{"file_url":"https://verfassungsschutzberichte.de/pdfs/vsbericht-by-1983.pdf","jurisdiction":"Bayern","num_pages":220,"pages":["* ** \" \"*\"\" , Uerfassunosschutzbericht Bayern 1983 Bayerisches Staatsministerium des Innern","VBrfassungsschutzhericht Bayern 1983 Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium des Innern Odeonsplatz 3, 8000 M\u00fcnchen 22 RB Nr. 03A/84/09 Gesamtherstellung: Meindl-Druck GmbH, August-Exter-Str. 6, 8000 M\u00fcnchen 60","Unsere Verfassung konstituiert eine wertgebundene freiheitliche demokratische Staatsordnung. In ihrem Mittelpunkt stehen die Menschenw\u00fcrde und die Freiheit des B\u00fcrgers. Aus der Einsicht und der Erfahrung heraus, da\u00df politische Kr\u00e4fte versuchen, diese Ordnung zu beseitigen und an ihrer Stelle ein totalit\u00e4res und unfreiheitiiches Regime zu errichten, wurde die Verfassung abwehrbereit und wehrhaft gestaltet. Im Rahmen dieser wehrhaften Demokratie hat der Verfassungschutz die Aufgabe, Informationen \u00fcber Bestrebungen zu sammeln und auszuwerten, die sich gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sowie den Bestand und die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland und ihrer L\u00e4nder richten. Den hohen Stellenwert des Verfassungsschutzes verdeutlicht seine ausdr\u00fcckliche Verankerung im Grundgesetz. Zur Erf\u00fcllung seiner Aufgaben hat er keine polizeilichen oder sonstige Zwangsbefugnisse, kann aber nachrichtendienstliche Mittel anwenden. Der Verfassungsschutz macht es mit seinen Informationen der Staatsregierung m\u00f6glich, die erforderlichen Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung extremistischer und sicherheitsgef\u00e4hrdender Bestrebungen zu treffen. Zur gebotenen geistig-politischen Auseinandersetzung mit dem Extremismus geh\u00f6rt die Information des B\u00fcrgers \u00fcber die drohenden Gefahren. Der vorliegende Verfassungsschutzbericht soll dazu beitragen. Den pflichtbewu\u00dften Mitarbeitern im Bereich des Verfassungsschutzes gilt unser Dank und unsere Anerkennung f\u00fcr die sorgf\u00e4ltige Erf\u00fcllung ihrer schwierigen und verantwortungsvollen Aufgaben. M\u00fcnchen, im Juni 1984 L'/U/Uu,M'Af Dr. Karl Hillermeier * Staatsminister Franz Neubauer * Staatssekret\u00e4r 3","","Inhalt 1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick 11 2. Abschnitt Linksextremismus 14 1. Allgemeines 14 2. Orthodoxer Kommunismus 17 2.1 \u00dcberblick 17 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 18 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort 18 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied 21 2.2.3 B\u00fcndnispolitik 22 2.2.3.1 Aktionseinheit 23 2.2.3.2 Volksfrontpolitik 24 2.2.4 Organisation 28 2.2.5 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger 30 2.2.6 Schulung 32 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP 33 2.2.8 Teilnahme an der Bundestagswahl 36 2.2.9 Aktivit\u00e4ten 37 2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED 40 2.2.11 Die \"kulturelle Westarbeit\" der SED 41 2.2.12 Internationale Kontakte der DKP 42 2.3 Nebenorganisationen der DKP 42 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) 43 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 47 2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) 48 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 49 2.4.1 Allgemeines 49 2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) 51 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) 53 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) 54 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) 58 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) 60 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) 60 5","3. Neue Linke 61 3.1 \u00dcberblick 61 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) 62 3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) 66 3.4 Kommunistischer Bund (KB) 70 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) 70 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) 73 3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) 74 3.8 Trotzkistische Gruppen 76 3.9 Marxistische Gruppen (MG) 77 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 79 3.10.1 Allgemeines 79 3.10.2 \"Autonome\" Gruppen 80 3.10.3 \"Initiative Gefangenenhilfe\" N\u00fcrnberg 80 3.10.4 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) 80 3.10.5 Schriften, Verlage und \"illegale Sender\" 81 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 82 4.1 Allgemeines 82 4.2 Agitationsschwerpunkte 85 3. Abschnitt Rechtsextremismus 92 1. Allgemeines 92 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 95 2.1 Ideologisch-politischer Standort 95 2.2 Organisation 97 2.3 Aktivit\u00e4ten 99 2.4 Wahlbeteiligung 100 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) 102 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 103 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) 104 3. Deutsche Volksunion (DVU) 104 3.1 Ideologisch-politischer Standort 104 3.2 Organisation 105 3.3 Aktivit\u00e4ten 106 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU 107 6","4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 109 4.1 Allgemeines 109 4.2 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) 110 4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) 115 4.4 Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) 115 4.5 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 116 5. Sonstige rechtsextreme Oranisationen 118 5.1 Deutscher Block (DB) 118 5.2 Wiking-Jugend (WJ) 118 5.3 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) 120 5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) 120 5.5 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) 120 5.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten 121 5.7 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V. (GfbAEV) 121 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik 122 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus 126 4. Abschnitt Gewalt und Terror 130 1. Allgemeines 130 2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele 131 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) 131 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) 132 2.3 Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp 133 3. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern 134 4. Terroristisches Umfeld 136 5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 140 1. Allgemeines 140 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen 142 2.1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) 142 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) 143 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) 145 4. Studentengruppen der Neuen Linken 146 4.1 Marxistische Gruppen (MG) 146 7","4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken 147 5. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) 148 6. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) 149 7. Aktivit\u00e4ten 149 8. Wahlen an den Hochschulen 152 9. Weiterf\u00fchrende Schulen 152 6. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst 154 1. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst 154 2. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung 155 7. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 156 1. Allgemeines 156 2. \u00c4thiopische Gruppen 158 3. Afghanische Gruppen 158 4. Arabische Gruppen 158 5. Armenische Gruppen 159 6. Griechische Gruppen 160 7. Iranische Gruppen 161 7.1 Linksextremisten 161 7.1.1 Orthodoxe Kommunisten 161 7.1.2 Neue Linke 162 7.2 Islamische Fundamentalisten 163 7.3 Aktionsb\u00fcndnis 164 8. Italienische Gruppen 164 9. Jugoslawische Gruppen 164 9.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) 165 9.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) 166 9.3 Kroatische Gruppen in Bayern 166 9.4 Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen 166 10. Kurdische Gruppen 167 11. Pakistanische Gruppen 169 12. Spanische Gruppen 170","13. T\u00fcrkische Gruppen 170 13.1 Linksextremisten 172 13.1.1 Orthodoxe Kommunisten 172 13.1.2 Neue Linke 173 13.1.3 Aktionsb\u00fcndnis t\u00fcrkischer Linksextremisten 175 13.1.4 Sonstige Aktionen t\u00fcrkischer Linksextremisten 175 13.2 Rechtsextremisten 177 8. Abschnitt Spionageabwehr 180 1. Allgemeines 180 2. Offene Informationsgewinnung 182 3. Agentenwerbung 183 4. Agentenf\u00fchrung 185 5. \"Aktive Ma\u00dfnahmen\" 188 Anhang 1 191 Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 Anhang 2 195 Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Anhang 3 199 Ergebnisse der extremistischen Parteien bei der Wahl zum Deutschen Bundestag am 6. M\u00e4rz 1983 Anhang 4 209 Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Abk\u00fcrzungsverzeichnis 214 9","","1. Abschnitt Allgemeiner \u00dcberblick Dieser Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt Feststellungen zur inneren Sicherheit unseres Landes im Jahr 1983. Er gibt zu diesem Zweck einen \u00dcberblick \u00fcber extremistische Bestrebungen. Dazu rechnen alle Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziel haben sowie Bestrebungen, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden (vgl. Artikel 2 Abs. 1 Nr. 1 und 3 des Bayerischen Verfassungsschutzgesetzes, abgedruckt in Anhang 1). Der Verfassungsschutzbericht enth\u00e4lt aber auch Informationen \u00fcber sicherheitsgef\u00e4hrdende und geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten f\u00fcr fremde M\u00e4chte (Artikel 2 Abs. 1 Nr. 2 des Gesetzes). Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist unter der freiheitlichen demokratischen Grundordnung eine Ordnung zu verstehen, die unter Ausschlu\u00df jeglicher Gewaltund Willk\u00fcrherrschaft eine rechtsstaatliche Herrschaftsordnung auf der Grundlage der Selbstbestimmung des Volkes nach dem Willen der jeweiligen Mehrheit und der Freiheit und Gleichheit darstellt. Zu den fundamentalen Prinzipien dieser freiheitlichen Grundordnung geh\u00f6ren mindestens die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, die Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, die Gewaltenteilung, die Verantwortlichkeit der Regierung, die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der Verwaltung, die Unabh\u00e4ngigkeit der Gerichte, das Mehrparteienprinzip, die Chancengleichheit der politischen Parteien und das Recht auf verfassungsm\u00e4\u00dfige Bildung und Aus\u00fcbung einer Opposition. Der politische Extremismus stellte auch 1983 in Bayern keine ernsthafte Gefahr f\u00fcr den Bestand unseres Staates und seine freiheitliche demokratische Grundordnung dar. Nach wie vor gibt es aber eine Reihe von Gruppen unterschiedlicher Zielsetzung, die zur Anwendung von Gewalt und Terror bereit sind und damit eine stete Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit darstellen. Die linksextremen Kr\u00e4fte gef\u00e4hrdeten auch 1983 nicht ernsthaft die freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Mitgliederzahl der linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Gruppierungen lag 1983 in Bayern bei rund 11.300 Personen in 130 Organisationen. Dabei konnten sowohl die Orthodoxe als auch die Neue Linke einen Zuwachs verzeichnen. 11","Der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP), ihren Nebenorganisationen und den zahlreichen von ihr beeinflu\u00dften Organisationen gelang es, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, in st\u00e4rkerem Umfang weitere Bereiche des demokratischen Spektrums f\u00fcr gemeinsame Aktionen zu gewinnen. Die Gruppierungen der orthodoxen Kommunisten versuchen dabei nach wie vor, sich der \u00d6ffentlichkeit als alleinige Garanten f\u00fcr Frieden, Demokratie und Freiheit darzustellen. Mit ihrer,,B\u00fcndnispolitik\" versuchten die DKP und ihre Nebenorganisationen, ihren totalit\u00e4ren marxistisch-leninistischen Zielen n\u00e4her zu kommen. Darin liegt die besondere Gef\u00e4hrlichkeit der orthodoxen Kommunisten. Ihre geringe Resonanz bei Wahlen darf dar\u00fcber nicht hinwegt\u00e4uschen. Entwicklung und Aktivit\u00e4ten der Gruppen der dogmatischen Neuen Linken stagnierten 1983. Daf\u00fcr waren ideologische Differenzen, Resignation der Mitglieder und finanzielle Probleme verantwortlich. Zunehmend war eine Bereitschaft zu Zahl der Mitglieder in extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen in Bayern 11300 10800 10900 11000 11000 10000 10200 7400 7000 TT 4400 1979 1980 1981 1982 1983 Linksextremisten Rechtsextremisten Orthodoxe Linke extremistische Ausl\u00e4nder 12","Aktionsb\u00fcndnissen untereinander, aber auch vereinzelt mit orthodox-kommunistischen Kr\u00e4ften zu beobachten. Die undogmatische Neue Linke war in viele Gruppen und Gr\u00fcppchen zerfallen und in sich zerstritten, zeigte aber in Randbereichen, insbesondere im Zusammenhang mit Antiimperialismusund Antimilitarismuskampagnen, militante Z\u00fcge. Auch die Bestrebungen rechtsextremer Gruppierungen und Personen stellten 1983 keine Gef\u00e4hrdung unseres freiheitlichen demokratischen Rechtsstaates dar. In Bayern bet\u00e4tigten sich 1983 30 rechtsextreme Gruppen mit rund 4.400 Mitgliedern. Die Mitgliederzahlen stiegen sowohl bei der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) als auch bei der Deutschen Volksunion (DVU) nicht unerheblich. Ende 1983 wurde erneut eine neonazistische Gruppierung, die Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), verboten. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle stieg gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht an. Die latente Gewaltbereitschaft im neonazistischen Bereich zeigte, da\u00df von Teilen des Rechtsextremismus eine Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit ausgeht. Die Gewaltanschl\u00e4ge, die Terroristen und ihre Sympathisanten 1983 ver\u00fcbten, zeigten, da\u00df die von ihnen ausgehende Bedrohung unvermindert anh\u00e4lt. Die linksterroristischen Gruppen verf\u00fcgen trotz bedeutender Fahndungserfolge im RAF-Bereich noch \u00fcber eine ausreichende personelle und logistische Basis, um jederzeit Anschl\u00e4ge ver\u00fcben zu k\u00f6nnen. Dies gilt vor allem f\u00fcr die Revolution\u00e4ren Zellen (RZ). Auch Terroranschl\u00e4ge von Rechtsextremisten k\u00f6nnen nicht ausgeschlossen werden. Die Mitgliederzahl der ausl\u00e4ndischen extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Organisationen war 1983 leicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Die Anh\u00e4ngerschaft verringerte sich von 7.400 auf rund 7.000 Mitglieder, die Zahl ihrer Vereinigungen von 158 auf 154. Der R\u00fcckgang ist auf ein zunehmendes Desinteresse der Mitglieder an der politischen Arbeit zur\u00fcckzuf\u00fchren. Entsprechend waren auch weniger \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten festzustellen. Die Ursachen f\u00fcr die in der Bundesrepublik Deutschland ausgetragenen Konflikte rivalisierender Ausl\u00e4ndergruppen liegen im jeweiligen Herkunftsland. Soweit es hierbei zu Gewaltanwendungen kommt, ist die \u00f6ffentliche Sicherheit gef\u00e4hrdet. Von den Nachrichtendiensten der kommunistischen Staaten gingen 1983 unvermindert Spionageaktivit\u00e4ten aus. Die Dienste der DDR hatten daran nach wie vor den gr\u00f6\u00dften Anteil. 13","2. Abschnitt Linksextremismus 1. Allgemeines 1983 gab es in Bayern 130 linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen mit etwa 11.300 Mitgliedern und Aktivitsten. Die Mitgliederzahl ist gegen\u00fcber dem Vorjahr um rund 300 angestiegen. Ursache ist die massive Agitation im Zusammenhang mit der NATO-Nachr\u00fcstung. Den gr\u00f6\u00dften Mitgliederzuwachs verzeichneten die Gruppen des DKP-Bereichs. Der R\u00fcckgang von 140 auf 130 Organisationen geht ausschlie\u00dflich zu Lasten der Neuen Linken. Zahlen\u00fcbersicht 1979 1980 1981 1982 1983 Zahl der Organisationen 156 138 140 140 130 Mitgliederst\u00e4rke Orthodoxe Linke 9.000 9.300 9.800 10.000 10.200 Neue Linke 1.800 1.600 1.200 1.000 1.100 insgesamt 10.800 10.900 11.000 11.000 11.300 Durch eine Vielzahl von Aktionen, insbesondere im Zusammenhang mit Abr\u00fcstungsund Friedenskampagnen, sowie durch eine anhaltend starke publizistische T\u00e4tigkeit versuchten die Linksextremisten auch 1983, ihrem Ziel n\u00e4herzukommen. Dieses Ziel besteht unver\u00e4ndert -- insoweit sind sich die Moksauorientierten orthodoxen Kommunisten und die Anh\u00e4nger und Gruppen der Neuen Linken einig -- in der Errichtung eines kommunistischen Staates auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Zur Erreichung dieses Zieles bekennen sich die Gruppen der Neuen Linken, letztlich aber auch die der orthodoxen Kommunisten zur Gewalt, wobei 1983 auch die Anwendung von Gewalt zur Verwirklichung tagespolitischer Ziele propagiert wurde. Dieses Ziel aber und der Weg dorthin sind, wie das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zum Verbot der KPD festgestellt hat, unvereinbar mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung des Grundgesetzes. Der verfassungsfeindliche Charakter der kommunistischen Bewegung ist damit evident. Die Gruppen der Orthodoxen Linken stellten auch 1983 einen ideologisch festgef\u00fcgten Block dar. Bei den Gruppen der Neuen Linken hielten die ideologischen Auseinandersetzungen an; von Fall zu Fall gab es gewisse Ann\u00e4herungen. Gelegentlich kam es wieder zu Aktionsb\u00fcndnissen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken mit Gruppen der Orthodoxen Linken. Die undogmatischen 14","Gruppen der Neuen Linken sind nach wie vor zerstritten; die Gegens\u00e4tze zwischen gem\u00e4\u00dfigten und militanten Gruppen wurden nicht \u00fcberbr\u00fcckt. Bei der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz erzielten DKP, BWK und KPD nur unbedeutende Stimmenanteile. Der geringe Stimmenanteil der DKP (0,2%) spiegelt aber nicht die tats\u00e4chliche erhebliche Einflu\u00dfnahme der orthodoxen Kommunisten und ihres B\u00fcndnisbereichs auf nichtextremistische Bev\u00f6lkerungskreise wider, wie sich insbesondere bei der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung zeigte. Die bedeutendsten linksextremen Organisationen waren 1983: 1.1 Kommunistische Kernorganisationen Die kommunistischen Kernorganisationen verstehen sich als f\u00fchrende Kraft im Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) Neue Linke Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Kommunistischer Bund (KB) Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) Marxistische Gruppen (MG) 1.2 Kommunistische Nebenorganisationen Die kommunistischen Nebenorganisationen sind organisatorisch selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien, die sich jedoch der jeweiligen Kernorganisation unterordnen. Sie bekennen sich wie diese zum Kampf f\u00fcr die sozialistische Revolution und die Diktatur des Proletariats. Ma\u00dfgebende F\u00fchrungsfunktionen dieser Vereinigungen sind mit Mitgliedern der Kernorganisation besetzt. Die wesentlichsten Nebenorganisationen waren 1983: Nebenorganisationen der DKP Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Nebenorganisationen der MLPD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) Kommunistische Studentengruppen (KSG) -- ab November 1983 Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenbund (MLSV) 15","Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI) -- ab Anfang 1984 Marxistisch-leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) Nebenorganisationen des AB Rote Sch\u00fclerfront (RSF) Kommunistischer Hochschulbund (KHB) Nebenorganisationen des BWK BWK-Hochschulzellen 1.3 Kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Ein erheblicher Teil der Organisationen im linksextremen Bereich sind Vereinigungen, die sich \u00fcberparteilich oder unabh\u00e4ngig darstellen, tats\u00e4chlich aber unter einem mehr oder weniger starken Einflu\u00df der kommunistischen Kernund/oder Nebenorganisationen stehen. Der Einflu\u00df dr\u00fcckt sich insbesondere darin aus, da\u00df sie -- von diesen oder auf deren Initiative hin gegr\u00fcndet wurden, -- wichtige F\u00fchrungsfunktionen mit Kommunisten besetzen, -- eng mit den Kernund/oder Nebenorganisationen zusammenarbeiten, -- Ziele verfolgen, die sich in Teilbereichen mit typisch kommunistischen Zielsetzungen decken. Teilweise liegen mehrere dieser Merkmale vor, teilweise alle. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. So gibt es Gruppen, die keine wesentliche Entscheidung gegen den willen der Kernund/oder Nebenorganisationen treffen k\u00f6nnen; andere haben trotz erheblichen kommunistischen Einflusses noch Raum f\u00fcr ein politisches Eigenleben. Die wichtigsten Organisationen, die unter ma\u00dfgebendem kommunistischen Einflu\u00df standen, waren 1983: Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen: Deutsche Friedens-Union (DFU) Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVNBdA) Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Demokratische Fraueninitiative (DFI) Sozialistischer Hochschulbund (SHB) als st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Vom AB beeinflu\u00dfte Organisationen: Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo) Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend -- Landesverband Bayern (BDP/BDJ -- Landesverband Bayern) 16","Von der KPD beeinflu\u00dfte Organisation: Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) 1.4 Sonstige linksextreme Gruppen Eine Reihe autonomer Gruppierungen, die anarchistische, spontaneistische oder undogmatische Richtungen vertreten, wollen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung revolution\u00e4r beseitigen, lehnen aber das dogmatische Konzept des Marxismus-Leninismus ab. Diese Gruppen sind h\u00e4ufig kleine, lose und kurzlebige Zusammenschl\u00fcsse. 2. Orthodoxer Kommunismus 2.1 \u00dcberblick In der Bundesrepublik Deutschland und damit auch in Bayern sind die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und ihre Nebenorganisationen sowie -- mit Einschr\u00e4nkungen -- die von der DKP und/oder ihren Nebenorganisationen beeinflu\u00dften Organisationen Sammelbecken f\u00fcr die orthodoxen Kommunisten. Sie stellen einen festgef\u00fcgten Block dar, sind vor allem im Funktion\u00e4rsbereich eng verflochten und finanziell sehr gut ausgestattet. Die Kernund Nebenorganisationen werden nach dem marxistisch-leninistischen Organisationsprinzip des \"demokratischen Zentralismus\" gef\u00fchrt. Die orthodoxen Kommunisten bekennen sich zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung und damit, auch wenn sie es zur Verschleierung ihrer wahren Ziele nicht offen aussprechen, zur sozialistischen Weltrevolution und zur Diktatur des Proletariats, meist umschrieben mit \"revolution\u00e4rer Gewalt\", ,,sozialistischer Umw\u00e4lzung\" oder \"politischer Macht der Arbeiterklasse\". Organisations\u00fcbersicht Orthodoxe Linke Deutsche Kommunistische Partei (DKP) SDAJ DFU .*.VVN-BdA MSB ... SHB DFG-VK \"T\" KFAZ JP VDJ \"T\" DFI Nebenorganisationen Komitees, Initiativen beeinflu\u00dfte Organisationen Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 17","Das Grundmodell dieser \"sozialistischen Ordnung\" sehen die orthodoxen Kommunisten in der Sowjetunion und der DDR verwirklicht. Deshalb betonen sie die feste Verbundenheit mit den kommunistischen Parteien der Sowjetunion, der DDR und anderer sozialistischer L\u00e4nder. In ideologischer und politischer Hinsicht folgen sie bedingungslos der Linie der kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) der DDR. Sie verstehen sich als Teil der kommunistischen Weltbewegung, der die F\u00fchrungsrolle bei der revolution\u00e4ren Umgestaltung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft zukommt. Innerhalb der kommunistischen Weltbewegung hat nach ihrer \u00dcberzeugung das \"sozialistische Weltsystem\" mit der KPdSU an der Spitze die Vorbildund F\u00fchrungsrolle. Einigendes Band ist der \"proletarische Internationalismus\", der die \"Gesamtheit der Interessen und die Solidarit\u00e4t der Arbeiterklasse und der Werkt\u00e4tigen aller L\u00e4nder, ihre Geschlossenheit und Aktionseinheit im Kampf um die revolution\u00e4re Umgestaltung der Gesellschaft\" zum Ausdruck bringen soll. Der weltumspannende F\u00fchrungsanspruch der KPdSU und der Sowjetideologie, der sich auch in einigen internationelen prosowjetischen Organisationen wie dem Weltfriedensrat (WFR), dem Weltbund der Demokratischen Jugend (WBDJ) und der F\u00f6deration Internationale des Resistants (FIR) manifestiert, wird uneingeschr\u00e4nkt anerkannt. Unterst\u00fctzung finden die orthodoxen Kommunisten vor allem bei Teilen der \"Friedensbewegung\" und der \"Antifaschismusbewegung\" sowie bei anderen Organisationen unterschiedlicher Zielsetzung, die vielfach von ihnen beeinflu\u00dft sind. 2.2 Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 2.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die DKP wurde am 26. September 1968 anstelle der im Jahre 1956 vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) gegr\u00fcndet. Sie ist nach wie vor die mit Abstand st\u00e4rkste extremistische Partei in der Bundesrepublik Deutschland und nimmt hier die politische F\u00fchrung der orthodoxen Kommunisten in Anspruch. Die DKP folgt bedingungsund kritiklos der Linie der KPdSU und der SED. Sie verurteilt jede Art von \"Rechsund Linksopportunismus\", sieht die \"Haltung zur Sowjetunion\" als \"entscheidenden Pr\u00fcstein f\u00fcr jeden Kommunisten, f\u00fcr seine Treue zur Sache der revolution\u00e4ren Arbeiterbewegung\" und \"erzieht ihre Mitglieder best\u00e4ndig im Geist fester Freundschaft zur Sowjetunion\". Folgerichtig betrachtet sie auch vorbehaltlos das in der DDR herrschende Staatsund Gesellschaftssystem als Muster f\u00fcr die von ihr angestrebte Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. In der DDR w\u00fcrden die \"besten revolution\u00e4ren, demokratischen und nationalen Traditionen der deutschen Geschichte\" verk\u00f6rpert. Von einem solchen Staat h\u00e4tten \"Generationen von Kommunisten und Sozialisten\" getr\u00e4umt. Nur in einem solchen Staat k\u00f6nne es \"wirkliche Volksherrschaft als Demokratie\" geben. Diese Einstellung ist ein weiterer Beweis f\u00fcr die verfassungsfeindliche Zielsetzung der DKP; denn das Staatsund Gesellschaftssystem der DDR steht offenkundig im Widerspruch zu den Grundprinzipien der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Ordnung in der Bundesrepublik Deutschland. 18","Ziel der DKP ist eine sozialistische und kommunistische Gesellschaftsordnung. Dies ergibt sich aus ihrem am 21. Oktober 1978 auf dem Mannheimer Parteitag beschlossenen Programm und aus einer Vielzahl ideologischer Schriften und Ausbildungsmaterialien. Danach ist \"unverr\u00fcckbares Ziel\" der Sozialismus \"als erste Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation\". Diese \"grundlegend neue Gesellschaftsordnung\" baue auf der \"revolution\u00e4ren \u00dcberwindung der kapitalistischen Machtund Besitzverh\u00e4ltnisse\" auf und k\u00f6nne nur \"im harten Klassenkampf\" durchgesetzt werden. Sie setze die Erringung der politischen Macht durch die Arbeiterklasse im B\u00fcndnis mit den anderen Werkt\u00e4tigen voraus. Die Lehre von Marx, Engels und Lenin sei der \"politische Kompa\u00df der DKP und wissenschaftliches Fundament ihrer Politik\". In \"sch\u00f6pferischer Anwendung\" dieser Lehre entwickle die DKP Strategie und Taktik ihres Kampfes um die Errichtung des Sozialismus in der Bundesrepublik Deutschland. Sie sieht sich als \"die revolution\u00e4re Partei der Arbeiterklasse in der Bundesrepublik Deutschland\". Als die Partei des \"Klassenkampfes\" und des \"Sozialismus\" bekennt sie sich zu den Grunds\u00e4tzen einer bolschewistischen \"Partei neuen Typus\": Anerkennung der Leninschen Normen der Parteimitgliedschaft und des Parteiaufbaues sowie der Diktatur des Proletariats. Die DKP geht aufgrund marxistisch-leninistischer Analyse davon aus, da\u00df die Gegenwart \"die Epoche des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus im Weltma\u00dfstab\" sei. Der \"staatsmonopolistische Kapitalismus\" habe sich in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt. Er befinde sich in der Krise. Jene \"besonderen Faktoren\" h\u00e4tten aufgeh\u00f6rt zu wirken, die die langanhaltende, \"viele Gebrechen der kapitalistischen Ordnung \u00fcberdeckende Nachkriegskonjunktur\" erm\u00f6glicht und in breiten Bev\u00f6lkerungskreisen tiefe Illusionen \u00fcber die bestehenden gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse erweckt h\u00e4tten. Daher sei die \"Hauptzielsetzung der DKP in der gegenw\u00e4rtigen Etappe\", das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der Arbeiterklasse und der \"anderen demokratischen Kr\u00e4fte\" zu ver\u00e4ndern und die \"Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt herbeizuf\u00fchren\". Sie erachtet es als m\u00f6glich und im Interesse der Arbeiterklasse erstrebenswert, da\u00df dieser Kampf in eine \"antimonopolistische Demokratie\" einm\u00fcndet. Unter der \"antimonopolistischen Demokratie\" versteht die DKP eine Periode \"grundlegender Umgestaltungen\", in der eine von der \"Arbeiterklasse und den anderen demokratischen Kr\u00e4ften getragene antimonopolistisch-demokratische Staatsmacht\" geschaffen werden soll. Dabei sieht die DKP die antimonopolistische und sozialistische Umw\u00e4lzung als miteinander verbundene Entwicklungsstadien eines \"einheitlichen revolution\u00e4ren Prozesses des \u00dcbergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus\". Die Formulierungen \"sozialistische Umw\u00e4lzung\" und \"politische Macht der Arbeiterklasse\" sind gleichbedeutend mit den unverzichtbaren marxistisch-leninistischen Begriffen \"sozialistische Revolution\" und \"Diktatur des Proletariats\". Im Programm der DKP finde sich der \"wissenschaftliche Terminus\" \"Diktatur des Proletariats\" zwar nicht, denn er sei heute f\u00fcr gro\u00dfe Teile des arbeitenden Volkes mi\u00dfverst\u00e4ndlich. Die DKP bekenne sich in ihrem Programm jedoch \"unmi\u00dfverst\u00e4ndlich\" zur \"politischen Macht der Arbeiterklasse\" (Artikel \"Die Prinzipien der Partei .neuen Types' und ihre aktuelle Bedeutung f\u00fcr die DKP\" in der UZ vom 13. Juli). Diese Begriffsmanipulation dient der DKP ebenso zur Ver19","Auszug aus dem Zentralorgan der DKP nryiunsere zeit JP W MKK^ Die Zeitung der arbeitenaen Menschen - Zeitung der DKP 12. Dezember - erster bundesweiter Widerstandstag DKP vor Ihrem Parteitag: .Wir finden uns mit den Raketen niemals ab!\" In mehr als 300 St\u00e4dten gab es Hermann Gautier und Gerd Deiimilch vor der Preise in Bonn Aktionen f\u00fcr Stopp der US-Raketen Zunehmend die Friedensund die soziale Frage verbunden D\u00fctMWorf. UZ - In mehr al* 300 SUdtan u i m i o V e n i c h ? ? Llchlerkerten bildet \"n. ,.Di<? Briedens\u00f6ewLande* landan a m Abend d H 12. 12., dam j \u00e4 h r e t tag gung wird kaina Ruh\" gaberi. Sli die nauan Alon de\" NATO Raketenbeachlutaaa. vielf\u00e4ltige Aklionen warfen wieder \"Ut dar Bundesrepublik enttarnt wei gegen Ertlachlagwalfen und Weltr\u00dcaten. t\u00fcr Frieden den\". heiBI e i dazu In einer PreaaearklaVung dar G\" und Sicherheit \" a l l Dia gr\u00f6\u00dften Manifetiatloncn aascharwf\u00fchrgng daa KoordinanonaauaachuaM* da han Hamburg und da\" Ruhrrevier.wo lOOOOund 18000 Friedensbewegung. In Cau\" lekomniLT. da .\"*h; schleierung ihrer wahren verfassungsfeindlichen Zielsetzung wie ihre Beteuerung, sie \"wirke auf dem Boden des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland\" und erstrebe die \"grundlegende Umgestaltung auf der Basis der demokratischen Prinzipien und Rechte des Grundgesetzes\". In Wirklichkeit sieht die DKP im Grundgesetz nur eine disponible Basis f\u00fcr ihren Kampf. Die Grundrechte versteht sie nicht als Garantie eines Freiheitsraumes f\u00fcr jeden B\u00fcrger, sondern als Legitimation und Auftrag f\u00fcr die Arbeiterklasse, die bestehende Ordnung zu beseitigen und den Sozialismus und eine sozialistische Verfassung zu erk\u00e4mpfen. Ihr Eintreten f\u00fcr \"Demokratie\" ist nur vor dem Hintergrund des marxistisch-leninistischen Demokratieverst\u00e4ndnisses zu sehen. Entsprechendes gilt bez\u00fcglich des Eintretens der DKP f\u00fcr die Erhaltung und Sicherung des Friedens, f\u00fcr die Einhaltung der Prinzipien der \"friedlichen Koexistenz\" und gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\". Die System\u00fcberwindung will die DKP unter den gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden mit systemkonformen Mitteln und grunds\u00e4tzlich auf friedlichem Weg erreichen. Gleichwohl betont sie im Programm, da\u00df es von der Kraft der Arbeiterklasse, der Stabilit\u00e4t ihrer B\u00fcndnisse mit anderen \"demokratischen Kr\u00e4ften\", der St\u00e4rke ihrer revolution\u00e4ren Partei, insbesondere aber von den \"Formen des Widerstan20","des der Reaktion\" abh\u00e4nge, wie sich dieser Weg konkret gestalten werde. Hatte sich die DKP in fr\u00fcheren Jahren zur Frage der Gewaltanwendung bei aktuellen Aktionen Zur\u00fcckhaltung auferlegt, so zeigte sie sp\u00e4ter zunehmend Bereitschaft, auch gewaltt\u00e4tige Aktionen in Kauf zu nehmen. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits in seinem Rechenschaftsbericht an den 6. Parteitag 1981 erkl\u00e4rt: \"Das demokratische Widerstandsrecht, das Grundrecht der arbeitenden Menschen, ihre Interessen zur Geltung zu bringen und die entsprechenden Kampfformen zu w\u00e4hlen, entspricht vollauf den demokratischen Prinzipien des Grundgesetzes. . Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Wo Macht vor Recht geht, da mu\u00df man sich gegen die Macht des Unrechts wehren... Da fragt man nicht lange: Darf man denn das? Da sollte man in der Tat wahre Demokratie wagen\". Nach Auffassung des Mitglieds des DKP-Parteivorstandes Beate Landefeld im theoretischen Organ der DKP \"Marxistische Bl\u00e4tter\" bedeute Gewalt \"Aus\u00fcbung von Druck\" und sei ein \"spezifisches Mittel zur Durchsetzung von Klasseninteressen\". Je nach Ziel und Inhalt der Gewaltaus\u00fcbung gebe es \"reaktion\u00e4re und fortschrittliche Gewalt\" und zugleich \"friedliche und nichtfriedliche Formen der Gewalt\". In manchen Situationen -- wie z.B. im Kampf gegen den \"Terror der Reaktion\" -- seien \"milit\u00e4rische Formen des Klassenkampfes\" notwendig, um gr\u00f6\u00dfere Opfer der \"fortschrittlichen Kr\u00e4fte\" zu vermeiden. Entscheidend f\u00fcr die Bewertung von Gewalt sei, ob sie den \"materiellen, sozialen und kulturellen Bed\u00fcrfnissen der arbeitenden Menschen\" n\u00fctze oder die \"Macht der Ausbeuterklasse\" erhalte. Eine \"gewaltund herrschaftsfreie Gesellschaft\" k\u00f6nne sich erst nach \u00dcberwindung von \"Ausbeutung und Klassenspaltung\" entwickeln. Das DKP-Pr\u00e4sidium erkl\u00e4rte im Mai, die Partei werde im \"Kampf gegen die Raketenstationierung\" alle Aktionsformen unterst\u00fctzen, mit denen sich die \"Massen der Arbeiterklasse\" gewinnen und \"Betriebsbelegschaften, Gewerkschaften, Betriebsr\u00e4te und Vertrauensleute\" st\u00e4rker in die \"Friedensbewegung\" einbeziehen lie\u00dfen. Dazu z\u00e4hlten auch Aktionen des \"demokratischen Volkswiderstands\" an Stationierungsorten. Der DKP-Vorsitzende Mies erl\u00e4uterte die Unterst\u00fctzung. Sie fange bei \"der Unterschriftensammlung an\" und gehe \"bis hin zur Unterst\u00fctzung von Aktionen gegen die direkte Stationierung, auch gegen die Raketenbasen. Da klammern wir nichts aus\". Entsprechend diesen \"Freibriefen\" von obersten Stellen beteiligten sich auch orthodoxe Kommunisten bundesweit an Ausschreitungen. 2.2.2 Anforderungen an das DKP-Mitglied Die DKP-Mitglieder sind nach dem Parteistatut verpflichtet, die Grunds\u00e4tze und Ziele der Partei anzuerkennen, sich f\u00fcr die Verwirklichung der beschlossenen Politik einzusetzen und sie im gesellschaftlichen Leben aktiv zu vertreten. Die DKP sieht sich als einheitlich und solidarisch handelnde \"Kampfgemeinschaft\", deren innerparteiliches Leben von der \"marxistischen Weltanschauung und der Gemeinschaft der politischen Ziele\" gepr\u00e4gt werde. \"Kommunist ist man \u00fcberall: am Arbeitsplatz, im Wohngebiet, in der Familie\". Als richtige Haltung der Kommunisten sieht es die DKP an, offen und konsequent den kommunistischen Standpunkt zu vertreten, initiativreich und geduldig die Politik der Ak21","tionseinheit zu verfechten, in B\u00fcndnissen \"aktiv, initiativ und partnerschaftlich\" zu wirken, sich als \"die besten, entschiedensten, uneigenn\u00fctzigsten Vertreter des Volksinteresses\" zu erweisen und \"aktiv bei der Gewinnung neuer Mitglieder und der Verbreitung und Gestaltung der DKP-Presse mitzuwirken\". Kommunist sein hei\u00dfe, aus Klassenbewu\u00dftsein ein disziplinierter K\u00e4mpfer der Partei der Arbeiterklasse zu sein, hei\u00dfe qualitativ gut, gewissenhaft, diszipliniert am Arbeitsplatz, in der Schule, in den Hochschulen, in der Elternvertretung, in der parlamentarischen Vertretung, \"im sogenannten normalen Leben\" zu sein. Bereits in der kapitalistischen Gesellschaft erwerbe der Genosse in der Gemeinschaft der Partei eine eigene \"proletarische Klassenmoral\", die im Gegensatz zur \"b\u00fcrgerlichen Moral\" stehe, die \"heuchlerisch\", \"doppelb\u00f6dig\" und \"menschenfeindlich\" sei. Die Erf\u00fcllung dieser hohen Anforderungen an die \"proletarische Moral\" wird u.a. im Rahmen einer von Zeit zu Zeit stattfindenden Umtauschaktion der Mitgliedsb\u00fccher \u00fcberwacht. Vor der letzten Ausgabe neuer Mitgliedsb\u00fccher zum 1. Januar 1983 wurden mit jedem \"Genossen\" intensive und individuelle Gespr\u00e4che gef\u00fchrt, um das Mitglied voll auf die Linie der Partei einzuschw\u00f6ren. 2.2.3 B\u00fcndnispolitik Die sogenannte B\u00fcndnispolitik ist zentraler Bestandteil der Gesamtpolitik der DKP und ihrer Nebenorganisationen. Sie beruht auf marxistisch-leninistischer Strategie und Taktik. Die DKP geht aufgrund ihrer Analyse der Wirtschaftsund Gesellschaftsordnung davon aus, da\u00df sich der staatsmonopolistische Kapitalismus in der Bundesrepublik Deutschland voll entwickelt habe. Wegen der dadurch eingetretenen Polarisierung zwischen der \"kleinen Gruppe von Konzernherren und Multimillion\u00e4ren\" und der \"\u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit des Volkes\" sei die Zusammenfassung aller \"antimonopolistischen\" Kr\u00e4fte um die Arbeiterklasse objektiv m\u00f6glich, aber auch \"unerl\u00e4\u00dflich\" f\u00fcr die Durchsetzung des \"gesellschaftlichen Fortschritts\", also f\u00fcr die Erreichung des sozialistischen Zieles. Nicht zuletzt im Hinblick auf ihre vergleichsweise geringe Mitgliederzahl und ihr schwaches W\u00e4hlerpotential ist die DKP bestrebt, B\u00fcndnisse mit nicht kommunistischen Kr\u00e4ften in der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\" und in einem \"breiten, antimonopolistischen B\u00fcndnis\" zu schaffen. F\u00fcr eine erfolgreiche Politik der \"Aktionseinheit und des demokratischen B\u00fcndnisses\" ist es f\u00fcr die DKP \"von erstrangiger Bedeutung\", die \"tiefe Kluft\" zwischen der \"objektiven Lage der vom Monopolkapital ausgebeuteten und bedr\u00e4ngten Klassen und Schichten einerseits und ihrer Erkenntnis durch die Betroffenen andererseits\" zu \u00fcberwinden. M\u00f6gliche B\u00fcndnispartner in ihrem Kampf f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\", f\u00fcr \"soziale Sicherheit\", gegen \"Polizeiund \u00dcberwachungsstaat mit Berufsverboten\" sieht die DKP in \"Sozialdemokraten, Gewerkschaftern, Gr\u00fcnen und Alternativen, Umweltsch\u00fctzern, Frauenbewegungen, Christen, sozialen Liberalen, Sozialisten und Linkskr\u00e4ften\". Um ein umfassendes B\u00fcndnis zu erreichen, soll das Trennende zur\u00fcckgestellt werden. Auf einer \"Internationalen Wissenschaftlichen Konferenz\" im M\u00e4rz in Trier zum Thema \"Das revolution\u00e4re Subjekt in der Welt von heute\" betonte das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Willi Gerns, die DKP sei bei B\u00fcndnissen zu Kompromissen bereit. Diese Kompromisse m\u00fc\u00dften je22","doch zur Entwicklung der Kampfbereitschaft der Arbeiter und ihrer Verb\u00fcndeten beitragen, d\u00fcrften das selbst\u00e4ndige Handeln der DKP nicht einschr\u00e4nken und die \"Heranf\u00fchrung an weitergehende Ziele\" nicht behindern, Der Parteivorstand ver\u00f6ffentlichte im M\u00e4rz das ,,Bildungsheft\" \"Grunds\u00e4tze kommunistischer B\u00fcndnispolitik\", das \"Herzst\u00fcck Lenin'scher Strategie und Taktik\". Darin hei\u00dft es: -- die DKP m\u00fcsse \"aktiv und initiativ\" in den Bewegungen mitarbeiten, um Einflu\u00df nehmen zu k\u00f6nnen; -- die DKP trete f\u00fcr \"gleichberechtigte\" Zusammenarbeit ein, bei der alle B\u00fcndnispartner sich auf gemeinsame Forderungen (Minimalkonsens) einigen sollten; -- die DKP wirke in B\u00fcndnissen f\u00fcr die \"Arbeiterinteressen\", denn die Arbeiterklasse sei die entscheidende Kraft; -- die \"Herstellung der Aktionseinheit\", vorrangig von Kommunisten und Sozialdemokraten, bleibe Kernst\u00fcck der Politik der DKP; -- die DKP sei unver\u00e4ndert bem\u00fcht, punktuelle B\u00fcndnisse zu umfassenderen antimonopolistischen B\u00fcndnissen zu erweitern; -- die DKP lehne die Zusammenarbeit mit \"maoistischen Organisationen\" ab; sie werde sich wegen der Beteiligung maoistischer \"Restgruppen\" jedoch nicht aus \"breiten demokratischen B\u00fcndnissen\" zur\u00fcckziehen; -- die DKP m\u00fcsse auch in B\u00fcndnissen ihre \"Selbst\u00e4ndigkeit\" bewahren; ihre Mitglieder d\u00fcrften nicht \"im B\u00fcndnis aufgehen\", denn ein Verzicht auf Selbst\u00e4ndigkeit bedeute das \"Ende einer kommunistischen Partei\"; -- Kommunisten sollten -- durch Schulung bef\u00e4higt -- in den Bewegungen mit \"offenem Visier\" mitwirken, denn ein Verbergen der kommunistischen Identit\u00e4t gebe nur antikommunistischen Verleumdungen Nahrung. 2.2.3.1 Aktionseinheit Als \"Kernst\u00fcck\" ihrer B\u00fcndnispolitik sieht die DKP die Herbeif\u00fchrung der \"Aktionseinheit der Arbeiterklasse\". Damit versucht sie, ein Zusammenwirken von \"Arbeitern, Angestellten und Beamten, deutschen und ausl\u00e4ndischen Kollegen, sozialdemokratischen, kommunistischen, christlichen und parteilosen Arbeitern\" zu erreichen. Mit Nachdruck hat sie in ihrem Programm ihre Bem\u00fchungen um eine Zusammenarbeit mit Mitgliedern und Anh\u00e4ngern der SPD sowie mit der SPD als Partei herausgestellt. Der DKP-Vorsitzende Mies hatte bereits 1982 an die \"SPD-F\u00fchrung\" appelliert, angesichts der \"Rechtskoalition\" und des \"Generalangriffs\" auf die Rechte der Arbeiter und ihrer Gewerkschaften ihr Verh\u00e4ltnis zur DKP zu \u00fcberdenken und den \"Unvereinbarkeitsbeschlu\u00df\" aufzuheben. Dieser Beschlu\u00df sei in den \"Betrieben ohnehin nicht beachtet\" worden. Nach Ansicht des Mitglieds des Pr\u00e4sidiums und Sekretariats des Parteivorstandes der DKP Kurt Fritsch habe das wachsende Engagement von \"Sozialdemokraten und gro\u00dfen Teilen der SPD selbst\" in der Protestbewegung gegen die NATONachr\u00fcstung bei Sozialdemokraten \"manchen Vorbehalt\" gegen\u00fcber Kommunisten zur\u00fccktreten lassen. Der \"Friedenskampf\" werde Erfolg haben, wenn \"Arbeiterund Friedensbewegung\" noch enger zusammenr\u00fcckten und die Arbeiterklasse dabei in Aktionseinheit handele. 23","Besondere Bedeutung mi\u00dft die DKP der Arbeit in den Gewerkschaften zu, weil sie dort die \"breiteste und umfassendste Klassenorganisation der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sieht. Sie betont, f\u00fcr jeden Kommunisten sei es ,,selbstverst\u00e4ndliche Pflicht\", ,,ein aktiver Gewerkschafter zu sein und f\u00fcr die Verwirklichung der den Interessen der Arbeiterklasse dienenden Gewerkschaftsbeschl\u00fcsse zu k\u00e4mpfen\", beh\u00e4lt sich damit allerdings vor, selbst zu bestimmen, welche Beschl\u00fcsse dies sind. Ihr Ziel ist, in Gewerkschaften Einflu\u00df zu gewinnen und sie zu treuen ,,B\u00fcndnisorganisationen\" zu machen. Sie setzt sich daf\u00fcr ein, dem Antikommunismus in den Gewerkschaften keinen Raum zu geben und die \"Grunds\u00e4tze der Einheitsgewerkschaften strikt zu beachten\". Nach ihrer Auffassung sollen die Einheitsgewerkschaften nicht \"St\u00fctze f\u00fcr ein br\u00fcchiger werdendes kapitalistisches System\", sondern \"Kraftzentrum zur Durchsetzung der Klasseninteressen der Arbeiter, Angestellten und Beamten\" sein. Die DKP befolgt getreu die Anweisung Lenins, in die Gewerkschaften einzutreten, in ihnen zu bleiben und in ihnen um jeden Preis kommunistische Arbeit zu leisten. Das Mitglied des DKP-Pr\u00e4sidiums Ludwig M\u00fcller forderte die Gewerkschaften auf, sich nicht nur auf Lohnund Arbeitsplatzfragen zu beschr\u00e4nken, sondern einen konsequenten \"Klassenstandpunkt\" einzunehmen. Die \"Arbeiterinteressen\" seien auf die Abwehr aller Spaltungsversuche der \"herrschenden Klasse\", auf \"gemeinsames Handeln aller Str\u00f6mungen der Arbeiterbewegung gegen rechts\", auf \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit\" und \"demokratische Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft\" sowie auf die Verhinderung der Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenwaffen gerichtet. Knapp drei Viertel der DKP-Mitglieder sind gewerkschaftlich organisiert. Etwa 10% von ihnen nehmen gewerkschaftliche Funktionen wahr. Der Intensivierung der Gewerkschaftsarbeit der DKP dienen die in allen DKPBezirken t\u00e4tigen \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen\", das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) sowie die \"Nachrichten-Verlags GmbH\" mit Sitz in Frankfurt a.M. Diese gibt fast ausschlie\u00dflich Publikationen zu gewerkschaftlichen, betrieblichen sowie sozialund wirtschaftspolitischen Themen heraus, u.a. die monatlich erscheinenden \"Nachrichten zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/Gewerkschaftsspiegel\". 2.2.3.2 Volksfrontpolitik Bei ihren Bem\u00fchungen, ein \"breites antimonopolistisches B\u00fcndnis\", eine sogenannte Volksfront zu bilden, wendet sich die DKP vor allem an Intellektuelle, an b\u00fcrgerliche Kreise bis hin zu mittleren Unternehmern. Sie will diese Personenkreise in B\u00fcndnisse gegen das \"Monopolkapital\", und seien sie auch \"sachlich und zeitlich noch so begrenzte\", einbeziehen. Daher arbeitete sie \"aktiv in demokratischen Bewegungen, B\u00fcrgerinitiativen und B\u00fcndnissen\" mit. Im Rahmen ihrer Volksfrontpolitik f\u00fchrt die DKP Kampagnen durch und greift Forderungen auf, die auch von demokratischen Gruppen vertreten werden. Dabei bedient sie sich vor allem von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen. 1983 waren dies von orthodoxen Kommunisten initiierte und gef\u00f6rderte, h\u00e4ufig von DKP-beeinflu\u00dften Organisationen getragene Kampagnen, vor allem f\u00fcr \"Frieden und Abr\u00fcstung\" und gegen den \"Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df der NATO\", aber auch gegen \"Faschismus und Rechtsentwicklung\", gegen \"Berufsverbote\" sowie f\u00fcr die Arbeitslosen. 24","Der Widerstand ^ geht weiter! ^ Plakat der DKP 25","Die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung war 1983 das zentrale Agitationsfeld der DKP, ihrer Nebenund der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen. Nach marxistisch-leninistischem Verst\u00e4ndnis geht die Bedrohung des Friedens vom \"Imperialismus\" aus. Erst in einer Gesellschaft, die nicht mehr auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln und dem Klassengegensatz beruhe, k\u00f6nne der Frieden dauernd gesichert werden. Der Friede sei ein Wesenselement von Sozialismus und Kommunismus. Der Kampf f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung finde seine Erg\u00e4nzung im Kampf um den Sozialismus. Mehrere kommunistische Parteien aus NATO-Staaten, darunter die DKP, forderten in einem \"gemeinsamen Appell\": \"Der NATO-Raketenbeschlu\u00df mu\u00df fallen!\" Das Pr\u00e4sidium der DKP verlangte in der Erkl\u00e4rung \"Den Raketenfanatikern in den Arm fallen\", den \"Widerstand\" zu verst\u00e4rken. Die DKP trete daf\u00fcr ein, \"die Unterschriftensammlung f\u00fcr den ,Krefelder Appell' fortzusetzen, neue Aktionen f\u00fcr die Schaffung atomwaffenfreier St\u00e4dte und Gemeinden, Stra\u00dfen, Betriebe, Schulen, Werkst\u00e4tten und B\u00fcros zu starten sowie betriebliche Friedensinitiativen verst\u00e4rkt zu entwickeln\". Sie unterst\u00fctze \"alle Formen der \u00c4u\u00dferung des Volkswillens gegen die Raketenstationierung: Unterschriftensammlungen, Mahnwachen und Demonstrationen, Aktionen des demokratischen Volkswiderstands an Stationierungsorten, Volksbefragungen und Volksentscheide gegen den NATO-Raketenbeschlu\u00df\". Zum 38. Jahrestag der Zerst\u00f6rung Hiroshimas erkl\u00e4rte das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Martha Buschmann, die Mitglieder der DKP seien \"fest in der Friedensbewegung verankert und st\u00e4ndig um die Bewahrung ihrer politischen Gemeinsamkeit bem\u00fcht\". Der DKP-Vorsitzende Mies sagte auf einer Bezirksdelegiertenkonferenz: \"Wir sind stolz darauf, da\u00df so viele Kommunisten aktiv und als gleichberechtigte B\u00fcndnispartner in der Friedensbewegung k\u00e4mpfen\". Auf der 7. Tagung des Parteivorstandes am 19./20. M\u00e4rz wurde gefordert, st\u00e4rker als bisher einen Beitrag zur Bildung betrieblicher Friedensinitiativen zu leisten. Anl\u00e4\u00dflich der 8. Tagung des DKP-Parteivorstandes am 27728. August hob das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Ludwig M\u00fcller hervor, durch die Bereitschaft der Gewerkschaften und der SPD, Aktionen und Ziele der \"Friedensbewegungen\" zu unterst\u00fctzen, sei die Verbindung von \"Friedensund Arbeiterbewegung\" deutlich gewachsen. Zur Frage der \"Kampfformen der Friedensbewegung\" unterstrich M\u00fcller, die DKP werde \"alle Formen des au\u00dferparlamentarischen demokratischen Handelns so nutzen\", da\u00df die \"Herbstaktionen '83\" zu \"kraftund wirkungsvollen Friedensmanifestationen\" werden. Dazu geh\u00f6rten Arbeitsniederlegung und Aktionen vor milit\u00e4rischen Einrichtungen bis hin zu Sitzstreiks. Mit einem gemeinsamen \"Appell an die Parteien der Arbeiterbewegung, die Gewerkschaften und die Jugendverb\u00e4nde\" riefen am 27. September die SED, die DKP und die Sozialistische Einheitspartei Westberlins (SEW) zur Verhinderung der Stationierung neuer Mittelstreckenraketen in Westeuropa auf. Die DKP behauptete in einer Erkl\u00e4rung ihres Pr\u00e4sidiums, bei der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober sei der \"Mehrheitswille der B\u00fcrger\" gegen die Stationierung neuer amerikanischer Atomraketen zum Ausdruck gekommen; Bundesregierung und Bundestag h\u00e4tten somit \"keine Legitimation und kein Man26","dat\", der Stationierung zuzustimmen. Alle Mitglieder und \"Freunde\" der DKP seien aufgerufen, \"unmittelbar und mit ganzer Kraft\" die n\u00e4chsten Schritte der Bewegung vorzubereiten. Bei der Durchf\u00fchrung von Aktionen im Rahmen der Kampagne gegen die NATONachr\u00fcstung trat die DKP nicht immer unmittelbar in Erscheinung. Meist lag die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung in den H\u00e4nden der von ihr beeinflu\u00dften Organisationen DFU, KFAZ und DFG-VK sowie \u00f6rtlicher orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Initiativen. Die kommunistische Antifaschismus-Kampagne wurde weitgehend von der DKP-beeinflu\u00dften Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) getragen. Der Kampf gegen den \"Faschismus\" ist f\u00fcr die DKP eine taktische Variante ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus. Er basiert auf der Annahme, da\u00df die gesellschaftlichen Wurzeln, aus denen der Faschismus hervorgegangen ist, nicht beseitigt worden seien, da es dem Monopolkapital gelungen sei, \"in der heutigen Bundesrepublik\" seine Macht wieder herzustellen. Der \"antifaschistische Kampf\" lehre, da\u00df \"Kampf gegen Faschismus und Krieg\" zugleich \"Kampf gegen Antikommunismus und Antisowjetismus\" bedeute. Nach wie vor wurde auch die Kampagne gegen die \"Berufsverbote\" betrieben. Auf einer Pressekonferenz des DKP-Parteivorstandes am 15. April warf das Mitglied des Parteivorstandes Sepp Mayer der Bundesregierung vor, durch Versch\u00e4rfung der \"Berufsverbotspraxis\" die Bundesrepublik Deutschland in einen \"Obrigkeitsstaat\" verwandeln zu wollen. Zunehmende Bedeutung erlangte 1983 die Kampagne gegen die Arbeitslosigkeit. Der Schwerpunkt einer Entschlie\u00dfung zur Vorbereitung des 7. Parteitages der DKP im Januar 1984 war der \"Kampf gegen Massenarbeitlosigkeit\" und die \"Krisenpolitik des Gro\u00dfkapitals\". Deshalb, so das Parteivorstandsmitglied Kurt Fritsch, \"unterst\u00fctzten unsere Genossinnen und Genossen die Bildung von Arbeitsloseninitiativen\". Die Politik der DKP ziele auf die \"Beseitigung der Arbeitslosigkeit\" und letztlich auf die \"Beseitigung des \u00dcbels, die kapitalistischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse\", ab. Am 20. April erkl\u00e4rte der DKP-Vorsitzende Mies in Hamburg auf einer Konferenz arbeitsloser Kommunisten, die in Arbeitslosenaussch\u00fcssen der Partei und in Arbeitsloseninitiativen mitarbeiten, da\u00df f\u00fcr die Kommunisten das Problem der Arbeitslosigkeit zusammen mit \"der Frage Krieg odeKommunisten das Problem der Arbeitslosigkeit zusammen mit \"der Frage Krieg oder Frieden\" im Zentrum ihres politischen Wirkens stehe. Die DKP-Kreisvorst\u00e4nde N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen gaben \"Arbeitslosenzeitungen der DKP\" heraus. \"Kampf um Arbeitspl\u00e4tze in den Kommunen -- Beispiele, Vorschl\u00e4ge, Forderungen\" -- unter diesem Motto ver\u00f6ffentlichte der Arbeitskreis f\u00fcr Landesund Kommunalpolitik beim Parteivorstand der DKP eine Brosch\u00fcre, worin die zu nutzenden \"Kampfmittel\" vorgestellt werden. Von den 1983 in Bayern bekanntgewordenen \"Arbeitslosenzentren, -initiativen und -Selbsthilfen\" wurden f\u00fcnf von orthodox-kommunistischen Gruppierungen beeinflu\u00dft. Trotz der ideologischen Differenzen waren die DKP, ihre Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen 1983 vermehrt bereit, die Teilnahme von Gruppen und Mitgliedern der Neuen Linken an B\u00fcndnisaktionen zu tolerieren, um f\u00fcr ihre Zie27","le eine m\u00f6glichst breite Massenbasis zu gewinnen. Dies zeigte sich vor allem bei der Kampagne f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung. Im Rahmen dieser B\u00fcndnispolitik gelang es den orthodoxen Kommunisten 1983, vor allem bei der Friedenskampagne, ihren Einflu\u00df weiter zu vergr\u00f6\u00dfern. Sie konnten in erheblichem Umfang auch demokratische Organisationen f\u00fcr eine Beteiligung an Aktionen gewinnen. Sie nutzten aber auch Veranstaltungen solcher Organisationen, um vor deren Hintergrund zu agieren, indem sie z.B. ihre Mitglieder aufriefen, daran teilzunehmen, am Rande Flugbl\u00e4tter verteilten oder sich mit eigenen Parolen bei Demonstrationen zeigten. Ein markantes Zeichen dieser B\u00fcndnispolitik sind die vielf\u00e4ltigen Aufrufe zu Demonstrationen und sonstigen Veranstaltungen. Unter den Erstunterzeichnern solcher Aufrufe findet sich oft ein relativ konstanter Stamm f\u00fchrender Vertreter linksextremer und linksextrem beeinflu\u00dfter, aber auch demokratischer Organisationen, die mit ihrer Unterschrift dem Aufruf erst Schubkraft verleihen. Den Erfolg dieser B\u00fcndnispolitik zeigten 1983 vor allem die ,,Osterm\u00e4rsche\" mit rund 250.000 Teilnehmern und die \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober mit rund 650.000 Teilnehmern im Bundesgebiet. 2.2.4 Organisation Die Mitgliederzahl der DKP lag 1983 auf Bundesebene unter 40.000 Mitgliedern. In Bayern gab es Ende 1983 rund 3.000 DKP-Mitglieder. Die letzte Etappe des seit 1981 laufenden Wettbewerbes \"St\u00e4rkung der Partei\" zur Gewinnung neuer Mitglieder und UZ-Abonennten ging am 15. Januar 1983 zu Ende. Eigenen Angaben zufolge will die DKP nahezu 5.000 neue Mitglieder und 8.500 UZ-Abonenten geworben haben. Im Gesamtwettbewerb auf Bundesebene belegten von den 12 Bezirksorganisationen die Nordbayerns den dritten, die S\u00fcdbayerns den elften Platz. Entwicklung der Mitgliederzahlen der DKP in Bayern Mitglieder 1968 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 - 3000 - - 2500 - -- AJUU -- - iouu - -- IUUU -- OUU Die organisatorische Struktur der DKP \u00e4nderte sich 1983 nicht. Die DKP gliedert sich in 12 Bezirksorganisationen. Diese sind in Kreisbzw. Gebietsorganisationen unterteilt, die die bundesweit rund 1.500 Grundorganisationen, n\u00e4mlich die 28","Organisationsstruktur der DKP Parteitag Parteivorstand Pr\u00e4sidium J *- Sekretariat 9? O Bezirksorganisationen Bezirksdelegiertenkonferenz Bezirksvorstand Sekretariat r i .2 i CT | in ! J_ Kreis-/ Gebietsorganisationen Kreisdelegiertenkonferenz Kreisvorstand Sekretariat .2> i _.. . Ol..\" . . O1 Grundorganisationen * Jahreshaupt*~. versammlung Vorstand Wahl des Vorsitzenden, - * Stellvertreters und \" bindende Beschl\u00fcsse weiterer Vorstandsmitglieder , *. Rechenschaftspflicht Stand: 31.12.1983 29","Orts-, Stadtteil-, Wohngebiets-, Betriebsund Hochschulgruppen zusammenfassen. Bayern ist in die Bezirksorganisationen Nordund S\u00fcdbayern aufgeteilt. Parteivorsitzender ist seit 1973 Herbert Mies, sein Stellvertreter Hermann Gautier. Bei den Neuwahlen 1983 blieben Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender im DKP-Bezirk Nordbayern Herbert Stiefvater und Anka Konh\u00e4user; im DKP-Bezirk S\u00fcdbayern wurden wieder Walter Listl Vorsitzender und Heinrich Horrelt sein Stellvertreter. Die DKP ist in ihrer inneren Struktur nach dem marxistisch-leninistischen Prinzip des \"demokratischen Zentralismus\" aufgebaut (vgl. Schema auf S. 29). Die absolute Verbindlichkeit der Beschl\u00fcsse der \u00fcbergeordneten Einheiten f\u00fcr die untergeordneten sowie das strikte Verbot der Fraktionsbildung gew\u00e4hrleisten die Geschlossenheit der DKP. In ihrem Ende 1983 nach dem Parteiengesetz ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht wies die DKP f\u00fcr 1982 Einnahmen in H\u00f6he von 16,4 Mio DM (1981, 15,1 Mio DM) aus, davon 6,2 Mio DM an Mitgliedsbeitr\u00e4gen und 6,2 Mio DM an Spenden. In dem Spendenbetrag sind acht Einzelspenden von 20.000 DM und mehr mit einem Gesamtbetrag von 415.795 DM enthalten. Dar\u00fcber hinaus erbrachten die Parteimitglieder Sach-, Werkund Dienstleistungen in H\u00f6he von 5,5 Mio DM. 1982 sind f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation Nordbayern 780.722 DM (1981: 699.542 DM), f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern 782.947 DM (1981: 703.566 DM) an Gesamteinnahmen ausgewiesen. Zwar behauptet die DKP, sie finanziere sich ausschlie\u00dflich aus diesen Einnahmequellen. Tats\u00e4chlich war sie aber auch 1983 nicht in der Lage, die Ausgaben f\u00fcr den aufwendigen Parteiapparat, die zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen sowie die umfangreiche publizistische Agitation aus dem eigenen Parteiaufkommen zu bezahlen. Es liegen Anhaltspunkte daf\u00fcr vor, da\u00df die DKP 1983 f\u00fcr ihre Parteiarbeit, ihre Nebenorganisationen und die von ihr gef\u00f6rderten Verlage, Publikationen usw. wieder Zusch\u00fcsse von mehr als 60 Millionen DM aus der DDR erhalten hat. 2.2.5 Publikationen, Verlage und sonstige Propagandatr\u00e4ger Die wichtigste Publikation der DKP ist ihr Zentralorgan \"Unsere Zeit -- Die Zeitung der arbeitenden Menschen -- Zeitung der DKP\" (UZ). Sie erschien an Werktagen in einer Auflage von etwa 25.000, die Wochenendausgabe am Freitag in einer Auflage von etwa 50.000 Exemplaren. Mit Ablauf des 30. Juni stellte sie ihre Montagsausgabe ein; als Begr\u00fcndung wurden die Erh\u00f6hung der Mehrwertsteuer und zu hohe Herstellungsund Betriebskosten genannt. Die Forderungen und Vorschl\u00e4ge der DKP zu aktuellen Themen werden nicht nur in UZ-Artikeln, sondern auch in Brosch\u00fcren ver\u00f6ffentlicht. 1983 erschienen u.a. die Brosch\u00fcren \"F\u00fcr eine demokratische und soziale Wohnungspolitik im Interesse der arbeitenden Bev\u00f6lkerung\", \"Demokratisches Bauernprogramm der Deutschen Kommunistischen Partei\" und \"F\u00fcr eine demokratische Frauenpolitik\". Ferner wurde die Schriftenreihe \"kommunisten & frieden\" mit Aussagen zu den Themen \"Was wollen die Russen wirklich\" -- \"Weiterverhandeln statt stationieren\" -- \"Die neuen Abr\u00fcstungsvorschl\u00e4ge der Sowjetunion und des Warschauer Vertrages\" fortgef\u00fchrt. 30","Gro\u00dfe Bedeutung mi\u00dft die DKP auch ihren Kleinzeitungen bei. 1983 erschienen in Bayern \u00fcber 50 Kreis-, Orts-, Stadtteilund Wohngebietszeitungen der DKP, viele jedoch nur gelegentlich. Neben bundesweiten Themen wie \"Arbeitslosigkeit\", \"5 Minuten vor 12\" und \"LehrstellengarantieM\u00fcge\" wurden in den Ausgaben auch \u00f6rtliche Probleme behandelt. An Betriebszeitungen, dem wichtigsten Propagandamittel der DKP-Betriebsgruppen, wurden 1983 33 bekannt. Von ihnen erschien etwa ein Drittel nur sporadisch. Als Anleitung f\u00fcr das Abfassen der Kleinzeitungen verteilte der DKP-Parteivorstand monatlich die Brosch\u00fcre \"infodienst\". Ferner gab er das \"Handbuch f\u00fcr Betriebszeitungen, Wohngebietsund Hochschulzeitungen der DKP\" sowie viertelj\u00e4hrlich die Zeitschrift \"praxis -- Erfahrungen aus dem Leben und der Arbeit der Partei\" heraus. Der DKP-Verlag \"Marxistische Bl\u00e4tter\" in Frankfurt a.M. gibt das gleichnamige Organ heraus, das sich haupts\u00e4chlich mit \"Problemen der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik\" befa\u00dft. Seit seinem Bestehen publiziert der Verlag dar\u00fcber hinaus B\u00fccher zu Themen der marxistischen Theorie und Praxis. Der DKPVorsitzende Mies nannte die \"Marxistischen Bl\u00e4tter\" \"ein wirkungsvolles publizistisches Gegengewicht zu den Heerscharen b\u00fcrgerlicher und kleinb\u00fcrgerlicher Marxt\u00f6ter und Marxverf\u00e4lscher\". 31","Die DKP-beeinflu\u00dfte \"Arbeitsgemeinschaft sozialistischer und demokratischer Verleger und Buchh\u00e4ndler\" hat das Ziel, mit ihrer Literatur als ,,Waffe im Klassenkampf\" den Weg zum Sozialismus zu weisen. Nach Ansicht der DKP soll das \"fortschrittliche Buch\" dazu dienen, die Bindung an die Partei zu festigen und zur L\u00f6sung politisch-ideologischer Probleme beizutragen. Der \"Arbeitsgemeinschaft\" geh\u00f6rten 1983 13 Verlage und \u00fcber 25 ,,collektiv\"-Buchhandlungen an. In Bayern gibt es ,,collektiv\"-Buchhandlungen, die unter \"Libresso\"-Buchzentren firmieren, in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Auf der Frankfurter Buchmesse waren 10 dieser Verleger und Buchh\u00e4ndler vertreten. Sie stellten nach eigenen Angaben \u00fcber 1.800 Buchtitel, darunter rund 500 Neuerscheinungen aus eigener Produktion vor. Vertreter dieser Verlage erkl\u00e4rten, sie wollten mit verlegerischen Mitteln alles tun, um den \"Kampf der Friedensbewegung gegen die Raketenstationierung\" zu unterst\u00fctzen. Die Verlage decken thematisch mit ihren periodischen Schriften und der sonstigen Literatur alle \"Kampffelder\" der DKP, ihrer Nebenorganisationen und von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen ab. Sie haben sich im einzelnen weitgehend auf bestimmte Bereiche spezialisiert. Die Plambeck & Co. Druck und Verlag GmbH in Neu\u00df verlegt und druckt die UZ und die Mehrzahl aller Publikationen der Orthodoxen Linken. Seit der \u00dcbernahme des Damnitz Verlags in M\u00fcnchen zum Jahresbeginn druckt sie auch die \"Literarische Vierteljahresschrift .k\u00fcrbiskern' -- Literatur, Kritik, Klassenkampf\" sowie \"tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst\". Zu den Herausgebern des \"k\u00fcrbiskern\" geh\u00f6ren DKP-Funktion\u00e4re. Dem Redaktionskollektiv der Zeitschrift \"tendenzen\" geh\u00f6ren DKP-Mitglieder, darunter ein Mitglied des Parteivorstandes an. Ein weiterer Propagandatr\u00e4ger ist die UNIDOC Film GmbH, die zum 1. November 1983 ihren Hauptgesch\u00e4ftssitz von M\u00fcnchen nach Dortmund verlegte und in M\u00fcnchen nur noch durch eine Zweigstelle vertreten ist. Gesellschaftsanteile und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der 1970 gegr\u00fcndeten Firma liegen in H\u00e4nden von DKPFunktion\u00e4ren. Nach Angaben ihres Leiters sieht sie es als \"wichtigste Zielsetzung\" an, \"die DKP in ihrem Kampf zu unterst\u00fctzen\". Das Verleihprogramm umfa\u00dft u.a. Filme zum \"politischen und sozialen Kampf in Westdeutschland\", zum \"Aufbau des Sozialismus\", zur \"internationalen Solidarit\u00e4t\" und \"gegen Faschismus und Krieg\". Eine propagandistische Steuerungsfunktion kommt auch der im November 1979 gegr\u00fcndeten Marx-Engels-Stiftung e.V. in Wuppertal zu. Sie will der \u00d6ffentlichkeit durch Veranstaltungen, Publikationen und eine st\u00e4ndige Ausstellung \"Kenntnisse \u00fcber die heutige Wirksamkeit der Ideen von Karl Marx und Friedrich Engels\" vermitteln. Ihr Vorstandsvorsitzender ist der DKP-Vorsitzende Mies. 2.2.6 Schulung Die DKP betrachtet es als erstrangige ideologische und politische Aufgabe, \"den Arbeitern und anderen Werkt\u00e4tigen Einsichten in die eigene Klassenlage und den unvers\u00f6hnlichen Gegensatz zwischen ihren Klasseninteressen und den Machtund Profitinteressen des Gro\u00dfkapitals zu vermitteln und klassenm\u00e4\u00dfige 32","Erkenntnisse zu vertiefen\". Diesem Ziel sowie der Verwirklichung des Prinzips der kommunistischen Parei als einer \"Gemeinschaft von Gleichgesinnten\" dient die intensive Schulung der DKP-Mitglieder. Diese umfa\u00dft Schulungsabende und Studienzirkel in den Parteigruppen, Kurse der \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) und der \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" sowie Kurse und Lehrg\u00e4nge an der Karl-Liebknecht-Schule der DKP in Leverkusen. An dieser Schule fanden 1983 rund 40 Wochenlehrg\u00e4nge statt. Die eigens zur Schulung von Angeh\u00f6rigen der DKP eingerichtete SED-Parteischule \"Franz Mehring\" in Berlin (Ost) und das Institut f\u00fcr Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der KPdSU in Moskau boten auch 1983 Schulungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr DKP-Funktion\u00e4re. Die \"Marxistische Arbeiterbildung -- Vereinigung zur Verbreitung des wissenschaftlichen Sozialismus\" (MAB) arbeitet mit \u00fcber 50 Bildungsgemeinschaften zusammen, die mit Unterst\u00fctzung insbesondere der DKP-Kreisorganisationen die \"Marxistischen Abendschulen\" (MASCH) betreiben. Ihre Kurse, die auch Nichtparteimitgliedern offenstehen, arbeiten auf der Grundlage einer von der MAB herausgegebenen Seminarplansammlung und umfassen das Studium der marxistischen politischen \u00d6konomie und des \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Bundesvorsitzender der MAB ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Hans Schneider. Als gesellschaftsund sozialwissenschaftliches Institut der DKP ist das \"Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschungen e.V.\" (IMSF) in Frankfurt a.M. anzusehen. Leiter des Instituts ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Dr. Heinz Jung. MASCH und MAB haben gemeinsam mit dem IMSF die Aufgabe, \"den origin\u00e4ren Marxismus, die Theorie von Marx, Engels und Lenin zu verbreiten und sch\u00f6pferisch auf die Bedingungen des Klassenkampfes in der Bundesrepublik Deutschland anzuwenden\". Mit einer Konferenz am 11./12. September im Wuppertaler Marx-Engels-Zentrum er\u00f6ffnete die DKP ihr Bildungsjahr 1983/84. Das DKP-Pr\u00e4sidium stellte f\u00fcnf Themen heraus: \"Kommunisten, Krieg und Frieden heute\", \"Die Arbeiterklasse heute\", \"Kommunisten, Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenbewegung\", \"Die Welt, in der wir leben\" und \"Kommunisten -- Sozialdemokraten -- Gr\u00fcne heute\". Der MAB-Vorsitzende Hans Schneider wies die Teilnehmer darauf hin, da\u00df man mit einer verst\u00e4rkten marxistischen Bildungsarbeit besser den Anforderungen gerecht werden k\u00f6nne, die eine \"enorm gewachsene Friedensbewegung und zunehmende Kampfaktionen von Belegschaften und Gewerkschaften an die ideologische Arbeit der Marxisten\" heute stellen. 2.2.7 Betriebsarbeit der DKP Die DKP ist auf dem Gebiet der Betriebsarbeit nach wie vor die f\u00fchrende extremistische Kraft. F\u00fcr sie sind die Betriebe das \"Hauptfeld des Klassenkampfes\". Hier sieht die DKP \"die besten M\u00f6glichkeiten, den Arbeitern die Unvers\u00f6hnlichkeit ihrer Klasseninteressen mit denen der Bourgeoisie bewu\u00dft zu machen\". Die DKP handelt getreu der Devise Lenins: \"Die Agitation unter den Arbeitern besteht darin, an allen spontanen Kampfaktionen der Arbeiterklasse, an allen Zusammenst\u00f6\u00dfen zwischen Arbeitern und Kapitalisten wegen Arbeitszeit, Arbeits33","lohn, Arbeitsbedingungen teilzunehmen\". Dementsprechend versucht die DKP intensiv, in den Betrieben in besonderer Weise die Belange der Arbeitnehmerschaft zu vertreten. Tr\u00e4ger dieser Betriebsarbeit sind vorrangig die Betriebsgruppen, die nach dem Parteistatut wichtigsten Grundorganisationen der Partei. Die herausgehobene Stellung der DKP-Betriebsgruppen zeigte bereits die Forderung des DKPVorsitzenden Mies auf der 6. Tagung des Parteivorstandes am 13714. November 1982: \"Die ganze Partei mu\u00df sich konsequent der Arbeiterklasse, der Arbeit in den Betrieben, der Aufgabe der weiteren St\u00e4rkung der Betriebsgruppen zuwenden\". Eine Entschlie\u00dfung des DKP-Parteivorstandes zur Vorbereitung des 7. Parteitages im Jahre 1984 qualifizierte die Betriebsgruppen als \"Lebenszellen\" der Partei, \u00fcber die sie am engsten mit der Bev\u00f6lkerung verbunden sei. Die Betriebsgruppen wurden aufgefordert, die Gesamtsituation der Betriebsarbeit systematisch zu verbessern, zu festigen und neue Betriebsgruppen zu schaffen. Wo nach dem Parteistatut die Voraussetzungen f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Betriebsgruppe noch nicht gegeben sind, sollen \"Betriebsaktivs\" geschaffen werden. In sie sollen Mitglieder aus Wohngebietsund Hochschulgruppen zeitweilig delegiert werden, die den \"Genossen des Betriebes alle Hilfe und Unterst\u00fctzung zu geben\" haben. 34","Die wesentliche Aufgabe der Betriebsgruppen besteht darin, DKP-Mitglieder in Betriebsr\u00e4ten und gewerkschaftlichen Vertrauensk\u00f6rpern zu unterst\u00fctzen und in Betriebsund Gewerkschaftsversammlungen \"den Standpunkt der Arbeiterklasse \u00fcberzeugend zu vertreten\". Mitglieder, die in Betrieben und Gewerkschaften wichtige Funktionen aus\u00fcben oder erlangen sollen, werden in den \"Marxistischen Betriebsarbeiterschulen der DKP\" intensiv geschult. Diese Lehrg\u00e4nge haben das Ziel, Betriebsarbeitern eine gr\u00fcndliche und systematische Einf\u00fchrung in die wichtigsten Bereiche des Marxismus-Leninismus zu geben. Neben der allgemeinen theoretischen Schulung wurde auch 1983 Betriebsarbeitern vor allem an Hand aktueller Themen wie \"Friedensarbeit im Betrieb\", \"Mietstop\" oder \"soziale Demontage\" in Betriebsarbeiteraussprachen, -beratungen und -Seminaren die Anwendung der kommunistischen Ideologie erkl\u00e4rt. Die Seminare dienen zugleich dazu, in Fortbildungsveranstaltungen zu \"Imperialismustheorie\", \"Stamokap\" und \"kapitalistische Krise\" theoretische Kenntnisse zu vertiefen und zu aktualisieren. Die Zahl der in Bayern bekannten Betriebsgruppen verringerte sich von 35 auf etwa 30. Allerdings entstanden rund 20 \"Betriebsaktivs\". Die Mitgliederzahl der Gruppen ver\u00e4nderte sich kaum. Die Aktivit\u00e4ten nahmen jedoch zu. Die Zahl der bekanntgewordenen Betriebszeitungen erh\u00f6hte sich auf 33. Anzahl der in Bayern bekannt gewordenen Betriebsgruppen und -Zeitungen 78 79 80 81 82 83 Betriebsgruppen/Betriebsaktivs 46 30 30 35 35 30/20 Betriebszeitungen 61 27 27 25 30 33 In erster Linie bestehen Betriebsgruppen in der Metallindustrie. Femer bem\u00fchte sich die DKP verst\u00e4rkt, im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tige DKP-Mitglieder lokal zu \"Betriebsgruppen \u00d6ffentlicher Dienst\" zusammenzufassen. Die DKP konzentriert sich vor allem auf Gro\u00dfbetriebe. Sie sieht die Organisierung und Kampfkraft der Arbeiter in den Gro\u00dfbetrieben als wichtigsten \"vereinigenden Faktor\". Die industriellen Gro\u00dfbetriebe seien \"die Zentren der \u00f6konomischen Macht des Industrie-, Bankund Finanzkapitals, zugleich aber auch Konzentrationspunkte der Arbeiterklasse und des Klassenkampfes\". Nach Auffassung des DKP-Vorsitzenden Mies ist \"die Verankerung unserer Partei, die St\u00e4rkung und Aktivit\u00e4t unserer Betriebsgruppen in den Gro\u00dfund Konzernbetrieben das.Kernst\u00fcck unserer Orientierung auf die Arbeiterklasse. . . Es ist ein anspruchsvolles, aber lohnendes Kampfziel, in einem \u00fcberschaubaren Zeitraum, auch schon mit Blick auf den n\u00e4chsten Parteitag, zu erreichen, da\u00df in den meisten dieser Konzernund Gro\u00dfbetriebe wirkungsvolle kommunistische Arbeit geleistet wird\". Zur Koordinierung und Aktivierung der Betriebsarbeit veranstaltete die DKP \u00fcber\u00f6rtliche Beratungen mit Betriebsarbeitern und Funktion\u00e4ren verschiedener Konzerne. 35","2.2.8 Teilnahme an der Bundestagswahl Die DKP beteiligte sich an der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz mit Direktkandidaten in allen Wahlkreisen und mit Landeslisten in allen Bundesl\u00e4ndern. Nach ihrer Erkl\u00e4rung geh\u00f6rten von den 402 Listenbewerbern 352 einer Gewerkschaft an, davon 95 als Funktion\u00e4re; 138 Listenbewerber seien Betriebsr\u00e4te oder gewerkschaftliche Vertrauensleute, 43 Stadtoder Gemeinder\u00e4te. Den Wahlkampf f\u00fchrte sie als \"Anti-Raketen-Wahlkampf\" unter dem Motto \"Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen! Wehrt Euch!\". Nach dem amtlichen Ergebnis erhielt die DKP im Bundesgebiet 96.143 ( = 0,2%; 1980: 107.158 = 0,3%) Erststimmen und 64.986 ( = 0,2%; 1980:71.600 = 0,2%) Zweitstimmen. In Bayern erzielte sie 11.893 ( = 0,2%; 1980: 14.870 = 0,2%) Erststimmen und 7.332 ( = 0 , 1 % ; 1980: 8.158 = 0,1%) Zweitstimmen. Wahlergebnisse der DKP bei Bundeswahlen in Bayern -- 30000 20000 -- 10000 II ll ll ll 11 1969* 1972 1976 1980 1983 Erststimmen *) Wahlb\u00fcndnis \"Aktion Demokratischer Fortschritt\" , \" \" (ADF) mit Beteiligung der DKP Zweitstimmen Gegen\u00fcber der Bundestagswahl 1980 verlor die DKP bundesweit somit 10% ihrer Erststimmen und mehr als 9% ihrer Zweitstimmen. In Bayern lagen die Verluste der DKP bei 20% f\u00fcr die Erststimmen und bei 10% f\u00fcr die Zweitstimmen. In ihren \"Hochburgen\" F\u00fcrth, N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Regensburg mu\u00dfte die DKP mit Ausnahme von Regensburg empfindliche Stimmenverluste hinnehmen. Geringf\u00fcgige Gewinne an Erstund Zweitstimmen konnte sie in den Wahlkreisen Amberg, Aschaffenburg, Donau-Ries, Freising, Kulmbach, Rosenheim, Traunstein, Weiden und Weilheim erzielen. Das DKP-Pr\u00e4sidium f\u00fchrte den Stimmenr\u00fcckgang auf eine \"massive antikommunistische Verleumdungskampagne\" zur\u00fcck. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4tten sich die \"totale Ausschaltung der DKP aus den Massenmedien\" und die \"undemokratische 5-Prozent-Klausel\" nachteilig f\u00fcr die Partei ausgewirkt. Die \"nahezu 36","100.000 W\u00e4hler der DKP\" h\u00e4tten jedoch bewiesen, da\u00df die Partei im Kampf gegen die Herrschaft der Monopole \"unverzichtbar\" sei. Die DKP begr\u00fc\u00dfte den Einzug der \"Gr\u00fcnen\" in den Bundestag als eine \"Verst\u00e4rkung der au\u00dferparlamentarischen Bewegung\". Mehr denn je komme es jetzt auf die \"Weiterentwicklung einer m\u00e4chtigen Anti-Raketenbewegung\" und auf die Verbindung des \"Friedenskampfes\" mit den \"sozialen Auseinandersetzungen\" an. Die DKP werde deshalb die T\u00e4tigkeit der \"Gr\u00fcnen\" im Bundestag \"konstruktiv begleiten\". 2.2.9 Aktivit\u00e4ten Agitationsschwerpunkte der DKP waren 1983 die Kampagnen f\u00fcr den \"Krefelder Appell\", gegen die Nachr\u00fcstung der NATO, Aktionen f\u00fcr \"atomwaffenfreie Zonen\", der \"Kampf gegen Massenarbeitslosigkeit\", f\u00fcr den Schutz der \"B\u00fcrgerrechte\", gegen die \"Rotstiftpolitik\" und gegen die \"Berufsverbote\". Anl\u00e4\u00dflich des 100. Todestages von Karl Marx (14. M\u00e4rz 1883) veranstalteten das IMSF und die Marx-Engels-Stiftung e.V. der DKP am 10./11. M\u00e4rz in Trier eine \"internationale wissenschaftliche Konferenz\" zum Thema \"Das revolution\u00e4re Subjekt in der Welt von heute\". Vor etwa 400 Teilnehmern aus dem Inund Ausland f\u00fchrte der IMSF-Leiter Dr. Heinz Jung aus, die Lehre von Karl Marx sei f\u00fcr immer mehr Menschen \"Richtschnur der Orientierung und Anleitung zum Handeln\" geworden, so auch in der Bundesrepublik Deutschland; hier sei die \"DKP als marxistische Arbeiterpartei die h\u00f6chste Form der Klassenorganisation und des bewu\u00dften Ausdrucks des Klassenkampfes\". Im Anschlu\u00df an die Konferenz fand am 12. M\u00e4rz eine \"Internationale politische Manifestation\" mit \u00fcber 1.000 Teilnehmern statt; Veranstalter waren DKP, SDAJ und MSB Spartakus. Der DKP-Vorsitzende Mies betonte in seiner Ansprache, Marx lebe in der Politik und Praxis der DKP fort. Lenin habe den Marxismus erweitert und vollendet, der Marxismus-Leninismus sei eine Einheit. Der sowjetische Delegationsleiter bezeichnete Mies als einen \"angesehenen Vertreter der internationalen und deutschen kommunistischen Bewegung\". Er lobte die DKP als \"standhaften K\u00e4mpfer f\u00fcr. . .die Verwirklichung sozialistischer Ideale\" und versicherte, die Kommunisten der Sowjetunion w\u00fcrden ihre \"traditionelle Freundschaft\" und \"br\u00fcderliche Solidarit\u00e4t\" zur DKP weiterhin festigen. Das DKP-Pr\u00e4sidium wertete die einstweilige Anordnung des Bundesverfassungsgerichts zur Aussetzung der Volksz\u00e4hlung 1983 als \"gro\u00dfen Erfolg\" des \"demokratischen Protestes\". Jetzt sei verst\u00e4rkt ein \"Klima der \u00f6ffentlichen Meinung\" zu schaffen, in dem auch die Raketenstationierung \"politisch undurchf\u00fchrbar\" werde. Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts m\u00fcsse nun der Protest gegen ein k\u00fcnftiges \"besch\u00f6nigtes, aber im Kern unver\u00e4ndertes Gesetz zur Volksaushorchung\" weitergef\u00fchrt und mit dem \"Kampf gegen jede Form des Demokratieabbaus\" verbunden werden. Der Parteivorstand der DKP beschlo\u00df auf seiner 7. Tagung am 19./20. M\u00e4rz, den 7. Parteitag der DKP f\u00fcr den 6. bis 8. Januar 1984 nach N\u00fcrnberg einzuberufen. Der DKP-Vorsitzende Mies erl\u00e4uterte das \"aktuelle Kampfprogramm\" der DKP. Hauptforderung bleibe \"Arbeitspl\u00e4tze statt Raketen! Wehrt Euch!\". Er appellierte an Sozialdemokraten und \"Gr\u00fcne\", mit den Kommunisten gegen die \"Rechts37","koalition\" zu k\u00e4mpfen. Der Parteivorstand verabschiedete eine Entschlie\u00dfung \"Zu den Aufgaben in Vorbereitung des 7. Parteitages der DKP -- st\u00e4rkt die Partei des Friedens und der Arbeit!\". Schwerpunkte darin sind der Kampf gegen die Stationierung von ,,US-Mittelstrecken-Atomraketen\", gegen Massenarbeitslosigkeit und \"Krisenpolitik des Gro\u00dfkapitals\", gegen die \"fortschreitende Rechtsentwicklung\" und f\u00fcr die Verteidigung \"demokratischer Rechte und Freiheiten\". An den Maidemonstrationen des DGB beteiligten sich wie in den Vorjahren zahlreiche Linksextremisten. Orthodoxe Kommunisten nutzten die DGB-Veranstaltungen zu Protesten gegen die NATO-Nachr\u00fcstung. Sie wandten sich gegen den 1. Mai als \"sozialpartnerschaftlichen Feiertag\" und forderten von den Gewerkschaften \"k\u00e4mpferische Aktionen gegen das Gro\u00dfkapital\". Mit der Losung \"USRaketen stoppen -- Arbeitspl\u00e4tze sichern -- Wehrt Euch!\" organisierte die DKP daneben nach Angaben ihres Zentralorgans \"Hunderte\" eigener Maifeiern. 38","Das Pr\u00e4sidium der DKP bezeichnete die Regierungserkl\u00e4rung des Bundeskanzlers vom 4. Mai als Programm der \"versch\u00e4rften Rechtsentwicklung\", des \"Sozialabbaus\" und der \"Verwirklichung des NATO-Raketenbeschlusses\". Jetzt gelte es, die \"Friedensbewegung, die Arbeitslosenbewegung\" und andere \"soziale und demokratische Bewegungen\" weiter zu st\u00e4rken und die \"Wende nach rechts\" mit einem Aufschwung des \"demokratischen Kampfes\" zu beantworten. Die DKP warf der Bundesregierung vor, mit der vom Kabinett verabschiedeten \"Versch\u00e4rfung des Demonstrationsstrafrechts\" den \"Widerstand\" gegen die \"Raketenpolitik\" brechen zu wollen. Diesem Vorhaben diene auch das \"krampfhafte Bem\u00fchen\", einen \"hei\u00dfen Herbst\" herbeizureden. Gerade angesichts der \"Verleumdungskampagnen und Spaltungsversuche\" m\u00fc\u00dften die \"Friedensbewegung\" weiter verbreitet und die Herbstaktionen zielstrebig vorbereitet werden. In Bayern wurde mit Unterschriftensammlungen im Januar die von der DKP initiierte Kampagne \"atomwaffenfreie Zonen\" fortgef\u00fchrt. Unter dem Motto \"Arbeitspl\u00e4tze und Wohnungen statt Raketen -- Mietstopp f\u00fcr M\u00fcnchen\" begann die DKP im April mit einer Unterschriftenaktion f\u00fcr einen \"Antrag der B\u00fcrger an den M\u00fcnchner Stadtrat\". In dem \"B\u00fcrgerantrag\" forderte die DKP ein ,,2-Milliarden-Besch\u00e4ftigungsprogramm\", einen \"Mietstopp f\u00fcr M\u00fcnchen\" und den \"Stopp der st\u00e4dtischen Geb\u00fchren\". Zur Finanzierung ihrer Forderungen schlug die DKP vor, die \"st\u00e4dtischen Zusch\u00fcsse zum Atomkraftwerk Isar II in Ohu, die Gewinne der Konzerne und Banken und die R\u00fcstungsausgaben\" heranzuziehen. Nach den Kommunalwahlen 1984 werde die DKP den \"B\u00fcrgerantrag\" im M\u00fcnchner Stadtrat einbringen. Unter dem Motto \"Jetzt erst recht: f\u00fcr das Recht auf Arbeit -- f\u00fcr ein Leben in Sicherheit und Frieden\" veranstaltete der DKP-Bezirksvorstand S\u00fcdbayern am 25. Juni in M\u00fcnchen eine \"Frauenkonferenz\", an der rund 100 Personen teilnahmen. Neben einem Votum \"M\u00fcnchen -- atomwaffenfreie Zone\" beschlo\u00df die Konferenz, sich mit einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe an der \u00f6ffentlichen Stadtratsvollversammlung am 29. Juni im M\u00fcnchner Rathaus zu beteiligen. Zu erheblichen St\u00f6rungen kam es dann bei dieser Stadtratssitzung, als eine DKP-Funktion\u00e4rin mit weiteren Personen auf der Zuschauergalerie Transparente entrollte. Die Aufforderung, die Transparente einzurollen und den Saal zu verlassen, quittierten die St\u00f6rerin und ihre etwa ein Dutzend z\u00e4hlenden Anh\u00e4nger mit dem Sprechchor: \"Es bleibt dabei -- M\u00fcnchen atomwaffenfrei\". Die Polizei r\u00e4umte die Zuschauergalerie. Anl\u00e4\u00dflich des 10. Jahrestages (11. September 1973) des Milit\u00e4rputsches in Chile f\u00fchrte die DKP unter dem Motto \"Freiheit f\u00fcr Chile\" in mehreren St\u00e4dten \"Solidarit\u00e4tsveranstaltungen\" durch. So zeigte die DKP W\u00fcrzburg am 9. September in ihrem Informationszentrum einen \"Widerstandsfilm\". Auf einer Veranstaltung in N\u00fcrnberg am 19. September sprachen Vertreter des DKP-Parteivorstandes und der Kommunistischen Partei Chiles. In M\u00fcnchen fand die mit Flugbl\u00e4ttern und Plakaten angek\u00fcndigte \"Solidarit\u00e4tsveranstaltung\" am 23. September statt. Dieser Veranstaltung gingen \"antiimperialistische Tage\" mit Filmvorf\u00fchrungen und Diskussionsabenden im \"Hans-Beimler-Zentrum\" voraus. Die Beteiligung lag insgesamt bei rund 3.000 Personen. 39","2.2.10 Steuerung der DKP durch die SED Die DKP wird von der SED angeleitet und umfassend unterst\u00fctzt (zur finanziellen Unterst\u00fctzung vgl. Nr. 2.2.4). Zahlreiche Arbeitsgespr\u00e4che zwischen SEDund DKP-Funktion\u00e4ren sicherten auch 1983 die Kontrolle der DKP durch die SED. Daf\u00fcr ist die sogenannte ,,Westabteilung\" beim Zentralkomitee (ZK) der SED verantwortlich, deren Leiter das SED-ZK-Mitglied Prof. Herbert H\u00e4ber ist. Dar\u00fcber hinaus sind den Bezirksorganisationen der SED jeweils Bezirksorganisationen der DKP als \"Patenbezirke\" zugewiesen. In Bayern sind dies f\u00fcr die DKPBezirksorganisation Nordbayern der SED-Bezirk Suhl und f\u00fcr die DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern der SED-Bezirk Gera. Zur Festlegung des Kurses der DKP und zur Abstimmung aktueller,, Kampfauf gaben\" wird allj\u00e4hrlich zwischen den F\u00fchrungen von SED und DKP ein Rahmenplan festgelegt, innerhalb dessen die SEDund DKP-Bezirksorganisationen ihre j\u00e4hrlichen schriftlichen Vereinbarungen \u00fcber die Zusammenarbeit auf Patenbezirksebene treffen. Die intensiven Kontakte zeigten sich auch 1983 in h\u00e4ufigen Reisen von DKPFunktion\u00e4ren und -Mitgliedern in die DDR. Umgekehrt wurde eine gro\u00dfe Zahl einreisender,,DDR-Reisekader\" -- allein nach Bayern \u00fcber 300 -- festgestellt. Diese sind Funktion\u00e4re, die im Rahmen der,.Westarbeit\" der SED einen Auftrag im Bundesgebiet zu erf\u00fcllen haben. Zu den Reisekadern z\u00e4hlen neben Funktion\u00e4ren der SED und anderer DDR-Massenorganisationen, die Kontakte zur DKP und den ihr nahestehenden Organisationen durch Gespr\u00e4che und Vortr\u00e4ge pflegen, auch Wissenschaftler, die neben ihrem eigentlichen beruflichen Auftrag politisch agitieren und Informationen gewinnen sollen. Die DDR-Reisekader haben \u00fcber Reiseverlauf und Gespr\u00e4che ausf\u00fchrliche Berichte anzufertigen, die von der SED und dem Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR ausgewertet werden. Weitere Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt die SED der DKP dadurch, da\u00df sie Einrichtungen in der DDR f\u00fcr die Schulung (vgl. Nr. 2.2.6), F\u00f6rderung und Betreuung westdeutscher Kommunisten zur Verf\u00fcgung stellt. Hierzu z\u00e4hlen auch die Ferienaktionen der DKP-Nebenorganisation Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) \"Wir fahren in ein kinderfreundliches Land\". F\u00fcr verdiente Kader der DKP organisiert und finanziert die SED Urlaubs-, Krankenhausund Kuraufenthalte in der DDR. Zahlreiche Unterlagen der DKP werden in die DDR verbracht und dort in SED-Archiven aufbewahrt, insbesondere Kaderunterlagen der DKP-Mitglieder. Den gegenseitigen Kontakten dienten auch \u00fcber 100 erkannte gemeinsame Reisen von DKP-Mitgliedern und Sympathisanten aus Bayern in die DDR. Diese sollen \"Vorurteile\" gegen\u00fcber dem \"realen Sozialismus\" abbauen. So berichtete die UZ: \"Eine Woche Sozialismus konkret erlebten die Arbeitslosen aus der Bundesrepublik. Keine Arbeitslosigkeit, keine Angst vor dem Verlust ihrer Arbeitspl\u00e4tze, keine Zukunftsangst bei der Jugend. Wie anders sieht da die Wirklichkeit in der kapitalistischen Bundesrepublik aus\". Der Leiter der Abteilung Organisationund Personalpolitik beim Parteivorstand der DKP erkl\u00e4rte: \"Bei nicht wenigen gibt erst eine Reise in die DDR oder in ein anderes sozialistisches Land den ersten Impuls f\u00fcr den Eintritt in unsere Partei . Wir sind bem\u00fcht, diesen Proze\u00df mit allen Mittel zu f\u00f6rdern\". 40","2.2.11 Die \"kulturelle Westarbeit\" der SED Im ideologischen Klassenkampf, bei dem Versuch, das Bewu\u00dftsein der Arbeiter und anderer,,nichtmonopolistischer\" Kr\u00e4fte zu beeinflussen, messen orthodoxe Kommunisten der \"Kulturarbeit\" hohen ideologischen Wert bei. Sie verbinden mit der Kulturarbeit das Ziel, die \"kulturellen Errungenschaften des Sozialismus\" bekanntzumachen und so die ideologische Offensive des Sozialismus zu unterst\u00fctzen. Gleichzeitig sind die Bem\u00fchungen darauf gerichtet, das \"B\u00fcndnis mit den Kr\u00e4ften einer demokratischen und sozialistischen Kultur in den L\u00e4ndern des Kapitals zu vertiefen und einen unvers\u00f6hnlichen Kampf gegen die reaktion\u00e4re b\u00fcrgerliche Ideologie und die imperialistische Kultur zu f\u00fchren\". Die kulturelle \"Westarbeit\" der SED, die der politischen Unterst\u00fctzung der DKP und der Selbstdarstellung der DDR dient, besteht vor allem in der Entsendung zahlreicher, teilweise namhafter Theater-, Musikund Kleinkunstensembles zu Veranstaltungen der DKP und ihrer Nebenorganisationen, aber auch in engen Beziehungen zwischen Verlagen in der DDR und kommunistischen Verlagen in der Bundesrepublik Deutschland. In diesem Zusammenhang ist auch die \"MarxEngels-Ausstellung\" zu erw\u00e4hnen, die das Museum f\u00fcr Deutsche Geschichte der DDR dem Marx-Engels-Zentrum der DKP in Wuppertal als Dauerleihgabe zur Verf\u00fcgung gestellt hat. Bei besonderen Anl\u00e4ssen wie dem \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz, dem 1. Mai, den \"Pfingstcamps\" derSDAJ.dem \"Festival der Jugend\" und dem \"Internationalen Tag des Kindes\" am 1. Juni traten DDR-Ensembles auf Veranstaltungen der DKP und ihres organisierten Umfeldes auf. Dabei bildeten die Auftritte von Rockgruppen aus der DDR einen Anziehungspunkt speziell f\u00fcr Jugendliche. Bisher sind bei SDAJ-\"Pfingstcamps\" popul\u00e4re Rockgruppen wie \"Elefant\" und \"Feuerstein\" aufgetreten, aber auch FDJ-Ensembles wie der \"Oktober-Club\" und der FDJ-Singeclub \"Impuls\". Musikalische H\u00f6hepunkte sind die \"Arbeiterkonzerte\" der DKP. Auf diesen Veranstaltungen gastierten im Bundesgebiet seit 1981 sechsmal j\u00e4hrlich international bekannte Sinfonieorchester der DDR, h\u00e4ufig mit einem politischen Motto wie \"Solidarit\u00e4t f\u00fcr alle Demokraten, die vom Berufsverbot betroffen sind\", \"Abr\u00fcstung, Entspannung und Frieden\". Die politische Bedeutung dieser \"Arbeiterkonzerte\" unterstrich die DKP mit dem Hinweis, diese Konzerte seien \"keine gew\u00f6hnlichen\" Sinfoniekonzerte, sondern \"politische Demonstrationen gegen das Bildungsprivileg der Herrschenden\". In N\u00fcrnberg fand am 4. Dezember das zweite Arbeiterkonzert der DKP in Nordbayern statt. Hervorzuheben ist f\u00fcr 1983 die Tournee des \"Theaters im Palast\" aus Anla\u00df des 100. Todestages von Karl Marx (14. M\u00e4rz 1883) mit dem Programm \"Salut an alle, Marx\". F\u00fcr diese Tournee mit renommierten DDR-Schauspielern warb die DKP in einer umfangreichen Anzeigenserie. Der DKP-Vorsitzende Mies erkl\u00e4rte \"Salut an alle, Marx\" sei eine \"k\u00fcnstlerisch gelungene und politisch \u00fcberzeugende Demonstration der Aktualit\u00e4t des Marxismus\". Von dieser \"kulturellen Westarbeit\" sind andere, auch kommerzielle, kulturelle Aktivit\u00e4ten zu unterscheiden, die ohne unmittelbaren Bezug zur DKP von der DDR durchgef\u00fchrt werden. 41","2.2.12 Internationale Kontakte der DKP \u00dcber die traditionellen Verbindungen zur Mutterpartei KPdSU und zur Bruderpartei SED hinaus vertiefte die DKP auch 1983 ihre freundschaftlichen Beziehungen zu anderen kommunistischen Parteien durch gegenseitige Besuche, Treffen und bei internationalen Gro\u00dfveranstaltungen kommunistischer Parteien. Die DKPund SED-Pressemeldungen stellten derartige Begegnungen besonders heraus. Im Januar besuchte eine Delegation der DKP Polen. Dabei bekundete sie die Zuversicht, es werde den polnischen Kommunisten gelingen, das ,.sozialistische Polen\" zu festigen und den \"konterrevolution\u00e4ren Kr\u00e4ften des Westens\" die Einmischung zu verwehren. Ende Mai kam auf Einladung des DKP-Parteivorstandes eine Delegation des ZK der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Ausland) unter Leitung ihres Generalsekret\u00e4rs in die Bundesrepublik. Der DKP-Vorsitzende Mies versicherte \"die volle Solidarit\u00e4t\" der DKP mit dem Kampf der KKE f\u00fcr die Befreiung ihres Landes von den \"imperialistischen Fesseln der NATO und der EG\" sowie der \"ausl\u00e4ndischen St\u00fctzpunkte\". Auf Einladung des DKP-Parteivorstandes hielt sich Anfang Mai der Generalsekret\u00e4r der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TKP) im Bundesgebiet zu Gespr\u00e4chen mit dem DKP-Vorsitzenden Mies und dem Parteivorstandsmitglied Heinz Lang auf. Am 22723. Mai traf der DKP-Vorsitzende Mies auf dem kommunistischen \"Festival der Jugend\" in Dortmund mit den Pr\u00e4sidenten des Weltfriedensrates (WFR) Romesh Chandra zusammen. Funktion\u00e4re des DKP-Parteivorstandes besuchten im Juli Ungarn, die CSSR und Kuba. Mitte des Jahres \u00fcberreichte der Sekret\u00e4r des Parteivorstandes der DKP Sepp Mayer der kommunistischen Befehlshaberin einer milit\u00e4rischen Einheit der Befreiungsbewegung \"Farabundo Marti\" (FMLN/FDR) in El Salvador eine Solidarit\u00e4tsspende in H\u00f6he von 10.000 DM. Eine Delegation des DKP-Parteivorstandes unter Leitung des Parteivorsitzenden reiste Anfang Dezember in die Sowjetunion. Sie er\u00f6rterte mit hochrangigen KPdSU-Funktion\u00e4ren die Lage nach Beginn der NATO-Nachr\u00fcstung. Dabei erkl\u00e4rten beide Seiten, die \"Volksmassen\" m\u00fc\u00dften sich jetzt noch st\u00e4rker im \"Kampf f\u00fcr den Frieden\" engagieren; die kommunistischen Parteien tr\u00fcgen dabei \"eine besondere Verantwortung\". Die DKP-Delegation bekundete ihre \"volle Unterst\u00fctzung\" f\u00fcr die angek\u00fcndigten sowjetischen \"Gegenma\u00dfnahmen\". Die KPdSU betonte ihre Solidarit\u00e4t mit den \"Kommunisten und allen anderen Friedenskr\u00e4ften\" der Bundesrepublik Deutschland. Beide Parteien wollen ihre gegenseitigen Beziehungen verst\u00e4rken. 2.3 Nebenorganisationen der DKP Die DKP wurde auch 1983 in ihren politischen Aktivit\u00e4ten in weiten Bereichen durch ihre Nebenorganisationen unterst\u00fctzt. Diese sind zwar organisatorisch 42","selbst\u00e4ndige Vereinigungen mit eigenen Satzungen und F\u00fchrungsgremien. Sie ordnen sich aber politisch der DKP unter und bekennen sich wie diese zum Marxismus-Leninismus sowjetischer Pr\u00e4gung. Ma\u00dfgebende Funktionen nehmen DKP-Mitglieder wahr. Solche Nebenorganisationen sind wie bisher die Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ), der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) und die Jungen Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP). 2.3.1 Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) Die SDAJ wurde 1968 in Essen gegr\u00fcndet. Sie hat bundesweit etwa 15.000 Mitglieder. In Bayern hat sich die Mitgliederzahl unwesentlich erh\u00f6ht und lag Ende 1983 etwa bei 1.050 (1982 etwas \u00fcber 1.000). Sie ist damit nach wie vor die mitgliederst\u00e4rkste Nebenorganisation und bedeutendste Kaderreserve der DKP. Mit dieser k\u00e4mpft sie gemeinsam f\u00fcr eine ,.sozialistische Ordnung\" in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Vorbild der DDR. Nach ihrem \"Aktionsprogramm f\u00fcr die f\u00fcnf Grundrechte der Jugend\" will die SDAJ die \"sozialistische Bundesrepublik\" im \"entschiedenen Klassenkampf\" erreichen. Sie bekennt sich zu einem Sozialismus nach den Ideen von Marx, Engels und Lenin und will die revolution\u00e4ren Traditionen der Arbeiterjugendbewegung fortsetzen. Entwicklung der Mitgliederzahlen der SDAJ in Bayern Mitglieder 1968 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 -- id.nn - 1900 rnoo 800 600 - - 400 -- - 200 - Die SDAJ ist eine der aktivsten Mitgliedsorganisationen des prosowjetischen Weltbundes der Demokratischen Jugend (WBDJ). Sie pflegt vor allem mit der Freien Deutschen Jugend (FDJ) der DDR und der sowjetischen Jugendorganisation Komsomol \"freundschaftliche Verbundenheit\", So nahm eine Delegation der SDAJ an der Tagung des Exekutivkomitees des WBDJ vom 21. bis 23. April in Berlin (West) teil. Ein Mitglied der SDAJ-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrung und des Sekretariats k\u00fcndigte dabei zahlreiche Initiativen an, um die Jugend in der Bundesrepublik Deutschland verst\u00e4rkt f\u00fcr den \"Friedenskampf\" zu gewinnen. Eine Abordnung der SDAJ nahm vom 15. bis 28. Juli an einem internationalen Freundschaftslager der FDJ in der DDR teil, das unter Beteiligung auch anderer kommunistischer Jugendorganisationen aus westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern statt43","fand. Das Treffen stand unter der Losung:,.Jugend vereinige dich im Kampf! Europa darf kein Euroshima werden! Weg mit dem NATO-Raketenbeschlu\u00df\". Ende November hatte die SDAJ M\u00fcnchen und Anfang Dezember die SDAJ F\u00fcrth zu Diskussionsveranstaltungen mit FDJ-Angeh\u00f6rigen der DDR unter dem Motto \"Friedensbewegung\" eingeladen. Die organisatorische Struktur der SDAJ blieb 1983 unver\u00e4ndert. Es bestehen Landesverb\u00e4nde, die ihrerseits in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen unterteilt sind. In Bayern gibt es in Anlehnung an die Organisation der DKP die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Bundesvorsitzender der SDAJ ist das Mitglied des Pr\u00e4sidiums der DKP Werner St\u00fcrmann. Sprachrohr der SDAJ ist ,,elan -- das Jugendmagazin\". Es erscheint monatlich in einer Auflage von 35.000 Exemplaren. In Bayern wurden 1983 13 Kleinzeitungen der SDAJ bekannt, davon drei Betriebszeitungen. Auf der Wahrburg -- Gut Wahrberg in Aurach, Landkreis Ansbach, befindet sich die zentrale Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr SDAJ-Mitglieder, die auch von der DKP und den JP genutzt wird. 1983 fanden dort zahlreiche, meist einw\u00f6chige Lehrg\u00e4nge f\u00fcr Gruppenleiter, Betriebsgruppenleiter, Sch\u00fclergruppenleiter, Lehrlinge und f\u00fcr Kreisund Landesvorstandsmitglieder statt mit Themen wie \"Was ist antimonopolistische Demokratie?\", \"Grundfragen des Marxismus\", \"Was ist Sozialismus?\" und \"Was will die SDAJ?\". Vom 14. bis 21. August wurde dort unter dem Motto \"K\u00e4mpfen, um einfacher Arbeiter zu sein\" das 7. Victor-Jara-Treffen durchgef\u00fchrt. Es nahmen rund 200 Personen, vorwiegend \"Musikschaffende und Theaterleute\" aus dem gesamten Bundesgebiet teil, die sich in 12 Arbeitsgruppen mit dem Stellenwert der Kunst in den \"Organisationen der Arbeiterklasse\" befa\u00dften. Die SDAJ ist in Bayern in keinem Jugendring auf Stadt-, Kreisoder Landesebene vertreten. Auch beim Deutschen Bundesjugendring fand sie nach wie vor keine Aufnahme. Die propagandistischen Aktionen der SDAJ befa\u00dften sich 1983 schwerpunktm\u00e4\u00dfig mit dem \"Krefelder Appell\", der Schaffung \"atomwaffenfreier Zonen\", \"Frieden und Abr\u00fcstung\" sowie mit der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und der Jugendarbeitslosigkeit. Im Januar beschlo\u00df der Bundesvorstand, die Aktionen gegen die NATONachr\u00fcstung und gegen die Jugendarbeitslosigkeit zu verst\u00e4rken und die Kampagne \"Atomwaffenfreie Lehrwerkst\u00e4tten\" auszuweiten. F\u00fcr die Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz empfahl die SDAJ mit Parolen wie \"Arbeit statt Raketen\" und \"Marxisten braucht das Land\", die DKP zu w\u00e4hlen. Jede Stimme f\u00fcr die DKP sei eine \"Demonstration gegen die Rechtsentwicklung\". Mit zahlreichen Veranstaltungen griff die SDAJ aktiv zugunsten der DKP in den Wahlkampf ein. Mit Gespr\u00e4chen vor Fu\u00dfballstadien versuchte sie, junge Leute f\u00fcr die Argumente der DKP zu gewinnen. Unter dem Motto \"Jetzt erst recht -- gemeinsam gegen Rechts -- Arbeit statt Raketen\" veranstalteten die SDAJ und der MSB Spartakus mit Unterst\u00fctzung der DKP am 22723. Mai in Dortmund das \"Festival der Jugend '83\", an dem 44","Stoppt die USAtomraketen ! US-POLITIKER PLANEN DEN KRIEG (Mr. Louis Guiffrida, Leiter des NationaH len Notstandsamtes der USA: \"Sicherlich, ein Atomkrieg w\u00e4re ein I schrecklicher Schlamassel, aber in den Griff kriegen lie\u00dfe er sich schon.\" 'George Bush, heute immerhin Vizepr\u00e4si-| ident der USA, antwortete 1980 auf die ! Frage, was er von Reagans Forderung nach einem Rekord-R\u00fcstungshaushalt* | halte: \"Das ist f\u00fcr den sinnlos, der glaubt, da\u00df es bei einem Atomkrieg keinen Siff^ ' ger gibt. Meine Meinung ist das nicht\" iWenn die milit\u00e4rische Kommandozentrale Mr\\ Thomas K. Jones, fr\u00fcher Manager beiff 'ein bestimmtes Industriepotential und R\u00fcstungslieferanteh Boing - heute stell' iditt Zivilbev\u00f6lkerung zu einem gewissen vertretender Staatssekret\u00e4r im Pentagon: fProzentsatz \u00fcberlebt, und wenn man mehr j \"Wenn nur genug Schaufeln da sind, kann .Schaden anrichten kann bei seinem Gegjeder mit dem Leben davonkommen.... Eiq Iner als der bei uns, dann gibt es auch Loch in der Erde graben, ein paar auseinen Sieger.\" gehobene T\u00fcren dar\u00fcber und dann noch 90 Zentimeter Dreck als Abdeckung .... Schon nach einem Tag kann man sein Schutzloch verlassen und Wasser holen. Mr. TUchard Pipes, Ost-Experte im NatioSp\u00e4testens nach zwei Jahren hat sich n a l e n Sicherheitsrat der USA: das ganze Land wieder v\u00f6llig erholt.\" \"Nat\u00fcrlich wollen wir die nukleare \u00fcber- > legeuheit, b i s 1990 k\u00f6nnen wir am Ziel sein\". aus dem 'Stern', 25.11.1982) .PS Flugschrift der SDAJ 45","rund 100.000 Personen teilnahmen, darunter rund 500 aus Bayern. Neben inund ausl\u00e4ndischen G\u00e4sten, auch aus der Sowjetunion und der DDR, nahmen zahlreiche DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen wie die DFU, die VVN-BdA und die DFG-VK teil. Neben diesen hatten aber auch die Jungsozialisten, die Deutschen Jungdemokraten, die Sozialistische Jugend Deutschlands -- die Falken, die Naturfreundejugend Deutschlands und die ,,Gr\u00fcnen\" Vertreter entsandt. Der SDAJ-Bundesvorsitzende Werner St\u00fcrmann erkl\u00e4rte, die Stationierung der neuen US-Raketen sei aufzuhalten, \"wenn wir handeln, wenn wir demonstrieren und blockieren, wenn wir diskutieren und mobilisieren und wenn wir streiken\". Er rief die Teilnehmer dazu auf, sich an den Aktionen zum \"Antikriegstag\" und an der Aktionswoche im Oktober zu beteiligen. Auf seiner 6. Tagung appellierte der SDAJ-Bundesvorstand am 18./19. Juni an die Mitglieder, den \"Kampf gegen die Raketenstationierung\" durch Aktionen zu verst\u00e4rken, z.B. durch \"Spr\u00fchen von Friedenssymbolen\", Unterschriftensammeln f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und das \"Erkl\u00e4ren von Stra\u00dfen, Schulen, Jugendtreffpunkten zu atomwaffenfreien Zonen\". Am 24725. September trafen in K\u00f6ln Vertreter der SDAJ-Betriebsgruppen erstmals bundesweit zusammen, um \u00fcber die Ergebnisse ihrer Aktion \"atomwaffenfreie Lehrwerkst\u00e4tten\" und eine Verst\u00e4rkung ihrer Betriebsarbeit zu beraten. Der SDAJ-Bundesvorsitzende Werner St\u00fcrmann trat daf\u00fcr ein, deutlich zu machen, da\u00df Sozialpartnerschaft f\u00fcr die Arbeiter nur Verzicht bedeute. Der DKPVorsitzende Mies nannte in seinem Gru\u00dfwort das Treffen \"ein sehr bedeutendes Ereignis in der Geschichte der Arbeiterjugendbewegung\". In einem Aufruf zu den Sch\u00fclervertretungswahlen forderte die SDAJ \"aktive Sch\u00fclervertretungen\", die gegen \"Druck und reaktion\u00e4ren Mief\" sowie gegen jedes St\u00fcck \"Rechtsruck an ihrer Schule\" vorgehen. Die Sch\u00fcler waren aufgerufen, \"keine Sprengk\u00f6pfe zu w\u00e4hlen\" und Klassen und Schulen \"atomwaffenfrei\" zu machen. Aus Anla\u00df der milit\u00e4rischen Besetzung von Grenada durch die USA und einige Karibikstaaten am 25. Oktober initiierte die SDAJ am gleichen Tag vor dem Amerikahaus in M\u00fcnchen eine Demonstration. Rund 30 Personen beteiligten sich mit Fahnen, Fackeln und Transparenten \"Amis raus aus Grenada\" und \"Sie reden von Frieden und f\u00fchren Krieg\". Am 26. Oktober versammelten sich aus gleichem Anla\u00df in N\u00fcrnberg und abermals in M\u00fcnchen rund 750 Personen, wobei in M\u00fcnchen drei DKPbzw. SDAJ-Anh\u00e4nger wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte vorl\u00e4ufig festgenommen wurden, als nach der polizeilichen Aufl\u00f6sung der unangemeldeten Versammlung ihre Personalien festgestellt wurden. In ihrem \"antimilitaristischen Kampf\" unterst\u00fctzte die SDAJ auch 1983 die von ihr beeinflu\u00dften Arbeitskreise Demokratischer Soldaten (ADS). Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger der ADS in Bayern d\u00fcrfte bei 30 liegen. Aktivit\u00e4ten gingen nur vom ADS M\u00fcnchen in Form von Flugblattverteilungen in Kasernen und Briefkastenaktionen aus. Der ADS S\u00fcdbayern gab die Soldatenzeitung \"Der Alarmposten\" heraus. Im Februar erschien die Zeitung f\u00fcr Soldaten \"R\u00fchrt Euch\". Sie wird von Bundeswehrsoldaten und Redakteuren des SDAJ-Magazins \"elan\" her46","ausgegeben, von denen einige in \u00f6rtliche Soldateninitiativen integriert sind. Au\u00dferdem k\u00f6nnen Wehrpflichtige bei \"elan\" den \"Informationsdienst f\u00fcr Soldaten\" kostenlos bestellen. Eine Artikelserie des DKP-Zentralorgans \"UZ\" befa\u00dfte sich mit der \"Arbeiterjugend in Uniform\". Als \"einzige Arbeiterjugendorganisation\" ermunterte darin die SDAJ ihre m\u00e4nnlichen Mitglieder, die Dienstzeit bei der Bundeswehr abzuleisten und auch in Uniform das Klasseninteresse nicht aus den Augen zu verlieren. 2.3.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Der MSB Spartakus wurde 1971 gegr\u00fcndet. Als st\u00e4rkster orthodox-kommunistischer Studentenbund in der Bundesrepublik Deutschland bekennt er sich zum Marxismus-Leninismus und k\u00e4mpft mit der DKP und der SDAJ f\u00fcr die sozialistische Revolution. Er propagiert den \"realen Sozialismus\" der DDR als grunds\u00e4tzliche Alternative zum \"kapitalistischen System\". Der MSB Spartakus verf\u00fcgte bundesweit \u00fcber etwa 6.000 Mitglieder. In Bayern geh\u00f6rten dem MSB Spartakus Ende 1983 rund 250 (1982: 200) Mitglieder an, die sich auf Gruppen an den Hochschulen in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg verteilten. Neuer Vorsitzender des MSB Spartakus ist Bernd G\u00e4bler aus Bonn, der beim 8. Bundeskongre\u00df am 3./4. Oktober in M\u00fcnster als Nachfolger von Uwe Knickrehm gew\u00e4hlt wurde. Organ des MSB Spartakus sind die \"roten bl\u00e4tter\", die in einer monatlichen Auflage von 18.000 Exemplaren erscheinen. Der MSB Spartakus setzte 1983 seine bisherige B\u00fcndnispolitik im Hochschulbereich fort, um die Studentenbewegung zu einer \"antimonopolistischen Kraft\" gegen die \"Herrschenden\" zu entwickeln. Dies will er durch seine nach au\u00dfen dokumentierte \"gewerkschaftliche Orientierung\" erreichen, indem er seine Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstimmung\" und \"Streiks\" durchzusetzen versucht. Neben den hochschulpolitischen Themen wie \"Kampf um den Studienalltag\", \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" oder \"Studiengeb\u00fchren\" bef\u00fcrwortete der MSB Spartakus die im Zusammenhang mit der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung geplante \"Volksbefragung\" und pl\u00e4dierte f\u00fcr eine \"Urabstimmung\" an den Hochschulen. Zur Durchsetzung dieser Vorstellungen seien noch breitere B\u00fcndnisse und vor allem ein Mehr an gemeinsamem Handeln gegen \"rechts\" dringend erforderlich: \"Mehr Gemeinsamkeit in den demokratischen und au\u00dferparlamentarischen Bewegungen, enges Zusammenwirken von Arbeiterund Friedensbewegung -- das ist das Gebot der Stunde!\" Bei seinen Aktivit\u00e4ten wurde der MSB Spartakus wiederum von anderen Organisationen, haupts\u00e4chlich jedoch von seinem zuverl\u00e4ssigsten B\u00fcndnispartner, dem Sozialistischen Hochschulbund (SHB) -- vgl. im einzelnen zum SHB 5. Abschnitt Nr. 3 -- unterst\u00fctzt. Ferner gelang es ihm erneut, f\u00fcr B\u00fcndnisse und Aktionen demokratische Organisationen und Unorganisierte zu gewinnen. Der MSB Spartakus entfaltete 1983 seine Aktivit\u00e4ten haupts\u00e4chlich im Bildungsbereich -- vgl. im einzelnen 5. Abschnitt Nr. 2.2. -- und zur NATO-Nachr\u00fcstung. 47","2.3.3 Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation (JP) Die JP wurden 1974 auf Initiative der DKP nach dem Vorbild der Staatsjugendorganisationen der sozialistischen L\u00e4nder gegr\u00fcndet. Sie erfassen Kinder von 6 bis 14 Jahren. Nach ihrer Satzung k\u00e4mpfen die JP f\u00fcr den Sozialismus und betrachten sich als Teil der weltweiten kommunistischen Pionierbewegung. Sie dienen der DKP und der SDAJ als Basis f\u00fcr die Mitgliedergewinnung. Die DKP unterst\u00fctzt mit der SDAJ und dem MSB Spartakus die JP in der Erwartung, da\u00df sie die Kinder kommunistisch erziehen. Die JP gliedern sich nach ihrer Satzung in Gruppen-, Kreisund Landesverb\u00e4nde. In Bayern bestehen die Landesverb\u00e4nde Franken/Oberpfalz und S\u00fcdbayern. Die Zahl der Mitglieder der JP betrug 1983 bundesweit ca. 4.000. In Bayern d\u00fcrfte sich aufgrund der intensiven Werbung, besonders auf Kinderspielpl\u00e4tzen mit dem Spielmobil \"Willibald\", die Mitgliederzahl von 400 auf 450 erh\u00f6ht haben. Bundesvorsitzender der JP ist Achim Kroo\u00df, Mitglied der DKP und des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Bundesvorstandes der SDAJ. Der Bundesvorstand der JP ver\u00f6ffentlicht die zentrale Kinderzeitung \"Willibald\", die Ende des Jahres in \"Pionier\" umbenannt wurde, und die \"Pionierleiterinformation\". Eine Delegation der JP beteiligte sich von Mitte Juli bis Mitte August am 26. Internationalen Sommerlager in der \"Pionierrepublik Wilhelm Pieck\" am Werbellinsee in der DDR. Die Leiterin der JP-Delegation aus der Bundesrepublik Deutschland brachte dabei zum Ausdruck, da\u00df sie nach den Erlebnissen im Lager mit \u00fcber 1.000 Kindern aus 40 L\u00e4ndern neuen Mut im \"Kampf gegen die NATO-Raketen\" gewonnen habe. Unter dem Motto \"Kinder brauchen Frieden und Abr\u00fcstung\" f\u00fchrten das \"Comite International des Mouvements des Enfants et des Adolescents\" (CIMEA), eine Zweigorganisation des prosowjetischen WBDJ, und die JP als deren Mitgliedsorganisation vom 16. bis 18. September in Frankfurt a.M. ein Seminar durch, an dem sich Vertreter aus mehreren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern beteiligten. Im Mittelpunkt der Beratungen standen die \"Aufgaben der Kinderorganisation im Kampf f\u00fcr den Frieden und gegen die atomare Bedrohung\". Die Bundesleitung der JP rief im DKP-Zentralorgan \"UZ\" ihre Anh\u00e4nger zu einer Friedenskampagne auf. Unter dem Motto \"Tragen wir Friedenstauben ins Kinderzimmer, auf Spielpl\u00e4tze und in die Schulklassen\" sollten die Kinder ihre \"Friedenstauben\" in diesem Jahr mit weiteren 100.000 Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" schm\u00fccken. Ferner wurden die JP angehalten, an den Osterm\u00e4rschen teilzunehmen. Parallel zum \"Festival der Jugend '83\" von SDAJ und MSB Spartakus fand zu Pfingsten (22723. Mai) in Dortmund unter dem Motto \"Flieg, Friedenstaube flieg\" erstmals ein bundesweites Pfingsttreffen der JP mit sportlichen Wettk\u00e4mpfen, Kulturprogrammen und Gespr\u00e4chsrunden statt. H\u00f6hepunkt war ein \"Friedensumzug\" mit rund 5.000 Kindern am Pfingstmontag in Dortmund. Mit der Schlagzeile \"Ferienfahrt f\u00fcr Arbeiterkinder -- Sommerferien 1983\" warben DKP und JP bereits im Februar mit einer Gro\u00dfanzeige im DKP-Zentralorgan \"UZ\". Anfang August reisten von Bayern aus etwa 250 Kinder mit rund 20 Betreuern zu Ferienaufenthalten in die DDR. Zudem wurde Ende Juli eine Ferien48","reise der JP aus dem s\u00fcddeutschen Raum in die CSSR bekannt. Die Kinder verbrachten vier Wochen in der Hohen Tatra. Die Schwerpunkte von Aktivit\u00e4ten der JP in Bayern lagen 1983 in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. 2.4 Von der DKP beeinflu\u00dfte Organisationen 2.4.1 Allgemeines Die DKP ist realistisch genug zu erkennen, da\u00df sie mit einer unverhohlenen Propagierung ihrer verfassungsfeindlichen Ziele bei der Bev\u00f6lkerung keine nennenswerte Resonanz findet. Deshalb wirkt sie, oft mit Unterst\u00fctzung ihrer Nebenorganisationen, darauf hin, da\u00df Organisationen, \"Initiativen\" oder \"Komitees\" gegr\u00fcndet werden, die nicht Teil der Partei oder ihrer Nebenorganisationen sind, aber gleichwohl die Aufgabe haben, kommunistische Zielsetzungen zu f\u00f6rdern. Au\u00dferdem bem\u00fcht sich die DKP nach den Grunds\u00e4tzen ihrer B\u00fcndnispolitik, bei zahlreichen nichtkommunistischen Organisationen Einflu\u00df zu gewinnen, zu erhalten oder zu st\u00e4rken. Der Einflu\u00df der DKP bzw. ihrer Nebenorganisationen auf solche \"beeinflu\u00dfte Organisationen\" zeigt sich u.a. darin, da\u00df diese Organisationen eng mit der DKP oder ihren Nebenorganisationen zusammenarbeiten, da\u00df sie in ihren F\u00fchrungsgremien wichtige Positionen mit Kommunisten besetzen, da\u00df sie von der DKP oder ihren Nebenorganisationen materiell unterst\u00fctzt werden oder da\u00df unter ihren Mitgliedern zahlreiche Kommunisten sind. Diese beeinflu\u00dften Organisationen propagieren Forderungen, die f\u00fcr sich gesehen nicht verfassungsfeindlich sind, die aber in Teilbereichen mit Zielsetzungen der Kommunisten \u00fcbereinstimmen. Dabei leisten sie den Bestrebungen der DKP Vorschub, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beseitigen; denn dieser zentralen verfassungsfeindlichen Zielsetzung sind alle Aktivit\u00e4ten der DKP, auch die vermeintlich unverf\u00e4nglichen, untergeordnet. H\u00e4ufig liegen mehrere, gelegentlich auch alle der genannten Merkmale vor. Entsprechend stark ist dann der kommunistische Einflu\u00df. Je st\u00e4rker der kommunistische Einflu\u00df ist, desto geringer sind die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die nichtextremistischen Mitglieder solcher Organisationen, Einflu\u00df auf die interne Willensbildung, die politischen \u00c4u\u00dferungen und die Aktivit\u00e4ten der Organisation, insbesondere die Beteiligung an Volksfrontaktionen, zu nehmen. Zu den wichtigsten DKP-be'einflu\u00dften Organisationen, bei denen wesentliche Entscheidungen gegen den Willen der DKP oder ihrer Nebenorganisationen kaum oder nicht m\u00f6glich sind, geh\u00f6ren: -- die Deutsche Friedens-Union (DFU), -- die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), -- die Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFGVK), -- das Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ), -- die Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ), -- die Demokratische Fraueninitiative (DFI). 49","Bei anderen Organisationen hingegen besteht trotz des DKP-Einflusses Raum f\u00fcr politisches Eigenleben. Die kommunistische Beeinflussung ist hier f\u00fcr das einfache Mitglied und f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht immer leicht erkennbar. Hierzu z\u00e4hlen auch einzelne Friedensinitiativen, die in unterschiedlichem Ausma\u00df von der DKP, z.T. aber auch von Gruppierungen der Neuen Linken beeinflu\u00dft werden. Bei der Mehrzahl der \"Friedensinitiativen\" \u00fcberwiegt jedoch das Engagement der nicht extremistischen Kr\u00e4fte. In diesem Zusammenhang sind auch Initiativen gegen die \"Berufsverbote\" zu erw\u00e4hnen. Die Koordination der Aktivit\u00e4ten der Komitees und Initiativen \"gegen die Berufsverbote\", die sich gegen die Pr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst richten, liegt \u00fcberwiegend beim DKP-beeinflu\u00dften \"Arbeitsausschu\u00df\" der \u00fcberregionalen \"Initiative Weg mit den Berufsverboten\" in Hamburg. In Bayern gingen 1983 von dem orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften N\u00fcrnberger \"B\u00fcrgerkomitee Verteidigung der Grundrechte -- Aufhebung der Berufsverbote\" und der \"M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative gegen Berufsverbote\" kaum mehr Aktivit\u00e4ten aus. Zu den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen geh\u00f6ren auch sogenannte \"Freundschaftsgesellschaften\", die beim Kampf der DKP gegen \"Imperialismus und Neokolonialismus\" eine initiierende und koordinierende Rolle spielen. In Bayern sind 1983 lediglich die \"Freundschaftsgesellschaft Bundesrepulik Deutschland -- Kuba e.V.\" und die \"Gesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lkern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam e.V.\" aktiv in Erscheinung getreten. Die DKP-beeinflu\u00dften Organisationen beteiligten sich auch 1983 aktiv an Kampagnen und Aktionen der DKP, die unter dem Deckmantel scheinbar unverf\u00e4nglicher Zielsetzungen wie,.Friedenskampf\", \"Antifaschismus\", \"gegen Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\", \"f\u00fcr soziale Gerechtigkeit\", gegen,.Berufsverbote\" in Wirklichkeit gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland gerichtet waren. Der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten lag wiederum auf dem Gebiet der \"Friedensbewegung\"; sie erfuhren in der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober ihren bisherigen H\u00f6hepunkt. An den Massenaktionen der \"Widerstandstage\" im Oktober mit t\u00e4glich wechselnden Agitationsschwerpunkten beteiligte sich insbesondere das orthodox-kommunistische Spektrum. Die vorbereitenden bundesweiten und regionalen Aktionskonferenzen, unter anderem am 16./17. April in K\u00f6ln und 475. Juni in Ulm, standen unter dessen Einflu\u00df. DKP-beeinflu\u00dfte Gruppen beteiligten sich bundesweit an den \"Osterm\u00e4rschen\", an den Veranstaltungen \"K\u00fcnstler f\u00fcr den Frieden\", am \"Dritten Forum der Krefelder Initiative\" am 17. September in Bad Godesberg, am 2. Kongre\u00df der Initiative \"P\u00e4dagogen gegen den R\u00fcstungswahnsinn\" am 10./11. September in K\u00f6ln sowie an den bundesund landesweiten Protestaktionen anl\u00e4\u00dflich der Bundestagsdebatte \u00fcber die NATO-Nachr\u00fcstung am 21./22. November. Einige von ihnen traten auch beim Deutschen Evangelischen Kirchentag vom 8. bis 12. Juni in Hannover in Erscheinung. Die beeinflu\u00dften Gruppen nutzten alle diese und eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen zur Sammlung von Unterschriften unter den von der DFU initiierten \"Krefelder Appell\". Gegen Ende des Jahres sollen nach eigenen Angaben 5 Millionen Unterschriften erreicht worden sein. 50","2.4.2 Deutsche Friedens-Union (DFU) Die DFU wurde 1960 auf kommunistisches Betreiben als ,.Volksfrontpartei\" gegr\u00fcndet. Ihr Ziel ist eine \"reale Demokratie, in der der antifaschistische, antimonopolistische und antimilitaristische Auftrag des Grundgesetzes und der L\u00e4nderverfassungen verwirklicht ist\". Als unerl\u00e4\u00dflich erachtet sie es, den \"Ungeist des Antikommunismus in der Bundesrepublik Deutschland\" zu \u00fcberwinden. Ihre T\u00e4tigkeit besteht fast ausschlie\u00dflich in der F\u00f6rderung kommunistischer Vorstellungen. Die DFU ist Mitglied des sowjetisch gelenkten Weltfriedensrates (WFR). Auf Bundesebene wird die DFU vom Bundesvorstand geleitet, dessen Vorsitz ein Direktorium aus sieben Personen innehat. Von den im April 1983 auf dem Unionstag der DFU gew\u00e4hlten sieben Direktoriumsund den 59 Bundesvorstandsmitgliedern geh\u00f6rten rund 50 Personen der 1956 verbotenen KPD bzw. einer anderen kommunistisch beeinflu\u00dften Organisation an. Die DFU verf\u00fcgt \u00fcber neun Landesverb\u00e4nde, die weiter untergliedert sind. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern ist seit 1977 Gerhard Bitterwolf. In Bayern bestanden 1983 Bezirksverb\u00e4nde in Augsburg, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und W\u00fcrzburg, die jedoch sehr unterschiedlich aktiv waren. Die Zahl der Mitglieder in Bayern blieb mit rund 400 gleich (Bund 1.000). Als Sprachrohr der DFU diente bis Anfang September die w\u00f6chentlich herausgegebene \"Deutsche Volkszeitung\" (DVZ). Seither erscheint die neue Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat -- Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", eine Zusammenlegung der DVZ und des ehemaligen Sprachrohrs der VVN-BdA \"die tat\". Chefredakteur ist der langj\u00e4hrige Chefredakteur des Organs des MSB Spartakus \"rote Bl\u00e4tter\". Am 17. April f\u00fchrte die DFU in K\u00f6ln ihren 10. ordentlichen \"Unionstag\" durch, an den auch die DKP und die VVN-BdA Gru\u00dfadresse richteten. Im Rechenschaftsbericht des Bundesvorstandes wurde hervorgehoben, DFU-Mitglieder h\u00e4tten sich auf den Kampf gegen die NATO-Nachr\u00fcstung als \"Hauptaufgabe\" konzentriert und in regionalen Ostermarschgremien mitgearbeitet, Kundgebungen des Ostermarsches geleitet und seien als Redner aufgetreten. Die DFU habe daran mitgewirkt, \"B\u00fcndnisse zu entwickeln, zu festigen und zu unterst\u00fctzen, vor allem die Aktionen des Krefelder Appells und viele weitere Aktivit\u00e4ten der Friedensbewegung\". Die Delegierten verabschiedeten eine \"Programmatische Erkl\u00e4rung\" gegen die Stationierung von \"atomaren Erstschlagsraketen\" und den \"Abbau sozialer und demokratischer Rechte\". Die DFU trat auch 1983 nur in geringem Ma\u00df mit eigenen Veranstaltungen in Erscheinung. Der Schwerpunkt der Arbeit der DFU lag wiederum im B\u00fcndnisbereich, so vor allem bei der Organisation der \"Osterm\u00e4rsche\" vom 1. bis 4. April und der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober. Die Adresse der \"Zentralen Informationsstelle f\u00fcr Osterm\u00e4rsche\" in Frankfurt a.M. stimmte mit der Adresse der hessischen Landesgesch\u00e4ftsstelle der DFU \u00fcberein. In Nordbayern konnte Informationsmaterial f\u00fcr die Ostermarschaktionen unter der Anschrift der bayerischen Landesgesch\u00e4ftsstelle angefordert werden. An den Vorbereitungen der \"Osterm\u00e4rsche\" im M\u00fcnchner Raum war die DFU im Rahmen der M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) beteiligt. Die B\u00fcros beider Or51","ganisationen befinden sich in den gleichen R\u00e4umen; dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt die DFU auch der BIFA an. F\u00fcr die Aktionswoche und die Gro\u00dfveranstaltungen am 22. Oktober diente die N\u00fcrnberger Gesch\u00e4ftsstelle der DFU den nordbayerischen Friedensinitiativen als Aktionsb\u00fcro f\u00fcr Nordbayern. Auch in M\u00fcnchen wurden R\u00e4ume und Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung gestellt. Die DFU unterst\u00fctzte weiterhin die Unterschriftensammlung f\u00fcr den ,,Krefelder Appell\". In der,,Krefelder Initiative\", dem \"Initiatorenkreis\" des \"Krefelder Appells\", der sich 1980 auf Betreiben der DFU konstituierte, spielt das Direktoriumsmitglied der DFU Josef Weber eine herausragende Rolle. Die Adresse der Gesch\u00e4ftsstelle der \"Krefelder Initiative\" ist mit dem B\u00fcro der DFU identisch. 52","F\u00fchrende Funktion\u00e4re des DFU-Landesverbandes Bayern arbeiten im Tr\u00e4gerkreis des \"N\u00fcrnberger Forums -- Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden -- keine Atomraketen in Europa\" mit, in dem auch namhafte DKP-Funktion\u00e4re vertreten sind. Besonders im N\u00fcrnberger Raum stellte sich die DFU auch 1983 als zentrale Organisation im Konzept der B\u00fcndnispolitik der DKP dar. 2.4.3 Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Die VVN-BdA ist eine der gr\u00f6\u00dften orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Organisationen. Nach ihrem auf dem Bundeskongre\u00df im Mai 1983 neugefa\u00dften Orientierungsund Aktionsprogramm versteht sich die VVN-BdA als \"antifaschistische Alternative\" und als \"Teil der nationalen und internationalen Friedensbewegung\". Sie tritt ein f\u00fcr \"Frieden, Abr\u00fcstung und V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung\", f\u00fcr die Verteidigung und Wiederherstellung \"demokratischer\" Rechte, f\u00fcr die Verteidigung sozialer Rechte, f\u00fcr internationale Solidarit\u00e4t, f\u00fcr eine \"antifaschistische\" Erziehung der Jugend zu \"Frieden, Demokratie und V\u00f6lkerfreundschaft\", f\u00fcr die Anerkennung des Widerstandes und die Entsch\u00e4digung aller Opfer des Faschismus. Sie wendet sich gegen jede \"faschistische Aktivit\u00e4t und Propaganda\" und den \"Mi\u00dfbrauch wirtschaftlicher Macht zu politischen Zwecken\". F\u00fcr den erfolgreichen Kampf f\u00fcr \"Frieden\", gegen \"Faschismus\" und \"Militarismus\" k\u00f6nnten und m\u00fc\u00dften sich \"Sozialdemokraten, Kommunisten, Christen und Anh\u00e4nger anderer Religionen, Liberale, Gr\u00fcne und Parteilose zusammenfinden\". Pr\u00e4sident der VVN-BdA ist Dr. Joseph C. Rossaint. Er ist Tr\u00e4ger der vom Pr\u00e4sidium des Obersten Sowjets der UdSSR verliehenen Leninmedaille, Tr\u00e4ger der Friedensmedaille des WFR und B\u00fcromitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ. Generalsekret\u00e4r ist das DKP-Parteivorstandsmitglied Kurt Erlebach. Vorsitzender des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA ist der DKP-Funktion\u00e4r Oskar Neumann. Landessekret\u00e4rin ist das Vorstandsmitglied der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern und Mitglied des Sprecherkreises der M\u00fcnchener B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) Marion Lehmicke. Auch nach dem Bundeskongre\u00df im Mai blieb der dominierende Einflu\u00df der DKP in der VVN-BdA gewahrt. Die Mehrzahl der inzwischen 86 Mitglieder des Pr\u00e4sidiums sind Kommunisten. Die VVN-BdA ist der prosowjetischen F\u00f6deration Internationale des Resistants (FIR) und dem sowjetisch gelenkten Weltfriedensrat (WFR) angeschlossen. Die VVN-BdA hatte bundesweit rund 13.000, in Bayern weiterhin etwa 1.000 Mitglieder. Die mitgliederst\u00e4rksten der 15 Kreisvereinigungen in Bayern waren nach wie vor die in M\u00fcnchen mit rund 450 und in N\u00fcrnberg mit rund 250 Mitgliedern. Der \u00fcberwiegende Teil der Mitglieder verhielt sich jedoch passiv. Sprachrohr der VVN-BdA ist seit Anfang September die Wochenzeitung \"Deutsche Volkszeitung/die tat -- Wochenzeitung f\u00fcr Demokratie und Frieden\", die gleichzeitig Sprachrohr der DFU ist (vgl. oben Nr. 2.4.2). Das Funktion\u00e4rsorgan der VVN-BdA ist \"effektiv\", das in einer Auflage von 1.000 Exemplaren mindestens viermal j\u00e4hrlich vom Pr\u00e4sidium der VVN-BdA herausgegeben wird. Zu den aktuellen Themen gibt das Pr\u00e4sidium den \"antifaschistischen Jugenddienst\" und einen \"Pressedienst\" heraus. 53","Der Bundeskongre\u00df der VVN-BdA vom 13. bis 15. Mai in Hamburg, an dem sich neben 334 Delegierten Repr\u00e4sentanten von 18 ,,Bruderverb\u00e4nden\" aus dem Ausland und der DDR sowie Abordnungen diplomatischer Vertretungen der UdSSR und weiterer sozialistischer L\u00e4nder, Vertreter der DKP und mehrerer von ihr beeinflu\u00dfter Organisationen beteiligten, stand unter der Losung \"Nie wieder Krieg -- keine Sationierung neuer Atomraketen\". Der Kongre\u00df verabschiedete die Neufassung des Orientierungsund Aktionsprogramms. Die \"Antifaschismus\"-Kampagne der VVN-BdA begann 1983 mit Demonstrationen unter dem Motto \"Nie wieder Faschismus -- Nie wieder Krieg -- Keine neuen Atomraketen!\", die aus Anla\u00df des 50. Jahrestages der Machtergreifung Hitlers am 29. Januar in verschiedenen St\u00e4dten des Bundesgebiets mit insgesamt mehr als 50.000 Teilnehmern stattfanden. In M\u00fcnchen beteiligten sich etwa 5.500 Personen an einer Demonstration, die der Aufruferkreis \"Nie wieder Faschismus -- Nie wieder Krieg -- 30. Januar 1933 -- 30. Januar 1983\" initiiert hatte; der Aufruferkreis wurde durch die DKP-Funktion\u00e4rin und VVN-BdA-Landessekret\u00e4rin Marion Lehmicke vertreten. Neben der \"Antifaschismus-Arbeit\" standen die Kampagnen und Aktionen gegen die NATO-Nachr\u00fcstung im Mittelpunkt der Aktivit\u00e4ten der VVN-BdA. Zusammen mit den \u00fcbrigen Organisationen und Gruppen des orthodox-kommunistischen Spektrums beteiligte sie sich an allen Gro\u00dfveranstaltungen der \"Friedensbewegung\" im Bundesgebiet, unter anderem an den \"Osterm\u00e4rschen\", den Veranstaltungen und Demonstrationen zum 1. Mai, dem \"Antikriegstag\" am 1. September und der Aktionswoche im Oktober. Die Aktionen im Zusammenhang mit der Bundestagsdebatte \u00fcber die NATO-Nachr\u00fcstung am 21722. November, die Protestveranstaltungen gegen die \"milit\u00e4rische Intervention\" der USA in Grenada und die Veranstaltungen zum Jahrestag des \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses\" vom 10. bis 12. Dezember nutzte die VVN-BdA zu ihrem \"Friedenskampf\". Diese und eine Vielzahl regionaler und \u00f6rtlicher Veranstaltungen im Bundesgebiet und in Bayern nahm sie zum Anla\u00df, Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und eine \"Volksbefragung\" \u00fcber die Stationierung von Mittelstreckenraketen im Bundesgebiet zu sammeln. 2.4.4 Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner (DFG-VK) Die DFG-VK entstand 1974 durch Fusion der Deutschen Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner (DFG-ldK) mit dem Verband der Kriegsdienstverweigerer (VK). Die sich als \"antimilitaristischer Kampfverband\" verstehende Organisation k\u00e4mpft f\u00fcr Abr\u00fcstung und die \"Verwirklichung des Menschenrechts auf Kriegsdienstverweigerung\", aber auch gegen \"Antikommunismus\" und die \"Militarisierung der Bundesrepublik\". Sie erachtete die Verweigerung jeglichen Kriegsdienstes als eine \"demonstrative, individuelle Handlung gegen Krieg und Kriegsvorbereitung\". Den Kriegsdienstverweigerern gew\u00e4hrt sie \"Schutz und Hilfe\". Die DFG-VK sieht nach ihrem Programm \"Schwerpunkte ihrer b\u00fcndnispolitischen Zusammenarbeit vor allem dort, wo die Forderung nach Beseitigung der 54","Neues KDV Gesetz i b I.Juli gilt: * Gewissenspr\u00fcf ung versch\u00e4rft * 2 0 Monate Zivildienst ^ i z f - v&vfctoeml Schnell zur KDV-Beratung der DFG VK Nichste Bcritiingutellr ftir Kriegidwmtverw*^wer: DFG-VK Gruppe N\u00fcrnberg Carl-von-Ossietzky-Zentrum, Kurf\u00fcrstenscr. 21, 8500 N\u00fcrnberg 40 KDV-Beratbng : Montag und Freitag jeweils 18 bis 20 Ohr I N F O R M A T I O N S V E R A N S T A L T U N G ZUM NEUEN K D V - GESETZ MONTAG, 2h JUNI 1983, 20 UHR i<URFURSTENSTR: 21 DfG-VK Flugblatt der DFG-VK Atomwaffen, nach dem Verbot der Weitergabe von Plutonium und nach dem Schutz der Landschaft vor milit\u00e4rischer Zerst\u00f6rung aufgestellt wird\". Die DFG-VK z\u00e4hlte 1983 mehr als 20.000 Mitglieder. Dem in rund 20 Ortsgruppen gegliederten bayerischen Landesverband geh\u00f6rten \u00fcber 2.000 Mitglieder an, von denen jedoch nur ein geringer Teil aktiv mitarbeitete. Neben den Ortsgruppen bestanden in rund 20 Orten Arbeitskreise,,,Friedenskreise\" und Initiativen. In etwa 10 Orten wurden Kriegsdienstverweigerer beraten. Die aktivsten und mitgliederst\u00e4rksten Ortsgruppen waren nach wie vor die in M\u00fcnchen mit rund 800 und in N\u00fcrnberg mit rund 300 Mitgliedern. Daneben bestanden mehrere DFG-VK-Jugendgruppen mit der Bezeichnung ,,Jugendclub Courage\" (JCC). 55","Das Publikationsorgan der DFG-VK \"Zivilcourage -- Das antimilitaristische Magazin\" erschien alle zwei Monate. Die DFG-VK unterst\u00fctzte die ihr nahestehende Selbstorganisation der Zivildienstleistenden (SOdZDL). Die DFG-VK war auch 1983 zahlenm\u00e4\u00dfig die gr\u00f6\u00dfte kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisation. F\u00fchrende Funktionen im Bundesvorstand der DFG-VK nahmen unver\u00e4ndert orthodoxe Kommunisten bzw. Mitglieder orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dfter Organisationen wahr. Der Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt ist Mitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ und geh\u00f6rt dem sowjetisch gelenkten WFR an. Das DKP-Mitglied Gregor Witt ist zust\u00e4ndig f\u00fcr Dokumentation und Information. Das DKP-Mitglied Rolf Breuch leitet das Referat Abr\u00fcstung. Helmut Erwe, Mitglied des KFAZ, ist Referent f\u00fcr Pressekontakte. Heinrich H\u00e4berlein, verantwortlich f\u00fcr das Referat Kriegsdienstverweigerung, und Tobias Thomas, Leiter des Referats B\u00fcndnis, geh\u00f6ren der DKP-beeinflu\u00dften VVN-BdA an. Bei den einzelnen Landesverb\u00e4nden ist der Einflu\u00df der DKP jedoch unterschiedlich stark. \"Radikale Pazifisten\" versuchten 1983 verst\u00e4rkt, Einflu\u00df auf die Politik des Gesamtverbandes zu gewinnen, jedoch ohne entscheidenden Erfolg. Am 576. Februar fand in Duisburg die Fortsetzung des Bundeskongresses der DFG-VK vom November 1982 statt. Diese war notwendig geworden, nachdem damals eine Gruppe sogenannter \"radikaler Pazifisten\" durch \"oppositionelles Verhalten\" die Wahl des DKP-Mitgliedes Rolf Breuch, der f\u00fcr das Referat \"Abr\u00fcstung\" kandidierte, sowie die Abstimmung \u00fcber verschiedene Antr\u00e4ge verhindert hatte. Die Kritik der \"radikalen Pazifisten\", die innerhalb der DFG-VK eine Minderheit darstellen, richtete sich gegen die Politik des Bundesvorstandes, dem sie in der Hauptsache den \"heimlichen Friedensschlu\u00df mit dem real exisiterenden Militarismus sowjetischer Machart\" vorwarfen. \"Kriegsvorbereitungen und milit\u00e4rische Planungen der Sowjetunion\" w\u00fcrden in \"regierungsoffizieller Lesart\" \u00fcbernommen oder \"ganz verschwiegen\" und innerverbandliche Kritik \"aus falscher R\u00fccksichtnahme auf die angebliche Friedensmacht Sowjetunion\" unterdr\u00fcckt. F\u00fcr eine \"pazifistische Glaubw\u00fcrdigkeit\" m\u00fc\u00dften jedoch \"Herrschaftsund Gewaltstrukturen in allen Gesellschaftssystemen \u00fcber Grenzen und Bl\u00f6cke hinweg bek\u00e4mpft werden\". Dazu sei \"in bestimmten Situationen das bewu\u00dfte \u00dcbertreten von Gesetzen, Verordnungen und Urteilen notwendig\". Um die \"Bedrohungs\u00e4ngste in den WVO-Staaten\" (Warschauer Vertragsorganisation) zu verringern, bestehe die \"zentrale Aufgabe der Pazifisten in der BRD\" in der \"aktiven Wehrkraftzersetzung, das hei\u00dft der Entfunktionalisierung der Bundeswehr f\u00fcr m\u00f6gliche milit\u00e4rische Konflikte\". Zu der geforderten Neubestimmung der DFG-VK-Politik war die Mehrheit der Delegierten jedoch nicht bereit. Sie entschied sich in Duisburg gegen die Kandidatin der \"radikalen Pazifisten\" und w\u00e4hlte das vom Bundesvorstand unterst\u00fctzte DKP-Mitglied Rolf Breuch zum Abr\u00fcstungsreferenten. Nach Ansicht des Bundesvorstandsmitgliedes und DKP-Mitgliedes Gregor Witt wollten die Delegierten weder \"die bisher betriebene, vor allem integrierende und harmonisierende B\u00fcndnispolitik aufgeben\" noch \"andere Ziele und Forderungen in den Vordergrund stellen, sondern weiterhin ihre Hauptsto\u00dfrichtung gegen die neuen USAtomraketen behalten\". 56","Entsprechend dem auf dem Bundeskongre\u00df verk\u00fcndeten Motto: \"Atomraketen verhindern -- Kriegsdienst verweigern\" lagen die Agitationsschwerpunkte der DFG-VK 1983 im Kampf gegen die NATO-Nachr\u00fcstung, in der Fortsetzung der Kampagne ,.Atomwaffenfreie Stra\u00dfen, St\u00e4dte und Regionen\" und der weiteren Unterschriftensammlung f\u00fcr den ,,Krefelder Appell\". Die DFG-VK beteiligte sich an allen Gro\u00dfveranstaltungen der \"Friedensbewegung\". Gemeinsam mit der Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste und vier weiteren Organisationen trat sie als Veranstalterin der 3. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" am 16./17. April in K\u00f6ln auf. An der Ausarbeitung des dort vorgelegten \"Aktionsfahrplanes f\u00fcr den Widerstandsherbst 1983\" waren die Bundesvorsitzenden der DFG-VK ma\u00dfgeblich beteiligt. Der \"Koordinationsausschu\u00df f\u00fcr die Aktionswoche der Friedensbewegung vom 15.--22. Oktober 1983\" w\u00e4hlte die DFG-VK in seine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung. Die Bundesgesch\u00e4ftsstelle der DFG-VK diente als Kontaktadresse f\u00fcr die \"Arbeitsgruppe zur Vorbereitung des Tags des Antimilitarismus und der internationalen Solidarit\u00e4t\" am 18. Oktober. Als Beitrag zur \"politischen Undurchf\u00fchrbarkeit des NATO-Raketenbeschlusses\" veranstaltete die DFG-VK vom 17. bis 19. Juni in Hamm ein Festival \"Leben ohne Atomwaffen -- Jugend gegen Kriegsdienst\", an dem sich 7.000 Personen beteiligten. In einem \"Ost-West-Dialog\" berieten Vertreter des Sowjetischen Friedenskomitees, des Friedensrates der DDR und des Ungarischen Friedensrates \u00fcber ein \"atomwaffenfreies Europa\". Der Bundesvorsitzende der DFG-VK Mannhardt appellierte an die Repr\u00e4sentanten der \"Friedensbewegung\", ihren Widerstand gegen die NATO-Nachr\u00fcstung zu \"verst\u00e4rken\". F\u00fcr den Fall, da\u00df die Atomraketen stationiert werden, k\u00fcndigte der DFG-VKBundesvorstand im November eine Kampagne unter dem Motto \"Verweigern wir uns -- Hunderttausendfach\" an. Durch \"massenhaften zivilen Ungehorsam\" der Bev\u00f6lkerung in Form der \"Verweigerung aller Kriegsdienste\" soll der \"Protest gegen die Stationierung\" zum \"Politikum\" f\u00fcr jede Regierung werden. In ihrem Aktionspapier wandte sich die DFG-VK dabei besonders an Wehrpflichtige, Soldaten, Lehrer, Wissenschaftler sowie an Arbeiter und Angestellte in R\u00fcstungsfirmen. In Bayern beteiligte sich die DFG-VK in zahlreichen St\u00e4dten an den Demonstrationen zum \"Internationalen Frauentag\" am 8. M\u00e4rz. Gemeinsam mit den Frauengruppen der DKP, des MSB Spartakus und der SDAJ sowie den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen DFI, VVN-BdA und BIFA rief sie zu einer Kundgebung in M\u00fcnchen auf dem K\u00f6nigsplatz auf. Anl\u00e4\u00dflich der \"Osterm\u00e4rsche\" wandte sich die Landesgesch\u00e4ftsstelle in N\u00fcrnberg als \"Informationsstelle f\u00fcr alle Osterm\u00e4rsche und -aktionen\" mit einer \"Aktions\u00fcbersicht\" an \"alle in der Friedensbewegung\". Zu den Herbstaktionen forderte der Landesvorstand mit einem Rundschreiben alle Ortsgruppen auf mitzuhelfen, \"so starken Druck\" zu erzeugen, da\u00df es \"den Herrschenden nicht m\u00f6glich sein wird, die Stationierung der Atomraketen durchzusetzen\". Am 3./4. Dezember veranstaltete der DFG-VK Landesverband Bayern in Schwabach seinen Landeskongre\u00df. Bei den Neuwahlen wurde der bisherige Vorsitzende Heinrich H\u00e4berlein in seinem Amt best\u00e4tigt. Den Posten des Landesge57","Sch\u00e4ftsf\u00fchrers \u00fcbernahm das Bundesvorstandsmitglied Tobias Thomas. Der Landeskongre\u00df beschlo\u00df, sich der bundesweiten DFG-VK-Kampagne \"Verweigert alle Kriegsdienste\" anzuschlie\u00dfen. 2.4.5 Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit (KFAZ) Das KFAZ entstand 1974 unter ma\u00dfgeblicher Beteiligung orthodox-kommunistischer Organisationen. Es verf\u00fcgt weder rechtlich noch tats\u00e4chlich \u00fcber eine feste Organisation. Das \"B\u00fcro des KFAZ\", das Leitungsgremium dieser Organisation, ist eine der Schaltzentralen der \"Friedensbewegung\". Ihm geh\u00f6ren f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP, der DFL! und der VVN-BdA an. Seit 1982 ist in ihm die Angeh\u00f6rige des DKP-Pr\u00e4sidiums Martha Buschmann t\u00e4tig, die f\u00fcr die \"Friedensarbeit\" der DKP zust\u00e4ndig ist und 1983 zur Vizepr\u00e4sidentin des sowjetisch gelenkten WFR ernannt wurde. Insgesamt geh\u00f6ren 10 der 17 Mitglieder des \"B\u00fcros\" dem WFR direkt oder indirekt \u00fcber ihre Organisationen DFU bzw. VVN-BdA an. Bundesweit bestehen \u00f6rtliche Komitees und Initiativen des KFAZ, in Bayern in M\u00fcnchen, Regensburg und Weilheim. Das KAFZ gibt die \"Friedenszeitung\" heraus, die zur St\u00e4rkung der \u00f6rtlichen Initiativen beitragen soll. Das KFAZ war auch 1983 einer der Tr\u00e4ger der \"Friedensund Abr\u00fcstungskampagne\". Es rief, wie in den Jahren vorher, zur Unterst\u00fctzung der Unterschriftensammlung f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und zur Kampagne \"Atomwaffenfreie Zonen\" auf und sprach sich f\u00fcr eine \"Volksbefragung\" zur Raketenstationierung aus. Anl\u00e4\u00dflich der 3. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" am 16717. April wurde ein Koordinationsausschu\u00df zur Vorbereitung der Aktionswoche vom 15. bis 22. Oktober gebildet, in dem das KFAZ neben der SDAJ, der DFG-VK und den VDS mitarbeitete. Nach einer Eigenaussage hatte das KFAZ die Aufgabe \u00fcbernommen, \"die Arbeitsgruppe zum Widerstandstag am 17. Oktober zu koordinieren\". Das KFAZ mobilisierte f\u00fcr die 4. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" am 576. November in K\u00f6ln, f\u00fcr die Aktionen am 21722. November anl\u00e4\u00dflich der Bundestagsdebatte \u00fcber die Raketenstationierung und am 12. Dezember zum 4. Jahrestag des \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses\". Von den in Bayern bestehenden \u00f6rtlichen Gruppierungen des KFAZ war die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) die aktivste. In ihr arbeiten u.a. DKP, SDAJ, MSB Spartakus, SHB, DFU, DFG-VK, VVN-BdA und DFI zusammen. Ihrem Sprecherkreis geh\u00f6rten die DKP-Funktion\u00e4rinnen Renate Cullmann-Reder und Marion Lehmicke, die auch Landessekret\u00e4rin der VVN-BdA in Bayern ist, an. Die BIFA unterh\u00e4lt ihr B\u00fcro in der DFU-Gesch\u00e4ftsstelle in M\u00fcnchen. Seit November 1983 gibt sie zusammen mit \"M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" und \"anderen Friedensorganisationen\" die Zeitschrift \"Pazifix\" heraus, von der 1983 allerdings nur drei Ausgaben erschienen. Die BIFA veranstaltete zusammen mit dem \"M\u00fcnchner Friedensforum\" und der Initiative \"Christen in der Region M\u00fcnchen\" am 4. April den \"Ostermarsch '83\" 58","M\u00dcNCHNER B\u00dcRGERINITIATIVE F\u00dcR FRIEDEN UNDXBR\u00dcSrUNG 22.10.83 ES IST AN DER ZEIT SAGT NEIN! KEINE NEUEN ATOMRAKETEN IN UNSER LAND! Wn\u00dc Ab 11 Uhr Menschen kette entlang der B 10 wischen Stuttgart (Eucom) und NeuUlm (Wiley-Barracks). M\u00fcnchen und Umgebung haben den Streckenabschnitt 3 km s\u00fcdlich und n\u00f6rdlich von Jungingen \u00fcbernommen. Qortvon9 - 11.30 Uhr kulturelles Programm. Stuttgart Neu-Ulm Ab 15 Uhr Auftakt mit \"bots\", ab 16 Uhr sprechen: S. PomAb 15 Uhr Auftakt mit Peter Maffay und Band, ab 1B Uhr merenke (DGB-Ba.-W\u00fc.), E Eppler, Kann Gr\u00fcnau, D. Hejl sprechen: Jakob Moneta, Prof. theolog. Greinacher, Oskar (US-Freeze), M Beck-Oberdorf, Prof. Dr P Herrlich, ein Neumann (VVN-BdA), Alfred Mechtersheimer. P, Diokro Sprecher der SWAPO (Namibia) (Philippinen), Papas Kostas (Griech. Gemeinde), ein Vertreter Mit F.J. Degenhardt, Kolbe/Illenberger. der DDR-Friedensbewegung, ein Sprecher aus Nicaragua Mit Schroeder Floadschow und Ton-Steine-Scherben. Volksversammlung in Stuttgan; Nach Abschlu\u00df der MenschenVolksversammlung in Neu/Ulm: Nach Abschlu\u00df der Menschenkette Foren und Kulturveranstaltungen. Ab 14 Uhr 5 Sternkette ab 14 Uhr 4 Sternm\u00e4rsche, Treff f\u00fcr die M\u00fcnchner ist m\u00e4rsche. M\u00fcnchner treffen sich beim Auftaklplatz; Ostendplatz Uta-HW, Zur Kundgebung in Stuttgart rufen u.a. auf: DGB-LandesbezirAb Freitag, 21.10., 16 Uhr, Blockade der Wiley-Barracks ohne ke Bayern und Baden-W\u00fcrttemberg. Der DGB Baden-W\u00fcrttemUnterbrechung bis Sonntag abends. Eine m\u00f6glichst enge Ver berg unterst\u00fctzt auch die Menschenkette. zahnung von Blockade und Volksversammlung wird angestrebt. Fahrtm\u00f6glichkeiten am 22.10. ab M\u00fcnchen Busse der B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung Abfahrt: 7 Uhr Hauptbahnhof-Nord, Arnulfstra\u00dfe M\u00fcnchen - Jungingen (Menschenkette) - Stuttgart Preis: D M 1 8 , - M\u00fcnchen - Jungingen (Menschenkette) - Ulm/Neu-Ulm Preis: D M 1 2 , - Vorverkaufsstellen: * Bl f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA), HeSstr * Libresso-Buchhandlung, T\u00fcrkenstr. 66(9-18 Uhr) 52 53 49 (Mo.-Frei. 17-19 Uhr) * DFG/VK,Schmidstr 2, Tel: 26 54 24 \" * Sowie bei allen Stadtteil-Friedensinitiativen, * VVN-BdA, Ftauenlobstr. 24, Tel: 53 17 86 Kneipen und Buchl\u00e4den. Flugblatt der BIFA in Form eines Sternmarsches zum Marienplatz. Zu den Unterst\u00fctzern dieses ,,Ostermarsches '83\" geh\u00f6rten DKP, SDAJ, MSB Spartakus, DFU, VVN-BdA, SHB, DFI und zahlreiche \"Friedensinitiativen\" in M\u00fcnchen und Oberbayern. An den Aufz\u00fcgen und der anschlie\u00dfenden Abschlu\u00dfkundgebung nahmen rund 15.000 Personen teil. Bei der Vorbereitung der,,Aktionswoche\" im Oktober war die BIFA als eine der sieben s\u00fcdbayerischen Organisationen im Koordinierungsausschu\u00df f\u00fcr S\u00fcd59","deutschland vertreten, der am 22. Oktober die \"Volksversammlungen\" in Stuttgart und Neu-Ulm und die Menschenkette organisierte. Sie f\u00fchrte neben anderen Organisationen Busfahrten zur Menschenkette und zu den ,,Volksversammlungen\" durch. Weiterhin war sie neben der DKP, der SDAJ, der DFG-VK, der DFL) und der VVN-BdA im \"Arbeitskreis Jag des Antimilitarismus und der internationalen Solidarit\u00e4t'\" vertreten, der die Aktionen am 18. Oktober in M\u00fcnchen vorbereitete und durchf\u00fchrte. Die BIFA war auch Mitveranstalterin von Sternm\u00e4rschen am 21. November in M\u00fcnchen, die anl\u00e4\u00dflich der Debatte an diesem Tag im Bundestag \u00fcber die NATO-Nachr\u00fcstung mit insgesamt rund 4.000 Teilnehmern durchgef\u00fchrt wurden. 2.4.6 Vereinigung Demokratischer Juristen (VDJ) Die auf Initiative der DKP gegr\u00fcndete VDJ, in der Kommunisten ma\u00dfgeblich t\u00e4tig sind, versuchte auch 1983, Einflu\u00df auf die Rechtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland im Sinne der Ziele der DKP zu nehmen. Die VDJ arbeitet als nationale Sektion in der kommunistisch gesteuerten Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen (IVDJ) mit Sitz in Br\u00fcssel mit. Der VDJ geh\u00f6rten 1983 bundesweit rund 800 Mitglieder in 26 zum Teil inaktiven Regionalgruppen an. In Bayern existieren Regionalgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Anfang des Jahres versandte die VDJ ein von ihr erstelltes ,,Rechtsgutachten\" zum ,,NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlu\u00df\" an alle Bundestagsabgeordneten, in dem sie den Beschlu\u00df als verfassungsrechtlich unzul\u00e4ssig und als Versto\u00df gegen das V\u00f6lkerrecht verurteilte. Ebenso versuchte die VDJ, mit einem Gutachten nachzuweisen, da\u00df \"die Versuche der Aufsichtsbeh\u00f6rden, den Versammlungen der kommunalen Gebietsk\u00f6rperschaften die Befassung mit Antr\u00e4gen \u00fcber atomwaffenfreie Zonen zu untersagen, rechtswidrig sind\". Unter dem Motto: \"Recht, Justiz und Faschismus\" veranstaltete die VDJ in Zusammenarbeit mit der VVN-BdA und dem DKP-beeinflu\u00dften \"Bund demokratischer Wissenschaftler\" (BdWi) sowie mit anderen Vereinigungen am 19. November in Frankfurt a.M. eine Konferenz. Der Bundesvorsitzende der VDJ Prof. Norman Paech warf dabei der Justiz vor, sich niemals vom faschistischen Staat und seiner \"Terrorjustiz\" distanziert zu haben. Die Regionalgruppe M\u00fcnchen rief zum Boykott der Volksz\u00e4hlung und zur Beteiligung an den Herbstaktionen der \"Friedensbewegung\" auf. 2.4.7 Demokratische Fraueninitiative (DFI) Die DFI wurde 1975/76 mit Unterst\u00fctzung der DKP gegr\u00fcndet. Sie versucht, die Aktivit\u00e4ten \"fortschrittlicher\" Frauengruppen zu koordinieren und im Sinne der DKP zu lenken. Die DKP h\u00e4lt es f\u00fcr gut, da\u00df sich mit der DFI \"erfolgreich ein Anziehungspunkt und Aktivposten fortschrittlicher Frauenpolitik entwickelt und da\u00df viele Genossinnen hier in einem demokratischen B\u00fcndnis ihren Platz einnehmen\". 60","Nach der Bundestagswahl im M\u00e4rz rief die DFI alle Frauen zu einem ,,gro\u00dfen breiten Frauenb\u00fcndnis\" auf, das mit zahlreichen Aktionen ,,im Friedenskampf\" Widerstand gegen die neue Bundesregierung leisten sollte. Ferner rief sie zum Boykott der Volksz\u00e4hlung auf. Unter dem Motto: \"Frauen f\u00fcr Arbeit -- Gleichberechtigung -- Frieden\" veranstaltete die DFI am 5. M\u00e4rz in M\u00fcnchen gemeinsam mit DKP, SDAJ, MSB Spartakus, VVN-BdA, DFG-VK und BIFA eine Kundgebung zum \"Internationalen Frauentag\" (8. M\u00e4rz). Daran nahmen rund 500 Personen teil. Die von der DFI gegr\u00fcndete und gef\u00fchrte Initiative \"Frauen in die Bundeswehr? -- Wir sagen Nein!\" geh\u00f6rte dem \"Koordinierungsausschu\u00df f\u00fcr die Aktionswoche der Friedensbewegung vom 15.--22. Oktober 1983\" an. In M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00fcbernahmen die \u00f6rtlichen DFI-Gruppen die Vorbereitung und Koordinierung der Aktionen zum \"Widerstandstag der Frauen\" am 17. Oktober. 3. Neue Linke 3.1 \u00dcberblick Bei der Neuen Linken handelt es sich um linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen und Gruppen, die in ihrer Mehrzahl aus der Sozialrevolution\u00e4ren Studentenbewegung der sechziger Jahre hervorgegangen sind. Ihr Ziel ist die kommunistische Gesellschaft. Sie lehnen den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung als \"revisionistisch\", \"b\u00fcrokratisch\" und \"sozialimperialistisch\" entartet ab. Die dogmatischen Organisationen orientieren sich \u00fcberwiegend an der Ideologie des Marxismus-Leninismus in der Weiterentwicklung durch Mao Zedong oder die gegenw\u00e4rtige F\u00fchrung der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh); einige Gruppierungen richten sich nach dem Kurs der Partei der Arbeit Albaniens (PAA) oder folgen den Lehren Trotzkis. Bei den undogmatischen Gruppen reicht das Spektrum von revolution\u00e4r-marxistischen bis zu anarchistischen Einstellungen. Einige Gruppen der Neuen Linken bekennen sich offen zur Anwendung revolution\u00e4rer Gewalt, die den Weg zur Diktatur des Proletariats \u00f6ffnen soll. Die seit l\u00e4ngerer Zeit anhaltende Krise innerhalb gro\u00dfer Teile der Neuen Linken setzte sich 1983 unvermindert fort. Urs\u00e4chlich daf\u00fcr war die Orientierung der Arbeit an der illusion\u00e4ren Vorstellung, mit Hilfe der marxistisch-leninistischen Ideologie bestimmenden Einflu\u00df auf die Arbeiterklasse nehmen und eine Umw\u00e4lzung der bestehenden Verh\u00e4ltnisse einleiten zu k\u00f6nnen. Hinzu kamen die Schw\u00e4chen, die sich bei ihren einstigen revolution\u00e4ren Leitbildern in der Dritten Welt (Kuba und Vietnam) zeigten, und der Kurswechsel der KPCh nach dem Tode von Mao Zedong. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrte bei den meisten Gruppen nachlassendes Interesse an aktiver Mitarbeit in den vielfach straff gef\u00fchrten Kaderorganisationen zu einer Stagnation der Mitgliederzahl oder sogar zu erheblichen Mitgliederverlusten. Um diesen Mitgliederschwund aufzufangen, \u00e4nderte der Kommunistische Bund Westdeutschland (KBW) 1983 seine Satzung. Danach versteht sich der KBW nicht mehr als Partei im Sinne des Parteiengesetzes, sondern als Verein, in dem jede Person Mitglied werden kann, die f\u00fcr das \"Ziel des Kommunismus\" eintritt. Von der r\u00fcckl\u00e4ufigen Entwicklung waren der Arbeiter61","bund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) und die Marxistischen Gruppen nicht betroffen. Die Marxistisch-leninistische Partei Deutschlands (MLPD) und die Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Internationale (GIM) konnten sogar leichte Mitgliedergewinne verzeichnen. Nach der erneut entfachten theoretischen Diskussion \u00fcber die \"Krise des Marxismus\" stellten die meisten Gruppen das Bem\u00fchen um praktische Politik in den Mittelpunkt ihrer Aktivit\u00e4ten. Sie sahen ihr zentrales Anliegen in der Zusammenf\u00fchrung der zersplitterten kommunistischen Kr\u00e4fte. Kennzeichnend f\u00fcr diese Bem\u00fchungen in Richtung auf eine verst\u00e4rkte Einheitsfrontpolitik war das Wahlb\u00fcndnis zwischen der Kommunistischen Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) -- KPD -- und dem Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) anl\u00e4\u00dflich der Bundestagswahl 1983. Dieser Zusammenschlu\u00df, der in Bayern vom BWK angef\u00fchrt wurde, erreichte hier lediglich 171 Erstund 688 Zweitstimmen. Daneben war auch eine vermehrte Bereitschaft zu breiteren B\u00fcndnissen sowie zu gemeinsamen Aktionen mit orthodox-kommunistischen Gruppierungen zu erkennen. Die in Bayern vertretenen dogmatischen Gruppen der Neuen Linken engagierten sich 1983 vorwiegend im Betriebs-, Bildungs\"Antifaschismus\"-, \"Antiimperialismus\"und Ausl\u00e4nderbereich. Sie nutzten weiterhin die bundesweite \"Friedensbewegung\" als Aktionsfeld, um ihre revolution\u00e4ren Ziele zu verfolgen. Die bisher als Sammelbecken f\u00fcr entt\u00e4uschte Mitglieder und Sympathisanten bestehenden Vereinigungen \"Komitee f\u00fcr Demokratie und Sozialismus\" (KDS), \"Gruppe Z\" und \"Gruppe der 99\" entwickelten 1983 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten mehr. Die undogmatische Neue Linke, die in ihren Randbereichen weiterhin un\u00fcbersichtlich und militant blieb, setzte ihre vielf\u00e4ltigen, zum Teil gewaltt\u00e4tigen Protestaktionen fort. Forderungen nach \"alternativen Lebensformen\", \"Autonomie\" und \"Freir\u00e4umen\" in Staat und Gesellschaft hielten an. Die seit zwei Jahren st\u00e4rker in den Vordergrund ger\u00fcckten \"autonomen\" Gruppen entfachten bundesweit eine neue Strategiediskussion \u00fcber \"gewaltbejahende\" und \"gewaltfreie\" Aktionsformen, wobei unter \"gewaltfrei\" jedoch nur der Ausschlu\u00df \"verletzender Gewalt\" gegen Menschen verstanden wird. Hierbei werden auch von den \"Gewaltfreien\" bestimmte Gesetzesverst\u00f6\u00dfe wie Stra\u00dfenblockaden oder Eindringen in umz\u00e4unte milit\u00e4rische Anlagen als gerechtfertigte \"Regelverletzungen\" angesehen. Die meisten Gruppen der undogmatischen Neuen Linken konzentrierten ihre Aktivit\u00e4ten 1983 auf die NATO-Nachr\u00fcstung als \"imperialistische Kriegsvorbereitung\" und die Umweltschutzbewegung, weil dort eine \"Konfrontation mit dem System\" am ehesten m\u00f6glich sei. Ihre Anh\u00e4nger, auch aus Bayern, beteiligten sich an den Aktionen, die an \"Brennpunkten\" wie Frankfurt a.M. (Startbahn West) und Krefeld (Besuch des amerikanischen Vizepr\u00e4sidenten Bush) stattfanden. 3.2 Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPO) Die aus dem ehemaligen Kommunistischen Arbeiterbund Deutschlands (KABD) hervorgegangene und 1982 in Bochum gegr\u00fcndete MLPD bezeichnet sich als 62","Organisations\u00fcbersicht Neue Linke Undogmatische Dogmatische Gruppen Gruppen Albanien alte Linie Mao Zedongs neue Peking-Linie frotzkisten Sonstige orientiert autonome MLPD AB KB BWK KBW KPD GIM MG Gruppen \" - GIM-HG Initative GefangeVOLKSRJVD RSF \" - BWK-HZ VrV !--* FRONT nenhilfe MLSV KHB 1 AG-FLV SpartacusSB bund L MLBI (*-* ASKo '... RHD BDP/BDJ BSA i-LV-Bayern L. RBK L- SJB Nebenorganisationen co W beeinflu\u00dfte Organisationen","\"politische Vorhutorganisation der Arbeiterklasse in der BRD und in West-Berlin\". Ihr grundlegendes Ziel ist der \"revolution\u00e4re Sturz\" der \"Diktatur der Monopolkapitalisten\" und die Errichtung der \"Diktatur des Proletariats\". In ihrem \"Grundsatzprogramm\" bekennt sich die MLPD zu den \"Lehren von Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tsetung\", dessen Idee der \"Gro\u00dfen Proletarischen Kulturrevolution\" sie verteidigt. Sie kritisiert die \"revisionistische Entartung\" in allen \"realsozialistischen\" L\u00e4ndern, einschlie\u00dflich der Volksrepublik China. Nach Auffassung der MLPD dient die gegenw\u00e4rtige Etappe des Klassenkampfes der Vorbereitung der Revolution. Nur unter F\u00fchrung einer \"revolution\u00e4ren Partei\" k\u00f6nne die Arbeiterklasse erfolgreich zum Sturm gegen den \"staatsmonopolistischen Kapitalismus\" \u00fcbergehen. Die MLPD habe die Aufgabe, die Arbeiterklasse \"\u00fcber die Aktionseinheit in kleinen Fragen zur Einheitsfront in allen wesentlichen Fragen\" zusammenzuschlie\u00dfen. Der Schwerpunkt der Partei liegt im westund s\u00fcdwestdeutschen Raum. Ihre Mitglieder sind in Betriebszellen, Ortsgruppen und Bezirken organisiert, die einer \"Zentralen Leitung\" mit Sitz in Essen unterstehen. Die Mitgliederzahl der MLPD lag im Bundesgebiet zum Jahresende bei 1.000(1982: 900). In Bayern liegen die Schwerpunkte der MLPD im fr\u00e4nkischen und s\u00fcdbayerischen Raum. Mit bis zu 70 Aktivisten hat sich der Mitgliederstand in Bayern gegen\u00fcber dem Vorjahr (1982: weniger als 50) merklich vergr\u00f6\u00dfert. Das Zentralorgan \"Rote Fahne\" erscheint seit Mitte Juli w\u00f6chentlich (bisher vierzehnt\u00e4gig) in einer Auflage von rund 10.000 Exemplaren. Theoretisches Organ der Partei ist der \"Revolution\u00e4re Weg\". Der Aufund Ausbau der Betriebsgruppen mit eigenen Betriebszeitungen wurde 1983 verst\u00e4rkt weitergef\u00fchrt. Die Zeitungen und Flugbl\u00e4tter enthielten vorwiegend Artikel \u00fcber aktuelle betriebliche Probleme wie Rationalisierung, Kurzarbeit und Entlassungen, in denen die MLPD vor allem gegen \"Ausbeutung\", \"politische Disziplinierung\" und \"Sozialabbau\" agitierte. Die Publikationen befa\u00dften sich wiederholt auch mit der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" in der Bundesrepublik Deutschland. Die auf Initiative der MLPD zur Bundestagswahl 1983 gegr\u00fcndete und inzwischen wieder aufgel\u00f6ste Vereinigte Arbeiterliste (VAL) konnte die zu einer Wahlbeteiligung erforderliche Breite nicht erreichen. Die MLPD rief deshalb ihre Mitglieder und Sympathisanten auf, bei der Bundestagswahl \"ung\u00fcltig zu stimmen\". Nach Auffassung der MLPD vertrete ohnehin keine der Bonner Parteien die Interessen der Arbeiter. Im Rahmen des \"Friedenskampfes\" trat die MLPD anf\u00e4nglich f\u00fcr einen \"Volksentscheid\" gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen ein und schlo\u00df sich sp\u00e4ter der von Teilen der \"Friedensbewegung\" erhobenen Forderung nach einer \"konsultativen Volksbefragung\" an. Sie verbreitete hierzu eine Brosch\u00fcre mit dem Titel \"Volksbefragung im Kampf gegen den Atomtod\" und sammelte in verschiedenen St\u00e4dten Unterschriften f\u00fcr dieses Vorhaben. Angeh\u00f6rige der MLPD wirkten bei den von anderen linksextremen Gruppierungen durchgef\u00fchrten \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\" mit. Sie beteiligten sich ferner an den \"Osterm\u00e4rschen\", der \"Aktionswoche\" der \"Friedensbewegung\" vom 15. 64","Publikationen der Neuen Linken PROLETARIER ALLER LANDER, VEREINIGT EUCH! Rote Fahne Zentralorgan der Marxislisch-Leninistischen Partei Deulschlands--MLPD 23. April 1983/14. Jthrging Nr.-9 E 2583 D :* : ' * : . : **J. w 0\"H/7\"1092 65","bis 22. Oktober und den Aktionen zum 4. Jahrestag des NATO-Doppelbeschlusses (12. Dezember). Zum Verbot der t\u00fcrkischen Organisation ,,Devrimci Sol\" (Revolution\u00e4re Linke) einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen ,,Halk Der\" (Volksvereine) durch den Bundesminister des Innern am 9. Februar -- vgl. 7. Abschnitt Nr. 13.1.2 -- erkl\u00e4rte die MLPD, der \"Bonner Rechtsblock\" greife bewu\u00dft eine Organisation aus der T\u00fcrkei heraus, um die \"ausl\u00e4nderfeindliche Hetze zu st\u00e4rken\". Die Bedeutung des Verbots reiche weit \u00fcber die beiden betroffenen Organisationen hinaus; es solle \"Vorbote sein f\u00fcr kommende noch sch\u00e4rfere Angriffe auf alle Kr\u00e4fte, die sich dem Rechtskurs widersetzen\". Aus Anla\u00df des 100. Todestages von Karl Marx am 14. M\u00e4rz f\u00fchrte die MLPD im Bundesgebiet mehrere Veranstaltungen durch, bei denen sie sich als die Partei darzustellen versuchte, \"die als einzige Kraft in der BRD die Lehren von Marx anwendet und f\u00fcr die revolution\u00e4re Ver\u00e4nderung der Verh\u00e4ltnisse in der BRD und auf der Welt k\u00e4mpft\". Gegen Ende des Jahres versch\u00e4rfte die MLPD ihre Angriffe gegen die DKP. Sie warf ihr vor, einen \"rotlackierten Kapitalismus\" zu wollen, wie er in der DDR und in der Sowjetunion bestehe. Sie k\u00fcndigte hierzu eine \"Offensive zur Entlarvung der revisionistischen Strategie und Taktik\" der DKP an. Zu den Nebenorganisationen der MLPD geh\u00f6ren der Revolution\u00e4re Jugendverband Deutschlands (RJVD) mit seinem Organ \"Rebell\", die Kommunistischen Studentengruppen (KSG), die sich Ende des Jahres in Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) umbenannten, mit dem Organ \"Roter Pfeil\" und der Bund Kommunistischer Intellektueller (BKI), der seit Anfang 1984 den Namen Marxistisch-Leninistischer Bund Intellektueller (MLBI) f\u00fchrt. Den Nebenorganisationen geh\u00f6ren bundesweit insgesamt 600 Mitglieder an. Um eine einheitliche Ausrichtung aller Gliederungen auf die Partei zu erreichen, legte das Zentralkomitee der MLPD Ende Oktober in einer Leitlinie die \"allgemeinen Aufgaben\" ihrer Nebenorganisationen und die \"ideologischpolitische F\u00fchrung\" durch die Partei fest. 3.3 Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) Der 1973 aus dem Zusammenschlu\u00df mehrerer \u00f6rtlich t\u00e4tiger maoistisch orientierter Zirkel in Bayern entstandene AB beruft sich auf den Marxismus-Leninismus und Mao Zedongs Ideen. Er strebt die Beseitigung der \"herrschenden Ausbeuterklasse\" und die \"Errichtung einer Diktatur des Proletariats\" an. Endziel ist die Verwirklichung des Kommunismus in einer \"klassenlosen Gesellschaft\". Der AB bekennt offen, da\u00df er seine Ziele nur mit Gewalt erreichen k\u00f6nne. Er rechtfertigt die \"revolution\u00e4re Gewalt\" damit, da\u00df die \"herrschende Klasse\" nicht freiwillig auf ihre Macht verzichte. Der AB hat die politische Entwicklung in der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedong nicht nachvollzogen Er kritisiert die gegenw\u00e4rtige politische F\u00fchrung Chinas und verurteilt die \u00d6ffnung nach dem Westen als \"Revisionismus\". Der AB ist vorwiegend in Bayern t\u00e4tig. Hier bestehen Gruppen in Augsburq Munchen, N\u00fcrnberg, Regensburg und im Raum Alt\u00f6tting-Burghausen-Waldkrai66","b\u00fcrg. Neben diesen AB-Gruppen gibt es in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Regensburg \"Freundeskreise\", die den AB finanziell unterst\u00fctzen sollen. Au\u00dferhalb Bayerns verf\u00fcgt der AB unver\u00e4ndert in 14 St\u00e4dten des Bundesgebietes \u00fcber Ortsgruppen oder St\u00fctzpunkte. Die Gesamtmitgliederzahl blieb mit rund 300 Personen gleich. Zentralorgan des AB ist die \"Kommunistische Arbeiterzeitung\" (KAZ). Sie wird in einer Auflage von unver\u00e4ndert 1.200 Exemplaren im Auftrag des Zentralkomitees vom AB-eigenen \"Verlag Das Freie Buch GmbH, Buchund Zeitungsverlag\" in M\u00fcnchen herausgegeben. Der im Impressum der KAZ angek\u00fcndigte zweimonatliche Erscheinungsrhythmus wurde nicht eingehalten. 1983 erschien lediglich eine Normalausgabe. Dar\u00fcber hinaus verbreitete der AB zahlreiche Flugbl\u00e4tter. Im Bildungsbereich wird der AB von seinen Nebenorganisationen Rote Sch\u00fclerfront (RSF) und Kommunistischer Hochschulbund (KHB) unterst\u00fctzt. Der KHB geh\u00f6rt nach wie vor zu den einflu\u00dfreichsten und aktivsten linksextremen Gruppen an den bayerischen Hochschulen. Die Aktivit\u00e4ten der RSF gingen dagegen 1983 merklich zur\u00fcck. Agitationsschwerpunkt des AB war 1983 wiederum die Antifaschismus-Kampagne. Hierbei setzte der AB seine Bem\u00fchungen um \"antifaschistische Aktionsb\u00fcndnisse\" fort. Er wirkte ferner bei Aktionen mit, die andere Gruppierungen der Neuen Linken oder DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen durchf\u00fchrten. Angeh\u00f6rige des AB beteiligten sich z.B. auch an dem von der VVN-BdA initiierten Aufzug mit Auftaktund Schlu\u00dfkundgebung am 29. Januar in M\u00fcnchen, der aus Anla\u00df des 50. Jahrestages der Machtergreifung durch Adolf Hitler stattfand. Au\u00dferdem f\u00fchrten Anh\u00e4nger des AB am Vorabend des 3. Jahrestages des Anschlags auf dem M\u00fcnchner Oktoberfest (26. September 1980) einen Aufzug mit anschlie\u00dfender Mahnwache vor dem Mahnmal durch. Die Mahnwache wurde am 26. September fortgesetzt. Im Rahmen der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung unterst\u00fctzte der AB die von Teilen der \"Friedensbewegung\" geforderte \"konsultative Volksbefragung\" und sprach sich f\u00fcr einen Streik am \"Widerstandstag der Arbeiter, Betriebe und sozialen Einrichtungen\" (19. Oktober) aus. Anh\u00e4ngerdes AB verbreiteten hierzu zahlreiche Publikationen, klebten Plakate mit der Aufschrift \"Der Friede fordert den Streik\" und verteilten Aufkleber. Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes beteiligten sich ferner an den \"Osterm\u00e4rschen\" in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. In Flugbl\u00e4ttern und anderen Publikationen wandte sich der AB au\u00dferdem gegen die \"zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und die ungen\u00fcgende Unterbringung von Asylanten in Sammellagern. Bei den Aktionen gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" bediente sich der AB des von ihm beeinflu\u00dften und unterst\u00fctzten Aktionsausschusses gegen Zwangsarbeit und Abschiebung in Sammeliager, der wiederholt die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung und die Behandlung von Asylbewerbern in der Bundesrepublik Deutschland kritisierte und am 6. Dezember in Neuburg a.d. Donau einen Aufzug zum Thema \"Asylrecht und Sammellager\" durchf\u00fchrte. An der Demonstration beteiligten sich rund 250 von ausw\u00e4rts angereiste Personen, darunter vorwiegend Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes. 67","Im Zusammenhang mit dem vom Bundesminister des Innern ausgesprochenen Verbot der t\u00fcrkischen Gruppen Devrimci Sol und Halk Der rief der AB zur,.vorbehaltlosen Solidarit\u00e4t mit diesen Organisationen und ihren Mitgliedern\" sowie zu ,,massiven gewerkschaftlichen Protesten\" auf. Anh\u00e4nger des AB und seines Umfeldes protestierten am 8. Juni vor dem t\u00fcrkischen Generalkonsulat in N\u00fcrnberg gegen die in der T\u00fcrkei ausgesprochenen Todesurteile und beteiligten sich an einer Demonstration am 11. Juni in N\u00fcrnberg, die zum gleichen Thema von extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen durchgef\u00fchrt wurde. Die Betriebsarbeit des AB ging 1983 erneut zur\u00fcck. Sie beschr\u00e4nkte sich im wesentlichen auf die Verbreitung von Betriebszeitungen, die Beitr\u00e4ge zur Lohnund Tarifpolitik, zur Jugendarbeitslosigkeit und zum NATO-Doppelbeschlu\u00df enthielten. In seinem Zentralorgan ,,KAZ\" nahm der AB auch zum Ausgang der Bundestagswahl Stellung. Danach betrachtet er die jetzige Bundesregierung lediglich als \"\u00dcbergang\"; denn die Regierung sei ,,nicht vom Volk gew\u00e4hlt\". Im Jahre 1972 gr\u00fcndeten Sch\u00fcler-, Betriebsund Arbeiterbasisgruppen in Passau, Regensburg und M\u00fcnchen jeweils ein Anti-Strau\u00df-Komitee (ASKo). Nach dem Zusammenschlu\u00df der in Bayern bestehenden Arbeiterbasisund Betriebsgruppen 1973 zum Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB) \u00fcbernahmen AB-Aktivisten die F\u00fchrung der Anti-Strau\u00df-Komitees. Nach der 1972 ausgearbeiteten ,,Plattform\", die auch heute noch gilt, haben die Komitees die Aufgabe, den \"Sturz des rechten F\u00fchrungskaders und dessen ideologischen F\u00fchrers\" vorzubereiten und \"alle faschistischen Organisationen\" zu bek\u00e4mpfen. Das ASKo in Passau wurde 1976 aufgel\u00f6st. Heute bestehen ASKo's noch in Regensburg und M\u00fcnchen, die vom AB stark beeinflu\u00dft sind. Der Mitgliederstand liegt in M\u00fcnchen unver\u00e4ndert bei etwa 40, in Regensburg bei \u00fcber 50. Sprachrohr der Komitees ist der \"Demokratische Informationsdienst\" (DID), der im Eigendruck und Selbstverlag hergestellt wird. Die Auflage betr\u00e4gt rund 4.000 Exemplare. Die ASKo's unterst\u00fctzten 1983 den AB insbesondere in der Agitation gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen, bei den Aktionen gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und im Bundestagswahlkampf. Wiederholt wurden Anh\u00e4nger der ASKo's als St\u00f6rer von CSU-Wahlversammlungen und -kundgebungen festgestellt. Mehrere vom ASKo M\u00fcnchen verbreitete Flugbl\u00e4tter wurden wegen \u00f6ffentlicher Aufforderung zur Begehung von Straftaten und wegen ihres beleidigenden Inhalts beschlagnahmt. Im Rahmen der \"Antifaschismus-Kampagne\" f\u00fchrte das ASKo M\u00fcnchen am 9. November auf dem Odeonsplatz in M\u00fcnchen zwei Versammlungen durch, an denen sich jeweils ann\u00e4hernd 80 Personen beteiligten. Nach jeder Veranstaltung bildeten jeweils 13 Personen mit Plakattafeln und Fahnen eine \"Mahnwache\" vor der Feldherrnhalle. Als Anla\u00df f\u00fcr diese Aktionen nannte das ASKo den f\u00fcr 9. November in M\u00fcnchen geplanten Aufzug, den die inzwischen verbotene neonazistische Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) zum 60. Jahrestag von Hitlers Marsch zur Feldherrnhalle (9. November 1923) durchf\u00fchren wollte. 68","Der 1971/72 vom Bund der Pfadfinder (BdP) abgespaltene Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend (BDP/BDJ) -- Landesverband Bayern entwickelte 1983 rege Aktivit\u00e4ten. Nach einer von ihm erarbeiteten Grundsatzerkl\u00e4rung betrachtet er das \"kapitalistische System\" als Haupthindernis f\u00fcr die vielf\u00e4ltigen Interessen der arbeitenden und lernenden Jugend und h\u00e4lt eine \"grundlegende Umw\u00e4lzung dieser gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse\" f\u00fcr notwendig. Dar\u00fcber hinaus tritt er f\u00fcr den Wiederaufbau der 1951 wegen verfassungsfeindlicher Bet\u00e4tigung verbotenen Freien Deutschen Jugend (FDJ) ein. Nach l\u00e4ngeren internen Auseinandersetzungen schlo\u00df der BDP den Landesverband Bayern mit Wirkung vom 20. M\u00e4rz aus der Gesamtorganisation aus und untersagte ihm die F\u00fchrung seines Namens. Trotz dieses Verbotes trat der Landesverband Bayern des BDP/BDJ weiterhin unter dieser Bezeichnung auf. Dem BDP/BDJ-Landesverband Bayern geh\u00f6ren \u00fcber 50 Personen an. Ortsgruppen bestehen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. In Regensburg tritt die Gruppe unter der Bezeichnung Demokratischer Jugendzirkel Regensburg auf. Der BDP/BDJ-Landesverband Bayern wird vom AB beeinflu\u00dft. Das Organ des BDP/BDJ \"K\u00e4mpfende Jugend\" dient dem AB als Werbetr\u00e4ger. Neben eigenen Beitr\u00e4gen enth\u00e4lt das Organ vielfach Berichte \u00fcber die vom AB initiierten und veranstalteten Aktionen. Zum Gedenken an Philipp M\u00fcller, der am 11. Mai 1952 in Essen bei der polizeilichen Aufl\u00f6sung einer nicht angemeldeten Demonstration gegen die Wiederbewaffnung t\u00f6dliche Schu\u00dfverletzungen erlitten hatte, wollte der BDP/BDJ-Landesverband Bayern am 11. Mai 1982 in Essen unter dem Namen seines Organs \"K\u00e4mpfende Jugend\" den der 1951 verbotenen FDJ gewidmeten \"Herrnburger Bericht\" von Berthold Brecht und Paul Dessau auff\u00fchren. Die Auff\u00fchrung mu\u00dfte auf 1983 verschoben werden, weil die Stadt Essen keine geeigneten R\u00e4umlichkeiten zur Verf\u00fcgung stellte. Ein unter dem Einflu\u00df des AB stehender \"F\u00f6rdererkreis\" f\u00fchrte dann am 11. Mai 1983 in Essen den \"Herrnburger Bericht\" auf. Bei der Auff\u00fchrung trug ein Gro\u00dfteil der Mitwirkenden blaue Hemden mit dem FDJEmblem. Bei den rund 450 Zuschauern handelte es sich vorwiegend um aus Bayern angereiste Anh\u00e4nger des BDP/BDJ. Vor der Auff\u00fchrung fand in Essen eine Mahnwache statt, an der sich rund 30 Personen in FDJ-Kleidung beteiligten. Wegen des Verdachts der Verwendung von Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation (SS 86a StGB) und wegen Versto\u00dfes gegen das Uniformverbot (SSSS 3 Abs. 1 und 28 VersammlG) leitete die Polizei Ermittlungsverfahren ein. Wegen beleidigenden Inhalts des von der \"K\u00e4mpfenden Jugend\" herausgegebenen \"Anti-Strau\u00df-Kalenders 1983\" ordnete das Amtsgericht M\u00fcnchen am 10. Januar die Beschlagnahme dieser Druckschrift an. Bei seinen Propagandaaktionen konnte sich der AB auch auf das von ihm beeinflu\u00dfte Regensburger B\u00fcrgerkomitee (RBK) st\u00fctzen, das die Zeitschrift \"Zur Sache\" herausgibt. 69","3.4 Kommunistischer Bund (KB) Der Ende 1971 entstandene KB ist ein Zusammenschlu\u00df kommunistischer Organisationen auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus in seiner Weiterentwicklung durch Mao Zedong. Er strebt die \"gewaltsame Zerschlagung des Staatsapparates\" und seine \"Ersetzung durch r\u00e4tedemokratische Strukturen\" an. Die Delegierten bekr\u00e4ftigten auf ihrem 2. Kongre\u00df am 16./17. Januar 1982 in Hamburg die bisherige \"revolution\u00e4re Linie\" des KB. Der KB hat die politische Entwicklung in der Volksrepublik China nach dem Tode von Mao Zedong nicht nachvollzogen. Er verurteilt die innenpolitischen Vorg\u00e4nge als \"Rechtsputsch\" und als \"schweren R\u00fcckschlag\" f\u00fcr den \"revolution\u00e4ren Proze\u00df\". Der KB hat kein schriftliches Programm. Nach dem Statut von 1980 beruht der Organisationsaufbau des KB auf dem Grundsatz des \"demokratischen Zentralismus\". Die Grundeinheiten sind die \"Zellen\" in Betrieben, B\u00fcros, Ausbildungsst\u00e4tten, Institutionen und Wohngebieten. Das h\u00f6chste Organ des KB ist der \"Nationale Kongre\u00df\". Ende des Jahres 1983 hatte der KB im Bundesgebiet etwa 500 Anh\u00e4nger (1982: \u00fcber 500), wobei die Mehrzahl seiner Aktivisten im norddeutschen Raum, vor allem in Hamburg, organisiert ist. In Bayern lag die Zahl der Anh\u00e4nger unter 30. Der Schwerpunkt befindet sich in N\u00fcrnberg. Zentralorgan des KB ist die Zeitung \"Arbeiterkampf\" mit einer Auflage von rund 5.000 St\u00fcck (1982: 6.000), die im KB-eigenen Verlag \"Hamburger Satzund Verlagskooperative GmbH\" im monatlichen Turnus herausgegeben wird. Schwerpunkte in der politischen Agitation des KB waren wiederum die Themen \"Antiimperialismus\", \"Antifaschismus\" und \"Antimilitarismus\". Mit der Forderung, den NATO-Doppelbeschlu\u00df aufzuheben, die Stationierung der amerikanischen Mittelstreckenraketen zu verhindern und einen \"Volksentscheid\" \u00fcber die Nachr\u00fcstung zu organisieren, beteiligte sich der KB an der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung. Im \"Arbeiterkampf\" forderte der KB wiederholt, die \"Friedensbewegung\" m\u00fcsse im Jahr der Stationierung zu \"radikaleren\" und \"weitergehenden\" Widerstandsaktionen kommen. 3.5 Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) Der BWK wurde im September 1980 von ehemaligen Anh\u00e4ngern des KBW gegr\u00fcndet. F\u00fcr ihn gilt nach wie vor das vom KBW 1973 beschlossene und 1976 \u00fcberarbeitete Programm. Nach diesem Programm bekennt sich der BWK zur \"proletarischen Revolution\" und zur \"Diktatur des Proletariats\" im marxistischleninistischen Sinne und propagiert offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\". Oberstes Organ des BWK ist nach dem Statut die Zentrale Delegiertenkonferenz. Die 7 Landesverb\u00e4nde sind in Bezirke unterteilt. Die Grundeinheiten sind die Zellen. Die Zentrale des BWK hat ihren Sitz in K\u00f6ln. Der Landesverband Bayern wird von M\u00fcnchen aus geleitet. Bezirke mit Bezirksleitungen bestehen in verschiedenen bayerischen St\u00e4dten. Zum Jahresende hatte der BWK auf Bundesebene etwa 450 Mitglieder (1982: noch \u00fcber 500). In Bayern entsprach die Mitgliederzahl mit rund 100 der des Vorjahres. 70","Publikationen der Neuen Linken nj den Bundestagswahlen 1983 ROTER. Wahlinfo Nr. 2 H\">r^ Volksgemeinschaft \"^ v*< MORGEN i 'j.i ' j . BHanaamaBa und starker Rechtsstaat - NEIN! Seiten 8/9 I^^cj^ j m Nr. 10/11 November/Dezember 1983 1 H 4962 e yolksecho \"MITTEILUNGEN DER VOLKSFRONT GEGEN REAKTION, FASCHISMUS UND KRIEG Proletarier aller L\u00e4nder vereinigt euch! Proletarier aller L\u00e4nder und unterdruckle V\u00f6lker vereinigt euch! Politische Berichte & G 7756 D (tm) MZ Marxistische Zeitung Gegen die Kosten der Freiheit November 1983 * Erscheint monatlich * MAZ Marxistische Arbeiter Zeitung 71","Organ des BWK ist die Zeitschrift \"Politische Berichte\". Sie erscheint vierzehnt\u00e4gig im Verlag \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung -- Verlagsgesellschaft Politische Berichte mbH\" (GNN) in K\u00f6ln. Die Auflage betrug Ende 1983 wie im Vorjahr rund 1.500 Exemplare. Neben der Verlagsgesellschaft in K\u00f6ln bestehen auf der Ebene der Landesverb\u00e4nde unter der Bezeichnung \"Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH\" (GNN) weitere Verlage. Der GNN-Verlag f\u00fcr Bayern, der seinen Sitz in M\u00fcnchen hat, brachte 1983 Betriebszeitungen sowie Flugbl\u00e4tter und interne Schriften des BWK zu regionalen Themen heraus. Die Agitation des BWK richtete sich 1983 vorrangig gegen die westliche Verteidigungsgemeinschaft. Er warf der NATO vor, sie wolle durch die geplante atomare Nachr\u00fcstung die Voraussetzungen f\u00fcr einen gewinnbaren Atomkrieg gegen die Sowjetunion schaffen, und forderte die Bundesregierung auf, aus der NATO auszutreten. Im Rahmen der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung beteiligten sich Angeh\u00f6rige des BWK wiederholt an Protestaktionen anderer linksextremer Gruppierungen. Anh\u00e4nger des BWK nahmen auch an der von den Marxistischen Gruppen (MG) organisierten Demonstration \"Gegen den BRD-Imperialismus -- Gegen die gewaltsame deutsche Wiedervereinigung im NATOWeltkrieg\" teil, die aus Anla\u00df des Tages der Deutschen Einheit am 17. Juni in Bonn stattfand. In seinen Publikationen wandte sich der BWK gegen die Tarifabschl\u00fcsse, die Wirtschaftsund Arbeitsmarktpolitik sowie gegen die \"zunehmende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Anl\u00e4\u00dflich des Verbotes der t\u00fcrkischen Gruppen Devrimci Sol und Halk Der warf der BWK dem Bundesminister des Innern vor, er betreibe mit \"der von ihm eingeleiteten versch\u00e4rften Ausl\u00e4ndergesetzgebung die Versklavung der ausl\u00e4ndischen Bev\u00f6lkerung\". Bei der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz kandidierten der BWK und die KPD mit 43 Bewerbern in einem \"revolution\u00e4ren Wahlb\u00fcndnis\" auf Landeslisten in sieben Bundesl\u00e4ndern. Dabei trat die KPD in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen an, der BWK in Niedersachsen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern. Der BWK hatte au\u00dferdem sieben seiner Bewerber als Direktkandidaten nominiert, davon einen in Bayern f\u00fcr den Wahlkreis M\u00fcnchen-Nord. Im Bundesgebiet entfielen 686 Erstund 2.129 Zweitstimmen auf den BWK; die KPD erreichte insgesamt 3.431 Zweitstimmen. Gegen\u00fcber der Landtagswahl im Oktober 1982 (413 Erstund Zweitstimmen) konnte sich der BWK in Bayern leicht verbessern. Er erreichte hier 171 Erstund 688 Zweitstimmen. Die Stimmenmehrung ist im wesentlichen auf die Unterst\u00fctzung des BWK durch die KPD zur\u00fcckzuf\u00fchren. Trotz des geringen Erfolgs werteten BWK und KPD die \"Zusammenarbeit zwischen den revolution\u00e4ren Organisationen\" im Wahlkampf positiv. \"Da\u00df eine gemeinsame revolution\u00e4re T\u00e4tigkeit von Organisationen mit durchaus unterschiedlichen Auffassungen m\u00f6glich ist, hat der gemeinsame Wahlkampf von BWK und KPD gezeigt.\" Die bereits im Vorjahr begonnene Zusammenarbeit zwischen BWK und KPD wurde 1983 fortgef\u00fchrt. Neben dem vereinbarten Wahlb\u00fcndnis fanden halbj\u00e4hrlich gemeinsame ZK-Sitzungen der beiden Organisationen statt. 72","Von den BWK-Hochschulzellen (BWK-HZ), die an einigen Universit\u00e4ten noch bestehen, gingen 1983 keine Aktivit\u00e4ten mehr aus. 3.6 Kommunistischer Bund Westdeutschland (KBW) Der im Jahre 1973 entstandene KBW bekannte sich bis zur VII. Delegiertenkonferenz, die am 21./22. Mai in Frankfurt a.M. stattfand, zur \"proletarischen Revolution\" im marxistisch-leninistischen Sinne. Er propagierte offen die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und strebte die \"Machtergreifung durch die Volksmassen\" an. Sein Vorbild war die Kommunistische Partei Chinas (KPCh). Die VII. Delegiertenkonferenz hob die bisherige Parteikonzeption auf und verabschiedete eine neue Satzung. Danach versteht sich der KBW nicht mehr als Partei im Sinne des Parteiengesetzes, sondern als Verein. Im Gegensatz zum bisherigen Statut, das von den Mitgliedern die Anerkennung des KBW-Programmes forderte, verlangt die neue Satzung f\u00fcr eine Mitgliedschaft lediglich, f\u00fcr das \"Ziel des Kommunismus\" einzutreten. Gleichzeitig wird den Mitgliedern der Eintritt in andere politische Gruppierungen gestattet. Die Mitglieder sollen k\u00fcnftig den KBW nur noch als \"einen Ausgangspunkt unter anderen\" betrachten, um \"neue Formen der Zusammenarbeit von Revolution\u00e4ren zu entwickeln\". Nach der neuen Satzung gliedert sich der KBW in Ortsverb\u00e4nde, die im \"Rahmen der Richtlinien der bundesweiten Mitgliederoder Delegiertenversammlung oder der Bundesleitung\" ihre \u00f6rtliche Politik selbst\u00e4ndig bestimmen. Die Mitgliederversammlung, die alle zwei Jahre einberufen werden soll, ist das h\u00f6chste Beschlu\u00dforgan. Beschlie\u00dft die nunmehr aus 29 Mitgliedern bestehende Bundesversammlung die Durchf\u00fchrung einer Delegiertenversammlung, so ist diese das h\u00f6chste Beschlu\u00dforgan. Der seit 1980 festgestellte R\u00fcckgang der Mitgliederzahlen setzte sich 1983 fort. Ma\u00dfgebend hierf\u00fcr sind die nach wie vor anhaltenden ideologischen Differenzen in der Parteif\u00fchrung. Zum Jahresende z\u00e4hlte der KBW im Bundesgebiet noch rund 300 Mitglieder (1982: 500). Auch in Bayern ging die Mitgliederzahl weiter zur\u00fcck. Sie lag Ende 1983 erheblich unter 50 Personen. Nur in einigen gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten bestehen noch Ortsverb\u00e4nde. Als Zentralorgan des KBW erscheint die Monatszeitschrift \"Kommune -- Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie\" in einer Auflage von 2.800 St\u00fcck, die von einem aus 15 KBW-Mitgliedern bestehenden Redaktionskomitee herausgegeben wird. Der KBW trat mit eigenen Aktionen 1983 in der \u00d6ffentlichkeit kaum noch auf; er verst\u00e4rkte daf\u00fcr seine Mitarbeit in \u00f6rtlichen Initiativen der \"Friedens-, AntiImperialismusund \u00d6kologiebewegung\". Bei der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz unterst\u00fctzte der KBW die Kandidatur der \"Gr\u00fcnen\". Die Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung (VrV), die den KBW bis 1981 als Nebenorganisation unterst\u00fctzte, trat 1983 in Bayern nicht mehr auf. 73","3.7 Kommunistische Partei Deutschlands (Marxisten-Leninisten) (KPD) Die im Dezember 1968 in Hamburg gegr\u00fcndete KPD bekennt sich zu den \"unverg\u00e4nglichen Lehren von Marx, Lenin und Stalin\". Sie tritt offen f\u00fcr die \"gewaltsame sozialistische Revolution\", die \"Zerschlagung des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates\" und die \"Errichtung der Diktatur des Proletariats\" ein. Die KPD lehnt den Kommunismus sowjetischer Pr\u00e4gung ab. Ihr ideologisches Vorbild ist die Volksrepublik Albanien. Zur Vertiefung ihrer \"br\u00fcderlichen Beziehungen\" zur Partei der Arbeit Albaniens (PAA) reisten auch 1983 Delegationen der KPD wieder nach Tirana. Anfang November hielt die KPD ihren V. Parteitag ab, den sie am 3.14. Dezember fortsetzte. Im Mittelpunkt standen die Beratungen \u00fcber die \"Entwicklung der Einheitsfrontpolitik\", die Verabschiedung mehrerer Resolutionen und die Neuwahl der F\u00fchrungsgremien. Dar\u00fcber hinaus beschlossen die Delegierten, die bisherige Struktur der in drei Sektionen (\"Deutsche Bundesrepublik\", \"Westberlin\", DDR) untergliederten KPD aufzugeben und daf\u00fcr einen \"Nationalen Ausschu\u00df\" als gemeinsames Gremium der \"KPD in der DDR und der KPD in der BRD/ Westberlin\" einzurichten. F\u00fchrungsgremium der KPD ist das Zentralkomitee. Die laufende Arbeit verrichtet das Politb\u00fcro in Dortmund. Neben dem neu eingerichteten \"Nationalen Ausschu\u00df\" unterh\u00e4lt die KPD in der Bundesrepublik Deutschland unver\u00e4ndert drei Landesverb\u00e4nde (Nord, Mitte und S\u00fcd) und mehrere Landesbezirksverb\u00e4nde, davon einen in Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen. Daneben bestehen in mehreren St\u00e4dten Bayerns KPD-Gruppen oder -Initiativen. Die KPD z\u00e4hlte Ende 1983 im Bundesgebiet rund 400 Mitglieder (1982: 500). Der Mitgliederstand in Bayern lag unter 50 Personen. Dieser anhaltende Mitgliederschwund veranla\u00dfte die KPD, die \"Einheit aller revolution\u00e4ren Sozialisten\" in einer \"Vereinigten Kommunistischen Partei\" zu fordern, um so die Zersplitterung und Spaltung der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte zu \u00fcberwinden. Zentralorgan der KPD ist der \"Rote Morgen\", der w\u00f6chentlich in der Vorjahresauflage von etwa 6.000 Exemplaren erscheint. Ab September wurde der seit 1980 erscheinende t\u00fcrkischsprachige Teil des \"Roten Morgen\" aus finanziellen Gr\u00fcnden eingestellt. Stattdessen erscheint nunmehr eine t\u00fcrkischsprachige Monatszeitschrift unter dem Titel \"Kizil Safak\". Das theoretische Organ der KPD, das bisher unter dem Titel \"Weg der Partei\" viertelj\u00e4hrlich erschien, wurde in \"Kommunistische Hefte\" umbenannt. Daneben verbreitet die KPD das Funktion\u00e4rsorgan \"Der Kommunist\". Agitationsschwerpunkte der KPD waren 1983 der Kampf gegen \"Reaktion und Faschismus\" und gegen die \"anwachsende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Im Rahmen der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung warb die KPD f\u00fcr einen von ihr entwickelten \"Friedensplan\", der als Sofortma\u00dfnahmen den \"Abzug aller fremden Truppen vom bundesdeutschen Boden\", den \"Austritt der Bundesrepublik Deutschland aus der NATO und EG\" und die \"Neutralit\u00e4t\" vorsieht. Weitere Agitationsthemen der KPD waren die \"zunehmende Arbeitsplatzvernichtung\" und der \"fortschreitende Sozialabbau\". 74","die yi&*&}. |5i\u00e4f3 Plakat der KPD 75","Die Zusammenarbeit zwischen BWK und KPD wurde 1983 weiter ausgebaut. So nahmen die KPD und der BWK mit gemeinsamen \"offenen Listen\" an der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz teil. Die \"offene Landesliste\" f\u00fcr Bayern des BWK enthielt acht Kandidaten; davon geh\u00f6rten zwei Kandidaten der KPD an. Dieses \"revolution\u00e4re Wahlb\u00fcndnis\" fand bei der W\u00e4hlerschaft nur geringe Resonanz (vgl. auch Nr. 3.5 dieses Abschnitts). Zur Vertiefung ihrer Zusammenarbeit f\u00fchrten KPD und BWK eine gemeinsame ZK-Sitzung durch und vereinbarten die Herausgabe einer gemeinsamen \"theoretischen Zeitschrift\", die 1984 als Beilage zu ihren Zentralorganen erscheinen soll. Die Aktivit\u00e4ten der KPD in Bayern waren gering. Sie beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Beteiligung an den \"Osterm\u00e4rschen\" und den Demonstrationen zum \"Antikriegstag\" am 1. September sowie auf die Verbreitung von Publikationen. Die von der KPD beeinflu\u00dfte Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg (VOLKSFRONT) wurde 1979 in Dortmund gegr\u00fcndet. In einem damals ergangenen Aufruf wurde ausgef\u00fchrt, die Gr\u00fcndung sei erforderlich gewesen, um den wachsenden \"Widerstand in unserem Volke\" gegen \"Aussperrungsterror\", \"brutale Polizeieins\u00e4tze\" und \"Naziprovokation\" bundesweit zu organisieren. Auf dem 3. Bundeskongre\u00df am 26727. November in Frankfurt a.M. betonten die Delegierten, die VOLKSFRONT sei zum Zusammenschlu\u00df der \"antifaschistischen Kr\u00e4fte\" im Kampf gegen die Kriegsvorbereitungen und gegen den Faschismus weiterhin erforderlich. Die VOLKSFRONT verf\u00fcgt in allen Bundesl\u00e4ndern \u00fcber Landesverb\u00e4nde, die sich in Kreisverb\u00e4nde und Ortsgruppen gliedern. Der Landesverband Bayern wurde 1979 in N\u00fcrnberg unter Beteiligung der KPD gegr\u00fcndet und z\u00e4hlte zum Jahresende 1983 wie im Vorjahr etwa 50 Mitglieder. Organ der VOLKSFRONT ist das Mitteilungsblatt \"Volksecho\", das monatlich erscheint. Die VOLKSFRONT unterst\u00fctzte 1983 die Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung sowie die Aktionen der KPD im \"Friedenskampf\" und im Kampf gegen die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Bei den bundesweiten Aktionen der VOLKSFRONT gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Industrieund Handelskammern am 19. Januar verteilten Anh\u00e4nger der VOLKSFRONT in M\u00fcnchen, Schweinfurt und W\u00fcrzburg Flugbl\u00e4tter. Durch die ebenfalls von der KPD beeinflu\u00dfte Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk (AG-FLV) mit ihrer Zeitung \"Freies Landvolk\" soll der Aufbau einer \"freien Landvolkbewegung\" in der Bundesrepublik Deutschland gef\u00f6rdert werden. In Bayern wurden 1983 keine Aktivit\u00e4ten der AG-FLV mehr bekannt. Auch die Rote Hilfe Deutschlands (RHD), die sich die Unterst\u00fctzung aller vom \"Klassenfeind\" Verfolgten zum Ziel gesetzt hat, zeigte 1983 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten mehr. 3.8 Trotzkistische Gruppen Zum Jahresende bestanden im Bundesgebiet 13 Gruppen mit rund 700 Mitgliedern, die sich auf die Lehren Trotzkis berufen. Die bedeutendste ist die im Mai 1969 gegr\u00fcndete Gruppe Internationale Marxisten -- Deutsche Sektion der 76","IV. Internationale (GIM). Ihr geh\u00f6ren etwa 250 Mitglieder (1982: 220) an. Neben der GIM bestehen als weitere nennenswerte Zusammenschl\u00fcsse deutscher Trotzkisten der Spartacusbund und der Bund Sozialistischer Arbeiter (BSA), dem der Sozialistische Jugendbund (SJB) angegliedert ist. Gemeinsam k\u00e4mpfen diese Gruppen f\u00fcr die \"permanente Revolution\", um den \"b\u00fcrgerlichen Staat\" zerschlagen und die \"Diktatur des Proletariats\" in der Staatsform einer R\u00e4teherrschaft errichten zu k\u00f6nnen. Das Bekenntnis zum Trotzkismus schlie\u00dft die Bejahung der Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung ein. In Bayern bestehen Ortsgruppen der GIM in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg mit nur wenigen Mitgliedern. Die Aktivit\u00e4ten beschr\u00e4nkten sich auf die Durchf\u00fchrung einiger Veranstaltungen, die Errichtung von Informationsst\u00e4nden und die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern, die sich gegen die NATO-Nachr\u00fcstung und die \"anwachsende Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" richteten. Im Rahmen des Vollzugs der Beschl\u00fcsse des 11. Weltkongresses der trotzkistischen IV. Internationale unterst\u00fctzt die GIM seit 1981 den Aufbau einer Revolution\u00e4r-Sozialistischen Jugendorganisation (RSJ), deren Basis z.Zt. aus den in mehreren St\u00e4dten gegr\u00fcndeten Jugendgruppen \"Rote Maulw\u00fcrfe\" besteht. Seit Anfang 1983 existiert auch in M\u00fcnchen eine solche Gruppe, die sich in ihren ideologischen Ans\u00e4tzen an die Vorstellungen der GIM anlehnt. Das Zentralorgan der GIM ist die vierzehnt\u00e4tig erscheinende Zeitschrift \"was tun\". Ihre Auflage liegt bei 2.300 (1982: 2.500) Exemplaren. 3.9 Marxistische Gruppen (MG) Innerhalb der Neuen Linken nehmen die Marxistischen Gruppen, die sich aus den Ende der 60er Jahre entstandenen \"Roten Zellen\" entwickelten, eine Sonderstellung ein. Nach den Merkmalen hierarchischer Aufbau, straffe Disziplin, intensive Schulung und strenge Abschirmung des Verbandslebens entsprechen die MG einer marxistisch-leninistischen Kaderorganisation, obwohl sie den \"Leninismus\" in seiner dogmatischen Form ablehnen. Die MG bek\u00e4mpfen die Demokratie als \"Staatsform der b\u00fcrgerlichen Ausbeutung\" und treten daf\u00fcr ein, den Staat auf dem Weg \u00fcber die sozialistische Revolution abzuschaffen. Voraussetzung dazu sei der \"Klassenkampf des Proletariats\", zu dessen \"Bewu\u00dftseinsorientierung\" sie beitragen wollen. Die MG verf\u00fcgen bundesweit \u00fcber rund 1.300 Mitglieder (1982: 1.000), davon \u00fcberwiegend Studenten und Angeh\u00f6rige akademischer Berufe, und mehrere Tausend in \"Sympathisantenplenen\" fest eingebundene Anh\u00e4nger. Ihr organisatorischer Schwerpunkt ist Bayern. Hier bestehen Gruppen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Aktivit\u00e4ten, die auf St\u00fctzpunkte schlie\u00dfen lassen, wurden auch aus Augsburg, Bayreuth, Coburg, F\u00fcrth, Ingolstadt und Schweinfurt sowie aus dem Raum Aschaffenburg bekannt. Die Zahl ihrer Mitglieder lag zum Jahresende 1983 unver\u00e4ndert bei 400. Sie konnten sich ferner auf einen Sympathisantenkreis von rund 4.500 Personen st\u00fctzen. Die bedeutendste Gruppe ist nach wie vor die MG M\u00fcnchen, die faktisch eine F\u00fchrungsfunktion aus\u00fcbt. Kommunikationsund Bildungszentren sind der \"La77","den\" des ,.Vereins zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\", die \"MHBund NEW-Gesellschaften f\u00fcr Druck und Vertrieb wissenschaftlicher Literatur mbH\" und der \"Resultate-Verlag\" in M\u00fcnchen sowie die ,,MG-L\u00e4den\" in Erlangen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Gliederung und leitende Gremien der MG werden nach wie vor weitgehend geheimgehalten. Organisatorisch praktizieren die MG einen straffen F\u00fchrungsstil und verlangen die stete Bew\u00e4hrung des einzelnen als Mitglied oder Sympathisant. Die Finanzierung der MG erfolgt durch sehr hohe Mitgliedsbeitr\u00e4ge und durch den Verkauf von Publikationen. Zentrale Publikationsorgane der MG sind die \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ), die seit November den Untertitel \"Gegen die Kosten der Freiheit\" f\u00fchrt und die \"Marxistische Arbeiterzeitung\" (MAZ). Zus\u00e4tzlich erscheinen \u00f6rtliche \"Hochschulzeitungen\" mit Einzelauflagen bis zu 14.000 Exemplaren sowie Betriebs-, Branchenund Regionalausgaben der MAZ. Das theoretische Organ der MG erscheint unter dem Titel \"Resultate\". Agitationsschwerpunkte der MG waren 1983 die Bundestagswahl, die \"Nicaragua-Kampagne\", der \"BRD-Imperialismus\" und der \"Hei\u00dfe Herbst\". Hauptbet\u00e4tigungsfelder waren wiederum die Hochschulen (vgl. Abschnitt 5 Nr. 4.1) und die Betriebsarbeit. Mit der \"Marxistischen Arbeiterzeitung\" (MAZ), die 1983 in zahlreichen St\u00e4dten vor Gro\u00dfbetrieben verteilt wurde, versuchten die MG, in den Arbeitnehmerbereich einzudringen. Zu diesem Zweck haben die MG einen eigenen Kader f\u00fcr Betriebsarbeit gebildet, der \u00fcber Einzelpersonen oder kleine Aktionsgruppen ihre Politik in die Betriebe tragen soll. Die Schulung der Arbeiter ist praxisbezogen und weniger wissenschaftlich. In der \"MAZ\" und bei speziellen Veranstaltungen f\u00fcr Arbeitnehmer behandelten die MG Themen wie \"Tarifpolitik der Gewerkschaften\", \"Ausbeutung durch die Unternehmer\" und \"Massenentlassungen\". Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz f\u00fchrten die MG im Februar zahlreiche Diskussionsveranstaltungen durch. Hierbei sprachen sich die MG-Redner wiederholt f\u00fcr einen Wahlboykott aus. Auch die Publikationen der MG enthielten mehrfach Beitr\u00e4ge zur Bundestagswahl mit dem Hinweis: \"Noch selten konnte ein Bundesb\u00fcrger mit seinem Wahlkreuz so viel verkehrt machen wie diesmal. Egal wen er damit w\u00e4hlt!\". Dar\u00fcber hinaus wurden am 1. M\u00e4rz in Kempten mehrere Plakate der MG mit dem Aufdruck \"W\u00e4hlen ist verkehrt\" festgestellt. Anfang Mai fanden in mehreren Hochschulorten Protestveranstaltungen der MG statt, die sich gegen den \"US-Krieg in Nicaragua\" richteten. An den Veranstaltungen beteiligten sich insgesamt 1.600 Personen. Den Abschlu\u00df der \"Nicaragua-Kampagne\" bildete eine Demonstration der MG am 7. Mai in N\u00fcrnberg, an der rund 3.000 Personen, vorwiegend aus dem s\u00fcddeutschen Raum, teilnahmen. Die Transparente trugen Aufschriften wie \"Ohne NATO keine Freiheit\", \"Nicaragua, ein Blutbad f\u00fcr die Freiheit\" und \"Washington: Die Zentrale des Weltterrorismus\". 78","Zum Tag der Deutschen Einheit am 17. Juni veranstalteten die MG unter dem Motto \"Gegen den BRD-Imperialismus! Gegen die gewaltsame deutsche Wiedervereinigung im NATO-Weltkrieg!\" in Bonn eine Demonstration, an der rund 7.500 Personen teilnahmen, darunter eine erhebliche Anzahl aus Bayern. In einer gemeinsamen Erkl\u00e4rung, die bereits Anfang Mai ver\u00f6ffentlicht wurde, hatte neben den MG auch der BWK zur Teilnahme an dieser Demonstration aufgerufen. In einer Flugschrift \"Gegen Frieden in Freiheit\" erkl\u00e4rte die MG, nur mit einer \"Arbeitsverweigerung, die. . .gegen die herrschende Ordnung von Staat und Wirtschaft Arbeiterinteressen\" durchsetze, seien \"die Raketen zu verhindern\". Ein Generalstreik bestreite den Politikern \"die Freiheit im Umgang mit ihrer Macht\" und sei daher \"das einzig schlagende Argument gegen die demokratische Gewalt von oben\". Da die \"Friedensbewegung\" jedoch am inneren Frieden nicht r\u00fctteln wolle, gehe auch der \u00e4u\u00dfere Friede \"seinen freien, geplanten Gang bis zum Krieg\". In einer weiteren Flugschrift mit der \u00dcberschrift \"Der hei\u00dfe Herbst der Friedensbewegung -- eine Dummheit, die teuer zu stehen kommt\", bezeichneten die MG die Aktionen der \"Friedensbewegung\" als \"Kindereien\". Die \"Friedensbewegung\" k\u00e4mpfe \"nicht gegen die Kriegsvorbereitung, sondern um Geh\u00f6r bei den Kriegsvorbereitern\". Die Bewegung bekenne \"ihre Gewaltlosigkeit und s\u00e4ubert die Steineschmei\u00dfer raus\", um von den \"gro\u00dfen Gewalthabern\" anerkannt zu werden. Wer \"seinen Frieden mit den demokratischen Kriegsherrn nicht endg\u00fcltig\" aufk\u00fcndige, sei \"machtlos gegen sie\". 3.10 Undogmatische Gruppen der Neuen Linken 3.10.1 Allgemeines Zum Bereich der Neuen Linken geh\u00f6ren auch die sogenannten undogmatischen Gruppen. Sie sind schwer \u00fcberschaubar und bestehen h\u00e4ufig aus kleinen, \u00f6rtlichen Zirkeln oder lockeren kurzlebigen Zusammenschl\u00fcssen. Sie lehnen vielfach starre Organisationsformen und feste Bindungen an ideologische Dogmen ab, bef\u00fcrworten im politischen Kampf Spontanit\u00e4t, Autonomie und \"Selbstorganisation der Unterdr\u00fcckten\". Sie fordern vor allem die Arbeit an der \"Basis\" und \"Selbstbestimmung\" in Bezugsgruppen oder pers\u00f6nlichen \"Arbeitsfeldern\" zur \"eigenen Befreiung\". Das politische Spektrum dieser undogmatischen Linksextremisten reicht von Anh\u00e4ngern eines \"undogmatischen wissenschaftlichen Sozialismus\" \u00fcber Sozialrevolution\u00e4re bis hin zu Anarchisten. Sie alle verfolgen als Endziel die Beseitigung der bestehenden Staatsund Gesellschaftsordnung. Innerhalb der undogmatischen Neuen Linken gewann 1983 der anarchistisch orientierte \"autonome\" Fl\u00fcgel an Bedeutung. Andere Gruppen dagegen verloren an Einflu\u00df oder l\u00f6sten sich auf. In Bayern traten 1983 das \"Kollektiv Rote Hilfe M\u00fcnchen\" (KRH) und die Gruppe \"Freizeit '81/Freizeit '82\" nicht mehr in Erscheinung. Neben den undogmatischen Linksextremisten gibt es auch Gruppen, die auf den gleichen Aktionsfeldern, h\u00e4ufig mit \u00e4hnlichen Namen und Organisationsformen 79","t\u00e4tig werden, ohne jedoch extremistische Ziele zu verfolgen. Zu diesem Bereich z\u00e4hlt der gr\u00f6\u00dfte Teil der sogenannten Alternativen. 3.10.2 \"Autonome\" Gruppen Mit Aktionen traten 1983 im Bundesgebiet und in Bayern Gruppen auf, die sich selbst als \"Autonome\" bezeichnen. Dabei handelt es sich vielfach um spontane und lose, in sich aber abgeschottete Zusammenschl\u00fcsse ohne einheitliches Konzept. Ihr Ziel ist, den Staat mit seinen Institutionen zu beseitigen und eine \"Autonomie\" in einer \"herrschaftsfreien Gesellschaft\" zu errichten. Hierzu wollen sie zun\u00e4chst \"Freir\u00e4ume\" und \"Widerstandsnester\" erk\u00e4mpfen und den \"Kampf gegen das System\" unberechenbar und flexibel f\u00fchren. Ihre vielfach militanten Aktionen richten sich nicht nur gegen \"Spekulanten, Startbahn und Kernkraft\", sondern auch gegen den \"allt\u00e4glichen Faschismus\", gegen Mittelstreckenraketen, Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit, Ausl\u00e4nderhetze, Knast, Repressionen und gegen den \u00dcberwachungsstaat\". In Bayern bestehen \"autonome\" Zusammenschl\u00fcsse in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. An den 1983 wiederholt durchgef\u00fchrten \"Autonomentreffs\" nahmen jeweils zwischen 20 und 50 Personen teil. Anh\u00e4nger dieser \"autonomen\" Zusammenschl\u00fcsse beteiligten sich ferner an den Ausschreitungen anl\u00e4\u00dflich des Besuches des amerikanischen Vizepr\u00e4sidenten Bush am 25. Juni in Krefeld und veranstalteten am 25. Juli in N\u00fcrnberg ein \"Nachbereitungstreffen\" zu den Krefelder Ereignissen. Am 3. Dezember demonstrierten 80 Personen, darunter vorwiegend Anh\u00e4nger \"autonomer\" Gruppen, vor der McGraw-Kaserne in M\u00fcnchen gegen die \"USArmee\" und den \"Weltimperialismus\". Neben den bestehenden Zusammenschl\u00fcssen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sind auch in Erlangen Ans\u00e4tze erkennbar, die auf die Bildung einer \"autonomen\" Gruppe hindeuten. 3.10.3 \"Initiative Gefangenenhilfe\" N\u00fcrnberg In N\u00fcrnberg entstand Ende November/Anfang Dezember eine \"Initiative Gefangenenhilfe\", der 8 Personen angeh\u00f6ren. In der Zeitschrift \"Mauerbruch\", dem Sprachrohr der \"Autonomen\" in N\u00fcrnberg, rief die Initiative zur \"Solidarit\u00e4t gegen die organisierte Unmenschlichkeit Knast\" auf und forderte die \"Zusammenlegung aller Gefangenen, die es f\u00fcr sich fordern\", die \"Vernichtung der Trakte\" und die Entlassung des terroristischen Gewaltt\u00e4ters Bernd R\u00f6ssner. 3.10.4 Sozialistisches B\u00fcro Offenbach (SB) Das 1969 gegr\u00fcndete Sozialistische B\u00fcro in Offenbach hatte sich zum Ziel gesetzt, die aus der au\u00dferparlamentarischen Opposition hervorgegangenen linken Gruppierungen in der \"Sozialistischen Bewegung\" aufzufangen. Es erhebt heute noch den Anspruch, ein Sammelbecken f\u00fcr \"kollektive Theoriebildung\" und die Entwicklung \"politischer Initiativen\" und \"gemeinsamer Aktionen\" auf dem Weg zu \"revolution\u00e4rer Umw\u00e4lzung\" der Gesellschaft im \"hochentwickelten Kapitalismus\" zu sein. Aufgrund seiner festeren bundesweiten Organisationsstruktur nimmt es weiterhin eine Sonderstellung im undogmatischen Lager ein. 80","3.10.5 Schriften, Verlage und \"illegale Sender\" Eine besondere Bedeutung f\u00fcr den Informationsaustausch innerhalb der undogmatischen Bewegung haben Verlage, Buchl\u00e4den sowie Publikationen, die Erkl\u00e4rungen terroristischer Gruppen und des Umfeldes abdrucken, ferner einige \"Alternativzeitungen\", die immer wieder Raum f\u00fcr Ver\u00f6ffentlichungen extremistischer Positionen bieten. Im regionalen Bereich geh\u00f6ren hierzu die \"BasisBuchhandlung\" M\u00fcnchen, der \"Trampelpfad\" M\u00fcnchen, die \"B\u00fccherkiste\" N\u00fcrnberg und das \"Blatt -- Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen\", das unver\u00e4ndert in einer Auflage von rund 10.000 Exemplaren vom gleichnamigen Verlag herausgegeben wird. Seit Juni erscheint in N\u00fcrnberg sporadisch die Zeitschrift \"Mauerbruch\", die das Sprachrohr der militanten Kreise der \"Autonomen\" in N\u00fcrnberg ist. In der 3. Ausgabe zu den \"Herbstaktionen\" hei\u00dft es: \"Wir messen unsere politischen Aktionen nicht daran, m\u00f6glichst wenige Gesetze zu \u00fcberschreiten, sondern m\u00f6glichst effektiv das System unter geringstem Risiko zu bek\u00e4mpfen. Die Gesetze dienen der Aufrechterhaltung der \u00f6ffentlichen Ordnung, einer Ordnung, die wir nicht wollen. Frieden ist erst, wenn Kapitalismus und Imperialismus beseitigt sind.\" \u00dcberregionale Bedeutung hat die in Berlin (West) herausgegebene Publikation \"die Tageszeitung\" (taz), die bundesweit t\u00e4glich erscheint und von Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und der \"Alternativbewegung\" getragen wird. Sie berichtete wiederholt \u00fcber Vorg\u00e4nge innerhalb des undogmatischen Lagers und ver\u00f6ffentlichte Erkl\u00e4rungen und Aufrufe extremer Gruppierungen. 81","Ebenfalls in Berlin (West) erscheint monatlich die von \"autonomen\" Kreisen herausgegebene Zeitschrift \"radikal\", in der wiederholt zum Widerstand gegen das \"System\" und zur \"grenz\u00fcberschreitenden Mobilisierung\" \u00fcber \"Autonome und Antiimpzirkel hinaus\" aufgerufen wurde. Die wiederholte Ver\u00f6ffentlichung von Schriften und Bekennerschreiben der Revolution\u00e4ren Zellen (RZ) f\u00fchrte zur Beschlagnahme der Oktober-Ausgabe und zur Einleitung eines Ermittlungsverfahrens wegen des Verdachts der Unterst\u00fctzung bzw. Werbung f\u00fcr eine terroristische Vereinigung (SS 129 a StGB). \"Illegale Sender\" wurden 1983 in Bayern nicht mehr festgestellt. 4. Linksextremer Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 4.1 Allgemeines Seit Jahren versuchen Linksextremisten, mit Kampagnen \"f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung\" eine Massenbasis f\u00fcr ihre weitergehenden verfassungsfeindlichen Ziele zu gewinnen. Zu diesem Zweck rufen kommunistische und kommunistisch beeinflu\u00dfte Organisationen Initiativen, Komitees und sonstige Organisationen ins Leben und beteiligen sich aktiv an bereits bestehenden nicht extremistischen Gruppierungen und Initiativen, die die Sehnsucht der Menschen nach Frieden in den verschiedensten Lebensbereichen zum Ausdruck bringen wollen. Nach wie vor bilden die Linksextremisten innerhalb der \"Friedensbewegung\" zahlenm\u00e4\u00dfig eine Minderheit. Da an Gro\u00dfaktionen der \"Friedensbewegung\", wie im Herbst 1983, auch Teile gro\u00dfer demokratischer Organisationen teilgenommen haben, haben sich die Relationen zahlenm\u00e4\u00dfig weiter zuungunsten des linksextremen Lagers verschoben. Der kommunistische Einflu\u00df geht andererseits aber weit \u00fcber seinen rein zahlenm\u00e4\u00dfigen Anteil hinaus, weil er von der Intensit\u00e4t der Propaganda und dem Engagement innerhalb der unterschiedlichen Gruppen abh\u00e4ngt. So gesehen hat sich der linksextreme Einflu\u00df auf die \"Friedensbewegung\" 1983 verst\u00e4rkt, weil der \"Friedenskampf\" 1983 mit wenigen Ausnahmen erkl\u00e4rtes Hauptbet\u00e4tigungsfeld aller kommunistischen Gruppierungen war. Die \"Friedensbewegung\" ist keine homogene \"Bewegung\". Sie besteht vielmehr aus einer Vielzahl von Gruppierungen, die sich in ihrer ideologischen Einstellung, in ihrer Organisation, in Taktik und Zielsetzung und vor allem in der Haltung zur Frage der Gewaltanwendung nicht nur unterscheiden, sondern sich teilweise sogar kontr\u00e4r gegen\u00fcberstehen. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Gesichtspunkte waren bei der linksextremen Beteiligung an der \"Friedensbewegung\" drei Bl\u00f6cke erkennbar: Der traditionelle Fl\u00fcgel, dessen Ideologie und Handeln nach Moskau ausgerichtet ist, war mit etwa 100.000 st\u00e4ndigen Anh\u00e4ngern im Bundesgebiet wie in den Vorjahren der zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Block. Er besteht im wesentlichen aus der DKP, ihren Nebenund beeinflu\u00dften Organisationen und dem gr\u00f6\u00dften Teil der linksextrem beeinflu\u00dften Friedensinitiativen. Aufgrund straffer Organisation und Parteidisziplin, ausreichender finanzieller Mittel und einer jahrelangen Erfahrung im Organisieren auch von Gro\u00dfveranstaltungen ist die DKP mit ihrem 82","ARBEIT.i KEINE r RAKETEN.\" Plakat der DKP Umfeld jederzeit in der Lage, gem\u00e4\u00df den von Moskau vorgegebenen Leitlinien Gro\u00dfaktionen zu planen und durchzuf\u00fchren und Massen zu mobilisieren. Demgem\u00e4\u00df verlegte das DKP-Spektrum 1983 den Schwerpunkt seiner Aktivit\u00e4ten auf Massenaktionen wie Aufm\u00e4rsche, Kundgebungen und Demonstrationen. Gewaltsame Ausschreitungen wurden tunlichst vermieden. Bei sogenannten ,.gewaltfreien Einzelaktionen\", wie Blockaden oder Mahnwachen, beteiligten sich Anh\u00e4nger des traditionellen Fl\u00fcgels nur sp\u00e4rlich und lediglich, um pr\u00e4sent zu sein. Dieser Fl\u00fcgel geht bei der Aktionsplanung mit den christlichen Friedensorganisationen \"Aktion S\u00fchnezeichen/Friedensdienste\" (ASF) und \"Aktionsge83","meinschaft Dienst f\u00fcr den Frieden\" (AGDF), mit Einzelmitgliedern und auch Gliederungen der Gewerkschaften und der SPD, gelegentlich auch mit \u00d6kologiegruppen zusammen. Deutlich abgesetzt von diesem Spektrum agitierte der aus Gruppen der Neuen Linken, ehemaligen Mitgliedern aufgel\u00f6ster Gruppen der Neuen Linken und ,,gewaltfreien Aktionsgruppen\" bestehende autonome/unabh\u00e4ngige Fl\u00fcgel, der zum Teil im ,,Bundeskongre\u00df autonomer Friedensinitiativen\" (BAF) organisiert ist. Zu diesem Fl\u00fcgel geh\u00f6ren auch die in der,,F\u00f6deration gewaltfreier Aktionsgruppen\" (F\u00f6GA) zusammengeschlossen anarchistischen Aktionsgruppen, aber auch nichtextremistische Friedensinitiativen. Dieser Fl\u00fcgel hat im Bundesgebiet etwa 10.000 st\u00e4ndige Anh\u00e4nger. Das Mobilisierungspotential ist zwar erheblich h\u00f6her, bleibt aber merklich hinter dem des traditionellen Fl\u00fcgels zur\u00fcck. Ideologische Gemeinsamkeiten innerhalb des autonom/unabh\u00e4ngigen Fl\u00fcgels waren kaum erkennbar. Ebenso fehlte eine einheitliche organisatorische F\u00fchrung. Finanzielle Reserven waren nicht vorhanden. Die \"Autonomen/Unabh\u00e4ngigen\" waren weder gewillt noch in der Lage, Massenaktionen durchzuf\u00fchren. Sie setzten auf \"direkte Aktionen\" mit Behinderungscharakter wie Blockadeaktionen, die-in's, Mahnwachen, Menschenketten, bis hin zu Sabotageakten. Insbesondere zielten sie in Teilbereichen auf eine \"Radikalisierung\" der \"Friedensbewegung\" ab. Seit Beendigung der Aktivit\u00e4ten im Herbst 1983 wird propagiert, eine \"Loyalit\u00e4tskrise\" durch \"Aktionen des t\u00e4glichen Ungehorsams\" herbeizuf\u00fchren. Die \"Gewaltfreiheit\" bei allen Aktionen wird zwar grunds\u00e4tzlich bejaht, aber innerhalb des Fl\u00fcgels unterschiedlich interpretiert. Aktive Gewalt gegen Personen wird ausgeschlossen, passive Gewalt, z.B. durch Blockaden (N\u00f6tigung von Personen) und gegen Sachen (\"die keine Gewalt empfinden k\u00f6nnen\") wird in Aktionsabstufungen einkalkuliert. Aus diesem Grunde sind die \u00dcberg\u00e4nge zum militanten Fl\u00fcgel flie\u00dfend. Er besteht aus Personen und Gruppen, die dem terroristischen Umfeld im weitesten Sinne zuzuordnen sind. Sie geh\u00f6ren zum Teil der Hausbesetzerund Spontiszene an, nennen sich \"Anti-Imps\", \"Autonome\" und \"Unorganisierte\", auch \"Kommando gegen Bombenz\u00fcge\" (KgB). Die militanten Gruppen richteten 1983 ihre Aktionen auf Eskalation aus. Sie waren f\u00fcr die Krawalle anl\u00e4\u00dflich des Besuches des Vizepr\u00e4sidenten der USA George Bush in Krefeld am 25. Juni verantwortlich. Als Ziel stand die \"Offenlegung von Schwachstellen der gesamten NATO-Infrastruktur\" in der Bundesrepublik Deutschland im Vordergrund, wobei dem Thema \"Munitionstransporte\" der Vorrang einger\u00e4umt wurde. Gewalt gegen Personen wurde einkalkuliert, K\u00f6rperverletzungen wurden in Kauf genommen, so durch das Werfen von Steinen und Molotow-Cocktails. Haupttr\u00e4ger der linksextremen Aktivit\u00e4ten innerhalb der \"Friedensbewegung\" waren nach wie vor die DKP, ihre Nebenorganisationen und die von ihr beeinflu\u00dften Organisationen, insbesondere KFAZ, DFU, DFG-VK und VVN-BdA. So erkl\u00e4rte das DKP-Pr\u00e4sidium, die Anh\u00e4nger der DKP w\u00fcrden an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der f\u00fcr die Aktionswoche im Oktober geplanten \u00f6rtlichen Aktivit\u00e4ten mitwirken und sich \"mit aller Kraft\" daf\u00fcr einsetzen, da\u00df die vorgesehenen \"Volksversammlungen f\u00fcr den Frieden\" zu \"machtvollen Bekundungen\" gegen die Raketenstationierung werden. 84","Die Aktionen des DKP-Spektrums waren Teil einer von der KPdSU weltweit betriebenen Kampagne, bei der der sowjetisch gelenkte Weltfriedensrat (WFR) eine zentrale Rolle einnimmt. Dem WFR geh\u00f6ren Personen und Organisationen aus mehr als 130 L\u00e4ndern an. Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die DFU und die VVN-BdA als kollektive Mitglieder sowie durch verschiedene Einzelpersonen vertreten. Dem WFR geh\u00f6ren unter anderen das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros Martha Buschmann, die 1983 in den Kreis der Vizepr\u00e4sidenten des WFR gew\u00e4hlt wurde, sowie Klaus Mannhardt, Bundesvorsitzender der DFG-VK und Mitglied des KFAZ-B\u00fcros, an. Das j\u00e4hrlich vom Informationszentrum des WFR herausgegebene Aktionsprogramm sah f\u00fcr 1983 \"Massenaktionen in allen Teilen der Welt gegen die Gefahr eines Kernwaffenkrieges, f\u00fcr Frieden und das Leben vor\" und hob als wichtigsten Punkt die \"Weiterentwicklung von Zusammenarbeit, gemeinsamem Handeln und der Einheit aller Bewegungen und Kr\u00e4fte gegen den Krieg\" hervor. Um Versuche der Spaltung der \"Bewegung\" abzuwehren, h\u00e4tten sich zahlreiche Massenorganisationen und Massenbewegungen, politische Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Frauen-, Jugendund Studentenorganisationen, Veteranen, Schriftsteller, K\u00fcnstler, \u00c4rzte, Wissenschaftler und Lehrer zusammengeschlossen, \"um die Weltversammlung der V\u00f6lker f\u00fcr Frieden und Leben, gegen Atomkrieg in Prag vorzubereiten\". An diesem Kongre\u00df vom 21. bis 26. Juni in Prag nahmen mehr als 3.500 Delegierte aus 132 L\u00e4ndern teil, darunter rund 150 Personen aus der Bundesrepublik Deutschland. Die deutsche Delegation wurde von einem \"B\u00fcro\"-Mitglied des DKP-beeinflu\u00dften KFAZ geleitet. 4.2 Agitationsschwerpunkte Einen ersten Schwerpunkt der \"Friedenskampagne\" 1983 bildeten die Aktivit\u00e4ten um die bundesweiten Osterm\u00e4rsche 1983 vom 1. bis 4. April. Sie k\u00fcndigten durch die zahlenm\u00e4\u00dfige Beteiligung und Vielfalt der Aktionen neue Dimensionen im kommunistisch gesteuerten \"Friedenskampf\" an. Im gesamten Bundesgebiet demonstrierten 1983 etwa 250.000 \"Ostermarschierer\" (1982: etwa 160.000). Die DKP und ihr Umfeld hatten auf die organisatorische Vorbereitung der \"Osterm\u00e4rsche\" ma\u00dfgeblichen Einflu\u00df. F\u00fcr das Bundesgebiet bestand eine \"Zentrale Informationsstelle f\u00fcr Osterm\u00e4rsche\" in Frankfurt a.M., deren Adresse mit der Anschrift der DFU-Landesgesch\u00e4ftsstelle von Hessen \u00fcbereinstimmte. F\u00fcr Bayern diente die Landesgesch\u00e4ftsstelle der DKP-beeinflu\u00dften DFG-VK in N\u00fcrnberg als \"Informationsstelle f\u00fcr die Osterm\u00e4rsche und -aktionen '83\". Bei gr\u00f6\u00dferen zentralen Kundgebungen traten f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP und DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen als Redner auf. In Bayern fanden 42 Aufz\u00fcge und Versammlungen, in N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen und Neu-Ulm die zentralen Kundgebungen statt. Der als Sternmarsch ausgerichtete \"Ostermarsch\" in N\u00fcrnberg, an dem sich rund 12.000 Personen beteiligten, wurde vom N\u00fcrnberger Forum \"Es gibt nichts Wichtigeres als den Frieden -- Keine Atomraketen in Europa\" veranstaltet, in dessen Tr\u00e4gerkreis f\u00fchrende Funktion\u00e4re der DKP und der DFU mitarbeiten. In M\u00fcnchen beteiligten sich rund 16.000 Personen am \"Ostermarsch\", der unter dem Motto \"Keine neuen Atom85","raketen in Europa -- M\u00fcnchen atomwaffenfrei\" stand. Als Veranstalter trat u.a. die DKP-beeinflu\u00dfte M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung (BIFA) auf. Im Rahmen der ,,0sterm\u00e4rsche\" wurden Blockaden von milit\u00e4rischen Anlagen in Neu-Ulm und Feucht bei N\u00fcrnberg als ,.direkte, gewaltfreie Aktionen\" durchgef\u00fchrt. Daran beteiligten sich jeweils rund 200 Personen, die schichtweise die Einfahrten zu den Anlagen blockierten. Die Gewerkschaftskundgebungen zum 1. Mai, den 38. Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima am 6. August und den \"Antikriegstag\" am 1. September nutzten die linksextremen Organisationen und die von ihnen beeinflu\u00dften Gruppen und Initiativen zu bundesweiten Propaganda-Aktionen gegen die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Europa. Trotz st\u00e4ndig widerstreitender Meinungen \u00fcber Art und Durchf\u00fchrung der Aktionen fanden sich alle Fl\u00fcgel der \"Friedensbewegung\" unter der Pr\u00e4misse \"Verhinderung der NATO-Nachr\u00fcstung\" zu einem Minimalkonsens zusammen. Auf verschiedenen bundesweiten und \u00fcberregionalen Aktionskonferenzen einigten sich die Organisationen auf gemeinsame Aktionen, die in der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober ihren H\u00f6hepunkt finden sollten. Am 16./17. April berieten in K\u00f6ln etwa 700 Personen auf der 3. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" \u00fcber \"Verbreiterung und Versch\u00e4rfung\" der Kampagne gegen die NATO-Nachr\u00fcstung. Von den Rednern in den 13 Arbeitsgruppen und im Plenum waren mehr als die H\u00e4lfte linksextremen oder linksextrem beeinflu\u00dften Organisationen zuzurechnen. Die DKP-orientierten Kr\u00e4fte hatten dabei ein erhebliches \u00dcbergewicht. Vertreter der \"unabh\u00e4ngigen\" und \"autonomen Friedensbewegung\" bedauerten, da\u00df das \"Kofaz-DKP-Spektrum\" die \"Mehrheit der Teilnehmer/innen\" gestellt habe. Schwerpunkt der Konferenz war die Planung der \"Herbstoffensive\" mit der vorgesehenen \"Aktionswoche\", die aufgrund gegenseitiger Kompromisse unterschiedliche Aktionen und zum Abschlu\u00df am 22. Oktober \"Volksversammlungen f\u00fcr den Frieden\" in Bonn und an je einem Ort in Nordund S\u00fcddeutschland vorsah. Die Konferenz bildete den Koordinationsausschu\u00df Aktionswoche mit Sitz in Bonn, dem 26 Organisationen, darunter die SDAJ und mehrere DKP-beeinflu\u00dfte Organisationen angeh\u00f6rten. Mit der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung wurden sechs Organisationen beauftragt, darunter die linksextrem beeinflu\u00dften DFG-VK und VDS. Auf regionalen Folgekonferenzen in Nord und S\u00fcd, auf denen die DKP-beeinflu\u00dften Gruppen mit jeweils etwa drei Viertel der Teilnehmer dominierten, konnten diese ihr Konzept \"massenwirksamer\" Aktionen mit Gro\u00dfkundgebungen durchsetzen, mu\u00dften aber Zugest\u00e4ndnisse an die \"Autonomen\" und an den militanten Fl\u00fcgel machen, die f\u00fcr Blockadeund Besetzungsaktionen pl\u00e4dierten und sogenannte \"Latsch-Demos\" ablehnten. Die auf regionaler Ebene gebildeten Koordinierungsaussch\u00fcsse \u00fcbernahmen die weitere Planung der Aktionen in enger Zusammenarbeit mit dem \"Koordinationsausschu\u00df Bund\". F\u00fcr den Bereich Bayern, Baden-W\u00fcrttemberg und Hes86","Faltblatt der DKP sen entstand der \"Koordinierungsausschu\u00df S\u00fcd\" in Stuttgart, dem unter anderem DKP, SDAJ, DFU, DFG-VK und BIFA angeh\u00f6rten. In zwei weiteren im Ausschu\u00df vertretenen Vereinigungen arbeiteten Linksextremisten mit, so in den \"Vereinigten M\u00fcnchner Friedensinitiativen\" (VMF) und im \"N\u00fcrnberger Friedensforum\". Auf der \"Regionalkonferenz S\u00fcd\" am 4.15. Juni in Ulm, an der sich auch bayerische Gruppen beteiligten, billigte das orthodox-kommunistische Spektrum, um eine Spaltung der s\u00fcddeutschen \"Friedensbewegung\" zu vermeiden, den Kompromi\u00dfvorschlag, am 22. Oktober in Stuttgart und Neu-Ulm \"gleichberechtigte Volksversammlungen\" zu veranstalten und als Auftakt hierzu eine \"Menschenkette\" entlang der B 10 zwischen beiden St\u00e4dten (etwa 110 km) zu bilden, zu der etwa 100.000 Teilnehmer eingeplant und mobilisiert werden mu\u00dften. Dane87","ben sollten \"symbolische\" Blockaden, Sternm\u00e4rsche und seitens des \"autonomen\" Fl\u00fcgels \"direkte Widerstandsaktionen\", Umzingelung und Blockaden der US-Kaserne \"Wiley-Barracks\" in Neu-Ulm ablaufen. Nach einer Phase der Vorbereitung und Planung, die insbesondere von \"autonomen\" Gruppen als \"Trainingsund Mobilisierungsphase\" mit zahlreichen \"Widerstandscamps\", Friedensund Trainingslagern, Blockadeaktionen gegen Munitionslager und Kasernen und \"Friedensm\u00e4rschen\" schon im ersten Halbjahr 1983 genutzt wurde, begann am 15. Oktober mit \"dezentralen Auftaktaktionen\" die Aktionswoche mit t\u00e4glich wechselnden Aktionsschwerpunkten: 16. Oktober \"Widerstandstag der Kirchen\", 17. Oktober \"Widerstandstag der Frauen\", 18. Oktober \"Tag des Antimilitarismus und der internationalen Solidarit\u00e4t\", 19. Oktober \"Widerstandstag der Arbeiter, Betriebe, Landwirte und sozialen Einrichtungen\", 20. Oktober \"Widerstandstag der Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen\", 21. Oktober \"Widerstandstag der Parlamente, Parteien, Stadtr\u00e4te und Verwaltungen\". Zu jedem \"Widerstandstag\" hatte der Koordinationsausschu\u00df in Bonn eine Arbeitsgruppe eingerichtet, in denen linksextreme oder linksextrem beeinflu\u00dfte Organisationen mitarbeiteten. Zu keiner Zeit w\u00e4hrend der \"Aktionswoche\" gab das orthodox-kommunistische Spektrum die F\u00fchrung aus der Hand und konnte dadurch seine Vorgabe eines gewaltfreien Ablaufs der zumeist angemeldeten Veranstaltungen unter Einbindung der \"Unabh\u00e4ngigen\" und des \"autonomen Fl\u00fcgels\" erf\u00fcllen. Die Blockaden und sonstigen Aktionen mit Behinderungscharakter verliefen im allgemeinen friedlich, wenn auch nicht immer legal. In Bayern kam es zu keinen Ausschreitungen. Weder in Neu-Ulm, wo sich vom 21. bis 23. Oktober mehrere Hundert \"Autonome\" an den Blockaden gegen die \"Wiley-Barracks\" beteiligten, noch sonst im Verlauf der \"Aktionswoche\" mit etlichen Kasernenblockaden, die im Hinblick auf die geringe Beteiligung jedoch nur \"symbolhaften\" Charakter hatten, konnte eine \"Radikalisierung der Bewegung\" nach den Vorstellungen der \"autonomen\" und militanten Kr\u00e4fte erreicht werden. In Neu-Ulm und Stuttgart versammelten sich am 22. Oktober jeweils bis zu 100.000 Kundgebungsteilnehmer friedlich. Die mit viel organisatorischem Geschick geplante Menschenkette zwischen diesen St\u00e4dten schlo\u00df sich p\u00fcnktlich mit weit mehr als den ben\u00f6tigten 100.000 Teilnehmern. Nur an diesem Tage wurden die rein zahlenm\u00e4\u00dfigen Erwartungen des \"traditionellen Fl\u00fcgels\" der \"Friedensbewegung\" erf\u00fcllt, was insbesondere auf die Beteiligung der Gewerkschaften, der SPD und christlicher Gruppierungen zur\u00fcckzuf\u00fchren war. In einer Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidiums der DKP hie\u00df es, bei der \"Aktionswoche\" sei der \"Mehrheitswille der B\u00fcrger\" gegen eine Stationierung zum Ausdruck gekommen; Bundesregierung und Bundestag h\u00e4tten \"keine Legitimation und kein Mandat\", der Stationierung neuer amerikanischer Atomraketen zuzustimmen. Die Partei habe die Aktionen \"vorbehaltlos unterst\u00fctzt und gemeinsam mit vielen anderen ihre politische und organisatorische Kraft eingebracht\". Jetzt m\u00fcsse alles getan werden, um in den kommenden Wochen \"das Klima der Ablehnung\" der Raketen \"weiter zu eskalieren\". Alle Mitglieder und \"Freunde\" der DKP seien aufgerufen, \"unmittelbar und mit ganzer Kraft\" die n\u00e4chsten Schritte der Bewegung vorzubereiten. 88","Rund 1.200 Anh\u00e4nger der \"Friedensbewegung\", darunter Linksextremisten aller Richtungen, berieten auf der 4. Aktionskonferenz der \"Friedensbewegung\" am 5./6. November in K\u00f6ln \u00fcber Aktionen im \"Nachherbst\". Die bereits im Juni in Kassel eingerichtete \"Koordinationsstelle ziviler Ungehorsam\" des \"autonomen/unabh\u00e4ngigen\" Fl\u00fcgels der \"Friedensbewegung\" hatte in einem Flugblatt konkrete Aktionsvorschl\u00e4ge f\u00fcr diesen \"Nachherbst\" ver\u00f6ffentlicht mit dem Ziel, die Protestbewegung von einer \"Anti-Raketen-Bewegung\" zu einer \"anti-militaristischen Bewegung\" weiterzuentwickeln. Dem \"traditionellen Fl\u00fcgel\" standen die Gruppen des \"autonomen/unabh\u00e4ngigen\" Fl\u00fcgels etwa gleich stark gegen\u00fcber, die geschlossener und energischer als bisher auftraten. Mehr als die H\u00e4lfte der Redner in den Plenarsitzungen waren Funktion\u00e4re \u00fcberwiegend der DKP und ihres engeren Umfelds. Das Ergebnis sah im wesentlichen Aktionen vor, die die Beratung des Bundestags \u00fcber die Stationierung der amerikanischen Raketen im Bundesgebiet direkt beeinflussen sollten. Au\u00dferdem wurden der 12. Dezember 1983 und der 30. Januar 1984 zu \"nationalen Widerstandstagen\" erkl\u00e4rt. Die DKP begr\u00fc\u00dfte das Ergebnis und rief \"alle Mitglieder und Freunde der Partei\" auf, die geplanten Aktionen \"machtvoll\" zu unterst\u00fctzen. Der \"Widerstand\" m\u00fcsse \u00fcber die \"Bundestagsdebatte und \u00fcber das Jahr 1983 hinaus\" weitergehen. Die Protestbewegung gegen die NATO-Nachr\u00fcstung folgte im wesentlichen den Beschl\u00fcssen und f\u00fchrte zahlreiche Mahnwachen vor Parteiund Abgeordnetenb\u00fcros und auch vor Privatwohnungen von Parlamentariern durch. Die Kampagnen wurden durch Telefonund Schmieraktionen erg\u00e4nzt. Am 21. und 22. November beteiligten sich im Rahmen der von der 4. Aktionskonferenz beschlossenen \"Woche des Zorns, der Emp\u00f6rung und des Widerstands\" \u00fcber 100.000 Personen in zahlreichen St\u00e4dten des Bundesgebiets an Mahnwachen, Aufz\u00fcgen, Verkehrsblockaden, Menschenketten und L\u00e4rmaktionen. Die Kampagnen standen in unmittelbarem Zusammenhang mit der an diesen Tagen stattfindenden Bundestagsdebatte \u00fcber die Stationierung der Raketen. Zentrale Veranstaltungen waren die \"gewaltfreie Belagerung des Parlaments\" unter Verletzung der Bannmeile, Kundgebungen und ein \"Volksparlament\" in Bonn, an denen sich anstatt der erwarteten 50.000 lediglich 4.500 Personen, davon einige Hundert aus Bayern, beteiligten. In Bayern fanden in diesen Tagen Mahnwachen und Menschenketten vor Parteib\u00fcros der CSU und vor Wohnungen von Bundestagsabgeordneten in 5 verschiedenen St\u00e4dten statt. Etwa 17.000 Anh\u00e4nger der \"Friedensbewegung\", darunter Mitglieder und Anh\u00e4nger von DKP, SDAJ, DFU, VVN-BdA, DFG-VK, MLPD, BWK, linksextremer Hochschulund Ausl\u00e4ndergruppen beteiligten sich am 21. November in rund 30 bayerischen St\u00e4dten (N\u00fcrnberg 5.000, M\u00fcnchen 4.500, W\u00fcrzburg 2.000 Teilnehmer) und Gemeinden an den verschiedensten \"Friedensaktionen\", die teilweise am 22. und 23. November fortgesetzt wurden. In Regensburg und M\u00fcnchen kam es hierbei erstmals seit Beginn der Herbstaktionen in Bayern zu Sachbesch\u00e4digungen durch Steinw\u00fcrfe gegen Fensterscheiben, Farbschmierereien und Klebeaktionen. Unter dem Motto \"Das atomare Inferno verhindern -- Wehrt Euch!\" stand das 3. Forum der \"Krefelder Initiative\" am 17. September in Bonn-Bad Godes89","berg. Diese Initiative ist von der DFU beeinflu\u00dft. Unter den etwa 500 Teilnehmern waren der DKP-Vorsitzende Herbert Mies, das DKP-Pr\u00e4sidiumsmitglied Martha Buschmann und der DFG-VK-Bundesvorsitzende Klaus Mannhardt. In einem \"Bonner Manifest\" erkl\u00e4rten die Forumsteilnehmer den \"Widerstand\" gegen die NATO-Nachr\u00fcstung zur \"B\u00fcrgerpflicht\". Das Manifest wurde von den Initiatoren des \"Krefelder Appells\", mehreren Kommunisten und Funktion\u00e4ren DKP-beeinflu\u00dfter Organisationen sowie Vertretern \"berufsspezifischer Friedensinitiativen\" unterzeichnet. VEREINIGTE DEUTSCHE STUDENTENSCHAFTEN nov.83 VDS NEIN! \" A T PUSHUKI CRUISEMISSIIES Den Widerstand nach dem 22.11. fortsetzen! Parallel zur Unterschriftenaktion f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und den Vorbereitungen der Herbstaktivit\u00e4ten lief Mitte Juni die Kampagne f\u00fcr \"Volksbefragung gegen NATO-Nachr\u00fcstung\" an, die sowohl vom DKP-Spektrum wie von Kr\u00e4ften der Neuen Linken mitgetragen wird. Die Kampagne wurde von einer Arbeitsgruppe des Bonner Koordinationsausschusses organisatorisch vorbereitet. Unter der \u00dcberschrift \"Atomwaffen NEIN! -- Volksbefragung JA\" wurden mit Flugbl\u00e4ttern Listen verteilt und Unterschriften gesammelt, mit denen die Bundesregierung aufgefordert wird, \"\u00fcber die geplante Stationierung neuer Atomwaffen eine Volksbefragung durchzuf\u00fchren\". Der 4. Jahrestag des \"NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses\" am 12. Dezember war von der 4. Aktionskonferenz zum \" 1 . bundesweiten Widerstandstag der Friedensbewegung\" erkl\u00e4rt worden. Er stand im Zeichen zahlreicher Protestaktionen, die bereits am Wochenende vorher begannen. Etwa 40.000 Personen im Bundesgebiet, darunter Anh\u00e4nger des gesamten linksextremen Spektrums, beteiligten sich an Mahnwachen, Fackelz\u00fcgen, Menschenketten und Blockaden milit\u00e4rischer Objekte. In Bayern fanden schwerpunktm\u00e4\u00dfig Veranstaltungen in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg mit insgesamt rund 5.000 Teilnehmern statt. Durch Ziehen der Notbremse als Form des \"gewaltlosen Widerstands\" wurden in W\u00fcrzburg Intercity-Z\u00fcge kurzzeitig am Weiterfahren gehindert. Im Bundesgebiet, darunter in Bayern, kamen gef\u00e4lschte \"amtliche\" Schreiben in Umlauf, die sich mit angeblichen Fragen des Zivilschutzes bei einem Atomkrieg befa\u00dften. 90","Der bundesweite Koordinationsausschu\u00df l\u00f6ste auf einer Klausurtagung am 13./14. Dezember in Bonn seine Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung auf. Mit dieser Entscheidung setzten sich u.a. christlich orientierte Kreise und die \"Gr\u00fcnen\" gegen die Kr\u00e4fte der DKP und ihres Umfeldes durch. Die Bef\u00fcrworter der Aufl\u00f6sung waren der Meinung, da\u00df mit der Stationierungsentscheidung des Deutschen Bundestages der bisherige Minimalkonsens aufgehoben sei und man jetzt von einem \"kurzatmigen Aktionismus\" weg zu einer Neuorientierung kommen m\u00fcsse. 91","Rechtsextremismus 1. Allgemeines Der Rechtsextremismus verf\u00fcgt im Gegensatz zum Linksextremismus orthodoxer Pr\u00e4gung nicht \u00fcber ein geschlossenes theoretisches System, das \u00fcber L\u00e4nderund Kulturgrenzen hinweg Anspruch auf Allgemeing\u00fcltigkeit erhebt. Die Bestrebungen rechtsextremer Organisationen sind im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, da\u00df sie die Grundlagen der Demokratie ablehnen und -- aus taktischen Gr\u00fcnden meist nicht offen erkl\u00e4rt -- eine totalit\u00e4re Regierungsform unter Einschlu\u00df des F\u00fchrerprinzips anstreben. Bestimmende Merkmale des Rechtsextremismus sind vor allem -- die pauschale \u00dcberbewertung der Interessen einer rassistisch verstandenen ,.Volksgemeinschaft\" zu Lasten der Interessen und Rechte des einzelnen (v\u00f6lkischer Kollektivismus), die auf eine Aush\u00f6hlung der Grundrechte abzielt, -- die offene oder verdeckte Wiederbelebung des Antisemitismus und anderer rassistischer Thesen, die mit dem Schutz der Menschenw\u00fcrde und dem Gleichheitsprinzip nicht vereinbar sind, -- ein den Gedanken der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung mi\u00dfachtender Nationalismus, -- immer wiederkehrende Versuche, das NS-Regime unter Herausstellung angeblich positiver Leistungen des Dritten Reiches zu rechtfertigen, seine Verbrechen zu verharmlosen oder sogar zu leugnen. Hinzu kommt die allen Extremisten gemeinsame planm\u00e4\u00dfige Bek\u00e4mpfung und Diffamierung der bestehenden Staatsform und ihrer Repr\u00e4sentanten in der Absicht, den \u00fcberragenden Wert der freiheitlichen demokratischen Grundordnung in den Augen der Bev\u00f6lkerung zu ersch\u00fcttern. Diese Merkmale sind nicht gleichm\u00e4\u00dfig bei allen rechtsextremen Organisationen zu beobachten. Manchmal sind nur Teilaspekte bestimmend; auch die Intensit\u00e4t und die Mittel des Kampfes gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung sind unterschiedlich. Wie im Vorjahr verfolgten die rechtsextremen Organisationen und Gruppen keine einheitliche Strategie. Organisatorische Zersplitterung, der Mangel einer geschlossenen Ideologie sowie das Fehlen ausreichender finanzieller Mittel lie\u00dfen den Rechtsextremismus in Bayern keinen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df gewinnen. Der Versuch, bei Wahlen auf die politische Willensbildung der Bev\u00f6lkerung nachhaltig einzuwirken, ist erneut mi\u00dflungen. 92","Im Jahre 1983 bet\u00e4tigten sich in Bayern 30 (1982: 34) rechtsextreme Organisationen und Gruppen mit knapp 4.400 Mitgliedern bzw. Anh\u00e4ngern (1982: knapp 4.000). Die gegen\u00fcber 1982 geringere Zahl der Organisationen beruht auf der Inaktivit\u00e4t einiger Gruppierungen. Der Anstieg der Mitgliederzahlen innerhalb des organisierten Rechtsextremismus war vor allem durch den Aufw\u00e4rtstrend der Deutschen Volksunion (DVU) mit ihren Aktionsgemeinschaften und der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) einschlie\u00dflich ihrer Jugendorganisation bedingt, die in Bayern mit zusammen rund 3.800 Mitgliedern den gr\u00f6\u00dften Anteil stellten. Im Bereich des Neonazismus wurde eine bundesweite organisatorische Verfestigung der Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) durch ein vereinsrechtliches Verbot unterbunden. \u00dcbersicht \u00fcber Zahl und Mitgliederst\u00e4rke rechtsextremer Organisationen in Bayern 1979 1980 1981 1982 1983 Zahl der Organisationen 35 29 31 34 30 Mitgliederst\u00e4rke NPD mit JN und NHB 2.050 1.700 1.400 1.300 1.500 DVU mit Aktionsgemeinschaften 1.000 1.800 2.000 2.100 2.300 Neonazis (Mitglieder und Aktivisten) 350 200 200 180 180 Sonstige 1.200 600 400 400 400 Insgesamt 4.600 4.300 4.000 3.980 4.380 Schwerpunkte rechtsextremer Agitation waren neben der Kriegsschuldfrage, der Judenverfolgung im Dritten Reich und der Amnestie von Kriegsverbrechern vor allem das Ausl\u00e4nderund Asylantenproblem, das inzwischen Rechtsextremisten aller Schattierungen aufgegriffen haben. Ma\u00dfgebliches Motiv ist ihre rassistische und nationalistische Einstellung, die sich mit vorgeblich gesicherten Erfahrungen und weltanschaulichen \"Erkenntnissen\" gegen alles Andersgeartete und Fremde richtet. Sie versuchen, unter Ausnutzung wirtschaftlicher Existenz\u00e4ngste mit Warnungen vor einer \"Ausl\u00e4nder\u00fcberflutung\" fremdenfeindliche Vorurteile propagandistisch zu f\u00f6rdern, um dadurch breite Unterst\u00fctzung f\u00fcr ihre weitergehenden politischen Ziele zu erreichen. Dabei bedienen sie sich auch der Hilfe eigens gegr\u00fcndeter \"B\u00fcrgerinitiativen\", deren Argumentation die rechtsextreme Urheberschaft und Zielsetzung oft nur schwer erkennen l\u00e4\u00dft. Ebenso bezweckten vereinzelte Kontakte zu ausl\u00e4nderfeindlich eingestellten Teilen jugendlicher Randgruppen, die verschiedentlich durch provokatorisches Verwenden von NS-Symbolen und -parolen auffielen, eine Verbreiterung der eigenen Basis. Mit nationalistischen Neutralismusparolen, die oft antiamerikanische Z\u00fcge trugen, versuchten Rechtsextremisten au\u00dferdem, den Gedanken ei93","nes der ,,Friedenssicherung\" dienenden wiedervereinigten Gro\u00dfdeutschlands zu propagieren. Die Zahl der neonazistischen und antisemitischen Vorf\u00e4lle ist gegen\u00fcber dem Vorjahr leicht angestiegen. Verringert haben sich die Kontakte bayerischer Neonazis zu Gleichgesinnten im Ausland, ebenso der Anteil des aus dem Ausland stammenden und in Bayern verbreiteten rechtsextremen Propagandamaterials. Das Verbot der ANS/NA und sonstige Exekutivma\u00dfnahmen sowie das konsequente Vorgehen der Strafverfolgungsbeh\u00f6rden trugen zur Verunsicherung des rechtsextremen Aktivistenkreises bei. Gleichwohl stellen militante Neonazis, die Gewalt nicht nur bef\u00fcrworten, sondern auch anwenden, weiterhin eine Bedrohung der \u00f6ffentlichen Sicherheit dar. Von erheblicher Bedeutung war wiederum die T\u00e4tigkeit der in Bayern ans\u00e4ssigen organisationsunabh\u00e4ngigen Verlage und Vertriebsdienste, die Druckschriften und B\u00fccher rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage herstellten und verbreiteten. Das Angebot erfa\u00dfte aufgrund seiner Quantit\u00e4t nicht nur organisierte Rechtsextremisten, sondern zielte auch auf sonstige Personen, die f\u00fcr rechtsextreme Vorstellungen ansprechbar sind. In Bayern traten 1983 im wesentlichen folgende Organisationen und Gruppen in Erscheinung: 1.1 Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN), der Nebenorganisation Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) und der von der NPD gesteuerten B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA). 1.2 Deutsche Volksunion (DVU) mit den Aktionsgemeinschaften Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) Aktion Deutsche Einheit (AKON) Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten (ER) 1.3 Neonazistische Gruppen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) 1.4 Sonstige rechtsextreme Organisationen Deutscher Block (DB) Wiking-Jugend (WJ) 94","Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Freundeskreis Ulrich von Hutten Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung (GfbAEV) 2. Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD) 2.1 Ideologisch-politischer Standort Obwohl die NPD in ihrem Programm betont, sie trete f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung ein, steht sie wesentlichen Verfassungsgrunds\u00e4tzen ablehnend gegen\u00fcber. Ihr erkl\u00e4rtes Ziel ist die Beseitigung des \"seit 1945 herrschenden Besatzungssystems\" zugunsten einer biologisch begr\u00fcndeten solidarischen Volksgemeinschaft, in der das Wohl des eigenen Volkes f\u00fcr jedermann oberstes Gebot ist. Die NPD will das \"Gegeneinander des Sp\u00e4tund des Staatskapitalismus auf deutschem Boden durch die neue Sittlichkeit einer sozialgerechten Gemeinschaftsordnung \u00fcberwinden\". Ihr schwebt ein Staat vor, der \"f\u00fcr den Menschen und die Arbeit Richtdaten setzt und durchsetzt\", die \"von selbstverantwortlich handelnden B\u00fcrgern mit Gemeinsinn und Wir-Gef\u00fchl auszuf\u00fcllen\" sind. Mit Politikern, die \"sich knallhart f\u00fcr die Interessen unseres Volkes und f\u00fcr seine Zukunft einsetzen\", m\u00f6chte die Partei das \"v\u00f6lkische Absinken ins Nichts\" stoppen und die \"innere Gesundung des deutschen Volkes und damit die Wiedergeburt Deutschlands\" einleiten. Dies erfordere eine R\u00fcckbesinnung auf die \"lebensrichtigen Werte und Traditionen unseres Volkes\", wobei vor allem die Erziehung das \"Ideal der Gemeinschaft des Volkes\" vermitteln m\u00fcsse. Diese pauschale \u00dcberbewertung der \"Volksgemeinschaft\" (v\u00f6lkischer Kollektivismus) kn\u00fcpft an ein Leitbild an, das wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie war. Die Absicht, Interessengegens\u00e4tze innerhalb der Gesellschaft durch die uneingeschr\u00e4nkte Unterordnung des einzelnen unter nicht n\u00e4her definierte Gemeinschaftsinteressen aufzuheben, ist mit den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten nicht vereinbar und l\u00e4uft -- langfristig gesehen und aus taktischen Erw\u00e4gungen nicht offen ausgesprochen -- auf eine totalit\u00e4re Staatsform mit F\u00fchrerund Gefolgschaftsprinzip hinaus. Ferner klingen in den Ver\u00f6ffentlichungen der Partei nach wie vor rassistische Zielsetzungen und Denkweisen an. Ihre f\u00fcr Rechtsextremisten charakteristische Verachtung alles Andersartigen, hinter der sich die \u00dcberzeugung von der H\u00f6herwertigkeit der eigenen Rasse und Nation verbirgt, versucht die NPD unter Berufung auf die \"Ungleichheit der V\u00f6lker und Menschen\" zu rechtfertigen. Entsprechend dieser Grundeinstellung artikulierte sie ihren \"Protest gegen \u00dcberfremdung\" mit der vordergr\u00fcndigen Parole \"Freundschaft mit allen V\u00f6lkern, aber Deutschland den Deutschen\". Sie wandte sich gegen den \"Integrationsextremismus\" der Bundesregierung und warnte vor den Folgen einer \"wahnwitzigen Einwanderungspolitik\", die dem deutschen Volk gegen seinen Willen ein \"multinationales Zusammenleben\" aufzwinge und zur \"Zerst\u00f6rung unserer deutschen Identit\u00e4t\" f\u00fchre. Auch angesichts der wirtschaftlichen Krise und der hohen Arbeitslosigkeit m\u00fcsse die Zahl der im Bundesgebiet lebenden Ausl\u00e4nder 95","\"drastisch verringert\" werden, da Deutschland \"weder das Arbeitsnoch das Sozialamt der Welt\" sei. In diesem Zusammenhang erhob die Partei Forderungen wie \"Deutsche Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr deutsche Arbeitnehmer\" und \"Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Deutsche -- Ausl\u00e4nderstopp\" und sprach sich daf\u00fcr aus, die Zahlung von Kindergeld an Ausl\u00e4nder einzustellen, um die \"Zeugungsund Geburtenfreudigkeit der Gastarbeiter-Exportl\u00e4nder\" nicht \"noch mehr anzuregen\". Seite 2 : Das ganze Deutschland soll es sein. Deutschland\" Einheit kommt benimmt Lesen und weitergeben DEUTSCHE M STIMME I . Mnm NT. 2/1*3 Einrelprels 2- DM NATIONALDEMOKRATISCHE ZEITUNG Entscheidung f\u00fcr Deutschlands Zukunft Nationaldemokraten! Unbestritten Ist die hohe geistige und materielle Leistungsf\u00e4higkeit unseres Volkes, ebenso unbestritten ist die Leistungsf\u00e4higkeit unserer Wirtschaft, Technik und Wissenschaft. Dennoch ist der Zustand der Bundesrepublik beklagenswert: t\u00e4glich w\u00e4chst die Millionenzahl der Arbeitslosen und Kurzarbeiter. Taglich brechen Unternehmen zusammen, andere operieren am Rande des Abgrundes. Die \u00f6ffentliche Schuldenlast von 600 Milliarden Mark droht uns zu erdr\u00fccken. Millionenfach liegt wertvollste Arbeitskraft brach, aber t\u00e4glich w\u00e4chst die Zahl der Ausl\u00e4nder. Das alles ist nicht dem Volk anzulasten, sondern denen, die politisch 4 f\u00fchren wollen, das aber offensichtlich nicht k\u00f6nnen. SPD/FDP/CDU/CSU haben ' uns in Bund und L\u00e4ndern gemeinsam in diese Lage gebracht! den ihre Atomraketen gematen laufend weitere Argeneinander richten Daher beitspl\u00e4Ue vernichten. rungslar, treten wir f\u00fcr deutsche Undann d\u00fcrfen sie nicht ( m i - CDU/CSU 'FD P/SPD weiabh\u00e4ngigkeil, Sclbilbegen wenigen geh\u00f6ren. Da- A u sl\u00e4nder- 2 uwanter nach unten geht oder ob Stimmung, Souver\u00e4nit\u00e4t her fordern wir das M i l - - AUSUtNDEEdie Wende zum Besseren in und Deutsche Einheil ein. Unternehmt aller ArSTOPF. Daher sind wir f\u00fcr den Abbciloehmer, Die Entscheidung f\u00fcr die zug aller fremden Truppen sitz und Ertrag der d \" NATIONALDEMOKRAaus Deutschland. sehen Wirtschaft t u bell T E N ist eine Entscheidung f\u00fcr die Erhaltung und Wie. National de mokriien wolWirNati len des Frieden f\u00fcr unser benswerten Umwelt, f\u00fcr Volk! Dieser Friede ist so- i Schicksal wollen. dafJ Deutschland soziale Freiheit, die mit nawlrlachaftipo II Ilachen Schwachsinn\": Laut lange hochgef\u00e4hrdet, sopbt es in das Land der Deutschen tionaler Einht \"fjamurmemuic/an wurew caa> nwnonna T o n n * \"pomlacher Kohle\" f\u00fcr dl\" Stadtwerke enug! Weibleibt! Wir haben nichts __.. r Volk i K M Anfing J\"nu*r Im Kieler Hafen von etilem peinlichen Frachter entladen. Nat\u00fcrlich kaner auf deutschem Boieuen Autogegen G\u00e4ste auf Zeit, aber kn\u00fcpft isl handelt t a (Ich In Wirklichkeit nicht um \"peinliche Kohle\", \"c-ndern um deutsche Kohle au\" dem \"eil 1945 geraubten deutschen Oberschle.len. Ol\" Polen bekommen letzt d u Haubgut mit westdeutscher Mark bezahlt! Zur gleichen Zeit wachten die Wir Deutschen k\u00f6nnen es schaffen! Kohlen, und Kokahalden \"n dar Ruhr. Ende 1982 befanden \"ich bereit* \u00fcber 22 Millionen Tonnen Kohle und Koks auf Halde und die Halden wactuen welter... Warm ' I dar deutsche Michel endlich auf und macht diesem Treiben ein Ende? Deshalb: NATIONALDEMOKRATEN! Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Jahren hielt sich die NPD mit Versuchen, das NSRegime zu rechtfertigen, weitgehend zur\u00fcck und betonte lediglich in einem Nachruf auf Oberst a.D. Hans-Ulrich Rudel, dieser habe ,.Selbstbesudelung, Schuldkomplexe und Siegerpropaganda\" mit den \"geistig-seelischen Waffen der Selbstachtung, der Vaterlandsliebe und der Wahrheit\" geschlagen. In einem im Parteiorgan abgedruckten Artikel zur Beisetzung des Verstorbenen \u00e4u\u00dferte der Verfasser, da\u00df uns ,,in einer Periode der K\u00fcmmerlinge einer der letzten Gro\u00dfen eines anderen Zeitalters verlassen\" habe. Daneben wandte sich die Partei in allgemeiner Form gegen die \"fremde Bevormundung\", die der Mehrheit der Deutschen ihr \"geschichtliches Ged\u00e4chtnis\" genommen habe, und forderte die Beseitigung der auf die \"Umerziehungspolitik der Besatzungsm\u00e4chte\" zur\u00fcckgehenden Monopole in den Massenmedien. 96","Die propagandistischen Angriffe der NPD galten auch 1983 vor allem den demokratischen Institutionen und ihren Repr\u00e4sentanten. Dabei differenzierte die NPD nicht zwischen den einzelnen im Bundestag vertretenen Parteien, sondern sprach allgemein von der,,Bonner Filzokratie\", dem ,,Bonner Parteien-Kartell\", \"Kartell-Kom\u00f6dianten\" und ,,Besatzungshandlangern\". Ursache der \"uns bedr\u00fcckenden \u00dcbel\" sei das \"verkrustete, k\u00fcnstlich abgeschottete und verh\u00e4rtete Drei-Parteien-System\", das nach dem Motto \"Was der Partei n\u00fctzt, ist recht und gut, nicht was dem Volke n\u00fctzt\" den Staat f\u00fcr seine \"korrumpierenden Parteiinteressen\" mi\u00dfbrauche. Immer \u00f6fter m\u00fc\u00dften die \"Kartellparteien-Politiker\" vom Bundesverfassungsgericht \"auf den Boden des Grundgesetzes zur\u00fcckgeholt werden\". In einer \"wachsenden Willk\u00fcrherrschaft\", bei der die Rechtsstaatlichkeit \"zwangsl\u00e4ufig auf der Strecke\" bleibe, verstehe sich die NPD daher als \"Partei des Widerstandes gegen eine sich abzeichnende Entwicklung zum Unrechtsstaat\", in dem \"der blanke Opportunismus des jeweils herrschenden Filialbetriebes im Bonner Kartellsystem regiert\". Diese diffamierende Polemik l\u00e4\u00dft darauf schlie\u00dfen, da\u00df die NPD die Prinzipien des Mehrparteiensystems und der Chancengleichheit der Parteien innerlich ablehnt. 2.2 Organisation Die am 28. November 1962 in Hannover von Funktion\u00e4ren der ehemaligen Deutschen Reichspartei (DRP) gegr\u00fcndete NPD z\u00e4hlte 19$3 bundesweit rund 6.000 Mitglieder (1982: 5.900). JN und NHB sind dabei nicht eingerechnet. Der Beitritt zur NPD ist mit der Verpflichtung verbunden, monatliche Beitr\u00e4ge zu entrichten, Satzung und Programm der NPD als verbindlich zu akzeptieren und sich zu den Zielen der Partei zu bekennen. Entwicklung der Mitgliederzahlen der NPD in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 6000 500 5000 500 4000 500 3000 500 2000 500 1000 500 97","Gegen\u00fcber dem Vorjahr haben sich auf Bundesebene keine wesentlichen organisatorischen \u00c4nderungen ergeben. Der Parteivorsitzende Martin Mu\u00dfgnug wurde im Oktober 1983 auf dem 17. Bundesparteitag in Fallingbostel wiedergew\u00e4hlt. Seine Stellvertreter sind der Vorsitzende des Landesverbandes Bayern Walter Bachmann, der Generalsekret\u00e4r der Partei Walter Seetzen und der Vorsitzende des Landesverbandes Baden-W\u00fcrttemberg J\u00fcrgen Sch\u00fctzinger. Der Landesverband Bayern mit Sitz in M\u00fcnchen gliedert sich in sieben Bezirksund rund 60 Kreisverb\u00e4nde, von denen aber mehr als die H\u00e4lfte nicht aktiv ist. Gleichwohl konnte die Partei in Bayern entsprechend der Umkehr des seit 1969 r\u00fcckl\u00e4ufigen Bundestrends gegen\u00fcber 1982 etwa 200 Anh\u00e4nger hinzugewinnen. Sie z\u00e4hlt derzeit rund 1.400 Mitglieder (ohne JN und NHB). Als Organ der NPD erscheint im parteieigenen Verlag in Stuttgart die Zeitung ,,Deutsche Stimme\", deren durchschnittliche monatliche Auflage von rund 75.000 Exemplaren sich gegen\u00fcber dem Vorjahr nicht ver\u00e4nderte. Zur Erg\u00e4nzung des Verbandsorgans und als Argumentationshilfe f\u00fcr die Mitglieder gibt der Parteivorstand die Flugschriften ,,NPD-Info-Blitz\" und ,,NPD-aktuell\" heraus. Die zuletzt 1979 festgestellte Schriftenreihe \"Profil\" erschien 1983 wieder mit einer Ausgabe. Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit in Bayern wird mit der vom Landesverband aus aktuellem Anla\u00df jeweils in Flugblattform herausgegebenen Schrift \"Die deutschen Nationaldemokraten informieren\" sowie mit dem ebenfalls unregelm\u00e4\u00dfig erscheinenden Mitteilungsblatt \"Bayern-Stimme\" betrieben. Der \"NPD-Frankenspiegel\" des Bezirksverbandes Mittelfranken hat nur regionale Bedeutung. In ihrem Mitte November 1983 ver\u00f6ffentlichten Rechenschaftsbericht nach dem Parteiengesetz wies die NPD f\u00fcr 1982 Gesamteinnahmen von rund 1,5 Mio DM (1981: 1,3 Mio DM) aus, von denen 39,0% auf Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 52,5% auf Spenden entfielen. Beim Landesverband Bayern sind f\u00fcr 1982 Gesamteinnahmen von 341.388 DM (1981: 245.503 DM) ausgewiesen, davon 19,2% Mitgliedsbeitr\u00e4ge und 73,6% Spenden. Die Situation der NPD ist durch anhaltende personelle, finanzielle und organisatorische Schw\u00e4chen gekennzeichnet, die auch 1983 zu einem Verzicht auf \u00f6ffentliche Gro\u00dfkundgebungen f\u00fchrten. Aus fr\u00fcheren Wahlkampfkostenvorauszahlungen bestehen noch erhebliche R\u00fcckzahlungsverpflichtungen an die Verwaltung des Deutschen Bundestages. Eine Mitte 1982 gegr\u00fcndete Stiftung \"Deutschland wird leben\" soll der Behebung der Finanzmisere dienen. Jeder Spender erh\u00e4lt nach Einzahlung von mindestens 100 DM ein sogenanntes \"Deutsches Zertifikat\", in dem ihm best\u00e4tigt wird, einen \"gro\u00dfen Beitrag f\u00fcr den Freiheitskampf deutscher Patrioten\" geleistet zu haben. Der 1982 beschlossene neutralistische Kurs, der einen Zusammenschlu\u00df der beiden deutschen Staaten zu einer \"Konf\u00f6deration Deutschland\" als Vorstufe zur Wiedervereinigung vorsieht und die Forderung nach dem Austritt der Bundesrepublik Deutschland und der DDR aus der NATO bzw. dem Warschauer Pakt enth\u00e4lt, ist innerhalb der Partei umstritten. 98","2.3 Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto ,,Jazu Deutschland\" hielt die NPD am 1./2. Oktober in Fallingbostel/Niedersachsen ihren 17. Ordentlichen Bundesparteitag ab. Bei der Neuwahl des Parteivorstandes wurden der Bundesvorsitzende Martin Mu\u00dfgnug aus Tuttlingen und seine drei Stellvertreter in ihren Funktionen best\u00e4tigt. Die Delegierten nominierten au\u00dferdem 38 Kandidaten f\u00fcr die Wahl zum Europ\u00e4ischen Parlament im Juni 1984. Mu\u00dfgnug forderte in seiner Grundsatzrede die \"Neuschaffung des deutschen Reiches in seinen historischen Grenzen\", worunter \"das ganze Deutschland bis zur Memel mit Stettin und mit Breslau und K\u00f6nigsberg\" zu verstehen sei. Ferner bekr\u00e4ftigte er den bereits im Vorjahr beschlossenen neutralistischen Kurs der Partei. So \u00e4u\u00dferte er, da\u00df angesichts der nuklearen Risiken \"das Auseinanderr\u00fccken der Bl\u00f6cke in der Konfrontationszone Deutschland anzustreben\" sei, weil die \"Lebensund \u00dcberlebensinteressen der deutschen Nation\" nur au\u00dferhalb der \"auferlegten Blockstrukturen\" zu sichern seien. Die NPD lehne daher die Stationierung amerikanischer Raketen im Bundesgebiet ab und fordere den \"Abzug aller fremden Truppen und ihrer Waffen aus Deutschland\". Zur Europapolitik erkl\u00e4rte Mu\u00dfgnug, da\u00df die Partei gegen \"jeden Schritt eines weiteren Aufgehens der Bundesrepublik Deutschland in einer Europ\u00e4ischen Union\" eintrete und sich dagegen wehre, \"unsere nationalen Ziele dem nationalen Egoismus der anderen zu opfern\". Etwa 1.500 Anh\u00e4nger linksextremer Gruppen versuchten, die Durchf\u00fchrung des Parteitages mit Gewalt zu verhindern. Bei t\u00e4tlichen Auseinandersetzungen mit der Polizei wurden rund 40 Beamte verletzt und etwa 50 St\u00f6rer vorl\u00e4ufig festgenommen. Am 17. Juni fand in Bad Neustadt a.d. Saale, Landkreis Rh\u00f6n-Grabfeld, das allj\u00e4hrliche \"Deutschlandtreffen\" der NPD statt. An der geschlossenen Veranstaltung in der Stadthalle beteiligten sich etwa 900 Personen, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Der Parteivorsitzende Mu\u00dfgnug beschuldigte in seiner Ansprache die Sowjetunion und die Westm\u00e4chte \u00fcbereinstimmender Ziele bei der Trennung Deutschlands und \u00e4u\u00dferte, die NPD habe als einzige politische Partei einen \"konkreten Wiedervereinigungsund Friedensplan\" vorgelegt, dessen Endziel die Schaffung eines vereinten Europas freier V\u00f6lker in einem Ost und West umfassenden Staatenbund sei. Mit diesem Plan unterschieden sich die Nationaldemokraten \"unverkennbar von den Europaschw\u00e4tzern in Bonn, den Speseneurop\u00e4ern in Stra\u00dfburg und den EG-Gesch\u00e4ftemachern\". Bei der anschlie\u00dfenden \u00f6ffentlichen Kundgebung forderten die Redner das \"Ende der Besatzungsherrschaft\" sowie einen \"Friedensvertrag f\u00fcr ein wiedervereinigtes Deutschland einschlie\u00dflich der ehemaligen Ostgebiete\". W\u00e4hrend der NPD-Veranstaltung in der Stadthalle demonstrierten auf dem Marktplatz etwa 300 Personen gegen das \"Deutschlandtreffen\". Rund 100 JNMitglieder st\u00f6rten die Protestkundgebung mit Sprechch\u00f6ren und behinderten einen anschlie\u00dfenden Aufzug durch das Stadtgebiet mit vor\u00fcbergehenden Sitzblockaden. 99","Der Landesverband Bayern f\u00fchrte am 9. Juli in Schweinfurt seinen Landesparteitag unter dem Leitspruch \"Arbeit schaffen -- Leben sch\u00fctzen -- Zukunft sichern\" durch. Wegen der \u00dcberlassung des Veranstaltungssaals hatte die NPD zuvor eine einstweilige Anordnung des Verwaltungsgerichts W\u00fcrzburg gegen die Stadt Schweinfurt erwirkt, die der Bayerische Verwaltungsgerichtshof best\u00e4tigte. Der Landesvorsitzende Walter Bachmannn betonte in seiner Rede zum Thema \"Bayerns NPD im Aufschwung\", da\u00df die Zahl der Neuaufnahmen betr\u00e4chtlich steige, wobei sich die Partei stetig verj\u00fcnge. Ziel der NPD sei es, die weitere Zuwanderung von Ausl\u00e4ndern in das Bundesgebiet zu verhindern. Daneben kritisierte Bachmann die Bayerische Staatsregierung wegen der \"Verfolgung\" von NPD-Mitgliedern im \u00f6ffentlichen Dienst. An einer Protestkundgebung gegen die Durchf\u00fchrung des Parteitags beteiligten sich rund 600 Personen, darunter auch Anh\u00e4nger linksextremer und linksextrem beeinflu\u00dfter Gruppierungen. Des weiteren veranstaltete die bayerische NPD in M\u00fcnchen und Landshut Versammlungen aus Anla\u00df des Tages der Reichsgr\u00fcndung (18.01.1871), einen \"Politischen Aschermittwoch\" am 16. Februar in Vilshofen, Landkreis Passau, vier Kundgebungen zum 1. Mai, zwei Sonnwendfeiern am 25. Juni und einen sogenannten \"Ostbayerntag\" am 3. September mit Schwerpunkt in Straubing. Zu den Veranstaltungen fanden sich durchschnittlich 80 bis 100 Teilnehmer ein. 2.4 Wahlbeteiligung Die NPD nahm an der Wahl zum 10. Deutschen Bundestag am 6. M\u00e4rz mit Landeslisten sowie mit Direktkandidaten in 105 von 248 Wahlkreisen teil. Bei der Bundestagswahl 1980 hatte sie aus personellen, organisatorischen und finanziellen Gr\u00fcnden auf die Nominierung von Wahlkreisbewerbern verzichtet. In Bayern konnte die NPD in 30 von 45 Wahlkreisen Direktkandidaten aufstellen. Der Mitte Februar einsetzende Wahlkampf der NPD stand unter dem Motto \"Arbeitslosigkeit-Kriegsgefahr-Umweltzerst\u00f6rung -- Unabwendbares Schicksal?\", das dem auf dem Bundesparteitag 1982 als \"Manifest 84\" vorgestellten Wahlprogramm entnommen war. Die Partei empfahl sich den B\u00fcrgern als Alternative gegen\u00fcber dem \"machthungrigen Absolutismus der etablierten politischen Kr\u00e4fte\". In ihren Wahlaussagen bef\u00fcrwortete sie den stufenweisen \"Abzug aller fremden Truppen aus Deutschland\", um dem \"Zustand nationaler Unm\u00fcndigkeit und kolonialer Abh\u00e4ngigkeit\" ein Ende zu setzen. Insbesondere forderte sie als Mittel zur Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit einen \"Stopp f\u00fcr jede weitere Ausl\u00e4nderzuwanderung\". Daneben setzte sie sich f\u00fcr ein \"Mitunternehmertum aller Arbeitnehmer\" und eine \"sozialgerechte Lebensordnung\" jenseits von \"Klassenkampf und Ausbeutung\" ein. Die Wende zum Besseren m\u00fcsse \"mit dem mutigen Entscheid f\u00fcr deutsche Politiker beginnen, die weder an roten noch an goldenen Fesseln h\u00e4ngen, sondern sich knallhart f\u00fcr die Interessen unseres Volkes und f\u00fcr seine Zukunft einsetzen\". Der Wahlkampf mu\u00dfte -- wie schon bei fr\u00fcheren Wahlen -- fast ausschlie\u00dflich von den Bezirksund Kreisverb\u00e4nden gef\u00fchrt und finanziert werden. Die Wahlwerbung erfolgte im wesentlichen mit Zeitungsanzeigen und Verteilung von Propagandamaterial an Informationsst\u00e4nden. Daneben f\u00fchrte die NPD in Bayern 100","Wahlergebnisse der NPD bei Bundestagswahlen in Bayern -300000-250000 -200000-150000- J L U -100000 50000 1965 I 1 1969 1972 ID 1976 1980 * ** 1983 Erststimmen D Zweitstimmen rund 50 \u00f6ffentliche Wahlveranstaltungen durch, die zur Vermeidung von St\u00f6rungen durch politische Gegner durchwegs in geschlossenen R\u00e4umen stattfanden. Mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von etwa 25 Personen konnte die Partei bei diesen Versammlungen \u00fcberwiegend nur die eigenen Mitglieder sowie deren Angeh\u00f6rige und Bekannte mobilisieren. Nach dem amtlichen Endergebnis der Bundestagswahl 1983 erhielt die NPD im Bundesgebiet (ohne Berlin) 57.112 Erststimmen (0,1%) und 91.095 (1980: 68.096) Zweitstimmen (0,2%). Damit konnte die Partei den Zweitstimmenanteil von 1980 (0,2%) halten und bundesweit rund 23.000 Zweitstimmen hinzugewinnen. Sie verfehlte jedoch abermals ihr Ziel, einen Anspruch auf Erstattung von Wahlkampfkosten zu erwerben und dadurch ihre mi\u00dfliche Finanzlage sanieren zu k\u00f6nnen. In Bayern erreichte die NPD mit 19.569 Erststimmen und 20.109 (1980: 16.308) Zweitstimmen einen Anteil von jeweils 0,3%. Damit konnte sie im Vergleich zur Bundestagswahl 1980 den Anteil der Zweitstimmen um 0,1% verbessern. Ihre besten Ergebnisse erzielte sie in den Wahlkreisen F\u00fcrth, N\u00fcrnberg-Nord, N\u00fcrnberg-S\u00fcd und Augsburg-Stadt, wo jeweils 0,5% der W\u00e4hler ihre Zweitstimme der NPD gaben. In acht mit Direktkandidaten besetzten Wahlkreisen konnte die Partei au\u00dferdem zwischen 0,5% und 0,7% der Erststimmen gewinnen. 101","Trotz dieses den Erwartungen nicht entsprechenden Ergebnisses bezeichnete die Parteif\u00fchrung schon das \"sichtbare Durchschreiten der Talsohle\" als Erfolg. Sie erkl\u00e4rte, der Wahlausgang lasse die Anf\u00e4nge einer gegenl\u00e4ufigen, durch \"neue sozial-nationale Trends\" bestimmten Entwicklung erkennen und ermutige die Nationaldemokraten \"zur aktiven Weiterf\u00fchrung ihres grundgesetzlichen Parteienauftrages zur politischen Willensbildung des Volkes mit dem Ziel gesamtdeutscher Unabh\u00e4ngigkeit, Einheit und Souver\u00e4nit\u00e4t\". 2.5 Junge Nationaldemokraten (JN) Die Jungen Nationaldemokraten als Jugendorganisation der NPD bekennen sich nach ihrem Statut in Ideologie und Zielsetzung zum Programm der Mutterpartei. Sie sind zur aktiven Mitarbeit in den Gremien der NPD verpflichtet, kritisieren aber deren Kurs als zu wenig k\u00e4mpferisch. Ihr Verhalten ist durch aggressiveres Auftreten und eine erheblich sch\u00e4rfere Argumentation gekennzeichnet. In Teilbereichen lie\u00dfen sie neonazistische Ans\u00e4tze erkennen. Dieses \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild wird von der Mutterpartei nur bedingt toleriert. Aus vorwiegend taktischen Gr\u00fcnden versucht die NPD, die Jugendorganisation zu disziplinieren und ihren Konfrontationskurs zu entsch\u00e4rfen. Als der bisherige Bundesvorsitzende Rainer Vogel im Mai 1983 vom Parteipr\u00e4sidium der NPD wegen interner Streitigkeiten zum R\u00fccktritt gezwungen und aus der NPD ausgeschlossen wurde, \u00fcbernahm sein Stellvertreter Claus Kruse aus Bremen die kommissarische F\u00fchrung der JN. Auf dem 12. Ordentlichen Bundeskongre\u00df am 29./30. Oktober in Stuttgart w\u00e4hlten die Delegierten Hermann Lehmann aus Uehrde/Niedersachsen zum neuen JN-Bundesvorsitzenden. Der Landesverband Bayern wird weiterhin von Ralf Ollert aus N\u00fcrnberg geleitet. 1983 konnten die JN seit langem wieder einen Mitgliederzuwachs verzeichnen. Sie z\u00e4hlen derzeit im Bundesgebiet rund 530 (1982: 500) Mitglieder, davon etwa 120 (1982: 85) in Bayern. Aktivit\u00e4ten entwickelte jedoch nur der Bezirksverband Mittelfranken. Der Bezirksverband M\u00fcnchen-Oberbayern und der Kreisverband M\u00fcnchen wurden wegen ihrer Kontakte zur neonazistischen Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) im Juli 1983 vom JN-Bundesvorstand aufgel\u00f6st. Entwicklung der Mitgliederzahlen der JN in Bayern 1965 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 50 300 50 200 50 100 50 102","Der JN-Bundesvorstand gibt zweimonatlich das Mitteilungsblatt,,Mauerspringer -- Zeitung im geteilten Deutschland\" und unregelm\u00e4\u00dfig den \"JN-Orgblitz\", den \"JN-Pressedienst\" und den \"JN-SZ-Info-Dienst\" heraus. Die Publikationen \"JNReport\" und \"Junge Stimme\" wurden nicht mehr festgestellt. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene Nachrichtenblatt des Landesverbandes Bayern \"JN-Bayern-Info\" enth\u00e4lt Mitteilungen des Landesvorstandes, Presseerkl\u00e4rungen sowie Berichte und Termine der bayerischen Verb\u00e4nde. Dem Mitteilungsblatt \"JN-Info\" des Bezirksverbandes Mittelfranken kommt nur regionale Bedeutung zu. Die Informationsschrift \"Oberland\" des Bezirksverbandes M\u00fcnchen-Oberbayern ist 1983 nicht mehr erschienen. Die \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten der JN lie\u00dfen auch 1983 die F\u00fchrungsschw\u00e4che ihrer Spitze erkennen. Sie beschr\u00e4nkten sich im wesentlichen auf die Errichtung von Informationsst\u00e4nden, die weitgehend unbeachtet blieben. 2.6 Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Nationaldemokratische Hochschulbund mit Sitz in M\u00fcnchen wurde 1967 als Studentenorganisation der NPD in T\u00fcbingen gegr\u00fcndet. Er steht in \"kritischer Solidarit\u00e4t\" zur NPD und vertritt nach seiner Satzung die nationaldemokratische Grundhaltung an den deutschen Universit\u00e4ten und Hochschulen. Mit dem Beitritt zum NHB ist die Verpflichtung verbunden, dessen Zielsetzung anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen. Der in Hochschulgruppen gegliederte NHB z\u00e4hlt im Bundesgebiet noch etwa 30 (1982: 40) Mitglieder. Bei der Bundesversammlung am 17. Dezember in Wuppertal wurde Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen zum Nachfolger des bisherigen Bundesvorsitzenden Peter Marx gew\u00e4hlt. In Bayern besteht lediglich eine Hochschulgruppe an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen. 103","Publikationsorgan des NHB ist das Schulungsund Mitteilungsblatt \"NHB-Report\", von dem 1983 nur eine Ausgabe mit einer gesch\u00e4tzten Auflage von etwa 1.800 Exemplaren erschien. Die NHB-Arbeitskreise \"amnestie national\", \"Kultur alternativ\" und \"Rock f\u00fcr Deutschland\" traten 1983 nicht mehr in Erscheinung. Au\u00dferhalb der Universit\u00e4ten beschr\u00e4nkte sich die T\u00e4tigkeit des NHB in Bayern auf die Durchf\u00fchrung einer Autorally. Hinsichtlich des Hochschulbereichs wird auf Abschnitt 5 verwiesen. 2.7 B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp (BIA) Die von der NPD gesteuerte B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp wurde Anfang 1980 von NPD-Funktion\u00e4ren in Bochum gegr\u00fcndet. Mit ihren gegen die Integration der Ausl\u00e4nder gerichteten Forderungen verfolgt sie das Ziel, Interessenten f\u00fcr die NPD zu gewinnen. So verwies sie auf die \"bedrohlich\" ansteigende \"Ausl\u00e4nderflut\" und wandte sich gegen die \"verh\u00e4ngnisvolle Ausl\u00e4nderpolitik\" der Bundesregierung, die entgegen dem Willen der Mehrheit des deutschen Volkes dem weiteren Zustrom \"fremder Menschen\" unt\u00e4tig zusehe. Die BIA wird von der NPD personell, publizistisch und organisatorisch unterst\u00fctzt. \"Vertrauensmann\" der BIA ist der Vorsitzende des NPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. \"Kontaktadresse\" des \"Regionalverbandes S\u00fcd\" ist die Anschrift des NPD-Landesverbandes Bayern. In Bayern trat die BIA durch die Verteilung ihrer zweimonatlich herausgegebenen Druckschrift \"Deutsche Zukunft\" und mit einer Unterschriftenaktion f\u00fcr eine Petition an den Deutschen Bundestag in Erscheinung, in der eine Revision der in den R\u00f6mischen Vertr\u00e4gen enthaltenen Freiz\u00fcgigkeitsregelung gefordert wird. 3. Deutsche Volksunion (DVU) 3.1 Ideologisch-politischer Standort Die Ideologie der DVU deckt sich weitgehend mit der der NPD. Die DVU ist jedoch keine politische Partei. Ihre Aussagen sind in vielen F\u00e4llen themengleich mit denen der NPD, jedoch wesentlich aggressiver und mehr tagespolitisch bezogen. Im Gegensatz zur NPD und einigen anderen rechtsextremen Organisationen steht sie nationalistisch-neutralistischen Bestrebungen, die auf eine Losl\u00f6sung der Bundesrepublik Deutschland aus dem westlichen Verteidigungsb\u00fcndnis hinauslaufen, ablehnend gegen\u00fcber. Den Schwerpunkt ihrer Agitation bildete auch 1983 eine auf v\u00f6lkisch-biologische Thesen gest\u00fctzte Kampagne gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern, insbesondere von T\u00fcrken. Kennzeichnend f\u00fcr die Fremdenfeindlichkeit der DVU waren Schlagzeilen wie \"Ausl\u00e4nder -- Gefahr f\u00fcr Deutschland?\", \"Wird Deutschland zur zweiten T\u00fcrkei? -- \u00dcberfremdung droht!\" und \"Ausl\u00e4nder-Kriminalit\u00e4t w\u00e4chst weiter -- Unser Volk ist in Gefahr!\". Die DVU warnte vor einer durch den \"Zustrom weiterer T\u00fcrken\" drohenden \"Katastrophe\" und wandte sich gegen die Eingliederung von \"Millionen Moslems\", die eine \"Khomeinisierung\" Deutschlands zur Folge haben k\u00f6nne. 104","In Bezug auf die Ausl\u00e4nderkriminalit\u00e4t prophezeite die DVU eine \"alarmierende Entwicklung\". Auch betrieben viele Ausl\u00e4nder einen \"offenkundig vors\u00e4tzlichen Mi\u00dfbrauch des sozialen Netzes\". Zumindest ein Teil der \"vielen Milliarden\", die in \"unsinnige Integration\" gingen, solle daher zur R\u00fcckkehrf\u00f6rderung bereitgestellt werden. Mit Schlagzeilen wie \"Kriegsschuld-L\u00fcge geplatzt -- Geheimdokumente entlasten Deutschland\" versuchte die DVU, die NS-Zeit zu rechtfertigen und aufzuzeigen, da\u00df die Vergangenheit \"aus politischen Zweckm\u00e4\u00dfigkeiten manipuliert\" werde. So seien im Westen Deutschlands \"ganze Heerscharen besoldeter Umerzieher\" damit besch\u00e4ftigt, \"gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeiten unserer Geschichte zu schm\u00e4hen\". Die \"unentwegte Darstellung allein deutscher Schuld\" in den Massenmedien -- wobei \"die Person Hitlers mehr oder minder nur als Vorwand\" gelte -- solle \"in Wahrheit selbst heute noch ungeborene Generationen der Deutschen unter dem Motto ,Kollektivverantwortung' in den Schuldturm sperren\". In einer \"gigantischen Umerziehungskampagne\" werde st\u00e4ndig an die \"NS-Untaten\" erinnert, w\u00e4hrend die \"unerme\u00dflichen Verbrechen des Kolonialismus\" unerw\u00e4hnt blieben. Breiten Raum nahm wiederum die Diffamierung demokratischer Institutionen und ihrer Repr\u00e4sentanten ein. Bevorzugte Angriffsziele waren vor allem die SPD und die Gr\u00fcnen. So unterstellte die DVU einem Vertreter der Opposition, \"Moskaus treuer Diener\" zu sein. Auch der bayerische Ministerpr\u00e4sident wurde wegen seiner Ostpolitik scharf angegriffen. Die antij\u00fcdische Polemik der DVU tarnte sich vielfach als Kritik am Staate Israel. So verwies die DVU auf die \"israelische Milit\u00e4rund Aggressionsmaschinerie\" und auf j\u00fcdische \"Politiker, die national, ja nationalistisch oder chauvinistisch vom Scheitel bis zur Sohle sind\". Den Juden im Bundesgebiet warf sie vor, da\u00df sie \"Sonderrechte genie\u00dfen, wie sie keine Minderheit auf der Welt sonst besitzt\". Klare antisemitische \u00c4u\u00dferungen trug die DVU fast ausschlie\u00dflich als Zitate Dritter vor, die u.a. den Eindruck erwecken sollten, da\u00df die Juden selbst Nutznie\u00dfer und F\u00f6rderer des Antisemitismus seien. 3.2 Organisation Die DVU wurde im Jahre 1971 in M\u00fcnchen als Auffangbecken f\u00fcr ehemalige NPD-Anh\u00e4nger gegr\u00fcndet. Nach ihrer Satzung haben die Mitglieder au\u00dfer der Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge keine weiteren Verpflichtungen. Die DVU z\u00e4hlt derzeit im Bundesgebiet zusammen mit ihren Aktionsgemeinschaften rund 11.000 (1982: \u00fcber 10.000) Mitglieder, davon etwa 2.300 (1982: 2.100) in Bayern. Zur personellen St\u00e4rkung der DVU hat vor allem die intensive Werbung f\u00fcr die Aktionsgemeinschaften beigetragen. Bundesvorsitzender ist der im September 1981 auf der Bundesversammlung in Bonn wiedergew\u00e4hlte Verleger Dr. Gerhard Frey aus M\u00fcnchen. Seine Stellvertreter sind Dr. Bernhard Steidle und Dr. Fritz von Randow. Die DVU unterh\u00e4lt in allen Bundesl\u00e4ndern formell Bezirksverb\u00e4nde, deren Vorsitzende nicht gew\u00e4hlt, sondern von Dr. Frey bestimmt werden. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen entwickelten nach wie vor kaum eigene Initiativen. 105","Heulige Gesamtauflage: 313079 Wer gewinnt den Dritten Weltkrieg? Deutschlands Chancen/s.3 Das offizielle Presseorgan der DVU ist der,,Deutsche Anzeiger\" (DA) mit einer w\u00f6chentlichen Auflage von \u00fcber 25.000 Exemplaren. Erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen sind dabei nicht eingerechnet. Dr. Frey ist auch Herausgeber der mit dem DA etwa zur H\u00e4lfte inhaltsgleichen ,,Deutschen NationalZeitung\" (DNZ), die im Regelfall w\u00f6chentlich in einer Auflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren erscheint. 3 3 Aktivit\u00e4ten Neben der publizistischen Propagandat\u00e4tigkeit lag der Schwerpunkt der Aktivit\u00e4ten der DVU in der Durchf\u00fchrung \u00f6ffentlicher Versammlungen. So fand am 9. Januar in M\u00fcnchen eine Kundgebung zum Gedenken an den im Dezember 1982 verstorbenen Wehrmachtsoberst a.D. Hans-Ulrich Rudel statt, der \u00fcber Jahre hinweg bei Veranstaltungen der DVU als Redner aufgetreten war. Unter den rund 1.200 Teilnehmern aus dem Inund Ausland befanden sich auch Angeh\u00f6rige der NPD und der Wiking-Jugend. Der britische Schriftsteller David Irving kritisierte in seiner Rede die Haltung der Bundesregierung, die dem Verstorbenen ein Ehrenbegr\u00e4bnis verweigert hatte. Bei der Mitgliederversammlung der DVU am 5. M\u00e4rz in Heidelberg verlieh Dr. Frey den neu gestifteten und mit 10.000 DM dotierten ,,Hans-Ulrich-RudelPreis\" an den Schriftsteller G\u00fcnter Just, dessen Buch \"Hans-Ulrich Rudel -- Adler der Ostfront\" 1972 in die Liste der jugendgef\u00e4hrdenden Schriften aufgenommen wurde. Im Rahmen einer im Mai durchgef\u00fchrten bundesweiten Vortragsreihe der DVU zum Thema \"Hitlers Tageb\u00fccher -- Wahrheit oder F\u00e4lschung\" sprach David Irving in N\u00fcrnberg, Bad Kissingen, Lindau (Bodensee) und Garmisch-Partenkirchen vor durchschnittlich 90 Zuh\u00f6rern. Unter dem Motto \"Einheit f\u00fcr Deutschland -- Freiheit f\u00fcr Europa\" veranstaltete die DVU am 13. August in Passau eine Kundgebung mit rund 800 Teilnehmern, in deren Verlauf die Familie des 1964 get\u00f6teten S\u00fcdtiroler Terroristen Luis Amplatzden mit 10.000 DM dotierten \"Andreas-Hofer-Preis\" erhielt. Eine Gegendemonstration von etwa 200 politischen Gegnern verlief ohne Zwischenf\u00e4lle. Als Reaktion auf die \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber eine im Auftrag von Dr. Frey produzierte Schallplatte und Kassette mit dem Titel \"Deutschland -- Deutsch106","land \u00fcber alles -- die ganze Nationalhymne und viele vaterl\u00e4ndische Lieder\" hielt die DVU am 30. Oktober in M\u00fcnchen eine \u00f6ffentliche Versammlung ab. Dabei versuchte Dr. Frey vor rund 250 Besuchern, die Vorw\u00fcrfe gegen den Inhalt der Platte zu entkr\u00e4ften. 3.4 Aktionsgemeinschaften der DVU Die von der DVU gegr\u00fcndeten Aktionsgemeinschaften sind integrierte Bestandteile der DVU. Der Beitritt zu einer Aktionsgemeinschaft begr\u00fcndet gleichzeitig die Mitgliedschaft in der DVU. Die Mitgliedsbeitr\u00e4ge der Aktionsgemeinschaften werden vom DVU-Vorstand festgelegt. Ihre Ver\u00f6ffentlichungen erscheinen im DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\". Die Ende 1979 von Dr. Frey in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) will den Gedanken einer Generalamnestie f\u00fcr bisher unges\u00fchnte NS-Verbrechen verbreiten. Sie wendet sich gegen die \"pharis\u00e4erhaft einseitige Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\", die in \"Schauprozessen gegen die Besiegten des Zweiten Weltkriegs\" zum Ausdruck komme, w\u00e4hrend die Sieger ihre \"millionenfachen Morde am deutschen Volk\" l\u00e4ngst amnestiert h\u00e4tten. 1983 trat die VOGA lediglich mit einer im DA und in der DNZ ver\u00f6ffentlichten \"Meinungsumfrage\" mit der \u00dcberschrift \"Freiheit f\u00fcr Rudolf Hess?\" in Erscheinung, in der unter Hinweis auf die \"einseitige antideutsche Justiz\" und die \"Verfolgung unschuldiger Deutscher\" um Mitglieder und Abonnenten geworben wurde. Die Aktion Deutsche Einheit (AKON) entstand 1962 in Darmstadt unter der Bezeichnung \"Aktion Oder-Nei\u00dfe\" (AKON) als selbst\u00e4ndige Organisation. 1979 w\u00e4hlten die Mitglieder den DVU-Funktion\u00e4r Dr. Bernhard Steidle zum Vorsitzenden. Mit der anschlie\u00dfenden Ernennung des DVU-Vorsitzenden zum gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorsitzenden der AKON geriet die Organisation v\u00f6llig unter den Einflu\u00df von Dr. Frey. 1980 beschlossen die Mitglieder eine neue Satzung, in der die AKON ihre Selbst\u00e4ndigkeit aufgab und sich der DVU als Aktionsgemeinschaft anschlo\u00df. Die AKON, die nach ihrer Satzung die \"Wiedervereinigung in Frieden und Freiheit innerhalb gerechter Grenzen\" f\u00f6rdern m\u00f6chte, agitiert vor allem in ostpolitischen Fragen. So lehnt sie die Ostvertr\u00e4ge, soweit sie \u00fcber eine Gewaltverzichtserkl\u00e4rung hinausgehen, als \"null und nichtig\" ab und wendet sich gegen Versuche, durch die \"Schaffung sogenannter Staatsnationen die volkliche Einheit der deutschen Nation zu zerst\u00f6ren\". Am 17. Juni veranstaltete die AKON im Rahmen ihrer Mitgliederversammlung in M\u00fcnchen eine Kundgebung unter dem Motto \"Tag der deutschen Einheit -- die toten Helden verpflichten uns\". Vor rund 500 Teilnehmern nahm die Ehefrau des verstorbenen DVU-Anh\u00e4ngers Professor Dr. Bolko Freiherr von Richthofen den ihrem Ehemann verliehenen, mit 10.000 DM dotierten \"Europ\u00e4ischen Freiheitspreis der Deutschen National-Zeitung\" entgegen. Bei den Vorstandswahlen wurden Dr. Bernhard Steidle als Vorsitzender und Dr. Gerhard Frey als gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Vorsitzender der AKON wiedergew\u00e4hlt. Eine im Dezember publizierte \"Meinungsumfrage zum Deutschlandlied\" diente der Mitgliederund Abonnentenwerbung. 107","F\u00fcr Deutschlands Rechte DEUTSCHE VOLKSUNION (DVU) tY=o\\ die f\u00fchrende \u00fcberparteiliche Bewegung der verfassungstreuen Rechten und freiheitlichen Mitte (Vorsitzender Dr. Gerhard Frey) Ehrenbund Rudel Gemeinschaft zun\" Schutz der Frontsoldaten Aktion deutsche Einheit (AKON) setzt sich f\u00fcr die Wiedervereinigung Gesamtdeutschlands ein Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie (VOGA) arbeitet f\u00fcr ein Ende der Kriegsverbrecherprozesse gegen Besiegte des II. Weltkriegs Aktion Deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will die Interessen des deutschen Volkes bei diesen Medien durchsetzen Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (I. f. A.) verteidigt den deutschen Charakter Deutschlands Werbung in der DNZ Die im Dezember 1980 gegr\u00fcndete Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung (l.f.A.) kn\u00fcpft mit der Devise \"Deutschland soll deutsch bleiben\" an die von der NPD verbreitete Parole \"Ausl\u00e4nder-Stopp -- Deutschland den Deutschen\" an. In einer im DA und in der DNZ ver\u00f6ffentlichten Umfrage mit der \u00dcberschrift \"Sind Sie f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung?\" wandte sich die l.f.A. gegen den freien Zustrom von \"Scheinasylanten\", kriminellen Ausl\u00e4ndern und \"Menschen fremder Kulturkreise\". Gleichzeitig versuchte sie mit dem Hinweis auf den durch eine \"Zwangsgermanisierung von Ausl\u00e4ndern\" drohenden \"Verlust der deutschen Identit\u00e4t\" und mit Kritik am \"Zeitgeist der Massenmedien, der alles Fremde kritiklos und hymnisch feiert und die deutschen Lebensinteressen mit F\u00fc\u00dfen tritt\", neue Mitglieder und Abonnenten zu gewinnen. Die seit Januar 1982 bestehende Aktion deutsches Radio und Fernsehen (ARF) will dem \"Mi\u00dfstand\" abhelfen, da\u00df Rundfunk und Fernsehen \"in zunehmendem Ma\u00dfe gegen die Lebensinteressen des deutschen Volkes agitieren\". Sie wendet sich gegen die \"systematische Verteufelung\" der deutschen Geschichte, die \"Herabw\u00fcrdigung des deutschen Soldaten\" und die \"Minimalisie108","rung der Verbrechen am deutschen Volk\" in Rundfunk und Fernsehen, \"in denen Randgruppen Abwegigkeiten ohne jede R\u00fccksicht auf den Mehrheitswillen verbreiten\". Mit eigenen Aktionen trat die ARF 1983 nicht an die \u00d6ffentlichkeit. Die Gr\u00fcndung des Ehrenbundes Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten (ER) wurde am 9. Januar in M\u00fcnchen bei der DVU-Kundgebung zum Gedenken an den verstorbenen Oberst a.D. Hans-Ulrich Rudel bekanntgegeben. Die neue Aktionsgemeinschaft wendet sich \"gegen die Diffamierung untadeliger Soldaten\" und will \"\u00fcber Taten und Leiden auch der Besiegten der Wahrheit die Ehre geben\". Bereits im Januar 1983 ver\u00f6ffentlichten der DA und die DNZ eine \"Leserumfrage zum Tod von Oberst Rudel\". Ende M\u00e4rz folgte eine Kampagne unter dem Motto \"Schlu\u00df mit der Verleumdung unserer Soldaten\". Unter Hinweis auf die \"dramatisch steigende Zahl von Ehrenmalsch\u00e4ndungen\" wurden die Leser zur Unterzeichnung eines Volksbegehrens an den deutschen Bundestag aufgefordert, das den Erla\u00df eines Gesetzes zum Schutz von Ehrenmalen deutscher Soldaten sowie die Errichtung einer zentralen nationalen Ehrenst\u00e4tte f\u00fcr den deutschen Soldaten zum Ziel habe. Beide Aktionen waren mit einer Werbung f\u00fcr den Beitritt zum \"Ehrenbund Rudel\" und den Bezug der DNZ und des DA verbunden. 4. Neonazistische Organisationen und Vorf\u00e4lle 4.1 Allgemeines Der Neonazismus umfa\u00dft alle Aktivit\u00e4ten und Bestrebungen, die ein offenes Bekenntnis zur Ideologie des Nationalsozialismus darstellen und auf die Errichtung eines dem NS-Staat vergleichbaren oder \u00e4hnlichen Systems gerichtet sind. Die Zahl der Neonazis im Bundesgebiet ist gegen\u00fcber dem Vorjahr von rund 1.300 auf 1.400 gestiegen, darunter etwa 180 (1982: 180) in Bayern. Etwa 1.100 (1982: 850) von ihnen sind den neonazistischen Organisationen als Mitglieder zuzurechnen, davon rund 60 in Bayern. Bei den \u00fcbrigen 300 (1982: 250) handelt es sich um \"Einzelg\u00e4nger\", die durch neonazistische Aktivit\u00e4ten in Erscheinung traten, ohne sich an eine bestimmte Gruppe zu binden. Eine nennenswerte Zahl von Personen, die -- ohne Mitglied zu sein -- an NS-Gruppen Spenden leisten, war 1983 nicht mehr feststellbar. Die Zunahme der organisierten Mitglieder gegen\u00fcber 1982 ist zum einen auf den Konzentrationsproze\u00df zur\u00fcckzuf\u00fchren, den die von dem Neonazi Michael K\u00fchnen gegr\u00fcndete ANS/NA ausl\u00f6ste; au\u00dferdem haben sich fr\u00fchere Spender in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe neonazistischen Organisationen angeschlossen. Die 16 (1982: 21) erkannten neonazistischen Zusammenschl\u00fcsse im Bundesgebiet sind in der Regel lose Gesinnungsund Kampfkader, deren Anh\u00e4nger sich zum Teil auch in anderen Gruppen engagieren. Klare organisatorische Strukturen sind meist nicht erkennbar; regelm\u00e4\u00dfig dominiert jedoch ein \"F\u00fchrer\", von dem auch der Bestand der Gruppe abh\u00e4ngt. Die Finanzierung st\u00fctzt sich im wesentlichen auf Spenden und Beitr\u00e4ge. Die Agitation der neonazistischen Gruppen ist vor allem durch unverhohlenen Antisemitismus und sonstigen Rassismus, Verharmlosung und Leugnung der 109","NS-Verbrechen sowie durch Verherrlichung von Institutionen und Personen der Hitler-Diktatur gekennzeichnet. Teilweise ist auch eine Orientierung an der nationalrevolution\u00e4ren Fr\u00fchform des Nationalsozialismus zu beobachten. Eine geistige Durchdringung der eigenen Ziele und Methoden findet kaum statt. Die Auseinandersetzung mit den bestehenden politischen und gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnissen beschr\u00e4nkt sich auf die meist kritiklose \u00dcbernahme von Parolen der ehemaligen NSDAP. Gewalt wird emotional bejaht und angewendet, wo es sich ergibt oder zweckm\u00e4\u00dfig erscheint. Die Gr\u00fcne Aktion Deutschland (GAD) und die verbotene Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) traten 1983 in Bayern nicht mehr in Erscheinung. Das Verfahren gegen den ehemaligen WSG-Leiter wegen Verdachts der Beteiligung an einem Ende 1980 in Erlangen ver\u00fcbten Doppelmord dauert noch an. Fr\u00fchere Angeh\u00f6rige der nach dem Verbot der WSG aufgestellten ,.Wehrsportgruppe Ausland\" wurden am 8. November vom Landgericht N\u00fcrnberg/F\u00fcrth wegen der im Libanon begangenen Straftaten zu Freiheitsstrafen verurteilt. 4.2 Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA) Die ANS/NA entstand am 15. Januar in Frankfurt a.M., wo sich die 1977 gegr\u00fcndete ANS-Gruppe Hamburg und die 1982 errichteten ,,Kameradschaften\" Fulda und Frankfurt der,,Nationalen Aktivisten\" (NA) zu einer,,einheitlichen Kaderbewegung des Nationalen Sozialismus\" zusammenschl\u00f6ssen. Die Initiative zur Gr\u00fcndung der ANS/NA war vom fr\u00fcheren Leiter der ANS-Gruppe Hamburg Michael K\u00fchnen ausgegangen, der bis Ende November 1982 eine l\u00e4ngere Freiheitsstrafe wegen neonazistisch motivierter Straftaten verb\u00fc\u00dft hatte und anschlie\u00dfend Kontakte zu zahlreichen Gesinnungsgenossen im Bundesgebiet aufnahm. 4.2.1 Ideologisch-politischer Standort Die ANS/NA bekannte sich offen zum \"Kern und Sinn\" des 25-Punkte-Programmsder NSDAP vom 24. Februar 1920 und bezeichnete sich als \"Organisation politischer Soldaten in der Tradition der SA\". Als \"legaler Arm der nationalsozialistischen Bewegung der neuen Generation\" sollte sie die personelle Basis f\u00fcr eine sp\u00e4tere Wiedergr\u00fcndung der NSDAP bilden. Ihre politischen Ziele waren in dem am 15. Januar verk\u00fcndeten \"Frankfurter Appell\" niedergelegt, zu dessen Schwerpunkten Forderungen wie \"Aufhebung des NS-Verbots\", \"Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung\", \"Kulturrevolution gegen den Amerikanismus\" und \"Kampf f\u00fcr ein unabh\u00e4ngiges, sozialistisches Gro\u00dfdeutschland\" z\u00e4hlten. 4.2.2 Organisation Die ANS/NA mit Sitz in Hanau/Hessen z\u00e4hlte im Bundesgebiet einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen zum Zeitpunkt des Verbots rund 270 Mitglieder, die sich aus \"Nationalen Aktivisten\" und \"Kadermitgliedern\" zusammensetzten. Erstere bekannten sich zur Ideologie der Gruppierung und beteiligten sich an deren Arbeit, ohne damit Verpflichtungen einzugehen. Die Kadermitglieder, die sich aus besonders bew\u00e4hrten Nationalen Aktivisten rekrutierten, waren au\u00dfer zur Zahlung monatlicher Beitr\u00e4ge zu strenger Disziplin und regelm\u00e4\u00dfiger Teilnahme an allen Veranstaltungen verpflichtet. 110","Die straff organisierte und zentral gef\u00fchrte ANS/NA war im Bundesgebiet in die \"Bereiche\" Nord, West, Mitte und S\u00fcd gegliedert, denen 32 \"Kameradschaften\" und zahlreiche \"St\u00fctzpunkte\" nachgeordnet waren. Im Bereich S\u00fcd bestanden im \"Gau Bayern\" zuletzt die Kameradschaften \"Main-Franken\" (W\u00fcrzburg), \"13 Oberpfalz\" (Vilseck), ,,16 M\u00fcnchen\" und \"19 Obermain\" (Michelau) mit insgesamt rund 25 namentlich bekannten Mitgliedern. Oberstes F\u00fchrungsgremium der ANS/NA war die von Michael K\u00fchnen repr\u00e4sentierte \"Organisationsleitung\". Durch \"Organisationsbefehle\" wurden mehrere \"\u00c4mter und Untergliederungen\" geschaffen, die in ihrer Aufgabenstellung weitgehend dem organisatorischen Aufbau der fr\u00fcheren NSDAP entsprachen. Dazu geh\u00f6rten unter anderem -- die der ehemaligen SA nachempfundene \"Stabswache\", die den Schutz der Funktion\u00e4re, die Sicherheit der Redner bei Kundgebungen, die Unterbindung von Disziplinlosigkeiten der Mitglieder und die Abwehr von \"Provokateuren\" gew\u00e4hrleisten sollte; -- die \"ANS-Betriebszellenorganisation\", die sich als Vorstufe zur Gr\u00fcndung einer \"nationalsozialistischen freien Gewerkschaftsorganisation\" verstand; -- der \"M\u00e4delbund\", der \"Kameradinnen mit Erfahrungen in BDM und Frauenschaft\" als Mitarbeiterinnen suchte; -- das \"Amt f\u00fcr nationalsozialistische Lebensanschauung und Schulung\", das monatliche Schulungsbriefe herausgab. Als Publikationen der ANS/NA erschienen die Schriften \"Das Korps -- Mitteilungen f\u00fcr politische Leiter der ANS/NA\" und \"Die Innere Front -- Informationsbriefe zur Lage der Bewegung\", die f\u00fcr Mitglieder und Sympathisanten bestimmt war. Enge Verbindungen bestanden zum Neonazi Curt M\u00fcller in Mainz-Gonsenheim, dessen Anwesen h\u00e4ufig als Veranstaltungsort diente. Durch die f\u00fcr Kadermitglieder der ANS/NA verbindliche Verpflichtung zu einer gleichzeitigen Mitgliedschaft in der neonazistischen Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) sollte diese im gesamten rechtsextremen Bereich t\u00e4tige Organisation unterwandert werden. Mitglieder und Sympathisanten der HNG sollten insbesondere durch das von der ANS/NA eingerichtete \"Amt f\u00fcr Gefangenenhilfe\" f\u00fcr eine Mitgliedschaft in der ANS/NA gewonnen werden. Daneben bem\u00fchte sich die ANS/NA auch um Kontakte zu vergleichbaren Gruppierungen im westlichen Ausland. Au\u00dferdem war sie bestrebt, auf Skinheads und Anh\u00e4nger von Fu\u00dfballfanclubs Einflu\u00df zu nehmen. Die Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung (AAR), die am 26. Juni auf einem \"F\u00fchrerthing\" in Mainz von Aktivisten der ANS/NA als \"parteipolitischer Arm\" der ANS/NA gegr\u00fcndet wurde, war nach ihrem Erscheinungsbild eine unselbst\u00e4ndige Teilorganisation. Ihr Aktionsprogramm deckte sich mit den im Frankfurter Appell erkl\u00e4rten Zielen der ANS/NA. Vorrangiges Ziel der AAR war es, \"im Rahmen der bestehenden Gesetze legal gegen das NS-Verbot ank\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen\". Die \"Parteigr\u00fcndung\" bezweckte vor allem den \"Schutz vor einem Verbot unserer Bewegung\". Bundesvorsitzender war der stellvertretende ANS/NA-Organisationslei111","ter Thomas Brehl aus Fulda. Um eine st\u00e4ndige Kontrolle durch die ANS/NA sicherzustellen, wurde der Beitritt zur AAR auf Kadermitglieder der ANS/NA beschr\u00e4nkt. Der im M\u00e4rz 1983 geschaffene Freundeskreis Deutsche Politik (FK) war eine weitere Teilorganisation der ANS/NA. Er hatte die Aufgabe, Anh\u00e4nger der ANS/NA, die aus Altersoder Berufsgr\u00fcnden nicht als Nationale Aktivisten in Erscheinung treten konnten oder wollten, zu organisieren und Spenden zur F\u00f6rderung der politischen Arbeit der ANS/NA zu sammeln. Vorsitzender war der Neonazi Otto Riehs aus Frankfurt a.M. Die ,.politische Arbeit\" leitete der,.Generalsekret\u00e4r\" Thomas Brehl. 4.2.3 Aktivit\u00e4ten Die Aktivit\u00e4ten der ANS/NA, insbesondere die Zusammenk\u00fcnfte anl\u00e4\u00dflich nationalsozialistischer Gedenktage, dienten auch der medienwirksamen Selbstdarstellung. Auf diese Weise versuchte die ANS/NA, das in der \u00d6ffentlichkeit erregte Aufsehen als Chance f\u00fcr die Propagierung ihres neonazistischen Gedankengutes und als Ansatzpunkt f\u00fcr die Werbung neuer Anh\u00e4nger zu nutzen. Daneben machte sie auch durch Plakataktionen und Verbreitung von Schriften auf sich aufmerksam. So wurden z.B. am 17. September in M\u00fcnchen Flugbl\u00e4tter der \"Nationalen Aktivisten M\u00fcnchen\" mit der \u00dcberschrift \"Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Zeit wird's!\" verteilt. Aus Anla\u00df des 60. Jahrestages von Hitlers Marsch zur Feldherrnhalle (09.11.1923) k\u00fcndigte die ANS/NA f\u00fcr den 576. November eine zentrale Kundgebung in M\u00fcnchen und f\u00fcr den 9. November einen Fackelzug zur Feldherrnhalle an. Am 22. Oktober nahm die M\u00fcnchner Polizei drei Aktivisten der \u00f6rtlichen ANS/NA-Kameradschaft vor\u00fcbergehend fest. Sie hatten Plakate mit der Aufschrift \"K\u00fchnen kommt -- 60 Jahre Marsch zur Feldherrnhalle, 9. November\" geklebt. Auf den Plakaten war eine Fahne mit einer Siegrune, dem Abzeichen des Deutschen Jungvolks in der ehemaligen Hitler-Jugend, abgebildet. Die angek\u00fcndigte Veranstaltung am 5. November, zu der sich 85 Anh\u00e4nger der ANS/NA aus dem gesamten Bundesgebiet eingefunden hatten, wurde von der Landeshauptstadt M\u00fcnchen nach SS 5 Nr. 4 des Versammlungsgesetzes verboten. Die Polizei l\u00f6ste die Versammlung auf und nahm K\u00fchnen und weitere 34 Personen, darunter auch vier Teilnehmer aus Bayern, wegen Verdachts eines Versto\u00dfes gegen das Versammlungsgesetz und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vor\u00fcbergehend fest. Bei den Festgenommenen wurden Gaspistolen, Gasspr\u00fchdosen, Messer, Schlagst\u00f6cke und Gegenst\u00e4nde mit NS-Emblemen sichergestellt. Am 7. November wurde K\u00fchnen in M\u00fcnchen aufgrund eines Haftbefehls des Landgerichts Braunschweig erneut festgenommen und nach Braunschweig gebracht, da er zu einem f\u00fcr denselben Tag dort angesetzten Gerichtstermin nicht erschienen war. Das Landgericht Braunschweig verurteilte ihn am 10. November wegen falscher uneidlicher Aussage in einem Verfahren aus dem Jahre 1980 zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten mit Bew\u00e4hrung und einer Geldbu\u00dfe von 1.200 DM. 112","Sichergestellte Gegenst\u00e4nde der ANS/NA In der Nacht zum 20. November wurden in M\u00fcnchen zahlreiche Plakate der \"Nationalen Aktivisten M\u00fcnchen\" geklebt. Sie trugen die Aufschrift \"Jetzt erst recht: K\u00fchnen kommt wieder\"; dar\u00fcber war ein Reichsadler mit einem hakenkreuz\u00e4hnlichen Symbol abgebildet. Am 26. November nahm die M\u00fcnchner Polizei drei Aktivisten der ANS/NA bei der Verbreitung dieser Plakate vor\u00fcbergehend fest und beschlagnahmte etwa 800 Exemplare. Weitere Plakate mit den Aufschriften \"K\u00fchnen kommt -- 60 Jahre Marsch zur Feldherrnhalle, 9. November\" und \"Jetzt erst recht: K\u00fchnen kommt wieder\" konnten am 27. Dezember bei einer 113","Hausdurchsuchung im Raum Starnberg sichergestellt werden. Das Amtsgericht M\u00fcnchen hatte im Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen die allgemeine Beschlagnahme dieser Schriften und der zur Herstellung verwendeten Druckunterlagen angeordnet. Der Organisationsleiter der ANS/NA Michael K\u00fchnen und sein Stellvertreter Thomas Brehl wurden am 29. November aus \u00d6sterreich in das Bundesgebiet abgeschoben. Sie waren am 22. November nach Wien gereist und hatten sich dort mit Gesinnungsgenossen getroffen. Die \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden erlie\u00dfen gegen beide ein unbefristetes Aufenthaltsverbot. Bei der Einreisekontrolle stellte die Bayerische Grenzpolizei NS-Propagandamaterial sicher. 4.2.4 Verbot Mit Verf\u00fcgung vom 24. November 1983 stellte der Bundesminister des Innern im Benehmen mit den lnnenministern/-senatoren der L\u00e4nder fest, da\u00df sich die ANS/NA einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen AAR und FK gegen die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung richte und deshalb verboten sei. Er ordnete die Aufl\u00f6sung und den Einzug des Verm\u00f6gens an. Zur Begr\u00fcndung f\u00fchrte der Bundesminister des Innern aus, Zweck und T\u00e4tigkeit der ANS/NA zielten auf eine Wiederherstellung und Fortsetzung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) und ihrer Sturmabteilung (SA) hin, der die ANS/NA in ihrem Gesamtbild, ihrer Vorstellungswelt und in ihrem \u00f6ffentlichen Auftreten entspreche. Ihre Bestrebungen, die in k\u00e4mpferischaggressiver Form darauf gerichtet seien, die verfassungsm\u00e4\u00dfige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland zu untergraben, k\u00f6nnten nicht l\u00e4nger hingenommen werden. Die ANS/NA sei im Hinblick auf ihren Organisationsgrad und ihre Mitgliederzahl als die f\u00fchrende neonazistische Gruppierung im Bundesgebiet einzustufen. Sie \u00fcbe eine Signalund Sogwirkung im gesamten neonazistischen Bereich aus. So seien in der ANS/NA ehemalige Mitglieder der bereits verbotenen Vereinigungen Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) und Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) organisiert. Strafrechtliche Verurteilungen der ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4re h\u00e4tten an der T\u00e4tigkeit und der politischen Zielsetzung der ANS/NA nichts zu \u00e4ndern vermocht. Ihre verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung k\u00f6nne daher nur durch ein vereinsrechtliches Verbot wirksam unterbunden werden. Die Verbotsverf\u00fcgung wurde dem ANS/NA-Organisationsleiter Michael K\u00fchnen am 7. Dezember in Pinneberg zugestellt. Anschlie\u00dfend fanden bei K\u00fchnen und rund 90 ANS/NA-Aktivisten in neun Bundesl\u00e4ndern Hausdurchsuchungen statt, um das der Einziehung unterliegende Vereinsverm\u00f6gen zu beschlagnahmen. In Bayern durchsuchte die Polizei in den Regierungsbezirken Oberbayern, Oberpfalz, Oberfranken und Unterfranken insgesamt sechs Wohnungen von Funktion\u00e4ren und Aktivisten. Sie stellte drei Fahnen mit dem ANS/NA-Abzeichen, eine Jacke eines Kameradschaftsf\u00fchrers mit dem gleichen Emblem, einen Stempel mit dem Aufdruck \"Nationale Aktivisten Obermain\" und der Siegrune sowie umfangreiches neonazistisches Propagandamaterial, darunter zahlreiche Plakate und Flugbl\u00e4tter, sicher. 114","K\u00fchnen \u00e4u\u00dferte noch am selben Tag, er halte Verbote politischer Organisationen f\u00fcr keine wirksame Methode, \"um mit einer politischen Idee fertig zu werden\". Er sei \u00fcberzeugt, da\u00df die Arbeit f\u00fcr den Nationalsozialismus in Deutschland in irgendeiner Form weitergehe. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung erhob die ANS/NA am 3. Januar 1984 Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht. Noch im Dezember 1983 gr\u00fcndete der ehemalige Vorsitzende des Landesverbandes Bayern der \"Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung\" (AAR) in W\u00fcrzburg einen Unabh\u00e4ngigen W\u00e4hlerkreis W\u00fcrzburg -- Arbeitskreis f\u00fcr Wiedervereinigung und Volksgesundheit (UWK). Der UWK, der im wesentlichen die Ziele der verbotenen AAR weiterverfolgte und sich in W\u00fcrzburg an der Kommunalwahl 1984 beteiligen wollte, wurde vom Bayerischen Staatsministerium des Innern im Februar 1984 als Ersatzorganisation der AAR bestandskr\u00e4ftig verboten und aufgel\u00f6st. 4.3 Hilfsorganisation f\u00fcr nationale politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. (HNG) Die HNG mit Sitz in Frankfurt a.M. wurde 1979 von Neonazis gegr\u00fcndet. Sie betreut inhaftierte Gesinnungsgenossen finanziell und ideell, um deren \"Kampfmoral\" zu erhalten. Der HNG geh\u00f6ren im Bundesgebiet knapp 400 (1982: 230) Mitglieder und F\u00f6rderer an. Die \"Zunahme\" gegen\u00fcber dem Vorjahr ist auch durch einen verbesserten Erkenntnisstand bedingt. Vorsitzender ist der Frankfurter Neonazi Henry Beier. Zu den ma\u00dfgeblichen Funktion\u00e4ren z\u00e4hlt auch der Leiter der \"NS-Gruppe M\u00fcller\" in Mainz-Gonsenheim. Wegen ihrer gruppen\u00fcbergreifenden Bet\u00e4tigung hat sich die HNG zu einem Sammelbecken neonazistischer Bestrebungen und zugleich zu einer Schaltstelle f\u00fcr Kontakte zu ausl\u00e4ndischen Gesinnungsgenossen entwickelt. Verbindungen bestehen zu anderen neonazistischen Gruppierungen in verschiedenen westeurop\u00e4ischen Staaten. Insbesondere war eine enge Zusammenarbeit mit der von franz\u00f6sischen Neonazis gegr\u00fcndeten Gefangenenhilfsorganisation \"Comite Objectif entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste\" (COBRA) festzustellen. In ihrem monatlich erscheinenden Mitteilungsblatt \"Information der HNG\" ver\u00f6ffentlichte die HNG regelm\u00e4\u00dfig Listen, Anschriften und Briefe von \"nationalen politischen Gefangenen\", darunter auch von rechtsterroristischen Gewaltt\u00e4tern. Ferner beklagte sie das \"Verbot der rechtm\u00e4\u00dfigen nationalsozialistischen Deutschen Reichsregierung\". 4.4 Verbotene Volkssozialistische Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) Die im Januar 1982 vom Bundesminister des Innern einschlie\u00dflich ihrer Jugendorganisation Junge Front (JF) verbotene und aufgel\u00f6ste Volkssozialistische Bewegung Deuschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA) trat 1983 unter dieser Bezeichnung in Bayern nicht mehr in Erscheinung. Ein Teil der Mitglieder schlo\u00df 115","sich nach dem Verbot anderen neonazistischen Gruppen an, so z.B. der Aktionsfront Nationaler Sozialisten/Nationale Aktivisten (ANS/NA), die inzwischen ebenfalls verboten wurde. Einige fr\u00fchere Aktivisten der VSBD/PdA bet\u00e4tigten sich in einer im M\u00e4rz 1982 zusammen mit anderen Rechtsextremisten gebildeten Gruppe, die etwa 20 Personen umfa\u00dft. Als Treffpunkt und Schulungsort dient eine Gemeinschaftswohnung in F\u00fcrstenfeldbruck. Angeh\u00f6rige der Gruppe unterhielten Kontakte zu anderen neonazistischen Organisationen im Bundesgebiet und beteiligten sich an deren Aktivit\u00e4ten. Am 5. Mai durchsuchte die Polizei die Gemeinschaftswohnung sowie weitere Wohnungen von Gruppenmitgliedern. Dabei wurden das Restarchiv und Propagandamaterial der verbotenen VSBD/PdA sichergestellt. Im September 1983 beteiligten sich ehemalige Anh\u00e4nger der VSBD/PdA an der Gr\u00fcndung der Nationalen Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationalisten (NF-BSN) in M\u00fcnchen. Die NF-BSN, die sich inzwischen in Nationalistische Front (NF) umbenannt hat, fordert die \"antiimperialistische Nationale Befreiung von fremder Macht und ihren deutschen Handlangern\" und tritt f\u00fcr eine \"gesamtdeutsche Neutralit\u00e4t\" ein. Au\u00dferdem wendet sie sich gegen \"weitere fremdv\u00f6lkische Einwanderung\" und propagiert eine \"lebensrichtige Neue Ordnung\" in einer dem \"Volksinteresse\" dienenden \"Volksgemeinschaft der Zukunft\". Im Proze\u00df gegen Angeh\u00f6rige der neonazistischen Gruppe \"Kommando Omega\", die am 20. Oktober 1981 in M\u00fcnchen auf dem Weg zu einem geplanten Bank\u00fcberfall gestellt wurde, verk\u00fcndete das Bayerische Oberste Landesgericht am 25. November die Urteile. Der ehemalige Vorsitzende der VSBD/PdA Friedhelm Busse, der u.a. die Gruppe beherbergt und in seiner Garage Munition und Sprengstoff gelagert hatte, erhielt wegen Beg\u00fcnstigung, Strafvereitelung, Hehlerei und Versto\u00dfes gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz unter Einbeziehung einer fr\u00fcheren Verurteilung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten. Zwei Gruppenmitglieder wurden wegen Verabredung zu einer schweren r\u00e4uberischen Erpressung und Versto\u00dfes gegen das Waffenund Sprengstoffgesetz zu einer Jugendstrafe von vier bzw. drei Jahren verurteilt. Im Laufe der Hauptverhandlung hatte die Bundesanwaltschaft den Vorwurf der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer terroristischen Vereinigung fallen lassen, weil sich das \"Kommando Omega\" im Ausland gebildet und im Bundesgebiet keinen nachweisbaren organisatorischen St\u00fctzpunkt besessen habe. Das Verfahren gegen einen weiteren Beteiligten wurde wegen dessen Verhandlungsunf\u00e4higkeit abgetrennt. Gegen zwei wegen Sachzusammenhangs mitangeklagte Rechtsextremisten verh\u00e4ngte das Gericht eine Freiheitsstrafe von sechs bzw. sieben Jahren wegen gemeinschaftlicher schwerer r\u00e4uberischer Erpressung. Beide hatten am 23.09.1981 zusammen mit dem sp\u00e4teren Aktivisten der Anfang Oktober 1981 in Frankreich gegr\u00fcndeten Gruppe \"Kommando Omega\" Kurt Wolfgram eine Sparkasse in Rennerod/Westerwald \u00fcberfallen. 4.5 Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle Die Gesamtzahl der bekanntgewordenen neonazistischen, antisemitischen und sonstigen rassistischen Straftaten stieg 1983 mit insgesamt 493 gegen\u00fcber 481 116","Neonazistische, antisemitische und sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 1983 in Bayern N - Neonazistische Vorf\u00e4lle A - Antisemitische Vorf\u00e4lle S - Sch\u00e4ndung j\u00fcdischer Grabund Gendenkst\u00e4tten R - Sonstige rassistische Vorf\u00e4lle 117","im Vorjahr leicht an, wobei in 116 F\u00e4llen (1982: 126) ein rechtsextremes Motiv fehlte oder nicht erkennbar war. Zu diesen allgemeinen Verdachtsf\u00e4llen (rund 24%) geh\u00f6rte z.B. das Verwenden von NS-Symbolen als Mittel des Protestes gegen anderweitige politische Bestrebungen. Allein in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg ereigneten sich mit 113 (1982: 69) bzw. 46 (1982: 55) rund 42% (1982: 35%) aller Vorf\u00e4lle (ohne allgemeine Verdachtsf\u00e4lle). Meist handelte es sich um Schmierund Klebeaktionen, bei denen Hakenkreuze und SS-Runen gespr\u00fcht oder Parolen wie \"Heil Hitler\", \"Juda verrecke\", \"T\u00fcrken raus\" und \"Wir sind wieder da -- NSDAP\" angebracht wurden. So wurden die KZ-Gedenkst\u00e4tten Flossenb\u00fcrg und Dachau sowie ein Friedhof in N\u00fcrnberg mit NS-Symbolen und neonazistischen Parolen beschmiert. Gegenstand von Ermittlungsverfahren waren auch das Tragen von NS-Abzeichen, die Besch\u00e4digung j\u00fcdischer Gedenkst\u00e4tten sowie anonyme Beleidigungen und Bedrohungen aus rassistischen, insbesondere antisemitischen Motiven. Eine Aufkl\u00e4rung gelang in 106 F\u00e4llen (1982: 170). Unter den ermittelten 146 T\u00e4tern (1982: 260) befanden sich 44 Minderj\u00e4hrige (1982: 48). Die Staatsanwaltschaften stellten 40 Verfahren ein. In 31 F\u00e4llen wurden die T\u00e4ter verurteilt, meist zu Geldstrafen. Die Verfahren gegen die \u00fcbrigen Beschuldigten dauerten Ende 1983 noch an. Eine Gesamtsteuerung der Aktionen durch eine oder mehrere extremistische Gruppen war nicht erkennbar. 5. Sonstige rechtsextreme Organisationen 5.1 Deutscher Block (DB) Der 1947 in M\u00fcnchen gegr\u00fcndete Deutsche Block (DB) bekennt sich zur \"F\u00fchrung des Staates durch eine Elite\", h\u00e4lt \"Demokratie mit dem F\u00fchrertum f\u00fcr vereinbar\", identifiziert sich mit der These, das \"Volk\" sei mehr als der Staat, und lehnt \"rassischen Mischmasch\" ab. Der DB mit Sitz in Memmingen z\u00e4hlt im Bundesgebiet noch rund 40 Mitglieder (1982: 50), davon etwa 15 (1982: 20) in Bayern. \"Reichsvorsitzender\" ist Richard Etzel, der zugleich die unbedeutende Jugendorganisation des DB Jugendbund Adler (JBA) leitet. Als Publikationen des DB erscheinen die Zeitschriften \"Unsere Arbeit\" und \"Der Adlerf\u00fchrer\" in geringer Auflage. Der durch \u00dcberalterung der Anh\u00e4nger und Mitgliederverluste geschw\u00e4chte DB entwickelte au\u00dfer der allj\u00e4hrlichen \"Schlageter-Gedenkfeier\" im Mai bei Kleinwendern im Fichtelgebirge und einigen Vortragsveranstaltungen auf Kreisverbandsebene keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. 5.2 Wiking-Jugend (WJ) Die 1952 gegr\u00fcndete Wiking-Jugend (WJ) ist eine straff nach dem F\u00fchrerprinzip geleitete \"volkstreue nordl\u00e4ndische\" Jugendorganisation, die sich als \"heranzubildende Elite\" versteht. Sie bekennt sich zu einer \"Lebensgemeinschaft auf v\u00f6lkischer Grundlage\" und betrachtet das Gesetz der \"Auslese alles Starken und 118","Flugbl\u00e4tter der Wiking-Jugend Gesunden\" als \"entscheidende Kraft im Leben\". Ferner k\u00e4mpfte sie gegen die \"Umerziehung\" und versuchte, den Nationalsozialismus -- wenn auch indirekt -- zu rechtfertigen. Die in Gaue und Horste gegliederte WJ mit Sitz in Stolberg/Nordrhein-Westfalen z\u00e4hlt im Bundesgebiet wie im Vorjahr rund 350 Mitglieder, davon etwa 60 (1982: 70) in Bayern, von denen jedoch ein Gro\u00dfteil inaktiv ist. Bundesf\u00fchrer ist Wolfgang Narath aus Stolberg. In Bayern bestehen die Gaue \"Bayern\" in Freising und \"Franken\" in Stockstadt, Landkreis Aschaffenburg, sowie Horste im Raum Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die Nachrichten und Mitteilungen des Bundes werden in der viertelj\u00e4hrlich erscheinenden Schrift \"Wikinger\" ver\u00f6ffentlicht. Das unregelm\u00e4\u00dfig herausgegebene WJ-Sch\u00fclermagazin \"G\u00e4ck\" betreibt rechtsextreme Agitation zumeist in satirischer Form. Die WJ unterh\u00e4lt Kontakte zu Jugendgruppen gleichen Namens und gleicher Zielsetzung in Belgien, Frankreich, Gro\u00dfbritannien, Spanien und in den Niederlanden. Neben den allj\u00e4hrlichen Lagern und Fahrten sowie einigen internen Treffen f\u00fchrte die WJ 1983 in Bayern mehrere Flugblattund Plakataktionen im Raum Aschaffenburg, M\u00fcnchen, F\u00fcrstenfeldbruck und Landshut durch. WJ-Mitglieder beteiligten sich im Juni an der Sonnwendfeier der NPD in der N\u00e4he von Reichertshausen, Landkreis Bad T\u00f6lz-Wolfratshausen. 119","5.3 Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) Der 1962 in N\u00fcrnberg gegr\u00fcndete Bund Heimattreuer Jugend (BHJ) ist eine in die Leitstellen Nord, West und S\u00fcd sowie in Einheiten und St\u00fctzpunkte gegliederte Jugendorganisation mit rund 100 Mitgliedern (1982: 150) im Bundesgebiet, davon etwa 20 (1982: 25) in Bayern. Das viertelj\u00e4hrlich erscheinende Verbandsorgan \"Der Trommler\" erhielt im April 1983 den Titel \"na klar!\". Anhaltende interne Auseinandersetzungen \u00fcber die k\u00fcnftige Zielsetzung des BHJ f\u00fchrten im Mai 1983 zum R\u00fccktritt des erst seit September 1982 amtierenden bisherigen 1. Bundesf\u00fchrers Heinz-Gert H\u00f6ffkes. Auf dem Bundesjugendtag am 24725. September in Burbach/Nordrhein-Westfalen wurde Michael Will aus Kiel, der den BHJ bis dahin kommissarisch geleitet hatte, zum 1. Bundesf\u00fchrer gew\u00e4hlt. Mitglieder des BHJ unter Leitung des ehemaligen 1. Bundesf\u00fchrers Gernot M\u00f6rig beteiligten sich im April 1983 an den \"Norddeutschen Kulturtagen\" der rechtsextremen Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in L\u00fcneburg und gestalteten dabei den \"Tag der Jugend\". In Bayern f\u00fchrte die Leitstelle S\u00fcd einige Wochenendlager und Wanderfahrten durch. 5.4 Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes (DKEG) Das 1950 gegr\u00fcndete DKEG bezweckt vor allem die F\u00f6rderung der \"aus eigenem Lebensraum\" entstehenden Kunst und die Linderung der \"Notlage der sch\u00f6pferischen Kr\u00e4fte unseres Volkes\". Es ist durch \u00dcberalterung seiner Anh\u00e4nger sowie interne Machtk\u00e4mpfe und Meinungsverschiedenheiten erheblich geschw\u00e4cht und z\u00e4hlt wie im Vorjahr nur noch etwa 120 Mitglieder. Der Sitz befindet sich in M\u00fcnchen. In Bayern bestehen noch Pflegst\u00e4tten in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, die Vortragsveranstaltungen durchf\u00fchrten. Das DKEG l\u00e4dt immer wieder Rechtsextremisten zu diesen Vortr\u00e4gen ein. So sprachen in verschiedenen Pflegst\u00e4tten im Bundesgebiet die ehemaligen NPDFunktion\u00e4re Emil Maier-Dorn und G\u00fcnter Deckert sowie ein Mitglied des NPDParteivorstandes, das auf die Folgen der \"Umerziehung\" nach dem Zweiten Weltkrieg und auf die Auswirkungen der \"\u00dcberfremdung\" verwies. Thema einer Vortragsveranstaltung in N\u00fcrnberg war die \"Aufkl\u00e4rung\" \u00fcber die \"tats\u00e4chlichen Ursachen des Zweiten Weltkrieges und die ungeheuerliche Alleinkriegsschuldl\u00fcge\". Im April 1983 veranstaltete das DKEG in Planegg, Landkreis M\u00fcnchen, die allj\u00e4hrlichen \"Tage deutscher Kultur\". Dabei erhielt ein ehemaliger NS-Dichter und Kulturfunktion\u00e4r des Dritten Reiches den \"Schillerpreis\" des DKEG. Der Preistr\u00e4ger ist Redaktionsmitglied der im \"T\u00fcrmer-Verlag\" erscheinenden \"Deutschen Monatshefte\". 5.5 Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik (GfP) Die 1960 in Frankfurt a.M. von ehemaligen SSund NSDAP-Angeh\u00f6rigen gegr\u00fcndete GfP k\u00e4mpft gegen die \"Entstellungen in der deutschen Geschichtsbetrachtung\", die \"unwahren Darstellungen\" der Ursachen beider Weltkriege und die 120","\"Diffamierung des deutschen Soldatentums\". Sie stellt vor allem ein Podium f\u00fcr rechtsextreme Schriftsteller, Publizisten und Dichter des Inund Auslandes dar. Die Vereinigung, die ihren Sitz in M\u00fcnchen hat, z\u00e4hlt im Bundesgebiet rund 390 (1982: 350) Mitglieder. Auf der Hauptversammlung der GfP am 26. M\u00e4rz in M\u00fcnchen wurde nach dem vorzeitigen R\u00fccktritt des Vorsitzenden Dr. Gert Sudholt dessen Stellvertreterin Dr. Holle Grimm zur neuen Vorsitzenden gew\u00e4hlt. Publikationsorgan der GfP ist die viertelj\u00e4hrlich erscheinende Schrift \"Das Freie Forum\". Vom 7. bis 9. Oktober veranstaltete die GfP in Kassel ihren Jahreskongre\u00df unter dem Motto \"Die deutsche Frage in der Welt von morgen\". Dabei beschuldigten die Referenten die Alliierten, den Deutschen die \"Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg\" eingetrichtert, die \"Kriegsgreuel\" auf deutscher Seite in \"apokalyptische H\u00f6hen\" hochgestapelt und damit die \"Umerziehung\" der Deutschen betrieben zu haben. Aber auch in Deutschland selbst habe die \"viel gepriesene Stunde Null\" im Jahre 1945 mit einer L\u00fcge begonnen. Seitdem z\u00f6gen sich \"Heuchelei und Verleumdung\" wie ein roter Faden durch die Geschichte unserer Bonner Republik. Das Ausl\u00e4nderproblem und dessen \"Charakter als Schleichkolonialismus mit menschenwie v\u00f6lkerverachtender Tendenz\" werde zum \"demokratischen Tabu\" erkl\u00e4rt. 5.6 Freundeskreis Ulrich von Hutten Der im Februar 1982 von Rechtsextremisten gegr\u00fcndete Freundeskreis Ulrich von Hutten mit Sitz in Starnberg vertritt vor allem nationalistische und rassistische Forderungen, die auf der \u00dcberzeugung von der \"Notwendigkeit einer neuen gesunden Lebensordnung auf der Grundlage gewachsener V\u00f6lker\" beruhen. Vorsitzende ist die Pr\u00e4sidentin der rechtsextremen Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) in \u00d6sterreich Lisbeth Grolitsch. Der Spitzenfunktion\u00e4r Generalmajor a.D. Otto Ernst Remer trennte sich 1983 von der Vereinigung und gr\u00fcndete mit anderen ehemaligen Mitgliedern eine Gruppierung, die unter der Bezeichnung Die Deutsche Freiheitsbewegung (DDF) auftritt. Dadurch hat sich der Freundeskreis, der 1982 noch rund 25 Anh\u00e4nger z\u00e4hlte, zu einer Funktion\u00e4rsgruppe zur\u00fcckgebildet. Das Publikationsorgan \"Huttenbriefe -- F\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Recht\" enthielt einen Beitrag zum 20. Juli 1944 mit der Behauptung, f\u00fcr die \"Verbrechen\" der damaligen Widerstandsk\u00e4mpfer gebe es \"niemals anerkennenswerte moralische, politische oder rechtm\u00e4\u00dfige Motive\". Nur den \"Narren unserer r\u00fcckgratlosen intellektuellen F\u00fchrungsschicht\" sei es vorbehalten geblieben, als \"Nachbeter volksfremder Elemente vom .Unrechtsstaat' des Dritten Reiches zu faseln\". Die Staatsanwaltschaft bei dem Landgericht M\u00fcnchen II leitete wegen dieser Aussagen ein Ermittlungsverfahren ein. 5.7 Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung e.V. (GfbAEV) Die 1962 gegr\u00fcndete Vereinigung, die 1972 ihre heutige Bezeichnung erhielt, l\u00e4\u00dft deutlich rassistische und ausl\u00e4nderfeindliche Tendenzen.erkennen. Sie wird 121","von dem Hamburger Rechtsextremisten J\u00fcrgen Rieger geleitet. Publikationsorgan ist die viertelj\u00e4hrlich herausgegebene Zeitschrift \"Neue Anthropologie\". Die GfbAEV trat in Bayern bisher nicht in Erscheinung. Erst Anfang 1983 wurde ein \"Anthropologischer Arbeitskreis M\u00fcnchen\" gegr\u00fcndet, dessen Aktivit\u00e4ten sich auf monatliche Arbeitsabende und gelegentliche Vortragsveranstaltungen beschr\u00e4nkten. Verantwortlich f\u00fcr den Arbeitskreis M\u00fcnchen zeichnet Dr. Siegward Knof. 6. Organisationsunabh\u00e4ngige Publizistik Die auf rechtsextreme Literatur spezialisierten 11 (1982: 15) Verlage, Vertriebsund Buchdienste in Bayern entwickelten 1983 wiederum eine beachtliche T\u00e4tigkeit. Die Auflage der periodisch herausgegebenen Druckschriften betrug monatlich etwa 400.000 (1982: 430.000) Exemplare, wobei erh\u00f6hte Auflagen zu besonderen Anl\u00e4ssen nicht eingerechnet sind. Dar\u00fcber hinaus wurden B\u00fccher rechtsextremen Inhalts in hoher Auflage angeboten. Wirkungsvollstes Propagandainstrument des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland ist weiterhin die Druckschriftenund Zeitungsverlags GmbH in M\u00fcnchen unter der Leitung von Dr. Gerhard Frey. Im Verlag erscheint neben dem DVU-Organ \"Deutscher Anzeiger\" (vgl. Nr. 3.2) die \"Deutsche National-Zeitung\" (DNZ) mit einer Wochenauflage von \u00fcber 85.000 Exemplaren. Bei Werbeaktionen wird die Auflage betr\u00e4chtlich erh\u00f6ht. Dem Verlag ist ein Buchdienst angeschlossen. Dr. Frey ist Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Freiheitlichen Zeitungsverlags GmbH (FZVerlag) in M\u00fcnchen, die in der DNZ Goldund Silbermedaillen \"gro\u00dfer Deutscher\" anbietet. Kennzeichnend f\u00fcr die Berichterstattung der DNZ war auch 1983 eine sensationell wirkende Schlagzeilentaktik, wobei die in den \u00dcberschriften aufgestellten Behauptungen im Text meist nicht oder nur unzureichend belegt wurden. Einen Schwerpunkt bildeten Angriffe auf ethnische Minderheiten. Wie im Vorjahr richtete sich die fremdenfeindliche Agitation der DNZ vor allem gegen die Integration von Ausl\u00e4ndern, die nach Meinung der DNZ eine \"dramatische Umvolkung\" herbeif\u00fchren wird. Unter Hinweis auf die derzeitige wirtschaftliche Situation forderte die DNZ die \"R\u00fcckkehr m\u00f6glichst vieler Fremder\", damit nicht \"ein riesiges Heer arbeitsloser unzufriedener S\u00fcdeurop\u00e4er und Vorderasiaten im Land\" entstehe. Ferner kritisierte sie die Gew\u00e4hrung von Kindergeld an Gastarbeiter und bezeichnete es als \"entwicklungspolitischen Unsinn\", auch noch eine \"Geb\u00e4rpr\u00e4mie f\u00fcr die t\u00fcrkische Bev\u00f6lkerungsexplosion\" zu zahlen und damit die finanziellen Mittel f\u00fcr \"unsere eigene Geburtenf\u00f6rderung\" zu schm\u00e4lern. Klare antisemitische \u00c4u\u00dferungen ver\u00f6ffentlichte die DNZ fast ausschlie\u00dflich als Zitate anderer Autoren. So druckte sie unter der Schlagzeile \"Wie faschistisch ist Israel?\" einen Artikel ab, dessen Verfasser die Ansicht vertrat, Hitlers Politik rechtfertige \"nicht ewig die Existenz des Judenstaates\". Dieser sei sicher noch kein faschistischer, sondern einfach ein f\u00fcr die Menschheit \u00fcberfl\u00fcssiger Staat. Dreieinhalb Millionen Juden, die sich f\u00fcr gerecht hielten und nur selbstgerecht 122","Organisationsunabh\u00e4ngige rechtsextreme Publizistik Kohl von Israel erpre\u00dft? Das Geheimnis des Panzerverkaufs an die Saudis/S. 4 Nation Die wahren Schuldigen am Zweiten Weltkrieg Geheimdokumente entdeckt Skandal: Uri Immer h\u00f6here Di\u00e4ten Hei\u00dfer Herbst beim WDR (Seite 2) Deutjcrjet\u00f6otl)ei6eitung DEUTSCHE MACHRICHTEN OST-WEST-KURIER FOR NATIONALE POLITIK * KULTUR UND WIRTSCHAFT Die Wahrheit mu\u00df ans Licht! r Die deutsche Geschichte wird fortgesetzt \"kriminalisiert\" Dieser Infamie mu\u00df offensiv begegnet werden f OeutfchtTIlonntshcftc J 3257 FX ^SS\u00c4S$&^ Folge 2/1983 DM5,}LUenk mit! Nachrichtenblatt der Unabh\u00e4ngigen J51\u00dc4E NATION LUROPA Monatsschrift im Dienst der europ\u00e4ischen Neuordnung 123","seien -- diese Juden seien unertr\u00e4glich. Zionismus und Nationalsozialismus seien -- abgesehen von ihren geopolitischen Zielvorstellungen -- weitgehend identisch. Breiten Raum nahmen wiederum die Entlastungsund Rechtfertigungsversuche f\u00fcr die NS-Zeit ein. So behauptete die DNZ, das Fernsehen habe sich bisher \"im Zweifelsfall stets gegen die geschichtliche Wahrheit, gegen die politische Vernunft, gegen das deutsche Volk\" gestellt. Die \"Propagandaklischees der Umerziehung\" h\u00e4tten indes mit dem Urteil der Geschichte nichts zu tun. Die \"Legende von der deutschen Alleinkriegsschuld\", durch die \"dem deutschen Volk f\u00fcr lange Zeit die Zukunft genommen werden\" sollte, sei n\u00e4mlich von der seri\u00f6sen Zeitgeschichtswissenschaft l\u00e4ngst als \"alliierte Zweckpropaganda entlarvt worden\". Die Deutsche Verlagsgesellschaft mbH (DVG) in Rosenheim unter der Leitung des ehemaligen NPD-Bundesvorstandsmitglieds Waldemar Sch\u00fctz gibt die \"Deutsche Wochen-Zeitung\" (DWZ) heraus. Die w\u00f6chentliche Auflage ging 1983 auf rund 11.000 Exemplare (1982: 18.000) zur\u00fcck. Dem Verlag ist ein Buchdienst angegliedert. Die DWZ behauptete, da\u00df die \"Entdeutschung\" durch den Abbau der biologischen und psychischen Volkssubstanz \u00fcber Geburtenr\u00fcckgang, \u00dcberalterung, Unterwanderung durch fremdes Volkstum und Entleerung des osteurop\u00e4ischen Raumes von Deutschen verst\u00e4rkt betrieben werde. Zum 50. Jahrestag der Macht\u00fcbernahme Hitlers bemerkte die DWZ, da\u00df die \"Vergangenheitsbew\u00e4ltigung\" noch immer im Vordergrund stehe und die Hirne der Menschen vernebele, w\u00e4hrend brennende aktuelle Fragen der Weltpolitik in den Hintergrund gerieten. Mit demagogischer Rabulistik werde insbesondere den j\u00fcngeren W\u00e4hlern eingeredet, es gehe darum, \"50 Jahre danach\" den Machtantritt eines neuen \"Faschismus\" zugunsten der Erhaltung des Friedens zu verhindern. Zur Ausstrahlung der Fernsehserie \"Holocaust\" und anderer Beitr\u00e4ge \u00fcber das Dritte Reich hie\u00df es, das Anliegen dieser Sendungen sei nicht die l\u00e4ngst f\u00e4llige Korrektur notorischer L\u00fcgen, wof\u00fcr gen\u00fcgend Material zur Verf\u00fcgung st\u00fcnde. Vielmehr gehe es darum, den Berg der vorhandenen L\u00fcgen um weitere zu erg\u00e4nzen und damit zu vergr\u00f6\u00dfern. Der Rechtfertigung der NS-Zeit diente auch der Hinweis auf die durch \"Einseitigkeiten in der anbefohlenen Geschichtskosmetik\" hervorgerufenen \"Folgen einer permanenten Selbstbesudelung und Verteufelung\". In der 1953 gegr\u00fcndeten Nation Europa Verlags GmbH in Coburg erscheint die Monatsschrift \"Nation Europa\" (NE) in einer Auflage von etwa 9.300 Exemplaren. Der Verlag, dem ein Buchdienst angeschlossen ist, wird von dem 1954 gegr\u00fcndeten Verein \"Nation Europa-Freunde\" finanziell unterst\u00fctzt. Gesellschafter des Verlages und Herausgeber der NE sowie Vorsitzender des Unterst\u00fctzungsvereins ist der NPD-Funktion\u00e4r Peter Dehoust. Ein h\u00e4ufig behandeltes Thema war die \"Umerziehung\" durch die \"Apostel der Stunde Null\". Dazu hie\u00df es in der NE, die unbefangene Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte werde heute durch Entnazifizierung und Antifaschismus blockiert. Keine Ungeheuerlichkeit sei gro\u00df genug, da\u00df sie nicht im Dritten Reich geschehen sein k\u00f6nne. Jugendliche erhielten heute den Eindruck vom 124","Dritten Reich als \"Inkarnation der Apokalyptischen Reiter\". Das Jahr 1983 sei ein \"besonderes Jahr der Bu\u00dffertigkeit, der Geschichtsklitterei, auch der versuchten, redlichen Wahrheitsfindung ebenso wie penetranter Umerziehungsversuche\". In diese Zeit der Sch\u00e4bigkeit passe auch, mit welcher Verlogenheit der 50. Tag der Wiederkehr der Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler \"zum Festival neuer Umerziehung hochstilisiert\" werde. Der Druffel-Verlag in Berg am Starnberger See, der von dem bisherigen Vorsitzenden der Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik Dr. Gert Sudholt geleitet wird, bot B\u00fccher an, die sich mit dem \"Bonner Parteienkartell\" befassen und \"notwendige Aufkl\u00e4rung gegen die antideutsche Hetze\" leisten sollen. In einem Werbeprospekt war ferner die Rede von der Widerlegung der These, \"w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges seien von deutscher Seite sechs Millionen Juden vergast worden\". Die \"N\u00fcrnberger Justiz\" wurde als \"Quelle der Geschichtsf\u00e4lschung\" bezeichnet. Der 1977 von Dr. Gert Sudholt \u00fcbernommene T\u00fcrmer-Verlag in Berg am Starnberger See gibt seit 1982 die \"Deutschen Monatshefte\" in einer Auflage von rund 5.000 Exemplaren heraus. Der Verlag will einen \"Beitrag zum Geistesleben des .nicht umerzogenen' Teiles unseres Volkes\" leisten. Immer wiederkehrendes Thema war auch 1983 die Vergangenheitsbew\u00e4ltigung. Den deutschen Medien wurde vorgeworfen, monatelang \"Propagandal\u00fcgen und Tatsachenf\u00e4lschungen\" \u00fcber Ursachen und Verlauf jener politischen Entwicklung, die zum 30. Januar 1933 f\u00fchrte, verbreitet zu haben. Dank \"roter Intendanzen, sozialismusbegeisterter Redakteure und Programmdirektoren\" habe der \"HollywoodHolocaust-Effekt voll durchgeschlagen\". \"Verleumdung und geschichtliche L\u00fcge\" l\u00e4gen \"in jedem Wort der Potsdamer Siegerstaaten, dem das offizielle Deutschland mit nie erlahmendem Eifer beipflichtet\". In einem Beitrag \"Am deutschen Pranger\" wurde Bundeskanzler Kohl vorgeworfen, er habe nur wenige Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen, in denen er sich nicht \"als das vollkommene Produkt der Umerziehung durch die Alliierten pr\u00e4sentiert\". Die \"Statthalter der Sieger\" w\u00fc\u00dften zu gut, da\u00df ein Ende der \"Umerziehung\" zum Zusammenbruch ihrer Herrschaftsverh\u00e4ltnisse f\u00fchren w\u00fcrde. Der Verlag Hohe Warte -- Franz von Bebenburg KG in P\u00e4hl, Landkreis Weilheim, gibt die Schrift \"Mensch und Ma\u00df\" heraus, die monatlich zweimal in einer Auflage von jeweils 1.500 Exemplaren erscheint. Darin wurde die Integration von Ausl\u00e4ndern als \"V\u00f6lkermord\" bezeichnet. Daneben war von der \"L\u00fcge von Deutschlands Alleinschuld an den beiden Weltkriegen\" die Rede. Ferner hie\u00df es, die Behauptung, im Dritten Reich seien \"6 Millionen Juden\" ermordet worden, habe der \"Z\u00fcchtung eines Schuldkomplexes\" des deutschen Volkes gegen\u00fcber den Juden gedient. J\u00fcdische Kreise in den USA w\u00fcrden durch Ma\u00dfnahmen wie den \"Holokaust-Film\" und \"unz\u00e4hlige andere Greuelfilme\" das deutsche Schuldbewu\u00dftsein \"finanziell t\u00e4tig\" erhalten. Der Ederer-Verlag in M\u00fcnchen warb auch 1983 f\u00fcr B\u00fccher und Brosch\u00fcren, in denen die NS-Verbrechen verharmlost wurden. Unter dem Pseudonym J.G. Burg bezeichnete der Verfasser der Schrift \"Terror und Terror -- Gift oder Honig -- Wahrheit oder L\u00fcge\" den Staat Israel als ein \"von Terroristen gezeugtes Gnoml\u00e4ndchen mit Weltmachtaspirationen\". Im Vorwort erkl\u00e4rte der Verlag, unter 125","\"Zions Regie\" w\u00fcrden \"unentwegt in Presse und Fernsehen die alten Greuelm\u00e4rchen\" \u00fcber Vergasungsund Verbrennungseinrichtungen im ehemaligen Konzentrationslager Majdanek aufgew\u00e4rmt. Als \"Ersatz-Terror\" f\u00fcr die allm\u00e4hlich auslaufenden NS-Prozesse w\u00fcrden die \"L\u00fccken im Geschichtsunterricht der Schulen\" mit \"Horrorlegenden\" ausgef\u00fcllt. Dies m\u00fcsse zwangsl\u00e4ufig zu einem Anwachsen des Antisemitismus f\u00fchren, was offensichtlich der Absicht der \"zionistischen Urheber\" entspreche. Im Denk mit-Verlag in N\u00fcrnberg erscheint in einer Auflage von etwa 1.000 Exemplaren alle zwei Monate die von Klaus Huscher herausgegebene Schrift \"Denk mit!\", die die Judenverfolgung im Dritten Reich verharmloste, die Freilassung des \"Friedensbotens\" Rudolf He\u00df forderte und zur Hinrichtung der NSVerbrecher im Jahre 1946 bemerkte, damals seien \"Unschuldige gemordet\" worden. Der Eigenverlag des Robert Dollinger in Bubenreuth, Landkreis Erlangen-H\u00f6chstadt, verbreitete unter den Bezeichnungen \"B\u00fcrgerinitiative zur Rettung des deutschen Volkes\" und \"Weltbund gegen Geschichtsf\u00e4lschung\" Flugbl\u00e4tter und offene Briefe, in denen er eine \"gro\u00dfe vaterl\u00e4ndische Aktion gegen den entsetzlichen Seelenmord durch die amerikanische Umerziehung\" forderte. Die Wirkung dieser \"Greuelpropaganda\" sei so verheerend, da\u00df unsere Rechtsprechung in ein \"Stadium der Schwindsucht, d.h. der Abh\u00e4ngigkeit von \u00fcberstaatlichen M\u00e4chten\" geraten sei, die f\u00fcr unser Volk folgenschwerer als die einstige \"Abh\u00e4ngigkeit unter dem Hakenkreuz\" sei. Die Ausl\u00e4nderintegration in Deutschland bezeichnete er als einen \"vom Sozialdemokratismus erfundenen Unwert\". 7. Verbindungen zum ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus Der Einflu\u00df des ausl\u00e4ndischen Rechtsextremismus auf Bayern zeigte sich insbesondere in der Einfuhr und Verbreitung vorwiegend neonazistischer und antisemitischer Druckschriften und in Kontakten bayerischer Rechtsextremisten zu gleichgesinnten Gruppen und Einzelpersonen im Ausland. 1983 wurden in Bayern 46 (1982: 36) verschiedene, meist deutschund englischsprachige Druckschriften, Flugbl\u00e4tter, Rundbriefe und Klebezettel festgestellt, die \u00fcberwiegend aus den USA, \u00d6sterreich, Spanien und Gro\u00dfbritannien stammten. Wegen der Militanz ihrer Aussagen sind vor allem die aus Nordamerika in das Bundesgebiet versandten Schriften zu erw\u00e4hnen. So propagierte die neonazistische NSDAP -- Auslandsund Aufbauorganisation (NSDAP-AO) des Gary Rex Lauck aus Lincoln/Nebraska (USA) in ihrem Publikationsorgan \"NS Kampfruf\" die Anwendung von Gewalt als berechtigtes und unerl\u00e4\u00dfliches Kampfmittel gegen das \"Bonner Verratsregime und seine kriminellen Handlanger\". An anderer Stelle war im \"NS Kampfruf\" ausgef\u00fchrt, nur die \"Nationalsozialisten\" k\u00f6nnten Deutschland vor der \"j\u00fcdisch-bolschewistischen Gefahr\" retten. Daneben wurden in Bayern Hakenkreuzaufkleber der NSDAP-AO mit Aufschriften wie \"NS-Verbot aufheben\" und \"Wir sind wieder da\" verbreitet. 126","Ausl\u00e4ndisches rechtsextremes Propagandamaterial NS KAMPFRUF KAMPFSCHRIFT DER NATIONALSOZIALISTISCHEN ARBEITERPARTEI AUSLANDS - UND AUFBAUORGANISATION DEUTSCHEN FR\u00dcHLING \" 8 3 (M, 30. Januar 1983, Mainz/Gonsenheim Frontbericht: Mainz WmGfttmr THB REVOLUTIONAKY VOICE OF NATIONAL SOCIALISM SAMISDAT\u00c4\" H E I M E L I E B E N H EHPFXNGER UNBESTELLT UNO KOSTENLOS F R E U N D E : H.A.D.-Nr. 7/B-1983 I25.-\u00d6S/ DM 3.60/ Sfr. 3.60) News Exchange Serv.ee # Service d'echange d'mfo'malmri \u00d6sterreich. A-691) Lochau Poiifach 14(05513/64 55051 Nachrichten Austausch Dienst RDauWehlanOi D-8990 Lindau, Postfach 1661 * Schweiz: CH 9430 St Marorethen. Postfach 1 fl JETZT WIR SIND NSDAP! WIEDER DA! NSDAP-A0 Ba\" 6414. NSDAP A0 BOX 6414, Lincoln. NE 68506 USA ^ Lincoln. NE 68506 USA 127","Der Verlag \"White Power Publications\" des George P. Dietz aus Liverpool/West Virginia (USA) agitierte in der Zweimonatsschrift \"Der Schulungsbrief\" gegen die \"Vergasungsl\u00fcge\". Aus Toronto (Kanada) versandte der Inhaber des Verlags Samisdat Publishers Ernst CF. Z\u00fcndel eine antisemitische Schrift, die sich gegen den \"HolocaustSchwindel\" und die \"anti-deutsche Hetze\" richtete. Der Rechtsextremist Walter Ochensberger aus \u00d6sterreich verbreitete auch 1983 die Zeitschrift \"Sieg\" und den \"Nachrichten-Austausch-Dienst\" (NAD), in denen die Judenvernichtung im Dritten Reich angezweifelt, die Bundesrepublik Deutschland im Zusammenhang mit der Inhaftierung von Rechtsextremisten und der Indizierung von rechtsextremen Druckwerken als \"staatliche Terrormaschine\" und \"Mafia\" und die Integrationspolitik der \"Systemparteien\" als \"V\u00f6lkermordprogramm\" bezeichnet wurden. Herkunft ausl\u00e4ndischen rechtsextremen Propagandamaterials England Kanada Osterreich 128","NSDAP-AO ' Box 64U Lincoln.M 68506, US.fl. Auszug aus \"NS Kampfruf\" Nr. 51 129","\u00fc. Abschnitt Gewalt und Terror 1. Allgemeines Die Bedrohung der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland durch politisch motivierte Gewaltt\u00e4ter hielt auch 1983 an. Schwerpunkt der Gewalttaten mit linksterroristischem Bezug waren erneut Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge. Wiederum stieg die Gesamtzahl bundesweit gegen\u00fcber dem Vorjahr (1982: 183, 1983: 215). Bevorzugte Ziele waren Einrichtungen der USArmee, der Bundeswehr sowie Banken und Firmen, die an der Erstellung von Gro\u00dfbauprojekten beteiligt sind. Die \"Revolution\u00e4ren Zellen\" (RZ) w\u00e4hlten ihre Ziele zum Teil nach einer Schwachstellenanalyse aus, wie der Sprengstoffanschlag auf das Rechenzentrum der Firma MAN in Ginsheim-Gustavsburg in Hessen zeigte. Wohl aufgrund der Tatsache, da\u00df der F\u00fchrungskader der \"Roten Armee Fraktion\" (RAF) im November 1982 festgenommen werden konnte, blieben im vergangenen Jahr Attentate und logistische Aktionen von dieser terroristischen Gruppe aus. Es sind jedoch noch 19 mit Haftbefehl gesuchte RAF-Mitglieder in Freiheit, die zumindest begrenzte Beschaffungsstraftaten ver\u00fcben k\u00f6nnen. Daneben werden derzeit 5 Personen, die den RZ zuzuordnen sind, mit Haftbefehl gesucht. 1983 wurden die Strafprozesse gegen Peter J\u00fcrgen Boock, Rolf Clemens Wagner und Adelheid Schulz er\u00f6ffnet. 22 Personen wurden wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem Linksterrorismus verurteilt, davon keine in Bayern. Die Zahl der rechtsextrem motivierten Terrorakte ging gegen\u00fcber 1982 zur\u00fcck (1982: 17, 1983: 11). Nach der Zerschlagung der terroristischen Gruppierung um Walter Kexel und Odfried Hepp im Februar 1983 gibt es derzeit keine Hinweise f\u00fcr die Existenz einer neuen rechtsterroristischen Vereinigung. 9 Personen wurden im vergangenen Jahr wegen Straftaten im Zusammenhang mit dem Rechtsterrorismus verurteilt, davon 6 in Bayern. Das Bayerische Oberste Landesgericht verurteilte am 25. November die Rechtsextremisten Friedhelm Busse, Klaus-Dieter und Christine Hewicker, Peter Fabel und den franz\u00f6sischen Staatsangeh\u00f6rigen Pascal Coletta als Aktivisten des \"Kommandos Omega\" zu langj\u00e4hrigen Freiheitsstrafen. Die Anklage wegen Zugeh\u00f6rigkeit zu einer terroristischen Vereinigung hatte die Bundesanwaltschaft aus rechtlichen Gr\u00fcnden fallen gelassen. Die Anzahl der politisch motivierten Mord-, Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge durch Ausl\u00e4nder ging bundesweit im Vergleich zum Vorjahr zur\u00fcck (1982: 58, 1983: 37). 130","2. Terroristische Gruppen und ihre Ziele 1983 bestanden in der Bundesrepublik Deutschland folgende terroristische Gruppen: -- Rote Armee Fraktion (RAF) -- Revolution\u00e4re Zellen (RZ) -- Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp. Die beiden linksterroristischen Gruppierungen RAF und RZ verfolgen als Endziel ihres \"bewaffneten Kampfes\" die gewaltsame Beseitigung der bestehenden staatlichen Ordnung und den Aufbau einer neuen, nicht n\u00e4her definierten sozialistischen Gesellschaft. Diese terroristischen Kreise, die sich, zumindest was die RAF betrifft, auch als \"revolution\u00e4re Avantgarde\" verstehen, halten Gewalt und Terror als Mittel des subversiven Kampfes f\u00fcr geeignet, die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zu versch\u00e4rfen, das staatliche Machtmonopol zu ersch\u00fcttern und eine revolution\u00e4re Situation zu schaffen. Die rechtsterroristische Gruppierung um die Neonazis Walter Kexel und Odfried Hepp, der schwerste Straftaten wie Sprengstoffverbrechen und Bank\u00fcberf\u00e4lle angelastet werden, konnte im Februar 1983 durch Fahndungserfolge unsch\u00e4dlich gemacht werden. Ihr Anf\u00fchrer Odfried Hepp ist zur Zeit noch fl\u00fcchtig. Diese terroristische Gruppe propagierte den \"antiimperialistischen Befreiungskampf\". Ihre Taktik orientierte sich weitgehend nach den Verhaltensmustern der Linksextremisten. Verbindungen zu diesen wurden jedoch nicht bekannt. 2.1 Rote Armee Fraktion (RAF) Die RAF entstand Ende der 60er Jahre um Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler und Ulrike Meinhof. Sie verfolgt das Ziel, als Avantgarde des revolution\u00e4ren Kampfes durch terroristische Aktionen der \"Stadtguerilla\" im \"antiimperialistischen Kampf\" und im \"strategischen und taktischen Zusammenwirken mit den Befreiungsk\u00e4mpfen der unterdr\u00fcckten Nationen\" eine Solidarisierung der Massen und eine revolution\u00e4re Situation herbeizuf\u00fchren. Als Objekte ihres \"antiimperialistischen Kampfes\" sieht die RAF vor allem die USA und die Bundesrepublik Deutschland als die beiden bedeutendsten Repr\u00e4sentanten des \"Imperialismus\". M\u00f6gliche Anschl\u00e4ge richten sich daher in erster Linie gegen Pers\u00f6nlichkeiten, die f\u00fcr das westliche B\u00fcndnis verantwortlich sind, gegen hohe Offiziere von Bundeswehr und NATO, gegen milit\u00e4rische Einrichtungen sowie gegen internationale Konzerne und herausragende Vertreter der westlichen Wirtschaft, aber auch Pers\u00f6nlichkeiten aus dem Sicherheitsbereich. Die RAF trat 1983 nicht mit terroristischen oder logistischen Straftaten in Erscheinung. Mit der Festnahme von Brigitte Mohnhaupt und Adelheid Schulz am 11. November 1982 und Christian Klar am 16. November 1982 sowie der Entdeckung mehrerer Erddepots wurde die personelle Struktur und materielle Basis der RAF schwer getroffen. Eine weitere personelle Schw\u00e4chung bedeutet wohl auch die Festnahme von Gisela Dutzi am 1. M\u00e4rz 1983 sowie die Selbstgestellung von G\u00fcnter Maria Rausch am 17. Oktober 1983 in der deutschen Botschaft in Paris. Es ist jedoch davon auszugehen, da\u00df die RAF trotz der schweren perso131","nellen und logistischen Einbu\u00dfen ihren \"bewaffneten Kampf\" nicht aufgegeben hat. Die von der RAF ausgehende Gefahr kann daher nicht als gebannt angesehen werden. Die noch im Untergrund agierenden RAF-Mitglieder d\u00fcrften nach wie vor f\u00e4hig sein, Aktionen durchzuf\u00fchren. 2.2 Revolution\u00e4re Zellen (RZ) Die RZ, einschlie\u00dflich einer autonomen Frauengruppe in der RZ, der \"Roten Zora\", bilden derzeit das gr\u00f6\u00dfte und gef\u00e4hrlichste Gewaltpotential in der Bundesrepublik Deutschland. Sie unterscheiden sich von der RAF in Taktik und Strategie nach wie vor dadurch, da\u00df ihre Mitglieder aus einem b\u00fcrgerlichen Leben heraus operieren. Dieser Umstand und der Zusammenschlu\u00df in kleine unabh\u00e4ngige Zellen erschweren das Erkennen und Bek\u00e4mpfen. Langfristig verfolgen die RZ das Konzept des permanenten Guerillakampfes. Ihr Ziel ist, eine m\u00f6glichst breite personelle und materielle Basis f\u00fcr ihren \"antiimperialistischen Kampf\" und damit die Voraussetzung einer revolution\u00e4ren Situation in der Bundesrepublik Deutschland zu schaffen. Die terroristischen Anschl\u00e4ge orientieren sich an aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Protestthemen. Dadurch sollen Unentschlossene aus der \"legalen\" Protestbewegung zur Solidarit\u00e4t gegen behauptete Mi\u00dfst\u00e4nde bewegt und deren Mitwirkung oder zumindest Sympathie erlangt werden. Den RZ ist es durch umfangreiche \u00d6ffentlichkeitsarbeit, aber auch durch die Anschl\u00e4ge selbst gelungen, ein latent vorhandenes Potential von Militanz freizusetzen. Deshalb achten die RZ stark darauf, da\u00df ihre Aktionen der \"Masse\" vermittelbar erscheinen. Bislang wurden im wesentlichen folgende Schwerpunkte dieser breitgef\u00e4cherten Ankn\u00fcpfungsstrategie der RZ erkannt und durch ein Positionspapier der RZ, das im August 1983 im Raum Frankfurt a.M. verbreitet wurde, best\u00e4tigt: Fahrpreiserh\u00f6hungen, Gro\u00dfbauprojekte (Startbahn West in Frankfurt a.M., Ausbau von Gro\u00dfflugh\u00e4fen, Rhein-Main-Donau-Kanal, Kernkraftwerke u.a.), Stadtsanierungen (Bodenspekulation), Jugendarbeitslosigkeit, Einrichtungen der Bundeswehr und der US-Streitkr\u00e4fte sowie Firmen der Verteidigungswirtschaft. Auch 1983 zeigte sich, da\u00df die RZ in der Lage sind, zu einem bestimmten Ereignis zeitgleiche Anschl\u00e4ge an verschiedenen Orten durchzuf\u00fchren. Es d\u00fcrfte ihnen ferner gelungen sein, ihr Handlungskonzept anderen linksextremen Gruppierungen als diskussionsf\u00e4hig zu vermitteln und militante linksextreme Kreise zur Nachahmung zu bewegen. Ihrem Ziel, eine Massenguerilla zu schaffen, sind die RZ jedoch nicht n\u00e4her gekommen. Die Aktionen der RZ umfassen eine Palette verschiedenster Straftaten. Dazu geh\u00f6ren insbesondere Brandund Sprengstoffanschl\u00e4ge, Sachbesch\u00e4digungen, Farbschmierereien, Verkleisterungen, S\u00e4ureanschl\u00e4ge und das Verbreiten von Schriften mit strafbarem Inhalt. Der Schwerpunkt ihrer Aktionen liegt bei den Sprengstoffund Brandanschl\u00e4gen. Von 1973 bis 1983 haben die RZ insgesamt 70 Brandund 86 Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt. 1983 ging die Zahl solcher Anschl\u00e4ge erstmals seit 1979 gegen\u00fcber dem Vorjahr zur\u00fcck. 132","Seit 1981 haben sich im Bundesgebiet mehrere \u00f6rtlich aktive Resonanzzellen gebildet. Von den 1983 im Bundesgebiet registrierten 27 Brandund Sprengstoffanschl\u00e4gen mit RZ-Bekennungen werden 13 \u00fcberregionalen Zellen und 14 Resonanzzellen zugeordnet. Auf Bayern entfielen 4 Brandund 1 Sprengstoffanschlag mit RZ-Bekennungen. Nach den bisherigen Ermittlungen handelt es sich bei den T\u00e4tern um Angeh\u00f6rige von Resonanzzellen in N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Eine \u00fcberregional agierende RZ in Bayern ist derzeit nicht erkennbar. Aktionsschwerpunkte solcher T\u00e4terkreise sind Berlin, das Ruhrgebiet und der RheinMain-Neckar-Raum. Das Ausma\u00df der Sch\u00e4den zeigt der Sprengstoffanschlag auf das Rechenzentrum der Firma MAN in Ginsheim-Gustavsburg in Hessen am 20. September, der Sachsch\u00e4den in Millionenh\u00f6he verursachte. 2.3. Gruppe um Walter Kexel und Odfried Hepp Seit 1981 bestand eine rechtsterroristische Gruppierung um die Neonazis Walter Kexel und Odfried Hepp. Der Gruppe geh\u00f6rten ferner die Neonazis Helge Blasche, Hans-Peter Fraas, Dieter Sporleder und Ulrich Tillmann an. Kexel, Blasche und Sporleder sind ehemalige Mitglieder der im Januar 1982 verbotenen Volkssozialistischen Bewegung Deutschlands/Partei der Arbeit (VSBD/PdA). Fraas und Tillmann geh\u00f6rten der im Januar 1980 verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann (WSG) an. Hepp und Fraas wurden von 1980 bis 1981 als Angeh\u00f6rige der Wehrsportgruppe Ausland des Karl Heinz Hoffmann in einem Pal\u00e4stinenserlager im Libanon milit\u00e4risch ausgebildet. Hepp war zudem fr\u00fcher Gauf\u00fchrer der Wiking-Jugend. Im Juli 1982 hatten Kexel und Hepp eine Schrift mit dem Titel \"Abschied vom Hitlerismus\" verfa\u00dft, in der sie sich vom herk\u00f6mmlichen Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland abgrenzten. Ihr Ziel sei es, nicht einen Staat hitlerscher Pr\u00e4gung zu schaffen, sondern einen ,,undogmatischen Befreiungskampf\" gegen den \"imperialistischen US-Amerikanismus\" zu f\u00fchren. In diesem Kampf gegen den \"Amerikanismus\" sei jeder recht, \"Rechte\" wie \"Linke\". Der Gruppe werden schwerste Gewalttaten gegen US-Angeh\u00f6rige und USWohnsiedlungen zur Last gelegt. Dazu geh\u00f6ren die Sprengstoffanschl\u00e4ge auf amerikanische Soldaten am 14. Dezember 1982 in Butzbach, bei dem ein USSoldat durch einen in seinem Privatfahrzeug versteckten Sprengsatz lebensgef\u00e4hrlich verletzt wurde, und in Frankfurt a.M., wo ein US-Soldat den unter dem Schonbezug des Fahrersitzes deponierten Sprengsatz beim Einsteigen entdecken konnte sowie am 15. Dezember 1982 in Darmstadt, wo ein US-Soldat durch einen in seinem Privat-Pkw versteckten Sprengsatz verletzt wurde. Die Gruppe wird ferner mehrerer bewaffneter Bank\u00fcberf\u00e4lle mit einer Beute von insgesamt mindestens 600.000 DM beschuldigt. Darunter sind auch zwei Bank\u00fcberf\u00e4lle in Bayern am 6. April 1982 in Heroldsberg, Kreis Erlangen-H\u00f6chstadt, und am 18. November 1982 in Neunkirchen a. Brand, Kreis Forchheim. Nach Entdeckung einer konspirativen Wohnung der Gruppe in Frankfurt a.M. konnten am 15. Februar 1983 Blasche, Fraas und Sporleder festgenommen werden. Drei Tage sp\u00e4ter wurden Kexel und Tillmann in der N\u00e4he von London festgenommen. Hepp ist noch fl\u00fcchtig. Im Februar 1983 wurden ferner in einem 133","Waldst\u00fcck bei Dietzenbach in Hessen drei von der Gruppe angelegte Erddepots mit Waffen und Munition gefunden. 3. Politisch motivierte Gewaltaktionen in Bayern In Bayern stieg die Zahl der politisch motivierten Gewaltaktionen wiederum an. Insgesamt wurden 26 Brandanschl\u00e4ge (1982: 18) und 2 Sprengstoffanschl\u00e4ge (1982: 6) ver\u00fcbt. Davon entfielen 14 Anschl\u00e4ge auf M\u00fcnchen und 6 auf N\u00fcrnberg. 15 sind linksextremen T\u00e4terkreisen zuzuordnen, denen dar\u00fcber hinaus auch zahlreiche Sachbesch\u00e4digungen, insbesondere Parolenschmierereien an H\u00e4userw\u00e4nden und Bauw\u00e4gen, angelastet werden. 3 Taten mit rechtsextremem Hintergrund richteten sich gegen Ausl\u00e4nder bzw. die linksextreme DKP. In 10 F\u00e4llen ist ein politisches Motiv denkbar, eine Zuordnung zu bestimmten T\u00e4terkreisen jedoch nicht m\u00f6glich. In der kroatischen Emigrantenszene in Bayern geschahen 1983 drei Mordanschl\u00e4ge. Dabei wurden zwei Exilkroaten get\u00f6tet, ein weiterer Emigrant lebensgef\u00e4hrlich verletzt. Im wesentlichen sind folgende Anschl\u00e4ge zu nennen: In der Zeit vom 30. Dezember 1982 bis 3. Januar 1983 warfen unbekannte T\u00e4ter 2 Molotowcocktails durch ein Fenster der Zweigstelle eines Versicherungsunternehmens in N\u00fcrnberg. Die Brands\u00e4tze entz\u00fcndeten sich jedoch nicht, so da\u00df lediglich geringer Sachschaden entstand. In der Nacht zum 4. Januar setzten unbekannte T\u00e4ter ein vor der Polizeiinspektion N\u00f6rdlingen abgestelltes Dienstfahrzeug in Brand. Der Sachschaden blieb gering, da der Brand schnell gel\u00f6scht werden konnte. Am 7. Januar warfen unbekannte T\u00e4ter einen Brandsatz vor eine T\u00fcr im Treppenhaus eines M\u00fcnchner Kaufhauses. Dabei entstand ein Sachschaden in H\u00f6he von 10.000 DM. Am Tatort wurde ein Bekennerschreiben einer \"Aktion '83\" aufgefunden, die Solidarit\u00e4t mit den Genossen der RAF, RZ und \"Freizeit 8 1 \" forderte. Am 9. Januar ver\u00fcbten Unbekannte einen Brandanschlag auf die ehmalige P\u00e4dagogische Hochschule in M\u00fcnchen, bei dem ein Sachschaden von 1.000 DM entstand. In der Zeitschrift \"radikal\" bekannte sich eine ,,RZ in der Schule\" zu dem Anschlag. Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am 15. Januar einen Brandanschlag auf das Landbauamt N\u00fcrnberg. Es entstand geringer Sachschaden. In der Zeit vom 28. bis 31. Januar warfen unbekannte T\u00e4ter einen Molotowcocktail in das Kellerfenster einer Bank in M\u00fcnchen. Der Sachschaden belief sich auf 10.000 DM. Zur Tat bekannte sich in der Zeitschrift \"radikal\" ein \"Verein f\u00fcr ein schwarzes M\u00fcnchen e.V.\". Am 7. Februar war die Zweigstelle einer M\u00fcnchner Bank Ziel eines Brandanschlages, bei dem ein Sachschaden in H\u00f6he von 500 DM entstand. Zu dem Anschlag bekannte sich in der Zeitschrift \"radikal\" eine \"Offensive schwarzer Stern\". In der Bekennung wurde die Tat mit der Unterst\u00fctzung des Baues des Rhein-Main-Donau-Kanals durch die Bank begr\u00fcndet. 134","Bei einem Brandanschlag auf die Stadtund Kreissparkasse Freising am 12. Februar mit einem Molotowcocktail entstand nur geringer Sachschaden, da der Brand von selbst erlosch. In der Nacht zum 13. Februar ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter mit einem Molotowcocktail einen Brandanschlag auf eine Computerfirma in N\u00fcrnberg. Der Gesamtschaden betrug rund 100.000 DM. In einem wenige Wochen sp\u00e4ter in Frankfurt a.M. aufgetauchten Flugblatt bekannte sich eine \"Revolution\u00e4re Zelle N\u00fcrnberg\" zu dem Anschlag. Unbekannte T\u00e4ter drangen am 13. Februar in das Gel\u00e4nde einer Firma in Schweinfurt ein. Auf einem Schreibtisch stapelten sie mehrerer Akten und setzten diese in Brand. Der Sachschaden betrug 10.000 DM. In einer Produktionshalle wurden mit Farbe ein Hakenkreuz und die Worte \"weniger Ausl\u00e4nder -- mehr Arbeit\" gemalt. Bei einem Brandanschlag auf das Schulzentrum M\u00fcnchen-Moosach am 20. Februar entstand Sachschaden in H\u00f6he von 50.000 DM. Unter dem Motto \"Macht kaputt, was Euch kaputtmacht\" erschien hierzu in der Zeitschrift \"radikal\" eine Bekennung, die jedoch von keiner Organisation oder Gruppierung unterzeichnet war. In der Nacht zum 7. M\u00e4rz warfen unbekannte T\u00e4ter einen Molotowcocktail durch ein Fenster in das Geb\u00e4ude einer Elektrofirma in N\u00fcrnberg. Der Brandsatz entz\u00fcndete sich nicht. Es entstand nur geringer Sachschaden. Zur Tat bekannte sich eine \"Autonome RZ\". Unbekannte T\u00e4ter ver\u00fcbten am 12. M\u00e4rz einen Sprengstoffanschlag auf ein t\u00fcrkisches Bankinstitut in N\u00fcrnberg. Es entstand Sachschaden. Zu dem Anschlag bekannte sich eine \"Revolution\u00e4re Zelle N\u00fcrnberg\". Zu einem Brandanschlag auf die R\u00e4ume des sudetendeutschen Witikobundes e.V. am 25. M\u00e4rz in M\u00fcnchen bekannte sich in der Zeitschrift \"radikal\" eine RZ. Der Gesamtschaden betrug 23.000 DM. Am 26. M\u00e4rz wurde der Exilkroate Duro Zagajski in M\u00fcnchen ermordet. Der bis zu seinem Tod in der jugoslawischen Emigrantenszene aktiv t\u00e4tige Zagajski war mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen worden. Am 13. Mai zertr\u00fcmmerten unbekannte T\u00e4ter in M\u00fcnchen mit einem Stein die Fensterscheibe eines Anwesens, in dem das B\u00fcro der DKP-Bezirksorganisation S\u00fcdbayern untergebracht ist. Wenige Minuten nach der Tat erhielt die Polizei einen anonymen Anruf, mit dem sich eine \"Nationale Arbeiterfront\" zu dem Anschlag bekannte. In der Nacht vom 16. zum 17. Mai wurde auf die Filiale eines Lebensmittelgesch\u00e4fts in M\u00fcnchen ein Brandanschlag ver\u00fcbt, indem Kartons in Brand gesetzt wurden. Der entstandene Sachschaden belief sich auf 20.000 DM. Zu dem Anschlag bekannte sich eine \"Aktion '83\". In der Nacht zum 28. Mai legten unbekannte T\u00e4ter 3 Brandflaschen unter ein vor der Polizeiinspektion N\u00f6rdlingen geparktes Dienstfahrzeug und z\u00fcndeten die Brands\u00e4tze. Am Fahrzeug entstand erheblicher Sachschaden. 135","Am 17. Juni ver\u00fcbten Unbekannte einen Brandanschlag auf den Briefkasten eines DKP-B\u00fcros in M\u00fcnchen. Es entstand geringer Sachschaden. Zur Tat bekannte sich telefonisch ,,ein Vertreter der nationalen Arbeiterfront\". In der Nacht vom 2. zum 3. Juli ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Brandanschlag auf die Au\u00dfenstelle eines Wohnungsbauunternehmens in N\u00fcrnberg. Sie sch\u00fctteten vor die Eingangst\u00fcr des Geb\u00e4udes eine brennbare Fl\u00fcssigkeit und entz\u00fcndeten sie. Durch die Hitzeeinwirkung zersprang die Sicherheitsglasscheibe. Neben der Eingangst\u00fcr war die Parole ,,Rache f\u00fcr Berlin\" an die Wand gespr\u00fcht. Ein am 4. Juli in M\u00fcnchen auf ein Schulgeb\u00e4ude ver\u00fcbter Brandanschlag verursachte Sachschaden in H\u00f6he von 20.000 DM. Ein unbekannter T\u00e4ter warf in der Nacht zum 14. Juli eine Brandflasche auf das Kreiswehrersatzamt Kempten. Ziel war vermutlich das Sitzungszimmer der Musterungskommission. Der Sachschaden betrug 500 DM. Am 29. Juli wurde der selbst\u00e4ndige Verleger Stjepan Djurekovic in seiner Druckerei in Wolfratshausen tot aufgefunden. Die Leiche wies 7 Schu\u00dfund mehrere tiefe Hiebverletzungen im Kopfbereich auf. Der Ermordete, der am 27. Oktober 1982 politisches Asyl erhalten hatte, war in der kroatischen Emigration stark engagiert. Am 7. August ver\u00fcbten unbekannte T\u00e4ter einen Sprengstoffanschlag auf die Briefkastenanlage eines Wohnhauses in M\u00fcnchen. Der Sachschaden betrug 1.000 DM. Am 3. Dezember ver\u00fcbte ein unbekannter T\u00e4ter einen Mordanschlag auf den Exilkroaten Luka Kraljevic in dessen Gastst\u00e4tte in Unterth\u00fcrheim, Kreis Dillingen a.d. Donau, und verletzte ihn durch einen Kopfschu\u00df lebensgef\u00e4hrlich. Bereits am 20. August 1982 war auf Kraljevic ein Mordanschlag ver\u00fcbt worden. 4. Terroristisches Umfeld Zum terroristischen Umfeld z\u00e4hlen Einzelpersonen und Gruppierungen, die terroristische Gruppen vorwiegend propagandistisch, aber auch mit Hungerstreikund sonstigen Aktionen bis hin zu Anschl\u00e4gen unterst\u00fctzen. Den bedeutendsten Faktor im linksterroristischen Umfeld stellen der engere und weitere RAF-Bereich dar. Beide unterscheiden sich im wesentlichen durch die jeweilige N\u00e4he zum im Untergrund lebenden harten Kern der RAF. Diese Gruppierungen nennen sich zuweilen \"legale Militante\", \"legale Antiimperialisten\", \"Anti-Imps\" und verstehen sich als \"legaler Arm\" der RAF. Dieses Unterst\u00fctzungspotential sieht seine Aufgabe darin, Ideologie und Ziele der RAF \u00f6ffentlich zu vertreten und f\u00fcr sie zu werben, inhaftierte Mitglieder der RAF zu betreuen, den Informationsflu\u00df zwischen den verschiedenen Ebenen der RAF aufrechtzuerhalten und f\u00fcr Nachwuchs zu werben. So sind einzelne Personen aus diesem Bereich in den letzten Jahren untergetaucht und haben sich dem harten terroristischen Kern angeschlossen. Die propagandistischen Unterst\u00fctzungsaktionen zeigten sich 1983 in Bayern in h\u00e4ufigen Schmierschriften wie \"RAF\", \"RAF lebt\", \"RAF ist nicht tot\", \"Soforti136","*\"\"^\u00d6 |v*,'^,\"'i\" i | #\\j *f f'vyvsf <-:\"rfan<j. jai>5 RAf l^' We II w/^ jjddem li>'luferhj^vs * ] i i t o f pW dem l/oli( Ma\u00c4g\"*? r 1 137","ge Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand\", \"Viva RAF\", \"Nieder mit dem Schweinesystem -- RAF\", \"F\u00fcr den Sieg der RAF\". Dem RAF-Umfeld ist auch folgendes Spruchband zuzurechnen, das am 29. Juli an einer Fu\u00dfg\u00e4nger\u00fcberf\u00fchrung in M\u00fcnchen angebracht war und die Bandbreite der politischen Forderungen dokumentiert: \"Wenn wir erkennen, da\u00df es an uns liegt, die weltweite Vernichtungsstrategie der NATO zu beenden, dann kann keine Bullenjustiz und Knastapparat uns unsere St\u00e4rke und Z\u00e4rtlichkeit nehmen. Krieg dem imperialistischen Krieg. Den Widerstand organisieren. Im Kampf gegen die NATO-Kriegspolitik die Zusammenlegung der Gefangenen aus RAF und Widerstand durchsetzen. Verlegung von Bernd R\u00f6ssner. Seit 18.04. in Dreckstreik -- nach Zelle sofort. Solidarit\u00e4t mit den Gefangenen in Krefeld und unseren gefangenen t\u00fcrkischen Genossen au*s Dev-Sol\". In Bayern konnten 1983 erstmals Gruppierungen des engeren RAF-Umfeldes mit N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen als Schwerpunkten ausgemacht werden. Diese \"Anti-Imps\" k\u00f6nnen sich auf etwa 25 Anh\u00e4nger st\u00fctzen. Die Gruppierungen unterhielten untereinander, aber auch zu \u00e4hnlichen Gruppen im Bundesgebiet enge Kontakte. Sie f\u00fchrten mit \"Autonomen\" gemeinsame Aktionen durch. So beteiligten sich \"Anti-Imps\" und \"Autonome\" aus M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg am 8. Juni an der Protestaktion vor der Justizvollzugsanstalt Straubing, bei der \"Freiheit\" f\u00fcr einen dort einsitzenden Terroristen der RAF und dessen Verlegung in die Justizvollzugsanstalt Celle gefordert wurde. \"Anti-Imps\" aus M\u00fcnchen unterst\u00fctzten am 20. Juni mit einer Flugblattaktion eine \"Ankettungsaktion\" von \"Angeh\u00f6rigen und Freunden der politischen Gefangenen\" vor dem Justizpalast in M\u00fcnchen. Bundesweites Aufsehen erregte die gewaltt\u00e4tige Demonstration anl\u00e4\u00dflich des Besuchs des US-Vizepr\u00e4sidenten George Bush am 25. Juni in Krefeld, an der sich auch Personen des terroristischen Umfelds aus Bayern beteiligten. Ein Umfeld der RZ, das \u00e4hnlich strukturiert w\u00e4re wie das der RAF, war bisher nicht festzustellen, wenngleich Schmierschriften wie \"schafft viele Revolution\u00e4re Zellen\" auf die Existenz von RZ-Sympathisanten hindeuten. \u00dcberdies wird eine ideologische Zuordnung der jeweiligen Gruppierungen des linksterroristischen Umfelds zur RAF oder zu den RZ zunehmend problematischer, da weitgehend eine ideologische \u00dcbereinstimmung hinsichtlich des \"antiimperialistischen Kampfes\" besteht und immer mehr das Handlungskonzept der RZ \u00fcbernommen wird. Aktuelles Konzept der \"antiimperialistischen Front\" scheint es zu sein, koordinierte militante Aktionen durchzuf\u00fchren, ohne die elit\u00e4re Position des RAF-Kerns anzuerkennen. Es ist daher nicht auszuschlie\u00dfen, da\u00df sich neben der RAF und den RZ in Teilen der \"autonomen Bewegung\" eine weitere Variante des Linksterrorismus entwickelt. Das Umfeld des Rechtsterrorismus bilden haupts\u00e4chlich neonazistische Gruppierungen. Insbesondere die NSDAP-AO (vgl. 3. Abschnitt Nr. 7) \u00fcbt mit Gewaltund Terroraufrufen in ihrer Hetzschrift \"NS Kampfruf\" Einflu\u00df auf die Gewaltbereitschaft militanter Neonazis aus. In der Nr. 49 des \"NS Kampfrufes\" hie\u00df es, Gewaltanwendung sei ein in moralischer und historischer Hinsicht berechtigtes und oft unerl\u00e4\u00dfliches Kampfmittel gegen das \"Bonner Verratsregime und seine kriminellen Handlanger\". 138","Sympathien zu Rechtsterroristen zeigten unbekannte T\u00e4ter, die am Abend des 20. Oktobers in der Putzbrunner Stra\u00dfe in M\u00fcnchen eine Gedenktafel mit der Aufschrift \"Kurt Wolf gram -- Klaus Uhl -- gefallen am 20. Oktober 1981\" angebracht hatten. Die militanten Neonazis Wolfgram und Uhl waren an diesem Tag bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Sie waren mit drei weiteren Angeh\u00f6rigen der neonazistischen Gruppe \"Kommando Omega\" auf dem Weg zu einem Bank\u00fcberfall. Dem rechtsterroristischen Umfeld k\u00f6nnen auch die Urheber antisemitischer und rassistischer Schmierschriften zugerechnet werden, die zur Gewaltanwendung aufrufen. So wurden in Bayern Schmierschriften wie \"Tod allen Juden\", \"Den T\u00fcrken ist der Kampf angesagt\", \"Rotfront verrecke\", \"T\u00fcrken raus -- sonst Bomben ins Haus\" festgestellt. 139","5. Abschnitt Extremismus im Bildungsbereich 1. Allgemeines Der Bildungsbereich war 1983 wiederum ein bevorzugtes Aktionsfeld extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Gruppen, die vor allem an den Hochschulen Aktivit\u00e4ten entfalteten. Sie fanden in der Studentenschaft eine breitere Resonanz als in der \u00fcbrigen Bev\u00f6lkerung. Dar\u00fcber hinaus besa\u00dfen diese Gruppen in den Gremien der Hochschulen unver\u00e4ndert einen gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df, als das ihrer zahlenm\u00e4\u00dfigen St\u00e4rke entsprach. Insgesamt hat sich die Situation im Hochschulbereich gegen\u00fcber dem Vorjahr nur wenig ver\u00e4ndert. Weiterhin bedeutungslos blieb der rechtsextreme Nationaldemokratische Hochschulbund. Die Schw\u00e4che der studentischen Gruppierungen der dogmatischen Neuen Linken, die sich auf Kernorganisationen st\u00fctzen, hielt weiter an. Die Marxistischen Gruppen konnten ihren Einflu\u00df behaupten. Den Gruppierungen des orthodox-kommunistischen Bereichs gelang es sogar, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Mitgliedern zu gewinnen und ihren Einflu\u00dfbereich an einigen Hochschulen auszubauen. Erneut zugenommen hat auch die M\u00f6bilisierbarkeit der Anh\u00e4ngerschaft im linksextremen Bereich. Dies zeigte sich besonders deutlich bei der Demonstration der Marxistischen Gruppen am 17. Juni in Bonn und bei Aktionen im Zusammenhang mit der ,,Friedensbewegung\". Hauptthemen f\u00fcr die Propaganda und Aktionen der linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Hochschulgruppen bildeten weiterhin der Kampf gegen das ,,studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", die \"Rotstiftund Hochr\u00fcstungspolitik\" der Bundesregierung und die Forderung nach Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat. Sie agitierten ferner gegen den \"Abbau demokratischer Rechte\", insbesondere gegen eine Versch\u00e4rfung des Demonstrationsrechts, die Einf\u00fchrung f\u00e4lschungssicherer Bundespersonalausweise, gegen Volksz\u00e4hlung, \"Berufsverbote\", \"repressive Studienbedingungen\", \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und Leistungsk\u00fcrzungen im BAF\u00f6G-Bereich. Anh\u00e4nger linksextremer Studentenorganisationen sammelten Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und \"atomwaffenfreie Zonen\" und veranstalteten \"Urabstimmungen\" \u00fcber die Stationierung von US-Raketen. Dar\u00fcber hinaus beteiligten sie sich an lokalen und regionalen \"Friedensaktionen\". Mit Demonstrationen sowie mit \"Streikund Aktionswochen\" versuchten die Linksextremisten, ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Verschiedentlich kam es zu St\u00f6rungen von Vorlesungen sowie zu St\u00f6rversuchen bei Veranstaltungen demokratischer Organisationen. 140","\u00dcbersicht \u00fcber extremistische Studentengruppen in Bayern * Hochschulorte O DKP-HG * MSB-Spartakus (r) SHB A dogmatische Neue Linke A undogmatische Neue Linke * Marxistische Gruppen X NHB Abk\u00fcrzungen vgl. Abk\u00fcrzungsverzeichnis 141","Von den 1983 in Bayern aufgetretenen extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Studentenorganisationen, die sich vielfach Kernorganisationen unterordnen, sind erw\u00e4hnenswert: Orthodoxer Kommunismus DKP: DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) DKP: Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) -- Sozialistischer Hochschulbund (SHB) -- st\u00e4ndiger B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus Neue Linke MLPD: Kommunistische Studentengruppen (KSG) -- seit November 1983 Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband (MLSV) AB: Kommunistischer Hochschulbund (KHB) GIM: GIM-Hochschulgruppen -- Marxistische Gruppen (MG) -- Undogmatische Gruppen Rechtsextreme Gruppe NPD: Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) \u00dcbersicht \u00fcber die Mitgliederzahlen in Bayern: 1979 1980 1981 1982 1983 DKP-HG 50 50 50 50 60 MSB Spartakus 100 150 170 200 250 SHB 50 60 60 60 70 MG 300 300 300 400 400 Sonst. Neue Linke 150 150 150 150 150 650 710 730 860 930 2. Orthodox-kommunistische Hochschulgruppen Zu den orthodox-kommunistischen Hochschulgruppen geh\u00f6ren die DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) und der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus). 2 1 DKP-Hochschulgruppen (DKP-HG) Die DKP-Hochschulgruppen sind Grundeinheiten der DKP, denen alle an einer Hochschule t\u00e4tigen DKP-Mitglieder (Lehrpersonal, Mitarbeiter der Verwaltung und Studenten) angeh\u00f6ren und die im Bildungsbereich die Voraussetzungen f\u00fcr einen etappenweisen \u00dcbergang von der parlamentarischen Demokratie zum Sozialismus kommunistischer Pr\u00e4gung schaffen sollen. Grundlage ihres ideologi142","sehen Kampfprogrammes sind die revolution\u00e4ren Theorien von Marx, Engels und Lenin. Die DKP-HG steuerten auch 1983 die Aktionen des MSB Spartakus, der die Ziele unter den Studenten durchsetzen soll. Sie arbeiteten auch mit anderen linksextremen Studentenorganisationen zusammen, die f\u00fcr \"Mitbestimmung und Demokratisierung\" der Hochschulen eintreten. DKP-Hochschulgruppen bestehen in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Zahl ihrer Mitglieder lag 1983 bei 60 (1982: 50). Ein Teil der Mitglieder geh\u00f6rt gleichzeitig dem MSB Spartakus an. Organ der DKP-HG ist die Zeitung \"Kommunist\". Unter diesem Titel erschienen auch ihre Flugschriften. Dar\u00fcber hinaus wurden in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00f6rtliche Publikationen mit \u00e4hnlichen Titeln verbreitet. Agitationsschwerpunkte der DKP-Hochschulgruppen waren 1983 die \"Rotstiftpolitik\" der Bundesregierung und die Leistungseinschr\u00e4nkungen im BAF\u00f6GBereich sowie das \"studentenfeindliche bayerische Hochschulgesetz\", das die Organe der \"Verfa\u00dften Studentenschaft von jeglicher Mitverantwortung ausgeschlossen\" habe. Daneben wurden Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\", \"Krefelder Appell\" und \"atomwaffenfreie Universit\u00e4ten\" sowie der LibanonKonflikt, die Intervention in Grenada und die Entwicklung in El Salvador und Nicaragua behandelt. Weitere Diskussionsthemen waren die offiziellen Gremienwahlen, wobei die DKP-HG an den bayerischen Hochschulen nicht mit eigenen Listen kandidierten, sondern die Bewerber des MSB Spartakus auf den \"Listen AStA und Fachschaften\" (LAF) unterst\u00fctzten. Die DKP-HG traten in ihren Publikationen wiederholt f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Zusammenarbeit zwischen Kommunisten und der \"Friedensbewegung\" ein und riefen zur Teilnahme an den \"Osterm\u00e4rschen\" und der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober auf. Bei.der Bundestagswahl kandidierten auf der DKP-Landesliste in Bayern drei Mitglieder der DKP-HG. 2.2 Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) Als Nebenorganisation der DKP -- vgl. 2. Abschnitt Nr. 2.3.2 -- obliegt dem MSB Spartakus die Aufgabe, kommunistische Vorstellungen in den Hochschulbereich einzubringen und die Studenten hierf\u00fcr zu mobilisieren. W\u00e4hrend die DKP-Hochschulgruppen die Politik der DKP an den Hochschulen offen vertreten, \u00fcbt der MSB Spartakus aus taktischen Gr\u00fcnden vielfach eine gr\u00f6\u00dfere Zur\u00fcckhaltung, um sich anderen Studentengruppen als \"B\u00fcndnispartner\" anbieten zu k\u00f6nnen. B\u00fcndnispartner des MSB Spartakus waren 1983 wiederum der SHB und Unorganisierte. Aus aktuellen Anl\u00e4ssen bildete er aber auch mit Gruppen der Neuen Linken im Hochschulbereich sogenannte \"Aktionseinheiten\", an denen sich mitunter auch demokratische Studentenorganisationen beteiligten. Im Rahmen seiner Aufgabenerf\u00fcllung verfolgt der MSB Spartakus eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\". Er versucht hierbei, seine hochschulpolitischen Forderungen mit gewerkschaftlichen Kampfmitteln wie \"Urabstim143","_-_\"*HUHBgOWj Publikationen extremistischer Studentengruppen im Bildungsbereich Zeitung der DKP-Hochschulgruppe M\u00fcnchen ANDEREN EINSTEIN m Zeitung der Hochschulgruppe der DKPs an der TU Nr. 22 De-err.ber 8? 5.Jahr C ang ?n UarNistisdier Sttdeiitenbanid Gruppe ut der TU-H\u00fcncben STUDENTENMA6AZIN, MAI, NR. 5,1913, 2 D-MARK Sozialistischer Hochschulbund offensiv Nr. 62 Mai 19S3 11. Jahrgang i Das sozialistische Studentenmagaziii ' 23. Jahrgang April/Mai 1983 2,DM . SHB 144","mung\" und \"Streiks\" durchzusetzen. Er fordert ferner -- ebenso wie die DKP -- seine Mitglieder auf, in die Gewerkschaften einzutreten und dort f\u00fcr seine Ziele zu arbeiten. Gruppen des MSB Spartakus bestehen an den Hochschulorten Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, Landshut, M\u00fcnchen, Regensburg und W\u00fcrzburg. Die Gruppen des MSB Spartakus entfalteten 1983 wiederum rege Aktivit\u00e4ten. Sie inszenierten wiederholt Aktionen gegen den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" und die Einf\u00fchrung von Studiengeb\u00fchren sowie f\u00fcr eine \"demokratische\" Studienreform unter Abschaffung der Regelstudienzeit und Zwangsexmatrikulation und f\u00fcr die Wiedereinf\u00fchrung der \"Verfa\u00dften Studentenschaft\" mit politischem Mandat und Finanzhoheit in Bayern. Anh\u00e4nger des MSB Spartakus sammelten Unterschriften f\u00fcr den \"Krefelder Appell\" und f\u00fcr \"atomwaffenfreie Fachbereiche und Hochschulen\" und nahmen an lokalen und \u00fcberregionalen \"Friedensdemonstrationen\" teil, die von \"Aktionsb\u00fcndnissen\" veranstaltet wurden. Der MSB Spartakus beteiligte sich ferner aktiv an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der von den Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) initiierten bundesweiten \"Protestund Streikaktionen\" gegen die Raketenstationierung und organisierte mit anderen linksextremen Gruppen wiederum sogenannte \"AStA-Wahlen\", mit denen die offiziellen Gremienwahlen an den Hochschulen unterlaufen werden sollen. Auf seiner Bundesvorstandstagung am 9./10. Juli in Siegen beschlo\u00df der MSB Spartakus, k\u00fcnftig den \"Friedenskampf ganz ins Zentrum\" seiner Politik zu r\u00fccken. In einer \"zugespitzten Situation\" gelte es, \"alle Kraft der Studentenbewegung\" auf den \"Kampf gegen die Raketen\" zu konzentrieren. 3. Sozialistischer Hochschulbund (SHB) Der SHB k\u00e4mpft -- wie die DKP -- auf der Grundlage des \"wissenschaftlichen Sozialismus\" f\u00fcr die Umgestaltung der Bundesrepublik Deutschland. Er strebt die Errichtung einer \"antimonopolistischen Demokratie\" als \"\u00d6ffnung des Weges zum Sozialismus\" an. In der Praxis betreibt der SHB -- wie der MSB Spartakus -- eine Politik der \"gewerkschaftlichen Orientierung\", wobei er f\u00fcr ein langfristiges strategisches B\u00fcndnis mit den orthodoxen Kommunisten eintritt. Die \u00dcbereinstimmung des SHB mit dem MSB Spartakus in Theorie und Praxis hatte auch 1983 wieder eine enge Zusammenarbeit beider Hochschulgruppen zur Folge. Vom 7. bis 9. Oktober fand in Siegen die 24. Bundesdelegiertenversammlung statt, an der etwa 150 Personen teilnahmen. Unter den G\u00e4sten befanden sich Vertreter kommunistischer Organisationen des Inund Auslandes. In seinem Rechenschaftsbericht betonte der scheidende Bundesvorsitzende, die Zusammenarbeit mit dem MSB Spartakus habe sich bew\u00e4hrt. Die \"Aktionseinheit von Sozialdemokraten und Kommunisten\" sei heute wichtiger denn je. Daf\u00fcr m\u00fcsse der SHB in der SPD ringen. Zum neuen SHB-Bundesvorsitzenden wurde Fiete Sass aus Bonn gew\u00e4hlt. 145","Dem SHB-Landesverband Bayern geh\u00f6rten 1983 rund 70 Mitglieder (1982: 60) an, die sich auf Orts-, Fachund Initiativgruppen sowie Arbeitskreise in Bamberg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Regensburg, W\u00fcrzburg und auf die neu gegr\u00fcndete Gruppe in Augsburg verteilten. Daneben konnte sich der SHB auf eine gr\u00f6\u00dfere Anh\u00e4ngerschaft st\u00fctzen. Als Publikationsorgane setzte der SHB das \"sozialistische Studentenmagazin\" \"frontal\" und die Zeitschrift \"offensiv\" ein. Im Mittelpunkt der Agitation des SHB standen der \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" und die NATO-Nachr\u00fcstung. Hierbei unterst\u00fctzte der SHB wiederholt Aktionen der VDS, wie z.B. die studentischen \"Protesttage\" vom 6. bis 10. Juni und die bundesweite \"Streikund Aktionswoche\" vom 5. bis 12. Dezember. Anh\u00e4nger des SHB wirkten bei \u00f6rtlichen \"Friedensaktionen\" mit, die von anderen linksextremen Gruppierungen oder \"Aktionsb\u00fcndnissen\" veranstaltet wurden, und beteiligten sich an den \"Osterm\u00e4rschen\" sowie an den Protestaktionen gegen die \"Intervention in Grenada\". 4. Studentengruppen der Neuen Linken Zu den Studentengruppen der Neuen Linken geh\u00f6ren die studentischen Nebenorganisationen von Gruppen der dogmatischen Neuen Linken sowie die Gruppierungen der undogmatischen Neuen Linken und die Marxistischen Gruppen (MG), die keiner Kernorganisation untergeordnet sind. 4.1 Marxistische Gruppen (MG) Die Marxistischen Gruppen -- vgl. 3. Abschnitt Nr. 3.9 -- f\u00fchren die revolution\u00e4re, marxistisch-kommunistisch orientierte Politik der \"Roten Zellen\" fort. Sie wollen damit zur \u00dcberwindung und zur Zerschlagung des \"kapitalistischen Gesellschaftssystems\" beitragen. Die Durchsetzung dieses Zieles erfordere zun\u00e4chst als Schwerpunkt die Schulung von Intellektuellen im sogenannten \"Wissenschaftlichen Sozialismus\", damit diese dem Proletariat die entwickelte revolution\u00e4re Theorie vermitteln k\u00f6nnen. Hauptbet\u00e4tigungsfeld der MG, die im Bundesgebiet an 40 Hochschulen vertreten sind, war 1983 wiederum der Bildungsbereich. Die \"Marxistische Studentenzeitung\" (MSZ), die seit November den Zusatz \"Gegen die Kosten der Freiheit\" f\u00fchrt, wurde an zahlreichen Hochschulen des Bundesgebietes angeboten. Daneben erschienen f\u00fcr den bayerischen Hochschulbereich die vom \"Verein zur F\u00f6rderung des studentischen Pressewesens e.V.\" herausgegebenen \"Erlanger\", \"M\u00fcnchner\", \"N\u00fcrnberger\", \"Regensburger\" und \"W\u00fcrzburger\" Hochschulzeitungen. Die Herausgabe der Hochschulzeitungen wurde finanziell von F\u00f6rdervereinen unterst\u00fctzt, die die Bezeichnung f\u00fchren \"Verein zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Diskussion an der Hochschule e.V.\". An einigen Hochschulorten wurden auch \"Schulzeitungen\" herausgegeben. Die MG lehnen aus ideologischen Gr\u00fcnden die \u00fcbrigen linksextremen Hochschulgruppen ab. Dennoch hielten sie 1983 zu einigen Gruppierungen lose Kontakte. In ihren Publikationen und bei zahlreichen \"teach-ins\", die vielfach gut besucht waren, befa\u00dften sich die MG mit den Vorg\u00e4ngen in Nicaragua, El Salvador und 146","Grenada. Weitere herausragende Themen waren: \"Imperialistische Entwicklungshilfe '83\", \"Der Rechtsstaat r\u00fcstet nach\", \"Die Republik macht mobil, der Geist bleibt tolerant\" und \"Mehr Waffen, mehr Entlassungen, mehr Dienst und Gehorsam -- und was treibt die Opposition?\". Im Zusammenhang mit der Bundestagsdebatte am 21. November \u00fcber die NATO-Nachr\u00fcstung verbreiteten die MG ein Flugblatt, in dem sie die Debatte als \"Feierstunde der demokratischen Mobilmachung\" bezeichneten. Mitglieder und Anh\u00e4nger der MG zogen an diesem Tag mit eingeschalteten Kofferradios durch das Hauptgeb\u00e4ude der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen und st\u00f6rten dadurch mehrere Vorlesungen. Bei den offiziellen Gremienwahlen waren f\u00fcr die MG leichte Stimmeneinbu\u00dfen zu verzeichnen. Dennoch konnten die MG ihren Einflu\u00df an den bayerischen Hochschulen halten. Sie treten nach wie vor in der Durchsetzung ihrer Ziele rigoros auf und beteiligten sich auch an St\u00f6raktionen. 4.2 Sonstige Studentengruppen der Neuen Linken Die meisten Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken, die wegen ihrer unrealistischen Forderungen nur schwer B\u00fcndnispartner fanden, verloren 1983 an den Hochschulen in Bayern weiter an Einflu\u00df. Lediglich der KHB konnte seine Stellung behaupten. Die noch aktiven Gruppen der Neuen Linken lehnten die von den orthodoxkommunistischen Gruppierungen praktizierte Strategie der \"gewerkschaftlichen Orientierung\" ab und verfolgten mit ihren Aktionen f\u00fcr hochschulpolitische Forderungen eine betont \"revolution\u00e4re\" Linie. Sie agitierten 1983 vorrangig gegen die \"b\u00fcrgerliche Wissenschaft\", den \"Abbau demokratischer Rechte\" und die \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" an den Hochschulen. Die Anh\u00e4nger dieser Gruppen unterst\u00fctzten teilweise die regionalen Aktionen im Zusammenhang mit den bundesweiten studentischen \"Protesttagen\" vom 6. bis 10. Juni und der \"Streikund Aktionswoche\" vom 5. bis 12. Dezember, die sich gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen richteten. Sie beteiligten sich ferner an Aktionen, die andere linksextreme Gruppierungen anl\u00e4\u00dflich des \"Widerstandstages der Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen\" am 20. Oktober durchf\u00fchrten. Neben den Studentengruppen der dogmatischen Neuen Linken traten auch Anh\u00e4nger von Gruppen der undogmatischen Neuen Linken auf. Hierbei handelt es sich meist um kleinere Zusammenschl\u00fcsse auf \u00f6rtlicher Ebene ohne feste Organisationsformen und ohne Bindungen an ideologische Dogmen. Ihre politischen Positionen reichen von \"Sozialrevolution\u00e4ren\" Vorstellungen bis hin zum undogmatischen \"wissenschaftlichen Sozialismus\". Alle diesen Gruppen lehnen den \"Staat als Ganzes\" ab. Unver\u00e4ndert blieben ihre zentralen Forderungen wie die \"Zerschlagung des Systems\" und der Aufbau einer \"herrschaftslosen Gesellschaft\". Aktivit\u00e4ten dieser Gruppen waren 1983 an den Universit\u00e4ten Bamberg (Basisgruppen), Erlangen-N\u00fcrnberg (Basisgruppen, ehemalige Fachschaftsinitiativen) und M\u00fcnchen (Spontis. . .das da! und Studenteninitiative \"Die Autonomen\") zu verzeichnen. Die Ergebnisse der offiziellen Gremienwahlen zeigten, 147","da\u00df der Einflu\u00df der undogmatischen Gruppen im Bereich der bayerischen Hochschulen im Vergleich zu 1982 ann\u00e4hernd konstant geblieben ist. Die \u00fcberwiegend kleinen Gruppen der Neuen Linken konnten sich 1983 in Bayern auf eine Mitgliederzahl von etwa 150 Personen st\u00fctzen. Bei einzelnen Aktionen waren sie jedoch in der Lage, eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl von Sympathisanten zu mobilisieren. Aktivit\u00e4ten dieser studentischen Gruppen wurden in Augsburg, Bamberg, Coburg, Erlangen-N\u00fcrnberg, M\u00fcnchen, Passau, Regensburg und W\u00fcrzburg festgestellt. 5. Vereinigte Deutsche Studentenschaften e.V. (VDS) Die Vereinigten Deutschen Studentenschaften e.V. (VDS) entstanden im Mai 1975 aus dem Zusammenschlu\u00df von zwei Verb\u00e4nden. Sie verstehen sich als studentischer Dachverband und steuerten auch 1983 wiederum die bundesweiten studentischen Protestaktionen, die im bayerischen Hochschulbereich in der Regel von den linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen Allgemeinen Studentenaussch\u00fcssen (ASten), in denen die orthodox-kommunistischen Gruppen dominieren, umgesetzt werden. Vom 29. M\u00e4rz bis 1. April fand in M\u00fcnster die 8. ordentliche Mitgliedersammlung der VDS statt, an der etwa 800 Studenten von 120 Hochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet teilnahmen. Die Mitgliederversammlung sprach sich f\u00fcr bundesweite Protestaktionen gegen den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" und die Unterst\u00fctzung der \"Friedensbewegung\" durch Unterschriftensammlungen f\u00fcr den ,,Krefelder Appell\" und durch Aktionen f\u00fcr \"atomwaffenfreie Fachbereiche und Hochschulen\" aus. Dar\u00fcber hinaus beschlo\u00df die Versammlung, in den Initiativen zum \"Volksz\u00e4hlungsboykott\" und gegen \"Berufsverbote\" mitzuarbeiten. Die vorgesehene Neuwahl des Vorstandes scheiterte an der Weigerung des orthodox-kommunistischen Blocks von MSB Spartakus und SHB, den Jungsozialisten-Hochschulgruppen (Juso-HG) einen weiteren Vorstandssitz zu \u00fcberlassen. Daraufhin wurde die Mitgliederversammlung vertagt. Auch auf der au\u00dferordentlichen Mitgliederversammlung, die vom 29. bis 31. Oktober in Siegen stattfand, konnte kein neuer Vorstand gew\u00e4hlt werden. Da zwischenzeitlich der Vertreter der Jungsozialisten-Hochschulgruppen und der Vertreter des Liberalen Hochschulverbandes ihren R\u00fccktritt erkl\u00e4rten, wurden die VDS Ende 1983 nur noch von je einem Vertreter des MSB Spartakus und des SHB repr\u00e4sentiert. Als Beitrag zum \"Friedenskampf\" unterst\u00fctzten die VDS die Aktionen f\u00fcr \"atomwaffenfreie Fachbereiche und Hochschulen\" und die \"Osterm\u00e4rsche\" 1983. Als gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Mitglied des Bonner \"Koordinationsausschusses f\u00fcr die Herbstaktionen\" wirkten die VDS ma\u00dfgeblich an der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der \"Aktionswoche\" vom 15. bis 22. Oktober mit. Aus Protest gegen die vom Deutschen Bundestag gebilligte NATO-Nachr\u00fcstung riefen die VDS zu einer bundesweiten \"Streikund Aktionswoche\" vom 5. bis 12. Dezember auf. Als H\u00f6hepunkt der Aktionswoche war f\u00fcr den 12. Dezember ein \"die-in\" in allen Hochschulen des Bundesgebietes geplant. Den Aufruf der VDS unterst\u00fctzten auch der MSB Spartakus und der SHB. In M\u00fcnchen versammelten 148","sich am 12. Dezember gegen Mittag etwa 200 Studenten zu einer nicht angemeldeten Demonstration. Sie setzten sich an der Kreuzung Ludwig-/Schellingstra\u00dfe auf die Fahrbahn und blockierten f\u00fcr etwa zehn Minuten den Verkehr. Die Demonstrationsteilnehmer f\u00fchrten Transparente mit, die Aufschriften trugen wie ,,BAF\u00f6G statt Pershing\", \"Vietnam, Grenada -- jetzt auch Europa?\" und \"Nein zur Raketenstationierung -- Bildung statt Bomben\". Am Nachmittag zogen etwa 1.000 Studenten, darunter zahlreiche Angeh\u00f6rige linksextremer Gruppierungen, in einem angemeldeten \"Friedenszug\" quer durch die Stadt. Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl am 6. M\u00e4rz f\u00fchrten die VDS unter dem Motto \"Keine Stimme den BAF\u00f6G-Streichern\" eine bundesweite Kampagne durch. In dem hierzu verbreiteten \"BAF\u00f6G Express\" forderten sie alle Wahlberechtigten auf, keine Stimmen den Kandidaten zu geben, die im Bundestag f\u00fcr den \"BAF\u00f6G-Kahlschlag\" gestimmt hatten. Mit dieser Kampagne erkl\u00e4rte sich die DKP solidarisch. 6. Nationaldemokratischer Hochschulbund (NHB) Der Nationaldemokratische Hochschulbund (NHB) mit Sitz in M\u00fcnchen -- vgl. 3. Abschnitt Nr. 2.6 -- unterh\u00e4lt in Bayern lediglich an der Ludwig-MaximiliansUniversit\u00e4t in M\u00fcnchen eine Hochschulgruppe, deren Aktivit\u00e4ten sich 1983 auf die Verbreitung von Flugbl\u00e4ttern beschr\u00e4nkten. Bei der Bundesversammlung des NHB am 17. Dezember in Wuppertal wurde Karl-Heinz Sendb\u00fchler aus M\u00fcnchen zum Bundesvorsitzenden gew\u00e4hlt. 7. Aktivit\u00e4ten Unter dem Motto \"Wir protestieren! Gegen neue Mietgesetze, BAF\u00f6G-Streichungen, Verschlechterung der Leistungen an Arbeitslose und Rentner\" fand am 26. Januar in Regensburg ein Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung statt, der von Aktivisten des AB organisiert wurde. Unter den rund 500 Teilnehmern befanden sich zahlreiche Anh\u00e4nger des KHB und der von ihm beeinflu\u00dften \"Liste St\u00e4rkt den AStA\" (USA) sowie Sympathisanten der \"Linken Liste\" (ULI). In einem \"Offenen Brief\" an die Bayerische Staatsregierung forderten Anfang Februar die linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen \"M\u00fcnchner ASten\" die Umbenennung der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in \"Geschwister-Scholl-Universit\u00e4t\". Zum gleichen Zeitpunkt verbreitete die Ortsgruppe Augsburg des MSB Spartakus eine Flugschrift, in der die Umbenennung der Universit\u00e4t Augsburg in \"Bert-Brecht-Universit\u00e4t\" verlangt wurde. Ende Februar verteilten Angeh\u00f6rige der linksextrem orientierten Basisgruppen an der Universit\u00e4t Erlangen-N\u00fcrnberg Flugbl\u00e4tter, in denen unter dem Motto \"Krieg den Kriegsherrn\" zu einer Demonstration am 28. Februar in Erlangen aufgerufen wurde. An der Demonstration, die sich gegen das NATO-Man\u00f6ver \"Wintex '83\" richtete, beteiligten sich rund 120 Personen, vorwiegend aus dem studentischen Bereich. Zur Teilnahme hatte neben anderen Gruppen auch die DKP-beeinflu\u00dfte DFG-VK aufgerufen. 149","Am 31. Mai wurde eine Veranstaltung des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) in der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen mit dem Bundesminister f\u00fcr Jugend, Familie und Gesundheit Dr. Gei\u00dfler, die rund 1.400 Personen besuchten, massiv gest\u00f6rt. An den St\u00f6raktionen beteiligten sich rund 600 Personen, davon 300 Anh\u00e4nger der MG, die durch Sprechch\u00f6re, Pfeifen und Getrampel die Rede des Bundesministers verhindern wollten. Unter dem Motto \"Wir lassen nicht locker! M\u00fcnchner Studentinnen und Studenten f\u00fcr Chancengleichheit --BAF\u00d6G statt Studiengeb\u00fchren\" veranstalteten die linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen \"M\u00fcnchner ASten\" am 9. Juni in M\u00fcnchen einen Aufzug mit Schlu\u00dfkundgebung, an dem sich rund 500 Personen beteiligten. Als Anmelder und Versammlungsleiter der Demonstration traten Funktion\u00e4re des SHB und des MSB Spartakus auf. Auf der Schlu\u00dfkundgebung sprach auch ein Mitglied der VDS. Der vom MSB Spartakus, SHB und KHB gesteuerte inoffizielle AStA an der Universit\u00e4t Regensburg veranstaltete vom 6. bis 10. Juni in Regensburg eine \"Friedenswoche\". Das Programm beinhalttete Vortr\u00e4ge, Diskussionen und Filmvorf\u00fchrungen, die u.a. in Zusammenarbeit mit den DKP-beeinflu\u00dften Organisationen DFG-VK und KFAZ durchgef\u00fchrt wurden. Dar\u00fcber hinaus wurden Unterschriften f\u00fcr die Schaffung einer \"atomwaffenfreien\" Universit\u00e4t Regensburg gesammelt. Am 21. Juni fand in der Universit\u00e4t Regensburg eine Veranstaltung des RCDS mit dem Bayerischen Staatsminister f\u00fcr Unterricht und Kultus statt. Unter den rund 400 Zuh\u00f6rern befand sich eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe von Anh\u00e4ngern linksextremer Studentenorganisationen, die das Referat sowie die anschlie\u00dfende Diskussion durch Sprechch\u00f6re st\u00f6rten. Im Zusammenhang mit den Planungen eines Diskussionsabends des RCDS mit dem Bundesminister des Innern am 14. Juli in der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg k\u00fcndigten der MSB Spartakus, die MG und eine \"W\u00fcrzburger Friedensinitiative\" in Flugbl\u00e4ttern an, da\u00df auch ihre Anh\u00e4nger die Veranstaltung besuchen w\u00fcrden. Als sp\u00e4ter bekannt wurde, da\u00df der Bundesminister nicht an der Veranstaltung teilnehmen werde, formierten sich rund 200 Personen zu einem Demonstrationszug und zogen in die W\u00fcrzburger Innenstadt. In Sprechch\u00f6ren protestierten die Teilnehmer gegen eine Versch\u00e4rfung des Demonstrationsrechts. Unter dem Motto \"Intervention in Grenada\" veranstalteten die linksextrem beeinflu\u00dften inoffiziellen \"M\u00fcnchner ASten\" am 4. November in M\u00fcnchen eine Protestdemonstration, an der sich rund 160 Personen beteiligten. Zur Teilnahme an der Demonstration hatten neben den \"M\u00fcnchner ASten\" auch der SHB, der MSB Spartakus, die SDAJ und die VVN-BdA aufgerufen. Als verantwortliche Leiter der Veranstaltung traten zwei Aktivisten des SHB auf. Im Zusammenhang mit der von den VDS initiierten \"Streikund Aktionswoche\" vom 5. bis 12. Dezember fanden Ende November/Anfang Dezember an mehreren Hochschulen in Bayern \"Studentenvollversammlungen\" statt, die vielfach von den inoffiziellen ASten organisiert wurden. An den Versammlungen beteiligten sich insgesamt 3.500 Studenten, darunter zahlreiche Mitglieder und Anh\u00e4nger der DKP-HG, des MSB Spartakus, des SHB, des KHB und der MG. Diese 150","Publikationen extremistischer Studentengruppen im Bildungsbereich Galerie MSZ Marxistische SST WOBeT Geister M\u00fcnchner HochschulzeitungA^ri^lMLi -\"i FHa MARXISTISCHE G R U P P E (MG) Regensburger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE {MGI Erlanger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) N\u00fcrnberger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE(MG) W\u00fcrzburger Hochschulzeitung der MARXISTISCHEN GRUPPE (MG) 151","Veranstaltungen sollten zeigen, da\u00df sich die Mehrheit der Studenten gegen die NATO-Nachr\u00fcstung wendet. Hierzu wurden \"Urabstimmungen\" im Rahmen einer \"Volksbefragung\" organisiert. 8. Wahlen an den Hochschulen Bei den Wahlen f\u00fcr die Kollegialorgane gelang es linksextremen und linksextrem beeinflu\u00dften Gruppen 1983 teilweise, ihre Positionen mit Hilfe \"Unabh\u00e4ngiger\" weiter auszubauen. Wie im Vorjahr tarnten sich linksextreme und linksextrem beeinflu\u00dfte Gruppen hinter Listenverbindungen und unverf\u00e4nglichen Bezeichnungen. Insbesondere bildeten der MSB Spartakus und der SHB unter Bezeichnungen wie \"Liste f\u00fcr die verfa\u00dfte Studentenschaft\", \"Lite AStA und Fachschaften\" (LAF) oder \"Gewerkschaftlich orientierte Liste\" (GOL) Wahlplattformen mit demokratischen Gruppen und versuchten so, W\u00e4hler zu t\u00e4uschen. Diese gemeinsamen Listen erzielten bei den Gremienwahlen im Vergleich zum Vorjahr durchwegs bessere Ergebnisse. Leichte Stimmeneinbu\u00dfen erlitt dagegen die MG an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen. Der rechtsextreme NHB verzichtete auf eine Kandidatur. An einigen Hochschulen fanden auch 1983 \"AStA-Wahlen\" statt. Bei diesen nicht im Hochschulgesetz vorgesehenen Wahlen kandidierten vorwiegend Studentengruppen des linksextremen Bereichs. Die Wahlbeteiligung lag im Durchschnitt bei 11 % (Vorjahr: 10%). Die MG beteiligten sich nicht an diesen Wahlen. 9 Weiterf\u00fchrende Schulen Im Bereich der weiterf\u00fchrenden Schulen, den erfahrungsgem\u00e4\u00df auch schulfremde Organisationen als Agitationsfeld nutzen, traten 1983 folgende extremistische Organisationen auf: Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) -- Jugendorganisation der DKP -- Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands (RJVD) -- Jugendorganisation der MLPD -- Rote Sch\u00fclerfront (RSF) -- Sch\u00fclerorganisation des AB -- Marxistische Gruppen (MG) Junge Nationaldemokraten (JN) -- Jugendorganisation der NPD -- Die Propaganda konzentrierte sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig auf schulische Themen. Weitere Aktivit\u00e4ten bezogen sich auf Themen wie \"Frieden und Abr\u00fcstung\" und \"Jugendarbeitslosigkeit\". Dar\u00fcber hinaus wurden wiederum vor Schulen zahlreiche Flugschriften verteilt. So verbreiteten die Marxistischen Gruppen Ausgaben der \"MSZ f\u00fcr die Schule\" oder eigene \"Sch\u00fclerzeitungen\". In der Erlanger Schulzeitung \"Lupe\" warb die SDAJ f\u00fcr \"atomwaffenfreie Schulen\" und den \"Krefelder Appell\". Im Zusammenhang mit der Bundestagswahl wurden am 2. M\u00e4rz vor der Staatlichen Berufsschule in N\u00fcrnberg Flugbl\u00e4tter ohne Impressum mit der \u00dcberschrift verteilt: \"Die Wahlen wollen sie. . .wir wollen die Anarchie\". 152","Im Rahmen der von der \"Friedensbewegung\" veranstalteten ,,Aktionswoche\" gegen die NATO-Nachr\u00fcstung fanden am 20. Oktober, dem \"Widerstandstag der Schulen, Volkshochschulen und Hochschulen\", Aktionen wie \"Mahnwachen\", \"Schweigekreise\" und \"Menschenketten\" statt. F\u00fcr die bundesweiten Vorbereitungen waren u.a. die linksextrem beeinflu\u00dften VDS zust\u00e4ndig. Zur Teilnahme an den Aktionen in Bayern, die vielfach von \u00f6rtlichen \"Friedensinitiativen\" oder \"Koordinationsgruppen\" organisiert wurden, hatten zahlreiche linksextreme Organisationen aufgerufen. Angeh\u00f6rige der SDAJ verteilten Anfang Dezember vor einer N\u00fcrnberger Volksschule die Zeitschrift \"elan -- das Jugendmagazin\" und gaben \"Abstimmungszettel\" aus. Die Sch\u00fcler wurden aufgefordert, auf dem Stimmzettel ihr Ja oder Nein zur Raketenstationierung zu erkl\u00e4ren. Von den 1983 bei verschiedenen Anl\u00e4ssen festgestellten Schmieraktionen waren auch Schulgeb\u00e4ude betroffen. Dabei wurden wiederholt Au\u00dfenfassaden mit dem anarchistischen Symbol, dem RAF-Emblem und dem Hakenkreuz verunstaltet. 153","B. Abschnitt Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Das \u00f6ffentliche Dienstrecht fordert nach dem Grundgesetz, den Beamtengesetzen und den tarifvertraglichen Regelungen von den Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes die Treue zur Verfassung. Das Verfahren regelt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 (vgl. Anhang 2). 1. Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst Da nicht immer gerichtsverwertbare Erkenntnisse vorliegen, mit denen die Entlassung eines Bediensteten begr\u00fcndet oder die bei der Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung eines Bewerbers ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen, gibt es auch Extremisten im \u00f6ffentlichen Dienst. Als solche werden Bedienstete angesehen, die in den letzten f\u00fcnf Jahren als Mitglieder oder aktive Angeh\u00f6rige extremistischer Organisationen oder sonst mit erheblichen extremistischen Aktivit\u00e4ten in Erscheinung getreten sind. Ende 1983 (in Klammern die Vergleichszahlen f\u00fcr 1982) waren bekanntgeworden: Linksextremisten Gesamtzahl davon DKP DKP-NebenNeue Linke und beeinflu\u00dfte Organisationen Landesdienst 111 (101) 22 (23) 34 (33) 55 (45) Kommunaldienst 87 ( 83) 55 (48) 7 ( 9) 25 (26) Sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 9 ( 12) 5 ( 5) - ( 1) 4 ( 6) Zusammen: 207 (196) 82 (76) 41 (43) 84 (77) Von den linksextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 55 (48) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen und Gymnasien 22 (17) als wissenschaftliches und sonstiges Personal an Hochschulen 20 (17) im Justizdienst 14 (19) in sonstigen Verwaltungszweigen. 154","Von den linksextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 22 (26) als Bedienstete in st\u00e4dtischen Krankenh\u00e4usern 29 (20) in sozialp\u00e4dagogischen Berufen wie z.B. Sozialarbeiter, Jugendheimleiter 8 ( 5) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 28 (32) in sonstigen Verwaltungszweigen. Rechtsextremisten Gesamtzahl davon NPD Landesdienst 20 (23) 11 (10) Kommunaldienst 15 (15) 9 (.9) sonst, \u00f6ffentl. Einrichtungen 3 ( 2) 1 (D Zusammen 38 (40) 21 (20) Von den rechtsextremen Landesbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 5 ( 6) als Lehrer an Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Fachoberschulen 6 (7) im Justizund Polizeidienst 9 (10) in sonstigen Verwaltungszweigen. Von den rechtsextremen Kommunalbediensteten waren besch\u00e4ftigt: 1 ( 1) als Lehrer an st\u00e4dtischen Schulen 14 (14) in sonstigen Verwaltungszweigen. 2. Einstellungs\u00fcberpr\u00fcfung Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt bei der \u00dcberpr\u00fcfung der Verfassungstreue von Bewerbern f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst mit. Von 19.066 Anfragen an das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz zu Bewerbungen f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Dienst in Bayern im Jahre 1983 wurden in 142 F\u00e4llen (135 F\u00e4lle aus dem linksextremen und 7 F\u00e4lle aus dem rechtsextremen Bereich) dem Bayerischen Staatsministerium des Innern Erkenntnisse zugeleitet. In 78 F\u00e4llen gab das Staatsministerium des Innern Erkenntnisse an die Einstellungsbeh\u00f6rden weiter. Hiervon betrafen 74 F\u00e4lle den linksextremen und 4 F\u00e4lle den rechtsextremen Bereich. Dies f\u00fchrte in einem Fall zur Ablehnung durch die Einstellungsbeh\u00f6rde. Drei angehende Rechtsreferendare wurden, da sie Zweifel an ihrer Verfassungstreue nicht ausr\u00e4umen konnten, nicht in das Beamtenverh\u00e4ltnis \u00fcbernommen. Ihnen wurde jedoch gestattet, den Vorbereitungsdienst innerhalb eines \u00f6ffentlich rechtlichen Ausbildungsverh\u00e4ltnisses auszu\u00fcben. 155","7. Abschnitt Extremistische Bestrebungen von Ausl\u00e4ndern 1. Allgemeines Am 30. September 1983 hielten sich in Bayern 686.900 Ausl\u00e4nder auf, darunter 216.000 T\u00fcrken 121.400 Jugoslawen 76.000 \u00d6sterreicher 73.300 Italiener 49.000 Griechen und 12.000 Spanier. W\u00e4hrend die Zahl der Ausl\u00e4nder in den fr\u00fcheren Jahren laufend angestiegen ist, verringerte sie sich im Jahre 1983 um rund 22.800 Personen ( = 3,2 %). Die weit \u00fcberwiegende Mehrzahl der Ausl\u00e4nder verhielt sich nach wie vor loyal zum Gastland. Die Bem\u00fchungen ausl\u00e4ndischer Extremisten, ihre Landsleute f\u00fcr ihre extremistischen Ziele zu gewinnen und dadurch die eigene Basis zu st\u00e4rken, waren meist erfolglos. Nur eine geringe Minderheit (1,0 %) der in Bayern lebenden Ausl\u00e4nder hat sich aus politischer Motivation extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Gruppen angeschlossen oder unterliegt ihrem Einflu\u00df, weil sie dort gesellige Kontakte oder Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung von Alltagsproblemen sucht. Die Aktivit\u00e4ten solcher Gruppen waren insbesondere von den Konflikten und Krisen in den Herkunftsl\u00e4ndern der Mitglieder, aber auch von der Lage der Ausl\u00e4nder im Bundesgebiet bestimmt. So agitierten ausl\u00e4ndische Extremisten zunehmend gegen die behauptete Ausl\u00e4nderfeindlichkeit der deutschen Bev\u00f6lkerung sowie gegen die Planungen der Bundesregierung zum Asylund Ausl\u00e4nderrecht. Dabei verst\u00e4rkten linksextreme Ausl\u00e4ndergruppen die Zusammenarbeit mit ideologisch gleichgesinnten deutschen Organisationen. Die Besorgnis vieler ausl\u00e4ndischer Extremisten, eine extrempolitische Bet\u00e4tigung k\u00f6nne wirtschaftliche oder ausl\u00e4nderrechtliche Nachteile zur Folge haben, wirkte sich indes wie schon im Vorjahr d\u00e4mpfend auf ihr Engagement aus und lie\u00df die \u00f6ffentlichkeitswirksamen Aktionen weiter zur\u00fcckgehen. Die Zahl der in Bayern erfa\u00dften extremistischen oder extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen sank auf 154(1982:158). Der R\u00fcckgang ist auf die Aufl\u00f6sung inaktiver Unterorganisationen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Andererseits gab es auch Neugr\u00fcndungen von kleineren Gruppierungen. 156","Nachstehende \u00dcbersicht zeigt die Entwicklung der in Bayern bestehenden extremistischen Ausl\u00e4nderorganisationen, ihrer \u00f6rtlichen Untergliederungen und der von ihnen beeinflu\u00dften Vereinigungen. 1979 1980 1981 1982 1983 Linksextrem 54 65 89 122 119 Rechtsextrem 17 26 32 36 35 Gesamtzahl 71 91 121 158 154 Diese 154 Ausl\u00e4ndergruppierungen verteilten sich im Jahre 1983 wie folgt: orthodoxNeue rechtsgesamt kommuniLinke extrem stisch \u00c4thiopier 2 . 2 -- 4 Afghanen -- 1 -- 1 Araber -- 7 -- 7 Griechen 33 1 -- 34 Iraner 4 5 3 12 Italiener 7 -- 4 11 Jugoslawen -- -- 9 9 Kurden 9 __ -- 9 Pakistaner -- 3 -- 3 Spanier 2 -- -- 2 T\u00fcrken 11 30 18 59 Sonstige 1 1 1 3 gesamt 69 50 35 154 Bemerkenswert ist der durch die Inaktivit\u00e4t der Mitglieder bedingte R\u00fcckgang der iranischen Neuen Linken um acht Organisationen. Die Mitgliederzahl der extremistischen und extremistisch beeinflu\u00dften Ausl\u00e4ndergruppen in Bayern hat sich von etwa 7.400 im Jahre 1982 auf rund 7.000 verringert. Detaillierte Zahlen k\u00f6nnen Wegen der Fluktuation der Ausl\u00e4nder und aus Sicherheitsgr\u00fcnden nicht genannt werden. Die von pal\u00e4stinensischen Gruppen ausgehenden Sicherheitsrisiken sind trotz der Krise innerhalb der Pal\u00e4stinensischen Befreiungsorganisation (PLO) nicht zu untersch\u00e4tzen. Anschl\u00e4ge auf Anh\u00e4nger des Pal\u00e4stinenserf\u00fchrers Arafat im europ\u00e4ischen Ausland verweisen auf die Gewaltbereitschaft der Kr\u00e4fte, die den politischen Kurs Arafats ablehnen. Nach wie vor besteht die Gefahr von Aktionen abgesplitterter Terrorgruppen besonders gegen israelische und amerikanische Einrichtungen im Bundesgebiet. 157","Die Auseinandersetzungen zwischen linksund rechtsextremen T\u00fcrken haben weiter nachgelassen. Eine latente Gef\u00e4hrdung der \u00f6ffentlichen Sicherheit stellen insbesondere gewaltorientierte Gruppen der t\u00fcrkischen Neuen Linken dar. Die gr\u00f6\u00dferen Exilorganisationen jugoslawischer Extremisten, die weiterhin den gewaltsamen Sturz des Regimes in der Heimat fordern, traten infolge organisatorischer Schw\u00e4chen nicht mehr mit spektakul\u00e4ren Aktionen an die \u00d6ffentlichkeit. Neu entstandene Kleinstgruppen verhielten sich zunehmend konspirativ. Mit der Ermordung von zwei kroatischen Extremisten und einem Mordversuch an einem dritten setzte sich die Serie der Anschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen fort. Die gespannte Sicherheitslage in diesem Bereich bedarf unverminderter Aufmerksamkeit. 2. \u00c4thiopische Gruppen Die Eritreische Befreiungsfront (ELF) und die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) wollen mit ihrem bewaffneten Kampf gegen das \"faschistische Milit\u00e4rregime\" in \u00c4thiopien die Unabh\u00e4ngigkeit der \u00e4thiopischen Provinz Eritrea erreichen. Beide Gruppierungen konnten sich auch 1983 trotz \u00fcbereinstimmender Zielsetzung nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die EPLF lehnt eine Anlehnung an Moskau ab, w\u00e4hrend die ELF weiterhin die Unterst\u00fctzung des eritreischen Befreiungskampfes durch die UdSSR bef\u00fcrwortet. In Bayern traten Anh\u00e4nger beider Organisationen vornehmlich im Raum N\u00fcrnberg-Erlangen durch \"Eritrea-Abende\" mit Filmvorf\u00fchrungen, Vortr\u00e4gen und Diskussionen an die \u00d6ffentlichkeit. 3. Afghanische Gruppen Die Generalunion der Afghanischen Studenten im Ausland (GUAfS) wurde im Jahre 1971 gegr\u00fcndet. Sie unterst\u00fctzte die marxistisch ausgerichtete Volksbewegung in Afghanistan. Nach dem Umsturz im April 1978 spaltete sich die GUAfS. Eine orthodox-kommunistische Minderheit trat weiterhin f\u00fcr die wachsende sowjetische Pr\u00e4senz in Afghanistan ein, w\u00e4hrend die der dogmatischen Neuen Linken zuzurechnende Mehrheit, die sich die Bezeichnung Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten (GUAfS)gab, die Einmischung der UdSSR ablehnte. Eine \u00f6rtliche Untergliederung dieser Gruppierung ist der Verein der Afghanen und afghanischen Studenten M\u00fcnchen, der in seinem Statut den amerikanischen \"Imperialismus\", die chinesische \"Reaktion\", den russischen \"Sozialimperialismus\" sowie die \"sozialfaschistische Regierung\" in Afghanistan verurteilt. Sein Ziel ist ein freies, selbst\u00e4ndiges, vereintes, \"demokratisches\" und autarkes Afghanistan. Die Aktivit\u00e4ten des Vereins beschr\u00e4nkten sich wie in den Vorjahren vornehmlich auf vereinsinterne Sitzungen und die Durchf\u00fchrung von Seminaren \u00fcber die politische Lage in Afghanistan. 4. Arabische Gruppen Die 1964 gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation (PLO) ist die Dachorganisation der pal\u00e4stinensischen Befreiungsbewegung. Sie fordert die Aufl\u00f6sung des \"zionistischen\" Staates Israel, an dessen Stelle ein \"demokrati158","scher\" pal\u00e4stinensischer Staat treten soll. Bei den in der PLO lose zusammengef\u00fcgten Guerillagruppen bestehen erhebliche Meinungsverschiedenheiten \u00fcber die politische und milit\u00e4rische Strategie zur Verwirklichung dieses Zieles. W\u00e4hrend die zahlenm\u00e4\u00dfig st\u00e4rkste Organisation Al Fatah unter ihrem F\u00fchrer Yassir Arafat eine L\u00f6sung des Pal\u00e4stinenserproblems auch auf dem Verhandlungswege erreichen will, stehen die orthodox-kommunistisch orientierten Organisationen Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (PFLP) und Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas (DFLP) der relativ gem\u00e4\u00dfigten Haltung Arafats ablehnend gegen\u00fcber. Die im Vorjahr erlittene milit\u00e4rische Niederlage der PLO im Libanon und die im Mai 1983 ausgebrochene Rebellion innerhalb der Al Fatah f\u00fchrten zu einer Krise in der PLO. Arafats Gegner, die den \"bewaffneten Kampf\" als einziges Mittel zur Durchsetzung der Ziele des pal\u00e4stinensischen Widerstandes betrachten, fanden jedoch im Bundesgebiet bisher insgesamt nur wenig R\u00fcckhalt. Der auf Initiative der PLO gegr\u00fcndete Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PAV) ist ma\u00dfgeblich von der Al Fatah beeinflu\u00dft. Er hat die Aufgabe, die Al Fatah materiell und ideell zu unterst\u00fctzen und f\u00fcr die Ziele der Pal\u00e4stinenser im Gastland zu werben. \u00d6rtliche Untergliederungen bestehen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Der Pal\u00e4stinensische Arbeiterverband (PAV) in N\u00fcrnberg organisierte im Mai und September Seminare zum Thema \"Pal\u00e4stina\" mit Filmvorf\u00fchrungen und Referaten \u00fcber den Einmarsch israelischer Truppen in den Libanon und den Abzug der PLO-K\u00e4mpfer aus Beirut. Am 25. November f\u00fchrte er zusammen mit der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) in deren Informationszentrum in N\u00fcrnberg eine Diskussionsveranstaltung durch. Ferner rief er Anfang Dezember mit Flugbl\u00e4ttern zur Gr\u00fcndung eines Pal\u00e4stina-Komitees in N\u00fcrnberg auf, dessen Arbeitsgrundlage die \"Unterst\u00fctzung des Befreiungskampfes des pal\u00e4stinensischen und libanesischen Volkes gegen Imperialismus, Zionismus und Faschismus\" sein soll. Eine \u00f6rtliche Untergliederung des ebenfalls von der Al Fatah beeinflu\u00dften Pal\u00e4stinensischen Studentenverbandes in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (PSV) f\u00fchrte Mitte Januar in Erlangen und N\u00fcrnberg Informationsveranstaltungen \u00fcber die Entstehung und die derzeitige Situation der PLO durch. Der M\u00fcnchner Ausl\u00e4nderverein Union der fortschrittlichen Araber (UFA), der f\u00fcr die extremen Ziele der PFLP eintrat und sich 1982 noch an Demonstrationen des PSV M\u00fcnchen beteiligt hatte, hat sich im September aufgel\u00f6st. 5. Armenische Gruppen Ausgangspunkt und Triebkraft des armenischen Extremismus ist die systematische Verfolgung der armenischen Minderheit im Jahre 1915 durch die t\u00fcrkische Regierung. Die damaligen Massaker forderten rund 1,4 Millionen Todesopfer. Seit mehreren Jahren versuchen armenische Terrorgruppen mit Sprengstoffanschl\u00e4gen und der Ermordung t\u00fcrkischer Diplomaten, die Welt\u00f6ffentlichkeit auf das Schicksal ihres Volkes aufmerksam zu machen und die t\u00fcrkische Regierung 159","zum Eingest\u00e4ndnis und zur Wiedergutmachung des damaligen V\u00f6lkermordes zu bewegen. F\u00fcr Attentate im Inund Ausland werden die marxistisch-leninistische Armenische Geheimarmee f\u00fcr die Befreiung Armeniens (ASALA), die ideologisch noch nicht einzuordnenden Gerechtigkeitskommandos des armenischen V\u00f6lkermordes (JCAG), eine Armenische Revolution\u00e4re Armee (\u00c4RA) -- angeblich eine Kommandogruppe der JCAG -- und eine Gruppe Orly verantwortlich gemacht, die sich wiederholt zu Bombenanschl\u00e4gen bekannt hatten. In der Bundesrepublik Deutschland forderte der armenische Terrorismus bei einem Sprengstoffanschlag auf das franz\u00f6sische Generalkonsulat im \"Maison de France\" am 25. August in Berlin (West) erstmals ein Todesopfer. Bisher hatten derartige Anschl\u00e4ge im Bundesgebiet lediglich Sachsch\u00e4den verursacht. Am 24. Mai wurden an den Fenstern und der Eingangst\u00fcr des t\u00fcrkischen Generalkonsulates in N\u00fcrnberg Plakate und Aufkleber armenischer Herkunft festgestellt. Die Plakate mit armenischen Schriftzeichen wiesen auf die B\u00fccher ,,1,5 Millionen armenische Opfer\" und \"Die armenischen Massaker\" hin. Die Aufkleber in den armenischen Nationalfarben zeigten eine Faust als armenisches Symbol und ein Wappen, das der \"Dashnak-Partei\" zugeordnet wird, die im Jahre 1918 die armenische Regierung stellte. 6. Griechische Gruppen Die Aktivit\u00e4ten der extremistischen griechischen Gruppen in Bayern blieben gegen\u00fcber dem Vorjahr unver\u00e4ndert. Ihre Aktionen, die sich \u00fcberwiegend auf die Gro\u00dfr\u00e4ume M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg konzentrierten, fanden keine Resonanz. Mitgliederst\u00e4rkste Organisationen sind die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE-Ausland) und die Kommunistische Partei Griechenlands (KKEInland). Die KKE-Ausland ist der nach Moskau orientierte Teil der seit Februar 1968 gespaltenen Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE) mit Sitz in Athen. Seit September 1974 ist sie in Griechenland als Partei zugelassen. Sie beruft sich auf die Tradition der griechischen Arbeiterbewegung und nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, die Kommunistische Partei Griechenlands zu sein. Organe der KKE-Ausland und ihrer Jugendorganisation Kommunistische Jugend Griechenlands (KNE) sind die Schriften \"Risospastis\" (Der Radikale) bzw. \"Odigitis\" (Der F\u00fchrer). Die seit Jahren bestehende enge Verbindung der KKE-Ausland zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) hat sich weiter gefestigt. So stellte die DKP am 12. M\u00e4rz ihre R\u00e4umlichkeiten in N\u00fcrnberg f\u00fcr eine Gedenkfeier der KKE-Ausland zur Verf\u00fcgung. An einer Veranstaltung am 29. Mai in Essen nahm der DKP-Vorsitzende Herbert Mies teil. Die KKE-Ausland und ihre Jugendorganisation waren 1983 insbesondere bestrebt, ihre Funktion\u00e4re und Mitglieder in die Vorstandschaften der griechischen Gemeinde-, Eltern-, Arbeiterund Studentenvereine w\u00e4hlen zu lassen. Sie setz160","ten sich f\u00fcr das kommunale Wahlrecht, die Integration der Ausl\u00e4nder und eine bessere Ausbildung der Gastarbeiterjugend ein. Au\u00dferdem propagierten sie den Austritt Griechenlands aus der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft und der NATO und die Aufl\u00f6sung der US-Milit\u00e4rbasen in Griechenland. \u00dcberregional bedienten sich dabei sowohl die KKE-Ausland als auch die KNE der Hilfe des Verbandes Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEK) und des Verbandes Griechischer Studentenvereine in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (OEFE). Diesen orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften Dachverb\u00e4nden geh\u00f6rt der \u00fcberwiegende Teil der in Bayern bestehenden griechischen Gemeinden und Studentenvereine an. Die KKE-Inland ist der national-kommunistisch orientierte Teil der fr\u00fcheren Kommunistischen Partei Griechenlands. Im Gegensatz zur KKE-Ausland erkennt sie die f\u00fchrende Rolle der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) nicht an. Sie bef\u00fcrwortet grunds\u00e4tzlich die Mitgliedschaft Griechenlands in der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft. Als Organe der KKE-Inland und ihrer Jugendorganisation Griechische Kommunistische Jugend \"Rigas Fereos\" (E.KO.N. Rigas Fereos) erscheinen die Zeitschriften \"I Avgi\" (Die Morgenr\u00f6te) bzw. \"Thourios\" (Kriegslied). Enge Kontakte bestehen zu den kommunistischen Parteien Spaniens (PCE) und Italiens (PCI). Die KKE-Inland und ihre Jugendorganisation befa\u00dften sich 1983 vor allem mit aktuellen Gastarbeiterproblemen. Ihre Bem\u00fchungen, auf griechische Gastarbeitervereinigungen dadurch gr\u00f6\u00dferen Einflu\u00df zu gewinnen, blieben indes erfolglos. Die maoistisch-prochinesischen Gruppierungen Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands (EKKE) und Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei Griechenlands (ML-KKE) traten 1983 in Bayern nicht mehr in Erscheinung. 7. Iranische Gruppen Die Bereitschaft iranischer Extremisten, sich politisch zu exponieren, hat 1983 weiter nachgelassen. Die in Bayern aktiven iranischen Gruppen sind durchwegs Gegner der iranischen Regierung oder stehen ihr -- wie z.B. die inzwischen im Iran verbotene Tudeh-Partei -- zumindest kritisch gegen\u00fcber. Der Niedergang der 1961 als internationaler Dachverband iranischer Studentenvereinigungen gegr\u00fcndeten Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union (CISNU) setzte sich fort; derzeit ist nur noch eine Gruppierung der seit 1975 in mehrere rivalisierende Fl\u00fcgel gespaltenen CISNU arbeitsf\u00e4hig. 7.1 Linksextremisten 7.1.1 Orthodoxe Kommunisten Die orthodox-kommunistische Tudeh-Partei, die anfangs aus taktischen Gr\u00fcnden Khomeinis Politik unterst\u00fctzt hatte, wurde am 4. Mai im Iran verboten und aufgel\u00f6st. Die Ma\u00dfnahmen der iranischen Revolutionsregierung gegen die Partei hatten im Juli 1982 mit dem Verbot ihres Organs \"Mardom\" (Das Volk) be161","g\u00f6nnen. Am 6. Februar wurden F\u00fchrungsmitglieder der Partei, unter ihnen der Generalsekret\u00e4r Nureddin Kianouri, festgenommen. Ende April/Anfang Mai 1983 folgte eine weitere Verhaftungswelle. Am Tag des Parteiverbots wurden 18 sowjetische Diplomaten des Landes verwiesen. Der Tudeh-Partei und ihren inhaftierten Mitgliedern wird Spionage f\u00fcr die Sowjetunion vorgeworfen. Iranische Medien ver\u00f6ffentlichten dazu angebliche Gest\u00e4ndnisse. Die Partei lastete in ihren Ver\u00f6ffentlichungen die Schuld an der Verfolgung nicht Khomeini, sondern ,,Rechts-Kr\u00e4ften, eingeschleusten Agenten des Imperialismus, insbesondere des CIA, und der Konterrevolution in der Regierung und den staatlichen Institutionen\" an. Orthodox-kommunistische Bruderparteien in Westeuropa, darunter auch die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), erkl\u00e4rten sich mit der TudehPartei solidarisch. Einem im August 1983 auch in Bayern verteilten Flugblatt zufolge hat ein \"Exterritoriales Komitee der Tudeh-Partei Iran\" bzw. ein ,,Auslandskomitee der Tudeh-Partei Iran\" die Leitung der Partei \u00fcbernommen und deren verhaftete und gefolterte F\u00fchrer ihrer Verantwortung f\u00fcr die Organisation entbunden. Anh\u00e4nger der \u00fcberwiegend konspirativ arbeitenden Tudeh-Partei traten 1983 in M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und Coburg insbesondere mit der Verteilung von Flugbl\u00e4ttern und dem Verkauf des Organs \"Rahe Tudeh\" (Weg der Tudeh), der deutschsprachigen Monatszeitschrift \"iran aktuell\" und eines gleichnamigen Blattes auf, das vierzehnt\u00e4gig erscheint. Die Schriften enthielten vor allem Protesterkl\u00e4rungen gegen das Verbot der Tudeh-Partei und die Inhaftierung ihrer Funktion\u00e4re und Mitglieder im Iran. Den Protesten der Tudeh-Partei schlo\u00df sich auch die von ihr beeinflu\u00dfte Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.) -- Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) an. In der O.I.S. haben sich im Bundesgebiet die Anh\u00e4nger der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) gesammelt. Diese Gruppierung hatte sich 1980 wegen ideologischer Differenzen von der im Jahre 1971 im Iran gegr\u00fcndeten marxistisch-leninistischen GuerillaOrganisation der Volksfedayin im Iran, die ma\u00dfgeblich am Umsturz im Iran beteiligt war, abgespalten. Die O.I.S. trat Ende Mai 1983 in M\u00fcnchen durch Verbreitung eines Flugblatts in Erscheinung. 7.1.2. Neue Linke Die CISNU-Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran mit Sitz in Frankfurt a.M. hat in Bayern weiter an Bedeutung verloren. Ihre Anh\u00e4nger treten auch unter der Bezeichnung \"Iranische Studentenorganisation in der Bundesrepublik Deutschland und Westberlin -- Sympathisanten der Guerillaorganisation Volksfedayin Iran\" auf. Sie orientieren sich an den Zielen der im Iran operierenden \"Guerilla-Organisation der Volksfedayin im Iran\", die den Sturz der iranischen Regierung anstrebt. Die in Bayern bestehende Ortsgruppe Iranische Studentenorganisation in M\u00fcnchen -- Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran beschr\u00e4nkte ihre T\u00e4tigkeit 1983 im wesentlichen auf den Verkauf ihres in deutscher Sprache abgefa\u00dften \"Iran-Info\". Die Schrift enthielt kritische Beitr\u00e4ge \u00fcber andere, ebenfalls in Opposition zur iranischen Regierung stehende Gruppen und Angriffe gegen die bisherigen \"Errungenschaften\" der islamischen Republik wie Verbot und Verfolgung \"progressiver Kr\u00e4fte\", Massenhin162","richtungen von Oppositionellen und Unterdr\u00fcckung ethnischer und politischer Minderheiten. Die unter der Bezeichnung Die iranischen Studenten in Erlangen -- Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran bekanntgewordene Ortsgruppe besteht nicht mehr. Der 1972 gegr\u00fcndete Iranische Studentenverein M\u00fcnchen (ISVM), der im wesentlichen die Linie der nach einer neuerlichen Spaltung im Jahre 1980 bedeutungslos gewordenen Organisation \"Tufan\" im Iran vertrat, hat sich aufgel\u00f6st. Seine Mitglieder gr\u00fcndeten Mitte 1983 eine Ortsgruppe des Koordinationskomitees der iranischen Demokraten (Sitz vermutlich in Frankfurt a.M.). Ziel dieses Komitees ist es, die zerstrittene iranische Opposition zu einem Dachverband zusammenzuf\u00fchren, der -- \u00e4hnlich wie die fr\u00fchere CISNU -- ein einheitliches Vorgehen gegen das derzeitige Regime im Iran erm\u00f6glichen soll. Die M\u00fcnchner Ortsgruppe forderte in ihren Flugschriften die Gr\u00fcndung einer \"demokratischen und antiimperialistischen\" Organisation, um das Regime in der Heimat bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Die Union Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin (U.I.S.), deren Anh\u00e4nger die Ziele der im Iran bestehenden \"Kampforganisation zur Befreiung der Arbeiterklasse -- Peykar\" verfolgen, zeigte 1983 keine Aktivit\u00e4ten. 7.2 Islamische Fundamentalisten Die Anh\u00e4nger der im Iran t\u00e4tigen Volksmojahedin haben sich im Bundesgebiet in den Moslemischen Studentenvereinigungen -- Sympathisanten der Organisation der Volksmojahedin Iran (MSV -- W. Germany) -- MSV -- zusammengeschlossen. Die Volksmojahedin, eine Organisation islamischer Fundamentalisten mit marxistischer Pr\u00e4gung, waren ma\u00dfgeblich an der Revolution im Iran beteiligt. Nach dem Umsturz gerieten sie zunehmend in Opposition zu dem neuen Regime, das sie als \"Mullah-Diktatur\" verurteilten. Am 29. Juli 1981 begab sich ihr Generalsekret\u00e4r Masoud Radjavi mit Bani Sadr nach Frankreich ins Exil. Dort gr\u00fcndeten sie den \"Nationalen Widerstandsrat\" (N.W.R.), der sich das Ziel gesetzt hat, das Khomeini-Regime zu st\u00fcrzen. Ihm geh\u00f6ren auch die MSV an. Obwohl die MSV weiterhin die bedeutendsten Vertreter der iranischen Oppositionsbewegung sind, gingen ihre Aktivit\u00e4ten zur\u00fcck. Herausragende Veranstaltung auf Bundesebene war eine Demonstration am 8. Februar in Bonn, an der sich rund 700 Personen, darunter auch Iraner aus Erlangen und M\u00fcnchen, beteiligten. Anla\u00df der Kundgebung war der erste Todestag des ehemaligen F\u00fchrers der Volksmojahedin im Iran Mussa Khiabani. In M\u00fcnchen und Erlangen errichteten Anh\u00e4nger der MSV Informationsst\u00e4nde und verbreiteten die Organe \"Modjahed\" (Der K\u00e4mpfer) und \"Freiheit f\u00fcr Iran\". Die islamisch-fundamentalistisch ausgerichtete Union Islamischer Studentenvereine in Europa (U.I.S.A.), die nach wie vor bedingungslos hinter Khomeini steht, zeigte 1983 in Bayern keine \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten. 163","7.3. Aktionsb\u00fcndnis Das Komitee fortschrittlicher Iraner in M\u00fcnchen, das im M\u00e4rz 1982 als \"Komitee fortschrittlicher iranischer Studenten in M\u00fcnchen\" gegr\u00fcndet wurde, will den ,,Kampf der Werkt\u00e4tigen\" im Iran gegen die herrschende Diktatur unterst\u00fctzen. Es besteht unter anderem aus Anh\u00e4ngern der CISNU-Sympathisanten der Volksfedayin Guerilla Iran, der U.I.S. und der MSV. In Flugbl\u00e4ttern griff das Komitee das \"barbarische Regime\" im Iran an. Daneben f\u00fchrte es am 11. Februar eine Informationsveranstaltung zur \"Lage im Iran\" und am 17. Dezember in Zusammenarbeit mit einer kurdischen Gruppierung einen \"Solidarit\u00e4tsabend\" mit dem kurdischen Volk durch. 8. Italienische Gruppen Die Kommunistische Partei Italiens (PCI), deren Parteiorgan die in Italien gedruckte Zeitschrift \"L'Unita\" ist, gliedert sich in der Bundesrepublik Deutschland in die Gebietsf\u00f6derationen K\u00f6ln (Nord), Stuttgart (S\u00fcd) und Frankfurt a.M. (Mitte). In Bayern bestehen Bezirkskomitees in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg sowie eine Ortsgruppe in Augsburg. Die Zahl der Mitglieder und deren Aktivit\u00e4ten sind stark zur\u00fcckgegangen. Am \"Festa della Donna\" (Tag der Frau) am 13. M\u00e4rz in M\u00fcnchen beteiligten sich etwa 150 Personen, darunter zahlreiche Deutsche. Zum allj\u00e4hrlichen \"Festa dell'Unita\" am 19. November in M\u00fcnchen fanden sich rund 250 (1982: 300) Besucher ein. Der im Jahre 1970 in Frankfurt a.M. gegr\u00fcndete Italienische Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien (FILEF) ist eine von der PCI gesteuerte Betreuungsorganisation, deren Mitglieder in aller Regel auch Anh\u00e4nger der PCI sind. Als Publikationsorgane der FILEF erscheinen die Zeitschriften \"Emigrazione\" und \"Emigrazione Oggi\" (Emigration heute). Der Verband ist im Bundesgebiet der Organisationsstruktur der PCI entsprechend in drei Zonen (Nord, Mitte, S\u00fcd) gegliedert. In Bayern bestehen Ortsgruppen in Landshut, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Auch hier gingen die Mitgliederzahlen zur\u00fcck. Die Ortsgruppe N\u00fcrnberg nahm am Ostermarsch teil. Die seit dem Jahre 1948 dem italienischen Parlament angeh\u00f6rende rechtsextreme Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale -- MSI-DN (Soziale Italienische Bewegung -- Nationale Rechte) begann 1980 mit dem Aufbau eines Parteiapparates im Bundesgebiet. In Bayern entstanden Ortsgruppen in Augsburg, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Die Partei will ihre Arbeit im Bundesgebiet vor allem auf soziale Probleme konzentrieren. Sie ist nach wie vor bestrebt, sich von deutschen rechtsextremen Organisationen abzugrenzen. 9. Jugoslawische Gruppen Die gr\u00f6\u00dferen Organisationen jugoslawischer Extremisten, die den gewaltsamen Sturz des Regimes in der Heimat anstreben, haben weiter an Bedeutung verloren und zeigten 1983 kaum \u00f6ffentlichkeitswirksame Aktivit\u00e4ten. Der Niedergang der kroatischen Emigrantenvereinigungen trug zur Bildung konspirativ arbeiten164","der militanter Kleinstgruppen bei, die insbesondere mit Versuchen, die Wirtschaft Jugoslawiens zu sch\u00e4digen, in Erscheinung traten. So warnte im Fr\u00fchjahr 1983 eine bisher unbekannte Vereinigte Revolution\u00e4re Bewegung f\u00fcr Freiheit und Unabh\u00e4ngigkeit Kroatiens und Kosovos (URPSH) in einem Schreiben an die Westdeutsche Landesbank in D\u00fcsseldorf die Banken und Geldinstitute vor der Gew\u00e4hrung von Krediten an Jugoslawien. In einem weiteren Schreiben forderte die URPSH Reiseagenturen, B\u00fcros und Unternehmer dazu auf, keine Urlaubsreisen nach Jugoslawien zu vermitteln. Im April 1983 verbreiteten \"Kroatische Revolution\u00e4re\" Flugbl\u00e4tter, in denen Urlauber auf angeblich durch terroristische Aktionen drohende Gefahren in jugoslawischen Feriengebieten hingewiesen wurden. Eine im Juli 1983 als Flugschrift herausgegebene gef\u00e4lschte Bekanntmachung des .Jugoslawischen Fremdenverkehrsamtes, Belgrad\", die auf Mi\u00dfst\u00e4nde in Jugoslawien aufmerksam machte, sollte ebenfalls Touristen von Reisen nach Jugoslawien abhalten. Flugbl\u00e4tter mit \u00e4hnlichem Inhalt wurden im August im Eilzug M\u00fcnchen -- Salzburg verteilt. Ferner besch\u00e4digten unbekannte T\u00e4ter im Sommer 1983 mehrerere Omnibusse jugoslawischer Reiseunternehmer in M\u00fcnchen, indem sie Parolen in serbokroatischer Sprache anbrachten und eine gro\u00dfe Anzahl von Reifen zerstachen. 9.1 Kroatischer Nationalrat (HNV) Der im Februar 1974 in Toronto/Kanada gegr\u00fcndete Kroatische Nationalrat (HNV) versteht sich als Dachorganisation der kroatischen Widerstandsbewegungen auf internationaler Ebene. Sein Ziel ist die Wiederherstellung des \"unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" in seinen ethnischen Grenzen. Oberstes Organ des HNV ist das im Turnus von zwei Jahren gew\u00e4hlte Parlament (SABOR). Weitere Organe sind der Exekutivausschu\u00df, der die Ziele des HNV in die Tat umsetzen soll, sowie der Kontrollrat und das Ehrengericht. Als Basisinstitutionen des HNV bestehen im Bundesgebiet rund 25 Ortsaussch\u00fcsse, deren Arbeit vom Koordinationsausschu\u00df des Kroatischen Nationalrats (HKO) mit Sitz in Stuttgart gesteuert wird. Der HNV verlor in der kroatischen Emigration weiter an Resonanz. So kandidierten f\u00fcr die Wahl zum V. SABOR am 1.12. Oktober in New York nur noch 47 jugoslawische Exilpolitiker, w\u00e4hrend sich 1981 noch 71 Kandidaten um einen Sitz im obersten HNV-Organ beworben hatten. Bei der Wahl konnten sich fast ausschlie\u00dflich j\u00fcngere Exilkroaten durchsetzen. Es zeigte sich, da\u00df die Altemigranten nach vielen Jahren politisch erfolgloser Arbeit kaum noch in der Lage sind, F\u00fchrungspositionen zu behaupten. Aus der Bundesrepublik Deutschland wurden f\u00fcnf Kandidaten, davon drei aus Bayern, in den V. SABOR gew\u00e4hlt. Am 9. April veranstaltete der HNV zusammen mit dem Kroatischen Nationalkomitee in Europa (HNO) anl\u00e4\u00dflich der Gr\u00fcndung des \"Unabh\u00e4ngigen Staates Kroatien\" (10. April 1941) in M\u00fcnchen eine Gedenkfeier, an der sich rund 150 Personen, darunter auch Vertreter kroatischer Emigrantenorganisationen aus \u00d6sterreich, beteiligten. 165","9.2 Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP) Innerhalb des HNV hatte sich im Fr\u00fchjahr 1980 eine lose oppositionelle Gruppierung gebildet. Sie bestand vorwiegend aus j\u00fcngeren Anh\u00e4ngern des sogenannten \"Kroatischen Fr\u00fchlings\", einer oppositionellen kommunistischen Bewegung von Kroaten in Jugoslawien, deren Repr\u00e4sentanten im Dezember 1971 entmachtet worden waren. Die Gruppierung konstituierte sich schlie\u00dflich im Juni 1981 in Lund/Schweden als Kroatische Staatsbildende Bewegung (HDP). Die HDP versteht sich als eine mit dem HNV konkurrierende Dachorganisation der kroatischen Emigration. Sie will den ,.Vielv\u00f6lkerstaat\" Jugoslawien mit allen Mitteln zerschlagen und mit sowjetischer Hilfe einen eigenst\u00e4ndigen Staat \"Vereinigtes Kroatien\" errichten, wobei eine zeitweilige Unterordnung unter die F\u00fchrung der Sowjetunion in Kauf genommen werden soll. Die \u00fcbrigen kroatischen Emigranten lehnen dies entschieden ab. Publikationsorgan der HDP ist die Zeitschrift \"Hrvatski List\" (Kroatisches Blatt). Die Aktivit\u00e4ten der HDP gingen 1983 aufgrund interner Auseinandersetzungen zur\u00fcck. 9.3 Kroatische Gruppen in Bayern Das Kroatische Nationalkomitee in Europa (HNO), eine Mitgliedsorganisation des HNV mit Sitz in M\u00fcnchen, trat kaum noch selbst\u00e4ndig in Erscheinung. Vom Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland e.V. (UHNj), der sich als die \"k\u00e4mpferischste Einheit\" in der kroatischen Befreiungsbewegung bezeichnete, wurden 1983 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten mehr bekannt. 9.4 Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen Von 1962 bis 1982 forderten Mordanschl\u00e4ge gegen Exiljugoslawen im Bundesgebiet 21 Todesopfer, darunter 15 Kroaten. Bayern war 1983 in besonderem Ausma\u00df von den Auseinandersetzungen zwischen jugoslawischen Emigranten und den sie bek\u00e4mpfenden Kr\u00e4ften betroffen. Unbekannte T\u00e4ter brachten am 26. M\u00e4rz dem Exilkroaten Duro Zagajski in M\u00fcnchen t\u00f6dliche Kopfverletzungen bei. Der Ermordete war Aktivist der konspirativ arbeitenden Kleinstgruppe Kroatische Revolution\u00e4re Bewegung (HRP), die Ende 1981 durch Exekutivma\u00dfnahmen der schweizerischen und deutschen Sicherheitsbeh\u00f6rden weitgehend zerschlagen wurde. Die HRP hatte Sprengstoff und Waffen beschafft, um sie gegen jugoslawische Einrichtungen und regimetreue jugoslawische Funktion\u00e4re in Westeuropa und Jugoslawien einzusetzen. Am 29. Juli wurde der Exilkroate Stjepan Djurekovic in seinem Verlag \"Kroatisches Buch\" in Wolfratshausen mit mehreren Schu\u00dfverletzungen und zertr\u00fcmmertem Sch\u00e4del tot aufgefunden. Der Ermordete war in Jugoslawien bis zu seiner Flucht im April 1982 Direktor eines jugoslawischen \u00d6lkonzerns gewesen. Er hatte mehrere B\u00fccher antijugoslawischen Inhalts verfa\u00dft und der kroatischen Emigrantenpresse kritische Interviews \u00fcber die sich zunehmend verschlechternde politische und wirtschaftliche Lage in Jugoslawien gegeben. Ferner hatte er sich an Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen anl\u00e4\u00dflich kroatischer Nationalfeiertage beteiligt und enge Kontakte zu kroatischen und albanischen 166","Emigrantenorganisationen unterhalten. Wiederholt hatte er in Emigrantenkreisen ge\u00e4u\u00dfert, da\u00df er sich durch den jugoslawischen Geheimdienst gef\u00e4hrdet f\u00fchle. Am 3. Dezember gab ein unbekannter T\u00e4ter durch das Fenster einer Gastst\u00e4tte in Unterth\u00fcrheim, Landkreis Dillingen a.d. Donau, einen Schu\u00df auf den Gastwirt Luka Kraljevic ab. Der Exilkroate, der schwere Verletzungen im Augenbereich erlitt, ist Funktion\u00e4r eines in Augsburg bestehenden Ortsausschusses des Kroatischen Nationalrats (HNV). Er gilt au\u00dferdem als f\u00fchrendes Mitglied der Kroatischen Revolution\u00e4ren Bewegung (HRP). Bei einem \u00e4hnlichen Anschlag am 20. August 1982 war Kraljevic's Lebensgef\u00e4hrtin verletzt worden. Die Spuren der damaligen Tatwaffe hatten nach Jugoslawien gef\u00fchrt. Die kroatische Emigration ist \u00fcberzeugt, da\u00df die Anschl\u00e4ge im Auftrag des jugoslawischen Geheimdienstes ver\u00fcbt wurden. Sie reagierte mit wachsender Unruhe und Erbitterung. Schon Anfang 1983 hatten bisher unbekannte \"Kroatische bewaffnete Kr\u00e4fte\" in Schreiben an deutsche Presseagenturen damit gedroht, da\u00df im Falle weiterer Morde an kroatischen Emigranten ohne R\u00fccksicht auf Unbeteiligte Rache ge\u00fcbt werde. 10. Kurdische Gruppen Die orthodox-kommunistische F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR) hat ihren Sitz von Frankfurt a.M. nach K\u00f6ln verlegt. In Bayern bestehen Mitgliedsvereine in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Zum 5. Jahreskongre\u00df der KOMKAR am 14./15. Mai in D\u00fcsseldorf erschienen Abordnungen der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und der orthodox-kommunistisch beeinflu\u00dften F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). In N\u00fcrnberg wurden im Februar 1983 Flugbl\u00e4tter der KOMKAR verbreitet, die sich gegen eine neue Verhaftungswelle in Kurdistan und gegen die Folterungen von Regimegegnern in den kurdischen Provinzen der T\u00fcrkei richteten. Am 19. M\u00e4rz feierte die KOMKAR in M\u00fcnchen unter dem Motto \"Kampf dem Faschismus, dem Rassismus und der Ausl\u00e4nderfeindlichkei\" den kurdischen Neujahrstag (21. M\u00e4rz). An der Veranstaltung nahmen rund 900 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Die Redner forderten zur Gegenwehr gegen die \"ausl\u00e4nderfeindlichen Gesetze\" der Bundesrepublik Deutschland und zum Kampf f\u00fcr einen eigenen souver\u00e4nen kurdischen Staat auf. Elf Anh\u00e4nger der KOMKAR ketteten sich am 19. September in der N\u00fcrnberger Fu\u00dfg\u00e4ngerzone zusammen, um gegen Todesurteile in der T\u00fcrkei zu protestieren. Der Kurdische Arbeiter-Solidarit\u00e4tsverein in M\u00fcnchen, ein Mitgliedsverein der KOMKAR, verteilte im Juni Flugschriften, die den \"Krieg\" der t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs gegen das kurdische Volk, die gro\u00dfz\u00fcgige \"Milit\u00e4r-Hilfe\" verschiedener NATO-L\u00e4nder, die NATO-Man\u00f6ver in der T\u00fcrkei und die t\u00fcrkischen Truppenbewegungen im Grenzdreieck T\u00fcrkei -- Syrien -- Irak verurteilten. Anla\u00df war die Verfolgung aufst\u00e4ndischer Kurden durch t\u00fcrkische Truppen auf irakischem Gebiet am 26. Mai. 167","NEWROZ'83 KURDISCHES NEUJAHRSFEST IJI Azadiya Kurdistan Samstag, 5. M\u00e4rz 1983 I Samstag, 12. M\u00e4rz 19831 Samstag, 19. M\u00e4rz 1983 H Samstag, 26. M\u00e4rz 1983 um 19.00 Uhr I um 19.00 Uhr um 20.00 Uhr um 19.00 Uhr AUDI-MAX I STADTHALLE SCHWABINQER BR\u00c4U 1 AUDI-MAX (Freie Universit\u00e4t) I K\u00f6ln/M\u00fchlheim Leopoldstra\u00dfe 82 (Universit\u00e4t) Garystra\u00dfe 35 I Jahn-Wellem-Stra\u00dfe 2 8000 MUNCHEN/ von Meile-Park 4 1000 BERLIN 33 I 5000 K\u00d6LN/M\u00fchlheim Schwabing 2000 HAMBURG 13 (U-Bahn Thielplatz, I (Stra\u00dfenbahnlinien 4, 11 ,| (U-Bahn (S-Bahn Bus: Linie 10-11) 113,15,16 Wienerplatz) M\u00fcnchner Freiheit) Dammtor Bahnhof) PROGRAMM: FOLKLORE * LIEDER * DIAS * THEATER FEDERASYONA KOMELEN KARKEREN KURDISTAN LI ELMANYA FEDERAL FEDERAL ALMANYA KURDISTAN iSCi DERNEKLERi FEDERASYONU F\u00d6DERATION DER ARBEITERVEREINE AUS KURDISTAN IN DER BRD E.V. SAVIGNYSTR. 75 6000 FRANKFURT/MAIN Plakat des KOMKAR 168","Im Oktober verbreitete die Kurdistan Arbeitervereinigung in N\u00fcrnberg e.V. ein Flugblatt der KOMKAR, das die ,,Kriegsund Aggressionspolitik der USA\" kritisierte und zur Verhinderung der Stationierung amerikanischer Raketen im Bundesgebiet aufrief. Die orthodox-kommunistische Gruppierung Kurdische Volksh\u00e4user (KVH) hat sich 1980 wegen ideologischer Differenzen und F\u00fchrungsstreitigkeiten von der KOMKAR abgespalten. An einer eigenen zentralen Veranstaltung der KVH zum kurdischen Neujahrstag am 19. M\u00e4rz in Frankfurt a.M. nahmen etwa 50 Mitglieder und Sympathisanten des Kurdischen Volkshauses in N\u00fcrnberg teil. Der Vorsitzende des N\u00fcrnberger Vereins befa\u00dfte sich im Hauptreferat mit der Unterdr\u00fcckung der Kurden durch die t\u00fcrkische Milit\u00e4rjunta. Mitglieder dieses Vereins f\u00fchrten 1983 au\u00dferdem zusammen mit anderen orthodox-kommunistisch orientierten kurdischen, t\u00fcrkischen und deutschen Gruppen kleinere Gemeinschaftsaktionen durch. Die orthodox-kommunistische Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) f\u00fchrte in Bayern mehrere Folkloreveranstaltungen mit politischem Hintergrund durch. Ihre in N\u00fcrnberg bestehende Ortsgruppe Vereinigung der Patrioten Kurdistans veranstaltete am 26. Februar aus Anla\u00df des kurdischen Neujahrstages eine Feier, an der sich rund 600 Personen beteiligten. Ein Redner sprach \u00fcber den Freiheitskampf der Kurden, wobei er auf Folterungen gefangener Kurden in der T\u00fcrkei verwies. Zu einem von der M\u00fcnchner Ortsgruppe der PKK organisierten Solidarit\u00e4tsabend f\u00fcr die Befreiungsk\u00e4mpfer Kurdistans am 24. September fanden sich rund 200 Besucher ein. Die Ortsgruppe M\u00fcnchen der orthodox-kommunistischen Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland (AKSA) trat am 17. Dezember als Mitveranstalterin eines Solidarit\u00e4tsabends mit dem kurdischen Volk in Erscheinung. 11. Pakistanische Gruppen Seit der Hinrichtung des ehemaligen Premierministers Bhutto am 4. April 1979 und der Umwandlung Pakistans in eine islamische Republik erhielt die vom derzeitigen Milit\u00e4rregime verbotene Sozialrevolution\u00e4re Pakistanische Volkspartei (PPP) im Bundesgebiet vermehrt Zulauf. Sie erstrebt die Abschaffung der Milit\u00e4rdiktatur und die Bildung einer islamisch-sozialistischen Volksmacht in Pakistan. Unterschiedliche Auffassungen, ob dieses Ziel mit gewaltsamen oder gewaltfreien Mitteln verwirklicht werden soll, haben zu einer Spaltung der PPP in mehrere rivalisierende Gruppen gef\u00fchrt. In Bayern sind in Augsburg, Gem\u00fcnden a. Main und M\u00fcnchen \u00f6rtliche Untergliederungen vereinsrechtlich angemeldet. In ihrem Organ \"The Struggle\" (Der Kampf) informiert die PPP \u00fcber politische Ereignisse und die Aktivit\u00e4ten der Partei in Europa. Zum Gedenken an Bhuttos Hinrichtung f\u00fchrte die PPP am 2. April Kundgebungen u.a. in K\u00f6ln durch. Anl\u00e4\u00dflich des 6. Jahrestages des Milit\u00e4rputsches in Pakistan (5. Juli 1977) veranstaltete die PPP am 2. Juli in Stuttgart und am 15. Oktober in Frankfurt a.M. Protestdemonstrationen. Zu diesen Versammlungen reisten auch Teilnehmer aus Bayern. 169","Am 26. August demonstrierten PPP-Anh\u00e4nger gegen\u00fcber dem Pakistanischen Generalkonsulat in M\u00fcnchen gegen das Milit\u00e4rregime in Pakistan. Die PPP-Ortsgruppe Augsburg veranstaltete am 19. November einen Aufzug zum Thema ,.Gegen die Armeeregierung in Pakistan\". Daran beteiligten sich etwa 50 Personen, darunter auch Mitglieder und Sympathisanten der PPP aus M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Mitgef\u00fchrte Transparente enthielten Parolen wie ,,Zia ein M\u00f6rder\" und \"Freilassung aller politischen Gefangenen\". 12. Spanische Gruppen Die Kommunistische Partei Spaniens (PCE) wurde 1921 gegr\u00fcndet, nach dem Regierungsantritt Francos in Spanien im Jahre 1939 verboten und erst 1977 wieder zugelassen. Die orthodox-kommunistische PCE wird in der Bundesrepublik Deutschland durch ein \"Comite Federal\" (Bundeskomitee) geleitet. Das Bundesgebiet ist in die Zonen Nord, Rhein-Ruhr, Hessen, Baden-W\u00fcrttemberg und Bayern gegliedert, denen \u00fcber 50 \u00f6rtliche Zweiggruppen angeh\u00f6ren. In Bayern bestehen Ortsgruppen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg, deren Mitgliederzahlen weiter zur\u00fcckgingen. Publikationen der PCE sind die Zeitschrift ,,Mundo Obrero\" (Welt der Arbeit) und das parteitheoretische Organ \"Nuestra Bandera\" (Unsere Fahne). Verbindungen bestehen zur Kommunistischen Partei Italiens (PCI), zur Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE-Inland) und zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP). Die Aktivit\u00e4ten der PCE richteten sich \u00fcberwiegend gegen die Ausl\u00e4nderpolitik der Bundesregierung, die Politik der neuen Regierung in Spanien und die Nachr\u00fcstung in Europa. Die Parteif\u00fchrung rief die Mitglieder zur Teilnahme an der ,,Aktionswoche der Friedensbewegung\" vom 15. bis 22. Oktober auf. Zur Demonstration am 22. Oktober in Stuttgart reisten Mitglieder der Ortsgruppe N\u00fcrnberg. 13. T\u00fcrkische Gruppen Die von der t\u00fcrkischen Milit\u00e4rregierung erreichte innenpolitische Stabilisierung, die aus der Aufl\u00f6sung extremistischer Organisationen in der T\u00fcrkei resultierende Besorgnis vor Verfolgung bei einer R\u00fcckkehr in die Heimat sowie die bef\u00fcrchtete Zunahme der Ausl\u00e4nderfeindlichkeit in der deutschen Bev\u00f6lkerung trugen wesentlich zu Anh\u00e4ngerverlusten bei extremistischen t\u00fcrkischen Organisationen und zum R\u00fcckgang der Teilnehmerzahlen bei Versammlungen und sonstigen Aktionen bei. So konnten f\u00fcr die zentrale Gro\u00dfdemonstration am 10. September in K\u00f6ln anl\u00e4\u00dflich des dritten Jahrestages der Macht\u00fcbernahme durch die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte nur noch 11.000 Personen (1982: 20.000) mobilisiert werden. Wie im Vorjahr agitierten t\u00fcrkische Linksextremisten gegen die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung, die Mitgliedschaft der T\u00fcrkei in der NATO und die deutsche Wirtschaftshilfe f\u00fcr die T\u00fcrkei. Weitere Angriffe galten der \"Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und der \"versch\u00e4rften Ausl\u00e4ndergesetzgebung\" in der Bundesrepublik Deutschland. Besondere Kampagnen entz\u00fcndeten sich am Verbot einer Grup170","t\u00fcrkei DEVRIMCI YOL m * r Information ^ tr\u00e4umen \" pierung der t\u00fcrkischen Neuen Linken durch den Bundesminister des Innern, an Hungerstreiks in t\u00fcrkischen Haftanstalten, am Freitod des t\u00fcrkischen Asylbewerbers Kemal Altun in Berlin (West) und an den Parlamentswahlen in der T\u00fcrkei. Die Zusammenarbeit mit deutschen linksextremen Organisationen wurde weiter ausgebaut und gefestigt. 171","Die Auseinandersetzungen zwischen linksund rechtsextremen T\u00fcrken haben nachgelassen. Rechtsextreme t\u00fcrkische Gruppen hielten sich mit \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten zur\u00fcck. Zu deutschen Rechtsextremisten gab es wegen deren Ausl\u00e4nderfeindlichkeit keine Kontakte. 13.1 Linksextremisten 13.1.1 Orthodoxe Kommunisten Die Kommunistische Partei der T\u00fcrkei (TKP), die in der T\u00fcrkei seit dem Jahre 1923 verboten ist, hat ihren Exilsitz in Berlin (Ost). Bestrebungen der TKP, die Aufsplitterung der t\u00fcrkischen kommunistischen Vereinigungen im Bundesgebiet zu \u00fcberwinden und dabei ihren eigenen Einflu\u00df zu st\u00e4rken, f\u00fchrten Ende Februar 1977 in D\u00fcsseldorf zum Zusammenschlu\u00df der national-kommunistischen F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa (TDF) und der orthodox-kommunistischen F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa (ATTF) unter der Bezeichnung F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. (FIDEF). Diesem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet etwa 70 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 6.000(1982: 15.000) Mitgliedern an, darunter auch t\u00fcrkische Arbeitervereinigungen in Lohr a. Main, Mainburg und M\u00fcnchen. Die Differenz gegen\u00fcber dem Vorjahr beruht teilweise auf einem verbesserten Erkenntnisstand, dar\u00fcber hinaus aber auch auf einem erheblichen Mitgliederschwund, der organisationsinterne Gr\u00fcnde hat. So f\u00fchrte die Spaltung der TKP in mehrere Fraktionen zu heftigen Auseinandersetzungen in der FIDEF und beeintr\u00e4chtigte deren Arbeit nachhaltig. Die FIDEF unterh\u00e4lt u.a. Verbindungen zur Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) und ihren Nebenorganisationen Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend (SDAJ) und Marxistischer Studentenbund Spartakus (MSB Spartakus) sowie zum Sozialistischen Hochschulbund (SHB). Als Organ der FIDEF erscheint die Monatsschrift \"T\u00fcrkei-Informationen\" in deutscher Sprache. Am 9./10. April fand in Essen der 7. Bundeskongre\u00df der FIDEF statt, an dem etwa 450 Personen teilnahmen. Die Delegierten beschlossen eine Verst\u00e4rkung der Aktionen gegen ,,Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\" und Zuzugsbeschr\u00e4nkungen, die moralische und finanzielle Unterst\u00fctzung der in der T\u00fcrkei inhaftierten \"Demokraten\" sowie eine Steigerung der Aktivit\u00e4ten in der \"Friedensbewegung\". Zu Beginn des Kongresses war es zwischen einer Gruppe von Tagungsteilnehmern und etwa 30 Anh\u00e4ngern der TKP-Fraktion Leninisten der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei (TKP-L), die mehr Unabh\u00e4ngigkeit gegen\u00fcber der UdSSR anstrebt und \u00f6rtliche FIDEF-Vereine zu beeinflussen versucht, zu Ausschreitungen gekommen. Dabei erlitten sieben Beteiligte schwere Verletzungen. Der T\u00fcrkische Arbeiterverein in M\u00fcnchen (MJ.DER), ein Mitgliedsverband der FIDEF, veranstaltete am 16. Januar in M\u00fcnchen das \"Internationale Fest der Freundschaft -- Gegen die Ausl\u00e4nderfeindlichkeit\". Daran nahmen rund 300 Personen teil. Als Ehrengast war der 1. Vorsitzende der FIDEF Hasan Ozean erschienen. Mitglieder des M.I.DER beteiligten sich au\u00dferdem am \"Ostermarsch '83\" am 4. April, zu dem die M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und 172","Abr\u00fcstung (BIFA) aufgerufen hatte, sowie an Aktionen der \"Friedensbewegung\" am 22. Oktober in Stuttgart. 13.1.2 Neue Linke Die proalbanische T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten (TKP/ML) wurde im Jahre 1972 illegal in der T\u00fcrkei gegr\u00fcndet. Im Jahre 1974 fand die Gr\u00fcndungsversammlung f\u00fcr den Bereich der Bundesrepublik Deutschland statt. Ziel der TKP/ML ist die Beseitigung des politischen Systems in der T\u00fcrkei zugunsten einer kommunistischen Ordnung im Sinne des MarxismusLeninismus. Ihre ,,Frontorganisation\" ist die T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee (TIKKO). Die konspirativ arbeitende TKP/ML unterh\u00e4lt in Bayern einige St\u00fctzpunkte, so z.B. in Augsburg, B\u00e4umenheim/Landkreis Donau-Ries, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg/F\u00fcrth. Sie trat vorwiegend mit Schmieraktionen sowie durch Verbreitung von Schriften in Erscheinung. Ideologisches Sprachrohr der Partei ist das Blatt ,,lsci K\u00f6yl\u00fc Kurtulusu\" (Arbeiter-Bauern-Befreiung). Der von der TKP/ML erheblich beeinflu\u00dfte proalbanische Dachverband F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (ATIF) hat sich nach ideologischen Auseinandersetzungen im Sommer 1981 gespalten. Anh\u00e4nger der abgespaltenen Gruppe nennen sich jetzt ,,Bolsevik Partizan\" (BP), w\u00e4hrend die in der urspr\u00fcnglichen Organisation verbliebenen Mitglieder intern die Zusatzbezeichnung ,.Partizan\" (P) f\u00fchren. Von letzterer Gruppierung unterscheidet sich der abgespaltene Verband insofern, als er eine gewaltsame Durchsetzung seiner politischen Ziele in der T\u00fcrkei zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt noch als verfr\u00fcht ansieht. Er verbreitet die weiterhin erscheinenden Publikationen der TKP/ML und das Organ der ATIF ,,M\u00fccadele\" (Kampf) jeweils mit dem Zusatz \"Bolsevik\" (B). Die Gruppe \"Partizan\" der ATIF hielt vom 1. bis 3. April in Frankfurt a.M. ihren Jahreskongre\u00df ab. Unter den rund 550 Teilnehmern befanden sich auch Sympathisanten aus Augsburg, B\u00e4umenheim, M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg. Der Kongre\u00df besch\u00e4ftigte sich insbesondere mit der politischen Lage in der Bundesrepublik Deutschland, in der eine zunehmende \"Faschisierung\" festzustellen sei. Anzeichen daf\u00fcr seien das Verbot der Gruppierung \"Devrimci Sol\" und eine versch\u00e4rfte Abschiebepraxis. Weitere Angriffe richteten sich gegen die Milit\u00e4rund Wirtschaftshilfe der Bundesrepublik Deutschland an die T\u00fcrkei. Am 2. Juli stellte die Gruppe \"Partizan\" in M\u00fcnchen vor rund 350 Besuchern, darunter etwa 60 Deutschen, den von der TKP/ML produzierten Spielfilm mit dem Titel \"1980\" vor. Thema des Films ist der Umsturz in der T\u00fcrkei im Jahre 1980. Der Film dient der Unterst\u00fctzung \"revolution\u00e4rer Organisationen\" und als praktische Hilfe der revolution\u00e4ren Bewegung in der T\u00fcrkei. Ferner will er verdeutlichen, \"wie die ausl\u00e4ndischen Arbeitnehmer und Fl\u00fcchtlinge in Deutschland unter Ungerechtigkeiten und Verachtung leiden\". Auf Plakaten, die in der Nacht zum 10. August in Augsburg geklebt wurden, bekundete die Gruppe \"Partizan\" ihre Solidarit\u00e4t mit \"revolution\u00e4ren Gefangenen\", die in t\u00fcrkischen Haftanstalten einen Hungerstreik begonnen hatten. 173","Anh\u00e4nger der Gruppe \"Bolsevik Partizan\" (BP) st\u00f6rten am 10. September eine Gro\u00dfkundgebung in K\u00f6ln, indem sie rund 400 der Gruppe \"Partizan\" zuzurechnende Demonstranten als ,,Sozialfaschisten\" beschimpften. Anschlie\u00dfend f\u00fchrten sie in Duisburg einen Protestmarsch gegen die t\u00fcrkische Milit\u00e4rregierung und den \"westdeutschen Imperialismus\" durch, an dem rund 300 T\u00fcrken, davon etwa 80 aus Bayern, teilnahmen. Die von der TKP/ML beeinflu\u00dfte proalbanische Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. (AT\u00d6F), die wie die ATI F wegen ideologischer Differenzen gespalten ist, zeigte 1983 in Bayern keine Aktivit\u00e4ten. Die Gruppierung Devrimci Sol (Revolution\u00e4re Linke) entstand in der T\u00fcrkei im Jahre 1978 aus einer Aufsplitterung der Organisation Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg), die ihren Ursprung in der T\u00fcrkischen Volksbefreiungspartei/-front (THKP/C) hat. Die in der T\u00fcrkei inzwischen verbotene THKP/C war eine Gruppe der Neuen Linken, die den gewaltsamen Umsturz in der T\u00fcrkei anstrebte. Anh\u00e4nger von Devrimci Sol traten im Bundesgebiet durch spektakul\u00e4re Aktionen hervor, so z.B. durch die Besetzung des t\u00fcrkischen Generalkonsulats in K\u00f6ln am 3. November 1982. Da die T\u00e4tigkeit der Devrimci Sol zunehmend den Strafgesetzen zuwiderlief und die innere Sicherheit, die \u00f6ffentliche Ordnung und sonstige erhebliche Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrdete, wurde die Vereinigung einschlie\u00dflich ihrer Teilorganisationen Halk Der (Volksvereine) vom Bundesminister des Innern im Benehmen mit den L\u00e4ndern mit Verf\u00fcgung vom 27. Januar verboten. Beim bundesweiten Vollzug des Verbots durchsuchte die Polizei am 9. Februar in Bayern sieben Objekte, darunter das Vereinslokal des Halk Der in N\u00fcrnberg, um das der Einziehung unterliegende Vereinsverm\u00f6gen zu beschlagnahmen. Sie konnte u.a. eine Druckmaschine sowie umfangreiches Schriftgut sicherstellen. Gegen die Verbotsverf\u00fcgung wurde am 10. Februar Anfechtungsklage beim Bundesverwaltungsgericht erhoben. Das Verbot l\u00f6ste im Bundesgebiet eine Vielzahl von Demonstrationen und sonstigen Protestaktionen aus, die auch von Gruppen der deutschen Neuen Linken unterst\u00fctzt wurden. In M\u00fcnchen fand am 12. Februar ein Aufzug zum Thema \"Verbot t\u00fcrkischer Organisationen\" statt, an dem sich etwa 130 Personen beteiligten. Unbekannte T\u00e4ter spr\u00fchten in der Nacht zum 13. Februar in N\u00fcrnberg Parolen wie \"Dev Sol lebt weiter\". Am 19. Februar versammelten sich vor der Lorenzkirche in N\u00fcrnberg rund 50 Personen und zeigten ein Transparent mit der Aufschrift \"Dev Sol lebt weiter -- Eine Front im Kampf um Befreiung\". Sympathisanten der Halk Der in N\u00fcrnberg bezeichneten in einer deutschsprachigen Flugschrift das Verbot als \"Repression\" und \"offenes Beispiel f\u00fcr die reaktion\u00e4re Unterdr\u00fcckungspolitik der CDU/FDP-Regierung gegen Ausl\u00e4nder, insbesondere gegen T\u00fcrken\". Am 29. Oktober wurden in N\u00fcrnberg Plakate der Avrupa 'da Dev Gene (Revolution\u00e4re Jugend in Europa) verbreitet. Diese konspirativ arbeitende t\u00fcrkische Gruppe hatte unmittelbar nach dem Verbot von Devrimci Sol erkl\u00e4rt, sie sei entschlossen, den \"Kampf der Dev Sol\" im Ausland fortzuf\u00fchren. 174","13.1.3 Aktionsb\u00fcndnis t\u00fcrkischer Linksextremisten Das im Fr\u00fchjahr 1982 gegr\u00fcndete Antifaschistische Einheitskomitee im Ausland (BIRKOM) will den \"revolution\u00e4ren Kampf der V\u00f6lker der T\u00fcrkei und Kurdistans\" unterst\u00fctzen und eine gemeinsame Widerstandsfront gegen die ,.faschistische Staatsform\" der T\u00fcrkei aufbauen. Dem BIRKOM haben sich \u00fcberwiegend Anh\u00e4nger von Organisationen der Neuen Linken wie z.B. der Gruppierung Devrimci Yol (Revolution\u00e4rer Weg) angeschlossen. Zu den im Komitee vertretenen orthodox-kommunistischen Vereinigungen geh\u00f6rt die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Das BIRKOM organisierte im Rahmen der Kampagne \"Solidarit\u00e4t mit den politischen Gefangenen in der T\u00fcrkei\" am 11. Juni in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebietes Protestkundgebungen. An den Versammlungen in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg zum Thema \"Gegen Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei\" bzw. \"Freiheit f\u00fcr alle antifaschistischen Gefangenen in der T\u00fcrkei und T\u00fcrkei-Kurdistan\" beteiligten sich insgesamt rund 650 Personen, \u00fcberwiegend T\u00fcrken. 13.1.4 Sonstige Aktionen t\u00fcrkischer Linksextremisten Der Freitod des t\u00fcrkischen Asylbewerbers Kemal Altun am 30. August in Berlin l\u00f6ste bundesweite Protestaktionen aus. In M\u00fcnchen zogen am 30. August rund 200 Ausl\u00e4nder und Deutsche, darunter Angeh\u00f6rige des Anti-Strau\u00df-Komitees (ASKo) und der undogmatischen Neuen Linken, zum Justizpalast und forderten in Sprechch\u00f6ren den R\u00fccktritt des Bundesministers des Innern. Am selben Tag demonstrierten in N\u00fcrnberg etwa 90 t\u00fcrkische und deutsche Linksextremisten vor dem Justizgeb\u00e4ude. An einem Aufzug am 5. September in N\u00fcrnberg beteiligten sich zeitweise zwischen 100 und 200 Personen, die einen Sarg mitf\u00fchrten. Unter den Demonstranten befanden sich Anh\u00e4nger des Arbeiterbundes f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD (AB), der undogmatischen Neuen Linken, der F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland (KOMKAR) und der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Daneben kam es Anfang September in mehreren St\u00e4dten Bayerns zu Plakat-, Spr\u00fchund Schmieraktionen, bei denen der Bundesminister des Innern als M\u00f6rder bezeichnet und die t\u00fcrkische \"faschistische Junta\" angegriffen wurde. Aus Anla\u00df des 3. Jahrestages der Macht\u00fcbernahme in der T\u00fcrkei durch die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte (12.09.1980) demonstrierten am 10. September in K\u00f6ln etwa 11.000 Anh\u00e4nger linksextremer t\u00fcrkischer, kurdischer und deutscher Organisationen aller ideologischer Richtungen, darunnter auch rund 1.000 Teilnehmer aus Bayern. Mitgef\u00fchrte Transparente enthielten Parolen gegen das Milit\u00e4rregime in der T\u00fcrkei, die Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr die T\u00fcrkei und die Asylpraxis der Bundesregierung sowie Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rungen f\u00fcr Kemal Altun. Ferner wandten sich die Demonstranten gegen die Stationierung amerikanischer Raketen im Bundesgebiet. Anh\u00e4nger linksextremer t\u00fcrkischer und kurdischer Gruppierungen beteiligten sich im September in mehreren St\u00e4dten des Bundesgebiets an Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr politische H\u00e4ftlinge in der T\u00fcrkei, insbesondere f\u00fcr die im Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis Diyarbakir in den Hungerstreik getretenen Genossen. So f\u00fchrte das BIRKOM 175","Publikationen extremistischer t\u00fcrkischer Organisationen \u00c4TIF (Almanya T\u00fcrkive li heiler Federasyonu) Yarin Organ DEVRIMCI t\u00fcrkei YOL Information T\u00fcrWiye *deg\"t\" iiuiiin ulkiliTin ncileri ve ezilen halklar,birnsin! OCAK & iSCi-K\u00d6yill K\u00dcRiL\u00dcSII SAYh47 1983 SOIL-MDM [T\u00dcRKJYE KOM\u00dcMiST PARTtSi/MARKSiST-LErMiWiST MERKEZI YAYIBI ORGAN)] Vatana \"Hfl HASaUfl 176","am 19. September in N\u00fcrnberg eine Mahnwache durch und verteilte Informationsschriften \u00fcber die Zust\u00e4nde in t\u00fcrkischen Gef\u00e4ngnissen. Am Abend desselben Tages trafen sich etwa 40 Personen, meist T\u00fcrken und Kurden, an der Meistersingerhalle in N\u00fcrnberg und bekundeten mit einem Schweigemarsch zum \"Platz der Opfer des Faschismus\" ihre Solidarit\u00e4t mit den \"Gefangenen in T.Kurdistan, die bis zum Tode fasten\". Aus Protest gegen die Verh\u00e4ltnisse im Milit\u00e4rgef\u00e4ngnis Diyarbakir \"besetzten\" vom 20. bis 22. September wechselweise zwischen 10 und 20 Personen, darunter t\u00fcrkische und kurdische Linksextremisten, in Absprache mit einem Vertreter der Kirche den Vorraum der evangelischen Matth\u00e4us-Kirche in M\u00fcnchen. 13.2 Rechtsextremisten Die islamisch-extremistische T\u00fcrkische Union Europa e.V. mit Sitz in K\u00f6ln f\u00fchrt seit Februar 1983 die Bezeichnung Islamische Union Europa e.V. Sie vertritt die politischen Ziele der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten Nationalen Heilspartei (MSP) und erstrebt die Reislamisierung der T\u00fcrkei sowie deren Integration in die islamische Staatenwelt. Dem Dachverband geh\u00f6ren im Bundesgebiet Zweiggruppen mit unterschiedlichen Bezeichnungen an. Die in Bayern bestehenden Untergliederungen zeigten 1983 keine nennenswerten \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten. Die 1978 gegr\u00fcndete F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa (AD\u00dcTDF) mit Sitz in Frankfurt a.M. propagiert das Gedankengut der in der T\u00fcrkei verbotenen und aufgel\u00f6sten rechtsextremen Partei der Nationalen Bewegung (MHP). Dem Dachverband haben sich im Bundesgebiet \u00fcber 100 t\u00fcrkische Organisationen mit rund 15.000 (1982: 18.000) Mitgliedern angeschlossen, darunter Ausl\u00e4ndervereine in F\u00fcrth, Ingolstadt, Kempten, Lauingen, M\u00fcnchen, Nersingen/Landkreis Neu-Ulm, Neu-Ulm, N\u00fcrnberg, Regensburg, R\u00f6thenbach a.d. Pegnitz und W\u00fcrzburg. Die AD\u00dcTDF veranstaltete am 9. April in N\u00fcrnberg einen Jugendkongre\u00df mit etwa 140 Teilnehmern. Zum 5. Jahreskongre\u00df der AD\u00dcTDF am 7. Mai in Gerlingen/Baden-W\u00fcrttemberg erschienen \u00fcber 2.000 Besucher aus dem Inund Ausland, darunter Vertreter von Mitgliedsvereinen aus F\u00fcrth, M\u00fcnchen, N\u00fcrnberg und W\u00fcrzburg. Die Delegierten w\u00e4hlten Dr. Ali Batman aus Frankfurt a.M. zum Nachfolger des bisherigen 1. Vorsitzenden Serdar Celebi, der am 14. Januar wegen Verdachts der Beteiligung an Vorbereitungen zum Attentat auf Papst Johannes Paul II. an Italien ausgeliefert worden war. Die T\u00fcrkische Gemeinschaft in N\u00fcrnberg e.V., ein Mitgliedsverein der AD\u00dcTDF, f\u00fchrte am 9. Januar in N\u00fcrnberg eine Folkloreveranstaltung mit rund 600 Teilnehmern durch. Als Redner trat der damalige 2. Vorsitzende der AD\u00dcTDF Dr. Ali Batman auf. Vor dem Versammlungslokal fanden sich etwa 140 Gegendemonstranten ein, \u00fcberwiegend Anh\u00e4nger von Organisationen der t\u00fcrkischen Neuen Linken. Sie griffen Veranstaltungsbesucher t\u00e4tlich an, besch\u00e4digten parkende Fahrzeuge und forderten mit Parolen wie \"Faschisten raus aus Deutschland\" und \"Nieder mit der faschistischen Junta\" den Abbruch der Veranstaltung. Die Polizei l\u00f6ste die Gegendemonstration auf. 177","An einer Folkloreveranstaltung der AD\u00dcTDF-Mitgliedsorganisation Verein T\u00fcrkischer Idealisten e.V. (M\u00dcO) am 21. Mai in M\u00fcnchen beteiligten sich rund 200 Personen. Im Versammlungslokal hingen Spruchb\u00e4nder mit den Aufschriften ,,Kommunistische M\u00e4nner und Frauen unerw\u00fcnscht\" und \"Wir wollen einen nationalen islamischen Staat\". Eine von t\u00fcrkischen Linksextremisten geplante, nicht angemeldete Gegenkundgebung wurde von der Polizei verhindert. Der Unterfranken T\u00fcrk Islam Kultur-Verein e.V., ein weiterer Mitgliedsverband der AD\u00dcTDF in Bayern, veranstaltete am 28. Mai in W\u00fcrzburg einen Kulturabend, an dem rund 400 Personen teilnahmen. 178","","8- Abschnitt Spionageabwehr 1. Allgemeines Die Bundesrepublik Deutschland war als bedeutendes Mitglied des NATO-Verteidigungsb\u00fcndnisses und als eine der f\u00fchrenden Industrieund Handelsnationen auch 1983 bevorzugtes Angriffsziel von Nachrichtendiensten des kommunistischen Machtbereiches. Nicht nur diese milit\u00e4rische und wirtschaftliche Stellung wirken wie ein Magnet auf diese Dienste, sondern vor allem der Umstand, da\u00df das geteilte Deutschland eine Nahtstelle zwischen den Interessensph\u00e4ren der beiden Weltm\u00e4chte darstellt. Der Freistaat Bayern ist wegen seiner geographischen Lage davon erheblich betroffen. Die st\u00e4rkste Spionagebedrohung ging wieder von den Nachrichtendiensten der DDR aus; deren Anteil an Auftr\u00e4gen und Werbungen lag bei etwa 50%. Es folgten die Aktivit\u00e4ten der Dienste der CSSR, Rum\u00e4niens, der UdSSR, Polens, Ungarns und Bulgariens. Der Prozentanteil der erkannten Werbungen und Werbungsversuche f\u00fcr die CSSR n\u00e4herte sich dem der DDR-Dienste. Anteile der Spionageaktivit\u00e4ten l M M II _Jl IEZZHI DDR CSSR Rum\u00e4nien UdSSR Polen Ungarn Bulgarien 180","1983 blieb die Zahl der in Bayern erfa\u00dften Personen, die von Nachrichtendiensten kommunistischer Staaten zu einer Spionaget\u00e4tigkeit gegen die Bundesrepublik Deutschland aufgefordert wurden, gegen\u00fcber dem Vorjahr in etwa gleich. Die angesprochenen B\u00fcrger lehnten \u00fcberwiegend von vornherein eine nachrichtendienstliche Mitarbeit ab, Einige erkl\u00e4rten sich -- meist aufgrund einer wirklichen oder vermeintlichen Zwangslage -- zu einer Mitarbeit bereit, wurden aber tats\u00e4chlich nicht t\u00e4tig. Die \u00fcbrigen Personen wurden f\u00fcr ihre Auftraggeber t\u00e4tig und f\u00fchrten die Auftr\u00e4ge zumindest teilweise aus. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die ablehnende Haltung gegen\u00fcber einer nachrichtendienstlichen T\u00e4tigkeit verst\u00e4rkt. Vielfach blieb die strikte Verweigerung einer nachrichtendienstlichen Mitarbeit ohne nachteilige Auswirkungen. Das Schwergewicht der Spionageauftr\u00e4ge lag 1983 wieder bei der politischen Spionage. Ziele der Aussp\u00e4hungsbem\u00fchungen waren dabei Beh\u00f6rden, Parteien und ihnen nahestehende Organisationen, Gewerkschaften, Massenmedien, aber auch Emigranten und Emigrantenorganisationen. Es folgten Auftr\u00e4ge vorbereitender und unterst\u00fctzender Art zur Einleitung von Spionageaktivit\u00e4ten und zur Erprobung angeworbener Agenten. Der Rest verteilte sich zu fast gleichen Teilen auf die Milit\u00e4rund Wirtschaftsspionage. Bei der Milit\u00e4rspionage richtete sich das Interesse auf Einrichtungen der Bundeswehr und der im Bundesgebiet stationierten NATO-Streitkr\u00e4fte sowie auf mit R\u00fcstungsauftr\u00e4gen befa\u00dfte Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Entsprechend dem hohen Stellenwert, den die DDR der Wirtschaftsspionage zumi\u00dft, waren insbesondere die Bereiche der Mikroelektronik, Datenverarbeitung, Chemie, Mikrobiologie, Energietechnik und Werkstoffherstellung von Spionageaktivit\u00e4ten betroffen. Zielrichtung der erkannten Spionageauftr\u00e4ge Politik Milit\u00e4r Wirtschaft Sonstiges Nach wie vor sind die sog. Legalen Residenturen der gegnerischen Nachrichtendienste in amtlichen und halbamtlichen Vertretungen kommunistischer Staaten im Bundesgebiet Ausgangspunkte umfangreicher Spionageaktivit\u00e4ten. Unter dem Deckmantel diplomatischer, konsularischer oder gesch\u00e4ftlicher Bet\u00e4ti181","gung suchen dort besch\u00e4ftigte Mitarbeiter der gegnerischen Nachrichtendienste Kontakte zu Bundesb\u00fcrgern, um sie f\u00fcr eine nachrichtendienstliche Mitarbeit zu gewinnen, ihr nachrichtendienstlich interessantes Wissen abzusch\u00f6pfen oder sie zur Durchsetzung eigener politischer Ziele zu beeinflussen. Spionage wird auch von Agenturen staatlicher Wirtschaftsorganisationen, B\u00fcros von Fluggesellschaften und Reiseunternehmen sowie Vertretungen von Presse, Funk und Fernsehen aus betrieben. Erhebliche Aktivit\u00e4ten zeigte 1983 wieder die Sowjetische Milit\u00e4rmission (SMM), die vor allem bei Man\u00f6vern operative Erkundungsfahrten unternahm. Die Bek\u00e4mpfung dieser im gro\u00dfen Ausma\u00df betriebenen Spionaget\u00e4tigkeit wird von Jahr zu Jahr schwieriger. Die hohe Zahl der Agenten, ihre verbesserte Ausbildung sowie der Einsatz neuester operativer Hilfsmittel erm\u00f6glichen den gegnerischen Nachrichtendiensten eine immer umfangreichere und hochwertigere konspirative Arbeit. Durch intensive Aufkl\u00e4rungsarbeit gelingt es aber den Sicherheitsbeh\u00f6rden immer wieder, Spione zu enttarnen und eine strafrechtliche Ahndung zu erm\u00f6glichen. 1983 verurteilte das Bayerische Oberste Landesgericht drei Personen (1982: 6 Personen) wegen geheimdienstlicher Agentent\u00e4tigkeit zu Freiheitsstrafen zwischen zwei und sieben Jahren. Auftraggeber waren der milit\u00e4rische Nachrichtendienst der UdSSR (GRU) und das Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR (MfS). 2. Offene Informationsgewinnung Die Nachrichtendienste des kommunistischen Machtbereichs versuchen, die erw\u00fcnschten Informationen, insbesondere auf den Gebieten Wissenschaft und Wirtschaft, nicht nur auf dem klassischen Weg \u00fcber Agenten zu erlangen. In nicht unbetr\u00e4chtlichem Umfang werden relevante Erkenntnisse auch aus allgemein zug\u00e4nglichen Quellen gewonnen. Daher werden Informationen durch Presse, Rundfunk und Fernsehen, in Fachzeitschriften, Prospekten, wissenschaftlichen Ausarbeitungen oder von Messen von diesen Nachrichtendiensten systematisch beschafft und ausgewertet. Der Vorteil f\u00fcr die Dienste liegt darin, da\u00df sie weder konspirative Wege noch nachrichtendienstliche Hilfsmittel mit ihren nicht v\u00f6llig kalkulierbaren Risiken einsetzen m\u00fcssen. Daneben bietet die Beschaffung allgemein zug\u00e4nglichen Materials Gelegenheit, geworbene Agenten auf die Probe zu stellen. In diesem Zusammenhang ist auch der illegale West-Ost-Handel zu ber\u00fccksichtigen. Eine Reihe von Wirtschaftsund Industrieg\u00fctern unterliegt hinsichtlich der Ausfuhr in Staaten des Warschauer Paktes Ausfuhrbeschr\u00e4nkungen (sog. Embargog\u00fcter). Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn, wie z.B. im Bereich der Computertechnologie und der Mikroelektronik, diese G\u00fcter in der R\u00fcstungsindustrie Verwendung finden k\u00f6nnen und daher milit\u00e4rstrategisch von Bedeutung sind. Die gegnerischen Nachrichtendienste versuchen daher, durch Umgehung der Embargobestimmungen an die entsprechenden G\u00fcter und Unterlagen zu gelangen, um so das technische Know-how zu gewinnen. Es ist daher davon auszugehen, da\u00df h\u00e4ufig hinter Gesch\u00e4ften im West-Ost-Handel, bei denen Embargobestimmungen verletzt wurden, ein \u00f6stlicher Nachrichtendienst steht. 182","3. Agentenwerbung Zentrale Bedeutung bei der Informationsgewinnung durch die \u00f6stlichen Nachrichtendienste kommt trotz aller technischer Aufkl\u00e4rungsmittel nach wie vor Agenten und Informanten in den auszusp\u00e4henden Objekten zu. Diese werden entweder in die Objekte eingeschleust oder als Angeh\u00f6rige dieser Institutionen zur nachrichtendienstlichen Mitarbeit angeworben. Die Werbungsmethoden der gegnerischen Dienste haben sich im Vergleich zu den Vorjahren kaum ge\u00e4ndert. Nach wie vor werden Bundesb\u00fcrger von Geheimdiensten \u00fcberwiegend bei Reisen in den kommunistischen Machtbereich angesprochen. Den DDR-Diensten ist besonders daran gelegen, Personen als Agenten zu gewinnen, die noch im Studium oder in der Berufsausbildung stehen. So gewonnene \"Perspektiv-Agenten\" k\u00f6nnen gezielt vorbereitet und in die ausgew\u00e4hlten Aussp\u00e4hungsobjekte eingeschleust werden. Dies zeigt folgender Fall: Ein Abiturient, der sich zu einer Familienfeier bei Verwandten in der DDR aufhielt, wurde unmittelbar nach seiner Ankunft in der Wohnung seines Gastgebers von einem Unbekannten aufgesucht und zu einem Gespr\u00e4ch unter vier Augen gebeten. Der Unbekannte gab vor, sich \u00fcber die Studienverh\u00e4ltnisse in der Bundesrepublik Deutschland informieren zu wollen. Au\u00dferdem interessierte er sich f\u00fcr die finanzielle Unterst\u00fctzung von Sch\u00fclern und Studenten nach dem Bundesausbildungsf\u00f6rderungsgesetz sowie f\u00fcr die Zukunftspl\u00e4ne seines Gespr\u00e4chspartners. In der anschlie\u00dfenden Diskussion stellte der Unbekannte die Vorteile, die Studenten in der DDR h\u00e4tten, heraus, offensichtlich in der Absicht, die politische Einstellung der Zielperson zu ergr\u00fcnden. Zur Fortsetzung des \"Gedankenaustausches\" wurde der Abiturient zu weiteren Besuchen in die DDR eingeladen. Dazu wurden ihm finanzielle Zuwendungen und vor allem Reiseerleichterungen in Aussicht gestellt. In der Folgezeit forderte der Unbekannte den Besucher aus der Bundesrepublik zu einer weiteren Reise in die DDR auf. Der Abiturient erkannte den nachrichtendienstlichen Hintergrund und brach den Kontakt zu dem DDR-Gespr\u00e4chspartner ab. Neben solchen zwanglosen Anbahnungsgespr\u00e4chen in der DDR wird die nachrichtendienstliche Werbung auch unter Anwendung von Druckmitteln durchgef\u00fchrt. So war ein Bundesb\u00fcrger, der sich besuchsweise in der DDR aufhielt, w\u00e4hrend seines Aufenthaltes in einen Unfall verwickelt. Er wurde von Sicherheitsbeamten zum Unfallhergang sowie \u00fcber seinen beruflichen Werdegang befragt. Er gab an, da\u00df ihn am Unfall keine Schuld treffe und da\u00df er auch gegen keine Vorschriften versto\u00dfen habe. \u00dcber seinen Arbeitsplatz machte er nur unverf\u00e4ngliche Angaben. Unmittelbar vor dem Ende seiner Besuchsreise erschienen erneut Angeh\u00f6rige des Staatssicherheitsdienstes und bedeuteten ihm, da\u00df er in seinem Beruf hervorragende Dienste f\u00fcr den \"Frieden\" leisten k\u00f6nnte. Zugleich wurden ihm zwei verschiedene Unfallberichte vorgelegt. Im einen war gutachtlich festgehalten, da\u00df er an dem Unfall Schuld trage, in anderen, da\u00df er sich den gesetzlichen Bestimmungen entsprechend verhalten habe. Ihm wurde deutlich gemacht, da\u00df es von seiner Entscheidung -- nachrichtendienstliche Mitarbeit oder nicht -- abhinge, welche weitere Ma\u00dfnahme gegen ihn getroffen und welcher Bericht bei der Unfallregelung verwendet werde. Um ungehindert 183","ausreisen zu k\u00f6nnen, unterschrieb der Bundesb\u00fcrger in dieser Zwangslage eine nachrichtendienstliche Verpflichtungserkl\u00e4rung. Bei den Werbungsbem\u00fchungen innerhalb der Bundesrepublik Deutschland standen wieder Briefansprachen sowie briefliche und telefonische Angebote als Reaktionen auf Stellenund Gesch\u00e4ftsanzeigen von Bundesb\u00fcrgern in Tagesoder Fachzeitschriften im Vordergrund. Die Interessenten, die den DDR-Nachrichtendiensten f\u00fcr eine nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeit interessant und geeignet erscheinen, erhalten in der Regel wenige Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung ihrer Stellenanzeige eine meistens in Berlin aufgegebene Zuschrift von einer \"Unternehmensberatung\". Eine Konktaktaufnahme durch den Interessenten f\u00fchrt stets zu einer Einladung nach Berlin (Ost), um dort in einem Hotel die Details f\u00fcr eine ,.Zusammenarbeit\" festzulegen. Die nachrichtendienstliche Ansprache von Personen mit Wohnsitz im kommunistischen Machtbereich erfolgte vorwiegend anl\u00e4\u00dflich von Aussiedlungsbem\u00fchungen und aufgrund vorhandener Westkontakte. Dies verdeutlicht folgender Fall: Ein 30j\u00e4hriger DDR-B\u00fcrger stellte w\u00e4hrend der letzten 3 Jahre mehrmals einen Antrag auf Umsiedlung in die Bundesrepublik Deutschland. Etwa 6 Wochen vor der Genehmigung zur dauernden Wohnsitzverlegung, wurde er zu einem Gespr\u00e4ch zum zust\u00e4ndigen Rat des Kreises, Abteilung Inneres, vorgeladen. Dort erwartete ihn ein MfS-Angeh\u00f6riger. Dieser stellte ihm die Genehmigung zur Umsiedlung in Aussicht, falls er sich bereit erkl\u00e4re, f\u00fcr das MfS t\u00e4tig zu werden. Um seine Umsiedlungsbem\u00fchungen nicht in Frage zu stellen, stimmte er dem Ansinnen zu. Nach einigen Zusammenk\u00fcnften mit MfS-Angeh\u00f6rigen in konspirativen Wohnungen, wo er f\u00fcr seinen nachrichtendienstlichen Einsatz vorbereitet und geschult wurde, konnte er die DDR verlassen. Vorher vereinbarten seine Gespr\u00e4chspartner mit ihm, da\u00df er umgehend eine Ansichtskarte von dem Ort, an dem er sich niedergelassen habe, an eine Deckanschrift in die DDR schreiben solle. Seine Adresse oder Einzelheiten \u00fcber seine berufliche T\u00e4tigkeit sollte er nur seinen in der DDR verbliebenen Angeh\u00f6rigen mitteilen, wodurch dann das MfS auch davon Kenntnis bekommen w\u00fcrde. Konkrete Auftr\u00e4ge w\u00fcrden ihm erst bei pers\u00f6nlichen Treffs mit seinen MfS-F\u00fchrungsleuten an der Transitstrecke nach Berlin (West) erteilt. Zun\u00e4chst sollte sich der Umsiedler in der Bundesrepublik Deutschland eingew\u00f6hnen und beruflich Fu\u00df fassen. Ein tschechischer Automechaniker reparierte \u00f6fters Kraftfahrzeuge westlicher Touristen, Kaufleute und Diplomaten. Er wurde deswegen in der CSSR mehrmals von der Polizei aufgesucht oder zur Polizeidienststelle vorgeladen. Von einem Offizier des tschechoslowakischen Nachrichtendienstes wurde ihm eines Tages eine nachrichtendienstliche Verpflichtungserkl\u00e4rung vorgelegt, die er unterschreiben mu\u00dfte. Man verlangte von ihm, alles zu melden, was f\u00fcr die tschechoslowakischen Beh\u00f6rden von Interesse sein k\u00f6nnte. Er kam dieser Verpflichtung auch nach. Im Fr\u00fchjahr 1983 fl\u00fcchtete er in die Bundesrepublik Deutschland und beantragte Asyl. Wenige Wochen sp\u00e4ter wurde er von einem Bekannten aus der CSSR aufgesucht, der sich auff\u00e4llig \u00fcber die Flucht und das Asylverfahren erkundigte. Kurze Zeit danach meldete sich bei ihm ein Unbekannter, der 184","ihm Gr\u00fc\u00dfe von Verwandten in der CSSR bestellte und ihn eingehend \u00fcber die Behandlung im Lager Zirndorf ausfragte. Au\u00dferdem wollte er ihn zur R\u00fcckkehr in die CSSR bewegen. Monate sp\u00e4ter kam ein zweiter unbekannter Mann und legte dem Mechaniker ein Schriftst\u00fcck mit Fragen vor, die angeblich f\u00fcr die tschechoslowakischen Beh\u00f6rden von Bedeutung w\u00e4ren. Er mu\u00dfte mit Unterschrift davon Kenntnis nehmen. Als Gegenleistung wurden ihm in dem Schriftst\u00fcck pers\u00f6nliche Vorteile in der CSSR versprochen. 4. Agentenf\u00fchrung Eine nachrichtendienstliche Verbindung erfordert funktionierende Weisungsstr\u00e4nge und Verbindungswege. Sie werden durch pers\u00f6nliche Kontakte des Agenten mit seinem F\u00fchrungsoffizier im Ostblock oder mit sogenannten \"operativen Reisekadern\" im Bundesgebiet hergestellt. Ferner werden nachrichtendienstliche Hilfsmittel wie Container, verschl\u00fcsselte Funkdurchsagen, gef\u00e4lschte Ausweise oder Geheimschriftverfahren eingesetzt. Die \"operativen Reisekader\" werden im Bundesgebiet als Instrukteure oder Kuriere eingesetzt. Instrukteure haben die Aufgabe, im Auftrag der F\u00fchrungsstelle dem Agenten Weisungen zu erteilen, ihn fachlich und politisch anzuleiten und beschafftes Informationsmaterial zu \u00fcbernehmen. Kuriere sind in der Regel nur f\u00fcr den Informationsaustausch \u00fcber sogenannte \"Tote Briefk\u00e4sten\" zust\u00e4ndig. \"Operative Reisekader\" reisen in das Bundesgebiet entweder unter einer Falschidentit\u00e4t mit gef\u00e4lschten Reisepapieren ein oder treten als \"offizielle Reisekader\", z.B. als Wissenschaftler oder Monteure, mit dienstlichem Auftrag und entsprechenden dienstlichen Reisepapieren auf oder geben sich als private Besuchsreisende aus. Nach wie vor ist die h\u00e4ufigste Methode zur \u00dcbergabe nachrichtendienstlichen Materials und zur Versorgung des Agenten mit Anweisungen und Geld der pers\u00f6nliche Treff. Solche Begegnungen werden von den Nachrichendiensten der DDR aus Sicherheitsgr\u00fcnden vornehmlich im eigenen Machtbereich abgewickelt. Agenten und F\u00fchrungspersonen kommen im westlichen Ausland in der Regel erst zusammen, wenn eine entsprechende Vertrauensbasis besteht und Reisen in den kommunistischen Machtbereich eine Gef\u00e4hrdung des Agenten bedeuten w\u00fcrden. Der freiz\u00fcgig gestaltete Reiseverkehr in die Bundesrepublik Deutschland und insbesondere das geteilte Berlin erm\u00f6glichen relativ risikolos einen \u00dcbertritt von Ost nach West und umgekehrt. Verratsmaterial und nachrichtendienstliche Hilfsmittel, wie gef\u00e4lschte Ausweise oder Verschl\u00fcsselungsunterlagen, werden in aller Regel verdeckt transportiert und hinterlegt. Solche Transportbeh\u00e4ltnisse oder Verstecke werden als Container bezeichnet. Wie die folgenden Abbildungen zeigen, werden neben Gebrauchsartikeln auch Gegenst\u00e4nde der Natur als Container pr\u00e4pariert. Durch die Manipulation wird die Gebrauchsoder Funktionsf\u00e4higkeit des Gegenstandes kaum beeintr\u00e4chtigt. So wurde z.B. ein handels\u00fcblicher Kugelschreiber als nachrichtendienstliches Transportmittel gebraucht. Dieser kann nur zerlegt werden, wenn die mitgelieferte Nadel in die f\u00fcr die Mine vorgesehene \u00d6ffnung eingef\u00fchrt wird. Dadurch 185","KLETT vumnwanlef 06",".*?*' 187","wird eine Halterung zur\u00fcckgeschoben und die Mine freigegeben. Die Minenfassung aus Metall dient als Container f\u00fcr Verschl\u00fcsselungsunterlagen u.a. Die gleiche Zweckbestimmung hatte ein gew\u00f6hnlicher Hausschl\u00fcssel, der innen hohl war und mittels eines Linksgewindes ge\u00f6ffnet werden konnte. Dem Transport von falschen Personalpapieren, von Geld, aber auch von schriftlichen Informationen dienen spezielle Mappen oder Taschen. Sie sind innen mit einem verschlie\u00dfbaren Geheimfach ausgestattet. Im geschlossenen Zustand sind f\u00fcr Uneingeweihte weder das Fach noch der Verschlu\u00df erkennbar. Die Verbindung zwischen Agent und Zentrale wird nur noch gelegentlich \u00fcber ,,Tote Briefk\u00e4sten\" aufrechterhalten. In einem Fall erhielt der Agent die Anweisung, zu einer bestimmten Zeit in der N\u00e4he eines Ortes in Oberbayern einen exakt beschriebenen und freistehenden Birnbaum mit konspirativem Versteck aufzusuchen. In dem Baumstamm steckte in einer nat\u00fcrlichen Aush\u00f6hlung ein 30 cm langer Ast, der in seinem dicken Ende einen k\u00fcnstlichen Hohlraum hatte. In diesem war ein zylindrisches Metallgeh\u00e4use, das erst nach Spaltung des Astes herausgenommen werden konnte. Angeworbene Bundesb\u00fcrger werden auch zur Unterst\u00fctzung von in der Bundesrepublik Deutschland t\u00e4tigen Mitarbeitern der DDR-Nachrichtendienste eingesetzt. So hielten sich zwei DDR-B\u00fcrger zur Erf\u00fcllung nachrichendienstlicher Aufgaben in S\u00fcddeutschland auf. Um ihrer T\u00e4tigkeit ungest\u00f6rt nachgehen zu k\u00f6nnen, lie\u00dfen sie sich von einem bundesdeutschen Gew\u00e4hrsmann unter dessen Namen ein Wochenendhaus als Operationsbasis anmieten. Au\u00dferdem mu\u00dfte sich dieser ein Kraftfahrzeug beschaffen und es ihnen zur Verf\u00fcgung stellen. Von ihrem Domizil aus starteten sie dann t\u00e4glich zu ihren geheimen Unternehmungen. Dabei gebrauchten sie einen Fotoapparat, der versteckt in einer Herrenaktentasche untergebracht war. Mit diesem machten sie w\u00e4hrend ihres Aufenthalts in Bayern verdeckt Fotoaufnahmen von f\u00fcr ihren Auftrag bedeutsamen Objekten. In einem Geheimfach ihrer Aktentasche hatten sie au\u00dferdem das erforderliche Geld deponiert. 5. \"Aktive Ma\u00dfnahmen\" Die Nachrichtendienste der Staaten des Ostblocks beschr\u00e4nken sich nicht darauf, lediglich Informationen im Wege der Spionage zu erlangen. Vielmehr versuchen sie, auch offensiv mit sogenannten \"aktiven Ma\u00dfnahmen\" Einflu\u00df auf die Innenund Au\u00dfenpolitik der westlichen Staaten auszu\u00fcben. Mit dem Mittel der Desinformation unterst\u00fctzen sie die Au\u00dfenpolitik ihres jeweiligen Landes und des Warschauer Paktes. Die ausgefeilten Techniken reichen von der Verbreitung falscher oder entstellter Nachrichten bis hin zum Einsatz von Einflu\u00dfagenten. Welchen Stellenwert die ,.aktiven Ma\u00dfnahmen\" haben, zeigt die Tatsache, da\u00df in der DDR eine eigene Abteilung, die Abteilung X der Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung des MfS, hierf\u00fcr speziell zust\u00e4ndig ist. Es ist meist schwer, derartige ,.aktive Ma\u00dfnahmen\" zu erkennen und sie als solche eines \u00f6stlichen Nachrichtendienstes nachzuweisen. Ende 1982 gingen zum Beispiel italienischen, britischen und t\u00fcrkischen Presseorganen anonym Kopien eines angeblichen Schreibens des Bayerischen Mini188","sterpr\u00e4sidenten Dr. h.c. Franz Josef Strau\u00df vom Juni 1980 an den Vorsitzenden der rechtsextremen t\u00fcrkischen \"Partei der Nationalen Bewegung\" (MHP), Alparslan T\u00fcrkes, zu. Das gef\u00e4lschte Schreiben enthielt herabw\u00fcrdigende \u00c4u\u00dferungen zur Politik von Papst Johannes Paul II. Ferner sollte der Eindruck erweckt werden, Ministerpr\u00e4sident Strau\u00df habe gewu\u00dft, da\u00df der Papstattent\u00e4ter Ali Agca schon im November 1979 mit Zustimmung der MHP \u00f6ffentlich die Ermordung des Papstes anl\u00e4\u00dflich dessen Besuches in der T\u00fcrkei angek\u00fcndigt habe. Dieses gef\u00e4lschte Schreiben diente offensichtlich der Desinformation. Mit ihm sollte einerseits der Bayerische Ministerpr\u00e4sident kompromittiert werden, andererseits sollte es von der seinerzeit in der \u00d6ffentlichkeit diskutierten Verstrickung des bulgarischen Nachrichtendienstes in das Papstattentat ablenken. Es liegen Anhaltspunkte vor, da\u00df es sich hier um eine \"aktive Ma\u00dfnahme\" des bulgarischen Nachrichtendienstes handelte. 189","","","Gesetz \u00fcber die Errichtung eines Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz in der Fassung der Bekanntmachung vom 8. August 1974 (GVBI S. 467) Art. 1 Zust\u00e4ndigkeit (1) In Bayern wird ein Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz errichtet. Es ist eine dem Staatsministerium des Innern unmittelbar nachgeordnete Beh\u00f6rde und ist ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Wahrnehmung der Aufgaben nach Art. 2 zust\u00e4ndig. Nach Bedarf k\u00f6nnen Au\u00dfenstellen des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz eingerichtet werden. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz darf einer polizeilichen Dienststelle nicht angegliedert werden. (3) Verfassungsschutzbeh\u00f6rden anderer L\u00e4nder d\u00fcrfen im Geltungsbereich dieses Gesetzes nur im Einvernehmen mit dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz t\u00e4tig werden. Art. 2 Aufgaben (1) Aufgabe des Landesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz ist die Sammlung und Auswertung von Ausk\u00fcnften, Nachrichten und sonstigen Unterlagen \u00fcber 1. Bestrebungen, die gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand und die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeintr\u00e4chtigung der Amtsf\u00fchrung von Mitgliedern verfassungsm\u00e4\u00dfiger Organe des Bundes oder eines Landes zum Ziele haben; 2. sicherheitsgef\u00e4hrdende oder geheimdienstliche T\u00e4tigkeiten im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes f\u00fcr eine fremde Macht; 3. Bestrebungen im Geltungsbereich des Gesetzes \u00fcber die Zusammenarbeit des Bundes und der L\u00e4nder in Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, die durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen ausw\u00e4rtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gef\u00e4hrden. 192","(2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz wirkt mit 1. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, denen im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftige Tatsachen, Gegenst\u00e4nde oder Erkenntnisse anvertraut werden, die Zugang dazu erhalten sollen oder ihn sich verschaffen k\u00f6nnen; 2. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die an sicherheitsempfindlichen Stellen von lebensoder verteidigungswichtigen Einrichtungen besch\u00e4ftigt sind oder besch\u00e4ftigt werden sollen; 3. bei technischen Sicherheitsma\u00dfnahmen zum Schutz von im \u00f6ffentlichen Interesse geheimhaltungsbed\u00fcrftigen Tatsachen, Gegenst\u00e4nden oder Erkenntnissen gegen die Kenntnisnahme durch Unbefugte; 4. bei der \u00dcberpr\u00fcfung von Personen, die sich um Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst bewerben. (3) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz unterrichtet die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden des Bundes und der L\u00e4nder \u00fcber alle Angelegenheiten des Verfassungsschutzes, von denen es Kenntnis erh\u00e4lt und die f\u00fcr den Bund oder das betreffende Land von Wichtigkeit sind. Art. 3 Befugnisse Polizeiliche Befugnisse oder ein Weisungsrecht gegen\u00fcber Polizeidienststellen stehen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz nicht zu. Zur Wahrnehmung seiner Aufgaben nach Art. 2 Abs. 1 und 2 ist das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz befugt, nachrichtendienstliche Mittel anzuwenden. Art. 4 Amtshilfe und Auskunftserteilung (1) Die Beh\u00f6rden und Einrichtungen des Staates, die Gemeinden, die Gemeindeverb\u00e4nde, die sonstigen der Aufsicht des Staates unterstehenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts, die Gerichte und das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz leisten einander Rechtsund Amtshilfe. (2) Das Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz kann \u00fcber alle Angelegenheiten, deren Aufkl\u00e4rung zur Wahrnehmung seiner Aufgaben erforderlich ist, von den in Absatz 1 genannten Stellen Ausk\u00fcnfte und die \u00dcbermittlung von Unterlagen verlangen, soweit nicht gesetzliche Vorschriften entgegenstehen. (3) Dar\u00fcber hinaus haben die in Absatz 1 genannten Stellen dem Landesamt f\u00fcr Verfassungsschutz alle Tatsachen und Unterlagen \u00fcber Bestrebungen und T\u00e4tigkeiten im Sinne des Art. 2 Abs. 1 unaufgefordert zu \u00fcbermitteln. 193","Art. 5 Durchf\u00fchrungsbestimmungen Die zur Durchf\u00fchrung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen erl\u00e4\u00dft das Staatsministerium des Innern. Art. 6 Inkrafttreten Das Gesetz ist dringlich. Es tritt am 1. November 1950 in Kraft. I Diese Vorschrift betrifft das Inkrafttreten des Gesetzes in der urspr\u00fcnglichen Fassung vom 22. November 1950 (BayBS I S. 434). Der Zeitpunkt des Inkrafttretens der sp\u00e4teren \u00c4nderungen ergibt sich aus den jeweiligen \u00c4nderungsgesetzen. 194","","Bayerischer Staatsanzeiger Nr. 16/28. Jahrgang Amtliche Ver\u00f6ffentlichung 19. April 1973 Staatskanzlei Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 27. M\u00e4rz 1973 NR. A I 3 -- 180-6-84 Die Bayerische Staatsregierung hat in ihrer Sitzung vom 27. M\u00e4rz 1973 in \u00dcbereinstimmung mit dem Beschlu\u00df der Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder vom 28. Januar 1972 ihren Beschlu\u00df vom 25. April 1961 \u00fcber verfassungsfeindliche Bet\u00e4tigung von Angeh\u00f6rigen des \u00f6ffentlichen Dienstes (Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961, StAnz Nr. 19) durch die folgende Bekanntmachung \u00fcber die Pflicht zur Verfassungstreue im \u00f6ffentlichen Dienst neu gefa\u00dft: I. Die Regierungschefs des Bundes und der L\u00e4nder haben am 28. Januar 1972 folgenden Beschlu\u00df gefa\u00dft: 1. Nach den Beamtengesetzen in Bund und L\u00e4ndern -- darf in das Beamtenverh\u00e4ltnis nur berufen werden, wer die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt; -- sind Beamte verpflichtet, sich aktiv innerhalb und au\u00dferhalb des Dienstes f\u00fcr die Erhaltung dieser Grundordnung einzusetzen. Es handelt sich hierbei um zwingende Vorschriften. 2. Jeder Einzelfall mu\u00df f\u00fcr sich gepr\u00fcft und entschieden werden. Von folgenden Grunds\u00e4tzen ist dabei auszugehen: 2.1 Bewerber 2.1.1 Ein Bewerber, der verfassungsfeindliche Aktivit\u00e4ten entwickelt, wird nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt. 2.1.2 Geh\u00f6rt ein Bewerber einer Organisation an, die verfassungsfeindliche Ziele verfolgt, so begr\u00fcndet diese Mitgliedschaft Zweifel daran, ob er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung eintreten wird. Diese Zweifel rechtfertigen in der Regel eine Ablehnung des Einstellungsantrages.","2.2 Beamte Erf\u00fcllt ein Beamter durch Handlungen oder wegen seiner Mitgliedschaft in einer Organisation verfassungsfeindlicher Zielsetzung die Anforderungen des SS 35 Beamtenrechtsrahmengesetz nicht, aufgrund derer er verpflichtet ist, sich durch sein gesamtes Verhalten zu der freiheitlichen demokratischen Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes zu bekennen und f\u00fcr deren Erhaltung einzutreten, so hat der Dienstherr aufgrund des jeweils ermittelten Sachverhalts die gebotenen Konsequenzen zu ziehen und insbesondere zu pr\u00fcfen, ob die Entfernung des Beamten aus dem Dienst anzustreben ist. 3. F\u00fcr Arbeiter und Angestellte im \u00f6ffentlichen Dienst gelten entsprechend den jeweiligen tarifvertraglichen Bestimmungen dieselben Grunds\u00e4tze. II. Die Bayerische Staatsregierung hat die Verbindlichkeit dieser Grunds\u00e4tze f\u00fcr alle \u00f6ffentlich-rechtlichen Dienstherren und Arbeitgeber in Bayern mit Beschlu\u00df vom 18. April 1972 best\u00e4tigt. Zu ihrer Durchf\u00fchrung wird folgendes bestimmt: 1. Vor der Einstellung eines Bewerbers in den \u00f6ffentlichen Dienst haben die Einstellungsbeh\u00f6rden zun\u00e4chst beim Staatsministerium des Innern anzufragen, ob Tatsachen bekannt sind, die Bedenken gegen die Einstellung begr\u00fcnden. Das Staatsministerium des Innern ist verpflichtet, Anfragen dieser Art unverz\u00fcglich zu beantworten. Die Ausk\u00fcnfte sind auf Tatsachen zu beschr\u00e4nken, die gerichtsverwertbar sind. Die Anfrage nach Satz 1 entf\u00e4llt, wenn bereits aufgrund anderer Vorschriften eine \u00dcberpr\u00fcfung vor der Einstellung vorgesehen ist. 2. Beabsichtigt die Einstellungsbeh\u00f6rde nach Eingang der Auskunft des Staatsministeriums des Innern, den Bewerber einzustellen, so ist der Bewerber vor der Entscheidung \u00fcber die Einstellung zun\u00e4chst gem\u00e4\u00df Anlage 1* schriftlich zu belehren und zur Unterzeichnung der Erkl\u00e4rung gem\u00e4\u00df Anlage 2* aufzufordern. 3. Bestehen auf Grund der vom Staatsministerium des Innern mitgeteilten oder anderweitig bekannt gewordenen Tatsachen oder wegen der Weigerung, die vorbezeichnete Erkl\u00e4rung zu unterschreiben, Zweifel daran, da\u00df der Bewerber jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist ihm Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. K\u00f6nnen die Zweifel nicht ausger\u00e4umt werden, so darf er nicht in den \u00f6ffentlichen Dienst eingestellt werden. 4. Wird die Einstellung in den \u00f6ffentlichen Dienst deshalb abgelehnt, weil der Bewerber nicht die Gew\u00e4hr daf\u00fcr bietet, da\u00df er jederzeit f\u00fcr die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes eintritt, so ist die Entscheidung dem Bewerber schriftlich unter Darlegung der Gr\u00fcnde mitzuteilen; betrifft sie die \u00dcbernahme in ein Beamtenoder Richterverh\u00e4ltnis, so mu\u00df sie au\u00dferdem eine Rechtsmittelbelehrung enthalten. 197","5. Nummern 1 bis 4 gelten auch f\u00fcr Bewerbungen um die \u00dcbernahme in das Beamtenverh\u00e4ltnis auf Widerruf. Dabei sind Ausbildungszweck und Ausbildungsweise zu ber\u00fccksichtigen. 6. Besteht der Verdacht, da\u00df ein Angeh\u00f6riger des \u00f6ffentlichen Dienstes gegen die Pflicht zur Verfassungstreue verst\u00f6\u00dft, so pr\u00fcft seine Dienststelle, ob die gesetzlich vorgesehenen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen sind, um ihn zur Erf\u00fcllung seiner Dienstpflichten anzuhalten oder ihn aus dem Dienst zu entfernen. Art. 70 des Bayerischen Personalvertretungsgesetzes ist zu beachten. 7. In den F\u00e4llen der Nummern 4 und 6 sind die zust\u00e4ndige oberste Dienstbeh\u00f6rde und die Staatsministerien des Innern und der Finanzen vor der Entscheidung zu unterrichten und \u00fcber den Fortgang der Sache auf dem laufenden zu halten. III. Den Gemeinden, Gemeindeverb\u00e4nden und sonstigen der Aufsicht des Freistaates Bayern unterliegenden juristischen Personen des \u00f6ffentlichen Rechts wird empfohlen, nach den vorstehenden Bestimmungen zu verfahren. IV. Diese Bekanntmachung tritt am 1. April 1973 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Bekanntmachung der Bayerischen Staatsregierung vom 25. April 1961 (StAnz Nr. 19) au\u00dfer Kraft. M\u00fcnchen, den 27. M\u00e4rz 1973 Der Bayerische Ministerpr\u00e4sident Dr. h.c. Goppel * nicht abgedruckt 198","15%","Ergebnisse der extremistischen Parteien bei der Wahl zum Deutschen Bundestag am 6. M\u00e4rz 1983 An der Bundestagswahl vom 6. M\u00e4rz 1983 beteiligten sich in Bayern von den extremistischen Parteien die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), der Bund Westdeutscher Kommunisten (BWK) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Alle diese Parteien beteiligten sich jeweils mit einer Landesliste an der Wahl. Direktkandidaten hatte nur die DKP in allen Wahlkreisen aufgestellt; die NPD hatte Direktkandidaten in 30 der 45 Wahlkreise, der BWK nur in einem Wahlkreis in M\u00fcnchen aufgestellt. Einen \u00dcberblick \u00fcber die erreichten Stimmenzahlen dieser drei Parteien gibt die folgende \u00dcbersicht: Erzielte Erstund Zweitstimmen 20109 -- 20000 19569 -- 15000 11893 10000 7 332 -- 5000 -- 171 688 -- 1000 L DKP BWK NPD Erststimmen I I Zweitstimmen Nach dem amtlichen Endergebnis erhielt die DKP in Bayern 11.893 ( = 0,2%) der Erstund 7.332 ( = 0,1 %) der Zweitstimmen. Bei der Bundestagswahl 1980 waren es 14.870 ( = 0,2%) Erst-und 8.158 ( = 0,1 %) Zweitstimmen. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die durchschnittlichen, \u00fcberund unterdurchschnittlichen Erstund Zweitstimmenanteile an den einzelnen Wahlkreisen geben die Grafiken auf den Seiten 204 und 205. Bei den Zweitstimmen erzielte die DKP nur in M\u00fcnchen und N\u00fcrnberg \u00fcberdurchschnittliche Ergebnisse. Bei den Erststimmen war dies in Ingolstadt, M\u00fcnchen (4 von 5 Wahlkreisen) und N\u00fcrnberg der Fall. 200","Auf den BWK entfielen 171 Erststimmen (im Wahlkreis M\u00fcnchen-Nord) und 688 Zweitstimmen. Sein h\u00f6chstes Zweitstimmenergebnis erzielte er mit 47 Stimmen im Wahlkreis M\u00fcnchen-Nord. Die NPD konnte gegen\u00fcber der Bundestagswahl von 1980 Stimmengewinne verzeichnen. Sie erreichte 19.569 ( = 0,3%) Erstund 20.109 ( = 0,3%) Zweitstimmen. 1980 waren es 16.308 ( = 0,2%) Zweitstimmen; damals hatte sie nur mit einer Landesliste kandidiert. Eine \u00dcbersicht \u00fcber die Verteilung der durchschnittlichen, \u00fcberund unterdurchschnittlichen Ergebnisse in den einzelnen Wahlkreisen vermitteln die Grafiken auf den Seiten 206 und 207. Die h\u00f6chsten Zweitstimmenanteile (0,5%) erzielte die NPD in den Wahlkreisen F\u00fcrth, N\u00fcrnberg-Nord, N\u00fcrnberg-S\u00fcd und Augsburg-Stadt. Die besten Erststimmenergebnisse ergaben sich mit 0,7% in den Wahlkreisen N\u00fcrnberg-S\u00fcd und Ostallg\u00e4u sowie mit 0,6% in den Wahlkreisen F\u00fcrth, N\u00fcrnberg-Nord und Augsburg-Stadt. Im \u00fcbrigen sind die einzelnen, von den Parteien erzielten Wahlkreisergebnisse aus der Aufstellung auf den Seiten 202, 203 ersichtlich. 201","CD o CD CM CD N co o CO O co 00 CO CT) CD o LO *SJLO CD CM CM t co CM CM T CM 688 s N c CD E e CO h- 171 UJ I I I 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 co CM CM CM CM CO CO co CO co co CM CM co CM CO CO co CO CM d d d d d o d d d d d d d d d d d d d d CO CM o r\". CM oo CD CD o CD CM LO T o LO CO CD CO CO CM o CO 1 * ro 00 LO CM CD co co CM CO *NT o CO CO CM LO CO CO co co co \"fr CM g 20109 N CO CO CO I CO 1 1 1 1 <* ^ f 1 *sr | co * * LO CO CO 1 d d d I d 1 1 1 1 d d 1 d 1 o o o o o 1 c , CD 00 CM i-CO CO CO CO o co CO LO T CT) -5 CD CM ro CD CO V> E LO LO LO LO CD \"3r-co i E I 1 1 1 1 1 1 <* 1 19569 T CO CM CM CM CM d d d d d d o d d d d d d d d d d d d d c ^ CD o o CO 00 CT) LO ro CO CT) CM CD o CO LO CO CM CO CO LO CD co CD CM LO CD CD CM 'S E i-CM CM CM CM CM CM o 1 T-7332 ? 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CD <MCMC0C0T-TT-'T-r-T-T-r-T-t-rCM IM CM NN^r>C\\|CjC\\|N\"COCij\"^i-rC>j N f \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 \u00f6 o \u00f6 \u00f6 o \u00f6 \u00f6 o o o o o o CO O \"tf CD CM 3 CO r- CT) co CM m * * <T) CM o CO r~- o o \"* cn CM 1 -- h- O CT) CM r- 00 i- f- CD CO CM 1^ CO N (M V CD N. * * OO 00 CO O CO 1-CO CO CO CM CO -iT- CM T- CM CO ^r LH CM CO <M T - CM CM T -- T- CO CM -\" ^r -^ CM CM T O) \"CS \"O CO ls *w CO E? t D ) co CO _ l CO c CO 3 3 =i -S O) Z op CD O) \u00d6) O) ~ o c CD *; -Q \" 6i 6) CD 3: E O) :C0 CO CD = 3 A E? w 5 -Q co k CO CD -Q ^ \"^ O) D) N CO CO CO i: C \" C CO 1 fc >, JD *- c \"O CO O) PS S cB 5 CO Q n 3 O -S o> .c CO CO O O -c_ 5 o o o \" E CD o UJ LL CD < < Q Z O O si < IX co CO CD O I cc C O O ) O T - w r a t m C O N O O C D O ' - C M C O ^ I I ) l O N C O O ) 0 ' - I M C O i - i - N w c M C M N N N W c M C M n n c o c o m n n c o n n i t ^ ^ ^ C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M C M 203","le rns 1983 BadKissingen Main-Spessart & Neustadta.d. AischBad Windsheim u Landesgrenze um Reg.-Bezirksgrenzen ---Grenzen der Landkreise und kreisfreien St\u00e4dte WahlkreisEichst\u00e4tt grenzen Donau-Ries 202) Ingolstadt. Freyung0) Nummer -- Grafenau des Wahlkreises Freising Name Dillingen des Wahlkreises a.d.Donau AlchachFriedberg 'F\u00fcrstenfeldBruck\" Unterallg\u00e4u Memmingen Landsb: 'tarnberg) aTach\" &) Traunstein hausen Ma\u00dfstab (r)M\u00fcnchen Mitte D(r) E @ Nord 205, Ost (SR S\u00fcd \"(r) G S3 West","DKP Zweitstimmenanteile Die Bundeswahlkreise Bayerns 1983 ^]<0,1% 5 0,1% * >0,1% ^N\u00fcrnberg 1J M\u00fcnchen @ (Jotd '* Nord \"(r) (c) Ost (c) @ S\u00fcd S\u00fcd West 205","NPD Erststimmenanteile Die Bundeswahlkreise Bayerns 1983 nicht kandidiert M\u00fcnchen @ Mitte (c) Nord \"'/(c) @ Ost @ SS\u00d6d v--33 r~{ (207) West 206","neitstimmenanteile rns 1983 <0,3% 10,3% > 0,3% BAYREUTH 0,5% Insgesamt 45 Wahlkreise um Landesgrenze Schwandorf um REg.-Bezirks@&) grenzen Grenzen der Landkreise und kreisfreien Wei\u00dfenburgGunzenhausen St\u00e4dte Wahlkreisgrenzen (00) Nummer \"-des Wahlkreises Freising nn jes Wahlkreises er: Miesbach BadT\u00f6lzWolfratshausen Partenkirchen' Ma\u00dfstab -- u-km o 0 2 30 40 50 N\u00fcrnberg \"M\u00fcnchen (230) (@&) Nord (2) S\u00fcd","","L------ -- --","Verzeichnis von Publikationen deutscher extremistischer und extremistisch beeinflu\u00dfter Organisationen Titel zuzuordnen Antifaschistischer Jugenddienst VVN-BdA Arbeiterkampf (AK) KB Bayern-Stimme NPD Blatt -- Stadtzeitung f\u00fcr M\u00fcnchen undogmatische Neue Linke Das Korps ANS/NA Demokratischer Informationsdienst (DID) ASKo Denk mit! Denk-mit-Verlag Der Adlerf\u00fchrer JBA Der Alarmposten ADS Der Kommunist KPD Der Trommler fr\u00fcher BHJ Deutsche Monatshefte T\u00fcrmer-Verlag Deutsche National-Zeitung (DNZ) DSZ-Verlag Deutsche Volkszeitung / die tat DFU/VVN-BdA Deutsche Volkszeitung (DVZ) DFU Die Deutschen Nationaldemokraten informieren NPD Deutscher Anzeiger (DA) DVU Deutsche Stimme NPD Deutsche Wochen-Zeitung (DWZ) Deutsche Verlagsgesellschaft Deutsche Zukunft BIA die Tageszeitung (taz) undogmatische Neue Linke die tat VVN-BdA 210","Titel zuzuordnen effektiv VVN-BdA elan, das Jugendmagazin SDAJ Erlanger Hochschulzeitung MG Freies Landvolk AG-FLV Friedenszeitung KFAZ frontal SHB G\u00e4ck WJ Huttenbriefe f\u00fcr Volkstum, Kultur, Wahrheit und Freundeskreis Recht Ulrich v. Hutten Information der HNG HNG JN-Bayern-Info JN -- Info -- Orgblitz -- Pressedienst -- SZ-Info-Dienst K\u00e4mpfende Jugend BDP/BDJ -- LV Bayern Kommune -- Forum f\u00fcr Politik und \u00d6konomie KBW KOMMUNIST DKP Kommunistische Arbeiterzeitung (KAZ) AB Kommunistische Hefte KPD K\u00fcrbiskern DKP-nahe Zeitschrift Marxistische Arbeiterzeitung (MAZ) MG Marxistische Bl\u00e4tter DKP Marxistische Studentenzeitung -- Gegen die Kosten der Freiheit (MSZ) MG Mauerbruch Autonome N\u00fcrnberg Mauerspringer -- Zeitung im geteilten Deutschland JN Mensch und Ma\u00df Verlag Hohe Warte M\u00fcnchner Hochschulzeitung MG NACHRICHTEN zur Wirtschaftsund Sozialpolitik/ Gewerkschaftsspiegel DKP-nahe Zeitschrift 211","Titel zuzuordnen Nachrichten-Austausch-Dienst (NAD) Walter Ochensberger na klar BHJ Nation Europa (NE) NE-Verlag Neue Anthropologie GfbAEV NHB-Report NHB NPD-aktuell NPD -- Frankenspiegel -- Info-Blitz NS Kampfruf NSDAP-AO N\u00fcrnberger Hochschulzeitung MG offensiv SHB Pazifix BIFA u.a. Pionier JP Pionierleiterinformation JP Politische Berichte BWK praxis DKP Profil NPD Radikal Autonome Berlin (West) Rebell RJVD Regensburger Hochschulzeitung MG Resultate MG Revolution\u00e4rer Weg MLPD Rote Bl\u00e4tter MSB Spartakus Rote Fahne MLPD Roter Morgen KPD Roter Pfeil MLSV R\u00fchrt Euch SDAJ Sieg Walter Ochensberger taz (die tageszeitung) undogmatische Neue Linke tendenzen -- Zeitschrift f\u00fcr engagierte Kunst DKP-nahe Zeitschrift Unsere Arbeit JBA 212","Titel zuzuordnen Unsere Zeit (UZ) DKP-Zentralorgan Volksecho VOLKSFRONT was tun GIM Weg der Partei KPD Wikinger WJ Willibald fr\u00fcher JP W\u00fcrzburger Hochschulzeitung MG Zivilcourage -- Das antimilitaristische Magazin DFG-VK Zur Sache RBK 213","","AAR Aktion Ausl\u00e4nderr\u00fcckf\u00fchrung -- Volksbewegung gegen \u00dcberfremdung und Umweltzerst\u00f6rung 111 AB Arbeiterbund f\u00fcr den Wiederaufbau der KPD 66 AD\u00dcTDF F\u00f6deration der T\u00fcrkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa 177 ADS Arbeitskreise Demokratischer Soldaten 46 AG-FLV Arbeitsgemeinschaft Freies Landvolk 76 AKON Aktion Deutsche Einheit 107 AKSA Vereinigung der Studenten Kurdistans im Ausland 169 ANS/NA Aktionsfront Nationaler Sozialisten/ Nationale Aktivisten 68, 102, 110 ff \u00c4RA Armenische Revolution\u00e4re Armee 160 ARF Aktion deutsches Radio und Fernsehen 108 ASALA Armenische Geheimarmee f\u00fcr die Befreiung Armeniens 160 ASKo Anti-Strau\u00df-Komitee 68 AStA Allgemeiner Studentenausschu\u00df 152 ATIF F\u00f6deration der Arbeiter aus der T\u00fcrkei in Deutschland 173 AT\u00d6F Studentenf\u00f6deration der T\u00fcrkei in Deutschland e.V. 174 ATTF F\u00f6deration t\u00fcrkischer Sozialisten in Europa 172 BAF Bundeskongre\u00df autonomer Friedensinitiativen 84 B DP/B DJ Bund Deutscher Pfadfinder im Bund Demokratischer Jugend -- Landesverband Bayern 69 BdWi Bund demokratischer Wissenschaftler 60 BP Bolsevik Partizan 173 BHJ Bund Heimattreuer Jugend 120 BIA B\u00fcrgerinitiative Ausl\u00e4nderstopp 104 B1FA M\u00fcnchner B\u00fcrgerinitiative f\u00fcr Frieden und Abr\u00fcstung 51, 53, 58, 86 BIRKOM Antifaschistisches Einheitskomitee im Ausland 175 BKI Bund Kommunistischer Intellektueller 66 BSA Bund Sozialistischer Arbeiter 77 BWK Bund Westdeutscher Kommunisten 70, 76, 201 BWK-HZ BWK-Hochschulzellen 73 CIMEA Comite International des Mouvements des Enfants et des Adolescents 48 CISNU Conf\u00f6deration Iranischer Studenten -- National Union 161, 163 COBRA Comite Objectiv entraide et solidarite avec les victimes de la Repression Antinationaliste 115 DA Deutscher Anzeiger 106 DB Deutscher Block 118 DDF Die Deutsche Freiheitsbewegung 121 DFI Demokratische Fraueninitiative 60 DFG-ldK Deutsche Friedensgesellschaft -- Internationale der Kriegsdienstgegner 54 DFG-VK Deutsche Friedensgesellschaft -- Vereinigte Kriegsdienstgegner 54, 84 ff 215","DFLP Demokratische Front f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 159 DFU Deutsche Friedens-Union 51, 84 ff DID Demokratischer Informationsdienst 68 DKEG Deutsches Kulturwerk Europ\u00e4ischen Geistes 120 DKG Deutsche Kulturgemeinschaft 120 DKP Deutsche Kommunistische Partei 18, 56, 82 ff, 160, 167, 170, 172, 200 DKP-HG DKP-Hochschulgruppe 142 DNZ Deutsche National-Zeitung 106, 122 DRP Deutsche Reichspartei 97 DVG Deutsche Verlagsgesellschaft mbH 124 DVU Deutsche Volksunion 104 DVZ Deutsche Volkszeitung 51 DWZ Deutsche Wochen-Zeitung 124 EKKE Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands 161 E.KO.N RIGAS FEREOS Griechische Kommunistische Jugend 161 ELF Eritreische Befreiungsfront 158 EPLF Eritreische Volksbefreiungsfront 158 ER Ehrenbund Rudel -- Gemeinschaft zum Schutz der Frontsoldaten 109 FDJ Freie Deutsche Jugend der DDR 41, 43, 69 FG-BRDFreundschaftsgesellschaft Bundesrepublik DeutschlandCuba e.V. Kuba 50 FG-BRDGesellschaft f\u00fcr die Freundschaft zwischen den V\u00f6lVietnam kern in der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam 50 FIDEF F\u00f6deration der Arbeitervereine der T\u00fcrkei in der Bundesrepublik Deutschland e.V. 167 172 FILEF Italienischer Verband der Gastarbeiter und ihrer Familien 164 FIR F\u00f6deration Internationale des Resistants 1 i, 53 FK Freundeskreis Deutsche Politik 112 F\u00d6GA F\u00f6deration gewaltfreier Aktionsgruppen 84 FZ-Verlag Freiheitlicher Zeitungsverlag GmbH 122 GAD Gr\u00fcne Aktion Deutschland 110 GfbAEV Gesellschaft f\u00fcr biologische Anthropologie, Eugenik und Verhaltensforschung 121 GfP Gesellschaft f\u00fcr freie Publizistik 120 GIM Gruppe Interntationale Marxisten -- Deutsche Sektion der IV. Interntationale 76 GNN Gesellschaft f\u00fcr Nachrichtenerfassung und Nachrichtenverbreitung mbH 72 GOL Gewerkschaftlich orientierte Liste 152 GRU milit\u00e4rischer Nachrichtendienst der Sowjetunion 182 216","GUAfS Generalunion Afghanischer Studenten im Ausland 158 GUAfS Generalunion der Afghanen und afghanischen Studenten 158 HDP Kroatische Staatsbildende Bewegung 166 HKO Koordinationsausschu\u00df des Kroatischen Nationalrates 165 HNG Hilfsorganisation f\u00fcr nationale und politische Gefangene und deren Angeh\u00f6rige e.V. 111, 115 HNO Kroatisches Nationalkomitee in Europa 166 HNV Kroatischer Nationalrat 165 HRP Kroatische Revolution\u00e4re Bewegung 166 HVA Hauptverwaltung Aufkl\u00e4rung 188 l.f.A. Initiative f\u00fcr Ausl\u00e4nderbegrenzung 108 IMSF Institut f\u00fcr Marxistische Studien und Forschung 24, 33 ISVM Iranischer Studentenverein M\u00fcnchen 163 IVDJ Internationale Vereinigung Demokratischer Juristen 60 JBA Jugendbund Adler 118 JCAG Gerechtigkeitskommandos des armenischen V\u00f6lkermordes 160 JCC Jugendclub Courage 55 JF Junge Front 115 JN Junge Nationaldemokraten 102, 152 JP Junge Pioniere -- Sozialistische Kinderorganisation 48 KABD Kommunistischer Arbeiterbund Deutschlands 62 KAZ Kommunistische Arbeiterzeitung 67 KB Kommunistischer Bund 70 KBW Kommunistischer Bund Westdeutschland 70, 73 KDS Komitee f\u00fcr Demokratie und Sozialismus 62 KFAZ Komitee f\u00fcr Frieden, Abr\u00fcstung und Zusammenarbeit 53, 56, 58, 84 ff KgB Kommando gegen Bombenz\u00fcge 84 KHB Kommunistischer Hochschulbund 67, 149 KKE-Ausland Kommunistische Partei Griechenlands 42, 160 KKE-Inland Kommunistische Partei Griechenlands 161, 170 KNE Kommunistische Jugend Griechenlands 160 KOMKAR F\u00f6deration der Arbeitervereine aus Kurdistan in der Bundesrepublik Deutschland 167 KPCh Kommunistische Partei Chinas 61,73 KPD Kommunistische Partei Deutschlands 72, 74 KPdSU Kommunistische Partei der Sowjetunion 18, 85 KRH Kollektive Rote Hilfe M\u00fcnchen 79 KSG Kommunistische Studentengruppen 66 KVH Kurdische Volksh\u00e4user 169 LAF Liste AStA und Fachschaften 143, 152 LiLi Linke Liste 149 LISA Liste St\u00e4rkt den AStA 149 217","MAB Marxistische Arbeiterbildung 33 MASCH Marxistische Abendschulen 33 MAZ Marxistische Arbeiterzeitung 78 MfS Ministerium f\u00fcr Staatssicherheit der DDR 182 MG Marxistische Gruppen 77, 146, 152 MHP Partei der Nationalen Bewegung 177 M.I.DER T\u00fcrkischer Arbeiterverein M\u00fcnchen 172 MLBI Marxistisch-leninistischer Bund Intellektueller 66 ML-KKE Marxistisch-leninistische Kommunistische Partei Griechenlands 161 MLPD Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands 62 MLSV Marxistisch-Leninistischer Sch\u00fclerund Studentenverband 66 MSB Marxistischer Studentenbund Spartakus 47, 143, 145, 148, 172 MSI-DN Movimento Sociale Italiano -- Destra Nazionale 164 MSP Nationale Heilspartei 177 MSV Moslemische Studentenvereinigungen 163 MSZ Marxistische Studentenzeitung 78, 146 M\u00dcO Verein t\u00fcrkischer Idealisten, M\u00fcnchen 178 NAD Nachrichten-Austausch-Dienst 128 NE Nation Europa (Monatszeitschrift) 124 NF-BSN Nationale Front -- Bund Sozialrevolution\u00e4rer Nationali sten 116 NF Nationalistische Front 116 NHB Nationaldemokratischer Hochschulbund 103, 149 NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 95, 120, 201 NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 110 NSDAP-AO NSDAP-Auslandsund Aufbauorganisation 126, 138 OEFE Verband Griechischer Studentenvereine in der Bundes republik Deutschland und West-Berlin 161 OEK Verband Griechischer Gemeinden in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 161 O.I.S. Organisation Iranischer Studenten (O.I.S.). -- Sympathisanten der Organisation der Volksfedayin des Iran (Mehrheit) 162 P Partizan 173 PAA Partei der Arbeit Albaniens 6-I, 74 PAV Pal\u00e4stinensischer Arbeiterverband in der Bundes republik Deutschland und West-Berlin 159 PCE Kommunistische Partei Spaniens 161, 170 PCI Kommunistische Partei Italiens 161, 164, 170 PFLP Volksfront f\u00fcr die Befreiung Pal\u00e4stinas 159 PKK Arbeiterpartei Kurdistans 169, 175 PLO Pal\u00e4stinensische Befreiungsorganisation 157, 158 PPP Pakistanische Volkspartei 169 PSV Pal\u00e4stinensischer Studentenverband in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin e.V. 159 218","RAF Rote Armee Fraktion 131 136 RBK Regensburger B\u00fcrgerkomitee 69 RHD Rote Hilfe Deutschlands 76 RJVD Revolution\u00e4rer Jugendverband Deutschlands 66, 152 RSJ Revolution\u00e4r-Sozialistische Jugendorganisation 77 RSF Rote Sch\u00fcler-Front 67, 152 RZ Revolution\u00e4re Zellen 82, 132 SA Sturmabteilung 110 SB Sozialistisches B\u00fcro Offenbach 80 SDAJ Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend 43, 86; 152, 172 SED Sozialistische Einheitspartei Deutschlands 18, 40 SEW Sozialistische Einheitspartei Westberlins 26 SHB Sozialistischer Hochschulbund 47, 145, 148, 172 SJB Sozialistischer Jugendbund 77 SMM Sowjetische Milit\u00e4rmission 182 SOdZDL Selbstorganisation der Zivildienstleistenden 56 taz \"die Tageszeitung\" 81 TDF F\u00f6deration Demokratischer Arbeitervereine der T\u00fcrkei in Europa 172 THKP/C T\u00fcrkische Volksbefreiungspartei/-front 174 TIKKO T\u00fcrkische Arbeiterund Bauernbefreiungsarmee 173 TKP Kommunistische Partei der T\u00fcrkei 42, 172 TKP-L Leninisten der Kommunistischen Partei der T\u00fcrkei 172 TKP/ML T\u00fcrkische Kommunistische Partei/Marxisten-Leninisten 173 UFA Union der fortschrittlichen Araber 159 UHNj Bund der Vereinigten Kroaten in Deutschland e.V. 166 UISA Union Islamischer Studentenvereine in Europa 163 UIS Union Iranischer Studenten in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin 163 UWK Unabh\u00e4ngiger W\u00e4hlerkreis/Arbeitskreis f\u00fcr Wiedervereinigung und Volksgesundheit 115 UZ Unsere Zeit (Zentralorgan der DKP) 30 VAL Vereinigte Arbeiterliste 64 VDJ Vereinigung Demokratischer Juristen 60 VDS Vereinigte Deutsche Studentenschaften 86, 145, 148 VK Verband der Kriegsdienstverweigerer 54 VMF Vereinigte M\u00fcnchner Friedensinitiativen 87 VOGA Volksbewegung f\u00fcr Generalamnestie 107 VOLKSFRONT Volksfront gegen Reaktion, Faschismus und Krieg 76 VrV Vereinigung f\u00fcr revolution\u00e4re Volksbildung 73 VSBD/PdA Volkssozialistische Bewegung Deutschland/Partei der Arbeit 114, 115, 133 VVN-BdA Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes -- Bund der Antifaschisten 53, 56, 84 ff WBDJ Weltbund der Demokratischen Jugend 18, 43 48 WFR Weltfriedensrat 18,42,51,53, 56, 58 85 WJ Wiking-Jugend 118 WSG Wehrsportgruppe Hoffmann 110 , 114, 133 219",""],"title":"Verfassungsschutzbericht 1983","year":1983}
