e4ge war vorbereitender und unterst\u00fctzender Art. Hier war h\u00e4ufigste Zielrichtung die Abkl\u00e4rung von Personen und Objekten. Gegnerische Nachrichtendienste erteilen diese Auftr\u00e4ge \u00fcberwiegend zur Erprobung geworbener Agenten oder um weitere Personen ausfindig zu machen, die f\u00fcr eine sp\u00e4tere nachrichtendienstliche Zusammenarbeit geeignet erscheinen. Zielrichtung der erkannten Spionageauftr\u00e4ge Milit\u00e4r Politik Wirtschaft Sonstiges Wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit wurden 1984 durch das Bayerische Oberste Landesgericht zwei Personen (1983: drei) rechtskr\u00e4ftig zu Freiheitsstrafen von 22 bzw. 34 Monaten verurteilt. Auftraggeber waren die Nachrichtendienste der UdSSR und Jugoslawiens. 2. Informationsgewinnung Die Nachrichtendienste der Staaten des kommunistischen Machtbereiches sind bestrebt, Informationen \u00fcber allgemein zug\u00e4ngliche Quellen (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Fachzeitschriften, Prospekte, wissenschaftliche Ausarbeitungen und Angebote auf Messen), aber auch durch den Einsatz von Agenten zu beschaffen. Bei der sogenannten offenen Beschaffung aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen profitieren sie von unserer \"offenen Gesellschaft\" und ihrem darauf beruhenden freiheitlichen Informationssystem. Der Vorteil f\u00fcr die Dienste liegt u.a. darin, da\u00df sie weder konspirative Wege gehen noch nachrichtendienstliche Hilfsmittel mit ihren nicht v\u00f6llig kalkulierbaren Risiken einsetzen m\u00fcssen. Systematische Informationsbeschaffung f\u00fcr die Nachrichtendienste wird auch betrieben durch die sogenannten Legalen Residenturen in Botschaften, Konsulaten, Handelsmissionen sowie staatlichen oder teilweise staatlichen Firmen. Auch Informationsbesuche bei Firmen, Teilnahme an Fachtagungen oder Gespr\u00e4che im Rahmen des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches sind in das System der Informationsbeschaffung einbezogen. Die Gespr\u00e4chspartner aus 185","den Staaten des Ostblocks sind in aller Regel verpflichtet, nach R\u00fcckkehr in ihr Heimatland einen Bericht \u00fcber die Gespr\u00e4chspartner sowie die Gespr\u00e4chsinhalte abzugeben. 3. Agentenwerbung Nach wie vor kommt dem Einsatz von Agenten gro\u00dfe Bedeutung zu. Diese werden entweder systematisch in interessante Objekte eingeschleust oder als Angeh\u00f6rige solcher Einrichtungen zur Mitarbeit geworben. Bei der Werbung wird auch vor der Anwendung von Druckmitteln nicht zur\u00fcckgeschreckt. Sehr interessiert sind die Nachrichtendienste an der Anwerbung von Studenten, die eine f\u00fcr nachrichtendienstliche Zwecke geeignete Fachrichtung studieren. Sie werden als sogenannte Perspektivagenten gef\u00fchrt, bis sie oft lange nach Beendigung ihres Studiums in einflu\u00dfreiche Positionen gelangen. Werbungsansprachen erfolgen h\u00e4ufig bei Besuchsoder Gesch\u00e4ftsreisen von Bewohnern der Bundesrepublik Deutschland in ein Land des Ostblocks. Das Angebot g\u00fcnstiger Urlaubsaufenthalte sowie eine pl\u00f6tzliche Kontaktaufnahme durch nur fl\u00fcchtig bekannte Personen kann die Vorbereitung zu einem Werbungsversuch sein. Bei Werbungsgespr\u00e4chen erweist sich zur Zeit das Thema \"Frieden\" als besonders geeigneter Ankn\u00fcpfungspunkt. Die nachfolgenden F\u00e4lle sollen beispielhaft aufzeigen, wie Nachrichtendienste kommunistischer Staaten durch Drohungen und Anbieten von Verg\u00fcnstigungen Personen zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit verpflichten. Die Gestattung bzw. Ablehnung von Besuchsreisen zu Angeh\u00f6rigen im kommunistischen Machtbereich ist dabei ein besonders oft angewandtes Lockbzw. Druckmittel: Im Zusammenhang mit privaten Reisen nach Ungarn wurde ein deutscher Gesch\u00e4ftsmann bei der Vorsprache in der \u00f6rtlichen Ausl\u00e4nderpolizeibeh\u00f6rde von Angeh\u00f6rigen des Sicherheitsdienstes angesprochen und f\u00fcr Spionageauftr\u00e4ge in der Bundesrepublik Deutschland geworben. Als Gegenleistung wurden ihm Reiseerleichterungen zugesagt. F\u00fcr den Fall seiner Weigerung wurde ihm angedroht, er d\u00fcrfe nie mehr zu seiner Freundin und seinem Kind nach Ungarn reisen. Als ein in die Bundesrepublik Deutschland gefl\u00fcchteter tschechoslowakischer Staatsangeh\u00f6riger bei der Konsularabteilung seiner Botschaft im Bundesgebiet einen Antrag auf Entlassung aus dem Staatsverband der CSSR stellte, wurde ihm angeraten, stattdessen einen Konsularpa\u00dfzu beantragen. Dieser werde unverz\u00fcglich ausgestellt, um ihm, der inzwischen die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit besa\u00df, die baldige Reise zu seinen Verwandten in die CSSR mit vielen Vorteilen zu erm\u00f6glichen. Als er sich darauf einlie\u00df, wurde ihm einige Tage nach seinem Eintreffen in der CSSR deutlich zu verstehen gegeben, da\u00df er nur dann erneut einreisen k\u00f6nne und man auf Strafverfolgung verzichten werde, \"wenn er sich seinem Heimatland gegen\u00fcber dankbar erweise\". In einem weiteren Fall hatte ein Rum\u00e4niendeutscher bereits in seiner fr\u00fcheren Heimat Informationen f\u00fcr den Nachrichtendienst beschafft und daf\u00fcr mehrere Besuchsreisen in die Bundesrepublik Deutschland genehmigt erhalten. Als er auf seinen Antrag hin in das Bundesgebiet \u00fcbersiedeln durfte, wurde er verpflichtet, nach Abschlu\u00df des Einb\u00fcrgerungsverfahrens mit seinem F\u00fchrungsoffi186","zier in Rum\u00e4nien Kontakt aufzunehmen. \u00dcber einen Mittelsmann w\u00fcrden ihm die weiteren Einzelheiten f\u00fcr die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mitgeteilt werden. Ist eine nachrichtendienstliche Verstrickung entstanden, hat derjenige nichts zu bef\u00fcrchten, der sich rechtzeitig offenbart. Es wird deshalb nachdr\u00fccklich darauf hingewiesen, da\u00df sich alle Personen, die dem Staatssicherheitsdienst der DDR oder einem anderen Nachrichtendienst vor \u00dcbersiedlung, bei Besuchsoder Gesch\u00e4ftsreisen oder anl\u00e4\u00dflich von Urlaubsoder Studienaufenthalten ihre Mitarbeit zugesagt haben, der zust\u00e4ndigen Verfassungsschutzbeh\u00f6rde anvertrauen sollten. Nach dem in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Recht k\u00f6nnen sie auf diese Weise mit Straffreiheit oder Strafminderung rechnen. 4. Agentenf\u00fchrung Eine nachrichtendienstliche Verbindung erfordert funktionierende Weisungsstr\u00e4nge und Verbindungswege. Sie werden durch pers\u00f6nliche Kontakte des Agenten mit seinem F\u00fchrungsoffizier im Ostblock oder mit sogenannten \"operativen Reisekadern\" im Bundesgebiet hergestellt. Ferner werden nachrichtendienstliche Hilfsmittel wie Container, verschl\u00fcsselte Funkdurchsagen, gef\u00e4lschte Ausweise oder Geheimschriftverfahren benutzt. Die \"operativen Reisekader\" werden im Bundesgebiet als Instrukteure oder Kuriere eingesetzt. Instrukteure haben die Aufgabe, im Auftrag der F\u00fchrungsstelle dem Agenten Weisungen zu erteilen, ihn fachlich und politisch anzuleiten und beschafftes Informationsmaterial zu \u00fcbernehmen. Kuriere sind in der Regel nur f\u00fcr den Informationsaustausch \u00fcber sogenannte \"Tote Briefk\u00e4sten\" zust\u00e4ndig. \"Operative Reisekader\" reisen in das Bundesgebiet entweder unter einer Falschidentit\u00e4t mit gef\u00e4lschten Reisepapieren ein oder treten als \"offizielle Reisekader\", z.B. als Wissenschaftler oder Monteure, mit dienstlichem Auftrag und entsprechenden dienstlichen Reisepapieren auf oder geben sich als private Besuchsreisende aus. Nach wie vor ist die h\u00e4ufigste Methode zur \u00dcbergabe nachrichtendienstlichen Materials und zur Versorgung des Agenten mit Anweisungen und Geld der pers\u00f6nliche Treff. Solche Begegnungen wurden von den Nachrichtendiensten der DDR aus Sicherheitsgr\u00fcnden vornehmlich im eigenen Machtbereich abgewickelt. Agenten und F\u00fchrungspersonen kommen im westlichen Ausland in der Regel erst zusammen, wenn eine entsprechende Vertrauensbasis besteht und Reisen in den kommunistischen Machtbereich eine Gef\u00e4hrdung des Agenten bedeuten w\u00fcrden. Der freiz\u00fcgig gestaltete Reiseverkehr in die Bundesrepublik Deutschland und insbesondere das geteilte Berlin erm\u00f6glichen einen \u00dcbertritt von Ost nach West und umgekehrt relativ risikolos. Umgekehrt sichert das perfekte \u00dcberwachungssystem an der Grenze und am Aufenthaltsort dem \u00f6stlichen Nachrichtendienst die Information \u00fcber die Anwesenheit seines Agenten auch dann, wenn dieser in den betreffenden Staat einreist, ohne seinen F\u00fchrungsoffizier hiervon zu unterrichten. Verratsmaterial und nachrichtendienstliche Hilfsmittel, wie gef\u00e4lschte Ausweise oder Verschl\u00fcsselungsunterlagen, werden in aller Regel verdeckt transportiert und hinterlegt. Solche Transportbeh\u00e4ltnisse oder Verstecke werden als Contai187","ner bezeichnet. Wie die folgenden Abbildungen zeigen, werden insbesondere Gebrauchsartikel als Container pr\u00e4pariert. Durch die Manipulation wird die Gebrauchsoder Funktionsf\u00e4higkeit des Gegenstandes kaum beeintr\u00e4chtigt. So wurde z.B. eine mit echtem Fruchtsaft gef\u00fcllte Fruchtsaftdose mit doppeltem Boden, der mittels eines Linksgewindes abgeschraubt werden konnte, als Transportmittel f\u00fcr bespielte Tonb\u00e4nder benutzt. Dem Transport von falschen Personalausweisen, Geld, schriftlichen Informationen oder nachrichtendienstlichen Hilfsmitteln dienen spezielle Mappen oder Taschen, die innen mit einem verschlie\u00dfbaren Geheimfach ausgestattet sind. F\u00fcr Uneingeweihte ist im geschlossenen Zustand weder das Fach noch der Verschlu\u00df erkennbar. Die abgebildete Schreibmappe enth\u00e4lt ein durch Klebeverschlu\u00df verborgenes Geheimfach, in dem ein gef\u00e4lschter Reisepa\u00df transportiert wurde. Im Boden der abgebildeten Aktentasche befindet sich ein durch eine Metallplatte und einen Klettverschlu\u00df gesichertes Geheimversteck f\u00fcr eine Minox-Kamera. Zur Aufbewahrung von Verschl\u00fcsselungsunterlagen diente das abgebildete Geheimversteck, das auf der (nicht abgebildeten) Vorderseite als Intarsienbild ausgef\u00fchrt ist. Durch Eindr\u00fccken zweier Nadeln an bestimmten Punkten wird ein Druckfederverschlu\u00df bet\u00e4tigt und das Geheimfach ge\u00f6ffnet, das die Verschl\u00fcsselungsunterlagen enth\u00e4lt. 188","189","5. Ausreisen aus dem kommunistischen Machtbereich Die Ausreise von Bewohnern der DDR in die Bundesrepublik Deutschland erreichte im Fr\u00fchjar 1984 einen H\u00f6hepunkt. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als vor allem Rentner \u00fcbersiedeln durften, kamen insbesondere Angeh\u00f6rige mittlerer und j\u00fcngerer Jahrg\u00e4nge in das Bundesgebiet. Dabei fiel auf, da\u00df sich unter diesen \u00dcbersiedlern erstaunlich viele gut ausgebildete Akademiker im Alter zwischen 25 und 45 Jahren befanden. Die DDRBeh\u00f6rden bewilligten im Gegensatz zur fr\u00fcheren Praxis eine gro\u00dfe Anzahl von Antr\u00e4gen innerhalb ganz kurzer Frist. 1984 zogen aus der DDR 40.000 Personen zu. Bis 1983 lag dagegen die j\u00e4hrliche Zahl der \u00dcbersiedler zwischen 10.000 und 13.000. Hinzu kamen 1984 rund 35.000 Aussiedler, die legal aus dem \u00fcbrigen kommunistischen Machtbereich (au\u00dfer DDR) ins Bundesgebiet einreisten, und weitere rund 35.000 Ausl\u00e4nder aus dem kommunistischen Machtbereich, die in der Bundesrepublik Deutschland Asyl beantragten, so da\u00df 1984 insgesamt rund 110.000 Personen aus dem kommunistischen Machtbereich in die Bundesrepublik Deutschland kamen. Es steht fest, da\u00df die Nachrichtendienste des Ostblocks auch die \u00dcbersiedlung in die Bundesrepublik Deutschland dazu nutzen, Agenten einzuschleusen. Dabei arbeiten diese Nachrichtendienste auf lange Sicht, so da\u00df \"Erfolge\" erst mehrere Jahre nach der \u00dcbersiedlung in das Bundesgebiet sichtbar werden, wenn sich der Geworbene im Bundesgebiet eingelebt und eine f\u00fcr den \u00f6stlichen Nachrichtendienst interessante Position erreicht hat. 190","Die Einschleusung von Agenten im Wege der \u00dcbersiedlung ist f\u00fcr die Nachrichtendienste des Ostblocks relativ risikolos. In der DDR zum Beispiel l\u00e4uft jeder Ausreiseantrag \u00fcber das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit (MfS). Dabei wird gepr\u00fcft, ob der Ausreisewillige f\u00fcr nachrichtendienstliche Zwecke geeignet erscheint. H\u00e4ufig wird dann die Zwangslage der Antragsteller zur Verpflichtung f\u00fcr eine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit ausgen\u00fctzt oder es werden die verschiedensten Vorteile nach einer Verpflichtung zur Spionaget\u00e4tigkeit in Aussicht gestellt, zum Beispiel die beschleunigte Bearbeitung des Ausreiseantrages oder die M\u00f6glichkeit zu Verwandtenbesuchen nach der Ausreise. 6. Wirtschaftsspionage In den Ostblockstaaten l\u00e4uft seit Jahren ein systematisches TechnologieBeschaffungsprogramm mit dem Ziel, den Vorsprung der westlichen Industriel\u00e4nder in bestimmten Technologiebereichen aufzuholen und die milit\u00e4rische R\u00fcstung zu unterst\u00fctzen. Den hohen Stellenwert der Wirtschaftsspionage zeigt die im Jahre 1979 bekannt gewordene Selbsteinsch\u00e4tzung des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (MfS), wonach bei einem Aufwand von 5 Millionen Mark f\u00fcr Beschaffungskosten allein auf dem zivilen Sektor der Industrie j\u00e4hrlich etwa 300 Millionen Mark an Forschungsund Entwicklungskosten eingespart wurden. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, da\u00df der durch die Wirtschaftsspionage verursachte Schaden f\u00fcr die Volkswirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland noch wesentlich h\u00f6her ist als der Betrag der im Ostblock ersparten Forschungsund Entwicklungskosten. Die \u00f6stlichen Nachrichtendienste sind in die Technologiebeschaffung miteinbezogen und verf\u00fcgen \u00fcber gro\u00dfe Organisationseinheiten f\u00fcr Wirtschaftsspionage. In das sowjetische System der Beschaffung milit\u00e4risch nutzbarer Informationen sind auch das Komitee f\u00fcr Staatssicherheit (KGB) und der milit\u00e4rische Nachrichtendienst GRU als Beschaffungsorgane eingebaut, die den vom \"Komitee des Pr\u00e4sidiums des sowjetischen Ministerrates f\u00fcr Angelegenheiten der R\u00fcstungsindustrie\" (VPIK) erstellten Wunschund Auftragskatalog erhalten. Im Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (MfS) besteht ein sogenannter \"Sektor Wissenschaft und Technik\" der \"Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung\", der sich aus vier Abteilungen zusammensetzt. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Beschaffung im Bereich Wirtschaftsund Industriespionage sind die Abteilung XIII f\u00fcr Grundlagenforschung und Kerntechnik, die Abteilung XIV f\u00fcr Elektronik und die Abteilung XV f\u00fcr Maschinenund Fahrzeugbau. Die Auswertung der in diesen Abteilungen beschafften Erkenntnisse obliegt der Abteilung V. Die Wirtschaftsspionage der Ostblockstaaten erstreckt sich auf nahezu alle Wirtschaftsbereiche. Schwerpunkte sind die R\u00fcstungsindustrie und ihre Zulieferfirmen, die Elektronikindustrie und die Mikroelektronik, die Computertechnologie, die Energietechnik einschlie\u00dflich der Kernenergie, die Luftund Raumfahrttechnik sowie die chemische Industrie. Dabei konzentriert sich das Interesse auf leistungsf\u00e4hige und milit\u00e4risch nutzbare Technologien. Zur Informationsbeschaffung werden legale wie illegale Mittel eingesetzt. Neben der systematischen Auswertung allgemein zug\u00e4nglicher Quellen (z.B. Prospekten, Fachliteratur, Forschungsberichten) und Absch\u00f6pfungsversuchen bei 191","Firmenbesuchen, Tagungen, Kongressen und wissenschaftlichen Veranstaltungen werden auch Agenten in die Wirtschaftsbetriebe eingeschleust. Einen wesentlichen Anteil an der nachrichtendienstlichen Informationsbeschaffung hat der illegale Technologietransfer. Auf diese Weise wird insbesondere Spitzentechnologie beschafft, die in den NATO-Staaten gesetzlichen Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen unterliegt, und unter Umgehung der Embargobestimmungen in den Ostblock verbracht. Mehrere Staaten des Ostblocks, insbesondere die Sowjetunion und die DDR, verf\u00fcgen \u00fcber ein gut organisiertes H\u00e4ndlernetz im Westen, das in der Lage ist, selbst hochtechnisierte milit\u00e4rische Ger\u00e4te zu beschaffen. Dabei spielen die sogenannten gemischten Firmen - Kapitalgesellschaften, an denen neben westlichen Partnern osteurop\u00e4ische Staatshandelsuntemehmen beteiligt sind - eine wichtige Rolle. Zur \u00dcberf\u00fchrung der Embargog\u00fcter werden die unterschiedlichsten Verschleierungsmittel benutzt, wie F\u00e4lschung der Ausfuhrpapiere, Einbau der Ger\u00e4te in Waren, die nicht dem Ausfuhrverbot unterliegen, T\u00e4uschung \u00fcber den Endverbleib oder Einschaltung mehrerer Zwischenh\u00e4ndler und Briefkastenfirmen. So werden Embargog\u00fcter z.B. unter falscher Deklarierung \u00fcber Zwischenh\u00e4ndler in L\u00e4nder ohne Ausfuhrbeschr\u00e4nkung (Schweiz, \u00d6sterreich, Schweden) verbracht, von wo aus sie ungehindert in den Ostblock gelangen. H\u00e4ufig wird auch der weitgehend kontrollfreie Ausreiseverkehr aus der Bundesrepublik Deutschland nach Berlin (West) \u00fcber die Transitstrecken ausgenutzt. So werden kleinere Embargog\u00fcter als Handgep\u00e4ck getarnt im Pkw in die DDR gebracht und auf Parkpl\u00e4tzen an den Transitstrecken \u00fcbergeben. Bei gro\u00dfen Embargog\u00fctern erfolgt der Transport mit Lastkraftwagen, wobei sie meist als Umzugsgut deklariert werden. 7. Beispiele \u00f6stlicher Spionage in der Bundesrepublik Deutschland 7.1 R\u00fcstungsspionage Der Spionagefall Rotsch macht das bevorzugte Ziel \u00f6stlicher Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen deutlich: die Wirtschaftsunternehmen der Bundesrepublik Deutschland, insbesondere im r\u00fcstungsindustriellen Bereich. Der jetzt 60j\u00e4hrige Manfred Rotsch wurde 1953, als er noch in der DDR lebte, vom sowjetischen KGB angeworben und umfassend nachrichtendienstlich ausgebildet. 1954 \u00fcbersiedelte er in die Bundesrepublik Deutschland mit dem Auftrag, sich um eine Stelle in der Flugzeugindustrie zu bewerben. Ab 1955 arbeitete er bei verschiedenen Firmen. Schlie\u00dflich fand er Anstellung bei der Firma Junkers Flugzeugbau, die sp\u00e4ter vom MBB-Konzern \u00fcbernommen wurde. Seitdem lieferte Rotsch, zuletzt Abteilungsleiter im Bereich Flugzeugbau bei Messerschmitt-B\u00f6lkow-Blohm, bei zahlreichen konspirativen Treffen Informationen \u00fcber Entwicklungsprojekte aus der Luftund Raumfahrt. Rotsch wurde am 20.09.1984 festgenommen. Die Ermittlungen werden im Auftrag des Generalbundesanwalts vom Bundeskriminalamt gef\u00fchrt. 7.2. Politische Spionage Am 31.07.1984 wurde der 63j\u00e4hrige Fregattenkapit\u00e4n a.D. Reichenburg wegen des Verdachts der geheimdienstlichen T\u00e4tigkeit f\u00fcr eine fremde Macht festge192","nommen. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte ihn inzwischen wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit in einem besonders schweren Fall zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Reichenburg war kurz nach seinem Eintritt in die Bundeswehr von einem Mitarbeiter des Ministeriums f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (MfS) mit dem Decknamen \"Schneider\" geworben worden. Seit etwa 1970 unterhielt Reichenburg regelm\u00e4\u00dfigen Kontakt zu Angeh\u00f6rigen des MfS und lieferte umfangreiches Material aus seinen T\u00e4tigkeitsbereichen. Bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1978 war Reichenburg in der Bundeswehr vorwiegend als Spezialist f\u00fcr psychologische Verteidigung eingesetzt. Ferner arbeitete er f\u00fcr die \"Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Sozialbeziehungen e.V.\", die haupts\u00e4chlich Soldaten der Nationalen Volksarmee betreut, die aus der DDR in den Westen fl\u00fcchteten. Nach der Pensionierung bet\u00e4tigte er sich in einem Privatunternehmen zur Bek\u00e4mpfung der Wirtschaftsspionage. Umfangreiche Vorermittlungen des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz f\u00fchrten im Juli 1984 zur Festnahme eines 42j\u00e4hrigen Pressefotografen. Zielrichtung der Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen war in diesem Fall eine politische Partei. Bei seiner Festnahme w\u00e4hrend einer Reise nach Berlin (Ost) konnte belastendes Material sichergestellt werden. Der Agent wurde zwischenzeitlich vom Bayerischen Obersten Landesgericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. 7.3 Werbung von Studenten Ein weiterer Spionagefall zeigt, da\u00df Ost-Berlin sein Augenmerk vor allem auf die Gewinnung von Agenten richtet, die gute Voraussetzungen zum Aufstieg in F\u00fchrungspositionen in Wirtschaft und Verwaltung bieten. Am 12.09.1984 wurde in K\u00f6ln ein 42j\u00e4hriger DiplomWirtschaftswissenschaftler aus Berlin (Ost) festgenommen, der fast 15 Jahre lang im Auftrag des MfS als Reisender und Werber im n\u00f6rdlichen Bundesgebiet unterwegs war. Er reiste regelm\u00e4\u00dfig unter wechselnden Falschnamen und mit gef\u00e4lschten Ausweisen in die Bundesrepublik Deutschland ein, um in Universit\u00e4tsst\u00e4dten Studenten abzukl\u00e4ren und anzuwerben. Als angeblicher Marktforscher, Industrieberater oder Beauftragter interessierter Wirtschaftskreise vergab er \u00fcber die studentische Arbeitsvermittlung an Studenten \"Nebenbesch\u00e4ftigungen\", die insbesondere den Auftrag zum Sammeln statistischer Wirtschaftsdaten umfa\u00dften. Dabei wurde den Studenten jeweils eine Erkl\u00e4rung zur Unterschrift vorgelegt, die zur Mitarbeit und Geheimhaltung verpflichten sollte und den Anschein einer arbeitsvertraglichen Bindung mit Zusage eines monatlichen Festbetrags erweckte. Ein Musterbeispiel f\u00fcr die T\u00e4tigkeit eines sogenannten Perspektivagenten bietet auch folgender Fall: Anl\u00e4\u00dflich eines Verwandtenbesuches in der DDR im Jahre 1970 wurde ein jetzt 35j\u00e4hriger Beamter des h\u00f6heren Dienstes als Student nachrichtendienstlich verpflichtet. Er erhielt den Auftrag, sich nach Abschlu\u00df seines Studiums um Einstellung bei einer Bundesbeh\u00f6rde zu bewerben. Diesem Auftrag entsprechend lie\u00df er sich in den \u00f6ffentlichen Dienst einstellen und war bis zu seiner Festnahme Mitarbeiter einer Sicherheitsbeh\u00f6rde. Aufgrund seiner zuletzt erreichten 193","Stellung hatte er erhebliche Zugangsm\u00f6glichkeiten zu internen Vorg\u00e4ngen im Sicherheitsbereich und konnte daher seine Auftraggeber umfassend unterrichten. Der Beamte war vom MfS in Ost-Berlin geheimdienstlich ausgebildet worden und verf\u00fcgte \u00fcber Hilfsmittel zur konspirativen \u00dcbermittlung von Informationen. Die Treffen mit dem gegnerischen Nachrichtendienst erfolgten sowohl im Bundesgebiet als auch in der DDR. Zu den Treffen in der DDR wurde er \u00fcber die \"gr\u00fcne Grenze\" geschleust, einmal auch in Bayern. 7.4 Nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit aus \"legalen Residenturen\" Im September 1984 bat ein rum\u00e4nischer Geheimdienstoffizier, der der Botschaft seines Landes in Bonn angeh\u00f6rte, im Bundesgebiet um Asyl. Aufgrund seiner Angaben konnten mehrere Angeh\u00f6rige der rum\u00e4nischen Botschaft als Offiziere des rum\u00e4nischen Nachrichtendienstes enttarnt werden. Diesen werden insbesondere auch kriminelle Handlungen zur Last gelegt, u.a. die Auskundschaftung von Radio Free Europe in M\u00fcnchen und die Vorbereitung eines Sprengstoffanschlags auf den Sender. Nachdem ihnen die Ausweisung angedroht worden war, verlie\u00dfen sie im November 1984 die Bundesrepublik Deutschland. 194","Anhang1 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (GVBI S. 467) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben; 195","2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. 196","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft.*) *) Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950 (BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 197","Anhang 2 Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16/28. Jahrgang Amtliche Ver\u00f6ffentlichung 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 Nr. A I 3 - 180-6-84 Die bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft: 1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern - darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; - sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 198","2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungsantrages. 2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze. II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1* schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. * nicht abgedruckt 199","3. Bestehen auf Grund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweitig bekannt gewordenen Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am 1. April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel 200","Anhang 3 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Titel zuzuordnen antifaschistischer jugenddienst VVN-BdA Antifaschistische Nachrichten VVN-BdA antifaschistische rundschau VVN-BdA Arbeiterkampf (AK) KB Argumentation, Information, Dokumentation (AID) VVN-BdA Augsburger Hochschulzeitung MG Bayern-Stimme NPD Blatt - Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen undogmatische Neue Linke Das Freie Forum GfP Das Korps ANS/NA Demokratischer Informationsdienst (DID) ASKo Denk mit! Denk-mit-Verlag Der Adlerf\u00fchrer JBA Der Fackeltr\u00e4ger DBI Der Kommunist KPD Der M\u00fcnchener Spie\u00dferschreck WJ Deutsche Monatshefte T\u00fcrmer-Verlag Deutsche National-Zeitung (DNZ) DSZ-Verlag 201","Titel zuzuordnen Deutsche Volkszeitung / die tat VVN-BdA/DFU Die Deutschen Nationaldemokraten informieren NPD Deutscher Anzeiger (DA) DVU Deutscher Jahrweiser DBI Deutsche Stimme NPD Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) Deutsche Verlagsgesellschaft Deutsche Zukunft BIA Die Innere Front ANS/NA Die Kameradschaft ANS/NA Die Neue Front (NF) ANS/NA Die Standarte - Zeitung der Nationale Basisgruppen Nationalen Basisgruppen die Tageszeitung (taz) undogmatische Neue Linke effektiv VVN-BdA Eiserne Faust NVF elan, das Jugendmagazin SDAJ Erlanger Hochschulzeitung MG freiraum AFS Friedenszeitung KFAZ frontal SHB Huttenbriefe f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Freundeskreis Ulrich Recht von H\u00fctten JN-Bayern Info JN -Info -Konkret -Orgblitz -Pressedienst -SZ-Info-Dienst Junge Stimme JN K\u00e4mpfende Jugend BDP/BDJ - LV Bayern Kommune - Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie KBW 202","Titel zuzuordnen KOMMUNIST DKP-HG Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) AB Kommunistische Hefte KPD k\u00fcrbiskern DKP-nahe Zeitschrift lernen und k\u00e4mpfen (luk) MLPD Marxistische Arbeiterzeitung (MAZ) MG Marxistische Bl\u00e4tter DKP Marxistische Schulzeitung MG MSZ Marxistische Zeitung -gegen die Kosten MG der Freiheit Mauerbruch Autonome N\u00fcrnberg Mauerspringer - Zeitung im geteilten JN Deutschland Mensch und Ma\u00df Verlag Hohe Warte M\u00fcnchner Hochschulzeitung MG NACHRICHTEN zur Wirtschaftsund SozialDKP-nahe Zeitschrift politik/Gewerkschaftsspiegel Nachrichten-Austausch-Dienst (NAD) Walter Ochensberger Nachrichten der HNG HNG Nation Europa (NE) NE-Verlag Neue Anthropologie GfbAEV NHB-Report NHB NPD-aktuell NPD - Frankenspiegel - Info-Blitz NS Kampfruf NSDAP-AO N\u00fcrnberger Hochschulzeitung MG Odalbrief WJ offensiv SHB Pazifix BIFA u.a. 203","Titel zuzuordnen Pionier JP Pionierleiterinformationen JP Politische Berichte BWK praxis DKP Profil NPD radikal Autonome Berlin (West) Rebell RJVD Regensburger Hochschulzeitung MG Resultate MG Revolution\u00e4rer Weg MLPD rote blatter MSB Spartakus Rote Fahne MLPD roter Maulwurf RSJ Roter Morgen KPD Roter Pfeil MLSV R\u00fchrt Euch ADS Sieg Walter Ochensberger taz (die tageszeitung) undogmatische Neue Linke tendenzen - Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst DKP-nahe Zeitschrift Unsere Arbeit JBA Unsere Zeit (UZ) DKP-Zentralorgan Volksecho VOLKSFRONT was tun GIM Wikinger WJ Willibald JP W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MG Zivilcourage - Das antimilitaristische Magazin DFG-VK Zur Sache RBK 204","Abk\u00fcrzungsverzeichnis AAR Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung - Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung 114 AB Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD 72, 156, 178 AD\u00dcTDF F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa 183 ADS Arbeitskreis Demokratischer Soldaten 51 AFS Anarchistische F\u00f6deration S\u00fcdbayern 83, 85 AG-FLV Arbeitsgemeinschaft freies Landvolk 69 AID Argumentation, Information, Dokumentation 59 AKON Aktion Deutsche Einheit 112 AKSA Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland 173 ANS/NA Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationale Aktivisten 113,114,127 ARF Aktion deutsches Radio und Fernsehen 112 ASKo Anti-Strau\u00df-Komitee 74 AStA Allgemeiner Studentenausschu\u00df 155,158 ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland 176, 181 ATTF F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa 174 BAF Bundeskongre\u00df autonomer Friedensgruppen 87 BDP/BDJ Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer LV Bayern Jugend - Landesverband Bayern 74 BHJ Bund Heimattreuer Jugend 97 BIA B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 107 BIFA M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung 57, 59, 64, 88 BIRKOM Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland 180 BP Bolsevik Partizan 176 BUF Bundeskongre\u00df unabh\u00e4ngiger Friedensgruppen 87 BWK Bund Westdeutscher Kommunisten 76 CISNU Conf\u00f6deration Iranischer Studenten - National Union 168 205","COBRA Comite Objectiv entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste 118 DA Deutsche Aktionsgruppen 120 DA Deutscher Anzeiger 110 DB Deutscher Block 122 DBI Deutsche B\u00fcrgerinitiative 120 DDF Die Deutsche Freiheitsbewegung 126 DFF Deutsche Frauenfront 116 DFI Demokratische Fraueninitiative 64, 66 DFG-ldK Deutsche Friedensgesellschaft - Internationale Kriegsdienstgegner 61 DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte Kriegsdienstgegner 61, 66, 87, 93 DFLP Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 166 DFL) Deutsche Friedens-Union 56, 59, 64, 87, 88, 94 DID Demokratischer Informationsdienst 74 DIDF F\u00f6deration der t\u00fcrkischen demokratischen Arbeitervereine in Deutschland 180 DKEG Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes 97 DKG Deutsche Kulturgemeinschaft 125 DKP Deutsche Kommunistische Partei 16, 17, 52, 63, 64, 66, 86, 90, 94, 167, 174, 175 DKP-HG DKP-Hochschulgruppen 149 DNZ Deutsche National-Zeitung 110,128 DRP Deutsche Reichspartei 101 DVG Deutsche Verlagsgesellschaft mbH 130 DVU Deutsche Volksunion 108 DWZ Deutsche Wochen-Zeitung 130 E.KO.N. Griechische Kommunistische Jugend \"Rigas Fereos\" 167 Rigas Fereos ELF Eritreische Befreiungsfront 165 EPLF Eritreische Volksbefreiungsfront 165 ER Ehrenbund Rudel - Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten 112 FAP Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei 118 FDJ Freie Deutsche Jugend 49, 52, 74 FeykaF\u00f6deration der patriotischen Arbeiter-Kulturvereine in der Kurdistan Bundesrepublik Deutschland 172 206","FG-BRDFreundschaftsgesellschaft BundesCuba e.V. republik Deutschland-Kuba 55 FG-BRDGesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern Vietnam in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam 56 FIDEF F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland 174 FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien 169 FIR Federation Internationale des Resistants 16, 59 FK Freundeskreis Deutsche Politik 114 F.N.E. Faisceaux Nationalistes Europeens 135 FZ-Verlag Freiheitlicher Zeitungsverlag GmbH 128 GfbAEV Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung 126 GfP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik 124 GIM Gruppe Internationale Marxisten - Deutsche Sektion der IV. Internationale 80 GNN Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH 76 GRU milit\u00e4rischer Nachrichtendienst der Sowjetunion 191 GUAfS Generalunion der Afghanischen Studenten im Ausland 165 GUAfS Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten 165 HDP Kroatische Staatsbildende Bewegung 170 HKO Koordinationsausschu\u00df des Kroatischen Nationalrates 170 HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale und politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige 118 HNO Kroatisches Nationalkomitee in Europa 170,171 HNV Kroatischer Nationalrat 170 HRK Befreiungseinheiten Kurdistans 172 l.f.A. Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung 112 IMSF Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung 27, 36 ISVM Iranischer Studentenverein M\u00fcnchen 168 IVDJ Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen 65 IZ Islamisches Zentrum K\u00f6ln 181 JBA Jugendbund Adler 122 JCC Jugendclub Courage 61 JN Junge Nationaldemokraten 105, 158 JP Junge Pioniere - Sozialistische Kinderorganisation 47, 52 KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands 69 KAZ Kommunistische Arbeiterzeitung 173 207","KB Kommunistischer Bund 75 KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland 76, 77 KFAZ Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 59, 61, 64, 87 KGB sowjetischer Nachrichtendienst 191 KHB Kommunistischer Hochschulbund 73, 155, 156 KKDK Fortschrittlich-Demokratische Arbeitervereine Kurdistans 172 KKEKommunistische Partei Griechenlands (Ausland) 167 Ausland KKEKommunistische Partei Griechenlands (Inland) 167 Inland KNE Kommunistische Jugend Griechenlands 167 KOMKAR F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland 171 KPCh Kommunistische Partei Chinas 67 KPD Kommunistische Partei Deutschlands 77 KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion 16, 41, 87, 167 KURD-KOM F\u00f6deration der Vereinigten Arbeitervereine Kurdistans 172 KVH Kurdische Volksh\u00e4user 172 LAF Liste AStA und Fachschaften 150, 158 LiLi Linke Liste 158 MAB Marxistische Arbeiterbildung 35 MASCH Marxistische Abendschulen 35 MAZ Marxistische Arbeiterzeitung 81 MfS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR 191,193 MG Marxistische Gruppen 80, 153, 156, 158 MHP Partei der Nationalen Bewegung 183 M.I.DER T\u00fcrkischer Arbeiterverein in M\u00fcnchen 176 MLBI Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller 72 MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands 69, 181 MLSV Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband 72, 149, 158 MSB Marxistischer Studentenbund Spartakus 47, 51, 56, 64, Spartakus 66, 149, 150, 175 MSI-DN Movimento Sociale Italiano - Destra Nazionale 169 MSP Nationale Heilspartei 181 MSV Moslemische Studentenvereinigungen 169 MSZ Marxistische Studentenzeitung 81,153 M\u00dcO Verein t\u00fcrkischer Idealisten, M\u00fcnchen 183 NAD Nachrichten-Austausch-Dienst 135 NE Nation Europa (Monatszeitschrift) 130 208","NF Die Neue Front 114 NF Nationalistische Front 120 NF-BSN Nationale Front - Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten 120 NHB Nationaldemokratischer Hochschulbund 106, 156, 158 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 99 NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 117,120 NSDAP-AO NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation 127, 134, 156 NVF Nationale Volksfront 119 OEFE Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 167 OEK Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 167 O.l.S. Organisation Iranischer Studenten (0.1.S.) - Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) 168 P Partizan 176 PAA Partei der Arbeit Albaniens 67 PAV Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 166 PCE Kommunistische Partei Spaniens 168, 174 PCI Kommunistische Partei Italiens 167, 169 PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 166 PKK Arbeiterpartei Kurdistans 172 PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation 166 PPP Pakistanische Volkspartei 173 PPP. BRD Pakistan Peoples Party der Bundesrepublik Deutschland, Zentralverband 173 PSV Pal\u00e4stinensischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 167 RAF Rote Armee Fraktion 83, 136, 137 RBK Regensburger B\u00fcrgerkomitee 75 RHD Rote Hilfe Deutschlands 69 RJVD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands 73 RSJ Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugendorganisation 80 RSF Rote Sch\u00fclerfront 73 RZ Revolution\u00e4re Zellen 136, 139 SB Sozialistisches B\u00fcro Offenbach 83 SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend 47, 52, 64, 66, 158, 175 SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 16,29,41,43,44 SEW Sozialistische Einheitspartei Westberlins 49 SHB Sozialistischer Hochschulbund 52,64,66,151,155,175 SOdZDL Selbstorganisation der Zivildienstleistenden 62 209","taz \"die Tageszeitung\" 85 TDF F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa 174 TDKP Revolution\u00e4re Kommunistische Partei der T\u00fcrkei 180 THKP/C T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front 178 TIKKO T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee 176 TKP Kommunistische Partei der T\u00fcrkei 174 TKP/NIL T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 176 UHNj Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland 171 UWK Unabh\u00e4ngiger W\u00e4hlerkreis - Arbeitskreis f\u00fcr Wiedervereinigung und Volksgesundheit 116, 118 UZ Unsere Zeit (Zentralorgan der DKP) 30, 32 VDJ Vereinigung Demokratischer Juristen 65 VDS Vereinigte Deutsche Studentenschaften 155 VK Verband der Kriegsdienstverweigerer 61 VOGA Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie 111 VOLKSVolksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg 78, 181 FRONT VPIK Komitee des Pr\u00e4sidiums des sowjetischen Ministerrates f\u00fcr Angelegenheiten der R\u00fcstungsindustrie 191 VrV Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung 69 VSBD/PdA Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/ Partei der Arbeit 120 VVN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten 24, 29, 56, 58, 61, 64, 66, 73, 87, 88, 94 WBDJ Weltbund der Demokratischen Jugend 16 WFR Weltfriedensrat 16,56,59,61,64,87 WJ Wiking-Jugend 122 WSG Wehrsportgruppe Hoffmann 114,127 210"],"title":"Verfassungsschutzbericht 1984","year":1984}
